28.09.2023 Aufrufe

Pädagogik für Dich 5/2023 – ECHT BESONDERS

Kinder mit besonderen Herausforderungen, Eltern oder Fachkräfte im Burnout, neue Familien in der Kita, Kinder in Rollenspielen … Denkst du manchmal: Was ich tue ist „einfach besonders“? Dann ist die neue Ausgabe „Pädagogik für Dich“ genau das Richtige für dich. Hier findest du unter anderem den Beitrag einer Mama, die ein Kind mit Asperger-Syndrom ins Leben begleitet, ein Interview zur Peer-Group Eingewöhnung, den Unterschied zwischen Burn-out und Burn-on und einiges mehr ...

Kinder mit besonderen Herausforderungen, Eltern oder Fachkräfte im Burnout, neue Familien in der Kita, Kinder in Rollenspielen … Denkst du manchmal: Was ich tue ist „einfach besonders“? Dann ist die neue Ausgabe „Pädagogik für Dich“ genau das Richtige für dich. Hier findest du unter anderem den Beitrag einer Mama, die ein Kind mit Asperger-Syndrom ins Leben begleitet, ein Interview zur Peer-Group Eingewöhnung, den Unterschied zwischen Burn-out und Burn-on und einiges mehr ...

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<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Ein Gruß aus der Redaktion<br />

Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

jeder und jede von uns ist besonders.<br />

Wir sind einmalig mit all<br />

unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen,<br />

unseren Wünschen und<br />

Forderungen. Die Vielfalt der<br />

Bedürfnisse hat sich verändert.<br />

Menschen mit sozial-emotionalen<br />

oder auch psychischen Herausforderungen<br />

begegnen uns häufiger.<br />

Das liegt auch daran, dass<br />

wir heute offener mit den nicht<br />

direkt ersichtlichen Besonderheiten<br />

umgehen.<br />

Psychische Belastungen<br />

galten lange Zeit als ein<br />

Zeichen von Schwäche<br />

und Versagen.<br />

Auch im pädagogischen Alltag<br />

bist du mit Menschen konfrontiert,<br />

die von einer vermeintlichen<br />

Norm abweichen, die es eigentlich<br />

gar nicht gibt. Denn was ist<br />

schon „normal“?<br />

Um mit Eltern, Kolleginnen und<br />

Kollegen oder auch Kindern zu<br />

arbeiten, die durch ihre Erlebnisse,<br />

Erkrankungen, Traumata besonderen<br />

Bedarf haben, braucht<br />

es dich als resiliente, empathische<br />

und motivierte Persönlichkeit.<br />

Bei aller Bereitschaft, zu<br />

unterstützen, musst du jedoch<br />

auch deine eigenen<br />

Grenzen kennen. Du bist<br />

in erster Linie als professionelle<br />

Fachkraft <strong>für</strong> das<br />

Wohl der dir anvertrauten Kinder<br />

verantwortlich. Achtsames,<br />

bedürfnisorientiertes Handeln<br />

gehören zu deinen Kernaufgaben.<br />

In unserem Webinar „Im passenden<br />

Rahmen <strong>–</strong> Familien mit<br />

besonderen Bedürfnissen unterstützen“<br />

am Montag, 23. Oktober<br />

<strong>2023</strong> zeigen wir dir Wege auf, damit<br />

die Zusammenarbeit auf allen<br />

Ebenen gut und sicher gelingen<br />

kann.<br />

Ich wünsche dir Inspiration und<br />

manche AHA-Erkenntnis beim<br />

Lesen unserer neuen Ausgabe<br />

<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong>.<br />

Viele Grüße<br />

Marion Bischoff<br />

Chefredakteurin<br />

Webinar „Im passenden Rahmen —<br />

Familien mit besonderen<br />

Bedürfnissen unterstützen“<br />

Marion Bischoff ist Kommunikationstrainerin<br />

und unterstützt<br />

pädagogische Fachkräfte und<br />

Teams in Teamentwicklung,<br />

Alltagsmanagement u.v.m.<br />

Das abwechslungsreiche<br />

Fortbildungsprogramm findest<br />

du unter<br />

www.wir-bauen-bruecken.com<br />

am Montag, 23. Oktober <strong>2023</strong><br />

von 18 Uhr-19.30 Uhr<br />

mit Petra Knickenberg & Marion Bischoff<br />

Schnupper-Preis: 9,00 EUR<br />

Melde dich gleich an unter<br />

www.paedagogik-<strong>für</strong>-dich.de<br />

3


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Unser Thema dieser Ausgabe:<br />

Echt besonders<br />

Metaphysik begegnet <strong>Pädagogik</strong><br />

6 Was steckt in deiner Persönlichkeits-Tasche? <strong>–</strong> Der besondere Blick aufs ICH<br />

Fachkräfte<br />

8 Eine andere Art die Welt zu sehen <strong>–</strong> ADHS wächst sich nicht immer aus<br />

33 Grenzen der pädagogischen Arbeit <strong>–</strong> Vorteile und Herausforderungen im Kita-Alltag<br />

Kreativität<br />

<br />

10 Und dann bin ich wer anders <strong>–</strong> Im Rollenspiel die Welt entdecken<br />

Kinder<br />

14 Peergroup-Eingewöhnung <strong>–</strong> Neue Wege von Anfang an<br />

Eltern<br />

18 Interkulturelle Kommunikation <strong>–</strong> Missverständnisse kann man vermeiden<br />

22 Wenn das Universum etwas mehr verteilt hat <strong>–</strong> Das Statement einer Mama, die auch Pädagogin ist<br />

30 Es ist nicht immer leicht <strong>–</strong> Zusammenarbeit mit psychisch erkrankten Eltern<br />

Fachkräfteverbände<br />

20 Die Lösung?! <strong>–</strong> Ungelernte Kräfte in der Kita<br />

Träger<br />

25 Das geht nur im exklusiven Rahmen <strong>–</strong> Blitzinterview mit Marion Bischoff<br />

Auszubildende<br />

26 Sag, was du zu sagen hast <strong>–</strong> Von Verantwortung und Begeisterung im Praktikum<br />

Kitaleitung<br />

28 Wenn das „Holz“ ausgeht <strong>–</strong> Der Unterschied zwischen Burn-Out und Burn-On<br />

Die Empfehlung aus der Redaktion<br />

36 Betül und Nele erleben eine Beerdigung und fragen nach dem Tod <strong>–</strong> Kamishibai Bildkarten<br />

Pädi und Gogi präsentieren<br />

37 Das pädadogische ABC <strong>–</strong> A: Adultismus<br />

4


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Die Leser von „<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong>“<br />

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Pädis Tipp zu diesem Zitat:<br />

Schlucke einen Ärger oder eine Unsicherheit<br />

nicht herunter, erzähle es nicht irgendwem,<br />

sondern achte vielmehr darauf, dich<br />

mit den Menschen auszutauschen, die <strong>für</strong><br />

deine Stimmung gesorgt haben. Viel zu oft<br />

wird geschwiegen, obwohl man hätte reden<br />

sollen. Viel zu selten werden die Fragen gestellt,<br />

die man hätte fragen sollen. Bevor du<br />

sprichst, achte auf deine Gedanken und Gefühle.<br />

Atme durch. Und dann nutze passende<br />

Worte, die wertschätzend und freundlich<br />

sind. Für dich und deine Mitmenschen. So<br />

klappt der Austausch mit Kolleginnen und<br />

Kollegen, Eltern, Träger und Kindern immer<br />

besser. Wir wollen ja nicht, dass unsere<br />

Zungen verwelken, oder?<br />

5


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Was steckt in deiner Persönlichkeits-Tasche?<br />

Der besondere Blick aufs Ich<br />

von Petra Knickenberg<br />

Der Titel unserer neuen Ausgabe<br />

lautet „echt besonders“.<br />

<strong>ECHT</strong> und <strong>BESONDERS</strong>. Zwei<br />

große Worte. Was ist echt?<br />

Was ist besonders? Manche<br />

von uns haben zig Taschen im<br />

Schrank, und es werden irgendwie<br />

immer mehr. Wie wäre es<br />

denn, wenn wir unsere Taschen<br />

lebendig werden lassen? Wie<br />

viele Taschen und Tassen wir<br />

im Schrank haben oder auch<br />

nicht, wichtig ist, was wir damit<br />

machen. Und so ist dieses Beispiel<br />

mit den Taschen eine Metapher<br />

da<strong>für</strong>, ob auch wir <strong>ECHT</strong><br />

und <strong>BESONDERS</strong> sind.<br />

Was haben die Taschen nun mit<br />

der Fachkraft oder Führungskraft<br />

in der Kita zu tun? Nutzen<br />

wir das, was wir (in uns) haben<br />

oder liegt es brach im<br />

Schrank?<br />

Als pädagogische<br />

Fachkraft bist du ein<br />

bisschen wie eine<br />

Reiseleiterin. Doch<br />

bevor du die Kinder, Kolleginnen<br />

und Kollegen oder Eltern leitest,<br />

musst du erst mal dich selbst<br />

leiten und wissen, wer du bist.<br />

Es geht darum, zu erkennen und<br />

zu wissen, was du kannst und<br />

was (noch) nicht. Da ist die Verpackung,<br />

die Tasche, gar nicht so<br />

bedeutend. Das Outfit ist erkennbar,<br />

doch es ist nur bedingt<br />

wesentlich. Es kommt auf die<br />

„wahren Werte“ an, die unbezahlbar<br />

sind. Sie liegen in uns. Sie sind<br />

der Inhalt der Tasche sozusagen.<br />

Was brauchst du, um <strong>für</strong> alle<br />

Fälle gut vorbereitet zu sein? Was<br />

ist <strong>ECHT</strong> wichtig? Hier sind wir<br />

wieder bei den nicht sichtbaren<br />

Werten:


Metaphysik begegnet <strong>Pädagogik</strong><br />

Die Persönlichkeits-Tasche<br />

Male ganz spontan eine Tasche<br />

und betrachte sie. Wie sieht sie<br />

aus? Was macht sie besonders?<br />

Sie ist echt, weil du sie gemalt hast.<br />

Wie groß ist sie? Wo<strong>für</strong> kannst du<br />

sie benutzen? Ist sie eher praktisch<br />

und schlicht oder schick und<br />

voller Glitzer? Was sagt das vielleicht<br />

über dich aus? Könnte das<br />

Äußere auch etwas über dich,<br />

dein Leben, deine Herangehensweise<br />

an Aufgaben aussagen?<br />

Sei dabei auch gedanklich kreativ<br />

und spielerisch und lass dir Zeit.<br />

Und im zweiten Teil kannst du „hineinfühlen“<br />

in die Tasche. Was ist<br />

drin? Hier kannst du intuitiv spielerisch<br />

herangehen. Welche drei<br />

Gegenstände kommen dir in den<br />

Sinn? Was sagen die wieder über<br />

dich als Persönlichkeit aus? Unser<br />

Unterbewusstsein spricht oft<br />

in Bildern und Symbolen. Nimm<br />

es nicht wortwörtlich, sondern<br />

übersetze es auf deine persönliche<br />

Art. Was könnte dir dadurch<br />

aufgezeigt werden? Versuche, es<br />

nicht mit dem Kopf zu erdenken,<br />

sondern fühle, was du durch diese<br />

Übung erkennen kannst.<br />

Ihr könnt die Persönlichkeits-Tasche<br />

auch als Paarübung gestalten.<br />

Dabei „lest“ ihr gegenseitig<br />

eure Bilder. Es muss auch keine<br />

Tasche sein. Probiere es doch mal<br />

und male einen Schuh. Du wirst<br />

dich wundern, wie du durch so<br />

einfache, kreative Übungen „in<br />

die Gänge kommen“ kannst.<br />

Du bist es<br />

<strong>ECHT</strong> und <strong>BESONDERS</strong>, das<br />

wollen wir alle sein. Die gute<br />

Nachricht: Wir sind es auch. Wir<br />

müssen es nur erkennen. Unser<br />

Alltag zeigt uns, wo wir stehen.<br />

Sowohl persönlich als auch beruflich<br />

und überhaupt im Leben.<br />

Der Schlüssel liegt wie<br />

meist in uns. Daher<br />

sind Selbsterkenntnis,<br />

Selbstbewusstsein und<br />

ein umfassendes Verständnis<br />

<strong>für</strong> die Zusammenhänge<br />

so wichtig. Wie denken,<br />

fühlen und handeln wir? Sind<br />

unsere Gedanken, Gefühle und<br />

Handlungen echt und besonders,<br />

wird auch unser Leben immer<br />

echter und besonderer sein. Das<br />

ist ein langer Weg, es gibt da<strong>für</strong><br />

kein Patentrezept. Doch es gibt<br />

viele Wege, damit unser Kita-<br />

Alltag und unser Leben immer<br />

besser gelingen. Beginne bei dir<br />

und in dir, dann ziehst du Kreise.<br />

Es fällt deinen Mitmenschen auf,<br />

bewusst oder unbewusst, und du<br />

steckst sie an.<br />

Dann spielt es keine Rolle mehr,<br />

welche Handtasche du dir kaufst.<br />

Denn sowohl die eine als auch<br />

die andere werden dich erfreuen,<br />

und du hast nur noch das Wesentliche<br />

dabei. Denn du weißt:<br />

Du bist echt und besonders, unabhängig<br />

von Tasche oder Outfit.<br />

Auch als Pädagogin oder Pädagoge<br />

brauchst du dieses Echtsein,<br />

denn die Kinder erkennen<br />

ohnehin, wenn du eine Maske<br />

aufsetzt. Ihre Reaktionen machen<br />

es dir deutlich.<br />

Deswegen frage dich zwischendurch<br />

auch bei Ereignissen und<br />

Begegnungen: Ist das echt?<br />

Den Unterschied zwischen gefälscht<br />

und echt sieht man heute<br />

oft schon gar nicht mehr. Kopien<br />

werden gut gemacht. Die Technologie<br />

und auch künstliche Intelligenz<br />

ermöglichen heute Dinge,<br />

die vor Jahren noch undenkbar<br />

waren. Ein Ende dieser Entwicklungen<br />

ist nicht abzusehen.<br />

Noch viel wichtiger und<br />

bedeutender ist es daher,<br />

wie wir Menschen sind. In<br />

all den rasanten Entwicklungen<br />

und Veränderungen in der Gesellschaft,<br />

im Großen und Kleinen,<br />

fordert uns immer wieder heraus,<br />

uns zu hinterfragen: Bin ich echt?<br />

Gehen wir in echte, besondere<br />

Begegnungen, dann kriegen wir<br />

das echt gut hin!<br />

Echte und besondere Momente<br />

und Menschen wünsche ich dir in<br />

deinem Leben!<br />

Petra Knickenberg<br />

ist Metaphysikerin und als<br />

„Fitnesstrainerin <strong>für</strong> die Seele“<br />

bekannt. Sie arbeitet als (Team-)<br />

Coach, Autorin und Referentin.<br />

www.towol-aschau.de<br />

7


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Eine andere Art die Welt zu sehen<br />

ADHS wächst sich nicht immer aus<br />

von Anja Braekow<br />

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom<br />

mit oder ohne Hyperaktivität,<br />

eine Definition, die so viel<br />

sagt und doch rein gar nichts.<br />

Die meisten pädagogischen<br />

Fachkräfte sehen sofort ein<br />

wildes, lautes Kind, mit übersteigertem<br />

Bewegungsdrang,<br />

unangepasst und anstrengend<br />

vor sich. Manche sehen auch<br />

ein träumendes, abwesendes<br />

und in sich zurückgezogenes<br />

Kind. Beides ist möglich, aber<br />

das wird heute nicht das Thema<br />

sein.<br />

Jeder von uns kennt sie, die<br />

Kollegin, die ständig Termine<br />

vergisst. Den Kollegen, der nicht<br />

richtig zuhören kann. Die Auszubildende,<br />

die oft zu spät kommt<br />

und viele Ausreden parat hat.<br />

Oder auch den Chef, der in<br />

seinem Papierchaos zu versinken<br />

scheint. Alle sind charismatische<br />

und interessante Menschen, aber<br />

die Zusammenarbeit kann ganz<br />

schön herausfordernd sein.<br />

Lange Zeit dachte die Gesellschaft,<br />

dass ADS oder ADHS nur<br />

bei Kindern vorkommt und sich<br />

mit der Pubertät verwächst. Der<br />

wissenschaftlichen Hirnforschung<br />

ist bis heute nicht komplett klar,<br />

woher dieses Phänomen kommt.<br />

Sicher ist, es handelt sich um eine<br />

Stoffwechselstörung im Gehirn.<br />

An dieser Stelle inhaltlich auf<br />

Hirnphysiologie einzugehen, würde<br />

den Rahmen sprengen.<br />

Diagnosezeitpunkt<br />

Spannend ist, dass es zwei Lebensphasen<br />

gibt, in denen ADS<br />

am häufigsten diagnostiziert<br />

wird. Eine davon ist mit Anfang<br />

Zwanzig. Im Leben befinden sich<br />

hier viele oftmals in einer Wendephase.<br />

Die Jugend und Pubertät<br />

scheinen abgeschlossen, das<br />

Leben bekommt neue Strukturen.<br />

Genau darin liegt dann das<br />

Problem. Ein Mensch mit ADS<br />

tut sich mit diesen neuen Phasen<br />

schwer und so haben wir im<br />

pädagogischen Bereich dann mit<br />

Kolleginnen und Kollegen zu tun,<br />

die vermeintlich nicht der Norm<br />

entsprechen und oftmals durchs<br />

Raster zu fallen scheinen.<br />

Aber gerade in unserem Berufsfeld<br />

ist es möglich, die guten<br />

Seiten dieser Lebensweise zu erleben<br />

und auszuleben. Menschen<br />

mit ADS sind oft sehr liebevoll,<br />

haben viel Verständnis <strong>für</strong> Andersartigkeit<br />

und können sehr<br />

gut Gefühle verstehen und auch<br />

benennen. Sie sind meist gerecht<br />

und stehen <strong>für</strong> andere Menschen<br />

mit großem Einsatz ein.<br />

Natürlich setzt dies eine Akzeptanz<br />

und ein Wissen der eigenen<br />

Stoffwechselstörung voraus.<br />

Wenn die Diagnose vielleicht<br />

schon in der eigenen Kindheit<br />

gestellt wurde und sie akzeptiert<br />

wird, sind viele Potenziale bereits<br />

bekannt und können genutzt<br />

werden.<br />

Dem Unbekannten begegnen<br />

Was ist aber mit den pädagogischen<br />

Fachkräften, die sich<br />

darüber nicht im Klaren sind?<br />

Was kannst du als Kollegin oder<br />

Kollege tun? Natürlich nur, wenn<br />

du das möchtest und kannst.<br />

Bei Erwachsenen mit ADS ist eins<br />

der häufigsten und auffälligsten<br />

Symptome der unorganisierte<br />

und chaotische Lebensstil. Es<br />

fällt ihnen schwer, Aufgaben zur<br />

richtigen Zeit zu Ende zu bringen<br />

oder Abgabetermine einzuhalten.<br />

Dies ist besonders problematisch,<br />

wenn es um Zuarbeiten<br />

geht. Einige leiden auch darunter,<br />

dass sie sich Dinge nicht merken<br />

können oder sich viel zu viele<br />

Aufgaben aufladen, die dann<br />

nicht zu Ende gebracht werden.<br />

Sie hören von ihrem Umfeld, dass<br />

sie nicht richtig zuhören können<br />

oder unzuverlässig sind. Diese<br />

Unzuverlässigkeit kann dann<br />

zu einer Vielzahl an Problemen<br />

führen, wie zum Beispiel eine<br />

hohe Vergesslichkeit auch bei All-<br />

8


Fachkräfte<br />

tagsaufgaben. Die Teetasse bleibt<br />

nach Feierabend immer auf dem<br />

Fensterbrett stehen oder es liegen<br />

überall angefangene Projekte<br />

herum. Die Materialien sind nie<br />

am da<strong>für</strong> vorgesehenen Ort.<br />

Im Falle eines ADHS kommt eine<br />

hohe Impulsivität und Begeisterungsfähigkeit<br />

dazu. Es kommt<br />

manchmal zu richtigen Redeausbrüchen,<br />

niemand scheint mehr<br />

zu Wort zu kommen. Manche<br />

ADS-Menschen können sehr<br />

schnell denken und fallen dann<br />

anderen ständig ins Wort, sie<br />

haben den Satz schon zu Ende<br />

gehört, bevor das Gegenüber ihn<br />

beendet hat. Wenn Bewegungsdrang<br />

dabei ist, wippen vielleicht<br />

der Fuß oder das Knie.<br />

Begleiterscheinungen<br />

Oftmals haben diese Kolleginnen<br />

und Kollegen Begleiterscheinungen<br />

wie LRS (Leserechtschreibschwäche)<br />

oder<br />

psychische Erkrankungen,<br />

Stimmungsschwankungen oder<br />

Schlafstörungen. Nicht wenige<br />

ADS-Erwachsene haben ein<br />

Suchtproblem und rauchen beispielsweise<br />

sehr viel.<br />

Als Kollegin oder Kollege ist es<br />

schwierig, hier die nötige Toleranz<br />

zu wahren, und vielleicht<br />

ist das auch zu viel verlangt,<br />

wenn scheinbar alle Aufgaben<br />

überwacht werden müssen. Du<br />

brauchst Selbstbewusstsein, um<br />

ein Gespräch klar und deutlich zu<br />

Ende zu bringen und dich nicht<br />

nervös machen zu lassen.<br />

Die schönen Seiten<br />

Wenn die Teetasse mal wieder stehenbleibt, solltest du Ruhe bewahren.<br />

gibt es wertvolle Augenblicke.<br />

Erwachsene, die richtig diagnostiziert<br />

und vielleicht sogar medikamentös<br />

gut eingestellt sind,<br />

können tolle Kolleginnen und<br />

Kollegen sein. Lange Jahre habe<br />

ich in der Begleitung von jungen<br />

ADHSlern gesehen, wie sich viele<br />

Symptome in unserem Berufsfeld<br />

einsetzen lassen.<br />

Es ist schön zu sehen, wenn eine<br />

Auszubildende mit den Kindern<br />

stundenlang draußen spielt und<br />

nicht müde wird mit ihnen zu<br />

klettern und zu toben und dabei<br />

ihren Bewegungsdrang auslebt.<br />

Im Atelier arbeitet ein Kollege, der<br />

besonders kreativ und originell<br />

ist. Es sieht dort zeitweise zwar<br />

sehr unorganisiert und durcheinander<br />

aus, die Kinder müssen<br />

jeden Tag komplett geduscht und<br />

gereinigt werden. Doch lernen<br />

sie viel und dürfen mit allen<br />

Sinnen experimentieren. Auch<br />

hier arbeitet ein Kollege mit ADS.<br />

Kreativität und Originalität ist ein<br />

weiteres Zeichen der Störung.<br />

Ein weiterer Aspekt, den ich im<br />

Berufsfeld Kita ausgesprochen<br />

hilfreich erachte: Finden Fachkräfte<br />

mit ADS eine Sache besonders<br />

interessant, können sie<br />

sich sehr ausdauernd und lange<br />

konzentrieren und sich vollkommen<br />

in ein Thema vertiefen. Die<br />

Zeit scheint dann <strong>für</strong> sie stillzustehen.<br />

Auch von diesen Momenten<br />

profitieren die Kinder sehr.<br />

Sie stehen im Mittelpunkt und<br />

bekommen alle Zeit der Welt, sich<br />

selbst auszuprobieren.<br />

Abschließend möchte ich dazu<br />

aufrufen, die Vielfalt der Andersartigkeit<br />

zu akzeptieren und, wie<br />

in allen Lebenslagen, das Beste<br />

herauszuziehen. Aus Erfahrung<br />

kann ich sagen: Mit einer guten<br />

Portion Humor und Toleranz<br />

können wunderbare Arbeitsbeziehungen<br />

entstehen, die niemals<br />

langweilig und eintönig werden.<br />

Versprochen.<br />

Weitere Infos:<br />

https://www.adhs-ratgeber.com/<br />

„Eine andere Art die Welt zu<br />

sehen“ ist der Titel dieses Beitrags<br />

und das nicht ohne Grund,<br />

denn gerade mit ADS oder ADHS<br />

Anja Braekow ist Kindergarten-<br />

Fachwirtin und Trägerin ihrer eigenen<br />

Kita. Außerdem ist sie Vorsitzende des<br />

Kita-Fachkräfteverbandes<br />

Baden-Württemberg.<br />

9


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Und dann bin ich wer anders<br />

Im Rollenspiel die Welt entdecken<br />

von Stephanie Wendle<br />

Kannst du dich noch an deine<br />

Kindheit erinnern? An das, was<br />

du am liebsten gespielt hast?<br />

Wahrscheinlich fallen dir bestimmt<br />

die ein oder anderen<br />

Nachmittage ein, an denen du<br />

mit deinen Freundinnen und<br />

Freunden als Räuberbande<br />

um die Häuser gezogen bist.<br />

Ein anderes Mal hast du als<br />

sorgsame Puppenmama oder<br />

liebevoller Puppenpapa da<strong>für</strong><br />

gesorgt, dass das Baby nicht<br />

friert, wenn du es im Puppenwagen<br />

durch den Garten geschoben<br />

hast. Oder wie du<br />

auf allen Vieren in die Höhle<br />

aus Decken gekrabbelt bist,<br />

um dich als Hund schlafen zu<br />

legen.<br />

Das Rollenspiel in der<br />

kindlichen Entwicklung<br />

Das Rollenspiel ist aus der kindlichen<br />

Entwicklung nicht wegzudenken.<br />

Für die Kita-Zeit ist es<br />

eine sehr typische und häufige<br />

Form des Spielens. Es dient dazu,<br />

gemachte Erfahrungen und<br />

Erlebnisse zu verarbeiten und<br />

nachzustellen. Meist werden<br />

Situationen aus dem täglichen Leben<br />

nachgespielt und die Kinder<br />

haben so die Möglichkeit, sich mit<br />

der „Erwachsenenwelt“ zu beschäftigen.<br />

Sie erleben hautnah,<br />

wie es der Mutter geht, wenn sie<br />

das Essen kocht, einkaufen geht,<br />

aufräumt oder das Baby versorgt.<br />

Ein anderes Mal erlebt es die<br />

Rolle des Vaters, der das Kochen<br />

sicher anders interpretiert als die<br />

Mutter. Es verarbeitet Erlebnisse<br />

mit der Polizistin, dem Arzt oder<br />

der Busfahrerin.<br />

Manche Kinder ziehen gern auch das<br />

passende Kostüm an.<br />

Das Kind nimmt verschiedene<br />

Sichtweisen ein und lernt, die<br />

Welt auch „mit anderen Augen“<br />

zu sehen und sich in andere hineinzuversetzen.<br />

Ist zum Beispiel<br />

aus der Familie jemand krank, beschäftigen<br />

sich Kinder gerne mit<br />

dem Thema „Krankenhaus“ oder<br />

„Arztbesuch“. Hier lässt sich gut<br />

beobachten, dass in der kindlichen<br />

Welt immer alles ein gutes<br />

Ende nimmt. Stirbt im Spiel jemand,<br />

darf er einfach spätestens<br />

zum Spielende wieder aufstehen.<br />

Im Nachspielen von Filmen und<br />

Serien oder Szenen aus Büchern<br />

lernen die Kinder zwischen Fiktion<br />

und Wirklichkeit zu unterscheiden.<br />

Themen werden weitergesponnen<br />

oder umgestaltet.<br />

Sie merken, dass viele Dinge, die<br />

in der Welt der Medien möglich<br />

sind, in der Realität gar nicht<br />

funktionieren.<br />

Über das Rollenspiel wird dem<br />

kindlichen Gehirn ermöglicht,<br />

sich in verschiedene Rollen einzufühlen,<br />

Sorgen und Ängste zu<br />

verarbeiten und im Austausch mit<br />

anderen Kindern oder Erwachsenen<br />

Lösungen zu finden. Positive<br />

und negative Eindrücke werden<br />

gleichermaßen wiederholt und<br />

Situationen eingeordnet. Es entwickelt<br />

dadurch Verständnis <strong>für</strong><br />

die Welt der Erwachsenen, ihre<br />

Aufgaben und Rollen im täglichen<br />

Leben. Deshalb verrät das<br />

Rollenspiel viel über das Leben<br />

von Kindern und ihren Familien,<br />

häufig auch, welche Sorgen und<br />

Nöte sie vielleicht beschäftigen.<br />

Im Rollenspiel zeigen Kinder<br />

Höchstleistungen<br />

Sicher konntest du schon beobachten,<br />

dass sich die ersten Rollenspiele<br />

mit ungefähr drei Jahren<br />

von den Rollenspielen der älteren<br />

Kinder unterscheiden. Das liegt<br />

daran, dass es sich bei den Jüngeren<br />

zunächst um ganz einfache<br />

Geschichten handelt. Oft ist es<br />

auch nur eine Handlung, wie zum<br />

Beispiel den Puppenwagen durch<br />

die Gänge zu steuern, bei der das<br />

Kind aber Höchstleistungen zeigt.<br />

10


Kreativität<br />

Um im Rollenspiel gut agieren zu<br />

können, muss sich das Kind eine<br />

Handlung überlegen. Im Fall des<br />

Puppenwagenschiebens ist es<br />

vielleicht das Spazierengehen.<br />

Oder aber das Baby soll schlafen.<br />

Dazu kommt noch die Rolle,<br />

die das Kind dabei übernehmen<br />

möchte. Ist es der Vater oder die<br />

Mutter?<br />

Gibt es einen Spielpartner, müssen<br />

sich die Kinder über die<br />

Handlung und Rollenverteilung<br />

sprachlich austauschen.<br />

Je älter das Kind wird, desto<br />

komplexer werden Rollenspiele.<br />

Spätestens mit vier Jahren spielen<br />

fast alle Kinder Rollenspiele. Es<br />

kommen weitere Fähigkeiten der<br />

Kinder hinzu: Jetzt beginnen sie<br />

damit, ein Spiel zu planen, verschiedene<br />

Handlungen zu entwickeln<br />

und sich auch immer besser<br />

darüber zu verständigen. Es wird<br />

gemeinsam eine Spielidee entworfen<br />

und du kannst Sätze hören<br />

wie „… und dann kommst du<br />

halt da rein und sagst …“ oder „…<br />

wenn du dann fertig bist, machst<br />

du noch das Bett.“<br />

Die Bedeutung des Rollenspiels<br />

Das Rollenspiel ist von großer<br />

Bedeutung <strong>für</strong> die soziale,<br />

sprachliche und kognitive<br />

Entwicklung von<br />

Kindern. In gemeinsamen<br />

Rollenspielen<br />

müssen sich Kinder<br />

untereinander absprechen.<br />

Sie lernen, sich in<br />

eine Gruppe einzufügen, tolerant<br />

zu sein, aber auch eigene Ideen<br />

und Vorstellungen einzubringen.<br />

Sie müssen sich durchsetzen<br />

oder Kompromisse schließen.<br />

Die Kinder lernen voneinander,<br />

indem sie sich gegenseitig beobachten.<br />

Sie trainieren auszuhalten,<br />

selbst nicht mitspielen<br />

zu dürfen, dass der Freund nicht<br />

mitspielen darf oder die eigene<br />

Idee plötzlich über den Haufen<br />

geworfen wird, weil andere Ideen<br />

umgesetzt werden. Im Rollenspiel<br />

gibt es Regeln und die Kinder<br />

lernen deren Einhaltung. Gelingt<br />

ihnen das nicht, kann das <strong>für</strong> sie<br />

unangenehme Folgen haben. Im<br />

besten Fall verlieren sie ihre Rolle<br />

und müssen eine andere,<br />

nicht gewollte übernehmen.<br />

Im schlechtesten<br />

Fall werden sie vom<br />

Spiel ausgeschlossen.<br />

Du hast bestimmt schon<br />

erlebt, wie streng Kinder sein<br />

können, wenn ein anderes Kind<br />

über die Stränge schlägt.<br />

Im Rollenspiel kann ein Kind<br />

seine inneren Konflikte ausleben.<br />

Es kann zum Beispiel durch die<br />

Puppe Dinge sagen und tun, was<br />

es selbst zu Hause nicht darf.<br />

Dann übernimmt das Kind die<br />

Rolle der Mutter oder des Vaters,<br />

um die Puppe zu maßregeln.<br />

Auch im Freien spielen Kinder häufig Rollenspiele. Dabei machen sie sich auch die Gegebenheiten der Natur zunutze.<br />

11


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Alte Puppenhäuser der Großeltern sind nicht nur von historischem Wert. Sie dienen den Kindern als Plattform <strong>für</strong> eine besondere Form des<br />

Rollenspiels.<br />

Kompetenzzentrum Rollenspiel<br />

Kinder lernen im Rollenspiel<br />

wichtige Kompetenzen <strong>für</strong> ihr<br />

späteres Erwachsenenleben.<br />

Das Ausleben von Ideen und<br />

immer neuen und umfangreichen<br />

Spielvarianten beeinflusst die<br />

Kreativität. Diese Eigenschaft ist<br />

im späteren Leben von großer<br />

Bedeutung, um das berufliche<br />

und private Leben zufriedenstellend<br />

zu gestalten. Haben Kinder<br />

in gemeinsamen Rollenspielen<br />

Erfolgserlebnisse, sind sie in der<br />

Lage, im realen Leben mit Niederlagen<br />

oder Rückschlägen besser<br />

umzugehen. Sie schulen so ihr<br />

Selbstbewusstsein und verlieren<br />

in Konflikten nicht ihren Selbstwert.<br />

Nicht zuletzt haben die Kinder im<br />

Rollenspiel einen ersten Bezug<br />

zu ihrem eigenen Geschlecht und<br />

machen Erfahrungen, wie es sich<br />

anfühlt, in der Rolle des anderen<br />

Geschlechts zu agieren.<br />

Um den Sprachschatz und die<br />

Ausdrucksfähigkeit zu erweitern,<br />

gibt es nichts Besseres als<br />

Rollenspiele. Die Kinder lernen<br />

neue Wörter und ihre Bedeutung<br />

kennen, sich besser auszudrücken<br />

und andere zu verstehen.<br />

Wie Du das Rollenspiel<br />

unterstützen kannst<br />

Um die Kinder in der Kita im Rollenspiel<br />

zu unterstützen, stellst<br />

du ihnen am besten verschiedene<br />

Materialien zur Verfügung. Dabei<br />

eignen sich alle Dinge aus dem<br />

täglichen Leben. Um in verschiedene<br />

Rollen schlüpfen zu<br />

können, brauchen die<br />

Kinder zwar nicht viel,<br />

aber es macht ihnen<br />

noch mehr Spaß. Verkleidungen<br />

in Form<br />

von Kleidern, Röcken,<br />

Hüten, Tüchern, Taschen,<br />

Westen, Anzügen usw. animieren<br />

Kinder dazu, verschiedene Rollen<br />

einzunehmen. Einmal eine Prinzessin<br />

sein, als Polizist den Dieb<br />

fangen oder als Feuerwehrmann<br />

Brände löschen lässt die innersten<br />

Wünsche wahr werden. Verschieden<br />

gestaltete Spielecken<br />

lassen Kinderherzen höherschlagen.<br />

Wenn du die Spielbereiche<br />

thematisch und ansprechend einrichten<br />

möchtest, dann braucht<br />

es ein bisschen Fantasie. Für eine<br />

kleine Arztpraxis frage doch mal<br />

in Arztpraxen oder Apotheken<br />

nach, ob es gerade sogenannte<br />

Ladenhüter gibt oder Materialien,<br />

die nicht mehr gebraucht werden.<br />

Wenn bei dir in der Kita gerade<br />

Feuerwehr hoch im Kurs<br />

steht, kannst du auch mal<br />

bei der ortsansässigen<br />

Feuerwehr anfragen.<br />

Dort liegen oft ausgemusterte<br />

Helme<br />

oder Schläuche, die nicht<br />

mehr gebraucht werden können.<br />

Wenn Kinder gerne einkaufen<br />

gehen, dann kannst du bei den<br />

Eltern einen Aufruf nach leeren<br />

12


Kreativität<br />

Verpackungen oder Cremedöschen<br />

starten. Auch Nudeln oder<br />

getrocknete Hülsenfrüchte schön<br />

verpackt eignen sich hier gut. Ein<br />

nicht mehr gebrauchter Laptop<br />

oder PC, ein Telefon, Kalender<br />

und Stifte machen ein Büro aus.<br />

Auch eine liebevoll gestaltete<br />

Puppenecke lädt zum Spielen ein.<br />

Ein richtiges Bett mit Bettwäsche,<br />

ein Tisch in Kindergröße und<br />

kindgerechtes Geschirr, Dinge<br />

zum Anziehen, Puppenwagen<br />

und ästhetische Raumdekoration<br />

machen die Sache rund. Wichtig<br />

ist: Egal was du den Kindern zur<br />

Verfügung stellst, achte immer<br />

darauf, dass es intakt, kindgerecht<br />

und vor allem kinder- bzw. bruchsicher<br />

ist.<br />

Die Rolle der pädagogischen<br />

Fachkraft<br />

Kinder beim Rollenspiel zu beobachten,<br />

erfüllt gleich mehrere<br />

Funktionen. Du kannst Hilfestellungen<br />

geben, Fragen beantworten,<br />

mitspielen oder gegebenenfalls<br />

eingreifen. Dabei bekommst<br />

du wichtige Informationen zum<br />

Entwicklungsstand der Kinder:<br />

→ Spielt das Kind lieber allein<br />

oder immer mit anderen?<br />

→ Welche Rollen nimmt es am<br />

liebsten ein?<br />

→ Wie verhält es sich während<br />

des Spiels?<br />

→ Welche Impulse verarbeitet es<br />

im Rollenspiel?<br />

→ Wie geht es ihm emotional?<br />

→ Wie kreativ und fantasievoll<br />

zeigt sich das Kind?<br />

→ Was hat es <strong>für</strong> einen Wortschatz?<br />

→ Wie geht es mit Konflikten um?<br />

In den meisten Fällen steht und<br />

fällt das Rollenspiel mit den<br />

richtigen Spielpartnern. Meistens<br />

sind das die Freunde und andere<br />

Kinder. Aber manchmal kommen<br />

die Kinder mit dem Wunsch auf<br />

dich zu, mit ihnen zu spielen.<br />

Dann scheue dich nicht und<br />

werde mutig ein Teil der aktuellen<br />

Spielsituation. Erwachsene tun<br />

sich oft schwer darin, weil sie zu<br />

viel nachdenken: Ist der Löwe so<br />

perfekt genug? Lösche ich das<br />

Feuer richtig? Was sagen denn<br />

jetzt die anderen über mich? Hier<br />

kannst du beruhigt sein. Machst<br />

du etwas nicht so, wie es das<br />

Kind vielleicht erwartet, zeigt es<br />

dir, wie es geht und verurteilt<br />

dich nicht. Und wenn du gar nicht<br />

weißt, wie du deine Rolle umsetzen<br />

sollst, dann frag doch einfach<br />

nach und lass es dir erklären.<br />

Stephanie Wendle ist Erzieherin<br />

und zertifizierte Praxisanleiterin.<br />

Außerdem ist sie im Verband <strong>für</strong> Kita-<br />

Fachkräfte Baden-Württemberg aktiv<br />

und führt den Zweisicht-Blog.<br />

https://zweisicht.blog<br />

13


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Peergroup-Eingewöhnung<br />

Neue Wege von Anfang an<br />

Interview mit der Autorin und Dozentin Anja Cantzler<br />

Anja Cantzler ist Weiterbildnerin, Coach<br />

(DGfC) und Supervisorin.<br />

Als Fachautorin, Bloggerin und Podcasterin<br />

steht sie <strong>für</strong> die verstehens- und<br />

bedürfnisorientierte <strong>Pädagogik</strong> und setzt<br />

sich <strong>für</strong> eine gewaltfreie Kindheit ein.<br />

Die Eingewöhnung neuer Kinder<br />

ist eine Herausforderung.<br />

Für Eltern, Kinder und immer<br />

auch <strong>für</strong> die pädagogischen<br />

Fachkräfte. Anja Cantzler setzt<br />

sich intensiv mit unterschiedlichen<br />

Eingewöhnungsmodellen<br />

auseinander, ehe sie in<br />

verschiedenen Einrichtungen<br />

die Peergroup-Eingewöhnung<br />

umsetzt. Mit Erfolg! Was hinter<br />

diesem Modell steckt, bei dem<br />

zwei Fachkräfte bis zu fünf<br />

Kinder gleichzeitig eingewöhnen<br />

und warum sie es gern<br />

empfiehlt, verrät sie im Interview<br />

mit unserer Redakteurin<br />

Marion Bischoff.<br />

<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong>: Liebe Anja, die<br />

Peergroup-Eingewöhnung ist dein<br />

Herzensanliegen.<br />

Anja Cantzler: Ich denke, ich<br />

erkläre kurz, wie ich zu diesem<br />

Projekt gekommen bin, denn<br />

ich habe den Eindruck, viele<br />

kennen es noch nicht. Während<br />

ich selbst noch in Kitas gearbeitet<br />

habe, mein Anfang liegt 30<br />

Jahre zurück, da gab es keine<br />

Eingewöhnung. Eltern waren da<br />

auch herzlich wenig willkommen.<br />

Ich spürte, es geht den Kindern<br />

damit schlecht und auch ich als<br />

junge Fachkraft hatte Probleme.<br />

Im Laufe der Zeit habe ich verschiedene<br />

Einrichtungen mit<br />

aufgebaut und das Ankommen<br />

der Kinder war <strong>für</strong> mich immer<br />

wieder Thema. Mir wurde klar,<br />

dass es nichts bringt, 85 Kinder<br />

auf einmal aufzunehmen. So haben<br />

wir die Aufnahmen gestaffelt,<br />

Eltern mit ins Boot geholt. Wir<br />

hatten da auch schon U3 Kinder<br />

und ich habe klar erkannt, die<br />

bleiben nicht den ganzen Vormittag<br />

ohne Eltern. Das waren so<br />

erste Schritte in meiner eigenen<br />

Entwicklung zur Eingewöhnung<br />

von Kindern und das hat eben<br />

auch die Einrichtungen geprägt,<br />

in denen ich tätig war.<br />

Als ich mich vor 20 Jahren selbstständig<br />

machte, begegnete ich<br />

dem Berliner Eingewöhnungsmodell<br />

und erkannte, dass<br />

wir <strong>–</strong> unbewusst <strong>–</strong> in meinen<br />

Einrichtungen so ähnlich agiert<br />

hatten. So habe ich dann in<br />

meinem Wohnumfeld in den Einrichtungen<br />

mitgeholfen, dieses<br />

Modell mit einzuführen. Lange<br />

Zeit dachte ich, das ist ganz gut<br />

und war zufrieden, hatte trotzdem<br />

noch einen Punkt, an dem<br />

ich unzufrieden war, ohne es so<br />

genau benennen zu können. Bei<br />

der Begegnung mit einer Fachkraft<br />

hörte ich erstmals von dem<br />

Eingewöhnungsmodell der Peergroup-Eingewöhnung,<br />

die die<br />

Gleichaltrigengruppe in die Eingewöhnung<br />

einbezieht. Warum<br />

nicht von Beginn an Gleichaltrige<br />

zusammenbringen? Viele Kinder<br />

kommen besser an über andere<br />

Kinder und nicht über die Begleitung<br />

durch Erwachsene.<br />

PfD: Ja, das ist wohl auch ein wenig<br />

Erwachsenendenken, zu meinen,<br />

dass Kinder zwingend Erwachsene<br />

brauchen, um sich irgendwo zu<br />

integrieren.<br />

A.C.: Genau. Es hat natürlich<br />

auch etwas mit Vorerfahrungen<br />

zu tun. Zugleich bleiben Fachkräfte<br />

wichtig in diesem Prozess, das<br />

möchte ich auf keinen Fall falsch<br />

verstanden wissen. Ursprünglich<br />

heißt es ja nicht Peergroup-Eingewöhnung,<br />

sondern „Eingewöhnung<br />

in der Peer“. Das ist das<br />

sogenannte Tübinger Modell, das<br />

von Heike Fink in ihrer Doppelfunktion<br />

als Kitaleitung und<br />

Dozentin entwickelt und evaluiert<br />

worden ist. Zugleich basiert das<br />

Modell auf der Bindungstheorie,<br />

bezieht zusätzlich die Erkenntnisse<br />

der Transitions- und Peerforschung<br />

mit ein. Wichtig ist auch<br />

die kultursensible <strong>Pädagogik</strong>, die<br />

hier mit einfließt. Kinder haben<br />

unterschiedliche Vorerfahrungen.<br />

14


Kinder<br />

All das kam <strong>für</strong> mich zusammen<br />

und hat ein Aha-Erlebnis bewirkt.<br />

Ich möchte einfach die Frage<br />

stellen: Wie kann denn gute Eingewöhnung<br />

gelingen?<br />

PfD: Was denkst du, warum sich<br />

die Eingewöhnung in der Peer zu<br />

wenig in der breiten Masse zeigt?<br />

A.C.: Ich denke, sie wird zu wenig<br />

publiziert, der Kreis der Weiterbildenden<br />

ist auch noch sehr klein<br />

und dadurch wissen viele in der<br />

Breite der Kitalandschaft noch<br />

nichts von diesem Modell. Hinzu<br />

kommt, dass alles Neue natürlich<br />

Zeit braucht. Bei allem stehen<br />

zu Beginn natürlich Zweifel im<br />

Raum. Mir begegnen öfter Fragen<br />

wie: „Geht das tatsächlich, mehrere<br />

Kinder einzugewöhnen?“,<br />

„Kann ich da denn zeitgleich allen<br />

gerecht werden?“, „Was ist, wenn<br />

sich ein Kind nicht gut lösen<br />

kann?“ Und <strong>für</strong> all das braucht es<br />

meiner Meinung nach noch mehr<br />

Raum. Und Angebote wie hier<br />

bei euch, es vorzustellen. Es gibt<br />

tatsächlich auch nur zwei Bücher<br />

auf dem Markt zum Thema: Mein<br />

eigenes und eines von Heike<br />

Fink.<br />

PfD: War das ein Anlass <strong>für</strong> dich,<br />

mit deinem Buch mehr Aufmerksamkeit<br />

zu generieren?<br />

A.C.: Eigentlich entstand die Idee<br />

zu dem Buch durch die Online-<br />

Seminare, in denen ich immer<br />

wieder gefragt wurde, ob es<br />

etwas zum Nachlesen dazu gibt.<br />

PfD: Was würdest du einem Kita-<br />

Team empfehlen in den Kita-Alltag<br />

zu integrieren, um das neue Eingewöhnungsmodell<br />

einzuführen?<br />

A.C.: Ich würde immer eine Steuerungsgruppe<br />

bilden, sich mit den<br />

Fachartikeln und den Büchern,<br />

Podcasts und allen verfügbaren<br />

Informationen zum Thema zu<br />

befassen, um die Eckpunkte ins<br />

Team hineinzubringen. Ich arbeite<br />

mit einem Mehr-Säulen-Modell.<br />

Das Team, die eingewöhnenden<br />

Fachkräfte, der Raum, die Bindungspersonen,<br />

das einzelne<br />

Kind und die Kindergruppe und<br />

die wahrnehmende Beobachtung.<br />

Die wird gebraucht, um die Kindorientierung<br />

über die Gruppe zu<br />

stellen, denn letztlich steht immer<br />

das Bedürfnis jedes einzelnen<br />

Kindes im Vordergrund.<br />

PfD: Betrachten wir die Situation<br />

der Eltern: Sie sind ja stark fokussiert<br />

auf das eigene Kind. Hast du<br />

schon erlebt, dass Eltern Angst<br />

haben, ihr Kind könnte zu kurz<br />

kommen?<br />

A.C.: Natürlich sind diese Fragen<br />

der Eltern da. Da<strong>für</strong> muss<br />

man ihnen vermitteln, dass zwei<br />

Fachkräfte da sind, um ihr Kind zu<br />

unterstützen. Auch sie als Eltern<br />

sind mit dabei. Und das Gute in<br />

der Peergroup-Eingewöhnung ist,<br />

dass auch die Eltern eine Peergroup<br />

bilden. Da spüren sie dann<br />

Im gemeinsamen Spiel entsteht Bindung zu Gleichaltrigen.<br />

15


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

auch direkt, dass sie mit ihren<br />

Sorgen und Unsicherheiten nicht<br />

allein sind. Oft entstehen dadurch<br />

in der Eltern-Peergroup Freundschaften.<br />

PfD: Das ist ein wichtiger Aspekt,<br />

denn in anderen Eingewöhnungsmodellen<br />

sitzt man als eingewöhnender<br />

Elternteil ja oft ein bisschen<br />

auf dem Präsentierteller, weil da<br />

eben die eine Mutter oder der eine<br />

Vater in der Kindergruppe sitzen.<br />

In der Elterngruppe fühlt man sich<br />

vermutlich geschützter.<br />

A.C.: Ja, und man hat eben echt<br />

die gleichen Themen. Das Loslassen,<br />

die neue Umgebung usw.<br />

Außerdem ist vielen Eltern das<br />

Prinzip von Spielgruppen nicht<br />

fremd. Im Endeffekt ist die Peergroup<br />

nichts anderes als eine<br />

Spielgruppe. Man bringt sein<br />

Kind, die Kinder spielen miteinander<br />

und die Eltern bilden eine<br />

Gruppe. Nun kommt in der Peergroup-Eingewöhnung<br />

ein Aspekt<br />

hinzu: Es geht darum, dass die<br />

Kinder irgendwann allein dableiben.<br />

Dazu gibt es Studien, dass<br />

Kinder mit Gleichaltrigen in der<br />

gleichen Situation sind. Sie lernen<br />

von den anderen Kindern und die<br />

Eltern von den anderen Eltern.<br />

Ich glaube, wenn das entsprechend<br />

er- und bearbeitet wird,<br />

können wir bald den Wert der<br />

Übergangsgestaltung erkennen.<br />

PfD: Der dauernde Personalmangel<br />

in den Einrichtungen ist ja aktueller<br />

denn je. Wie würdest du argumentieren,<br />

wenn jemand genau deswegen<br />

Bedenken <strong>für</strong> die Peergroup-<br />

Eingewöhnung äußert?<br />

Kinder können sich gegenseitig unterstützen, trösten, fordern.<br />

A.C.: Dazu kann ich sagen, dass<br />

alle anderen Modelle auch zeitintensiv<br />

sind. Es geht immer wieder<br />

darum, zu schauen, wann wer wie<br />

<strong>für</strong> welches Kind zuständig ist. In<br />

der Peergroup-Eingewöhnung ist<br />

das Zeitfenster des sehr hohen<br />

Personalaufwands viel geringer.<br />

Am Anfang handelt sich um ein<br />

Zeitfenster von einer Stunde bis<br />

neunzig Minuten. Danach sind<br />

die Kinder ja in der Peergroup.<br />

Weitere Literatur von Anja Cantzler<br />

Schätze finden statt Fehler<br />

suchen<br />

Kartoniert<br />

128 Seiten<br />

ISBN: 978-3-451-39666-3<br />

Verlag Herder, 1. Auflage<br />

<strong>2023</strong><br />

Preis: 18 EUR<br />

Sich seiner selbst bewusst<br />

sein<br />

Kartoniert<br />

176 Seiten<br />

ISBN: 978-3-451-39290-0<br />

Verlag Herder, 1. Auflage<br />

2022<br />

Preis: 20 EUR<br />

16


Kinder<br />

Und dort werden sie von zwei<br />

Fachkräften begleitet. Dieses Tandem<br />

ist <strong>für</strong> die Kinder gleichzeitig<br />

da. Das Gute an diesem Tandem<br />

liegt auch darin, dass bei einem<br />

krankheitsbedingten Ausfall die<br />

andere Fachkraft die Kinder<br />

weiter begleiten kann. So passiert<br />

es nicht, dass Kinder <strong>–</strong> wie in<br />

einigen anderen Eingewöhnungsmodellen<br />

<strong>–</strong> plötzlich von jemand<br />

anderem begrüßt werden, weil<br />

ihre eingewöhnende Fachkraft<br />

erkrankt ist. Im schlimmsten Fall<br />

kann der Ausfall der Eingewöhnungsperson<br />

ja sogar zu einem<br />

Abbruch führen. Diese Abbrüche<br />

führen oft dazu, dass es zum<br />

Scheitern der Übergänge von<br />

Familie in die Einrichtung kommt.<br />

Diese Gefahr ist bei der Peergroup-Eingewöhnung<br />

bedeutend<br />

niedriger, weil eben ohnehin<br />

immer zwei Fachkräfte die Peergroup<br />

begleiten und die Kinder<br />

sich gegenseitig haben. Den<br />

Kindern ist es hier auch oft sehr<br />

schnell nicht mehr wichtig, welche<br />

Fachkräfte da sind, denn sie<br />

haben ja ihre Freundinnen und<br />

Freunde. Das wird oft verschätzt,<br />

denke ich. Das ist das, was mir<br />

aus den Einrichtungen, die dieses<br />

Eingewöhnungsmodell umsetzen,<br />

oft rückgemeldet wird. Natürlich<br />

läuft nicht immer und zu jeder<br />

Zeit alles rund. Doch da<strong>für</strong> gibt<br />

es dann ja auch noch die Dozentinnen<br />

und Dozenten, an die man<br />

sich mit Fragen wenden kann.<br />

Und dann können wir gemeinsam<br />

um die Ecke denken.<br />

PfD: Das ist doch ein schönes<br />

Schlusswort. Danke, liebe Anja, <strong>für</strong><br />

den interessanten Einblick in ein<br />

Eingewöhnungsmodell, das Schule<br />

beziehungsweise Kita machen<br />

sollte.<br />

Das Interview führte<br />

Marion Bischoff<br />

Gut ankommen in der Kita!<br />

Das gelingt mit der Peergroup-Eingewöhnung schnell und entspannt <strong>für</strong><br />

Kinder und Eltern. Denn hier werden mehrere gleichaltrige Kinder als<br />

Gruppe gleichzeitig eingewöhnt und unterstützen sich beim Ankommen<br />

in der Kita, Krippe oder Kindertagespflege gegenseitig. So wie auch die<br />

Eltern gemeinsam mit den Kindern „eingewöhnt“ werden und direkt in<br />

Kontakt miteinander treten können.<br />

Peergroup-Eingewöhnung<br />

Paperback<br />

120 Seiten<br />

ISBN: 9-783-83466034-3<br />

Verlag an der Ruhr, 2022<br />

Preis: 24,99 EUR<br />

Theorie und Praxis vereint<br />

Für die Autorin ist die Peergroup-Eingewöhnung die logische Weiterführung<br />

der bisher praktizierten Methoden (Berliner und Münchener Modell)<br />

und liefert <strong>für</strong> die pädagogische Arbeit rund um den Übergang einen<br />

weiteren Ansatz. Das Buch erläutert die theoretischen Grundgedanken<br />

und stellt dar, welche Bedeutung die Gruppe der Gleichaltrigen <strong>für</strong> die<br />

kindliche Entwicklung hat. Auf der praktischen Umsetzung liegt der Fokus<br />

dieses Fachbuchs: Die Autorin beschreibt die wesentlichen Säulen der<br />

gemeinschaftlichen Eingewöhnung sowie deren konkrete Umsetzung im<br />

Kita- und Krippenalltag.<br />

Du möchtest das Buch "Peergroup-Eingewöhnung"<br />

von Anja Cantzler gerne gewinnen?<br />

Dann beantworte einfach folgende Frage:<br />

Welches Eingewöhnungskonzept war das erste, mit<br />

dem Anja Cantzler in Berührung kam?<br />

und sende deine Antwort per Email an:<br />

info@wir.bauen-bruecken.com<br />

17


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Interkulturelle Kommunikation<br />

Missverständnisse kann man vermeiden<br />

von Mounir Zaytouni<br />

In pädagogischen Einrichtungen<br />

bedeutet die Zusammenarbeit<br />

mit Eltern mit Migrationshintergrund<br />

manchmal eine<br />

Herausforderung. Oft sind die<br />

Pädagoginnen und Pädagogen<br />

unsicher, wie man bestimmte<br />

Situationen meistern soll. Man<br />

ist ratlos, aber gutmütig und<br />

will ja schließlich nur das Beste<br />

<strong>für</strong> das Kind und die Eltern.<br />

Doch irgendwie versteht man<br />

einander nicht richtig.<br />

Interkulturelle Missverständnisse<br />

Missverständnisse allgemein<br />

können bei jeder menschlichen<br />

Kommunikation vorkommen.<br />

Wenn die Gesprächspartner<br />

zusätzlich verschiedene kulturelle<br />

Hintergründe haben, dann<br />

ist die Möglichkeit noch höher,<br />

dass Missverständnisse aufgrund<br />

einer Fehlinterpretation des<br />

sprachlichen oder non-verbalen<br />

Verhaltens des Kommunikationspartners<br />

auftreten.<br />

Pädagogische Einrichtungen in<br />

Stadtteilen mit hohem Anteil von<br />

Menschen mit Migrationshintergrund<br />

kennen das gut, gerade<br />

wenn die Eltern nicht lange in<br />

Deutschland leben und ein anderes<br />

Schulsystem bzw. pädagogische<br />

Arbeiten gewöhnt sind.<br />

Wenn es „Knatsch“ gibt<br />

Kulturen auf dieser Welt können<br />

so unterschiedlich sein und da in<br />

den pädagogischen Einrichtungen<br />

in Deutschland so viele verschiedene<br />

Nationen vertreten sind,<br />

macht das manchmal die Zusammenarbeit<br />

kompliziert, zugleich<br />

auch interessant und spannend.<br />

Zum Beispiel bedeutet in Bulgarien<br />

das Kopfschütteln „Ja“ und<br />

Kopfnicken „Nein“. In arabischen<br />

Ländern gilt der dauerhafte Blickkontakt<br />

als unhöflich. In vielen<br />

Ländern ist es unhöflich, nicht auf<br />

eine Frage antworten zu können,<br />

deshalb wird irgendeine Antwort<br />

geliefert.<br />

Die Tatsache, dass Eltern mit<br />

Migrationshintergrund häufig die<br />

Rolle von Erzieherinnen und Erziehern<br />

in Deutschland nicht genau<br />

kennen, erschwert manchmal<br />

eine funktionierende Bildungspartnerschaft.<br />

Erwartungen wie zum Beispiel<br />

„mein Kind soll im Kindergarten<br />

lesen und schreiben lernen wie in<br />

der Schule“, können vorkommen,<br />

denn die Eltern kennen es nicht<br />

anders aus ihrer Heimat. Fragen<br />

zu Nähe und Distanz können<br />

ebenfalls zu Missverständnissen<br />

führen. Allgemein gilt in südlicheren<br />

Ländern, dass die Menschen<br />

weniger Abstand zueinander<br />

haben, wenn sie miteinander<br />

kommunizieren, Berührungen auf<br />

die Schultern oder Umarmungen<br />

gelten als sozial und freundlich,<br />

während man das in Westeuropa<br />

oft als übergriffig bezeichnet.<br />

Bei muslimischen Familien ist es<br />

sehr wichtig, die Schweinfleischfrage<br />

ernst zu nehmen. Aussagen<br />

wie „Es ist gemischtes Fleisch,<br />

mit nur wenig Schweinefleisch“<br />

müssen vermieden werden. In<br />

der islamischen Kultur gilt das<br />

Schwein als unreines Tier. Selbst<br />

nicht religiöse Muslime vermeiden<br />

es meistens, Schweinefleisch<br />

18


Eltern<br />

zu essen, weil sie es nicht anders<br />

gewöhnt sind. Achtung vor Verallgemeinerungen!<br />

In vielen Fällen klappt die Zusammenarbeit<br />

mit Eltern anderer<br />

Kulturen sehr gut. Deswegen<br />

solltest du nicht verallgemeinern,<br />

wenn es irgendwo hakt.<br />

Was du tun kannst<br />

Zuerst ist es immer von Vorteil,<br />

wenn man sich darüber informiert,<br />

welche Nationen in der<br />

eigenen Einrichtung vertreten<br />

sind, damit man überhaupt weiß,<br />

was einen erwartet. Dann sollte<br />

man im Voraus Informationen<br />

über die jeweiligen Kulturen aus<br />

Fachbüchern, Gesprächen und<br />

sonstigen Informationsquellen<br />

sammeln. Wichtig ist hierbei, dass<br />

man nur ernsthafte pädagogische<br />

Literatur verwendet und keine<br />

Trivialliteratur, die Vorurteile verbreitet.<br />

Die individuelle Lebensgeschichte<br />

der Kinder und Familien kann<br />

sehr viel Licht ins Dunkle bringen,<br />

z. B. ist es wichtig zu wissen,<br />

inwieweit eine Flüchtlingsfamilie<br />

traumatisiert ist.<br />

Vor Gesprächen mit den Eltern<br />

solltet ihr im Kollegium feststellen,<br />

ob eine Kollegin oder<br />

ein Kollege der jeweiligen Kultur<br />

der Eltern angehört oder deren<br />

Sprache spricht. Nimm sie dir als<br />

Unterstützung mit in den Austausch.<br />

So baust du automatisch<br />

Hürden ab und die Eltern spüren<br />

dein Interesse an der Familie und<br />

ihrem Kind. Es ist wichtig, immer<br />

auf Augenhöhe zu agieren,<br />

aktiv zuzuhören. Viele Eltern mit<br />

Migrationshintergrund haben<br />

Erfahrungen mit Diskriminierung<br />

gemacht oder haben Angst davor,<br />

nicht ernst genommen zu werden.<br />

Deine Haltung und die des<br />

Teams<br />

Wie steht ihr als Team zur Aufnahme<br />

und Eingewöhnung von<br />

Kindern mit Migrationshintergrund,<br />

Sprachbarrieren, Traumata<br />

usw.? Wie fühlst du dich, wenn<br />

du an ein Gespräch mit Familien<br />

denkst, die aus einem Kriegsgebiet<br />

kommen? Was denkst du<br />

über andere Kulturen, die der<br />

deutschen in manchen Bereichen<br />

sehr konträr entgegenstehen?<br />

Welche Erwartung hast du an die<br />

Eltern? Was weißt du über den<br />

Kulturkreis, aus dem die Familie<br />

kommt? Welche guten Erfahrungen<br />

hast du bis jetzt mit Eltern<br />

mit Migrationshintergrund gemacht?<br />

Welche Freunde oder Bekannte<br />

mit Migrationshintergrund<br />

hast du, die du sehr nett findest?<br />

Habt ihr euch im Team schon<br />

einmal mit diesen Fragen beschäftigt?<br />

Es ist der erste Schritt<br />

<strong>für</strong> jede Erzieherin und jeden<br />

Erzieher, um sich selbst zu<br />

reflektieren und eine gemeinsame<br />

Haltung des Teams zu erkennen.<br />

Gemeinschaft stärken<br />

Anstatt imaginäre Grenzen zu<br />

bewahren, reiße sie einfach ein,<br />

indem alle Familien ihre Elternbriefe<br />

mehrsprachig bekommen<br />

und dadurch das Gemeinschaftsgefühl<br />

gestärkt wird. So ist die<br />

sprachliche Grenze schon aufgehoben.<br />

In einer Kita, die offen <strong>für</strong><br />

alle ist, lernen Kinder, Eltern und<br />

Angehörige den toleranten und<br />

offenen Umgang miteinander.<br />

So prägt ihr die Gesellschaft von<br />

heute und morgen mit, indem<br />

nicht Herkunft, Religion, Familienstrukturen<br />

in den Mittelpunkt<br />

gestellt werden, sondern jede<br />

einzelne Person in ihrer Ganzheit<br />

als Mensch.<br />

Versuche die Eltern zum Mitmachen<br />

zu bewegen. Frage ruhig<br />

einen türkischen Vater, ob er zur<br />

Unterstützung bei einem Ausflug<br />

mitkommt, und organisiert interkulturelle<br />

Feste. Auch Eltern mit<br />

Migrationshintergrund freuen<br />

sich, wenn sie ihre Fähigkeiten<br />

einbringen können.<br />

Tipp:<br />

Mit einem interkulturellen<br />

Kalender sind alle Familien<br />

darüber informiert, was in der<br />

jeweils anderen Kultur gerade „los“<br />

ist. So kann man sich gegenseitig<br />

zu bestimmten Anlässen<br />

beglückwünschen. Ein „alles<br />

Gute zum Zuckerfest“ kann in der<br />

Beziehung sehr viel bewirken.<br />

Fazit<br />

Öffne dein Herz und bilde dich<br />

interkulturell weiter, dann wirst<br />

du wunderbare Menschen und<br />

Kulturen kennenlernen.<br />

Mounir Zaytouni ist Dozent an der<br />

Fachakademie <strong>für</strong> Sozialpädagogik in<br />

München und bildet dort Erzieherinnen<br />

und Erzieher aus.<br />

19


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

DIE Lösung?!<br />

Ungelernte Kräfte in der Kita<br />

von Sintje Murawski, Kita-Fachkräfteverband Nordrhein-Westfalen<br />

Würden die von der Bertelsmann<br />

Stiftung empfohlenen<br />

Personalschlüssel <strong>für</strong> alle Kitas<br />

in Deutschland verbindlich<br />

gelten, wären 120.000 zusätzliche<br />

Erzieherinnen und Erzieher<br />

nötig. Um eine kindgerechte<br />

Personalausstattung und zugleich<br />

ausreichend Plätze in<br />

allen Kitas zu realisieren, fehlen<br />

bis 2030 sogar mehr als<br />

230.000 Fachkräfte.<br />

Das im SGB VII verankerte Recht<br />

auf „bedürfnisorientierte Betreuung,<br />

gute frühkindliche Bildung<br />

und individuelle Förderung“ wird<br />

zunehmend mit Füßen getreten.<br />

Immer mehr Kinder bei immer<br />

weniger Fachkräften erschweren<br />

die Einhaltung der Kinderrechte.<br />

Bedürfnisorientierung, Qualität<br />

und Individualität rücken oft in<br />

den Hintergrund, wenn Fachkräfte<br />

fehlen.<br />

Eine Sache der Qualifizierung<br />

Die Lösung sollen nun sogenannte<br />

Quereinsteiger in der Kita werden?<br />

Also Personen, die aus einer<br />

fremden Sparte/Branche in das<br />

Betätigungsfeld Kita wechseln,<br />

ohne die <strong>für</strong> diesen Beruf sonst<br />

allgemein übliche „klassische“ Berufsausbildung<br />

oder ein Studium<br />

absolviert zu haben.<br />

Wer in einer Kindertageseinrichtung<br />

angestellt sein darf und<br />

welche Qualifizierung derjenige<br />

mitbringen muss, regelt in den<br />

Bundesländern das jeweilige Kinderbildungsgesetz<br />

(KiBiz, AVBay-<br />

KiBiG,…) bzw. die dazugehörige<br />

Personalverordnung. Wenn sogenannte<br />

Quereinsteiger beschäftigt<br />

werden sollen, so müssen die<br />

rechtlichen Vorgaben der Bundesländer<br />

verändert werden. Das<br />

dauert erfahrungsgemäß.<br />

Aus eigener Erfahrung<br />

Ich selbst war so eine Quereinsteigerin.<br />

Erst als „Springerin“<br />

eingesetzt und später „ungelernte<br />

Ergänzungskraft im Gruppendienst“.<br />

Als das in NRW gültige<br />

KiBiz geändert wurde und ich<br />

meinen Job nicht mehr ausüben<br />

durfte, habe ich mich <strong>für</strong> die Ausbildung<br />

zur staatlich anerkannten<br />

Erzieherin entschieden. Ich glaube,<br />

ich habe meinen Job bis dahin<br />

gut gemacht, so gut es eben<br />

ging, ohne eine fundierte Ausbildung<br />

und das damit verbundene<br />

Hintergrundwissen über kindliche<br />

Entwicklung, kindliche Bedürfnisse<br />

und Lerntheorien. Sind wir mal<br />

ehrlich: die Ausbildung dauert<br />

nicht ohne Grund <strong>–</strong> je nach Qualifizierung<br />

und Bundesland <strong>–</strong> im<br />

Schnitt zwischen 3 und 5 Jahren.<br />

Nun sollen die derzeitigen Systemlücken<br />

mit ungelernten<br />

Baden-Württemberg<br />

Email: Info@verband-kitafachkraefte-bw.de<br />

https://verband-kitafachkraefte-bw.de<br />

Bayern<br />

E-Mail: info@verband-kitafachkraefte-bayern.de<br />

https://www.verband-kitafachkraefte-bayern.de<br />

Rheinland-Pfalz<br />

E-Mail: info@kitafachkraefteverband-rlp.de<br />

https://kitafachkraefteverband-rlp.de<br />

Saarland<br />

E-Mail: Verband@kita-fachkraefte-saar.de<br />

https://www.kita-fachkraefte-saar.de/<br />

Hessen<br />

E-Mail: kfvhessen@gmail.com<br />

https://kfvhessen.org<br />

Niedersachsen-Bremen<br />

E-Mail: info@kitafachkraefte-niedersachsen-bremen.de<br />

https://www.kfkv-niedersachsen-bremen.de<br />

Sachsen/Sachsen-Anhalt<br />

E-Mail: kontakt@verband-kitafachkraefte-s-sa.de<br />

https://verband-kitafachkraefte-s-sa.de<br />

Thüringen<br />

E-Mail: info@kita-fkv-th.de<br />

https://www.kita-fachkraefteverband-thueringen.de<br />

Nordrhein-Westfalen<br />

E-Mail: vorsitz@kitafachkraefteverband-nrw.de<br />

https://kitafachkraefteverband-nrw.de<br />

20


Kita-Fachkräfteverbände<br />

Kräften aufgefüllt werden. Es<br />

braucht schnelle Lösungen, um<br />

das überlastete Kitapersonal zu<br />

entlasten! Quereinsteigerinnen<br />

und -einsteiger<br />

könnten diese Lücken<br />

zum Teil schließen,<br />

jedoch nicht ohne<br />

verpflichtende vorherige<br />

bzw. begleitende<br />

Qualifizierung/Schulung und nur<br />

als Ergänzung zu weiteren Fachkräften.<br />

Das System benötigt dann Fachkräfte,<br />

die zu ihren derzeitigen<br />

Aufgaben des Erziehens, Bildens<br />

und Betreuens auch noch die<br />

Anleitung, Einarbeitung und Begleitung<br />

dieser fachneuen Kräfte<br />

übernehmen. Die Liste der Aufgaben<br />

von pädagogischem Fachpersonal<br />

ist lang. Woher sollen<br />

die beschäftigten Erzieherinnen<br />

und Erzieher die Zeit <strong>für</strong> Anleitung<br />

und Einarbeitung nehmen?<br />

Oft fehlt diese Zeit bereits <strong>für</strong> die<br />

aktuellen Auszubildenden in den<br />

Einrichtungen.<br />

Analyse und Begleitung<br />

Natürlich wird es Menschen<br />

geben, die über ein, nennen wir<br />

es „natürliches Gespür“ verfügen<br />

und wenig Einarbeitung<br />

brauchen werden. Aber es wird<br />

eben auch diejenigen geben,<br />

die bisher wenig bis nichts von<br />

Bedürfnisorientierung, Partizipation,<br />

Kinderschutz und dem<br />

genauen Ablauf der kindlichen<br />

Entwicklung wissen, geschweige<br />

denn dem Führen und Begleiten<br />

einer größeren Kindergruppe etc.<br />

Es ist also eine genaue Analyse<br />

notwendig, welche Tätigkeiten<br />

von diesen Ergänzungskräften,<br />

mit ihren<br />

jeweiligen Qualifizierungen,<br />

übernommen werden<br />

können. Logopäden, Ergotherapeuten,<br />

Kinderpsychologen<br />

usw., diese Professionen wären<br />

im Rahmen von multiprofessionellen<br />

Teams wünschenswert und<br />

eine echte Bereicherung <strong>für</strong> jede<br />

Kita, wenn sie ihrer eigentlichen<br />

Tätigkeit nachgehen dürfen. Viele<br />

Tageseinrichtungen haben Kooperationen<br />

mit den genannten<br />

Berufsgruppen und diese haben<br />

mehr als genug Kunden und<br />

Nachfrage, so dass es eher unwahrscheinlich<br />

ist, sie in Kitapersonal<br />

umzuwandeln.<br />

Zukunftsperspektive<br />

Viele Menschen in Kitas<br />

einzustellen, bedeutet<br />

nicht, dass die pädagogische<br />

Qualität weiterhin<br />

stimmt. Wechselnde<br />

Personen, die<br />

stundenweise auf die<br />

Kinder „aufpassen“ stehen im<br />

Gegensatz zum im Kibiz festgelegten<br />

Bildungsauftrag. Welche<br />

„ungelernten Kräfte“ könnte es<br />

noch geben? Zuallererst sollten<br />

nichtpädagogische Kräfte <strong>für</strong><br />

nichtpädagogische Aufgaben eingestellt<br />

werden. Für Verwaltungsaufgaben,<br />

Hauswirtschaft oder<br />

handwerkliche Tätigkeiten könnten<br />

Menschen mit entsprechender<br />

Profession engagiert werden.<br />

Dieses Personal bräuchte natürlich<br />

jemanden, um sie in ihre<br />

Tätigkeiten einzuweisen, doch<br />

benötigen die bisher von Fachkräften<br />

übernommenen „nicht<br />

pädagogischen Aufgaben“ kein<br />

bis wenig pädagogisches Hintergrundwissen.<br />

Einige Einrichtungen verfügen<br />

bereits über solche Kräfte. Die<br />

sogenannten „sonstigen Personalstunden“<br />

<strong>für</strong> Küchenkräfte,<br />

Putzkräfte, Gartenarbeiten, Hausmeistertätigkeiten<br />

etc. oder die<br />

immer wieder vor dem Aus stehenden<br />

„Alltagshelfer“ (in NRW)<br />

reichen jedoch nicht aus, um das<br />

pädagogische Personal vollständig<br />

zu entlasten. Es braucht eine<br />

Erhöhung dieser Stunden.<br />

DIE Lösung wird es wohl<br />

nicht geben, aber vielleicht<br />

einen Schritt in<br />

die richtige Richtung,<br />

ohne den Anspruch<br />

auf Qualität aufgeben<br />

zu müssen. Vielleicht ist<br />

eine Kombination aus all den genannten<br />

Möglichkeiten nicht nur<br />

der Tropfen auf den heißen Stein,<br />

sondern der Beginn eines Umdenkens,<br />

bevor die Beschäftigten<br />

in den Kitas vollständig verbrannt<br />

sind.<br />

Sintje Murawski ist Erzieherin und<br />

Beisitzerin im Vorstand des Kita-Fachkräfteverbandes<br />

Nordrhein-Westfalen.<br />

21


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Wenn das Universum etwas<br />

MEHR verteilt hat<br />

Das Statement einer Mama, die auch Pädagogin ist<br />

von Claudia Ungefehr<br />

Ich war bei den pädagogischen<br />

Fachtagen in Aschau. Bei verschiedenen<br />

Situationen aus<br />

der Praxis, die dort im Seminar<br />

„Gutes <strong>für</strong> die Kinderseele <strong>–</strong><br />

Kinderschutz“ besprochen<br />

wurden, z. B. herausfordernde<br />

Kinder, die letztendlich von<br />

den Eltern aus Kita oder Schule<br />

abgeholt werden müssen,<br />

fühlte ich mich immer wieder<br />

getriggert. Doch warum? Ich<br />

bin ein Elternteil, der immer<br />

wieder angerufen wurde, damit<br />

ich meinen Sohn aus der Schule<br />

abhole, da er den Unterricht<br />

störte, sich verweigerte oder<br />

auch übergriffig geworden ist.<br />

Wie alles begann<br />

Mattheo kam als Geschenk zu<br />

uns. Ich steckte mitten in meiner<br />

Ausbildung zur Erzieherin und<br />

mein Mann war gerade beruflich<br />

auf der Suche nach einer anderen<br />

Stelle. Das erste Jahr war geprägt<br />

von vielen Veränderungen und<br />

unserem sicheren Ankommen in<br />

Dresden. Dort ging es beruflich<br />

<strong>für</strong> meinen Mann vorwärts und<br />

auch ich habe direkt eine Stelle<br />

als Erzieherin angetreten. Mattheo<br />

war ein Kleinkind mit großem<br />

Interesse an Technik und hat dem<br />

Opa mit zwei Jahren die Sendeplätze<br />

umprogrammiert oder auch<br />

mal die Sperre im Mobiltelefon<br />

geknackt. Kleine Wutausbrüche,<br />

gerade in der Autonomiephase<br />

habe ich zur Kenntnis genommen,<br />

mir da allerdings noch keine<br />

großen Gedanken gemacht. Im<br />

Kindergarten gab es immer mal<br />

wieder kleine Situationen, die <strong>für</strong><br />

Mattheo schwierig wurden. Es<br />

konnte schon vorkommen, dass<br />

da Gefühle überschäumten. Die<br />

pädagogischen Fachkräfte haben<br />

diese Situationen <strong>für</strong> alle Beteiligten<br />

immer wieder gut auflösen<br />

können.<br />

Erste Anzeichen, doch das<br />

Wahrhaben fällt schwer<br />

Mein Mann und ich merkten<br />

schnell, dass Veränderungen,<br />

flexible Strukturen und Anpassungen<br />

<strong>für</strong> Mattheo schwer<br />

auszuhalten waren. Solche vielen<br />

kleinen „Baustellen“ waren auch<br />

einmal der Auslöser im Kindergarten,<br />

der am Ende ein Abholen<br />

erforderlich machte. Die Einrichtung<br />

war ausgelagert wegen<br />

Umbau. Es gab Personalausfall<br />

und die Aushilfen waren unserem<br />

Sohn noch unbekannt. Dazu kam<br />

die familiäre Veränderung mit<br />

meiner Schwangerschaft. Der<br />

Papa war zur Kur und bei Mattheo<br />

zeigten sich nun auch kleine<br />

Defizite bezüglich seiner Sehkraft.<br />

Das war ein ordentliches Paket an<br />

Veränderungen <strong>für</strong> einen Vierjährigen.<br />

Autismus war zu dem<br />

Zeitpunkt eine kleine Vermutung,<br />

die im Hinterkopf schlummerte.<br />

Dann kam der große Tag. Schuleinführung<br />

mit allem Zipp und<br />

Zapp. Ich lernte zum ersten Mal<br />

die Lehrerin kennen und schilderte<br />

grob Mattheos Feinheiten. Sie<br />

lächelte bloß und meinte, sie bekomme<br />

das hin, schließlich sei sie<br />

ja Lehrerin. Das erste Schuljahr<br />

verlief aus unserer Sicht relativ<br />

ruhig. Ich vermute, die Klassenlehrerin<br />

sah das anders. Doch<br />

wirklich ins Gespräch ging sie<br />

nicht mit uns. Klassische Reibereien<br />

unter Jungs waren immer mal<br />

wieder Thema. Verweigerungshaltungen<br />

dagegen schon eine<br />

ganz andere Hausnummer.<br />

Mein Mann und ich haben oft<br />

mit Mattheo gesprochen, ihm<br />

die Regeln des gesellschaftlichen<br />

Beisammenseins erläutert. Mit<br />

Beginn des zweiten Schuljahres<br />

ging die Tortur dann richtig los. Er<br />

verweigerte den Unterricht, wurde<br />

gegenüber anderen Kindern<br />

übergriffig, meist in Streitsituationen.<br />

Täglich rief die Schule an,<br />

dass ich ihn doch bitte abholen<br />

soll. Jeder Anruf löste Panik in mir<br />

aus. So konnte ich auf keinen Fall<br />

arbeiten gehen. Gerade frisch die<br />

Einrichtung gewechselt, war ich<br />

<strong>für</strong> die Kolleginnen und Kollegen<br />

in der Krippe keine Hilfe.<br />

Bilder, die ich niemandem<br />

wünsche<br />

Auch heute noch merke ich, wie<br />

mir das Erlebte in Mark und Bein<br />

geht und die Bilder sind immer<br />

noch präsent in meinem Kopf.<br />

Wenn ich in der Schule ankam,<br />

war selten eine Fachkraft da,<br />

22


Eltern<br />

um mich zu empfangen. Häufig<br />

fand ich meinen Mattheo allein<br />

im Klassenzimmer. Niemand<br />

begleitete ihn. Ganz allein, ausgegrenzt<br />

und schutzlos saß er im<br />

Klassenzimmer. Mir brach es das<br />

Herz und auch jetzt beim Schreiben<br />

kommen Tränen. Ich war so<br />

hilflos. Am Ende wurde Mattheo<br />

von der Schule freigestellt. Legales<br />

Homeschooling, abgesegnet<br />

von der Landesschulbehörde in<br />

Sachsen. Wir haben Aufgaben <strong>für</strong><br />

die ganze Woche bekommen und<br />

Montagabend waren sie erledigt.<br />

Wir haben uns viel angehört<br />

Uns Eltern wurde vorgeworfen,<br />

unser Junge wäre unerzogen, ein<br />

„Rotzlöffel“, respektlos und vieles<br />

mehr. Solche Aussagen und Ähnliches<br />

haben wir von Eltern gehört,<br />

aber auch von den Lehrkräften.<br />

Mein Mann hatte die Idee, zu<br />

einer Familienberatungsstelle der<br />

Kinder- und Jugendpsychiatrie<br />

und -psychotherapie Dresden<br />

zu gehen. Die ersten Termine<br />

standen an. Ein Schulwechsel<br />

wurde durchgeführt. Wir<br />

und Mattheo spürten<br />

sofort die Ablehnung<br />

des dortigen Schulleiters.<br />

Neue Kinder,<br />

neue Konflikte, wieder<br />

Elterngespräche, wieder<br />

Anrufe, das volle Programm. Und<br />

nebenher war Mattheo in der<br />

Familienberatungsstelle zu Einzelsitzungen.<br />

Dann stand Autismus<br />

im Raum. Unsere Vermutung im<br />

Hinterkopf wurde real. Ein Diagnostikverfahren<br />

in der Autismus-Ambulanz<br />

erfolgte. Dieser<br />

Prozess bringt nicht gleich ein<br />

Ergebnis. Die Schule und andere<br />

Eltern machten Druck.<br />

Mattheo wurde nur auf seine<br />

Wutausbrüche, Ausraster und<br />

Verweigerungen reduziert. Mein<br />

Mann hatte durch seine Arbeit in<br />

einer Tagesgruppe <strong>für</strong> Menschen<br />

mit geistigen und körperlichen<br />

Beeinträchtigungen das<br />

nötige Wissen, wie wir<br />

Mattheo gut begleiten<br />

können. Ohne eine<br />

Diagnose haben wir eine<br />

Schulbegleitung beim Jugendamt<br />

beantragt. Die Sachbearbeiterin<br />

war sehr freundlich,<br />

bemühte sich und sagte uns eine<br />

Begleitung zu. Ihr Chef hatte da<br />

andere Pläne. Wir gingen vor Gericht<br />

und bekamen zeitgleich mit<br />

dem Urteil auch die Diagnose.<br />

Es geht aufwärts, langsam<br />

und stetig<br />

Mit der Schulbegleitung und der<br />

Diagnose kam auch eine neue<br />

Schulleitung. Offen und transparent<br />

sind wir in die Hilfeplangespräche<br />

gegangen. Für Mattheo<br />

wurden Rückzugsmöglichkeiten<br />

gefunden. Ein Nachteilsausgleich<br />

wurde festgeschrieben. Die<br />

Anrufe, Konfliktsituationen und<br />

Verweigerungshaltungen nahmen<br />

ab. Ein Licht am Ende eines ganz<br />

langen Tunnels. Die Schulbegleitung<br />

wechselte, wir fanden als<br />

Familie einen guten Austausch<br />

mit der Begleitung. Wir mussten<br />

seltener abholen. Wöchentliche<br />

Termine in der Autismus-Ambulanz<br />

erforderten einen guten<br />

familiären Plan, schließlich waren<br />

da ja noch zwei andere Kinder.<br />

Julian, der Ältere zog sich zurück,<br />

Gesa, die Jüngste, musste immer<br />

wieder Gefühlsausbrüche von<br />

Mattheo erleben. Die Aufmerksamkeit<br />

lag immer auf Mattheo<br />

und unserem Wunsch, ihn in der<br />

Regelschule zu belassen.<br />

23


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Wenn die Ablehnung schon<br />

ins Gesicht geschrieben<br />

steht<br />

Mattheos Leistungen waren<br />

super. Viele gute Noten machten<br />

den Schritt aufs Gymnasium<br />

möglich. Noch bevor er das<br />

Gymnasium betrat, führten wir<br />

Gespräche mit der Integrationsfachkraft<br />

und der neuen Klassenlehrerin.<br />

Das fanden mein Mann<br />

und ich gut, dennoch spürten wir<br />

bei der Klassenlehrerin Ablehnung.<br />

Die fünfte Klasse begann<br />

und natürlich gab es Reibereien.<br />

Ist ja ein ganz natürlicher Prozess,<br />

dass sich die Kinder erst<br />

mal finden müssen. Das erste<br />

Vierteljahr war anstrengend und<br />

endete kurz vor den Winterferien<br />

in einem größeren Gespräch, wo<br />

wir gemeinsam gute Lösungen <strong>für</strong><br />

Mattheo erarbeiteten.<br />

Plötzlich klopfte Corona an die<br />

Tür. Zu dem Zeitpunkt hatte<br />

Mattheo wieder Termine in der<br />

Autismus-Ambulanz zur Diagnoseüberprüfung.<br />

Die Fachkräfte<br />

dort waren sich plötzlich nicht<br />

mehr sicher und empfahlen einen<br />

Aufenthalt auf der ambulanten<br />

Station der KJP (Kinder- und<br />

Jugendpsychiatrie). Da<br />

ging alles sehr schnell.<br />

Kurz nach Ostern war<br />

die Aufnahme und<br />

Mattheo war weg.<br />

Keine nächtlichen Wanderungen<br />

mehr, um den TV<br />

anzumachen, keine Reibereien<br />

mit Gesa. Zu Hause entspannte<br />

sich die Lage und dennoch war<br />

Mattheo im Mittelpunkt. Es gab<br />

Familientherapiestunden, Einzelgespräche,<br />

Elterngespräche und<br />

feste Besuchszeiten und Familiengruppen.<br />

Eine Herausforderung<br />

an unsere Dienstpläne. Und<br />

ganz plötzlich war die Diagnose<br />

„Autismus“ vom Tisch. Das fühlte<br />

sich an wie ein Schlag in die<br />

Magengrube. Nach Entlassung<br />

gab es auch keine Termine in der<br />

Autismus-Ambulanz oder bei der<br />

Familienberatungsstelle. Mattheo<br />

wurde gekonnt aus dem System<br />

der KJP herausgewippt. Die Therapeutin,<br />

die wir zur Anschlussbehandlung<br />

<strong>für</strong> ihn fanden, hat<br />

super mit Mattheo gearbeitet,<br />

war im Gymnasium zur Hospitation,<br />

fand mit Mattheo gute<br />

Lösungsstrategien und hatte <strong>für</strong><br />

uns immer ein „offenes“ Ohr.<br />

Mattheo soll funktionieren<br />

Das Gymnasium hatte <strong>für</strong> Mattheo<br />

den Plan, dass er im Unterricht<br />

anwesend ist, den Anweisungen<br />

der Lehrkräfte folgt und<br />

möglichst noch gute Leistungen<br />

bringt. Das ging gehörig schief!<br />

Konzentrierte er sich auf seine<br />

Leistungen, fiel die Sozialkompetenz<br />

hinten runter. Bemühte er<br />

sich um seine sozio-emotionale<br />

Seite, litten die Leistungen. Ein<br />

ums andere führte ihn zu dem<br />

Wunsch, auf die Oberschule<br />

zu wechseln. Die<br />

war schnell gefunden<br />

und Mattheo erlebte<br />

in seiner Schullaufbahn<br />

zum ersten Mal, dass<br />

er SEIN darf. Das war April<br />

2022. Er kam an, fand Anschluss.<br />

Wir haben ein gutes Netz und<br />

einen guten Austausch um ihn<br />

herum gebildet. Seit Oktober<br />

2022 gibt es keine Schulbegleitung<br />

mehr und im November<br />

haben wir das Medikament abgesetzt.<br />

Nach sechs Jahren Schule hat er<br />

endlich Ruhe gefunden und darf<br />

ein Schüler mit all seinen Besonderheiten<br />

und Macken sein.<br />

Er blüht richtig auf. Von außen<br />

betrachtet, ohne Wissen über<br />

sein MEHR wird Mattheo als<br />

typischer Teenager eingeordnet.<br />

Das war das ZIEL.<br />

Unser toller Junge macht seinen<br />

Weg …<br />

Claudia Ungefehr ist dreifache<br />

Mama, Erzieherin und erste<br />

Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbandes<br />

Sachsen/Sachsen-Anhalt.<br />

24


Träger<br />

Das geht nur im exklusiven Rahmen<br />

Blitzinterview mit Marion Bischoff<br />

Im März 2024 finden zum<br />

zweiten Mal die pädagogischen<br />

Fachtage in Aschau im Chiemgau<br />

statt. Marion Bischoff als<br />

Initiatorin und Referentin steht<br />

uns dazu im Blitzinterview<br />

Rede und Antwort.<br />

<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong>: Marion, ihr<br />

habt mit der <strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong><br />

ein Projekt gestartet, das auf drei<br />

Säulen fußt: das Fachmagazin, die<br />

Webinare und die pädagogischen<br />

Fachtage. Wie kommt man denn<br />

auf sowas?<br />

Marion Bischoff: Eigentlich ist<br />

die Erklärung ganz einfach: Es<br />

sollte ein Gesamtkonzept, ein<br />

Rundum-Sorglos-Paket <strong>für</strong> pä‐<br />

dagogische Fachkräfte in Krippe<br />

Kita, Kindertagespflege und Hort<br />

entstehen. Zugleich möchten<br />

wir sowohl Führungskräfte und<br />

Trägervertretungen als auch<br />

Praktikantinnen und Praktikanten<br />

ansprechen. Die pädagogischen<br />

Fachtage heben sich ganz besonders<br />

von anderen Weiterbildungsangeboten<br />

ab.<br />

PfD: Aha. Und wie?<br />

M.B.: Wir haben uns entschieden,<br />

unseren Fachtagen einen<br />

exklusiven Status zu verleihen.<br />

Alle Workshops sind <strong>für</strong> max. 20<br />

Teilnehmende offen. Wer zuerst<br />

bucht, bekommt einen Platz.<br />

Das hat bei der Premiere bereits<br />

super geklappt und die Anfragen<br />

<strong>für</strong> 2024 bestätigen uns.<br />

Wir möchten den Pädagoginnen<br />

und Pädagogen die Möglichkeit<br />

bieten, ihre individuellen Fragen<br />

und Wünsche in den Workshops<br />

zu berücksichtigen. Das geht nur<br />

im exklusiven Rahmen.<br />

PfD: Das klingt, als steht das Programm<br />

<strong>für</strong> 2024 bereits fest. Was<br />

können die Teilnehmerinnen und<br />

Teilnehmer erwarten?<br />

M.B.: Ja, es ist alles geplant. Es<br />

werden wieder drei bunte Tage<br />

mit unterschiedlichen Referentinnen<br />

und Themenfeldern. Es geht<br />

um Naturpädagogik, Herausforderungen<br />

im Alltag mit Kindern,<br />

um Resilienz und innere Ruhe, die<br />

Begleitung traumatisierter Kinder<br />

und Selbstvertrauen, Motivation<br />

und so manches mehr. Auch im<br />

kommenden Jahr haben wir wieder<br />

tolle Referentinnen mit dabei.<br />

Die Vorfreude wächst mit jedem<br />

Tag.<br />

PfD: Du sagst, es gibt schon Anmeldungen.<br />

Wo kann man sich<br />

denn anmelden?<br />

M.B.: Ja, einige Workshops sind<br />

schon recht gut gebucht und wir<br />

freuen uns über alle, die noch dabei<br />

sein möchten. Anmelden kann<br />

man sich unter www.wir-bauenbruecken.com/pädagogik/fachtage-pädagogik-<strong>für</strong>-dich/<br />

Dort findet man auch alle Buchungsoptionen:<br />

Einzelworkshop,<br />

Tagesbuchung und das Gesamtpaket.<br />

Bei uns gestalten alle ihre<br />

Fortbildung nach ihren Wünschen.<br />

Das Blitzinterview führte Eva Martin.<br />

25


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Sag, was du zu sagen hast<br />

Von Verantwortung und Begeisterung im Praktikum<br />

von Philipp Bischoff<br />

Du gehst voller Begeisterung<br />

in dein Praktikumsjahr, denn<br />

du weißt: Nach diesem Jahr ist<br />

deine Ausbildung zu Ende. Im<br />

besten Fall hast du dir mehrere<br />

Einrichtungen angeschaut und<br />

konntest auch deine Praxisanleitung<br />

kennenlernen. Alles ist<br />

perfekt. Dir gefällt das pädagogische<br />

Konzept und während<br />

deiner Hospitation hast du den<br />

Eindruck gewonnen, dass hier<br />

wirklich wertvolle Arbeit geleistet<br />

wird.<br />

Die ersten Arbeitstage verlaufen<br />

mit vielen Herausforderungen,<br />

denn neue Kinder werden eingewöhnt,<br />

eine Kollegin fehlt<br />

krankheitsbedingt und du hast<br />

das Gefühl, du bist eine zusätzliche<br />

Last <strong>für</strong> die Pädagoginnen<br />

und Pädagogen im Haus. Man<br />

schickt dich von hier nach dort,<br />

überträgt dir Aufgaben wie Tische<br />

abzuwischen, den Flur zu kehren<br />

oder die Matschsachen aufzuräumen.<br />

Zumindest dorthin nimmst<br />

du dir zwei Kinder mit, die den<br />

Kontakt zu dir suchen. So richtig<br />

zufrieden fühlst du dich allerdings<br />

nicht.<br />

Das geplante Reflexionsgespräch<br />

nach deinen ersten beiden<br />

Arbeitswochen wird verschoben.<br />

Deine Praxisanleitung ist allein<br />

mit dir in der Gruppe und im<br />

Beisein der Kinder möchte sie<br />

das Gespräch nicht führen <strong>–</strong> zumindest<br />

das ist auch gut und<br />

richtig so! Du spürst allerdings<br />

auch, dass deine Unzufriedenheit<br />

zunimmt. Dann bitte gleich um<br />

einen neuen Termin und mach<br />

deutlich, dass er dir sehr wichtig<br />

ist. Das hier ist nur eine von vielen<br />

Szenarien, die auftreten und<br />

zu Unsicherheit, Unzufriedenheit,<br />

Ärger und Motivationsverlust<br />

führen können. Doch das muss<br />

nicht sein.<br />

Die Übung machts<br />

Das A und O einer gelingenden<br />

Zusammenarbeit ist Offenheit.<br />

Wenn dir eine Situation nicht<br />

guttut, musst du es offen ansprechen.<br />

Besonders am Anfang ist<br />

das nicht leicht, doch alles, was<br />

du nicht aussprichst, bleibt bei<br />

dir hängen, beschwert dich und<br />

Betrachte die Wirkung deiner Körpersprache<br />

im Spiegel.<br />

nimmt dir die Freude an deinem<br />

Job, auf den du dich so gefreut<br />

hast. Damit du dich nicht unsicher<br />

fühlst, kannst du dir die<br />

wichtigsten Punkte vorher auf<br />

einem Zettel notieren. Und du<br />

darfst dir Gesprächszeit einfordern.<br />

Tu es.<br />

Es kann durchaus möglich sein,<br />

dass du ein solches Gespräch<br />

zum ersten Mal führst. Um deine<br />

Nervosität im Griff zu behalten,<br />

kannst du vorher vor einem<br />

Spiegel üben, was du sagst, wie<br />

du es sagst und wie deine Mimik<br />

und Gestik dabei sind. Das wirkt<br />

anfangs vielleicht ein bisschen<br />

seltsam. Doch es ist eine sehr<br />

gute Übung, um die eigene Gesprächsführung<br />

zu beobachten.<br />

Alternativ nimmst du dich mit<br />

dem Smartphone auf und bittest<br />

gute Freunde hinterher um ein<br />

ehrliches Statement dazu. (Achtung:<br />

Der Datenschutz von Kindern,<br />

Kolleginnen und Kollegen<br />

muss gewahrt werden.)<br />

Wenn du Übergriffe beobachtest<br />

Immer wieder passiert es, dass<br />

Praktikantinnen und Praktikanten,<br />

die das Team noch nicht so lange<br />

kennen, übergriffiges Verhalten<br />

der Fachkräfte beobachten. Meist<br />

geschieht dies in Form verbaler<br />

Entgleisungen, seltener, aber<br />

auch möglich, sind körperliche<br />

Übergriffe auf Kinder. Alles, was<br />

dir ungut vorkommt, was du nicht<br />

26


Auszubildende<br />

verstehen kannst oder möchtest,<br />

solltest du ansprechen. Da<strong>für</strong><br />

brauchst du natürlich ein gewisses<br />

Feingefühl. Beobachte genau:<br />

→ Wie reagiert das betroffene<br />

Kind?<br />

→ Wie gehen die anderen Kinder<br />

mit der Situation um?<br />

→ Was tun die Kolleginnen und<br />

Kollegen?<br />

→ Wer hat die Situation sonst<br />

noch beobachtet?<br />

Sofern niemand außer dir mit<br />

dabei war, sprich die Kollegin<br />

oder den Kollegen darauf an.<br />

Hier<strong>für</strong> reicht eine einfache<br />

Frage: „Kannst du mir erklären,<br />

warum du geschrien hast?“ Allein<br />

dadurch, dass du die Frage stellst,<br />

sind die Übergriffigen mit ihrem<br />

Verhalten konfrontiert. Zugleich<br />

solltest du deine Beobachtung<br />

stichpunktartig schriftlich festhalten<br />

und deiner Praxisanleitung,<br />

einem Teammitglied deines<br />

Vertrauens oder der Kita-Leitung<br />

mitteilen. Zum Wohle der Kinder,<br />

die du betreust, sei nie ruhig in<br />

solchen Situationen. Wenn du<br />

nichts sagst, schützt du die Übergriffigen<br />

und nicht die Opfer.<br />

Zurückhaltung ist angesagt<br />

In Teams kommt es hin und<br />

wieder zu Spannungen untereinander.<br />

Konflikte werden hinterrücks<br />

ausgetragen und leider<br />

nicht oft genug direkt angesprochen.<br />

Schneller als du schauen<br />

kannst, bist du mittendrin in einer<br />

Konfliktspirale, die eigentlich gar<br />

nichts mit dir zu tun hat. Ein Kollege<br />

spricht dich an und bittet um<br />

deine Meinung über die Kollegin.<br />

Kaum hast du was gesagt, kommt<br />

Mit neuen Ideen kannst du den Waldtag mitgestalten.<br />

diese Kollegin auf dich zu und<br />

erzählt dir von dem „bösen Kollegen“.<br />

Nimm dich zurück, sprich<br />

deine Kritikpunkte, egal bei wem,<br />

offen und ehrlich an und lass dich<br />

nicht vereinnahmen <strong>für</strong> die Unstimmigkeiten<br />

anderer. Je klarer<br />

du bist und je mehr Zurückhaltung<br />

du übst, umso mehr können<br />

die älteren Kolleginnen und Kollegen<br />

von dir lernen. Teams, die<br />

schon lange zusammenarbeiten,<br />

haben sich oft Verhaltensmuster<br />

angeeignet, die sie kaum noch<br />

bemerken. Ebendiese Muster<br />

führen dann aber auch leider<br />

immer wieder zu Konflikten. Bist<br />

du erst einmal involviert, ist Ärger<br />

vorprogrammiert.<br />

Lass dich begeistern<br />

Glücklicherweise gibt es allerdings<br />

auch die vielen Erzieherinnen<br />

und Erzieher, die tolle Teams<br />

gebildet haben und sich stets<br />

darin üben, ihr Miteinander zum<br />

Wohle aller zu gestalten. Beobachte<br />

deine Praxisanleitung, die<br />

anderen Teammitglieder und lass<br />

dich begeistern von allem, was sie<br />

tun. Frag bei der musikalischen<br />

Kollegin nach ihrer Vorgehensweise,<br />

auch wenn Musik eigentlich<br />

nicht dein präferiertes Lernfeld<br />

ist. Begleite den Kollegen<br />

zum Kreativworkshop mit Farben<br />

und Ytong-Steinen oder plane<br />

mit der Kollegin, die die Waldausflüge<br />

vorbereitet, einen Waldtag.<br />

Sei offen <strong>für</strong> alles, was du lernen<br />

kannst und nimm die Freude auf,<br />

die du fühlst. So multiplizierst du<br />

die Begeisterung und ihr steckt<br />

euch mit dieser Freude am Job<br />

gegenseitig an. Und das ist doch<br />

großartig. Stell dir nur die glücklichen<br />

Kinder vor, die von begeisterten<br />

Pädagoginnen und Pädagogen<br />

begleitet werden.<br />

Philipp Bischoff ist Coach,<br />

Multiplikator <strong>für</strong> friedvolle<br />

Kommunikation und Herausgeber.<br />

27


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Wenn das „Holz“ ausgeht<br />

Der Unterschied zwischen Burn-out und Burn-on<br />

von Marion Bischoff<br />

Häufig hört man in persönlichen<br />

Berichten, Pressemeldungen<br />

oder durch wissenschaftliche<br />

Studien, dass Erzieherinnen<br />

und Erzieher besonders von<br />

psychischen Störungen betroffen<br />

sind. Laut einer Studie<br />

der kath. Hochschule Aachen<br />

(2013) wurde bereits vor zehn<br />

Jahren festgestellt, dass jede<br />

fünfte Fachkraft im elementarpädagogischen<br />

Arbeitsfeld zur<br />

Burn-out-Hochrisikogruppe<br />

gehört. Wenn du das auf eure<br />

Einrichtung überträgst, würde<br />

demnach in jeder zweiten<br />

Gruppe ein Kollege oder eine<br />

Kollegin aufgrund von Burnout<br />

ausfallen.<br />

Die Zahlen sind alarmierend und<br />

das nicht erst, seit die Corona-<br />

Pandemie die Situation in den Kitas<br />

weiter verschärft hat. Zugleich<br />

nehme ich als Coach öfter wahr,<br />

dass die Erzieherinnen und Erzieher<br />

etwas bewusster mit sich<br />

und ihren Kräften umgehen. Das<br />

führt automatisch zu Ausfällen im<br />

Alltag, zu noch größerer Personalnot<br />

und weiteren stark belasteten<br />

Kolleginnen und Kollegen. Die<br />

Spirale dreht sich in manchen<br />

Einrichtungen besonders schnell<br />

und man kann sich kaum entziehen.<br />

Als Kita-Leitung bist du<br />

deswegen gefordert, deine Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter zur<br />

Selbst<strong>für</strong>sorge anzuhalten und<br />

sie in der Einhaltung von Pausen,<br />

Urlaub und Erholungsphasen zu<br />

bestärken.<br />

Selbstvergessenheit und<br />

Unaufhörlichkeit<br />

Burn-out<br />

Dabei ist der Burn-Out nur eine<br />

von vielen psychischen Risikositutionen.<br />

Weniger bekannt,<br />

doch nicht weniger gefährlich ist<br />

der sogenannte Burn-on. Wer<br />

sich mit einem Burn-on auseinandersetzen<br />

muss, vergisst sich<br />

vollkommen selbst. Vielmehr<br />

funktionierst du über alle Grenzen<br />

hinaus, agierst permanent <strong>für</strong><br />

den Job und hast das Gefühl, gar<br />

keine Ruhepausen zu brauchen.<br />

Stattdessen bist du per Handy<br />

stets <strong>für</strong> alle erreichbar, schaltest<br />

auch im Urlaub nicht ab. Das Gefühl<br />

deiner Familie und Freunde<br />

ist, dass du rund um die Uhr und<br />

ohne freien Tag <strong>für</strong> deinen Job<br />

brennst.<br />

Entscheidender Unterschied<br />

Beim Burn-out fühlst du dich irgendwann<br />

leer, ausgebrannt und<br />

vor dir liegt (wenn<br />

überhaupt) nur<br />

noch ein Häufchen<br />

verglühte<br />

Kohle. Dein Feuer ist „aus“.<br />

Beim Burn-on hingegen<br />

steigst du aus deinem<br />

Hamsterrad nicht aus,<br />

du rackerst und agierst<br />

ohne Unterlass und dein<br />

Feuer brennt, obwohl schon<br />

gar kein Holz mehr vorhanden ist.<br />

Ursachen<br />

Erkennbar durch<br />

Gründe<br />

Folgen<br />

- (individuell<br />

empfundener)<br />

Stress<br />

- (selbst auferlegter)<br />

hoher<br />

Leistungsdruck<br />

- (eigene) übersteigerte<br />

Erwartungshaltung<br />

- plötzlich auftretende<br />

Ungeduld<br />

- Gereiztheit<br />

- Stimmungsschwankungen<br />

- Angst vor Ausgrenzung<br />

(durch Vorgesetzte)<br />

- unklar definierte<br />

Arbeitsabläufe<br />

- unsichere Zukunftsperspektive<br />

- fehlende Selbstverwirklichungsmöglichkeit<br />

- (selbst eingeschätzter)<br />

Verlust der eigenen<br />

Leistungsfähigkeit<br />

- Dauererschöpfung<br />

- Erhöhte Reizbarkeit<br />

- zwischenmenschliche<br />

Distanz<br />

- Schmerzen,<br />

Verdauungsstörungen,<br />

Herzrasen,<br />

Herzrhythmusstörungen<br />

- Depression<br />

28


Kitaleitung<br />

Dieses Bild des Feuers verwende<br />

ich gern symbolhaft, weil man<br />

sich dadurch den Unterschied am<br />

besten vorstellen kann und die<br />

Verwechslungsgefahr minimiert<br />

ist. Die Symptome beider Syndrome<br />

sind ähnlich, auch die Folgen<br />

können sich durchaus ähneln.<br />

Die Ursachen unterscheiden sich<br />

allerdings und auch die erkennbaren<br />

Anzeichen sind verschieden.<br />

Vorbeugende Möglichkeiten<br />

Burn-out Prophylaxe<br />

Eine hundertprozentige Sicherheit<br />

gibt es nie. Doch je bewusster<br />

du dich mit dir und deiner<br />

Work-Life-Balance beschäftigst,<br />

umso eher kannst du einem<br />

Burn-out vorbeugen. Stell dir<br />

auch hier immer wieder symbolisch<br />

vor, wie du einen neuen<br />

Holzscheit auf deine Flamme<br />

legst, damit sie nicht ausgehen<br />

kann. Diese Holzscheite können<br />

ganz unterschiedlich sein. Überlege<br />

dir und fühle in dich hinein,<br />

was dir guttut.<br />

→ Nimm dir Zeit <strong>für</strong> eine Meditation,<br />

um ganz bei dir selbst zu<br />

sein.<br />

→ Unternimm einen Spaziergang<br />

(allein, wenn du deine Ruhe<br />

brauchst, oder mit anderen,<br />

wenn du dich austauschen<br />

möchtest).<br />

→ Halte deine Arbeits- und<br />

Pausenzeiten ein.<br />

→ Delegiere Aufgaben an<br />

andere.<br />

→ Gehe deinen Hobbys nach<br />

und schaffe dir die Zeitfenster<br />

da<strong>für</strong>.<br />

→ Tu das, was dich begeistert,<br />

um deine Motivation zu<br />

stärken.<br />

Burn-on Prophylaxe<br />

Beim Burn-on, der oft Menschen<br />

in Führungs- oder Entscheidungspositionen<br />

trifft, solltest<br />

du zusehen, dass du dir nicht zu<br />

viele „Holzscheite“ bereitlegst.<br />

Betrachte eine normale Arbeitswoche<br />

und wähle wenigstens<br />

drei Arbeiten aus, die du abgeben<br />

kannst. Das Vertrauen in andere<br />

zu stärken und zugleich die<br />

Bereitschaft zu delegieren sind<br />

ein zentrales Thema, um aus der<br />

Burn-on-Spirale auszusteigen.<br />

Burn-on<br />

→ Delegiere Aufgaben an Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter,<br />

die deren Kompetenzen<br />

entsprechen.<br />

→ Schalte dein Handy nach<br />

Feierabend aus.<br />

→ Achte bewusst auf deine<br />

Arbeitszeiten.<br />

→ Finde einen <strong>für</strong> dich entspannenden<br />

Ausgleich zur Arbeitssituation,<br />

in der du ohne Termindruck<br />

dich selbst spüren<br />

kannst (Sport oder Kreativität<br />

sind hierbei besonders zu<br />

empfehlen).<br />

Hier findest du<br />

Entspannungstipps <strong>für</strong><br />

Zwischendurch.<br />

Marion Bischoff ist<br />

Kommunikationstrainerin,<br />

Autorin, Coach und Dozentin.<br />

www.wir-bauen-bruecken.com<br />

www.marionbischoff.de<br />

Ursachen<br />

Erkennbar durch<br />

Gründe<br />

Folgen<br />

- Dauerstress/<br />

chronische Überlastung<br />

(oft selbstgemacht)<br />

- keine Pausen<br />

- ständige Erreichbarkeit<br />

- Kein Zusammenbruch,<br />

jedoch dauerhafte<br />

physische und psychische<br />

Belastung<br />

- Gedankliche Fixierung<br />

auf das Professionelle<br />

(Entfernung von<br />

persönlichen Werten und<br />

Zielen).<br />

- Man schafft es nicht,<br />

aus dem „Hamsterrad“<br />

auszusteigen<br />

- Verzweiflung<br />

- Fehlende Balance<br />

zwischen Anspannung<br />

und Entspannung<br />

- Arbeiten „rund um<br />

die Uhr“<br />

- Angst vor Macht- oder<br />

Einflussverlust<br />

- sich beweisen wollen<br />

- den eigenen Wert von<br />

anderen erkannt<br />

wissen<br />

- Gefühl des Nichtgenügen-Könnens<br />

- Unzufriedenheit<br />

- Perspektivlosigkeit<br />

- körperliche und<br />

seelische „Schmerzen“<br />

(Kopf-, Gliederschmerzen,<br />

Schlafstörungen)<br />

- Bluthochdruck<br />

bis hin zu<br />

Schlaganfall und<br />

Herzinfarkt<br />

29


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Es ist nicht immer leicht<br />

Zusammenarbeit mit psychisch erkrankten Eltern<br />

von Michaela Lambrecht<br />

Menschen mit psychischen<br />

Erkrankungen findest du in<br />

jeder Bevölkerungsschicht und<br />

dadurch auch in der Elternschaft<br />

einer Kita. Depressionen,<br />

Suchterkrankungen oder<br />

andere psychische Krankheiten<br />

beeinflussen die Erziehungspartnerschaft<br />

und belasten<br />

auch die Kinder. In diesem Beitrag<br />

erhältst du einige Tipps,<br />

wie du die Kooperation trotz<br />

aller Herausforderungen angehen<br />

kannst. Betroffene Eltern<br />

brauchen deine professionelle<br />

Haltung, Transparenz, Klarheit<br />

und Wertschätzung.<br />

Oftmals fällt es uns sehr schwer<br />

zu akzeptieren, dass nicht alle<br />

Kinder in dem familiären Umfeld<br />

aufwachsen, das wir ihnen wünschen<br />

würden. Hier ist es aber<br />

sehr wichtig, möglichst neutral<br />

zu bleiben. Bei Problemfamilien<br />

sind wir oft kritischer, als wir es<br />

bei anderen Eltern sind. Beispielsweise<br />

akzeptieren wir Kleidung<br />

mit Flecken bei vermeintlich<br />

„normalen“ Familien eher als bei<br />

von Sucht betroffenen Eltern. Reflektiere<br />

deine Haltung in diesem<br />

Zusammenhang ganz genau und<br />

sei bereit, deine Glaubenssätze zu<br />

hinterfragen. Wertschätzung und<br />

professionelle Zusammenarbeit<br />

beginnen mit deiner Haltung.<br />

Auseinandersetzung mit der<br />

eigenen Lebensbiografie<br />

Wie war deine Kindheit? Gab<br />

es in deinem Umfeld auch Menschen<br />

mit Suchterkrankungen,<br />

anderen chronischen oder akuten<br />

Krankheiten, die dein Leben<br />

beeinflusst haben? Hast du<br />

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie kann dich unterstützen.<br />

vielleicht einen nahestehenden<br />

Menschen verloren? Hast du im<br />

Erwachsenenalter Krankheit, Ausgrenzung,<br />

Verlust erlebt? All diese<br />

Erfahrungen bedingen deine<br />

heutige Haltung. Je bewusster du<br />

dir das machst, umso eher kannst<br />

du etwas ändern.<br />

Keine negativen Aussagen<br />

über Eltern<br />

Auch wenn Eltern Probleme haben,<br />

sollte man nie im Beisein der<br />

Kinder schlecht über ihre Eltern<br />

sprechen. Für Kinder ist dies eine<br />

zusätzliche Belastung. Hier könnte<br />

man auch generell festlegen,<br />

sich im Beisein der Kinder nicht<br />

über die Eltern auszutauschen.<br />

Dies gilt sowohl <strong>für</strong> Kinder aus<br />

Familien, die mit einer Krankheit<br />

konfrontiert sind, als auch <strong>für</strong> die<br />

anderen Kinder der Einrichtung.<br />

Austausch braucht Datenschutz<br />

und gehört in einen geschützten<br />

Raum, nicht in die Betreuungssituation<br />

von Kindern.<br />

Über Krankheitsbild der<br />

Eltern informieren<br />

Für die Erziehungspartnerschaft<br />

kann es hilfreich sein, sich bei<br />

Fachstellen über das Krankheitsbild<br />

zu informieren. So kannst<br />

du dir einen Überblick über die<br />

Krankheit verschaffen.<br />

Eltern direkt anzusprechen oder<br />

nach einer Diagnose zu fragen,<br />

fällt nicht in deinen Kompetenzbereich.<br />

Sofern Eltern auf dich<br />

zukommen, zeig dich trotzdem<br />

30


Eltern<br />

Eine wertschätzende und klare Haltung hilft allen Beteiligten.<br />

zugewandt und wertschätzend<br />

und vermittle ein Gefühl von<br />

Hilfsbereitschaft mit klaren Grenzen.<br />

Behalte dabei stets deinen<br />

Auftrag zum Wohl des Kindes im<br />

Blick.<br />

Klare Haltung gegenüber<br />

den betroffenen Eltern<br />

Eltern mit Suchterkrankung oder<br />

anderen psychischen Krankheitsbildern<br />

brauchen häufig noch<br />

klarere Strukturen, als ihr sie<br />

ohnehin schon <strong>für</strong> alle Familien<br />

vorleben solltet. Je klarer du mit<br />

den Eltern kommunizierst, umso<br />

leichter können sie deine Entscheidungen<br />

nachvollziehen. Ein<br />

alkoholisierter Elternteil darf sein<br />

Kind nicht mitnehmen. Hier steht<br />

wieder dein Schutzauftrag zum<br />

Wohl des Kindes im Vordergrund<br />

und du musst konsequent handeln,<br />

selbst wenn nur der Verdacht<br />

auf Alkoholisierung besteht.<br />

In schwierigen Situationen, auch<br />

wenn durch die Erkrankung die<br />

Gefahr der Kindeswohlgefährdung<br />

besteht, solltest du deine<br />

Gespräche protokollieren und<br />

von allen Gesprächsteilnehmern<br />

unterzeichnen lassen. Oft kann<br />

es helfen, die Einrichtungsleitung<br />

mit zum Gespräch zu nehmen,<br />

um den Eltern die Wichtigkeit zu<br />

verdeutlichen. Zugleich solltest<br />

du stets davon ausgehen, dass<br />

auch Eltern mit psychischer Erkrankung<br />

grundsätzlich nur das<br />

Beste <strong>für</strong> ihr Kind wollen. In der<br />

Situation der akuten Erkrankung<br />

fällt dies natürlich besonders<br />

schwer, da sie mit sich selbst sehr<br />

beschäftigt sind. Vorwürfe sind <strong>–</strong><br />

trotz allem <strong>–</strong> ebenso fehl am Platz<br />

wie Ausgrenzung und Abwertung.<br />

Das betroffene Kind nicht<br />

ausgrenzen<br />

Sehr schnell merken andere Kinder,<br />

dass Eltern mit Suchterkrankung<br />

sich anders als die eigenen<br />

Eltern verhalten. Diese Feststellung<br />

reicht manchmal aus, um das<br />

betroffene Kind auszugrenzen<br />

und als andersartig abzustempeln.<br />

Hier braucht es deine klare<br />

Haltung. Kinder sollen verstehen,<br />

dass auch diese Eltern ihre<br />

Kinder lieben, unabhängig ihrer<br />

Krankheit. Kinder, die durch die<br />

familiäre Situation ohnehin schon<br />

belastet sind, erfahren sonst zusätzliche<br />

Belastung in der Kita.<br />

Auch andere Eltern agieren in<br />

diesen Situationen oft wenig empathisch<br />

und sorgen durch ihre<br />

Aussagen <strong>für</strong> zusätzlichen Zündstoff.<br />

Die Kita soll eine <strong>Pädagogik</strong><br />

des sicheren Ortes gestalten und<br />

da<strong>für</strong> darfst du auch den gesunden<br />

Eltern Grenzen aufzeigen.<br />

Biete niederschwellige<br />

Unterstützung <strong>für</strong> betroffene<br />

Eltern an<br />

Oftmals haben Eltern zu dir als<br />

Bezugsperson Vertrauen gefasst.<br />

Doch du bist weder Suchtberatung<br />

noch Arzt oder Ärztin.<br />

Deswegen kannst du zwar<br />

einerseits ein offenes Ohr haben,<br />

andererseits jedoch die Eltern<br />

an Beratungs- und Fachstellen<br />

verweisen, die da<strong>für</strong> professionalisiert<br />

sind. Durch deinen wertschätzenden<br />

und fairen Umgang<br />

mit ihnen wird das Vertrauen weiterhin<br />

bestehen, auch wenn du<br />

nicht alle Details von ihnen weißt.<br />

In Ausnahmefällen und je nach<br />

individueller Situation kann eine<br />

Beratung innerhalb der Kita mit<br />

den jeweiligen Expertinnen und<br />

Experten stattfinden. So befinden<br />

sich die Eltern in einer gewohnten<br />

Umgebung und es fällt ihnen<br />

leichter, Hilfe anzunehmen.<br />

Beobachtungen notieren<br />

Wenn du dir Sorgen machst,<br />

diese aber nicht akut belegen<br />

kannst, solltest du regelmäßig<br />

Beobachtungen während unterschiedlicher<br />

Situationen notieren.<br />

Auch die Beobachtungen anderer<br />

Fachkräfte können in die Beurteilung<br />

der Lage einfließen.<br />

31


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

So bekommt ihr ein objektiveres<br />

Bild. Als Bezugsperson ist man<br />

durch Vorerfahrungen oft schon<br />

beeinflusst und nicht immer<br />

objektiv.<br />

Guten Kontakt zum Kind<br />

halten<br />

Nicht nur die Eltern, auch das<br />

Kind befindet sich in einer Ausnahmesituation.<br />

Deswegen<br />

braucht das Kind Menschen,<br />

denen es vertraut. Achte darauf,<br />

einen guten Kontakt zum Kind<br />

zu halten. Gib ihm das ehrliche<br />

Gefühl, seine Emotionen so anzunehmen,<br />

wie sie gerade sind, und<br />

jederzeit <strong>für</strong> es ansprechbar zu<br />

sein. Meist merkst du anhand des<br />

Verhaltens und der Aussagen des<br />

Kindes, wenn es konkrete Unterstützung<br />

von dir braucht.<br />

Entwicklungsstand des<br />

Kindes erfassen<br />

Wenn Mütter bereits während<br />

der Schwangerschaft suchtkrank<br />

sind, kann es sein, dass<br />

sich hierdurch beim Kind Defizite<br />

oder Krankheiten wie das Fetale<br />

Alkoholsyndrom (FAT) entwickelt<br />

haben. Eine gezielte Förderung,<br />

beispielsweise durch eine Frühförderstelle,<br />

kann hier sehr hilfreich<br />

sein. Sprich mit den Eltern<br />

und biete ihnen die Kooperation<br />

mit den Förderzentren an. Auch<br />

eine anonyme Fallberatung ist<br />

möglich, wenn Eltern nicht kooperativ<br />

sind.<br />

Handlungsanweisungen<br />

kennen<br />

Habt ihr im Team einen Leitfaden<br />

erarbeitet, solltest du dich an das<br />

halten, was <strong>für</strong> eure Kita festgelegt<br />

wurde. Zugleich sind individuelle<br />

Anpassungen notwendig,<br />

um im Einzelfall auf die Situation<br />

der Familien eingehen zu können.<br />

Absprachen mit Kolleginnen und<br />

Kollegen, der Kita-Leitung und<br />

der Fachberatung geben dir dabei<br />

zusätzliche Sicherheit.<br />

Bleib dir treu<br />

Merkst du, dass eine Situation<br />

dich persönlich überfordert, sei<br />

bereit, andere um Hilfe zu bitten.<br />

Manchmal musst du einen Fall<br />

abgeben, ein Gespräch von anderen<br />

führen lassen oder dir jemanden<br />

dazu holen. Professionalität<br />

bedeutet auch, die eigenen Grenzen<br />

zu erkennen und sich selbst<br />

zu schützen. Du hilfst weder dem<br />

Kind noch seinen Eltern, wenn<br />

du deine Grenzen überschreitest.<br />

Zum Wohl des Kindes kannst du<br />

nur handeln, wenn du <strong>für</strong> dich<br />

und in dir klar und stabil bist.<br />

Michaela Lambrecht<br />

ist Sozialpädagogin, Erzieherin<br />

und zertifizierte Krippenpädagogin.<br />

Derzeit arbeitet sie als<br />

freiberufliche Fachautorin <strong>für</strong><br />

Frühpädagogik und als Dozentin<br />

im Studiengang<br />

Kindheitspädagogik.<br />

www.fitmachtschlau.de<br />

32


Fachkräfte<br />

Grenzen der pädagogischen Arbeit<br />

Vorteile und Herausforderungen im Kita-Alltag<br />

von Sina Grote<br />

Das Wirkungsfeld in einer<br />

Kita ist groß. Hier agieren<br />

täglich kleine und große Menschen<br />

mit ihren persönlichen<br />

Geschichten. Es gibt zudem<br />

einen gesetzlichen Auftrag und<br />

Rahmenbedingungen, die es<br />

zu beachten und erfüllen gilt.<br />

Natürlicherweise werden hierbei<br />

unterschiedliche Grenzen<br />

berührt.<br />

Was ist eine Grenze?<br />

Stelle dir eine gestrichelte Trennungslinie<br />

vor. Diese hat die Aufgabe,<br />

benachbarte Bereiche voreinander<br />

zu schützen und diese<br />

zu unterteilen. Man könnte auch<br />

formulieren: Grenzen stecken<br />

einen Rahmen.<br />

Trennlinien sind in ihrer Beschaffenheit<br />

äußerst unterschiedlich.<br />

Versinnbildlichen kann dies<br />

beispielsweise ein Gartenzaun.<br />

Es gibt Zäune in verschiedensten<br />

Variationen: Einige sind dick<br />

gemauert, hoch, blickdicht und<br />

in Signalrot angestrichen. Andere<br />

hingegen bestehen aus grobmaschigem<br />

Draht, sind luft- und<br />

sichtdurchlässig. Überträgst du<br />

dieses Bild auf dich, kannst du<br />

festhalten: Grenzen sind grundsätzlich<br />

veränderbar. Je nach Situation,<br />

Person und Institution gibt<br />

es hier<strong>für</strong> kleinere oder größere<br />

Spielräume.<br />

Wie Grenzen entstehen<br />

In einer Kita kommen Mitarbeitende<br />

mit verschiedenen Trennlinien<br />

in Berührung.<br />

Jeder Mensch errichtet im Laufe<br />

seines Lebens persönliche Grenzen<br />

auf verschiedenen Ebenen.<br />

Diese entstehen aus individuellen<br />

Erfahrungen und Lebenswelten<br />

(Sprache, Kultur, Werte, Glaube<br />

etc.) und bilden eine Art innerer<br />

Landkarte. Dieser Prozess kann<br />

vollständig bewusst bis komplett<br />

unbewusst passieren. Neben<br />

So könnten exemplarisch die Grenzen einer pädagogischen Fachkraft aussehen.<br />

inneren Grenzen zu bestimmten<br />

Themen gibt es bei jedem<br />

Menschen auch äußere. Diese<br />

erkennen wir zum Beispiel, wenn<br />

uns Personen körperlich zu nahetreten.<br />

Jede Einrichtung hat auch institutionelle<br />

Grenzen. Diese fußen<br />

auf den gesetzlichen Grundlagen<br />

und Bildungsplänen. Und werden<br />

zumeist verfeinert in Betriebsvereinbarungen<br />

und pädagogischen<br />

Konzepten, welche den Rahmen<br />

<strong>für</strong> die Praxis bilden.<br />

Grenzen können schützen<br />

Grenzen schützen Personen vor<br />

etwas oder jemandem. Sie geben<br />

Halt und einen Rahmen. Der<br />

Prozess der Abgrenzung beginnt<br />

im Alter von etwa drei Jahren.<br />

Vorher begreifen Kinder sich<br />

verschmolzen mit ihrer Umwelt.<br />

Auch zu deinen Aufgaben gehört<br />

es, die Kinder bei diesem Prozess<br />

zu begleiten und zu unterstützen.<br />

Beispielsweise mit gezielten<br />

Projekten, wo das „Nein-Sagen“<br />

geübt wird.


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Das kann in unterschiedlichen<br />

Bereichen passieren. Beispielsweise,<br />

wenn mehrere Kolleginnen<br />

und Kolleginnen ausfallen<br />

und der vorgeschriebene Betreuungsschlüssel<br />

nicht mehr eingehalten<br />

werden kann. Dann sollte<br />

die Führungskraft umgehend<br />

nötige Maßnahmen ergreifen, die<br />

den gesetzlichen Rahmen wiederherstellen.<br />

Grenzen können trennen<br />

Es ist nicht immer eindeutig zu<br />

erkennen, wann in der pädagogischen<br />

Arbeit „gefährliches<br />

Grenzgebiet“ beschritten wird.<br />

Ein gesunder Umgang mit Grenzen<br />

bedeutet, diese zunächst<br />

wahr- und ernst zu nehmen. Und<br />

in einem weiteren Schritt fachlich<br />

angemessen mit ihnen umzugehen.<br />

Dazu gehört auch ein reflektiertes<br />

und bewusstes Vorgehen.<br />

Wird eine Trennlinie übertreten,<br />

passiert in der Regel etwas in<br />

uns selbst, bei anderen Personen<br />

oder in Institutionen. Das ist<br />

zum einen auf der Gefühlsebene<br />

spürbar und kann sich zum Beispiel<br />

durch kurze Irritation oder<br />

Erkenne die Grenzen des Kindes und schütze sie.<br />

ein Bauchgrummeln deutlich<br />

machen. Auch die Verhaltensebene<br />

gibt Zeichen: Verändert<br />

sich plötzlich in Personen oder<br />

Institutionen etwas, so kann<br />

hier<strong>für</strong> eine Störung aufgrund<br />

einer Grenzverletzung ursächlich<br />

sein. Dabei kann das Gefühl von<br />

schwach und kaum merklich bis<br />

hin zu heftig und mächtig wirken.


Fachkräfte<br />

Handlungsoptionen <strong>für</strong> die<br />

Praxis<br />

Liegt ein konkreter Fall von<br />

Grenzverletzung oder der Verdacht<br />

darauf vor, muss die Lage<br />

mit Bedacht betrachtet werden.<br />

Fragen, die zur Klärung beitragen<br />

können:<br />

→ Was ist passiert?<br />

→ Wer hat was beobachtet?<br />

→ Was kann ich tun, um die<br />

Situation zu ändern?<br />

→ Welche Pflichten habe ich?<br />

→ Wen kann und sollte ich<br />

informieren?<br />

→ Was sind die konkreten<br />

nächsten Schritte?<br />

→ Wer kann akut und langfristig<br />

zur Hilfe hinzugezogen<br />

werden?<br />

→ Was braucht das Kind? Von<br />

mir, der Kita, den Eltern,<br />

anderen?<br />

Sicher sind sowohl Übergriffe als<br />

auch andere Grenzverletzungen<br />

von Fall zu Fall individuell zu betrachten.<br />

Trotzdem braucht es<br />

aufmerksame Kolleginnen und<br />

Kollegen, um sowohl Kinder als<br />

auch Fachkräfte zu schützen. Egal<br />

auf welcher Ebene eine Grenzverletzung<br />

stattfindet. Umso<br />

wichtiger ist es auch, Kinder zu<br />

sensibilisieren und ihnen immer<br />

wieder den Mut zuzusprechen,<br />

<strong>für</strong> sich selbst einzustehen.<br />

Spätestens an dieser Stelle wird<br />

deutlich, wie wichtig das Vertrauen<br />

des Kindes zu einer Bezugsperson<br />

ist. Je größer das Vertrauen,<br />

umso eher offenbart sich ein<br />

Kind. Ebenso wichtig ist die Vertrauensbasis<br />

innerhalb des Teams.<br />

Schwierige Situationen besprichst<br />

du leichter mit Menschen, denen<br />

du vertraust.<br />

Es ist ratsam, Bewertungen und<br />

alle Folgeschritte mit mindestens<br />

einer zweiten Vertrauensperson<br />

zu besprechen. Konflikte in der<br />

pädagogischen Arbeit sollten<br />

zudem auch immer verschriftlicht<br />

werden, da eine Dokumentation<br />

das Handeln der betreffenden<br />

Personen im Ernstfall (z. B. bei<br />

Kindeswohlgefährdung) auch<br />

rechtlich absichern kann. Zur<br />

weiteren Absicherung ist es hilfreich,<br />

den Träger mit ins Boot<br />

zu holen und sich fachkundige,<br />

externe Hilfe zu organisieren (von<br />

der Fachberatung, dem Jugendamt<br />

oder anderen).<br />

Es ist kein Scheitern<br />

Trotz bestmöglichen Einsatzes<br />

kann es dazu kommen, dass<br />

kritische Situationen nicht zum<br />

Wohle aller aufgelöst werden<br />

(können). Eine unzufriedene<br />

Leitungskraft, die immer wieder<br />

vergeblich mit dem Träger <strong>für</strong><br />

bessere Rahmenbedingungen<br />

streitet, sollte entscheiden, wie<br />

lange es sich aus ihrer Sicht<br />

lohnt, zu kämpfen. Wer sich nicht<br />

wahr- oder ernst genommen<br />

fühlt, überschreitet persönliche<br />

Grenzen. Passiert dies langfristig,<br />

kann es zu psychischen<br />

Belastungssituationen führen.<br />

Das Wissen „Wir haben alles<br />

getan, was in unserer Macht<br />

stand" (auch, wenn es nicht zum<br />

gewünschten Erfolg geführt hat)<br />

kann helfen, mit einer kritischen<br />

Situation besser umzugehen.<br />

Zu guter Letzt: Vorsorge ist<br />

besser als Nachsorge. Auch wenn<br />

kein aktueller Fall von Grenzverletzung<br />

vorliegt, ist es ratsam,<br />

sich aktiv mit den eigenen Grenzen<br />

auseinanderzusetzen. So verminderst<br />

du blinde Flecken und<br />

entwickelst zugleich ein Gespür<br />

<strong>für</strong> die Grenzen anderer.<br />

Zudem sollte jede Einrichtung<br />

über ein internes Schutzkonzept<br />

verfügen. Hier hinein gehören<br />

konkrete Handlungsschritte <strong>für</strong><br />

die individuelle Einrichtung.<br />

Sina Grote ist<br />

Diplom-Sozialpädagogin, Coach und<br />

Kita-Managerin.<br />

www.sinagrote.de<br />

35


Die Empfehlung aus der Redaktion<br />

Betül und Nele erleben eine Beerdigung<br />

und fragen nach dem Tod<br />

von Viola M. Fromme-Seifert und Naciye Kamçili-Yildiz<br />

Wie geht es weiter, wenn ein geliebter Mensch gestorben<br />

ist?<br />

Betül und Nele trauern um Neles Freundin Oma Ida. In<br />

der Kita sprechen die Kinder über den Tod und verschiedene<br />

Vorstellungen, was danach kommt.<br />

Betül und Nele besuchen Oma Idas Beerdigung und erfahren auch etwas darüber, wie Muslime Bestattungen<br />

abhalten und wo es auf dem Friedhof muslimische Gräber gibt. In den Monaten nach der<br />

Beerdigung haben Betül und Nele viele Gelegenheiten, trostspendende Rituale aus der christlichen<br />

und der islamischen Kultur zu erleben. Mit einer Kreatividee <strong>für</strong> Kita und Grundschule: „Himmel im<br />

Schuhkarton“.<br />

Viola M. Fromme-Seifert und Naciye Kamçili-Yildiz<br />

Kamishibai Bildkarten<br />

EAN: 426069492 050 3<br />

Preis: 18 EUR<br />

Verlag: Don Bosco Medien, 2022<br />

Möchtest du eines dieser Kamishibai-Sets gewinnen?<br />

Alle Abonnentinnen und Abonnenten landen automatisch im Lostopf. Hast<br />

du noch kein Abonnement? Du kannst trotzdem mitspielen:<br />

Sende uns eine E-Mail an info@wir-bauen-bruecken.com und verrate uns<br />

den <strong>für</strong> dich spannendsten Artikel dieses Magazins.<br />

Einsendeschluss: 30.10.<strong>2023</strong><br />

Danke an Don Bosco Medien <strong>für</strong><br />

die Bereitstellung dieses Gewinns.<br />

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.


Das pädagogische ABC<br />

Pädi und Gogi präsentieren dir das<br />

pädagogische ABC<br />

Adultismus<br />

A<br />

Das Wort Adultismus leitet sich vom Englischen „adult“ = erwachsen ab. Durch<br />

die Endung „ismus“ wird eine Struktur von Macht dargestellt. In dieser Form geht<br />

es um die Macht Erwachsener über die Kinder. Erwachsene nutzen hierbei ihre<br />

körperliche Überlegenheit aus, um sich über die Kinder zu erheben und <strong>für</strong> sich<br />

Vorteile zu schaffen. Oft geschieht dies unbewusst, weil Eltern oder pädagogische<br />

Fachkräfte der Meinung sind, gegenüber den Kindern durch Lebenserfahrung<br />

auch ein Mehr an Kompetenz und Reife zu besitzen.<br />

Typische Sätze des Adultismus sind:<br />

→ „Das kannst du entscheiden, wenn du groß bist.“<br />

→ „Kinder können das noch nicht.“<br />

→ „Da<strong>für</strong> musst du erst so alt werden wie ich.“<br />

→ „Du bist noch viel zu klein.“<br />

Wann immer die Macht der Erwachsenen über dem kindlichen Bedürfnis steht, solltest<br />

du dich selbst hinterfragen, inwieweit Adultismus dich leitet. Und du solltest dir darüber<br />

bewusst werden, was du dazu beitragen kannst, um Adultismus vorzubeugen.<br />

Reflektiere deine Haltung:<br />

→ Welches Bild habe ich vom Kind?<br />

→ Was erwarte ich von Kindern?<br />

→ Wie gehe ich damit um, wenn ein Kind ein Projekt nicht mitmachen möchte, lieber<br />

drinnen statt draußen spielen will, …?<br />

→ Wie würde ich in einer ähnlichen Situation behandelt werden wollen?<br />

Die Folgen des Adultismus können mangelndes Selbstvertrauen und ein wenig ausgeprägtes<br />

Selbstwertgefühl sein.<br />

Adultismus zeigt sich im pädagogischen Arbeitsfeld jedoch immer wieder auch zwischen<br />

erfahrenen und unerfahrenen Kolleginnen und Kollegen. In diesem Zusammenhang entstehen<br />

ebenfalls Machtstrukturen, die die Zusammenarbeit im Team beeinflussen können<br />

und im schlimmsten Fall <strong>für</strong> das Scheitern eines Teams sorgen.<br />

Das Gegenteil von Adultismus ist übrigens gelebte Partizipation. Die werden wir ein anderes<br />

Mal genauer betrachten.<br />

37


<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> | Ausgabe 05/<strong>2023</strong><br />

Webinar „Im passenden Rahmen <strong>–</strong><br />

Familien mit besonderen Bedürfnissen unterstützen“<br />

am Montag, 23. Oktober <strong>2023</strong> von 18 Uhr<strong>–</strong>19.30 Uhr<br />

mit Petra Knickenberg & Marion Bischoff<br />

Schnupper-Preis: 9,00 EUR<br />

Melde dich gleich an unter<br />

www.paedagogik-<strong>für</strong>-dich.de<br />

Was Pädi dir noch sagen möchte:<br />

Hast du Fragen, Wünsche oder Anregungen?<br />

Dann schreib uns gerne eine Nachricht an:<br />

info@paedagogik-fuer-dich.de<br />

Gogi freut sich auf die Ausgabe 06-<strong>2023</strong> und damit die letzte Ausgabe des Jahres.<br />

Du auch?<br />

Dann besorge dir gleich dein Abo unter www.paedagogik-fuer-dich.de<br />

Unser Thema: „Strich drunter“<br />

So oft müssen, sollen oder dürfen wir einen Strich ziehen. Jeder Abschied ist das Ende einer Situation. Egal,<br />

ob Kolleginnen und Kollegen, Kinder oder Eltern sich verabschieden. Auch das Jahr neigt<br />

sich dem Ende zu. Zeit, um Bilanz zu ziehen, zurückzublicken auf das Erlebte und Erledigte<br />

und Platz zu schaffen <strong>für</strong> Neues. Was das in der Elementarpädagogik bedeutet, liest du<br />

in Ausgabe 06-<strong>2023</strong> der <strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong>.<br />

Lies in Ausgabe 06-<strong>2023</strong>:<br />

Wie du Elternumfragen gestalten kannst<br />

Was ein Abschied <strong>für</strong> die Zurückbleibenden bedeutet<br />

Wie du Schätze findest, statt Fehler zu suchen<br />

und vieles mehr<br />

Die Ausgabe „Strich drunter“ erscheint im November <strong>2023</strong>.<br />

Impressum:<br />

<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> <strong>–</strong> Dein lebendiges Fachmagazin<br />

wird herausgegeben von Wir bauen Brücken<br />

Kreuzbergstr. 17a, 66978 Clausen<br />

www.wir-bauen-bruecken.com<br />

Verantwortlich: Philipp Bischoff<br />

Redaktion<br />

Marion Bischoff<br />

Kreuzbergstr. 17a, 66978 Clausen<br />

Layout, Design, Satz und Gestaltung<br />

Eva Martin<br />

Am Scherzacker 2, 36358 Herbstein<br />

Korrektorat<br />

Sandra Jungen <strong>–</strong> www.sandra-jungen.de<br />

Illustrationen Pädi und Gogi<br />

Tobias Thies <strong>–</strong> www.tobiasthies.de<br />

Titelbild<br />

Pixabay/EME<br />

Marketing<br />

Headlight Marketing, Christof Classen <strong>–</strong> www.headlight-marketing.de<br />

Online-Magazin generiert durch YUMPU.com<br />

i-magazine AG, Verwaltungsrat Kuster Martin<br />

Gewerbestrasse 3, 9444 Diepoldsau<br />

Bezugsbedingungen<br />

<strong>Pädagogik</strong> <strong>für</strong> <strong>Dich</strong> <strong>–</strong> Dein lebendiges Fachmagazin erscheint sechs Mal jährlich <strong>für</strong><br />

54 EUR zzgl. 15 EUR Versandkosten. Auslandspreise auf Anfrage. Die Mindestbezugsdauer<br />

beträgt ein Jahr. Eine Kündigung ist schriftlich bis 31.10. des Bezugsjahres<br />

einzureichen, ansonsten verlängert sich der Bezug um weitere zwölf Monate. Es<br />

gelten unsere aktuellen Allgemeinen Geschäftsbedingungen.<br />

Adressänderungen<br />

Bitte teile uns deine neue Adresse so früh wie möglich mit. Gib dazu deine Kundennummer,<br />

die alte und die neue Adresse an.<br />

Für die Zustellung der Online-Ausgabe wird eine gültige E-Mail-Adresse benötigt.<br />

Copyright<br />

Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.<br />

Alle Rechte vorbehalten.<br />

ISSN 2751-8434<br />

38


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Donnerstag,<br />

29.02.2024<br />

- Eltern, die schimpfen<br />

und nörgeln<br />

- Naturpädagogik<br />

- Innere Schatzsuche<br />

- metaphysische<br />

Entspannung<br />

Freitag,<br />

01.03.2024<br />

- herausfordernde Kinder<br />

professionell begleiten<br />

- traumatisierte Kinderseelen<br />

- Yoga <strong>für</strong> Pädagoginnen<br />

und Pädagogen<br />

Samstag,<br />

02.03.2024<br />

- Selbstvertrauen<br />

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- Neue Ideen motiviert<br />

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