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2011 (pdf, 4 MB) - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

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Asbestbedingte

Asbestbedingte Erkrankungen an Bord Schiffsführer auf Feuerlöschbooten, dabei Wartung und Pflege des Bootes, Reparaturarbeiten. Befunde: Lungenfunktion: Keine obstruktive, keine restriktive Ventilationsstörung. Keine Diffusionsstörung. Normale Belastbarkeit. Röntgenthorax: Multilokoläre hyaline Pleuraverdickungen bds., z. T. tafelbergartig, vorwiegend paravertebral und diaphragmal gelegen. Kein Anhalt für interstitielle Lungenbeteiligung. Begutachtung: BK Nr. 4103, keine MdE. 2. Patient R. Q., m. * 1935 Vorgeschichte: Ohne Besonderheiten. Aktuelle klinische Anamnese und Befund: 2003/2004 rasch progrediente Dyspnoe, 2004 Diagnose eines Mesothelioms, im selben Jahr an den Folgen der Erkrankung verstorben. BG-Bescheid: Keine Berufskrankheit, da Asbestexposition nicht gesichert. Berufsanamnese: Von 1937 bis 1979 mit kurzen Unterbrechungen zur See gefahren, Einsatz an Deck auf Fischereifahrzeugen in der Nordsee und im Nordatlantik. Ermittlungen: Nachforschungen ergaben, dass auch an Bord von Fischereifahrzeugen Asbestbelastungen vorhanden waren, zum einen in den Maschinenräumen, an hitzeführenden Leitungen sowie in den Bremsbelägen der back- und steuerbordseitig angebrachten Winden, über die die langen Fischernetze eingeholt wurden. Zum Teil verfügten Fischereifahrzeuge auch über Heckwinden mit asbesthaltigen Bremsbelegen. Beim schnellen Einholen der Netze, zum Beispiel bei aufkommendem Sturm, wurden die Bremsbeläge während des Abbremsvorgangs stark erhitzt, was zum Teil mit Qualmentwicklung verbunden war. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass die in den Maschinenräumen infolge ständiger Vibrationen frei werdenden asbesthaltigen Feinstäube sich durch offene Türen in den nicht sehr großen Fischereifahrzeugen verteilten, weiterhin hielt sich auch das Deckspersonal zeitweilig im Maschinenraum auf. So wurde nasse Bekleidung häufig im Maschinenraum bzw. auf den warmen Leitungen zum Trocknen aufgehängt. Epikrise: Das Pleuramesotheliom wurde vom Sozialgericht als Berufskrankheit nach Nr. 4105 der Berufskrankheitenliste anerkannt. Die Entscheidung des Landessozialgerichts (Berufungsverfahren) steht noch aus. 3. Patient R.E., m. *1940 Vorgeschichte: Ohne Besonderheiten. Seit 1978 Nichtraucher, vorher 10 Packyears. Aktuelle klinische Anamnese: Meldung des Verdachts auf die BK Nr. 4103 in 2009 aufgrund des Röntgenthoraxbefundes. Konsultation des Lungenfacharztes wegen eines persistierenden trockenen Hustens. Berufsanamnese: Gelernter Schmied; Von 1958 bis 1960 Schweißerarbeiten und Bordmontage auf einer Schiffswerft. Von 1960 bis 1966 ist er mit kurzen Unterbrechungen zur See gefahren, hier Einsatz im Maschinenraum als Maschinist (Wartungsarbeiten, gelegentlich Reparatur der Maschinen). Er fuhr auf verschiedenen Schiffstypen, u.a. Tankern und Kühlschiffen. Alle Schiffstypen enthielten zur Isolierung von Maschinen, Rohren und Elektroinstallationen Asbestmatten und andere Asbestisolierungen. Diese mussten vom Patienten regelmäßig entfernt und wieder angebracht werden, um notwendige Reparaturen durchführen zu können. Auch lagen die Asbestisoliermaterialien frei in den Räumen. Atemschutz wurde nicht getragen, die Be- und Entlüftung in den Maschinenräumen war eingeschränkt. Um mehr bei der Familie sein zu können, wechselte er von 1966-1975 an Land und arbeitete als Schweißer im Rohrbau. 1975 wurde er zum Taucher ausgebildet und fuhr bis 2005 auf einem Tauchschiff. Aufgrund seiner Vorkenntnisse wurde er auch hier für Wartungsarbeiten an der Maschine eingesetzt, auch dort waren reichlich asbesthaltige Isolierungen verbaut. Diese wurden in den 1980er Jahren entfernt. Die Präventionsdienste der verschiedenen zuständigen Unfallversicherungsträger ermittelten in Addition eine Asbest-Exposition von 5,7 Faserjahren. Berücksichtigt wurden hier teils nur Bystander-Expositionen, die zu 10% (Faktor 0,1) in die Berechnungen einging, weiterhin entgegen der üblichen Berechnungsweise nur stundenweise Belastungen, keine schichtbezogenen. Eigene Berechnungen unter Berücksichtigung des BK-Reports „Faserjahre“ von 2007 (Tab. 7.21 und Tab. 7.23) ergaben eine Belastung von ca. 10 Faserjahren. Befunde und Begutachtung Die bildgebenden Verfahren zeigten beidseitige asbestbedingte Pleuraplaques in typischer Morphologie. Im Verlauf entwickelte sich außerdem eine vermehrte Lungengerüstzeichnung ab 2003. Klinisch fand sich bei normalen Lungenfunkti- 145

Asbestbedingte Erkrankungen an Bord onsparameteren in Ruhe und unter Belastung kein eindeutiger Nachweis einer Asbestose. Es wurde empfohlen, die Pleuraplaques als Berufskrankheit nach Nr. 4103 der Berufskrankheitenliste anzuerkennen. Eine Minderung der Erwerbsfähigkeit in rentenberechtigendem Ausmaß war nicht anzunehmen. Zusätzlich fand sich eine ausgeprägte beidseitige Schwerhörigkeit. Wegen erheblicher Lärmbelastung im Maschinenraum (Lärmschutz wurde nicht getragen) und rezidivierender Barotraumen beider Mittelohren im Rahmen der Tauchertätigkeit wurde eine Verdachtsanzeige auf das Vorliegen einer BK Nr. 2301 (Lärmschwerhörigkeit) oder BK Nr. 2201 (Barotrauma) gestellt. Tabelle 1:Legaldefinitionen asbestbedingter Berufskrankheiten (Gribkoff, Christian et al.) (Anlagen 1 und 2 der Berufskrankheitenverordnung) BK Nr. 4103 Asbeststaublungenerkrankung oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura. BK Nr. 4104 Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs • in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) • in Verbindung mit durch asbestfaserstaubverursachter Erkrankung der Pleura oder • bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaubdosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren (25 x 10 6 [(Fasern/m³) x Jahre)]. BK Nr. 4105 Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Pericards. BK Nr. 4114 Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis, die einer Verursachungswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent nach der Anlage 2 der BKV entspricht. Tabelle 2: Asbest-Staubexposition auf Schiffen durch • natürliche Ablösung, begünstigt v. a. durch Schiffsbewegungen, Verrenkungen des Schiffsrumpfes während hoher Wellengänge, Erschütterungen, Vibrationen (Schiffe, die bis in die 1970er Jahre gebaut wurden, enthielten reichlich asbesthaltige, hitzebeständige und feuerfeste Verkleidungen, nicht nur im Maschinenraum; Wände waren mit Asbestzement beschichtet, an vielen Stellen befanden sich Asbestplatten). • Abrieb von Bremsbelägen an asbesthaltigen Winden • Reinigungsarbeiten, u. a. mit Hochdruckreinigern • Durchführung von Wartungsarbeiten und Reparaturen (auch kleineren, wie Ausbesserungen von Oberflächen, Bohrungen), z. B. an asbestisolierten Leitungen, Boilern, Heiz-, Wärme- und Elektrogeräten sowie von asbesthaltigen Dichtungen, Kabeln, Bremsbelägen, von Brandschutzdämmungen und Durchführung von Schweißarbeiten. The American mearchant marine and the asbestos environment (Polland 1979): • “Long after the vessel has been put to sea, flaking and due to ship motions and vibrations are suspected of releasing asbestos into the surrounding space. • In the course of a voyage it is not unusual for crewmen to repair pipes, pipe flanges, or valve leaks and this generally means a teardown situation. We must assume then that machinery and piping asbestos insulation … affect not only the shipyard worker, but the crew as well under a variety of conditions.” • (Arendt, Bauer et al. 2007) Referenzen Arendt, M., H. D. Bauer, et al. (2007). Faserjahre - Berufsgenossenschaftliche Hinweise zur Ermittlung der kummulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz (Faserjahre) und Bearbeitungshinweise zur 146

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