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Unternehmen für Mensch und Umwelt

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Klimatransformation –<br />

von <strong>und</strong> <strong>für</strong> <strong>Unternehmen</strong><br />

SHUTTERSTOCK 1481629526<br />

Lara Obst ist Gründerin <strong>und</strong> Geschäftsführerin. Ihr Wissen basiert auf jahrelanger Erfahrung in der Forschung<br />

<strong>und</strong> der Zusammenarbeit mit <strong>Unternehmen</strong>. Ihre Vision: Klimatransformation <strong>für</strong> <strong>Unternehmen</strong> erfolgreich<br />

<strong>und</strong> praktisch möglich zu machen. Im Startup-Hub Factory Berlin spricht sie über die Umsetzung dieser<br />

Mission <strong>und</strong> die Hürden, die <strong>Unternehmen</strong> dabei überwinden müssen.<br />

Die Gründer von THE CLIMATE CHOICE<br />

Yasha Tarani, Lara Obst, Dr. Reyhood Farhan<br />

Text Alexandra Lassas<br />

Wie bist du auf die Idee gekommen, dein<br />

<strong>Unternehmen</strong> zu gründen?<br />

Wenn man sich im Bereich der nachhaltigen<br />

Wirtschaft bewegt, fällt einem schnell auf, dass sich<br />

<strong>Unternehmen</strong> von einem Moment auf den anderen<br />

als vermeintlich klimaneutral darstellen. Die einzige<br />

Möglichkeit dies zu überprüfen, zu positionieren <strong>und</strong> zu<br />

vergleichen ist die Messung klimarelevanter Faktoren.<br />

Unsere Plattform unterstützt <strong>Unternehmen</strong> bei der<br />

Dekarbonisierung, insbesondere in der Lieferkette.<br />

Hauptziel der <strong>Unternehmen</strong>sgründung war es, <strong>Unternehmen</strong><br />

bei der Umsetzung von Klimamaßnahmen bis<br />

in die Lieferkette hinein zu unterstützen <strong>und</strong> dabei volle<br />

Transparenz zu schaffen.<br />

Was bedeutet es <strong>für</strong> dich als Unternehmerin<br />

nachhaltig zu wirtschaften?<br />

Für mich war die größte Motivation, in diesem Bereich<br />

unternehmerisch tätig zu werden, die Auseinandersetzung<br />

mit dem IPCC-Bericht des Weltklimarates<br />

während meines Studiums im Jahr 2014. Da wurde mir<br />

klar, dass die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung,<br />

die wir <strong>für</strong> das Ende des Jahrh<strong>und</strong>erts<br />

erwartet hatten, schon viel früher eintreten <strong>und</strong> unser<br />

Leben stark beeinflussen werden. Daher war das<br />

Gründen in diesem Bereich <strong>für</strong> mich ein Herzensthema,<br />

um Wissen, was eher in der Forschung verschlossen<br />

liegt, in die Wirtschaft zu bringen <strong>und</strong> dort anwendbar<br />

<strong>für</strong> <strong>Unternehmen</strong> zu machen. Ich möchte auch zeigen,<br />

dass es nicht nur Horrorszenarien in Hinblick auf die<br />

Entwicklung unserer <strong>Umwelt</strong> gibt, sondern durchaus<br />

Studien die konkrete Lösungsschritte aufzeigen. Daher<br />

bedeutet <strong>für</strong> mich nachhaltig wirtschaften zunächst die<br />

Suche nach Informationen <strong>und</strong> Lösungen <strong>und</strong> deren<br />

Verfügbarkeit <strong>für</strong> <strong>Unternehmen</strong>. Ich möchte als Gründerin<br />

ein Teil von einer positiven Veränderung sein.<br />

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2045 treibhausgasneutral<br />

zu werden. Welche Rolle <strong>und</strong> Verantwortung<br />

haben deutsche <strong>Unternehmen</strong> dabei?<br />

Deutschland will seine Emissionen bis 2030 um 65% <strong>und</strong><br />

Europa um 55% gegenüber 1990 reduzieren.<br />

Um die nationalen Ziele zu erreichen, müssen die<br />

deutschen <strong>Unternehmen</strong> noch ehrgeiziger sein als der<br />

Durchschnitt aller <strong>Unternehmen</strong> in Europa. Die meisten<br />

Emissionen in <strong>Unternehmen</strong> entstehen in der Lieferkette<br />

<strong>und</strong> hier muss angesetzt werden, um eine deutliche<br />

Veränderung zu bewirken. Das deutsche Lieferkettengesetz,<br />

das <strong>Unternehmen</strong> zu mehr Verantwortung in der<br />

Lieferkette verpflichtet, hat dem Thema einen großen<br />

Schub gegeben. Die <strong>Unternehmen</strong> müssen sich jetzt gut<br />

darauf vorbereiten. Wichtig ist, dass die Verantwortung<br />

nicht an der deutschen Grenze endet <strong>und</strong> sich auch nicht<br />

nur auf das eigene <strong>Unternehmen</strong> bezieht. Eine Herausforderung<br />

dabei ist, dass die zukünftigen Anforderungen<br />

im <strong>Unternehmen</strong> gut durchdacht werden müssen<br />

<strong>und</strong> es nicht einfach ist, veraltete Strukturen umzustellen<br />

<strong>und</strong> neue Prozesse zu etablieren. Gerade in großen<br />

<strong>Unternehmen</strong> gibt es z. B. Prozesse, die seit 50 Jahren<br />

immer gleich bearbeitet <strong>und</strong> erledigt werden. Hier<br />

ist ein Umdenken unbedingt erforderlich. Diese Ziele<br />

dürfen nicht nur vom Management vorgegeben werden<br />

<strong>und</strong> es dürfen nicht nur kalte KPI's definiert werden, die<br />

es zu erreichen gilt. Es müssen Schulungen <strong>und</strong> Trainings<br />

<strong>für</strong> die verantwortlichen Mitarbeiter stattfinden,<br />

damit die Umsetzung auch machbar <strong>und</strong> zielführend ist.<br />

Für viele <strong>Unternehmen</strong> klingt das nach einer Mammutaufgabe.<br />

Doch mit einem guten Plan <strong>und</strong> den richtigen<br />

Daten lassen sich Fortschritte erzielen <strong>und</strong> nachverfolgen.<br />

Wichtig ist, dass <strong>Unternehmen</strong> jetzt aktiv werden.<br />

Gerade am Anfang dieses Prozesses kann man sich<br />

positionieren, Fehler machen, daraus lernen <strong>und</strong> zum<br />

Vorreiter werden. <strong>Unternehmen</strong> sollten daher jetzt<br />

einen wichtigen Schritt tun.<br />

Was kannst du <strong>Unternehmen</strong> mit auf den Weg<br />

geben, um Wirtschaftlichkeit <strong>und</strong> Nachhaltigkeit<br />

miteinander zu verbinden?<br />

Um Handlungsempfehlungen zu erhalten <strong>und</strong> sich mit<br />

anderen <strong>Unternehmen</strong> vergleichen zu können, ist es<br />

zunächst wichtig, das <strong>Unternehmen</strong> einzuordnen <strong>und</strong><br />

den aktuellen Stand des eigenen Klimareifegrads zu<br />

erfassen. Anschließend sollte ein durchdachter Plan<br />

erstellt werden. Aus diesem Plan gilt es, Prioritäten<br />

zu setzen <strong>und</strong> diese in machbare Schritte herunterzubrechen.<br />

Es ist unrealistisch zu erwarten, dass ein<br />

<strong>Unternehmen</strong> von heute auf morgen vollständig<br />

klimaneutral wird. Dennoch ist es wichtig zu wissen,<br />

an welchen Stellschrauben <strong>und</strong> Aspekten gearbeitet<br />

werden muss. Es ist ratsam, sich zwei bis drei Schritte zu<br />

überlegen, um das Ziel zu erreichen. Eine gute Metapher<br />

<strong>für</strong> diesen Prozess ist das Bild einer Leiter, auf der man<br />

durch viele kleine Schritte nach oben gelangt.<br />

In welchen Bereichen wurden bereits viele Emissionen<br />

reduziert <strong>und</strong> wo gibt es Nachholbedarf?<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich ist die Zielsetzung ein wichtiger Aspekt.<br />

Viele <strong>Unternehmen</strong> haben zwar das Ziel vor Augen,<br />

aber oft fehlt ein konkreter Plan, wie die gesetzten Ziele<br />

erreicht werden sollen. Teil der Zielsetzung ist es auch,<br />

sich mit dem Thema Lieferkette auseinanderzusetzen<br />

<strong>und</strong> sich zur Dekarbonisierung dieser zu verpflichten,<br />

denn hier entstehen typischwerweise 90% der Emissionen.<br />

Weltweit entfallen 70% der Emissionen auf den<br />

Energiesektor, weshalb im Bereich der Erneuerbaren<br />

Energien bereits große Fortschritte erzielt wurden.<br />

Auch die E-Mobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung.<br />

Hast du Tipps <strong>für</strong> unsere Leser:innen, wie sie im<br />

Privat- <strong>und</strong> Arbeitsleben umweltfre<strong>und</strong>licher<br />

agieren können?<br />

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es oft am besten<br />

ist, so zu handeln <strong>und</strong> zu leben, wie man es sich<br />

wünscht. Es ist wichtig, andere nicht zu drängen <strong>und</strong><br />

den <strong>Mensch</strong>en mit Toleranz zu begegnen, miteinander<br />

ins Gespräch zu kommen <strong>und</strong> Lösungen anzubieten.<br />

Ich glaube, dass die Bereitschaft, sich mit bestimmten<br />

Themen auseinanderzusetzen, seit “Fridays for Future“<br />

besonders groß ist.<br />

Es ist jedoch wichtig, bei sich selbst anzufangen <strong>und</strong><br />

die eigenen Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, da dies<br />

auch andere in der Umgebung motivieren kann <strong>und</strong><br />

dadurch interessante <strong>und</strong> spannende Diskussionen<br />

entstehen können.<br />

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Weniger Kalk durch Enthärtungsanlagen

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