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DAVIS – Die erste

DAVIS – Die erste illustrierte Ausgabe der „Stromtid“ nämlich über den Richterschen Bildern, bei allem Reichtum, doch eine gewisse Gleichmäßigkeit der Manier liegt, so scheint hier jedes Bild aus der Stimmung des einzelnen Märchens heraus gezeichnet.“ 5 Wie genau sich Storm die Bilder angesehen hat, geht aus seinem Kommentar über „die Mimik der Füße und Beinchen“ der Kinder an Pietschs Zeichnungen hervor. So viel zu einer Anerkennung von Pietschs künstlerischem Können. Nun zu seiner Kenntnis des Reuterschen Wirkens. Das erste Werk Fritz Reuters, mit dem Ludwig Pietsch bekannt geworden war, ist „Hanne Nüte“ gewesen, und zwar geschah das auch durch Theodor Storm, der alles von Reuter Veröffentlichte von Anfang an so sehr schätzte, daß er in seinen Briefen von „meinem Reuter“ spricht. 6 Obwohl Pietsch schon dieses Werk sehr geliebt hatte, ging seine Reaktion zu „Ut mine Stromtid“ weit über den Eindruck hinaus, den das erstere bei ihm hinterlassen hatte. Zusammen mit seiner jungen Frau hatte er den Roman gelesen und er beschreibt das Erlebnis folgendermaßen: „Wir schwelgten, wir lebten ganz in Fritz Reuter. Alle diese Gestalten waren wie wirkliche, uns ans Herz gewachsene Menschen, deren Dasein wir teilten, deren Schmerzen und Freuden wir wie unsere eigenen empfanden.“ 7 Er fährt fort: „[das alles war] so lebendig, daß ich dem Triebe nicht widerstehen konnte, zunächst nur zu meinem eigenen Vergnügen ... einzelne Szenen des Buches zu zeichnen.“ 8 Obwohl er also keinerlei Auftrag zu der Aufgabe hat, benutzt er seine so kostbare Zeit, ohne einen finanziellen Vorteil daraus erhoffen zu können, um sich die Reuterschen Figuren, „die ihm ans Herz gewachsenen Menschen“, auf dem Papier vorzustellen. Diese Bleistiftzeichnungen zeigte Ludwig Pietsch bei Gelegenheit Julian Schmidt, und der fand sie „ganz im Sinne Reuters konzipiert, sich mit dessen Schilderungen und Charakterbildern genau [deckend].“ 9 Schmidt ist so begeistert, daß er Reuter die Zeichnungen sofort zuschicken will, mit dem Vorschlag, eine illustrierte Ausgabe der „Stromtid“ in Angriff zu nehmen. 16

Die erste illustrierte Ausgabe der „Stromtid“ – DAVIS Auch Fritz Reuter ist beim Erhalt der Zeichnungen hellauf begeistert. Er schreibt sofort an Pietsch, und in diesem Brief finden wir die bemerkenswerten Sätze: „Wie ist es aber nur einmal möglich, daß ein Mensch den andern Menschen verstehen kann? Daß ein Mensch dem andern Menschen einen Menschen wie der Mensch Bräsig ist, so mit Haut und Haar aus der Seele heraus lesen kann, wie Sie es gethan haben?“ 10 Mit anderen Worten: So wie Pietsch ihn gezeichnet hat, genau so hat Reuter sich seinen Bräsig vorgestellt! Ich finde diese damit ausgedrückte Übereinstimmung höchst bemerkenswert. Es gibt ja, wie gesagt, auch spätere Zeichnungen von Reuters gelungenster Gestalt, die allerdings ganz anders aussehen als die von Pietsch gezeichnete. Meines Erachtens ziehen die späteren Versuche fast alle den „Entspekter“ zu sehr ins Lächerliche. Wenn wir den Pietsch-Bräsig genau ansehen, dann wissen wir, daß er für Reuter selbst durchaus keine lächerliche Figur war. Er hat ein rundes, gutmütiges Bauerngesicht, er ist derb und solide gekleidet und es ist offensichtlich, daß er auf seinen, wenn auch „falsch eingeschraubten“, Beinen fest im Leben steht. Fritz Reuter ist so begeistert, daß er die Idee einer illustrierten Ausgabe aufnimmt und sie auch sofort in Angriff nehmen will. Die Zeichnungen von Pietsch bezogen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf Band 3, denn der war noch nicht erschienen. Am 17. Juni 1864 las Reuter dann Pietsch und seiner Frau bei deren erstem Besuch in Eisenach „vortreffliche Sachen“ daraus vor. 11 Und so schreibt Pietsch an Storm am 12.8.1864: „Er will seinen Esel von Verleger zwingen, die illustrierte Ausgabe zu machen, anders ihm die nächste überhaupt nicht zu verkaufen.“ 12 Nach seinem zweiten Besuch in Eisenach weiß Pietsch seinem Freund Storm folgendes zu berichten: „Nun soll ich gleich in Berlin zu diesen drei Bänden und zur „Franzosentid“ zu jedem Buch 20 Zeichnungen auf Holz machen, diese vom besten Graveur schneiden lassen und alles zunächst auf seine [Reuters, L.M.D.] Kosten. Er zahlt mir das Geld ganz nach Belieben. Später bietet er die ganze Geschichte dem Verleger zum Kauf; weigert sich der, so nimmt er sich einen Buchhändler und gibt sie selbst heraus, und welcher unter diesen streckte nicht alle Finger nach Reuter, dessen Absatz ja für deutsche Verhältnisse ins Unerhörte geht.“ 13 17

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