Die Elektroindustrie in Ostdeutschland - Otto Brenner Shop

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Kapitel 2

denziell ab. So liegt der Kostenanteil für Leiharbeitnehmer am BPW in Unternehmen mit 50 bis 1.000 Beschäftigten

im Durchschnitt bei 1 %, in Unternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten hingegen bei 0,3 %. Eine Ausnahme

bilden die kleinen Unternehmen (unter 50 Beschäftigte), hier sind die Kostenanteile für Leiharbeitnehmer mit 0,6 %

des BPW vergleichsweise gering. Dies deutet darauf hin, dass einerseits in den kleinen Unternehmen Leiharbeit

eine vergleichsweise geringe Rolle spielt und andererseits die Produktivität mit zunehmender Betriebsgröße

schneller wächst als die Kosten für Leiharbeit bzw. Personal.

Die Kostenstrukturanalyse bildet Tendenzen der Entwicklung in der bundesdeutschen Gesamtbranche ab. Sie verdeckt

den Blick jedoch darauf, dass nach Expertenaussagen der Anteil der Leiharbeiter in einigen ostdeutschen

Teilbranchen der Elektroindustrie deutlich höher liegen dürfte, als in ihren westdeutschen Pendants.

Sozialkosten

Als Sozialkosten werden die Arbeitgeberanteile an der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie die

Beiträge zur Berufsgenossenschaft verstanden. Außerdem enthalten sie unter der Rubrik „Sonstiges“ Beihilfen

und Zuschüsse im Krankheitsfall (Lohnfortzahlung), Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung und Kosten

für Aus- und Fortbildung. Umgangssprachlich werden die Sozialkosten häufig als „Lohnnebenkosten“ des Arbeitgebers

beschrieben. Der Anteil der Sozialkosten am Bruttoproduktionswert (BPW) ist in allen vier Abteilungen

der Elektroindustrie rückläufig, wenngleich sich zwischen den Abteilungen wiederum deutliche Unterschiede zeigen.

So ist der Anteil der Sozialkosten am BPW in der Abteilung 31 Herstellung von Geräten der Elektrizitätserzeugung

im Berichtszeitraum von 6,1 % auf 4,9 % zurückgegangen. In der Abteilung 32 Rundfunk und Nachrichtentechnik

fiel der Rückgang von 5,3 % auf 2,8 % deutlicher aus. In der Teilbranche 32.2 Geräte und Einrichtungen der Telekommunikation

sank der Anteil der Sozialkosten von 7,6 % auf 2,4 % und damit auf etwa ein Drittel des Anteils des

Jahres 1995 und erreichte den niedrigsten Wert der großen, für die ostdeutsche Elektroindustrie relevanten Bereiche.

Die Gründe für die rückläufigen Sozialkosten konnten vor allem in der sich deutlich verringernden Zahl der Kranken-

und Fehltage gesehen werden, die sich zum Beispiel für den BKK-Bereich im Jahre 2005 auf das niedrigste

Niveau seit Erhebungsbeginn reduziert hat und nur noch etwa halb so hoch war wie im Jahr 1991.

Addiert man zu den Anteilen der Sozialkosten am BPW den Anteil der Bruttolohn- und -gehaltssumme als zweithöchstem

Kostenfaktor in der Elektroindustrie, so kann man die Arbeitskosten abbilden. Ihr Anteil am BPW ist

zwischen 1995 und 2005 in der bundesdeutschen Elektroindustrie in der Abteilung 30 Herstellung von Büromaschinen,

Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen um 9,6 % (auf 14,1 %), in der Abteilung 31 Herstellung von

Geräten der Elektrizitätserzeugung um 4,6 % (auf 26,5 %), in der Abteilung 32 Rundfunk und Nachrichtentechnik

um 12,5 % (auf 15,3 %) und in der Abteilung 33 Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Optik, Herstellung

von Uhren um 7,6 % (auf 30,1 %) gesunken. Hervorgehoben werden sollen die Teilbranchen 32.1 Herstellung von

elektronischen Bauelementen mit einem Rückgang des Anteils der Arbeitskosten um 12,7 %, die 32.2 Geräte und

Einrichtungen der Telekommunikation mit einem Rückgang des Anteils um 25,5 % und die 33.1 Herstellung von medizinischen

Geräten mit einer Reduzierung des Anteils der Arbeitskosten am BPW um immerhin 10,1 % (vgl. LF S.33).

Nahezu alle Teilbranchen der Elektroindustrie waren z.T. massiven Kostensteigerungen im Bereich „Materialverbrauch,

Einsatz an Handelsware sowie Lohnarbeit“ ausgesetzt. In der gesamten Elektroindustrie ist der Wert von

1995 (67 Mrd. E) auf 2005 (109 Mrd. E) um 63 % gestiegen. Damit machen „Materialverbrauch, Einsatz von Handelsware

und Lohnarbeit“ im Jahr 2005 rund 57 % des Bruttoproduktionswerts aus, 1995 waren es noch 50 % (vgl.

LF S.25). Am stärksten betroffen sind die Unternehmen der Abteilung WZ-32 Rundfunk- und Nachrichtentechnik,

wo sich der Wert der Vorleistungen insgesamt mehr als verdoppelte. Bei den Unternehmen der WZ-32.1 Herstellung

von elektronischen Bauelementen hat sich der Wert mehr als verfünffacht, in der WZ-32.2 Herstellung von Geräten

und Einrichtungen der Telekommunikationstechnik fast verdreifacht. In etwa verdoppelt haben sich die Kosten für

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