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Möbel, Pendulen, Bronzen, Spiegel, Tapisserien ... - Koller Auktionen

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Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen 1094 (Detail) 1094 PRUNK-PENDULE „AU DROMADAIRE“, Louis XV, das Gehäuse wohl von J.J. DE SAINT-GERMAIN (Jean-Joseph de Saint-Germain, Meister 1750), das ersetzte Zifferblatt und Werk sign. BALTAZAR MARTINOT A PARIS (Baltazar Martinot, Rouen 1636-1714 St. Germain-en-Laye), Paris um 1750. Bronze matt- und glanzvergoldet. Kauerndes Dromedar, auf dem Rücken das geflügelte runde Uhrwerk mit Orientalen tragend, auf flachem Sockel mit Käfern, Mäusen, Schnecken und Blumen. Emailzifferblatt mit arabischen Minuten- und römischen Stundenzahlen sowie 2 feinen gravierten Zeigern. Feines Spindelwerk mit 1/2-Stundenschlag auf Glocke. 36x22x54 cm. Provenienz: Schweizer Privatbesitz. Bedeutende Pendule von hoher Qualität und Eleganz, das wohl gelungenste der „modèles exotiques“. Man denke z.B. auch an die Pendulen „au rhinocéros“ oder „à l’éléphant“. 4 identische Modelle sind bekannt: Das erste, heute Bestand des Musée du Louvre (Inv. O.A. 6636), mit Zifferblatt von Brindeau, wurde während der Französischen Revolution im „Dépôt Egalité“ aufbewahrt. Das zweite, mit einem Werk von N. Balthazard, ist Bestand der Sammlungen der Comtesse de la Baulme- Pluvinel und wurde 1910 im Musée des Arts Décoratifs ausgestellt. Das dritte Modell, mit Zifferblatt sign. Le Neveu, wurde am 4.12.1950 (Katalognr. 109) in Paris verkauft. Ein viertes, das Zifferblatt und Werk sign. L. David L. Carré, wurde am 23.9.2003 (Katalognr. 1136) von Galerie Koller Zürich verkauft. J.J. de Saint-Germain wurde 1719 in Paris geboren. Sein Vater Joseph war Ebenist, auf die Herstellung von Uhrgehäusen spezialisiert und im Faubourg-Saint-Antoine tätig; Angehörige der Verwandtschaft mütter- | 68 licherseits arbeiteten in Giesser-Berufen. Jean-Joseph war beides, Giesser und Uhrenbauer. Erst 1750 erhielt er die Meisterwürde, nachdem er lange keiner Zunft angehört hatte. Die hohe Anzahl von Künstlerateliers im Faubourg-Saint-Antoine, die im Dienst aller Arten und Prozeduren der Luxusindustrie standen, macht J.J. de Saint- Germains Wahl seiner Wohnungen verständlich. 1745 wohnte er in der Rue de Charenton - wahrscheinlich in den Räumen, die er 1747 vom Eigentümer Pierre II Migeon mietete. Inventare, die 1779 nach dem Tod des Künstlers von der Witwe aufgenommen wurden, beschrieben das Innere seiner Wohnung als reicher, grossbürgerlich möblierter Haushalt; die Dokumente sagen auch etwas über seine Persönlichkeit aus. 1779 grenzte sein Kabinett an ein Laboratorium und enthielt Zeichnungen und Musikpartituren. Unter den Büchern seiner Bibliothek fanden sich die Schriften von Voltaire und Boileau, Geschichts- und Geographiewerke und solche über Mineralogie und Botanik. J.J. de Saint-Germain besass Sammlungen einheimischer und exotischer Pflanzensamen in mehr als dreitausend Glasgefässen, in der Orangerie und im Treibhaus befanden sich unzählige Topfpflanzen. Er sammelte auch Mineralien, Muscheln, Versteinerungen und präparierte Insekten. Die Bedeutung von de Saint-Germains Uhrgehäuse-Produktion erklärt die grosse Anzahl von Uhrmachern in seiner Kundschaft - von mehr als 70, aus Paris und aus der Provinz, hat man die Namen ausfindig machen können; darunter sind die wichtigsten Uhrmacher des 18. Jahrhunderts. Zu J.J. de Saint-Germains Kunden gehörten die Duchesse d’Orléans, der Duc de Praislin, Marquis de Pange und Marquis d’Eaubonne, Monseigneurs de Billy und de Boulogne und Amelot de Gagny - ein reicher Financier, dessen Sammlungen zu den berühmtesten des 18. Jahrhunderts gehören. Der französische Königshof kaufte diverse Pendulen, von denen drei dank der Inventare des „Garde-Meuble“ und des „Mobilier des Princes“ mit Sicherheit zu identifizieren sind. Die erste ist eine „pendule de cheminée en bronze doré d’or moulu, sur une terrasse représentant l’enlèvement d’Europe, le taureau coleur de bronze antique, une nymphe et un amour“. Die zweite ist eine „pendule à carillon représentant Rinocéros portant la pendule et posé sur un coffre d’ébénisterie plaqué garni de bronze doré d’or moulu“-wahrscheinlich handelt es sich hierbei um jene Pendule, die der Duchesse d’Orléans gehörte und von ihrem Sohn mit dem Schloss Saint-Cloud 1785 dem König verkauft wurde. Die dritte Pendule war persönlicher Besitz der Königin Marie-Antoinette und ist durch das von Robin im Jahr II angelegten Inventar bekannt. Es handelt sich um eine „pendule portée par un Rinocéros, posé sur terrasse doré en ormoulu, l’animal noir de fumé portant sur son dos un tambour dans lequel est le mouvement à sonnerie du nom de J.B. Baillon“. B. Martinot war ein bedeutender Uhrmacher, „Gouverneur du Gros Horloge“ von Rouen und ab 1660 „Valet de Chambre Ordinaire de la Reine“. Seine Signatur weist ausschliesslich auf die eigene Produktion hin; seine Vorfahren waren nicht in Paris tätig. Er führte ein florierendes Atelier und fertigte eine Vielzahl von Pendulen. Zu seinem Bruder Gilles und verschiedenen „confrères“ pflegte er sehr lukrative Kontakte; 1700 war sein „stock“ der bedeutendste von ganz Paris. Martinot verwendete die Gehäuse von A.C. Boulle und J.M. Ziegler. Zu seinen Kunden gehörten König Louis XIV, die Ducs d’Aumont, die Comtesse de Polignac, der Kardinal von Gesvres, der Président du Harlay und der König von Siam. Lit.: J.D. Augarde, Les ouvriers du temps, Genf 1996; S. 368 (biogr. Angaben). H.L. Tardy, Dictionnaire des horlogers français, Paris; S. 422 (biogr. Angaben zu Martinot) und S. 56 (Abb. einer analogen Pendule „au dromadaire“). H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen, München 1986; II, S. 521-535 (biogr. Angaben zu J.J. de Saint-Germain). E. Niehüser, Die französische Bronzeuhr, München 1997; S. 197 (Abb. 8, eine modellogleiche Pendule). P. Kjellberg, Encyclopédie de la pendule française du Moyen Age au XXe siècle, Paris 1997; S. 130. E. Dumonthier, Les bronzes du Musée National, pendules et cartels, Paris 1819; Tafel 11 (Abb. einer identischen Pendule aus dem „Ministère de la Guerre“). H. Ottomeyer / P. Pröschel, Vergoldete Bronzen - Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986; II, S. 521-535 (biogr. Angaben). CHF 90 000.- / 140 000.- (€ 59 600.- / 92 720.-)

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