Vom Albispass zum Kloster Kappel (PDF, 2 MB

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Vom Albispass zum Kloster Kappel (PDF, 2 MB

Die Klosterkirche Kappel,

ein wertvolles Zeugnis hochgotischer

Baukunst.

Mittelalterliche Wandmale -

reien gehören zu den Schätzen

der Klosterkirche Kappel.

Zürcher Banners beteiligt. Für diese Tat wurde er mit dem Zürcher

Bürgerrecht belohnt. 1550 erhielt er im Zusammenhang mit der Neueinteilung

der Kappeler Klostergüter durch die Stadt Zürich aus Dankbarkeit

den Sennhof westlich des Schlachtfelds als Handlehen. Die

Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert lässt auf einen Vielzweckbau

mit Wohnteil in Bohlenständerbauweise schliessen. Der südseitig mar-

kant in Erscheinung tretende Fachwerkbau, der den Weiler entscheidend

prägt, stammt aus dem 17./18. Jahrhundert.

Kloster Kappel (8). Kurz vor 1185 stifteten die Freiherren von Eschen-

bach-Schnabelburg dieses ehemalige Zisterzienserkloster. Die Besied-

lung erfolgte durch Mönche aus der Zisterzienserabtei Hauterive im

Kanton Freiburg. Die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts neu

errichtete Klosterkirche ist ein Juwel frühgotischer Zisterzienserarchitektur

und birgt im Innern wertvolle Reste der einstigen Raumausstattung,

u.a. den Zelebrantensitz, das Chorgestühl sowie Wand- und

Glasmalereien. Der Glasgemäldezyklus an der nördlichen Hochschiffwand

ist von hervorragender Qualität. Im ersten östlichen Fenster

kniet unter der Kreuzigungsgruppe in Stifterpose Walter IV. von

Eschenbach, Mitverschwörer der Mörder König Albrechts I. im Jahr

1308 (vgl. 3). In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgehoben.

Prächtig bemalte Kniestockwand

am Untervogtshaus.

In den folgenden Jahrhunderten dienten die Gebäude als Sitz eines

zürcherischen Amtmanns und von 1836–1980 als Armenanstalt. Die

Konventgebäude wurden in den beiden letzten Jahrhunderten stark

umgebaut, doch lassen sich die Grundzüge der mittelalterlichen Anlage

noch heute erkennen. Seit 1983 betreibt die reformierte Landeskirche

des Kantons Zürich in Kappel ein «Haus der Stille und Besinnung»

und knüpft somit an die Klostertradition an. Nach Umbauten

2007/2008 heisst die Anlage offi ziell wieder «Kloster Kappel».

© Dübendorf 2008

Der ehemalige Sennhof Näfenhäuser.

Das 1840 erstellte Vielzweckgebäude

der Ferggerei Zürrer

nach der Renovation.

Kantonsarchäologie und Kantonale Denkmalpfl ege Zürich

Vom Albispass

zum Kloster Kappel

.. .... .. .... Kulturgeschichtliche .. . .. .... .... .... . .. .... .. . .. . .... .... . .... . .. .... .. . .. .... .... .... Wanderung .. . .. . .. .... .... .. .... .. . .. .... .. .... .... . .

Das Territorium westlich der Albiskette wurde im 12./13. Jahr-

hundert wesentlich von den Freiherren von Eschenbach geprägt.

Auf dem Weg begegnen wir archäologischen und kunsthistorischen

Zeugnissen dieses mittelalterlichen Adelsgeschlechts,

treffen auf historische Verkehrswege, auf reiche Anlagen der

Wohn- und Industriekultur des «Kappeler Amts» sowie auf ein

Juwel der frühgotischen Zisterzienserarchitektur.

Wanderzeiten Albispasshöhe–Heisch 2 Std.

Heisch–Kloster Kappel 1 Std.

Gesamtdauer 3 Std.

Orientierung Ausgangspunkt: Albis Passhöhe, Bushalte

stelle. Endpunkt: Kappel am Albis, Bushaltestelle.

Wegverlauf Vom Albispass mit leichtem Anstieg zum

Aussichtsturm Hochwacht (gelber Wegweiser). Nach

dem Abstieg von der Hochwacht rechts auf schmalem

Weg zur Schnabelburg aufsteigen. Von hier zur nördlichen

Schnabellücke hinunter und weiter zur südlichen

Schnabellücke. Abstieg durch ein Naturschutzgebiet

gegen Tüfenbach, am Waldrand links haltend weiter

zu Pt. 677. Der Fahrstrasse entlang, nach ca. 600 m links

über eine Treppe nach Oberheisch. Die Kantonsstrasse

überquerend zum Untervogtshaus. Von dort auf dem

signalisierten «Ämtlerweg» nach Kappel.


Die Aussicht macht den

Schna bel zum idealen Standort

für eine Hochwacht.

Die Schnabellücke, im Hochmittelalter

ein bedeutsamer

Albisübergang.

Rekonstruktion der Schnabelburg

auf Grund archäologischer

Grabungen.

(H. Schneider / G. Leiser, Schweiz. Landesmuseum)

Albispass (1). Schriftlichen Quellen zufolge gilt der 791 m hohe Albispass

spätestens im 15. Jahrhundert als wichtige Verbindung zwischen

den eidgenössischen Stadtständen Zürich, Zug und Luzern und

als Zubringer zum Gotthard. Vor allem Reiter und Säumer benutzten

den Pass, Kutschen verkehrten hier erst nach Abschluss des Ausbaus

1844.

Hochwacht (2). An der Stelle des heutigen Aussichtsturms stand im

17./18. Jahrhundert eine Hochwacht. Als Teil eines militärischen Warnsystems

machte sie sich die grandiose Fernsicht zu Nutze und erfüllte

die Aufgabe, feindliche Truppenbewegungen mittels Feuer- oder

Rauchzeichen blitzartig nach Zürich zu melden. Nach 1815 hatte die

Hochwacht ausgedient und zerfi el.

Schnabelburg (3). Vermutlich kurz nach 1173 errichtete ein Zweig

der Freiherren von Eschenbach (LU) die Anlage auf dem «Schnabel»,

einer markanten Geländekuppe unmittelbar nördlich der Schnabellücke.

Ursprünglich wohl zur Sicherung und Kontrolle des Verkehrs durch

die Schnabellücke angelegt, diente sie dem Adelsgeschlecht bald auch

als Wohnsitz und zur Repräsentation. Die Burg bestand aus dem Wohnturm,

der Umfassungsmauer und weiteren Bauten. Walter IV. von

Eschenbach (Stifter von fünf gotischen Glasgemälden in der Kloster-

Aussichtsturm am Standort

der ehemaligen Hochwacht.

1

Überreste der 1309 zerstörten

Schnabelburg.

2 3

Im Naturschutzgebiet westlich

der Schnabellücke.

kirche Kappel, vgl. 8) beteiligte sich 1308 an der Ermordung des habsburgischen

Königs Albrecht I. bei Windisch. Die Schnabelburg wurde

deshalb im August 1309 im Blutrachefeldzug der Habsburger nach

längerer Belagerung zerstört. Über die Königsmörder wurde die Reichsacht

verhängt. Walter IV. von Eschenbach verschwand darauf von der

Bildfl äche und soll 1343 unerkannt im Württembergischen gestorben

sein.

Schnabellücke (4). Mit 803 m ü.M. liegt die Schnabellücke nur unwesentlich

höher als der Albispass. Sanfter zugänglich als dieser, ist

sie vermutlich der ältere Albisübergang. Ab dem 15. Jahrhundert verlor

der Weg über die Schnabellücke die Bedeutung an den Albispass

und wird heute nur noch zum Wandern benutzt. Der Übergang durch

die südliche Schnabellücke erhielt im 19. Jahrhundert als Zubringer

zur Textilindustrie am Zürichsee die Bezeichnung «Spinnerweg».

Untervogtshaus in Heisch (5). In der Siedlung am Heischerbach ste-

hen mehrere stattliche Riegelbauten aus dem 18. Jahrhundert sowie

aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum des Mitteldorfs

befi ndet sich das so genannte «Untervogtshaus», das als Erblehen

des Amts Kappel 1670 von Jakob Näf erworben wurde. Bis 1811

gehörte das Gebäude dessen Nachfahren, die das Amt eines Unter-

4

5

6

Ruine des militärischen Beobach -

t ungspostens mit dem Galgen für

die Pechpfanne auf dem Schnabel.

(Graphische Sammlung ETH Zürich)

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Querschnitt des Untervogtshauses

in Heisch.

vogts ausübten. Eine Kammer des aus dem 16. Jahrhundert stammenden

Bohlenständerbaus ist mit seltenen Malereien geschmückt.

Die Bohlenwandfl ächen sind in hochrechteckige Spiegel mit einge-

zogenen Rundbogen aufgeteilt und mit Akanthusrankenwerk belegt.

Die Malereien wurden 1988 in Zusammenarbeit und mit Beiträgen

der Kantonalen Denkmalpfl ege restauriert.

Ehemalige Ferggerei und Wohnhaus Zürrer (6). 1825 beteiligte

sich der 22-jährige Hans-Jakob Zürrer an der Seiden- und Tuchhandlung

seines Paten Mathias Hägi von Heisch und legte damit den Grundstein

zur Firma Jakob Zürrer. 1840–41 liess er durch die Architekten

Leonhard Zeugheer und Wilhelm Waser den Mehrzweckbau mit

Wohn- und Geschäftsräumen, Scheune und Stallungen an der alten

Strasse nach Kappel erstellen. 1950–61 galt das Haus als Abbruchobjekt

und diente als Fremdarbeiterunterkunft. 1972 erwarben drei

Familien das sanierungsbedürftige Gebäude, 1980–93 wurde es

umfassend saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Nordwestlich

des Gründerhauses stellt heute die Firma Weissbrod-Zürrer AG auf

modernsten Produktionsanlagen modische Stoffe her.

Näfenhäuser (7). Adam Näf (1500–71) aus der Vollenweid war am

11. Oktober 1531 in der Schlacht bei Kappel an der Rettung des

Reproduziert mit Bewilligung von swisstopo (BA071679)

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