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ÖFBCorner0223

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02/2023<br />

CARINA WENNINGER<br />

Die Ex-Kapitänin über<br />

ihre neue Aufgabe<br />

SCHIEDSRICHTER<br />

Viktor Kassai als<br />

Top-Verstärkung<br />

TORJÄGER IM<br />

INTERVIEW<br />

Michael<br />

Gregoritsch<br />

Der Legionär über Reife, die<br />

EM-Quali und warum Rangnick<br />

kein typischer Deutscher ist<br />

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VORWORT<br />

JOHANN GARTNER<br />

Liebe Leserinnen und Leser!<br />

»Mit der Verpflichtung<br />

von Viktor<br />

Kassai kann bei den<br />

Schiedsrichtern eine<br />

Aufbruchsstimmung<br />

entstehen.«<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

Hinter uns liegen intensive Monate. Ich<br />

habe im Februar das Amt des ÖFB-<br />

Präsidenten interimistisch übernommen<br />

und mir dabei zum Ziel gesetzt,<br />

wieder eine gewisse Ruhe einkehren zu<br />

lassen. Ich denke, das ist durch viel Kommunikation<br />

und gegenseitiges Verständnis<br />

zum Teil gelungen. Bei meinen Besuchen<br />

und Gesprächen in den Landesverbänden<br />

und der Bundesliga sind mir viele Dinge<br />

aufgefallen. Es gibt eine Menge Unterschiede<br />

und regional ganz andere Herausforderungen,<br />

die es bei der Umsetzung der<br />

ÖFB-Projekte und -Aktivitäten zu berücksichtigen<br />

gilt.<br />

Herausforderung ist ein gutes Stichwort,<br />

denn solchen sieht sich auch<br />

der Bereich Schiedsrichter immer<br />

wieder gegenüber. Mit Viktor Kassai<br />

ist es nun wirklich gelungen, einen internationalen<br />

Top-Mann für die Position des<br />

Technical Directors im Refereeing zu gewinnen.<br />

Ich bin zuversichtlich, dass in diesem<br />

Bereich, der nun sehr gut aufgestellt<br />

ist, eine Aufbruchsstimmung entstehen<br />

kann. Gemeinsam mit der Bundesliga haben<br />

wir die versprochenen Schritte der<br />

Professionalisierung nun umgesetzt.<br />

Das Nationalteam steht gegen Belgien<br />

und Schweden vor großen Aufgaben.<br />

Ich freue mich sehr, dass es dem<br />

Team gelungen ist, den Funken auf<br />

die Fans überspringen zu lassen. Das hat<br />

man schon bei den Spielen im März in Linz<br />

gespürt. Teamchef und Mannschaft haben<br />

auch gezeigt, wie wichtig ihnen der Kontakt<br />

zu den Fans ist, und sie mit ins Boot<br />

geholt. Das ist sehr erfreulich. Man merkt,<br />

dass die Mannschaft mit viel Leidenschaft<br />

und Herzblut auftritt. Auch die Tatsache,<br />

dass Marcel Sabitzer trotz Verletzungspause<br />

von sich aus unbedingt zum Team kommen<br />

wollte, sagt viel über die Dynamik<br />

und die Stimmung in der Mannschaft aus.<br />

Das kann nur positiv sein.<br />

Vor einem ganz besonderen Jubiläum<br />

steht David Alaba, der sein 100. Länderspiel<br />

für Österreich bestreiten<br />

wird. Mit seiner enormen Entwicklung<br />

und seiner beeindruckenden Karriere<br />

ist er ein großes Vorbild für die Kinder in<br />

unserem Land. Und es ist ganz wichtig,<br />

dem Nachwuchs zu vermitteln, dass es neben<br />

der Leistung auf dem Platz auch um<br />

Werte wie Freude, Toleranz und Gemeinschaft<br />

geht – unabhängig von Herkunft, Religion<br />

oder Geschlecht! Es sind der Spaß<br />

und die Freude am Spielen, die den Fußball<br />

so besonders machen! Man lernt, sich gemeinsam<br />

zu freuen, aber auch, mit der einen<br />

oder anderen Enttäuschung umzugehen.<br />

Sport ist eine wichtige Lebensschule.<br />

Daher ist es auch so wichtig, in der Schule<br />

die Möglichkeit zu haben, unterschiedliche<br />

Sportarten kennenzulernen und dann in<br />

den Vereinen weiter auszuüben.<br />

Liebe Leserinnen und Leser, der Wahlausschuss<br />

hat beschlossen, Klaus Mitterdorfer<br />

der Bundeshauptversammlung<br />

am 8. Juli für das Amt des ÖFB-<br />

Präsidenten vorzuschlagen. Der 57-Jährige<br />

ist seit 2016 Präsident des Kärntner Fußballverbandes<br />

und beruflich als stellvertretender<br />

Direktor der Kärntner Ärztekammer<br />

tätig. Ich werde ihm das Amt mit bestem<br />

Wissen und Gewissen übergeben.<br />

Ich bedanke mich bei ALLEN, die mich<br />

bei meiner Tätigkeit konstruktiv unterstützt<br />

haben und meine Aktivitäten mitgetragen<br />

haben, ganz herzlich. Lassen<br />

Sie uns weiter auf allen Ebenen gemeinsam<br />

im Sinne des Fußballs zusammenarbeiten!<br />

Mit sportlichen Grüßen<br />

JOHANN GARTNER<br />

ÖFB-Präsident<br />

CORNER 02/23<br />

IMPRESSUM Offizielles Organ des Österreichischen Fußball-Bundes, Ernst-Happel-Stadion / Meiereistraße 7, Sektor A/F, 1020 Wien, Tel.: 01/727 18-0<br />

➜ Heraus geber & Medieninhaber: Österreichischer Fußball-Bund / verantwortlich für den Inhalt: ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH ➜ Chefredaktion: Iris Stöckelmayr,<br />

Markus Geisler ➜ Grafisches Konzept: José Coll / Studio B.A.C.K. ➜ Redaktion: Jonas Dormann, Hans Huber, Michael Graswald, Philip Sauer ➜ Grafik & Pro duktion:<br />

Christoph Geretschlaeger ➜ Anzeigen: René Reinberger / ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH, Tel.: 01/440 11 00-0 ➜ Lektorat: Gabriele Fernbach ➜ Verlag: TOP TIMES<br />

Medien GmbH (SPORTaktiv), Gadollaplatz 1, 8010 Graz ➜ Herstellung: Druck Styria GmbH & Co KG ➜ Aboservice: corner@oefb.at


KOMMENTAR<br />

THOMAS HOLLERER<br />

Die Zukunft im Blick<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

»Beim ÖFB<br />

werden mutige<br />

Schritte gesetzt,<br />

die Prozesse in<br />

Gang bringen<br />

und ganz klar die<br />

Zukunft im Blick<br />

haben.«<br />

Ich darf diesen Rahmen nutzen, um mich<br />

im Namen des ÖFB und des heimischen<br />

Fußballs bei Johann Gartner zu bedanken.<br />

Hans hat unseren Verband im Februar in einer<br />

sehr herausfordernden Phase übernommen<br />

und mit unglaublichem Zeit- und Energieaufwand,<br />

persönlichem Einsatz und Leidenschaft<br />

für den Fußball daran gearbeitet,<br />

Brücken zu bauen und Verständnis zu schaffen.<br />

Das ist keinesfalls selbstverständlich und<br />

ihm sehr hoch anzurechnen.<br />

Diese beherzte und engagierte Arbeit hat<br />

es ermöglicht, am 8. Juli im Rahmen<br />

der Außerordentlichen Bundeshauptversammlung<br />

in Salzburg geordnet die<br />

Weichen für die Zukunft zu stellen und das<br />

Staffelholz an Klaus Mitterdorfer zu übergeben.<br />

Wir erleben es im Sport leider immer<br />

wieder, dass es Unruhe abseits des<br />

Spielfelds oder der Wettkampfstätten<br />

gibt. Aber der Sport steht über<br />

allem, nichts ist wichtiger als die Spielerinnen<br />

und Spieler. Diesen sind wir verpflichtet,<br />

und sie sollten unser gemeinsamer Fokus<br />

sein. Wir wollen alles versuchen, ein großes<br />

Ganzes zu formen, in dem Platz für alle ist,<br />

auch wenn Interessen verständlicherweise<br />

manchmal unterschiedlich sind. Es gilt auch,<br />

verlorenes Vertrauen durch ehrliche und<br />

transparente Arbeit zurückzugewinnen.<br />

Ein Verband hat manchmal unpopuläre<br />

Entscheidungen zu treffen, und es ist<br />

nachvollziehbar und legitim, dass es immer<br />

Unzufriedene geben wird. Der ÖFB<br />

wird stets auch eine gewisse Projektionsfläche<br />

darstellen, das gehört zum Geschäft<br />

dazu. Damit können und müssen wir leben.<br />

Wir dürfen und werden uns neuen<br />

Impulsen nicht verschließen. Man<br />

sieht an den Personalentscheidungen<br />

und Entwicklungen in allen Be-<br />

reichen, dass hier mutige Schritte gesetzt<br />

werden, die Prozesse in Gang bringen und<br />

ganz klar die Zukunft im Blick haben, im<br />

sportlichen Bereich ebenso wie in der Administration<br />

und im Management. Ich möchte<br />

mich bei allen Beteiligten bedanken, die diesen<br />

Weg überzeugt gemeinsam gehen. Nur<br />

mit Geschlossenheit kann es funktionieren.<br />

Als Beispiel möchte ich das Schiedsrichterwesen<br />

nennen, das durch einen<br />

Schulterschluss des ÖFB, der Bundesliga<br />

und der Vertreter der Landesverbände<br />

evaluiert und im Hauptamt neu aufgestellt<br />

und gestärkt wurde. Dieses Versprechen<br />

haben wir gegeben und auch gehalten.<br />

Auch hier ein großes Dankeschön an alle<br />

Kräfte, die mitgewirkt haben.<br />

Der ÖFB ist mit rund 300.000 Aktiven<br />

und 130.000 organisierten Fußballspielen<br />

jährlich der größte Sportverband Österreichs.<br />

Daher ist es umso wichtiger,<br />

sich von Zeit zu Zeit selbst zu hinterfragen<br />

und neu auszurichten. Es ist von höchster<br />

Bedeutung, auf allen Ebenen des Fußballs<br />

den zentralen Werten treu zu bleiben und danach<br />

zu handeln. In der Spitze genauso wie<br />

in der Breite und vor allem im Nachwuchs-<br />

Bereich.<br />

Unsere Arbeit soll Eltern überzeugen,<br />

dass Fußball für die Kinder eine wichtige<br />

Möglichkeit in ihrer persönlichen und<br />

sozialen Entwicklung darstellt und dass<br />

beim Fußball gewährleistet ist, dass sie in<br />

guten Händen sind.<br />

DR. THOMAS<br />

HOLLERER<br />

ÖFB-Generalsekretär<br />

4 CORNER 02/23


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INHALT<br />

ÖFB CORNER 02/2023<br />

Marko Arnautovic<br />

kehrt gegen Belgien<br />

und Schweden in<br />

den Kader des Nationalteams<br />

zurück.<br />

COVERSTORY<br />

10 Michael Gregoritsch:<br />

„Ich verstelle mich nie!“<br />

Der Doppel-Torschütze zum Quali-Start im großen<br />

Interview: Welchen Reifeprozess er durchmachte,<br />

wie man mit Rückschlägen umgeht und warum<br />

Ralf Rangnick kein typischer Deutscher ist.<br />

FEATURES<br />

16 Hier spricht der Teamchef<br />

Ralf Rangnick zieht nach einem Jahr Bilanz –<br />

und wagt einen Ausblick.<br />

18 Gestatten, Gspurning!<br />

So tickt der neue Tormann-Trainer des<br />

österreichischen Nationalteams.<br />

20 Trainer-Exporte in Belgien<br />

Thalhammer, Wieland und Muslic über die Stärken<br />

unseres Gegners in der EURO-Qualifikation<br />

22 Der Schiedsrichter-Coup<br />

Der frühere Top-Unparteiische Viktor Kassai wird<br />

Technical Director im Referee Department.<br />

24 UNIQA ÖFB Cup<br />

Die abgelaufene Saison inklusive Top-Finale hatte<br />

es in sich – und macht Lust auf mehr.<br />

28 Neue Welle der Begeisterung<br />

Das Frauen-Nationalteam geht mit gutem Gefühl<br />

in die im Herbst beginnende Nations League.<br />

30 Eine Legende tritt ab<br />

Carina Wenninger spricht über ihre bewegte<br />

Karriere – und verrät, wohin sie den Frauen-Fußball<br />

in ihrer neuen Funktion führen will.<br />

32 History: Pepi Hickersberger<br />

Hans Huber über den früheren Teamchef, der<br />

zweimal die Geschicke des ÖFB-Teams leitete.<br />

34 Das Jahr des Dijon Kameri<br />

Der Salzburger Shooting-Star will mit der U21<br />

nun unbedingt die EM-Qualifikation schaffen.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

38 Faszination Futsal<br />

Drei Spieler erklären, was den<br />

boomenden Hallenkick so attraktiv macht.<br />

STANDARDS 27 WhatsApp-Chat mit Patrick Wimmer 48 ADMIRAL Bundesliga 54 Landesverbände<br />

56 Schiedsrichter 60 ÖFB-Mix & Seitenblicke 62 Was wurde aus ... Christian Fuchs


SCHNAPPSCHUSS<br />

ALABA AUF DEM<br />

SPRUNG IN DEN<br />

HUNDERTER-CLUB<br />

Am 14. Oktober 2009 absolvierte David Alaba im zarten<br />

Alter von 17 Jahren, drei Monaten und 20 Tagen<br />

sein erstes Spiel für das Nationalteam. Mittlerweile<br />

hat der Real-Madrid-Legionär 99 Partien in den Beinen.<br />

Damit könnte der 30-Jährige beim Juni-Lehrgang<br />

(17. 6. vs. Belgien / 20. 6. vs. Schweden) in den<br />

illustren Kreis des Hunderter-Clubs aufsteigen. Bisher<br />

haben nur Marko Arnautovic (106), Andreas Herzog<br />

(103) und Aleksandar Dragovic (100) hundert<br />

oder mehr Länderspiele für Österreich bestritten.<br />

8 CORNER 02/23


CORNER 02/23<br />

9<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)


COVERSTORY<br />

MICHAEL GREGORITSCH<br />

» Es war wichtig,<br />

dass ich meinen<br />

verschossenen<br />

Elfer mit einem Tor<br />

wieder gutgemacht<br />

habe. «<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

10<br />

CORNER 02/23


„Ich verstelle<br />

mich nicht“<br />

INTERVIEW MARKUS GEISLER<br />

Den ersten beiden Qualifikationsspielen hat Michael Gregoritsch<br />

mit je einem Tor seinen Stempel aufgedrückt. Doch der Stürmer<br />

will mehr, die EURO in Deutschland ist sein großes Ziel. Warum<br />

das mit dem momentan besten „Gregerl“ aller Zeiten gelingt,<br />

verrät er im großen Interview mit dem ÖFB CORNER.<br />

ÖFB CORNER: Zwei Siege gegen Aserbaidschan<br />

und Estland, zwei Tore von<br />

dir – wie wichtig ist es, mit solchen<br />

Erfolgserlebnissen in eine Quali zu starten?<br />

MICHAEL GREGORITSCH: Extrem wichtig!<br />

Wir haben eine Gruppe mit fünf Teams, da ist<br />

man noch ein wenig eingeschränkter als mit<br />

sechs Mannschaften. Bei nur acht Spielen<br />

darfst du dir keinen Ausrutscher leisten. Wir<br />

haben uns mit diesen sechs Punkten eine<br />

tolle Ausgangslage für die Spiele im Juni geschaffen.<br />

Gerade das Spiel gegen Estland hatte es<br />

für dich in sich. Zu Beginn einen Elfer verschossen,<br />

dann das Siegestor in der 88.<br />

Minute. Man hat dir nachher angemerkt,<br />

wie viele Steine dir vom Herzen fielen.<br />

Stimmt, die Erleichterung war groß. Aber vor<br />

allem deshalb, weil wir die Quali nicht mit einem<br />

Remis gegen eine Nation beginnen wollten,<br />

die grundsätzlich kleiner als Österreich ist.<br />

Das meine ich gar nicht despektierlich. Aber<br />

wir müssen solche Spiele gewinnen, wenn<br />

wir uns qualifizieren wollen. Deswegen war<br />

es wichtig, dass ich meinen verschossenen<br />

Elfer mit dem Tor wieder gutgemacht habe.<br />

Ich war einfach glücklich, dass wir gewonnen<br />

haben.<br />

Mal ehrlich: Hätte der Trainer Michael Gregoritsch<br />

überlegt, den Spieler Gregoritsch<br />

auszuwechseln?<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

» Wir wollten<br />

kein Remis gegen<br />

eine Nation, die<br />

grundsätzlich<br />

kleiner ist als<br />

Österreich. «<br />

Natürlich nicht! Es gab schon andere Stürmer,<br />

die Elfmeter verschossen haben. Und ich war<br />

ja grundsätzlich gut im Spiel drin. Ich denke,<br />

ich bin torgefährlich genug, um mich auf dem<br />

Platz zu lassen, und war auch froh, dass der<br />

Trainer das genauso gesehen hat.<br />

Nimm uns Nicht-Profis doch mal mit: Wie<br />

lange schleppt man eine Enttäuschung<br />

wie nach einem verschossenen Elfmeter<br />

auf dem Platz mit sich herum?<br />

Eine Minute. Dann war es in der Pause noch<br />

kurz ein Thema und Ende. Wichtig ist ja, wie<br />

man auf so etwas reagiert, das haben die<br />

Mannschaft und ich gut geschafft. Außerdem<br />

habe ich ja schon ein paar Jahre Erfahrung<br />

auf dem Buckel und weiß, was in einem Spiel<br />

alles passieren kann. Vielleicht habe ich bei<br />

Für Michael<br />

Gregoritsch ist<br />

Teamchef Ralf<br />

Rangnick „kein<br />

typischer Deutscher“.<br />

CORNER 02/23 11


COVERSTORY<br />

MICHAEL GREGORITSCH<br />

» Ich mag das<br />

nicht, im Vorfeld<br />

zu sagen: Wir wären<br />

mit vier Punkten<br />

zufrieden oder<br />

drei. Für uns ist<br />

immer der Sieg<br />

möglich. «<br />

meinen Interviews nachher eine zu große<br />

Geschichte daraus gemacht. Aber ich war<br />

einfach glücklich über den Sieg, das musste<br />

in dem Moment raus. Ich verstelle mich<br />

einfach nicht.<br />

Nominell werden die kommenden Aufgaben<br />

heikler. Zunächst geht es nach Brüssel<br />

gegen Belgien, dann kommt Schweden.<br />

Mit welcher Ausbeute wärst du zufrieden?<br />

Zufrieden? Mit sechs Punkten. Ich mag das<br />

nicht, im Vorfeld zu sagen: Vier Punkte wären<br />

super, oder drei. Das würde ja bedeuten, dass<br />

man schon vorher mit einem Unentschieden<br />

oder einer Niederlage zufrieden wäre. In einer<br />

Fünfergruppe darf man kein Spiel verschenken,<br />

und wir wissen, dass für uns in jeder Partie<br />

der Sieg möglich ist. Diese Chance wollen wir<br />

immer ergreifen. Dass es ein hartes Stück<br />

Arbeit wird, ist uns allen bewusst.<br />

In Belgien wird seit langem von einer<br />

„Goldenen Generation“ gesprochen, der<br />

ganz große Wurf blieb aber bisher aus.<br />

Wie siehst du diese Mannschaft?<br />

Als DAS überragende Team in den Qualifikationen,<br />

das dann aber bei Turnieren immer<br />

ÖFB/KELEMEN<br />

wieder Pech hatte, auch mit Verletzungen.<br />

Sie standen jahrelang auf Rang eins in der<br />

Weltrangliste, und das völlig zu recht. Wir<br />

wissen schon, dass wir mit Belgien einen<br />

riesigen Brocken in unserer Gruppe haben.<br />

Bei den Schweden denkt man nach wie<br />

vor zuerst an Zlatan Ibrahimovic, der<br />

Anfang Juni sein Karriereende bekannt<br />

gegeben hat. Ein Spieler deines Alters<br />

(Anm. 29) ist mit dem Kult-Stürmer groß<br />

geworden.<br />

Keine Frage: Er ist einer der überragenden<br />

Spielerpersönlichkeiten der vergangenen<br />

beiden Jahrzehnte. Immer präsent, mit einer<br />

unfassbar spektakulären Spielweise, dabei<br />

fußballerisch top. Er hatte zu recht das Selbstvertrauen,<br />

um den einen oder anderen Spruch<br />

rauszuhauen. Die Schweden haben aber<br />

mittlerweile andere Spieler, die nachgerückt<br />

sind, das ist ein sehr starker Gegner. Sie sind<br />

nicht umsonst bei der letzten EURO ins<br />

Achtelfinale gekommen. Die Qualität ist hoch,<br />

auch ohne Zlatan.<br />

Du selbst stehst bei 45 Länderspielen.<br />

Hättest du abrufbar, wie viele du davon<br />

durchgespielt hast?<br />

Zwei oder drei?<br />

Stimmt, es sind genau drei. Du spielst im<br />

Schnitt 36,5 Minuten, hast aber schon<br />

neun Tore erzielt. Bedeutet: Dir gelingt alle<br />

180 Minuten ein Treffer, das ist ein Top-<br />

Wert.<br />

Wenn du das so sagst, nehme ich das gerne<br />

an. Als Stürmer stehe ich am Ende einer<br />

Kette von sehr guten Spielern, es ist mein<br />

Job, Tore zu schießen. Wenn das alle 180<br />

Minuten gelingt, ist das schön. Wobei so eine<br />

Statistik für mich nicht so sehr relevant ist.<br />

Die 36,5 Minuten willst du aber vermutlich<br />

ausbauen, oder?<br />

Das ist nun mal so in einem Team mit vielen<br />

sehr guten Spielern. Da sitzt du eben manchmal<br />

auf der Bank und darfst später reinkommen.<br />

Als Offensivspieler hat man ja das Glück,<br />

öfter eingewechselt zu werden als ein Verteidiger.<br />

Ich bin stolz darauf, seit einigen Jahren<br />

Teil dieser Truppe zu sein und so viele Spiele<br />

absolviert zu haben. Ob das jetzt einen Schnitt<br />

von 80 oder 36,5 Minuten ergibt, stört mich<br />

nicht weiter. Jeder Spieler kann seinen Teil<br />

zum Erfolg beitragen, egal wie viel er spielt.<br />

12<br />

CORNER 02/23


GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

Neun Tore – auf welchem Rang liegt dein<br />

Tor gegen Estland?<br />

Schon weit vorne, das wichtigste war es aber<br />

nicht. Das war das Tor bei der EURO gegen<br />

Nordmazedonien (Anm.: zum zwischenzeitlichen<br />

2:1, Endstand 3:1). Das war sicher<br />

einer der wichtigsten Treffer meiner ganzen<br />

Karriere.<br />

Es geht ja um die EURO in deiner Wahlheimat<br />

Deutschland. Teamchef Ralf Rangnick<br />

macht kein Hehl daraus, dass es für<br />

ihn etwas ganz Besonderes ist. Aber auch<br />

für euch Deutschland-Legionäre ist es kein<br />

Turnier wie jedes andere.<br />

Das zweitgeilste nach einer Heim-EURO ist<br />

eine EURO in Deutschland. Vor allem deswegen,<br />

weil sehr viele Fans aus Österreich<br />

mitkommen können. Dann würden unsere<br />

Matches zu echten Heimspielen. Wir Legionäre<br />

haben alle unsere „Zwischen-Orte“ in<br />

Deutschland, das Verhältnis mit dem Nachbarn<br />

ist ja nicht immer das allerbeste … (lacht)<br />

Wobei es früher krasser war, jetzt ist ja schon<br />

vieles verschmolzen. Aber gestichelt wird<br />

trotzdem immer. Deswegen wäre es für uns<br />

eine richtig tolle Sache, wenn wir dort nicht<br />

nur mitspielen könnten, sondern auch erfolgreich<br />

wären.<br />

Teil der Sticheleien ist ja die vermeintlich<br />

gemeinsame Sprache … Wie oft sagt dein<br />

Papa (Anm.: U21-Teamchef Werner Gregoritsch)<br />

zu dir: Bursche, jetzt red mal<br />

wieder gscheit?<br />

(lacht) Das ist tatsächlich total in meinem Kopf<br />

drin. Wenn jemand mit mir hochdeutsch<br />

spricht, rede ich selbst nach der Schrift, aber<br />

wenn ich mit dem Papa rede, bin ich sofort<br />

im steirischen Dialekt. Ich bin so gepolt. Wenn<br />

ich mit meinen Freunden in Graz unterwegs<br />

bin, nimmt mir keiner ab, dass ich in Deutschland<br />

lebe. Bei der Sprache gilt: Wir wollen<br />

nicht so sein wie die Deutschen und vermutlich<br />

auch umgekehrt.<br />

Was ist für dich typisch deutsch?<br />

Dieses Halten an Regeln. Die Pünktlichkeit.<br />

Dieser unfassbar große Wille, die Dinge so<br />

zu machen, wie sie vorgeschrieben sind. Wir<br />

Österreicher haben auch gerne gewisse Regelungen.<br />

Wir schauen aber auch, ob es nicht<br />

einen leichteren Weg um die Regeln herum<br />

gibt.<br />

Ist Ralf Rangnick ein typischer Deutscher?<br />

Ich würde sagen: nein! Er gibt uns viele<br />

Regeln vor, lässt uns aber auch Freiheiten.<br />

Er weiß, dass wir 25 erwachsene Männer<br />

sind, die man nicht alle über einen Kamm<br />

scheren kann. Er weiß, dass es wichtig ist,<br />

dass Spieler manche Dinge selbst entscheiden<br />

müssen. Das klappt hervorragend, auf<br />

und außerhalb des Platzes. Wir fühlen uns<br />

alle sehr wohl mit ihm.<br />

Gregoritsch startete<br />

mit je einem Tor in die<br />

ersten beiden Spiele<br />

der EURO-Quali.<br />

Michael Gregoritsch<br />

mit Papa Werner, dem<br />

Teamchef der österreichischen<br />

U21.<br />

CORNER 02/23 13


COVERSTORY<br />

MICHAEL GREGORITSCH<br />

Du hast vor Kurzem deine elfte Saison in<br />

Deutschland abgeschlossen, hattest dabei<br />

einige Kult-Stationen wie HSV, Schalke<br />

oder jetzt Freiburg. Wo bist du als Typ am<br />

meisten gereift?<br />

Vermutlich in Augsburg. Als junger Spieler<br />

habe ich in Bochum, St. Pauli oder auch bei<br />

Hoffenheim viel erlebt, hatte aber fußballerisch<br />

noch keine so große Rolle. In Augsburg<br />

hatte ich meinen längsten Vertrag (Anm.: fünf<br />

Jahre), dort habe ich den größten Schritt<br />

gemacht, Höhen und auch Tiefen erlebt.<br />

Auch deine Trainer ergeben eine illustre<br />

Runde, Neururer, Labbadia, Streich… Wer<br />

war der kultigste?<br />

(grinst) Peter Neururer mit seiner speziellen<br />

Art und Weise war schon sehr kultig. Er hat<br />

mir ermöglicht, in der 2. Liga Stammspieler<br />

zu sein, wir haben heute noch regelmäßig<br />

Kontakt. Direkt danach kommt natürlich Christian<br />

Streich. Es gibt viele Besprechungen, in<br />

denen ich dasitze und staune und schmunzele,<br />

man nimmt immer etwas mit. Das gilt<br />

für den Fußball und darüber hinaus.<br />

Kann man sich das so vorstellen, dass ihr<br />

Spieler mit ihm oft über Gott und die Welt<br />

spricht? Oder geht es am Ende des Tages<br />

doch meistens über Fußball?<br />

Auf keinen Fall, mit ihm kannst du über alles<br />

reden. Das nutze ich auch. Er ist eine besondere<br />

Person, die nicht vergisst, woher er<br />

selbst, aber auch woher der Spieler kommt.<br />

Er sieht immer auch die Themen, die bei dir<br />

im Hintergrund laufen. Vater-Ersatz ist ein<br />

großes Wort und wäre auch zu viel gesagt,<br />

aber es geht in die Richtung. Ich habe das<br />

Gefühl, mit allen Themen zu ihm kommen zu<br />

können und bin froh, in Freiburg gelandet zu<br />

sein.<br />

Zumal der sportliche Erfolg auch da ist.<br />

Ihr hattet eine starke Saison, wurdet Fünfter,<br />

habt die Erwartungen übertroffen.<br />

Trotzdem stelle ich mir vor, dass sich ein<br />

ehrgeiziger Sportler wie du ärgert, die<br />

Champions League so knapp verpasst zu<br />

haben.<br />

Ja, dann wird man ein wenig unverschämt<br />

und sagt: Shit, wir hätten auch Vierter werden<br />

können. Aber am Ende haben wir 59 Punkte<br />

geholt, in einer Saison, in der wir im Pokal-<br />

Halbfinale und im Achtelfinale der Europa<br />

League standen. Daher sagen wir: Es war<br />

Mit dem SC Freiburg<br />

qualifizierte sich „Gregerl“<br />

souverän für die<br />

Europa League.<br />

DIESE<br />

TOR.CHANCE<br />

KANN JEDER<br />

NUTZEN!<br />

Zusammen mit seinem<br />

Bruder Matthias betreibt<br />

Michael Gregoritsch das<br />

Projekt Tor.Chance, bei<br />

dem Kindern mit Down-<br />

Syndrom und aus schwächeren<br />

sozialen Verhältnissen<br />

die Möglichkeit<br />

geboten wird, in Fußball-<br />

Camps ihrem liebsten<br />

Hobby nachzugehen.<br />

„Tor.Chance gibt mir die<br />

Möglichkeit, Kindern etwas<br />

zurückzugeben, die<br />

nicht so unbeschwert<br />

aufwachsen konnten wie<br />

ich“, sagt Michael Gregoritsch.<br />

„Wir sind ein Non-<br />

Profit-Spendenverein, es<br />

fließt also kein Cent an<br />

Gewinn heraus.“ Wer<br />

sich über das Projekt informieren<br />

oder es unterstützen<br />

will, findet auf<br />

www.tor-chance.at<br />

alle Infos dazu.<br />

eine sensationelle Spielzeit, über die man<br />

sich auch freuen darf. Wir nehmen das Selbstvertrauen<br />

und die Quali für die Europa League<br />

in die nächste Saison mit, wissen aber auch,<br />

dass die Uhr jetzt schon wieder auf null gestellt<br />

ist.<br />

Auch deine persönliche Ausbeute kann<br />

sich sehen lassen, insgesamt waren es 15<br />

Tore und fünf Assists. Du selbst hast vom<br />

„besten Gregerl, den es je gab“ gesprochen.<br />

Was steckt dahinter?<br />

Ich bin erwachsener geworden, kann sowohl<br />

mit Rückschlägen als auch mit Erfolgen besser<br />

umgehen als früher. Ich bin nicht mehr<br />

bei jedem Tor himmelhoch jauchzend, aber<br />

auch nicht nach einer schlechten Leistung zu<br />

Tode betrübt. Ich habe einen Oldtimer, deswegen<br />

sage ich: Es ist schön, wenn man auf<br />

einem gewissen Level aus Leichtigkeit und<br />

Stress dahincruisen kann. Das geht aber nur,<br />

wenn man schon viel gesehen hat und die<br />

Dinge besser einordnen kann.<br />

Lass uns zum Schluss zu einem ernsten<br />

Thema kommen. Heinz Lindner hat kürzlich<br />

seine Krebs-Erkrankung öffentlich<br />

gemacht, du kennst ihn sehr gut. Was ging<br />

dir durch den Kopf, als du davon gehört<br />

hast?<br />

Total erschrocken! Durch meinen Vater bin<br />

ich mit dem Thema etwas vertrauter als andere<br />

(Anm.: auch bei Werner wurde bei einer<br />

Routine-Untersuchung in den 90er Jahren<br />

Hodenkrebs diagnostiziert). Gott sei Dank<br />

gibt es für Heinzi gute Heilungschancen. Ich<br />

hoffe, dass es ihm schnell gelingt, weil er ein<br />

außergewöhnlich guter Mensch ist, mit dem<br />

man sich wunderbar übers Leben unterhalten<br />

kann. Ich kann mir vorstellen, wie hart es sein<br />

muss, als frischgebackener Papa mit so etwas<br />

konfrontiert zu werden. Ich habe ihm geschrieben<br />

und oft an ihn gedacht. Es ist wichtig,<br />

ihm Kraft zu senden – die kriegt er von mir<br />

und dem ganzen Nationalteam.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

14<br />

CORNER 02/23


JETZT AUF ALLE SPIELE TIPPEN!<br />

tipp3.at


RALF RANGNICK<br />

TEXT PHILIP SAUER<br />

ÖFB CORNER: Herr Rangnick, seit Ihrem<br />

Debüt als ÖFB-Teamchef ist knapp ein<br />

Jahr vergangen. Mit welchen Gefühlen<br />

blicken Sie zurück?<br />

RALF RANGNICK: Es war eine außergewöhnliche<br />

Situation, direkt aus Manchester zum<br />

ersten Lehrgang zu kommen und in zehn<br />

Tagen vier Spiele zu bestreiten. In der Nations<br />

League haben wir von sechs Spielen vier<br />

richtig gut gespielt. Am Ende haben wir aber<br />

zu wenige Punkte geholt. Wir hätten die<br />

Gruppe theoretisch auch gewinnen können.<br />

Für mich war aber immer klar, dass die EM<br />

in Deutschland über allem steht. Der Start in<br />

die Quali ist gelungen. Ich blicke positiv nach<br />

vorne.<br />

Gibt es Spiele, die als besonders schön<br />

in Erinnerung geblieben sind?<br />

Der 3:0-Sieg in Kroatien war in dieser Deutlichkeit<br />

unerwartet. Ich finde aber, dass wir<br />

vor allem in den Heimspielen gegen Dänemark<br />

(1:2-Niederlage, Anm.) und gegen Frankreich<br />

(1:1, Anm.) richtig gut waren. Daran<br />

haben wir im Test gegen Italien (2:0-Sieg,<br />

Anm.) angeknüpft. Das war dem Fußball, den<br />

wir uns vorstellen, schon sehr nahe.<br />

Österreich ist Ihre erste Station als<br />

Teamchef. Wo sehen Sie die größten Unterschiede<br />

zur Arbeit als Trainer auf Vereinsebene?<br />

Beim Verein hast du die Spieler 300 Tage im<br />

Jahr bei dir. Dadurch hast du einen viel direkteren<br />

Einfluss darauf, was bei den Spielen<br />

passiert. Das ist im Nationalteam anders. Da<br />

siehst du die Spieler alle drei Monate. Umso<br />

wichtiger ist es, dass du einen klaren Plan<br />

hast, wie du spielen willst. Das haben wir<br />

von Anfang an vermittelt. Es ist auch wichtig,<br />

„Die EM steht über allem“<br />

Am 3. Juni 2022 feierte Ralf Rangnick sein Debüt als ÖFB Teamchef.<br />

Knapp ein Jahr später zieht der Deutsche im ÖFB CORNER<br />

Bilanz und verrät, worauf es auf dem weiteren Weg zum großen<br />

Etappenziel, der Endrunde in seiner Heimat, ankommt.<br />

16<br />

CORNER 02/23


dass die Jungs gerne kommen, dass sie eine<br />

Freude haben. Dazu braucht es eine Arbeitsatmosphäre,<br />

die Grund dazu gibt.<br />

Wie viel Potenzial steckt noch im Team?<br />

Wir sind eine kleine Nation, haben viel weniger<br />

Einwohner als, zum Beispiel, Frankreich,<br />

Spanien oder Deutschland. Deshalb haben<br />

wir nicht die Breite an Spielern auf internationalem<br />

Spitzen-Niveau. Wenn wir einigermaßen<br />

alle Mann an Bord haben, dann können<br />

wir die Großen aber nicht nur ärgern, sondern<br />

auch schlagen. Darum geht’s. Wir wollen uns<br />

direkt für die EM qualifizieren. Dafür müssen<br />

wir unter die ersten Zwei kommen.<br />

» David ist ein Kapitän<br />

im wahrsten Sinne des<br />

Wortes. Das hat er oft<br />

gezeigt. «<br />

In seinem ersten Jahr<br />

als Teamchef hat Ralf<br />

Rangnick den Fans<br />

viel Freude bereitet.<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

Mit Belgien und Schweden warten in der<br />

Quali jetzt die direkten Konkurrenten um<br />

das EM-Ticket.<br />

Man muss davon ausgehen, dass wir uns mit<br />

Belgien und Schweden die ersten drei Plätze<br />

ausmachen. Um am Ende mindestens einen<br />

hinter uns zu lassen, brauchen wir Punkte.<br />

Im besten Fall starten wir mit einem Sieg in<br />

Belgien. Dann wollen wir in Wien auch Schweden<br />

schlagen.<br />

Belgien ist nach dem frühen WM-Aus in<br />

einem Umbruch. Ein Vorteil oder ein Nachteil?<br />

Vielleicht wäre es angenehmer gewesen, der<br />

Umbruch hätte noch nicht stattgefunden.<br />

Jetzt sind ein paar Jüngere dran und es gab<br />

einen Trainerwechsel. Der Start von Belgien<br />

in die EM-Quali war gut. Sie haben Schweden<br />

auswärts 3:0 besiegt. Beim Test gegen<br />

Deutschland (3:2-Sieg, Anm.) war die erste<br />

Halbzeit überzeugend. Gegen uns wird es<br />

für sie jetzt erstmals richtig ernst.<br />

Beim Spiel gegen Schweden wird das<br />

Ernst-Happel-Stadion sehr gut gefüllt sein.<br />

Wie wichtig sind die Fans auf dem Weg<br />

zur EM?<br />

Wir haben es in Linz erlebt, gerade gegen<br />

Estland. Nachdem Michael Gregoritsch das<br />

entscheidende Tor macht, hat man geglaubt,<br />

das Dach fliegt weg. So muss es sein. Ich<br />

habe von Anfang an betont, dass wir in jedem<br />

Quali-Spiel die bestmögliche Atmosphäre<br />

brauchen. Das kann auf dem Weg zur EM<br />

einen Push geben.<br />

An Schweden hat man in Österreich gute<br />

Erinnerungen. 2015 haben wir 4:1 gewon-<br />

nen und uns damit für die EM qualifiziert.<br />

Spielt das für das anstehende Spiel eine<br />

Rolle?<br />

Ich war damals noch nicht da, aber das muss<br />

natürlich kein Nachteil sein. Es sind bei uns<br />

ein paar Spieler dabei, die auch damals gespielt<br />

haben. Jetzt liegt der Fokus aber erst<br />

einmal auf Belgien.<br />

Einer, der dabei war, ist David Alaba. Jetzt<br />

steht er vor seinem 100. Länderspiel.<br />

Das ist schon ein Meilenstein. David ist ein<br />

Kapitän im wahrsten Sinne des Wortes. Das<br />

hat er oft gezeigt. Zum Beispiel als er, obwohl<br />

er nicht spielen konnte, mit nach Dänemark<br />

geflogen ist. Auch Marcel Sabitzer hat trotz<br />

seiner Verletzung vor dem aktuellen Lehrgang<br />

gesagt, dass er eine Chance sieht, spielen<br />

zu können, und dabei sein will. Da sieht man,<br />

wie sehr sich die Spieler mit dem Ziel EURO<br />

und dem Nationalteam identifizieren.<br />

Alaba und Sabitzer sind für viele junge<br />

Spieler Vorbilder. Sie waren Mitinitiator<br />

des Perspektivlehrgangs für die besten<br />

Talente des Landes. Was bringt die Zukunft?<br />

Der Perspektivlehrgang in Pula hat uns zum<br />

Schmunzeln gebracht, weil wir gesehen haben,<br />

wie viel Potenzial in diesen Spielern<br />

steckt. Für mich war klar, dass wir diesen<br />

Lehrgang zu einer festen Einrichtung machen<br />

wollen. Wir können aber nur Wegbegleiter<br />

sein. Die Karrieren entwickeln sich in den<br />

Vereinen. Entscheidend ist, dass in den Akademien<br />

gut gearbeitet wird und dass die<br />

Talente Einsatzzeit bekommen. Es ist aber<br />

auf jeden Fall eine gute Basis da.<br />

CORNER 02/23 17


NATIONALTEAM<br />

TEXT MICHAEL GRASWALD<br />

Es sind aufregende Tage für Michael<br />

Gspurning. Der neue Tormanntrainer<br />

des Nationalteams konnte mit Union<br />

Berlin, wo er ebenfalls für die Goalies<br />

zuständig ist, die erstmalige Champions-League-Qualifikation<br />

feiern. „Wahnsinn,<br />

was wir erreicht haben“, freut er sich<br />

auch noch mit einigem Abstand. Wahnsinn<br />

war auch, was anschließend in Berlin passierte.<br />

„Die Feier war unbeschreiblich. Für mich<br />

aber relativ kurz, weil ich dann bereits nach<br />

Österreich gefahren bin, um mich auf den<br />

anstehenden Lehrgang vorzubereiten“, sagt<br />

Gspurning. Als Spieler absolvierte er drei<br />

Länderspiele, war von 2008 bis 2011 Teil des<br />

Nationalteams. „Es war immer etwas ganz<br />

Besonderes, im Team dabei zu sein, die Stimmung<br />

war immer großartig“, erinnert sich der<br />

Steirer. Beim Spiel in Belgien schließt sich für<br />

ihn ein Kreis, wie er erzählt: „Das letzte Spiel,<br />

bei dem ich im ÖFB-Kader stand, war das 4:4<br />

in Belgien, und mein Debüt als Tormanntrainer<br />

ist nun wieder dort.“<br />

Der Risiko-<br />

Manager<br />

Michael Gspurning kümmert sich künftig um<br />

die Tormänner des Nationalteams. Im Gespräch<br />

mit dem ÖFB CORNER ist seine Vorfreude auf<br />

die neue Aufgabe deutlich spürbar.<br />

18<br />

CORNER 02/23


Moderne Interpretation<br />

Obwohl sich das Goalie-Spiel heute enorm<br />

von seiner aktiven Zeit unterscheide, helfe<br />

ihm die eigene Spielerkarriere als Trainer<br />

extrem, wie er sagt. „Wobei der Trainerjob<br />

noch besser zu mir passt als der Spielerjob“,<br />

lacht er. Er wisse, wie man mit Erfolgen und<br />

Misserfolgen umgehen müsse und könne<br />

diese Erfahrung gut weitervermitteln, so der<br />

Neo-ÖFB-Goalietrainer. Gspurning sei ein<br />

„moderner Tormanntrainer“, lobte Teamchef<br />

Ralf Rangnick bei der Bekanntgabe. Doch<br />

was bedeutet es, ein moderner Tormanntrainer<br />

zu sein? „In erster Linie geht es darum,<br />

immer neugierig zu sein. Ich muss nicht ununterbrochen<br />

neue Übungen kreieren, sondern<br />

meinen eigenen Weg finden. Für mich<br />

steht der Mensch immer an erster Stelle.<br />

Meine Tätigkeit lässt sich in 60 Prozent zwischenmenschlicher<br />

Bereich, 20 Prozent Fachwissen<br />

und 20 Prozent Trainingsgestaltung<br />

aufteilen. Es geht darum, den Keepern einen<br />

Werkzeugkasten bereitzustellen, aus dem<br />

sie sich im Spiel bedienen können“, erklärt<br />

Gspurning.<br />

Im Training sei es ganz zentral, seinen Schützlingen<br />

die Anforderungen des Trainerteams<br />

näherzubringen. „Du stehst heute nicht einfach<br />

nur im Tor. Goalies laufen etwa sieben<br />

Kilometer pro Spiel. Du bist Risiko-Manager,<br />

musst im Spielaufbau teilweise bewusst<br />

Gefahr in Kauf nehmen, um deinem Team<br />

einen Vorteil zu verschaffen. Die Kernkompetenz<br />

besteht aber immer noch darin, Bälle zu<br />

fangen“, so der Grazer. Die Match-Anforderungen<br />

an die ÖFB-Keeper wurden mit Teamchef<br />

Ralf Rangnick und dem restlichen Staff<br />

bereits intensiv thematisiert: „Wir waren<br />

bereits produktiv. Es war toll, alle Kollegen<br />

kennenzulernen. Ich glaube, dass ich sehr gut<br />

in das Trainerteam passe, mich sehr gut einbringen<br />

und gleichzeitig viel für mich mitnehmen<br />

kann“, sagt er.<br />

Gut aufgestellt<br />

Dass Gspurning überhaupt als Nachfolger<br />

von Robert Almer übernommen hat, habe<br />

Günter Kreissl eingefädelt. „Er hat mich als<br />

Head of Goalkeeping angerufen und gefragt,<br />

ob ich es mir vorstellen kann. Ich hatte gerade<br />

bei Union verlängert, wollte diese Challenge<br />

beim ÖFB aber unbedingt wahrnehmen.<br />

Darum bin ich Union sehr dankbar, dass sie<br />

Eines seiner drei Länderspiele absolvierte Gspurning gegen Serbien in Belgrad.<br />

Ebenfalls zu sehen: Yasin Pehlivan (Nummer 6) und Aleksandar Dragovic (4).<br />

Gspurning (r.) ist der Austausch<br />

mit heimischen Kollegen<br />

wie Jürgen Macho<br />

sehr wichtig.<br />

MICHAEL<br />

GSPURNING<br />

Geburen: 02.05.1981 in Graz<br />

Vereine als Spieler: DSV<br />

Leoben, FC Pasching, Skoda<br />

Xanthi, Seattle Sounders,<br />

PAOK Saloniki, Platanias,<br />

FC Schalke 04, Union Berlin<br />

Länderspiele: 3 (Debüt:<br />

19.11.2008, 2:4 vs. Türkei)<br />

es mir ermöglicht haben, beide Aufgaben<br />

auszufüllen. Auch bei meiner Familie und dem<br />

ÖFB muss ich mich bedanken. Und bei meinem<br />

Freund Robert Almer, der mir alle Infos<br />

und Abläufe erklärt hat.“<br />

Für Gspurning ist die Aufgabe beim ÖFB eine<br />

Herzensangelegenheit. Das wird im Gespräch<br />

mit dem ehemaligen Griechenland-, USA- und<br />

Deutschland-Legionär schnell klar. Die Tormann-Diskussion,<br />

die das Nationalteam seit<br />

einiger Zeit begleitet, sieht er entspannt. „Es<br />

mag sein, dass aktuell keiner klar über allen<br />

anderen steht, aber wir haben sehr gute<br />

Keeper, und ich vertraue ihnen. Auch wenn<br />

uns Heinz Lindner durch diesen Schicksalsschlag<br />

fehlen wird“, sagt er. Vergleichen zu<br />

anderen Ländern, beispielsweise der Schweiz,<br />

kann er wenig abgewinnen: „Natürlich muss<br />

man immer schauen, was in anderen Ländern<br />

passiert. Aber auch bei uns wird viel Wissen<br />

und Arbeit in die Ausbildung der TrainerkollegInnen<br />

gesteckt. Am Ende ist es für junge<br />

Tormänner das Wichtigste, dass sie Vertrauen<br />

und Spielpraxis im Verein bekommen. Potenzial<br />

ist da, wie man bei Niki Hedl, Tobias Lawal<br />

oder anderen sieht. Auch Alex Schlager und<br />

Patrick Pentz sind in einem Alter, in dem noch<br />

viel Entwicklung möglich ist. Ich freue mich<br />

sehr, mit ihnen zu arbeiten und meinen Teil<br />

zur Entwicklung beizutragen.“<br />

Qualität im Tor wird es in den richtungsweisenden<br />

Quali-Spielen im Juni auch brauchen,<br />

um in Belgien und gegen Schweden Punkte<br />

für die EURO-Teilnahme zu sammeln. Dabei<br />

stellt sich eine besondere Hürde in den Weg.<br />

„Für mich ist Thibaut Courtois aktuell, in seiner<br />

derzeitigen Form, der beste Tormann der<br />

Welt. Aber Form kann auch schnell einmal<br />

umschlagen. Hoffentlich schon im Spiel gegen<br />

uns“, lacht Gspurning.<br />

GEPA-PICTURES.COM (3)<br />

CORNER 02/23 19


TRAINER<br />

TEXT PHILIP SAUER<br />

Drei Insider, aus<br />

Die Trainer Miron Muslic,<br />

Dominik Thalhammer und<br />

Andreas Wieland kennen<br />

und schätzen den belgischen<br />

Fußball. Geht es<br />

nach dem Trio, darf sich das<br />

ÖFB-Nationalteam im EM-<br />

Quali-Duell bei den „Roten<br />

Teufeln“ am 17. Juni durchetwas<br />

ausrechnen.<br />

<br />

viel Zuversicht<br />

In den letzten Jahren wagten immer mehr<br />

heimische Trainer den Sprung über die Landesgrenze<br />

und starteten das Abenteuer Ausland.<br />

Gerade in Belgien scheint man großen<br />

Gefallen am rot-weiß-roten Export gefunden<br />

zu haben. Dort waren vergangene Saison in den<br />

zwei obersten Spielklassen gleich drei vom ÖFB<br />

ausgebildete Trainer im Einsatz. Diese heißen<br />

Miron Muslic (Cercle Brügge), Dominik Thalhammer<br />

(KV Oostende) und Andreas Wieland (Beerschot<br />

V.A.). Vor dem EM-Quali-Duell des Nationalteams<br />

am 17. Juni in Brüssel gegen Belgien<br />

hat das Trio mit dem ÖFB CORNER gesprochen.<br />

Die Trainer geben Einblicke in den belgischen<br />

Fußball und verraten, was Österreich im Duell<br />

mit dem Vierten der FIFA-Weltrangliste erwartet.<br />

GEPA-PICTURES.COM (3)<br />

Miron Muslic<br />

Cercle Brügge<br />

Ex-Ried- und FAC-Coach Muslic ist seit Oktober 2021 in Belgien. Zunächst war er Co-Trainer,<br />

seit September 2022 ist er Chefcoach von Cercle Brügge. Heuer führte er sein Team in das<br />

Europa-Play-off der Jupiler Pro League. Ein großer Erfolg – auch, wenn es schlussendlich<br />

nicht für einen internationalen Startplatz reichen sollte. Von der belgischen Liga, die er als „größten<br />

Zulieferer für die Top 5“ sieht, gewann der 40-Jährige bisher äußerst positive Eindrücke. Beim Nationalteam<br />

der Belgier sieht er nach dem enttäuschenden WM-Aus in der Gruppenphase einen Umbruch, im<br />

neuen Teamchef Domenico Tedesco einen Hoffnungsträger. „Die Belgier hatten den Anspruch, Weltmeister<br />

zu werden. Die Realität war dann sehr bitter. Mit dem Trainerwechsel ist die Nationalmannschaft<br />

jünger und dynamischer geworden“, so Muslic. Trotzdem traut er Österreich im EM-Quali-Duell mit den<br />

„Roten Teufeln“ durchaus etwas zu: „Der Kader ist qualitativ stark besetzt. Es gibt eine klare Linie, wie<br />

gespielt werden soll. Für mich ist das am Platz deutlich erkennbar. Mit einer Topleistung kann das Nationalteam<br />

in Belgien punkten.“ Unterschätzt werde Österreich in Belgien nicht, wie Muslic verrät: „Das<br />

ÖFB-Team wird als gefährlicher Konkurrent gesehen.“<br />

20<br />

CORNER 02/23


Andreas Wieland<br />

Beerschot V.A.<br />

Wieland ist seit Juli 2022 Chef-Trainer bei Beerschot<br />

V.A. in der Challenger Pro League, der zweithöchsten<br />

Liga. Lange spielte der 39-Jährige mit seinem<br />

Team um den Aufstieg mit, woraus am Ende aber<br />

nichts werden sollte. Im belgischen Fußball sieht er<br />

eine „hohe Qualität, vor allem an jungen Spielern“,<br />

beim Nationalteam, den sogenannten „Roten<br />

Teufeln“, aktuell eine „positive Grundstimmung.“<br />

Das habe mit dem Neuaufbau nach der enttäuschenden<br />

WM und den zuletzt guten Ergebnissen<br />

zu tun. Der österreichische Fußball ist den Belgiern<br />

durchaus bekannt, wie der ehemalige LASK-Coach<br />

verrät: „Auch aufgrund der jüngsten Erfolge auf<br />

Vereinsebene. Spieler wie David Alaba oder Marko<br />

Arnautovic sind sowieso ein Begriff, genauso wie<br />

Teamchef Ralf Rangnick.“ Er betont im Hinblick auf<br />

das EM-Quali-Duell in Brüssel: „Ich glaube, dass<br />

Österreich nicht auf die leichte Schulter genommen<br />

wird.“ De r Umbruch sei in Belgien aber noch<br />

nicht vollzogen, weshalb er dem ÖFB-Team gute<br />

Chancen ausrechnet: „Ich traue Österreich, auch<br />

aufgrund der letzten Leistungen, durchaus zu,<br />

etwas mitzunehmen und in der Quali mitspielen<br />

zu können.“<br />

Dominik Thalhammer<br />

KV Oostende<br />

Thalhammer trainierte zunächst Cercle Brügge, ehe er<br />

im November 2022 sein Amt beim KV Oostende antrat.<br />

Die abgelaufene Saison sollte keine von Erfolg gekrönte<br />

werden. Sein Team stieg in die zweite Liga ab. Der Fußball<br />

in Belgien begeistert den ehemaligen Teamchef des ÖFB<br />

Frauen-Nationalteams dennoch. Vor allem der große<br />

Output an Talenten trotz fehlender Reglementierungen im<br />

Nachwuchsbereich. Die Liga sei ausgeglichener als die österreichische.<br />

Das Nationalteam werde in Belgien durchaus<br />

als ernstzunehmender Gegner eingeschätzt. „Da ist schon<br />

ein großer Respekt da“, sagt der 52-Jährige. Der ehemalige<br />

LASK-Coach betont: „Ralf Rangnick tut dem Nationalteam<br />

sehr gut. Er hat klare Ideen, Richtlinien und Prinzipien. Es<br />

geht ihm nicht nur um das Team, sondern auch um die<br />

Strukturen im ÖFB.“ Bei den Belgiern verspürt Thalhammer<br />

unter Domenico Tedesco eine gewisse Euphorie. Dass die<br />

langjährige Nummer 1 der Welt noch am Beginn eines Umbruchs<br />

ist, könne im direkten Duell aber auch eine Chance<br />

für Österreich bedeuten: „Ich erwarte eine enge Kiste und<br />

glaube, dass Österreich durchaus gute Möglichkeiten hat<br />

zu punkten und in späterer Folge vielleicht auch die Quali<br />

für die Endrunde zu schaffen.“<br />

CORNER 02/23 21


PROFESSIONALISIERUNG<br />

TEXT IRIS STÖCKELMAYR<br />

Top-Transfer im<br />

Schiedsrichter-Bereich<br />

Im angekündigten Professionalisierungsprozess wurden nun<br />

gemeinsam mit der Bundesliga die nächsten Schritte gesetzt.<br />

Dabei gelang mit der Verpflichung von Viktor Kassai ein Coup.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

22<br />

CORNER 02/23


Der ÖFB kann eine hochkarätige Verpflichtung<br />

für die Zukunft des<br />

Schiedsrichterwesens vermelden.<br />

Der ehemalige internationale Top-<br />

Schiedsrichter Viktor Kassai wird<br />

künftig als „Technical Director“ im<br />

Referee Department des ÖFB fungieren und<br />

sein breites Know-how aus der jahrzehntelangen<br />

Arbeit an der Weltspitze an die rotweiß-roten<br />

Schiedsrichter weitergeben.<br />

Kassai konnte sich im Bewerbungsprozess<br />

unter nationalen und internationalen Bewerbern<br />

und Kandidaten durchsetzen.<br />

Der gebürtige Ungar war seit 2003 FIFA-<br />

Schiedsrichter und leitete 2011 das Finale<br />

der UEFA Champions League zwischen dem<br />

FC Barcelona und Manchester United im<br />

Londoner Wembley-Stadion. Bei den Olympischen<br />

Spielen in Peking 2008 kam er ebenfalls<br />

als Final-Schiedsrichter zum Einsatz.<br />

Darüber hinaus fungierte er bei den Europameisterschaften<br />

2008, 2012 und 2016 als<br />

Unparteiischer, ebenso bei der WM 2010 in<br />

Südafrika.<br />

Beim Semifinale der Klub-WM 2016 war<br />

Viktor Kassai der erste Schiedsrichter, unter<br />

dessen Leitung in einem offiziellen Bewerbsspiel<br />

der VAR aktiv zum Einsatz kam.<br />

Seit dem Ende seiner aktiven Karriere<br />

2019 ist der 47-Jährige als Beobachter und<br />

Berater für die UEFA im Einsatz und war in<br />

diversen Nationalverbänden im Schiedsrichter-Management<br />

tätig. Seine letzte Station<br />

war der Bulgarische Fußball-Verband.<br />

Der ÖFB und seine Schiedsrichter können<br />

nun ab Juli – pünktlich zur neuen Saison<br />

– auf die Expertise von Viktor Kassai zählen,<br />

der neben Ungarisch und Englisch auch<br />

Deutsch spricht.<br />

Die Verpflichtung des international hoch<br />

angesehenen Fachmanns ist wie angekündigt<br />

der nächste wichtige Schritt im laufenden<br />

Prozess der Evaluierung und Professionalisierung<br />

des österreichischen Schiedsrichterwesens.<br />

ÖFB und Bundesliga zeigen einen Schulterschluss<br />

und geben ein deutliches Bekenntnis<br />

ab, dass der Schiedsrichter-Bereich<br />

den ihm gebührenden Stellenwert einnimmt.<br />

Viktor Kassai wird bei seiner neuen<br />

Tätigkeit von seinem langjährigen Assistenten<br />

an der Linie György Ring unterstützt, der<br />

mit ihm gemeinsam zum ÖFB wechselt.<br />

Ring wird die Position des VAR-Managers<br />

ausüben.<br />

» Ich freue mich sehr, künftig an der Weiterentwicklung des Schiedsrichterwesens<br />

in Österreich mitzuarbeiten und meinen Beitrag zu leisten. Im<br />

Gesprächsprozess habe ich schnell gemerkt, dass sich unsere Ziele und<br />

Visionen für die Zukunft decken und wir die gleiche Sprache sprechen.<br />

Mein Leben ist dem Refereeing gewidmet – sowohl in meinen 30 Jahren<br />

als aktiver Schiedsrichter als auch seit drei Jahren im Hintergrund im Management.<br />

Ich kenne die Herausforderungen, die auf uns warten, und bin<br />

gemeinsam mit György Ring hoch motiviert, diese mit dem Team des ÖFB,<br />

der Bundesliga und natürlich den Schiedsrichtern in Angriff zu nehmen. «<br />

Viktor Kassai Technical Director im Referee Department<br />

» Mit Viktor Kassai konnten wir einen internationalen Spitzenmann für<br />

die Position des Technical Director im Bereich Schiedsrichter gewinnen.<br />

Wir freuen uns sehr darauf, die Arbeit im Hauptamt neu aufgestellt in<br />

Angriff zu nehmen und für neue Impulse und Akzente zu sorgen. Aus<br />

Schiedsrichtersicht ist es sehr zu begrüßen, eine derart fundierte Expertise<br />

in unseren Reihen zu haben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir alle zusammen<br />

erfolgreich den Weg der Professionalisierung gehen. Sein großes<br />

internationales Netzwerk und sein Standing bei der UEFA werden für diesen<br />

Prozess sicherlich gewinnbringend sein. «<br />

Robert Sedlacek Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission<br />

» Wir begrüßen die Besetzung dieser wichtigen Position mit einem angesehenen<br />

und international erfahrenen Fachmann. Es ist der nächste<br />

Schritt im Prozess der Professionalisierung des Schiedsrichter-Bereichs.<br />

Gemeinsam mit dem ÖFB haben wir das klare Bekenntnis abgegeben,<br />

diesen Weg gehen zu wollen. Nun folgen die Schritte der Umsetzung.<br />

Es ist sehr erfreulich, dass wir im Hauptamt neu aufgestellt und gestärkt<br />

mit breiter Expertise in die kommende Saison starten können. «<br />

Christian Ebenbauer Vorstandsvorsitzender<br />

der Österreichischen Fußball-Bundesliga<br />

Dem hauptamtlichen Bereich des<br />

Schiedsrichterwesens steht seit Februar Ali<br />

Hofmann als Leiter vor. Mit ihm gemeinsam<br />

werden sich nun Viktor Kassai als Technical<br />

Director und György Ring als VAR-Manager<br />

um die Belange der heimischen Elite-Referees<br />

kümmern. Lukas Orler ist innerhalb der<br />

Abteilung für den Bereich Breitenfußball<br />

zuständig und fungiert als Schnittstelle zu<br />

den Landesverbänden. Maximilian Fischer<br />

unterstützt im Bereich Administration und<br />

Organisation.<br />

Die Tätigkeit der Schiedsrichter-Kommission,<br />

des obersten sportpolitischen Gremiums<br />

im Schiedsrichterbereich, unter der<br />

Leitung von Robert Sedlacek ist unverändert<br />

und erfolgt in enger Abstimmung und Zusammenarbeit<br />

mit dem Hauptamt.<br />

Gemeinsam will man den Aktiven die<br />

bestmöglichen Rahmenbedingungen bieten,<br />

um ihr volles Potenzial entfalten und die beste<br />

Leistung am Punkt abrufen zu können.<br />

CORNER 02/23 23


UNIQA ÖFB CUP<br />

TEXT PHILIP SAUER<br />

GEPA-PICTURES.COM (3)<br />

Lust auf mehr<br />

Die UNIQA ÖFB Cup Saison 2022/23 ließ beim neutralen Beobachter<br />

kaum Wünsche offen. Krönender Abschluss war das<br />

Finale vor 30.000 Fans in der 28 Black Arena Klagenfurt, in dem<br />

sich Sturm mit einem 2:0 gegen Rapid den Titel sicherte. Am<br />

21. Juli startet die neue Spielzeit. Rückblick und Vorschau.<br />

24<br />

CORNER 02/23


Schützenfeste, Überraschungen,<br />

Derbys, euphorische Fans und ein<br />

krönender Abschluss in Klagenfurt<br />

– die Saison 2022/23 im UNIQA<br />

ÖFB Cup hatte einiges zu bieten.<br />

Der SK Puntigamer Sturm Graz sicherte<br />

sich im Finale in der 28 Black<br />

Arena vor 30.000 Zuschauern mit einem 2:0<br />

(0:0) gegen den SK Rapid den Titel. „Die<br />

erste Hälfte war ausgeglichen, Rapid war<br />

um einen Tick präsenter. Wir haben dann<br />

eine unglaubliche Wucht entwickelt und auch<br />

die eine oder andere Chance liegengelassen.<br />

Wir sind der verdiente Sieger“, fasste Christian<br />

Ilzer, der seine erste Trophäe als Trainer<br />

auf Profiebene bejubeln durfte, zusammen.<br />

Nachsatz: „Wir haben in dieser Cup-Saison<br />

die besten Teams Österreich ausgeschaltet.“<br />

Große Hürden für Sturm<br />

Die Grazer, die in der Liga hinter dem FC<br />

Red Bull Salzburg Zweiter wurden, setzten<br />

sich am Weg zum insgesamt sechsten Cup-<br />

Titel der Vereinsgeschichte gegen den SC<br />

Röthis (6:0), die SV Austria Salzburg (3:1),<br />

den GAK (1:0), den FC Red Bull Salzburg (6:5<br />

nach Elfmeterschießen), den LASK (1:0) und<br />

schließlich gegen Rapid (2:0) durch. Ein<br />

steiniger Weg, den die Steirer meistern<br />

Rapids Guido Burgstaller sparte sich in<br />

seiner Enttäuschung den Anblick der Trophäe,<br />

die sich Sturm Graz sicherte.<br />

»Es war ein geiles<br />

Match, eine geile Atmosphäre.<br />

[...] Dass<br />

ich dann noch zwei<br />

Tore gemacht habe –<br />

unbeschreiblich! «<br />

konnten. Mit Geschlossenheit, Kampfgeist<br />

und Qualität. Manprit Sarkaria wurde im<br />

Finale mit einem Doppelpack in der zweiten<br />

Halbzeit zum Matchwinner und machte sich<br />

damit auch zum Torschützenkönig des Bewerbs.<br />

Insgesamt verbuchte der 26-Jährige<br />

sechs Treffer. „Es war ein geiles Match, eine<br />

geile Atmosphäre. Es freut mich, dass wir<br />

gewonnen haben. Dass ich dann noch zwei<br />

Tore gemacht habe – unbeschreiblich“, zeigte<br />

sich der Wiener mit indischen Wurzeln<br />

euphorisch. Im Herbst hatte Sarkaria noch<br />

mit Formschwankungen zu kämpfen. Sogar<br />

ein Wechsel zum LASK stand im Raum. Doch<br />

das Offensiv-Ass kämpfte sich zurück. „Er<br />

hat kapiert, was nötig ist, damit er wieder<br />

in einen Topzustand kommt. Für das gehört<br />

ihm ein Riesenkompliment ausgesprochen“,<br />

lobte Ilzer seinen Titel-Helden.<br />

Salzburg entthront<br />

Erstmals seit der Saison 2017/18 heißt der<br />

UNIQA ÖFB Cup Sieger nicht FC Red Bull<br />

Salzburg. Auch damals durchbrach Sturm<br />

eine Serie der „Bullen“ von vier Titeln in<br />

Folge. Den Erfolg feierten die „Blackies“<br />

heuer vor knapp 20.000 Fans in der Grazer<br />

Innenstadt. „Vom Dorffest in Röthis weg bis<br />

hierher mit fantastischer Stimmung. Diese<br />

Reise erfüllt mich mit Stolz“, sagte Ilzer. Und<br />

ergänzte voller Euphorie: „Wir haben drei<br />

Jahre gearbeitet für solche Momente, dass<br />

wir den Titel hier mit euch feiern.“ Kapitän<br />

Stefan Hierländer betonte: „Das ist der<br />

emotionsreichste Cup-Titel, aufgrund des<br />

schweren Weges und der Stimmung im<br />

Finale.“<br />

Bittere Pille für Rapid<br />

Freud und Leid liegen in einem Endspiel eng<br />

beieinander. Rapid verpasste es, sich den<br />

ersten Cup-Titel seit 28 Jahren zu sichern.<br />

Ganz kurz vor dem Ziel. „Wir haben ein Finale<br />

verloren, das tut extrem weh“, meinte<br />

Coach Zoran Barisic, der beim letzten Cup-<br />

CORNER 02/23 25


UNIQA ÖFB CUP<br />

Sturm musste einen<br />

Derbysieg gegen den<br />

GAK vollbringen, um<br />

sich den Titel zu sichern.<br />

Sieg der Hütteldorfer 1995 noch als Spieler<br />

auf dem Platz stand. „Wir haben ein großes<br />

Ziel verpasst“, haderte Kapitän Guido<br />

Burgstaller. Den Meisterteller konnten die<br />

Wiener zuletzt 2008 stemmen.<br />

Das erste Final-Duell im UNIQA ÖFB<br />

Cup zwischen Sturm und Rapid sollte aber<br />

längst nicht das einzige sein, das in der<br />

abgelaufenen Saison für große Emotionen<br />

sorgte.<br />

Schlager, Derbys, Fan-Massen<br />

Unter anderem kam es zum ersten Grazer<br />

Derby zwischen Sturm und dem GAK seit<br />

15 Jahren. „Ein großes Fußballspiel für die<br />

Steiermark“, nannte es GAK-Trainer Gernot<br />

Messner. Sturm konnte das Aufeinandertreffen<br />

im Achtelfinale vor 15.400 Zuschauern<br />

mit einem 1:0 für sich entscheiden.<br />

Der Wiener Sport-Club entpuppte sich<br />

als großer Favoriten-Schreck. Der Traditionsklub<br />

schaffte es als einziger Regionalligist<br />

bis ins Viertelfinale. Am Weg dorthin räumten<br />

die Dornbacher mit dem SC Austria Lustenau<br />

(2:0) und dem FK Austria Wien (3:1) zwei<br />

Bundesligisten aus dem Weg, ehe es gegen<br />

die SV Guntamatic Ried eine 0:2-Niederlage<br />

setzte. „Für uns war es ein hervorragendes<br />

Cup-Jahr“, betonte Sport-Club-Coach Robert<br />

Weinstabl.<br />

Den höchsten Sieg der abgelaufenen<br />

Saison feierte Blau Weiß Linz in der 1. Runde<br />

mit einem 10:1 beim VfB Hohenems. Der<br />

LASK besiegte den SC Schwaz 9:1.<br />

Insgesamt konnten in den 63 Spielen<br />

heuer 250 Treffer bejubelt werden. Im Schnitt<br />

fielen starke 3,97 Tore pro Partie. 266 gelbe,<br />

fünf gelb-rote und elf rote Karten wurden<br />

von den Schiedsrichtern verteilt.<br />

Auch die Fans zog es zahlreich in die<br />

Stadien. In der Cup-Saison 2022/23 fieberten<br />

insgesamt 171.470 Zuschauer vor Ort mit.<br />

So viele wie noch nie. Die 30.000 aus dem<br />

Finale in der 28 Black Arena Klagenfurt bedeuten<br />

das am besten besuchte Cup-Endspiel<br />

seit 1984.<br />

Dazu wurde das Duell zwischen Sturm<br />

und Rapid von 790.000 Zuschauern im ORF<br />

verfolgt. Es war die meistgesehene Cup-<br />

Partie im TV seit dem Grazer Derby zwischen<br />

Sturm und dem GAK im Jahr 1999 (2:1).<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

Fokus auf neue Saison<br />

Was von der abgelaufenen Saison bleibt,<br />

sind viele schöne Erinnerungen, ein Grazer<br />

Eintrag in die Geschichtsbücher und die<br />

Vorfreude auf alles, was der Bewerb in Zukunft<br />

noch zu bieten hat. Gut, dass am<br />

Wochenende um den 21., 22. und 23. Juli<br />

bereits die neue Spielzeit im UNIQA ÖFB<br />

Cup startet. Wieder kämpfen 64 Teams um<br />

die 70 Zentimeter hohe und rund zwölf Kilogramm<br />

schwere Trophäe.<br />

Auslosung am 25. Juni<br />

Die Auslosung für die Paarungen der<br />

1. Runde wird am Sonntag, dem 25. Juni ab<br />

17.25 Uhr live auf ORF 1 übertragen. Wie<br />

schon vergangenes Jahr werden die Teilnehmer<br />

der Landesverbände sowie der 2. Liga<br />

bei der Auslosung in den ersten drei Runden<br />

nach geografischen Kriterien in zwei Gruppen<br />

(Ost und West) eingeteilt. Dadurch kommt<br />

es zu mehr regionalen Duellen in den ersten<br />

Runden, außerdem sind direkte Duelle zwischen<br />

Vereinen aus der Bundesliga erst im<br />

späteren Verlauf des Bewerbs möglich.<br />

Das Finale wird am Samstag, den 1. Mai<br />

2024 ausgetragen. Einen Titelträger im UNI-<br />

QA ÖFB Cup, der nicht FC Red Bull Salzburg<br />

oder SK Puntigamer Sturm Graz heißt, gab<br />

es zuletzt in der Saison 2012/13. Damals<br />

konnte sich der FC Pasching im Finale überraschend<br />

mit 1:0 gegen den Rekordtitelträger<br />

FK Austria Wien durchsetzen. Welchen<br />

Champion, welche Überraschungen oder<br />

Schützenfeste der UNIQA ÖFB Cup in der<br />

Saison 2023/24 bringen wird, steht noch in<br />

den Sternen. Klar ist nur: Die vergangene<br />

Spielzeit macht Lust auf mehr.<br />

UNIQA ÖFB CUP<br />

SIEGER DER<br />

LETZTEN ZEHN JAHRE<br />

2023: SK Puntigamer Sturm Graz<br />

2022: FC Red Bull Salzburg<br />

2021: FC Red Bull Salzburg<br />

2020: FC Red Bull Salzburg<br />

2019: FC Red Bull Salzburg<br />

2018: SK Puntigamer Sturm Graz<br />

2017: FC Red Bull Salzburg<br />

2016: FC Red Bull Salzburg<br />

2015: FC Red Bull Salzburg<br />

2014: FC Red Bull Salzburg<br />

TERMINE<br />

UNIQA ÖFB CUP<br />

SAISON 2023/24<br />

Auslosung: 25. Juni, 17.25 Uhr,<br />

live in ORF 1<br />

1. Runde: 21./22./23. Juli 2023<br />

2. Runde: 26./27./28. September 2023<br />

Achtelfinale: 31. Oktober,<br />

1./2. November 2023<br />

Viertelfinale: 9./10./11. Februar 2024<br />

Halbfinale: 2./3./4. April 2024<br />

Finale: 1. Mai 2024<br />

26 CORNER 02/23


WHATSAPP-CHAT<br />

PATRICK WIMMER<br />

Patrick Wimmer<br />

online<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

Servus, Wimmsi! Wie geht‘s? Die neue ÖFB<br />

Corner-Ausgabe ist im Anflug. Hast du kurz Zeit<br />

für ein paar Fragen?<br />

Servus! Alles bestens, danke! Klar habe ich<br />

Zeit für ein paar Fragen.<br />

Na dann los! Deine erste Saison in Wolfsburg<br />

liegt hinter dir. Wie zufrieden bist du?<br />

Im Großen und Ganzen bin ich schon zufrieden.<br />

Auf der einen Seite habe ich leider ein paar<br />

Verletzungen gehabt und ein paar Spiele<br />

verpasst. Auf der anderen bin ich Top-Scorer<br />

geworden und froh darüber, dass ich der<br />

Mannschaft helfen konnte. Der Abschluss<br />

war leider nicht sehr positiv, weil wir einen<br />

internationalen Startplatz verpasst haben.<br />

Insgesamt war es, denke ich, aber eine gute<br />

Saison.<br />

Vor allem, wenn man bedenkt, dass du vor vier<br />

Jahren noch in der heimischen Landesliga beim<br />

SV Gaflenz gespielt hast. Das ist schon ein steiler<br />

Aufstieg. Wo führt dein Weg noch hin?<br />

Ja, ich glaube, man kann schon sagen, dass<br />

das ein steiler Aufstieg war. In meiner Karriere<br />

ist bisher vieles durch Zufall entstanden.<br />

Deshalb habe ich mir auch keine großen Ziele<br />

für den weiteren Weg gesetzt. Ich bin froh,<br />

dass bisher alles so gut funktioniert hat und<br />

hoffe, dass es so weitergeht.<br />

Auch im Nationalteam hast du beim letzten<br />

Lehrgang aufgezeigt. Lust auf mehr?<br />

Es freut mich natürlich, dass ich in den beiden<br />

Spielen von Anfang an auflaufen durfte.<br />

Ich hoffe auch, dass ich mich mit meinen<br />

Leistungen für weitere Aufgaben empfehlen<br />

konnte und freue mich auf alles, was noch<br />

kommt.<br />

Wie empfindest du die Stimmung generell im<br />

Nationalteam?<br />

Die Stimmung ist wirklich überragend.<br />

Wir haben viele unterschiedliche Typen in der<br />

Mannschaft, und trotzdem stehen wir alle<br />

zueinander. Das hat man in den ersten beiden<br />

Spielen, glaube ich, gesehen. Auch unser neuer<br />

Song spiegelt das gut wider. Wir verstehen uns<br />

alle richtig gut.<br />

Aktuell halten wir in der EM-Quali beim<br />

Punktemaximum. Was ist in den anstehenden<br />

Spielen gegen Belgien und Schweden möglich?<br />

Die nächsten zwei Partien werden<br />

richtungsweisend. Gegen Belgien und<br />

Schweden geht es um den ersten, zweiten<br />

bzw. dritten Platz. Wir werden alles dafür<br />

geben, Punkte mitnehmen und vorne<br />

mitspielen zu können.<br />

Eine Endrunde fehlt dir noch in deiner Vita.<br />

Wie groß ist die Motivation, dass wir uns für<br />

die EM in Deutschland – deiner neuen Heimat –<br />

qualifizieren?<br />

Es wäre natürlich überragend, wenn wir die EM<br />

in Deutschland spielen könnten. Viele von uns<br />

sind in der deutschen Liga aktiv. Auch für den<br />

Teamchef, als Deutscher, wäre das etwas ganz<br />

Besonderes.<br />

Weg vom Sportlichen. Man munkelt, dass du auch<br />

gerne mal Zeit vor dem Bildschirm verbringst.<br />

Was zockst du und wie viel Zeit geht drauf?<br />

Stimmt! Ich zocke sehr gerne und viel mit<br />

meinen Freunden. Da geht schon ein bisschen<br />

Zeit drauf. Vor allem, weil es einige Spiele gibt,<br />

die ich gerne spiele.<br />

Eine weitere Leidenschaft von dir ist das<br />

Sammeln von Trikots. Hast du ein Lieblings-<br />

Dress?<br />

Trikots sammle ich hauptsächlich von<br />

österreichischen Gegenspielern. Ich<br />

glaube, dass ich mittlerweile von fast allen<br />

Österreichern, gegen die ich gespielt habe, eins<br />

habe. Ein Lieblingsdress habe ich nicht, aber<br />

es sind ein paar coole dabei.<br />

Eines noch. Du bist am Land aufgewachsen<br />

und sprichst auch gerne mal im Dialekt. Hast du<br />

deinen Kollegen in Wolfsburg schon das eine<br />

oder andere Wort auf „Österreichisch“ beibringen<br />

können?<br />

Haha. Das ist in Wolfsburg ein ganz<br />

schwieriges Unterfangen. Da kann man nicht<br />

recht viel in Mundart reden. Die verstehen das<br />

alle nicht. Und immer, wenn ich dann doch<br />

in Mundart rede, muss ich den Satz fünfmal<br />

wiederholen. Da lernt man dann schon<br />

daraus und versucht, Hochdeutsch zu reden.<br />

Manche verstehen mich aber nicht einmal,<br />

wenn ich Hochdeutsch spreche.<br />

In diesem Sinne: Vielen Dank, dass du dir Zeit<br />

genommen hast und „Hawidere“!<br />

<br />

Sehr gerne, ciao!<br />

CORNER 02/23 27


FRAUEN-NATIONALTEAM<br />

TEXT JONAS DORMANN<br />

„Neue Welle<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

der Begeisterung“<br />

Mit drei Siegen aus vier Spielen<br />

hat das Frauen-Nationalteam ein<br />

positives erstes Halbjahr 2023 absolviert.<br />

Trotz vieler Fragezeichen<br />

erhoffen sich die ÖFB-Frauen vor<br />

dem Auftakt der UEFA Women´s<br />

Nations League im September in<br />

Norwegen, den EURO-Spirit von<br />

2022 nach Österreich zu bringen.<br />

Frankreich, Norwegen und Portugal.<br />

Die Auslosung der ab Herbst 2023<br />

erstmals ausgetragenen UEFA<br />

Women´s Nations League hätte ein<br />

noch schwierigeres Los für das Frauen-Nationalteam<br />

bringen können,<br />

gewiss aber auch ein deutlich leichteres.<br />

„Diese Gruppe wird eine richtige Herausforderung,<br />

denn alle drei Gegner haben sich<br />

für die WM 2023 in Australien und Neuseeland<br />

qualifiziert. Das spricht für die Stärke<br />

der Teams in unserer Gruppe. Es wird eine<br />

richtig Challenge, die Liga A halten zu können“,<br />

resümierte Teamchefin Irene Fuhrmann<br />

die Auslosung Anfang Mai.<br />

Neue Standorte gesucht<br />

Der Wunsch, einen „Publikumsmagneten<br />

wie Deutschland zu bekommen, um einen<br />

neuen Zuschauerrekord im österreichischen<br />

Frauenfußball auf heimischem Boden zu<br />

erreichen“, blieb zwar ungehört, dennoch will<br />

man mit packenden Duellen österreichweit<br />

für altes, neues Feuer im Kreis des Frauen-<br />

Nationalteams sorgen: „Wir sind derzeit mit<br />

einigen Vereinen in guten Gesprächen, um<br />

mögliche Spielorte für die bevorstehende<br />

UEFA Women´s Nations League im Herbst<br />

zu konkretisieren. Es ist unser großer<br />

Wunsch, das Frauen-Nationalteam in ganz<br />

28<br />

CORNER 02/23


Österreich zu präsentieren, und wir sind<br />

zuversichtlich, damit auch eine neue Welle<br />

der Begeisterung für den heimischen Frauenfußball<br />

auszulösen“, so ÖFB-Sportdirektor<br />

Peter Schöttel.<br />

Sorgen bereitet der Teamchefin dreieinhalb<br />

Monate vor dem Auftaktmatch in Norwegen<br />

vor allem die Defensive. Innenverteidigerin<br />

und Kapitänin Carina Wenninger wird<br />

das Frauen-Nationalteam nach ihrem Karriereende<br />

künftig nur noch als Fan unterstützen<br />

können, Außenverteidigerin Laura Wienroither<br />

wird nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes<br />

mehrere Monate nicht zur Verfügung<br />

stehen. „Der Ausfall von Laura schmerzt<br />

natürlich besonders. Gerade in der Abwehr<br />

stehen wir nach den jüngsten Entwicklungen<br />

vor großen Herausforderungen“, so die Teamchefin,<br />

der zuletzt auch Virginia Kirchberger<br />

sowie Katharina Schiechtl fehlten.<br />

Für Zuversicht sorgen allerdings die jüngsten<br />

Ergebnisse und Leistungen der ÖFB-<br />

Frauen. Gegen Belgien verwandelten Zadrazil<br />

und Co. im April einen 0:2-Rückstand in<br />

der Schlussviertelstunde in einen umjubelten<br />

3:2-Last-Minute-Sieg und untermauerten<br />

damit einmal mehr, wie viel Mentalität im<br />

Team steckt. Das weiß auch Fuhrmann: „Das<br />

ist genau das, was das Team auszeichnet –<br />

und auch in Zukunft auszeichnen muss, wenn<br />

wir gegen Top-Gegnerinnen bestehen wollen.“<br />

Klarer Favorit Frankreich<br />

Diese Top-Gegnerinnen werden kommen.<br />

Die Französinnen von Cheftrainer Hercé<br />

Renard – derzeit auf Platz fünf der FIFA-<br />

Weltrangliste gereiht – sind gegen die ÖFB-<br />

Auswahl noch ohne Niederlage, gewannen<br />

sechs der bisher acht Duelle. Die „Les Bleus“<br />

gelten nicht nur als klarer Favorit in Österreichs<br />

Nations-League-Gruppe, sondern<br />

zählen neben den USA, Deutschland, England<br />

und Spanien auch zu den heißen Titel-<br />

Kandidatinnen bei der WM in diesem Sommer.<br />

Das letzte Duell mit Frankreich gab es<br />

im November 2020. Damals setzte es für<br />

die ÖFB-Auswahl in der EM-Qualifikation<br />

eine 0:3-Auswärtsniederlage in Guingamp.<br />

Beim Heimspiel vier Wochen zuvor erkämpften<br />

Nicole Billa und Co. in Wiener Neustadt<br />

ein historisches 0:0-Remis, denn die Österreicherinnen<br />

beendeten damals mit dem<br />

Punktgewinn die unglaubliche Siegesserie<br />

der Französinnen von 46 EM- und WM-<br />

Qualifikations-Gruppenspielen.<br />

Das letzte Duell mit Norwegen konnte<br />

die ÖFB-Elf bei der EURO 2022 in England<br />

Laura Wienroithers Ausfall<br />

wiegt für das Team von<br />

Irene Fuhrmann schwer.<br />

»Wir wollen in<br />

ganz Österreich<br />

eine Welle der<br />

Begeisterung<br />

auslösen. «<br />

Bei der Nations-League-Ziehung<br />

hätte es schwerer,<br />

aber auch deutlich leichter<br />

kommen können.<br />

UEFA<br />

zwar mit 1:0 für sich entscheiden und damit<br />

den Einzug ins Viertelfinale sichern, die Favoritenrolle<br />

liegt aber vor dem Wiedersehen<br />

bei den Skandinavierinnen: „An Norwegen<br />

haben wir von der EURO natürlich positive<br />

Erinnerungen, aber sie werden im Herbst<br />

ein anderes Gesicht zeigen“, warnt die Teamchefin<br />

vor den Weltmeisterinnen von 1995<br />

und Europameisterinnen von 1987 und 1993.<br />

Ziel: Liga A halten<br />

Für Irene Fuhrmann werden vor allem „die<br />

beiden Duelle gegen Portugal entscheidend<br />

sein“. Die Portugiesinnen liegen im FIFA-Ranking<br />

nur drei Plätze hinter Österreich, die Bilanz<br />

könnte mit drei Siegen und drei Niederlagen<br />

bei 7:7 Toren nicht ausgeglichener sein. Im<br />

vergangenen Herbst fixierten die Portugiesinnen<br />

über das Play-off erstmalig die Teilnahme<br />

an einer WM-Endrunde unddürften nach dem<br />

Turnier in „Down Under“ mit viel Selbstbewusstsein<br />

nach Österreich reisen.<br />

Die Zielvorgabe für die Nations-League-<br />

Duelle ist klar: „Wir wollen alles daransetzen,<br />

an unsere jüngsten Leistungen gegen Top-<br />

Teams wie die Niederlande, Italien oder<br />

Belgien anzuknüpfen, um die Liga A unbedingt<br />

zu halten. Wenn wir personell im Herbst<br />

aus dem Vollen schöpfen können, haben wir<br />

mittlerweile das Potenzial, gegen jeden Gegner<br />

zu bestehen beziehungsweise zu gewinnen“,<br />

so Fuhrmann.<br />

Den letzten Feinschliff wird sich das<br />

Frauen-Nationalteam bei der Generalprobe<br />

gegen Island am 18. Juli in Wiener Neustadt<br />

holen (19:45 Uhr, live auf ORF Sport+). Gegen<br />

die Isländerinnen dürfen sich die Fans auf<br />

eine motivierte ÖFB-Auswahl freuen, denn<br />

viele Spielerinnen werden mit Erfolgen im<br />

Rucksack ins Teamquartier reisen: Viktoria<br />

Pinther und Marie-Therese Höbinger kommen<br />

als frischgebackene Meisterinnen mit dem<br />

FC Zürich zum Team, Jennifer Klein und Claudia<br />

Wenger jubelten über ein weiteres Double<br />

mit dem spusu SKN St. Pölten. Annabel<br />

Schasching und Lisa Kolb mussten sich zwar<br />

im DFB-Pokalfinale der Frauen mit ihrem SC<br />

Freiburg gegen Wolfsburg geschlagen geben,<br />

erlebten vor 45.000 Zuschauer:innen in Köln<br />

dennoch ein großes Saison-Highlight. Während<br />

sich Eileen Campbell über die Auszeichnung<br />

zur Spielerin der Saison in der heimischen<br />

Bundesliga freuen durfte, jubelte Sarah<br />

Zadrazil am Münchner Marienplatz über ihren<br />

zweiten Meistertitel mit den Bayern.<br />

Diese positiven Momente gilt es nun<br />

mit zum Nationalteam zu nehmen.<br />

CORNER 02/23 29


FRAUEN-NATIONALTEAM<br />

CARINA WENNINGER<br />

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel<br />

nennt sie eine „imponierende Persönlichkeit“,<br />

während Teamchefin<br />

Irene Fuhrmann ihre Kapitänin als<br />

„absolutes Aushängeschild des<br />

österreichischen Frauenfußballs“<br />

betitelt, die „am sportlichen Höhepunkt<br />

ihrer Karriere“ steht. Umso überraschender<br />

kommt für viele Fans jene Pressekonferenz<br />

am 12. April, in der die 32-jährige<br />

Steirerin ihr Karriereende verkündet.<br />

Eine Entscheidung, die in Österreich<br />

und der Stadt der sieben Hügel verschieden<br />

wahrgenommen wird. „Die Reaktionen waren<br />

sehr unterschiedlich. In den letzten Wochen<br />

haben viele Fans versucht, mich auf<br />

nette Art und Weise zum Weitermachen zu<br />

überreden. Einige haben sogar gesungen,<br />

dass ich in Rom bleiben soll. Aber es gab<br />

auch Menschen – so wie mein Trainer Alessandro<br />

Spugna –, die mir zu meiner Entscheidung<br />

und zur Wahl des Zeitpunkts gratuliert<br />

haben“, resümiert die 127-fache Teamspielerin<br />

und verrät: „Wenn wir die WM-Endrunde<br />

in Australien und Neuseeland erreicht hätten,<br />

hätte ich diese sicherlich noch gespielt. Wohl<br />

wissend, dass es mit Österreich mein letztes<br />

großes Turnier gewesen wäre.“<br />

Auch acht Wochen später im Hier und<br />

Jetzt steht die Innenverteidigerin, die sich<br />

selbst als Einhundert-Prozent-Mensch bezeichnet,<br />

zu ihrem Entschluss und blickt mit<br />

Dankbarkeit auf 15 Jahre Profifußball zurück:<br />

„Ich hatte das große Privileg, in meiner<br />

Karriere von großen Verletzungen verschont<br />

geblieben zu sein und bin sehr glücklich,<br />

dass ich mein Karriereende zu einem Zeitpunkt<br />

feiern darf, wo der Körper mich nicht<br />

dazu zwingt, sondern ich es selbst bestimmen<br />

kann. Es gibt viele Sportler, die diesen<br />

Moment verpassen.“<br />

Erst im Sommer 2022 wechselt Wenninger<br />

nach 15 Jahren und 303 Spielen für<br />

den FC Bayern München in die ewige Stadt<br />

zu AS Roma, mit einem klaren Ziel im Gepäck:<br />

„Ich bin mit dem Anspruch nach Rom<br />

gegangen, Erfolge zu feiern und international<br />

zu spielen. Dieses eine Jahr bei<br />

der Roma mit dem Gewinn der Supercoppa<br />

und dem Scudetto war<br />

ein unvergessliches. Auch wenn<br />

wir in der Champions League nur<br />

bis zum Viertelfinale gekommen<br />

sind, war es eine starke Saison,<br />

wenn man bedenkt, dass<br />

es unser erstes Champions-<br />

League-Jahr gewesen ist“,<br />

schwärmt die Sportbusi-<br />

ness-Management-<br />

Absolventin.<br />

Auf Carina Wenninger war stets Verlass. Ihr Abgang ist für<br />

Teamchefin Irene Fuhrmann ein herber Verlust.<br />

30<br />

CORNER 02/23


Angst, nach dem Ende der aktiven Karriere<br />

den gewohnten Rhythmus zu verlieren,<br />

verspürt sie nicht. „Dadurch, dass ich gleich<br />

in einen Vollzeit-Job einsteige, bleiben gewisse<br />

Strukturen erhalten. Ich habe nicht<br />

das Gefühl, einen großen Abstand zu brauchen,<br />

sondern brenne vielmehr schon für<br />

die neue Herausforderung.“<br />

Mit Anfang Juli wird Carina Wenninger<br />

beim ÖFB die Direktion Sport im Bereich<br />

„Ligen-Management der Frauen-Bundesliga“<br />

verstärken. Eine klare Herangehensweise hat<br />

die EM-Teilnehmerin von 2017 und 2022<br />

bereits vor Dienstantritt: „Im Frauenfußball<br />

ist man gewohnt, dass man kämpfen und<br />

fleißig sein muss, um etwas zu erreichen. Es<br />

wird eine große Umstellung, aber ich denke<br />

auch, dass ich mit meiner Erfahrung wichtige<br />

Inputs bringen und zu einem guten und offenen<br />

Austausch beitragen kann.“<br />

Erfahrung hat die ehemalige Teamkapitänin<br />

früh zu sammeln begonnen. 2007 wagt<br />

Wenninger als 16-Jährige den „damals eher<br />

ungewöhnlichen Weg“ nach München, feiert<br />

im Lauf von 15 Jahren drei Deutsche Meisterschaften,<br />

einen DFB-Pokalsieg und wird<br />

zur Rekordspielerin der Bayern-Frauen. Die<br />

großen Höhepunkte ihrer Karriere ordnet sie<br />

allerdings im rot-weiß-roten Teamdress ein:<br />

„Der entscheidende Elfmeter von Sarah<br />

Puntigam im EM-Viertelfinale 2017 gegen<br />

Spanien und das EM-Eröffnungsspiel 2022<br />

im Old Trafford gegen England vor knapp<br />

69.000 Zuschauern bleiben unerreicht.“<br />

Sorge, dass die ÖFB-Auswahl in Zukunft<br />

ohne ihre einst als „Stimme des Frauen-<br />

Nationalteams“ bezeichnete Kapitänin verstummen<br />

könnte, verspürt Wenninger keineswegs:<br />

„Es gibt viele Spielerinnen wie<br />

Sarah Puntigam, Sarah Zadrazil oder Manuela<br />

Zinsberger, die in den letzten Jahren<br />

schon oft ihre Stimme erhoben haben. Auch<br />

jüngere Spielerinnen werden in eine neue<br />

Rolle rücken müssen. Gerade die Generation<br />

einer Barbara Dunst oder Laura Wienroither<br />

hat trotz ihres jungen Alters schon<br />

viele prägende Jahre miterlebt, davon profitiert<br />

auch das Team.“<br />

Profitieren werden in Zukunft auch ihre<br />

Mutter, Familie und Freunde, denn 16 Jahre<br />

im Ausland waren gleichbedeutend mit viel<br />

Verzicht. Es sind auch die kleinen Dinge, auf<br />

die sich die gebürtige Grazerin in Zukunft<br />

freut: „Spontan zu sein und an Wochenenden<br />

auch einmal länger sitzen zu bleiben,<br />

weil am nächsten Morgen kein Spiel oder<br />

Training stattfindet. Außerdem kann ich es<br />

kaum erwarten, auch von Österreich mehr<br />

zu sehen, einmal auf einen Berg zu gehen<br />

oder Wien für mich zu entdecken.“<br />

Die Stimme des<br />

Nationalteams verlässt<br />

die Fußballbühne<br />

TEXT<br />

JONAS DORMANN<br />

Mitte April gibt Carina Wenninger das Ende ihrer aktiven<br />

Karriere bekannt. Acht Wochen später feiert die Roma-<br />

Legionärin in der ewigen Stadt einen nahezu märchenhaften<br />

Abschluss ihrer herausragenden Laufbahn.<br />

CORNER 02/23 31<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)


HISTORY<br />

TEXT HANS HUBER<br />

„So ein Schicksalsschlag<br />

relativiert einfach alles!“<br />

Josef Hickersberger<br />

ist unlängst<br />

in den<br />

„75er-Klub“ aufgestiegen<br />

Die<br />

Kapitänsschleife<br />

beim ÖFB Legenden-Klub<br />

hat<br />

der Jubilar hingegen<br />

zurückgelegt,<br />

weil er bei<br />

Länderspielen<br />

nicht mehr live<br />

im Stadion<br />

mitfiebert.<br />

E<br />

s ist zuletzt ruhig geworden um Josef<br />

Hickersberger. Der zum Fernsehkonsument<br />

gewordene Doppel-Teamchef<br />

läuft lieber im Augarten seine Runden,<br />

als Fußball von der Tribüne aus zu<br />

konsumieren. Im TV allerdings verfolgt<br />

er die Ereignisse national und international<br />

mit größtem Interesse.<br />

Dass harmloses Joggen zum Erhalt der<br />

Fitness aber auch durchaus gefährlich werden<br />

kann, bekam er jüngst zu spüren, als er<br />

im Augarten von einem nicht angeleinten<br />

Hund angefallen und in den Oberschenkel<br />

gebissen wurde. Der Schreck und ein notwendiger<br />

Spitalsbesuch ließen ihn eine<br />

Anzeige vergessen. „Ich war aber so verblüfft,<br />

dass ich nicht einmal versucht habe,<br />

den Hund mit meinem schwächeren linken<br />

Fuß zu verjagen. Mit dem rechten hätte ich<br />

mich nicht getraut, weil ich dort ein künstliches<br />

Kniegelenk habe ...“<br />

Er scherzt über den Vorfall, der ihm Angst<br />

einjagte, obwohl er in seiner Karriere niemals<br />

ängstlich war. Auch damals nicht, als er als<br />

Teamchef in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft<br />

1990 an Toni Polster festhielt, obwohl<br />

er Drohungen erhalten hatte, sollte er den<br />

Goalgetter nominieren. Als ein vollbesetztes<br />

Stadion den Torjäger bei der Hymne und der<br />

Durchsage der Aufstellung vor dem entscheidenden<br />

DDR-Match in Wien auspfiff, ärgerte<br />

er sich nicht, sondern wunderte sich nur „dass<br />

so viele Idioten in ein Stadion passen!“ Die<br />

drei Polster-Tore, der 3:0-Sieg und die Qualifikation<br />

für die WM in Italien empfand er „als<br />

die einzige richtige Antwort“.<br />

Andere Wertigkeit<br />

An die nach der glücklosen WM folgende<br />

0:1-Niederlage gegen die Färöer (1990) erinnert<br />

er sich als „unglaubliche Blamage“ – nach<br />

einem Schlaganfall vor fünf Jahren wurde die<br />

Bedeutung aber relativiert. „Der Fußball und<br />

die Ereignisse haben dadurch eine andere<br />

Wertigkeit erhalten. So ein Schicksalsschlag<br />

verändert alles!“ Denn im Zuge dieser Erkrankung<br />

bekam er so richtig mit, dass ihn<br />

zwar „ein Blitz aus heiterem Himmel ohne<br />

Donner“ getroffen, er aber noch großes Glück<br />

hatte, weil er im Zuge der Reha ganz andere<br />

mögliche Auswirkungen mitbekam.<br />

Auch wenn sich die Werte verschoben<br />

haben: Josef Hickersberger ist ein absolutes<br />

Unikat im österreichischen Fußball. Weil er<br />

nicht nur als Spieler und Trainer mit dem<br />

Nationalteam bei einer WM (1978/90) war,<br />

32<br />

CORNER 02/23


„Hicke“ bei der Heim-EURO<br />

2008 und bei der Qualifikation<br />

zur WM 1990.<br />

sondern weil er auch als einziger Teamchef<br />

Österreich zu einer WM-Endrunde (1990) und<br />

einer EURO (2008) führte. Ein Fußball-Philosoph,<br />

der bei den Fans mit seinen Sprüchen<br />

(„Ich habe nicht die besten, sondern die<br />

richtigen Spieler nominiert“) manchmal auf<br />

Unverständnis stieß.<br />

Der begeisterte Schachspieler hatte allerdings<br />

seine Trainerkarriere nie um einige<br />

Züge voraus geplant, sondern sie Zug um<br />

Zug vorangetrieben. Und ohne jemals einen<br />

Bundesliga-Verein trainiert zu haben, wurde<br />

er nach Stationen beim Badener AC und dem<br />

U21-Nationalteam als Nachfolger von Branko<br />

Elsner („ein hervorragender Fachmann“) 1987<br />

Teamchef. „Vielleicht fehlte mir ein wenig die<br />

Erfahrung, aber das 0:1 gegen die Färöer ist<br />

sicherlich nicht an der Taktik gelegen.“ Denn<br />

alles was damals in Österreich Rang und<br />

Namen hatte, wurde von den Amateurkickern<br />

von den Schafsinseln sozusagen „geschoren“<br />

und somit zur europäischen Lachnummer.<br />

Golf-Profi<br />

Dass er 2006 für die EURO 2008 wieder<br />

geholt wurde, lag auch an seinen Erfolgen<br />

als Klub-Trainer bei Austria und Rapid, aber<br />

vor allem auch im arabischen Raum, wo er<br />

sich mit verschiedensten Mannschaften einen<br />

ausgezeichneten Ruf erwarb. Die mehrfache<br />

Übersiedlung dorthin war nicht nur auf die<br />

Neugier auf fremde Länder und Kulturen,<br />

sondern auch auf ausgezeichnete Möglichkeiten<br />

zum geliebten Golfspiel zurückzuführen.<br />

Dem Golf frönt er noch immer, auch<br />

wenn er jetzt langsamer spielt. „Das ist den<br />

Folgen des Schlaganfalls, aber auch dem<br />

Alter geschuldet.“<br />

Aber der „Hicke“, wie er immer noch<br />

gerufen wird, hat seine Spuren im österreichischen<br />

Fußball natürlich nicht nur als Trainer<br />

hinterlassen. Er bilanziert auch als Spieler<br />

überaus erfolgreich. Immerhin kann er auf<br />

zwei Meistertitel mit der Austria und einen<br />

mit Rapid zurückblicken. Zur Austria stieß er<br />

von Amstetten, als „Transfersumme“ gab es<br />

für den Stürmer mit Turbomotor angeblich<br />

einen gebrauchen Transporter. Unter Ernst<br />

Ocwirk („eine ganz starke Persönlichkeit“)<br />

avancierte er zum Stammspieler als Rechtsaußen<br />

oder im offensiven Mittelfeld. Die<br />

deutsche Bundesliga wurde auf ihn aufmerksam,<br />

und bei Bayern München unterschrieb<br />

er einen Vertrag, der nie wirksam wurde, weil<br />

die Bayern einen Formalfehler begangen<br />

hatten. Stattdessen begeisterte er die Fans<br />

der Offenbacher Kickers und später jene von<br />

Fortuna Düsseldorf.<br />

Statt bei den Bayern<br />

landete Hickersberger<br />

als Spieler bei den<br />

Offenbacher Kickers.<br />

SCHON<br />

WIEDER DIE<br />

SCHWEEEEDEN …<br />

GEPA-PICTURES.COM (3)<br />

Höhen und Tiefen<br />

Im Nationalteam feierte er bei der WM 1978 in<br />

Argentinien, wo er trotz einer verheimlichten<br />

Zerrung bei allen Spielen auf dem Feld stand,<br />

seine größten Erfolge. Natürlich auch mit dem<br />

3:2 über Deutschland in Cordoba. 39-mal trug<br />

er das Trikot mit dem Adler, beim „Spitz von<br />

Izmir“ fehlte er wegen einer Blinddarmoperation<br />

und ließ dem Torschützen Herbert Prohaska<br />

den Platz. „Er hat mich frisch operiert nach<br />

Argentinien geschossen …“<br />

Nach dem Höhenflug in Argentinien folgte<br />

der Absturz mit Wacker Innsbruck, wohin er<br />

gewechselt war. „Ich habe den Föhn unterschätzt.<br />

Ich war manchmal fast handlungsunfähig.“ Umso<br />

bemerkenswerter war dann das Comeback in<br />

Wien bei Rapid mit dem Meistertitel.<br />

Jetzt pendelt er zwischen Wien und Andalusien,<br />

fünf Enkelkinder halten ihn auf Trab. Mit<br />

seinem Sohn Thomas, Co-Trainer bei Rapid, ist<br />

Fußball allerdings kein Thema. „Er ist sehr<br />

kompetent, aber verschwiegen, weil er unbedingt<br />

loyal sein möchte!“<br />

VON HANS HUBER<br />

Und wieder einmal sind es die Schweden. Das Team mit den gelben Leibchen<br />

und den blauen Hosen scheint das österreichische Nationalteam<br />

bei Auslosungen für Europameisterschaften oder World Cups geradezu magisch<br />

anzuziehen. Vierzehn Bewerbsspiele stehen in sechs Qualifikationen<br />

und einer Endrunde zu Buche. Die Österreicher feierten zwar mehr Siege,<br />

doch die Schweden fuhren öfter zu den großen Turnieren.<br />

Dabei kommen viele Erinnerungen hoch. Beispielsweise an Gelsenkirchen<br />

(Quali zur WM 1974 in Deutschland), als ein Entscheidungsspiel – weil beide<br />

Teams eine total ausgeglichene Bilanz aufwiesen – auf neutralem Boden<br />

notwendig geworden war und die Österreicher trotz glänzender Leistung<br />

auf dem Schneeboden mit 1:2 ausrutschten. Der 1:0-Erfolg der Österreicher<br />

bei der WM in Argentinien 1978, oder das knappe Scheitern des österreichischen<br />

Teams an den Schweden für die WM-Endrunden 1994 in den USA und<br />

2014 in Brasilien. Umso schöner der Glanz des Triumphs, als die Qualifikation<br />

für die EURO 2016 in Frankreich auf dem Spiel stand und die Österreicher<br />

in Stockholm ein 4:1 bejubelten.<br />

In meiner persönlichen Hitparade der Erinnerungen sind die Spiele für die<br />

WM 1998, die ich im TV übertragen durfte, unangefochten die Nummer eins.<br />

Der 1:0-Sieg in Solna mit einem von Konsel parierten Elfmeter und dem Tor<br />

von Andi Herzog und natürlich noch mehr das ebenfalls 1:0 gewonnen<br />

Match (wieder mit einem Herzog-Tor) in Wien. Damals, als ich in den Kopfhörern<br />

eine Rückkoppelung hatte, daher bei meinen ersten Worten immer<br />

langsamer und zur immer wieder angeklickten Lachnummer mit den<br />

„Schweeeeden“ wurde. Ein peinliches Hoppala, das im Laufe der Jahre allerdings<br />

zum Wiedererkennungs-Merkmal und zum Markenzeichen mutierte.<br />

Interessanterweise mehr als jede gelungene Übertragung. Und jetzt<br />

kommen sie schon wieder: die „Schweeeeden …“<br />

CORNER 02/23 33


ÖFB/VRANOVSKY<br />

Noch lange<br />

nicht am Ziel<br />

Hinter Dijon Kameri liegt eine Saison<br />

voller Premieren. Im Gespräch mit dem<br />

ÖFB CORNER schwärmt der 19-Jährige<br />

von erfüllten Kindheitsträumen und<br />

spricht über Ziele, sowie Highlights<br />

und Rückschläge seiner Debütsaison.<br />

Als der FC Red Bull Salzburg zwei<br />

Runden vor Saisonende die zehnte<br />

Meisterschaft in Folge perfekt<br />

macht, ist es für viele Spieler ein<br />

vertrautes Gefühl. Nicht so für U21-<br />

Teamspieler Dijon Kameri, der seinen<br />

ersten Titel als Profi feiert. „Das war<br />

schon ein ganz besonderes, unbeschreibliches<br />

Gefühl. Ich glaube, dass man seinen ersten<br />

Profititel nie vergisst“, sagt er. Bei den Feierlichkeiten<br />

hätten die erfahrenen Spieler den<br />

Ton angegeben, aber: „Ich habe schon auch<br />

ordentlich Stimmung gemacht“, lacht der<br />

19-Jährige.<br />

Hinter dem Mittelfeldspieler liegen ereignisreiche<br />

Monate. Zum Saisonstart läuft<br />

er noch für den FC Liefering in der 2. Liga auf,<br />

schafft dann aber schnell den Sprung in den<br />

Salzburger Bundesligakader und debütiert<br />

am 20. August beim 2:0-Heimsieg gegen<br />

Austria Klagenfurt in der höchsten Spielklasse.<br />

Eine Woche später, beim 6:0-Sieg in Lustenau,<br />

gelingen ihm ein Tor und ein Assist.<br />

Drei Tage danach steht er im UNIQA ÖFB<br />

34<br />

CORNER 02/23


U21<br />

TEXT MICHAEL GRASWALD<br />

Cup in der Startelf und trifft auch hier umgehend.<br />

„Dass es gleich zu Beginn so gut läuft<br />

und ich dem Team weiterhelfen konnte, hat<br />

mich schon sehr gefreut. Es war eine Bestätigung<br />

für mich“, so Kameri.<br />

Kindheitstraum und Rückschläge<br />

Die Frage nach dem persönlichen Saisonhighlight<br />

beantwortet der Spielmacher sofort:<br />

„Die Champions League!“ Dann gerät er ins<br />

Schwärmen: „Ich glaube, jeder junge Spieler<br />

träumt davon, einmal Champions League zu<br />

spielen. Das war bei mir nicht anders. Beim<br />

Debüt gegen ein Team wie AC Milan in der<br />

Startelf zu stehen oder beim Auswärtsspiel<br />

an der Stamford Bridge den Ausgleich mit<br />

einzuleiten, war schon unglaublich. Früher<br />

habe ich solche Spiele am Fernseher verfolgt<br />

und plötzlich ist man mittendrin und misst<br />

sich mit den besten Spielern.“<br />

Am letzten Gruppenspieltag kommt es<br />

in Mailand zum direkten Duell zwischen Milan<br />

und Salzburg um den Aufstieg. Für Kameri<br />

hat das Match beim späteren Semifinalisten<br />

einen besonderen Stellenwert: „Es war ein<br />

Kindheitstraum von mir, einmal im San Siro<br />

zu spielen. Das war für mich und meine<br />

ganze Familie schon etwas Großes.“ Dabei<br />

wäre der Traum vom San Siro fast geplatzt.<br />

Mitte September bremst eine Schulterverletzung<br />

den steilen Aufstieg. „Das war bitter,<br />

weil es zu einer Zeit passierte, als es richtig<br />

gut lief und ich mir einen Platz im Team erkämpft<br />

hatte. Leider gehören Verletzungen<br />

dazu“, so der Youngster.<br />

Zum Zusehen verdammt ist Kameri darum<br />

auch, als das U19-Team ohne seinen<br />

Kapitän die UEFA U19 EURO 2023 verpasst.<br />

Für den Mittelfeldstrategen immer noch<br />

schmerzhaft: „Es war richtig schlimm, dass<br />

ich dem Team nicht helfen konnte. Die EURO<br />

war unser großes Ziel, weil wir in der U17<br />

wegen Corona nicht die Möglichkeit hatten.<br />

Ein harter Rückschlag.“ Aber Kameri, der im<br />

März als „Krone Youngster des Jahres“ ausgezeichnet<br />

wird, hält sich nicht lange mit<br />

negativen Gedanken auf. Dann werde halt<br />

die U21-EURO sein erstes Großereignis mit<br />

dem Nationalteam, wie er sagt.<br />

Real und EURO als Wunsch<br />

Beim März-Lehrgang steht Kameri erstmals<br />

im U21-Kader. Bei den Spielen gegen Polen<br />

und die Republik Moldau gehört er zu den<br />

stärksten Akteuren. „Ich habe von Anfang an<br />

» Die EURO<br />

muss unser Ziel<br />

sein. Mit diesem<br />

Team haben wir<br />

eine sehr große<br />

Chance, die Qualifikation<br />

zu<br />

schaffen. «<br />

U21-SPIELE<br />

IM JUNI<br />

16. Juni, 17:30 Uhr:<br />

Österreich vs. Island<br />

ERGO Arena Wiener Neustadt<br />

20. Juni, 17:30 Uhr:<br />

Slowakei vs. Österreich<br />

NTC Senec (SVK)<br />

Beim Champions-League-<br />

Match in San Siro erfüllte<br />

sich für Dijon Kameri ein<br />

Kindheitstraum.<br />

das Vertrauen des Teamchefs und Trainerteams<br />

gespürt. Das war ein tolles Gefühl“,<br />

sagt er. Die Hürden auf dem Weg zur UEFA<br />

U21 EURO 2025 heißen Zypern, Bosnien-<br />

Herzegowina, Slowenien und Frankreich. „Die<br />

EURO muss unser Ziel sein, und ich glaube,<br />

dass wir mit diesem Team eine sehr große<br />

Chance haben. Man muss sich unseren Kader<br />

ja nur einmal anschauen, welche Qualität an<br />

Einzelspielern wir haben. Wir sind auf jeden<br />

Fall bereit für die Quali“, so Kameri.<br />

Bereits vor seinem U21-Debüt darf sich der<br />

19-Jährige Teamchef Ralf Rangnick beim Perspektivspielerlehrgang<br />

präsentieren. Darauf<br />

sei er schon sehr stolz. Jeder Spieler habe<br />

das Ziel, einmal im Nationalteam zu spielen.<br />

Der Lehrgang hätte Einblicke geliefert, worauf<br />

beim A-Team geachtet werde, erklärt er.<br />

Nach einer weiteren Verletzungspause<br />

kommt Kameri im Frühjahr stark zurück, sorgt<br />

in der Liga mit einem Zauber-Assist gegen<br />

Rapid für eines der Saison-Highlights. Doch<br />

auch solche genialen Aktionen sind für Salzburgs<br />

Nummer acht kein Grund abzuheben.<br />

„Das war schon so gewollt, ich habe gewusst,<br />

dass ein Mitspieler reinlaufen wird. Dass er<br />

dann trifft, ist umso schöner“, sagt er.<br />

Aber was soll nach einer solchen Premierensaison<br />

in der neuen Spielzeit kommen?<br />

Kameri: „Wichtig ist, mich jeden Tag weiterzuentwickeln<br />

und zu verbessern. Ich will mir<br />

bei Salzburg einen Stammplatz erarbeiten<br />

und noch mehr Spiele absolvieren. Und natürlich<br />

will ich Titel holen, den Cup haben wir<br />

diese Saison ja leider verpasst. Mit der U21<br />

ist die EURO das klare Ziel, und in der Champions<br />

League würde ich gerne gegen Real<br />

Madrid spielen.“ Dijon Kameri weiß eben<br />

genau, was er will.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

CORNER 02/23 35


WOMEN‘S U19 EURO<br />

TEXT JONAS DORMANN<br />

Bilder einer<br />

erfolgreichen Qualifikation:<br />

So schaffte<br />

es das U19 Team zur<br />

Endrunde der EURO<br />

nach Belgien.<br />

Österreich ist<br />

gar nicht so klein<br />

Mit dem 2:1-Sieg über Gastgeber Italien im entscheidenden<br />

Qualifikationsmatch konnte das U19 Frauen Nationalteam im<br />

April bereits einen ersten Erfolg verbuchen: die Teilnahme an<br />

der UEFA Women´s Under 19 EURO 2023 in Belgien. Dort warten<br />

in Gruppe A mit Rekord-Champion Deutschland, den Niederlanden<br />

und Gastgeber Belgien drei namhafte Gegnerinnen.<br />

Sieben Jahre ist es her, dass sich eine<br />

österreichische U19-Auswahl das<br />

letzte und bisher einzige Mal für eine<br />

EM-Endrunde qualifizieren konnte.<br />

Dass die rot-weiß-rote Fußballseele<br />

in diesem Sommer doch auf ihre<br />

Kosten kommt, verdankt sie dem U19 Frauen-Nationalteam<br />

von Cheftrainer Hannes<br />

Spilka und der makellosen Bilanz seines<br />

Teams beim entscheidenden Qualifikationsturnier<br />

im April. Mit einem 2:0-Erfolg über<br />

Bosnien und Herzegowina, einem 6:0-Kantersieg<br />

gegen Griechenland und einem<br />

2:1-Erfolg über Gastgeber Italien im entscheidenden<br />

letzten Qualifikationsspiel sicherten<br />

sich die ÖFB-Mädels das Ticket für die UEFA<br />

Women´s EURO 2023 in Belgien (18. – 30.<br />

Juli).<br />

„Der Moment des Abpfiffs war ein Gefühlsmix<br />

aus Stolz, Freude und Erleichterung,<br />

weil wir wussten, dass wir unser Ziel erreicht<br />

haben und es mit diesem Team noch einmal<br />

weitergeht. Der Moment, als wir aufeinander<br />

zugerannt sind, gefeiert und gesungen haben,<br />

war einzigartig und wird lange in Erinnerung<br />

bleiben“, blickt Kapitänin Lainie Fuchs<br />

auf den Schlusspfiff gegen die Squadra Azzurra<br />

im Stadio Silvio Piola zurück. Für die<br />

19-jährige Innenverteidigerin des spusu SKN<br />

St. Pölten, auf die nach der EM mit dem<br />

WOMEN‘S<br />

U19 EURO<br />

18. Juli, 17:30 Uhr,<br />

RBFA Akademie Stadion<br />

Deutschland vs. Österreich<br />

(live auf ORF Sport+)<br />

21. Juli, 20:30 Uhr,<br />

RBFA Akademie Stadion<br />

Österreich vs. Niederlande<br />

(live auf ORF Sport+)<br />

24. Juli, 17:30 Uhr,<br />

Stade de Tivoli<br />

Österreich vs. Belgien<br />

(live auf ORF Sport+)<br />

Wechsel auf die University of Pittsburgh<br />

(USA) bereits das nächste große Abenteuer<br />

wartet, ist das Turnier in Belgien – wie für<br />

den Großteil des Teams – die erste Endrunden-Teilnahme<br />

ihrer noch jungen Karriere.<br />

Bereits EM-Luft geschnuppert hat neben<br />

Tatjana Weiss auch Chiara D´Angelo. Die<br />

zukünftige St. Pöltnerin gehörte 2019 zum<br />

20-köpfigen Aufgebot des U17 Frauen-Nationalteams<br />

bei der Europameisterschaft in<br />

Bulgarien. Die Gegnerinnen waren mit<br />

Deutschland, den Niederlanden und England<br />

damals nahezu die gleichen wie bei der<br />

kommenden Endrunde im Juli. „So ein Turnier<br />

ist immer etwas Besonderes. Gerade<br />

als österreichisches Nationalteam hat man<br />

so eine Endrunde nicht jedes Jahr, darum<br />

ist die Teilnahme so einzigartig“, so die Linksverteidigerin,<br />

die weiß: „Wir konnten in der<br />

ersten Qualifikations-Runde Deutschland<br />

hinter uns lassen. Bei der zweiten haben wir<br />

Italien geschlagen. Das zeigt schon, dass<br />

wir als Team Qualität haben.“<br />

Von der Qualität überzeugt ist auch<br />

Teamchef Hannes Spilka, wenngleich der<br />

53-Jährige von der Schwierigkeit der bevorstehenden<br />

Aufgabe weiß: „Wenn wir uns<br />

am Limit bewegen, können wir auch in so<br />

einer schwierigen Gruppe Punkte holen.<br />

Dennoch gehen wir bodenständig an die<br />

36<br />

CORNER 02/23


ÖFB (2), ANDREA AMATO (2), UEFA<br />

Sache heran, auch wenn wir wissen, dass<br />

wir zwei der drei Gruppengegner schon<br />

einmal geschlagen haben. Um das zu wiederholen,<br />

brauchen wir besondere Tage. Die<br />

Spielerinnen brennen voll auf dieses Turnier<br />

und haben sich nach der erfolgreichen Qualifikation<br />

nicht damit zufriedengegeben.“<br />

Rund fünf Wochen vor dem Auftaktspiel<br />

der ÖFB-Auswahl gegen<br />

Deutschland im RBFA Akademie Stadion<br />

(18. Juli 2023, 17:30 Uhr, ORF<br />

Sport+) dominiert die positive Spannung<br />

im Kreis des Teams: „Wir verspüren keine<br />

Nervosität, sondern es überwiegt klar die<br />

Vorfreude. Natürlich fahren wir nicht nach<br />

Belgien, um nur dabei zu sein, sondern<br />

wollen zeigen, was wir draufhaben. Aber<br />

alles mit der nötigen Demut. Gerade das<br />

Auftaktduell mit Deutschland hat natürlich<br />

einen besonderen Reiz, denn es wird sich<br />

bestimmt für die Niederlage im vergangenen<br />

Jahr revanchieren wollen. Unser Ziel ist es,<br />

erneut zu zeigen, dass Österreich gar nicht<br />

so klein ist“, blickt Lainie Fuchs vorfreudig<br />

in Richtung Endrunde.<br />

Den nötigen Feinschliff für die 20. Ausgabe<br />

der U19 Frauen-Europameisterschaft<br />

wird sich die Spilka-Elf zunächst im oberösterreichischen<br />

Windischgarsten (21. – 26.<br />

Juni), später im burgenländischen Illmitz<br />

Von der Qualität<br />

überzeugt: Chiara<br />

D‘Angelo.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

(7. – 11. Juli) holen, ehe es am 15. Juli in die<br />

belgische Hauptstadt geht. Bis die ÖFB-<br />

Auswahl ihr Quartier im 30.000-Einwohner-<br />

Städtchen Nivelles südlich von Brüssel beziehen<br />

wird, hat für den Teamchef die perfekte<br />

Vorbereitung oberste Priorität. „Wir<br />

werden die zwei Lehrgänge vor dem Turnier<br />

nutzen, um alles gut einzuordnen und uns<br />

auf die Endrunde optimal einzustimmen.<br />

Auch wenn auf uns richtig anspruchsvolle<br />

Gegnerinnen warten, brauchen wir unsere<br />

bisherige Vorgehensweise kaum zu verändern.<br />

Mein gesamtes Team ist sehr gefestigt,<br />

wir wissen, was uns erwartet, wollen uns<br />

dennoch in allen Bereichen optimieren und<br />

die nötigen Extra-Meter gehen. Getreu<br />

unserem Teamspruch „die Lust, sich zu<br />

quälen“ werden wir alles geben, was wir<br />

haben. Die Spielerinnen sind dafür<br />

im Kopf und auch physisch bereit.<br />

Gelingt es den jungen Österreicherinnen,<br />

die Gruppe auf Platz<br />

eins oder zwei zu beenden, wartet neben<br />

dem Halbfinaleinzug und einem möglichen<br />

Duell mit Island, Frankreich, Tschechien oder<br />

Titelverteidiger Spanien auch noch ein besonderes<br />

Zuckerl, denn bei einem Einzug<br />

ins Halbfinale qualifiziert sich die rot-weißrote<br />

Auswahl automatisch für die FIFA U20<br />

Frauen Weltmeisterschaft 2024.<br />

CORNER 02/23 37


FUTSAL<br />

TEXT PHILIP SAUER<br />

Faszination<br />

Das Themengebiet Futsal ist selbst für<br />

viele Sportbegeisterte in Österreich<br />

noch ein unerforschtes. Schrittweise<br />

durfte sich die Hallensportart in den<br />

letzten Jahren aber immer größerer<br />

Beliebtheit erfreuen. In der abgelaufenen<br />

Saison der 1. ÖFB Futsal Liga, in der<br />

sich der FC Diamant Linz zum Meister krönen<br />

konnte, zog es so viele Fans wie noch nie in<br />

die Hallen. Zum Linzer Derby zwischen dem<br />

FC Ljuti Krajisnici und Diamant Linz kamen<br />

mehr als 1.000 Zuschauer. Das Nationalteam<br />

schaffte es erstmals in die Hauptrunde der<br />

WM-Qualifikation. Dazu gibt es eine erhöhte<br />

Anfrage, was die Neugründung von Futsal-<br />

Vereinen betrifft. „Ich glaube, dass das Standing<br />

von Futsal schon um einiges besser ist,<br />

als es vor Jahren der Fall war“, sagt Nationalteamspieler<br />

Matthias Binder, der bei Fortuna<br />

Wiener Neustadt unter Vertrag steht. Er sieht<br />

aber auch noch „Luft nach oben“.<br />

Status quo<br />

Aktuell wird Futsal in Österreich auf Amateur-<br />

Ebene ausgetragen. Beinahe alle Spieler der<br />

1. ÖFB Futsal Liga sind auch bei Fußballvereinen<br />

aktiv. Läuft die Saison, bedeutet das<br />

zahlreiche Trainings am Rasen und in der<br />

Halle, zwei Spiele pro Woche und viel Reisestress.<br />

Das Privatleben wird oft hintangestellt.<br />

Warum man sich das antut? „Für mich ist<br />

Futsal nicht nur ein Hobby, sondern eine<br />

richtige Leidenschaft“, sagt Binder, der auch<br />

als Obmann-Stellvertreter beim Bad Fischau-<br />

Brunn KSV in der 2. ÖFB Futsal Liga aktiv ist.<br />

Hunderte Kilometer<br />

für den Futsal<br />

Ein Paradebeispiel dafür, was manche Spieler<br />

bereit sind zu investieren, um Futsal auf dem<br />

höchstmöglichen Level ausüben zu können,<br />

ist Sinan Bicer. Der 30-Jährige lebt in Tirol,<br />

spielt dort beim SV Hall Fußball und zaubert<br />

nebenbei bei Futsal-Vizemeister Stella Rossa<br />

in Wien auf dem Parkett. Für die Spiele pendelt<br />

er hunderte Kilometer. Fast 500 sind es<br />

von Hall in die Hauptstadt. „Man muss schon<br />

Futsal<br />

Was den Sport ausmacht, warum<br />

Fußball-Stars wie Neymar und<br />

Ronaldinho als Vorbilder dienen<br />

sollten und an welchen Schrauben<br />

noch zu drehen ist. Matthias<br />

Binder (Fortuna Wiener Neustadt),<br />

Sinan Bicer (Stella Rossa) und<br />

Agan Fejzic (Diamant Linz) im<br />

Gespräch mit dem ÖFB CORNER.<br />

vieles opfern“, weiß Bicer schmunzelnd. Er<br />

betont aber: „Ich habe das Glück, dass meine<br />

Freundin oft mitfährt. Es macht uns Spaß,<br />

und ich sehe das Ganze auch als Erlebnis.“<br />

Langfristig träumt der Rekordnationalteamspieler<br />

von der Gründung seines eigenen<br />

Futsal-Vereins in Tirol: „Ich suche noch Leute,<br />

die mir helfen.“ Wie Bicer zeigen sich viele<br />

weitere Spieler und Funktionäre ambitioniert,<br />

die positive Entwicklung des Sports voranzutreiben.<br />

„Wir wollen Futsal bekannter machen,<br />

etwas weiterbringen“, so der Tiroler.<br />

Die Liebe zum Sport<br />

Doch woher kommt diese Begeisterung, was<br />

zeichnet die Sportart eigentlich aus? „Du hast<br />

viel mehr Aktionen mit dem Ball, mehr Torabschlüsse,<br />

mehr Zweikämpfe, mehr kritische<br />

Situationen vor dem Tor. Das ist das, warum<br />

die Spieler und die Zuschauer den Sport lieben“,<br />

schwärmt Binder.<br />

»Du hast viel<br />

mehr Aktionen<br />

mit dem Ball,<br />

mehr Torabschlüsse,<br />

mehr<br />

Zweikämpfe,<br />

mehr kritische<br />

Situationen vor<br />

dem Tor.«<br />

ÖFB, GEPA-PICTURES.COM<br />

38<br />

CORNER 02/23


Matthias Binder<br />

(links) und Sinan<br />

Bicer brennen für<br />

Futsal.<br />

„Ich glaube, es sind die Dynamik, die<br />

Attraktivität und das Tempo. Egal, welche<br />

Position du spielst, du bist immer aktiv, es<br />

gibt immer Action“, sagt Agan Fejzic, der seit<br />

mehr als zehn Jahren im Futsal-Geschäft ist.<br />

In der abgelaufenen Saison holte der 37-Jährige<br />

als Sportlicher Leiter und Tormann des<br />

FC Diamant Linz seinen dritten Meistertitel,<br />

ehe er seine aktive Karriere beendete. Anfang<br />

Mai übernahm Fejzic bei den Oberösterreichern<br />

die Position des Obmanns.<br />

Futsal als Gussform<br />

für Ausnahmekicker<br />

Der ehemalige Nationalteam-Torhüter glaubt,<br />

dass ein früher Einstieg in den Futsal auch<br />

viele Vorteile für den Fußball mitbringen kann.<br />

„Futsal bringt jungen Spielern extrem viel bei.<br />

Technik, Taktik, Übersicht – eigentlich alles.“<br />

Ähnlich sieht es auch Bicer: „Neymar, Ronaldo<br />

oder Ronaldinho – die haben alle mit Futsal<br />

angefangen. Das zeigt schon, welche<br />

technischen Fähigkeiten man durch diesen<br />

Sport erlernen kann.“ Ergänzend meint Binder:<br />

„Wenn ich Funktionär bei einem Fußballverein<br />

wäre, würde ich vom Hallenfußball weggehen<br />

und gleich mit dem Futsal anfangen.“<br />

Tormann Agan<br />

Fejzic wurde<br />

für 150 Spiele<br />

bei Diamant<br />

Linz geehrt.<br />

Neuer Modus und Wunsch<br />

von der Ganzjahres-Liga<br />

Vergangene Saison kam es in der 1. ÖFB<br />

Futsal Liga zu einer Neuerung, was den Modus<br />

betrifft. Der Meistertitel wurde erstmals<br />

in einem Final Four ausgespielt. Das sorgte<br />

für die längste Meisterschaft seit der Gründung<br />

der Liga im Jahr 2010. Trotzdem hofft<br />

Fejzic langfristig auf die Einführung einer<br />

Ganzjahres-Meisterschaft. Weg vom Rasen,<br />

voller Fokus auf die Halle. „Bei uns haben<br />

sich schon einige Spieler dazu entschieden,<br />

dass der Futsal und nicht der Fußball im<br />

Vordergrund steht.“<br />

Aktuell laufen bei den Klubs die Vorbereitungen<br />

auf die kommenden Aufgaben.<br />

Nach dem ÖFB Futsal Cup, der am 11. (Vorrunde)<br />

und 18. Juni (Finaltag) von Stella Rossa<br />

in Wien ausgerichtet wird, startet im Oktober<br />

die Saison 2023/24 in der 1. ÖFB Futsal<br />

Liga. Neu mit dabei sind der International<br />

Klessheim Futsal Club und der Pharaohs FC.<br />

„Ich freue mich auf die neue Saison und bin<br />

schon auf die beiden Aufsteiger gespannt“,<br />

so Binder.<br />

CORNER 02/23 39


NEUORGANISATION<br />

TEXT MICHAEL GRASWALD<br />

40<br />

CORNER 02/23


Näher zusammenrücken<br />

Im Mai gab der ÖFB wesentliche Neuerungen für den<br />

Bereich der Nachwuchs-Nationalteams bekannt.<br />

Trainerzyklus, neuer U15-Teamchef, Spielidee – der<br />

ÖFB CORNER beleuchtet die Änderungen.<br />

ÖFB/VRANOVSKY<br />

Die Evaluierung und Weiterentwicklung<br />

der Direktion Sport, die in den vergangenen<br />

Jahren begonnen wurde,<br />

setzt sich weiter fort. 2019 wurde<br />

das Spitzen-Talentefördermodell<br />

„Projekt12“ überarbeitet und neu<br />

aufgesetzt, im vergangenen Jahr die Einführung<br />

des Zwei-Stufen-Modells im Akademie-<br />

Alterssegment auf den Weg gebracht, das<br />

zur neuen Saison mit dem Pilotjahr startet.<br />

Im Bereich des Kinderfußballs wurden 2022<br />

die kleinen Wettbewerbsformen eingeführt,<br />

auch in der ÖFB-Trainerakademie sowie im<br />

Frauenfußball fanden Anpassungen statt, und<br />

mit der Abteilung „Wissenschaft, Analyse &<br />

Entwicklung“ wurde die Direktion Sport um<br />

eine sechste Säule erweitert. Nun kommt es<br />

auch bei den Nachwuchs-Nationalteams zu<br />

wesentlichen Neuerungen.<br />

Eine dieser Maßnahmen betrifft den<br />

Trainerzyklus. Aktuell begleitet ein Teamchef<br />

einen Spieler-Jahrgang von der Sichtung in<br />

der U15 bis zu einer möglichen Teilnahme an<br />

der FIFA U20 Weltmeisterschaft. Das ändert<br />

sich künftig, der Zyklus wird auf zwei Jahre<br />

verkürzt. Somit wird es je zwei Trainer geben,<br />

die für die Altersbereiche U16/U17 zuständig<br />

sind, und zwei für den Bereich U18/U19.<br />

„Durch die Umstellung des Teamchef-Zyklus<br />

wollen wir den Talenten nach zwei Jahren<br />

neue Impulse und eine neue Ansprache bieten“,<br />

erklärt ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel.<br />

Da in allen ÖFB-Teams künftig eine noch<br />

einheitlichere Spielidee umgesetzt werden<br />

soll, geht es bei den von Schöttel angespro-<br />

Im Bereich der Nachwuchs-Nationalteams<br />

wurden beim ÖFB die Strukturen<br />

modernisiert und verbessert.<br />

chenen Impulsen um Trainingsmethoden und<br />

Herangehensweisen. Starten wird der neue<br />

Zyklus mit der Saison 2024/25.<br />

Gemeinsame Linie<br />

Mit der Implementierung einer noch einheitlicheren<br />

Spiel- und Arbeitsweise soll ein Wiedererkennungswert<br />

für die ÖFB-Nationalteams<br />

geschaffen werden. Österreichs Teams<br />

sollen, so der Wunsch, auch ohne einen Blick<br />

auf die Trikotfarbe anhand der Spielweise<br />

sofort erkannt werden können. Diese Spielidee<br />

sieht eine proaktive Spielweise vor, die<br />

jedoch auch Platz für<br />

Individualität bietet und<br />

» Durch den<br />

neuen Zyklus<br />

wollen wir den<br />

Talenten nach<br />

zwei Jahren<br />

neue Ansprache<br />

bieten. «<br />

sich an die Gegebenheiten<br />

der jeweiligen Kader<br />

anpasst.<br />

Dafür, dass die Vorstellungen<br />

auch in die<br />

Realität umgesetzt werden,<br />

sollen künftig regelmäßige<br />

Arbeitstreffen<br />

der Teamchefs sorgen.<br />

Generell soll der<br />

Austausch vertieft werden<br />

– nicht nur untereinander,<br />

sondern auch mit den zuständigen<br />

Akademieansprechpartnern. Um innerhalb<br />

des ÖFB eine direktere Kommunikation zu<br />

ermöglichen, gibt es in Zukunft für jeden<br />

Nachwuchs-Teamchef eine Schnittstelle zum<br />

A-Team. Diese wird in Form eines direkten<br />

Ansprechpartners aus dem sportlichen Betreuerteam<br />

von Teamchef Ralf Rangnick realisiert.<br />

Um immer einen großen Überblick<br />

über die vorhandenen Talente zu haben, soll<br />

der sehr erfolgreiche Perspektivspielerlehrgang,<br />

der vergangenen November seine<br />

CORNER 02/23 41


NEUORGANISATION<br />

Premiere feierte, zu einem<br />

jährlichen Fixpunkt<br />

werden. Doch auch abseits<br />

der Spielidee und<br />

der Kommunikation soll<br />

noch intensiver an einem<br />

Strang gezogen<br />

werden. In den sportlichen<br />

Staffs der Nationalteams<br />

sollen künftig verschiedene<br />

Expertisen miteinander verbunden<br />

werden. Es wurden verschiedene<br />

Rollen und Charaktere definiert, die<br />

sich in den Trainerteams wiederfinden sollen.<br />

Von dieser Diversität der Trainerteams sollen<br />

die Spieler profitieren, da ihnen ein möglichst<br />

breites Spektrum an Expertise zur Verfügung<br />

gestellt wird. Es sei der Anspruch, sich immer<br />

zu hinterfragen und zu schauen, wo es Optimierungsmöglichkeiten<br />

geben würde, sagt<br />

Schöttel. Mit den präsentierten Neuerungen<br />

sieht der Sportdirektor die Nationalteams für<br />

die Zukunft gerüstet: „Wir haben Verbesserungspotenzial<br />

erkannt und sind davon überzeugt,<br />

dass wir mit diesen Schritten wichtige<br />

Adaptierungen vornehmen, um für die Zukunft<br />

bestmöglich aufgestellt zu sein.“<br />

Ponweiser übernimmt U15-Team<br />

Der geänderte Teamchef-Zyklus bringt noch<br />

eine weitere Neuerung mit sich. Die Maßnahme<br />

ermöglicht es, ab sofort den Pool an<br />

Nachwuchs-Teamchefs von aktuell vier auf<br />

fünf zu erweitern. Franz Ponweiser, der seit<br />

2020 in der ÖFB-Trainerakademie tätig ist,<br />

wird ab Herbst das U15-Nationalteam betreuen.<br />

Seine Agenden in der ÖFB-Trainerakademie<br />

wird er unverändert beibehalten. Der<br />

Neo-U15-Teamchef verspürt „große Dankbarkeit<br />

für das Vertrauen, unheimlichen Stolz,<br />

hohes Verantwortungsbewusstsein und eine<br />

riesige Vorfreude“.<br />

Neben der Tätigkeit als Bereichsleiter der<br />

Trainerakademie sei es immer sein Wunsch<br />

gewesen, wieder als Trainer mit einem Team<br />

zu arbeiten, so Ponweiser. Darum sei er sehr<br />

glücklich, dass er nun die neue Aufgabe als<br />

U15-Teamchef bekommen habe. Seine Hauptaufgaben<br />

bestehen künftig im Scouting, dem<br />

so wichtigen Erstkontakt zu den Talenten eines<br />

Jahrgangs, den Sichtungen und der generellen<br />

Weiterentwicklung der Prozesse in der<br />

U15. So wird beispielsweise die Jahresplanung<br />

des U15-Teams etwas entzerrt, damit sich die<br />

Talente intensiver auf ihren Einstieg in die<br />

Für ÖFB-Sportdirektor<br />

Peter Schöttel (unten) ist<br />

Franz Ponweiser „eine ideale<br />

Ergänzung unseres bestehenden<br />

Trainerteams“.<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

» Auf dieser<br />

Reise kein Talent<br />

zu verlieren, sehe<br />

ich als unsere<br />

gemeinsame<br />

Challenge. «<br />

Akademie konzentrieren können und sich in<br />

dem neuen System aus Schule und Training<br />

zurechtfinden. Peter Schöttel sagt, dass mit<br />

dem Engagement von Ponweiser eine „Ideallösung“<br />

gefunden wurde: „Franz<br />

bringt nicht nur die Erfahrung als<br />

Bundesligatrainer mit, sondern<br />

war viele Jahre in der Fußballakademie<br />

Burgenland tätig<br />

und weiß genau, worauf es<br />

in der Arbeit mit Talenten<br />

ankommt. Er ist die perfekte<br />

Ergänzung zu unseren<br />

bisherigen Nachwuchs-<br />

Teamchefs.“<br />

Synergien nutzen<br />

Für die kommende Länderspielsaison<br />

2023/24, die im Herbst<br />

startet, ergeben sich folgende Teamchef-Besetzungen:<br />

U15 (JG 2009) Franz<br />

Ponweiser, U16 (JG 2008) Hermann Stadler,<br />

U17 (JG 2007) Martin Scherb, U18 (JG 2006)<br />

Manfred Zsak, U19 (JG 2005) Oliver Lederer.<br />

Neben der Vorfreude auf seine neue Aufgabe<br />

als U15-Teamchef sieht Ponweiser auch einen<br />

großen Vorteil für seine Agenden in der Trainerausbildung:<br />

„In der Trainerakademie arbeiten<br />

wir am Puls der Zeit, der Zugang zu Wissen<br />

ist unheimlich hoch. Wir arbeiten – unterstützt<br />

von vielen ExpertInnen aus diversen<br />

Kompetenzbereichen – stets mit neuen Erkenntnissen.<br />

Darum ist in der elitären Ausbildung<br />

unserer TrainerInnen der Bezug zur<br />

Praxis ein wesentlicher Faktor. Meine beiden<br />

Aufgaben schaffen Synergien, davon bin ich<br />

fest überzeugt.“<br />

Darüber hinaus hat er klare Ziele, worauf<br />

er sich als U15-Teamchef fokussieren möchte.<br />

„Mein Anspruch ist es, die richtigen Spieler<br />

mit hohem Potenzial im Zuge von vielen Beobachtungen,<br />

einem intensiven Austausch<br />

mit den Akademietrainern und -leitern und<br />

einem adaptierten Scoutingprozess zu finden<br />

und auf die nächsten Aufgaben vorzubereiten.<br />

Auf dieser Reise kein Talent zu übersehen<br />

oder zu verlieren, sehe ich als gemeinsame<br />

Challenge“, so der Burgenländer.<br />

Alle Beteiligten sind sich einig, dass mit<br />

den Anpassungen wichtige Schritte für die<br />

Zukunft der Nachwuchs-Nationalteams gesetzt<br />

wurden. Von dem Zusammenrücken der Nachwuchsteams<br />

untereinander, aber auch durch<br />

den Kontakt zum A-Team, sollen künftig alle<br />

Teams profitieren.<br />

42<br />

CORNER 02/23


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UGOTCHI<br />

„UGOTCHI – Punkten<br />

mit Klasse“ sorgt bei<br />

Kids für Begeisterung<br />

Fast 60.000 VolksschülerInnen nehmen an der<br />

18. Staffel des Bewegungsprogramms teil.<br />

Der Startschuss für die neue Staffel<br />

des Schul-Bewegungsprogramms<br />

„UGOTCHI – Punkten mit Klasse“<br />

ist gefallen. 59.368 Kinder sind in<br />

diesem Jahr angemeldet. Jede dritte<br />

Volksschule in Österreich ist damit<br />

zumindest mit einer Klasse vertreten. Jasmin<br />

Eder, ehemalige ÖFB-Teamspielerin und<br />

Mitarbeiterin Mädchen- und Frauenfußball<br />

sowie Patrick Haidbauer, Teamchef des U17<br />

Frauen-Nationalteams, läuteten gemeinsam<br />

mit SPORTUNION-Präsident Peter McDonald<br />

und Werner Schwarz, Gründer von SIMPLY<br />

STRONG, die 18. Staffel der Initiative ein.<br />

Aktuell werden in Österreichs Volksschulen<br />

wieder fleißig Punkte gesammelt. 59.368<br />

angemeldete Volksschulkinder aus 3.268<br />

verschiedenen Klassen und 1.102 Schulen<br />

sind heuer bei „UGOTCHI – Punkten mit<br />

Klasse“ dabei und werden für Engagement<br />

in Form von Sport oder gesunder Bewegung<br />

mit Punkten und in der Folge Medaillen<br />

belohnt. Die 18. Staffel, die noch bis zum<br />

18. Juni läuft, bringt dabei viele Neuerungen<br />

für SchülerInnen und LehrerInnen mit sich,<br />

die bei einer Pressekonferenz in der Volksschule<br />

Krottenbachstraße in Wien präsentiert<br />

wurden.<br />

Das Bewegungsprogramm der SPORT-<br />

UNION findet in Kooperation mit dem ÖFB<br />

und dem Schulverein SIMPLY STRONG in<br />

Partnerschaft mit UNIQA statt. Es bringt<br />

sechs- bis zehnjährigen Kindern auf spielerische<br />

Art und Weise eine gesunde Lebensweise<br />

näher.<br />

„Für uns als ÖFB ist es ein unglaublich<br />

tolles und wichtiges Programm, weil wir<br />

damit bereits seit vielen Jahren in gemeinsamer<br />

Zusammenarbeit etwas bewegen.<br />

Wir sehen Jahr für Jahr, wie viel Spaß und<br />

Begeisterung wir damit in die Volksschulen<br />

bringen. Etwas Wertvolleres gibt es nicht.<br />

Für die Zukunft wünschen wir uns, dass der<br />

Trend der letzten Jahre weiter nach oben<br />

zeigt und wir mit dem UGOTCHI-Programm<br />

auch in Zukunft viele Kinder bewegen können“,<br />

so die 55-fache ehemalige Teamspielerin<br />

Jasmin Eder.<br />

SPORTUNION-Präsident Peter McDonald<br />

betont: „Nur eine/r von drei ÖsterreicherInnen<br />

bewegt sich ausreichend. Bei den<br />

gesunden Lebensjahren sind wir in Europa<br />

im letzten Drittel. Wenn wir unser Land<br />

gesünder machen wollen, müssen wir schon<br />

die Jüngsten nachhaltig für Bewegung und<br />

Sport begeistern. Mit ‚Punkten mit Klasse‘<br />

als einem der erfolgreichsten Gesundheitsprogramme<br />

für Volksschulen in Österreich<br />

leisten wir als SPORTUNION dafür einen<br />

wichtigen Beitrag.“<br />

MARKUS FRUEHMANN (2)<br />

»Wir wünschen<br />

uns, mit dem<br />

UGOTCHI-Programm<br />

auch in<br />

Zukunft viele Kinder<br />

zu bewegen. «<br />

44<br />

CORNER 02/23


Neue Inhalte,<br />

Homepage und Freunde<br />

Von SIMPLY STRONG gibt es Videos zum<br />

Mitmachen. Dazu kommt ein Tanztag. Zusätzlich<br />

gibt ÖFB-Maskottchen Ostar-Richi<br />

den Kindern Ernährungstipps mit auf den<br />

Weg, und zum Abschluss gibt es einen<br />

Kreativwettbewerb mit großartigen Preisen<br />

für die Klassen. Neu sind heuer zahlreiche<br />

Inhalte und auch die Website, über die die<br />

LehrerInnen die Inhalte zur Verfügung gestellt<br />

bekommen. Mit Speedy, Skilly, Starky und<br />

Willy hat das Maskottchen UGOTCHI vier<br />

neue Freunde mitgebracht, die den Schüler-Innen<br />

die sportmotorischen Fähigkeiten<br />

spielerisch näherbringen. Das Programm<br />

stärkt auch das Selbstvertrauen der Kinder<br />

und die Klassengemeinschaft.<br />

Im Fokus stehen Schnelligkeit, Koordination,<br />

Kraft und Ausdauer. Wer auch zu Hause<br />

Sport macht und auf die Ernährung achtet,<br />

kann zusätzliche Punkte sammeln. Wie wichtig<br />

das bereits in frühen Jahren ist, weiß<br />

Patrick Haidbauer, Teamchef des U17 Frauen-<br />

Nationalteams. „Es ist wissenschaftlich bestätigt,<br />

dass die frühe kindliche Erfahrung<br />

eine maßgebliche Auswirkung sowohl auf die<br />

„Ein tolles Programm“, lobt<br />

Jasmin Eder, beim ÖFB Projektmanagerin<br />

für Mädchenund<br />

Frauenfußball.<br />

sportliche als auch auf die kognitive Entwicklung<br />

der Kinder hat. Kurz gesagt: Wer sich<br />

bereits früh sportlich betätigt, profitiert auch<br />

im späteren Jugend- und Erwachsenenalter<br />

davon. Umso wichtiger ist es, die Kinder<br />

spielerisch für Bewegung zu begeistern.“<br />

Kinder sind<br />

mit Begeisterung dabei<br />

Dass das Programm in den Schulen gut<br />

ankommt, weiß Schuldirektor und SIMPLY-<br />

STRONG-Gründer Werner Schwarz zu berichten.<br />

„Für die Kinder ist es ein Spiel, bei<br />

dem sie nicht mitmachen müssen, sondern<br />

wollen. Ich habe in den vergangenen Jahren<br />

so gut wie kein Kind erlebt, das nicht mit<br />

Begeisterung dabei war. Das ist auch der<br />

Grund, warum so viele LehrerInnen ihre<br />

Klassen gerne anmelden, weil sie das Beste<br />

für ihre SchülerInnen wollen. Das Schöne<br />

an ‚Punkten mit Klasse‘ ist, dass absolut alle<br />

Kinder mitmachen können. Egal wie sportlich<br />

sie sind oder wie gut sie unsere Sprache<br />

sprechen.“<br />

Alle Informationen zum Projekt gibt es<br />

unter www.ugotchi.at<br />

CORNER 02/23 45


Eine Saison voller<br />

Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich<br />

am besten. Und<br />

auch wenn die Entscheidung<br />

im diesjährigen Titelrennen<br />

der Planet Pure Frauen Bundesliga<br />

erst in der vorletzten<br />

Runde gefallen ist, lachten am Ende die<br />

Frauen des spusu SKN St. Pölten, und das<br />

zum achten Mal in Folge. Mit dem 6:0-Erfolg<br />

beim FC Wacker Innsbruck am 17.<br />

Spieltag fixierten die Wölfinnen den achten<br />

Meistertitel der Vereinsgeschichte. Dabei<br />

machten es die Niederösterreicherinnen<br />

in der 16. Runde selbst noch einmal spannend,<br />

verloren das Heimspiel gegen die<br />

SPG SCR Altach/FFC Vorderland mit 0:1<br />

und vergaben damit drei Runden vor<br />

Schluss den ersten Matchball. Sturm Graz<br />

siegte im Parallelspiel in Innsbruck und<br />

verkürzte auf fünf Zähler. Geändert hat<br />

diese historische Niederlage der St. Pöltnerinnen<br />

– es war die erste seit fünf Jahren<br />

– nichts mehr. So durfte Kapitänin Jasmin<br />

Tore, Titel und<br />

Abschiedstränen.<br />

Die 41. Saison<br />

der Frauen-<br />

Bundesliga hatte<br />

für die Fans<br />

auf und neben<br />

dem Platz einiges<br />

zu bieten.<br />

Das Double ging<br />

dabei zum 7. Mal<br />

an den spusu<br />

SKN St. Pölten.<br />

Eder am letzten Spieltag den Meisterteller<br />

in den Himmel der NV-Arena stemmen.<br />

Für die 30-Jährige war es ein emotionaler<br />

Moment, denn nach 150 Spielen in<br />

der Frauen-Bundesliga und acht Meistertiteln<br />

mit St. Pölten beendete die 55-fache<br />

Teamspielerin nach dem Karriereende im<br />

Nationalteam im November 2022 nun auch<br />

ihre Vereinslaufbahn. „Ich blicke natürlich<br />

mit einem lachenden und einem weinenden<br />

Auge zurück, aber ich bin froh, dass ich den<br />

Zeitpunkt meines Karriereendes selbst bestimmen<br />

und mich mit dem Double verabschieden<br />

konnte“, so die Wienerin, die sich<br />

beim 3:1-Sieg zum Saisonabschluss gegen<br />

Neulengbach selbst noch als Torschützin<br />

eintragen konnte.<br />

Dies gelang auch ihrer Teamkollegin<br />

Stefanie Enzinger auf sehenswerte Art und<br />

Weise. Die 32-jährige Stürmerin verabschiedete<br />

sich in ihrem 180. Bundesligaspiel mit<br />

einem wahren Traumtor aus dem Profifußball:<br />

„Jasi und ich blicken beide auf eine<br />

46<br />

CORNER 02/23


FRAUEN<br />

TEXT JONAS DORMANN<br />

Highlights<br />

GEPA-PICTURES.COM (3), ÖFB, THOMAS KNOBEL<br />

tolle Karriere zurück, haben viel erlebt und<br />

konnten in all den Jahren viel Erfahrung sammeln.<br />

Es war ein toller Rahmen hier in der<br />

NV-Arena, mit all dem Konfetti, den Familien<br />

und Freunden“, zeigt sich die ehemalige<br />

Teamstürmerin im Rahmen der Meisterfeier<br />

leicht gerührt.<br />

Für den spusu SKN St. Pölten war es die<br />

zweite Titelfeier binnen fünf Wochen. Bereits<br />

am 1. Mai verteidigten die Wölfinnen im 47.<br />

Finale des SPORTLAND Niederösterreich<br />

Frauen Cups mit einem 3:1-Erfolg über Final-<br />

Neuling SPG SCR Altach/FFC Vorderland den<br />

Titel und feierten den neunten Cupsieg der<br />

Vereinsgeschichte.<br />

Groß gefeiert wurde 558 Kilometer westlich<br />

von St. Pölten in Vorarlberg trotzdem:<br />

Nachdem die SPG FC Lustenau/FC Dornbirn<br />

Ladies in der Saison 2021/22 den Aufstieg<br />

von der 2. Frauen Bundesliga in die Planet<br />

Pure Frauen Bundesliga noch um ein einziges<br />

Tor verpasst hatten, gelang den Vorarlbergerinnen<br />

am letzten Spieltag im Heimderby<br />

gegen Rankweil das Meisterstück und der<br />

erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse.<br />

Links oben: Die Spielerinnen<br />

des spusu SKN St. Pölten um<br />

Kapitänin Jasmin Eder jubeln<br />

über den 8. Meistertitel in Serie.<br />

Mitte oben: Ex-Teamspielerinnen<br />

Jasmin Eder und Stefanie<br />

Enzinger bei ihrer Verabschiedung<br />

Rechts oben: Strahlende<br />

Gesichter bei den SPG FC<br />

Lustenau/Dornbirn Ladies<br />

über den Aufstieg in die<br />

Frauen-Bundesliga<br />

Unten links: Double perfekt.<br />

Zum siebten Mal in der Vereinsgeschichte<br />

holen die Frauen<br />

des spusu SKN St. Pölten<br />

Cup und Meisterschaft.<br />

Mitte unten: Spielerin der Saison<br />

2022/23: Eileen Campbell<br />

freut sich mit Trainer Bernhard<br />

Summer über ihre nächste<br />

persönliche Auszeichnung.<br />

Rechts unten: Große Enttäuschung<br />

in Altenmarkt. Nach<br />

dem Klassenerhalt in der<br />

Vorsaison müssen die Niederösterreicherinnen<br />

heuer den<br />

Gang in die 2. Frauen<br />

Bundesliga antreten.<br />

„Wir sind mehr als stolz, dass wir es endlich<br />

geschafft haben. Wir werden alles dafür tun,<br />

dass wir in der Bundesliga mitschwimmen<br />

können“, so Kapitänin Caroline Fritsch bei der<br />

Meisterfeier im Stadion an der Holzstraße.<br />

Durch den Aufstieg der Vorarlberger Spielgemeinschaft<br />

wird es in der kommenden Saison<br />

in der Bundesliga auch ein Ländle-Derby mit<br />

der SPG SCR Altach/FFC Vorderland geben.<br />

Die Tabellendritten und Cup-Finalistinnen der<br />

diesjährigen Saison, bei denen Vereinsikone<br />

Verena Müller nach über 200 Spielen für Altach<br />

und den Vorgängerverein Vorderland ihre Karriere<br />

beendete, dürfen sich neben einer starken<br />

Spielzeit auch über die Spielerin der Saison<br />

2022/23 freuen. Bei der vom ÖFB zum dritten<br />

Mal durchgeführten Wahl erhielt Teamspielerin<br />

Eileen Campbell vor ihrer Sturmkollegin<br />

und U19-Teamspielerin Linda Natter die meisten<br />

Stimmen aller TrainerInnen, SportdirektorInnen<br />

und PräsidentInnen und darf sich nach<br />

der Auszeichnung zu Vorarlbergs Fußballerin<br />

des Jahres 2022 über die zweite persönliche<br />

Ehrung freuen. „Ich bin sehr stolz, weil ich<br />

auch schon viele Verletzungen hinter mir habe.<br />

Wenn man dann so eine Auszeichnung bekommt,<br />

ist das eine große Ehre. Ich denke,<br />

dass wir als Team eine sehr gute Saison gespielt<br />

haben und man eigentlich keine spezielle<br />

Spielerin herausheben kann“, freute sich<br />

Campbell bei der Trophäen-Übergabe durch<br />

ÖFB-Präsident Johann Gartner. Die Torjägerinnenkrone<br />

sicherte sich Campbells Sturmkollegin<br />

Linda Natter mit 18 Treffern, die sich<br />

damit bestens für die U19-Europameisterschaft<br />

der Frauen im Juli in Belgien warmschoss.<br />

Enttäuschte Gesichter gibt es hingegen<br />

in Altenmarkt. Während die Niederösterreicherinnen<br />

die vergangene Saison noch auf<br />

dem 7. Platz beenden konnten, muss die Elf<br />

von Cheftrainerin Natascha Celouch den bitteren<br />

Gang in die 2. Frauen Bundesliga antreten<br />

und verabschiedet sich vorerst aus dem<br />

heimischen Frauenfußball-Oberhaus.<br />

Gejubelt wurde hingegen auch in Graz.<br />

Der Vizemeistertitel für die Spielerinnen des<br />

SK Sturm Graz bedeutet gleichzeitig einen<br />

Startplatz in der Qualifikation zur UEFA<br />

Women´s Champions League. So geht die<br />

heimische Frauen-Bundesliga nach einer spannenden<br />

Saison in die Sommerpause. Die 387<br />

erzielten Treffer – so viele wie seit der Saison<br />

2012/13 nicht mehr – machen schon jetzt Lust<br />

auf die neue Spielzeit 2023/24.<br />

CORNER 02/23 47


BUNDESLIGA<br />

Die Besten der Saison 2022/23<br />

Eine Jury der ADMIRAL Bundesliga, bestehend aus Präsidenten,<br />

Managern und Trainern, hat die herausragenden Akteure<br />

der abgelaufenen Saison 2022/23 gewählt.<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

Spieler der Saison: Nicolas Seiwald<br />

In der Kategorie „Spieler der Saison“ setzte sich in<br />

diesem Jahr Nicolas Seiwald vom Meister FC Red<br />

Bull Salzburg durch. Der 22-jährige Salzburger, im<br />

Vorjahr in der Newcomer-Kategorie auf Platz 3 gelandet,<br />

drückte dem Spiel der Salzburger seinen<br />

Stempel auf und konnte sich in seiner dritten Profi-<br />

Saison bei den Roten Bullen auch erstmals in die<br />

Bundesliga-Torschützenliste eintragen – er erzielte<br />

in dieser Saison drei Treffer. Nach drei Meistertiteln<br />

und (bis dato) 76 Bundesliga-Spielen wechselt der<br />

12-fache Teamspieler im Sommer in die deutsche<br />

Bundesliga zu RB Leipzig. Zuvor erhielt er aber noch<br />

den Pokal für den „Spieler der Saison“ im Rahmen<br />

der Salzburger Meisterfeier.<br />

Tormann der Saison: Philipp Köhn<br />

In der Kategorie „Tormann der Saison“ triumphiert erstmals<br />

seit der Spielzeit 2018/19 – damals war es Cican<br />

Stankovic – wieder ein Salzburger. Der Schweizer<br />

Schlussmann Philipp Köhn wurde von der Jury zum besten<br />

Tormann gewählt. Der 25-Jährige absolvierte seine<br />

zweite Saison als Nummer 1 der Bullen und musste nur<br />

22-mal hinter sich greifen – klarer Liga-Bestwert. Darüber<br />

hinaus zeigte er auch bei den internationalen Spielen der<br />

Salzburger starke Leistungen und stand im WM-Kader<br />

der Schweiz bei der Endrunde in Katar. Auch er erhielt<br />

den Pokal im Rahmen der Salzburger Meisterfeier.<br />

Schiedsrichter der Saison: Stefan Ebner<br />

Stefan Ebner wurde von der Jury zum Schiedsrichter der Saison<br />

gewählt. Im zehnten Jahr des Bestehens der Schiedsrichterkategorie<br />

wird damit erstmals Seriensieger Harald Lechner<br />

(9 Siege en suite / heuer auf Rang 2) an der Spitze abgelöst.<br />

Der 31-jährige Oberösterreicher Ebner ist Anfang dieses Jahres<br />

zum FIFA-Schiedsrichter aufgestiegen und leitete im März erstmals<br />

auch zwei Spiele in der U17-EM-Qualifikation. Auf dem<br />

heimischen Parkett war er in dieser Saison 15-mal in der AD-<br />

MIRAL Bundesliga, neunmal in der ADMIRAL 2. Liga und zweimal<br />

im UNIQA ÖFB-Cup im Einsatz. Darüber hinaus war er wie<br />

seine Kollegen auch als Video Assistant Referee aktiv.<br />

Stefan Ebner erhält seine Auszeichnung im Rahmen der<br />

Saisonstart-Pressekonferenz im Juli 2023.<br />

Trainer der Saison: Christian Ilzer<br />

In seiner dritten Saison als Cheftrainer des SK Puntigamer Sturm Graz wurde Christian<br />

Ilzer zum Trainer der Saison gewählt. Die stetige Entwicklung der Steirer in den<br />

vergangenen Jahren spiegelt sich auch in Ilzers Ranking bei der Trainer-Wahl wider:<br />

Nach Rang 3 vor zwei Jahren und Rang 2 im Vorjahr bekam er dieses Mal die meisten<br />

Stimmen und wurde zum Trainer der Saison gewählt – zum ersten Mal seit<br />

Bestehen der Trainer-Kategorie (seit 18/19) wird damit ein anderer Trainer als jener<br />

des Meisters ausgezeichnet. Ilzer führte die Grazer zum zweiten Mal in Folge zum<br />

Vizemeistertitel und zum sechsten Cupsieg in der Vereinsgeschichte. Seinen Pokal<br />

erhielt er vor dem letzten Heimspiel der Grazer in Runde 32.<br />

48<br />

CORNER 02/23


Offizieller Merchandising Partner<br />

#TEAMgeomix<br />

EUROPAS INNOVATIVSTER<br />

FUSSBALLHÄNDLER<br />

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SOCIAL FOOTBALL AWARD<br />

Der ÖFB Social Football Award feierte<br />

2022 sein 5-jähriges Jubiläum. Mit<br />

dem Award zeichnet der ÖFB besondere<br />

soziale Leistungen von<br />

Fans, Vereinen, Einzelpersonen und<br />

ehrenamtlichen FunktionärInnen im<br />

Bereich Fußball aus. Bei 62 Einreichungen<br />

war die Auswahl der besten Projekte eine<br />

Herausforderung. Die GewinnerInnen werden<br />

am 20. Juni im Rahmen der EM-Quali-<br />

Partie des Nationalteams im Ernst-Happel-<br />

Stadion gegen Schweden ausgezeichnet.<br />

Kategorie Inklusion/Integration<br />

1. Platz GEPS 20 Girls and Women‘s<br />

Football Club – kein gewöhnlicher<br />

Fußballverein<br />

Der 1. Platz in der Kategorie Inklusion/Integration<br />

geht an die GEPS 20 Girls and<br />

Women‘s Football Club – kein gewöhnlicher<br />

Fußballverein. Die Gewinnerinnen zeigen<br />

mit ihrem Projekt, wie Integration von Mädchen<br />

in und durch Fußball gelingen kann.<br />

2. Platz No Look Football<br />

Die Initiative „No Look Football“ bietet Frauen<br />

im Blindenfußball Vision, Ziele, Wettbewerbs-<br />

und Netzwerkmöglichkeiten. 2020<br />

wurde das erste Frauen-Team Europas im<br />

Blindenfußball gegründet. 2022 gab es die<br />

erste inoffizielle Frauen-EURO im Blindenfußball.<br />

50 SpielerInnen, Coaches und BetreuerInnen<br />

aus Deutschland, Tschechien,<br />

Belgien, Frankreich, Schweden und der<br />

Schweiz waren Teil des Pilotturniers.<br />

3. Platz StreetfootbALL<br />

Menschen mit einem ‚schweren Rucksack’<br />

sind oft auf Unterstützung angewiesen. Ihr<br />

Rucksack kann aus den unterschiedlichsten<br />

Großartige<br />

GewinnerInnen<br />

zum Jubiläum<br />

Am 20. Juni wird vom ÖFB zum 5. Mal der Social Football<br />

Award für herausragende Leistungen und Engagements im<br />

sozialen Bereich vergeben. Dabei werden die besten Projekte<br />

des vergangenen Jahres ausgezeichnet. Nebenbei läuft die<br />

Bewerbungsphase für den Social Football Award 2023.<br />

50<br />

CORNER 02/23


Gründen für sie zur Last werden, wie z. B.<br />

Obdachlosigkeit, Sucht oder Flucht. Der Fokus<br />

von StreetfootbALL liegt auf Menschen<br />

ab 16 Jahren am Rande der Gesellschaft,<br />

die motiviert sind, durch Fußball ihre Situation<br />

zu verbessern.<br />

Kategorie Soziale Verantwortung<br />

1. Platz Wunderteam<br />

Mit dem Projekt „Wunderteam“ werden<br />

Jugendliche, die weder in Ausbildung sind,<br />

noch eine Schule besuchen, zu einer Rückkehr<br />

ins Ausbildungssystem motiviert. Fußball<br />

und andere Sportangebote spielen dabei<br />

eine wichtige Rolle. Die TeilnehmerInnen<br />

bekommen durch das „Wunderteam“ auch<br />

die Gelegenheit, als SpielerInnen des Kooperationsteams<br />

„SEEDS United“ an der<br />

Grazer Hobbyliga teilzunehmen. Dazu werden<br />

Workshops, Lerneinheiten und Exkursionen<br />

angeboten.<br />

2. Platz Zusammen für Vrieden<br />

Der Krieg in der Ukraine war der Anlass für<br />

den FC Blau-Weiß Linz, seiner sozialen Verantwortung<br />

nachzukommen. Aus diesem<br />

Grund wurde das Projekt „Zusammen für<br />

Vrieden“ ins Leben gerufen. Der Verein startete<br />

eine Spendenaktion im Rahmen eines<br />

Heimspiels und lud minderjährige, unbegleitete<br />

ukrainische Flüchtlingskinder zum Spiel<br />

ein. Neben einem Foto mit den Profis des<br />

Vereins, durften die Kinder auch als Einlaufkinder<br />

auf den Rasen. Des Weiteren wurde<br />

ein Ausflug in den Tierpark Linz organisiert.<br />

3. Platz SeniorInnen bewegen Bälle und<br />

Menschen<br />

Die Wiener PensionistInnenklubs haben ihre<br />

BewohnerInnen zu Fußballspielen der Regionalliga<br />

Ost eingeladen und sie durften auch<br />

als „Einlaufkinder“ mit auf den Rasen. Hintergrund<br />

war, nach der langen Pandemie,<br />

den Menschen wieder etwas zu ermöglichen.<br />

Manche von den PensionistInnen waren<br />

noch nie im Stadion.<br />

Kategorie Ehrenamt<br />

1. Platz FC Südburgenland<br />

Das Thema „Inklusion“ im Fußball ist dem<br />

FC Skiny Südburgenland sehr wichtig. Aus<br />

diesem Grund wurde ein Team an Volunteers<br />

gestellt, um die Special Olympics im Burgenland<br />

professionell zu unterstützen. Es<br />

ging vor allem um die Wertschätzung und<br />

darum, jede/n SpielerIn in den eigenen Talenten<br />

zu fördern und zu unterstützen. Neben<br />

den Volunteers waren zahlreiche SpielerInnen<br />

sowie Funktionärinnen und Funktionäre bei<br />

den Spielen.<br />

2. Platz FC Poker Juniors<br />

„Wir leben Ehrenamt!“ Unter diesem Motto<br />

hat der FC Poker Juniors in der Kategorie<br />

Ehrenamt den 2. Platz erreicht. Mit Unterstützung<br />

von vielen Prominenten und SportlerInnen<br />

konnten im letzten Jahr Spenden<br />

von mehr als 30.000 Euro für das Christkindlturnier<br />

gesammelt werden. Zu den<br />

Unterstützern zählen Andreas Goldberger,<br />

Fritz Strobl, Marko Arnautovic, Aleksandar<br />

Dragovic, Florian Grillitsch, Herbert Prohaska,<br />

Andreas Weimann und weitere Sponsoren.<br />

Unterstützt werden u. a. zwei Vollwaisen,<br />

der Verein Lebenslicht, die Sonderschule<br />

Krumbach sowie weitere Institutionen, und<br />

fünf Spezialrollstühle wurden gekauft.<br />

3. Platz Volksschul-Cup der SPV<br />

Kematen-Piberbach/Rohr<br />

Die Spielvereinigung Kematen-Piberbach/<br />

Rohr veranstaltet jährlich für alle Kinder der<br />

umliegenden Volksschulen ein Turnier, um<br />

sie für den Fußball zu begeistern. Viele Kinder<br />

kommen so zum ersten Mal mit dem<br />

Fußball in Berührung und bleiben in den<br />

Vereinen.<br />

So könnt ihr am Social Football<br />

Award 2023 teilnehmen<br />

Aktuell läuft die Bewerbungsphase für den<br />

Social Football Award 2023. Habt ihr letzte<br />

Saison (Juli 2022 bis Juni 2023) ein Projekt<br />

entwickelt oder unterstützt, das einen sozialen<br />

Beitrag zur Gesellschaft leistet? Habt<br />

ihr euch ehrenamtlich für Inklusion engagiert?<br />

Dann könnt ihr eure Projekte noch bis<br />

15. September 2023 einreichen.<br />

Alle Infos gibt es auf www.oefb.at/SFA<br />

CORNER 02/23 51


AUSSTELLUNG<br />

Superjuden. Jüdische Identität<br />

im Fußballstadion<br />

Ab 12. Juli wird im Jüdischen<br />

Museum Wien eine Ausstellung<br />

gezeigt, die die jüdisch geprägte<br />

Geschichte fünf prominenter<br />

12.7. bis 14.1. Jüdische Identität Wiener und europäischer<br />

2023 2024 im Fußballstadion Fußballklubs beleuchtet.<br />

Superjudenwww.jmw.at<br />

So–Fr<br />

10–18 Uhr #Superjews<br />

Dorotheerg. 11<br />

Wien 1<br />

Mit „jüdischem Fußball“ wird in Wien<br />

üblicherweise der SC Hakoah verbunden,<br />

auf europäischer Ebene<br />

ist Maccabi für guten Fußball bekannt;<br />

wenig Aufmerksamkeit<br />

erhielten jedoch bisher andere Vereine, die<br />

ebenfalls von ihren Fans oder ihren Gegnern<br />

als jüdisch bezeichnet werden. Doch was<br />

macht einen Klub zu einem jüdischen Klub?<br />

Ehemals jüdische Funktionäre oder jüdische<br />

Spieler? Die Eigendefinition der Fans oder<br />

die Zuschreibung gegnerischer AnhängerInnen?<br />

Die Ausstellung „Superjuden. Jüdische<br />

In Partnerschaft mit<br />

Ein Museum der<br />

AUSSTELLUNG<br />

Superjuden. Jüdische Identität<br />

im Fußballstadion<br />

12. Juli 2023 bis 14. Jänner<br />

2024, Jüdisches Museum<br />

Wien, Dorotheergasse 11,<br />

1010 Wien<br />

Kuratorinnen: Barbara Staudinger,<br />

Agnes Meisinger<br />

Ausstellungsgestaltung:<br />

Robert Rüf<br />

Grafische Gestaltung:<br />

Christof Nardin<br />

Identität im Fußballstadion“ spürt diesem<br />

Phänomen nach, indem sie die mehr oder<br />

weniger jüdische Geschichte fünf prominenter<br />

Wiener und europäischer Fußballklubs<br />

beleuchtet und deren Fankultur in den Blick<br />

nimmt.<br />

Erzählt wird die Geschichte der Klubs<br />

First Vienna FC 1894, FK Austria Wien, FC<br />

Bayern München, Ajax Amsterdam und<br />

Tottenham Hotspur FC, welche die Frage<br />

nach Selbst- und Fremdzuschreibungen als<br />

„jüdisch“ aufwerfen. Das Fußballstadion<br />

fungiert als Ort der Identitätsbildung – das<br />

zeigen auch die Fangruppierungen<br />

„Partisan*Rothschild“ (Vienna), „Superjoden“<br />

(Ajax) und „Yid Army“ (Tottenham).<br />

Wie es beim FK Austria Wien und beim FC<br />

Bayern München um das Geschichtsbewusstsein<br />

innerhalb des Vereins und der<br />

Fangemeinde steht, thematisiert die Ausstellung<br />

ebenso wie eine etwaige Fortschreibung<br />

antisemitischer Vorurteile bis in die<br />

Gegenwart oder die Aneignung jüdischer<br />

Attribute und Elemente durch nichtjüdische<br />

Fans. Anhand verschiedener historischer<br />

und zeitgenössischer Objekte werden Traditionslinien,<br />

aber auch Brüche in der jeweiligen<br />

Klubgeschichte dargestellt und gegenwärtige<br />

Stigmatisierungen als „Judenklub“<br />

veranschaulicht.<br />

Das Jüdische Museum der Stadt Wien<br />

ist ein Ort der städtischen Vielfalt. Anhand<br />

von religiösen Feiertagen und Bräuchen vermittelt<br />

es die Bandbreite jüdischen Lebens<br />

in Wien. Über die Beziehungsgeschichte<br />

zwischen jüdischer und nichtjüdischer Bevölkerung<br />

werden Aspekte von Identität, Integration<br />

und Ausschluss aus jüdischer Perspektive<br />

diskutiert. An seinen beiden Standorten<br />

bietet das Jüdische Museum Wien einen<br />

Einblick in Geschichte und Gegenwart der<br />

Wiener Jüdinnen und Juden.<br />

52<br />

CORNER 02/23


Rad,<br />

Radler,<br />

Radlerer


Die Landesverbände des ÖFB<br />

BURGENLAND<br />

BFV bei Fußballhelden-<br />

Bildungsreise vertreten<br />

Im Zuge einer Kooperation zwischen<br />

dem Deutschen Fußball-<br />

Bund (DFB) und dem ÖFB werden<br />

jährlich sogenannte „Fußballhelden“<br />

für ihre Leistungen belohnt.<br />

Junge, talentierte Ehrenamtliche,<br />

die sich und/oder ihre Vereine in besonderem<br />

Maße durch ihre persönlichen<br />

ehrenamtlichen Anstrengungen<br />

hervorgehoben haben, werden<br />

so im Rahmen einer Bildungsreise<br />

gewürdigt. Das Burgenland stellte<br />

dabei zwei Teilnehmer. Vom 15. – 19.<br />

Mai 2023 fand die Fußballhelden-Bildungsreise in Santa Susanna/<br />

Spanien statt. Im Rahmen dieser Initiative wird jungen Nachwuchs-<br />

TrainerInnen als Dank für ihre Arbeit ermöglicht, sich eine Woche unter<br />

professionellsten Bedingungen fortzubilden. Neben 253 deutschen<br />

Teilnehmern gab es auch sechs österreichische FußballheldInnen,<br />

die von ihren Landesverbänden vorgeschlagen wurden. Das Burgenland<br />

wurde von Nachwuchs-Referentin Gabi Pinter und<br />

„Fußballheld“ Maximilian Wodicka aus Gols vertreten.<br />

BFV<br />

WIEN<br />

Altera Porta gewinnt<br />

Wiener Frauen-Cupfinale<br />

Nach Beendigung der Frauen-Meisterschaft in den drei WFV- Ligen kam<br />

es zu einem weiteren Höhepunkt des Frauenfußballs. Auf der WFV-Verbandsanlage<br />

Hirschstetten wurde das Wiener Frauen-Cupfinale ausgetragen.<br />

Dabei traf FK Austria Wien 1c auf Altera Porta. Die von Astrid Podiwinsky<br />

betreute Mannschaft ging gegen das favorisierte violette Team<br />

bereits in der neunten Spielminute durch Hanna Andree Janssen in Führung.<br />

Und Altera Porta setzte nach und erhöhte noch vor dem Pausenpfiff<br />

durch Lilah Havel (42.) auf<br />

2:0. Damit war der Torhunger des<br />

Außenseiters noch immer nicht<br />

gestillt. Marija Peric stellte nach<br />

einer Stunde auf 3:0. Emily Schäfer<br />

sorgte knapp vor Spielende<br />

für den Ehrentreffer der violetten<br />

Frauenmannschaft. Kurz darauf<br />

erfolgte der Schlusspfiff, und Altera Porta stand als Sieger des diesjährigen<br />

Wiener Frauen-Cups fest. „Eine gelungene Veranstaltung! Heute<br />

wurde einmal mehr der Beweis erbracht, dass der Cup nicht nur bei den<br />

Herren, sondern auch bei den Damen eigenen Gesetzen unterliegt. Gratulation<br />

an die erfolgreiche Mannschaft von Altera Porta“, so WFV-Präsident<br />

Robert Sedlacek.<br />

WFV<br />

TFV<br />

TIROL<br />

Schlusspfiff für Heiss<br />

und Staudinger<br />

Am Sonntag, dem 28. Mai ertönte auf der Linzer Gugl der Schlusspfiff<br />

der Bundesliga-Begegnung zwischen dem LASK und der Wiener Austria.<br />

Gleichzeitig bedeutete dies auch den Abpfiff für zwei herausragende Tiroler<br />

Schiedsrichterkarrieren. Andreas Heiss und Andreas Staudinger beendeten<br />

beide nach über einem Jahrzehnt als Unparteiische in der österreichischen<br />

Fußball-Beletage ihre Laufbahnen im Elitebereich. Bereits im<br />

Vorfeld des Spiels wurden sie vom ehemaligen Tiroler Spitzenreferee<br />

und nunmehrigen stellvertretenden Vorsitzenden<br />

des ÖFB-Elite-Komitees, Konrad<br />

Plautz, für ihre Verdienste geehrt und würdig<br />

verabschiedet. Heiss legte seine<br />

Schiedsrichterprüfung im Jahr 1998 ab,<br />

Staudinger folgte drei Spielzeiten später.<br />

Nun, mehr als zwanzig Jahre und zahlreiche<br />

Highlights danach, treten beide gemeinsam<br />

ab. Das souverän geleitete Abschiedsspiel<br />

in Linz war dabei nochmals ein<br />

emotionaler Höhepunkt für die beiden Tiroler Vorzeigereferees, die dabei<br />

von Familie, Freunden, WegbegleiterInnen und den Tiroler Talentekaderreferees<br />

unterstützt wurden. Gemeinsam feierte man nach dem Spiel<br />

die zahlreichen Erfolge sowie die tollen Karrieren von Andi und Andi auch<br />

bei einem gemütlichen Beisammensein. Der Tiroler Fußballverband sowie<br />

das Tiroler Schiedsrichterkollegium gratulieren herzlich zu all dem Erreichten<br />

und freuen sich sehr, dass die beiden Schiedsrichtergrößen dem<br />

Fußball, wenngleich in anderen Rollen, erhalten bleiben werden.<br />

NIEDERÖSTERREICH<br />

Ehrung für Meisterteams<br />

in Lindabrunn<br />

Der NÖFV lädt die Meisterinnen und Meister der Erwachsenenbewerbe<br />

2022/23 zu einer Meisterfeier in die Sportschule Lindabrunn ein.<br />

Die Veranstaltung steigt am Samstag, dem 8. Juli 2023 ab 15.00 Uhr.<br />

Die Ehrung steht unter dem Motto „Meister dank Ehrenamt“, um auch<br />

den Einsatz und die Leistung der ehrenamtlichen FunktionärInnen<br />

rund um ein siegreiches Team zu würdigen. Geladen sind daher pro<br />

Verein vier Ehrenamtliche und vier SpielerInnen. Nach der Übergabe<br />

der Meisterdiplome samt ERIMA Matchball ist auch ein Rahmenprogramm<br />

(Kabarett) und ein Internationales Spiel in der Sportschule geplant.<br />

Die Küche der Sportschule wird mit einer Pasta-Party für entsprechende<br />

Stärkung sorgen. Für die FunktionärInnen gibt es ein kleines<br />

Geschenk. Unter allen anwesenden Vereinen werden Gutscheine<br />

im Wert von jeweils € 2000,- für einen Aufenthalt in Lindabrunn verlost.<br />

NÖFV/BERT BAUER<br />

KÄRNTEN<br />

Zwei Kärntner Teams beim Schülerliga-Bundesfinale der Mädchen<br />

Beim Schülerliga-Landesfinale der Mädchen im Stadion Villach/Lind trafen im Endspiel die Mannschaften der MS 2 Waidmannsdorf und<br />

des BRG Spittal aufeinander. Die Waidmannsdorfer Mädels setzten sich im Siebenmeterschießen mit 7:6 durch – am Ende der regulären<br />

Spielzeit stand es 1:1. Beide Teams qualifizierten sich damit für das Bundesfinale vom 25. bis 28. Juni<br />

2023 im BSFZ Faak am See. Das Spiel um Platz 3 gewann das BG Lerchenfeld gegen die MS Villach/<br />

Lind mit 3:1. KFV-Sportdirektor Wolfgang Robatsch war bei den Finalspielen ebenso zu Gast wie Frauenreferentin<br />

Sabine D‘Angelo und Leonie Lackner. Schulsportkoordinator Bernt Lex sorgte für die perfekte<br />

Organisation – die KFV-Schiedsrichter Walter Dietz und Josef Kandolf leiteten die Spiele hervorragend.<br />

Der KFV wünscht den beiden Kärntner Teams viel Erfolg beim Bundesfinale.<br />

KFV<br />

54<br />

CORNER 02/23


SALZBURG<br />

Talentprobe beim<br />

UNIQA-Jugendcup 2023<br />

Am Staatsfeiertag konnten sich die Spieler der LAZ-<br />

Vorstufen beim UNIQA-Jugendcup, dem Sichtungsturnier<br />

des Salzburger Fußballverbandes, in Saalfelden<br />

präsentieren. Bei idealen äußeren Bedingungen entwickelte<br />

sich auf der Sportanlage des FC Pinzgau Saalfelden vor einer gut<br />

gefüllten Tribüne ein attraktives Turnier mit fairen Spielen. Die fünf aus<br />

den LAZ-Vorstufen des Jahrganges 2011 zusammengestellten Mannschaften<br />

boten in insgesamt zehn spannenden Begegnungen Nachwuchsfußball<br />

auf hohem Niveau. Besonders die Teams aus dem Pinzgau<br />

und dem Pongau konnten überzeugen. Die SALZBURGER UNIQA,<br />

das führende Versicherungsunternehmen in Salzburg, unterstützte diese<br />

Veranstaltung bereits zum 8. Mal und unterstrich dadurch erneut ihr<br />

Engagement für den Nachwuchssport. Als starker Partner des SFV leistet<br />

die SALZBURGER UNIQA einen großen Beitrag zur sportlichen Ausbildung<br />

aller Kinder<br />

und Jugendlichen<br />

in den SFV-<br />

Ausbildungszentren.<br />

Alle Spieler<br />

erhielten neben Erinnerungsmedaillen<br />

im Beisein<br />

zahlreicher Ehrengäste<br />

von UNIQA<br />

GA-Betreuerin Katrin<br />

Wieser auch<br />

Sachpreise überreicht.<br />

Großer<br />

Dank gilt auch<br />

dem FC Pinzgau<br />

Saalfelden als ausrichtender<br />

Verein<br />

für die erwiesene<br />

Gastfreundschaft!<br />

SFV/LAUXFOTO<br />

OBERÖSTERREICH<br />

Entwicklungsförderung<br />

für Frauenfußball<br />

Der OÖ FUSSBALLVERBAND hat 2018 eine Entwicklungsförderung für<br />

Frauenfußball eingeführt und damit einen finanziellen Anreiz gesetzt, um<br />

Bewerbe mit Nachwuchsteams, die sich nur aus Mädchen zusammensetzen,<br />

zu beschicken. Ein Amateurverein, der mit einer nur aus Mädchen<br />

bestehenden Mannschaft an einem offiziellen Meisterschaftsbewerb in<br />

den Altersstufen U6 bis U8 teilnimmt, erhält eine Förderung in Höhe von<br />

EUR 1.000.-. Für eine Stellung eines Mädchen-Nachwuchsteams ab der<br />

Altersstufe U9 beträgt die Förderung EUR 2.500.-. Nach anfänglich nur<br />

drei Vereinen waren es im Vorjahr bereits sieben, in der Saison 2022/23<br />

entfaltet die Entwicklungsförderung nun echte Wirkung. „Heuer sind bereits<br />

18 Vereine anspruchsberechtigt. Das ist eine wichtige Entwicklung,<br />

weil je mehr Optionen es gibt, in einem Team nur mit Mädchen zusammenzuspielen,<br />

umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehr weibliche<br />

Talente dem Fußball erhalten bleiben“, erklärt der für Sport und Spielbetrieb<br />

zuständige OÖFV-Direktor Raphael Koch. Nach der fünfjährigen<br />

Einführungsphase dieser erfolgreichen Maßnahme des OÖ FUSSBALL-<br />

VERBANDES werden die Förderrichtlinien ab der Saison 2023/24 angepasst:<br />

Bei gleichbleibenden Förderbeträgen wird eine Initialförderung<br />

künftig befristet für die ersten zwei Jahre ausgeschüttet. Vereine, die in<br />

der Saison 22/23 eine Förderung erhalten haben, sind 2023/24 zum letzten<br />

Mal anspruchsberechtigt. Dafür wird die Stellung von Nachwuchs-<br />

Mädchenmannschaften als neues Kriterium im Anreizsystem verankert<br />

und sorgt für einen dauerhaften Vorteil, finanziell profitieren zu können.<br />

ÖOFV<br />

STEIERMARK<br />

geomix neuer Partner<br />

des StFV!<br />

Ab 1. Juli 2023 beginnt für den Steirischen Fußballverband eine neue Ära.<br />

StFV-Präsident Wolfgang Bartosch und geomix Projektleiter IT Christian<br />

Stangl haben einen Vier-Jahres-Ausrüstervertrag zwischen dem StFV und<br />

der Liezener Firma geomix unterzeichnet. Der Steirische Fußballverband<br />

hat im Zuge einer Ausschreibung und<br />

umfassender Gespräche mit diversen<br />

Anbietern auf dem Gebiet der Sportausrüstung<br />

einstimmig beschlossen, dass<br />

mit der steirischen Firma geomix der<br />

neue Ausrüstervertrag, der vorerst bis<br />

30. Juni 2027 laufen wird, abgeschlossen<br />

wird. Diese neue Kooperation bringt<br />

einen wesentlichen Mehrwert für die<br />

Vereine des Steirischen Fußballverbandes<br />

im Rahmen der jährlichen Gutschein-Aktion.<br />

Denn ab der nächsten Aktion,<br />

die im Juli 2023 starten wird, können<br />

unsere Vereine aus der breiten<br />

Produktpalette von geomix ihre gewünschten<br />

Utensilien auswählen und<br />

sind nicht mehr an einen Hersteller gebunden.<br />

Weiters konnte der Steirische<br />

Fußballverband mit geomix weitere vergünstigte<br />

Bedingungen für Matchbälle,<br />

aber vor allem für die Ausrüstung der StFV-Auswahlen und LAZ-Standorte<br />

des StFV vereinbaren, die weiterhin mit Utensilien der Marke JAKO ausgestattet<br />

werden.<br />

STFV<br />

VORARLBERG<br />

Der FC Wolfurt gewinnt<br />

den 47. UNIQA-VFV-Cup<br />

Der VN.at Eliteliga-Tabellenführer FC Wolfurt ist zum zweiten Mal<br />

nach 1990 Sieger des UNIQA VFV-Cup. Die Wolfurter gewannen vor<br />

1.250 Zuschauern gegen den Vorarlbergliga-Meister Alberschwende<br />

mit 2:0 (0:0). Einer vorsichtigen Anfangsphase folgte ab der 15. Minute<br />

eine klare Überlegenheit des FC Wolfurt, der versuchte, offensive<br />

Akzente zu setzen, aber lange an einer starken Defensivleistung der<br />

Bregenzerwälder scheiterte. Das 0:0 zur Pause schmeichelte dem FC<br />

Alberschwende. Aber nach der Pause machte Wolfurt ernst. Schon<br />

nach vier Minuten schloss Petrovic einen starken Angriff mit dem<br />

Wolfurter Führungstreffer ab. Nur Minuten später rettete die Querlatte<br />

die Alberschwender vor einem 0:2-Rückstand. Trotz der Unterstützung<br />

von vielen Fans gelang es dem FC Alberschwende kaum, seine<br />

in der Liga so starke<br />

Offensivabteilung in<br />

Position zu bringen.<br />

Ganz im Gegenteil:<br />

Wolfurt traf nach einem<br />

schnellen Gegenstoß<br />

durch Özdemir<br />

zum 2:0 und feierte<br />

einen verdienten<br />

Sieg im 47. UNIQA<br />

VFV Cup. Als bester<br />

Spieler wurde der<br />

Wolfurter Benjamin<br />

Neubauer ausgezeichnet.<br />

VFV<br />

CORNER 02/23 55


TEXT MICHAEL GRASWALD<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

Titelwechsel<br />

Stefan Ebner ist gelungen, was die Teams in der ADMIRAL Bundesliga<br />

nicht geschafft haben. Der Oberösterreicher löst den Seriensieger<br />

Harald Lechner, der die Auszeichnung zuvor neunmal in Serie erhielt,<br />

als „Schiedsrichter der Saison“ ab.<br />

ÖFB CORNER: Gratulation zum Titel<br />

„Schiedsrichter der Saison“. Wie fühlt es<br />

sich an, den Seriensieger abzulösen?<br />

STEFAN EBNER: Vielen Dank! Es ist schon<br />

eine schöne Auszeichnung. Letztes Jahr<br />

wurde ich Dritter, war damals sehr überrascht<br />

und heuer umso mehr. Es hätten sich auch<br />

einige andere Kollegen verdient. Ich möchte<br />

den Erfolg mit meinen Assistenten teilen.<br />

Sie haben einen großen Teil zu dieser Auszeichnung<br />

beigetragen.<br />

Wie haben Sie davon erfahren?<br />

Ich habe mein Training absolviert und in der<br />

Kabine die Bundesliga-Aussendung gesehen.<br />

Dann sind auch schon die ganzen Gratulationsnachrichten<br />

hereingekommen. Ich war<br />

baff und überwältigt, dass ich so anerkannt<br />

werde. Das hat mir schon einen Boost gegeben.<br />

Gewählt wurden Sie von Präsidenten,<br />

Managern und Trainern.<br />

56<br />

CORNER 02/23


»Ich möchte<br />

den Erfolg mit<br />

meinen Assistenten<br />

teilen.«<br />

Das verleiht der Auszeichnung einen besonderen<br />

Stellenwert, weil das die Leute sind,<br />

mit denen man wöchentlich zu tun hat.<br />

Zeigen einem die Trainer damit auch, dass<br />

man als Schiedsrichter doch nicht alles<br />

falsch macht?<br />

Möglicherweise (lacht). Ich traue mich zu<br />

sagen, dass es gut für mich gelaufen ist und<br />

es meine konstanteste Bundesligasaison<br />

war. Auch von den Beobachtern habe ich viel<br />

positives Feedback bekommen. Generell<br />

wird bei Schiedsrichtern oft nur über Fehlentscheidungen<br />

geredet. Wir verlassen den<br />

Rasen nicht unter Applaus.<br />

Hat die Kritik eine neue Ebene erreicht?<br />

Es ist erst meine vierte volle Bundesligasaison,<br />

darum will ich es nicht bewerten. Ich<br />

glaube, dass sich die Diskussion einfach zum<br />

VAR verlagert hat. Dabei wird oft vergessen,<br />

dass wir erst im zweiten VAR-Jahr sind. Kein<br />

Produkt funktioniert bei Markteinführung zu<br />

einhundert Prozent. Vom VAR wird das aber<br />

verlangt.<br />

Also wird der VAR ungerecht beurteilt?<br />

Der VAR war bei der Einführung schon mit<br />

vielen Vorurteilen konfrontiert. Mich ärgert<br />

es auch, wenn trotz VAR Fehler passieren.<br />

Es entscheiden aber Menschen, die halt<br />

Fehler machen können. Bald werden wir<br />

einfach nur froh sein, dass wir den VAR haben.<br />

Das Spiel ist gerechter geworden.<br />

2019 Bundesliga-Debüt, 2023 Nominierung<br />

zum FIFA-Referee und die ersten internationalen<br />

Partien. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?<br />

Schwer zu sagen. Ich bin ein harter Arbeiter<br />

und habe mir einfach immer realistische<br />

Ziele gesetzt. Ich konnte mich über den ÖFB-<br />

Förderkader entwickeln und Erfahrungen in<br />

verschiedenen Ligen sammeln. Auch bei der<br />

UEFA habe ich ein gutes Coaching bekommen,<br />

war im UEFA CORE-Programm. All das<br />

trägt jetzt Früchte.<br />

Ein Großteil Ihrer bisherigen Bundes-ligakarriere<br />

fand während Corona statt.<br />

Corona war schon ein Brett. Für einen<br />

Schiedsrichter sind Geisterspiele eine besondere<br />

Herausforderung, weil die Fans<br />

daheim jede Kleinigkeit mitbekommen und<br />

du reagieren musst. Ich will nicht sagen, dass<br />

es leichter oder schwerer war. Ich bin einfach<br />

froh, dass wir wieder tolle Stimmung in den<br />

Stadien haben.<br />

Wie schwer ist der Spagat zwischen Beruf<br />

und Schiedsrichter-Einsätzen für Sie?<br />

Als ich Anfang des Jahres FIFA-Schiedsrichter<br />

wurde, war klar, dass es sich mit dem<br />

Jahresurlaub nicht mehr ausgehen wird.<br />

Darum bin ich vom Angestelltenverhältnis in<br />

die Selbstständigkeit gewechselt. Jetzt bin<br />

ich flexibler, kann mir beispielsweise nach<br />

einem Match am Sonntag noch Zeit für Regeneration<br />

nehmen und muss nicht Montagfrüh<br />

im Büro sitzen. Ich versuche für mich,<br />

so professionell wie möglich zu arbeiten.<br />

Wenn ich zu einem Spiel fahre, zählen nur<br />

die 90 Minuten, sonst gar nichts.<br />

Der ÖFB wird den Eliteschiedsrichter-<br />

Bereich professionalisieren. Ein guter und<br />

wichtiger Schritt, oder?<br />

Jeder von uns Schiris freut sich darüber.<br />

Andere Länder haben viel investiert. Wir<br />

müssen nachziehen, um wettbewerbsfähig<br />

zu bleiben. Wir müssen uns trauen, neue<br />

Wege zu gehen und vor allem die Strukturen<br />

professionalisieren. Es geht nicht nur um<br />

Bezahlung, als Profis könnten wir beispielsweise<br />

viel intensiver an der Basis mitarbeiten<br />

und unser Wissen weitergeben. Es ist definitiv<br />

eine Aufbruchsstimmung spürbar.<br />

Was machen Sie, um abzuschalten?<br />

Der große Anker ist meine Frau. Kürzlich<br />

haben wir mit einem kleinen Welpen Familienzuwachs<br />

bekommen. Bei Fehlentscheidungen<br />

leidet meine Frau mit, aber es ändert<br />

ihre Meinung von mir nicht. Das ist ein tolles<br />

Gefühl. Auch Gespräche mit Freunden sind<br />

ganz wichtig.<br />

Gehen Sie zufrieden in die Sommerpause?<br />

Wie erwähnt ist es mir gelungen, konstant<br />

meine Leistung zu bringen. Aber es war nicht<br />

alles gut. Ich werde die Saison analysieren<br />

und mich nicht auf dem Erreichten ausruhen.<br />

Ein gutes Jahr reicht nicht.<br />

Es gilt den Titel als „Schiedsrichter der<br />

Saison“ zu verteidigen.<br />

Das wäre natürlich schön. Einfach, weil es eine<br />

Bestätigung von höchster Stelle ist. Ich glaube,<br />

dass die Art und Weise, wie ich kommuniziere,<br />

gut ankommt. Daran werde ich nichts ändern.<br />

Ich will mir schon treu bleiben.<br />

CORNER 02/23 57


TEXT GERHARD GERSTENMAYER,<br />

JOHANN HECHTL<br />

VERLETZUNGEN<br />

Ernst oder Vorwand?<br />

Naturgemäß ist Fußball eine Sportart,<br />

bei der es zu Körperkontakt kommt.<br />

Dieser kann mehr oder weniger intensiv<br />

ausfallen und daher auch zu Verletzungen<br />

führen. In diesem Fall ist<br />

der Schiedsrichter gefordert, diese<br />

Situation entsprechend einzuschätzen<br />

und zu reagieren.<br />

Null Toleranz bei Kopfverletzungen!<br />

Seitens des IFAB wird im Anhang zu den Spielregeln<br />

klar festgehalten, dass die Gesundheit<br />

der Spieler oberste Priorität hat, weshalb der<br />

Schiedsrichter die Arbeit der medizinischen Betreuer,<br />

insbesondere bei ernsthaften Verletzungen<br />

und/oder Kopfverletzungen, bestmöglich zu unterstützen<br />

hat.<br />

IFAB-Spielregel 5 – Verletzungen<br />

Die Vorgangsweise rund um Verletzungen ist in<br />

der IFAB-Spielregel 5 beschrieben:<br />

Wenn der Schiedsrichter einen Spieler für<br />

ernsthaft verletzt hält, hat er das Spiel zu unterbrechen<br />

und je nach Vorfall die Verarztung zu<br />

veranlassen, oder den Spieler gleich vom Spielfeld<br />

bringen zu lassen. Jedenfalls ist vor der<br />

Unterbrechung noch der aktuelle Spielzug zu<br />

berücksichtigen, insbesondere ob nicht z.B.<br />

unmittelbar ein Torschuss erfolgen könnte. Nach<br />

wie vor ist auch zu beobachten, dass die Spieler<br />

selbst vom „Fair-Play-Gedanken“ getragen sind<br />

und den Ball bei einer erkannten Verletzung über<br />

die Seitenlinie oder Torlinie schießen.<br />

Verarztung auf dem Spielfeld<br />

Das Betreten des Spielfeldes durch die Betreuer<br />

(im Regelfall bis zu zwei) darf ausschließlich über<br />

Zeichen des Schiedsrichters erfolgen. Diese<br />

haben die notwendige Verarztung vorzunehmen,<br />

wobei der behandelte Spieler danach grundsätzlich<br />

das Spielfeld zu verlassen hat (entweder,<br />

dass er selbst geht oder dass er mit einer Trage<br />

vom Spielfeld gebracht wird). Der verletzte Spieler<br />

muss auch dann das Spielfeld verlassen, wenn<br />

der Schiedsrichter den Betreuern erlaubt, auf<br />

das Spielfeld zu kommen, diese das Spielfeld<br />

betreten haben, aber der Spieler doch keine<br />

Behandlung braucht.<br />

Wäre dieser verletzte Spieler zu verwarnen<br />

oder des Feldes zu verweisen, so ist die Karte<br />

vor dem Verlassen des Spielfeldes zu zeigen.<br />

Wenn ein Spieler vom Spielfeld getragen wird,<br />

so genügt es, wenn die Karte nur gehoben präsentiert<br />

wird und/oder der Kapitän davon in<br />

Kenntnis gesetzt wird.<br />

58<br />

CORNER 02/23


Ausnahmen vom Verlassen des Spielfeldes<br />

nach Abschluss der Behandlung auf dem Spielfeld:<br />

- der verletzte Spieler ist ein Torhüter;<br />

- ein Torhüter und ein Feldspieler (egal<br />

von welcher Mannschaft) müssen nach einem<br />

Zusammenprall behandelt werden;<br />

- Spieler desselben Teams müssen nach<br />

einem Zusammenprall behandelt werden (auch<br />

wenn nur einer der verletzten Spieler behandelt<br />

werden muss).<br />

Sofern die Behandlung nur kurz dauert, also<br />

etwa 20 bis 25 Sekunden:<br />

- wenn der Gegner wegen des Vergehens<br />

verwarnt oder ausgeschlossen wird;<br />

- wenn ein Strafstoß verhängt wurde und<br />

der verletzte Spieler der Strafstoßschütze wäre.<br />

Blutende Wunden, blutverschmierte<br />

Ausrüstung<br />

Stellt der Schiedsrichter bei einem verletzten<br />

Spieler eine blutende Wunde fest, so ist dieser<br />

Spieler vom Spielfeld zu weisen, um diese zu<br />

versorgen, aber auch, um eine allenfalls blutverschmierte<br />

Ausrüstung zu wechseln. Sollte kein<br />

Ersatztrikot mit dieser Rückennummer zur Verfügung<br />

stehen, so ist ein Trikot mit einer anderen<br />

Rückennummer zu verwenden, jedoch ist der<br />

Trikotwechsel dem Schiedsrichter mitzuteilen,<br />

damit er seine Aufzeichnungen anpassen kann.<br />

Wiedereintritt des verletzten Spielers<br />

Der Wiedereintritt des verletzten Spielers darf<br />

immer nur nach Wiederaufnahme des Spiels<br />

erfolgen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass dies<br />

Bei Kopfverletzungen<br />

wird der<br />

medizinischen<br />

Versorgung eine<br />

hohe Priorität<br />

eingeräumt.<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

bei laufendem Spiel ausschließlich bei der Seitenlinie<br />

zu erfolgen hat und im Zuge einer (weiteren)<br />

Spielunterbrechung der Eintritt auch bei<br />

der Torlinie erfolgen könnte. Jedenfalls ist insbesondere<br />

nach einer blutenden Wunde die Versorgung<br />

derselben zu kontrollieren. Dies darf auch<br />

der Schiedsrichter-Assistent oder 4. Offizielle<br />

vornehmen, der Wiedereintritt ist allerdings<br />

immer an die Zustimmung des Schiedsrichters<br />

gebunden. Betritt der verletzte Spieler ohne<br />

Zustimmung des Schiedsrichters das Spielfeld,<br />

ist er zu verwarnen, würde er sich sogar am Spiel<br />

beteiligen, indem er z. B. den Ball spielt, muss<br />

ein direkter Freistoß gegen ihn verhängt werden.<br />

Erfolgt dieser „Eingriff“ in seinem Strafraum,<br />

wäre auf Strafstoß zu entscheiden.<br />

Spielunterbrechung ohne Vergehen<br />

Hat der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen,<br />

ohne dass ein Vergehen vorliegt und noch bevor<br />

der Ball über eine Begrenzungslinie rollt, da er<br />

z. B. nach einem Zusammenstoß eine Kopfverletzung<br />

vermutet, so ist das Spiel nach der Verarztung<br />

mit einem SR-Ball fortzusetzen.<br />

Das Prozedere rund um den Schiedsrichter-<br />

Ball wurde bereits mit der Saison 2019/2020 neu<br />

geregelt (siehe CORNER 3/2019). Nunmehr ist<br />

klar festgelegt, wo und mit welcher Mannschaft<br />

dieses vorzunehmen ist. Die Zeiten – ähnlich<br />

einem „Bully“ wie beim Eishockey – sind damit<br />

Geschichte, und es erleichtert den Ablauf sowohl<br />

für den Schiedsrichter als auch für die Spieler.<br />

Behandlungen auf dem Spielfeld oder<br />

am Spielfeldrand<br />

Die Schiedsrichter haben den medizinischen<br />

Betreuern die notwendige Zeit für die Behandlung<br />

einzuräumen, jedoch bei erkennbarem Versuch,<br />

„auf Zeit zu spielen“, eine effiziente Vorgangsweise<br />

anzustreben. Eine Behandlung außerhalb<br />

des Spielfeldes sollte nach Möglichkeit gleich in<br />

einer größeren Entfernung zur Seitenlinie vorgenommen<br />

werden, um das Spiel ohne wesentliche<br />

Verzögerung fortsetzen zu können. Jedenfalls ist<br />

unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation<br />

entsprechend sensibel und unter Beachtung der<br />

Gesundheit und ärztlichen Versorgung der Spieler<br />

vorzugehen, insbesondere da ohnehin die<br />

durch die Behandlung verloren gegangene Zeit<br />

einzurechnen ist.<br />

Die gesamten Spielregeln sind auf der<br />

IFAB-Homepage abrufbar:<br />

https://www.theifab.com<br />

CORNER 02/23 59


Mixed Zone<br />

VON AKTUELL BIS ZEITLOS<br />

ÖFB-LEGENDE<br />

PAUL SCHILLER<br />

VERSTORBEN<br />

Der ÖFB trauert um Paul Schiller. Der<br />

ehemalige Top-Schiedsrichter ist am<br />

18. März, kurz nach seinem 95. Geburtstag,<br />

verstorben. Schiller war als Anerkennung<br />

für seine nationalen und internationalen<br />

Leistungen auch Mitglied im Legenden-Klub<br />

des ÖFB. Der Wiener legte<br />

1954 die Schiedsrichterprüfung ab und<br />

wurde 1964 in die internationale Liste<br />

aufgenommen. 1976 musste der absolute<br />

Top-Referee nach mehr als 100 internationalen<br />

Spielen aus Altersgründen seine<br />

aktive Karriere beenden. Diese umfasste<br />

beeindruckende Höhepunkte. So leitete<br />

Schiller gleich vier Finalspiele des Mitropacups,<br />

das Finale im Europacup der<br />

Cupsieger 1970 in Wien zwischen Gornik<br />

Zabrze und Manchester City (1:2), das<br />

U23-EM-Finale Ungarn vs. DDR (3:0) 1974<br />

in Budapest, das Spiel um Platz 3 bei der<br />

Minicopa 1972 Argentinien gegen Jugoslawien<br />

(2:4) im Maracana-Stadion von<br />

Rio de Janeiro vor 180.000 Zuschauern<br />

sowie das zweite UEFA-Cup-Finale 1975<br />

Twente Enschede vs. Borussia Mönchengladbach<br />

(1:5). Beim Asiencup 1975 leitete<br />

er in Teheran vor über 100.000 Zuschauern<br />

das Finale zwischen Iran und<br />

Kuwait (2:1). Bei den Olympischen Spielen<br />

1976 in Kanada war Paul Schiller bei<br />

mehreren Spielen als Schiedsrichter im<br />

Einsatz. Sein internationales Abschiedsspiel<br />

1976 war das Supercupfinale in<br />

Brüssel zwischen RSC Anderlecht und<br />

dem FC Bayern München (4:1). Nach seiner<br />

aktiven Karriere war er lange Jahre<br />

als Funktionär im ÖFB, in der Bundesliga<br />

sowie als UEFA-Schiedsrichterbeobachter<br />

und im Wiener Schiedsrichter-Kollegium<br />

tätig.<br />

Der ÖFB wird seiner Legende Paul<br />

Schiller immer ein ehrendes Andenken<br />

bewahren.<br />

ÖFB/KELEMEN<br />

ÖFB<br />

Spannender Austausch<br />

der Bundesligatrainer<br />

m Rahmen der März-Länderspiele in Linz trafen die 28 Trainer der beiden höchsten<br />

Spielklassen zur Bundesligatrainer-Fortbildung zusammen. Wie Bereichsleiter Franz<br />

IPonweiser und Thomas Eidler (Gesamtleiter ÖFB-Trainerakademie) betonten, sei es<br />

besonders wichtig gewesen, ein vielfältiges Programm zusammenzustellen. „Man darf<br />

nicht vergessen, dass die Trainer jede Woche Konkurrenten sind und sich um Punkte duellieren.<br />

Da wollten wir ein Programm anbieten, das inhaltlich für jeden Geschmack etwas<br />

bietet.“ Dabei sei darauf geachtet worden, dass Themen in den Mittelpunkt gerückt<br />

wurden, die auf den ersten Blick scheinbar wenig mit Fußball zu tun haben, wie beispielsweise<br />

Eishockey. Nach Eröffnungsworten von ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel<br />

und LASK-Präsident Sigmund Gruber begann der Tag mit einem Blick in das Projekt<br />

„Players first“ von Thomas Eidler. In der Folge standen Vorträge von Felix Gottwald und<br />

Adi Hütter, der vor den Trainerkollegen aus dem Nähkästchen geplaudert hat, auf dem<br />

Programm. „Wir wollten einen Blick über den Tellerrand anregen“, erklärt Ponweiser. Zudem<br />

lauschten die Anwesenden gespannt einem Vortrag von Sebastian Bayer zum Thema<br />

„Wie wird man als Fußballtrainer zur Marke“.<br />

Das absolute Highlight des Tages war aber der gemeinsame Besuch beim EURO-Qualifikationsspiel<br />

des Nationalteams gegen Aserbaidschan in der Raiffeisen Arena. „Es war<br />

ein großartiger Tag, und ich möchte mich bei allen Beteiligten bedanken. Es war eine<br />

sehr gute, lockere Atmosphäre. Es war uns in der Planung wichtig, dass beispielsweise<br />

in Pausen viel Raum für Gespräche geboten wird“, so der Bereichsleiter.<br />

PREMIERE FÜR FIFA-SCHIEDSRICHTERINNEN<br />

Ein Seminar für alle Schiedsrichterinnen hatte der ÖFB bereits mehrmals veranstaltet.<br />

Vergangenes Wochenende fand nun erstmals ein Treffen nur für die sieben FIFA-Schiedsrichterinnen<br />

und FIFA-Schiedsrichterassistentinnen des ÖFB statt. Dabei standen sportmotorische<br />

Tests, Leistungsdiagnostik, Vorträge und viel direkter Austausch im Mittelpunkt.<br />

Initiiert wurde die Veranstaltung von Agnes Prammer, die seit Oktober 2021 Vorsitzende<br />

des Frauen-Schiedsrichterwesens ist. Unterstützt wurde sie bei der Umsetzung<br />

von Ali Hofmann (Head of Referee Department), der auch die Fitnessuntersuchungen<br />

mitgestaltete. Die sieben FIFA-Schiedsrichterinnen unterzogen sich zunächst sportmotorischen<br />

und leistungsdiagnostischen Tests, deren Ergebnisse im Anschluss analysiert<br />

wurden. Durchgeführt wurden die Tests von Mag. Michael Koller („Die Sportordination“),<br />

der auch einen spannenden Vortrag vorbereitet hatte. Auch Robert Sedlacek (Vorsitzender<br />

ÖFB-Schiedsrichterkommission) ließ es sich nicht nehmen, ein paar Worte an die Anwesenden<br />

zu richten. Prammer konzentrierte sich auf Vieraugengespräche mit allen<br />

Schiedsrichterinnen. Bei einem<br />

Interview mit dem ÖFB COR-<br />

NER im vergangenen Jahr hatte<br />

Prammer angekündigt: „Ich will<br />

ein Umfeld schaffen, in dem<br />

Schiedsrichterinnen ihre Potenziale<br />

abrufen können.“ Die Resonanz<br />

der Schiedsrichterinnen<br />

war sehr positiv, sie genossen<br />

es, sich in einem lockeren Rahmen<br />

mit ihren Kolleginnen auszutauschen.<br />

So wurde die Premiere<br />

zu einem Erfolg.<br />

ÖFB<br />

60<br />

CORNER 02/23


ÖFB Coca-Cola eChallenge23<br />

hat einen Gewinner<br />

Die ÖFB Coca-Cola eChallenge 23 hat einen Gewinner! Raphael Vogl (Gamertag: raphiask14)<br />

konnte sich in der Final-Serie des FIFA-Turniers, die im Best-of-three-Modus ausgetragen<br />

wurde, 2:1 gegen ÖFB-eNationalteamspieler Ajdin Islamovic (eyedin98) durchsetzen<br />

(5:4, 2:5, 4:1). „Es war ein schweres Turnier. Einige Gegner kannte ich schon aus der<br />

eBundesliga. Vor allem das Finale gegen den Ajdin, der ja, so wie ich, österreichischer<br />

Meister wurde, war hart. Es war ein richtig spannendes Spiel. Ich habe den ersten Pokal<br />

in meiner bisherigen FIFA-Karriere gewonnen, den ich sozusagen zu Hause aufstellen<br />

kann. Deswegen freut es mich umso mehr“, so der Champion. Neben den beiden Finalisten<br />

überstanden auch Raphael Heuer (Heuninio), Daniel Spajic (vico111), Kevin Seifried<br />

(xxKennYYGGGGxx), Luca Gerbert (iR_Shanks), Florian Prosser (florianpro2309) und<br />

Thomas Österreicher (Spacefoxi1980) die am Donnerstag stattfindende Gruppenphase<br />

und erreichten damit das K.o.-Turnier. Vorher mussten sich alle Teilnehmenden über die<br />

Landesverbands- bzw. Open Qualifier für die finale Phase des Turniers qualifizieren. xx-<br />

KennYYGGGGxx verlor im Halbfinale 1:2 gegen eyedin98, florianpro2309 0:2 gegen den<br />

späteren Turniersieger raphiask14. Raphael Vogl betont: „Ich finde es richtig cool, dass<br />

der ÖFB so ein Turnier organisiert. Auch mit den Preisen, wie Tickets für ÖFB-Länderspiele.<br />

Da freue ich mich auf jeden Fall. Der Ajdin und ich haben vor dem Finale gesagt, dass<br />

wir uns die VIP-Tickets teilen. Wir gehen gemeinsam zum Spiel, was megacool ist.“<br />

Trauer um<br />

Buffy Ettmayer<br />

D<br />

er ÖFB und die heimische Fußballfamilie<br />

trauern um Johann „Buffy“<br />

Ettmayer. Der 30-fache ÖFB-Teamspieler<br />

ist im Alter von 76 Jahren verstorben.<br />

Ettmayer begann seine Karriere 1963 beim<br />

FK Austria Wien. 1966 wechselte der gebürtige<br />

Wiener nach Tirol zum FC Wacker Innsbruck.<br />

Dort wurde er aufgrund seines trickreichen<br />

Spiels zum Publikumsliebling. Im<br />

ÖFB-Cup-Finale von 1970 erzielte er gegen<br />

den LASK den 1:0-Siegestreffer und sicherte<br />

so den ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte<br />

in diesem Wettbewerb. 1971 gewann<br />

Wacker mit Ettmayer auch den ersten<br />

Meistertitel der Vereinsgeschichte. In der darauffolgenden<br />

Saison wechselte er nach<br />

Deutschland zum VfB Stuttgart, für den er in<br />

97 Spielen 34 Tore erzielte. Am 26. Januar<br />

1974 schoss Ettmayer in der Partie gegen<br />

Eintracht Frankfurt das 10.000ste Tor der<br />

deutschen Bundesliga-Geschichte. 1974<br />

übernahm Buffy Ettmayer die VfB-Kapitänsschleife.<br />

Nach dem erstmaligen Abstieg des<br />

VfB aus der Bundesliga 1975 ging man ge-<br />

GEPA-PICTURES.COM<br />

DIAMANT LINZ HOLT<br />

FUTSAL-MEISTERTITEL<br />

Der Meister der Saison 2022/23 in der 1. ÖFB Futsal Liga heißt FC Diamant Linz.<br />

Die Oberösterreicher setzen sich in einem packenden Finalspiel 9:8 nach Penaltyschießen<br />

gegen Stella Rossa tipp3 durch, stellen in der Best-of-three-Serie auf 2:1 und sichern<br />

sich damit ihren insgesamt dritten Titel. Nach 40 Minuten stand es 4:4. Zuletzt konnte<br />

Diamant in der Saison 2020/21 die Meisterschaft gewinnen. Stella Rossa muss sich zum<br />

dritten Mal in Folge mit dem Vizetitel begnügen. „Ich finde keine Worte. In meinem<br />

letzten Spiel den dritten Meistertitel zu holen – es ist das schönste Gefühl, das man<br />

überhaupt haben kann“, so Agan Fejzic, Sportlicher Leiter und Tormann von Diamant<br />

Linz, der seine aktive Karriere nach dieser Saison beendet. „Ich bin sprachlos, es ist<br />

unglaublich. Wir hatten in den letzten Wochen mit vielen Dingen zu kämpfen. Umso<br />

schöner ist der Sieg. Man muss trotzdem sagen, dass es sich beide Mannschaften<br />

verdient gehabt hätten“, sagt Linz-Kicker Edwin Skrgic.<br />

ÖFB<br />

trennte Wege. Von 1975 bis 1977 spielte er<br />

beim Hamburger SV. Für die Hanseaten bestritt<br />

er 27 Bundesligaspiele, in denen er vier<br />

Tore erzielte. Der HSV wurde 1976 DFB-Pokalsieger.<br />

1977, als der HSV durch einen 2:0-<br />

Sieg über den RSC Anderlecht den Europacup<br />

der Cupsieger gewann, stand er nur in<br />

einem Vorrundenspiel am Feld. Nach Saisonende<br />

wechselte er für eine Saison zum<br />

Schweizer Zweitligisten FC Lugano. Von<br />

1978 bis 1981 spielte er in der Zweiten Bundesliga<br />

Gruppe Süd für den Freiburger FC. In<br />

67 Partien erzielte er 14 Tore. Zum Abschluss<br />

seiner Spielerlaufbahn spielte er von<br />

1981 bis 1983 beim Amateurverein SV Göppingen,<br />

für den er zeitweise auch als<br />

Spielertrainer aktiv war. 1984 wurde der<br />

mittlerweile 37-Jährige Trainer des damaligen<br />

Landesligisten SpVgg Rommelshausen.<br />

Für das Nationalteam lief Ettmayer zwischen<br />

1968 und 1975 30 Mal auf. In der Nationalmannschaft<br />

konnte er keinen Torerfolg verbuchen.<br />

Er war unter Leopold Štástný an allen<br />

sechs Qualifikationsspielen für die EM<br />

1972 gegen Italien, Schweden und Irland als<br />

Spieler aktiv. Ettmayer war nicht nur für sein<br />

trickreiches Spiel, sondern auch für seinen<br />

legendären Schmäh bekannt und beliebt.<br />

Der ÖFB wird Buffy Ettmayer immer in<br />

dankbarer Erinnerung behalten.<br />

CORNER 02/23<br />

61


WASWURDEAUS …<br />

… CHRISTIAN FUCHS?<br />

TEXT HANS HUBER<br />

Tausendsassa mit nur einem Problem<br />

Der frühere ÖFB-Kapitän hat sich in den USA ein eigenes Sport-Imperium aufgebaut.<br />

Er steht unter Strom. Beinahe ständig.<br />

Denn Christian Fuchs, fünf Jahre lang<br />

Österreichs Teamkapitän, setzte schon<br />

vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn<br />

im Jänner den Startschuss zur Karriere<br />

nach der Karriere. Vor zwei Jahren übersiedelte<br />

er dann in die USA und<br />

baute ein geschäftliches Imperium<br />

auf. Glücklich in Amerika,<br />

hat er nur ein kleines Problem,<br />

wenn es gilt, Deutsch zu sprechen.<br />

„Früher habe ich mich<br />

gewundert, wenn Auslandsösterreicher<br />

nach Worten suchten<br />

und über Frank Stronach<br />

gescherzt, jetzt spüre ich es am<br />

eigenen Leib, wenn mir plötzlich<br />

Worte auf Deutsch nicht<br />

sofort einfallen ...“<br />

Nach atemberaubenden 19<br />

Jahren auf der Position des<br />

linken Verteidigers oder des<br />

linken Mittelfeldspielers begann<br />

er seine Aktivitäten neu zu ordnen.<br />

Der Titel in der englischen<br />

Premier League mit Leicester,<br />

dem englischen Pokalsieg 2021<br />

sowie die Teilnahme an zwei<br />

EUROs mit Österreich (2008<br />

und 2016) öffneten viele Türen.<br />

Er durchschritt diese mit höchstem<br />

Einsatz.<br />

Denn er betreibt nicht nur Fußball-Akademien<br />

in Österreich (Wiener Neustadt),<br />

England (London, Leicester, Manchester)<br />

sowie in den USA (New York und North Carolina),<br />

sondern auch einen Sportkomplex<br />

mit vielen Möglichkeiten für Profis und Hobbysportler.<br />

Dafür ersteigerte er gemeinsam<br />

mit seiner Frau ein altes, aufgelassenes<br />

Gefängnis nördlich von New York und ließ es<br />

zum „Hudson Sports Complex“ umbauen<br />

– ein Fitnesstempel, der alle Stückerl spielt<br />

und kräftig frequentiert wird. Bei den Akademien<br />

arbeiten in allen möglichen Jahrgängen<br />

zahlreiche qualifizierte Trainer für ihn.<br />

Dabei versucht der 37-Jährige überall ein<br />

wenig präsent zu sein, obwohl sein Hauptwohnsitz<br />

derzeit in Charlotte, in der Mitte<br />

zwischen New York und Miami, liegt. Dort ließ<br />

Zehn Jahre lang prägte<br />

Christan Fuchs das österreichische<br />

Nationalteam,<br />

einige davon als Kapitän.<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

GEPA-PICTURES.COM (2)<br />

er auch seine aktive Laufbahn in der amerikanischen<br />

Liga ausklingen. Der Klub aber ließ<br />

ihn nicht los und verpflichtete den Niederösterreicher,<br />

der in Österreich bei Wiener Neustadt<br />

und Mattersburg gekickt hatte, ehe es<br />

ihn nach Deutschland (Bochum, Mainz, Schalke)<br />

und später Leicester zog, als<br />

Co-Trainer. Jetzt versucht er, wie<br />

schon in seiner aktiven Zeit, europäische<br />

Fußball-Kultur in die immer<br />

stärker aufblühende MSL einzupflanzen.<br />

„Natürlich gibt es Unterschiede,<br />

vor allem im technischentaktischen<br />

Bereich!“<br />

Und da kann er einiges vorzeigen.<br />

Seine Kampfkraft, Flanken<br />

und Schüsse sind überall in bester<br />

Erinnerung. Der Kontakt zu den<br />

alten Kollegen ist allerdings spärlich<br />

geworden. „Dafür bleibt kaum<br />

Zeit!“ Aber er zitterte mit Leicester<br />

beim Kampf gegen den Abstieg<br />

und fiebert mit dem Nationalteam<br />

in der EM-Qualifikation. Er drückt<br />

die Daumen, obwohl er auch via<br />

TV – wegen der Zeitverschiebung<br />

und zahlreicher Verpflichtungen –<br />

nicht live dabei sein kann.<br />

Aber er denkt nur allzu gerne<br />

an die großen Matches im Teamdress<br />

zurück, das er zwischen 2006<br />

und 2016 78-mal trug – vor allem<br />

an die Zeit als Kapitän und besonders an die<br />

herausragende Qualifikation zur EURO 2016.<br />

Auch wenn die turbulente Endrunde nicht so<br />

lief wie erhofft. „Aber es waren unglaubliche<br />

zehn Jahre im Nationalteam. Ich hätte mir nie<br />

erträumen lassen, dass es solche Höhenflüge<br />

geben wird.“<br />

Dazu kümmert er sich selbstverständlich<br />

auch liebevoll um seine drei Kinder. Der älteste<br />

Sohn Ethan, gerade 14 Jahre alt und mit<br />

seinen 1,90 m schon größer als der Herr<br />

Papa, spielt erfolgreich im Tor. Und auch den<br />

achtjährigen Anthony lockt es zwischen die<br />

Pfosten. „Der hat allerdings durchaus auch<br />

das Potenzial zu einem bemerkenswerten<br />

Feldspieler.“ Tochter Katherine, 5, hat die Liebe<br />

zum Fußball noch nicht entdeckt. Aber die<br />

des Vaters wirkt sicherlich ansteckend.<br />

62<br />

CORNER 02/23


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