Die Elektroindustrie in Ostdeutschland - Otto Brenner Shop

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Kapitel 5

Im Kapitel 4.2. der Langfassung ist die Entwicklung der Zahl der Betriebe, der Beschäftigten und der Umsätze nach

Teilbranchen auf der Ebene der Bundesländer genauer differenziert. Die Analyse gibt einen Überblick über die regionalen

Schwerpunktbildungen und die damit zusammenhängende industriepolitische Bedeutung der Teilbranchen in

den Regionen.

5. Gestaltungsfelder einer arbeitsorientierten Branchenstrategie

5.1. Grundlegende Entwicklungstrends

In der (ostdeutschen) Elektroindustrie wirken einige grundlegende Entwicklungstrends, die die Branchenentwicklung

prägen und die für die Identifizierung von branchenbezogenen Gestaltungsfeldern von Bedeutung sind. Sie

wirken in den Teilbranchen der Elektroindustrie unterschiedlich stark. Folgende Trends sollen hervorgehoben

werden:

Die bundesdeutsche Elektroindustrie als innovationsstärkste Industriebranche ist in vielen Produktlinien bzw. Teilbranchen

Weltmarktführer oder spielt eine hervorgehobene Rolle auf dem Weltmarkt. In Bezug auf die ostdeutsche

Elektroindustrie gehören dazu insbesondere die Produktlinien/die Teilbranchen Automatisierungstechnik (gehört

zu WZ 33.3 Herstellung von industriellen Prozessteuerungseinrichtungen), Automobilelektronik (ist unterschiedlichen

Teilbranchen der WZ zugeordnet, z.B. WZ 31.6 H. v. elektronischen Ausrüstungen a.n.g. und 32.1 H. v.

elektronischen Bauelementen), Energietechnik (Teilbranchen der WZ 31), Medizintechnik (WZ 33.1), Verkehrstelematik

(verschiedene Teilbranchen der WZ 33), Mikroelektronik (WZ 32.1) sowie Mikrosystem- und Nanotechnologien

(als Querschnittstechnologien, die keinem eindeutigen Wirtschaftszweig entsprechen). Die Elektroindustrie

und viele ihrer Teilbranchen sind international aufgestellt und agieren in den Wachstumsmärkten des Weltmarktes.

Dies betrifft die Orientierung auf Käufermärkte, aber in Teilbranchen auch eine internationalisierte Beschaffungsstrategie,

die eine Verflechtung, z. T. eine Abhängigkeit von Entwicklungen des Weltmarktes (z. B. Preisentwicklungen,

US-Immobilienblase etc.) bedingt.

Das für andere Branchen und für eine andere Zeit ggf. gültige Internationalisierungsmuster, dass qualitativ hochwertige

Produkte in Deutschland, Massen- und Standardware hingegen im Niedriglohnausland hergestellt werden,

funktioniert in der Elektroindustrie heute nicht mehr oder immer weniger. Qualitätsprodukte kommen heute auch

aus Niedriglohn-Regionen und setzen bundesdeutsche Standorte permanent unter Druck, der in den Unternehmen

permanente Reorganisationsprozesse und die weitere Rationalisierung der Arbeitsbedingungen hervorruft. Die

Konzentration auf Kerngeschäfte, die Ausgliederung von Produktionsteilen, die nicht dazu gezählt werden, in andere

Gesellschaften, die Bewältigung eines Teils des Kerngeschäftes durch „Servicegesellschaften“ gehören für

viele Unternehmen der ostdeutschen Elektroindustrie zum betrieblichen Alltag und verändern die Struktur der

Industrie und der Beschäftigung.

Die Treiber der Internationalisierung – insbesondere das Marktwachstum in den asiatischen Wachstumsregionen,

der Aufbau neuer Produktionsstandorte mit hoher Qualitätsproduktion und komparativ niedrigen Lohnkosten, die

Verlagerung von Werken wichtiger Kunden in die Wachstumsmärkte, denen die Zulieferer aus der Elektroindustrie

folgen müssen – wirken auch in Zukunft weiter. In diesem Kontext steht für viele Unternehmen der ostdeutschen

Elektroindustrie die Frage, ob High-Tech-Produktion an bundesdeutschen Standorten in Zukunft überhaupt noch

rentabel betrieben werden kann. Man kann diese Frage für bestimmte Unternehmen und Teilbranchen positiv beantworten,

wenn die entscheidenden Standortfaktoren – hohe Innovationskraft und Weiterentwicklung der Innovationsfähigkeit,

die Einbindung und qualitative Weiterentwicklung von Vernetzungs- und Clusterstrukturen, die Verfügbarkeit

hoch qualifizierter Fachkräfte in ausreichender Anzahl an den Orten, an denen sie benötigt werden – der

ostdeutschen Elektroindustrie weiterentwickelt werden.

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