4-2023
Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement
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FACHZEITSCHRIFT<br />
FÜR MEDIZIN-TECHNIK<br />
November SEPTEMBER/OKTOBER November-Dezember 4/<strong>2023</strong> JG. 16 1/2008<br />
meditronicjournal<br />
Wie entwickelt man<br />
das perfekte<br />
HMI-PCAP-Touchpanel?<br />
Schurter GmbH, S.6
Editorial<br />
„Dies ist kein Medizinprodukt“<br />
Diesen Satz lese ich immer wieder in Bedienungsanleitungen. Leute, das<br />
hilft Euch nicht. Wenn das Produkt dem Sinn nach ein Medizinprodukt ist<br />
– und da ist die „MDR Medical Device Regulation 2017/745 (EU)“ ziemlich<br />
eindeutig – dann ist es eben ein Medizinprodukt. Das sollte sich so langsam<br />
herumgesprochen haben.<br />
Tom Weber<br />
Geschäftsführer<br />
robologs Planungsgesellschaft mbH<br />
www.robolgos.com<br />
Wenn also etwas kein Medizinprodukt sein soll – weil man z. B. den<br />
Aufwand oder auch das Zeitbudget für die Zertifizierung scheut – dann muss<br />
man das Thema anders angehen. Denn ob eine Anwendung – nennen wir<br />
sie der Einfachheit halber einfach eine App – ein Medizinprodukt sein kann,<br />
hängt im Wesentlichen davon ab, ob sie „nur“ Daten sammelt und anzeigt.<br />
Damit sind wir aus dem Schneider.<br />
Wenn die App aber individuelle (personenbezogene) Daten auswertet um<br />
daraus Rückschlüsse und Empfehlungen abzuleiten, dann sind wir ganz<br />
nahe am Medizinprodukt dran. Die Norm sagt dazu, die Software „erfüllt<br />
allein oder in Kombination spezifische medizinische Zwecke“. Warum aber<br />
sind die miniaturisierten Smartphones, die wir am Handgelenk tragen, nicht<br />
als Medizingerät zertifiziert?<br />
Wir alle kennen den CE-Konformitätsprozess, bei dem der Hersteller<br />
selbst bescheinigt, dass sein Produkt mit den normativen Anforderungen<br />
übereinstimmt. So könnte also z. B. ein Hersteller seine EKG-App als Klasse-I-<br />
Medizinprodukt selbst klassifizieren – und zwar ohne die Messfunktion. Denn<br />
ein Medizinprodukt mit Messfunktion zieht zwingend die Zusammenarbeit<br />
mit einer Benannten Stelle (z. B. dem TÜV) nach sich.<br />
Der zweite Punkt: Die App darf nicht „untrennbar“ mit der fest installierten<br />
Betriebssoftware verbunden sein. Denn dann wäre es ja die Software eines<br />
Medizingeräts – und das gesamte Produkt müsste zertifiziert werden.<br />
Wenn sich also, um im Beispiel zu bleiben, die EKG-App, die als Klasse-I-<br />
Medizinprodukt (selbst-)zertifiziert ist, anstandslos löschen lässt – und<br />
zudem die Messdaten dafür aus einem System kommen, das selbst nicht<br />
zertifizierungspflichtig ist (siehe oben: das Sammeln von Daten) – dann kommt<br />
genau das heraus, was wir am Handgelenk tragen. Das mag dem einen<br />
oder anderen etwas gekünstelt vorkommen, ist aber nach MDR zulässig –<br />
eben solange Software und Gerät voneinander getrennt werden können.<br />
Was ich damit eigentlich sagen wollte: Von der Hardware war bis hierher<br />
nicht wirklich die Rede – oder? Je nachdem, wie die Software gestrickt ist,<br />
wird aus einem Gerät, das ein Embedded-System enthält, ein Medizinprodukt.<br />
Oder auch nicht. Dass mir also bitte keiner mehr mit der Frage um die<br />
Ecke kommt: Ist euer Single-Board-Computer auch MDR-zertifiziert? Die<br />
Anwendung entscheidet. Wie bei einem Messer. Das kann im Gourmet-<br />
Tempel liegen – oder als Beweismittel auf einem Richtertisch.<br />
Apropos: Die Konformität, welche der Hersteller selbst erklärt, kann<br />
grundsätzlich einer behördlichen Überprüfung unterzogen werden. Daher<br />
mein Tipp: Immer Aktennotizen anlegen und damit die Überlegungen<br />
dokumentieren.<br />
Tom Weber<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
3
Inhalt<br />
3 Editorial<br />
4 Inhalt/Impressum<br />
6 Titelstory<br />
9 Aktuelles<br />
10 Aus Forschung und Technik<br />
16 Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />
26 Künstliche Intelligenz<br />
28 EMV<br />
30 Virtueller Zwilling<br />
32 Supply Chain<br />
34 Cybersecurity<br />
36 Messtechnik<br />
41 Qualitätssicherung<br />
42 Bedienen und Visualisieren<br />
51 Software<br />
52 Komponenten<br />
64 Stromversorgung<br />
68 Verpacken/Kennzeichnen/Identifizieren<br />
69 Sensoren<br />
70 Produktion<br />
74 Lasertechnik<br />
76 Kommunikation<br />
78 Dienstleistung<br />
Fachzeitschrift für<br />
Medizin-Technik<br />
meditronicjournal<br />
November SEPTEBER/OKTOBER November-Dezember 4/<strong>2023</strong> JG. 14 1/2008<br />
FACHZEITSCHRIFT<br />
FÜR MEDIZIN-TECHNIK<br />
Wie entwickelt man<br />
das perfekte<br />
HMI-PCAP-Touchpanel?<br />
Schurter GmbH, S.6<br />
meditronicjournal<br />
Titelstory:<br />
Stromversorgung<br />
für mobile Geräte in der Medizin<br />
Warum der Wechsel auf leichte<br />
Hochleistungs-Akkus oft schwerfällt. 64<br />
Wie entwickelt man das<br />
perfekte HMI-PCAP-Touchpanel?<br />
Design Aspekte für die spezielle<br />
Anwendungslösung. 6<br />
■ Herausgeber und Verlag:<br />
beam-Verlag<br />
Krummbogen 14, 35039 Marburg<br />
www.beam-verlag.de<br />
Tel.: 06421/9614-0<br />
Fax: 06421/9614-23<br />
■ Redaktion:<br />
Dipl.-Ing. Christiane Erdmann<br />
redaktion@beam-verlag.de<br />
■ Anzeigen:<br />
Myrjam Weide, Tel.: 06421/9614-16<br />
m.weide@beam-verlag.de<br />
Sabine Tzschentke, Tel.: 06421/9614-11<br />
sabine.tzschentke@beam-verlag.de<br />
Tanja Meß, Tel.: 06421/9614-18<br />
tanja.mess@beam-verlag.de<br />
■ Erscheinungsweise:<br />
5 Hefte jährlich<br />
■ Satz und Reproduktionen:<br />
beam-Verlag<br />
■ Druck & Auslieferung:<br />
Bonifatius GmbH, Paderborn<br />
www.bonifatius.de<br />
Der beam-Verlag übernimmt trotz sorgsamer<br />
Prüfung der Texte durch die Redaktion<br />
keine Haftung für deren inhaltliche<br />
Richtigkeit. Alle Angaben im Einkaufsführer<br />
beruhen auf Kundenangaben!<br />
Handels- und Gebrauchsnamen, sowie<br />
Waren bezeichnungen und dergleichen<br />
werden in der Zeitschrift ohne Kennzeichnungen<br />
verwendet. Dies berechtigt nicht zu<br />
der Annahme, dass diese Namen im Sinne<br />
der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung<br />
als frei zu betrachten sind und<br />
von jedermann ohne Kennzeichnung verwendet<br />
werden dürfen.<br />
Einsatz von PCAP<br />
unter schwierigen<br />
EMV-Bedingungen<br />
Der Einsatz von Touch-Controllern<br />
im HF-Umfeld war aufgrund von<br />
Störstrahlung bisher nicht möglich.<br />
Neue unempfindlichere Touch-Controller<br />
schaffen hier Abhilfe. 42<br />
So gelingt<br />
Komponentenschutz<br />
Das richtige Verfahren,<br />
der richtige Steckverbinder. 58<br />
4 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Maßgeschneiderte Technologie<br />
für die Medizintechnik<br />
Industriekunden aus dem Bereich Medizintechnik bekommen<br />
heute für ihren innovativen Bedarf an Geräten, eine Vielzahl an<br />
Komponenten und Komplettlösungen die den Anforderungen<br />
der Medizintechnik entsprechen. 48<br />
Großes Potenzial für die Medizin<br />
In vielen Branchen ist der Einsatz eines virtuellen Zwillings<br />
fester Bestandteil des Arbeitsalltags. 30<br />
Medizinische Geräte<br />
und elektromagnetische Verträglichkeit<br />
Bei medizinischen Geräten spielt die elektromagnetische<br />
Verträglichkeit (EMV/EMC) eine besonders wichtige Rolle, da hier<br />
Leben und Gesundheit von Menschen betroffen sind. 28<br />
Embedded ARM-Module<br />
für die Medizingeräteentwicklung<br />
Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? 16<br />
Wie integrierte optische Empfänger<br />
Point-of-Care-Instrumente<br />
zukunftssicher machen<br />
In-vitro-Diagnosesysteme (IVD) beruhen auf optischen<br />
Empfängertechniken, um hochempfindliche und<br />
spezifische Ergebnisse zu erzielen. 52<br />
Fünf wichtige Aspekte bei<br />
vernetzten Medizingeräten<br />
Internetfähige medizinische Geräte und Apparate sind heute<br />
ein zentraler Bestandteil der Diagnose, Behandlung und<br />
Überwachung von Patienten. 76<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
5
Titelstory<br />
Wie entwickelt man<br />
das perfekte HMI-PCAP-Touchpanel?<br />
Design Aspekte für die spezielle Anwendungslösung<br />
Design von HMI-PCAP-Touchpanels<br />
PCAP-Controller<br />
Autor<br />
Roland Maurer<br />
Product Manager Input Systems<br />
SCHURTER GmbH<br />
info.de@schurter.com<br />
www.schurter.com<br />
HMI-Eingabesysteme für Maschinen, A nlagen<br />
und Geräte sind technisch komplex und ausgereift.<br />
Die Anforderungen an die Applikation<br />
und Technologien entwickeln sich jedoch<br />
ständig weiter. Für das PCAP-Touchpanel-<br />
Design stehen verschiedene Komponenten<br />
zum Aufbau und zur Integration zur Verfügung.<br />
Dabei spielt die Wahl des Frontglases,<br />
des PCAP- Sensors, des Displays, der Optical<br />
Bonding Technologie, der mechanischen Integration<br />
sowie Aspekte für die spezielle Anwendungslösung<br />
eine wichtige Rolle. Mit der richtigen<br />
Auswahl dieser Komponenten lässt sich<br />
ein optimal auf die Applikation abgestimmtes<br />
Eingabesystem entwickeln.<br />
Für das Design eines HMI-PCAP-Touchpanels<br />
spielen zahlreiche Aspekte für die<br />
spezielle Anwendungslösung eine Rolle. Zur<br />
optimalen Integration der Komponenten wie<br />
Touchscreens, Displays und Controller ist ein<br />
qualifiziertes Technologie-Portfolio entscheidend.<br />
Aber auch die einzelnen Prozessschritte<br />
zur Herstellung der Komplettlösungen wie Glasbedruckung,<br />
Lamination, Optical Bonding und<br />
Elektronik müssen darauf abgestimmt sein.<br />
Auswahl des Frontglases<br />
Bereits bei der Auswahl der Coverlens und<br />
deren Oberflächenbeschaffenheit gibt es verschiedene<br />
Optionen. Ist die Front aus Glas steht<br />
eine ganze Palette an Möglichkeiten bereit: klar<br />
(clear), entspiegelt (anti-glare), chemisch- oder<br />
thermisch-gehärtet, mit gloss-Werten in verschiedenen<br />
Abstufungen sowie mit zusätzlichen<br />
Beschichtungen wie AR (Anti-Reflexion),<br />
AS (Anti-Schmutz), AF (Anti-Fingerprint) oder<br />
Anti-Bakteriell.<br />
Die Auswahl der Oberflächenbeschaffenheit<br />
bei chemischer Entspiegelung (gloss-Wert) des<br />
Frontglases erfolgt in Kombination mit dem Display.<br />
Gerade bei hochauflösenden Displays<br />
besteht das Risiko des Sparkling-Effektes, wenn<br />
die chemische Struktur der Glasoberfläche nicht<br />
abgestimmt ist. Thermisch oder chemisch gehärtete<br />
Gläser sind um ein Vielfaches härter als<br />
Floatglas und besonders stabil gegen stumpfe<br />
Kraft einwirkung. Thermisch gehärtete Gläser<br />
sind jedoch nur ab einer bestimmten Glasdicke<br />
verfügbar. Verbundglas garantiert eine erhöhte<br />
Bruchsicherheit, da im Falle eines Bruchs die<br />
Glassplitter an der Klebe folie haften.<br />
6 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Titelstory<br />
Glasbedruckung<br />
Kratzfestigkeit und chemische<br />
Resistenz<br />
Bei allen Coatings spielt die Spezifikation der<br />
Kratzfestigkeit der Oberfläche und die Resistenz<br />
gegen chemisch aggressive Stoffe wie z. B.<br />
Desinfektionsmittel eine bedeutende Rolle. Ein<br />
hoher IK-Wert (Schlagfestigkeit) kann durch Verbundglas<br />
oder gehärtetes dickes Glas und eine<br />
geeignete Integration erreicht werden.<br />
In der Lebensmittelproduktion und bei tragbaren<br />
Geräten wird häufig eine Coverlens aus<br />
Kunststoff, PC (Polycarbonat) oder PMMA (Polymethylmethacrylat),<br />
eingesetzt. Zur Erfüllung<br />
absoluter Bruchfestigkeit kommt POLYM, ein<br />
unzerbrechliches Komposit aus PC und PMMA<br />
zum Einsatz. Ein Vorteil der Kunststoff-Front<br />
ist das reduzierte Gewicht und die garantierte<br />
Splitter freiheit. Zu beachten ist jedoch der Ausgasungseffekt<br />
dieser hydroaktiven Materialien<br />
und die reduzierte Kratzfestigkeit der Ober fläche.<br />
Das POLYM Material lässt sich nur durch feste<br />
Kombination mit dem Display mittels Optical<br />
Bonding einsetzen.<br />
Glasbedruckung<br />
Bei der Glasbedruckung gibt es unterschiedliche<br />
Verfahren: UV-Druck, Keramischer Druck,<br />
Lösemittel-basiert und Digitaldruck, die eingesetzt<br />
werden können. Jedes Verfahren hat gewisse<br />
Vor- und Nachteile, die den Anforderungen an<br />
die Applikation gerecht werden müssen.<br />
• UV-Druck:<br />
Die UV-Bedruckung ermöglicht eine hohe Druckqualität<br />
und Detailtreue gerade bei dünnen und<br />
schmalen Konturen. Es ist eine hohe Lichtdichtigkeit<br />
und Haftfestigkeit zu erzielen. Auch<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
eine zuverlässige Reproduzierbarkeit der Farbe<br />
und die UV-Beständigkeit sind Vorteile. Durch<br />
eine spezielle Vorbehandlung der Glasoberfläche<br />
lässt sich eine extrem starke Farbhaftigkeit<br />
realisieren. Auf den Druck können somit<br />
durch Verklebung mechanische Verbindungen<br />
aufgebracht werden.<br />
Ein Nachteil im Vergleich zur keramischen<br />
Be druckung ist die Kratzfestigkeit. Durch die<br />
rückseitige Bedruckung und entsprechende Integration<br />
ist der Druck jedoch davor geschützt.<br />
• Keramischer Druck:<br />
Der wesentliche Vorteil der keramischen Bedruckung<br />
ist die absolute chemische Beständigkeit<br />
und die mechanische Stabilität. Der Nachteil ist<br />
eine reduzierte Farbauswahl, mögliche Farbveränderungen<br />
während des Einbrennvorgang<br />
und somit eine Streuung der Farbechtheit. Bei<br />
Mehrfarbenbedruckung besteht das Risiko von<br />
Unebenheiten.<br />
• Lösemittelbasierter Druck:<br />
Mit dieser Methode lässt sich eine hohe Druckqualität<br />
und Detailtreue sowie zuverlässige Reproduzierbarkeit<br />
der Farbe erreichen. Jedoch werden<br />
nur eine reduzierte Haftung sowie eine eingeschränkte<br />
UV-Beständigkeit und chemische<br />
Beständigkeit erreicht.<br />
• Digitaldruck:<br />
Digitaldruck ermöglicht eine hochauflösende<br />
fotorealistische Bedruckung. Das Verfahren ist<br />
ideal für eine schnelle Bemusterung. Nachteil<br />
des Digitaldrucks ist die höhere Schichtdicke und<br />
eine reduzierte Beständigkeit. Zur Erhöhung der<br />
Lichtdichtheit werden digitalbedruckte Gläser<br />
zusätzlich im Siebdruck bearbeitet.<br />
PCAP-Sensoren<br />
Bezüglich der PCAP-Sensoren gibt es AFF<br />
(adhesive-film-film) basierende und DITO-Glas<br />
(Doppel-ITO-Beschichtung) basierende Ausführungen.<br />
Bei beiden Varianten gibt es eine reine<br />
Anschlussfahne, die zu einem separaten Controllerboard<br />
führt oder eine COF (Chip on Flex)<br />
Ausführung mit dem bestückten Controller-Chip<br />
auf der Anschlussfahne. Der Vorteil der folienbasierenden<br />
Sensoren ist die einfache Lamination<br />
mittels hochtransparenten Klebefilmen im<br />
Vergleich zu der glasbasierenden Variante, die<br />
mit der starren Coverlens gebondet wird. Mit den<br />
Filmsensoren sind spezielle Musterdesigns für<br />
bis zu 10 mm dicke Frontgläser realisierbar. Bei<br />
der glasbasierende Variante ist ein wesentlicher<br />
Vorteil der geringe ITO-Flächenwiderstand. d. h.<br />
eine leichter zu realisierende EMV-Beständigkeit<br />
und eine verbesserte Lichtdurchlässigkeit.<br />
Für Applikationen im Outdoor-Bereich werden<br />
filmbasierende Sensoren mit einem UV-Blocker<br />
OCA-Material hinter die Coverlens laminiert.<br />
Dieser UV-Blocker verhindert eine Ver gilbung<br />
der Polyesterlagen über die Lebensdauer. Bei<br />
glasbasierenden Sensoren wird ein UV- stabiles<br />
Bondingmaterial eingesetzt.<br />
PCAP-Controller<br />
Bei den PCAP-Controllern stehen zahlreiche<br />
Chip-Varianten und Ausführungen verschiedener<br />
Hersteller wie z. B. PenMount, EETI, Ilitek<br />
oder Microchip zur Verfügung. Zur Auswahl der<br />
optimalen Elektronik wird die Spezifikation und<br />
das Umfeld der Applikation betrachtet.<br />
Für Industrie und Medizin-Applikationen kommen<br />
zertifizierte Controllersysteme zum Einsatz.<br />
Neben Plug&Play Lösungen werden auch<br />
kundenspezifisch programmierbare Controller,<br />
die optimal an die Applikation getunt werden,<br />
eingesetzt. Im Vordergrund stehen die EMV-<br />
Kompatibilität, die Resistenz gegenüber Wasser<br />
und Salzwasser auf der Touch-Oberfläche und<br />
die Bedienbarkeit mit sehr dicken Handschuhen.<br />
PCAP-Sensoren können größer als die aktive<br />
Bildschirmfläche designt werden, um virtuelle<br />
Tasten, Slider und Wheels über das gleiche<br />
Controllersystem zu integrieren.<br />
Displays<br />
Die Auswahl des passenden Displays erfolgt<br />
anhand den Applikationsanforderungen. Das<br />
Display wird aus einem großen Hersteller-Portfolio<br />
passend ausgewählt. Anforderungen an<br />
industrie- und medizintaugliche Displays sind<br />
der erweiterte Temperaturbereich, eine erweiterte<br />
Lebensdauer des Backlights, die Einsatzmöglichkeit<br />
in rauen Umgebungen und der für<br />
die Applikation optimale Betrachtungswinkel.<br />
Das Design der mechanischen Integration ermöglicht<br />
einen einfachen Displayaustausch bei<br />
möglichen Abkündigungen. Auch die Lieferzeiten,<br />
die Verfügbarkeit und die Qualifikation einer<br />
2nd Source werden bereits in einem frühen Projektstadium<br />
berücksichtigt.<br />
7
Titelstory<br />
Optical Bonding von Displays<br />
Optical Bonding<br />
Die richtige Auswahl der am besten geeigneten<br />
Bonding-Technologie für die Anwendung<br />
erfolgt anhand der Applikationsanforderungen<br />
und Kombination der einzelnen Komponenten.<br />
Bestimmende Faktoren sind dabei die<br />
spezifizierten Umwelteinflüsse, die Displayform<br />
und Diagonale sowie die Definition der PCAP-<br />
Sensor technologie.<br />
Optical Bonding hat sich in Industrie und Medizin<br />
etabliert und ist eine technisch ausgereifte<br />
Methode der HMI-Display-Optimierung. Mittels<br />
unterschiedlicher Verbindungstechnologien werden<br />
Covergläser mit Touchsensoren und Displays<br />
zu einer Einheit gebondet.<br />
Durch das Optical Bonding von Displays werden<br />
die optischen und mechanischen Leistungsmerkmale<br />
von Eingabesystemen für die Applikation<br />
entscheidend verbessert und optimiert.<br />
Die Vorteile sind eine hervorragende Lesbarkeit,<br />
reduzierte Reflexionen, eine erhöhte Robustheit,<br />
keine Kondensation, Dichtheit gegen Staub- und<br />
Schmutzpartikel, eine qualifizierte UV-Stabilität<br />
und eine verbesserte Touch-Performance. Zum<br />
Bonding von Displays stehen mehrere Technologien<br />
zur Auswahl: Dry Optical Bonding (Trockenbonding),<br />
Liquid Optical Bonding (LOCA) und<br />
Air Gap Bonding. Optical Bonding ist für Applikationen<br />
mit hohen Anforderungen und herausfordernden<br />
Einsatzgebieten die optimale Lösung.<br />
Mechanische Konstruktion<br />
Bei der mechanischen Konstruktion der HMI-<br />
Anwendung gibt es verschiedene Möglichkeiten,<br />
die je nach Applikation geeignet sind. Die<br />
Glaskante sollte vertieft in einer Trägerplatte<br />
oder einem Gehäuserahmen geschützt sein.<br />
Die Coverlens wird mit einem stark haftenden<br />
Klebe rahmen in das Gehäuse oder die Trägerplatte<br />
integriert. Zur Abdichtung als Schutz der<br />
Glasbedruckung wird der Spalt zwischen Glas<br />
und Trägerplatte mit einem Dicht material gefüllt.<br />
Bei der Integration mit sichtbarem Spaltverguss<br />
stehen Füllmaterialien mit einer begrenzten Farbauswahl<br />
zur Verfügung. Das Design berücksichtigt<br />
thermische Ausdehnungen der Komponenten<br />
und garantiert die chemische Beständigkeit. ◄<br />
Die Schurter Gruppe<br />
Die SCHURTER Gruppe ist als Schweizer<br />
Technologieunternehmen für sichere<br />
Stromzuführung, einfache Bedienung und<br />
anspruchsvolle Gesamtlösungen weltweit<br />
erfolgreich tätig. SCHURTER ist führend<br />
als Innovator, Produzent und Anbieter von<br />
Komponenten für den Geräteschutz sowie<br />
von Geräteverbindungen, Schaltern und<br />
EMV-Produkten. In enger Zusammenarbeit<br />
mit den Kunden werden Eingabesysteme<br />
entwickelt und produziert. Darüber<br />
hinaus bietet SCHURTER für die Elektronikindustrie<br />
auch Dienstleistungen im<br />
Bereich der Leiterplattenbestückung an.<br />
Der Geschäftsbereich Solutions begleitet<br />
Gesamtlösungen von der Projektierung bis<br />
zur Fertigung von Endprodukten.<br />
Die Vorteile der PCAP-Touchpanels<br />
von SCHURTER:<br />
• Von der Entwicklung bis zur Produktion<br />
in eigenen Produktionsstätten<br />
• Interne Experten für Entwicklung, Konstruktion,<br />
Elektronik- und Firmware-Anpassung<br />
• EMV-Konformität für Industrie und Medizin<br />
• Wasser- / Salzwasserbeständig<br />
• Kann mit Handschuhen bedient werden<br />
• Multi-Touch 1-10 Finger<br />
• Optical Bonding<br />
• Umfangreiches Qualifikationslabor,<br />
interne EMV-Prüfmöglichkeiten<br />
Aufbau eines HMI-PCAP-Eingabesystems<br />
8 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Eine kleine Weltsensation<br />
Erster NFC-RFID-LoRa-Button auf dem Markt<br />
Aktuelles<br />
Für die Konfiguration steht eine<br />
eigene Konfigurations-Website zur<br />
Verfügung: Über ein Dashboard können<br />
die eingestellten Werte jederzeit,<br />
bequem und von jedem Ort aus<br />
digital verändert werden.<br />
Konfiguration<br />
Für die Konfiguration steht eine<br />
eigene Konfigurations-Website zur<br />
Verfügung: Über ein Dashboard können<br />
die eingestellten Werte jederzeit,<br />
bequem und von jedem Ort aus<br />
digital verändert werden.<br />
m2mGermany bringt den, nach<br />
Kundenangaben, weltweit ersten<br />
NFC-RFID-LoRa-Button von<br />
Mutelcor auf den Markt.<br />
Der NFC-RFID-LoRa-Button ist<br />
mehr als nur ein Button, denn mit<br />
dem neu entwickelten Gerät von<br />
Mutelcor steht dem Markt ein NFC-<br />
RFID-Lesegerät mit Button-Funktion<br />
für vielfältige Anwendungen<br />
zur Verfügung.<br />
Der neue Mutelcor NFC-RFID-<br />
LoRa-Button kombiniert kontaktlose<br />
NFC-Identifikation mit innovativer<br />
LoRa-Technologie. Die IoT-<br />
Lösung bietet den Mitarbeitern eine<br />
schnell einsetzbare, intelligente und<br />
smarte Möglichkeit, sich am jeweiligen<br />
Einsatzort eindeutig zu identifizieren<br />
und gleichzeitig LoRa-<br />
Nachrichten in Echtzeit zu senden.<br />
m2m Germany GmbH<br />
info@m2mgermany.de<br />
www.m2mgermany.de<br />
Doppelfunktion:<br />
Identifizieren und Senden<br />
Die Doppelfunktion des Mutelcor<br />
NFC-RFID-LoRa-Buttons ermöglicht<br />
sowohl die kontaktlose Identifikation<br />
der Nutzer über NFC/RFID<br />
als auch das Senden einer Uplink-<br />
Nachricht über LoRaWAN durch<br />
Drücken des Buttons. Wenn eine<br />
einfache Quittierung oder Alarmierung<br />
über den Taster nicht ausreicht,<br />
sondern auch eine eindeutige Identifikation<br />
der Person, die den Taster<br />
betätigt hat, erforderlich ist, dann ist<br />
der Mutelcor NF-RFID-LoRa- Button<br />
die richtige Wahl.<br />
Ein Button -<br />
viele Möglichkeiten<br />
Die Einsatzmöglichkeiten sind<br />
vielfältig – an erster Stelle stehen<br />
Anwendungen, die eine Identifikation<br />
erfordern. Die Geräte eignen<br />
sich vor allem für Pflege- und Reinigungspersonal,<br />
Sicherheitsdienste,<br />
Dienstleistungen aller Art, Einlasskontrollen,<br />
Zutrittsregelungen, Informationsmeldungen<br />
aller Art und<br />
vieles mehr. Der Mutelcor NFC-<br />
RFID-LoRa-Button kann aber auch<br />
für personalisierte Übergaben oder<br />
Hol- und Bringdienste eingesetzt<br />
werden. Ebenso kann der Button<br />
als Patientenruf eingesetzt werden<br />
und über einen aktivierten NFC/RFID<br />
Reader kann dann zusätzlich vom<br />
Pflege personal die Versorgung<br />
des Patienten bestätigt werden.<br />
Mit dem MTC-EU-NFC können die<br />
es senziellen W’s erfasst werden:<br />
Wer, Wann und Wo.<br />
Auch Museen, Bildungseinrichtungen<br />
oder Hotels und Restaurants<br />
können effektive Einsatzfelder für<br />
den neuen Button sein. Letztendlich<br />
bestimmt die Anwendung, welcher<br />
Button sinnvoll ist und eingesetzt<br />
werden sollte. Das Neue am MTC-<br />
EU-NFC ist jedoch, dass eine klare<br />
Identifikation sowie eine Quittierung<br />
möglich sind.<br />
Absolut sicher<br />
Die einzelnen Geräte haben eine<br />
Batterielaufzeit von bis zu 5 Jahren,<br />
sind staub- und wasserdicht (IP67),<br />
können sowohl im Innen- als auch<br />
im Außenbereich eingesetzt werden<br />
und versenden regelmäßig<br />
eine Statusmeldung mit ihrem Batteriestatus.<br />
Aufgrund der verwendeten<br />
LoRa-Technologie erfolgt die<br />
Daten übertragung verschlüsselt und<br />
sicher. Der Mutelcor NFC-RFID-<br />
LoRa- Button signalisiert durch<br />
einen Piepton die lokale Bestätigung<br />
beim Knopfdrücken, wodurch<br />
etwaige Fehlauslesungen minimiert<br />
werden können<br />
Zwei Varianten<br />
Darüber hinaus wird der NFC-<br />
RFID-LoRa-Button in zwei Varianten<br />
– mit einem oder mit zwei Knöpfen<br />
– angeboten. So kann je nach Einsatzart<br />
über das Melden hinaus auch<br />
eine Quittierung oder ein anderes<br />
Ereignis registriert werden.<br />
Die wichtigsten Funktionen<br />
• NFC-RFID-Tag auf Knopfdruck<br />
auslesen<br />
• Mehr als 5 Jahre Batterielaufzeit<br />
(2x AA-Lithium Batterien)<br />
• Staub- und Wasserdicht (IP67)<br />
• Stündliche Statusnachrichten<br />
mit Batteriestand<br />
• Verschlüsselte Datenübertragung<br />
zwischen Gerät,<br />
Anwendung und Kunde<br />
• Piepton zur lokalen Bestätigung<br />
des Knopfdrucks<br />
Technische Daten<br />
• Maße:180 x 80 x 48 mm<br />
• Nettogewicht: 350 g<br />
• IP-Schutzart: IP67<br />
• Betriebstemperatur: -18 bis +55 °C<br />
• Sendeleistung: 3 V<br />
(2x AA-Lithium Batterien)<br />
• Batterie-Lebensdauer: 5 Jahre<br />
• LoRa Frequenz:<br />
EU863-870 (CE-zertifiziert)<br />
• OTAA und ADR:konform<br />
• Unterstützt SF: 7 – 12<br />
• Sendeleistung: 14 dBm<br />
Made in Germany<br />
Entwickelt wurde der Button von<br />
unserem Partner Mutelcor. Das Duisburger<br />
IT-Unternehmen hat sich auf<br />
die Entwicklung digitalisierter IoT-<br />
Lösungen und LoRa-Geräte spezialisiert.<br />
Die LoRa-Hardware und -Sensoren<br />
werden in Deutschland entwickelt<br />
und sind weltweit im Einsatz.<br />
Bei den Lösungen von Mutelcor,<br />
handelt es sich überwiegend um<br />
Sensorik für unterschiedlichste<br />
Anwendungen: vom Panik-Knopf,<br />
über Raumklimaüberwachung bis<br />
hin zur Schachtüberwachung und<br />
Feedbackabfrage bei Kunden. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
9
Aus Forschung und Technik<br />
Elektroden falten sich selbst<br />
und stimulieren feine Nerven<br />
4D-Druck für die Nervenstimulation<br />
Mit Hilfe von Laserpulsen wird die aufgedampfte Goldschicht in leitfähige Bahnen strukturiert.<br />
Alle Bilder © Andreas Heddergott / TUM<br />
Autor:<br />
Prof. Dr. Bernhard Wolfrum<br />
Professur für Neuroelektronik<br />
Technische Universität München<br />
www.tum.de<br />
Manche Nerven können künstlich<br />
stimuliert werden, zum Beispiel<br />
um Schmerzen zu behandeln. Je<br />
feiner der Nerv, desto schwieriger<br />
ist es, die dafür nötigen Elektroden<br />
anzubringen. Forschende der Technischen<br />
Universität München (TUM)<br />
und von NTT Research haben nun<br />
flexible Elektroden entwickelt, die<br />
sie per 4D-Druck herstellen können.<br />
Bei Kontakt mit Feuchtigkeit falten<br />
sich diese von selbst und wickeln<br />
sich um dünne Nerven.<br />
Nervenzellen künstlich<br />
stimulieren<br />
Das Nervensystem steuert unsere<br />
Bewegungen durch elektrische<br />
Impulse. Sie werden von Nervenzelle<br />
zu Nervenzelle weitergegeben,<br />
bis schließlich beispielsweise eine<br />
Muskelkontraktion ausgelöst wird.<br />
Nervenzellen lassen sich jedoch<br />
auch künstlich stimulieren. Dafür<br />
werden Nerven über angelegte oder<br />
implantierte Elektroden mit Stromimpulsen<br />
angeregt. Eingesetzt wird<br />
die sogenannte periphere Nervenstimulation<br />
beispielsweise, um chronische<br />
Schmerzen oder Schlafapnoe<br />
zu behandeln. Auch bei Depressionen<br />
und Epilepsie gibt es bereits<br />
klinische Anwendungen, bei denen<br />
der Vagusnerv stimuliert wird. Dieser<br />
ist mit einem Durchmesser von<br />
mehreren Millimetern verhältnismäßig<br />
dick.<br />
Schwieriger wird die Stimulation<br />
bei haarfeinen Nerven mit zehn bis<br />
zu mehreren hunderten Mikrometern,<br />
da hier auch die Elektroden<br />
entsprechend fein und präzise hergestellt<br />
werden müssen. Auch das<br />
Einsetzen und Anbringen der Elektrode<br />
am Nerv ist im Mikrometerbereich<br />
komplizierter.<br />
4D-Druck ermöglicht<br />
verschiedene Formen<br />
Formen sich 3D-gedruckte<br />
Objekte nachträglich gezielt um,<br />
zum Beispiel durch Feuchtigkeit oder<br />
Wärme, nennt man das 4D-Druck.<br />
Forschende der TUM und des<br />
Medical & Health Informatics (MEI)<br />
Lab von NTT Research haben nun<br />
4D-gedruckte Elektroden entwickelt,<br />
die sich beim Einsetzen ins feuchte<br />
Körpergewebe von selbst um die<br />
hauchdünnen Nerven schließen.<br />
Die Elektrode wird zunächst per<br />
3D-Druck gefertigt. Dadurch können<br />
Form, Durchmesser und weitere<br />
Merkmale flexibel justiert werden.<br />
Die äußere Seite der Elektrode<br />
besteht aus einem biokompatiblen<br />
Hydrogel, das bei Kontakt mit Feuchtigkeit<br />
anschwillt. Das Material auf<br />
der Innenseite ist flexibel, schwillt<br />
jedoch nicht mit an. Durch diesen<br />
Aufbau schließen sich die Elektroden<br />
bei Feuchtigkeit von selbst ringförmig<br />
um die Nerven.<br />
Die strukturierte Titan-Goldbeschichtung<br />
auf der Innenseite<br />
der Elektroden überträgt die elektrischen<br />
Signale zwischen Elektroden<br />
und Nervenfasern. „Durch<br />
den engen Kontakt zwischen den<br />
gefalteten Manschetten und den<br />
Nerven können wir mit den Elektroden<br />
sowohl Nerven stimulieren,<br />
als auch Nerven signale messen“,<br />
sagt Bernhard Wolfrum, Professor<br />
für Neuroelektronik am Munich<br />
Institute of Biomedical Engineering<br />
(MIBE) der TUM und Leiter der Studie.<br />
Dies erweitert die Möglichkeiten<br />
für potentielle Einsatzbereiche.<br />
Selektivere Stimulation<br />
Für die neuen Elektroden sind<br />
zukünftig verschiedene biomedizinische<br />
Anwendungen denkbar, so<br />
zum Beispiel eine Verbesserung<br />
von Implantaten für Schlafapnoe.<br />
Leiden Patienten an Schlafapnoe,<br />
fällt die Zunge nach hinten Richtung<br />
Rachen und verschließt kurzzeitig<br />
die Atemwege. Stimuliert man die<br />
Muskeln, die die Zunge nach vorne<br />
• Forschende haben sehr feine, flexible Elektroden hergestellt<br />
• Die Elektroden wickeln sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit von<br />
selbst um dünne Nerven<br />
• Die Nervenstimulation mit den faltbaren Elektroden wurde<br />
erfolgreich in Insekten demonstriert<br />
10 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Aus Forschung und Technik<br />
Forschende haben Elektroden entwickelt, die sich bei Kontakt mit<br />
Feuchtigkeit von selbst falten und um dünne Nerven wickeln. Bei der<br />
Herstellung wird für die leitfähigen Strukturen unter Hochvakuum eine<br />
dünne Lage Gold auf das 3D-gedruckte Gerüst aufgebracht.<br />
Für die leitfähigen Strukturen wird unter Hochvakuum eine dünne Lage<br />
Gold auf das 3D gedruckte Substrat aufgebracht.<br />
ziehen, lässt sich das Problem beheben.<br />
„Aktuell ist es jedoch schwierig,<br />
selektiv nur die Muskeln zu stimulieren,<br />
die die Zunge nach vorne bewegen.<br />
Hier könnten die flexiblen Elektroden<br />
ansetzen und zukünftig eine<br />
Möglichkeit bieten, Nerven selektiver<br />
zu stimulieren“, sagt Professor<br />
Clemens Heiser, leitender Oberarzt<br />
an der Klinik und Poliklinik für<br />
Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde<br />
des Universitätsklinikums rechts der<br />
Isar der TUM.<br />
Die selbstfaltenden Elektroden<br />
sind einfach zu handhaben<br />
und robust. Das Forschungsteam<br />
konnte ihren Einsatz bereits<br />
in Heu schrecken demonstrieren,<br />
bei denen feine Nerven mit einem<br />
Durch messer von 100 Mikrometern<br />
ummantelt wurden, ohne die Nerven<br />
zu beschädigen. So konnten<br />
die Wissenschaftler Muskeln gezielt<br />
stimulieren. Aktuell noch im Grundlagenstadium,<br />
könnten die Elektroden<br />
zukünftig ein wichtiges Mittel<br />
sein, um die periphere Nervenstimulation<br />
in die breitere klinische<br />
Anwendung zu bringen.<br />
Publikation:<br />
Lukas Hiendlmeier, Francisco<br />
Zurita, Jonas Vogel, Fulvia Del<br />
Duca, George Al Boustani, Hu Peng,<br />
Inola Kopic, Marta Nikić, Tetsuhiko<br />
F. Teshima, Bernhard Wolfrum:<br />
4D-Printed Soft and Stretchable<br />
Self-Folding Cuff Electrodes for<br />
Small-Nerve Interfacing, Advanced<br />
Materials (<strong>2023</strong>), DOI: https://<br />
doi.org/10.1002/adma.202210206<br />
Weitere Informationen:<br />
• Prof. Bernhard Wolfrum forscht<br />
am Munich Institute of Biomedical<br />
Engineering (MIBE), einem<br />
Integrativen Forschungsinstitut<br />
der TUM. Am MIBE entwickeln<br />
und verbessern Forschende<br />
aus der Medizin, den Natur- und<br />
Ingenieurwissenschaften und<br />
der Informatik gemeinsam Verfahren<br />
zur Prävention, Diagnose<br />
und Behandlung von Krankheiten.<br />
Die Aktivitäten reichen dabei<br />
von der Untersuchung grundlegender<br />
wissenschaftlicher Prinzipien<br />
bis zu deren Anwendung<br />
in medizinischen Geräten, Medikamenten<br />
oder Computerprogrammen.<br />
https://www.bioengineering.tum.de/<br />
• Die Arbeit ist in Zusammenarbeit<br />
mit dem MEI Lab von NTT<br />
Research, Inc., einem Unternehmensbereich<br />
von NTT, entstanden.<br />
• Die Arbeit ist Teil eines Projekts<br />
des TUM Innovation Networks<br />
NEUROTECH. In den TUM Innovation<br />
Networks arbeiten Forschende<br />
fachübergreifend eng<br />
zusammen, um neue Forschungsgebiete<br />
zu erschließen und frühzeitig<br />
künftige Innovationsschwerpunkte<br />
zu formen.<br />
• Die Arbeit wurde auch gefördert<br />
vom Munich Multiscale Biofabrication<br />
Network, das Teil des ONE<br />
MUNICH Strategy Forums ist, in<br />
dem TUM und LMU gemeinsame<br />
Initiativen zu großen Zukunftsfragen<br />
und -feldern identifizieren<br />
und fördern. Das ONE<br />
MUNICH Strategy Forum wird<br />
unterstützt durch die Hightech<br />
Agenda Bayern.<br />
• Das ONE MUNICH Strategy<br />
Forum und die TUM Innovation<br />
Networks werden gefördert vom<br />
Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung (BMBF) und dem<br />
Freistaat Bayern im Rahmen der<br />
Exzellenzstrategie von Bund und<br />
Ländern. Video: https://youtu.be/<br />
CULY2ec7Oqc ◄<br />
Bernhard Wolfrum, Professor für Neuroelektronik an der TUM<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Am Mikroskop: Prof. Dr. Bernhard Wolfrum, Professur für Neuroelektronik.<br />
Hinten: Lukas Hiendlmeier, der im Rahmen seiner Doktorarbeit dazu forscht.<br />
11
Aus Forschung und Technik<br />
Präzisionserkennung<br />
Automatisches Pollenüberwachungssystem<br />
Die Helmut Hund Gmbh hat fortschrittliche Algorithmen des maschinellen Lernens eingesetzt,<br />
um die Erkennungsleistung seines automatischen Pollenüberwachungssystems zu steigern<br />
Bild 1: Auf dem Dach der Universität Augsburg ist seit 2017 ein POMO im Einsatz<br />
Helmut Hund GmbH<br />
info@hund.de<br />
www.hund.de<br />
Im Dezember 2022 veröffentlichte<br />
ein Konsortium mehrerer<br />
aerobiologischer und meteorologischer<br />
Forschungseinrichtungen<br />
einen Artikel, in dem neun automatische<br />
Pollenmonitore mit klassischen<br />
Hirst-Fallen verglichen wurden.<br />
Das Projekt wurde gemeinsam<br />
vom Eumetnet AutoPollen-<br />
Programm und der Europäischen<br />
Aktion für wissenschaftliche und<br />
technologische Zusammenarbeit<br />
(COST) „New Approaches in Detection<br />
of Pathogens and Aeroallergens“<br />
(ADOPT) organisiert. Es wurde zwischen<br />
März und Juli 2021 in München<br />
durchgeführt.<br />
Von den getesteten Geräten<br />
erwies sich das POMO-System von<br />
HUND Wetzlar als eines der zuverlässigsten<br />
Überwachungsgeräte. Es<br />
lieferte hervorragende Ergebnisse<br />
im Vergleich zur manuellen Auswertung<br />
von Hirst-Fallen, die parallel zu<br />
den Geräten betrieben wurden. Das<br />
Ergebnis ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit<br />
des POMO BAA500,<br />
fast 20 Jahre nachdem das deutsche<br />
Pionierunternehmen Helmut<br />
Hund GmbH mit der Entwicklung<br />
von automatischen Pollenmessgeräten<br />
begonnen hat. Ziel war es,<br />
die übliche manuelle Methode, die<br />
auf Pollenfallen vom Typ Hirst und<br />
anschließender mikroskopischer<br />
Ablesung beruht, durch eine objektivere<br />
Technologie mit hoher Genauigkeit<br />
und Reproduzierbarkeit<br />
zu ersetzen. Heutzutage werden<br />
immer mehr dieser Geräte in ganz<br />
Europa installiert und beweisen ihre<br />
Zuverlässigkeit und Genauigkeit bei<br />
der Differenzierung und Zählung<br />
von allergenen und anderen Pollen.<br />
Hochentwickelte optische<br />
Technologie<br />
Das Herzstück des POMO ist<br />
eine hochentwickelte optische Technologie<br />
mit digitaler Bilderfassung<br />
und -erkennung. Der POMO saugt<br />
Umgebungsluft für die Proben an,<br />
extrahiert feste Bestandteile, analysiert<br />
die darin enthaltenen Pollenarten<br />
und bestimmt deren jeweilige<br />
Konzentration mittels digitaler<br />
optischer Mikroskopie. Dabei ist der<br />
BAA500 nicht nur äußerst präzise,<br />
sondern auch schnell. Mit den fortschrittlichen<br />
Algorithmen und der<br />
Rechenleistung des Systems kann<br />
der Benutzer das Mess intervall und<br />
die Datenanalyse des BAA500<br />
definieren. Die Messzeit kann im<br />
Bereich von 1 bis 24 Stunden ausgewählt<br />
werden.<br />
Künstliche Intelligenz<br />
Der ursprüngliche Bilderkennungsansatz<br />
war bereits in der<br />
Lage, verschiedene Pollenarten mit<br />
hoher Genauigkeit zu unterscheiden.<br />
Dennoch basierte es auf klassischen,<br />
merkmalsbasierten Techniken<br />
des maschinellen Lernens,<br />
die eine individuelle Auswahl und<br />
Anpassung dieser Merkmale erforderten.<br />
Dies erwies sich als recht<br />
unflexibel, insbesondere wenn es<br />
darum ging, den Erkennungsalgorithmen<br />
neue Arten hinzuzufügen.<br />
HUND Wetzlar hat eine Software<br />
entwickelt, die auf Techniken der<br />
künstlichen Intelligenz (KI) basiert,<br />
genauer gesagt auf einem Deep-<br />
Learning-Modell in Convolutional<br />
Neural Networks (CNN), genannt<br />
PomoAI. Dieses Modell ermöglicht<br />
auch die Segmentierung und<br />
Klassifizierung von Pilzsporen wie<br />
Alternaria und Cladosporium. Es<br />
können einfach Messverfahren für<br />
neue Arten ergänzt und die Allgorithmen<br />
daraufhin trainiert werden.<br />
Präzise Ergebnisse<br />
basierend auf einer<br />
einzigartigen Datenbank<br />
Bei Pollenbildern, die in mehr als<br />
20 Pollensaisons gesammelt wurden,<br />
führten kontinuierliche Verbes-<br />
Das eingesetzte Deep-Learning-Modell wurde von der<br />
Helmut Hund GmbH an 40 unterschiedlichen Pollenklassen<br />
mit jeweils Tausenden von Proben getestet.<br />
12 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Aus Forschung und Technik<br />
Bild 2: Rückansicht des Auswertungs- und Analysemoduls der Pollenmessgeräte BAA500e und BAA502<br />
serungen der Segmentierungs- und<br />
Klassifizierungsalgorithmen bei der<br />
Anwendung auf die Referenzdatenbank<br />
zu überzeugenden Ergebnissen.<br />
Das verwendete Deep-Learning-Modell<br />
wurde von HUND Wetzlar<br />
an 40 verschiedenen Pollenklassen<br />
mit jeweils Tausenden von Proben<br />
getestet. Diese Proben stammen<br />
aus der bestehenden Referenzdatenbank<br />
des POMO. Diese<br />
Datenbank ist absolut einzigartig<br />
und eine der größten Cloud-Datenbanken<br />
im Bereich Pollenüberwachung<br />
weltweit. Darüber hinaus liefern<br />
die BAA500e und BAA502 nicht<br />
nur reine Pollenzählungen, sondern<br />
ermöglichen auch eine Qualitätskontrolle<br />
der Ergebnisse zu einem<br />
späteren Zeitpunkt, auch nach mehreren<br />
Jahren – beispielsweise zur<br />
Analyse des Klimawandels.<br />
Benutzer können nicht nur archivierte<br />
Probenträger unter einem<br />
Standard-Lichtmikroskop erneut<br />
untersuchen, sondern auch die im<br />
System gespeicherten Bilder auswerten<br />
und beschriften. Dadurch<br />
können die Algorithmen erneut ortsspezifisch<br />
trainiert werden. Außerdem<br />
können Benutzer ihre eigenen<br />
Softwaremodelle verwenden oder<br />
Experimente mit anderen CNN-<br />
Architekturen auf derselben Bilddatenbank<br />
durchführen.<br />
Netzwerke in Europa<br />
Mehrere Dutzend Installationen<br />
in ganz Deutschland und Europa<br />
haben die Leistungsfähigkeit des<br />
Geräts von HUND Wetzlar Wetzlar<br />
unter Beweis gestellt. Als bisher<br />
größtes Projekt installierte Bayern<br />
im Jahr 2018 das Polleninformationsnetzwerk<br />
ePIN. Es besteht aus<br />
acht Pollenmonitoren, deren Ergebnisse<br />
über eine eigene Website oder<br />
Smartphone-App abgerufen werden<br />
können. Weitere Pollenmonitore<br />
wurden auch in anderen Städten<br />
in Deutschland und Europa installiert,<br />
darunter Berlin, Paris und<br />
Luxemburg. Vergleiche mit Pollenfallen<br />
vom Hirst-Typ, die alle in internationalen<br />
Kooperationsprojekten<br />
durchgeführt wurden, bestätigten,<br />
dass es sich bei dem System von<br />
HUND Wetzlar um eine hochleistungsfähige<br />
digitale Adaption der<br />
klassischen Pollenzähltechnik handelt.<br />
Die POMO-Technologie wurde<br />
von namhaften Instituten offiziell<br />
zugelassen und wird weltweit einer<br />
der anerkannten Standards für die<br />
automatisierte Pollenüberwachung<br />
sein. Das volle Potenzial des POMO<br />
BAA502 und BAA500e entfaltet sich<br />
jedoch in Netzwerken mit ausreichend<br />
kleinen Maschenweiten und<br />
untermauert durch numerische Pollenverteilungsmodelle,<br />
sodass Allergiker<br />
vor zu hohen Pollenbelastungen<br />
in ihrem jeweiligen Gebiet<br />
gewarnt werden. Außerdem können<br />
Forscher interessante Daten zu Fragen<br />
der Biodiversität abrufen, beispielsweise<br />
zur Verbreitung fremder<br />
Pflanzenarten.<br />
Wer schreibt<br />
Als innovativer Technologiedienstleister<br />
bietet HUND Wetzlar<br />
Wetzlar kundenspezifische<br />
Lösungen für Anwendungen unter<br />
anderem in der Medizintechnik und<br />
Sensorik. Gemäß seiner Philosophie<br />
„Wir bringen Technologien zusammen“<br />
entwickelt und fertigt Hund<br />
smarte Lösungen von der Einzelkomponente<br />
bis zum Komplettsystem<br />
in den Bereichen Elektronik,<br />
Optik/Faseroptik und Feinmechanik.<br />
HUND Wetzlar Wetzlar veranstaltet<br />
jährlich Online-Symposien<br />
für Interessierte zum Thema<br />
Pollenüberwachung im Allgemeinen<br />
und Neuerungen rund um der<br />
POMO im Detail. ◄<br />
Bild 3: Aufschlüsselung des Funktionsprinzips hinter der<br />
KI-Software PomoAI<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Bild 4: POMO auf dem Dach des Helmholtz Zentrums München während der<br />
AutoPollen-Kampagne<br />
13
Aus Forschung und Technik<br />
Mikroscanner in der Medizintechnik<br />
Customer Evaluation Kit für quasi-statische MEMS Scanner<br />
© Fraunhofer IPMS<br />
Fraunhofer IPMS<br />
www.ipms.fraunhofer.de<br />
Das Potenzial von Mikroscannern<br />
in der Medizintechnik ist immens.<br />
Sie überzeugen durch ihr geringes<br />
Volumen und Gewicht sowie die<br />
hohe Energieeffizienz, welche den<br />
mobilen Einsatz ermöglichen. Um<br />
den kundenspezifischen Anforderungen<br />
gerecht zu werden, wurden<br />
am Fraunhofer IPMS bereits mehr<br />
als 200 unterschiedliche Mikroscanner-Designs<br />
entwickelt. Das<br />
Leistungsangebot erstreckt sich<br />
dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette<br />
von der Konzeption<br />
über die Prototypentwicklung bis hin<br />
zur Pilotfertigung im eigenen Reinraum<br />
auf 8“ Wafern. Dabei erweitert<br />
das Fraunhofer IPMS den Anwendungsbereich<br />
der Scannerspiegeltechnologie<br />
kontinuierlich mit neuartigen<br />
und patentierten Designlösungen<br />
und Technologiemodulen,<br />
sowie der Integration von künstlicher<br />
Intelligenz (KI).<br />
Quasistatischer Scanner in einem Modul für Head-Mounted Displays<br />
© Fraunhofer IPMS / Markus Schwarzenberg<br />
Definition Mikroscanner<br />
Mikroscanner sind kleinste<br />
optische Bauelemente, die in der<br />
Lage sind, winzige Spiegel um eine<br />
oder mehrere Achsen auszulenken,<br />
um ein sehr schnelles und präzises<br />
Scannen oder Projizieren zu ermöglichen.<br />
Durch ihre berührungslose<br />
Arbeitsweise sowie die kleine Größe,<br />
das geringe Gewicht und die hohe<br />
Energieeffizienz eröffnen sie neue<br />
Möglichkeiten in der Medizintechnik.<br />
Die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten<br />
von Mikroscannern in<br />
der Medizin umfassen unter anderem<br />
die Bildaufnahme für medizinische<br />
Endoskope, die konfokale<br />
Mikroskopie, Fluoreszenzmikroskopie,<br />
Spektro skopie sowie die<br />
Ophthal mologie.<br />
Große Scanwinkel<br />
und hohe -frequenzen<br />
Die Mikroscanner des<br />
Fraunhofer IPMS zeichnen sich<br />
durch große Scanwinkel und<br />
hohe Scanfrequenzen aus und<br />
zeigen eine hervorragende Langzeitstabilität.<br />
Die Unterstützung<br />
der Kunden bei der Entwicklung<br />
spezifischer Modulaufbauten<br />
sowie elektronische Lösungen<br />
zur kontrollierten hochpräzisen<br />
Ansteuerung runden das Leistungsspektrum<br />
des Instituts<br />
ab. Gerade für kleinere und mittlere<br />
Unternehmen bieten die verschiedenen<br />
Evaluations-Kits des<br />
Fraunhofer Instituts die Möglichkeit,<br />
die Mikroscanner technologie<br />
in ihre Produkt entwicklung<br />
14 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Aus Forschung und Technik<br />
Laser-Scanning-Mikroskop zur Tumorabgrenzung © Fraunhofer IPMS<br />
einzubeziehen, ohne dass eine<br />
aufwendige und kostspielige Eigenentwicklung<br />
einer Ansteuerelektronik<br />
zur Erfüllung der Spezifikationen<br />
notwendig ist.<br />
Mikroscanner<br />
des Fraunhofer IPMS<br />
in der Praxis<br />
Die bisherigen kundenspezifischen<br />
Entwicklungen von<br />
Mikroscannern des Fraunhofer IPMS<br />
wurden in den letzten Jahren für<br />
mehrere Partner in der Praxis qualifiziert,<br />
um in Kundenprodukten zum<br />
Einsatz zu kommen. Dabei konnten<br />
sich diese Bauelemente in der<br />
Praxis bewähren.<br />
So hat das Fraunhofer IPMS vor<br />
einigen Jahren doppelresonante<br />
MEMS-Scanner entwickelt, die<br />
das Herzstück eines kompakten<br />
Röntgenfolien scanners für die digitalisierte<br />
Zahnmedizin sind. Diese<br />
Mikroscanner werden im hauseigenen<br />
Reinraum im Rahmen<br />
einer Pilotfertigung mit bis zu einigen<br />
1000 Stück pro Jahr qualifiziert<br />
für das Kundenprodukt hergestellt.<br />
Die Montage auf einem eigens<br />
entwickelten Bauelement träger mit<br />
integrierter Elektronik und anschließendem<br />
Test wird ebenfalls am<br />
Fraunhofer IPMS durchgeführt.<br />
Dass die Qualität nach Industriestandard<br />
im Fokus steht, garantiert<br />
die Zertifizierung des Instituts<br />
nach ISO 9001.<br />
Laserscanner<br />
Weitere Applikationen der Medizintechnik<br />
des Fraunhofer IPMS<br />
sind die für die Firma Norlase entwickelten<br />
Laserscanner, welche in<br />
der Ophthalmologie in der Behandlung<br />
von Netzhaut- und Glaukom-<br />
Patienten zum Einsatz kommen werden.<br />
Durch den Einsatz der MEMS-<br />
Scanner des Fraunhofer IPMS ist<br />
eine zuvor unerreichte Miniaturisierung<br />
des Systems und eine höhere<br />
Auflösung möglich.<br />
Für das Startup Envision Diagnostics<br />
entwickelt das Institut<br />
Mikroscanner für einen standardisierten,<br />
schnellen und zuverlässigen<br />
Augentest, welcher alle<br />
quali tativen Parameter erfasst,<br />
auswertet und darstellt. Dies liefert<br />
Ärzten umfangreichere und zuverlässigere<br />
Patientendaten, sodass<br />
sichere Entscheidungen getroffen<br />
werden können.<br />
Mikroscanner<br />
des Fraunhofer IPMS<br />
in der Mikroskopie<br />
Vielfältige Anwendungen finden<br />
Mikroscannerspiegel auch in der<br />
medizinischen Mikroskopie. Dank<br />
optischer Kohärenztomografie können<br />
die Oberflächen- und Tiefenstruktur<br />
von Objekten mit einer<br />
Auflösung im Mikrometerbereich<br />
analysiert werden. Die Mikroscannerspiegel<br />
des Fraunhofer IPMS<br />
ermög lichen damit eine neue Art<br />
der Erfassung von Umgebungsparametern<br />
und sind Herzstück<br />
eines neuartigen Laser-Scanning-<br />
Mikroskops zur Tumorabgrenzung.<br />
Mit dessen Hilfe können Krebsoperationen<br />
schneller, präziser und<br />
sicherer gemacht werden. Noch<br />
im Operationssaal kann die Ärztin<br />
oder der Arzt mithilfe des Mikroskops<br />
das Gewebe untersuchen,<br />
aus dem der Tumor gerade herausgeschnitten<br />
wurde. Ein vorher aufgebrachter<br />
Fluoreszenz-Marker<br />
macht alle Krebszellen sichtbar, die<br />
nach dem Schnitt eventuell noch<br />
zurückgeblieben sind. Diese lassen<br />
sich dann restlos und präzise entfernen.<br />
Das umliegende Gewebe<br />
wird dabei geschont, weil man im<br />
Mikroskop-Display genau sieht,<br />
wo das gesunde Gewebe anfängt.<br />
Und niemand muss mehr auf ein<br />
Labor ergebnis warten. Auch das<br />
vom Bundespräsidenten mit dem<br />
Deutschen Zukunftspreis 2022<br />
prämierte ZEISS Lattice Lightsheet<br />
7 der Firma Zeiss nutzt die<br />
Mikroscanner-Technologie des<br />
Fraunhofer IPMS.<br />
Das Mikroskopsystem für die<br />
schonende 3D-Bildgebung von<br />
lebenden Zellen nutzt unter anderem<br />
das vom Institut entwickelte<br />
Scannermodul Light Deflection<br />
Cube (LDC). Dieses wurde qualifiziert<br />
und wird ebenfalls im Rahmen<br />
einer Pilotfertigung dem Kunden<br />
Zeiss jährlich für das aktuelle Produkt<br />
zur Verfügung gestellt. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
15
Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />
Embedded ARM-Module<br />
für die Medizingeräteentwicklung<br />
Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?<br />
Autor:<br />
Konrad Zöpf<br />
TQ-Systems GmbH<br />
www.tq-group.com<br />
Setzt man beim Entwicklungsstart<br />
von medizinischen Geräten<br />
auf brandneue CPU-Architekturen<br />
oder sollte man lieber auf eine altbewährte<br />
Technik zurückzugreifen?<br />
Es gibt hier eine Menge Vorund<br />
Nachteil die beachtet werden<br />
müssen, um die falsche Entscheidung<br />
zu vermeiden. Egal für welche<br />
Technologie man sich entschieden<br />
hat, die Entwicklung von Geräten in<br />
der Medizintechnik ist meist mit aufwendigen<br />
und kostspieligen Zulassungen<br />
und Regularien verbunden.<br />
Hohe Hürden<br />
für Neuentwicklungen<br />
Im Vergleich zu industriellen Systemen<br />
müssen neuentwickelte Medizingeräte<br />
mehr Hürden nehmen, um<br />
auf den Markt gebracht zu werden.<br />
Hier regeln Verordnungen für Medizinprodukte<br />
den Entwicklungs- und<br />
Zulassungsprozess. Ersterer lässt<br />
sich grob aufteilen in Hardwareund<br />
Softwareentwicklung, Risikomanagement<br />
und Qualitätsmanagement.<br />
Die Zulassung umfasst dann<br />
die Klassifizierung, die Konformität<br />
sowie die klinische Bewertung und<br />
Erprobung.<br />
Diese umfangreichen Maßnahmen<br />
und kostspielige Zulassungen<br />
bedeuten hohe Anforderungen an<br />
die Zuverlässigkeit und Langzeitverfügbarkeit<br />
von eingesetzten Komponenten.<br />
Leistungsfähig und günstig<br />
Jedes Jahr locken CPU-Hersteller<br />
mit leistungsfähigeren und<br />
günstigeren Prozessorvarianten<br />
die Entwickler bei der Umsetzung<br />
von geplanten Applikationen.<br />
Durch die immer höhere Integration<br />
von Funktionen in die CPU lassen<br />
sich viele Anforderungen oft ohne<br />
Zusatzschaltungen umsetzen. Dabei<br />
erleichtern Multicore-Systeme unter<br />
Einsatz einer Firmware oder Software<br />
wie einer Hypervisor-Lösung,<br />
die geforderten Sicherheitsaspekte<br />
bei Neuentwicklungen entsprechend<br />
zu berücksichtigen.<br />
Diese Faktoren werden auch in<br />
der Medizingeräteentwicklung als<br />
erst einmal positiv bei der Auswahl<br />
der CPU empfunden, um den<br />
sich ändernden Anforderungen des<br />
Marktes gerecht zu werden. Zeitdruck,<br />
Kostenoptimierung des Designs<br />
und Erweiterung des Funktionsumfangs<br />
gehören zu der größten<br />
Herausforderung jedes Entwicklers<br />
der nach immer härter werdenden<br />
Vorgaben des Produktmanagements<br />
ein Gerät entwickeln soll.<br />
Zudem kommt noch hinzu, dass<br />
die Geräte, ob stationär als auch<br />
für Mobil-Anwendungen gedacht,<br />
immer energieeffizienter werden<br />
müssen.<br />
Embedded-Module<br />
decken hierbei zahlreichen Anforderungen<br />
ab und bieten eine stabile<br />
Basis für Hard- und Software,<br />
da sie ausreichend qualifiziert sind.<br />
Der Einsatz von Modulen kann so<br />
Entwicklungskosten einsparen und<br />
Risiken minimieren. Sie lassen sich<br />
in zahlreichen Anwendungen einsetzen.<br />
Entwickler haben damit mehr<br />
Zeit zur Verfügung für die Arbeit<br />
an systemspezifischen Hardwareund<br />
Software-Anforderungen ihrer<br />
Lösungen. Viele ARM-basierende<br />
Module verfügen aus diesen Gründen<br />
über langzeitverfügbare Prozessoren<br />
sowie alle funktionellen Prozessorpins<br />
für den schnellen und<br />
unkomplizierten Entwicklungseinstieg.<br />
Zudem stehen für die Module<br />
auch verschiedene Softwarelösungen<br />
mit einer umfassenden<br />
Schnittstellenunterstützung sowie<br />
verschiedene Grafiklösungen bereit.<br />
Anbindung von Displays<br />
und Benutzeroberflächen<br />
Embedded-Module auf Arm-Basis<br />
sind zudem leistungsstark, wenn es<br />
um die Anbindung von Displays und<br />
Benutzeroberflächen geht. Für vorzertifizierte<br />
Betriebssysteme wie<br />
QNX oder PikeOS gibt es bereits<br />
gute Anbindungen von Grafischen<br />
User Interfaces (GUI) wie QT oder<br />
Storyboard von Crank. Das Display<br />
muss im Zusammenspiel mit<br />
einem passenden Touch-System<br />
dafür sorgen, dass die Lösung optimal<br />
bedient werden kann. Die PCT-<br />
Technologie (Projected Capacitive<br />
Touch) ist hierbei mittlerweile eine<br />
nicht mehr wegzudenkende Technologie<br />
die auch Multi-Touch-Anwendungen<br />
für neue und innovative<br />
Bedienkonzepten erlaubt.<br />
Schnittstellentreiber<br />
Ein nicht zu vernachlässigender<br />
Faktor, neben dem vom Betriebssystem<br />
angebotenen Bedienkonzept,<br />
ist auch die angebotene Unterstützung<br />
von Schnittstellentreibern die<br />
zu den Prozessoren angeboten wird.<br />
Als Anwender für eine kostenoptimierte<br />
Entwicklung geht man davon<br />
aus, dass die angebotenen Schnittstellen<br />
auch im Betriebssystem je<br />
Anwendungsfall unterstützt werden.<br />
Da die meisten CPU Errata mit<br />
einem Software Workaround gefixt<br />
werden, vergeht meist auch noch<br />
einiges an Zeit. Bis die Hardware<br />
von der Software in einem angemessenen<br />
Umfang unterstützt wird,<br />
16 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />
kann in Abhängigkeit der Komplexität<br />
mit bis zu einem Jahr gerechnet<br />
werden.<br />
Betriebssystemunterstützungen<br />
Bei den Arm-CPUs gibt es eine<br />
Reihe von Betriebssystemunterstützungen.<br />
Nebst Linux und Android<br />
können in der Medizintechnik bereits<br />
vorzertifizierte OS wie QNX oder<br />
Sysgo mit PikeOS eingesetzt werden.<br />
Diese Betriebssysteme spielen<br />
ihre Vorteile besonders aus,<br />
wenn Anforderungen im Bereich<br />
der funktionalen Sicherheit (Safety)<br />
und Security berücksichtigt werden<br />
sollen. Ein wichtiger Faktor beim<br />
Betriebssystem ist auch, dass die<br />
in die CPU integrierte Sicherheitsfunktionen<br />
zum Schutz des Systems<br />
vor Fremdangriffen oder zum Schutz<br />
des eigenen Software-Know-hows<br />
bereitgestellt werden.<br />
Hypervisor-Lösungen<br />
Ein Trend der hier zu beobachten<br />
ist, sind die sogenannten Hypervisor-Lösungen<br />
die zum Einsatz kommen.<br />
Damit laufen auf einem Multicore-System,<br />
unabhängig voneinander<br />
in je einer eigenen Partition,<br />
die Betriebssysteme. Damit wird der<br />
sichere Teil des Systems vom nicht<br />
sicheren Teil getrennt und bringt<br />
somit Vorteile bei der Zulassung.<br />
Zudem ist zu beobachten, dass auch<br />
Microsoft für CPUs höherer Performance-Klassen<br />
wieder eine Lösung<br />
auf Basis WIN IOT10 bietet. Einige<br />
CPU-Hersteller bieten bereits eine<br />
Basisunterstützung für ihre Applikationsprozessoren<br />
an und ermöglichen<br />
dadurch, dass Applikationen<br />
die auf x86-Architekturen entwickelt<br />
wurden auch auf den Arm-<br />
Cores verwendbar sind.<br />
Dennoch wird auch in medizinischen<br />
Produkten oft ein frei erhältliches<br />
Linux zur Realisierung verwendet,<br />
wenn es die Applikation<br />
zulässt. Damit lassen sich durch<br />
die gute Schnittstellenunterstützung<br />
bereits viele Anforderungen auch<br />
von Medizingeräten, vor allem in<br />
der Diagnostik, ohne zusätzlichen<br />
Kostenaufwand umsetzen.<br />
Passende Software<br />
auswählen<br />
Die Auswahl der richtigen Software<br />
für das anstehende Projekt<br />
sollte nicht nur unter Berücksichtigung<br />
der Geräteanforderungen<br />
betrachtet werden. Faktoren wie<br />
Basis-BSP-Unterstützung durch den<br />
CPU-Hersteller als auch das vom<br />
Modulhersteller bereitgestellte Softwarepaket<br />
sollte nicht nur begutachtet<br />
werden, sondern auch im Vorfeld<br />
auf die benötigten Funktionen<br />
getestet werden.<br />
Da die Stückzahlen bei Medizingeräten<br />
meist nicht an die Konsumerstückzahlen<br />
heranreichen, ist<br />
die individuelle Entwicklung jedes<br />
Systems aufwendig. Die Entwicklungskosten<br />
können bei einer falschen<br />
Entscheidung durch nicht<br />
geplante Redesigns und höheren<br />
Softwarekosten auf ein Mehrfaches<br />
des ursprünglich veranschlagten<br />
Wertes steigen. Dies geht dann nicht<br />
nur zu Lasten des Produkterfolges,<br />
sondern verzögert dazu noch den<br />
Markteintritt und beschert Umsatzeinbußen.<br />
Langzeitverfügbarkeit<br />
Bei der Auswahl der CPU sollte<br />
daher insbesondere darauf geachtet<br />
werden, dass diese langzeitverfügbar<br />
ist: Je länger eine CPU verfügbar<br />
ist, umso besser wird auch die<br />
Unterstützung der Software bezogen<br />
auf die Hardware. Bei der richtigen<br />
Vorauswahl kann hier richtig<br />
wertvolle Entwicklungszeit eingespart<br />
werden.<br />
Vorteil durch den Einsatz<br />
von Modulen<br />
Durch den Einsatz von Modulen<br />
können nicht nur Entwicklungs kosten<br />
eingespart werden, sondern auch<br />
das Risiken deutlich minimiert werden.<br />
CPU-Module sind in der Regel<br />
auch ausreichend qualifiziert und<br />
stellen dem Anwender eine stabile<br />
Basis in Hard- und Software<br />
zur Verfügung.<br />
Ein Modul wird meist nur einmal<br />
entwickelt und kann in verschieden<br />
Applikationen eingesetzt und<br />
gewonnenes Wissen wiederverwendet<br />
werden. Das bedeutet, dass<br />
der Aufwand des Entwicklungsprozesses<br />
und der Basisanpassung für<br />
die Software im Unternehmen nur<br />
einmal anfällt. Die Entwicklung kann<br />
sich auf die systemspezifische Hardware-<br />
und Softwareanforderungen<br />
konzentrieren.<br />
Applikationsbeispiele<br />
Ein Teil der CPU-Hersteller wirbt<br />
sogar regelrecht mit Applikationsbeispielen<br />
für den Bereich der medizinischen<br />
Anwendungen. Hier werden<br />
Blockdiagramme als auch Application<br />
Notes dem Anwender zur Verfügung<br />
gestellt. Auch für die meisten<br />
applikationsspezifischen Schnittstellenanforderungen<br />
werden Lösungsvorschläge<br />
angeboten. Diese versprechen<br />
eine schnelle Umsetzbarkeit<br />
für den Entwickler.<br />
Umfassendes<br />
Lösungsangebot<br />
Die Entwicklung von medizinischen<br />
Geräten unterstützt TQ<br />
mit einem umfassenden Lösungsangebot<br />
sowie bei der Zulassung<br />
von Produkten nach ISO 13488<br />
und MDD. Durch die Schnittstellenvielfalt<br />
und der freien Wahl eines<br />
Betriebssystems sind die ARMbasierenden<br />
Module universell einsetzbar<br />
- außerdem gibt es sie mittlerweile<br />
in allen Leistungsklassen<br />
von Cortex A7 bis hin zu Cortex<br />
A72. Multicore-Systeme mit integrierten<br />
Co-Prozessoren decken in<br />
den meisten Anwendungen die funktionale<br />
Sicherheit ab. Solche Controller<br />
werden mit einer zu qualifizierenden<br />
Firmware versehen, die<br />
autark zum Rest des Systems läuft.<br />
Zudem stehen für die Module auch<br />
verschiedene Softwarelösungen mit<br />
einer umfassenden Schnittstellenunterstützung<br />
sowie verschiedene<br />
Grafiklösungen bereit. Ein ausgereiftes<br />
Obsoleszenz Management<br />
von TQ sorgt für die notwendige<br />
Langzeitverfügbarkeit aller eingesetzten<br />
Systemkomponenten.<br />
Fazit<br />
Durch die richtige Auswahl von<br />
bereits bewähren und langzeitverfügbaren<br />
CPU-Architekturen, die als<br />
Entwicklungsgrundlage für medizinische<br />
Anwendungen prädestiniert<br />
sind, wird nicht nur Entwicklungszeit<br />
eingespart, sondern es kann auch<br />
meist auf eine zuverlässige und ausgereifte<br />
Softwareunterstützung aufgesetzt<br />
werden. Letztendlich wird<br />
das Entwicklungsrisiko deutlich minimiert<br />
und bringt so einen nicht zu<br />
vernachlässigbaren Vorteil.<br />
Wer schreibt:<br />
Konrad Zöpf ist staatlich geprüften<br />
Techniker und arbeitete nach<br />
seiner Ausbildung als Medizintechniker<br />
und Applikationsingenieur bei<br />
zwei Medizintechnik-Unternehmen.<br />
Seit mittlerweile 23 Jahren ist er bei<br />
der TQ-Group tätig, zunächst in der<br />
Elektronik-Entwicklung sowie seit<br />
gut dreizehn Jahren auch als Produktmanager<br />
in der Embedded-<br />
Sparte. Er verantwortet bei TQ die<br />
ARM- und Layerscape-Produktpalette.<br />
Seit Anfang 2020 ist er zusätzlich<br />
stellvertretender Bereichsleiter<br />
für TQ-Embedded. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
17
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Klein, schnell und günstig<br />
i.mx93 Lösungen von Ka-Ro<br />
Das auf dem Starterkit verbaute Modul ist mit NXP i.MX9352<br />
ausgestattet.<br />
Stecken oder Löten<br />
Ka-Ro präsentiert zwei Module<br />
mit dem neuen i.MX93 Prozessor<br />
von NXP. Hierbei handelt es sich<br />
um ein steckbares Modul aus der<br />
TX-SODIMM-Reihe sowie ein sehr<br />
kompaktes Lötmodul (27 x 27 mm)<br />
aus der QS-Lötmodulreihe.<br />
Der verwendete Applikationsprozessor<br />
i.MX9352 von NXP<br />
verfügt über zwei 1,5 GHz ARM<br />
Cortex A55 Cores und ein Echt-<br />
zeit-Cortex-M33-Mikrocontroller-<br />
Subsystem mit vollem Zugriff auf<br />
die Peripherie. Machine Learning<br />
wird durch die ARM Ethos-U65<br />
microNPU (Neural Processing Unit)<br />
mit 256 MACs/Cycle ebenfalls unterstützt.<br />
Die Module eignen sich für<br />
eine Vielzahl von Anwendungen,<br />
einschließlich kompakter, batteriebetriebener<br />
IoT-Geräte. Das prädestiniert<br />
sie für den Einsatz im<br />
Medizintechnikbereich.<br />
Grafik Engine und LVDS<br />
Interface integriert<br />
Für den Anschluss eines Displays<br />
steht auf dem TX-Modul eine Dual<br />
LVDS-Schnittstelle zur Verfügung.<br />
Das kompakte Lötmodul hat eine<br />
LVDS-Schnittstelle. Die Grafikdarstellung<br />
wird durch eine 2D GPU<br />
unterstützt.<br />
Zusätzlicher Cortex-M33-Kern<br />
für Echtzeit-Anwendungen<br />
Der im i.MX93 Cortex-M33-Kern<br />
kann klassische Mikrocontrolleraufgaben<br />
wie Echtzeitverarbeitung<br />
übernehmen. Somit dürfen kann<br />
auf einen externen Mikrocontroller<br />
verzichtet. Das senkt die Kosten<br />
des Gesamtsystems.<br />
Reichlich Peripherie –<br />
Zweimal Ethernet<br />
Die Module verfügen über eine<br />
sehr große Anzahl an Peripherie-<br />
Schnittstellen wie UART, I 2 C, SPI.<br />
Natürlich gibt es zwei CAN FD-<br />
Schnittstellen, sowie 2x USB 2.0.<br />
Ein Highlight der Peripherie sind<br />
sicherlich die zwei zur Verfügung<br />
stehenden Ethernet-Schnittstellen.<br />
vorkonfigurierten autonomen Sicherheits-Subsystem,<br />
das auf allen<br />
i.MX 9-Prozessoren standardmäßig<br />
integriert ist. Hierzu hat sich<br />
NXP mit Microsoft zusammengetan,<br />
um Chip-to-Cloud-Sicherheit<br />
mit mehr als zehn Jahren fortlaufender<br />
Updates und Sicherheitsverbesserungen<br />
anzubieten.<br />
Skalierbar mit planbarer<br />
Langzeitverfügbarkeit<br />
Außergewöhnliche Skalierbarkeit,<br />
umfassende Langzeitverfügbarkeit<br />
und ein breites Spektrum von<br />
Peripherieoptionen haben den Produkten<br />
der TX-Serie in unterschiedlichsten<br />
Marktsegmenten zu einer<br />
breiten Akzeptanz verholfen. Die<br />
i.MX93 basierenden Module sind<br />
für eine Verfügbarkeit von mindestens<br />
12 Jahren konzipiert.<br />
Flexibel austauschbar<br />
Mit den pin- und funktionskompatiblen<br />
Modulen von Ka-Ro sind<br />
Anwender enorm flexibel. Einfach<br />
austauschen – funktioniert aufwärtswie<br />
abwärtskompatibel. Muster<br />
sowie die passenden Starter-Kits<br />
werden im Laufe des Jahres verfügbar<br />
sein.<br />
GLYN GmbH & Co. KG<br />
www.glyn.de<br />
System-Sicherheit<br />
Die Sicherheit kommt von NXPs<br />
EdgeLock ‚Secure Enclave‘, einem<br />
18 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
i.MX93 Starterkit von Ka-Ro<br />
Eines der ersten Starterkits mit<br />
dem leistungsstarken i.MX93 on-<br />
Board ist das QS93-SV01 Modul<br />
von Ka-Ro. Für den Anschluss<br />
eines Displays steht auf dem Starterkit<br />
ein DF13 Konnektor zur Verfügung.<br />
Zu diesem Konnektor bietet<br />
GLYN passende Kabel an, damit<br />
die Displays aus dem umfangreichen<br />
TFT-Familien konzept direkt mit dem<br />
Kit betrieben werden können.<br />
Zweimal Ethernet<br />
Das Starterkit verfügt über zwei<br />
Ethernet-Schnittstellen sowie einen<br />
Rasberry-PI kompatiblen „Expansion<br />
Header“.<br />
Über das Modul steht eine sehr<br />
große Anzahl weiterer Peripherie-<br />
Schnittstellen zur Verfügung. Linux<br />
ist bereits vorinstalliert.<br />
Debugging<br />
Für das Debugging steht ein<br />
weiterer USB Port (USB to UART<br />
Bridge) bereit.<br />
• QS Modul QS93-5210 on-Board<br />
• Dual Ethernet<br />
• DF13 LVDS Display Connector<br />
• MIPI CSI Camera Connector<br />
• USB<br />
• 4-Layer PCB ◄<br />
TX93<br />
QS93<br />
Prozessor NXP i.MX93 Prozessor 1.2 GHz Dual Cortex ® -A55<br />
Co-Prozessor<br />
NPU<br />
GPU<br />
Temperature<br />
250 MHz ARM ® Cortex ® -M33 Core<br />
ARM Ethos U-65 microNPU<br />
2D GPU: blending/composition, resize,<br />
color space conversion<br />
Size 68 x 26 x 4 mm 27 x 27 x 2.7 mm<br />
Power Supply 3,3 V bis 5 V 3,3 V<br />
RAM 1 GB 1 GB<br />
ROM 4 GB eMMC 4 GB eMMC<br />
MIPI-DSI display interface -<br />
10/100Mbps Ethernet 1 -<br />
GB Ethernet RGMII 1 2<br />
USB 2.0 2 2<br />
UART 8 5<br />
I²C 7 7<br />
SPI 8 4<br />
CAN FD 2 2<br />
MIPI-CSI camera interface 1 1<br />
SD – Secure Digital Interface 1 1<br />
Serial Audio Port 2 1<br />
ADC – Analog Digital Converter 4 ch 12bit -<br />
Security<br />
Die Technischen Eigenschaften von DIMM und Lötmodul im schnellen Überblick<br />
EdgeLock Secure Enclave, Secure Boot, Crypto Tamper<br />
Detection, Secure Clock, Secure Boot<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
19
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Produktpalette um vier neue Branchen erweitert<br />
Gerade in so sensiblen Sektoren ist ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit gefordert.<br />
TL Electronic bietet jetzt Produkte an, die alle strengen Standards in puncto Robustheit und Ausfallsicherheit erfüllen.<br />
Gerade in so sensiblen Sektoren wie Schifffahrt,<br />
Medizin, Energie oder Verteidigung ist<br />
ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit gefordert.<br />
Nur wenige Hersteller bieten Hardware an, die<br />
alle strengen Standards in puncto Robustheit<br />
und Ausfallsicherheit erfüllen. Jetzt spielt auch<br />
der deutsche IT-Experte TL Electronic in dieser<br />
Liga mit. Seit 40 Jahren gilt TL Electronic als verlässlicher<br />
Partner für Industrial Computing. Wer<br />
sich so konsequent auf dem Markt behauptet,<br />
hat gelernt, am Puls der Zeit zu bleiben. Dem<br />
rasanten Wandel der letzten Jahre Tribut zollend,<br />
erweitert der IT-Experte sein Produkt-<br />
Portfolio in diesem Sommer um die vier neuen<br />
Bereiche Marine, Gesundheitswesen, Energie<br />
& Chemie sowie Defense.<br />
TL Electronic GmbH<br />
info@tl-electronic.de<br />
www.tl-electronic.de<br />
„Ultra-rugged“<br />
IT-Hardware, die härteste industrielle<br />
An sprüche erfüllt – dafür steht TL Electronic seit<br />
40 Jahren. Je nach Anforderung bot und bietet<br />
die Firma Computer-Systeme bis hin zu den Kategorien<br />
„rugged“ oder „ultra-rugged“ an. Jedoch<br />
sind derartige Handelsbezeichnungen nicht<br />
exakt definiert. Besteht z. B. Explosionsgefahr,<br />
wie das in Raffinerien oder Chemie fabriken der<br />
Fall ist, nimmt man es mit den Geräte standards<br />
erheblich genauer. Um hier nichts dem Zufall<br />
zu überlassen, darf ausschließlich zertifiziertes<br />
Equipment verwendet werden.<br />
Zertifizierte Lösungen<br />
für die Hochsicherheits-Industrie<br />
Die Erteilung solcher Zertifikate ist in vielerlei<br />
Hinsicht an strenge Vorgaben geknüpft. Um so<br />
stolzer kann TL Electronic nun ankündigen, ab<br />
sofort voll zertifiziertes IT-Equipment für wichtige<br />
Segmente der Hochsicherheits-Industrie<br />
im Sortiment zu führen. In enger Zusammenarbeit<br />
mit seinem taiwanesischen Partner Winmate<br />
stellt das Unternehmen dann z. B. Hardware-Produkte<br />
mit (großem) ATEX-Zertifikat<br />
für den Energie- und Chemiesektor bereit. Im<br />
medizintechnischen Bereich ergänzen Geräte,<br />
die entsprechend den Normen IEC/EN 60601-1<br />
und 60601-1-2 zertifiziert sind, das Portfolio von<br />
TL Electronic. Hierbei spielt die Abschirmung<br />
gegen elektromagnetische Störungen eine<br />
große Rolle.<br />
Salzwasser resistente<br />
Computersysteme<br />
Anforderungen einer anderen Art müssen<br />
Computersysteme erfüllen, die auf der Kommandobrücke<br />
von Schiffen eingesetzt werden.<br />
Hier hat unter anderem die Salzwasser-Resistenz<br />
oberste Priorität. Gesetzlich geregelt sind<br />
derartige Marine-Standards durch das DNV-<br />
Siegel sowie das IEC 60945-Zertifikat. Die nun<br />
erhältliche Produktlinie von Panel-PCs aus dem<br />
Hause Winmate kann beide davon vorweisen.<br />
So widerstandsfähig wie möglich<br />
Selbstredend gehört die Robustheit der eingesetzten<br />
Hardware in allen genannten Bereichen<br />
zu den wichtigsten Merkmalen. In keinem anderen<br />
Sektor spielt sie jedoch eine so große Rolle<br />
wie im Militär. Sowohl für die Gehäuse als auch<br />
die Steckverbinder gilt hier die Devise: so widerstandsfähig<br />
wie möglich. Eine Vielzahl von MIL-<br />
STD-Normen regelt die Anforderungen bei extrem<br />
schwankenden Temperaturen und Feuchtigkeit,<br />
bei Stößen, Stürzen, Vibrationen und der<br />
Einwirkung von Strahlung. Über sein Partnerunternehmen<br />
Winmate bezieht TL Electronic nun<br />
auch Military-Grade-Produkte, die sämtliche Kriterien<br />
für das Defense Computing erfüllen. ◄<br />
20 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Embedded-Module auf NXP-Basis<br />
Als Partner von NXP stellt TQ zwei Embedded-Module auf Basis des i.MX 91 sowie<br />
ein passendes Evaluation Board vor.<br />
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
TQ-Systems GmbH<br />
www.tq-group.com<br />
Der Technologiedienstleister TQ,<br />
einer der führenden Embedded-<br />
Computing-Spezialisten, gibt die<br />
Verfügbarkeit von zwei neuen<br />
Embedded-Modulen und einem<br />
Evaluation Board bekannt. Die<br />
beiden Module basieren auf der<br />
i.MX 91 CPU von NXP und punkten<br />
mit sehr kleinen Bauweisen:<br />
Trotz Abmessungen von nur 38 mm<br />
x 38 mm und 281 Pins beim LGA-<br />
Modul TQMa91xxLA sowie 54 mm<br />
x 32 mm und 240 Pins beim Steckmodul<br />
TQMa91xxCA stehen alle<br />
Signalpins der CPU zur Verfügung.<br />
Für höchste Ansprüche<br />
Beide Module sind mit ausreichend<br />
externem Speicher, einem<br />
optionalen Security-Chip sowie<br />
einem für die CPU passenden NXP-<br />
PMIC ausgestattet. Um höchsten<br />
Ansprüchen gerecht zu werden,<br />
hat TQ die Module mit einem Gyroscope-Sensor<br />
ausgestattet. Dank<br />
der Vielseitigkeit des Prozessors<br />
und der sehr guten Verlust leistung<br />
von rund einem Watt ermöglichen<br />
diese Moduldesigns zahlreiche<br />
Anwendungen in diversen Steuerungssytemen.<br />
Leistungsfähig<br />
mit vielen Schnittstellen<br />
Mit dem TQMa91xxLA und dem<br />
TQMa91xxCA bietet TQ ein neues<br />
LGA-Modul und ein funktionskompatibles<br />
Steckmodul auf Basis des<br />
i.MX 91 SoC von NXP an.<br />
Die neue Generation der NXP<br />
i.MX 91-Applikationsprozessoren<br />
verfügt über einen Arm Cortex-<br />
A55-Kern und arbeitet mit Taktfrequenzen<br />
von bis zu 1,4 GHz.<br />
Schnittstellen wie USB 2.0 Typ C mit<br />
PHY, Gigabit Ethernet, CAN-FD und<br />
FlexIOs sowie verschiedene Möglichkeiten<br />
zum Anschluss externer<br />
Speicher sind ebenfalls integriert.<br />
Kostengünstige Module<br />
„Als langjähriger Partner freuen<br />
wir uns sehr, zwei kostengünstige<br />
Module anbieten zu können, die auf<br />
der neuen leistungsfähigen Applikationsprozessorfamilie<br />
i.MX 91 von<br />
NXP basieren. Der i.MX-91 Prozessor<br />
ist eine gute Ergänzung für<br />
alle Anwender des i.MX 6UL und<br />
i.MX 6ULL von NXP, die weiterhin<br />
auf eine kostengünstige, aber leistungsfähigere<br />
und moderne Plattform<br />
setzen wollen. Zusätzlich bieten<br />
die i.MX-91-SoCs High-Speed-<br />
Schnittstellen wie TSN und Gigabit-Ethernet,<br />
eine bessere Grafikleistung,<br />
EdgeLock Secure Enclave<br />
sowie eine höhere Rechenleistung<br />
für viele Edge-Anwendungen“,<br />
erklärt Konrad Zöpf, Deputy<br />
Director TQ Embedded und Product<br />
Management Arm / Layerscape<br />
bei TQ. „Damit bieten die<br />
neuen Module Anwendungen wie<br />
Gateways, Steuerungen in der<br />
Gebäude- und Industrieautomatisierung,<br />
Zeit erfassungssysteme,<br />
medizinische Geräte in der Diagnostik<br />
oder sogar Aufzugsteuerungen<br />
eine ideale Plattform.“<br />
Passendes Mainboard<br />
Angepasst an die zahlreichen<br />
Einsatzmöglichkeiten der<br />
TQMa91xx-Module entwickelte<br />
TQ parallel zu den Modulen auch<br />
ein passendes Mainboard. Das<br />
170 mm x 170 mm große Design<br />
MBa91xxCA dient zur Evaluierung<br />
beider Modul typen. Zudem bietet<br />
dieses Mainboard wie gewohnt eine<br />
Vielzahl von industriellen Schnittstellen<br />
und Funktionen.<br />
Hohe Lösungskompetenz<br />
„TQ ist ein langjähriger und<br />
zuverlässiger NXP-Partner für Embedded<br />
Board Solutions“, erklärt<br />
Robert Thompson, Director Secure<br />
Connected Edge Ecosystem bei<br />
NXP Semiconductors. „TQ verfügt<br />
über ein exzellentes Knowhow<br />
und trägt mit seiner Kompetenz<br />
und Erfahrung maßgeblich<br />
zur Entwicklung von zuverlässigen<br />
NXP-basierten Lösungen<br />
bei. Neben den TQ-Embedded-<br />
Modulen, basierend auf den i.MX-<br />
Applikationsprozessoren und den<br />
Layerscape-Kommunikations-<br />
CPUs sowie Security-Chips, finden<br />
Kunden auch Lösungsbausteine<br />
wie WiFi und programmierbare<br />
analoge Front ends auf<br />
Basis der NXP-Technologie auf<br />
den Mainboard-Produkten. Von<br />
der langjährigen Zusammenarbeit<br />
und Lösungskompetenz von<br />
TQ und NXP profitieren Kunden<br />
bei der Umsetzung ihrer eigenen<br />
Lösungen und sparen somit wertvolle<br />
Entwicklungszeit.“ ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
21
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
All-In-One-PCs und mobile IT-Hardware für Kliniken,<br />
Praxen und Rettungskräfte<br />
Mobile All-In-One-PCs und besonders stabile medizinische Tablets für Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Praxen<br />
und Rettungsdienste sind das Kernangebot von Concept.<br />
Alle Bilder © Concept International<br />
Das Angebot richtet sich an Kunden, die besonders<br />
haltbare und zuverlässige Geräte schätzen<br />
und Wert darauf legen, dass neue Hardware<br />
schnell und unkompliziert in der anspruchsvollen<br />
IT-Landschaft der Medizinbranche Leistung<br />
bringt. Auf der DMEA in Berlin zeigte Concept<br />
Geräte der Marken DT Research und Future-<br />
PAD, beispielsweise ein mit 17 Zoll ungewohnt<br />
großes medizinisches Tablet und einen Monitor<br />
mit Powerbank für PCs und Vital monitore, den<br />
es in dieser Form bisher nicht gab.<br />
Concept International<br />
www.concept.biz<br />
Gero Weber, Business Development Manager<br />
für Medizin produkte bei Concept International<br />
kommentiert: „Basis für den Erfolg ist innovative<br />
Hardware, die störungsfrei über Jahre läuft<br />
und die man sich leisten kann im aktuellen Rotstift-Umfeld.“<br />
Mehr Digitalisierung vor Ort:<br />
AIO-PCs für Visitenwägen<br />
Worauf es im medizinischen Bereich in puncto<br />
Hardware ankommt, demonstrierte Concept<br />
International auf der DMEA anhand mobiler<br />
Computer und Tablet-PCs von DT Research<br />
und FuturePAD, die der Value Added Distributor<br />
im deutschsprachigen Raum und einzelnen<br />
EU-Ländern vertreibt - natürlich mit antimikrobiellem,<br />
reinigungs mittelresistentem Gehäuse,<br />
medizinisch geprüft, normiert und zertifiziert.<br />
Großen Anteil am Erfolg haben die All-In-<br />
One-PCs der DT58x-Serie, gedacht sowohl<br />
für den stationären als auch den mobilen Einsatz<br />
auf Visiten- und Pflegewägen. Sie garantieren<br />
den unterbrechungsfreien Betrieb (Mindestlaufzeit<br />
sind 14 bis 16 Stunden) mit drei<br />
leistungsfähigen, im Betrieb wechselbaren „Hot<br />
Swap“-Akkus für Datenerfassung und -abruf für<br />
jedes Einsatzszenario.<br />
Leicht und kompakt<br />
Die aktuell neu designte Version des DT584<br />
ist besonders leicht und schmal: 4,2 cm Rahmenbreite<br />
und selbst mit allen drei optionalen<br />
Power-Akkus maximal 7,9 kg schwer – da kann<br />
mancher Monitor nicht mithalten! Zusätzlich dient<br />
der AIO-PC auch noch optional als Powerbank<br />
und versorgt mit jeweils einem 12-, 15- oder<br />
19-V-Anschluss bis zu drei weitere Geräte, beispielsweise<br />
einen zusätzlichen Monitor, Vitalmonitor,<br />
Label-Drucker oder Scanner.<br />
Einfach zu reinigen<br />
Dank glatter Gehäuserückseite mit IPX2-<br />
Schutzklasse sowie IP65-geschützter Front,<br />
sind die All-in-One-PCs einfach zu reinigen und<br />
erfüllen die Hygieneanforderungen in klinischen<br />
Umgebungen. Sie sind EN60601-1 zertifiziert.<br />
Es gibt die Serie mit den Vertretern DT581,<br />
DT582 und DT584 in verschiedenen Leistungsund<br />
Größen stufen mit kapazitiven Touchscreens<br />
von 19,5 über 22,5 bis zu 23,8 Zoll Bildschirmdiagonale.<br />
Der Arbeitsspeicher rangiert zwischen<br />
8 und 64 GB. Die Prozessoren kommen,<br />
entsprechend den Anforderungen entweder aus<br />
der stromsparenden Intel Pentium-Gold- oder<br />
der Core-i-Familie (i5, i7, i9).<br />
Mehr Mobilität durch ultraschlanke<br />
medizinische Tablets<br />
Das FPQ10 Tablet von FuturePAD mit<br />
10,1-Zoll-Bildschirm ist nicht nur „fully rugged“,<br />
hält also jede Menge aus, sondern gilt mit 10 mm<br />
als das dünnste Gerät seiner Klasse. Damit sind<br />
die wichtigsten Daten auch unterwegs tatsächlich<br />
immer dabei, ganz ohne sperrige Zusatzgeräte.<br />
Je nach Wunsch wird das Tablet, passend zur<br />
vorhandenen Software-Umgebung mit Windows<br />
oder, besonders energiesparend und leistungsfähig,<br />
jetzt auch mit Android 11 ausgeliefert.<br />
Extrem große Bildschirmdiagonale<br />
Eine andere Zielrichtung verfolgt DT Research<br />
mit dem medizinischen Tablet DT373, das über<br />
die bekannten Wechsel-Akkus verfügt. Mit 17 Zoll<br />
bietet es die größte Bildschirmdiagonale, die bei<br />
medizinischen Tablets auf dem Markt zu haben<br />
ist. Noch mobil einzusetzen, aber vor allem brillant<br />
und detailreich für anspruchsvolle, bildgebende<br />
Verfahren und viele übersichtliche Informationen.<br />
Intern greift das DT373 auf einen Core-i-Prozessor<br />
der 11. Generation zurück. Zu den Highlights<br />
gehören austauschbare Akkus, ein Chipkartenleser<br />
und optional 4G oder 5G sowie eine<br />
VESA-75-Vorrichtung für Halterungen bei einem<br />
Gesamtgewicht von 2 kg.<br />
Mehr als ein Bildschirm<br />
Auf der DMEA wurde erstmals der clevere<br />
Monitor DT722/724 als Neuentwicklung vorgestellt.<br />
„Der Clou sind die bekannten, optionalen<br />
drei Hot-Swap-Akkus mit einem DC-Output-<br />
Management für Drittgeräte“, meint Gero Weber.<br />
Wie beim AIO-PC kann der Monitor also als<br />
„Powerbank“ genutzt werden und versorgt mit<br />
je einem Anschluss 12-, 15- und 19-V-Geräte<br />
wie Mini-PCs, Scanner und Vitaldatengeräte.<br />
Ob mit AIO-PCs, Tablets oder brillanten<br />
Monitoren: Die richtigen Daten zur richtigen Zeit<br />
am richtigen Ort<br />
22 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Mit drei „Hot Swap“-Akkus<br />
ist der Dauerbetrieb kein<br />
Problem. Die All-In-One-<br />
PCs und Monitore von<br />
DT Research können sogar<br />
noch bis zu drei weitere<br />
Geräte mit Strom versorgen.<br />
Die Darstellung ist hochauflösend in FHD<br />
auf einem kapazitiven 24- oder 27-Zoll-Touchscreen,<br />
der DT722 ist ebenfalls antimikrobiell<br />
(zertifiziert nach ANSI/AAMI ES60601-1) und<br />
mit WiFi und optionaler Frontkamera ausgestattet,<br />
zum Beispiel zur sicheren, datenschutzkonformen<br />
Identifizierung. VESA-Kompatibilität versteht<br />
sich von selbst. Mit zahlreichen Anschlüssen<br />
wie drei USB 3.0, HDMI und USB-B-Input<br />
fügt er sich problemlos in jede denkbare Hardware-Umgebung<br />
ein.<br />
Mehr Strom für unterwegs<br />
Mit dem 3-fach-Li-Ion-Akku-Pack bietet<br />
Concept eine einfache, leichte, praktische und<br />
auch sichere Lösung für die mobile Stromversorgung,<br />
etwa auf Visitenwägen an. Die reine<br />
Strommanagementlösung ist insgesamt etwa<br />
so groß wie vier dicke Taschenbücher übereinander<br />
und wiegt, inklusive Gehäuse und Halterung,<br />
knapp über 2 kg. Sie wird mit exakt den<br />
gleichen Akkus bestückt, die schon als Energiequelle<br />
für die DT58x-Serie und den Monitor<br />
DT722/724 dienen.<br />
Die Akkus lassen sich im stabilen Aluminiumgehäuse<br />
unterbrechungsfrei während des<br />
Betriebes tauschen und versorgen bis zu drei<br />
Geräte gleichzeitig mit jeweils einmal 12, 15<br />
oder 19 V. Jeder Einzelakku leistet 90 W bei<br />
8250 mAh. Es handelt sich um den gleichen<br />
Typ wie für die DT58x-Serie.<br />
Das Battery Holster lässt sich an Visiten- und<br />
Pflegewägen durch vielfältige Verschraubungsmöglichkeiten<br />
leicht sinnvoll unterbringen und<br />
Das Battery Holster lässt sich an Visiten- und<br />
Pflegewägen leicht unterbringen und versorgt<br />
bis zu drei Schichten mit Strom<br />
bietet im regulären Betrieb meist für mehr als<br />
nur eine Schicht Energie. Ein flexibles LED-<br />
Kabel dient zur Kontrolle des Ladezustandes. ◄<br />
Weitere Informationen unter:<br />
www.medical-pc.de<br />
Zertifizierte Hardware-Lösungen<br />
für die hochmoderne Medizin<br />
› Lüfterlose Panel PCs mit Intel® Core 12 th Gen. und antibakteriellem Gehäuse<br />
› Medizinische Tablets (7- bis 12-Zoll) für die Erfassung von Patientendaten<br />
› Medizinische Geräteserver mit bis zu acht galvanisch-isolierten seriellen<br />
Anschlüssen und Power-over-Ethernet<br />
› Medizinische Embedded PCs mit oder ohne PCIe x16 Steckplätze<br />
SEAL Tablet Serie<br />
SEAL Panel PC Serie<br />
Digi Connect ES Serie<br />
www.bressner.de
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Erweitertes Ökosystem bietet Kunden optimierten<br />
Support und verkürzte Markteinführungszeiten<br />
ARIES Embedded tritt Partnerprogramm von STMicroelectronics bei<br />
Durch die Auswahl, Qualifizierung<br />
und Zertifizierung von autorisierten<br />
Partnern wissen die Kunden, dass<br />
diese über die nötige Expertise verfügen,<br />
um ihre Design- und Entwicklungsaktivitäten<br />
zu beschleunigen.<br />
Damit stellen wir sicher, dass unsere<br />
Kunden die robustesten und effizientesten<br />
Produkte und Services auf<br />
den Markt bringen.“<br />
STMicroelectronics – ein weltweit<br />
führendes Halbleiterunternehmen,<br />
das Kunden aus dem<br />
gesamten Spektrum elektronischer<br />
Anwendungen bedient – hat das<br />
ST-Partnerprogramm ins Leben<br />
gerufen, um die Designzeiten der<br />
Kunden zu verkürzen. Dazu identifiziert<br />
ST Unternehmen mit komplementären<br />
Produkten und Dienstleistungen<br />
und stellt sie heraus.<br />
Mit dem Zertifizierungsprozess des<br />
Programms überprüft ST zudem<br />
alle Partner regelmäßig auf Qualität<br />
und Kompetenz.<br />
ARIES Embedded GmbH<br />
info@aries-embedded.de<br />
www.aries-embedded.com<br />
ARIES Embedded, Spezialist für<br />
Embedded-Services und -Produkte,<br />
tritt dem Partnerprogramm von<br />
STMicroelectronics bei, um Service<br />
und Support für die Kunden<br />
weiter zu optimieren. „Als autorisierter<br />
Partner von ST bündeln wir<br />
unser Knowhow, um unseren Kunden<br />
unsere erweiterte Technologie-<br />
Expertise bereitzustellen“, erläutert<br />
Andreas Widder, Geschäftsführer<br />
der ARIES Embedded GmbH.<br />
„Wir sind stolz darauf, unsere Kenntnisse<br />
und Erfahrung im Embedded-<br />
Bereich mit den Produkten, Technologien<br />
und Lösungen von ST zu<br />
verbinden. Unser erstes ST-basiertes<br />
Modul ist das OSM-kompatible<br />
‚MSMP1‘ System-on-Package (SiP)<br />
für Anwendungen in den Bereichen<br />
IoT, Medizintechnik und industrielle<br />
Systeme.“ Kern des SiP ist ein Mikroprozessor<br />
der STM32MP1-Serie von<br />
STMicroelectronics mit leistungsstarken<br />
Single- oder Dual-Arm-<br />
CortexA7-Kernen (bis zu 800 MHz),<br />
kombiniert mit einem CortexM4-Kern<br />
(bis zu 209 MHz).<br />
Autorisierter Partner für<br />
optimierten Kundenservice<br />
„Das ST-Partnerprogramm ist<br />
ein hochwertiges Angebot, das<br />
die Erwartungen unserer Kunden<br />
und Partner übertroffen hat“,<br />
ergänzt Alessandro Maloberti,<br />
Partner Ecosystem Director bei<br />
STMicroelectronics. „Es unterstützt<br />
die Designteams der Kunden durch<br />
den Zugriff auf starke ergänzende<br />
Fachkenntnisse, Werkzeuge und<br />
Ressourcen, die die Herausforderungen<br />
der Designphase bis zur<br />
Marktreife über das gesamte Ökosystem<br />
von Produkten und Services<br />
hinweg erfüllen. Bauteile von<br />
ST lassen sich so einfach in Projekte<br />
integrieren.<br />
Effizientes, vielseitiges und<br />
stromsparendes Modul<br />
Das MSMP1 SiP ist konform zum<br />
OSM (Open Standard Module)-<br />
Standard von SGET. Nahezu alle<br />
Funktionen der CPU sind auf<br />
476 Kontakten der kleinen Boardfläche<br />
von lediglich 30 auf 45 mm<br />
verfügbar. Es zeichnet sich durch die<br />
geringe Leistungsaufnahme, kleine<br />
Bauform und wettbewerbsfähige<br />
Kosten aus. Die MSMP1-Module<br />
sind hinsichtlich Performance und<br />
Speicherausbau skalier bar und lassen<br />
sich dadurch individuell an viele<br />
Projektanforderungen anpassen.<br />
Die System-in-Packages unterstützen<br />
512 MB bis 4 GB DDR3L RAM,<br />
SPI-NOR Flash und 4 bis 64 GB<br />
eMMC NAND Flash. Die zahlreichen<br />
Schnittstellen umfassen unter anderem:<br />
10/100/1000-Mbit-Ethernet,<br />
USB2.0 Host/OTG, 2x CAN, UART,<br />
I 2 C, SPI, ADC/DAC, sowie eine parallele<br />
Display-Schnittstelle und<br />
einen Kameraeingang. Die Module<br />
sind im kommerziellen Temperaturbereich<br />
mit 0 °C bis +70 °C sowie<br />
im industriellen Temperaturbereich<br />
mit -40 °C bis +85 °C verfügbar. ◄<br />
24 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Mobiler Panel-PC für den medizinischen Einsatz<br />
POCm-W Serie – Mobiles Point-of-care-Terminal<br />
Eine 5-Megapixel-Webcam mit Auto-Fokus und<br />
digitalem Mikrofon, zwei 3-Watt- Lautsprecher<br />
sowie WLAN-Funktionalität vollenden die Features<br />
für den Einsatz im mobilen Umfeld. Als<br />
Zubehör steht neben der Batterie-Docking-<br />
Station und den Li-Ion-Batterien ein USB VoIP<br />
Telefon mit Halter, ein Magnetkartenleser, ein<br />
Mifare RFID Leser, ein TPM Modul und Kabelabdeckungen<br />
zur Verfügung. Auf Kundenwunsch<br />
assembliert ICP den POCm-W mit gewünschtem<br />
Betriebssystem und passenden industriellen<br />
Komponenten.<br />
Spezifikationen:<br />
• 21,5” und 23,8” lüfterlose Panel PC<br />
mit Full-HD-Auflösung<br />
• 6. Gen. Intel Core i5/i3/Celeron Prozessor<br />
• PCAP Projected-Capacitive<br />
Multitouch Screen<br />
Speziell für den mobilen Einsatz im medizinischen<br />
Umfeld bietet ICP Deutschland eine<br />
neue Panel-PC-Serie an. Der POCm-W kann mit<br />
bis zu drei Li-ION-Batterie-Packs bestückt werden<br />
und so eine Laufzeit von 8 Stunden realisieren.<br />
Durch die Hot-Swap-Funktion und die optionale<br />
Batterie Docking Station, kann die Laufzeit<br />
beliebig verlängert werden. Im Vergleich<br />
zu herkömmlichen Visitenwägen mit LiFePO 4 -<br />
Batterie-Einheiten, ist durch die Verwendung<br />
von Li-ION Batterien eine Gewichtsersparnis<br />
von mehr als 5 Kilogramm möglich.<br />
Geeignet für Mehrschichthandschuhe<br />
Der POCm-W wird in den Displaygrößen 21,5“<br />
und 23,8“ mit einer Auflösung von 1920x1080<br />
und einem projected-capacitive Touch angeboten.<br />
Der Touch ist optimiert für den Einsatz von<br />
Mehrschichthandschuhen und die Erkennung<br />
von Spritzwasser und Wassertropfen. Das<br />
Gehäuse ist anti-bakteriell, bietet einen IP65<br />
Frontschutz und eine Rückseite mit IP32 Schutz.<br />
Es wird jeweils eine passiv gekühlte Variante mit<br />
Intel mobile ULT Core i7-6600U, i5-6300U und<br />
Celeron 3855U angeboten.<br />
Speicher und Schnittstellen<br />
Der POCm-W ist mit 4 GB DDR4 RAM vorbestückt<br />
und kann auf bis zu 32 GB erweitert<br />
werden. Für Speichermedien stehen sowohl<br />
ein von außen zugänglicher 2,5“ SATA Laufwerksschacht<br />
als auch zwei M.2 Schnittstellen<br />
mit RAID Funktionalität zur Verfügung. Ferner<br />
bietet der POCm-W zwei GbE Netzwerkschnittstellen,<br />
zwei HDMI, zwei RS-232/422/485, vier<br />
USB 3.0, zwei USB2.0, sowie Audioanschlüsse.<br />
• Anti-bakterielle Oberfläche mit IP65<br />
Frontblende und IP32 Rückdeckel<br />
• Drei Hot-Swap Batterieeinschübe für den<br />
Einsatz von Batterien<br />
• Medizinische Zulassung nach EN60601<br />
Anwendungsbereiche/Applikationen:<br />
• Visitenwägen<br />
• Pflegeeinrichtungen<br />
• Krankenhäuser<br />
• Altenheime<br />
ICP Deutschland GmbH<br />
www.icp-deutschland.de<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
25
Künstliche Intelligenz<br />
Die Möglichkeiten und Grenzen<br />
künstlicher Intelligenz<br />
... und wie es für KI jetzt weitergeht<br />
KI wird im industriellen Umfeld vielseitig eingesetzt– und wird immer wichtiger<br />
© SALT AND PEPPER Holding GmbH & Co. KG<br />
Autor:<br />
André Wilmshöfer<br />
Geschäftsführer<br />
SALT AND PEPPER Technology<br />
www.salt-and-pepper.eu<br />
Künstliche Intelligenz ist ein<br />
schnell wachsendes und viel diskutiertes<br />
Thema – zurecht. Die Fortschritte<br />
sind exponentiell und beeindruckend.<br />
Beispiele wie ChatGPT,<br />
DALL-E oder auch Lensa sorgen<br />
aktuell für Aufsehen. Und sie zeigen,<br />
dass KI gerade anfängt, ihr<br />
Potenzial auszuschöpfen. Somit<br />
wird es Zeit, Prognosen aufzustellen<br />
– sowohl über die weitere Entwicklung<br />
dieser Technologie als<br />
auch welchen Einfluss sie auf die<br />
verschiedensten Lebensbereiche<br />
haben wird.<br />
Die Entwicklung wirft Fragen<br />
auf: Kann sich KI wirklich unbegrenzt<br />
weiterentwickeln? Oder gibt<br />
es irgendwann Grenzen, an die<br />
sie stößt? Wenn sie keine Grenzen<br />
hat, müssen wir ihr welche<br />
setzen? Was für gesetzliche und<br />
gesellschaftliche Regulierungen<br />
werden nötig, die immer mehr<br />
Bereiche unseres alltäglichen<br />
Lebens beeinflussen?<br />
Kosten, Zeit und<br />
Ressourcen sparen<br />
In Deutschland schreitet die Digitalisierung<br />
seit vielen Jahren im industriellen<br />
Umfeld konstant voran. Dies<br />
führt dazu, dass immer mehr Daten<br />
genutzt werden können, die zuvor<br />
noch nicht zur Verfügung standen.<br />
Für KI bedeutet das, dass auf<br />
Basis solcher Daten innovative<br />
Lösungen für Produktionen oder<br />
anderweitige Prozessabläufe entwickelt<br />
werden können, die Kosten,<br />
Zeit und andere wichtige Ressourcen<br />
einsparen. Beispiele dafür sind<br />
Verfahren wie Predictive Quality<br />
oder Predictive Maintenance: Hier<br />
werden Qualität oder systematische<br />
Fehlentwicklungen in der Produktion<br />
analysiert und automatisch eingeschätzt.<br />
Das reduziert beispielsweise<br />
Reklamationen durch Kunden<br />
nach Auslieferung oder ermöglicht<br />
auch eine bessere Planung<br />
der Wartungs intervalle für<br />
die Maschinen.<br />
Weitere<br />
Einsatzmöglichkeiten<br />
Doch nicht nur in der Industrie findet<br />
KI viele Einsatzmöglichkeiten,<br />
auch in Branchen wie Gesundheit<br />
oder Sicherheit kann sie wertvolle<br />
Unterstützung liefern. In der Medizin<br />
bieten sich Unterstützungsmöglichkeiten<br />
bei der Analyse und<br />
Diagnose klinischer Daten. In der<br />
Sicherheitsindustrie kann u. a. die<br />
Detektion unerwünschter Gegenstände<br />
optimiert werden – beispielsweise<br />
an Flughäfen. So wird<br />
sichergestellt, dass z. B. Waffen<br />
oder andere unerlaubte Gegenstände<br />
immer erkannt werden –<br />
unabhängig davon, wie unaufmerksam<br />
oder müde die zuständigen Mitarbeitenden<br />
sind. KI ermöglicht in<br />
diesen Fällen eine Entkopplung der<br />
Erkennungsrate vom menschlichen<br />
(Unsicherheits-)Faktor.<br />
Trends für <strong>2023</strong><br />
Für dieses Jahr kristallisieren sich<br />
weitere Trends heraus. Besonders<br />
Aspekte der Nachhaltigkeit und Ethik<br />
spielen dabei eine immer entscheidendere<br />
Rolle. Denn: Je größer die<br />
Einsatzgebiete von KI werden, desto<br />
wichtiger wird auch der verantwortungsvolle<br />
Umgang mit ihr. Das beinhaltet<br />
Fragen der verantwortungsvollen<br />
und sicheren Datennutzung,<br />
wie der Einsatz von KI nachhaltiger<br />
gestaltet werden kann oder auch<br />
die Gewährleistung der Sicherheit<br />
von Menschen, die im engen Kontakt<br />
zu ihr arbeiten.<br />
Wo KI (noch)<br />
an Grenzen stößt<br />
KI hat unfassbar viel Potenzial<br />
– und kann doch schnell an Grenzen<br />
stoßen, trotz aller positiven Entwicklungen<br />
und Prognosen. Dies<br />
gilt vor allem, wenn neben den bisher<br />
gemachten Erfahrungen auch<br />
emotionale Aspekte in die Entscheidungsfindung<br />
einfließen müssen,<br />
wie z. B. in der Medizin.<br />
Auch lassen sich ethische und<br />
moralische Aspekte einem KI-<br />
System (noch) nicht eindeutig vermitteln.<br />
Gleichzeitig kommt hier die<br />
26 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Künstliche Intelligenz<br />
Frage nach den „richtigen” Kriterien<br />
für das Machine Learning hinzu.<br />
Die Bias, also die Vorbewertung<br />
der Daten, ist stark von kulturellen,<br />
religiösen und anderen hochindividuellen<br />
Hintergründen der jeweiligen<br />
Daten analysten abhängig. Dies<br />
kann sogar so weit gehen, dass die<br />
trainierten KI-Systeme Menschen<br />
diskriminieren – ohne, dass dies<br />
ursprünglich beabsichtigt war.<br />
So vielseitig wie KI ist, so vielseitig<br />
sind auch die Herausforderungen,<br />
die mit ihr einhergehen.<br />
Doch künstliche Intelligenz ist nicht<br />
per se gut oder schlecht. Sie übernimmt<br />
nur das, was wir ihr – auch<br />
unbewusst – weitergeben.<br />
Normung<br />
ermöglicht Entwicklung<br />
Um mit diesen Herausforderungen<br />
in Zukunft besser und souveräner<br />
umgehen zu können, brauchen wir<br />
Regulierungen und gewisse Standards,<br />
die einen Handlungsrahmen<br />
als Grundlage vorgeben.<br />
Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung<br />
im Rahmen ihrer KI-<br />
Strategie die Entwicklung der sogenannten<br />
„Normungsroadmap KI”<br />
veranlasst. Sie soll konkrete Handlungsempfehlungen<br />
für die Standardisierung<br />
und Normung künstlicher<br />
Intelligenz skizzieren. Im<br />
Dezember 2022 wurde die 2. Ausgabe<br />
dieser Roadmap an Bundesminister<br />
Robert Habeck übergeben<br />
und veröffentlicht. Mehr als<br />
570 Fachleute aus verschiedenen<br />
Bereichen haben an diesem Projekt<br />
aktiv mitgewirkt. Die Ergebnisse<br />
wurden Ende Januar von<br />
der DIN und der Deutschen Kommission<br />
für Elektrotechnik, Elektronik<br />
und Informationstechnik (DKE)<br />
gemeinsam mit dem Bundesministerium<br />
für Wirtschaft und Klimaschutz<br />
in einer virtuellen Veranstaltung<br />
vorgestellt.<br />
Einsatzort<br />
Wichtige Kriterien, die für den<br />
Einsatz von KI reguliert werden,<br />
sind beispielsweise die Auswahl<br />
und Repräsentativität der Trainingsdatensätze<br />
vor dem Hintergrund<br />
des Einsatzortes. So kann<br />
einer versehentlichen Diskriminierung<br />
oder anderen Fehleinschätzungen<br />
seitens der KI vorgebeugt<br />
werden – vor allem, wenn mit Daten<br />
trainiert wird, die sich auf Menschen<br />
beziehen. Im medizinischen<br />
Bereich würde das z. B. bedeuten,<br />
dass auch Aspekte wie Ethnie,<br />
Alter, Krankenhistorie oder weitere<br />
Nebendiagnosen berücksichtigt<br />
werden müssen.<br />
Gütekriterien<br />
Andere Regulierungskriterien<br />
beinhalten u. a. Metriken, also<br />
Gütekriterien zu Einschätzung<br />
der Performance der verwendeten<br />
Datensätze, die Einhaltung des<br />
Datenschutzes und welche Regeln<br />
für die Datennutzung gelten, oder<br />
auch Haftungsfragen im Hinblick<br />
auf den Autonomiegrad einer KI-<br />
Software.<br />
Die Normung von Künstlicher<br />
Intelligenz bildet einen enormen<br />
Meilenstein. Sie ist so wichtig, weil<br />
sie die Basis zur Formulierung von<br />
Rechtsvorschriften bildet: Sobald<br />
bestimmte Kriterien definieren,<br />
ab wann ein System sicher und<br />
funktional ist, können auf dieser<br />
Grundlage Gesetze geschaffen<br />
werden. Besonders in sensibleren<br />
Bereichen, wie der Sicherheit<br />
und Gesundheit von Personen, ist<br />
das ein wichtiger Aspekt. Gerade<br />
dort werden Regulierungen Sicherheit<br />
schaffen und Beteiligte rechtlich<br />
absichern.<br />
Gleichzeitig ergeben ssich Vorteile<br />
für den Einsatz von KI – sie<br />
kann so in Bereichen eingesetzt<br />
werden, in denen ihr Einsatz zuvor<br />
undenkbar gewesen wäre. Dies trifft<br />
beispielsweise auf den Medizintechnikbereich<br />
zu – insbesondere den<br />
Hochrisikobereich der Medizinprodukteklassen<br />
IIa, IIb und III – bei<br />
dem für den Marktzugang hohe<br />
Zertifizierungshürden überwunden<br />
werden müssen. Die Normung wird<br />
hier enorm viel erleichtern.<br />
Autonom agieren<br />
Indem Normungskriterien eingehalten<br />
werden, kann KI autonom<br />
verwendet werden – und somit aus<br />
dem Schattendasein eines reinen<br />
„Vorschlagssystems” heraustreten.<br />
Wie das aussehen kann, erleben<br />
viele bereits heute in ihrem Alltag mit<br />
ihrer Einparkhilfe: Hier kann die KI<br />
unter Aufsicht des Fahrers bereits in<br />
einigen Teilen vollkommen autonom<br />
agieren. Die mit der Normung einhergehende<br />
Zertifizierung von KI-Systemen<br />
führt dazu, dass viele manuelle<br />
und teilautomatisierte Prozesse im<br />
nächsten Schritt in die Vollautomatisation<br />
überführt werden können.<br />
Das entlastet Fachkräfte. Aber<br />
gleichzeitig entstehen diverse Herausforderungen<br />
in der Arbeitsplatzgestaltung.<br />
Unternehmen und Mitarbeitende<br />
werden sich auf neue<br />
Arbeitsumgebungen einstellen müssen.<br />
Alte Prozesse verschwinden<br />
und neue entstehen, während sich<br />
Mit dem verstärkten Einsatz von KI in den verschiedensten Bereichen<br />
ergeben sich neue Use Cases – von Flughafensicherheit bis Medizin. Ein<br />
verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie wird deshalb umso<br />
wichtiger. © SALT AND PEPPER Holding GmbH & Co. KG<br />
Die 2. Ausgabe der Normungsroadmap KI wurde im Dezember 2022 an<br />
Bundesminister Robert Habeck beim Digitalgipfel übergeben<br />
© Stefan Zeitz, Digitalgipfel 2022<br />
die Aufgabenbereiche der Mitarbeitenden<br />
verschieben. So werden<br />
beispielsweise manuelle Qualitätsinspektionen<br />
in Zukunft von KI-<br />
System durchgeführt und damit vollautomatisiert.<br />
Diese Umstände verlangen<br />
nach einer hohen Flexibilität<br />
– ähnlich wie schon bei der dritten<br />
industriellen Revolution.<br />
Wie geht es jetzt weiter?<br />
Die Normungsroadmap KI wird im<br />
nächsten Schritt den Normungsausschüssen<br />
der DIN vorgelegt, wobei<br />
der langfristige Fokus auf dem europäischen<br />
Binnenmarkt oder sogar<br />
ISO-Normen liegt. Auf dieser Grundlage<br />
folgen dann entsprechende Vorlagen<br />
für Konzepte. Diese werden<br />
anschließend normiert und können<br />
final als recht liche Grundlage verwendet<br />
werden.<br />
Es zeigt sich also, dass Künstliche<br />
Intelligenz das Leben in allen<br />
Bereichen transformiert, sowohl privat<br />
als auch beruflich. Noch weist<br />
die Technologie gewisse Grenzen<br />
auf, insbesondere, wenn es um Fragen<br />
der Ethik geht. Ihre Entwicklung<br />
und die damit einhergehenden<br />
Veränderungen werden in Zukunft<br />
jedoch exponentiell zunehmen. Und<br />
auf diese Veränderungen müssen<br />
wir uns vorbereiten. Ein essenzieller<br />
Teil dessen ist die Normung als<br />
Basis der rechtlichen Regulierung<br />
von KI, um mit der steigenden Relevanz<br />
auch den verantwortungsvollen<br />
Umgang mit der Technologie<br />
sicherzustellen. Es bleibt spannend<br />
zu beobachten, welche Entwicklungen<br />
Bestand haben – und welche<br />
Trends nicht überdauern. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
27
EMV<br />
Medizinische Geräte<br />
und elektromagnetische Verträglichkeit<br />
Bei medizinischen Geräten spielt die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV/EMC) eine besonders wichtige<br />
Rolle, da hier Leben und Gesundheit von Menschen betroffen sind. Die Anforderungen der internationalen Norm<br />
IEC 60601-1-2, 4. Ausgabe, dürfen daher nicht vernachlässigt werden.<br />
Kurz zur IEC 60601(-1-2)<br />
Die internationale Normenreihe<br />
IEC 60601 behandelt die Sicherheit<br />
und die wesentlichen Leistungsmerkmale<br />
von medizinischen elektr(on)<br />
ischen Geräten und dient als Grundlage<br />
für die Regulierung medizinischer<br />
Geräte in den meisten Ländern<br />
der Welt. Die Reihe besteht aus<br />
einer allgemeinen Norm (IEC60601-<br />
1), etwa zehn ergänzenden Normen<br />
(IEC 60601-1-xx) und etwa 60 speziellen<br />
Normen (IEC 60601-2-xx<br />
und IEC/ISO 80601-2-xx). Die IEC<br />
60601-Reihe gilt nicht für die meisten<br />
Arten von In-vitro-Diagnostika<br />
oder implantierbare Teile von<br />
aktiven implantierbaren medizinischen<br />
Geräten (die von der ISO<br />
14708 abgedeckt werden).<br />
IEC 60601-1-2<br />
(Medizinische elektrische<br />
Geräte, Teil 1-2)<br />
Quelle:<br />
Medical devices and<br />
electromagnetic compatibility<br />
Addressing the requirements of<br />
IEC 60601-1-2, 4th Edition<br />
UL Solutions<br />
www.ul.com<br />
redaktionell übersetzt und<br />
stark gekürzt<br />
Das Risiko elektromagnetischer<br />
Störungen und die Störfestigkeit sind<br />
wichtige Faktoren bei der Bewertung<br />
der Sicherheit von Medizinprodukten<br />
durch die Aufsichtsbehörden.<br />
Allerdings sind neue Herausforderungen<br />
dazugekommen,<br />
da moderne Medizintechnikgeräte<br />
aufgrund neuer Technologien und<br />
Innovationen vielseitiger einsetzbar<br />
sind. Zu nennen ist hier die drahtlose<br />
Kommunikation, die neue Einsatzbereiche<br />
ermöglicht. So haben<br />
sich nicht nur die Möglichkeiten, sondern<br />
auch die potentiellen Risiken<br />
für die Patienten erhöht.<br />
Die IEC 60601-1-2<br />
ist die international anerkannte<br />
Norm für medizinische Geräte, die<br />
Anforderungen und Tests für die<br />
Empfindlichkeit und Immunität gegenüber<br />
elektromagnetischen Störungen<br />
behandelt. Sie wurde kürzlich<br />
umfassend überarbeitet. In der<br />
EU ist die Norm IEC 60601-1-2 in<br />
vierter Ausgabe Konsensnorm für<br />
die Einhaltung der Medizinprodukte-<br />
Richtlinie. Dieser Artikel gibt einen<br />
Überblick über die vierte Ausgabe<br />
von IEC 60601-1-2 und die spezifischen<br />
Fragen von Geräteherstellern.<br />
Allgemeine Festlegungen für die<br />
Sicherheit und die grundlegenden<br />
Leistungen – die Ergänzungsnorm<br />
„Elektromagnetische Störungen<br />
– Anforderungen und Prüfungen“<br />
befasst sich mit Sicherheits- und<br />
Leistungsfragen für medizinische<br />
Geräte. Die Norm definiert insbesondere<br />
Störfestigkeits-Grenzwerte<br />
zum Schutz medizinischer Geräte<br />
vor elektromagnetischen Störungen<br />
(EMI) sowie Emissionsgrenzwerte<br />
eines Geräts. Die Einhaltung der<br />
IEC 60601-1-2 trägt dazu bei, Fehlfunktionen<br />
des Geräts zu minimieren,<br />
die eine Gefahr für Patienten<br />
und Gesundheitsdienstleister darstellen<br />
könnten. Die letzten Änderungen<br />
erfolgten 2014 mit der Veröffentlichung<br />
der vierten Ausgabe der<br />
IEC 60601-1-2. Zum Teil durch den<br />
Bedarf an strengeren EMV-Anforderungen<br />
wegen der Verbreitung von<br />
drahtlosen Geräten in der Gesundheitstechnik<br />
spiegelt die vierte Ausgabe<br />
auch die heutige Verwendung<br />
von medizinischen Geräten in einer<br />
Vielzahl von Umgebungen, von pro-<br />
28 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
EMV<br />
fessionellen Gesundheitseinrichtungen<br />
bis hin zu häuslichen Pflegeeinrichtungen,<br />
wider.<br />
EMV-bezogene Risiken<br />
Wichtig ist, dass die vierte Ausgabe<br />
der IEC 60601-1-2 den umfassenden<br />
Ansatz zur Risikobewertung<br />
in der aktuellen Ausgabe der IEC<br />
60601-1, der allgemeinen Norm für<br />
Medizinprodukte, ergänzt. Die vierte<br />
Ausgabe legt nun den Schwerpunkt<br />
auf eine Bewertung aller EMV-bezogenen<br />
Risiken, die mit den grundlegenden<br />
Leistungs- und Sicherheitsanforderungen<br />
eines bestimmten<br />
Medizinprodukts in den spezifischen<br />
Umgebungen, in denen das<br />
Produkt eingesetzt werden soll,<br />
übereinstimmen.<br />
Anstatt zu versuchen, spezifische<br />
Anforderungen für jeden einzelnen<br />
Fall zu definieren, verlangt die<br />
vierte Ausgabe von jedem Hersteller,<br />
einen Prüfplan für sein Produkt<br />
zu entwickeln.<br />
Wesentliche Änderungen<br />
gegenüber der dritten<br />
Ausgabe:<br />
• definierte Umgebungen<br />
für den bestimmungsgemäßen<br />
Gebrauch<br />
Die vierte Ausgabe ersetzt die<br />
Klassifizierungen „lebenserhaltend“<br />
und „nicht lebenserhaltend“ der<br />
dritten Ausgabe durch drei Umgebungen<br />
für den bestimmungsgemäßen<br />
Gebrauch:<br />
1. professionelle Gesundheitseinrichtungen,<br />
wie Krankenhäuser,<br />
Kliniken und andere medizinische<br />
Einrichtungen<br />
2. häusliche Pflegeeinrichtungen<br />
3. Umgebungen wie z. B. Industriegebiete<br />
und militärische Einrichtungen<br />
Diese Änderung harmonisiert<br />
die überarbeitete Norm mit anderen<br />
Normen der IEC-Reihe.<br />
• Annahme eines Risikomanagement-Ansatzes<br />
Die vierte Ausgabe verwendet<br />
die Grundsätze des Risikomanagement-Ansatzes<br />
in der Ausgabe 3.1<br />
der IEC 60601-1. Konkret verlangt<br />
die Norm nun von den Herstellern<br />
eine Risikobewertung der Sicherheitsaspekte<br />
in Bezug auf EMV in<br />
Verbindung mit jedem Medizinprodukt<br />
in Übereinstimmung mit den<br />
Anforderungen der ISO 14971.<br />
• Bedeutung der wesentlichen<br />
Leistung und der<br />
grundlegenden Sicherheit<br />
Der Risikomanagementprozess<br />
soll auch die wesentlichen Leistungs-<br />
und grundlegenden Sicherheitsanforderungen<br />
an ein bestimmtes<br />
Produkt abbilden. Pass/Fail-<br />
Anforderungen in Bezug auf spezifische<br />
Emissions- und Störfestigkeitsgrenzwerte<br />
sollen sicherstellen,<br />
dass die grundlegende Leistung und<br />
Sicherheit nicht beeinträchtigt wird.<br />
• Anhebung der<br />
ESD-Immunitätsteststufen<br />
Um der der Gefahr von Schäden<br />
durch elektrostatische Entladung<br />
(ESD) zu begegnen, wurden<br />
die ESD-Immunitätswerte deutlich<br />
angehoben.<br />
Ein Prüfplan muss mindestens die<br />
folgenden Punkte berücksichtigen:<br />
• vorgesehene Verwendung des<br />
Medizinprodukts<br />
• spezifischen Umgebungsbedingungen,<br />
in denen das Medizinprodukt<br />
eingesetzt werden soll<br />
• wesentlichen Leistungsmerkmale<br />
und grundlegenden Sicherheitsrisiken<br />
mit dem Produkt während<br />
seiner bestimmungsgemäßen<br />
Verwendung und in der bestimmungsgemäßen<br />
Umgebung<br />
• Beschreibung der für die Prüfung<br />
erforderlichen physikalischen und<br />
elektrischen Einrichtungen<br />
• Beschreibung der zu prüfenden<br />
Gerätekonfiguration(en) und<br />
Betriebsmodi<br />
• Beschreibung des Plans zur<br />
Überwachung der wesentlichen<br />
Leistungen während der Prüfung<br />
• Teststufen für jede durchzuführende<br />
Emissions- und Störfestigkeitsprüfung<br />
• Kriterien für das Bestehen/Nichtbestehen<br />
jeder Emissions- und<br />
Störfestigkeitsprüfung<br />
Mustervorlage<br />
Um Gerätehersteller bei der Entwicklung<br />
eines Prüfplans zu unterstützen,<br />
der die Anforderungen der<br />
Norm erfüllt, enthält die vierte Ausgabe<br />
der Norm eine Mustervorlage.<br />
Die vierte Ausgabe enthält auch<br />
überarbeitete Dokumentationsanforderungen.<br />
Die Anforderungen an den<br />
Prüfplan stellen wahrscheinlich<br />
eine erhebliche Belastung für<br />
viele Gerätehersteller dar. Dementsprechend<br />
enthält die vierte<br />
Ausgabe eine Reihe von informativen<br />
Anhängen, die Hilfestellung<br />
beim Verständnis vieler<br />
Aspekte geben.<br />
Umsetzung<br />
der Vorschriften<br />
Die Entwicklung und Markteinführung<br />
von Medizinprodukten, die<br />
auf fortschrittlichen Technologien<br />
basieren, kann heute Jahre dauern.<br />
Während die Hersteller von Medizinprodukten<br />
oft aktiv dazu angehalten<br />
werden, ihre Produkte schnell<br />
anzupassen, um die Anforderungen<br />
aktualisierter oder überarbeiteter<br />
Normen zu erfüllen, haben die<br />
Regulierungsbehörden in der Regel<br />
formelle Zeitpläne für die Umsetzung,<br />
die den Herstellern drei Jahre<br />
oder mehr Zeit geben könnten, um<br />
die aktualisierten Anforderungen<br />
zu erfüllen.<br />
Fazit<br />
Die vierte Ausgabe der IEC<br />
60601-1-2 stellt die Hersteller von<br />
Medizinprodukten vor eine Reihe<br />
von Herausforderungen bei der<br />
Einhaltung der Vorschriften, insbesondere<br />
die Anforderungen an den<br />
Hersteller, eine Analyse des Risikos<br />
für die wesentliche Leistung und<br />
die grundlegende Sicherheit seines<br />
Gerätes in Verbindung mit den<br />
Auswirkungen von EMI durchzuführen<br />
und einen umfassenden Prüfplan<br />
zu entwickeln, um die Einhaltung<br />
der Anforderungen der vierten<br />
Auflage im Hinblick auf diese Risiken<br />
zu bewerten. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
29
Virtueller Zwilling<br />
Virtueller Zwilling im Gesundheitswesen<br />
Großes Potenzial für die Medizin<br />
In vielen Branchen ist der Einsatz<br />
eines virtuellen Zwillings fester<br />
Bestandteil des Arbeitsalltags: Im<br />
Maschinenbau minimiert er die<br />
Abhängigkeit von kostenintensiven,<br />
physischen Tests und verkürzt damit<br />
die Time-to-Market. In der Automobilbranche<br />
werden Crashtests zu<br />
90 Prozent virtuell durchgeführt und<br />
anschließend am fertigen Produkt<br />
überprüft. In der Gesundheitsbranche<br />
hat der virtuelle Zwilling durch<br />
Fortschritte der vergangenen Jahre<br />
Aufwind erhalten, denn er ermöglicht<br />
ein hohes Maß an Effizienz bei der<br />
Entwicklung neuer Behandlungen<br />
Autor:<br />
Steve Levine<br />
Sr. Director of Virtual Human<br />
Modeling<br />
Dassault Systèmes<br />
www.3ds.com/de<br />
sowie Präzision bei deren Anwendung.<br />
Die 3D-Rekonstruktion des<br />
schlagenden Herzens von Patienten,<br />
die Simulation einer komplexen<br />
Operation oder virtuelle Tests<br />
von Medikamenten an ganzen Körpersystemen<br />
sind dabei nur einige<br />
Beispiele. Sicher ist: Durch den Einsatz<br />
eines virtuellen Zwillings lassen<br />
sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen,<br />
um medizinische Innovationen<br />
und eine präzise Patientenversorgung<br />
maßgeblich voranzubringen.<br />
Digitalisierung<br />
in der Medizin<br />
Technologie ist ein Katalysator<br />
für Transformation. Sie beeinflusst,<br />
wie wir leben und arbeiten und ist<br />
die Grundlage vieler gesellschaftlicher<br />
und wirtschaftlicher Veränderungen.<br />
In zahlreichen Branchen ist<br />
die Digitalisierung bereits in vollem<br />
Gange und hat die nötige Transformation<br />
mit sich gebracht, damit<br />
Unternehmen in der globalen Wirtschaft<br />
wettbewerbsfähig bleiben.<br />
Mit dem Einsatz dieser Technologien<br />
steht das Gesundheitswesen<br />
nun vor einem besonders großen<br />
Wandel. Viele Menschen nutzen im<br />
privaten Umfeld bereits Apps für das<br />
Smartphone oder Wearables, die<br />
sportliche Aktivitäten aufzeichnen<br />
oder den Blutdruck und Blutzuckerspiegel<br />
überwachen. Ihre Gesundheitsdaten<br />
sind damit digital verfügbar<br />
und einfach für sie zugänglich.<br />
Für den nächsten, wichtigen<br />
Schritt ist die Industrie am Zug –<br />
mit der Entwicklung und Nutzung<br />
virtueller Patientenzwillinge, zum<br />
Beispiel von Zellen, Organen oder<br />
sogar dem vollständigen menschlichen<br />
Körper.<br />
Doch was genau<br />
ist ein virtueller Zwilling?<br />
Zunächst sollte zwischen dem<br />
digitalen und dem virtuellen Zwilling<br />
unterschieden werden. Der<br />
digitale Zwilling beschreibt lediglich<br />
eine digitalisierte Kopie des Ist-<br />
Zustands. Werden Patientendaten<br />
beispielsweise mit einem Fragebogen<br />
in Papierform erfasst, fließen<br />
diese nun digital, z. B. über ein<br />
Tablet, in die digitale Datensammlung<br />
ein. Diese Arbeitsweise ist<br />
ein notwendiger Ansatz, um erste<br />
Fortschritte bei der Digitalisierung<br />
zu erzielen. Der virtuelle Zwilling<br />
geht deutlich weiter: Er setzt bei<br />
der Entwicklung eines digitalen<br />
Abbilds von Produkten, Menschen<br />
sowie Prozessen an und überträgt<br />
sie in die virtuelle Welt. Diese dient<br />
als gemeinsamer Bezugspunkt für<br />
alle Beteiligten, ermöglicht die Simulation<br />
von Was-wäre-wenn-Szenarien<br />
und eröffnet dadurch ein neues<br />
Universum an Möglichkeiten und<br />
Denkansätzen.<br />
Ein Herz<br />
für die Digitalisierung<br />
Eine medizinische Disziplin, die<br />
besonders stark vom Einsatz eines<br />
virtuellen Zwillings profitieren wird,<br />
ist die Kardiologie. Der Herzbericht<br />
der Deutschen Herzstiftung zeigt,<br />
dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen<br />
weiterhin die häufigste Todesursache<br />
in Deutschland sind. Die<br />
größte Herausforderung bei der<br />
Behandlung ist die hohe Komplexität<br />
des Organs sowie dessen Auswirkungen<br />
und Abläufe im gesamten<br />
Körper der Patienten. Ärzte können<br />
das volle Ausmaß einer Krankheit<br />
nicht von außen erkennen; zudem<br />
ist der Zugang zum Herzen schwierig.<br />
Einen großen Teil ihrer Expertise<br />
beziehen sie zudem über Erfahrungen<br />
aus der Praxis – direkt an<br />
der zu behandelnden Person. Dieser<br />
Herausforderung hat sich Dassault<br />
30 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Virtueller Zwilling<br />
Systèmes mit dem im Jahr 2014 ins<br />
Leben gerufene Living Heart-Projekt<br />
angenommen, das nun schon fast<br />
zehn Jahre erfolgreich besteht. Die<br />
Initiative vereint mehr als 150 Institutionen<br />
aus Forschung, Industrie,<br />
Ärzteschaft und Zulassungsbehörden<br />
aus 24 Ländern, die mit ihrem<br />
kombinierten klinischen Know-how<br />
sowie Erkenntnissen aus der Wissenschaft<br />
das erste realistische<br />
3D-Modell eines schlagenden Herzens<br />
entwickelt haben. Dieser virtuelle<br />
Zwilling bildet nicht nur Aufbau,<br />
Form und Funktion des Organs ab,<br />
sondern bündelt zudem Informationen<br />
und Wissen, sodass alle beteiligten<br />
Personen jederzeit darauf<br />
zugreifen können. Das Modell lässt<br />
sich zudem durch patientenbezogene<br />
Daten wie MRT-Bilder oder<br />
Ergebnisse der Herzdiagnostik personalisieren.<br />
Es eröffnet dadurch<br />
neue Möglichkeiten auf drei Ebenen,<br />
um die Patientenversorgung<br />
zu verbessern, die Wissenschaft<br />
und Forschung zu unterstützen und<br />
Innovationen zu beschleunigen:<br />
• Medizintechnikunternehmen verwenden<br />
das virtuelle Herz, um<br />
Strukturbauteile wie künstliche<br />
Herzklappen zu entwickeln und<br />
zu testen. Der Einsatz eines virtuellen<br />
Zwillings als Ersatz für Tierversuche<br />
oder physische Prototypen<br />
ist weniger zeit- und kostenintensiv<br />
und erhöht außerdem die<br />
Erfolgsaussichten in klinischen<br />
Studien. Zudem lässt sich der<br />
virtuelle Zwilling personalisiert an<br />
die Krankheitsbedingungen von<br />
Patienten anpassen oder auf eine<br />
bestimmte Bevölkerungsgruppe,<br />
z. B. Kinder, abstimmen.<br />
• Pharmaunternehmen nutzen den<br />
virtuellen Zwilling für Versuche auf<br />
Zellebene, bevor sie Medikamente<br />
zur Behandlung von Herzerkrankungen<br />
für die Zulassung bei der<br />
entsprechenden Behörde einreichen.<br />
Sie untersuchen in virtuellen<br />
Tests, wie sich Wirkstoffe<br />
auf das gesamte Organ und das<br />
umliegende Muskelgewebe auswirken.<br />
Dies senkt das Risiko von<br />
unvorhergesehenen Ergebnissen<br />
bei klinischen Studien – für das<br />
bestmögliche Ergebnis für die zu<br />
behandelnden Personen.<br />
• Ärzteschaft und Studierende profitieren<br />
in der täglichen Arbeit vom<br />
virtuellen Zwilling des Herzens.<br />
Patientenspezifische Modelle<br />
unterstützen medizinisches Personal<br />
beispielsweise bei der Planung<br />
komplexer Eingriffe und<br />
Behandlungen, wie der Korrektur<br />
von schweren Herzfehlern bei<br />
Neugeborenen. Indem die Operation<br />
vorab virtuell erprobt wird,<br />
ermitteln sie den bestmöglichen<br />
Behandlungsansatz, bevor er am<br />
Patienten angewendet wird. Selbiges<br />
gilt für die Aus- und Weiterbildung:<br />
Hier können angehende<br />
Mediziner das Organ zuerst virtuell<br />
erkunden und einen operativen<br />
Eingriff trainieren.<br />
Innovative<br />
Einsatzmöglichkeiten<br />
für maßgeschneiderte<br />
Therapien<br />
Die zunehmende Reife der Technologie<br />
sowie die Leistungsfähigkeit<br />
und Vielseitigkeit des virtuellen Zwillings<br />
haben eine wachsende Zahl<br />
neuer Anwendungsfälle in allen<br />
medizinischen Disziplinen hervorgebracht.<br />
Neben dem Herzen hat<br />
Dassault Systèmes weitere Virtual<br />
Twin-Modelle für das Gesundheitswesen<br />
entwickelt – so wird ein virtueller<br />
Zwilling des Gehirns für eine<br />
präzisere Epilepsiebehandlung eingesetzt<br />
und Modelle von Knie- und<br />
Hüftgelenken erleichtern die Anfertigung<br />
individueller Prothesen. Darüber<br />
hinaus eröffnet der virtuelle Zwilling<br />
der Lunge vielversprechende<br />
Perspektiven für eine personalisierte<br />
Beatmung im Koma.<br />
Klinische Studien<br />
Diese Fortschritte haben sich<br />
auch positiv auf den kritischen Teil<br />
des Entwicklungsprozesses, die<br />
Durchführung klinischer Studien,<br />
ausgewirkt. Sie werden zunehmend<br />
„in-silico“ umgesetzt und ermöglichen<br />
es, Behandlungsmethoden<br />
und zukünftige Medikamente durch<br />
virtuelle Tests an virtuellen Patientengruppen<br />
zu optimieren. Um<br />
diesen Prozess zu rationalisieren,<br />
entwickelt Dassault Systèmes in<br />
Zusammenarbeit mit der amerikanischen<br />
Arzneimittelbehörde FDA<br />
Richtlinien für Pharmaunternehmen<br />
zur Durchführung klinischer In-silico-<br />
Studien. Sie sollen als Grundlage<br />
dienen und so zu effizienteren sowie<br />
effektiveren Verfahren beitragen.<br />
3D-Simulation fördert außerdem<br />
das Verständnis und die Kommunikation<br />
zwischen Patienten, ihren<br />
Angehörigen sowie dem behandelnden<br />
Fachpersonal. 3D als universelle<br />
Sprache hilft hier, Behandlungspläne<br />
besser zu verstehen. Ein<br />
Anwendungsbeispiel ist das VOR-<br />
THEx-Projekt. Mittels Virtual Reality<br />
können sich Krebspatienten vor der<br />
tatsächlichen Bestrahlung mit der<br />
Situation vertraut machen: Indem<br />
sie die Therapie zuerst in der virtuellen<br />
Welt erleben, soll ihnen die<br />
Angst davor genommen werden.<br />
Über den einzelnen Patienten<br />
hinaus lässt sich ein virtueller Zwilling<br />
auch auf die Ebene einer vollständigen<br />
Gesundheitseinrichtung<br />
oder sogar eines medizinischen<br />
Wertschöpfungsnetzwerks skalieren.<br />
Das Abbild eines Krankenhauses<br />
kann für die Planung und<br />
Gestaltung genutzt werden, um Prozesse<br />
wie die Patientenaufnahme<br />
effizienter zu gestalten oder Kreuzkontaminationen<br />
durch eine Optimierung<br />
von Laufwegen zu minimieren.<br />
Dabei lässt sich auch simulieren,<br />
welchen Einfluss die Platzierung<br />
der Einrichtungsgegenstände<br />
im Gebäude oder die Belüftungssysteme<br />
haben. Darüber hinaus findet<br />
ein virtueller Zwilling auch Anwendung<br />
in der Notfallvorsorge, bei Trainings<br />
und der Simulation verschiedener<br />
Szenarien sowie in prädikativen<br />
Analysen und Optimierungen,<br />
die die Gesamteffizienz des Krankenhauses<br />
verbessern.<br />
Die Zukunft der Medizin<br />
Was bei virtuellen Crashtests in<br />
der Automobilindustrie seit Jahren<br />
die Regel ist, findet nun auch erfolgreich<br />
Anwendung in der Gesundheitsbranche.<br />
Virtual Human Modeling,<br />
also ein virtueller Zwilling von<br />
Organen oder Zellen, oder auch<br />
ein virtueller Zwilling von Krankenhäusern<br />
und ganzen Wertschöpfungsnetzwerken<br />
ermöglichen<br />
eine revolutionäre Transformation<br />
des Gesundheitswesens. Mit diesem<br />
Ziel vor Augen verfolgt Dassault<br />
Systèmes die Vision, ein virtuelles<br />
Abbild des gesamten menschlichen<br />
Körpers zu entwickeln – einen<br />
„Virtual Twin of the Human Body“.<br />
Neue Erkenntnisse, wie Studien,<br />
diagnostische Tests oder Behandlungen,<br />
fließen in die Entwicklung<br />
des Modells ein, optimieren es und<br />
verbessern die Möglichkeiten zur<br />
Individualisierung. Damit ist eine<br />
Zukunft des Gesundheitswesens<br />
in Sicht, bei der jeder Patient die<br />
Chance auf eine Behandlung hat,<br />
die auf den eigenen Körper, Stoffwechsel<br />
sowie die jeweiligen Gene<br />
abgestimmt ist. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
31
Supply Chain<br />
Supply Chain im MedTech-Bereich<br />
Lessons Learned für starke Lieferketten<br />
Bild 1: Starke Lieferkette: Was Medtech-Unternehmen aus der Krise lernen können<br />
© Unsplash/Miltiadis Fragkidis; COO-Lizenz<br />
Autor:<br />
Frank Zycinski<br />
Market Sector Vice President<br />
Plexus<br />
www.plexus.com/de-de/<br />
Hersteller im MedTech-Bereich<br />
sehen sich auch drei Jahre nach<br />
COVID-19 mit einer launischen<br />
Supply Chain konfrontiert, die nach<br />
neuen Strategien verlangt. Dabei<br />
zeigt sich: Es gibt verschiedene<br />
Wege für mehr Resilienz entlang<br />
von Lieferketten.<br />
Der Blick auf die Supply Chain<br />
bleibt vorsichtig optimistisch. Nach<br />
einer Umfrage von H&Z und dem<br />
Industrieverband Spectaris haben<br />
67 % der MedTech-Unternehmen in<br />
der DACH-Region zwar akute Störungen<br />
in ihren Lieferketten mittlerweile<br />
unter Kontrolle. Die Hersteller<br />
sehen sich nun jedoch neuen<br />
und oft komplexeren Herausforderungen<br />
gegenüber. So machen die<br />
steigenden Preise rund 82 % der<br />
Unternehmen zu schaffen. Weitere<br />
88 % spüren die Folgen des instabilen<br />
Energiemarktes.<br />
Dass die wirtschaftlichen und<br />
geopolitischen Unsicherheiten die<br />
Medtech-Branche besonders hart<br />
treffen, ist kaum überraschend.<br />
Hochkomplexe medizinische Geräte<br />
setzen in der Regel lange Entwicklungszyklen<br />
voraus. Bis zur Zulassung<br />
eines Hightech-Produkts können<br />
Jahre vergehen, zumal strenge<br />
Compliance-Vorgaben zu erfüllen<br />
sind. Diese speziellen Bedingungen<br />
machen sich über kurz<br />
oder lang auch bei der Auswahl der<br />
eingesetzten Komponenten<br />
bemerkbar.<br />
Oftmals hängt<br />
von nur einer einzigen<br />
Bezugsquelle<br />
ab, ob ein medizinisches<br />
Gerät<br />
rechtzeitig auf den<br />
Markt kommt. Die<br />
Supply-Chain-Krise<br />
der letzten zwei<br />
Jahre hat diese Herausforderungen<br />
deutlich verschärft.<br />
Auf dem Höhepunkt<br />
der Engpässe<br />
ließen sich<br />
millionenschweren<br />
High-Tech-Produkte<br />
nicht ausliefern,<br />
da einzelne<br />
Komponenten<br />
schlichtweg<br />
nicht lieferbar waren.<br />
Lessons Learned<br />
aus der Krise<br />
Die Branche hat aus diesen Erfahrungen<br />
gelernt und steht vor einem<br />
strategischen Shift, was die Supply<br />
Chain angeht. Ziel ist es, nicht nur<br />
kurzfristig, sondern auch langfristig<br />
Engpässe und lange Lieferzeiten zu<br />
vermeiden und die Fertigstellung<br />
von medizinischen Geräten sicherzustellen.<br />
Das zeigt auch die bereits<br />
oben erwähnte Umfrage unter 400<br />
MedTech-Herstellern: Während vor<br />
einigen Jahren eine möglichst kosteneinsparende<br />
Produktion im Vordergrund<br />
stand (37 %), steht heute nur<br />
noch bei jedem fünften Unternehmen<br />
(21 %) die Beschaffungskosten<br />
ganz oben auf der Prioritätenliste.<br />
Eine Frage des Standorts<br />
Reshoring, Nearshoring oder<br />
Friendshoring: Eine wichtige Überlegung<br />
betrifft dabei den Standort der<br />
Produktion. Angesichts steigender<br />
Transportkosten und geopolitischer<br />
Spannungen denken viele Unternehmen<br />
darüber nach, ihre Fertigung<br />
ganz oder zumindest teilweise<br />
wieder zurückzuholen (Reshoring).<br />
Die Zusammenführung von Design<br />
und Produktion in einem Herkunftsland<br />
soll die Zuverlässigkeit erhöhen<br />
und die Abhängigkeit von externen<br />
Faktoren minimieren. Ähnliches verspricht<br />
man sich auch vom Nearshoring:<br />
Hier befindet sich die Produktionsstätte<br />
in einem Land, dass<br />
sich geografisch in der Nähe befindet,<br />
dabei aber gleichzeitig Vorteile<br />
bei Lohn- und Produktionskosten bietet.<br />
Osteuropa hat sich hier in den<br />
letzten Jahren bereits als attraktiver<br />
Nachbar etabliert. Ob dieser Trend<br />
anhält, bleibt jedoch abzuwarten.<br />
Eine dritte Variante sind Standorte,<br />
die sowohl einen Zugang zu globalen<br />
Märkten als auch ein gewisses<br />
Maß an politischer Stabilität bieten<br />
(Friendshoring).<br />
Sicherheit schaffen<br />
Was alle diese Ansätze in der<br />
Theorie verbindet: Sie sollen<br />
Sicherheit schaffen und Herstellern<br />
die Kontrolle über ihre Lieferketten<br />
zurückgeben. In der Praxis<br />
ist die Rück- oder Umverlagerung<br />
von Produktionsstätten<br />
jedoch komplex. In manchen Fällen<br />
ist die Fertigung an spezifische<br />
Rohstoffe gebunden. In vielen Ländern<br />
bremst der Fachkräftemangel<br />
ehrgeizige Pläne zur Lokalisierung<br />
von Lieferketten schnell<br />
aus. Außerdem lohnt es sich nicht<br />
immer, etablierte und über Jahre<br />
hinweg aufgebaute Offshore-Fertigungskapazitäten<br />
einfach aufzugeben,<br />
um an anderer Stelle vorn<br />
vorne anzufangen.<br />
Bild 2: Lange Wartezeiten sorgen für Störungen in der Supply Chain<br />
© Plexus<br />
32 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Supply Chain<br />
Bild 3: Notfallplan für Komponentenknappheit und Engpässe © Plexus<br />
Eine Frage der Flexibilität –<br />
Diversifikation<br />
Für viele Hersteller ist daher<br />
der Standort der Produktion weitaus<br />
weniger wichtig als die Anzahl<br />
der Zulieferer in ihrem Netzwerk.<br />
Knapp 30 % planen laut Ifo-Studie<br />
ihre Beschaffung künftig stärker<br />
zu diversifizieren. Anstatt kritische<br />
Komponenten ausschließlich<br />
von einer Bezugsquelle zu<br />
beziehen (Single Sourcing), setzen<br />
die Entwickler auf mehrere<br />
Teillieferanten (Multi Sourcing), um<br />
im Notfall auf mehr als einen Partner<br />
zurückgreifen zu können. Wie<br />
praktikabel diese Strategie in der<br />
Medtech-Branche ist, die angesichts<br />
der langen Produktlebensdauer<br />
von Geräten und Systemen<br />
auf langfristige Partner angewiesen<br />
ist, muss von Fall zu Fall entschieden<br />
werden, insbesondere wenn<br />
es sich um funktionskritische Bauteile<br />
handelt.<br />
Klar ist aber: Die Diversifikation<br />
der Supply Chain macht sie unweigerlich<br />
komplexer und schwieriger<br />
zu managen. Gefragt ist nicht mehr<br />
nur eine hohe Supply Chain-Expertise,<br />
sondern auch ein umfassendes<br />
Toolset an Supply Chain Managementlösungen,<br />
die Risikofaktoren<br />
für jede Komponente entlang der<br />
Lieferketten analysieren und quantifizieren,<br />
proaktiv Bewertungen zu<br />
Zulieferern abgeben und prädiktive<br />
Lösungswege aufzeigen.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Eine Frage der Vorbereitung<br />
Notfallpläne bei Engpässen: Ein<br />
smartes und datengetriebenes Supply<br />
Chain Management hilft zudem<br />
zukünftige Engpässe schneller<br />
und kontrollierter zu handhaben.<br />
Zum „Notfall-Koffer“ gegen Lieferausfälle<br />
gehört dabei zum Beispiel<br />
eine Impact-Analyse, um sich<br />
einen Überblick der aktuellen Lage<br />
zu verschaffen – egal an welcher<br />
Stelle der Lieferkette. Im Abgleich<br />
mit bekannten Stücklisten (BOMs)<br />
und Spezifikationsvergleichstabellen<br />
können Hersteller so beispielsweise<br />
„Drop-In-Replacements“ oder funktionsgleiche<br />
Bauteile identifizieren,<br />
die lediglich in Bauform und Größe<br />
vom Originalteil abweichen. Zwar<br />
sind in diesen Fällen kleine Modifizierungen<br />
des Designs nötig; idealerweise<br />
können Hersteller jedoch<br />
ein kosten- und zeitaufwändiges<br />
Re-Design verhindern und ihre<br />
Hightech-Geräte trotz Engpässe<br />
fristgerecht auf den Markt bringen.<br />
Wer über solche erprobten Strategien<br />
verfügt und frühzeitig entsprechende<br />
interne Workflows innerhalb<br />
der Supply Chain etabliert,<br />
kann im Ernstfall gelassener auf<br />
Engpässe reagieren und kurzfristig<br />
neue Lösungswege anbieten.<br />
Eine Frage von Pull<br />
vs. Push – Lagerhaltung<br />
Eine weitere bewährte Strategie,<br />
die angesichts der Neuausrichtung<br />
der Supply Chain wieder<br />
an Beliebtheit gewinnt, ist<br />
der Aufbau von Sicherheitsbeständen<br />
(Safety Stocks). Jahrelang<br />
wurde dieser Just-in-Case-<br />
Ansatz (Push-System) von Herstellern<br />
verschmäht: zu teuer die<br />
Lagerflächen, zu fehleranfällig die<br />
Bedarfsplanung. Stattdessen richteten<br />
Unternehmen ihre Lieferketten<br />
nach dem Just-in-Time Ansatz<br />
(Pull-System) aus – und sahen sich<br />
von der Supply Chain-Krise überrollt.<br />
Hersteller sind hier momentan<br />
auf der Suche nach der goldenen<br />
Mitte. Gefragt ist eine gesunde<br />
Balance aus Push und Pull, die<br />
das Betriebskapital schont, das<br />
Risiko von Überbeständen minimiert<br />
und gleichzeitig die Verfügbarkeit<br />
von Ersatzteilen und Komponenten<br />
garantiert.<br />
Eine Frage des Designs<br />
Design for Supply Chain (DfSC):<br />
Lokalisierung, Diversifikation, Ad-<br />
Hoc-Maßnahmen oder Ausbau der<br />
Lagerhaltung – tatsächlich beginnt<br />
die Frage nach der Zuverlässigkeit<br />
der Supply Chain bereits viel früher,<br />
nämlich in der Entwicklung. Je eher<br />
die Lieferkette im Designprozess<br />
mitgedacht wird, desto geringer<br />
das Risiko von Engpässen, Preisfluktuationen<br />
und Verzögerungen<br />
in der Time-to-Market. Design for<br />
Supply Chain (DfSC) bietet hierfür<br />
den richtigen Ansatz. Noch bevor<br />
es in die Produktion geht, klärt das<br />
Entwickler-Team gemeinsam mit<br />
Supply Chain-Experten ab, ob kritische<br />
Komponenten fristgerecht<br />
und zu akzeptablen Preisen verfügbar<br />
sind. Zeichnen sich hier bereits<br />
mögliche Engpässe ab, lassen sich<br />
eventuell Änderungen am Produktdesign<br />
vornehmen und alternative<br />
Bauteile identifizieren.<br />
Gelungene DfSC-Strategie<br />
Ein Beispiel für eine gelungene<br />
DfSC-Strategie ist ein Single-Use-<br />
Device, dass der EMS-Experte Plexus<br />
für einen Medizingerätehersteller<br />
realisierte. Nachdem die ursprünglichen<br />
Materialkosten das Budget<br />
deutlich sprengten, evaluierte das<br />
Team die Supply Chain neu und<br />
machte unterschiedliche Einsparungspotentiale<br />
aus. Neben dem<br />
Hinzufügen regionaler Zulieferer<br />
gehörte dazu auch die Neuverhandlung<br />
von Verträgen mit bestehenden<br />
Partnern. Der Hersteller konnte<br />
auf diese Weise die Stückkosten<br />
des Geräts mit bis zu 2%-Abweichung<br />
an den Zielpreis anpassen<br />
und bereits im ersten Jahr zwei Millionen<br />
US-Dollar bei der Fertigung<br />
einsparen.<br />
Fazit<br />
Um den Shift in der Supply Chain<br />
zu realisieren, gibt es nicht die eine<br />
„perfekte“ Strategie. Transparenz<br />
über globale Lieferketten und hohe<br />
Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen<br />
und Engpässen, setzt ein grundsätzliches<br />
Umdenken voraus, die<br />
Evaluierung von internen Prozessen<br />
und den Ausbau von starken<br />
Partnerschaften – sei es in Bezug<br />
auf Zulieferer, Partner oder externen<br />
Supply Chain-Experten. Ob<br />
die Lessons Learned tatsächlich<br />
greifen, hängt darüber hinaus vom<br />
umfassenden Einsatz neuer Technologien<br />
ab. Das IoT, die Automatisierung<br />
durch Robotik und der Einsatz<br />
smarter KI-Tools bietet hier<br />
noch viel Luft nach oben. ◄<br />
Über den Autor:<br />
© Frank Zycinski<br />
Frank Zycinski kam 2021<br />
als Market Sector Vice President<br />
für EMEA zu Plexus.<br />
Er blickt auf über 22 Jahre<br />
Erfahrung in der EMS-Branche<br />
zurück und arbeitete in<br />
verschiedenen Führungspositionen<br />
sowohl im Betrieb als<br />
auch in der Marktentwicklung.<br />
Beim EMS-Experten Plexus leitet<br />
Zycinski die EMEA-Wachstumsstrategie<br />
und ist für das<br />
Kundenmanagement und die<br />
Geschäftsentwicklung verantwortlich.<br />
Zycinski hat die Caledonian<br />
University in Glasgow<br />
mit einem Master in Betriebswirtschaft<br />
abgeschlossen und<br />
ist ASQ-zertifiziert für Lean Six<br />
Sigma Black Belt.<br />
33
Cybersecurity<br />
Cybersicherheit von medizintechnischen Geräten<br />
Die Software-Bill-of-Materials (SBOM)<br />
Die MedTech-Industrie steht im Spannungsfeld zwischen hohem Innovationsdruck und wachsendem<br />
gesetzlichen Regelwerk. Das betrifft auch die Cybersicherheit der Medizin-Geräte. Kein Wunder, dass die<br />
Software-Bill-of-Materials (SBOM) im Pflichtenheft von Herstellern mittlerweile einen festen Platz einnimmt.<br />
© Unsplash/ BoliviaInteligente; CC0-Lizenz<br />
Das Gesundheitswesen ist ein<br />
lohnendes Ziel für Cyberattacken,<br />
vernetzte medizinische Geräte sind<br />
ein häufiges Einfallstor für Ransomware-Angriffe<br />
und Datendiebstahl.<br />
Ein Großteil der Sicherheitsvorfälle<br />
ist dabei auf bekannte Schwachstellen<br />
in der Software bzw. Sicherheitslücken<br />
auf Codeebene zurückzuführen.<br />
Deren Zahl nimmt kontinuierlich<br />
zu: So zählten Analysten<br />
von Revenera 2022 durchschnittlich<br />
282 Schwachstellen pro Audit,<br />
ein Anstieg von 217 Prozent im Vergleich<br />
zum Vorjahr. Von den aufgedeckten<br />
Schwachstellen stellten<br />
27 Prozent ein „hohes“ CVSS-Risiko<br />
dar (Common Vulnerability Scoring<br />
System) - und damit eine unmittelbare<br />
Bedrohung für IT-Sicherheit<br />
und Cyberschutz.<br />
© Nicole Segerer<br />
Autorin:<br />
Nicole Segerer<br />
SVP & General Manager<br />
Revenera<br />
www.revenera.de<br />
Wachsende Compliance<br />
für Softwareentwicklung<br />
Entsprechend stark haben sich<br />
Gesetzgeber, Industrie-Verbände<br />
und Aufsichtsbehörden in den letzten<br />
Jahren für höhere Sicherheitsvorkehrungen<br />
in der Softwareentwicklung<br />
eingesetzt. Die FDA (The Food<br />
and Drug Administration) zum Beispiel<br />
arbeitet seit Jahren an einem<br />
verbindlichen Regelwerk, um Medizinprodukte<br />
vor Cyberangriffen zu<br />
sichern und die Transparenz entlang<br />
der Software Supply Chain zu erhöhen.<br />
Mit ihrem neueste Entwurf zur<br />
Cybersecurity in Medical Devices<br />
führt die US-Behörde unter anderem<br />
ein neues Konzept des Secure<br />
Product Development Framework<br />
(SPDF) ein. Ähnliche Initiativen finden<br />
sich in der EU. Sowohl MDR als<br />
auch IVDR haben die Cybersicherheit<br />
von Medizinprodukten auf der<br />
Checkliste. Mit dem ersten Verordnungsentwurf<br />
des EU Cyber Resilience<br />
Act (CRA) sollen Software-<br />
Hersteller zudem noch stärker in<br />
die Pflicht genommen werden. Das<br />
betrifft zum einen die Bereitstellung<br />
von Sicherheitsupdates, zum anderen<br />
einen Einblick darüber, welche<br />
Produkte von bekannten Schwachstellen<br />
überhaupt betroffen sind.<br />
Wissenslücken entlang der<br />
Software Supply Chain<br />
Wie aber lässt sich eine solche<br />
durchgehende Transparenz auf<br />
Code-Ebene sicherstellen? Die<br />
Software Supply Chain ist komplex.<br />
Es gibt kaum eine Anwendung, die<br />
von Grund auf „neu“ geschrieben<br />
wird. Vielmehr greifen Entwicklerteams<br />
auf Tausende von Komponenten<br />
aus unterschiedlichen Quellen<br />
zurück – angefangen bei proprietärem<br />
Code über eingekauften<br />
Code von Partnern und Drittanbietern<br />
bis hin zu Open Source-<br />
Repositories im Netz. So bestehen<br />
kommerzielle Anwendungen heute<br />
aus bis zu 90 % aus Open-Source-<br />
Software (OSS).<br />
Eine lückenlose und einheitliche<br />
Dokumentation über die einzelnen<br />
Software-„Bestandteile“ – wie sie<br />
etwa in der Automotive oder Lebensmittelindustrie<br />
vorgeschrieben<br />
ist – liegt dabei nur selten vor.<br />
Tatsächlich klafft zwischen den<br />
in Audits entdeckten und den von<br />
Unternehmen dokumentierten OSS-<br />
Komponenten eine wachsende Kluft.<br />
Das macht es sehr schwierig, die<br />
Codebausteine zurückzuverfolgen<br />
und dringende Fragen hinsichtlich<br />
ihrer Sicherheit und Compliance zu<br />
beantworten.<br />
• Wer hat den Code geschrieben?<br />
• In welchen Anwendungen und<br />
Geräten wird dieser eingesetzt?<br />
• An welche Lizenzvorgaben ist die<br />
Nutzung gebunden?<br />
Software-Bill-of-Materials<br />
(SBOM)<br />
In diesem Zusammenhang entwickelt<br />
sich die Software-Bill-of-<br />
Materials (SBOM) zum Kernelement<br />
von Compliance-Programmen.<br />
Sie ist mittlerweile in Kaufverträgen<br />
und Request for Information<br />
(RFIs) zu finden und wird im Rahmen<br />
der Pre-Market-Submission<br />
verlangt. Die detaillierte Auflistung<br />
aller in einer Software eingesetzten<br />
Code-Komponenten soll helfen,<br />
den Überblick zu bewahren.<br />
Sicherheitsteam können so schneller<br />
überprüfen, ob eine Anwendung<br />
von neu veröffentlichten Sicherheitslücken<br />
und Exploits betroffen ist.<br />
Die SBOM gibt dabei nicht nur Aufschluss<br />
über die jeweiligen Codebasen,<br />
einschließlich Lizenzierung,<br />
Versionen und Herkunft. Auch die<br />
Beziehungen innerhalb der Softwarelieferkette<br />
werden offengelegt.<br />
Aufgeführt finden sich Pakete<br />
und Abhängigkeiten, Binärdateien<br />
ohne Manifest-Dateien, Multimedia-Dateien,<br />
Bilder/Icons, Codecs<br />
und Copy/Paste-Codes sowie die<br />
von den Entwicklern genutzten<br />
Source Libraries und Drittanbieter-Bibliotheken.<br />
Minimalkriterien für SBOMs<br />
Die SBOM beginnt in der Regel<br />
als eine einfache Liste der Top-<br />
Level-Komponenten. Dieser erste<br />
Basissatz an Daten kann bereits<br />
wichtige Informationen enthalten,<br />
die sich schnell an Stakeholder<br />
(z. B. IT-Sicherheit) weitergegeben<br />
lassen. Danach lässt sich die Liste<br />
Schritt für Schritt mit zusätzlichen<br />
Daten anreichern, einschließlich<br />
den jeweiligen Subkomponenten.<br />
Die Detailtiefe ist bei mehrstufigen<br />
und weit verzweigten SBOMs durchaus<br />
komplex. Sie ist aber notwendig.<br />
Denn selbst wenn eine Subkomponente<br />
für die Funktionalität einer<br />
Anwendung oder eines Geräts nur<br />
eine geringfügige Rolle spielt, kann<br />
in ihr doch eine kritische Schwachstelle<br />
stecken.<br />
Was wird in einer SBOM<br />
aufgelistet<br />
Welche Daten genau in welchem<br />
Umfang in einer SBOM aufgelistet<br />
sind, hängt von der Anwendung ab<br />
und wo sie zum Einsatz kommt. In<br />
der sicherheitskritischen Medizintechnik<br />
sind die Anforderungen<br />
naturgemäß hoch. Die FDA legt in<br />
ihren Leitlinien zum Beispiel großen<br />
Wert auf die Erstellung einer SBOM<br />
und betrachtet Änderungen an ihr<br />
als Teil der Design History File<br />
(21 CFR 820.30) und des Device<br />
Master Record (21 820.181). Hinsichtlich<br />
des Formats können<br />
34 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Cybersecurity<br />
Open Source Report 2022 © Revenera<br />
Hersteller auf gängige Branchen-<br />
Standards zurückgreifen – vorausgesetzt,<br />
diese decken die folgenden<br />
Datenfelder ab:<br />
• das Gerät/System/Asset, in der/<br />
denen sich die Softwarekomponente<br />
befindet,<br />
• der Name der Softwarekomponente,<br />
• die Version der Softwarekomponente,<br />
• der Hersteller/Autor der Softwarekomponente,<br />
• der Grad des Supports hinsichtlich<br />
Überwachung und Wartung<br />
seitens des Herstellers der Softwarekomponente,<br />
• das Datum, an dem der Support<br />
für die Softwarekomponente<br />
endet, und<br />
• alle bekannten Schwachstellen.<br />
Best Practices<br />
und Standards<br />
Auch wenn diese Liste auf<br />
den ersten Blick sehr geradlinig<br />
erscheint, sind Herausforderungen<br />
vorprogrammiert. Informationen<br />
zu Software-Komponenten werden<br />
entlang der Software Supply<br />
Chain von verschiedenen Stakeholdern<br />
auf unterschiedliche Art und<br />
Weise weitergegeben. Die Angaben<br />
stimmen oft nicht überein, weisen<br />
Lücken auf oder sind schlichtweg<br />
nicht recherchierbar. In den<br />
letzten Jahren haben sich jedoch<br />
einige Best Practices und Standards<br />
etabliert, die bei der Erstellung<br />
von SBMOs helfen.<br />
Hilfreich sind zum Beispiel die<br />
ISO/IEC 5230:2020 and ISO/IEC<br />
DIS 18974 Standards des von Linux<br />
ins Leben gerufene OpenChain Projects,<br />
die sich mit der Nutzung von<br />
OSS-Komponenten in Software<br />
befassen. Darüber hinaus bietet<br />
das NIST Secure Software Development<br />
Framework (SSDF) umfassende<br />
Anleitungen für Unternehmen,<br />
um das Risikomanagement<br />
von Software und software-gestützten<br />
Geräten zu verbessern. Den<br />
einen formalen Aufbau einer Software-Stückliste,<br />
der von allen Entwicklern<br />
und Herstellern einheitlich<br />
verwendet wird, gibt es leider<br />
nicht. Als anerkannte Standardformate<br />
gelten jedoch beispielsweise<br />
SPDX (z. B. von Microsoft genutzt)<br />
und CycloneDX (z. B. von Siemens<br />
genutzt).<br />
Grundlegende Punkte<br />
Darüber hinaus sollten Hersteller<br />
bei der Erstellung einer SBOM einige<br />
grundlegende Punkte beachten:<br />
• Ein zentrales Kriterium der SBOM<br />
ist ihre Aufbereitung. Der Datensatz<br />
sollte maschinenlesbar, formal<br />
und hoch-strukturiert sein,<br />
um einen hohen Automatisierungsgrad<br />
sicherstellen zu können.<br />
In der Regel übernehmen<br />
dann Tools das Auslesen und<br />
Erstellen von SBOMs, scannen<br />
die Listen nach Sicherheits- und<br />
Compliance-Verstößen und gleichen<br />
diese mit dem Software-<br />
Code ab. Strukturierte Datenformate<br />
und Austauschprotokolle<br />
sind daher Grundmerkmale einer<br />
funktionalen Software-Stückliste.<br />
• Eine SBOM allein ist nur eine<br />
lange Aufzählung an Komponenten.<br />
Relevanz und Praktikabilität<br />
für die IT-Sicherheit gewinnt<br />
sie erst, wenn sie mit entsprechenden,<br />
sicherheitsrelevanten<br />
Daten kombiniert wird. Idealerweise<br />
finden sich diese Daten<br />
in einem separaten, dazugehörigen<br />
Dokument, das eine aktuelle<br />
Momentaufnahme zeigt und<br />
sowohl entsprechende Querverweise<br />
zu den in der SBOM aufgelisteten<br />
Code-Komponenten als<br />
auch den notwendigen Kontext liefert<br />
(z. B. Vulnerability Disclosure<br />
Report (VDR) und Vulnerability<br />
Exploitability eXchange (VEX)).<br />
Als Sicherheits-Instrument lässt<br />
sich die SBOM dann auch in die<br />
Threat Intelligence integrieren, wo<br />
sie beispielsweise einen schnellen<br />
Abgleich mit Schwachstellen,<br />
Datenleaks oder Exploits im<br />
Darknet ermöglicht.<br />
• Stücklisten sind so dynamisch wie<br />
die Software, die sie beschreiben.<br />
Eine kontinuierliche Überprüfung<br />
und Aktualisierung der SBOM<br />
ist daher wesentlich. Oft nutzen<br />
Hersteller ein neues Release, um<br />
die Stückliste auf den neuesten<br />
Stand zu bringen. Auf jeden Fall<br />
aber sollte das Update in regelmäßigen<br />
und klar abgesteckten<br />
Zeiträumen stattfinden. In manchen<br />
Fällen bestimmten auch Vertragsvereinbarungen<br />
mit Kunden<br />
sowie Compliance-Richtlinien<br />
den Zyklus.<br />
• Das Erstellen, Managen und<br />
Überwachen von SBOMs verlangt<br />
neben Expertise und Training<br />
auch Ressourcen. Mehr und<br />
mehr Unternehmen setzen daher<br />
SBOM Kreislauf © Revenera<br />
dezidierte Teams für diese Aufgaben<br />
ein. Das Open Source Program<br />
Office (OSPO) beispielsweise<br />
arbeitet mit anderen Abteilungen<br />
(z. B. Recht, Entwicklung,<br />
Produktmanagement, Sicherheit)<br />
zusammen, um Richtlinien<br />
für den sicherheitskonformen<br />
Umgang von Open-Source-Code<br />
zu implementieren. Ein Open<br />
Source Review Boards (OSRB)<br />
verfeinert die definierten Workflows<br />
dann in der Praxis.<br />
Fazit<br />
Die SBOM entwickelt sich immer<br />
mehr von der Kür zur Pflicht. Über<br />
kurz oder lang wird sie wohl in allen<br />
Branchen und Märkten zum festen<br />
Bestandteil der Softwareentwicklung<br />
und Cybersicherheit. Je früher<br />
die Hersteller beginnen, Prozesse<br />
zu definieren, Richtlinien zum<br />
Umgang mit Open Source festzulegen<br />
und ihre Softwareprodukte mit<br />
einer Auflistung aller Komponenten<br />
auszustatten, desto besser.<br />
Wer schreibt:<br />
Nicole Segerer blickt auf über<br />
15 Jahre Erfahrung in den Bereichen<br />
Softwareproduktstrategie und Marketing<br />
zurück. Bei ihr dreht sich alles<br />
um die Analyse von Softwareprodukten<br />
und darum, den Mehrwert der<br />
Lösungen sowie das Kundenerlebnis<br />
zu steigern. Als SVP und General<br />
Manager von Revenera bei Revenera<br />
unterstützt sie Softwareanbieter<br />
und IoT-Hersteller bei der Umstellung<br />
auf neue digitale Geschäftsmodell<br />
und der Optimierung der Softwaremonetarisierung.<br />
◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
35
Messtechnik<br />
Plattform zur schnellen Datenerfassung<br />
Prototypenplattform zur optischen Flüssigkeitsanalyse zeigt den Weg zur allgemein einsetzbaren<br />
mobilen Messwerterfassung<br />
Bild 1: Beispiel einer Kalibrierkurve für die Absorption<br />
Bild 2: Das Evaluierungs-Board CN0503<br />
Autoren:<br />
Sydney Wells<br />
Applications Engineer<br />
Scott Hunt<br />
Systems Applications Engineer<br />
Analog Devices Inc.<br />
www.analog.com<br />
Die Überwachung der Umwelt in<br />
Echtzeit ist wichtig, um global die<br />
Nachhaltigkeit zu verbessern. Die<br />
Fähigkeit eine Probe zu analysieren<br />
und ein Problem zu identifizieren<br />
ist der Schlüssel zur raschen<br />
Beilegung dieses Problems mit<br />
minimalen Auswirkungen auf das<br />
Ecosystem. Dieser Trend zur allgegenwärtigen<br />
Datenerfassung in<br />
Echtzeit hat die Anforderungen an<br />
Flüssigkeitssensoren erhöht. Sie<br />
müssen ihre Ausmaße verkleinern,<br />
ihre Robustheit erhöhen und ihren<br />
Stromverbrauch senken und dabei<br />
aber nach wie vor qualitativ hochwertige<br />
Messergebnisse liefern. Da<br />
sich die Industrie weiterentwickelt,<br />
sind intelligente Plattformen für die<br />
mobile Messdatenerfassung nötig.<br />
Diese Plattformen müssen sehr<br />
vielseitig sein und die besonderen<br />
Bedürfnisse für einen weiten<br />
Bereich an Applikationen abdecken,<br />
angefangen bei Gewässerproben<br />
bis hin zur Prozesssteuerung.<br />
Dieser Artikel stellt eine tragbare<br />
Echtzeit-Messlösung und Prototypenplattform<br />
zur schnellen Messwerterfassung<br />
in Flüssigkeiten vor.<br />
Eine allgemeine Technik<br />
zur Flüssigkeitsanalyse<br />
Für den Test von Flüssigkeiten gibt<br />
es verschiedene Methoden, deren<br />
Aufgabe es ist, die Konzentration<br />
eines unbekannten Parameters in<br />
einer Flüssigkeitsprobe zu messen,<br />
wie den pH-Wert, die Fluoreszenz<br />
oder die Trübung.<br />
Eine populäre Methode dazu<br />
ist die optische Untersuchung der<br />
Flüssigkeit, da sie nicht-invasiv ist<br />
und stabile und genaue Messergebnisse<br />
liefert. Eine präzise optische<br />
Flüssigkeitsmessung erfordert<br />
jedoch übergreifend gute Kenntnisse<br />
in den Bereichen Elektronik,<br />
Optik, Medizin und Chemie.<br />
Bild 3: Ein optischer Lichtpfad zur Absorptionsmessung<br />
Einfach ausgedrückt, die Analyse<br />
beginnt damit, eine Probe mit Licht<br />
aus einer Quelle, wie einer LED, zu<br />
bestrahlen. Nach der Interaktion mit<br />
der Probe wird das resultierende<br />
Licht mit einer Fotodiode verarbeitet.<br />
Die erfasste Antwort wird dann<br />
mit den gemessenen Ergebnissen<br />
verschiedener Standardproben mit<br />
bekannten Konzentrationen verglichen.<br />
Dies ist als die Kalibrierkurve<br />
bekannt und mit ihr kann der<br />
unbekannte Messwert bestimmt<br />
36 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Messtechnik<br />
Bild 5: Kalibrierkurve der pH-Absorbierung bei 430 nm<br />
Bild 4: Das Evaluierungs-Board CN0503 bei einer pH-Messung<br />
werden. Dies beschreibt die gängige<br />
Vorgehensweise für analytische<br />
Messungen im Labor. Damit<br />
diese Methode aber die Anforderungen<br />
einer allgemein einsetzbaren<br />
mobilen Messwerterfassung erfüllt,<br />
muss sie für unterschiedliche Flüssigkeitsproben<br />
und Messtechniken<br />
skaliert werden und insbesondere<br />
auch kleine Ausmaße aufweisen,<br />
was alles zusammen die Komplexität<br />
der Entwicklung und der Evaluierung<br />
steigert.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Modulare Lösung<br />
zur schnellen<br />
Flüssigkeitsmessung<br />
Bild 6: Kalibrierkurve der pH-Absorbierung bei 615 nm<br />
Der ADPD4101 von Analog Devices<br />
ist ein optisches Analog-Front-<br />
End (AFE), das LEDs treiben sowie<br />
Signale von Fotodioden synchron<br />
empfangen und verarbeiten kann,<br />
um hochpräzise optische Messungen<br />
auszuführen. Er ist vielseitig<br />
konfigurierbar und hat einen großen<br />
Signal-Rauschabstand von bis<br />
zu 100 dB sowie eine hohe Umgebungslichtabschirmung,<br />
die durch<br />
die synchronen Erkennungsverfahren<br />
auf dem Chip realisiert wird. Dies<br />
erlaubt es, ihn in vielen Fällen auch<br />
ohne ein lichtdichtes Gehäuse einzusetzen.<br />
Das Referenzdesign CN0503<br />
wurde erstellt, um einen schnellen<br />
Prototypenaufbau von Flüssigkeits-<br />
Analysemessungen zu erlauben.<br />
Es enthält den ADPD4101 als zentrale<br />
Einheit, fügt jedoch noch vier<br />
modulare optische Pfade sowie für<br />
die Flüssigkeitsanalyse geeignete<br />
Messfirmware und Applikationssoftware<br />
hinzu. Das CN0503 ist direkt<br />
mit dem ADICUP3029-Board verbunden,<br />
das die Messroutine und<br />
den Datenfluss handhabt. Das Board<br />
kann direkt an einen Laptop angeschlossen<br />
werden, um die Messergebnisse<br />
in der Evaluierungs-<br />
Bedienoberfläche darzustellen. Das<br />
Referenzdesign kann Fluoreszenz,<br />
Trübheitsgrad, Absorbtion und Farbe<br />
messen. Dazu wird eine Probe in<br />
einer Küvette präpariert und in den<br />
3D-gedruckten Küvettenhalter eingelegt,<br />
der die Optik, einschließlich<br />
einer Linse und einem Strahlteiler,<br />
enthält. Der Küvettenhalter wird<br />
in den für eine Plug-&-Play-Messung<br />
geeigneten optischen Pfad<br />
eingesetzt. Zusätzlich können die<br />
LED- und Fotodioden-Karten für<br />
eine noch stärkere Anpassung an<br />
die jeweilige Messaufgabe ausgeschaltet<br />
werden.<br />
Um das Erstellen von Kalibrierkurven<br />
und Identifizieren unbekannter<br />
Messparameter zu demonstrieren,<br />
werden hier pH-, Trübheits- und<br />
Fluoreszenzmessungen gezeigt.<br />
Die Evaluierungs-Bedienober fläche<br />
wurde genutzt, die Messungen zum<br />
Erstellen der Kalibrierkurven durchzuführen.<br />
Die Rauschwerte und<br />
Nachweisgrenzen (Limit Of Detection<br />
= LOD) wurden berechnet, um<br />
für jedes Beispiel die geringste Konzentration<br />
zu bestimmen, die mit<br />
dem CN0503 erkannt werden kann.<br />
pH-Wert über die<br />
Absorption messen<br />
Optiken<br />
Die Konfiguration des optischen<br />
Pfades für Absorptionsmessungen ist<br />
in Bild 3 dargestellt. Mit dem CN0503<br />
können Absorbierungsmessungen<br />
in jedem optischen Pfad (1 bis 4)<br />
durchgeführt werden. Der einfallende<br />
Lichtstrahl wird auf den Strahlteiler<br />
gerichtet, in dem eine Foto diode<br />
die Intensität des Strahls abtastet.<br />
Die verbleibende Lichtleistung wird<br />
durch die Probe geführt. Nimmt man<br />
das Verhältnis des Lichts aus der<br />
Probe zum Referenzlicht, werden<br />
damit Änderungen und Rauschen<br />
der LED-Quelle ausge glichen. Synchrone<br />
Pulse und Empfangsfenster<br />
bieten eine Abdeckung des Umgebungslichts.<br />
Einrichten des Messaufbaus<br />
• CN0503-Evaluierungs-Board<br />
• EVAL-ADICUP3029-Evaluierungs-Board<br />
• API-pH-Test-& Einstell-Kit<br />
• pH-Standardwerte<br />
37
Messtechnik<br />
Bild 7: Optischer Pfad zur Trübheitsmessung<br />
Hintergrundinformation<br />
zur Absorption<br />
Die Absorption betrifft die<br />
Bestimmung der Konzentration<br />
einer bekannten gelösten<br />
Substanz in einer Flüssigkeit<br />
und basiert darauf, wieviel<br />
Licht einer bestimmten Wellenlänge<br />
absorbiert wird. Die Konzentration<br />
ist nach dem Beer-<br />
Lambert-Gesetz dabei proportional<br />
der Absorption. Viele<br />
farblose Flüssigkeiten können<br />
gemessen werden, indem ein<br />
Mittel zur Farbänderung hinzugegeben<br />
wird. Dies betrifft<br />
insbesondere den pH-Wert,<br />
einen in vielen Industriezweigen<br />
von der Wasserqualität bis<br />
zur Abwasserbehandlung am<br />
häufigsten gemessenen Parameter.<br />
Absorptionsmessungen<br />
werden für viele weitere Parameter,<br />
wie dem Anteil an gelöstem<br />
Sauerstoff/biologischem<br />
Sauerstoff, Nitraten, Ammoniak<br />
und Chlor benutzt.<br />
In diesem Experiment wird ein<br />
Farbindikator (Bromthymolblau) in<br />
vorbereitete Flüssigkeiten mit unterschiedlichem<br />
pH-Wert gegeben.<br />
Diese Lösungen wurden in Küvetten<br />
gefüllt und bei zwei unterschiedlichen<br />
Wellenlängen, 430 nm und<br />
615 nm, getestet, wobei der Indikator<br />
die Absorbierungsänderung<br />
abhängig vom pH-Wert anzeigte.<br />
Das CN0503 vereinfacht dies, denn<br />
die beiden LED-Karten mit unterschiedlicher<br />
Wellenlänge können in<br />
die optischen Pfade 2 und 3 eingefügt<br />
werden. Dann wird der Küvettenhalter<br />
für die jeweilige Messung<br />
einfach in die unterschiedlichen<br />
Pfade integriert.<br />
Messergebnisse<br />
Durch Nutzen der Evaluierungs-<br />
Bedienoberfläche wurden die Messergebnisse<br />
der beiden optischen<br />
Pfade einfach in Ecxel exportiert.<br />
Die aus den beiden unterschiedlichen<br />
Wellenlängen gewonnenen<br />
Kalibrierkurven sind in den Bildern 5<br />
und 6 zu sehen.<br />
Für beide Fälle wurde die pH-<br />
Wert-Kurve in Abhängigkeit der<br />
Absorption (pH vs. absorbance)<br />
geplottet, um die Kalibrierkurve zu<br />
erhalten. Die Option Add Trendline<br />
wird dann genutzt, um eine Gleichung<br />
für diese Kurve zu generieren.<br />
Die Gleichungen werden anschließend<br />
benutzt, um die Konzentrationen<br />
der unbekannten Proben zu<br />
ermitteln. Der Ausgangswert des<br />
Sensors ist die x-Variable und der<br />
resultierende y-Wert ist der pH-Wert.<br />
Dies kann manuell erfolgen, dazu<br />
kann jedoch auch das CN0503 verwendet<br />
werden. Die Firmware implementiert<br />
zwei Polynome 5. Ordnung,<br />
INS1 und INS2. Sind die Polynome<br />
einmal gespeichert, kann entweder<br />
der INS1- oder INS2-Modus gewählt<br />
werden, so dass die Messergebnisse<br />
direkt in der gewünschten Einheit –<br />
in diesem Fall pH - angezeigt werden.<br />
Dies vereinfacht es, schnell<br />
ein Ergebnis für unbekannte Proben<br />
zu erhalten.<br />
Bild 8: Unterschiedliche Kalibrierstandards für die Trübheitsmessung<br />
Bild 9: Kalibrierkurve für die Trübheit<br />
38 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Messtechnik<br />
6,1-pH-Probe<br />
7,5-pH-Probe<br />
430 nm 615 nm 430 nm 615 nm<br />
RMS-Rauschwert (pH) 0,002098 0,000183 8,18994 × 10 -7 0,000165<br />
Tabelle 1: Rauschwerte der pH Messung<br />
7-pH-Probe<br />
430 nm 15 nm<br />
Nachweisgrenze (pH) 0,001099 0,001456<br />
Tabelle 2: Nachweisgrenze der pH-Messung<br />
Hintergrundinformation<br />
zum Trübheitsgrad<br />
Trübheitsmessungen in flüssigen<br />
Proben nutzen die Lichtstreuungseigenschaften<br />
von<br />
in der Flüssigkeit schwebenden<br />
Partikeln. Letztendlich ist<br />
es eine Messung der relativen<br />
Klarheit einer Flüssigkeit. Die<br />
Menge des gestreuten Lichts<br />
und der Streuungswinkel unterscheiden<br />
sich dabei abhängig<br />
von der Partikelgröße, Konzentration<br />
und der Wellenlänge des<br />
einfallenden Lichts. Die Trübheitsmessung<br />
wird in vielen<br />
Industriezweigen, einschließlich<br />
Gewässergüte und Biowissenschaften,<br />
durchgeführt.<br />
Neben der Messung der Trübheit<br />
generell, kann der CN0503<br />
auch genutzt werden, um das<br />
Algenwachstum über die Messung<br />
der optischen Dichte zu<br />
bestimmen.<br />
Bild 10: Optischer Pfad für die Fluoreszenzmessung<br />
Um den Rauschwert zu erhalten<br />
wurden für jede Wellenlänge<br />
zwei Datenpunkte ausgewählt: ein<br />
unterer und ein höherer pH-Wert.<br />
Diese beiden Punkte wurden verwendet,<br />
weil der Kurvenverlauf in<br />
diesem Fall nicht linear war. Die<br />
Standardabweichung mehrerer<br />
wiederholter Messungen für jeden<br />
Punkt, dargestellt als der Rauschwert<br />
in Tabelle 1, beschreibt die<br />
Messgenauigkeit, ausgenommen<br />
Variationen in der Probenaufbereitung<br />
(Tabelle 1).<br />
Die LOD wird typischerweise<br />
durch Messen des Rauschens<br />
bei niedriger Konzentration und<br />
multiplizieren mit 3 bestimmt,<br />
um einen Vertrauensbereich von<br />
99,7 % zu erzielen. Weil der pH-<br />
Wert einen logarithmischen Maßstab<br />
hat, wurde der pH-Wert 7 als<br />
die Zahl genommen, um die LOD<br />
zu prüfen, wie in Tabelle 2 gezeigt<br />
(Tabelle 2).<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Trübheitsgrad messen<br />
Optiken<br />
Bild 7 zeigt den optischen Pfad<br />
für die Trübheitsmessung mit einem<br />
90° oder 180°-Empfänger. Wenn ein<br />
90°-Detektor nötig ist, können mit<br />
dem CN0503 Trübheitsmessungen<br />
nur in den optischen Pfaden 1 und<br />
4 ausgeführt werden. Für die Trübheit<br />
gibt es vielfältige Messkonfigurationen<br />
und Standards. Das hier<br />
verwendete Beispiel ist eine modifizierte<br />
Version der EPA-Methode<br />
180.1, kalibriert und dargestellt in<br />
nephelometrischen Trübungseinheiten<br />
(NTU).<br />
Einrichtung<br />
des Messaufbaus<br />
• CN0503-Evaluierungs-Board<br />
• EVAL-ADICUP3029-Evaluierungs-Board<br />
• Trübheitsstandards zur Kalibration<br />
von Hanna Instruments<br />
Für den Test wurde in diesem Beispiel<br />
der optische Pfad 4 mit dem<br />
integrierten 530-nm-LED-Board<br />
eingesetzt.<br />
Testergebnisse<br />
Mit der Bedienoberfläche des<br />
CN0503-Evaluierungs-Boards wurden<br />
die Messergebnisse in Excel<br />
exportiert. Die resultierende Kalibrierkurve<br />
ist in Bild 9 gezeigt.<br />
Die Reaktionskurve wurde in<br />
zwei Bereiche aufgeteilt, weil die<br />
90°-Streuungsmessung für starke<br />
Trübungen weniger empfindlich<br />
(responsive) ist. Ein Bereich repräsentiert<br />
dabei geringere Trübungen<br />
(0 NTU bis 100 NTU) und der andere<br />
die stärkeren Trübungen (100 NTU<br />
bis 750 NTU). In jedem Bereich wurden<br />
dann zwei lineare Verlaufsanpassungen<br />
(fits) gemacht. Obwohl<br />
es nun zwei Gleichungswerte gibt,<br />
kann das CN0503 immer noch eingesetzt<br />
werden, um schnell die NTU-<br />
Werte zu ermitteln. Dies deswegen,<br />
weil jeder optische Pfad seine jeweiligen<br />
Gleichungswerte in INS1 und<br />
INS2 speichern kann. Ein wichtiger<br />
Hinweis ist, dass INS1 und INS2<br />
voneinander abhängige Variablen<br />
sind. Das Ergebnis der ersten<br />
Gleichung, INS1, ist die Eingangsvariable<br />
für die zweite Gleichung,<br />
INS2. Sind die Ergebnisse der<br />
Gleichungen einmal gespeichert,<br />
kann man INS1 zur Messung von<br />
Proben geringerer Trübung nutzen,<br />
und INS2 zur Messung solcher mit<br />
stärkerer Trübung.<br />
Um die Rauschwerte zu erhalten,<br />
wurde ein Datenpunkt zum Ermitteln<br />
der Standardabweichung mit<br />
wiederholten Messungen gewählt.<br />
Diese Standardabweichung ist der<br />
Rauschwert. Ein Datenpunkt wurde<br />
nahe dem unteren Grenzwert des<br />
Bereichs gewählt, weil die angepasste<br />
Gleichung linear ist.<br />
12 NTU<br />
RMS-Rauschwert (NTU)<br />
0,282474<br />
Tabelle 3: Rauschwert<br />
der Trübheitsmessung<br />
39
Messtechnik<br />
RMS Rauschwert<br />
(% Spinth)<br />
7,5%ige Spinatprobe<br />
20%ige Spinatprobe<br />
0,0616 0,1158<br />
Tabelle 5: Rauschwert der Fluoreszenzmessung<br />
Bild 11: Mit Spinat erzeugte Chlorophyll-Proben<br />
Um die LOD zu bestimmen wird<br />
der Rauschwert für eine klare<br />
oder nur gering getrübte Flüssigkeit<br />
gemessen, dann mit 3 multipliziert,<br />
um einen Vertrauensbereich<br />
von 99,7 % zu erhalten.<br />
Klare Probe<br />
Nachweisgrenze (NTU)<br />
0,69204<br />
Tabelle 4: Nachweisgrenze<br />
der Trübheitsmessung<br />
Die Fluoreszenz mit<br />
Spinatlösungen messen<br />
Optiken<br />
Die Konfiguration des optischen<br />
Pfades für Fluoreszenzmessungen<br />
ist in Bild 10 gezeigt. Wegen<br />
des 90°-Detektors können mit dem<br />
CN0503 Absorptionsmessungen nur<br />
mit den optischen Pfaden 1 und 4<br />
durchgeführt werden. Üblicherweise<br />
wird der Fluoreszenzdetektor<br />
um 90° versetzt zum einfallenden<br />
Licht positioniert und ein monochromatisches<br />
oder Langpassfilter<br />
verwendet, um die Trennung zwischen<br />
dem anregenden und emittieren<br />
Licht zu verbessern. Die Fluoreszenzmessung<br />
ist eine sehr empfindliche<br />
mit nur geringen Pegeln<br />
und zudem Interferenzen ausgesetzt,<br />
so dass eine Messmethode<br />
mit Referenz- und Synchron-Detektoren<br />
eingesetzt wird, um Fehlerquellen<br />
zu reduzieren.<br />
Einrichtung des<br />
Messaufbaus<br />
• CN0503-Evaluierungsboard<br />
• EVAL-ADICUP3029-<br />
Evaluierungsboard<br />
• Spinatlösung<br />
Bild 12: Kalibrierkurve für Spinatlösungen mit prozentual unterschiedlichen<br />
Spinatanteilen<br />
Für dieses Experiment wurde<br />
eine Spinatlösung durch Vermischen<br />
von Spinatblättern mit Wasser<br />
erzeugt. Diese wurde anschließend<br />
gefiltert und als Stammlösung<br />
genutzt. Die Stammlösung wurde<br />
dann verdünnt, um Proben mit prozentual<br />
unterschiedlichen Spinatlösungen<br />
zu generieren. Diese wurden<br />
als Standards verwendet, um<br />
durch Fluoreszenz eine Kurve von<br />
prozentual unterschiedlichen Spinatlösungen<br />
zu erzeugen. Der optische<br />
Pfad 1 wurde zusammen mit<br />
der 365-nm-LED-Karte und einem<br />
integrierten Langpassfilter benutzt.<br />
Messergebnisse<br />
Die Kalibrierkurve für Spinatlösungen<br />
unterschiedlicher Prozentwerte<br />
der Konzentration ist in<br />
Bild 12 zu sehen.<br />
Die Trendgleichung für diese Kalibrierkurve<br />
kann gespeichert werden,<br />
so dass die Ergebnisse direkt<br />
als Prozentangabe angezeigt werden<br />
können. Um den Rauschwert<br />
zu erhalten, werden zwei Datenpunkte<br />
ausgewählt: weil der Kurvenverlauf<br />
nicht linear ist, einer nahe<br />
dem unteren Grenzwert des Messbereichs<br />
und der andere nahe am<br />
oberen Ende des Grenzwerts. Das<br />
Rauschen wird von der Standardabweichung<br />
verschiedener wiederholter<br />
Messungen für jeden Punkt<br />
definiert, wie in Tabelle 5 gezeigt.<br />
Um die LOD zu bestimmen wurde<br />
der Rauschwert mit einer klaren<br />
und einer Probe mit geringer Spinatkonzentration<br />
gemessen, dann<br />
mit 3 multipliziert, um einen Vertrauensbereich<br />
von 99,7 % zu erhalten.<br />
Klare Probe<br />
Nachweisgrenze (% Spinat)<br />
0,1621<br />
Tabelle 6: Nachweisgrenze<br />
der Fluoreszenzmessung<br />
Zusammenfassung<br />
Das Erstellen von Prototypen<br />
für komplexe Messungen zur optischen<br />
Flüssigkeitsanalyse ist eine<br />
Herausforderung, die eine sorgfältige<br />
Betrachtung darüber benötigt,<br />
wie die Chemie, die Optik und die<br />
Elektronik miteinander interagieren,<br />
um präzise Messergebnisse<br />
zu erhalten. Integrierte AFEs wie<br />
der ADPD4101 ermöglichen eine<br />
höhere Leistung bei der optischen<br />
Messung von Flüssigkeiten mit<br />
Systemen kleinerer Ausmaße. Das<br />
CN0503 baut auf dem ADPD4101<br />
auf, zusammen mit dem optischen<br />
Design, der Firmware und Applikationssoftware.<br />
Damit ermöglicht es<br />
den einfachen Einsatz einer einfach<br />
konfigurierbaren Prototypenplattform,<br />
die akkurate optische Messungen<br />
von Flüssigkeitsparametern,<br />
wie Absorbierung, Farbe, Trübheit<br />
und Fluoreszenz, durchführen kann.<br />
Referenzen<br />
“HI98703-11 Turbidity Calibration<br />
Standards.” Hanna Instruments, Inc.<br />
Optical Platform: Turbidity Measurement<br />
Demo. Analog Devices,<br />
Inc. ◄<br />
Hintergrundinformation<br />
zur Fluoreszenz<br />
Fällt Licht auf eine Probe, die<br />
fluoreszierende Moleküle enthält,<br />
bewegen sich Elektronen<br />
in einen Zustand höherer Energie<br />
und verlieren dann etwas<br />
von dieser Energie, wobei sie<br />
Licht mit einer längeren Wellenlänge<br />
emittieren.<br />
Die Fluoreszenzemission ist<br />
chemisch eindeutig und kann<br />
genutzt werden, das Vorhandensein<br />
und die Menge von<br />
spezifischen Molekülen in<br />
einem Medium zu identifizieren.<br />
In diesem Beispiel wurde<br />
das fluoreszierende Chlorophyll<br />
mit Hilfe von Spinatblättern<br />
gewonnen. Unter vielen<br />
weiteren Anwendungen sind<br />
Fluoreszenzmessungen üblich<br />
in biologischen Untersuchungen,<br />
gelöstem Sauerstoff, chemischem<br />
Sauerstoffbedarf und<br />
dabei, ob die Pasteurisierung<br />
von Milch erfolgreich war.<br />
40 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Qualitätssicherung<br />
Dritte Generation einer weltweit erfolgreichen<br />
Stereomikroskop-Familie<br />
Der unvergleichbare Stereoblick und die okularlose, ergonomische Technologie<br />
machen das neue Mantis erneut zu einem einzigartigen und unverzichtbaren<br />
Werkzeug in der Stereovergrößerung bis 15x, für eine Vielzahl an<br />
Inspektions- und Manipulations anwendungen<br />
Die Stereomikroskop-Familie<br />
Mantis ist seit 30 Jahren weltweit<br />
in zehntausenden von Produktions-,<br />
Entwicklungs- und Forschungseinrichtungen<br />
im Einsatz. Das neue<br />
Mantis der dritten Generation bietet<br />
das Beste aus zwei Welten:<br />
„Über legene Ergonomie und optische<br />
Bildqualität in Kombination<br />
mit der neuesten digitalen Bildgebungstechnologie“,<br />
wie Mark Curtis,<br />
der Managing Director des britischen<br />
Mikroskop-Herstellers Vision<br />
Engineering, hervorhebt. Vision<br />
Engineering ist weltweit führender<br />
Anbieter innovativer ergonomischer<br />
Inspektions-, Mess- und digitaler<br />
3D- Visualisierungslösungen.<br />
Vision Engineering Ltd<br />
info@visioneng.de<br />
www.visioneng.de<br />
Die neue Mantis 3rd Gen<br />
Serie aus ERGO, PIXO<br />
und IOTA<br />
wurde für die optische Inspektion<br />
in der Feinmechanik, Elektronik,<br />
Medizintechnik und eine Vielzahl<br />
anderer Anwendungen entwickelt,<br />
die qualitativ hochwertige<br />
Bilder und hervorragende Ergonomie<br />
erfordern. Sie verfügt über ein<br />
patentiertes Design, das ein brillantes<br />
optisches Stereobild mit großem<br />
Sichtfeld und einzigartiger okularloser<br />
Technologie liefert, wodurch<br />
eine noch komfortablere und einfachere<br />
Betrachtung gewährleistet<br />
ist, als bisher und als bei herkömmlichen<br />
Mikroskopen.<br />
Manipulations-, Reparatur- und<br />
Präparationsaufgaben benötigen<br />
perfekte Stereobilder für die schnelle<br />
Hand-Augen-Koordination und Tiefenwahrnehmung.<br />
Mantis 3rd Gen<br />
kombiniert optische Stereobilder mit<br />
hochauflösenden Kameraoptionen<br />
für die intuitive Inspektion und Bildaufnahme.<br />
Eine Vergrößerung bis<br />
von 3x bis 15x und ein maximaler<br />
Arbeitsabstand von 114 mm erlauben<br />
alle gängigen Inspektionen im<br />
täglichen Arbeitsprozess.<br />
Das neue Mantis 3rd Gen zeichnet<br />
sich durch einen großen Bildausschnitt<br />
und eine exzellente 3D-Stereobetrachtung<br />
aus, jetzt mit einem<br />
Objektivrevolver für drei Vergrößerungen.<br />
Außerdem verfügt es standardmäßig<br />
über fünf verschiedene<br />
Beleuchtungsmodi, sodass die Ausleuchtung<br />
der Komponente oder<br />
Probe flexibel anpasst werden kann,<br />
um das perfekte Bild für die Bedürfnisse<br />
des Anwenders zu erhalten.<br />
Die neukonzipierte<br />
Mantis-Serie<br />
besteht aus den Grundsystemen<br />
PIXO, ERGO und IOTA. Neben seiner<br />
herausragenden Bildqualität und<br />
Ergonomie verfügt die Version Mantis<br />
PIXO auch über ein leistungsstarkes<br />
digitales Bildgebungssystem,<br />
mit dem hochauflösende Bilder<br />
spielend einfach erfasst, geprüft<br />
und geteilt werden können. So wird<br />
problemlos mit Kollegen kooperiert,<br />
Ergebnisse dokumentiert oder neue<br />
Mitarbeiter geschult. Umfangreiche<br />
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten<br />
haben zu einer Reihe neuer Stativvarianten<br />
geführt, die noch mehr<br />
Flexibilität, Stabilität und eine geringere<br />
Stellfläche bieten.<br />
Neben den bisherigen Einsatzbereichen<br />
wie Elektronik, Maschinenbau,<br />
Präzisionsmechanik, Kunststoffe,<br />
Additive Fertigung, Dentalindustrie<br />
und Life Science in der fertigungsnahen<br />
Umgebung, Qualitätskontrolle,<br />
Wareneingangs- und Ausgangsprüfung,<br />
etc., will Vision Engineering<br />
mit den erweiterten technischen<br />
Möglichkeiten des Mantis 3rd<br />
Gen in neue Anwendungsfelder hineinwachsen.<br />
◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
41
Bedienen und Visualisieren<br />
Einsatz von PCAP<br />
unter schwierigen EMV-Bedingungen<br />
Der Einsatz von Touch-Controllern im HF-Umfeld war aufgrund von Störstrahlung bisher nicht möglich.<br />
Neue unempfindlichere Touch-Controller schaffen hier Abhilfe.<br />
© s4svisuals/AdobeStock<br />
Autor:<br />
Rudollf Sosnowsky<br />
Technischer Leiter/Chief<br />
Technology Officer<br />
HY-LINE Computer Components<br />
Vertriebs GmbH<br />
www.hy-line.de<br />
Die PCAP-Technologie hat fast<br />
in allen Bereichen andere Touch-<br />
Technologien verdrängt. Sie trennt<br />
die Funktion vom Design, denn der<br />
Sensor liegt hinter einer Glas-Frontplatte.<br />
Die Transparenz der verwendeten<br />
Sensoren in Glas oder Folie<br />
ist sehr hoch und erlaubt eine hervorragende<br />
optische Qualität. Die<br />
Frontscheibe ermöglicht ein ansprechendes<br />
Design durch individuelle<br />
Formgebung und Bedruckung des<br />
Glases. Der bündige Einbau prädestiniert<br />
sie für alle Situationen, wo<br />
eine Kante oder Stufe schwierig zu<br />
reinigen oder desinfizieren wäre. Das<br />
Material Glas ist widerstandsfähig<br />
gegenüber allen herkömmlichen<br />
Reinigungsmitteln und kann nach<br />
hohen IP-Klassen abgedichtet werden.<br />
Durch ein spezielles Oberflächen-Finish<br />
eignet es sich auch für<br />
bildgebende Verfahren, bei denen<br />
es auf geringe Reflexion und gute<br />
Ablesbarkeit ankommt. Das Einfräsen<br />
von Führungen für Slider und<br />
Drehregler sorgt für eine gute Ergonomie,<br />
und Beschichtungen ermöglichen<br />
eine gute passive Haptik, auf<br />
der Finger leicht und angenehm gleiten.<br />
Durch Härtung des Glases wird<br />
die Oberfläche des Gerätes unempfindlich<br />
gegenüber Vandalismus und<br />
unbeabsichtigter Beschädigung, die<br />
im rauen Einsatz vorkommen kann.<br />
Dem stehen Nachteile des PCAP-<br />
Systems gegenüber. So gibt es keine<br />
aktive haptische Rückmeldung – bei<br />
einem resistiven System muss eine<br />
Kraft auf die Folie ausgeübt werden<br />
– oft löst die Funktion bereits<br />
vor der tatsächlichen Berührung<br />
des Fingers mit der Oberfläche aus.<br />
Vorteile<br />
Zu den Vorteilen, die den Einsatz<br />
dennoch attraktiv machen, gehört<br />
die weitgehende Parametrierbarkeit<br />
des Controllers. Anzahl der gleichzeitig<br />
erkannten Finger, Bedienung<br />
auch mit nicht elektrisch leitenden<br />
Handschuhen, Erkennung und Ignorieren<br />
von großflächigen Ereignissen<br />
wie des aufgestützten Handballens<br />
und Flüssigkeiten aller Art<br />
sind möglich.<br />
Einsatz in der HF-Chirurgie<br />
In diesem Dokument wird eine<br />
weitere Einflussgröße beschrieben:<br />
Starke, in Amplitude und Frequenz<br />
wechselnde elektrische Felder erfordern<br />
eine spezielle Einstellung des<br />
Controllers, da diese Felder sich<br />
stark mit dem Nutzsignal überlagern<br />
und in die kapazitiven Elektroden<br />
einstrahlen. Am Beispiel des<br />
Einsatzgebietes HF-Chirurgie werden<br />
Einfluss und mögliche Abstellmaßnahmen<br />
aufgezeigt. Damit werden<br />
Anwendungen von PCAP mit<br />
seinen Vorteilen auch dort möglich,<br />
wo sie bisher durch Störungen ausgeschlossen<br />
waren.<br />
Grundlagen<br />
der HF-Chirurgie<br />
In der Elektrochirurgie, auch Diathermie<br />
genannt, wird elektrischer<br />
Strom genutzt, um durch gezieltes<br />
Aufheizen Modifikationen am<br />
Gewebe zu bewirken. Besonders<br />
bei minimal-invasiven Eingriffen,<br />
bei denen das operierte Gewebe<br />
nicht direkt zugänglich ist, hat die<br />
HF- (Hochfrequenz) Chirurgie große<br />
Vorteile. Sie ermöglicht sauberes<br />
und zügiges Arbeiten, da sich Blutungen<br />
frisch getrennten Gewebes<br />
durch Koagulation schnell stillen<br />
lassen.<br />
Die elektrische Energie, die im<br />
Gewebe in Wärme umgesetzt wird,<br />
liefert ein HF-Generator. Je nach<br />
Anwendungsfall werden vielfältige<br />
Instrumente mit unterschiedlicher<br />
Ausbildung der Elektroden an den<br />
HF-Generator angeschlossen.<br />
Methoden<br />
Die elektrische Energie wirkt auf<br />
das Gewebe. Je nach Intensität und<br />
Dauer kann sie damit zum Schneiden,<br />
Koagulieren (Stillen von Blutungen),<br />
Devitalisieren (Zerstören)<br />
von Gewebe oder zum Thermofusionieren<br />
(Versiegeln von Gefäßen)<br />
verwendet werden. Die lokale Erwärmung<br />
ist abhängig von der Impedanz<br />
des Gewebes, der Form der Elektrode<br />
und dem Querschnitt der Eintrittsstelle,<br />
der Höhe der HF-Leistung<br />
42 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
Bild 1: Monopolares und bipolares Verfahren<br />
(mittlerer und Spitzenstrom) und der<br />
Einwirkdauer. Unterhalb von 40 °C<br />
wird das Gewebe nicht beeinflusst.<br />
Die wirksamen Temperaturen beginnen<br />
bei 60 °C zur Devitalisierung von<br />
Zellen (z. B. Krebsgewebe). Schnitte<br />
werden mit 100 °C ausgeführt, und<br />
jenseits 150 °C wird das Gewebe<br />
karbonisiert und durch den Körper<br />
ausgeschieden.<br />
Man unterscheidet grundsätzlich<br />
zwischen monopolarem und<br />
bipolarem Betrieb, siehe Bild 1.<br />
Dies bezieht sich auf die Ausführung<br />
der Elektrode und das Spannungspotential,<br />
dem der Patient<br />
ausgesetzt wird.<br />
Monopolare Technik<br />
Die Einleitung des Stroms in<br />
den menschlichen Körper findet an<br />
einem Punkt über die Aktiv-Elektrode<br />
statt. Dort kann mit ihr ein<br />
punktueller Effekt wie ein Schnitt<br />
oder eine Koagulation bewirkt werden<br />
(siehe Bild 1 unten). Der Rückkanal<br />
verläuft über eine Neutral-Elektrode,<br />
die großflächig mit dem Körper,<br />
etwa am Rücken, verbunden ist.<br />
An ihr sind die auftretenden Ströme<br />
pro Flächeneinheit so gering, dass<br />
nur eine geringe und damit unschädliche<br />
Erwärmung auftritt.<br />
Bipolare Technik<br />
Bei der bipolaren Technik verfügt<br />
die zur Behandlung verwendete<br />
Elektrode über zwei Pole, die<br />
mit Ausgang und Massepotential<br />
des Generators verbunden sind<br />
(siehe Bild 1 unten). Eine Neutral-<br />
Elektrode wird nicht benötigt. Der<br />
Effekt entsteht zwischen den beiden<br />
Polen, die z. B. in Form einer<br />
Pinzette ausgebildet sein können.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Spray-Koagulation<br />
Bei dieser (monopolaren) Behandlungsform<br />
wird die Koagulation<br />
über einen Lichtbogen durchgeführt,<br />
der sich zwischen Elektrode<br />
und Gewebe ausbildet. Zur Bildung<br />
des Lichtbogens muss der Generator<br />
hohe Spannungen mit hoher<br />
Modulation ausgeben. Die Intensität<br />
und damit die Impedanz des Lichtbogens<br />
moduliert in Abhängigkeit<br />
vom Abstand zwischen Elektrode<br />
und Gewebe und dem Zustand des<br />
Gewebes (von bereits koagulierten<br />
zu weniger koagulierten Stellen).<br />
Der HF-Generator<br />
Die Aufgabe des HF-Generators<br />
besteht darin, die für die Operation<br />
nötigen elektrischen Signale an<br />
die Elektrode abzugeben. Es handelt<br />
sich dabei um eine Wechselspannung,<br />
denn Gleichspannung<br />
würde zur Elektrolyse im Gewebe<br />
führen. Die Frequenz dieser Spannung<br />
muss hoch genug sein, dass<br />
sie den so genannten faradischen<br />
Bild 2: Typische Kurvenformen<br />
Effekt vermeidet, bei dem Nerven<br />
und Muskelzellen durch elektrischen<br />
Strom gereizt werden. Die<br />
untere Grenze hierfür liegt bei etwa<br />
200 kHz. Der thermische Effekt<br />
entsteht durch die im Gewebe in<br />
Wärme umgesetzte Verlustleistung.<br />
Die Höhe der Spannung variiert je<br />
nach Betriebsart zwischen ein paar<br />
Hundert Volt bis zu wenigen Kilovolt<br />
(in der Spitze). Die Anforderungen<br />
an die HF-Quelle sind also vielseitig<br />
und erfordern eine schnelle<br />
Ausregelung des Ausgangssignals<br />
in Abhängigkeit von der Impedanz<br />
des Gewebes. Sie hängt vom Übergangswiderstand<br />
der Kontaktfläche,<br />
aber auch vom Zustand des Gewebes<br />
während der laufenden Behandlung<br />
ab. Als weiterer Faktor spielt die<br />
vom Operateur bestimmte Einwirkzeit<br />
eine Rolle, denn die thermische<br />
Energie bestimmt sich aus der Leistung<br />
und der Dauer. Typische Werte<br />
liegen bei monopolarem Schneiden<br />
bei größer 300 kHz und bis zu<br />
1 kV. Bei der monopolaren Spraykoagulation<br />
sind dies in der Spitze<br />
ca. 1 MHz und mehr als 4 kV. Die<br />
Leistung variiert dabei zwischen<br />
wenigen 10 W und 300 W.<br />
Besonders bei der Spraykoagulation<br />
entsteht ein starkes Wechselfeld,<br />
das in der Amplitude moduliert<br />
ist, da der Generator nachregelt,<br />
um den Lichtbogen mit konstanter<br />
Leistung zu erhalten. Bild 2 zeigt<br />
die typischen Kurvenformen. Je<br />
nach Behandlung variieren Amplitude,<br />
Frequenz oder Puls/Pause-<br />
Verhältnis.<br />
PCAP<br />
Die PCAP-Touch-Technologie<br />
(„Projected CAPacitive Touch<br />
Screen“) trat ihren Siegeszug in der<br />
Consumer-Elektronik an. Heute ist<br />
sie nicht nur dort, sondern auch in<br />
professionellen Geräten die am weitesten<br />
verbreitete Touch-Technologie.<br />
Sie bietet durch die Integration<br />
hinter einem Deckglas Vorteile wie<br />
eine bündige, leicht mit allen gängigen<br />
Mitteln zu reinigende Oberfläche<br />
und ein attraktives Design<br />
mit Bedruckung und Hinterleuchtung<br />
der Frontplatte. Gerade in der<br />
Medizintechnik profitieren Geräte<br />
mit Display von der Ergonomie<br />
eines Touchscreens, da Werte dort<br />
modifiziert werden können, wo sie<br />
auf dem Bildschirm dargestellt werden.<br />
Wenige Anwendungsbereiche<br />
bleiben Domäne anderer Technologien,<br />
z. B. dort, wo es auf eine taktile<br />
Rückmeldung ankommt, oder<br />
bislang in der Umgebung starker<br />
elektrischer Störsignale.<br />
Dank der immer weiter entwickelten<br />
Hard- und Software des<br />
Touch-Controllers können Störungen<br />
besser unterdrückt und erfasste<br />
Touch-Ereignisse auf Plausibilität<br />
geprüft werden, so dass Betrieb und<br />
Bedienung immer sicher bleiben.<br />
Aufbau<br />
Das Touch-System besteht aus<br />
zwei Komponenten: dem Touch-<br />
Sensor, der ein kapazitives Feld aufspannt.<br />
Es wird durch die Berührung<br />
mit Fingern oder anderen Gegenständen<br />
beeinflusst. Die andere<br />
ist der Touch-Controller, der diese<br />
Berührungen auswertet. Der Touch-<br />
Controller befindet sich auf einer<br />
kleinen separaten Leiterplatte oder<br />
einer Flex-Folie. Eine Seite ist mit<br />
dem Touch-Sensor verbunden, die<br />
andere mit dem Host (Embedded<br />
Board oder PC). Die Auswertung<br />
findet durch sequenzielles Abtasten<br />
43
Bedienen und Visualisieren<br />
Bild 3: Touch-Controller<br />
der Zeilen und Spalten statt. Dabei<br />
wird sowohl die Kapazität einzelner<br />
Elektrodenpaare („self capacitive“)<br />
als auch die Wechselwirkung<br />
benachbarter Elektroden („mutual<br />
capacitive“) ausgewertet. Die Grundfunktionen<br />
sind: Erkennen eines<br />
Touch-Ereignisses („Touch“) bei<br />
der Betätigung, Verschwinden eines<br />
Touch-Ereignisses („Release“) beim<br />
Loslassen und die Erkennung von<br />
Gesten („swipe“, „zoom“, „pinch“).<br />
Dabei können je nach Einstellung<br />
auch mehrere Ereignisse gleichzeitig<br />
ausgewertet werden („Multi finger“<br />
Touch und Gesten). Die Firmware<br />
des Touch-Controllers deckt<br />
alle diese Funktionen ab. Die Grundfunktionen<br />
können in weiten Grenzen<br />
parametriert werden, um die<br />
Funktion des Touchscreens an die<br />
gewünschte Bedienoberfläche und<br />
das elektrische Umfeld anzupassen.<br />
Dies wird auch als „Fine Tuning“<br />
bezeichnet, bei dem über 50 Parameter<br />
in der Firmware eingestellt<br />
werden. Es ist wichtiger Bestandteil<br />
bei der erfolgreichen Integration<br />
eines PCAP-Touch-Systems.<br />
Design mit PCAP<br />
Bei der Integration in ein Gerät<br />
werden Display, Touch-Sensor und<br />
Deckglas miteinander verklebt und<br />
in das Gehäuse eingebaut. Die elektrische<br />
Anbindung an die Versorgung<br />
und besonders an die Masse (siehe<br />
Bild 4) des Systems muss unter<br />
EMV-Aspekten besonders beachtet<br />
werden. Details beschreibt das<br />
Whitepaper „Integrationshinweise<br />
für ein PCAP Design“ (HY-LINE).<br />
Der PCAP-Controller stellt im<br />
Kern die Grundfunktionen zur Auswertung<br />
von Touch-Ereignissen<br />
auf dem PCAP-Sensor zur Verfügung,<br />
deren Ergebnisse an das<br />
Hostsystem weitergegeben werden.<br />
Diese können vielseitig parametriert<br />
werden, um im finalen System<br />
eine optimale Funktion zu erzielen.<br />
Da das PCAP-Prinzip auf der<br />
Änderung kleinster Kapazitäten<br />
basiert, müssen alle Einflüsse, die<br />
Bild 4: Beispiel für die Masseanbindung des Controllers<br />
das vom Sensor ausgehende elektrische<br />
Feld beeinflussen, berücksichtigt<br />
oder ausgeschaltet werden.<br />
Dies beginnt bei der Mechanik der<br />
umgebenden Frontplatte. Von elektrischer<br />
Seite aus sind dies Störfelder,<br />
die vom darunter liegenden<br />
Display ausgehen, aber auch Schaltnetzteile<br />
und vorbeiführende Leitungen<br />
zur Stromversorgung anderer<br />
Komponenten. Sind alle diese<br />
Einflüsse bekannt und eliminiert,<br />
kann der Touch-Controller auf die<br />
gewünschte Betriebsart eingestellt<br />
werden: Wie viele Berührungen soll<br />
er gleichzeitig erkennen (Mehrfingergesten),<br />
und wie sensitiv muss<br />
er sein, um z. B. auch Finger durch<br />
Handschuhe hindurch erkennen zu<br />
können? Wie dick ist das Deckglas?<br />
Kommen erschwerte Bedingungen<br />
durch Fremdkörper auf der Oberfläche<br />
hinzu wie z. B. eine feuchte<br />
Oberfläche, Wassertropfen, fließendes<br />
oder stehendes Wasser<br />
oder andere Flüssigkeiten?<br />
Controller-Firmware<br />
Die Controller-Firmware wertet<br />
die gemessenen Ereignisse aus<br />
und prüft sie. Sind die Koordinaten<br />
plausibel und bleiben über mehrere<br />
Scan-Durchläufe hinweg präsent?<br />
Stimmt das Signal/Noise-Verhältnis?<br />
Muss die Betriebsart geändert<br />
werden, um zuverlässigere Werte<br />
zu bekommen, z. B. weniger Finger<br />
gleichzeitig, liegt eine Benetzung<br />
mit einer Flüssigkeit vor, oder ein<br />
Handballen auf dem Touchscreen?<br />
Ein hoher Aufwand wird betrieben,<br />
um statische Störungen durch z. B.<br />
die Generator-Grundfrequenz auszuschließen.<br />
Durch Ändern der Abtastrate<br />
und damit der Arbeitsfrequenz<br />
versucht der Controller, durch<br />
Überlagerung verursachte Interferenzen<br />
zu umgehen.<br />
Auch das GUI kann einen Einfluss<br />
auf die einwandfreie Funktion<br />
haben; man möchte nicht Funktionstasten<br />
am Rand des Touchscreens<br />
haben, wenn sich dort stehendes<br />
Wasser stauen kann.<br />
Auswirkungen<br />
von Störsignalen<br />
Bild 5 zeigt, welche Auswirkungen<br />
Störsignale auf einen nicht optimal<br />
abgestimmten Touchscreen haben<br />
können. Große Kreise geben ein<br />
Touch-Ereignis an, kleine Kreise<br />
markieren das Loslassen. Linien<br />
zeigen den Pfad der kontinuierlichen<br />
Berührung.<br />
Auf dem Touch-Sensor wurden<br />
zwei parallele Linien gezeichnet.<br />
Von links nach rechts sind zu sehen:<br />
• Ohne Störsignal: Berühren und<br />
Loslassen des Touchscreens<br />
funktionieren einwandfrei, die<br />
Koordinaten der Touch-Ereignisse<br />
werden korrekt erkannt.<br />
• Mit zunehmender Intensität wird<br />
die Lokalisierung der Touch-Ereignisse<br />
schwieriger: Die erkannte<br />
Position weicht zum Teil deutlich<br />
von der realen ab. Berührungen<br />
und Loslassen werden einwandfrei<br />
erkannt.<br />
• Bei weiter ansteigendem Störsignal<br />
kommt es zu stärkeren<br />
Abweichungen von der korrekten<br />
44 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
Bild 5: Einfluss von Störsignalen<br />
Position. Die gleichzeitige Präsenz<br />
mehrerer Touch-Ereignisse wird<br />
nicht sicher erkannt. Trotz Kontakt<br />
zwischen Finger und Touchscreen<br />
wird ein Loslassen detektiert<br />
und an das System gemeldet.<br />
• Bei stärkstem Störsignal ist der<br />
Touchscreen praktisch komplett<br />
in seiner Funktion gestört: Berühren<br />
und Loslassen werden nicht<br />
mehr sicher erkannt, es treten<br />
ohne Berührung „Ghost“-Ereignisse<br />
(grün) auf, die Zuordnung<br />
der Finger zu den Koordinaten<br />
stimmt nicht mehr (rot und blau<br />
wechseln ab).<br />
Herausforderungen<br />
in der HF-Chirurgie<br />
Nicht nur der HF-Generator selbst,<br />
sondern auch alle in der unmittelbaren<br />
Umgebung befindlichen elektrischen<br />
Geräte wie z. B. Bedienmonitore,<br />
OP-Leuchten und Infusionspumpen<br />
sind den abgestrahlten<br />
Signalen ausgesetzt. Die Änderung<br />
des Stroms kann ungleichmäßig<br />
sein, so dass mit hohen Stromspitzen<br />
zu rechnen ist, die einen Einfluss<br />
auf das sich ergebende Feld<br />
haben. Im monopolaren Betrieb<br />
(siehe Bild 1) sind Hin- und Rückleitung<br />
voneinander getrennt. Damit<br />
wird ein Störfeld zwischen den beiden<br />
Leitungen aufgespannt. Im bipolaren<br />
Betrieb hingegen sind Hin- und<br />
Rückleiter in einem Kabel geführt,<br />
so dass auf beiden Leitern befindliche<br />
elektrische Störungen sich<br />
gegenseitig abschwächen. Besondere<br />
und breitbandige Störungen<br />
wirken bei der Spray-Koagulation<br />
auf die gesamte Elektronik und<br />
das Touch-System ein. Unbeabsichtigte<br />
Störsignale können nicht<br />
nur auftreten, wenn die Elektrode<br />
den Touch-Sensor berührt, sondern<br />
auch, wenn das Kabel während der<br />
Operation in der Nähe des Touch-<br />
Sensors verläuft.<br />
Design und Verifikation<br />
Für das Fine Tuning wird in einem<br />
Testaufbau im Labor die Umgebung<br />
durch Simulation nachgestellt. Die<br />
Störquelle ist ein Funktionsgenerator,<br />
der mit einem Metallstift und definiertem<br />
Abstand auf den Touch-Sensor<br />
einwirkt (siehe Bild 6). Signalform,<br />
Amplitude und Frequenz werden<br />
nacheinander modifiziert, um<br />
die Realität nachzubilden. Unter<br />
dem Einfluss des Störsignals wird<br />
der Touchscreen mit dem Finger<br />
bedient und die resultierenden<br />
Touch-Ereignisse ausgewertet. Die<br />
Einstellungen werden so lange optimiert,<br />
bis die Funktion der Spezifikation<br />
entspricht. Das Ergebnis muss<br />
dann am realen HF-Generator nur<br />
noch geringfügig justiert werden.<br />
Zusammenfassung<br />
Mit der Verwendung von Hochfrequenz<br />
lassen sich viele Bereiche<br />
der Chirurgie abdecken. Durch minimalinvasive<br />
Eingriffe reduziert sich<br />
die Gefahr für den Patienten, die<br />
Heilung der Operationswunden<br />
kann gezielt gesteuert werden,<br />
und die Verweildauer im Krankenhaus<br />
verkürzt sich wegen kleinerer<br />
Wunden und besseren lokalen<br />
Behandlungen. Ein Nachteil der<br />
HF- Chirurgie ist, dass das Verfahren<br />
durch die Energie des Generators<br />
die Umgebung mit vagabundierenden<br />
Strömen stört. Daher<br />
war bislang die Verwendung eines<br />
PCAP (Projected CAPacitive Touchscreen)<br />
in den vielfältigen Geräten,<br />
die im OP in der Umgebung eines<br />
HF-Generators eingesetzt werden,<br />
nicht möglich, da dieser auf feinste<br />
Änderungen eines elektrischen<br />
Feldes reagiert. Verbesserte, gegenüber<br />
Störstrahlung unempfindlichere<br />
Touch-Controller ermöglichen<br />
nunmehr mit gesteigerter Rechenleistung<br />
und angepassten Algorithmen,<br />
dass – unter Be achtung<br />
einiger konstruktiver Maßnahmen<br />
– ein PCAP-Touchscreen ohne Einbußen<br />
an Sicherheit oder Komfort<br />
verwendet werden kann.<br />
Referenzen<br />
• HY-LINE Computer<br />
Components Vertriebs GmbH<br />
www.hy-line-group.com<br />
Bild 6: Einkopplung von Störsignalen im Labor<br />
• Whitepaper zur Touchscreen-<br />
Integration<br />
www.hy-line-group.com/pcap<br />
• Unterlagen von Erbe Elektromedizin<br />
(www.erbe-med.com)<br />
• BOWA-electronic GmbH & Co.<br />
KG BOWA MEDICAL ELEK-<br />
TROCHIRURGIE<br />
(bowa-medical.com)<br />
• Unterlagen von Gebrüder<br />
Martin GmbH & Co. KG<br />
(www.klsmartin.com)<br />
• Unterlagen von eGalax_eMPIA<br />
Technology (www.eeti.com)<br />
Wer schreibt<br />
HY-LINE Computer Components<br />
steht als Mitglied der HY-LINE-<br />
Gruppe mit 30 Jahren Expertise als<br />
Spezialist für komplette Systemlösungen<br />
im Bereich Display- und<br />
Touchtechnologie und Embedded<br />
Computing. Als Lösungsanbieter<br />
unterstützt das Unternehmen seine<br />
Kunden bei der projektbezogenen<br />
technischen Beratung sowohl in<br />
aktuellen Technologien als auch<br />
innovativen Ansätzen. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
45
Bedienen und Visualisieren<br />
Human Machine Interfaces im Medizinbereich<br />
Die Kombination aus Touchscreen mit stromsparendem SBC von SECO dient als zentrale<br />
Kommunikationsschnittstelle bei dem nicht-invasiven (NIV) Beatmungsgerät Biorespira<br />
die Chancen, unseren Beitrag zur<br />
Bekämpfung der COVID-19 Pandemie<br />
zu leisten und SECO war der<br />
beste Partner, den wir uns wünschen<br />
konnten“, erklärt Corrado<br />
Ghidini, CEO von IBD.<br />
SECO Northern Europe GmbH<br />
https://north.seco.com/<br />
In der Medizintechnik sind Qualität<br />
und Sicherheit die wichtigsten<br />
Parameter für hochwertige und verlässliche<br />
Produkte. Der Einsatz von<br />
Human Machine Interfaces (HMIs)<br />
in den entsprechenden elektronischen<br />
Geräten und Systemen<br />
stellt somit sehr hohe Anforderungen<br />
an die Entwickler und Hersteller.<br />
Die Geräte müssen komfortabel<br />
und präzise bedienbar sein, eine<br />
optimale Ablesbarkeit der Parameter<br />
sicherstellen sowie Ausfallsicherheit<br />
und eine Langzeitverfügbarkeit<br />
bieten. Bei der Bedienung<br />
medizinischer Geräte spielen<br />
auch Touchscreens immer häufiger<br />
eine wichtige Rolle und ihre Verwendung<br />
nimmt seit Jahren stetig<br />
zu. HMIs nehmen dabei die wichtige<br />
Rolle der zentralen Bedienelemente<br />
medizintechnischer Geräte<br />
ein. Über das Display lassen sich<br />
alle Funktionen sehr präzise steuern<br />
und der Anwender erhält auf<br />
Berührung aktuelle Informationen,<br />
wie zum Beispiel Messergebnisse.<br />
Das Anwendungsbeispiel<br />
Für die finale Phase der Entwicklung<br />
eines innovativen nichtinvasiven<br />
Lungenbeatmungsgerätes<br />
(NIV) suchte IBD, ein erfahrener<br />
Hersteller für biomedizinische<br />
Geräte, Unterstützung bei<br />
der Implementierung eines geeigneten<br />
HMIs und wurde bei SECO<br />
fündig. Mit dem neuartigen und vielseitigen<br />
NIV-Ansatz für die Unterstützung<br />
der Lungenbeatmung<br />
kommt die Lösung sowohl in der<br />
klinischen als auch in der häuslichen<br />
oder mobilen Anwendung<br />
zum Einsatz.<br />
HMI für die nicht-invasive<br />
Beatmung (NIV)<br />
Bei der NIV wird die Atmung des<br />
Patienten unterstützt, ohne dass eine<br />
Intubation oder Tracheotomie erforderlich<br />
ist. Die NIV bietet Patienten<br />
mit Ateminsuffizienz eine wirksame<br />
Therapie bei geringerem Infektionsrisiko<br />
und verbesserten Überlebensraten.<br />
Mit dem Lungenbeatmungsgerät<br />
Biorespira hat IBD<br />
gemeinsam mit Unterstützung von<br />
SECO in kurzer Zeit ein Produkt<br />
entwickelt, das die Patienten auch<br />
bei der Bewältigung einer COVID-19<br />
Infektion unterstützt. „Mit der Entwicklung<br />
dieses Geräts hatten wir<br />
Die Anforderungen<br />
Grundsätzlich sollte das Beatmungsgerät<br />
Technologien verwenden,<br />
die auf dem allerneusten Stand<br />
der Technik sind. So sollte ein High-<br />
Flux-Generator für die nicht-invasive<br />
Beatmung von erwachsenen<br />
Patienten mit Ateminsuffizienz zum<br />
Einsatz kommen. Damit ist es möglich<br />
bei Patienten, die in der Lage<br />
sind eigenständig zu atmen, eine<br />
direkte Messung des PEEP, der<br />
SpO 2 -Parameter und der Atemfrequenz<br />
durchzuführen und die Werte<br />
kontinuierlich anzeigen zu lassen.<br />
Das System sollte geschlossen<br />
sein, um Infektionsrisiken vorzubeugen,<br />
dem andere Anwesende<br />
durch den Aerosol-Effekt der vom<br />
Patienten ausgeatmeten Luft ausgesetzt<br />
sind.<br />
Bevor die Embedded-Systems-<br />
Spezialisten von SECO mit der Entwicklung<br />
des HMIs begannen, galt<br />
es einige Anforderungen an die<br />
Lösung zu definieren. Besonderes<br />
Augenmerk wurde hierbei auf die<br />
Anwenderfreundlichkeit, Kompaktheit<br />
und Gewichtsreduktion gelegt.<br />
Gerade eine flexibel einsetzbare<br />
Gesamtlösung war wichtig für den<br />
geplanten Einsatz, nicht nur in Intensivpflege,<br />
chirurgischen Intensivstation<br />
und Notaufnahme, sondern auch<br />
mobil in Pflegeheimen und in der<br />
häuslichen Krankenpflege.<br />
Angepasste<br />
HMI-Standardlösung<br />
Die eingesetzte HMI-Lösung im<br />
Biorespira wurde speziell an die<br />
Anforderungen des Gerätes angepasst<br />
und besteht aus einem 10 Zoll<br />
großen Touchscreen mit einem<br />
stromsparenden Single Board Computer<br />
(SBC) und einem ARM-Prozessor<br />
der jüngsten Generation.<br />
Als Betriebssystem kam ein Yocto<br />
Linux zum Einsatz. Yocto ist dabei<br />
kein eigenständiges Linux-System,<br />
46 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
men, verkleinert den anatomischen<br />
Totraum und generiert einen positiven<br />
Atemwegsdruck. Das Lungenbeatmungsgerät<br />
ist intuitiv bedienbar<br />
und bei der Behandlung<br />
nicht störend. Selbst unerfahrene<br />
Anwender verstehen schnell wie<br />
es zu bedienen ist.<br />
sondern vielmehr ein Baukasten,<br />
aus dem sich die Entwickler bedienen<br />
können. Es zeichnet sich vor<br />
allem durch seine standardisierte<br />
Architektur und hohe Anpassbarkeit<br />
aus, was den Entwicklern entgegenkam.<br />
Auch das GUI-Framework<br />
wurde speziell auf die Lösungsanforderungen<br />
zugeschnitten und<br />
basiert auf der C++-Technologie für<br />
ARM/Linux-Umgebungen. Zusätzlich<br />
wurde ein CAN-BUS zur Reduzierung<br />
der im Gerät verbauten<br />
Kabel und somit zur Gewichtreduktion<br />
verwendet. Das eigens für<br />
dieses Produkt angepasste HMI<br />
wird eingesetzt, um eine einfache<br />
Bedienung - auch für unerfahrene<br />
Nutzer - zu ermöglichen und darüber<br />
hinaus eine optimale Darstellung<br />
der Werte wie z. B. PEEP, der<br />
SpO 2 -Parameter und der Atemfrequenz<br />
sicherzustellen.<br />
play und kann sowohl in Kliniken als<br />
auch in der häuslichen Pflege eingesetzt<br />
werden. Es unterstützt die<br />
Sauerstoffversorgung, die dynamische<br />
Lungen-Compliance, die<br />
Homogenität und Exspirationsvolu-<br />
SECO im medizinischen<br />
Sektor<br />
SECO deckt alle relevanten<br />
Normzertifizierungen im medizinischen<br />
Bereich ab, sodass klinische<br />
Reinheit und Sicherheit in<br />
der Anwendung jederzeit gewährleistet<br />
sind. Besonders zeichnen sich<br />
die Embedded Systeme von SECO<br />
darin aus, dass die standardisierten<br />
Lösungen flexibel auf verschiedene<br />
Anwendungsfelder im medizinischen<br />
Bereich adaptiert werden<br />
können. Dadurch liegt bereits sehr<br />
früh in der Entwicklungsphase ein<br />
erster Prototyp vor, der Implementierung,<br />
Funktionstests und Qualitätssicherung<br />
erheblich beschleunigt.<br />
Das schnelle Prototyping des<br />
HMIs konnte dazu beitragen, das<br />
Biorespira zur Bekämpfung der<br />
Covid-19-Pandemie deutlich schneller<br />
auf den Markt zu bringen, als<br />
es üblicherweise der Fall gewesen<br />
wäre. ◄<br />
Das Ergebnis<br />
SECO liefert ein HMI, das zur<br />
Überwachung der Funktionen des<br />
Beatmungsgeräts dient, wobei das<br />
entwickelte Gerät mit einer Größe<br />
291(W) x 259(H) x 203(D) mm und<br />
einem Gewicht von 3 kg äußerst<br />
kompakt und tragbar ist. Es verfügt<br />
über ein anwenderfreundliches Dis-<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
47
Bedienen und Visualisieren<br />
Maßgeschneiderte Technologie<br />
für die Medizintechnik<br />
Technologische Fortschritte<br />
und entsprechende<br />
Lösungen<br />
Im Zeitalter hochentwickelter<br />
Medizintechnik spielen spezielle<br />
Vorbaugruppen eine zunehmend<br />
entscheidende Rolle bei<br />
der Bereitstellung hocheffizienter<br />
Diagnose- und Behandlungslösungen.<br />
Industriekunden aus dem<br />
Bereich Medizintechnik bekommen<br />
heute für ihren innovativen<br />
Bedarf an Geräten eine Vielzahl<br />
an Komponenten und Komplettlösungen,<br />
die den Anforderungen<br />
der Medizintechnik entsprechen.<br />
Diese Anforderungen beinhalten<br />
neben einer gesicherten Supply<br />
Chain auch die erforderliche Dokumentation<br />
und Zertifizierung, sowie<br />
garantierte funktionelle Sicherheit<br />
in der Bedienung und in allen<br />
zusätzlichen Features moderner<br />
Touch Mensch-Maschine-Interfaces<br />
(MMI).<br />
Gesicherte Qualität und<br />
nachverfolgbare Lieferkette<br />
Zuverlässige Lieferanten und ein<br />
gut etabliertes Netzwerk sind die<br />
Basis, um die Qualität von Komponenten<br />
zu sichern. Nur durch<br />
sorgfältige Auswahl und regelmäßige<br />
Überprüfung der Lieferanten<br />
können die hohen Standards im<br />
Medizinbereich eingehalten werden.<br />
Dabei ist die Nachverfolgbarkeit<br />
aller Komponenten im gesamten<br />
Lieferprozess ein essentieller<br />
Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems:<br />
Von der Beschaffung<br />
der Rohmaterialien bis zur endgültigen<br />
Lieferung an die Industriekunden.<br />
Auch umfassende Erstmusterprüfberichte<br />
bieten zusätzliche<br />
stichprobenartige Kontrollmöglichkeiten.<br />
Durch den Einsatz fortschrittlicher<br />
Materialien, innovativer Sensortechnologien<br />
und leistungsstarker<br />
Rechenkapazitäten sind medizinische<br />
Geräte in der Lage, schneller<br />
präzise Diagnosen zu stellen<br />
und über spezielle Überwachungsfunktionen<br />
lebensrettende Behandlungen<br />
zu unterstützen. Von hochauflösenden<br />
Bildschirmen über<br />
Datenverarbeitung bis hin zu nahtloser<br />
System-Konnektivität bieten<br />
medizinische Vorbaugruppen eine<br />
umfassende Palette technischer<br />
Funktionen, die die medizinische<br />
Versorgung auf ein neues Niveau<br />
heben. Durch die enge Zusammenarbeit<br />
mit den Kunden wird heute<br />
sichergestellt, dass passgenaue<br />
Lösungen nach der höchsten Norm<br />
ISO 13485 und den Bedürfnissen<br />
und zum Wohle der Patienten entwickelt<br />
werden können.<br />
Sobald die Entwicklung der Komponenten<br />
beim Systemanbieter liegt,<br />
werden diese iterativen Prozesse<br />
etwas vereinfacht und das eröffnet<br />
eine Reihe von Vorteilen: So können<br />
praktische Designs geschaffen<br />
werden, die sich problemlos in<br />
verschiedene medizinische Umgebungen<br />
integrieren lassen. Komponenten<br />
können so optimal auf indi-<br />
Autor:<br />
Roland Wabro<br />
Produktmanager Systeme<br />
DATA MODUL<br />
info@data-modul.com<br />
www.data-modul.com<br />
48 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
viduelle Benutzerfreundlichkeit,<br />
intuitive Bedienbarkeit und ergonomisches<br />
Design ausgelegt werden.<br />
Unternehmen wie Data Modul haben<br />
zudem eigene Entwicklungsabteilungen,<br />
in denen u. a. Materialforschung<br />
betrieben wird. Ergebnisse<br />
sind so etwas wie die vereinfachte<br />
Gehäusereinigung und hocheffektive<br />
Hygienekonzepte, die gerade<br />
in medizinischen Umgebungen<br />
eine wichtige Rolle spielen, um das<br />
Risiko von Kontaminationen zu minimieren<br />
und die Sicherheit von Patienten<br />
und medizinischem Personal<br />
zu gewährleisten.<br />
PCAP-Technologie und<br />
deren Einsatzmöglichkeiten<br />
Die PCAP-Technologie (Projected<br />
Capacitive Touch) bietet<br />
viele Vorteile für den Einsatz in<br />
medizinischen Touchscreens, u. a.<br />
hohe Berührungsempfindlichkeit,<br />
präzise Eingabemöglichkeiten<br />
und Mehrpunkt-Touchfunktionen.<br />
Bei der Verwendung dieser Technologie<br />
in medizinischen Umgebungen<br />
müssen allerdings ein<br />
paar wichtige Punkte berücksichtigt<br />
werden: PCAP-Touchscreens<br />
von der „Stange“ reagieren hauptsächlich<br />
auf die elektrische Kapazität<br />
menschlicher Körper und können<br />
daher bei der Verwendung<br />
von Handschuhen oder feuchten<br />
Händen unzuverlässig sein. Dies<br />
muss – gerade im medizinischen<br />
Umfeld, in dem das Tragen von<br />
Handschuhen zur Infektionsprävention<br />
oft erforderlich ist - verhindert<br />
werden.<br />
Mit hochwertigen Touchsensoren<br />
und Controllern ist eine Bedienung<br />
mit Handschuhen möglich und auch<br />
die Unempfindlichkeit gegenüber<br />
Verunreinigung und feuchten Oberflächen<br />
sowie gegenüber elektromagnetischen<br />
Interferenzen und<br />
elektrostatischen Entladungen<br />
führt zur präzisen und zuverlässigen<br />
Interaktion, um eine fehlerfreie<br />
Bedienung der Geräte sicherzustellen.<br />
Potenzielle Risiken<br />
minimieren<br />
Bei medizinischen Touchscreens<br />
bedeutet dies die Implementierung<br />
von Sicherheitsfunktionen, um<br />
fehlerhafte Eingaben oder unerwünschte<br />
Aktionen zu verhindern.<br />
Dies kann die Verwendung redundanter<br />
Eingabetechnologien, wie beispielsweise<br />
doppelter Berührungserkennung,<br />
oder die Implementierung<br />
von Algorithmen zur Fehlererkennung<br />
und Fehlerkorrektur beinhalten.<br />
Auch spielt die Ergonomie<br />
eine wichtige Rolle, um Ermüdung<br />
und daraus resultierende, versehentliche<br />
menschliche Bedienfehler<br />
zu vermeiden.<br />
Für den Sonderfall, in dem das<br />
Produkt einer sehr hohen Medizinrisikoklasse<br />
angehört und deshalb<br />
besondere Anforderungen an<br />
die funktionale Sicherheit gestellt<br />
werden, sind zusätzliche Maßnahmen<br />
erforderlich. Sicherheitsrelevante<br />
Parameter können eingestellt<br />
und auch remote überwacht<br />
werden. Zum Beispiel zweikanalige<br />
Signale, die eine Redundanz<br />
bieten und so das Risiko von Einzelstörungen<br />
verringern.<br />
Haptik<br />
Das Feature „haptische Rückmeldung“<br />
eröffnet medizinischen<br />
Anwendungen bedeutende Vorteile.<br />
Diese Integration erfolgt ausschließlich<br />
auf kundenspezifischer<br />
Basis, was ein hohes Maß an individuellen<br />
Gestaltungsmöglichkeiten<br />
und maßgeschneiderten Anpassungen<br />
ermöglicht. Sowohl die virtuellen<br />
Eingabetasten (z. B. Slider,<br />
Joystick usw.), als auch die Art<br />
der Bedienung sowie Materialien<br />
und Komponenten können passgenau<br />
ausgewählt werden. Durch<br />
die Kombination von Berührungsund<br />
Kraftmessung wird zudem die<br />
„Head-Down-Zeit“ erheblich reduziert.<br />
Besonders wichtig in Situationen,<br />
in denen der Nutzer visuell<br />
gebunden ist, wie zum Beispiel<br />
bei Operationen oder in der Intensivüberwachung.<br />
Force Touch<br />
Die Integration von Force Touch<br />
in medizinische Touchscreens eröffnet<br />
neue Möglichkeiten in der Interaktion<br />
mit medizinischen Geräten.<br />
Durch die Erfassung der Druckstärke<br />
der Berührung ermöglichen<br />
Force-Touch-Technologien eine<br />
zusätzliche Dimension der Steuerung<br />
und Interaktion. Dies erlaubt<br />
eine differenzierte Bedienung, beispielsweise<br />
durch die Anwendung<br />
variabler Druckstufen oder die Aktivierung<br />
spezifischer Funktionen,<br />
basierend auf der Druckintensität.<br />
Medizinische MMI können mittels<br />
Force-Touch-Funktionen präziser<br />
gesteuert werden, was insbesondere<br />
bei feinen Einstellungen oder<br />
bei der Manipulation von medizinischen<br />
Bildern oder Grafiken von<br />
Vorteil ist. Zudem kann Force Touch<br />
dazu beitragen, die Benutzererfahrung<br />
zu verbessern, indem es eine<br />
taktile Rückmeldung und ein reales<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
49
Bedienen und Visualisieren<br />
Haptik-Erlebnis bietet. So wird eine<br />
verbesserte Kontrolle erreicht und<br />
die Bediensicherheit erhöht. Mit<br />
der Integration von Force Touch in<br />
medizinische Touchscreens eröffnen<br />
sich innovative Design/GUI<br />
Möglichkeiten, um die Benutzerinteraktion<br />
und Funktionalität zu<br />
optimieren und die Leistungsfähigkeit<br />
medizinischer Geräte weiter zu<br />
verbessern.<br />
Gestensteuerung<br />
Durch die Verwendung von<br />
Gesten können Benutzer medizinische<br />
Geräte auf natürliche und<br />
intuitive Weise steuern, indem<br />
sie Handbewegungen, Fingerbewegungen<br />
oder sogar Körperbewegungen<br />
einsetzen. Dies reduziert<br />
die Notwendigkeit physischer<br />
Tasten oder Schalter und ermöglicht<br />
den Benutzern, Funktionen<br />
und Optionen schnell und nahtlos<br />
zu aktivieren, Menüs zu durchsuchen<br />
oder Bilder zu vergrößern/<br />
verkleinern, indem sie einfach<br />
ihre Hände oder Finger bewegen.<br />
Dies erleichtert den Arbeitsablauf<br />
für das medizinische Personal und<br />
reduziert nachweislich die Lernkurve<br />
bei der Verwendung neuer<br />
Geräte. Geräte können berührungslos<br />
bedient werden und schaffen so<br />
die besten hygienischen Voraussetzungen,<br />
kontaminierte Oberflächen<br />
zu vermeiden. Für die Einführung<br />
der Gestensteuerung ist<br />
- wie bei allen Eingabefunktionen<br />
– eine einmalige Einweisung für<br />
die Nutzer erforderlich. Sie bietet<br />
in der Bedienbarkeit die größte<br />
hygienische Sicherheit im medizinischen<br />
Umfeld.<br />
Encoder/Taster<br />
„Traditionelle“ Eingabetechnologien,<br />
wie Folientastaturen, Encoder-Schalter<br />
und Regler werden<br />
nach wie vor verbaut, da sie sich<br />
als äußerst zuverlässig in medizinischen<br />
Geräten erwiesen haben.<br />
Diese bewährten Technologien bieten<br />
eine robuste und langlebige<br />
Bedienung, die den anspruchsvollen<br />
Anforderungen medizinischer<br />
Umgebungen standhält.<br />
Encoder-Schalter und Regler<br />
ermöglichen es den Benutzern,<br />
Parameter präzise einzustellen<br />
und zu steuern, indem sie Drehoder<br />
Druckbewegungen verwenden.<br />
Diese Eingabemethoden bieten<br />
eine haptische Rückmeldung<br />
und ermöglichen eine einfache und<br />
schnelle Anpassung von Einstellungen.<br />
Diese Eingabetechnologien<br />
sind „gelernt“ und damit intuitiv<br />
bedienbar und gewährleisten<br />
eine stabile und konsistente Leistung,<br />
die sich gut in den Workflow<br />
integrieren lassen.<br />
Dreh-Drück-Elemente<br />
Die „Easyknob“-Technologie ermöglicht<br />
die Integration von Dreh-<br />
Drück-Reglern direkt in den kapazitiven<br />
Touchscreen (PCAP) und<br />
ohne Durchbruch im Coverglas.<br />
Durch das Aufbringen eines physischen<br />
Dreh-Drück-Elements auf<br />
dem Touchscreen wird die präzise<br />
Steuerung und Anpassung<br />
von Parametern erleichtert. Die<br />
Benutzer können den Knopf drehen<br />
und drücken, um Werte einzustellen<br />
oder Optionen auszuwählen,<br />
während sie gleichzeitig<br />
den Touchscreen für andere Interaktionen<br />
verwenden. Dies bietet<br />
eine intuitive und effiziente Bedienung,<br />
da die Nutzer die Vorteile<br />
des taktilen Feedbacks und der<br />
haptischen Rückmeldung nutzen<br />
können, während sie den Touchscreen<br />
verwenden.<br />
Hygienefördernde<br />
Beschichtungen<br />
der Komponenten<br />
Die Verwendung von antimikrobiellen<br />
und antiviralen Oberflächen<br />
erleichtern die Hygiene- und Infektionskontrolle.<br />
Durch das Aufbringen<br />
spezieller Beschichtungen und<br />
Materialien kann auf medizinischen<br />
Geräten und Komponenten dem<br />
Wachstum von Mikroorganismen,<br />
wie Bakterien oder Viren, aktiv entgegengewirkt<br />
werden. Diese speziell<br />
entwickelten Oberflächen hemmen<br />
die Vermehrung von Krankheitserregern<br />
und reduzieren das Risiko<br />
von Kreuzkontaminationen deutlich.<br />
Eine hydrophobe Beschichtung mit<br />
ihrer wasserabweisenden Wirkung<br />
reduziert die Anhaftung von Flüssigkeiten,<br />
wie Blut oder Körperflüssigkeiten.<br />
Dies erleichtert die Reinigung<br />
der Geräte und minimiert das Risiko<br />
von Kontaminationen. Die Integration<br />
antimikrobieller, antiviraler und<br />
hydrophober Oberflächen trägt zur<br />
Verbesserung der Hygienepraktiken,<br />
zur Infektionskontrolle und zur Langlebigkeit<br />
der Geräte bei, was letztendlich<br />
zu einer verbesserten Patientensicherheit<br />
und Behandlungsqualität<br />
führt. ◄<br />
50 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Änderungsmanagement in der Medizintechnik<br />
Software<br />
Der Weg vom Papier in die Digitalisierung – Änderungen müssen in der regulierten Industrie der Medizintechnik<br />
z. B. für Prozesse, Dokumente oder IT-Systeme geregelt ablaufen und dokumentiert werden.<br />
Das oxaion DMS ist ein Modul innerhalb der skalierbaren<br />
Unternehmenssoftware von oxaion für Medizintechnik-Unternehmen.<br />
Das Änderungsmanagement in<br />
der Medizintechnik ist von großer<br />
Bedeutung, da es sicherstellt, dass<br />
Änderungen an Medizinprodukten,<br />
Systemen und Prozessen sicher<br />
und effektiv durchgeführt werden.<br />
Die Medizintechnikbranche ist stark<br />
reguliert, und Änderungen müssen<br />
gemäß den Anforderungen der<br />
zuständigen Regulierungsbehörden<br />
wie der FDA, der ZLG oder anderen<br />
internationalen Aufsichtsbehörden<br />
und den Benannten Stellen erfolgen.<br />
Eine fehlerhafte Änderung kann<br />
schwerwiegende Konsequenzen<br />
für Patienten und das Unternehmen<br />
haben.<br />
Typische Prozesse<br />
im Änderungsmanagement<br />
Ein typischer Prozess für das<br />
Änderungsmanagement in der Medizintechnik<br />
könnte folgende Schritte<br />
umfassen:<br />
1. Identifikation:<br />
Änderungen können aus verschiedenen<br />
Quellen wie Kundenfeedback,<br />
regulatorischen Anforderungen,<br />
Risikobewertungen, Fertigungsprozessen<br />
oder IT-Systemen<br />
stammen.<br />
2. Bewertung:<br />
Die Auswirkungen der Änderungen<br />
auf die Produktqualität,<br />
Sicherheit und regulatorischen<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Anforderungen sollten bewertet<br />
werden. Hierbei kann eine Risikobewertung<br />
helfen, um potenzielle<br />
Risiken zu identifizieren<br />
und zu bewerten.<br />
3. Genehmigung:<br />
Änderungen sollten nur nach einer<br />
gründlichen Bewertung genehmigt<br />
werden. Die Genehmigung<br />
kann von verschiedenen Stakeholdern<br />
wie der Technischen Leitung,<br />
dem Qualitätsmanagement<br />
oder den Regulierungsbehörden<br />
abhängen.<br />
4. Implementierung:<br />
Die Umsetzung von Änderungen<br />
erfordert ein strukturiertes Vorgehen<br />
und sollte in Übereinstimmung<br />
mit den regulatorischen Anforderungen<br />
erfolgen.<br />
5. Überprüfung:<br />
Nach der Implementierung<br />
sollten Änderungen überwacht<br />
und geprüft werden, um sicherzustellen,<br />
dass sie wie geplant<br />
funktionieren.<br />
Insgesamt ist das Änderungsmanagement<br />
ein wesentlicher<br />
Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems<br />
in der Medizintechnik<br />
und kann dazu beitragen,<br />
dass Produkte sicherer<br />
und effektiver sind.<br />
Die heutige Situation in den<br />
Unternehmen<br />
In vielen mittelständischen und<br />
kleineren Unternehmen werden<br />
dazu heute die unterschiedlichsten<br />
Formulare verwendet, in den meisten<br />
Fällen aus Word- und Excel-<br />
Templates, die im Ergebnis häufig<br />
auch gedruckt werden. In der Praxis<br />
bedeutet dies, dass diese Dokumente<br />
„von Schreibtisch zu Schreibtisch<br />
wandern“. Das ist heute noch<br />
oft die Realität.<br />
Auswirkungen und<br />
Probleme<br />
Oft ist nicht klar, bei wem der<br />
Änderungsantrag liegt und wie der<br />
Status ist. Dafür gibt es dann wieder<br />
eine Excel-Datei. Das Nachhalten<br />
und Überwachen dieser Änderungsdokumente<br />
ist eine große Herausforderung<br />
für die verantwortliche<br />
Person im Unternehmen. Vor Audits<br />
sorgt dies auch manchmal für die<br />
ein oder andere hektische Situation.<br />
Ein Überwachen ist in der Form ja<br />
auch nicht einfach.<br />
Eine Lösung ... oder zwei?<br />
Heute gibt es bereits IT-Systeme,<br />
die den gesamten Änderungsprozess<br />
(oder das Change-Management)<br />
komplett digitalisieren können.<br />
Das ist sicher die höchste<br />
Ausprägung der Digitalisierung des<br />
Änderungsprozesses. Vom Papier<br />
zur kompletten digitalen Version<br />
ist es für viele Unternehmen aber<br />
ein weiter Weg. Der direkte Wegfall<br />
des gewohnten Formulars erfordert<br />
Änderungsprozesse und die<br />
Qualifizierung der Mitarbeiter im<br />
Umgang damit.<br />
Zwischenweg oder Mittelstandslösung<br />
von Aptean?<br />
Oxaion hat mit einer Reihe von<br />
Unternehmen gesprochen und die<br />
Herausforderungen diskutiert. Diese<br />
liegen hauptsächlich in der Nachverfolgung,<br />
Überwachung, Terminierung<br />
und Dokumentation der<br />
Maßnahmen. Das Unternehmen<br />
hat dafür eine integrierte Lösung<br />
in der oxaion-Unternehmenssoftware<br />
erstellt:<br />
• Das Unternehmen verwendet das<br />
oder die Templates als gelenktes<br />
Dokument im integriertes oxaion<br />
DMS.<br />
• Nach der Freigabe des Änderungsantrages<br />
können die Maßnahmen<br />
als Aufgaben den Mitarbeitern<br />
mit Terminvorgaben zugewiesen<br />
werden.<br />
• Die Rückmeldung der Mitarbeiter<br />
erfolgt an gleicher Stelle mit der<br />
Dokumentation über eine electronic<br />
signature (part11 FDA).<br />
• Sind alle Aufgaben erledigt,<br />
erfolgt der Abschluss durch die<br />
verantwortliche Person im Unternehmen.<br />
• Mit dem Abschluss erfolgt die<br />
Erstellung eines Reports, der<br />
alle durchgeführten Maßnahmen<br />
dokumentiert und beim Änderungsantrag<br />
abgelegt wird.<br />
• Es gibt entsprechende Auswertungen<br />
und Reports über die offenen<br />
Änderungsanträge, die Terminsituation<br />
und den Status der<br />
Bearbeitung und Rückmeldung.<br />
Über diesen Weg können oxaion-<br />
Anwender sehr einfach ein Änderungsmanagement<br />
integrieren und<br />
den nächsten Schritt zur Digitalisierung<br />
vollziehen.<br />
oxaion gmbh<br />
info@oxaion.de<br />
www.oxaion.de<br />
Weitere Informationen zu Lösungen unter:<br />
www.oxaion.de/branchen/medizintechnik<br />
Kostenloses Whitepaper unter:<br />
www.oxaion.de/produkt/cloud/whitepaper-medizintechnik-cloud<br />
51
Komponenten<br />
Wie integrierte optische Empfänger<br />
Point-of-Care-Instrumente zukunftssicher machen<br />
Bild 1: Ein IVD-Fluoreszenzdetektionssystem<br />
Autoren:<br />
Wassim Bassalee<br />
Field Applications Engineer,<br />
Aileen Cleary<br />
Marketing Manager<br />
Medical Instrumentation and Life<br />
Sciences Business Group,<br />
Rob Finnerty<br />
Systems Applications Engineer,<br />
Neil Quinn<br />
Systems Applications Engineer<br />
Analog Devices<br />
www.analog.com<br />
In-vitro-Diagnosesysteme (IVD)<br />
beruhen auf optischen Empfängertechniken,<br />
um hochempfindliche<br />
und spezifische Ergebnisse<br />
zu erzielen. Bewährte Verfahren<br />
wie ELISA und PCR nutzen eine<br />
optische Fluoreszenz-Empfangskette<br />
zur Durchführung diagnostischer<br />
Tests. Es ist daher nicht überraschend,<br />
dass auch der Point-of-<br />
Care (PoC) -Markt optische Empfänger<br />
als leistungsfähiges Werkzeug<br />
für die Entwicklung präziser,<br />
flexibler und schnell verfügbarer<br />
Systeme einsetzt. Dieser Artikel<br />
beschreibt die wichtigsten Überlegungen<br />
bei der Entwicklung einer<br />
optischen PoC-Empfangskette und<br />
zeigt, wie integrierte optische Frontends<br />
nicht nur diese Leistungsanforderungen<br />
erfüllen können, sondern<br />
auch einen entscheidenden Vorteil<br />
für Entwickler bieten, die eine Plattform<br />
für die Zukunft schaffen wollen.<br />
Grundlagen der<br />
Fluoreszenzdetektion<br />
in der Diagnostik<br />
Bei einem IVD-Test auf Fluoreszenzbasis<br />
wird eine Probe, die fluoreszierende<br />
Marker enthält, mit Licht<br />
einer bestimmten Wellenlänge angeregt,<br />
wie durch den grünen Pfeil in<br />
Bild 1 dargestellt. Wenn die Probe<br />
den betreffenden Analyten enthält,<br />
reagieren die Fluoreszenzmarker<br />
auf die Anregung mit der Aussendung<br />
von Licht eines niedrigeren<br />
Energieniveaus. So reagieren beispielsweise<br />
in Bild 1 die Fluoreszenzmarker<br />
in der Probe mit der<br />
Abgabe von rotem Licht. Dieses<br />
emittierte Licht ist das Fluoreszenzsignal,<br />
das nachgewiesen werden<br />
muss, um das Vorhandensein und<br />
gegebenenfalls die Menge des Analyten<br />
in der Probe zu bestimmen.<br />
Schwellenwert<br />
Bei einem fluoreszenzbasierten<br />
Diagnosetest gibt es einen Schwellenwert,<br />
der als meldebare Fluoreszenz<br />
gilt. Ein Fluoreszenzsignal<br />
unterhalb des Schwellenwerts kann<br />
nicht mit Sicherheit auf das Vorhandensein<br />
des Analyten in der Probe<br />
hinweisen. Die Elektronik des Diagnosemessgeräts<br />
und andere Faktoren<br />
tragen zum Hintergrundrauschen<br />
bei, wodurch sich der Schwellenwert<br />
erhöht. Um den Schwellenwert<br />
zu senken und somit eine<br />
höhere Empfindlichkeit ohne Einbußen<br />
bei der Selektivität zu erreichen,<br />
muss das optische Erkennungssystem<br />
sorgfältig konzipiert<br />
werden, damit die elektronische<br />
Empfangskette nicht zum Hintergrundrauschen<br />
beiträgt.<br />
Ein typisches PoC-<br />
Fluoreszenzdetektionssystem<br />
Ein typisches diagnostisches<br />
PoC-Fluoreszenzdetektionssystem<br />
verwendet eine Leuchtdiode (LED)<br />
zur Erzeugung des Anregungslichts<br />
und eine Fotodiode (PD) zum Nachweis<br />
der Fluoreszenzemission der<br />
Probe. Die Fotodiode erzeugt einen<br />
elektrischen Strom, der proportional<br />
zur Intensität des Fluoreszenzsignals<br />
ist, das extrem schwach sein<br />
kann. Der PD-Strom ist im Verhältnis<br />
zum Grundrauschen oft sehr gering,<br />
so dass ein sorgfältiges elektronisches<br />
Design erforderlich ist, um<br />
eine hohe Empfindlichkeit zu erreichen,<br />
ohne die Selektivität zu beeinträchtigen.<br />
In Bild 2 sind die Hauptelemente<br />
eines typischen PoC-Fluoreszenzdetektionssystems<br />
dargestellt.<br />
Das Stromsignal der PD wird<br />
vom Transimpedanzverstärker (TIA)<br />
in ein Spannungssignal umgewandelt.<br />
Das Spannungssignal wird<br />
anschließend vom Analog-Digital-<br />
Wandler (ADC) digitalisiert und in<br />
einen entsprechenden Fluoreszenzwert<br />
umgerechnet.<br />
Die Leistungsanforderungen<br />
Die Entwickler von PoC-Systemen<br />
streben eine maximale diagnostische<br />
Empfindlichkeit (Sensitivität)<br />
an, ohne die Selektivität zu<br />
beeinträchtigen. In Bezug auf PoC-<br />
Instrumente bedeutet dieses Ziel,<br />
dass ein sehr geringer Fotodiodenstrom<br />
als Reaktion auf eine LED-<br />
Anregung zuverlässig erkannt werden<br />
muss. Ein hochempfindliches<br />
System muss zum Beispiel in der<br />
Lage sein, PD-Ströme in der Größenordnung<br />
von einigen Picoampere<br />
als Reaktion auf LED-Anregungsströme<br />
in der Größenordnung von<br />
einigen 100 mA zu erkennen. Dies<br />
bedeutet, dass das System in der<br />
Lage sein muss, PD-Fluoreszenz<br />
bei einer optischen Dämpfung von<br />
etwa 140 dB zu erkennen.<br />
Bild 2: Ein typisches diagnostisches PoC-Fluoreszenzdetektionssystem<br />
52 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Komponenten<br />
Bild 3: Ein PoC-Detektionssystem mit integriertem optischen Frontend<br />
Um eine solche Leistung zu<br />
erreichen, ist eine Kombination<br />
aus elektronischen und Systemdesign-Überlegungen<br />
erforderlich.<br />
Die Gestaltung des analogen<br />
Front-Ends (AFE) für die Fotodiode<br />
ist besonders wichtig. Da<br />
der PD-Strom im Verhältnis zum<br />
Grundrauschen oft sehr schwach<br />
ist, muss der TIA eine hohe Verstärkung<br />
und einen niedrigen<br />
Eingangsstrom aufweisen. Weitere<br />
wichtige Parameter sind<br />
eine niedrige TIA-Eingangsoffsetspannung<br />
sowie ein Mindestabstand<br />
zwischen der Fotodiode<br />
und dem TIA.<br />
Systemdesign<br />
Das Systemdesign ist ebenfalls<br />
sehr wichtig, um eine hochempfindliche<br />
Erkennung zu gewährleisten.<br />
Die Fluoreszenzdetektion muss mit<br />
der LED-Anregung synchronisiert<br />
werden, was einen Controller erforderlich<br />
macht, der diese Synchronität<br />
gewährleistet. Um das schwache<br />
Stromsignal der Fotodiode vom<br />
Grundrauschen zu unterscheiden,<br />
ist häufig eine Mittel wertbildung aus<br />
mehreren Fluoreszenzmesswerten<br />
erforderlich.<br />
Diese Mittelwertbildung ist eine<br />
wichtige Funktion des Systemcontrollers.<br />
Das Umgebungslicht sowie<br />
die Drift der LED-Beleuchtung können<br />
zum Systemfehler beitragen.<br />
Eine Steuerung, die die Unterdrückung<br />
des Umgebungslichts ermöglicht<br />
und die Auswirkungen der<br />
Drift der LED-Beleuchtung berücksichtigt,<br />
kann einen Vorteil für die<br />
Gesamtleistung des Systems darstellen.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Vorteile eines integrierten<br />
optischen Front-End-<br />
Empfängers<br />
Bei der Entwicklung der elektronischen<br />
Empfängerkette für ein PoC-<br />
Lesegerät stehen zwei verschiedene<br />
Architekturen zur Auswahl: eine<br />
vollständig diskrete Lösung wie in<br />
Bild 2 oder die Verwendung eines<br />
integrierten optischen Frontends,<br />
wie in Bild 3 dargestellt.<br />
Der erste eindeutige Vorteil einer<br />
integrierten Lösung liegt in der Vereinfachung<br />
des Systemdesigns. Das<br />
Bild 4: Ein Blockschaltbild des MAX86171<br />
Problem der Synchronisierung der<br />
Fluoreszenzdetektion mit der LED-<br />
Anregung entfällt, da dies intern<br />
durch das optische Frontend erledigt<br />
wird. Integrierte optische Frontends<br />
stellen außerdem eine kompaktere<br />
Lösung mit weniger elektronischen<br />
Komponenten dar. Dies verringert<br />
die Komplexität der Stückliste und<br />
des Liefermanagements und ermöglicht<br />
gleichzeitig ein kleineres Endgerät.<br />
Der wichtigste Vorteil eines<br />
integrierten optischen Frontends<br />
ist jedoch die Möglichkeit, wichtige<br />
Konfigurationsparameter wie Fotodiode,<br />
LED-Treiber und Signalfilterung<br />
per Firmware anpassen zu<br />
können. Die Programmierbarkeit ist<br />
bei diskreten Lösungen nicht gegeben,<br />
ohne dass neue Hardware entwickelt<br />
werden muss. Diese Art der<br />
Konfigurierbarkeit ist von entscheidender<br />
Bedeutung, wenn eine Plattform<br />
im Laufe der Zeit angepasst<br />
werden muss, um mit neuen oder<br />
veränderten Testverfahren arbeiten<br />
zu können. Da häufig neue Varianten<br />
und Krankheiten in die Testmenüs<br />
aufgenommen werden, ist<br />
die Entwicklung einer Empfängerplattform,<br />
die für neue Testverfahren<br />
modifiziert werden kann, ohne<br />
dass Hardwareänderungen erforderlich<br />
sind, von großem Vorteil.<br />
Integrierte optische Frontends<br />
haben eindeutige Vorteile, allerdings<br />
ist die Bestimmung der Leistung<br />
eines optischen Frontends<br />
in Schwachlicht-Fluoreszenzanwendungen<br />
keine triviale Aufgabe.<br />
Der Vergleich des Signal-Rausch-<br />
Abstands (SNR) zwischen integrierten<br />
optischen Frontends gibt keinen<br />
wirklichen Aufschluss über die tatsächliche<br />
Leistung eines optischen<br />
Empfängers im Betrieb. Da die Lichtpegel<br />
in der Regel niedrig sind, ist<br />
das absolute Grundrauschen der<br />
53
Komponenten<br />
Bild 5: Schwachlichtmessung eines Detektors mit dem MAX86171<br />
optischen Frontends und nicht das<br />
SNR der entscheidende Parameter.<br />
Bei der mit den Fluoreszenzmessungen<br />
verbundenen Zeitskala kann<br />
die Mittelwertbildung eingesetzt werden,<br />
um dieses Grundrauschen zu<br />
reduzieren, wenngleich die Komponente<br />
des 1/f-Rauschens eine natürliche<br />
Schranke für die durch Mittelwertbildung<br />
erzielbaren Verbesserungen<br />
darstellt. Daher ist das absolute<br />
Dunkelstromrauschen, insbesondere<br />
das Flickerrauschen, der<br />
dominierende Faktor. Das Dunkelstromrauschen<br />
eines vollständigen<br />
Systems einschließlich der<br />
Foto diode ist in den Datenblättern<br />
vieler integrierter optischer AFEs<br />
nicht beschrieben und muss separat<br />
gemessen werden.<br />
Integrierte Frontends<br />
von Analog Devices<br />
Die integrierten optischen Frontends<br />
von ADI, wie zum Beispiel der<br />
MAX86171 eignen sich ideal für<br />
PoC-Fluoreszenzanwendungen.<br />
Die Integration der analogen Signalkette<br />
zusammen mit dem digitalen<br />
Controller ermöglicht die Implementierung<br />
eines optischen Empfängers<br />
in einem einzigen IC. Der<br />
MAX86171 enthält signalaufbereitete<br />
Foto diodeneingänge, einen 19-Bit-<br />
ADC mit Ladungsintegration, rauscharme<br />
LED-Treiber sowie eine serielle<br />
Schnittstelle mit FIFO-Pufferung.<br />
Mit neun LED-Kanälen und vier<br />
PD-Kanälen unterstützt das AFE<br />
Multi-Assay-Tests und bietet ausreichend<br />
Kanäle für zukünftige<br />
Test-Erweiterungen ohne Hardware-Upgrades.<br />
Die Programmierung<br />
über SPI oder I 2 C ermöglicht<br />
die Feinabstimmung von Parametern<br />
für einen vorgegebenen Test,<br />
wie beispielsweise Integrationszeit,<br />
Mittelwertbildung und Dynamikbereich.<br />
Ein FIFO-Einheit ermöglicht<br />
es den MCUs, während der Messungen<br />
im Schlafmodus zu bleiben,<br />
was die Batterielebensdauer in tragbaren<br />
PoC-Systemen verlängert.<br />
Vor allem aber ermöglichen die<br />
hohe Leistung und das geringe<br />
Rauschen des Bauelements ein<br />
hochempfindliches Detektionssystem.<br />
Mittelwertbildung und<br />
geringes 1/f-Rauschen ermöglichen<br />
ein Dunke lstromrauschen von nur<br />
11 pA rms für die gesamte optische<br />
Signalkette bei einer Fotodiodenfläche<br />
von 7,5 mm 2 . Dies ermöglicht<br />
die zuverlässige Erkennung niedriger<br />
Fotodiodenströme im Bereich<br />
von 1 pA bis 10 pA, die typisch für<br />
Fluoreszenz anwendungen mit geringer<br />
Lichtausbeute sind. Darüber<br />
hinaus erleichtern eine ausgezeichnete<br />
Störspannungsunterdrückung<br />
sowie eine hervorragende Fremdlichtunterdrückung<br />
die Arbeit des<br />
Systementwicklers bei der Konstruktion<br />
des Netzteils und des mechanischen<br />
Gehäuses.<br />
Validierung<br />
Zur Validierung der Leistung<br />
des MAX86171 wurde eine vom<br />
MAX86171 angesteuerte LED durch<br />
verschiedene Stufen optischer Filter<br />
mit neutraler Dichte (ND) geleitet<br />
und über eine Fotodiode vom<br />
MAX86171 empfangen (siehe Bild 5).<br />
Durch Erhöhung der Dichte der<br />
ND-Filter kann die optische Dämpfung<br />
von 40 dB (ND2) bis 140 dB<br />
(ND7) variiert werden, was eine<br />
Verringerung der Fluoreszenzausbeute<br />
in einem PCR- oder LAMPbasierten<br />
Detektionssystem simuliert.<br />
Unterhalb einer Dämpfung von<br />
140 dB kann der MAX86171 einen<br />
über der Dunkel stromgrenze um<br />
Komponenten<br />
Kleingehäuse als zweifarbige Variante<br />
Abmessungen universell einsetzbar.<br />
Zusätzlich bietet das hauseigene<br />
Service-Center viele Möglichkeiten,<br />
um aus dem Standardgehäuse<br />
ein kundenindividuelles<br />
Produkt zu kreieren: z. B. durch<br />
mechanische Bearbeitung, Bedruckung,<br />
Lackierung, Laserbeschriftung,<br />
EMV-Beschichtung oder auch<br />
Montagetätigkeiten. ◄<br />
Der kleinste Uhrenquarz der Welt<br />
Speziell für die Integration<br />
minia turisierter Elektronikbauteile,<br />
Sensoren und Funktechnologien<br />
hat OKW Gehäusesysteme GmbH<br />
das Kleingehäuse MINI-DATA-BOX<br />
entwickelt.<br />
Es ist klein, aber dennoch<br />
robust und überzeugt obendrein<br />
mit seinem hochwertigen Erscheinungsbild.<br />
Odenwälder Kunststoffwerke<br />
Gehäusesysteme GmbH<br />
www.okw.com<br />
Die Anwendungsbereiche finden<br />
sich auch im IoMT (Internet of<br />
Medical Things). Hier werden Informationen<br />
über ein sicheres Netzwerk<br />
übertragen und verbinden so<br />
Patienten, Ärzte und medizinische<br />
Geräte miteinander.<br />
Die Standardfarben RAL 9016<br />
(verkehrsweiß) und RAL 7016<br />
(anthrazitgrau) werden nun in der<br />
Flanschausführung um eine weitere<br />
moderne, zweifarbige Variante<br />
ergänzt: Oberteil in RAL 9016 und<br />
das Unterteil in einem gedeckten<br />
Grauton nach RAL 7042 (verkehrsgrau<br />
A). Die im Standard enthaltene<br />
Schutzart IP40 kann mit der<br />
als Zubehör erhältlichen Dichtung<br />
bis IP65 erhöht werden.<br />
Als Wand- oder Tischgehäuse,<br />
mit verschiedenen Befestigungsmöglichkeiten<br />
auch an Decken,<br />
Rohren oder Ähnlichem, ist das<br />
Designgehäuse mit seinen Mini-<br />
Bei immer umfangreicherer<br />
Funktionalität und einer größeren<br />
Anzahl von Komponenten<br />
auf der Platine darf man keinen<br />
wertvollen Platz verschenken.<br />
Mit dem TFX-05X-Uhrenquarz<br />
seines Partners River<br />
liefert die coftech GmbH nach<br />
eigenen Angaben den kleinsten<br />
32,768-kHz-Uhrenquarz der Welt.<br />
In der Stimmgabeltechnologie<br />
ausgeführt, passt der Quarzblank<br />
in ein Gehäuse mit den Abmessungen<br />
von 1,2 x 1 x 0,35 mm. Er<br />
hat ein Eigengewicht von lediglich<br />
0,8 mg. Die derzeitige Produktionskapazität<br />
liegt bei über<br />
40 Mio. Stück pro Monat.<br />
Bei einer Arbeitstemperatur von<br />
-40 bis +105 °C kann der kleine<br />
Quarz in vielen Anwendungsbereichen<br />
eingesetzt werden.<br />
Die Standard-Lastkapazitäten<br />
von 5/7/9 und 12,5 pF sind<br />
wählbar. Die Frequenztoleranz<br />
ist mit ±20 ppm spezifiziert. Der<br />
äqui valente Serienwiderstand<br />
beträgt max. 90 kOhm. Auch ist<br />
das Bauteil bereits AEC-Q200<br />
zertifiziert. Kundenspezifische<br />
Lösungen können ebenfalls produziert<br />
werden.<br />
Typische Anwendungen sind<br />
Smart Phones, kleine Funkmodule,<br />
medizinische Apparaturen,<br />
Wearables, Industriefunkmodule,<br />
Smart-Metering-Systeme u.a.<br />
coftech GmbH<br />
www.coftech.de<br />
www.sepa-europe.com<br />
Sie möchten Ihr<br />
medizintechnisches<br />
Gerät zuverlässig kühlen?<br />
Unser Radiallüfter HY60Q05P ist nur 5 mm hoch, hat eine<br />
sehr lange Lebensdauer und ist angenehm leise!
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Jauch Quartz GmbH<br />
info@jauch.com<br />
www.jauch.com<br />
Bei minimal-invasiven Eingriffen<br />
ist es sehr wichtig, so genau wie<br />
möglich zu arbeiten. Der motorisierte<br />
Arm zum Positionieren und<br />
Halten von medizinischen Geräten<br />
des österreichischen Unternehmens<br />
Interventional Systems (INS) unterstützt<br />
Ärzte bei diesen Eingriffen.<br />
Angetrieben von einer Jauch-Batterie,<br />
macht er das Positionieren und<br />
Repositionieren von Instrumenten<br />
so einfach wie nie zuvor und hält<br />
sie gleichzeitig ruhig.<br />
Das Medizintechnikunternehmen<br />
hat seinen Hauptsitz in Kitzbühel,<br />
Österreich, und unterhält Niederlassungen<br />
in Österreich, Deutschland<br />
und Portugal. „Wir wollen interventionelle<br />
Radiologen und Onkologen<br />
mit einer vollwertigen medizinischen<br />
Robotik-Plattform ausstatten, die<br />
ihnen hilft, bessere Patientenergebnisse<br />
durch mikroinvasive Eingriffe<br />
zu erzielen”, erklärt INS Marketing<br />
Managerin Margarida Gonçalves.<br />
Motorisierter<br />
Positionierungsarm<br />
Der motorisierte Positionierungsarm<br />
ist Teil von Micromate, einer<br />
von Kopf bis Fuß reichenden medizinischen<br />
Robotikplattform, die Ärzte<br />
mit einem einfach zu bedienenden<br />
Miniaturroboter für Nadeleingriffe<br />
unterstützt. Der motorisierte Arm<br />
ist für die Positionierung und das<br />
Halten medizinischer Geräte bei<br />
minimalinvasiven Eingriffen vorgesehen.<br />
Er besteht aus einem flexiblen<br />
mechanischen Arm mit zwei kugelförmigen<br />
Gelenken an jedem Ende<br />
und einem einfachen mittleren<br />
„Ellbogen”-Gelenk. Er kann an einem<br />
Ende an medizinischen Tischen<br />
und am anderen Ende an medizinischen<br />
Geräten befestigt werden.<br />
Mit einem Gewicht von weniger<br />
als 2,5 kg ist er leicht zu transportieren,<br />
bietet aber dennoch eine<br />
stabile Haltekraft.<br />
Selbstverriegelungsmechanismus<br />
„Mit seinem Selbstverriegelungsmechanismus<br />
ist der motorisierte<br />
Arm eine Weiterentwicklung des<br />
rein mechanischen Positionierungsarms,<br />
bei dem die Ver- und Entriegelung<br />
per Knopfdruck erfolgen kann.<br />
Außerdem kann der Bediener dank<br />
des universellen Schnellanschlusses<br />
die Instrumente leicht austauschen”,<br />
erläutert Pedro Pinto, Systems<br />
Engineer bei INS. Der Arm<br />
funktioniert auch unter Live-Bildgebung.<br />
Herausforderung<br />
Als Lösung war eine kleine und<br />
leistungsstarke Batterie erforderlich.<br />
„Der Positionierungsarm<br />
wird von einer Batterie betrieben,<br />
genauer gesagt von einem 18650<br />
1s1p Lithium-Akkupack. Mit einer<br />
Kapazität von 3350 mAh haben wir<br />
die Lösung mit der größtmöglichen<br />
56 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Komponenten<br />
Energiekapazität auf kleinstem<br />
Bauraum gewählt”, erklärt Jérémie<br />
Deloof, Sales Manager bei Jauch.<br />
Die Batterie musste klein genug<br />
sein, um in den begrenzten Raum<br />
zu passen und die maximale Stromaufnahme<br />
zu liefern, die für das vorgesehene<br />
Schließmoment und die<br />
Schließgeschwindigkeit des Arms<br />
erforderlich ist. Natürlich muss die<br />
Batterie auch für viele Ver- und<br />
Entriegelungszyklen zwischen den<br />
Ladevorgängen sicher und langlebig<br />
sein.<br />
Tests und Zulassungen<br />
Ein weiteres sehr wichtiges<br />
Thema ist das Bestehen aller Tests,<br />
um die medizinische Zulassung<br />
zu erhalten. „Die Batterie für INS<br />
hat die UN38.3 und die IEC62133<br />
Zerti fizierung. Bei Jauch sind wir<br />
in der Lage, beide Zertifizierungen<br />
an unserem Hauptsitz in Villingen-<br />
Schwenningen zu prüfen. Zudem<br />
sind wir mit den regulatorischen<br />
Anforderungen im medizinischen<br />
Bereich vertraut. Daher haben wir<br />
das PCM von Anfang an so entwickelt,<br />
dass es die anspruchsvollen<br />
Tests be stehen wird”, berichtet<br />
Deloof.<br />
Alternative Möglichkeiten<br />
Außerdem ist es gerade in der<br />
MedTech-Branche wichtig, die Versorgung<br />
mit Batteriezellen aufrechtzuerhalten.<br />
Da die Zellenknappheit<br />
zu Beginn des Projekts ein Thema<br />
war, legte Jauch einen besonderen<br />
Schwerpunkt auf die Suche nach<br />
alternativen Zellen. Also wurde eine<br />
alternative Zelle ausgewählt und<br />
zertifiziert, um INS stets mit Batterien<br />
beliefern zu können.<br />
Warum Jauch?<br />
„Die Zusammenarbeit mit Jauch<br />
war ausgezeichnet. Das Team war<br />
immer erreichbar und hat schnell<br />
auf unsere Fragen geantwortet,<br />
von weiteren Informationen über<br />
die Leistung der Batterie bis hin<br />
zur Klärung von Zweifeln über die<br />
Prüfung der Batterie nach den einschlägigen<br />
Normen. Für uns ist es<br />
sehr wichtig, mit einem Unternehmen<br />
zusammenzuarbeiten, das die<br />
Qualität seiner Produkte garantieren<br />
kann, die medizinische Zertifizierungsprozesse<br />
durchlaufen können,”<br />
berichtet Pedro Pinto, INS<br />
Systems Engineer.<br />
Aktueller Stand<br />
Bleibt noch die Frage: Wie ist der<br />
aktuelle Stand des Produkts? INS<br />
teilte uns mit, dass der motorisierte<br />
Positionierungsarm alle Sicherheitstests<br />
nach ISO60601 erfolgreich<br />
bestanden hat.<br />
Das Unternehmen bereitet sich<br />
darauf vor, das Produkt noch in<br />
diesem Jahr auf den Markt zu<br />
bringen. ◄<br />
Ein 18650 1s1p Lithium-Akkupack<br />
mit einer Kapazität von 3350<br />
mAh versorgt den motorisierten<br />
Positionierungsarm mit Strom.<br />
Nichtmagnetische Dünnfilm-Widerstände<br />
für Präzisions-Anwendungen<br />
Für den Einsatz in anspruchsvollen Anwendungen hat der japanische Dünnfilm-Spezialist Susumu seine<br />
neue Widerstands-Produktfamilie NRG konzipiert. Durch ihren Aufbau aus nichtmagnetischen Materialien<br />
lassen sie sich in Umgebungen einsetzen, wo andere Widerstände die Waffen strecken müssen.<br />
Die Dünnfilm-Widerstände aus<br />
der Susumu NRG-Familie sind aus<br />
nichtmagnetischen Materialien hergestellt<br />
und bieten eine hohe Genauigkeit<br />
von ±0,05 Prozent des<br />
Nominalwertes.<br />
Langzeitstabil und<br />
rauschfrei<br />
Ihr äußerst niedriger<br />
Temperatur koeffizient von, je<br />
nach Ausführung bis herunter auf<br />
±5 ppm (Parts per Million) pro Grad<br />
Celsius, steht zudem für<br />
eine außerordentliche Temperaturstabilität.<br />
Die anorganische<br />
Passivierung der<br />
Bauteile gewährleistet eine<br />
hohe Langzeitstabilität, ihr<br />
Dünnschicht-Aufbau stellt<br />
eine hohe Rauschfreiheit<br />
sicher. Gleichzeitig schütz<br />
dieser Aufbau gegen die<br />
Einlagerung von Schwefel-<br />
Schwebeteilchen, die zu<br />
Korrosion und Kontaktablösungen<br />
führen könnten.<br />
Das Ergebnis dieses Aufbaus<br />
ist eine überzeugende<br />
Langzeit-Zuverlässigkeit.<br />
Einsatzbereiche<br />
Mit diesen Eigenschaften sind<br />
Susumus Dünnfilm-Widerstände<br />
der NRG-Familie ideal für den<br />
Einsatz in der Medizinelektronik<br />
und der Präzisions-Mess technik<br />
in Labor und Industrie sowie<br />
generell in Anwendungen elektronischer<br />
Systeme im Bereich<br />
starker Magnetfelder.<br />
Vier Ausführungen<br />
Die Widerstände der NRG-<br />
Familie werden in vier Ausführungen<br />
für Nennleistungen von<br />
1/16 Watt bis 1/4 Watt hergestellt.<br />
Diese Ausführungen sind wiederum<br />
in zahlreichen Widerstandswerten<br />
zwischen 10 Ω und 1 MΩ<br />
erhältlich. Sämtliche Widerstände<br />
der NRG-Familie lassen sich<br />
im Temperaturbereich zwischen<br />
-55 °C und 155 °C einsetzen. Sie<br />
sind blei- und halogenfrei und erfüllen<br />
die RoHS-Richtlinien.<br />
Susumu Deutschland GmbH<br />
info@susumu.de<br />
www.susumu.de<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
57
Komponenten<br />
Das richtige Verfahren, der richtige Steckverbinder<br />
So gelingt Komponentenschutz<br />
Die Elektronikbranche ist im Wandel,<br />
ob im Automotive-Bereich, in<br />
der Solar- und Windkraft oder der<br />
Industrieautomation. Mit der stetig<br />
zunehmenden Vernetzung stieg in<br />
den vergangenen Jahren jedoch<br />
auch die Zahl der Elektronikpannen<br />
– lt. dem Center for Automotive<br />
Research um ganze 29%. Je<br />
nach zu erwartenden Umwelteinflüssen<br />
wird daher ein Komponentenschutz<br />
von Elektronikbauteilen<br />
notwendig. Durch ihn kann die Elektronik<br />
zuverlässig geschützt werden<br />
– dazu benötigen Anwender<br />
jedoch auch eine entsprechend vergusskompatible<br />
Anschlusslösung.<br />
Steigender Bedarf an<br />
Komponentenschutzverfahren<br />
Unterschiedliche Verfahren<br />
schützen die elektronischen Bauteile<br />
vor Schock, Vibration, Feuchtigkeit,<br />
Schmutz, hohen Temperaturen,<br />
anhaltende Temperaturschwankungen<br />
und deren Folgeschäden.<br />
Ein Komponentenschutz<br />
kann also wesentlich zur Verbesserungen<br />
von Lebensdauer, Funktionssicherheit<br />
und Zuverlässigkeit<br />
der Endprodukte beitragen.<br />
Aus diesem Grund kommen<br />
Komponentenschutzverfahren<br />
in vielen Anwendungen bereits<br />
regelmäßig zum Einsatz: E-Mobility,<br />
Industrie-Automation, Bahnanwendung,<br />
Medizintechnik, Windkraft<br />
und Solartechnik, Kommunikationselektronik,<br />
in der Landwirtschaft<br />
und bei Haushaltsgeräten<br />
– Elektronik ist heute fast überall<br />
im Einsatz. Eine wachsende<br />
Herausforderung besteht dabei<br />
im zunehmenden Trend zur<br />
Miniaturisierung. Die Elektronik<br />
wird immer kleiner und erfordert<br />
unterschiedliche Schutzmaßnahmen,<br />
um Kriechstrecken wieder<br />
zu vergrößern und Luftstrecken<br />
zu eliminieren.<br />
Je nach Stress- und Einsatzsituation<br />
der Komponenten wählt man<br />
daher zwischen verschiedenen Verfahren:<br />
Potting-Verguss, Conformal<br />
Coating und Hotmelt Moulding sind<br />
die populärsten unter ihnen.<br />
Potting-Verguss<br />
Sehr häufig werden 1- und 2-Komponenten-Vergussstoffe,<br />
sogenannte<br />
Potting Compounds, eingesetzt.<br />
Bei den 2-Komponenten-<br />
Vergussstoffen werden Harz und<br />
Härter in einem Mischungsverhältnis<br />
mit entsprechender Maschinentechnik<br />
vermischt und im Standard<br />
über ein statisches Mischrohr in die<br />
Kavität eingegossen. Somit ist dieser<br />
Kalt-Verguss ein nicht-formgebendes<br />
Verfahren und benötigt ein<br />
Gehäuse, in das die Vergussmasse<br />
eingefüllt wird.<br />
Ein Potting-Verguss bietet dabei<br />
viele Vorteile: So sorgt er nicht nur<br />
für eine hervorragende elektrische<br />
Isolierung, hohe Wärmeableitung<br />
und Vibrations- und Schockreduzierung,<br />
sondern verfügt zudem<br />
über Chemikalien-, Feuchtigkeits-,<br />
Thermoschock- und Zyklenbeständigkeit,<br />
schützt die Elektronik vor<br />
Staub sowie Feuchtigkeit und hat<br />
darüber hinaus flammhemmende<br />
Eigenschaften.<br />
Standardgemäß kommen dabei<br />
je nach spezifischer Anforderung<br />
Epoxid-, Polyurethan- und Silikonharze<br />
zum Einsatz. Sie alle unterscheiden<br />
sich hinsichtlich ihrer<br />
Eigenschaften (Tabelle 1).<br />
Neben den genannten Materialien<br />
gibt es auch noch Spezialvergussstoffe<br />
und Gießharze. Diese<br />
kommen jedoch nur unter Extrembedingungen<br />
zum Einsatz. So schützen<br />
sie gemäß der ATEX-Anforderungen<br />
beispielsweise vor Explosionen,<br />
indem sie die chemische Reaktion<br />
von Zündquelle, brennbarem<br />
Stoff und Sauerstoff unterbinden.<br />
Außerdem ermöglichen sie eine<br />
elektrische Isolierung gegen Hochspannung<br />
(bis 30 kV/mm), schützen<br />
gegen Überhitzung durch partielle<br />
Wärmeentwicklung und bieten<br />
mit der Schutzklasse IP68 Schutz<br />
gegen Staub sowie gegen dauerhaftes<br />
Untertauchen.<br />
Ein Potting-Verguss bietet dem<br />
Anwender viele Möglichkeiten. Typische<br />
Produkte, bei denen das Verfahren<br />
angewandt wird, sind Akkupacks,<br />
Leistungs- und Steuerelektronik,<br />
Ladegeräte, EX-geschützte<br />
Elektronik, Sensoren, Monitore und<br />
Displays.<br />
Conformal Coating<br />
Mit dem Conformal Coating werden<br />
Leiterplatten vollständig oder<br />
Autoren:<br />
Laura Mitlewski<br />
Martin Adamczyk<br />
ept GmbH<br />
www.ept.de<br />
Jörg Buch<br />
Werner Wirth GmbH<br />
www.wernerwirth.de<br />
Sehr robuste Systeme<br />
Leicht aufzutragen<br />
Epoxidharze<br />
Geringer Wärmeausdehnungskoeffizient<br />
Ausgezeichneter Schutz gegen Feuchtigkeit und aggressive Chemikalien<br />
Gute Flexibilität auch bei niedrigen Temperaturen<br />
Ideal für empfindliche Bauteile<br />
Polyurethanharze<br />
Äußerst breite Auswahl an verschiedenen Härtestufen<br />
Leichtere Kontrolle der Aushärtegeschwindigkeit<br />
Sehr weiter Betriebstemperaturbereich<br />
Hervorragende Leistung auch bei hohen Temperaturen<br />
Silikonharze<br />
Ausgezeichnete Flexibilität<br />
Optisch klare Versionen erhältlich<br />
Tabelle 1: Die gängigsten Potting-Vergussstoffe und ihre Eigenschaften<br />
58 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Komponenten<br />
Bild 2: Hotmelt Moulding am Beispiel eines Feuerwehrhelms.<br />
Mittig zu erkennen: Steckverbinder, die mittels Dam & Fill ausgespart<br />
wurden © Werner Wirth<br />
Bild 1: Dünnschichtbeschichtung (links), Dickschichtbeschichtung (Mitte)<br />
und Potting-Verguss (rechts) im Vergleich © Werner Wirth<br />
nur selektiv beschichtet. Im Falle<br />
einer Selektivbeschichtung werden<br />
nur notwendige Bereiche der Leiterplatte<br />
mit einer Schutzschicht überzogen.<br />
In der Regel unterscheidet<br />
man zwischen zwei Varianten des<br />
Coatings: Die Dünnschichtbeschichtung<br />
verspricht mit ihrer schnellen<br />
Härtung und der angepassten Viskosität<br />
eine hohe Wirtschaftlichkeit<br />
der Fertigungsprozesse. Ein<br />
besonders hoher Kanten- und Flächenschutz,<br />
der elektronische Baugruppen<br />
insbesondere vor extremer<br />
Feuchte bewahrt, wird dagegen mit<br />
der Dickschichtbeschichtung erzielt.<br />
In beiden Fällen bauen die Conformal<br />
Coatings nach der Trocknung<br />
lediglich Schichtstärken zwischen<br />
30 und 2000 µm auf. Somit kann<br />
die elektronische Baugruppe immer<br />
noch bei engen Platzverhältnissen<br />
verbaut werden.<br />
Aufgrund von unterschiedlicher<br />
Viskosität der Schutzlacke und<br />
somit unterschiedlichem Ausfließverhalten,<br />
wird gerne das Prinzip<br />
DAM & FILL auf den bestückten<br />
elektronischen Baugruppen angewandt.<br />
Hier wird mit einem thixotrop<br />
eingestellten Schutzlack ein „Dam“<br />
(deutsch „Damm“), z.B. um die Bauteile<br />
gelegt, die nicht vergossen<br />
werden dürfen, beispielsweise um<br />
Steckverbinder. Die übrigen Komponenten<br />
werden anschließend mit<br />
einem niederviskosen Schutzlack<br />
benetzt („Fill“, deutsch „Füllung“).<br />
Für das Conformal Coating werden<br />
unterschiedliche Polymere-<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Werkstoffe eingesetzt. So können<br />
Anwender unter anderem zwischen<br />
silikonbasierten und UVvernetzenden<br />
Produkten wählen.<br />
Erstere eignen sich aufgrund ihres<br />
breiten Temperaturspektrums von<br />
-40 bis +200 °C hervorragend für<br />
harsche Einsatzbedingungen wie<br />
in der Luft- und Raumfahrt oder<br />
Offshore. Letztere bestehen aus<br />
Acrylaten und Polyurethanen oder<br />
Hybriden beider Werkstoffe. Sie<br />
zeichnen sich vor allem dadurch<br />
aus, dass sie durch UV-Initiierung<br />
sehr schnell aushärten und eine<br />
sehr gute thermische Schockbeständigkeit<br />
mitbringen.<br />
Die Einsatzgebiete des Conformal<br />
Coatings sind vielfältig und reichen<br />
vom Automotive-Bereich bis hin zur<br />
Bahntechnik, Sensorik, Industrieelektronik,<br />
Medizintechnik sowie<br />
zur genannten Offshore-Windkraft<br />
und Luft- und Raumfahrttechnik.<br />
Hotmelt Moulding<br />
Eine besondere Form des Vergusses<br />
ist das Hotmelt Moulding.<br />
Bei diesem Verfahren wird in einem<br />
Arbeitsschritt die Baugruppe mit<br />
einem Material umhüllt, wobei eine<br />
Gehäusestruktur entsteht und die<br />
Baugruppe gleichzeitig geschützt<br />
wird. Die Elektronik wird dabei nicht<br />
beschädigt, da die niederviskosen,<br />
thermoplastischen Materialien eine<br />
niedrige Verarbeitungstemperatur<br />
aufweisen und mit einem weitaus<br />
geringeren Einspritzdruck als beim<br />
normalen Kunststoff-Spritzguss verarbeitet<br />
werden. Das schont zum<br />
einen die Bauteile, lässt zugleich<br />
die Thermoplaste schnell aushärten<br />
und macht das Verfahren relativ<br />
preiswert.<br />
Der Niederdruck-Spritzguss ermöglicht<br />
somit, dass selbst sensible<br />
Bauteile wie Kontakte, Sensoren,<br />
Leiterplatten und Spulen<br />
umweltfreundlich umhüllt, verklebt<br />
oder nach IP68 abgedichtet werden<br />
und damit auch vor stärksten Belastungen<br />
geschützt sind.<br />
Eine von äußeren Einflüssen massiv<br />
betroffene Branche ist beispielsweise<br />
die Landwirtschaft. Maschinen<br />
unterliegen hier täglich unterschiedlichen<br />
Witterungsverhältnissen.<br />
Zum Schutz ihrer Elektronik eignet<br />
sich Hotmelt Moulding perfekt:<br />
Es bewahrt zuverlässig und langanhaltend<br />
vor Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen,<br />
Korrosion<br />
und Erschütterungen.<br />
Potting, Conformal Coating<br />
oder Hotmelt Moulding?<br />
Welches Komponentenschutzverfahren<br />
sich am besten eignet, ist<br />
immer vom jeweiligen Einsatzgebiet<br />
Bild 3: Schliffbild zweiteiliger Steckverbinder vs. einteiliger<br />
flexilinkb-t-b © ept GmbH<br />
59
Komponenten<br />
Bild 4: Der flexilinkb-t-b Leiterplattenverbinder mit der ept Tcom press Einpresszone © ept GmbH<br />
der Elektronik und den damit verbundenen<br />
Anforderungen abhängig.<br />
Eine One-Size-Fits-All-Lösung<br />
gibt es nicht.<br />
Problemstellung<br />
Steckverbinder<br />
Extremtemperaturen, Schmutz<br />
und Feuchtigkeit, chemischer<br />
oder mechanischer Stress: Mit<br />
dem geeigneten Komponentenschutzverfahren<br />
ist die Elektronik<br />
vor nahezu jeder äußeren Einwirkung<br />
geschützt. Ein Aspekt muss<br />
dabei jedoch bedacht werden:<br />
Ein Verguss ist nur dann möglich,<br />
wenn die Funktionalität der verbauten<br />
Komponenten durch die<br />
eingesetzten Werkstoffe nicht eingeschränkt<br />
wird. Dazu ist jedoch<br />
auch eine entsprechend vergusskompatible<br />
Anschlusslösung vonnöten<br />
– der Einsatz gewöhnlicher<br />
Leiterplatten-Steckverbindungen<br />
ist damit ausgeschlossen. Grund<br />
hierfür ist die meist zweiteilige<br />
Feder-Messer-Kontakttechnologie,<br />
bei der die Verguss masse in<br />
den vulnerablen Steckbereich eindringen<br />
und somit die Kontaktierung<br />
behindern kann.<br />
Bei herkömmlichen Steckverbindern<br />
muss daher mittels Dam & Fill<br />
der Kontaktbereich vor dem Verguss<br />
abgedichtet werden, um keine<br />
Beeinflussung durch die Vergussmasse<br />
zu riskieren. Hierbei geht es<br />
darum, dass die Vergussmasse im<br />
Kontaktbereich zum einen die Kontaktpunkte<br />
beeinträchtigen und damit<br />
eine Signalübertragung unterbrechen<br />
kann. Zum anderen würde<br />
sie die Relaxationseigenschaften<br />
der Feder hemmen.<br />
Um einen Verguss dennoch zu<br />
ermöglichen und dabei die erforderliche<br />
Ausfallsicherheit zu gewährleisten,<br />
empfiehlt sich die Wahl einer<br />
einteiligen Anschlusslösung, also<br />
eines Steckverbinders, der ohne<br />
den herkömmlichen Steckbereich<br />
auskommt. Bei einem solchen einteiligen<br />
Stecker ist das Eindringen<br />
der Vergussmasse in den Kontaktbereich<br />
unmöglich.<br />
Einpresstechnik als<br />
Anschlussmethode der Wahl<br />
Einteilige Steckverbinder bringen<br />
demnach die nötige IP-Schutzart<br />
für diese Werkstoffe mit, um einen<br />
Verguss – und damit eine dauerhafte<br />
und robuste Anschluss lösung<br />
– zu ermöglichen. Doch auch die<br />
Wahl der Anschlusstechnik spielt<br />
hier eine wichtige Rolle. Mithilfe<br />
Bild 5: Lochspezifikation der ept-Einpresszone © ept GmbH<br />
von beidseitigen Einpresszonen<br />
wird der Anschlussbereich aufgrund<br />
der Kaltverschweißung zwischen<br />
der Kupferhülse und der<br />
Einpresszone gasdicht und bildet<br />
somit eine vergießbare Verbindung<br />
zwischen zwei Leiterplatten,<br />
die sich im Feld bereits milliardenfach<br />
bewährt hat.<br />
Um diese gasdichte Verbindung<br />
zu gewährleisten, ist es jedoch<br />
zwingend notwendig, die Durchkontaktierung<br />
gemäß der ept-Spezifikation<br />
zu realisieren:<br />
Der Wegfall des Steckbereichs<br />
lässt den Steckverbinder in Kombination<br />
mit der Einpresstechnik<br />
somit auch Schockbelastungen<br />
von bis zu 200 g standhalten. Auch<br />
Materialbewegungen in Folge großer<br />
Temperaturschwankungen<br />
sowie der Einfluss von Schadgas<br />
beeinträchtigen die Verbindung<br />
nicht. Durch die Einpresstechnik<br />
erhöht sich die Zuverlässigkeit<br />
im Vergleich zur Löttechnik<br />
um ein Vielfaches, da weder<br />
kalte noch gebrochene Lötstellen<br />
auftreten können. Außerdem lassen<br />
sich so aufwendige selektive<br />
Lötarbeiten, teure Kabellösungen<br />
und Abstandshalter vermeiden,<br />
wodurch sich Entwickler nicht nur<br />
Platz auf der Leiterplatte sparen,<br />
sondern zusätzlich die Kosten um<br />
bis zu 50% senken können.<br />
Mit nur einem Bauteil wird<br />
sowohl eine mechanische als auch<br />
elektrische Verbindung hergestellt.<br />
Gerade bei modular gestalteten<br />
Baugruppen mit konfigurierbaren<br />
Funktionen oder unterschiedlichen<br />
Performance-Levels lässt sich der<br />
Einpressvorgang hervorragend am<br />
Ende des Bestückungsprozesses<br />
einbringen. Hier können nach Wahl<br />
unterschiedliche Module auf Basis-<br />
Leiterplatten aufgebracht werden.<br />
So lässt sich in einem schnellen<br />
Arbeitsschritt eine hohe Vielfalt<br />
an Produkten fertigen. Da auch<br />
ein abschließendes Vergießen<br />
der Baugruppe möglich ist, bleibt<br />
die elektrische und mechanische<br />
Verbindung zuverlässig bestehen.<br />
Durch einen Verguss können<br />
Anwender ihre elektronische Baugruppe<br />
maximal vor aggressiven<br />
Umwelteinflüssen schützen. Wer<br />
für seine Anwendung jedoch einen<br />
Komponentenschutz in Betracht<br />
zieht, muss auch die Wahl eines<br />
geeigneten Steckverbinders in<br />
Kombination mit der geeigneten<br />
Anschlusstechnik berücksichtigen.<br />
Einteilig, eingepresst und<br />
vergossen – in dieser Kombination<br />
sind elektronische Baugruppen<br />
gegen (fast) alle Einwirkungen<br />
gewappnet. ◄<br />
60 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Radiallüfter schützt Röntgengeräte effektiv<br />
vor Überhitzung<br />
Komponenten<br />
Zuverlässigkeit und Langlebigkeit von Röntgengeräten<br />
sind entscheidend für ihre optimale<br />
Leistung und den reibungslosen Betrieb. Eine<br />
der häufigsten Herausforderungen bei der Entwicklung<br />
solcher Geräte ist die effektive Wärmeableitung,<br />
um Überhitzung zu verhindern.<br />
Der Radiallüfter LY60B von Sepa Europe bietet<br />
eine Reihe von Vorteilen, die ihn zu einer<br />
optimalen Wahl für die Kühlung von Röntgengeräten<br />
macht. Er ist nicht nur sehr klein, schmal<br />
und flach, er überzeugt auch mit einer bemerkenswerten<br />
Leistung.<br />
Der Radiallüfter LY60B zeichnet sich durch<br />
seine bemerkenswerte Kombination von Leistung<br />
und Größe aus. Trotz seines äußerst<br />
kompakten, flachen und leichten Designs bietet<br />
er eine beeindruckende Luftförderleistung von<br />
11 m 3 Luft pro Stunde. Er baut im Extremfall bis<br />
zu 110 Pa Druck auf und sorgt somit für eine<br />
effiziente Kühlung von elektronischen Geräten.<br />
Dank seiner hohen Volumenstrom und des optimierten<br />
Designs ermöglicht er eine zuverlässige<br />
Wärmeableitung und trägt so zur Verlängerung<br />
der Lebensdauer von Geräten bei.<br />
Der LY60B ist beidseitig ansaugend und in<br />
5 V und 12 V bestellbar. Alle Modelle verfügen<br />
über einen Tachoausgang und die 5-V- Variante<br />
verfügt zusätzlich über einen PWM-Eingang.<br />
Zuverlässigkeit und Langlebigkeit stehen bei<br />
diesem Lüfter an erster Stelle, denn durch das<br />
bewährte MagFix Lagersystem beträgt seine<br />
Lebensdauererwartung (MTBF) bei 40 °C<br />
stolze 210.000 h. Er bietet nicht nur zuverlässige<br />
Leistung, sondern ist auch über einen<br />
langen Zeitraum hinweg verfügbar. Das macht<br />
ihn zu einer vertrauenswürdigen Wahl für verschiedene<br />
Anwendungen.<br />
Ein besonderes Feature ist außerdem der<br />
optionale IP-Schutz. Durch eine schutzlackierte<br />
Leiterplatte ist es möglich den LY60B mit IP55<br />
zu liefern.<br />
SEPA EUROPE GmbH<br />
www.sepa-europe.com<br />
905-nm-Pulslaserdiode mit 120 W Ausgangsleistung<br />
und niedriger Betriebsspannung<br />
Excelitas Technologies Corp.<br />
www.excelitas.com<br />
Excelitas Technologies präsentiert eine<br />
neue gepulste Laserdiode (PLD) bei 905 nm<br />
im SMD-Format zur effizienten Verarbeitung<br />
in automatisierten Bestückungslinien. Mit<br />
einer hohen Ausgangsleistung von 120 W<br />
bei 40 A ist die TPG3AD1S09 bereit für die<br />
Anforderungen von morgen in vielfältigen Einsatzbereichen:<br />
LiDAR, Time-of-Flight (ToF),<br />
Laserentfernungsmessung, Laserscannen<br />
für unbemannte Fahrzeuge, Infrarot-Nachtbeleuchtung,<br />
Laserbehandlung und elektronische<br />
Materialanregung in medizinischen<br />
und analytischen Anwendungen.<br />
Durch einen von Grund auf überarbeiteten<br />
Chip erreicht diese dritte Generation der TPG-<br />
Baureihe von Excelitas exzellente Stabilität,<br />
Strahlqualität und Zuverlässigkeit in den<br />
anspruchsvollsten Anwendungen. Für erhöhte<br />
Flexibilität in verschiedensten Elektronik designs<br />
lassen sich die PLDs wahlweise horizontal<br />
oder vertikal verbauen – mit entsprechender<br />
Strahlorientierung.<br />
Die leistungsstarken Drei-Streifen- Emitter<br />
ermöglichen längere Distanzen bei der Laserentfernungsmessung<br />
und, bei kurzen und mittleren<br />
Distanzen, einen effizienteren Betrieb und<br />
längere Laufzeiten von batterie betriebenen<br />
Lasermessgeräten. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
61
Komponenten<br />
Sichere und robuste Winkel-Steckverbinder<br />
für knappen Bauraum<br />
Winkelvarianten der Serien 720/770<br />
Gewinkelte Kunststoff-Steckverbinder<br />
mit Snap-in-Verriegelung sind<br />
empfindlich für Fehl bedienungen und<br />
daher konstruktiv anspruchsvoll. Für<br />
die Miniatur-Serie 720 hat binder<br />
eine sichere und robuste konfektionierbare<br />
Winkel version entwickelt,<br />
die Applikationen mit beengten Einbauverhältnissen<br />
adressiert. Auch<br />
die Miniatur-NCC-Serie 770 ist jetzt<br />
gewinkelt erhältlich – mit variabler<br />
Richtung des Kabelabgangs.<br />
Franz Binder GmbH & Co.<br />
Elektrische Bauelemente KG<br />
info@binder-connector.de<br />
www.binder-connector.de<br />
binder, ein führender Anbieter<br />
industrieller Rundsteckverbinder,<br />
hat seine Produktserien 720 und<br />
770 um konfektionierbare Winkelvarianten<br />
ergänzt. Einsatzgebiete<br />
derartig kompakter gewinkelter<br />
Steckverbinder sind die Geräte-,<br />
Gebäude- und Anlagentechnik: Vor<br />
allem dort, wo auf engstem Raum<br />
sichere elektrische Verbindungen zu<br />
etablieren sind, bieten die Winkelausführungen<br />
der Serien 720/770<br />
mit Schnapp- beziehungsweise<br />
Bajonettverriegelung eine zuverlässige<br />
und platzsparende Alternative<br />
zu den geraden Versionen.<br />
Hintergrund:<br />
Bediensicherheit<br />
Bei den Steckverbindern der<br />
Snap-in-Serie 720 wird die elektrische<br />
Verbindung mechanisch<br />
gesichert, indem Schnapphaken<br />
in eine dafür vorgesehene Öffnung<br />
einrasten und so die Schnittstelle<br />
verriegeln. Diese Verschlussart ist<br />
jedoch anfällig für Fehlbedienung:<br />
Wird der Steckverbinder nicht axial,<br />
sondern in einem Winkel zu seiner<br />
Achse abgezogen, kann dies je nach<br />
Betrag und Richtung der Zugkraft<br />
die Kunststoff-Schnapp haken zerstören.<br />
Um diesem Anwendungsfehler<br />
vorzubeugen, haben die Produktentwickler<br />
bei binder einen<br />
Gewindering zwischen Kontaktkörper<br />
und Winkelgehäuse eingefügt.<br />
Selbst bei Krafteinwirkung<br />
schräg zur Verbindungsachse sind<br />
die Schnapphaken so vor Bruch<br />
geschützt und die Steckverbinder<br />
bis weit über die Normforderungen<br />
hinaus belastbar.<br />
Zusätzlicher Gewindering<br />
Mithilfe des zusätzlichen Gewinderings<br />
ließen sich noch zwei weitere<br />
konstruktive Forderungen erfüllen:<br />
• Das Konzept ermöglicht es binder,<br />
auch die Serie 770 – mit<br />
vielen Gleichteilen – als Winkelvariante<br />
anzubieten.<br />
• Der Kontaktkörper lässt sich<br />
in Schritten von 90° drehen,<br />
sodass der Anwender die Richtung<br />
des Kabelabgangs selbst<br />
wählen kann.<br />
Generell ist der Kabelanschluss<br />
bei Gehäusen mit 90°-Winkel problematisch.<br />
Wie aus anderen Produktserien<br />
bekannt, ist es oft schwierig,<br />
die Kabel um 90° zu biegen. Daher<br />
wurde für die neuen Gehäuse ein<br />
Winkel von 100° gewählt, womit<br />
sich die Montage der Kabel stark<br />
vereinfacht.<br />
Die Winkelsteckverbinder<br />
im Detail<br />
Die neuen gewinkelten Versionen<br />
der Snap-in-Serie 720 kommen<br />
unter anderem in Installationen<br />
der Lichttechnik, in Heiz systemen<br />
für Gewächshäuser sowie in<br />
E-Bikes zum Einsatz. Die Serie ist<br />
für Bemessungsspannungen von<br />
60 V bis 250 V und -ströme von<br />
2 A bis 7 A ausgelegt. Der Kabelanschluss<br />
erfolgt bei den 3- bis<br />
12-poligen Schnittstellen mittels<br />
Löten. Sie genügen der Schutzart<br />
IP67 (gesteckt) und überdauern<br />
mehr als 500 Steckzyklen.<br />
NCC-Winkelsteckverbinder<br />
(NCC = Not Connected Closed)<br />
der Serie 770 mit Bajonettverriegelung<br />
finden sich beispielsweise<br />
in kompakten Handbediengeräten,<br />
in Medizingeräten zur<br />
Heimanwendung beim Patienten<br />
sowie in Labormessinstrumenten,<br />
die besonders platzsparend – zum<br />
Beispiel in unmittelbarer Wandnähe<br />
– installiert werden müssen.<br />
Die 8-poligen Schnitt stellen sind<br />
ebenfalls mit Lötanschlüssen ausgestattet;<br />
Bemessungsspannung<br />
und -strom betragen 175 V beziehungsweise<br />
2 A.<br />
Neben IP67 in gestecktem<br />
Zustand erreichen die Flanschdosen<br />
dank der NCC-Technik von<br />
binder auch ungesteckt die Schutzart<br />
IP67, und sie überdauern mehr<br />
als 5.000 Steckzyklen.<br />
Die Steckverbinder sowohl der<br />
Serie 720 als auch der Serie 770<br />
sind neben Schwarz in den Farben<br />
Rot, Grün und Blau sowie in dem<br />
für medizintechnische Anwendungen<br />
typischen Weiß (RAL 9002)<br />
erhältlich.<br />
Anwendungsgebiete<br />
• Beleuchtungs- und Wärmetechnik,<br />
Elektromobilität<br />
(Serie 720)<br />
• Mobil- und Laborgerätetechnik,<br />
Medizintechnik, Labor mes s-<br />
technik (Serie 770)<br />
Eigenschaften<br />
• Verschlussart:<br />
Snap-in (Serie 720),<br />
Bajonett (Serie 770)<br />
• Anschlussart: Löten<br />
• Polzahl: 3- bis 12-Pol<br />
(Serie 720), 8-Pol (Serie 770)<br />
• Bemessungsspannung:<br />
60 V bis 250 V (Serie 720),<br />
175 V (Serie 770)<br />
• Bemessungsstrom:<br />
2 A bis 7 A (Serie 720),<br />
2 A (Serie 770)<br />
• Farbige Ausführungen<br />
• Variabler Kabelabgang<br />
• Schutzart: IP67 (gesteckt)<br />
• Steckzyklen:<br />
> 500 (Serie 720),<br />
> 5.000 (Serie 770) ◄<br />
62 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Komponenten<br />
Individuelle Positioniersysteme<br />
mit integrierter Elektronik<br />
Steinmeyer Mechatronik realisiert kundenspezifisch integrierte Platinen<br />
Als Spezialist für maßgeschneiderte mechatronische<br />
Positioniersysteme entwickelt und<br />
produziert Steinmeyer Mechatronik kundenspezifisch<br />
integrierte Platinen, die keinerlei<br />
Wünsche offenlassen. Das Ergebnis sind sehr<br />
kompakte Lösungen mit hoher Funktionalität,<br />
die exakt auf die Kundenanforderungen zugeschnitten<br />
sind.<br />
Steinmeyer Mechatronik<br />
info@steinmeyer-mechatronik.de<br />
www.steinmeyer-mechatronik.de<br />
Werden Motion Controller und Ansteuerung der<br />
Kundenperipherie direkt in das Positioniersystem<br />
integriert, lassen sich besonders kompakte<br />
Lösungen mit sehr kurzen Motor- und Encoder-<br />
Leitungen realisieren. Für den Anwender ergeben<br />
sich dadurch entscheidende Vorteile wie<br />
hohe Leistungsfähigkeit, geringer Platzbedarf,<br />
weniger Störungen im System sowie minimierter<br />
Aufwand in Bezug auf EMV. Dezentrale Steuerungen<br />
erlauben zudem die Einbindung elektronischer<br />
Datenblätter. Wichtige Informationen<br />
wie die Seriennummer, Anwendungs parameter,<br />
Verfahrwege, Sensordaten oder Grenzwerte<br />
stehen damit digital zur Verfügung und können<br />
unmittelbar genutzt werden.<br />
Maßgeschneiderte<br />
Embedded-Control-Elektronik<br />
Die Integration der Elektronik erfordert spezialisiertes<br />
Know-how, mechatronisches Denken<br />
sowie ein tiefes Verständnis der Anwendung.<br />
Steinmeyer Mechatronik gehört zu den führenden<br />
Herstellern von hochgenauen Positionierlösungen<br />
für optische und feinmechanische<br />
Systeme und ist dank seiner Innovationskraft ein<br />
wichtiger Partner der europäischen Hightech-<br />
Industrie. Eine besondere Stärke liegt dabei auf<br />
der Entwicklung und Konstruktion individueller<br />
Sonderanfertigungen. Da bildet die Embedded-<br />
Control-Elektronik keine Ausnahme.<br />
Kundenspezifische<br />
Hardware- und Softwarelösungen<br />
Ob individuell angepasste Kommunikationsschnittstellen<br />
(z. B. RS232, RS485, CAN,<br />
CANopen, EtherCAT, SPI etc.), die integrierte<br />
Ansteuerung von Aktuatoren wie Motoren, LED,<br />
Laser und Ventile oder das Lesen von Messsystemen,<br />
Sensoren sowie Analog- und Digitalsignalen:<br />
Die Möglichkeiten der Individualisierung<br />
seitens Steinmeyer Mechatronik sind praktisch<br />
unbegrenzt und werden den unterschiedlichsten<br />
Applikationsanforderungen gerecht. Auch<br />
kunden spezifische Bauformen, Anschlüsse und<br />
Elektronikdesigns sowie die Systemintegration<br />
und Tests im Endprodukt (Positioniersystem)<br />
sind umsetzbar.<br />
Einzigartige Kapazitäten in den<br />
Bereichen Elektronik und Mechanik<br />
Möglich wird dies durch eine hohe Engineering-<br />
Kompetenz, langjährige Erfahrung, eine konsequente<br />
Kundenorientierung und die passende<br />
Infrastruktur. So verfügt Steinmeyer Mechatronik<br />
über ausreichend Fertigungs- und Montagekapazitäten<br />
für OEM-Serienfertigungen, eine<br />
eigene Elektronikentwicklung und eine eigene<br />
Softwareabteilung. Viele Bauteile und Komponenten<br />
werden im eigenen Haus gefertigt und<br />
sämtliche Produkte komplett montiert, selbst<br />
komplexeste Positioniersysteme. Am Standort<br />
Dresden arbeiten alle Abteilungen – Entwicklung,<br />
Mechanik, Elektronik, Software, Fertigung,<br />
Montage, Messlabore, Testzentrum – vernetzt<br />
unter einem Dach. So können Synergien optimal<br />
genutzt und spezifische Kundenanforderungen<br />
schnell und unkompliziert realisiert werden.<br />
Dreh-Hub-Aktor<br />
mit integrierter Steuerung<br />
Ein Praxisbeispiel ist der industrietaugliche<br />
Dreh-Hub-Aktor für die automatisierte Präzisionsmontage.<br />
Die interne Steuerung mit Feldbus-<br />
Schnittstelle ist plug-and-play-fähig und befindet<br />
sich direkt in der Positioniereinheit. Die<br />
gesamte Embedded-Control-Elektronik ist auf<br />
einer einzigen Leiterplatte untergebracht – zwei<br />
19-Zoll-Racks landeten so auf der Fläche einer<br />
halben Postkarte. Diese erlaubt zudem eine<br />
interne Speicherung der produktspezifischen<br />
Daten, Prozess- und Lebensdauerinformation.<br />
Ein Konzept für die Fernwartung und Ferndiagnose<br />
ist ebenfalls integriert. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
63
Stromversorgung<br />
Stromversorgung für mobile Geräte in der Medizin<br />
Autobatterien? Eigentlich indiskutabel!<br />
Hochleistungs Akku-Packs versorgen medizinische Geräte unterwegs<br />
und am Patientenbett. Die archaische und dennoch weit verbreitete<br />
Stromversorgung mit Autobatterien ist damit obsolet.<br />
Alle Bilder © Concept International<br />
Concept International GmbH<br />
www.concept.biz<br />
In Krankenhäusern kommen<br />
zunehmend hochmoderne, mobile<br />
elektronische Geräte auch direkt<br />
beim Patienten am Pflegebett zum<br />
Einsatz. Der Strom für PC, Tablet,<br />
EKG und Co. kommt allzu oft aber<br />
immer noch aus dicken und schweren<br />
Autobatterien, verbaut im Rollfuß<br />
eines Visitenwagens. Dabei gibt es<br />
zuverlässigere, sicherere und auch<br />
leistungsfähigere Alternativen, die<br />
zudem feuerpolizeilich keine Probleme<br />
aufwerfen. Mike Finckh,<br />
Geschäftsführer des Value Added<br />
Distributors Concept International,<br />
versorgt medizinische Einrichtungen<br />
mit Hardware. Er erklärt, warum der<br />
Wechsel auf leichte Hochleistungs-<br />
Akkus oft schwerfällt.<br />
Warum ist mobiler Strom<br />
in der Medizin so wichtig?<br />
Am Patientenbett entstehen<br />
unglaublich viele Daten, die den<br />
gesamten weiteren Therapieverlauf<br />
bestimmen. Digitale Krankenakte,<br />
Aufnahme der Vitalwerte, Kontrollierte<br />
Ausgabe von Medikamenten,<br />
Tracken von Anwendungen, Präsentation<br />
von Röntgen-, MRT- oder<br />
CRT-Aufnahmen für Erklärungen –<br />
das medizinische Personal ist auf<br />
den mobilen Zugang zu Daten und<br />
Netzwerken angewiesen. Und dafür<br />
braucht es Strom – für medizinische<br />
Tablets, All-In-One-PCs oder Vitalmonitor-<br />
und EKG-Geräte, um nur<br />
eine kleine Auswahl zu nennen.<br />
Wo kommt der Strom<br />
für die Patienten denn her?<br />
Die Visitenwägen mit den entsprechenden<br />
Geräten und Monitoren<br />
werden fast ständig bewegt. Man<br />
braucht also Akkus. Die befinden<br />
sich entweder in den Geräten selbst<br />
oder fungieren als eigenständiges<br />
Kraftwerk, in das die Mitarbeiter<br />
Geräte wie Scanner und Sensoren<br />
einstöpseln. Gängige Praxis war<br />
und ist hier die Autobatterie, montiert<br />
im rollenden Fuß des Visitenwagen.<br />
Allerdings hat die Lösung<br />
viele Nachteile und ist schon lange<br />
nicht mehr zeitgemäß.<br />
Was ist denn an Autobatterien<br />
so schlecht?<br />
Zunächst sind Autobatterien ganz<br />
schön schwer. Eine allein kann bis<br />
zu 30 kg wiegen. Krankenschwestern<br />
und Pfleger wuchten also mit<br />
Wagen und Gerätschaften gerne<br />
über vierzig Kilo über die Flure.<br />
Stellen Sie sich einfach einen übervollen,<br />
riesigen Einkaufswagen vor.<br />
Dazu kommt, dass es immer zwei<br />
Wägen braucht, da einer zum Laden<br />
ständig ausfällt. Nicht zuletzt sind<br />
Autobatterien gefährlich. Haben Sie<br />
schon einmal einen elektrischen<br />
Brand gesehen? Der lässt sich<br />
praktisch nicht löschen. Feuerpolizeilich<br />
müsste in jedem Bereich,<br />
in dem Starterbatterien eingesetzt<br />
werden, eigentlich eine große Kiste<br />
Löschsand bereitstehen. Eine sehr<br />
große Kiste.<br />
Gibt es denn gangbare<br />
Akku-Alternativen?<br />
Im Prinzip gibt es zwei alternative<br />
Lösungsansätze. Da wären handliche<br />
Akku-Packs, die mit mehreren<br />
Hochleistungs-Wechselakkus<br />
bestückt sauber und sicher am Visitenwagen<br />
angebracht werden. Eine<br />
Ladestation sorgt immer für Nachschub,<br />
der während des Betriebes<br />
gewechselt werden kann. Das ist<br />
dasselbe Prinzip wie die fragwürdige<br />
Autobatterielösung – nur ohne<br />
die Nachteile. Die komplett mobilen<br />
Strommanagementsysteme<br />
machen das Leben für das Krankenhauspersonal<br />
buchstäblich leichter:<br />
es gibt Systeme, die sind nicht<br />
größer als vier dicke Taschenbüchern<br />
übereinander und wiegen,<br />
inklusive Gehäuse und Halterung,<br />
knapp über zwei Kilo.<br />
Interviewpartner:<br />
Mike Finckh,<br />
Gründer und Geschäftsführer<br />
Concept International mit<br />
Sitz in München.<br />
Concept International ist ein<br />
Value Added Distributor und<br />
Hardware-Assemblierer für<br />
Industrie, Service, Wartung,<br />
Gesundheitswesen und Handel.<br />
64 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Stromversorgung<br />
Mit drei „Hot Swap“-Akkus ist der Dauerbetrieb kein Problem. Die All-In-One-<br />
PCs und Monitore von DT Research können sogar noch bis zu drei weitere<br />
Geräte mit Strom versorgen. Vor allem auf Visitenwägen ein echter Vorteil.<br />
Und der zweite Lösungsansatz?<br />
Das sind „Hot-Swap“-fähige<br />
Geräte wie All-In-One-PCs, Tablets<br />
oder auch einfache Bildschirme,<br />
bei denen man ohne Arbeitsunterbrechung<br />
die Stromquellen<br />
tauschen kann.<br />
Geht die Energie zur Neige, greift<br />
sich das Personal neue Wechselakkus,<br />
packt die verbrauchten in<br />
die Lade station und weiter geht’s.<br />
Diese All-in-One PCs und Monitore<br />
gibt es auch mit weiterführenden<br />
Stromanschlüssen. Sie versorgen,<br />
vergleichbar einer integrierten<br />
Powerbank, Scanner, Vitalmonitor,<br />
Drucker und dergleichen ebenfalls<br />
mit Strom. Voraussetzung ist, dass<br />
sie über eigene, dedizierte Stromanschlüsse<br />
in 12 V, 15 V und 19 V<br />
verfügen – das sind die Stromstärken,<br />
die medizinische Geräte für<br />
den Patienteneinsatz verwenden.<br />
Zwei Lösungsansätze –<br />
bedeutet das auch, dass zwei<br />
verschiedene Systeme zum<br />
Einsatz kommen?<br />
Es bietet sich an, ein und denselben<br />
Formfaktor zu verwenden.<br />
Dann gibt es nur ein System in<br />
verschiedenen Ausprägungen und<br />
keine unnötigen Redundanzen und<br />
keine Verwirrung. Weder auf der<br />
Nutzer- noch auf der Zuliefererseite.<br />
Es kommt nicht darauf an, ob die<br />
Akkus in Akku-Packs oder in Endgeräten<br />
stecken, die weitere Stromverbraucher<br />
mitbetreiben. Wichtig<br />
ist nur, dass der Betrieb bei einem<br />
Wechsel unterbrechungsfrei weitergeht.<br />
Am besten eben mit identischen<br />
Akkus für beide Systeme.<br />
Das klingt so einfach. Warum<br />
findet sich die Autobatterie<br />
dann immer noch in so vielen<br />
Krankenhäusern?<br />
Autobatterien sind zwar unhandlich,<br />
auf lange Sicht zu teuer und<br />
aus feuerpolizeilichen Gründen<br />
völlig indiskutabel – aber sie haben<br />
sich nun mal in der Vergangenheit<br />
als funktionsfähige Lösung<br />
etabliert.<br />
Krankenhäuser müssen leider<br />
nach dem Prinzip „never change a<br />
runnig system“ arbeiten, rotstiftgeplagt<br />
wie sie nun einmal sind. Außerdem<br />
leiden sie auch noch enorm<br />
unter IT-Fachkräfte- Anämie. Da<br />
gibt es viele „Brände“ zu löschen,<br />
der elektrische Notstand fällt da oft<br />
unter den Tisch.<br />
Es braucht jemanden, der das<br />
in die Hand nimmt, sich informiert,<br />
vergleicht und die Genehmigungsprozesse<br />
antreibt. Im Idealfall<br />
entlastet die Krankenhäuser bei<br />
Evaluation und Beschaffung ein<br />
Experte, wie ein erfahrener Distributor,<br />
der nicht nur schnell und<br />
günstig liefern kann, sondern auch<br />
gute Beratung und guten Service<br />
bietet und sich in Krankenhäusern<br />
auskennt.<br />
Dann ist das kein Hexenwerk,<br />
das Leben bei der Visite leichter<br />
und sicherer zu machen. ◄<br />
Pro Minute fallen 21 Hektar Wald.<br />
So schnell kann er<br />
leider nicht weglaufen.<br />
Hilf mit! Gemeinsam schützen wir weltweit Wälder<br />
und ihre Bewohner. Spende jetzt auf wwf.de/wald<br />
Die Vernichtung der Wälder in Amazonien und weltweit bedroht Millionen von<br />
Arten – und unsere Gesundheit. Der WWF setzt sich in Projekten vor Ort, bei<br />
Unternehmen und auf politischer Ebene für ihren Schutz ein. Hilf uns dabei<br />
mit deiner Spende. WWF Spendenkonto: IBAN DE06 5502 0500 0222 2222 22
Stromversorgung<br />
Hochwertige und höchst zuverlässige Netzteile<br />
Die UMA-Serien, verfügbar mit 30 und 60 W, sind für Body Floating (BF)-Anwendungen geeignet und erfüllen<br />
die Sicherheitsanforderungen für 2x MOPP.<br />
Die wichtigsten Fakten zur<br />
UMA30F und UMA60F-Serie im Überblick:<br />
• 30 und 60 W im kompakten 2” x 3”-Formfaktor<br />
• Medizinische Isolierung 2x MOPP<br />
(Ein-/Ausgang)<br />
• BF-ready<br />
• Eingebaute Schutzfunktionen:<br />
Überlast, Überspannung<br />
• Entspricht EN 60335<br />
• Zulassung nach ANSI/AAMI ES 60601-1,<br />
EN 60601-1, UL 62368-1, EN 62368-1<br />
• 5 Jahre Herstellergarantie<br />
Die Serien UMA30F und UMA60F sind ab sofort bei Emtron erhältlich.<br />
Neu im Programm von Emtron<br />
electronic GmbH sind die Serien<br />
UMA30F und UMA60F von Cosel.<br />
Die für anspruchsvolle medizinische<br />
Anwendungen konzipierten Netzteile<br />
sind für Body Floating (BF)-<br />
Anwendungen geeignet und erfüllen<br />
die Sicherheitsanforderungen<br />
für 2x MOPP (Ein-/Ausgang) und<br />
1x MOPP (Ausgang/Erde).<br />
Emtron electronic GmbH<br />
www.emtron.de/<br />
Neben medizinischen Anwendungen<br />
eignen sich diese hochwertigen<br />
und höchst zuverlässigen<br />
Netzteile auch für industrielle<br />
Anwendungen, Test- und Messanwendungen<br />
sowie für den Einsatz<br />
in „Haushalts- und ähnlichen elektrischen<br />
Geräten“.<br />
Die UMA-Familie kann im so<br />
genannten Universellen Eingangsspannungsbereich<br />
von 85 bis<br />
264 VAC betrieben werden und<br />
hat einen typischen Wirkungsgrad<br />
von bis zu 91 %. Derzeit sind<br />
standardmäßig vier Ausgangsspannungen<br />
für das UMA30F verfügbar:<br />
5, 12, 24 und 48 VDC und<br />
fünf für das UMA60F: 5, 12, 15, 24<br />
und 48 VDC.<br />
Die vielseitigen und robusten<br />
Netzteile können in einem Umgebungstemperaturbereich<br />
von -20 bis<br />
+70 °C betrieben werden (Derating<br />
beachten). Die UMA-Familie ist für<br />
den medizinischen Bereich ausgerichtet<br />
und die Isolation zwischen<br />
Eingang und Ausgang entspricht<br />
2x MOPP, zwischen Eingang und<br />
Erde 1x MOPP und zwischen Ausgang<br />
und Erde 1x MOPP.<br />
Die Geräte sind zugelassen nach<br />
ANSI/AAMI ES 60601-1 und EN<br />
60601-1 3rd Edition. Dank eines<br />
geringen Patientenableitstroms von<br />
75 µA eignen sich die Netzteile aus<br />
der UMA-Familie hervorragend für<br />
BF-Anwendungen (Body- Floating-<br />
Anwendungen). Zudem verfügt die<br />
UMA-Familie auch über Zu lassungen<br />
nach UL/EN 62368-1 und findet<br />
somit auch in industriellen Anwendungen<br />
ihren Platz. Außerdem erfüllt<br />
sie die Anforderungen der EN 60335-<br />
1, was auch den Einsatz in Haushaltsgeräten<br />
ermöglicht. ◄<br />
Medizinische 4:1 60W-DC/DC im Miniaturgehäuse<br />
Recom stellt DC/DC-Technologie mit hoher Leistungsdichte vor<br />
teil. Dank ihres Wirkungsgrades von<br />
über 90 % arbeiten die DC/DCs bis<br />
zu 105 °C Umgebungstemperatur<br />
mit Derating oder beispielsweise<br />
bis zu 83 °C bei voller 60 W Ausgangsleistung<br />
mit 2 m/s Luftstrom<br />
(REM60-4824SW).<br />
Patientensicherheit<br />
Die REM60-W Serie verfügt über<br />
eine verstärkte 2x MOPP-Isolierung,<br />
5 kVAC/1min für 250 VAC<br />
Arbeitsspannung, mit einer Kriechund<br />
Luftstrecke von mehr als 8 mm<br />
Recom hat sein Portfolio um<br />
einen Board-mount 60W-DC/DC<br />
mit hoher Leistungsdichte und<br />
medizinischer Isolierung erweitert.<br />
Der kostengünstige REM60-W ist<br />
mit zwei Eingangsbereichen erhältlich,<br />
9-36 VDC und 18-75 VDC,<br />
jeweils mit einer Auswahl an<br />
regulierten Einzel- und Doppelausgängen:<br />
5 V, 5,1 V, 12 V, 15 V, 24 V<br />
±12 V und ±15 V. Das Gehäuse ist<br />
nur 2,3“ x 1,5“ x 0,5“ (57,9 x 36,8<br />
x 12,7 mm) groß und erreicht eine<br />
Leistungsdichte für ein 60-W-Bauzwischen<br />
Ein- und Ausgang. Der Patientenableitstrom beträgt maximal<br />
4,5 µA und eignet sich für medizinische B-, BF- und CF-Anwendungen.<br />
66<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Stromversorgung<br />
DC/DC-Abwärtswandler im 1/16 Brick Format<br />
bis 60 A und mit einstellbarer Strombegrenzung<br />
im Computerbereich und in tragbaren<br />
batteriebetriebenen Geräten.<br />
Hoher Wirkungsgrad<br />
Wirkungsgrade von bis zu 97 %<br />
minimieren die internen Verluste<br />
drastisch und ermöglichen den<br />
Betrieb des 60A i7A bei Umgebungstemperaturen<br />
von -40 °C bis<br />
+125 °C, selbst bei geringer Luftströmung.<br />
Das Design des i7A bietet<br />
eine geringe Ausgangswelligkeit<br />
und ein hervorragendes Regelverhalten<br />
bei dynamischen Lasten. Im<br />
Vergleich zu diskreten Lösungen<br />
sind nur minimale externe Komponenten<br />
erforderlich, was Kosten<br />
und Platz auf der Leiterplatte spart.<br />
TDK Corporation gibt die Ergänzung<br />
der TDK-Lambda i7A-Serie<br />
nicht isolierter Buck-DC/DC-Wandler<br />
mit Standard-1/16 Brick Pinout<br />
bekannt.<br />
TDK-Lambda Germany GmbH<br />
www.emea.lambda.tdk.com<br />
Medizinische Sicherheitszertifizierungen<br />
Die neuen Modelle liefern bis<br />
zu 60 A Ausgangsstrom bei einer<br />
maximalen Leistung von 400 W. Die<br />
Ausgangsspannung ist im Bereich<br />
von 0,8 bis 8 V einstellbar und wird<br />
aus nominal 12 V versorgt. Darüber<br />
hinaus gibt es jetzt für alle Modelle<br />
der i7A-Serie ein neues Feature-Set<br />
mit einstellbarer Strombegrenzung<br />
für Konstantstrom-Betrieb. Diese<br />
Funktion eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten<br />
zum Laden von Batterien<br />
und Kapazitäten und erlaubt<br />
die exakte Anpassung der Überstromgrenze<br />
and die tatsächlichen<br />
Anforderungen in der Anwendung.<br />
Die medizinischen Sicherheitszertifizierungen<br />
umfassen: IEC/EN<br />
60601-1 3rd Edition sowie ANSI/<br />
AAMI ES60601-1 und CAN/CSA-<br />
C22.2 No. 60601-1:14 für den nordamerikanischen<br />
Markt. Die Produkte<br />
entsprechen der EN 60601-<br />
1-2 für EMI-Immunität für medizinische<br />
Geräte. Die IEC/UL/EN<br />
62368-1-Zertifizierungen für den<br />
IT-/Multimedia-Markt liegen vor, die<br />
EMV-Normen EN 55032 Klasse A<br />
und B können mit einem einfachen<br />
externen Filter erfüllt werden. Die<br />
REM60-W Serie ist für den Betrieb<br />
in 5000 m Höhe und für eine Umgebung<br />
mit Verschmutzungsgrad 2<br />
(PD2) ausgelegt. Die Zuverlässigkeit<br />
ist mit über 1 Million Stunden<br />
MTBF gemäß MIL-HDBK-217F,<br />
25 °C, bodennahe Bedingungen<br />
ebenfalls hoch.<br />
Schutzfunktionen<br />
Die REM60-W Serie umfasst<br />
eine Ein/Aus-Steuerung, eine Spannungs-Kompensationsleitung<br />
und<br />
eine Ausgangsspannungs-Trimmung<br />
mit vollem Schutz gegen<br />
Übertemperatur, Ausgangsüberlast,<br />
Kurzschluss und Eingangsunterspannung.<br />
Der Betrieb bei<br />
Nulllast ist möglich, die Effizienz<br />
bei geringer Last ist hoch und der<br />
Leistungsstarke<br />
Niederspannungsausgänge<br />
Die 60A i7A-Modelle ermög lichen<br />
die Bereitstellung leistungsstarker<br />
Niederspannungsausgänge aus<br />
einer 9-18 VDC Busspannung. Der<br />
Verzicht auf eine galvanische Trennung<br />
resultiert gegenüber isolierten<br />
DC/DC-Wandlern in einem viel höheren<br />
Wirkungsgrad und erlaubt erhebliche<br />
Kosteneinsparungen. Diese<br />
sehr kompakten Produkte eignen<br />
sich für den Einsatz in der mobilen<br />
Robotik, in Drohnen, in der Medizin,<br />
in der Industrie, in der Prüf- und<br />
Messtechnik, in der Kommunikation,<br />
Ruhe- und Standby-Strom ist niedrig.<br />
Die Pinbelegung entspricht dem<br />
Industriestandard.<br />
„REM60-W ist ein hochspezialisiertes<br />
Modul mit hoher Leistungsdichte,<br />
das in medizinischen<br />
und anspruchsvollen industriellen<br />
Anwendungen geschätzt wird,“<br />
erklärt Matthew Dauterive, DC/<br />
DC Produktmanager bei Recom<br />
Die Produkte haben eine dreijährige<br />
Garantie. Muster und OEM-<br />
Preise sind bei allen autorisierten<br />
Händlern oder direkt bei Recom<br />
erhältlich.<br />
RECOM Power GmbH<br />
www.recom-power.com<br />
Flache Bauweise<br />
Wie die 33A- und 45A-Versionen<br />
wird auch die 60A-Variante in drei<br />
verschiedenen mechanischen Konfigurationen<br />
angeboten. Alle Module<br />
beruhen auf einer Grundfläche mit<br />
34 mm Breite und 36,8 mm Länge.<br />
Das 11,5 mm hohe Open-Frame-<br />
Modell eignet sich für Anwendungen,<br />
die möglichst flach aufgebaut<br />
sein sollen. Die Version mit Baseplate<br />
kann über einen externen<br />
Kühlkörper kontaktgekühlt werden<br />
und ist 12,7 mm hoch. Modelle<br />
mit integriertem Kühlkörper für<br />
Konvektions- oder forcierter Kühlung<br />
sind 24,9 mm hoch.<br />
Zusätzliche<br />
Einstellmöglichkeiten<br />
Alle i7A verfügen über eine Möglichkeit<br />
zur Einstellung der Ausgangsspannung,<br />
+ Remote Sense,<br />
Remote On-Off mit negativer Logik,<br />
Eingangsunterspannungs-, Überstrom-<br />
und Übertemperaturschutz.<br />
Mit dem neuen Feature-Set kommt<br />
zusätzlich die Möglichkeit zur Einstellung<br />
der Überstrombegrenzung hinzu.<br />
Für eine vereinfachte Qualifizierung<br />
sind Evaluierungsboards erhältlich.<br />
Sicherheitszertifizierung<br />
Alle Modelle verfügen über eine<br />
Sicherheitszertifizierung gemäß den<br />
Normen IEC/UL/CSA/EN 62368-1<br />
sowie eine CE- und UKCA-Kennzeichnung<br />
gemäß den Niederspannungs-<br />
und RoHS-Richtlinien. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
67
Verpacken/Kennzeichnen/Identifizieren<br />
UKP-Lasermarkierer der neuesten Generation<br />
FOBA kommt mit Ultrakurzpulslaser auf den Markt.<br />
FOBA F.0100-ir Ultrakurzpuls-Lasermarkiersystem mit Laserkontrolleinheit sowie Versorgungseinheit<br />
FOBA<br />
Laser Marking + Engraving<br />
(Marke der ALLTEC Angewandte<br />
Laserlicht Technologie GmbH)<br />
www.fobalaser.com/de/<br />
FOBAs neues Markiersystem<br />
F.0100-ir erzielt tiefschwarze Markierungen<br />
auf medizinischem Edelstahl,<br />
Titan oder Kunststoffen. Seine<br />
variabel einstellbare Pulsbreite bei<br />
10 Watt Laserleistung ermöglicht<br />
Präzision auf diversen Oberflächen.<br />
In Kombination mit FOBAs validierungsfähiger<br />
Prozesslösung erzielt<br />
F.0100-ir einen Vorsprung für die<br />
Medizinproduktefertigung.<br />
Zuverlässige Markierung<br />
Der Ultrakurzpulslaser markiert<br />
im tiefsten, matten und nicht reflektiven<br />
Schwarz, ohne dass ein hoher<br />
Wärmeeintrag am Werkstück entsteht.<br />
Selbst durch weitere Bearbeitungsschritte,<br />
wie zum Beispiel<br />
Passivierung, bleibt die Markierung<br />
zuverlässig lesbar und korrosionsbeständig.<br />
Durch die sehr kurzen<br />
Pulse bis in den Femtosekunden-<br />
Bereich, in Kombination mit hohen<br />
Pulsenergien, können verschiedene<br />
Edelstähle, Titan und unterschiedliche<br />
Kunststoffe beschriftet werden.<br />
Integrierbarkeit<br />
FOBA hat bei der Entwicklung<br />
seines Ultrakurzpuls-Lasersystems<br />
besonderen Wert auf die Integrierbarkeit<br />
in den bewährten FOBA-<br />
Workflow gelegt. „Für unsere Kunden<br />
ist natürlich entscheidend,<br />
dass unsere Laser durchgängig<br />
zuverlässige Markierergebnisse<br />
erzielen. Aber ebenso vertrauen<br />
sie darauf, dass der gesamte Prozess<br />
stimmt, und da muss auch<br />
ein neues Markiersystem mithalten“,<br />
sagt FOBAs Direktor Produktmanagement<br />
Philipp Febel.<br />
Variabel einstellbare<br />
Pulsbreiten<br />
Die Integration einer leistungsstarken,<br />
kompakten und sehr flexiblen<br />
Laserquelle war während der Entwicklung<br />
das oberste Ziel. „Unser<br />
Lasersystem bietet für bestimmte<br />
Materialerfordernisse variabel einstellbare<br />
Pulsbreiten. Dies ist im<br />
Ultrakurzbereich nicht selbstverständlich“,<br />
so Philipp Febel. Damit<br />
einher gehen ein breites Anwendungsspektrum,<br />
hohe Präzision<br />
und herausragende Prozessstabilität.<br />
„Der Laserkopf ist so kompakt,<br />
dass wir ihn in unsere M-Serien-Markierarbeitsplätze<br />
integrieren können.<br />
Und das wiederum ist häufig<br />
Voraussetzung bei unseren Kunden“,<br />
erklärt Febel weiter. Da das<br />
System außerdem luftgekühlt ist<br />
und kaum Verbrauchsmaterialien<br />
benötigt, kommt man mit geringstmöglicher<br />
Wartung aus. Außerdem<br />
ermöglichen die hohe Markiergeschwindigkeit<br />
sowie die Kombination<br />
mit FOBAs etablierten Kameraund<br />
Softwarelösungen eine schlanke<br />
und wirtschaftliche Teilefertigung.<br />
Mustermarkierungen<br />
FOBA bietet interessierten<br />
Anwendern Mustermarkierungen<br />
mit dem neuen UKP-Markiersystem<br />
an. Geeignet sind Markieranwendungen<br />
aus der Medizinprodukteherstellung,<br />
Automobilbauteileproduktion<br />
oder Elektronik.<br />
Es kommen auch Materialien<br />
infrage, die üblicherweise mit anderen<br />
Wellenlängen wie UV markiert<br />
werden. Eine eingehende Beratung<br />
zur bestmöglichen Markierkonfiguration<br />
ist darüber hinaus<br />
selbstverständlich. ◄<br />
FOBA F.0100-ir ist die neueste Generation von FOBAs Markierlasern und mit<br />
einer Ultrakurzpuls-Laserquelle ausgestattet<br />
68 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Sensoren<br />
Kraftsensoren für statische und dynamische Messungen<br />
Inelta Sensorsysteme verfügt<br />
über eine umfassende Produktpalette<br />
von Kraftsensoren für präzise<br />
dynamische und statische Messungen<br />
in sämtlichen industriellen<br />
Bereichen des Maschinenbaus,<br />
der Automatisierungstechnik,<br />
der Labor- und Medizintechnik<br />
sowie für Sonderapplikationen.<br />
Zum Sortiment der auf Basis<br />
von Foliendehnungsmessstreifen<br />
(DMS) arbeitenden Kraftsensoren<br />
gehört die für Messbereiche von<br />
1 kN bis 500 kN ausgelegt Baureihe<br />
KMM65. Die robusten, zur<br />
Druck- und Zugmessung in Industriepressen,<br />
Prüf- oder Wägeanlagen<br />
konzipierten Aufnehmer im<br />
vernickelten Stahl gehäuse – oder<br />
optionaler Edelstahlausführung –<br />
erreichen Schutzart IP65.<br />
Mit den Modellen KMM30 und<br />
KMM62 hält der Sensorspezialist<br />
kompakte Sensoren zur Aufnahme<br />
kleiner Kräfte von 0,1 kN<br />
bis 2 kN in Zug- und Druckrichtung<br />
vorrätig, die sich dank regulärer<br />
Normgewinde einfach montieren<br />
lassen. Des Weiteren führt<br />
Inelta Ringkraft aufnehmer für die<br />
Messung axial wirkender Kräfte<br />
an Schrauben, Wellen oder Achsen<br />
im Programm. Zu den typischen<br />
Anwendungen zählt die<br />
Ermittlung von Vorspannkräften<br />
bei Verschraubungen. Die Ringkraftsensoren<br />
der in Schutzart<br />
IP67 gefertigten Baureihe RKT60<br />
sind für Nennkräfte von 5 kN bis<br />
20 kN ausgelegt. Sie integrieren<br />
einen Überlastschutz sowie einen<br />
Messverstärker mit 4…20 mA-Analogausgang<br />
und sind durch Verguss<br />
gegen Vibration, Staub und<br />
Feuchtigkeit geschützt.<br />
Für taktile Kraftmessungen in<br />
medizintechnischen Geräten und<br />
Roboterarmen oder für Belastungsprüfungen<br />
kleiner Bauteile hat<br />
Inelta den Miniatur-Kraftaufnehmer<br />
FS12 für Druck- und Zugkräfte<br />
bis 100 N, 200 N bzw. 500 N entwickelt.<br />
Dieser Biegebalken-Kraftsensor<br />
ist mit einem Gewicht von<br />
nur 20 g der kleinste Kraftsensor<br />
im Produktprogramm. ◄<br />
Inelta Sensorsysteme<br />
GmbH & Co. KG<br />
www.inelta.de<br />
SMD-Foliensensoren - Take it, stick it, use it!<br />
folienbasierten Sensoren. Durch<br />
die gedruckte Sensortechnologie<br />
ermöglicht accensors eine einfache<br />
Massenproduktion, was die Verfügbarkeit<br />
und Skalierbarkeit der Sensoren<br />
erhöht. Die Flexibilität der Sensoren<br />
ermöglicht Messungen auch<br />
abseits von starren PCBs.<br />
Insgesamt bieten die SMD-Foliensensoren<br />
eine präzise und flexible<br />
Lösung für eine Vielzahl von Anwendungen<br />
in z. B. der Medizintechnik,<br />
Biotechnologie und Lebensmittelindustrie.<br />
Die Sensortechnologie ermöglicht<br />
nun die Anwendung, Sensoren<br />
wie Sticker aufzukleben und<br />
damit präzise Messungen durchzuführen.<br />
Das Motto des Unternehmens für<br />
<strong>2023</strong> „Stick your Sensor“ beschreibt<br />
perfekt, wie einfach es ist, diese<br />
Sensoren zu verwenden.<br />
accensors<br />
info@accensors.com<br />
www.accensors.com<br />
OEM-Sensoren für die Medizintechnik<br />
Wie wäre es, wenn man einen<br />
hochpräzisen Sensor einfach wie<br />
einen Sticker aufkleben könnte?<br />
Bei accensors ist das möglich. Mit<br />
seinen SMD-Foliensensoren ist das<br />
Messen von verschiedenen Parametern<br />
so einfach wie das Aufkleben<br />
eines Stickers. Die Größe beträgt<br />
nur 7,60 x 5,60 mm bei einer aktiven<br />
Messfläche von Ø2,5 mm.<br />
Der SMD-Foliensensor wurde<br />
auf der Sensor+Test präsentiert. In<br />
Zukunft können mit den SMD-Foliensensoren<br />
ganz einfach verschiedene<br />
Parameter wie pH-Wert, Temperatur<br />
und Bioparameter gemessen<br />
werden. Die Sensoren sind readyto-use<br />
und können einfach an verschiedenen<br />
Kontaktierungspunkten<br />
geklebt werden, um dort eine<br />
präzise Messung durchzuführen.<br />
Diese SMD-Foliensensoren sind<br />
das Ergebnis einer langjährigen<br />
Erfahrung in der Entwicklung von<br />
Messung der Stösselkraft<br />
in Insulinpumpen<br />
Senstech AG<br />
CH-8320 Fehraltorf<br />
Telefon +41 44 955 04 55<br />
ISO 9001 · ISO 13485<br />
www.senstech.ch<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
Senstech_Ins_<strong>2023</strong>_91x66_meditronic-journal_A.indd 1 08.11.22 09:59<br />
69
Produktion<br />
Extrem effiziente Werkzeuge für die Zerspanung<br />
EMO <strong>2023</strong>: Die Crazy Tools in voller Aktion!<br />
Der CrazyDrill Cool Titanium ATC/PTC bohrt sich mit maximaler<br />
Geschwindigkeit durch Titan und seine Legierungen bei 3-mal höheren<br />
Standzeiten und höchster Prozesssicherheit. Alle Bilder © Mikron Tool<br />
Rentabilität durch den Einsatz<br />
effizientester Werkzeuge, Prozessbeschleunigung<br />
durch dynamische<br />
Zerspanungsstrategien bei bester<br />
Bauteilqualität und der damit verbundene<br />
Nutzen für die Anwender:<br />
Das steht bei der Entwicklungs arbeit<br />
der Mikron Tool an erster Stelle.<br />
In der Tat hat der innovationsund<br />
technologiebegeisterte Tessiner<br />
Zerspanungsspezialist auch<br />
dieses Jahr wieder ziemlich „verrückte“<br />
Werkzeugideen und ganzheitliche<br />
Fertigungslösungen für<br />
den Highend-Markt parat. Bei der<br />
diesjährigen Weltleitmesse für Produktionstechnologie,<br />
der EMO in<br />
Hannover, die vom 18. bis zum 23.<br />
September <strong>2023</strong> stattfindet, können<br />
sich die Besucher bei LIVE-<br />
Präsentationen direkt am Messestand<br />
der Mikron Tool davon überzeugen,<br />
was die Crazy Tools bei<br />
schwer zerspanbaren Werkstoffen<br />
so „drauf“ haben.<br />
Zerspanungstechnische<br />
Unterschiede bei<br />
Titansorten<br />
Dieses Jahr dreht sich viel um<br />
den anspruchsvollen Werkstoff<br />
Titan. Und Titan ist nicht gleich<br />
Titan, behauptet Mikron Tool. Will<br />
man Titan – für die Konstrukteure<br />
ein Traum, von den Zerspanern<br />
eher gefürchtet – wirtschaftlich bei<br />
höchster Prozesssicherheit zerspanen,<br />
kommt der Anwender mit Universalwerkzeugen<br />
nicht weit. Was<br />
sich für Reintitan eignet, stößt bei<br />
seinen Legierungen an Grenzen<br />
und umgekehrt. Deshalb sind beim<br />
Entwerfen eines neuen Hochleistungswerkzeugs<br />
die verschiedenen<br />
Titansorten detailliert zu analysieren<br />
und die Spezifika ihrer Zusammensetzung<br />
herauszuarbeiten,<br />
die sich in Form zerspanungstechnischer<br />
Unterschiede stark bemerkbar<br />
machen.<br />
Jedem Titan seinen Bohrer<br />
Beim Konzipieren von Titanbohrern<br />
der neuesten Generation hat<br />
Mikron Tool diese Unterschiede<br />
berücksichtigt und als „gegenwärtig“<br />
beste Lösung bei der Auslegung<br />
solcher Bohrer eine werkstoffspezifische<br />
Schneidengeometrie<br />
identifiziert. Das Ergebnis<br />
ist der neue Crazy Drill Cool Titanium<br />
ATC/PTC, der mit einer Geometrie<br />
ATC für Titanlegierungen<br />
und mit einer Geometrie PTC für<br />
Reintitan verfügbar ist.<br />
Komplettes Sortiment<br />
Anlässlich der EMO präsentiert<br />
das Unternehmen erstmalig das<br />
komplette Sortiment der neuen<br />
Titanbohrerserie, und zwar in voller<br />
Aktion. Auf einem 5-Achs Highspeed-Bearbeitungszentrum<br />
des<br />
Typs DMP 35 von DMG MORI wird<br />
EMO: Halle 3, Stand I05<br />
Mikron Switzerland AG,<br />
Division Tool<br />
www.mikrontool.com<br />
Der neue CrazyDrill Cool Titanium ATC/PTC ist mit einer Geometrie ATC für Titanlegierungen und mit einer Geometrie<br />
PTC für Reintitan verfügbar.<br />
70 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Produktion<br />
Bei einer zervikalen Knochenplatte aus<br />
Reintitan Grad 2 (3.7035 - EN Ti 2 / ASTM B348)<br />
erzielen die Schweizer Zerspanspezialisten eine<br />
hervorragende Oberflächengüte.<br />
ein medizintechnisches Werkstück aus Titan<br />
Grad 2, einem unlegierten Reintitan, zerspant.<br />
Hier bringt der Bohrer des Typs PTC seine außergewöhnlichen<br />
Eigenschaften voll zur Geltung.<br />
Die zweite Version „ATC“ wird seine Leistung<br />
beim Bohren der anspruchsvollen Titanlegierung<br />
Grad 5 TI6AIV4 demonstrieren – und zwar 10 x d<br />
in einem Schuss. Das gab es bisher noch nicht.<br />
Medizintechnische Fertigungsstrategie<br />
live erleben<br />
Mikron Tool macht bei den Werkzeugen nicht<br />
halt. Ihre hohe Zerspankompetenz setzt sie auch<br />
bei der Entwicklung hochdynamischer Fertigungsstrategien<br />
komplexer Bauteile ein – auch für die<br />
Medizintechnik. Bei Kundenprojekten loten die<br />
Profis des Technology Centers alle Sparpotenziale<br />
aus, wobei der Fokus auf Kosten und Zeit<br />
liegt. Einsparungen von über 50 % sind keine<br />
Seltenheit. Dabei behalten die Spezialisten die<br />
hohen Anforderungen an die Qualität der Werkstücke<br />
genau im Blick und sorgen für stetige Optimierung.<br />
Davon können sich die Messebesucher<br />
auf dem Stand der Mikron Tool selbst ein Bild<br />
machen. Das Team des Technology Centers präsentiert<br />
eine acht-minütige Fertigung einer anterioren<br />
zervikalen Knochenplatte aus dem nicht<br />
unproblematischen Reintitan Grad 2 (3.7035 -<br />
EN Ti 2 / ASTM B348) - das in der Medizintechnik<br />
wegen seiner hohen Korrosionsbeständigkeit<br />
und ausgezeichneten Biokompatibilität als<br />
Referenz für sämtliche Implantat-Materialien gilt.<br />
Bearbeitungszeit um 70 % gesenkt<br />
Die medizintechnische Komponente wird von<br />
den Zerspanspezialisten in einer Aufspannung<br />
aus dem Vollen mit insgesamt zehn Werkzeugen<br />
(darunter lagerhaltige Katalogwerkzeuge<br />
wie auch Sonderwerkzeuge) zerspant. Die<br />
Stützstege werden auf ein Minimum reduziert,<br />
um die Nachbearbeitung so gering wie möglich<br />
zu halten. Der Produktionszyklus wurde<br />
signifikant reduziert, unter Berücksichtigung<br />
der hohen Ansprüche an die Oberflächenqualität.<br />
Das Ergebnis lässt sich sehen. Es gelang<br />
Mikron Tool die Bearbeitungszeit um 70 % zu<br />
senken bei einer reduzierten Anzahl von Werkzeugen,<br />
die sich durch hohe Standzeiten auszeichnen.<br />
Die Komponente ist quasi gratfrei und<br />
die Oberflächengüte zeigt hervorragende Werte<br />
auf: R a = 0,13 µm (R z = 0,93 µm). ◄<br />
Cool Micro<br />
micro milling<br />
DER KLEINSTE DER WELT MIT<br />
INTEGRIERTER KÜHLUNG<br />
DAS IST NEU!<br />
• S + SX: 2 Geometrien für<br />
schwierigste Materialien<br />
• Durchmesser von 0,2 bis 1,0 mm<br />
• Keine Werkzeugabdrängung<br />
• Gratfreies Fräsen<br />
IHR NUTZEN!<br />
• Fräsen: 3 Mal schneller<br />
• Standzeit: 3 Mal länger<br />
• Maximale Prozesssicherheit<br />
HALLE 3 STAND I05<br />
MIKRON SWITZERLAND AG<br />
Division Tool<br />
6982 Agno | Schweiz<br />
mto@mikron.com<br />
www.mikrontool.com<br />
A<br />
STAR<br />
IS<br />
BORN<br />
Das Team des Technology Centers entwickelt bahnbrechende Fertigungsstrategien für die<br />
Medizintechnik und präsentiert diese auf der diesjährigen EMO.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
71
Produktion<br />
Mikro-3D-Druck optimiert Nähgerät<br />
für minimalinvasive Chirurgie<br />
Nähgerät mit aus Stahl gefräster Spitze<br />
Optimierung der Nadelführungs-Komponente<br />
der Spitze mit 3D-gedruckten Prototypen<br />
Das 3D-gedruckte Bauteil<br />
stabilisiert die Nadelführung<br />
Der 3D-Druck im Mikromaßstab mit innovativen<br />
Polymerharz-Druckern von Boston Micro<br />
Fabrication (BMF) beschleunigt und verbessert<br />
die Produktentwicklung. Mit 3D-gedruckten<br />
Bauteilen konnte das Unternehmen Sutrue<br />
im englischen Colchester zum Beispiel ein automatisches<br />
Nähgerät für die minimalinvasive<br />
Chirurgie zur Marktreife bringen.<br />
Boston Micro Fabrication<br />
www.bmf3d.com<br />
Die minimalinvasive Chirurgie führt zu kürzeren<br />
Rekonvaleszenzzeiten, besseren Heilungsergebnissen<br />
und weniger Komplikationen. Doch<br />
noch gibt es nicht genug Instrumente für diese<br />
sehr präzisen Eingriffe auf engstem Raum.<br />
Sutrues minimalinvasives Nähgerät wurde speziell<br />
für die Schlüsselloch-Chirurgie entwickelt, für<br />
laparoskopische und robotergestützte Eingriffe.<br />
Bisher gab es kein Instrument, das den für<br />
die minimal-invasive Chirurgie erforderlichen<br />
geringen Durchmesser von nur acht Millimetern<br />
erreicht.<br />
Automatisches Nähgerät<br />
Die Idee für ein solches automatisches Nähgerät<br />
hatte Alex Berry, Gründer und technischer<br />
Leiter bei Sutrue, während er sich 2008 von<br />
einem gebrochenen Knöchel erholte. Nach jahrelangen<br />
Forschungen und Experimenten hatte<br />
Berrys Team ein Handgerät entwickelt, das<br />
automatisch eine Nähnadel mit Faden durch<br />
das Gewebe und wieder in das Gerät zurückführt.<br />
Die Nadel dreht sich dabei auf einer festen<br />
Bahn aus dem Gerät heraus und wieder hinein,<br />
während sie auf der dritten Achse waagerecht<br />
bleibt. Die Spitzen des Geräts wurden als Prototypen<br />
aus Stahl gefertigt, was einen erheblichen<br />
Zeitaufwand bedeutete und Änderungen<br />
am Design erschwerte.<br />
Prototyping eines wichtigen Bauteils<br />
Doch eine der wichtigsten Komponenten der<br />
Spitze musste aktualisiert werden, um die Stabilität<br />
der Nadelführung zu verbessern. Eine maschinelle<br />
Bearbeitung des Teils hätte die Erprobung<br />
des Produkts um mehrere Monate verzögert,<br />
erhebliche Kosten verursacht und keinen Spielraum<br />
für verschiedene Varianten gelassen.<br />
Der 3D-Druck des zu ersetzenden Teils ermöglichte<br />
es dem Team, verschiedene Versionen<br />
zu testen und in kurzem Zeitrahmen verschiedene<br />
Toleranzen zu prüfen. Außerdem konnte<br />
das Team beim 3D-Druck auch die Ästhetik<br />
berücksichtigen und die Teile in zwei verschiedenen<br />
Farben drucken lassen.<br />
„Dank der Genauigkeit der Mikro 3D-Drucker<br />
von BMF konnten wir drei verschiedene Teile<br />
ausprobieren, um die ideale Lösung zu finden.<br />
Nun funktioniert unser Gerät wie geplant, ohne<br />
die Kosten zu überschreiten und ohne Zeitverzögerung<br />
für eine maschinelle Bearbeitung“,<br />
erklärt Alex Berry. „Die von BMF gedruckten<br />
Teile entsprechen dem Design und sind durchweg<br />
präzise.“<br />
Fortschritte in der<br />
minimalinvasiven Chirurgie<br />
Die Fortschritte in der Medizintechnik werden<br />
die Möglichkeiten der minimalinvasiven Chirurgie<br />
weiter vorantreiben. Durch den 3D-Druck<br />
von Prototypen mit der Auflösung, Größe und<br />
Toleranz von Präzisionsspritzgussteilen lassen<br />
sich die für minimalinvasive Eingriffe erforderlichen<br />
Instrumente schnell weiterentwickeln. ◄<br />
Sutrues Nägerät für die minimalinvasive<br />
Chirurgie<br />
72 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Produktion<br />
Hybride lichthärtende HLC-Klebstoffserie<br />
Dymax, einer der international führenden Hersteller von schnell aushärtenden Materialien und Geräten, gibt<br />
die Markteinführung von Dymax HLC-M-1000 bekannt, dem ersten Produkt seiner neuen Hybrid Light-Curable<br />
(HLC)-Serie von Klebstoffen.<br />
Schnelle Aushärtung in Schattenzonen auf unterschiedlichsten,<br />
auch lichtundurchlässigen Substraten<br />
Die von Dymax zum Patent angemeldete<br />
neuartige Hybrid Light-<br />
Curable-Technologie vereint die<br />
besten Eigenschaften der chemischen<br />
anionischen und radikalischen<br />
Aushärtung in einer innovativen<br />
Formulierung. Die HLC-<br />
Klebstoffe sind die nächste Generation<br />
bestehender UVCAs und vereinen<br />
die außergewöhnlichen physikalischen<br />
Leistungsmerkmale der<br />
lichthärtenden Dymax-Klebstoffe<br />
Dymax<br />
www.dymax.de<br />
mit den feuchtigkeits-/kontakthärtenden<br />
Eigenschaften der extrem<br />
schnell anionisch vernetztenden<br />
Materialien. Der Kontakthärtungsanteil<br />
gewährleitstet nicht nur eine<br />
schnelle und vollständige Verklebung<br />
in Schattenzonen, sondern<br />
ermöglicht auch den Einsatz der<br />
Hybrid Light-Curable-Produkte bei<br />
opaken oder sogar lichtundurchlässigen<br />
Materialien.<br />
Schnelle Aushärtung bei<br />
geringer Lichtintensität<br />
Zu den Vorteilen der HLC-Materialien<br />
gehören neben der schnellen<br />
Aushärtung bei geringer Lichtintensität<br />
auch eine gute Feuchtigkeitsbeständigkeit<br />
(auch ohne Lichteinwirkung),<br />
geringe bis gar keine<br />
Ausblühungen bei vollständiger<br />
Aushärtung und flexiblere Klebeverbindungen<br />
im Vergleich zu den<br />
üblichen CAs. Dabei müssen die<br />
Substrate nicht zwangsweise lichtdurchlässig<br />
sein, jedoch erhöht die<br />
Aushärtung mit Licht die Tiefe der<br />
Verklebung und reduziert das Ausblühen<br />
in exponierten Bereichen.<br />
Arbeitsschritte reduzieren<br />
Dymax-Produkte mit HLC-Technologie<br />
stellen eine ganz neue Alternative<br />
zu den am Markt erhältlichen<br />
Klebstofftypen dar, einschließlich<br />
1- und 2-komponentiger Epoxide,<br />
Cyana crylate, Hotmelts, mechanischer<br />
Befestigungen, RTV-Silikone,<br />
PSAs und UV-Acrylate. HLC-Materialien<br />
benötigen keinen Primer und<br />
sind besonders für Hersteller geeignet,<br />
die ihre Fertigungsprozesse optimieren<br />
und die Verwendung mehrerer<br />
Klebstoffe sowie zusätzlicher<br />
Arbeitsschritte im Zusammenhang<br />
mit den herkömmlichen Klebemethoden<br />
vermeiden wollen.<br />
Hohe spaltfüllende<br />
Eigenschaften<br />
Zu den weiteren potenziellen Vorteilen<br />
von HLC-Materialien gehören<br />
eine geringere Wärmeentwicklung<br />
während der Aushärtung, hohe<br />
spaltfüllende Eigenschaften und eine<br />
geringere Spannungsrissbildung.<br />
Die Materialien weisen außerdem<br />
eine geringe bis keine Oberflächenklebrigkeit<br />
auf und sind sicher in der<br />
Anwendung. Daher führt der Einsatz<br />
dieser neuen HLC-Klebstoffe<br />
von Dymax zu erheblichen Produktivitätssteigerungen<br />
und Kostensenkungen<br />
im Montageprozess.<br />
Erfüllt verschiedene<br />
Biokompatibilitätsnormen<br />
Das erste Produkt der Serie,<br />
Dymax HLC-M-1000, ist speziell für<br />
die Montage medizinischer Geräte<br />
konzipiert. Der Klebstoff erfüllt verschiedene<br />
Biokompatibilitätsnormen<br />
und eignet sich gut für Klebeanwendungen<br />
an Kathetern, Schlauchsets,<br />
Diagnose- und Therapiegeräten,<br />
Autoinjektoren und Endoskopen.<br />
Seine integrierte Feuchtigkeits-/Kontakthärtungsfunktion<br />
ermöglicht<br />
die vollständige Aushärtung<br />
des Klebstoffs auch in lichtundurchlässigen<br />
Bereichen.<br />
Sekundenschnelle<br />
Aushärtung<br />
Dymax HLC-M-1000 härtet sekundenschnell<br />
mit UV-/Breitbandlicht<br />
aus, ist LED-optimiert (405 nm) und<br />
kann auch bei sehr geringer Intensität<br />
(~ 20 mW/cm 2 ) vernetzen. Die<br />
Aushärtung beginnt, sobald das<br />
HLC-Material in Kontakt mit der<br />
Substratoberfläche kommt, und<br />
wird durch Lichteinwirkung noch<br />
beschleunigt und verbessert.<br />
Klebfreie Oberfläche<br />
Zu den weiteren postiven Eigenschaften<br />
gehören eine klebfreie<br />
Oberfläche nach Lichthärtung,<br />
die extrem niedrige Viskosität<br />
von 3 mPas für sehr enge Spaltanwendungen<br />
und die Kompatibilität<br />
mit vielen Kunststoffen und<br />
Metallen.<br />
Für technische Fragen zur HLC-<br />
Technologie steht ein Expertenteam<br />
von Dymax-Anwendungstechnikern<br />
und Systemintegratoren<br />
zur Verfügung, um für den Anwender<br />
maßgeschneiderte Dosierlösungen<br />
zu entwickeln, bei Herausforderungen<br />
in der Materialhandhabung<br />
zu unterstützen und Kunden<br />
während des gesamten Herstellungsprozesses<br />
zu begleiten.<br />
Weitere Dymax HLC-Materialien<br />
für medizinische Geräte<br />
und auch für industrielle Anwendungen<br />
kommen im Laufe dieses<br />
Jahres auf den Markt.<br />
Fazit<br />
Durch den Einsatz von Dymax-<br />
Produkten können Hersteller ihre<br />
Produktionsraten erhöhen, die<br />
Arbeitskosten senken und von den<br />
weiteren Vorteilen wie hoher Leistung,<br />
verbesserter Qualität und<br />
reduziertem Ausschuss profitieren.<br />
Alle lichthärtenden Materialien von<br />
Dymax sind lösungsmittelfrei, einkomponentig,<br />
bestehen zu 100 %<br />
aus Feststoffen und sind RoHSkonform,<br />
was sie umweltfreundlich<br />
für Unternehmen macht, die grüne<br />
Initiativen zur Nachhaltigkeit erfüllen<br />
wollen. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
73
Lasertechnik<br />
Prozessgarant Thermomanagement<br />
Warum eine präzise Temperaturregelung in Laserverfahren maßgeblich über die Sicherheit<br />
und Ergebnisqualität entscheidet<br />
Das aktive Kühlsystem piko ist ideal für Anwendungen, die eine besonders<br />
hohe Temperaturstabilität benötigen. Als Einschubkühler lässt sich piko in<br />
unterschiedliche Systeme integrieren. Alle Bilder © technotrans SE<br />
Effektives Thermomanagement<br />
ist für temperaturintensive Laseranwendungen<br />
unerlässlich. Doch es<br />
ist weit mehr als ein notwendiges<br />
Übel, sondern trägt entscheidend<br />
zur Sicherheit, Ergebnisqualität und<br />
Reproduzierbarkeit bei. Angesichts<br />
innovativer (Weiter-)Entwicklungen<br />
im Laserbereich, wächst die Bedeutung<br />
einer präzisen Temperaturregelung.<br />
Anwender fordern von Kühlsystemen<br />
ein hohes Maß an Flexibilität<br />
in Form maßgeschneiderter<br />
Lösungen, maximale Präzision und<br />
hohe Zuverlässigkeit.<br />
Nachfrage<br />
nach Faserlasern steigt<br />
Die Laserindustrie hat in den<br />
vergangenen Jahren ein starkes<br />
Wachstum erlebt, angetrieben durch<br />
die steigende Nachfrage nach präziser<br />
Materialbearbeitung und fortschrittlicher<br />
Technologie in verschiedenen<br />
Branchen. Einer der<br />
vielleicht spannendsten Trends<br />
ist der zunehmende Einsatz von<br />
Festkörper lasern, insbesondere<br />
Faserlasern, in der Industrie. Diese<br />
haben sukzessive CO 2 -Laser aus<br />
unterschiedlichen Anwendungsgebieten<br />
verdrängt.<br />
Autorin:<br />
Sandra Kraft<br />
Marketing-Managerin<br />
technotrans SE<br />
www.technotrans.de<br />
CO 2 -Laser sind zwar aufgrund<br />
ihrer höheren Wellenlänge leistungsstärker<br />
und eignen sich häufig besser<br />
für die Bearbeitung von nichtmetallischen<br />
Materialien wie Holz,<br />
Acryl, Papier, Kunststoffen, Leder<br />
und Textilien. Allerdings benötigen<br />
sie im direkten Vergleich mehr Platz<br />
und verursachen höhere Anschaffungs-<br />
und Betriebskosten. Faserlaser<br />
sind hingegen kompakter und<br />
wirtschaftlicher. Zudem werden sie<br />
immer leistungsfähiger und können<br />
heute schnell und präzise selbst stärkere<br />
Metalle schneiden, schmelzen<br />
oder gravieren.<br />
Kühlung für Präzision<br />
Einer der gängigsten Anwendungsbereiche<br />
für Faserlaser ist<br />
die Blechbearbeitung im Automobilbereich.<br />
Dabei werden Bleche<br />
mit bis zu einem Millimeter Materialstärke<br />
geschnitten, geschweißt<br />
oder gelötet. Hier herrschen extrem<br />
niedrige Toleranzen, damit einerseits<br />
die Optik der Karosserie im fertigen<br />
Fahrzeug makellos ist und andererseits<br />
die Fügestelle die notwendige<br />
Stärke aufweist. Um solche feinen<br />
Bearbeitungen wie die Verschmelzungen<br />
von Metallen kontrolliert und<br />
prozesssicher umzusetzen, bedarf<br />
es einer sehr hohen Präzision. Hier<br />
kommt die Temperatur ins Spiel:<br />
Denn diese Präzision ist nur mittels<br />
einer optimalen Laser-Kühlung<br />
möglich. „Exakt kontrollierte Parameter<br />
wie unter anderem Laserleistung<br />
und Temperatur sind im<br />
Metal Processing maßgeblich, um<br />
die gewünschten Ergebnisse zu<br />
erzielen“, sagt Ingo Gdanitz, Business<br />
Development Manager bei der<br />
technotrans SE.<br />
Punktgenaue<br />
Temperaturkontrolle<br />
als Schlüsseltechnologie<br />
Der Thermomanagement-Spezialist<br />
verfügt über langjährige Expertise<br />
auf diesem Gebiet: technotrans-<br />
Lösungen kühlen den Laser und die<br />
Peripherie wie etwa den Laserkopf<br />
oder integrierte Motoren. Die Temperierung<br />
sorgt dabei für Sicherheit<br />
im Schmelz- und Abkühlprozess.<br />
Entscheidend dabei ist eine konstante<br />
Temperatur an der Laserquelle<br />
und den strahlemittierenden<br />
Komponenten, da der Laser sonst<br />
eine schwankende Energiemenge<br />
einbringen könnte – was wiederum<br />
zu einer unbeständigen Einbrenntiefe<br />
führt. „Es gibt im Grunde<br />
zwei Bereiche, mit denen wir den<br />
anspruchsvollen metallurgischen<br />
Prozess indirekt beeinflussen können:<br />
Zum einen unterstützen wir<br />
durch ein konstantes Temperaturniveau<br />
die Leistungsstabilität des<br />
Lasers. Zum anderen verhindern<br />
unsere Lösungen in der Geometrie<br />
Wärmeverzüge beziehungsweise<br />
Wärmedehnungen“, erklärt Gdanitz.<br />
Geringer Platzbedarf<br />
Mit Blick auf Kühlsysteme als<br />
Ganzes, ist Kompaktheit ein wichtiges<br />
Thema. Anwender fordern eine<br />
möglichst geringe Aufstell fläche<br />
in ihrer Produktion. technotrans<br />
setzt hierbei auf den Bau schlanker,<br />
säulenförmiger Kühllösungen.<br />
Denn eine gewisse Fläche ist für<br />
den Wärmeausgleich unabdingbar.<br />
Denn die Kühlsysteme sind mit<br />
Luft-Wasser-Wärmetauschern ausgestattet,<br />
die einen ausreichenden<br />
Luftdurchsatz benötigen. Trotz der<br />
kompakten Bauweise verfügen die<br />
Systeme durch ein intelligentes<br />
Maschinendesign über eine hohe<br />
Leistungsdichte und Energieeffizienz.<br />
Ihr modularer Aufbau ermöglicht<br />
zudem eine flexible Anpassung<br />
an die individuellen Anforderungen<br />
der jeweiligen Prozesse.<br />
Flüsterleise Leistungsträger<br />
Während die Merkmale Laufruhe<br />
und Geräuschemissionen von Kühlsystemen<br />
in der Metallbearbeitung<br />
durchaus eine wichtige Anforderung<br />
darstellen, sind sie in anderen<br />
Anwendungen absolut maßgeblich:<br />
beispielsweise in der Medizintechnik.<br />
Hier kommen Laser insbesondere<br />
bei minimalinvasiven Eingriffen<br />
zum Einsatz. „In der Medizintechnik<br />
sind die Laserleistungen zwar<br />
deutlich niedriger als in der Metallbearbeitung,<br />
allerdings sind unsere<br />
Kühllösungen in unmittelbarer Nähe<br />
von Menschen im Einsatz, die sich<br />
auf ihre Arbeit konzentrieren müssen“,<br />
erklärt Gdanitz. Hinzu kommt,<br />
dass sich die Kühler nicht selten im<br />
Reinraum befinden – zum Beispiel<br />
in aseptischen OP-Räumen oder<br />
Laboren. In diesen Umgebungen gilt<br />
es, Luftbewegungen, die üblicherweise<br />
durch die integrierten Lüfter<br />
eines Kühlers verursacht werden,<br />
möglichst zu vermeiden.<br />
Peltier-Technologie<br />
Um das zu erreichen, setzt technotrans<br />
Lösungen auf Basis der<br />
Peltier-Technologie ein. Die Kälte-<br />
Die pure.line ist die<br />
kostenoptimierte und kompakte<br />
Variante des modularen<br />
technotrans-Chillers, die über eine<br />
leicht bedienbare Mikroprozessor-<br />
Steuerkonsole bedarfsgerecht<br />
konfiguriert werden kann.<br />
74 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Lasertechnik<br />
erzeugung erfolgt dabei durch<br />
Peltier- Elemente mithilfe von Halbleitern<br />
in Plattenform. An diesen<br />
Elementen wird eine Spannung<br />
erzeugt, sodass die eine Plattenseite<br />
kalt und die Gegenseite warm<br />
bleibt. Aus diesem Grund enthalten<br />
die technotrans-Peltier-Geräte keine<br />
beweglichen Teile, es entstehen<br />
weder Vibrationen noch Schallemissionen.<br />
Die Halbleiterplatten reagieren<br />
zudem besonders schnell und<br />
passen die Kühlleistung bei Änderung<br />
der Spannung direkt an. Das<br />
ermöglicht eine schnelle und präzise<br />
Regelung der Vorlauftemperatur.<br />
Energieeffiziente Kühlung<br />
Egal ob in der Metallbearbeitung<br />
oder in der Medizintechnik: Die<br />
wenigsten Laserprozesse arbeiten<br />
mit einer durchgehend aktivierten<br />
Laserstrahlung. Stattdessen wird<br />
der Laser häufig in extrem schneller<br />
Taktung an- und ausgeschaltet,<br />
beispielsweise in der Perforation, bei<br />
der Laserstrahlen in kurzen Abständen<br />
mikroskopisch kleine Löcher<br />
erzeugen. Das ist eine Herausforderung<br />
für den Kühlprozess, da es<br />
durch die variierende Wärmelast,<br />
die in das System eingebracht wird,<br />
zu einer periodischen Schwankung<br />
der Kühlwassertemperatur kommen<br />
kann – einer sogenannten Pulsung.<br />
Wird diese nicht kontrolliert und es<br />
tritt beispielsweise eine zu schnelle<br />
Pulsung auf, entsteht ein ungleichmäßiges<br />
Temperaturprofil im Kühlwassersystem.<br />
Die Mini-Tower Version des<br />
pe004 Peltier-Kühlers mit einer<br />
Kühlleistung von 200 bis 400 Watt<br />
überzeugt mit ihrer kompakten<br />
Baugröße, einem besonders<br />
energieeffizienten Aufbau und<br />
hochwertigen Design.<br />
Dynamische<br />
Regelungstechnik<br />
Die möglichen Folgen sind eine<br />
unzureichende Prozessqualität,<br />
mangelhafte Reproduzierbarkeit<br />
und Schäden an den Bauteilen.<br />
technotrans begegnet dieser<br />
Herausforderung mit einer dynamischen<br />
Regelungstechnik und<br />
dem Einsatz drehzahlgeregelter<br />
Verdichter, die die benötigte Kälteleistung<br />
in hoher Geschwindigkeit<br />
regulieren. „Dadurch stellen<br />
wir mit unseren Kühllösungen nicht<br />
nur konstante Prozessbedingungen<br />
sicher, sondern arbeiten gleichzeitig<br />
äußerst energieeffizient. Wir<br />
rufen immer nur die Kälteleistung<br />
ab, die in dem Moment tatsächlich<br />
benötigt wird. Das ermöglicht, je<br />
nach Anwendung, Energieeinsparungen<br />
von bis zu 30 Prozent gegenüber<br />
herkömmlicher Technik“,<br />
sagt Gdanitz.<br />
Vernetzung hebt<br />
Steuerungs- und<br />
Optimierungspotenziale<br />
Mit Blick auf die Zukunft von<br />
Laseranwendungen ist eines bereits<br />
heute eindeutig: Die Komplexität der<br />
Technologie nimmt weiter zu und<br />
damit steigen auch die individuellen<br />
Anforderungen an das Thermomanagement.<br />
Gdanitz: „Die Nachfrage<br />
nach maßgeschneiderten kundenindividuellen<br />
Lösungen überwiegt<br />
gegenüber Standard-Varianten<br />
bereits heute – Tendenz steigend.“<br />
Ein anhaltender Trend sei beispielsweise<br />
die Systemintegration. Anwender<br />
wünschen sich häufig nicht nur<br />
eine physikalische Anpassung des<br />
Kühlsystems durch die Konfiguration<br />
von Kühlkreisen und Zusatzfunktionen.<br />
Vielmehr geht es um<br />
die Kommunikation und den Datenaustausch<br />
mehrerer Geräte im Prozess.<br />
Das erreicht technotrans durch<br />
eine datentechnische Vernetzung<br />
seiner Geräte mit dem Gesamtsystem.<br />
Durch die Ausstattung der<br />
Kühlsysteme mit modernen Steuerungseinheiten<br />
sind diese in der<br />
Lage, sämtliche Prozessdaten der<br />
Kühlung, beispielsweise die Vorund<br />
Rücklauftemperatur oder Volumenströme,<br />
jederzeit am Gerät oder<br />
remote zu visualisieren und anzupassen.<br />
Dieser wird dadurch transparent<br />
und kontrollierbar. Das ist insbesondere<br />
hilfreich für die Bereiche<br />
Fehleranalyse, Optimierung und<br />
Dokumentation.<br />
Der ECOtec.chiller xtend ist die hochflexible Option des modularen<br />
Kühlsystems und bietet thermisches Management mit höchster<br />
Energieeffizienz und Anpassungsfähigkeit.<br />
High-Tech-Laser<br />
Darüber hinaus werden Zukunftstechnologien<br />
schon bald eine größere<br />
Rolle einnehmen, etwa spezielle<br />
High-Tech-Laser in der Halbleiterproduktion.<br />
Auf diesem Gebiet<br />
unterstützt technotrans innovative<br />
Anwendungen, die es mittels lithografischer<br />
Verfahren ermöglichen,<br />
die Produktionsgeschwindigkeit<br />
von Chips beziehungsweise dem<br />
bearbeiteten Halbleiterausgangsmaterial<br />
(Wafer) zu steigern. Speziell<br />
auf die Anwendung entwickelte<br />
und präzise abgestimmte Temperierlösungen<br />
sind auch in diesen Verfahren<br />
eine Grundvoraussetzung.<br />
Wer schreibt:<br />
Die technotrans SE ist ein global<br />
agierender Technologie- und<br />
Dienstleistungskonzern. Die Kernkompetenz<br />
des Unternehmens sind<br />
anwendungsspezifische Lösungen<br />
aus dem Bereich des Thermomanagements.<br />
Als integraler Bestandteil<br />
der Kundensysteme dienen diese<br />
der energetischen Optimierung und<br />
Steuerung des Temperaturhaushalts<br />
anspruchsvoller technologischer<br />
Anwendungen. ◄<br />
Die energieeffizienten p1000-Flüssigkeitskühlmodule sind optimal für<br />
den Einsatz in der Laser- und Halbleiterindustrie sowie der Medizin-, Laborund<br />
Analysetechnik geeignet. Diese Baureihen gehören zu den kleinsten<br />
Kompressor-Kühlsystemen auf dem Markt.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
75
Kommunikation<br />
Fünf wichtige Aspekte bei vernetzten<br />
Medizingeräten<br />
Autor:<br />
Brad Jolly<br />
Senior Applications Engineer<br />
Keysight Technologies<br />
www.keysight.com/<br />
Internetfähige medizinische<br />
Geräte und Apparate sind heute<br />
ein zentraler Bestandteil der Diagnose,<br />
Behandlung und Überwachung<br />
von Patienten. Diese Technologien<br />
haben zwar den Pflegestandard<br />
erheblich verbessert,<br />
bringen aber auch eine Reihe von<br />
Herausforderungen für das medizinische<br />
Personal, die Verwaltung<br />
und die Patienten mit sich. Mit dem<br />
richtigen Vorgehen können diese<br />
jedoch Probleme in der Entwicklungs-<br />
und Designphase gemildert –<br />
oder in einigen Fällen sogar beseitigt<br />
– werden.<br />
Um die kontinuierliche Beschleunigung<br />
des vernetzten Gesundheitswesens<br />
zu unterstützen, müssen<br />
Hersteller einige Aspekte berücksichtigen.<br />
Im Folgenden sind fünf<br />
wichtige Überlegungen zusammengefasst.<br />
1. Sicherheitsschwachstellen<br />
angehen<br />
Laut einer Studie [1] weisen 53 %<br />
der vernetzten Medizingeräte kritische<br />
Schwachstellen auf, die<br />
sowohl den Datenschutz als auch<br />
die Patientensicherheit gefährden.<br />
Einrichtungen des Gesundheitswesens<br />
sind sich bewusst, dass sie<br />
im Fadenkreuz von Hackern stehen,<br />
übersehen aber oft Schwachstellen<br />
in der vorgelagerten Lieferkette,<br />
wenn es darum geht, die<br />
Gerätesicherheit zu erhöhen. Diese<br />
Schwachstellen sind in der Regel<br />
tief in den Protokollstapeln von<br />
Embed ded-Systemen von Drittanbietern<br />
versteckt. Daher bleiben<br />
sie bei Sicherheitsscans oft<br />
unentdeckt und finden ihren Weg<br />
in die Produktionsgeräte. So können<br />
Hacker die integrierten Sicherheitskontrollen<br />
umgehen und ein<br />
Gerät zum Absturz bringen, blockieren<br />
oder einfrieren.<br />
Protokoll-Fuzzing<br />
Um diese Bedrohungen zu<br />
bekämpfen, müssen die Gerätehersteller<br />
einen umfassenden Testmechanismus<br />
namens Protokoll-<br />
Fuzzing implementieren. Bei diesem<br />
Verfahren werden verschiedene<br />
Fehler in einen Kommunikationsaustausch<br />
injiziert, um die Einheit<br />
am anderen Ende einer Verbindung<br />
zu verwirren und es den<br />
Teams zu ermöglichen, Schwachstellen<br />
auf Protokollebene zu identifizieren.<br />
Es ist auch eine bewährte<br />
Praxis, Stresstests für Protokolle in<br />
die allgemeine Cybersecurity-Validierungsstrategie<br />
zu integrieren, um<br />
Gerätehacks dauerhaft zu verhindern<br />
und sicherzustellen, dass die<br />
Privatsphäre und die Sicherheit der<br />
Patienten bei der Einführung von<br />
Innovationen im Bereich der vernetzten<br />
Medizin geschützt werden.<br />
2. Positive Nutzererfahrung<br />
sicherstellen<br />
Die Nutzererfahrung ist ein weiterer<br />
wichtiger Aspekt bei der Förderung<br />
der kontinuierlichen Innovation<br />
im Bereich der vernetzten<br />
Medizin. Das kann aus der Sicht des<br />
Testens eine Herausforderung sein,<br />
da es in der Regel viele verschiedene<br />
Anwender für ein bestimmtes<br />
Gerät oder eine Anwendung gibt.<br />
Zahlreiche Tester einzustellen, um<br />
die Leistung manuell zu testen und<br />
zu validieren, ist ein kostspieliges<br />
und zeitaufwendiges Unterfangen,<br />
bei dem die verschiedenen demo-<br />
76 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>
Kommunikation<br />
5. Messfehler reduzieren,<br />
um bessere Entscheidungen<br />
zu treffen<br />
Schließlich ist es wichtig, dass<br />
die Hersteller die Drift in den Griff<br />
bekommen, um sicherzustellen,<br />
dass sie kontinuierlich konsistente,<br />
genaue und reproduzierbare Messungen<br />
durchführen können. Eine<br />
regelmäßige und ordnungsgemäße<br />
Überprüfung ist unerlässlich, um<br />
sicherzustellen, dass die Messgeräte<br />
genau sind, dass sie innerhalb<br />
der Spezifikationen arbeiten und<br />
dass die Rückverfolgbarkeit durch<br />
eine Zertifizierung gewährleistet ist.<br />
Weiterhin ermöglicht eine regelmäßige<br />
Kalibrierung den Teams, den<br />
Arbeitsaufwand zu reduzieren,<br />
Verzögerungen zu vermeiden und<br />
sicherzustellen, dass Innovationen<br />
im Bereich des vernetzten Gesundheitswesens<br />
einen maximalen Nutzen<br />
für die Patienten bringen.<br />
grafischen Gruppen von Anwendern,<br />
die täglich mit der Technologie<br />
interagieren, nicht berücksichtigt<br />
werden. Oft handelt es sich bei diesen<br />
Anwendern nicht um geschultes<br />
medizinisches Personal, sondern<br />
um die Patienten selbst, was<br />
bedeutet, dass die Anwenderprofile<br />
eine Reihe von Altersgruppen,<br />
Hintergründen und technischen<br />
Kenntnissen umfassen. Außerdem<br />
erwarten die Anwender oft, dass<br />
die Anwendungen im Gesundheitswesen<br />
auf einer Vielzahl von physischen<br />
Plattformen und Betriebssystemen<br />
korrekt funktionieren. Denken<br />
Sie nur an die vielen verschiedenen<br />
Desktop- und Laptop-Computer,<br />
Tablets, Telefone und sogar<br />
Smartwatches sowie an die unterschiedlichen<br />
Betriebssysteme, die<br />
sie unterstützen.<br />
KI-gesteuerte<br />
Testautomatisierung<br />
Aus diesen Gründen ist es besser,<br />
KI-gesteuerte Testautomatisierung<br />
zur Bewertung der Nutzererfahrung<br />
zu verwenden. Softwarebasierte<br />
Lösungen können mehr<br />
Pfade durch komplexe Anwendungen<br />
finden und alle möglichen<br />
User Journeys testen. Ebenso können<br />
sie wesentlich schneller Ergebnisse<br />
liefern als herkömmliche Tests<br />
und automatisch mehr Aufmerksamkeit<br />
auf Testbereiche lenken,<br />
in denen Fehler vorherrschen. So<br />
wird sichergestellt, dass Hersteller<br />
allen Anwendern termingerecht ein<br />
effektives, sicheres und effizientes<br />
Gerät zur Verfügung stellen.<br />
3. Die richtige Batterie<br />
auswählen<br />
Auch wenn die technischen Daten<br />
etwas anderes besagen, sind nicht<br />
alle Batterien gleich, und die Wahl<br />
der falschen Batterie kann die<br />
Lebensdauer und die Leistungsfähigkeit<br />
eines Geräts beeinträchtigen.<br />
Um sicherzugehen, dass Sie<br />
die richtige Batterie verwenden,<br />
kann der Anwender mit einer Emulationssoftware<br />
ein Profil von echten<br />
Batterien erstellen. Diese Profile<br />
können dann importiert und in<br />
Tests verwendet werden, ohne dass<br />
die physischen Modelle zum Einsatz<br />
kommen müssen. Während<br />
die Ladung der Batterie verbraucht<br />
wird, können Teams deren Zustand<br />
messen und aufzeichnen, um das<br />
Verhalten der Batterie besser zu<br />
verstehen. Mit diesen Erkenntnissen<br />
können sie bestimmen, welche<br />
Batterie für das jeweilige Gerät am<br />
besten geeignet ist.<br />
4. Signalintegrität<br />
auch bei zunehmender<br />
Datenverarbeitung<br />
sicherstellen<br />
Die zunehmende Datenverarbeitung<br />
in vernetzten Geräten kann<br />
zu Problemen mit der Signalintegrität<br />
führen, die sich mit der Einführung<br />
neuer medizinischer Innovationen<br />
noch verschärfen. Übersprechen<br />
von benachbarten Leiterbahnen,<br />
Platinen, die mit niedrigeren<br />
Spannungen betrieben werden,<br />
und mehr On-Board-Verarbeitung<br />
sind nur einige Faktoren, die<br />
die Qualität der elektrischen Signale<br />
beeinträchtigen. Da die Wirksamkeit<br />
von intelligenten Medizingeräten<br />
in hohem Maße von der Signalintegrität<br />
abhängt, ist es wichtig,<br />
dass die Hersteller alle Probleme<br />
beseitigen.<br />
Ein guter erster Schritt ist die<br />
Verwendung von Software-Emulationstools,<br />
um Probleme zu erkennen<br />
und zu beseitigen, bevor die<br />
Leiterplatte hergestellt wird. Ein<br />
weiteres bewährtes Verfahren ist<br />
die Dokumentation der gewonnenen<br />
Erkenntnisse im Qualitätsmanagementsystem,<br />
um Risiken zu<br />
verringern und zukünftige Designs<br />
schneller auf den Markt zu bringen.<br />
Verbindungen zu den<br />
Bedürfnissen von morgen<br />
Es ist zu erwarten, dass vernetzte<br />
medizinische Geräte in den<br />
kommenden Jahren immer komplexer<br />
werden und damit auch ihr Weg<br />
auf den Markt. Deshalb müssen die<br />
Hersteller unbedingt erkennen, dass<br />
Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit,<br />
Batterielaufzeit und andere Aspekte<br />
der vernetzten Medizin bereits in<br />
der Designphase berücksichtigt<br />
werden müssen. Unternehmen,<br />
die ihre Arbeitsabläufe bei Bedarf<br />
umgestalten, werden am besten in<br />
der Lage sein, sichere, wirksame<br />
und intuitive Technologien zu entwickeln,<br />
die sich auf dem Markt<br />
behaupten können.<br />
Quellen<br />
[1] https://healthitsecurity.<br />
com/news/53-of-connected-medical-devices-contain-critical-vulnerabilities<br />
Wer schreibt:<br />
Brad Jolly erhielt seinen Bachelor<br />
in Mathematik von der University<br />
of Michigan. Er ist seit mehr als<br />
26 Jahren bei Keysight Technologies<br />
(zuvor Hewlett-Packard und<br />
Agilent Technologies) tätig, wo er<br />
unter anderem in den Bereichen<br />
Software R&D, UI-Design, Lehrmittel,<br />
Anwendungstechnik, Produktsupport,<br />
Schulung, Produktmarketing<br />
und Produktmanagement<br />
tätig war. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />
77
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Angebotslegung für die Produktion<br />
von Prototypen. Die Software analysiert<br />
automatisch die<br />
dimension: 45 x 65 mm<br />
Spezifikationen<br />
und extrahiert 4C mithilfe eines<br />
Algorithmus die wichtigsten technischen<br />
Parameter.<br />
Dadurch wird eine sofortige<br />
Abgleichung mit den technischen<br />
Möglichkeiten der Produktion ermöglicht.<br />
Ebenso erfolgt eine sofortige<br />
Prüfung der Materialverfügbarkeit<br />
am Markt und eine automatisierte<br />
Preiskalkulation der Prototypen.<br />
Technische Rückfragen oder<br />
alternative Vorschläge für Bauteile<br />
bei unzureichender Materialverfügbarkeit<br />
werden dem Kunden<br />
noch vor Abschluss des Bestellvorgangs<br />
auf der Plattform angezeigt.<br />
Dadurch wird sichergestellt,<br />
dass Kundenaufträge zeitnah nach<br />
der Bestellung in die Produktion eingeleitet<br />
werden und das Material<br />
automatisiert bestellt wird. Insbesondere<br />
bleibt der Preis nach der<br />
Bestellung unverändert, wodurch<br />
sich pcbwhiz von bestehenden<br />
Lösungen abhebt (Instant Quote).<br />
Aktuell bietet pcbwhiz die Möglichkeit,<br />
den Produktionsstandort<br />
in Europa oder Asien auszuwählen<br />
(bald auch in Südamerika und Südost-Asien).<br />
Besonderer Wert wird auf<br />
Daten sicherheit und Datenschutz<br />
gelegt, daher werden sämt liche<br />
Kundendaten dieser Software in<br />
Frankfurt (Deutschland) gespeichert.<br />
Zudem ist die Software ISO270001<br />
(Information security management<br />
system) und DSGVO-konform.<br />
„Diese Flexibilität und angewendete<br />
Technologie/Systematik in der<br />
Abwicklung wird die Prototypenfertigung<br />
revolutionieren. Das Tool<br />
ermöglicht es dem Kunden, vor der<br />
Bestellung die DFM- Prüfung der<br />
PCB und die Analyse der BOM<br />
hinsichtlich Materialverfügbarkeit<br />
und Lebenszyklusstatus rund<br />
um die Uhr online durchzuführen“,<br />
erklärt Markus Quendler, Director<br />
von pcbwhiz Limited.<br />
Die Integration von pcbwhiz<br />
als neue Tochtergesellschaft von<br />
cms electronics verspricht eine<br />
auf regende Zukunft für die Elektronikfertigungsindustrie.<br />
Kunden<br />
profitieren von den kombinierten<br />
Stärken beider Unternehmen und<br />
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Schritt unterstreicht die Innovationskraft<br />
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NVIDIA Jetson Orin NX Prozessoren – bis zu 100 TOPS AI<br />
Performance<br />
NVIDIA Ampere GPU-Architektur, mit 1024 Rechenkernen<br />
und 32 Tensor-Cores<br />
Zahlreiche Schnittstellen, z. B.: bis zu 6 GigE LAN mit<br />
4 PoE+, 3 USB 3.1, 2 COM RS-232/422/485, 4 M.2-<br />
Steckplätze, 4x GMSL-Schnittstellen für Video- und<br />
Multimediaanwendungen + CAN-Bus (EAC-6100)<br />
Irrtum und Änderungen vorbehalten. Erwähnte Firmen- und Produktnamen<br />
sind evtl. eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Hersteller.<br />
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