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Mat.-Nr. 06051-5098

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0 8

4 194333 006801

Das Magazin für den innovativen Unternehmer

Jeden Tag

eine gute

Es geht auch ohne Kreativabteilung: Mit freiem Kopf

und den richtigen Techniken kommen Unternehmer auf

gute Einfälle, die ihr Geschäft voranbringen. Seite 20

FIXKOSTEN SENKEN

Professionelles Produktmanagement

strafft das Angebot und

optimiert die Abläufe. Seite 28

JULI/AUGUST 2011

www.profi rma.de

WACHSTUM FINANZIEREN

Die neuen Förderprogramme für

Unternehmen locken mit höheren

Kreditobergrenzen. Seite 40


Editorial

ProFirma 07/08 2011

Lassen Sie Ideen sprudeln

Liebe Leserin, lieber Leser, jedes Jahr werden in Deutschland um die 48.000

Patente angemeldet, nur die USA und Japan sind in dieser Hinsicht noch besser.

Die meisten Tüftler sitzen dabei – wer hätte es gedacht? – in Baden-Württemberg

mit 138 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner, gefolgt von Bayern mit

104. Das sind beeindruckende Zahlen, die unterstreichen, warum die deutsche

Wirtschaft insgesamt so stark ist.

Gute Ideen sind die Erfolgstreiber eines jeden Unternehmens. Aber wo kommen

sie her, wer entwickelt sie und setzt sie schließlich in die Tat und in Produkte

um? Konzerne beschäftigen dafür eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen,

wo die Mitarbeiter oft genügend Freiraum besitzen und hin und wieder

auch in eine Sackgasse laufen dürfen. In kleinen Firmen hingegen besteht die

Kreativabteilung häufi g allein aus dem Chef: Er soll neben seinem operativen

Tagesprogramm die Ideen schmieden und das Geschäft weiterentwickeln –

ein gewaltiges Pensum.

Wie es leichter zu bewältigen ist und die Last auf mehrere Schultern verteilt

werden kann, zeigen wir Ihnen in unserer Titelgeschichte ab Seite 20. Richtiges

Brainstorming ist dabei nur die Einstiegsübung für die nützlichen Kreativtechniken,

die wir Ihnen vorstellen. Auch eine bewusst genommene Auszeit und ein

Ortswechsel wirken manchmal Wunder und setzen viel mehr Kräfte frei als das

Brüten über Entwürfen oder der Ruf in die Runde: „Seid spontan!“ Lassen Sie

sich inspirieren von den Unternehmern, die in unserem Beitrag berichten, wie

sie es schaffen, neue Ideen zum Sprudeln zu bringen.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

dieter.roemer@profi rma.de

Chefredakteur Dieter Römer

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Nokia E7-Smartphone. Info: Seite 19

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Inhalt 07-08.2011

Titelthema:

Jeden Tag eine gute Idee

Es geht auch ohne Kreativabteilung:

Mit freiem Kopf und den richtigen Techniken

kommen Unternehmer auf gute Einfälle,

die ihr Geschäft voranbringen.

25 Interview „Innovation ist eine

Geisteshaltung“, sagt Dr. Peter Kreuz,

Business-Querdenker aus Heidelberg.

12

Wundervolles Wiesenbett heißt das Konzept,

das Urlaubern im Schwarzwald Ferien im Einklang

mit der Natur verspricht.

34

Risiko Arbeitsplatz Nicht jeder Unfall am

Arbeitsplatz ist ein Arbeitsunfall.

20

08 Wir Unternehmer

08 Innovator des Monats Die Schwimmschuhe von Frank-Uwe Groth.

10 Redezeit Unternehmer schenken der wichtigsten Gruppe von

Leistungsträgern zu wenig Beachtung: dem Mittelmaß. Das glaubt

jedenfalls der Kommunikationsberater Markus Reiter.

12 Unternehmerporträt Wie Barbara und Bernd Wernet ihre Ferienwohnungen

im tiefsten Schwarzwald um eine rustikale Zeltidylle erweiterten.

16 Mittelstand 2.0 Global-offi ce.de – das Büro aus der Wolke.

18 Auszeit Das Duhner Wattrennen – ein Galopperspektakel

zwischen Ebbe und Flut.

19 Verlosung Abonnieren Sie den ProFirma-Newsletter, und gewinnen

Sie ein Nokia E7-Smartphone.

20 Unternehmensführung

20 Titelthema Jeden Tag eine gute Idee Wie Unternehmer mit den richtigen

Instrumenten ihr Kreativitätspotenzial aktivieren und neue Ideen

für ihr Geschäft entwickeln.

28 Kostenrechnung Eine unübersichtliche Produktpalette wird schnell

zum gefährlichen Kostentreiber. Ein professionelles Produktmanage-

ment hilft Unternehmern, die Spreu vom Weizen zu trennen.

33 Querdenker Die langfristige Perspektive ist die Überlebenschance

eigentümergeführter Unternehmen, sagt Prof. Martin Beck.

34 Arbeitsunfall Berufsgenossenschaften und Sozialgerichte schauen

genau hin, wann Versicherungsschutz besteht und wann nicht.

36 Recht Das Bundesarbeitsgericht schafft Klarheit bei der sachgrundlosen

Befristung von Beschäftigungsverhältnissen.

4 ProFirma 07/08 2011


38 Finanzen & Steuern

38 Trends Trotz Aufschwung steigt die Zahl der Existenzgründer.

40 Finanzierung Die KfW hat ihre Förderprogramme überarbeitet.

Gründer und Unternehmer profi tieren von höheren Kreditobergrenzen

und vereinfachten Antragsverfahren.

44 Forderungsmanagement Unternehmer und Handwerker müssen sich

nicht alles gefallen lassen, wenn Kunden Rechnungen nicht bezahlen

wollen.

48 Gebäudesanierung Der Bund plant neue steuerliche Vergünstigungen.

50 Betriebsausgaben Der Abzug von Kosten für Geschenke, Werbemittel

oder Lustreisen sorgt immer wieder für Streit mit dem Fiskus.

52 Lohnsteuer Neues Urteil zur steuerlichen Behandlung von Kosten

für Betriebsfeste stärkt Unternehmern den Rücken.

53 Ehec-Krise Betroffene Unternehmen sollten Vorkehrungen für die

nächste Betriebsprüfung treffen.

54 IT & Investition

Special ITK-Strategien

54 Integrierte Kommunikation

Wie aus dem Telefon ein Mini-Rechner wird.

60 Smartphones Je größer die Funktionsvielfalt, umso größer das Risiko

von Angriffen und Datendiebstahl.

63 Cole‘s Corner Pulcinellas Geheimnis.

64 Geschäftsreisen Der Erfolg ist nur garantiert, wenn die

Vorbereitung stimmt.

68 Business English

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ProFirma 07/08 2011

Lektion 17 Was Sie beim Besuch

eines englischen Restaurants

beachten müssen und wie Sie

Einladungen stilvoll annehmen

oder ablehnen.

Das Portal für den innovativen Unternehmer

Rubriken

03 Editorial

06 ProFirma Professional

72 Rückschau, Termine

73 Vorschau, Impressum

74 Schluss mit lustig (36)

Diese vier ausgewählten Arbeitshilfen aus dem umfangreichen Angebot von

ProFirma Professional haben wir in diesem Monat für Sie kostenlos freigeschaltet:

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Analysieren, vernetzen, kommunizieren. Das sind die Kernaufgaben

des Social-Media-Managements. Eine Kommentarfunktion

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wie Sie Networking, Werbung und Recruiting für die eigene Unternehmung

am besten nutzen können. Haufe-Index: 2675718

Social Media im Personalmanagement Haufe-Index: 2595685

Rechtliche Rahmenbedingungen Haufe-Index: 2590046

Twitter-Tools Haufe-Index: 2264310

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Eine kleine Auswahl von neuen Dokumenten und Arbeitshilfen auf

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■ Moderne Kalkulationsverfahren Haufe-Index: 2623342

Fachbeitrag über die neuesten Trends jenseits der traditionellen

Kalkulationsverfahren.

■ Smartphones und Tablet-PC Haufe-Index: 2675867

Bei der Entscheidung für oder gegen ein mobiles Endgerät

sollte auch immer eine Risikoeinschätzung stattfi nden.

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6 ProFirma 07/08 2011

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Wir Unternehmer – Innovator des Monats

Frank-Uwe Groth (rechts) und Jan Petzold vom Adventure-Veranstalter MAtours gehen fl ussabwärts – mit Schwimmschuhen.

Frank-Uwe Groth

Pantoffeln für den Seeweg

Der Traum, übers Wasser gehen zu können, beschäftigt die Menschen seit 2000 Jahren.

Aber bisher hatte es nur einer geschafft. Jetzt gibt es eigens Schuhe dafür. VON MICHAEL BAHNERTH

Frank-Uwe Groth stellt Schwimmschuhe her, und damit

steht der 49-Jährige aus Gneven in Mecklenburg-Vorpommern

weltweit ziemlich allein da. 400 Paar dieser 2,3 Meter

langen und jeweils acht Kilo schweren Schuhe aus Polyäthylen

hat er seit dem Jahr 2005 produziert und sagt heute:

„Man kann davon existieren, aber nicht leben.“ Erfunden

hat er das Gerät, mit dem man über das Wasser laufen

kann, nicht: Das war, streng genommen, Leonardo da Vinci.

Und erstmals auf den Markt gebracht hat sie Mitte der

1980er-Jahre in der damaligen DDR der VEB Wiking, eine

Bootswerft, bei der Groth als Bootsbauer gearbeitet hat.

„Seawalks“ hießen sie damals, hergestellt für einen westdeutschen

Händler, der sie in den USA vertreiben wollte.

Es herrschte „strengste Geheimhaltung“, sagt Groth, weil die

Schwimmschuhe in der DDR nicht bekannt werden sollten. Es

herrschte die Angst, dass sie als Fluchtmittel benutzt werden

könnten. 400 Paar Schwimmschuhe, schätzt Groth, wurden

damals hergestellt, nicht bezahlt und nie geliefert. Sie gerieten

in Vergessenheit. Bis ein Kollege Groths aus dem Schützenverein

(Ordonnanzwaffen) ihm sagte, da gäbe es einen Schuppen

mit „so Dingern drin“, die eine Mischung seien aus Kanu

und Pantoffel. Das war der Anfang einer Geschäftsidee. Groth

entwickelte eine Gussform, erfand und patentierte dazu zwei

Stöcke, und die Idee des Schwimmschuhs war revitalisiert,

perfektioniert und eine lokale Attraktion in den Haushalten

und Vermietungsstationen der mecklenburgischen Seen. Inzwischen

fi ndet das Objekt zwischen Sportgerät und Funtool

für 345 Euro in den mecklenburgischen Landesfarben Blau,

Gelb und Rot langsam den Weg in Gewässer jenseits der Landesgrenzen,

in die Schweiz und Österreich. Der beginnende

Erfolg mag auch daran liegen, dass die Vorstellung, übers

Wasser laufen zu können, schon immer eine und faszinierende

Sache für den Menschen war, und bevor Groth in das Geschehen

eingriff, hat dies nur ein Einziger hinbekommen.

Groth lanciert gerade die zweiten offenen Mecklenburger

Landesmeisterschaften mit voraussichtlich 30 Teilnehmern,

hat ein um 1,5 Kilogramm leichteres „Sportmodell“ entwickelt

und würde eigentlich gerne eine XXL-Version für Leute

über 100 Kilo auf den Markt bringen, weil das herkömmliche

Modell im Grunde nur für leichtere Menschen gedacht ist.

Dazu aber bräuchte er eine neue Gussform, aber die ist teuer:

„Das kostet ungefähr so viel wie mehrere Mittelklassewagen.“

Seine Hoffnung für die Zukunft ist eine alte. Dass Amerikaner

mal vorbeikommen, sich anschauen, wie heute Leute auf dem

Wasser laufen, und die „Seawalks“ den Weg über den Großen

Teich nehmen. www.schwimmschuhe.de

8 ProFirma 07/08 2011

Foto: privat


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Wir Unternehmer – Redezeit

Markus Reiter

Wider den Terror der Exzellenz

In vielen Unternehmen wird eine wichtige Gruppe von Leistungsträgern massiv unterschätzt:

das Mittelmaß. Diese Missachtung hat fatale Folgen.

Wenn ich mich mit Freunden und Bekannten

unterhalte, wundere ich mich

oft, dass ich so gut wie nie auf einen

mittelmäßigen Autofahrer treffe. Stets

beklagt der Gesprächspartner, auf den

Straßen seien nur Idioten unterwegs,

die ihm selbst, einem selbstverständlich

herausragenden Autofahrer, das Leben

schwer machten. Umfragen bestätigen

meinen subjektiven Eindruck: Neun

von zehn deutschen Autofahrern hal-

ten sich für überdurchschnittlich gut.

Das kann statistisch betrachtet gar nicht

sein, denn es würde bedeuten, dass die

restlichen zehn Prozent es kaum aus der

Garage schaffen würden.

Auf den gleichen Widerspruch stoßen

wir auch andernorts. Umfragen zufolge

halten sich so gut wie alle College-Professoren

in den USA für besser als ihre

Kollegen. Und rund ein Viertel der Studenten

ist davon überzeugt, zu dem einen

Prozent der Besten ihres Jahrgangs

zu gehören. Vermutlich muss man ein

so robustes Selbstbewusstsein besitzen,

um in einer Welt zu bestehen, die dem

Terror der Exzellenz unterliegt. Wo

man hinschaut: Elitenauswahl, Exzellenzinitiative,

Hochbegabtenförderung.

Kaum ein Unternehmen verkündet: Wir

nehmen gerne die Mittelmäßigen. Schade,

denn damit vergeben sie Chancen.

Greifen wir zu einem Vergleich. Bei mir

zu Hause steht ein preiswerter mittelmä-

Markus Reiter

ist freier Journalist und Publizist sowie mit

seiner Agentur Klardeutsch als freiberufl icher

Schreib- und Kommunikationstrainer tätig.

Im Verlag Oekom

erschien sein Buch

„Lob des Mittelmaßes.

Warum wir nicht alle

Elite sein müssen“

(96 Seiten, 12,95 €).

ßiger Fernsehapparat. Er reicht für die

drei bis vier Stunden, die ich höchstens

in der Woche Fernsehen schaue, völlig

aus. Im Gegenteil, es wäre eine Geldverschwendung

gewesen, hätte ich mir

einen High-End-Super-Hightech-Hochleistungsfernseher

angeschafft, der nach

200 Betriebsstunden bei mir technisch

schon wieder veraltet wäre.

Diese Logik scheint in den Personalabteilungen

allzu oft nicht verstanden

zu werden. Gesucht werden dort

ausschließlich die Besten. Lee Iaccoca,

angeblich Amerikas härtester Manager,

hat in seiner Zeit bei General Electric

sogar jedes Jahr die zehn Prozent

Schlechtesten seiner Belegschaft entlassen.

Ziemlich zynisch und kein Vorbild,

denn die Mitarbeiter mit Mittelmaß

sind das Rückgrat eines Unternehmens.

Ohne sie läuft der Laden nicht – und die

drei Überfl ieger stünden verloren da.

Damit wir uns recht verstehen: Es gibt

einen Unterschied zwischen Mittelmaß

und Mittelmäßigkeit. Mittelmäßigkeit

bedeutet, sich durchzuwurschteln, sich

nicht anzustrengen. Solches Verhalten

ist mitnichten lobenswert. Beim

Mittelmaß hingegen geht es nicht um

Verhalten, sondern um die natürliche

Beschränkung durch Genetik, Alter,

Talent und Intelligenz, die man trotz

größter Anstrengung nicht überschreiten

kann. 90 Prozent der Menschen

bewegen sich in den meisten Bereichen

in einem überschaubaren Intervall um

dieses Mittelmaß herum. Diesen Mitarbeitern

wird zu wenig Aufmerksamkeit

gewidmet. Wer ihre Leistungen stets an

den fünf Prozent Besten misst, verursacht

Enttäuschung und demotiviert.

Das Mittelmaß in den Unternehmen, die

Fleißigen und Engagierten, die es dennoch

nie an die Spitze schaffen, haben

mehr Anerkennung verdient. Zumal

wir feststellen werden, dass fast jeder

von uns in irgendeiner bestimmten Sache

ein ganz besonderes Talent hat. Befreit

von dem Druck, immer und überall

Spitze sein zu müssen, könnte sich der

Einzelne auf genau diese Fähigkeit konzentrieren

– zum Vorteil des ganzen

Unternehmens.

10 ProFirma 07/08 2011

Foto: die arge Lola


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Wir Unternehmer – Porträt

Das wundervolle Wiesenbett

Zurück zu den Wurzeln

Barbara und Bernd Wernet haben ihre Ferienwohnungen auf dem Hilserhof im tiefsten

Schwarzwald um eine rustikale Zeltidylle erweitert. Holländische Investoren statten

die Unterkünfte komplett aus, Holz müssen die Gäste selbst holen. VON MICHAEL BAHNERTH

Das Navigationsgerät meint, das Ziel sei erreicht. Obertal 5,

78098 Triberg-Gremmelsbach, Mittelschwarzwald, Landkreis

Schwarzwald-Baar. Aber das Gebäude an den sanft-steilen

Hängen des Tales ist ein Wohnhaus und nicht der Hilserhof,

das eigentliche Ziel. Das Wohnhaus ist wie ausgestorben,

die Gardinen bewegen sich auch nicht. Eine kleine Ratlosigkeit

später kommt ein schwarzer BMW den Hang hoch,

man winkt, der Wagen hält, die Scheiben gehen einen klein

bisschen runter. „Ich suche den Hilserhof. Der muss hier irgendwo

sein.“ „Oh, wir sind auch nicht von hier. Wir waren

nur auf einer Beerdigung unten im Gremmelsbach. Fragen sie

doch dort.“

Dann liegt er endlich da, der Hilserhof, auf dem Jung-Kleinbauern

versuchen, mit modernen Konzepten ihr Land unter

den Füßen nicht zu verlieren. Wie ausgestorben liegt er um

zehn Minuten vor Vier da, gerade noch gestreichelt von den

letzten Sonnenstrahlen. Das einzig sehr Lebhafte sind ein

Hundebellen und der dazugehörige Hund, der versucht, über

einen Zaun zu springen. Der Weg vom, na ja, Gäste-Parkplatz

zur Haustür von Barbara und Bernd Wernet führt vorbei an

einem Gartentisch und Stühlen. Klingeln, warten, man ist ein

bisschen zu früh, und gerade als man sich entscheidet, sich

auf einen Gartensessel zu setzen, geht die Tür doch noch auf.

Barbara Wernet steht da, ein drei Monate altes Baby auf dem

Arm. Sie müsse noch stillen. „Das dauert eine Viertelstunde.“

Hier ist also das „Wundervolle Wiesenbett“, wie das Konzept

heißt, das willigen und von Sorgen geplagten Kleinbauern ne-

„Wiesenbett: Das ist afrikanischer

Kolonialstil auf Schwarzwälderisch.“

BARBARA WERNET, TRIBERG-GREMMELSBACH

benbei eine lukrative Einnahmequelle verspricht. Im Prospekt

ist die Rede vom „wahren Urlaubserleben auf dem Lande“, von

einer Form „des nachhaltigen und umweltbewussten Tourismus“,

bei dem die Gäste „ein Stück zurück in die Vergangenheit,

zurück zu den Wurzeln und den wichtigen Dingen des

Zusammenlebens im Einklang mit der Natur“ geführt werden.

Wo „Idylle“ ist, man nach Sonnenaufgang die „Musik des Morgens“

hört und ein „zufriedenes Lächeln“ im Gesicht trägt.

12 ProFirma 07/08 2011


Von Weitem betrachtet, wirken die Wiesenbett-Zelte wie feste Häuser. Es gibt darin aber keinen Strom und keinen Wasseranschluss.

Das Konzept kommt aus Holland, ist dort ein Renner und

hat sich über England und Frankreich nach Deutschland

aufgemacht. Die Idee ist einfach: Dort, wo Idylle ist und ein

Kleinbauer, der mitmacht, stellt die niederländische Company

45 Quadratmeter große Zelte auf und richtet sie wie eine

Bauernstube ein. „Afrikanischer Kolonialstil auf Schwarzwälderisch“,

nennt Barbara Wernet das später. Es gibt keine Elektrizität,

dafür Öllampen. Es gibt Toilette, Kochofen, Schlafzimmer

und eine Kühlbox, die mit gefrorenen Wärmfl aschen

funktioniert. Wer sich darauf einlässt, führt ein temporäres

Leben im nostalgischen Charme des Vergangenen. Eine Zeit

ohne die Geräusche und Spielzeuge der Moderne. Dafür muss

er selbst Holz holen. Eine Existenz ohne Apps und E-Mails

und Erreichbarkeit. Einschlafen ohne TV, sondern mit dem

Ruf der Eule, und Aufwachen mit dem ungebremst glücklichen

Gegacker von sehr freien Freilandhühnern, dem schrillen

Gezwitscher von Vögeln. Vielleicht muhen Wernets 13

Mutterkühe mit ihren Kälbern noch, der Zuchtbulle „Hagrid“

steuert ebenfalls was bei, die fünf Schweine grunzen herzhaft,

und Jack, der Hund, bellt, und eine der vier Katzen miaut den

Morgen an. Lebensmittel müssen selbst besorgt werden. Ein

bisschen was gibt es im kleinen Laden der Wernets, die nebst

Bier, Wein, Schnaps und Schwarzwälderschinken hervorra-

ProFirma 07/08 2011

gendes Angus-Baby-Beef jener Kälber verkaufen, die im Jahr

zuvor noch die Gäste angeglotzt hatten. 865 Euro pro Woche

und Zelt kostet der Luxus dieses existenziellen Minimalismus

auf hohem Niveau.

Charme des Vergangenen

Es ist Geld, das die Wernets brauchen können, wenn man so

sagen darf, und man sagt es nicht, weil Bernd, der gerade auf

den Hof fährt, eine furchtbar alte Gurke steuert, denn es ist

nur der Zweitwagen neben einem Japaner mit Allradantrieb.

Man sagt es, weil die Wernets einen 400 Jahre alten Hof mit

16 Hektar Ackerlandschaft und 14 Hektar Wald in nun dritter

Generation führen und ihre Tiere so leben lassen, wie es

fast nur noch in Kinderbüchern vorkommt. Die auf ihre Sehnsucht

nach fernen Ländern und Reisen verzichten, die Zwölf-

Stunden-Tage stemmen, Tag für Tag. Nur reicht dies alles

nicht, um über die Runden zu kommen.

Bernd Wernet, der kurz hallo sagt, dann verschwindet und

später nur noch barfuß anzutreffen sein wird, verdingt sich

unten in Villingen-Schwenningen als Schreiner, damit das

Ganze hier, in diesem kleinen Paradies, am Leben bleiben

kann. Da kam vor drei Jahren die Idee mit den Zelten und den

13


Wir Unternehmer – Porträt

permanent leicht entfremdeten Gästen aus einer angeblich

gesunden Mittelschicht gerade recht. Barbara ist inzwischen

fertig mit Stillen und sagt, sie hätte in einem Magazin gelesen,

dass eine holländische Firma Kleinbauern sucht mit Land und

Lust. Das brachte sie auf die Idee, ihren Ferienbetrieb mit den

beiden Wohnungen, die im Nebengebäude des Hofes liegen

(60 Euro mit Strom), zu erweitern.

Neue Duschen im Haupthof

Es ging dann rasant. Kontakt aufnehmen, Gespräche mit den

Holländern, die zur Besichtigung kommen. Alles paletti, es

sieht nach einer Win-win-Situation aus, aber dann fragen die

Jungbauern, wie viel denn so bei ihnen rüberkommen wird.

30 Prozent, sagen die Investoren aus Holland, wo das Ganze

„Het Betere BoerenBed“ heißt. Die Wernets fühlen sich in diesem

Moment gerade ein bisschen, als würde ihnen der Boden

unter den Füßen weggezogen. Nur 30 Prozent! Dafür stellen

wir alles zur Verfügung, sagen die Holländer, Zelt, Inventar

und so weiter. Und die Wernets müssten bloß im Keller des

Haupthofs eine Dusche einrichten und Wasser- und Abwas-

serleitungen installieren. „8.000 Euro hat das gekostet“, sagt

Barbara. Aber das war noch nicht alles. Das Areal für die fünf

Zelte musste von der Behörde als „Sondernutzungsgebiet“

umdefi niert und mit einer „Sondergenehmigung“ ausstaffi ert

werden. So was kann dauern, und Zeit hatten die Wernets

nicht. Also stellten sie trotz der knauserigen 30 Prozent die

Zelte erst mal auf, informierten dann die Behörde, was gutging,

und in diesem Sommer, wenn sie die vielleicht 5.000

Euro für die Umzonung gezahlt haben, wird alles ganz legal

sein. Der Vertrag läuft bis 2015.

Sie erzählt das alles auf dem Weg hoch zu den Zelten. Die

Zelte haben Namen: Kuckucks-Nest, Tannenzweig, Mühlenweiler,

Hirtenstuben und Wurzelbaum. Barbara sagt, dass sie

voriges Jahr 43 Prozent Auslastung gehabt hätten und dieses

Jahr schon 50, und dass es schön wäre, wenn dies so weiterginge,

weil ihr Mann Bernd dann das Schreinern auf 60 Prozent

runterschrauben könnte. Dann wäre er mehr hier, und

das wäre das Ziel. Man denkt in diesem Moment irgendwie an

Tapferkeit. Barbara steht einfach da, sagt, der Bach, der zwischen

den Zelten fl ießt, hätte keinen Namen, und weiter oben

sei noch ein Forellenteich für die Gäste mit 30 Forellen drin.

Angeln könne man bei ihnen mieten, und der gefangene Fisch

kostet 3,50 Euro das Kilo. Sie sagt auch, dass sie zufrieden sei

und alles eine Schattenseite habe, dies aber keine Rolle spiele,

wenn genug Sonne da sei. Drei Pferde hätten sie auch noch,

es gebe geführte Pferdetouren, und sie überlege sich, etwas in

„Kräuterpädagogik“ zu machen, das würde doch passen.

Wiesen-Wellness und Sauna

Sie zeigt die Zelte, die so sind, dass man gleich sein Bündel

in eine Ecke legen möchte und sagen: „Ihr könnt mich mal

da draußen mit eurer Karriere, Rentenversicherung und

Stimmrecht. Brauch ich nicht mehr.“ Sie redet jetzt von

Wiesen-Wellness, die sie hier haben oder hatten, eine Sauna

mit Holzfeuerung für 89 Euro pro Tageshälfte und einen

malerischen Tümpel zum Abkühlen. Und sie erzählt von diesem

Rentner aus Karlsruhe, der weiter oben ein Haus besitzt,

das man nicht sieht, weil es von Wald umgeben ist, der aber

offenbar aus einem Fenster und zwischen den Baumstämmen

hindurch auf die Wiesen-Wellness-Zone blicken könne.

Und was macht der ehemalige Stadtplaner aus Karlsruhe? Er

14 ProFirma 07/08 2011

Fotos: privat (1), Wundervolles WiesenBett


Die Zelte haben ein Holzfundament und sind mit

einem Holzofen ausgestattet. So hat man es heimelig

und ist trotzdem nahe an der Naturidylle.

kauft sich keinen Feldstecher, sondern droht mit Klage.

Man regt sich ein bisschen auf, aber Barbara zuckt bloß

mit der Schulter. Wahrscheinlich würde sie mindestens

„Idiot“ sagen, wenn man nicht von der Presse wäre, aber

sie sagt bloß, jetzt machen wir es halt weiter unten. Bernd

kommt hinzu, barfuß, das Baby über der Schulter, und

angesprochen auf die 30 Prozent meint er, ja, das sei

schon hart gewesen, aber da könne man letztlich nichts

machen. Er sagte nicht: „Lieber ein bisschen was von etwas

als gar nichts“, es klang nur einfach so. Danach geht

alles ziemlich schnell, es ist sechs Uhr. Man läuft wieder

runter zum Hof, vorbei an den Schubkarren, mit denen

die Gäste ihr Gepäck hochbringen. Fragen wollte man

noch nach Anekdoten. Vom Belgier erzählen sie, der ein

wenig eingeschnappt war, weil er mit seinem Porsche

nicht bis vor das Zelt fahren konnte. Von den Kindern,

die anfangs ihren iPod vermissen und ein bisschen eine

Scheißlaune haben, dann aber entdecken, dass das Stauen

eines namenlosen Bachs auch Spaß macht. Dass Holländer

doppelt so viel Müll machen wie Deutsche.

Es ist Zeit, in seinen Wagen zu steigen, das Navi zu programmieren

und talwärts zu fahren, schon wieder einem

Ziel entgegen. Aber man fährt mit dem Wunsch, irgendwann

hierhin zurückzukehren und einzutauchen in den

Schwarzwald und die offenherzige Welt der Wernets.

Zurückzukehren in dieses Zielgebiet.

Info: www.hilserhof.de, www.wiesenbett.de

ProFirma 07/08 2011

ALLE GESCHÄFTSREISE-

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Wer nur den Preis statt Qualität als Unterscheidungskriterium

zwischen Angeboten gelten lässt, vergleicht

unter Umständen Äpfel mit Birnen. Bei unseren

Geschäftsreise-Lösungen sollten Sie deshalb auch

Werte wie Zuverlässigkeit, Flexibilität und Kundennähe

als harte Währung in Ihre Rechnung mit einbeziehen.

Addiert man dann noch die tatsächliche Kosteneffizienz

unserer Leistung, fällt der Vergleich unter dem Strich

für Sie doch gleich ganz anders aus.

Ihre Geschäftsreise-Lösungen von CWT.

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Wir Unternehmer – Mittelstand 2.0

global-offi ce.de

Das Büro aus der Wolke

Ein komplettes Büro mit freundlichen Vorzimmerdamen

garantiert ständige Erreichbarkeit und mehr. André

Maschmann und Erik Krömer haben einen bundesweiten

Rundumservice ins Leben gerufen. VON JÜRGEN CHRIST

„Guten Tag, Firma Sanitär Meier. Was

kann ich für Sie tun?“ Was Konzerne

mit viel Personal realisieren, bietet das

Unternehmen Global Offi ce GmbH

seit Ende des Jahres 2008 auch für kleine

und mittlere Unternehmen an: Eine

ständige Erreichbarkeit per Telefon,

wochentags von 7 bis 22 Uhr, samstags

von 8 bis 20 Uhr und sogar sonntags

von 8 bis 18 Uhr.

Im Vergleich zu regionalen Dienstleistern

bietet das Unternehmen mit Geschäftssitz

in Montabaur einen bundesweiten

Rundumservice: Telefonische

Erreichbarkeit mit sekundengenauer

Abrechnung, Weiterleitung der Anfragen

per E-Mail oder SMS, Übersetzungsdienste,

Inkassoservice, Fuhrparkmanagement,

Geschäftsreisen,

Büromaterialbestellungen und Bewerbermanagement.

Steuern können die

Kunden diese Services über ein Web-

Portal.

Als die beiden Gründer und Freunde,

André Maschmann und Erik Krömer,

vor einigen Jahren gemeinsam joggten,

entstand die Idee zum gemeinsamen Unternehmen.

Der 37-jährige Betriebswirt

„Es gibt einen ungesättigten Markt für unsere Bürodienstleistungen

auch bei kleinen Unternehmen.“

ANDRÉ MASCHMANN, GLOBAL OFFICE, MONTABAUR

André Maschmann Erik Krömer

und Marketingfachmann Maschmann

und der 43-jährige Dienstleistungsexperte

Erik Krömer fanden heraus, dass

es zwar viele regionale Anbieter für einzelne

Bürodienstleistungen gibt, aber

Unternehmen auf diese Weise viele Einzelkontakte

und -verträge pfl egen mussten,

um zu ihrem Ziel zu kommen: sich

auf ihren eigentlichen Geschäftszweck

zu konzentrieren. Die Idee zu Global

Offi ce war geboren.

„Es gibt einen ungesättigten Markt“,

meint der studierte Betriebswirt Maschmann,

der dafür eine sichere Angestelltenposition

aufgab: „Sicherheit ist das,

was wir selbst bewegen, nicht die ver-

meintliche Sicherheit als Angestellter“,

meint der Gründer, der schon immer ein

eigenes Unternehmen aufbauen wollte.

Schon jetzt steuern Krömer und Maschmann

insgesamt rund 40 Festangestellte

und Servicekräfte, die die Unternehmen

bei Bürodiensten unterstützen.

Zwar kommen einige Leistungen aus

der Cloud (Wolke), und Abrechnungs-

wie Kommunikationsvorgänge werden

web-basiert abgewickelt, aber der Faktor

Mensch spielt bei Global Offi ce immer

die entscheidende Rolle. Daher wählten

die Firmengründer als Konzept einen

Franchise-Vertrieb, mit dessen Hilfe sie

der Idee regionale Gesichter und Ansprechpartner

geben. Inzwischen stehen

rund 30 Franchise-Nehmer hinter

dem unternehmerischen Netzwerk, bis

Ende des Jahres 2012 sollen es insgesamt

100 werden.

Dabei macht Global Offi ce nicht alles

selbst: Für viele Leistungen wurden

Rahmenverträge abgeschlossen, etwa

mit Bürgel (Inkasso), Otto Offi ce (Büromaterial)

oder Lufthansa – so genießt

jeder Global-Offi ce-Kunde Tarife, die

ansonsten Großabnehmern vorbehalten

sind.

Geschäftskunden von Global Offi ce

wählen aus drei Tarifmodellen: „Profi “

für 98 Euro monatlich mit 60 Minuten

Telefonie-Service-Zeit inklusive, „Power“

für 198 Euro mit 240 Minuten sowie

„Flat“ für 498 Euro mit 610 Minuten.

Wer sich für Global Offi ce interessiert,

kann den Service für eine Woche gratis

testen, um den Nutzen in der Praxis

kennenzulernen.

16 ProFirma 07/08 2011

Foto: privat


Wir Unternehmer

Duhner Wattrennen

Galopp zwischen

Ebbe und Flut

Oben im Norden Deutschlands sind sie

so stolz auf das „Duhner Wattrennen“,

dass sie es von der Tradition und dem

Spektakel her gerne mit der Feira in

Pamplona und dem Hundeschlittenrennen

in Alaska vergleichen. Einige nennen

es „die größte Schlammschlacht

Deutschlands“, andere ein „Pferderennen

auf dem Meeresgrund“.

Zugegeben, das Duhner Wattrennen

kommt nicht ganz an den Glamour und

die Exklusivität der Rennen in St. Moritz

oder Baden-Baden heran, aber für Cuxhaven

und das Nordseebad Duhnen ist

es eine große Show mit einer unermüdlich

galoppierenden Tradition. Seit dem

Jahr 1902 versammeln sich Reiter am

Duhner Strand und ermitteln auf einem

Rundkurs im Wattenmeer den Besten

unter ihnen. Dass das Turfspektakel

AUSZEIT

mehr ist als ein paar Pferde, die ein bisschen

galoppieren, sieht man auch daran,

dass das Organisationskomitee aus

60 Leuten besteht, die „generalstabsmäßig“,

so der Pressereferent, planen und

am Renntag auf 1.200 ehrenamtliche

Helfer zurückgreifen.

Voriges Jahr verfolgten gut 30.000

Zuschauer, Züchter und Zocker den

Kampf der jeweils rund 150 Pferde

durch den weichen und aufspritzenden

Untergrund. Man kann wetten, Wurst

oder Fisch essen, Champagner oder Bier

trinken, und man kann Bikini tragen

oder große Garderobe mit Hut. Sechs

Stunden werden die zwölf Rennen am

24. Juli zwischen Ebbe und Flut dauern.

Punkt 13 Uhr geht’s los. „Jeder mutige

Reiter kann teilnehmen“, schreibt der

Veranstalter, die Sache scheint relativ

sicher, zumindest für die Reiter. Im vergangenen

Jahr kippte ein Wattwagen

mit neun Passagieren um, weil die Pferde

durchgingen, es gab vier Verletzte. Zudem

wurde eine Fotografi n umgerannt,

weil ein Pferd aus ungeklärten Gründen

von der Strecke abgekommen war.

Bei allen Rennen geht es um die Ehre,

bei zweien zusätzlich noch um Preise.

Die Traber kämpfen um das mit 4.000

Euro dotierte „Blaue Band des Wattenmeeres“.

Die Galopper laufen um den

„Wanderpokal des Niedersächsischen

Ministerpräsidenten“ in einem Rennen,

das für Vierjährige offen und mit 1.500

Euro dotiert ist. Der Ministerpräsident

oder ein Kabinettsmitglied übergeben

ein Porzellanpferd aus der Staatlichen

Manufaktur Fürstenberg. (mib.)

www.duhner-wattrennen.de

Das schöne Ding

In Zeiten, in denen die meisten

die gleichen Handys besitzen,

ähnliche Uhren tragen und die

gleichen ereignislosen Ehen

führen, braucht der Mann ein

zeitloses Accessoire, das ihm

ein wenig Individualität zurückgibt

und mit dem er seine ureigene

Handschrift untermauern

kann: Einen Füllfederhalter. Der

Edson Diamond Black Platinum

aus der Waterman-Manufaktur,

die das Dreispalt-Tintenzufuhrsystem

erfunden hat, kann

dabei helfen. Seine Feder ist

aus 18 Karat Gold, rhodiniert,

und der platinverzierte Füller

für knapp 800 Euro sorgt dafür,

dass das mit ihm Geschriebene

aussieht, als sei es ein klein

wenig für die Ewigkeit. (mib.)

www.waterman.com

18 ProFirma 07/08 2011

Fotos: Lucia-Weide_pixelio; Waterman, privat


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Tastatur wird das Smartphone zum mobilen

Büro: Sie können damit Präsentationen oder Angebote

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Unternehmensführung – Titelthema

Kreativität

Jeden Tag eine gute Idee

Um die Zukunft der Firma zu gestalten, ist Einfallsreichtum gefragt. Oft bleibt Ideenfi

ndung jedoch allein Sache des Chefs, der dann wirkungsvolle Instrumente braucht.

ProFirma zeigt, wie Unternehmer die Kreativität sprudeln lassen. VON DR. ULRIKE FELGER

20 ProFirma 07/08 2011

ProFirma

Titelthema

IDEE

Einfälle meist auf Reisen

1

Georg Kramer, Geschäftsführer Astom AG, Kreuzlingen, Schweiz

„Meine Kreativität als Solarunternehmer wird ständig in die Schranken gewiesen – durch den Tüv,

Normen, Gesetzgebungen. Einfälle habe ich meist auf Reisen, im Flieger. Anregend ist das Zufällige außerhalb

des Alltagstrotts. Wichtig ist mir der Dialog mit anderen, da versuche ich Kreatives gezielt weiterzuentwickeln.

Dafür reiße ich meine Gedanken nur an und schaue, ob mein Gegenüber einen ähnlichen

Ansatz hat wie ich – bei einer Bestätigung mache ich weiter. Zu Hause spreche ich neue Ideen mit meinen

Partnern durch. Durch meine leitende Funktion sitze ich ständig im Glaskasten, ich bin nie für mich allein,

das ist für meine Kreativität ein Problem, denn für innovative Ideen brauche ich Ruhe.“

Fotos: privat


Illustrationen: Küstenmacher

„Ideen sind kleine, zerbrechliche Geschöpfe, die man, sobald

sie das Licht der Welt erblickt haben, hegen und pfl egen

muss, damit sie aus den Kinderschuhen herauswachsen, laufen

lernen und vielleicht irgendwann sogar fl iegen können“,

schreibt eine unbekannte Bloggerin im Internet-Portal von

Neon.de. Kreativität ist allseits gefragt – und wenig gepfl egt.

Ohne gute Ideen jedoch treten Unternehmen auf der Stelle.

Wer sein kreatives Potenzial vernachlässigt, riskiert seine unternehmerische

Zukunft. Trotzdem sind strukturierte Ideenfi

ndung oder aktive Kreativitätsprozesse in den meisten KMU

Mangelware. In der Regel treibt der Chef die Dinge voran, er ist

Vordenker, Visionär und Antreiber in einer Person. „Allein der

Begriff Kreativitätssitzung kommt im Mittelstand schon nicht

gut an, man spricht lieber von Problemlösungssitzungen“,

sagt Prof. Dr. Horst Geschka aus Darmstadt. Bodenständig

und handfest soll es sein. Ebenso hemdsärmelig wie die Herangehensweise

ist die eingesetzte Methodik. Ideenfi ndung ja,

aber mit geringem technischem Aufwand. Workshops oder

spezielle Ideen-Treffen sind selten anzutreffen. „Über Brainstorming

geht die eingesetzte Energie kaum hinaus“, so die

Erfahrung des hessischen Innovationsspezialisten.

Und das ist kein Wunder: Zusammen mit seinen zwei oder

drei wichtigsten Führungskräften kann kein Unternehmer

eine klassische Brainstorming-Sitzung durchführen, es fehlen

einfach die Teilnehmer. Das Resultat: Beim Entwickeln von

Ideen sind Unternehmer meistens auf sich selbst gestellt. Und

so kommen die besten Einfälle in den kuriosesten Momenten:

Unter der Dusche, beim Joggen, wenn das Navi den Weg weiß

oder beim Dämmerschoppen in vertrauter Runde.

Blick über den Tellerrand

In der Regel ist es der Blick über den Tellerrand, der neue

Ideen und wertvolle Impulse beschert. „Als Unternehmer

sollte man den Diskurs mit Leuten mit unterschiedlichen Auffassungen

suchen“, rät Andreas Mohren, Innovationsberater

bei der Staufen AG in Köngen. Gezieltes Netzwerken ist ebenso

hilfreich wie zufällige Bekanntschaften in der Bahn oder

im Flieger. Voraussetzung für Inspirationen sind Neugierde

und Offenheit gegenüber anderen – und gegenüber ande-

ProFirma 07/08 2011

Der Ideen-Marathon

Entwickeln Sie jeden Tag eine gute Idee und halten Sie

sie in Ihrem persönlichen Ideen-Logbuch schriftlich fest.

Folgen Sie dabei diesen Regeln:

1. Entwickeln Sie mindestens eine Idee pro Tag.

2. Vermerken Sie diese in Ihrem Notizbuch mit der kürzesten

möglichen Beschreibung.

3. Nehmen Sie Ihr Ideen-Logbuch überall mit hin.

4. Sprechen Sie mit anderen über Ihre Ideen.

5. Passen Sie Ihr System Ihren eigenen Bedürfnissen an: Geben

Sie Ihren Ideen eine fortlaufende Nummer, einen Titel und

ordnen Sie diese in eine Kategorie ein (etwa Verwaltung,

Marketing, Geschäftsidee, Privates).

6. Fügen Sie handschriftliche Erklärungen und Skizzen hinzu.

7. Widmen Sie sich diesem Prozess jeden Tag mindestens

einmal.

Gehen Sie Ihre Ideen in regelmäßigen Abständen durch, zum

Beispiel alle vier Wochen, und entscheiden Sie, welchen Einfall

Sie weiterverfolgen. Die Übertragung in eine Excel-Tabelle hilft

oft, Ideen langfristig im Auge zu behalten.

Quelle: nach Takeo Hugchi: Ideas in Action.

Bestehendes weiterentwickeln

Oswald Praxenthaler, Sport Ossi Praxenthaler und Internet-Händler, Traunreut

„Ich bin eigentlich gar kein kreativer Mensch – aber meine Begeisterung für die Sache und meine

Leidenschaft für meine Produkte sind ein beständiger Quell’ neuer Ideen. An dieser Stelle bin ich

ganz authentisch und nah dran an meinem Geschäft. Der Austausch mit anderen ist für mich essenziell,

gerade mit Freunden aus anderen Branchen, beim Klettern oder in den Bergen. Zum Beispiel

habe ich die 5 S aus der Produktion bei mir im Laden umgesetzt und eine richtige Prozessplanung

etabliert. Oft komme ich mir vor wie ein Schwamm – es geht nicht darum, etwas neu zu erfi nden,

sondern bestehende Dinge auf meinen Betrieb umzumünzen und so zu nutzen.“

IDEE

2

21


Unternehmensführung – Titelthema

rem. „Ich habe keine Scheu, nach den Großen zu schielen“,

sagt Oswald Praxenthaler, Sporthändler mit stationären und

virtuellen Filialen sowie Chef von 24 Mitarbeitern. Er profi -

tiert von Freunden und Bekannten, die als Führungskräfte in

Konzernen ähnlichen Fragestellungen begegnen wie er selbst.

„Oft werde ich skeptisch beäugt, wenn ich Ideen und Sachen

aufnehme und in meinem Betrieb umsetze – doch damit kann

ich leben“, zeigt sich der Bergsportprofi selbstbewusst. Trotz

Kopfschütteln seines Umfelds hat er beispielsweise ein aufwendiges

Auswahlverfahren inklusive Assessment-Center für

seine Auszubildenden etabliert. Heute hat er Nachwuchskräfte,

um die ihn die Branche beneidet.

Kurze Wege, um Neues umzusetzen und Ideen auszuprobieren,

sind der Schatz mittelständischer Unternehmen. Wo

in Konzernen Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, Entscheidungsvorlagen

entwickelt und Abstimmungsrunden installiert

werden, streckt im Mittelstand der Chef den Kopf aus der

Tür, und alle wissen Bescheid. Jens-Uwe Meyer, Kreativitätsexperte

bei „Die Ideeologen“ in Baden-Baden, rät Mittelständlern,

entlang konkreter Fragestellungen Ideen zu entwickeln:

„Ein klares Ziel regt den Kopf mehr an als die diffuse Vorgabe

‚jetzt kreativ sein’.“ Doch ein gewisses Laissez-faire hat auch

seine guten Seiten: Wer Innovationen bürokratisiert oder zu

sehr verkopft, verliert seinen Esprit und verwaltet Ideen, statt

sie zu entwickeln. Mitarbeiter und Vorgesetzte spinnen freudig

Ideen, wenn diese klar gewünscht sind und zeitnah über

Umsetzen, Weiterentwickeln oder Beerdigen entschieden

wird. Denn: „Kreativität funktioniert nicht mit den Führungsmethoden

Befehl und Kontrolle“, sagt Berater Meyer.

Fünf Missverständnisse

in Sachen Kreativität

Dass gute Ideen Ausgangspunkt für erfolgreiches

Unternehmertum sind, ist mittlerweile Allgemeingut.

Trotz aller Diskussionen um Kreativität halten sich

jedoch hartnäckig einige Irrtümer:

BESCHRÄNKUNGEN BLOCKIEREN KREATIVITÄT

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Beschränkungen

fokussieren Probleme und liefern so Inspiration. Ideensuche

ohne klare Rahmenbedingungen und exaktes Ziel gleicht

hingegen meist einem Stochern im Dunkeln und ist wenig

effektiv.

KREATIVITÄT LÄSST SICH IN PROZESSE ZWÄNGEN

Klappt nicht. In der Regel behindern Innovationsprozesse

Innovationen viel mehr, als sie zu fördern. Den Ideen rauben

standardisierte Prozesse das Besondere, den Ideenträgern

nehmen sie die Leidenschaft.

GUTE IDEEN SIND SELBSTLÄUFER

Falsch. Sogar ein exzellenter Einfall bleibt ergebnislos, wenn

es niemanden gibt, der für ihn brennt und seine Umsetzung

vorantreibt.

ES MANGELT AN IDEEN

Dass es in der Wirtschaft an Ideen fehle, hört man immer

wieder. Fakt ist aber, dass sogar im unkreativsten Unternehmen

um ein Vielfaches mehr Ideen produziert als umgesetzt

werden. Woran es mangelt, sind realisierte Ideen, also

Innovationen.

VERRÜCKTHEIT FÖRDERT KREATIVITÄT

Kreativität hat mit Verrücktsein nichts zu tun. Vermeintlich

verrücktes Drumherum im Kreativ-Meeting, wie ausgefallenes

Mobiliar oder bunte Hütchen, erhöhen nicht die Qualität

der Ideen, schaden dem Ideen-Output jedoch auch nicht.

Quelle: Jens-Uwe Meyer, Die Ideeologen, Baden-Baden.

IDEE

1.000 Ideen im Kopf

3

Barbara Rolf, Bestattungen Rolf, Stuttgart

„Ich habe eher zu viel Kreativität – mir schwirren ständig 1.000 Ideen im Kopf herum, und ich spüre

immer noch die kindliche Lust, in alle Richtungen zu laufen. Zudem hat mein Berufsfeld kaum Grenzen und

bietet unglaubliche Gestaltungsspielräume und Freiheiten. Kinder lassen ein Spielzeug einfach fallen – als

Unternehmer hat man da eine andere Verantwortung. Die Fülle meiner Ideen ist in der verfügbaren Zeit nicht

umzusetzen. Insofern ist Kreativität für mich immer auch mit Schmerz verbunden: Jede Entscheidung für eine

Idee ist der Abschied von einer anderen. Trotzdem muss man versuchen, seine Einfälle umzusetzen, sonst tritt

man auf der Stelle.“

22 ProFirma 07/08 2011

Foto: privat


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Unternehmensführung – Titelthema

„Wer kreativ sein will, muss sich auf etwas einlassen“, erklärt

Mirjam Geier, Trainerin für mentale Fitness aus Waldenbuch.

Erst wenn man verstandesmäßig Dinge loslasse und keine expliziten

Erwartungen an seine guten Einfälle habe, könnten die

Gedanken schweifen. Wenn der Mensch entspannt wach ist,

wabern die kostbaren fl üchtigen Denkfetzen durch den Kopf.

Das Eintreten in diesen Zustand, das Vermögen, sich in einen

kreativen Grundzustand zu versetzen, kann man üben: Stichwort

Gehirnjogging. „Mentales Aktivierungstraining macht

den Menschen fl exibler, optimistischer, fördert das Selbstvertrauen,

trainiert die Konzentrationsfähigkeit und steigert die

Aufmerksamkeit – alles Voraussetzungen, um gute Einfälle

zu bekommen“, erklärt Trainerin Geier. Viele Unternehmer

im Mittelstand seien allerdings in der Gegenrichtung unterwegs:

„Diese Menschen sind häufi g angespannt, überreizt,

geradezu panisch.“

Hektik ist Stillstand

Dabei ist die Tretmühle der schlechteste Ort, um kreativ zu

werden. Ständige Überlastung ist der Freund von heute – aber

der Feind von morgen. Wer nur damit beschäftigt ist, auf aktuelle

Reize zu reagieren, hat keine Kapazität für Gedankenspiele.

Oder wie Bergsportler Praxenthaler sagt: „Operative

Hektik ist ein Zeichen geistigen Stillstands.“ Wer kreativ sein

will, braucht Muße, Entspannung und ein Umfeld ohne Dissonanzen.

Gerade schnell wachsende Unternehmen erleben

häufi g, wie sich an eine sprühende Anfangszeit eine Phase

des uninspirierten Abarbeitens anschließt. „Wir haben

Dr. Peter Kreuz, Business-Querdenker

und Buchautor aus Heidelberg

Die großen „W“ der Kreativität

Mit den W-Fragen bringen Sie systematisch den Fluss Ihrer

Gedanken zum Strömen. Beleuchten Sie Ihre Aufgabenstellung,

Ihre Kunden, Ihr Entwicklungsprojekt. Notieren

Sie Ihre Ideen und verfolgen Sie diese dann weiter.

Wer … kennt sich am besten aus,

… hat die Entscheidungskompetenz?

Was … passiert, wenn wir bei diesem Thema passen

(müssen), … bringt diese Veränderung?

Wie … ist die Sache zu bewerten,

… lässt sich das Problem anpacken?

Wo … liegt das Problem, …. wollen wir hin?

Wann … müssen wir eine Lösung präsentieren,

… müssen wir an den Start gehen?

Warum … muss dieses Thema gelöst werden,

… ist das Problem dringlich?

Wodurch … wurde das Problem verursacht,

… wurde der Prozess in Gang gesetzt?

Womit … können wir intervenieren,

… machen wir uns attraktiv?

Welche … Schritte sind zeitkritisch,

… Menschen/Ausstattung brauchen wir?

Nach kurzer Analyse starten

Stephan Hoose, Ion OHG, Hanau

„Die innere Einstellung macht den Unterschied: Ich sage grundsätzlich ‚es geht’. Bei dem Entwickeln von Ideen halte

ich es mit Konfuzius. Der sagt, man kann Ideen entweder a) durch Hinsetzen, Überlegen und Ausprobieren entwickeln

– das ist teuer, b) durch Ausprobieren ohne Überlegen, also durch Versuch und Irrtum entwickeln – das ist billiger, der

Erfolg ist aber zweifelhaft. Oder man kann c) gute Ideen nachmachen und adaptieren. Das ist mein Weg: Ich schaue in

andere Bereiche und Wirtschaftssegmente und bediene mich erprobter Ansätze. Wenn ich eine Idee fi nde, mache ich

eine kurze Kostenanalyse, einen kleinen Zeitfahrplan – wenn diese Parameter zum Ertrag passen, geht es los.“

24 ProFirma 07/08 2011

IDEE

4


Fotos: www.foerster-kreuz.com, privat

ProFirma 07/08 2011

INTERVIEW

„Innovation ist eine Geisteshaltung“

Was seine Kreativität angeht, ist der deutsche Mittelstand besser als sein Ruf. Trotzdem bleibt noch

einiges zu tun, meint Dr. Peter Kreuz, Business-Querdenker und Buchautor aus Heidelberg.

Herr Dr. Kreuz, wie steht es um die Kreativität

mittelständischer Unternehmer in

Deutschland?

Kreuz: Besser, als viele Außenstehende

es glauben, und vielleicht sogar besser,

als viele Mittelständler selbst glauben.

Mehr als 1.000 deutsche Unternehmen

sind Weltmarktführer – die meisten davon

sind Mittelständler. Deren Erfolg liegt

sicherlich nicht darin, dass sie billiger als

ihre Wettbewerber sind. Sondern darin,

dass sie ihre Konkurrenz mit Kreativität,

Innovationen und gelebter Leidenschaft

überfl ügeln.

Inwiefern haben KMU-Chefs vielleicht sogar

Vorsprung beim Entwickeln von Ideen?

Kreuz: KMU haben defi nitiv Vorteile.

Auf der einen Seite sind sie durch ihre

„Größe“ praktisch gezwungen, innovativ

zu sein. Wenn sie die „Gorillas“ (sprich

Großkonzerne) nicht mit Budgets, Manpower

et cetera übertrumpfen können,

dann müssen sie das eben mit Kreativität

und Cleverness wettmachen. In den

meisten Großunternehmen ist die Innovationspipeline

etwa so effi zient wie

Rohrleitungen aus dem 19. Jahrhundert.

Gute Ideen verheddern sich dort allzu

oft in der Komplexität von Hierarchien,

Planungs-, Budgetierungs- oder Produktentwicklungsprozessen.

Was hemmt aus Ihrer Erfahrung generell

die Kreativität von Menschen, gerade in

KMU?

Kreuz: In zu vielen KMU gibt es noch

„kreative Apartheid“, bei der nur diejenigen,

die aufgrund ihrer klassischen

berufl ichen Rolle als „Kreative“ defi niert

werden, auch Mittel und Möglichkeiten

bekommen, ihre Kreativität zu entfalten.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE DR. ULRIKE FELGER

Der Rest geht leer aus. Es entbehrt dabei

nicht einer gewissen Ironie, dass in den

Festtagsreden der Geschäftsführung dann

trotzdem von jedem Sachbearbeiter mehr

Kreativität gefordert wird. Aber statt die

Voraussetzungen dafür zu schaffen, belässt

man es bei phrasentriefenden Kreativitätsappellen.

Kreativität beziehungsweise Innovation

darf keine Spezialabteilung oder

eine sorgsam abgeschottete Gruppe forschender

Wissenschaftler oder Ingenieure

sein. Sie müssen vielmehr ein Kultur sein,

eine Geisteshaltung, die für jeden und

alles in einem Unternehmen gelten und

nonstop herrschen.

Welche konkreten Möglichkeiten haben

Mittelständler, sich selbst und ihre Mitarbeiter

in Sachen Kreativität auf Trab zu

bringen?

Kreuz: Jörg Mehlhorn, Vorsitzender der

Gesellschaft für Kreativität, hat hier einen

hervorragenden Vorschlag: „Menschen

eine angstfreie und vertrauensvolle Umgebung

bieten, in der sie frei assoziieren und

sich neugierig, spontan und ohne Hemmungen

in die Aufgabe versenken können.

Denn kreativ zu sein bedeutet, altbekannte

Wege zu verlassen, von der Norm

abzuweichen – was Mut erfordert.“

Das erfordert von einem mittelständischen

Unternehmen erstens, Menschen Freiräume

zu gewähren, in denen sie ihre

Vorstellungskraft entfalten können. Zweitens,

ein Umfeld zu schaffen, in dem es

gestattet ist, spontan und neugierig zu

sein. Drittens, eine Unternehmenskultur zu

leben, in der das Infragestellen tradierter

Überzeugungen nicht als Verrat an der eigenen

Sache gilt, sondern als Zeichen von

intelligentem Mitdenken. Das klingt ganz

einfach und logisch. Es existiert in vielen

Unternehmen aber nur in kreativen

Wunschträumen.

Welche Rolle spielen ein strukturiertes

Ideenmanagement (KVP & Co.) oder Kreativitätstechniken

für das Entwickeln neuer

Ideen?

Kreuz: Im Prinzip eine wichtige Rolle,

aber nur dann, wenn die Unternehmenskultur

stimmt. Ohne die bleiben

die genannten Dinge Makulatur. Kreativität

steht immer im natürlichen Wettstreit

mit etablierten Ideen und Überzeugungen.

Und das macht es so unbequem.

Außerdem muss man verstehen,

dass weder Innovation noch Kreativität

einmalige Projekte sind. Es gibt keinen

Anfang und kein Ende. Es ist vielmehr

eine Haltung, ein grundlegender

Wunsch, die Art zu verbessern, wie wir

unsere Produkte und unser Geschäft

weiterentwickeln.

Welchen ganz praktischen Rat haben

Sie, um die eigene Kreativität in Fluss zu

bringen?

Kreuz: Bleiben Sie locker, entspannen Sie

sich und nehmen Sie sich Auszeiten. Gerade

als Unternehmer. Große Ideen sind

niemals das Ergebnis von permanentem

Beschäftigtsein. Sie entstehen nicht durch

Beschleunigung, sondern durch Entschleunigung.

Durch Nichts-tun-müssen,

sondern einfach Sein-dürfen. Innehalten.

Solch „kreatives Nichtstun“, das zweckfreie

spielerische Treibenlassen, müssen

wir in unserer modernen 24-Stunden-

Gesellschaft oft erst wieder lernen. Was

hilft, ist Selbstüberlistung: Sich einmal

am Tag einfach auf die Couch setzen – mit

Espresso in der Hand und ohne Handy am

Ohr und Laptop auf dem Schoß.

25


Unternehmensführung – Titelthema

Die Kartenumlauftechnik

Eine Kreativarbeit mit Karten sorgt für ungestörtes

Denken der Teilnehmer. Alle arbeiten parallel, im

Anschluss können die Karten gut organisiert und

strukturiert werden.

1. Setzen Sie ein Treffen unter einem bestimmten

Thema an.

2. Verteilen Sie an alle Teilnehmer Metaplankarten

zum Aufnadeln.

3. Jeder Teilnehmer schreibt eine Idee auf eine Karte.

4. Die beschriebene Karte wird weitergereicht.

5. Neue Ideen werden auf neuen Karten festgehalten.

Gegebenenfalls kann eine vergleichbare Technik mithilfe

eines Buchs oder Hefts auch von Einzelpersonen

über einen zeitlichen Versatz angewendet werden.

Entdeckerqualitäten

kreativer Führungskräfte

Warum sind manche Manager kreativer und

erfi nderischer als andere? Eine Studie amerikanischer

Professoren gibt Auskunft. Folgende Qualitäten

legen innovative Unternehmerpersönlichkeiten

besonders an den Tag:

> Verknüpfen

> Hinterfragen

> Beobachten

> Experimentieren

> Vernetzen

Quelle: Die Innovatoren-DNS, Harvard-Business Manager, 2010

irgendwann bemerkt, dass eine Ideenarmut eintrat, weil wir

zu sehr im Täglichen gefangen waren“, erzählt Christoph von

Jan, Chief-Operating-Offi cer beim Laserhersteller Raylase in

Wessling. Als Reaktion treffen sich die Geschäftsführer heute

mindestens einmal pro Woche außerhalb des Unternehmens,

das Mittelmanagement zieht sich einmal im Quartal zur Klausur

in ein Hotel zurück.

Bei kreativer Lähmung wirkt ein Ortswechsel oft Wunder:

„Wir wissen seit Einstein, dass Zeit und Raum auf geheimnisvolle

Weise miteinander verbunden sind“, sagt Werner

Tiki Küstenmacher, Cartoonist und Simplify-Erfi nder aus

Gröbenzell. Dass amicale Meetings im Grünen immer mehr

eingespart würden, sei für die Kreativität tödlich, hat Küstenmacher

erkannt und fordert Aktivitäten außerhalb der Norm.

Ohnehin sind die meisten Mittelständler gegenüber Kreativitätstechniken

zurückhaltend. Wenn überhaupt, greifen sie zu

den Klassikern wie Brainstorming oder Mind Mapping. Dass

Ideen etwas Flüchtiges sind, ist allen klar. Und so kommen neben

Notizbüchern, Ideen-Kladden oder Post-its immer öfters

auch Smartphones oder i-Pads zum Einsatz, um kreative Geistesblitze

in Wort, Schrift und Bild festzuhalten.

Es braucht Begeisterung

Neue Ideen haben es ohne die Unterstützung der Mitarbeiter

schwer. „Wenn wir etwas ändern, ist der Aufschrei groß – erst

im Nachhinein erkennen die Mitarbeiter den Wert einer Veränderung“,

erzählt Stephan Hoose, Vollblutunternehmer aus

Die kurzen Wege nutzen

Michael Burmeister, Burmeister Caravan Center GmbH, Bodman-Ludwigshafen

„Ich habe Spaß an meiner Arbeit und glaube, dass ich anders denke als andere. Deshalb halte ich

ein gewisses Maß an Kreativität für wichtig, denn daraus resultiert zum Beispiel antizyklisches

Wachstum. Riskant ist Aktionismus: Ein Betrieb muss Kreativität auch verkraften können, da ist

weniger manchmal mehr. Wir nehmen die Themen unserer Mitarbeiter auf, entwickeln sie weiter

und setzen sie um. Wer die Ideen seiner Mitarbeiter erstickt, vernichtet deren Kreativität und verliert

eine wertvolle Ressource. Der Mittelstand profi tiert übrigens von seinen kurzen Wegen: Die Ergebnisse

neuer Ideen sind kurzfristig messbar, weil Dinge unmittelbar umzusetzen sind.“

26 ProFirma 07/08 2011

IDEE

5

Fotos: privat


Hanau. Um die Vor- und Nachteile eines Einfalls in der Praxis

zu sehen, müsse man ihn umsetzen – und gegebenenfalls

einen Fehler eingestehen, so seine Erfahrung. Auch Michael

Burmeister, Caravan-Händler aus Bodman-Ludwigshafen,

weiß, dass er die Begeisterung seiner Mitarbeiter braucht, um

Dinge nachhaltig zu verändern. Oft dauert ihm die Umsetzung

zu lange: Er sprüht vor Ideen und fühlt sich durch die

Abarbeitungszeit in seiner Kreativität oft gehemmt.

Angesichts einer Welt, die von dem Streben nach Effi zienz

und Effektivität geprägt ist, erscheint die Förderung von Kreativität

vielen Unternehmern und Unternehmen als Luxus. Und

wirklich: Kreativität hat immer etwas mit Verschwendung zu

tun. „Wer kreativ sein will, muss sich erlauben, in der Fülle zu

schwelgen“, weiß Cartoonist Küstenmacher. Das Bekenntnis

zu Überschwang und Vielfalt ist auf den zweiten Blick jedoch

hochfunktional: Wenn der Ideenfl uss in einem Unternehmen

erst zum Rinnsal verkommt, bleibt jeder Betrieb früher oder

später auf der Strecke.

ProFirma 07/08 2011

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Strategiefi ndung Der Beitrag stellt grundlegende kreative Techniken

und deren Nutzen für die Strategiefi ndung im Unternehmen vor.

Edisons Weg zur genialen Idee

– kreativ in sechs Schritten

Bei seinen Erfi ndungen folgte Thomas Edison, der

Erfi nder der Glühlampe, stets der gleichen Systematik

aus sechs Schritten:

ERFOLGSCHANCEN ERKENNEN

Edison erkannte Chancen, für die andere blind waren:

Marktchancen und technische Chancen.

DENKAUTOBAHNEN VERLASSEN

Edison entwickelte unzählige Zugänge, um sein Ziel zu

erreichen. Er nutzt neue Wege, um Probleme zu lösen, suchte

frische Blickwinkel und nahm gedankliche Umwege bewusst

in Kauf.

INSPIRATION SUCHEN

Edison war wie ein Schwamm, der Anregungen und Ideen

förmlich aufsaugte. Er nutzte Analogien zu bestehenden

Dingen, um zu Neuem zu kommen.

SPANNUNG ERZEUGEN

In der Phase der Ideenfi ndung nutzte Edison eine Technik,

die „kaleidoskopisches Denken“ genannt wird. Dabei fügte

er die Einzelteile immer wieder neu zusammen, bis er eine

Lösung gefunden hatte.

ORDNUNG UND OPTIMIEREN

Edison suchte die besten Ideen aus und entwickelte sie weiter

zu Hunderten von Konzeptalternativen, bis er das optimale

Ergebnis hatte.

NUTZEN MAXIMIEREN

Zu guter Letzt organisierte er das Gesamtsystem. Edison wusste,

dass gute Ideen gut verkauft werden müssen. Er entwickelte

perfekte (Vermarktungs-)Strategien für seine Erfi ndungen.

Quelle: Jens-Uwe Meyer: Das Edison-Prinzip, Campus, 2008

IDEE

Das Umfeld wechseln

6

Christoph von Jan, Chief Operating Offi cer Raylase AG, Wessling

„Bei uns bin ich derjenige, der die Geschäftsprozesse schlank hält und das Wachstum im operativen

Bereich abbilden muss. Das wirkt erst einmal nicht kreativ, ist es aber. Unsere Teams nehmen sich im

regelmäßigen Jour fi xe Fragen vor, für die wir kreative Lösungen brauchen, da sind wir sehr teamorientiert.

Hier ist von jedem Einzelnen sein Einblick in die Arbeit gefragt. Wir Geschäftsführer gehen für unsere

Treffen übrigens oft bewusst aus der Firma, um das Umfeld zu wechseln, so fl ießen eher die Ideen.

Grundsätzlich hat für mich Kreativität etwas mit innerer Entspannung zu tun, sie ist Voraussetzung für

Kreativität – und die kommt bei mir, wie vermutlich bei vielen anderen, eher zu kurz.“

27


Unternehmensführung – Produktkosten

28

Kalkulation

Runter mit den Fixkosten

Wer jetzt sein Sortiment abklopft und ein professionelles

Produktmanagement aufbaut, schafft die Basis für Wachstum.

Denn er deckt damit versteckte Kosten auf, vereinfacht

komplexe Abläufe und strafft das Angebot. VON MONIKA HOFMANN

Anfangs überwog bei Olaf Schweiger

die Skepsis: Warum sollte er seine Kosten

überprüfen? Er glaubte, alles bis ins

Detail zu kennen. Die Zahlen seines

Haushaltswarenhandels hat er im Kopf,

seine Pläne und Projekte sind durchdacht.

Dennoch muss er einräumen,

dass er teilweise seine Kosten falsch kalkuliert

hatte. Als während der Krise die

Umsätze einbrachen, nahm er dies zum

Anlass, mit seinem Berater aufs Neue

alle Kosten zu prüfen. Und er staunte,

wie viele Kostentreiber sie gemeinsam

aufdeckten – vor allem als sie seine Produktpalette

unter die Lupe nahmen.

Rund 2.000 verschiedene Produkte bot

Schweiger zu diesem Zeitpunkt an. Lediglich

mit knapp 500 von ihnen erwirtschaftet

er mehr als 80 Prozent seines

Umsatzes. Manches aus dem übrigen

Sortiment hatte er nur deshalb im Angebot,

um den besonderen Wünschen

weniger Kunden zu entsprechen. Weitere

Ware zählte zum Angebot, weil das

schon immer so war. Doch jetzt kalkulierte

er zum ersten Mal exakt, wie viel

es ihn kostet, wenn er als kleiner Händler

auf diese Vielfalt setzt. „Bislang hatte

ich immer nur die Deckungsbeiträge

der Produkte im Kopf, aber das ist ja nur

ein Teil der Kosten“, gibt er zu bedenken.

Inzwischen bezieht Schweiger gezielt

die Fixkosten in seine Kalkulation

ein und kommt bisweilen zu alarmierenden

Ergebnissen: „Einige Produkte,

die ich wegen positiver Deckungsbei-

träge für rentabel hielt, zählen faktisch

sogar zu den Verlustquellen.“

Die Ursache für diese Fehleinschätzung

liegt in den Fixkosten. Denn sie bleiben

bei der Deckungsbeitragsrechnung

weitgehend unberücksichtigt. Wenn

aber ein Produkt aufwendige Logistik-

und Vertriebsprozesse erfordert, klettern

diese versteckten Kosten meist in

beachtliche Höhen. Schweiger straffte

sein Portfolio und verzichtet auf rund

200 solcher Produkte, da sie enorm

hohe gesamte, also variable und fi xe

Kosten verursachten. „Manchmal behalte

ich weiterhin unrentable Produkte

im Angebot, um bestimmte Kunden zu

gewinnen oder zu halten; aber in einem

sauber abgesteckten Rahmen“, sagt er.

Teure Logistik

Für den Händler ist klar: Nur wer die

wahren Produktkosten kennt, kann

auch seine Verlustquellen entdecken,

die in jedem Unternehmen reichlich

sprudeln. Zwei Prinzipien will er daher

in Zukunft beherzigen. Erstens wird er

sein Portfolio mindestens zweimal jährlich

daraufhin abklopfen, ob es solche

kostspieligen Produkte enthält. Und er

weiß, dass nicht immer die Ladenhüter,

sondern durchaus auch Bestseller

dazuzählen können. Zweitens nimmt

er künftig immer die Vollkosten ins Visier:

„So kann ich die echten Kosten der

Produkte ermitteln.“


Seinen Konkurrenten dürfte Schweiger

damit eine Nasenlänge voraus sein.

Zahlreiche Mittelständler haben beim

Produktmanagement allein die Deckungsbeiträge

im Blick, aber wer keine

Vollkostenrechnung zugrunde legt,

riskiert damit, Fehlentscheidungen im

Hinblick auf den Aus- und Abbau des

Produktportfolios zu treffen, mahnt

Professor Andreas Fürst. Der Inhaber des

Lehrstuhls für Marketing an der Fried-

rich-Alexander-Universität Erlangen-

Nürnberg skizziert ein Beispiel: „Wenn

ein Unternehmer ein neues Produkt in

sein Angebot aufnehmen will und dafür

erst einmal eine Maschine anschaffen

muss, die zwar geringe variable Produktions-

und Instandhaltungskosten, aber

einen hohen einmaligen Beschaffungsaufwand

verursacht, dann führt eine

deckungsbeitragsbezogene Kalkulation

rasch zu Fehlentscheidungen.“

PRODUKTMANAGEMENT

In sechs Schritten

zum optimalen Portfolio

1. Prüfen Sie die Produkte in Ihrem

Portfolio. Evaluieren Sie dafür regelmäßig

alle Produkte, die zu Ihrem Angebot

zählen, am besten mit IT-Unterstützung.

Die relevanten Informationen liegen

meist schon im Unternehmen vor und

müssen nur noch in Tabellen zusammengeführt

werden, die allerdings stets

zu aktualisieren sind.

2. Ermitteln Sie die Gesamtkosten jedes

einzelnen Produkts. Wer die Vollkosten

unter die Lupe nimmt, erkennt,

dass Produkte zwar positive Deckungsbeiträge

haben können, aber auch hohe

Prozesskosten. Denn die Verlustquellen

liegen oft im Verborgenen, also in ungünstigen

Losgrößen, fehlenden Synergieeffekten

und komplexen Strukturen angesichts

der Produktvielfalt begründet.

3. Bilden Sie passende Kennziffern.

Unternehmer sollten daher ihre Prozesse

von der Beschaffung über die

Herstellung bis hin zur Führung und die

dazugehörigen Kosten ins Visier nehmen

und auf jedes einzelne Produkt

umlegen. Erst so decken sie die wahren

Kosten eines Produkts auf. So können

Sie beispielsweise die Prozesskosten

der Beschaffung über die Personal- und

Materialkosten der Einkaufsabteilung

Firmenchefs sollten ihr Produktportfolio regelmäßig prüfen,

denn dabei zeigen sich häufi g die wahren Kostentreiber.

ermitteln, sie durch die Zahl der Bestellungen

dividieren, um zu den Kosten pro

Bestellung zu kommen – und diese für

jedes Produkt berechnen.

4. Entscheiden Sie, welche Produkte

im Portfolio bleiben. Wer sich dafür

entscheidet, sein Portfolio zu bereinigen,

kann seine Kosten erfahrungsgemäß

deutlich reduzieren. Wichtig ist

dabei, sich von denjenigen Produkten zu

trennen, die dauerhaft hohe Prozesskosten

verursachen. Zudem vermeiden Sie

so, dass die Strukturen des Portfolios

zu komplex werden. Allerdings ist es

aber auch wichtig, bei solchen Entscheidungen

immer die Wünsche der Kunden

zu beachten.

5. Verzahnen Sie Ihr Produktmanagement

mit dem Controlling. Regelmäßige

Besprechungen der Mitarbeiter, die

für den Vertrieb oder die Produktion der

jeweiligen Produkte zuständig sind, mit

den Controllern helfen, versteckte Verlustquellen,

aber auch Ertragsbringer im

Portfolio frühzeitig zu identifi zieren.

6. Informieren Sie sich.

Weitere Informationen fi nden Sie hier:

www.marketing.wiso.uni-erlangen.de,

www.wieselhuber.de und www.roi.de

29


Unternehmensführung – Produktkosten

Diese Methode greift ebenfalls zu kurz,

wenn es zudem schwierig ist, die neue

Maschine in die bestehenden Prozesse

einzubinden und wenn diese dadurch

komplexer, damit langsamer und fehleranfälliger

werden. Wichtig ist aber

auch, bei solchen Entscheidungen nicht

ausschließlich kostenbezogene Aspekte,

sondern auch kundenbezogene

Kriterien zu berücksichtigen, betont der

Experte. „Firmenchefs sollten sich dabei

stets fragen, wie viele Kunden – und damit

Umsatz und Gewinn – sie dadurch

verlieren, dass sie bestimmte Produkte

aus dem Portfolio nehmen.“ Denn selbst

wenn sich Kosten einsparen lassen, besteht

die Gefahr, dass es unterm Strich

dennoch unprofi tabel ist, da wichtige

Kunden abspringen.

Im ersten Schritt evaluieren Mittelständler

am besten systematisch und

regelmäßig alle im Portfolio enthaltenen

Produkte. „Dies sollte mit entsprechender

IT-Unterstützung erfolgen

und von einer neutralen Person, etwa

aus dem Controlling, durchgeführt werden“,

erklärt der Experte. „Dies ist besonders

wichtig, wenn es darum geht, Produktnostalgien

auszublenden.“ Zwar

lässt sich immer wieder ein irrationales

Festhalten an unprofi tablen Produkten

beobachten. „Doch darf es keine

heiligen Kühe beim Portfoliomanagement

geben“, betont der Wissenschaftler.

Ein System für ein solches Portfoliomanagement

muss nicht teuer sein.

„Häufi g liegen die meisten relevanten

Informationen bereits im Unternehmen

vor und müssen nur – und das ist der

zweite Schritt – in ein Entscheidungssystem

eingebracht, zusammengeführt

und regelmäßig aktualisiert werden.“

Für den Experten liegen die Vorteile auf

der Hand: Damit können Unternehmer

ihre Gewinne signifi kant steigern. Denn

zum einen identifi zieren sie damit Verlust-

und Ertragsbringer im Portfolio.

„Zum anderen hilft dies auch, jene Kosten

zu vermeiden, die angesichts zunehmender

Komplexität im Unternehmen

entstehen“, resümiert er.

Vor der Fixkostenfalle warnt daher Volker

Riedel mit besonderem Nachdruck.

„Denn die Deckungsbeiträge eignen

sich allenfalls für eine sehr kurzfristige

Betrachtung, zumal sie immer nur einen

kleinen Ausschnitt zeigen“, mahnt

der Experte der Unternehmensberatung

Dr. Wieselhuber und Partner in München.

Egal, ob aus Vertrieb, Produktion

oder Verwaltung – die meisten Mitarbeiter

sehen oft nur die Aspekte, die

ihren Bereich betreffen, nicht das große

Ganze. „Umso wichtiger ist es, all diese

Sichtweisen zusammenzubringen“,

erklärt er. Für das Produktportfolio bedeutet

dies, die Voll- statt der Teilkosten

zu betrachten. „Andernfalls riskieren

Firmenchefs hier Entscheidungen, die

ihre Existenz gefährden können“, warnt

Riedel. Denn sie behalten dann oft Produkte

im Angebot, obwohl sie sich bei

der Gesamtbetrachtung nicht lohnen.

Und das kann sich kein Mittelständler

dauerhaft leisten. Versteckte Verlustquellen

fi nden sich meist in den Fixkosten.

Zu den klassischen Kostentreibern

zählen zum einen ungünstige Losgrößen.

„Wenn sie zu gering sind, lassen

sich kaum Synergieeffekte realisieren,

weder bei der Beschaffung noch bei der

Herstellung oder dem Vertrieb.“ Zum

anderen bewirkt die Vielfalt, dass die

Strukturen immer komplexer werden.

„Je größer die Vielfalt, desto höher lie-

gen oft die versteckten Kosten, also auch

die wahren Produktkosten“, präzisiert

Riedel. „Damit sind die vermeintlichen

fi xen Kosten keineswegs fi x, sondern sie

haben eine klare Tendenz zu steigen.“

Abläufe in Prozesse aufteilen

Wie entgehen Firmenchefs dieser Fixkostenfalle?

Um zu erkennen, welche Produkte

zu den Ertrags- und Verlustquellen

zählen, müssen Unternehmer also

alle Kosten ins Blickfeld nehmen. Dazu

empfi ehlt Riedel, die Unternehmens-

„Die Deckungsbeiträge der Produkte eignen

sich allenfalls für eine kurzfristige Betrachtung.“

VOLKER RIEDEL, DR. WIESELHUBER UND PARTNER, MÜNCHEN

abläufe in die wesentlichen Prozesse

aufzuteilen: Den Beschaffungs-, den

Vertriebs-, den Auftrags-, den Produktions-

und den Entwicklungsprozess.

„Diese fünf zählen zu den Kernprozessen,

während alle weiteren Abläufe

zum Führungsprozess gehören und

damit zum Randprozess“, erläutert der

Experte. Auf dieser Basis lassen sich nun

die versteckten Kosten genau ermitteln

und passende Kennziffern bilden. Beispiel

Beschaffung: Nachdem die Kosten

der Einkaufsabteilung ermittelt sind,

werden sie dividiert durch die Zahl der

Bestellungen. Damit steht fest, welche

Kosten jede Bestellung verursacht. Diese

lassen sich nun für einzelne Produkte

berechnen. „Spielen wir das für alle Prozesse

und Produkte durch, lassen sich

die Kosten aller Abläufe im Unternehmen

aufdecken – und auf die jeweiligen

Produkte umlegen“, erklärt Riedel.

Klar wird damit auch, dass Produkte

zwar positive Deckungsbeiträge haben

können, aber hohe Prozesskosten.

Ein Industriebetrieb beispielsweise

war zwar international gut aufgestellt,

hatte aber ein kleinteiliges Geschäft

in Deutschland. Da sich die zuständigen

Mitarbeiter nicht von den angestammten

Produkten trennen wollten,

privat

führten sie positive Deckungsbeiträge Foto:

30 ProFirma 07/08 2011


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Unternehmensführung – Produktkosten

ins Feld. Aber als die Prozesskosten auf

die Produkte heruntergebrochen wurden,

ergab sich für viele Produkte ein

ganz anderes Bild: Kleine Losgrößen verursachten

lange Rüst- und Wartezeiten,

ebenso waren die Lager-, Logistik- und

Vertriebskosten hoch. „Anfangs hielten

sich die Mitarbeiter zurück, doch dann

waren sie mit Herzblut dabei, als es darum

ging, das Portfolio zu bereinigen“,

erzählt der Berater. Fast die Hälfte der

Produkte haben die Firmenchefs und

ihre Beschäftigten schließlich aus dem

Portfolio für den deutschen Markt gestrichen.

Und wenn ein neues Produkt

ins Sortiment aufgenommen wird,

fällt ein anderes dafür hinaus. „Unsere

Studien bestätigen immer wieder, dass

Mittelständler, die sich auf ihre Kernkompetenzen

konzentrieren, zu den

erfolgreichen Firmen zählen.“

Komplexität versus Effi zienz

Gerade angesichts immer komplexer

werdender Prozesse wird es für Unternehmer

zunehmend wichtig, sich von

dieser Komplexität nicht überrollen

zu lassen, empfi ehlt Susanne Drexl-

Wittbecker. Die Partnerin der ROI Management

Consulting AG in München

verfasste mit dem Generalbevollmächtigten

Professor Werner Bick unter

dem Titel „Komplexität reduzieren“

ein Fachbuch zu diesem Thema. Die

Autoren sehen eine Hauptursache für

die wachsende Komplexität im zunehmend

härteren Wettbewerb. Denn damit

steigen weltweit die Anforderungen

der Kunden, sodass gerade auch Mittelständler

immer stärker individualisierte

Produkte anbieten und ihr Portfolio immer

weiter differenzieren müssen, argumentieren

sie.

„Diese Strategie hat aber ihre Kehrseite.“

Steigende Produktvarianz erhöht nicht

nur den Entwicklungsaufwand, da die

Varianten genauso aufwendig entwickelt

werden müssen wie Standardprodukte,

sondern auch die Komplexität

der Produktion, was in den meisten

Firmen auf die Effi zienz drückt. All das

treibt die Kosten in die Höhe, betonen

die Experten. Zudem wird oft ein großer

Anteil an Komplexitätskosten aus-

gerechnet von jenen Kunden verursacht,

die nur geringfügig zum Umsatz

beitragen. Wer sich vor diesem Hintergrund

dafür entscheidet, sein Portfolio

zu bereinigen, reduziert seine Kosten

spürbar. „Die Erfahrung zeigt: Mit Komplexitätsreduktion

allein durch Bereinigen

des Portfolios lassen sich Kosten

um bis zu 20 Prozent reduzieren.“

Doch das Portfoliomanagement bleibt

immer nur ein Baustein des gesamten

Produktmanagements, wenn auch

ein wichtiger. Wie ein professionelles

Produktmanagement angesichts einer

immer komplexer werdenden Welt

aussehen sollte, skizziert Evelyn Friedrich-Bergdolt.

Sie ist Geschäftsführerin

und Hauptgesellschafterin der Lutter

& Partner GmbH in Garching. Das Unternehmen

setzt seinen Schwerpunkt

auf Personal Care-Produkte, zu seinem

Portfolio zählen renommierte Marken

wie Carrera oder Epilady. Mit 50

Mitarbeitern erwirtschaftet es rund 40

Millionen Euro Jahresumsatz. Wichtig

fi ndet es Friedrich-Bergdolt, stets den

ganzen Lebenszyklus der Produkte im

Blick zu behalten. Einerseits sollte ein

gutes Produktmanagement ihrer Ansicht

nach schon bei der Entwicklung

auf technisch ausgefeilte Innovationen

und Varianten setzen, die sich gezielt an

den Kundenwünschen orientieren, und

beim Vertrieb und Marketing ausgetretene

Pfade verlassen. Andererseits müsse

es aber auch eng mit dem Controlling

verzahnt sein, immer die Voll- und

Prozesskosten im Visier haben. „Das

ist eine wesentliche Anforderung, die

manchmal auch unbequem sein kann“,

weiß die Unternehmerin.

„Zusätzlich hat das Produktmanagement

immer wieder die neuen Herausforderungen

der globalen Märkte zu

bewältigen“, sagt sie. Daher muss es

zunehmend auch Aspekte wie Währungs-

und Lieferantenrisiken, Zollfragen

und EU-Vorschriften einbeziehen.

Bei der Lutter GmbH arbeiten die Produktmanager

mit der Geschäftsführung

und dem Controlling zusammen, die

Analysen der Controller fl ießen etwa

in die Kalkulation der Produktkosten

ein. „Unsere Produktmanager müssen

besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten

mitbringen“, unterstreicht Evelyn Friedrich-Bergdolt.

Sie brauchen viel technisches

Verständnis, viel Liebe zum Produkt,

viel Kreativität. „Zudem müssen

sie die Risiken und Chancen der Märkte

kennen – und ein tiefes Verständnis für

Zahlen mitbringen.“

STUDIE

70 Prozent der Firmenchefs

optimieren jetzt ihr Portfolio

Wachstum und Effi zienz steigern: Diese beiden Ziele setzen sich die deutschen Unternehmer

und ihre kaufmännischen Leiter für das Jahr 2011. Dabei haben sie vor allem

ihre Produktportfolios im Visier, wie die aktuelle Studie der Roland Berger Strategy

Consultants GmbH in München und des Internationalen Controller Vereins (ICV) in

Gauting ergab. Daher nehmen die Firmenchefs jetzt nicht nur ihre Wachstumsfelder

unter die Lupe, sondern in erster Linie auch ihre Produkt- und Serviceportfolios. Denn

die gilt es zu prüfen, zu bereinigen und weiterzuentwickeln. Fast 70 Prozent der

Unternehmen setzen inzwischen auf ein solches Produktportfoliomanagement –

im vergangenen Jahr waren es erst 53 Prozent. Eine ähnlich hohe Priorität hat das

Produktionsmanagement. Zudem gewinnen Einkauf und Logistik an Bedeutung, dagegen

spielen Innovation und Entwicklung derzeit eine geringere Rolle. Die beiden

Herausforderungen des Jahres liegen für die Unternehmer darin, gleichzeitig Wachstum

zu schaffen, es zu steuern und die Produktkosten zu optimieren.

Weitere Informationen gibt es im Internet:

www.controllerverein.de und www.rolandberger.com

32 ProFirma 07/08 2011


Unternehmen sind, wie alle Werke von Menschenhand, endlich

und werden eines früheren oder späteren Tages zu Ende

gehen. Permanent sind sie in ihrer Existenz bedroht. Die Bedrohung

kann von innen oder von außen kommen. Beides

kann gleichermaßen gefährlich sein. Es gibt bisher keine todsicheren

Merkmale dafür, ob eine Firma noch lange überleben

oder in Kürze vom Markt verschwinden wird. Neben vielen

anderen Kriterien unterscheiden sich Unternehmen vor allem

auch in der Kurz- oder Langfristigkeit ihrer Führung. Grob

gesprochen lassen sich dazu zwei Typen von Unternehmen

unterscheiden: Solche, die vom Kapitalmarkt getrieben sind,

und solche, deren Kapital vom Eigentümer-Unternehmer gehalten

wird.

Kapitalmarktbasierte Unternehmen sind dem Druck ausgesetzt,

kurzfristig zu handeln und kurzfristig zu reportieren.

Die vermeintliche oder tatsächliche Aktualität der Zahlen

scheint manchmal wichtiger zu sein als die dahinter stehende

Substanz. Wer den Quartalsbericht verweigert, muss

schon sehr gute Gründe dafür haben, wenn er nicht von der

Bankenwelt abgestraft werden will. Man muss sich diese Unabhängigkeit

leisten können – am besten mit eigenem Geld

und ohne nennenswerte Bankverbindlichkeiten. Wenn diese

Voraussetzungen nicht vorliegen, und das ist häufi g der

Fall, dann sind Hektik, manchmal auch Panik, an der internen

Tagesordnung. Nicht selten sind auch Täuschungs- und

Verschiebungsmanöver zu beobachten, wenn um jeden Preis

der Quartalsabschluss noch rosarot gefärbt werden soll. Das

ist menschlich verständlich, aber geschäftspolitisch katastrophal.

Mitarbeiter verstehen oft die Welt nicht mehr, wenn

ihre sonst so souveränen Vorgesetzten plötzlich vom „Quartalsfi

eber“ befallen werden und hektische Verschiebungen

von Auftragsbeständen, Warenbeständen und Erfolgsmeldungen

veranlassen. Wo solche Dinge praktiziert werden,

ProFirma 07/08 2011

Querdenker

Martin Beck Der Unternehmensberater

ist Großhandelskaufmann, Diplom-

Betriebswirt (FH) und Honorarprofessor

an der Hochschule Nürtingen.

www.prof-beck.net

Kurzfristig oder langfristig

Von Professor Martin Beck

da hat das Planungssystem die Herrschaft über die Vernunft

übernommen. Man darf es Mitarbeitern nicht verdenken,

wenn sie sich darauf ihren eigenen Reim machen und wenn

die innere Ordnung des Hauses gewisse Aufl ösungserscheinungen

zeigt.

Die Chance des eigentümergeführten Unternehmens ist die

lange Perspektive. Wenn alles gut geht und die Dinge geordnet

laufen, dann wird in Generationen gedacht, es kann mit

ruhiger Hand geführt werden, die Aufregung und Hektik

von börsengetriebenen Firmen entfällt völlig, und man kann

antizyklisch das tun, was eigentlich für alle vernünftig wäre.

Schließlich ist es ja das eigene Geld, oder jedenfalls das der Familie,

mit dem man arbeitet, das man investiert oder, wenn es

sein muss, auch aufs Spiel setzt: Risiken gehören eben unvermeidlich

zum Geschäft. Das prägt die Führungsebenen und

hat auch Auswirkungen auf die operativen Mitarbeiter. Es gibt

dem Ganzen eine strategische Note. Diese relative Ruhe, die

aber in Wirklichkeit nicht gemütlich ist, sondern mit höchster

Aufmerksamkeit und Anspannung einhergeht, prägt das ganze

Unternehmen. Das wichtigste optische Instrument ist hier

das Fernglas, nicht die Lupe. Es geht um langfristige Perspektiven,

nicht um Eintagsfl iegen!

Diese Chance muss aber auch genutzt werden. Eigentümer

sein reicht nicht aus. Auch mit einer hohen Eigenkapitalquote

und mit vernünftigen Familiengesellschaftern ist ein Unternehmen

nicht gegen Überraschungen gefeit. Zum Geld muss

auch die Weitsicht kommen, und auch die Kraft, nicht auf jede

Tagesaktualität aufzuspringen oder auf sie hereinzufallen.

Wenn der Gesellschafterkreis durch Erbfolge anwächst, muss

auch die Machtfrage geklärt werden, und zwar rechtzeitig, bevor

die ersten Blockaden aufkommen. Sonst stehen am Ende

viele Leute mit Ferngläsern auf der Kommandobrücke und

schauen aufs Meer – aber in gegensätzliche Richtungen.

Kolumne

33


Unternehmensführung – Arbeitsunfall

Versicherungsschutz

Die Abgrenzung ist schwierig

Nicht immer erleidet ein Selbstständiger oder ein Mitarbeiter, der bei der Arbeit verunglückt,

einen Arbeitsunfall. Berufsgenossenschaften und Sozialgerichte sind oft anderer

Ansicht als der Verunglückte und rütteln am Versicherungsschutz. VON KLAUS LINKE

Ein Arbeitsunfall ist laut Sozialgesetzbuch

VII defi niert als „ein während der

Ausübung einer versicherten Tätigkeit

zeitlich begrenztes, von außen auf den

Körper einwirkendes Ereignis, das zu

einem Gesundheitsschaden oder zum

Tod führt“. Das klingt plausibel, doch

mit dieser Defi nition sind längst nicht

alle Fragen geklärt.

Versicherungsschutz und Haftung

Alle Arbeitnehmer in einem Betrieb

sind automatisch in der gesetzlichen

Unfallversicherung (GUV) versichert.

Welche Berufsgenossenschaft (BG) jeweils

zuständig ist, ergibt sich aus der

Branchenzugehörigkeit des Betriebs, in

dem sie tätig sind. Bei einem Arbeitsunfall

darf, sofern ein Anspruch aus der

GUV besteht, die Krankenkasse keine

Leistungen erbringen. Aufwendungen,

die von der gesetzlichen Krankenkasse

nicht abgedeckt werden, sind entspre-

GRATISTOOL des Monats

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Der Beitrag Arbeitsunfall befasst sich mit

den arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen

sowie steuerlichen Aspekten.

chend über die persönliche Krankenversicherung

(PKV) versichert, die auch,

sofern mitversichert, Krankengeld und

Krankenhaustagegeld gewährt.

Ist auch der Selbstständige in der GUV

versichert? Hier überlässt der Gesetzgeber

der zugehörigen BG die Entscheidung,

ob der Selbstständige bei ihr

pfl ichtversichert ist oder sich freiwillig

versichern kann. Die Satzung gibt hierüber

Auskunft. Das gilt auch für unternehmerisch

tätige Personen (etwa als

Geschäftsführer tätige GmbH-Gesellschafter).

Für den Selbstständigen ist

bedeutsam, dass er seine Unternehmerhaftpfl

icht für Arbeitsunfälle, Gesundheitsschäden

und Berufskrankheiten

ablösen kann und dann nicht mehr zum

Schadensersatz verpfl ichtet ist. Gegen

eine entsprechende Beitragszahlung

übernimmt die BG die Haftung. Auch

Mitarbeiter untereinander sind von der

Haftung freigestellt, was den Betriebsfrieden

sichert und einem reibungslosen

Arbeitsablauf dient.

Unfälle, die vermeintlich durch betriebliche

Aktionen ausgelöst wurden, weist

die BG oftmals zurück. Das führt häufi g

zu zeitraubenden gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Nachfolgend einige

Beispiele, die gerichtlich entschieden

wurden:

1. Unfall in der Abfüllhalle: Einem

Schlosser wurde in der Abfüllhalle seines

Betriebs plötzlich schwindlig. Er fi el

zu Boden, schlug mit dem Kopf auf und

erlitt eine große Platzwunde an der Stirn,

und seine Gleitsichtbrille zerbrach. Die

BG lehnte die Kostenübernahme ab mit

der Begründung, dass für den Unfall

keine betrieblichen Umstände verantwortlich

waren und keine betriebliche

Risikoerhöhung vorgelegen habe (zum

Beispiel durch besonders rutschigen

oder unebenen Hallenboden).

Auch einem Arbeitskollegen, der in

der Halle auf einer Leiter stand, wurde

schwindlig. Er fi el zu Boden, schlug

sich dabei einen Zahn aus und zerbrach

ebenfalls seine Brille. Hier entschädigte

die BG die Zahnbehandlung und die

Brille. Begründung: Ein betriebliches

Gefahrenmoment (das Stehen auf der

Leiter) hat den Unfall mit verursacht.

2. Tätlichkeiten während der Arbeit:

Eine Auseinandersetzung am Arbeitsplatz,

die zu Tätlichkeiten ausartet und

Verletzungen nach sich zieht, wurde als

Arbeitsunfall anerkannt, weil sie aus der

betrieblichen Tätigkeit heraus entstanden

war (Streit um Handwerkszeug).

Kein Versicherungsschutz besteht, wenn

es beim Streit um private Belange geht.

3. Überschreiten der Arbeitszeit:

Wenn der Arbeitnehmer über die tägliche

Höchstarbeitszeit hinaus tätig ist

und in dieser Phase einen Unfall erleidet,

besteht Versicherungsschutz, wenn

er zum Unfallzeitpunkt Tätigkeiten ausgeführt

hat, die dem Betrieb dienen.

4. Arbeitspause: Zwischen Beschäftigungsverhältnis

und Arbeitspause be-

34 ProFirma 07/08 2011


steht ein enger Zusammenhang. Deswegen

ist man während der Arbeitspause

gegen die mit dem Betrieb zusammenhängenden

Gefahren versichert, auch

wenn man sich rein privaten Tätigkeiten

widmet. Immer? Leider nein! Wenn

man außerhalb des Betriebsgeländes

spazieren geht, wird es kompliziert.

Versicherungsschutz besteht nur dann,

wenn der Spaziergang die „Weiterarbeit

sichert und dem betrieblichen Interesse

dient“ Beispiel: Ein Chemiearbeiter, der

in schlechter, die Atemwege belastender

Luft arbeitet, macht in der Pause Spaziergänge

in einem nahen Wald.

5. Trunkenheit am Arbeitsplatz

oder auf dem Arbeitsweg: Versicherungsschutz

besteht nur, wenn versicherte

Tätigkeiten ausgeübt werden

und lediglich leichte Trunkenheit besteht.

Bei Volltrunkenheit entfällt der

Schutz, ebenso bei Tätigkeiten, die mit

der Trunkenheit in keinem direkten

Zusammenhang stehen. Bei „sonstiger

Trunkenheit“ ist generell zu prüfen, ob

die Trunkenheit alleinige Ursache des

Unfalls war. In diesem Falle besteht kein

Versicherungsschutz.

6. Rauchen: Rauchen ist grundsätzlich

eine unversicherte Tätigkeit. Verletzt

sich jemand während der Raucherpause,

so ist er über die gesetzliche Unfallversicherung

nicht abgesichert.

ProFirma 07/08 2011

7. Betriebsfeier: Kommt es hier zu

einem Unfall, besteht Versicherungsschutz

unter folgenden Voraussetzungen:

> Die Feier muss von der Firmenleitung

gebilligt und gefördert werden,

> der Chef oder sein Beauftragter muss

an der Feier teilnehmen.

Begründung: Derartige Veranstaltungen,

zu denen auch betriebliche

Gemeinschaftsaktionen wie Bowling

gehören, gelten der Förderung des Ge-

meinschaftssinns. Angehörige und Gäste,

die an solchen Feiern teilnehmen,

sind jedoch nicht über die BG abgesichert.

So wird geprüft

Dr. Thomas Flint, Präsidialrichter am

Landessozialgericht Hamburg, erklärt

den Entscheidungsweg: „Bei den vorgelegten

Fällen wird zunächst geprüft,

ob eindeutig kein Arbeitsunfall vorliegt.

Das ist der Fall, wenn Auslöser des Unfalls

eine innere Ursache ist, wenn keine

betriebsbedingten Gefahrenmomente

vorliegen und die innere Ursache nicht

durch besondere betriebliche Umstände

beeinfl usst wird.“

Innere Ursache: Der Unfallauslöser

hat eine innere Ursache wie etwa einen

Schwindelanfall, eine Erkrankung oder

einen Infarkt. Hier liegt kein ursächlicher

Zusammenhang zwischen dem

Unfallgeschehen und der versicherten

Tätigkeit vor. Die körperliche Ursache

hat zwangsläufi g zu dem eingetretenen

Unfallverlauf geführt.

Wenn eine solche außerberufl iche innere

Ursache mit Gewissheit feststeht,

ist die Aberkennung als Arbeitsunfall

möglich.

Betriebliche Umstände: Wenn unzweifelhaft

innere Ursachen für den

Arbeitsunfall vorliegen, prüfen BG

beziehungsweise Sozialgericht, ob

betriebliche Umstände eine Rolle

spielten. Solche betrieblichen Umstände

können Überanstrengung, Arbeit

bei drückender Hitze oder in extremer

räumlicher Enge sein. Wenn derartige

Umstände nachgewiesen sind, ist der

Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen.

Betriebliche Gefahrenmomente: Waren

bei einem Unfall aufgrund innerer

Ursache keine betrieblichen Umstände

mit im Spiel, wird geprüft, ob

betriebsbedingte Gefahrenmomente

den Ausschlag für die Anerkennung

als Arbeitsunfall geben können. Hierzu

muss der Verletzte der Gefahr, die

zum Unfall geführt hat, wegen seiner

betriebsbedingten Anwesenheit auf der

Unfallstelle ausgesetzt gewesen sein.

Maßgebend sind die Umstände des Einzelfalls.

Beispiele: Ein Taxifahrer wird während

der Fahrt ohnmächtig und verunglückt

tödlich. Hier spielt die mitwirkende Gefahr

des Straßenverkehrs die entscheidende

Rolle.

Ein Maschinenführer erleidet einen

Schwächeanfall und gerät mit dem Arm

in die laufende Maschine. Auch dieser

Unfall ist ein Arbeitsunfall, denn die

Maschine stellt eine Gefahrenerhöhung

dar.

Dass damit die Unklarheiten und Streitigkeiten

bezüglich der Anerkennung

als Arbeitsunfall noch längst nicht ausgeräumt

sind, zeigen die Klagen vor den

Sozialgerichten. Diese befassen sich

nach der Anerkennung als Arbeitsunfall

auch mit der Einstufung der Erwerbsunfähigkeit

und mit der Anerkennung als

Berufskrankheit als Folge betrieblicher

Unfälle.

35


Unternehmensführung

Sachgrundlose Befristung

Viele Arbeitgeber machen gerne Gebrauch

von der sachgrundlosen kalendermäßig

determinierten Befristung

gemäß § 14 Abs. 2 des Gesetzes über

Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge

(TzBfG). Grund dafür sind die

Unwägbarkeiten des deutschen Kündigungsrechts

in vielen Branchen. Dabei

RECHT

Neubeginn nach drei Jahren

Waren Arbeitnehmer zuvor schon einmal in einem Unternehmen tätig, entfi el für

die Arbeitgeber oftmals die Möglichkeit einer weiteren sachgrundlosen Befristung. Das

Bundesarbeitsgericht hat nun Klarheit geschaffen. VON BERND WELLER

Recht in der Praxis

> Speichern Sie die Daten Ihrer Arbeitnehmer

(auch von Studenten, Auszubildenden

und Praktikanten) für die

Dauer von mindestens drei Jahren nach

Beendigung der vorigen Tätigkeit.

> Bevor Sie sachgrundlose Befristungen

mit (neuen) Mitarbeitern vereinbaren,

prüfen Sie, ob diese in den drei Jahren

zuvor bereits in Ihrem Unternehmen

beschäftigt waren.

> Sofern eine solche Beschäftigung binnen

der letzten drei Jahre vorlag, wäre die

sachgrundlose Befristung unwirksam.

In diesem Fall müssen Sie erwägen, ob

Ihnen ein Sachgrund für die Befristung

zur Verfügung steht; andernfalls müssen

Sie zwischen Nichtbeschäftigung und

Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis

entscheiden.

musste so mancher Arbeitgeber in der

Vergangenheit eine unliebsame Überraschung

mit solchen meist zweijährigen

Befristungen erleben. Arbeitnehmer

beriefen sich unter Hinweis auf eine

Vorbeschäftigung auf die Unwirksamkeit

der Befristung und das Bestehen

eines unbefristeten (und kündigungsgeschützten)

Arbeitsverhältnisses.

Hintergrund dafür ist eine Regelung in

§ 14 Abs. 2 TzBfG, wonach sachgrundlose

Befristungen mit solchen Arbeitnehmern

nicht wirksam geschlossen

werden können, mit denen zuvor bereits

einmal ein befristetes oder unbefristetes

Arbeitsverhältnis bestanden hatte.

Wird in einem solchen Fall trotzdem

eine sachgrundlose Befristung vereinbart,

ist diese unwirksam. In der Konsequenz

sind die Arbeitnehmer dann von

Beginn an unbefristet beschäftigt.

Mangels Daten keine Prüfung

In der Praxis sorgte diese Klausel für

viele Schwierigkeiten. Die notwendige

Prüfung war entweder mangels Daten

nicht möglich, oder es fehlte am hinreichenden

Problembewusstsein. Während

üblicherweise relativ leicht geprüft

werden kann, ob ein Arbeitnehmer bereits

zuvor einmal als Arbeitnehmer beschäftigt

war, ist dies in vielen anderen

Konstellationen schwieriger. Auch die

Beschäftigung als studentische Aushilfe

(Studentenjob), in Form eines bezahlten

Praktikums und viele andere ähnliche

Gestaltungen bergen großes Konfl iktpotenzial.

Arbeitsrechtlich sind solche

Verhältnisse oft als „normale“ Arbeitsverhältnisse

zu qualifi zieren (vgl. Pro-

Firma 06/2010), in den Unternehmen

werden sie aber oft anders behandelt

und wahrgenommen. Die Daten solcher

Vertragsverhältnisse werden daher häufi

g schon nach recht kurzen Zeitabläufen

gelöscht. In der Praxis erweist sich

daher die vorherige Beschäftigung eines

Mitarbeiters in einem „Studentenjob“

bisweilen als Bumerang, aufgrund dessen

sich die sachgrundlose Befristung

in einem ersten festen Arbeitsverhältnis

als unwirksam erweist.

Schon seit vielen Jahren wird über eine

Änderung von § 14 Abs. 2 TzBfG diskutiert.

So sinnvoll es ist, den Missbrauch

bei sachgrundlosen Befristungen zu verhindern,

so schwierig und gefährlich ist

die derzeitige Regelung. Natürlich soll

ein Arbeitnehmer nicht für zwei Jahre

sachgrundlos befristet und dann für

drei Monate arbeitslos sein, um sodann

abermals für zwei Jahre sachgrundlos

befristet beschäftigt zu werden. Die

„Ewigkeitsbindung“ der derzeitigen

Fassung in § 14 Abs. 2 TzBfG ist jedoch

36 ProFirma 07/08 2011


Das Verbot der mehrmaligen sachgrundlosen

Befristung verhinderte

früher oft eine Wiederanstellung.

nicht sachgerecht. Letztlich wird damit

Arbeitnehmern der Weg in die Beschäftigung

verbaut. Trotz entsprechenden

Vorhaben in Koalitionsvereinbarungen

ist es aber noch nicht zu einer Gesetzesänderung

gekommen.

BAG etabliert Dreijahresfrist

Das Bundesarbeitsgericht hat mit

einem Urteil am 6. April 2011 für eine

gewisse Entwarnung in der Problematik

gesorgt. Auch in dem betreffenden

Fall hatte sich ein Arbeitnehmer, der

vor langer Zeit einmal in dem Unternehmen

beschäftigt gewesen war, auf

die Unwirksamkeit einer sachgrundlosen

Befristung berufen. Das Bundesarbeitsgericht

legte § 14 Abs. 2 TzBfG

nun jedoch einschränkend aus und gab

dem Arbeitgeber recht. Nach Auffassung

des BAG sollen Beschäftigungsverhältnisse,

die mehr als drei Jahre vor

der neuerlichen sachgrundlosen Befristung

beendet wurden, nicht mehr ins

Gewicht fallen. Die an keiner Stelle im

TzBfG genannte Dreijahresspanne entlehnt

das Bundesarbeitsgericht einer

ProFirma 07/08 2011

anderen gesetzlichen Wertung. Üblicherweise

verjähren Ansprüche nach

drei Jahren; diese drei Jahre sollen laut

Bundesarbeitsgericht künftig auch für

die Vorbeschäftigung gelten.

So sehr man über die Berechtigung

des Bundesarbeitsgerichts zur korrigierenden

Auslegung des Paragrafen

streiten kann, so sehr ist das Urteil

zu begrüßen. Es ist schlichtweg nicht

einzusehen, warum eine beendete Beschäftigung

für immer und ewig einer

neuerlichen Beschäftigung mit sachgrundloser

Befristung entgegenstehen

soll. Es ist auch nicht einzusehen,

warum ein Arbeitgeber wegen einer

solchen Ewigkeitsklausel gehalten sein

soll, seine Beschäftigtendaten unbegrenzt

zu speichern. Dies gilt um so

mehr, als Umstrukturierungen auf Gesellschaftsebene

nicht nur rechtlich die

schwierige Frage aufwerfen, bei welcher

Vorgesellschaft eine Vorbeschäftigung

schädlich ist, sondern darüber hinaus

im Verlauf solcher Restrukturierungen

Datenbestände und Wissen verloren gehen

können.

Der Autor: Bernd Weller

ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für

Arbeitsrecht in der Kanzlei Heuking Kühn

Lüer Wojtek, Frankfurt am Main.

Urteils-Ticker

EINSICHT

IN DIE PERSONALAKTE

Ein Arbeitnehmer hat auch nach Beendigung

seines Arbeitsverhältnisses

noch das Recht, in seine Personalakte

zu schauen. Dem klagenden

Ex-Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmens

war im Rahmen einer

Zeugnisauseinandersetzung mitgeteilt

worden, es seien Gründe vorhanden,

die auf seine mangelnde Loyalität

schließen ließen. Der frühere Mitarbeiter

verlangte daraufhin Einsicht

in seine Personalakte; das Bundesarbeitsgericht

gab ihm recht.

INFO: BAG, Az. AZR 573/09

VERLETZUNG BEI GRILLFEIER

KANN ARBEITSUNFALL SEIN

Verletzt sich ein Mitarbeiter bei einem

Grillfest in der Firma, kann das als

Arbeitsunfall gelten. Während der

Feier rutschte der Mitarbeiter beim

Ballspielen aus und verletzte sich an

der Schulter. Die zuständige Berufsgenossenschaft

machte geltend, es

habe sich nicht um eine sogenannte

betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung

gehandelt. Die Richter des Sozialgerichts

Gießen verwiesen jedoch

darauf, dass der Arbeitgeber die Feier

aktiv gefördert und die Grillparty eine

langjährige Tradition habe.

INFO: Az. S 3 U 1215/03

VERSANDKOSTEN MÜSSEN

AUGENFÄLLIG SEIN

Angaben zu eventuellen Versandkosten

und zur Mehrwertsteuer müssen

beim Verkauf über einen Online-Shop

den Preisangaben eines Produkts zugeordnet

sein. Diese Zuordnung müsse

augenfällig sein, heißt es in einem

Urteil des OLG Hamm. Im betreffenden

Fall waren die Angaben aber lediglich

im Sinn einer Fußzeile vermerkt und

deshalb nicht unmittelbar, sondern

nur durch Scrollen sichtbar.

INFO: Az. 4 U 208/09

37


Finanzen & Steuern

FINANZTRENDS

Trotz Aufschwung steigt Nachfrage nach Gründerdarlehen

Die baden-württembergische L-Bank

registrierte im Jahr 2010 eine starke

Nachfrage nach Förderkrediten für

Investitionen im Mittelstand und Existenzgründungen.

Insgesamt lag das Kreditvolumen

bei 3,6 Milliarden Euro. 2,4

Milliarden davon fl ossen für 8.600 Finanzierungen

an den Mittelstand. „Die

Unternehmen haben im Aufschwung

insbesondere in Betriebserweiterungen

investiert“, sagte Christian Brand, Vorstandsvorsitzender

der L-Bank. Außergewöhnlich

sei die anhaltende Dynamik

bei den Gründungen in diesem

Jahr. Denn in Aufschwungphasen gehe

die Zahl der Gründungen in der Regel

zurück.

Nicht nur die Zahl der Kredite stieg im

vergangenen Jahr, sondern auch die

Volumina nahmen deutlich zu, betonte

Brand. Bei der Wachstumsfi nanzierung,

einem klassischen Investitionsprogramm,

verzeichnete die Bank ein

Plus von 70 Prozent auf 638,8 Millionen

Euro, die Technologiefi nanzierung

nahm um 45 Prozent auf rund 70 Millionen

Euro zu. Die L-Bank hat außerdem

ihr Angebot für Mikrofi nanzierungen

erweitert. Die Startfi nanzierung 80 mit

einer 80-prozentigen Risikoentlastung

der Hausbank über die Bürgschaftsbank

zielt auf die Nachfrage nach Kleinstkrediten

ab. „Damit können wir auch

Gründer mit sehr geringem Kapitalbe-

darf unterstützen und decken dadurch

die gesamte Bandbreite der Gründungsfi

nanzierung ab“, sagte Brand. „Gerade

im Dienstleistungsbereich sind zum

Start in die Selbstständigkeit häufi g nur

kleine Investitionen nötig.“ Ein weiterer

Pluspunkt sind die fl exiblen Laufzeiten

des Programms.

Christian Brand,

Vorstandsvorsitzender

der L-Bank.

Vermögen der Privatanleger wächst auf 122 Billionen Dollar

Im Jahr 2010 stiegen die Vermögenswerte von Privatanlegern, die in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt sind,

um acht Prozent auf 122 Billionen Dollar (90 Billionen Euro). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Global Wealth 2011 der Boston

Consulting Group (BCG). Damit lagen sie um 20 Billionen US-Dollar über dem Wert, der Ende 2008 während des Tiefpunkts der

Finanzkrise erreicht wurde.

11,1 10,2

31,2 34,6 38,2

2008 2009 2010

Nordamerika 1

10,3 8,2

2,9 3,2 3,5

2008 2009 2010

Lateinamerika 3

7,0 4,8

33,1 35,4 37,1

2008 2009 2010

Europa

24,7 17,1

24,7 17,1 14,9 18,5

21,7

3,6 4,1 4,5

2008 2009 2010

Mittlerer Osten

und Afrika

2008 2009 2010

Asien und Pazifi c 2

(ohne Japan)

Haushalte mit mehr als einer Million Dollar Geldvermögen.

Haushalte mit weniger als einer Million Dollar Geldvermögen.

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent.

Alle Vermögenswerte sind auf Basis der Wechselkurse zum Jahresende 2010 in US-Dollar berechnet worden.

Die Berechnungen der Vermögenswerte der Jahre 2008 und 2009 sind nach der gleichen Methode ermittelt

worden wie für das vergangene Jahr.

1) USA und Kanada; 2) inkl. Australien und Neuseeland; 3) Südamerika, Zentralamerika und Mexiko

1,4 0,2

16,6 16,8 16,8

2008 2009 2010

38 ProFirma 07/08 2011

Japan

10,3 8,0

122

112,8

102,3

35,6 41,8 47,5

66,7 71,0 74,5

2008 2009 2010

Weltweit

Foto: L-Bank

Quelle: BCG Global Wealth Market-Sizing Database, 2011


Wir fördern Ihre Unternehmensgründung.

Die NRW.BANK fördert Unternehmensgründungen mit zinsgünstigen Krediten, Darlehen

zum Ausgleich mangelnder Sicherheiten und zur Stärkung des Eigenkapitals

sowie mit Eigenkapital-Finanzierungen. Fragen Sie Ihre Hausbank – oder

direkt uns: Tel. 0211 91741-4800 (Rheinland) oder 0251 91741-4800

(Westfalen-Lippe). www.nrwbank.de


Finanzen & Steuern – Finanzierung

Förderprogramme

Großer Rundumschlag

Die KfW hat ihre Förderung für Gründer und mittelständische Unternehmen neu geregelt.

Seit 1. April profi tieren die Firmen von höheren Kreditobergrenzen und mehr Geld für

Betriebsmittel. Aber einige Neuerungen haben auch Nachteile. VON SABINE HÖLPER

Gut 15 Jahre lang waren André Wendelmuth und Helmut

Blenke Angestellte. Am 1. Juni 2011 haben sie sich in der gleichen

Branche, dem Handel mit Lebensmittel-Sonderposten,

selbstständig gemacht. Ein langer Anlauf, könnte man sagen.

„Gutes Timing“, nennt es André Wendelmuth. Schließlich haben

die Unternehmer ihren Kreditvertrag genau zu dem Zeitpunkt

unterschrieben, als die verbesserten Förderprogramme

der KfW Bankengruppe in Frankfurt in Kraft traten. Denn die

Förderbank des Bundes erhöhte am 1. April die Obergrenze

für Kreditausleihungen an Gründer von 50.000 auf 100.000

Euro. Die frischgebackenen Inhaber der Blenke & Wendelmuth

GmbH erhielten zwar nicht den vollen Betrag pro Person,

immerhin aber jeweils 65.000 Euro. Den Rest hat die

Sparkasse dem Duo als Kontokorrentkredit zur Verfügung

gestellt. „Wir haben von der Neuregelung profi tiert“, freut

sich Wendelmuth.

Mit der Überarbeitung der Förderinstrumente machte die

KfW einen richtigen Rundumschlag. Denn sowohl die Förderung

für Existenzgründer als auch die Förderung für etablierte

mittelständische Unternehmen wurde grundsätzlich neu geregelt.

Bisher erhielten Existenzgründer entweder Startgeld

oder den Unternehmerkredit. Die Nachfolgeprogramme

heißen KfW-Gründerkredit Startgeld beziehungsweise KfW-

Gründerkredit Universell. Die Änderungen für etablierte Unternehmen

betreffen das Programm „Kapital für Arbeit und

Investitionen“ und den bisherigen Unternehmerkredit. Beide

Programme gibt es in der bisherigen Form nicht mehr. Sie

wurden durch den neuen KfW-Unternehmerkredit ersetzt.

Neue Kredithöchstbeträge

Die neuen Förderprogramme für Existenzgründer haben vor

allem das Ziel, noch mehr Gründern den Zugang zu zinsgünstigem

Fremdkapital zu ermöglichen. Deshalb wurde der

Finanzierungshöchstbetrag beim Startgeld von 50.000 Euro

pro Gründer auf 100.000 Euro verdoppelt. Nach dem KfW-

Gründungsmonitor benötigen 93 Prozent der Gründer, die

externe Finanzmittel benötigen, meist weniger als 100.000

Euro. Mit dem neuen KfW-Gründerkredit Startgeld werden

somit neun von zehn Gründern erreicht, rechnet die Förderbank

vor. Dazu gehören auch Jungunternehmer, die wie

Wendelmuth und Blenke einen hohen anfänglichen Kreditbedarf

haben und kaum oder keine Sicherheiten stellen können.

Schließlich ist das Darlehen standardmäßig mit einer 80-prozentigen

Haftungsfreistellung für die durchleitende Hausbank

ausgestattet.

40 ProFirma 07/08 2011


Neue KfW-Programme im Überblick

ProFirma 07/08 2011

Gründerkredit

Startgeld

Richtet sich an Gründer in den ersten drei

Jahren

Finanzierungshöchstsumme

100.000 Euro pro Gründer

(davon bis zu 30.000 Euro

für Betriebsmittel)

Gründerkredit

Universell

Gründer in den ersten

drei Jahren

zehn Millionen Euro pro

Vorhaben, auch komplett

für Betriebsmittel

Unternehmerkredit

A

mittelständische Unternehmen

und Selbstständige, die

seit mindestens drei Jahren

auf dem Markt sind

zehn Millionen Euro, auch

komplett für Betriebsmittel

(fünf Millionen Euro bei

haftungsbefreitem

Betriebsmittelkredit)

Haftungsfreistellung 80 Prozent keine Haftungsfreistellung Investition: 50 Prozent möglich;

Betriebsmittel: 50 Prozent

möglich (nur für KMU)

Sicherheiten keine oder nur geringe

Sicherheiten nötig

Laufzeiten fünf oder zehn Jahre,

davon ein oder zwei Jahre

tilgungsfrei

Zinssatz fester Zinssatz während

der gesamten Laufzeit,

derzeit nominal 5,35 bzw.

5,45 Prozent

Aller Anfang ist schwer. Bei der Finanzierung

greift die KfW Jungunternehmern mit einem

überarbeiteten Förderprogramm unter die Arme.

bankübliche Sicherheiten

und Eigenkapital nötig

Betriebsmittel: bis fünf Jahre,

davon ein Jahr tilgungsfrei;

Investitionen: bis 20 Jahre,

davon drei Jahre tilgungsfrei

individueller, risikogerechter

Zinssatz, derzeit ab 3,65

Prozent

Foto: KfW-Bankengruppe

Unternehmerkredit

B

mittelständische Unternehmen

und Selbstständige, die

seit mindestens drei Jahren

auf dem Markt sind und eine

gute Bonität aufweisen

zwei Millionen Euro

100 Prozent möglich

bankübliche Sicherheiten nötig keine Sicherheiten nötig

Betriebsmittel: bis fünf Jahre,

davon ein Jahr tilgungsfrei

(für KMU auch: zwei Jahre,

endfällig); Investitionen:

bis 20 Jahre, davon drei Jahre

tilgungsfrei

individueller, risikogerechter

Zinssatz, derzeit ab 4,0

Prozent bzw. 2,85 Prozent

für KMU

zehn Jahre, davon sieben

Jahre tilgungsfrei

differenzierte Zinssätze in

vier Bonitätskategorien,

derzeit ab 4,7 Prozent

Aber nicht nur die Ausweitung der Haftungsfreistellung erleichtert

jungen Unternehmen den Zugang zum Startgeld. Für

Gründer, die höchstens 25.000 Euro Kredit beantragen, fällt

eine weitere Hürde weg: Sie müssen keinen Liquiditätsplan

mehr vorlegen. Die KfW weist zwar darauf hin, dass ein Liquiditätsplan

sinnvoll ist. Sie verzichtet bei Kleingründungen

dennoch darauf, weil er „schwer zu erstellen ist“. Eine weitere

Neuerung betrifft Gründer, die bereits selbstständig waren,

aber damit scheiterten. Seit April fördert die KfW die zweite

Chance sogar dann, wenn der Kreditnehmer seinen vorherigen

Kredit nicht zurückzahlen konnte und die KfW auf

einem Teil der Forderung sitzen blieb. Wichtiger dürfte aber

folgende Änderung sein: Anstatt 20.000 Euro können nun

30.000 Euro für Betriebsmittel verwendet werden. Christian

Segal, Leiter des Kompetenz-Centers Gründungen und Unternehmensnachfolge

bei der Berliner Sparkasse, fi ndet die Anhebung

„hilfreich“, kritisiert aber gleichzeitig, dass der Betrag

im Verhältnis unterproportional erhöht wurde. In der Tat hätten

insbesondere Dienstleister, die zur Hauptzielgruppe des

Startgelds gehören, von einem mutigeren Schritt profi tiert.

Bei ihnen ist der Anteil an Betriebsmitteln erfahrungsgemäß

sehr hoch.

Gründer, die mehr als 30.000 Euro für Betriebsmittel brauchen,

können auf den KfW-Gründerkredit Universell – den

zweiten neuen Förderbaustein für Existenzgründer – ausweichen.

Im Rahmen dieses Förderkredits stellt die KfW bis zu

zehn Millionen Euro zur Verfügung. Kann der Antragsteller

keine Sicherheiten vorweisen, muss er möglicherweise auf

41


Finanzen & Steuern – Finanzierung

eine Absicherung über eine Bürgschaftsbank zurückgreifen.

Denn beim KfW-Gründerkredit Universell ist eine Haftungsfreistellung

nämlich nicht vorgesehen. Die Hausbank trägt

das volle Risiko. Aus diesem Grund wird dieser Kredit auch

nicht, wie beim Startgeld, zu einem festen KfW-Zinssatz zur

Verfügung gestellt. Vielmehr ermittelt die Hausbank einen risikoabhängigen

Zinssatz, der umso höher ausfällt, je schlechter

die Bonität des Gründers ist.

Kredite für Betriebsmittel

Auch die Neuregelung der Förderprogramme für etablierte

Unternehmen hat zum Ziel, die Kreditvergabe anzukurbeln.

Deshalb können Unternehmen mit dem neuen KfW-Unternehmerkredit

A nicht nur Investitionen von bis zu zehn Millionen

Euro fi nanzieren, sondern auch Betriebsmittel. Für die

Betriebsmittelfi nanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen

gibt es außerdem die Möglichkeit einer 50-prozentigen

Haftungsfreistellung. Allerdings werden diese Kredite nur bis

zu einem Betrag von fünf Millionen Euro und in der endfälligen

Darlehensvariante mit einer Laufzeit von zwei Jahren

VORFÄLLIGKEITSENTSCHÄDIGUNG

Neuerung mit Haken

Eine entscheidende Neuerung beim Unternehmerkredit ist,

dass Sondertilgungen nur noch während der ersten Zinsbindungsfrist,

und dann auch nur unter Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung,

möglich sind. Unternehmer sollten

sich daher genau überlegen, ob ein Kredit unter diesen Voraussetzungen

für sie sinnvoll ist. Denn folgende Nachteile

müssen berücksichtigt und mit dem Bankberater besprochen

werden:

■ Sie büßen Flexibilität ein.

■ Sie können vorhandene Liquidität nicht mehr zur

Kredittilgung verwenden.

■ Sie können steigende Zinsen nicht abfangen.

■ Sie können die Fremdkapitalkosten nicht mindern.

Der Haken dabei: Im Vorfeld lässt sich nicht berechnen, welche

fi nanziellen Nachteile entstehen können. Schließlich

weiß niemand zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, wie

sich die Zinsen entwickeln und in welcher Höhe und zu welchem

Zeitpunkt der Kreditnehmer Sondertilgungen leisten

will. Ohne diese Parameter kann aber die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung

nicht berechnet werden. Fest steht aber:

Je länger die Darlehenslaufzeit und die Zinsbindungsfrist und

je höher das Zinsniveau bei Vertragsabschluss, desto größer

ist die Gefahr, dass Ihnen durch eine Sondertilgung hohe Kosten

entstehen.

angeboten. Experten sehen vor allem in der kurzen Laufzeit

einen Nachteil. „Aufgrund der geringen Laufzeit hat der KfW-

Unternehmerkredit für Betriebsmittel für den Mittelstand nur

eine relativ geringe Bedeutung“, konstatiert Segal.

Ganz anders ist die Investitionsfi nanzierung zu beurteilen, bei

der eine 50-prozentige Haftungsfreistellung für alle Unternehmensgrößen

und Laufzeiten möglich ist. In dem Fall sei „die

Haftungsfreistellung eine echte Verbesserung“, sagt Bertram

Reddig, Leiter der Gruppe Europaservice und Fördergeschäft

beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). „Die

Unternehmen werden das Programm sicher häufi g nachfragen.“

Allerdings, so der Förderexperte, müsse man abwarten,

wie die KfW die Freistellung praktisch umsetze. Viele Sparkassen

hätten in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass

die Prüfungen bei Krediten mit Haftungsfreistellung lange

dauern. „Dann kann es sinnvoller sein, stattdessen eine Bürgschaftsbank

mit ins Boot zu nehmen“, sagt Reddig.

Ob der KfW-Unternehmerkredit A für Unternehmen die beste

und günstigste Möglichkeit der Fremdfi nanzierung ist, könnte

sich aber bei der Frage entscheiden, welche Auswirkungen

die geänderten Auszahlungsmodalitäten haben. Denn auch

das gehört zur Neuerung des Programms: Anstatt 96 Prozent

wie beim Vorgängerprogramm werden nun 100 Prozent des

Kreditbetrags ausgezahlt. Damit entfällt zwar das Disagio von

vier Prozent. Im Gegenzug kann der Unternehmer Sondertilgungen

aber nur noch unter Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung

leisten. Für Kreditnehmer, die einen größeren Teil

des Kreditbetrags vor Ende der Zinsbindung zurückzahlen

wollen, kann das teuer werden. „Das Recht, den Kredit kostenlos

außerplanmäßig tilgen zu können, war in der Beratungspraxis

immer ein entscheidendes Verkaufsargument“,

weiß Reddig. Dass diese Möglichkeit nun nicht mehr existiert,

könnte dazu führen, dass der neue Unternehmerkredit A ein

Ladenhüter wird.

Dann aber würde auch der Unternehmerkredit B wenig Beachtung

fi nden. Denn die Nachrangdarlehen aus dem Programmteil

B werden nur in Kombination mit einem Darlehen aus

dem Programmteil A angeboten. Der Kredithöchstbetrag für

beide Varianten zusammen liegt bei vier Millionen Euro und

teilt sich hälftig auf die Fremdkapital- und die Nachrangtranche

auf. Wer also beispielsweise 1,5 Millionen Euro aus dem

Unternehmerkredit B haben möchte, muss auch ein Darlehen

– wohlgemerkt ohne Haftungsfreistellung – von 1,5 Millionen

Euro aus dem Programmteil A abrufen. Ein Vorteil von Nachrangdarlehen,

dass ihre Auszahlung nicht an einen konkreten

Verwendungszweck gebunden ist, entfällt damit zum Teil. Dagegen

bleibt der Vorteil erhalten, dass der Unternehmer keine

Sicherheiten stellen muss, ebenso wie die Tatsache, dass die

KfW in der Reihe der Gläubiger ganz hinten steht und der Unternehmerkredit

B somit die weitere Aufnahme von Fremdkapital

erleichtert. Außerdem ist er bei einer Laufzeit von zehn

Jahren sieben Jahre tilgungsfrei. Diese Vorteile lässt sich die

Sparkasse

KfW allerdings bezahlen. Die Zinssätze des Nachrangdarlehens

liegen je nach Bonitätsklasse rund ein bis zwei Prozent-

Berliner

punkte über denen des Fremdkapitalkredits. Foto:

42 ProFirma 07/08 2011


„Seit der Aufstockung des Höchstbetrags beim KfW-Startgeld auf

100.000 Euro haben wir eine größere Anzahl von Anträgen in dieser

Größenordnung eingereicht.“ CHRISTIAN SEGAL, BERLINER SPARKASSE, BERLIN

ProFirma 07/08 2011

MEHR WISSEN ONLINE

www.profi rma.de

Weiterführende Informationen und

Arbeitshilfen zum Thema haben wir für

Sie als Dossier unter www.profi rma.de

zusammengestellt. Unter anderem:

> KfW-Förderung für den Mittelstand

> Fördermittel der Bundesländer zur

Auslandsmarkterschließung

> Checkliste öffentliche Fördermittel

> Darlehensrechner

Lesen Sie mehr unter

www.profi rma.de/knowledgeStart

Veranstalter

B2B-TOP-EVENT 2011

PraxisBeispiele

PraxisWissen

PraxisTrends

Das Multi-Tool für B2B-Marketer

Die Pflicht-Veranstaltung für Bescheid-Wisser, B2B-Praktiker und Net-Worker. Hier erwartet

Sie wertvoller Erfahrungsaustausch zu hochaktuellen Online-Marketing-Themen

mit B2B-Relevanz. Keynotes, Impulsvorträge und Praxisforen machen das Programm

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Highlights: 49.Würzburger WerbeFachgespräch mit B2B-Weisen aus der

Industrie zumThema „B2B³ – Die Zukunft der Kommunikation“

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07474


Finanzen & Steuern – Forderungen

Reklamationen

Nervige Nörgler

Unternehmer stehen enorm unter Druck: Kunden erwarten perfekte Leistungen,

monieren oft unberechtigt Mängel und zahlen nicht. Es gibt aber Wege, wie Firmen-

chefs ihre Forderungen durchsetzen. VON EVA NEUTHINGER

Streitobjekt Baustelle: Baufi rmen und Handwerker können es ihren Kunden oft nicht recht machen.

44 ProFirma 07/08 2011


Fotos: privat

Unternehmer Ulrich Hartmann nimmt

nicht mehr jeden Auftrag an. Der Elektromeister

führt einen Handwerksbetrieb

mit zwei Mitarbeitern und ein

Elektrofachgeschäft mit drei Verkäufern

in Lindau. Vor einigen Jahren

übernahm Hartmann häufi g als Subunternehmer

große Aufträge von Bauträgern

und damit die Verantwortung

für Elektroinstallationen in zahlreichen

Neubauten. „Inzwischen lehne ich solche

Offerten prinzipiell ab“, sagt Hartmann.

Der Grund: „Die eigentlichen

Abnehmer, also die Käufer der Immobilien,

lernte ich in dieser Konstellation

nie kennen. Nach meiner Erfahrung

sind das die klassischen Fälle, bei denen

später unberechtigte Mängel vorgetragen

werden, um die Rechnung nicht in

voller Höhe zahlen zu müssen.“ Hartmann

will sich die Diskussionen um

vermeintliche Nachbesserungen und

Abschläge bei der Rechnung ersparen:

„Man bekommt den Schmerz, den man

in diesen Fällen erleidet, in keiner Weise

vergütet.“

Die Chemie muss stimmen

Heute arbeitet er fast nur noch mit

Stammkunden zusammen, die er persönlich

kennt und zu denen er ein gutes

Verhältnis pfl egt. „Entgegen betriebswirtschaftlichen

Erwägungen schlage

ich Aufträge von Neukunden aus,

wenn die Chemie nicht stimmt“, sagt

Hartmann. So reagiert er zum Beispiel

äußerst misstrauisch, wenn jemand

den Preis schon bei der ersten Anfrage

in den Mittelpunkt stellen will. Dann

ballt er die Faust in der Tasche: „Wer

eine gute Leistung erwartet, sollte auch

einen höheren Preis akzeptieren.“

Für Hartmann ist klar: Querulanten geht

es nicht um die Sache, sondern in erster

Linie um ihr Portemonnaie. Oftmals regiert

das Ego. Sie wollen recht behalten

und ziehen im Extremfall wegen Kleinigkeiten

und wenigen Euro Nachlass

vor Gericht. Kompromisse und Einigungsversuche

lehnen notorische Nörgler

aus Prinzip ab. Für den Firmenchef

steht viel auf dem Spiel: Denn häufi g

wird die Rechnung nicht beglichen, bis

am Ende die Richter zugunsten der

ProFirma 07/08 2011

RECHTLICHE REGELN

Kulanz als letzter Ausweg

Bei Reklamationen und Mängelrügen gilt es, im ersten Schritt

die rechtlichen Regeln zu prüfen, um dann entscheiden zu können,

wie auf die Kundenforderung zu reagieren ist. Kulanz zu zeigen,

sollte der letzte Ausweg bleiben. Vielfach haben Unternehmer

auch die Richter auf ihrer Seite. Rechtsanwalt Dr. Marc Laukemann

empfi ehlt, folgende Regeln zu beachten.

Minderung oder Rücktritt: Der Unternehmer

hat ein Recht auf die Chance zur

Nachbesserung. Erst nach zwei vergeblichen

Versuchen und einer erfolglosen

Fristsetzung darf der Kunde mindern

oder gegebenenfalls vom Vertrag zurücktreten.

Der Bundesgerichtshof (AZ

VIII ZR 100/04) hat zudem entschieden:

Der Kunde darf auch keine Konkurrenzfi

rma beauftragen, um den Mangel

auszugleichen. Es sei denn, er hat sich

entweder das Einverständnis des Unternehmers

eingeholt oder ihm vergeblich

die Gelegenheit gegeben, selbst nachzubessern.

Vor-Ort-Besichtigung: Der Firmenchef

ist bei Reklamationen verpfl ichtet, sich

vor Ort ein Bild von der Situation zu verschaffen.

Stellt er dabei fest, dass der

Kunde unberechtigt seine Arbeit moniert

hat, kann der Unternehmer ihm die

Kosten in der Regel nicht in Rechnung

stellen. Ausnahme: Der Kunde hätte erkennen

können, dass er den Fehler entweder

selbst verursacht hat oder dass

offensichtlich kein Mangel vorliegt (BGH

VIII ZR 246/06).

Ort der Nacherfüllung: In vielen Fällen

streiten sich der Kunde und der Verkäufer

darüber, wo die Nachbesserung

erfolgen muss. Fraglich ist oft, ob der

Kunde die Sache zum Verkäufer bringen

muss oder ob dieser zu veranlassen hat,

dass sie abgeholt wird. In einem neuen

Urteil bestätigte der Bundesgerichtshof

(VIII ZR 220/10) die Position des Unternehmers.

Der Kläger lebte in Frankreich und hatte

in Deutschland einen Camping-Faltanhänger

mit dem Hinweis „Lieferung:

Selbstabholer“ gekauft. Der Verkäufer

ließ den Anhänger aus Kulanz dennoch

nach Frankreich liefern. Das gute Stück

wies verschiedene Mängel auf, und der

Kunde verlangte unter Fristsetzung eine

Nachbesserung. Er war aber nicht bereit,

den Anhänger dafür zurückzusenden.

Der Verkäufer sollte den Transport übernehmen.

Die Richter legten jetzt fest:

Dem Campingliebhaber ist es zuzumuten,

den Transport des Wagens zu organisieren.

Denn der Verkäufer kann seine

Leistung nicht in Frankreich erbringen,

weil er dafür Fachpersonal und Werkzeuge

benötigt.

Unbedingt einen schriftlichen Vertrag

schließen, rät Dr. Marc Laukemann,

Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei

Schaal & Partner in München.

45


Finanzen & Steuern – Forderungen

„Die wettbewerbsüblichen Preise sind so

knapp kalkuliert, dass kaum mehr Spielräume

für Nachbesserungen vorhanden sind.“

ELMAR FEDDERKE, KÜCHENFACHGESCHÄFT WALGENBACH, DÜSSELDORF

Firma entscheiden. Das belastet die Liquidität.

„Bestrittene Forderungen kauft

einem ja auch niemand ab“, beklagt

Hartmann.

Ausgesuchte Stammkunden

als Geschäftspartner

Der Elektromeister ist längst kein Einzelfall.

Seine Erfahrungen bestätigt Monika

Oswald. Gemeinsam mit ihrem

Mann Wolfgang führt auch sie einen

Elektrobetrieb mit drei Mitarbeitern in

Iserlohn im Sauerland. „Wir haben uns

auf das Privatgeschäft spezialisiert und

arbeiten fast ausschließlich mit ausgesuchten

Stammkunden zusammen.

Mängelrügen kommen bei uns deshalb

inzwischen sehr selten vor“, sagt Oswald.

Als die Firma vor mehreren Jahren

noch an großen Bauprojekten beteiligt

war, gab es häufi g Stress mit den

Auftraggebern. „In der Baubranche tobt

ein knallharter Konkurrenzkampf. Das

ist eine Folge davon“, sagt Oswald. Wie

Hartmann hat sich der Betrieb deshalb

aus dem gewerblichen Geschäft verabschiedet.

Heute wird bei Beanstandungen

eines privaten Kunden einfach

nachgebessert. „Bei aus unserer Sicht

übertriebenen Einwänden kommen wir

dem Kunden zumeist auch entgegen,

um einen positiven Abschluss zu erzielen“,

so die Unternehmerin.

Dr. Marc Laukemann, Rechtsanwalt

und Partner der Kanzlei Schaal & Partner

in München, gibt vorsorglich den

Tipp: „Die Parteien sollten unbedingt

einen schriftlichen Vertrag abschließen.“

Das beinhaltet bei Werkverträgen

zum Beispiel, dass alle Details inklusive

exakter Beschreibung der Bauteile und

Ausfertigungen festgehalten werden,

damit bei Beanstandungen später klar

nachgewiesen werden kann, was bestellt

wurde und welche Leistung der Kunde

gefordert hat. Unternehmer Hartmann

geht noch einen Schritt weiter. Er führt

nach Abschluss des Auftrags Tests und

Messungen durch, mit denen er gegenüber

dem Kunden eine einwandfreie

Leistung belegen kann. „Im Ernstfall

erleichtern solche Nachweise die Verhandlungen

mit den Kunden enorm“,

so Laukemann. Denn: „Der Unternehmer

ist prinzipiell verpfl ichtet, ein Werk

so herzustellen, dass es die vereinbarten

Eigenschaften hat“, bringt Stefan

Kräßig als Justiziar der Handwerkskammer

Karlsruhe die Rechtslage auf den

Punkt.

Unterschiede in der

Gewährleistung

So haben Kunden bei einem Bauwerk

in der Regel eine Gewährleistungsfrist

von fünf Jahren. Im Einzelhandel beim

Verkauf beweglicher Sachen gibt es

zwei Jahre Gewährleistung. „Innerhalb

des ersten halben Jahres nach dem Kauf

ist grundsätzlich davon auszugehen,

dass ein Produktionsfehler vorliegt.

Später ist zu klären, wie der Käufer mit

der Ware umgegangen ist“, sagt Laukemann.

Nach sechs Monaten muss der

Kunde nachweisen, dass er den Mangel

nicht selbst verursacht hat.

In jedem Fall bedeutet eine Reklamation

für die Unternehmen aber einen

privat

kostenintensiven Mehraufwand. Für Fotos:

46 ProFirma 07/08 2011


Elmar Fedderke, Geschäftsführer des

Küchenfachgeschäfts Walgenbach in

Düsseldorf, liegt genau da das Problem:

„Die wettbewerbsüblichen Preise sind

so knapp kalkuliert, dass wir kaum

mehr Spielräume offenhaben.“ Fedderke

beobachtet, dass die Kunden zunehmend

kritischer werden: „Jede Schraube

muss optimal passen.“ Mitunter werden

schon kleine Kratzer an Oberfl ächen

kritisiert. Der Einzelhändler ist immer

der erste Ansprechpartner, „selbst

wenn wir Rückgriff auf den Hersteller

nehmen müssen“, so Fedderke. Zuerst

muss ein Mitarbeiter die Reklamation

des Kunden aufnehmen und prüfen,

in welcher Form ein Mangel vorliegt.

Danach wird entschieden, ob der Artikel

umgetauscht oder der Hersteller

eingeschaltet wird. Bei der Sortimentsauswahl

achtet Fedderke daher auch auf

einen zuverlässigen Reparaturservice

seiner Lieferanten. „Für den Kunden stehen

wir in der Pfl icht. Die Enttäuschung

über ein Produkt fällt am Ende auf uns

zurück.“

Negative Bewertung im Internet

Schließlich wandern frustrierte Kunden

im Zweifel zur Konkurrenz ab.

Schlimmer aber noch ist es, wenn sie

sich despektierlich über eine Firma äußern

– für jeden zugänglich auf Bewertungsplattformen

im Internet. Negative

Einträge bei Ebay, Google und Co. sind

für jedes Unternehmen fatal. Christian

Solmecke, Rechtsanwalt und Partner

der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke

in Köln, warnt: „Eine schlechte Bewertung

schadet langfristig dem Image des

Unternehmens.“ Das Internet vergisst

nicht. Die Firmen können sich oftmals

nicht dagegen wehren (siehe Interview

im Kasten rechts).

Elmar Fedderke arbeitet auch aus diesem

Grund gezielt daran, dass Kunden

sich positiv an das Geschäft erinnern.

Bei Beanstandungen sucht er genauso

wie die Unternehmerkollegen Hartmann

und Oswald lieber nach kooperativen

Lösungen, als sich bis vor Gericht

zu streiten. „Das kommt zwar vor, aber

wir sind sicher nicht auf Streit aus“, sagt

Fedderke.

ProFirma 07/08 2011

INTERVIEW

„Inakzeptable Beleidigungen“

Christian Solmecke, Rechtsanwalt und Partner der

Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in Köln, über die Nachhaltigkeit

negativer Kundenbewertungen im Internet.

Herr Solmecke, Kunden können auf zahlreichen

Plattformen ihre Erfahrungen mit

Produkten oder Leistungen der Unternehmen

äußern. Wie können Firmenchefs

gegen negative Bewertungen angehen?

Solmecke: Prinzipiell hat jeder ein Recht

auf freie Meinungsäußerung. Gegen Kommentare

wie etwa „Ich war mit der Qualität

nicht zufrieden“ kann der Firmenchef

im Prinzip überhaupt nicht vorgehen. In

solchen Fällen bleibt ihm nur, sich im Internet

mit einer Gegendarstellung zu wehren.

Beleidigungen oder Schmähkritik allerdings

muss niemand dulden, und auch

gegen nachweislich unwahre Behauptungen

kann der Unternehmer vorgehen.

Wie kann er erreichen, dass der Eintrag

gelöscht wird?

Solmecke: Handelt es sich um eine Beleidigung,

ist der Betreiber der Seite aufzufordern,

die Bemerkung aus dem Netz

zu nehmen. Es greift das sogenannte

Notice and take down Verfahren. Bei unwahren

Behauptungen wird es schwieriger,

weil dazu ein Nachweis zu erbringen

ist, der die Unrichtigkeit belegt.

Christian Solmecke ist

Rechtsanwalt in Köln.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE EVA NEUTHINGER

Wann könnte das möglich sein?

Solmecke: Es kommt darauf an, ob es

sich um einen namentlichen oder um

einen anonymen Eintrag handelt. Beispiel:

Ein Kunde behauptet, eine Lieferung

nicht pünktlich erhalten zu haben.

Steht er namentlich zu dieser Aussage,

lässt sich in der Kundendatei schnell ermitteln,

ob das stimmt. Bei anonymen

Einträgen muss die hinter dem Eintrag

stehende Person erst ermittelt werden.

Es sei denn, eine unpünktliche Lieferung

wäre im Unternehmen noch nie vorgekommen.

Wie lassen sich anonymisierte Einträge

personalisieren?

Solmecke: Häufi g leider gar nicht.

Möglicherweise kann der Betreiber

anhand der IP-Adresse die Daten ermitteln.

Zudem unterstützen spezialisierte

Agenturen bei der Suche. Wenn

das alles nicht funktioniert, wird es

schwierig. Eine Abmahnung oder einstweilige

Verfügung gegen den Eintrag ist

dann nur in seltenen Fällen zu erreichen.

47


Finanzen & Steuern

Steuer-Tipps

RÜCKSTELLUNG

Führt eine Sozialversicherungsprüfung

zu Nachforderungen, dauert es meist

nicht sehr lange, bis sich der Lohnsteuerprüfer

ankündigt. Gewinn mindernde

Rückstellungen für die zu erwartenden

Lohnsteuernachzahlungen

dürfen jedoch frühestens in dem Jahr

bilanziert werden, in dem die Lohnsteuerprüfung

tatsächlich beginnt (FG

Niedersachsen, Urteil vom 10.3.2011,

Az. 11 K 103/10).

IST-VERSTEUERUNG

Die Ist-Versteuerung bei der Umsatzsteuer

greift im Jahr 2011, wenn

der Umsatz 2010 nicht über 500.000

Euro lag. Die Umsatzsteuer muss in

diesem Fall erst ans Finanzamt abgeführt

werden, wenn der Kunde seine

Rechnung bezahlt hat. Im Jahr 2012

bleibt es aber nur dann bei der Ist-

Versteuerung, wenn der Umsatz 2011

nicht über 250.000 Euro klettert. Die

500.000-Euro-Grenze gilt nur noch bis

zum 31. Dezember 2011.

ProFirma rät: Unternehmer sollten

zusammen mit ihrem Berater nach Lösungen

suchen, wie die Ist-Versteuerung

– für die meisten Unternehmer

ein enormer Liquiditätsvorteil – auch

nach 2011 gerettet werden kann

(etwa durch Ausgliederung von Umsätzen

auf eine neue Firma).

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Nokia E7-Smartphone. Info: Seite 19

STEUERTRENDS

Energetische Sanierung

Steuerliche Vergünstigungen geplant

Unternehmer, die an ihren betrieblichen

Gebäuden energetische Sanierungen

planen, sollten mit dem Beginn der Um-

setzung warten, bis die geplanten steuerlichen

Vergünstigungen in Kraft treten.

Bei einer Grundsteinlegung in München

kündigte nämlich der Bayerische Finanzminister

Georg Fahrenschon Ende

Mai an, dass die Aufwendungen eines

Unternehmens für energetische Sanierungen

zukünftig stets in voller Höhe

als Betriebsausgaben abziehbar sein sollen.

Die Aktivierung und Abschreibung

der Sanierungskosten auf viele Jahre

wäre damit kein Thema mehr.

ProFirma rät: Auch private Eigenheimbesitzer

sollen gefördert werden. Von den

gesamten Sanierungskosten sollen 20

Prozent, maximal 8.000 Euro pro Jahr,

auf die persönliche Steuerschuld angerechnet

werden. Da hier ein Auftragsboom

zu erwarten ist, sollten Unternehmen

prüfen, ob sie in naher Zukunft

ihre Leistungspalette ausdehnen und

energetische Sanierungen anbieten.

KEIN VORSTEUERABZUG BEI FALSCHEM EMPFÄNGER

Ist der Name des Empfängers auf einer Rechnung falsch geschrieben oder wurde die

Rechtsform falsch ausgewiesen, ist das grundsätzlich kein Problem für den Vorsteuerabzug,

solange die Leistungen in der Rechnung eindeutig dem Rechnungsempfänger zugeordnet

werden. Doch befi nden sich unter der gleichen Anschrift mehrere Firmen mit ähnlichen

Firmennamen, besteht eine Verwechslungsgefahr. Das führt dazu, dass das Finanzamt

den Vorsteuerabzug kippt, wenn die Rechnung beispielsweise anstatt an die AB-Sp.z.o.o.

(GmbH polnischen Rechts) an die AB-GmbH adressiert ist (FG Berlin-Brandenburg, Urteil

vom 22.2.2011, Az. 5 V 5004/11).

ProFirma rät: Bei mehreren Firmen mit ähnlich klingenden Namen unter einer Anschrift

sollte bei den Eingangsrechnungen auf die korrekte Nennung des Leistungsempfängers

geachtet werden.

LEBENSVERSICHERUNGSBEITRÄGE SIND BETRIEBSAUSGABEN

Alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Betrieb anfallen, können als Gewinn

mindernde Betriebsausgaben verbucht werden. Dazu gehören nach Ansicht des Bundesfi

nanzhofs auch Beitragszahlungen in eine Lebensversicherung, die zur Absicherung betrieblicher

Kredite auf das Leben der Kinder eines Gesellschafters abgeschlossen wurden

(BFH, Urteil v. 3.3.2011, Az. IV R 45/08).

ProFirma rät: Der Betriebsausgabenabzug ist nur dann zulässig, wenn das Unternehmen

als Versicherungsnehmer und als Bezugsberechtigter in der Police eingetragen ist.

48 ProFirma 07/08 2011


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Finanzen & Steuern – Steuertipp

Betriebsausgabenabzug

Geschenke, Werbemittel, Lustreisen

Wie sind Präsente steuerlich zu behandeln und wie Werbegeschenke und Events?

Zehn Beispiele aus der Praxis. VON OTTFRIED WEISS

Bei Betriebs- und Umsatzsteuerprüfungen

gilt ein strenger Blick des Prüfers

meist den Aufwendungen für Geschenke,

für Repräsentationen und für Werbekosten.

Denn auf diesen Konten verbergen

sich Zugaben, Tickets für Fußballspiele,

Geschenke, Lose, Gutscheine und Ausgaben

für Bewirtungen und Kundenveranstaltungen.

Je nachdem, ob Geschenke

vorliegen oder reine Werbeausgaben, ergeben

sich beim Betriebsausgabenabzug

und bei der Umsatzsteuer völlig unterschiedliche

Konsequenzen. Hier einige

typische Fallgestaltungen aus der Praxis.

1. Geschenke mit einem Wert

bis 35 Euro

Ist ein Unternehmer zum Vorsteuerabzug

berechtigt, dürfen Geschenke je

Empfänger und Jahr netto nicht mehr

als 35 Euro kosten. Außerdem müssen

die Ausgaben für Präsente nach Paragraf

4 Abs. 7 EStG getrennt von den übrigen

Betriebsausgaben verbucht werden.

Zu den Anschaffungskosten eines Geschenks

gehören besondere Geschenkboxen

sowie Gravuren und spezielle

Etikettierungen. Die Vertriebs-, Verpackungs-

und Versandkosten gehören

dagegen nicht zu den Kosten des Geschenks

(R 4.10 Abs. 3 EStR).

Beispiel: Unternehmerin Becker verschickt

an ihre besten Kunden Champagnerfl

aschen (Nettopreis 30 Euro). Für

spezielle Etiketten werden netto zwei

Euro fällig und für eine hölzerne Geschenkbox

netto 2,99 Euro. Für Versand

und Verpackung wird eine Pauschale

von 9,99 Euro berechnet. Folge: Da die

Aufwendungen für das Präsent netto

34,99 Euro betragen, liegen abziehbare

Betriebsausgaben vor.

Wird die 35-Euro-Grenze überschritten,

liegen grundsätzlich nicht abziehbare

Betriebsausgaben vor, und die Vorsteuer

wird nicht erstattet.

2. Ausschließlich betriebliche

Geschenke

Kann der Beschenkte sein Präsent nur

betrieblich verwenden, dürfen die Ausgaben

die 35-Euro-Grenze überschreiten,

ohne dass dies negative Auswirkungen

auf den Betriebsausgaben- und Vorsteuerabzug

hat (R 4.10 Abs. 2 Satz 4 EStR).

Beispiel: Unternehmer Heinze schenkt

einem langjährigen Geschäftspartner

ein Fachbuch über Logistik und Lagerhaltung

für 200 Euro plus Umsatzsteuer.

Obwohl die 35-Euro-Grenze überschritten

ist, gelten für dieses Präsent

der Betriebsausgaben- und Vorsteuerabzug.

Der Beschenkte kann das Buch

nämlich nur betrieblich verwenden.

3. Zugabe oder Geschenk?

Erhalten Kunden Zugaben, weil sie einen

bestimmten Auftragswert erreicht

oder weil sie bestimmte Produkte

bestellt haben, greifen die Einschränkungen

bei den Betriebsausgaben nicht.

Denn die Bücher werden den Kunden

nicht unentgeltlich überlassen, sondern

als Gegenleistung für seine Bestellung.

Beispiel: Die XY-GmbH verspricht ab

einem bestimmten Bestellwert einen

CD-Player im Wert von 40 Euro plus

Umsatzsteuer. Da hier kein Geschenk,

sondern eine Zugabe vorliegt, dürfen

die Aufwendungen für die CD-Player

als Betriebsausgaben verbucht werden.

4. Fußballkarten und

Business-Seats-Karten

Verschenkt ein Unternehmen Tageskarten

zu Fußballspielen, und die Aufwendungen

übersteigen die 35-Euro-

Grenze pro Jahr und Empfänger, ist der

Betriebsausgaben- und der Vorsteuerabzug

unzulässig. Bei den Business-

Seats-Karten wird anders gerechnet. 50

Prozent der Ausgaben werden als Geschenkaufwand

verbucht, die restlichen

50 Prozent als Bewirtungsaufwand.

Beispiel:

Eine Firma lädt den Geschäftsführer und einen

Prokuristen zu einem Fußballspiel ein. Die Kosten

für die beiden Business-Seats belaufen sich auf

600 Euro plus Umsatzsteuer.

Kostenposition

Geschenke

300 Euro

Abziehbare

Betriebsausgaben

Vorsteuerabzug

Null Euro (35-Euro- Null Euro

Grenze überschritten)

Bewirtung 210 Euro (70 Prozent

von 300 Euro)

57 Euro

(100 Prozent)

5. Streugeschenke im Wert

von bis zu zehn Euro

Werden Schlüsselanhänger, Feuerzeuge

oder Kugelschreiber verschenkt, gelten

die strengen Abzugsbeschränkungen

nicht. Zumindest dann nicht, wenn die

50 ProFirma 07/08 2011


Aufwendungen maximal zehn Euro pro

Streuartikel betragen.

ProFirma rät: Weder im Gesetz noch in

den Richtlinien fi ndet sich ein Hinweis

darauf, bis zu welchem Wert von Streugeschenken

auszugehen ist. Deshalb

kommt es bei Betriebsprüfungen häufi

g zu unterschiedlichen Feststellungen.

Ein Hinweis auf die Zehn-Euro-Grenze

fi ndet sich jedoch in einer Verfügung

des Bayerischen Landesamts vom 20.

Oktober 2008 (Az. S 2145.2.1-3/1 St 42).

6. Verteilung von Warenmustern

Werden an Kunden und Geschäftspartner

Warenmuster verteilt, ist zu unterscheiden,

ob die Warenmuster im Zusammenhang

mit einem bestimmten

Geschäft stehen oder ob es sich unabhängig

von Geschäftsabschlüssen um

reine Werbemaßnahmen zur Kundengewinnung

handelt.

Beispiel:

Reine

Werbemaßnahme

Geschenk:

Nur Betriebsausgabe,

wenn 35-Euro-Grenze

nicht überschritten wird.

7. Gutscheine für einen

Aktionszeitraum

Erhalten Kunden während eines Aktionszeitraums

für ihre Einkäufe Gutscheine,

die beim nächsten Einkauf

eingelöst werden dürfen, stellt der Gut-

ProFirma 07/08 2011

Zusammenhang

mit Vertragsabschluss

bzw. Auftrag

Zugabe:

In voller Höhe als

Betriebsausgabe

abziehbar.

schein kein Geschenk dar. Es handelt

sich vielmehr um einen Rabatt beziehnungsweise

um einen Preisnachlass.

Dasselbe gilt, wenn für die Anwerbung

eines Kunden ein Gutschein ausgegeben

wird. Der Gutschein wird für eine

Leistung ausgegeben. Damit fehlt es an

der Unentgeltlichkeit für Geschenkaufwendungen.

Folge: Bei Gutscheinen

gibt es keine Einschränkungen durch

die 35-Euro-Grenze.

8. Pauschalsteuer für Geschenke

Unabhängig davon, ob die Geschenke

beim schenkenden Unternehmer abziehbar

sind, muss der Beschenkte den

Wert des Präsents als Einnahme versteuern,

wenn es ihm im Rahmen einer

Einkunftsart zugewandt wird. Da das

praktisch immer der Fall ist, kann das

schenkende Unternehmen nach Paragraf

37b EStG pauschal 30 Prozent

zuzüglich Solidaritätszuschlag und

Kirchensteuer ans Finanzamt abführen.

Entscheidet sich der Unternehmer

für die Abführung der Pauschalsteuer,

muss er sie ausnahmslos für alle Geschenkaufwendungen

abführen.

9. Umsatzsteuer- und

Vorsteuer-Know-how

Die umsatzsteuerliche Behandlung der

Geschenke orientiert sich an der ertragsteuerlichen

Behandlung. Lässt das

Finanzamt die Aufwendungen für Geschenke

als Betriebsausgaben zum Abzug

zu, steht auch dem vollen Vorsteu-

Budapest oder doch lieber

Rio de Janeiro? Bei Events mit

Spaßfaktor schaut der Fiskus

besonders genau hin.

erabzug nichts im Weg. Übersteigen die

Ausgaben für Geschenke je Empfänger

und Jahr dagegen die 35-Euro-Grenze,

ist die Vorsteuer zu kürzen. Das Gleiche

passiert, wenn das Finanzamt den

Betriebsausgabenabzug kippt, weil die

Geschenkerechnung auf einem falschen

Konto, beispielsweise Repräsentationsaufwand,

verbucht wurde (Paragraf 15

Abs. 1a UStG).

10. Kundenveranstaltungen

im Visier

Nachdem die Medien wochenlang über

Lustreisen eines Versicherungskonzerns

für verdiente Mitarbeiter und Geschäftspartner

berichtet haben, dürften bei

künftigen Betriebs- und Umsatzsteuerprüfungen

verstärkt Kunden-Events in

den Fokus rücken. Handelt es sich um

Events mit reinem Spaßfaktor (Kegeln,

Kochen, Fußballturnier), greifen die

Regelungen für Geschenke. Die Bewirtungskosten

sind jedoch auszugliedern

und zu 70 Prozent als Betriebsausgabe

abziehbar.

ProFirma rät: Kunden-Events mit Spaßfaktor

unterliegen der Umsatzsteuer.

Das wird in 99 Prozent aller Prüfungsfälle

nicht beachtet und führt zu Umsatzsteuernachzahlungen

und Nachzahlungszinsen.

51


Finanzen & Steuern – Steuertipp

Lohnsteuer

Magische Grenze

Bis zu 110 Euro Ausgaben pro Mitarbeiter sind bei Betriebsfesten steuerfrei.

Wie die Kosten berechnet werden, darüber gibt es Streit zwischen den Unternehmen

und den Finanzämtern. VON OTTFRIED WEISS

In den nächsten Wochen stehen bei

vielen Unternehmern Betriebsausfl üge

für die Belegschaft an. Steuerlich stellen

sich hierbei folgende Fragen: Liegen die

Aufwendungen je Teilnehmer über 110

Euro? Wird Umsatzsteuer fällig? Gilt

eine Jubiläumsfeier als Betriebsveranstaltung?

Fragen über Fragen, zu denen

die Gerichte in jüngster Zeit interessante

Urteile gefällt haben.

Pro-Kopf-Kosten im Visier

Bei Betriebsveranstaltungen interessieren

den Lohnsteuerprüfer vor allem die

Kosten der Veranstaltung je Arbeitnehmer.

Denn sobald diese über 110 Euro

liegen, fällt nachträglich Lohnsteuer an.

Häufi ges Problem: Die 110-Euro-Grenze

wird überschritten, weil an der Betriebsveranstaltung

weniger Mitarbeiter

So ermitteln Arbeitgeber die Pro-Kopf-Kosten

teilnehmen als vorgesehen. Doch dieses

Problem wurde durch ein Urteil des Finanzgerichts

Düsseldorf entschärft (Urteil

vom 17.1.2011, Az. 11 K 908/10 L).

Der Arbeitgeber darf danach bei weniger

Teilnehmern nämlich die Kosten für

die überzähligen Speisen und Getränke

und für sonstige Sachleistungen aus der

Berechnung der Pro-Kopf-Kosten herausnehmen

(siehe Kasten unten).

ProFirma rät: Das unterlegene Finanzamt

hat in diesem Fall gegen die unternehmerfreundliche

Entscheidung des Finanzgerichts

Düsseldorf Revision beim

Bundesfi nanzhof beantragt. Betroffene

Unternehmer sollten gegen nachteilige

Steuerbescheide Einspruch einlegen und

mit einem Hinweis auf den Musterprozess

(BFH, Az. VI R 7/11) ein Ruhen des

Einspruchsverfahrens beantragen.

Beispiel: Unternehmer Maier plant eine Betriebsveranstaltung für seine Belegschaft. Eingeladen sind

alle 40 Mitarbeiter. An der Feier nehmen lediglich 25 Mitarbeiter teil.

Gesamtausgaben für Saal, Verköstigung, Musik 3.000 Euro

Getränkekosten für 25 Teilnehmer - 625 Euro

Verbleibende Gesamtausgaben (Speisen, Saal, Musik) 2.375 Euro

Vorgesehen für 40 Teilnehmer, tatsächlich teilgenommen 25 Mitarbeiter : 40 mal 25

Verbleibende Gesamtkosten für 25 Teilnehmer 1.484 Euro

Getränkekosten für 25 Teilnehmer 625 Euro

Gesamtkosten für 25 Teilnehmer 2.109 Euro

Durchschnittliche Kosten je Teilnehmer (Gesamtkosten : 25 Teilnehmer) 84,36 Euro

Fazit: Geht das Finanzamt von den Gesamtkosten aus und teilt diese durch die tatsächlichen Teilnehmer,

wäre die 110-Euro-Grenze überschritten. Mit der modifi zierten Pro-Kopf-Rechnung wird die 110-Euro-

Grenze jedoch unterschritten.

Für zwei Betriebsveranstaltungen im

Jahr akzeptiert das Finanzamt, dass bei

Kosten unter 110 Euro weder Lohnsteuer

noch Umsatzsteuer abgeführt werden.

Findet eine dritte Veranstaltung

statt, wird für eines dieser drei Events

auf jeden Fall Lohnsteuer fällig.

DIE REGELN IM ÜBERBLICK

Defi nition: Eine Betriebsveranstaltung

liegt vor, wenn die gesamte Belegschaft

eingeladen ist.

Jubiläum: Feiert das Unternehmen

ein Jubiläum und lädt die gesamte Belegschaft

ein, handelt es sich hierbei

um eine Betriebsveranstaltung.

Mitarbeiterangehörige: Nehmen

Ehegatten, Lebenspartner oder Angehörige

der Arbeitnehmer an einer

Betriebsveranstaltung teil, werden die

angefallenen Kosten komplett dem

Arbeitnehmer zugerechnet. Dadurch

kann es vorkommen, dass für einen

Arbeitnehmer die 110-Euro-Grenze

überschritten wird und für einen anderen

nicht.

Vorsteuer: Belaufen sich die Kosten

pro Arbeitnehmer für eine Betriebsveranstaltung

auf mehr als 110 Euro, darf

künftig keine Vorsteuer mehr aus den

Rechnungen für die Betriebsveranstaltung

geltend gemacht werden (BFH,

Urteil vom 9.12.2010, Az. V R 17/10).

52 ProFirma 07/08 2011


Betriebsprüfung

Der Fiskus und die Ehec-Epidemie

Betroffene Unternehmen müssen jetzt schon Vorkehrungen für die nächste

Betriebsprüfung treffen und genaue Aufzeichnungen über die wirtschaftlichen

Schäden führen. VON OTTFRIED WEISS

Die Ehec-Epidemie, die im Mai 2011

ausbrach, könnte bei späteren Betriebsprüfungen

von Restaurants, Gemüsehändlern

sowie Land- und Forstwirten

zu Problemen führen. Denn die Finanzämter

werden bei solchen Betrieben

ganz genau rechnen. Sind die eingekauften

Waren mit den aufgezeichneten

Einnahmen nicht stimmig, drohen

Zuschätzungen zum Gewinn und zum

Umsatz. Unternehmer, die wegen der

Ehec-Epidemie deutlich mehr verdorbene

Lebensmittel entsorgen mussten

als üblich, sollten deshalb Vorkehrungen

für die Nachweisführung treffen.

Verdorbene und entsorgte

Lebensmittel

Da zuerst spanische Gurken und später

Tomaten, Salat und Sprossen als Auslöser

für die Ehec-Keime ausgemacht

wurden, reagierten Kunden und Gäste

in Restaurants mit strikter Enthaltsamkeit

bei diesen Lebensmitteln. Mussten

Restaurants, Gemüsehändler, Land-

und Forstwirte ihre Lebensmittel deshalb

vernichten oder entsorgen, sollten

folgende Nachweise erstellt werden:

> Detaillierte Aufstellung, welche Waren

wann und aus welchen Gründen

unverkauft entsorgt werden mussten,

sowie genaue Erfassung der Preise der

Waren.

> Der Steuerberater sollte hinzugezogen

werden. Er sollte wie bei einer

ProFirma 07/08 2011

Inventur ein Protokoll fertigen und

die Entsorgung der Lebensmittel bestätigen.

> Wenn möglich, sollten Fotos von den

verdorbenen, wegen der Ehec-Epidemie

nicht mehr verkäufl ichen Lebensmitteln

gemacht werden.

ProFirma rät: Nur mit diesen akribischen

Aufzeichnungen kann dem Finanzamt

bei Jahre später stattfi ndenden Betriebsprüfungen

plausibel ein Umsatzeinbruch

für bestimmte Lebensmittel

nachgewiesen und letztendlich eine

Schätzung vermieden werden.

Sonderspeisekarte aufbewahren

Betriebsprüfer benötigen für ihre Nachkalkulationen

die verschiedenen Speisekarten

für den zu prüfenden Zeitraum.

Haben Gastwirte wegen Ehec ihre Speisekarte

komplett umgekrempelt, muss

auch diese Speisekarte aufbewahrt werden.

Damit können bei späteren Ungereimtheiten

die verschobenen Aufschlagsätze

begründet werden.

Preissenkungen beim Gemüsehändler

Mussten Gurken wegen der Kaufzurückhaltung

der Kunden statt für 1,25

Euro für nur 25 Cent verkauft werden,

sollten Unternehmer diese Preissprünge

schriftlich festhalten und aufzeichnen,

wie sich der Umsatz für die möglicherweise

mit den Ehec-Keimen verseuchten

Gemüsesorten entwickelt hat.

Weitere Tipps

Verluste: Führt die Ehec-Epidemie

dazu, dass ein Unternehmer im Jahr

2011 Verluste schreibt, sollte er die

Gründe schriftlich mit seiner Einkommensteuererklärung

beim Finanzamt

einreichen. Das hält das Finanzamt davon

ab, vor Ort im Rahmen einer Prüfung

nach dem Rechten zu sehen.

Stundung: Brechen die Geschäfte so

stark ein, dass laufende Vorauszahlungen

oder ausstehende Steuerzahlungen

nicht mehr geleistet werden

können, sollten Unternehmer eine

Stundung beantragen. Laut einer Verfügung

des Bayerischen Landesamts (vom

7.6.2011, (Az. S 1915.1.1-7/2 St 32) sollen

bei Stundungen im Zeitraum vom

26. Mai bis 30. September 2011 keine

Stundungszinsen anfallen.

Rückstellung: Fordern Kunden nach

einer Infi zierung mit Ehec-Keimen

Schadensersatz, sollte der Unternehmer

mit seinem Steuerberater klären, ob er

Gewinn mindernde Rückstellungen bilden

darf.

Storno: Werden ausgelieferte Lebensmittel

zurückgeschickt, kann der Lieferant

die bereits bei Rechnungsstellung

ans Finanzamt abgeführte Umsatzsteuer

wieder zurückverlangen.

Außergewöhnliche Belastung: Ist

ein Steuerzahler an Ehec erkrankt, sollte

er alle aus eigener Tasche fi nanzierten

Ausgaben zur Heilung der Krankheit

für die Steuererklärung aufzeichnen.

53


IT & Investition – Special ITK-Strategien für Unternehmen

Integrierte Kommunikation

Smart Tags im Telefon

Unifi ed Communications and Collaboration (UCC) setzt das Zusammenspiel von

IT- und TK-Technologien voraus, um Kommunikationskanäle zu bündeln. Das Ziel:

Effektivere Geschäftsprozesse. Das Telefon wird zum Mini-Rechner. VON JÜRGEN CHRIST

Das Kitzbüheler Maierl-Almhotel hat im Zuge von Renovierungsarbeiten

an seinen Gebäuden auch seine alte Telefonanlage

gegen ein software-basiertes IP-Telefonsystem der Firma

3CX ausgetauscht. Das Ergebnis: Rund 25.000 Euro wurden

gespart, weil keine neuen Telefonleitungen verlegt werden

mussten; und auch die Betriebskosten sind deutlich günstiger.

„Dass wir die Telefonanlage auf unserem Windows-Server

installieren konnten, war ein großer Vorteil“, erklärt Stefan

Pfender, Geschäftsführer der Maierl-Alm GmbH. „Sogar unsere

Mitarbeiter können grundlegende Einstellungen an der

Telefonanlage über das Web-Interface vornehmen. Somit benötigen

wir für die Administration keine externen Fachkräfte

mehr und sind deutlich fl exibler als vorher.“

„Für die Administration brauchen

wir keine externen Fachkräfte mehr.“

STEFAN PFENDER, MAIERL-ALM GMBH, KITZBÜHEL

Von der neuen IP-Telefonanlage profi tieren Urlauber, Mitarbeiter

und Management. Weil der Anlagenhersteller 3CX ein

Modul für den spezifi schen Bedarf von Hotels installiert hat,

können die Mitarbeiter im Hotel und im Restaurant ihre Gäste

noch besser betreuen. Sogar das Reinigungspersonal kann

Statusmeldungen per Zimmertelefon übermitteln. Eingebunden

in die Gesamtlösung sind auch iPhones, die als Nebenstellen

fungieren. 3CX kann sogar in einer kostenlosen Variante

aus dem Netz geladen und getestet werden: Erst bei einem Betrieb

mit mehr als vier gleichzeitigen Telefonaten fangen die

eigentlichen Kosten an. Die Apps für iPhone- und Android-

Smartphones sind ebenfalls kostenfrei, wie bei vielen anderen

Herstellern auch.

54 ProFirma 07/08 2011

Foto: Vinicius Tupinamba /shutterstock.com

ProFirma

Special


Das Internet zählt für die meisten Unternehmen zum Alltag.

Da bietet es sich an, auch Telefone mit in die IT/Internet-Infrastruktur

zu integrieren. Das senkt die administrativen Kosten,

da IT und TK zentral eingerichtet und gewartet werden

können. Die Verbindungsqualität bei Internet-Telefonie hat

sich zudem in den vergangenen Jahren deutlich verbessert;

der offene Session Initiation Protocol (SIP)-Standard sorgt für

Erweiterungsmöglichkeiten.

Sascha Kruszka, IT-Leiter bei der Snom Technology AG, beschreibt

ein denkbares Büroszenario: „Das IP-Telefon als zentrales

Kommunikationsmedium auf dem Schreibtisch spielt

eine Schlüsselrolle. Bei den Unifi ed-Communication-Lösungen

von Microsoft dürfte – neben Instant Messaging und

Präsenzinformationen – der größte Vorteil in der nahtlosen

Integration in bestehende Microsoft-Umgebungen mit allen

dazugehörigen Microsoft-Offi ce-Produkten sein.“ Mittels

„Smart Tags“ werden dabei die Namen von Instant-Messaging-

Teilnehmern automatisch in Microsoft-Offi ce-Dokumenten

ProFirma 07/08 2011

Telefon, E-Mail, Fax, Videokonferenzen

und SMS: Experten glauben, dass schon

bald alle Kommunikationsstränge in

einem Endgerät zusammenlaufen.

erkannt und per Mouseover mit Präsenzinformationen und

Interaktionsmöglichkeiten versehen. Außerdem verfügen

E-Mail-Versender über eine Präsenzanzeige mit Interaktionsmöglichkeit,

und bestehende Termine im Outlook-Kalender

dienen automatisch dazu, den Präsenzstatus zu setzen. Durch

den Offi ce-Communicator-Client lassen sich E-Mails direkt

versenden und Meetings planen. Auch eine Integration in

Sharepoint ist möglich.

Telefon wird Bestandteil der IT-Infrastruktur

„Die Vorteile durch den Effi zienzgewinn in den Kommunikationsprozessen

– etwa Komfort und Zeit – stehen im Verhältnis

zur Anzahl der Mitarbeiter und damit zur Größe des

Unternehmens“, sagt Bernd Klusmann, TK-Experte im Branchenverband

Bitkom (siehe Interview Seite 57). Da gewisse

Grundinvestitionen für eine UC-Lösung notwendig sind, müssen

vor allem kleine Unternehmen genau berechnen, ob sich

eine solche Lösung lohnt. Dieser „Break-Even“ ist aber nicht

nur von der Unternehmensgröße abhängig, sondern auch

„von den Zielen und den Erwartungen, die ein Unternehmen

an UC-Lösungen stellt“, erklärt Klusmann. „Eine möglichst

offene Schnittstelle und die Nutzung vorhandener Daten von

CRM- oder ERP-Systemen ist ein wichtiges Argument für den

Einsatz von UC-Lösungen.“ Das Maierl-Almhotel beispielsweise

hat sich vor allem deshalb für 3CX entschieden, weil es

in das hoteleigene Managementsystem eingebunden ist – und

dadurch die Kosten senkt.

Doch UCC-Produkte lassen sich nicht so einfach standardisiert

verkaufen – der Kunde benötigt Lösungen, wie die Berle-

WAS IST

„UNIFIED COMMUNICATIONS“?

„Unifi ed Communications“ (UC), zu deutsch „vereinheitlichte

Kommunikation“, setzt sich aus Sprach- und Videotelefonie

per Internet-Protokoll (IP), sogenanntes „Voice-over-IP“, kurz

VoIP, das in die IT-Netzwerkstruktur eines Unternehmens

eingebunden ist, sowie der Verschmelzung von Festnetz und

Mobilfunk zusammen. Präsenzinformationen zeigen, ob ein

Gesprächspartner verfügbar ist. Heute sprechen Experten

eher von „Unifi ed Communications und Collaboration“ (UCC)

und meinen damit UC und die zusätzliche Integration von

„Unifi ed Messaging“, also die Bündelung von E-Mail, Fax, SMS

und anderen Nachrichtendiensten. UCC integriert aber auch

prozessorientierte Kommunikation. Das Ziel: Verbesserte Erreichbarkeit

und eine Beschleunigung der Geschäftsprozesse.

Ein UCC-Gerät – wie beispielsweise das Tischtelefon Snom 870

– lässt sich auch zur Kontrolle und zur Steuerung einsetzen. Es

kann benutzt werden, um beispielsweise mithilfe einer Kamera

den Eingangsbereich zu überwachen, das Licht ein- und

auszuschalten oder die Jalousien hochzufahren.

55


IT & Investition – Special ITK-Strategien für Unternehmen

con-Marktstudie „UCC-Ökosystem in Deutschland, Mai 2011“

im Auftrag mehrerer Hersteller zeigt. Der Kunde, so der Tenor,

benötigt individuelle Lösungen, abgestimmt auf seine Geschäftsprozesse

und unternehmerischen Ziele. Zwar werben

viele Hersteller mit einer großen „Gemeinde“ von rund 1.000

App-Entwicklern, können aber bisher nur wenige Branchenergebnisse

vorweisen. „UCC bringt auch Marktteilnehmer zusammen,

die bis vor wenigen Jahren als Spezialisten für Voice-

und Contact-Center, Messaging & Groupware, Netzwerk oder

Integrations- und Anwendungs-Software noch unabhängig

voneinander agierten – heute jedoch teils im Wettbewerb zueinander

stehen und teils in strategischen Allianzen zusammenarbeiten.

Die Dynamik im UCC-Anbietermarkt wird sich

mit zunehmender Relevanz von Cloud Computing noch verstärken.

Für Anwender, die heute Grundlagenentscheidungen

für die Umsetzung von UCC-Konzepten treffen, wird es damit

immer wichtiger, die verschiedenen Anbietergruppen auseinanderzuhalten

sowie deren Angebotsfokus, Stärken und

Schwächen zu verstehen, so das Ergebnis der Berlecon-Studie.

Business-Telefon bietet mehr Funktionen

UCC ist keine technische Revolution, eher das Ergebnis einer

Entwicklung der vergangenen Jahre, getrieben durch Veränderungen

in der Geschäftswelt, beispielsweise die wachsende

Mobilität. Befeuert wird das Prinzip durch Smartphones mit

Touchscreen; motiviert durch den Preisverfall für Flatrates in

alle Netze und die Etablierung von VoIP in den Unternehmen.

„Das heutige Business-Telefon wird bald ein fester Bestandteil

des IT-Netzwerks im Unternehmen sein und bietet dabei mehr

Funktionen als die früheren ISDN-Telefone. Es wird nicht

mehr an analoge oder ISDN-Telefonanlagen angeschlossen,

sondern direkt an handelsübliche Router oder digitale VoIP-

Telefonvermittlungsanlagen“, erklärt Heike Cantzler, Leiterin

Unternehmenskommunikation beim Hersteller Snom Technology

AG.

Hat die klassische Telefonanlage also ausgedient? „Unternehmen,

die fl exibel bei der Anzahl der Nebenstellen sein müssen,

die mehrere Standorte besitzen und vielleicht Außendienst

und Homeoffi ces einbinden müssen, entscheiden sich eher

für eine virtuelle Telefonanlage; Unternehmen mit einem

Standort, die keine großen Veränderungen bei der Mitarbei-

Cisco Cius: Der Videotelefonie-Tablet-PC

teranzahl erwarten, wählen eher eine klassische Telefonanlage“,

meint Dr. Ingo Rill, Marketingleiter bei dem britischen

Unternehmen Claranet, das den deutschen Mittelstand ins Visier

nimmt. Claranet bietet – wie zahlreiche andere deutsche,

englische und amerikanische Anbieter – seine Dienstleistung

als virtuelle Telefonanlage im Netz, die mit zahlreichen Zusatzdiensten

ausgestattet ist.

Geschlossene Netze und Komplettlösungen

Auch die Grohe AG – Europas größter Hersteller von Sanitärarmaturen

mit Werken in Deutschland, Portugal, Kanada

und Thailand – hat sich für eine virtuelle Telefonanlage entschieden.

„Durch die Einführung einer Cloud-Telefonie-Lösung

stellt sich die Grohe AG optimal für zukünftige Veränderungen

auf“, meint Michael Staade, Chief-Process-Offi cer

bei Grohe. Durch den Einsatz von VoIP erhalte man eine zukunftssichere,

skalierbare und modular ausbaubare Lösung,

die das Unternehmen in die Lage versetze, zeitnah und mit

minimalem Aufwand auf sich wandelnde ökonomische Bedingungen

zu reagieren.

Zum Einsatz kommt die virtuelle Telefonanlage „Offi cenet“

von Vodafone. Als Telefone werden Cisco-VoIP-Telefone verwendet;

die Cisco-Personal-Communication-Software dient

als Softphone und Messenger-Tool am PC. Über Microsoft-

Outlook lassen sich E-Mails, SMS und Termine versenden

und verwalten. Darüber hinaus sind Videokonferenzen von

jedem Arbeitsplatz möglich. „Bei der gewählten Lösung entfallen

sämtliche Anfangsinvestitionen. Es fällt lediglich eine

Pauschale pro Arbeitsplatz an, wodurch sowohl auf Mehr- als

auch Minderbedarf reagiert werden kann. Sämtliche Infrastrukturkosten

wie Backup, Strom- oder Wartungskosten

Das 7-Zoll-Tablet zählt zu einer neuen Generation der Business-Tablet-PC. Es ermöglicht Videokonferenzen in HD-Qualität, ist mit seinem

Android-Betriebssystem offen für Cloud Computing und bietet virtuelle Desktop-Integration, was die Kosten minimiert. Mit einem

Preis von knapp unter 1.000 Dollar lohnt sich das Gerät vor allem für Teamarbeit in den Unternehmen, die bereits Cisco-Produkte

einsetzen. Es lässt sich problemlos in Produkte wie WebEX- und Telepresence-Meeting integrieren. Der Cius bietet Conferencing, E-Mail,

Messaging, Web-Browser, die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten und ist mit knapp 500 Gramm vielseitig mobil einsetzbar.

Optional erhältlich ist eine Audio-Docking-Station mit Handtelefon, Headset, HD-Display- und USB-Port. Im Tablet ist eine 720-Pixel

HD-Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde integriert. Das hochaufl ösende 7-Zoll-Display mit Super-VGA-Touch ermöglicht Videokonferenzen

mit nur einem Klick, wobei Dual Noise Canceling-Mikrofone für natürliche Sprachqualität sorgen.

56 ProFirma 07/08 2011

Fotos: Cisco, Bitkom


ProFirma 07/08 2011

INTERVIEW

„Die Kommunikationsdienste von PC

und Telefon verschmelzen“

Unternehmen brauchen einen Plan, wie sie die Vielzahl der Kommunikationskanäle nutzen wollen,

sagt Bernd Klusmann, TK-Experte beim Branchenverband Bitkom. DAS GESPRÄCH FÜHRTE JÜRGEN CHRIST

Herr Klusmann, hat mit der neuen Generation

von Desktop-Smartphones die

klassische Telefonanlage in den Unternehmen

ausgedient?

Klusmann: Mittel- bis langfristig sicherlich.

Der Trend geht ganz klar weg vom

klassischen Telefon. Gegen kurzfristige

Änderungen sprechen Investitionszyklen

und das noch zu erhöhende Vertrauen in

die neuen Geräte, insbesondere was die

Verfügbarkeit und die Zuverlässigkeit

angeht.

Wie wird sich der Markt „Unifi ed Communication“

(UC) nach Ihrer Ansicht in

den kommenden Jahren entwickeln?

Klusmann: Mittel- bis langfristig geht es

in Richtung einer „One-Device“-Strategie,

also die Ergänzung des heutigen Offi ce-

PC mit entsprechenden UC-Funktionen.

Welche neuen Geräte und welche Kommunikationstechnik

werden wir in den

kommenden Jahren erwarten können?

Experten prognostizieren den Wegfall

des klassischen Desktop-PC in den Büros,

zugunsten der Notebooks mit Docking-Station.

Klusmann: Die Kommunikationsdienste,

die das klassische Telefon bislang geboten

hat, werden mit denen des PC verschmelzen.

Die Desktop-Smartphones

sehe ich dabei übrigens nur als Übergang.

Ob das Endgerät dann ein Notebook,

ein Netbook oder vielleicht nur

noch ein Tablet-PC sein wird, spielt keine

Rolle mehr.

Welche Vorteile bringt die Bündelung

der Kommunikationskanäle?

Klusmann: Durch die Integration der

Kommunikationsdienste auf ein „Basis-

gerät“ im Büro lassen sich bestimmte UC-

Dienste erst richtig nutzen. Da fallen mir

beispielsweise Dienste ein, die Präsenzsignalisierung

nutzen, oder der ganze Collaborations-Bereich.

Ist VoIP noch ein Thema, oder hat sich dieser

Markt durch die Preisentwicklung „totgelaufen“?

Klusmann: Regional hat VoIP sicherlich

durch die Preisentwicklung von Festnetzgesprächen

mit Flatrats viel Gegenwind

bekommen. International ist VoIP noch

ein wichtiges Thema, insbesondere durch

sehr günstige beziehungsweise kostenlose

Mehrwertdienste wie Telefon- oder Videokonferenzen.

Aus eigener Erfahrung kann

ich sagen, dass für internationale Teams

vieler mittelständischer Unternehmen

Skype-Telefonkonferenzen zum Toolset der

täglichen Arbeit gehören.

Haben externe Geräte und Technik, wie

beispielsweise das My IC Phone von Alcatel-Lucent,

angesichts der Cloud Computing-Entwicklung

überhaupt noch Chancen?

Klusmann: Solche Desktop-Phones können

in der Übergangsphase zu einer „One-

Device“-Strategie sicherlich einen gewissen

Marktanteil gewinnen. Die Bedrohung

sehe ich aber nicht primär aus dem Thema

Cloud Computing heraus. Schließlich werden

mit der Cloud-Technologie Dienste

im Endgerät beziehungsweise im Büro

adressiert, egal, ob diese auf dem PC oder

Smartphone laufen.

Wie wirkt sich die UC-Entwicklung auf andere

Teilmärkte – beispielsweise SMS und

Fax – aus?

Klusmann: Der SMS-Dienst boomt weiterhin,

trotz Smartphones, Facebook et cetera.

UC wird daran ebenso wenig ändern. Bei

den Fax-Diensten sieht es etwas anders

aus: Immer häufi ger werden Faxanwendungen

von Scan- und Mail-Anwendungen

verdrängt, das spart ein eigenes

Faxgerät. Aber: Solange der Faxdienst

in vielen Rechtsangelegenheiten noch

nicht durch eine andere signaturbezogene

Übertragungstechnologie substituierbar

ist, wird es das alte Fax weiterhin

geben.

Wo sehen Sie – neben den vielen UC-Vorteilen

– die Nachteile für Unternehmen?

Klusmann: Das ist zwar kein richtiger

Nachteil, aber die Betreiber von UC-Systemen

müssen sich darauf einstellen:

Wie immer bringt die nächste Stufe auf

der Technologieleiter auch ein Mehr an

Komplexität. Das muss bewältigt werden.

Durch entsprechende Schulungen

können sich die Unternehmen, insbesondere

die Servicebereiche, aber darauf

vorbereiten.

57


IT & Investition – Special ITK-Strategien für Unternehmen

sind mit der Pauschale abgedeckt“, erläutert Staade. Derzeit

sind bereits 50 „mobile“ Mitarbeiter eingebunden, mit der Zeit

sollen alle an das Grohe-Netz angeschlossen werden.

Eine ähnliche Lösung für Geschäftskunden bietet die Deutsche

Telekom mit ihrem Produkt DeutschlandLAN. In der

Basisvariante werden fünf Arbeitsplätze komplett mit VoIP-

Tischtelefonen ausgestattet, Internet und Allnet-Flat inklusive,

mit virtueller Telefonanlage im Netz, die komplett von der

Telekom eingerichtet und gewartet wird. „Zentraler Bestandteil

aller netzbasierten Anwendungen von DeutschlandLAN

ist ein symmetrischer IP-Anschluss von bis zu zehn MBit/s.

Der Sprachverkehr wird priorisiert übertragen. Das Angebot

umfasst bis zu 20 Sprachkanäle und acht feste IP-Adressen“,

erklärt Dirk Backofen, Leiter Segmentmarketing Geschäftskunden

der Telekom Deutschland GmbH. „Wichtige netzbasierte

Services sind die virtuelle Telefonanlage, der Business-

Mail-Exchange-Server und das zentrale Firmenadressbuch.

Kunden, die bereits einen E-Mail-Server betreiben, können die

bestehenden Postfächer migrieren.“ Außerdem sind E-Mails,

Termine, Firmenadressbuch und Präsenzstatus auf allen Geräten

vom PC bis zum Smartphone verfügbar. Audio- und

Videokonferenzen mit bis zu 16 Personen in Standardaufl ösung

können per Mausklick initiiert werden – parallel dazu

tauschen sich die Mitarbeiter per Instant Messages aus. Im

Startpaket enthalten sind fünf Arbeitsplätze inklusive IP-Festnetztelefonen

und Smartphones. Faxgeräte lassen sich über

einen IP-Analog-Adapter einbinden.

Lösungen für kleine, regionale Betriebe

und Freiberufl er

Im Segment der kleinen Router und Nebenstellenanlagen

gibt immer noch ein Klassiker den Ton an: Die Fritzbox der

Berliner Firma AVM ist dort mit 50 Prozent Marktführer in

Deutschland. Die aktuelle Fritzbox 7390 integriert neben

einem Router für Kabel- oder DSL-Anschlüsse (WLAN sowie

VoIP inklusive) auch eine komplette Nebenstellenanlage für

ISDN- und drahtlose DECT-Telefone. Sie bündelt E-Mail, Fax,

Sprachnachrichten oder SMS. AVM bietet zusätzlich eine kostenfreie

App, mit der iPhones und Android-Telefone als Nebenstellen

eingebunden werden können. Für kleinere Betriebe

mit wenigen Mitarbeitern ist dies ein optimales Werkzeug,

insbesondere bei einem Preis von nur etwas mehr als 200

Euro. Für die Einrichtung sind allerdings ein wenig Zeit und

technisches Vorwissen erforderlich.

Für Kleinselbstständige und Freiberufl er eignen sich die Angebote

der Web-Dienste, etwa GMX oder Web.de, oder von

Providern wie 1&1, Strato oder Hosteurope, mit denen sich

auch E-Mail, Sprach- und Faxnachrichten in einem Posteingang

bündeln lassen. Auch PC-Programme wie Miranda oder

Pidgin für Linux integrieren verschiedene Instant-Messanger-

Dienste, mit denen sich schon seit einigen Jahren neben der

Übermittlung von Präsenzinformationen ebenfalls VoIP-Telefonate

führen lassen.

Mancher Handwerker ist bestens bedient, wenn er sich bei Sipgate

einen Basis-Account einrichtet und eine App auf seinem

iPhone oder Android-Handy installiert. Er ist so automatisch

für seine Kunden über eine Ortsfestnetznummer erreichbar

– und das ohne Extrakosten. Ganz kostenfrei von Handy zu

Handy funktioniert der Skype-Dienst, wenn beide Teilnehmer

eine entsprechende App installiert haben. Allerdings haben

die Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland VoIP per AGB für

unerwünscht erklärt. Grund genug für die VoIP-Anbieter, sich

bei der Europäischen Kommission zu beschweren. „Wir sind

der Meinung, dass ein Kunde ein Recht auf alle Datendienste

ohne Restriktionen hat“, so Wilhelm Fuchs vom deutschen

VoIP-Anbieter Sipgate. Fällt die EU eine Entscheidung gegen

die deutschen Mobilfunkanbieter, die seinerzeit für viel Geld

ihre UMTS-Lizenzen ersteigert hatten, könnten Handy-Tarife

sehr bald deutlich günstiger werden. Das dürfte zwar die Mobilfunkanbieter

ärgern, würde vermutlich aber die UCC-Entwicklung

deutlich beschleunigen.

Snom 870: Der Mini-PC mit Webserver

Das Snom 870 sieht aus wie ein Tischtelefon, ist aber eher ein kleiner PC mit integriertem

Webserver. Das hochaufl ösende TFT-Farbdisplay mit 24-Bit Farbtiefe weist

eine Größe von 4,3-Zoll auf und ist als Touchscreen mit intuitiver Menüführung

konzipiert. Damit ermöglicht das Gerät jedem Nutzer auch komplexere Anwendungen

wie das Aufbauen von Telefonkonferenzen für bis zu fünf Teilnehmer über

simples „drag and drop“. Es enthält alle notwendigen Anschlüsse wie USB, Gigabit

Ethernet, Strom per Ethernet, WLAN sowie Sicherheitsmerkmale wie VPN, TLS und

SIPS. Durch Breitband-Audio mit Sprechpausenerkennung bietet das Snom 870

eine hervorragende Sprachqualität. Aufgestellt wird das Gerät mit einem stabilen

Metallwinkel (33 oder 55 Grad). Der enthaltene XML-Mini-Browser ermöglicht eine

Reihe von Zusatzanwendungen, etwa das Ansteuern von Überwachungskameras

oder die Anzeige von Börsendaten. Das Tisch-VoIP-Telefon lässt sich einfach per

Webbrowser im Netzwerk zentral konfi gurieren. Das Snom 870 zählt auch zu den

im Telekom-Basisangebot von DeutschlandLAN mitgelieferten Telefonen.

58 ProFirma 07/08 2011

Fotos: Snom, Alcatel-Lucent, Siemens


My IC Phone: Das Desktop-Smartphone

Das OmniTouch 8082 My IC Phone von Alcatel-Lucent zählt zu den VoIP-Telefonen

der gehobenen Business-Klasse. Das mit einem berührungsempfi ndlichen Bildschirm

ausgestattete Gerät erinnert an ein überdimensionales Smartphone, das

auf dem Schreibtisch steht. Es ist mit zwei Lösungspaketen für die Hotelbranche

für die neue Kommunikationsplattform „OpenTouch Suite“ und für die „OmniPCX

Enterprise“ verfügbar. Das kleine und mittlere Kommunikationssystem „OmniPCX

Offi ce“ soll im dritten Quartal verfügbar sein. Die Hotelvariante „Basic” enthält

eine für Hotels angepasste Homepage für die Benutzeroberfl äche des Telefons, die

standardisierte Serviceleistungen für Gäste wie Check-out- und Weckrufe bietet.

Das „Rich”-Paket zeichnet sich durch weitere Funktionen aus, mit denen der Gast

die Klimaanlage, die Beleuchtung und die Medienangebote für Musik und Filme

steuern kann. Das Telefon ist mit einem sieben Zoll (17,8 cm) breiten Touchscreen

mit LED-Hintergrundbeleuchtung ausgestattet und verfügt über kontextsensitives

sensorisches Feedback. Darüber hinaus ermöglicht es die Verbindung mit

Bluetooth- und USB-Geräten und bietet eine Schnittstelle zu Desktop-Programmen

zur Kontakt- und Terminverwaltung. In der Kommunikationszentrale sind Voice Mail

und Instant Messenger integriert. Preis: Etwa 600 Euro, erhältlich ab Sommer.

Siemens Gigaset C 610 IP: Telefonate in HD

Facebook, Twitter, E-Mails sowie Sprachtelefonate in HD-Qualität bietet dieses

preislich erschwingliche und schnurlose DECT-Telefon. Es kann sowohl auf

herkömmliche Weise an einem Festnetz-Anschluss als auch als VoIP-Telefon

betrieben werden. Es unterstützt die Einrichtung von bis zu sechs

SIP-Accounts bei VoIP-Anbietern. Das Gigaset C610 IP bietet HDSP

und sorgt so bei VoIP-Gesprächen für einen besonders reinen und

klaren Klang. Das bedeutet eine brillante Sprachqualität, wenn

beide Gesprächspartner ein HDSP-

Telefon nutzen. Es verfügt über ein

beleuchtetes 1,8-Zoll-Farbdisplay,

kann mit bis zu sechs Mobilgeräten

ergänzt werden, hat bis zu

drei integrierte Anrufbeantworter

und eine E-Mail-Funktion (POP3).

Zu bestellen beispielsweise bei

sipgate.de, 555 Freiminuten ins

deutsche Festnetz inklusive. Preis:

Rund 80 Euro.

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IT & Investition – Datensicherheit

Smartphones

Immer an, immer online

Moderne Smartphones sind aus dem Business-Einsatz kaum wegzudenken.

Doch je größer die Funktionsvielfalt, desto größer ist auch das Risiko von Angriffen

und Datenklau. Der wirksamste Schutz ist Datensparsamkeit. VON MATTIAS SCHLENKER

Moderne Smartphones stecken PC von

einst längst in die Tasche: Arbeitsspeicher,

Display und Festplatte sind deutlich

leistungsfähiger als die entsprechenden

Bauteile des Standard-PC vor

zehn Jahren. Galt ein Telefon mit Terminverwaltung

und umfangreichem

Adressbuch vor ein paar Jahren noch

als „smart“, sind heute GPS, Apps und

Push-Mail selbstverständlich. Spesentabellen

und Orderapplikationen auf dem

Smartphone sind dabei, dem Notebook

des Außendienstlers den Garaus zu machen.

Allerdings sind die größten Vorteile

des Smartphones – immer an, immer

in Verbindung, alle Daten zur Hand

– auch seine größte Schwachstelle.

Was sind meine Daten wert?

Der wohl häufi gste Datenverlust geht

so: Ein anstrengender Tag bei der Messe,

ein letzter Drink an der Hotelbar –

und das Handy bleibt dort liegen. Das

Gerät landet bei einem Konkurrenten,

und dank E-Mail-Synchronisation kann

sich der Finder schnell einen Überblick

verschaffen: Kommt das neue Projekt

wirklich so schnell voran, wie kommuniziert

wird? Sind die Kunden zufrieden?

Ein paar Notizen später landet das

Smartphone mit freundlichen Grüßen

des Finders an der Rezeption.

Dieses Sicherheitsleck ist vergleichsweise

einfach durch die Vergabe eines Codes

zu beheben. Für Touchscreen-Telefone

existieren Apps, mit denen beispielsweise

eine Reihe von Bildern angetippt

werden muss. Bei Android übernimmt

diese Aufgabe ein Muster aus neun

Punkten, die in einer vom Nutzer festgelegten

Reihenfolge verbunden werden

müssen. Der Haken an dieser Methode:

Die Wischspuren können mit günstigem

Licht, einer guten Kamera und

Photoshop-Grundkenntnissen sichtbar

gemacht werden, was die Zahl der

Versuche oft auf zwei bis vier reduziert.

Nicht zu vergessen ist die SD-Karte: Sie

ist schnell entfernt und kann kritische

Daten enthalten. Zumindest Symbian

und Windows Mobile beinhalten Funktionen

für das Verschlüsseln der Karte,

die auf Hardware-Ebene greifen und so

dafür sorgen, dass eine entnommene

SD-Karte ohne Code nur gelöscht, aber

nicht gelesen werden kann.

Das trojanische Pferd im Telefon

Ein immer häufi ger auftretendes Problem

sind trojanische Pferde im Sinne

von vermeintlich nützlichen Anwendungen,

beispielsweise das Android-

Spiel Tapsnake, das Standortdaten an

andere Nutzer senden kann. Wer sich

zu diesem Spiel einladen lässt, kann auf

Schritt und Tritt verfolgt werden. Dank

Kamera, GPS und Mikrofon eignet sich

ein modernes Smartphone wunderbar

als Wanze. Und mit umfangreichen –

oft mit Firmenservern synchronisierten

– Adressbüchern und Kalendern

ist das Risiko ausgespähter Daten nicht

geringer als beim PC. In die Kategorie

„potenzielle Schad-Software“ im weitesten

Sinne fällt sogar Facebooks iPhone-Applikation:

Kontakte, die mit E-

Mail-Adressen hinterlegt sind, werden

an Facebooks Server übermittelt, die

Der perfekte Spion: Das Android-Spiel Tapsnake

sendet auch Standortdaten an andere

Spieler, wodurch der Nutzer auf Schritt und

Tritt verfolgt werden kann.

60 ProFirma 07/08 2011


munter Einladungen verschicken und

Informationen über andere Kontakte

preisgeben. So erfahren Ihre Geschäftspartner

oder Kunden voneinander,

was einem Datenschutz-GAU gleichkommt.

Glücklicherweise fragen praktisch

alle modernen Smartphone-Betriebssysteme

bei der Installation einer

Anwendung, die Telefonfunktionen,

Adressbuch-, GPS- oder Kamerazugriff

fordert, ob diese wirklich installiert werden

soll. Sobald diese Anfrage kommt,

sollte man genauer hinsehen. Verlangt

beispielsweise ein Spiel GPS-Zugriff

oder möchte auf Kontakte zugreifen, ist

Skepsis angebracht.

Das Risiko durch klassische Viren und

Würmer, die Sicherheitslücken in Programmen

wie dem Webbrowser oder

einem PDF-Betrachter ausnutzen, ist

zwar bisher noch deutlich geringer als

Tresorschloss für Handys?

Wer sein Smartphone wirksam

vor Datendieben schützen will,

hat nicht viele Möglichkeiten.

ProFirma 07/08 2011

bei PC. Allerdings ist Virenschutz-Software

für Smartphones entweder noch

nicht erhältlich oder – bedingt durch die

Architektur – von eher geringem Nutzen.

Der Grund: Virenscanner haben

nur Zugriff auf das Dateisystem der SD-

Karte, das Netzwerk und das eigene Programmverzeichnis.

Schad-Software in

anderen Anwendungen oder im System

selbst können sie daher gar nicht fi nden.

Smart Surfi ng blockt Malware

Trotzdem bieten die Produkte von Kaspersky

(Mobile Security 9, für Android),

Norton (Smartphone Security) oder F-

Secure (Mobile Security 6 für Android,

Symbian, Windows Mobile) zumindest

einen Teilschutz. Auf den klassischen

Virenscanner verzichten müssen derzeit

noch die Nutzer von Apples iPho-

ne. Einzige Möglichkeit: Der intelligente

Browser des Software-Anbieters Trend

Micro. Der Smart-Surfi ng-Browser

blockt Seiten mit gefährlichem Inhalt,

Malware und Pishing-Versuche. Allerdings

ist auch hier der Schutz auf die

Anwendung selbst beschränkt. Auf

andere Apps oder Browser hat Smart

Surfi ng keinen Zugriff. Trotzdem sind

die meisten Experten der Meinung, dass

Googles Android-Betriebssystem deutlich

stärker gefährdet ist als das iOS des

iPhones. Der Grund: Android basiert im

Wesentlichen auf einer Open-Source-

Plattform, deren Quellcodes bekannt

sind. Apple dagegen hält die Quellcodes

weitestgehend unter Verschluss,

was es Hackern deutlich erschwert,

Viren und Trojaner zu entwickeln.

Einen gewissen Schutz können auch

virtuelle Betriebssysteme bieten –

61


IT & Investition – Datensicherheit

vorausgesetzt der Nutzer hält sich daran,

geschäftliche und private Daten nicht

zu vermischen. Dazu wird schlicht die

Hardware innerhalb eines Programms

nachgebildet, wodurch ein zweites virtuelles

Betriebssystem entsteht. Auf diese

Weise können private und geschäftliche

Daten so effektiv getrennt werden,

dass auch die Ausnutzung einer Sicherheitslücke

während des privaten

Surfens keine Auswirkungen auf die in

der „Geschäfts-Instanz“ vorgehaltenen

Daten hat.

„Best Practice“

statt technischer Lösung

Angesichts wenig praktikabler oder

schlicht nicht vorhandener technischer

Lösungen für die Smartphone-Sicherheit

sollte an oberster Stelle eine klare

Mitarbeitervereinbarung stehen, die

zulässige Applikationen aufführt und

regelt, welche Daten auf dem Smartphone

gespeichert werden dürfen. Festgeschrieben

werden sollte auch, dass

Bildschirm- oder Tastatursperre mit

PIN oder Muster immer aktiv sein müssen.

Bietet ein Smartphone-Modell eine

Fernlöschfunktion an, sollte auch diese

„scharf geschaltet“ sein. Mit diesen Maßnahmen

lässt sich das Risiko für den

Fall minimieren, dass ein Smartphone

vergessen oder verloren wird. Einige

Plattformen, wie BlackBerry OS oder

Symbian S60, bieten zudem die Möglichkeit,

die Anwendungsinstallation

auf vom Hersteller oder der eigenen IT-

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Thema Datensicherheit haben wir für

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unter anderem:

> Smartphones: Die neue Generation

> Fachbeitrag zur Datensicherheit

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Kommunikationskanäle

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Abteilung freigegebene Applikationen

zu beschränken. Das hilft gegen Mitarbeiter,

die als „Appmaniacs“ sonst jedes

verfügbare Programm installieren.

Generell ist das beste Mittel gegen Datenklau

immer noch Datensparsamkeit:

Je weniger Passwörter gespeichert

sind, beispielsweise für VPN-Zugang

oder das Login für eine Online-Bestellapplikation,

desto besser. Darüber hinaus

sind Daten, die über das Netzwerk

bezogen werden, den lokal gespeicherten

Daten vorzuziehen: Wer das Roll-

out von Smartphone-Anwendungen

für Bestellung, Support und Kundenpfl

ege plant, sollte abgesicherten Web-

Anwendungen den Vorzug gegenüber

lokal vorgehaltenen Datenbanken geben

– im Falle eines Falles ist in diesem

Szenario ein Passwort schnell neu gesetzt,

während man sich bei lokal vorgehaltenen

Daten nicht immer darauf

verlassen kann, dass man mit der Remote-Wipe-Funktion

einem Umschalten

des Smartphones in den Flugzeug-

Modus zuvorkommt.

TIPPS

Smartphone-Sicherheit

Passwortschutz benutzen: Ein leicht

zu umgehender Schutz mit Mustern

auf Touchscreens ist besser als gar

kein Schutz und hält „Gelegenheitsspione“

vom schnellen Blick in Ihre

Mailbox oder Kundenliste ab.

Bluetooth- oder W-Lan-Funktion

deaktivieren: Achten Sie darauf,

dass diese Funktionen nicht ständig

eingeschaltet sind. Über offene

Schnittstellen können Daten ausgelesen

werden, ohne dass es der

Besitzer merkt.

Daten sparsam lagern: Per SSL-verschlüsselter

Verbindung abgefragte

Daten sind sicherer als lokal abgelegte;

Web-Applikationen sind daher

in vielen Fällen Anwendungen mit

lokaler Datenhaltung vorzuziehen.

Apps sparsam installieren: Ein

Smartphone animiert zur Vermischung

von Privat- und Geschäftsleben,

doch Anwendungen für Facebook

und andere soziale Netze

verraten oft geschäftliche Dinge.

Fernlöschfunktion aktivieren: Ein

verlorenes oder gestohlenes Telefon

kann – solange es eingebucht ist – mit

einem per SMS vergebenen Passwort

aus der Ferne gelöscht werden. Vergeben

Sie ein leicht zu merkendes

(aber nicht leicht zu ratendes) Passwort,

sodass Sie die Fernlösch-SMS

auch vom Telefon eines Kollegen aus

versenden können.

Regeln für die Smartphone-Nutzung

aufstellen: Als Arbeitgeber

sollten Sie klare Richtlinien oder

sogar Listen freigegebener Anwendungen

ausgeben.

Richtlinien-Tools der Hersteller

nutzen: Smartphone-Hersteller wie

Research in Motion (Blackberry) bieten

für ihre Produkte Programme,

mit denen sich die Anwendungsinstallation

auf eine Liste freigegebener

Software festlegen lassen

kann.

Sicherheitsprogramme: Zumindest

einen Teilschutz gewähren Sicherheitsprogramme,

an denen derzeit

viele Hersteller arbeiten. Einige Beispiele:

Kaspersky Mobile Security 9

(für Android), F-Secure Mobile Security

6 (Android, Symbian, Windows

Mobile) und Norton Smartphone

Security (Android).

62 ProFirma 07/08 2011


ProFirma 07/08 2011

Cole's Corner

Pulcinellas Geheimnis

Enrico Mordelli ist ein witziger Mann. Ein sehr gescheiter

noch dazu: Als in Italien lebender Psychoanalytiker und Informatiker

kennt er das Seelenleben der Menschen beinahe

genauso gut wie das der Computer. Neulich hielt er in München

einen Vortrag mit dem schönen Titel: „Geheimnisse und

ihre Bedeutung im Zeitalter von Wikileaks“, in dem er über

die neue Transparenz des Internets und die Folgen für unsere

Gesellschaft sprach, was angesichts der vielen Schlagzeilen

über Datenschwund und Identitätsdiebstahl gerade in letzter

Zeit (Sony, Facebook und so weiter) besonders aktuell ist. Mir

hat in diesen Tagen die Russenmafi a meine komplette Homepage

gekapert und umgeleitet, was mir ziemlich viel Ärger

und Aufwand eingehandelt hat, also habe ich aufmerksam

zugehört.

Geheimnisse, sagt Mordelli, sind wichtig für unsere geistige

Gesundheit. Wenn wir wüssten, dass alle alles über uns wissen,

würde uns das verrückt machen. Unsere innersten Gefühle,

Sehnsüchte und Angewohnheiten müssen geheim

bleiben, weil sie uns Ruhe und Ausgeglichenheit schenken. In

Wahrheit aber, behauptet er, ist nichts wirklich geheim, und

daran lässt sich auch nichts ändern. Das ist so, seitdem es den

Menschen gibt, denn der Mensch ist im Laufe seiner Entwicklung

gewohnt gewesen, in dörfl ichen Gemeinschaften zu leben,

und in einem Dorf ist nichts geheim.

„Jeder im Dorf weiß alles über alle anderen Bewohner“, sagt

Mordelli. „Sie wissen, wo jeder sich gerade befi ndet. Giovanni

ist auf dem Feld und pfl ügt. Seine Frau ist mit dem hübschen

Antonio droben im Heuboden und macht Liebe, und das weiß

auch jeder. Aber alle tun so, als wüssten sie es nicht. Das muss

auch so sein, weil sonst das friedliche Zusammenleben in

einem Dorf unmöglich wäre.“ Das Internet ist schon häufi g

mit einem „globalen Dorf“ verglichen worden, und Mordelli

Von Tim Cole

Tim Cole Der IT-Journalist und Chefredakteur

mehrerer Elektronikzeitschriften

ist ein gefragter Autor und Redner zum

Thema E-Commerce.

Info: www.cole.de

glaubt, dass sich die Regeln deshalb direkt übertragen lassen.

Er nennt das „Segreto di Pulcinella“ – das Geheimnis des Pulcinella.

Pulcinella ist eine Figur aus der italienischen „Comedia

dell’arte“, einer alten Theaterform, die im 16. Jahrhundert auf

den Jahrmärkten entstand und die Geschichten erzählt, die

jeder in Italien kennt. In einer von ihnen erzählt jemand Pulcinella

ein Geheimnis, schärft ihm aber ein: „Erzähle es bloß

nicht weiter – es ist ein Geheimnis!“ Der arme Pulcinella kann

keine Geheimnisse für sich behalten, also erzählt er es nacheinander

jedem der anderen Figuren im Stück, immer mit

dem Hinweis, es sei geheim, also nicht weitersagen! Am Ende

wissen alle Schauspieler und natürlich auch das Publikum genau,

was das Geheimnis ist, aber sie spielen weiter und tun so,

als wüssten sie es nicht, was zu allerlei komischen Verwicklungen

führt.

„Der moderne Datenschutz ist ein Segreto di Pulcinella“, sagt

Mordelli. Daten hätten nun mal den Drang, sich fortzubewegen.

Das wüssten alle in der IT, aber sie tun so, als wüssten sie

es nicht. Man gibt viel Geld aus für Schutzmaßnahmen wie

Firewalls und Antiviren-Software – aber ob das wirklich etwas

nützt, wenn ein unzufriedener Mitarbeiter Daten mit nach

Hause nimmt und sie an WikiLeaks (oder an die Konkurrenz)

weitergibt, ist doch sehr fraglich.

Das ist peinlich, eventuell sogar schädlich, aber es sei eben der

Preis, den wir für den Segen des Digitalzeitalters zu zahlen

hätten. Man könne versuchen, sich davor zu schützen, besser

sei es aber, wenn man mit dem Schlimmsten rechne und sich

darauf entsprechend vorbereite. Und wenn etwas – Pulcinella

hin, Pulcinella her – unbedingt geheim bleiben muss? Ganz

einfach, sagt Mordelli mit einem charmanten italienischen Lächeln:

„Nun – dann speichern sie es am besten gar nicht auf

dem Computer …“

Kolumne

63


IT & Investition – Geschäftsreisen

Während bei Geschäftsreisen ins ferne Ausland das Flugzeug konkurrenzlos ist ...

Tipps für unterwegs

Schneller am Ziel

Geschäftsreisen haben Anteil am Unternehmenserfolg. Aber nur, wenn die

Vorbereitung der Business-Trips stimmt. Wer Kulturunterschiede ignoriert, darf

sich nicht wundern, wenn die Reise keine Früchte trägt. VON STEFAN GNEITING

Geschäftsreisen können das Wachstum

von Unternehmen fördern. Das belegt

eine Studie von American Express Business

Travel und der Global Business

Travel Foundation. Das sind gute Nachrichten

für deutsche Unternehmen,

denn laut einer Prognose des Geschäftsreisemanagementanbieters

AirPlus wird

sich das Volumen der Geschäftsreisen

in diesem Jahr etwa auf dem Niveau des

Rekordjahres 2008 bewegen.

Damit die Reisen aber auch tatsächlich

den Umsatz des Unternehmens

ankurbeln, ist eine gute Vorbereitung

unerlässlich. „Ganz am Anfang der Reisevorbereitung

sollte eine genaue Ausarbeitung

der Zielsetzung stehen“, sagt

Heike Kobold, Beraterin für Büroorganisation

und Zeitmanagement. Was

möchte man erreichen? Wen muss man

dafür kontaktieren? Wer aus der eigenen

Firma muss in die Planung einbezogen

werden? Das sind Fragen, die im

Vorfeld beantwortet werden müssen.

„Zu einer guten Vorbereitung gehört

auch, dass man sich ein genaues Bild von

den Gesprächspartnern und der Firma

macht, um die es bei der Reise geht“, rät

die Organisationsexpertin. Dazu zählen

beispielsweise die Entscheidungskompetenzen

des Verhandlungspartners,

die Kontakthistorie der beiden Firmen

und die mögliche Zielsetzung des Gegenübers.

Wahl des Verkehrsmittels

Sind diese Recherchen erledigt und der

Geschäftstermin festgezurrt, geht es an

die konkrete Reiseplanung. Während

bei Geschäftsreisen ins ferne Ausland

das Flugzeug konkurrenzlos ist, sor-

64 ProFirma 07/08 2011


... sortieren viele die Bahn bei Inlandsreisen oder Reisen in benachbarte Länder häufi g vorschnell zugunsten von Flugzeug oder Auto aus.

tieren viele die Bahn bei Inlandsreisen

oder Reisen in benachbarte Länder häufi

g vorschnell zugunsten des Flugzeugs

oder des Autos aus. Dabei bietet der

Schienenverkehr unschlagbare Vorteile:

Er erlaubt dem Reisenden bei unwesentlich

längerer Gesamtfahrzeit, diese wenigstens

sinnvoll zu nutzen und bringt

ihn direkt in die Stadtmitte – ohne

stressige und teure Parkplatzsuche. Bei

Flugreisen kann eine kurze Recherche

über öffentliche Verkehrsmittel, die den

meist weit außerhalb gelegenen Flughafen

mit dem Stadtzentrum verbinden,

zur Budgetschonung beitragen. Nicht

immer ist das Taxi die schnellste Transportmöglichkeit,

die preiswerteste ist es

ohnehin nicht.

Gibt es im Unternehmen keine Reisestelle

und keinen externen Dienstleister

für die Flug-, Hotel- oder Mietwagenbuchung,

sollte man sich auf jeden Fall erkundigen,

ob Rahmenverträge mit bestimmten

Anbietern bestehen. Obwohl

Budget- und Volumenverhandlungen

mit Leistungserbringern ein wichtiger

Baustein des strategischen Geschäftsreisemanagements

sind, hapert es hier

noch bei vielen Unternehmen, wie

eine Studie von AirPlus belegt: „Im

Bereich Flug beispielsweise haben

ProFirma 07/08 2011

CHECKLISTE

Geschäftsreisen richtig vorbereiten

Zielsetzung erarbeiten: Defi nieren Sie

genau den Zweck des Geschäftstermins.

Was wollen Sie vor Ort erreichen? Wie

setzen Sie dieses Ziel um?

Terminplanung: Überprüfen Sie die

Terminplanung. Sind die vereinbarten

Zeiten zu eng gesetzt, entstehen unnötige

Stresssituationen. Planen Sie ausreichend

Pufferzeiten ein.

Kosten überprüfen: Reisen ist teuer.

142 Euro pro Tag gaben Unternehmen

im Jahr 2009 laut dem Verband für

Deutsches Reisemanagement durchschnittlich

für Business-Trips aus – Tendenz

steigend. Da lohnt es sich, bei den

Anbietern genauer hinzuschauen.

Vertretung, E-Mail, Telefon: Regeln

Sie, wer Sie während Ihrer Abwesenheit

vertritt, und versorgen Sie diese Person

mit den notwendigen Informationen

und Kompetenzen. Aktivieren Sie eine

Abwesenheitsmeldung für E-Mail-Anfragen

mit nützlichen Infos. Legen Sie Kontaktzeiten

fest, während derer Kollegen

Sie erreichen können.

Wahl des Verkehrsmittels: Die Optionen

lauten: Auto, Bahn, Flugzeug. Entscheidungskriterien

sind Gesamtreisezeit

vom Start- bis zum Treffpunkt, Kosten

und Komfortaspekte. Rahmenverträge

mit Leistungserbringern berücksichtigen!

Erwägen Sie auch eine Videokonferenz

als Alternative.

Informationen zusammenstellen:

Sammeln Sie wichtige Informationen

über die Gesprächspartner und die besuchte

Firma. Wie erreicht man den

Treffpunkt vom Hotel aus? Ist ein Visum

erforderlich oder gibt es sonstige Einreiseformalitäten?

Devisen beschaffen.

Erstellen Sie eine Liste mit sämtlichen

Adressen, Kontaktdaten und Ansprechpartnern.

65


IT & Investition – Geschäftsreisen

„Geschäftsreisen nach Asien sind für kleine

und mittlere Firmen eine große Herausforderung.“

CLAUDIA ROMBERG, ROMBERG JAPAN CONSULTING, HERNE

nur 59 Prozent der Unternehmen spezielle

Verträge mit Fluggesellschaften

abgeschlossen und entsprechende Rabatte

ausgehandelt“, schreiben die Autoren.

Kulturunterschiede überwinden

„Wichtigster Treiber in deutschen

Unternehmen sind die Wirtschaftsbeziehungen

im Ausland“, sagt AirPlus-

Geschäftsführer Patrick Diemer. „Die

meisten Interkontinental-Reisen gingen

voriges Jahr nach Asien, und das wird

auch 2011 ein Top-Ziel für Business-

Trips bleiben.“ Gerade Reisen in Länder

mit einer anderen Kultur benötigen eine

umfangreiche Vorbereitung. Dabei geht

es nicht nur um die Beschaffung von

Visa, Flugbuchungen und Hotelreservierungen,

sondern auch um die Überbrückung

kultureller Unterschiede.

„Geschäftsreisen nach Asien sind gerade

für kleine und mittelständische Unternehmen

eine große Herausforderung,

denn im Gegensatz zu internationalen

Konzernen verfügen sie nicht über

Mitarbeiter vor Ort, die das kulturelle

Know-how einbringen“, erklärt Claudia

Romberg, die mit ihrer Firma Romberg

Japan Consulting in Herne mittelständische

Unternehmen berät. Sie bietet

Seminare für die effektive Vorbereitung

von Geschäftsreisen nach Japan. „Insbesondere

bei Reisen in Länder, in denen

sich verbale und non-verbale Kommunikationsformen

stark von der eigenen

Kultur unterscheiden, ist eine fundierte

Vorbereitung wichtig.“

Sogar für Reisen in Europa kann ein solches

Länder-Coaching beziehungsweise

die Betreuung durch Experten sinnvoll

sein, die mit den lokalen Gepfl ogenheiten

und der Sprache vertraut sind.

„Unsere Kollegen der Außenhandelskammern

(AHK) stehen nicht nur als

Übersetzer zur Verfügung, sondern sind

auch Kulturmittler“, erläutert Nikolaus

Bemberg, Leiter Markterkundung und

Markterschließung bei der Deutsch-

Türkischen Industrie- und Handelskammer.

„Sie kennen die ‚Kultur-Fallen‘

und nehmen die typisch deutsche Direktheit

nicht ganz so schwer.“ Deshalb

seien sie auch geschätzte Partner bei

der Bewertung der Aussagen – sowohl

für die deutsche als auch für die türkische

Seite. Die leisten mit ihren mehr

VIDEOKONFERENZ:

EINE ECHTE ALTERNATIVE?

Nicht immer ist ein persönliches Treffen

vor Ort unbedingt notwendig. Eine

Videokonferenz bringt oft dasselbe

Ergebnis und ist dabei viel preisgünstiger.

Firmen, die kein eigenes Videokonferenzsystem

haben, können

dabei auf Dienstleister zurückgreifen.

So haben beispielsweise die Lindner-

Hotels in sechs ihrer deutschen Häuser

einen Videokonferenzraum eingerichtet

und bieten die Technik samt Catering

zu einem Pauschalpreis an. „Mit

Telepresence bieten wir unseren Kunden

eine Plattform, die die Tagesreise

ersetzen kann“, erklärt Andreas Krökel,

Vorstand Marketing & Operations

der Lindner Hotels AG.

Noch größere Pläne hat das belgische

Unternehmen Global Videoconferencing

Network, das den gesamten

Globus mit einem Netzwerk von Videokonferenzräumen

umspannen

möchte. Bis Anfang des nächsten Jahres

sollen weltweit 2.000 Studios in

Hotels eingerichtet sein. Bis zu 20.000

Studios sollen es laut den Plänen einmal

werden.

als 120 Büros in 80 Ländern deutschen

Unternehmen Hilfestellungen bei der

Pfl ege und dem Aufbau von Geschäftsbeziehungen

zu Firmen vor Ort. Das

Dienstleistungsspektrum reicht von der

Kontaktvermittlung über die Vorbereitung

der Mitarbeiter bis hin zur Organisation

der Reisen und der Begleitung

vor Ort.

Vertretung regeln

Ein wichtiger Bestandteil der Reiseorganisation

ist auch der vorausschauende

Blick auf das Tagesgeschäft. Eine

Abwesenheitsnotiz im Mail-Programm

gehört zu den vermeintlich einfachen

Maßnahmen. Doch bereits hier machen

viele Mitarbeiter Fehler. Out-of-Offi ce-

Meldungen, die verkünden, „Ich bin

bis zum 5. Juli 2011 nicht im Büro. Ihre

Mails werden in der Zwischenzeit nicht

gelesen und bearbeitet“, sind wenig hilfreich.

„Es lohnt sich, etwas Mühe in die Abwesenheitsmitteilung

zu investieren. Sie

wird unzählige Male gelesen und trägt

wie eine Visitenkarte zum positiven

Image Ihrer Firma bei“, schreibt Agnes

Anna Jarosch, Chefredakteurin von

„Der große Knigge“. „Sagen Sie Ihrem

Kunden deshalb nicht, was Sie nicht für

ihn tun können. Sagen Sie ihm besser,

wann Sie wieder zu erreichen sind und

wer in der Zwischenzeit weiterhilft.“

Gleiche Sorgfalt sollte man auf den Telefonanschluss

verwenden. Zwar ist man

per Mobiltelefon und Rufweiterleitung

theoretisch überall erreichbar, aber ein

dicht gedrängter Reiseplan macht es

meist unmöglich, zwischendurch alle

Telefonate zu erledigen. Vor allem bei

längerer Abwesenheit ist daher eine

automatische Abwesenheitsansage

sinnvoll, die auch die Rufnummer des

Vertreters nennt. Dieser sollte über den

aktuellen Stand der Projekte Bescheid

wissen, fällige Termine und wichtige

Kunden oder Partner kennen und die

entsprechenden Vollmachten erhalten,

um die Arbeiten selbstständig fortzuführen.

Denn zum wirklichen Erfolg

wird die Dienstreise nur dann, wenn

auch im Unternehmen die Projekte reibungslos

weiterlaufen.

66 ProFirma 07/08 2011


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Business English

Guten Appetit!

At the restaurant

British cuisine

The thing about stereotypes is that they

are very hard to shake off. If we expect

something to be bad, we tend to look

for confi rmation that it really is bad.

Without a doubt, British food deserves

the poor rap it has – to a certain extent.

But there have certainly been a few improvements

worth mentioning over the

last two decades. The fi rst major improvement

is, strictly speaking, an imported

one. The British palate has grown

so accustomed to Indian, Chinese, Thai

and West Indian food that Robin Cook,

the former foreign secretary, claimed

back in 2001 that the nation’s favourite

dish was chicken tikka masala. These

days, the British best-selling food author

Jamie Oliver, who was born and

bred in East London, borrows recipes

from all the foreign cultures that cross

Business English

Die englische Küche genießt nicht gerade einen exzellenten Ruf, aber ein Besuch in den internationalen

Restaurants der Insel lohnt in jedem Fall. Diese Lektion hilft Ihnen von der Tischreservierung bis zum Dessert.

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paths on the stalls of London’s markets.

There is a paradox at the heart of British

cooking: it is the hardest of cuisines to

fi nd in Britain. What is British cuisine

exactly? The short answer is roast meat,

often game or beef, served with gravy,

in other words good basic ingredients

with as little as possible done to them

without being bland. Fish and shellfi sh

were also fi rm staples of Britain’s prewar

diet but tend now to be exclusive

in British restaurants. Today’s visitor

to London will have to pay through the

nose for Dover sole, mussels or oysters.

Health consciousness since the late

eighties has led to a move away from

a preference for high calorie British

cooking to Mediterranean cuisine. Menus

typically display infl uences from

all over the world, a twist of fl avours

imported from French, Italian or Far

Eastern cooking. The end result can be

quite delicious.

Food preparation

Is your mouth watering? But if you are

likely to say “I’d like a bloody steak”

then you defi nitely need to brush up on

your restaurant skills. Roughly translated,

this would be “Ich hätte gern ein

verdammtes Steak.” Just in case, the

correct way to order your steak is rare,

medium or well done.

But let‘s start at the beginning. If you

don‘t have a reservation you‘ll have to

ask for a table:

> We’d like a table for four please.

> Is there a table for two free please?

> We’d like a seat near the window

if possible.

or

> We have a table booked under

“Smith”.

Lektion 17

Having negotiated your seat, you now

have a range of possibilities to choose

from on the menu. Normally, there are

three courses, and don’t be surprised to

see a great deal of French terminology

written in the menu. English cooking

terms are often in French, and some

words for various different types of

meat also stem from French e.g. pork

comes from porque, beef from boeuf

and mutton from mouton. Listed on the

next page are some of the most common

ways to prepare food as you might

see them on a menu. On the right are

the dishes that might be eaten in that

particular way.

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oiled vegetables

baked bananas, apples

fried chicken, eggs, potatoes

grilled fi sh, vegetables

poached eggs, salmon

roast(ed) beef, chicken, duck, lamb,

turkey, potatoes

sautéed potatoes

smoked salmon, haddock,

sausage

stewed fruit

stir-fried vegetables, duck

If you can‘t decide or have any questions,

don‘t hesitate to ask the waiter:

> What’s the soup of the day please?

> Have you got any daily specials?

> What do you recommend from the

menu?

> How is the lamb done?

> What is the chicken served with?

> Could we see the wine list please?

> Do you serve wine by the quarter

litre?

ProFirma 07/08 2011

Culinary conversation

How did you like your food? Ask your

dining companion how s/he likes it:

> How is your food? – Everything is just

fi ne. How about yours?

> Is the lamb good? – This tastes delicious/great/fantastic.

> I think I‘ll have a second serving from

the salad buffet.

> They always come up with new ideas

for their side dishes.

> This was a good choice. I like it here.

Do you have any requests or

complaints?

> Excuse me please, could I have some

more water?

> I‘m afraid there is a little problem.

The steak is well done and I had

ordered medium.

> The meat was good but the

vegetables were a bit soggy.

Was everything fi ne?

> I think I ate too much, but it was

so good.

> I‘ve defi nitely had enough. The size

of their portions is incredible.

> There is no way I can fi nish my

dessert.

Finished eating

Once you have fi nished, it just remains

to ask for the bill. But who has to pay?

Here are the most important phrases

you will need:

> Excuse me, could we have the bill

please?

> Do you accept Visa?

> Would you write me a receipt please?

> Let‘s get the bill. It is on me, okay?

> No, I‘ll see to that!

> No,no, I‘m paying, leave it to me!

And what are you doing after dinner?

> I really enjoyed this dinner very

much. Unfortunately, it‘s getting late

and I‘m going to have to make tracks.

> This was wonderful. I hate to say it

but I need to get going to catch

my tube.

> Do you fancy a night cap? There‘s

a little bar still open around the

corner ...

Vocabulary

to shake off abschütteln

confi rmation Bestätigung

to deserve verdienen

poor rap schlechter Ruf

to a certain extent in gewissem Maße

palate der Gaumen

chicken tikka

masala

mariniertes, gegrilltes

Hühnerfl eisch

stall (Markt-)Stand

game Wild

gravy Bratensoße

bland fad

shellfi sh (pl.) Schalentiere

staples (pl.) Hauptnahrung

pre-war diet Vorkriegsdiät

to have to pay tief in die Tasche greifen

through the nose müssen

sole Seezunge

Is your mouth Läuft Ihnen das Wasser

watering? im Mund zusammen?

to brush up on sth. etw. wieder auffrischen

rare „englisch”, blutig

well done durchgebraten

course hier: Gang

pork Schweinefl eisch

mutton Hammelfl eisch

salmon Lachs

haddock Schellfi sch

stir-fried unter Rühren kurz

angebraten

daily special Tagesgericht

second serving Nachschlag

side dish Beilage

soggy pampig

make tracks (coll.) nach Hause gehen

I hate to say it but Ich bedauere, Ihnen

sagen zu müssen

the tube die U-/S-Bahn in London

to have a night

cap (coll.)

ein Schlaftrunk

carafe Karaffe

TIP: False Friend! Whereas in German, “Menü” refers to a set or fi xed price meal, the

English term „menu” simply means “Speisekarte”. Wine tends to be served by the glass

or the bottle. In a few restaurants it will be served in quarter and half litre carafes.

S. 70 Einladung, S: 71 Kreuzworträtsel

69


Business English

Einladungen stilvoll annehmen und ablehnen

How to accept and refuse invitations

Nicht immer kommen Einladungen zu Veranstaltungen und Geschäftsterminen zeitlich gelegen.

Wie Sie Ihr Kommen zusagen oder freundlich ablehnen, zeigt Ihnen der folgende Beitrag.

The scene is a familiar one: You are engrossed

in reading a document on your

computer screen and suddenly a new

message appears in your inbox. You

click on it for a moment out of curiosity

and read an invitation to your company

anniversary next week, an event which

the PR department has been preparing

for months. You feel like kicking yourself.

Now you realise why that date rang

bells in the fi rst place. It just so happens

that on the same day, you have an important

client meeting away from the

offi ce. You know that you have a perfectly

legitimate excuse not to go, but

you also promised the PR team that you

would be at their event. How can you

explain that you cannot come now, just

days away?

Your fi rst instinct is to reach for the

phone and blurt it out. After all, they

have to understand that you have another

important engagement and you

Vocabulary

to be engrossed

in sth.

vertieft sein in etwas

out of curiosity aus Neugier

to kick yourself sich ohrfeigen können

sth. rings bells etwas läutet

to blurt sth. out herausplatzen mit etwas

to regain one‘s

composure

seine Fassung

wiedergewinnen

to get over etwas verschmerzen

RSVP um Antwort wird gebeten

suffi cient ausreichend

delighted erfreut

get-together geselliges Beisammensein

to tread on jemanden auf den Schlips

so.’s toes treten

downright absolut

commitment Verpfl ichtung

to pry into sth. in etwas herumschnüffeln

unannounced unangekündigt

would really attend if you could. But

you know how much work has gone

into organising this event and you need

to maintain good relations with the PR

department, your closest working partners.

In this situation, it is most advisable

to write an e-mail rather than telephoning.

It gives you time to formulate

what you want to say and allows your

partner to regain his or her composure

the next time s/he sees you in the kitchen

at the coffee machine. Everyone

double-books appointments now and

again and they will get over the fact that

you won’t be there. The most important

thing is to maintain good relations

when you turn the other party down.

Written invitations

Luckily, most business invitations come

in written form and can be thought over

carefully before deciding to accept or

decline. In general, people expect you

to write back if they send you a written

invitation. You can tell if you need to

give a written reply by the letters RSVP

at the bottom of the card, which stand

for respondez s’il vous plait, French for

“please reply”. Otherwise, if there is simply

a telephone number printed on the

card, it is safe to assume that a phone

call is suffi cient. It goes without saying

that the less formal the occasion, the

less need there is to be formal oneself.

However for those occasions where formality

is expected, here’s what to do.

Accepting invitations

How do you accept gracefully and politely?

First, here is a guide to both a written

acceptance of an invitation. Then,

we will outline how you should politely

decline. Assuming it is a formal event

you are invited to, your response should

be written in the third person, just as the

invitation is, such as

„(Your name) would be delighted to

accept the kind invitation to attend the

silver wedding anniversary of (name of

couple) at (place and date).”

There is no need to sign the card but a

personal note may be added to the bottom.

If someone invites you by phone or

face-to-face, it is good manners to thank

the person and to offer to bring something

along. Getting invites by e-mail is

also fairly common for less formal gettogethers

or leaving parties. It is useful

to remember that to fi nd a date where

everyone is free is diffi cult and that declining

is expected. Be helpful by suggesting

another time if you want to have a

drink to say goodbye to a colleague.

Declining invitations

If you have a prior engagement and cannot

attend a formal event for some reason,

it is important to formulate your

response carefully to avoid treading on

people’s toes. It is certainly not OK to

leave an invitation hanging. There are

standard phrases for declining such as

„(Your name) regrets to inform (hosts’

name) that s/he will not be able to attend

the silver wedding anniversary of

(couple’s name) at (place and date) due

to a prior engagement.”

70 ProFirma 07/08 2011


It is not only acceptable to explain why

you can’t come such as having a holiday

booked at the same time, it is downright

impolite not to! If the reason you cannot

go is due to a personal matter, you can

use the phrase “due to personal commitments”.

That way, you don’t resort to

lying, and good manners will probably

prevent the host/ess prying into the reason

for not attending. It is a nice gesture

to invite the couple to dinner prior to

CROSSWORD PUZZLE

1 2

3

6

5

7 8

10 11

12 13

Across:

2. too much liquid (in or on food)

3. a type of long, green vegetable

4. the meat that comes from pigs

7. ingredients and how to cook them

9. a healthy way of cooking

vegetables

12. the translation of “sensibel”

13. a fi sh that lives in both fresh

water and saltwater

16. excessive or insincere praise

18. a method of cooking eggs

ProFirma 07/08 2011

the their celebration if you are not able

to attend. This is especially true of weddings.

Last but not least, it is very impolite

to bring a friend unannounced to a

formal event. Check in advance if this is

possible for less formal occasions. Look

on the next page for further examples of

how to accept or decline invitations.

Die Autoren:

Lucy Renner Jones und Anita Duncan

9

14 15

16 17

4

18

Down:

1. a type of meat popular in Asia

2. crabs, lobster, mussels

4. a type of round, brown root vegetable

5. a piece of paper from the doctor

6. another word for mistake

8. a fi sh known as “scrod” in Boston

10. the translation of “Menü”

11. a container for wine in restaurants

14. another word for mistake

15. to go red with embarrassment

17. another word for reputation

Answers: Across: 2. soggy, 3. courgette, 4. pork, 7. recipe, 9. steam, 12. sensitive, 13. salmon, 16. fl attery, 18. poach

Down: 1. duck, 2. shellfi sh, 4. potato, 5. prescription, 6. blunder, 8. haddock, 10. set meal, 11. carafe, 14. gaffe, 15. blush, 17. rap

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Rückschau & Termine

Freiburger Mittelstandskongress

Kooperationen erfolgreich gestalten

Unter dem Motto „Globalisierung, Kooperationen,

Netzwerke“ steht der 7.

Freiburger Mittelstandskongress, der

am 5. Oktober im Konzerthaus in Freiburg

stattfi ndet. Der Kongress ist zu einer

festen Größe in der Reihe der Wirtschaftstagungen

in Baden-Württemberg

geworden. Rund 450 Entscheidungsträger

aus dem Mittelstand werden erwar-

Konzerthaus in Freiburg.

DIGITALES DIALOGMARKETING

IM B-TO-B-GESCHÄFT

Wie kommunizieren Unternehmen im Jahr 2020 mit ihren Zielpersonen?

Welche Trends, Kommunikationsbedürfnisse und B-to-B-

Touchpoints gibt es in der Zukunft? Diesen Fragen geht Sven Gábor

Jánszky, einer der bekanntesten deutschen Trendforscher, als

Keynote-Speaker auf dem „2. B2B-Marketing-Kongress“ nach. Der

Kongress fi ndet unter dem Motto „Von der Zielgruppe zur Zielperson“

am 4. und 5. Oktober 2011 im Vogel Convention Center in

Würzburg statt.

Das Hauptthema des eineinhalbtägigen Kongresses lautet „Digitales

Dialogmarketing im B2B“. Er wendet sich an Kommunikationsverantwortliche,

-dienstleister und -werbeagenturen und hat

ein dreiteiliges Programm, das sich aus den Themen Praxisbeispiele,

Praxiswissen und Praxistrends zusammensetzt. Die Moderation

übernimmt Prof. Dr. Marc Drüner von der Berliner Steinbeis

Universität. Daneben gibt es drei weitere Höhepunkte: Die Media-

Treff-B2B-Marketing-Award-Verleihung mit Thomas Koch, das 49.

Würzburger Werbe-Fachgespräch zum Thema: „B2B³ – die Zukunft

der Kommunikation“ sowie die Abschluss-Keynote „Das B2B-Marketing

der Zukunft“ von Trendforscher Sven Gábor Jánszky.

INFO: www.b2bmarketingkongress.de

tet. Mehr als 30 Aussteller präsentieren

ihre Dienstleistungen.

Kooperationen sind für mittelständische

Unternehmen häufi g der einzige

Weg, im nationalen wie internationalen

Wettbewerb zu bestehen. Dennoch

scheitert etwa die Hälfte der Kooperationen

aus unterschiedlichen Gründen.

Der diesjährige Mittelstandskongress

will daher auf einige Besonderheiten

aufmerksam machen. Entsprechend

kommen die Referenten und Podiumsteilnehmer

aus Brasilien, China, Indien,

Österreich, der Schweiz und Deutschland

nach Freiburg.

In seinem Eröffnungsvortrag wird Gernot

Erler, stellvertretender Vorsitzender

der SPD-Bundestagsfraktion und Experte

für Außenpolitik, auf die Selbstbehauptung

des Mittelstands in einer

globalisierten Welt des Wandels eingehen.

Stichworte zu den dann folgenden

Vorträgen sind: Kulturelle Integration,

internationale Kommunikation, Streitkultur,

Kernkompetenzen des Kooperationsmanagements,

Spiele mit der

Macht und Verhandeln am Limit.

Beim abschließenden Podiumsgespräch

diskutieren Hanna Böhme (Managing

Director German Centre for Industry

and Trade Beijing Co. Ltd.), der brasilianische

Botschafter S.E. Dr. Everton

Vieira Vargas, Dr. Michael Hagenmeyer

(Vorsitzender der Geschäftsführung

Baden-Württemberg International

GmbH), Ashish Madan (Coordinating

Manager der India Business Services

Ernst&Young) und Peter E. Zwicky

(Vorstand Gütermann Holding SE, Gutach).

Dieter Römer, Chefredakteur von

ProFirma, wird die Diskussionsrunde

leiten.

Weitere Infos und Anmeldung:

www.fr-mk.de

DIHK BEGRÜSST STRENGERE

GRÜNDUNGSFÖRDERUNG

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßt die

Reform des Gründungszuschusses für Arbeitslose. „Die strengeren

Förderaufl agen werden dem Gründerklima guttun. Nicht nur Steuerzahler

profi tieren, sondern auch die Existenzgründer selbst“, betont

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Dem Beschluss der Bundesregierung zufolge soll der Gründungszuschuss

vom Herbst 2011 an in eine Ermessensleistung umgewandelt

werden. Bislang haben Arbeitslose hierauf einen Rechtsanspruch.

Zudem müssen Existenzgründer bei Antragstellung

künftig noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens

150 Tagen vorweisen, bislang sind es nur 90 Tage. Dritte

Neuerung: Die Phase der Maximalförderung, in der der Gründer

einen monatlichen Zuschuss in Höhe des Arbeitslosengelds zuzüglich

einer Pauschale von 300 Euro erhält, wird von neun auf sechs

Monate verkürzt, die zweite Phase, in der der Gründer nur noch

die 300 Euro bezieht, dagegen von sechs auf neun Monate verlängert.

„Arbeitslose Existenzgründer müssen ihre Gründung künftig

gründlicher vorbereiten“, betont Wansleben. Wie eine Auswertung

des DIHK-Existenzgründerreports ergab, verfügen mehr als 40 Prozent

der arbeitslosen Gründer über keine klare Geschäftsidee.

72 ProFirma 07/08 2011


Vorschau 09.2011

Titelthema: Die wichtigen ersten Jahre

Ist die Hürde der Firmengründung überwunden, geht die Arbeit erst richtig los.

Denn die ersten drei Jahre sind für Jungunternehmer eine Zeit sehr unterschiedlicher

Herausforderungen. Von der Kundengewinnung und dem Vertrieb über den

ersten Jahresabschluss bis zur Einstellung von Mitarbeitern und der Erweiterung

des Geschäfts wollen alle Schritte gut geplant sein. In unserer Titelgeschichte

geben wir aufstrebenden Chefs wichtige Tipps für einen erfolgreichen Start.

IMPRESSUM

Redaktion:

Dieter Römer (Chefredakteur)

E-Mail: Dieter.Roemer@ProFirma.de

Paul Lauer (Redakteur)

E-Mail: Paul.Lauer@ProFirma.de

Christoph Lorenz (Redakteur)

E-Mail: Christoph.Lorenz@profi rma.de

Hans-Walter Neunzig (Redakteur)

E-Mail: Hans-Walter.Neunzig@ProFirma.de

Gabi Reuys (Assistentin)

E-Mail: Gabi.Reuys@ProFirma.de

Telefon 07 61/89 83 031, Fax 07 61/89 83 112

Hausadresse der Redaktion:

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG

Munzingerstr. 9, 79111 Freiburg

Autoren dieser Ausgabe:

M. Bahnerth, Prof. M. Beck, J. Christ, T. Cole, A.

Duncan, U. Felger, S. Gneiting, S. Hölper, , M. Hofmann,

K. Linke, E. Neuthinger, M. Reiter, L. Renner

Jones, M.Schlenker, O. Weiss, B. Weller.

Grafi k: Hanjo Tews

ProFirma 07/08 2011

Anzeigen-Verkauf:

Bernd Junker (Anzeigenleitung)

Telefon 09 31/27 91 556

Oliver Cekys (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 731

Thomas Horejsi (Senior Key Account Manager)

Telefon 09 31/27 91 451

Michaela Dotzler (Disposition)

Tel. 09 31/27 91 559, Fax 09 31/27 91 477

E-Mail: Anzeigen@ProFirma.de

Verbreitete Aufl age,

1. Quartal 2011: 80.213

Verkaufte Aufl age: 60.552

IVW-geprüft. ISSN 1435-6082

Abonnentenservice:

Haufe Service Center GmbH, Postfach,

79091 Freiburg

Telefon 01 80/50 50 169*, Fax 01 80/50 50 441*

E-Mail: Zeitschriften@Haufe.de

* 0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 €/Min. mobil.

Ein Service von dtms.

Die Ausgabe 09/2011 erscheint am 31. August 2011

Weitere Themen:

WORK LIFE BALANCE

Gesunder Ausgleich

Es gibt ein Leben neben und nach der

Arbeit. Die Balance fällt vielen Unternehmern

aber schwer. ProFirma zeigt den

Weg zu einer gesunden Work Life Balance.

VERSICHERUNGEN

Die richtige Vorsorge

Viele Selbstständige haben zu wenig für

die Wechselfälle des Lebens vorgesorgt.

ProFirma sagt, welche Risiken auf jeden

Fall abgesichert werden sollten.

HOMEPAGE-TUNING

Mehr Präsenz im Web

Selbst wenn Unternehmen das Web nicht

als Vertriebskanal nutzen, kann es ihren

Umsatz erhöhen. Manchmal genügen

kleine Änderungen auf der Homepage.

Verlag: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG

Verlagsleitung: Reiner Straub

Munzinger Straße 9, D-79111 Freiburg

www.Haufe.de

Druck: Druckerei Echter, Würzburg

Vertrieb im Handel:

SPECIAL INTEREST

Zeitschriften Distribution & Marketing GmbH

Nordendstraße 2; 64546 Mörfelden-Walldorf

Der jährliche Bezugspreis beträgt für ProFirma im Inland: 64 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 79 Euro inkl. Versand. Das Kombi-Jahresabo ProFirma

Professional kostet im Inland 237,60 Euro inkl. MwSt. und Versand, im Ausland 252,60 Euro inkl. Versand. Bezieher der Produkte aus der „Lexware professional

line“ (9018, 9182, 9183, 9170, 9171, 9172, 9173, 9174, 8804, 9094) erhalten ProFirma im Rahmen ihres Abonnements. Für Mitglieder des Bundes der Selbständigen

(BDS) ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten.

73


Schluss mit lustig

„Und Sie machen das Protokoll, Frau Liun“, ordnete H2O an

und klopfte mit seinem Kugelschreiber auf den Tisch im kleinen

Konferenzzimmer. „Chef“, antwortete Frau Liun, „gestatten

eine Frage? Wir nie haben gemacht Protokoll. Außerdem

wir haben auch nie gemacht Geschäftsleitungssitzung. In

Anbetracht von drei Leuten sein vielleicht ein wenig übertrieben.“

„Frau Liun“, antwortete H2O, „diese GL-Sitzung ist auch

ein Symptom, äh, Symbol. Weil dieses ergebnislose Wischiwaschi-Business

von einst vorbei ist. Jetzt sind wir Hirschmüller

Enterprises. Und wir werden weltweit die Nummer 1

im Gewinnen von Methangas von Rindern. Nicht wahr, Herr

Schwalbe?“ „Ja“, sagte der Biochemiker, „ich stehe kurz vor

dem Durchbruch, was das portable

Back-up-System für die Methangasgewinnung

anbelangt. Es gibt noch

ein paar Fragen bezüglich des Gurtsystems,

damit das Auffangbecken

sicher auf dem Rücken der Tiere sitzt.

Aber die Schlauch-Abzugsvorrichtung

von den Pansen direkt in das

Auffangbecken funktioniert äußerst

zufriedenstellend.“ „Sehr gut. Schreiben

Sie das auf, Frau Liun. Schreiben

sie ,Durchbruch‘.“

„Ich habe“, fuhr H2O fort, „gestern

Nacht ein Strategiepapier, äh, gemacht.

Zuerst die Fakten. Es gibt weltweit

1,5 Milliarden Rinder, die meisten in Indien, 222 Millionen.

Es liegt deshalb nahe, dass wir dort unseren Schwerpunkt

setzen. Ist auch kostengünstig, ich sage nur Billiglohnland

und so weiter. Das heißt, wir produzieren und errichten dort

auch unsere Anlagen, die das Methangas reinigen.“ „Gestatten

eine Frage, Chef? Wenn wir produzieren günstiges Biogas

in Indien und wir wollen verkaufen Gas zu Höchstpreisen,

wir nicht können machen in Indien. Energie fast gar nix kosten

dort. Wir müssen verkaufen in Hochpreiszone wie Europa.

Dann aber müssen Biogas kommen von Indien nach

Europa. Chef, haben Idee wie?“ „Pipelines, Frau Liun.“ „Es

geben Pipelines von Indien nach Deutschland?“ „Frau Liun,

zum Mitschreiben, es gibt bald die Ost-West-Pipeline. Sie

führt von Indien über Pakistan und Afghanistan nach Turkmenistan.

Dieses ist über Gazprom mit Russland verbun-

H 2O

... strotzt vor Optimismus

von Michael Bahnerth

Unternehmer Henning Hirschmüller-Oberst, H2O genannt, hat mit seinem Methangas-Projekt

hochfl iegende Pläne. Zum Glück ist er nicht ganz beratungsresistent.

den, und Russland wiederum ist mit uns verbunden. Voilà.“

„Herr Hirschmüller“, hob Herr Schwalbe an, „ich mag Ihre

Vision, schätze Ihren Optimismus, aber ich werde das Gefühl

nicht los, dass das Gelingen Ihrer Indien-Fantasie in etwa

einem Hole-In-One gleichkommt. Die Wahrscheinlichkeit

bei Amateurgolfern, dass sie vom Abschlag direkt einlochen,

liegt bei 1:12.500, bei Profi s 1:2.500. Ist Ihnen schon eines gelungen?“

„Ähm, leider nein.“ „Darf ich machen Vorschlag?“,

fragte Frau Liun. „Warum wir nicht machen Prototypanlage

in Deutschland, schöpfen ab Subventionen für erneuerbare

Energien, dann wir laden Landwirtschaftsminister von Indien

und auch USA ein und verkaufen Technologie.“

H2O klopfte mit seinen Fingernägeln

auf die Tischplatte. „Was meinen Sie,

Herr Schwalbe?“ „Ich bin grundsätzlich

der Meinung, dass es besser ist, einen

Spatz in der Hand zu halten als eine

Taube auf dem Dach zu haben. Und

dann frage ich mich, was Ihre Frau, die

ja seit dem Verkauf Ihrer Villa als stille

Teilhaberin mit im Boot sitzt, dazu

sagen würde.“ „Wenn ich noch sagen

darf, Chef“, sagte Frau Liun, „nie machen

zweites Schritt vor erstes.“ „Tja“,

sagte H2O, „vernünftig ist das, zugegeben.

Aber mein Bauchgefühl sagt, wir

können gar nichts falsch machen, weil

unser Projekt, na ja, es hat keine Fehler. Irgendwie.“ „Mag sein,

Herr Hirschmüller“, sagte Herr Schwalbe, „dass das Projekt

keine Fehler hat. Aber Menschen machen Fehler.“ „Gibt japanisches

Sprichwort dazu: Die eigenen Fehler erkennt man am

besten mit den Augen anderer.“

„Ist ja gut“, sagte H2O matt. „Dann machen wir eben den

kleinen Umweg über den Prototypen in Deutschland. Dann

sind wir vernünftig und alles. Also, Frau Liun, schreiben Sie:

,Schwalbe stellt in Rekordzeit das Back-up-System fertig.’

Sie, Frau Liun, zapfen mal wirkungsvoll den Subventionstrog

an. Und ich werde mich um das Blockheizkraftwerk kümmern.“

DIE NÄCHSTE FOLGE:

H2O auf der Suche nach einer günstigen Fabrikanlage.

74 ProFirma 07/08 2011

Folge 36

Illustration: Reinhold Harwath


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