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Aspekte der Hygienisierung.pdf - Ingenieure ohne Grenzen

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Komfortable Toiletten

Komfortable Toiletten Auch im Bereich der komfortablen Toiletten, die hauptsächlich in Europa (z.B. Schweden) und Nordamerika (z.B. Kanada) verwendet werden, gibt es sowohl das Prinzip der Trenn- als auch der Komposttoiletten. Abbildung 14: Verschiedene Modelle von Urinseperationstoiletten - UDDTs[10] Die komfortable Urinseparationstoilette hat den Vorteil, dass sie kein bis nur wenig Wasser (max. 5-8 Liter, im Vergleich zu 25 bis 40 Litern bei herkömmlichen Toiletten mit Wasserspülung)[25], benötigt. Die Trennung der Fraktionen vereinfacht die anschließende Handhabung im Sinne der Aufbereitung und somit auch die Verwendung als Dünger. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die Trennung die Geruchsbelästigung reduziert werden kann. Nachteilig ist, dass das Konzept erst recht neu ist und noch nicht wirklich bekannt. Somit fehlt es an Erfahrungsberichten und die soziokulturelle Akzeptanz ist noch eher gering. Die Trennung der Fraktionen erfolgt meist mechanisch, d.h. durch eine physische Trennung schon in der Kloschüssel. Wie in Abbildung 14 dargestellt unterscheiden sich die verfügbaren Modelle dabei in der Komplexität der Trenneinrichtung und somit auch in den Herstellungskosten (hier: von links nach rechts aufsteigend). Eine äußerlich ähnlich Variante stellen die komfortable Komposttoiletten dar. Dabei werden jedoch Fäzes und Urin nicht getrennt, sondern gemeinsam in einem Behälter aufgefangen und anschließend kompostiert. Die Kompostierung erfolgt meist in einem Teil der Toilette, was durch die daraus resultierende relativ umfangreiche Baugröße einen Nach- teil dieser Bauweise mit sich bringt. Es gibt allerdings auch Varianten, die einen Abtransport per Fallrohre realisieren und die Kompostierung in einem größeren Sammelbehälter bspw. im Keller erfolgt. Vorteil der Komposttoiletten ist, dass sie kein Wasser erfordern, bzw. dies sogar erforderlich für eine erfolgreiche Kompostierung ist, damit das Substrat nicht zu feucht wird und schimmelt. Meist werden bei der Benutzung von Komposttoiletten zur Reduktion der Feuchte zusätzlich Sägespäne nach jedem Toilettengang hinzugefügt. Weitere entwickelte Konzepte, wie z.B. die Vakuumtoilette, zeichnen sich ebenfalls durch einen geringen Wasserbedarf aus. Allerdings ist die technische Realisierung eher im High-Tech-Bereich anzusiedeln und der Betrieb erfordert ver- gleichsweise viel Energie. Somit ist dieses Modell nur für Sonderanwendung, wie z.B. auf Schiffen oder in Flugzeugen, geeignet. 20

Abbildung 15: Verschiedene Modelle der Komposttoilette[10] 3.2.2 Urindüngung und sozio-kulturelle Akzeptanz Kommen UDDTs zum Einsatz, werden die Fäkalien in der Toiletten vorkompostiert, getrocknet und anschließend zur Aufbereitung weiter kompostiert. Der Urin kann nach einer für die notwendige Aufbereitung entsprechenden Lagerungszeit direkt bzw. mit Wasser verdünnt als Dünger zum Einsatz kommen. Ein Problem der Urindüngung ist jedoch die gesellschaftliche Akzeptanz. Viele Menschen schrecken vor dem Gedanken zurück, direkt mit Urin gedüngte Pflanzen zu essen. Durch verstärkte Aufklärungsarbeit oder die Möglichkeit vorrangig Pflanzen, die als Viehfutter verwendet werden sollen, zu düngen, muss dies jedoch kein Hinderungsgrund bleiben. Ein interessanter Ansatz wird derzeit von Mammo Beriso an der TUHH untersucht. Dabei soll die Urin zur Düngung beim Anbau von Beinwell 10 eingesetzt werden. Durch ihr tiefes Wurzelwachstum kann diese Pflanze besonders effizient Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen. Anschließend werden die Blätter geerntet, die sich unter Abschluss von Luftsauerstoff während einer etwa 4-wöchigen Lagerung zersetzen. Als Produkt dieser Abbauphase entsteht eine dunkelbraune zähe Flüssigkeit, die sehr viele der durch den Urin zugeführten Nährstoffe enthält. Diese sog. ” Pflanzenjauche“ kann nun als Dünger eingesetzt werden. 3.3 Innovative Ansätze: Terra Preta Sanitation Grundsatz dieses neuen Konzeptes, das u.a. von Prof. Otterpohl et al. 11 und Dr. J. Recklin 12 und H. Pieplow 13 entwickelt wurde, ist: ” If there is a problem, look for other problems and solve them together“. Unter Terra Preta Sanitaion (TPS) wird folgendes Konzept verstanden: Integration von Sanitärlösung und Boden- verbesserung durch Rückführung der in den Exkrementen enthaltenen Nährstoffe und des Kohlenstoffs über den Weg der Kompostierung und nach den Prinzipien der Terra Preta, d.h. mit Beimischung von Holzkohle. ” Research on practical application of the principles of modern TPS has shown that it is possible to convert in a hygienic and sustainable way biowaste and faecal matter into highly fertile humus-like material. TPS makes use of lactofermentation and vermicomposting in a two-stage process. One of the main advantages is that the lacto- 10 comfrey (engl.) 11 Institut für Abwasserwirtschaft, TUHH 12 Pflanzenvielfalt e.V., Eberswalde 13 BMU 21

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