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Möbel, Pendulen, Bronzen, Spiegel, Tapisserien ... - Koller Auktionen

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Möbel & Antiquitäten | Möbel, Uhren, Tapisserien, Bronzen 1102 (Detail) 1102* GROSSE TAPISSERIE „TELEMAQUE VISITANT CALYPSO“, Louis XV, aus der Manufacture d’Aubusson, nach „Les aventures de Télémaque“ von F. DE SALIGNAC (François de Salignac de la Mothe- Ménelon, 1651-1715), Frankreich um 1760. Darstellung eines Banketts mit Calypso und Telemachos, Musikanten, Bediensteten mit Körben in einer Grotte am Meer, über ihnen Eros mit Pfeilbogen und Blumen streuender Zephyr. Ausserordentlich feine Blumen- und Blätterbordüre. H 320 cm, B 500 cm. Provenienz: - Galerie Gérard Orts, Paris. - Genfer Besitz. Hochbedeutende Tapisserie von bestechender Qualität in sehr gut erhaltenen Farben. François de Salignac war Erzbischof von Cambrai, Lehrer des kleinen Duc de Bourgogne, Enkel des französischen Königs Louis XIV, und Schriftsteller. Sein 1694-1696 geschaffenes Werk „Les aventures de Télémaque“ ist ein Abenteuer-, Reise- und Bildungsroman, den Salignac für seinen Zögling geschrieben hatte und 1699 publiziert wurde. In diesem auf der griechischen Mythologie basierenden, aber frei erfundenen Roman führt Salignac Telemachos, den Sohn des Helden Odysseus, und dessen Beschützerin Athene (Göttin der Weisheit und der Tugend) in der Gestalt des alten Lehrers Mentor auf der Suche nach dem verschollenen Odysseus durch verschiedene antike Staaten, in denen meist durch die Schuld falscher und korrupter Berater des Herrschers ähnliche Schwierigkeiten herrschen wie das in Krieg und Verarmung geratene Frankreich der ausgehenden 1690er Jahre. Salignac beschreibt, wie sich diese Probleme durch Mentors Weisheit, friedlichen Austausch mit den Nachbarn und Reformen lösen lassen. Aus diesem Grund wurde „Les aventures de Télémaque“ am französischen Königshof sofort als kaum verhohlene Kritik Salignacs am absolutistischen Regierungsstil von Louis XIV interpretiert, als Kritik an der Aussen- und Wirtschaftspolitik des Königs; in der Gestalt Mentors sah man eine Art Sprachrohr des Schriftstellers. Anfang 1699 verlor François de Salignac seinen Lehrerposten; als „Télémaque“ im April gleichen Jahres - zunächst anonym und ohne Zustimmung des Autors - veröffentlicht wurde, verbannte Louis XIV Salignac vom Hofe. Das Werk „Les aventures de Télémaque“ allerdings wurde in Frankreich zu einem vielgelesenen Jugendbuch und galt als wichtiger Meilenstein der beginnenden Aufklärung. | 76 Die in unserer Tapisserie dargestellte Szene zeigt Calypso und Telemachos bei einem kleinen Bankett, das die Nymphe zu Ehren des Jünglings arrangiert hat. Auf der Suche nach seinem Vater Odysseus ist Telemach von einem Unwetter überrascht worden und an Calypsos Insel Ogygia gestrandet. Um sich nicht in die Nymphe zu verlieben und gefangen gehalten zu werden wie Odysseus, verbirgt Telemach sein Gesicht in den Händen. Die Szene wird in keinem Gesang der „Odyssee“ von Homer beschrieben, sie ist eine hinzugefügte Dichtung Salignacs und seine eigene „Fortsetzung“ des vierten Gesangs, der von Telemachos’ Besuch bei Menelaos erzählt. Das Motiv war im 18. Jahrhundert allerdings ausserordentlich beliebt und wurde in Opern, Theaterstücken, Gemälden und Tapisserien umgesetzt. Die Brüsseler Unternehmer Urbain und Daniel Leynier schufen eine Suite Tapisserien nach den Entwürfen von Jan van Orley und Augustin Coppens (heute im Wiener Kunsthistorischen Museum); die Manufacture de Beauvais fertigte eine Folge nach den Vorlagen von René-Antoine Houasse und Charles Natoire. Auch die Manufacture d’Aubusson übernahm die Szene mit Calypso und Telemachos; unsere Tapisserie besitzt zudem eine Besonderheit: Der hier vorzufindende Bordüren-Typus war Mitte des 18. Jahrhunderts ausserordentlich „en vogue“, aber die Tapisserie ist das einzige bisher bekannte Exemplar, bei dem diese Art Bordüre mit der Szene aus Salignacs Roman kombiniert wurde. Eine ähnliche Folge, die etwas später entstand (ca. 1770-1780), zeigt die Szene in einem roten Draperie-Rahmen. Wir danken Herrn Prof. Pascal Bertrand, Bordeaux, für die weiterführenden Informationen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts richtete man in Felletin erste Ateliers „de tapisserie de la Marche“ ein, die bald darauf durch die „Manufacture d’Aubusson“ ersetzt wurden. Colbert (1619-1683), königlicher Berater am französischen Hof, verlieh dem Unternehmen den Titel „Manufacture Royale“, was zur Folge hatte, dass man die Tapisserien mit einer blauen Webkante versehen durfte, genau wie die Manufakturen von Beauvais und Gobelins. 1884 wurde in Aubusson die „Ecole Nationale d’Art Décoratif“ gegründet. CHF 60 000.- / 100 000.- (€ 39 740.- / 66 230.-)

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Auktion: Montag, 17. März 2008, 14.00 Uhr ... - Koller Auktionen
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