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„Sissi“- Trilogie - Das Romy Schneider Archiv

„Sissi“- Trilogie - Das Romy Schneider Archiv

In der Abbildung (Bild

In der Abbildung (Bild 78), welche eine Szene aus dem Film Sissi (1955) zum Inhalt hat, wird Sissi als Rückenfigur vor einem Fenster stehend abgebildet. Sie trägt einen dunkelblauen Morgenmantel, ihr Haar ist geöffnet und ihr Blick ist in die Ferne gerichtet. Mit den Händen hält sie den Vorhang fest, um ungestört aus dem Fenster zu sehen. Die Einstellung Teil ist in der Normalsicht wiedergegeben. Im Unterschied zu Caspar David Friedrich befindet sich die Figur im Film nicht im Zentrum, sondern im linken Bildfeld. Die rechte Bildfläche wird ganz von der barock anmutenden Architektur des Raumes eingenommen. Der Vordergrund ist leer und suggeriert eine enorme Tiefenwirkung, wodurch der Betrachter stark von der Figur distanziert wird. Im Gegensatz zu Friedrich bleibt der Zuseher ein Beobachter und schlüpft nicht in die Rolle von Sissi, da das Fenster den Ausblick nicht freigibt. Ernst Marischka lenkt die Konzentration auf die Fenster, um Spannung zu erzeugen. Während Sissi von einem Fenster zum nächsten geht, wird der Zuseher neugierig. Er will wissen, was Sissi sieht. Ernst Marischka verrät aber erst nach einiger Zeit, was Sissi am Fenster gesucht hat, indem er Erzherzogin Sophie ins Zimmer eintreten lässt, die die Situation aufklärt. Die Lichtsituation der dargestellten Einstellung ist mit jener von Adolph Menzel zu vergleichen, wie es das nachfolgende Bild 79 zeigt. Das Werk „Balkonzimmer“ wurde um 1845 von Adolph Menzel gemalt. Heute befindet sich das 58 x 47 cm große Ölgemälde in der Nationalgalerie in Berlin. 137 Das Zimmer wird durch das hereinströmende Licht erhellt. Dadurch, dass die Balkontüre geöffnet ist, wird das Licht zusätzlich reflektiert. Bild 79: Adolph Menzel, Balkonzimmer, 1845, Öl auf Pappe, 58x47 cm, Alte Nationalgalerie Berlin. 138 Ernst Marischka arbeitet mit denselben Lichteffekten, indem er das Licht im Raum ungleichmäßig verteilt. Rund um Elisabeth ist das Licht besonders stark, da sie direkt vor dem Fenster steht. Erst einige Scheinwerfer, die das Set ausleuchten, machen dem Zuseher glaubhaft, dass das Licht tatsächlich von draußen in den Raum fällt. In einer Einstellung von Sissi – Die junge Kaiserin (1956) und in Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin (1957) wird das Motiv „Frau vor dem Fenster“ (Bild 80 und 81) von Ernst Marischka wiederholt. 137 Information aus: http://www.alte-nationalgalerie.de, am 02.12.07. 138 Abbildung aus: http://www.alte-nationalgalerie.de, am 02.12.07. 53

Die Einstellung Halbnah (Bild 80) aus dem Film Sissi – Die junge Kaiserin (1956) zeigt Elisabeth, welche vor einem Fenster steht. Der Zuseher blickt frontal auf die Figur, die von der Seite aufgenommen wurde. Durch die Einstellung Halbnah wird lediglich die Bildebene betont. Durch das geschlossene Fenster fällt Licht in den Raum, wodurch Sissi von vorne beleuchtet wird. Die Protagonistin trägt ein rosafarbenes Kleid. Ihre Haltung ist sehr steif und bringt dadurch ihr inneres Befinden besonders gut zum Ausdruck, da sie in dieser Szene eine wichtige Entscheidung zu treffen hat. Sissi will Wien verlassen, da man ihr das Kind weggenommen hat. Durch das in die Ferne blicken wird besonders ihre Wehmut und der Wunsch nach Freiheit ausgedrückt. Sissi will ihr Kind selbst erziehen und sich dem strengen spanischen Hofzeremoniell nicht mehr länger unterwerfen. Sie will flüchten, um jeden Preis. Trotzdem fällt es ihr schwer loszulassen, ihr Kind zurückzulassen und blickt nachdenklich aus dem Fenster. Gekonnt setzt Ernst Marischka die Figur in die Mitte des Bildes, um der Zerrissenheit mehr Ausdruck zu verleihen. Die Figur bildet für den Zuseher eine Grenze zwischen Innen- und Außenwelt. Bild 80: Sissi: Szene aus Sissi II. Bild 81: Sissi: Szene aus Sissi III. Die Einstellung Halbnah (Bild 81) aus dem Film Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin (1957) zeigt einen ähnlichen Ausschnitt, indem Sissi vor einer Fensterkulisse in Gödöllö steht. Elisabeth trägt ein weißes Kleid und eine Perlenkette im Haar. Im Unterschied zur vorherigen Einstellung versperrt der Vorhang den Ausblick nicht. In ihrer Haltung ist Elisabeth auch nicht so statuarisch wie in Sissi – Die junge Kaiserin (1956), da sie sich im dritten Teil in Ungarn befindet und ein unbeschwertes Leben genießt. Sie wird nicht kontrolliert und muss keinen Verpflichtungen nachgehen. Der Zuschauer nimmt unmittelbar an Elisabeths Gefühlen teil. In dieser Szene steht Elisabeth vor einer geöffneten Balkontüre und ist gerade dabei Ungarn, und somit ihrer Freiheit, adieu zu sagen. Sie weiß, dass sie mit der Rückkehr nach Wien auch in ihr altes Leben zurückkehren muss. Der innere Konflikt, den Sissi austragen muss, kommt besonders gut durch das sehnsuchtsvolle vor dem Fenster stehen zur Geltung. Wiederum bildet sie die Grenze zwischen Innen und Außen. 54

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