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Wir müssen hier weg

Eine Kurzgeschichte die so, oder so ähnlich, hätte passieren können, oder vielleicht auch passieren kann?

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ohne, die Bootsfahrt zu wagen. Denn am Ufer waren die Österreicher, die immer wieder mit einem

Scheinwerfer den See ableuchteten. Bena fing zu beten an, und Thomas machte mit. Hoffentlich fangen jetzt

nicht die Hunde zu bellen an! Endlich waren die beiden auf dem Boot und trampelten los. Thomas hate eine

Strecke ausgemacht, die offensichtlich nicht von den Scheinwerfern ausgeleuchtet wird. Und da sollte es

weitergehen. Irgendwann dachten sich die beiden, dass sie längst in Italien sein müssten. Denn eigentlich ist

doch direkt am Ortseingang Reschen die Grenze nach Italien. Der See müsste doch dann schon Italien sein?

Bena sagte irgendwann: „Ich habe gelesen, wenn man Kinderlieder singt, dann kann man keine Angst

empfinden!“ So kam es, dass nachts um 4 Uhr in der Nähe von Graun ein Tretboot anlegte aus dem lauthals

Pipi Langstrumpf gesungen wurde. Thomas rief nochmal den Markus an, um ihm zu sagen, dass die beiden es

gescha haben, und in Italien, in Südrol sind. Markus sagte Thomas, dass sie zu Fuß nach St. Valenn gehen

sollen. Von dort aus könnten sie mit Josephe bis Schlanders fahren. Dann würde man schauen, wie sie weiter

kommen nach Trient. Also noch ein weiter Weg.

Früher war Italien ein christlich geprägtes Land. Vor einigen Jahren hat sich das aber geändert. Seit einigen

Jahren ist Italien fest moslemisch. Der Vakan ist geduldet, und die Christen werden geduldet und dürfen ihren

Glauben ausleben, solange sie nicht stören. Also so richg in Sicherheit konnten sich Thomas und Bena nicht

fühlen. Aber das war momentan nicht das schlimmste. Momentan waren sie einfach nur müde, hungrig, dursg

und durchgefroren. Auch die Hunde häten wohl lieber Rast gemacht. Aber – sie mussten weiter, möglichst bald

nach St. Valenn kommen und dort Josephe finden. Von dem wussten sie ja erst einmal nur den Namen. Und

von St. Valenn sah man nur enernt ein paar Lichter. Thomas und Bena haten Schmerzen – alles an ihren

Körpern tat nur noch weh. Jeder Schrit schmerzte. Zwar war es Sommer, aber es war noch sehr früh, und

dadurch noch sehr frisch – um nicht zu sagen arschkalt!

Aber langsam kamen die Häuser von St. Valenn näher. Die Hoffnung, dass dort alles viel besser werden würde

für die beiden, wurde immer größer. Und mit jedem Meter wurde klarer, dort steht kein Militär. Niemand würde

auf sie zielen, wenn sie dort ankommen. Die beiden feuerten sich gegenseig an, was sie nicht alles frühstücken

würden, und wie sie sich auf eine warme Dusche freuen. Und dann kam endlich das Ortsschild St. Valenn!

Direkt am Ortseingang kam ein Hotel. Dort checkten Thomas und Bena ein. Und es war fast zu schön, um

wahr zu sein. Warmes Wasser, Kaffee, Orangensa, Semmeln – sogar Futer für die Hunde gab es. Während

Bena unter der Dusche stand, klope es an der Zimmertüre. Der Manager – es gäbe Probleme mit der

Kreditkarte. Die beiden mussten sofort das Zimmer räumen. Also ging es weiter in die Ortscha. Süd-Tirol. Was

für ein Flecken Erde. Wenn die Menschen dort das Gefühl haben, dass sie Vorteile durch Dich haben, dann

sprechen sie beinahe Deutsch. Es ist ein harter Dialekt, den man aber fast verstehen kann. Bist Du uninteressant

für die, dann sprechen die nur italienisch. Thomas und Bena mussten feststellen, dass auf einmal nur

italienisch gesprochen wurde. Sie waren beinahe am Ortsende angekommen, und haten an einer

Bushaltestelle platz genommen. Mit hängenden Köpfen und Null-Blick saßen die beiden da. Nur die Hunde

wirkten zufrieden. Wie sollten sie diesen Josephe finden? Keiner schien sie zu verstehen.

Gerade als sie in Selbstmitleid zerlaufen wollten krächzte eine alte Hupe. Auf die beiden kam eine Ape

zugefahren. Ein Gemisch aus altem ausgebleichtem Blau und Rost! Im Ganzen machte das Gefährt einen

Eindruck, als würde es nicht die 500 Meter bis zum Ortsschild schaffen. Geschweige denn wie sollten da nun

noch zwei zusätzliche Erwachsene Menschen und zwei Hunde reinpassen? Nichts ist unmöglich! „Ich bin

Josephe, seid ihr Tom und Bety?“ sagte der Mann, der aus dem Vehikel ausgesegen war. Müsste man einen

alten Seemann malen, dann würde man vermutlich genau diesen Josephe malen. Augenklappe, Bart,

vernarbtes Gesicht, Pulli Blau-Weiß quergestrei mit unzähligen Löchern. Stoose, deren Beine wohl direkt

am Knie abgerissen wurden, und Schuhe die vermutlich mal Sportschuhe waren. Der ganze Kerl

eraungebrannt. Gefühlt war das der erste Mensch, der Thomas und Bena freundlich empfing. Zum ersten

Mal empfanden die beiden, dass sie nicht verfolgt werden. Sogar die Hunde wedelten vor Freude mit den

Schwänzen, obwohl sie Josephe noch nie zuvor gesehen haten. Josephe packte das Gepäck von Thomas und

Bena in den Koffer-Laderaum, band dort auch die Hunde fest, und stope Thomas und Bena in die

Fahrerkabine. Dann seg er selbst ein und los ging es. Der Moped-Motor knaterte und ächzte, aber die Ape

bewegte sich vorwärts. Josephe war ein herzlicher Typ. „Ich freue mich so, dass ihr es gescha habt. Jetzt wird

alles gut!“ sagte er. „Wir werden gut 90 Minuten fahren bis Schlanders!“ Thomas und Bena waren so

erschöp von der bisherigen Reise, dass beide sofort einschliefen. Die Ape kämpe sich Meter für Meter

vorwärts, und die beiden hörten gar nicht, dass Josephe ein Seemannslied nach dem anderen trällerte. Erst als

Josephe sich eine Pfeife ansteckte wachte Thomas auf. „Wie lange habe ich geschlafen?“ fragte er. „Gut eine

dreiviertel Stunde!“ Josephe erzählte Thomas von seinem Leben. Dass er früher zur See war. Er war Koch auf

einem Schiff, dass Container von Italien nach China und zurück transporerte. Aber jetzt hat er seit 5 Jahren in

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