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Möbel, Pendulen, Bronzen, Spiegel, Tapisserien ... - Koller Auktionen

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Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen (Detail Kommode der Abbaye de Chaalis, © CRHME, Paris 2009) lichen Bronzebogen zu entspringen. Der untere Teil, leicht ausgehöhlt und hervorstehend, dient zur Anbringung eines grossen beweglichen und vergoldeten Bronzerings, der wie auch auf der gegenüberliegenden Seite des Möbels einen Griff bildet und dem Ganzen etwas Mobilität vermittelt und den oberen Teil erscheinen lässt wie eine Truhe auf Stand. Das Entfernen dieses Elements lässt dessen historische Echtheit erkennen, die das Bewegen des Ringes erlaubte und heute noch erlaubt. Die oben erwähnten Exemplare unterscheiden sich meistens voneinander durch die Auswahl und das Arrangement der Ziereinlagen und durch die manchmal ungewisse seitliche Platzierung einer Maske von verschiedenem Typus. Bemerkenswert ist hier die absolute Übereinstimmung des vom Meister entwickelten Entwurfs für die Messingzierleisten der beiden Schubladen mit jenem für die Kommode von Chaalis. Der Vergleich geht noch weiter: Die Motive an den Beinkartuschen stimmen mit dem analogen Ausschnitt, der die Satyrköpfe umgibt, überein. Ausser der hier angebotenen Kommode, finden sich diese Besonderheit allein an jener des Barons von Ketteler und am Sekretär von Windsor. Das genannte Datum (nach 1723) ergibt sich gleichermassen aus den stilistischen Elementen, der Ziselierung und der dendrochronologischen Untersuchung an vier Stellen, wovon zwei Entnahmen an der Vorderwand der Schubladen gemacht wurden, eine weitere an der Rückwand des Möbels und an einem der Beine, allesamt aus Eiche gefertigt, die sehr wahrscheinlich den Wäldern der Bourgogne entstammt. (1) J.N. Ronfort, André-Charles Boulle (1642-1732), Chronologie nouvelle de sa vie et de son oeuvre, Dossier de l’Art, Nr. 124, Dezember 2005, Abb. S. 23. (2) Gillian Wilson, Baroque and Régence, Catalogue of the J. Paul Getty Museum Collection, Los Angeles 2008, S. 137 und 139. (3) J.N. Ronfort, André-Charles Boulle: Commandes pour la duchesse de Bourgogne à Versailles et au château de la Ménagerie“, Dossier de l’Art, Nr. 124, Dezember 2005, Abb. S. 86. (4) Ronfort, Jean-Nérée, André-Charles Boulle (1642-1732), Commandes pour le Grand Dauphin à Versailles, und André Charles Boulle, Commandes pour la duchesse de Bourgogne à Versailles et au château de la Ménagerie, Dossier de l’Art, Nr. 124, November 2005; S. 38-65 und S. 66-89. André-Charles Boulle wurde am 10. November 1642 in Paris geboren, wo er am Samstag, 1. März 1732 verstarb. Seine lange, erfolgreiche berufliche Karriere macht aus ihm einen der wichtigsten Persönlichkeiten der Kunstgeschichte während der Regierungszeit von Louis XIV und der Régence-Epoche. Boulle übernahm das Atelier seines Vaters, das dieser 1653 in der Rue de Reims «Sur la Montagne Sainte Geneviève» gegründet hatte. Per Dekret der Königin Maria Theresia von Österreich, die auf Anweisung von König Louis XIV handelte, erhielt Boulle am 20. Mai 1672 ein sogenanntes «logement» unter der Galerie des Louvre, wo einst der Ebenist Jean Macé tätig gewesen war. Im Oktober 1679 wurde dieses Atelier stark vergrössert und mit Räumlichkeiten in der Nähe von Königin Annas Louvre-Flügel und gegenüber an der Place du Vieux Louvre erweitert. Dies hatte bedeutenden Einfluss auf die Produktionsweise, da nun in diesen Räumen so- | 58 wohl die Möbel und Marketerien gefertigt sowie die Modelle der Bronzen entworfen und ihr Guss und die Ziselierung vorgenommen wurden, was ausgehenden 17. Jahrhundert eine einzigartige Gegebenheit war. 1720 zerstörte ein Brand die Werkstatt im Vieux Louvre und mit ihr auch Boulles immense Sammlung von Entwurfszeichnungen und Drucken, was einen markanten Produktionsrückgang zur Folge hatte. Obwohl Boulle bereits in einem fortgeschrittenen Alter war, behielt er sowohl die Wohnung wie auch seine «boutique» unter der Grande Galerie du Louvre. André-Charles Boulle hatte Verbindungen zur «Direction Générale des Bâtiments du Roi», das eigentliche Ministerium der Schönen Künste, das ihn für seine wichtigsten und vielfältigen Auftragsarbeiten für den König und dessen Familie entlöhnte. Zudem gehörten zu Boulles Kundenkreis alle Mitglieder der Hochfinanz, die zu jener Zeit ihre Residenzen an der Place de Vendôme hatten. Wenig bekannt sind Boulles Produktion und Herstellung von Uhrgehäusen, die er bereits zu Beginn seiner Karriere und bis zu seinem Tod fertigte. Sein Einfluss diesbezüglich kann nicht hoch genug geschätzt werden - entwickelte er doch die innovative Formen- und Dekorationssprache für die bedeutendsten Pendulen des gesamten 18. Jahrhunderts. Boulles Schaffen als Ebenist sowie als Entwerfer und Hersteller von Bronzen wurde bereits von seinen Zeitgenossen für einmalig in den «arts décoratifs» angesehen. Als Entwerfer war Boulle zugleich «Architekt» und schliesslich Ebenist von höchster Güte, der - wie J.N. Ronfort zu Recht betont - als einziger «la notion de tri-dimensionalité» in sein Schaffen einbrachte. Der riesige Erfolg seiner qualitativ hochwertigen Möbel, Bronzen, Pendulen, Leuchter, Postamente und Einrichtungsgegenstände führte zu einer Fülle von Aufträgen für den französischen Hof, aber auch für die gesamte führende Adelsschicht von Frankreich, wie zum Beispiel für die Ducs d’Orléans und de Bourbon, für den Prince de Condé, die Duchesse du Barry, den Kardinal von Rohan, für ausländische Könige und Fürsten wie König Philippe V. von Spanien, den Bischof von Köln und Prinz Maximilian Emanuel von Bayern. Trotz des enormen Erfolges kämpfte Boulle ständig mit finanziellen Problemen und war auf die Hilfe des Königs angewiesen, wie beispielsweise im Jahr 1703: „Le Roi a bien voulu accorder cette fois encore à Boulle un arrest de surséance pour six mois à condition que ce sera la dernière grâce que sa Majesté luy fera là-dessus“. Es waren die finanziellen Schwierigkeiten, vor allem die ausstehenden Lohnauszahlungen an seine Arbeiter, und Steuerprobleme, die Boulle im Jahr 1715 zwangen, das Unternehmen an vier seiner Söhne zu überschreiben - allerdings ohne die Zügel aus der Hand zu geben. Bis ins hohe Alter blieb er in seiner Werkstatt tätig und war verantwortlich für die neue Formensprache der Régence. Trotz seiner Ausweitung hat die Werkstatt Boulle’s eine sehr starke familiäre Prägung behalten, eine Tatsache, die bis heute zu wenig bekannt war. Von Anfang an arbeitete Boulle mit seinem Vater bis zu dessen Tod im Jahr 1680 und mit seiner Schwester Constanze bis zu deren Tod im Jahr 1678 sowie mit seinem Schwiegersohn Philippe Poitou, der die Witwe des Ebenisten Somer heiratete und ebenfalls „ébéniste du Roi“ wurde. Er beschäftigte auch seinen leiblichen Cousin Pierre Boulle, der „ébéniste à la suite du Conseil“ wird, und später dessen Sohn, ein „ciseleur“. Sobald die eigenen Söhne das entsprechende Alter erreichten, wurden sie vom Vater in die Geschäfte einbezogen. Der Älteste, Jean Philippe (1678-1744) sowie der Jüngere, Charles Joseph (1688-1754) mussten bis zu ihrem Tod das Atelier de la Galerie du Louvre behalten unter dem Titel „ébénistes du Roi“, der erste vor allem als „graveur“ und „ciseleur“, der zweite als „ébéniste“ und „marqueteur“. Der zweite und der dritte Sohn, Pierre-Benoît (1680-1741) und André- Charles (II) (1685-1745) verliessen ihren Vater um 1725. Der erste der beiden liess sich im Faubourg Saint-Antoine nieder, der zweite, der zum Bildhauer ausgebildet wurde, erhielt im Jahr 1709 den zweiten Preis der Akademie von Rom. Er entwickelte seinen sehr eigenen Stil in seinem Atelier an der rue de Sèvres. Neben den Bestellungen an Girardon und Coustou, stammen viele der Bronzemodelle, die sein Vater vor 1725 verarbeitete, von ihm. Wir danken Herrn J.N. Ronfort, Paris, für die historisch neuen Erkenntnisse über die Zusammenarbeit von Boulle und seinen Söhnen. CHF 700 000.- / 1 200 000.- (€ 463 580.- / 794 700.-)

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