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Editorial - Quickborn. Vereinigung für niederdeutsche Sprache und ...

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Rezensionen sollte: als

Rezensionen sollte: als „Haussprache“ die Regionalsprache oder den Dialekt, die Landessprache und eine Weltsprache wie Englisch. Aus Deutschland war Reinhard Goltz vom Bundesrat für Niederdeutsch zu Gast. Sein Beitrag ist im Heft auf Plattdeutsch abgedruckt (alles andere ist in Niederländisch). Er befasste sich mit Sprachförderung und Politik. Die Förderung des Plattdeutschen funktioniere nur dann, wenn es klare Vorgaben von der Politik gebe, die auch finanziell abgesichert seien. Ein bekannter plattdeutscher Spruch müsse daher heute heißen: „Suup di duun un fräät di dick, maak op dat Muul bi Politik!“ Am Schluss werden die Referenten vorgestellt, eine geballte Ladung von „docenten“, „hoogleraren“ und „directeurs“. Wer mal einen Blick über den deutschen Tellerrand werfen möchte, sollte zu der Broschüre greifen. Streektaal en duurzaamheid. Lezingen van de internationale streektaalkonferencie in Noordwolde, 25 mei 2007. Redactie: Henk Bloemhoff en Piet Hemminga. Hrsg.: Stichting Stellingwarver Schrieversronte, Berkoop/Oldeberkoop 2007, 120 Seiten, ISBN 978- 9-064-66143-3. Hans-Joachim Meyer Platt Platt mit mit DDR-Vergangenheit DDR-Vergangenheit Gerhard Bormann, Jahrgang 1930, stammt aus dem nördlichen Harzvorland bei Wernigerode und schreibt das dort übliche ostfälische Platt. Aus seiner Feder liegt uns nun ein Buch mit 60 Lyrik und Prosa vor. Der örtliche Hintergrund ist seine DDR-Heimat, obwohl er schon lange im Westen gelebt hat. Als Junge hat er Nazizeit und Kriege durchgemacht. In der DDR war er Lehrer und arbeitete in der „Jungen Gemeinde“ mit. Er war wohl kein ausgesprochener Gegner der DDR, jedenfalls sagt die Biografie am Schluss des Buches darüber nichts. Irgendwann sollte er aber Berichte über seine Kollegen schreiben, die mehr als nur Beurteilungen waren. Diesem Druck wollte er sich nicht aussetzen und floh 1955 in den Westen. Als er von dort später seine Mutter in West-Berlin besuchen wollte, wurde er in der DDR aus dem Zug geholt, wegen „Republikflucht“ verurteilt und in ein Straflager gesteckt. Er wurde dann in den Westen entlassen, lebte in Niedersachsen und war bis zu seiner Pensionierung Direktor einer Sonderschule in Winsen/Luhe. Diese Biografie muss man kennen, um seine Geschichte und Gedichte zu verstehen. Gleich die Erzählung „Moritz“ zu Beginn aus der Schulzeit, wo noch der Rohrstock regiert, zeigt, worum es ihm geht: um den Einsatz für Behinderte, zu kurz Gekommene und Schwache aus christlicher Verantwortung. Eine Geschichte aus der Nazizeit schildert die öffentliche Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters, der sich mit einer deutschen Frau eingelassen hatte, was streng verboten war. Die Geschichte „Mit Musike“ thematisiert seine Haft in der DDR. Die Gefangenen wurden misshandelt und gedemütigt, obwohl sie eigentlich „umerzogen“ werden sollten. War die DDR tatsächlich so naiv, Strafgefangene mit

Arbeiterliedern bessern zu wollen? Oder so zynisch, vor ihnen „unsterbliche Opfer“ zu spielen? Die berühmte „sozialistische Gesetzlichkeit“ wurde massiv verletzt, und daran ist ja die DDR auch letztendlich gescheitert. Die meisten Geschichten und Gedichte spielen im Alltagsleben. Da ist Ede mit dem Feuermal im Gesicht, der allen unheimlich ist und bestimmt für einen Brand im Dorf verantwortlich ist. Ein Bauer namens Andreis ist so ungeschlacht, aber auch so typisch für eine Gegend, wo man sagt: „En Buer is en Beist, un twei Buern sind drei Beister.“ Ein Mann braucht einen Anzug aus einer Kleiderkammer. Es ist aber nur noch ein Frack da. Plötzlich wird er als Totengräber zu Begräbnissen eingeladen, wird von den Trauernden entweder als Totengräber oder entfernter Verwandter angesehen und kann sich endlich richtig satt essen. Wir erfahren, wie man Geldscheine als Weihnachtsgeschenk umweltfreundlich verpackt, und erleben die Qual beim Zusammenbau von Ikea-Möbeln. Wir lesen mehrere Loblieder auf alte und trotzdem jung gebliebene Frauen. Wäre für Bormann Kommunismus Teufelswerk gewesen, hätte er bestimmt keine Gedichte von Bertolt Brecht nachgedichtet. Die Legende von der Entstehung des Buches Taoteking in ostfälischem Platt, das ist schon ein Schmuckstück. Und dann eine Geschichte, wo vermutlich eigene Erfahrungen als Schriftsteller verarbeitet werden: Luise Viereck, genannt Veerkantenmudder, liest aus ihren Werken. Das zahlreiche Publikum ist damit überhaupt nicht einverstanden. Forken haben keine drei, sondern zwei Zinken. Hirsche gibt es hier gar nicht mehr, statt dessen sollten Rehe im Buch vorkommen. Geerntet wird mit der Sense und nicht mit der Sichel, und überhaupt stimmt alles hinten und vorne nicht. Da platzt der Dichterin der Kragen. Als kleine Sprachprobe: Veerkantenmudder leit öhren Stock mit de Hirschhornkrücke op en Disch neddersusen. Et word glieks stille un in de Stille grummele se: „Dichtung is reine Vorschwendung for jiech. Von mek ut, laat jiech dat ganze Jeld taurüjje jeben, un ersticket danah an juun Tatsachen.“ Ohne noch ein Woort tau seggen, vordrücke se sek dorch den Vorhang. Erfreuliche, nachdenkliche und teilweise skurrile Geschichten. Sehr empfehlenswert! Gerhard Bormann: De Botterblaume. Sinnliches und Besinnliches. Bearbeitet und herausgegeben von Rolf Ahlers. Verlag Uwe Krebs, Wendeburg 2007, 156 Seiten, ISBN 978-3-932030- 40-6. Hans-Joachim Meyer CD CD Landfroons Landfroons vertellt vertellt Rezensionen “Ik will di wat vertellen”, nennen die LEB Leer und die Ostfriesische Landschaft sehr schlicht ein Hörbuch, das im September 2007 erschien. Wenn Landfrauen ein Hörbuch machen, hat das natürlich eine Vorgeschichte. In diesem Fall fing alles an mit einem Kurs der LEB Leer, in dem Frauen lernen wollten, plattdeutsche Texte vorzutragen. Sie bekamen nun Lust, selbst 61

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