Führung durch die Alt-Rahlstedter Kirche
In diesem Jahr feiern wir den 775. Geburtstag der Kirche Alt-Rahlstedt, erstmal urkundlich erwähnt im Jahre 1248, man kann also davon ausgehen, dass sie noch älter ist - auf alle Fälle ist sie eine der ältesten Kirchen in Norddeutschland. Hier in diesem kleinen Heft gibt es alles Wichtige über die Geschichte & Gestaltung zu lesen. Am 30.09.2023 feiern wir ab 16 Uhr ein großes Kirchweih-Geburtstagsfest! Adresse: Pfarrstraße 21 in Hamburg Rahlstedt
In diesem Jahr feiern wir den 775. Geburtstag der Kirche Alt-Rahlstedt, erstmal urkundlich erwähnt im Jahre 1248, man kann also davon ausgehen, dass sie noch älter ist - auf alle Fälle ist sie eine der ältesten Kirchen in Norddeutschland. Hier in diesem kleinen Heft gibt es alles Wichtige über die Geschichte & Gestaltung zu lesen. Am 30.09.2023 feiern wir ab 16 Uhr ein großes Kirchweih-Geburtstagsfest! Adresse: Pfarrstraße 21 in Hamburg Rahlstedt
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<strong>Kirche</strong> <strong>Alt</strong>-Rahlstedt<br />
Über 800 Jahre – unvorstellbar ...<br />
Wenn <strong>die</strong>se <strong>Kirche</strong> reden könnte ...<br />
Merk-Würdiges über ein langes Leben<br />
Die <strong>Kirche</strong> <strong>Alt</strong>-Rahlstedt gehört zu den ältesten im Raume Hamburgs. 1248 wird sie zum ersten Mal in<br />
einem Schriftstück erwähnt, als anlässlich der Gründung des Kirchspiels Trittau das ältere Kirchspiel<br />
<strong>Alt</strong>-Rahlstedt ein Kirchdorf an Trittau abtrat.<br />
Die jetzige <strong>Kirche</strong> wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts an Stelle<br />
einer Taufkapelle aus dem frühen 12. Jahrhundert erbaut.<br />
Um 1220 wurde der ursprüngliche Chor <strong>durch</strong> einen neuen größeren ersetzt. Dieser steht mit seiner<br />
Nordmauer auf einem christlichen Grab. Der unterschiedliche Baustil der Außenmauern ist auf der<br />
Nordseite gut zu erkennen. Daran lassen sich auch <strong>die</strong> einzelnen Bauabschnitte ablesen. In der Nordwand<br />
ist eine schon im Mittelalter zugemauerte Tür zu erkennen. Durch sie wurde vermutlich das Taufwasser<br />
aus der Wandse in <strong>die</strong> <strong>Kirche</strong> geholt. Sie war so niedrig, weil man vor Gott mit gebeugtem Haupt treten<br />
sollte.<br />
Nach 1530 wurde <strong>die</strong> Sakristei an der Südseite des Langhauses angebaut. Ursprünglich <strong>die</strong>nte sie als<br />
«Brauthaus». Nach der Einführung der Reformation wurde <strong>die</strong> weltliche Handlung der Eheschließung<br />
außerhalb der <strong>Kirche</strong> vollzogen, um bei Vollzug des weltlichen Trauaktes vor Wind und Wetter geschützt<br />
zu sein.<br />
Anschließend wurde <strong>die</strong> Trauhandlung in der <strong>Kirche</strong> mit der Segnung des Brautpaares gekrönt.<br />
Später wurde es als «Kinderhaus» benutzt, in dem <strong>die</strong> Mütter mit ihren Kindern bis zum Beginn der Taufe<br />
nach der Predigt warteten.<br />
Um 1700 wurde <strong>die</strong> westliche Vorhalle in Fachwerkbauweise erbaut.
Der Turm, dessen Vorläufer vermutlich, wie in Norddeutschland üblich, separat gestanden hat, wurde<br />
1707 in 36 m Höhe mit einem Wetterhahn gekrönt.<br />
Neueste Messungen ergaben, dass der Turm nur 30 m hoch ist.<br />
Das <strong>Kirche</strong>nschiff ist 11 m hoch, 49 m lang und 10 m breit.<br />
1964 wurde <strong>die</strong> rustikale Eichenbalkendecke wieder von der Gipsdecke befreit und <strong>die</strong> Feldsteinmauer<br />
der Apsis sichtbar gemacht.<br />
Der <strong>Alt</strong>ar wurde aus Ziegeln im alten Klosterformat neu errichtet.<br />
Das wurmstichige Gestühl wurde <strong>durch</strong> Teakholzbänke ersetzt.<br />
1981 wurde das <strong>Alt</strong>arretabel von 1695 wieder auf den <strong>Alt</strong>ar gestellt,<br />
das Triumphkreuz in den Chorbogen gehängt und der Turm<br />
mit 25.000 Eichenholzschindeln neu gedeckt.<br />
Leider wurde damals am Turm gepfuscht –<br />
nur zwei Schindeln übereinander statt drei und keine gespaltenen, sondern gesägte Schindeln –, so dass<br />
der Turm 2008 neu gedeckt werden musste.<br />
Als <strong>die</strong>se Arbeiten abgeschlossen waren, wurde festgestellt, dass der Bunte Nagekäfer <strong>die</strong> eingedrungene<br />
Feuchtigkeit genutzt hatte<br />
und unsere Balken befallen waren. 2009 und 2010 wurden <strong>die</strong> Schäden aufwendig beseitigt und unsere<br />
<strong>Kirche</strong> konnte wieder richtig benutzt werden und wird hoffentlich noch lange halten.<br />
Das Triumphkreuz ist das älteste Kunstwerk der <strong>Kirche</strong> aus dem 14. Jahrhundert und war ursprünglich<br />
ein Vortragekreuz für kirchliche Prozessionen.<br />
Die Medaillons symbolisieren <strong>die</strong> vier Evangelisten: Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier),<br />
Johannes (Adler).<br />
Ihre Botschaft erweist das Kreuzgeschehen als Triumph Christi über den Tod, der in seiner Auferstehung<br />
gipfelt.<br />
Die beiden Apostelfiguren Petrus und Jacobus stammen von dem <strong>Alt</strong>ar des 15. Jahrhunderts, der wie alle<br />
Holzteile der <strong>Kirche</strong> im 30jährigen Krieg vernichtet wurde, als 1627 das kaiserliche Heer unter Tilly<br />
in Rahlstedt hauste und beim Abzug <strong>die</strong> <strong>Kirche</strong> in Brand steckte.<br />
Nur das Triumphkreuz und <strong>die</strong> beiden Apostelfiguren entgingen<br />
der Vernichtung, weil sie vom Pastor gut versteckt worden waren.<br />
Jacobus (mit dem Jakobushut) könnte vielleicht ein Hinweis auf den heute nicht mehr bekannten<br />
Namenspatron der <strong>Kirche</strong> sein.<br />
Da <strong>die</strong> <strong>Alt</strong>-<strong>Rahlstedter</strong> <strong>Kirche</strong> als Stationskirche eines mittelalterlichen «Jakobspilgerweges» erwähnt<br />
wird, könnte sie eine Jakobikirche gewesen sein.<br />
Das Holz des <strong>Alt</strong>arretabels (und <strong>die</strong> Balkendecke des Langhauses) entstammen Bäumen, <strong>die</strong> 1633<br />
gefällt worden sind.<br />
Das Bild wurde von einem unbekannten Hamburger Künstler gemalt.<br />
Die Barockkanzel wurde 1634 für <strong>die</strong> Wandsbeker Christuskirche gefertigt. Da sie sich für den 1801<br />
errichteten Neubau <strong>die</strong>ser <strong>Kirche</strong> als<br />
zu klein erwies, schenkte sie der Wandsbeker <strong>Kirche</strong>npatron Graf Christian von Schimmelmann der<br />
<strong>Kirche</strong> zu <strong>Alt</strong>-Rahlstedt.<br />
Die Schenkungstafel hängt in der Eingangshalle der <strong>Kirche</strong>.
Im Chor hängt ein Kronleuchter aus dem Jahr 1744 mit dem Doppeladler der Zarin Elisabeth. 1721 –<br />
1773 stand Rahlstedt, wie alle Gottorpschen Lande, unter der Herrschaft der russischen Zaren.<br />
1910 wurde für das <strong>Kirche</strong>nschiff ein Duplikat des Leuchters angefertigt.<br />
Im <strong>Alt</strong>arraum stehen zwei kunstvoll geschnitzte Brautstühle von<br />
Peter Arps (Lübeck), <strong>die</strong> 1994 von Karl-Heinz Böttger<br />
anlässlich seines Geschäftsjubiläums gestiftet wurden.<br />
Bei <strong>Kirche</strong>nbesichtigungen steht neben dem Taufbecken noch ein Barockleuchter, den der <strong>Rahlstedter</strong><br />
Karlheinz Holz vor einigen Jahren auf einer Geschäftsreise in Italien entdeckte und sofort kaufte,<br />
um ihn der <strong>Kirche</strong> zu schenken, weil er gut zur Kanzel passt.<br />
Die silberne Taufschale, der silberne Osterkerzenleuchter<br />
und <strong>die</strong> zwei Silberleuchter auf dem <strong>Alt</strong>ar sind Werke des<br />
Hamburger Silberschmiedes Wilfried Moll und wurden aus Kollekten<br />
und Spenden der Kindergottes<strong>die</strong>nstgemeinde finanziert.<br />
Das Lesepult wurde der Gemeinde von Horst Klöckner gestiftet.<br />
1937 erhielt <strong>die</strong> <strong>Kirche</strong> farbige Glasbildfenster der Stuttgarter Künstlerin Ina Hoßfeld. Die meisten<br />
wurden bei einem Bombenangriff 1943 zerstört – bis auf das Weihnachtsfenster und <strong>die</strong> Stillung des<br />
Seesturms.<br />
Aus dem Kreuzigungsfenster überstand nur <strong>die</strong> Gruppe der drei Frauen und des Johannes unter dem<br />
Kreuz den Krieg und fand 1964 ihren jetzigen Platz in der Südwand neben der Empore.<br />
Gegenüber ist das älteste Glasfenster mit vier Stifterwappen von Familien, <strong>die</strong> am Ende des 17.<br />
Jahrhunderts <strong>die</strong> notwendigen Renovierungen im 30jährigen Krieg und im dänisch-schwedischen Krieg<br />
um das Amt Trittau zum großen Teil finanziert haben.<br />
In der Nordwand des Chores ist das Ansgarfenster von 1937<br />
(Künstler unbekannt) nach dem Vorbild der bekannten Darstellungen<br />
des ersten Hamburger Bischofs,<br />
hier aber mit der <strong>Alt</strong>-<strong>Rahlstedter</strong> <strong>Kirche</strong> im Arm.<br />
Das Fenster mit der Darstellung der Taufe Jesu ist ein Werk<br />
des <strong>Rahlstedter</strong> Künstlers Guido Maschke (1884-1961)<br />
und wird von der Orgel verdeckt.<br />
Unsere Orgeln<br />
Die Orgel auf der Empore wurde 1969 im Zuge der gründlichen Renovierung der <strong>Kirche</strong> von der<br />
Orgelbaufirma Alfred Führer gebaut.<br />
Eher ungewöhnlich ist sie asymmetrisch auf der Empore im hinteren Teil der <strong>Kirche</strong> aufgestellt.<br />
Sie verfügt über 16 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.<br />
Quelle: https://www.orgelstadt-hamburg.de/interaktiver-stadtrundgang/kirche-alt-rahlstedt/<br />
Die Truhenorgel ist trotz des kompakten Gehäuses aus Eiche (Höhe 104 cm, Breite 120 cm, Tiefe 68 cm)<br />
eine vollwertige Pfeifenorgel mit allen Orgelteilen, <strong>die</strong> auch in einer großen Orgelgesamtübersicht<br />
stecken, nur eben alles auf engstem Raum.<br />
Sie hat drei Register: Holzgedackt 8’, Rohrflöte 4’ und Oktav 2’.<br />
Gebaut wurde sie 2022 von der Firma Kurt Quathamer Orgelbau<br />
in Bordesholm.
In <strong>die</strong>ser kleinen Orgel stecken etwa 500 Arbeitsstunden,<br />
in denen alles in Handarbeit hergestellt wurde.<br />
Im November 2022 erklang sie zum ersten Mal in unserer <strong>Kirche</strong>.<br />
Unsere <strong>Alt</strong>-<strong>Rahlstedter</strong> <strong>Kirche</strong> besitzt drei Glocken:<br />
eine Uhrschlagglocke außen am Turm und zwei große Glocken<br />
im Turmhelm für das Geläut.<br />
Die größere der beiden Turmglocken ist eine Rarität:<br />
Sie gilt als älteste der von Hamburger Glockengießern nach Stormarn gelieferten Glocken.<br />
Sie trägt <strong>die</strong> Inschrift:<br />
ANNO DM M.IIIIC.XC.IIII Do.makede:Meister.Harmen.Bonstede.desse.Klocken<br />
(Im Jahre des Herrn 1494 da machte Meister Harmen Bonstede <strong>die</strong>se Glocke).<br />
Sie wird als Betglocke beim VATER UNSER sieben Mal angeschlagen – für jede Bitte einmal.<br />
Warum sie <strong>die</strong> verschiedenen Kriege überlebt hat, bleibt eine Frage.<br />
Die andere große Glocke wurde am Erntedanktag 1955 geweiht.<br />
Sie ist aus Gussstahl und stammt aus dem Stahlwerk «Bochumer Verein».<br />
Sie hat außer ERNTEDANKFEST 1955 noch <strong>die</strong>se Inschrift:<br />
NUN PREISET ALLE GOTTES BARMHERZIGKEIT.<br />
Andere Glocken, <strong>die</strong> früher in unserem Turm hingen und zu den Gottes<strong>die</strong>nsten riefen, mussten in den<br />
Kriegen abgeliefert werden.<br />
Im 1. Weltkrieg z.B. eine aus dem Jahr 1580.<br />
Sie wurde 1930 <strong>durch</strong> eine andere Bronzeglocke ersetzt, <strong>die</strong> dann im<br />
2. Weltkrieg auch abgeliefert werden musste. Sie konnte ihren Ruf:<br />
LAND, LAND, HÖRE DES HERRN WORT – so ihre Inschrift –<br />
nicht lange erschallen lassen.<br />
Von der Uhrschlag-Glocke schreibt der Chronist: «Eine neue Schlagglocke wieder 1819».<br />
Technische Angaben zu den Glocken:<br />
Bronzeglocke 1494 Stahlglocke 1955<br />
Schlagton: f’ Schlagton: as’<br />
Durchmesser: 1,16 m Durchmesser: 1,05 m<br />
Gewicht: 930 kg Gewicht: 430 kg<br />
Peter Kriz; Horst Klöckner Juli 2011<br />
Überarbeitung/Ergänzung: Ulrike Frick/Ute Reincke Okt. 2022