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2006 - Jurybericht SBB Stadtraum HB Zürich, 70 S - Europaallee

2006 - Jurybericht SBB Stadtraum HB Zürich, 70 S - Europaallee

11. Projekte zweite

11. Projekte zweite Stufe «Stadtskulptur» Empfehlung zur Überarbeitung Max Dudler Architekt, Zürich Trotz der grossen vorgegebenen Dichte hält sich das Projekt an bestimmte Regeln einer Stadtentwicklung, die unabdingbar sind und zu einer eigenständigen, im städtischen Kontext bestechenden Lösung führen. Die scheinbare Gelassenheit der Organisation eines neuen Stücks Stadt weist über die unmittelbaren Zwänge einer (zu) dichten Packung von Nutzung und Masse hinaus auf die Entwicklung einer räumlichen Matrix, deren Qualität in der entschiedenen Verteilung von gebautem und ungebautem Raum in einem ansprechenden Verhältnis zueinander liegt. Die Priorität der städtebaulichen Setzung gegenüber solitärer, individueller architektonischer Ausformungen ist der Aufgabe angemessen und soll für die Entwicklung der Stadt Zürich durchaus als ein Signal verstanden werden. Die stadträumliche Charakteristik des Projektes zeigt uns eine offene, jedoch nicht beliebige urbane Struktur, deren Fassung präzise Vorgaben für die Entwicklung dieses zentralen Gebietes vorgibt. Die strukturelle Eigenart liegt einerseits im «Vergraben» bestimmter «Funktionsmassen», wie der des Mallbereiches mit Supermarkt und Fach- Modellansicht aus Nord-Ost markt, in die bestehende, grossflächige Hallenstruktur des Erdgeschosses. Andererseits bilden die darauf aufgesetzten schlankeren Gebäude ein hohes Identifikationspotenzial, wie im Bereich des Stadtcampus und der Bürogebäude als städtisches Hochrelief. Schliesslich differenzieren sich auch diese Gebäude durch hofbildende Öffnungen und im städtischen Kontext sehr wirksame Rücksprünge, die zur Mitte hin höhengenerierend, zu den Rändern hin höhenvermindernd, also massstabsbildend wirken. Trotz der komplexen Agglomeration ist die raumbildende Zonierung sowohl in der horizontalen Fläche als auch in der vertikalen Differenzierung klar erkennbar und liefert die nötige Trennschärfe für die räumliche Identifikation der einzelnen Funktionsbereiche. Die moderate skulpturale Präsenz der einzelnen Baukörper erzeugt sowohl Abgrenzung und Differenz als auch Integrität und stadträumliche Bindung und ist somit der höheren Kategorie, der Stadt, verpflichtet. Dies gilt sowohl für das Baufeld a als auch für c, wobei der städtebauliche Zusammenhang beider Raumfiguren evident ist. Der Charme des Projektes liegt in der Synopsis aller Teilbe- Situation 21

22 reiche, wie Alte Sihlpost, Schul- und Einkaufszentrum und dem Baufeld c, ohne dass sich offensiv eine Designlinie zwischen den einzelnen Gebäuden durchzieht, es entsteht vielmehr ein differenzierter und anspruchsvoller städtischer Raum. Gemäss der komplexen Aufgabe gibt es neben dem generell erfreulichen städtebaulichen Ansatz in dem Projekt auch kritische und fragwürdige Ansätze hinsichtlich der Gebrauchstauglichkeit bestimmter Nutzungseinheiten. Dies betrifft vor allem die Organisation der Detailhandels- und Gastronomieflächen im Erdgeschoss die bezüglich Raumhöhen, Lage der Mall, Verbindungsstrasse zwischen Alter Sihlpost und Hallenstruktur, Zugangstreppe zur Pädagogischen Hochschule usw. nach Auffassung der Jury noch nicht zufriedenstellend gelöst ist. Ebenso verbesserungswürdig ist die Belichtung des an der Diagonale gelegenen Bürogebäudes im Bereich des dahinter liegenden zentralen Schulturmes. Abgesehen von der etwas zu hohen Dichte, die angemessen zurückgenommen werden müsste, trifft auch die Organisation des Baufeldes c auf der Ebene eines Master- Erdgeschoss planes durchaus die Zustimmung der Jury. Wobei die durchgängige architektonische Gestaltung der beiden Baufelder durch nur eine «Handschrift» nicht wünschenswert erscheint. Die städtebauliche Setzung mit dem zentralen Platz (könnte etwas grösser sein) und windmühlenflügelartigen Gassen erscheint als urbanes Grundmuster sehr robust. Mit einer vielfältigeren architektonischen Ausbildung könnte allerdings ein stärkeres, differenziertes Image geschaffen werden. Unbedingt erhalten und weiterentwickelt werden müssten die adressbildenden und charaktervollen Einzelgebäude mit den polyvalenten räumlich wechselseitigen Entsprechungen. Die Flächeneffizienz vor allem in den Schulgebäuden ist verbesserungswürdig. Das technische Konzept der Fassaden erscheint zu aufwändig und damit zu teuer. Die nur teilweise problematischen Ansätze des Projektes sind jedoch in einer weiteren Vertiefungsstufe zu optimieren. Die Stärke des Projektes liegt in seiner qualitativ hochwertigen städtebaulichen Aussage, die das Potenzial einer Verfeinerung auf allen Ebenen in sich trägt, ohne die zentrale urbane Botschaft zu verlieren.

Christian Faber, SBB Immobilien - Europaallee Zürich
Europaallee-Journal_3/2012, 9 S., 2.5 MB
2009 - Jurybericht SBB Baufeld G, 82 S., 7.1 - Europaallee
2008 - Jurybericht SBB Baufeld E, 60 S., 11.5 - Europaallee
2010 - Jurybericht SBB Baufeld H, 77 S., 13.7 - Europaallee