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Stand 31.12.2004 - ecfs

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Banken-Symposium

Banken-Symposium Fusionen als Königsweg der Konsolidierung im deutschen Bankenmarkt? 20 Prof. Dr. Stephan Paul, geschäftsführender Vorstand des ikf (institut für kredit- und finanzwirtschaft) an der Ruhr-Universität Bochum, ging in seinem Vortrag der Frage nach, ob „Fusionen als Königsweg der Konsoli- dierung“ bezeichnet werden können und leitete auf Basis einer Analyse der Rahmenbedingungen in Deutschland und bisheriger Fusionen Empfehlungen für die strategische Positionierung einzelner Bank- sektoren ab. Nachdem das weltweite Transaktionsvolumen der Fusionen und Übernahmen in den Jahren bis 2000 einen stark ansteigenden Trend zu verzeichnen hatte und seither abnimmt, sind speziell im internationalen Bankwesen Übernahmeaktivitäten in nicht geringem Ausmaß zu beobachten. Die Entwicklung hier zu Lande dürfte getrieben werden durch einen sehr hohen Anpassungsdruck, der sich bei einer Betrachtung der Ertragslage der deutschen Banken er- gibt. Insbesondere im Vergleich zu anderen internationalen Finanzplätzen lässt sich ein deut- licher Renditeabstand nachweisen. Während bspw. im Zeitraum von 1999 bis 2003 die deut- schen Banken im Durchschnitt eine Eigenkapitalrendite nach Steuern in Höhe von nur 3,73 % erzielen konnten, erwirtschafteten die US-Banken im Schnitt 14,49 %. Als Treiber dieser Entwicklung lassen sich weniger die Kostenblöcke ausmachen, sondern vielmehr die Erträge. Bei mit den US-Banken vergleichbaren Aufwendungen z. B. für die Risiko- vorsorge, liegen deutsche Kreditinstitute auf breiter Front bei den operativen Erträgen deutlich zurück. Der Druck auf die Banken erhöht sich dabei durch Prozesse, die von verschiedenen Seiten angestoßen werden, bspw. durch neue Regulierungsvorschriften und erhöhtem (internationalen) Wettbewerbsdruck. In der Fol- ge sehen sich die hiesigen Institute zu Umstrukturierungen ge- zwungen, die nicht nur den Zielen der Investoren, sondern auch den Bedürfnissen der Kunden und den Anforderungen der Auf- sicht genügen müssen. Fusionen als Wege der Umstrukturierung können auf verschiedene Motive zurückgeführt werden. Neben verbesserten Wachstumsmöglichkeiten kann etwa auch der Markenaufbau ein Motiv sein. Kernziel ist aber zumeist die Erzielung von Synergien, die sich bei verbesser- ten Skalengrößen (Economies of Scale) einerseits und wachsenden Verbundwirkungen (Economies of Scope) andererseits einstellen sollten. Des Weiteren werden Risikoausgleichs- effekte vermutet sowie eine Verbreiterung des Wissens und der Fähigkeiten auf Mitarbeiter- seite. Dem gegenüber stehen nicht unerhebliche Risiken, die als „Diseconomies“ bezeichnet werden und z. B. Folge erhöhter Komplexität sind. Darüber hinaus sind die Kosten aus den Integrationsbemühungen verschiedener Unternehmenskulturen ins Kalkül einer Fusion zu ziehen, sowie das Risiko, insbesondere bei Fusionen größeren Ausmaßes die Nähe zu den bisherigen Zielmärkten zu verlieren. Prof. Dr. Stephan Paul

Banken-Symposium Empirische Untersuchungen ergänzten die grundlegenden Überlegungen des Referenten zur Vorteilhaftigkeit einer Fusion von Kreditinstituten. Dabei nahm er zunächst eine Makro- perspektive ein, die den EU-Bankenmarkt im internationalen Vergleich analysierte und die- sen anschließend isoliert beleuchtete. In einem weiteren Schritt wurden aus einer Mikroperspektive heraus bereits durchgeführte Fusionen auf ihren Erfolg hin untersucht. Die Makroperspektive auf Basis einer Betrachtung des EU- und des amerikanischen Banken- marktes weist aus, dass in den USA der Konzentrationsgrad höher, aber der Zusammenhang zwischen Konzentration und Ertragslage nur schwach ausgeprägt ist. Ein ähnliches Ergebnis liefert die Betrachtung der Institutsdichte, die in beiden Märkten nahezu gleich ist - allerdings ist die Bankstellendichte in den USA nur etwa halb so hoch wie in der EU. Der Renditevor- sprung der amerikanischen Institute lässt sich daher wohl eher mit höheren gesamtwirt- schaftlichen Wachstumsraten und einem höheren Ausmaß an Risikotransfers erklären. Inner- halb der EU gilt, dass die Rentabilität der Bankensysteme durch niedrigere Bankendichten und höhere Konzentrationsgrade positiv beeinflusst wird. Dennoch ist die strategische Aus- richtung der zentrale Werttreiber, wobei innerhalb der EU ganz unterschiedliche Positionie- rungen beobachtbar sind. Grundlage der Mikroperspektive sind Effizienz-, Performance- und Ereignisstudien mit unter- schiedlicher Konstruktion und unterschiedlichen Zielgrößen. Generell ist zu konstatieren, dass aufgrund der geringen Zahl an Fusionen auf dem deutschen Bankenmarkt nur Studien über ausländische Bankenmärkte herangezogen werden können, deren Ergebnisse nicht unkri- tisch auf den hiesigen Markt übertragbar sind. Die Effizienzstudien knüpfen an Größen des internen Rechnungswesens an und untersuchen in erster Linie die Skaleneffekte, die durch eine Fusion zustande gekommen sind. Im Durchschnitt stellen die Studien fest, dass allenfalls bei kleineren und mittleren Kreditinstituten Economies of Scales erzielt werden konnten. Die Perfomancestudien untersuchen Größen des externen Rechnungswesens, insbesondere die Cost-Income-Ratio und die Eigenkapitalrentabilität. Im Ergebnis verläuft nur ein Drittel aller Fusionen erfolgreich, wobei ein Vergleich mit den Stand-Alone-Banken und damit eine echte Vorteilhaftigkeitsanalyse nicht möglich ist. Im Fokus der Ereignisstudien stehen die Verände- rungen der Marktwerte börsennotierter Banken, wobei die Studien eine Differenzierung nach den Aktionären des Käufers und des Zielunternehmens erlauben. In Bezug auf die Frage, ob Fusionen als Königsweg der Konsolidierung bezeichnet werden können, erklärte Herr Prof. Paul, dass Fusionen kein Selbstzweck sein dürfen und warnte vor den Problemen, die mit einer Fusion verbunden sein können. Für die deutschen Kreditinstitu- te entscheidend sei vielmehr das Herausbilden klarer Strategien und deren konsistente Um- setzung. Ob eine Fusion als strategische Option sinnvoll ist, kann - wenn überhaupt - nur differenziert für die einzelnen kreditwirtschaftlichen Sektoren in Deutschland beantwortet werden. Kooperationen und strategische Allianzen könnten daher am ehesten bei den Groß- banken und den privaten Banken bezogen auf das Retail-Banking sinnvoll sein, nicht aber für komplexe und beratungsintensive Leistungen. Für die Volksbanken und Sparkassen gilt es, ihre Kernkompetenz, den umfassenden und persönlichen Service vor Ort, zu erhalten und auszubauen. Skaleneffekte können im back-office durch den Einsatz entsprechender Fabrik- lösungen realisiert werden. Fusionen sind kein Zwang, allerdings müssen in Einzelfällen die potenziellen Fusionspartner auch über sektorenübergreifende Transaktionen nachdenken. 21

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