Schlossturm_2023-02_Festausgabe
Vereinszeitschrift des St. Seb. Schützenverein 1316 e.V.
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Geschichte der Autoskooter<br />
Ewig junger Auto-Skooter<br />
Der Klassiker, der seit Ende der 1920er<br />
Jahre ständig auf der Rheinwiee reüssiert<br />
von Rainer Schulz<br />
(Fotos: Sim-Jü-Archiv - Rainer Schulz)<br />
Keine zweite Kirmes-Attraktion hat über Jahrzehnte hinweg die Besucher<br />
so in ihren Bann gezogen wie der Auto-Skooter. Auf der Düsseldorfer<br />
Rheinwiese gastierten früher gleich mehrere Skooter gleichzeitig,<br />
heute haben hier noch zwei dieser Fahrgeschäfte und zwar die<br />
von Osselmann und Kropp jährlich ein Heimspiel.<br />
Es begann im Jahre 1926<br />
Vor fast 100 Jahren importierte der als „Karussell-König“ in die Geschichte<br />
eingegangene Hugo Haase aus Amerika eine neue Erfindung:<br />
den Auto-Skooter, beziehungsweise Auto-Selbstfahrer, wie er ursprünglich<br />
in Deutschland genannt wurde.<br />
Präsentiert wurde der neuartige Selbstfahrer erstmals auf der Düsseldorfer<br />
„Gesolei“ (der „Großen Ausstellung für Gesundheitspflege,<br />
soziale Fürsorge und Leibesübungen“) die vom Mai bis Oktober 1926<br />
stattfand. Nicht nur in den USA sondern auch in England hatten die<br />
kleinen, erstmals unabhängig voneinander steuerbaren „Chaisen“, so<br />
der Schaustellerjargon für die Autos<br />
damals bereits viele Fans.<br />
Eine der ersten Chip-Chaisen<br />
Einfaches Prinzip<br />
Alle Auto-Skooter funktionierten von Anfang an nach einem denkbar<br />
einfachen Prinzip. Auch heute noch erfolgt die Stromversorgung der<br />
Chaisen durch ein waagerecht gespanntes, stromführendes Netz unterhalb<br />
der Dachkonstruktion der Auto-Skooter-Hallen. Durch die am<br />
Heck der Chaisen befindlichen Stangen mit Stromabnehmerbügeln<br />
werden die Antriebsmotoren mit Strom versorgt, wobei die Stal-Fahrbahn<br />
den Minuspol bildet.<br />
„Katapult“ und „Kleiderfresser“<br />
Die ersten Skooter in Deutschland wurden bestaunt wie das siebte<br />
Weltwunder und zunächst wagte sich das Publikum nur sehr zaghaft<br />
an sie heran. Immerhin hatte man, da die kleinen Wagen zunächst<br />
noch vorne offen waren, kaum Halt bei Zusammenstößen. Da passierte<br />
es schon mal, dass man bei Kollision mit der Außenbande der Fahrbahn<br />
förmlich aus den Chaisen herauskatapultiert wurde und nicht<br />
selten zum Gespött der Umherstehenden im Staub des Kirmesplatzes<br />
landete.<br />
Des Weiteren erwies sich bisweilen die Anordnung von Motor und Getriebe<br />
unterhalb der Sitzbank der Chaisen als tückisch. Da konnten<br />
sich – bedingt durch den Schlitz zwischen Sitzfläche und Rücklehne<br />
– vor allem die Kleider weiblicher Fahrgäste schon mal verfangen. Erhoben<br />
sich die Damen dann nach beendeter Tour, „fraß“ das Getriebe<br />
unter Umständen Rock oder Kleid in Handumdrehen auf, und die<br />
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Sven-Erbs-Chaise 50-erJahre