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4-2023

Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement

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FACHZEITSCHRIFT<br />

FÜR MEDIZIN-TECHNIK<br />

November SEPTEMBER/OKTOBER November-Dezember 4/<strong>2023</strong> JG. 16 1/2008<br />

meditronicjournal<br />

Wie entwickelt man<br />

das perfekte<br />

HMI-PCAP-Touchpanel?<br />

Schurter GmbH, S.6


Editorial<br />

„Dies ist kein Medizinprodukt“<br />

Diesen Satz lese ich immer wieder in Bedienungsanleitungen. Leute, das<br />

hilft Euch nicht. Wenn das Produkt dem Sinn nach ein Medizinprodukt ist<br />

– und da ist die „MDR Medical Device Regulation 2017/745 (EU)“ ziemlich<br />

eindeutig – dann ist es eben ein Medizinprodukt. Das sollte sich so langsam<br />

herumgesprochen haben.<br />

Tom Weber<br />

Geschäftsführer<br />

robologs Planungsgesellschaft mbH<br />

www.robolgos.com<br />

Wenn also etwas kein Medizinprodukt sein soll – weil man z. B. den<br />

Aufwand oder auch das Zeitbudget für die Zertifizierung scheut – dann muss<br />

man das Thema anders angehen. Denn ob eine Anwendung – nennen wir<br />

sie der Einfachheit halber einfach eine App – ein Medizinprodukt sein kann,<br />

hängt im Wesentlichen davon ab, ob sie „nur“ Daten sammelt und anzeigt.<br />

Damit sind wir aus dem Schneider.<br />

Wenn die App aber individuelle (personenbezogene) Daten auswertet um<br />

daraus Rückschlüsse und Empfehlungen abzuleiten, dann sind wir ganz<br />

nahe am Medizinprodukt dran. Die Norm sagt dazu, die Software „erfüllt<br />

allein oder in Kombination spezifische medizinische Zwecke“. Warum aber<br />

sind die miniaturisierten Smartphones, die wir am Handgelenk tragen, nicht<br />

als Medizingerät zertifiziert?<br />

Wir alle kennen den CE-Konformitätsprozess, bei dem der Hersteller<br />

selbst bescheinigt, dass sein Produkt mit den normativen Anforderungen<br />

übereinstimmt. So könnte also z. B. ein Hersteller seine EKG-App als Klasse-I-<br />

Medizinprodukt selbst klassifizieren – und zwar ohne die Messfunktion. Denn<br />

ein Medizinprodukt mit Messfunktion zieht zwingend die Zusammenarbeit<br />

mit einer Benannten Stelle (z. B. dem TÜV) nach sich.<br />

Der zweite Punkt: Die App darf nicht „untrennbar“ mit der fest installierten<br />

Betriebssoftware verbunden sein. Denn dann wäre es ja die Software eines<br />

Medizingeräts – und das gesamte Produkt müsste zertifiziert werden.<br />

Wenn sich also, um im Beispiel zu bleiben, die EKG-App, die als Klasse-I-<br />

Medizinprodukt (selbst-)zertifiziert ist, anstandslos löschen lässt – und<br />

zudem die Messdaten dafür aus einem System kommen, das selbst nicht<br />

zertifizierungspflichtig ist (siehe oben: das Sammeln von Daten) – dann kommt<br />

genau das heraus, was wir am Handgelenk tragen. Das mag dem einen<br />

oder anderen etwas gekünstelt vorkommen, ist aber nach MDR zulässig –<br />

eben solange Software und Gerät voneinander getrennt werden können.<br />

Was ich damit eigentlich sagen wollte: Von der Hardware war bis hierher<br />

nicht wirklich die Rede – oder? Je nachdem, wie die Software gestrickt ist,<br />

wird aus einem Gerät, das ein Embedded-System enthält, ein Medizinprodukt.<br />

Oder auch nicht. Dass mir also bitte keiner mehr mit der Frage um die<br />

Ecke kommt: Ist euer Single-Board-Computer auch MDR-zertifiziert? Die<br />

Anwendung entscheidet. Wie bei einem Messer. Das kann im Gourmet-<br />

Tempel liegen – oder als Beweismittel auf einem Richtertisch.<br />

Apropos: Die Konformität, welche der Hersteller selbst erklärt, kann<br />

grundsätzlich einer behördlichen Überprüfung unterzogen werden. Daher<br />

mein Tipp: Immer Aktennotizen anlegen und damit die Überlegungen<br />

dokumentieren.<br />

Tom Weber<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

3


Inhalt<br />

3 Editorial<br />

4 Inhalt/Impressum<br />

6 Titelstory<br />

9 Aktuelles<br />

10 Aus Forschung und Technik<br />

16 Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />

26 Künstliche Intelligenz<br />

28 EMV<br />

30 Virtueller Zwilling<br />

32 Supply Chain<br />

34 Cybersecurity<br />

36 Messtechnik<br />

41 Qualitätssicherung<br />

42 Bedienen und Visualisieren<br />

51 Software<br />

52 Komponenten<br />

64 Stromversorgung<br />

68 Verpacken/Kennzeichnen/Identifizieren<br />

69 Sensoren<br />

70 Produktion<br />

74 Lasertechnik<br />

76 Kommunikation<br />

78 Dienstleistung<br />

Fachzeitschrift für<br />

Medizin-Technik<br />

meditronicjournal<br />

November SEPTEBER/OKTOBER November-Dezember 4/<strong>2023</strong> JG. 14 1/2008<br />

FACHZEITSCHRIFT<br />

FÜR MEDIZIN-TECHNIK<br />

Wie entwickelt man<br />

das perfekte<br />

HMI-PCAP-Touchpanel?<br />

Schurter GmbH, S.6<br />

meditronicjournal<br />

Titelstory:<br />

Stromversorgung<br />

für mobile Geräte in der Medizin<br />

Warum der Wechsel auf leichte<br />

Hochleistungs-Akkus oft schwerfällt. 64<br />

Wie entwickelt man das<br />

perfekte HMI-PCAP-Touchpanel?<br />

Design Aspekte für die spezielle<br />

Anwendungslösung. 6<br />

■ Herausgeber und Verlag:<br />

beam-Verlag<br />

Krummbogen 14, 35039 Marburg<br />

www.beam-verlag.de<br />

Tel.: 06421/9614-0<br />

Fax: 06421/9614-23<br />

■ Redaktion:<br />

Dipl.-Ing. Christiane Erdmann<br />

redaktion@beam-verlag.de<br />

■ Anzeigen:<br />

Myrjam Weide, Tel.: 06421/9614-16<br />

m.weide@beam-verlag.de<br />

Sabine Tzschentke, Tel.: 06421/9614-11<br />

sabine.tzschentke@beam-verlag.de<br />

Tanja Meß, Tel.: 06421/9614-18<br />

tanja.mess@beam-verlag.de<br />

■ Erscheinungsweise:<br />

5 Hefte jährlich<br />

■ Satz und Reproduktionen:<br />

beam-Verlag<br />

■ Druck & Auslieferung:<br />

Bonifatius GmbH, Paderborn<br />

www.bonifatius.de<br />

Der beam-Verlag übernimmt trotz sorgsamer<br />

Prüfung der Texte durch die Redaktion<br />

keine Haftung für deren inhaltliche<br />

Richtigkeit. Alle Angaben im Einkaufsführer<br />

beruhen auf Kundenangaben!<br />

Handels- und Gebrauchsnamen, sowie<br />

Waren bezeichnungen und dergleichen<br />

werden in der Zeitschrift ohne Kennzeichnungen<br />

verwendet. Dies berechtigt nicht zu<br />

der Annahme, dass diese Namen im Sinne<br />

der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung<br />

als frei zu betrachten sind und<br />

von jedermann ohne Kennzeichnung verwendet<br />

werden dürfen.<br />

Einsatz von PCAP<br />

unter schwierigen<br />

EMV-Bedingungen<br />

Der Einsatz von Touch-Controllern<br />

im HF-Umfeld war aufgrund von<br />

Störstrahlung bisher nicht möglich.<br />

Neue unempfindlichere Touch-Controller<br />

schaffen hier Abhilfe. 42<br />

So gelingt<br />

Komponentenschutz<br />

Das richtige Verfahren,<br />

der richtige Steckverbinder. 58<br />

4 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Maßgeschneiderte Technologie<br />

für die Medizintechnik<br />

Industriekunden aus dem Bereich Medizintechnik bekommen<br />

heute für ihren innovativen Bedarf an Geräten, eine Vielzahl an<br />

Komponenten und Komplettlösungen die den Anforderungen<br />

der Medizintechnik entsprechen. 48<br />

Großes Potenzial für die Medizin<br />

In vielen Branchen ist der Einsatz eines virtuellen Zwillings<br />

fester Bestandteil des Arbeitsalltags. 30<br />

Medizinische Geräte<br />

und elektromagnetische Verträglichkeit<br />

Bei medizinischen Geräten spielt die elektromagnetische<br />

Verträglichkeit (EMV/EMC) eine besonders wichtige Rolle, da hier<br />

Leben und Gesundheit von Menschen betroffen sind. 28<br />

Embedded ARM-Module<br />

für die Medizingeräteentwicklung<br />

Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? 16<br />

Wie integrierte optische Empfänger<br />

Point-of-Care-Instrumente<br />

zukunftssicher machen<br />

In-vitro-Diagnosesysteme (IVD) beruhen auf optischen<br />

Empfängertechniken, um hochempfindliche und<br />

spezifische Ergebnisse zu erzielen. 52<br />

Fünf wichtige Aspekte bei<br />

vernetzten Medizingeräten<br />

Internetfähige medizinische Geräte und Apparate sind heute<br />

ein zentraler Bestandteil der Diagnose, Behandlung und<br />

Überwachung von Patienten. 76<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

5


Titelstory<br />

Wie entwickelt man<br />

das perfekte HMI-PCAP-Touchpanel?<br />

Design Aspekte für die spezielle Anwendungslösung<br />

Design von HMI-PCAP-Touchpanels<br />

PCAP-Controller<br />

Autor<br />

Roland Maurer<br />

Product Manager Input Systems<br />

SCHURTER GmbH<br />

info.de@schurter.com<br />

www.schurter.com<br />

HMI-Eingabesysteme für Maschinen, A nlagen<br />

und Geräte sind technisch komplex und ausgereift.<br />

Die Anforderungen an die Applikation<br />

und Technologien entwickeln sich jedoch<br />

ständig weiter. Für das PCAP-Touchpanel-<br />

Design stehen verschiedene Komponenten<br />

zum Aufbau und zur Integration zur Verfügung.<br />

Dabei spielt die Wahl des Frontglases,<br />

des PCAP- Sensors, des Displays, der Optical<br />

Bonding Technologie, der mechanischen Integration<br />

sowie Aspekte für die spezielle Anwendungslösung<br />

eine wichtige Rolle. Mit der richtigen<br />

Auswahl dieser Komponenten lässt sich<br />

ein optimal auf die Applikation abgestimmtes<br />

Eingabesystem entwickeln.<br />

Für das Design eines HMI-PCAP-Touchpanels<br />

spielen zahlreiche Aspekte für die<br />

spezielle Anwendungslösung eine Rolle. Zur<br />

optimalen Integration der Komponenten wie<br />

Touchscreens, Displays und Controller ist ein<br />

qualifiziertes Technologie-Portfolio entscheidend.<br />

Aber auch die einzelnen Prozessschritte<br />

zur Herstellung der Komplettlösungen wie Glasbedruckung,<br />

Lamination, Optical Bonding und<br />

Elektronik müssen darauf abgestimmt sein.<br />

Auswahl des Frontglases<br />

Bereits bei der Auswahl der Coverlens und<br />

deren Oberflächenbeschaffenheit gibt es verschiedene<br />

Optionen. Ist die Front aus Glas steht<br />

eine ganze Palette an Möglichkeiten bereit: klar<br />

(clear), entspiegelt (anti-glare), chemisch- oder<br />

thermisch-gehärtet, mit gloss-Werten in verschiedenen<br />

Abstufungen sowie mit zusätzlichen<br />

Beschichtungen wie AR (Anti-Reflexion),<br />

AS (Anti-Schmutz), AF (Anti-Fingerprint) oder<br />

Anti-Bakteriell.<br />

Die Auswahl der Oberflächenbeschaffenheit<br />

bei chemischer Entspiegelung (gloss-Wert) des<br />

Frontglases erfolgt in Kombination mit dem Display.<br />

Gerade bei hochauflösenden Displays<br />

besteht das Risiko des Sparkling-Effektes, wenn<br />

die chemische Struktur der Glasoberfläche nicht<br />

abgestimmt ist. Thermisch oder chemisch gehärtete<br />

Gläser sind um ein Vielfaches härter als<br />

Floatglas und besonders stabil gegen stumpfe<br />

Kraft einwirkung. Thermisch gehärtete Gläser<br />

sind jedoch nur ab einer bestimmten Glasdicke<br />

verfügbar. Verbundglas garantiert eine erhöhte<br />

Bruchsicherheit, da im Falle eines Bruchs die<br />

Glassplitter an der Klebe folie haften.<br />

6 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Titelstory<br />

Glasbedruckung<br />

Kratzfestigkeit und chemische<br />

Resistenz<br />

Bei allen Coatings spielt die Spezifikation der<br />

Kratzfestigkeit der Oberfläche und die Resistenz<br />

gegen chemisch aggressive Stoffe wie z. B.<br />

Desinfektionsmittel eine bedeutende Rolle. Ein<br />

hoher IK-Wert (Schlagfestigkeit) kann durch Verbundglas<br />

oder gehärtetes dickes Glas und eine<br />

geeignete Integration erreicht werden.<br />

In der Lebensmittelproduktion und bei tragbaren<br />

Geräten wird häufig eine Coverlens aus<br />

Kunststoff, PC (Polycarbonat) oder PMMA (Polymethylmethacrylat),<br />

eingesetzt. Zur Erfüllung<br />

absoluter Bruchfestigkeit kommt POLYM, ein<br />

unzerbrechliches Komposit aus PC und PMMA<br />

zum Einsatz. Ein Vorteil der Kunststoff-Front<br />

ist das reduzierte Gewicht und die garantierte<br />

Splitter freiheit. Zu beachten ist jedoch der Ausgasungseffekt<br />

dieser hydroaktiven Materialien<br />

und die reduzierte Kratzfestigkeit der Ober fläche.<br />

Das POLYM Material lässt sich nur durch feste<br />

Kombination mit dem Display mittels Optical<br />

Bonding einsetzen.<br />

Glasbedruckung<br />

Bei der Glasbedruckung gibt es unterschiedliche<br />

Verfahren: UV-Druck, Keramischer Druck,<br />

Lösemittel-basiert und Digitaldruck, die eingesetzt<br />

werden können. Jedes Verfahren hat gewisse<br />

Vor- und Nachteile, die den Anforderungen an<br />

die Applikation gerecht werden müssen.<br />

• UV-Druck:<br />

Die UV-Bedruckung ermöglicht eine hohe Druckqualität<br />

und Detailtreue gerade bei dünnen und<br />

schmalen Konturen. Es ist eine hohe Lichtdichtigkeit<br />

und Haftfestigkeit zu erzielen. Auch<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

eine zuverlässige Reproduzierbarkeit der Farbe<br />

und die UV-Beständigkeit sind Vorteile. Durch<br />

eine spezielle Vorbehandlung der Glasoberfläche<br />

lässt sich eine extrem starke Farbhaftigkeit<br />

realisieren. Auf den Druck können somit<br />

durch Verklebung mechanische Verbindungen<br />

aufgebracht werden.<br />

Ein Nachteil im Vergleich zur keramischen<br />

Be druckung ist die Kratzfestigkeit. Durch die<br />

rückseitige Bedruckung und entsprechende Integration<br />

ist der Druck jedoch davor geschützt.<br />

• Keramischer Druck:<br />

Der wesentliche Vorteil der keramischen Bedruckung<br />

ist die absolute chemische Beständigkeit<br />

und die mechanische Stabilität. Der Nachteil ist<br />

eine reduzierte Farbauswahl, mögliche Farbveränderungen<br />

während des Einbrennvorgang<br />

und somit eine Streuung der Farbechtheit. Bei<br />

Mehrfarbenbedruckung besteht das Risiko von<br />

Unebenheiten.<br />

• Lösemittelbasierter Druck:<br />

Mit dieser Methode lässt sich eine hohe Druckqualität<br />

und Detailtreue sowie zuverlässige Reproduzierbarkeit<br />

der Farbe erreichen. Jedoch werden<br />

nur eine reduzierte Haftung sowie eine eingeschränkte<br />

UV-Beständigkeit und chemische<br />

Beständigkeit erreicht.<br />

• Digitaldruck:<br />

Digitaldruck ermöglicht eine hochauflösende<br />

fotorealistische Bedruckung. Das Verfahren ist<br />

ideal für eine schnelle Bemusterung. Nachteil<br />

des Digitaldrucks ist die höhere Schichtdicke und<br />

eine reduzierte Beständigkeit. Zur Erhöhung der<br />

Lichtdichtheit werden digitalbedruckte Gläser<br />

zusätzlich im Siebdruck bearbeitet.<br />

PCAP-Sensoren<br />

Bezüglich der PCAP-Sensoren gibt es AFF<br />

(adhesive-film-film) basierende und DITO-Glas<br />

(Doppel-ITO-Beschichtung) basierende Ausführungen.<br />

Bei beiden Varianten gibt es eine reine<br />

Anschlussfahne, die zu einem separaten Controllerboard<br />

führt oder eine COF (Chip on Flex)<br />

Ausführung mit dem bestückten Controller-Chip<br />

auf der Anschlussfahne. Der Vorteil der folienbasierenden<br />

Sensoren ist die einfache Lamination<br />

mittels hochtransparenten Klebefilmen im<br />

Vergleich zu der glasbasierenden Variante, die<br />

mit der starren Coverlens gebondet wird. Mit den<br />

Filmsensoren sind spezielle Musterdesigns für<br />

bis zu 10 mm dicke Frontgläser realisierbar. Bei<br />

der glasbasierende Variante ist ein wesentlicher<br />

Vorteil der geringe ITO-Flächenwiderstand. d. h.<br />

eine leichter zu realisierende EMV-Beständigkeit<br />

und eine verbesserte Lichtdurchlässigkeit.<br />

Für Applikationen im Outdoor-Bereich werden<br />

filmbasierende Sensoren mit einem UV-Blocker<br />

OCA-Material hinter die Coverlens laminiert.<br />

Dieser UV-Blocker verhindert eine Ver gilbung<br />

der Polyesterlagen über die Lebensdauer. Bei<br />

glasbasierenden Sensoren wird ein UV- stabiles<br />

Bondingmaterial eingesetzt.<br />

PCAP-Controller<br />

Bei den PCAP-Controllern stehen zahlreiche<br />

Chip-Varianten und Ausführungen verschiedener<br />

Hersteller wie z. B. PenMount, EETI, Ilitek<br />

oder Microchip zur Verfügung. Zur Auswahl der<br />

optimalen Elektronik wird die Spezifikation und<br />

das Umfeld der Applikation betrachtet.<br />

Für Industrie und Medizin-Applikationen kommen<br />

zertifizierte Controllersysteme zum Einsatz.<br />

Neben Plug&Play Lösungen werden auch<br />

kundenspezifisch programmierbare Controller,<br />

die optimal an die Applikation getunt werden,<br />

eingesetzt. Im Vordergrund stehen die EMV-<br />

Kompatibilität, die Resistenz gegenüber Wasser<br />

und Salzwasser auf der Touch-Oberfläche und<br />

die Bedienbarkeit mit sehr dicken Handschuhen.<br />

PCAP-Sensoren können größer als die aktive<br />

Bildschirmfläche designt werden, um virtuelle<br />

Tasten, Slider und Wheels über das gleiche<br />

Controllersystem zu integrieren.<br />

Displays<br />

Die Auswahl des passenden Displays erfolgt<br />

anhand den Applikationsanforderungen. Das<br />

Display wird aus einem großen Hersteller-Portfolio<br />

passend ausgewählt. Anforderungen an<br />

industrie- und medizintaugliche Displays sind<br />

der erweiterte Temperaturbereich, eine erweiterte<br />

Lebensdauer des Backlights, die Einsatzmöglichkeit<br />

in rauen Umgebungen und der für<br />

die Applikation optimale Betrachtungswinkel.<br />

Das Design der mechanischen Integration ermöglicht<br />

einen einfachen Displayaustausch bei<br />

möglichen Abkündigungen. Auch die Lieferzeiten,<br />

die Verfügbarkeit und die Qualifikation einer<br />

2nd Source werden bereits in einem frühen Projektstadium<br />

berücksichtigt.<br />

7


Titelstory<br />

Optical Bonding von Displays<br />

Optical Bonding<br />

Die richtige Auswahl der am besten geeigneten<br />

Bonding-Technologie für die Anwendung<br />

erfolgt anhand der Applikationsanforderungen<br />

und Kombination der einzelnen Komponenten.<br />

Bestimmende Faktoren sind dabei die<br />

spezifizierten Umwelteinflüsse, die Displayform<br />

und Diagonale sowie die Definition der PCAP-<br />

Sensor technologie.<br />

Optical Bonding hat sich in Industrie und Medizin<br />

etabliert und ist eine technisch ausgereifte<br />

Methode der HMI-Display-Optimierung. Mittels<br />

unterschiedlicher Verbindungstechnologien werden<br />

Covergläser mit Touchsensoren und Displays<br />

zu einer Einheit gebondet.<br />

Durch das Optical Bonding von Displays werden<br />

die optischen und mechanischen Leistungsmerkmale<br />

von Eingabesystemen für die Applikation<br />

entscheidend verbessert und optimiert.<br />

Die Vorteile sind eine hervorragende Lesbarkeit,<br />

reduzierte Reflexionen, eine erhöhte Robustheit,<br />

keine Kondensation, Dichtheit gegen Staub- und<br />

Schmutzpartikel, eine qualifizierte UV-Stabilität<br />

und eine verbesserte Touch-Performance. Zum<br />

Bonding von Displays stehen mehrere Technologien<br />

zur Auswahl: Dry Optical Bonding (Trockenbonding),<br />

Liquid Optical Bonding (LOCA) und<br />

Air Gap Bonding. Optical Bonding ist für Applikationen<br />

mit hohen Anforderungen und herausfordernden<br />

Einsatzgebieten die optimale Lösung.<br />

Mechanische Konstruktion<br />

Bei der mechanischen Konstruktion der HMI-<br />

Anwendung gibt es verschiedene Möglichkeiten,<br />

die je nach Applikation geeignet sind. Die<br />

Glaskante sollte vertieft in einer Trägerplatte<br />

oder einem Gehäuserahmen geschützt sein.<br />

Die Coverlens wird mit einem stark haftenden<br />

Klebe rahmen in das Gehäuse oder die Trägerplatte<br />

integriert. Zur Abdichtung als Schutz der<br />

Glasbedruckung wird der Spalt zwischen Glas<br />

und Trägerplatte mit einem Dicht material gefüllt.<br />

Bei der Integration mit sichtbarem Spaltverguss<br />

stehen Füllmaterialien mit einer begrenzten Farbauswahl<br />

zur Verfügung. Das Design berücksichtigt<br />

thermische Ausdehnungen der Komponenten<br />

und garantiert die chemische Beständigkeit. ◄<br />

Die Schurter Gruppe<br />

Die SCHURTER Gruppe ist als Schweizer<br />

Technologieunternehmen für sichere<br />

Stromzuführung, einfache Bedienung und<br />

anspruchsvolle Gesamtlösungen weltweit<br />

erfolgreich tätig. SCHURTER ist führend<br />

als Innovator, Produzent und Anbieter von<br />

Komponenten für den Geräteschutz sowie<br />

von Geräteverbindungen, Schaltern und<br />

EMV-Produkten. In enger Zusammenarbeit<br />

mit den Kunden werden Eingabesysteme<br />

entwickelt und produziert. Darüber<br />

hinaus bietet SCHURTER für die Elektronikindustrie<br />

auch Dienstleistungen im<br />

Bereich der Leiterplattenbestückung an.<br />

Der Geschäftsbereich Solutions begleitet<br />

Gesamtlösungen von der Projektierung bis<br />

zur Fertigung von Endprodukten.<br />

Die Vorteile der PCAP-Touchpanels<br />

von SCHURTER:<br />

• Von der Entwicklung bis zur Produktion<br />

in eigenen Produktionsstätten<br />

• Interne Experten für Entwicklung, Konstruktion,<br />

Elektronik- und Firmware-Anpassung<br />

• EMV-Konformität für Industrie und Medizin<br />

• Wasser- / Salzwasserbeständig<br />

• Kann mit Handschuhen bedient werden<br />

• Multi-Touch 1-10 Finger<br />

• Optical Bonding<br />

• Umfangreiches Qualifikationslabor,<br />

interne EMV-Prüfmöglichkeiten<br />

Aufbau eines HMI-PCAP-Eingabesystems<br />

8 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Eine kleine Weltsensation<br />

Erster NFC-RFID-LoRa-Button auf dem Markt<br />

Aktuelles<br />

Für die Konfiguration steht eine<br />

eigene Konfigurations-Website zur<br />

Verfügung: Über ein Dashboard können<br />

die eingestellten Werte jederzeit,<br />

bequem und von jedem Ort aus<br />

digital verändert werden.<br />

Konfiguration<br />

Für die Konfiguration steht eine<br />

eigene Konfigurations-Website zur<br />

Verfügung: Über ein Dashboard können<br />

die eingestellten Werte jederzeit,<br />

bequem und von jedem Ort aus<br />

digital verändert werden.<br />

m2mGermany bringt den, nach<br />

Kundenangaben, weltweit ersten<br />

NFC-RFID-LoRa-Button von<br />

Mutelcor auf den Markt.<br />

Der NFC-RFID-LoRa-Button ist<br />

mehr als nur ein Button, denn mit<br />

dem neu entwickelten Gerät von<br />

Mutelcor steht dem Markt ein NFC-<br />

RFID-Lesegerät mit Button-Funktion<br />

für vielfältige Anwendungen<br />

zur Verfügung.<br />

Der neue Mutelcor NFC-RFID-<br />

LoRa-Button kombiniert kontaktlose<br />

NFC-Identifikation mit innovativer<br />

LoRa-Technologie. Die IoT-<br />

Lösung bietet den Mitarbeitern eine<br />

schnell einsetzbare, intelligente und<br />

smarte Möglichkeit, sich am jeweiligen<br />

Einsatzort eindeutig zu identifizieren<br />

und gleichzeitig LoRa-<br />

Nachrichten in Echtzeit zu senden.<br />

m2m Germany GmbH<br />

info@m2mgermany.de<br />

www.m2mgermany.de<br />

Doppelfunktion:<br />

Identifizieren und Senden<br />

Die Doppelfunktion des Mutelcor<br />

NFC-RFID-LoRa-Buttons ermöglicht<br />

sowohl die kontaktlose Identifikation<br />

der Nutzer über NFC/RFID<br />

als auch das Senden einer Uplink-<br />

Nachricht über LoRaWAN durch<br />

Drücken des Buttons. Wenn eine<br />

einfache Quittierung oder Alarmierung<br />

über den Taster nicht ausreicht,<br />

sondern auch eine eindeutige Identifikation<br />

der Person, die den Taster<br />

betätigt hat, erforderlich ist, dann ist<br />

der Mutelcor NF-RFID-LoRa- Button<br />

die richtige Wahl.<br />

Ein Button -<br />

viele Möglichkeiten<br />

Die Einsatzmöglichkeiten sind<br />

vielfältig – an erster Stelle stehen<br />

Anwendungen, die eine Identifikation<br />

erfordern. Die Geräte eignen<br />

sich vor allem für Pflege- und Reinigungspersonal,<br />

Sicherheitsdienste,<br />

Dienstleistungen aller Art, Einlasskontrollen,<br />

Zutrittsregelungen, Informationsmeldungen<br />

aller Art und<br />

vieles mehr. Der Mutelcor NFC-<br />

RFID-LoRa-Button kann aber auch<br />

für personalisierte Übergaben oder<br />

Hol- und Bringdienste eingesetzt<br />

werden. Ebenso kann der Button<br />

als Patientenruf eingesetzt werden<br />

und über einen aktivierten NFC/RFID<br />

Reader kann dann zusätzlich vom<br />

Pflege personal die Versorgung<br />

des Patienten bestätigt werden.<br />

Mit dem MTC-EU-NFC können die<br />

es senziellen W’s erfasst werden:<br />

Wer, Wann und Wo.<br />

Auch Museen, Bildungseinrichtungen<br />

oder Hotels und Restaurants<br />

können effektive Einsatzfelder für<br />

den neuen Button sein. Letztendlich<br />

bestimmt die Anwendung, welcher<br />

Button sinnvoll ist und eingesetzt<br />

werden sollte. Das Neue am MTC-<br />

EU-NFC ist jedoch, dass eine klare<br />

Identifikation sowie eine Quittierung<br />

möglich sind.<br />

Absolut sicher<br />

Die einzelnen Geräte haben eine<br />

Batterielaufzeit von bis zu 5 Jahren,<br />

sind staub- und wasserdicht (IP67),<br />

können sowohl im Innen- als auch<br />

im Außenbereich eingesetzt werden<br />

und versenden regelmäßig<br />

eine Statusmeldung mit ihrem Batteriestatus.<br />

Aufgrund der verwendeten<br />

LoRa-Technologie erfolgt die<br />

Daten übertragung verschlüsselt und<br />

sicher. Der Mutelcor NFC-RFID-<br />

LoRa- Button signalisiert durch<br />

einen Piepton die lokale Bestätigung<br />

beim Knopfdrücken, wodurch<br />

etwaige Fehlauslesungen minimiert<br />

werden können<br />

Zwei Varianten<br />

Darüber hinaus wird der NFC-<br />

RFID-LoRa-Button in zwei Varianten<br />

– mit einem oder mit zwei Knöpfen<br />

– angeboten. So kann je nach Einsatzart<br />

über das Melden hinaus auch<br />

eine Quittierung oder ein anderes<br />

Ereignis registriert werden.<br />

Die wichtigsten Funktionen<br />

• NFC-RFID-Tag auf Knopfdruck<br />

auslesen<br />

• Mehr als 5 Jahre Batterielaufzeit<br />

(2x AA-Lithium Batterien)<br />

• Staub- und Wasserdicht (IP67)<br />

• Stündliche Statusnachrichten<br />

mit Batteriestand<br />

• Verschlüsselte Datenübertragung<br />

zwischen Gerät,<br />

Anwendung und Kunde<br />

• Piepton zur lokalen Bestätigung<br />

des Knopfdrucks<br />

Technische Daten<br />

• Maße:180 x 80 x 48 mm<br />

• Nettogewicht: 350 g<br />

• IP-Schutzart: IP67<br />

• Betriebstemperatur: -18 bis +55 °C<br />

• Sendeleistung: 3 V<br />

(2x AA-Lithium Batterien)<br />

• Batterie-Lebensdauer: 5 Jahre<br />

• LoRa Frequenz:<br />

EU863-870 (CE-zertifiziert)<br />

• OTAA und ADR:konform<br />

• Unterstützt SF: 7 – 12<br />

• Sendeleistung: 14 dBm<br />

Made in Germany<br />

Entwickelt wurde der Button von<br />

unserem Partner Mutelcor. Das Duisburger<br />

IT-Unternehmen hat sich auf<br />

die Entwicklung digitalisierter IoT-<br />

Lösungen und LoRa-Geräte spezialisiert.<br />

Die LoRa-Hardware und -Sensoren<br />

werden in Deutschland entwickelt<br />

und sind weltweit im Einsatz.<br />

Bei den Lösungen von Mutelcor,<br />

handelt es sich überwiegend um<br />

Sensorik für unterschiedlichste<br />

Anwendungen: vom Panik-Knopf,<br />

über Raumklimaüberwachung bis<br />

hin zur Schachtüberwachung und<br />

Feedbackabfrage bei Kunden. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

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Aus Forschung und Technik<br />

Elektroden falten sich selbst<br />

und stimulieren feine Nerven<br />

4D-Druck für die Nervenstimulation<br />

Mit Hilfe von Laserpulsen wird die aufgedampfte Goldschicht in leitfähige Bahnen strukturiert.<br />

Alle Bilder © Andreas Heddergott / TUM<br />

Autor:<br />

Prof. Dr. Bernhard Wolfrum<br />

Professur für Neuroelektronik<br />

Technische Universität München<br />

www.tum.de<br />

Manche Nerven können künstlich<br />

stimuliert werden, zum Beispiel<br />

um Schmerzen zu behandeln. Je<br />

feiner der Nerv, desto schwieriger<br />

ist es, die dafür nötigen Elektroden<br />

anzubringen. Forschende der Technischen<br />

Universität München (TUM)<br />

und von NTT Research haben nun<br />

flexible Elektroden entwickelt, die<br />

sie per 4D-Druck herstellen können.<br />

Bei Kontakt mit Feuchtigkeit falten<br />

sich diese von selbst und wickeln<br />

sich um dünne Nerven.<br />

Nervenzellen künstlich<br />

stimulieren<br />

Das Nervensystem steuert unsere<br />

Bewegungen durch elektrische<br />

Impulse. Sie werden von Nervenzelle<br />

zu Nervenzelle weitergegeben,<br />

bis schließlich beispielsweise eine<br />

Muskelkontraktion ausgelöst wird.<br />

Nervenzellen lassen sich jedoch<br />

auch künstlich stimulieren. Dafür<br />

werden Nerven über angelegte oder<br />

implantierte Elektroden mit Stromimpulsen<br />

angeregt. Eingesetzt wird<br />

die sogenannte periphere Nervenstimulation<br />

beispielsweise, um chronische<br />

Schmerzen oder Schlafapnoe<br />

zu behandeln. Auch bei Depressionen<br />

und Epilepsie gibt es bereits<br />

klinische Anwendungen, bei denen<br />

der Vagusnerv stimuliert wird. Dieser<br />

ist mit einem Durchmesser von<br />

mehreren Millimetern verhältnismäßig<br />

dick.<br />

Schwieriger wird die Stimulation<br />

bei haarfeinen Nerven mit zehn bis<br />

zu mehreren hunderten Mikrometern,<br />

da hier auch die Elektroden<br />

entsprechend fein und präzise hergestellt<br />

werden müssen. Auch das<br />

Einsetzen und Anbringen der Elektrode<br />

am Nerv ist im Mikrometerbereich<br />

komplizierter.<br />

4D-Druck ermöglicht<br />

verschiedene Formen<br />

Formen sich 3D-gedruckte<br />

Objekte nachträglich gezielt um,<br />

zum Beispiel durch Feuchtigkeit oder<br />

Wärme, nennt man das 4D-Druck.<br />

Forschende der TUM und des<br />

Medical & Health Informatics (MEI)<br />

Lab von NTT Research haben nun<br />

4D-gedruckte Elektroden entwickelt,<br />

die sich beim Einsetzen ins feuchte<br />

Körpergewebe von selbst um die<br />

hauchdünnen Nerven schließen.<br />

Die Elektrode wird zunächst per<br />

3D-Druck gefertigt. Dadurch können<br />

Form, Durchmesser und weitere<br />

Merkmale flexibel justiert werden.<br />

Die äußere Seite der Elektrode<br />

besteht aus einem biokompatiblen<br />

Hydrogel, das bei Kontakt mit Feuchtigkeit<br />

anschwillt. Das Material auf<br />

der Innenseite ist flexibel, schwillt<br />

jedoch nicht mit an. Durch diesen<br />

Aufbau schließen sich die Elektroden<br />

bei Feuchtigkeit von selbst ringförmig<br />

um die Nerven.<br />

Die strukturierte Titan-Goldbeschichtung<br />

auf der Innenseite<br />

der Elektroden überträgt die elektrischen<br />

Signale zwischen Elektroden<br />

und Nervenfasern. „Durch<br />

den engen Kontakt zwischen den<br />

gefalteten Manschetten und den<br />

Nerven können wir mit den Elektroden<br />

sowohl Nerven stimulieren,<br />

als auch Nerven signale messen“,<br />

sagt Bernhard Wolfrum, Professor<br />

für Neuroelektronik am Munich<br />

Institute of Biomedical Engineering<br />

(MIBE) der TUM und Leiter der Studie.<br />

Dies erweitert die Möglichkeiten<br />

für potentielle Einsatzbereiche.<br />

Selektivere Stimulation<br />

Für die neuen Elektroden sind<br />

zukünftig verschiedene biomedizinische<br />

Anwendungen denkbar, so<br />

zum Beispiel eine Verbesserung<br />

von Implantaten für Schlafapnoe.<br />

Leiden Patienten an Schlafapnoe,<br />

fällt die Zunge nach hinten Richtung<br />

Rachen und verschließt kurzzeitig<br />

die Atemwege. Stimuliert man die<br />

Muskeln, die die Zunge nach vorne<br />

• Forschende haben sehr feine, flexible Elektroden hergestellt<br />

• Die Elektroden wickeln sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit von<br />

selbst um dünne Nerven<br />

• Die Nervenstimulation mit den faltbaren Elektroden wurde<br />

erfolgreich in Insekten demonstriert<br />

10 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Aus Forschung und Technik<br />

Forschende haben Elektroden entwickelt, die sich bei Kontakt mit<br />

Feuchtigkeit von selbst falten und um dünne Nerven wickeln. Bei der<br />

Herstellung wird für die leitfähigen Strukturen unter Hochvakuum eine<br />

dünne Lage Gold auf das 3D-gedruckte Gerüst aufgebracht.<br />

Für die leitfähigen Strukturen wird unter Hochvakuum eine dünne Lage<br />

Gold auf das 3D gedruckte Substrat aufgebracht.<br />

ziehen, lässt sich das Problem beheben.<br />

„Aktuell ist es jedoch schwierig,<br />

selektiv nur die Muskeln zu stimulieren,<br />

die die Zunge nach vorne bewegen.<br />

Hier könnten die flexiblen Elektroden<br />

ansetzen und zukünftig eine<br />

Möglichkeit bieten, Nerven selektiver<br />

zu stimulieren“, sagt Professor<br />

Clemens Heiser, leitender Oberarzt<br />

an der Klinik und Poliklinik für<br />

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde<br />

des Universitätsklinikums rechts der<br />

Isar der TUM.<br />

Die selbstfaltenden Elektroden<br />

sind einfach zu handhaben<br />

und robust. Das Forschungsteam<br />

konnte ihren Einsatz bereits<br />

in Heu schrecken demonstrieren,<br />

bei denen feine Nerven mit einem<br />

Durch messer von 100 Mikrometern<br />

ummantelt wurden, ohne die Nerven<br />

zu beschädigen. So konnten<br />

die Wissenschaftler Muskeln gezielt<br />

stimulieren. Aktuell noch im Grundlagenstadium,<br />

könnten die Elektroden<br />

zukünftig ein wichtiges Mittel<br />

sein, um die periphere Nervenstimulation<br />

in die breitere klinische<br />

Anwendung zu bringen.<br />

Publikation:<br />

Lukas Hiendlmeier, Francisco<br />

Zurita, Jonas Vogel, Fulvia Del<br />

Duca, George Al Boustani, Hu Peng,<br />

Inola Kopic, Marta Nikić, Tetsuhiko<br />

F. Teshima, Bernhard Wolfrum:<br />

4D-Printed Soft and Stretchable<br />

Self-Folding Cuff Electrodes for<br />

Small-Nerve Interfacing, Advanced<br />

Materials (<strong>2023</strong>), DOI: https://<br />

doi.org/10.1002/adma.202210206<br />

Weitere Informationen:<br />

• Prof. Bernhard Wolfrum forscht<br />

am Munich Institute of Biomedical<br />

Engineering (MIBE), einem<br />

Integrativen Forschungsinstitut<br />

der TUM. Am MIBE entwickeln<br />

und verbessern Forschende<br />

aus der Medizin, den Natur- und<br />

Ingenieurwissenschaften und<br />

der Informatik gemeinsam Verfahren<br />

zur Prävention, Diagnose<br />

und Behandlung von Krankheiten.<br />

Die Aktivitäten reichen dabei<br />

von der Untersuchung grundlegender<br />

wissenschaftlicher Prinzipien<br />

bis zu deren Anwendung<br />

in medizinischen Geräten, Medikamenten<br />

oder Computerprogrammen.<br />

https://www.bioengineering.tum.de/<br />

• Die Arbeit ist in Zusammenarbeit<br />

mit dem MEI Lab von NTT<br />

Research, Inc., einem Unternehmensbereich<br />

von NTT, entstanden.<br />

• Die Arbeit ist Teil eines Projekts<br />

des TUM Innovation Networks<br />

NEUROTECH. In den TUM Innovation<br />

Networks arbeiten Forschende<br />

fachübergreifend eng<br />

zusammen, um neue Forschungsgebiete<br />

zu erschließen und frühzeitig<br />

künftige Innovationsschwerpunkte<br />

zu formen.<br />

• Die Arbeit wurde auch gefördert<br />

vom Munich Multiscale Biofabrication<br />

Network, das Teil des ONE<br />

MUNICH Strategy Forums ist, in<br />

dem TUM und LMU gemeinsame<br />

Initiativen zu großen Zukunftsfragen<br />

und -feldern identifizieren<br />

und fördern. Das ONE<br />

MUNICH Strategy Forum wird<br />

unterstützt durch die Hightech<br />

Agenda Bayern.<br />

• Das ONE MUNICH Strategy<br />

Forum und die TUM Innovation<br />

Networks werden gefördert vom<br />

Bundesministerium für Bildung<br />

und Forschung (BMBF) und dem<br />

Freistaat Bayern im Rahmen der<br />

Exzellenzstrategie von Bund und<br />

Ländern. Video: https://youtu.be/<br />

CULY2ec7Oqc ◄<br />

Bernhard Wolfrum, Professor für Neuroelektronik an der TUM<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Am Mikroskop: Prof. Dr. Bernhard Wolfrum, Professur für Neuroelektronik.<br />

Hinten: Lukas Hiendlmeier, der im Rahmen seiner Doktorarbeit dazu forscht.<br />

11


Aus Forschung und Technik<br />

Präzisionserkennung<br />

Automatisches Pollenüberwachungssystem<br />

Die Helmut Hund Gmbh hat fortschrittliche Algorithmen des maschinellen Lernens eingesetzt,<br />

um die Erkennungsleistung seines automatischen Pollenüberwachungssystems zu steigern<br />

Bild 1: Auf dem Dach der Universität Augsburg ist seit 2017 ein POMO im Einsatz<br />

Helmut Hund GmbH<br />

info@hund.de<br />

www.hund.de<br />

Im Dezember 2022 veröffentlichte<br />

ein Konsortium mehrerer<br />

aerobiologischer und meteorologischer<br />

Forschungseinrichtungen<br />

einen Artikel, in dem neun automatische<br />

Pollenmonitore mit klassischen<br />

Hirst-Fallen verglichen wurden.<br />

Das Projekt wurde gemeinsam<br />

vom Eumetnet AutoPollen-<br />

Programm und der Europäischen<br />

Aktion für wissenschaftliche und<br />

technologische Zusammenarbeit<br />

(COST) „New Approaches in Detection<br />

of Pathogens and Aeroallergens“<br />

(ADOPT) organisiert. Es wurde zwischen<br />

März und Juli 2021 in München<br />

durchgeführt.<br />

Von den getesteten Geräten<br />

erwies sich das POMO-System von<br />

HUND Wetzlar als eines der zuverlässigsten<br />

Überwachungsgeräte. Es<br />

lieferte hervorragende Ergebnisse<br />

im Vergleich zur manuellen Auswertung<br />

von Hirst-Fallen, die parallel zu<br />

den Geräten betrieben wurden. Das<br />

Ergebnis ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit<br />

des POMO BAA500,<br />

fast 20 Jahre nachdem das deutsche<br />

Pionierunternehmen Helmut<br />

Hund GmbH mit der Entwicklung<br />

von automatischen Pollenmessgeräten<br />

begonnen hat. Ziel war es,<br />

die übliche manuelle Methode, die<br />

auf Pollenfallen vom Typ Hirst und<br />

anschließender mikroskopischer<br />

Ablesung beruht, durch eine objektivere<br />

Technologie mit hoher Genauigkeit<br />

und Reproduzierbarkeit<br />

zu ersetzen. Heutzutage werden<br />

immer mehr dieser Geräte in ganz<br />

Europa installiert und beweisen ihre<br />

Zuverlässigkeit und Genauigkeit bei<br />

der Differenzierung und Zählung<br />

von allergenen und anderen Pollen.<br />

Hochentwickelte optische<br />

Technologie<br />

Das Herzstück des POMO ist<br />

eine hochentwickelte optische Technologie<br />

mit digitaler Bilderfassung<br />

und -erkennung. Der POMO saugt<br />

Umgebungsluft für die Proben an,<br />

extrahiert feste Bestandteile, analysiert<br />

die darin enthaltenen Pollenarten<br />

und bestimmt deren jeweilige<br />

Konzentration mittels digitaler<br />

optischer Mikroskopie. Dabei ist der<br />

BAA500 nicht nur äußerst präzise,<br />

sondern auch schnell. Mit den fortschrittlichen<br />

Algorithmen und der<br />

Rechenleistung des Systems kann<br />

der Benutzer das Mess intervall und<br />

die Datenanalyse des BAA500<br />

definieren. Die Messzeit kann im<br />

Bereich von 1 bis 24 Stunden ausgewählt<br />

werden.<br />

Künstliche Intelligenz<br />

Der ursprüngliche Bilderkennungsansatz<br />

war bereits in der<br />

Lage, verschiedene Pollenarten mit<br />

hoher Genauigkeit zu unterscheiden.<br />

Dennoch basierte es auf klassischen,<br />

merkmalsbasierten Techniken<br />

des maschinellen Lernens,<br />

die eine individuelle Auswahl und<br />

Anpassung dieser Merkmale erforderten.<br />

Dies erwies sich als recht<br />

unflexibel, insbesondere wenn es<br />

darum ging, den Erkennungsalgorithmen<br />

neue Arten hinzuzufügen.<br />

HUND Wetzlar hat eine Software<br />

entwickelt, die auf Techniken der<br />

künstlichen Intelligenz (KI) basiert,<br />

genauer gesagt auf einem Deep-<br />

Learning-Modell in Convolutional<br />

Neural Networks (CNN), genannt<br />

PomoAI. Dieses Modell ermöglicht<br />

auch die Segmentierung und<br />

Klassifizierung von Pilzsporen wie<br />

Alternaria und Cladosporium. Es<br />

können einfach Messverfahren für<br />

neue Arten ergänzt und die Allgorithmen<br />

daraufhin trainiert werden.<br />

Präzise Ergebnisse<br />

basierend auf einer<br />

einzigartigen Datenbank<br />

Bei Pollenbildern, die in mehr als<br />

20 Pollensaisons gesammelt wurden,<br />

führten kontinuierliche Verbes-<br />

Das eingesetzte Deep-Learning-Modell wurde von der<br />

Helmut Hund GmbH an 40 unterschiedlichen Pollenklassen<br />

mit jeweils Tausenden von Proben getestet.<br />

12 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Aus Forschung und Technik<br />

Bild 2: Rückansicht des Auswertungs- und Analysemoduls der Pollenmessgeräte BAA500e und BAA502<br />

serungen der Segmentierungs- und<br />

Klassifizierungsalgorithmen bei der<br />

Anwendung auf die Referenzdatenbank<br />

zu überzeugenden Ergebnissen.<br />

Das verwendete Deep-Learning-Modell<br />

wurde von HUND Wetzlar<br />

an 40 verschiedenen Pollenklassen<br />

mit jeweils Tausenden von Proben<br />

getestet. Diese Proben stammen<br />

aus der bestehenden Referenzdatenbank<br />

des POMO. Diese<br />

Datenbank ist absolut einzigartig<br />

und eine der größten Cloud-Datenbanken<br />

im Bereich Pollenüberwachung<br />

weltweit. Darüber hinaus liefern<br />

die BAA500e und BAA502 nicht<br />

nur reine Pollenzählungen, sondern<br />

ermöglichen auch eine Qualitätskontrolle<br />

der Ergebnisse zu einem<br />

späteren Zeitpunkt, auch nach mehreren<br />

Jahren – beispielsweise zur<br />

Analyse des Klimawandels.<br />

Benutzer können nicht nur archivierte<br />

Probenträger unter einem<br />

Standard-Lichtmikroskop erneut<br />

untersuchen, sondern auch die im<br />

System gespeicherten Bilder auswerten<br />

und beschriften. Dadurch<br />

können die Algorithmen erneut ortsspezifisch<br />

trainiert werden. Außerdem<br />

können Benutzer ihre eigenen<br />

Softwaremodelle verwenden oder<br />

Experimente mit anderen CNN-<br />

Architekturen auf derselben Bilddatenbank<br />

durchführen.<br />

Netzwerke in Europa<br />

Mehrere Dutzend Installationen<br />

in ganz Deutschland und Europa<br />

haben die Leistungsfähigkeit des<br />

Geräts von HUND Wetzlar Wetzlar<br />

unter Beweis gestellt. Als bisher<br />

größtes Projekt installierte Bayern<br />

im Jahr 2018 das Polleninformationsnetzwerk<br />

ePIN. Es besteht aus<br />

acht Pollenmonitoren, deren Ergebnisse<br />

über eine eigene Website oder<br />

Smartphone-App abgerufen werden<br />

können. Weitere Pollenmonitore<br />

wurden auch in anderen Städten<br />

in Deutschland und Europa installiert,<br />

darunter Berlin, Paris und<br />

Luxemburg. Vergleiche mit Pollenfallen<br />

vom Hirst-Typ, die alle in internationalen<br />

Kooperationsprojekten<br />

durchgeführt wurden, bestätigten,<br />

dass es sich bei dem System von<br />

HUND Wetzlar um eine hochleistungsfähige<br />

digitale Adaption der<br />

klassischen Pollenzähltechnik handelt.<br />

Die POMO-Technologie wurde<br />

von namhaften Instituten offiziell<br />

zugelassen und wird weltweit einer<br />

der anerkannten Standards für die<br />

automatisierte Pollenüberwachung<br />

sein. Das volle Potenzial des POMO<br />

BAA502 und BAA500e entfaltet sich<br />

jedoch in Netzwerken mit ausreichend<br />

kleinen Maschenweiten und<br />

untermauert durch numerische Pollenverteilungsmodelle,<br />

sodass Allergiker<br />

vor zu hohen Pollenbelastungen<br />

in ihrem jeweiligen Gebiet<br />

gewarnt werden. Außerdem können<br />

Forscher interessante Daten zu Fragen<br />

der Biodiversität abrufen, beispielsweise<br />

zur Verbreitung fremder<br />

Pflanzenarten.<br />

Wer schreibt<br />

Als innovativer Technologiedienstleister<br />

bietet HUND Wetzlar<br />

Wetzlar kundenspezifische<br />

Lösungen für Anwendungen unter<br />

anderem in der Medizintechnik und<br />

Sensorik. Gemäß seiner Philosophie<br />

„Wir bringen Technologien zusammen“<br />

entwickelt und fertigt Hund<br />

smarte Lösungen von der Einzelkomponente<br />

bis zum Komplettsystem<br />

in den Bereichen Elektronik,<br />

Optik/Faseroptik und Feinmechanik.<br />

HUND Wetzlar Wetzlar veranstaltet<br />

jährlich Online-Symposien<br />

für Interessierte zum Thema<br />

Pollenüberwachung im Allgemeinen<br />

und Neuerungen rund um der<br />

POMO im Detail. ◄<br />

Bild 3: Aufschlüsselung des Funktionsprinzips hinter der<br />

KI-Software PomoAI<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Bild 4: POMO auf dem Dach des Helmholtz Zentrums München während der<br />

AutoPollen-Kampagne<br />

13


Aus Forschung und Technik<br />

Mikroscanner in der Medizintechnik<br />

Customer Evaluation Kit für quasi-statische MEMS Scanner<br />

© Fraunhofer IPMS<br />

Fraunhofer IPMS<br />

www.ipms.fraunhofer.de<br />

Das Potenzial von Mikroscannern<br />

in der Medizintechnik ist immens.<br />

Sie überzeugen durch ihr geringes<br />

Volumen und Gewicht sowie die<br />

hohe Energieeffizienz, welche den<br />

mobilen Einsatz ermöglichen. Um<br />

den kundenspezifischen Anforderungen<br />

gerecht zu werden, wurden<br />

am Fraunhofer IPMS bereits mehr<br />

als 200 unterschiedliche Mikroscanner-Designs<br />

entwickelt. Das<br />

Leistungsangebot erstreckt sich<br />

dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette<br />

von der Konzeption<br />

über die Prototypentwicklung bis hin<br />

zur Pilotfertigung im eigenen Reinraum<br />

auf 8“ Wafern. Dabei erweitert<br />

das Fraunhofer IPMS den Anwendungsbereich<br />

der Scannerspiegeltechnologie<br />

kontinuierlich mit neuartigen<br />

und patentierten Designlösungen<br />

und Technologiemodulen,<br />

sowie der Integration von künstlicher<br />

Intelligenz (KI).<br />

Quasistatischer Scanner in einem Modul für Head-Mounted Displays<br />

© Fraunhofer IPMS / Markus Schwarzenberg<br />

Definition Mikroscanner<br />

Mikroscanner sind kleinste<br />

optische Bauelemente, die in der<br />

Lage sind, winzige Spiegel um eine<br />

oder mehrere Achsen auszulenken,<br />

um ein sehr schnelles und präzises<br />

Scannen oder Projizieren zu ermöglichen.<br />

Durch ihre berührungslose<br />

Arbeitsweise sowie die kleine Größe,<br />

das geringe Gewicht und die hohe<br />

Energieeffizienz eröffnen sie neue<br />

Möglichkeiten in der Medizintechnik.<br />

Die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten<br />

von Mikroscannern in<br />

der Medizin umfassen unter anderem<br />

die Bildaufnahme für medizinische<br />

Endoskope, die konfokale<br />

Mikroskopie, Fluoreszenzmikroskopie,<br />

Spektro skopie sowie die<br />

Ophthal mologie.<br />

Große Scanwinkel<br />

und hohe -frequenzen<br />

Die Mikroscanner des<br />

Fraunhofer IPMS zeichnen sich<br />

durch große Scanwinkel und<br />

hohe Scanfrequenzen aus und<br />

zeigen eine hervorragende Langzeitstabilität.<br />

Die Unterstützung<br />

der Kunden bei der Entwicklung<br />

spezifischer Modulaufbauten<br />

sowie elektronische Lösungen<br />

zur kontrollierten hochpräzisen<br />

Ansteuerung runden das Leistungsspektrum<br />

des Instituts<br />

ab. Gerade für kleinere und mittlere<br />

Unternehmen bieten die verschiedenen<br />

Evaluations-Kits des<br />

Fraunhofer Instituts die Möglichkeit,<br />

die Mikroscanner technologie<br />

in ihre Produkt entwicklung<br />

14 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Aus Forschung und Technik<br />

Laser-Scanning-Mikroskop zur Tumorabgrenzung © Fraunhofer IPMS<br />

einzubeziehen, ohne dass eine<br />

aufwendige und kostspielige Eigenentwicklung<br />

einer Ansteuerelektronik<br />

zur Erfüllung der Spezifikationen<br />

notwendig ist.<br />

Mikroscanner<br />

des Fraunhofer IPMS<br />

in der Praxis<br />

Die bisherigen kundenspezifischen<br />

Entwicklungen von<br />

Mikroscannern des Fraunhofer IPMS<br />

wurden in den letzten Jahren für<br />

mehrere Partner in der Praxis qualifiziert,<br />

um in Kundenprodukten zum<br />

Einsatz zu kommen. Dabei konnten<br />

sich diese Bauelemente in der<br />

Praxis bewähren.<br />

So hat das Fraunhofer IPMS vor<br />

einigen Jahren doppelresonante<br />

MEMS-Scanner entwickelt, die<br />

das Herzstück eines kompakten<br />

Röntgenfolien scanners für die digitalisierte<br />

Zahnmedizin sind. Diese<br />

Mikroscanner werden im hauseigenen<br />

Reinraum im Rahmen<br />

einer Pilotfertigung mit bis zu einigen<br />

1000 Stück pro Jahr qualifiziert<br />

für das Kundenprodukt hergestellt.<br />

Die Montage auf einem eigens<br />

entwickelten Bauelement träger mit<br />

integrierter Elektronik und anschließendem<br />

Test wird ebenfalls am<br />

Fraunhofer IPMS durchgeführt.<br />

Dass die Qualität nach Industriestandard<br />

im Fokus steht, garantiert<br />

die Zertifizierung des Instituts<br />

nach ISO 9001.<br />

Laserscanner<br />

Weitere Applikationen der Medizintechnik<br />

des Fraunhofer IPMS<br />

sind die für die Firma Norlase entwickelten<br />

Laserscanner, welche in<br />

der Ophthalmologie in der Behandlung<br />

von Netzhaut- und Glaukom-<br />

Patienten zum Einsatz kommen werden.<br />

Durch den Einsatz der MEMS-<br />

Scanner des Fraunhofer IPMS ist<br />

eine zuvor unerreichte Miniaturisierung<br />

des Systems und eine höhere<br />

Auflösung möglich.<br />

Für das Startup Envision Diagnostics<br />

entwickelt das Institut<br />

Mikroscanner für einen standardisierten,<br />

schnellen und zuverlässigen<br />

Augentest, welcher alle<br />

quali tativen Parameter erfasst,<br />

auswertet und darstellt. Dies liefert<br />

Ärzten umfangreichere und zuverlässigere<br />

Patientendaten, sodass<br />

sichere Entscheidungen getroffen<br />

werden können.<br />

Mikroscanner<br />

des Fraunhofer IPMS<br />

in der Mikroskopie<br />

Vielfältige Anwendungen finden<br />

Mikroscannerspiegel auch in der<br />

medizinischen Mikroskopie. Dank<br />

optischer Kohärenztomografie können<br />

die Oberflächen- und Tiefenstruktur<br />

von Objekten mit einer<br />

Auflösung im Mikrometerbereich<br />

analysiert werden. Die Mikroscannerspiegel<br />

des Fraunhofer IPMS<br />

ermög lichen damit eine neue Art<br />

der Erfassung von Umgebungsparametern<br />

und sind Herzstück<br />

eines neuartigen Laser-Scanning-<br />

Mikroskops zur Tumorabgrenzung.<br />

Mit dessen Hilfe können Krebsoperationen<br />

schneller, präziser und<br />

sicherer gemacht werden. Noch<br />

im Operationssaal kann die Ärztin<br />

oder der Arzt mithilfe des Mikroskops<br />

das Gewebe untersuchen,<br />

aus dem der Tumor gerade herausgeschnitten<br />

wurde. Ein vorher aufgebrachter<br />

Fluoreszenz-Marker<br />

macht alle Krebszellen sichtbar, die<br />

nach dem Schnitt eventuell noch<br />

zurückgeblieben sind. Diese lassen<br />

sich dann restlos und präzise entfernen.<br />

Das umliegende Gewebe<br />

wird dabei geschont, weil man im<br />

Mikroskop-Display genau sieht,<br />

wo das gesunde Gewebe anfängt.<br />

Und niemand muss mehr auf ein<br />

Labor ergebnis warten. Auch das<br />

vom Bundespräsidenten mit dem<br />

Deutschen Zukunftspreis 2022<br />

prämierte ZEISS Lattice Lightsheet<br />

7 der Firma Zeiss nutzt die<br />

Mikroscanner-Technologie des<br />

Fraunhofer IPMS.<br />

Das Mikroskopsystem für die<br />

schonende 3D-Bildgebung von<br />

lebenden Zellen nutzt unter anderem<br />

das vom Institut entwickelte<br />

Scannermodul Light Deflection<br />

Cube (LDC). Dieses wurde qualifiziert<br />

und wird ebenfalls im Rahmen<br />

einer Pilotfertigung dem Kunden<br />

Zeiss jährlich für das aktuelle Produkt<br />

zur Verfügung gestellt. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

15


Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />

Embedded ARM-Module<br />

für die Medizingeräteentwicklung<br />

Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen?<br />

Autor:<br />

Konrad Zöpf<br />

TQ-Systems GmbH<br />

www.tq-group.com<br />

Setzt man beim Entwicklungsstart<br />

von medizinischen Geräten<br />

auf brandneue CPU-Architekturen<br />

oder sollte man lieber auf eine altbewährte<br />

Technik zurückzugreifen?<br />

Es gibt hier eine Menge Vorund<br />

Nachteil die beachtet werden<br />

müssen, um die falsche Entscheidung<br />

zu vermeiden. Egal für welche<br />

Technologie man sich entschieden<br />

hat, die Entwicklung von Geräten in<br />

der Medizintechnik ist meist mit aufwendigen<br />

und kostspieligen Zulassungen<br />

und Regularien verbunden.<br />

Hohe Hürden<br />

für Neuentwicklungen<br />

Im Vergleich zu industriellen Systemen<br />

müssen neuentwickelte Medizingeräte<br />

mehr Hürden nehmen, um<br />

auf den Markt gebracht zu werden.<br />

Hier regeln Verordnungen für Medizinprodukte<br />

den Entwicklungs- und<br />

Zulassungsprozess. Ersterer lässt<br />

sich grob aufteilen in Hardwareund<br />

Softwareentwicklung, Risikomanagement<br />

und Qualitätsmanagement.<br />

Die Zulassung umfasst dann<br />

die Klassifizierung, die Konformität<br />

sowie die klinische Bewertung und<br />

Erprobung.<br />

Diese umfangreichen Maßnahmen<br />

und kostspielige Zulassungen<br />

bedeuten hohe Anforderungen an<br />

die Zuverlässigkeit und Langzeitverfügbarkeit<br />

von eingesetzten Komponenten.<br />

Leistungsfähig und günstig<br />

Jedes Jahr locken CPU-Hersteller<br />

mit leistungsfähigeren und<br />

günstigeren Prozessorvarianten<br />

die Entwickler bei der Umsetzung<br />

von geplanten Applikationen.<br />

Durch die immer höhere Integration<br />

von Funktionen in die CPU lassen<br />

sich viele Anforderungen oft ohne<br />

Zusatzschaltungen umsetzen. Dabei<br />

erleichtern Multicore-Systeme unter<br />

Einsatz einer Firmware oder Software<br />

wie einer Hypervisor-Lösung,<br />

die geforderten Sicherheitsaspekte<br />

bei Neuentwicklungen entsprechend<br />

zu berücksichtigen.<br />

Diese Faktoren werden auch in<br />

der Medizingeräteentwicklung als<br />

erst einmal positiv bei der Auswahl<br />

der CPU empfunden, um den<br />

sich ändernden Anforderungen des<br />

Marktes gerecht zu werden. Zeitdruck,<br />

Kostenoptimierung des Designs<br />

und Erweiterung des Funktionsumfangs<br />

gehören zu der größten<br />

Herausforderung jedes Entwicklers<br />

der nach immer härter werdenden<br />

Vorgaben des Produktmanagements<br />

ein Gerät entwickeln soll.<br />

Zudem kommt noch hinzu, dass<br />

die Geräte, ob stationär als auch<br />

für Mobil-Anwendungen gedacht,<br />

immer energieeffizienter werden<br />

müssen.<br />

Embedded-Module<br />

decken hierbei zahlreichen Anforderungen<br />

ab und bieten eine stabile<br />

Basis für Hard- und Software,<br />

da sie ausreichend qualifiziert sind.<br />

Der Einsatz von Modulen kann so<br />

Entwicklungskosten einsparen und<br />

Risiken minimieren. Sie lassen sich<br />

in zahlreichen Anwendungen einsetzen.<br />

Entwickler haben damit mehr<br />

Zeit zur Verfügung für die Arbeit<br />

an systemspezifischen Hardwareund<br />

Software-Anforderungen ihrer<br />

Lösungen. Viele ARM-basierende<br />

Module verfügen aus diesen Gründen<br />

über langzeitverfügbare Prozessoren<br />

sowie alle funktionellen Prozessorpins<br />

für den schnellen und<br />

unkomplizierten Entwicklungseinstieg.<br />

Zudem stehen für die Module<br />

auch verschiedene Softwarelösungen<br />

mit einer umfassenden<br />

Schnittstellenunterstützung sowie<br />

verschiedene Grafiklösungen bereit.<br />

Anbindung von Displays<br />

und Benutzeroberflächen<br />

Embedded-Module auf Arm-Basis<br />

sind zudem leistungsstark, wenn es<br />

um die Anbindung von Displays und<br />

Benutzeroberflächen geht. Für vorzertifizierte<br />

Betriebssysteme wie<br />

QNX oder PikeOS gibt es bereits<br />

gute Anbindungen von Grafischen<br />

User Interfaces (GUI) wie QT oder<br />

Storyboard von Crank. Das Display<br />

muss im Zusammenspiel mit<br />

einem passenden Touch-System<br />

dafür sorgen, dass die Lösung optimal<br />

bedient werden kann. Die PCT-<br />

Technologie (Projected Capacitive<br />

Touch) ist hierbei mittlerweile eine<br />

nicht mehr wegzudenkende Technologie<br />

die auch Multi-Touch-Anwendungen<br />

für neue und innovative<br />

Bedienkonzepten erlaubt.<br />

Schnittstellentreiber<br />

Ein nicht zu vernachlässigender<br />

Faktor, neben dem vom Betriebssystem<br />

angebotenen Bedienkonzept,<br />

ist auch die angebotene Unterstützung<br />

von Schnittstellentreibern die<br />

zu den Prozessoren angeboten wird.<br />

Als Anwender für eine kostenoptimierte<br />

Entwicklung geht man davon<br />

aus, dass die angebotenen Schnittstellen<br />

auch im Betriebssystem je<br />

Anwendungsfall unterstützt werden.<br />

Da die meisten CPU Errata mit<br />

einem Software Workaround gefixt<br />

werden, vergeht meist auch noch<br />

einiges an Zeit. Bis die Hardware<br />

von der Software in einem angemessenen<br />

Umfang unterstützt wird,<br />

16 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Medical-PCs/SBC/Zubehör<br />

kann in Abhängigkeit der Komplexität<br />

mit bis zu einem Jahr gerechnet<br />

werden.<br />

Betriebssystemunterstützungen<br />

Bei den Arm-CPUs gibt es eine<br />

Reihe von Betriebssystemunterstützungen.<br />

Nebst Linux und Android<br />

können in der Medizintechnik bereits<br />

vorzertifizierte OS wie QNX oder<br />

Sysgo mit PikeOS eingesetzt werden.<br />

Diese Betriebssysteme spielen<br />

ihre Vorteile besonders aus,<br />

wenn Anforderungen im Bereich<br />

der funktionalen Sicherheit (Safety)<br />

und Security berücksichtigt werden<br />

sollen. Ein wichtiger Faktor beim<br />

Betriebssystem ist auch, dass die<br />

in die CPU integrierte Sicherheitsfunktionen<br />

zum Schutz des Systems<br />

vor Fremdangriffen oder zum Schutz<br />

des eigenen Software-Know-hows<br />

bereitgestellt werden.<br />

Hypervisor-Lösungen<br />

Ein Trend der hier zu beobachten<br />

ist, sind die sogenannten Hypervisor-Lösungen<br />

die zum Einsatz kommen.<br />

Damit laufen auf einem Multicore-System,<br />

unabhängig voneinander<br />

in je einer eigenen Partition,<br />

die Betriebssysteme. Damit wird der<br />

sichere Teil des Systems vom nicht<br />

sicheren Teil getrennt und bringt<br />

somit Vorteile bei der Zulassung.<br />

Zudem ist zu beobachten, dass auch<br />

Microsoft für CPUs höherer Performance-Klassen<br />

wieder eine Lösung<br />

auf Basis WIN IOT10 bietet. Einige<br />

CPU-Hersteller bieten bereits eine<br />

Basisunterstützung für ihre Applikationsprozessoren<br />

an und ermöglichen<br />

dadurch, dass Applikationen<br />

die auf x86-Architekturen entwickelt<br />

wurden auch auf den Arm-<br />

Cores verwendbar sind.<br />

Dennoch wird auch in medizinischen<br />

Produkten oft ein frei erhältliches<br />

Linux zur Realisierung verwendet,<br />

wenn es die Applikation<br />

zulässt. Damit lassen sich durch<br />

die gute Schnittstellenunterstützung<br />

bereits viele Anforderungen auch<br />

von Medizingeräten, vor allem in<br />

der Diagnostik, ohne zusätzlichen<br />

Kostenaufwand umsetzen.<br />

Passende Software<br />

auswählen<br />

Die Auswahl der richtigen Software<br />

für das anstehende Projekt<br />

sollte nicht nur unter Berücksichtigung<br />

der Geräteanforderungen<br />

betrachtet werden. Faktoren wie<br />

Basis-BSP-Unterstützung durch den<br />

CPU-Hersteller als auch das vom<br />

Modulhersteller bereitgestellte Softwarepaket<br />

sollte nicht nur begutachtet<br />

werden, sondern auch im Vorfeld<br />

auf die benötigten Funktionen<br />

getestet werden.<br />

Da die Stückzahlen bei Medizingeräten<br />

meist nicht an die Konsumerstückzahlen<br />

heranreichen, ist<br />

die individuelle Entwicklung jedes<br />

Systems aufwendig. Die Entwicklungskosten<br />

können bei einer falschen<br />

Entscheidung durch nicht<br />

geplante Redesigns und höheren<br />

Softwarekosten auf ein Mehrfaches<br />

des ursprünglich veranschlagten<br />

Wertes steigen. Dies geht dann nicht<br />

nur zu Lasten des Produkterfolges,<br />

sondern verzögert dazu noch den<br />

Markteintritt und beschert Umsatzeinbußen.<br />

Langzeitverfügbarkeit<br />

Bei der Auswahl der CPU sollte<br />

daher insbesondere darauf geachtet<br />

werden, dass diese langzeitverfügbar<br />

ist: Je länger eine CPU verfügbar<br />

ist, umso besser wird auch die<br />

Unterstützung der Software bezogen<br />

auf die Hardware. Bei der richtigen<br />

Vorauswahl kann hier richtig<br />

wertvolle Entwicklungszeit eingespart<br />

werden.<br />

Vorteil durch den Einsatz<br />

von Modulen<br />

Durch den Einsatz von Modulen<br />

können nicht nur Entwicklungs kosten<br />

eingespart werden, sondern auch<br />

das Risiken deutlich minimiert werden.<br />

CPU-Module sind in der Regel<br />

auch ausreichend qualifiziert und<br />

stellen dem Anwender eine stabile<br />

Basis in Hard- und Software<br />

zur Verfügung.<br />

Ein Modul wird meist nur einmal<br />

entwickelt und kann in verschieden<br />

Applikationen eingesetzt und<br />

gewonnenes Wissen wiederverwendet<br />

werden. Das bedeutet, dass<br />

der Aufwand des Entwicklungsprozesses<br />

und der Basisanpassung für<br />

die Software im Unternehmen nur<br />

einmal anfällt. Die Entwicklung kann<br />

sich auf die systemspezifische Hardware-<br />

und Softwareanforderungen<br />

konzentrieren.<br />

Applikationsbeispiele<br />

Ein Teil der CPU-Hersteller wirbt<br />

sogar regelrecht mit Applikationsbeispielen<br />

für den Bereich der medizinischen<br />

Anwendungen. Hier werden<br />

Blockdiagramme als auch Application<br />

Notes dem Anwender zur Verfügung<br />

gestellt. Auch für die meisten<br />

applikationsspezifischen Schnittstellenanforderungen<br />

werden Lösungsvorschläge<br />

angeboten. Diese versprechen<br />

eine schnelle Umsetzbarkeit<br />

für den Entwickler.<br />

Umfassendes<br />

Lösungsangebot<br />

Die Entwicklung von medizinischen<br />

Geräten unterstützt TQ<br />

mit einem umfassenden Lösungsangebot<br />

sowie bei der Zulassung<br />

von Produkten nach ISO 13488<br />

und MDD. Durch die Schnittstellenvielfalt<br />

und der freien Wahl eines<br />

Betriebssystems sind die ARMbasierenden<br />

Module universell einsetzbar<br />

- außerdem gibt es sie mittlerweile<br />

in allen Leistungsklassen<br />

von Cortex A7 bis hin zu Cortex<br />

A72. Multicore-Systeme mit integrierten<br />

Co-Prozessoren decken in<br />

den meisten Anwendungen die funktionale<br />

Sicherheit ab. Solche Controller<br />

werden mit einer zu qualifizierenden<br />

Firmware versehen, die<br />

autark zum Rest des Systems läuft.<br />

Zudem stehen für die Module auch<br />

verschiedene Softwarelösungen mit<br />

einer umfassenden Schnittstellenunterstützung<br />

sowie verschiedene<br />

Grafiklösungen bereit. Ein ausgereiftes<br />

Obsoleszenz Management<br />

von TQ sorgt für die notwendige<br />

Langzeitverfügbarkeit aller eingesetzten<br />

Systemkomponenten.<br />

Fazit<br />

Durch die richtige Auswahl von<br />

bereits bewähren und langzeitverfügbaren<br />

CPU-Architekturen, die als<br />

Entwicklungsgrundlage für medizinische<br />

Anwendungen prädestiniert<br />

sind, wird nicht nur Entwicklungszeit<br />

eingespart, sondern es kann auch<br />

meist auf eine zuverlässige und ausgereifte<br />

Softwareunterstützung aufgesetzt<br />

werden. Letztendlich wird<br />

das Entwicklungsrisiko deutlich minimiert<br />

und bringt so einen nicht zu<br />

vernachlässigbaren Vorteil.<br />

Wer schreibt:<br />

Konrad Zöpf ist staatlich geprüften<br />

Techniker und arbeitete nach<br />

seiner Ausbildung als Medizintechniker<br />

und Applikationsingenieur bei<br />

zwei Medizintechnik-Unternehmen.<br />

Seit mittlerweile 23 Jahren ist er bei<br />

der TQ-Group tätig, zunächst in der<br />

Elektronik-Entwicklung sowie seit<br />

gut dreizehn Jahren auch als Produktmanager<br />

in der Embedded-<br />

Sparte. Er verantwortet bei TQ die<br />

ARM- und Layerscape-Produktpalette.<br />

Seit Anfang 2020 ist er zusätzlich<br />

stellvertretender Bereichsleiter<br />

für TQ-Embedded. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

17


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Klein, schnell und günstig<br />

i.mx93 Lösungen von Ka-Ro<br />

Das auf dem Starterkit verbaute Modul ist mit NXP i.MX9352<br />

ausgestattet.<br />

Stecken oder Löten<br />

Ka-Ro präsentiert zwei Module<br />

mit dem neuen i.MX93 Prozessor<br />

von NXP. Hierbei handelt es sich<br />

um ein steckbares Modul aus der<br />

TX-SODIMM-Reihe sowie ein sehr<br />

kompaktes Lötmodul (27 x 27 mm)<br />

aus der QS-Lötmodulreihe.<br />

Der verwendete Applikationsprozessor<br />

i.MX9352 von NXP<br />

verfügt über zwei 1,5 GHz ARM<br />

Cortex A55 Cores und ein Echt-<br />

zeit-Cortex-M33-Mikrocontroller-<br />

Subsystem mit vollem Zugriff auf<br />

die Peripherie. Machine Learning<br />

wird durch die ARM Ethos-U65<br />

microNPU (Neural Processing Unit)<br />

mit 256 MACs/Cycle ebenfalls unterstützt.<br />

Die Module eignen sich für<br />

eine Vielzahl von Anwendungen,<br />

einschließlich kompakter, batteriebetriebener<br />

IoT-Geräte. Das prädestiniert<br />

sie für den Einsatz im<br />

Medizintechnikbereich.<br />

Grafik Engine und LVDS<br />

Interface integriert<br />

Für den Anschluss eines Displays<br />

steht auf dem TX-Modul eine Dual<br />

LVDS-Schnittstelle zur Verfügung.<br />

Das kompakte Lötmodul hat eine<br />

LVDS-Schnittstelle. Die Grafikdarstellung<br />

wird durch eine 2D GPU<br />

unterstützt.<br />

Zusätzlicher Cortex-M33-Kern<br />

für Echtzeit-Anwendungen<br />

Der im i.MX93 Cortex-M33-Kern<br />

kann klassische Mikrocontrolleraufgaben<br />

wie Echtzeitverarbeitung<br />

übernehmen. Somit dürfen kann<br />

auf einen externen Mikrocontroller<br />

verzichtet. Das senkt die Kosten<br />

des Gesamtsystems.<br />

Reichlich Peripherie –<br />

Zweimal Ethernet<br />

Die Module verfügen über eine<br />

sehr große Anzahl an Peripherie-<br />

Schnittstellen wie UART, I 2 C, SPI.<br />

Natürlich gibt es zwei CAN FD-<br />

Schnittstellen, sowie 2x USB 2.0.<br />

Ein Highlight der Peripherie sind<br />

sicherlich die zwei zur Verfügung<br />

stehenden Ethernet-Schnittstellen.<br />

vorkonfigurierten autonomen Sicherheits-Subsystem,<br />

das auf allen<br />

i.MX 9-Prozessoren standardmäßig<br />

integriert ist. Hierzu hat sich<br />

NXP mit Microsoft zusammengetan,<br />

um Chip-to-Cloud-Sicherheit<br />

mit mehr als zehn Jahren fortlaufender<br />

Updates und Sicherheitsverbesserungen<br />

anzubieten.<br />

Skalierbar mit planbarer<br />

Langzeitverfügbarkeit<br />

Außergewöhnliche Skalierbarkeit,<br />

umfassende Langzeitverfügbarkeit<br />

und ein breites Spektrum von<br />

Peripherieoptionen haben den Produkten<br />

der TX-Serie in unterschiedlichsten<br />

Marktsegmenten zu einer<br />

breiten Akzeptanz verholfen. Die<br />

i.MX93 basierenden Module sind<br />

für eine Verfügbarkeit von mindestens<br />

12 Jahren konzipiert.<br />

Flexibel austauschbar<br />

Mit den pin- und funktionskompatiblen<br />

Modulen von Ka-Ro sind<br />

Anwender enorm flexibel. Einfach<br />

austauschen – funktioniert aufwärtswie<br />

abwärtskompatibel. Muster<br />

sowie die passenden Starter-Kits<br />

werden im Laufe des Jahres verfügbar<br />

sein.<br />

GLYN GmbH & Co. KG<br />

www.glyn.de<br />

System-Sicherheit<br />

Die Sicherheit kommt von NXPs<br />

EdgeLock ‚Secure Enclave‘, einem<br />

18 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

i.MX93 Starterkit von Ka-Ro<br />

Eines der ersten Starterkits mit<br />

dem leistungsstarken i.MX93 on-<br />

Board ist das QS93-SV01 Modul<br />

von Ka-Ro. Für den Anschluss<br />

eines Displays steht auf dem Starterkit<br />

ein DF13 Konnektor zur Verfügung.<br />

Zu diesem Konnektor bietet<br />

GLYN passende Kabel an, damit<br />

die Displays aus dem umfangreichen<br />

TFT-Familien konzept direkt mit dem<br />

Kit betrieben werden können.<br />

Zweimal Ethernet<br />

Das Starterkit verfügt über zwei<br />

Ethernet-Schnittstellen sowie einen<br />

Rasberry-PI kompatiblen „Expansion<br />

Header“.<br />

Über das Modul steht eine sehr<br />

große Anzahl weiterer Peripherie-<br />

Schnittstellen zur Verfügung. Linux<br />

ist bereits vorinstalliert.<br />

Debugging<br />

Für das Debugging steht ein<br />

weiterer USB Port (USB to UART<br />

Bridge) bereit.<br />

• QS Modul QS93-5210 on-Board<br />

• Dual Ethernet<br />

• DF13 LVDS Display Connector<br />

• MIPI CSI Camera Connector<br />

• USB<br />

• 4-Layer PCB ◄<br />

TX93<br />

QS93<br />

Prozessor NXP i.MX93 Prozessor 1.2 GHz Dual Cortex ® -A55<br />

Co-Prozessor<br />

NPU<br />

GPU<br />

Temperature<br />

250 MHz ARM ® Cortex ® -M33 Core<br />

ARM Ethos U-65 microNPU<br />

2D GPU: blending/composition, resize,<br />

color space conversion<br />

Size 68 x 26 x 4 mm 27 x 27 x 2.7 mm<br />

Power Supply 3,3 V bis 5 V 3,3 V<br />

RAM 1 GB 1 GB<br />

ROM 4 GB eMMC 4 GB eMMC<br />

MIPI-DSI display interface -<br />

10/100Mbps Ethernet 1 -<br />

GB Ethernet RGMII 1 2<br />

USB 2.0 2 2<br />

UART 8 5<br />

I²C 7 7<br />

SPI 8 4<br />

CAN FD 2 2<br />

MIPI-CSI camera interface 1 1<br />

SD – Secure Digital Interface 1 1<br />

Serial Audio Port 2 1<br />

ADC – Analog Digital Converter 4 ch 12bit -<br />

Security<br />

Die Technischen Eigenschaften von DIMM und Lötmodul im schnellen Überblick<br />

EdgeLock Secure Enclave, Secure Boot, Crypto Tamper<br />

Detection, Secure Clock, Secure Boot<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

19


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Produktpalette um vier neue Branchen erweitert<br />

Gerade in so sensiblen Sektoren ist ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit gefordert.<br />

TL Electronic bietet jetzt Produkte an, die alle strengen Standards in puncto Robustheit und Ausfallsicherheit erfüllen.<br />

Gerade in so sensiblen Sektoren wie Schifffahrt,<br />

Medizin, Energie oder Verteidigung ist<br />

ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit gefordert.<br />

Nur wenige Hersteller bieten Hardware an, die<br />

alle strengen Standards in puncto Robustheit<br />

und Ausfallsicherheit erfüllen. Jetzt spielt auch<br />

der deutsche IT-Experte TL Electronic in dieser<br />

Liga mit. Seit 40 Jahren gilt TL Electronic als verlässlicher<br />

Partner für Industrial Computing. Wer<br />

sich so konsequent auf dem Markt behauptet,<br />

hat gelernt, am Puls der Zeit zu bleiben. Dem<br />

rasanten Wandel der letzten Jahre Tribut zollend,<br />

erweitert der IT-Experte sein Produkt-<br />

Portfolio in diesem Sommer um die vier neuen<br />

Bereiche Marine, Gesundheitswesen, Energie<br />

& Chemie sowie Defense.<br />

TL Electronic GmbH<br />

info@tl-electronic.de<br />

www.tl-electronic.de<br />

„Ultra-rugged“<br />

IT-Hardware, die härteste industrielle<br />

An sprüche erfüllt – dafür steht TL Electronic seit<br />

40 Jahren. Je nach Anforderung bot und bietet<br />

die Firma Computer-Systeme bis hin zu den Kategorien<br />

„rugged“ oder „ultra-rugged“ an. Jedoch<br />

sind derartige Handelsbezeichnungen nicht<br />

exakt definiert. Besteht z. B. Explosionsgefahr,<br />

wie das in Raffinerien oder Chemie fabriken der<br />

Fall ist, nimmt man es mit den Geräte standards<br />

erheblich genauer. Um hier nichts dem Zufall<br />

zu überlassen, darf ausschließlich zertifiziertes<br />

Equipment verwendet werden.<br />

Zertifizierte Lösungen<br />

für die Hochsicherheits-Industrie<br />

Die Erteilung solcher Zertifikate ist in vielerlei<br />

Hinsicht an strenge Vorgaben geknüpft. Um so<br />

stolzer kann TL Electronic nun ankündigen, ab<br />

sofort voll zertifiziertes IT-Equipment für wichtige<br />

Segmente der Hochsicherheits-Industrie<br />

im Sortiment zu führen. In enger Zusammenarbeit<br />

mit seinem taiwanesischen Partner Winmate<br />

stellt das Unternehmen dann z. B. Hardware-Produkte<br />

mit (großem) ATEX-Zertifikat<br />

für den Energie- und Chemiesektor bereit. Im<br />

medizintechnischen Bereich ergänzen Geräte,<br />

die entsprechend den Normen IEC/EN 60601-1<br />

und 60601-1-2 zertifiziert sind, das Portfolio von<br />

TL Electronic. Hierbei spielt die Abschirmung<br />

gegen elektromagnetische Störungen eine<br />

große Rolle.<br />

Salzwasser resistente<br />

Computersysteme<br />

Anforderungen einer anderen Art müssen<br />

Computersysteme erfüllen, die auf der Kommandobrücke<br />

von Schiffen eingesetzt werden.<br />

Hier hat unter anderem die Salzwasser-Resistenz<br />

oberste Priorität. Gesetzlich geregelt sind<br />

derartige Marine-Standards durch das DNV-<br />

Siegel sowie das IEC 60945-Zertifikat. Die nun<br />

erhältliche Produktlinie von Panel-PCs aus dem<br />

Hause Winmate kann beide davon vorweisen.<br />

So widerstandsfähig wie möglich<br />

Selbstredend gehört die Robustheit der eingesetzten<br />

Hardware in allen genannten Bereichen<br />

zu den wichtigsten Merkmalen. In keinem anderen<br />

Sektor spielt sie jedoch eine so große Rolle<br />

wie im Militär. Sowohl für die Gehäuse als auch<br />

die Steckverbinder gilt hier die Devise: so widerstandsfähig<br />

wie möglich. Eine Vielzahl von MIL-<br />

STD-Normen regelt die Anforderungen bei extrem<br />

schwankenden Temperaturen und Feuchtigkeit,<br />

bei Stößen, Stürzen, Vibrationen und der<br />

Einwirkung von Strahlung. Über sein Partnerunternehmen<br />

Winmate bezieht TL Electronic nun<br />

auch Military-Grade-Produkte, die sämtliche Kriterien<br />

für das Defense Computing erfüllen. ◄<br />

20 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Embedded-Module auf NXP-Basis<br />

Als Partner von NXP stellt TQ zwei Embedded-Module auf Basis des i.MX 91 sowie<br />

ein passendes Evaluation Board vor.<br />

Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

TQ-Systems GmbH<br />

www.tq-group.com<br />

Der Technologiedienstleister TQ,<br />

einer der führenden Embedded-<br />

Computing-Spezialisten, gibt die<br />

Verfügbarkeit von zwei neuen<br />

Embedded-Modulen und einem<br />

Evaluation Board bekannt. Die<br />

beiden Module basieren auf der<br />

i.MX 91 CPU von NXP und punkten<br />

mit sehr kleinen Bauweisen:<br />

Trotz Abmessungen von nur 38 mm<br />

x 38 mm und 281 Pins beim LGA-<br />

Modul TQMa91xxLA sowie 54 mm<br />

x 32 mm und 240 Pins beim Steckmodul<br />

TQMa91xxCA stehen alle<br />

Signalpins der CPU zur Verfügung.<br />

Für höchste Ansprüche<br />

Beide Module sind mit ausreichend<br />

externem Speicher, einem<br />

optionalen Security-Chip sowie<br />

einem für die CPU passenden NXP-<br />

PMIC ausgestattet. Um höchsten<br />

Ansprüchen gerecht zu werden,<br />

hat TQ die Module mit einem Gyroscope-Sensor<br />

ausgestattet. Dank<br />

der Vielseitigkeit des Prozessors<br />

und der sehr guten Verlust leistung<br />

von rund einem Watt ermöglichen<br />

diese Moduldesigns zahlreiche<br />

Anwendungen in diversen Steuerungssytemen.<br />

Leistungsfähig<br />

mit vielen Schnittstellen<br />

Mit dem TQMa91xxLA und dem<br />

TQMa91xxCA bietet TQ ein neues<br />

LGA-Modul und ein funktionskompatibles<br />

Steckmodul auf Basis des<br />

i.MX 91 SoC von NXP an.<br />

Die neue Generation der NXP<br />

i.MX 91-Applikationsprozessoren<br />

verfügt über einen Arm Cortex-<br />

A55-Kern und arbeitet mit Taktfrequenzen<br />

von bis zu 1,4 GHz.<br />

Schnittstellen wie USB 2.0 Typ C mit<br />

PHY, Gigabit Ethernet, CAN-FD und<br />

FlexIOs sowie verschiedene Möglichkeiten<br />

zum Anschluss externer<br />

Speicher sind ebenfalls integriert.<br />

Kostengünstige Module<br />

„Als langjähriger Partner freuen<br />

wir uns sehr, zwei kostengünstige<br />

Module anbieten zu können, die auf<br />

der neuen leistungsfähigen Applikationsprozessorfamilie<br />

i.MX 91 von<br />

NXP basieren. Der i.MX-91 Prozessor<br />

ist eine gute Ergänzung für<br />

alle Anwender des i.MX 6UL und<br />

i.MX 6ULL von NXP, die weiterhin<br />

auf eine kostengünstige, aber leistungsfähigere<br />

und moderne Plattform<br />

setzen wollen. Zusätzlich bieten<br />

die i.MX-91-SoCs High-Speed-<br />

Schnittstellen wie TSN und Gigabit-Ethernet,<br />

eine bessere Grafikleistung,<br />

EdgeLock Secure Enclave<br />

sowie eine höhere Rechenleistung<br />

für viele Edge-Anwendungen“,<br />

erklärt Konrad Zöpf, Deputy<br />

Director TQ Embedded und Product<br />

Management Arm / Layerscape<br />

bei TQ. „Damit bieten die<br />

neuen Module Anwendungen wie<br />

Gateways, Steuerungen in der<br />

Gebäude- und Industrieautomatisierung,<br />

Zeit erfassungssysteme,<br />

medizinische Geräte in der Diagnostik<br />

oder sogar Aufzugsteuerungen<br />

eine ideale Plattform.“<br />

Passendes Mainboard<br />

Angepasst an die zahlreichen<br />

Einsatzmöglichkeiten der<br />

TQMa91xx-Module entwickelte<br />

TQ parallel zu den Modulen auch<br />

ein passendes Mainboard. Das<br />

170 mm x 170 mm große Design<br />

MBa91xxCA dient zur Evaluierung<br />

beider Modul typen. Zudem bietet<br />

dieses Mainboard wie gewohnt eine<br />

Vielzahl von industriellen Schnittstellen<br />

und Funktionen.<br />

Hohe Lösungskompetenz<br />

„TQ ist ein langjähriger und<br />

zuverlässiger NXP-Partner für Embedded<br />

Board Solutions“, erklärt<br />

Robert Thompson, Director Secure<br />

Connected Edge Ecosystem bei<br />

NXP Semiconductors. „TQ verfügt<br />

über ein exzellentes Knowhow<br />

und trägt mit seiner Kompetenz<br />

und Erfahrung maßgeblich<br />

zur Entwicklung von zuverlässigen<br />

NXP-basierten Lösungen<br />

bei. Neben den TQ-Embedded-<br />

Modulen, basierend auf den i.MX-<br />

Applikationsprozessoren und den<br />

Layerscape-Kommunikations-<br />

CPUs sowie Security-Chips, finden<br />

Kunden auch Lösungsbausteine<br />

wie WiFi und programmierbare<br />

analoge Front ends auf<br />

Basis der NXP-Technologie auf<br />

den Mainboard-Produkten. Von<br />

der langjährigen Zusammenarbeit<br />

und Lösungskompetenz von<br />

TQ und NXP profitieren Kunden<br />

bei der Umsetzung ihrer eigenen<br />

Lösungen und sparen somit wertvolle<br />

Entwicklungszeit.“ ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

21


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

All-In-One-PCs und mobile IT-Hardware für Kliniken,<br />

Praxen und Rettungskräfte<br />

Mobile All-In-One-PCs und besonders stabile medizinische Tablets für Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Praxen<br />

und Rettungsdienste sind das Kernangebot von Concept.<br />

Alle Bilder © Concept International<br />

Das Angebot richtet sich an Kunden, die besonders<br />

haltbare und zuverlässige Geräte schätzen<br />

und Wert darauf legen, dass neue Hardware<br />

schnell und unkompliziert in der anspruchsvollen<br />

IT-Landschaft der Medizinbranche Leistung<br />

bringt. Auf der DMEA in Berlin zeigte Concept<br />

Geräte der Marken DT Research und Future-<br />

PAD, beispielsweise ein mit 17 Zoll ungewohnt<br />

großes medizinisches Tablet und einen Monitor<br />

mit Powerbank für PCs und Vital monitore, den<br />

es in dieser Form bisher nicht gab.<br />

Concept International<br />

www.concept.biz<br />

Gero Weber, Business Development Manager<br />

für Medizin produkte bei Concept International<br />

kommentiert: „Basis für den Erfolg ist innovative<br />

Hardware, die störungsfrei über Jahre läuft<br />

und die man sich leisten kann im aktuellen Rotstift-Umfeld.“<br />

Mehr Digitalisierung vor Ort:<br />

AIO-PCs für Visitenwägen<br />

Worauf es im medizinischen Bereich in puncto<br />

Hardware ankommt, demonstrierte Concept<br />

International auf der DMEA anhand mobiler<br />

Computer und Tablet-PCs von DT Research<br />

und FuturePAD, die der Value Added Distributor<br />

im deutschsprachigen Raum und einzelnen<br />

EU-Ländern vertreibt - natürlich mit antimikrobiellem,<br />

reinigungs mittelresistentem Gehäuse,<br />

medizinisch geprüft, normiert und zertifiziert.<br />

Großen Anteil am Erfolg haben die All-In-<br />

One-PCs der DT58x-Serie, gedacht sowohl<br />

für den stationären als auch den mobilen Einsatz<br />

auf Visiten- und Pflegewägen. Sie garantieren<br />

den unterbrechungsfreien Betrieb (Mindestlaufzeit<br />

sind 14 bis 16 Stunden) mit drei<br />

leistungsfähigen, im Betrieb wechselbaren „Hot<br />

Swap“-Akkus für Datenerfassung und -abruf für<br />

jedes Einsatzszenario.<br />

Leicht und kompakt<br />

Die aktuell neu designte Version des DT584<br />

ist besonders leicht und schmal: 4,2 cm Rahmenbreite<br />

und selbst mit allen drei optionalen<br />

Power-Akkus maximal 7,9 kg schwer – da kann<br />

mancher Monitor nicht mithalten! Zusätzlich dient<br />

der AIO-PC auch noch optional als Powerbank<br />

und versorgt mit jeweils einem 12-, 15- oder<br />

19-V-Anschluss bis zu drei weitere Geräte, beispielsweise<br />

einen zusätzlichen Monitor, Vitalmonitor,<br />

Label-Drucker oder Scanner.<br />

Einfach zu reinigen<br />

Dank glatter Gehäuserückseite mit IPX2-<br />

Schutzklasse sowie IP65-geschützter Front,<br />

sind die All-in-One-PCs einfach zu reinigen und<br />

erfüllen die Hygieneanforderungen in klinischen<br />

Umgebungen. Sie sind EN60601-1 zertifiziert.<br />

Es gibt die Serie mit den Vertretern DT581,<br />

DT582 und DT584 in verschiedenen Leistungsund<br />

Größen stufen mit kapazitiven Touchscreens<br />

von 19,5 über 22,5 bis zu 23,8 Zoll Bildschirmdiagonale.<br />

Der Arbeitsspeicher rangiert zwischen<br />

8 und 64 GB. Die Prozessoren kommen,<br />

entsprechend den Anforderungen entweder aus<br />

der stromsparenden Intel Pentium-Gold- oder<br />

der Core-i-Familie (i5, i7, i9).<br />

Mehr Mobilität durch ultraschlanke<br />

medizinische Tablets<br />

Das FPQ10 Tablet von FuturePAD mit<br />

10,1-Zoll-Bildschirm ist nicht nur „fully rugged“,<br />

hält also jede Menge aus, sondern gilt mit 10 mm<br />

als das dünnste Gerät seiner Klasse. Damit sind<br />

die wichtigsten Daten auch unterwegs tatsächlich<br />

immer dabei, ganz ohne sperrige Zusatzgeräte.<br />

Je nach Wunsch wird das Tablet, passend zur<br />

vorhandenen Software-Umgebung mit Windows<br />

oder, besonders energiesparend und leistungsfähig,<br />

jetzt auch mit Android 11 ausgeliefert.<br />

Extrem große Bildschirmdiagonale<br />

Eine andere Zielrichtung verfolgt DT Research<br />

mit dem medizinischen Tablet DT373, das über<br />

die bekannten Wechsel-Akkus verfügt. Mit 17 Zoll<br />

bietet es die größte Bildschirmdiagonale, die bei<br />

medizinischen Tablets auf dem Markt zu haben<br />

ist. Noch mobil einzusetzen, aber vor allem brillant<br />

und detailreich für anspruchsvolle, bildgebende<br />

Verfahren und viele übersichtliche Informationen.<br />

Intern greift das DT373 auf einen Core-i-Prozessor<br />

der 11. Generation zurück. Zu den Highlights<br />

gehören austauschbare Akkus, ein Chipkartenleser<br />

und optional 4G oder 5G sowie eine<br />

VESA-75-Vorrichtung für Halterungen bei einem<br />

Gesamtgewicht von 2 kg.<br />

Mehr als ein Bildschirm<br />

Auf der DMEA wurde erstmals der clevere<br />

Monitor DT722/724 als Neuentwicklung vorgestellt.<br />

„Der Clou sind die bekannten, optionalen<br />

drei Hot-Swap-Akkus mit einem DC-Output-<br />

Management für Drittgeräte“, meint Gero Weber.<br />

Wie beim AIO-PC kann der Monitor also als<br />

„Powerbank“ genutzt werden und versorgt mit<br />

je einem Anschluss 12-, 15- und 19-V-Geräte<br />

wie Mini-PCs, Scanner und Vitaldatengeräte.<br />

Ob mit AIO-PCs, Tablets oder brillanten<br />

Monitoren: Die richtigen Daten zur richtigen Zeit<br />

am richtigen Ort<br />

22 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Mit drei „Hot Swap“-Akkus<br />

ist der Dauerbetrieb kein<br />

Problem. Die All-In-One-<br />

PCs und Monitore von<br />

DT Research können sogar<br />

noch bis zu drei weitere<br />

Geräte mit Strom versorgen.<br />

Die Darstellung ist hochauflösend in FHD<br />

auf einem kapazitiven 24- oder 27-Zoll-Touchscreen,<br />

der DT722 ist ebenfalls antimikrobiell<br />

(zertifiziert nach ANSI/AAMI ES60601-1) und<br />

mit WiFi und optionaler Frontkamera ausgestattet,<br />

zum Beispiel zur sicheren, datenschutzkonformen<br />

Identifizierung. VESA-Kompatibilität versteht<br />

sich von selbst. Mit zahlreichen Anschlüssen<br />

wie drei USB 3.0, HDMI und USB-B-Input<br />

fügt er sich problemlos in jede denkbare Hardware-Umgebung<br />

ein.<br />

Mehr Strom für unterwegs<br />

Mit dem 3-fach-Li-Ion-Akku-Pack bietet<br />

Concept eine einfache, leichte, praktische und<br />

auch sichere Lösung für die mobile Stromversorgung,<br />

etwa auf Visitenwägen an. Die reine<br />

Strommanagementlösung ist insgesamt etwa<br />

so groß wie vier dicke Taschenbücher übereinander<br />

und wiegt, inklusive Gehäuse und Halterung,<br />

knapp über 2 kg. Sie wird mit exakt den<br />

gleichen Akkus bestückt, die schon als Energiequelle<br />

für die DT58x-Serie und den Monitor<br />

DT722/724 dienen.<br />

Die Akkus lassen sich im stabilen Aluminiumgehäuse<br />

unterbrechungsfrei während des<br />

Betriebes tauschen und versorgen bis zu drei<br />

Geräte gleichzeitig mit jeweils einmal 12, 15<br />

oder 19 V. Jeder Einzelakku leistet 90 W bei<br />

8250 mAh. Es handelt sich um den gleichen<br />

Typ wie für die DT58x-Serie.<br />

Das Battery Holster lässt sich an Visiten- und<br />

Pflegewägen durch vielfältige Verschraubungsmöglichkeiten<br />

leicht sinnvoll unterbringen und<br />

Das Battery Holster lässt sich an Visiten- und<br />

Pflegewägen leicht unterbringen und versorgt<br />

bis zu drei Schichten mit Strom<br />

bietet im regulären Betrieb meist für mehr als<br />

nur eine Schicht Energie. Ein flexibles LED-<br />

Kabel dient zur Kontrolle des Ladezustandes. ◄<br />

Weitere Informationen unter:<br />

www.medical-pc.de<br />

Zertifizierte Hardware-Lösungen<br />

für die hochmoderne Medizin<br />

› Lüfterlose Panel PCs mit Intel® Core 12 th Gen. und antibakteriellem Gehäuse<br />

› Medizinische Tablets (7- bis 12-Zoll) für die Erfassung von Patientendaten<br />

› Medizinische Geräteserver mit bis zu acht galvanisch-isolierten seriellen<br />

Anschlüssen und Power-over-Ethernet<br />

› Medizinische Embedded PCs mit oder ohne PCIe x16 Steckplätze<br />

SEAL Tablet Serie<br />

SEAL Panel PC Serie<br />

Digi Connect ES Serie<br />

www.bressner.de


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Erweitertes Ökosystem bietet Kunden optimierten<br />

Support und verkürzte Markteinführungszeiten<br />

ARIES Embedded tritt Partnerprogramm von STMicroelectronics bei<br />

Durch die Auswahl, Qualifizierung<br />

und Zertifizierung von autorisierten<br />

Partnern wissen die Kunden, dass<br />

diese über die nötige Expertise verfügen,<br />

um ihre Design- und Entwicklungsaktivitäten<br />

zu beschleunigen.<br />

Damit stellen wir sicher, dass unsere<br />

Kunden die robustesten und effizientesten<br />

Produkte und Services auf<br />

den Markt bringen.“<br />

STMicroelectronics – ein weltweit<br />

führendes Halbleiterunternehmen,<br />

das Kunden aus dem<br />

gesamten Spektrum elektronischer<br />

Anwendungen bedient – hat das<br />

ST-Partnerprogramm ins Leben<br />

gerufen, um die Designzeiten der<br />

Kunden zu verkürzen. Dazu identifiziert<br />

ST Unternehmen mit komplementären<br />

Produkten und Dienstleistungen<br />

und stellt sie heraus.<br />

Mit dem Zertifizierungsprozess des<br />

Programms überprüft ST zudem<br />

alle Partner regelmäßig auf Qualität<br />

und Kompetenz.<br />

ARIES Embedded GmbH<br />

info@aries-embedded.de<br />

www.aries-embedded.com<br />

ARIES Embedded, Spezialist für<br />

Embedded-Services und -Produkte,<br />

tritt dem Partnerprogramm von<br />

STMicroelectronics bei, um Service<br />

und Support für die Kunden<br />

weiter zu optimieren. „Als autorisierter<br />

Partner von ST bündeln wir<br />

unser Knowhow, um unseren Kunden<br />

unsere erweiterte Technologie-<br />

Expertise bereitzustellen“, erläutert<br />

Andreas Widder, Geschäftsführer<br />

der ARIES Embedded GmbH.<br />

„Wir sind stolz darauf, unsere Kenntnisse<br />

und Erfahrung im Embedded-<br />

Bereich mit den Produkten, Technologien<br />

und Lösungen von ST zu<br />

verbinden. Unser erstes ST-basiertes<br />

Modul ist das OSM-kompatible<br />

‚MSMP1‘ System-on-Package (SiP)<br />

für Anwendungen in den Bereichen<br />

IoT, Medizintechnik und industrielle<br />

Systeme.“ Kern des SiP ist ein Mikroprozessor<br />

der STM32MP1-Serie von<br />

STMicroelectronics mit leistungsstarken<br />

Single- oder Dual-Arm-<br />

CortexA7-Kernen (bis zu 800 MHz),<br />

kombiniert mit einem CortexM4-Kern<br />

(bis zu 209 MHz).<br />

Autorisierter Partner für<br />

optimierten Kundenservice<br />

„Das ST-Partnerprogramm ist<br />

ein hochwertiges Angebot, das<br />

die Erwartungen unserer Kunden<br />

und Partner übertroffen hat“,<br />

ergänzt Alessandro Maloberti,<br />

Partner Ecosystem Director bei<br />

STMicroelectronics. „Es unterstützt<br />

die Designteams der Kunden durch<br />

den Zugriff auf starke ergänzende<br />

Fachkenntnisse, Werkzeuge und<br />

Ressourcen, die die Herausforderungen<br />

der Designphase bis zur<br />

Marktreife über das gesamte Ökosystem<br />

von Produkten und Services<br />

hinweg erfüllen. Bauteile von<br />

ST lassen sich so einfach in Projekte<br />

integrieren.<br />

Effizientes, vielseitiges und<br />

stromsparendes Modul<br />

Das MSMP1 SiP ist konform zum<br />

OSM (Open Standard Module)-<br />

Standard von SGET. Nahezu alle<br />

Funktionen der CPU sind auf<br />

476 Kontakten der kleinen Boardfläche<br />

von lediglich 30 auf 45 mm<br />

verfügbar. Es zeichnet sich durch die<br />

geringe Leistungsaufnahme, kleine<br />

Bauform und wettbewerbsfähige<br />

Kosten aus. Die MSMP1-Module<br />

sind hinsichtlich Performance und<br />

Speicherausbau skalier bar und lassen<br />

sich dadurch individuell an viele<br />

Projektanforderungen anpassen.<br />

Die System-in-Packages unterstützen<br />

512 MB bis 4 GB DDR3L RAM,<br />

SPI-NOR Flash und 4 bis 64 GB<br />

eMMC NAND Flash. Die zahlreichen<br />

Schnittstellen umfassen unter anderem:<br />

10/100/1000-Mbit-Ethernet,<br />

USB2.0 Host/OTG, 2x CAN, UART,<br />

I 2 C, SPI, ADC/DAC, sowie eine parallele<br />

Display-Schnittstelle und<br />

einen Kameraeingang. Die Module<br />

sind im kommerziellen Temperaturbereich<br />

mit 0 °C bis +70 °C sowie<br />

im industriellen Temperaturbereich<br />

mit -40 °C bis +85 °C verfügbar. ◄<br />

24 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Mobiler Panel-PC für den medizinischen Einsatz<br />

POCm-W Serie – Mobiles Point-of-care-Terminal<br />

Eine 5-Megapixel-Webcam mit Auto-Fokus und<br />

digitalem Mikrofon, zwei 3-Watt- Lautsprecher<br />

sowie WLAN-Funktionalität vollenden die Features<br />

für den Einsatz im mobilen Umfeld. Als<br />

Zubehör steht neben der Batterie-Docking-<br />

Station und den Li-Ion-Batterien ein USB VoIP<br />

Telefon mit Halter, ein Magnetkartenleser, ein<br />

Mifare RFID Leser, ein TPM Modul und Kabelabdeckungen<br />

zur Verfügung. Auf Kundenwunsch<br />

assembliert ICP den POCm-W mit gewünschtem<br />

Betriebssystem und passenden industriellen<br />

Komponenten.<br />

Spezifikationen:<br />

• 21,5” und 23,8” lüfterlose Panel PC<br />

mit Full-HD-Auflösung<br />

• 6. Gen. Intel Core i5/i3/Celeron Prozessor<br />

• PCAP Projected-Capacitive<br />

Multitouch Screen<br />

Speziell für den mobilen Einsatz im medizinischen<br />

Umfeld bietet ICP Deutschland eine<br />

neue Panel-PC-Serie an. Der POCm-W kann mit<br />

bis zu drei Li-ION-Batterie-Packs bestückt werden<br />

und so eine Laufzeit von 8 Stunden realisieren.<br />

Durch die Hot-Swap-Funktion und die optionale<br />

Batterie Docking Station, kann die Laufzeit<br />

beliebig verlängert werden. Im Vergleich<br />

zu herkömmlichen Visitenwägen mit LiFePO 4 -<br />

Batterie-Einheiten, ist durch die Verwendung<br />

von Li-ION Batterien eine Gewichtsersparnis<br />

von mehr als 5 Kilogramm möglich.<br />

Geeignet für Mehrschichthandschuhe<br />

Der POCm-W wird in den Displaygrößen 21,5“<br />

und 23,8“ mit einer Auflösung von 1920x1080<br />

und einem projected-capacitive Touch angeboten.<br />

Der Touch ist optimiert für den Einsatz von<br />

Mehrschichthandschuhen und die Erkennung<br />

von Spritzwasser und Wassertropfen. Das<br />

Gehäuse ist anti-bakteriell, bietet einen IP65<br />

Frontschutz und eine Rückseite mit IP32 Schutz.<br />

Es wird jeweils eine passiv gekühlte Variante mit<br />

Intel mobile ULT Core i7-6600U, i5-6300U und<br />

Celeron 3855U angeboten.<br />

Speicher und Schnittstellen<br />

Der POCm-W ist mit 4 GB DDR4 RAM vorbestückt<br />

und kann auf bis zu 32 GB erweitert<br />

werden. Für Speichermedien stehen sowohl<br />

ein von außen zugänglicher 2,5“ SATA Laufwerksschacht<br />

als auch zwei M.2 Schnittstellen<br />

mit RAID Funktionalität zur Verfügung. Ferner<br />

bietet der POCm-W zwei GbE Netzwerkschnittstellen,<br />

zwei HDMI, zwei RS-232/422/485, vier<br />

USB 3.0, zwei USB2.0, sowie Audioanschlüsse.<br />

• Anti-bakterielle Oberfläche mit IP65<br />

Frontblende und IP32 Rückdeckel<br />

• Drei Hot-Swap Batterieeinschübe für den<br />

Einsatz von Batterien<br />

• Medizinische Zulassung nach EN60601<br />

Anwendungsbereiche/Applikationen:<br />

• Visitenwägen<br />

• Pflegeeinrichtungen<br />

• Krankenhäuser<br />

• Altenheime<br />

ICP Deutschland GmbH<br />

www.icp-deutschland.de<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

25


Künstliche Intelligenz<br />

Die Möglichkeiten und Grenzen<br />

künstlicher Intelligenz<br />

... und wie es für KI jetzt weitergeht<br />

KI wird im industriellen Umfeld vielseitig eingesetzt– und wird immer wichtiger<br />

© SALT AND PEPPER Holding GmbH & Co. KG<br />

Autor:<br />

André Wilmshöfer<br />

Geschäftsführer<br />

SALT AND PEPPER Technology<br />

www.salt-and-pepper.eu<br />

Künstliche Intelligenz ist ein<br />

schnell wachsendes und viel diskutiertes<br />

Thema – zurecht. Die Fortschritte<br />

sind exponentiell und beeindruckend.<br />

Beispiele wie ChatGPT,<br />

DALL-E oder auch Lensa sorgen<br />

aktuell für Aufsehen. Und sie zeigen,<br />

dass KI gerade anfängt, ihr<br />

Potenzial auszuschöpfen. Somit<br />

wird es Zeit, Prognosen aufzustellen<br />

– sowohl über die weitere Entwicklung<br />

dieser Technologie als<br />

auch welchen Einfluss sie auf die<br />

verschiedensten Lebensbereiche<br />

haben wird.<br />

Die Entwicklung wirft Fragen<br />

auf: Kann sich KI wirklich unbegrenzt<br />

weiterentwickeln? Oder gibt<br />

es irgendwann Grenzen, an die<br />

sie stößt? Wenn sie keine Grenzen<br />

hat, müssen wir ihr welche<br />

setzen? Was für gesetzliche und<br />

gesellschaftliche Regulierungen<br />

werden nötig, die immer mehr<br />

Bereiche unseres alltäglichen<br />

Lebens beeinflussen?<br />

Kosten, Zeit und<br />

Ressourcen sparen<br />

In Deutschland schreitet die Digitalisierung<br />

seit vielen Jahren im industriellen<br />

Umfeld konstant voran. Dies<br />

führt dazu, dass immer mehr Daten<br />

genutzt werden können, die zuvor<br />

noch nicht zur Verfügung standen.<br />

Für KI bedeutet das, dass auf<br />

Basis solcher Daten innovative<br />

Lösungen für Produktionen oder<br />

anderweitige Prozessabläufe entwickelt<br />

werden können, die Kosten,<br />

Zeit und andere wichtige Ressourcen<br />

einsparen. Beispiele dafür sind<br />

Verfahren wie Predictive Quality<br />

oder Predictive Maintenance: Hier<br />

werden Qualität oder systematische<br />

Fehlentwicklungen in der Produktion<br />

analysiert und automatisch eingeschätzt.<br />

Das reduziert beispielsweise<br />

Reklamationen durch Kunden<br />

nach Auslieferung oder ermöglicht<br />

auch eine bessere Planung<br />

der Wartungs intervalle für<br />

die Maschinen.<br />

Weitere<br />

Einsatzmöglichkeiten<br />

Doch nicht nur in der Industrie findet<br />

KI viele Einsatzmöglichkeiten,<br />

auch in Branchen wie Gesundheit<br />

oder Sicherheit kann sie wertvolle<br />

Unterstützung liefern. In der Medizin<br />

bieten sich Unterstützungsmöglichkeiten<br />

bei der Analyse und<br />

Diagnose klinischer Daten. In der<br />

Sicherheitsindustrie kann u. a. die<br />

Detektion unerwünschter Gegenstände<br />

optimiert werden – beispielsweise<br />

an Flughäfen. So wird<br />

sichergestellt, dass z. B. Waffen<br />

oder andere unerlaubte Gegenstände<br />

immer erkannt werden –<br />

unabhängig davon, wie unaufmerksam<br />

oder müde die zuständigen Mitarbeitenden<br />

sind. KI ermöglicht in<br />

diesen Fällen eine Entkopplung der<br />

Erkennungsrate vom menschlichen<br />

(Unsicherheits-)Faktor.<br />

Trends für <strong>2023</strong><br />

Für dieses Jahr kristallisieren sich<br />

weitere Trends heraus. Besonders<br />

Aspekte der Nachhaltigkeit und Ethik<br />

spielen dabei eine immer entscheidendere<br />

Rolle. Denn: Je größer die<br />

Einsatzgebiete von KI werden, desto<br />

wichtiger wird auch der verantwortungsvolle<br />

Umgang mit ihr. Das beinhaltet<br />

Fragen der verantwortungsvollen<br />

und sicheren Datennutzung,<br />

wie der Einsatz von KI nachhaltiger<br />

gestaltet werden kann oder auch<br />

die Gewährleistung der Sicherheit<br />

von Menschen, die im engen Kontakt<br />

zu ihr arbeiten.<br />

Wo KI (noch)<br />

an Grenzen stößt<br />

KI hat unfassbar viel Potenzial<br />

– und kann doch schnell an Grenzen<br />

stoßen, trotz aller positiven Entwicklungen<br />

und Prognosen. Dies<br />

gilt vor allem, wenn neben den bisher<br />

gemachten Erfahrungen auch<br />

emotionale Aspekte in die Entscheidungsfindung<br />

einfließen müssen,<br />

wie z. B. in der Medizin.<br />

Auch lassen sich ethische und<br />

moralische Aspekte einem KI-<br />

System (noch) nicht eindeutig vermitteln.<br />

Gleichzeitig kommt hier die<br />

26 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Künstliche Intelligenz<br />

Frage nach den „richtigen” Kriterien<br />

für das Machine Learning hinzu.<br />

Die Bias, also die Vorbewertung<br />

der Daten, ist stark von kulturellen,<br />

religiösen und anderen hochindividuellen<br />

Hintergründen der jeweiligen<br />

Daten analysten abhängig. Dies<br />

kann sogar so weit gehen, dass die<br />

trainierten KI-Systeme Menschen<br />

diskriminieren – ohne, dass dies<br />

ursprünglich beabsichtigt war.<br />

So vielseitig wie KI ist, so vielseitig<br />

sind auch die Herausforderungen,<br />

die mit ihr einhergehen.<br />

Doch künstliche Intelligenz ist nicht<br />

per se gut oder schlecht. Sie übernimmt<br />

nur das, was wir ihr – auch<br />

unbewusst – weitergeben.<br />

Normung<br />

ermöglicht Entwicklung<br />

Um mit diesen Herausforderungen<br />

in Zukunft besser und souveräner<br />

umgehen zu können, brauchen wir<br />

Regulierungen und gewisse Standards,<br />

die einen Handlungsrahmen<br />

als Grundlage vorgeben.<br />

Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung<br />

im Rahmen ihrer KI-<br />

Strategie die Entwicklung der sogenannten<br />

„Normungsroadmap KI”<br />

veranlasst. Sie soll konkrete Handlungsempfehlungen<br />

für die Standardisierung<br />

und Normung künstlicher<br />

Intelligenz skizzieren. Im<br />

Dezember 2022 wurde die 2. Ausgabe<br />

dieser Roadmap an Bundesminister<br />

Robert Habeck übergeben<br />

und veröffentlicht. Mehr als<br />

570 Fachleute aus verschiedenen<br />

Bereichen haben an diesem Projekt<br />

aktiv mitgewirkt. Die Ergebnisse<br />

wurden Ende Januar von<br />

der DIN und der Deutschen Kommission<br />

für Elektrotechnik, Elektronik<br />

und Informationstechnik (DKE)<br />

gemeinsam mit dem Bundesministerium<br />

für Wirtschaft und Klimaschutz<br />

in einer virtuellen Veranstaltung<br />

vorgestellt.<br />

Einsatzort<br />

Wichtige Kriterien, die für den<br />

Einsatz von KI reguliert werden,<br />

sind beispielsweise die Auswahl<br />

und Repräsentativität der Trainingsdatensätze<br />

vor dem Hintergrund<br />

des Einsatzortes. So kann<br />

einer versehentlichen Diskriminierung<br />

oder anderen Fehleinschätzungen<br />

seitens der KI vorgebeugt<br />

werden – vor allem, wenn mit Daten<br />

trainiert wird, die sich auf Menschen<br />

beziehen. Im medizinischen<br />

Bereich würde das z. B. bedeuten,<br />

dass auch Aspekte wie Ethnie,<br />

Alter, Krankenhistorie oder weitere<br />

Nebendiagnosen berücksichtigt<br />

werden müssen.<br />

Gütekriterien<br />

Andere Regulierungskriterien<br />

beinhalten u. a. Metriken, also<br />

Gütekriterien zu Einschätzung<br />

der Performance der verwendeten<br />

Datensätze, die Einhaltung des<br />

Datenschutzes und welche Regeln<br />

für die Datennutzung gelten, oder<br />

auch Haftungsfragen im Hinblick<br />

auf den Autonomiegrad einer KI-<br />

Software.<br />

Die Normung von Künstlicher<br />

Intelligenz bildet einen enormen<br />

Meilenstein. Sie ist so wichtig, weil<br />

sie die Basis zur Formulierung von<br />

Rechtsvorschriften bildet: Sobald<br />

bestimmte Kriterien definieren,<br />

ab wann ein System sicher und<br />

funktional ist, können auf dieser<br />

Grundlage Gesetze geschaffen<br />

werden. Besonders in sensibleren<br />

Bereichen, wie der Sicherheit<br />

und Gesundheit von Personen, ist<br />

das ein wichtiger Aspekt. Gerade<br />

dort werden Regulierungen Sicherheit<br />

schaffen und Beteiligte rechtlich<br />

absichern.<br />

Gleichzeitig ergeben ssich Vorteile<br />

für den Einsatz von KI – sie<br />

kann so in Bereichen eingesetzt<br />

werden, in denen ihr Einsatz zuvor<br />

undenkbar gewesen wäre. Dies trifft<br />

beispielsweise auf den Medizintechnikbereich<br />

zu – insbesondere den<br />

Hochrisikobereich der Medizinprodukteklassen<br />

IIa, IIb und III – bei<br />

dem für den Marktzugang hohe<br />

Zertifizierungshürden überwunden<br />

werden müssen. Die Normung wird<br />

hier enorm viel erleichtern.<br />

Autonom agieren<br />

Indem Normungskriterien eingehalten<br />

werden, kann KI autonom<br />

verwendet werden – und somit aus<br />

dem Schattendasein eines reinen<br />

„Vorschlagssystems” heraustreten.<br />

Wie das aussehen kann, erleben<br />

viele bereits heute in ihrem Alltag mit<br />

ihrer Einparkhilfe: Hier kann die KI<br />

unter Aufsicht des Fahrers bereits in<br />

einigen Teilen vollkommen autonom<br />

agieren. Die mit der Normung einhergehende<br />

Zertifizierung von KI-Systemen<br />

führt dazu, dass viele manuelle<br />

und teilautomatisierte Prozesse im<br />

nächsten Schritt in die Vollautomatisation<br />

überführt werden können.<br />

Das entlastet Fachkräfte. Aber<br />

gleichzeitig entstehen diverse Herausforderungen<br />

in der Arbeitsplatzgestaltung.<br />

Unternehmen und Mitarbeitende<br />

werden sich auf neue<br />

Arbeitsumgebungen einstellen müssen.<br />

Alte Prozesse verschwinden<br />

und neue entstehen, während sich<br />

Mit dem verstärkten Einsatz von KI in den verschiedensten Bereichen<br />

ergeben sich neue Use Cases – von Flughafensicherheit bis Medizin. Ein<br />

verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie wird deshalb umso<br />

wichtiger. © SALT AND PEPPER Holding GmbH & Co. KG<br />

Die 2. Ausgabe der Normungsroadmap KI wurde im Dezember 2022 an<br />

Bundesminister Robert Habeck beim Digitalgipfel übergeben<br />

© Stefan Zeitz, Digitalgipfel 2022<br />

die Aufgabenbereiche der Mitarbeitenden<br />

verschieben. So werden<br />

beispielsweise manuelle Qualitätsinspektionen<br />

in Zukunft von KI-<br />

System durchgeführt und damit vollautomatisiert.<br />

Diese Umstände verlangen<br />

nach einer hohen Flexibilität<br />

– ähnlich wie schon bei der dritten<br />

industriellen Revolution.<br />

Wie geht es jetzt weiter?<br />

Die Normungsroadmap KI wird im<br />

nächsten Schritt den Normungsausschüssen<br />

der DIN vorgelegt, wobei<br />

der langfristige Fokus auf dem europäischen<br />

Binnenmarkt oder sogar<br />

ISO-Normen liegt. Auf dieser Grundlage<br />

folgen dann entsprechende Vorlagen<br />

für Konzepte. Diese werden<br />

anschließend normiert und können<br />

final als recht liche Grundlage verwendet<br />

werden.<br />

Es zeigt sich also, dass Künstliche<br />

Intelligenz das Leben in allen<br />

Bereichen transformiert, sowohl privat<br />

als auch beruflich. Noch weist<br />

die Technologie gewisse Grenzen<br />

auf, insbesondere, wenn es um Fragen<br />

der Ethik geht. Ihre Entwicklung<br />

und die damit einhergehenden<br />

Veränderungen werden in Zukunft<br />

jedoch exponentiell zunehmen. Und<br />

auf diese Veränderungen müssen<br />

wir uns vorbereiten. Ein essenzieller<br />

Teil dessen ist die Normung als<br />

Basis der rechtlichen Regulierung<br />

von KI, um mit der steigenden Relevanz<br />

auch den verantwortungsvollen<br />

Umgang mit der Technologie<br />

sicherzustellen. Es bleibt spannend<br />

zu beobachten, welche Entwicklungen<br />

Bestand haben – und welche<br />

Trends nicht überdauern. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

27


EMV<br />

Medizinische Geräte<br />

und elektromagnetische Verträglichkeit<br />

Bei medizinischen Geräten spielt die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV/EMC) eine besonders wichtige<br />

Rolle, da hier Leben und Gesundheit von Menschen betroffen sind. Die Anforderungen der internationalen Norm<br />

IEC 60601-1-2, 4. Ausgabe, dürfen daher nicht vernachlässigt werden.<br />

Kurz zur IEC 60601(-1-2)<br />

Die internationale Normenreihe<br />

IEC 60601 behandelt die Sicherheit<br />

und die wesentlichen Leistungsmerkmale<br />

von medizinischen elektr(on)<br />

ischen Geräten und dient als Grundlage<br />

für die Regulierung medizinischer<br />

Geräte in den meisten Ländern<br />

der Welt. Die Reihe besteht aus<br />

einer allgemeinen Norm (IEC60601-<br />

1), etwa zehn ergänzenden Normen<br />

(IEC 60601-1-xx) und etwa 60 speziellen<br />

Normen (IEC 60601-2-xx<br />

und IEC/ISO 80601-2-xx). Die IEC<br />

60601-Reihe gilt nicht für die meisten<br />

Arten von In-vitro-Diagnostika<br />

oder implantierbare Teile von<br />

aktiven implantierbaren medizinischen<br />

Geräten (die von der ISO<br />

14708 abgedeckt werden).<br />

IEC 60601-1-2<br />

(Medizinische elektrische<br />

Geräte, Teil 1-2)<br />

Quelle:<br />

Medical devices and<br />

electromagnetic compatibility<br />

Addressing the requirements of<br />

IEC 60601-1-2, 4th Edition<br />

UL Solutions<br />

www.ul.com<br />

redaktionell übersetzt und<br />

stark gekürzt<br />

Das Risiko elektromagnetischer<br />

Störungen und die Störfestigkeit sind<br />

wichtige Faktoren bei der Bewertung<br />

der Sicherheit von Medizinprodukten<br />

durch die Aufsichtsbehörden.<br />

Allerdings sind neue Herausforderungen<br />

dazugekommen,<br />

da moderne Medizintechnikgeräte<br />

aufgrund neuer Technologien und<br />

Innovationen vielseitiger einsetzbar<br />

sind. Zu nennen ist hier die drahtlose<br />

Kommunikation, die neue Einsatzbereiche<br />

ermöglicht. So haben<br />

sich nicht nur die Möglichkeiten, sondern<br />

auch die potentiellen Risiken<br />

für die Patienten erhöht.<br />

Die IEC 60601-1-2<br />

ist die international anerkannte<br />

Norm für medizinische Geräte, die<br />

Anforderungen und Tests für die<br />

Empfindlichkeit und Immunität gegenüber<br />

elektromagnetischen Störungen<br />

behandelt. Sie wurde kürzlich<br />

umfassend überarbeitet. In der<br />

EU ist die Norm IEC 60601-1-2 in<br />

vierter Ausgabe Konsensnorm für<br />

die Einhaltung der Medizinprodukte-<br />

Richtlinie. Dieser Artikel gibt einen<br />

Überblick über die vierte Ausgabe<br />

von IEC 60601-1-2 und die spezifischen<br />

Fragen von Geräteherstellern.<br />

Allgemeine Festlegungen für die<br />

Sicherheit und die grundlegenden<br />

Leistungen – die Ergänzungsnorm<br />

„Elektromagnetische Störungen<br />

– Anforderungen und Prüfungen“<br />

befasst sich mit Sicherheits- und<br />

Leistungsfragen für medizinische<br />

Geräte. Die Norm definiert insbesondere<br />

Störfestigkeits-Grenzwerte<br />

zum Schutz medizinischer Geräte<br />

vor elektromagnetischen Störungen<br />

(EMI) sowie Emissionsgrenzwerte<br />

eines Geräts. Die Einhaltung der<br />

IEC 60601-1-2 trägt dazu bei, Fehlfunktionen<br />

des Geräts zu minimieren,<br />

die eine Gefahr für Patienten<br />

und Gesundheitsdienstleister darstellen<br />

könnten. Die letzten Änderungen<br />

erfolgten 2014 mit der Veröffentlichung<br />

der vierten Ausgabe der<br />

IEC 60601-1-2. Zum Teil durch den<br />

Bedarf an strengeren EMV-Anforderungen<br />

wegen der Verbreitung von<br />

drahtlosen Geräten in der Gesundheitstechnik<br />

spiegelt die vierte Ausgabe<br />

auch die heutige Verwendung<br />

von medizinischen Geräten in einer<br />

Vielzahl von Umgebungen, von pro-<br />

28 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


EMV<br />

fessionellen Gesundheitseinrichtungen<br />

bis hin zu häuslichen Pflegeeinrichtungen,<br />

wider.<br />

EMV-bezogene Risiken<br />

Wichtig ist, dass die vierte Ausgabe<br />

der IEC 60601-1-2 den umfassenden<br />

Ansatz zur Risikobewertung<br />

in der aktuellen Ausgabe der IEC<br />

60601-1, der allgemeinen Norm für<br />

Medizinprodukte, ergänzt. Die vierte<br />

Ausgabe legt nun den Schwerpunkt<br />

auf eine Bewertung aller EMV-bezogenen<br />

Risiken, die mit den grundlegenden<br />

Leistungs- und Sicherheitsanforderungen<br />

eines bestimmten<br />

Medizinprodukts in den spezifischen<br />

Umgebungen, in denen das<br />

Produkt eingesetzt werden soll,<br />

übereinstimmen.<br />

Anstatt zu versuchen, spezifische<br />

Anforderungen für jeden einzelnen<br />

Fall zu definieren, verlangt die<br />

vierte Ausgabe von jedem Hersteller,<br />

einen Prüfplan für sein Produkt<br />

zu entwickeln.<br />

Wesentliche Änderungen<br />

gegenüber der dritten<br />

Ausgabe:<br />

• definierte Umgebungen<br />

für den bestimmungsgemäßen<br />

Gebrauch<br />

Die vierte Ausgabe ersetzt die<br />

Klassifizierungen „lebenserhaltend“<br />

und „nicht lebenserhaltend“ der<br />

dritten Ausgabe durch drei Umgebungen<br />

für den bestimmungsgemäßen<br />

Gebrauch:<br />

1. professionelle Gesundheitseinrichtungen,<br />

wie Krankenhäuser,<br />

Kliniken und andere medizinische<br />

Einrichtungen<br />

2. häusliche Pflegeeinrichtungen<br />

3. Umgebungen wie z. B. Industriegebiete<br />

und militärische Einrichtungen<br />

Diese Änderung harmonisiert<br />

die überarbeitete Norm mit anderen<br />

Normen der IEC-Reihe.<br />

• Annahme eines Risikomanagement-Ansatzes<br />

Die vierte Ausgabe verwendet<br />

die Grundsätze des Risikomanagement-Ansatzes<br />

in der Ausgabe 3.1<br />

der IEC 60601-1. Konkret verlangt<br />

die Norm nun von den Herstellern<br />

eine Risikobewertung der Sicherheitsaspekte<br />

in Bezug auf EMV in<br />

Verbindung mit jedem Medizinprodukt<br />

in Übereinstimmung mit den<br />

Anforderungen der ISO 14971.<br />

• Bedeutung der wesentlichen<br />

Leistung und der<br />

grundlegenden Sicherheit<br />

Der Risikomanagementprozess<br />

soll auch die wesentlichen Leistungs-<br />

und grundlegenden Sicherheitsanforderungen<br />

an ein bestimmtes<br />

Produkt abbilden. Pass/Fail-<br />

Anforderungen in Bezug auf spezifische<br />

Emissions- und Störfestigkeitsgrenzwerte<br />

sollen sicherstellen,<br />

dass die grundlegende Leistung und<br />

Sicherheit nicht beeinträchtigt wird.<br />

• Anhebung der<br />

ESD-Immunitätsteststufen<br />

Um der der Gefahr von Schäden<br />

durch elektrostatische Entladung<br />

(ESD) zu begegnen, wurden<br />

die ESD-Immunitätswerte deutlich<br />

angehoben.<br />

Ein Prüfplan muss mindestens die<br />

folgenden Punkte berücksichtigen:<br />

• vorgesehene Verwendung des<br />

Medizinprodukts<br />

• spezifischen Umgebungsbedingungen,<br />

in denen das Medizinprodukt<br />

eingesetzt werden soll<br />

• wesentlichen Leistungsmerkmale<br />

und grundlegenden Sicherheitsrisiken<br />

mit dem Produkt während<br />

seiner bestimmungsgemäßen<br />

Verwendung und in der bestimmungsgemäßen<br />

Umgebung<br />

• Beschreibung der für die Prüfung<br />

erforderlichen physikalischen und<br />

elektrischen Einrichtungen<br />

• Beschreibung der zu prüfenden<br />

Gerätekonfiguration(en) und<br />

Betriebsmodi<br />

• Beschreibung des Plans zur<br />

Überwachung der wesentlichen<br />

Leistungen während der Prüfung<br />

• Teststufen für jede durchzuführende<br />

Emissions- und Störfestigkeitsprüfung<br />

• Kriterien für das Bestehen/Nichtbestehen<br />

jeder Emissions- und<br />

Störfestigkeitsprüfung<br />

Mustervorlage<br />

Um Gerätehersteller bei der Entwicklung<br />

eines Prüfplans zu unterstützen,<br />

der die Anforderungen der<br />

Norm erfüllt, enthält die vierte Ausgabe<br />

der Norm eine Mustervorlage.<br />

Die vierte Ausgabe enthält auch<br />

überarbeitete Dokumentationsanforderungen.<br />

Die Anforderungen an den<br />

Prüfplan stellen wahrscheinlich<br />

eine erhebliche Belastung für<br />

viele Gerätehersteller dar. Dementsprechend<br />

enthält die vierte<br />

Ausgabe eine Reihe von informativen<br />

Anhängen, die Hilfestellung<br />

beim Verständnis vieler<br />

Aspekte geben.<br />

Umsetzung<br />

der Vorschriften<br />

Die Entwicklung und Markteinführung<br />

von Medizinprodukten, die<br />

auf fortschrittlichen Technologien<br />

basieren, kann heute Jahre dauern.<br />

Während die Hersteller von Medizinprodukten<br />

oft aktiv dazu angehalten<br />

werden, ihre Produkte schnell<br />

anzupassen, um die Anforderungen<br />

aktualisierter oder überarbeiteter<br />

Normen zu erfüllen, haben die<br />

Regulierungsbehörden in der Regel<br />

formelle Zeitpläne für die Umsetzung,<br />

die den Herstellern drei Jahre<br />

oder mehr Zeit geben könnten, um<br />

die aktualisierten Anforderungen<br />

zu erfüllen.<br />

Fazit<br />

Die vierte Ausgabe der IEC<br />

60601-1-2 stellt die Hersteller von<br />

Medizinprodukten vor eine Reihe<br />

von Herausforderungen bei der<br />

Einhaltung der Vorschriften, insbesondere<br />

die Anforderungen an den<br />

Hersteller, eine Analyse des Risikos<br />

für die wesentliche Leistung und<br />

die grundlegende Sicherheit seines<br />

Gerätes in Verbindung mit den<br />

Auswirkungen von EMI durchzuführen<br />

und einen umfassenden Prüfplan<br />

zu entwickeln, um die Einhaltung<br />

der Anforderungen der vierten<br />

Auflage im Hinblick auf diese Risiken<br />

zu bewerten. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

29


Virtueller Zwilling<br />

Virtueller Zwilling im Gesundheitswesen<br />

Großes Potenzial für die Medizin<br />

In vielen Branchen ist der Einsatz<br />

eines virtuellen Zwillings fester<br />

Bestandteil des Arbeitsalltags: Im<br />

Maschinenbau minimiert er die<br />

Abhängigkeit von kostenintensiven,<br />

physischen Tests und verkürzt damit<br />

die Time-to-Market. In der Automobilbranche<br />

werden Crashtests zu<br />

90 Prozent virtuell durchgeführt und<br />

anschließend am fertigen Produkt<br />

überprüft. In der Gesundheitsbranche<br />

hat der virtuelle Zwilling durch<br />

Fortschritte der vergangenen Jahre<br />

Aufwind erhalten, denn er ermöglicht<br />

ein hohes Maß an Effizienz bei der<br />

Entwicklung neuer Behandlungen<br />

Autor:<br />

Steve Levine<br />

Sr. Director of Virtual Human<br />

Modeling<br />

Dassault Systèmes<br />

www.3ds.com/de<br />

sowie Präzision bei deren Anwendung.<br />

Die 3D-Rekonstruktion des<br />

schlagenden Herzens von Patienten,<br />

die Simulation einer komplexen<br />

Operation oder virtuelle Tests<br />

von Medikamenten an ganzen Körpersystemen<br />

sind dabei nur einige<br />

Beispiele. Sicher ist: Durch den Einsatz<br />

eines virtuellen Zwillings lassen<br />

sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen,<br />

um medizinische Innovationen<br />

und eine präzise Patientenversorgung<br />

maßgeblich voranzubringen.<br />

Digitalisierung<br />

in der Medizin<br />

Technologie ist ein Katalysator<br />

für Transformation. Sie beeinflusst,<br />

wie wir leben und arbeiten und ist<br />

die Grundlage vieler gesellschaftlicher<br />

und wirtschaftlicher Veränderungen.<br />

In zahlreichen Branchen ist<br />

die Digitalisierung bereits in vollem<br />

Gange und hat die nötige Transformation<br />

mit sich gebracht, damit<br />

Unternehmen in der globalen Wirtschaft<br />

wettbewerbsfähig bleiben.<br />

Mit dem Einsatz dieser Technologien<br />

steht das Gesundheitswesen<br />

nun vor einem besonders großen<br />

Wandel. Viele Menschen nutzen im<br />

privaten Umfeld bereits Apps für das<br />

Smartphone oder Wearables, die<br />

sportliche Aktivitäten aufzeichnen<br />

oder den Blutdruck und Blutzuckerspiegel<br />

überwachen. Ihre Gesundheitsdaten<br />

sind damit digital verfügbar<br />

und einfach für sie zugänglich.<br />

Für den nächsten, wichtigen<br />

Schritt ist die Industrie am Zug –<br />

mit der Entwicklung und Nutzung<br />

virtueller Patientenzwillinge, zum<br />

Beispiel von Zellen, Organen oder<br />

sogar dem vollständigen menschlichen<br />

Körper.<br />

Doch was genau<br />

ist ein virtueller Zwilling?<br />

Zunächst sollte zwischen dem<br />

digitalen und dem virtuellen Zwilling<br />

unterschieden werden. Der<br />

digitale Zwilling beschreibt lediglich<br />

eine digitalisierte Kopie des Ist-<br />

Zustands. Werden Patientendaten<br />

beispielsweise mit einem Fragebogen<br />

in Papierform erfasst, fließen<br />

diese nun digital, z. B. über ein<br />

Tablet, in die digitale Datensammlung<br />

ein. Diese Arbeitsweise ist<br />

ein notwendiger Ansatz, um erste<br />

Fortschritte bei der Digitalisierung<br />

zu erzielen. Der virtuelle Zwilling<br />

geht deutlich weiter: Er setzt bei<br />

der Entwicklung eines digitalen<br />

Abbilds von Produkten, Menschen<br />

sowie Prozessen an und überträgt<br />

sie in die virtuelle Welt. Diese dient<br />

als gemeinsamer Bezugspunkt für<br />

alle Beteiligten, ermöglicht die Simulation<br />

von Was-wäre-wenn-Szenarien<br />

und eröffnet dadurch ein neues<br />

Universum an Möglichkeiten und<br />

Denkansätzen.<br />

Ein Herz<br />

für die Digitalisierung<br />

Eine medizinische Disziplin, die<br />

besonders stark vom Einsatz eines<br />

virtuellen Zwillings profitieren wird,<br />

ist die Kardiologie. Der Herzbericht<br />

der Deutschen Herzstiftung zeigt,<br />

dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen<br />

weiterhin die häufigste Todesursache<br />

in Deutschland sind. Die<br />

größte Herausforderung bei der<br />

Behandlung ist die hohe Komplexität<br />

des Organs sowie dessen Auswirkungen<br />

und Abläufe im gesamten<br />

Körper der Patienten. Ärzte können<br />

das volle Ausmaß einer Krankheit<br />

nicht von außen erkennen; zudem<br />

ist der Zugang zum Herzen schwierig.<br />

Einen großen Teil ihrer Expertise<br />

beziehen sie zudem über Erfahrungen<br />

aus der Praxis – direkt an<br />

der zu behandelnden Person. Dieser<br />

Herausforderung hat sich Dassault<br />

30 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Virtueller Zwilling<br />

Systèmes mit dem im Jahr 2014 ins<br />

Leben gerufene Living Heart-Projekt<br />

angenommen, das nun schon fast<br />

zehn Jahre erfolgreich besteht. Die<br />

Initiative vereint mehr als 150 Institutionen<br />

aus Forschung, Industrie,<br />

Ärzteschaft und Zulassungsbehörden<br />

aus 24 Ländern, die mit ihrem<br />

kombinierten klinischen Know-how<br />

sowie Erkenntnissen aus der Wissenschaft<br />

das erste realistische<br />

3D-Modell eines schlagenden Herzens<br />

entwickelt haben. Dieser virtuelle<br />

Zwilling bildet nicht nur Aufbau,<br />

Form und Funktion des Organs ab,<br />

sondern bündelt zudem Informationen<br />

und Wissen, sodass alle beteiligten<br />

Personen jederzeit darauf<br />

zugreifen können. Das Modell lässt<br />

sich zudem durch patientenbezogene<br />

Daten wie MRT-Bilder oder<br />

Ergebnisse der Herzdiagnostik personalisieren.<br />

Es eröffnet dadurch<br />

neue Möglichkeiten auf drei Ebenen,<br />

um die Patientenversorgung<br />

zu verbessern, die Wissenschaft<br />

und Forschung zu unterstützen und<br />

Innovationen zu beschleunigen:<br />

• Medizintechnikunternehmen verwenden<br />

das virtuelle Herz, um<br />

Strukturbauteile wie künstliche<br />

Herzklappen zu entwickeln und<br />

zu testen. Der Einsatz eines virtuellen<br />

Zwillings als Ersatz für Tierversuche<br />

oder physische Prototypen<br />

ist weniger zeit- und kostenintensiv<br />

und erhöht außerdem die<br />

Erfolgsaussichten in klinischen<br />

Studien. Zudem lässt sich der<br />

virtuelle Zwilling personalisiert an<br />

die Krankheitsbedingungen von<br />

Patienten anpassen oder auf eine<br />

bestimmte Bevölkerungsgruppe,<br />

z. B. Kinder, abstimmen.<br />

• Pharmaunternehmen nutzen den<br />

virtuellen Zwilling für Versuche auf<br />

Zellebene, bevor sie Medikamente<br />

zur Behandlung von Herzerkrankungen<br />

für die Zulassung bei der<br />

entsprechenden Behörde einreichen.<br />

Sie untersuchen in virtuellen<br />

Tests, wie sich Wirkstoffe<br />

auf das gesamte Organ und das<br />

umliegende Muskelgewebe auswirken.<br />

Dies senkt das Risiko von<br />

unvorhergesehenen Ergebnissen<br />

bei klinischen Studien – für das<br />

bestmögliche Ergebnis für die zu<br />

behandelnden Personen.<br />

• Ärzteschaft und Studierende profitieren<br />

in der täglichen Arbeit vom<br />

virtuellen Zwilling des Herzens.<br />

Patientenspezifische Modelle<br />

unterstützen medizinisches Personal<br />

beispielsweise bei der Planung<br />

komplexer Eingriffe und<br />

Behandlungen, wie der Korrektur<br />

von schweren Herzfehlern bei<br />

Neugeborenen. Indem die Operation<br />

vorab virtuell erprobt wird,<br />

ermitteln sie den bestmöglichen<br />

Behandlungsansatz, bevor er am<br />

Patienten angewendet wird. Selbiges<br />

gilt für die Aus- und Weiterbildung:<br />

Hier können angehende<br />

Mediziner das Organ zuerst virtuell<br />

erkunden und einen operativen<br />

Eingriff trainieren.<br />

Innovative<br />

Einsatzmöglichkeiten<br />

für maßgeschneiderte<br />

Therapien<br />

Die zunehmende Reife der Technologie<br />

sowie die Leistungsfähigkeit<br />

und Vielseitigkeit des virtuellen Zwillings<br />

haben eine wachsende Zahl<br />

neuer Anwendungsfälle in allen<br />

medizinischen Disziplinen hervorgebracht.<br />

Neben dem Herzen hat<br />

Dassault Systèmes weitere Virtual<br />

Twin-Modelle für das Gesundheitswesen<br />

entwickelt – so wird ein virtueller<br />

Zwilling des Gehirns für eine<br />

präzisere Epilepsiebehandlung eingesetzt<br />

und Modelle von Knie- und<br />

Hüftgelenken erleichtern die Anfertigung<br />

individueller Prothesen. Darüber<br />

hinaus eröffnet der virtuelle Zwilling<br />

der Lunge vielversprechende<br />

Perspektiven für eine personalisierte<br />

Beatmung im Koma.<br />

Klinische Studien<br />

Diese Fortschritte haben sich<br />

auch positiv auf den kritischen Teil<br />

des Entwicklungsprozesses, die<br />

Durchführung klinischer Studien,<br />

ausgewirkt. Sie werden zunehmend<br />

„in-silico“ umgesetzt und ermöglichen<br />

es, Behandlungsmethoden<br />

und zukünftige Medikamente durch<br />

virtuelle Tests an virtuellen Patientengruppen<br />

zu optimieren. Um<br />

diesen Prozess zu rationalisieren,<br />

entwickelt Dassault Systèmes in<br />

Zusammenarbeit mit der amerikanischen<br />

Arzneimittelbehörde FDA<br />

Richtlinien für Pharmaunternehmen<br />

zur Durchführung klinischer In-silico-<br />

Studien. Sie sollen als Grundlage<br />

dienen und so zu effizienteren sowie<br />

effektiveren Verfahren beitragen.<br />

3D-Simulation fördert außerdem<br />

das Verständnis und die Kommunikation<br />

zwischen Patienten, ihren<br />

Angehörigen sowie dem behandelnden<br />

Fachpersonal. 3D als universelle<br />

Sprache hilft hier, Behandlungspläne<br />

besser zu verstehen. Ein<br />

Anwendungsbeispiel ist das VOR-<br />

THEx-Projekt. Mittels Virtual Reality<br />

können sich Krebspatienten vor der<br />

tatsächlichen Bestrahlung mit der<br />

Situation vertraut machen: Indem<br />

sie die Therapie zuerst in der virtuellen<br />

Welt erleben, soll ihnen die<br />

Angst davor genommen werden.<br />

Über den einzelnen Patienten<br />

hinaus lässt sich ein virtueller Zwilling<br />

auch auf die Ebene einer vollständigen<br />

Gesundheitseinrichtung<br />

oder sogar eines medizinischen<br />

Wertschöpfungsnetzwerks skalieren.<br />

Das Abbild eines Krankenhauses<br />

kann für die Planung und<br />

Gestaltung genutzt werden, um Prozesse<br />

wie die Patientenaufnahme<br />

effizienter zu gestalten oder Kreuzkontaminationen<br />

durch eine Optimierung<br />

von Laufwegen zu minimieren.<br />

Dabei lässt sich auch simulieren,<br />

welchen Einfluss die Platzierung<br />

der Einrichtungsgegenstände<br />

im Gebäude oder die Belüftungssysteme<br />

haben. Darüber hinaus findet<br />

ein virtueller Zwilling auch Anwendung<br />

in der Notfallvorsorge, bei Trainings<br />

und der Simulation verschiedener<br />

Szenarien sowie in prädikativen<br />

Analysen und Optimierungen,<br />

die die Gesamteffizienz des Krankenhauses<br />

verbessern.<br />

Die Zukunft der Medizin<br />

Was bei virtuellen Crashtests in<br />

der Automobilindustrie seit Jahren<br />

die Regel ist, findet nun auch erfolgreich<br />

Anwendung in der Gesundheitsbranche.<br />

Virtual Human Modeling,<br />

also ein virtueller Zwilling von<br />

Organen oder Zellen, oder auch<br />

ein virtueller Zwilling von Krankenhäusern<br />

und ganzen Wertschöpfungsnetzwerken<br />

ermöglichen<br />

eine revolutionäre Transformation<br />

des Gesundheitswesens. Mit diesem<br />

Ziel vor Augen verfolgt Dassault<br />

Systèmes die Vision, ein virtuelles<br />

Abbild des gesamten menschlichen<br />

Körpers zu entwickeln – einen<br />

„Virtual Twin of the Human Body“.<br />

Neue Erkenntnisse, wie Studien,<br />

diagnostische Tests oder Behandlungen,<br />

fließen in die Entwicklung<br />

des Modells ein, optimieren es und<br />

verbessern die Möglichkeiten zur<br />

Individualisierung. Damit ist eine<br />

Zukunft des Gesundheitswesens<br />

in Sicht, bei der jeder Patient die<br />

Chance auf eine Behandlung hat,<br />

die auf den eigenen Körper, Stoffwechsel<br />

sowie die jeweiligen Gene<br />

abgestimmt ist. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

31


Supply Chain<br />

Supply Chain im MedTech-Bereich<br />

Lessons Learned für starke Lieferketten<br />

Bild 1: Starke Lieferkette: Was Medtech-Unternehmen aus der Krise lernen können<br />

© Unsplash/Miltiadis Fragkidis; COO-Lizenz<br />

Autor:<br />

Frank Zycinski<br />

Market Sector Vice President<br />

Plexus<br />

www.plexus.com/de-de/<br />

Hersteller im MedTech-Bereich<br />

sehen sich auch drei Jahre nach<br />

COVID-19 mit einer launischen<br />

Supply Chain konfrontiert, die nach<br />

neuen Strategien verlangt. Dabei<br />

zeigt sich: Es gibt verschiedene<br />

Wege für mehr Resilienz entlang<br />

von Lieferketten.<br />

Der Blick auf die Supply Chain<br />

bleibt vorsichtig optimistisch. Nach<br />

einer Umfrage von H&Z und dem<br />

Industrieverband Spectaris haben<br />

67 % der MedTech-Unternehmen in<br />

der DACH-Region zwar akute Störungen<br />

in ihren Lieferketten mittlerweile<br />

unter Kontrolle. Die Hersteller<br />

sehen sich nun jedoch neuen<br />

und oft komplexeren Herausforderungen<br />

gegenüber. So machen die<br />

steigenden Preise rund 82 % der<br />

Unternehmen zu schaffen. Weitere<br />

88 % spüren die Folgen des instabilen<br />

Energiemarktes.<br />

Dass die wirtschaftlichen und<br />

geopolitischen Unsicherheiten die<br />

Medtech-Branche besonders hart<br />

treffen, ist kaum überraschend.<br />

Hochkomplexe medizinische Geräte<br />

setzen in der Regel lange Entwicklungszyklen<br />

voraus. Bis zur Zulassung<br />

eines Hightech-Produkts können<br />

Jahre vergehen, zumal strenge<br />

Compliance-Vorgaben zu erfüllen<br />

sind. Diese speziellen Bedingungen<br />

machen sich über kurz<br />

oder lang auch bei der Auswahl der<br />

eingesetzten Komponenten<br />

bemerkbar.<br />

Oftmals hängt<br />

von nur einer einzigen<br />

Bezugsquelle<br />

ab, ob ein medizinisches<br />

Gerät<br />

rechtzeitig auf den<br />

Markt kommt. Die<br />

Supply-Chain-Krise<br />

der letzten zwei<br />

Jahre hat diese Herausforderungen<br />

deutlich verschärft.<br />

Auf dem Höhepunkt<br />

der Engpässe<br />

ließen sich<br />

millionenschweren<br />

High-Tech-Produkte<br />

nicht ausliefern,<br />

da einzelne<br />

Komponenten<br />

schlichtweg<br />

nicht lieferbar waren.<br />

Lessons Learned<br />

aus der Krise<br />

Die Branche hat aus diesen Erfahrungen<br />

gelernt und steht vor einem<br />

strategischen Shift, was die Supply<br />

Chain angeht. Ziel ist es, nicht nur<br />

kurzfristig, sondern auch langfristig<br />

Engpässe und lange Lieferzeiten zu<br />

vermeiden und die Fertigstellung<br />

von medizinischen Geräten sicherzustellen.<br />

Das zeigt auch die bereits<br />

oben erwähnte Umfrage unter 400<br />

MedTech-Herstellern: Während vor<br />

einigen Jahren eine möglichst kosteneinsparende<br />

Produktion im Vordergrund<br />

stand (37 %), steht heute nur<br />

noch bei jedem fünften Unternehmen<br />

(21 %) die Beschaffungskosten<br />

ganz oben auf der Prioritätenliste.<br />

Eine Frage des Standorts<br />

Reshoring, Nearshoring oder<br />

Friendshoring: Eine wichtige Überlegung<br />

betrifft dabei den Standort der<br />

Produktion. Angesichts steigender<br />

Transportkosten und geopolitischer<br />

Spannungen denken viele Unternehmen<br />

darüber nach, ihre Fertigung<br />

ganz oder zumindest teilweise<br />

wieder zurückzuholen (Reshoring).<br />

Die Zusammenführung von Design<br />

und Produktion in einem Herkunftsland<br />

soll die Zuverlässigkeit erhöhen<br />

und die Abhängigkeit von externen<br />

Faktoren minimieren. Ähnliches verspricht<br />

man sich auch vom Nearshoring:<br />

Hier befindet sich die Produktionsstätte<br />

in einem Land, dass<br />

sich geografisch in der Nähe befindet,<br />

dabei aber gleichzeitig Vorteile<br />

bei Lohn- und Produktionskosten bietet.<br />

Osteuropa hat sich hier in den<br />

letzten Jahren bereits als attraktiver<br />

Nachbar etabliert. Ob dieser Trend<br />

anhält, bleibt jedoch abzuwarten.<br />

Eine dritte Variante sind Standorte,<br />

die sowohl einen Zugang zu globalen<br />

Märkten als auch ein gewisses<br />

Maß an politischer Stabilität bieten<br />

(Friendshoring).<br />

Sicherheit schaffen<br />

Was alle diese Ansätze in der<br />

Theorie verbindet: Sie sollen<br />

Sicherheit schaffen und Herstellern<br />

die Kontrolle über ihre Lieferketten<br />

zurückgeben. In der Praxis<br />

ist die Rück- oder Umverlagerung<br />

von Produktionsstätten<br />

jedoch komplex. In manchen Fällen<br />

ist die Fertigung an spezifische<br />

Rohstoffe gebunden. In vielen Ländern<br />

bremst der Fachkräftemangel<br />

ehrgeizige Pläne zur Lokalisierung<br />

von Lieferketten schnell<br />

aus. Außerdem lohnt es sich nicht<br />

immer, etablierte und über Jahre<br />

hinweg aufgebaute Offshore-Fertigungskapazitäten<br />

einfach aufzugeben,<br />

um an anderer Stelle vorn<br />

vorne anzufangen.<br />

Bild 2: Lange Wartezeiten sorgen für Störungen in der Supply Chain<br />

© Plexus<br />

32 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Supply Chain<br />

Bild 3: Notfallplan für Komponentenknappheit und Engpässe © Plexus<br />

Eine Frage der Flexibilität –<br />

Diversifikation<br />

Für viele Hersteller ist daher<br />

der Standort der Produktion weitaus<br />

weniger wichtig als die Anzahl<br />

der Zulieferer in ihrem Netzwerk.<br />

Knapp 30 % planen laut Ifo-Studie<br />

ihre Beschaffung künftig stärker<br />

zu diversifizieren. Anstatt kritische<br />

Komponenten ausschließlich<br />

von einer Bezugsquelle zu<br />

beziehen (Single Sourcing), setzen<br />

die Entwickler auf mehrere<br />

Teillieferanten (Multi Sourcing), um<br />

im Notfall auf mehr als einen Partner<br />

zurückgreifen zu können. Wie<br />

praktikabel diese Strategie in der<br />

Medtech-Branche ist, die angesichts<br />

der langen Produktlebensdauer<br />

von Geräten und Systemen<br />

auf langfristige Partner angewiesen<br />

ist, muss von Fall zu Fall entschieden<br />

werden, insbesondere wenn<br />

es sich um funktionskritische Bauteile<br />

handelt.<br />

Klar ist aber: Die Diversifikation<br />

der Supply Chain macht sie unweigerlich<br />

komplexer und schwieriger<br />

zu managen. Gefragt ist nicht mehr<br />

nur eine hohe Supply Chain-Expertise,<br />

sondern auch ein umfassendes<br />

Toolset an Supply Chain Managementlösungen,<br />

die Risikofaktoren<br />

für jede Komponente entlang der<br />

Lieferketten analysieren und quantifizieren,<br />

proaktiv Bewertungen zu<br />

Zulieferern abgeben und prädiktive<br />

Lösungswege aufzeigen.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Eine Frage der Vorbereitung<br />

Notfallpläne bei Engpässen: Ein<br />

smartes und datengetriebenes Supply<br />

Chain Management hilft zudem<br />

zukünftige Engpässe schneller<br />

und kontrollierter zu handhaben.<br />

Zum „Notfall-Koffer“ gegen Lieferausfälle<br />

gehört dabei zum Beispiel<br />

eine Impact-Analyse, um sich<br />

einen Überblick der aktuellen Lage<br />

zu verschaffen – egal an welcher<br />

Stelle der Lieferkette. Im Abgleich<br />

mit bekannten Stücklisten (BOMs)<br />

und Spezifikationsvergleichstabellen<br />

können Hersteller so beispielsweise<br />

„Drop-In-Replacements“ oder funktionsgleiche<br />

Bauteile identifizieren,<br />

die lediglich in Bauform und Größe<br />

vom Originalteil abweichen. Zwar<br />

sind in diesen Fällen kleine Modifizierungen<br />

des Designs nötig; idealerweise<br />

können Hersteller jedoch<br />

ein kosten- und zeitaufwändiges<br />

Re-Design verhindern und ihre<br />

Hightech-Geräte trotz Engpässe<br />

fristgerecht auf den Markt bringen.<br />

Wer über solche erprobten Strategien<br />

verfügt und frühzeitig entsprechende<br />

interne Workflows innerhalb<br />

der Supply Chain etabliert,<br />

kann im Ernstfall gelassener auf<br />

Engpässe reagieren und kurzfristig<br />

neue Lösungswege anbieten.<br />

Eine Frage von Pull<br />

vs. Push – Lagerhaltung<br />

Eine weitere bewährte Strategie,<br />

die angesichts der Neuausrichtung<br />

der Supply Chain wieder<br />

an Beliebtheit gewinnt, ist<br />

der Aufbau von Sicherheitsbeständen<br />

(Safety Stocks). Jahrelang<br />

wurde dieser Just-in-Case-<br />

Ansatz (Push-System) von Herstellern<br />

verschmäht: zu teuer die<br />

Lagerflächen, zu fehleranfällig die<br />

Bedarfsplanung. Stattdessen richteten<br />

Unternehmen ihre Lieferketten<br />

nach dem Just-in-Time Ansatz<br />

(Pull-System) aus – und sahen sich<br />

von der Supply Chain-Krise überrollt.<br />

Hersteller sind hier momentan<br />

auf der Suche nach der goldenen<br />

Mitte. Gefragt ist eine gesunde<br />

Balance aus Push und Pull, die<br />

das Betriebskapital schont, das<br />

Risiko von Überbeständen minimiert<br />

und gleichzeitig die Verfügbarkeit<br />

von Ersatzteilen und Komponenten<br />

garantiert.<br />

Eine Frage des Designs<br />

Design for Supply Chain (DfSC):<br />

Lokalisierung, Diversifikation, Ad-<br />

Hoc-Maßnahmen oder Ausbau der<br />

Lagerhaltung – tatsächlich beginnt<br />

die Frage nach der Zuverlässigkeit<br />

der Supply Chain bereits viel früher,<br />

nämlich in der Entwicklung. Je eher<br />

die Lieferkette im Designprozess<br />

mitgedacht wird, desto geringer<br />

das Risiko von Engpässen, Preisfluktuationen<br />

und Verzögerungen<br />

in der Time-to-Market. Design for<br />

Supply Chain (DfSC) bietet hierfür<br />

den richtigen Ansatz. Noch bevor<br />

es in die Produktion geht, klärt das<br />

Entwickler-Team gemeinsam mit<br />

Supply Chain-Experten ab, ob kritische<br />

Komponenten fristgerecht<br />

und zu akzeptablen Preisen verfügbar<br />

sind. Zeichnen sich hier bereits<br />

mögliche Engpässe ab, lassen sich<br />

eventuell Änderungen am Produktdesign<br />

vornehmen und alternative<br />

Bauteile identifizieren.<br />

Gelungene DfSC-Strategie<br />

Ein Beispiel für eine gelungene<br />

DfSC-Strategie ist ein Single-Use-<br />

Device, dass der EMS-Experte Plexus<br />

für einen Medizingerätehersteller<br />

realisierte. Nachdem die ursprünglichen<br />

Materialkosten das Budget<br />

deutlich sprengten, evaluierte das<br />

Team die Supply Chain neu und<br />

machte unterschiedliche Einsparungspotentiale<br />

aus. Neben dem<br />

Hinzufügen regionaler Zulieferer<br />

gehörte dazu auch die Neuverhandlung<br />

von Verträgen mit bestehenden<br />

Partnern. Der Hersteller konnte<br />

auf diese Weise die Stückkosten<br />

des Geräts mit bis zu 2%-Abweichung<br />

an den Zielpreis anpassen<br />

und bereits im ersten Jahr zwei Millionen<br />

US-Dollar bei der Fertigung<br />

einsparen.<br />

Fazit<br />

Um den Shift in der Supply Chain<br />

zu realisieren, gibt es nicht die eine<br />

„perfekte“ Strategie. Transparenz<br />

über globale Lieferketten und hohe<br />

Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen<br />

und Engpässen, setzt ein grundsätzliches<br />

Umdenken voraus, die<br />

Evaluierung von internen Prozessen<br />

und den Ausbau von starken<br />

Partnerschaften – sei es in Bezug<br />

auf Zulieferer, Partner oder externen<br />

Supply Chain-Experten. Ob<br />

die Lessons Learned tatsächlich<br />

greifen, hängt darüber hinaus vom<br />

umfassenden Einsatz neuer Technologien<br />

ab. Das IoT, die Automatisierung<br />

durch Robotik und der Einsatz<br />

smarter KI-Tools bietet hier<br />

noch viel Luft nach oben. ◄<br />

Über den Autor:<br />

© Frank Zycinski<br />

Frank Zycinski kam 2021<br />

als Market Sector Vice President<br />

für EMEA zu Plexus.<br />

Er blickt auf über 22 Jahre<br />

Erfahrung in der EMS-Branche<br />

zurück und arbeitete in<br />

verschiedenen Führungspositionen<br />

sowohl im Betrieb als<br />

auch in der Marktentwicklung.<br />

Beim EMS-Experten Plexus leitet<br />

Zycinski die EMEA-Wachstumsstrategie<br />

und ist für das<br />

Kundenmanagement und die<br />

Geschäftsentwicklung verantwortlich.<br />

Zycinski hat die Caledonian<br />

University in Glasgow<br />

mit einem Master in Betriebswirtschaft<br />

abgeschlossen und<br />

ist ASQ-zertifiziert für Lean Six<br />

Sigma Black Belt.<br />

33


Cybersecurity<br />

Cybersicherheit von medizintechnischen Geräten<br />

Die Software-Bill-of-Materials (SBOM)<br />

Die MedTech-Industrie steht im Spannungsfeld zwischen hohem Innovationsdruck und wachsendem<br />

gesetzlichen Regelwerk. Das betrifft auch die Cybersicherheit der Medizin-Geräte. Kein Wunder, dass die<br />

Software-Bill-of-Materials (SBOM) im Pflichtenheft von Herstellern mittlerweile einen festen Platz einnimmt.<br />

© Unsplash/ BoliviaInteligente; CC0-Lizenz<br />

Das Gesundheitswesen ist ein<br />

lohnendes Ziel für Cyberattacken,<br />

vernetzte medizinische Geräte sind<br />

ein häufiges Einfallstor für Ransomware-Angriffe<br />

und Datendiebstahl.<br />

Ein Großteil der Sicherheitsvorfälle<br />

ist dabei auf bekannte Schwachstellen<br />

in der Software bzw. Sicherheitslücken<br />

auf Codeebene zurückzuführen.<br />

Deren Zahl nimmt kontinuierlich<br />

zu: So zählten Analysten<br />

von Revenera 2022 durchschnittlich<br />

282 Schwachstellen pro Audit,<br />

ein Anstieg von 217 Prozent im Vergleich<br />

zum Vorjahr. Von den aufgedeckten<br />

Schwachstellen stellten<br />

27 Prozent ein „hohes“ CVSS-Risiko<br />

dar (Common Vulnerability Scoring<br />

System) - und damit eine unmittelbare<br />

Bedrohung für IT-Sicherheit<br />

und Cyberschutz.<br />

© Nicole Segerer<br />

Autorin:<br />

Nicole Segerer<br />

SVP & General Manager<br />

Revenera<br />

www.revenera.de<br />

Wachsende Compliance<br />

für Softwareentwicklung<br />

Entsprechend stark haben sich<br />

Gesetzgeber, Industrie-Verbände<br />

und Aufsichtsbehörden in den letzten<br />

Jahren für höhere Sicherheitsvorkehrungen<br />

in der Softwareentwicklung<br />

eingesetzt. Die FDA (The Food<br />

and Drug Administration) zum Beispiel<br />

arbeitet seit Jahren an einem<br />

verbindlichen Regelwerk, um Medizinprodukte<br />

vor Cyberangriffen zu<br />

sichern und die Transparenz entlang<br />

der Software Supply Chain zu erhöhen.<br />

Mit ihrem neueste Entwurf zur<br />

Cybersecurity in Medical Devices<br />

führt die US-Behörde unter anderem<br />

ein neues Konzept des Secure<br />

Product Development Framework<br />

(SPDF) ein. Ähnliche Initiativen finden<br />

sich in der EU. Sowohl MDR als<br />

auch IVDR haben die Cybersicherheit<br />

von Medizinprodukten auf der<br />

Checkliste. Mit dem ersten Verordnungsentwurf<br />

des EU Cyber Resilience<br />

Act (CRA) sollen Software-<br />

Hersteller zudem noch stärker in<br />

die Pflicht genommen werden. Das<br />

betrifft zum einen die Bereitstellung<br />

von Sicherheitsupdates, zum anderen<br />

einen Einblick darüber, welche<br />

Produkte von bekannten Schwachstellen<br />

überhaupt betroffen sind.<br />

Wissenslücken entlang der<br />

Software Supply Chain<br />

Wie aber lässt sich eine solche<br />

durchgehende Transparenz auf<br />

Code-Ebene sicherstellen? Die<br />

Software Supply Chain ist komplex.<br />

Es gibt kaum eine Anwendung, die<br />

von Grund auf „neu“ geschrieben<br />

wird. Vielmehr greifen Entwicklerteams<br />

auf Tausende von Komponenten<br />

aus unterschiedlichen Quellen<br />

zurück – angefangen bei proprietärem<br />

Code über eingekauften<br />

Code von Partnern und Drittanbietern<br />

bis hin zu Open Source-<br />

Repositories im Netz. So bestehen<br />

kommerzielle Anwendungen heute<br />

aus bis zu 90 % aus Open-Source-<br />

Software (OSS).<br />

Eine lückenlose und einheitliche<br />

Dokumentation über die einzelnen<br />

Software-„Bestandteile“ – wie sie<br />

etwa in der Automotive oder Lebensmittelindustrie<br />

vorgeschrieben<br />

ist – liegt dabei nur selten vor.<br />

Tatsächlich klafft zwischen den<br />

in Audits entdeckten und den von<br />

Unternehmen dokumentierten OSS-<br />

Komponenten eine wachsende Kluft.<br />

Das macht es sehr schwierig, die<br />

Codebausteine zurückzuverfolgen<br />

und dringende Fragen hinsichtlich<br />

ihrer Sicherheit und Compliance zu<br />

beantworten.<br />

• Wer hat den Code geschrieben?<br />

• In welchen Anwendungen und<br />

Geräten wird dieser eingesetzt?<br />

• An welche Lizenzvorgaben ist die<br />

Nutzung gebunden?<br />

Software-Bill-of-Materials<br />

(SBOM)<br />

In diesem Zusammenhang entwickelt<br />

sich die Software-Bill-of-<br />

Materials (SBOM) zum Kernelement<br />

von Compliance-Programmen.<br />

Sie ist mittlerweile in Kaufverträgen<br />

und Request for Information<br />

(RFIs) zu finden und wird im Rahmen<br />

der Pre-Market-Submission<br />

verlangt. Die detaillierte Auflistung<br />

aller in einer Software eingesetzten<br />

Code-Komponenten soll helfen,<br />

den Überblick zu bewahren.<br />

Sicherheitsteam können so schneller<br />

überprüfen, ob eine Anwendung<br />

von neu veröffentlichten Sicherheitslücken<br />

und Exploits betroffen ist.<br />

Die SBOM gibt dabei nicht nur Aufschluss<br />

über die jeweiligen Codebasen,<br />

einschließlich Lizenzierung,<br />

Versionen und Herkunft. Auch die<br />

Beziehungen innerhalb der Softwarelieferkette<br />

werden offengelegt.<br />

Aufgeführt finden sich Pakete<br />

und Abhängigkeiten, Binärdateien<br />

ohne Manifest-Dateien, Multimedia-Dateien,<br />

Bilder/Icons, Codecs<br />

und Copy/Paste-Codes sowie die<br />

von den Entwicklern genutzten<br />

Source Libraries und Drittanbieter-Bibliotheken.<br />

Minimalkriterien für SBOMs<br />

Die SBOM beginnt in der Regel<br />

als eine einfache Liste der Top-<br />

Level-Komponenten. Dieser erste<br />

Basissatz an Daten kann bereits<br />

wichtige Informationen enthalten,<br />

die sich schnell an Stakeholder<br />

(z. B. IT-Sicherheit) weitergegeben<br />

lassen. Danach lässt sich die Liste<br />

Schritt für Schritt mit zusätzlichen<br />

Daten anreichern, einschließlich<br />

den jeweiligen Subkomponenten.<br />

Die Detailtiefe ist bei mehrstufigen<br />

und weit verzweigten SBOMs durchaus<br />

komplex. Sie ist aber notwendig.<br />

Denn selbst wenn eine Subkomponente<br />

für die Funktionalität einer<br />

Anwendung oder eines Geräts nur<br />

eine geringfügige Rolle spielt, kann<br />

in ihr doch eine kritische Schwachstelle<br />

stecken.<br />

Was wird in einer SBOM<br />

aufgelistet<br />

Welche Daten genau in welchem<br />

Umfang in einer SBOM aufgelistet<br />

sind, hängt von der Anwendung ab<br />

und wo sie zum Einsatz kommt. In<br />

der sicherheitskritischen Medizintechnik<br />

sind die Anforderungen<br />

naturgemäß hoch. Die FDA legt in<br />

ihren Leitlinien zum Beispiel großen<br />

Wert auf die Erstellung einer SBOM<br />

und betrachtet Änderungen an ihr<br />

als Teil der Design History File<br />

(21 CFR 820.30) und des Device<br />

Master Record (21 820.181). Hinsichtlich<br />

des Formats können<br />

34 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Cybersecurity<br />

Open Source Report 2022 © Revenera<br />

Hersteller auf gängige Branchen-<br />

Standards zurückgreifen – vorausgesetzt,<br />

diese decken die folgenden<br />

Datenfelder ab:<br />

• das Gerät/System/Asset, in der/<br />

denen sich die Softwarekomponente<br />

befindet,<br />

• der Name der Softwarekomponente,<br />

• die Version der Softwarekomponente,<br />

• der Hersteller/Autor der Softwarekomponente,<br />

• der Grad des Supports hinsichtlich<br />

Überwachung und Wartung<br />

seitens des Herstellers der Softwarekomponente,<br />

• das Datum, an dem der Support<br />

für die Softwarekomponente<br />

endet, und<br />

• alle bekannten Schwachstellen.<br />

Best Practices<br />

und Standards<br />

Auch wenn diese Liste auf<br />

den ersten Blick sehr geradlinig<br />

erscheint, sind Herausforderungen<br />

vorprogrammiert. Informationen<br />

zu Software-Komponenten werden<br />

entlang der Software Supply<br />

Chain von verschiedenen Stakeholdern<br />

auf unterschiedliche Art und<br />

Weise weitergegeben. Die Angaben<br />

stimmen oft nicht überein, weisen<br />

Lücken auf oder sind schlichtweg<br />

nicht recherchierbar. In den<br />

letzten Jahren haben sich jedoch<br />

einige Best Practices und Standards<br />

etabliert, die bei der Erstellung<br />

von SBMOs helfen.<br />

Hilfreich sind zum Beispiel die<br />

ISO/IEC 5230:2020 and ISO/IEC<br />

DIS 18974 Standards des von Linux<br />

ins Leben gerufene OpenChain Projects,<br />

die sich mit der Nutzung von<br />

OSS-Komponenten in Software<br />

befassen. Darüber hinaus bietet<br />

das NIST Secure Software Development<br />

Framework (SSDF) umfassende<br />

Anleitungen für Unternehmen,<br />

um das Risikomanagement<br />

von Software und software-gestützten<br />

Geräten zu verbessern. Den<br />

einen formalen Aufbau einer Software-Stückliste,<br />

der von allen Entwicklern<br />

und Herstellern einheitlich<br />

verwendet wird, gibt es leider<br />

nicht. Als anerkannte Standardformate<br />

gelten jedoch beispielsweise<br />

SPDX (z. B. von Microsoft genutzt)<br />

und CycloneDX (z. B. von Siemens<br />

genutzt).<br />

Grundlegende Punkte<br />

Darüber hinaus sollten Hersteller<br />

bei der Erstellung einer SBOM einige<br />

grundlegende Punkte beachten:<br />

• Ein zentrales Kriterium der SBOM<br />

ist ihre Aufbereitung. Der Datensatz<br />

sollte maschinenlesbar, formal<br />

und hoch-strukturiert sein,<br />

um einen hohen Automatisierungsgrad<br />

sicherstellen zu können.<br />

In der Regel übernehmen<br />

dann Tools das Auslesen und<br />

Erstellen von SBOMs, scannen<br />

die Listen nach Sicherheits- und<br />

Compliance-Verstößen und gleichen<br />

diese mit dem Software-<br />

Code ab. Strukturierte Datenformate<br />

und Austauschprotokolle<br />

sind daher Grundmerkmale einer<br />

funktionalen Software-Stückliste.<br />

• Eine SBOM allein ist nur eine<br />

lange Aufzählung an Komponenten.<br />

Relevanz und Praktikabilität<br />

für die IT-Sicherheit gewinnt<br />

sie erst, wenn sie mit entsprechenden,<br />

sicherheitsrelevanten<br />

Daten kombiniert wird. Idealerweise<br />

finden sich diese Daten<br />

in einem separaten, dazugehörigen<br />

Dokument, das eine aktuelle<br />

Momentaufnahme zeigt und<br />

sowohl entsprechende Querverweise<br />

zu den in der SBOM aufgelisteten<br />

Code-Komponenten als<br />

auch den notwendigen Kontext liefert<br />

(z. B. Vulnerability Disclosure<br />

Report (VDR) und Vulnerability<br />

Exploitability eXchange (VEX)).<br />

Als Sicherheits-Instrument lässt<br />

sich die SBOM dann auch in die<br />

Threat Intelligence integrieren, wo<br />

sie beispielsweise einen schnellen<br />

Abgleich mit Schwachstellen,<br />

Datenleaks oder Exploits im<br />

Darknet ermöglicht.<br />

• Stücklisten sind so dynamisch wie<br />

die Software, die sie beschreiben.<br />

Eine kontinuierliche Überprüfung<br />

und Aktualisierung der SBOM<br />

ist daher wesentlich. Oft nutzen<br />

Hersteller ein neues Release, um<br />

die Stückliste auf den neuesten<br />

Stand zu bringen. Auf jeden Fall<br />

aber sollte das Update in regelmäßigen<br />

und klar abgesteckten<br />

Zeiträumen stattfinden. In manchen<br />

Fällen bestimmten auch Vertragsvereinbarungen<br />

mit Kunden<br />

sowie Compliance-Richtlinien<br />

den Zyklus.<br />

• Das Erstellen, Managen und<br />

Überwachen von SBOMs verlangt<br />

neben Expertise und Training<br />

auch Ressourcen. Mehr und<br />

mehr Unternehmen setzen daher<br />

SBOM Kreislauf © Revenera<br />

dezidierte Teams für diese Aufgaben<br />

ein. Das Open Source Program<br />

Office (OSPO) beispielsweise<br />

arbeitet mit anderen Abteilungen<br />

(z. B. Recht, Entwicklung,<br />

Produktmanagement, Sicherheit)<br />

zusammen, um Richtlinien<br />

für den sicherheitskonformen<br />

Umgang von Open-Source-Code<br />

zu implementieren. Ein Open<br />

Source Review Boards (OSRB)<br />

verfeinert die definierten Workflows<br />

dann in der Praxis.<br />

Fazit<br />

Die SBOM entwickelt sich immer<br />

mehr von der Kür zur Pflicht. Über<br />

kurz oder lang wird sie wohl in allen<br />

Branchen und Märkten zum festen<br />

Bestandteil der Softwareentwicklung<br />

und Cybersicherheit. Je früher<br />

die Hersteller beginnen, Prozesse<br />

zu definieren, Richtlinien zum<br />

Umgang mit Open Source festzulegen<br />

und ihre Softwareprodukte mit<br />

einer Auflistung aller Komponenten<br />

auszustatten, desto besser.<br />

Wer schreibt:<br />

Nicole Segerer blickt auf über<br />

15 Jahre Erfahrung in den Bereichen<br />

Softwareproduktstrategie und Marketing<br />

zurück. Bei ihr dreht sich alles<br />

um die Analyse von Softwareprodukten<br />

und darum, den Mehrwert der<br />

Lösungen sowie das Kundenerlebnis<br />

zu steigern. Als SVP und General<br />

Manager von Revenera bei Revenera<br />

unterstützt sie Softwareanbieter<br />

und IoT-Hersteller bei der Umstellung<br />

auf neue digitale Geschäftsmodell<br />

und der Optimierung der Softwaremonetarisierung.<br />

◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

35


Messtechnik<br />

Plattform zur schnellen Datenerfassung<br />

Prototypenplattform zur optischen Flüssigkeitsanalyse zeigt den Weg zur allgemein einsetzbaren<br />

mobilen Messwerterfassung<br />

Bild 1: Beispiel einer Kalibrierkurve für die Absorption<br />

Bild 2: Das Evaluierungs-Board CN0503<br />

Autoren:<br />

Sydney Wells<br />

Applications Engineer<br />

Scott Hunt<br />

Systems Applications Engineer<br />

Analog Devices Inc.<br />

www.analog.com<br />

Die Überwachung der Umwelt in<br />

Echtzeit ist wichtig, um global die<br />

Nachhaltigkeit zu verbessern. Die<br />

Fähigkeit eine Probe zu analysieren<br />

und ein Problem zu identifizieren<br />

ist der Schlüssel zur raschen<br />

Beilegung dieses Problems mit<br />

minimalen Auswirkungen auf das<br />

Ecosystem. Dieser Trend zur allgegenwärtigen<br />

Datenerfassung in<br />

Echtzeit hat die Anforderungen an<br />

Flüssigkeitssensoren erhöht. Sie<br />

müssen ihre Ausmaße verkleinern,<br />

ihre Robustheit erhöhen und ihren<br />

Stromverbrauch senken und dabei<br />

aber nach wie vor qualitativ hochwertige<br />

Messergebnisse liefern. Da<br />

sich die Industrie weiterentwickelt,<br />

sind intelligente Plattformen für die<br />

mobile Messdatenerfassung nötig.<br />

Diese Plattformen müssen sehr<br />

vielseitig sein und die besonderen<br />

Bedürfnisse für einen weiten<br />

Bereich an Applikationen abdecken,<br />

angefangen bei Gewässerproben<br />

bis hin zur Prozesssteuerung.<br />

Dieser Artikel stellt eine tragbare<br />

Echtzeit-Messlösung und Prototypenplattform<br />

zur schnellen Messwerterfassung<br />

in Flüssigkeiten vor.<br />

Eine allgemeine Technik<br />

zur Flüssigkeitsanalyse<br />

Für den Test von Flüssigkeiten gibt<br />

es verschiedene Methoden, deren<br />

Aufgabe es ist, die Konzentration<br />

eines unbekannten Parameters in<br />

einer Flüssigkeitsprobe zu messen,<br />

wie den pH-Wert, die Fluoreszenz<br />

oder die Trübung.<br />

Eine populäre Methode dazu<br />

ist die optische Untersuchung der<br />

Flüssigkeit, da sie nicht-invasiv ist<br />

und stabile und genaue Messergebnisse<br />

liefert. Eine präzise optische<br />

Flüssigkeitsmessung erfordert<br />

jedoch übergreifend gute Kenntnisse<br />

in den Bereichen Elektronik,<br />

Optik, Medizin und Chemie.<br />

Bild 3: Ein optischer Lichtpfad zur Absorptionsmessung<br />

Einfach ausgedrückt, die Analyse<br />

beginnt damit, eine Probe mit Licht<br />

aus einer Quelle, wie einer LED, zu<br />

bestrahlen. Nach der Interaktion mit<br />

der Probe wird das resultierende<br />

Licht mit einer Fotodiode verarbeitet.<br />

Die erfasste Antwort wird dann<br />

mit den gemessenen Ergebnissen<br />

verschiedener Standardproben mit<br />

bekannten Konzentrationen verglichen.<br />

Dies ist als die Kalibrierkurve<br />

bekannt und mit ihr kann der<br />

unbekannte Messwert bestimmt<br />

36 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Messtechnik<br />

Bild 5: Kalibrierkurve der pH-Absorbierung bei 430 nm<br />

Bild 4: Das Evaluierungs-Board CN0503 bei einer pH-Messung<br />

werden. Dies beschreibt die gängige<br />

Vorgehensweise für analytische<br />

Messungen im Labor. Damit<br />

diese Methode aber die Anforderungen<br />

einer allgemein einsetzbaren<br />

mobilen Messwerterfassung erfüllt,<br />

muss sie für unterschiedliche Flüssigkeitsproben<br />

und Messtechniken<br />

skaliert werden und insbesondere<br />

auch kleine Ausmaße aufweisen,<br />

was alles zusammen die Komplexität<br />

der Entwicklung und der Evaluierung<br />

steigert.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Modulare Lösung<br />

zur schnellen<br />

Flüssigkeitsmessung<br />

Bild 6: Kalibrierkurve der pH-Absorbierung bei 615 nm<br />

Der ADPD4101 von Analog Devices<br />

ist ein optisches Analog-Front-<br />

End (AFE), das LEDs treiben sowie<br />

Signale von Fotodioden synchron<br />

empfangen und verarbeiten kann,<br />

um hochpräzise optische Messungen<br />

auszuführen. Er ist vielseitig<br />

konfigurierbar und hat einen großen<br />

Signal-Rauschabstand von bis<br />

zu 100 dB sowie eine hohe Umgebungslichtabschirmung,<br />

die durch<br />

die synchronen Erkennungsverfahren<br />

auf dem Chip realisiert wird. Dies<br />

erlaubt es, ihn in vielen Fällen auch<br />

ohne ein lichtdichtes Gehäuse einzusetzen.<br />

Das Referenzdesign CN0503<br />

wurde erstellt, um einen schnellen<br />

Prototypenaufbau von Flüssigkeits-<br />

Analysemessungen zu erlauben.<br />

Es enthält den ADPD4101 als zentrale<br />

Einheit, fügt jedoch noch vier<br />

modulare optische Pfade sowie für<br />

die Flüssigkeitsanalyse geeignete<br />

Messfirmware und Applikationssoftware<br />

hinzu. Das CN0503 ist direkt<br />

mit dem ADICUP3029-Board verbunden,<br />

das die Messroutine und<br />

den Datenfluss handhabt. Das Board<br />

kann direkt an einen Laptop angeschlossen<br />

werden, um die Messergebnisse<br />

in der Evaluierungs-<br />

Bedienoberfläche darzustellen. Das<br />

Referenzdesign kann Fluoreszenz,<br />

Trübheitsgrad, Absorbtion und Farbe<br />

messen. Dazu wird eine Probe in<br />

einer Küvette präpariert und in den<br />

3D-gedruckten Küvettenhalter eingelegt,<br />

der die Optik, einschließlich<br />

einer Linse und einem Strahlteiler,<br />

enthält. Der Küvettenhalter wird<br />

in den für eine Plug-&-Play-Messung<br />

geeigneten optischen Pfad<br />

eingesetzt. Zusätzlich können die<br />

LED- und Fotodioden-Karten für<br />

eine noch stärkere Anpassung an<br />

die jeweilige Messaufgabe ausgeschaltet<br />

werden.<br />

Um das Erstellen von Kalibrierkurven<br />

und Identifizieren unbekannter<br />

Messparameter zu demonstrieren,<br />

werden hier pH-, Trübheits- und<br />

Fluoreszenzmessungen gezeigt.<br />

Die Evaluierungs-Bedienober fläche<br />

wurde genutzt, die Messungen zum<br />

Erstellen der Kalibrierkurven durchzuführen.<br />

Die Rauschwerte und<br />

Nachweisgrenzen (Limit Of Detection<br />

= LOD) wurden berechnet, um<br />

für jedes Beispiel die geringste Konzentration<br />

zu bestimmen, die mit<br />

dem CN0503 erkannt werden kann.<br />

pH-Wert über die<br />

Absorption messen<br />

Optiken<br />

Die Konfiguration des optischen<br />

Pfades für Absorptionsmessungen ist<br />

in Bild 3 dargestellt. Mit dem CN0503<br />

können Absorbierungsmessungen<br />

in jedem optischen Pfad (1 bis 4)<br />

durchgeführt werden. Der einfallende<br />

Lichtstrahl wird auf den Strahlteiler<br />

gerichtet, in dem eine Foto diode<br />

die Intensität des Strahls abtastet.<br />

Die verbleibende Lichtleistung wird<br />

durch die Probe geführt. Nimmt man<br />

das Verhältnis des Lichts aus der<br />

Probe zum Referenzlicht, werden<br />

damit Änderungen und Rauschen<br />

der LED-Quelle ausge glichen. Synchrone<br />

Pulse und Empfangsfenster<br />

bieten eine Abdeckung des Umgebungslichts.<br />

Einrichten des Messaufbaus<br />

• CN0503-Evaluierungs-Board<br />

• EVAL-ADICUP3029-Evaluierungs-Board<br />

• API-pH-Test-& Einstell-Kit<br />

• pH-Standardwerte<br />

37


Messtechnik<br />

Bild 7: Optischer Pfad zur Trübheitsmessung<br />

Hintergrundinformation<br />

zur Absorption<br />

Die Absorption betrifft die<br />

Bestimmung der Konzentration<br />

einer bekannten gelösten<br />

Substanz in einer Flüssigkeit<br />

und basiert darauf, wieviel<br />

Licht einer bestimmten Wellenlänge<br />

absorbiert wird. Die Konzentration<br />

ist nach dem Beer-<br />

Lambert-Gesetz dabei proportional<br />

der Absorption. Viele<br />

farblose Flüssigkeiten können<br />

gemessen werden, indem ein<br />

Mittel zur Farbänderung hinzugegeben<br />

wird. Dies betrifft<br />

insbesondere den pH-Wert,<br />

einen in vielen Industriezweigen<br />

von der Wasserqualität bis<br />

zur Abwasserbehandlung am<br />

häufigsten gemessenen Parameter.<br />

Absorptionsmessungen<br />

werden für viele weitere Parameter,<br />

wie dem Anteil an gelöstem<br />

Sauerstoff/biologischem<br />

Sauerstoff, Nitraten, Ammoniak<br />

und Chlor benutzt.<br />

In diesem Experiment wird ein<br />

Farbindikator (Bromthymolblau) in<br />

vorbereitete Flüssigkeiten mit unterschiedlichem<br />

pH-Wert gegeben.<br />

Diese Lösungen wurden in Küvetten<br />

gefüllt und bei zwei unterschiedlichen<br />

Wellenlängen, 430 nm und<br />

615 nm, getestet, wobei der Indikator<br />

die Absorbierungsänderung<br />

abhängig vom pH-Wert anzeigte.<br />

Das CN0503 vereinfacht dies, denn<br />

die beiden LED-Karten mit unterschiedlicher<br />

Wellenlänge können in<br />

die optischen Pfade 2 und 3 eingefügt<br />

werden. Dann wird der Küvettenhalter<br />

für die jeweilige Messung<br />

einfach in die unterschiedlichen<br />

Pfade integriert.<br />

Messergebnisse<br />

Durch Nutzen der Evaluierungs-<br />

Bedienoberfläche wurden die Messergebnisse<br />

der beiden optischen<br />

Pfade einfach in Ecxel exportiert.<br />

Die aus den beiden unterschiedlichen<br />

Wellenlängen gewonnenen<br />

Kalibrierkurven sind in den Bildern 5<br />

und 6 zu sehen.<br />

Für beide Fälle wurde die pH-<br />

Wert-Kurve in Abhängigkeit der<br />

Absorption (pH vs. absorbance)<br />

geplottet, um die Kalibrierkurve zu<br />

erhalten. Die Option Add Trendline<br />

wird dann genutzt, um eine Gleichung<br />

für diese Kurve zu generieren.<br />

Die Gleichungen werden anschließend<br />

benutzt, um die Konzentrationen<br />

der unbekannten Proben zu<br />

ermitteln. Der Ausgangswert des<br />

Sensors ist die x-Variable und der<br />

resultierende y-Wert ist der pH-Wert.<br />

Dies kann manuell erfolgen, dazu<br />

kann jedoch auch das CN0503 verwendet<br />

werden. Die Firmware implementiert<br />

zwei Polynome 5. Ordnung,<br />

INS1 und INS2. Sind die Polynome<br />

einmal gespeichert, kann entweder<br />

der INS1- oder INS2-Modus gewählt<br />

werden, so dass die Messergebnisse<br />

direkt in der gewünschten Einheit –<br />

in diesem Fall pH - angezeigt werden.<br />

Dies vereinfacht es, schnell<br />

ein Ergebnis für unbekannte Proben<br />

zu erhalten.<br />

Bild 8: Unterschiedliche Kalibrierstandards für die Trübheitsmessung<br />

Bild 9: Kalibrierkurve für die Trübheit<br />

38 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Messtechnik<br />

6,1-pH-Probe<br />

7,5-pH-Probe<br />

430 nm 615 nm 430 nm 615 nm<br />

RMS-Rauschwert (pH) 0,002098 0,000183 8,18994 × 10 -7 0,000165<br />

Tabelle 1: Rauschwerte der pH Messung<br />

7-pH-Probe<br />

430 nm 15 nm<br />

Nachweisgrenze (pH) 0,001099 0,001456<br />

Tabelle 2: Nachweisgrenze der pH-Messung<br />

Hintergrundinformation<br />

zum Trübheitsgrad<br />

Trübheitsmessungen in flüssigen<br />

Proben nutzen die Lichtstreuungseigenschaften<br />

von<br />

in der Flüssigkeit schwebenden<br />

Partikeln. Letztendlich ist<br />

es eine Messung der relativen<br />

Klarheit einer Flüssigkeit. Die<br />

Menge des gestreuten Lichts<br />

und der Streuungswinkel unterscheiden<br />

sich dabei abhängig<br />

von der Partikelgröße, Konzentration<br />

und der Wellenlänge des<br />

einfallenden Lichts. Die Trübheitsmessung<br />

wird in vielen<br />

Industriezweigen, einschließlich<br />

Gewässergüte und Biowissenschaften,<br />

durchgeführt.<br />

Neben der Messung der Trübheit<br />

generell, kann der CN0503<br />

auch genutzt werden, um das<br />

Algenwachstum über die Messung<br />

der optischen Dichte zu<br />

bestimmen.<br />

Bild 10: Optischer Pfad für die Fluoreszenzmessung<br />

Um den Rauschwert zu erhalten<br />

wurden für jede Wellenlänge<br />

zwei Datenpunkte ausgewählt: ein<br />

unterer und ein höherer pH-Wert.<br />

Diese beiden Punkte wurden verwendet,<br />

weil der Kurvenverlauf in<br />

diesem Fall nicht linear war. Die<br />

Standardabweichung mehrerer<br />

wiederholter Messungen für jeden<br />

Punkt, dargestellt als der Rauschwert<br />

in Tabelle 1, beschreibt die<br />

Messgenauigkeit, ausgenommen<br />

Variationen in der Probenaufbereitung<br />

(Tabelle 1).<br />

Die LOD wird typischerweise<br />

durch Messen des Rauschens<br />

bei niedriger Konzentration und<br />

multiplizieren mit 3 bestimmt,<br />

um einen Vertrauensbereich von<br />

99,7 % zu erzielen. Weil der pH-<br />

Wert einen logarithmischen Maßstab<br />

hat, wurde der pH-Wert 7 als<br />

die Zahl genommen, um die LOD<br />

zu prüfen, wie in Tabelle 2 gezeigt<br />

(Tabelle 2).<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Trübheitsgrad messen<br />

Optiken<br />

Bild 7 zeigt den optischen Pfad<br />

für die Trübheitsmessung mit einem<br />

90° oder 180°-Empfänger. Wenn ein<br />

90°-Detektor nötig ist, können mit<br />

dem CN0503 Trübheitsmessungen<br />

nur in den optischen Pfaden 1 und<br />

4 ausgeführt werden. Für die Trübheit<br />

gibt es vielfältige Messkonfigurationen<br />

und Standards. Das hier<br />

verwendete Beispiel ist eine modifizierte<br />

Version der EPA-Methode<br />

180.1, kalibriert und dargestellt in<br />

nephelometrischen Trübungseinheiten<br />

(NTU).<br />

Einrichtung<br />

des Messaufbaus<br />

• CN0503-Evaluierungs-Board<br />

• EVAL-ADICUP3029-Evaluierungs-Board<br />

• Trübheitsstandards zur Kalibration<br />

von Hanna Instruments<br />

Für den Test wurde in diesem Beispiel<br />

der optische Pfad 4 mit dem<br />

integrierten 530-nm-LED-Board<br />

eingesetzt.<br />

Testergebnisse<br />

Mit der Bedienoberfläche des<br />

CN0503-Evaluierungs-Boards wurden<br />

die Messergebnisse in Excel<br />

exportiert. Die resultierende Kalibrierkurve<br />

ist in Bild 9 gezeigt.<br />

Die Reaktionskurve wurde in<br />

zwei Bereiche aufgeteilt, weil die<br />

90°-Streuungsmessung für starke<br />

Trübungen weniger empfindlich<br />

(responsive) ist. Ein Bereich repräsentiert<br />

dabei geringere Trübungen<br />

(0 NTU bis 100 NTU) und der andere<br />

die stärkeren Trübungen (100 NTU<br />

bis 750 NTU). In jedem Bereich wurden<br />

dann zwei lineare Verlaufsanpassungen<br />

(fits) gemacht. Obwohl<br />

es nun zwei Gleichungswerte gibt,<br />

kann das CN0503 immer noch eingesetzt<br />

werden, um schnell die NTU-<br />

Werte zu ermitteln. Dies deswegen,<br />

weil jeder optische Pfad seine jeweiligen<br />

Gleichungswerte in INS1 und<br />

INS2 speichern kann. Ein wichtiger<br />

Hinweis ist, dass INS1 und INS2<br />

voneinander abhängige Variablen<br />

sind. Das Ergebnis der ersten<br />

Gleichung, INS1, ist die Eingangsvariable<br />

für die zweite Gleichung,<br />

INS2. Sind die Ergebnisse der<br />

Gleichungen einmal gespeichert,<br />

kann man INS1 zur Messung von<br />

Proben geringerer Trübung nutzen,<br />

und INS2 zur Messung solcher mit<br />

stärkerer Trübung.<br />

Um die Rauschwerte zu erhalten,<br />

wurde ein Datenpunkt zum Ermitteln<br />

der Standardabweichung mit<br />

wiederholten Messungen gewählt.<br />

Diese Standardabweichung ist der<br />

Rauschwert. Ein Datenpunkt wurde<br />

nahe dem unteren Grenzwert des<br />

Bereichs gewählt, weil die angepasste<br />

Gleichung linear ist.<br />

12 NTU<br />

RMS-Rauschwert (NTU)<br />

0,282474<br />

Tabelle 3: Rauschwert<br />

der Trübheitsmessung<br />

39


Messtechnik<br />

RMS Rauschwert<br />

(% Spinth)<br />

7,5%ige Spinatprobe<br />

20%ige Spinatprobe<br />

0,0616 0,1158<br />

Tabelle 5: Rauschwert der Fluoreszenzmessung<br />

Bild 11: Mit Spinat erzeugte Chlorophyll-Proben<br />

Um die LOD zu bestimmen wird<br />

der Rauschwert für eine klare<br />

oder nur gering getrübte Flüssigkeit<br />

gemessen, dann mit 3 multipliziert,<br />

um einen Vertrauensbereich<br />

von 99,7 % zu erhalten.<br />

Klare Probe<br />

Nachweisgrenze (NTU)<br />

0,69204<br />

Tabelle 4: Nachweisgrenze<br />

der Trübheitsmessung<br />

Die Fluoreszenz mit<br />

Spinatlösungen messen<br />

Optiken<br />

Die Konfiguration des optischen<br />

Pfades für Fluoreszenzmessungen<br />

ist in Bild 10 gezeigt. Wegen<br />

des 90°-Detektors können mit dem<br />

CN0503 Absorptionsmessungen nur<br />

mit den optischen Pfaden 1 und 4<br />

durchgeführt werden. Üblicherweise<br />

wird der Fluoreszenzdetektor<br />

um 90° versetzt zum einfallenden<br />

Licht positioniert und ein monochromatisches<br />

oder Langpassfilter<br />

verwendet, um die Trennung zwischen<br />

dem anregenden und emittieren<br />

Licht zu verbessern. Die Fluoreszenzmessung<br />

ist eine sehr empfindliche<br />

mit nur geringen Pegeln<br />

und zudem Interferenzen ausgesetzt,<br />

so dass eine Messmethode<br />

mit Referenz- und Synchron-Detektoren<br />

eingesetzt wird, um Fehlerquellen<br />

zu reduzieren.<br />

Einrichtung des<br />

Messaufbaus<br />

• CN0503-Evaluierungsboard<br />

• EVAL-ADICUP3029-<br />

Evaluierungsboard<br />

• Spinatlösung<br />

Bild 12: Kalibrierkurve für Spinatlösungen mit prozentual unterschiedlichen<br />

Spinatanteilen<br />

Für dieses Experiment wurde<br />

eine Spinatlösung durch Vermischen<br />

von Spinatblättern mit Wasser<br />

erzeugt. Diese wurde anschließend<br />

gefiltert und als Stammlösung<br />

genutzt. Die Stammlösung wurde<br />

dann verdünnt, um Proben mit prozentual<br />

unterschiedlichen Spinatlösungen<br />

zu generieren. Diese wurden<br />

als Standards verwendet, um<br />

durch Fluoreszenz eine Kurve von<br />

prozentual unterschiedlichen Spinatlösungen<br />

zu erzeugen. Der optische<br />

Pfad 1 wurde zusammen mit<br />

der 365-nm-LED-Karte und einem<br />

integrierten Langpassfilter benutzt.<br />

Messergebnisse<br />

Die Kalibrierkurve für Spinatlösungen<br />

unterschiedlicher Prozentwerte<br />

der Konzentration ist in<br />

Bild 12 zu sehen.<br />

Die Trendgleichung für diese Kalibrierkurve<br />

kann gespeichert werden,<br />

so dass die Ergebnisse direkt<br />

als Prozentangabe angezeigt werden<br />

können. Um den Rauschwert<br />

zu erhalten, werden zwei Datenpunkte<br />

ausgewählt: weil der Kurvenverlauf<br />

nicht linear ist, einer nahe<br />

dem unteren Grenzwert des Messbereichs<br />

und der andere nahe am<br />

oberen Ende des Grenzwerts. Das<br />

Rauschen wird von der Standardabweichung<br />

verschiedener wiederholter<br />

Messungen für jeden Punkt<br />

definiert, wie in Tabelle 5 gezeigt.<br />

Um die LOD zu bestimmen wurde<br />

der Rauschwert mit einer klaren<br />

und einer Probe mit geringer Spinatkonzentration<br />

gemessen, dann<br />

mit 3 multipliziert, um einen Vertrauensbereich<br />

von 99,7 % zu erhalten.<br />

Klare Probe<br />

Nachweisgrenze (% Spinat)<br />

0,1621<br />

Tabelle 6: Nachweisgrenze<br />

der Fluoreszenzmessung<br />

Zusammenfassung<br />

Das Erstellen von Prototypen<br />

für komplexe Messungen zur optischen<br />

Flüssigkeitsanalyse ist eine<br />

Herausforderung, die eine sorgfältige<br />

Betrachtung darüber benötigt,<br />

wie die Chemie, die Optik und die<br />

Elektronik miteinander interagieren,<br />

um präzise Messergebnisse<br />

zu erhalten. Integrierte AFEs wie<br />

der ADPD4101 ermöglichen eine<br />

höhere Leistung bei der optischen<br />

Messung von Flüssigkeiten mit<br />

Systemen kleinerer Ausmaße. Das<br />

CN0503 baut auf dem ADPD4101<br />

auf, zusammen mit dem optischen<br />

Design, der Firmware und Applikationssoftware.<br />

Damit ermöglicht es<br />

den einfachen Einsatz einer einfach<br />

konfigurierbaren Prototypenplattform,<br />

die akkurate optische Messungen<br />

von Flüssigkeitsparametern,<br />

wie Absorbierung, Farbe, Trübheit<br />

und Fluoreszenz, durchführen kann.<br />

Referenzen<br />

“HI98703-11 Turbidity Calibration<br />

Standards.” Hanna Instruments, Inc.<br />

Optical Platform: Turbidity Measurement<br />

Demo. Analog Devices,<br />

Inc. ◄<br />

Hintergrundinformation<br />

zur Fluoreszenz<br />

Fällt Licht auf eine Probe, die<br />

fluoreszierende Moleküle enthält,<br />

bewegen sich Elektronen<br />

in einen Zustand höherer Energie<br />

und verlieren dann etwas<br />

von dieser Energie, wobei sie<br />

Licht mit einer längeren Wellenlänge<br />

emittieren.<br />

Die Fluoreszenzemission ist<br />

chemisch eindeutig und kann<br />

genutzt werden, das Vorhandensein<br />

und die Menge von<br />

spezifischen Molekülen in<br />

einem Medium zu identifizieren.<br />

In diesem Beispiel wurde<br />

das fluoreszierende Chlorophyll<br />

mit Hilfe von Spinatblättern<br />

gewonnen. Unter vielen<br />

weiteren Anwendungen sind<br />

Fluoreszenzmessungen üblich<br />

in biologischen Untersuchungen,<br />

gelöstem Sauerstoff, chemischem<br />

Sauerstoffbedarf und<br />

dabei, ob die Pasteurisierung<br />

von Milch erfolgreich war.<br />

40 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Qualitätssicherung<br />

Dritte Generation einer weltweit erfolgreichen<br />

Stereomikroskop-Familie<br />

Der unvergleichbare Stereoblick und die okularlose, ergonomische Technologie<br />

machen das neue Mantis erneut zu einem einzigartigen und unverzichtbaren<br />

Werkzeug in der Stereovergrößerung bis 15x, für eine Vielzahl an<br />

Inspektions- und Manipulations anwendungen<br />

Die Stereomikroskop-Familie<br />

Mantis ist seit 30 Jahren weltweit<br />

in zehntausenden von Produktions-,<br />

Entwicklungs- und Forschungseinrichtungen<br />

im Einsatz. Das neue<br />

Mantis der dritten Generation bietet<br />

das Beste aus zwei Welten:<br />

„Über legene Ergonomie und optische<br />

Bildqualität in Kombination<br />

mit der neuesten digitalen Bildgebungstechnologie“,<br />

wie Mark Curtis,<br />

der Managing Director des britischen<br />

Mikroskop-Herstellers Vision<br />

Engineering, hervorhebt. Vision<br />

Engineering ist weltweit führender<br />

Anbieter innovativer ergonomischer<br />

Inspektions-, Mess- und digitaler<br />

3D- Visualisierungslösungen.<br />

Vision Engineering Ltd<br />

info@visioneng.de<br />

www.visioneng.de<br />

Die neue Mantis 3rd Gen<br />

Serie aus ERGO, PIXO<br />

und IOTA<br />

wurde für die optische Inspektion<br />

in der Feinmechanik, Elektronik,<br />

Medizintechnik und eine Vielzahl<br />

anderer Anwendungen entwickelt,<br />

die qualitativ hochwertige<br />

Bilder und hervorragende Ergonomie<br />

erfordern. Sie verfügt über ein<br />

patentiertes Design, das ein brillantes<br />

optisches Stereobild mit großem<br />

Sichtfeld und einzigartiger okularloser<br />

Technologie liefert, wodurch<br />

eine noch komfortablere und einfachere<br />

Betrachtung gewährleistet<br />

ist, als bisher und als bei herkömmlichen<br />

Mikroskopen.<br />

Manipulations-, Reparatur- und<br />

Präparationsaufgaben benötigen<br />

perfekte Stereobilder für die schnelle<br />

Hand-Augen-Koordination und Tiefenwahrnehmung.<br />

Mantis 3rd Gen<br />

kombiniert optische Stereobilder mit<br />

hochauflösenden Kameraoptionen<br />

für die intuitive Inspektion und Bildaufnahme.<br />

Eine Vergrößerung bis<br />

von 3x bis 15x und ein maximaler<br />

Arbeitsabstand von 114 mm erlauben<br />

alle gängigen Inspektionen im<br />

täglichen Arbeitsprozess.<br />

Das neue Mantis 3rd Gen zeichnet<br />

sich durch einen großen Bildausschnitt<br />

und eine exzellente 3D-Stereobetrachtung<br />

aus, jetzt mit einem<br />

Objektivrevolver für drei Vergrößerungen.<br />

Außerdem verfügt es standardmäßig<br />

über fünf verschiedene<br />

Beleuchtungsmodi, sodass die Ausleuchtung<br />

der Komponente oder<br />

Probe flexibel anpasst werden kann,<br />

um das perfekte Bild für die Bedürfnisse<br />

des Anwenders zu erhalten.<br />

Die neukonzipierte<br />

Mantis-Serie<br />

besteht aus den Grundsystemen<br />

PIXO, ERGO und IOTA. Neben seiner<br />

herausragenden Bildqualität und<br />

Ergonomie verfügt die Version Mantis<br />

PIXO auch über ein leistungsstarkes<br />

digitales Bildgebungssystem,<br />

mit dem hochauflösende Bilder<br />

spielend einfach erfasst, geprüft<br />

und geteilt werden können. So wird<br />

problemlos mit Kollegen kooperiert,<br />

Ergebnisse dokumentiert oder neue<br />

Mitarbeiter geschult. Umfangreiche<br />

Forschungs- und Entwicklungsarbeiten<br />

haben zu einer Reihe neuer Stativvarianten<br />

geführt, die noch mehr<br />

Flexibilität, Stabilität und eine geringere<br />

Stellfläche bieten.<br />

Neben den bisherigen Einsatzbereichen<br />

wie Elektronik, Maschinenbau,<br />

Präzisionsmechanik, Kunststoffe,<br />

Additive Fertigung, Dentalindustrie<br />

und Life Science in der fertigungsnahen<br />

Umgebung, Qualitätskontrolle,<br />

Wareneingangs- und Ausgangsprüfung,<br />

etc., will Vision Engineering<br />

mit den erweiterten technischen<br />

Möglichkeiten des Mantis 3rd<br />

Gen in neue Anwendungsfelder hineinwachsen.<br />

◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

41


Bedienen und Visualisieren<br />

Einsatz von PCAP<br />

unter schwierigen EMV-Bedingungen<br />

Der Einsatz von Touch-Controllern im HF-Umfeld war aufgrund von Störstrahlung bisher nicht möglich.<br />

Neue unempfindlichere Touch-Controller schaffen hier Abhilfe.<br />

© s4svisuals/AdobeStock<br />

Autor:<br />

Rudollf Sosnowsky<br />

Technischer Leiter/Chief<br />

Technology Officer<br />

HY-LINE Computer Components<br />

Vertriebs GmbH<br />

www.hy-line.de<br />

Die PCAP-Technologie hat fast<br />

in allen Bereichen andere Touch-<br />

Technologien verdrängt. Sie trennt<br />

die Funktion vom Design, denn der<br />

Sensor liegt hinter einer Glas-Frontplatte.<br />

Die Transparenz der verwendeten<br />

Sensoren in Glas oder Folie<br />

ist sehr hoch und erlaubt eine hervorragende<br />

optische Qualität. Die<br />

Frontscheibe ermöglicht ein ansprechendes<br />

Design durch individuelle<br />

Formgebung und Bedruckung des<br />

Glases. Der bündige Einbau prädestiniert<br />

sie für alle Situationen, wo<br />

eine Kante oder Stufe schwierig zu<br />

reinigen oder desinfizieren wäre. Das<br />

Material Glas ist widerstandsfähig<br />

gegenüber allen herkömmlichen<br />

Reinigungsmitteln und kann nach<br />

hohen IP-Klassen abgedichtet werden.<br />

Durch ein spezielles Oberflächen-Finish<br />

eignet es sich auch für<br />

bildgebende Verfahren, bei denen<br />

es auf geringe Reflexion und gute<br />

Ablesbarkeit ankommt. Das Einfräsen<br />

von Führungen für Slider und<br />

Drehregler sorgt für eine gute Ergonomie,<br />

und Beschichtungen ermöglichen<br />

eine gute passive Haptik, auf<br />

der Finger leicht und angenehm gleiten.<br />

Durch Härtung des Glases wird<br />

die Oberfläche des Gerätes unempfindlich<br />

gegenüber Vandalismus und<br />

unbeabsichtigter Beschädigung, die<br />

im rauen Einsatz vorkommen kann.<br />

Dem stehen Nachteile des PCAP-<br />

Systems gegenüber. So gibt es keine<br />

aktive haptische Rückmeldung – bei<br />

einem resistiven System muss eine<br />

Kraft auf die Folie ausgeübt werden<br />

– oft löst die Funktion bereits<br />

vor der tatsächlichen Berührung<br />

des Fingers mit der Oberfläche aus.<br />

Vorteile<br />

Zu den Vorteilen, die den Einsatz<br />

dennoch attraktiv machen, gehört<br />

die weitgehende Parametrierbarkeit<br />

des Controllers. Anzahl der gleichzeitig<br />

erkannten Finger, Bedienung<br />

auch mit nicht elektrisch leitenden<br />

Handschuhen, Erkennung und Ignorieren<br />

von großflächigen Ereignissen<br />

wie des aufgestützten Handballens<br />

und Flüssigkeiten aller Art<br />

sind möglich.<br />

Einsatz in der HF-Chirurgie<br />

In diesem Dokument wird eine<br />

weitere Einflussgröße beschrieben:<br />

Starke, in Amplitude und Frequenz<br />

wechselnde elektrische Felder erfordern<br />

eine spezielle Einstellung des<br />

Controllers, da diese Felder sich<br />

stark mit dem Nutzsignal überlagern<br />

und in die kapazitiven Elektroden<br />

einstrahlen. Am Beispiel des<br />

Einsatzgebietes HF-Chirurgie werden<br />

Einfluss und mögliche Abstellmaßnahmen<br />

aufgezeigt. Damit werden<br />

Anwendungen von PCAP mit<br />

seinen Vorteilen auch dort möglich,<br />

wo sie bisher durch Störungen ausgeschlossen<br />

waren.<br />

Grundlagen<br />

der HF-Chirurgie<br />

In der Elektrochirurgie, auch Diathermie<br />

genannt, wird elektrischer<br />

Strom genutzt, um durch gezieltes<br />

Aufheizen Modifikationen am<br />

Gewebe zu bewirken. Besonders<br />

bei minimal-invasiven Eingriffen,<br />

bei denen das operierte Gewebe<br />

nicht direkt zugänglich ist, hat die<br />

HF- (Hochfrequenz) Chirurgie große<br />

Vorteile. Sie ermöglicht sauberes<br />

und zügiges Arbeiten, da sich Blutungen<br />

frisch getrennten Gewebes<br />

durch Koagulation schnell stillen<br />

lassen.<br />

Die elektrische Energie, die im<br />

Gewebe in Wärme umgesetzt wird,<br />

liefert ein HF-Generator. Je nach<br />

Anwendungsfall werden vielfältige<br />

Instrumente mit unterschiedlicher<br />

Ausbildung der Elektroden an den<br />

HF-Generator angeschlossen.<br />

Methoden<br />

Die elektrische Energie wirkt auf<br />

das Gewebe. Je nach Intensität und<br />

Dauer kann sie damit zum Schneiden,<br />

Koagulieren (Stillen von Blutungen),<br />

Devitalisieren (Zerstören)<br />

von Gewebe oder zum Thermofusionieren<br />

(Versiegeln von Gefäßen)<br />

verwendet werden. Die lokale Erwärmung<br />

ist abhängig von der Impedanz<br />

des Gewebes, der Form der Elektrode<br />

und dem Querschnitt der Eintrittsstelle,<br />

der Höhe der HF-Leistung<br />

42 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

Bild 1: Monopolares und bipolares Verfahren<br />

(mittlerer und Spitzenstrom) und der<br />

Einwirkdauer. Unterhalb von 40 °C<br />

wird das Gewebe nicht beeinflusst.<br />

Die wirksamen Temperaturen beginnen<br />

bei 60 °C zur Devitalisierung von<br />

Zellen (z. B. Krebsgewebe). Schnitte<br />

werden mit 100 °C ausgeführt, und<br />

jenseits 150 °C wird das Gewebe<br />

karbonisiert und durch den Körper<br />

ausgeschieden.<br />

Man unterscheidet grundsätzlich<br />

zwischen monopolarem und<br />

bipolarem Betrieb, siehe Bild 1.<br />

Dies bezieht sich auf die Ausführung<br />

der Elektrode und das Spannungspotential,<br />

dem der Patient<br />

ausgesetzt wird.<br />

Monopolare Technik<br />

Die Einleitung des Stroms in<br />

den menschlichen Körper findet an<br />

einem Punkt über die Aktiv-Elektrode<br />

statt. Dort kann mit ihr ein<br />

punktueller Effekt wie ein Schnitt<br />

oder eine Koagulation bewirkt werden<br />

(siehe Bild 1 unten). Der Rückkanal<br />

verläuft über eine Neutral-Elektrode,<br />

die großflächig mit dem Körper,<br />

etwa am Rücken, verbunden ist.<br />

An ihr sind die auftretenden Ströme<br />

pro Flächeneinheit so gering, dass<br />

nur eine geringe und damit unschädliche<br />

Erwärmung auftritt.<br />

Bipolare Technik<br />

Bei der bipolaren Technik verfügt<br />

die zur Behandlung verwendete<br />

Elektrode über zwei Pole, die<br />

mit Ausgang und Massepotential<br />

des Generators verbunden sind<br />

(siehe Bild 1 unten). Eine Neutral-<br />

Elektrode wird nicht benötigt. Der<br />

Effekt entsteht zwischen den beiden<br />

Polen, die z. B. in Form einer<br />

Pinzette ausgebildet sein können.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Spray-Koagulation<br />

Bei dieser (monopolaren) Behandlungsform<br />

wird die Koagulation<br />

über einen Lichtbogen durchgeführt,<br />

der sich zwischen Elektrode<br />

und Gewebe ausbildet. Zur Bildung<br />

des Lichtbogens muss der Generator<br />

hohe Spannungen mit hoher<br />

Modulation ausgeben. Die Intensität<br />

und damit die Impedanz des Lichtbogens<br />

moduliert in Abhängigkeit<br />

vom Abstand zwischen Elektrode<br />

und Gewebe und dem Zustand des<br />

Gewebes (von bereits koagulierten<br />

zu weniger koagulierten Stellen).<br />

Der HF-Generator<br />

Die Aufgabe des HF-Generators<br />

besteht darin, die für die Operation<br />

nötigen elektrischen Signale an<br />

die Elektrode abzugeben. Es handelt<br />

sich dabei um eine Wechselspannung,<br />

denn Gleichspannung<br />

würde zur Elektrolyse im Gewebe<br />

führen. Die Frequenz dieser Spannung<br />

muss hoch genug sein, dass<br />

sie den so genannten faradischen<br />

Bild 2: Typische Kurvenformen<br />

Effekt vermeidet, bei dem Nerven<br />

und Muskelzellen durch elektrischen<br />

Strom gereizt werden. Die<br />

untere Grenze hierfür liegt bei etwa<br />

200 kHz. Der thermische Effekt<br />

entsteht durch die im Gewebe in<br />

Wärme umgesetzte Verlustleistung.<br />

Die Höhe der Spannung variiert je<br />

nach Betriebsart zwischen ein paar<br />

Hundert Volt bis zu wenigen Kilovolt<br />

(in der Spitze). Die Anforderungen<br />

an die HF-Quelle sind also vielseitig<br />

und erfordern eine schnelle<br />

Ausregelung des Ausgangssignals<br />

in Abhängigkeit von der Impedanz<br />

des Gewebes. Sie hängt vom Übergangswiderstand<br />

der Kontaktfläche,<br />

aber auch vom Zustand des Gewebes<br />

während der laufenden Behandlung<br />

ab. Als weiterer Faktor spielt die<br />

vom Operateur bestimmte Einwirkzeit<br />

eine Rolle, denn die thermische<br />

Energie bestimmt sich aus der Leistung<br />

und der Dauer. Typische Werte<br />

liegen bei monopolarem Schneiden<br />

bei größer 300 kHz und bis zu<br />

1 kV. Bei der monopolaren Spraykoagulation<br />

sind dies in der Spitze<br />

ca. 1 MHz und mehr als 4 kV. Die<br />

Leistung variiert dabei zwischen<br />

wenigen 10 W und 300 W.<br />

Besonders bei der Spraykoagulation<br />

entsteht ein starkes Wechselfeld,<br />

das in der Amplitude moduliert<br />

ist, da der Generator nachregelt,<br />

um den Lichtbogen mit konstanter<br />

Leistung zu erhalten. Bild 2 zeigt<br />

die typischen Kurvenformen. Je<br />

nach Behandlung variieren Amplitude,<br />

Frequenz oder Puls/Pause-<br />

Verhältnis.<br />

PCAP<br />

Die PCAP-Touch-Technologie<br />

(„Projected CAPacitive Touch<br />

Screen“) trat ihren Siegeszug in der<br />

Consumer-Elektronik an. Heute ist<br />

sie nicht nur dort, sondern auch in<br />

professionellen Geräten die am weitesten<br />

verbreitete Touch-Technologie.<br />

Sie bietet durch die Integration<br />

hinter einem Deckglas Vorteile wie<br />

eine bündige, leicht mit allen gängigen<br />

Mitteln zu reinigende Oberfläche<br />

und ein attraktives Design<br />

mit Bedruckung und Hinterleuchtung<br />

der Frontplatte. Gerade in der<br />

Medizintechnik profitieren Geräte<br />

mit Display von der Ergonomie<br />

eines Touchscreens, da Werte dort<br />

modifiziert werden können, wo sie<br />

auf dem Bildschirm dargestellt werden.<br />

Wenige Anwendungsbereiche<br />

bleiben Domäne anderer Technologien,<br />

z. B. dort, wo es auf eine taktile<br />

Rückmeldung ankommt, oder<br />

bislang in der Umgebung starker<br />

elektrischer Störsignale.<br />

Dank der immer weiter entwickelten<br />

Hard- und Software des<br />

Touch-Controllers können Störungen<br />

besser unterdrückt und erfasste<br />

Touch-Ereignisse auf Plausibilität<br />

geprüft werden, so dass Betrieb und<br />

Bedienung immer sicher bleiben.<br />

Aufbau<br />

Das Touch-System besteht aus<br />

zwei Komponenten: dem Touch-<br />

Sensor, der ein kapazitives Feld aufspannt.<br />

Es wird durch die Berührung<br />

mit Fingern oder anderen Gegenständen<br />

beeinflusst. Die andere<br />

ist der Touch-Controller, der diese<br />

Berührungen auswertet. Der Touch-<br />

Controller befindet sich auf einer<br />

kleinen separaten Leiterplatte oder<br />

einer Flex-Folie. Eine Seite ist mit<br />

dem Touch-Sensor verbunden, die<br />

andere mit dem Host (Embedded<br />

Board oder PC). Die Auswertung<br />

findet durch sequenzielles Abtasten<br />

43


Bedienen und Visualisieren<br />

Bild 3: Touch-Controller<br />

der Zeilen und Spalten statt. Dabei<br />

wird sowohl die Kapazität einzelner<br />

Elektrodenpaare („self capacitive“)<br />

als auch die Wechselwirkung<br />

benachbarter Elektroden („mutual<br />

capacitive“) ausgewertet. Die Grundfunktionen<br />

sind: Erkennen eines<br />

Touch-Ereignisses („Touch“) bei<br />

der Betätigung, Verschwinden eines<br />

Touch-Ereignisses („Release“) beim<br />

Loslassen und die Erkennung von<br />

Gesten („swipe“, „zoom“, „pinch“).<br />

Dabei können je nach Einstellung<br />

auch mehrere Ereignisse gleichzeitig<br />

ausgewertet werden („Multi finger“<br />

Touch und Gesten). Die Firmware<br />

des Touch-Controllers deckt<br />

alle diese Funktionen ab. Die Grundfunktionen<br />

können in weiten Grenzen<br />

parametriert werden, um die<br />

Funktion des Touchscreens an die<br />

gewünschte Bedienoberfläche und<br />

das elektrische Umfeld anzupassen.<br />

Dies wird auch als „Fine Tuning“<br />

bezeichnet, bei dem über 50 Parameter<br />

in der Firmware eingestellt<br />

werden. Es ist wichtiger Bestandteil<br />

bei der erfolgreichen Integration<br />

eines PCAP-Touch-Systems.<br />

Design mit PCAP<br />

Bei der Integration in ein Gerät<br />

werden Display, Touch-Sensor und<br />

Deckglas miteinander verklebt und<br />

in das Gehäuse eingebaut. Die elektrische<br />

Anbindung an die Versorgung<br />

und besonders an die Masse (siehe<br />

Bild 4) des Systems muss unter<br />

EMV-Aspekten besonders beachtet<br />

werden. Details beschreibt das<br />

Whitepaper „Integrationshinweise<br />

für ein PCAP Design“ (HY-LINE).<br />

Der PCAP-Controller stellt im<br />

Kern die Grundfunktionen zur Auswertung<br />

von Touch-Ereignissen<br />

auf dem PCAP-Sensor zur Verfügung,<br />

deren Ergebnisse an das<br />

Hostsystem weitergegeben werden.<br />

Diese können vielseitig parametriert<br />

werden, um im finalen System<br />

eine optimale Funktion zu erzielen.<br />

Da das PCAP-Prinzip auf der<br />

Änderung kleinster Kapazitäten<br />

basiert, müssen alle Einflüsse, die<br />

Bild 4: Beispiel für die Masseanbindung des Controllers<br />

das vom Sensor ausgehende elektrische<br />

Feld beeinflussen, berücksichtigt<br />

oder ausgeschaltet werden.<br />

Dies beginnt bei der Mechanik der<br />

umgebenden Frontplatte. Von elektrischer<br />

Seite aus sind dies Störfelder,<br />

die vom darunter liegenden<br />

Display ausgehen, aber auch Schaltnetzteile<br />

und vorbeiführende Leitungen<br />

zur Stromversorgung anderer<br />

Komponenten. Sind alle diese<br />

Einflüsse bekannt und eliminiert,<br />

kann der Touch-Controller auf die<br />

gewünschte Betriebsart eingestellt<br />

werden: Wie viele Berührungen soll<br />

er gleichzeitig erkennen (Mehrfingergesten),<br />

und wie sensitiv muss<br />

er sein, um z. B. auch Finger durch<br />

Handschuhe hindurch erkennen zu<br />

können? Wie dick ist das Deckglas?<br />

Kommen erschwerte Bedingungen<br />

durch Fremdkörper auf der Oberfläche<br />

hinzu wie z. B. eine feuchte<br />

Oberfläche, Wassertropfen, fließendes<br />

oder stehendes Wasser<br />

oder andere Flüssigkeiten?<br />

Controller-Firmware<br />

Die Controller-Firmware wertet<br />

die gemessenen Ereignisse aus<br />

und prüft sie. Sind die Koordinaten<br />

plausibel und bleiben über mehrere<br />

Scan-Durchläufe hinweg präsent?<br />

Stimmt das Signal/Noise-Verhältnis?<br />

Muss die Betriebsart geändert<br />

werden, um zuverlässigere Werte<br />

zu bekommen, z. B. weniger Finger<br />

gleichzeitig, liegt eine Benetzung<br />

mit einer Flüssigkeit vor, oder ein<br />

Handballen auf dem Touchscreen?<br />

Ein hoher Aufwand wird betrieben,<br />

um statische Störungen durch z. B.<br />

die Generator-Grundfrequenz auszuschließen.<br />

Durch Ändern der Abtastrate<br />

und damit der Arbeitsfrequenz<br />

versucht der Controller, durch<br />

Überlagerung verursachte Interferenzen<br />

zu umgehen.<br />

Auch das GUI kann einen Einfluss<br />

auf die einwandfreie Funktion<br />

haben; man möchte nicht Funktionstasten<br />

am Rand des Touchscreens<br />

haben, wenn sich dort stehendes<br />

Wasser stauen kann.<br />

Auswirkungen<br />

von Störsignalen<br />

Bild 5 zeigt, welche Auswirkungen<br />

Störsignale auf einen nicht optimal<br />

abgestimmten Touchscreen haben<br />

können. Große Kreise geben ein<br />

Touch-Ereignis an, kleine Kreise<br />

markieren das Loslassen. Linien<br />

zeigen den Pfad der kontinuierlichen<br />

Berührung.<br />

Auf dem Touch-Sensor wurden<br />

zwei parallele Linien gezeichnet.<br />

Von links nach rechts sind zu sehen:<br />

• Ohne Störsignal: Berühren und<br />

Loslassen des Touchscreens<br />

funktionieren einwandfrei, die<br />

Koordinaten der Touch-Ereignisse<br />

werden korrekt erkannt.<br />

• Mit zunehmender Intensität wird<br />

die Lokalisierung der Touch-Ereignisse<br />

schwieriger: Die erkannte<br />

Position weicht zum Teil deutlich<br />

von der realen ab. Berührungen<br />

und Loslassen werden einwandfrei<br />

erkannt.<br />

• Bei weiter ansteigendem Störsignal<br />

kommt es zu stärkeren<br />

Abweichungen von der korrekten<br />

44 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

Bild 5: Einfluss von Störsignalen<br />

Position. Die gleichzeitige Präsenz<br />

mehrerer Touch-Ereignisse wird<br />

nicht sicher erkannt. Trotz Kontakt<br />

zwischen Finger und Touchscreen<br />

wird ein Loslassen detektiert<br />

und an das System gemeldet.<br />

• Bei stärkstem Störsignal ist der<br />

Touchscreen praktisch komplett<br />

in seiner Funktion gestört: Berühren<br />

und Loslassen werden nicht<br />

mehr sicher erkannt, es treten<br />

ohne Berührung „Ghost“-Ereignisse<br />

(grün) auf, die Zuordnung<br />

der Finger zu den Koordinaten<br />

stimmt nicht mehr (rot und blau<br />

wechseln ab).<br />

Herausforderungen<br />

in der HF-Chirurgie<br />

Nicht nur der HF-Generator selbst,<br />

sondern auch alle in der unmittelbaren<br />

Umgebung befindlichen elektrischen<br />

Geräte wie z. B. Bedienmonitore,<br />

OP-Leuchten und Infusionspumpen<br />

sind den abgestrahlten<br />

Signalen ausgesetzt. Die Änderung<br />

des Stroms kann ungleichmäßig<br />

sein, so dass mit hohen Stromspitzen<br />

zu rechnen ist, die einen Einfluss<br />

auf das sich ergebende Feld<br />

haben. Im monopolaren Betrieb<br />

(siehe Bild 1) sind Hin- und Rückleitung<br />

voneinander getrennt. Damit<br />

wird ein Störfeld zwischen den beiden<br />

Leitungen aufgespannt. Im bipolaren<br />

Betrieb hingegen sind Hin- und<br />

Rückleiter in einem Kabel geführt,<br />

so dass auf beiden Leitern befindliche<br />

elektrische Störungen sich<br />

gegenseitig abschwächen. Besondere<br />

und breitbandige Störungen<br />

wirken bei der Spray-Koagulation<br />

auf die gesamte Elektronik und<br />

das Touch-System ein. Unbeabsichtigte<br />

Störsignale können nicht<br />

nur auftreten, wenn die Elektrode<br />

den Touch-Sensor berührt, sondern<br />

auch, wenn das Kabel während der<br />

Operation in der Nähe des Touch-<br />

Sensors verläuft.<br />

Design und Verifikation<br />

Für das Fine Tuning wird in einem<br />

Testaufbau im Labor die Umgebung<br />

durch Simulation nachgestellt. Die<br />

Störquelle ist ein Funktionsgenerator,<br />

der mit einem Metallstift und definiertem<br />

Abstand auf den Touch-Sensor<br />

einwirkt (siehe Bild 6). Signalform,<br />

Amplitude und Frequenz werden<br />

nacheinander modifiziert, um<br />

die Realität nachzubilden. Unter<br />

dem Einfluss des Störsignals wird<br />

der Touchscreen mit dem Finger<br />

bedient und die resultierenden<br />

Touch-Ereignisse ausgewertet. Die<br />

Einstellungen werden so lange optimiert,<br />

bis die Funktion der Spezifikation<br />

entspricht. Das Ergebnis muss<br />

dann am realen HF-Generator nur<br />

noch geringfügig justiert werden.<br />

Zusammenfassung<br />

Mit der Verwendung von Hochfrequenz<br />

lassen sich viele Bereiche<br />

der Chirurgie abdecken. Durch minimalinvasive<br />

Eingriffe reduziert sich<br />

die Gefahr für den Patienten, die<br />

Heilung der Operationswunden<br />

kann gezielt gesteuert werden,<br />

und die Verweildauer im Krankenhaus<br />

verkürzt sich wegen kleinerer<br />

Wunden und besseren lokalen<br />

Behandlungen. Ein Nachteil der<br />

HF- Chirurgie ist, dass das Verfahren<br />

durch die Energie des Generators<br />

die Umgebung mit vagabundierenden<br />

Strömen stört. Daher<br />

war bislang die Verwendung eines<br />

PCAP (Projected CAPacitive Touchscreen)<br />

in den vielfältigen Geräten,<br />

die im OP in der Umgebung eines<br />

HF-Generators eingesetzt werden,<br />

nicht möglich, da dieser auf feinste<br />

Änderungen eines elektrischen<br />

Feldes reagiert. Verbesserte, gegenüber<br />

Störstrahlung unempfindlichere<br />

Touch-Controller ermöglichen<br />

nunmehr mit gesteigerter Rechenleistung<br />

und angepassten Algorithmen,<br />

dass – unter Be achtung<br />

einiger konstruktiver Maßnahmen<br />

– ein PCAP-Touchscreen ohne Einbußen<br />

an Sicherheit oder Komfort<br />

verwendet werden kann.<br />

Referenzen<br />

• HY-LINE Computer<br />

Components Vertriebs GmbH<br />

www.hy-line-group.com<br />

Bild 6: Einkopplung von Störsignalen im Labor<br />

• Whitepaper zur Touchscreen-<br />

Integration<br />

www.hy-line-group.com/pcap<br />

• Unterlagen von Erbe Elektromedizin<br />

(www.erbe-med.com)<br />

• BOWA-electronic GmbH & Co.<br />

KG BOWA MEDICAL ELEK-<br />

TROCHIRURGIE<br />

(bowa-medical.com)<br />

• Unterlagen von Gebrüder<br />

Martin GmbH & Co. KG<br />

(www.klsmartin.com)<br />

• Unterlagen von eGalax_eMPIA<br />

Technology (www.eeti.com)<br />

Wer schreibt<br />

HY-LINE Computer Components<br />

steht als Mitglied der HY-LINE-<br />

Gruppe mit 30 Jahren Expertise als<br />

Spezialist für komplette Systemlösungen<br />

im Bereich Display- und<br />

Touchtechnologie und Embedded<br />

Computing. Als Lösungsanbieter<br />

unterstützt das Unternehmen seine<br />

Kunden bei der projektbezogenen<br />

technischen Beratung sowohl in<br />

aktuellen Technologien als auch<br />

innovativen Ansätzen. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

45


Bedienen und Visualisieren<br />

Human Machine Interfaces im Medizinbereich<br />

Die Kombination aus Touchscreen mit stromsparendem SBC von SECO dient als zentrale<br />

Kommunikationsschnittstelle bei dem nicht-invasiven (NIV) Beatmungsgerät Biorespira<br />

die Chancen, unseren Beitrag zur<br />

Bekämpfung der COVID-19 Pandemie<br />

zu leisten und SECO war der<br />

beste Partner, den wir uns wünschen<br />

konnten“, erklärt Corrado<br />

Ghidini, CEO von IBD.<br />

SECO Northern Europe GmbH<br />

https://north.seco.com/<br />

In der Medizintechnik sind Qualität<br />

und Sicherheit die wichtigsten<br />

Parameter für hochwertige und verlässliche<br />

Produkte. Der Einsatz von<br />

Human Machine Interfaces (HMIs)<br />

in den entsprechenden elektronischen<br />

Geräten und Systemen<br />

stellt somit sehr hohe Anforderungen<br />

an die Entwickler und Hersteller.<br />

Die Geräte müssen komfortabel<br />

und präzise bedienbar sein, eine<br />

optimale Ablesbarkeit der Parameter<br />

sicherstellen sowie Ausfallsicherheit<br />

und eine Langzeitverfügbarkeit<br />

bieten. Bei der Bedienung<br />

medizinischer Geräte spielen<br />

auch Touchscreens immer häufiger<br />

eine wichtige Rolle und ihre Verwendung<br />

nimmt seit Jahren stetig<br />

zu. HMIs nehmen dabei die wichtige<br />

Rolle der zentralen Bedienelemente<br />

medizintechnischer Geräte<br />

ein. Über das Display lassen sich<br />

alle Funktionen sehr präzise steuern<br />

und der Anwender erhält auf<br />

Berührung aktuelle Informationen,<br />

wie zum Beispiel Messergebnisse.<br />

Das Anwendungsbeispiel<br />

Für die finale Phase der Entwicklung<br />

eines innovativen nichtinvasiven<br />

Lungenbeatmungsgerätes<br />

(NIV) suchte IBD, ein erfahrener<br />

Hersteller für biomedizinische<br />

Geräte, Unterstützung bei<br />

der Implementierung eines geeigneten<br />

HMIs und wurde bei SECO<br />

fündig. Mit dem neuartigen und vielseitigen<br />

NIV-Ansatz für die Unterstützung<br />

der Lungenbeatmung<br />

kommt die Lösung sowohl in der<br />

klinischen als auch in der häuslichen<br />

oder mobilen Anwendung<br />

zum Einsatz.<br />

HMI für die nicht-invasive<br />

Beatmung (NIV)<br />

Bei der NIV wird die Atmung des<br />

Patienten unterstützt, ohne dass eine<br />

Intubation oder Tracheotomie erforderlich<br />

ist. Die NIV bietet Patienten<br />

mit Ateminsuffizienz eine wirksame<br />

Therapie bei geringerem Infektionsrisiko<br />

und verbesserten Überlebensraten.<br />

Mit dem Lungenbeatmungsgerät<br />

Biorespira hat IBD<br />

gemeinsam mit Unterstützung von<br />

SECO in kurzer Zeit ein Produkt<br />

entwickelt, das die Patienten auch<br />

bei der Bewältigung einer COVID-19<br />

Infektion unterstützt. „Mit der Entwicklung<br />

dieses Geräts hatten wir<br />

Die Anforderungen<br />

Grundsätzlich sollte das Beatmungsgerät<br />

Technologien verwenden,<br />

die auf dem allerneusten Stand<br />

der Technik sind. So sollte ein High-<br />

Flux-Generator für die nicht-invasive<br />

Beatmung von erwachsenen<br />

Patienten mit Ateminsuffizienz zum<br />

Einsatz kommen. Damit ist es möglich<br />

bei Patienten, die in der Lage<br />

sind eigenständig zu atmen, eine<br />

direkte Messung des PEEP, der<br />

SpO 2 -Parameter und der Atemfrequenz<br />

durchzuführen und die Werte<br />

kontinuierlich anzeigen zu lassen.<br />

Das System sollte geschlossen<br />

sein, um Infektionsrisiken vorzubeugen,<br />

dem andere Anwesende<br />

durch den Aerosol-Effekt der vom<br />

Patienten ausgeatmeten Luft ausgesetzt<br />

sind.<br />

Bevor die Embedded-Systems-<br />

Spezialisten von SECO mit der Entwicklung<br />

des HMIs begannen, galt<br />

es einige Anforderungen an die<br />

Lösung zu definieren. Besonderes<br />

Augenmerk wurde hierbei auf die<br />

Anwenderfreundlichkeit, Kompaktheit<br />

und Gewichtsreduktion gelegt.<br />

Gerade eine flexibel einsetzbare<br />

Gesamtlösung war wichtig für den<br />

geplanten Einsatz, nicht nur in Intensivpflege,<br />

chirurgischen Intensivstation<br />

und Notaufnahme, sondern auch<br />

mobil in Pflegeheimen und in der<br />

häuslichen Krankenpflege.<br />

Angepasste<br />

HMI-Standardlösung<br />

Die eingesetzte HMI-Lösung im<br />

Biorespira wurde speziell an die<br />

Anforderungen des Gerätes angepasst<br />

und besteht aus einem 10 Zoll<br />

großen Touchscreen mit einem<br />

stromsparenden Single Board Computer<br />

(SBC) und einem ARM-Prozessor<br />

der jüngsten Generation.<br />

Als Betriebssystem kam ein Yocto<br />

Linux zum Einsatz. Yocto ist dabei<br />

kein eigenständiges Linux-System,<br />

46 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

men, verkleinert den anatomischen<br />

Totraum und generiert einen positiven<br />

Atemwegsdruck. Das Lungenbeatmungsgerät<br />

ist intuitiv bedienbar<br />

und bei der Behandlung<br />

nicht störend. Selbst unerfahrene<br />

Anwender verstehen schnell wie<br />

es zu bedienen ist.<br />

sondern vielmehr ein Baukasten,<br />

aus dem sich die Entwickler bedienen<br />

können. Es zeichnet sich vor<br />

allem durch seine standardisierte<br />

Architektur und hohe Anpassbarkeit<br />

aus, was den Entwicklern entgegenkam.<br />

Auch das GUI-Framework<br />

wurde speziell auf die Lösungsanforderungen<br />

zugeschnitten und<br />

basiert auf der C++-Technologie für<br />

ARM/Linux-Umgebungen. Zusätzlich<br />

wurde ein CAN-BUS zur Reduzierung<br />

der im Gerät verbauten<br />

Kabel und somit zur Gewichtreduktion<br />

verwendet. Das eigens für<br />

dieses Produkt angepasste HMI<br />

wird eingesetzt, um eine einfache<br />

Bedienung - auch für unerfahrene<br />

Nutzer - zu ermöglichen und darüber<br />

hinaus eine optimale Darstellung<br />

der Werte wie z. B. PEEP, der<br />

SpO 2 -Parameter und der Atemfrequenz<br />

sicherzustellen.<br />

play und kann sowohl in Kliniken als<br />

auch in der häuslichen Pflege eingesetzt<br />

werden. Es unterstützt die<br />

Sauerstoffversorgung, die dynamische<br />

Lungen-Compliance, die<br />

Homogenität und Exspirationsvolu-<br />

SECO im medizinischen<br />

Sektor<br />

SECO deckt alle relevanten<br />

Normzertifizierungen im medizinischen<br />

Bereich ab, sodass klinische<br />

Reinheit und Sicherheit in<br />

der Anwendung jederzeit gewährleistet<br />

sind. Besonders zeichnen sich<br />

die Embedded Systeme von SECO<br />

darin aus, dass die standardisierten<br />

Lösungen flexibel auf verschiedene<br />

Anwendungsfelder im medizinischen<br />

Bereich adaptiert werden<br />

können. Dadurch liegt bereits sehr<br />

früh in der Entwicklungsphase ein<br />

erster Prototyp vor, der Implementierung,<br />

Funktionstests und Qualitätssicherung<br />

erheblich beschleunigt.<br />

Das schnelle Prototyping des<br />

HMIs konnte dazu beitragen, das<br />

Biorespira zur Bekämpfung der<br />

Covid-19-Pandemie deutlich schneller<br />

auf den Markt zu bringen, als<br />

es üblicherweise der Fall gewesen<br />

wäre. ◄<br />

Das Ergebnis<br />

SECO liefert ein HMI, das zur<br />

Überwachung der Funktionen des<br />

Beatmungsgeräts dient, wobei das<br />

entwickelte Gerät mit einer Größe<br />

291(W) x 259(H) x 203(D) mm und<br />

einem Gewicht von 3 kg äußerst<br />

kompakt und tragbar ist. Es verfügt<br />

über ein anwenderfreundliches Dis-<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

47


Bedienen und Visualisieren<br />

Maßgeschneiderte Technologie<br />

für die Medizintechnik<br />

Technologische Fortschritte<br />

und entsprechende<br />

Lösungen<br />

Im Zeitalter hochentwickelter<br />

Medizintechnik spielen spezielle<br />

Vorbaugruppen eine zunehmend<br />

entscheidende Rolle bei<br />

der Bereitstellung hocheffizienter<br />

Diagnose- und Behandlungslösungen.<br />

Industriekunden aus dem<br />

Bereich Medizintechnik bekommen<br />

heute für ihren innovativen<br />

Bedarf an Geräten eine Vielzahl<br />

an Komponenten und Komplettlösungen,<br />

die den Anforderungen<br />

der Medizintechnik entsprechen.<br />

Diese Anforderungen beinhalten<br />

neben einer gesicherten Supply<br />

Chain auch die erforderliche Dokumentation<br />

und Zertifizierung, sowie<br />

garantierte funktionelle Sicherheit<br />

in der Bedienung und in allen<br />

zusätzlichen Features moderner<br />

Touch Mensch-Maschine-Interfaces<br />

(MMI).<br />

Gesicherte Qualität und<br />

nachverfolgbare Lieferkette<br />

Zuverlässige Lieferanten und ein<br />

gut etabliertes Netzwerk sind die<br />

Basis, um die Qualität von Komponenten<br />

zu sichern. Nur durch<br />

sorgfältige Auswahl und regelmäßige<br />

Überprüfung der Lieferanten<br />

können die hohen Standards im<br />

Medizinbereich eingehalten werden.<br />

Dabei ist die Nachverfolgbarkeit<br />

aller Komponenten im gesamten<br />

Lieferprozess ein essentieller<br />

Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems:<br />

Von der Beschaffung<br />

der Rohmaterialien bis zur endgültigen<br />

Lieferung an die Industriekunden.<br />

Auch umfassende Erstmusterprüfberichte<br />

bieten zusätzliche<br />

stichprobenartige Kontrollmöglichkeiten.<br />

Durch den Einsatz fortschrittlicher<br />

Materialien, innovativer Sensortechnologien<br />

und leistungsstarker<br />

Rechenkapazitäten sind medizinische<br />

Geräte in der Lage, schneller<br />

präzise Diagnosen zu stellen<br />

und über spezielle Überwachungsfunktionen<br />

lebensrettende Behandlungen<br />

zu unterstützen. Von hochauflösenden<br />

Bildschirmen über<br />

Datenverarbeitung bis hin zu nahtloser<br />

System-Konnektivität bieten<br />

medizinische Vorbaugruppen eine<br />

umfassende Palette technischer<br />

Funktionen, die die medizinische<br />

Versorgung auf ein neues Niveau<br />

heben. Durch die enge Zusammenarbeit<br />

mit den Kunden wird heute<br />

sichergestellt, dass passgenaue<br />

Lösungen nach der höchsten Norm<br />

ISO 13485 und den Bedürfnissen<br />

und zum Wohle der Patienten entwickelt<br />

werden können.<br />

Sobald die Entwicklung der Komponenten<br />

beim Systemanbieter liegt,<br />

werden diese iterativen Prozesse<br />

etwas vereinfacht und das eröffnet<br />

eine Reihe von Vorteilen: So können<br />

praktische Designs geschaffen<br />

werden, die sich problemlos in<br />

verschiedene medizinische Umgebungen<br />

integrieren lassen. Komponenten<br />

können so optimal auf indi-<br />

Autor:<br />

Roland Wabro<br />

Produktmanager Systeme<br />

DATA MODUL<br />

info@data-modul.com<br />

www.data-modul.com<br />

48 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

viduelle Benutzerfreundlichkeit,<br />

intuitive Bedienbarkeit und ergonomisches<br />

Design ausgelegt werden.<br />

Unternehmen wie Data Modul haben<br />

zudem eigene Entwicklungsabteilungen,<br />

in denen u. a. Materialforschung<br />

betrieben wird. Ergebnisse<br />

sind so etwas wie die vereinfachte<br />

Gehäusereinigung und hocheffektive<br />

Hygienekonzepte, die gerade<br />

in medizinischen Umgebungen<br />

eine wichtige Rolle spielen, um das<br />

Risiko von Kontaminationen zu minimieren<br />

und die Sicherheit von Patienten<br />

und medizinischem Personal<br />

zu gewährleisten.<br />

PCAP-Technologie und<br />

deren Einsatzmöglichkeiten<br />

Die PCAP-Technologie (Projected<br />

Capacitive Touch) bietet<br />

viele Vorteile für den Einsatz in<br />

medizinischen Touchscreens, u. a.<br />

hohe Berührungsempfindlichkeit,<br />

präzise Eingabemöglichkeiten<br />

und Mehrpunkt-Touchfunktionen.<br />

Bei der Verwendung dieser Technologie<br />

in medizinischen Umgebungen<br />

müssen allerdings ein<br />

paar wichtige Punkte berücksichtigt<br />

werden: PCAP-Touchscreens<br />

von der „Stange“ reagieren hauptsächlich<br />

auf die elektrische Kapazität<br />

menschlicher Körper und können<br />

daher bei der Verwendung<br />

von Handschuhen oder feuchten<br />

Händen unzuverlässig sein. Dies<br />

muss – gerade im medizinischen<br />

Umfeld, in dem das Tragen von<br />

Handschuhen zur Infektionsprävention<br />

oft erforderlich ist - verhindert<br />

werden.<br />

Mit hochwertigen Touchsensoren<br />

und Controllern ist eine Bedienung<br />

mit Handschuhen möglich und auch<br />

die Unempfindlichkeit gegenüber<br />

Verunreinigung und feuchten Oberflächen<br />

sowie gegenüber elektromagnetischen<br />

Interferenzen und<br />

elektrostatischen Entladungen<br />

führt zur präzisen und zuverlässigen<br />

Interaktion, um eine fehlerfreie<br />

Bedienung der Geräte sicherzustellen.<br />

Potenzielle Risiken<br />

minimieren<br />

Bei medizinischen Touchscreens<br />

bedeutet dies die Implementierung<br />

von Sicherheitsfunktionen, um<br />

fehlerhafte Eingaben oder unerwünschte<br />

Aktionen zu verhindern.<br />

Dies kann die Verwendung redundanter<br />

Eingabetechnologien, wie beispielsweise<br />

doppelter Berührungserkennung,<br />

oder die Implementierung<br />

von Algorithmen zur Fehlererkennung<br />

und Fehlerkorrektur beinhalten.<br />

Auch spielt die Ergonomie<br />

eine wichtige Rolle, um Ermüdung<br />

und daraus resultierende, versehentliche<br />

menschliche Bedienfehler<br />

zu vermeiden.<br />

Für den Sonderfall, in dem das<br />

Produkt einer sehr hohen Medizinrisikoklasse<br />

angehört und deshalb<br />

besondere Anforderungen an<br />

die funktionale Sicherheit gestellt<br />

werden, sind zusätzliche Maßnahmen<br />

erforderlich. Sicherheitsrelevante<br />

Parameter können eingestellt<br />

und auch remote überwacht<br />

werden. Zum Beispiel zweikanalige<br />

Signale, die eine Redundanz<br />

bieten und so das Risiko von Einzelstörungen<br />

verringern.<br />

Haptik<br />

Das Feature „haptische Rückmeldung“<br />

eröffnet medizinischen<br />

Anwendungen bedeutende Vorteile.<br />

Diese Integration erfolgt ausschließlich<br />

auf kundenspezifischer<br />

Basis, was ein hohes Maß an individuellen<br />

Gestaltungsmöglichkeiten<br />

und maßgeschneiderten Anpassungen<br />

ermöglicht. Sowohl die virtuellen<br />

Eingabetasten (z. B. Slider,<br />

Joystick usw.), als auch die Art<br />

der Bedienung sowie Materialien<br />

und Komponenten können passgenau<br />

ausgewählt werden. Durch<br />

die Kombination von Berührungsund<br />

Kraftmessung wird zudem die<br />

„Head-Down-Zeit“ erheblich reduziert.<br />

Besonders wichtig in Situationen,<br />

in denen der Nutzer visuell<br />

gebunden ist, wie zum Beispiel<br />

bei Operationen oder in der Intensivüberwachung.<br />

Force Touch<br />

Die Integration von Force Touch<br />

in medizinische Touchscreens eröffnet<br />

neue Möglichkeiten in der Interaktion<br />

mit medizinischen Geräten.<br />

Durch die Erfassung der Druckstärke<br />

der Berührung ermöglichen<br />

Force-Touch-Technologien eine<br />

zusätzliche Dimension der Steuerung<br />

und Interaktion. Dies erlaubt<br />

eine differenzierte Bedienung, beispielsweise<br />

durch die Anwendung<br />

variabler Druckstufen oder die Aktivierung<br />

spezifischer Funktionen,<br />

basierend auf der Druckintensität.<br />

Medizinische MMI können mittels<br />

Force-Touch-Funktionen präziser<br />

gesteuert werden, was insbesondere<br />

bei feinen Einstellungen oder<br />

bei der Manipulation von medizinischen<br />

Bildern oder Grafiken von<br />

Vorteil ist. Zudem kann Force Touch<br />

dazu beitragen, die Benutzererfahrung<br />

zu verbessern, indem es eine<br />

taktile Rückmeldung und ein reales<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

49


Bedienen und Visualisieren<br />

Haptik-Erlebnis bietet. So wird eine<br />

verbesserte Kontrolle erreicht und<br />

die Bediensicherheit erhöht. Mit<br />

der Integration von Force Touch in<br />

medizinische Touchscreens eröffnen<br />

sich innovative Design/GUI<br />

Möglichkeiten, um die Benutzerinteraktion<br />

und Funktionalität zu<br />

optimieren und die Leistungsfähigkeit<br />

medizinischer Geräte weiter zu<br />

verbessern.<br />

Gestensteuerung<br />

Durch die Verwendung von<br />

Gesten können Benutzer medizinische<br />

Geräte auf natürliche und<br />

intuitive Weise steuern, indem<br />

sie Handbewegungen, Fingerbewegungen<br />

oder sogar Körperbewegungen<br />

einsetzen. Dies reduziert<br />

die Notwendigkeit physischer<br />

Tasten oder Schalter und ermöglicht<br />

den Benutzern, Funktionen<br />

und Optionen schnell und nahtlos<br />

zu aktivieren, Menüs zu durchsuchen<br />

oder Bilder zu vergrößern/<br />

verkleinern, indem sie einfach<br />

ihre Hände oder Finger bewegen.<br />

Dies erleichtert den Arbeitsablauf<br />

für das medizinische Personal und<br />

reduziert nachweislich die Lernkurve<br />

bei der Verwendung neuer<br />

Geräte. Geräte können berührungslos<br />

bedient werden und schaffen so<br />

die besten hygienischen Voraussetzungen,<br />

kontaminierte Oberflächen<br />

zu vermeiden. Für die Einführung<br />

der Gestensteuerung ist<br />

- wie bei allen Eingabefunktionen<br />

– eine einmalige Einweisung für<br />

die Nutzer erforderlich. Sie bietet<br />

in der Bedienbarkeit die größte<br />

hygienische Sicherheit im medizinischen<br />

Umfeld.<br />

Encoder/Taster<br />

„Traditionelle“ Eingabetechnologien,<br />

wie Folientastaturen, Encoder-Schalter<br />

und Regler werden<br />

nach wie vor verbaut, da sie sich<br />

als äußerst zuverlässig in medizinischen<br />

Geräten erwiesen haben.<br />

Diese bewährten Technologien bieten<br />

eine robuste und langlebige<br />

Bedienung, die den anspruchsvollen<br />

Anforderungen medizinischer<br />

Umgebungen standhält.<br />

Encoder-Schalter und Regler<br />

ermöglichen es den Benutzern,<br />

Parameter präzise einzustellen<br />

und zu steuern, indem sie Drehoder<br />

Druckbewegungen verwenden.<br />

Diese Eingabemethoden bieten<br />

eine haptische Rückmeldung<br />

und ermöglichen eine einfache und<br />

schnelle Anpassung von Einstellungen.<br />

Diese Eingabetechnologien<br />

sind „gelernt“ und damit intuitiv<br />

bedienbar und gewährleisten<br />

eine stabile und konsistente Leistung,<br />

die sich gut in den Workflow<br />

integrieren lassen.<br />

Dreh-Drück-Elemente<br />

Die „Easyknob“-Technologie ermöglicht<br />

die Integration von Dreh-<br />

Drück-Reglern direkt in den kapazitiven<br />

Touchscreen (PCAP) und<br />

ohne Durchbruch im Coverglas.<br />

Durch das Aufbringen eines physischen<br />

Dreh-Drück-Elements auf<br />

dem Touchscreen wird die präzise<br />

Steuerung und Anpassung<br />

von Parametern erleichtert. Die<br />

Benutzer können den Knopf drehen<br />

und drücken, um Werte einzustellen<br />

oder Optionen auszuwählen,<br />

während sie gleichzeitig<br />

den Touchscreen für andere Interaktionen<br />

verwenden. Dies bietet<br />

eine intuitive und effiziente Bedienung,<br />

da die Nutzer die Vorteile<br />

des taktilen Feedbacks und der<br />

haptischen Rückmeldung nutzen<br />

können, während sie den Touchscreen<br />

verwenden.<br />

Hygienefördernde<br />

Beschichtungen<br />

der Komponenten<br />

Die Verwendung von antimikrobiellen<br />

und antiviralen Oberflächen<br />

erleichtern die Hygiene- und Infektionskontrolle.<br />

Durch das Aufbringen<br />

spezieller Beschichtungen und<br />

Materialien kann auf medizinischen<br />

Geräten und Komponenten dem<br />

Wachstum von Mikroorganismen,<br />

wie Bakterien oder Viren, aktiv entgegengewirkt<br />

werden. Diese speziell<br />

entwickelten Oberflächen hemmen<br />

die Vermehrung von Krankheitserregern<br />

und reduzieren das Risiko<br />

von Kreuzkontaminationen deutlich.<br />

Eine hydrophobe Beschichtung mit<br />

ihrer wasserabweisenden Wirkung<br />

reduziert die Anhaftung von Flüssigkeiten,<br />

wie Blut oder Körperflüssigkeiten.<br />

Dies erleichtert die Reinigung<br />

der Geräte und minimiert das Risiko<br />

von Kontaminationen. Die Integration<br />

antimikrobieller, antiviraler und<br />

hydrophober Oberflächen trägt zur<br />

Verbesserung der Hygienepraktiken,<br />

zur Infektionskontrolle und zur Langlebigkeit<br />

der Geräte bei, was letztendlich<br />

zu einer verbesserten Patientensicherheit<br />

und Behandlungsqualität<br />

führt. ◄<br />

50 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Änderungsmanagement in der Medizintechnik<br />

Software<br />

Der Weg vom Papier in die Digitalisierung – Änderungen müssen in der regulierten Industrie der Medizintechnik<br />

z. B. für Prozesse, Dokumente oder IT-Systeme geregelt ablaufen und dokumentiert werden.<br />

Das oxaion DMS ist ein Modul innerhalb der skalierbaren<br />

Unternehmenssoftware von oxaion für Medizintechnik-Unternehmen.<br />

Das Änderungsmanagement in<br />

der Medizintechnik ist von großer<br />

Bedeutung, da es sicherstellt, dass<br />

Änderungen an Medizinprodukten,<br />

Systemen und Prozessen sicher<br />

und effektiv durchgeführt werden.<br />

Die Medizintechnikbranche ist stark<br />

reguliert, und Änderungen müssen<br />

gemäß den Anforderungen der<br />

zuständigen Regulierungsbehörden<br />

wie der FDA, der ZLG oder anderen<br />

internationalen Aufsichtsbehörden<br />

und den Benannten Stellen erfolgen.<br />

Eine fehlerhafte Änderung kann<br />

schwerwiegende Konsequenzen<br />

für Patienten und das Unternehmen<br />

haben.<br />

Typische Prozesse<br />

im Änderungsmanagement<br />

Ein typischer Prozess für das<br />

Änderungsmanagement in der Medizintechnik<br />

könnte folgende Schritte<br />

umfassen:<br />

1. Identifikation:<br />

Änderungen können aus verschiedenen<br />

Quellen wie Kundenfeedback,<br />

regulatorischen Anforderungen,<br />

Risikobewertungen, Fertigungsprozessen<br />

oder IT-Systemen<br />

stammen.<br />

2. Bewertung:<br />

Die Auswirkungen der Änderungen<br />

auf die Produktqualität,<br />

Sicherheit und regulatorischen<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Anforderungen sollten bewertet<br />

werden. Hierbei kann eine Risikobewertung<br />

helfen, um potenzielle<br />

Risiken zu identifizieren<br />

und zu bewerten.<br />

3. Genehmigung:<br />

Änderungen sollten nur nach einer<br />

gründlichen Bewertung genehmigt<br />

werden. Die Genehmigung<br />

kann von verschiedenen Stakeholdern<br />

wie der Technischen Leitung,<br />

dem Qualitätsmanagement<br />

oder den Regulierungsbehörden<br />

abhängen.<br />

4. Implementierung:<br />

Die Umsetzung von Änderungen<br />

erfordert ein strukturiertes Vorgehen<br />

und sollte in Übereinstimmung<br />

mit den regulatorischen Anforderungen<br />

erfolgen.<br />

5. Überprüfung:<br />

Nach der Implementierung<br />

sollten Änderungen überwacht<br />

und geprüft werden, um sicherzustellen,<br />

dass sie wie geplant<br />

funktionieren.<br />

Insgesamt ist das Änderungsmanagement<br />

ein wesentlicher<br />

Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems<br />

in der Medizintechnik<br />

und kann dazu beitragen,<br />

dass Produkte sicherer<br />

und effektiver sind.<br />

Die heutige Situation in den<br />

Unternehmen<br />

In vielen mittelständischen und<br />

kleineren Unternehmen werden<br />

dazu heute die unterschiedlichsten<br />

Formulare verwendet, in den meisten<br />

Fällen aus Word- und Excel-<br />

Templates, die im Ergebnis häufig<br />

auch gedruckt werden. In der Praxis<br />

bedeutet dies, dass diese Dokumente<br />

„von Schreibtisch zu Schreibtisch<br />

wandern“. Das ist heute noch<br />

oft die Realität.<br />

Auswirkungen und<br />

Probleme<br />

Oft ist nicht klar, bei wem der<br />

Änderungsantrag liegt und wie der<br />

Status ist. Dafür gibt es dann wieder<br />

eine Excel-Datei. Das Nachhalten<br />

und Überwachen dieser Änderungsdokumente<br />

ist eine große Herausforderung<br />

für die verantwortliche<br />

Person im Unternehmen. Vor Audits<br />

sorgt dies auch manchmal für die<br />

ein oder andere hektische Situation.<br />

Ein Überwachen ist in der Form ja<br />

auch nicht einfach.<br />

Eine Lösung ... oder zwei?<br />

Heute gibt es bereits IT-Systeme,<br />

die den gesamten Änderungsprozess<br />

(oder das Change-Management)<br />

komplett digitalisieren können.<br />

Das ist sicher die höchste<br />

Ausprägung der Digitalisierung des<br />

Änderungsprozesses. Vom Papier<br />

zur kompletten digitalen Version<br />

ist es für viele Unternehmen aber<br />

ein weiter Weg. Der direkte Wegfall<br />

des gewohnten Formulars erfordert<br />

Änderungsprozesse und die<br />

Qualifizierung der Mitarbeiter im<br />

Umgang damit.<br />

Zwischenweg oder Mittelstandslösung<br />

von Aptean?<br />

Oxaion hat mit einer Reihe von<br />

Unternehmen gesprochen und die<br />

Herausforderungen diskutiert. Diese<br />

liegen hauptsächlich in der Nachverfolgung,<br />

Überwachung, Terminierung<br />

und Dokumentation der<br />

Maßnahmen. Das Unternehmen<br />

hat dafür eine integrierte Lösung<br />

in der oxaion-Unternehmenssoftware<br />

erstellt:<br />

• Das Unternehmen verwendet das<br />

oder die Templates als gelenktes<br />

Dokument im integriertes oxaion<br />

DMS.<br />

• Nach der Freigabe des Änderungsantrages<br />

können die Maßnahmen<br />

als Aufgaben den Mitarbeitern<br />

mit Terminvorgaben zugewiesen<br />

werden.<br />

• Die Rückmeldung der Mitarbeiter<br />

erfolgt an gleicher Stelle mit der<br />

Dokumentation über eine electronic<br />

signature (part11 FDA).<br />

• Sind alle Aufgaben erledigt,<br />

erfolgt der Abschluss durch die<br />

verantwortliche Person im Unternehmen.<br />

• Mit dem Abschluss erfolgt die<br />

Erstellung eines Reports, der<br />

alle durchgeführten Maßnahmen<br />

dokumentiert und beim Änderungsantrag<br />

abgelegt wird.<br />

• Es gibt entsprechende Auswertungen<br />

und Reports über die offenen<br />

Änderungsanträge, die Terminsituation<br />

und den Status der<br />

Bearbeitung und Rückmeldung.<br />

Über diesen Weg können oxaion-<br />

Anwender sehr einfach ein Änderungsmanagement<br />

integrieren und<br />

den nächsten Schritt zur Digitalisierung<br />

vollziehen.<br />

oxaion gmbh<br />

info@oxaion.de<br />

www.oxaion.de<br />

Weitere Informationen zu Lösungen unter:<br />

www.oxaion.de/branchen/medizintechnik<br />

Kostenloses Whitepaper unter:<br />

www.oxaion.de/produkt/cloud/whitepaper-medizintechnik-cloud<br />

51


Komponenten<br />

Wie integrierte optische Empfänger<br />

Point-of-Care-Instrumente zukunftssicher machen<br />

Bild 1: Ein IVD-Fluoreszenzdetektionssystem<br />

Autoren:<br />

Wassim Bassalee<br />

Field Applications Engineer,<br />

Aileen Cleary<br />

Marketing Manager<br />

Medical Instrumentation and Life<br />

Sciences Business Group,<br />

Rob Finnerty<br />

Systems Applications Engineer,<br />

Neil Quinn<br />

Systems Applications Engineer<br />

Analog Devices<br />

www.analog.com<br />

In-vitro-Diagnosesysteme (IVD)<br />

beruhen auf optischen Empfängertechniken,<br />

um hochempfindliche<br />

und spezifische Ergebnisse<br />

zu erzielen. Bewährte Verfahren<br />

wie ELISA und PCR nutzen eine<br />

optische Fluoreszenz-Empfangskette<br />

zur Durchführung diagnostischer<br />

Tests. Es ist daher nicht überraschend,<br />

dass auch der Point-of-<br />

Care (PoC) -Markt optische Empfänger<br />

als leistungsfähiges Werkzeug<br />

für die Entwicklung präziser,<br />

flexibler und schnell verfügbarer<br />

Systeme einsetzt. Dieser Artikel<br />

beschreibt die wichtigsten Überlegungen<br />

bei der Entwicklung einer<br />

optischen PoC-Empfangskette und<br />

zeigt, wie integrierte optische Frontends<br />

nicht nur diese Leistungsanforderungen<br />

erfüllen können, sondern<br />

auch einen entscheidenden Vorteil<br />

für Entwickler bieten, die eine Plattform<br />

für die Zukunft schaffen wollen.<br />

Grundlagen der<br />

Fluoreszenzdetektion<br />

in der Diagnostik<br />

Bei einem IVD-Test auf Fluoreszenzbasis<br />

wird eine Probe, die fluoreszierende<br />

Marker enthält, mit Licht<br />

einer bestimmten Wellenlänge angeregt,<br />

wie durch den grünen Pfeil in<br />

Bild 1 dargestellt. Wenn die Probe<br />

den betreffenden Analyten enthält,<br />

reagieren die Fluoreszenzmarker<br />

auf die Anregung mit der Aussendung<br />

von Licht eines niedrigeren<br />

Energieniveaus. So reagieren beispielsweise<br />

in Bild 1 die Fluoreszenzmarker<br />

in der Probe mit der<br />

Abgabe von rotem Licht. Dieses<br />

emittierte Licht ist das Fluoreszenzsignal,<br />

das nachgewiesen werden<br />

muss, um das Vorhandensein und<br />

gegebenenfalls die Menge des Analyten<br />

in der Probe zu bestimmen.<br />

Schwellenwert<br />

Bei einem fluoreszenzbasierten<br />

Diagnosetest gibt es einen Schwellenwert,<br />

der als meldebare Fluoreszenz<br />

gilt. Ein Fluoreszenzsignal<br />

unterhalb des Schwellenwerts kann<br />

nicht mit Sicherheit auf das Vorhandensein<br />

des Analyten in der Probe<br />

hinweisen. Die Elektronik des Diagnosemessgeräts<br />

und andere Faktoren<br />

tragen zum Hintergrundrauschen<br />

bei, wodurch sich der Schwellenwert<br />

erhöht. Um den Schwellenwert<br />

zu senken und somit eine<br />

höhere Empfindlichkeit ohne Einbußen<br />

bei der Selektivität zu erreichen,<br />

muss das optische Erkennungssystem<br />

sorgfältig konzipiert<br />

werden, damit die elektronische<br />

Empfangskette nicht zum Hintergrundrauschen<br />

beiträgt.<br />

Ein typisches PoC-<br />

Fluoreszenzdetektionssystem<br />

Ein typisches diagnostisches<br />

PoC-Fluoreszenzdetektionssystem<br />

verwendet eine Leuchtdiode (LED)<br />

zur Erzeugung des Anregungslichts<br />

und eine Fotodiode (PD) zum Nachweis<br />

der Fluoreszenzemission der<br />

Probe. Die Fotodiode erzeugt einen<br />

elektrischen Strom, der proportional<br />

zur Intensität des Fluoreszenzsignals<br />

ist, das extrem schwach sein<br />

kann. Der PD-Strom ist im Verhältnis<br />

zum Grundrauschen oft sehr gering,<br />

so dass ein sorgfältiges elektronisches<br />

Design erforderlich ist, um<br />

eine hohe Empfindlichkeit zu erreichen,<br />

ohne die Selektivität zu beeinträchtigen.<br />

In Bild 2 sind die Hauptelemente<br />

eines typischen PoC-Fluoreszenzdetektionssystems<br />

dargestellt.<br />

Das Stromsignal der PD wird<br />

vom Transimpedanzverstärker (TIA)<br />

in ein Spannungssignal umgewandelt.<br />

Das Spannungssignal wird<br />

anschließend vom Analog-Digital-<br />

Wandler (ADC) digitalisiert und in<br />

einen entsprechenden Fluoreszenzwert<br />

umgerechnet.<br />

Die Leistungsanforderungen<br />

Die Entwickler von PoC-Systemen<br />

streben eine maximale diagnostische<br />

Empfindlichkeit (Sensitivität)<br />

an, ohne die Selektivität zu<br />

beeinträchtigen. In Bezug auf PoC-<br />

Instrumente bedeutet dieses Ziel,<br />

dass ein sehr geringer Fotodiodenstrom<br />

als Reaktion auf eine LED-<br />

Anregung zuverlässig erkannt werden<br />

muss. Ein hochempfindliches<br />

System muss zum Beispiel in der<br />

Lage sein, PD-Ströme in der Größenordnung<br />

von einigen Picoampere<br />

als Reaktion auf LED-Anregungsströme<br />

in der Größenordnung von<br />

einigen 100 mA zu erkennen. Dies<br />

bedeutet, dass das System in der<br />

Lage sein muss, PD-Fluoreszenz<br />

bei einer optischen Dämpfung von<br />

etwa 140 dB zu erkennen.<br />

Bild 2: Ein typisches diagnostisches PoC-Fluoreszenzdetektionssystem<br />

52 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Komponenten<br />

Bild 3: Ein PoC-Detektionssystem mit integriertem optischen Frontend<br />

Um eine solche Leistung zu<br />

erreichen, ist eine Kombination<br />

aus elektronischen und Systemdesign-Überlegungen<br />

erforderlich.<br />

Die Gestaltung des analogen<br />

Front-Ends (AFE) für die Fotodiode<br />

ist besonders wichtig. Da<br />

der PD-Strom im Verhältnis zum<br />

Grundrauschen oft sehr schwach<br />

ist, muss der TIA eine hohe Verstärkung<br />

und einen niedrigen<br />

Eingangsstrom aufweisen. Weitere<br />

wichtige Parameter sind<br />

eine niedrige TIA-Eingangsoffsetspannung<br />

sowie ein Mindestabstand<br />

zwischen der Fotodiode<br />

und dem TIA.<br />

Systemdesign<br />

Das Systemdesign ist ebenfalls<br />

sehr wichtig, um eine hochempfindliche<br />

Erkennung zu gewährleisten.<br />

Die Fluoreszenzdetektion muss mit<br />

der LED-Anregung synchronisiert<br />

werden, was einen Controller erforderlich<br />

macht, der diese Synchronität<br />

gewährleistet. Um das schwache<br />

Stromsignal der Fotodiode vom<br />

Grundrauschen zu unterscheiden,<br />

ist häufig eine Mittel wertbildung aus<br />

mehreren Fluoreszenzmesswerten<br />

erforderlich.<br />

Diese Mittelwertbildung ist eine<br />

wichtige Funktion des Systemcontrollers.<br />

Das Umgebungslicht sowie<br />

die Drift der LED-Beleuchtung können<br />

zum Systemfehler beitragen.<br />

Eine Steuerung, die die Unterdrückung<br />

des Umgebungslichts ermöglicht<br />

und die Auswirkungen der<br />

Drift der LED-Beleuchtung berücksichtigt,<br />

kann einen Vorteil für die<br />

Gesamtleistung des Systems darstellen.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Vorteile eines integrierten<br />

optischen Front-End-<br />

Empfängers<br />

Bei der Entwicklung der elektronischen<br />

Empfängerkette für ein PoC-<br />

Lesegerät stehen zwei verschiedene<br />

Architekturen zur Auswahl: eine<br />

vollständig diskrete Lösung wie in<br />

Bild 2 oder die Verwendung eines<br />

integrierten optischen Frontends,<br />

wie in Bild 3 dargestellt.<br />

Der erste eindeutige Vorteil einer<br />

integrierten Lösung liegt in der Vereinfachung<br />

des Systemdesigns. Das<br />

Bild 4: Ein Blockschaltbild des MAX86171<br />

Problem der Synchronisierung der<br />

Fluoreszenzdetektion mit der LED-<br />

Anregung entfällt, da dies intern<br />

durch das optische Frontend erledigt<br />

wird. Integrierte optische Frontends<br />

stellen außerdem eine kompaktere<br />

Lösung mit weniger elektronischen<br />

Komponenten dar. Dies verringert<br />

die Komplexität der Stückliste und<br />

des Liefermanagements und ermöglicht<br />

gleichzeitig ein kleineres Endgerät.<br />

Der wichtigste Vorteil eines<br />

integrierten optischen Frontends<br />

ist jedoch die Möglichkeit, wichtige<br />

Konfigurationsparameter wie Fotodiode,<br />

LED-Treiber und Signalfilterung<br />

per Firmware anpassen zu<br />

können. Die Programmierbarkeit ist<br />

bei diskreten Lösungen nicht gegeben,<br />

ohne dass neue Hardware entwickelt<br />

werden muss. Diese Art der<br />

Konfigurierbarkeit ist von entscheidender<br />

Bedeutung, wenn eine Plattform<br />

im Laufe der Zeit angepasst<br />

werden muss, um mit neuen oder<br />

veränderten Testverfahren arbeiten<br />

zu können. Da häufig neue Varianten<br />

und Krankheiten in die Testmenüs<br />

aufgenommen werden, ist<br />

die Entwicklung einer Empfängerplattform,<br />

die für neue Testverfahren<br />

modifiziert werden kann, ohne<br />

dass Hardwareänderungen erforderlich<br />

sind, von großem Vorteil.<br />

Integrierte optische Frontends<br />

haben eindeutige Vorteile, allerdings<br />

ist die Bestimmung der Leistung<br />

eines optischen Frontends<br />

in Schwachlicht-Fluoreszenzanwendungen<br />

keine triviale Aufgabe.<br />

Der Vergleich des Signal-Rausch-<br />

Abstands (SNR) zwischen integrierten<br />

optischen Frontends gibt keinen<br />

wirklichen Aufschluss über die tatsächliche<br />

Leistung eines optischen<br />

Empfängers im Betrieb. Da die Lichtpegel<br />

in der Regel niedrig sind, ist<br />

das absolute Grundrauschen der<br />

53


Komponenten<br />

Bild 5: Schwachlichtmessung eines Detektors mit dem MAX86171<br />

optischen Frontends und nicht das<br />

SNR der entscheidende Parameter.<br />

Bei der mit den Fluoreszenzmessungen<br />

verbundenen Zeitskala kann<br />

die Mittelwertbildung eingesetzt werden,<br />

um dieses Grundrauschen zu<br />

reduzieren, wenngleich die Komponente<br />

des 1/f-Rauschens eine natürliche<br />

Schranke für die durch Mittelwertbildung<br />

erzielbaren Verbesserungen<br />

darstellt. Daher ist das absolute<br />

Dunkelstromrauschen, insbesondere<br />

das Flickerrauschen, der<br />

dominierende Faktor. Das Dunkelstromrauschen<br />

eines vollständigen<br />

Systems einschließlich der<br />

Foto diode ist in den Datenblättern<br />

vieler integrierter optischer AFEs<br />

nicht beschrieben und muss separat<br />

gemessen werden.<br />

Integrierte Frontends<br />

von Analog Devices<br />

Die integrierten optischen Frontends<br />

von ADI, wie zum Beispiel der<br />

MAX86171 eignen sich ideal für<br />

PoC-Fluoreszenzanwendungen.<br />

Die Integration der analogen Signalkette<br />

zusammen mit dem digitalen<br />

Controller ermöglicht die Implementierung<br />

eines optischen Empfängers<br />

in einem einzigen IC. Der<br />

MAX86171 enthält signalaufbereitete<br />

Foto diodeneingänge, einen 19-Bit-<br />

ADC mit Ladungsintegration, rauscharme<br />

LED-Treiber sowie eine serielle<br />

Schnittstelle mit FIFO-Pufferung.<br />

Mit neun LED-Kanälen und vier<br />

PD-Kanälen unterstützt das AFE<br />

Multi-Assay-Tests und bietet ausreichend<br />

Kanäle für zukünftige<br />

Test-Erweiterungen ohne Hardware-Upgrades.<br />

Die Programmierung<br />

über SPI oder I 2 C ermöglicht<br />

die Feinabstimmung von Parametern<br />

für einen vorgegebenen Test,<br />

wie beispielsweise Integrationszeit,<br />

Mittelwertbildung und Dynamikbereich.<br />

Ein FIFO-Einheit ermöglicht<br />

es den MCUs, während der Messungen<br />

im Schlafmodus zu bleiben,<br />

was die Batterielebensdauer in tragbaren<br />

PoC-Systemen verlängert.<br />

Vor allem aber ermöglichen die<br />

hohe Leistung und das geringe<br />

Rauschen des Bauelements ein<br />

hochempfindliches Detektionssystem.<br />

Mittelwertbildung und<br />

geringes 1/f-Rauschen ermöglichen<br />

ein Dunke lstromrauschen von nur<br />

11 pA rms für die gesamte optische<br />

Signalkette bei einer Fotodiodenfläche<br />

von 7,5 mm 2 . Dies ermöglicht<br />

die zuverlässige Erkennung niedriger<br />

Fotodiodenströme im Bereich<br />

von 1 pA bis 10 pA, die typisch für<br />

Fluoreszenz anwendungen mit geringer<br />

Lichtausbeute sind. Darüber<br />

hinaus erleichtern eine ausgezeichnete<br />

Störspannungsunterdrückung<br />

sowie eine hervorragende Fremdlichtunterdrückung<br />

die Arbeit des<br />

Systementwicklers bei der Konstruktion<br />

des Netzteils und des mechanischen<br />

Gehäuses.<br />

Validierung<br />

Zur Validierung der Leistung<br />

des MAX86171 wurde eine vom<br />

MAX86171 angesteuerte LED durch<br />

verschiedene Stufen optischer Filter<br />

mit neutraler Dichte (ND) geleitet<br />

und über eine Fotodiode vom<br />

MAX86171 empfangen (siehe Bild 5).<br />

Durch Erhöhung der Dichte der<br />

ND-Filter kann die optische Dämpfung<br />

von 40 dB (ND2) bis 140 dB<br />

(ND7) variiert werden, was eine<br />

Verringerung der Fluoreszenzausbeute<br />

in einem PCR- oder LAMPbasierten<br />

Detektionssystem simuliert.<br />

Unterhalb einer Dämpfung von<br />

140 dB kann der MAX86171 einen<br />

über der Dunkel stromgrenze um<br />


Komponenten<br />

Kleingehäuse als zweifarbige Variante<br />

Abmessungen universell einsetzbar.<br />

Zusätzlich bietet das hauseigene<br />

Service-Center viele Möglichkeiten,<br />

um aus dem Standardgehäuse<br />

ein kundenindividuelles<br />

Produkt zu kreieren: z. B. durch<br />

mechanische Bearbeitung, Bedruckung,<br />

Lackierung, Laserbeschriftung,<br />

EMV-Beschichtung oder auch<br />

Montagetätigkeiten. ◄<br />

Der kleinste Uhrenquarz der Welt<br />

Speziell für die Integration<br />

minia turisierter Elektronikbauteile,<br />

Sensoren und Funktechnologien<br />

hat OKW Gehäusesysteme GmbH<br />

das Kleingehäuse MINI-DATA-BOX<br />

entwickelt.<br />

Es ist klein, aber dennoch<br />

robust und überzeugt obendrein<br />

mit seinem hochwertigen Erscheinungsbild.<br />

Odenwälder Kunststoffwerke<br />

Gehäusesysteme GmbH<br />

www.okw.com<br />

Die Anwendungsbereiche finden<br />

sich auch im IoMT (Internet of<br />

Medical Things). Hier werden Informationen<br />

über ein sicheres Netzwerk<br />

übertragen und verbinden so<br />

Patienten, Ärzte und medizinische<br />

Geräte miteinander.<br />

Die Standardfarben RAL 9016<br />

(verkehrsweiß) und RAL 7016<br />

(anthrazitgrau) werden nun in der<br />

Flanschausführung um eine weitere<br />

moderne, zweifarbige Variante<br />

ergänzt: Oberteil in RAL 9016 und<br />

das Unterteil in einem gedeckten<br />

Grauton nach RAL 7042 (verkehrsgrau<br />

A). Die im Standard enthaltene<br />

Schutzart IP40 kann mit der<br />

als Zubehör erhältlichen Dichtung<br />

bis IP65 erhöht werden.<br />

Als Wand- oder Tischgehäuse,<br />

mit verschiedenen Befestigungsmöglichkeiten<br />

auch an Decken,<br />

Rohren oder Ähnlichem, ist das<br />

Designgehäuse mit seinen Mini-<br />

Bei immer umfangreicherer<br />

Funktionalität und einer größeren<br />

Anzahl von Komponenten<br />

auf der Platine darf man keinen<br />

wertvollen Platz verschenken.<br />

Mit dem TFX-05X-Uhrenquarz<br />

seines Partners River<br />

liefert die coftech GmbH nach<br />

eigenen Angaben den kleinsten<br />

32,768-kHz-Uhrenquarz der Welt.<br />

In der Stimmgabeltechnologie<br />

ausgeführt, passt der Quarzblank<br />

in ein Gehäuse mit den Abmessungen<br />

von 1,2 x 1 x 0,35 mm. Er<br />

hat ein Eigengewicht von lediglich<br />

0,8 mg. Die derzeitige Produktionskapazität<br />

liegt bei über<br />

40 Mio. Stück pro Monat.<br />

Bei einer Arbeitstemperatur von<br />

-40 bis +105 °C kann der kleine<br />

Quarz in vielen Anwendungsbereichen<br />

eingesetzt werden.<br />

Die Standard-Lastkapazitäten<br />

von 5/7/9 und 12,5 pF sind<br />

wählbar. Die Frequenztoleranz<br />

ist mit ±20 ppm spezifiziert. Der<br />

äqui valente Serienwiderstand<br />

beträgt max. 90 kOhm. Auch ist<br />

das Bauteil bereits AEC-Q200<br />

zertifiziert. Kundenspezifische<br />

Lösungen können ebenfalls produziert<br />

werden.<br />

Typische Anwendungen sind<br />

Smart Phones, kleine Funkmodule,<br />

medizinische Apparaturen,<br />

Wearables, Industriefunkmodule,<br />

Smart-Metering-Systeme u.a.<br />

coftech GmbH<br />

www.coftech.de<br />

www.sepa-europe.com<br />

Sie möchten Ihr<br />

medizintechnisches<br />

Gerät zuverlässig kühlen?<br />

Unser Radiallüfter HY60Q05P ist nur 5 mm hoch, hat eine<br />

sehr lange Lebensdauer und ist angenehm leise!


Komponenten<br />

Einfach und sicher Positionieren<br />

Der motorisierte Positionierungsarm von Interventional Systems unterstützt Ärzte bei minimal-invasiven Eingriffen.<br />

Jauch Quartz GmbH<br />

info@jauch.com<br />

www.jauch.com<br />

Bei minimal-invasiven Eingriffen<br />

ist es sehr wichtig, so genau wie<br />

möglich zu arbeiten. Der motorisierte<br />

Arm zum Positionieren und<br />

Halten von medizinischen Geräten<br />

des österreichischen Unternehmens<br />

Interventional Systems (INS) unterstützt<br />

Ärzte bei diesen Eingriffen.<br />

Angetrieben von einer Jauch-Batterie,<br />

macht er das Positionieren und<br />

Repositionieren von Instrumenten<br />

so einfach wie nie zuvor und hält<br />

sie gleichzeitig ruhig.<br />

Das Medizintechnikunternehmen<br />

hat seinen Hauptsitz in Kitzbühel,<br />

Österreich, und unterhält Niederlassungen<br />

in Österreich, Deutschland<br />

und Portugal. „Wir wollen interventionelle<br />

Radiologen und Onkologen<br />

mit einer vollwertigen medizinischen<br />

Robotik-Plattform ausstatten, die<br />

ihnen hilft, bessere Patientenergebnisse<br />

durch mikroinvasive Eingriffe<br />

zu erzielen”, erklärt INS Marketing<br />

Managerin Margarida Gonçalves.<br />

Motorisierter<br />

Positionierungsarm<br />

Der motorisierte Positionierungsarm<br />

ist Teil von Micromate, einer<br />

von Kopf bis Fuß reichenden medizinischen<br />

Robotikplattform, die Ärzte<br />

mit einem einfach zu bedienenden<br />

Miniaturroboter für Nadeleingriffe<br />

unterstützt. Der motorisierte Arm<br />

ist für die Positionierung und das<br />

Halten medizinischer Geräte bei<br />

minimalinvasiven Eingriffen vorgesehen.<br />

Er besteht aus einem flexiblen<br />

mechanischen Arm mit zwei kugelförmigen<br />

Gelenken an jedem Ende<br />

und einem einfachen mittleren<br />

„Ellbogen”-Gelenk. Er kann an einem<br />

Ende an medizinischen Tischen<br />

und am anderen Ende an medizinischen<br />

Geräten befestigt werden.<br />

Mit einem Gewicht von weniger<br />

als 2,5 kg ist er leicht zu transportieren,<br />

bietet aber dennoch eine<br />

stabile Haltekraft.<br />

Selbstverriegelungsmechanismus<br />

„Mit seinem Selbstverriegelungsmechanismus<br />

ist der motorisierte<br />

Arm eine Weiterentwicklung des<br />

rein mechanischen Positionierungsarms,<br />

bei dem die Ver- und Entriegelung<br />

per Knopfdruck erfolgen kann.<br />

Außerdem kann der Bediener dank<br />

des universellen Schnellanschlusses<br />

die Instrumente leicht austauschen”,<br />

erläutert Pedro Pinto, Systems<br />

Engineer bei INS. Der Arm<br />

funktioniert auch unter Live-Bildgebung.<br />

Herausforderung<br />

Als Lösung war eine kleine und<br />

leistungsstarke Batterie erforderlich.<br />

„Der Positionierungsarm<br />

wird von einer Batterie betrieben,<br />

genauer gesagt von einem 18650<br />

1s1p Lithium-Akkupack. Mit einer<br />

Kapazität von 3350 mAh haben wir<br />

die Lösung mit der größtmöglichen<br />

56 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Komponenten<br />

Energiekapazität auf kleinstem<br />

Bauraum gewählt”, erklärt Jérémie<br />

Deloof, Sales Manager bei Jauch.<br />

Die Batterie musste klein genug<br />

sein, um in den begrenzten Raum<br />

zu passen und die maximale Stromaufnahme<br />

zu liefern, die für das vorgesehene<br />

Schließmoment und die<br />

Schließgeschwindigkeit des Arms<br />

erforderlich ist. Natürlich muss die<br />

Batterie auch für viele Ver- und<br />

Entriegelungszyklen zwischen den<br />

Ladevorgängen sicher und langlebig<br />

sein.<br />

Tests und Zulassungen<br />

Ein weiteres sehr wichtiges<br />

Thema ist das Bestehen aller Tests,<br />

um die medizinische Zulassung<br />

zu erhalten. „Die Batterie für INS<br />

hat die UN38.3 und die IEC62133<br />

Zerti fizierung. Bei Jauch sind wir<br />

in der Lage, beide Zertifizierungen<br />

an unserem Hauptsitz in Villingen-<br />

Schwenningen zu prüfen. Zudem<br />

sind wir mit den regulatorischen<br />

Anforderungen im medizinischen<br />

Bereich vertraut. Daher haben wir<br />

das PCM von Anfang an so entwickelt,<br />

dass es die anspruchsvollen<br />

Tests be stehen wird”, berichtet<br />

Deloof.<br />

Alternative Möglichkeiten<br />

Außerdem ist es gerade in der<br />

MedTech-Branche wichtig, die Versorgung<br />

mit Batteriezellen aufrechtzuerhalten.<br />

Da die Zellenknappheit<br />

zu Beginn des Projekts ein Thema<br />

war, legte Jauch einen besonderen<br />

Schwerpunkt auf die Suche nach<br />

alternativen Zellen. Also wurde eine<br />

alternative Zelle ausgewählt und<br />

zertifiziert, um INS stets mit Batterien<br />

beliefern zu können.<br />

Warum Jauch?<br />

„Die Zusammenarbeit mit Jauch<br />

war ausgezeichnet. Das Team war<br />

immer erreichbar und hat schnell<br />

auf unsere Fragen geantwortet,<br />

von weiteren Informationen über<br />

die Leistung der Batterie bis hin<br />

zur Klärung von Zweifeln über die<br />

Prüfung der Batterie nach den einschlägigen<br />

Normen. Für uns ist es<br />

sehr wichtig, mit einem Unternehmen<br />

zusammenzuarbeiten, das die<br />

Qualität seiner Produkte garantieren<br />

kann, die medizinische Zertifizierungsprozesse<br />

durchlaufen können,”<br />

berichtet Pedro Pinto, INS<br />

Systems Engineer.<br />

Aktueller Stand<br />

Bleibt noch die Frage: Wie ist der<br />

aktuelle Stand des Produkts? INS<br />

teilte uns mit, dass der motorisierte<br />

Positionierungsarm alle Sicherheitstests<br />

nach ISO60601 erfolgreich<br />

bestanden hat.<br />

Das Unternehmen bereitet sich<br />

darauf vor, das Produkt noch in<br />

diesem Jahr auf den Markt zu<br />

bringen. ◄<br />

Ein 18650 1s1p Lithium-Akkupack<br />

mit einer Kapazität von 3350<br />

mAh versorgt den motorisierten<br />

Positionierungsarm mit Strom.<br />

Nichtmagnetische Dünnfilm-Widerstände<br />

für Präzisions-Anwendungen<br />

Für den Einsatz in anspruchsvollen Anwendungen hat der japanische Dünnfilm-Spezialist Susumu seine<br />

neue Widerstands-Produktfamilie NRG konzipiert. Durch ihren Aufbau aus nichtmagnetischen Materialien<br />

lassen sie sich in Umgebungen einsetzen, wo andere Widerstände die Waffen strecken müssen.<br />

Die Dünnfilm-Widerstände aus<br />

der Susumu NRG-Familie sind aus<br />

nichtmagnetischen Materialien hergestellt<br />

und bieten eine hohe Genauigkeit<br />

von ±0,05 Prozent des<br />

Nominalwertes.<br />

Langzeitstabil und<br />

rauschfrei<br />

Ihr äußerst niedriger<br />

Temperatur koeffizient von, je<br />

nach Ausführung bis herunter auf<br />

±5 ppm (Parts per Million) pro Grad<br />

Celsius, steht zudem für<br />

eine außerordentliche Temperaturstabilität.<br />

Die anorganische<br />

Passivierung der<br />

Bauteile gewährleistet eine<br />

hohe Langzeitstabilität, ihr<br />

Dünnschicht-Aufbau stellt<br />

eine hohe Rauschfreiheit<br />

sicher. Gleichzeitig schütz<br />

dieser Aufbau gegen die<br />

Einlagerung von Schwefel-<br />

Schwebeteilchen, die zu<br />

Korrosion und Kontaktablösungen<br />

führen könnten.<br />

Das Ergebnis dieses Aufbaus<br />

ist eine überzeugende<br />

Langzeit-Zuverlässigkeit.<br />

Einsatzbereiche<br />

Mit diesen Eigenschaften sind<br />

Susumus Dünnfilm-Widerstände<br />

der NRG-Familie ideal für den<br />

Einsatz in der Medizinelektronik<br />

und der Präzisions-Mess technik<br />

in Labor und Industrie sowie<br />

generell in Anwendungen elektronischer<br />

Systeme im Bereich<br />

starker Magnetfelder.<br />

Vier Ausführungen<br />

Die Widerstände der NRG-<br />

Familie werden in vier Ausführungen<br />

für Nennleistungen von<br />

1/16 Watt bis 1/4 Watt hergestellt.<br />

Diese Ausführungen sind wiederum<br />

in zahlreichen Widerstandswerten<br />

zwischen 10 Ω und 1 MΩ<br />

erhältlich. Sämtliche Widerstände<br />

der NRG-Familie lassen sich<br />

im Temperaturbereich zwischen<br />

-55 °C und 155 °C einsetzen. Sie<br />

sind blei- und halogenfrei und erfüllen<br />

die RoHS-Richtlinien.<br />

Susumu Deutschland GmbH<br />

info@susumu.de<br />

www.susumu.de<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

57


Komponenten<br />

Das richtige Verfahren, der richtige Steckverbinder<br />

So gelingt Komponentenschutz<br />

Die Elektronikbranche ist im Wandel,<br />

ob im Automotive-Bereich, in<br />

der Solar- und Windkraft oder der<br />

Industrieautomation. Mit der stetig<br />

zunehmenden Vernetzung stieg in<br />

den vergangenen Jahren jedoch<br />

auch die Zahl der Elektronikpannen<br />

– lt. dem Center for Automotive<br />

Research um ganze 29%. Je<br />

nach zu erwartenden Umwelteinflüssen<br />

wird daher ein Komponentenschutz<br />

von Elektronikbauteilen<br />

notwendig. Durch ihn kann die Elektronik<br />

zuverlässig geschützt werden<br />

– dazu benötigen Anwender<br />

jedoch auch eine entsprechend vergusskompatible<br />

Anschlusslösung.<br />

Steigender Bedarf an<br />

Komponentenschutzverfahren<br />

Unterschiedliche Verfahren<br />

schützen die elektronischen Bauteile<br />

vor Schock, Vibration, Feuchtigkeit,<br />

Schmutz, hohen Temperaturen,<br />

anhaltende Temperaturschwankungen<br />

und deren Folgeschäden.<br />

Ein Komponentenschutz<br />

kann also wesentlich zur Verbesserungen<br />

von Lebensdauer, Funktionssicherheit<br />

und Zuverlässigkeit<br />

der Endprodukte beitragen.<br />

Aus diesem Grund kommen<br />

Komponentenschutzverfahren<br />

in vielen Anwendungen bereits<br />

regelmäßig zum Einsatz: E-Mobility,<br />

Industrie-Automation, Bahnanwendung,<br />

Medizintechnik, Windkraft<br />

und Solartechnik, Kommunikationselektronik,<br />

in der Landwirtschaft<br />

und bei Haushaltsgeräten<br />

– Elektronik ist heute fast überall<br />

im Einsatz. Eine wachsende<br />

Herausforderung besteht dabei<br />

im zunehmenden Trend zur<br />

Miniaturisierung. Die Elektronik<br />

wird immer kleiner und erfordert<br />

unterschiedliche Schutzmaßnahmen,<br />

um Kriechstrecken wieder<br />

zu vergrößern und Luftstrecken<br />

zu eliminieren.<br />

Je nach Stress- und Einsatzsituation<br />

der Komponenten wählt man<br />

daher zwischen verschiedenen Verfahren:<br />

Potting-Verguss, Conformal<br />

Coating und Hotmelt Moulding sind<br />

die populärsten unter ihnen.<br />

Potting-Verguss<br />

Sehr häufig werden 1- und 2-Komponenten-Vergussstoffe,<br />

sogenannte<br />

Potting Compounds, eingesetzt.<br />

Bei den 2-Komponenten-<br />

Vergussstoffen werden Harz und<br />

Härter in einem Mischungsverhältnis<br />

mit entsprechender Maschinentechnik<br />

vermischt und im Standard<br />

über ein statisches Mischrohr in die<br />

Kavität eingegossen. Somit ist dieser<br />

Kalt-Verguss ein nicht-formgebendes<br />

Verfahren und benötigt ein<br />

Gehäuse, in das die Vergussmasse<br />

eingefüllt wird.<br />

Ein Potting-Verguss bietet dabei<br />

viele Vorteile: So sorgt er nicht nur<br />

für eine hervorragende elektrische<br />

Isolierung, hohe Wärmeableitung<br />

und Vibrations- und Schockreduzierung,<br />

sondern verfügt zudem<br />

über Chemikalien-, Feuchtigkeits-,<br />

Thermoschock- und Zyklenbeständigkeit,<br />

schützt die Elektronik vor<br />

Staub sowie Feuchtigkeit und hat<br />

darüber hinaus flammhemmende<br />

Eigenschaften.<br />

Standardgemäß kommen dabei<br />

je nach spezifischer Anforderung<br />

Epoxid-, Polyurethan- und Silikonharze<br />

zum Einsatz. Sie alle unterscheiden<br />

sich hinsichtlich ihrer<br />

Eigenschaften (Tabelle 1).<br />

Neben den genannten Materialien<br />

gibt es auch noch Spezialvergussstoffe<br />

und Gießharze. Diese<br />

kommen jedoch nur unter Extrembedingungen<br />

zum Einsatz. So schützen<br />

sie gemäß der ATEX-Anforderungen<br />

beispielsweise vor Explosionen,<br />

indem sie die chemische Reaktion<br />

von Zündquelle, brennbarem<br />

Stoff und Sauerstoff unterbinden.<br />

Außerdem ermöglichen sie eine<br />

elektrische Isolierung gegen Hochspannung<br />

(bis 30 kV/mm), schützen<br />

gegen Überhitzung durch partielle<br />

Wärmeentwicklung und bieten<br />

mit der Schutzklasse IP68 Schutz<br />

gegen Staub sowie gegen dauerhaftes<br />

Untertauchen.<br />

Ein Potting-Verguss bietet dem<br />

Anwender viele Möglichkeiten. Typische<br />

Produkte, bei denen das Verfahren<br />

angewandt wird, sind Akkupacks,<br />

Leistungs- und Steuerelektronik,<br />

Ladegeräte, EX-geschützte<br />

Elektronik, Sensoren, Monitore und<br />

Displays.<br />

Conformal Coating<br />

Mit dem Conformal Coating werden<br />

Leiterplatten vollständig oder<br />

Autoren:<br />

Laura Mitlewski<br />

Martin Adamczyk<br />

ept GmbH<br />

www.ept.de<br />

Jörg Buch<br />

Werner Wirth GmbH<br />

www.wernerwirth.de<br />

Sehr robuste Systeme<br />

Leicht aufzutragen<br />

Epoxidharze<br />

Geringer Wärmeausdehnungskoeffizient<br />

Ausgezeichneter Schutz gegen Feuchtigkeit und aggressive Chemikalien<br />

Gute Flexibilität auch bei niedrigen Temperaturen<br />

Ideal für empfindliche Bauteile<br />

Polyurethanharze<br />

Äußerst breite Auswahl an verschiedenen Härtestufen<br />

Leichtere Kontrolle der Aushärtegeschwindigkeit<br />

Sehr weiter Betriebstemperaturbereich<br />

Hervorragende Leistung auch bei hohen Temperaturen<br />

Silikonharze<br />

Ausgezeichnete Flexibilität<br />

Optisch klare Versionen erhältlich<br />

Tabelle 1: Die gängigsten Potting-Vergussstoffe und ihre Eigenschaften<br />

58 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Komponenten<br />

Bild 2: Hotmelt Moulding am Beispiel eines Feuerwehrhelms.<br />

Mittig zu erkennen: Steckverbinder, die mittels Dam & Fill ausgespart<br />

wurden © Werner Wirth<br />

Bild 1: Dünnschichtbeschichtung (links), Dickschichtbeschichtung (Mitte)<br />

und Potting-Verguss (rechts) im Vergleich © Werner Wirth<br />

nur selektiv beschichtet. Im Falle<br />

einer Selektivbeschichtung werden<br />

nur notwendige Bereiche der Leiterplatte<br />

mit einer Schutzschicht überzogen.<br />

In der Regel unterscheidet<br />

man zwischen zwei Varianten des<br />

Coatings: Die Dünnschichtbeschichtung<br />

verspricht mit ihrer schnellen<br />

Härtung und der angepassten Viskosität<br />

eine hohe Wirtschaftlichkeit<br />

der Fertigungsprozesse. Ein<br />

besonders hoher Kanten- und Flächenschutz,<br />

der elektronische Baugruppen<br />

insbesondere vor extremer<br />

Feuchte bewahrt, wird dagegen mit<br />

der Dickschichtbeschichtung erzielt.<br />

In beiden Fällen bauen die Conformal<br />

Coatings nach der Trocknung<br />

lediglich Schichtstärken zwischen<br />

30 und 2000 µm auf. Somit kann<br />

die elektronische Baugruppe immer<br />

noch bei engen Platzverhältnissen<br />

verbaut werden.<br />

Aufgrund von unterschiedlicher<br />

Viskosität der Schutzlacke und<br />

somit unterschiedlichem Ausfließverhalten,<br />

wird gerne das Prinzip<br />

DAM & FILL auf den bestückten<br />

elektronischen Baugruppen angewandt.<br />

Hier wird mit einem thixotrop<br />

eingestellten Schutzlack ein „Dam“<br />

(deutsch „Damm“), z.B. um die Bauteile<br />

gelegt, die nicht vergossen<br />

werden dürfen, beispielsweise um<br />

Steckverbinder. Die übrigen Komponenten<br />

werden anschließend mit<br />

einem niederviskosen Schutzlack<br />

benetzt („Fill“, deutsch „Füllung“).<br />

Für das Conformal Coating werden<br />

unterschiedliche Polymere-<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Werkstoffe eingesetzt. So können<br />

Anwender unter anderem zwischen<br />

silikonbasierten und UVvernetzenden<br />

Produkten wählen.<br />

Erstere eignen sich aufgrund ihres<br />

breiten Temperaturspektrums von<br />

-40 bis +200 °C hervorragend für<br />

harsche Einsatzbedingungen wie<br />

in der Luft- und Raumfahrt oder<br />

Offshore. Letztere bestehen aus<br />

Acrylaten und Polyurethanen oder<br />

Hybriden beider Werkstoffe. Sie<br />

zeichnen sich vor allem dadurch<br />

aus, dass sie durch UV-Initiierung<br />

sehr schnell aushärten und eine<br />

sehr gute thermische Schockbeständigkeit<br />

mitbringen.<br />

Die Einsatzgebiete des Conformal<br />

Coatings sind vielfältig und reichen<br />

vom Automotive-Bereich bis hin zur<br />

Bahntechnik, Sensorik, Industrieelektronik,<br />

Medizintechnik sowie<br />

zur genannten Offshore-Windkraft<br />

und Luft- und Raumfahrttechnik.<br />

Hotmelt Moulding<br />

Eine besondere Form des Vergusses<br />

ist das Hotmelt Moulding.<br />

Bei diesem Verfahren wird in einem<br />

Arbeitsschritt die Baugruppe mit<br />

einem Material umhüllt, wobei eine<br />

Gehäusestruktur entsteht und die<br />

Baugruppe gleichzeitig geschützt<br />

wird. Die Elektronik wird dabei nicht<br />

beschädigt, da die niederviskosen,<br />

thermoplastischen Materialien eine<br />

niedrige Verarbeitungstemperatur<br />

aufweisen und mit einem weitaus<br />

geringeren Einspritzdruck als beim<br />

normalen Kunststoff-Spritzguss verarbeitet<br />

werden. Das schont zum<br />

einen die Bauteile, lässt zugleich<br />

die Thermoplaste schnell aushärten<br />

und macht das Verfahren relativ<br />

preiswert.<br />

Der Niederdruck-Spritzguss ermöglicht<br />

somit, dass selbst sensible<br />

Bauteile wie Kontakte, Sensoren,<br />

Leiterplatten und Spulen<br />

umweltfreundlich umhüllt, verklebt<br />

oder nach IP68 abgedichtet werden<br />

und damit auch vor stärksten Belastungen<br />

geschützt sind.<br />

Eine von äußeren Einflüssen massiv<br />

betroffene Branche ist beispielsweise<br />

die Landwirtschaft. Maschinen<br />

unterliegen hier täglich unterschiedlichen<br />

Witterungsverhältnissen.<br />

Zum Schutz ihrer Elektronik eignet<br />

sich Hotmelt Moulding perfekt:<br />

Es bewahrt zuverlässig und langanhaltend<br />

vor Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen,<br />

Korrosion<br />

und Erschütterungen.<br />

Potting, Conformal Coating<br />

oder Hotmelt Moulding?<br />

Welches Komponentenschutzverfahren<br />

sich am besten eignet, ist<br />

immer vom jeweiligen Einsatzgebiet<br />

Bild 3: Schliffbild zweiteiliger Steckverbinder vs. einteiliger<br />

flexilinkb-t-b © ept GmbH<br />

59


Komponenten<br />

Bild 4: Der flexilinkb-t-b Leiterplattenverbinder mit der ept Tcom press Einpresszone © ept GmbH<br />

der Elektronik und den damit verbundenen<br />

Anforderungen abhängig.<br />

Eine One-Size-Fits-All-Lösung<br />

gibt es nicht.<br />

Problemstellung<br />

Steckverbinder<br />

Extremtemperaturen, Schmutz<br />

und Feuchtigkeit, chemischer<br />

oder mechanischer Stress: Mit<br />

dem geeigneten Komponentenschutzverfahren<br />

ist die Elektronik<br />

vor nahezu jeder äußeren Einwirkung<br />

geschützt. Ein Aspekt muss<br />

dabei jedoch bedacht werden:<br />

Ein Verguss ist nur dann möglich,<br />

wenn die Funktionalität der verbauten<br />

Komponenten durch die<br />

eingesetzten Werkstoffe nicht eingeschränkt<br />

wird. Dazu ist jedoch<br />

auch eine entsprechend vergusskompatible<br />

Anschlusslösung vonnöten<br />

– der Einsatz gewöhnlicher<br />

Leiterplatten-Steckverbindungen<br />

ist damit ausgeschlossen. Grund<br />

hierfür ist die meist zweiteilige<br />

Feder-Messer-Kontakttechnologie,<br />

bei der die Verguss masse in<br />

den vulnerablen Steckbereich eindringen<br />

und somit die Kontaktierung<br />

behindern kann.<br />

Bei herkömmlichen Steckverbindern<br />

muss daher mittels Dam & Fill<br />

der Kontaktbereich vor dem Verguss<br />

abgedichtet werden, um keine<br />

Beeinflussung durch die Vergussmasse<br />

zu riskieren. Hierbei geht es<br />

darum, dass die Vergussmasse im<br />

Kontaktbereich zum einen die Kontaktpunkte<br />

beeinträchtigen und damit<br />

eine Signalübertragung unterbrechen<br />

kann. Zum anderen würde<br />

sie die Relaxationseigenschaften<br />

der Feder hemmen.<br />

Um einen Verguss dennoch zu<br />

ermöglichen und dabei die erforderliche<br />

Ausfallsicherheit zu gewährleisten,<br />

empfiehlt sich die Wahl einer<br />

einteiligen Anschlusslösung, also<br />

eines Steckverbinders, der ohne<br />

den herkömmlichen Steckbereich<br />

auskommt. Bei einem solchen einteiligen<br />

Stecker ist das Eindringen<br />

der Vergussmasse in den Kontaktbereich<br />

unmöglich.<br />

Einpresstechnik als<br />

Anschlussmethode der Wahl<br />

Einteilige Steckverbinder bringen<br />

demnach die nötige IP-Schutzart<br />

für diese Werkstoffe mit, um einen<br />

Verguss – und damit eine dauerhafte<br />

und robuste Anschluss lösung<br />

– zu ermöglichen. Doch auch die<br />

Wahl der Anschlusstechnik spielt<br />

hier eine wichtige Rolle. Mithilfe<br />

Bild 5: Lochspezifikation der ept-Einpresszone © ept GmbH<br />

von beidseitigen Einpresszonen<br />

wird der Anschlussbereich aufgrund<br />

der Kaltverschweißung zwischen<br />

der Kupferhülse und der<br />

Einpresszone gasdicht und bildet<br />

somit eine vergießbare Verbindung<br />

zwischen zwei Leiterplatten,<br />

die sich im Feld bereits milliardenfach<br />

bewährt hat.<br />

Um diese gasdichte Verbindung<br />

zu gewährleisten, ist es jedoch<br />

zwingend notwendig, die Durchkontaktierung<br />

gemäß der ept-Spezifikation<br />

zu realisieren:<br />

Der Wegfall des Steckbereichs<br />

lässt den Steckverbinder in Kombination<br />

mit der Einpresstechnik<br />

somit auch Schockbelastungen<br />

von bis zu 200 g standhalten. Auch<br />

Materialbewegungen in Folge großer<br />

Temperaturschwankungen<br />

sowie der Einfluss von Schadgas<br />

beeinträchtigen die Verbindung<br />

nicht. Durch die Einpresstechnik<br />

erhöht sich die Zuverlässigkeit<br />

im Vergleich zur Löttechnik<br />

um ein Vielfaches, da weder<br />

kalte noch gebrochene Lötstellen<br />

auftreten können. Außerdem lassen<br />

sich so aufwendige selektive<br />

Lötarbeiten, teure Kabellösungen<br />

und Abstandshalter vermeiden,<br />

wodurch sich Entwickler nicht nur<br />

Platz auf der Leiterplatte sparen,<br />

sondern zusätzlich die Kosten um<br />

bis zu 50% senken können.<br />

Mit nur einem Bauteil wird<br />

sowohl eine mechanische als auch<br />

elektrische Verbindung hergestellt.<br />

Gerade bei modular gestalteten<br />

Baugruppen mit konfigurierbaren<br />

Funktionen oder unterschiedlichen<br />

Performance-Levels lässt sich der<br />

Einpressvorgang hervorragend am<br />

Ende des Bestückungsprozesses<br />

einbringen. Hier können nach Wahl<br />

unterschiedliche Module auf Basis-<br />

Leiterplatten aufgebracht werden.<br />

So lässt sich in einem schnellen<br />

Arbeitsschritt eine hohe Vielfalt<br />

an Produkten fertigen. Da auch<br />

ein abschließendes Vergießen<br />

der Baugruppe möglich ist, bleibt<br />

die elektrische und mechanische<br />

Verbindung zuverlässig bestehen.<br />

Durch einen Verguss können<br />

Anwender ihre elektronische Baugruppe<br />

maximal vor aggressiven<br />

Umwelteinflüssen schützen. Wer<br />

für seine Anwendung jedoch einen<br />

Komponentenschutz in Betracht<br />

zieht, muss auch die Wahl eines<br />

geeigneten Steckverbinders in<br />

Kombination mit der geeigneten<br />

Anschlusstechnik berücksichtigen.<br />

Einteilig, eingepresst und<br />

vergossen – in dieser Kombination<br />

sind elektronische Baugruppen<br />

gegen (fast) alle Einwirkungen<br />

gewappnet. ◄<br />

60 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Radiallüfter schützt Röntgengeräte effektiv<br />

vor Überhitzung<br />

Komponenten<br />

Zuverlässigkeit und Langlebigkeit von Röntgengeräten<br />

sind entscheidend für ihre optimale<br />

Leistung und den reibungslosen Betrieb. Eine<br />

der häufigsten Herausforderungen bei der Entwicklung<br />

solcher Geräte ist die effektive Wärmeableitung,<br />

um Überhitzung zu verhindern.<br />

Der Radiallüfter LY60B von Sepa Europe bietet<br />

eine Reihe von Vorteilen, die ihn zu einer<br />

optimalen Wahl für die Kühlung von Röntgengeräten<br />

macht. Er ist nicht nur sehr klein, schmal<br />

und flach, er überzeugt auch mit einer bemerkenswerten<br />

Leistung.<br />

Der Radiallüfter LY60B zeichnet sich durch<br />

seine bemerkenswerte Kombination von Leistung<br />

und Größe aus. Trotz seines äußerst<br />

kompakten, flachen und leichten Designs bietet<br />

er eine beeindruckende Luftförderleistung von<br />

11 m 3 Luft pro Stunde. Er baut im Extremfall bis<br />

zu 110 Pa Druck auf und sorgt somit für eine<br />

effiziente Kühlung von elektronischen Geräten.<br />

Dank seiner hohen Volumenstrom und des optimierten<br />

Designs ermöglicht er eine zuverlässige<br />

Wärmeableitung und trägt so zur Verlängerung<br />

der Lebensdauer von Geräten bei.<br />

Der LY60B ist beidseitig ansaugend und in<br />

5 V und 12 V bestellbar. Alle Modelle verfügen<br />

über einen Tachoausgang und die 5-V- Variante<br />

verfügt zusätzlich über einen PWM-Eingang.<br />

Zuverlässigkeit und Langlebigkeit stehen bei<br />

diesem Lüfter an erster Stelle, denn durch das<br />

bewährte MagFix Lagersystem beträgt seine<br />

Lebensdauererwartung (MTBF) bei 40 °C<br />

stolze 210.000 h. Er bietet nicht nur zuverlässige<br />

Leistung, sondern ist auch über einen<br />

langen Zeitraum hinweg verfügbar. Das macht<br />

ihn zu einer vertrauenswürdigen Wahl für verschiedene<br />

Anwendungen.<br />

Ein besonderes Feature ist außerdem der<br />

optionale IP-Schutz. Durch eine schutzlackierte<br />

Leiterplatte ist es möglich den LY60B mit IP55<br />

zu liefern.<br />

SEPA EUROPE GmbH<br />

www.sepa-europe.com<br />

905-nm-Pulslaserdiode mit 120 W Ausgangsleistung<br />

und niedriger Betriebsspannung<br />

Excelitas Technologies Corp.<br />

www.excelitas.com<br />

Excelitas Technologies präsentiert eine<br />

neue gepulste Laserdiode (PLD) bei 905 nm<br />

im SMD-Format zur effizienten Verarbeitung<br />

in automatisierten Bestückungslinien. Mit<br />

einer hohen Ausgangsleistung von 120 W<br />

bei 40 A ist die TPG3AD1S09 bereit für die<br />

Anforderungen von morgen in vielfältigen Einsatzbereichen:<br />

LiDAR, Time-of-Flight (ToF),<br />

Laserentfernungsmessung, Laserscannen<br />

für unbemannte Fahrzeuge, Infrarot-Nachtbeleuchtung,<br />

Laserbehandlung und elektronische<br />

Materialanregung in medizinischen<br />

und analytischen Anwendungen.<br />

Durch einen von Grund auf überarbeiteten<br />

Chip erreicht diese dritte Generation der TPG-<br />

Baureihe von Excelitas exzellente Stabilität,<br />

Strahlqualität und Zuverlässigkeit in den<br />

anspruchsvollsten Anwendungen. Für erhöhte<br />

Flexibilität in verschiedensten Elektronik designs<br />

lassen sich die PLDs wahlweise horizontal<br />

oder vertikal verbauen – mit entsprechender<br />

Strahlorientierung.<br />

Die leistungsstarken Drei-Streifen- Emitter<br />

ermöglichen längere Distanzen bei der Laserentfernungsmessung<br />

und, bei kurzen und mittleren<br />

Distanzen, einen effizienteren Betrieb und<br />

längere Laufzeiten von batterie betriebenen<br />

Lasermessgeräten. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

61


Komponenten<br />

Sichere und robuste Winkel-Steckverbinder<br />

für knappen Bauraum<br />

Winkelvarianten der Serien 720/770<br />

Gewinkelte Kunststoff-Steckverbinder<br />

mit Snap-in-Verriegelung sind<br />

empfindlich für Fehl bedienungen und<br />

daher konstruktiv anspruchsvoll. Für<br />

die Miniatur-Serie 720 hat binder<br />

eine sichere und robuste konfektionierbare<br />

Winkel version entwickelt,<br />

die Applikationen mit beengten Einbauverhältnissen<br />

adressiert. Auch<br />

die Miniatur-NCC-Serie 770 ist jetzt<br />

gewinkelt erhältlich – mit variabler<br />

Richtung des Kabelabgangs.<br />

Franz Binder GmbH & Co.<br />

Elektrische Bauelemente KG<br />

info@binder-connector.de<br />

www.binder-connector.de<br />

binder, ein führender Anbieter<br />

industrieller Rundsteckverbinder,<br />

hat seine Produktserien 720 und<br />

770 um konfektionierbare Winkelvarianten<br />

ergänzt. Einsatzgebiete<br />

derartig kompakter gewinkelter<br />

Steckverbinder sind die Geräte-,<br />

Gebäude- und Anlagentechnik: Vor<br />

allem dort, wo auf engstem Raum<br />

sichere elektrische Verbindungen zu<br />

etablieren sind, bieten die Winkelausführungen<br />

der Serien 720/770<br />

mit Schnapp- beziehungsweise<br />

Bajonettverriegelung eine zuverlässige<br />

und platzsparende Alternative<br />

zu den geraden Versionen.<br />

Hintergrund:<br />

Bediensicherheit<br />

Bei den Steckverbindern der<br />

Snap-in-Serie 720 wird die elektrische<br />

Verbindung mechanisch<br />

gesichert, indem Schnapphaken<br />

in eine dafür vorgesehene Öffnung<br />

einrasten und so die Schnittstelle<br />

verriegeln. Diese Verschlussart ist<br />

jedoch anfällig für Fehlbedienung:<br />

Wird der Steckverbinder nicht axial,<br />

sondern in einem Winkel zu seiner<br />

Achse abgezogen, kann dies je nach<br />

Betrag und Richtung der Zugkraft<br />

die Kunststoff-Schnapp haken zerstören.<br />

Um diesem Anwendungsfehler<br />

vorzubeugen, haben die Produktentwickler<br />

bei binder einen<br />

Gewindering zwischen Kontaktkörper<br />

und Winkelgehäuse eingefügt.<br />

Selbst bei Krafteinwirkung<br />

schräg zur Verbindungsachse sind<br />

die Schnapphaken so vor Bruch<br />

geschützt und die Steckverbinder<br />

bis weit über die Normforderungen<br />

hinaus belastbar.<br />

Zusätzlicher Gewindering<br />

Mithilfe des zusätzlichen Gewinderings<br />

ließen sich noch zwei weitere<br />

konstruktive Forderungen erfüllen:<br />

• Das Konzept ermöglicht es binder,<br />

auch die Serie 770 – mit<br />

vielen Gleichteilen – als Winkelvariante<br />

anzubieten.<br />

• Der Kontaktkörper lässt sich<br />

in Schritten von 90° drehen,<br />

sodass der Anwender die Richtung<br />

des Kabelabgangs selbst<br />

wählen kann.<br />

Generell ist der Kabelanschluss<br />

bei Gehäusen mit 90°-Winkel problematisch.<br />

Wie aus anderen Produktserien<br />

bekannt, ist es oft schwierig,<br />

die Kabel um 90° zu biegen. Daher<br />

wurde für die neuen Gehäuse ein<br />

Winkel von 100° gewählt, womit<br />

sich die Montage der Kabel stark<br />

vereinfacht.<br />

Die Winkelsteckverbinder<br />

im Detail<br />

Die neuen gewinkelten Versionen<br />

der Snap-in-Serie 720 kommen<br />

unter anderem in Installationen<br />

der Lichttechnik, in Heiz systemen<br />

für Gewächshäuser sowie in<br />

E-Bikes zum Einsatz. Die Serie ist<br />

für Bemessungsspannungen von<br />

60 V bis 250 V und -ströme von<br />

2 A bis 7 A ausgelegt. Der Kabelanschluss<br />

erfolgt bei den 3- bis<br />

12-poligen Schnittstellen mittels<br />

Löten. Sie genügen der Schutzart<br />

IP67 (gesteckt) und überdauern<br />

mehr als 500 Steckzyklen.<br />

NCC-Winkelsteckverbinder<br />

(NCC = Not Connected Closed)<br />

der Serie 770 mit Bajonettverriegelung<br />

finden sich beispielsweise<br />

in kompakten Handbediengeräten,<br />

in Medizingeräten zur<br />

Heimanwendung beim Patienten<br />

sowie in Labormessinstrumenten,<br />

die besonders platzsparend – zum<br />

Beispiel in unmittelbarer Wandnähe<br />

– installiert werden müssen.<br />

Die 8-poligen Schnitt stellen sind<br />

ebenfalls mit Lötanschlüssen ausgestattet;<br />

Bemessungsspannung<br />

und -strom betragen 175 V beziehungsweise<br />

2 A.<br />

Neben IP67 in gestecktem<br />

Zustand erreichen die Flanschdosen<br />

dank der NCC-Technik von<br />

binder auch ungesteckt die Schutzart<br />

IP67, und sie überdauern mehr<br />

als 5.000 Steckzyklen.<br />

Die Steckverbinder sowohl der<br />

Serie 720 als auch der Serie 770<br />

sind neben Schwarz in den Farben<br />

Rot, Grün und Blau sowie in dem<br />

für medizintechnische Anwendungen<br />

typischen Weiß (RAL 9002)<br />

erhältlich.<br />

Anwendungsgebiete<br />

• Beleuchtungs- und Wärmetechnik,<br />

Elektromobilität<br />

(Serie 720)<br />

• Mobil- und Laborgerätetechnik,<br />

Medizintechnik, Labor mes s-<br />

technik (Serie 770)<br />

Eigenschaften<br />

• Verschlussart:<br />

Snap-in (Serie 720),<br />

Bajonett (Serie 770)<br />

• Anschlussart: Löten<br />

• Polzahl: 3- bis 12-Pol<br />

(Serie 720), 8-Pol (Serie 770)<br />

• Bemessungsspannung:<br />

60 V bis 250 V (Serie 720),<br />

175 V (Serie 770)<br />

• Bemessungsstrom:<br />

2 A bis 7 A (Serie 720),<br />

2 A (Serie 770)<br />

• Farbige Ausführungen<br />

• Variabler Kabelabgang<br />

• Schutzart: IP67 (gesteckt)<br />

• Steckzyklen:<br />

> 500 (Serie 720),<br />

> 5.000 (Serie 770) ◄<br />

62 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Komponenten<br />

Individuelle Positioniersysteme<br />

mit integrierter Elektronik<br />

Steinmeyer Mechatronik realisiert kundenspezifisch integrierte Platinen<br />

Als Spezialist für maßgeschneiderte mechatronische<br />

Positioniersysteme entwickelt und<br />

produziert Steinmeyer Mechatronik kundenspezifisch<br />

integrierte Platinen, die keinerlei<br />

Wünsche offenlassen. Das Ergebnis sind sehr<br />

kompakte Lösungen mit hoher Funktionalität,<br />

die exakt auf die Kundenanforderungen zugeschnitten<br />

sind.<br />

Steinmeyer Mechatronik<br />

info@steinmeyer-mechatronik.de<br />

www.steinmeyer-mechatronik.de<br />

Werden Motion Controller und Ansteuerung der<br />

Kundenperipherie direkt in das Positioniersystem<br />

integriert, lassen sich besonders kompakte<br />

Lösungen mit sehr kurzen Motor- und Encoder-<br />

Leitungen realisieren. Für den Anwender ergeben<br />

sich dadurch entscheidende Vorteile wie<br />

hohe Leistungsfähigkeit, geringer Platzbedarf,<br />

weniger Störungen im System sowie minimierter<br />

Aufwand in Bezug auf EMV. Dezentrale Steuerungen<br />

erlauben zudem die Einbindung elektronischer<br />

Datenblätter. Wichtige Informationen<br />

wie die Seriennummer, Anwendungs parameter,<br />

Verfahrwege, Sensordaten oder Grenzwerte<br />

stehen damit digital zur Verfügung und können<br />

unmittelbar genutzt werden.<br />

Maßgeschneiderte<br />

Embedded-Control-Elektronik<br />

Die Integration der Elektronik erfordert spezialisiertes<br />

Know-how, mechatronisches Denken<br />

sowie ein tiefes Verständnis der Anwendung.<br />

Steinmeyer Mechatronik gehört zu den führenden<br />

Herstellern von hochgenauen Positionierlösungen<br />

für optische und feinmechanische<br />

Systeme und ist dank seiner Innovationskraft ein<br />

wichtiger Partner der europäischen Hightech-<br />

Industrie. Eine besondere Stärke liegt dabei auf<br />

der Entwicklung und Konstruktion individueller<br />

Sonderanfertigungen. Da bildet die Embedded-<br />

Control-Elektronik keine Ausnahme.<br />

Kundenspezifische<br />

Hardware- und Softwarelösungen<br />

Ob individuell angepasste Kommunikationsschnittstellen<br />

(z. B. RS232, RS485, CAN,<br />

CANopen, EtherCAT, SPI etc.), die integrierte<br />

Ansteuerung von Aktuatoren wie Motoren, LED,<br />

Laser und Ventile oder das Lesen von Messsystemen,<br />

Sensoren sowie Analog- und Digitalsignalen:<br />

Die Möglichkeiten der Individualisierung<br />

seitens Steinmeyer Mechatronik sind praktisch<br />

unbegrenzt und werden den unterschiedlichsten<br />

Applikationsanforderungen gerecht. Auch<br />

kunden spezifische Bauformen, Anschlüsse und<br />

Elektronikdesigns sowie die Systemintegration<br />

und Tests im Endprodukt (Positioniersystem)<br />

sind umsetzbar.<br />

Einzigartige Kapazitäten in den<br />

Bereichen Elektronik und Mechanik<br />

Möglich wird dies durch eine hohe Engineering-<br />

Kompetenz, langjährige Erfahrung, eine konsequente<br />

Kundenorientierung und die passende<br />

Infrastruktur. So verfügt Steinmeyer Mechatronik<br />

über ausreichend Fertigungs- und Montagekapazitäten<br />

für OEM-Serienfertigungen, eine<br />

eigene Elektronikentwicklung und eine eigene<br />

Softwareabteilung. Viele Bauteile und Komponenten<br />

werden im eigenen Haus gefertigt und<br />

sämtliche Produkte komplett montiert, selbst<br />

komplexeste Positioniersysteme. Am Standort<br />

Dresden arbeiten alle Abteilungen – Entwicklung,<br />

Mechanik, Elektronik, Software, Fertigung,<br />

Montage, Messlabore, Testzentrum – vernetzt<br />

unter einem Dach. So können Synergien optimal<br />

genutzt und spezifische Kundenanforderungen<br />

schnell und unkompliziert realisiert werden.<br />

Dreh-Hub-Aktor<br />

mit integrierter Steuerung<br />

Ein Praxisbeispiel ist der industrietaugliche<br />

Dreh-Hub-Aktor für die automatisierte Präzisionsmontage.<br />

Die interne Steuerung mit Feldbus-<br />

Schnittstelle ist plug-and-play-fähig und befindet<br />

sich direkt in der Positioniereinheit. Die<br />

gesamte Embedded-Control-Elektronik ist auf<br />

einer einzigen Leiterplatte untergebracht – zwei<br />

19-Zoll-Racks landeten so auf der Fläche einer<br />

halben Postkarte. Diese erlaubt zudem eine<br />

interne Speicherung der produktspezifischen<br />

Daten, Prozess- und Lebensdauerinformation.<br />

Ein Konzept für die Fernwartung und Ferndiagnose<br />

ist ebenfalls integriert. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

63


Stromversorgung<br />

Stromversorgung für mobile Geräte in der Medizin<br />

Autobatterien? Eigentlich indiskutabel!<br />

Hochleistungs Akku-Packs versorgen medizinische Geräte unterwegs<br />

und am Patientenbett. Die archaische und dennoch weit verbreitete<br />

Stromversorgung mit Autobatterien ist damit obsolet.<br />

Alle Bilder © Concept International<br />

Concept International GmbH<br />

www.concept.biz<br />

In Krankenhäusern kommen<br />

zunehmend hochmoderne, mobile<br />

elektronische Geräte auch direkt<br />

beim Patienten am Pflegebett zum<br />

Einsatz. Der Strom für PC, Tablet,<br />

EKG und Co. kommt allzu oft aber<br />

immer noch aus dicken und schweren<br />

Autobatterien, verbaut im Rollfuß<br />

eines Visitenwagens. Dabei gibt es<br />

zuverlässigere, sicherere und auch<br />

leistungsfähigere Alternativen, die<br />

zudem feuerpolizeilich keine Probleme<br />

aufwerfen. Mike Finckh,<br />

Geschäftsführer des Value Added<br />

Distributors Concept International,<br />

versorgt medizinische Einrichtungen<br />

mit Hardware. Er erklärt, warum der<br />

Wechsel auf leichte Hochleistungs-<br />

Akkus oft schwerfällt.<br />

Warum ist mobiler Strom<br />

in der Medizin so wichtig?<br />

Am Patientenbett entstehen<br />

unglaublich viele Daten, die den<br />

gesamten weiteren Therapieverlauf<br />

bestimmen. Digitale Krankenakte,<br />

Aufnahme der Vitalwerte, Kontrollierte<br />

Ausgabe von Medikamenten,<br />

Tracken von Anwendungen, Präsentation<br />

von Röntgen-, MRT- oder<br />

CRT-Aufnahmen für Erklärungen –<br />

das medizinische Personal ist auf<br />

den mobilen Zugang zu Daten und<br />

Netzwerken angewiesen. Und dafür<br />

braucht es Strom – für medizinische<br />

Tablets, All-In-One-PCs oder Vitalmonitor-<br />

und EKG-Geräte, um nur<br />

eine kleine Auswahl zu nennen.<br />

Wo kommt der Strom<br />

für die Patienten denn her?<br />

Die Visitenwägen mit den entsprechenden<br />

Geräten und Monitoren<br />

werden fast ständig bewegt. Man<br />

braucht also Akkus. Die befinden<br />

sich entweder in den Geräten selbst<br />

oder fungieren als eigenständiges<br />

Kraftwerk, in das die Mitarbeiter<br />

Geräte wie Scanner und Sensoren<br />

einstöpseln. Gängige Praxis war<br />

und ist hier die Autobatterie, montiert<br />

im rollenden Fuß des Visitenwagen.<br />

Allerdings hat die Lösung<br />

viele Nachteile und ist schon lange<br />

nicht mehr zeitgemäß.<br />

Was ist denn an Autobatterien<br />

so schlecht?<br />

Zunächst sind Autobatterien ganz<br />

schön schwer. Eine allein kann bis<br />

zu 30 kg wiegen. Krankenschwestern<br />

und Pfleger wuchten also mit<br />

Wagen und Gerätschaften gerne<br />

über vierzig Kilo über die Flure.<br />

Stellen Sie sich einfach einen übervollen,<br />

riesigen Einkaufswagen vor.<br />

Dazu kommt, dass es immer zwei<br />

Wägen braucht, da einer zum Laden<br />

ständig ausfällt. Nicht zuletzt sind<br />

Autobatterien gefährlich. Haben Sie<br />

schon einmal einen elektrischen<br />

Brand gesehen? Der lässt sich<br />

praktisch nicht löschen. Feuerpolizeilich<br />

müsste in jedem Bereich,<br />

in dem Starterbatterien eingesetzt<br />

werden, eigentlich eine große Kiste<br />

Löschsand bereitstehen. Eine sehr<br />

große Kiste.<br />

Gibt es denn gangbare<br />

Akku-Alternativen?<br />

Im Prinzip gibt es zwei alternative<br />

Lösungsansätze. Da wären handliche<br />

Akku-Packs, die mit mehreren<br />

Hochleistungs-Wechselakkus<br />

bestückt sauber und sicher am Visitenwagen<br />

angebracht werden. Eine<br />

Ladestation sorgt immer für Nachschub,<br />

der während des Betriebes<br />

gewechselt werden kann. Das ist<br />

dasselbe Prinzip wie die fragwürdige<br />

Autobatterielösung – nur ohne<br />

die Nachteile. Die komplett mobilen<br />

Strommanagementsysteme<br />

machen das Leben für das Krankenhauspersonal<br />

buchstäblich leichter:<br />

es gibt Systeme, die sind nicht<br />

größer als vier dicke Taschenbüchern<br />

übereinander und wiegen,<br />

inklusive Gehäuse und Halterung,<br />

knapp über zwei Kilo.<br />

Interviewpartner:<br />

Mike Finckh,<br />

Gründer und Geschäftsführer<br />

Concept International mit<br />

Sitz in München.<br />

Concept International ist ein<br />

Value Added Distributor und<br />

Hardware-Assemblierer für<br />

Industrie, Service, Wartung,<br />

Gesundheitswesen und Handel.<br />

64 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Stromversorgung<br />

Mit drei „Hot Swap“-Akkus ist der Dauerbetrieb kein Problem. Die All-In-One-<br />

PCs und Monitore von DT Research können sogar noch bis zu drei weitere<br />

Geräte mit Strom versorgen. Vor allem auf Visitenwägen ein echter Vorteil.<br />

Und der zweite Lösungsansatz?<br />

Das sind „Hot-Swap“-fähige<br />

Geräte wie All-In-One-PCs, Tablets<br />

oder auch einfache Bildschirme,<br />

bei denen man ohne Arbeitsunterbrechung<br />

die Stromquellen<br />

tauschen kann.<br />

Geht die Energie zur Neige, greift<br />

sich das Personal neue Wechselakkus,<br />

packt die verbrauchten in<br />

die Lade station und weiter geht’s.<br />

Diese All-in-One PCs und Monitore<br />

gibt es auch mit weiterführenden<br />

Stromanschlüssen. Sie versorgen,<br />

vergleichbar einer integrierten<br />

Powerbank, Scanner, Vitalmonitor,<br />

Drucker und dergleichen ebenfalls<br />

mit Strom. Voraussetzung ist, dass<br />

sie über eigene, dedizierte Stromanschlüsse<br />

in 12 V, 15 V und 19 V<br />

verfügen – das sind die Stromstärken,<br />

die medizinische Geräte für<br />

den Patienteneinsatz verwenden.<br />

Zwei Lösungsansätze –<br />

bedeutet das auch, dass zwei<br />

verschiedene Systeme zum<br />

Einsatz kommen?<br />

Es bietet sich an, ein und denselben<br />

Formfaktor zu verwenden.<br />

Dann gibt es nur ein System in<br />

verschiedenen Ausprägungen und<br />

keine unnötigen Redundanzen und<br />

keine Verwirrung. Weder auf der<br />

Nutzer- noch auf der Zuliefererseite.<br />

Es kommt nicht darauf an, ob die<br />

Akkus in Akku-Packs oder in Endgeräten<br />

stecken, die weitere Stromverbraucher<br />

mitbetreiben. Wichtig<br />

ist nur, dass der Betrieb bei einem<br />

Wechsel unterbrechungsfrei weitergeht.<br />

Am besten eben mit identischen<br />

Akkus für beide Systeme.<br />

Das klingt so einfach. Warum<br />

findet sich die Autobatterie<br />

dann immer noch in so vielen<br />

Krankenhäusern?<br />

Autobatterien sind zwar unhandlich,<br />

auf lange Sicht zu teuer und<br />

aus feuerpolizeilichen Gründen<br />

völlig indiskutabel – aber sie haben<br />

sich nun mal in der Vergangenheit<br />

als funktionsfähige Lösung<br />

etabliert.<br />

Krankenhäuser müssen leider<br />

nach dem Prinzip „never change a<br />

runnig system“ arbeiten, rotstiftgeplagt<br />

wie sie nun einmal sind. Außerdem<br />

leiden sie auch noch enorm<br />

unter IT-Fachkräfte- Anämie. Da<br />

gibt es viele „Brände“ zu löschen,<br />

der elektrische Notstand fällt da oft<br />

unter den Tisch.<br />

Es braucht jemanden, der das<br />

in die Hand nimmt, sich informiert,<br />

vergleicht und die Genehmigungsprozesse<br />

antreibt. Im Idealfall<br />

entlastet die Krankenhäuser bei<br />

Evaluation und Beschaffung ein<br />

Experte, wie ein erfahrener Distributor,<br />

der nicht nur schnell und<br />

günstig liefern kann, sondern auch<br />

gute Beratung und guten Service<br />

bietet und sich in Krankenhäusern<br />

auskennt.<br />

Dann ist das kein Hexenwerk,<br />

das Leben bei der Visite leichter<br />

und sicherer zu machen. ◄<br />

Pro Minute fallen 21 Hektar Wald.<br />

So schnell kann er<br />

leider nicht weglaufen.<br />

Hilf mit! Gemeinsam schützen wir weltweit Wälder<br />

und ihre Bewohner. Spende jetzt auf wwf.de/wald<br />

Die Vernichtung der Wälder in Amazonien und weltweit bedroht Millionen von<br />

Arten – und unsere Gesundheit. Der WWF setzt sich in Projekten vor Ort, bei<br />

Unternehmen und auf politischer Ebene für ihren Schutz ein. Hilf uns dabei<br />

mit deiner Spende. WWF Spendenkonto: IBAN DE06 5502 0500 0222 2222 22


Stromversorgung<br />

Hochwertige und höchst zuverlässige Netzteile<br />

Die UMA-Serien, verfügbar mit 30 und 60 W, sind für Body Floating (BF)-Anwendungen geeignet und erfüllen<br />

die Sicherheitsanforderungen für 2x MOPP.<br />

Die wichtigsten Fakten zur<br />

UMA30F und UMA60F-Serie im Überblick:<br />

• 30 und 60 W im kompakten 2” x 3”-Formfaktor<br />

• Medizinische Isolierung 2x MOPP<br />

(Ein-/Ausgang)<br />

• BF-ready<br />

• Eingebaute Schutzfunktionen:<br />

Überlast, Überspannung<br />

• Entspricht EN 60335<br />

• Zulassung nach ANSI/AAMI ES 60601-1,<br />

EN 60601-1, UL 62368-1, EN 62368-1<br />

• 5 Jahre Herstellergarantie<br />

Die Serien UMA30F und UMA60F sind ab sofort bei Emtron erhältlich.<br />

Neu im Programm von Emtron<br />

electronic GmbH sind die Serien<br />

UMA30F und UMA60F von Cosel.<br />

Die für anspruchsvolle medizinische<br />

Anwendungen konzipierten Netzteile<br />

sind für Body Floating (BF)-<br />

Anwendungen geeignet und erfüllen<br />

die Sicherheitsanforderungen<br />

für 2x MOPP (Ein-/Ausgang) und<br />

1x MOPP (Ausgang/Erde).<br />

Emtron electronic GmbH<br />

www.emtron.de/<br />

Neben medizinischen Anwendungen<br />

eignen sich diese hochwertigen<br />

und höchst zuverlässigen<br />

Netzteile auch für industrielle<br />

Anwendungen, Test- und Messanwendungen<br />

sowie für den Einsatz<br />

in „Haushalts- und ähnlichen elektrischen<br />

Geräten“.<br />

Die UMA-Familie kann im so<br />

genannten Universellen Eingangsspannungsbereich<br />

von 85 bis<br />

264 VAC betrieben werden und<br />

hat einen typischen Wirkungsgrad<br />

von bis zu 91 %. Derzeit sind<br />

standardmäßig vier Ausgangsspannungen<br />

für das UMA30F verfügbar:<br />

5, 12, 24 und 48 VDC und<br />

fünf für das UMA60F: 5, 12, 15, 24<br />

und 48 VDC.<br />

Die vielseitigen und robusten<br />

Netzteile können in einem Umgebungstemperaturbereich<br />

von -20 bis<br />

+70 °C betrieben werden (Derating<br />

beachten). Die UMA-Familie ist für<br />

den medizinischen Bereich ausgerichtet<br />

und die Isolation zwischen<br />

Eingang und Ausgang entspricht<br />

2x MOPP, zwischen Eingang und<br />

Erde 1x MOPP und zwischen Ausgang<br />

und Erde 1x MOPP.<br />

Die Geräte sind zugelassen nach<br />

ANSI/AAMI ES 60601-1 und EN<br />

60601-1 3rd Edition. Dank eines<br />

geringen Patientenableitstroms von<br />

75 µA eignen sich die Netzteile aus<br />

der UMA-Familie hervorragend für<br />

BF-Anwendungen (Body- Floating-<br />

Anwendungen). Zudem verfügt die<br />

UMA-Familie auch über Zu lassungen<br />

nach UL/EN 62368-1 und findet<br />

somit auch in industriellen Anwendungen<br />

ihren Platz. Außerdem erfüllt<br />

sie die Anforderungen der EN 60335-<br />

1, was auch den Einsatz in Haushaltsgeräten<br />

ermöglicht. ◄<br />

Medizinische 4:1 60W-DC/DC im Miniaturgehäuse<br />

Recom stellt DC/DC-Technologie mit hoher Leistungsdichte vor<br />

teil. Dank ihres Wirkungsgrades von<br />

über 90 % arbeiten die DC/DCs bis<br />

zu 105 °C Umgebungstemperatur<br />

mit Derating oder beispielsweise<br />

bis zu 83 °C bei voller 60 W Ausgangsleistung<br />

mit 2 m/s Luftstrom<br />

(REM60-4824SW).<br />

Patientensicherheit<br />

Die REM60-W Serie verfügt über<br />

eine verstärkte 2x MOPP-Isolierung,<br />

5 kVAC/1min für 250 VAC<br />

Arbeitsspannung, mit einer Kriechund<br />

Luftstrecke von mehr als 8 mm<br />

Recom hat sein Portfolio um<br />

einen Board-mount 60W-DC/DC<br />

mit hoher Leistungsdichte und<br />

medizinischer Isolierung erweitert.<br />

Der kostengünstige REM60-W ist<br />

mit zwei Eingangsbereichen erhältlich,<br />

9-36 VDC und 18-75 VDC,<br />

jeweils mit einer Auswahl an<br />

regulierten Einzel- und Doppelausgängen:<br />

5 V, 5,1 V, 12 V, 15 V, 24 V<br />

±12 V und ±15 V. Das Gehäuse ist<br />

nur 2,3“ x 1,5“ x 0,5“ (57,9 x 36,8<br />

x 12,7 mm) groß und erreicht eine<br />

Leistungsdichte für ein 60-W-Bauzwischen<br />

Ein- und Ausgang. Der Patientenableitstrom beträgt maximal<br />

4,5 µA und eignet sich für medizinische B-, BF- und CF-Anwendungen.<br />

66<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Stromversorgung<br />

DC/DC-Abwärtswandler im 1/16 Brick Format<br />

bis 60 A und mit einstellbarer Strombegrenzung<br />

im Computerbereich und in tragbaren<br />

batteriebetriebenen Geräten.<br />

Hoher Wirkungsgrad<br />

Wirkungsgrade von bis zu 97 %<br />

minimieren die internen Verluste<br />

drastisch und ermöglichen den<br />

Betrieb des 60A i7A bei Umgebungstemperaturen<br />

von -40 °C bis<br />

+125 °C, selbst bei geringer Luftströmung.<br />

Das Design des i7A bietet<br />

eine geringe Ausgangswelligkeit<br />

und ein hervorragendes Regelverhalten<br />

bei dynamischen Lasten. Im<br />

Vergleich zu diskreten Lösungen<br />

sind nur minimale externe Komponenten<br />

erforderlich, was Kosten<br />

und Platz auf der Leiterplatte spart.<br />

TDK Corporation gibt die Ergänzung<br />

der TDK-Lambda i7A-Serie<br />

nicht isolierter Buck-DC/DC-Wandler<br />

mit Standard-1/16 Brick Pinout<br />

bekannt.<br />

TDK-Lambda Germany GmbH<br />

www.emea.lambda.tdk.com<br />

Medizinische Sicherheitszertifizierungen<br />

Die neuen Modelle liefern bis<br />

zu 60 A Ausgangsstrom bei einer<br />

maximalen Leistung von 400 W. Die<br />

Ausgangsspannung ist im Bereich<br />

von 0,8 bis 8 V einstellbar und wird<br />

aus nominal 12 V versorgt. Darüber<br />

hinaus gibt es jetzt für alle Modelle<br />

der i7A-Serie ein neues Feature-Set<br />

mit einstellbarer Strombegrenzung<br />

für Konstantstrom-Betrieb. Diese<br />

Funktion eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten<br />

zum Laden von Batterien<br />

und Kapazitäten und erlaubt<br />

die exakte Anpassung der Überstromgrenze<br />

and die tatsächlichen<br />

Anforderungen in der Anwendung.<br />

Die medizinischen Sicherheitszertifizierungen<br />

umfassen: IEC/EN<br />

60601-1 3rd Edition sowie ANSI/<br />

AAMI ES60601-1 und CAN/CSA-<br />

C22.2 No. 60601-1:14 für den nordamerikanischen<br />

Markt. Die Produkte<br />

entsprechen der EN 60601-<br />

1-2 für EMI-Immunität für medizinische<br />

Geräte. Die IEC/UL/EN<br />

62368-1-Zertifizierungen für den<br />

IT-/Multimedia-Markt liegen vor, die<br />

EMV-Normen EN 55032 Klasse A<br />

und B können mit einem einfachen<br />

externen Filter erfüllt werden. Die<br />

REM60-W Serie ist für den Betrieb<br />

in 5000 m Höhe und für eine Umgebung<br />

mit Verschmutzungsgrad 2<br />

(PD2) ausgelegt. Die Zuverlässigkeit<br />

ist mit über 1 Million Stunden<br />

MTBF gemäß MIL-HDBK-217F,<br />

25 °C, bodennahe Bedingungen<br />

ebenfalls hoch.<br />

Schutzfunktionen<br />

Die REM60-W Serie umfasst<br />

eine Ein/Aus-Steuerung, eine Spannungs-Kompensationsleitung<br />

und<br />

eine Ausgangsspannungs-Trimmung<br />

mit vollem Schutz gegen<br />

Übertemperatur, Ausgangsüberlast,<br />

Kurzschluss und Eingangsunterspannung.<br />

Der Betrieb bei<br />

Nulllast ist möglich, die Effizienz<br />

bei geringer Last ist hoch und der<br />

Leistungsstarke<br />

Niederspannungsausgänge<br />

Die 60A i7A-Modelle ermög lichen<br />

die Bereitstellung leistungsstarker<br />

Niederspannungsausgänge aus<br />

einer 9-18 VDC Busspannung. Der<br />

Verzicht auf eine galvanische Trennung<br />

resultiert gegenüber isolierten<br />

DC/DC-Wandlern in einem viel höheren<br />

Wirkungsgrad und erlaubt erhebliche<br />

Kosteneinsparungen. Diese<br />

sehr kompakten Produkte eignen<br />

sich für den Einsatz in der mobilen<br />

Robotik, in Drohnen, in der Medizin,<br />

in der Industrie, in der Prüf- und<br />

Messtechnik, in der Kommunikation,<br />

Ruhe- und Standby-Strom ist niedrig.<br />

Die Pinbelegung entspricht dem<br />

Industriestandard.<br />

„REM60-W ist ein hochspezialisiertes<br />

Modul mit hoher Leistungsdichte,<br />

das in medizinischen<br />

und anspruchsvollen industriellen<br />

Anwendungen geschätzt wird,“<br />

erklärt Matthew Dauterive, DC/<br />

DC Produktmanager bei Recom<br />

Die Produkte haben eine dreijährige<br />

Garantie. Muster und OEM-<br />

Preise sind bei allen autorisierten<br />

Händlern oder direkt bei Recom<br />

erhältlich.<br />

RECOM Power GmbH<br />

www.recom-power.com<br />

Flache Bauweise<br />

Wie die 33A- und 45A-Versionen<br />

wird auch die 60A-Variante in drei<br />

verschiedenen mechanischen Konfigurationen<br />

angeboten. Alle Module<br />

beruhen auf einer Grundfläche mit<br />

34 mm Breite und 36,8 mm Länge.<br />

Das 11,5 mm hohe Open-Frame-<br />

Modell eignet sich für Anwendungen,<br />

die möglichst flach aufgebaut<br />

sein sollen. Die Version mit Baseplate<br />

kann über einen externen<br />

Kühlkörper kontaktgekühlt werden<br />

und ist 12,7 mm hoch. Modelle<br />

mit integriertem Kühlkörper für<br />

Konvektions- oder forcierter Kühlung<br />

sind 24,9 mm hoch.<br />

Zusätzliche<br />

Einstellmöglichkeiten<br />

Alle i7A verfügen über eine Möglichkeit<br />

zur Einstellung der Ausgangsspannung,<br />

+ Remote Sense,<br />

Remote On-Off mit negativer Logik,<br />

Eingangsunterspannungs-, Überstrom-<br />

und Übertemperaturschutz.<br />

Mit dem neuen Feature-Set kommt<br />

zusätzlich die Möglichkeit zur Einstellung<br />

der Überstrombegrenzung hinzu.<br />

Für eine vereinfachte Qualifizierung<br />

sind Evaluierungsboards erhältlich.<br />

Sicherheitszertifizierung<br />

Alle Modelle verfügen über eine<br />

Sicherheitszertifizierung gemäß den<br />

Normen IEC/UL/CSA/EN 62368-1<br />

sowie eine CE- und UKCA-Kennzeichnung<br />

gemäß den Niederspannungs-<br />

und RoHS-Richtlinien. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

67


Verpacken/Kennzeichnen/Identifizieren<br />

UKP-Lasermarkierer der neuesten Generation<br />

FOBA kommt mit Ultrakurzpulslaser auf den Markt.<br />

FOBA F.0100-ir Ultrakurzpuls-Lasermarkiersystem mit Laserkontrolleinheit sowie Versorgungseinheit<br />

FOBA<br />

Laser Marking + Engraving<br />

(Marke der ALLTEC Angewandte<br />

Laserlicht Technologie GmbH)<br />

www.fobalaser.com/de/<br />

FOBAs neues Markiersystem<br />

F.0100-ir erzielt tiefschwarze Markierungen<br />

auf medizinischem Edelstahl,<br />

Titan oder Kunststoffen. Seine<br />

variabel einstellbare Pulsbreite bei<br />

10 Watt Laserleistung ermöglicht<br />

Präzision auf diversen Oberflächen.<br />

In Kombination mit FOBAs validierungsfähiger<br />

Prozesslösung erzielt<br />

F.0100-ir einen Vorsprung für die<br />

Medizinproduktefertigung.<br />

Zuverlässige Markierung<br />

Der Ultrakurzpulslaser markiert<br />

im tiefsten, matten und nicht reflektiven<br />

Schwarz, ohne dass ein hoher<br />

Wärmeeintrag am Werkstück entsteht.<br />

Selbst durch weitere Bearbeitungsschritte,<br />

wie zum Beispiel<br />

Passivierung, bleibt die Markierung<br />

zuverlässig lesbar und korrosionsbeständig.<br />

Durch die sehr kurzen<br />

Pulse bis in den Femtosekunden-<br />

Bereich, in Kombination mit hohen<br />

Pulsenergien, können verschiedene<br />

Edelstähle, Titan und unterschiedliche<br />

Kunststoffe beschriftet werden.<br />

Integrierbarkeit<br />

FOBA hat bei der Entwicklung<br />

seines Ultrakurzpuls-Lasersystems<br />

besonderen Wert auf die Integrierbarkeit<br />

in den bewährten FOBA-<br />

Workflow gelegt. „Für unsere Kunden<br />

ist natürlich entscheidend,<br />

dass unsere Laser durchgängig<br />

zuverlässige Markierergebnisse<br />

erzielen. Aber ebenso vertrauen<br />

sie darauf, dass der gesamte Prozess<br />

stimmt, und da muss auch<br />

ein neues Markiersystem mithalten“,<br />

sagt FOBAs Direktor Produktmanagement<br />

Philipp Febel.<br />

Variabel einstellbare<br />

Pulsbreiten<br />

Die Integration einer leistungsstarken,<br />

kompakten und sehr flexiblen<br />

Laserquelle war während der Entwicklung<br />

das oberste Ziel. „Unser<br />

Lasersystem bietet für bestimmte<br />

Materialerfordernisse variabel einstellbare<br />

Pulsbreiten. Dies ist im<br />

Ultrakurzbereich nicht selbstverständlich“,<br />

so Philipp Febel. Damit<br />

einher gehen ein breites Anwendungsspektrum,<br />

hohe Präzision<br />

und herausragende Prozessstabilität.<br />

„Der Laserkopf ist so kompakt,<br />

dass wir ihn in unsere M-Serien-Markierarbeitsplätze<br />

integrieren können.<br />

Und das wiederum ist häufig<br />

Voraussetzung bei unseren Kunden“,<br />

erklärt Febel weiter. Da das<br />

System außerdem luftgekühlt ist<br />

und kaum Verbrauchsmaterialien<br />

benötigt, kommt man mit geringstmöglicher<br />

Wartung aus. Außerdem<br />

ermöglichen die hohe Markiergeschwindigkeit<br />

sowie die Kombination<br />

mit FOBAs etablierten Kameraund<br />

Softwarelösungen eine schlanke<br />

und wirtschaftliche Teilefertigung.<br />

Mustermarkierungen<br />

FOBA bietet interessierten<br />

Anwendern Mustermarkierungen<br />

mit dem neuen UKP-Markiersystem<br />

an. Geeignet sind Markieranwendungen<br />

aus der Medizinprodukteherstellung,<br />

Automobilbauteileproduktion<br />

oder Elektronik.<br />

Es kommen auch Materialien<br />

infrage, die üblicherweise mit anderen<br />

Wellenlängen wie UV markiert<br />

werden. Eine eingehende Beratung<br />

zur bestmöglichen Markierkonfiguration<br />

ist darüber hinaus<br />

selbstverständlich. ◄<br />

FOBA F.0100-ir ist die neueste Generation von FOBAs Markierlasern und mit<br />

einer Ultrakurzpuls-Laserquelle ausgestattet<br />

68 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Sensoren<br />

Kraftsensoren für statische und dynamische Messungen<br />

Inelta Sensorsysteme verfügt<br />

über eine umfassende Produktpalette<br />

von Kraftsensoren für präzise<br />

dynamische und statische Messungen<br />

in sämtlichen industriellen<br />

Bereichen des Maschinenbaus,<br />

der Automatisierungstechnik,<br />

der Labor- und Medizintechnik<br />

sowie für Sonderapplikationen.<br />

Zum Sortiment der auf Basis<br />

von Foliendehnungsmessstreifen<br />

(DMS) arbeitenden Kraftsensoren<br />

gehört die für Messbereiche von<br />

1 kN bis 500 kN ausgelegt Baureihe<br />

KMM65. Die robusten, zur<br />

Druck- und Zugmessung in Industriepressen,<br />

Prüf- oder Wägeanlagen<br />

konzipierten Aufnehmer im<br />

vernickelten Stahl gehäuse – oder<br />

optionaler Edelstahlausführung –<br />

erreichen Schutzart IP65.<br />

Mit den Modellen KMM30 und<br />

KMM62 hält der Sensorspezialist<br />

kompakte Sensoren zur Aufnahme<br />

kleiner Kräfte von 0,1 kN<br />

bis 2 kN in Zug- und Druckrichtung<br />

vorrätig, die sich dank regulärer<br />

Normgewinde einfach montieren<br />

lassen. Des Weiteren führt<br />

Inelta Ringkraft aufnehmer für die<br />

Messung axial wirkender Kräfte<br />

an Schrauben, Wellen oder Achsen<br />

im Programm. Zu den typischen<br />

Anwendungen zählt die<br />

Ermittlung von Vorspannkräften<br />

bei Verschraubungen. Die Ringkraftsensoren<br />

der in Schutzart<br />

IP67 gefertigten Baureihe RKT60<br />

sind für Nennkräfte von 5 kN bis<br />

20 kN ausgelegt. Sie integrieren<br />

einen Überlastschutz sowie einen<br />

Messverstärker mit 4…20 mA-Analogausgang<br />

und sind durch Verguss<br />

gegen Vibration, Staub und<br />

Feuchtigkeit geschützt.<br />

Für taktile Kraftmessungen in<br />

medizintechnischen Geräten und<br />

Roboterarmen oder für Belastungsprüfungen<br />

kleiner Bauteile hat<br />

Inelta den Miniatur-Kraftaufnehmer<br />

FS12 für Druck- und Zugkräfte<br />

bis 100 N, 200 N bzw. 500 N entwickelt.<br />

Dieser Biegebalken-Kraftsensor<br />

ist mit einem Gewicht von<br />

nur 20 g der kleinste Kraftsensor<br />

im Produktprogramm. ◄<br />

Inelta Sensorsysteme<br />

GmbH & Co. KG<br />

www.inelta.de<br />

SMD-Foliensensoren - Take it, stick it, use it!<br />

folienbasierten Sensoren. Durch<br />

die gedruckte Sensortechnologie<br />

ermöglicht accensors eine einfache<br />

Massenproduktion, was die Verfügbarkeit<br />

und Skalierbarkeit der Sensoren<br />

erhöht. Die Flexibilität der Sensoren<br />

ermöglicht Messungen auch<br />

abseits von starren PCBs.<br />

Insgesamt bieten die SMD-Foliensensoren<br />

eine präzise und flexible<br />

Lösung für eine Vielzahl von Anwendungen<br />

in z. B. der Medizintechnik,<br />

Biotechnologie und Lebensmittelindustrie.<br />

Die Sensortechnologie ermöglicht<br />

nun die Anwendung, Sensoren<br />

wie Sticker aufzukleben und<br />

damit präzise Messungen durchzuführen.<br />

Das Motto des Unternehmens für<br />

<strong>2023</strong> „Stick your Sensor“ beschreibt<br />

perfekt, wie einfach es ist, diese<br />

Sensoren zu verwenden.<br />

accensors<br />

info@accensors.com<br />

www.accensors.com<br />

OEM-Sensoren für die Medizintechnik<br />

Wie wäre es, wenn man einen<br />

hochpräzisen Sensor einfach wie<br />

einen Sticker aufkleben könnte?<br />

Bei accensors ist das möglich. Mit<br />

seinen SMD-Foliensensoren ist das<br />

Messen von verschiedenen Parametern<br />

so einfach wie das Aufkleben<br />

eines Stickers. Die Größe beträgt<br />

nur 7,60 x 5,60 mm bei einer aktiven<br />

Messfläche von Ø2,5 mm.<br />

Der SMD-Foliensensor wurde<br />

auf der Sensor+Test präsentiert. In<br />

Zukunft können mit den SMD-Foliensensoren<br />

ganz einfach verschiedene<br />

Parameter wie pH-Wert, Temperatur<br />

und Bioparameter gemessen<br />

werden. Die Sensoren sind readyto-use<br />

und können einfach an verschiedenen<br />

Kontaktierungspunkten<br />

geklebt werden, um dort eine<br />

präzise Messung durchzuführen.<br />

Diese SMD-Foliensensoren sind<br />

das Ergebnis einer langjährigen<br />

Erfahrung in der Entwicklung von<br />

Messung der Stösselkraft<br />

in Insulinpumpen<br />

Senstech AG<br />

CH-8320 Fehraltorf<br />

Telefon +41 44 955 04 55<br />

ISO 9001 · ISO 13485<br />

www.senstech.ch<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

Senstech_Ins_<strong>2023</strong>_91x66_meditronic-journal_A.indd 1 08.11.22 09:59<br />

69


Produktion<br />

Extrem effiziente Werkzeuge für die Zerspanung<br />

EMO <strong>2023</strong>: Die Crazy Tools in voller Aktion!<br />

Der CrazyDrill Cool Titanium ATC/PTC bohrt sich mit maximaler<br />

Geschwindigkeit durch Titan und seine Legierungen bei 3-mal höheren<br />

Standzeiten und höchster Prozesssicherheit. Alle Bilder © Mikron Tool<br />

Rentabilität durch den Einsatz<br />

effizientester Werkzeuge, Prozessbeschleunigung<br />

durch dynamische<br />

Zerspanungsstrategien bei bester<br />

Bauteilqualität und der damit verbundene<br />

Nutzen für die Anwender:<br />

Das steht bei der Entwicklungs arbeit<br />

der Mikron Tool an erster Stelle.<br />

In der Tat hat der innovationsund<br />

technologiebegeisterte Tessiner<br />

Zerspanungsspezialist auch<br />

dieses Jahr wieder ziemlich „verrückte“<br />

Werkzeugideen und ganzheitliche<br />

Fertigungslösungen für<br />

den Highend-Markt parat. Bei der<br />

diesjährigen Weltleitmesse für Produktionstechnologie,<br />

der EMO in<br />

Hannover, die vom 18. bis zum 23.<br />

September <strong>2023</strong> stattfindet, können<br />

sich die Besucher bei LIVE-<br />

Präsentationen direkt am Messestand<br />

der Mikron Tool davon überzeugen,<br />

was die Crazy Tools bei<br />

schwer zerspanbaren Werkstoffen<br />

so „drauf“ haben.<br />

Zerspanungstechnische<br />

Unterschiede bei<br />

Titansorten<br />

Dieses Jahr dreht sich viel um<br />

den anspruchsvollen Werkstoff<br />

Titan. Und Titan ist nicht gleich<br />

Titan, behauptet Mikron Tool. Will<br />

man Titan – für die Konstrukteure<br />

ein Traum, von den Zerspanern<br />

eher gefürchtet – wirtschaftlich bei<br />

höchster Prozesssicherheit zerspanen,<br />

kommt der Anwender mit Universalwerkzeugen<br />

nicht weit. Was<br />

sich für Reintitan eignet, stößt bei<br />

seinen Legierungen an Grenzen<br />

und umgekehrt. Deshalb sind beim<br />

Entwerfen eines neuen Hochleistungswerkzeugs<br />

die verschiedenen<br />

Titansorten detailliert zu analysieren<br />

und die Spezifika ihrer Zusammensetzung<br />

herauszuarbeiten,<br />

die sich in Form zerspanungstechnischer<br />

Unterschiede stark bemerkbar<br />

machen.<br />

Jedem Titan seinen Bohrer<br />

Beim Konzipieren von Titanbohrern<br />

der neuesten Generation hat<br />

Mikron Tool diese Unterschiede<br />

berücksichtigt und als „gegenwärtig“<br />

beste Lösung bei der Auslegung<br />

solcher Bohrer eine werkstoffspezifische<br />

Schneidengeometrie<br />

identifiziert. Das Ergebnis<br />

ist der neue Crazy Drill Cool Titanium<br />

ATC/PTC, der mit einer Geometrie<br />

ATC für Titanlegierungen<br />

und mit einer Geometrie PTC für<br />

Reintitan verfügbar ist.<br />

Komplettes Sortiment<br />

Anlässlich der EMO präsentiert<br />

das Unternehmen erstmalig das<br />

komplette Sortiment der neuen<br />

Titanbohrerserie, und zwar in voller<br />

Aktion. Auf einem 5-Achs Highspeed-Bearbeitungszentrum<br />

des<br />

Typs DMP 35 von DMG MORI wird<br />

EMO: Halle 3, Stand I05<br />

Mikron Switzerland AG,<br />

Division Tool<br />

www.mikrontool.com<br />

Der neue CrazyDrill Cool Titanium ATC/PTC ist mit einer Geometrie ATC für Titanlegierungen und mit einer Geometrie<br />

PTC für Reintitan verfügbar.<br />

70 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Produktion<br />

Bei einer zervikalen Knochenplatte aus<br />

Reintitan Grad 2 (3.7035 - EN Ti 2 / ASTM B348)<br />

erzielen die Schweizer Zerspanspezialisten eine<br />

hervorragende Oberflächengüte.<br />

ein medizintechnisches Werkstück aus Titan<br />

Grad 2, einem unlegierten Reintitan, zerspant.<br />

Hier bringt der Bohrer des Typs PTC seine außergewöhnlichen<br />

Eigenschaften voll zur Geltung.<br />

Die zweite Version „ATC“ wird seine Leistung<br />

beim Bohren der anspruchsvollen Titanlegierung<br />

Grad 5 TI6AIV4 demonstrieren – und zwar 10 x d<br />

in einem Schuss. Das gab es bisher noch nicht.<br />

Medizintechnische Fertigungsstrategie<br />

live erleben<br />

Mikron Tool macht bei den Werkzeugen nicht<br />

halt. Ihre hohe Zerspankompetenz setzt sie auch<br />

bei der Entwicklung hochdynamischer Fertigungsstrategien<br />

komplexer Bauteile ein – auch für die<br />

Medizintechnik. Bei Kundenprojekten loten die<br />

Profis des Technology Centers alle Sparpotenziale<br />

aus, wobei der Fokus auf Kosten und Zeit<br />

liegt. Einsparungen von über 50 % sind keine<br />

Seltenheit. Dabei behalten die Spezialisten die<br />

hohen Anforderungen an die Qualität der Werkstücke<br />

genau im Blick und sorgen für stetige Optimierung.<br />

Davon können sich die Messebesucher<br />

auf dem Stand der Mikron Tool selbst ein Bild<br />

machen. Das Team des Technology Centers präsentiert<br />

eine acht-minütige Fertigung einer anterioren<br />

zervikalen Knochenplatte aus dem nicht<br />

unproblematischen Reintitan Grad 2 (3.7035 -<br />

EN Ti 2 / ASTM B348) - das in der Medizintechnik<br />

wegen seiner hohen Korrosionsbeständigkeit<br />

und ausgezeichneten Biokompatibilität als<br />

Referenz für sämtliche Implantat-Materialien gilt.<br />

Bearbeitungszeit um 70 % gesenkt<br />

Die medizintechnische Komponente wird von<br />

den Zerspanspezialisten in einer Aufspannung<br />

aus dem Vollen mit insgesamt zehn Werkzeugen<br />

(darunter lagerhaltige Katalogwerkzeuge<br />

wie auch Sonderwerkzeuge) zerspant. Die<br />

Stützstege werden auf ein Minimum reduziert,<br />

um die Nachbearbeitung so gering wie möglich<br />

zu halten. Der Produktionszyklus wurde<br />

signifikant reduziert, unter Berücksichtigung<br />

der hohen Ansprüche an die Oberflächenqualität.<br />

Das Ergebnis lässt sich sehen. Es gelang<br />

Mikron Tool die Bearbeitungszeit um 70 % zu<br />

senken bei einer reduzierten Anzahl von Werkzeugen,<br />

die sich durch hohe Standzeiten auszeichnen.<br />

Die Komponente ist quasi gratfrei und<br />

die Oberflächengüte zeigt hervorragende Werte<br />

auf: R a = 0,13 µm (R z = 0,93 µm). ◄<br />

Cool Micro<br />

micro milling<br />

DER KLEINSTE DER WELT MIT<br />

INTEGRIERTER KÜHLUNG<br />

DAS IST NEU!<br />

• S + SX: 2 Geometrien für<br />

schwierigste Materialien<br />

• Durchmesser von 0,2 bis 1,0 mm<br />

• Keine Werkzeugabdrängung<br />

• Gratfreies Fräsen<br />

IHR NUTZEN!<br />

• Fräsen: 3 Mal schneller<br />

• Standzeit: 3 Mal länger<br />

• Maximale Prozesssicherheit<br />

HALLE 3 STAND I05<br />

MIKRON SWITZERLAND AG<br />

Division Tool<br />

6982 Agno | Schweiz<br />

mto@mikron.com<br />

www.mikrontool.com<br />

A<br />

STAR<br />

IS<br />

BORN<br />

Das Team des Technology Centers entwickelt bahnbrechende Fertigungsstrategien für die<br />

Medizintechnik und präsentiert diese auf der diesjährigen EMO.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

71


Produktion<br />

Mikro-3D-Druck optimiert Nähgerät<br />

für minimalinvasive Chirurgie<br />

Nähgerät mit aus Stahl gefräster Spitze<br />

Optimierung der Nadelführungs-Komponente<br />

der Spitze mit 3D-gedruckten Prototypen<br />

Das 3D-gedruckte Bauteil<br />

stabilisiert die Nadelführung<br />

Der 3D-Druck im Mikromaßstab mit innovativen<br />

Polymerharz-Druckern von Boston Micro<br />

Fabrication (BMF) beschleunigt und verbessert<br />

die Produktentwicklung. Mit 3D-gedruckten<br />

Bauteilen konnte das Unternehmen Sutrue<br />

im englischen Colchester zum Beispiel ein automatisches<br />

Nähgerät für die minimalinvasive<br />

Chirurgie zur Marktreife bringen.<br />

Boston Micro Fabrication<br />

www.bmf3d.com<br />

Die minimalinvasive Chirurgie führt zu kürzeren<br />

Rekonvaleszenzzeiten, besseren Heilungsergebnissen<br />

und weniger Komplikationen. Doch<br />

noch gibt es nicht genug Instrumente für diese<br />

sehr präzisen Eingriffe auf engstem Raum.<br />

Sutrues minimalinvasives Nähgerät wurde speziell<br />

für die Schlüsselloch-Chirurgie entwickelt, für<br />

laparoskopische und robotergestützte Eingriffe.<br />

Bisher gab es kein Instrument, das den für<br />

die minimal-invasive Chirurgie erforderlichen<br />

geringen Durchmesser von nur acht Millimetern<br />

erreicht.<br />

Automatisches Nähgerät<br />

Die Idee für ein solches automatisches Nähgerät<br />

hatte Alex Berry, Gründer und technischer<br />

Leiter bei Sutrue, während er sich 2008 von<br />

einem gebrochenen Knöchel erholte. Nach jahrelangen<br />

Forschungen und Experimenten hatte<br />

Berrys Team ein Handgerät entwickelt, das<br />

automatisch eine Nähnadel mit Faden durch<br />

das Gewebe und wieder in das Gerät zurückführt.<br />

Die Nadel dreht sich dabei auf einer festen<br />

Bahn aus dem Gerät heraus und wieder hinein,<br />

während sie auf der dritten Achse waagerecht<br />

bleibt. Die Spitzen des Geräts wurden als Prototypen<br />

aus Stahl gefertigt, was einen erheblichen<br />

Zeitaufwand bedeutete und Änderungen<br />

am Design erschwerte.<br />

Prototyping eines wichtigen Bauteils<br />

Doch eine der wichtigsten Komponenten der<br />

Spitze musste aktualisiert werden, um die Stabilität<br />

der Nadelführung zu verbessern. Eine maschinelle<br />

Bearbeitung des Teils hätte die Erprobung<br />

des Produkts um mehrere Monate verzögert,<br />

erhebliche Kosten verursacht und keinen Spielraum<br />

für verschiedene Varianten gelassen.<br />

Der 3D-Druck des zu ersetzenden Teils ermöglichte<br />

es dem Team, verschiedene Versionen<br />

zu testen und in kurzem Zeitrahmen verschiedene<br />

Toleranzen zu prüfen. Außerdem konnte<br />

das Team beim 3D-Druck auch die Ästhetik<br />

berücksichtigen und die Teile in zwei verschiedenen<br />

Farben drucken lassen.<br />

„Dank der Genauigkeit der Mikro 3D-Drucker<br />

von BMF konnten wir drei verschiedene Teile<br />

ausprobieren, um die ideale Lösung zu finden.<br />

Nun funktioniert unser Gerät wie geplant, ohne<br />

die Kosten zu überschreiten und ohne Zeitverzögerung<br />

für eine maschinelle Bearbeitung“,<br />

erklärt Alex Berry. „Die von BMF gedruckten<br />

Teile entsprechen dem Design und sind durchweg<br />

präzise.“<br />

Fortschritte in der<br />

minimalinvasiven Chirurgie<br />

Die Fortschritte in der Medizintechnik werden<br />

die Möglichkeiten der minimalinvasiven Chirurgie<br />

weiter vorantreiben. Durch den 3D-Druck<br />

von Prototypen mit der Auflösung, Größe und<br />

Toleranz von Präzisionsspritzgussteilen lassen<br />

sich die für minimalinvasive Eingriffe erforderlichen<br />

Instrumente schnell weiterentwickeln. ◄<br />

Sutrues Nägerät für die minimalinvasive<br />

Chirurgie<br />

72 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Produktion<br />

Hybride lichthärtende HLC-Klebstoffserie<br />

Dymax, einer der international führenden Hersteller von schnell aushärtenden Materialien und Geräten, gibt<br />

die Markteinführung von Dymax HLC-M-1000 bekannt, dem ersten Produkt seiner neuen Hybrid Light-Curable<br />

(HLC)-Serie von Klebstoffen.<br />

Schnelle Aushärtung in Schattenzonen auf unterschiedlichsten,<br />

auch lichtundurchlässigen Substraten<br />

Die von Dymax zum Patent angemeldete<br />

neuartige Hybrid Light-<br />

Curable-Technologie vereint die<br />

besten Eigenschaften der chemischen<br />

anionischen und radikalischen<br />

Aushärtung in einer innovativen<br />

Formulierung. Die HLC-<br />

Klebstoffe sind die nächste Generation<br />

bestehender UVCAs und vereinen<br />

die außergewöhnlichen physikalischen<br />

Leistungsmerkmale der<br />

lichthärtenden Dymax-Klebstoffe<br />

Dymax<br />

www.dymax.de<br />

mit den feuchtigkeits-/kontakthärtenden<br />

Eigenschaften der extrem<br />

schnell anionisch vernetztenden<br />

Materialien. Der Kontakthärtungsanteil<br />

gewährleitstet nicht nur eine<br />

schnelle und vollständige Verklebung<br />

in Schattenzonen, sondern<br />

ermöglicht auch den Einsatz der<br />

Hybrid Light-Curable-Produkte bei<br />

opaken oder sogar lichtundurchlässigen<br />

Materialien.<br />

Schnelle Aushärtung bei<br />

geringer Lichtintensität<br />

Zu den Vorteilen der HLC-Materialien<br />

gehören neben der schnellen<br />

Aushärtung bei geringer Lichtintensität<br />

auch eine gute Feuchtigkeitsbeständigkeit<br />

(auch ohne Lichteinwirkung),<br />

geringe bis gar keine<br />

Ausblühungen bei vollständiger<br />

Aushärtung und flexiblere Klebeverbindungen<br />

im Vergleich zu den<br />

üblichen CAs. Dabei müssen die<br />

Substrate nicht zwangsweise lichtdurchlässig<br />

sein, jedoch erhöht die<br />

Aushärtung mit Licht die Tiefe der<br />

Verklebung und reduziert das Ausblühen<br />

in exponierten Bereichen.<br />

Arbeitsschritte reduzieren<br />

Dymax-Produkte mit HLC-Technologie<br />

stellen eine ganz neue Alternative<br />

zu den am Markt erhältlichen<br />

Klebstofftypen dar, einschließlich<br />

1- und 2-komponentiger Epoxide,<br />

Cyana crylate, Hotmelts, mechanischer<br />

Befestigungen, RTV-Silikone,<br />

PSAs und UV-Acrylate. HLC-Materialien<br />

benötigen keinen Primer und<br />

sind besonders für Hersteller geeignet,<br />

die ihre Fertigungsprozesse optimieren<br />

und die Verwendung mehrerer<br />

Klebstoffe sowie zusätzlicher<br />

Arbeitsschritte im Zusammenhang<br />

mit den herkömmlichen Klebemethoden<br />

vermeiden wollen.<br />

Hohe spaltfüllende<br />

Eigenschaften<br />

Zu den weiteren potenziellen Vorteilen<br />

von HLC-Materialien gehören<br />

eine geringere Wärmeentwicklung<br />

während der Aushärtung, hohe<br />

spaltfüllende Eigenschaften und eine<br />

geringere Spannungsrissbildung.<br />

Die Materialien weisen außerdem<br />

eine geringe bis keine Oberflächenklebrigkeit<br />

auf und sind sicher in der<br />

Anwendung. Daher führt der Einsatz<br />

dieser neuen HLC-Klebstoffe<br />

von Dymax zu erheblichen Produktivitätssteigerungen<br />

und Kostensenkungen<br />

im Montageprozess.<br />

Erfüllt verschiedene<br />

Biokompatibilitätsnormen<br />

Das erste Produkt der Serie,<br />

Dymax HLC-M-1000, ist speziell für<br />

die Montage medizinischer Geräte<br />

konzipiert. Der Klebstoff erfüllt verschiedene<br />

Biokompatibilitätsnormen<br />

und eignet sich gut für Klebeanwendungen<br />

an Kathetern, Schlauchsets,<br />

Diagnose- und Therapiegeräten,<br />

Autoinjektoren und Endoskopen.<br />

Seine integrierte Feuchtigkeits-/Kontakthärtungsfunktion<br />

ermöglicht<br />

die vollständige Aushärtung<br />

des Klebstoffs auch in lichtundurchlässigen<br />

Bereichen.<br />

Sekundenschnelle<br />

Aushärtung<br />

Dymax HLC-M-1000 härtet sekundenschnell<br />

mit UV-/Breitbandlicht<br />

aus, ist LED-optimiert (405 nm) und<br />

kann auch bei sehr geringer Intensität<br />

(~ 20 mW/cm 2 ) vernetzen. Die<br />

Aushärtung beginnt, sobald das<br />

HLC-Material in Kontakt mit der<br />

Substratoberfläche kommt, und<br />

wird durch Lichteinwirkung noch<br />

beschleunigt und verbessert.<br />

Klebfreie Oberfläche<br />

Zu den weiteren postiven Eigenschaften<br />

gehören eine klebfreie<br />

Oberfläche nach Lichthärtung,<br />

die extrem niedrige Viskosität<br />

von 3 mPas für sehr enge Spaltanwendungen<br />

und die Kompatibilität<br />

mit vielen Kunststoffen und<br />

Metallen.<br />

Für technische Fragen zur HLC-<br />

Technologie steht ein Expertenteam<br />

von Dymax-Anwendungstechnikern<br />

und Systemintegratoren<br />

zur Verfügung, um für den Anwender<br />

maßgeschneiderte Dosierlösungen<br />

zu entwickeln, bei Herausforderungen<br />

in der Materialhandhabung<br />

zu unterstützen und Kunden<br />

während des gesamten Herstellungsprozesses<br />

zu begleiten.<br />

Weitere Dymax HLC-Materialien<br />

für medizinische Geräte<br />

und auch für industrielle Anwendungen<br />

kommen im Laufe dieses<br />

Jahres auf den Markt.<br />

Fazit<br />

Durch den Einsatz von Dymax-<br />

Produkten können Hersteller ihre<br />

Produktionsraten erhöhen, die<br />

Arbeitskosten senken und von den<br />

weiteren Vorteilen wie hoher Leistung,<br />

verbesserter Qualität und<br />

reduziertem Ausschuss profitieren.<br />

Alle lichthärtenden Materialien von<br />

Dymax sind lösungsmittelfrei, einkomponentig,<br />

bestehen zu 100 %<br />

aus Feststoffen und sind RoHSkonform,<br />

was sie umweltfreundlich<br />

für Unternehmen macht, die grüne<br />

Initiativen zur Nachhaltigkeit erfüllen<br />

wollen. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

73


Lasertechnik<br />

Prozessgarant Thermomanagement<br />

Warum eine präzise Temperaturregelung in Laserverfahren maßgeblich über die Sicherheit<br />

und Ergebnisqualität entscheidet<br />

Das aktive Kühlsystem piko ist ideal für Anwendungen, die eine besonders<br />

hohe Temperaturstabilität benötigen. Als Einschubkühler lässt sich piko in<br />

unterschiedliche Systeme integrieren. Alle Bilder © technotrans SE<br />

Effektives Thermomanagement<br />

ist für temperaturintensive Laseranwendungen<br />

unerlässlich. Doch es<br />

ist weit mehr als ein notwendiges<br />

Übel, sondern trägt entscheidend<br />

zur Sicherheit, Ergebnisqualität und<br />

Reproduzierbarkeit bei. Angesichts<br />

innovativer (Weiter-)Entwicklungen<br />

im Laserbereich, wächst die Bedeutung<br />

einer präzisen Temperaturregelung.<br />

Anwender fordern von Kühlsystemen<br />

ein hohes Maß an Flexibilität<br />

in Form maßgeschneiderter<br />

Lösungen, maximale Präzision und<br />

hohe Zuverlässigkeit.<br />

Nachfrage<br />

nach Faserlasern steigt<br />

Die Laserindustrie hat in den<br />

vergangenen Jahren ein starkes<br />

Wachstum erlebt, angetrieben durch<br />

die steigende Nachfrage nach präziser<br />

Materialbearbeitung und fortschrittlicher<br />

Technologie in verschiedenen<br />

Branchen. Einer der<br />

vielleicht spannendsten Trends<br />

ist der zunehmende Einsatz von<br />

Festkörper lasern, insbesondere<br />

Faserlasern, in der Industrie. Diese<br />

haben sukzessive CO 2 -Laser aus<br />

unterschiedlichen Anwendungsgebieten<br />

verdrängt.<br />

Autorin:<br />

Sandra Kraft<br />

Marketing-Managerin<br />

technotrans SE<br />

www.technotrans.de<br />

CO 2 -Laser sind zwar aufgrund<br />

ihrer höheren Wellenlänge leistungsstärker<br />

und eignen sich häufig besser<br />

für die Bearbeitung von nichtmetallischen<br />

Materialien wie Holz,<br />

Acryl, Papier, Kunststoffen, Leder<br />

und Textilien. Allerdings benötigen<br />

sie im direkten Vergleich mehr Platz<br />

und verursachen höhere Anschaffungs-<br />

und Betriebskosten. Faserlaser<br />

sind hingegen kompakter und<br />

wirtschaftlicher. Zudem werden sie<br />

immer leistungsfähiger und können<br />

heute schnell und präzise selbst stärkere<br />

Metalle schneiden, schmelzen<br />

oder gravieren.<br />

Kühlung für Präzision<br />

Einer der gängigsten Anwendungsbereiche<br />

für Faserlaser ist<br />

die Blechbearbeitung im Automobilbereich.<br />

Dabei werden Bleche<br />

mit bis zu einem Millimeter Materialstärke<br />

geschnitten, geschweißt<br />

oder gelötet. Hier herrschen extrem<br />

niedrige Toleranzen, damit einerseits<br />

die Optik der Karosserie im fertigen<br />

Fahrzeug makellos ist und andererseits<br />

die Fügestelle die notwendige<br />

Stärke aufweist. Um solche feinen<br />

Bearbeitungen wie die Verschmelzungen<br />

von Metallen kontrolliert und<br />

prozesssicher umzusetzen, bedarf<br />

es einer sehr hohen Präzision. Hier<br />

kommt die Temperatur ins Spiel:<br />

Denn diese Präzision ist nur mittels<br />

einer optimalen Laser-Kühlung<br />

möglich. „Exakt kontrollierte Parameter<br />

wie unter anderem Laserleistung<br />

und Temperatur sind im<br />

Metal Processing maßgeblich, um<br />

die gewünschten Ergebnisse zu<br />

erzielen“, sagt Ingo Gdanitz, Business<br />

Development Manager bei der<br />

technotrans SE.<br />

Punktgenaue<br />

Temperaturkontrolle<br />

als Schlüsseltechnologie<br />

Der Thermomanagement-Spezialist<br />

verfügt über langjährige Expertise<br />

auf diesem Gebiet: technotrans-<br />

Lösungen kühlen den Laser und die<br />

Peripherie wie etwa den Laserkopf<br />

oder integrierte Motoren. Die Temperierung<br />

sorgt dabei für Sicherheit<br />

im Schmelz- und Abkühlprozess.<br />

Entscheidend dabei ist eine konstante<br />

Temperatur an der Laserquelle<br />

und den strahlemittierenden<br />

Komponenten, da der Laser sonst<br />

eine schwankende Energiemenge<br />

einbringen könnte – was wiederum<br />

zu einer unbeständigen Einbrenntiefe<br />

führt. „Es gibt im Grunde<br />

zwei Bereiche, mit denen wir den<br />

anspruchsvollen metallurgischen<br />

Prozess indirekt beeinflussen können:<br />

Zum einen unterstützen wir<br />

durch ein konstantes Temperaturniveau<br />

die Leistungsstabilität des<br />

Lasers. Zum anderen verhindern<br />

unsere Lösungen in der Geometrie<br />

Wärmeverzüge beziehungsweise<br />

Wärmedehnungen“, erklärt Gdanitz.<br />

Geringer Platzbedarf<br />

Mit Blick auf Kühlsysteme als<br />

Ganzes, ist Kompaktheit ein wichtiges<br />

Thema. Anwender fordern eine<br />

möglichst geringe Aufstell fläche<br />

in ihrer Produktion. technotrans<br />

setzt hierbei auf den Bau schlanker,<br />

säulenförmiger Kühllösungen.<br />

Denn eine gewisse Fläche ist für<br />

den Wärmeausgleich unabdingbar.<br />

Denn die Kühlsysteme sind mit<br />

Luft-Wasser-Wärmetauschern ausgestattet,<br />

die einen ausreichenden<br />

Luftdurchsatz benötigen. Trotz der<br />

kompakten Bauweise verfügen die<br />

Systeme durch ein intelligentes<br />

Maschinendesign über eine hohe<br />

Leistungsdichte und Energieeffizienz.<br />

Ihr modularer Aufbau ermöglicht<br />

zudem eine flexible Anpassung<br />

an die individuellen Anforderungen<br />

der jeweiligen Prozesse.<br />

Flüsterleise Leistungsträger<br />

Während die Merkmale Laufruhe<br />

und Geräuschemissionen von Kühlsystemen<br />

in der Metallbearbeitung<br />

durchaus eine wichtige Anforderung<br />

darstellen, sind sie in anderen<br />

Anwendungen absolut maßgeblich:<br />

beispielsweise in der Medizintechnik.<br />

Hier kommen Laser insbesondere<br />

bei minimalinvasiven Eingriffen<br />

zum Einsatz. „In der Medizintechnik<br />

sind die Laserleistungen zwar<br />

deutlich niedriger als in der Metallbearbeitung,<br />

allerdings sind unsere<br />

Kühllösungen in unmittelbarer Nähe<br />

von Menschen im Einsatz, die sich<br />

auf ihre Arbeit konzentrieren müssen“,<br />

erklärt Gdanitz. Hinzu kommt,<br />

dass sich die Kühler nicht selten im<br />

Reinraum befinden – zum Beispiel<br />

in aseptischen OP-Räumen oder<br />

Laboren. In diesen Umgebungen gilt<br />

es, Luftbewegungen, die üblicherweise<br />

durch die integrierten Lüfter<br />

eines Kühlers verursacht werden,<br />

möglichst zu vermeiden.<br />

Peltier-Technologie<br />

Um das zu erreichen, setzt technotrans<br />

Lösungen auf Basis der<br />

Peltier-Technologie ein. Die Kälte-<br />

Die pure.line ist die<br />

kostenoptimierte und kompakte<br />

Variante des modularen<br />

technotrans-Chillers, die über eine<br />

leicht bedienbare Mikroprozessor-<br />

Steuerkonsole bedarfsgerecht<br />

konfiguriert werden kann.<br />

74 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Lasertechnik<br />

erzeugung erfolgt dabei durch<br />

Peltier- Elemente mithilfe von Halbleitern<br />

in Plattenform. An diesen<br />

Elementen wird eine Spannung<br />

erzeugt, sodass die eine Plattenseite<br />

kalt und die Gegenseite warm<br />

bleibt. Aus diesem Grund enthalten<br />

die technotrans-Peltier-Geräte keine<br />

beweglichen Teile, es entstehen<br />

weder Vibrationen noch Schallemissionen.<br />

Die Halbleiterplatten reagieren<br />

zudem besonders schnell und<br />

passen die Kühlleistung bei Änderung<br />

der Spannung direkt an. Das<br />

ermöglicht eine schnelle und präzise<br />

Regelung der Vorlauftemperatur.<br />

Energieeffiziente Kühlung<br />

Egal ob in der Metallbearbeitung<br />

oder in der Medizintechnik: Die<br />

wenigsten Laserprozesse arbeiten<br />

mit einer durchgehend aktivierten<br />

Laserstrahlung. Stattdessen wird<br />

der Laser häufig in extrem schneller<br />

Taktung an- und ausgeschaltet,<br />

beispielsweise in der Perforation, bei<br />

der Laserstrahlen in kurzen Abständen<br />

mikroskopisch kleine Löcher<br />

erzeugen. Das ist eine Herausforderung<br />

für den Kühlprozess, da es<br />

durch die variierende Wärmelast,<br />

die in das System eingebracht wird,<br />

zu einer periodischen Schwankung<br />

der Kühlwassertemperatur kommen<br />

kann – einer sogenannten Pulsung.<br />

Wird diese nicht kontrolliert und es<br />

tritt beispielsweise eine zu schnelle<br />

Pulsung auf, entsteht ein ungleichmäßiges<br />

Temperaturprofil im Kühlwassersystem.<br />

Die Mini-Tower Version des<br />

pe004 Peltier-Kühlers mit einer<br />

Kühlleistung von 200 bis 400 Watt<br />

überzeugt mit ihrer kompakten<br />

Baugröße, einem besonders<br />

energieeffizienten Aufbau und<br />

hochwertigen Design.<br />

Dynamische<br />

Regelungstechnik<br />

Die möglichen Folgen sind eine<br />

unzureichende Prozessqualität,<br />

mangelhafte Reproduzierbarkeit<br />

und Schäden an den Bauteilen.<br />

technotrans begegnet dieser<br />

Herausforderung mit einer dynamischen<br />

Regelungstechnik und<br />

dem Einsatz drehzahlgeregelter<br />

Verdichter, die die benötigte Kälteleistung<br />

in hoher Geschwindigkeit<br />

regulieren. „Dadurch stellen<br />

wir mit unseren Kühllösungen nicht<br />

nur konstante Prozessbedingungen<br />

sicher, sondern arbeiten gleichzeitig<br />

äußerst energieeffizient. Wir<br />

rufen immer nur die Kälteleistung<br />

ab, die in dem Moment tatsächlich<br />

benötigt wird. Das ermöglicht, je<br />

nach Anwendung, Energieeinsparungen<br />

von bis zu 30 Prozent gegenüber<br />

herkömmlicher Technik“,<br />

sagt Gdanitz.<br />

Vernetzung hebt<br />

Steuerungs- und<br />

Optimierungspotenziale<br />

Mit Blick auf die Zukunft von<br />

Laseranwendungen ist eines bereits<br />

heute eindeutig: Die Komplexität der<br />

Technologie nimmt weiter zu und<br />

damit steigen auch die individuellen<br />

Anforderungen an das Thermomanagement.<br />

Gdanitz: „Die Nachfrage<br />

nach maßgeschneiderten kundenindividuellen<br />

Lösungen überwiegt<br />

gegenüber Standard-Varianten<br />

bereits heute – Tendenz steigend.“<br />

Ein anhaltender Trend sei beispielsweise<br />

die Systemintegration. Anwender<br />

wünschen sich häufig nicht nur<br />

eine physikalische Anpassung des<br />

Kühlsystems durch die Konfiguration<br />

von Kühlkreisen und Zusatzfunktionen.<br />

Vielmehr geht es um<br />

die Kommunikation und den Datenaustausch<br />

mehrerer Geräte im Prozess.<br />

Das erreicht technotrans durch<br />

eine datentechnische Vernetzung<br />

seiner Geräte mit dem Gesamtsystem.<br />

Durch die Ausstattung der<br />

Kühlsysteme mit modernen Steuerungseinheiten<br />

sind diese in der<br />

Lage, sämtliche Prozessdaten der<br />

Kühlung, beispielsweise die Vorund<br />

Rücklauftemperatur oder Volumenströme,<br />

jederzeit am Gerät oder<br />

remote zu visualisieren und anzupassen.<br />

Dieser wird dadurch transparent<br />

und kontrollierbar. Das ist insbesondere<br />

hilfreich für die Bereiche<br />

Fehleranalyse, Optimierung und<br />

Dokumentation.<br />

Der ECOtec.chiller xtend ist die hochflexible Option des modularen<br />

Kühlsystems und bietet thermisches Management mit höchster<br />

Energieeffizienz und Anpassungsfähigkeit.<br />

High-Tech-Laser<br />

Darüber hinaus werden Zukunftstechnologien<br />

schon bald eine größere<br />

Rolle einnehmen, etwa spezielle<br />

High-Tech-Laser in der Halbleiterproduktion.<br />

Auf diesem Gebiet<br />

unterstützt technotrans innovative<br />

Anwendungen, die es mittels lithografischer<br />

Verfahren ermöglichen,<br />

die Produktionsgeschwindigkeit<br />

von Chips beziehungsweise dem<br />

bearbeiteten Halbleiterausgangsmaterial<br />

(Wafer) zu steigern. Speziell<br />

auf die Anwendung entwickelte<br />

und präzise abgestimmte Temperierlösungen<br />

sind auch in diesen Verfahren<br />

eine Grundvoraussetzung.<br />

Wer schreibt:<br />

Die technotrans SE ist ein global<br />

agierender Technologie- und<br />

Dienstleistungskonzern. Die Kernkompetenz<br />

des Unternehmens sind<br />

anwendungsspezifische Lösungen<br />

aus dem Bereich des Thermomanagements.<br />

Als integraler Bestandteil<br />

der Kundensysteme dienen diese<br />

der energetischen Optimierung und<br />

Steuerung des Temperaturhaushalts<br />

anspruchsvoller technologischer<br />

Anwendungen. ◄<br />

Die energieeffizienten p1000-Flüssigkeitskühlmodule sind optimal für<br />

den Einsatz in der Laser- und Halbleiterindustrie sowie der Medizin-, Laborund<br />

Analysetechnik geeignet. Diese Baureihen gehören zu den kleinsten<br />

Kompressor-Kühlsystemen auf dem Markt.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

75


Kommunikation<br />

Fünf wichtige Aspekte bei vernetzten<br />

Medizingeräten<br />

Autor:<br />

Brad Jolly<br />

Senior Applications Engineer<br />

Keysight Technologies<br />

www.keysight.com/<br />

Internetfähige medizinische<br />

Geräte und Apparate sind heute<br />

ein zentraler Bestandteil der Diagnose,<br />

Behandlung und Überwachung<br />

von Patienten. Diese Technologien<br />

haben zwar den Pflegestandard<br />

erheblich verbessert,<br />

bringen aber auch eine Reihe von<br />

Herausforderungen für das medizinische<br />

Personal, die Verwaltung<br />

und die Patienten mit sich. Mit dem<br />

richtigen Vorgehen können diese<br />

jedoch Probleme in der Entwicklungs-<br />

und Designphase gemildert –<br />

oder in einigen Fällen sogar beseitigt<br />

– werden.<br />

Um die kontinuierliche Beschleunigung<br />

des vernetzten Gesundheitswesens<br />

zu unterstützen, müssen<br />

Hersteller einige Aspekte berücksichtigen.<br />

Im Folgenden sind fünf<br />

wichtige Überlegungen zusammengefasst.<br />

1. Sicherheitsschwachstellen<br />

angehen<br />

Laut einer Studie [1] weisen 53 %<br />

der vernetzten Medizingeräte kritische<br />

Schwachstellen auf, die<br />

sowohl den Datenschutz als auch<br />

die Patientensicherheit gefährden.<br />

Einrichtungen des Gesundheitswesens<br />

sind sich bewusst, dass sie<br />

im Fadenkreuz von Hackern stehen,<br />

übersehen aber oft Schwachstellen<br />

in der vorgelagerten Lieferkette,<br />

wenn es darum geht, die<br />

Gerätesicherheit zu erhöhen. Diese<br />

Schwachstellen sind in der Regel<br />

tief in den Protokollstapeln von<br />

Embed ded-Systemen von Drittanbietern<br />

versteckt. Daher bleiben<br />

sie bei Sicherheitsscans oft<br />

unentdeckt und finden ihren Weg<br />

in die Produktionsgeräte. So können<br />

Hacker die integrierten Sicherheitskontrollen<br />

umgehen und ein<br />

Gerät zum Absturz bringen, blockieren<br />

oder einfrieren.<br />

Protokoll-Fuzzing<br />

Um diese Bedrohungen zu<br />

bekämpfen, müssen die Gerätehersteller<br />

einen umfassenden Testmechanismus<br />

namens Protokoll-<br />

Fuzzing implementieren. Bei diesem<br />

Verfahren werden verschiedene<br />

Fehler in einen Kommunikationsaustausch<br />

injiziert, um die Einheit<br />

am anderen Ende einer Verbindung<br />

zu verwirren und es den<br />

Teams zu ermöglichen, Schwachstellen<br />

auf Protokollebene zu identifizieren.<br />

Es ist auch eine bewährte<br />

Praxis, Stresstests für Protokolle in<br />

die allgemeine Cybersecurity-Validierungsstrategie<br />

zu integrieren, um<br />

Gerätehacks dauerhaft zu verhindern<br />

und sicherzustellen, dass die<br />

Privatsphäre und die Sicherheit der<br />

Patienten bei der Einführung von<br />

Innovationen im Bereich der vernetzten<br />

Medizin geschützt werden.<br />

2. Positive Nutzererfahrung<br />

sicherstellen<br />

Die Nutzererfahrung ist ein weiterer<br />

wichtiger Aspekt bei der Förderung<br />

der kontinuierlichen Innovation<br />

im Bereich der vernetzten<br />

Medizin. Das kann aus der Sicht des<br />

Testens eine Herausforderung sein,<br />

da es in der Regel viele verschiedene<br />

Anwender für ein bestimmtes<br />

Gerät oder eine Anwendung gibt.<br />

Zahlreiche Tester einzustellen, um<br />

die Leistung manuell zu testen und<br />

zu validieren, ist ein kostspieliges<br />

und zeitaufwendiges Unterfangen,<br />

bei dem die verschiedenen demo-<br />

76 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


Kommunikation<br />

5. Messfehler reduzieren,<br />

um bessere Entscheidungen<br />

zu treffen<br />

Schließlich ist es wichtig, dass<br />

die Hersteller die Drift in den Griff<br />

bekommen, um sicherzustellen,<br />

dass sie kontinuierlich konsistente,<br />

genaue und reproduzierbare Messungen<br />

durchführen können. Eine<br />

regelmäßige und ordnungsgemäße<br />

Überprüfung ist unerlässlich, um<br />

sicherzustellen, dass die Messgeräte<br />

genau sind, dass sie innerhalb<br />

der Spezifikationen arbeiten und<br />

dass die Rückverfolgbarkeit durch<br />

eine Zertifizierung gewährleistet ist.<br />

Weiterhin ermöglicht eine regelmäßige<br />

Kalibrierung den Teams, den<br />

Arbeitsaufwand zu reduzieren,<br />

Verzögerungen zu vermeiden und<br />

sicherzustellen, dass Innovationen<br />

im Bereich des vernetzten Gesundheitswesens<br />

einen maximalen Nutzen<br />

für die Patienten bringen.<br />

grafischen Gruppen von Anwendern,<br />

die täglich mit der Technologie<br />

interagieren, nicht berücksichtigt<br />

werden. Oft handelt es sich bei diesen<br />

Anwendern nicht um geschultes<br />

medizinisches Personal, sondern<br />

um die Patienten selbst, was<br />

bedeutet, dass die Anwenderprofile<br />

eine Reihe von Altersgruppen,<br />

Hintergründen und technischen<br />

Kenntnissen umfassen. Außerdem<br />

erwarten die Anwender oft, dass<br />

die Anwendungen im Gesundheitswesen<br />

auf einer Vielzahl von physischen<br />

Plattformen und Betriebssystemen<br />

korrekt funktionieren. Denken<br />

Sie nur an die vielen verschiedenen<br />

Desktop- und Laptop-Computer,<br />

Tablets, Telefone und sogar<br />

Smartwatches sowie an die unterschiedlichen<br />

Betriebssysteme, die<br />

sie unterstützen.<br />

KI-gesteuerte<br />

Testautomatisierung<br />

Aus diesen Gründen ist es besser,<br />

KI-gesteuerte Testautomatisierung<br />

zur Bewertung der Nutzererfahrung<br />

zu verwenden. Softwarebasierte<br />

Lösungen können mehr<br />

Pfade durch komplexe Anwendungen<br />

finden und alle möglichen<br />

User Journeys testen. Ebenso können<br />

sie wesentlich schneller Ergebnisse<br />

liefern als herkömmliche Tests<br />

und automatisch mehr Aufmerksamkeit<br />

auf Testbereiche lenken,<br />

in denen Fehler vorherrschen. So<br />

wird sichergestellt, dass Hersteller<br />

allen Anwendern termingerecht ein<br />

effektives, sicheres und effizientes<br />

Gerät zur Verfügung stellen.<br />

3. Die richtige Batterie<br />

auswählen<br />

Auch wenn die technischen Daten<br />

etwas anderes besagen, sind nicht<br />

alle Batterien gleich, und die Wahl<br />

der falschen Batterie kann die<br />

Lebensdauer und die Leistungsfähigkeit<br />

eines Geräts beeinträchtigen.<br />

Um sicherzugehen, dass Sie<br />

die richtige Batterie verwenden,<br />

kann der Anwender mit einer Emulationssoftware<br />

ein Profil von echten<br />

Batterien erstellen. Diese Profile<br />

können dann importiert und in<br />

Tests verwendet werden, ohne dass<br />

die physischen Modelle zum Einsatz<br />

kommen müssen. Während<br />

die Ladung der Batterie verbraucht<br />

wird, können Teams deren Zustand<br />

messen und aufzeichnen, um das<br />

Verhalten der Batterie besser zu<br />

verstehen. Mit diesen Erkenntnissen<br />

können sie bestimmen, welche<br />

Batterie für das jeweilige Gerät am<br />

besten geeignet ist.<br />

4. Signalintegrität<br />

auch bei zunehmender<br />

Datenverarbeitung<br />

sicherstellen<br />

Die zunehmende Datenverarbeitung<br />

in vernetzten Geräten kann<br />

zu Problemen mit der Signalintegrität<br />

führen, die sich mit der Einführung<br />

neuer medizinischer Innovationen<br />

noch verschärfen. Übersprechen<br />

von benachbarten Leiterbahnen,<br />

Platinen, die mit niedrigeren<br />

Spannungen betrieben werden,<br />

und mehr On-Board-Verarbeitung<br />

sind nur einige Faktoren, die<br />

die Qualität der elektrischen Signale<br />

beeinträchtigen. Da die Wirksamkeit<br />

von intelligenten Medizingeräten<br />

in hohem Maße von der Signalintegrität<br />

abhängt, ist es wichtig,<br />

dass die Hersteller alle Probleme<br />

beseitigen.<br />

Ein guter erster Schritt ist die<br />

Verwendung von Software-Emulationstools,<br />

um Probleme zu erkennen<br />

und zu beseitigen, bevor die<br />

Leiterplatte hergestellt wird. Ein<br />

weiteres bewährtes Verfahren ist<br />

die Dokumentation der gewonnenen<br />

Erkenntnisse im Qualitätsmanagementsystem,<br />

um Risiken zu<br />

verringern und zukünftige Designs<br />

schneller auf den Markt zu bringen.<br />

Verbindungen zu den<br />

Bedürfnissen von morgen<br />

Es ist zu erwarten, dass vernetzte<br />

medizinische Geräte in den<br />

kommenden Jahren immer komplexer<br />

werden und damit auch ihr Weg<br />

auf den Markt. Deshalb müssen die<br />

Hersteller unbedingt erkennen, dass<br />

Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit,<br />

Batterielaufzeit und andere Aspekte<br />

der vernetzten Medizin bereits in<br />

der Designphase berücksichtigt<br />

werden müssen. Unternehmen,<br />

die ihre Arbeitsabläufe bei Bedarf<br />

umgestalten, werden am besten in<br />

der Lage sein, sichere, wirksame<br />

und intuitive Technologien zu entwickeln,<br />

die sich auf dem Markt<br />

behaupten können.<br />

Quellen<br />

[1] https://healthitsecurity.<br />

com/news/53-of-connected-medical-devices-contain-critical-vulnerabilities<br />

Wer schreibt:<br />

Brad Jolly erhielt seinen Bachelor<br />

in Mathematik von der University<br />

of Michigan. Er ist seit mehr als<br />

26 Jahren bei Keysight Technologies<br />

(zuvor Hewlett-Packard und<br />

Agilent Technologies) tätig, wo er<br />

unter anderem in den Bereichen<br />

Software R&D, UI-Design, Lehrmittel,<br />

Anwendungstechnik, Produktsupport,<br />

Schulung, Produktmarketing<br />

und Produktmanagement<br />

tätig war. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2023</strong><br />

77


Dienstleistung<br />

cms electronics<br />

mit neuer Tochtergesellschaft pcbwhiz<br />

CelsiStrip ®<br />

Thermoetikette registriert<br />

Maximalwerte durch<br />

Dauerschwärzung<br />

Diverse Bereiche von<br />

+40 bis +260°C<br />

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EUR 200 (verzollt, exkl. MwSt)<br />

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www.cms-electronics.com<br />

www.pcbwhiz.com<br />

Mit dem Einsatz von modernster<br />

Technologie verwendet pcbwhiz eine<br />

KI-gestützte Plattform für sofortige<br />

file: TI1CSmini-4565_<strong>2023</strong><br />

Angebotslegung für die Produktion<br />

von Prototypen. Die Software analysiert<br />

automatisch die<br />

dimension: 45 x 65 mm<br />

Spezifikationen<br />

und extrahiert 4C mithilfe eines<br />

Algorithmus die wichtigsten technischen<br />

Parameter.<br />

Dadurch wird eine sofortige<br />

Abgleichung mit den technischen<br />

Möglichkeiten der Produktion ermöglicht.<br />

Ebenso erfolgt eine sofortige<br />

Prüfung der Materialverfügbarkeit<br />

am Markt und eine automatisierte<br />

Preiskalkulation der Prototypen.<br />

Technische Rückfragen oder<br />

alternative Vorschläge für Bauteile<br />

bei unzureichender Materialverfügbarkeit<br />

werden dem Kunden<br />

noch vor Abschluss des Bestellvorgangs<br />

auf der Plattform angezeigt.<br />

Dadurch wird sichergestellt,<br />

dass Kundenaufträge zeitnah nach<br />

der Bestellung in die Produktion eingeleitet<br />

werden und das Material<br />

automatisiert bestellt wird. Insbesondere<br />

bleibt der Preis nach der<br />

Bestellung unverändert, wodurch<br />

sich pcbwhiz von bestehenden<br />

Lösungen abhebt (Instant Quote).<br />

Aktuell bietet pcbwhiz die Möglichkeit,<br />

den Produktionsstandort<br />

in Europa oder Asien auszuwählen<br />

(bald auch in Südamerika und Südost-Asien).<br />

Besonderer Wert wird auf<br />

Daten sicherheit und Datenschutz<br />

gelegt, daher werden sämt liche<br />

Kundendaten dieser Software in<br />

Frankfurt (Deutschland) gespeichert.<br />

Zudem ist die Software ISO270001<br />

(Information security management<br />

system) und DSGVO-konform.<br />

„Diese Flexibilität und angewendete<br />

Technologie/Systematik in der<br />

Abwicklung wird die Prototypenfertigung<br />

revolutionieren. Das Tool<br />

ermöglicht es dem Kunden, vor der<br />

Bestellung die DFM- Prüfung der<br />

PCB und die Analyse der BOM<br />

hinsichtlich Materialverfügbarkeit<br />

und Lebenszyklusstatus rund<br />

um die Uhr online durchzuführen“,<br />

erklärt Markus Quendler, Director<br />

von pcbwhiz Limited.<br />

Die Integration von pcbwhiz<br />

als neue Tochtergesellschaft von<br />

cms electronics verspricht eine<br />

auf regende Zukunft für die Elektronikfertigungsindustrie.<br />

Kunden<br />

profitieren von den kombinierten<br />

Stärken beider Unternehmen und<br />

erhalten Zugang zu erst klassigen<br />

Prototyping-Lösungen. Dieser<br />

Schritt unterstreicht die Innovationskraft<br />

und das Engagement<br />

von cms electronics, den Kunden<br />

stets die neuesten und effizientesten<br />

Technologien anzubieten. ◄<br />

78 meditronic-journal 4/<strong>2023</strong>


AUTORISIERTER<br />

HDISTRIBUTORH<br />

Edge-AI-Workstations mit<br />

NVIDIA Jetson Orin NX<br />

Die EAC-6000-Serie für<br />

höchste Edge-Computing-<br />

Anforderungen – wie z. B.<br />

Medical Imaging, mobile<br />

Robotik und andere<br />

Industrie-Applikationen.<br />

NVIDIA Jetson Orin NX Prozessoren – bis zu 100 TOPS AI<br />

Performance<br />

NVIDIA Ampere GPU-Architektur, mit 1024 Rechenkernen<br />

und 32 Tensor-Cores<br />

Zahlreiche Schnittstellen, z. B.: bis zu 6 GigE LAN mit<br />

4 PoE+, 3 USB 3.1, 2 COM RS-232/422/485, 4 M.2-<br />

Steckplätze, 4x GMSL-Schnittstellen für Video- und<br />

Multimediaanwendungen + CAN-Bus (EAC-6100)<br />

Irrtum und Änderungen vorbehalten. Erwähnte Firmen- und Produktnamen<br />

sind evtl. eingetragene Warenzeichen der jeweiligen Hersteller.<br />

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