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Schlossturm_2023-02_Festausgabe

Vereinszeitschrift des St. Seb. Schützenverein 1316 e.V.

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Der <strong>Schlossturm</strong><br />

in der Lage, die Landesgeschäfte zu führen; es hieß, Wilhelm der Reiche<br />

starb 1592 „in stillem Wahnsinn“. Ihren Gemahl, Johann Wilhelm,<br />

isolierten die Räte bereits ab 1589 aufgrund seiner „Schwachheit des<br />

Geistes“. Die Herzogin war jedoch mal dieser, mal jener Partei am<br />

Hofe zugeneigt und verschärfte als unsicherer Bündnispartner die ohnehin<br />

unstabile Landesführung. Da Jakobe als Herzogin nicht einfach<br />

zu umgehen war, sollte sie auf „elegantem“ Wege von der politischen<br />

Bühne beseitigt werden. Mit der angestrengten Anklage der ehelichen<br />

Unzucht sollte wohl eine Verbannung ins Kloster erreicht werden. Da<br />

der Prozess sich nicht wie gewünscht entwickelte, griff man zu drastischen<br />

Mitteln: Nachdem die Herzogin bereits zwei Jahre im runden<br />

<strong>Schlossturm</strong> gefangen gesetzt worden war, wurde sie am 3. September<br />

1597 tot in ihrem Bett aufgefunden. Die Hinweise auf eine Ermordung<br />

Jakobes sind unübersehbar.<br />

Bald entstanden Gerüchte und Erzählungen um diesen prominenten<br />

Mord, aus denen Sagen und Märchen wurden. Alle schildern Jakobe<br />

als ruhelos durch das Schloss und den Turm wandelnden Geist. Eine<br />

Sage begründet dies damit, dass seit der ruchlosen Tat ein Fluch auf<br />

dem alten Gemäuer laste: Der runde <strong>Schlossturm</strong> müsse stehen bleiben,<br />

um ewig an die Schuld der Mörder zu mahnen. Dies Schicksal<br />

inspirierte noch Jahrhunderte später Autoren zu Romanen und Bühnenstücken.<br />

1831 protestierte der Pfarrer von St. Lambertus gegen<br />

die Aufführung des Stückes „Jacobe von Baden“. Franz Kuglers Trauerspiel<br />

„Jacobäa, Herzogin von Jülich, Cleve und Berg“ konnte 1852<br />

ohne Widerspruch im Stadttheater gezeigt werden. Zu internationalen<br />

literarischen Ehren verhalf Heinrich Heine der Herzogin, in dem er sie<br />

als schwarzseidene Dame ohne Kopf beschrieb, die nachts mit langer<br />

rauschender Schleppe im – zu seiner Zeit – verwüsteten Schloss herumwandelt.<br />

Damit wurde Jakobe zu einer der berühmtesten Frauengestalten<br />

der Düsseldorfer Geschichte.<br />

Markt am Burgplatz 1908, aus: Stadtarchiv Düsseldorf<br />

42<br />

Zur Zeit der Herrscher aus dem Hause Pfalz-Neuburg trat der <strong>Schlossturm</strong><br />

weniger in Erscheinung. Wir wissen lediglich, dass das erste Obergeschoß<br />

weiterhin als Sakristei der Schlosskapelle diente. Nachdem<br />

später Kurfürst Carl Theodor das Schloss umbauen und herrichten<br />

ließ, wurde die zweite Etage als Garderobe und Kammerdienerraum,<br />

die dritte als „Damenstube“ zum Aufenthalt der Hofdamen genutzt.<br />

Kurze Zeit nach der aufwendigen Erneuerung stand nach dem Bombardement<br />

der Franzosen 1794 das Schloss als „schauerliche Ruine“<br />

am Rheinufer. Der Nordfl ügel war völlig zerstört. Der Turm brannte<br />

zwar aus, doch blieben seine Außenmauern stehen. Es sollte über<br />

50 Jahre dauern, bis auch dieser Schlossbereich unter preußischer<br />

Herrschaft als Ständehaus neu aufgebaut war. Der Turm erhielt ein<br />

zusätzliches Aussichtsgeschoß, die Laterne, die wahrscheinlich König<br />

Friedrich Wilhelm selbst entworfen hatte mit ihren Doppelarkaden zwischen<br />

Halbsäulen mit klassischen Kompositkapitellen.<br />

Bereits 1872 sollte ein erneuter Großbrand das Schicksal des Schlosses<br />

besiegeln: Die Stadt konnte laut eigener Aussage den Wiederaufbau<br />

nicht fi nanzieren und wollte stattdessen lieber in das Großprojekt<br />

der dringend benötigten Straße am Rheinufer investieren, – der das<br />

Schloss im wahrsten Sinne des Wortes im Wege stand. Die Planung<br />

schloss eine nachhaltige Verbesserung des Hochwasserschutzes der<br />

Altstadt ein, den Anschüttung und Begradigung des Ufers bis heute<br />

garantieren. Es dauerte jedoch noch sechs Jahre, bis der entsprechende<br />

Vertrag zur Niederlegung der Schlossgebäude mit dem preußischen<br />

König als Eigentümer geschlossen war. Er enthielt die Klausel,<br />

dass der runde <strong>Schlossturm</strong> zu erhalten sei, und der Burgplatz nie<br />

wieder bebaut werden dürfe. 1892 wurden die Mittel freigegeben,<br />

mit denen der Turm einen neuen Eingang mit Treppe erhielt. Es entstand<br />

das rote Sandsteinportal mit dem darüber liegenden, schmalen<br />

Balkon. Die letzten Brandruinen des an den Turm anschließenden

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