06.06.2023 Aufrufe

Aurum 999,9 MagBook – Summer 2023

The Coffee Table MagBook

The Coffee Table MagBook

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

SUMMER <strong>2023</strong>


Mehr Einzigartiges:


EDITORIAL<br />

„ Das Fernweh<br />

ist manchmal stärker<br />

als jeder noch<br />

so wichtige Termin“<br />

ARANCIA LA SPUGNATURA<br />

Liebe AURUM <strong>999</strong>,9-Community!<br />

Nie verreist man lieber als im Sommer,<br />

richtig? Ein Bouquet aus kosmopolitischen<br />

Eindrücken, interessanten Menschen, anregenden<br />

Gesprächen und faszinierenden Orten ist für mich pures<br />

Lebenselixier. Daraus ziehe ich Inspiration für neue Projekte sowie<br />

Kraft, um sie umzusetzen, Puzzlestück für Puzzlestück, bis sie meinen<br />

Vorstellungen entsprechen. Außerdem ist jeder meiner Trips von<br />

unzähligen Aha-Momenten geprägt, vieles, das man erzählt bekommen<br />

hat, relativiert sich und fügt sich komplett neu zusammen.<br />

So stellte schon einst der britische Schriftsteller und Philosoph<br />

Aldous Huxley fest: „Reisen bedeutet herauszufinden, dass alle<br />

unrecht haben mit dem, was sie über andere Länder denken.“ Aber in<br />

unserem schnelllebigen, hektischen Alltag muss man sich die Zeit für<br />

ein Time-out erst einmal freischaufeln. Redaktionssitzungen, Zoom-<br />

Meetings, Deadlines und vieles mehr schwirren in meinem Kopf<br />

herum und haben natürlich auch einen festen Platz in meinem<br />

Kalender. Trotzdem ist das Fernweh manchmal stärker als jeder noch<br />

so wichtige Termin, und das ist auch wichtig und richtig. Ich denke,<br />

Ihnen geht es ähnlich.<br />

Deshalb entführen wir Sie in unserem Reiseteil auf luxuriöse Anwesen,<br />

die Sie mit Freunden oder der Familie exklusiv und in trauter<br />

Privatsphäre genießen können. Für all jene, die nicht um den Erdball<br />

jetten möchten und trotzdem eine genussvolle Auszeit suchen, empfiehlt<br />

sich eine Fahrt in die wunderschöne Wachau, wo sich das<br />

Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ jedes Mal bewahrheitet. Nur unweit<br />

entfernt, im malerischen Ybbs an der Donau, lädt das Kleinod „Der<br />

gute Fang“ nicht nur zum Innehalten, sondern auch zu kulinarischen<br />

Köstlichkeiten ein. Hier zaubert Maître de Cuisine Jakob Neunteufel<br />

wahre Meisterwerke auf den Teller.<br />

Interessante und kreative Wege, die schlussendlich ans Ziel geführt<br />

haben, beschritten auch Persönlichkeiten, die wir in unserer aktuellen<br />

Ausgabe ins Rampenlicht stellen: Ole Lynggaard, Oberhaupt<br />

einer schmuckbegeisterten Großfamilie, Rennenthusiast und Aston-<br />

Martin-Visionär Lionel Martin sowie Coco Chanel, die Gründerin des<br />

ältesten Pariser Haute-Couture-Hauses. Folgen wir also den Fußspuren<br />

berühmter Personen, werfen wir einen Blick zurück und<br />

freuen Sie sich auf Ausblicke, wohin die Reise dieser Weltmarken, die<br />

bis heute das eigene Handwerk hochhalten, noch führen wird. Der<br />

Sommer ist aber auch die Saison, in der wir in unseren Breitengraden<br />

das Leben von drinnen nach draußen verlagern. Passend dazu zeigen<br />

wir wunderschöne Immobilien, die mit großzügigen Gärten, Terrassen<br />

oder gepflegten Parkanlagen dazu einladen, der Natur ein Stück<br />

näher zu kommen. Die Möbelbranche hat ohnehin schon vor Jahren<br />

diesen Megatrend für sich entdeckt und bietet für jeden Geschmack<br />

die optimalen Design-Highlights und dazugehörigen Accessoires.<br />

Das Angebot reicht von exklusiven Outdoor-Küchen über Wohnzimmer<br />

mit bequemen Loungebereichen im Freien oder Open-Air-<br />

Duschen bis hin zu Schlafzimmern unter dem Sternenhimmel.<br />

Auch der Kunstgenuss darf im Grünen nicht zu kurz kommen,<br />

und ein Name ist uns dabei immer wieder untergekommen. Der<br />

österreichische Ausnahmekünstler Karl Karner erschafft Skulpturen<br />

nicht nur für den Innenraum, sondern auch großformatige Arbeiten,<br />

die sich für eine Inszenierung im Park oder auf den persönlichen<br />

Freiflächen eignen. Ihm widmen wir auch unser aktuelles Cover,<br />

hierfür hat er uns das Werk „Affus“ zur Verfügung gestellt und für die<br />

Umschlaggestaltung die Kreation „Ukko“. Lieber Karl, danke für die<br />

befruchtende Zusammenarbeit.<br />

Nun wünsche ich Ihnen den Sommer Ihres Lebens <strong>–</strong> eine gute Zeit,<br />

inspirierende Erlebnisse und natürlich unvergessliche Reisen, die Sie<br />

hoffentlich gesund ans Ziel und wieder nach Hause bringen!<br />

Ihr Reinhard Neussner<br />

DISCOVER THE EXCLUSIVE LIMITED EDITION<br />

FROM AN ITALIAN ARTISANAL TRADITION<br />

Foto: Alexander Tuma<br />

FOLGEN SIE UNS AUF @aurum.magbook @<strong>Aurum</strong><strong>MagBook</strong><br />

SUMMER <strong>2023</strong> 5


INHALT<br />

SUMMER 2 0 2 3<br />

116<br />

14<br />

32<br />

120<br />

174<br />

206<br />

40<br />

FASHION & ACCESSOIRES<br />

14 PORTRAIT<br />

Allerhöchste Schneiderkunst: Chanel Haute Couture<br />

32 ACCESSOIRES<br />

Live & in Farbe<br />

38 LUXURY PIECE for Women<br />

40 PORTRAIT<br />

Schmuck zum Verlieben: Ole Lynggaard<br />

48 LUXURY PIECE for Men<br />

50 MIT SCHWUNG UMS ECK<br />

Die neue Heimat von Louis Vuitton<br />

56 EDITOR´S CHOICE<br />

ART & EVENTS<br />

58 NO MORE BORDERS<br />

Karl Karner<br />

82 BUILDING BRIDGES<br />

Rita Sabo<br />

88 THE EMBASSY OF GOOD TASTE<br />

Private Dinner Club für einen Monat<br />

HISTORY<br />

74 DIE GRIMALDIS<br />

Monacos Fürstenfamilie zwischen Glanz und Fluch<br />

ARCHITEKTUR<br />

94 RAUS AUS DEM KOKON<br />

Schluss mit Einigeln, die Outdoor-Saison ist eröffnet<br />

104 DIE TOP 9<br />

Residenzen mit Freiflächen in Stadt und Land<br />

116 HIGHLIGHT<br />

Spieglein, Spieglein<br />

LIVING<br />

128 SHOWROOM INTERNATIONAL<br />

Die Kunst klarer Ästhetik von Boffi in Paris<br />

132 DRAUSSEN LEBEN<br />

Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Schlafzimmer, Bad<br />

140 GARTEN-HOTSPOTS<br />

Outdoor-Spezialisten für Wohlfühloasen<br />

142 SHOWROOM NATIONAL<br />

Ladenstein gestaltet individuelle Freiräume<br />

144 PORTRAIT<br />

Auf ganzer Linie: 50 Jahre „Togo“<br />

150 MIT DEN ELEMENTEN IM EINKLANG<br />

Ein Wohnparadies auf Sylt<br />

BEAUTY<br />

156 EIN HAUCH VON REVIVAL<br />

Olfaktorische Meisterwerke aus Österreich<br />

160 TOP SECRET<br />

Parfumkreationen abseits der Massenware<br />

162 MEER-WERT<br />

Schönheit aus der Tiefe der Ozeane<br />

164 STEP BY STEP<br />

Energie-Booster für strapazierte Männerhaut<br />

MOBILITY<br />

174 WIE MARTIN ZUM ASTON KAM<br />

Kraft, Luxus und Lebensart <strong>–</strong> dafür steht Aston Martin<br />

COFFEE TABLE BOOK<br />

184 PERLENTAUCHER<br />

Seit über 300 Jahren wird mit Champagner angestoßen<br />

Fotos: Courtesy of Chanel, Ole Lynggaard Copenhagen, EON <strong>–</strong> Digital Archiv, NEOM, Novemberstudio, Messika, Daniel Zielske<br />

KULINARIK<br />

190 BEST OF<br />

Ein Garten als Muse<br />

192 ZU BESUCH BEI<br />

Der Bienenflüsterer<br />

195 MENU À LA CHEF<br />

„Der gute Fang“: Bellevue mit Donaublick<br />

KOLUMNEN<br />

72 TATJANA LACKNER<br />

Wie wirst du Keynote-Speaker?<br />

112 ELKE REITMAYER<br />

Muss es immer a bisserl mehr sein?<br />

IMPRESSUM<br />

TRAVEL<br />

200 BETTER TOGETHER<br />

Elisabeth Muth über Reise-Erinnerungen, die ewig währen<br />

202 VERGESSENE SCHÖNHEIT<br />

Ein atemberaubender Trip nach Benguerra<br />

206 FRIENDSHIP GOALS<br />

Die schönsten Villen für einen unvergesslichen Urlaub<br />

222 TRAVEL WITH THE STARS<br />

Einen Oscar für guten Geschmack<br />

224 NEW PLACES<br />

PHOTOGRAPHY<br />

64 PORTRAIT SUZANA HOLTGRAVE<br />

120 PORTRAIT DANIEL ZIELSKE<br />

166 PORTRAIT ALICE SPRINGS<br />

Medieninhaber: Reinhard Neussner Management und Beteiligungs GmbH, Kaasgrabengasse 86/4/40A, 1190 Wien, office@aurum-magbook.com<br />

Verlags- und Redaktionsadresse: Kaasgrabengasse 86/4/40A, 1190 Wien<br />

Herausgeber, Chefredakteur, Geschäftsführer: Reinhard Neussner. Redaktionsteam: Barbara Jahn, Bernhard Musil, Brigitte R. Winkler, Christoph Kulmer,<br />

Elisabeth Habitzl, Elisabeth Muth, Percival Pachta-Rayhofen, Reinhard Neussner, Rosemarie Pescheck. Redaktionsassistentin: Marily Elmezoglou.<br />

Chef vom Dienst: Christoph Kulmer. Head of Design: Florian Reichel. Art Direction: Anton-Georg Kiener. Grafik: Doris Wegener.<br />

Lektorat: Hildegard Atzinger, Julia Friehs. Autoren dieser Ausgabe: Alice Mandel, Elke Reitmayer, Roland Löwisch, Tatjana Lackner.<br />

Anzeigen: Angela Kindermann Projektagentur, Armin Zitter. Kontakt: office@aurum-magbook.com<br />

Herstellungsort: Wien. Druck: Holzhausen/Gerin Druck GmbH.<br />

Blattlinie: AURUM <strong>999</strong>,9 <strong>MagBook</strong> ist eine Verschmelzung der Genres Coffee Table Book & Magazin. Das Redaktionsteam berichtet 4-mal jährlich<br />

für seine exklusive Member-Community über Wissenswertes, Exklusives und Aufregendes. Die Luxus-Lifestyle-Themen reichen von Architektur,<br />

Design, Fotografie, Kunst, Mode, Genuss, Reisen und Mobilität bis hin zu Business und History.<br />

Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Alle angegebenen Preise sind Richtpreise,<br />

redaktionelle Sonderwerbeformen sind mit dem Wort Advertorial gekennzeichnet.<br />

Offenlegung: www.aurum-magbook.com/impressum<br />

6 SUMMER <strong>2023</strong><br />

7


LIVING THE BEST VIEW.<br />

Das rahmenlose Premium-Schiebefenster ermöglicht ein<br />

grenzenloses Raumerlebnis voller Licht, Luft und Atmosphäre.<br />

Schweizer Perfektion seit 1886 | swissfineline.com


FASHION | PORTRAIT<br />

Schlussauftritt aller<br />

Models am Ende der<br />

Haute-Couture-<br />

Modenschau Frühjahr/<br />

Sommer <strong>2023</strong>: Das<br />

kunstvolle Bestiarium<br />

basiert auf der Liebe<br />

Coco Chanels zur<br />

Tierwelt<br />

HAUTE<br />

Couture<br />

Fotos: David Fisher/Shutterstock<br />

Chanel Haute Couture <strong>–</strong> der Inbegriff von Luxus und Eleganz.<br />

Von Gabrielle „Coco“ Chanel gegründet, pflegt das berühmte Modehaus seit 1918<br />

die höchste aller Schneiderkunst. Die Hingabe zum Handwerk und das Streben<br />

nach absoluter Präzision werden immer mehr auch von der Jugend geschätzt<br />

Von Brigitte R. Winkler<br />

14 SUMMER <strong>2023</strong><br />

15


FASHION | PORTRAIT<br />

Die höchste aller<br />

Schneiderkunst,<br />

vorgeführt bei der<br />

Haute-Couture-Show<br />

von Chanel: Auch in der<br />

Kollektion für das<br />

Frühjahr und den<br />

Sommer <strong>2023</strong> gibt es<br />

viel strahlendes Weiß<br />

U<br />

Die Spannung vor einer<br />

Modenschau kann nicht<br />

größer sein. Schon Tage<br />

vor der Chanel-Show<br />

fragt man sich aufgeregt,<br />

was einem diesmal geboten<br />

wird. Das betrifft<br />

nicht nur die Mode, sondern vor allem auch<br />

die Art der Präsentation. Viele Saisonen hindurch<br />

wurde man da im Grand Palais in Paris<br />

immer wieder überrascht, ergriffen, fasziniert,<br />

begeistert, beeindruckt und glücklich<br />

gemacht. Mit so viel Kreativität, Fantasie,<br />

Schönheit, Poesie, Originalität, ja Genialität!<br />

Und wenn es um Haute Couture geht, kommt<br />

dazu auch noch die unglaubliche Handarbeit,<br />

die in all diesen Modellen steckt. Und in der<br />

Gestaltung der Szenerie, des Umfelds der<br />

Modenschau. Einen Laufsteg im herkömmlichen<br />

Sinn gibt es bei Chanel schon lange<br />

nicht mehr. Für die aktuelle Frühjahr/Sommer-Haute-Couture-Show<br />

<strong>2023</strong> hatte Chanel-Kreativdirektorin<br />

Virginie Viard dafür<br />

den französischen Multikünstler Xavier<br />

Veilhan engagiert. Er ist spezialisiert auf Fotografie,<br />

Skulptur, Film, Malerei und Installationskunst.<br />

Davon war zunächst einmal nicht viel zu<br />

sehen. Wir saßen im Grand Palais Éphémère<br />

in der Nähe des Eiffelturms <strong>–</strong> das „echte“<br />

Grand Palais wird gerade mit finanzieller<br />

Unterstützung von Chanel renoviert <strong>–</strong> auf<br />

aufsteigenden Bänken rund um einen riesigen<br />

Platz, auf dem sich zwei abstrakte, übergroße<br />

Holz-Karton-Skulpturen befanden.<br />

Vermutlich ein Krokodil und ein Kamel? Alles<br />

unter vielen großen, runden Beleuchtungskörpern.<br />

Als Musik zu ertönen begann, stieg<br />

die Spannung und Erwartungshaltung fast<br />

schon ins Unermessliche: Was ist das? Ist das<br />

alles? Was kommt da? Wie geht es weiter?<br />

Dann kamen sie! Gezogen oder geschoben<br />

von hilfreichen Männerhänden. Ein<br />

Hirsch, ein Pferd, ein Büffel, Vögel, ein Löwe.<br />

Insgesamt elf Tiere, ebenfalls aus Pappelholz,<br />

Papier und Pappe. Fast alle in Holzfarben. Bis<br />

auf eine lila Skulptur. Als alle auf den für sie<br />

vorgesehenen Plätzen angekommen und dort<br />

befestigt waren, öffnete sich eine Skulptur<br />

nach der anderen, und heraus kamen Models<br />

in strahlend weißen Ensembles. Weitere<br />

dann von backstage. Manche in oberschenkellangen<br />

Outfits, die von Zylindern, Fliegen<br />

und weißen Schnürstiefeln im Majorette-Stil<br />

begleitet waren. Tweedjacken wurden mit<br />

flippigen Faltenröcken, weiten Shorts oder<br />

Miniröcken mit luftigen Tüllrüschen kombiniert,<br />

während bei ausgestellten Mänteln<br />

die Taille betont war. Vieles eben in Weiß<br />

oder Schwarz oder Schwarz-Weiß, aber auch<br />

in Farbe. Immer wieder tauchten auf den<br />

wunderschönen Stoffen <strong>–</strong> neben bunten Blumen<br />

und der unvermeidlichen Kamelie <strong>–</strong><br />

Tiere auf. Eine kristallene Corgi-Stickerei<br />

zwinkerte am Ausschnitt einer Tweedjacke<br />

mit Pixeleffekt, während sich das schwarzweiße<br />

Muster auf einem silberfarbenen<br />

Lamé-Kleid im Stil der 1920er-Jahre schließlich<br />

als kleine Hasen zu erkennen gab. Ein<br />

weißes Bustierkleid aus Spitze hatte darüber<br />

eine durchsichtige Weste, die mit einem goldfarbenen<br />

Hirschkopf bestickt war. Abend-<br />

O<br />

Virginie Viard macht es immer<br />

wieder auch wie Coco Chanel:<br />

Zu den wunderschönen, handgearbeiteten<br />

Roben gibt es<br />

Mascherln und die zweifarbigen<br />

Slingback-Pumps<br />

Fotos: Courtesy of Chanel (3)<br />

mode spielte mit Transparenz und Metallic-<br />

Effekten, die sich in dieser Saison als starker<br />

Trend auf den Laufstegen der Couture<br />

abzeichnen. Wunderschön all die Satin-Capes,<br />

Faltenröcke, zweireihigen Jacken, Fracks,<br />

Smoking-Hemden, die vielen Pailletten oder<br />

die kurzen Shorts oder Petticoats: In der<br />

Poesie der Majoretten findet auch Virginie<br />

Viard ihre Inspiration. Kleider und Overalls,<br />

alle in Leichtigkeit und Raffinesse, mit Überlagerungen,<br />

Transparenzen, Volants, Falten,<br />

feinen Trägern und neu bemalten Spitzen,<br />

sind aus Seidentüll, Taft, Organza, Crêpe<br />

Georgette und Chantilly-Spitze gefertigt.<br />

CHANEL LIEBTE<br />

TIERE<br />

Man fühlte sich fast wie auf einem Dorfplatz,<br />

wo ein festlicher Umzug vorbereitet wird und<br />

schließlich loszieht. Wo sich elf monumentale<br />

Tierskulpturen öffnen, um die darin versteckten<br />

Models entkommen zu lassen. „Ich<br />

mag es, wenn das Wunderbare hervorbricht<br />

und der Lauf der Dinge unterbrochen wird“,<br />

formulierte es Virginie Viard. Zum Schluss<br />

bewegte sich <strong>–</strong> fuhr? <strong>–</strong> eines der Tiere, ein<br />

Elefant, selbstständig in die Mitte. Die Tür<br />

aus seinem Inneren öffnete sich, und heraus<br />

kam <strong>–</strong> die Braut. In einem kessen und doch<br />

eleganten Mini-Hochzeitskleid: Zum kurzen,<br />

natürlich weißen Bustierkleid trug das Model<br />

einen Schleier <strong>–</strong> alles mit Schwalben bestickt.<br />

Natürlich mussten jetzt noch einmal alle<br />

Models über die Szenerie marschieren. Großer<br />

Applaus brandete auf, insbesondere als<br />

Virginie Viard und Xavier Veilhan Hand in<br />

Hand die Menagerie betraten, sich verbeugten<br />

und sich ebenfalls durch die Tierwelt<br />

schlängelten. Kaum waren alle an der Show<br />

Beteiligten über die Durchgänge zwischen<br />

den Bankreihen im Backstagebereich verschwunden,<br />

stürzten sich die geladenen Gäste<br />

auf die Tierwelt, und es ging los mit Fotos,<br />

Selfies und Besprechungen. Beim endgültigen<br />

Hinausgehen gab es für jede Besucherin<br />

und jeden Besucher ein Sackerl mit einem<br />

Chanel-Parfum.<br />

Der Text, der in einer Mappe auf jedem<br />

Sitzplatz gewartet hatte, verriet es einem<br />

dann: Tiere sind ein wiederkehrendes Thema<br />

auch in der Arbeit von Xavier Veilhan. Virginie<br />

Viard hatte ihm zu Beginn ihrer erneuten<br />

Zusammenarbeit für die Haute-Couture-Präsentation<br />

vorgeschlagen, er solle sich die<br />

Schätze in der sorgfältig restaurierten Wohnung<br />

von Gründerin Coco Chanel ansehen.<br />

Sie sei voller Objekte, Skulpturen und Zeichnungen,<br />

die alle möglichen Tiere, wie Rehe,<br />

Hirsche, Vögel, Kamele und natürlich Löwen <strong>–</strong><br />

Cocos Sternzeichen <strong>–</strong>, darstellen. Dazu Xavier<br />

Veilhan: „Virginie Viard hat mich gefragt, ob<br />

ich die Idee von Gabrielle Chanels Apartment<br />

und dessen Bestiarium, wo wir uns zum<br />

Beginn unserer Zusammenarbeit trafen,<br />

Unverkennbar Chanel mit Handarbeit vom Feinsten: bestickter Tweed mit origineller Farbmischung<br />

„Ich mag es, wenn<br />

das Wunderbare<br />

hervorbricht und<br />

der Lauf der Dinge<br />

unterbrochen wird“<br />

Virginie Viard<br />

umsetzen könnte. Dieses Bestiarium erinnert<br />

an unsere Beziehung zu Tieren, die sich in<br />

unserer Gesellschaft ständig weiterentwickelt.<br />

Dieses Mal wollte ich mich auf etwas Unmittelbares<br />

und Geradliniges zubewegen, mit<br />

Leichtigkeit und Fantasie, ohne naiv zu sein.“<br />

Virginie Viard: „Für seine dritte Teilnahme<br />

bat ich ihn, das Bestiarium der Wohnung neu<br />

zu interpretieren und sein eigenes zu integrieren.“<br />

Und: „Das gesamte Stickuniversum<br />

der Kollektion ist der Tierwelt zugewandt.“<br />

Xavier Veilhan weiter: „Das beruhigendste<br />

Element ist Virginies Zuverlässigkeit. Obwohl<br />

sie sehr genau weiß, was sie will, hat sie mir<br />

mit einem unglaublichen Gefühl von Vertrauen<br />

und Beständigkeit erlaubt, meine<br />

Vision zum Leben zu erwecken und neue<br />

Dinge vorzuschlagen.“ Und über das verwendete<br />

Material: „Wir haben Holzelemente von<br />

den Bänken und Sitzgelegenheiten, auf<br />

16<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

17


FASHION | PORTRAIT<br />

denen die Gäste der ersten und zweiten Show,<br />

die ich mit Virginie für Chanel gemacht habe,<br />

gesessen haben, wiederhergestellt. Ich würde<br />

sie gern zu anderen Zeiten für andere Projekte<br />

wiederverwenden. Eine Idee, die zugleich<br />

einen ökonomischen und ökologischen<br />

Gedanken des Recyclings darstellt, aber auch<br />

mit Kontinuität verbunden ist. Die Idee ist,<br />

diese Elemente, die ursprünglich für kommerzielle<br />

Zwecke gemacht wurden, neu zu<br />

kontextualisieren und eine neue Fluidität<br />

darum herum zu schaffen <strong>–</strong> denn das ist<br />

letztendlich die Realität dieser Art von<br />

Zusammenarbeit.“ Begeistert vom tierischen<br />

Thema und der Kollektion zeigte sich auch<br />

der Präsident von Chanel, Bruno Pavlovsky:<br />

„Unsere Haute-Couture-Klientel wird immer<br />

jünger. Sie begeistert sich vor allem für außergewöhnliches,<br />

einzigartiges Design.“<br />

JEDES MODELL<br />

EIN UNIKAT<br />

Und wie kommt man als Kundin jetzt an eines<br />

dieser großartigen Modelle? Haute Couture<br />

wird ja nicht im Geschäft verkauft, sondern<br />

wird maßangefertigt. Haute Couture ist ein<br />

einzigartiges Erlebnis mit einem außergewöhnlichen<br />

Charakter, das jede Saison neue<br />

Kunden anspricht, ja verführt, und sie mit seiner<br />

Seltenheit und Exzellenz fesselt. Bei der<br />

Haute Couture gibt es keine „Größen“, was<br />

ihren exklusiven Charakter unterstreicht.<br />

Jedes Kleidungsstück wird in den Chanel-Ateliers<br />

in der Rue Cambon 31 nach Maß gefertigt.<br />

Von jedem Design wird nur eine sehr<br />

kleine Anzahl hergestellt, wobei immer darauf<br />

geachtet wird, dass die damit ausgestatteten<br />

Kundinnen nicht im selben Land, auch nicht<br />

auf demselben Kontinent leben und schon gar<br />

nicht zu derselben Veranstaltung eingeladen<br />

werden.<br />

Am Ende der Show werden die Kundinnen<br />

nach Vereinbarung in den Haute-Couture-Salons<br />

in der Rue Cambon empfangen,<br />

wo ihnen noch einmal die Stücke aus der<br />

neuesten Kollektion präsentiert werden. Ist<br />

die Wahl getroffen, nimmt eine Atelier-Dame<br />

die Maße der Auftraggeberin. Während dieses<br />

Termins können darüber hinaus einige<br />

Anpassungen nach den Wünschen und Vorstellungen<br />

der Kundin vorgenommen werden:<br />

Das Material oder die Farbe eines Kleidungsstücks<br />

kann dabei manchmal geändert<br />

werden. Auch die Länge eines Ärmels oder<br />

des Rocks. In den Ateliers wird danach eine<br />

Kleiderpuppe genau nach den Maßen der<br />

Kundin angefertigt. An dieser kann die Arbeit<br />

beginnen. Für die Erstellung des Schnitts<br />

sind dann mindestens noch zwei Anproben<br />

erforderlich: Die erste ermöglicht die Anpassung<br />

der vorläufigen Version des Kleidungsstücks,<br />

die dann noch einmal überarbeitet<br />

oder modifiziert werden kann, während die<br />

zweite den endgültigen Änderungen gewidmet<br />

ist. Auch andere Ausstattungen können<br />

bei Bedarf jetzt noch organisiert werden. Die<br />

Realisierung eines komplett handgefertigten<br />

Haute-Couture-Outfits beansprucht zwischen<br />

zwei und drei Monaten an Arbeitszeit:<br />

Jedes Stück ist ein Unikat, und die Anzahl der<br />

Stunden, die für die Herstellung benötigt<br />

werden, variiert je nach Raffinesse des<br />

Modells und kennt daher keine Grenzen. Das<br />

geht von mindestens 200 Stunden für eine<br />

Jacke bis zu tausenden für ein besticktes<br />

Hochzeitskleid. Um einen solchen personalisierten<br />

Service bieten zu können, reisen die<br />

Haute-Couture-Teams in die ganze Welt, um<br />

Kundinnen, deren Terminkalender es möglicherweise<br />

nicht zulässt, mehrmals nach Paris<br />

zu reisen, um ein Design auszuwählen oder<br />

an den verschiedenen Anproben teilzunehmen,<br />

vor Ort zu treffen.<br />

Diese Dimension von Träumen und<br />

Exklusivität verleiht Haute Couture die Kraft,<br />

zu faszinieren: Jedes Stück ist das Ergebnis<br />

der kreativen Arbeit der Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter des Studios und des Savoirfaire<br />

der Haute-Couture- und Métiers-d’Art-<br />

Ateliers. Dafür sind stundenlange Geduld,<br />

Anproben von absoluter Präzision und ein<br />

brennendes Streben nach Perfektion erforderlich.<br />

Nur so kann das Außergewöhnliche<br />

entstehen und geboten werden.<br />

O<br />

Auch das ist typisch für Chanel:<br />

männliche Modeelemente<br />

Typische Elemente der<br />

aktuellen Abendmode sind<br />

Transparenz und Metallic-<br />

Effekte: Sie spiegeln sich auch<br />

auf den oft völlig flachen<br />

Schuhen wider. Und ein<br />

Mascherl muss auch sein<br />

Fotos: Courtesy of Chanel (4)<br />

W<br />

Applaus für Virginie Viard<br />

und Xavier Veilhan am Ende<br />

der Chanel-Haute-Couture-<br />

Show auch von den Models<br />

k<br />

Virginie Viard und Xavier<br />

Veilhan kamen nach der<br />

Show Hand in Hand in die<br />

Menagerie: Chanels Artistic<br />

Director engagierte den<br />

Künstler ein drittes Mal<br />

18 SUMMER <strong>2023</strong><br />

19


FASHION | PORTRAIT<br />

STREBEN NACH<br />

PERFEKTION<br />

Und wie ist das alles entstanden? Wie kam es<br />

zu dieser emblematischen Adresse in der Rue<br />

Cambon? Seit 1918 ist sie das Epizentrum der<br />

Haute Couture von Chanel. An dieser Adresse<br />

wird die Geschichte des ältesten Pariser<br />

Haute-Couture-Hauses lebendig. Angetrieben<br />

von demselben Streben nach Modernität,<br />

begann die Geschichte mit Gabrielle Chanel,<br />

bevor sie mit Karl Lagerfeld und Virginie<br />

Viard fortgesetzt wurde. Hier erfindet sich die<br />

Haute Couture, die vorrangige Berufung von<br />

Chanel, von einer Saison zur nächsten in<br />

einem immer weiteren Streben nach Perfektion<br />

neu.<br />

In der Rue Cambon 31 sind alle Aktivitäten<br />

des Hauses zusammengefasst: die Boutique,<br />

die Haute-Couture-Salons, die Privatwohnung<br />

von Gabrielle Chanel, das Atelier<br />

Creation, sowie die drei „Tailleur“-Ateliers,<br />

die beiden „Flou“-Ateliers und das „Galons“-<br />

Atelier. Eine Art-déco-Treppe, die vom Kulturministerium<br />

als historisches Denkmal<br />

eingestuft und bereits unzählige Male fotografiert<br />

wurde, führt in die verschiedenen<br />

Stockwerke. Die Wände des Stiegenhauses,<br />

die vollständig mit Spiegelstreifen ausgekleidet<br />

waren, ermöglichten es Gabrielle Chanel,<br />

ihre Modenschauen, die im Erdgeschoß stattfanden,<br />

zu beobachten, ohne gesehen zu<br />

werden, indem sie einfach oben auf der Treppe<br />

saß. Das Überschreiten der Schwelle der<br />

Rue Cambon 31 ist wie ein Eintauchen in die<br />

einzigartige Welt der Haute Couture, ein<br />

Ausdruck absoluten Luxus. Es ist aber auch,<br />

als würde man in die Legende von Chanel<br />

eintreten.<br />

Doch beginnen wir erst einmal mit den<br />

Ursprüngen der Haute Couture. Ihre<br />

Geschichte ist eng mit der von Paris verbunden.<br />

Seit dem 18. Jahrhundert wird die<br />

Hauptstadt dank der Exzellenz ihrer Handwerksleute<br />

<strong>–</strong> Sticker, Federarbeiter, Hutmacher,<br />

Handschuhmacher und Schuhmacher<br />

beiderlei Geschlechts <strong>–</strong> mit Eleganz verbunden,<br />

und die Pariser Mode hat sich in ganz<br />

Europa verbreitet.<br />

Aber es war während des sogenannten<br />

Second Empire (1852 bis 1870), als die Haute<br />

Couture nach einem Anstoß von Charles<br />

Frederick Worth entstand, dem ersten Couturier,<br />

der das Image des Modeschöpfers gegen<br />

die Tradition eines Lieferanten, der nur auf<br />

Bestellung arbeitete, durchsetzte. 1858 gründete<br />

der geborene Engländer das erste Pariser<br />

Couture-Haus in der Rue de la Paix. Dort<br />

empfing er seine Kunden in prächtigen<br />

Salons und präsentierte ihnen seine Kollektionen<br />

an echten Modellen. Worth erfand<br />

Die Schauspielerin liebte Coco Chanel<br />

und deren Kostüme: Romy Schneider<br />

U<br />

also auch die Modenschau. Andere Häuser<br />

folgten seinem Beispiel, und bereits zu<br />

Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Haute<br />

Couture Paris zur Welthauptstadt der Mode<br />

gemacht.<br />

Seit 1945 folgt die Haute Couture strengen<br />

Regeln, die in einer Charta festgelegt<br />

sind. Die Auszeichnung wird in Frankreich<br />

nach der Entscheidung des Industrieministers<br />

auf Vorschlag einer Klassifizierungskommission<br />

unter Leitung der Chambre Syndicale<br />

de la Haute Couture verliehen. Um dafür<br />

infrage zu kommen, müssen Originaldesigns<br />

vom Designer des Hauses entworfen werden,<br />

und jede Kreation muss maßgefertigt und in<br />

den Ateliers des Couture-Hauses handgefertigt<br />

werden. Die Ateliers müssen aus mindestens<br />

20 Personen bestehen. Die Häuser, die<br />

diese Bezeichnung tragen, sind verpflichtet,<br />

zweimal im Jahr während der Woche der<br />

Haute Couture in Paris eine Show zu veranstalten<br />

und eine Kollektion zu präsentieren,<br />

die aus mindestens 25 Looks besteht, darunter<br />

Entwürfe für Tages- und Abendgarderobe.<br />

Der Name „Haute Couture“ ist zudem nur für<br />

diese ausgewählten Modeschöpferinnen und<br />

Modeschöpfer zugelassen. Jede andere modische<br />

Handarbeit, und sei sie noch so speziell<br />

und unvergleichlich, darf offiziell nur „Couture“<br />

genannt werden.<br />

Aber zurück zu Gabrielle Chanel. Wie<br />

schön, dass eine Frau, die nach dem Tod ihrer<br />

Mutter als zwölfjähriges Kind in einem Waisenhaus<br />

aufgewachsen war, bald darauf den<br />

Grundstein für ein weltweites, glanzvolles<br />

W<br />

Ein Blick in die Ateliers durch die Fenster in der Rue Cambon<br />

k<br />

Die geniale Modeschöpferin und zunächst Hutmacherin trug<br />

ihre Mode natürlich auch gerne selbst: vom inzwischen<br />

weltberühmten Chanel-Kostüm über die Perlenketten bis zum<br />

Hut (die Schere musste auch sein)<br />

Fotos: Douglas Kirkland, Giancarlo Botti, Courtesy of Chanel (2)<br />

Chanel-Mitarbeiterinnen<br />

bei der Arbeit an einem<br />

Model beim Fitting, also<br />

bereits in der Endphase der<br />

Herstellung eines<br />

Haute-Couture-Modells: Um<br />

den Titel „Haute Couture“<br />

verwenden zu dürfen,<br />

müssen jede Saison<br />

mindestens 25 Looks<br />

entworfen und in den<br />

hauseigenen Ateliers<br />

mittels Handarbeit<br />

maßgefertigt werden<br />

20<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

21


FASHION | PORTRAIT<br />

So typisch Chanel und<br />

trotzdem so modern,<br />

traditionelle Handarbeit und<br />

trotzdem so keck, verspielt<br />

und elegant: Was in den<br />

Ateliers von Chanel aus den<br />

Entwürfen von Virginie Viard<br />

geformt wird, wird immer<br />

mehr auch von Jugendlichen<br />

begehrt und gekauft<br />

R<br />

Unglaublich talentierte, geschulte und<br />

präzise Hände beim Fitting: Bevor das Model<br />

als perfekt und die Arbeit als beendet<br />

empfunden wird, werden alle Details noch<br />

einmal genauestens überprüft<br />

R<br />

Insgesamt gibt es<br />

in der Rue Cambon<br />

sieben Ateliers:<br />

Die Realisierung der<br />

Haute-Couture-<br />

Unikate nimmt<br />

unglaublich viel Zeit<br />

in Anspruch<br />

Für eine Jacke werden<br />

circa 200 Stunden<br />

Handarbeit benötigt, für ein<br />

besticktes Hochzeitskleid<br />

bis zu tausend<br />

U<br />

Fotos: Ola Rindal, Brigitte R. Winkler<br />

und bestimmendes Mode-Imperium legte.<br />

Geboren im August 1883, eröffnete sie 1910<br />

ihre erste Boutique, „Chanel-Modes“ in der<br />

Rue Cambon 21, um dort ihre Hutkreationen<br />

zu verkaufen. Da lautete ihr Spitzname bereits<br />

„Coco“. Seine Entstehungsgeschichte wird mit<br />

der Tatsache in Verbindung gebracht, dass<br />

sie <strong>–</strong> auch zum Geldverdienen <strong>–</strong> gern als<br />

Sängerin auftrat und ihre zwei Lieblingslieder<br />

„Qui qu’a vu Coco?“ und „Ko-Ko-Ri-Ko“<br />

hießen.<br />

Bereits 1912 konnte Coco Chanel aufgrund<br />

ihres Erfolgs eine zweite Boutique in<br />

Deauville in der Normandie eröffnen. Zu den<br />

Hüten, die sie bereits bekanntgemacht hatten,<br />

fügte sie schnell Kleidung hinzu, die Komfort<br />

und Eleganz vereinten und vorwegnahmen,<br />

was als Sportkleidung bekannt werden sollte.<br />

Darunter Blusen, Kleider und Jacken aus Jersey,<br />

einem Stoff, der bis zu diesem Zeitpunkt<br />

Männern vorbehalten war. Frauen einer<br />

gewissen Elite galten ja als „Schmuckstück<br />

des Mannes“, mussten sich also bis dahin in<br />

Korsetts zwängen, darüber Kleider aus kostbaren<br />

Stoffen anlegen, ihre langen Haare zu<br />

imposanten Frisuren türmen und hochhackige<br />

Schuhe tragen. Gabrielle Chanel kämpfte<br />

gegen all diese männlichen Erwartungen, ja<br />

Vorschriften an <strong>–</strong> und gewann. Weg war das<br />

Korsett, es durften auch einfache, bequeme<br />

Stoffe sein und flache Schuhe. Nicht zu vergessen<br />

ist auch, das Chanel Frauenhosen<br />

schneiderte <strong>–</strong> bis dahin ein No-Go. Ihre Haare<br />

trug Coco Chanel schon lange kurz geschnitten.<br />

Zum echten Schmuck erfand sie dann<br />

auch noch den Modeschmuck.<br />

1915 gründete sie ein Couture-Haus in<br />

Biarritz in der Villa Larralde, wo ihre Entwürfe<br />

eine gehobene und kosmopolitische<br />

Klientel ansprachen. Neben den Jersey-<br />

Ensembles verwendete sie auch Crêpe und<br />

Stickereien. Die Modernität der<br />

frühen Kollektionen von Mademoiselle<br />

Chanel begeisterte ihre<br />

Zeitgenossinnen und bestimmte<br />

die Mode der Zukunft. Bereits<br />

1918 konnte Chanel es sich leisten,<br />

ein Couture-Haus in der<br />

Rue Cambon 31 in Paris zu<br />

eröffnen. In den folgenden zehn<br />

Jahren erwarb sie auch die Nummern<br />

23, 25, 27 und 29, Rue<br />

Cambon. Bereits Ende der<br />

1920er-Jahre stand die Modeschöpferin<br />

an der Spitze eines<br />

Imperiums, das das Ausmaß<br />

ihres Erfolgs widerspiegelte. In<br />

ihren Ateliers arbeiteten Hunderte<br />

von Näherinnen daran,<br />

ihre Kollektionen zum Leben zu erwecken.<br />

Unglaublich, was diese Frau für ihre<br />

Geschlechtsgenossinnen bewirkt hat! Mutig,<br />

visionär und unkonventionell befreite Mademoiselle<br />

Chanel die Frauen aus der Zwangsjacke<br />

einer rückwärtsgewandten Mode.<br />

Ursprünglich für ihre eigenen Bedürfnisse<br />

entwerfend, schuf sie eine bequeme Silhouette:<br />

eine klare Linie, eine Einfachheit, die<br />

Frauen sofort verstanden und liebten. Ihr<br />

Bemühen um Anziehungskraft, Bewegungsfreiheit<br />

und Komfort drückte sich in einem<br />

radikalen Stil aus, der den Lauf der Modegeschichte<br />

veränderte und den Grundstein<br />

für eine Eleganz legte, die die Modewelt<br />

revolutionierte.<br />

Durch ihre zeitgemäße Auseinandersetzung<br />

mit der Funktionalität der Mode in ihrer<br />

Epoche setzte Gabrielle Chanel ihre<br />

anspruchsvolle Vorstellung von Luxus in<br />

einem krassen Gegensatz zu Pomp durch. Sie<br />

verzichtete auf übermäßige Verzierun gen<br />

zugunsten von Raffinesse und oft<br />

W<br />

Ein tolles Meeting<br />

in New York:<br />

Virginie Viard und<br />

die Autorin<br />

Brigitte R. Winkler<br />

im Metropolitan<br />

Museum<br />

22 SUMMER <strong>2023</strong><br />

23


FASHION | PORTRAIT<br />

W<br />

Die Stiege in der<br />

Rue Cambon ist<br />

weltberühmt und<br />

wird gerne<br />

fotografiert:<br />

Hier saß doch einst<br />

Coco Chanel<br />

während ihrer<br />

Modenschauen, um<br />

dabei nicht vom<br />

Publikum gesehen<br />

zu werden<br />

R<br />

Seit Jänner 2021 verfügt Chanel<br />

über frisch renovierte Haute-<br />

Couture-Salons: Entworfen wurden<br />

sie vom Pariser Innenarchitekten<br />

Jacques Grange mit der Absicht,<br />

eine komfortable, raffinierte und<br />

warme Atmosphäre zu bieten<br />

W<br />

In den neuen Salons<br />

gibt es für die<br />

Kundinnen natürlich<br />

auch jede Menge<br />

Mode zu sehen<br />

O<br />

Eine legendäre<br />

Adresse in Paris:<br />

1918 gründete Coco<br />

Chanel in der Rue<br />

Cambon 31 ihr<br />

Couture-Haus.<br />

Hier hat sich das<br />

gesamte kreative<br />

Universum von<br />

Chanel entfaltet<br />

Fotos: Xavier Veilhan und Ola Rindal, Nicolas Mattheus (3), Courtesy of Chanel<br />

unsichtbaren Details. Die Eleganz ihres Stils<br />

liegt in der Gestaltung einer Silhouette, in der<br />

Architektur des Kleidungsstücks, die den<br />

Körper der Frau respektiert, in einem Ideal<br />

von Leichtigkeit und Bewegungsfreiheit. Die<br />

Faszination, die Mademoiselle Chanel auslöste,<br />

ist durch identifizierbare und vor allem<br />

zeitlose Key-Pieces bestimmt: die Matrosenbluse,<br />

der Jersey, das kleine Schwarze, die<br />

Hosen, der Strohhut, die zweifarbigen Schuhe,<br />

die gesteppte Tasche, Modeschmuck mit<br />

Perlen … und natürlich das Tweed-Kostüm<br />

und all seine Variationen, bald und bis heute<br />

Chanel-Kostüm genannt. Damit ist Gabrielle<br />

„Coco“ Chanel die einzige Modeschöpferin,<br />

deren Name untrennbar mit einem Outfit<br />

verbunden ist. Ein sensationeller Erfolg, den<br />

ihr einige zeitgenössische Medien nicht vorhergesagt<br />

hatten <strong>–</strong> ganz im Gegenteil. Auch<br />

all ihre anderen Codes waren von Dauer. Der<br />

Stil von Chanel existiert über alle Zeit hinaus<br />

und wird mit jeder Saison neu interpretiert:<br />

Gabrielle Chanel erfand die ideale Garderobe<br />

für die moderne Frau.<br />

Ihr Konzept von Luxus kommt in der Rue<br />

Cambon 31 nach wie vor zum Ausdruck. Dort<br />

entfaltet sich das gesamte kreative Universum<br />

von Chanel. Mademoiselle gestaltete die<br />

Räumlichkeiten so, dass ihre Kunden alles<br />

finden konnten, was sie brauchten: von der<br />

Boutique im Erdgeschoß, wo Parfums und<br />

Schönheitsprodukte, Schmuck und Accessoires<br />

(Hüte, Schals, Handschuhe und<br />

Taschen) gekauft werden konnten, bis zu den<br />

Haute-Couture-Salons im ersten Stock. Sie<br />

baute den zweiten Stock in eine Wohnung um,<br />

in der sie tagsüber lebte, bevor sie sich jeden<br />

Abend in ihr Zimmer im Hotel Ritz an der<br />

Place Vendôme zurückzog. (Nach der Hotelrenovierung<br />

kann man dort immer noch die<br />

„Suite Coco Chanel“ mieten.) Das Kreativstudio<br />

wurde im dritten Stock eingerichtet, während<br />

in den oberen Stockwerken die Ateliers<br />

untergebracht waren, in denen alle Stücke der<br />

Kollektionen hergestellt wurden. Von 1918 bis<br />

zu ihrem Tod 1971 stellte Gabrielle Chanel<br />

ausschließlich Haute Couture her. Mit dieser<br />

wurde das Haus Chanel geboren. Sie stellt<br />

noch heute dessen DNA dar, die alle Werte<br />

verkörpert, die dem Haus am Herzen liegen.<br />

Und: 31 Rue Cambon ist die einzige Haute-<br />

Couture-Adresse von Chanel weltweit.<br />

ZEITGEMÄSSE<br />

ART DE VIVRE<br />

Chanel Haute Couture unterstreicht das Vermächtnis<br />

von Mademoiselle Chanel und<br />

ihren ikonischen Kreationen wie dem kleinen<br />

Schwarzen und dem Chanel-Kostüm, die jede<br />

Saison in tausend Variationen neu erfunden<br />

werden. Als ihre Nachfolger haben es Karl<br />

Lagerfeld und Virginie Viard geschafft, die<br />

Codes und Visionen von Gabrielle Chanel zu<br />

transzendieren und Chanel Haute Couture in<br />

Virginie Viard schafft<br />

es immer wieder, dem<br />

weltberühmten Chanel-<br />

Kostüm jede Saison<br />

ein neues Aussehen zu<br />

verleihen: auch den<br />

typischen Accessoires,<br />

wie den zweifärbigen<br />

Schuhen und dem<br />

Halsschmuck<br />

24<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

25


FASHION | PORTRAIT<br />

„Eine richtige Frau<br />

wirkt voll bekleidet<br />

auf einen Mann<br />

anziehender als<br />

ein nacktes Weib“<br />

Romy Schneider<br />

Hier werden gerade<br />

Träume wahr: Es ist die<br />

primäre Berufung des<br />

Hauses, durch Haute<br />

Couture jeden Traum,<br />

jede kreative Kühnheit<br />

zu verwirklichen, ohne<br />

materielle, technische<br />

oder zeitliche<br />

Beschränkung und mit<br />

Streben nach Perfektion<br />

Fotos: Ola Rindal<br />

O<br />

Unglaubliche<br />

Details, für die<br />

sich ein genaues<br />

Hinschauen auf<br />

jeden Fall lohnt:<br />

ein wunderschönes<br />

Modell aus der<br />

Haute-Couture-<br />

Kollektion Frühjahr/<br />

Sommer 2022<br />

W<br />

Auch bei der Schminke<br />

gibt es immer wie der<br />

spezielle De tails:<br />

Chanel ist ebenfalls<br />

für seine Kosmetik -<br />

produkte sehr bekannt<br />

O<br />

Das macht Chanel<br />

Haute Couture vor<br />

allem aus: die<br />

Perfektion der<br />

Proportionen und die<br />

extreme Sorgfalt für<br />

jedes Detail<br />

eine zeitgenössische Art de vivre zu transferieren.<br />

Als primäre Berufung des Hauses<br />

ermöglicht die Haute Couture, jeden Traum,<br />

jede kreative Kühnheit zu verwirklichen.<br />

Dieser Raum der absoluten Freiheit kennt<br />

keine materiellen, technischen oder zeitlichen<br />

Beschränkungen. Haute Couture von<br />

Chanel ist niemals konventionell und überrascht<br />

immer wieder durch ihren Widerstand<br />

gegen vorgefasste Meinungen und ihr Savoirfaire.<br />

Es ist immer noch ein absolutes, permanentes<br />

Streben nach Perfektion, das sich<br />

ständig erneuert. Es basiert auf der Genauigkeit<br />

der Konzeption des Designs, der Linie,<br />

der Präzision des Schnitts, der außergewöhnlichen<br />

Qualität der Materialien, aber<br />

auch auf der Aufmerksamkeit, die dem Körper<br />

der Frau und dem Komfort geschenkt<br />

wird, der den Unterschied ausmacht und die<br />

Sache unglaublich reizvoll macht.<br />

Die Erneuerung der Formen und die<br />

schiere Vielfalt der Designs sind das Ergebnis<br />

einer gemeinsamen Anstrengung, vom Studio<br />

bis zu den Ateliers wird auf diesen ultimativen<br />

Luxus hingearbeitet. Hinter den<br />

Inspirationen, der Zartheit und der Anmut<br />

taucht auf die Arbeit bezogen eine allgegenwärtige<br />

Strenge auf. Die Schönheit der Haute<br />

Couture kann ohne diese Strenge nicht existieren.<br />

Sie beinhaltet die Perfektion der Proportionen,<br />

die extreme Sorgfalt für jedes<br />

Detail, die Ausgewogenheit und die Fließfähigkeit<br />

jeder Silhouette.<br />

Unter der Leitung von Karl Lagerfeld von<br />

1983 bis 2019 definierte sich die Haute Couture<br />

als technisches Labor, als die Handarbeit,<br />

die alle kreativen Möglichkeiten verwirklicht.<br />

Seine grenzenlose Fantasie, gepaart mit seiner<br />

Fähigkeit, sich sehr wohl der Codes von<br />

Gabrielle Chanel zu besinnen und zu bedienen,<br />

brachte Unglaubliches auf die Chanel-<br />

Laufstege. Da gab es immer wieder jede<br />

Menge Arbeit für Sticker, Federarbeiter und<br />

Blumenexperten, einer virtuoser als der<br />

andere. Unvergesslich: ein von Lesage<br />

bestickter Mantel mit chinesischen Motiven,<br />

inspiriert von Gabrielle Chanels Coromandel-Paravents,<br />

geschmückt mit geheimnisvollen<br />

asiatischen Blumen, ein Etuikleid aus<br />

Goldfäden, ein trägerloses Kleid, das mit<br />

Porzellanblumen bestickt ist … Lagerfeld<br />

erforschte auch alle Möglichkeiten, Handwerk<br />

und Technologie zu kombinieren, wie<br />

bei den Beton- und Holzstickereien <strong>–</strong> ja, das<br />

gibt es! <strong>–</strong>, den 3D-Anzügen, den aus Neopren<br />

geformten Kleidern, den silikonisierten<br />

Schnürsenkeln … Das war einfach grenzenlose,<br />

ständig noch wachsende Kreativität am<br />

Werk, auch eine stetige Bereicherung des<br />

Savoir-faire des Hauses. Seine Haute- Couture-Kollektionen<br />

trotzten allen technischen<br />

Zwängen im Dienst des Außer gewöhnlichen.<br />

26 SUMMER <strong>2023</strong><br />

27


FASHION | PORTRAIT<br />

HAUTE VIRGINIE-<br />

SENSIBILITÄT<br />

Virginie Viard arbeitete über 30 Jahre an der<br />

Seite von Karl Lagerfeld. Zu Beginn ihrer<br />

Karriere war sie für die Haute-Couture-Stickereien<br />

im Atelier Création verantwortlich<br />

und arbeitete eng mit den Häusern Lesage,<br />

Montex und anderen Pariser Stickereien<br />

zusammen. Kein Wunder, dass niemand den<br />

Stil, die Codes und den Charme von Chanel<br />

besser kennt als sie.<br />

Seit Februar 2019 ist Virginie Viard jetzt<br />

alleinige künstlerische Leiterin der Modekollektionen.<br />

Sie verewigt dieses Erbe heute,<br />

indem sie es mit ihrer eigenen Sensibilität<br />

durchdringt. Genau wie Gabrielle Chanel<br />

stellt sie Frauen in den Mittelpunkt ihrer<br />

Kreationen, mit dem offensichtlichen Wunsch,<br />

ihnen Kleidung anzubieten, die sie hervorhebt<br />

und ihre Persönlichkeit widerspiegelt, die an<br />

ihre Bedürfnisse und ihren Lebensstil angepasst<br />

ist. Ihre Vision von Haute Couture<br />

drückt sich im Ideal einer reinen Silhouette<br />

mit sorgloser Eleganz aus, von scheinbarer<br />

Schlichtheit, aber äußerst raffiniert, mit einer<br />

subtilen Verbindung zu Details und Verzierungen,<br />

die auf der Exzellenz der Haute-Couture-<br />

sowie der Métiers-d’Art-Ateliers basieren.<br />

In ständiger Bewegung ist Haute<br />

Couture das ultimative kreative Feld. Als<br />

ewig moderner Träger aller Eleganzträume<br />

ist sie Ausdruck und Quintessenz des Luxus,<br />

dessen Werte sie vermittelt, eine allzeit tragbare<br />

Art de vivre, Tag und Nacht. Und wie<br />

kann man sich den Arbeitsablauf vorstellen?<br />

Chanel Haute Couture basiert auf drei Hauptsäulen:<br />

dem Kreationsatelier von Virginie<br />

Viard, den Ateliers, die jedes Design produzieren,<br />

und den Maisons d’Art (Stickerinnen,<br />

Federarbeiter, Paruriers, Handschuhmacher,<br />

Hutmacher, Schuhhersteller, Goldschmiedinnen),<br />

die für die Verzierungen und Accessoires<br />

zuständig sind. Im Atelier Création<br />

beginnt alles, angefangen mit einem Dialog<br />

zwischen der künstlerischen Leitung und<br />

den Atelierchefinnen und -chefs. Dieser<br />

Schritt-für-Schritt-Prozess, der auf der Inspiration<br />

von Virginie Viard basiert, wird dann<br />

für jede Silhouette in einer ersten Konstruktion<br />

materialisiert, die als „Toile“ bekannt ist<br />

und vor den Atelierpremieren auf dem Körper<br />

des hauseigenen Anprobemodells erstellt<br />

wird. Die Silhouette von Chanel zeigt sich in<br />

der Linienführung und im Schnitt, die den<br />

Komfort eines oft mehr gefühlten als sichtbaren<br />

Luxus gewährleisten und dem Körper<br />

völlige Bewegungsfreiheit geben. Materialien<br />

und Proportionen tragen zum Design dieser<br />

Silhouette bei. Die fünf Haute-Couture-Ateliers,<br />

die sich über und in der Nähe des<br />

Création-Studios befinden, kreieren alle<br />

Designs, sowohl die auf dem Laufsteg präsentierten<br />

als auch die von Kunden bestellten.<br />

Die beiden „Flou“-Ateliers widmen sich den<br />

zarten Stoffen (Tüll, Seide, Organza, Spitze,<br />

Chiffon, Crêpe), aus denen die Kleider, Röcke,<br />

Blusen und Outfits aus leichten Materialien<br />

hergestellt werden. In den drei „Tailleur“-Ateliers<br />

werden Jacken, Röcke, Hosen und Mäntel<br />

aus dickeren Stoffen hergestellt, darunter<br />

die emblematischen Tweeds des Hauses. Die<br />

Atelierpremieren gewährleisten eine perfekte<br />

Ausführung jeder Kreation im ständigen Kontakt<br />

mit dem Studio. Parallel zu dieser Arbeit<br />

führen die Métiers d’Art, die untrennbar mit<br />

der Exzellenz und Raffinesse der Pariser<br />

Haute Couture verbunden sind, die Verzierungen<br />

durch, die Chanels Kreationen veredeln:<br />

zarte Stickereien, raffinierte Tweeds,<br />

geschickte Falten, florale Ornamente … Die<br />

Quintessenz der Handwerkskunst hilft dabei,<br />

sich auszudrücken und die außergewöhnlichen<br />

Werte des Savoir-faire zu verewigen und<br />

ständig zu bereichern, während gleichzeitig<br />

deren Weitergabe sichergestellt wird.<br />

Chanel Haute Couture<br />

über den Dächern von<br />

Paris: ein Modell aus der<br />

Herbst / Winter-<br />

Kollektion 2021 / 22<br />

Foto: Mikael Jansson<br />

28 SUMMER <strong>2023</strong>


FASHION | PORTRAIT<br />

COCO CHANELS<br />

ESPRIT BLEIBT<br />

SPÜRBAR<br />

Im Januar 2021 weihte Chanel seine neuen<br />

Haute-Couture-Salons ein, die vom Pariser<br />

Innenarchitekten Jacques Grange entworfen<br />

wurden. Jacques Grange, ein Freund des Hauses,<br />

stellte sich diese Renovierung in Komplizenschaft<br />

mit Karl Lagerfeld und Virginie<br />

Viard damals so vor: „Ich wollte diesen Salons<br />

einen glamourösen Aspekt und noch mehr<br />

Couture-Geist verleihen. Ich wollte sie zu<br />

einem sehr wertvollen Schaufenster machen.<br />

Diese Arbeit wurde in einer wunderbaren Vertrauensatmosphäre<br />

ausgeführt.“ Das Projekt<br />

basiert auf den Fotoarchiven, die dem Dekorateur<br />

des Hauses Chanel anvertraut wurden.<br />

Grange: „Diese Fotos waren für mich eine<br />

Referenz, ich mag diese Herangehensweise,<br />

die es mir ermöglicht, in eine Geschichte einzutauchen,<br />

die ich gut kenne. Für Chanel<br />

habe ich versucht, die Salons wie zu Coco<br />

Chanels Zeiten heraufzubeschwören, aber mit<br />

einem künstlerischen Geist.“ Streng genommen<br />

handelt es sich also nicht um eine Rekonstruktion,<br />

auch wenn sich der Dekorateur<br />

bemüht hat, bestimmte Elemente, die die<br />

k<br />

Nominiert für einen Oscar als<br />

beste Hauptdarstellerin in<br />

Spielbergs „Die Fabelmans“:<br />

Michelle Williams im März <strong>2023</strong> in<br />

Chanel Haute Couture<br />

W<br />

In Japan gefeiert als Model und<br />

Schauspielerin: Anne Watanabe in<br />

Chanel Haute Couture bei den Oscars<br />

O<br />

Kristen Stewart beim Jury-Photocall<br />

der Berlinale im Februar in Berlin:<br />

Die Schauspielerin liebt Chanel<br />

Räumlichkeiten zu Gabrielle Chanels Zeiten<br />

prägten, wieder zum Leben zu erwecken.<br />

Insbesondere die Spiegel, die die Wände<br />

bedecken, und die Säulen, die den Raum<br />

optisch vergrößern, sowie die Coromandellackierten<br />

Paravents, die Chanel gesammelt<br />

hat. So wurde entlang einer mit Spiegeln<br />

gesäumten Wand ein prächtiger Bildschirm<br />

von außergewöhnlichen Ausmaßen installiert,<br />

der ein Archivfoto der Salons wiedergibt.<br />

Das gesamte Projekt wurde mit dem<br />

Gedanken der Kontinuität in Bezug auf die<br />

emblematische modernistische Treppe des<br />

Hauses angegangen, die durch die Vervielfachung<br />

in Spiegeln zur Geltung kommt.<br />

Die Salons wurden in einem sehr femininen<br />

und Pariser Geist restauriert. Alles wurde<br />

so gestaltet, dass eine komfortable, raffinierte<br />

und warme Atmosphäre geboten<br />

und gleichzeitig das ästhetische Vokabular<br />

des Hauses widergespiegelt wird: Wände in<br />

Weiß oder in Spiegel gehüllt, Teppiche aus<br />

grauer Seide, mit subtilen Nuancen gesprenkelt,<br />

schwarz gerahmte Spiegel auf Säulen,<br />

konvexe Spiegel und Beistelltische mit vergoldeten<br />

Beinen aus Bronze in Form von<br />

Weizenären von Goossens, Konsolentische<br />

aus weiß emaillierter Keramik von Giuseppe<br />

Ducrot, Säulentische aus Harz und Glas von<br />

Marina Karella, Sofas und Sessel aus abgestepptem<br />

weißem Segeltuch. Die Leuchten,<br />

Stehleuchten, Wandarmleuchten sowie die<br />

abgehängten Deckenleuchten in Gips und<br />

Bronze von Patrice Dangel strahlen alle in<br />

der Farbe Weiß. In den für Anproben reservierten<br />

Salons wurden große Triptychon-<br />

Spiegel mit Goldrahmen neben Paravents<br />

aus genopptem Damaststoff und Stühlen<br />

von Gio Ponti installiert. Während historische<br />

Inspiration den Ton für diese neuen<br />

Salons angab, hat Jacques Grange eine befreite<br />

und persönliche Interpretation geliefert<br />

und die ästhetischen Codes von Chanel mit<br />

seiner eigenen Interpretation des Dekors<br />

und seinen Ideen aus Gesprächen mit Virginie<br />

Viard bereichert. Parallel zur Arbeit an<br />

den Haute-Couture-Salons führten Jacques<br />

Grange und seine Teams auch Restaurierungsarbeiten<br />

an der Privatwohnung von<br />

Gabrielle Chanel im zweiten Stock durch, die<br />

2013 vom Kulturministerium in Anerkennung<br />

ihrer nationalen Bedeutung unter<br />

Denkmalschutz gestellt wurde.<br />

Chanel Haute Couture schöpft aus ihren<br />

Ursprüngen, konzentriert sich aber immer auf<br />

die Gegenwart und ist ein kraftvoller Vektor<br />

der Träume. Aus diesem Ideal der Eleganz entstehen<br />

einzigartige Modemomente, die den<br />

Worten Luxus und Kreation ihre wahre Bedeutung<br />

verleihen. Seit mehr als einem Jahrhundert<br />

ist die Rue Cambon 31 das Theater eines<br />

Systems, in dem jedes Element, von der Wohnung<br />

von Gabrielle Chanel bis zum Création-<br />

Studio, von den Ateliers bis zu den Haute-<br />

Couture-Salons, heute mehr denn je dazu<br />

beiträgt, Träume wahr werden zu lassen.<br />

Chanel Haute Couture spielt gerade auch<br />

in zwei aktuellen Ausstellungen eine sehenswerte<br />

Rolle. In New York wurde Anfang Mai<br />

die alljährliche Modeausstellung des Metropolitan<br />

Museum of Art eröffnet. Sie ist Karl<br />

Lagerfeld gewidmet und läuft noch bis<br />

16. Juli. (Eine Ausstellung über das Haus<br />

Chanel gab es dort bereits 2005.) Ab 16. September<br />

gibt es dann im Victoria and Albert<br />

Museum in London das Werk von Gabrielle<br />

„Coco“ Chanel zu sehen.<br />

Kein Wunder, bei so viel Kreativität,<br />

Schönheit und Luxus, dass es zahlreiche<br />

Prominente gibt, die sich gerne in Chanel<br />

zeigen. Das war schon zu Lebzeiten Coco<br />

Chanels so, als Romy Schneider (deren Stilberaterin<br />

Coco wurde), aber auch Marlene<br />

Dietrich oder Jeanne Moreau zu den <strong>–</strong> heute<br />

würde man sagen <strong>–</strong> Chanel-Influencerinnen<br />

zählten. Bei der Haute-Couture-Show <strong>2023</strong><br />

saßen da neben vielen anderen prominenten<br />

Gästen Tilda Swinton, Sigourney Weaver<br />

und Vanessa Paradis. Im März konnte man<br />

zahlreiche Stars bei den Oscars in Chanel<br />

Haute Couture bewundern <strong>–</strong> von Anne<br />

Watanabe bis Michelle Williams. Kristen<br />

Stewart trug bei der Berlinale im Februar in<br />

Berlin und Anfang Mai bei der Met Gala in<br />

New York Chanel, aber auch Nicole Kidman<br />

und unzählige andere Gäste.<br />

p<br />

Fotos: Courtesy of Chanel (3)<br />

30 SUMMER <strong>2023</strong>


LIVE &<br />

IN FARBE<br />

Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen! Und wenn die internationalen<br />

Showbizgrößen über den roten Teppich schreiten, sind alle Kameras auf sie,<br />

aber auch auf die leuchtenden und funkelnden Kreationen<br />

der Schmuckdesigner gerichtet. Bühne frei<br />

Mit über 200 Millionen<br />

verkauften Tonträgern<br />

zählt Beyoncé zu den<br />

erfolgreichsten<br />

Sängerinnen aller<br />

Zeiten. Kein Wunder,<br />

dass Messika ihr<br />

eigens für das<br />

Bühnen-Comeback<br />

Ohrringe designte<br />

ACCESSOIRES<br />

2<br />

1<br />

1<br />

1 | Cartier<br />

Zeitlos: Einem glanzvollen Auftritt<br />

steht mit diesem Meisterwerk<br />

nichts im Weg. Das Gehäuse<br />

ist aus Stahl gefertigt, und<br />

42 Diamanten im Brillantschliff<br />

schmücken die Lünette. Definitiv<br />

ein eleganter Eyecatcher für<br />

besondere Stunden. Schauspieler<br />

Jay Ellis strahlte damit heuer bei<br />

den Oscars in Los Angeles. Uhr<br />

„Tank Must Watch“<br />

2 | Messika<br />

Goldenes Déjà-vu: Nach vierjähriger<br />

Pause feierte R-’n’-B-Ikone<br />

Beyoncé im Jänner <strong>2023</strong> ihr<br />

Bühnen-Comeback mit einem<br />

Privatkonzert in Dubai. Mit den<br />

asymmetrischen Chandelier-Diamantohrringen,<br />

die speziell für<br />

die Sängerin entworfen wurden,<br />

hatte sie einen großen Auftritt.<br />

Aus der „High Jewelry“-Kollektion<br />

3 | Tiffany & Co.<br />

Klassische Schönheit: Die zweifache<br />

Oscarpreisträgerin Hilary<br />

Swank präsentierte sich bei der<br />

Preisverleihung <strong>2023</strong> mit Preziosen<br />

von Tiffany & Co. Der Ring<br />

wurde aus Platin konzipiert und<br />

mit Diamanten in Pavé-Fassung<br />

veredelt. „Etoile Five-Row Diamond<br />

Band Ring“<br />

3<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller, Messika<br />

32 SUMMER <strong>2023</strong><br />

33


ACCESSOIRES<br />

k<br />

Carla Bruni trägt<br />

Bulgari beim Sanremo<br />

Music Festival <strong>2023</strong><br />

l<br />

Nina Hoss auf der<br />

Berlinale <strong>2023</strong><br />

mit Schmuck von<br />

Bucherer<br />

x<br />

Emily Blunt<br />

glänzt mit<br />

Chopard bei<br />

den Oscars<br />

<strong>2023</strong><br />

1<br />

2<br />

95% NATÜRLICHEN URSPRUNGS *<br />

DIE LEICHTIGKEIT EINES PUDERS. DIE PERFEKTION EINER FOUNDATION.<br />

24 STUNDEN HALT <strong>–</strong> OHNE ABFÄRBEN<br />

3<br />

1 | Bucherer<br />

Blick in die Zukunft: Als Schauspielerin<br />

Nina Hoss mit diesem<br />

Ring aus 18-karätigem Weißgold,<br />

der mit unzähligen Diamanten<br />

verziert ist, im Februar <strong>2023</strong> auf<br />

dem roten Teppich der Berlinale<br />

erschien, war es ein exklusiver<br />

Teaser. Denn dieses Meisterwerk<br />

wird erst diesen Sommer lanciert.<br />

Aus der „Fine Jewellery“-<br />

Kollektion<br />

4<br />

2 | Bulgari<br />

Verführerisch: Beim diesjährigen<br />

Sanremo Music Festival in Italien<br />

begeisterte Carla Bruni mit<br />

einem faszinierenden Collier aus<br />

18-karätigem Rotgold. Besetzt<br />

mit schimmerndem Perlmutt<br />

und funkelnden Diamanten,<br />

schlängelte es sich geschmeidig<br />

um den Hals der Sängerin. Aus<br />

der „Serpenti“-Kollektion<br />

3 | Tamara Comolli<br />

Wasserkraft: Das Tropfendesign,<br />

wie bei diesem Ring in 18-karätigem<br />

Gelbgold mit Diamanten, ist<br />

charakteristisch für die Maison.<br />

Schauspielerin Halle Bailey zeigte<br />

sich mit dem extravaganten<br />

Stück bei der Premiere von „Avatar:<br />

The Way of the Water“ 2022<br />

und zog alle Blicke auf sich. Ring<br />

„Signature Lace“<br />

4 | Chopard<br />

Filmreif: Einmal im Jahr trifft<br />

sich das Who’s who von Hollywood<br />

bei den Oscars. Emily<br />

Blunt ist da keine Ausnahme.<br />

Die Ohrringe der Schauspielerin<br />

waren mit 76,17-karätigen rosa<br />

Saphiren und 5,89-Karat-Diamanten<br />

gefasst. Aus der „Haute<br />

Joaillerie“-Kollektion<br />

Fotos: Hersteller, Daniele Venturelli/Getty Images, Bucherer/Getty Images<br />

34<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

*Entspricht ISO-Norm 16128.<br />

Die restlichen 5% tragen zur Integrität und Sensorik des Produkts bei.


ACCESSOIRES<br />

1<br />

EINE NEUE ÄRA<br />

JUGENDLICHER<br />

AUSSTRAHLUNG<br />

Erleben Sie die NEUE The Moisturizing Soft Cream<br />

Diese neue Interpretation der beliebten Formulierung polstert die Haut von innen<br />

heraus auf und hilft so, sichtbaren Anzeichen der Hautalterung entgegenzuwirken.<br />

Bewahren Sie heute Ihr jugendlich straffes und glattes Aussehen und helfen Sie<br />

Ihrer Haut, sichtbaren Zeichen der Hautalterung von morgen vorzubeugen.<br />

2<br />

4<br />

3<br />

2 | Van Cleef & Arpels<br />

Königlich: Kate Middleton, die<br />

nunmehrige Princess of Wales,<br />

überstrahlte alle bei einem offiziellen<br />

Auftritt auf den Bahamas<br />

2022. Die Ohrringe aus<br />

18-karätigem Gelbgold mit<br />

Verzierungen in Perlmutt ergänzten<br />

sich perfekt mit dem<br />

blauen Seidenkleid. Aus der<br />

„Alhambra“-Kollektion<br />

hh<br />

Katherine Langford mit einem Piaget-<br />

Collier bei den Filmfestspielen<br />

von Cannes 2022<br />

hj<br />

Jane Fonda trägt beim Wiener<br />

Opernball <strong>2023</strong> Preziosen von<br />

Pomellato<br />

h<br />

Jessica Chastain strahlt mit<br />

einem Kleinod von Gucci bei<br />

den Oscars <strong>2023</strong><br />

1 | Piaget<br />

Strahlkraft: „Ein schöner Rücken<br />

kann auch entzücken“, wie es<br />

heißt. Unter Beweis stellte das<br />

Katherine Langford bei den<br />

Filmfestspielen von Cannes 2022<br />

mit einem 18-karätigen Weißgold-Collier.<br />

Im Fokus ein grüner<br />

Smaragd. „Limelight Piaget Sunlight<br />

Journey Necklace“<br />

3 | Gucci<br />

Und Action: Schauspielerin Jessica<br />

Chastain hat sich bei den<br />

Oscars <strong>2023</strong> für einen kompletten<br />

Look von Gucci entschieden.<br />

Das Herzstück bei diesem Outfit<br />

war zweifelsohne das Collier aus<br />

18-karätigem Weißgold mit Tsavoriten<br />

und Diamanten, das sie<br />

um den Hals trug. Aus der „High<br />

Jewelry“-Kollektion<br />

4 | Pomellato<br />

Alles Walzer: Die Grande Dame<br />

Jane Fonda hat es sich in diesem<br />

Jahr nicht nehmen lassen, den<br />

Wiener Opernball zu besuchen.<br />

Sofort ins Auge stachen die<br />

leuchtenden Preziosen, wie die<br />

Armspange aus 18-karätigem<br />

Roségold und 133 Diamanten.<br />

Armspange „Fantina“<br />

Fotos: Hersteller, Gisela Schober/Getty Images, Getty Images<br />

LaMer.eu #TheMoisturizingSoftCream<br />

36<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


LUXURY PIECE | WOMEN<br />

ROCK ’N’<br />

ROLL COUTURE<br />

Type IIa Diamond, White Diamonds and Blue Sapphires<br />

handcrafted in Platinum<br />

Das französische Wort „libre“ bedeutet auf Deutsch „frei“. Stets entstehen die faszinierendsten Werke, wenn Künstler unabhängig<br />

von Das Erwartungen ikonische Seidenfoulard und Konventionen von Versace arbeiten. diente Auch als Cartier Inspiration folgt diesem für Credo, aktuelle besitzen Frühjahr-Sommer doch die Kreativstudios Kollektion der Maison.<br />

jedes Jahr alle Muster, Freiheiten, Materialien, um eine Farben neue und „Libre“-Kollektion Kontraste wurden zum unübersehbar Leben zu erwecken. daraus entlehnt Zu erwarten und ist mutig das Unerwartete, in Szene gesetzt. so wie auch<br />

heuer Donatella wieder. Bei Versace diesem hat goldenen die einst verträumten Cape wird die Hingucker Handwerkskunst völlig neu eines erfunden Pariser und Modeschöpfers, provokativ drapiert, der Designer wie nur aus sie dem es kann. Hause<br />

Cartier Vor und allem eines die Kettenmachers knalligen Farben zusammengeführt, ziehen sich durch um alle ein Kreationen. strahlendes Auch Unikat diese zu eleganten kreieren, das „Medusa die feine Chain“ Welt Sandalen der Couture zieren mit<br />

brachialen ihre Handschrift Rock-Elementen und sind kombiniert ein bunter und Eyecatcher zu einem für eleganten warme Sommernächte. Masterpiece verschmelzen Gefertigt aus lässt. geschmeidigem Lenkt man sein Nappaleder Augenmerk in<br />

auf die unteren Zuckerlrosa Enden oder der Meerblau goldenen und Reißverschlüsse, strahlend verziert so erkennt mit einer man goldfarbenen facettierten Kette Onyx an mit den funkelnden Zehen- und Diamanten. Knö.<br />

Getragen von Zoe Saldana auf der Vanity Fair Oscar Party <strong>2023</strong>. Aus der „Tressage“-Kollektion<br />

38 SUMMER <strong>2023</strong><br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller<br />

S A L Z B U R G - G S T A A D - L O N D O N - H O N G K O N G<br />

W W W . A E N E A . C O M


PORTRAIT<br />

Internationaler Erfolg trotz schwierigen Namens:<br />

1963 gründete Ole Lynggaard in der Nähe von<br />

Kopenhagen eine Schmuckmanufaktur. Durch<br />

außergewöhnliche Formensprache und akribisches<br />

Handwerk wurde aus dem Goldschmied ein königlicher<br />

Hoflieferant und ein weltweit gefeiertes<br />

Familienunternehmen. Teil des Erfolgs sind auch<br />

Oles Kinder Charlotte und Søren Lynggaard<br />

Von Brigitte R. Winkler<br />

P<br />

Ring aus der aktuellen<br />

Kollektion: mit Türkis<br />

O<br />

Beginn einer großen<br />

Liebe: Karin und Ole<br />

Lynggaard<br />

R<br />

Karin Lynggaard 1960:<br />

Ehefrau, Muse, Model<br />

Fotos: Ole Lynggaard Copenhagen<br />

SCHMUCK ZUM<br />

VERLIEBEN<br />

40 SUMMER <strong>2023</strong><br />

41


PORTRAIT<br />

Was ist ein „Olefant“?<br />

Schmuckliebhaber und<br />

-auskenner wissen das<br />

natürlich: Unter den inzwi<br />

schen un zäh ligen<br />

wunderbaren Schmuckstücken<br />

von Ole Lynggaard Copenhagen stechen<br />

nach wie vor die Elefanten-Kleinode<br />

hervor. Der Gründer der Kopenhagener<br />

Schmuck dynastie, Ole Lynggaard, entdeckte<br />

seine Passion für Elefanten, als er als frischgebackener<br />

Goldschmied durch Asien reiste.<br />

Zunächst schlug sich das in zahlreichen Elefantenzeichnungen<br />

für seine Kinder Charlotte<br />

und Søren nieder. Schließlich wurde daraus<br />

ein Schmuckstück, das er seiner Frau und<br />

Muse Karin 1988 zur silbernen Hochzeit<br />

schenkte. Als Geschenk zu ihrem 50. Hochzeitstag<br />

bekam sie einen diamantbesetzten<br />

Elefanten, wieder einmal als Erste. „Olefanten“<br />

wurden und werden nach wie vor aus<br />

18-karätigem Gold und mit strahlend weißen,<br />

oft unzähligen Diamanten unterschiedlichster<br />

Größe handgefertigt.<br />

Keine Überraschung, dass die entzückenden,<br />

inzwischen auch noch variantenreicheren<br />

Elefanten-Schmuckstücke nach wie vor<br />

zu den Bestsellern des Hauses gehören und<br />

wahre Schmuckikonen geworden sind.<br />

Nun zur Geschichte der Schmuckmanufaktur.<br />

Vor der Gründung des inzwischen gefeierten<br />

Hauses beendete Ole Lynggaard erst einmal<br />

seine Ausbildung zum Goldschmied und entschied<br />

sich für eine fünfjährige Weltreise. Sie<br />

führte ihn von Schwäbisch Gmünd, wo er ein<br />

Jahr lang erneut eine Gold schmiede schule<br />

besuchte, nach Paris, wo er zwei Jahre lang<br />

unweit der Place Vendôme arbeitete. Weiter<br />

ging es nach New York, dort war er für die<br />

Familie Austier in der Nähe der 5th Avenue<br />

tätig. Er schuf große, exklusive Unikate, für<br />

deren außergewöhnliche Formensprache sein<br />

Unternehmen seither bekannt, ja berühmt ist.<br />

Von New York ging es weiter nach San Francisco<br />

<strong>–</strong> auch dort verdiente er sein Geld als<br />

Goldschmied. Danach arbeitete er auf einem<br />

Frachtschiff, das ihn über den Pazifischen<br />

Ozean nach Tokio brachte. Auf seinen Reisen<br />

sammelte er Ideen aus der ganzen Welt, die in<br />

seinem Werk <strong>–</strong> siehe der „Olefant“ <strong>–</strong> noch<br />

immer unübersehbar sind. Seine Schlangen-<br />

Kollektion ist etwa vom Besuch des Nationalmuseums<br />

in Kairo und von dem dort ausgestellten<br />

Grabschatz des Pharaos<br />

Tutanchamun inspiriert.<br />

Weiter ging es 1963 mit dem Flieger zurück<br />

nach Dänemark. Ole heiratete seine Traumfrau<br />

Karin, die zudem seine Muse wurde. Er<br />

mietete ein Hinterhaus im Vorort Hellerup<br />

nördlich von Kopenhagen. Hier produzierte<br />

er seine erste Kollektion. Das erste Schmuckstück<br />

aus dieser Kollektion war für seine Frau<br />

bestimmt. Mit seinem kleinen grünen<br />

Fiat 500 und seinen Produkten fuhr er durch<br />

die Gegend und verkaufte seine Schmuckstücke<br />

an Juweliergeschäfte rund um und in<br />

Kopenhagen. Die ersten 25 Jahre vereinte er<br />

viele verschiedene Tätigkeiten in einer Person:<br />

Er war Designer, Production-Manager,<br />

Geschäftsführer und Verkäufer zugleich.<br />

1979 kreierte Ole Lynggaard eine originelle<br />

und innovative Art von Verschluss für<br />

seine Schmuckstücke. Dieser ermöglicht es,<br />

mehrere, ja endlos viele Schmuckstücke miteinander<br />

zu verbinden und in neue, variantenreiche<br />

Kleinode zu verwandeln. Der meist<br />

unsichtbare Verschluss wurde inzwischen zu<br />

einem essenziellen Teil des Designs und ein<br />

weiterer Bestandteil des unverkennbaren<br />

Handwerks des Hauses.<br />

O<br />

Nach Ole entwirft jetzt Charlotte<br />

Lynggaard den Schmuck des Hauses<br />

O<br />

Wenn es die Zeit und<br />

das Wetter zulassen:<br />

die gesamte<br />

Lynggaard-Family<br />

beim Lunch<br />

U<br />

Typisch für Ole<br />

Lynggaard<br />

Copenhagen:<br />

Blätter, Gold,<br />

Diamanten<br />

In der Zwischenzeit ist Ole Lynggaard Copenhagen<br />

zu einem Familienunternehmen herangewachsen.<br />

Tochter Charlotte begann ihre<br />

Goldschmiedelehre 1987 im Unternehmen<br />

ihres Vaters. Danach reiste auch sie in die Welt<br />

hinaus. In die Schweiz, nach Paris, San Francisco<br />

und wieder Paris, wo sie fast vier Jahre lebte.<br />

Dort entwarf sie auch ihre erste Kollektion:<br />

Bienen und Blumen. Charlotte: „Ich wollte<br />

etwas entwerfen, das ins Ole-<br />

Lynggaard-Copenhagen-Universum passt,<br />

aber dennoch anders ist. Ich wusste, dass mein<br />

Vater niemals eine Blume entwerfen würde. Es<br />

war also perfekt, hiermit anzufangen.“ Bienen<br />

und Blumen symbolisieren einen neuen<br />

Anfang, und so wurden sie 1994 zu Charlottes<br />

erster Kollektion. Seither ist Charlotte als<br />

Creative Director für das Design, aber auch für<br />

alle kreativen Prozesse wie zum Beispiel die<br />

Kampagnen, das Interieur der Boutiquen und<br />

die Fenster dekoration zuständig. Um ihren<br />

genialen Schmuck entsprechend vorstellen zu<br />

können, entwirft Charlotte für das 60-Jahr-<br />

Jubiläum der Marke auch Kleider. Dabei wird<br />

sie bereits von ihrer Tochter Sofia unterstützt.<br />

Manchmal sogar als bildschönes Model.<br />

Als Søren Lynggaard ebenfalls 1994<br />

begann, im Betrieb des Vaters mitzuarbeiten,<br />

hatte die Manufaktur insgesamt 20 Angestellte,<br />

und die Kollektionen wurden nur in Skandinavien<br />

verkauft. Søren war zunächst Production-Manager,<br />

seit 2003 ist er als CEO des<br />

Unternehmens mit inzwischen 160 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeitern vor allem für die<br />

wirtschaftlichen Aspekte zuständig.<br />

2009 nahm Charlotte Lynggaard an einer<br />

Tiara-Ausstellung im Schloss Amalien borg<br />

teil. Die von ihr designte und in 400 Arbeitsstunden<br />

hergestellte „Midnight Tiara“ zeichnete<br />

sich nicht nur durch ein grandioses<br />

Design aus, sondern auch durch eine Innovation<br />

in der Goldbearbeitung: die satinierte<br />

Ober fläche <strong>–</strong> seither ein Markenzeichen vieler<br />

Lynggaard-Kollektionen. Die Tiara gefiel<br />

nicht nur der dänischen Königin Margrethe II.<br />

besonders gut. Kronprinzessin Mary fragte an,<br />

h<br />

Das nach wie vor verliebte<br />

Ehepaar: Karin und Ole<br />

Lynggaard im Jahr 2020<br />

k<br />

Der erste Entwurf<br />

Ole Lynggaards für die<br />

Elefanten-Schmuckstücke<br />

h<br />

Ein Schmuckstück<br />

mit Perle, entworfen<br />

von Charlotte<br />

Lynggaard<br />

O<br />

Ole Lynggaard mit<br />

seinem Sohn Søren<br />

1991 bei einem<br />

gemeinsamen<br />

Ausflug in Tansania<br />

ob es möglich wäre, sie zum 75. Geburtstag<br />

von Prinz Henrik zu tragen. Seitdem ist Mary<br />

die Einzige, die die Tiara tragen darf. Schon<br />

davor, nämlich seit 2008, war Ole Lynggaard<br />

Copenhagen königlicher Hoflieferant. Dazu<br />

die Lynggaards: „Wir sind sehr stolz darauf,<br />

denn man kann sich erst nach einer erfolgreichen<br />

Zusammenarbeit von mindestens<br />

25 Jahren darum bewerben. Unser Vater<br />

arbeitet bereits seit Ende der 1960er-Jahre<br />

mit dem Königshaus.“ Ergänzung: „Auch<br />

unsere Flagship<strong>–</strong>Stores in Sydney, München,<br />

Stockholm, Dänemark und Paris waren<br />

wichtige Meilensteine!“<br />

Der erste davon <strong>–</strong> am Airport von Kopenhagen<br />

<strong>–</strong> wurde 2009 eröffnet. Es war das Jahr,<br />

in dem Ole Lynggaard Copenhagen beschloss,<br />

das bestens etablierte Erfolgsunternehmen<br />

zu einer internationalen Luxusmarke zu<br />

machen. Es war auch das erste Jahr, in dem<br />

das Unternehmen an der damals wichtigsten<br />

internationalen Uhren- und Schmuckmesse<br />

im schweizerischen Basel, der „Baselworld“,<br />

42<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

43


PORTRAIT<br />

O<br />

Von Beginn an: Jeglicher<br />

Schmuck wird in den<br />

hauseigenen<br />

Werkstätten hergestellt<br />

U<br />

Unverkennbarer<br />

Schmuck: von<br />

großartigen, dem Haus<br />

verbundenen<br />

Fachleuten, ja<br />

Künstlern, hergestellt<br />

c<br />

Ohrringe: Für das<br />

kleinste Format<br />

der Diamanten hat<br />

Charlotte<br />

Lynggaard gekämpft<br />

teilnahm. Weltweit gibt es inzwischen <strong>–</strong><br />

neben den sechs Flagship-Stores <strong>–</strong> über<br />

200 Einzelhändler. In Österreich ist der einzigartige<br />

Schmuck unter anderem bei Juwelier<br />

Heldwein und im neuen „Concept Studio“<br />

von Anton Heldweins Stiefsohn Sebastian<br />

Schroeter erhältlich. Anlässlich der Eröffnung<br />

von „Select“ im Goldenen Quartier in der<br />

Wiener Innenstadt im Herbst 2020, wo es<br />

unterschiedlichste, aber immer qualitätsvolle<br />

Produkte zu erstehen gibt, wurde von Ole<br />

Lynggaard Copenhagen eine eigens dafür<br />

kreierte und ausschließlich im „Concept Studio“<br />

erhältliche „Viennese special edition“ der<br />

Elefanten-Kollektion entworfen. Mit ihren<br />

Tansaniten und Saphiren spiegeln die kleinen<br />

Dickhäuter das Blau der Donau wider.<br />

Es gab zahlreiche Auszeichnungen für das<br />

Haus. Dazu ist Ole Lynggaard Copenhagen<br />

jetzt auch in Charity-Projekte involviert. Der<br />

Umsatz 2022 betrug 40 Millionen Euro. Als<br />

vor ein paar Jahren das französische Luxuskonglomerat<br />

LVMH an einer Beteiligung<br />

Interesse zeigte, lehnte die Familie nach langen<br />

Verhandlungen schließlich ab. Søren<br />

Lynggaard: „Wir haben jetzt halt keine Milliarden<br />

für die Werbung, und unser Wachstum<br />

wird langsamer vor sich gehen. Doch unser<br />

Traum ist es nicht, größer und größer zu<br />

werden, und das so schnell wie möglich.<br />

Unsere Leidenschaft ist die Qualität. Die<br />

wollen wir beibehalten und keine Kompromisse<br />

eingehen.“<br />

So verwundert es nicht, dass die kleine<br />

Werkstatt in Hellerup noch heute Teil des<br />

Headquarters ist. Dieses ist seither natürlich<br />

gewachsen und verteilt sich auf mehrere<br />

Gebäude rund um einen kleinen Platz. Hier<br />

findet man alles, was zur Erstellung des<br />

Schmucks notwendig ist. Von den Werkstätten<br />

der hauseigenen 45 Goldschmiedinnen<br />

und Goldschmiede bis zu den Büros von<br />

Charlotte und Søren Lynggaard, in denen<br />

auch Vater Ole Lynggaard nach wie vor<br />

immer wieder anzutreffen ist.<br />

BESUCH IN<br />

HELLERUP<br />

Kennt man den einzigartigen Schmuck von<br />

Ole Lynggaard Copenhagen, erwartet man<br />

sich in den Werkstätten natürlich eindrucksvolle<br />

Handwerkskunst. Beim Besuch in Hellerup<br />

ist man immer wieder verblüfft, überrascht<br />

und fasziniert bis hin zu erstaunt und<br />

begeistert. Und egal, ob man zunächst an<br />

einem Tisch mit Charlotte und Søren Lynggaard<br />

sitzt und Grundsätzliches hört, ob man<br />

dann durch verschiedene Räumlichkeiten<br />

geführt wird, zum Lunch in die hauseigene<br />

Kantine eingeladen wird oder schlussendlich<br />

in den Werkstätten den Goldschmiedinnen<br />

und Goldschmieden über die Schulter blicken<br />

darf <strong>–</strong> man spürt immer wieder eines: Familie.<br />

Das ganze Unternehmen wirkt auf einen wie<br />

eine große Familie. Mit selbstverständlichem<br />

Team-Spirit und Freude an der Arbeit. Und<br />

das in der größten Juwelierwerkstatt in<br />

Europa!<br />

O<br />

Schlangenring: Einst von Ole Lynggaards<br />

Reise nach Ägypten inspiriert<br />

44 SUMMER <strong>2023</strong>


PORTRAIT<br />

W<br />

Von der Tierwelt<br />

ist Ole Lynggaard<br />

Copenhagen seit<br />

Beginn fasziniert<br />

k<br />

Charlotte<br />

Lynggaard im<br />

Atelier: Hier<br />

entstanden die<br />

Kleider für die<br />

Models der<br />

Jubiläumsshow<br />

U<br />

Auch ein<br />

begeisterter<br />

Autosammler: Ole<br />

Lynggaard mit<br />

einem seiner<br />

Lieblinge<br />

Natürlich trägt Charlotte ihren eigenen<br />

Schmuck, Ringe und Ohrringe. Bruder Søren<br />

noch viel mehr. Die beiden beginnen, von der<br />

Geschichte des Hauses zu erzählen. Charlotte<br />

zu ihrem Bruder: „Fang du erst einmal an. Du<br />

bist besser mit Zahlen.“ Das macht Søren<br />

dann auch sehr gut, kommt von den Zahlen<br />

aber rasch wieder zum Essenziellen: „Bis<br />

2008 waren wir eine starke Marke in Skandinavien,<br />

wollten dann aber nach Europa. Es<br />

war ein langer Kampf, weil unser Name so<br />

schwierig ist. Aber wir wollten und wollen<br />

keine Kompromisse eingehen. Wir wollen<br />

keine Franchise-Geschäfte. Wir wollen entscheiden,<br />

wie ein Geschäft aussehen soll.<br />

Star-Kollektion, unter anderem mit<br />

den kleinsten Diamanten: Ohne<br />

Charlotte gäbe es sie nicht<br />

Charlotte kreiert das Universum rund um<br />

unsere Arbeit. Wir wollten auch keine Investoren,<br />

wir wollten selber wachsen, family<br />

owned und runned, das war uns wichtig.<br />

Unsere Stars sind unsere Designer.“ Charlotte<br />

fährt fort, erzählt von ihrer Tiara und den<br />

400 Stunden Arbeit, die sie investierte: „Es<br />

hat sich ausgezahlt.“ Und: „Ich schaue mir<br />

gern die alten Zeichnungen meines Vaters an.<br />

Das bringt uns immer wieder zu neuen Ideen,<br />

zur nächsten Stufe des Erfolgs.“ Für das Jubiläum<br />

hat Charlotte auch spezielle Kleider entworfen:<br />

„Das sieht man auch nicht in anderen<br />

Juweliergeschäften.“ Søren: „Alles selbst zu<br />

machen, ist nicht so einfach, aber wir bleiben<br />

dabei! Was hilft, ist auch die so lange Zusammenarbeit<br />

mit unseren Lieferanten. Viele<br />

davon sind auch Family-Businesses.“<br />

Nach dem wunderbaren Lunch, zubereitet<br />

von hauseigenen Köchinnen und Köchen, das<br />

man sich am Buffet selbst zusammenstellen<br />

kann, in „The Kitchen“ in Gesellschaft zahlreicher<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,<br />

geht es über den Innenhof zum Haus, wo der<br />

Vater alles begonnen hat. Hier sind die Zeichner,<br />

die Entwerfer am Werk, hier entstehen<br />

die Prototypen. Søren: „Es kann sein, dass<br />

Charlotte etwas im Wald findet. Das wird<br />

dann gezeichnet <strong>–</strong> so fängt alles an.“<br />

5.000 Modelle davon gibt es im Erdgeschoß.<br />

Um alle Prototypen herstellen zu können,<br />

braucht es allein schon viele verschiedene<br />

Größen. Gibt es doch viele verschiedene Fingergrößen,<br />

wenn es um Ringe geht. Hergestellt<br />

werden die Molds, die Formen, aus<br />

Wachs, Gold wäre zu teuer. Das kommt erst<br />

an die Reihe, wenn die Wachs-Molds perfekt<br />

sind. Unglaublich, welche Präzision, Geduld,<br />

Erfahrung, welches Können und Wissen hier<br />

vonnöten sind! Und neben feinster Handarbeit<br />

natürlich die besten und auch neuesten<br />

Maschinen.<br />

Weiter geht es an den Räumlichkeiten<br />

vorbei, in denen die Mode entworfen wird.<br />

Allein schon für die Werbekampagnen. Da ist<br />

Charlotte wieder am Wort, die eigentlich<br />

Modeschöpferin werden wollte: „Es darf alles<br />

nicht zu perfekt sein. Das wäre für den<br />

Schmuck nicht gut. Es muss auch easy sein.<br />

Das Model muss sich wohlfühlen.“ Schon<br />

wieder geht es um unzählige Stunden, die in<br />

diverse Entwicklungsstufen gesteckt werden.<br />

Charlotte: „Es ist aber auch ein Privileg, dass<br />

man das tun kann. Zeit ist unser größtes Gut!“<br />

Allerdings: „Wir kämpfen mit Konkurrenten,<br />

die viel Geld zur Verfügung haben.“ Dann<br />

schwärmt sie von der Mitarbeit ihrer Tochter<br />

Sofia. Kurz darauf von Königin Máxima aus<br />

Holland. „Ich sah Bilder von ihr beim offiziellen<br />

Besuch in Deutschland. Jaaaa, habe ich<br />

gesagt, sie trägt Ohrringe von uns!“ In Charlottes<br />

Büro finden sich zahlreiche Fotos an<br />

der Wand, auf denen Prominente zu sehen<br />

sind, die Schmuck von Ole Lynggaard Copenhagen<br />

tragen.<br />

k<br />

Auch Kopfschmuck gehört dazu:<br />

An einer Tiara arbeitete das<br />

Haus 400 Stunden<br />

bhE<br />

Schon voller Begeisterung<br />

dabei: Charlotte Lynggaards<br />

Tochter Sofia im Painting-<br />

Atelier bei der Arbeit, umgeben<br />

von stofflichen und<br />

Schmuckentwürfen<br />

Endpunkt des Rundgangs sind die Werkstätten<br />

der Goldschmiedinnen und Goldschmiede.<br />

Auch hier erfährt man gleich einmal<br />

Unglaubliches: „Wie wir mit den Steinen<br />

arbeiten <strong>–</strong> da geht es um ein Feeling, das ist<br />

oft für Juweliere schwer zu verstehen. Und es<br />

dauert lange, bis Hersteller das verstehen.<br />

Aber bei uns gibt es keine Kompromisse.“<br />

Zum Beispiel bei der Größe der kleinsten Diamanten:<br />

0,7 Millimeter, weiß der Fachmann.<br />

Charlotte wollte sie noch kleiner: 0,5 Millimeter!<br />

„Geht nicht“, sagten die Fachleute.<br />

Charlotte: „Ich will es aber!“ Jetzt gibt es sie in<br />

den tollsten Schmuckstücken von Ole Lynggaard<br />

Copenhagen. Am Pavé-Elefanten zum<br />

Beispiel. Da geht es vom kleinsten Diamanten,<br />

eben 0,5 Millimeter, bis zum jeweils größten,<br />

und dazwischen sind 18 Diamanten, die vom<br />

kleinsten bis zum größten wachsen …<br />

HAPPY BIRTHDAY<br />

Am 2. Juni war es so weit: Ole Lynggaard<br />

Copenhagen feierte sein 60-Jahr-Jubiläum.<br />

Rund 1.000 geladene Gäste konnten das<br />

Headoffice in Hellerup besichtigen. Es gab<br />

Führungen durch die Werkstatt und den<br />

Showroom und im Innenhof Essen und<br />

Trinken. Abends ging es zum großen Fest<br />

samt Modeschau im Meatpacking-Distrikt<br />

von Kopenhagen.<br />

AURUM <strong>999</strong>,9 hatte die Ehre, das Headoffice,<br />

die wunderbaren Werkstätten, die<br />

Kleider im Showroom, das gemeinsame Essen<br />

mit den Angestellten und den wunderschön<br />

ausstaffierten Flagship-Store schon vorab<br />

besuchen und erleben zu dürfen. Ab<br />

3. November kann man die handgearbeiteten<br />

Schmuckstücke hautnah genießen, wenn das<br />

Øregaard Museum in Kopenhagen die<br />

Ausstellung „Ein diamantenes Jubiläum. Ole<br />

Lynggaard <strong>–</strong> 60 Jahre in der Welt des<br />

Schmucks“ eröffnet.<br />

p<br />

46 SUMMER <strong>2023</strong><br />

47


LUXURY PIECE | MEN<br />

CARPET<br />

Der Puerto Ricaner Nick Leason war von Kindesbeinen an ein begeisterter Surfer. 2015 hatte er die Idee zu einem Board, mit<br />

dem der Fahrer über jedes Gewässer fliegen kann, ohne von Wind oder Wellen abhängig zu sein, sozusagen die ultimative<br />

Freiheit für jeden Rider. Dafür nutzte der Ingenieur die bekannten Technologien von Smartphones, Elektrofahrzeugen und<br />

sogar Drohnen, um sie in einem der aktuell angesagtesten Wassersportspielzeuge der Welt zu vereinen <strong>–</strong> dem „eFoil“. Der<br />

„fliegende Teppich“ besteht aus einer patentierten Glasfasermischung, bei der winzige Stränge zu einem ultrastabilen Material<br />

verschmolzen werden, das anschließend von den Lift-Foils-Technikern in die perfekte aerodynamische Form gebracht<br />

wird. Über eine Bluetooth-Fernbedienung in der Hand lässt sich die Geschwindigkeit bei einem Trip über Meer und See<br />

unkompliziert regulieren.<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Foto: Hersteller<br />

48<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


MIT SCHWUNG<br />

UMS ECK<br />

Nur den sprichwörtlichen Steinwurf von der bisherigen Heimat<br />

entfernt, hat Louis Vuitton im Herzen der Wiener Innenstadt ein<br />

neues Zuhause gefunden. Das Geschäft ist geprägt durch<br />

geschwungene Designelemente und eine sagenhaften Treppe,<br />

die mehr Skulptur als Mittel zur Fortbewegung ist<br />

FASHION<br />

Von Christoph Kulmer<br />

F<br />

ast könnte man meinen, das von Max Kröpf, Oskar Laske und Viktor<br />

Fiala 1852 <strong>–</strong> nur zwei Jahre bevor der Globetrotter Louis Vuitton die<br />

weltberühmte Maison gründete <strong>–</strong> entworfene Gebäude mit der denkmalgeschützten<br />

Motivrelieffassade mit Wappen von Städten wie Hamburg,<br />

Triest und London hat sein ganzes Leben lang auf seine wahre Bestimmung<br />

gewartet. Zum insgesamt vierten Mal bezieht die Luxusmarke seit<br />

der Eröffnung ihres ersten Shops in Wien im Jahr 1985 eine neue Herberge.<br />

Die noble Adresse Am Graben 20 in der Innenstadt, nur knapp<br />

50 Meter von der bisherigen Heimat auf der Tuchlauben entfernt, ist ein<br />

Meisterwerk, das Historie und Moderne verbindet. Für die Neuinszenierung<br />

der vier Etagen wurde niemand Geringerer als der renommierte<br />

amerikanische Architekt Peter Marino verpflichtet, der bereits in der Vergangenheit<br />

in den unterschiedlichsten Bereichen mit Louis Vuitton<br />

zusammengearbeitet hat. So zeichnet er auch für das Design einer Tasche<br />

der letzten „Artycapucines“-Kollektion verantwortlich. Damit folgt Wien<br />

Metropolen wie London, Los Angeles und Ginza, deren Stores ebenfalls<br />

seine einmalige Handschrift tragen, indem er Besucher das Savoir-faire<br />

und die Herkunft von Louis Vuitton auf eindrucksvolle Art erleben lässt.<br />

Fotos: Louis Vuitton, Stephane Merate<br />

Das atemberaubende<br />

Design der Treppe wird<br />

von acht farbenfrohen,<br />

grafischen Gemälden<br />

des berühmten<br />

österreichischen<br />

Künstlers Erwin Wurm<br />

unterstützt. Sie zeigen<br />

abstrahierte Wörter<br />

wie Liebe, Körper und<br />

Schönheit<br />

50 SUMMER <strong>2023</strong><br />

51


FASHION<br />

Das neue Geschäft zählt zu den größten Europas und schafft nun erstmals<br />

die Möglichkeit, das gesamte Portfolio von Louis Vuitton eindrucksvoll<br />

in Szene zu setzen. Ganz besonderes Augenmerk wird<br />

dabei auf die Möbel und Accessoires der „Objects Nomades“ gelegt,<br />

einer vom Reisen inspirierten Kollektion internationaler Designer wie<br />

India Mahdavi, Marcel Wanders Studio, Patricia Urquiola, Fernando<br />

und Humberto Campana, die bislang hierzulande nicht präsentiert<br />

werden konnte.<br />

Auf der untersten Etage des Prachtbaus entdecken Herren eine<br />

umfangreiche Auswahl an aktuellen Fashion-Trends, das Tonnengewölbe,<br />

die geschwungenen Schränke und die markanten grafischen<br />

Motive sorgen für eine moderne, dynamische Atmosphäre. Lederwaren,<br />

Uhren, Schmuck, Parfums und Reiseaccessoires befinden sich<br />

auf der Hauptebene, und im Zwischengeschoß haben Ready-to-wear-<br />

Kollektionen, Schuhe und hochwertige Lederwaren für Damen ihren<br />

großen Auftritt. Aber das Nonplusultra ist sicher der VIC-Salon im<br />

obersten Stockwerk: Hier werden „Very Important Clients“ nach Voranmeldung<br />

willkommen geheißen. Sie genießen zu den Louis-Vuitton-Highlights<br />

einen atemberaubenden Blick auf den Graben, die<br />

weltberühmte Flaniermeile der österreichischen Hauptstadt. Ob die<br />

Maison in Wien nun endlich angekommen ist oder ob die Reise in<br />

einigen Jahren weitergeht, wird man sehen.<br />

Die verschiedenfarbigen Hängesessel<br />

„Cocoon“, entworfen von Fernando und<br />

Humberto Campana, werden aus Glasfaser<br />

gefertigt und mit feinstem Kalbsleder<br />

überzogen. Der gelbe skulpturale Stuhl<br />

„Bulbo“ aus der Designschmiede Campana<br />

Brothers besticht mit einer besonders<br />

weichen Innenseite und versprüht aufgrund<br />

der Form von ineinander geschichteten<br />

Blütenblättern Feel-good-Vibes<br />

h<br />

Klassisches Parkett, strukturierte Wände und sanfte<br />

Farbakzente bringen Wärme in das Zwischengeschoß, in<br />

dem die Welt für Damen präsentiert wird. Darunter<br />

Ready-to-wear, Schuhe und hochwertige Lederwaren<br />

52 SUMMER <strong>2023</strong><br />

53


FASHION<br />

www.porsche.at<br />

v<br />

Einblick in die privaten VIC-Salons<br />

mit Blick auf den Graben. Nach<br />

Voranmeldung kann man sich hier<br />

ungestört und diskret dem<br />

Shoppingerlebnis hingeben<br />

c<br />

Auf allen Ebenen laden kleine Lounges<br />

zum Verweilen ein. So kann man den<br />

Besuch in vollen Zügen und vor allem<br />

stressfrei genießen<br />

cx<br />

Auf der obersten Etage befindet sich<br />

eine kleine Ausstellungsfläche,<br />

wo man sich auf abwechselnde<br />

Inszenierungen freuen kann. Zum<br />

Auftakt wird eine Auswahl von nach<br />

Farben und Formen angeordneten<br />

Kreationen aus der „Objects<br />

Nomades“-Kollektion gezeigt<br />

Driven by Dreams.<br />

Der Sportwagen unserer Träume <strong>–</strong> seit 75 Jahren.<br />

911 Turbo S <strong>–</strong> Kraftstoffverbrauch kombiniert: 12,0 <strong>–</strong> 12,3/100km; CO₂-Emissionen kombiniert: 271 <strong>–</strong> 278 g/km. Stand 05/<strong>2023</strong>. Die angegebenen<br />

Werte wurden nach dem vorgeschriebenen Messverfahren VO (EG) 715/2007 (in der jeweils gültigen Fassung) im Rahmen der Typengenehmigung des<br />

Fahrzeugs auf Basis des neuen WLTP-Prüfverfahrens ermittelt.<br />

54 SUMMER <strong>2023</strong>


EDITOR’S CHOICE<br />

BEACHClub<br />

Sonnenschein pur, Meer, so weit das Auge reicht, kalte Drinks,<br />

leichte Snacks und angenehmer DJ-Sound <strong>–</strong> im Sommer werden<br />

die Beach-Clubs dieser Welt zu unserem zweiten Zuhause<br />

www.die3.eu<br />

AURUM <strong>999</strong>,9-<br />

Redakteur<br />

Christoph Kulmer<br />

mit Labrador<br />

Clouseau<br />

SONNENBAD.<br />

Das „Sunleÿa Age<br />

Minimising Global<br />

Sun Care“ von<br />

Sisley ist mein<br />

Favorit, um die<br />

Haut vor der<br />

Sonne zu schützen.<br />

sisley-paris.com<br />

AUF TAUCHGANG. Mit diesem<br />

Armband setzt man definitiv ein<br />

strahlendes Sommerstatement am<br />

Handgelenk. Inspiriert von Christian<br />

Diors Faszination für das Meer,<br />

baumeln daran viele kleine<br />

Muschelanhänger in schimmernden<br />

Farbschattierungen. dior.com<br />

GLANZVOLL. Vier versilberte<br />

Champagnerkelche in einer<br />

Aufbewahrungsbox von Robbe und<br />

Berking. Entdeckt bei Select, Seitzergasse<br />

1 <strong>–</strong> 3, 1010 Wien. select.xyz<br />

COOL BLUE.<br />

Dieses Jahr<br />

geht es im wild<br />

gemusterten<br />

Oversized-Look<br />

in den Beach-<br />

Club. Nicht fehlen<br />

darf eine große<br />

Tasche. Wie hier<br />

von Etro.<br />

etro.com<br />

FACETIME. Der<br />

„Synbiotic Defense<br />

Mist“ von Venn ist<br />

ein angenehmer<br />

Feuchtigkeitsspray<br />

für das Gesicht.<br />

niche-beauty.com<br />

FRANKREICH IN WIEN.<br />

Das beste französische<br />

Baguette für eine sommerliche<br />

Brotpause haben wir bei<br />

der Bäckerei Felzl entdeckt.<br />

Sechs Mal in Wien. felzl.at<br />

DEN SOMMER FEIERN. Der elitäre Strand beim Hotel „Monte-<br />

Carlo Beach“ in Monaco ist legendär. Am 2. Juni <strong>2023</strong> wurde zudem<br />

am Pointe de La Grande Vigie der Privatclub „La Vigie Monte-Carlo“<br />

eröffnet: tagsüber eine Lounge, abends ein stilvoller Hotspot für<br />

ausgelassene Partys an der Côte d’Azur. montecarlosbm.com<br />

FARBENMEER. Bunt erstrahlt die neue<br />

„La Grande Dame 2015 Limited Edition“.<br />

Kreiert von der Künstlerin Paola Paronetto.<br />

veuveclicquot.com<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Jürgen Hammerschmid, Hersteller, niche-beauty.com, Philipp Meiners, Moët Hennessy / Veuve Clicquot<br />

Euram Bank AG<br />

Palais Schottenring<br />

Schottenring 18<br />

1010 Wien<br />

T: +43 1 512 38 80 0<br />

F: +43 1 512 38 80 888<br />

office@eurambank.com<br />

www.eurambank.com<br />

56 SUMMER <strong>2023</strong>


NO<br />

MORE<br />

BORDERS<br />

Kunst ist stets subjektiv. Sie soll polarisieren, Grenzen überschreiten<br />

und zu Diskussionen anregen. So wie die Werke von Karl Karner, die<br />

unmissverständlich zum Dialog auffordern<br />

Von Elisabeth Muth<br />

ART | PORTRAIT<br />

„KSBrutbladd“,<br />

2021, Aluminium,<br />

Federn, Ei, Erde,<br />

Silikon, Anzünder<br />

Der Künstler<br />

Karl Karner mit<br />

seinem Werk<br />

„STARLight“,<br />

2021, Aluminium,<br />

Ziegel, Moos,<br />

Fichte, Silikon,<br />

Kette, Erde,<br />

Hufbalsam,<br />

Nasenring,<br />

Muschel<br />

Fotos: Kilian Flitsch<br />

58 SUMMER <strong>2023</strong><br />

59


ART | PORTRAIT<br />

Karl Karner und Nana Mandl,<br />

„FOMO - Fear of Missing Out“, 2022,<br />

Installationsansicht im Detail<br />

„Ich möchte<br />

die Betrachter<br />

involvieren<br />

und zum<br />

Dialog<br />

auffordern“<br />

Karl Karner<br />

hh<br />

„Brutbladd_the horse<br />

eats with me“, 2021,<br />

Installationsansicht<br />

h<br />

„Brutbladd_the horse<br />

eats with me“, 2021,<br />

Installationsansicht<br />

j<br />

„STARLight“, 2021,<br />

Detailansicht<br />

Karl Karner erweckt Fantasiewesen zum Leben<br />

und positioniert seine Arbeit zwischen bildender<br />

Kunst, Performance und Tanztheater.<br />

Seine multisensorischen fiktiven Märchenwelten<br />

erzählen Geschichten, die faszinieren.<br />

Er überlässt den Entstehungsprozess seiner<br />

Objekte dem gesteuerten Zufall. Heißes<br />

Wachs wird in Wasser gegossen, danach<br />

gezogen und mit Alltagsgegenständen oder<br />

auch Naturformen wie zum Beispiel Ästen<br />

versehen. So entstehen dann die Rohformen,<br />

die im Ofen gebrannt werden und als Gussform<br />

mit Aluminium oder Bronze ausgegossen<br />

werden. Der Künstler setzt sich mit dem<br />

Konzept der Körperlichkeit selbst auseinander<br />

und bezieht sich dabei nicht nur auf den<br />

menschlichen Körper, sondern vielmehr kann<br />

man seine Arbeiten als breite Auseinandersetzung<br />

mit Objekt, Materialität und Raum<br />

verstehen. In seinen Installationen und<br />

Kunst-Environments werden Betrachter<br />

häufig zu Akteuren. Was Karner interessiert,<br />

ist das Zusammenspiel von Ordnung und<br />

Zufall, die Bedeutung und das Wesen des<br />

Unperfekten, Unregulierten. Wo sind Grenzen<br />

notwendig? Wo verhindern sie Entwicklungen<br />

und müssen deshalb überschritten<br />

werden? Die Techniken der Metallverarbeitung<br />

wie Gießen und Schweißen werden aus<br />

ihrem ursprünglichen funktionellen Zusammenhang<br />

ausgekoppelt und in einen künstlerischen<br />

Kontext eingebettet. Klar fassbare<br />

Botschaften will er gar nicht vermitteln, er<br />

appelliert an die Assoziationskräfte des<br />

Betrachtenden, um nach figurativen<br />

Analogien zu suchen. Schnabeltiere, Hunde<br />

oder Hasen tauchen plötzlich auf, Fantasiewesen<br />

werden zum Leben erweckt, und<br />

Foto: Manuel Carrreon Lopez, Kilian Flitsch, Nana Mandl<br />

60 SUMMER <strong>2023</strong><br />

61


ART | PORTRAIT<br />

THE CONCEPT STUDIO<br />

FINE JEWELLERY <strong>–</strong> CONTEMPORARY ART <strong>–</strong> GOLD & GEMSTONES <strong>–</strong> BAR- & SILVERWARE<br />

LITERATURE <strong>–</strong> GIFTING <strong>–</strong> GAMES <strong>–</strong> ACCESSORIES <strong>–</strong> FINE SPIRITS.<br />

Erinnerungen an illusionäre Märchenwelten<br />

manifestieren sich. Es hat fast den Anschein,<br />

als würden diese unbelebten fantastischen<br />

Kreaturen bei genauer Betrachtung zum<br />

Leben erwachen. Seine Wiederholung von<br />

wiederkehrenden Motiven verweist auf eine<br />

serielle Produktion von Industrieobjekten.<br />

Die handgefertigten Stücke aus Gusseisen<br />

werden Teil des künstlerischen Prozesses.<br />

Seine so geschaffenen Environments erzeugen<br />

durch ihr interaktives Potenzial verschiedene<br />

Formen der Darstellung, die ähnlich wie<br />

Theaterrequisiten komponiert sind und<br />

durch eine Reihe von performativen Gesten<br />

ergänzt werden. Seine Märchenwelten erzählen<br />

eine Geschichte von sich ständig wiederholenden<br />

Schauplätzen des Alltags, die allerdings<br />

in ihrer Funktion dekonstruiert sind<br />

und die Absurdität bestimmter Vorgänge und<br />

Elemente deutlich machen. Künstlerisch ist<br />

Karl Karner auch choreografisch und zeichnerisch<br />

tätig, dabei werden die verschiedenen<br />

Medien mitein ander vermischt und Grenzen<br />

aufgelöst. Die Arbeiten wirken im Raum<br />

installativ zusammen. 2005 entstanden mit<br />

der Künstlerin Linda Samaraweerová<br />

gattungs übergreifende Projekte zwischen<br />

bildender und darstellender Kunst, die sich<br />

aus Skulptur, Installation, Performance, Tanz,<br />

Theater, Video und Film zusammensetzen.<br />

2013 wurde der Kunstraum „KS Room“ in<br />

Kornberg gegründet, der von Karner selbst<br />

geleitet wird und sich wechselnden zeitgenössischen<br />

Kunstausstellungen widmet.<br />

Karl Karner lebt und arbeitet im steirischen<br />

Feldbach. Von 2007 bis 2012 studierte er an<br />

der Akademie der bildenden Künste in der<br />

Bundeshauptstadt bei Professor Heimo<br />

Zobernig. Dort hingezogen hat es ihn allerdings<br />

erst mit 33 Jahren. Da bereits eine seiner<br />

drei Schwestern die künstlerische Laufbahn<br />

eingeschlagen hatte und seine Mutter<br />

meinte, es würde reichen, wenn ein Kind<br />

sich der Kunst verschrieben hat, entschied er<br />

sich, das Handwerk der Kunstgießerei zu<br />

erlernen <strong>–</strong> sozusagen auch die Basis für sein<br />

späteres künstlerisches Schaffen.<br />

hh<br />

„Affus, Überraschungseier“, 2019,<br />

Installationsansicht<br />

h<br />

„Oimos“, 2019, Aluminium,<br />

Emaillefarbe, Silikon,<br />

Detailansicht<br />

b<br />

„SH++L“, 2021, Aluminium, Moos,<br />

Detailansicht<br />

Zuletzt wurden Karners Arbeiten in der<br />

bekannten Galerie Kandlhofer gezeigt, die<br />

sowohl österreichische als auch internationale<br />

Kunst vertritt und sich mit ihrem perfekten<br />

Standort im Zentrum Wiens zu einem<br />

lebendigen Treffpunkt für die Sammlerszene<br />

ent wickelt hat. Das facettenreiche Programm<br />

umfasst Künstler, die in den verschiedensten<br />

Medien arbeiten.<br />

karner-samara.com<br />

Fotos: Kilian Flitsch, Manuel Carreon Lopez<br />

SELECT the concept studio | Seitzergasse 1-3 | 1010 Vienna<br />

Follow us on Instagram: www.instagram.com/select.xyz<br />

62<br />

62 SUMMER <strong>2023</strong>


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

Editorial für „Fringe Magazine“<br />

Model: Lea-Felice @ M4 Models<br />

Haare & Make-up: Creative Beauty Company<br />

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Suzana Holtgrave, Porträtfoto: Daniel Matousek<br />

Suzana Holtgrave<br />

I<br />

am a hippie, a happy hippie“ <strong>–</strong> so beschreibt sich Suzana<br />

Holtgrave. Die in Berlin lebende kroatische Fotografin, die<br />

Hüte mit breiter Krempe, wildes Haar und große Sonnenbrillen<br />

zu ihren Markenzeichen auserkoren hat, ist ein Freigeist voller<br />

Leidenschaft. Musik, Mode und Fotografie bezeichnet sie als ihre persönliche<br />

Ménage-à-trois. Betritt Holtgrave ihr Set, erfüllt sie den<br />

Raum mit positiver Energie. Es ist daher nicht weiter verwunderlich,<br />

dass jeder, der in Kontakt mit Suzy Love, so das Pseudonym der charismatischen<br />

Fotografin, gekommen ist, ein Lächeln auf den Lippen<br />

trägt, sobald ihr Name fällt.<br />

Geboren in der idyllischen Kleinstadt Pula in Kroatien, zeichnete<br />

sich Suzana Holtgrave schon in ihrer Kindheit durch unbändige<br />

Kreativität aus. Häkeln, Stricken und Kleben waren die ersten Ventile<br />

für ihre Passion für Mode. „Die Fotografie kam zu mir, ich habe nicht<br />

danach gesucht“, erklärt Holtgrave. Ihre Berufung kam per Zufall, als<br />

sie bei einem Berlin-Besuch auf der Straße von einem Scout entdeckt<br />

wurde. Dies führte zu einer Karriere als Model, die über 15 Jahre ihren<br />

weiteren Weg bestimmte. Sie stand unter anderem vor der Linse von<br />

Helmut Newton, dessen Fotografie sie maßgeblich beeinflusste und<br />

dazu verleitete, selbst die Kamera in die Hand zu nehmen.<br />

Holtgrave lehnt das Konzept von Grenzen kategorisch ab. Sie<br />

erachtet sich als Weltbürgerin. Ihre Wahlheimat Berlin bietet ihr die<br />

Möglichkeit, den ständigen Wandel, in dem sich diese Metropole<br />

befindet, aufzusaugen. Zudem helfen ihr die Erfahrungen, die sie als<br />

Model gesammelt hat, dabei, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen<br />

und das herauszukitzeln, was ihr wichtig ist. Sie muss die Atmosphäre,<br />

die Gerüche und die sie umgebenden Personen fühlen, um<br />

das bestmögliche Resultat zu erzielen. Holtgrave arbeitet vorrangig<br />

mit natürlichem Licht, und wie meisterhaft sie damit umgeht, zeigt<br />

sie in Editorials, die unter anderem in „Vogue“, „Elle“, „Harper’s<br />

Bazaar“, „Schön! Magazine“, „Material Girl“, „J’N’C“ und „L’Officiel“<br />

erschienen sind.<br />

Insta@suzyloveheart<br />

64<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

65


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

vv<br />

Editorial für<br />

„Tush Magazine“<br />

Model: Joanna<br />

Tatarka @ Selective<br />

Management<br />

Styling: Suzana<br />

Holtgrave<br />

Haare & Make-up:<br />

Stefanie<br />

Mellin @ Ballsaal<br />

Artist Management<br />

v<br />

Editorial<br />

für „Vogue Arabia“<br />

Model: Arisha<br />

Kriukova @ Modelwerk<br />

Styling:<br />

Jana Zabarska<br />

Haare & Make-up:<br />

Christian Schild<br />

vv<br />

Editorial für „Vogue<br />

Hong Kong“<br />

Model: Sophia<br />

Friesen @ HER<br />

Management<br />

Haare & Make-up:<br />

Christian Schild<br />

Freie Produktion<br />

Model: Ine Michelmann @ Modelwerk<br />

Haare & Make-up: Marie B. @ Inclover Academy<br />

v<br />

Editorial für<br />

„Gloria Glam<br />

Magazine“<br />

Model:<br />

Tory @ Modelwerk<br />

Styling:<br />

Suzana Holtgrave<br />

Haare & Make-up:<br />

Sam Hill @ Inclover<br />

Academy<br />

Fotos: Courtesy Studio Semotan @ Elfie Semotan<br />

„Mandarin Oriental Tokyo, Room 3517, 15.15 Uhr“<br />

66 SUMMER <strong>2023</strong><br />

67


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

Editorial für „METAL Magazine“<br />

Model: Dija Kallon @ HER Management<br />

Styling: Konstantinos Gkoumpetis @ Ballsaal Artist Management<br />

Haare & Make-up: Rocco Kowalsky<br />

Editorial für „L’Officiel Brazil“<br />

Model: Chiara Bimbatti @ Iconic Management<br />

Producer: Jean<strong>–</strong> Marc Mondelet<br />

Styling: Pablo Patanè @ Art Factory Studio<br />

Haare & Make-up: Aennikin<br />

68<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

69


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

AU|RE<br />

IMMOBILIEN<br />

Übermäßiger Immobilienkonsum<br />

kann unkontrollierbaren<br />

Reichtum verursachen.<br />

Editorial für „Mirror Mirror Magazine“<br />

Model: Leonie-Louise Littkopf<br />

Styling: Konstantinos Gkoumpetis @ Ballsaal Artist Management<br />

Haare & Make-up: Creative Beauty Company<br />

70 SUMMER <strong>2023</strong><br />

Bei Nebenwirkungen kontaktieren Sie uns gerne:<br />

www.aure-immobilien.at | +43 1 934 61 59 | info@aure-immobilien.at


KOLUMNE<br />

„Viele Menschen wünschen<br />

sich einen Platz auf der Bühne,<br />

aber nicht alle kennen die zu<br />

bespielenden Formate“<br />

Wie wirst du<br />

Keynote-<br />

Speaker?<br />

Von Dr. Tatjana Lackner<br />

Kommunikations- & Verhaltens-Profilerin<br />

Der rote Teppich wird Rednern mittlerweile bis in<br />

den letzten Winkel des Landes ausgerollt. Kaum<br />

ein Thema ist zu nischig, um nicht darüber zu<br />

berichten. Zeit, sich den dramaturgischen Unterschied<br />

mal anzusehen <strong>–</strong> zwischen Referat, Rede,<br />

Vortrag, Präsentation und einer Keynote-Speech.<br />

Topic & Temperament sind gefragt! Der Vortrag ist die allgemeinste<br />

Beschreibung für eine mündliche Bühnensituation. Dabei<br />

kann es sich ebenso um eine Fotoreise handeln oder einen Impulsvortrag<br />

zu einem beruflichen Fachthema wie um eine literarische<br />

Darbietung auf der Bühne. Immer sind es das Interesse am Thema<br />

und vor allem die Persönlichkeit des Orators, die in Kombination<br />

gebucht werden. Das hört man bereits in den Anfragen heraus: „Frau<br />

Lackner, gerne wollen wir Sie als krönenden Abschluss der Veranstaltung,<br />

damit die Teilnehmenden auch wirklich bis zum Ende<br />

bleiben.“ Oder: „Es gibt nicht viele Vortragende, die einen Saal so<br />

rocken können. Wir möchten Sie deshalb bitten, nach der Mittagspause<br />

alle wieder aus dem Schweinsbraten-Tief herauszuheben.“<br />

Originaltöne meiner Kunden. Das Thema ist relevant; doch die Rednerpersönlichkeit<br />

sogar noch wichtiger. Unternehmen überlegen sich<br />

deshalb bei Tagungen, Konferenzen, Jahresauftakts-Meetings genau:<br />

Wer eröffnet? Wer spricht wann worüber? Was sagt der Vorstand und<br />

zu welchem Zeitpunkt? Nichts wird dem Zufall überlassen. Schließlich<br />

kosten große Firmenevents viel Geld.<br />

Bei uns beispielsweise landen Anfragen rund um diese Themen:<br />

Business-Rhetorik, Killerphrasen, Storytelling, Schlagfertigkeit und<br />

Trends in der Kommunikation.<br />

Der Impulsvortrag bewegt sich stilistisch schon sanft in Richtung<br />

Keynote. 20 Minuten spricht jemand zu einem Thema und reicht<br />

dabei frische Daten und konkrete Beispiele. Auch hier sollten das Dramaturgie-Management<br />

und der narrative Anteil nicht fehlen. Zuhörer<br />

werden durch Inhalt UND Performance begeistert. Konferenzen leben<br />

vom kontroversiellen Austausch und den anschließenden Diskussionen.<br />

Die Darbietung darf themenbezogen Ecken und Kanten haben.<br />

Stimme dein Publikum ein!<br />

Die Keynote kommt nicht nur aus dem Englischen, sondern vor allem<br />

aus der Musik. A-cappella-Chöre starten, um sich einzusingen, mit<br />

einer „Keynote“, einem Einstimmton. Im übertragenen Sinne macht<br />

genau das der Speaker mit seiner Zuhörerschaft. Er gibt eine Kernthese<br />

bzw. einen Grundgedanken weiter. Manche dieser Kurzimpulse<br />

werden für Business-Breakfasts oder Learning-Lunches gebucht,<br />

andere eignen sich für eine Abendveranstaltung samt anschließender<br />

Diskussion. Keynotes sind kurze Vorträge. Der amerikanische Architekt<br />

und Grafikdesigner Richard Saul Wurman, Gründer von TED-<br />

Talk, hat daraus ein weltweit erfolgreiches Vortragsbusiness gemacht.<br />

Jedes Jahr hatte er einst die Innovationskonferenz in Monterey zu leiten.<br />

Aus den gefragten Themengebieten: Technology, Entertainment<br />

Foto: Die Schule des Sprechens GmbH<br />

und Design wurde später TED. Zu den bekanntesten TED-Speakern<br />

gehören Bill Clinton, Jane Goodall, Richard Branson, Bill Gates, aber<br />

auch tolle Österreicher sind auf der Speakerliste zu finden. Allen voran<br />

Stefan Sagmeister, der bereits viermal im TED-Format vorgetragen<br />

hat. TEDx ist ein Ableger vom Originalformat und nominiert in vielen<br />

Ländern Redner zu unterschiedlichen Themen auf die Bühne. Nur 18<br />

Minuten dürfen diese Keynotes lang sein. Vor einem halben Jahr habe<br />

ich bei TEDx mein Debüt gegeben. Auf YouTube sind alle Speeches<br />

abrufbar. So kurz dauern Keynotes allerdings nur bei TED-Talk. Ich<br />

werde in den meisten Fällen für 25 bis 60 Minuten angefragt. Selten<br />

wollen Veranstalter auch mal eine Keynote für 90 Minuten. Wichtig!<br />

Amerikanisches Storytelling funktioniert im Deutschen nicht.<br />

Dramaturgie & Rede-Design sind Trumpf<br />

Reden, Vorträge und gelungene Keynote-Speeches brauchen dramaturgischen<br />

Schliff. Wo und an welchen Stellen des Vortrags werden visuelle<br />

Hilfsmittel eingesetzt? Sind die Folien zu überladen oder gut lesbar?<br />

Hat die Rede einen süffigen Titel? Der erste Satz ist entscheidend und<br />

sollte sofort eine Sogwirkung ins Thema garantieren. Später räumt<br />

man mit Glaubenssätzen auf, landläufigen Meinungen, die sich in den<br />

Köpfen der Menschen über die Jahre festgesetzt haben. Erst muss Altes<br />

weg, damit Neues im Kopf Platz hat. Parallel dazu sollte immer wieder<br />

mit dem Publikum interagiert werden, damit die Rede auch dialogisch<br />

und sympathisch anmutet. Der letzte Satz wird ebenfalls nicht dem<br />

Zufall überlassen. Niemand soll seine Keynote auswendig aufsagen,<br />

aber der Eröffnungs- und der Schluss-Satz <strong>–</strong> beide stehen von Beginn<br />

an fest. Sind es doch unsere letzten adressierten Worte, mit denen wir<br />

die Menschen dann wieder ihren eigenen Überlegungen und Bewertungen<br />

überlassen. Danach können wir nicht mehr auf sie einwirken.<br />

Präsentiere dich, nicht deine Charts!<br />

Was versteht man unter der 10-20-30-Regel? Maximal zehn Slides<br />

sollten gezeigt werden. Zwanzig Minuten reichen dafür. Die Schriftgröße<br />

nicht kleiner als 30 Punkt wählen. Präsentiert wird im Zuge<br />

eines Tages weltweit Millionen Mal. Einige stellen sich dem Kunden<br />

vor, andere beleuchten die Vorteile ihrer Firma, oder es werden die<br />

Produkte vorgestellt. Wieder andere brauchen Geld und pitchen ihr<br />

Start-up vor möglichen Investoren. Noch andere müssen konzernintern<br />

den neuen Quartalsbericht und die Zahlen darlegen.<br />

Fazit: An der Schule des Sprechens bilden wir im Rahmen des<br />

Business Rhetorik Masters seit Jahren Keynote-Speaker aus. Dafür<br />

braucht es die richtige Atemtechnik, klare Artikulation und optimalen<br />

Stimmeinsatz. Im Tonstudio wird an der Modulation und dem<br />

nötigen Pausenmanagement gefeilt. Warum? Monotonie ist kein<br />

guter Botenstoff, um frische Ideen und den Grundgedanken einer<br />

Keynote zu transportieren.<br />

sprechen.com<br />

72 SPRING <strong>2023</strong><br />

73


PRINCEPS<br />

E<br />

T<br />

P<br />

AT<br />

I<br />

R<br />

A<br />

HISTORY<br />

DIE GRIMALDIS<br />

MONACOS FÜRSTENFAMILIE<br />

Eine höchst glamouröse Hochzeit eines<br />

Traumpaares in einem Paradies <strong>–</strong> und<br />

dennoch: Ist etwas Wahres dran an dem<br />

uralten Fluch, der angeblich auf der<br />

Familie Grimaldi lastet?<br />

Von Percival Pachta-Rayhofen<br />

ZWISCHEN GLANZ UND FLUCH<br />

Was für ein Panorama!<br />

Der Fürstenpalast „Palais<br />

Princier de Monaco“ ist<br />

ein Privatwohnsitz,<br />

dessen Grands<br />

Appartements während<br />

einiger Monate im Jahr<br />

besichtigt werden können<br />

Francesco Grimaldi,<br />

Monument vor dem<br />

Palast in Monte Carlo,<br />

Monaco<br />

Fotos: Shutterstock, Alamy<br />

74 SUMMER <strong>2023</strong><br />

75


HISTORY<br />

Im Port de Fontvieille trifft<br />

sich alles, was Rang und<br />

Namen hat. Die Bucht ist<br />

quasi der Luxus-Hotspot<br />

von Monaco<br />

Fotos: Shutterstock, Alamy<br />

Nächtens, bei Sturm und Regen,<br />

pocht ein Mönch an das Tor<br />

der Burg von Monaco und<br />

begehrt Einlass. Wegen des<br />

Unwetters und der Mönchskutte<br />

wird der Mann von<br />

der verschlafenen Torwache eingelassen. Er<br />

zieht blitzschnell ein Schwert unter seiner<br />

Kutte hervor, ersticht die zwei schlafenden<br />

und den betrunkenen Wächter und öffnet<br />

die Pforte. Alarm wird geschlagen, doch es<br />

ist zu spät: Eindringende Gefolgsmänner des<br />

falschen Mönches überwältigen die Wache,<br />

und kurz darauf ist die Burg in der Hand der<br />

Eindringlinge.<br />

Man schreibt das Jahr 1297, und der listige<br />

Mönch ist niemand anderer als Francesco<br />

Grimaldi, genannt „Malizia“. Nachvollziehbar<br />

daher dieser Beiname, ebenso wie die Mönche<br />

im Wappen der Fürsten von Monaco.<br />

Weil sein Cousin Rainier der Ältere ist, wird<br />

er als erster Grimaldi Seigneur von Monaco,<br />

das zunächst nur aus der Felsenburg mit<br />

einem kleinen Hafen und etwa 500 Einwohnern<br />

besteht. Übrigens lockte man schon<br />

damals mit Steuerfreiheit weitere Einwanderer<br />

an. So abenteuerlich beginnt die über<br />

700-jährige, wechselvolle Geschichte der<br />

Grimaldis als Herren von Monaco. Und es<br />

sollte auch abwechslungsreich weitergehen.<br />

URSPRÜNGE<br />

IN GENUA<br />

Die Grimaldis sind ursprünglich eine genuesische<br />

Familie und tauchen dort seit dem<br />

12. Jahrhundert auf, als Händler, Seefahrer<br />

und anderes. Überhaupt ist Grimaldi kein<br />

seltener Name in dieser Gegend, und die<br />

Neigung der männlichen Familienmitglieder<br />

von jeher bis zur Neuzeit, komplizierte Eheund<br />

sonstige Partnerinnen von Hochadeligen<br />

bis zu Schauspielerinnen und Wäscherinnen<br />

zu wählen, macht ihren Stammbaum<br />

recht unübersichtlich. Vielleicht blieben die<br />

Eugène-Louis Charpentier (1811-1890):<br />

„Rainier (Raniero) I. Herr von Monaco“,<br />

nach einer alten Darstellung<br />

Philippe de Champaigne:<br />

„Fürst Honoré II.“, 1651<br />

anderen gekrönten Häupter Europas deshalb<br />

der 700-Jahr Feier des Hauses Grimaldi<br />

im Jahre 1997 fern. Rainier I. verliert jedoch<br />

die Herrschaft über Monaco bald wieder an<br />

die Ghibellinen, die kaisertreue Partei, die in<br />

ewigem Kampf mit der papsttreuen Guelfen-<br />

Partei liegt. Er verdingt sich mal als Söldnerführer,<br />

mal als Admiral Frankreichs und soll<br />

sich an einer jungen Frau vergangen haben,<br />

sodass diese ihn und die gesamte Familie mit<br />

dem legendären Fluch belegt haben soll, der<br />

bis heute nachzuwirken scheint: „Niemals<br />

soll ein Grimaldi Glück in der Ehe finden!“<br />

RINGEN UM DIE<br />

FELSENFESTUNG<br />

Die weitere Geschichte der Grimaldis und<br />

Monacos ist geprägt von dem Ringen um<br />

Unabhängigkeit im Spiel der umliegenden<br />

Mächte, wie etwa die Republik Genua, das<br />

Königreich Frankreich, Savoyen, Mailand,<br />

Aragon und schließlich auch das habsburgische<br />

Spanien. Mehr oder weniger geschickt<br />

und erfolgreich können sich die einzelnen<br />

Nachfahren Rainiers I. im Laufe der Jahrhunderte<br />

behaupten. Bald als Söldnerführer,<br />

bald als quasi Piraten, die von vorbeifahrenden<br />

Schiffen eine Steuer eintreiben.<br />

Honoré II. heiratet in den lombardischen<br />

Adel ein und beschließt 1612, sich selbst<br />

zum Fürsten zu erheben, was erst 20 Jahre<br />

später durch die damaligen Oberherren, die<br />

spanischen Habsburger in Madrid, bestätigt<br />

wurde. Mit einem geschickten Schachzug<br />

gelingt es ihm, die nach einem Festbankett<br />

außer Gefecht gesetzte spanische Garnison<br />

per Schiff nach Hause zu verfrachten. Stattdessen<br />

rückt eine französische Truppe ein.<br />

Im Vertrag von Péronne sichert Frankreich<br />

zu, keinerlei Einmischung in die inneren<br />

Angelegenheiten des Fürstentums vorzunehmen.<br />

Honoré II. wird auch als Monacos<br />

Sonnenkönig bezeichnet, denn er eifert<br />

dem großen Vorbild, König Ludwig XIV.,<br />

betreffend Prachtentfaltung und höfische<br />

Kultur nach.<br />

76<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

77


HISTORY<br />

Im Zuge der Französischen Revolution<br />

erhält Monaco eine französische Garnison<br />

und wird von der jungen Republik Frankreich<br />

annektiert. Somit ist es von 1792 bis<br />

zur ersten Abdankung Napoleons vorbei mit<br />

der Unabhängigkeit Monacos und auch mit<br />

der Regentschaft der Grimaldis. Der Palast<br />

wird geplündert, brennt aus, Monaco heißt<br />

nunmehr Fort Herkules in Anlehnung an<br />

die Römerzeit und ist Teil des Départements<br />

Alpes-Maritimes. Die Grimaldis werden verhaftet<br />

oder gehen ins Exil.<br />

Es war der umtriebige Herzog von Talleyrand,<br />

Napoleons erster Außenminister, der<br />

den Grimaldis die Rückkehr nach Frankreich<br />

ermöglicht und sich für die Rückgabe einiger<br />

Besitztümer der Familie in Frankreich eingesetzt<br />

hat. Joseph Grimaldi dient in der<br />

Kaisergarde Napoleons und wird Kammerherr<br />

der Kaiserin Josephine, Honoré V. wird<br />

Stallmeister der Kaiserin und sogar zum<br />

Baron des Kaiserreichs Frankreichs erhoben.<br />

Was für eine Karriere dieser Familie: von<br />

Seefahrern und Handwerkern zu souveränen<br />

Fürsten, zurück ins Bürgertum und nun wieder<br />

retour, zumindest in den niederen Adel!<br />

Im Wiener Kongress ist es wieder Talleyrand,<br />

der die Wiedereinsetzung der Grimaldis<br />

in ihre alten Rechte erwirkt. Inzwischen<br />

ist der auf Elba verbannte Napoleon in<br />

Antibes gelandet und marschiert auf Paris. In<br />

Cannes kommt es zur Begegnung Napoleons<br />

mit Honoré V., der auf dem Weg von Paris<br />

nach Monaco war. In dem Gespräch soll<br />

Napoleon gefragt haben: „Wohin gehen Sie?“<br />

Honoré antwortet: „Nach Hause!“ Darauf<br />

Napoleon: „Gut, ich ebenso!“<br />

h<br />

Marie-Juliette Calloust:<br />

„Fürst Honoré V.“, 1881<br />

h<br />

François-Auguste Biard:<br />

„Fürst Charles III. von<br />

Monaco“, 19. Jahrhundert<br />

c<br />

Das Casino von Monte Carlo<br />

ist die wohl bekannteste<br />

Spielbank der Welt<br />

EIN ZWERGSTAAT<br />

BEHAUPTET SICH<br />

Napoleon III. hat sich als Belohnung für die<br />

Teilnahme am Krieg gegen Österreich Nizza<br />

und Savoyen versprechen lassen, und eine<br />

Volksabstimmung in den beiden zum Fürstentum<br />

Monaco gehörenden Städten Menton<br />

und Roquebrune geht eindeutig zugunsten<br />

Frankreichs aus. Somit verbleibt Charles III.,<br />

Neffe von Honoré V., mit dem Vertrag von<br />

1861 ein territorial stark reduziertes, jedoch<br />

wieder souveränes Fürstentum mit etwas<br />

über 1000 Einwohnern unter dem Protektorat<br />

Frankreichs. Ein Felsen mit davor liegendem<br />

schmalem Küstenstreifen, ohne Obstplantagen<br />

und dergleichen, zu klein, um einen<br />

Fürstenhof zu erhalten.<br />

Was also tun, um dem drohenden<br />

finanziellen Ruin zu entgehen? In diesem<br />

entscheidenden Moment ist es der Weitsicht<br />

von Caroline, Mutter von Charles III., zu<br />

verdanken, dass Monaco und die Familie<br />

Grimaldi einen bis zum heutigen Tag anhaltenden<br />

Reichtum erlangten: Sie erkannte,<br />

dass Reiche, Aristokraten und Politiker das<br />

angenehme Klima der Nachbarorte Nizza<br />

und Cannes sehr schätzten. Dieses Potenzial<br />

musste nun nach Monaco gelockt werden,<br />

aber wie? Die rettende Idee: ein Casino! In<br />

Frankreich war Glücksspiel verboten, also<br />

holte man einen Experten aus Deutschland:<br />

François Blanc. Der Fürst und er ergeben nun<br />

ein höchst effizientes Gespann. Flankierend<br />

dazu entstehen Thermalbäder feinster Ausstattung,<br />

luxuriöse Hotels, allen voran das<br />

Hôtel de Paris, dazu gibt es Konzerte, Opernaufführungen<br />

und sonstige Festivitäten,<br />

später dann nicht zu vergessen die Rallye<br />

Monte Carlo. Die Société des Bains de Mer,<br />

kurz SBM, wird gegründet, die bis heute<br />

mehrheitlich im Besitz des Staates Monaco<br />

steht und somit vom jeweiligen Fürsten kontrolliert<br />

wird. Sie ist nun börsennotiert und<br />

der größte Arbeitgeber Monacos.<br />

Fürst Charles III. sorgt zusätzlich für Werbung,<br />

etwa Plakate in Eisenbahnen, und für<br />

eine entsprechend gute Presse: So jubelt der<br />

„Figaro“: „Monaco ist das Paradies auf Erden!“<br />

Schließlich gibt der dem entstehenden<br />

Vergnügungsviertel auch noch einen zugkräftigen<br />

Namen, mit dem man seither Luxus<br />

der Extraklasse verbindet: Monte Carlo. Nun<br />

stellen sich in Monaco Berühmtheiten ein wie<br />

etwa Kaiser Franz Joseph, König Edward VII.,<br />

Kaiserin Eugenie, Fürst Bismarck und viele<br />

andere. Damit beginnt in nur neun Jahren der<br />

Aufstieg Monacos von einem Fischerdorf zu<br />

einem der teuersten und exklusivsten Plätze<br />

der Welt, der gleichzeitig die Grimaldis zu<br />

einer der reichsten Familien macht.<br />

Albert I. hinterließ als begeisterter Seefahrer<br />

und Meeresforscher das Ozeanografische<br />

Museum, sodass Monaco nunmehr<br />

auch internationalen wissenschaftlichen<br />

Ruf erlangte. Sein Sohn Louis, der nach<br />

Fotos: Alamy, Shutterstock<br />

Trennung der Eltern in Baden-Baden aufgewachsen<br />

war, hatte keine legitimen Kinder,<br />

sodass die Erbfolge per Gesetz dahingehend<br />

geändert werden musste, dass seine uneheliche<br />

Tochter Charlotte aus einer Affäre mit<br />

einer Wäscherin den Fürstenthron besteigen<br />

konnte. Um den Fortbestand der Dynastie<br />

weiterhin sicherzustellen, fädelte der französische<br />

Präsident Poincaré höchstselbst<br />

die Verbindung mit dem Grafen Pierre von<br />

Polignac ein, der allerdings dafür nach fürstlich-monegassischem<br />

Hausgesetz auf die<br />

eigenen Titel verzichten musste. Charlotte<br />

und Pierre de Polignac sind die Eltern von<br />

Rainier III. und seiner älteren Schwester<br />

Antoinette. Da die Ehe seiner Eltern ebenso<br />

wie jene beiden seines Urgroßvaters Albert<br />

I. scheitert <strong>–</strong> Großvater Louis hat die Mutter<br />

seiner Tochter Charlotte erst gar nicht geheiratet<br />

<strong>–</strong>, wird Rainier in englischen und französischen<br />

Internaten erzogen und folgt mit 26<br />

Jahren seinem Großvater völlig unvorbereitet<br />

als Rainier III. auf den Fürstenthron nach.<br />

W<br />

Rainier III. und<br />

Grace Kelly 1956,<br />

offizielles<br />

Hochzeitsfoto<br />

U<br />

Hochzeit Albert II. und<br />

Charlene Wittstock<br />

2011<br />

Er wird jedoch der erste Fürst von Monaco<br />

sein, der seine Regentschaft als „full-time job“<br />

und sich quasi als „Aufsichtsratsvorsitzender<br />

der Monaco-GmbH“ ansieht und mit viel<br />

Energie an seine neue Verantwortung herangeht.<br />

Er entwickelt einen harten, autoritären<br />

Führungsstil, aber setzt sich damit schließlich<br />

sowohl mit seinen Modernisierungsideen<br />

gegen seinen Staatsrat durch als auch gegen<br />

die Intrigen seiner Schwester Antoinette.<br />

Mithilfe von Aristoteles Onassis gelingt es,<br />

auch die SBM wieder in die Gewinnzone zu<br />

führen. Fehlt also auf dem Weg des Fürstentums<br />

Monaco und der Grimaldis in eine<br />

stabile Zukunft nur mehr eine Familie.<br />

GRACE UND<br />

EINE TRAUM-<br />

HOCHZEIT<br />

Viele fühlten sich nun berufen, für den vielbeschäftigten<br />

jungen Fürsten auf Brautschau<br />

zu gehen. So soll auch bei Marilyn Monroe<br />

vorgefühlt worden sein. Schließlich überredet<br />

das Magazin „Paris Match“ die bekannte<br />

Schauspielerin Grace Kelly, die anlässlich<br />

der Filmfestspiele 1955 in Cannes weilte, zu<br />

einem Treffen mit Rainier im benachbarten<br />

Monaco. Die Dinge nahmen ihren Lauf, und<br />

ein Jahr später kam es zur Märchenhochzeit<br />

in Monaco. Nach anfänglichen Schwierigkeiten<br />

wurden Rainier und Grace, nunmehr<br />

Fürstin Gracia Patricia, zum erfolgreichen<br />

Team, das den Zwergstaat in der ganzen<br />

Welt bekannt machte.<br />

Seit dem Tod Fürst Rainiers III. 2005 ist<br />

dessen einziger Sohn Albert, verheiratet mit<br />

der südafrikanischen Profischwimmerin<br />

Charlene Wittstock, als Albert II. regierender<br />

Fürst von Monaco und bemüht sich, einen<br />

zeitgemäßen Regierungsstil zu finden.<br />

Denkt man an den tragischen Unfalltod<br />

der Fürstin Gracia Patricia, aber auch an die<br />

zahlreichen Verwicklungen im Liebes- und<br />

Eheleben der Töchter Caroline und Stephanie,<br />

die schwere Krankheit von Alberts<br />

Ehefrau Charlène, wird man unweigerlich an<br />

den Fluch vor 700 Jahren erinnert. p<br />

78 SUMMER <strong>2023</strong> 79


DS 7<br />

COLLECTION<br />

ESPRIT DE VOYAGE<br />

DSautomobiles.at<br />

- Verbrauchs- und Emissionswerte nach WLTP (Stand April <strong>2023</strong>) DS 7 E-TENSE: Energieverbrauch kombiniert:<br />

16,5 kWh/100km; CO2-Emission kombiniert: 27-28 g/km. Reichweite: bis zu 65 km. Die zur Reichweite angegebenen Werte wurden gemäß der<br />

WLTP ermittelt und sind nur als Richtwerte zu verstehen. Die tatsächliche Reichweite unter Alltagsbedingungen kann davon abweichen.<br />

Verbrauchs- und Emissionswerte nach WLTP (Stand April <strong>2023</strong>) DS 7: Verbrauch kombiniert: 5,5-5,6 l/100km; CO2-Emission kombiniert:<br />

143-146 g/km. Weitere Details bei Ihrem DS-Partner. Symbolfoto. Druck- und Satzfehler vorbehalten.


BUILDING<br />

ART | PORTRAIT<br />

BRIDGES<br />

Kraftvoll und zugleich sensibel, tiefgründig und spirituell<br />

sind die Werke der Künstlerin Rita Sabo. Ihr umfangreiches Wissen über<br />

die Energie von Symbolen macht ihre Bilder einzigartig.<br />

Und gibt der abstrakten Malerei eine völlig neue Bedeutung<br />

Von Elisabeth Muth<br />

„Atlanna“, 2021<br />

150 x 150 cm, dreiteilig, Acryl<br />

x<br />

Rita Sabo integriert<br />

vorzeitliche Symbole<br />

in ihre Formensprache<br />

und lässt<br />

sie in einen Dialog<br />

mit Gegenwart und<br />

Zukunft treten<br />

Fotos: Rita Sabo<br />

82 SUMMER <strong>2023</strong><br />

83


ART | PORTRAIT<br />

ADVERTORIAL<br />

EDITORIAL<br />

v<br />

„Realm“, 2021,<br />

120 x 160, Fotoprint<br />

Die Kunst,<br />

BEWAHRENSWERTES<br />

BEIZUBEHALTEN<br />

UND NEUES ZU SCHAFFEN<br />

„Meine Arbeiten<br />

entstehen im Fluss,<br />

am Schluss macht<br />

dann alles Sinn“<br />

Rita Sabo<br />

hj<br />

„Blue Umbrella“, 2021,<br />

76 x 116 cm, Acryl<br />

j<br />

Fotoprint, 2022,<br />

verschiedene Größen<br />

k<br />

„Anima & Animus“, 2022,<br />

200 x 200 cm, Acryl<br />

Seit ewiger Zeit wird die Menschheit von<br />

Symbolen begleitet und geleitet. Schon vor<br />

Jahrhunderten haben sich alte Völker wie<br />

zum Beispiel die Mayas, Kelten oder Indianer<br />

mit Runen und Tätowierungen von Zeichen<br />

geschützt oder auch Leistung damit belohnt.<br />

Die Basis, die alle gemeinsam haben ist die<br />

„heilige Geometrie“, die Struktur, aus der<br />

alles Lebendige besteht und die ihre Wurzeln<br />

in der Natur und auch in uns selbst hat. Rita<br />

Sabo ist Künstlerin, Malerin, Designerin. Ihre<br />

Werke sind das Zusammenspiel von der<br />

eigenen weiblichen und männlichen Energie<br />

und die Einheit dieser dualen Natur. Um<br />

Vollständigkeit zu erlangen und einer neuen<br />

Kraftstruktur Raum zu geben, die die Grundlage<br />

für eine völlig neue Existenz schafft.<br />

Schon als Kind hat sie es geliebt, geometrische<br />

Formen zu zeichnen, die für sie<br />

immer eine völlig klare und verständliche<br />

Sprache waren. Deshalb besuchte sie die<br />

Kunstschulen Invers in Olten und Basel, und<br />

studierte am renommierten Central Saint<br />

Martins College in London. Mit ihren großformatigen<br />

Bildern, die einen tief in ihre<br />

Vielschichtigkeit hineinziehen, sorgt Rita<br />

Sabo international für Furore bei Kunstsammlern.<br />

Ihre Werke betrachtet man nicht,<br />

in ihre Werke taucht man ein, kommt zur<br />

Ruhe, erhält Energie, entdeckt sich selbst.<br />

Fotos: Fotos: Lorem ©PicMyPlace ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa.<br />

Das wunderschöne Wiener Zinshaus<br />

aus dem Jahr 1904 wurde liebevoll<br />

und ohne Kosten und Mühen zu<br />

scheuen komplett revitalisiert.<br />

In bester Döblinger Lage liegt es direkt<br />

am Wertheimsteinpark und bietet<br />

einen unverbaubaren Weitblick auf<br />

die Weinberge<br />

5 elegante Altbauwohnungen<br />

96 m2 bis 135 m2 mit großzügigen Grundrissen, Salons bis zu 48 m2,<br />

Balkon oder Terrasse<br />

2 exklusive Dachgeschoß-Wohnungen<br />

191 m2 sowie 200 m2 mit tollem Raumkonzept, uneinsehbar und<br />

mit Parkblick-Terrassen mit ca. 45 m2<br />

Top-Ausstattung, Fußbodenheizung, Klimaanlage, hochwertige<br />

Materialien, 4 Stellplätze in hauseigener Tiefgarage. Provisionsfrei<br />

für den Käufer ab € 930.000,<strong>–</strong><br />

Energiewerte: Dachgeschoß <strong>–</strong> HWB 35,6, fGEE 0,76; Altbau <strong>–</strong> HWB 211, fGEE 3,91<br />

Elisabeth Rist, B. A., M. Sc.<br />

+43 680 160 07 31<br />

elisabeth@rist.immo<br />

www.rist.immo<br />

84 SUMMER <strong>2023</strong><br />

SPRING 2022<br />

85


„Ich möchte die Welt<br />

nach Symbolen erkunden,<br />

die ich noch nicht kenne“<br />

Rita Sabo<br />

k<br />

„Cosmic Desire“, 2021, 145 x 200 cm,<br />

Acryl<br />

l<br />

„Sacred Planet II“, 2021, 51 x 35 cm,<br />

nachhaltiger Kunststoff, Acryl<br />

ART | PORTRAIT<br />

Die kaleidoskopisch anmutenden Gemälde<br />

lassen einen nicht los. Fast meditativ fängt<br />

einen Sabos Spiritualität ein, aber jeder<br />

Mensch fühlt sich unterschiedlich stark von<br />

der Kraft von Symbolen angezogen. Das liegt<br />

vor allem auch daran, das jeder etwas anderes<br />

benötigt, sich in einer spezifischen Lebenssituation<br />

befindet und natürlich auch an der<br />

Information des jeweiligen Symbols. Rita Sabo<br />

präzisiert: „Die Symbologie vereint, normalerweise<br />

gegensätzliche, östliche und westliche<br />

Annäherungen an Spiritualität und regt einen<br />

Dialog an.“ Einen Dialog, der von der Künstlerin<br />

gewollt und sogar erwünscht ist, wie sie<br />

schildert: „Meine Recherchen gehen in die<br />

Vergangenheit und schlagen eine Brücke zur<br />

Zukunft, ich transportiere Symbole und Energien<br />

und male aus meinem Unterbewusstsein<br />

intuitiv und spontan, ohne dass ich vorher<br />

genau weiß, was daraus entstehen wird.“<br />

Manchmal auch an mehreren Bildern gleichzeitig.<br />

Rita's Kunst berührt vergessenes Wissen,<br />

das alle Menschen in sich tragen. Und das<br />

macht ihre Arbeit so spannend, weil jeder auf<br />

seine persönliche Weise anders darauf reagiert.<br />

h<br />

„Oracle Gift“, 200 x 200 cm,<br />

fünfteilig, Acryl<br />

Rita Sabo lebt und arbeitet in Wien sowie auf<br />

Ibiza. Auch ihre Entwürfe für die „Sacra“ Kollektion,<br />

die sie für das Schmucklabel Saboteur<br />

mit ihrem kreativen Prozess begleitet, sind<br />

mystisch aufgeladen und symbolisieren das<br />

Spiel von uralten, geheimnisvollen und<br />

zugleich modern-futuristischen Elementen.<br />

Am 23. Juni <strong>2023</strong> eröffnet die Einzelausstellung<br />

„Rita Sabo <strong>–</strong> Sacred Planet“ in der Biblioteca<br />

Nazionale Marciana in Venedig, gezeigt<br />

werden zwölf Kunstwerke, darunter auch<br />

einige großformatige Arbeiten. p<br />

h<br />

„Square“, 2022,<br />

100 x 100 cm, Acryl<br />

86 SUMMER <strong>2023</strong><br />

87


EVENTS<br />

The Embassy<br />

of Good Taste<br />

Genau vor 100 Jahren wurde das<br />

prachtvolle Palais im noblen<br />

19. Wiener Gemeindebezirk im<br />

Auftrag des Industriellen Emil<br />

Gerhard Pick von den Architekten<br />

Emmerich Spielmann und Alfred<br />

Teller erbaut und zuletzt, bis vor<br />

acht Jahren, als Botschaftssitz<br />

genutzt. AURUM <strong>999</strong>,9 weckte<br />

das historische Gebäude aus seinem<br />

Dornröschenschlaf, um es<br />

noch einmal für einen Monat<br />

ganz im Stil der Goldenen 1920er-<br />

Jahre im Rahmen der „Private<br />

Dinner Club“-Serie „The Embassy<br />

of Good Taste“ hochleben zu lassen.<br />

Zur Verfügung gestellt wurde<br />

dieses Schmuckstück von den<br />

Eigentümern Christiane Weissenborn<br />

und Matteo Rader von Valinor<br />

Estates, bevor sie es behutsam<br />

restaurieren, auf den aktuellen<br />

Stand der Technik und Nach haltig<br />

keit bringen und dem ursprüng<br />

lichen Nutzungszweck in<br />

Form von fünf eleganten Wohnungen<br />

zuführen. Auf dem parkähnlichen<br />

Grundstück entstehen<br />

weitere acht luxuriöse Wohneinheiten<br />

mit Terrassen, Gärten und<br />

einem Gemeinschaftspool.<br />

Die Vorbereitungsarbeiten für<br />

den exklusiven Dinner-Club starteten<br />

bereits zu Jahresbeginn. So<br />

musste das Gebäu de noch mit<br />

_<br />

AURUM <strong>999</strong>,9 verwandelte für einen Monat das ehrwürdige Palais Pick<br />

in einen Private Dinner Club und nahm seine Gäste mit auf eine Reise,<br />

gespickt mit zeitgenössischer Kunst, Kultur, Design und erlesener Kulinarik<br />

AURUM <strong>999</strong>,9-Herausgeber<br />

Reinhard Neussner mit den<br />

Kollegen Elisabeth Muth und<br />

Christoph Kulmer (v. l. n. r.)<br />

Im Gespräch: Alexandra<br />

Gürtler-Winkler und<br />

Martin Steininger<br />

Matthias<br />

Euler-Rolle<br />

mit Künstlerin<br />

Sabine<br />

Wiedenhofer<br />

sowie die<br />

Eigentümer des<br />

Palais Pick,<br />

Christiane<br />

Weissenborn und<br />

Matteo Rader<br />

von Valinor<br />

Estates (v. l. n. r.)<br />

Strom, Wasser und einer Heizung<br />

versehen werden. Eine an ge -<br />

messene Innenausstattung durf te<br />

natürlich ebenso nicht fehlen,<br />

und die AURUM <strong>999</strong>,9-Partner<br />

haben da bei ganze Arbeit geleistet:<br />

von der goldfarbenen<br />

Kücheninsel „Fold“ von Martin<br />

Steininger, feinstem italienischem<br />

Designmobi liar von Natuzzi Italia<br />

über den weltberühmten Met-<br />

Luster von Lobmeyr, ein klangvolles<br />

Einzelstück von Steinway &<br />

Sons bis hin zum von Wien Licht<br />

designten Be leuchtungs konzept<br />

und der von Adem Köse entworfenen<br />

Mar mor toilette. Selbst die<br />

Blick in den Art-Space mit<br />

Werken von Alex Kiessling<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Alexander Tuma<br />

h<br />

Harald Neumaerker, Marlene<br />

Kirnbauer und Markus Kirnbauer<br />

(v. l. n. r)<br />

j<br />

Cornelius Obonya mit<br />

Ehefrau Carolin Pienkos<br />

hk<br />

Hochkarätige Runde:<br />

Georg und Dorit Muzicant sowie<br />

Stefanie und Robert Glock (v. l. n. r.)<br />

k<br />

Dinner-Table mit atemberaubender<br />

Blumeninszenierung und<br />

Designleuchten von Occhio<br />

x<br />

Die elegante Gesellschaft lauschte<br />

der Wiener Künstlerin Anita<br />

Eberwein bei einem Aperitif im Salon<br />

Auch von außen wurde das Palais Pick<br />

imposant in Szene gesetzt.<br />

Lichtspiele und Bentley inklusive<br />

Nights<br />

out<br />

with<br />

AURUM<br />

<strong>999</strong>,9<br />

k<br />

Künstler Andreas Reimann stellte<br />

seine Werke persönlich vor<br />

x<br />

Franz und Karin Peckal haben Künstler<br />

Simon Quendler in ihrer Mitte<br />

88 SUMMER <strong>2023</strong><br />

89


EVENTS<br />

Bestens gelaunt:<br />

Matthias Euler-Rolle<br />

und Partnerin Sabine<br />

Wiedenhofer<br />

Perfect<br />

Dinner<br />

Party<br />

h<br />

Anita Eberwein zog mit ihrer<br />

unterhaltsamen Marlene-Dietrich-<br />

Performance alle Blicke auf sich<br />

k<br />

Jeden Abend begeisterte die mit<br />

edlem Silber und feinen Gläsern<br />

gedeckte Tafel<br />

c<br />

Dream-Team von Breitling:<br />

Martina Sigl und Thomas Hanauer<br />

x<br />

Harmonische Inszenierung:<br />

Exklusive Düfte von Dior und<br />

Lobmeyr-Designleuchte „Script“<br />

k<br />

Patrizia Hunter von<br />

Cuubuus mit Ehemann<br />

Rodney<br />

Nobles Interieur von<br />

Natuzzi Italia<br />

schmückt das ganze<br />

Palais<br />

Evelina Jüttner und<br />

Künstler Simon<br />

Quendler<br />

x<br />

h<br />

Outdoorgestaltung von<br />

Verdarium und Talenti<br />

Imposantes Ensemble:<br />

Die goldfarbene<br />

Kücheninsel „Fold“ von<br />

Martin Steininger und<br />

das Flügel-Unikat von<br />

Steinway & Sons<br />

Großflächige<br />

Arbeiten von<br />

Künstlerin Sabine<br />

Wiedenhofer<br />

Terrasse wurde von Verdarium<br />

und Talenti neu in Szene gesetzt<br />

und lud zum Verweilen mit Blick<br />

auf die märchenhafte Grünanlage<br />

ein. Im Gartengeschoß begeisterte<br />

eine Pop-up-Galerie, in der in<br />

den vier Märzwochen jeweils ein<br />

an de rer Künstler den Gästen seine<br />

Werke persönlich vorstellte<br />

und zum kreativen Austausch lud.<br />

Den Beginn machte Sabine<br />

Wieden hofer, gefolgt von Simon<br />

Quendler und Andreas Reimann,<br />

zum Abschluss waren Christina<br />

Starzer und Alex Kiessling die<br />

Gastgeber im Art-Space. Auf dem<br />

Vorplatz der prächtigen Residenz<br />

Künstlerpaar: Alex Kiessling<br />

und Christina Starzer<br />

wurden die Besucher standesgemäß<br />

von ei ner Auswahl eleganter<br />

Bentley-Limousinen in den Bann<br />

gezogen, der Aperitif wurde im<br />

großzügigen Salon genossen.<br />

Und noch ehe die Gäste an der<br />

mit feinstem Silber von Rob be &<br />

Berking, weiß und schwarz geflammter<br />

Gmundner Keramik,<br />

Lobmeyr-Gläsern und Floristik<br />

von Andreas Bamesberger und<br />

seinem Team von der Zweig stelle<br />

atemberaubend inszenierten ovalen<br />

Tafel Platz genommen hatten,<br />

gab es eine Überraschung. Die<br />

charmante Wiener Künstlerin<br />

Anita Eberwein gab ein thematisch<br />

perfekt abgestimmtes Gastspiel<br />

mit einer Auswahl von Marlene-Dietrich-Liedern.<br />

Natürlich<br />

spielte auch die Kulinarik alle<br />

Stücke. Zu verdanken war das<br />

Marco Simonis von der Bastei 10,<br />

der Wiener Fleischmanufaktur<br />

Aumaerk von Harald Neumaerker,<br />

bekannt für das laut Spitzenköchen<br />

wohl beste Fleisch der<br />

Welt, und dem burgenländischen<br />

Premium-Weingut K+K Kirnbauer.<br />

Die Top-Winzer haben sich mit<br />

erlesenen Tropfen wie „Cesario<br />

Brut“, „Forever“ oder „Phantom“<br />

einen Namen gemacht. Die passende<br />

Musik zum Dinner erklang<br />

von einem Flügel aus der elitären<br />

„Masterpiece 8 × 8“-Kollektion von<br />

Steinway & Sons, gefertigt aus<br />

Eukalyptus <strong>–</strong> ein Unikat und<br />

eigens für die Eventreihe nach<br />

Österreich gebracht. Ausklingen<br />

ließ man den Abend bei einem<br />

angeregten Austausch in dem von<br />

Select, deren Concept-Store im<br />

Goldenen Quartier zu finden ist,<br />

ausgestatteten Digestif Room.<br />

Hier standen feinste Spirituosen<br />

zur Verkostung bereit, unter<br />

ande rem die Meisterwerke der<br />

1824 gegründeten schottischen<br />

Whisky-Brennerei Macallan. Es<br />

war eine Zeitreise, die in Erinnerung<br />

bleibt.<br />

Edle Tropfen von Macallan,<br />

stil gerecht in Szene gesetzt auf<br />

dem Robbe & Berking-Barwagen<br />

Sebastian Schroeter und Anton Heldwein<br />

neben den Preziosen von Pomellato<br />

Verantwortlich für das<br />

leibliche Wohl: Ulli und Marco<br />

Simonis von Bastei 10<br />

x<br />

90 SUMMER <strong>2023</strong><br />

91


www.dermayrhofer.at<br />

Wir verbinden<br />

HANDWERK<br />

MIT DEN<br />

HÖCHSTEN<br />

DESIGNANSPRÜCHEN.<br />

Wir leben unsere Leidenschaft. Mit unserer Erfahrung schaffen<br />

wir moderne Lösungen für Ihr Zuhause. Hoher Qualitätsanspruch<br />

und Fachexpertise kombiniert mit ehrlichemmühlviertler Handwerk.<br />

Kremstal Bundesstraße 3 / A-4061 Pasching<br />

der.mayrhofer


ARCHITEKTUR<br />

RAUS<br />

AUS DEM KOKON<br />

Schluss mit Einigeln, die Outdoor-Saison ist<br />

eröffnet! Gärten, Terrassen und Balkone sind das<br />

luxuriöse Must-have für den perfekten Sommer<br />

Von Christoph Kulmer<br />

Im Infinity-Pool hat<br />

man eine grandiose<br />

Sicht über die<br />

Hügellandschaft der<br />

griechischen Insel<br />

Kreta. Konzipiert wurde<br />

das Haus „O Lofos“ vom<br />

Designstudio Block722<br />

Foto: Ana Santl<br />

94<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

95


ARCHITEKTUR<br />

h<br />

Direkt aus dem Wohnbereich im<br />

obersten Stock der Villa kann<br />

man den Gartenbereich<br />

erreichen<br />

R<br />

Nicht nur die Architektur<br />

und das Interior wurden von<br />

Block722 designt, sondern<br />

auch das Outdoor-Mobiliar<br />

U<br />

Aufgrund der natürlichen<br />

Materialien und Farben fügt<br />

sich „O Lofos“ fantastisch in<br />

die umliegende Landschaft ein<br />

Fotos: Ana Santl<br />

Ohne Garten keine Menschen. Was im ersten<br />

Moment vielleicht etwas absurd und weit hergeholt<br />

klingen mag, ist jedoch eine Tatsache<br />

unserer Evolution. Denn ohne die gärtnerische<br />

Kultivierung von Natur wären die Menschen vor über 12.000 Jahren<br />

nur schwer oder überhaupt nicht sesshaft geworden. Im Garten und<br />

beim Anbau von Lebensmitteln fanden sie die nötige Sicherheit, um<br />

sich niederzulassen, der Garten ist also sozusagen ein Symbol<br />

menschlicher Zivilisation. Aber mit dieser Bändigung ging auch eine<br />

Entfremdung gegenüber der Natur einher, wie aktuelle wissenschaftliche<br />

Befunde deutlich belegen. Eine Metastudie eines deutschfranzösischen<br />

Forschungsteams zeigt, dass Menschen immer weiter<br />

von Naturräumen entfernt leben und sich auch seltener mit diesen<br />

beschäftigen. Durchschnittlich sind Personen heute 9,7 Kilometer<br />

weit weg von einem Naturgebiet beheimatet, das entspricht einer<br />

Distanzvergrößerung um sieben Prozent zum Vergleichsjahr 2000.<br />

In Europa ist diese durchschnittliche Entfernung, mit etwa 22 Kilometern<br />

in Deutschland und 16 Kilometern in Frankreich, am größten.<br />

Zu beobachten waren des Weiteren ein Rückgang der Besuche von<br />

Nationalparks und der Umstand, dass sich in Romanen, Kinderbüchern,<br />

Zeichentrickfilmen oder Computerspielen immer weniger<br />

Naturschilderungen und -bilder finden. Die Experten um Dr. Victor<br />

Cazalis vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung<br />

wollen mit dieser Studie wachrütteln und verdeutlichen, dass<br />

es essenziell ist zu wissen, wie sich der Mensch mit der Natur beschäftigt,<br />

denn davon hängt ab, wie er mit ihr in Zukunft umgehen wird.<br />

Es scheint schon fast paradox, aber Immobilien mit Außenflächen<br />

werden dagegen immer beliebter. Für viele ist ein neues Eigenheim,<br />

egal ob nun Wohnung oder Haus, ohne Garten, Terrasse oder Balkon<br />

mittlerweile völlig unvorstellbar. Fündig wird man natürlich auf dem<br />

Land leichter, obwohl Entwickler auch im städtischen Bereich immer<br />

häufiger den Fokus darauf setzen. So kann ein Großteil der Neubauten<br />

mit Freiflächen aufwarten, wenn auch nicht in üppiger Ausführung, für<br />

Entschädigung sorgen oftmals umfangreiche Allgemeinflächen wie<br />

gemeinsame Grillplätze, Pools oder Parkanlagen. Das Nonplusultra ist<br />

natürlich, wenn Architektur und Natur zu einer Einheit verschmelzen,<br />

96<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

97


ARCHITEKTUR<br />

wie bei der Villa „O Lofos“ auf Kreta in Griechenland. Konzipiert<br />

wurde dieses Schmuckstück von Block722, es liegt an den nördlichen<br />

Ausläufern des Thripti-Gebirges im Osten der Insel. Geschäftsführer<br />

Sotiris Tsergas schwärmt: „Die Reise beginnt, wenn man die Hauptstraße<br />

verlässt und bergab auf das Haus zugeht. Während des<br />

Abstiegs betrachtet man es aus verschiedenen Blickwinkeln, dabei ist<br />

auch die Beziehung, die es zum Hügel eingeht, unübersehbar. Man<br />

bemerkt, wie sorgfältig es in diesen integriert wurde.“ Das Gebäude<br />

ist auf verschiedenen Ebenen gebaut, es gibt einen zentralen Korridor,<br />

der den Haupteingang durchquert und alle Räume miteinander verbindet.<br />

Vom Wohnzimmer tritt man auf die großzügige Terrasse, der<br />

Swimmingpool liegt ein Stück tiefer und erstreckt sich über die<br />

gesamte Länge der Villa. Um in Dialog mit der Umgebung zu treten,<br />

wurden dieselben oder ähnliche Materialien verwendet, die auch auf<br />

dem Grundstück vorhanden waren, sogar die Vegetation des Felsens,<br />

auf dem das Bauwerk ruht, hat man auf das Dach übertragen.<br />

Creative Director Katja Margaritoglou präzisiert: „Die Landschaft, die<br />

den architektonischen Eingriff umgibt, ist sehr stark, lebendig und<br />

dient als perfekter Hintergrund. Auf Basis dessen hielten wir es für<br />

richtig, mit Materialien zu arbeiten, die diese natürliche und unberührte<br />

Umgebung wunderbar ergänzen, ohne sie zu sehr zu beeinträchtigen.<br />

Wir wollten etwas kreieren, das sich harmonisch einfügt.“<br />

Darum wurden die meisten Komponenten in ihrem natürlichen<br />

Zustand und auch in ihrer ursprünglichen Farbe belassen, nur einige<br />

dunklere Hölzer bilden einen schönen Kontrast. Jede Kleinigkeit<br />

haben die Spezialisten sorgfältig überlegt, um die Funktionalität zu<br />

unterstützen, Ausblicke zu ermöglichen und vor allem das Natürliche<br />

mit dem vom Menschen Geschaffenen in Einklang zu bringen.<br />

W<br />

Die private Terrasse<br />

des Penthouse wurde<br />

auf verschiedenen<br />

Ebenen angelegt und<br />

ist ein echtes<br />

Design-Glanzstück<br />

O<br />

Ein geschwungenes<br />

Pool, Spa-Deck mit<br />

Whirlpool, üppiges<br />

Grün und ein<br />

traumhafter Blick<br />

auf das Meer lassen<br />

keine Wünsche offen<br />

Insgesamt befinden sich im „Glasshouse“,<br />

direkt an der Küste im australischen<br />

Queensland, drei Residenzen. Das Highlight<br />

ist das zweistöckige Penthouse mit einer<br />

Dachterrasse, die ihresgleichen sucht<br />

Fotos: Render House Studios<br />

98<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


ARCHITEKTUR<br />

Der gleichen Präzision folgte auch das Architekturbüro Brillhart<br />

Architecture in Florida, um für den Star-Chirurgen Brad Herman das<br />

perfekte Zuhause zu konzipieren. Überraschenderweise gibt auch bei<br />

diesem Projekt die Natur das Design vor, liegt es doch in einem der<br />

besonders gefährdeten Hochwassergebiete Miamis, nur 250 Meter<br />

von der Biscayne Bay entfernt. 2017, nach Hurrikan Irma, beschloss<br />

Herman, sein ursprüngliches Haus aus dem Jahre 1923, das durch<br />

etliche Tropenstürme erhebliche Schäden aufwies, dem Erdboden<br />

gleichzumachen. Bis alle Reparaturen abgeschlossen gewesen wären,<br />

hätte es vermutlich Monate gedauert, und es war ohnehin ein Flickwerk.<br />

Herman wandte sich vertrauensvoll an Brillhart Architecture,<br />

um an gleicher Stelle ein neues Heim zu errichten. Als sich das<br />

Expertenteam an die Arbeit machte, hatte es mit der „Stewart Avenue<br />

Residence“ die Vision einer architektonischen Neugestaltung von<br />

Wohngebäuden auf Stelzen vor Augen. Erhöhte Strukturen sind in<br />

den USA und auch in anderen Teilen der Welt grundsätzlich nichts<br />

Neues, aber durch den Klimawandel wird eine intensive Auseinandersetzung<br />

mit dieser Bauweise immer relevanter. Bei bisherigen<br />

Konstruktionen hatte man stets das Gefühl, ein Gebäude, das eigent-<br />

lich für den Boden gedacht war, wurde auf Säulen gestellt <strong>–</strong> die Proportionen<br />

stimmten irgendwie nicht. Und das ist der springende<br />

Punkt, wenn es nach den verantwortlichen Architekten Jacob Brillhart<br />

und Andrew Aquart geht. Sie sind der Überzeugung, dass man<br />

das Untergeschoß bei der Planung nicht vergessen darf, es ist nicht<br />

nur ein schützender, ungenutzter Raum voller Stelzen, sondern auch<br />

der erste Eindruck, den man gewinnt. Deshalb haben Brillhart und<br />

Aquart hier die historische Korallensteinmauer, die das Grundstück<br />

umgibt, in die Neugestaltung integriert, praktische Lagerräume, eine<br />

großzügige Garage und sogar einen überdachten Fußballplatz untergebracht.<br />

Für das nötige Grün sorgen salztolerante, widerstandsfähige<br />

Bepflanzungen, die an einigen Stellen hoch und dicht wuchern<br />

und an anderen zart den Gartenbereich veredeln. Zusätzlich wurde<br />

auf der Wohnebene eine knapp 100 Quadratmeter große Terrasse mit<br />

Pool geschaffen, die eine harmonische Verbindung zwischen Innenund<br />

Außenbereich zaubert. Aufgrund des schmalen Gebäudegrundrisses<br />

und der natürlichen Erdtöne fügt sich das Design unauffällig in<br />

die umliegende Landschaft ein und minimiert auf diese Weise den<br />

durchaus imposanten Charakter der Stelzenbauweise.<br />

R<br />

Schlanke, verzinkte<br />

Stahlrohrsäulen, die<br />

in unterschiedlichen<br />

Winkeln angeordnet<br />

sind, tragen die<br />

Konstruktion. Die<br />

Unregelmäßigkeit der<br />

Stützen ist ebenfalls<br />

ein Verweis auf die<br />

natürliche Umgebung<br />

U<br />

Der geschwungene<br />

Ausschnitt beim<br />

Treppenaufgang<br />

wurde der Natur<br />

nachempfunden<br />

und bildet einen<br />

Gegenpol zur eher<br />

geradlinigen<br />

Architektur<br />

Dieses Meisterwerk<br />

in Miami wurde vom<br />

Architekturbüro<br />

Brillhart Architecture<br />

entworfen. Es ist ein<br />

moderner Bau auf<br />

Stelzen, der künftigen<br />

Überschwemmungen<br />

trotzen sollte<br />

Fotos: Michael Stavaridis, Stephan Goettlicher<br />

W<br />

Das Wohnhaus sticht aus der Nachbarschaft<br />

hervor. Fast jede Woche klopft jemand an<br />

die Tür und fragt, ob es zum Verkauf steht<br />

k<br />

Auch die Lagerräume und die Garage aus Beton<br />

sollen Tropenstürmen standhalten <strong>–</strong> durch kleine<br />

Öffnungen kann das Wasser wieder abfließen<br />

100<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

101


ARCHITEKTUR<br />

www.miroo.at<br />

R<br />

Vom großen Wohn-<br />

Essbereich ist es ein<br />

fließender Übergang<br />

zum Außenbereich<br />

U<br />

Die Skyline von<br />

New York ist magisch.<br />

Wenn man sie von der<br />

eigenen Terrasse aus<br />

bewundern kann, ist es<br />

das Nonplusultra<br />

Im Sommer wird die Terrasse im „The Cortland“<br />

in West Chelsea zum verlängerten Wohnraum.<br />

Loungemöbel und eine Outdoor-Küche versprechen<br />

angenehme Stunden<br />

U<br />

Es muss aber nicht immer die Villa mit Garten sein, damit man im privaten<br />

Rahmen outdoor die Seele baumeln lassen und entspannen<br />

kann. Ein grandioses Beispiel dafür ist das Penthouse im australischen<br />

Queensland, mit Blick auf den Ozean. Es befindet sich in einem elitären<br />

Neubau mit insgesamt drei Apartments und wurde soeben für<br />

gigantische 20 Millionen Dollar verkauft. Somit kann sich dieses<br />

Schmuckstück offiziell den Titel „Teuerste Wohnung in Burleigh Hill“<br />

auf die Fahnen heften. Dem neuen Eigentümer stehen über 920 Quadratmeter<br />

Wohnfläche zur Verfügung, die sich über zwei vollverglaste<br />

Etagen erstrecken und keine Wohnträume unerfüllt lassen. Aber das<br />

Glanzlicht ist zweifellos die Dachterrasse, ein Design-Highlight mit<br />

Swimmingpool, eigenem Spa-Deck und unbezahlbarem Meerblick.<br />

Die Fertigstellung ist für Ende <strong>2023</strong> geplant. Realisiert wird das Meisterwerk<br />

von der Spyre Group, deren Manager, Andrew Malouf, das<br />

Projekt folgendermaßen beschreibt: „Jede dieser großartigen Residenzen<br />

bietet einen unvergleichlichen Stil, Umfang und Standard mit Blick<br />

auf die atemberaubende Küstenlandschaft der Gold Coast. Der Standort<br />

ist einzigartig, ikonisch und zweifellos der beste Ort in ganz Australien,<br />

um ein Projekt dieses Kalibers auf den Markt zu bringen.“<br />

Hierzu muss man anmerken, das auch in Down Under Bauplätze mit<br />

einem derart grandiosen Ausblick auf die Küste spärlich gesät sind. Auf<br />

der anderen Seite der Welt, in New York, kann man davon ebenso ein<br />

Lied singen. Hier werden aufgrund des Platzmangels sogar Wolkenkratzer<br />

auf einer wahnwitzig geringen Grundfläche mehrere Hundert<br />

Meter in die Höhe gebaut, von den wenigen Wohnungen mit Außenflächen<br />

ganz zu schweigen. Aber im „The Cortland“ in West Chelsea<br />

befindet sich exakt so eine Rarität, die großzügiges Wohnen, eine private<br />

Terrasse und einen ungehinderten Blick auf das Wasser vereint.<br />

Entworfen von Robert A. M. Stern Architects und Olson Kundig, überzeugt<br />

sie auf 380 Quadratmeter Wohnfläche mit fünf Schlafzimmern,<br />

fünf Bädern und einem eleganten, offenen Wohn- Essbereich. Auch<br />

diese Immobilie adelt die fast 300 Quadratmeter große private Terrasse<br />

mit Outdoor-Küche und einem unverbaubaren Blick auf den Hudson<br />

River und die Skyline von Big Apple im Norden und Osten.<br />

Egal ob nun Garten, Balkon oder Terrasse, ein privater Wohlfühl-<br />

Außenbereich ist nicht nur Luxus für die Geldbörse, sondern auch für<br />

Körper, Geist und Seele.<br />

p<br />

Forme<br />

deine Welt<br />

Gestalte<br />

den Raum<br />

Fotos: Courtesy of Related Companies<br />

Sie wollen Ihr eigenes Ding? Eine Bereicherung Ihrer Indiviualität. Kreieren Sie Ihren miroo und vereinen dabei<br />

Form, Farbe und Material auf die schönste und fröhlichste Weise.<br />

102<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


ARCHITEKTUR | DIE TOP 9<br />

Top<br />

Die 9<br />

Private Außenbereiche adeln die eigenen vier Wände und<br />

tragen erheblich zum Wohlbefinden bei. Doch gerade im<br />

urbanen Raum sind Gärten, Terrassen und Balkone rar gesät.<br />

AURUM <strong>999</strong>,9 hat die schönsten Immobilien in Stadt und<br />

Land mit erholsamen Freiflächen entdeckt<br />

CLOUD P<br />

9580 Villach-Drobollach am Faaker See<br />

Wohnungsgrößen: bis 170,82 m2<br />

Freiflächen: bis 107 m2<br />

Highlights: Großzügige Terrassen mit Blick auf<br />

den Faaker See, exklusiver Privatstrand mit<br />

Badesteg, Photovoltaikanlage<br />

Fertigstellung: Herbst <strong>2023</strong><br />

atv-immobilien.at<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: © 2022 ZOOMVP<br />

104<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

105


ARCHITEKTUR | DIE TOP 9<br />

THE VIEW<br />

6352 Ellmau<br />

Wohnfläche: 443 m2<br />

Freiflächen: ca. 329 m2<br />

Highlights: Ausblick auf den Wilden<br />

Kaiser, Galerie mit Sonnenterrasse,<br />

Swimmingpool mit Thermoabdeckung,<br />

Zirbenholzsauna, Skiabstellraum<br />

Fertigstellung: bezugsfertig<br />

cumlaudeimmobilia.com<br />

RT<br />

ÜBERSEE<br />

Sekull 98 | 9212 Techelsberg am<br />

Wörthersee<br />

Wohnungsgrößen: bis 86 m2<br />

Freiflächen: bis 326,01 m2<br />

Highlights: Ruhiges Wohnen im Grünen,<br />

Fußbodenheizung sowie im Sommer<br />

Fußbodenkühlung, zukunftsweisender<br />

Holzbau aus massiver Fichte<br />

Fertigstellung: Frühjahr 2024<br />

vmfimmo.at<br />

WR<br />

v<br />

TAU LIVING<br />

Formanekgasse 69 <strong>–</strong> 70 | 1190 Wien<br />

Wohnungsgrößen: bis 201 m2<br />

Freiflächen: bis ca. 295 m2<br />

Highlights: Garten mit Pool und Poolhaus,<br />

bei den Penthouses gibt es die<br />

Möglichkeit eines Pools auf den<br />

Dachterrassen, Aussicht in die<br />

angrenzenden Weingärten,<br />

atemberaubender Blick auf die Stadt<br />

Fertigstellung: Frühling 2024<br />

hinteregger.immo<br />

Fotos: VMF Immobilien, © Zeiger Marketing, © Gerhard Groger, © Christian Pichlkastner<br />

Floriette<br />

Jagdschlossgasse 23 | 1130 Wien<br />

Wohnungsgrößen: bis 151,63 m2<br />

Freiflächen: bis 332,24 m2<br />

Highlights: 12.000 Quadratmeter großes<br />

Parkareal, bodentiefe Panoramafenster,<br />

Smart-Home-System, Concierge-Service,<br />

Raumhöhen bis zu 3,60 Meter,<br />

Wellnessbereich<br />

Fertigstellung: Ende <strong>2023</strong><br />

floriette.at<br />

WE<br />

106<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

107


ARCHITEKTUR | DIE TOP 9<br />

W<br />

108<br />

O<br />

THE UNIQUE VILLAS<br />

Hackenbergweg 43 | 1190 Wien<br />

Wohnfläche: ca. 130 m2<br />

Freiflächen: bis ca. 400 m2<br />

Highlights: Pool und Sauna,<br />

Vorbereitung für Outdoor-Küche,<br />

Gartenhaus, Blick in die Weinberge<br />

Fertigstellung: Frühjahr 2024<br />

the-unique.at<br />

THE UNIQUE APARTMENTS<br />

Krottenbachstraße 162 | 1190 Wien<br />

Wohnungsgrößen: bis 107 m2<br />

Freiflächen: bis ca. 200 m2<br />

Highlights: Integrierter Sonnenschutz,<br />

bodentiefe Panoramaverglasungen,<br />

360-Grad-Blick von der<br />

Penthouse-Terrasse<br />

Fertigstellung: Frühjahr 2025<br />

the-unique.at<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

Fotos: © 3SI Immogroup | JamJam | C. Schön GmbH, © 3SI Immogroup | JamJam<br />

To those who strive<br />

for new horizons<br />

occhio.com<br />

Occhio gallery by WienLicht<br />

Vorlaufstrasse 1 | 1010 Wien<br />

Tel. + 43 1 533 86 70 0<br />

wienlicht.at


ARCHITEKTUR | DIE TOP 9<br />

PARK & BLOOM<br />

Hawelgasse 11 | 1180 Wien<br />

Wohnungsgrößen: bis 106 m2<br />

Freiflächen: bis 183,65 m2<br />

Highlights: Nachhaltige Erdwärmepumpe,<br />

innovatives<br />

Raumklimakonzept, idyllische<br />

Ruhelage, nur zwei Gehminuten<br />

vom Pötzleinsdorfer<br />

Schlosspark entfernt<br />

Fertigstellung: Herbst <strong>2023</strong><br />

parkandbloom.at<br />

k<br />

v<br />

CASA BLANCA AM<br />

MÜHLKAMP<br />

Diendorfer Weg 17A/17B | 3493 Hadersdorf<br />

am Kamp<br />

Wohnfläche: 164 m2<br />

Freiflächen: 164 m2<br />

Highlights: Outdoor-Whirlpool,<br />

Deckenkühlung und Fußbodenheizung,<br />

Photovoltaikanlage<br />

Fertigstellung: Sommer <strong>2023</strong><br />

casa-blanca.at<br />

Fotos: © PicMyPlace, © ZOOMVP.AT<br />

110<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


KOLUMNE<br />

„Zentrale Elemente unseres<br />

Forschungsprojekts sind<br />

eine nachhaltige Entwicklung<br />

und ein gutes Leben innerhalb<br />

eines Konsumkorridors“<br />

Muss es immer<br />

a bisserl<br />

mehr sein?<br />

Von DI Elke Reitmayer<br />

Architektin und Wohnpsychologische Expertin<br />

Die Sommermonate präsentieren sich jedes Jahr<br />

aufs Neue im Überfluss, üppige Gärten mit allem,<br />

was der Naschgarten zu bieten hat, prachtvolle<br />

Blumen, die in der Morgensonne vor sich hin<br />

glitzern, vollbeladene Erntewägen und die pure<br />

Frische auf unseren Tellern. Wenn man den Abend ausklingen lässt<br />

und den Geschmack der zuvor verzehrten Köstlichkeiten noch immer<br />

am Gaumen schmecken und in der Nase riechen kann, wenn die<br />

letzten Sonnenstrahlen sich schon fast kitschig im Weinglas spiegeln,<br />

dann schleicht sich ganz heimlich dieser eine Satz in den Kopf: „Verweile<br />

doch, du bist so schön!“ Und im nächsten Moment denkt man,<br />

dass es doch eigentlich gar nicht so viel braucht, um das wahrhaftige<br />

Glück und das süße Leben in vollen Zügen zu genießen.<br />

Nach dem guten Leben zu fragen ist, wie sich bei jemandem nach<br />

seinem Lieblingsessen zu erkundigen <strong>–</strong> individuell und kulturell<br />

geprägt. Für die einen sind es Momente mit der Familie, Augenblicke,<br />

die einmalig sind und nur einmal erlebt werden können, Orte,<br />

die man bereist und erkundet. Für die anderen sind es die eigenen<br />

Ziele, Ideen und Inspirationen, die man in die Tat umsetzen kann,<br />

der Erfolg, die Anerkennung und die eigene Zufriedenheit, die dem<br />

Leben so viel Leichtigkeit verleiht.<br />

Der Austrian Happiness Report, der österreichische Glücksatlas,<br />

hat 2019 untersucht, wie glücklich Herr und Frau Österreicher<br />

denn nun wirklich sind und woran das eigentlich liegen könnte. Das<br />

Ergebnis ist nicht überraschend, das Glücksniveau in Österreich ist<br />

insgesamt sehr hoch, und ein Zusammenhang zwischen Glück und<br />

Bildung, Einkommen und sozialer Unterstützung zeichnet sich deutlich<br />

ab. Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen<br />

sind tendenziell glücklicher. Aber macht mehr auch wirklich immer<br />

glücklicher? Oder hatte Ludwig Mies van der Rohe doch recht, als er<br />

sagte: „Weniger ist mehr“ <strong>–</strong> seine beeindruckende Architektur, die<br />

wie ein Kunstwerk unsere Sinne beflügelt, scheint dies zu bestätigen.<br />

Wie viel ist denn „mehr“, und wie viel von diesem „Mehr“ ist denn<br />

eigentlich noch gut für uns und unsere Erde?<br />

Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsteams der Berner<br />

Fachhochschule setze ich mich gemeinsam mit einem interdisziplinären<br />

Team mit der zentralen Frage auseinander, wie wir in Zukunft<br />

leben können, um sowohl ein gutes und erfülltes Leben zu führen<br />

als auch die Ressourcen unseres Planeten zu schützen. Dabei stehen<br />

wir vor vielen Herausforderungen und müssen uns wissenschaftlich<br />

fundierte Antworten auf Fragen der nachhaltigen Ernährung, des<br />

Ressourcenverbrauchs und der CO₂-Emissionen erarbeiten. Zum Beispiel,<br />

wie viel Fleisch dürfen wir pro Woche auf unserem Teller landen<br />

lassen, und welchen ökologischen Fußabdruck darf unser Obst<br />

und Gemüse haben, um eine lebenswerte Umwelt für kommende<br />

Generationen zu erhalten? Auf welche Weise können wir Land effektiv<br />

nutzen und uns auf nachhaltige Weise selbst versorgen? In diesem<br />

Zusammenhang beschäftigen wir uns mit der Vermeidung von Food-<br />

Waste, nachhaltigem Anbau, Permakultur und gemeinschaftlichem<br />

Wohnen <strong>–</strong> alles Schlagworte, die in einer Zeit des akuten Handlungsbedarfs<br />

auf dem Gebiet der Umweltbewahrung eine immer größere<br />

Bedeutung erlangen. Als Teil der weltweiten Bewegung für den<br />

Foto: Maria Pirchner Fotografie<br />

Klimaschutz treten wir für eine umfassende Auseinandersetzung mit<br />

diesen Fragen ein und setzen uns für eine nachhaltigere und sozial<br />

gerechtere Welt ein. „Zentrale Elemente unseres Forschungsprojekts<br />

sind eine nachhaltige Entwicklung und ein gutes Leben innerhalb<br />

eines Konsumkorridors. So erarbeiten wir für Wissenschaft, Wirtschaft<br />

und Politik Leitlinien und Handlungsoptionen für resiliente<br />

und zukunftsfähige Städte“, erläutert die Forscherin Dr. Franziska<br />

Götze von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaft<br />

in Bern weiter. Um diese Fragen und Ziele nicht nur<br />

theoretisch abzuhandeln, haben wir einen kompetenten Partner mit<br />

an Bord. Die Urbanen Dörfer in Zollikofen, Bern. Ein bunter Mix an<br />

Idealisten, Machern und Entwicklern hat sich zusammengefunden<br />

und gemeinsam mit der Stiftung Abendrot eine Industriebrache in<br />

Bern ausgesucht, welche sie zu einem lebendigen, nachhaltigen und<br />

sozialen Quartier weiterentwickeln möchten <strong>–</strong> begleitet mit dem<br />

wissenschaftlichen Forscherteam der Berner Fachhochschule.<br />

„Urbane Dörfer funktionieren Community-basiert. Wir betrachten<br />

uns als lebendigen und lernfähigen Organismus. Vielseitigkeit ist<br />

dafür Voraussetzung. Aus diesem Grund darf sich jede*r angesprochen<br />

fühlen, ein Teil unserer Community zu sein und gemeinsam<br />

an der Zukunft mitzuwirken, auf eigene Art und Weise“, erklärt der<br />

inspirierende Community-Builder Matthias Tobler und lässt seine<br />

Begeisterung gleich auf alle Zuhörer überschwappen, wenn er mit<br />

Herzblut von seinen Zielen und Ideen berichtet. Für einen Strukturwandel<br />

sind soziale Nischeninnovationen wie Urbane Dörfer, die ihre<br />

Lebensformen selbst gestalten und nachhaltig leben wollen, unabdingbar.<br />

Mit ihrer Hilfe können wir so die Wechselwirkungen von<br />

einer nachhaltigen Ernährung und nachhaltigen Architektur im realen<br />

Kontext erforschen. Welche Auswirkungen hat eine gut positionierte<br />

Gemeinschaftsküche auf das Verhalten der Bewohner im Sinne einer<br />

nachhaltigen Ernährung, oder wie wirkt sich ein Mitgliederladen mit<br />

regionalen und im besten Fall selbst produzierten Lebensmitteln auf<br />

die Art und Weise, wie die Bewohner wohnen möchten, aus? Es gibt<br />

drängende Fragen, die erforscht werden müssen, um ein Regelwerk<br />

zu erstellen, welches eine nachhaltige Entwicklung in vielen Bereichen<br />

und Fachdisziplinen gewährleisten kann.<br />

Die bekannte Trendforscherin des Zukunftsinstituts, mit Sitz<br />

in Wien und Frankfurt am Main, Oona Horx-Strathern, präsentiert<br />

regelmäßig ihre Wohnprognosen im Zusammenhang mit zukünftigen<br />

Megatrends. Als einen der bedeutendsten Trends nennt sie<br />

„urbane, vertikale Dörfer“. „Die Sehnsucht der Stadtbewohner nach<br />

Ländlichkeit und dem Natürlichen, nach Gemeinschaft und Nähe<br />

wächst. Darum entstehen in vielen Städten gemeinschaftlich organisierte<br />

Wohnhäuser“, erklärt Horx-Strathern und fügt hinzu: „Es geht<br />

nicht mehr darum, wo wir leben, sondern wie.“<br />

Deshalb liegt es in unser aller Verantwortung, einen Beitrag im<br />

Rahmen unserer Möglichkeiten zu leisten <strong>–</strong> sei es durch bewussten<br />

Konsum, eine nachhaltige Lebensweise oder auch durch Fortschritte<br />

in der Wissenschaft.<br />

elke-reitmayer.at<br />

112<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

113


d.signwerk.com<br />

Iconic.<br />

Forever.<br />

Die Küche als Mittelpunkt des Lebens neu definieren.<br />

Wie? Das sehen Sie in unserem neuen Küchenmagazin.<br />

Zu entdecken bei uns in der BREITWIESER STONE WORLD in Tulln.<br />

Einen ersten Eindruck von der Schönheit edlen Natursteins<br />

und von der Vielfalt der Möglichkeiten bekommen Sie<br />

jetzt auch im Palais Harrach<br />

Freyung 3, 1010 Wien<br />

Oder auf www.breitwieser.com


ARCHITEKTUR | HIGHLIGHT<br />

Die Umgebung spiegelt sich in der gigantischen<br />

Spiegelfassade von „The Line“ wider. Dadurch fügt<br />

sich die Architektur der geplanten Neun-Millionen-<br />

Metropole auf faszinierende Weise in die Landschaft<br />

SPIEGLEIN<br />

SPIEGLEIN<br />

SPIEGLEIN<br />

SPIEGLEIN<br />

SPI<br />

SPI<br />

SPIEGLEIN<br />

SPIEGLEIN<br />

GLEIN<br />

GLEIN<br />

… an der Wand, welche ist die futuristischste Stadt im ganzen Land? Die Antwort:<br />

The Line. Sie ist keinem Science-Fiction-Film entsprungen, sondern<br />

symbolisiert die Vorstellung einer „Smart City“, die bis 2030 in Saudi-Arabien<br />

realisiert werden soll<br />

Fotos: NEOM<br />

Von Christoph Kulmer<br />

116<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

117


ARCHITEKTUR | HIGHLIGHT<br />

Die Zukunft ist jetzt:<br />

Alle Dinge des täglichen Lebens<br />

soll man in nur fünf Gehminuten<br />

erledigen können.<br />

Ansonsten stehen auch<br />

Hochgeschwindigkeits züge zur<br />

Verfügung<br />

hh<br />

Das Tor zur Welt: Es ist auch möglich,<br />

mit Schiffen direkt in die Metropole<br />

zu fahren, außerdem kann man seine<br />

Boote am Hafen anlegen<br />

hj<br />

Auch der Natur gibt man Raum: Parks<br />

und andere Grünflächen stehen den<br />

künftigen Bewohnern zur Verfügung,<br />

um sich vom Alltag zu erholen<br />

h<br />

Wasserfälle unterstützen das<br />

angenehme Mikroklima. Boulevards<br />

ohne Autos laden zu ausgedehnten<br />

Spaziergängen ein<br />

Der Klimawandel ist im<br />

wahrsten Sinne des Wortes<br />

ein heiß diskutiertes Thema.<br />

Laut Weltklimarat sind Städte für über 70<br />

Prozent der weltweiten CO2-Emissionen<br />

verantwortlich und verbrauchen knapp 76<br />

Prozent der Energie. Trotzdem gelten sie seit<br />

jeher als wirtschaftlicher Motor, als Zentrum<br />

der Macht und haben auf den Menschen<br />

eine fast schon magische Anziehungskraft.<br />

Überdurchschnittlich ausgeprägte Urbanisierungsprozesse<br />

sind dabei vor allem in<br />

Ländern zu beobachten, wo es in der Peripherie<br />

kaum Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit<br />

gibt. Das Resultat sind Megastädte<br />

wie Istanbul mit circa 15,5 Millionen Einwohnern<br />

oder Mexiko-Stadt mit mehr als 20<br />

Millionen Einwohnern. Aber auch Österreich<br />

verzeichnete in den letzten Jahrzehnten eine<br />

steigende Tendenz zum Leben im urbanen<br />

Raum: Waren es hier 2011 rund 57 Prozent<br />

der Bevölkerung, so sind es nur zehn Jahre<br />

später bereits 59 Prozent <strong>–</strong> eine immense<br />

Belastungsprobe für die Infra struktur.<br />

Es braucht also dringend Lösungen.<br />

Ein Sammelbegriff, der in diesem Zusammenhang<br />

immer wieder fällt, ist die „Smart<br />

City“. Ein ganzheitliches Entwicklungskonzept,<br />

das den Menschen in den Fokus<br />

rückt. Beim gigantischen Projekt „The Line“<br />

in Saudi-Arabien, das am 10. Jänner 2021 in<br />

der Theorie präsentiert wurde, hat man sich<br />

nach eigener Aussage dieser Zukunftsvision<br />

verschrieben und erklärt es selbst als „eine<br />

Revolution des urbanen Lebens und eine<br />

Blaupause dafür, wie Menschen und Planet<br />

in Harmonie zusammenleben können.“ Auf<br />

einer Länge von 170 Kilometern, einer Breite<br />

von 200 Metern und in einer Höhe von 500<br />

Metern sollen ab 2030 rund neun Millionen<br />

Personen eine neue Heimat finden. Eingebettet<br />

wird die Science-Fiction-Metropole<br />

in eine äußere Spiegelfassade, die zum einen<br />

dafür sorgt, dass sich die Architektur auf einzigartige<br />

Weise in die Umgebung integriert,<br />

und zum anderen soll sie die Bewohner vor<br />

der heißen Wüstensonne schützen. Keinen<br />

Platz gibt es hingegen für Autos, vielmehr<br />

werden Straßen durch begehbare Boulevards,<br />

Parks und Grünflächen ersetzt. Um unkompliziert<br />

von A nach B zu gelangen, stehen<br />

Hochgeschwindigkeitszüge zur Verfügung,<br />

die einen durchgehenden Transfer in nur<br />

20 Minuten ermöglichen. Die Energie für die<br />

Megacity soll zu 100 Prozent aus Sonnenund<br />

Windkraft sowie aus Wasserstoff<br />

stammen und damit eine umweltfreundliche<br />

Umgebung gewährleisten. Spezialisten<br />

geben aber zu bedenken, auch wenn ab Tag<br />

eins alles effizient laufen würde, so ist der<br />

Negativabdruck durch die Entstehung massiv.<br />

Denn Fakt ist, Unmengen an Beton, Stahl<br />

und Glas sind alles andere als klimaneutral,<br />

so fallen laut Schätzungen über 1,8 Milliarden<br />

Tonnen CO2 für die Realisierung der Bandstadt<br />

an. Die Fertigstellung von „The Line“<br />

ist im Moment noch schwer einzuschätzen,<br />

da der Baustart mehrfach verschoben wurde.<br />

Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen jedoch,<br />

dass entlang der 170 Kilometer langen<br />

Linie in der Wüste an mindestens zwei<br />

Stellen mit mehreren Hundert Baufahrzeugen<br />

gearbeitet wird. Die Utopie scheint<br />

also Wirklichkeit zu werden.<br />

p<br />

118 SUMMER <strong>2023</strong><br />

119


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

v<br />

Bacino San Marco, 2020<br />

Daniel Zielske<br />

Was ich sehe und erlebe in eine zeitlose Fotografie umzusetzen,<br />

ist ein unglaubliches Hochgefühl und Luxus für<br />

mich“, erklärt Daniel Zielske. 1972 in Göttingen geboren,<br />

wurde er bildlich gesprochen bereits mit dem Kinderwagen zur Fotografie<br />

geschoben. Von klein auf nahm ihn sein Vater, ebenfalls ein<br />

anerkannter Architektur- und Landschaftsfotograf, zu Produktionen<br />

mit und führte ihn alsbald in die Techniken seiner Zunft ein. Angetrieben<br />

von ihrer gemeinsamen Faszination für Stadtlandschaften<br />

bereisten sie als Vater-Sohn-Duo über zwei Jahrzehnte die Welt und<br />

bannten bestechende Momentaufnahmen auf Zelluloid.<br />

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Daniel Zielske, Porträt: Sandra Kühlborn<br />

Erkundet Daniel Zielske nicht mit Stativ und Großformat kamera<br />

den Erdball, zieht er sich am liebsten in seinen Wintergarten zurück,<br />

schmökert mit einer Tasse Kaffee in der Hand in Bildbänden und<br />

lässt sich zu neuen Projekten inspirieren. Hierfür bedient er sich der<br />

hauseigenen Bibliothek, die nun schon von zwei Generationen befüllt<br />

wird. Zielskes Auge könnte als objektverliebt bezeichnet werden.<br />

Zwar lichtet er Szenerien ab, die durch den Erfindungsreichtum des<br />

Homo sapiens erschaffen wurden, seine Werke glänzen dennoch<br />

durch die Abstinenz menschlichen Treibens. Im Kontrast zu einer<br />

Welt, die von Reizüberflutung geprägt ist, kreiert er Bilder, die bewegen<br />

und zugleich Ruhe ausstrahlen, weil sie der Hektik des Alltags<br />

entfliehen. Diesem Gedankengang folgend, entwickelte er eine<br />

Begeisterung für Bibliotheken, die er als Oasen der Stille ansieht.<br />

Nach intensiver Recherche wählte er „Kathedralen des Wissens“, die<br />

durch ihre Architektur bestechen. Über Jahre hinweg schuf Zielske<br />

Aufnahmen, die aus der Zentralperspektive heraus den Betrachter<br />

immer tiefer in das Bild ziehen. Die Detailverliebtheit, die Zielskes<br />

Werke auszeichnet, offenbart sich am besten in hochwertigen<br />

Drucken. Da ihn die Schärfe der Prints der Firma WhiteWall<br />

begeisterte, entstand eine fruchtbare Kooperation: Zielske fand nicht<br />

nur einen Partner, der seine Ausarbeitungswünsche genau erfüllte,<br />

sondern ist auch Teil des WhiteWall-Ambassador-Teams.<br />

zielske.de<br />

whitewall.com<br />

120<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

121


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

b<br />

Bibliothekssaal in der Paulinerkirche,<br />

Niedersächsische Staats- und<br />

Universitätsbibliothek Göttingen, 2021<br />

v<br />

Barocke Bibliothek,<br />

Kloster Bad Schussenried, 2016<br />

c<br />

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum,<br />

Berlin, 2017<br />

k<br />

Stadtbibliothek Stuttgart,<br />

Stuttgart, 2017<br />

122<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

123


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

Canal Grande dal ponte dell’Accademia, 2020<br />

124 SUMMER <strong>2023</strong><br />

125


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

b<br />

Johannisbad,<br />

Zwickau, 2022<br />

v<br />

Müller’sches Volksbad,<br />

München, 2018<br />

c<br />

Stadtbad Neukölln,<br />

Berlin, 2018<br />

Showroom Innsbruck<br />

Räume brauchen<br />

Material. Und uns.<br />

Naturholzböden, fugenlos gespachtelte<br />

Oberflächen, Fliesen & Keramik, parametrische<br />

Wandlösungen für den Innenraum. Exzellentes<br />

Handwerk mit ästhetischen Materialien.<br />

neunziggrad.at<br />

Neunziggrad<br />

Parkring 12, 1010 Wien<br />

Haller Straße 125, 6020 Innsbruck<br />

126 SUMMER <strong>2023</strong>


LIVING | SHOWROOM INTERNATIONAL<br />

DIE KUNST KLARER ÄSTHETIK<br />

Boffi|De Padova in Paris<br />

Dort, wo die Mode wohnt, zieht gerne auch Luxusinteriordesign ein. Der neue<br />

Pariser Showroom von Boffi und De Padova präsentiert exklusive Küchen-Couture,<br />

cleanen Bäder-Chic, Möbel-Minimalismus und einen sophisticated Lebensstil<br />

Von Alice Mandel<br />

Im Boffi-Luxus<br />

baden: Die<br />

Badewanne<br />

„Fisher Island“<br />

kreierte Piero<br />

Lissoni, ebenso<br />

den Waschtisch<br />

„Upper“ im Team<br />

mit C.R.S. Boffi,<br />

die Duschsäule<br />

„Pipe“ dahinter<br />

ist von Marcel<br />

Wanders<br />

Japanische Handwerkskunst in Bestform adelt<br />

das Bett und den Nachttisch „Time Trip for<br />

Memories“ von Time & Style e − dition,<br />

Tischlampe „Anna“, Design: Paolo Tilche,<br />

von De Padova<br />

Warmer Empfang<br />

im Showroom: Piero<br />

Lissonis Premiumküche<br />

„APR60“ von Boffi, das<br />

Sofa „Étiquette“ von<br />

GamFratesi für<br />

De Padova und die<br />

Leuchte „Bombori“<br />

von Time & Style<br />

e − dition<br />

h<br />

Lorem ipsum<br />

doloconsectetuer<br />

adipiscing elit.<br />

r sit amet,<br />

consectetuer<br />

adipiscing elit.<br />

v<br />

Lorem ipsum<br />

doloconsectetuer<br />

adipiscing elit.<br />

r sit amet,<br />

consectetuer<br />

adipiscing elit.<br />

Fotos: Boffi | De Padova, Annika Huett<br />

In der Stadt der Mode sind eleganter<br />

Geschmack und exzellentes Design eine Sache<br />

der Ehre. Dasselbe gilt für luxuriöse Made-in-<br />

Italy-Möbelkunst, deshalb ist die Adresse des<br />

Showrooms von Boffi | De Padova im Herzen<br />

von Paris formidabel gewählt. Denn im Gebäude<br />

am 16 Boulevard Raspail logierte zuvor das<br />

Fashion-Label Kenzo, und es gibt im „East<br />

meets West“-Gedanken sogar Parallelen. Entsprechend<br />

nobel ist die Architektur der neuen<br />

Dependance, die Säulen, Gewölbe und ein<br />

imposantes Oberlicht prägen. In der ersten<br />

Etage gibt Grau den Ton an und definiert das<br />

Gesamtkonzept: eine harmonische Balance<br />

unterschiedlicher Formen. Auf 900 Quadratmetern<br />

präsentiert und verbindet das 1934<br />

gegründete Unternehmen seine Kollektionen,<br />

Kooperationen und Brands: Küchen-, Schrankund<br />

Badsysteme von Boffi, Interiordesign von<br />

De Padova, Modulares von MA/U Studio,<br />

ADL-Trennwandlösungen und Time & Styleēdition-Möbel.<br />

Man ist augenblicklich begeistert von dem<br />

makellosen Premiumdesign, das italienische,<br />

skandinavische, asiatische und minimalistische<br />

Stilsprachen integriert. Mit exklusiven<br />

Materialien und präziser Handwerkskunst<br />

werden diese in Mobiliar von zeitloser Ästhetik<br />

übersetzt, gestaltet von Größen wie Luigi Massoni,<br />

Antonio Citterio oder Art Director Piero<br />

Lissoni. Im Schauraum fasziniert allen voran<br />

seine Küchenkreation „Case 5.0 Becoming“<br />

neben Leuchten und Sofas von De Padova<br />

wie der großartigen „Everyday Life“-Serie<br />

des britischen Modegenies Paul Smith oder<br />

dem Projekt „Raffles“, das Vico Magistrettis<br />

Entwürfe mit Society-Limonta-Stoffen neu<br />

interpretiert. Hinzu kommen quintessenzielle,<br />

puristische Meisterstücke im Skandi-Stil <strong>–</strong> wie<br />

das „R.I.G.“-Regalsystem von MA/U Studio <strong>–</strong><br />

oder von der japanischen Designmanufaktur<br />

Time & Style ēdition. Die DNA sind personalisierbare<br />

Luxusküchen und edles, cleanes Badinterieur.<br />

Doch das Designuniversum von<br />

Boffi | De Padova ist divers, kosmopolitisch,<br />

nachhaltig orientiert und mit Stores von Auckland<br />

bis Zürich global vertreten <strong>–</strong> und in Wien<br />

bei Ecker am Schubertring.<br />

boffi.com<br />

La vie en style:<br />

gehobene Wohnkunst<br />

à la Boffi | De Padova<br />

in einer Illustration<br />

von Annika Huett<br />

k<br />

Highlights unter<br />

der gläsernen Decke<br />

sind die Boffi-Küche<br />

„K14“ von Norbert<br />

Wangen (Mitte) und<br />

Keiji Takeuchis<br />

runder Loungesessel<br />

„Ripamonti“ von<br />

De Padova (links)<br />

U<br />

128<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

129


Over the top<br />

Chaletwohnung auf der Gerlitzen (Ski-in / Ski-out)<br />

113 m² Wfl. / 3 SZi. / 3x Bad / luxuriöse Ausstattung. KP € 1,1 Mio<br />

Mag. Alexander Tischler<br />

Tel. 04248 3002<br />

office@atv-immobilien.at<br />

atv-immobilien.at, @seelage<br />

Seeresidenzen<br />

an den schönsten Seen Kärntens<br />

Für Sie haben wir sehr interessante Seewohnungen von 2 - 6 Zimmer exklusiv in der Vermarktung.<br />

Wohnträume<br />

an den schönsten Seen Kärntens<br />

Seit über 50 Jahren vermittelt Familie Tischler Luxusimmobilien und ausgewählte Liegenschaften<br />

rund um den Wörthersee, Ossiacher See, Faaker See, Millstätter See und Weißensee.<br />

3.720<br />

184<br />

WÖRTHERSEE, MILLSTÄTTER SEE, FAAKER SEE, OSSIACHER SEE<br />

Seehäuser &<br />

Seegrundstücke<br />

Bei Interesse haben wir für Sie diskret<br />

Seeliegenschaften ab 750 m² im Angebot.<br />

• WÖRTHERSEE<br />

• OSSIACHER SEE<br />

• MILLSTÄTTER SEE<br />

• FAAKER SEE<br />

• WEISSENSEE<br />

seelage.at<br />

OSSIACHER SEE<br />

WOHNEN AM WASSER<br />

Dieses Naturidyll mit 2.600 m²<br />

Grund, 27 lfm. Ufer und Doppel-<br />

Bootshaus steht zum Verkauf.<br />

Auf der Liegenschaft trohnt ein<br />

gepflegtes Landhaus mit 400 m²<br />

sowie 3 Seebungalows mit á 70 m².<br />

Weitere Infos geben wir Ihnen sehr<br />

gerne.<br />

#Ossiachersee #Kärnten #Gerlitze<br />

#Sommer<strong>2023</strong>


LIVING | OUTDOOR<br />

2<br />

1<br />

DRAUSSEN<br />

8<br />

3<br />

9<br />

LEBEN<br />

Wohnzimmer<br />

10<br />

4<br />

14<br />

5<br />

6<br />

1 Rundum entspannt: kunstvoller Outdoor-Sessel „Loop“ aus Holz und Aluminium von Ludovica+Roberto Palomba für Giorgetti, giorgettimeda.<br />

com 2 Oriental Style: gestreiftes und besticktes Kissen „Courtyard“ aus Wolle und Baumwolle von HK Living, hkliving.com 3 Goldstandard:<br />

Boden- und Wandfliese „Lago Gold“ von L’argilla, largilla.at 4 Licht und Schatten: „Ambient Sol“ aus Sorrel-Geflecht und Aluminium dient als<br />

Sonnenschirm und Leuchte, Design: Henrik Pedersen. Von Gloster, gloster.com 5 Einladend: modulares Sofa „New York Soleil“ mit handgewobenem<br />

Flechtwerk und Stoffpolsterung, Entwurf: Sergio Bicego, und handgefertigter Beistelltisch „Teo“ von Zanellato/Bortotto. Beide von Saba,<br />

sabaitalia.com 6 Mediterran: Die Betongefäße der „Bulbi“-Kollektion von Studiopepe sind als Vasen, Ablagen oder Tischchen nutzbar. Von<br />

Ethimo, ethimo.com 7 Open table: Couchtisch „Manolo Outdoor“ mit Naturstein und Stahlgestell von Stephan Veit für Draenert, draenert.de<br />

7<br />

Redaktion: Alice Mandel, Fotos: Hersteller, swissFineLine<br />

11<br />

8 Paradiesisch: eleganter Outdoor-Loungesessel „Paradise Bird“ aus formschönem Geflecht von Luca Nichetto für Wittmann, wittmann.at<br />

9 Cool: Felicia Ferrones handgefertigte Karaffe „Dearborn“ aus geriffeltem Borosilikatglas von Fferone, fferronedesign.com 10 Freie Sicht: Das<br />

großflächige, rahmenlose Premium-Schiebefenster lässt Innen und Außen verschmelzen, von SwissFineLine, swissfineline.com 11 Logenplatz:<br />

Stil hat Gio Pontis Designikone „D.150.5“ in der Outdoor-Version mit Teakholz von Molteni & C, molteni.it 12 Luxusklasse: Coffeetable „Ohe“<br />

aus Bambusrohr, Rattan und Marmor von Piero Lissoni für Fendi Casa, fendicasa.com 13 Natur-inspiriert: modulare Teppiche „Rime“ aus<br />

handgeflochtenem Hightech-Garn von Deanna Comellini für G.T. Design, gtdesign.it 14 Strahlkraft: Die von Carlo Zerbaro entworfene<br />

Stehleuchte „Alonso“ kombiniert mattschwarzes Metall mit geblasenem, sandgestrahltem Pyrex-Glas. Von Roche Bobois, roche-bobois.com<br />

12<br />

13<br />

132 SUMMER <strong>2023</strong><br />

133


LIVING | OUTDOOR<br />

2<br />

7<br />

OPEN-AIR-<br />

COOKING<br />

Küche & Esszimmer<br />

8<br />

1<br />

6<br />

10<br />

9<br />

11<br />

3<br />

1 Naturtalent: LED-Stehleuchte „Woody“ aus FSC-zertifiziertem Teakholz stammt von Marc Sadler. Von Ethimo, ethimo.com<br />

2 Sonnenplatz: Stardesigner Vincent Van Duysen mixt für die Outdoorküche „Helios“ Oberflächen aus Stahl, Naturstein, Keramik und<br />

Teak. Von Molteni & C, molteni.it 3 Grüne Oase: Als Wintergarten oder Poolhaus ist der 60 Quadratmeter große Pavillon mit Küche,<br />

Lounge, Duschen und Fußbodenheizung rund ums Jahr das perfekte Refugium mit Dreifach-Isolierverglasung, Holzriegelkonstuktion und<br />

großen Hebe-Schiebetüren. Von Alco, alco.at 4 Ruhezone: Das braune Sofa „Mad out“ mit handgeflochtener Seilrückenlehne kreierte<br />

Marcel Wanders. Von Poliform, poliform.it 5 Wellenspiel: Raffiniert gestaltete das Designbüro Nendo das Tischbein von „Kasane“<br />

aus MDF und Ton. Von Gervasoni, gervasoni1882.com 6 Purer Genuss: preisgekröntes Salz- und Pfeffermühlenset „Lagom“<br />

im Farbton „Sage“ aus Edelstahl und Keramik von Lars Nysøm, larsnysom.com<br />

4<br />

5<br />

Redaktion: Alice Mandel, Fotos: Hersteller, Andres Riedmann / Alco, Artedona AG, Hermès @ Studio des Fleurs, © Erick Knight / Breitwieser<br />

12<br />

7 Schnittig: Edel-Steakmesser mit Eichenholzgriffen von Designlegende Andrée Putman für Forge de Laguiole über Artedona, forge-de-laguiole.<br />

com, artedona.com 8 Hochblüte: Platte und Salatschale aus Porzellan aus der „Passifolia“-Serie mit farbenprächtigen Dschungelmotiven von<br />

Nathalie Rolland-Huckel für Hermès, hermes.com 9 Freisitz: Monica Armanis gerundeter Sessel „Flair O" mit virtuosem Flechtwerk von B&B<br />

Italia, bebitalia.com 10 Mobil: Servierwagen „Vivienne“ aus Calacatta-Marmor von Lucy.D für Breitwieser, breitwieser.com 11 Sterneküche: Für<br />

die minimalistische Modulküche „Rock Air“ mit Feuerstelle erhielt Martin Steininger den German Design Award <strong>2023</strong>. Von Steininger, steiningerdesigners.com<br />

12 Hot: Der Küchenblock mit dem integrierten Kult-Kamado-Keramikgrill von Big Green Egg sorgt für Deluxe-Barbecues. Von<br />

Flam.e, flam-e.at 13 Essinsel: Eine Hommage an Ibiza sind der runde Tisch aus Acoya-Holz und gepolsterte Sessel aus der „Salinas“-Kollektion<br />

von Ludovica+Roberto Palomba für Talenti, talentispa.com<br />

13<br />

134 SUMMER <strong>2023</strong><br />

135


LIVING | OUTDOOR<br />

1<br />

8<br />

15<br />

2<br />

UNTER<br />

FREIEM HIMMEL<br />

Schlafzimmer<br />

3 4<br />

9<br />

14<br />

10<br />

5<br />

11<br />

13<br />

6<br />

1 Relax: Die Chaiselongue „Cacao“ von Odosdesign zitiert Mies van der Rohes berühmte „Barcelona“-Liege. Von Diabla, diablaoutdoor.com<br />

2 Shiny: Die tragbare Leuchte „Folia“ komponierte Noé Duchaufour-Lawrance aus geschliffenem Kristallglas, dunklem Holz und Metall.<br />

Von Saint-Louis, saint-louis.com 3 Wie gemalt: handgeknüpfter Outdoor-Teppich „Mélancolie Turner“ für Nodus, nodusrug.it<br />

4 Tagträumen: Geborgen fühlt man sich in Henrik Pedersens Daybed „Cradle“ aus Teak und Aluminium von Gloster, gloster.com 5 Laid back:<br />

Vincent Van Duysen schuf das runde, weiche Loungebett „Palinfrasca“ mit Teaklehne und Webeoptik von Molteni & C, molteni.it 6 Solarenergie:<br />

Mit schwungvollen Linien glänzt die exquisite Sonnenliege „Gea“ (Entwurf: Chi Wing Lo) aus Edelstahl am Pool. Von Giorgetti, giorgettimeda.<br />

com 7 Out now: Hocker „Paradise Bird“ aus geflochtenem Seil mit wetterfestem Stoff von Luca Nichetto für Wittmann, wittmann.at<br />

7<br />

Redaktion: Alice Mandel, Fotos: Hersteller, Ethimo<br />

12<br />

8 Sommerweiß: leichtfüßiger Loveseat „Everyday Life“ von Modedesigner Paul Smith für DePadova, depadova.com 9 Schlummertrunk: „Boyd<br />

Bedside Set“ von Felicia Ferrone mit Nachttischkaraffe und Wasserglas. Von Fferone, fferronedesign.com 10 Himmlisch: glamouröses Tagesbett<br />

„Swing Alcove“ mit Baldachin von Patrick Norguet für Ethimo, ethimo.com 11 Sleep well: geflochtenes „Ocean large Daybed“ mit passendem<br />

Kissenset von Cane-line, cane-line.de 12 Organisch: An Quallen oder Pilze erinnert der fantasievolle „Mucidule Outdoor“-Couchtisch mit Metallbasis<br />

von Antoine Fritsch & Vivien Durisotti für Roche Bobois, roche-bobois.com 13 Seidig: Kimono „Popflower“ aus Lyocell von Kenzo über Yves<br />

Delorme, yvesdelorme.com 14 Platz für alles: modulares, multifunktionales Regalsystem „Camaleon“ aus Teak und Metall von Andreucci & Hoisl<br />

für Emu, emu.it 15 Hang around: Kultig ist die Baumwollhängematte „Amanda“ mit Holz- und Stahlgestell von Unopiù, unopiu.com<br />

136 SUMMER <strong>2023</strong><br />

137


LIVING | OUTDOOR<br />

1<br />

2<br />

SONNEN-<br />

BADEN<br />

Badezimmer<br />

10<br />

seit<br />

März <strong>2023</strong><br />

auch in Mödling<br />

www.largilla.at<br />

3<br />

4<br />

9<br />

5<br />

6<br />

7<br />

1 Hideaway: Lamellen-Paravent in L-Form aus Teak von Gloster, gloster.com 2 Beflügelt: Sommerliche Motive von Maria Grazia Chiuri zieren das<br />

Minikerzen-Set „Birds“ von Dior Maison, dior.com 3 Schattenspender: Das luxuriöse Sonnensegel „Fold & Roll“ aus Edelstahl, Acryl- und Netzgewebe<br />

von Chefdesigner Mag. Gerald Wurz ist um 270° drehbar, bietet bis 75 Quadratmeter Sonnenschutz und eine Einklapp-Automatik bei viel<br />

Wind. Von SunSquare, sunsquare.com 4 Erfrischt: Außendusche „Atena“ aus poliertem Edelstahl von Ama Luxury Shower, amaluxuryshower.it<br />

5 Wellnesstempel: Gartensauna „Nature“ im Naturdesign von Aledolci&Co für Starpool, starpool.com 6 Starlight: Tischleuchte „In Vitro Unplugged“<br />

von Philippe Starck für Flos, flos.com 7 Kühles Nass: ovale Wanne „Reflex“ von Antoniolupi, antoniolupi.it 8 Blaupause: limitiertes handgemachtes<br />

Sofa „<strong>Summer</strong>time" von Valerio Berruti für Gufram über Artemest, gufram.it, artemest.com 9 Spa-Time: „Shaker System“-Bademantel<br />

von Modeschöpfer Raf Simons und Kvadrat, kvadrat.dk 10 Behütet: Panama-Strohhut mit Ripsband und Surfmotiv von Hermès, hermes.com<br />

138 SUMMER <strong>2023</strong><br />

8<br />

Redaktion: Alice Mandel, Fotos: Hersteller, Artemest, Hermès © Studio des Fleurs<br />

FLIESE<br />

WIEN<br />

GRAZ<br />

KLAGENFURT<br />

SALZBURG<br />

MÖDLING<br />

www.largilla.at


LIVING | OUTDOOR<br />

GARTEN-<br />

HOTSPOTS<br />

Outdoor-Living de luxe<br />

Ab ins Freie! Denn die Natur und Gartengestaltung kennen keine Grenzen.<br />

Das wissen diese drei Outdoor-Spezialisten und halten exklusive Trends<br />

für grüne Wohlfühloasen bereit<br />

#wohnträumen<br />

Urban Jungle: Pflanzen und grüne<br />

Gewächse inszeniert in Domani-Keramik<br />

Stimmungsvolle<br />

Inspirationen<br />

liefert der<br />

integrierte<br />

Paola-Lenti-<br />

Flagshipstore<br />

Gartenpalast. Im Wiener Palais Harrach präsentiert der neue Concept-Store von<br />

Kramer und Kramer exklusive Outdoormöbel von Paola Lenti, Keramik von Domani,<br />

Mode von Treasury und Deko. Highlight: eine stilvolle Terrassenlandschaft mit Gehölzen<br />

und Bäumen aus eigener Pflanzung für das Gartenparadies daheim. kramerundkramer.at<br />

Cook it. Flam.e ist der Experte für Outdoor-<br />

Küchen. Ein eigenes Kompetenzzentrum mit<br />

Gartenbau Stöger in Wolkersdorf bietet nun<br />

Freiluft-Cooks ausgesuchte Premiumgeräte,<br />

Trainings und Events, aber auch Infos zur<br />

Gestaltung von Garten und Balkon. Von der<br />

Feuerstelle bis zu Pool und Sauna ist alles<br />

dabei, individuelle Beratung möglich. flam-e.at<br />

Freiluft-Oase.<br />

Draußen entspannen<br />

und den Garten zur<br />

Komfortzone stylen:<br />

Dafür finden sich im<br />

Innenhof des Casa del<br />

Design in Wien schicke<br />

Möbel und Leuchten<br />

von Labels wie Tribù,<br />

Royal Botania, Gandia<br />

Blasco oder Gervasoni<br />

(Foto). casadeldesign.at<br />

140 SUMMER <strong>2023</strong><br />

Redaktion: Alice Mandel, Fotos: Kramer und Kramer / Paola Lenti, Domani, Flam.e, Casa del Design / Gervasoni<br />

Ob klassisch oder modern - wir realisieren Ihren Traum aus Glas<br />

www.alco.at<br />

Wintergärten Glasarchitektur Poolhäuser Schiebesysteme


LIVING | SHOWROOM NATIONAL<br />

Individuelle Freiräume<br />

GESTALTEN<br />

Im neuen Wiener Store zeigt die Möbelmanufaktur Ladenstein, wie personalisiertes<br />

Wohnen funktioniert: mit innovativen Küchen, smarten Betten, High-End-Design<br />

und nachhaltigen, modernen Maßanfertigungen<br />

Von Alice Mandel<br />

Die Wohnwand<br />

stammt von<br />

Ladenstein und<br />

Designer Thomas<br />

Mihalkovits, mit<br />

italienischem<br />

Marmor und<br />

Holzfurnier von<br />

Piero Lissoni. Der<br />

Esstisch „Filigree“<br />

und die Stühle<br />

„Chelsea“ sind von<br />

Molteni & C x<br />

Individualität und Persönlichkeit zählen. Sie<br />

sind Charaktersache nicht nur bei Menschen,<br />

sondern auch beim Wohnen. Darauf versteht<br />

sich der Interiorspezialist Ladenstein wie<br />

kein anderer. In seinem 91-jährigen Bestehen<br />

hat das steirische Familienunternehmen<br />

schließlich unerschöpfliche handwerkliche<br />

und kreative Expertise, Trend- und Materialwissen<br />

sowie Einfühlungsvermögen für<br />

Räume und ihre Bewohner erworben. Seit<br />

1932 hält der Betrieb die Tischlerhandwerkskunst<br />

hoch und avancierte zum Produzenten<br />

moderner, nachhaltiger Maßmöbel von Wert,<br />

die innovativ und gefragt sind. Ausgesuchte<br />

Rohstoffe, innovative Techniken und professionelle<br />

Fertigung gehören wie die eingehende<br />

Beratung, Planung und perfekt<br />

maß- und handgefertigte Einrichtung zum<br />

erstklassigen Service.<br />

Daneben präsentiert man in zwei Geschäften<br />

in Wien und Graz internationale Designmarken.<br />

Der Showroom in der Schellinggasse 1 in<br />

der Wiener City hat vor Kurzem ein stilbewusstes<br />

Makeover erhalten. Kuratiert und<br />

geleitet von Juniorchef Marcel Ladenstein, ist<br />

ein eklektischer Designtempel entstanden mit<br />

High-End-Labels wie Molteni & C mit einem<br />

Shop im Shop, Bonaldo, Draenert oder Rolf<br />

Benz sowie hochwertigen, eigenen Möbelkreationen.<br />

Absolutes Highlight ist ein außergewöhnliches,<br />

exklusives Küchenkonzept, das<br />

Thomas Mihalkovits in einem einjährigen<br />

intensiven Planungsprozess für Ladenstein<br />

entwickelte. Das Resultat ist eine elegante wie<br />

intelligente 2-in-1-Lösung. Dabei steht im<br />

Raum eine repräsentative Luxusküche mit<br />

Küchenblock, Weinschrank und edlen Material-<br />

und Hightech-Komponenten. Eine Tür<br />

führt in eine Art Zweitküche dahinter, die als<br />

Anlaufstelle für vielerlei Tätigkeiten, Speisenzubereitung,<br />

Geschirrspüler, Lebensmittellagerung<br />

und Ähnliches dient. Die Größen<br />

können von der kleinen Teeküche bis zur XL-<br />

Kochstation mit Vorratskammer und Treppe in<br />

den angeschlossenen Weinkeller reichen. Die<br />

Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig, und<br />

jedes Modell ist ein Unikat und wird individuell<br />

erarbeitet. Gleich daneben findet sich ein<br />

weiterer hauseigener Klassiker: die Luxusvariante<br />

eines platzsparenden Klappbetts.<br />

Technisch bisher unerreicht, weil es freischwebend<br />

und ohne Metallrahmen konstruiert ist.<br />

Im Wiener Store sind bereits alle relevanten<br />

Neuheiten der Mailänder Möbelmesse eingelangt.<br />

Die derzeit wichtigsten Must-haves<br />

sind für Marcel Ladenstein, der Ausbildungen<br />

als Tischler, im Produktdesign und Marketing<br />

absolvierte: „Organische Formen, Ziegelrot<br />

und gedämpfte, aber helle Farben sind im<br />

Trend <strong>–</strong> und natürlich finden sie sich auch in<br />

unserem Showroom wieder.“<br />

ladenstein.at<br />

Fotos: Steve Keef & Viktoria Scherr, Marcel Ladenstein<br />

Die Ladenstein-Traumküche konzipierte Designer<br />

Thomas Mihalkovits als 2-in-1-Lösung inklusive<br />

Möbeln und Geräten. Hier mit Backofen von<br />

Gaggenau und Barstühlen von Freifrau<br />

Grenzenlose Gestaltungsfreiheit und Platz für<br />

persönliche Extras wie den Weinklimaschrank<br />

aus der „400“-Serie von Gaggenau<br />

x<br />

Eine Tür führt ins Küchen-Backoffice.<br />

Vorne sieht man Massivholz,<br />

gebürstetes Eichenfurnier in Greige,<br />

Keramik und softe Rundungen<br />

c<br />

Schön beständig sind robuste<br />

Materialien wie Edelstahl und Corian<br />

x<br />

142<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

143


LIVING | PORTRAIT<br />

AUF GANZER<br />

LINIE<br />

Es war 1973, als Jean Roset mit einem unkonventionellen<br />

Sitzkissen namens „Togo“ großen Mut bewies. Seine Ambition<br />

und Intuition machten die Investition in die Kreation von<br />

Michel Ducaroy zum Schlüssel des Erfolgs. <strong>2023</strong> feiert das<br />

ikonische Sitzmöbel nun sein 50. Wiegenfest<br />

Von Barbara Jahn<br />

Doppelter Geburtstag.<br />

Mit dem Launch von<br />

„Togo“ von Michel<br />

Ducaroy 1973 begann<br />

für das Unternehmen<br />

als Ligne Roset<br />

eine neue Ära.<br />

Die Jubiläumsedition<br />

ziert der Stoff<br />

„La Toile du Peintre“<br />

von Pierre Frey<br />

Foto: Ligne Roset<br />

Wie der kleine Prinz,<br />

der die Sterne<br />

betrachtet:<br />

Stehleuchte „Astrée“<br />

von Benjamin<br />

Graindorge<br />

Es ist mehr als 160 Jahre her, dass ein Kellner aus<br />

dem französischen Cruseilles seine Liebe zu Holz<br />

entdeckte. Die Buchenwälder des Bugey übten<br />

eine geradezu magische Anziehungskraft auf den<br />

jungen Mann aus, sodass dieser 1860 beschloss, in<br />

Oussiat in der Nähe von Pont-d’Ain Stöcke für<br />

Sonnenschirme zu erzeugen, die damals besonders<br />

bei den aristokratischen Damen <strong>–</strong> mehr Musthave<br />

als Nice-to-have <strong>–</strong> begehrt waren. Sein Name war Antoine Roset.<br />

Rund 30 Jahre später vergrößerte der aufstrebende Unternehmer<br />

seine Produktion, die ab 1892 auf seinem frisch erworbenen Anwesen<br />

in Montagnieu als Werk mit Wasserrädern für den Holzschnitt<br />

und auf 30 Mitarbeiter angewachsen war. Aus den ursprünglichen<br />

Schirmstöcken wurde mehr: Mit den Holzdrehmaschinen wurden<br />

Stuhlbeine, Stuhlsprossen und schließlich ganze Stühle hergestellt.<br />

Damit legte Antoine Roset den Grundstein für die zukünftige Möbelmanufaktur.<br />

In den 1910er-Jahren übernahm sein Sohn Emile Roset<br />

die Führung der „Etablissements Veuve A. Roset“, die nach dem Tod<br />

des Vaters zwischenzeitlich von der Mutter geführt wurden. Bis 1936<br />

waren es zunächst Säulenstühle, Rohrstühle und stilvolle Sitzmöbel,<br />

die das Werk verließen, dann gesellten sich bereits die ersten gepolsterten<br />

Stühle aus Leder hinzu. Unter der Leitung von Jean Roset, und<br />

mit ihm die mittlerweile dritte Generation, fokussierte das Unternehmen<br />

in der Wiederaufbauphase der Nachkriegszeit die Herstellung<br />

von Möbeln für öffentliche Gebäude wie Schulen, Heime und soziale<br />

Einrichtungen, die damals besonders gefragt waren. In enger Zusammenarbeit<br />

mit den Architekten richtete Roset die Räume mit viel<br />

Holz ein und gab ihnen einen leichten, skandinavischen Touch.<br />

Neben Buchenholz, das in erster Linie zum Einsatz kam, waren es<br />

auch Exoten wie Palisander oder Mahagoni, die Eingang in das<br />

Design fanden. Roset stattete so <strong>–</strong> um nur einige wenige zu nennen<br />

<strong>–</strong> Universitäten in Paris, Grenoble, Chambéry aus, ebenso die Hörsäle<br />

des INSA in Lyon oder auch die Cité universitaire in Antony bei Paris,<br />

in der die ersten Studentenpaare einzogen.<br />

KISSEN-KUNST<br />

Nach den goldenen 1960er-Jahren, in denen das Contract-Business<br />

florierte, entschied Jean Roset, auch in den Privatbereich einzusteigen<br />

und die gute, kreative Stimmung der End-Sechziger und Anfang-<br />

Siebziger zu nützen. Als Michel Ducaroy 1973 das Sitzmöbel „Togo“<br />

entwarf, das <strong>2023</strong> seinen 50. Geburtstag feiert, begann für das Unternehmen<br />

zugleich eine neue Zeitrechnung: Die Marke Ligne Roset<br />

wurde offiziell gegründet. Ducaroy stammte selbst aus einer Möbelbau-Dynastie<br />

und lernte Jean Roset 1960 kennen. Eine schicksalhafte<br />

Begegnung, wie sich später herausstellen sollte. Jean Roset engagierte<br />

sich in den Nachkriegsjahren für die Entwicklung von Möbeln für<br />

den Objektbereich, während sich Ducaroy auf das Entwerfen von<br />

Wohnmöbeln für junge Leute konzentrierte. Ende der 1960er-Jahre<br />

sprang auch Jean Roset auf diesen boomenden Zug auf und richtete<br />

seinen Fokus auf den privaten Bereich. Michel Ducaroy wurde Chef<br />

der neuen Designabteilung, er setzte sich mit den damals neuartigen<br />

Materialien wie thermisch formbaren Schaumstoffen und Watte auseinander<br />

und ließ sich davon inspirieren. So entstanden die ersten<br />

bodennahen Sitzgruppen, darunter auch das Sitzkissen „Togo“, das<br />

auf der Pariser Haushaltswarenmesse 1973 vorgestellt wurde. Mit<br />

dem Aussehen einer „Zahnpastatube, wie ein Ofenrohr gefaltet und<br />

an beiden Enden geschlossen“ <strong>–</strong> nach eigenen Worten des Designers<br />

<strong>–</strong>, stieß „Togo“ zunächst auf wenig Gegenliebe der Öffentlichkeit. Zu<br />

zerknautscht war das Sitzmöbel nur dem Publikum, nicht aber der<br />

Jury des René-Gabriel-Preises, der die Aufmerksamkeit und Wertschätzung<br />

in Hinblick auf Innovation und Demokratisierung eines<br />

Designmöbels rasant steigen ließ. Doch „Togo“ war viel mehr als ein<br />

streitbares Möbelstück, das unterschiedliche Meinungen bei den<br />

Hippies und der Bourgeoisie hervorrief. Das Sitzkissen symbolisierte<br />

einen gestalterischen Befreiungsschlag, stillte Sehnsüchte nach dem<br />

Strand unter den Pflastersteinen, war Kuschelecke und Inspirations-<br />

144<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

145


LIVING | PORTRAIT<br />

R<br />

Stock, Stuhl, Sitzmöbel.<br />

Ab 1940 begann Roset<br />

gepolsterte Sessel mit<br />

eigenem Design wie den<br />

„No. 333“ herzustellen<br />

quelle zugleich, entfaltete Lässigkeit und befreite von festgefahrenen<br />

Normen. Bis heute wurde „Togo“ rund 1,5 Millionen Mal verkauft und<br />

beflügelt immer noch die Fantasie von Generationen, die auf ihm<br />

Platz genommen haben.<br />

R<br />

Gründungszeit und<br />

Pioniergeist anno 1860:<br />

Antoine Roset startete<br />

mit seiner 30-köpfigen<br />

Belegschaft durch<br />

R<br />

Korpus aus mundgeblasenem<br />

Glas,<br />

Griff aus gebürstetem<br />

Messing: Tischleuchte<br />

„Doric“ von Oriol Llahona<br />

ist die pure Eleganz<br />

O<br />

Auch mit Designer<br />

Pierre Paulin verband<br />

Ligne Roset eine enge<br />

Freundschaft - <strong>2023</strong><br />

wurde der Sessel<br />

„Oyster CM 137“ von<br />

1952 neu aufgelegt<br />

APROPOS GENERATIONEN<br />

Heute stehen die beiden Cousins Antoine und Olivier Roset an der<br />

Spitze des Unternehmens <strong>–</strong> zwei moderne junge Männer, in deren<br />

Köpfen die Sensibilität für eine Balance zwischen Tradition und Innovation<br />

tief verankert ist. Dass Ligne Roset auch heute immer noch ein<br />

familiengeführtes Unternehmen ist, ist fast schon eine Rarität, jedoch<br />

eine, die viele Vorteile mit sich bringt. „Generell bin ich überzeugt<br />

davon, dass es gut ist, ein Familienunternehmen zu sein <strong>–</strong> nicht nur<br />

jetzt in Zeiten vieler Unsicherheiten. Es macht Sinn, weil man frei ist,<br />

seine eigenen Entscheidungen treffen und selbst die Richtung des<br />

Unternehmens vorgeben kann. Das scheint auf den ersten Blick einfach,<br />

aber es birgt auch jede Menge Verantwortung in sich. Allerdings ist man<br />

stets selbstbestimmt und nicht irgendwelchen fremden finanziellen<br />

Interessen ausgeliefert“, ist Antoine Roset sicher. „Ein Familienunternehmen<br />

kann nur jemand führen, der nicht das schnelle Geld machen<br />

will. Unser Unternehmen muss auch Geld verdienen, das ist klar. Man<br />

könnte natürlich Teile davon an Investoren, an Fonds, et cetera verkaufen.<br />

Jedoch am Ende bleibt dann nichts mehr übrig. Genau das ist nicht<br />

unser Ziel: Wir möchten das Unternehmen von Generation zu Generation<br />

weitergeben. Mein Cousin und ich haben das Ruder erst vor kurzem<br />

von meinem Vater und meinem Onkel übernommen und sind nun<br />

die fünfte Generation. Und wir möchten es, wenn die Zeit gekommen<br />

ist, auch so an die sechste Generation weitergeben.“<br />

W<br />

Stich für Stich.<br />

Hier sitzt jede Naht<br />

- Ligne Roset ist stolz<br />

darauf, eine echte<br />

Manufaktur zu sein<br />

R<br />

Wiederentdeckt.<br />

Sofa „Kashima“ von<br />

Michel Ducaroy,<br />

entworfen 1976,<br />

wird in diesem Jahr<br />

neu aufgelegt<br />

h<br />

Starke Präsenz.<br />

In ganz Europa, in den<br />

Vereinigten Staaten und<br />

in Dubai betreibt Ligne<br />

Roset eigene exklusive<br />

Schauräume<br />

O<br />

Aufs Engste verbunden.<br />

Michel Ducaroy war<br />

nicht nur kreative Ader,<br />

sondern auch langjähriger<br />

Freund der<br />

Familie Roset<br />

Weltumspannend schön.<br />

In den Schauräumen von<br />

Ligne Roset repräsentieren<br />

sowohl moderne Designs<br />

als auch Klassiker wie<br />

„Pumpkin“ von Pierre Paulin<br />

internationales Flair<br />

Fotos: Ligne Roset<br />

LEIDENSCHAFT MIT REGELN<br />

Mit einer neuen Führung kommen auch neue Ideen und Visionen ins<br />

Spiel, die durchaus wohl dosiert und gut überlegt in zukünftige Projekte<br />

einfließen sollen. Die beiden jungen CEOs halten jedoch an den<br />

grundsätzlichen Leitfäden, die Ligne Roset über all die Jahrzehnte<br />

geführt haben, fest. Bei Ligne Roset ist Aufgeschlossenheit eine<br />

Unternehmensstrategie, Kreativität eine Philosophie, Nonkonformismus<br />

eine Politik und intellektuelle Neugier ein Charakterzug. Das<br />

sieht auch Antoine Roset so: „Es ist nicht einfach, mit wenigen Worten<br />

zu definieren, was den Esprit von Ligne Roset ausmacht. Das Erste,<br />

was mir sofort dazu einfällt, ist Kreativität, das Zweite Langlebigkeit.<br />

Und ein wichtiger Begriff, den ich persönlich sehr mag, ist Antikonformismus:<br />

Wir wollen keine Dinge schaffen, von denen Leute meinen,<br />

dass wir sie machen müssen. Diese Prinzipien gelten schon seit<br />

Dekaden in unserer Familie.“ Doch es ist auch der Auftritt nach außen,<br />

hinter dem tiefe Überzeugung und eine raffinierte Strategie stecken.<br />

„Für uns war schon immer das Image unseres Unternehmens wichtig.<br />

Zum einen sind wir Franzosen, zum anderen sind wir eine echte<br />

Manufaktur. Darauf sind wir sehr stolz, denn in Frankreich gibt es nur<br />

noch wenige davon, die selbst produzieren und vertreiben. Vor allem<br />

auch in der Werbung haben wir immer einen anderen Weg gewählt<br />

als alle anderen auf dem Markt. Das hat sich immer gelohnt. Wenn alle<br />

in einer Familie das Gleiche machen, sticht man nicht heraus. Ein solches<br />

Herausstellungsmerkmal ist eben auch sicher, dass bei uns alles<br />

in Frankreich hergestellt wird. Das ist, was ich mit Antikonformismus<br />

meine: Wir wollen Menschen ansprechen, die anders sein möchten,<br />

weil wir selbst so sind <strong>–</strong> sowohl die Designer, die eine innovative<br />

Herangehensweise haben, um mit uns zu arbeiten, als auch unsere<br />

Kunden, die das Besondere suchen.“<br />

Stichwort Designer: ein wichtiger Schachzug in der Philosophie von<br />

Ligne Roset. In der Geschichte des Unternehmens zeigt sich immer<br />

wieder, dass die Beziehung zu den Designern viel mit Loyalität und<br />

Zusammengehörigkeitsgefühl zu tun hat. Eine Familie eben. Schon<br />

für Michel Roset passten Industrie und Kultur immer gut zusammen.<br />

„Ein Stuhl oder ein Möbelstück von Ligne Roset ist immer mehr als<br />

nur Holz und Schaumstoff“, ist bis heute seine Devise. Sein visionäres<br />

Auge hat ihn entdecken lassen, welche Talente und welche<br />

Meister seine Überzeugung teilten. So kam es zur Zusammenarbeit<br />

mit Pierre Paulin, um seine jüngsten Kreationen wie den Sessel<br />

„Anneau“ vorzustellen oder aber seinen Schreibtisch „CM 141“ und<br />

seinen Stuhl „TV“ neu aufzulegen sowie zum ersten Mal die „Pumpkin“-Sitzmöbel<br />

zu veröffentlichen, die direkt von den Sitzmöbeln<br />

inspiriert sind, die er 1971 für den Élysée-Palast unter Georges Pompidou<br />

entworfen hatte, ebenso wie zur Kollaboration mit den Brüdern<br />

Ronan und Erwan Bouroullec, Peter Maly, Christian Werner,<br />

Marie-Christine Dorner, den Soda Designers, Philippe Nigro und<br />

Hypnotisierende Schönheit.<br />

Das neue Bett „Hypna“ von<br />

Soda Designers verführt<br />

mit seinem paraventartigen<br />

Kopfteil<br />

146<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

147


LIVING | PORTRAIT<br />

Génération cinq. Antoine Roset,<br />

der den gleichen Namen wie der Gründer<br />

trägt, leitet heute mit Cousin Olivier<br />

das Unternehmen<br />

U<br />

R<br />

Éditeur, Manufacteur,<br />

Distributeur.<br />

Ligne Roset produziert<br />

alles in Briord und zählt<br />

zu den letzten echten<br />

Manufakturen<br />

Frankreichs<br />

vielen anderen. Doch wer sucht sie heute aus? Und warum gerade sie?<br />

„Das ist heute immer noch die Rolle von Michel Roset, der dafür ein<br />

gutes Gespür hat. Ligne Roset verbindet mit Designern oft eine langjährige,<br />

sehr persönliche Beziehung, die teilweise über Jahrzehnte<br />

hinweg besteht. Eine Zusammenarbeit ist deshalb meist Gefühlssache.<br />

Wenn wir diese menschliche Beziehung zum kreativen Part nicht<br />

haben, werden wir auch nichts bekommen, mit dem wir vollends<br />

zufrieden sind“, sagt Antoine Roset. „Natürlich steht am Ende das<br />

Produkt, aber das ist nicht das Ganze, sondern nur ein Teil davon. Ein<br />

Produkt kann schön und perfekt gestaltet sein, aber wenn wir keine<br />

emotionale Verbindung zum Designer haben, dann fehlt etwas<br />

Wesentliches, nämlich dass wir alle <strong>–</strong> und ich meine wirklich alle<br />

Beteiligten <strong>–</strong> bis in die letzte Faser zufrieden sind. Natürlich bemühen<br />

wir uns immer, möglichst 100 Prozent des Entwurfs umzusetzen.<br />

Aber wir müssen das Gefühl haben, dass es möglich ist, im guten Dialog<br />

miteinander zu stehen und auch die Standpunkte zu teilen.“<br />

LINIE MIT STIL<br />

Gibt es eigentlich einen Ligne-Roset-Stil? „Ich würde schon sagen.<br />

Vielleicht ist Stil nicht das richtige Wort, aber es gibt eine Linie <strong>–</strong> wie<br />

auch der Name unseres Unternehmens sagt. Wir haben einen<br />

bestimmten Weg, an Design heranzugehen, gekennzeichnet von<br />

einem besonderen Eklektizismus. Wir haben in unserem Portfolio<br />

Produkte aus verschiedenen Dekaden bis hin zur Gegenwart, ein<br />

wunderbarer Mix, der sich durch genau diesen Eklektizismus auszeichnet<br />

und unser Design definiert. Wir haben zum Beispiel eine<br />

Re-Edition von Pierre Paulin aus den 1950er-Jahren oder Designs von<br />

Peter Maly, die jeder kennt, und wir müssten sie deshalb nicht ständig<br />

präsentieren. Jedoch wir bringen sie in einem neuen Kontext, mit<br />

neuen Materialien, auch um zu zeigen, wie zeitlos diese Entwürfe sind.<br />

Mit diesem neuen Look können diese Designs neu durchstarten,<br />

können aber auf diese Weise auch unsere DNA in unserer Kollektion<br />

bewahren“, erklärt Jean Roset. „Was uns besonders am Herzen liegt, ist<br />

die Langlebigkeit unserer Kollektion <strong>–</strong> selbstverständlich ist damit<br />

das Produkt selbst gemeint, aber natürlich auch das Design selbst, das<br />

über viele Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte ansprechend und faszinierend<br />

bleibt. Ich unterscheide zwischen einem guten und einem<br />

großartigen Produkt. Von Letzterem gibt es generell viel weniger,<br />

macht es einzigartiger. Aber es gibt auch ein Dazwischen.“<br />

WÜNSCHE, WEGE, VISIONEN<br />

Wir arbeiten an neuen Modellen und neuen Strategien. Unser besonderer<br />

Fokus liegt auf Qualität und Langlebigkeit, für unsere Kunden<br />

und im Sinne der Nachhaltigkeit. Wir sind eine französische Manufaktur,<br />

die Produkte erzeugt, die dreißig, vierzig Jahre, vielleicht sogar<br />

noch länger im Einsatz sein können. Wir haben also einen guten Fußabdruck.<br />

Jetzt geht es darum, noch mehr an den Materialien zu arbeiten“,<br />

sagt Antoine Roset. „Die Marke Ligne Roset wird sich in den<br />

kommenden Jahren immer mehr in das Premium-Segment verlagern,<br />

gleichzeitig wollen wir aber auch leistbar bleiben. Aber mit dem<br />

großen Marmortisch machen wir erste Schritte in Richtung High-<br />

End-Produkte. Dieses Jahr präsentieren wir eine Mischung aus<br />

Re-Editionen und ganz neuen Designs wie beispielsweise das neue<br />

Bett von Soda Designers. Die Idee dahinter ist, innovatives Design mit<br />

Designklassikern zu mischen und in einer neuen Kollektion auf Augenhöhe<br />

zu vereinen. Wir versuchen immer aufzuspüren, wo die Bedürfnisse<br />

der Menschen liegen, auch um uns rückzuversichern, was<br />

gewünscht oder gebraucht wird, wenn Wohnungen und Häuser neu<br />

gestaltet werden. Das echte Vintage ist ein Trend, der gut zu uns passt,<br />

er gehört zum Wesen unseres Unternehmens, aber wir schauen nicht<br />

zurück, sondern nach vorne.“<br />

p<br />

W<br />

Neues Arbeiten. Schreibtisch „Alando“<br />

von Eric Jourdan lässt sich perfekt in die<br />

Wohnlandschaft integrieren<br />

R<br />

Der Schritt nach drinnen. Outdoor-Sofa<br />

„Murtoli“ von Christian Werner wurde<br />

<strong>2023</strong> für den Innenbereich adaptiert<br />

Fotos: Ligne Roset, Barbara Jahn<br />

148<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


LIVING<br />

MIT DEN ELEMENTEN<br />

IM EINKLANG<br />

Nordisch by Nature:<br />

Das Domizil mit<br />

Ziegelsteinfassade<br />

und Reetdach ist<br />

organisch eingebettet<br />

in die Sylter<br />

Landschaft. Ebenso<br />

harmonisch und<br />

authentisch ist sein<br />

Innenleben gestaltet<br />

Sonne, Wasser, Wind und Sand <strong>–</strong> den Elementen hat sich dieses Familienhaus auf<br />

Sylt anvertraut. Interiordesigner Bernd Gruber ist es gelungen, das Draußen und<br />

Inselflair nach drinnen zu holen und ein natürliches Wohnparadies zu schaffen<br />

Von Alice Mandel<br />

Eins mit der Natur: Für<br />

die Bewohner sind Strand,<br />

Meer und der Garten in<br />

Sichtweite und geliebter<br />

Lebensraum <strong>–</strong> all das<br />

spiegelt sich auch<br />

indoor wider<br />

Fotos: Alexander van Berge, Styling: Bregje Nix<br />

150 SUMMER <strong>2023</strong><br />

151


LIVING<br />

Alles im Haus ist eine<br />

Hommage an die Natur<br />

Elementare Ruhezone:<br />

Das Sofa stammt von B&B Italia<br />

und der Kamin von Focus, die<br />

Beistelltische sind von Baxter.<br />

Boden in Limestone<br />

(Kalksandstein) mit Teppich<br />

von Limited Edition<br />

v<br />

Natürliche Schönheit:<br />

maßgefertigte<br />

Holzvertäfelung aus<br />

gebürstetem Fichtenholz<br />

und Natursteinküche aus<br />

Wachenzeller Dolomit.<br />

Hängeleuchten von Brokis<br />

Wenn Design etwas Elementares anhaftet,<br />

zieht es uns fast magisch an. Es scheint auf<br />

unnachahmliche Weise mit der Natur zur<br />

Einheit zu werden. Dabei setzt es sich mit<br />

natürlichen Elementen und Rohstoffen<br />

achtsam, nachhaltig oder auch spielerisch<br />

auseinander. In Einrichtungen vermittelt es<br />

Harmonie und Offenheit, Freiheit und<br />

Geborgenheit, Licht und Leichtigkeit <strong>–</strong> und<br />

ein Ambiente, in dem man schon auf den<br />

ersten Blick hin leben möchte.<br />

Das Esszimmer<br />

dominieren neutrale<br />

Töne, Naturstein<br />

und Fichtenholz.<br />

Den Tisch von<br />

Stefan Knopp ergänzen<br />

Sessel von Minotti<br />

unter Hängeleuchten<br />

von Brokis. Teppich:<br />

Limited Edition<br />

Fotos: Alexander van Berge, Styling: Bregje Nix<br />

Ein solches Haus steht auf der wunderschönen<br />

Insel Sylt, und der Tiroler Interiordesigner<br />

Bernd Gruber hat dessen Inneres<br />

in ein wahres Juwel verwandelt. Sylt ist<br />

zugleich mondäne Urlaubsdestination und<br />

nordfriesisches Naturparadies mit rauer,<br />

blauer Nordsee, Wattenmeer und Wanderdünen.<br />

Diese inseltypischen Aspekte hat<br />

der kreative Gestalter bei der Planung<br />

und Umsetzung des Innenausbaus miteinbezogen<br />

und mit empathischem Feingefühl<br />

für die Landschaft und die Hausbewohner<br />

Tradition und heutige Ansprüche homogen<br />

miteinander verschmolzen. Die Innenausstattung<br />

schwelgt in schmeichelnden Farben,<br />

Oberflächen, Stoffen und Designermobilar.<br />

Oder wie es Bernd Gruber beschreibt:<br />

„Der hier allgegenwärtige Wind findet sich<br />

in Formen und Bewegungen sämtlicher<br />

Materialien, Wasser ergänzt Farbe, der Sand<br />

findet seine subtile Interpretation in den<br />

facettenreichen Texturen der Möbel.“<br />

Ein Barfuß-Gefühl<br />

durchzieht die Räume.<br />

Der Eichenparkettboden<br />

schenkt Wärme, Luftigkeit<br />

vermittelt die gerillte<br />

Glastür als verbindendes<br />

Element. Der Pouf ist von<br />

Minotti und die Hängeleuchte<br />

von Apparatus<br />

152 SUMMER <strong>2023</strong><br />

153


LIVING<br />

v<br />

Ausgesuchte Stilelemente im Treppenhaus<br />

sind Rundbogenfenster und die skulpturale,<br />

ikonische Hängeleuchte „Noctambule“ von<br />

Konstantin Grcic für Flos<br />

v<br />

Puristische Linien und klare Fronten lassen<br />

den edlen Naturstein wirken, es ist auch<br />

hier Wachenzeller Dolomit. Zur Einrichtung<br />

gehören weiters Spiegel von Gubi und der<br />

Pouf von Minotti. Die Rillenoptik der<br />

Glastür symbolisiert sanfte Nordseewellen<br />

h<br />

Wasser und Stein:<br />

Das Badezimmer atmet eine<br />

dezente, subtile Natürlichkeit<br />

hh<br />

Die Harmonie bei Farben,<br />

Materialien und Strukturen<br />

schafft eine einzigartige<br />

Atmosphäre. Mittelpunkt im<br />

Schlafzimmer ist das Bett<br />

von Meridiani<br />

Der allgegenwärtige<br />

Wind findet sich<br />

in Formen und<br />

Bewegungen<br />

sämtlicher Materialien,<br />

das Wasser ergänzt<br />

Farbe, Sand wird in<br />

den facettenreichen<br />

Texturen interpretiert<br />

Was sich nun innen und außen so organisch in<br />

die Umgebung schmiegt, ist das Ergebnis konzentrierter,<br />

durchdachter Arbeit. Zwei Jahre<br />

dauerten die Konzeption und Realisierung der<br />

Innenarchitektur des 250 Quadratmeter großen<br />

Anwesens. Das Gebäude gliedert sich in Unterund<br />

Erdgeschoß sowie eine Dachetage, die Einrichtung<br />

entstand in „zeitintensiver Maßarbeit“.<br />

Charakteristika des Hauses wie die Ziegelfassade<br />

und das regionaltypische Reetdach und natürlich<br />

der nahe Strand finden im Inneren vielfältige<br />

Entsprechungen. Wellige Formen, sanfte, aber<br />

klare Linien und neutrale Töne durchziehen das<br />

gesamte Interieur, als würde eine leichte Brise<br />

durch die Räume wehen und alles weitherzig<br />

atmen lassen. Es herrscht Ferien- und Sommerstimmung.<br />

Und in harmonischen Details werden<br />

die natürliche Umgebung und eine gewisse das<br />

Inselleben prägende Archaik eingefangen: Sie<br />

finden in einer außergewöhnlichen Glasrillen-<br />

Optik der Türen ebenso ihren Ausdruck wie im<br />

edlen, gebürsteten Fichtenholz oder den farblich<br />

abgestimmten Natursteinfronten und -böden,<br />

die ineinanderzufließen scheinen. Grubers<br />

große Kunst dabei ist: Der von den Hausherren<br />

gewünschte Naturbezug wird niemals selbstzweckhaft,<br />

sondern höchst kultiviert und subtil<br />

dargestellt. In vielen sinnlichen Facetten weckt<br />

er, so der Interiordesigner, „ein Barfuß-Gefühl<br />

besonderer Art“: Man möchte hier einfach gut<br />

leben, unbeschwert durch die großzügigen<br />

Wohnräume und an den Strand laufen und aufs<br />

Meer schauen, mit dem Sand zwischen den Zehen<br />

und Sylter Sonne und Wind auf der Haut.<br />

Fotos: Alexander van Berge, Styling: Bregje Nix<br />

154 SUMMER <strong>2023</strong>


BEAUTY<br />

EIN HAUCH<br />

VON<br />

REVIVAL<br />

In der K.-u.-k.-Monarchie war Wien eine Duft-Metropole. Nun kreieren junge<br />

Kreative aus Österreich wieder olfaktorische Meisterwerke <strong>–</strong> natürlich am Puls<br />

der Zeit, aber mit einer feinen Nuance Nostalgie<br />

Von Christoph Kulmer<br />

„Antal“ ist das<br />

Erstlingsparfum von<br />

Estoras. Der Gründer<br />

Paul-Anton Esterházy<br />

sieht es als eine<br />

Hommage auf seinen<br />

Großvater, den<br />

Abenteurer Antal<br />

Esterházy<br />

Diese vier Kompositionen<br />

von Hate<br />

Me Love Me ergänzen<br />

einander perfekt:<br />

„Suicide Blonde“ und<br />

„Feel Good Lie“ für<br />

die Frau sowie „Urban<br />

Legend“ und „Guilty<br />

Pleasure“ für den Mann<br />

Fotos: Hersteller, EA Ventures GmbH<br />

H<br />

mit dem Veilchen<br />

verknüpft werden. Ob<br />

die legendäre Kaiserin Elisabeth deshalb das<br />

zarte blaue Pflänzchen als ihre Lieblingsblume<br />

auserkoren hat, ist nicht belegt, aber<br />

bereits 1850 kreierte der Wiener Parfümeur<br />

Wilhelm Filz den Duft „Imperiales Veilchen“,<br />

den „Sisi“ sofort ins Herz schloss und der auf<br />

keiner ihrer unzähligen Reisen fehlen durfte.<br />

Gerade zur Zeit der K.-u.-k.-Monarchie<br />

blühte der Markt mit Duftkreationen aus<br />

Österreich. 1809 gründete Anton Filz in der<br />

Wiener Innenstadt am Graben 13 die erste<br />

Parfümerie, die sein Sohn 1829 mithilfe einer<br />

kongenialen Idee zu einer florierenden Institution<br />

ausbaute. Denn als die Donaudampf-<br />

offnung, Bescheidenheit,<br />

Liebe, Treue <strong>–</strong><br />

Eigenschaften, die<br />

schifffahrtsgesellschaft den Linienverkehr<br />

nach Ungarn aufnahm, exportierte er seine<br />

elitären Duftwässerchen bis nach Budapest.<br />

Eigenkompositionen wie „Wiener Lieblingsduft“,<br />

„Eau de Lavande“ oder die Ode auf<br />

die heimische Kaffeehaustradition „Café<br />

de Vienne“ und „Café Esprit“ sind unvergessene<br />

Klassiker. Nach 213 Jahren schloss<br />

die älteste familiengeführte Parfümerie<br />

Wiens, „J.B. Filz“, Anfang <strong>2023</strong> für immer<br />

ihre Pforten und verabschiedete sich mit<br />

dem Peter-Rosegger-Zitat „Es geht ewig zu<br />

Ende, und im Ende keimt ewig der Anfang“<br />

von Generationen treuer Kunden. Damit<br />

ging eine Ära zu Ende, anders kann man es<br />

einfach nicht sagen. Insgesamt gab es über<br />

30 verschiedene K.-u.-k.-Hoflieferanten<br />

für Parfum. So wie das 1880 aus der Taufe<br />

gehobene Traditionshaus Nägele & Strubell<br />

oder auch der renommierte Herrenausstatter<br />

Knize, dem nachgesagt wird, mit „Knize<br />

Ten“ die älteste Herrenduftserie der Welt<br />

anzubieten. Kreiert wurde es von François<br />

Coty und Vincent Roubert für das Geschäft<br />

in den Goldenen 1920er-Jahren, Ledernoten<br />

dominieren in einer spritzigen Mischung aus<br />

Orange, Bergamotte sowie holzigen Akkorden<br />

von Zeder, Sandelholz und Ambra. Fans<br />

davon waren angeblich James Dean, David<br />

Niven und auch der Regisseur Billy Wilder.<br />

Aktuell starten junge und talentierte Designer<br />

aus Österreich mit neuen, frischen Kreationen<br />

ein Revival, die Weltoffenheit, Diversität und<br />

eine Prise Heimatliebe versprühen. Dazu<br />

zählt Paul-Anton Esterházy, der inspi riert<br />

wurde, als er einen alten Parfumflakon aus<br />

dem Nachlass seines Großvaters fand. Das<br />

Erstlingswerk „Antal“ von Estoras entführt in<br />

die faszinierende Welt von Antal Esterházy.<br />

Vor fast 100 Jahren machte sich der passionierte<br />

Rennfahrer gemeinsam mit seinem<br />

besten Freund Graf László Almásy, auch<br />

bekannt als „der englische Patient“, auf eine<br />

abenteuerliche Tour de Force durch die Sahara.<br />

Estoras lässt den einzigartigen Spirit jener<br />

Zeit wieder aufleben und interpretiert ihn<br />

zeitgenössisch. Der Weg von der Idee bis zur<br />

fertigen Krea tion war ein langer, erklärt Paul-<br />

Anton Esterházy: „Da ich meinen Großvater<br />

nie persönlich kennenlernen konnte <strong>–</strong> er<br />

starb fast ein halbes Jahrhundert vor meiner<br />

Geburt <strong>–</strong>, lebte er in den Geschichtsfragmenten,<br />

die ich aus den Erzählungen von Verwandten<br />

oder verschiedenen Artefakten, die<br />

es nach der Flucht meines Vaters und meiner<br />

Großmutter aus Ungarn zu mir geschafft<br />

156 SUMMER <strong>2023</strong><br />

157


BEAUTY<br />

haben, wie ein Schatzsucher zusammentrug.“<br />

Doch hier sollte es glücklicherweise noch<br />

nicht enden, denn es kam wie so oft das<br />

Schicksal zu Hilfe: „Ich lernte während<br />

meines Studiums in Cambridge einen Kommilitonen<br />

aus einer nordafrikanischen Parfü<br />

meur-Familie kennen. Als ich ihm eines<br />

Abends in einem verwinkelten Pub von dieser<br />

Geschichte erzählte, fingen seine Augen<br />

an zu funkeln, und er beschloss an Ort und<br />

Stelle, mich dabei zu unterstützen, den Duft<br />

meines Großvaters Antal wiederauferstehen<br />

zu lassen.“ Zehn Jahre sollte es nach dieser<br />

Begegnung dauern, bis Esterházy Ende 2021<br />

begann, Estoras und die erste Kreation behutsam<br />

in die Welt hinaus zu tragen. Diese olfaktorische<br />

Meisterleistung wäre nicht möglich<br />

gewesen ohne die Parfümeurin Marie Urban<br />

le Febvre. Sie versuchte mit viel Fingerspitzengefühl<br />

und einer feinen Nase, die<br />

Wünsche und Vorstellungen von Paul-Anton<br />

Esterházy in Flakons zu gießen, der zugibt:<br />

Eau de Parfums von<br />

Meckiie treffen<br />

nicht nur den<br />

olfaktorischen<br />

Zeitgeist. „No Plan“,<br />

„Fate“ und „Clash“<br />

sind sogar mit dem<br />

Siegel von Cosmos<br />

biozertifiziert<br />

„Diese so persönliche Hommage an meinen<br />

Großvater musste einfach dem komplexen<br />

Bild, das ich über mehrere Jahrzehnte mit<br />

mir herumtrug, gerecht werden.“ Auch beim<br />

Logo wurde nichts dem Zufall überlassen:<br />

ein moderner, minimalistischer Cocktail aus<br />

den Grundzügen des Schriftzugs der Wiener<br />

Werkstätte, dem Emblem des Grazer Automobilfabrikanten<br />

Steyr, des Herstellers des<br />

Expeditionswagens von Antal Esterházy und<br />

László Almásy, und dem Esterházy’schen<br />

Familienwappen. Für dieses Jahr hat der kreative<br />

Globetrotter, der in Österreich, Deutschland<br />

und Großbritannien aufwuchs, zwei<br />

neue Parfums in Planung. Die abenteuerliche<br />

Reise geht für Estoras also sehr bald weiter.<br />

Auch bei dem jungen und nicht weniger<br />

spannenden und innovativen österreichischen<br />

Duftlabel Meckiie begibt man sich auf<br />

eine Reise. Laut der Gründerin Karin Singer<br />

auf eine zu sich selbst, mit sich selbst und<br />

über sich selbst. So ist die Marke, die von<br />

Singer 2018 geschaffen wurde, benannt nach<br />

dem Talisman ihrer geliebten Mutter. Für sie<br />

war es ein Neubeginn nach einem privaten<br />

Schicksalsschlag, als sie beschlossen hat, ihre<br />

Träume endlich zu leben und nichts mehr im<br />

Leben aufzuschieben. Denn schon in jungen<br />

Jahren weckten außergewöhnliche Nischendüfte<br />

ihr Interesse, heute kreiert sie selbst<br />

mutige Glanzstücke, die sich von der Masse<br />

abheben. So sind ihre Eau de Parfums sogar<br />

biozertifiziert, ein zukunftsgerichtetes Alleinstellungsmerkmal,<br />

das den Zeitgeist trifft.<br />

Für die Parfümeurin ist die Komposition<br />

neuer Düfte ein höchstpersönlicher Prozess,<br />

den sie jedes Mal genießt, wie sie schildert:<br />

„Zunächst entsteht die Kreation in meinem<br />

Kopf, ich lasse die Emotionen aufkommen,<br />

die mir dann die konkrete Parfumkonzeption<br />

ermöglichen. In einem nächsten Schritt überlege<br />

ich die Inhaltsstoffe und Komponenten,<br />

und danach geht es in die Manufaktur in<br />

Wien. Dort werden die Verfügbarkeiten und<br />

Qualitäten aller biozertifizierten Ingredienzien<br />

geprüft, besorgt, und es beginnt die<br />

tatsächliche Komposition.“ Die Zeitspanne,<br />

bis der Neuankömmling fertig ist, reicht von<br />

nur wenigen Monaten bis hin zu einem Jahr.<br />

Im Moment umfasst das Sortiment „No Plan“,<br />

„Fate“ und „Clash“, die unmissverständlich<br />

Statements setzen. Dem aktuellen Trend zu<br />

Nischenparfums aus Österreich begegnet<br />

Singer positiv: „Es ist toll,<br />

wenn sich immer<br />

mehr Menschen für<br />

Parfums interessieren<br />

und neue Brands den<br />

Markt beleben. Auch<br />

in Österreich hält der<br />

Trend zur Exklusivität<br />

und Individualität bei<br />

Parfums Einzug. Hierbei<br />

bieten Nischenmarken<br />

besondere Düfte, die sich<br />

von der Masse unterscheiden<br />

und auch nicht überall<br />

erhältlich sind. So stellen solche<br />

Produkte für Verbraucher etwas<br />

Besonderes dar.“ Ähnlich sehen<br />

das auch Mike Arens und Lukas<br />

Ebster, die Initiatoren hinter der<br />

Marke Hate Me Love Me. Ihre Mission<br />

ist es, eine Welt zu erschaffen,<br />

die die Sinne betört und verborgene<br />

Instinkte weckt. Anders als bei Estoras<br />

oder Meckiie sind die Modelle hier nicht<br />

unisex. Es gibt „Suicide Blonde“ sowie<br />

„Feel Good Lie“ für sie und „Urban Legend“<br />

sowie „Guilty Pleasure“ für ihn. Eines ist<br />

sicher: Es duftet herrlich am heimischen<br />

Nischen-Parfum-Markt, ein Revival, bei dem<br />

wir definitiv nicht die Nase rümpfen. p<br />

Fotos: Hersteller<br />

158 SUMMER <strong>2023</strong>


BEAUTY | DUFT<br />

1<br />

Top secret<br />

4<br />

2<br />

6<br />

3<br />

7<br />

5<br />

8<br />

10<br />

9<br />

Seit geraumer Zeit ist es in der Duftwelt en vogue, als Nische zu gelten.<br />

Als Außenseiter. Oder besser gesagt als Geheimtipp. Wer also nicht wie jeder<br />

andere riechen möchte, setzt auf ein Parfum abseits der Massenware<br />

A<br />

ls ich vor Kurzem die PR-Verantwortliche bei einer Neuheitenpräsentation<br />

fragte, ob sie ihre Marke selbst als<br />

Nischen- oder Mainstreamparfum sehe, war sie für kurze<br />

Zeit sprachlos. Vielleicht kam die Frage unerwartet, oder<br />

sie musste sich erst überlegen, wie sie sich nun positionieren möchte.<br />

Nach einigen Sekunden antwortete sie zögerlich: „Das ist ein guter<br />

Punkt, denn wir gehören gerne zur Nische, sind aber mittlerweile<br />

eine weltweit bekannte Brand.“ Aber der Bekanntheitsgrad per se ist<br />

kein Ausschlusskriterium. Vielmehr sind Charaktereigenschaften wie<br />

Einzigartigkeit, Exklusivität und Experimentierfreude ausschlaggebend<br />

dafür, sich vom Einheitsbrei abzuheben. Gearbeitet wird<br />

meist mit Noten, die bei kommerziellen Duftwässerchen in dieser<br />

Intensität und Zusammenstellung wahrscheinlich nicht vorkommen<br />

würden. So wie beim israelischen Parfumhaus Zielinski & Rozen, das<br />

gerade in der Walfischgasse 6 in der Wiener Innenstadt eine Boutique<br />

eröffnet hat. Das Markenzeichen sind ungewöhnliche, dynamische<br />

Kreationen, die bei jedem eigene Assoziationen wecken<br />

sollen. Jedes Fläschchen wird sogar von Hand signiert. Viel Handwerk<br />

steckt auch in den Kompositionen von Acqua di Parma, so wie<br />

in der neuen „Arancia La Spugnatura Limited Edition“. Dafür wird<br />

mit einer uralten Schwammtechnik die Zitrusessenz ausschließlich<br />

manuell extrahiert, eine Kunst, die Zeit und geschickte, präzise und<br />

feinfühlige Handgriffe erfordert. Das italienische Traditionshaus<br />

weiß einfach, wie es seine Kreationen zu echten Raritäten werden<br />

lässt. Ein weiterer Pionier auf diesem Gebiet ist Frédéric Malle,<br />

obwohl er seine Düfte nicht selbst zusammenmischt. Er ist vielmehr<br />

der kreative Kopf und leitet mit seinen Ideen und seiner sensiblen<br />

Nase den jeweiligen Parfümeur, der bei der Konzeption nach Aussage<br />

von Malle „alles eliminieren muss, was überflüssig oder nur<br />

dekorativ ist“.<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller, Hintergrundbild: Shutterstock<br />

1 / Es ist ein Spiel der Kontraste aus Zitrusnoten und Bittermandel:<br />

„Arancia La Spugnatura Limited Edition“ von Acqua di Parma<br />

2 / Die israelische Marke ist bekannt und beliebt für ungewöhnliche<br />

Kombinationen: „Orchid, Vanilla, Amber“ von Zielinski & Rozen<br />

3 / Eine Ode an die schöne Unterwasserwelt mit Eukalyptus und<br />

eleganter Rose: „33 Abyssae“ von L’Artisan Parfumeur<br />

4 / Gartenrose in einer orientalischen Komposition mit Safran,<br />

Sandelholz und Bernstein: „Rose Aria“ von James Heeley<br />

5 / Klare und würzige Nuancen vereinen sich mit der Wärme von<br />

Moschus und Weihrauch: „Uncut Gem“ von Frederic Malle<br />

6 / Frische Zitrusakkorde werden von Basilikum untermalt und mit<br />

der Geheimzutat Kieselsteine ergänzt: „American Dream“ von Gravel<br />

7 / Im Fokus steht die Sinnlichkeit. Ein eleganter Hauch Moschus<br />

wird begleitet von Rose und Amber: „Possession“ von Wilgermain<br />

8 / Minimalistisch, süß und rauchig, mit einer extravaganten und<br />

noblen Duftnote von Tabak: „Écrin de fumée“ von Serge Lutens<br />

9 / Eine Hommage an New York City. Die Basis bilden Zedernholz,<br />

Kiefer und Patschuli: „Manhattan“ von Roja Parfums<br />

10 / Der Sommer lässt grüßen. Orange und Pfirsich verbinden sich<br />

mit weichem Rosenextrakt: „Wind Flowers“ von Creed<br />

160 SUMMER <strong>2023</strong><br />

161


BEAUTY | PFLEGE<br />

3<br />

Meer-<br />

Wert<br />

1<br />

5<br />

4<br />

6<br />

7<br />

2<br />

8<br />

Schönheit aus der Tiefe der Ozeane läutet eine neue Beauty-Ära ein!<br />

Denn Ingredienzien wie Algen, Meersalz und Perlenextrakt sind wahres Superfood<br />

für die Haut und kreieren den perfekten Sommer-Glow<br />

8<br />

9<br />

10<br />

Blau, so weit das Auge reicht, und die Sorgen des Alltags gehören<br />

im Nullkommanichts der Vergangenheit an. Doch das<br />

Meer ist nicht nur ein idyllischer Sehnsuchtsort, sondern<br />

bedeckt auch rund 70 Prozent der Erdoberfläche und darf sich<br />

somit mit dem Titel „das größte zusammenhängende Ökosystem der<br />

Welt“ schmücken. Trotzdem weiß man vergleichsweise wenig über die<br />

Meeresbiodiversität, nur fünf bis zehn Prozent sind Schätzungen zufolge<br />

erforscht. Deshalb haben sich Anfang der 2000er-Jahre 2.700 Wissenschaftler<br />

aus 80 Nationen zusammengetan, um diesem Faszinosum<br />

weiter auf den Grund zu gehen und eine erste Volkszählung in den<br />

unbekannten Tiefen durchzuführen. Das Resultat: Wahrscheinlich<br />

existieren Millionen von Arten, aber nur einen Bruchteil davon kennt<br />

man. Wesentlich mehr wissen wir über die Wirkung von Meer wasser,<br />

Meersalz oder Extrakten aus Algen und Perlen auf unsere Haut. Denn<br />

Experten sind sich einig: Es handelt sich um wahre Kraftpakete. Nicht<br />

nur, dass jedes zweite Sauerstoffmolekül, das wir zum Atmen<br />

benötigen, aus der Fotosynthese der Alge stammt, auch in unseren<br />

Beauty-Lieblingen zeigen sie ihr Können. So setzt Sensai für einen frischen<br />

Augenaufschlag bei der „Extra Intensive Eye Cream“ auf die Braunalge,<br />

der ein straffender und regenerierender Effekt bescheinigt wird. In<br />

Kombination mit der Grünalge, wie im „Balancing Scalp Serum“ von<br />

Dr. Barbara Sturm, schafft sie Abhilfe bei trockenem Haar und verleiht<br />

diesem neuen Glanz. Und dank der Anti-Aging-Wunderwaffe Rotalge<br />

wirkt die „Blue Therapy Uplift Night“-Creme von Biotherm über Nacht<br />

ersten Fältchen entgegen. Ein weiteres Schönheitselixier aus dem Ozean<br />

ist Perlenextrakt, das in der traditionellen chinesischen Medizin<br />

schon lange Zeit geschätzt wird und das nun auch Brands wie Guerlain<br />

für sich entdeckt haben. Neben wichtigen Spurenelementen enthält es<br />

unterschiedliche Aminosäuren, die Rötungen sowie Unreinheiten<br />

reduzieren und das Hautbild verfeinern. Wir sind schon gespannt,<br />

welche Beauty-Geheimnisse noch auf dem Grund des Meeresbodens<br />

schlummern und nur darauf warten, aufgespürt zu werden.<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller, niche-beauty.com<br />

1 / Cleanser mit Meeresquellwasser und violetten Mikroalgen sorgt<br />

für Remineralisierung der Haut: „Le Gommage“ von Chanel<br />

2 / Mikro-Rotalge kurbelt die Zellerneuerung an und strafft damit<br />

das Hautbild: „Spa Rich Firming Body Cream“ von La Biosthétique<br />

3 / Wirkstoffkomplex aus Braun- und Grünalgen schafft Abhilfe bei<br />

trockenem Haar: „Balancing Scalp Serum“ von Dr. Barbara Sturm<br />

4 / Ein Energy-Boost für den Augenaufschlag dank des Extrakts der<br />

Braunalge: „Extra Intensive Eye Cream“ von Sensai<br />

5 / Angereichert mit Perlenextrakt für einen strahlenden Teint:<br />

„Blanc de Perle Whitening Essence“ von Guerlain<br />

6 / Meersalz und Süßholzwurzel sind die Relax-Bestandteile für ein<br />

wohltuendes Vollbad: „Alkali Salts“ von Susanne Kaufmann<br />

7 / Weißer Sand aus Bora Bora und Algen verhelfen zu einem<br />

weichen und glatten Babyface: „Facial Scrub“ von Anthony<br />

8 / Der Anti-Aging-Klassiker mit Algenessenz spendet 24 Stunden<br />

Feuchtigkeit und Schutz: „Crème de la Mer“ von La Mer<br />

9 / Für ein Refreshment zweimal pro Woche für je zehn Minuten<br />

anwenden. Mit Mikroalgen: „Sea Creation <strong>–</strong> The Mask“ von Babor<br />

10 / Vitaminreiche Rotalgen entfalten sich über Nacht und glätten<br />

erste Fältchen: „Blue Therapy Uplift Night“ von Biotherm<br />

162 SUMMER <strong>2023</strong><br />

163


BEAUTY | MEN<br />

Nicht alles, was wir als erholsam und entspannend empfinden,<br />

ist es auch für unsere Haut. Für sie sind ausgiebige Sonnenbäder, Tage am<br />

Pool und lange Partynächte durchaus Stressfaktoren. Aber mit ein paar Tricks<br />

wird der Sommer für Körper, Geist und Seele zum Energie-Booster<br />

Step by<br />

2<br />

1<br />

Step<br />

3<br />

5<br />

4<br />

1 | Dior Homme<br />

„Micro-Purifying Cleansing Gel“<br />

Vor allem im Sommer sollte man seine Pflegeroutine mit einer leichten<br />

und sanften Gesichtsreinigung beginnen. Perfekt dafür ist dieses<br />

Gel mit exfolierenden Mikropartikeln und Vitamin E, da es die Zellerneuerung<br />

der Haut anregt und für einen strahlenden Teint sorgt.<br />

2 | Tom Ford for Men<br />

„Exfoliating Energy Scrub“<br />

Im nächsten Schritt belohnen wir unsere Haut mit einem effektiven<br />

Peeling. Zerkleinerte Aprikosensamen helfen dabei, abgestorbene<br />

Hautzellen zu entfernen und die Poren zu öffnen, damit unser größtes<br />

Organ endlich wieder tief durchatmen kann.<br />

3 | Jo Malone<br />

„Lime Basil & Mandarin Exfoliating Shower Gel“<br />

Der 2-in-1-Effekt ist ein ganzheitlicher Frischekick am Morgen: Zum<br />

einen wirkt die spritzige Duftkomposition aus Limette, Mandarine<br />

und Basilikum belebend, zum anderen sorgen winzige Partikel aus<br />

Jojoba und Bambusrohr für ein Feel-good-Körperpeeling.<br />

4 | Shiseido Men<br />

„Skin Empowering Cream“<br />

Nun wird es Zeit für einen Power-Refresher! Denn Sonnenlicht,<br />

Chlorwasser und andere externe Faktoren stressen unsere Gesichtshaut<br />

und beschleunigen den Alterungsprozess. Extrakte aus Buchenknospen<br />

und Arganholz-Aromen schenken wieder Kraft und Energie.<br />

5 | The Grey<br />

„Overnight Sleeping Mask“<br />

Und wie lassen wir einen heißen Sommertag ausklingen? Natürlich<br />

mit einer wohltuenden Gesichtsmaske! Sie versorgt die Haut mit ausreichend<br />

Feuchtigkeit und verhilft ihr über Nacht mit natürlichen<br />

Inhaltsstoffen wie der Gartenkresse zu neuem Glanz.<br />

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller, Hintergrundbild: Shutterstock<br />

164 SUMMER <strong>2023</strong>


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

v<br />

Isabelle Adjani<br />

Paris, 1998<br />

Alice Springs<br />

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Alice Springs © Helmut Newton Foundation<br />

h<br />

June and model<br />

Paris, 1970s<br />

Die Liste der Persönlichkeiten, die vor Alice Springs’<br />

Linse standen, liest sich wie ein Who’s who des kulturellen<br />

Jetsets der letzten Jahrzehnte. Das ist nicht<br />

verwunderlich, denn hinter dem Pseudonym Alice<br />

Springs verbirgt sich niemand Geringerer als June Newton, die Ehefrau,<br />

Muse und Managerin der Fotolegende Helmut Newton.<br />

1923 als June Browne in Melbourne geboren, absolvierte sie eine<br />

Ausbildung zur Schauspielerin, bevor sie mit 24 Jahren Helmut<br />

Newton kennenlernte und ihn ein Jahr später heiratete. Nach dem<br />

Umzug des Paares nach Paris besaß June aufgrund der Sprachbarriere<br />

nur wenig Aussicht auf Aufträge als Schauspielerin. Der Auftakt ihrer<br />

fotografischen Karriere war dem Zufall geschuldet: 1970 vertrat sie<br />

ihren an einer Grippe erkrankten Ehemann bei Werbeaufnahmen für<br />

die französische Zigarettenmarke „Gitanes“ <strong>–</strong> vier Jahre später<br />

erschien dann das erste Alice-Springs-Motiv auf dem Cover der französischen<br />

„Elle“.<br />

Eigenen Angaben zufolge fand sie ihren Künstlernamen, indem<br />

sie eine Stecknadel auf eine Karte Australiens fallen ließ. Fortan<br />

machte sich Alice Springs insbesondere in der Porträtfotografie einen<br />

Namen. Ihre Bilder spiegeln die Neugierde wider, mit der sich die<br />

Fotografin ihrem Gegenüber nähert, und sie bestechen durch Springs’<br />

empathische Fähigkeit, die Individualität der porträtierten Person<br />

hervorzukehren. Der wortlose Dialog, der zu außergewöhnlichen<br />

Aufnahmen führte, scheint auf einer Art Seelenverwandtschaft zu<br />

fußen. Es liegt nahe, dass ihr ihre tiefe Kenntnis des Schauspiels<br />

dabei half, gleichzeitig auf und hinter die Fassade des Menschlichen<br />

zu blicken.<br />

Anlässlich ihres 100. Geburtstages widmet die Berliner Helmut<br />

Newton Stiftung der Fotografin eine neue Ausstellung. „Alice.<br />

Springs. Retrospektive“ wird am 2. Juni eröffnet. Von 3. Juni bis<br />

19. November <strong>2023</strong> werden in der Jebensstraße 2 in Berlin über<br />

200 Fotografien von Alice Springs präsentiert, darunter auch noch<br />

nie gezeigtes Material, das einen neuen Einblick in das Schaffen der<br />

Fotografin ermöglicht.<br />

helmut-newton-foundation.org<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

167


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

k<br />

Nicole Kidman<br />

Hollywood, 1988<br />

v<br />

Advertisement<br />

for Deodorant<br />

Los Angeles, 2004<br />

x<br />

Helmut as a nun,<br />

Jean Louis David<br />

Paris, 1970s<br />

k<br />

Sheila Metzner and Ruby<br />

New York, 1988<br />

kk<br />

Liam Neeson<br />

for Marie Claire, 1990<br />

Fotos: Courtesy Studio Semotan @ Elfie Semotan<br />

168<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

h<br />

Yves Saint Laurent<br />

Paris, 1978<br />

v<br />

Padma Lakshmi<br />

New York, 2000<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

171


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT<br />

Anna Mahler<br />

Los Angeles, 1986<br />

k<br />

GUTE AUSSICHT AUF<br />

IHREN WOHNTRAUM<br />

www.cuubuus.at<br />

DAS ARTMANN<br />

Obere Donaustraße 19, 1020 Wien<br />

das-artmann.at<br />

- 75 repräsentative Eigentumswohnungen<br />

- 1 bis 7 Zimmer mit 41 bis 288 m 2 Wohnfläche<br />

- Alt- und Neubau im Projekt vereint<br />

- Weitläufige Terrassen in DG & Penthäusern<br />

- Hauseigene Tiefgarage<br />

- Fertigstellung 2024<br />

HWB: 38,6-92,0 kWh/m 2 a | fGEE: 0,71-1,19<br />

BELLAVISTA<br />

Gemeindeberggasse 67-71, 1130 Wien<br />

bellavista1130.at<br />

- 20 exklusive Apartments im Eigentum<br />

- 1 bis 4 Zimmer mit 39 bis 155 m 2 Wohnfläche<br />

- Freiflächen (Gärten, Balkone & Terrassen)<br />

- Gemeinschaftspool exklusiv für die Bewohner<br />

- Hauseigene Tiefgarage<br />

- Fertigstellung <strong>2023</strong><br />

h<br />

Danielle Mitterrand<br />

Paris, 1984<br />

HWB: 29,54 kWh/m 2 a | fGEE: 0,68<br />

k<br />

Helmut Newton with models<br />

Myka, Nina and Annie<br />

Monaco, 1997<br />

HEAVENLY AM SCHAFBERG<br />

Himmelmutterweg 23-25, 1170 Wien<br />

heavenly-amschafberg.at<br />

- 11 hochwertige Eigentumswohnungen<br />

- 2 bis 5 Zimmer mit 67 bis 190 m 2 Wohnfläche<br />

- Freiflächen (Gärten, Balkone & Terrassen)<br />

- Große Glasfenster für viel Licht<br />

- Hauseigene Tiefgarage<br />

- Fertigstellung 2024<br />

HWB: 24,1 kWh/m 2 a | fGEE: 0,68<br />

172 SUMMER <strong>2023</strong>


MOBILITY<br />

Die Sportwagenschmiede Aston Martin steht für Kraft,<br />

Luxus und Lebensart. Doch bis es so weit war, mussten die<br />

Briten durch viele Täler der Tränen rollen<br />

Von Roland Löwisch<br />

Fotos: Aston Martin<br />

Der wunderschöne „DB11“ ist<br />

noch mit V8 und V12 zu haben <strong>–</strong><br />

er wird jedoch bei Aston Martin<br />

bald durch eine neue<br />

Generation von Hybrid-<br />

Sportwagen ersetzt<br />

174<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

175


MOBILITY<br />

Idol von Männern und<br />

Frauen: Sean Connery<br />

als James Bond am<br />

„Aston Martin DB5“<br />

ihn, Konstrukteur zu werden. Einen Markennamen<br />

hat er sich schon ausgedacht: Aston-<br />

Martin. Mit Bindestrich. Das verbindende<br />

Satzzeichen fällt schon sehr früh den chaotischen<br />

Anfängen des heute renommierten<br />

Luxussportwagenbauers zum Opfer. Die<br />

Marke gehört wohl zu den wenigen Autoherstellern,<br />

die jahrzehntelang am Existenzminimum<br />

vegetierten und schließlich nicht<br />

nur überlebten, sondern sich sogar in der<br />

Premiumklasse fest etablierten.<br />

Britisch, sportlich,<br />

stylish<br />

Die wichtigsten aktuellen Eigner der Marke<br />

sind der kanadische Geschäftsmann Lawrence<br />

Stroll mit seinem Yew Tree Consortium<br />

(19 Prozent), die PIF (Saudi Arabia’s Publik<br />

Investment Fund) mit 18,7 Prozent, Invesco<br />

Global Oppertunities Fund mit 10,4 Prozent,<br />

Mercedes-Benz mit 9,7 Prozent und der<br />

chinesische Autobauer Geely mit 7,6 Prozent.<br />

Ein Aston Martin gilt als sehr britisch, sehr<br />

sportlich, sehr stylish, manchmal ein bisschen<br />

unperfekt und sehr exklusiv. 2022 entstanden<br />

6200 Autos, insgesamt hat die Firma bis<br />

heute um die 110.000 Kraftfahrzeuge gebaut.<br />

Trotz aktueller Preise zwischen 152.000 Euro<br />

(„Vantage Coupé“) und etwa 3,6 Millionen<br />

Euro („Valkyrie AMR Pro“) ist ein Aston<br />

Persönlich betreut <strong>–</strong> erfolgreich vermittelt<br />

Die Straße mitten in den<br />

unscheinbaren Hügeln<br />

der Grafschaft Herefordshire,<br />

etwa 60 Meilen<br />

nordwestlich von Londons Stadtzentrum,<br />

ist ziemlich schmal. Typisch englisch eben.<br />

„Slow“ steht in dicken weißen Lettern ab und<br />

zu auf der Fahrbahn, und „40“, das bedeutet<br />

erlaubte 60 Stundenkilometer. Allerdings<br />

halten sich viele Besucher nicht an die Vorgaben<br />

<strong>–</strong> speziell Fahrer einer britischen Sportwagenmarke<br />

fallen beim Speeding auf.<br />

Welche das ist, verrät zum Teil schon<br />

der Name des kleinen Dörfchens am Fuße<br />

des Hügels: Aston Clinton am Aston Hill.<br />

Hier knattern vor rund 110 Jahren Autos bei<br />

Bergrennen die damals noch unbefestigte<br />

Piste hoch <strong>–</strong> unter ihnen ein Rennenthusiast<br />

namens Lionel Martin.<br />

Er startet hier am 4. April 1914 seine kurze<br />

Rennfahrerkarriere in dem auf zehn PS getunten<br />

Singer. Wahrscheinlich denkt er in diesem<br />

Moment nicht an seinen Fahrradfreund und<br />

Geschäftspartner, den Ingenieur Robert Bamford,<br />

mit dem er seit dem 15. Jänner 1913 in<br />

der Callow Street, Henniker Mews, South<br />

Kensington, Singer-Autos unter dem Namen<br />

„Bamford & Martin Ltd“ verkauft. Vielmehr<br />

beschäftigt ihn wohl der Gedanke an die<br />

Zukunft: Autos bauen. Sein Sieg am gleichen<br />

Ort beim Rennlauf am 16. Mai 1914 bestärkt<br />

Der „DB3S“ war der<br />

erste lange erfolgreiche<br />

Rennwagen von Aston Martin<br />

- bei 35 Rennen holte er<br />

15 Siege<br />

Fotos: EON <strong>–</strong> Digital Archiv, Aston Martin<br />

176 SUMMER <strong>2023</strong><br />

Andrea Chromecek I Mobil: +43 664 500 6958 I E-Mail: office@chp-immo.at I www.chp-immo.at


MOBILITY<br />

Martin überall gern gesehen. Das mag auch<br />

an James Bond liegen <strong>–</strong> einem der wenigen<br />

Kinohelden, der zumindest jedem Mann auf<br />

der Welt bekannt ist samt seiner bevorzugten<br />

Automarke. Zu Lionel Martins Zeiten ist er<br />

allerdings noch nicht einmal angedacht.<br />

Am 16. März 1915 lassen Martin und Bamford<br />

tatsächlich ihre erste eigene Kreation für<br />

die Straße zu <strong>–</strong> ein recht sportliches Auto mit<br />

Spitzheck auf einem Isotta-Fraschini-Chassis<br />

mit modifiziertem 1.4-Liter-Coventry-Simplex-Vierzylinder.<br />

Die Öffentlichkeit verpasst<br />

dem unförmigen kleinen Vehikel den Kosenamen<br />

„Coal Scuttle“ <strong>–</strong> „Kohlenkasten“. Auch<br />

das folgende „Razor Blade“, ein schmales<br />

Einsitzer-Lightcar, macht zuerst keine Schlagzeilen.<br />

Zu dem Zeitpunkt ist Bamford schon<br />

längst aus dem Geschäft ausgestiegen, weil er<br />

mit Serienproduktionen nichts zu tun haben<br />

will. Martins Frau Kate übernimmt seine<br />

Anteile 1921 <strong>–</strong> was das Geschäft aber auch<br />

nicht stabilisiert. Als erster von vielen folgenden<br />

solventen Gönnern mit Enthusiasmus für<br />

Stil und Tempo kauft sich 1920 der Finanzier<br />

und Rennfahrer Graf Louis Zborowski ein. Mit<br />

dessen Geld baut Aston Martin seine ersten<br />

Grand-Prix-Autos, von denen<br />

zwei Stück am 16. Juli beim Großen<br />

Preis von Frankreich debütieren.<br />

Beide fallen jedoch aus.<br />

Allerdings: Im Prototyp „Bunny“<br />

bricht Zborowski auf der englischen<br />

Brooklands-Rennstrecke<br />

k<br />

Schon 1924 deutlich<br />

erkennbare sportliche<br />

Eleganz: „Aston Martin<br />

11 hp Sports Tourer“<br />

22 Tempo-Lightcar-Weltrekorde, dabei zehn<br />

Rekorde für Autos allgemein.<br />

Das Glück der Firma währt jedoch nicht<br />

lange: 1924 stirbt der 29-jährige Graf in einem<br />

Mercedes beim Grand Prix von Monza. Die<br />

logische Folge ist 1925 der erste Konkurs <strong>–</strong> zu<br />

wenige Verkäufe, zu hohe Preise. Und das<br />

trotz zufriedener Kunden wie Archie Gripper,<br />

der seinen Straßen-Tourer von 1925 (ein Auto<br />

von etwa 20 gebauten in diesem Jahr) liebt<br />

und der die Erbauer per Brief wissen lässt:<br />

„Keines meiner Autos, die ich je besaß <strong>–</strong> und<br />

ich glaube, es waren 35 <strong>–</strong>, fuhr so gut auf<br />

der Straße bei jedem Tempo. Die Lenkung<br />

ist perfekt. Die Balance des gesamten Autos<br />

ist so gut, dass ich Kurven in einem Tempo<br />

nehmen kann, die für durchschnittliche Autos<br />

unmöglich wären. Selbst jetzt, nach 7700<br />

Meilen Gesamtlaufleistung, fährt der Wagen<br />

in Brooklands noch 110 km/h.“<br />

Allein von 1926 bis 1946 wechseln vier<br />

Mal die Besitzer <strong>–</strong> der vorerst letzte ist ein<br />

gewisser David Brown, englischer Traktorenund<br />

Getriebehersteller. Er stolpert über eine<br />

Kleinanzeige in der „Times“: Aston Martin<br />

ist für 20.500 Pfund zu haben. Das einzig<br />

verbliebene Firmenkapital ist ein ungewöhnliches<br />

Auto namens „Atom“: Es ist der erste<br />

Viertürer der Marke und zu Kriegszeiten<br />

eines von nur 780 in England zugelassenen<br />

Privatautos. Was die Fachwelt besonders entzückt,<br />

ist die aerodynamische Form mit den<br />

in die Kotflügel eingelassenen Frontleuchten.<br />

Der „Atom“ bricht zudem deutlich mit damaligen<br />

britischen Auto-Konventionen, zum<br />

Beispiel beim Fahrwerk. Die Autotester der<br />

1940er-Jahre sind vom Fahrverhalten nahezu<br />

berauscht: „Ich fuhr noch nie ein Auto, das<br />

bei hohem Tempo und nasser Straße Vertrauen<br />

erweckender war als der ‚Atom‘“, lobt<br />

1942 ein englischer Journalist.<br />

Mit dem richtigen Gespür für den aufkommenden<br />

Markt von luxuriösen Sportwagen<br />

kauft Brown kurz darauf auch noch den britischen<br />

Hersteller Lagonda. Von Lagonda kann<br />

er den Namen nutzen, Designzeichnungen<br />

und fünf Prototypen <strong>–</strong> immerhin stammen<br />

die Hinterlassenschaften vom Lagonda-Chefkonstrukteur<br />

Walter Owen Bentley. Letztlich<br />

bietet es sich für David Brown an, in ein überarbeitetes<br />

Chassis des „Atom“ den von Bentley<br />

entwickelten Sechszylinder zu pflanzen. Fertig<br />

ist der „Aston Martin<br />

2-Litre Sports“, der später<br />

„DB1“ genannt wird<br />

<strong>–</strong> das erste Modell, bei<br />

dem man die Ursprünge<br />

des heutigen ikonischen<br />

AM-Grills erkennt.<br />

W<br />

„Aston Martin Atom“: Der erste<br />

Viertürer geriet zum ganz und gar<br />

untypischen Aston Martin<br />

O<br />

Aus Neu mach Alt: „Aston Martin<br />

DB4GT Zagato“ als neu gebautes<br />

Continuation Car<br />

Fotos: Aston Martin<br />

W<br />

Werk Gaydon: Aston-Sportler vor der<br />

„Hochzeit“. 2022 entstanden in zwei<br />

Werken rund 6200 Autos<br />

T<br />

So sehen 1015 PS aus: Der V12 des<br />

„Valkyrie“ wird noch gekoppelt mit einem<br />

E-Motor, was dann 1155 PS ergibt<br />

Erfolg dank<br />

David Brown<br />

Den Autobauerspruch „Win on Sunday, sell on<br />

Monday“ kennt natürlich auch Unternehmer<br />

Brown. Also präsentiert er seine Wagen auf den<br />

großen Rennstrecken dieser Welt. Bereits 1948<br />

gewinnt sein „2-Litre Sports“ die 24 Stunden<br />

von Spa-Francorchamps, ein Jahr später rasen<br />

drei „Aston Martin DB2“ in Le Mans mit. Die<br />

Straßenmodelle „DB2/4“ und „DB2/4 Mk II“<br />

aus den Anfängen der 1950er-Jahre sind übrigens<br />

weltweit die ersten Pkws mit Fließheck.<br />

1954 erwirbt Brown eine ehemalige Kutschenfabrik<br />

in Newport Pagnell an der Tickford<br />

Street für den Bau der DB-Sportwagen.<br />

Der historische Ort ist der Stadt (wohl nicht<br />

ganz uneigennützig) so ans Herz gewachsen,<br />

dass auf den Ortseingangsschildchen noch<br />

heute „Home to Aston Martin Lagonda“ stehen<br />

darf <strong>–</strong> wofür extra die Gemeindesatzung geändert<br />

wurde. Zurzeit firmiert hier ausschließlich<br />

die Aston-Klassikabteilung „Works Service“,<br />

die Modelle ab Baujahr 1958 restauriert. Früher<br />

wurden hier Ikonen wie „DB4“, „DB5“ sowie<br />

die erste Serie des „Vanquish“ gebaut.<br />

Der „DB4“ ist nach heutigen Maßstäben<br />

Aston Martins erstes Supercar mit seinem<br />

242 PS starken 3.7-Liter-Sechszylinder. Die<br />

fließende Karosserie formt Touring in Mailand<br />

als „Superleggera“-Konstruktion. Dabei<br />

werden handgedengelte Aluminiumteile auf<br />

einem Rohrrahmen fixiert. Das Auto rennt<br />

mit Viergang-Handschalter 225 km/h Spitze,<br />

den Sprint erledigt es in 9,1 Sek. Es folgen<br />

Ableger wie „DB4 GT“: offiziell 302 PS stark,<br />

240 km/h schnell und stolze 4670 Pfund teuer.<br />

Nur 94 Stück werden gebaut. Noch wichtiger<br />

aber: In Le Mans gewinnt 1959 ein „DBR1“ das<br />

legendäre 24-Stunden-Rennen, das 1000-Kilometer-Rennen<br />

am Nürburgring und insgesamt<br />

die Sportwagenweltmeisterschaft <strong>–</strong> der bislang<br />

größte sportliche Erfolg der Edel-Marke.<br />

Im Oktober 1960 folgt der „DB4 GT Zagato“,<br />

nach Meinung der Fachwelt der schönste<br />

Sportwagen der Welt. Zu dieser Zeit beginnt<br />

die langjährige Zusammenarbeit mit dem italienischen<br />

Karossier Zagato. 25 Stück des 1251<br />

Kilo schweren und 314 PS starken Zweisitzers<br />

sind geplant, aber nur 19 werden mangels<br />

Nachfrage gebaut. Für 242 km/h Spitze müssen<br />

genau 5469 Pfund, 19 Schillinge und neun<br />

Pence inklusive Steuern hingeblättert werden.<br />

Bester Verkäufer:<br />

James Bond<br />

1964 fährt erstmals ein Kino-Agent Aston<br />

Martin: James Bond. Der Tausendsassa<br />

erobert in „Goldfinger“ nicht nur die Herzen<br />

der Damen, sondern dank „DB5“ auch die der<br />

Männer. Allerdings: In Ian Flemings Büchern<br />

ab 1953 fährt der Agent des British Secret Service<br />

Bentley. Dem (fast) Unbesiegbaren in den<br />

Filmen einen Aston Martin zur Seite zu stellen<br />

gilt bis heute als genialer Marketing-Erfolg<br />

178 SUMMER <strong>2023</strong><br />

179


MOBILITY<br />

WW<br />

Handarbeit wird bei Aston<br />

Martin großgeschrieben <strong>–</strong><br />

hier die Lederverarbeitung<br />

W<br />

Erfolg in Le Mans 2017:<br />

Mit der Nummer 97 siegten<br />

Darren Turner, Jonny Adam<br />

und Daniel Serra im<br />

„Vantage V8 GTE“ in der<br />

GTE-Pro-Klasse<br />

x<br />

Hier kann man leben:<br />

typisches Aston-Interieur<br />

im „DB11 Coupé“<br />

und einträgliches Verkaufstool. „Double-O-<br />

Seven“ entkommt in bislang 25 Blockbustern<br />

seinen Peinigern in diversen Modellen dieser<br />

Marke <strong>–</strong> zehn Exemplare des „DB10“ werden<br />

2014 sogar nur für die Episode „Spectre“ entwickelt,<br />

gebaut und fahrbar gemacht. Was<br />

begründet, warum nach „DB9“ und vor „DB11“<br />

offiziell kein „DB10“ zu haben ist.<br />

1970 beginnt mit dem „V8 Vantage“ noch<br />

unter David Brown eine neue Designära bei<br />

Aston Martin. Ben Collins, Aston-Martin-Kenner,<br />

zwölf Jahre lang als „The Stig“ berühmtester<br />

unbekannter Rennfahrer der BBC-Kultserie<br />

„Top Gear“ und Autor des Buches „Aston<br />

Martin <strong>–</strong> Made in Britain“, schreibt dazu: „Der<br />

Vanquish war der ultimative Draufgänger. Mad<br />

Max’ Interceptor wirkte dagegen wie der Minivan<br />

eines Sozialarbeiters.“<br />

1972 trennt sich Brown von seinem Hobby<br />

<strong>–</strong> und die Firma wird wiederum zum Spielball<br />

von Investoren. Diesmal braucht es nur 15 Jahre,<br />

damit sich nacheinander vier neue Besitzer<br />

in die Annalen eintragen können. 1987 sichert<br />

sich erstmals ein Big Player das schlafende<br />

Juwel: Ford steigt ein und fügt Aston Martin<br />

seiner Premier Automotive Group (Volvo,<br />

Jaguar und Land Rover) zu. Was letztlich zur<br />

Rettung der Firma führt dank des „DB7“, der<br />

ab 1994 in rund 7000 Stück produziert wird.<br />

Optisch von Designer Ian Callum eingekleidet,<br />

kommt der „DB7“ als sportlicher GT auf die<br />

Straße <strong>–</strong> die Bodengruppe stammt allerdings<br />

von Jaguar. Das Modell markiert den Schritt<br />

vom stets klammen Kleinstserien- zum lukrativen<br />

Kleinserienhersteller <strong>–</strong> erstmals seit rund<br />

20 Jahren wieder mit einem Sechs- statt mit<br />

einem Achtzylinder unter der Haube. Ab 1<strong>999</strong><br />

werden im „DB7 Vantage Coupé“ und „Volante“<br />

sogar die ersten Zwölfzylinder eingebaut.<br />

Im Jahr 2000 beginnt die 13 Jahre dauernde<br />

CEO-Ära des Ulrich Bez bei „Äschdn<br />

Maddn“, wie Schwabe Bez, einst Porsche- und<br />

BMW-Entwickler, seinen neuen Arbeitgeber<br />

ausspricht. Mit ihm kommt Schwung<br />

in den Laden: Er präsentiert bald das neue<br />

Supercar der Firma, den „V12 Vanquish“, mit<br />

Aluminium-Chassis und Carbon-Teilen. 2003<br />

zieht die Edelschmiede von Bloxham, Oxfordshire,<br />

nach Gaydon, Warwickshire. Hier<br />

entsteht eine neue Fabrik, auch das globale<br />

Headquarter zieht hier ein. Zwei Jahre später<br />

kehrt Aston Martin mit dem „DBR9“ nach<br />

langer Abstinenz in den Motorsport zurück.<br />

Und mit dem „V8 Vantage“ bietet der Hersteller<br />

nun auch einen kleinen Aston für den<br />

aufstrebenden Manager mit dem besonderen<br />

Geschmack an.<br />

2007 beendet Ford sein Premium-Abenteuer<br />

und verkauft die Marke an Investment<br />

Dar und Adeem Investment, geführt von<br />

David Richards. Bez bleibt allerdings CEO und<br />

feiert 2008 das 50.000ste Auto der Marke<br />

und das neue Testcenter am Nürburgring. Bez<br />

ist unter anderem auch verantwortlich für den<br />

„Rapide“ <strong>–</strong> „der weltweit erste echte viertürige<br />

Sportwagen“, wie er sagt, dank V12 mit 480<br />

PS. Der „Rapide“ ist übrigens die erste Arbeit<br />

von Marek Reichman, der seit 2005 bis heute<br />

als Aston-Martin-Chefdesigner tätig ist und<br />

heute zusätzlich das Amt des Executive Vice<br />

President bekleidet.<br />

Image-Träger:<br />

„One-99‟<br />

Und dann ist es 2009 wieder Zeit für ein<br />

Supercar. Die streng limitierte Auflage des<br />

„One-99“ soll nicht nur ein paar Pfund in die<br />

Kassen spülen, sondern vor allem auch als<br />

neuer Image-Träger fungieren. 3,7 Sekunden<br />

für den Sprint von 0 auf 100 km/h vergehen<br />

viel zu schnell, um die Beschleunigung richtig<br />

genießen zu können. Dabei brüllt der „One-77“<br />

sowohl außen auch als innen wie ein Rudel<br />

eifersüchtiger Löwen <strong>–</strong> mit der sprichwörtlichen<br />

britischen Zurückhaltung hat das nichts<br />

mehr zu tun. Der „One-77“ ist zu seiner Zeit<br />

das weltweit stärkste Straßenauto mit Saugmotor.<br />

Pro Auto investiert Aston Martin 2700<br />

Mannstunden, nur 27 Spezialisten haben die<br />

auf 77 Stück limitierte Serie zusammengebaut.<br />

Fotos: Aston Martin, EON <strong>–</strong> Digital Archiv <strong>–</strong> Nicola Dove<br />

l<br />

Elegant, rasant, stark:<br />

Der „Aston Martin DB11“,<br />

hier als Coupé, bildet das<br />

Rückgrat der aktuellen<br />

großen Sportwagen im<br />

Portfolio<br />

x<br />

Auch Daniel Craig machte<br />

in jedem Aston Martin<br />

eine gute Figur - hier<br />

im „Aston Martin V8“<br />

180 SUMMER <strong>2023</strong><br />

181


MOBILITY<br />

Jahren in 25 handgemachten Exemplaren<br />

auferstehen, ebenso 19 „DB4GT Zagato“ und<br />

25 „James-Bond-DB5“. Kein Exemplar kostet<br />

weniger als etwa 1,5 Millionen Pfund. 2020<br />

kommt schließlich das Auto auf die Straße,<br />

das Aston Martin bis heute ein gutes Geschäft<br />

sichert: der „DBX“, das erste SUV der Sportwagenmarke<br />

mit dem ersten Allradantrieb.<br />

Der Viertürer ist allerdings nicht unsportlich<br />

mit 550 PS aus einem Biturbo-V8. Er wird<br />

schnell das meistverkaufte Modell der Briten.<br />

Ein Quader für die<br />

Pilger<br />

Heute besteht das Portfolio aus „DB11“ (V12<br />

Coupé, V8 Coupé und Cabrio), „DBS“ (Coupé<br />

und Cabrio sowie 770 Ultimate Coupé), dem<br />

kleinen „Vantage“ (Coupé und Roadster mit<br />

V8 und V12) und dem „SUV DBX“ mit bis<br />

Auf dem Hochgeschwindigkeitsoval im italienischen<br />

Nardo rennt der „One-77“ genau 354<br />

km/h. Stückpreis: rund 1,4 Millionen Euro.<br />

Damit ist die Firma zweifellos in der Hochpreis-Liga<br />

angekommen. Auf der anderen<br />

Seite entsteht 2011 so ein Kuriosum wie der<br />

„Aston Martin Cygnet“ <strong>–</strong> ein pummeliger<br />

Kleinwagen auf Basis von „Toyota iQ“ mit 98<br />

PS, der als „urban nutzbarer Aston“ vermarktet<br />

wird, aber hauptsächlich den logischerweise<br />

hohen Flottenverbrauch senken soll.<br />

Um überleben zu können, braucht Aston<br />

Martin allerdings einen starken Partner. Und<br />

findet ihn in Mercedes-AMG, besonders in<br />

Sachen Motoren und Infotainment. Außerdem<br />

wird das Produktportfolio unter anderem<br />

mit „Continuation Cars“ erweitert <strong>–</strong> das<br />

sind mit alten Werkzeugen neu gebaute Klassiker.<br />

So darf der „DB4GT“ aus den 1960erzu<br />

707 PS. Endgültig im Olymp der Autobauer<br />

angekommen ist Aston Martin mit dem<br />

Hypercar „Valkyrie“, dem ersten Hybridauto<br />

der Marke. Leichtbau, Antriebsstrang und<br />

Aerodynamik stammen aus der Formel 1: 1155<br />

PS leistet sein 6,5-Liter-V12-Saugmotor, die<br />

Kraft wirkt auf die Hinterräder. Der nur 1270<br />

Kilo schwere Zweisitzer ist auf 355 km/h abgeregelt,<br />

die ausgefeilte Luftströmung stammt<br />

vom Aerodynamik-Gott Adrian Newey. Der<br />

Hammer: Das rund drei Millionen Euro teure<br />

Auto ist straßenzugelassen. 150 Coupés, 85<br />

Spider sowie 40 reine Track-Day-Rennwagen<br />

(„Valkyrie AMR Pro“) werden gebaut. Bald<br />

gesellt sich noch der eine Klasse tiefer angesiedelte<br />

„Valhalla“ mit Vierliter-V8-Biturbo<br />

und zwei E-Motoren, insgesamt 950 PS und<br />

1000 Newtonmeter stark, mit Allradantrieb<br />

dazu. Genau <strong>999</strong> Stück sollen entstehen.<br />

Mehr als drei Viertel aller jemals gebauten<br />

Aston Martin sollen noch heute fahren<br />

(manche Insider sprechen sogar von bis zu 94<br />

Prozent) <strong>–</strong> da ist die Chance recht hoch, dass<br />

man einigen am Aston Hill begegnet. Deren<br />

Insassen suchen neben guten Zeiten meistens<br />

auch den heiligen Quader aller echten Aston-<br />

Martin-Pilger (auf der Straße nach St Leonards<br />

etwa eine Meile hinter dem Golfplatz,<br />

linke Seite, links vom Privatparkplatz). Denn<br />

eine dort befestigte Plakette klärt über die<br />

Anfänge dieser schier unglaublichen Marke<br />

auf: „Lionel Martin made his first ascent of<br />

this hill in a tuned Singer car, on the 4th April<br />

1914. Shortly afterwards, on the 16th May, at<br />

the Herts County Automobile an Aero Club<br />

meeting, he was so successful, that the sporting<br />

light car first registered in his name in<br />

March 2015, was called an ASTON-MARTIN.“<br />

W<br />

Der erste SUV von<br />

Aston Martin: der<br />

„DBX“, hier als<br />

Power-Version 707 mit<br />

707 PS. Das Auto kann<br />

sogar Gelände<br />

R<br />

Das jüngste<br />

straßenzugelassene<br />

Topmodell: von oben<br />

„Aston Hypercar<br />

Valkyrie“ als<br />

Straßenversion<br />

mit 1155 PS und<br />

Formel-1-Aerodynamik<br />

Fotos: Aston Martin<br />

182 SUMMER <strong>2023</strong>


PERLEN-<br />

TAUCHER<br />

COFFEE TABLE BOOK<br />

Bereits seit über 300 Jahren<br />

wird mit Champagner<br />

angestoßen.<br />

Der berühmte Sommelier<br />

Enrico Bernardo<br />

macht nun Unmögliches<br />

möglich und vereint bei seiner<br />

Spurensuche<br />

in dem außergewöhnlichen<br />

Bildband „The Impossible<br />

Collection of Champagne“<br />

die exzellentesten Jahrgänge<br />

Von Elisabeth Muth<br />

Foto: Assouline<br />

Kunst, Design und Genuss<br />

bilden eine Einheit bei<br />

diesen ikonischen<br />

Champagnerflaschen<br />

Champagner gilt als Juwel und als das wohl festlichste aller Getränke.<br />

Als eine der am stärksten geschützten Weinbezeichnungen der Welt<br />

repräsentiert er die französische Lebensweise und trägt maßgeblich<br />

zum weltweiten Ansehen des Landes bei. Um diese Besonderheit zu<br />

wahren, unterliegt er strengen Herstellungsvorschriften wie der<br />

Ertragsbeschränkung, obligatorischer Handlese, Flaschengärung und<br />

natürlich dem streng abgegrenzten Anbaugebiet in der Champagne.<br />

Festgelegt wurde dieses am 22. Juli 1927, es umfasst etwa 33.500 Hektar<br />

Fläche. Mittlerweile hat man sich sogar auf eine Erweiterung geeinigt.<br />

Doch eigentlich pflanzten nicht die Franzosen, sondern die<br />

Römer an diesem prestigeträchtigen Ort die ersten Weinreben. Tauchen<br />

wir also gemeinsam tief in die Geschichte dieser perlenden Köstlichkeit<br />

ein. Erst 1670 wurden die Weichen für den Champagner<br />

gestellt, als aus dem stillen Weißwein der berühmte Schaumwein<br />

wurde. Anfangs trugen die Kellermeister spezielle Eisenmasken, da<br />

nicht selten Gefäße aufgrund des Kohlensäureüberdrucks explodierten.<br />

Abhilfe schaffte die kontrollierte Flaschengärung, die bereits<br />

Ende 1662 vom britischen Arzt Christopher Merret erwähnt wurde.<br />

Für diese Zweitgärung müssen dem Wein Rohrzucker und etwas Hefe<br />

zugegeben werden, daraufhin wird die Flasche mit einem Korken verschlossen.<br />

Üblicherweise findet dieser Prozess zwischen März und<br />

Mai des auf die Lese folgenden Jahres statt und dauert ungefähr drei<br />

Wochen. Um die Druckbeständigkeit zu erhöhen, haben Champagnerflaschen<br />

im Boden eine konische Vertiefung. Ab 1728 war es endlich<br />

erlaubt, Wein und somit auch seine sprudelnde Schwester weltweit zu<br />

exportieren. Nicht selbstverständlich zur damaligen Zeit, haben<br />

Frauen wie Louise Pommery, Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin oder<br />

Adélaide Jouët bei der Entwicklung des Champagners eine entscheidende<br />

Rolle gespielt. So war es Madame Clicquot, die Anfang des<br />

19. Jahrhunderts das Rütteln erfand, bei dem die Hefe vor dem Versand<br />

aus der Flasche entfernt wird und der Schaumwein seine charakteristische<br />

perlende Klarheit erhält. Händisch wird das heute nur<br />

noch von den wenigsten Produzenten durchgeführt, werden pro Jahr<br />

doch mehr als 390 Millionen Flaschen hergestellt.<br />

Der luxuriöse Bildband „The Impossible Collection of Champagne“<br />

der Assouline-Ultimate-Reihe umfasst drei Jahrhunderte<br />

Champagner-Historie. Enrico Bernardo, einer der berühmtesten<br />

Sommeliers der Welt, stellt darin außergewöhnliche Jahrgänge sowie<br />

spannende neuere Meisterwerke vor, der Band ist gespickt mit Darstellungen<br />

der verschiedenen Verkostungserfahrungen, aufschlussreichen<br />

Tipps und einzigartigen Anekdoten. Überreicht wird dieses<br />

Coffee Table Book in einer edlen Holzschatulle, es ist von Hand<br />

gebunden und mit eleganten Etiketten in Szene gesetzt. Zweifellos<br />

ein wunderbares Sammlerstück für Champagnerliebhaber.<br />

assouline.com<br />

184<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

185


Die Maison Belle Époque von Perrier-Jouët<br />

aus dem 18. Jahrhundert in Épernay wurde<br />

2017 im ursprünglichen Jugendstil<br />

restauriert<br />

COFFEE TABLE BOOK<br />

Alexandre Chartogne erklärt<br />

den Besuchern bei einer<br />

Verkostung auf dem Weingut<br />

Chartogne-Taillet in Merfy<br />

den Herstellungsprozess von<br />

Champagner<br />

Zwei Kellner im Smoking<br />

servieren Veuve-Clicquot-<br />

Champagner auf einem<br />

Baugerüst mit Blick auf<br />

New York City<br />

„La grande<br />

Dame“<br />

Großartiger Champagner von Veuve Clicquot<br />

Der restaurierte<br />

Rolls-Royce von Krug, der<br />

Mitte der 1980er-Jahre<br />

erstmals auf der Straße<br />

fuhr, um Champagner an<br />

die besten Kunden zu<br />

liefern<br />

Fotos: Michaël Boudot, Keystone / Getty Images, Thierry des Ouches, Laziz Hamani, Maison Perrier-Jouët<br />

186 SUMMER <strong>2023</strong><br />

187


COFFEE TABLE BOOK<br />

Sie wollen wissen, warum<br />

so viele Handabdrücke auf<br />

den Flaschen sind?<br />

Unsere Art Sekt zu machen, ist kompromissloses<br />

Handwerk. Jede einzelne Flasche haben wir<br />

43 mal in unseren Händen, bevor wir sie in<br />

Ihre übergeben.<br />

Österreichs erster Winzersekt <strong>–</strong> seit 1976<br />

traditionell in der Flasche vergoren und<br />

handgerüttelt. Für Ihre prickelnden<br />

Momente.<br />

Blanc de Blancs Große Reserve<br />

Brut Nature Reserve<br />

Brut Rosé Reserve<br />

hhh<br />

Landarbeiter während der Erntezeit inmitten der Weinberge der Champagne,<br />

September 1945<br />

hh<br />

Champagner ist immer passend und inspiriert zu außergewöhnlichen<br />

Genusserlebnissen<br />

h<br />

Ein Blick in die Weinkeller von Charles Heidsieck in Reims, der hier<br />

einige Cuvées aus den Jahren 1979, 1981 und 1989 lagert<br />

„The Impossible<br />

Collection of<br />

Champagne“ ist im<br />

Assouline Verlag<br />

erschienen<br />

Fotos: Assouline<br />

thiesdesign.com<br />

188<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


KULINARIK | BEST OF<br />

EIN GARTEN<br />

ALS MUSE<br />

Prachtvoll präsentiert sich der Hendrick’s Gin Palace in Schottland, mit<br />

Gewächshäusern, einer Parkanlage und einem Meer von Blumen.<br />

Die neue Premium Limited Edition „Flora Adora“ ist eine Hommage auf diesen Ort<br />

Die Brennerei im<br />

Hendrick’s Gin<br />

Palace ist wirklich<br />

sehenswert<br />

DIE ERSTE DIGITALE<br />

ADRESSE FÜR<br />

PREMIUM- & HIGH-CLASS<br />

IMMOBILIEN<br />

h<br />

Der Hendrick’s Gin Palace<br />

wurde 2019 behutsam<br />

restauriert und erweitert<br />

k<br />

Nur für maximal zwei Jahre<br />

erhältlich: die limitierte<br />

Edition „Flora Adora“<br />

kk<br />

Der wunderschöne Garten<br />

ist aus allen Gebäuden der<br />

Anlage zu bewundern<br />

Herrlich erfrischend und mit einem unverwechselbaren Aroma definiert<br />

sich der großartige Premium-Gin von Hendrick’s. Dafür setzt die<br />

Brennmeisterin Lesley Gracie auf eine spezielle Mischung aus elf<br />

Botanicals und die charakteristische Aromatisierung mit Gurke- und<br />

Rosenblätter-Essenzen. Hendrick’s wird in Chargen von der familiengeführten,<br />

unabhängigen und global agierenden Destillerie William<br />

Grant & Sons in Schottland von Hand gefertigt. Und ebendieses<br />

Unternehmen hat 2019 rund 13 Millionen Pfund in die Erweiterung<br />

der prachtvollen Destillerie, den sogenannten Hendrick’s Gin Palace<br />

mit Brennerei und etlichen Nebengebäuden, investiert. Hier hat Lesley<br />

Gracie genug Platz für Forschung und Entdeckung und kreative<br />

Freiheit, um spektakuläre neue Varianten zu entwickeln, die die Gin-<br />

Welt wieder und wieder auf den Kopf stellen. Ihre neueste Kreation ist<br />

die vierte Limited Edition des Hauses, sie nennt sich „Flora Adora“.<br />

Eine Ode an den beeindruckenden Garten der Brennerei mit blühenden<br />

und duftenden Blumen, die von ihr ausgewählt wurden. Schlendert<br />

man durch diese bezaubernde und auch mysteriöse Oase, kommt<br />

man zu einem imposanten Palmenhaus im viktorianischen Stil. Hier<br />

und in zwei angrenzenden Gewächshäusern werden die unterschiedlichsten<br />

Pflanzen aus aller Welt kultiviert. Gracies Labor ist das Herzstück<br />

der Anlage mit Aromabibliothek, einem Hörsaal für akademische<br />

Weiterbildung und einer stilvollen Bar. Inspiriert von den<br />

Bouquets entstand mit der aktuellen limitierten Edition eine erfrischende<br />

Infusion aus Hibiskus und Lavendel, um nur einige der<br />

Zutaten zu nennen, die Wacholder- und Koriandergrundtöne wurden<br />

um die Süße blumiger Aromen erweitert. Die genaue Rezeptur bleibt<br />

natürlich ein Geheimnis, das nur die Schöpferin kennt. Hendrick’s<br />

Limited Edition „Flora Adora“ stimmt somit ganz wunderbar auf laue,<br />

nie enden wollende Sommerabende ein. Währenddessen arbeitet die<br />

Meister-Destillateurin, die 2021 als Anerkennung für ihre herausragenden<br />

Verdienste in die Hall of Fame des internationalen Gin-<br />

Magazins aufgenommen wurde, schon an neuen Kreationen. Ein<br />

Besuch der Brennerei im schottischen Girvan ist ein eindrückliches<br />

Erlebnis, natürlich samt ausgedehntem Gartenspaziergang.<br />

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Hersteller<br />

MORE THAN LIVING.<br />

PREMIUM LIVING.<br />

Einzigartige Immobilienauswahl: Am Wasser, Mitten in<br />

der Stadt, Stillvoll am Land, Für Bergfexe & Pistenfans,<br />

Mit Hotelservice, Für Golfer, uvm.<br />

findmyhome.at • findmyhome.at/premiumliving • findmyhome.media<br />

190 SUMMER <strong>2023</strong>


KULINARIK | ZU BESUCH BEI<br />

DER<br />

BIENEN<br />

FLUSTERER<br />

Im niederösterreichischen Klosterneuburg produziert, gilt er bereits als Geheimtipp<br />

in ganz Europa: der Bio-Honig von Ambroso. AURUM <strong>999</strong>,9 hat sich auf<br />

Spurensuche in die Welt der Bienen begeben, um das Geheimnis dieser süßen<br />

Besonderheit zu erkunden<br />

Der Bio-Honig aus<br />

Frühlings blüten<br />

ist immer erst ab<br />

Mitte des Jahres<br />

erhältlich<br />

Gesammelt wird der<br />

Nektar in einem<br />

weitläufigen<br />

UNESCO-Biosphären -<br />

reservat und<br />

Natur schutz gebiet<br />

100.000 Komplexaugen, 200.000 Flügel und 300.000 Beine. Ein Volk<br />

von Honigbienen umfasst zur Hochsaison im Frühsommer bis zu<br />

50.000 „Bürger“ in einem Bienenstock. Was auf den ersten Blick wie<br />

ein heilloses Durcheinander wirkt, ist in Wahrheit ein durchorganisierter<br />

Superorganismus. Alle Mitglieder des Staates verfolgen das gleiche<br />

Ziel, nämlich das Überleben des Volkes und seiner Nachkommen<br />

sicherzustellen. Deshalb wird auch eine klare Rollenaufteilung gelebt.<br />

Jedes Volk hat nur eine Königin, die bis zu fünf Jahre lebt, als Einzige<br />

im Stock für Nachkommen sorgt und ihre Untertanen durch eine<br />

physiologische Droge, die Königinnensubstanz, sozusagen steuert.<br />

Wenn sie geschlüpft ist, benutzt sie ihren Stachel genau ein einziges<br />

Mal, nämlich um ihre Rivalinnen zu töten. Dann geht es auf den Hochzeitsflug<br />

mit den Drohnen, bei dem sie bis zu zehn Millionen Spermien<br />

in ihrer Samenblase aufnimmt. Sie legt dann täglich bis zu 2.000<br />

befruchtete und unbefruchtete Eier in die dafür vorgesehenen Brutzellen,<br />

aus den befruchteten entwickeln sich die Arbeiterinnen, aus<br />

den unbefruchteten schlüpfen die Drohnen.<br />

Bienenstöcke sind wirklich kunstvolle Bauwerke, die es leider nur noch<br />

selten in der freien Natur gibt. Normalerweise stellen Imker den Bienenvölkern<br />

Behausungen zur Verfügung, wie auch Hannes Walha von<br />

Ambroso. Er hat es geschafft, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen,<br />

und hat mit Freude und Engagement eine inzwischen beachtliche<br />

Erfolgsstory vorzuweisen.<br />

Mit viel Liebe, Sorgfalt und vor allem Respekt gegenüber den Bienen<br />

geht der begeisterte Imker dieser besonderen Aufgabe nach, um ein<br />

Produkt auf höchstem Niveau und im Einklang mit der Natur zu kreieren.<br />

Den wertvollen Nektar für den Honig sammeln die Bienenvölker<br />

der Manufaktur in einem weitläufigen UNESCO-Biosphärenreservat<br />

und Naturschutzgebiet. Mithilfe modernster Technik und einer aufwendigen<br />

Raumtrocknung wird der Honig hygienisch geschleudert<br />

und sorgfältig in speziellen Edelstahlgefäßen gelagert. Die Gläser werden<br />

erst gefüllt, verpackt und für den Versand vorbereitet, wenn eine<br />

Bestellung eintrifft. Ein Teil des Honigs stellt man den Bienen wieder<br />

als Winterfutter zur Verfügung, um ihr Immunsystem zu stärken.<br />

Im Moment umfasst das Angebot bei Ambroso drei ganzjährig<br />

erhältliche Sorten: Bio-Honig aus Lindenblüten, Lavendelblüten oder<br />

Zitronenverbene. Der Vierte im Bunde, ein spezieller Frühlingsblütenhonig,<br />

ist immer erst ab Mitte des Jahres verfügbar. Nicht nur qualitativ<br />

hebt sich der Bienenflüsterer mit seinen Produkten von der Masse ab,<br />

sondern auch das außergewöhnliche Design der Gläser begeistert. In<br />

durchgefärbtem Violettglas ist der Honig optimal vor Licht geschützt<br />

und behält Geschmack, Geruch, Farbe, Struktur, Energien und Enzyme.<br />

Angeboten wird er mittlerweile in den wichtigsten europäischen<br />

Städten bei ausgewählten Händlern und gilt als Honig der Superlative.<br />

Wir empfehlen, den Imker Hannes Walha und seine fleißigen, fliegenden<br />

Arbeiterinnen einmal persönlich zu besuchen, ein faszinierender<br />

Blick hinter die Kulissen eines Bienenstockes ist garantiert.<br />

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Productshots Bernhard Angerer, Ambroso Honigmanufaktur<br />

Jetzt scannen<br />

und entdecken:<br />

Erleben Sie Genuss<br />

in seiner schönsten Form.<br />

Es gibt nichts Schöneres, als einen warmen Sommerabend draußen zu verbringen und<br />

gemeinsam mit Freunden und Familie zu kochen. Doch was wäre, wenn man das Grillen<br />

im Freien zu einem echten Erlebnis machen könnte? Bei FLAM.E haben wir uns genau<br />

das zur Aufgabe gemacht. Unsere Outdoor-Küchen werden von erfahrenen Produzenten<br />

in Österreich gefertigt und vereinen zeitloses Design mit höchster Funktionalität.<br />

192<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

Erleben Sie eine völlig neue Definition Ihres Außenbereichs: www.flam-e.at


KULINARIK | MENU À LA CHEF<br />

Bellevue<br />

mit Donaublick<br />

Im malerischen Ybbs an der Donau befindet sich<br />

ein ganz besonderes Kleinod, in dem Genuss und Design ineinanderfließen.<br />

Das Fine-Dining-Restaurant „Der gute Fang“ ist ein Gesamterlebnis und<br />

die kulinarische Spielwiese von Maître de Cuisine Jakob Neunteufel<br />

R<br />

Seine Kreationen sind<br />

Gesamtkompositionen.<br />

Jakob Neunteufel kennt<br />

keine halben Sachen, seine<br />

Küche am Donaulido in<br />

Ybbs ist bereits legendär<br />

und lockt Besucher aus<br />

nah und fern<br />

W<br />

„Der gute Fang“ punktet mit<br />

einem legendären Donaublick<br />

und einer unglaublichen<br />

Aussichtsterrasse<br />

R<br />

Am Chef’s Table<br />

lässt man sich am besten<br />

überraschen und genießt<br />

kulinarische Highlights auf<br />

Empfehlung der Küche<br />

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Mato Johannik, Markus Morianz<br />

Schon beim Eintreten in Jakob Neunteufels „Der gute Fang“<br />

spüren Gäste die kreative und besondere Atmosphäre und<br />

tauchen ein in eine Welt aus Kulinarik und Kunst. Das<br />

lichtdurchflutete Restaurant ist ein Masterpiece des Design<br />

und nimmt Bezug auf die Donau, an deren Ufer es liegt.<br />

Der Boden aus Terrazzo hat die Anmutung eines Kieseluntergrunds,<br />

die ausgesuchten Stoffe der Möblage erinnern an schillerndes Wasser,<br />

und über dem „Chef’s Table“ schwebt eine Leuchteninstallation von<br />

Patrick Rampelotto, intern auch liebevoll „Donaumonster“ genannt.<br />

Bei Schönwetter verwöhnt das Team seine Gäste auch auf der großzügigen<br />

Outdoor-Terrasse, hier genießt man pures Lido-Feeling und<br />

einen spektakulären Blick auf das Wasser. Mit kontinuierlich hoher<br />

Qualität, überzeugenden Saisonkarten, köstlichen Specials und der<br />

Zusammenführung von Tradition und Moderne hat sich der junge<br />

Küchenchef in kurzer Zeit in die Herzen von Gourmets aus allen<br />

Himmelsrichtungen gekocht. Im Fine-Dining-Bereich bringt er die<br />

ganze Welt auf die Teller, und zwar mit allem, was es an regionalen<br />

Zutaten gibt und was qualitätsbewusst zugekauft werden kann.<br />

Jakob Neunteufel hat eine solide Ausbildung im Wiener Luxushotel<br />

„Le Méridien“ absolviert, reichlich Erfahrung im „Kussmaul“<br />

von und mit Mario Bernatovic sowie als Souschef des „Dingelstedt“<br />

gesammelt. Immer schon hat er im Familienbetrieb von Gastro-<br />

Spezialistin und Event- und Cateringagentur-Inhaberin Hannah<br />

Neunteufel mitgearbeitet, die letzten Jahre als Catering Executive in<br />

Hannahs Group, wo er viele Möglichkeiten zum Experimentieren<br />

und Entfalten hatte. Auch die Restaurantkritiker sind bereits wenige<br />

Monate nach der Eröffnung auf Neunteufels Gabe und Qualitäten<br />

aufmerksam geworden, unter anderem hat das Gourmetmagazin<br />

„Falstaff“ auf Anhieb „Der gute Fang“ unter die Top-Restaurants in<br />

Niederösterreich gewählt. Mit 88 Punkten rangiert man hier bereits<br />

jetzt in Höhen, in denen die Luft schon recht dünn wird. Mit der<br />

„Fischbar“ bespielt der junge Mastermind zudem eine Mischung aus<br />

Bistro, Café und Bar. Nach knapp einem Jahr in „Der gute Fang“<br />

wurde er sogar von Präsident Christian Meyer zum Mitglied der elitären<br />

Euro-Toques ernannt und dem Ehrenkodex von Paul Bocuse<br />

und Baron Pierre Romeijer verpflichtet. Eine gewaltige Auszeichnung,<br />

zählen doch nur Kollegen aus der obersten Liga zu den handverlesenen<br />

Euro-Toques-Chefs Österreichs.<br />

Einen Vorgeschmack gewährt das nachfolgende Menü à la Chef,<br />

in dem uns Jakob Neunteufel in Meereswelten entführt und einen<br />

Einblick in die großartige Fine-Dining-Küche von „Der gute Fang“<br />

am Donaulido gibt, die man unbedingt auch live genießen sollte.<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

195


KULINARIK | MENU À LA CHEF<br />

Hummer<br />

Pirogge . Kraut<br />

Seeigel<br />

Dashi . Kohlrabi<br />

Tataki vom Roten Trommler<br />

Limetten-Maracuja-Salsa . Feigenblatt-Öl<br />

Fotos: Sonja Priller<br />

196<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

197


KULINARIK | MENU À LA CHEF<br />

Guter Fang<br />

Fischplatte<br />

Gnocchi<br />

Fichte . Buddhas Hand<br />

Fotos: Sonja Priller, Der gute Fang<br />

Erdnuss<br />

Marzipan . Mirin<br />

198 SUMMER <strong>2023</strong><br />

199


TRAVEL<br />

W<br />

enn ich an meine Reisen der letzten<br />

Jahre zurückdenke, sind mir diejenigen<br />

ganz besonders in Erinnerung<br />

geblieben, wo ich mit Freunden unterwegs war.<br />

Natürlich treffen wir uns auch in Wien regelmäßig,<br />

und bei einem dieser vielen Stelldicheins hatten wir<br />

vor Jahren den Gedanken, gemeinsam wegzufahren.<br />

Seither ist es schon fast zu einem Sommer-Ritual<br />

geworden, ich trommle die Posse zusammen, und<br />

wir suchen uns ein nettes Plätzchen. Zum Beispiel<br />

haben wir immer wieder eine wunderschöne Finca<br />

auf Mallorca gemietet und auch darauf geschaut,<br />

dass es zumindest zwei Mietautos gab, sodass wir<br />

uns frei bewegen konnten. Jeder hat ja seine eigenen<br />

Interessen, der eine steht gern früh auf, der andere ist eher ein<br />

Langschläfer, einige lieben es, Museen zu besuchen, andere relaxen<br />

am Pool. Aber eines haben wir alle immer gemeinsam: nämlich Spaß<br />

an der Zeit zusammen. Gemeinsames Kochen, miteinander essen<br />

gehen oder spontane, nächtliche Pool-Partys. An diese unvergesslichen<br />

Momente erinnern wir uns bis heute. Denn echte Freunde<br />

verbindet eine ganz spezielle Art von Vertrautheit, eine Bindung, die<br />

auf gemeinsamen Erlebnissen aufbaut, die man oft nur mit einem<br />

Augenzwinkern anzudeuten braucht, und der andere versteht einen<br />

sofort. Diese Erinnerungen bleiben ein Leben lang erhalten. Das gilt<br />

natürlich auch für Familien, die vielleicht einmal im Jahr alle Generationen<br />

unter einem Dach zusammenbringen möchten.<br />

So haben wir uns nun auf die Suche nach luxuriösen und großzügigen<br />

Ferienhäusern gemacht, die für kleine Gruppen von sechs<br />

bis zu 14 Personen Platz und alle Annehmlichkeiten bieten, die man<br />

in einem Urlaub genießen möchte. Villen, von denen ich jede einzelne<br />

gerne selbst besuchen würde und ich mir vorstellen kann, dass sie<br />

Ihnen viel Freude bereiten werden. Ich denke, Sie stimmen mir zu,<br />

wenn ich sage, letztendlich sind es genau diese kostbaren Momente,<br />

die Freundschaften und Familien ausmachen.<br />

Viel Spaß beim Entdecken wünscht<br />

Ihre Elisabeth Muth<br />

Foto: Juergen Hammerschmid<br />

200 SUMMER <strong>2023</strong>


TRAVEL | BENGUERRA<br />

VERGESSENE<br />

Ein absoluter Place-to-be<br />

ist die Bar in Form eines<br />

Segelschiffes, hier trifft<br />

man sich zum Sundowner<br />

und zum Strand-Dinner.<br />

Gleichzeitig ist sie<br />

Treffpunkt für Aktivitäten<br />

wie Tauchen, Schnorcheln<br />

oder Reiten<br />

SCHÖNHEIT<br />

Für Mosambik gibt es viele Bezeichnungen, aber<br />

eines haben sie alle gemeinsam: Sie beschreiben<br />

ein kleines Paradies an der südöstlichen Küste des<br />

afrikanischen Kontinents, direkt am Indischen<br />

Ozean. Noch fast unberührt, aber mit einer<br />

geschichtsträchtigen Vergangenheit<br />

Von Elisabeth Muth<br />

Fotos: andbeyond<br />

202<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

203


TRAVEL | BENGUERRA<br />

Es gibt Orte auf der Welt, da setzt<br />

man sich ins Flugzeug und ist in<br />

null Komma nichts dort. Und<br />

dann existieren Destinationen,<br />

bei denen schon die Anreise an<br />

sich ein kleines Abenteuer<br />

darstellt. Wie von Wien nach Benguerra. Am<br />

Flughafen Johannesburg steigen wir das erste<br />

Mal um und landen einige Stunden später<br />

in Vilanculos, einer Küstenstadt in Mosambik.<br />

Und eines fällt mir sofort auf: Die Landessprache<br />

ist, unerwarteterweise, Portugiesisch.<br />

Eine wunderbar weiche Sprache, die<br />

von knapp 20 Millionen Einwohnern, hauptsächlich<br />

Nachfahren der Bantu-Stämme, hier<br />

gesprochen wird. Vasco da Gama entdeckte<br />

das Land 1498 für Portugal, das stark arabisch<br />

und persisch beeinflusst war, Festungen<br />

errichtete und im 17. Jahrhundert die<br />

Oberhand gewann. Davor herrschten Grundherren<br />

wie Fürsten, und Ausbeutung sowie<br />

Sklavenhandel waren an der Tagesordnung.<br />

Erst 1890 setzte sich die portugiesische<br />

Regierung durch. 1964 kam es im Land zum<br />

Bürgerkrieg, 1975 zum Sieg über die Kolonialmacht<br />

Portugal, und Mosambik wurde<br />

zum marxistischen Einparteienstaat. Kollektivierung<br />

und Enteignungen fanden statt,<br />

dieser Zustand dauerte bis 1992 an. Seitdem<br />

herrscht Demokratie, doch das Gebiet ist<br />

durch die jahrzehntelangen Bürgerkriege<br />

und die zahlreichen Flutkatastrophen ausgelaugt<br />

und zählt heute zu den ärmsten<br />

Ländern der Welt. Zugleich aber auch zu den<br />

schönsten, das „Slow Tourism“, der Kultur<br />

und Nachhaltigkeit in den Fokus rückt und<br />

dadurch ein authentisches Reiseerlebnis<br />

konzipiert, für sich entdeckt hat. Die 2.800<br />

Kilometer lange Küstenlinie auf der einen<br />

Seite und das bis zu 2.000 Meter hohe Bergland<br />

auf der anderen Seite sind noch fast<br />

unberührt und warten darauf, entdeckt zu<br />

werden.<br />

ARRIVING<br />

PARADISE<br />

Unser Reiseziel im Jänner <strong>2023</strong> ist Benguerra<br />

Island, die zweitgrößte der sechs Inseln des<br />

geschützten Bazaruto-Archipels, vor der<br />

Küste des südlichen Mosambik. Hier treffen<br />

die Meeresströmungen aufeinander, sodass<br />

Wale, Walhaie und fünf Schildkrötenarten<br />

den Archipel durchqueren und die einzige<br />

Zehn luxuriöse Casinhas im<br />

Kolonialstil mit Privatpool,<br />

eigenem Strandzugang und<br />

anderen Annehmlichkeiten<br />

stehen den Gästen zur<br />

Verfügung, Butlerservice<br />

und Rundum-Betreuung<br />

inklusive<br />

Mit viel Glück lässt sich<br />

eines dieser wunderbaren<br />

Tiere, ein „Dugong“, sichten,<br />

die fast ausgestorbenen<br />

Meeresbewohner fühlen<br />

sich rund um Benguerra<br />

wohl und haben hier einen<br />

ihrer letzten Lebensräume<br />

U<br />

W<br />

An- und Abreise<br />

erfolgen mit dem<br />

Helikopter, der in etwa<br />

zehnminütige Flug<br />

stimmt einen auf die<br />

Farbenpracht des<br />

türkisen Meeres ein<br />

k<br />

Gespeist wird meist<br />

privat, am eigenen<br />

Strand, das Set-up wird<br />

liebevoll vom Team des<br />

Butlerservice<br />

aufgebaut, Privacy<br />

bekommt hier eine<br />

völlig neue Dimension<br />

lebensfähige Population von besonderen<br />

Seekühen, den „Dugongs“, hier leben kann.<br />

1971 wurden der Archipel und seine Inseln<br />

zum Nationalpark erklärt, um den Schutz<br />

dieser Meerestiere, der unberührten Strände,<br />

der wunderbaren Korallenriffe sowie der<br />

Lebensweise der Inselbewohner zu gewährleisten.<br />

Kaum gelandet, werden wir vom<br />

Helikopter-Team von Archipelago Charters<br />

empfangen. Knapp zehn Minuten dauert der<br />

Flug von Vilanculos nach Benguerra Island,<br />

von oben erleben wir ein Schauspiel aus<br />

leuchtend türkisem Ozean und schimmernden<br />

Sandbänken, hin und wieder zeigen sich<br />

auch die rosa Flamingos. Die Faszination<br />

Afrikas hat uns nun voll eingefangen. Bei<br />

unserem Hotel angekommen, werden wir<br />

liebevoll vom Begrüßungskomitee des idyllischen<br />

„andBeyond Benguerra Island“ willkommen<br />

geheißen. Bereits der erste Eindruck<br />

ist unvergleichlich! Nina Grey, die<br />

Lodge-Managerin, stellt uns Gelaro vor, der<br />

uns persönlich betreuen wird, seine Tätigkeiten<br />

als Butler würden wohl jedes Königshaus<br />

zufriedenstellen, denn das Wohl seiner<br />

Gäste ist ihm ein persönliches Anliegen. Es<br />

gibt zehn großzügige und luxuriöse Casinhas<br />

im Kolonialstil, die mit Blick auf den Ozean<br />

und direktem Zugang zum Strand samt kleinem<br />

Privatpool aufwarten. Selbstredend sind<br />

ein Sonnendeck für das opulente Frühstück,<br />

ein überdachtes Hänge-Schaukelbett direkt<br />

am Meer und eigene Liegen vorhanden.<br />

Gelaro liest uns jeden Wunsch von den<br />

Augen ab und serviert Drinks und wunderbare<br />

Gerichte sowohl am Pool als auch direkt<br />

am Meer. Natürlich haben wir auch die Gelegenheit<br />

genutzt, um mit Küchenchef Murray<br />

Weakley, dem andBeyond Regional Executive<br />

Chef, persönlich zu plaudern. Es war faszinierend<br />

zu sehen, welche kulinarischen<br />

Kreationen er mit seinem kleinen Team von<br />

nur sechs bis acht Mitarbeitern, die er alle<br />

selbst angelernt hat, auf den Tisch zaubert.<br />

IM EINKLANG<br />

MIT DER UMWELT<br />

Als andBeyond die „Benguerra Lodge“ 2015<br />

übernahm und eine Renovierung im Wert<br />

von 5,5 Millionen Dollar durchführte, wurden<br />

die Schutzbemühungen und das Engagement<br />

für die Gemeinschaft und Umweltprogramme<br />

über die Jahre hinweg gepflegt und<br />

gelebt. Fisch und Meeresfrüchte werden nicht<br />

en gros bestellt, sondern die Fischer bringen,<br />

was sie täglich fangen, und Murray kreiert mit<br />

seiner Mannschaft großartige Menüs daraus.<br />

Auch die Sonnenuntergangsfahrten auf einer<br />

traditionellen „Dhau“, dem üblichen Fischerboot,<br />

werden gemeinsam mit der ansässigen<br />

Bevölkerung durchgeführt. „Sicherlich könnte<br />

man auch ein Luxusboot mit Logo entwerfen“,<br />

meint das Team, „doch es ist uns<br />

wichtiger, mit der hiesigen Bevölkerung im<br />

Einklang zu leben und gemeinsam etwas<br />

Gutes, Nachhaltiges zu schaffen.“<br />

Die Lodge verfügt über eine große<br />

Lounge, eine wunderschöne Bar mit smaragdgrünen<br />

Polstermöbeln, ein Restaurant<br />

sowie eine Bar direkt am Strand, einen großen<br />

Swimmingpool und ein kleines Spa.<br />

Zweifellos, an diesem magischen Ort finden<br />

Gäste ihr ganz persönliches Afrika-Abenteuer.<br />

Schnorcheln, ausgedehnte Tauchtouren,<br />

Reiten, Ausflüge im Geländewagen, Segelund<br />

Kajaktouren können gebucht werden.<br />

Wir haben uns für zwei ganz besondere<br />

Erlebnisse entschieden, nämlich mit Pferden<br />

im türkisblauen Meer zu schwimmen und für<br />

eine Schnorcheltour, bei der wir auf der<br />

Rückfahrt mit dem Boot auch einen der<br />

äußerst seltenen und vom Aussterben<br />

bedrohten Dugongs zu sehen bekommen<br />

haben. Schuhe braucht man hier, am puderzuckerweißen<br />

Strand, selten, denn das Motto<br />

lautet „barefoot luxury experience“. Auch die<br />

abendlichen Dinner werden in ruhiger Abgeschiedenheit<br />

am Rand des Meeres in der<br />

eigenen Cashina zum eindrücklichen Erlebnis.<br />

Glauben Sie mir, ich könnte noch ewig in<br />

Erinnerungen schwelgen, aber am besten<br />

erkunden Sie dieses luxuriöse Hideaway an<br />

einem der schönsten Plätze der Welt persönlich.<br />

Und bitte, lassen Sie Nina und Gelaro<br />

grüßen, wir hatten eine wunderbare Zeit!<br />

204<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

205


TRAVEL<br />

FRIENDSHIP Goals<br />

Eine eigene Villa garantiert Platz und<br />

Privatsphäre <strong>–</strong> Luxus, auf den man auch<br />

im Urlaub nicht verzichten möchte.<br />

AURUM <strong>999</strong>,9 hat die schönsten Anwesen<br />

mit Wow-Effekt entdeckt, um mit Freunden<br />

und der Familie eine unvergessliche Zeit in<br />

trauter Runde zu erleben<br />

Von Elisabeth Muth<br />

Fotos: Shutterstock<br />

Zeit mit seinen Lieben ist<br />

der wahre Luxus. In einer<br />

eigenen Villa, vor der Tür<br />

das Meer so weit das Auge<br />

reicht, das ist natürlich<br />

das Nonplusultra<br />

206 SUMMER <strong>2023</strong><br />

207


TRAVEL<br />

SPANIEN, IBIZA<br />

Bohemian Style<br />

für Party-People<br />

VILLA CAN NEMO<br />

Luxus pur, modernes Design und Platz für bis zu 14 Gäste bietet die<br />

„Villa Can Nemo“. In der Nähe von Ibiza-Stadt gelegen, lassen sich alle<br />

berühmten Hotspots der Insel gut erreichen, und hier darf gefeiert<br />

und nach Lust und Laune gelebt werden! Auf 500 Quadratmeter<br />

Wohnfläche und 15.000 Quadratmeter Grundstücksfläche ist ausreichend<br />

Platz, damit sich jeder Mitreisende entfalten kann. Im Freien<br />

lässt sich der Sommer auf großzügigen Terrassen mit Sonnenliegen,<br />

einem 16-Meter-Pool, diversen Lounge- und Essbereichen, Yoga- &<br />

Pilatesdeck und überdachtem Fitnessbereich wunderbar genießen.<br />

Sechs großzügige Schlafzimmer und ein separates Apartment sorgen<br />

für unbeschwerten Wohnkomfort. Die landestypische weiße Villa mit<br />

modernem Innendesign und die großzügigen Glasfronten vermitteln<br />

ein ganz besonderes Urlaubsgefühl. Das hauseigene Team, bestehend<br />

aus Koch, Housekeeping und Gärtner, kümmert sich an sechs Tagen<br />

für jeweils acht Stunden um die Gäste, ein E-Mercedes der V-Klasse<br />

steht während des Aufenthalts ebenfalls zur Verfügung, um die<br />

Schönheiten der Insel komfortabel zu entdecken. Tagsüber ist außerdem<br />

ein Chauffeur-Service inkludiert, Abendfahrten können gerne<br />

arrangiert werden. Hier gilt es, die weltbekannten Gourmet-Restaurants<br />

zu erkunden, in den berühmtesten Clubs zu feiern oder einen<br />

Bummel durch die malerische Altstadt zu erleben. Nachts Party-<br />

People, tagsüber Chillout-Zone in der Luxusvilla „Can Nemo“.<br />

landmark-fine-travel.de<br />

h<br />

Für abendliche Pool-Partys<br />

ist hier reichlich Platz, sie<br />

dürfen auch gerne bis in die<br />

Morgenstunden dauern<br />

v<br />

Die typisch weiße<br />

Architektur fügt sich<br />

perfekt in die Landschaft<br />

h<br />

Der hauseigene Koch erfüllt<br />

die Wünsche der Gourmets<br />

k<br />

Die Indoor-Chill-Area mit<br />

Weitblick lädt zum Chillen mit<br />

Freunden ein<br />

Fotos: Can Nemo<br />

208<br />

SUMMER <strong>2023</strong> 209


TRAVEL<br />

INDONESIEN, BALI<br />

Family Affair mit<br />

Tropenfeeling<br />

VILLA TAMAN AHIMSA<br />

h<br />

Im großen Pool haben nicht nur Kinder ihre<br />

Freude. Hier genießt die ganze Familie das<br />

kühle Nass<br />

Der Dschungel im eigenen Garten lädt<br />

zu Erkundungstouren ein<br />

U<br />

Direkt am Strand im Südwesten Balis gelegen, in Cemagi, findet sich<br />

die 1.600 Quadratmeter große Villa „Taman Ahimsa“. Der Name<br />

dieses Hideaways bedeutet übersetzt so viel wie „Im Garten des<br />

Friedens“, und es wird mit sieben friedvollen Schlafzimmern diesem<br />

ganz und gar gerecht <strong>–</strong> einfach perfekt für eine Freundesrunde oder<br />

auch für die ganze Familie. Das luxuriöse Ferienhaus schafft eine<br />

wunderbare Synergie zwischen Natur und Design, der organisch<br />

geformte Pool direkt am Meer, ausgekleidet mit grünem Java-Stein,<br />

ist dafür der beste Beweis. Zum Entspannen laden übergroße Rattan-<br />

Liegen ein, während sich die Kinder im Pool tummeln. Im strohgedeckten<br />

Pavillon mit 16 Plätzen nehmen die Gäste entspannt im<br />

Freien Frühstück, Mittagessen und, wenn gewünscht, auch das<br />

Dinner ein, gerne auch als Barbecue. Der Küchenchef und sein Team<br />

stehen rund um die Uhr zur Verfügung und verwöhnen mit lokalen<br />

und internationalen kulinarischen Highlights. Das Haus selbst ist von<br />

einem üppigen, tropischen Garten umgeben, das zweistöckige<br />

Bambusgebäude hat die Form eines Bootes, in der unteren Etage<br />

befinden sich zwei offene Wohnbereiche, eine hochmoderne<br />

Gourmetküche und ein Essbereich. Recyceltes Holz und prächtige<br />

Batikstoffe sowie ausgesuchte Antiquitäten sorgen für den einzigartigen<br />

balinesischen Flair. Der Rundum-Service des engagierten<br />

Teams, die Gastfreundschaft und die liebevolle, persönliche Betreuung<br />

machen den Aufenthalt in „Taman Ahimsa“ wahrhaftig zu einer<br />

Aneinanderreihung bleibender Erinnerungen. Und wer weiß,<br />

vielleicht wird es sogar zum jährlichen Hotspot für immer wiederkehrende<br />

Familientreffen!<br />

landmark-fine-travel.de<br />

Was für ein Ausblick! Der<br />

Privatbalkon in einer der oberen<br />

Etagen garantiert ruhige<br />

Momente<br />

U<br />

Fotos: Taman Ahimsa<br />

210<br />

SUMMER <strong>2023</strong>


TRAVEL<br />

SCHOTTLAND, TARBET<br />

Abenteuer in den<br />

Highlands<br />

STUCKGOWAN HOUSE<br />

Auf die Spuren der schottischen Lairds begibt man sich in „Stuckgowan<br />

House“, einem Landhaus südlich der Ortschaft Tarbet. Neun<br />

luxuriös eingerichtete Schlafzimmer mit sechs Badezimmern en suite<br />

versprechen großartigen Komfort in der atemberaubenden Landschaft.<br />

Das exklusiv zu buchende „Stuckgowan House“ gewährt einen<br />

faszinierenden Blick auf den beeindruckenden Loch Lomond, der sich<br />

über eine Fläche von 71 Quadratkilometern erstreckt. Das Gebäude<br />

mit seinen eleganten Spitzbogenfenstern und charmanten Bogentüren<br />

stammt aus der Zeit vor 1820 und verbindet ein reiches Erbe mit<br />

ultimativem modernem Luxus. Das Herrenhaus verfügt über ein<br />

gemütliches Kaminzimmer, eine Lounge mit Kamin, eine gut ausgestattete<br />

Familienküche, ein Esszimmer und eine Unterhaltungsebene<br />

mit Kinoraum, einem Snookertisch, einer privaten Bar und einem<br />

Fitnessraum. Im Außenbereich gibt es einen Whirlpool mit sieben<br />

Sitzplätzen, eine Terrasse mit Blick auf den See und ein weitläufiges<br />

Gelände, dass es zu entdecken gilt, während auch die Gewässer des<br />

Loch Lomond nur einen kurzen Spaziergang entfernt sind und erkundet<br />

werden möchten. Sportlich betätigen lässt es sich hier ganz wunderbar,<br />

sei es bei Bootsfahrten, Kanutouren, Wasserski oder beim<br />

Reiten in den umliegenden Highland-Hügeln, Wandern und Radfahren.<br />

Diese einzigartige, abenteuerliche Erfahrung mitten in der schottischen<br />

Landschaft wird sicherlich für bleibende Erinnerungen sorgen!<br />

hostedvillas.com<br />

W<br />

Auf die Spuren der Highlander<br />

begeben sich Gäste in diesem<br />

historischen Herrenhaus<br />

O<br />

Neun individuell eingerichtete<br />

Schlafzimmer verführen mit<br />

nostalgischem Charme und<br />

absoluter Ruhe<br />

Fotos: Susan Reid Collection<br />

k<br />

Im großen Salon finden<br />

sich die Gäste abends<br />

zusammen, sei es zum<br />

Spielen oder für einen<br />

Blick in die Sterne<br />

212<br />

SUMMER <strong>2023</strong> 213


TRAVEL<br />

Sommerfrische.<br />

USA, LONG ISLAND<br />

Oase mit Meerblick<br />

VILLA EAST HAMPTON EXQUISITE<br />

Was die Villa „East Hampton Exquiste“, in der bis zu zehn Personen<br />

Platz finden, so einzigartig macht, ist das 2.200 Quadratmeter große<br />

Mahagonideck, von dem aus man direkt auf den Ozean blickt.<br />

Im beheizten Infinity-Pool könnte man den ganzen Tag verbringen<br />

und sich auf der übergroßen Außencouch für das eine oder andere<br />

Glas zu guten Gesprächen verabreden. Das Haus verfügt über eine<br />

Feuerstelle auf der Terrasse und eine Holzfeuerstelle auf dem Rasen.<br />

Das zweistöckige Schindelhaus im Nantucket-Stil bietet von jedem<br />

Zimmer aus einen atemberaubenden Panoramablick auf den Ozean.<br />

Großartige Kunstwerke und stilvolle Dekorationen bringen Farbtupfer<br />

in das sehr clean gehaltene Interieur. Fünf luxuriöse Schlafzimmer<br />

stehen zur Verfügung, um sich mit Freunden oder Familie einen entspannten<br />

Urlaub zu gönnen. Im sonnendurchfluteten Wohnzimmer<br />

bestechen die Kathedralendecke und eine Fensterwand, von der aus<br />

man einen grandiosen Ausblick genießt. Gespeist wird entweder im<br />

rustikalen Esszimmer oder an dem langen Picknicktisch auf der Terrasse.<br />

Das Haus ist ein perfektes Hideaway, um zur Ruhe zu kommen,<br />

nur wenige Minuten ist man von den Stränden von Montauk, der<br />

Natur in Hither Hills und den Restaurants und Geschäften in der<br />

Innenstadt entfernt. In diesem kreativen Paradies lässt sich gemeinsam<br />

viel wunderbare neue Energie tanken!<br />

staymarquis.com<br />

h<br />

Große Fenster lassen die Natur ins Haus, das Licht<br />

bringt die Wohnräume zum Strahlen<br />

Der beheizte Infinity-Pool samt Mahagonideck ist<br />

Mittelpunkt des Anwesens<br />

x<br />

Fotos: Bryan Ryner<br />

214 SUMMER <strong>2023</strong><br />

www.pfarrplatz.at


TRAVEL<br />

Falls es draußen zu heiß wird, einfach<br />

indoor im Salon entspannen<br />

GRIECHENLAND, KORFU<br />

Ausblick mit Weitblick<br />

VILLA INES<br />

h<br />

Chillen im Outdoor-Essbereich<br />

mit viel Platz für alle Freunde<br />

x<br />

Die „Villa Ines“ hat viele<br />

versteckte Ecken und Plätze, um<br />

sich auch einmal zurückzuziehen<br />

Fotos: Ines Corfu Luxury Villas TheGreekVillas<br />

Ideal für eine große Runde von Freunden oder Familie ist die „Villa<br />

Ines“ in der märchenhaften Gegend im nordöstlichen Teil von Korfu.<br />

Sie bietet Platz für zwölf Personen in einem zweistöckigen Haupthaus<br />

und einem separaten Gästehaus. Die idyllische Lage mit ungehindertem<br />

Blick auf das Ionische Meer ist wohl eines der Hauptargumente,<br />

sich hier mit Menschen, die einem nahestehen, zurückzuziehen, um<br />

viel entspannte Zeit miteinander zu verbringen. Die Villa liegt auf<br />

einem abgelegenen Grundstück und ist mit ihren Terrassen und Gärten<br />

ein zauberhaftes Urlaubsrefugium. Gleich beim Eintreten findet<br />

man einen großzügigen, offenen Raum mit Wohnzimmer, einem<br />

angrenzenden Essbereich und einer voll ausgestatteten Küche vor.<br />

Bodentiefe Fenster, die sich zur Poolterrasse hin öffnen, und die hohe<br />

Balkendecke verstärken das Gefühl, fast über dem Meer zu schweben.<br />

Im Erdgeschoß befinden sich der Master-Bedroom mit eigenem Bad<br />

und Zugang in den Garten sowie ein Doppelzimmer, ebenfalls mit<br />

Bad en suite. Im Obergeschoß der Villa stehen drei weitere Doppelschlafzimmer<br />

zur Verfügung, alle mit Blick auf die traumhafte Landschaft<br />

und das blau schillernde Meer. Aber das Nonplusultra ist<br />

sicherlich das separate Gästehaus, das den gleichen eleganten Stil<br />

pflegt wie der Rest des Anwesens und als völlig unabhängiges Gebäude<br />

Platz für zwei Gäste, Zugang zum Garten, eine Dusche und Kochnische<br />

bietet. Ideal, um sich auch einmal zurückzuziehen und etwas<br />

Privatsphäre zu genießen. Denn wer braucht nicht manchmal etwas<br />

Me-Time?<br />

thegreekvillas.com<br />

216<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

217


TRAVEL<br />

ITALIEN, UMBRIEN<br />

Historisches Flair<br />

hautnah erleben<br />

VILLA BARCO, CASTELLO DI RESCHIO<br />

k<br />

Lauschige Plätze<br />

im wunderschönen Garten<br />

laden zum Verweilen ein<br />

l<br />

Toskana-Feeling auch in den<br />

Schlafräumlichkeiten<br />

An der Grenze zwischen der Toskana und Umbrien, in einer der<br />

schönsten Landschaften Italiens, liegt das atemberaubende Anwesen<br />

„Castello di Reschio“ mit seiner „Villa Barco“. Maximal zwölf Personen<br />

in sechs Doppelzimmern mit En-suite-Badezimmern können hier tief<br />

in das toskanische Lebensgefühl eintauchen und einen ganz besonderen<br />

Urlaub hinter historischem Gemäuer verbringen. Im Haupthaus<br />

selbst befinden sich die fünf individuell eingerichteten Schlafzimmer,<br />

eine große Küche und alle Nebenräume. Das Gästehaus<br />

wartet mit einem Doppelzimmer, angrenzendem Bad, gemütlichem<br />

Wohnzimmer und einer Küchenzeile auf. Das Design und die Ausstattung<br />

spiegeln dabei viel Liebe zur italienischen Handwerkskunst<br />

wider. Terrakottaböden, handbemalte Fliesen, gekalkte Balken und<br />

viele kleine wunderbare Details lassen das Haus so richtig leben. Das<br />

1.500 Hektar große Anwesen aus dem 13. Jahrhundert wurde von<br />

Graf und Gräfin Antonio Bolza 1984 umgestaltet und sorgfältig restauriert.<br />

Die atemberaubende Aussicht von den herrlichen Außenwohnbereichen<br />

und Terrassen wird für Toskana-Fans zum eindrücklichen<br />

Erlebnis, und so ganz nebenbei lässt es sich im privaten<br />

Infinity-Pool auch noch wunderbar entspannen. Und wer das absolute<br />

Sorglospaket buchen möchte, dem stehen auf Wunsch sogar ein<br />

Koch und ein Einkaufsservice zur Verfügung. Hier kann man das<br />

Leben in vollen Zügen genießen <strong>–</strong> la bella vita lässt grüßen!<br />

reschio.com<br />

Fotos: Reschio<br />

v<br />

Was gibt es Schöneres, als an dieser Tafel Platz zu nehmen<br />

und in die toskanische Landschaft zu blicken<br />

218 SUMMER <strong>2023</strong><br />

219


TRAVEL<br />

FRANKREICH, CÔTE D’AZUR<br />

Ein Refugium für<br />

Designliebhaber<br />

VILLA W, LILY OF THE VALLEY<br />

Alle Annehmlichkeiten eines Fünf-Sterne-Luxushotels genießen Gäste<br />

in der von Star-Designer Philippe Starck entworfenen Privatvilla<br />

„Villa W“. Diese befindet sich auf einem eigenen Grundstück, wie ein<br />

geheimes Refugium, auf dem Hotelgelände des preisgekrönten „Lily<br />

of the Valley“ im verträumten La Croix-Valmer, nahe Saint-Tropez.<br />

Auf insgesamt 250 Quadratmeter Wohnfläche entzücken drei Schlafzimmer<br />

mit eigener Terrasse, Meerblick und einem großen Wohnbereich<br />

auf zwei Ebenen. Diese außergewöhnliche Villa erinnert an die<br />

Werke von Ray und Charles Eames und besticht durch ausgewogenen<br />

Minimalismus, der Leichtigkeit und Ausgewogenheit vermittelt. Die<br />

lange, nach Süden ausgerichtete Glasfassade gibt den Blick auf die<br />

wunderbare Vegetation und die Bucht von Gigaro frei. Umgeben von<br />

üppiger Natur, verfügt das Haus über einen eigenen Parkplatz und<br />

einen versteckten Zugang und garantiert absolute Privatsphäre. Der 17<br />

Meter lange Pool erstreckt sich fast über die gesamte Länge der<br />

Terrasse und verleiht ihr einen farbenfrohen und künstlerischen Touch.<br />

Dank der unmittelbaren Nähe zum „Lily of the Valley“ können Gäste<br />

auch alle Annehmlichkeiten und Dienstleistungen des Hotels in<br />

Anspruch nehmen. Durch einen eigenen Service-Zugang kümmert<br />

sich der Butler mit absoluter Diskretion um seine Gäste und liest ihnen<br />

jeden Wunsch von den Augen ab. Die „Villa W“ ist ein wunderbares<br />

Haus, um mit seinen besten Freunden einmal in Ruhe auszuspannen<br />

und Zeit für gute Gespräche und Entspannung zu finden!<br />

lilyofthevalley.com<br />

h<br />

Der 17 Meter lange Pool erstreckt sich fast über<br />

die gesamte Länge der Terrasse<br />

v<br />

Designliebhaber wird die Villa nicht mehr<br />

loslassen, das Interior vermittelt Leichtigkeit<br />

und Ausgewogenheit<br />

h<br />

Auf dem übergroßen Sofa kann man<br />

hervorragend die Seele baumeln lassen<br />

k<br />

Auch der Outdoor-Bereich hat den<br />

künstlerischen Touch, der die Villa so<br />

besonders macht<br />

Fotos: Novemberstudio<br />

220<br />

SUMMER <strong>2023</strong> 221


TRAVEL | WITH THE STARS<br />

Leonardo DiCaprio ist nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern hat<br />

auch ein untrügliches Gespür für Architektur und Design. Davon kann man<br />

sich selbst in den Privatgemächern des Oscar-Preisträgers überzeugen<br />

Großzügiger Luxus:<br />

Alle Räume und Bereiche<br />

des Anwesens sind weitläufig<br />

angelegt und mit kuratiertem<br />

Design-Mobiliar ausgestattet.<br />

Ab 4.500 Dollar pro Nacht kann<br />

Leonardo DiCaprios traumhaftes<br />

Hideaway gemietet werden<br />

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: 432 Hermosa<br />

Erst nach fünf Nominierungen wurde Leonardo DiCaprio 2016 endlich<br />

mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ ausgezeichnet.<br />

Aber der Schauspieler hat auch ein fantastisches Auge für<br />

Design. Nur zwei Jahre vor seinem großen Sieg bei den Academy<br />

Awards hat er ein wahres Architektur-Juwel drei Autostunden von Los<br />

Angeles entfernt für kolportierte 5,32 Millionen Dollar erworben. Die<br />

Villa in Palm Springs wurde 1964 vom Architekten Donald Wexler,<br />

einem Schüler des berühmten Richard Neutra aus Wien, für die verstorbene<br />

Sängerin und Schauspielerin Dinah Shore entworfen. Seither<br />

haben dort schon Hollywoodgrößen wie Frank Sinatra, Marilyn<br />

Monroe, Elizabeth Taylor, Cary Grant und Elvis Presley, um nur einige<br />

zu nennen, die Seele baumeln lassen. Das Anwesen mit seinen 650<br />

Quadratmeter Wohnfläche auf einem 1,3 Hektar großen Grundstück<br />

ist eines der am besten erhaltenen Beispiele der Mid-Century-<br />

Modern-Epoche, eines innovativen Baustils der 50er- und 60er-Jahre.<br />

Natürlich wurde es für DiCaprio umfassend renoviert und lässt mit<br />

sechs Schlafzimmern und sieben Bädern keine Wohnträume unerfüllt.<br />

Und das Beste: Davon kann man sich selbst ein Bild machen.<br />

Weilt der Ausnahmekünstler nicht vor Ort, kann man das Anwesen<br />

mieten. Das Haus besticht durch großzügige Räume, darunter ein<br />

gemütliches Wohnzimmer mit Kamin, Flügel und Cocktailbar, ein<br />

formelles Esszimmer, eine Küche mit Frühstücksbar und ein Büro.<br />

Die Master-Suite verfügt sogar über ein eigenes Wohnzimmer und<br />

ein geräumiges Bad mit zwei Saunen, die zum Entspannen einladen.<br />

Ein Gästehaus mit Blick auf den Pool, Tennisplatz und der dazugehörige<br />

Pavillon vervollständigen dieses Wüsten-Hideaway.<br />

Wenn man das weltberühmte „Coachella Valley Music and Arts<br />

Festival“, die „Palm Springs Modernism Week“ oder das „Palm<br />

Springs International Film Festival“ besuchen möchte, ist diese<br />

Luxusresidenz aufgrund der hervorragenden Lage der Place-to-be.<br />

Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, dem prominenten<br />

Besitzer einmal selbst die Hand zu schütteln.<br />

432hermosa.com<br />

222<br />

SUMMER <strong>2023</strong><br />

223


TRAVEL<br />

Anantara Plaza Nice Hotel<br />

Architektur-Juwel an der Côte d’Azur<br />

Nach umfassenden Renovierungsarbeiten eröffnet das Fünf-Sterne-<br />

Haus „Anantara Plaza Nice Hotel“ in einem denkmalgeschützten Gebäude<br />

an der Promenade des Anglais am Strand von Nizza. Das 175 Jahre alte<br />

Anwesen empfängt seine Gäste mit 151 luxuriösen Zimmern und Suiten,<br />

viele mit Terrasse oder Balkon mit Meerblick, dem neuen Anantara Spa,<br />

einem stilvollen Rooftop-Restaurant und Bar mit grandiosem Panoramablick,<br />

einem Seminarbereich mit sechs Tagungsräumen und dem Ballsaal.<br />

Das historisch-elegante Interior verbindet den neoklassizistischen<br />

Stil des ursprünglichen Hotels, das 1848 als erstes Luxushotel in Nizza<br />

eröffnet wurde, mit modernen Einflüssen. Besonders erwähnenswert ist<br />

die 75 Quadratmeter große Presidential Suite mit bodentiefen Fenstern<br />

und einer großzügigen Terrasse für private Feiern.<br />

anantara.com<br />

New<br />

Places<br />

AURUM <strong>999</strong>,9 ist immer auf der Suche nach brandneuen<br />

Top-Destinationen. Auch in dieser Ausgabe präsentieren wir wieder<br />

einige nationale und internationale Highlights und Hideaways<br />

andBeyond Punakha River Lodge<br />

Nachhaltiger Luxus in Asien<br />

Das auf Naturschutz ausgerichtete Unternehmen andBeyond expandiert<br />

auch heuer weiter und eröffnet im September mit der „Punakha<br />

River Lodge“ sein erstes Resort in Asien. Sechs intime Luxuszelte mit<br />

eigenem Bad und privater Veranda, eine Villa mit einem Schlafzimmer<br />

an einem ruhigen Bach und eine Villa mit zwei Schlafzimmern und<br />

privatem Pool stehen Ruhesuchenden zur Verfügung. Die Lodge bietet<br />

einen ungehinderten Blick auf das Himalaya-Gebirge und einen einzigartigen<br />

Zugang zum Khamsum Yuelley Namgyal Chorten, einem<br />

Hotspot für Besucher in Punakha. Eine Hängebrücke führt über den<br />

Fluss, und es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Schwimmen<br />

und natürlich auch Relaxen. Aufwendig und feinfühlig eingerichtet<br />

und architektonisch von der kulturellen Schönheit Bhutans inspiriert,<br />

fügt es sich in perfekter Harmonie in die Umgebung.<br />

Nils am See<br />

Hideaway mit Design<br />

Direkt am Neusiedler See, in Weiden, liegt das „Nils am See“ als neuer<br />

Hotspot für Entspannungssuchende. Mit 66 Zimmern und rund 120<br />

Betten ist das vom Designstudio Mezza-Maiso gestaltete Boutiquehotel<br />

der perfekte Rückzugsort für Menschen, die sich nach Ruhe,<br />

Natur und modernem Ambiente sehnen. Denn die Experten haben mit<br />

viel Liebe zum Detail und Fingerspitzengefühl eine Wohlfühlatmosphäre<br />

kreiert. Zudem verwöhnt das Restaurant-Team am Morgen mit<br />

einem reichhaltigen Frühstück sowie mit wunderbaren Gerichten den<br />

ganzen Tag über, die gerne outdoor, am Zimmer oder im Restaurant<br />

serviert werden. Im „Nils Schuppen“ kann man sich die Zeit mit Tastings,<br />

Vorträgen und Workshops vertreiben. Oder man möchte einfach<br />

nur im 20 Meter langen, beheizten Pool relaxen und im kleinen Wellness-Bereich<br />

mit Sauna die Seele baumeln lassen. Time-out de luxe!<br />

nilsamsee.at<br />

andbeyond.com<br />

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Anantara, andBeyond, Alex Lang, mezza-maiso<br />

224 SUMMER <strong>2023</strong>


CHOPARD BOUTIQUE WIEN<br />

KOHLMARKT 16, +43 (0)1 533 719 719, BOUTIQUE@CHOPARD.AT<br />

L’HEURE DU DIAMANT

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!