Reformstrategien in Dänemark - Handelsverband

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Reformstrategien in Dänemark - Handelsverband

Flexicurity in Dänemark

Henning Gade


• Fakten über Dänemark

Inhalt

• Flexibilität in der Regulierung am Arbeitsmarkt

(Kündigungsregeln und Lohnfindung)

• Passive Arbeitsmarktpolitik

• Aktive Arbeitsmarktpolitik

Reformstrategien in Dänemark

(Wohlfahrtsreform, Gemeindereform und

Globalisierung)


Fakten über die Wirtschaft in Dänemark – 2008

• Wachstum : 3,5 % (2007: 2,6 % - OECD)

• Beschäftigung (saisonkorrigiert) : 2.317.000 -

seit 2006 : + 1,9 %

• Erwerbsquote : 78,3 %

• Arbeitslosigkeit : 2,0 %

• Inflation : 1,7 %

• Lohnentwicklung : + 4,3 %


Fakten über Dänemark

• 70 % der dänischen Betriebe haben weniger als

20 Mitarbeiter – viele SME-Betriebe und wenig

Große

• Großer öffentlicher Sektor – 1/3 der

Arbeitnehmer ist im öffentlichen Dienst

beschäftigt – und deshalb auch hohe Steuern

• Flächendeckendes öffentliches

Betreuungsangebot für Kinder – hohe

Beschäftigungsquote für Frauen

• Bafög für alle - Bildungsteilnahme ist priorisiert

• Flache Führungsstrukturen in dänischen Betrieben


Beschäftigungszuwachs im privaten Sektor

Saisonkorrigiert, 2004-2007

Branche Anteil Prozent

Service + 92.600 + 12,0

davon Einzelhandel + 11.700 + 11,7

Baubranche + 23.900 + 16,9

Andere + 2.500 + 5,7

Industrie +2.000 +0,6

Insgesamt + 132.800 + 9,2

QUELLE: Danmarks Statistik


Entwicklung der Arbeitslosigkeit 1993-2006


70

60

50

40

30

20

10

0

Pct., 2004

Zugang zum Arbeitsmarkt

Long term unemployed Unemployed under 25 years of age

NL DK EI AT UK DE PT SE EU25 BE FI FR ES IT GR PL

NOTE: Long term unemployed have been unemployed for more than a year.

SOURCE: Eurostat, Labour Force Survey, harmonised unemployment

70

60

50

40

30

20

10

0


Beschäftigungsquoten 2006

Österreich Dänemark EU15

Insgesamt 70 77 66

Davon Ältere

(55-64 Jahren)

36 61 45


• Hohe Flexibilität

Große Mobilität

– 800.000 Stellenwechsel pro Jahr bei 2,8 Mio.

Beschäftigten

• Viele Stellenangebote

– 300.000 neue Stellen pro Jahr

– 300.000 entfallen pro Jahr


9

8

7

6

5

Jobsicherheit

1-10 – 10 ist gleich maximale Zufriedenheit, 2001

DK AT NL S D FIN B IRL UK IT F E PT GR

QUELLE: European Foundation for the Improvement

for Living and Working Conditions.

9

8

7

6

5


100

90

80

70

60

50

Prozent, 1999

Jobzufriedenheit

DK NL AT B S FIN IRL D UK F E PT IT GR

Source: European Foundation for the Improvement for

Living and Working Conditions.

100

90

80

70

60

50


Durchschnittliche Arbeitsperiode in einem Betrieb

12

10

8

6

4

Jahre

ICE

US

DK

UK

IE

NL

CZ

NO

HU

SOURCE: CEPS (2004)

ES

CH

Fl

PT

PL

D

GR

SK

F

L

SE

B

IT

OECD

12

10

8

6

4


Dänische Version von Flexicurity

”Das Dänische Flexicuritymodell”

Hohe

Kompensation

bei

Arbeitslosigkeit

Flexibler

Arbeitsmarkt

Motivationseffekt in

der Arbeitsmarktpolitik

Qualifizierungseffekt

in der

Arbeitsmarktpolitik

Aktive AMP


Flexible Regulierung in Dänemark - Hauptthemen

• Grundprinzipien wurden vor mehr als 100

Jahren etabliert

• Regulierung auf Betriebsebene durch kollektive

Tarifverträge

• Auseinandersetzungen werden von den

Tarifpartnern gelöst


Organisationsgrad und Tarifbindung

Gewerkschaftlicher

Organisationsgrad

Tarifbindung (Anteil der

Beschäftigten)

Dänemark

75

85

Die hohen Zahlen unterstützen

die Rolle und Legitimität der

Tarifpartner


Das dänische Flexicurity-Modell (DMF)

• Beruht auf breitem politischem Konsens

insbesondere unter den Tarifpartnern

• Die Sozial-/Tarifpartner spielen eine aktive

Rolle:

– Als tarifliche Reguliere

– Sie werden bei der Gestaltung und Verwaltung von

der öffentlichen Politik einbezogen

• Beruht auf Vertrauen zwischen den Akteuren


Kollektivverträge

DA

Grundgesetz af dem

Arbeitsmarkt

LO

Arbeitgeberverbände

Betriebe

Verabredung über

Zusammenarbeit

”Norm”

Kollektivverträge

Verträge auf

der

Betriebsebene

Gewerkschaften

Arbeitnehmervertreter


Zentrale Ebene:

Verhandlungsthemen

• Arbeitstunden inklusive Wochenarbeitszeit;

Flexibilität der Arbeitsstunden; extra

Urlaubstage; Abwesenheit.

• Rentenkosten; Zahlung bei Krankheit

• Fort- und Weiterbildung

Betriebsebene:

• Lohnerhöhungen


Lohnflexibilität

• Gehalt- und Lohnverhandlungen finden im

Betrieb statt – und zwar unter Friedenspflicht

• In den Tarifverträgen können Mindestlöhne

vereinbart werden

• Kein gesetzlicher Mindestlohn


Flexibilität in der Lohnfindung

Prozent von Arbeitnehmern :

Zentrale Ebene Lokale Ebene aber

Minimumslöhne wird

zentral verhandelt

62

4

1989 2004

NOTE: DA/LO area

QUELLE: DA.

34

65

20

15

Lokale Ebene


Period of

reference for an

average of 37

hours pr. week:

Flexible Arbeitszeit

Before CA 2000

Share of employees, pct.

No admittance 7

5 2

3-4 weeks 6

2 0

2½-4 months 18

16 7

6 months 9

10 15

10 months 4

0 0

12 months or

more

Before CA 2004 After CA 2004

56 67 77

Note: “CA”; Collective agreement

Source: The Confederation of Danish Employers


Mindestlöhne in Tarifverträgen – Stand Ende 2006

• Industrie: 95,15 kr. (12,75 Euro) pro Stunde

• Baubranche: 101,65 kr. (13,65 Euro) pro Stunde

• Elektriker: 94,00 kr. (12,60 Euro) pro Stunde

• Verkehr: 97,55 kr. (13,05 Euro) pro Stunde

• Facharbeiter im

Einzelhandel: 16.560 kr. (2.220 Euro) pro Monat

• Ungelernter im

Einzelhandel: 15.060 kr. (2.020 Euro) pro Monat


Kündigungsschutz gibt es auch in Dänemark!

Dänemark

Arbeiter Tarifvertrag

Angestellte Gesetz

Sozialauswahl? Nein


… aber lockeren Kündigungsschutz

• Kein generelles Verbot willkürlicher

Kündigungen (Prinzip, Gesetz, Tarif)

• - sonst ganz einfach!

• „Hire & Fire“ wird im allgemeinen akzeptiert


Kündigung in Dänemark – Prinzipien

• Arbeitgeber kann kündigen und entscheidet wer

und wann gekündigt wird

• Kein allgemeines Prinzip der Wiedereinstellung

• Kündigungsperiode und Abfindung nur nach

Gesetz oder Tarif

• Kündigung muss grundsätzlich sachlich

begründet sein (Abfindung nur wenn

vorgesehen)


Kündigungsschutz in Dänemark – Fristen

• Angestellte – Angestelltengesetz –

Kündigungsfristen richten sich nach Länge der

Beschäftigungsdauer:

– 3 Monate nach 5 Monaten Beschäftigung im Betrieb

– 4 Monate nach 2 Jahren und 9 Monaten

– 5 Monate nach 5 Jahren und 8 Monaten

– 6 Monate nach 8 Jahren und 7 Monaten

• Arbeiter : Kündigungsfristen sind in den

Tarifverträgen geregelt

– Unterschiede je nach Branche: z.B. 7 Wochen in der

Baubranche und 120 Tage nach 12 Monaten

Beschäftigung in der Metallindustrie


Kündigungsfristen – Beispiele

Quelle Länge

Angestellte Gesetz 1-6 Monate 0-8,7 Jahre

Arbeiter – Industrie mit

Angestelltenrahmen

Arbeiter – Industrie Tarif

Tarif 0-3 Monate 0-3 Jahre

0-120 Tage*

70 Tage

0-12 Jahre

0-6 Jahre

Arbeiter – Bau Tarif 0-7 Wochen 0-5,0 Jahre

Angestellte –

Buchgewerbe

Arbeiter –

Landwirtschaft

Tarif

Tarif

0-18

Wochen

0-2 Wochen

* >50 Jahre, 12 Jahren Beschäftigungsdauer

Beschäftigungsdauer

0-25 Jahre

0-1 Jahr

Beschäftigungs

-dauer

-ersteStufe

5 Monate =>

3 Monate

3 Monate =>

1 Monat

6 Monate =>

14 Tage

1 Jahr =>

3 Wochen

4 Wochen =>

1 Woche

1 Jahr =>

2 Woche


Kündigungsschutz in Dänemark – Abfindung

Zwei Formen von Abfindungen

1. Beschäftigungsdauer, z.B. gemäß

Angestelltengesetz – 1, 2, 3 Monate

Gehaltszahlung nach Beschäftigungsdauer von

12, 15 oder 18 Jahren

2. Willkürliche/sachlich nicht begründete

Kündigung


2001 bis 2006

5 neue Prinzipien in der dänischen

Arbeitsmarktpolitik:

• Arbeit soll sich lohnen – Regulierung der

Steuersätze

• Arbeitslose haben Rechte und Pflichte zur

Aktivierung

• Arbeitslose mit denselben Problemen sollen

dieselben Angebote erhalten – ein gemeinsames

System

• Beschäftigung ist immer das Ziel – Aktivierung ist

das Mittel

• Die Qualifizierung der Arbeitslosen soll sich direkt

an der Nachfrage des Arbeitsmarkts orientieren


Geänderte Gesetze für Leistungen und Ausbildung

• Höchstgrenze für Sozialhilfe

• Arbeitsfähige Jugendliche unter 30 Jahren müssen

Ausbildungsangebote annehmen

– jedoch Abweichungsmöglichkeit für Eltern mit

zusammenwohnenden Kindern oder Personen, die ihr Bafög

aufgebraucht haben

• Alle 25-29-Jährigen haben das Recht auf Ausbildung

- aber keine Pflicht

• Sozialhilfeempfänger unter 25 Jahren sollen

innerhalb von 13 Wochen ein

Ausbildungsplatzangebot bekommen

– die Leistung wird nach 6 Monaten auf Bafögniveau herabgesetzt

– wird die Ausbildung abgebrochen führt dies zu einer Sanktion


Arbeitsmarktpolitische Ausgaben

Anteil des BIP (%) Österreich (2006) Dänemark (2005)

Aktiv 0,54 1,43

Passiv 1,40 2,51

Insgesamt 1,94 3,94

QUELLE: EUROSTAT


Arbeitslosigkeit - Fakten Februar 2008

• 55.400 Arbeitslose (saisonkorrigiert)

– 42.800 Versicherte

– 12.400 Nicht –Versicherte

• Die Arbeitslosenquote beträgt 2,0 %

– 1,7 % bei Männer

– 2,2 % bei Frauen

– 1,3 % 16-24 Jährige

– 1,6 % 60+ Jährige


Einkommenssicherheit bei Arbeitslosigkeit

• Zwei Arten von Gehalt- und Lohnersatz:

– Arbeitslosengeld: aus Mitgliedschaft (freiwillig)

einer „Arbeitslosenversicherung“ (A-kasse) (85

Prozent sind Mitglieder)

– Sozialhilfe: Eine öffentliche Leistung, deren Bedarf

geprüft wird

• Arbeitslosengeld auf hohem Niveau für eine

lange Zeit (bis 4 Jahre)

• Zum größten Teil ein steuerfinanziertes System

• Durchschnittskompensation: 0,691

– Ingenieure: 0,452

– Metallarbeiter: 0,6695

– Ohne Ausbildung: 0,827


Aktive Arbeitsmarktpolitik

• Individuelle Handlungspläne

• Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung von

Kompetenzen

• Recht auf und Pflicht zur Aktivierung

• Verfügbarkeitsprüfung und Sanktionen bei

Nichtannahme


Das neue Arbeitsmarktsystem

BER

LBR

RBR

Beschäftigungsministerium

Arbeitsmarktregionen

(4)

Lokale Behörde

Nationale Arbeitsmarkt-

Behörde

Jobcenter (92)


• eingeführt 1996

Die Jugend Initiative

• Für Jungendliche unter 25 Jahren ohne

Berufsausbildung die Geld anlässlich der

Arbeitslosigkeit empfangen

• Pflicht an einer Ausbildung mit einer Dauer von

mindestens 18 Monaten teilzunehmen

• Zahlung ist vergleichbar mit 50 % des

Arbeitslosengeldes

• Effekt : Die Jugendarbeitslosigkeit ist

dramatisch gefallen


Funktionelle Flexibilität

• wird durch eine hohe Teilnahme an Trainingsund

Weiterbildungsmaßnahmen gesichert.

• wird durch die Gestaltung von Tarifverträgen

erleichtert (z.B. im industriellen Sektor: Die

Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen

Ungelernten, Angelernten und

Berufsausgebildeten (im ”Dualen System”).


Teilnahme an Weiterbildung

(25-64-Jährige) (In %) 2001 2006

Dänemark

Österreich

Deutschland

18,4 29,2

8,2

5,2

13,1

7,5

UK 20,9 26,6

EU-15

QUELLE: Eurostat

5,2

8,3


Reformstrategien in Dänemark (1)

• Wohlfahrtsreform zur Zukunftssicherung das

dänische Wohlfahrtsmodel z.B.

– Renten- und Frühverrentungsreformen – Rentenalter

wird 2 Jahre verschoben

– Besserer Integrationseinsatz von Einwanderern

– Neue Einwanderungsregelungen (Green Card)

– Weitere Arbeitsmarktreformen – Verfügungsregeln,

Aktivierung werden effektiviziert

– Schneller durch die Ausbildungssysteme


Reformstrategien in Dänemark (2)

• Vorbereitung auf Globalisierung z.B.

– Bildungsreformen (95% und 50% Ziele)

– Reform des dualen Berufsausbildungssystems

– Neue Institutionsstrukturen im Hochschulbereich

– Neue Steuerungssysteme im Hochschulbereich

– Bessere Forschungsinfrastruktur

– Bessere Zusammenarbeit zwischen privater und

öffentlicher Forschung

– Bessere Grundschule

– Bessere Bedingungen für Innovation


Reformstrategien in Dänemark (3)

• Gemeindereform 1. Januar 2007

– Änderung der Aufgabenverteilung zwischen Staat und

Gemeinden

– Das regionale Niveau bekommt nur das

Krankenhausgebiet als Hauptaufgabe

– Von 275 Gemeinden zu 93

– Die Arbeitsmarktpolitik wird verlagert in

Zusammenarbeit zwischen Staatlicher AF und

Gemeinden

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