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Editorial - Quickborn. Vereinigung für niederdeutsche Sprache und ...

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Rezensionen nach Region

Rezensionen nach Region als Eogen, Augen, Öogen, Oagen, Ougen. Noch ein paar hübsche Beispiele, die auch im Hochdeutschen vorkommen: Ein Stein vom Herzen fallen: Wenn eck dä Prüfunge eschaffet hebbe, fällt meck oaber en Staan vun Harte. Bei Kopf und Kragen kriegen (zur Rechenschaft ziehen): Wenn dou säa füdder moakest (wenn du so weiter machst), denn kreiget se deck noch beei Kopp un Kroagen. Und das Götz-Zitat heißt im Solling: Iu kannst meck emoal in Moase licken! Am Schluss finden sich im Buch noch einige Lesetexte, auch aus verschiedenen Regionen. Als kleine Sprachprobe ein Spruch zum Richtfest in Bredenbecker Platt (Deister): Eck stoah heei’er beoben an höchteste Stie’e. Weei alle, Mester un Gesellen, sind tefrie’e. Eck froage jück alle doa ünnen niu: Wat würen jeei eohne dä Timmerlui’e? Wilfried Baller: Plattdeutsche Redewendungen mit einem Anhang Niederdeutscher „Holtgeschichten“. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsische Heimatforschung, Band 17. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2005, 228 Seiten, ISBN 3-936617-36-8. Hans-Joachim Meyer Protokolle Protokolle einer einer Verbitterung Verbitterung Rainer Schepper war ursprünglich das Mitglied Nr. 1 der Augustin-Wibbelt- Gesellschaft. Nachdem er sich mit die- 54 ser überworfen hatte (oder sie sich mit ihm, das weiß ich nicht), rief er den „Literaturkreis Augustin Wibbelt“ ins Leben. Dieser wiederum gibt „Schriften zur Wibbelt-Forschung“ heraus, deren Band I und 2 uns nun zur Rezension vorliegen. Ich habe den Eindruck, der „Literaturkreis“ scheint mehr oder weniger aus seinem Kreismittelpunkt namens Rainer Schepper zu bestehen, denn fast alle Beiträge in den zwei Heften stammen von ihm. Aber deswegen muss ja die Lektüre nicht uninteressant sein. Scheppers Verletztheit ist in vielen der Aufsätze spürbar, obwohl er sich redlich bemüht, unvoreingenommen zu schreiben. Der Streit geht um die richtige Bewertung Wibbelts, um seinen Nachlass (das berühmte „Wibbelt- Schränkchen“) und darum, wer sich Wibbelts Freund nennen darf und wer nicht. Das alles schreit förmlich nach dem Waschen schmutziger Wäsche. Aber das hat Schepper zum Glück in seinen zwei Bänden größtenteils unterlassen. Schepper wirft (in Band 1) anderen vor, dass sie Wibbelt zu sehr als plattdeutschen Heimatdichter sehen. Von seinen 154 Buchtiteln seien weniger als dreißig plattdeutsch. Außerdem sei Wibbelt für einen Heimatdichter zu sehr Kosmopolit gewesen und habe sich überdies zu vielen politischen Fragen recht fortschrittlich geäußert. Falls der Vorwurf die Wibbelt-Gesellschaft treffen soll, dann ist sie nicht berechtigt. Scheppers „Literaturkreis“ befasst sich augenscheinlich mit dem „ganzen Wibbelt“. Die Wibbelt-Gesellschaft nennt als Vereinszweck ausdrücklich die „Förderung der niederdeutschen

Literatur un Sprache Westfalens“. Es liegt also an der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung der beiden Vereine, wenn sich die Wibbelt-Gesellschaft vorwiegend des plattdeutschen Wibbelts annimmt. Schepper weist anhand Wibbelts schriftlicher Zeugnisse mit Recht nach, dass Wibbelt in ökologischen Fragen seiner Zeit weit voraus war. Seine Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus, am „Amerikanismus“, wo allein der Mammon die Welt regiert, ist schon fast revolutionär. Aber die Zitate zeigen auch das Dilemma der katholischen Soziallehre. Gefordert wird eine gerechte Verteilung des Eigentums. Wer aber bestimmt, was gerecht ist? Ist die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich nicht eher eine Machtfrage? Dass sich immer mehr Kapital in immer weniger Händen konzentiert, entspringt ja nicht der Unternehmer- Raffgier, sondern ökonomischen Gesetzmäßigkeiten. Die katholische Soziallehre moralisiert wirtschaftliche Macht. Wibbelt sei, so Schepper, immer ein Gegner der Nazis gewesen, während andere aus der plattdeutschen Szene mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergelaufen seien. Er habe auch immer den Antisemitismus kritisiert, weil er unchristlich sei. Aber auch Wibbelt, der Mitglied der Zentrumspartei war, hatte wie andere bürgerliche Politiker die Illusion, dass man mit den Nazis schon irgendwie ins Reine kommen könnte. „Politik“, zitiert Schepper, „ist die Kunst des Möglichen, sagt ein kluges Wort, und so ist es nicht bloß zulässig sondern notwendig, dass man sich auch mit dem Gegner, mit dem Rezensionen man zusammenarbeiten muss, Verständigungen sucht, wenn sie sich finden lassen.“ Und die „Judenfrage“ ist auch für Wibbelt eine „wichtige und schwere Frage“, „die Presse ist fast ganz in Judenhänden“. Wibbelt unterstellt also den in Wirtschaft und Gesellschaft tätigen Juden, dass sie als einheitliches jüdisches Kollektiv handelten. Dabei hatten sich die Juden bei uns weitgehend assimiliert und empfanden sich als Deutsche. In mehreren Beiträgen geht es um die Freundschaft zwischen Wibbelt und Schepper. Namentlich dem Pater Josef Tembrink wirft Schepper vor, diese Freundschaft „diffamierend in Misskredit zu bringen“. Wibbelt hatte die Angewohnheit, die handelnden Personen in seinen Waldbruder-Märchen nach den Vornamen seiner Freunde zu nennen. In einer von Tembrink bearbeiteten Neuausgabe dieser Märchen sei, so Schepper, der Rainer bewusst unterschlagen worden. Dann sind Briefe Wibbelts an Schepper vom Januar 1944 bis zum September 1947 dokumentiert. Der 81-jährige oft kränkelnde Wibbelt hüpft in den Jungbrunnen einer Freundschaft mit dem 16-jährigen Flakhelfer. In fast jedem Brief werden Bildchen ausgetauscht, Wibbelt unterschreibt die Briefe mit dem Pseudonym „Enzian“ und möchte auch so angeredet werden, und der „leiwe Rainer“ darf auch unangemeldet jederzeit Wibbelt in seiner Behausung aufsuchen und zur Nacht bleiben, aber bitte erst dann kommen, wenn die Putzfrau gegangen ist. Aber es gab trotz allen konspirativen Gebarens nichts Heimliches in dieser Freundschaft. Scheppers Ver- 55

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