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Schönbächler, Patrick, Schönbächler, Walter - 150 Jahre Arbeiterbewegungen im Bezirk Einsiedeln, 100 Jahre SP Einsiedeln, Einsiedeln 2019

Die Geschichte der Arbeiterbewegungen und der Sozialdemokratischen Partei Einsiedeln in katholischen Stammlanden. Gleichzeitig ein politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rückblick auf den Bezirk Einsiedeln, aber auch den Kanton Schwyz.

Die Geschichte der Arbeiterbewegungen und der Sozialdemokratischen Partei Einsiedeln in katholischen Stammlanden.
Gleichzeitig ein politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rückblick auf den Bezirk Einsiedeln, aber auch den Kanton Schwyz.

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«DIE GROSSE GEFAHR»<br />

<strong>150</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Arbeiterbewegungen</strong> <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> Sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> | <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>


«DIE GROSSE GEFAHR»<br />

<strong>150</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>Arbeiterbewegungen</strong> <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> Sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong>


Impressum<br />

Diese Schrift erschien anlässlich des <strong>100</strong>-Jahr-Jubiläums der Sozialdemokratischen Partei <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Redaktion/Text: <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

Korrektorat: Susanne Theiler, Markus Staub<br />

Satz: <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

Druck: Druckerei Franz Kälin AG, <strong>Einsiedeln</strong><br />

Verlag: <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>/<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>, CH-8840 <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> <strong>2019</strong><br />

ISBN 978-3-033-07220-6<br />

www.hejbsch.ch


INHALTSVERZEICHNIS<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

I. Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 09<br />

II. Grussworte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11<br />

Christian Levrat, Präsident <strong>SP</strong> Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11<br />

Andreas Marty, Präsident <strong>SP</strong> Schwyz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12<br />

<strong>Bezirk</strong>sammann Franz Pirker. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13<br />

III. Dank. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15<br />

Johannes Borner, Präsident <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15<br />

IV. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17<br />

V. Anfänge der Arbeiterorganisation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19<br />

Der Grütliverein <strong>Einsiedeln</strong> (1852, 1863-1866, 1885-1887, 1900-190?) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20<br />

Der Arbeiterverein (1864-1869) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22<br />

Die Bahnarbeiter in den 1870er-<strong>Jahre</strong>n . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23<br />

Die katholischen Gesellen- und Arbeitervereine (1859-, 1871-, 1897-) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24<br />

VI. Die Sozialdemokratie fasst Fuss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27<br />

Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27<br />

Der Benzigerstreik (1899/1900). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27<br />

Kantonale Bestrebungen und sozialdemokratische Anfänge. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29<br />

Der Konsumverein <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34<br />

Exkurs: Das «katholische Bollwerk» und die politischen Verhältnisse in <strong>Einsiedeln</strong>. . . . . . . . . . . . . . . . 35<br />

VII. Gründungsphase der Arbeiterpartei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37<br />

Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37<br />

Gründung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38<br />

Generalstreik und Grippe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39<br />

Ein Debakel mit Vorankündigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41<br />

Eine Volksrednerin und Arbeiternöte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />

Erster Kantonsrat und Konsolidierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />

Ein «Skandal» mit Folgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45<br />

Kantonsrat Daniel Kürzi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />

Erste Erfolge und ein Staatsschutzgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47<br />

Nationalratswahlen und Vermögenssteuerinitiative. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />

Das Warten auf das Etzelwerk und die Zollinitiative . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49<br />

Verlust des Kantonsratsmandats, die Initiative Rothenberger und ein roter Nationalrat . . . . . . . . . . . . . . 51<br />

Das Etzelwerk kommt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />

Religionsfeindlichkeit und liberal-sozialistische Opposition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53<br />

VIII. Eine erste Reaktivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55<br />

Der Auslöser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55<br />

Neuorganisation und erste Aktivitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55<br />

Wahlniederlagen und ein neuer Präsident . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56<br />

Der bettelnde Vinzenz-Verein und weitere Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57<br />

Sozialistische Berufsverbände?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59<br />

Geistliche Spiele 1930, zur Religion und «Sihlsee-Spekulationswut» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />

Ein «schartiger» Landschreiber-Kandidat und eine öffentliche Gabensammlung. . . . . . . . . . . . . . . . . 62<br />

Schnaps, ein erster Kommissionssitz und ein Parteiausflug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62<br />

Sprechstunden des Arbeitersekretärs in <strong>Einsiedeln</strong> und die «sozialistische Ehe» . . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />

Ein gemütlicher Abend, aufkommende Nervosität und politische Grundsätzlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . 65<br />

Gründung der Etzelwerk AG, Nationalratswahlen 1931 und «traurige Taglöhne». . . . . . . . . . . . . . . . . 66<br />

Der «Linksblock» von <strong>Einsiedeln</strong> und ein Wahlstreik der Oppositionsparteien. . . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />

Beginn der Etzelwerkarbeiten, Streiks und Arbeitsbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69<br />

Genfer Aufruhr und eine Rechtfertigung des Parteinamens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72<br />

Ein Präsidentenwechsel, eine Lohnabbauvorlage und Armenpflege. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73<br />

Exkurs: Nationalsozialismus in <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75<br />

Das «Ordnungsgesetz», Unruhen um den «Schwyzer Demokrat» und missliebige Bagger. . . . . . . . . . . . . 76<br />

Wehrvorlage, Kriseninitiative und eine «verdammte Pflicht» des <strong>Bezirk</strong>srates . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79


Die Nationalratswahlen 1935 – eine «Faust ins Gesicht» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80<br />

Die Forderung nach einem Regierungssitz, ein politisierender Sekundarlehrer und ein neuer, roter Kantonsrat. . . . 81<br />

Die Wehranleihe, ein neues Erwerbssteuergesetz, streikende Automobilisten und kantonale Notstandsarbeiten . . . 84<br />

Arbeiterschutz am Etzelwerk, programmatische Richtlinien, ein Erwerbssteuergesetz und eine Badeordnung . . . . 84<br />

Die Sihl wird gestaut, ein «neuer» Parteipräsident und die Auflösung der «Arbeiter-Union» . . . . . . . . . . . . 85<br />

Das schwyzerische Kommunistenverbot, friedliche <strong>Bezirk</strong>swahlen und ein «abstossendes Elaborat» . . . . . . . . 88<br />

Der Bau- und Holzarbeiterverband, der Ruf nach «neuer Industrie» und Arbeiternot . . . . . . . . . . . . . . . 90<br />

Eine «neue Industrie», eine rote Volksinitiative und die «Landi» 1939 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91<br />

Die Wehrmanns-Notunterstützung, militarisierte Arbeitslose und steigende Teuerung . . . . . . . . . . . . . . 93<br />

Friedliche Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen und ein sozialdemokratischer Kantonsratspräsident! . . . . . . . . . 94<br />

Ein neuer Feiertag, bleibende Probleme und ein Unrecht an der Arbeiterschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . 96<br />

Durchhalteparolen, fleischlose Tage, Anbauschlacht und der Ruf nach einem Lohnamt . . . . . . . . . . . . . 97<br />

Volkswahl des Bundesrates, Weiterbildung und der wiederholte Ruf nach einer AHV . . . . . . . . . . . . . . 98<br />

Sozialistischer Auftrieb und politischer Druck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99<br />

«Eine neue Schweiz in einer neuen Welt» und missglückte Nationalratswahlen 1943. . . . . . . . . . . . . . <strong>100</strong><br />

Gewerkschaften, «schwyzerische Polizeiwillkür» und der unsägliche «Arbeitsrappen» . . . . . . . . . . . . . . 101<br />

Eine neue Parteiorganisation, «eine dunkle Seite <strong>im</strong> Buche» und ein neuer Regierungsrat . . . . . . . . . . . .102<br />

IX. Die Arbeiterpartei in den Nachkriegsjahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .105<br />

Eine Konstituierungsversammlung und eine «Säuberungs-Petition» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105<br />

Ein Konflikt <strong>im</strong> Schreinergewerbe, eine weitere Reorganisation und eine «sozialistische Zelle» in Euthal. . . . . . 105<br />

Hyperaktivitäten, eine Umbenennung der Partei und ein neuer Nationalrat. . . . . . . . . . . . . . . . . . 107<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen 1948, Durchhalteparolen und eine Partei am Boden . . . . . . . . . . . . . .109<br />

Der Bodenvogt, die Nationalratswahlen 1951 und eine sozialistische Vermögensabgabe-Initiative . . . . . . . . . 110<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen 1952, ein erster Angriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110<br />

Eine stattgehabte Vorstandserneuerung und der erste rote <strong>Bezirk</strong>srat 1954 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111<br />

Gründung der Baugenossenschaft «Mythen» (1955) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113<br />

Ein Fabrik-Neubau, ein «Mann des Jahrhunderts», fast friedliche Wahlen und das erste RPK-Mitglied der Arbeiterpartei . . 114<br />

Schulische Anliegen, ein «geistig unbeweglicher Schulratspräsident», das Referat des Pfarrers und ein neuer Nationalrat . . 115<br />

Ein «sozialistischer Kronprinz» und Ämterkumulationen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117<br />

Ein neuer Vorstand, ein ruhiges Intermezzo, Personenkult und die erste Schulrätin . . . . . . . . . . . . . . . 118<br />

Aufruf zur Parteiarbeit, ein Schulhaus-Neubau, das «Gespenst eines Frauenst<strong>im</strong>mrechts» und friedliche Nationalratswahlen . .120<br />

Ruhige Frühjahrswahlen 1968 und ein engagierter Parteipräsident . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .122<br />

Der erste sozialdemokratische Erziehungsrat, ein Gerichtssubstitut und eine politische Bankrotterklärung . . . . 122<br />

Endlich: das Frauenst<strong>im</strong>mrecht, Land für ein neues Altershe<strong>im</strong> und eine verjüngte Parteileitung . . . . . . . . . 124<br />

Die erste Kantonsratskandidatin und Meinrad Fuchs <strong>Bezirk</strong>sammann! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125<br />

Brand des Spitals und eine neue Generation übern<strong>im</strong>mt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127<br />

Ein Verwaltungsrichter, ein neuer Parteipräsident, Pressezensur, ein zweiter <strong>Bezirk</strong>sratssitz und das Kieswerk Trachslau . . 129<br />

Ein neuer Regierungsrat und die Reichtumssteuer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132<br />

Ein ruhiges Jahr 1978. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134<br />

Ein Nationalrat auf Zeit und Kantonsratswahlen 1980 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135<br />

Strube <strong>Bezirk</strong>swahlen 1980 und ein Präsidentenwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .136<br />

Noch strubere <strong>Bezirk</strong>swahlen 1982, «eine Lektion in Sachen Anstand» und der dritte <strong>SP</strong>-Landammann . . . . . 138<br />

Martin Kälin neuer Kantonsrat, Helmut Hubacher in <strong>Einsiedeln</strong> und eine Insolvenzerklärung der Kantonalpartei . . .140<br />

Für eine Bundesratsbeteiligung, linke Konkurrenz und Kantonsratswahlen 1984 . . . . . . . . . . . . . . . .143<br />

Probleme um den «Schwyzer Demokrat», Teilerneuerung der Parteileitung und zahlreiche Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen . .145<br />

Erfolg für das Betagten-Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti und eine erste <strong>Bezirk</strong>sratskandidatin . . . . . . . . . . . . . . 146<br />

«Dr Sihlsee ghört üs!», keine Reduktion der <strong>Bezirk</strong>sratssitze – und ein Nationalrat! . . . . . . . . . . . . . . 147<br />

Friedliche Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen und die erste Frau in der RPK . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<strong>150</strong><br />

Das Ende des «Schwyzer Demokrat», «Dr rout Rab» und andere Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . .152<br />

X. Metamorphosen und Neuzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155<br />

Ein neuer Regierungsrat, ein neuer Präsident und die Armeeabschaffungsfrage . . . . . . . . . . . . . . . 155<br />

Die erste <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srätin und Atomvorlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .156


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Eine Zukunftswerkstatt und ein neues, «revolutionäres» Aktions-/Parteiprogramm . . . . . . . . . . . . . . 158<br />

Nationalratswahlen 1991 und das Kieswerk Trachslau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160<br />

Eine autofreie Hauptstrasse, eine bürgerliche Strafaktion sowie ein Einsiedler <strong>SP</strong>-Kantonsratspräsident . . . . . . . . . 161<br />

Notschlafstelle, Drogenpolitik, der richtige Polizeidirektor und eine zweite bürgerliche Strafaktion . . . . . . . . .164<br />

Rettung des Willerzeller-Viadukts und Verlust des Nationalratssitzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165<br />

Die erste Einsiedler Kantonsrätin und ein «grauer Panther» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .166<br />

Eine neue Zukunftswerkstatt und erfolglose <strong>Bezirk</strong>sratswahlen 1998 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .168<br />

Eine neue Präsidentin, die Begrünung des Adlermättli und chancenlose Nationalratswahlen . . . . . . . . . . .169<br />

Kantonsratswahlen und ein neuer Regierungsrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171<br />

Ein neues Positionspapier, ein neuer Kantonsrat, endlich eine Kinderkrippe und der Sihlseeuferweg . . . . . . . 172<br />

Eine «unheilige Allianz», Rückeroberung des RPK-Sitzes, eine Ombudsstelle und eine «Chropfleerete» . . . . . . . 174<br />

Ein Co-Präsidium, das Hallenbad und eine Einsiedler <strong>SP</strong>-Nationalrätin! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen 2004: ein zweiter Sitz!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177<br />

Eine kantonale 1. Mai-Feier und eine Schweinerei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .180<br />

Verlust des zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitzes, die Ortsbus-Initiative und eine Fitze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181<br />

Tod unserer Nationalrätin, Energie-Stadt und ein neuer <strong>SP</strong>-Kantonsratspräsident . . . . . . . . . . . . . . . 182<br />

Der Ortsbus kommt, zwei Vollmandate bei den Kantonsratswahlen und ein abgewählter Landschreiber . . . . . .183<br />

<strong>SP</strong>-Hochburg <strong>Einsiedeln</strong>, offene Jugendarbeit, ein neues Co-Präsidium und ein «Porno-Rocker» . . . . . . . . 186<br />

Ein neuer Präsident, «Tischlein-deck-dich» und eine Demonstration Pro Spital <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . 187<br />

Ein unglaubliches Engagement der Partei, die <strong>SP</strong> fliegt aus der Regierung und ein neuer Präsident . . . . . . . .188<br />

Abzocker, Jugendkonzept und Wohnraum sowie starkes Mitgliederwachstum . . . . . . . . . . . . . . . . .190<br />

Präsidentenwechsel, «nüd ganz <strong>100</strong>» und Lancierung von zwei kantonalen Steuer-Initiativen . . . . . . . . . . . 191<br />

Ein neuer Präsident, «James Bond» als <strong>Bezirk</strong>srat, ein Positionspapier und der Verlust des Nationalratssitzes . . . .192<br />

Der «doppelte Pukelshe<strong>im</strong>er» und erfolgreiche Kantonsratswahlen 2016 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194<br />

Für fairere Steuern, Pro Viadukt Willerzell und ein neuer Kantonsrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .196<br />

Eine Polit-Sensation, ein Säckelmeister-Kandidat zur falschen Zeit und «s‘Notariat ghöjrt i üüs»! . . . . . . . . . 198<br />

XI. Unsere amtierenden <strong>Bezirk</strong>sräte: persönlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .201<br />

XII. Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .205<br />

XIII. Personen und Ämter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207<br />

Präsidenten Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207<br />

Vize-Präsidenten Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207<br />

Aktuare Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .208<br />

Kassiere Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .208<br />

Beisitzer Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .209<br />

Rechnungsprüfer Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .209<br />

Nationalräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209<br />

Kantonsräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209<br />

<strong>Bezirk</strong>sräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210<br />

Mitglieder Rechnungsprüfungskommission Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210<br />

Schulräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210<br />

XIV. Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211<br />

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211<br />

Lexika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212<br />

Archive/Zeitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212<br />

Bildmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212


I. Vorwort<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Im Frühsommer 2018 stolperten wir mehr oder minder zufällig über eine Notiz <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» (EA 16.1.1918), welcher<br />

auf die Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der Waldstatt <strong>Einsiedeln</strong> hinwies. Bis anhin war parteiintern nur bekannt<br />

(und begnügte man sich auch damit), dass die damals sogenannte «Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>» 1944 einfach wieder zum Leben<br />

erweckt wurde.<br />

Über die Zeit vor 1944 herrschte aber tiefste Dunkelheit und Unkenntnis. Was für Personen bekannten und engagierten sich in<br />

den zum Teil jahrzehntelang wirtschaftlich schwierigen und katholisch-konservativ dominierten Zeitverhältnissen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

auf welche Weise für die Anliegen der Arbeiterschaft?<br />

Stellten sie die «grosse Gefahr»<br />

dar, vor denen der Churer Bischof<br />

1919 eindringlich warnte?<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

Co-Präsident 2003 - 2012<br />

Die kantonale Geschichtsschreibung widmet<br />

sich den <strong>Arbeiterbewegungen</strong> und<br />

dem Engagement für die Anliegen der Arbeiterschaft<br />

und deren politischen Kampf<br />

vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,<br />

und gerade was <strong>Einsiedeln</strong> anbelangt,<br />

stiefmütterlich und oberflächlich.<br />

Publikationen mit lokalhistorischem Bezug<br />

fehlen gänzlich, solche zur Sozialdemokratie<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz sind spärlich<br />

und inhaltlich teilweise dünn.<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

Präsident 1989 - 1999<br />

Fairerweise ist zu sagen, dass die Quellenlage dürftig ist. In <strong>Einsiedeln</strong> fehlen zum einen bis 1944 jegliche Parteiaufzeichnungen<br />

und zum anderen fanden «radikale» und «bolschewistische» Aktivitäten in der bürgerlich-katholisch dominierten Wirtschaft,<br />

Gesellschaft und Presse, wenn überhaupt, dann nur am Rande und als ablehnende oder kritische Reaktion eine Erwähnung.<br />

Eine Ausnahme bildet der von 1912-1987 in Siebnen herausgegebene sozialdemokratische «Schwyzer Demokrat».<br />

Der erste Teil der vorliegenden Jubiläumsschrift ist gerade darum, und weil es sich um eine erstmalige Darstellung handelt,<br />

umfassender und ausführlicher ausgefallen. Auch bildet er die wichtige Sturm-, Drang- und politische Findungsphase nicht<br />

nur auf kommunaler, sondern auch auf kantonaler Ebene ab. Die Anliegen der Arbeiterschaft waren Politik. Nach dem zweiten<br />

Weltkrieg wurden die Sozialdemokraten sowohl <strong>im</strong> Kanton als auch etwas später in <strong>Einsiedeln</strong> in die politische Verantwortung<br />

eingebunden. Der Fokus wird ab diesem Zeitpunkt darum bewusster auf die kommunale Parteipolitik gerichtet und lässt zudem<br />

Raum für Erinnerungen und Erfahrungen der beiden Autoren als langjährige Parteipräsidenten der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Selbstverständlich n<strong>im</strong>mt die Jubiläumsschrift für sich nicht in Anspruch vollständig und ausgewogen zu sein. Sie kann und<br />

soll aber Denkanstösse vermitteln und Nachschlagewerk sein, und will – und dies ganz besonders – diejenigen Männer und<br />

Frauen, Arbeiterinnen und Arbeiter, würdigen, welche sich unter der Fahne der Sozialdemokratie unerschrocken für die wirtschaftliche<br />

Besserstellung der Arbeiterschaft <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und die Partei-Ideale eingesetzt haben. Ihnen sei diese<br />

Schrift gewidmet.<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> / <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong>, <strong>im</strong> April <strong>2019</strong>


II. Grussworte<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Christian Levrat, Präsident <strong>SP</strong> Schweiz<br />

Sozialdemokratie auf achthundert Metern über Meer<br />

Schon <strong>im</strong> 18. und 19. Jahrhundert gab es <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> kollektive Bewegungen von Arbeiterinnen und Arbeitern. Menschen<br />

wehrten sich gegen zu tiefe Löhne, gegen die Bezahlung in Naturalien statt in Geld oder auch gegen unerträgliche<br />

Arbeitsbedingungen. Die Industrialisierung schuf zwar zahlreiche neue Möglichkeiten, führte aber insbesondere in ihren Anfängen<br />

auch zur Ausbeutung der Lohnabhängigen, die auf Gedeih und Verderb auf ihren Verdienst angewiesen waren. Die<br />

wirtschaftlichen Verhältnisse <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> waren schwierig, die Gesellschaft konservativ und katholisch geprägt. Der Einzelne, die<br />

Einzelne war schwach: Die Menschen begannen deshalb, sich zusammenzuschliessen, um sich gemeinsam zu wehren.<br />

Langsam, aber sicher, fassten Gewerkschaften und die Arbeiterpartei<br />

– die spätere <strong>SP</strong> – Fuss auch <strong>im</strong> katholischen <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Vorliegendes Buch zeichnet die Entwicklung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

nach. Schon das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass dies keine trockene<br />

Festschrift mit einigen Zahlen und Fakten ist, sondern dass<br />

die Geschichte der Partei, hier wie andernorts, durch zahlreiche<br />

Aktivitäten und geselliges Beisammensein, politische Kampagnen<br />

und unerschrockenes Engagement, aber auch durch Widersprüche<br />

und Unregelmässigkeiten geprägt ist. Obwohl abseits<br />

der städtischen Zentren gelegen, spiegeln sich auch in der Geschichte<br />

der Einsiedler Arbeiterbewegung die grossen Ereignisse<br />

und Katastrophen des 20. Jahrhunderts. In den <strong>Jahre</strong>n nach dem<br />

Zweiten Weltkrieg wurde es ruhiger, doch keineswegs langweilig.<br />

Die Vertreter der Arbeitnehmenden wurden zunehmend in die politische<br />

Verantwortung eingebunden. Auch in diesen <strong>Jahre</strong>n entwickelte<br />

sich die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ständig weiter und wurde zu dem,<br />

was sie heute ist. Einige Themen – wie beispielsweise der Einsatz<br />

für die Rechte der Arbeitnehmenden oder für die Gleichstellung<br />

der Geschlechter – ziehen sich durch, andere Themen – wie beispielsweise<br />

Umweltschutz – kamen später dazu.<br />

Als Präsident der <strong>SP</strong> Schweiz bin ich stolz auf unsere Lokalsektionen<br />

<strong>im</strong> ganzen Land. Unerschrocken und engagiert halten mutige Männer und Frauen seit Jahrzehnten unsere Fahne hoch<br />

und setzen sich für die Werte der Sozialdemokratie ein. 1789 riefen die Menschen vor der Pariser Bastille nach Freiheit, Gleichheit<br />

und Solidarität. Dieser Ruf hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Die <strong>SP</strong> ist die einzige Partei der Schweiz, die<br />

diese Grundwerte weiterträgt: Für alle statt für wenige.<br />

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Vergnügen bei der Lektüre, und der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> alles Gute und viel Erfolg für<br />

die nächsten <strong>100</strong> <strong>Jahre</strong>!<br />

11


Andreas Marty, Präsident <strong>SP</strong> Schwyz<br />

Mit Beharrlichkeit und Mut viel erreicht<br />

Seit 101 <strong>Jahre</strong>n engagiert sich die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> für die soziale Gerechtigkeit. Die Geschichte der <strong>SP</strong> war und ist ein harter<br />

und anstrengender Weg. Auch <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>2019</strong> ist man <strong>im</strong> Kanton Schwyz als Sozialdemokratin und Sozialdemokrat andauernd<br />

einem Gegenwind ausgesetzt. Doch <strong>im</strong> Vergleich dazu dürfte den ersten Einsiedler <strong>SP</strong>-Genossen sogar ein kalter Sturm entgegen<br />

geblasen haben. Im «Einsiedler Anzeiger» von 1918 ist die <strong>SP</strong> zum Beispiel als die Partei der «Radaubrüder und Störer der<br />

öffentlichen Ordnung» bezeichnet worden. Dabei waren ihre Anliegen überaus berechtigt und höchst dringlich.<br />

Dank Beharrlichkeit und Mut haben die Sozialdemokraten <strong>im</strong> letzten<br />

Jahrhundert gegen den Willen der rechts-konservativen Mehrheit<br />

sehr viel erreicht. Die Ausdauer führte denn auch zu wichtigen<br />

politischen Erfolgen. Denken wir nur an die 40-Stunden-Woche,<br />

das Frauenst<strong>im</strong>mrecht oder die Sozialversicherungen AHV und<br />

IV – alles Anliegen, für die sich jahrzehntelang <strong>im</strong> Kanton Schwyz<br />

alleine die <strong>SP</strong> einsetzte.<br />

Heute müssen wir darum kämpfen, dass nicht wieder eine umgekehrte<br />

Tendenz einsetzt. Viele der sozialen Errungenschaften sind<br />

direkt bedroht: Die Rechte schafft an der Erhöhung des Rentenalters,<br />

an der Privatisierung der Altersvorsorge, am Abbau der guten<br />

Arbeitsbedingungen und an Kürzungen be<strong>im</strong> Sozialstaat. Gerade<br />

bei uns <strong>im</strong> Kanton Schwyz müssen wir ständig kämpfen für eine<br />

faire Steuerpolitik und den Schutz unserer Umwelt. Und das, obwohl<br />

wir <strong>im</strong> reichsten Land der Welt leben. Genauso, wie die Sozialdemokraten<br />

schon vor hundert <strong>Jahre</strong>n mutige Vorkämpfer für<br />

unsere sozialen Werke gewesen sind, müssen wir es heute sein.<br />

Denn wir wollen uns mit dem Erreichten nicht zufriedengeben. Wir<br />

sind überzeugt, dass die Schweiz gerechter, innovativer und fortschrittlicher<br />

werden kann. Die <strong>SP</strong> ist darum heute nötiger denn je!<br />

Es ist mir ein grosses Anliegen der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> für ihre wichtige Arbeit <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und darüber hinaus zu danken.<br />

Sie ist heute die mit Abstand grösste <strong>SP</strong>-Sektion <strong>im</strong> Kanton Schwyz. Ganz herzlichen Dank auch für die interessante und spannende<br />

Aufarbeitung eurer Geschichte in dieser Festschrift.<br />

Ohne die <strong>SP</strong> würde es unserem Kanton und seiner Bevölkerung ganz best<strong>im</strong>mt schlechter gehen. Wir werden weiterhin für<br />

unsere Werte kämpfen, stets nach dem Motto: Für alle statt für wenige!<br />

12


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Franz Pirker, <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

Herzliche Gratulation<br />

Ganz herzlich möchte ich der Sozialdemokratischen Partei <strong>Einsiedeln</strong> zum <strong>100</strong>. Geburtstag gratulieren!<br />

Die Verteilung der Sitze <strong>im</strong> heutigen Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat zeigt ein heterogenes Bild. Neben drei Vertretern der SVP sitzen in<br />

diesem je zwei der CVP, der FDP und der <strong>SP</strong>. Diese sehr ausgeglichene Verteilung ermöglichte in der jüngsten Vergangenheit<br />

wichtige und weitsichtige Entscheide zu Gunsten der Einsiedler Bevölkerung.<br />

Durch das gleichmässige Einbinden aller namhaften politischen Kräfte wird die Bevölkerung <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat <strong>Einsiedeln</strong> sehr repräsentativ<br />

abgebildet. Natürlich best<strong>im</strong>men die Wählerinnen und<br />

Wähler die Zusammensetzung des <strong>Bezirk</strong>srats. Da eine echte parteipolitische<br />

Opposition aber fehlt, ist es an den Mitgliedern des<br />

<strong>Bezirk</strong>srates, die ganze Breite der möglichen Meinungen zu diskutieren,<br />

abzubilden und schliesslich zu berücksichtigen. Durch die<br />

aktuelle Doppelvertretung der <strong>SP</strong> werden viele verschiedene Segmente<br />

dieser Breite wirksam repräsentiert, welche mir persönlich<br />

zugegebenermassen weniger nahe liegen.<br />

Die Zusammenarbeit <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat erlebe ich als sehr konstruktiv.<br />

Anders als in Parlamenten steht in der Exekutive oft nicht die Parteizugehörigkeit<br />

<strong>im</strong> Vordergrund. Stehen Probleme an, müssen diese<br />

gelöst werden. Strategische Weitsicht ist gefragt. Wir möchten den<br />

<strong>Bezirk</strong> in die Zukunft führen.<br />

Die Vertreter der verschiedenen Parteien machen sich jeweils mit<br />

ihren Idealvorstellungen an die strategische Arbeit. Im Verlaufe der<br />

Debatten und Diskussionen zeigt sich dann aber bei allen Vertretern,<br />

dass mit diesen Idealvorstellungen keine mehrheitsfähige Lösungen<br />

vorgelegt werden können. Was dann bleibt, sind die typisch<br />

schweizerischen Kompromisse.<br />

Gemessen an den Idealvorstellungen mögen manche Entscheide<br />

eher bescheiden sein. Trotzdem sind sie aber gut, weil sie mehrheitsfähig<br />

und für die ganze Bevölkerung wertvoll sind.<br />

Für diese Bevölkerung möchten wir auch in Zukunft gute Entscheidungen treffen und weitsichtige Strategien entwickeln. Mit<br />

den Idealvorstellungen von links bis rechts und <strong>im</strong> Dialog über alle Parteien.<br />

Der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> mit all ihren Amtsträgern, Funktionären, Gönnern und Freunden wünsche ich für die Zukunft viel Erfolg, politisches<br />

Gespür und weiterhin die konstruktive und sachliche Hartnäckigkeit, die für das wertvolle Miteinander in unserem <strong>Bezirk</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> einen bedeutenden Beitrag leistet.<br />

13


III. Dank<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Johannes Borner, Präsident <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Geschätzte Lesende<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> Parteileben sind ein guter Grund inne zu halten. Die Neugier, mehr über die Anfänge der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zu erfahren,<br />

war gross; umso mehr, als die Gründung in die sehr turbulente Zeit vor und um den Generalstreik zurückreicht. Der Appetit<br />

kommt bekanntlich mit dem Essen und so entstand aus der ursprünglich geplanten Festschrift ein veritabler historischer<br />

Abriss.<br />

In akribisch, schon fast detektivisch anmutender Recherchearbeit gruben die beiden Autoren <strong>Patrick</strong> und <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

in stundenlanger Stuben- und Archivarbeit Fakten aus. Dies gestaltete sich fürwahr nicht <strong>im</strong>mer einfach, war die Parteiarbeit<br />

über die Zeit doch unterschiedlich gut dokumentiert. Danke an die Archivierungskünstler, Schande der Undiszipliniertheit vergangener<br />

Präsidenten und Aktuare! Es fehlten zum Teil ganze Jahrgänge, die versucht wurden, mittels Zeitungsberichten und<br />

historischen Dokumenten zu rekonstruieren.<br />

Das nun vorliegende Werk darf deshalb in Anspruch nehmen, nicht<br />

nur eine Parteihistorie zu sein, sondern vor allem auch Einblick<br />

in gesellschaftspolitische Veränderungen in <strong>Einsiedeln</strong> und dem<br />

Kanton Schwyz in den letzten zehn Jahrzehnten zu gewähren. So<br />

dürfte die Schrift selber zu einem interessanten historischen Gut<br />

werden. Der Idee, die Parteigeschichte der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> nicht entlang<br />

ideologischen Linien zu entwickeln, wurde dadurch Rechnung<br />

getragen.<br />

Die Schrift n<strong>im</strong>mt natürlich nicht in Anspruch, vollständig zu sein.<br />

Entschuldigung bei allen, die auch noch gerne hätten erwähnt werden<br />

wollen. Ereignissen, die den Zeitgeist widerspiegeln, und ausgewählten<br />

Anekdoten wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das<br />

Werk soll nicht nur bilden, sondern auch unterhalten. Es dürfte hie<br />

und da zum Schmunzeln anregen.<br />

Der Ernsthaftigkeit der Materie tut dies keinen Abbruch. Das heutige<br />

Selbstverständnis der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ist stark von den Zielen<br />

und Aktionen der Vorfahren geprägt. Dies ist eine Erkenntnis der<br />

Arbeit. Das tönt zwar etwas pathetisch, ist aber so. Gerade der unermüdliche<br />

Einsatz der Gründer, die Anfang des 20. Jahrhunderts<br />

herrschende soziale Kluft zu beseitigen, hat an Aktualität nichts eingebüsst. Die heute akut gefährdeten, aber unerlässlichen<br />

Sozialwerke, haben ihren Ursprung in dieser Zeit, ebenso wie das allgemeine St<strong>im</strong>m- und Wahlrecht und der Arbeitsfriede.<br />

Grossen Respekt verdient auch die Beharrlichkeit, mit welcher die <strong>SP</strong>-Exponenten ihre Ziele verfolgten. Dies geschah zu Gründerzeit<br />

nicht selten unter Einsatz des Lebens. Den Forderungen wurde mit grosser Überzeugung Nachdruck verliehen, auch<br />

wenn diese — wie z.B. das Frauenst<strong>im</strong>mrecht — erst viel später erfüllt wurden. Einfach nur Modeströmungen aufzusitzen war<br />

dannzumal nicht <strong>SP</strong> Politik. Daran hat sich bis heute nichts geändert!<br />

Schliesslich, liebe Lesende, soll folgender Gedanke des Dichters André Malraux hier noch Platz haben: «Wer in der Zukunft<br />

lesen will, muss in der Vergangenheit blättern». Für die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ist die Basis für eine weiterhin engagierte Politik gelegt.<br />

Den beiden Autoren gebührt grossen Dank!<br />

15


IV. Einleitung<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Seit es Arbeit und Arbeitsteilung gibt, gibt es Arbeitskonflikte.<br />

Der Kampf um die soziale Besserstellung der Lohnarbeiterschaft<br />

ist dabei so alt wie die Lohnarbeit selbst. Diese Auseinandersetzungen<br />

können individuell ausgetragen und gelöst<br />

werden. Oder, wo dies nicht möglich ist, und mit fortschreitender<br />

Industrialisierung<br />

erst recht: kollektiv und<br />

organisiert. Entweder<br />

mit Hilfe zur Selbsthilfe<br />

oder mittels Arbeitskampf<br />

und Streik. Und<br />

letztlich auch mittels politischer<br />

Einflussnahme<br />

und Parteigründung.<br />

Bis es soweit war<br />

vergingen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

aber Jahrhunderte.<br />

Bis ins Hochmittelalter<br />

(1050-1250)<br />

herrschte <strong>im</strong> ländlichen<br />

Raum die Subsistenzoder<br />

Bedarfswirtschaft:<br />

Die Produktion<br />

diente noch vorrangig<br />

der Selbstversorgung,<br />

ohne nennenswerte<br />

Überschüsse zu erzielen.<br />

Getreideanbau und<br />

Viehhaltung sicherten<br />

die Ernährung der ansässigen<br />

Bevölkerung.<br />

Seit die ersten Eremiten<br />

in den Finsteren<br />

Wald gezogen sind, rodeten sie und legten Äcker und Matten<br />

an und führten Ackerbau und Viehhaltung in der Form der<br />

Feldgraswirtschaft ein.<br />

Die Kommerzialisierung der Wirtschaft setzte erst <strong>im</strong> 12.<br />

Jahrhundert ein. Auch das Stift <strong>Einsiedeln</strong> als lokaler Herrschaftsträger<br />

forcierte je länger je mehr die Umstellung vom<br />

Ackerbau auf die Viehwirtschaft mit seinen Schweigen. Diese<br />

waren seit dem 11. Jahrhundert stark verbreitet und konzentrierten<br />

sich in grösserer Zahl auch um <strong>Einsiedeln</strong>. Es handelte<br />

sich bei diesen um reine Viehhöfe, die teils bis ins 14. Jahrhundert<br />

in der unmittelbaren Abhängigkeit und Verwaltung des<br />

Klosters standen.<br />

Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts fand – nach den<br />

einschneidenden, verschiedenen Pestzügen ab 1348 – infolge<br />

einer Bevölkerungszunahme, Rodungen, einer erhöhten<br />

Produktivität der Landwirtschaft (Dreizelgenwirtschaft), technischer<br />

Neuerungen (Mühlen, Ersatz des Ochsen durch das<br />

Pferd be<strong>im</strong> Pflügen und Warentransport, Steigerung der Eisenproduktion,<br />

Textilhandwerk), neuer rechtlicher Instrumente<br />

<strong>Einsiedeln</strong> um 1642 nach einem Stich von Matthias Merian.<br />

17<br />

(Verlags- und Kreditwesen, Formularisierung, Versicherung)<br />

und Organisationsformen <strong>im</strong> Handels- und Kaufmannswesen<br />

(Hanse, Kommanditgesellschaft) eine allmähliche Umgestaltung,<br />

Spezialisierung und Kommerzialisierung statt. Die zunehmende<br />

Verfügbarkeit von Münzgeld war für die Entwicklung<br />

der gesamten Wirtschaft – auch in <strong>Einsiedeln</strong> – grundlegend.<br />

Der Ackerbau wurde zu Gunsten der profit- und exportorientierten<br />

Viehzucht und Milchproduktion (Anken, Käse, Ziger)<br />

allmählich aufgegeben. Bereits 1311 wird <strong>Einsiedeln</strong> als «eindeutiges<br />

Grossviehzentrum» beschrieben. Man war von der<br />

Viehhaltung hauptsächlich oder gar ausschliesslich zur Viehzucht<br />

übergegangen.<br />

Das Klosterdorf <strong>Einsiedeln</strong> verdankte seine Stellung als<br />

Marktsiedlung sodann der <strong>im</strong> Laufe des Spätmittelalters zunehmenden<br />

Wallfahrt. Die Bedürfnisse der enormen Pilgermassen<br />

– Unterbringung, Ernährung und Versorgung mit allerlei<br />

Waren – förderten das lokale Gewerbe sehr stark. Es<br />

entwickelte sich eine vielfältige Einsiedler Wallfahrtsindustrie,<br />

welche sich mit der Befriedigung der religiösen und leiblichen<br />

Bedürfnissen der Pilger befasste: Verkauf religiöser Bücher<br />

und Bilder, verschiedener Andachtsgegenstände bzw. sog.<br />

Devotionalien, Kreuze, Rosenkränze, Medaillen, Statuen,<br />

Wachsartikel usw., ferner Verkauf von Lebensmitteln und Betrieb<br />

von Wirtshäusern und Gasthöfen.


Das durch Kloster und Wallfahrt geprägte Gewerbe <strong>Einsiedeln</strong>s<br />

übertraf an Dichte und Diversität bis ins 18. Jahrhundert<br />

alle anderen Schwyzer Gebiete und Ortschaften. Das<br />

Kloster entwickelte sich zum eigentlichen Gewerbezentrum,<br />

<strong>Einsiedeln</strong> um 1876, Fotografie von J.J. Lienhardt.<br />

Grossbetrieb und – als Grundherrin – Monopolgeberin auf<br />

den wichtigsten Gewerbebetrieben (6 Mühlen, 4 Sägereien, 3<br />

Schmieden, 1 Gerbe inkl. Lohstampfe und Reibe mit Schleiferei,<br />

Ziegelhütte, Apotheke). Um 1750 gab es in <strong>Einsiedeln</strong> 20<br />

Bäcker, 10 Metzger, 61 Wirtshäuser, 14 Weinschenken, 21 Weber-<br />

und Schneidermeister sowie zahlreiche Schuhmacher.<br />

Mit dem Aufkommen dieses Markt- und Krämerwesens war<br />

es je länger je mehr unumgänglich, dass die Fürstäbte auch<br />

Handwerks- und Gewerbeordnungen aufstellten, denn praktisch<br />

sämtliche Handwerke wie Gewerbe waren klösterliche<br />

Ehaften und durften nur mit Erlaubnis des Klosters betrieben<br />

werden. Gewöhnlich wurden die einhe<strong>im</strong>ischen Handwerkerund<br />

Gewerbetreibenden vor fremder Konkurrenz, insbesondere<br />

dem Hausierhandel, geschützt. Vor allem <strong>im</strong> 16. und 17.<br />

Jahrhundert entstanden Zünfte, anfänglich meist religiöse<br />

Bruderschaften. Das Wort «Zunft» steht <strong>im</strong> Zusammenhang<br />

mit «es ziemt sich»: die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen<br />

und sozialen Verhältnisse<br />

waren – <strong>im</strong> Einklang<br />

mit dem Fürstabt<br />

– somit lange Zeit geordnet.<br />

Die erste Einsiedler<br />

Zunftordnung<br />

datiert von 1620. 1731<br />

trennte sie sich auf in<br />

die vier heute noch bestehenden<br />

Handwerkszünfte<br />

der Metzger und<br />

Bäcker, Schneider und<br />

Weber, Schuhmacher<br />

sowie Geschenkten.<br />

Der Zusammenbruch<br />

der alten Eidgenossenschaft<br />

1798 und<br />

die Einführung der französischen<br />

Ideale und<br />

Freiheitsrechte führte<br />

dann nicht bloss zu einer<br />

Entmachtung des<br />

Fürstabtes als territorialem<br />

Herrschaftsträger,<br />

sondern auch dazu,<br />

dass die ständische<br />

Wirtschafts- und Zunftordnung<br />

zusammenbrach. Zwar wurde die Einsiedler Zunft<br />

1818 wiederbelebt, doch war ihr Ende mit der neuen Handels-<br />

und Gewerbefreiheit, der Niederlassungsfreiheit und<br />

der Rechtsgleichheit gekommen. Der Berufsstolz lebte ab<br />

1871 <strong>im</strong> katholischen Gesellenverein weiter («Gott segne<br />

das ehrbare Handwerk!»). Ein ständisches Denken wurde ab<br />

1886 vom Gewerbeverein wieder aufgenommen. Die frühere<br />

Zunftorganisation blieb zwar bestehen, nahm und n<strong>im</strong>mt heute<br />

aber als «Männerbastion» nur noch gewisse religiöse, liturgische<br />

und gesellige Aufgaben wahr.<br />

Hier, gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, fängt die uns interessierende<br />

Entwicklung der <strong>Arbeiterbewegungen</strong> und Geschichte<br />

der Lohnarbeiter in <strong>Einsiedeln</strong> an.<br />

18


V. Anfänge der Arbeiterorganisation<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Man kann den Aufstand der Einsiedler Krämerinnen gegen<br />

das Kloster von 1748 – auch bekannt als der «Kampf am Muttergottesbrunnen»<br />

– als ersten dokumentierten «kollektiven<br />

Arbeitskonflikt» in <strong>Einsiedeln</strong> bezeichnen. Bekannt ist auch<br />

eine (erfolgreiche) Lohnbewegung in der Klosterdruckerei <strong>im</strong><br />

18. Jahrhundert, bei der sich<br />

die Arbeiter gegen die Bezahlung<br />

in Form von Waren<br />

statt in Geld wehrten.<br />

«Mit dem 19. Jahrhundert<br />

beginnt die grosse Entwicklung<br />

der Industrie. Die sich<br />

rasch mehrenden Fabrikbetriebe<br />

schufen ein Heer von<br />

Lohnarbeitern. Das Kapital<br />

bemächtigte sich der Industrie.<br />

Gewissenlose Geldmenschen,<br />

die sich an keine<br />

sittlichen Normen gebunden<br />

fühlten und einem herzlosen<br />

Wirtschaftsliberalismus huldigten,<br />

schufen ein unerträgliches<br />

Ausbeutungssystem.<br />

Dieses ungeordnete Gewinnstreben<br />

musste naturnotwendig<br />

der Gegenwirkung rufen.<br />

Die Lohnarbeiterklasse fing<br />

an sich zu organisieren. Mit<br />

der Mitte des 19. Jahrhunderts<br />

beginnt der grosse<br />

Kampf der Lohnarbeiterschaft<br />

gegen die Auswüchse<br />

des Kapitalismus.» Dies<br />

die prägnante Zusammenfassung<br />

der Verhältnisse <strong>im</strong><br />

«Einsiedler Anzeiger» vom<br />

15. Juni 1927.<br />

Unter dem Begriff «Arbeiterbewegung»<br />

wird seit etwa<br />

den 1840er-<strong>Jahre</strong>n die Gesamtheit<br />

der Bestrebungen<br />

umfasst, durch organisatorische Zusammenschlüsse und<br />

kollektives Handeln der Arbeiter am Arbeitsplatz und in anderen<br />

Bereichen der Gesellschaft deren ökonomische, soziale,<br />

politische und kulturelle Emanzipation zu fördern. Die neuen<br />

Bedürfnisse der aufstrebenden Industrie und des Verkehrs auf<br />

der einen Seite und der Geist der Aufklärung auf der anderen<br />

Seite, gefördert durch die Bestrebungen Pestalozzis und seiner<br />

Anhänger für eine der menschlichen Natur angemessene<br />

Erziehung, drängten nach einer politischen Umgestaltung.<br />

Die Anfänge der schweizerischen Arbeiterbewegung lassen<br />

sich nur unscharf best<strong>im</strong>men. Die meist verbreitete Form<br />

19<br />

dauerhafter Arbeiterorganisation war zu Beginn die der Hilfsvereine<br />

bzw. -kassen, die ihre Mitglieder bei Krankheit und in<br />

anderen Notlagen unterstützten. Sie konstituierten sich nach<br />

Aufhebung der Zünfte als Vereine und zuerst unter qualifizierten<br />

Arbeitern.<br />

«Das neue Verhältnis zwischen Arbeiter und Unternehmer». Karikatur aus dem «Neuen<br />

Postillon», Zürich, Schweiz 1896.<br />

An erster Stelle standen hier die Typographen, die sich ab 1818<br />

zu konstituieren begannen. Während sich die meisten Berufe<br />

noch <strong>im</strong> 17. Jahrhundert, selbst an kleinen Orten, zu Zünften<br />

vereinigt hatten, hatten sich die Buchdrucker und verwandten<br />

Gewerbe – offenbar zahlenmässig zu schwach – früher fast<br />

nie zu einer Innung zusammengetan. Der 1858 gegründete<br />

Schweizerische Typographenbund, der lange nur qualifizierte<br />

Berufsleute (v.a. Schriftsetzer und Drucker) aufnahm, war die<br />

älteste schweizerische Gewerkschaft. Die Typographen gehörten<br />

einerseits bis zum 1. Weltkrieg zu den Gewerkschaften,<br />

die am meisten Streiks durchführten, anderseits zu den Pionie-


en <strong>im</strong> Vertragswesen. Seit den 1850er-<strong>Jahre</strong>n<br />

erreichten sie lokale Gesamtarbeitsverträge und<br />

zu Beginn des 20. Jahrhunderts als erste (fast)<br />

nationale Vereinbarungen.<br />

Der Grütliverein <strong>Einsiedeln</strong> (1852,<br />

1863-1866, 1885-1887, 1900-190?)<br />

Obwohl der in <strong>Einsiedeln</strong> domizilierte Benziger-<br />

Verlag in den Spitzenzeiten der 1870er- und<br />

1880er-<strong>Jahre</strong> über 900 Angestellte beschäftigte<br />

und nicht nur an der internationalen Spitze innerhalb<br />

des katholischen Verlagswesens stand,<br />

sondern überhaupt des grafischen Gewerbes,<br />

waren es nicht die Typographen, wie man annehmen<br />

müsste, welche sich in <strong>Einsiedeln</strong> als<br />

erste zu organisieren begannen.<br />

1852 wurde in <strong>Einsiedeln</strong> zunächst eine Sektion<br />

des Grütlivereins gegründet (Grü 19.5.1852).<br />

Es handelte sich um einen patriotischen<br />

Verein, der hauptsächlich wandernde Handwerksgesellen<br />

und <strong>im</strong> Lauf der Zeit <strong>im</strong>mer mehr<br />

Arbeiter an sich band und in der Fremde attraktiv<br />

machte: Lokaler Treffpunkt, Bibliothek, Zeitungen<br />

und Unterricht. Hinzu kamen Übungen<br />

in Gesang, Turnen, Schiessen, Theaterspiel und<br />

Feste. Es entwickelte sich eine heterogene Mitgliederstruktur,<br />

in der wohl Handwerksgesellen<br />

dominierten, die aber auch Handwerksmeister,<br />

Angestellte und Beamte, Fabrikarbeiter, Landwirte<br />

und vereinzelt Kleinunternehmer und Akademiker<br />

umfasste.<br />

Die Identifikation mit einem starken Zentralstaat<br />

entsprach den Interessen der wandernden<br />

Handwerksgesellen, die wegen ihrer Mobilität<br />

in den Kantonen rechtlich benachteiligt waren.<br />

Nach der in den 1860er-<strong>Jahre</strong>n einsetzenden<br />

Demokratischen Bewegung gelangte je länger je<br />

mehr – nachdem man sich bereits 1849 der Unterstützung<br />

der «freisinnigen Bestrebungen des Vaterlandes»<br />

verschrieben hatte – die Idee in den Vordergrund, die sozialen<br />

Fragen «radikal-demokratisch» zu lösen. Die gleichzeitig<br />

fortschreitende Proletarisierung der Gesellen machte die politische<br />

Orientierung für die Grütlivereine zur Zerreissprobe.<br />

1878 proklamierte der Grütliverein als seinen Hauptzweck:<br />

«Die Entwicklung des politischen und socialen Fortschrittes<br />

<strong>im</strong> Schweizerlande auf Grundlage der Socialdemokratie.» In<br />

den 1880er-<strong>Jahre</strong>n wirkten Grütlisektionen bei der Gründung<br />

selbständiger Arbeiterparteien und Gewerkschaften mit. Der<br />

Grütliverein erreichte 1890 mit 353 Sektionen und 16‘391 Mitgliedern<br />

seinen Höhepunkt.<br />

Die 1852 gegründete Einsiedler Sektion löste sich bereits<br />

Dem Grütliverein kam in der schweizerischen Arbeiterbewegung eine<br />

grosse Bedeutung zu. Dessen Sektionen schossen seit 1838 aus dem<br />

Boden und er konnte sich bereits 1843 nationale Strukturen geben. 1851<br />

wies er 34 Sektionen auf. Zentrales Anliegen war dem Grütliverein neben<br />

der Geselligkeit und der gegenseitigen Hilfe mittels Unterstützungskassen<br />

der soziale Aufstieg nach dem Motto «Durch Bildung zur Freiheit».<br />

20<br />

<strong>im</strong> selben Jahr aus nicht näher bekannten Gründen wieder auf<br />

(Grü 20.10.1852).<br />

1863 erfolgte in <strong>Einsiedeln</strong> eine Neugründung. In der<br />

Verbandszeitung «Grütlianer» vom 4. März 1863 wurde der<br />

Wunsch geäussert, dass diese 79. Sektion «ein höheres Alter<br />

als ihre Vorgängerin aus den Fünfzigerjahren erreiche, wozu<br />

nichts als Thätigkeit, Sittsamkeit und Ausdauer erforderlich<br />

ist.» Im «Einsiedler Anzeiger» vom 20. Juni 1863 wurde vermerkt,<br />

dass es vor allem «hier in Arbeit stehende fremde junge<br />

Männer, die den Werth des sozialen Lebens erkennen und zu<br />

benutzen wissen» seien. Der Verein stehe «in vollster Blüthe»<br />

da und umfasse zirka 40 Mitglieder. «Die Vereinsglieder treffen<br />

sich, wenn nicht durch Arbeit gehindert, alle Abend <strong>im</strong> Gesell-


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

schaftslokale, wo abwechselnd Gesang, Lesen verschiedener<br />

Zeitschriften, Besprechung sozialer Verhältnisse etc, die sie<br />

die Mühen des Tages vergessen macht.» Vereinslokal war die<br />

«obere Brauerei».<br />

Am 11. Oktober 1863 feierte der Einsiedler Grütliverein<br />

seine Fahnenweihe. Gegen 200 Gäste fanden sich zu den<br />

Feierlichkeiten ein. Eine Einladung, unterzeichnet von Schriftsetzer<br />

Theiler, ging auch an den <strong>Bezirk</strong>srat von <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Das Festmahl wurde <strong>im</strong> «Rebstock» eingenommen. Der «Einsiedler<br />

Anzeiger» nahm von den Feierlichkeiten zwar wohlwollend<br />

Kenntnis, monierte aber dennoch «die wässrigen Reden<br />

einiger Herren Gäste». Auf die entsprechende Kritik <strong>im</strong> «Grütlianer»<br />

replizierte der «Einsiedler Anzeiger» am 21. November<br />

1863: «Wir gehören keineswegs zu den Gegnern des Grütlivereins,<br />

sind diesem gegentheils sehr zugethan, – hassen aber<br />

jeden Zelotismus [Glaubensfanatismus], welchem Lager er<br />

angehöre, und glaubten daher, jene ‹pfaffenfresserischen›, öffentlich<br />

producirten Ergüsse – namentlich als Einsiedler – nicht<br />

stillschweigend hinnehmen zu dürfen.»<br />

1864 gab der Grütliverein über die Fasnacht eine theatralische<br />

Vorstellung. Im Juli 1864 erging vom Vorstand die öffentlich<br />

Aufforderung an Meinrad Theiler, Schriftsetzer von<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, «die ihm wohlbewusste Schuld» zu bezahlen (EA<br />

30.7.1864).<br />

1865 ersuchte der Einsiedler Grütliverein um Aufnahme<br />

einer Stellungnahme <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zur Frage eines<br />

Niederlassungsvertrages zwischen der Schweiz und Württemberg.<br />

Er äusserte sich kritisch, weil die Folgen für den Handwerkerstand<br />

nachteilig seien. «Wir erkennen als Handwerker<br />

die wohlthätigen Einflüsse des freien Verkehrs wohl, aber wir<br />

müssen dennoch dringend wünschen, dass die Schweiz nichts<br />

gebe, ohne wieder dafür zu erhalten, und letzteres wäre nicht<br />

der Fall, da die Schweiz in Würtemberg nie stark vertreten würde.»<br />

(EA 11.3.1865). Unterzeichnet war diese Stellungnahme<br />

vom Präsidenten Leonz Kälin und vom Aktuar Johann Spörri,<br />

Maler.<br />

Der Verein wies 1865 insgesamt acht Abonnenten der Verbandszeitschrift<br />

«Grütlianer» auf (Grü 23.8.1865). Im April 1866<br />

fand sich in diesem die Mitteilung, dass das Guthaben der aufgelösten<br />

Sektion <strong>Einsiedeln</strong> der Sektion Schwyz überwiesen<br />

werde (Grü 25.4.1865).<br />

Die Gründe der abrupten Auflösung des Grütlivereins sind<br />

nicht bekannt.<br />

Eine dritte Gründung fand am 14. Juni 1885 in der «Bierhalle»<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> statt (EA 10.6.1885). Als Präsident wurde ein<br />

Herr Zuber gewählt und als Vereinslokal wurde in der Folge<br />

die «Hofstatt» best<strong>im</strong>mt. Am 18. Oktober 1885 hielt Nationalrat<br />

Theodor Curti von St. Gallen auf Einladung einen Vortrag<br />

über die Alkoholfrage, die am 25. Oktober 1885 zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangte, und vertrat hierbei die Kontra-Haltung. Der<br />

ebenfalls anwesende Nationalrat Nikolaus Benziger-Benziger<br />

votierte für die Vorlage. Die Diskussion wurde von über 300<br />

Anwesenden verfolgt und dauerte fünf Stunden. Während Nationalrat<br />

Curti den neuen Grütliverein «in seinen drei Zielen freisinnig-toleranter,<br />

national-patriotischer und wirthschaftlich-fortschrittlicher<br />

Richtung» begrüsste, äusserte sich der Einsiedler<br />

Nationalrat und Mitinhaber des Benziger-Verlages, Nikolaus<br />

Benziger, deutlich kritischer zu diesem, «welcher laut seinen<br />

Statuten viel weitergehende zentralistische und soziale Zwecke<br />

verfolge als Hr. Dr. Curti andeutete. Wenn der Grütliverein hier<br />

den Fortschritt, wie leider an den meisten Orten <strong>im</strong> Vaterlande,<br />

so anstrebe, um Kirche und Geistlichkeit anzugreifen, so werde<br />

der Verein in <strong>Einsiedeln</strong> kaum lange dauern.» (EA 21.10.1885).<br />

In der Folge entspann sich <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» eine gehässige<br />

Diskussion über den Grütliverein und die Einsiedler<br />

Grütlianer. Dieser sei ein «Gesellenverein mit ganz ambulanten<br />

Elementen, dessen meiste Mitglieder heute hier, morgen dort<br />

wohnen» (EA 21.10.1885). Seine Mitglieder seien «missleitete<br />

Leute, vielfach ohne eigentliche Bildung und richtiges Verständnis»<br />

(EA 24.10.1885). Die Grütlianer waren aktiv und zogen<br />

mit Broschüren gegen die erwähnte Vorlage in den Vierteln<br />

und auch <strong>im</strong> Ybrig umher (EA 24.10.1885).<br />

Das Abst<strong>im</strong>mungsergebnis in <strong>Einsiedeln</strong> zeigte dann,<br />

dass die Grütlianer wohl unterlagen, aber einen St<strong>im</strong>menanteil<br />

von 41% zu gewinnen vermochten. Sie trugen einen Drittel<br />

der Ja-St<strong>im</strong>men <strong>im</strong> ganzen Kanton Schwyz zusammen (EA<br />

28.10.1885).<br />

Der Kommentator <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» war entsprechend<br />

beunruhigt: «Zum erstenmale – wenigstens in Bezug auf<br />

unsere Volksabst<strong>im</strong>mung in <strong>Einsiedeln</strong> – bemerkte man deutlich<br />

bei der Abst<strong>im</strong>mungsbewegung die Be<strong>im</strong>ischung und den<br />

Einfluss sozial-demokratischer Ideen. Es war die Taktik der Grütlianer<br />

– und das ist nicht bloss eine Phrase – ganz eigentlich<br />

den Klassenhass zu schüren, und den ‹armen Mann mit dem<br />

Gläschen› gegen den Herrn mit den feinen Weinen auszuspielen.<br />

Die Grütlianer entwickelten einen fieberhaften Eifer, <strong>im</strong> Dorf<br />

und Stadt Broschüren und Aufrufe aller Art gegen die Vorlage<br />

zu verbreiten und das Volk zu bearbeiten. Es ist zu verwundern,<br />

dass die Agitation nicht noch mehr Erfolg hatte. Immerhin blieb<br />

sie nicht ohne Wirkung, und eine gewisse Erbitterung und Unzufriedenheit<br />

war deutlich in den Massen zu bemerken. Wir hörten<br />

in dieser Beziehung merkwürdige Räsonements. Vielleicht werden<br />

wir später einmal auf dieses Thema zu sprechen kommen.<br />

Bescheiden war dies erste politische Debüt der Grütlianer, deren<br />

hiesige Sektion zwei Drittel auswärtiger Gesellen, und nur zu<br />

einem Drittel hiesigen Vertheidigern des Schnapses gehören,<br />

gerade nicht.» (EA 28.10.1885).<br />

Die Antwort des Grütlivereins liess nicht lange warten: «Dass<br />

der Grütliverein <strong>Einsiedeln</strong> aus zwei Drittel fremden Gesellen<br />

und nur ein Drittel hiesiger Bürger zusammengesetzt sei – ist<br />

eine pure Lüge. Es sind gegenwärtig 16 schwyzerische Kantonsbürger,<br />

10 Bürger anderer Kantone und 4 Ausländer (letztere jedoch<br />

nur Passiv-)Mitglieder unserer Sektion.» (EA 31.10.1885).<br />

Im Sommer 1886 kam es be<strong>im</strong> Benziger-Verlag zu einem<br />

21


Konflikt zwischen Maschinenmeistern und Prinzipalen (Arbeitgebern).<br />

Die Maschinenmeister forderten eine «anständigere<br />

und menschenwürdigere Behandlung» und traten, «angestachelt<br />

von aussen», wie von Seiten des Benziger Verlages betont<br />

wurde, in den Streik. «Acht faule Elemente von trozigem<br />

Wesen» wurden darauf entlassen, ohne dass die «gehässige(n)<br />

Elemente», die still, aber unruhig <strong>im</strong> Geschäft wirken würden,<br />

ganz entfernt werden konnten.<br />

Ob und wie weit diese Geschehnisse mit dem Grütliverein<br />

und seinen Mitgliedern zusammenhingen, ist nicht bekannt. Bis<br />

September 1887 hielt der Grütliverein noch Quartalssitzungen<br />

ab, an denen die Krankenkasse sowie Bibliotheksbücher traktandiert<br />

waren.<br />

Im «Grütlianer» vom 18. Oktober 1887 war dann aber erneut<br />

von einem abrupten Ende des Vereins zu lesen: «Die Sektion<br />

<strong>Einsiedeln</strong> sah sich zur Auflösung gezwungen und es ist die<br />

Liquidation bereits durchgeführt.» Der Auflösung vorausgegangen<br />

war eine Tagung der Schwyzer Sektionen in Rothenthurm<br />

und politische Agitationen <strong>im</strong> Hinblick auf die anstehenden<br />

Nationalratswahlen.<br />

Es scheint offensichtlich, dass der Druck vom grössten Arbeitgeber<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>, dem Benziger-Verlag, ausgegangen<br />

war. Der «Einsiedler Anzeiger» kommentierte diese Entwicklung<br />

mit deutlichen und mahnenden Worten: «Eine andere<br />

Frage ist nun aber die, ob der schweizerische Grütliverein<br />

der richtige Faktor ist, um den Bestrebungen des Arbeiterstandes<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz zum wirksamen Durchbruche zu<br />

verhelfen. Bekanntlich leistet der Grütliverein <strong>im</strong> Ganzen und<br />

Grossen einer radikal-zentralistischen Politik Vorschub, mit<br />

ausgeprägter sozialistischer Färbung, während unser Volk<br />

und Land in einem ganz andern Lager steht und gemäss<br />

seiner Geschichte und seinen Interessen in überwiegender<br />

Zahl konservativen Bestrebungen zugethan ist. Aus diesem<br />

Grunde möchten wir den Arbeitervereinen in unserm Kanton<br />

in wohlmeinendster Weise den Rath ertheilen, die Freunde<br />

und Gönner <strong>im</strong> konservativen und eigenen Lager zu suchen<br />

und den fremden Einflüsterungen ihr Ohr zu verschliessen.<br />

Es werden sich sicherlich auch Leute finden, die ein Herz für<br />

die Bestrebungen des Arbeiterstandes haben und ihr eigenes<br />

Interesse nicht über das allgemeine Wohl stellen.» (EA<br />

22.10.1887).<br />

Im Nachgang an den Benziger-Streik (zu diesem weiter<br />

unten) wurde <strong>im</strong> September 1900 erneut ein Grütliverein<br />

gegründet. Betont wurde hierbei jedoch, dass dieser nicht<br />

von den organisierten Arbeitern der Firma Benziger gegründet<br />

wurde (Grü 12.5.1900, Grü 19.6.1900). Im Oktober<br />

1900 wurde die Generalversammlung der schwyzerischen<br />

Grütlivereine in <strong>Einsiedeln</strong> abgehalten. Sie war von rund 50<br />

Personen besucht und auf dem Rathaus wurde über die Revision<br />

des kantonalen Steuergesetzes referiert. Der gemütliche<br />

Abschluss der Tagung fand <strong>im</strong> «Landhaus» statt. Der <strong>im</strong><br />

«Einsiedler Anzeiger» zitierte Berichterstatter der Grütlianer<br />

schrieb: «Wir glauben nicht, dass aller Samen, der da ausgestreut<br />

wurde, auf steinigen Grund gefallen sei. Wohl ist der<br />

Boden der Urschweiz und namentlich auch der Boden von<br />

<strong>Einsiedeln</strong> etwas hart für unsere Bestrebungen und Ziele, allein<br />

man muss denselben nur zu bebauen verstehen.» (EA<br />

10.10.1900).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» zitierte unter dem Titel «Ein<br />

ehrliches Bekenntnis» am 17. Oktober 1900 aus dem «Grütlianer»:<br />

«Der Grütliverein hat sich in richtiger Erkenntnis der<br />

Zeitforderungen zur Socialdemokratie bekannt und er wird<br />

sich durch nichts von der eingeschlagenen Bahn, die nur die<br />

gerade Fortsetzung der früheren ist, abbringen lassen.»<br />

Die Urabst<strong>im</strong>mung unter den schweizerischen Grütlivereinen<br />

über die Statuten der Socialdemokratischen Partei der<br />

Schweiz bzw. die Fusion mit dieser zeitigte in der Einsiedler<br />

Sektion ein gespaltenes, negatives Bild: 4 Ja-St<strong>im</strong>men standen<br />

5 Nein-St<strong>im</strong>men gegenüber. Offenbar führte dies zu einer<br />

Lähmung der Sektion, was dazu führte, dass sie in der<br />

Folgezeit nicht mehr in Erscheinung trat und 1909 als «eingeschlafen»<br />

galt (Grü 3.5.1909).<br />

Der Arbeiterverein (1864-1869)<br />

Dem damaligen Zeitgeist (organisatorische Zusammenschlüsse<br />

und kollektives Handeln der Arbeiter am Arbeitsplatz und<br />

Förderung von deren ökonomischen, sozialen, politischen und<br />

kulturellen Emanzipation) entsprach auch der 1864 in <strong>Einsiedeln</strong><br />

gegründete Arbeiterverein. Dieser hatte gemäss seinen<br />

Statuten die Hebung und Förderung der arbeitenden Klassen<br />

und deren Interessen in geistiger und materieller Hinsicht zum<br />

Zweck.<br />

Der Arbeiterverein bestand parallel zum Grütliverein, setzte<br />

sich aber offenbar mehr aus Einhe<strong>im</strong>ischen zusammen. Der<br />

Gründung ging ein öffentlicher Aufruf an alle Handwerker und<br />

Arbeiter voraus. Initianten waren Karl Hensler, Meinrad Petrig,<br />

J. Mathias Kälin, Martin Fuchs und Josef Anton Steinauer (EA<br />

23.1.1864).<br />

An der Gründung waren ca. 50 Männer jeden Alters anwesend.<br />

Namentlich bekannt sind nebst den Obgenannten:<br />

Buchbindermeister Peter Büeler (1836-1890), Fotograf Marian<br />

<strong>Schönbächler</strong> (1826-1897) und Posthalter Ignaz Schädler-Gyr<br />

(1808-1887). Letzterer amtete als Vereinspräsident und war<br />

nicht nur Posthalter, sondern nebenbei auch als Vieharzt sowie<br />

als Lehrer an der Knabenmittelschule <strong>im</strong> Dorf tätig.<br />

Von Beginn weg standen Gemeinnützigkeit und Selbsthilfe<br />

<strong>im</strong> Vordergrund. Es wurde über die Wichtigkeit des Pflanzens<br />

von Gemüse referiert und <strong>im</strong> Frühjahr wurde – zwecks Lieferung<br />

eines preisgünstigen und schmackhaften Brotes – die<br />

Errichtung einer Vereinsbäckerei beschlossen. Die Finanzen<br />

wurden mit dem Erlös einer Theaterproduktion hereingeholt.<br />

Als Vereinsbäcker amtete zunächst Johann Wikart, später<br />

Heinrich Eberle («be<strong>im</strong> Kirchhof»). Das Brot wurde in der Bä-<br />

22


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

ckerei sowie be<strong>im</strong> Sternen-Brunnen verkauft (Martin Kälin),<br />

in der «unteren Traube» (Frau Petrig), in der «Schmiedenen»<br />

(Geschwister Bamberger) und «ausser der Brücke» bei Anton<br />

Kurmann. 1865 organisierte der Arbeiterverein unter dem Kommissionspräsidenten<br />

Marian <strong>Schönbächler</strong> die erste Industrieund<br />

Gewerbeausstellung in <strong>Einsiedeln</strong>. Diese war von Beginn<br />

an von Misstönen begleitet. Bereits <strong>im</strong> Januar 1865 machten<br />

böswillige Gerüchte die Runde, die Ausstellung finde nicht statt.<br />

Die Gründe für die Missgunst oder die Opposition sind nicht<br />

bekannt. Generell und ganz grundsätzlich schien man der sich<br />

organisierenden Arbeiterschaft aber mit Misstrauen begegnet<br />

zu sein. Im «Einsiedler Anzeiger» vom 11. Februar 1865 las man<br />

zur nämlichen Zeit beispielsweise: «Zwei gewaltige Grossmächte<br />

sind es, welche in unsern Tagen die sociale Welt bewege:<br />

Arbeit und Geld! - Die Industrie mit ihren reichhaltigen Mitteln<br />

hat in wenigen <strong>Jahre</strong>n unsere socialen Verhältnisse beinahe umgewandelt,<br />

die Kapitalien zusammengehäuft und so die Macht<br />

des klingenden Metalls und des rauschenden Papiers auf den<br />

Thron gehoben. Der einzelne Arbeiter muss sich zwischen diesen<br />

kolossalen Erhebungen der Neuzeit gedrückt und beengt<br />

fühlen; er muss für seine gegenwärtige und künftige Existenz<br />

besorgt werden. Nur zwei Wege stehen ihm offen, um der wachsenden<br />

Gefahr des Unterliegens zu entgehen: die Auswanderung<br />

einerseits, und anderseits ein <strong>im</strong>mer näheres Anschliessen<br />

je Eines an den Andern, zu einer festen aber geordneten Masse,<br />

welche mit vereinten Kräften <strong>im</strong> Geleise des Rechts und der Gesetze<br />

auch für die Dableibenden Vorsorge dagegen zu treffen<br />

vermag.»<br />

Die Gründung des Arbeitervereins war jedenfalls ganz verschieden<br />

beurteilt worden: «Es ist nun Jedermann wohl noch<br />

zur Genüge in Erinnerung, wie verschieden dies Vorgehen<br />

einfacher Leute gedeutet wurde, von den Einten mit misstrauischem<br />

Auge angesehen, von Andern mitleidig belächelt oder<br />

gar als Ausgeburt einer erhitzten Phantasie bezeichnet.» (EA<br />

6.2.1867). Der Arbeiterverein wurde «als eine Missgeburt sozialer<br />

Verhältnisse mit Argusaugen betrachtet» (EA 30.11.1867).<br />

1867 konstatierte der «Einsiedler Anzeiger» erleichtert, dass<br />

der Arbeiterverein «nie auf einen Umsturz der bestehenden<br />

Weltordnung gerichtet» war, wie offenbar teilweise befürchtet<br />

worden war.<br />

Trotz «viel Widerwärtigkeiten» <strong>im</strong> Vorfeld und nach mehrmaliger<br />

Verlängerung der Werk-Abgabefristen fand die genannte<br />

Ausstellung dann vom 2. Juli – 5. Oktober 1865 <strong>im</strong><br />

Alten Schulhaus statt. Die Ausstellung war ein voller Erfolg.<br />

Es konnten von einem künstlichen Gebiss bis zu einem Zweispänner-Deichselwagen<br />

die verschiedensten Handwerkererzeugnisse<br />

aus der Waldstatt besichtigt werden.<br />

Der Arbeiterverein tätigte <strong>im</strong> Weiteren den gemeinsamen<br />

Ankauf von Kartoffeln, um diese möglichst günstig an die<br />

Vereinsmitglieder abzugeben. Gleichzeitig wurden die hohen<br />

Fleischpreise kritisiert, welche in keinem Verhältnis zu den<br />

niedrigen Viehpreisen stünden (EA 15.7.1865).<br />

1867 regte der Arbeiterverein die Einführung eines Wochenmarktes<br />

an und führte eine öffentliche Versammlung betreffend<br />

Anpflanzung von Getreide- und Gemüsearten für «die<br />

arbeitende Klasse von Dorf und Land» durch. Der «Einsiedler<br />

Anzeiger» erhob indessen den Mahnfinger und wünschte dem<br />

Verein, dass er bei dieser Sache bleibe und nur auf diese und<br />

auf nichts anderes, «wie leicht möglich, von dem einen oder<br />

andern Theilnehmer bezweckt werden möchte», sein Augenmerk<br />

richte (EA 7.3.1868).<br />

Mutmasslich war dies aber nicht der Fall. Angesichts der<br />

zu dieser Zeit steigenden Lebensmittelpreise und Wohnkosten<br />

gab es Forderungen betreffend Erhöhung der Arbeitslöhne<br />

und Verminderung der Arbeitszeit. Ende 1871 schrieb der<br />

«Einsiedler Anzeiger»: «Der einst blühende Arbeiterverein ist<br />

spurlos von der Erde verschwunden und doch könnte er bei<br />

einiger Mässigung und praktischem Eingreifen eine schöne<br />

Aufgabe erfüllen.» (EA 9.12.1871).<br />

Aller Wahrscheinlichkeit stand hinter dem Ende des Arbeitervereins<br />

wiederum die Verlegerfamilie Benziger, die grössten<br />

Arbeitgeber in der Waldstatt. Vom National- und späteren<br />

Ständerat Nikolaus Benziger-Benziger ist ein Brief an seinen<br />

Neffen Karl Benziger-Schnüringer vom 14. Dezember 1899 erhalten,<br />

indem jener schreibt: «(...) Wie man anfängt, so bleibt es<br />

lange. Muss man jetzt den aufgehetzten Reclamanten Gehör<br />

geben, so empfiehlt sich unser Vorgehen in den 1870er-<strong>Jahre</strong>n:<br />

zuerst die schl<strong>im</strong>msten Elemente, deren man gern oder<br />

lieber als bei andern los ist, vor zu empfangen – die zu fragen<br />

vor Zeugen und aus Protocoll – ob sie persönlich für ihre Verhältnisse<br />

zufrieden seien. Auf die Frage, warum sie für andere<br />

vorsprechen, was sie <strong>im</strong> Ablehnungsfalle der Firma persönlich<br />

zu thun beabsichtigen? Wird Entlassungsgesuch angedroht, so<br />

ist dasselbe unterschreiben zu lassen, und dann erst als vom<br />

Arbeiter ausgegangen, gerade genötigt, anzunehmen. Nur wenige<br />

werden so weitergehen. In den 1870er-<strong>Jahre</strong>n heilte ein<br />

Fall alle anderen und der Satz siegte: die Firma stellt nur jeden<br />

Einzelnen an, antwortet nur je ihm allein, kennt keine Gruppen<br />

und regelt das summarische nur <strong>im</strong> Reglement.»<br />

Die Bahnarbeiter in den 1870er-<strong>Jahre</strong>n<br />

Die Sensibilisierung bezüglich <strong>Arbeiterbewegungen</strong> und<br />

Durchsetzung von Arbeiterinteressen war in <strong>Einsiedeln</strong> sehr<br />

früh vorhanden. Bereits <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» v. 29. Juli<br />

1871 konnte man lesen: «Die Gesellschaft der Internationalen,<br />

ein Arbeiterbund, der über ganz Europa verbreitet ist und unter<br />

den Arbeitern aller Länder einige Millionen Mitglieder zählen<br />

soll, hat bekanntlich auch in unserer Schweiz einen ziemlich<br />

zahlreichen Anhang. Durch ihren Einfluss und ihre Wühlereien<br />

sind bereits in mehrern Städten, in Basel, Genf, Zürich und in<br />

jüngster Zeit in St. Gallen Conflikte der Arbeiter mit den Arbeitgebern<br />

entstanden, welche insbesondere durch Arbeitseinstellungen<br />

(Strikes) der Arbeiter behufs Erzwingung eines<br />

23


Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 14. August 1875.<br />

Nebst den Versuchen, die Arbeiter zu organiseren,<br />

bestanden zu damaliger Zeit auch andere <strong>Arbeiterbewegungen</strong><br />

und -konflikte in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

höhern Lohns und niederer Arbeitszeit sich manifestirten. (...)»<br />

Im Zusammenhang mit dem Bau der Wädenswil-<strong>Einsiedeln</strong>-<br />

Bahn, welche <strong>im</strong> Sommer 1875 startete, schrieb der «Einsiedler<br />

Anzeiger»: «Im einst so ruhigen und öden Rabenest entwickelt<br />

sich durch die Eisenbahnarbeiten ein <strong>im</strong>mer regeres<br />

Leben. - Bereits sind einige Baraken und provisorische Sommerwirthschaften<br />

aufgestellt (…). Unter den Arbeitern spuckt<br />

auch hie und da der sozial revolutionäre Geist und gibt sich<br />

zeitweilig kund in Form einer partiellen Stricke [Streikes], welche<br />

Conflickte kleinern Belangs jedesmal ohne Militäraufgebot<br />

erledigt werden können. - An Aehnliches wird man sich<br />

gewöhnen müssen. Der Fortgang der Arbeiten <strong>im</strong> Ganzen erleidet<br />

wenig Störung.» (EA 21.8.1875)<br />

Insgesamt waren für die Strecke zwischen Chaltenboden<br />

(Schindellegi) und <strong>Einsiedeln</strong> ca. <strong>150</strong> Arbeiter <strong>im</strong> Einsatz.<br />

Die katholischen Gesellen- und<br />

Arbeitervereine (1859-, 1871-, 1897-)<br />

Frühestes Zeugnis eines «Gehülfen- und Gesellenvereins»<br />

findet sich <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>sarchiv <strong>Einsiedeln</strong>. Von 1859 datieren<br />

Statuten, die best<strong>im</strong>mten, «durch geeignete Einrichtungen<br />

kranken Mitgliedern (…) Hülfe und Unterstützung angedeihen<br />

zu lassen». Dessen Zwecksetzung war beschränkt auf eine<br />

Krankenkasse sowie die Aufrechterhaltung von Anstand und<br />

Ordnung.<br />

1871 wurde von P. Paul Schindler mit Unterstützung des<br />

späteren National- und Ständerates Nikolaus Benziger-Benziger<br />

fast nahtlos an die Auflösung des Arbeitervereins <strong>Einsiedeln</strong><br />

der katholische Gesellenverein als Vereinigung eines<br />

christlichen Handwerkerstandes installiert, dessen Zweck die<br />

«Anregung und Pflege eines kräftigen, religiösen und bürgerlichen<br />

Sinnes und Lebens unter den Gesellen» war und dessen<br />

Mitgliedern die Behandlung der Politik und öffentlicher<br />

Angelegenheiten statutarisch untersagt war. Nachdem sich<br />

– wie auch andernorts – vor allem fremde junge Gesellen <strong>im</strong><br />

Grütliverein eingefunden hatten («ein Gesellenverein mit ganz<br />

ambulanten Elementen, dessen meiste Mitglieder heute hier,<br />

morgen dort wohnen», EA 21.10.1885), die meistens als religionsfeindlich<br />

eingestellt galten, bot der neu gegründete katholische<br />

Gesellenverein eine Organisationsform, in der man die<br />

Gesellen besser zu kontrollieren und zu disziplinieren erhoffte.<br />

Ein katholischer Arbeiter am Ende des 19. Jahrhunderts<br />

war nicht in erster Linie ein Arbeiter, sondern schliesslich ein<br />

Katholik.<br />

Der katholische Gesellenverein basierte auf der christlichen<br />

Überzeugung seiner Mitglieder, diente der Förderung<br />

und Bewahrung des Glaubens und – vorab in der Winterzeit<br />

– der Weiterbildung, widmete sich aber auch stark gemütlichen<br />

Zwecken. Dem Verein stand ein Geistlicher als<br />

Präses vor. Von 1871-1875 war dies der erwähnte P. Paul<br />

Schindler, von 1875-1900 P. Augustin Gmür, danach – bis<br />

zu seinem Tode 1931 – P. Claudius Hirt. Domiziliert war der<br />

Verein zunächst <strong>im</strong> linken Ecksporren des Klosters, ab 1922<br />

dann <strong>im</strong> neu errichteten Gesellenhaus.<br />

Zum einen die zunehmende Radikalisierung und Hinwendung<br />

zu sozialistischem Gedankengut (gewaltsamer Klassenkampf,<br />

sozialistische Eigentumslehre, Religionsfeindlichkeit),<br />

zum anderen der nicht zu negierende Umstand, dass die Verhältnisse<br />

der notleidenden Arbeiterklasse tatsächlich nach<br />

Veränderungen und Verbesserungen verlangten, führten<br />

dazu, dass Papst Leo XIII. einen von Liberalismus und Sozialismus<br />

unabhängigen, dritten Weg zu weisen suchte. Am<br />

15. Mai 1891 veröffentlichte er die Enzyklika «Rerum Novarum»,<br />

die «Magna Charta der Arbeit und der kirchlichen Soziallehre»<br />

(EA 23.5.1941). Demnach habe der Mensch nach<br />

geleisteter Arbeit das Recht auf Lohn und auch das Recht,<br />

über diesen frei zu verfügen. Die Arbeitgeber ermahnte er,<br />

die Arbeiter würdevoll zu achten. Schutz und Rücksicht auf<br />

Wohlergehen, Alter und Geschlecht seien erforderlich. Unmissverständlich<br />

formulierte er auch, dass die Lehre des Sozialismus<br />

der naturrechtlich-christlichen Eigentumslehre widerspreche,<br />

Verwirrung in den Aufgabenbereich des Staates<br />

bringe und die Ruhe des Gemeinwesens störe. Religion und<br />

Kirche seien unverzichtbar und zuständig, die Ordnung der<br />

menschlichen Gesellschaft mitzugestalten.<br />

Es entstanden in der Folge – neben dem bestehenden<br />

katholischen Piusverein (1857), «einer Art katholischer Spitzenorganisation»<br />

und dem Schweizerischen Katholischen Gesellenverein<br />

(1868) und seinen Sektionen – die konservativen<br />

katholischen Männer- und Arbeitervereine, welche die Religion<br />

zur Grundlage hatten, sich materiellen und politisch-sozi-<br />

24


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

alen Fragen widmeten und<br />

der päpstlichen Arbeiter-<br />

Enzyklika folgten.<br />

Am 21. März 1897 wurde<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Gasthaus<br />

zur «Krone» der katholische<br />

Männer- und Arbeiterverein<br />

für den <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

gegründet und erklärten<br />

bereits ca. 200 Personen<br />

ihren Beitritt. «Der Verein<br />

soll nicht nur ein Herrenverein,<br />

sondern ein Männerund<br />

Arbeiterverein werden,<br />

ein Verein, der alle Stände<br />

und Berufsarten umfasst,<br />

ein Volksverein <strong>im</strong> besten<br />

Sinne des Wortes. Taglöhner,<br />

Handwerker, Gewerbetreibende,<br />

Bauern, Geschäftler,<br />

Wirte u. Krämer,<br />

Beamtete u. Angestellte,<br />

Alle seid gleich willkommen.»<br />

(EA 17./24.3.1897).<br />

Als Präsident wurde der<br />

Arzt Dr. med. Franz Lienhardt<br />

(1855-1923) gewählt,<br />

amtierender <strong>Bezirk</strong>sammann und verheiratet mit einer Nichte<br />

von Firmen-Doyen und damaligem Nationalrat Nikolaus Benziger-Benziger.<br />

Letzterer war viele <strong>Jahre</strong> Präsident der einsiedlischen<br />

Sektion des Schweizerischen Piusvereins, «Jahrzehnte<br />

sozusagen ihr Lebensnerv», und – wie erwähnt – auch an<br />

der Gründung des katholischen Gesellenvereins <strong>Einsiedeln</strong><br />

beteiligt.<br />

Die Sektion des Piusvereins, der katholische Gesellenverein<br />

und der katholische Männer- und Arbeiterverein<br />

sollten in der Folge in <strong>Einsiedeln</strong> das christlich-konservative<br />

Bollwerk gegen die aufkommende, als staats- und religionsfeindlich<br />

beurteilte Sozialdemokratie bilden. Man nahm für<br />

sich in Anspruch – entsprechend der päpstlichen Arbeiter-<br />

Enzyklika – die Arbeiternöte und -interessen basierend auf<br />

gegenseitigem christlichem Respekt und Nächstenliebe<br />

zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, lösen zu können.<br />

Das katholische Gesellenhaus in einer Aufnahme um 1960.<br />

1899 wurde der Schwyzer Kantonalverband der katholischen<br />

Männer- und Arbeitervereine gegründet. An dessen<br />

Spitze stand der Einsiedler Buchhändler Heinrich<br />

Rickenbach.<br />

«Wer also nur das materielle, moralische und religiöse<br />

Wohl des Arbeiters erstrebt, der hat am kathol. Männer- und<br />

Arbeiterverein einen Ratgeber und Helfer, wie er für unsere<br />

Verhältnisse passt [und] braucht es vorderhand keine Organisation<br />

in sozialdemokratischen Sinne und keine ostentativen<br />

Versammlungen (…).» (EA 9.12.1899). «Zu friedlicher<br />

Lösung, lautet die Parole. Die kath. Männer- und Arbeitervereine<br />

wollen ihr Ziel nur mit gesetzlich erlaubten Mitteln<br />

erreichen, sie verurteilen alle separatistischen Gelüste und<br />

jede zwängerische, oder gar gewaltsame Anbahnung zur<br />

Lösung dieser oder jener Frage. Sie stehen auf grundsätzlich<br />

katholischem Boden.» (EA 13.10.1900).<br />

25


VI. Die Sozialdemokratie fasst Fuss<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Einleitung<br />

An dieser Stelle ist zunächst auf den Schweizerischen Arbeiterbund<br />

einzugehen. An dessen Ursprung stand die Erkenntnis,<br />

dass der Partei- und Sesselstreit zwischen Liberalen und Konservativen<br />

den Kern der grössten und dringendsten Zeitfrage,<br />

nämlich die sich stetig verschl<strong>im</strong>mernde ökonomische Lage<br />

des Volkes, ungelöst lasse. 1873 vereinigten sich darum mehrere<br />

Sektionen des Grütlivereins sowie Arbeitervereine und Gewerkschaften<br />

zu einem ersten Schweizerischen Arbeiterbund.<br />

1880 wurde dieser aufgelöst und es resultierte aus diesem der<br />

Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) und als politische<br />

Nachfolgeorganisation die Sozialdemokratische Partei (<strong>SP</strong>).<br />

1887 entstand dann ein neuer Schweizerischer Arbeiterbund<br />

als offizielle Organisation der schweizerischen Arbeiterschaft.<br />

Er vereinigte Gewerkschaften, Grütli-, Arbeiter-,<br />

katholische und evangelische Vereine sowie Krankenkassen<br />

zu einer Dachorganisation. Dieser Zusammenschluss auf der<br />

Basis eines religiös und parteipolitisch neutralen Charakters<br />

bildete die Voraussetzung für ein vom Bund subventioniertes<br />

Arbeitersekretariat mit dem späteren Zürcher <strong>SP</strong>-Nationalrat<br />

Herman Greulich, einem gelernten Buchbinder und Arbeiter-<br />

Aktivisten aus Schlesien, an der Spitze. Das Arbeitersekretariat<br />

agierte in praktischer Hinsicht als Ombudsstelle.<br />

Die heterogene Zusammensetzung und aktuelle politische<br />

Fragen führten indessen bald zu Spannungen und<br />

Zerreissproben <strong>im</strong> Schweizerischen Arbeiterbund. 1894 standen<br />

sich bei der von diesem unterstützten Krankeninitiative<br />

Sozialdemokraten und Grütlivereine dem katholischen Piusverein<br />

gegenüber. Nach dem Scheitern der Krankeninitiative<br />

verlangten Erstere den Ausschluss des Letzteren. Derselbe<br />

monierte die Entwicklung des Arbeiterbundes zu einer sozialdemokratischen<br />

Arbeitervereinigung und betonte seine<br />

Weigerung, «in kulturkämpferischen Angelegenheiten» mitzuwirken,<br />

verblieb aber zusammen mit den katholischen Männer-<br />

und Arbeitervereinen dennoch <strong>im</strong> Arbeiterbund.<br />

Die Zeit um 1900 war zum Teil noch beseelt vom (naiven)<br />

Gedanken an die Neutralität der Gewerkschaften.<br />

Der Benzigerstreik (1899/1900)<br />

Von zentraler Bedeutung war hierbei eine Begebenheit,<br />

die sich in <strong>Einsiedeln</strong> abspielte. «Wohl der denkwürdigste<br />

Streik, der seit Bestehen der schweiz. Arbeiterorganisation<br />

geführt wurde.», meinte die «Helvetische Typographia» zum<br />

Streik be<strong>im</strong> Benziger-Verlag, welcher zwischen dem 27. Januar<br />

und 27. April 1900 in <strong>Einsiedeln</strong> stattfand. Ausgelöst<br />

wurden die Unruhen aber bereits <strong>im</strong> September des Vorjahres,<br />

als Charles Benziger-Gottfried, der technische Direktor,<br />

eine Lohnreduktion von 20-25% ankündigte. Die auf<br />

den Platz gerufene Gewerkschaft, die Helvetische Typographia,<br />

engagierte sich für die Angestellten, organisierte und<br />

unterstützte diese. Bis dahin hatten die Verlegerfamilie Benziger<br />

jegliche <strong>Arbeiterbewegungen</strong> und -organisationen zu<br />

bodigen vermocht. Man war aber nicht nur gewillt, diese zu<br />

unterbinden, sondern weigerte sich überhaupt, mit solchen<br />

direkt zu verhandeln. Obwohl der Benziger Verlag mittlerweilen<br />

ein global tätiger katholischer Medienkonzern mit<br />

Niederlassungen in Deutschland und in den Vereinigten<br />

Staaten war, zeitweise bis zu 900 Angestellte beschäftigte,<br />

war es den Typographen in <strong>Einsiedeln</strong> nicht gestattet, sich<br />

zu organisieren und es wirkten ein paar Arbeiter <strong>im</strong> Verborgenen<br />

be<strong>im</strong> «Schweizerischen Typographenbund».<br />

Denkwürdig waren Lohnreduktionsaffäre und Streik in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> bei der Firma Benziger aufgrund der besonderen<br />

Affiche: Gewerkschaft<br />

und Arbeiterbewegung<br />

in katholischen<br />

Stammlanden, in einem<br />

Wallfahrtsort und noch<br />

bei den «Typographen<br />

des hl. Stuhls», so der<br />

vom Papst verliehene<br />

Ehrentitel.<br />

Der Streik in der Firma<br />

Benziger besass, wie die<br />

prominente «Besetzung»<br />

der Abgeordneten und<br />

Referenten an den öffentlichen<br />

Versammlungen<br />

erkennen lässt, eine über<br />

Fragen der konkreten,<br />

lokalen Arbeitsbedingungen<br />

hinausreichende<br />

D<strong>im</strong>ension. Auf dem<br />

Platz referierten nicht<br />

bloss wiederholt Arbeitersekretär<br />

Herman Greulich,<br />

sondern auch der<br />

katholisch-konservative<br />

Bündner Nationalrat Caspar<br />

Decurtins. Unterstützt<br />

wurden die Streikenden<br />

vom Schweizerischen<br />

Typographenbund, zum<br />

einen von dessen Zentralkomitee,<br />

zum anderen<br />

von dessen Sektion Zürichsee,<br />

vom Schweizerischen<br />

Gewerkschaftsbund<br />

und verschiedenen<br />

Z e n t r a l v o r s t ä n d e n .<br />

Die «Schwyzer Zeitung»<br />

schrieb am 17. Februar<br />

1900, es mache fast den<br />

Anschein, als wolle man<br />

Meinrad Grätzer (1862-1929),<br />

Fotograf, Präsident der<br />

Streikkommission.<br />

Die erwähnte spezielle Affiche<br />

mag dazu beigetragen haben<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> ein «Exempel»<br />

zu statuieren oder einfach<br />

die Gelegenheit zu nutzen,<br />

<strong>im</strong> katholischen Stammland<br />

Fuss zu fassen. «Man muss<br />

das Eisen schmieden, so lange<br />

es heiss ist.» las man in der<br />

«Helvetischen Typographia»<br />

vom 15. September 1899 zur<br />

Fortsetzung der Lohnbewegung<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>. Verlangt<br />

wurde u.a. eine Reduktion<br />

der Arbeitszeit, die Abschaffung<br />

der Stückarbeit bei den<br />

Maschinenmeistern sowie<br />

die Einführung des Lohntarifs<br />

der Sektion Zürichsee für die<br />

Buchdrucker.<br />

27


28


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

in <strong>Einsiedeln</strong> einen Musterstreik anzetteln, um den katholischen<br />

Arbeitern die Güte und Vortrefflichkeit der Sozialdemokratie<br />

aufzuzeigen. Die «Helvetische Typographia» selber<br />

führte aus: «Die Vorgänge in <strong>Einsiedeln</strong> sind äusserst wichtig<br />

und es ist Ehrenpflicht des Schweiz. Typographenbundes und<br />

seiner Organe, ihre Posten zu beziehen und alles zu thun, um<br />

vor Vergangenheit und Zukunft bestehen zu können.»<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» bemühte sich zunächst, die Situation<br />

herunterzuspielen. «In den letzten Tagen sind gar viele Seifenblasen<br />

politischen und sozialen Charakters in unseren Landen<br />

aufgestiegen». «Nur sachte, die Arbeiterschaft ist patriotisch<br />

genug, um auf he<strong>im</strong>ischem Boden und mit he<strong>im</strong>ischer Hilfe ihre<br />

berechtigten Ziele zu erstreben und auch zu erreichen. (…) Nur<br />

kein landsfremd Gewächs!» (EA 20.9.1899) Dass der Redaktor<br />

des «Einsiedler Anzeigers», Clemens Frei, mit dem Benziger-Verwaltungsrat<br />

gemeinsame Sache machte, ist erstellt. Der Redaktor<br />

bekannte sich selber zwar als «Freund gesunder Arbeitsorganisation»,<br />

aber «ganz zweifellos auf konfessionellem Boden».<br />

«Wir leben eben in kath. <strong>Einsiedeln</strong> und nicht in der Grossstadt<br />

Zürich. Und ein kluger Arbeiter, der seine Lage kennt u. seine<br />

engere He<strong>im</strong>at liebt, teilt diese Ansicht und handelt darnach. Wir<br />

verpönen den sozialen Klassenhass.» (EA 6.12.1899).<br />

Widersprüchlich und erschreckend schwach war die Rolle<br />

des katholischen Männer- und Arbeitervereins <strong>Einsiedeln</strong>. Rannte<br />

dieser <strong>im</strong> September 1899 noch offene Türen ein, als er be<strong>im</strong><br />

Verwaltungsrat des Benziger-Verlages wegen der Lohnreduktion<br />

vorstellig wurde, verabschiedete er sich danach komplett aus<br />

der Auseinandersetzung, obwohl er für sich den Anspruch erhoben<br />

hatte, die Interessen der Arbeiterschaft zu vertreten. Dies in<br />

Anlehnung an die hoch gehaltene Arbeiter-Enzyklika von Papst<br />

Leo XIII., welche sich mitunter gerade gegen die aufkommenden<br />

Sozialdemokratie richtete. Brisant war, dass die Delegiertenversammlung<br />

des schweizerischen Verbandes katholischer Männer-<br />

und Arbeitervereine <strong>im</strong> Februar 1900 ein Sympathie-Telegramm<br />

an die Streikenden und die finanzielle Unterstützung<br />

derselben beschloss…<br />

Klar zu Tage trat in der Auseinandersetzung, dass die um<br />

die Jahrhundertwende kontrovers diskutierte Frage, ob es eine<br />

«Neutralität der Gewerkschaften» gab oder nicht, zu verneinen<br />

war. Dem katholischen Männer- und Arbeiterverein fehlten aus<br />

christlicher Überzeugung nicht bloss die Kampfmittel, sondern<br />

auch die Kampfbereitschaft; und ein Arbeitskampf, wenn er sich<br />

denn als unumgänglich und notwendig erwies, war in der damaligen<br />

Ansicht per se «socialdemokratisch» und verpönt.<br />

Fast logische Folge dieses «Musterstreiks» war der für die<br />

damaligen Verhältnisse unglaubliche Medien- und Propagandakrieg,<br />

welcher hauptsächlich zwischen der «sozialdemokratischen<br />

Presse» und dem «Einsiedler Anzeiger» sowie<br />

der Firma Benziger und den Streikenden stattfand und mit<br />

Vehemenz sowie schweizweit ausgetragen wurde. Auf dem<br />

Höhepunkt der Auseinandersetzung erschien <strong>im</strong> «Neuen<br />

Postillon» die Darstellung als moderne Gesslergeschichte.<br />

Nachdem sich – laut «Helvetische Typographia» – in der «Arbeiterst<strong>im</strong>me»<br />

jemand den Scherz erlaubt hatte, auf Ostern einen<br />

«Pilgerzug der Roten» nach <strong>Einsiedeln</strong> anzuregen, bot der<br />

Schwyzer Regierungsrat vorsorglich Truppen auf und sandte<br />

diese nach <strong>Einsiedeln</strong>, um dort über die Feiertage Ruhe, Ordnung<br />

und öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten.<br />

Der Streik bei der Firma Benziger umfasste aber nur einen<br />

Teil der Belegschaft. Es war keine totale Solidarität aller Arbeiter<br />

der Firma Benziger vorhanden. Von insgesamt etwa 500 Arbeitern<br />

streikte etwa ein Drittel. Diese hielten ihre Versammlungen<br />

<strong>im</strong> «Pilgerhof» ab.<br />

Vermittlungsbemühungen des Schwyzer Regierungsrates,<br />

des Einsiedler Abtes oder auch des Bischofs von Chur führten<br />

zu keinem Erfolg. Eher ernüchternd war, dass die Einigung<br />

dann letztlich ohne Beteiligung der Gewerkschaften zustande<br />

kam, nämlich – mit Hilfestellung des <strong>Bezirk</strong>srates von <strong>Einsiedeln</strong><br />

– durch eine Zwölfer-Delegation der Belegschaft. Dennoch<br />

ist die Rolle der Gewerkschaften <strong>im</strong> Ganzen als zentral<br />

und wichtig einzustufen, weil sie den Streik durch die finanzielle<br />

und ideelle Unterstützung überhaupt erst ermöglicht hatten.<br />

Sachlich betrachtet gingen die Arbeiter gestärkt aus der Auseinandersetzung<br />

hervor und hatten sich die Arbeitsbedingungen<br />

für die meisten von ihnen – mit Ausnahme wohl am ehesten der<br />

Hilfsarbeiter – merklich verbessert. Die meisten der Ausständigen<br />

wurden wieder angestellt.<br />

Die «Helvetische Typographie» meinte abschliessend: «Eines<br />

ist sicher, dass in der finstern Waldstatt ein Samenkorn ausgestreut<br />

wurde, das nie mehr ganz zu ersticken sein wird.»<br />

Dass die Auseinandersetzungen zwischen dem Benziger-<br />

Verlag und den Arbeitern damit einen endgültigen Abschluss<br />

gefunden hätten, traf natürlich nicht zu. Mit Schreiben vom<br />

12. Mai 1900 musste eine Delegation der organisierten Arbeiter<br />

bereits be<strong>im</strong> Verwaltungsrat vorstellig werden, weil zum einen<br />

die Umsetzung der vereinbarten Punkte harzte und zum anderen<br />

Retorsionsmassnahmen wahrgenommen wurden. In der Urabst<strong>im</strong>mung<br />

vom 16. Mai 1900 lehnten die Arbeiter die von der<br />

Firma angebotene Schaffung einer internen Arbeitervertretung<br />

mit 284 zu 108 St<strong>im</strong>men ab. Das Streikergebnis war letztlich ein<br />

fauler Friede.<br />

Eine eigenständige Sektion des Schweizerischen Typographenbundes<br />

konnte sich in <strong>Einsiedeln</strong> erst 1907 etablieren.<br />

Kantonale Bestrebungen und<br />

sozialdemokratische Anfänge<br />

Der kantonalschwyzerische Grütliverein wurde ab 1890 politisch<br />

aktiv. So engagierte er sich 1890 für die Schaffung<br />

eines kantonalen Fabrikinspektorats, die Unentgeltlichkeit der<br />

Lehrmittel, die Gleichstellung der Krankenkasse des schweizerischen<br />

Grütlivereins mit den obligatorischen Arbeiter- und<br />

Gesellenkrankenkassen in den Gemeinden und die Errichtung<br />

einer kantonalen Brandversicherungsanstalt. Im selben<br />

29


Jahr kandidierten die Grütlianer <strong>im</strong> Kanton Schwyz mit der<br />

Person von Dr. iur. Friedrich Schreiber, Hotelier von Rigi-Kulm,<br />

erstmals für den Nationalrat. Gewählt wurde er nicht. In <strong>Einsiedeln</strong><br />

holte er <strong>im</strong>merhin 74 St<strong>im</strong>men (gegenüber je 508-575<br />

St<strong>im</strong>men der drei anderen Kandidaten).<br />

Pius Kessler (1837-1913), erster «sozialdemokratischer»<br />

Kantonsrat.<br />

1900 wurde mit Genossenschreiber Pius Kessler, Schübelbach,<br />

erstmals ein Grütlianer in den Schwyzer Kantonsrat<br />

gewählt.<br />

1904 waren es dann bereits deren drei: in Arth Depotchef<br />

Ernst Schmid und Ingenieur Karl Ludwig Kirchhoff auf der<br />

«demokratischen Wahlliste» und in Schübelbach Johann<br />

Wattenhofer auf der «Liste der Arbeiterpartei».<br />

1892 reichte der Kantonalverband der schwyzerischen Grütliund<br />

Arbeitervereine eine Petition um Herabsetzung des Salzpreises<br />

ein. Der Kantonsrat wies auch dieses Ansinnen ab.<br />

1893 wurde – ausgearbeitet vom Grütliverein Arth – in der Form<br />

eines Initiativbegehrens ein neues Tanzgesetz verlangt. Damit<br />

sollte das Tanzverbot an Sonn- und Feiertagen aufgehoben<br />

werden. Der «Einsiedler Anzeiger» kommentierte: «Wir dürfen<br />

es nicht dulden, dass der solide und ernste Charakter unserer<br />

Ortschaft in seiner Eigenschaft als Gnadenort profanirt und entweiht<br />

wird. (…) Es ist zu erwarten, dass die Bürger von <strong>Einsiedeln</strong><br />

mit grosser Mehrheit dies Danaer Geschenk des radikalen<br />

sozialdemokratischen Grütlivereins von der Hand weisen.» (EA<br />

31.5.1893). In der kantonalen Abst<strong>im</strong>mung wurde das Initiativbegehren<br />

mit 2‘156 Ja zu 5‘662 Nein verworfen. In <strong>Einsiedeln</strong><br />

st<strong>im</strong>mten 367 dafür und 909 dagegen.<br />

Im selben Jahr diskutierte die Delegiertenversammlung der<br />

schwyzerischen Grütlivereine, welche aus den Sektionen Arth,<br />

Buttikon, Wangen, Siebnen, Lachen und Wollerau bestand, ein<br />

Initiativbegehren für gehe<strong>im</strong>e Wahlen und Abst<strong>im</strong>mungen in<br />

Gemeindeangelegenheiten.<br />

1897 reichte der Kantonalverband eine Petition ein, den Karfreitag<br />

zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären. Diese wurde,<br />

wie eine zweite Petition, welche die Einführung der unentgeltlichen<br />

Beerdigung auf Kantonskosten verlangte, von der kantonsrätlichen<br />

Kommission abgewiesen. Abgewiesen wurden<br />

auch weitere Petitionen um Erlass eines Gesetzes zum Schutz<br />

der Tiere, um Reduktion der Aufenthaltsgebühren sowie um das<br />

Prioritätsrecht für Kantons- und Schweizerbürger bei der Übernahme<br />

und Ausführung öffentlicher Arbeiten.<br />

Der schwyzerische Kantonalverband der Grütlivereine setzte<br />

sich <strong>im</strong> Jahr 1900 aus den Sektionen Wollerau, Siebnen, Schwyz,<br />

Arth-Goldau, Küssnacht, Brunnen, Lachen, Bäch und der wieder<br />

neu gegründeten Sektion <strong>Einsiedeln</strong> zusammen. Anlässlich<br />

der Herbst-Delegiertenversammlung in <strong>Einsiedeln</strong> am 20. September<br />

1900 wurde über die von den Grütlianern angeregte Revision<br />

des kantonalen Steuergesetzes referiert. Verlangt wurde<br />

die Einführung der Progression bei steuerpflichtigem Vermögen<br />

und eine amtliche Inventarisation in allen Todesfällen.<br />

Im Februar 1903 wurde in Arth-Goldau die erste schwyzerische<br />

sozialdemokratische Partei gegründet. Diese wurde<br />

als Arbeiterverein bezeichnet und wies 86 Mitglieder auf. An der<br />

Delegiertenversammlung der Grütli- und Arbeitervereine <strong>im</strong> Mai<br />

1903 wurde in der Folge dazu aufgefordert, auch an anderen<br />

Orten <strong>im</strong> Kanton sozialdemokratische Arbeitervereine zu gründen<br />

(EA 16.5.1903). Der Kantonalvorstand wurde beauftragt, vor<br />

allen wichtigeren Abst<strong>im</strong>mungen die Stellung der «kommenden<br />

dritten Partei» öffentlich zu vertreten. Als Kantonalpräsident fungierte<br />

Gemeinderat Johann Wattenhofer, Siebnen.<br />

Der Kantonalvorstand war politisch aktiv. Seine Petition an<br />

den Kantonsrat betreffend Gründung eines Kantonsspitals oder<br />

Unterstützung der <strong>Bezirk</strong>s- und Gemeindespitäler erlitt <strong>im</strong> Januar<br />

1904 indessen eine Abfuhr.<br />

Als Vorort des Kantonalverbandes wurde 1904 neu Siebnen<br />

(bisher Goldau) best<strong>im</strong>mt. Die Delegiertenversammlungen<br />

befassten sich in den Folgejahren erneut mit der Frage der<br />

kantonalen Unterstützung der unentgeltlichen Abgabe von<br />

Lehrmitteln. Der Kantonsrat lehnte dies aber ab und stellte<br />

es den Gemeinden frei, die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel<br />

einzuführen.<br />

30


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der «Einsiedler Anzeiger» anerkannte 1907 zwar, dass die<br />

Lage der Arbeiter «heute keine so rosige» sei. «Unsere Industrie<br />

hat infolge der Schutzzollpolitik des Auslandes einen <strong>im</strong>mer<br />

schwereren Stand. Wir müssen die Rohstoffe kaufen, das<br />

Ausland schöpft sie aus dem Eigenen.» Die «sozialistischen<br />

Schreier» würden aber verkennen, dass für die Armut von Arbeiterfamilien<br />

in 99 von hundert Fällen nicht die Industrie, sondern<br />

andere Gründe verantwortlich seien. «Die sozialistischen<br />

Aufwiegeleien, die besonders unsere jungen Leute blenden<br />

und verwirren, sind ein überaus kurzsichtiges und unglückliches<br />

Tun (…). Die Aufreizungen des Sozialismus spalten unser<br />

so friedlich geartetes Volk in zwei feindliche Lager, sie mehren<br />

den Hass zwischen den Leuten, die Freunde sein sollten, sie<br />

malen Unmöglichkeiten vor und pflanzen Unzufriedenheit in<br />

ruhige Kreise, sie erschweren so naturgemäss das Gedeihen<br />

unserer Industrie und schaden ihrem Ansehen <strong>im</strong> Ausland.»<br />

(EA 19./23.1.1907).<br />

Ein Jahr später musste der «Einsiedler Anzeiger» seiner<br />

Leserschaft mitteilen: «Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren<br />

haben, ist auswärts an einer sozialdemokratischen<br />

Versammlung beschlossen worden, in <strong>Einsiedeln</strong> mit einer<br />

sozialistischen Agitation einzusetzen. Wann die roten Volksbeglücker<br />

kommen wollen, wissen wir nicht genau, aber das ist<br />

sicher, dass die christliche Gewerkschaft mit allen Kräften eine<br />

Landung von dieser Seite zu verunmöglichen sucht. (…) Den<br />

Lesern des ‹Anzeiger› sind die staats- und kirchenfeindlichen<br />

Tendenzen der Sozialdemokratie schon öfters vor Augen gehalten<br />

worden. Sie wissen daher, mit wem man es zu tun hat.<br />

Sie wissen, dass dieser Geist nicht zu uns passt. Seien wir also<br />

auf der Hut!» (EA 1.2.1908). Eine Woche später fand be<strong>im</strong> katholischen<br />

Gesellenverein ein Referat statt, in welchem der<br />

Redner den «überzeugenden Beweis» erbracht habe, «dass<br />

die Sozialdemokratie, sowohl ihrem innersten Wesen wie auch<br />

ihrer äusseren Betätigung nach, durch und durch antichristlich<br />

und christentumsfeindlich sei, und eben deshalb ein überzeugter<br />

und praktizierender Katholik unmöglich einer sozialdemokratischen<br />

Verbindung angehören könne.» (EA 8.2.1908).<br />

Anlässlich der Delegiertenversammlung der schwyzerischen<br />

Grütlivereine vom 25. April 1909 wurde u.a. beschlossen, dass<br />

die «eingeschlafenen Sektionen Schwyz und <strong>Einsiedeln</strong> wieder<br />

zum Leben erweckt werden.» (Grü 3.5.1909). Entsprechende<br />

Versuche waren aber offenbar nicht erfolgreich.<br />

Bereits 1908 und 1910 wurde von den Grütlianern/Sozialdemokraten<br />

der Wahlproporz in den Nationalrat sowie bei<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen auf das politische Parkett gebracht. Im <strong>Bezirk</strong><br />

March scheiterte dies zwar, doch hielten die Liberalen der Arbeiterpartei<br />

ein Mandat zu. Es herrschte die Meinung vor, dass<br />

der Proporz nur den Sozialdemokraten Gewinne bringe. Im<br />

«Einsiedler Anzeiger» war hierzu ein gemässigtes Votum zu lesen<br />

und auch das Zentralkomitee der konservativen Partei des<br />

Kantons Schwyz meinte zu der zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden<br />

Volksinitiative für die Proporzwahl in den Nationalrat: «Da malt<br />

man den Leuten die Sozialdemokraten als Schreckgespenst an<br />

die Wand, die durch den Proporz vielleicht 5-10 Mandate in den<br />

Nationalrat gewinnen würden – aber was würde dies schaden!<br />

Haben denn diese Arbeiter, auch wenn sie eine andere politische<br />

Richtung vertreten, nicht auch Anspruch auf eine ihrer<br />

St<strong>im</strong>menzahl entsprechende Vertretung?»<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» v. 21. Oktober 1910 publizierte<br />

die – erstmals so genannte – kantonale Arbeiterpartei ihre Abst<strong>im</strong>mungsparole:<br />

«Aufruf an die Arbeiterschaft des Kantons<br />

Schwyz! Eine aus allen Teilen des Kantons zahlreich besuchte<br />

Delegiertenversammlung der kantonalen Arbeiterpartei beschloss<br />

einst<strong>im</strong>mig und mit Begeisterung, am nächsten Sonntag<br />

bei Anlass der Abst<strong>im</strong>mung über den Nationalratsproporz<br />

ein freudiges Ja in die Urne zu legen. (…) Gerechtigkeit erhöhet<br />

ein Volk! Siebnen, den 17. Oktober 1910, namens der kantonalen<br />

Arbeiterpartei: J. Wattenhofer, Präsident.»<br />

Die Abst<strong>im</strong>mungsvorlage scheiterte schweizweit knapp<br />

und <strong>im</strong> Kanton Schwyz mit einem St<strong>im</strong>menverhältnis von etwa<br />

2:1. Die Grütlianer und Sozialdemokraten, die sich <strong>im</strong> Kantonsrat<br />

zeitweise der liberalen Opposition angeschlossen hatten,<br />

mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Liberalen die Proporzvorlage<br />

bekämpft hatten. Sie reagierten harsch. Der «Einsiedler<br />

Anzeiger» kommentierte: «[D]ie Emanzipation des soz. Flügels<br />

der Opposition. Die Grütlianer unseres Kantons, welche namentlich<br />

in der March und in Goldau, z.T. auch noch in einigen<br />

anderen Gemeinden ihre Anhänger zählen, scheinen sich nun<br />

wirklich als sozialistische kantonale Arbeiterpartei selbständig<br />

machen zu wollen. Wir haben dies längst vorausgesehen.» (EA<br />

24.10.1910). In der gleichen Ausgabe folgte die Einsendung<br />

aus Lachen: «Herr Wattenhofer scheint nicht der Mann zu sein,<br />

der Worte macht, ohne Taten zu vollbringen. Es werde gegenteils<br />

ernstlich beabsichtigt, sofort die Organisation einer von<br />

den Liberalen vollständig unabhängigen sozialdemokratischen<br />

Partei durchzuführen, welche in den politischen Sachen den<br />

Kantonalverband der Grütlivereine abzulösen hätte, da die Sozialisten<br />

auch manche Anhänger zählen, die nicht dem Grütliverein<br />

angehören.»<br />

Zur Gründung einer kantonalen sozialdemokratischen Partei<br />

kam es indessen noch nicht.<br />

Der Arbeiterstand darbte. Die Teuerung der Lebensmittel<br />

stieg stark an.<br />

1911 fanden in Oesterreich, Deutschland und der Schweiz<br />

sozialdemokratische Frauentage statt. In den Schweizer Städten<br />

wurden Resolutionen angenommen, welche das gleiche<br />

Wahlrecht für Männer und Frauen in allen Angelegenheiten<br />

der Gemeinde, des Kantons und der Eidgenossenschaft<br />

verlangten.<br />

Im Nationalrat lehnten die Sozialdemokraten 1912 die neuen<br />

Militärkredite ab.<br />

Im <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war man sich der sozialen Misere bewusst.<br />

Bei den Kantonsratswahlen 1912 portierten sowohl die<br />

konservative als auch die liberale Partei einen Arbeitervertre-<br />

31


Johann Wattenhofer wurde am 18. September 1869 in<br />

New York geboren. Als Vierjähriger kehrte er mit seinen Eltern<br />

in die He<strong>im</strong>at zurück. Nach Absolvierung der Schule<br />

erlernte er den Hafnerberuf, ging auf die Walz und arbeitete<br />

in Glarus, Luzern und Aarau, baute danach in Siebnen<br />

ein Hafnereigeschäft auf und betrieb eine Glashandlung.<br />

18 <strong>Jahre</strong> lang war er Präsident des Konsumvereins Siebnen.<br />

1924 wurde er Zentralpräsident des Schweizerischen<br />

Hafnermeisterverbandes, 1933 Präsident der Handelsgenossenschaft<br />

dieses Verbandes. Seit 1912 gehörte er<br />

auch dem Zentralvorstand der Schweizerischen Krankenkasse<br />

Helvetia an.<br />

1894 verheiratete sich Johann Wattenhofer mit Aloisia<br />

Elisabeth Market, 1908 mit Maria Sophie Oetiker. Johann<br />

Wattenhofer hatte eine Tochter und drei Söhne.<br />

Er verstarb am 30. Dezember 1941 (SD 2.1.1942, EA<br />

30.1.1942).<br />

Johann Wattenhofer (1869-1941), der Vater der Schwyzer<br />

Sozialdemokratie.<br />

ter. Im Kantonsrat fungierten unter der Bezeichnung «Arbeiterpartei»<br />

indessen nur die «Sozialisten» Joseph Köpfli, Goldau,<br />

Martin Hegner, Lachen, und Johann Wattenhofer, Siebnen,<br />

welche des Öfteren mit den ebenfalls oppositionellen Liberalen<br />

zusammenarbeiteten. Der «Einsiedler Anzeiger» sprach<br />

bissig von einer «treuen Brüderschaft» (EA 5.6.1912). Ein Paukenschlag<br />

war 1912 die Gründung des «Schwyzer Demokrat» in<br />

Siebnen. Diese ging auf die Initiative des aus <strong>Einsiedeln</strong> stammenden<br />

Josef Kürzi (1888-1946) zurück und fand schnell die<br />

Unterstützung der Grütlianer und ihres gewieften Kopfes, Johann<br />

Wattenhofer. Pate gestanden sein dürften auch die Erfahrungen<br />

der Sozialdemokraten <strong>im</strong> Deutschen Reich, bei denen<br />

das Verständnis für Zeitungen, ihre Macht und ihren Einfluss auf<br />

die öffentliche Meinung und den Einzelnen weit fortgeschritten<br />

war. Der Arbeiterstand <strong>im</strong> Kanton Schwyz hatte fortan sein Medium.<br />

Dieses richtete sich gezielt an die Arbeiterschaft, aber auch<br />

an die Bauernsame. «Ein Mädchen für alles scheint das neu erschienene<br />

Soziblättchen zu sein.» (EA 22.6.1912).<br />

1912 war aus Sicht der bürgerlichen Medien – so auch<br />

des «Einsiedler Anzeigers» – schweizweit beherrscht von<br />

«sozialdemokratischem Terrorismus», einem «unverantwortlichen»<br />

Zürcher Generalstreik, Aggressionen gegen christlich<br />

organisierte Arbeiter und einer «Aufreizung der Arbeiter<br />

durch die sozialdemokratische Presse». Arbeitgeber wurden<br />

als «Henker» und «Kannibalen» tituliert. Der Klassenkampf<br />

war in vollem Gange, die Verelendung der Massen ein brisantes<br />

Zeitthema. Die Religion wurde – ein Skandal – zur Privatsache<br />

erklärt.<br />

«Der wahre Schutzdamm gegen die sozialistische Hochflut<br />

ist und bleibt der Katholizismus.» (EA 29.10.1913).<br />

1914 wurde Johann Wattenhofer als «erster Sozialist» (EA<br />

6.5.1914) von der Märchler Landsgemeinde ohne Opposition<br />

zum <strong>Bezirk</strong>sammann gewählt.<br />

Die Auseinandersetzungen zwischen katholisch-konservativem<br />

«Einsiedler Anzeiger» und sozialdemokratischem<br />

«Schwyzer Demokrat» mehrten sich. Ersterer ärgerte sich über<br />

die «Flegeleien des sozialistischen Hetzorgans in Siebnen»<br />

(EA 30.1.1915). Gegenstand bildeten Arbeiterverhältnisse bei<br />

der Einsiedler Verlagsfirma Benziger, Vorfälle <strong>im</strong> Einsiedler<br />

Armenhaus, die Kost der Hilfstruppen in Brunnen-Seewen,<br />

Vorfälle in der Zwangsarbeitsanstalt Kaltbach in Schwyz, die<br />

Kritik, dass man das teure Geld für die paar Kanonenschüsse<br />

an der Morgartenfeier gescheiter für soziale Zwecke einsetze,<br />

Missbräuche durch Offiziere bei den Grenztruppen usw.<br />

Die schärfere politische sowie ant<strong>im</strong>ilitaristische Tonart<br />

führte in der Schweiz zunehmend auch zum Konflikt mit den<br />

gemässigteren und vaterländischer gesinnten Grütlianern,<br />

welche in der sozialdemokratischen Partei aufgehen sollten.<br />

32


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der schweizerische Grütliverein lehnte seine Auflösung 1916<br />

indessen knapp ab.<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» vom 20. September 1916 wurde<br />

konstatiert, dass am eidgenössischen Bettag viele Besucher<br />

in der Waldstatt zu verzeichnen waren, darunter «auch Jungvolk<br />

von der sozialdemokratischen Jungburschenherrlichkeit,<br />

wie ihre ‹roten› Krawättlein schliessen liessen.»<br />

Zu Beginn des Kriegsjahres 1917 teilte der Kantonalvorstand<br />

der schwyzerischen Grütlivereine dem Zentralkomitee<br />

mit, dass die Grütlivereine Siebnen, Lachen, Wangen, Pfäffikon,<br />

Wollerau, Küssnacht und Brunnen den Austritt aus der<br />

sozialdemokratischen Partei genommen hätten, um dem<br />

Grütliverein treu zu bleiben. Damit habe die sozialdemokratische<br />

Partei ihre sämtlichen bisherigen Organisationen <strong>im</strong><br />

Kanton Schwyz verloren, so der «Grütlianer» (EA 20.1.1917).<br />

Dies traf indessen nicht zu, denn am 1. Oktober 1916 war in<br />

Goldau wiederum eine Sektion der sozialdemokratischen Partei<br />

gegründet worden.<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» mahnte gegenüber den Grütlianern<br />

dennoch: «Um jedem Missverständnis vorzubeugen,<br />

schicken wir voraus, dass der Grütliverein uns kein unsympathischer<br />

Gegner ist. Er hat gerade in diesen Kriegsjahren den<br />

Beweis dafür erbracht, dass er auf vaterländischem Boden<br />

steht und nicht durch Revolution, sondern durch Evolution seine<br />

politischen und sozialen Ziele verwirklichen will. Aber unser<br />

Gegner ist und bleibt er doch. Die ganze Weltanschaung auf<br />

der er fusst, ist nicht die unsere, ist freidenkerisch und sozialistisch.»<br />

«Katholisch, ultramontan sei unsere Losung!» (EA<br />

7.2.1917).<br />

1917 nahmen die Grütlianer zum zweiten Mal an den Nationalratswahlen<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz teil. Sie portierten niemand<br />

anderen als den umtriebigen und bekannten Johann Wattenhofer,<br />

Siebnen, <strong>Bezirk</strong>sammann und Kantonsrat. Die liberale<br />

Partei hatte es abgelehnt, ihn auf ihre Liste zu nehmen. Seine<br />

Kandidatur war aber nicht von Erfolg gekrönt: «Trotz allem Agitieren<br />

und Weibeln fast von Haus zu Haus konnte eine ehrenvolle<br />

Wiederwahl der bürgerlichen Kandidaten von den Genossen<br />

nicht wirksam angefochten werden. Wohl gibt die Zahl der<br />

sozialistischen St<strong>im</strong>men zu denken.» (EA 31.10.1917). Wattenhofer<br />

erzielte in <strong>Einsiedeln</strong> 223 St<strong>im</strong>men (gegenüber 813-836,<br />

welche je auf die drei bürgerlichen Kandidaten entfielen).<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> war man dennoch alarmiert. «Das wahre Gesicht<br />

beginnen unsere schwyzerischen Sozialdemokraten zu<br />

zeigen, denen offenbar durch die letzten Wahlen der Kamm<br />

gewachsen. Dass die Genossen rührig an der Arbeit sind, um<br />

ihre Lehren ins Volk zu bringen, kann ihnen niemand verwehren.<br />

(…) Doch nun zu unseren schwyzerischen Sozialdemokraten!<br />

Wir tun <strong>im</strong>mer mehr gut daran, ihre Bestrebungen je<br />

länger je intensiver unter dem Auge zu behalten. Nicht nur <strong>im</strong><br />

innern Lande, sondern auch in den äusseren <strong>Bezirk</strong>en entwickeln<br />

die Genossen eine energische zielsichere Tätigkeit.<br />

Während bei uns in <strong>Einsiedeln</strong> auf kommenden Frühling eine<br />

sozialdemokratische Arbeiterpartei geschaffen werden soll,<br />

wurde soeben eine solche <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> Höfe gegründet, an deren<br />

Gründung 140 Personen teilnahmen und deren Redner<br />

sich offenbar so ausdrückten, als ob es bisher <strong>im</strong> lieben Stauffacherländchen<br />

noch stockdunkle Nacht gewesen, die nun<br />

glücklicherweise durch sozialdemokratische Funkenbeleuchtung<br />

erhellt werde und werden müsse. Mit Fug und Recht wird<br />

gegen eine solche Besch<strong>im</strong>pfung der bürgerlichen Bevölkerung<br />

unseres Kantons, wie der katholisch organisierten Arbeiterschaft<br />

protestiert.» (EA 16.1.1918).<br />

Kantonsrat Wattenhofer sah sich <strong>im</strong> April 1918 bemüssigt,<br />

die öffentliche Erklärung abzugeben, dass er weiterhin auf<br />

dem Boden des schweizerischen Grütlivereins stehe, dessen<br />

Mitglied er sei. Grund für diese Erklärung war eine Volksversammlung<br />

in Lachen, an welcher der revolutionär-sozialistische,<br />

kommunistische Nationalrat Fritz Platten referierte. Die<br />

Volksversammlung war von einem provisorischen Komitee mit<br />

Fritz Wolf an der Spitze einberufen worden. «Der Grütliverein<br />

erstrebt eine Besserstellung des arbeitenden Volkes auf legalem,<br />

gesetzlichem Boden, er ist Gegner von Revolution und<br />

Generalstreik, anerkennt die Vaterlandsverteidigung usw.», so<br />

Wattenhofer (EA 27.4.1918).<br />

Im Oktober 1918 kam es zur Gründung der sozialdemokratischen<br />

Kantonalpartei mit Vorort Goldau. Geregelt wurde<br />

auch die Zusammenarbeit mit den Grütlivereinen.<br />

1921 erfolgte die Zusammenschweissung von Schwyzer<br />

Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Grütlianern zur «Arbeiterunion<br />

des Kantons Schwyz», einer linken kantonalen<br />

Dachorganisation. Als Präsident fungierte Josef Meyer, Lokomotivführer<br />

aus Goldau. 1923 benannte sich die letzte Grütli-<br />

Sektion in Siebnen in «Allgemeiner Arbeiterverein» um. 1927<br />

war der schweizerische Grütliverein nach langjährigen internen<br />

Auseinandersetzungen untergegangen.<br />

Zentrale, aufbauende und integrierende Vaterfigur der<br />

Sozialdemokratie <strong>im</strong> Kanton Schwyz war ohne Zweifel Johann<br />

Wattenhofer, Siebnen. Während über 50 <strong>Jahre</strong>n war<br />

er politisch engagiert. Bereits 1887 trat er dem Grütliverein<br />

in Schwanden (Glarus) bei. Nach seiner Sesshaftwerdung<br />

anfangs der 1890er-<strong>Jahre</strong> war er zunächst Gemeinderat in<br />

Schübelbach, dann <strong>Bezirk</strong>sammann der March (1914-1918,<br />

1922-1926), Kantonsrat (1904-1924, 1932-1941) und erster <strong>SP</strong>-<br />

Nationalrat (1925-1928), erster sozialdemokatischer Kantonsratspräsident<br />

der Innerschweiz sowie zugleich langjähriger<br />

Kantonalpräsident der Schwyzer Grütli- und Arbeitervereine<br />

und der Arbeiterpartei.<br />

«Unser Bester ist tot», titelte der «Schwyzer Demokrat» am<br />

2. Januar 1942 mit Recht. «Genosse Wattenhofer kannte die<br />

Arbeiterbewegung von der Pike an, in ihren ersten Gehversuchen.<br />

Aber Wattenhofer war nicht nur Zeuge der grossen<br />

Entwicklung. Er hat alles als Handelnder und Tätiger miterlebt.<br />

Sein Leben erzählen, heisst die Geschichte der Arbeiterbewegung,<br />

ihres ganzen moralischen, politischen und sozialen<br />

33


Der «Franziskaner» (links), welcher den Konsumverein beherbergte, und der «Pokal» vor dem Umbau von 1928.<br />

Aufstieges wiedergeben. (…) [W]as ihn auszeichnete, war ein<br />

<strong>im</strong>mer klarer Blick und scharfer Verstand. Er hatte den Mut,<br />

den Dingen ins Auge zu sehen, die Wahrheit zu erkennen und<br />

sie auszusprechen.» (SD 2.1.1942).<br />

Der Konsumverein <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Arbeiterschaft regte sich in <strong>Einsiedeln</strong> – nach durchgestandenem<br />

Streik bei Benziger <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong> 1900 – erst ab 1907<br />

wieder. Davor dürfte der erneut gegründete Grütliverein eingeschlafen<br />

sein.<br />

Im Sommer 1907 konnte man <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» lesen,<br />

dass aus Arbeiterkreisen ein Konsumverein gegründet<br />

wurde (EA 22./26.6.1907). «Diese ist keine politische (sozialdemokratische)<br />

Genossenschaft, sondern hat als einzigen<br />

Zweck, den Mitgliedern die Lebensbedürfnisse (Nahrungsund<br />

Genussmittel und andere Gebrauchsgegenstände) unter<br />

möglichst vorteilhaften Bedingungen zu verschaffen.» (EA<br />

6.7.1907).<br />

Am 1. Dezember gleichen <strong>Jahre</strong>s eröffnete der Konsumverein<br />

in Verbindung mit eigener Bäckerei seine Tätigkeit <strong>im</strong><br />

südwestlichen Hausteil des «Gross-Kreuz» <strong>im</strong> Unterdorf. Unterhandlungen<br />

mit den Spezierern hätten sich zerschlagen<br />

und deren Entgegenkommen gegenüber den Bezahlenden<br />

Null. «Man glaube wahrscheinlich zuständigen Orts, die Arbeiterschaft<br />

mache nur wau wau, und blieb starrköpfig.» (EA<br />

27.11.1907).<br />

Offenbar sanken in der Folge die Preise für Brot und andere<br />

Lebensmittel (EA 14.12.1907).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» brachte die Problematik am<br />

14. Januar 1908 auf den Punkt: «Die Schaffung des Konsumvereins<br />

<strong>Einsiedeln</strong> ist eine soziale Tat erster Güte. Wer mitangesehen<br />

hat, wie in der Waldstatt die Lebensmittel <strong>im</strong> Preise<br />

<strong>im</strong>mer mehr gestiegen sind, der musste sich die Hand vor die<br />

Stirne halten und fragen: Wo soll das noch enden an einem<br />

Ort, wo doch so viel konsumiert und so billig gewirtschaftet<br />

wird? (…) Die ganze Bevölkerung von <strong>Einsiedeln</strong> hat sich nach<br />

einigen wenigen Grossspezereihändlern richten müssen. Es<br />

ist eigentlich etwas Unerhörtes gewesen, wie man diesen par<br />

durch den Konsum des Volkes reich gewordenen Herren das<br />

Geld gutwillig <strong>Jahre</strong> hindurch zugetragen hat. (...)»<br />

Trotz Bekämpfung durch die etablierten Spezerei-Händler<br />

prosperierte der Konsumverein, wuchs und erwirtschaftete<br />

Gewinn. Die Genossenschafter erhielten Rückvergütungen<br />

von 8-10%.<br />

1911 war der Konsumverein in der Lage, die Liegenschaft<br />

zum «Pokal» zu kaufen, und zügelte in die neue Lokalität.<br />

Die schweizerischen Konsumvereine blieben 1912 trotz Umwerbung<br />

durch die sozialdemokratischen Gewerkschaften<br />

unabhängig.<br />

Die Verteuerung der Lebensmittel nahm während des<br />

1. Weltkrieges weiter zu. Im <strong>Jahre</strong> 1918 verzeichnete der Konsumverein<br />

bereits über 300 Mitglieder (<strong>im</strong> Jahr 1942 waren<br />

es 884). 1920 errichtete er in Bennau eine Filiale, 1929 in Egg<br />

und bis 1931 auch eine solche in Gross.<br />

Die Spezereihändler, Bäckermeister, Metzger, Tuch-, Konfektions-<br />

und Eisenwarenhändler reagierten erst 1922 auf<br />

diese ihnen missliebige Entwicklung mit der Gründung des<br />

34


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat anlässlich der <strong>Bezirk</strong>sgemeinde vom 6. Mai 1900.<br />

Rabattvereins und der Einführung einer einheitlichen Rabattsparkarte,<br />

nachdem entsprechende Anregungen bereits nach<br />

der Gründung des Konsumvereins gemacht worden waren.<br />

1926 gehörten dem Rabattverein bereits 50 Mitglieder an.<br />

1928 beschloss der Konsumverein eine Neubaute <strong>im</strong> vorderen<br />

«Pokal».<br />

Der Konsumverein <strong>Einsiedeln</strong> hatte sich zu einer Erfolgsgeschichte<br />

entwickelt. Aus Arbeiterkreisen gegründet und zum<br />

Wohle der Arbeiterschaft und Familien. Damit vermochte man<br />

die unbändige Teuerung der Lebensmittel mittels Selbsthilfe<br />

etwas einzudämmen und dem «Gewerbekartell» in <strong>Einsiedeln</strong><br />

Zugeständnisse abzuringen. Der Konsumverein <strong>Einsiedeln</strong><br />

blieb politisch aber neutral, wenngleich noch 1937 darüber diskutiert<br />

wurde, ob er eine «Vorstufe des Sozialismus» darstelle<br />

(SD 17.12.1937).<br />

Exkurs: Das «katholische Bollwerk» und die<br />

politischen Verhältnisse in <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die grosse Mehrheit der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts<br />

geborenen Einsiedler Unternehmer waren politisch liberal-radikal<br />

gesinnt. Die Waldstatt <strong>Einsiedeln</strong> als ehemaliger Untertanenort<br />

des Alten Landes Schwyz besass keine ausgeprägt alte (konservative)<br />

Elite und galt darum <strong>im</strong> 19. Jahrhundert als liberale Hochburg<br />

des Kantons. Privilegien des Alten Landes Schwyz wurden<br />

hinterfragt, man trat für eine gerechte Verfassung ein, wollte allen<br />

Bürgern die gleichen Rechte gewähren und bekämpfte das<br />

Kloster, das oft mit Schwyz zusammenspannte, in seinem Bestreben,<br />

<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wirtschaftlich und politisch Einfluss zu<br />

nehmen.<br />

Daneben gab es die Anhänger der katholisch-konservativen<br />

Sache, eine Sammlung der traditionellen Elemente mit<br />

Flair für eine politische Einflussnahme der katholischen Kirche.<br />

Bäuerliches Denken und katholischer Glaube waren Neuerungen<br />

gegenüber vorsichtig. Dieser katholische Konservativismus<br />

dominierte seit 1870.<br />

Eine wichtige politische Zäsur bewirkte in <strong>Einsiedeln</strong> die Verwerfung<br />

der Verfassungsrevision 1898. Der mehrheitlich liberale<br />

Verfassungsrat wollte in der Vorlage die sogenannten Klosterartikel<br />

drin belassen, wonach die Klöster unter der Aufsicht des<br />

Staates stehen. Die Schwyzer St<strong>im</strong>mbürger erteilten diesem Ansinnen<br />

eine deutliche Abfuhr.<br />

Im <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> erwachte mit Verhörrichter Martin Ochsner<br />

in der Folge ein Mann, welcher dem katholisch-konservativen<br />

Einsiedlervolk den Spiegel vorhielt und ihm bewusst machte,<br />

dass die von ihm abgeordneten «liberalen Herren» mehrheitlich<br />

gar nicht in seinem Sinne agierten (EA 20.4.1898). In der anschliessenden<br />

Kantonsratswahl drang die konservative Siebnerliste<br />

prompt und deutlich durch.<br />

Im selben Jahr ging die Redaktion des «Einsiedler Anzeigers»<br />

auf die Katholisch-Konservativen über. Der Bedeutung des<br />

«Einsiedler Anzeigers» bewusst, fand zwischen Konservativen<br />

und Liberalen in den <strong>Jahre</strong>n 1900 und 1904 noch eine Verständigung<br />

in der Benutzung der Zeitung statt. Im Nachgang an ehrverletzende<br />

Äusserungen von Redaktor Clemens Frei gegenüber<br />

dem liberalen Einsiedler Regierungsrat Heinrich Wyss stiegen die<br />

Spannungen. Diese führten in der Folge, 1907, zur Gründung der<br />

liberalen «Neuen Einsiedler Zeitung». 1910 konnten die Konservativen<br />

den «Einsiedler Anzeiger» kaufen und fortan agierte dieser<br />

als «Kath.-Konservatives Organ», welches vom Redaktor und der<br />

Redaktionskommission geführt wurde.<br />

Anlässlich des Streiks be<strong>im</strong> Benziger-Verlag 1899/1900<br />

nahm interessanterweise keine der beiden politischen Parteien<br />

Einfluss.<br />

Für die Konservativen handelte um 1900 noch ein sog. konservatives<br />

<strong>Bezirk</strong>skomitee mit Vertretern aus dem Piusverein und<br />

dem katholischen Männer- und Arbeiterverein. Diese beiden<br />

gingen – wie auch schweizweit – 1906 <strong>im</strong> neu gegründeten ka-<br />

35


tholischen «Volksverein <strong>Einsiedeln</strong>» auf. Dieser wählte nun das<br />

konservative <strong>Bezirk</strong>skomitee, das für rein politische Zwecke tätig<br />

wurde und den «Volksversammlungen der konservativen Partei»<br />

vorstand.<br />

Zwecks «Verteidigung der Standesinteressen» und dem<br />

«Bestreben, einen Damm zu bilden gegen die <strong>im</strong>mer kühner<br />

vordringende Sozialdemokratie» wurde in <strong>Einsiedeln</strong> 1908 die<br />

«Christlich-Soziale Gewerkschaft» gegründet, welche Katholiken<br />

wie Reformierte umfasste. Noch <strong>im</strong> selben Jahr schaffte<br />

diese es, in <strong>Einsiedeln</strong> ein Kartell zu gründen, welchem die Gewerkschaften<br />

der Holzarbeiter, der Metallarbeiter und der Graphischen<br />

Gewerbe zusammengeschlossen waren. Der «Einsiedler<br />

Anzeiger» zeigte sich erleichtert: «Gottlob ist nun die<br />

christlich-soziale Gewerkschaft auch in der Waldstatt erwacht.<br />

Nicht lang, und vielleicht hätte auch hier die Sozialdemokratie<br />

drohend ihr Haupt erhoben. Auch so ist dieser Gefahr nicht<br />

jede Wurzel abgegraben.» (EA 4.7.1908).<br />

Nichtsdestotrotz entstand 1910 in <strong>Einsiedeln</strong> auch noch der<br />

«katholische Arbeiterverein». 1913 bestand dieser bereits aus 190<br />

Mitgliedern. Daneben existierte auch ein Arbeiterinnenverein, dessen<br />

Tätigkeit sich in der Abhaltung hauswirtschaftlicher Kurse erschöpfte.<br />

Während die Christlich-Sozialen pr<strong>im</strong>är wirtschaftliche<br />

Ziele verfolgten, kam dem katholischen Arbeiterverein pr<strong>im</strong>är<br />

die Aufgabe zu, auf politischem und religiösem Gebiet tätig sein.<br />

Hierzu dienten Schulung, Aufklärung und «geistige Hebung» (EA<br />

21.2.1910). Letztere wurden während des Winters auch <strong>im</strong> weiterhin<br />

existierenden «Volksverein <strong>Einsiedeln</strong>» durchgeführt, welcher<br />

als «Schrittmacher aller übrigen sozialen Vereine» (EA 31.5.1911),<br />

als bloss «religiös charitative Organisation» (EA 14.10.1914), als<br />

«allgemeinen Volksinteressen» dienend (EA 22.3.1916) oder als<br />

«übergeordnete Sammelorganisation aller Katholiken» bezeichnet<br />

wurde (EA 6.12.1930). Ab 1937 fungierte er als «Mittelpunkt<br />

und Repräsentant der katholischen Aktion für die Männer und<br />

Jungmänner» (EA 15./26.1.1937). Im «Volksverein» erstatteten die<br />

katholischen Vereine der Waldstatt jeweils Bericht über ihre Tätigkeiten<br />

<strong>im</strong> vergangenen Jahr. Verschiedentlich agierten diese<br />

Vereine auch zusammen als «katholisches Kartell».<br />

Im <strong>Bezirk</strong>srat waren die politischen Verhältnisse 1910 die,<br />

dass sechs Liberale neun Konservativen gegenüberstanden.<br />

Hieran änderte sich lange Zeit nicht viel.<br />

Diese strukturellen Verhältnisse waren aber noch nicht kompliziert<br />

genug, denn 1912 entstand auch noch die «christlichsoziale<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>». Diese bildete ein selbständiges<br />

Glied der konservativen Partei, welches nicht nur die Mitglieder<br />

des katholischen Arbeitervereins umfasste, sondern auch «anderweitige<br />

Gesinnungsgenossen aus dem Arbeiterstand, die sich zu<br />

den christlichsozialen Grundsätzen bekennen» (EA 5.6.1912). Auf<br />

gesamtschweizerischer Ebene bestand die Schweizerische katholische<br />

Volkspartei, an sich bereits 1894 gegründet, aber 1908<br />

wieder zum Leben erweckt (EA 14.11.1908).<br />

Ziel all dieser Bestrebungen war letztlich, dass «der Mann<br />

hauptsächlich in die Bahn unserer kathol. Weltanschauung gebracht<br />

wird, oder, wenn er darin schon ist, derselben erhalten<br />

bleibt.» (EA 16.3.1918). Clemens Frei, Redaktor des «Einsiedler<br />

Anzeigers» und Präsident des katholischen Volksvereins, genügte<br />

dies nicht: «Wir haben bei uns so ein bisschen Volksverein,<br />

Gesellenvereins- und christlich-soziales Arbeitervereinsleben.<br />

Aber wir treiben es sehr bescheiden; all‘ das wirkt nicht<br />

erwärmend und nicht abwehrend genug.» (EA 11.8.1917).<br />

1918 machten die Christlich-Sozialen Druck auf die Katholisch-Konservativen<br />

und verlangten eine bessere Vertretung in<br />

den Behörden. Im selben Jahr erfolgte der Zusammenschluss<br />

des katholischen Arbeitervereins und der christlich-sozialen<br />

Gewerkschaften zu einem Kartell. Man teilte die (konservativen)<br />

Mandate untereinander auf.<br />

Es verwundert nicht, dass all die gehäuften Versammlungen<br />

und Weiterbildungsveranstaltungen dieser Organisationen je<br />

länger je mehr schlechter besucht waren. Die Konservativen<br />

und Christlichsozialen tagten zu dieser Zeit hauptsächlich <strong>im</strong><br />

«Klostergarten», <strong>im</strong> «Schiff» und in der «Bierhalle» und führten<br />

grössere Veranstaltungen <strong>im</strong> Lokal des Gesellenvereins durch.<br />

Am 1. Oktober 1918 nahm der für die Kantone Schwyz und<br />

Glarus zuständige (christlich-soziale) Arbeitersekretär mit Büro<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> seine Tätigkeit auf (zunächst Gustav Helfenberg,<br />

ab Dezember 1918 Franz Ulrich, ab 1924 Peter Hüsser und ab<br />

1931 Fritz Husi). Dieser nahm auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong> in der<br />

Folge des Öfteren eine offensive und strategisch wichtige Haltung<br />

gegenüber der politischen Gegnerschaft ein.<br />

Prägnant, aber ideologisch verbrämt, brachte 1921 Pfarrer<br />

Riedener seine Abneigung gegenüber der Arbeiterbewegung<br />

zum Ausdruck: «Diese Bewegung wurde eingeleitet durch Ausländer.<br />

Sie hatten die Absicht, von der Schweiz aus ihr Vaterland<br />

zu revolutionieren. Das geht zurück in die <strong>Jahre</strong> 1830 bis 1840.<br />

Zwei Faktoren trugen dazu bei. In der Schweiz zunehmende<br />

Industrialisierung. Mit den Fabriken kamen die Maschinen, mit<br />

den Maschinen die Arbeiter, mit ihnen schlechte Löhne. Ausser<br />

der Schweiz waren es die Nachklänge der französischen<br />

Revolution. Die ärgsten Revolutionäre wurden aus Deutschland<br />

fortgejagt. Die Schweiz hatte das Asylrecht. Darum war sie der<br />

Spucknapf der andern Länder.» (EA 21.12.1921). Mit dieser Haltung<br />

war er zweifellos nicht allein.<br />

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bis 1918 bei<br />

einiger Nervosität und Aktionismus ein regelrechtes Geflecht<br />

von Organisationen aus der Taufe gehoben wurde, das als «katholisches<br />

Bollwerk» gegenüber der aufkommenden Sozialdemokratie<br />

aufgezogen wurde. Hierunter lassen sich auch die<br />

Liberalen zählen, wenngleich auch sie zu den Konservativen in<br />

Opposition standen.<br />

36


VII. Gründungsphase der Arbeiterpartei<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Einleitung<br />

Sozialdemokraten gab es in <strong>Einsiedeln</strong> bereits vor der Gründung<br />

der Sozialdemokratischen Partei. Anton Kälin, von der<br />

Langrüti stammend, nahm 1912 als Vertreter der sozialdemokratischen<br />

Partei Einsitz <strong>im</strong> St. Galler Kantonsrat (EA 20.4.1912).<br />

Bekanntheit erlangte<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> auch<br />

Alphons Kälin (1841-<br />

1913), genannt<br />

« S c h w y z e r- F o n s i »,<br />

Dorforiginal, Ersteller<br />

der Langrüti-Brunnen<br />

und Kleinbauer an der<br />

Langrüti. «Konservativ<br />

<strong>im</strong> eigenen Gewerbe<br />

und Haushalt bis auf<br />

die Knochen, huldigte<br />

er <strong>im</strong> öffentlichen<br />

Leben der Sozialdemokratie<br />

rasch seiner<br />

Art.» (EA 15.3.1913).<br />

1907 erfolgte die<br />

Gründung der ältesten<br />

Gewerkschaftsorganisation<br />

auf dem<br />

Platz <strong>Einsiedeln</strong>. Die<br />

Typographen machten<br />

nun Ernst und 40<br />

Mitglieder gründeten<br />

eine eigene Sektion<br />

des Schweizerischen<br />

Typographenbundes.<br />

Der Vorstand setzte<br />

sich aus August Theiler<br />

(Präsident), Zölestin Zehnder (Vizepräsident), Xaver<br />

Schädler (Kassier), Gallus Kälin (Aktuar) und Benedikt Grätzer<br />

(Bibliothekar) zusammen. Der Verein diente «zur Hebung<br />

des Berufes, zur Hebung der pekuniären Lage seiner Mitglieder<br />

und ein Trostgebilde für des Alters Gebrechen und<br />

Leiden.» (EA 1.1.1908) und führte in den Folgejahren auch<br />

regelmässig Fachkurse und Wettbewerbe durch. Vereinslokal<br />

war die «Walhalla». Indessen fiel es manchmal schwer,<br />

sich lokal von den sozialdemokratischen Sympathien des<br />

Schweizerischen Typographenbundes zu distanzieren. Mit<br />

der am Platz bestehenden christlich-sozialen Buchbindergewerkschaft<br />

arbeitete man weitgehend kollegial zusammen.<br />

1913 und 1916 führte die «Typographia» unter den Präsidien<br />

von Benedikt Fuchs und Bruno Kälin mit Erfolg Lohnverhandlungen.<br />

1916 organisierte sie in ihrem neuen Vereinslokal «Hofstatt»<br />

– in welchem fortan auch Wanderausstellungen stattfanden<br />

und das von ihrem Präsidenten Bruno Kälin geführt wurde<br />

– ein Referat zur gegenwärtigen Lage <strong>im</strong> Buchdruckergewerbe.<br />

Gehalten wurde dieses von Jacques Schlumpf, Sekretär<br />

37<br />

des Schweizerischen Typographenbundes. Das schweizerische<br />

Buchdruckergewerbe war von den Kriegswirren sehr<br />

stark betroffen. Politisch muss sich Präsident Bruno Kälin bemerkbar<br />

gemacht haben. Er engagierte sich zusammen mit<br />

Gramper (Bahnarbeiter) der Südostbahn bei der Nübergsagi, Bennau, um 1910.<br />

dem katholischen Arbeiterverein 1917 um pachtweisen Erhalt<br />

von Pflanzland für den Gemüseanbau durch die Mitglieder.<br />

Die «Typographia» monierte <strong>im</strong> selben Jahr – so der «Schwyzer<br />

Demokrat» (29.12.1917) –, dass der Voranschlag 1918 des<br />

<strong>Bezirk</strong>s keinen Posten zur Subvention der Arbeitslosenkassen<br />

der Gewerkschaften vorsehe und die Riesenummen, die<br />

von der «Typographia» für arbeitslose Mitglieder geleistet würden,<br />

nicht anerkenne.<br />

1918 trat Bruno Kälin als Präsident der «Typographia» zurück<br />

und übergab sein Amt Ernst Kürzi. Als 1920 der Schweizerische<br />

Typographenbund mit den Sozialdemokraten kooperierte, führte<br />

dies zu Austritten aus der Einsiedler Sektion. Seine – ohnehin<br />

misstrauisch beäugte – Neutralität hatte der Verband weitgehend<br />

eingebüsst und wurde fortan als sozialistisch betrachtet.<br />

Der Vorgänger von Bruno Kälin, Benedikt Fuchs, wurde<br />

1921 als Vertreter der sozialdemokratischen Partei in den Aargauer<br />

Kantonsrat gewählt, welchem er offenbar bis 1941 angehörte<br />

(EA 11.5.1921, SD 28.3.1941, EA 23.10.1951).<br />

Eine wichtige Rolle spielten auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong> auch


die Eisenbahner. Das S.O.B.-Personal war organisiert und<br />

führte regelmässig Versammlungen durch. Am 3. Februar<br />

sowie am 21. Juli 1918 fanden <strong>im</strong> Hotel «Waldschloss» in Biberbrugg<br />

Tagungen statt in Sachen Teuerungszulage 1918<br />

und Pensions- und Hülfskassenangelegenheiten. Im November<br />

1918 traten die Angestellten der Südostbahn hierfür<br />

auch in den Streik, gleichzeitig mit ihren Kollegen der Bundesbahnen,<br />

was ihnen vom «Einsiedler Anzeiger» denn auch<br />

prompt den Vorwurf einer politischen Solidarität einbrachte<br />

(EA 23.11.1918).<br />

Gründung<br />

«Zur Sozialdemokratie soll sich ein hiesiger Gewerbetreibender<br />

verschrieben haben. Wir notieren dies ohne Randglossen, nur<br />

der Erscheinung halber. Blühende Rosen hat sein Gewerbe<br />

bisher gebracht; mögen sie ihm weiter blühen mit den Dornen<br />

der Sozialdemokratie.» (EA 15.4.1914).<br />

Am 16. Januar 1918 meldete der «Einsiedler Anzeiger»: «Die<br />

Gründung einer sozialdemokratischen Partei sei in hier auf<br />

den Frühling geplant. Wer Augen hat zum Sehen und Ohren<br />

zum Hören, dem ist diese Parteigründung kein Rätsel.»<br />

Am 23. Februar 1918 warnte die Zeitung: «Eine gefährliche<br />

Strömung macht sich zur Zeit <strong>im</strong>mer mehr auch in unserm<br />

lieben Kanton Schwyz bemerkbar: Die Sammlung der sozialistischen<br />

Elemente und deren politische Organisation. (…) In<br />

kluger und berechnender Weise nutzten die Sozialdemokraten<br />

38<br />

des Landes Schwyz die letzte Nationalratswahl, an der erstmals<br />

eine offizielle soz. Kandidatur zu verzeichnen war (…). Ein<br />

zweites Werbemittel der schwyzerischen Sozialdemokraten<br />

ist zur Zeit ihre äusserst rege Agitationstätigkeit durch Volksversammlungen,<br />

an denen die sozialistische Partei als wahre<br />

Volksbeglücker hingestellt und dem Volke vorab <strong>im</strong>mer und<br />

<strong>im</strong>mer beteuert wird, Religion sei Privatsache und man könne<br />

sehr wohl Sozialdemokrat und dennoch praktizierender Katholik<br />

sein. (…) Dagegen müssen wir die sozialdemokratische Bewegung<br />

vorab deswegen bekämpfen, weil sie ausgesprochenermassen<br />

auf einen Umsturz des Bestehenden hinzielt und<br />

eine ungeheure religiöse Gefahr darstellt. (…) Das sozialdemokratische<br />

Grundgesetz ist überall gleich, mag es auch da und<br />

dort weniger scharf vorgetragen werden. (…). Die Sozialdemokratie<br />

ist und bleibt eine grösste religiöse Gefahr. (…).»<br />

Zur gleichen Zeit stellte der «Schwyzer Demokrat» klar:<br />

«Was wollen die Sozialdemokraten? (…) Die Sozialdemokraten<br />

wollen der Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse<br />

nicht untätig<br />

Die Rede dürfte von Bruno Kälin, seinerzeit Präsident<br />

der «Typographia», gewesen sein.<br />

Bruno Kälin wurde am 22. September 1886 in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> geboren. Seine Eltern waren Meinrad<br />

Franz Kälin (1836-1910) und Marie Ochsner<br />

(1842-1912), Langrüti. Bruno Kälin arbeitete zunächst<br />

als Schriftsetzer bei der Firma Benziger,<br />

später auch in Druckereien in Thalwil, Aarau, Zürich<br />

und Affoltern a.A. Mit der Verehelichung mit<br />

der Wirtstochter Josefine Kälin von der «Hofstatt»<br />

wandte er sich ab 1914 dem Wirte- und Hotelierberuf<br />

zu. Er war Fähnrich <strong>im</strong> Turnverein <strong>Einsiedeln</strong><br />

und amtete später auch als Rechnungsprüfer. Bei<br />

der Gründung des Wirtevereins 1914 übernahm er<br />

das Amt des Aktuars. Dem Ehepaar wurde 1915<br />

Sohn Bruno geboren.<br />

Die «Hofstatt» führte er zusammen mit seiner Frau<br />

bis 1921. Im selben Jahr zogen sie zuerst nach<br />

Thalwil, wo sie das Restaurant «Central» führten,<br />

und später nach Affoltern, wo sie den «Löwen»<br />

übernahmen. Bruno Kälin blieb der Waldstatt weiterhin<br />

verbunden und starb am 2. Januar 1941.<br />

zusehen, sondern diese<br />

Entwicklung <strong>im</strong> Sinne<br />

der Vernunft und der<br />

Gerechtigkeit fördern<br />

und leiten. Sie wollen die<br />

Kräfte und Strömungen<br />

des Wirtschaftslebens<br />

nicht wie ein Verhängnis<br />

über sich ergehen lassen,<br />

sondern sie ordnen<br />

und beherrschen. (…) Sie<br />

wollen, dass die gewaltige<br />

Ertragssteigerung<br />

der gewerblichen und<br />

industriellen Arbeit nicht<br />

bloss einer Handvoll Kapitalisten,<br />

sondern dem<br />

ganzen Volke zugute<br />

komme. Sie wollen, dass<br />

die Kluft zwischen Ueberfluss<br />

und Massenelend<br />

einigermassen ausgeglichen<br />

werde. (...)»<br />

(SD 9./16.2.1918).<br />

Im März 1918 berichtete der «Einsiedler Anzeiger», dass auch<br />

hier Jungburschen mit rotem Band <strong>im</strong> Knopfloch beobachtet<br />

werden konnten. Es handle sich um solche, welche auswärts<br />

in Arbeit stehen.<br />

Ab Juni 1918 häuften sich <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» Einsendungen,<br />

welche Einsiedler Verhältnisse kritisch an den Pranger<br />

stellen, bspw. den Verteilmodus der Rationierungsmarken und<br />

das mehrstündige Warten vor dem Bureau sowie das ungenügende<br />

Zurverfügungstellen von Pflanzland für Familien.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Nur die liberale «Neue Einsiedler<br />

Zeitung» publizierte das von<br />

einem «Aktionskomitee» gezeichnete<br />

Inserat mit der Einladung<br />

zur Volksversammlung in der<br />

«Hofstatt» am 1. Juni 1918. Der<br />

«Einsiedler Anzeiger» habe dies<br />

erfolglos zu verhindern versucht<br />

(SD 8.6.1918).<br />

Ob die Gründung der Partei bis<br />

dahin erfolgt ist oder aber an<br />

diesem Abend stattfand ist nicht<br />

bekannt.<br />

<strong>SP</strong>-Nationalrat August Huggler<br />

aus Zürich referierte für eine Annahme<br />

der Bundessteuer-Initiative.<br />

Diese wurde in <strong>Einsiedeln</strong><br />

zwar abgelehnt, doch votierten<br />

respektable 313 von 1‘300 abgegebenen<br />

St<strong>im</strong>men für Annahme<br />

derselben.<br />

Am 13. Oktober 1918 st<strong>im</strong>mten Volk<br />

und Stände der dritten Initiative über<br />

die Proporzwahl des Nationalrates<br />

mit gut 66 % Ja-St<strong>im</strong>men deutlich<br />

zu. Dies war ein wesentliches Zugeständnis<br />

an die Sozialdemokratie,<br />

welche nach politischer Mitbest<strong>im</strong>mung<br />

strebte.<br />

Am 19. Oktober 1918 lud der<br />

– dannzumal bereits konstituierte –<br />

Vorstand der Sozialdemokratischen<br />

Partei <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat»<br />

zur Parteiversammlung am<br />

26. Oktober 1918 in die «Hofstatt».<br />

Da jegliche Protokolle aus der<br />

Gründungszeit fehlen und über die<br />

Versammlungen auch nicht berichtet<br />

wurde, ist nicht bekannt, wieviele<br />

Gründungsmitglieder bestanden und<br />

wie sich der Vorstand – mit Ausnahme<br />

des Präsidenten – zusammensetzte.<br />

Spätere Informationen legen<br />

den Schluss nahe, dass es wohl gegen<br />

fünf Mitglieder und hauptsächlich<br />

«Südostbähnler» gewesen sein<br />

dürften (s. EA 22./29.10.1919).<br />

Eine erste Kampfansage an die beiden bürgerlichen Parteien<br />

erschien <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 26. Oktober 1918<br />

und stand <strong>im</strong> Zusammenhang mit der Ersatzwahl des verstorbenen<br />

Amtsschreibers: «Den Herren können wir jetzt schon<br />

versichern, dass sich bei den nächsten <strong>Bezirk</strong>sratswahlen die<br />

sozialdemokratische Partei aktiv beteiligen wird; damit hört<br />

dann auch die ewige ‹Kompromisslerei› einmal auf. Nun wohlan<br />

an die Arbeit und mit Glück!»<br />

Generalstreik und Grippe<br />

Vom 12.-14. November 1918 fand<br />

in der Schweiz der landesweite Generalstreik<br />

statt, an dem sich rund<br />

250‘000 Arbeiter und Gewerkschafter<br />

beteiligten. Die Behörden boten<br />

95‘000 Mann Ordnungstruppen auf.<br />

Im Nachgang an die russische Revolution<br />

1917 und die Weltkriegsjahre,<br />

welche Hunger und wirtschaftliche<br />

Ungerechtigkeiten hervorriefen oder<br />

bestärkten, fürchteten die Behörden<br />

einen «revolutionären Ansturm der<br />

extremen Sozialdemokratie und des<br />

Bolschewismus» in der Schweiz (EA<br />

23.11.1918).<br />

Gestreikt wurde in der Waldstatt<br />

selber nicht. Teils ruhte die Arbeit<br />

aber in den Gemeinden um den Zürichsee,<br />

unter anderem <strong>im</strong> benach-<br />

39


Auf dem Zürcher Paradeplatz stehen sich Militär und Streikende gegenüber<br />

(Foto Wilhelm Gallas, Baugeschichtliches Archiv Zürich).<br />

barten Richterswil und Wädenswil. Von Richterswil kam es<br />

zu einem Demonstrationszug nach Bäch und Wollerau, der<br />

etwa 300 männliche und 200 weibliche Teilnehmer aufwies.<br />

Die Ruhe und Ordnung wurde aber nirgends gestört, nur in<br />

der Seidenweberei Bäch wurden die Arbeiter angehalten, die<br />

Arbeit niederzulegen, obwohl der Streik ausdrücklich nur auf<br />

das Gebiet des Kantons Zürich beschränkt war.<br />

Der Generalstreik machte - nach damaliger Ansicht der Behörden<br />

- ein Truppenaufgebot notwendig und fiel in die Zeit<br />

der grossen Grippe, an der <strong>im</strong> Kanton Schwyz 336 Personen<br />

starben, unter ihnen zahlreiche Soldaten. Die bürgerlichen Medien<br />

wurden nicht müde zu betonen, dass die grippekranken<br />

Soldaten das Opfer des Generalstreikes waren. Dem entgegnete<br />

unter anderem der «Schwyzer Demokrat», dass wohl die<br />

meisten hätten gerettet werden können, wenn nicht so eine<br />

«h<strong>im</strong>meltraurige Ordnung, resp. Unordnung <strong>im</strong> Militärsanitätswesen<br />

geherrscht hätte!» (SD 30.11.1918, SD 8.7.1927).<br />

Erwähnenswert, weil aussergewöhnlich, war die «christlich-soziale<br />

Sternenplatz-Tagung» während der Zeit des Generalstreiks.<br />

Die Einsiedler Christlich-Sozialen führten auf dem<br />

Sternenplatz <strong>im</strong> Dorf eine Volksversammlung durch und demonstrierten<br />

«ihr namhaftes Bekenntnis gegen das Bolschewistentum<br />

unter der Arbeiterwelt» (EA 16.11.1918).<br />

«Die notwendigen sozialen und politischen Reformen sind<br />

nicht durch mutwillige Staatsstreiche und die rote Diktatur anzustreben<br />

und durchzuführen.», so der «Einsiedler Anzeiger»<br />

am 23. November 1918.<br />

Im Nachgang an den Generalstreik wurde auch der Schwyzer<br />

Kantonsrat Josef Meyer, Lokmotivführer und Mitglied der<br />

Arbeiterpartei Arth, der sich <strong>im</strong> Goldauer Streikkomitee engagiert<br />

und auch Versammlungen geleitet hatte, vorübergehend<br />

in der Zwangsarbeitsanstalt Kaltbach in Schwyz interniert.<br />

«Solche Radaubrüder und Störer der öffentlichen Ordnung gehören<br />

in der Tat hinter Schloss und Riegel.» (EA 16.11.1918).<br />

Auf Verfügung von Bern mussten er und die anderen Streikführer<br />

aber am 16. November 1918 wieder auf freien Fuss gesetzt<br />

werden.<br />

Der Landesstreik wurde damals in breiten Bevölkerungskreisen<br />

«nur als Vorspiel von grössern Dingen» betrachtet. Die<br />

Regierung des Kantons Schwyz veranlasste darum Ende Dezember<br />

1918 sogar die Bildung von Bürgerwehren, welche<br />

einen allfälligen Neuausbruch <strong>im</strong> Ke<strong>im</strong>e ersticken sollten. Der<br />

«Schwyzer Demokrat» kritisierte dies und meinte, dass solche<br />

hierzulande «den Ke<strong>im</strong> der Lächerlichkeit in sich bergen» (SD<br />

4.1.1919). Der Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat genehmigte in seiner Sitzung<br />

am 16. Januar 1919 nichtsdestotrotz das von einer Kommission<br />

ausgearbeitete Reglement für die Bürgerwehr in <strong>Einsiedeln</strong><br />

und rief seine Bürger mittels Inserat zum Beitritt in die<br />

40


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Bürgerwehr auf. Laut «Schwyzer Demokrat» vom 15. Februar<br />

1919 sollen dem Aufruf aber lediglich fünf Mann gefolgt sein.<br />

Von der Bürgerwehr war jedenfalls nichts mehr zu lesen.<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» erging die Aufforderung an die Arbeiterschaft,<br />

die bislang in roten Gewerkschaften organisiert<br />

war, in die christlich-sozialen Gewerkschaften überzutreten<br />

(EA 19.2.1919). Bischof Georgius von Chur schrieb in seinem<br />

«Hirtenschreiben gegen den Sozialismus»: «Der Sozialismus<br />

ist in seinem tiefsten Grunde Auflehnung gegen Gott. (…) Er ist<br />

die natürliche Folge des Unglaubens: Dem arbeitenden Volke<br />

wurde die Hoffnung auf das ewige Leben geraubt; darum<br />

wendet sich die ganze Begierde seines Herzens der Erde und<br />

ihren Gütern zu. (…) Als Regel aber ist festzuhalten, dass ein<br />

Katholik nicht Sozialdemokrat sein darf – weder ein innerlich<br />

überzeugter, noch ein äusserlich mitlaufender. (…) Der Katholik,<br />

der die Lehre der Anarchisten oder Sozialisten ann<strong>im</strong>mt<br />

und als Anhänger bekannt ist, kann nicht mehr als Glied der<br />

Kirche angesehen werden. Ihm müssen die hl. Sakramente<br />

verweigert werden, solange er Anhänger des Anarchismus<br />

oder Sozialismus bleibt.» (EA 15.3.1919). Diese Worte sollten<br />

in der Waldstatt <strong>Einsiedeln</strong> lange als «Die grosse Gefahr»<br />

nachhallen.<br />

Die Einsiedler Sozialdemokraten hielt dies nicht davon ab,<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat dafür zu kritisieren, dass er das von ihm angelegte<br />

Lager an Dörrobst nicht an die minderbemittelte Bevölkerung<br />

zu mässigen Preisen offeriere. Im April 1919 zeigten<br />

sie sich überdies kämpferisch und schrieben <strong>im</strong> «Schwyzer<br />

Demokrat»: «Hoffentlich dauern die schlechten Zugsverbindungen<br />

nicht mehr lange, besonders am Sonntag, damit auch<br />

wir in unserm ‹finstern› Hochtale mit unserer ‹Aktion›, d.h. mit<br />

volksaufklärenden Referaten beginnen können. Es tut gewiss<br />

unserer einsiedlerischen Bevölkerung gut, auch mit sozialen<br />

Referaten aufgeklärt zu werden, die Nachfrage nach solchen<br />

wird von Woche zu Woche stärker. Besonders in unsern Vierteln<br />

macht sich langsam aber sicher ein Zug nach links bemerkbar.»<br />

(SD 19.4.1919).<br />

Die Zuversicht war nicht unbegründet, denn in der Arbeiterschaft<br />

brodelte es weiterhin. Das Südostbahn-Personal<br />

war in scharfen Lohnverhandlungen mit der Direktion<br />

und sogar die christlich-sozial organisierten Schreiner und<br />

Z<strong>im</strong>merleute auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong> traten <strong>im</strong> Juni 1919 in<br />

einen Streik. «Die christlichen Brüder lassen sich halt doch<br />

auch nicht so leicht nur aufs Jenseits vertrösten.» schrieb<br />

der «Schwyzer Demokrat» spöttisch (SD 14.6.1919). Kritisiert<br />

wurde von den Einsiedler Sozialdemokraten auch die<br />

Trägheiten und Verschleppungen des Arbeitslosenfürsorgeamtes<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>, welches sie kurzerhand in «Arbeitslosenfürsaugeramt»<br />

umbenannten. «Und gerade diese Herren<br />

wundern sich, wie in unserm <strong>Bezirk</strong> Sozialisten entstehen<br />

– und solche haben wir nicht wenige. (…) Wir sind keine Bolschewiki<br />

aber Sozialisten, welche für das allgemeine Wohl zu<br />

jeder Zeit einstehen.» (SD 30.8.1919).<br />

Ein Debakel mit Vorankündigung<br />

Im Juni 1919 wurde an der Parteivorstandssitzung der Kantonalpartei<br />

beschlossen, «als Sympathie für die dort erst kürzlich<br />

neu gegründete und aufblühende Sektion, den ersten schwyzerischen<br />

sozialdemokratischen Parteitag am 27. Juli in <strong>Einsiedeln</strong><br />

abzuhalten.» (SD 21.6.1919). Dieser musste jedoch aus<br />

nicht näher bekannten Gründen um vier Wochen verschoben<br />

werden. Mutmasslich fand dieser dann erst am 21. Dezember<br />

1919 statt.<br />

Im August 1919 diskutierten die Schweizer Sozialdemokraten<br />

über den Beitritt in die III. (Kommunistische) Internationale<br />

bzw. über das Ziel der proletarischen Weltrevolution.<br />

Die Urabst<strong>im</strong>mung unter den Sektionen lehnte diese einst<strong>im</strong>mig<br />

ab – unter ihnen auch die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> (SD<br />

13.9.1919). Gleichzeitig beschloss diese die Abhaltung eines<br />

öffentlichen Vortrages, in welchem den Einsiedlern das Wirken<br />

der Sozialdemokratie vor Augen geführt werden soll.<br />

Überdies kritisierte man, dass bezüglich der Bekämpfung der<br />

Feldmäuse und den von diesen angerichteten Schäden zu<br />

wenig unternommen werde. Die Arbeiterpartei richtete auch<br />

das Gesuch an den <strong>Bezirk</strong>srat um Einführung der Samstagsst<strong>im</strong>murne<br />

für die kommenden Nationalratswahlen sowie für<br />

spätere Wahlen. Das Eisenbahn- und Postpersonal sei nämlich<br />

sonntags infolge Arbeit oft verhindert, sein St<strong>im</strong>mrecht<br />

auszuüben. Der <strong>Bezirk</strong>srat hiess das Gesuch gut.<br />

Für die erstmals <strong>im</strong> Proporzverfahren durchgeführten Nationalratswahlen<br />

portierten die Schwyzer Sozialdemokraten<br />

und die Grütlianer Kantonsrat und alt <strong>Bezirk</strong>sammann Johann<br />

Wattenhofer. Dieser wurde zwar nicht gewählt, doch betrug<br />

der St<strong>im</strong>menanteil der sozialdemokratischen Liste <strong>im</strong> Kanton<br />

22% und <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> – «trotz der infamsten Hetze»<br />

(SD 31.10.1919) – 12.5% bei 192 unveränderten Listenst<strong>im</strong>men.<br />

Es fehlten gerade mal 280 Listenst<strong>im</strong>men oder rund 95<br />

Wähler und man hätte den Liberalen das Restmandat entrissen.<br />

An vielen Orten seien Plakate der Partei heruntergerissen<br />

und ihren Mitgliedern die Verteilung der St<strong>im</strong>mzettel und Broschüren<br />

mit Gewalt verhindert worden (SD 31.10.1919).<br />

Die <strong>im</strong> Hinblick auf diese Wahl organisierte öffentliche<br />

Volksversammlung in <strong>Einsiedeln</strong> am 18. Oktober 1919 in der<br />

«Hofstatt» war sodann ein Debakel sondergleichen. Eigentlich<br />

hätte man gewarnt sein müssen, weil <strong>im</strong> Juni 1919 in Siebnen<br />

bereits Ähnliches geschah (SD 7.6.1919).<br />

Als Referenten hatten die Einsiedler Genossen den Zürcher<br />

Nationalrat August Huggler eingeladen. Dieser verspätete sich<br />

indessen, weil er in Wädenswil stecken blieb. Währenddessen<br />

war der Saal in der «Hofstatt» bereits gefüllt. Der Einladung «an<br />

das werktätige Volk der Waldstatt» waren die Geistlichkeit vom<br />

Kloster und unter der Aegide der Konservativen Stände-, Kantons-<br />

und <strong>Bezirk</strong>sräte und der Jünglingsverein gefolgt! Nachdem<br />

der Referent ausblieb wählte diese Versammlung in der<br />

Person von Landschreiber August Bettschart kurzerhand ih-<br />

41


Die «Hofstatt» auf einer Werbekarte um 1925 des Einsiedler Zeichners Laurenz Landenberger.<br />

ren Tagespräsidenten. Der weitere Verlauf wird wie <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» wie folgt beschrieben:<br />

«Zur Eröffnung betonte er, es sei doch ein etwas böses<br />

Omen für die Sozialdemokraten, wenn sie solche Führer haben,<br />

die nicht einmal richtig den Fahrplan lesen können. Redaktor<br />

Dr. Bölsterli packte den Sozialismus bei den Hörnern<br />

und wies nach, wie derselbe in Russland, Ungarn und allerorten<br />

nur zum Untergang führte. (…) Wir Bürger und Bewohner<br />

von <strong>Einsiedeln</strong> legen vor allem flammenden Protest ein<br />

gegen den Versuch der Einsiedler Sozialisten, in der Waldstatt<br />

eine sozialistische Volksversammlung abhalten zu lassen. Es<br />

ist dies eine unerhörte Provokation, ein Faustschlag ins Angesicht<br />

des katholischen Einsiedlervolkes. Die heutige Versammlung<br />

beweist den hiesigen Sozialisten mit Wucht, dass<br />

sich das Einsiedlervolk so etwas nicht bieten lässt. Bruno<br />

Kälin, als sozialistischer Parteipräsident, versuchte, die Gründung<br />

der sozialistischen Partei damit zu entschuldigen, dass<br />

man sich gegen verschiedene Uebergriffe der konservativen<br />

Behörde, speziell der Notunterstützungskommisssion, habe<br />

wehren müssen. (…) Kreidebleich lehnte inzwischen der sozialistische<br />

Parteipräsident an der Wand und hörte weiter zu, wie<br />

die sozialistische Lehre zersaust wurde. Dr. Bölsterli betonte,<br />

es wäre absolut unnötig gewesen, eine sozialistische Partei zu<br />

gründen; man habe zur wirtschaftlichen Besserstellung in <strong>Einsiedeln</strong><br />

eine auf religiöser Basis fundierte christlich-soziale Organisation,<br />

die gerade auf wirtschaftlichem Boden viel mehr<br />

leiste als die Sozialisten <strong>im</strong> Kanton Schwyz. (…) Hochw. Herr<br />

Zentralpräses Pater Claudius Hirt bedauert, dass Nationalrat<br />

Huggler nicht erschienen. Er zeigt an Hand von Beweisen, Zitaten<br />

und so weiter, dass der Sozialismus nichts anderes sei,<br />

als der Vorspann am Wagen des jüdischen Kapitalismus. (…)<br />

Die Sozialdemokratie ist religionsfeindlich bis auf den heutigen<br />

42<br />

Tag. (…) Sekretär Ulrich protestierte<br />

vor allem dagegen,<br />

dass sich die sozialistische<br />

Partei den Anschein gibt, sie<br />

sei allein die ‹Arbeiterpartei›.<br />

Er bezeichnete das als unerhörte<br />

Anmassung. Die Sozialisten<br />

sollen sich als das<br />

bezeichnen, was sie sind,<br />

als sozialistische Arbeiterpartei.<br />

(…) Die christlich-sozialen<br />

Arbeiter, aber stehen<br />

einmütig ein für die konservativen<br />

Kandidaten. (…) Allen<br />

Referaten der bürgerlichen<br />

Redner folgte spontaner jubelnder<br />

Beifall. (…) Mit allen<br />

gegen fünf sozialistische<br />

St<strong>im</strong>men ward sodann folgende<br />

von ihm [Dr. Bölsterli]<br />

eingebrachte Resolution zum begeisterten Beschlusse der<br />

Versammlung erhoben. (…) ‹Die Versammlung protestiert einmütig<br />

gegen den klassenkämpferischen, religions- und staatsgefährlichen<br />

Sozialismus. (...)› Damit endete die denkwürdige<br />

Tagung <strong>im</strong> Lokal der Einsiedler Sozialdemokraten: Mit einem<br />

kläglichen Fiasco der Sozialdemokraten und mit einer wirklich<br />

erhebenden begeisterten Zust<strong>im</strong>mung für das katholisch-konservative<br />

und christlich-soziale Programm.» (EA 22.10.1919,<br />

s.a. SD 25.10.1919).<br />

Die Einsiedler Genossen widersprachen dieser Darstellung<br />

nicht gross, liessen das jedoch nicht auf sich sitzen und<br />

organisierten für den nächsten Freitag eine weitere Volksversammlung,<br />

erneut mit dem Referenten Huggler. Am Morgen<br />

wurden an allen Hausecken Plakate ausgehängt. Als sich die<br />

Bürgerlichen erneut einfanden war der Saal jedoch bereits besetzt.<br />

«Die mehrheitlich sozialistischen Südostbähnler hatten<br />

das ganze verfügbare Mannschaftspersonal von Goldau bis<br />

Pfäffikon und Wädenswil zusammengetrommelt. Dazu gesellten<br />

sich noch Hilfsfähnlein aus den Höfen und der March mit<br />

dem sattsam bekannten Genossen Wolf an der Spitze, und ein<br />

Kontingent Goldauer.» (EA 29.10.1919). Es entspann sich nach<br />

dem Referat eine intensive Diskussion, an der sich nebst dem<br />

Referenten auch P. Othmar Scheiwiller und P. Claudius Hirt,<br />

der christlich-soziale Arbeitersekretär Franz Ulrich und Redaktor<br />

Dr. Bölsterli beteiligten. Der Referent wurde sekundiert von<br />

Genosse Fritz Wolf aus der March. Letzterer sorgte ungewollt<br />

für beissenden Spott, als er das Christentum pries und hierbei<br />

den «gsteinigt Heiland» erwähnte… (EA 29.10.1919).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» kommentierte zufrieden: «Fürwahr,<br />

in unserm <strong>Einsiedeln</strong> da hangen die Trauben dem roten<br />

Fuchs vorderhand und für lange Zeit noch zu hoch!»<br />

Nach dem Achtungserfolg bei den Nationalratswahlen


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

konnte die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> jedoch nicht weniger als<br />

20 neue Mitglieder aufnehmen und man forderte unverblümt<br />

einen Vertreter <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat.<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» äusserte sich die Partei ungeduldig,<br />

dass es höchste Zeit sei, dass Industrie in die Waldstatt<br />

komme, «sonst müssen sogar noch die Mäuse und Ratten<br />

auswandern.» (SD 31.10.1919). Die Partei umwarb <strong>im</strong> Kanton<br />

Schwyz auch ungeniert die Bauern.<br />

Eine Volksrednerin und Arbeiternöte<br />

Am 7. Dezember 1919 fand in der «Hofstatt» eine gut besuchte<br />

Parteiversammlung statt, welche den kommenden Parteitag<br />

der Kantonalpartei am 21. Dezember 1919 in <strong>Einsiedeln</strong> besprach.<br />

Man sprach sich befürwortend für die u.a. traktandierte<br />

Errichtung eines kantonal-schwyzerischen Arbeitersekretariats<br />

aus. Am Parteitag selber kamen noch kantonale<br />

Tagesfragen wie das Einkommenssteuergesetz und die Proporzwahl<br />

der <strong>Bezirk</strong>s- und Gemeindebehörden zur Sprache.<br />

Beschlossen wurde, ersterem zuzust<strong>im</strong>men, wenn die Proporzwahl<br />

gesichert sei. Als Referent fungierte am Parteitag<br />

Nationalrat Jacques Schmid aus Olten.<br />

Im «Schwyzer Demokrat» vom 7. Februar 1920 wurde kritisiert,<br />

dass der Direktor des Benziger-Verlages ein Haus kaufte.<br />

«Die Arbeiterschaft ist nicht auf Rosen gebettet, die schlechten<br />

Zeiten machen sich sehr fühlbar. Wir kennen Arbeiterfamilien,<br />

die gezwungen wurden, Möbel zu verkaufen, um den Lebensunterhalt<br />

der Familie zu fristen.» Zwischen 1914 und 1919<br />

fand eine starke Verteuerung der wichtigsten Konsumartikel<br />

zwischen 131% (Kartoffeln) bis 490% (Eier) statt.<br />

Anlässlich der Parteiversammlung vom 6. März 1920 konnte<br />

ein Zuwachs von weiteren 10 Genossen konstatiert werden.<br />

Traktandiert waren kantonale Sekretariatsfragen (Standort<br />

<strong>Einsiedeln</strong>?), eine Änderung des Wahlverfahrens von <strong>Bezirk</strong>sbeamten,<br />

die revisionsbedürftige Besoldungsverordnung der<br />

<strong>Bezirk</strong>sarbeiter und eine Verbesserung <strong>im</strong> Interesse der auswärts<br />

Arbeitenden. Zum Schluss wurde die Parteileitung in<br />

globo bestätigt.<br />

Auf Samstag, 13. März 1920, lud die Partei die «bestbekannte<br />

Volksrednerin» Annelise Rüegg zu einem öffentlichen<br />

Vortrag in der «Hofstatt» ein. Das Referat lautete: «‹Die eigenen<br />

Erlebnisse in den kriegführenden Staaten› vom arbeitenden<br />

Standpunkt aus». Der ebenfalls anwesende Redaktor des<br />

«Einsiedler Anzeigers» war enttäuscht, denn «ihr Hauptziel<br />

war und blieb von Anfang an eine Lobhymne – eine Verherrlichung<br />

des Bolschewismus, des Kommunismus. (…) Sie nannte<br />

die katholische Kirche die grösste Feindin des Kommunismus,<br />

weil sie die grösste Besitzerin des Staatseigentums (!) war, die<br />

Beschützerin der besitzenden Klassen, des Grosskapitals. (…)<br />

Das wagt man zu bieten einem kerngesunden kath. Volke <strong>im</strong><br />

Wallfahrtsorte <strong>Einsiedeln</strong>! (…) Das was geboten wurde, ist nicht<br />

politische Agitation, sondern Volksvergiftung und Verhetzung!<br />

(…) Es war ein kleines Häuflein, das da zuhörte, 5 Frauen, an<br />

die 20 Eisenbahner und etwa 15 andere neugierige Zuhörer.»<br />

(EA 17.3.1920). Die Arbeiterpartei sprach von 50 Personen<br />

und einem grossen Erfolg. Die Kritik des Redaktors verstand<br />

man nicht, weil man sich ja gegen die III. Internationale ausgesprochen<br />

habe (SD 27.3.1920).<br />

Im Frühjahr 1920 häuften sich die Klagen über die Arbeitslosigkeit<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>. Aufgrund des nach wie vor am Boden<br />

liegenden Exports von Schweizer Fabrikaten ins Ausland hatten<br />

die Unternehmen ihre Personalbestände reduziert. Der<br />

Benziger-Verlag, der früher 800 Mitarbeiter kannte, beschäftigte<br />

noch <strong>100</strong>. Während ledige Arbeiter wegziehen könnten,<br />

sei dies für Familienväter schlecht möglich, so der Einsender<br />

<strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» (SD 20.3.1920). «In ihrer Not verzehren<br />

sie ihren Vorrat in Einsiedler-Gummeln, welch letztere<br />

sie glücklicherweise selbst pflanzen konnten. Der eine mag in<br />

grösster Not mit ‹Stöckausgraben›, der andere mit ‹Turbnen›<br />

etwas verdienen.» Eine grosse Hoffnung sei der Sihlsee und<br />

die Erwartung, dass man in <strong>Einsiedeln</strong> neue Industrie ansiedeln<br />

kann. Im Gespräch war eine neue Seidenfabrik der Firma<br />

Stünze u. Söhne, Horgen, mit 300 Arbeitsplätzen.<br />

Nachdem der Haus- und Grundbesitzer-Verein <strong>Einsiedeln</strong><br />

überdies noch beschlossen hatte, die Mietzinse um 10-30<br />

Prozent zu erhöhen, erging <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» der Appell,<br />

dass sich alle anderen Interessengruppen zu organisieren<br />

wüssten, unabhängig der konfessionellen und politischen<br />

Ausrichtung ihrer Mitglieder, «nur die Arbeiterorganisationen<br />

sollen sich zersplittern in konfessionelle und politische Organisationen,<br />

die gegeneinander von den andern gehetzt und<br />

dadurch gelähmt werden. Arbeitervolk, wann siehst du es endlich<br />

ein, dass nur Einigkeit zum Ziele führt?» (SD 27.3.1920).<br />

Der katholische Arbeiterverein tätigte eine Eingabe an<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat, damit er sich bei der Südostbahn dafür verwende,<br />

dass vom vorgesehenen 60%igen Aufschlag auf die<br />

Arbeiterabonnente Umgang genommen werde. Dies erfolglos,<br />

weshalb er dann die Ausrichtung einer Differenzulage<br />

anregte. Gleichzeitig schlug er zwecks Bekämpfung der Mietund<br />

Wohnungsnot die Schaffung eines Mietamtes vor.<br />

Erster Kantonsrat und Konsolidierung<br />

«Die Sozialisten haben einen Kandidaten auf ihrer Liste und<br />

zwar den Hofstattwirt und sozialistischen Parteipräsident<br />

Bruno Kälin. Bisher hatten sie kein Mandat.» (EA 21.4.1920).<br />

Der katholisch-konservative «Einsiedler Anzeiger» geiferte<br />

über die Listenbezeichnung als «Arbeiterpartei» und rief<br />

dazu auf, unbedingt zu verhindern, dass der katholische<br />

Wallfahrtsort einen Sozialisten in den Kantonsrat entsende<br />

(EA 21.4.1920). «Am 13. März unterschrieben sich die Herren<br />

Genossen ‹Sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong>›, andernorts<br />

segeln sie unter der Flagge ‹Grütlianer›, und heute, wo<br />

es gilt, ihre ‹Machtgelüste› zu befriedigen, nennen sie sich<br />

43


‹Arbeiterpartei›. (…) Für wie dumm halten diese roten Brüder<br />

unser Volk!» (EA 24.4.1920).<br />

In Unteriberg referierte der Einsiedler P. Othmar Scheiwiller:<br />

«In eindringlichen Worten zeichnete er diese als ein Zersetzungsprodukt<br />

des Protestantismus und des wirtschaftlichen<br />

Liberalismus. In erschütternden Worten zeigte er die Zerstörungsarbeit<br />

der Sozialisten in Familie und Gesellschaft, Staat<br />

und Kirche. (…).» (EA 24.4.1920).<br />

Die Arbeiterpartei zog derweil mit «Wir wollen nicht Sklaven<br />

des Mammons sein, sondern den Mammon dem Menschentum<br />

dienstbar machen.» in den Wahlkampf und <strong>im</strong> «Schwyzer<br />

Demokrat» wurde die Hetze der Katholisch-Konservativen mit<br />

dem Bibelspruch gekontert: «Liebet euere Feinde, tut Gutes,<br />

denen die euch hassen.» (EA 24.4.1920, SD 24.4.1920).<br />

Die Kantonsratswahlen vom 25. April 1920 waren für die<br />

Schwyzer Sozialdemokraten ein voller Erfolg. Sie konnten die<br />

Zahl ihrer Mandatsträger auf neun verdreifachen. Zu diesen<br />

zählte auch Bruno Kälin, Schriftsetzer, von der sozialdemokratischen<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>. Die Waldstatt <strong>Einsiedeln</strong><br />

entsandte das erste Mal – neben neun Konservativen und vier<br />

Liberalen – einen Sozialdemokraten nach Schwyz. Er hatte<br />

276 St<strong>im</strong>men geholt. Nach der Konstituierung nahm er Einsitz<br />

in die Prüfungskommission des Rechenschaftsberichtes des<br />

Kantonsgerichts.<br />

Dieser Erfolg beschwingte die Einsiedler Genossen und<br />

man hegte sogar die Hoffnung, dass die konservative Partei<br />

ihrem neu gewählten Kantonsrat gar einen Sitz in der <strong>Bezirk</strong>sbehörde<br />

einräumen würde. Dem war jedoch nicht so.<br />

Währenddessen beherrschte die Frage eines Beitritts der<br />

Schweiz in den Völkerbund die politische Debatte, wie die Propaganda-Postkarten<br />

auf dieser Seite zeigen. Die Katholisch-<br />

Konservativen warben für einen Beitritt, die Sozialdemokraten<br />

waren dagegen. «Man will die Schweiz unter die Herrschaft<br />

der Entente-Imperialisten zwingen, Demokratie und Selbstbest<strong>im</strong>mungsrecht<br />

sollen in Scherben geschlagen werden. Die<br />

Arbeiterschaft wird und muss es best<strong>im</strong>mt ablehnen, für einen<br />

Völkerbund einzustehen, der auf Gewalt aufgebaut, nur das<br />

Recht des Stärkern vertritt und letzten Endes darauf hinaus<br />

geht, den sozialen Aufstieg der untern Volksschichten, des<br />

Proletariats zu hemmen. (…) Lasst euch nicht zum Selbstmord<br />

verleiten. Die kantonale Geschäftsleitung.» (SD 1.5.1920).<br />

Während das Schweizervolk dem Beitritt zust<strong>im</strong>mte,<br />

lehnten der Kanton Schwyz und auch der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

diesen mit über 75% bzw. 70% ab – ganz <strong>im</strong> Sinne der Sozialdemokratischen<br />

Partei, wenngleich wohl aus anderen<br />

Überlegungen.<br />

Am 3. Juli 1920 hielt die Arbeiterpartei in der «Hofstatt» eine<br />

Parteiversammlung ab. «Mitgliedsbüchlein nicht vergessen,<br />

Neueintretende sind herzlich willkommen.» (SD 3.7.1920). Man<br />

gelangte mit einer Eingabe an den Kantonalvorstand, eine kantonale<br />

Genossenschaftsdruckerei mit zwe<strong>im</strong>alwöchentlicher<br />

Zeitungsausgabe zu gründen. Der <strong>Bezirk</strong>srat <strong>Einsiedeln</strong> wurde<br />

eingeladen, «Mittel und Wege zu suchen, dass der arbeitenden<br />

Bevölkerung Gelegenheit geboten wird, <strong>im</strong> Sommer erfrischende<br />

Bäder zu nehmen, was vom hygienischen Standpunkt aus für<br />

den Platz <strong>Einsiedeln</strong> sehr zu begrüssen wäre.» (SD 17.7.1920).<br />

Der <strong>Bezirk</strong>srat anerkannte wohl die Notwendigkeit, konnte die<br />

Frage aber noch nicht endgültig lösen (EA 23.10.1920).<br />

Die Arbeiterpartei kritisierte, dass man es <strong>im</strong>mer noch nicht<br />

geschafft habe, neue Industrie und Arbeitsplätze nach <strong>Einsiedeln</strong><br />

zu bringen. Auch auf den Sihlsee wartete man. «Wie viele<br />

Vertreter des Handwerker- und Gewerbevereins sitzen <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat?»<br />

fragte der «Schwyzer Demokrat» (SD 14.7.1920).<br />

Erfreut stellte man jedoch auch fest, dass der Fremdentourismus<br />

von Jahr zu Jahr zunahm. Der Grund sei wohl auf<br />

den freien Samstag Nachmittag und die bereits an andern Orten<br />

den Arbeitern bezahlten Ferien zurückzuführen, war die<br />

Mutmassung. «Wie lange dauerts wohl noch, dass auch wir<br />

Arbeiter in unserm Hochtale von den christlichen Arbeitgebern<br />

bezahlte Ferien erhalten, aber statt dessen tröstet man uns <strong>im</strong>mer<br />

mit dem bessern Jenseits.» (SD 21.8.1920).<br />

Anlässlich der Parteiversammlung vom 25. September<br />

1920 wurde beschlossen, ein Schreiben an den <strong>Bezirk</strong>srat zu<br />

44


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

richten betreffend den Winterfahrplan der Südostbahn. Demnach<br />

soll der Morgenzug um 6.00 Uhr auch <strong>im</strong> Winter beibehalten<br />

werden. Andernfalls würde den etwa 120 Arbeitern an<br />

den Industrieorten am See Lohnausfälle drohen. Der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

leitete das Gesuch <strong>im</strong> empfehlenden Sinne an den Regierungsrat<br />

und die Direktion der SOB weiter (EA 23.10.1920).<br />

Die Parteiversammlung vom 14. Dezember 1920 befasste<br />

sich erneut mit einem Beitritt zur III. (Kommunistischen) Internationalen.<br />

Nach starker Diskussion votierte man erneut<br />

dagegen. Beschlossen wurde indessen, dass während des<br />

Winters wiederum sog. Agitations-Referate gehalten und eine<br />

Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung und gemütlicher Unterhaltung<br />

abgehalten werden soll. Vom <strong>Bezirk</strong>srat wurde verlangt,<br />

dass dieser für sog. Notstandsarbeiten sorge. Hingewiesen<br />

wurde hierbei auf die schon lange von ihm in Aussicht<br />

genommene Dorfkanalisation sowie die Kanalisation der Alp<br />

<strong>im</strong> Rabennest. Zudem gelangte die Partei mit dem Gesuch an<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat, <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine unentgeltliche Geburtenhilfe<br />

einzuführen (SD 20.11.1920).<br />

In Bezug auf die Beitrittsdiskussion um die III. Internationale<br />

und die damit verbundene Frage der Gewaltanwendung<br />

kommentierte der «Einsiedler Anzeiger»: «Immer mehr gilt für<br />

das Bürgertum das alte Mahnwort aus der Zeit der Väter: ‹Hütet<br />

euch am Morgarten!› Hütet euch vor der Sozialdemokratie!»<br />

(EA 18.12.1920).<br />

Die beschlossene Weihnachtsfeier fand am Silvesterabend<br />

statt. Es nahmen etwa 80 Personen teil. Das Programm war<br />

reichhaltig und gemütlich und mit einem Referat von Kantonsrat<br />

Johann Wattenhofer, Siebnen, verbunden zum Thema<br />

«Friede sei auf Erden, das ist das Ziel der Arbeiterschaft,<br />

des Sozialismus.» Es gab Tänzchen, humoristische Beigaben<br />

nebst Trompeten- und Violinsolo und um punkt 24 Uhr einen<br />

«ellenlangen Schübling» (SD 23.12.1920, SD 8.1.1921).<br />

Mittlerweilen hatte sich die Hoffnung auf Erstellung einer<br />

Seidenfabrik in <strong>Einsiedeln</strong> zerschlagen. Die Partei kommentierte<br />

bissig: «Der in Aussicht gestellte Bauplatz wird jetzt dem<br />

Vernehmen nach ein Institut für Sozialistenfresser und geistig<br />

verarmte ‹Einsiedler-Anzeiger›-Leser werden, unter der Direktion<br />

von Bölsterli.» (SD 5.2.1921).<br />

Am 5. März 1921 fand eine gut besuchte Generalversammlung<br />

der Partei in der «Hofstatt» statt. Wir erfahren hier zum<br />

ersten Mal weitere Namen von Parteileitungsmitgliedern: «Die<br />

Wahlgeschäfte waren bald erledigt. Präsident und Vizepräsident<br />

beliebten die bisherigen, das Aktuariat erhielt eine Verstärkung<br />

durch den Genossen Ed. Kälin, für den amtsmüden<br />

Kassier wurde Genosse Feusi Herm. erkoren, und als Beisitzer<br />

Genosse Kälin Mart. (...)» (SD 12.3.1921). Die Generalversammlung<br />

beschloss weiter, allmonatlich am ersten Samstag<br />

eine Monatsversammlung abzuhalten, das erste Mal am<br />

2. April 1921. An dieser nahm dann der Kantonalpräsident<br />

teil. Bemerkt wurde, dass in <strong>Einsiedeln</strong> nahezu <strong>100</strong> Abonnenten<br />

des «Schwyzer Demokrat» bestünden.<br />

Einen Erfolg konnte die Partei <strong>im</strong> März 1921 feiern, denn der<br />

<strong>Bezirk</strong>srat beschloss auf deren Eingabe, die durch die Erhöhung<br />

der Arbeiterabonnements verursachten Mehrkosten mit<br />

der sog. Differenzzulage zu subventionieren (SD 26.3.1921).<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wies zu dieser Zeit zwischen 80-<strong>100</strong><br />

Arbeitslose auf, vorab aus dem Buchdruckergewerbe.<br />

Im Juni 1921 wurde <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine weitere Partei<br />

aus der Taufe gehoben: Im Hotel «Rigi» gründeten ca. 200<br />

Teilnehmer die «Bauern- und Bürgerpartei» (SD 11.6.1921).<br />

Die sozialdemokratische Kantonalpartei wiederum gründete<br />

<strong>im</strong> selben Monat am Parteitag in Küssnacht zusammen mit<br />

den verbliebenen Grütlivereinen und Gewerkschaften als kantonale<br />

Dachorganisation die «Arbeiterunion» (SD 7.8.1921).<br />

Ein «Skandal» mit Folgen<br />

Doch über der jungen Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> hatten sich in<br />

der Zwischenzeit dunkle Wolken breit gemacht. Im August des<br />

Vorjahres war <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu lesen gewesen:<br />

«Ein unglaublicher Skandal. Schon oft hörte man bittere<br />

Klagen darüber, wie in der sozialistischen Wirtschaft zur ‹Hofstatt›<br />

die nächtliche Ruhe gestört werde, ohne dass irgend ein<br />

Wächter das sehe oder höre. Aus diesem Grunde sahen sich<br />

einzelne Nachbarn zu Klagen be<strong>im</strong> Amte genötigt, das nun die<br />

Sache untersucht. (…) Leider ist es Mitte dieser Woche nicht<br />

mehr bei nächtlicher Ruhestörung allein geblieben, sondern<br />

hat man sich abseite einzelner Gäste in der ‹Hofstatt› Dinge<br />

erlaubt, die in unserer Waldstatt sicher noch nie vorgekommen<br />

sind und welche den flammenden Protest unseres katholischen<br />

Volkes herausfordern. Um ihm die Augen zu öffnen,<br />

bringen wir der Leserschaft folgenden Vorfall zur Kenntnis,<br />

welcher in der vorletzten Nacht passierte.<br />

Nach nicht gerade ruhigem Verhalten in der Wirtschaft<br />

gings ungefähr um halb 1 Uhr von neuem los und zwar aus<br />

einem Gastz<strong>im</strong>mer der ‹Hofstatt› heraus. Da hörten die Nachbarn<br />

einen Gast rufen: ‹Abe mit der liebe Muttergottes!› und<br />

darauf wurde eine Muttergottesstatue auf die Strasse geworfen,<br />

wo sie in mehrere Stücke zerschellte, die noch am nächsten<br />

Morgen von Schulkindern gesehen wurden.<br />

Dies der Tatbestand dieses betrübenden Vorfalles, der<br />

durch das <strong>Bezirk</strong>samt bereits amtlich untersucht und festgenagelt<br />

ist. Der Name des Täters steht fest und wird derselbe einer<br />

ganz exemplarischen Bestrafung sicher nicht entgehen. Das<br />

<strong>Bezirk</strong>samt verdient die Anerkennung und den Dank aller, dass<br />

es so rasch zum Rechten sah. Solche Dinge, solche entsetzliche<br />

Lästerungen unserer lieben Muttergottes lässt sich denn<br />

doch das katholische Einsiedlervolk nicht bieten.<br />

Es ist eine Schande und Schmach, dass in einer hiesigen<br />

Wirtschaft so etwas passieren konnte, eine Schande für das<br />

Haus, in welchem solch traurige Subjekte Herberge finden.<br />

Das katholische Einsiedlervolk protestiert mit flammender Entrüstung<br />

gegen jenen Geist und jene Gesinnung, wie er offen-<br />

45


sichtlich hier sich äussern darf, und wendet sich mit Ekel und<br />

Abscheu ab von einer Geistesrichtung, deren Gesinnungsgenossen<br />

selbst das uns Katholiken Heiligste frech beschmutzen.»<br />

(EA 28.8.1920).<br />

Parteipräsident und Wirt Bruno Kälin sah sich zu einer<br />

Rechtfertigung veranlasst: «Die misslichen wirtschaftlichen<br />

Verhältnisse in <strong>Einsiedeln</strong> und wohl auch die ‹Liebe› politischer<br />

Gegner zwangen mich, meinen Verdienst auswärts zu suchen,<br />

sodass ich die ganze Woche von <strong>Einsiedeln</strong> fort bin. Es lag also<br />

nicht in meiner Macht, irgendwie zur Verhütung dieses Vorfalles<br />

etwas beizutragen. Meine Frau hat den fraglichen Gast in der<br />

Wirtschaft energisch zur Ruhe gemahnt und was sich dann später<br />

<strong>im</strong> Schlafz<strong>im</strong>mer zugetragen hat, wird man einem Wirt oder<br />

Wirtin nicht zumuten können, dass sie bei den Schlafgänger die<br />

ganze Nacht hindurch – Z<strong>im</strong>merwacht – halten müssen. Und<br />

wie der Vorfall geschah, ist der wahre Tatbestand folgender:<br />

Infolge unvorsichtiger Bewegungen stiess genannter Gast an<br />

das kleine Tischchen, auf welchem die Statue stand und die<br />

dann auf den Boden fiel und in etliche Stücke zerbrach. Um die<br />

Scherben nicht in die Füsse eindringen zu lassen, wurden die<br />

Stücke gesammelt und in das Freie geworfen, ohne den lügnerischen<br />

Ausdruck <strong>im</strong> ‹Einsiedler Anzeiger›: ‹Abe mit der liebe<br />

Mueter Gottes!› Dies der wahre Vorgang. Aber nach dem<br />

beliebten Rezept, den politischen Gegner dadurch mundtot zu<br />

machen, dass man ihm jede Existenzmöglichkeit raubt, soll <strong>im</strong>mer<br />

auch gegen mich vorgegangen werden. Im Uebrigen wird<br />

sich dann Jurist Dr. Bölsterli daran erinnern können, dass es<br />

Gesetzesparagraphen gibt, die die Kreditschädigung betreffen.»<br />

(SD 4.9.1920).<br />

Erst über ein Jahr später stand fest, dass die Statue nicht<br />

absichtlich zerbrochen wurde, die Wirtsleute zur Hofstatt kein<br />

Verschulden traf und die erhobenen und verleumderischen<br />

Vorwürfe unbegründet waren. Der «Einsiedler Anzeiger» musste<br />

eine Richtigstellung publizieren (EA 25.5.1921). «Hinter der<br />

ganzen Geschichte steckte natürlich die ‹nächstenliebende›<br />

Absicht, der sozialdemokratischen Arbeiterschaft und ihren<br />

Führern eins ans Bein zu wischen, denn der Zweck (ist gleich<br />

was für einer) heiligt doch das Mittel! Allein Bölsterli hatte diesmal<br />

die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Gutmütigkeit<br />

von Herrn Kantonsrat Bruno Kälin ist es zu verdanken, dass die<br />

ganze Geschichte so gütlich abgemacht werden konnte.» (SD<br />

3.6.1921).<br />

Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Geschichte<br />

dem persönlich betroffenen Parteipräsidenten und<br />

Kantonsrat Bruno Kälin zugesetzt hat. Im September 1921 gab<br />

er seine Abreise aus <strong>Einsiedeln</strong> und seine Wohnsitznahme in<br />

Thalwil bekannt, wo er zusammen mit seiner Frau das Restaurant<br />

«Central» übernahm. Entsprechend demissionierte er<br />

auch als Kantonsrat. Die Wirtschaft zur «Hofstatt» wurde vom<br />

bekannten Musiker Johann Fuchs, «Hudeli-Johann», übernommen<br />

(EA 1.10.1921).<br />

Die Arbeiterpartei kommentierte, dass sie durch diesen<br />

Wegzug «des treuen, unvergesslichen Genossen einen<br />

schweren Verlust» erleide. So sollte es mittelfristig auch kommen.<br />

Das frei gewordene Kantonsratsmandat beanspruchte<br />

sie aber weiterhin für sich (SD 17.9.1921).<br />

Der Nachfolger von Bruno Kälin als Präsident der Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> ist nicht bekannt.<br />

Kantonsrat Daniel Kürzi<br />

Für die Ersatzwahl vom 16. Oktober 1921 portierte die Partei<br />

Daniel Kürzi, SOB-Lokomotivführer. Die Liberalen und Konservativen<br />

verzichteten auf eine Teilnahme und Letztere empfahl<br />

ihren Mitgliedern überdies, an der Wahl gar nicht teilzunehmen.<br />

«In aller Stille, ohne irgendwelche vorhergegangene Agitation<br />

Daniel Franz Kürzi wurde am 9. Juli 1875 in <strong>Einsiedeln</strong> geboren. Seine Eltern waren<br />

Meinrad Adelrich Kürzi (1843-1887) und Josepha Keller (1843-1921).<br />

Nach dem Tod seiner ersten Frau, Aloisia Apollonia Kälin (1882-1906), aus welcher<br />

Sohn Josef (1904-1990) entstammte, heiratete er Berta Seeholzer (1875-1958).<br />

Daniel Kürzi war während 33 <strong>Jahre</strong>n bis zu seiner Pensionierung 1929 Lokomotivführer.<br />

Er wohnte an der Nordstrasse 13 <strong>im</strong> Haus «Bahnblick» (später «Buche»).<br />

Er war der zweite Einsiedler <strong>SP</strong>-Kantonsrat (1921-1924), jahrelang Mitglied der<br />

Armenpflege (1930-1945), Schulrat (1932-1944) und auch Mitglied der Verkehrsund<br />

Industriekommission (1940-1944). «In den <strong>Jahre</strong>n seiner Gesundheit fehlte<br />

Genosse Daniel Kürzi nie am Parteitag der schwyzerischen Arbeiterpartei. Seine<br />

überlegten Worte fanden <strong>im</strong>mer wieder Verständnis. Der stille Kämpfer und Pionier<br />

der Arbeiterbewegung <strong>im</strong> finstern Walde blieb auch bis zu seinem Tode dem<br />

Sozialismus treu. Nie kam er ins Wanken.» (SD 29.3.1945).<br />

Daniel Kürzi war der Cousin des Herausgebers und Redaktors des «Schwyzer<br />

Demokrat», Josef Kürzi-Schnellmann (1888-1946) und der Grossonkel des späteren<br />

liberalen Einsiedler Regierungsrates Marcel Kürzi (1929-2001).<br />

Daniel Kürzi verstarb am 23. März 1945.<br />

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<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

vollzog sich letzten Sonntag in hier die Kantonsratsersatzwahl<br />

und wurde gewählt mit 53 St<strong>im</strong>men Genosse Daniel Kürzi.» (SD<br />

22.10.1921). Pikant ist, dass nur 59 St<strong>im</strong>mende an der Wahl teilgenommen<br />

hatten, was mindestens auf Seiten der bürgerlichen<br />

Jungmannschaft Missfallen erregte (EA 16.11.1921).<br />

Am 16. Oktober 1921 tagte in der «Hofstatt» der schwyzerische<br />

sozialdemokratische Arbeiterbund («Arbeiterunion»),<br />

verabschiedete seine Statuten und nannte sich fortan (auch)<br />

«Schwyzerischer Arbeiterbund».<br />

Etwas für die Waldstatt <strong>Einsiedeln</strong> Unerwartetes geschah<br />

am 14. November 1921. Vor dem Rathaus kam es zu einer<br />

Demonstration einer erheblichen Anzahl Arbeitsloser. Sie verlangten<br />

vom <strong>Bezirk</strong>srat, dass er für ausreichende und auch<br />

recht bezahlte Arbeit besorgt sein solle (SD 19.11.1921).<br />

Am 3. Dezember 1921 fand in der «Hofstatt» die übliche Monatsversammlung<br />

statt. Thema bildete unter anderem das Notstandsbüro<br />

des <strong>Bezirk</strong>s, mit welchem es von Tag zu Tag mehr<br />

Schwierigkeiten gebe (SD 3./24.12.1921).<br />

Erste Erfolge und ein Staatsschutzgesetz<br />

Im Februar 1922 zeigte sich in <strong>Einsiedeln</strong> weiterhin ein wirtschaftlich<br />

trostloses Bild. Mit den Notstandsarbeiten war<br />

wieder Schluss und es musste den meisten Arbeitslosen<br />

Barunterstützung geleistet werden. Dank der günstigen Witterungsverhältnisse<br />

vermochten <strong>im</strong>merhin die Fuhrleute viel<br />

Holz ab den Lagerstätten zu führen. Thema bildete natürlich<br />

wiederum der Sihlsee und die Frage, wann dieser komme (SD<br />

18.2.1922). «Die allgemeine wirtschaftliche Krisis, der flaue<br />

Geschäftsgang in den hiesigen graphischen Gewerben, der<br />

Rückgang der Holz- und Torfindustrie, die Abnahme des Fremden-<br />

und Pilgerverkehrs und der Ueberfluss an Arbeitskräften<br />

bei der Bauernsame haben speziell in unserem <strong>Bezirk</strong> einen<br />

also beängstigenden Grad der Verdienstlosigkeit herbeigeführt.»<br />

(EA 18.2.1922). Angeregt wurden von den Einsiedler<br />

Arbeiter- und Berufsverbänden darum weitere Notstandsarbeiten:<br />

Korrektion der unteren Alp, Kanalisation des Dorfbaches,<br />

Erweiterung der Schwanenstrasse, Verbesserung der<br />

Ochsnerstrasse, Friedhoferweiterung und Errichtung einer<br />

Badanstalt.<br />

Scharmützel ergaben sich mit dem christlich-sozialen Arbeitersekretariat<br />

über die Frage, wer für die Arbeitslosen was<br />

für «praktische Arbeit» leiste. «Was will die Sozialdemokratie?<br />

Die Sozialdemokratie will einen Zustand schaffen, bei dem<br />

jeder Mensch, der etwas Nützliches, sei es in geistiger oder<br />

körperlicher Hinsicht, leistet, eine anständige Existenz findet,<br />

sich seines Daseins freuen und ohne Sorgen in die Zukunft<br />

blicken kann. (...) Die Sozialdemokratie will nicht, wie die Gegner<br />

so naiv behaupten, den Wohlstand der Andern zerreissen<br />

und teilen, oder den Glauben aus den Herzen reissen. Ein jeder<br />

soll selig werden nach seiner Fasson, jeder kann glauben,<br />

was er für gut und recht findet. Die Sozialdemokratie verlangt<br />

volle Gleichberechtigung. Die Produktionserzeugnisse und die<br />

Produktionsmittel sollen Allgemeingut werden. Alle sollen Anteil<br />

an dem haben, was die Menschheit erzeugt und die Erde<br />

hervorbringt. Das ist unser Ziel! Das will die Sozialdemokratie!»<br />

(SD 25.2.1922).<br />

Im März 1922 beschwerte sich die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

dass sie bei der Eingabe des christlich-sozialen Arbeitersekratariates<br />

an den Schwyzer Regierungsrat von diesem<br />

übergangen wurde. Das eidgenössische Arbeitsamt wies zudem<br />

eine Beschwerde der Partei betreffend Arbeitslosenunterstützung<br />

ab (EA 8./11.3.1922).<br />

Erfolg hatte die Partei hingegen mit ihrem Einsatz gegen<br />

den an der <strong>Bezirk</strong>sgemeinde <strong>im</strong> März 1922 erhobenen Antrag<br />

auf Abschaffung der Abgabe unentgeltlicher Lehrmittel. Dieser<br />

scheiterte mit grossem Mehr (SD 11.3.1922).<br />

Am 28. März 1922 hielt die Arbeiterpartei in der «Hofstatt»<br />

eine Volksversammlung ab, die aber sehr schwach besucht<br />

war. Referiert wurde über die «Lex Häberlein», gegen welche<br />

Unterschriften für ein Referendum gesammelt wurde (EA<br />

1.4.1922). Diese Gesetzesvorlage, benannt nach dem Urheber,<br />

Bundesrat Heinrich Häberlin, hatte zum Ziel, die Staatsschutzbest<strong>im</strong>mungen<br />

des Bundesrechts zu verschärfen, und<br />

richtete sich klar gegen sozialistische und kommunistische<br />

Gruppierungen. Diesen gab man die Schuld an den seit 1918<br />

vermehrt auftretenden Streiks und Strassenunruhen. Befürchtet<br />

wurde auch eine propagandistische Unterwanderung der<br />

Armee und anderer staatlicher Behörden.<br />

An den Maiwahlen 1922 beteiligte sich die Partei nicht.<br />

Diese endeten mit einem Sieg der konservativen Partei und<br />

einer Niederlage der Liberalen. Der Wahlkampf sei sehr leidenschaftlich<br />

geführt worden: mit Flugblättern, Wahlplakaten<br />

und Extraausgaben von Wahlzeitungen (SD 13.5.1922). Die<br />

Konservativen hatten den Christlichsozialen einen zweiten<br />

«Arbeitervertreter» <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat zugestanden (EA 6.5.1922).<br />

Die «Lex Häberlein», gegen welche das Referendum zustande<br />

gekommen war, beschäftigte die Einsiedler Sozialdemokraten<br />

erneut an ihrer Monatsversammlung vom 5. August<br />

1922. Traktandiert war auch die Revision des Art. 41 des Fabrikgesetzes,<br />

welche dem Bund die Möglichkeit geben wollte,<br />

die wöchentliche Arbeitszeit bis auf 54 Stunden zu verlängern.<br />

Der Besuch auch dieser Versammlung war schwach. «Das<br />

konnte aber unseren bewährten Referenten Sekretär Heinzer<br />

nicht bewegen, sein wohldurchdachtes und stark gewürztes<br />

Referat nicht abzuhalten. Er hat damit seine Aufgabe, uns den<br />

proletarischen Geist wieder aufzuwecken und aufzufrischen,<br />

vollauf erfüllt. Das Referat wäre etwas für unsere saumseligen<br />

Mitglieder gewesen.» (SD 12.8.1922). Die Konservativen<br />

sprachen nicht von der «Lex Häberlein», sondern vom Umsturzgesetz.<br />

Für eine Annahme desselben setzte sich in der<br />

öffentlichen Volksversammlung in <strong>Einsiedeln</strong> unter anderem<br />

Ständerat Martin Ochsner ein.<br />

Im Herbst stieg die Zahl der Arbeitslosen in <strong>Einsiedeln</strong> bis<br />

47


gegen 200. Der <strong>Bezirk</strong>srat beschloss angesichts der trüben<br />

Arbeitsaussichten <strong>im</strong> Winter Vorbereitungen für neue Notstandsprojetkte<br />

zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten.<br />

Auch die am 16. September 1922 von der Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> in der «Hofstatt» abgehaltene öffentliche Versammlung<br />

widmete sich erneut dem Kampf gegen die «Lex Häberlein»,<br />

«das jede freie Meinungsäusserung und besonders<br />

auch die Pressefreiheit knebelnde Zuchthausgesetz.» (SD<br />

16.9.1922). Es referierte erneut Arbeitersekretär Josef Heinzer<br />

aus Goldau.<br />

Die «Lex Häberlein» bzw. das Umsturzgesetz wurde vom<br />

Schweizervolk am 24. September 1922 – etwas überraschend<br />

– deutlich verworfen. Offenbar wünschte sich dieses keine polizeistaatlichen<br />

Methoden zur Lösung der gesellschaftlichen<br />

Konflikte. Im Kanton Schwyz und <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wurde<br />

es jedoch mit 5‘163 Ja : 4‘899 Nein bzw. 805 Ja : 533 Nein<br />

angenommen.<br />

Nationalratswahlen und<br />

Vermögenssteuerinitiative<br />

«Wir glauben kaum, dass das Schwyzervolk für einen ‹roten›<br />

Nationalrat zu haben sein wird, Immerhin dürfen die bürgerlichen<br />

Wähler nicht hinterm Ofen bleiben.», meinte der «Einsiedler<br />

Anzeiger» am 21. Oktober 1922 mit Blick auf die<br />

anstehenden Nationalratswahlen und den von den Sozialdemokraten<br />

als Kandidaten portierten Johann Wattenhofer, alt<br />

<strong>Bezirk</strong>sammann, und Josef Heinzer, Arbeiter-Sekretär.<br />

Aus <strong>Einsiedeln</strong> war <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» zu lesen: «Mit<br />

Genugtuung hat man auch hier in <strong>Einsiedeln</strong> die Kunde von der<br />

Aufstellung eines Arbeiterkandidaten für den Nationalrat vernommen.<br />

Es gibt auch hier Leute, die einem wirklichen Arbeiterkandidaten<br />

sympatisch gegenüber stehen. Und hauptsächlich<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz ist es wirklich sehr notwendig, wenn sich<br />

die Arbeiterschaft zu regen beginnt. (…) In keinem Fall dürften<br />

wir uns von irgend einer Seite das Gruseln einjagen lassen, wie<br />

dies bereits in unserm Einsiedler Systemblatt, dem konservativen<br />

‹Eins.-Anz.› geschieht. (…) Einsiedler Arbeiter, Handwerker<br />

und Kleinbauern steht zusammen, seid einig und lasst euch<br />

vom ‹Anzeiger› nicht verhetzen; wir sind uns zwar der Hetzerei<br />

dieses Blattes gewohnt und machen nicht mehr viel daraus, darum<br />

alles von uns an die Urnen, in den Vierteln, wie <strong>im</strong> Dorf.»<br />

(SD 28.10.1922). In der selben Ausgabe erschien dann auch<br />

folgender «Wahlspruch»:<br />

«Arbeitsmann, denk‘ an die Tagen<br />

Unsrer weisen Magistraten,<br />

Wenn du wählst; - vor allen Dingen<br />

St<strong>im</strong>me nicht den Häberlingen,<br />

keinem Geldsack-Advokaten,<br />

Säbelrassler und Magnaten,<br />

keinem Geldsackpatrioten;<br />

Schwarz und gelben Idioten.<br />

Wähle keinen Grossviehhändler,<br />

Schieber und verwandte Gängler,<br />

Räuber des Achtstundentages,<br />

Abt und Leute seines Schlages,<br />

keine Lohnabbau-Doktoren;<br />

Die dir blank das Fell geschoren.<br />

Wenn du wirst zur Urne schreiten,<br />

Lass dich von der Wahrheit leiten:<br />

«Nur die allergrössten Kälber<br />

Wählen ihre Metzger selber!»<br />

Die Wahlaufrufe fruchteten indessen noch nicht. «Ein Aufatmen<br />

geht durch die bürgerlichen Kreise. Wie schon vor drei<br />

<strong>Jahre</strong>n ist der sozialdemokratische Ansturm auch diesmal abgeschlagen<br />

worden und die bürgerliche Liste auf der ganzen<br />

Linie siegreich geblieben.» (EA 1.11.1922). Die Konservativen<br />

vereinigten <strong>im</strong> Kanton 18‘366 St<strong>im</strong>men auf ihre Kandidaten,<br />

die Liberalen 9‘566 und die Arbeiterpartei 7’933. In <strong>Einsiedeln</strong><br />

gingen 455 St<strong>im</strong>men für letztere ein.<br />

Die Nationalratswahlen standen, wenigstens <strong>im</strong> Kanton<br />

Schwyz, unter den Vorzeichen des am 3. Dezember 1922<br />

in der Schweiz zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden sozialdemokratischen<br />

Initiativbegehrens betreffend Vermögensabgabe.<br />

«Lappi tue d‘Auge uf hast du gleichzeitig geschrieben. Sie haben<br />

die Augen offen behalten die zirka 11‘500 bürgerlichen<br />

Wähler und gesehen, was der Sozialismus und Du, ‹Schwyzer<br />

Demokrat› für einen Gaunerschlag auf den 3. Dezember ausgebrütet<br />

haben.» (EA 4.11.1922).<br />

Auch die Arbeiterpartei befasste sich an ihrer Monatsversammlung<br />

v. 2. Dezember 1922 in der «Hofstatt» mit dieser<br />

Vorlage. Die Parolenfassung ist nicht bekannt, dürfte aber<br />

klar auf Annahme gelautet haben. Die bürgerlichen Parteien<br />

liefen Sturm gegen diese – wie sie sie nannten – «sozialistische<br />

Raubinitiative», welche eine einmalige Vermögens-<br />

48


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

abgabe vorsah, aber als Expropriation betrachtet wurde.<br />

Argumentiert wurde auch, dass diese hauptsächlich die<br />

Korporationen <strong>im</strong> Kanton treffe. Der Schwyzer Kantonsrat<br />

hat an seiner Sitzung sogar unter Namensaufruf eine ablehnende<br />

Abst<strong>im</strong>mungsparole herausgegeben. Die sozialdemokratischen<br />

Kantonsräte hatten sich unter Protest ihrer<br />

St<strong>im</strong>me enthalten (EA 2.12.1922). Das Abst<strong>im</strong>mungsresultat<br />

war für die Sozialdemokraten niederschmetternd (730‘584<br />

Nein : 109‘484 Ja).<br />

Das Warten auf das Etzelwerk und die<br />

Zollinitiative<br />

Schon <strong>im</strong> Oktober 1919 äusserten die Einsiedler Sozialdemokraten<br />

<strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat», dass man mit Sehnsucht auf<br />

den schon längst projektierten Sihlsee warte, der Arbeit in die<br />

Waldstatt bringen soll (SD 11.10.1919).<br />

Es sollten aber noch einmal drei <strong>Jahre</strong> ins Land ziehen,<br />

bis wieder Bewegung in die Angelegenheit kam. «Schon lange<br />

hat unser Systemblatt [der «Einsiedler Anzeiger»] gegen<br />

diesen geplanten Sihlsee gepoltert, was das Zeug hielt. Fortschritt<br />

kennt diese Richtung bekanntlich ja nicht. Aber müssen<br />

wir Einsiedler Geschäftsleute und Arbeiter denn <strong>im</strong>mer auf das<br />

Gekläffe dieses Klosterblattes hören? Mit der Konzessionierung<br />

des Sihlsees bringen wir Arbeitern, Geschäftsleuten und<br />

Bauern den so willkommenen Verdienst ins Land! Noch <strong>im</strong>mer<br />

haben wir hier noch eine grosse Zahl Arbeitslose; diese wollen<br />

statt magere Unterstützung lieber Arbeit, die mit dem Sihlsee<br />

in reichlichem Masse geboten wird!» (SD 18.11.1922).<br />

Im Dezember 1922 tagte zwar wieder einmal die Etzelwerkkommission,<br />

doch ging die Angelegenheit weiterhin «nid ab<br />

Tätsch». Der sozialdemokratische «Schwyzer Demokrat» fand<br />

erneut deutliche Worte: «Den nicht mehr nüchtern Denken könnenden<br />

und fanatisch gewordenen gewissen konservativen<br />

Politikern gibt die nun ins akute Stadium getretene Sihlseefrage<br />

je länger je mehr auf die Nerven. Am liebsten würden sie,<br />

alle, ‹die Auchfortschrittler›, dieses Werk zum Kuckuck wünschen.<br />

Was fragen sie der allgemeinen Wirtschaftskrisis, dem<br />

Tiefstand der Wallfahrt und der damit verbundenen Schwächung<br />

unserer Hauptindustrie und der stets zunehmenden Arbeitslosigkeit<br />

nach, trotzdem ganz sicher voraus zu sehen ist,<br />

dass es noch <strong>Jahre</strong> braucht, bis sich die hiesige Gebetbüchli-<br />

Industrie und die Wallfahrt wieder hebt! (…) Wer am meisten<br />

gegen den Sihlsee sperrt, das ist heute ein altes Gehe<strong>im</strong>nis,<br />

es sind gewisse konservative Angstpolitiker, die wegen einem<br />

‹Sesseli› alles zusammenlegen um das grossartig projektierte<br />

Werk zu verhindern. Dann ist‘s natürlich auch das Kloster, das<br />

sperrt und an seine alten ‹historischen› Rechte erinnert! (…)<br />

Wenn einer für den Sihlsee schreibt, dann wird bei ihm die<br />

politische Farbe angeschaut und je nach dem in der konservativen<br />

Presse kritisiert. (…) Die Konzessionsgemeinde naht nun,<br />

und da kommt den Schlaumeiern plötzlich der demokratische<br />

Gedanke in den Sinn, diese Schicksalsfrage <strong>Einsiedeln</strong>s nicht<br />

unter dem Einflusse augenblicklicher St<strong>im</strong>mungsmache durch<br />

die öffentliche Gemeinde, sondern in gehe<strong>im</strong>er Abst<strong>im</strong>mung<br />

beantworten zu lassen.» (SD 5.1.1923).<br />

49


Im Frühjahr 1923 war die Arbeitslosigkeit auch wieder <strong>im</strong> Steigen<br />

begriffen. «Die Zukunft stellt ein betrübendes Bild dar für<br />

den Arbeiter. Es werden Notstandsarbeiten durchgeführt, was<br />

zu begrüssen ist. Der Lohn, der aber bezahlt wird, steht nicht in<br />

Einklang der Lebensmittelpreise.» (SD 17.3.1923).<br />

Die Arbeiterpartei hielt am 13. Januar 1923 ihre letzte bekannte<br />

Generalversammlung in der «Hofstatt» ab. Deren Beschlüsse<br />

sind nicht bekannt. Am 25. Februar 1923 fand am<br />

selben Ort auch der ordentliche Parteitag der Kantonalpartei<br />

unter dem Vorsitz von Präsident Wüest, Steinen, statt. Diskutiert<br />

wurde über einen weiteren Ausbau des «Schwyzer Demokrat»<br />

und ein einheitliches Vorgehen in Abst<strong>im</strong>mungs- und<br />

Wahlzeiten. Angeregt wurde auch die Schaffung eines kantonalen<br />

Automobilgesetzes. Die Sektionen wurden zudem<br />

aufgerufen für die am 15. April 1923 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangende<br />

Zollinitiative Propaganda zu machen. «Wir wollen keine<br />

künstliche Hochhaltung der Preise für Lebensmittel, Kleider,<br />

Schuhe und andere notwendigen Gebrauchsartikel. Darum<br />

st<strong>im</strong>men wir am Sonntag für die Zoll-Initiative. Wir st<strong>im</strong>men Ja!»<br />

(SD 14.4.1923). Demgegenüber polterte der «Einsiedler Anzeiger»:<br />

«Mitbürger! Durch die Zollinitiative will die Sozialdemo-<br />

50<br />

kratie dem Bunde siebzig Millionen Franken jährliche Einnahmen<br />

rauben und so die Eidgenossenschaft finanziell ruinieren.<br />

Gleichzeitig sollen Industrie, Gewerbe, Handwerk und namentlich<br />

die Landwirtschaft der Schleuderkonkurrenz des Auslandes<br />

schutzlos preisgegeben werden. Selbst der Abschluss<br />

guter Handelsverträge für unsere Ausfuhr würde unmöglich.<br />

(…) Verhütet ein grosses Landesunglück!» (EA 11.4.1923).<br />

Auch diese sozialdemokratische Vorlage wurde vom<br />

Schweizervolk deutlich verworfen (in <strong>Einsiedeln</strong> 962 Nein:<br />

116 Ja). «Die schweizerische Sozialdemokratie hat infolge der<br />

vielen Schlappen, die sie in der letzten Zeit erlitten hat, viel<br />

von ihrem früheren Selbstbewusstsein eingebüsst.» meinte danach<br />

der «Einsiedler Anzeiger» am 9. Mai 1923. Tatsächlich<br />

wurde es in <strong>Einsiedeln</strong> während der nächsten Jahr still um die<br />

Partei.<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> stand weiterhin die Sihlseefrage und die Ansiedlung<br />

von Industrie in der öffentlichen Diskussion. Auch die<br />

Liberalen, allen voran Oberst Karl Gyr (1874-1930), votierten<br />

nebst den Sozialdemokraten mit Vehemenz und aus Überzeugung<br />

für die Erstellung des Etzelwerks. Die gewohnten Pilger,<br />

vorab aus Deutschland und Österreich, blieben nach dem<br />

Krieg nämlich weiterhin<br />

aus und ein Sihlsee<br />

könnte der Krise Abhilfe<br />

schaffen und Verdienst<br />

bringen.<br />

Die Industrie kam<br />

nicht und die Wallfahrt<br />

begann <strong>im</strong> Jahr 1924<br />

nurmehr zögerlich. «Skifahren<br />

ist jetzt Trumpf.<br />

Wenn die Wallfahrerei<br />

nicht zieht, dann kommt<br />

der Sport an die Reihe.»<br />

(SD 5.1.1924). <strong>Einsiedeln</strong><br />

schickte sich an zum<br />

Wintersportort zu werden,<br />

was natürlich einen<br />

willkommenen Ersatzverdienst<br />

in die Waldstatt<br />

brachte. Andere<br />

widmeten sich dem<br />

«Ysne», der Eisbeute,<br />

auf dem Langrüti- und<br />

Trachslauer- Weiher.<br />

«‹Familienglück ist Volkes Glück› – St<strong>im</strong>mt NEIN am 17. Februar», am 15. Februar 1924 gelaufene<br />

Werbe-Postkarte zur Abst<strong>im</strong>mung.<br />

Wirtschaftliche Vorteile<br />

erhoffte man sich<br />

auch mit der Wiederaufnahme<br />

der Aufführung<br />

geistlicher Spiele<br />

(Calderon’s «Das Grosse<br />

Welttheater»).


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Politisch von Bedeutung war 1924 die Volksabst<strong>im</strong>mung über<br />

die Revision von Art. 41 des Fabrikgesetzes vom 17. Februar,<br />

welche eine Arbeitszeitverlängerung vorsah. «Verflossene Woche<br />

sind von sozialistischer Seite <strong>im</strong> Dorf und auf den Vierteln<br />

Flugschriften verteilt worden, die mit scharfen Sätzen zur Verwerfung<br />

des diesen Monat zur Abst<strong>im</strong>mung kommenden Gesetzesentwurfes<br />

agitieren!» (EA 9.2.1924). Die Vorlage wurde<br />

schweizweit, <strong>im</strong> Kanton Schwyz und sogar in <strong>Einsiedeln</strong> abgelehnt.<br />

Während der «Schwyzer Demokrat» von einem «weithin<br />

sichtbaren Gedenkstein in der Geschichte der schwyzerischen<br />

Arbeiterbewegung» sprach (SD 22.2.1924), kommentierte der<br />

«Einsiedler Anzeiger»: «Es ist dies ein Resultat, das man von<br />

<strong>Einsiedeln</strong> nicht erwartet hätte.»<br />

Verlust des Kantonsratsmandats, die Initiative<br />

Rothenberger und ein roter Nationalrat<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» äusserte sich am 19. April 1924 zu<br />

den anstehenden Kantonsratswahlen: «Die derzeitigen wirtschaftlichen<br />

Verhältnisse der Waldstatt verlangen, dass dem<br />

Volke die Aufregung eines Wahlkampfes und dessen Folgen<br />

erspart bleiben. In diesem Bestreben haben sich die drei<br />

bürgerlichen Parteien für die kommenden Wahlen auf einen<br />

Kompromiss geeinigt, der anderseits auch der sozialdemokratischen<br />

Arbeiterpartei den bisher innegehabten Sitz <strong>im</strong><br />

Kantonsrat nicht streitig macht.»<br />

Um so überraschter waren die drei bürgerlichen Parteien,<br />

als innert Frist auf dem Wahlbüro der <strong>Bezirk</strong>skanzlei kein<br />

Vertreter der sozialdemokratischen Partei erschien, und somit<br />

auch keine Liste eingereicht wurde. Aus späteren Aufzeichnungen<br />

muss geschlossen werden, dass die Partei den<br />

Termin «vergessen» hatte! Der 14. Kantonsratssitz wurde in<br />

der Folge der konservativen Volkspartei zugeschanzt. Der<br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> entsandte damit neun Konservative, die<br />

Bauern- und Bürgerpartei drei und die liberale Partei zwei<br />

Vertreter nach Schwyz.<br />

Dieser kampflose, selbstverschuldete Verlust des Kantonsratsmandates<br />

war der zweite Tiefschlag nach dem Wegzug<br />

des Gründungspräsidenten. Aufgrund jeglicher weiterer<br />

Informationen muss davon ausgegangen werden, dass die<br />

Partei ihre Aktivitäten in der Folge weitgehend einstellte.<br />

Dies hinderte den «Einsiedler Anzeiger» jedoch nicht, weiterhin<br />

gegen die verhassten Sozialisten zu wettern. P. Cölestin<br />

Muff kam in seinem Beitrag «Der Sozialist» zu Wort und<br />

äusserte darin: «Wer ein Christ ist, der ist kein Sozialist und<br />

wer Sozialist geworden, der kann nicht mehr Christ sein.» (EA<br />

4.6.1924). Im November brachte die Zeitung selber ihre Haltung<br />

auf den Punkt: «Was uns vom Sozialismus trennt, das ist<br />

der Klassenhass und der Klassenkampf. Die Klassenkampftheorie<br />

des Sozialismus öffnet eine Kluft zwischen uns und<br />

den Sozialisten, die niemals überbrückt werden kann. Die Kirche<br />

kennt keinen Klassenkampf, sondern nur ein Evangelium<br />

der Liebe: nicht Hass, sondern Versöhnung, nicht Klassenhass,<br />

sondern Klassenversöhnung.» (EA 19.11.1924).<br />

Am 24. Mai 1925 gelangte die sog. «Initiative Rothenberger»<br />

zur Abst<strong>im</strong>mung, benannt nach ihrem Urheber, dem<br />

freisinnigen Nationalrat Christian Rothenberger. Sie hatte<br />

zum Ziel, auf dem Wege der Gesetzgebung die Invaliditäts-,<br />

die Alters- und die Hinterlassenenversicherung einzuführen.<br />

Die Sozialdemokraten unterstützten diese Vorlage natürlich,<br />

währenddem sie von den Konservativen bekämpft wurde. An<br />

der Volksversammlung in <strong>Einsiedeln</strong> votierte Nationalrat Vital<br />

Schwander entschieden für eine Ablehnung: «Sie würde<br />

die gegenwärtige vorübergehende Kriegssteuer auf fast unabsehbare<br />

Zeit verlängern, sie müsste die Kantone und Gemeinden<br />

neu belasten und der ohnehin mit Steuern reich gesegneten<br />

Bevölkerung neue drückende Steuern aufbürden.»<br />

Die Initiative erlitt an der Urne eine deutliche Niederlage und<br />

wurde in <strong>Einsiedeln</strong> mit 912 Nein- zu bloss 194 Ja-St<strong>im</strong>men<br />

abgeschmettert.<br />

Im Herbst desselben <strong>Jahre</strong>s standen wiederum Nationalratswahlen<br />

an. «Wenn man sich an das erinnert, was die Sozialisten<br />

anlässlich der letzten Nationalratswahlen an Wahlvorbereitung<br />

und Agitation für ihre Kandidaten geleistet haben,<br />

so weiss man sofort, dass es auch diesmal heiss auf heiss<br />

gehen wird. Die Sozialisten werden alle Hebel in Bewegung<br />

setzen, um das seit <strong>Jahre</strong>n mit aller Hartnäckigkeit verfolgte<br />

Ziel eines roten Nationalratsmandates diesmal zu erreichen.»<br />

meinte der «Einsiedler Anzeiger» am 7. Oktober 1925.<br />

Die Schwyzer «Arbeiter-Union» portierte zum vierten Male<br />

Johann Wattenhofer, Siebnen, als Nationalratskandidaten<br />

und Arbeitsekretär Josef Heinzer als Ersatzkandidaten.<br />

«Mit dem Herannahen der Wahlen vom 25. Oktober wird<br />

die sozialistische Hetze <strong>im</strong>mer intensiver. Schon seit Monaten<br />

hat die rote Presse mobilisiert und ihre Leserschaft mit<br />

Schlagwörtern und Phrasen überfüttert. (…) Aber die Dummheit<br />

stirbt nicht aus, und das ist es was den Sozialismus am<br />

Leben erhält.» (EA 17./21.10. und 21.10.1925). «Wenn du Grütz<br />

<strong>im</strong> Kopf, Mark in den Knochen und ein Herz <strong>im</strong> Leibe hast,<br />

wirst Du keinen Sozialisten nach Bern schicken, sondern ins<br />

Pfefferland.» (EA 21.10.1925).<br />

Es kam anders. Die Schwyzer Sozialdemokraten waren<br />

auf Augenhöhe mit den Liberalen und errangen mit Johann<br />

Wattenhofer, Siebnen, zu Lasten der Konservativen das erste<br />

Nationalratsmandat <strong>im</strong> Kanton Schwyz. Im <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

betrug der Wähleranteil der sozialdemokratischen Liste<br />

14.5%. Nach den Wahlen konnte man noch einmal von der<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> lesen. Im Hinblick auf die kommenden<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen wurde <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» gemahnt,<br />

dass die liberale «Neue Einsiedler Zeitung», die bislang als<br />

loyal wahrgenommen wurde, von ihrer Hetzerei, wie sie diese<br />

während der Nationalratswahlen betrieben hatte, ablasse.<br />

«Will die liberale Partei die Mithilfe der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>s,<br />

dann wird sie ihre Hefte wohl oder übel wieder revidie-<br />

51


en müssen. Dies nur zum guten Rat!» (SD 30.10.1925).<br />

Im Dezember 1925 nahmen Volk und Stände den Verfassungsartikel<br />

betreffend Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung<br />

an. Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> hatte auch diese<br />

Vorlage mit 715 Nein gegen 634 Ja abgelehnt.<br />

Das Etzelwerk kommt!<br />

In wirtschaftlicher Sicht ruhten die Hoffnungen und Erwartungen<br />

der Einsiedler weiterhin auf dem Etzelwerk. 1925 fingen<br />

die Schweizerischen Bundesbahnen mit Landkäufen <strong>im</strong><br />

Die «Konzessionsgemeinde» vom 28. November 1926 wird mit einem Gebet eröffnet.<br />

Sihlseegebiet an und fanden Konferenzen mit dem <strong>Bezirk</strong>srat<br />

<strong>Einsiedeln</strong> bezüglich der Verwirklichung des Werkes statt.<br />

Am 26. August 1925 tagte eine erweiterte Etzelwerkkommission<br />

und beriet über einen Zusatzvertrag zum Konzessionsvertrag.<br />

Der <strong>Bezirk</strong>srat suchte damit Zusicherungen zu erhalten.<br />

Dieser kam noch <strong>im</strong> selben Jahr zustande.<br />

Eine gewaltige Aufgabe bestand in der Um- bzw. Neuansiedlung<br />

sowie der Entschädigung der von ihrem Land Vertriebenen.<br />

Über die Hälfte des benötigten Landes befand sich in<br />

privaten Händen. 356 He<strong>im</strong>wesen mit einer Bevölkerung von<br />

1‘762 Personen waren durch das Stauwerk betroffen.<br />

Nachdem die Verhandlungen über das Etzelwerk nun ihrem<br />

Abschlusse zugingen stieg die Spannung. «Während die<br />

Bürger des Dorfes <strong>Einsiedeln</strong> und einiger <strong>im</strong> Sihlseegebiet<br />

liegenden Dörfer für den See St<strong>im</strong>mung machen, (…) wirken<br />

die Bewohner der südwärts liegenden Dörfer gegen den Bau<br />

des Etzelwerkes.» (SD 19.2.1926). Der konservativen Redaktion<br />

des «Einsiedler Anzeigers» wurde weiterhin vorgehalten<br />

gegen das Projekt eingestellt zu sein, obwohl sie «die St<strong>im</strong>mung<br />

unter der Arbeiterschaft, unter dem Handwerker- und<br />

Gewerbestand, und selbst einer Reihe von Landwirten, die<br />

nur wünschen, dass das Werk zustande kommen, [merke].»<br />

(SD 26.2.1926).<br />

Im Oktober 1926 st<strong>im</strong>mte der <strong>Bezirk</strong>srat mit zehn gegen<br />

vier St<strong>im</strong>men dem<br />

Zusatz- und Strassenvertrag<br />

sowie<br />

dem Kraftlieferungsvertrag<br />

mit den<br />

S c hweizerischen<br />

Bundesbahnen zu<br />

(SD 29.10.1926).<br />

Am 14. November<br />

1926 fand eine<br />

orientierende öffentliche<br />

Volksversammlung<br />

statt, welche<br />

von etwa 900 Bürgern<br />

besucht war.<br />

Am 28. November<br />

1926 war dann die<br />

sog. «Konzessionsgemeinde»<br />

betreffend<br />

das Etzelwerk.<br />

Zirka 1‘700 Bürger<br />

nahmen an dieser<br />

teil, was fast 80%<br />

der St<strong>im</strong>mberechtigten<br />

entsprach.<br />

Die Abst<strong>im</strong>mung <strong>im</strong><br />

52<br />

Handmehr ergab<br />

eine Mehrheit für<br />

Annahme der Konzession. «Die mit grosser Spannung erwartete<br />

<strong>Bezirk</strong>sgemeinde hat den Verlauf genommen, der seit einiger<br />

Zeit vorauszusehen war.» (EA 1.12.1926).<br />

In die selbe Zeit fiel auch die politische Diskussion um<br />

das «Schundkino». Es ging um den Schutz der Jugend vor<br />

dem Einfluss schlechter Filme und die Frage der kantonalen<br />

Zensur. Der «Einsiedler Anzeiger» schrieb: «Die Meinungen<br />

gingen in allen Parteien auseinander, nur die Sozialisten waren<br />

einig, das Kino zu ‹verteidigen› und möglichste Freiheit<br />

walten zu lassen. Der Pferdefuss schaute deutlich hervor: das<br />

Kino dient den sozialistischen Zielen, es gibt den Gelüsten der<br />

unbändigen Jugend nach, es verbreitet – wie ein Kommunist<br />

feststellte – gerne revolutionäre Ideen und dient der weitern


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Vom 20.-23. August 1927 fand in <strong>Einsiedeln</strong> auch der I. Eucharistische Kongress statt. Die Aufnahme zeigt den Empfang<br />

des Nuntius.<br />

Schwächung von Autorität und Selbstdisziplin. Der sozialistische<br />

Standpunkt war klar.» (EA 13.10.1926).<br />

An der Abst<strong>im</strong>mung v. 5. Dezember 1926 wurde ein<br />

schweizerisches Getreidemonopol als Vorbote eines «Staatssozialismus»<br />

knapp verworfen (in <strong>Einsiedeln</strong> deutlich mit<br />

1‘091 Nein : 270 Ja).<br />

Religionsfeindlichkeit und<br />

liberal-sozialistische Opposition<br />

Die Christlichsozialen nannte man zu dieser Zeit übrigens<br />

auch gerne «Weihwassersozialisten» und die Liberalen erklärten<br />

den Unterschied zwischen Christlichsozialen und Sozialisten<br />

mit den Worten: «Die Christlichsozialen wollen es, und<br />

die Sozialisten nehmen es!» (EA 27.10.1926).<br />

Die Diskussion um die Religionsfeindlichkeit des Sozialismus<br />

erreichte 1927 wieder einen Siedepunkt, nachdem der<br />

sozialdemokratische «Schwyzer Demokrat» wiederholt Zitate<br />

katholischer Schriftsteller und Redner verwendet hatte, «um<br />

mit ihrer Hilfe den Sozialismus zu rechtfertigen und dem katholischen<br />

Volke mundgerecht zu machen» (EA 4.6.1927) und der<br />

«Einsiedler Anzeiger» wahrzunehmen glaubte, dass eine von<br />

diesem bis dahin gepflegte «sogen. Neutralität in religiösen<br />

Dingen» zum offenen Kampf gegen die Religion überhaupt<br />

übergegangen sei. Der Katholizismus wurde weiterhin als<br />

«das stärkste Bollwerk gegen den revolutionären Sozialismus»<br />

erachtet (EA 7.8.1927). Ausbildung und Aufklärung wurden intensiviert:<br />

«Es geht in der Tat um die Seele des Arbeiters. Diese<br />

ist in Gefahr, sie muss gerettet werden» (EA 17.8.1927).<br />

Zur selben Zeit musste der «Einsiedler Anzeiger» von einer<br />

sich anbahnenden fortschrittlich-demokratisch-sozialistischen<br />

Allianz Kenntnis nehmen: «Die politische Praxis<br />

scheint <strong>im</strong> Kanton Schwyz zur Zeit auf eine Trennung der<br />

Geister nach links und rechts hinzusteuern: der konservativchristlichsozialen<br />

Phalanx gegenüber sammelt sich die liberale<br />

und sozialistische Opposition.» (EA 22./25.6.1927). Diese<br />

war dann auch Thema bei der späteren Ständeratsersatzwahl<br />

vom 29. April 1928.<br />

53


VIII. Eine erste Reaktivierung<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der Auslöser<br />

Zwar wird noch <strong>im</strong> März 1927 die Eingabe des «Arbeitervereins»<br />

an den Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat betreffend Suche nach neuer<br />

Industrie erwähnt (SD 4.3.1927), doch muss davon ausgegangen<br />

werden, dass die Arbeiterpartei faktisch nicht mehr<br />

existent war.<br />

Sowohl die «Arbeiter-Union» des Kantons Schwyz am<br />

8. Mai 1927 als auch die sozialdemokratische Kantonalpartei<br />

20. November 1927 hielten ihre Tagungen <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Bahnhof» in Biberbrugg ab. Erstere bestand aus acht Gewerkschaften,<br />

vier Arbeitervereinen und vier Parteisektionen.<br />

Die Kantonalpartei stand unter dem Präsidium von Zugführer<br />

Alfons Cottier aus Goldau.<br />

An diesem Arbeiter-Parteitag vom 20. November 1927<br />

wurde dem Sekretariat «nahegelegt, an verschiedenen Orten<br />

Neugründungen von Parteisektionen oder Arbeitervereinen<br />

ins Leben zu rufen und die bestehenden auszubauen.» (SD<br />

25.11.1927). Der Hintergründe dürften einige gewesen sein.<br />

Bereits unmittelbar nach der Niederlage der Katholisch-<br />

Konservativen in den letzten Nationalratswahlen erscholl von<br />

dieser Seite der Ruf, «neues frisch pulsierendes Leben vor<br />

allem in den Reihen unserer Jungmannschaft» Einkehr halten<br />

zu lassen (EA 28.10.1925). Dies erfolgte zum einen mit Weiterbildungen<br />

und führte zum anderen <strong>im</strong> September 1927 in <strong>Einsiedeln</strong><br />

und <strong>im</strong> November 1927 kantonal zur Gründung des<br />

«Jungkonservativen Stauffacherbundes»: Es «sind Mächte an<br />

der Arbeit, die katholische Urschweiz aufs neue unter Bann<br />

und Zwang zu führen, wenn sie auch die absolute Glaubens-,<br />

Lebens- und Gewissensfreiheit propagieren. Und wie der alte<br />

Stauffacher ein herrlich Weib besass, das ihn aufrichtete und<br />

ihm die besten Ratschläge gab, so steht auch uns eine hehre<br />

Frau zur Seite, eine treue Mutter, die mehr gibt, als die Stauffacherin<br />

je zu geben vermochte, die katholische Kirche.» (EA<br />

11.1.1928).<br />

Dies führte zur Gründung nicht bloss einer jungliberalen<br />

Partei, sondern auch der «Schwyzer Demokrat» rief nach sozialistischen<br />

Jugendorganisationen. Zunächst mussten aber<br />

die eingeschlafenen Sektionen wiederbelebt werden! Im Fokus<br />

hatten natürlich alle Parteien die nächsten Wahlen.<br />

Zur selben Zeit befanden sich die Eisenbahner in einem<br />

Arbeitskonflikt mit der Südostbahn. Dreissig Arbeiter aus <strong>Einsiedeln</strong><br />

waren aus Spargründen just auf den Winter entlassen<br />

worden.<br />

Und seit einem Jahr hatte man vom Etzelwerk und einem<br />

erwarteten Baubeginn nichts mehr gehört. «Wann kommt der<br />

Sihlsee?» (SD 11.11.1927).<br />

Neuorganisation und erste Aktivitäten<br />

«Man glaubte sie <strong>im</strong> hiesigen <strong>Bezirk</strong>e als verschwunden. Aber<br />

sie ist neu erstanden. 24 Mann stark hielt sie Sitzung. Herr<br />

Kantonsrat Heinzer von Goldau hielt ein Referat. Auch ein neuer<br />

Parteipräsident wurde gewählt.» (EA 31.12.1927).<br />

Die Medienmitteilung <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» v. 5. Januar<br />

1928 lautete: «Nachdem sich bereits ein jungkonservativer<br />

Stauffacherbund und jungliberale Partei gegründet hat, haben<br />

sich auch junge Männer zusammengeschlossen, um eine Allgemeine<br />

Arbeiterpartei zu gründen, und mit schönem Erfolg.<br />

Es ist dies in <strong>Einsiedeln</strong> eine bittere Notwendigkeit, umsomehr,<br />

da sehr viele Berufs- und Hilfsarbeiter jeglicher Branche<br />

gar nicht organisiert sind und deshalb völlig der Willkür der<br />

Meister oder Arbeitgeber ausgesetzt sind. Es ist nicht unsere<br />

Absicht, als politische Nörgler oder Aufwiegler zur Geltung zu<br />

kommen, sondern die Aufgabe ist und bleibt, jedem organisierten<br />

Arbeiter in Lohn- oder anderen Verhältnissen mit Rat<br />

und Tat beizustehen, und das sind wir eben <strong>im</strong>stande, da uns<br />

ja der bekannte tüchtige Arbeitersekretär Ktsrt. Jos. Heinzer<br />

von Goldau zur Verfügung steht. Wir laden alle der Partei fernstehenden<br />

Arbeiter freundlichst ein, anlässlich unserer ersten<br />

Monatsversammlung am 7. Januar abends ½ 8 Uhr <strong>im</strong> Restaurant<br />

zur ‹Alp› einen Besuch abzustatten, um selber Näheres zu<br />

vernehmen. Vielleicht ist es möglich, unsern lb. Sekretär für ein<br />

zügiges Referat zu gewinnen.»<br />

Über die Besetzung der Parteileitung ist leider nichts<br />

bekannt.<br />

Bereits am 5. Januar 1928 zeigte die neu organisierte Partei<br />

aber ihre Zähne. Als «roh und brutal» und als «Hexenprozess»<br />

bezeichnete sie den Beschluss des <strong>Bezirk</strong>srates, «nahezu <strong>100</strong><br />

Mitbürger, die vielleicht durch Not, Krankheit, Arbeitslosigkeit<br />

usw. an der rechtzeitigen Bezahlung der Steuern verhindert<br />

waren», <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» öffentlich an den Pranger zu<br />

stellen (SD 5.1.1928, EA 31.12.1927).<br />

Fortan betrieb die Partei in eigener Sache fleissig Werbung<br />

<strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat». Zum einen wurde kritisiert, dass<br />

es <strong>im</strong>mer noch Familienväter gab, welche teilweise lediglich<br />

einen Stundenlohn von 50-70 Rp. hatten und während des<br />

Winters entlassen wurden. Zum anderen appellierte sie an die<br />

Arbeiterschaft, Abhilfe zu schaffen und sich zu organisieren.<br />

«Nur vereinte Kraft macht stark!» (SD 17.2.1928).<br />

«Somit erfüllt er seine Pflicht, wenn er sich mutig und freudig<br />

entschliesst, sich einer passenden Partei einzureihen, und<br />

die Gelegenheit ist ihm günstigst geboten, indem er sich mit<br />

offenem Charakter der hiesigen Allgem. Arbeiter-Partei anschliesst,<br />

welche voraussichtlich am 10. März, abends ½ 8<br />

Uhr, <strong>im</strong> Restaurant ‹Alp› die erste Generalversammlung hält<br />

und womöglich Herr Kantonsrat Sekretär J. Heinzer mit einem<br />

zügigen Referat auftritt. Deshalb machen wir heute schon alle<br />

werten Genossen darauf aufmerksam und ermuntern sie, möglichst<br />

jeder einen fernstehenden schüchternen Arbeiter mitzunehmen.<br />

Wir sind gewiss keine Bolschewiken, habt nur keine<br />

Angst! Der Vorstand der Allg. Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>.» (SD<br />

2.3.1928).<br />

Auch die nächste Parteiversammlung vom 10. März 1928<br />

fand <strong>im</strong> Restaurant «Alp» (spätere Bäckerei Baumgartner)<br />

statt. Konstatiert wurde, dass gewissen Mitgliedern arbeit-<br />

55


geberseits nahegelegt wurde, die Partei zu verlassen. Auf den<br />

1. April 1928 organisierte die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> die Delegiertenversammlung<br />

der «Arbeiter-Union des Kts. Schwyz»<br />

in der «Hofstatt». «Im Falle schöner Witterung sollte es manchen<br />

Arbeiter zu einem Velotürchen verleiten, und es würde<br />

unsere junge Partei gewaltig freuen, mit recht vielen Verbandskollegen<br />

engere Fühlung zu nehmen.» (SD 30.3.1928). An der<br />

Versammlung referierte Nationalrat Arthur Schmid, Aarau,<br />

über den «Kampf der Arbeiterschaft für Freiheit und Frieden».<br />

Die Leitung der Versammlung hatte Kantonalpräsident Alfons<br />

Cottier, Zugführer aus Goldau, inne. «Den Gruss der neu gegründeten<br />

Einsiedler Arbeiterpartei überbrachte Genosse Jos.<br />

Kürzi, des Lokomotivführers, und wurde allgemein der Freude<br />

Ausdruck gegeben, dass sich die Arbeiter <strong>Einsiedeln</strong>s, unbekümmert<br />

aller Angriffe von rechts und links wieder zusammengefunden<br />

haben. Haltet zusammen, liebe Einsiedler Freunde,<br />

sammelt neue Abonnenten für die Arbeiterpresse und werbt<br />

eifrig für neue Mitglieder; der ausgestreute Samen durch das<br />

herrliche Referat von Genosse Nat.-Rat. Dr. Schmid aus Aarau<br />

hat es denn auch vermocht, dass sofort zirka 8 Neueintritte<br />

und zirka 10 ‹Demokrat›-Abonnenten gewonnen werden konnten.<br />

Nid lugg la gwünnt, gilt auch hier.» (SD 6.4.1928).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» konstatierte: «Das Knopfloch des<br />

Herrentschoppen scheint heutzutage wieder statt der Veilchen<br />

mit Parteizeichen der jungliberalen und sozialdemokratischen<br />

Partei geschmückt zu werden. Wir von der konservativen Partei<br />

verzichten auf Dekoration. Innerlichkeit und nicht Aussendekoration<br />

sind für wahrhaft christliche Demokratie massgebend.»<br />

(EA 11.4.1928).<br />

Wahlniederlagen und ein neuer Präsident<br />

Die Kantonsratswahlen vom 29. April 1928 waren stark umkämpft.<br />

Nicht nur nahmen die Sozialdemokraten wieder teil,<br />

sondern zielten auch die Liberalen auf einen Sitzgewinn und<br />

beharrte die Bauern- und Bürgerpartei auf ihrem Besitzstand.<br />

Nicht weniger als 31 Kantonsratskandidaten wurden für die<br />

14 Einsiedler Sitze portiert. «[D]ann gibt’s unfehlbar 17 Fliegerkandidaten.»,<br />

meinte der «Einsiedler Anzeiger» trocken (EA<br />

25.4.1928).<br />

Unter diesen befanden sich – weit abgeschlagen – die<br />

drei von der Arbeiterpartei vorgeschlagenen Kandidaten, alt<br />

Kantonsrat Daniel Kürzi (Lokomotivführer), kumuliert, Hans<br />

Stettler (Zugführer) und Martin Fuchs (Bahnarbeiter). «Eines<br />

gewissen Humors entbehrt die illustrierte Wahlempfehlung der<br />

Sozialisten für ihre Kantonsratskandidaten nicht. Ein grosser<br />

Jochbalken, links ein gebeugter Arbeiter, rechts ein feister Fabrikherr<br />

mit geschwungener Peitsche, der den Arbeiter unters<br />

Joch jagt.» «Trotzdem unsere Sozialisten viel Aufhebens machten,<br />

hat es sich gezeigt, dass der Einsiedlerboden für sie einstweilen<br />

noch kein fruchtbares Erdreich ist.» spottete der «Einsiedler<br />

Anzeiger» (EA 2.5.1928). Die Arbeiterpartei erwiderte<br />

trotzig: «<strong>Einsiedeln</strong> sei so ein glücklicher Flecken der Welt, wo<br />

es lauter Herren und sonst wohlhabende Leute, aber keine<br />

arme, bedrückte Schlucker gebe. (…) Nur die allergrössten Kälber<br />

wählen ihre Metzger selber!» (SD 11.5.1928).<br />

Die Christlich-Sozialen hatten sich vor allem an der Listenbezeichnung<br />

«Arbeiterpartei» gestört. Sie nahmen für<br />

sich nämlich in Anspruch, die Interessen der Arbeiterschaft<br />

wahrzunehmen und die schwyzerischen Arbeiter seien in der<br />

Person ihres Regierungsrates Josef Bösch auch bereits in der<br />

Regierung vertreten (EA 25.4.1928).<br />

Für die nachfolgenden <strong>Bezirk</strong>swahlen in <strong>Einsiedeln</strong> verständigten<br />

sich die bürgerlichen Parteien auf einen gemeinsamen<br />

Wahlvorschlag. Die Arbeiterpartei blieb aussen vor.<br />

Ihre nächste Monatsversammlung fand am 12. Mai 1928<br />

in der «Hofstatt» statt. Die Arbeiterpartei konnte an dieser<br />

eine Zunahme ihrer Mitgliederzahl seit 1. Januar um <strong>100</strong>% (!)<br />

verzeichnen. Arbeitersekretär und Kantonsrat Josef Heinzer<br />

referierte bei den Einsiedler Genossen. «Der Zielpunkt der Arbeiterpolitik<br />

ist ja wesentlich, ein gesichertes Dasein zu führen.<br />

Der Proletarier will von der Ungewissheit befreit sein, ob er<br />

morgen noch Arbeit und Verdienst hat. Er will die Beruhigung<br />

haben, der Gesellschaft gegenüber seine Pflichten erfüllen zu<br />

können. Ein unabhängiges Dasein, das heisst eine Unabhängigkeit<br />

von der Gunst oder Ungunst eines Arbeitgebers, das<br />

ist die Forderung, die zugleich das alte Sehnen erfüllt, das in<br />

dem Losungswort Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit widerklingt.»,<br />

so das Résumé (SD 25.5.1928). Bei der Arbeiterpartei<br />

schwang auch eine Hoffnung mit: «Es kann ja die Zeit<br />

kommen, da das Sihlsee-Projekt zur Ausführung käme, und da<br />

wird gewiss genannte Partei an Mitgliedern enorm zunehmen,<br />

aber auch jetzt schon sollten sich die Arbeiter zu einer massgebenden<br />

Partei entwickeln, indem sich eben noch diese Ausstehende<br />

willig und treu an derselben beteiligen.»<br />

In der Ausgabe des «Schwyzer Demokrat» vom 8. Juni<br />

1928 las man die informativen und interessanten Zeilen:<br />

«In einer der letzten Vorstandssitzungen wurde der<br />

Wunsch geäussert, man möchte die Veröffentlichung der<br />

Geschäftshäuser und Restaurants, in welchen unsere beliebte<br />

Arbeiterpresse (also der Schwyzer Demokrat) gehalten<br />

und abonniert wird, als eine Reklame erscheinen lassen.<br />

Wir unterstützen diese Anregung unseres geschätzten Genossen<br />

und geben somit folgende Namen bekannt. Selbstverständlich<br />

sollte und muss ein jeder Arbeiter solche Geschäfte<br />

und Wirtschaften in erster Linie berücksichtigen, die<br />

sich auch gegenüber unserer Arbeiterpresse erkenntlich<br />

zeigen und durch Abonnement oder Inserat unterstützen.<br />

Gyr Martin, 3-Herzen; Sgier, Coiffeur; Bisig, z. Pokal; Kälin,<br />

Landhaus; Re<strong>im</strong>ann, Augustinerhalle; Reichmuth, Hofstatt;<br />

<strong>Schönbächler</strong>, Weid; Zehnder, Biergarten; Oechslin, Sennenhof;<br />

Frau Grunder, Rest. Mythen; Frau Benz, Alpenrösli.»<br />

Ihre nächsten Monatsversammlungen, über die nichts weiter<br />

bekannt wurde, hielt die Partei am 9. Juni, am 7. Juli sowie<br />

56


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

am 11. August 1928 jeweils in der «Hofstatt» ab. An der letztgenannten<br />

Versammlung wurde der «altbewährte Parteigenosse<br />

alt Kantonsrat Daniel Kürzi, Lokomotivführer» zum neuen<br />

Präsidenten gewählt. Wessen Nachfolge er antrat blieb leider<br />

unerwähnt. Rückschlüsse über dessen Rücktritt lassen sich<br />

aus dem weiteren Bericht zu dieser Versammlung vermuten:<br />

«Es ist tatsächlich traurig, wie man in <strong>Einsiedeln</strong> dem Arbeiter<br />

Vorwürfe macht, wenn er sich einer ihm entsprechenden Arbeiterorganisation<br />

anschliesst. Die Herren verfahren nach dem<br />

Spruch: ‹Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den<br />

Schädel ein.› Das ist wieder die Christlichkeit dieser Heuchler<br />

und Augenverdreher an der Tat.» (SD 24.8.1928).<br />

An der Monatsversammlung vom 6. Oktober 1928 in der<br />

«Hofstatt» erwartete der Vorstand aufgrund der Wichtigkeit<br />

der zu behandelnden Traktanden ein «unbedingt vollzähliges<br />

Erscheinen» (SD 5.10.1928). Mutmasslich dürfte es um die anstehenden<br />

Nationalratswahlen gegangen sein.<br />

Ein Aufruf <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 3. August 1928.<br />

Die Schwyzer Sozialdemokraten mussten an diesen Nationalratswahlen<br />

<strong>im</strong> Herbst 1928 indessen einen herben Rückschlag<br />

hinnehmen. Zur Wahl vorgeschlagen hatten diese ihren bisherigen<br />

Nationalrat Johann Wattenhofer, Siebnen, kumuliert,<br />

und Arbeitersekretär Josef Heinzer, Goldau. Johann Wattenhofer<br />

schaffte die Wiederwahl nicht (EA 31.10.1928).<br />

Für erboste Diskussionen sorgte die Wahlurne in Bennau.<br />

«Manchem Wähler von Bennau ist an der letzten Abst<strong>im</strong>mung<br />

aufgefallen, wie man direkt unter Aufsicht gestellt war von den<br />

Männern auf dem Abst<strong>im</strong>mungsbureau. Sie sassen so nahe<br />

an der Urne, dass sie vorweg jeden erkannten, wie er st<strong>im</strong>mte.<br />

Nach unserer Ansicht gehören die Herren denn doch weiter<br />

entfernt von der Urne, sonst wissen sie ja sofort, wie die Leute<br />

st<strong>im</strong>men, schon wegen den verschiedenen Sorten von St<strong>im</strong>mzetteln,<br />

die die Parteien haben. Hier dürfte eine richtige kantonale<br />

Verordnung einmal Remedur schaffen, dass jede Partei<br />

erstens das gleiche Format hat wie die andere und zum zweiten<br />

die ganz gleiche Papierqualität.» (SD 2.11.1928).<br />

Der bettelnde Vinzenz-Verein<br />

und weitere Kritik<br />

«Die Arbeitslosigkeit ist in hier wieder Trumpf. Man gibt sich nicht<br />

lange Mühe für event. Arbeiten, es wird einfach entlassen. Hoffentlich<br />

kommt bald Licht in die Sihlseeangelegenheit!» schrieb<br />

am 23. November 1928 ein Arbeiter <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat».<br />

Im Dezember 1928 führte der Einsiedler Vinzenzverein einen<br />

sog. Kartoffeltag durch. «Die Kleinen mussten bei Wohlhablicheren<br />

mit Körben und Säcken Kartoffeln betteln gehen<br />

und sei der Ertrag ein erfreulicher gewesen. Bedürftigen Familien<br />

wird dann zur Winterszeit damit ausgeholfen. (…) Dass es<br />

Pflicht des Staates wäre, für die Arbeitslosen ausreichend zu<br />

sorgen, das wissen sie nicht. Dafür wählt man wacker konservativ!<br />

Uns n<strong>im</strong>mts nur wunder, wenn diesen Leuten einmal die<br />

Augen aufgehen!» (SD 23.11.1928). Der «gute Vinzenzverein»<br />

würde gescheiter einmal «das Uebel an der Wurzel anzupacken<br />

und die frommen Herren Arbeitgeber auf hiesigem Platze<br />

ermuntern, etwas bessere Löhne zu zahlen, dann ist der arme<br />

Teufel ihm sicher noch viel dankbarer als mit Bettelalmosen.»,<br />

so der bissige Kommentar aus <strong>Einsiedeln</strong> (SD 14.12.1928).<br />

Im «Schwyzer Demokrat» vom 28. Dezember 1928 fand<br />

sich dann ein versöhnlicherer Neujahrswunsch der Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Am 2. Februar 1929 fand die Generalversammlung der<br />

Arbeiterpartei in der «Hofstatt» statt. «Hoffentlich erscheinen<br />

diesmal alle Mitglieder und bringen einen Kameraden oder<br />

eine Freundin mit, denn die Versammlung verspricht nach dem<br />

kurzen Geschäftsteil sehr amüsierend und gemütlich zu werden,<br />

da es dem engern Vorstand gelungen ist, weltberühmte<br />

Komiker, Musikanten und Fakire aus verschiedenen Weltteilen<br />

für diesen Anlass zu gewinnen. Also alles hat freien Eintritt und<br />

ist ein jeder Ankömmling, ‹Fraueli oder Gspüsli›, herzlich willkommen.<br />

Sogar solche Arbeiter, die Maulkörbe tragen müssen<br />

und an der Leine herumgeführt werden, haben Zutritt. Wir<br />

fürchten uns nicht vor ihnen, denn unsere sog. Bösewichte<br />

knurren oder bellen nur, beissen jedoch niemand. Also auf Kameraden,<br />

Gott gebe uns eine recht frohe St<strong>im</strong>mung und glücklichen<br />

Verlauf.» (SD 25.1.1929).<br />

«Die so viel ersehnte Generalversammlung liegt nun hinter<br />

uns und man darf frei und viefen sagen, dass dieselbe bis in<br />

alle Details glänzend verlaufen ist. Mit grösster Opferwilligkeit<br />

gaben sich die Genossen hin, einen zielbewussten Vorstand zu<br />

bilden, der das Schifflein <strong>im</strong> neuen Jahr durch die stürmischen<br />

Wogen leiten soll. Der <strong>Jahre</strong>sbericht unseres verehrten Präsidenten<br />

war ausgezeichnet verfasst und konnten wir dadurch<br />

auf ein ziemlich kritisches, lebhaftes Jahr zurückblicken. Wenn<br />

wir auch bei den Kantons- und Nationalratswahlen keinen Sieg<br />

buchen können, so hindert es uns keineswegs, uns von den sozialen<br />

Gedanken zurückzuziehen, sondern noch in vermehrtem<br />

Massstab Auge und Ohr zu widmen. ‹Mir chömet gwüss au<br />

wider ä mol ä Trumpf über, oder meinst nüd au Schangäli?›<br />

Auch der <strong>Jahre</strong>sbericht des Kassiers war sauber und vor allem<br />

aufrichtig vollzogen. Das Bedenklichste ist jedoch, dass sich<br />

<strong>im</strong>mer noch Genossen erlauben, mit ihren verpflichteten Monatsbeiträgen<br />

auszustehen, was eben die Arbeit des Kassiers<br />

sehr erschwert. Der zweite und gemütliche Teil liess wirklich<br />

auch nicht das geringste zu wünschen übrig und sei diesen<br />

57


Hotel «Bahnhof» und das «Waldschloss» um 1935, beliebte Tagungsorte verschiedener Parteien und Verbände.<br />

Genossen, die sich die Mühe gaben, in Musik wie Komik, der<br />

wärmste Dank ausgesprochen. Aber auch der freundlichen,<br />

freigebigen Wirtin, die sich für unsere Magenfrage gütigst interessierte,<br />

sei hier herzlich bedacht, denn ihr geräumiger, flotter<br />

Saal ist wirklich prachtvoll dekoriert und verdient über die Fastnacht<br />

bis aufs letzte Plätzli besetzt zu werden. ‹Ae paar Tänzli<br />

hämer glich au gwogt, wämmer au ä chli müend büessa däfür;<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz isch ja Modä.› - Unsere Parole <strong>im</strong> neuen<br />

Jahr laute wiederum wie <strong>im</strong>mer: Vorwärts und aufwärts ihr Genossen!»<br />

(SD 8.2.1929).<br />

Angeprangert wurde sodann die Ausnützung der weiblichen<br />

Dienstboten in den Einsiedler Gasthöfen und Restaurants.<br />

«Es kommt vor, dass diese geplagten Mädchen nicht einen<br />

einzigen Ruhetag erhalten während des ganzen Sommers.<br />

Ist das überhaupt gesetzlich?» (SD 8.2.1929, SD 5.7.1929, SD<br />

23.8.1940).<br />

Kritisiert wurde <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» auch, dass in <strong>Einsiedeln</strong><br />

offenbar ein Lehrer seinen Schülern einge<strong>im</strong>pft habe,<br />

«sie sollen ja nie auf Sozialisten horchen oder solche Zeitungen<br />

lesen. Er soll sich sogar so vereifert und Ausdrücke gebraucht<br />

haben, wie wenn die Sozialdemokraten keine rechten Leute<br />

wären. So weit bringt es also der Fanatismus in <strong>Einsiedeln</strong>!<br />

Und das bringt ein gebildet sein wollender Lehrer und Jugendbildner<br />

fertig!» (SD 1.3.1929).<br />

Und noch einmal wies man in der gleichen Zeitung auf eine<br />

negative Entwicklung, verbunden mit einer Hoffnung in eigener<br />

Sache hin: «Noch ist das Etzelwerk noch gar nicht gesichert<br />

und schon sind einige ‹brave, christliche› Hausbesitzer (…) bereit,<br />

mit dem Mietzins aufzuschlagen. Auch was die Arbeitslöhne<br />

anbetrifft, steht es auf dem hiesigen Platze recht schl<strong>im</strong>m und<br />

der arme Büetzer soll also doppelt ausgesaugt werden! Gegen<br />

diese Arbeiterausbeuterei ist schwierig beizukommen. Nur eine<br />

geschlossene, recht starke Arbeiter-Organisation könnte da<br />

Wunder wirken. (…) Wenn der Sihlsee kommt, dann allerdings<br />

ist von Anfang an eine starke Arbeiterorganisation nötig, die<br />

dem Arbeiter einen rechten Lohn verschafft; denn ist der Arbeiter<br />

konsumationsfähig und nicht mit einem schäbigen Schundlöhnlein<br />

abgetan, dann sagt mir, profitiert denn davon nicht in<br />

erster Linie der Gewerbe-, Handwerker- und Bauernstand, die<br />

ihre feilgehaltenen Produkte besser an den Mann bringen können?!»<br />

(SD 5.4.1929). Der «Einsiedler Anzeiger» konterte: «Es ist<br />

besser Neider zu haben, als Bemitleider. Wenn man <strong>im</strong>mer über<br />

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<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

die Christlichsozialen von einer ‹Aucharbeiterpartei› schreibt,<br />

so darf doch festgestellt werden, dass die christlichsozialen Organisationen<br />

und ihre Partei für das werktätige Volk praktische<br />

soziale Arbeit leisten. Die Genossen mögen einmal von ihren<br />

praktischen Arbeiten und Errungenschaften auf dem Platze <strong>Einsiedeln</strong><br />

berichten.» (EA 17.4.1929).<br />

Am 6. April 1929 hielt die Arbeiterpartei in der «Hofstatt»<br />

ihre Monatsversammlung ab. Es referierte Arbeitersekretär und<br />

Kantonsrat Josef Heinzer. Die nächste Monatsversammlung<br />

wurde am 1. Mai 1929 <strong>im</strong> Restaurant «zur Alp» durchgeführt,<br />

verbunden wiederum mit einem kurzen Referat «und nachher<br />

gemütliche Unterhaltung für die Maifeier» (SD 26.4.1929).<br />

Die Delegierten der «Arbeiter-Union des Kantons Schwyz»<br />

tagten <strong>im</strong> Mai <strong>im</strong> «Hotel Bahnhof» in Biberbrugg unter Kantonalpräsident<br />

Alfons Cottier. Es herrschte eine frohe Zuversicht:<br />

«Noch nie seit Bestehen der Arbeiterunion konnte eine solch<br />

starke Vertretung der politischen und gewerkschaftlichen Abordnungen<br />

gebucht werden, was darauf schliessen lässt, dass<br />

neuer Geist, neuer Schaffenswille in unsere Reihen Eingang gefunden<br />

hat.» (SD 17.5.1929). Zur selben Zeit wurde auch ein Einzug<br />

der Sozialdemokraten in den Bundesrat diskutiert und <strong>im</strong><br />

Dezember 1929 wurde am schweizerischen Parteitag mit einer<br />

Dreiviertel-Mehrheit für eine Beteiligung an der Staatsverantwortung<br />

gest<strong>im</strong>mt. Der Kandidat, Nationalrat Emil Klöti, Zürich<br />

scheiterte jedoch be<strong>im</strong> ersten Versuch 1929 (SD 6.12.1929).<br />

Sauer stiess einem Arbeiter aus <strong>Einsiedeln</strong> ein <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» publiziertes Anliegen auf, man solle <strong>im</strong> Friedhof wieder<br />

Familiengräber schaffen. «Da muss der Klassenunterschied<br />

also auch noch auf dem Friedhof bei den Toten gekennzeichnet<br />

sein. Vor dem Herrn sind doch alle gleich und jeder Mensch<br />

ist vom gleichen ‹Dreck› und werden auch auf dem Einsiedler<br />

Friedhof alle Toten mit demselben Dreck zugedeckt. (…) Wollen<br />

Sie nicht gleich den Vorschlag machen, man solle bei der Beerdigung<br />

eines armen Proletariers an den Leichenwagen einen<br />

Ochsen vom Armenhaus davorspannen, hingegen bei einem<br />

‹Besseren› zweispännig stolz zu Rosse fahren. O du armes Arbeitervolk!»<br />

(SD 5.7.1929).<br />

Sozialistische Berufsverbände?<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» vom 27. Februar 1929 fanden die<br />

«sozialistischen Gewerkschaftsverbände» eine Aufzählung:<br />

Schweiz. Bau- und Holzarbeiterverband, Schweiz. Verband<br />

der Bekleidungs- und Lederarbeiter, Schweiz. Buchbinder-<br />

Die «sozialistische» Lithographia <strong>Einsiedeln</strong> anlässlich ihres 10jährigen Jubiläums 1928. Vorne in der Mitte ihr Gründungsmitglied<br />

und langjähriger Präsident Franz <strong>Schönbächler</strong> (1879-1953).<br />

59


Die «sozialistische» Typographia <strong>Einsiedeln</strong> feierte 1932 ihr 25-Jahr-Jubiläum.<br />

verband, Schweiz. Eisenbahnerverband und dessen Unterverbände,<br />

Schweiz. Verband des Personals der öffentlichen<br />

Dienste, Schweiz. Handels-, Transport- und Lebensmittelarbeiter-Verband,<br />

Schweiz. Lithographenbund, Schweiz.<br />

Metall- und Uhrenarbeiter-Verband, Schweiz. Textilarbeiter-<br />

Verband, Schweiz. Handsticker-Verband, Schweiz. He<strong>im</strong>arbeiter-Verband,<br />

Verband schweiz. Post-, Telephon- und Telegraphenangestellter,<br />

Schweiz. Typographenbund und der<br />

Stickereipersonal-Verband.<br />

Gerade aus der Zusammensetzung der Einsiedler Berufsverbände<br />

wird aber klar, dass der «Einsiedler Anzeiger» mit<br />

seiner Qualifizierung eine gezielte Schwarz-Weiss-Malerei<br />

betrieb und deren Mitglieder kaum als eigentliche Sozialisten<br />

betrachtet werden können. Der katholische Arbeiter sollte einfach<br />

in die für ihn «richtigen», christlich-sozialen Berufsverbände<br />

geleitet werden!<br />

Der Lithographia <strong>Einsiedeln</strong> beispielsweise stand als Präsident<br />

Franz <strong>Schönbächler</strong> (1879-1953) vor, Reproduktionsfotograf<br />

be<strong>im</strong> Benziger-Verlag, Mitglied des Infanterie-Schiessvereins,<br />

des Schützenvereins «Tell», des UOV, der Gruppe der<br />

Einsiedler Rütlischützen, des Turnvereins und des Schwingklubs.<br />

Er gewann als erster Schwyzer die Meisterschaft am<br />

eidgenössischen Schützenfest 1910.<br />

Mitglied sowohl in der Typographia als auch gleichzeitig <strong>im</strong><br />

Volksverein und <strong>im</strong> katholischen Arbeiterverein war beispielsweise<br />

alt Schriftsetzer Gallus Kälin (1868-1938), nota bene<br />

langjähriger Waldstattchronist be<strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» (EA<br />

21.6.1938, EA 24.6.1938).<br />

Geistliche Spiele 1930, zur Religion<br />

und «Sihlsee-Spekulationswut»<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> lud – soweit bekannt – zu weiteren<br />

Monatsversammlungen am 6. Juli 1929, 3. August und<br />

am 2. November 1929 in die «Hofstatt» ein. Die Traktanden<br />

wurden jeweils erst an der Versammlung selber bekanntgegeben,<br />

sodass wir über diese nichts weiter wissen. Immer<br />

wurde auch zu «wieder einmal» vollzähligem Erscheinen<br />

aufgerufen.<br />

Am 15. September 1929 durfte man in der «Hofstatt» den<br />

Parteitag der schwyzerischen Arbeiterpartei durchführen (SD<br />

20.9.1929).<br />

Die 1930 wiederum geplante Aufführung der Geistlichen<br />

Spiele in <strong>Einsiedeln</strong> führte <strong>im</strong> Herbst 1929 zu einer Auseinandersetzung<br />

zwischen dem «Schwyzer Demokrat» und dem<br />

«Einsiedler Anzeiger». «Kehrt einmal den Stiel um», meinte ersterer<br />

und monierte die personale Verflechtung der Spiele mit<br />

der Konservativen Partei. «Soll die Hetze tatsächlich so weit<br />

60


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

gehen, dass die erfolgreiche Durchführung<br />

in Frage gestellt wird?»,<br />

fragte letzterer (EA 28.9.1929). «Wir<br />

vergegenwärtigen uns lebhaft, mit<br />

welch geistiger Ueberlegenheit und<br />

schauspielerischem Talente die<br />

Einsiedler Sozialisten sich der Sache<br />

bemächtigen und wie sie unter<br />

heroischer Verleugnung ihrer bisherigen<br />

Weltanschauung sich einer<br />

Sache hingeben, die in ihres Wesens<br />

Kern aber alles andere ist als<br />

sozialistisch. Die Trauben hangen<br />

vielleicht doch etwas zu hoch, auch<br />

in bezug auf den Platz; denn es ist<br />

zu wissen, dass die Aufführungen<br />

auf dem Klosterplatz spielen und<br />

das Kloster überhaupt ein entscheidendes<br />

Wort mitzusprechen hat.»<br />

(EA 5.10.1929). Die Diskussionen<br />

wurden als für den Platz <strong>Einsiedeln</strong><br />

nicht als gewinnbringend betrachtet<br />

und Regisseur Peter Erkelenz appellierte: «Und Ihr Einsiedler<br />

alle, schlachten Sie die Henne nicht, die Ihnen goldene Eier<br />

Der Kino-Saal in der «Taube» um 1935.<br />

Neu errichtete Auto-Garage Wetzel um 1935.<br />

61<br />

legt!» (EA 16.10.1929). Damit war die Thematik fürs erste erledigt,<br />

wenngleich man es später nicht mit dem Hinweis lassen<br />

konnte: «Es sind aber fast alles Arbeiterinnen und Arbeiter,<br />

die hier mitwirken, also nur wenige, welche der besseren Gesellschaft<br />

angehören. Möge darum eine entsprechende Abfindung<br />

belohnend wirken, denn auch hier kann gesagt werden,<br />

ohne Mithilfe seitens der Arbeiterbevölkerung<br />

wäre kaum daran zu denken, solch grosse (wie<br />

auch andere) Anlässe in Aktion zu bringen.»<br />

(SD 14.8.1930).<br />

Indessen: «Bei jeder nur passenden Gelegenheit<br />

wird der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> vorgeworfen,<br />

sie sei gegen die Religion. Gegen<br />

diese Anwürfe protestieren wir lebhaft. Die Arbeiterpartei<br />

hat noch an keiner Versammlung<br />

gegen Glaubenssachen irgendwie Stellung<br />

genommen. Wir überlassen es jedem, nach<br />

seinem Glauben zu leben. Wir fragen jedoch<br />

nicht, was einer sei: bei uns sind alle Arbeiter<br />

gleich, welcher Konfession sie auch angehören.<br />

Unsere Aufgabe ist in dieser Linie, dass<br />

die Arbeiter eine richtige Belöhnung und eine<br />

humane Behandlung erhalten! Dass wir nicht<br />

einig gehen können mit den Christlichsozialen<br />

ist begreiflich. Uns ist es unmöglich, zwei<br />

Herren zu dienen!» (SD 6.12.1929).<br />

Nebst den in Aussicht gestellten Mietzinserhöhungen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> ging die «Spekulationswut»<br />

<strong>im</strong> Hinblick auf den Beginn der<br />

Etzelwerkarbeiten weiter. In der Wiese von Bäckermeister<br />

Grätzer, «Gotthard», wurde ein Autopark erstellt<br />

(SD 31.5.1929), <strong>im</strong> Hotel «Taube» wurde ein ständiges Kino<br />

eingerichtet (SD 13.12.1929) und Autogaragen eröffneten ihren<br />

Betrieb (SD 23.5.1930).


Ein «schartiger» Landschreiber-Kandidat und<br />

eine öffentliche Gabensammlung<br />

Am 29. November 1929 starb Landschreiber Anton Kälin <strong>im</strong><br />

Amt. Bereits <strong>im</strong> Dezember 1929 wurde über die Nachfolge<br />

«schon heftig an Wirtstischen und <strong>im</strong> stillen Winkel disputiert.<br />

Wer wird’s?» (SD 13.12.1929). Es wurde hierbei der Wunsch<br />

geäussert, dass der Nachfolger der kommenden Sihlseeangelegenheit<br />

gewachsen und kein «Purenlandschreiber» sein<br />

solle (SD 17.1.1930).<br />

Inserat <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 7. Februar 1930.<br />

Aufgrund der «Alles-üses-Politik<br />

einiger konservativer Parteibüffel»<br />

und der Ämter-Kumulation<br />

des katholisch-konservativen<br />

Kandidaten Stefan Oechslin<br />

(Hauptmann, Kantonsrat, Sektionschef,<br />

Zivilstandsbeamter,<br />

Amtsschreiber und Präsident<br />

des jungkonservativen Stauffacherbundes)<br />

beschloss die<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>, ihre<br />

St<strong>im</strong>me dem oppositionellen, liberalen<br />

Gegenkandidaten Karl<br />

Birchler zu geben.<br />

Da die Katholisch-Konservativen mit einer zweiten, wilden<br />

Kandidatur von <strong>Walter</strong> Lacher zu kämpfen hatten, erreichte<br />

<strong>im</strong> ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten das absolute<br />

Mehr. Auf Stefan Oechslin entfielen 678 und auf Karl Birchler<br />

643 St<strong>im</strong>men. <strong>Walter</strong> Lacher, abgeschlagener Dritter, erklärte<br />

seinen Rückzug. Im zweiten Wahlgang obsiegte dann der oppositionelle,<br />

liberale Kandidat Karl Birchler mit 1‘025 St<strong>im</strong>men<br />

vor Stefan Oechslin mit 811 St<strong>im</strong>men.<br />

Die Arbeiterpartei zeigte sich über diese Wahl hocherfreut:<br />

«Der Ausgang der Landschreiberwahl ist für die Arbeiterpartei<br />

eine grosse Genugtuung. Wir sind <strong>im</strong>mer für Gerechtigkeit<br />

eingestanden und es war auch nur gerecht, dass eine Minderheit<br />

in den Beamtungen eine entsprechende Vertretung fand.<br />

(…) Dass der von den Konservativen portierte Oechslin, der <strong>im</strong><br />

Stauffacherbund die erste Rolle spielt, keine Gnade gefunden<br />

hat, ist doppelt erfreulich. Er soll nämlich wissen, das allzu<br />

scharf schartig macht (…).» (SD 28.2.1930).<br />

Am 19. Februar 1930 führte die Arbeiterpartei in der «Hofstatt»<br />

ihre Generalversammlung durch. Wie anlässlich der<br />

letztjährigen Generalversammlung beschlossen, wurde diesmal<br />

eine Tombola durchgeführt. Die öffentliche Gabensammlung<br />

für diese verlief nicht ohne Misstöne. «Zur Aufklärung<br />

der Oeffentlichkeit. Letzte Woche sind in <strong>Einsiedeln</strong> Gaben<br />

62<br />

gesammelt worden von einer allgemeinen Arbeiterpartei. Die<br />

meisten der He<strong>im</strong>gesuchten waren der Auffassung, dass es<br />

sich dabei um den christlichsozialen Arbeiterverein handle.<br />

Wir stellen fest, dass sie sogen. ‹Allgemeine Arbeiterpartei› die<br />

sozialistische Partei von <strong>Einsiedeln</strong> ist. Dass man bei dieser<br />

Parteigabensammlung nicht sagen durfte, wer man war, zeugt<br />

wahrhaftig weder von Heldenmut noch von Aufrichtigkeit. Das<br />

ganze Jahr sch<strong>im</strong>pft man auf die bürgerliche Gesellschaft<br />

los, und schliesslich geht man unter verschleierter Flagge<br />

bei derselben Parteigaben sammeln. Was würde geschehen,<br />

wenn andere Partei dasselbe machten??» (EA<br />

25.1.1930). Die Arbeiterpartei erwiderte, dass<br />

ihr Stempel auf der Gabenliste klar ersichtlich<br />

gewesen sei, anerbot aber, dass irrtümliche<br />

Gaben abgeholt werden könnten (SD<br />

31.1.1930). Ob das tatsächlich gemacht wurde<br />

ist nicht bekannt.<br />

Der Vorstand ersuchte jedenfalls «pünktlich<br />

zu erscheinen. Herr Kantonsrat Heinzer<br />

hat uns den ganzen Abend zur Verfügung gestellt<br />

und wird uns mit einem Referat begrüssen.<br />

Nach der Versammlung ist musikalische<br />

Unterhaltung mit Tanz, komischen Vorträgen<br />

und grosser Gabenverlosung. Beginn der<br />

Abendunterhaltung halb 9 Uhr. Bringt Angehörige<br />

und Gesinnungsgenossen mit.» (SD<br />

14.2.1930).<br />

Bereits am 8. März 1930 wurde wieder<br />

eine Monatsversammlung in der «Hofstatt»<br />

durchgeführt. «Die Traktanden werden an der Versammlung<br />

bekannt gegeben. Es wird dringend ersucht, vollzählig<br />

zu erscheinen, da Neueintritte und Verschiedenes zu regeln<br />

sind.» (SD 7.3.1930). Näheres ist auch hier aber leider nicht<br />

bekannt.<br />

Saisonbedingt bestanden <strong>im</strong> Winter 1929/30 die üblichen<br />

tristen Arbeitsverhältnisse. «Die Arbeitslosigkeit ist in hier wieder<br />

Trumpf! Und an erster Stelle ist es wieder die S.O.B., die<br />

es nicht übers Herz bringt, diesen paar armen Teufeln über<br />

den Winter Verdienst zu geben. An Arbeit fehlt es gewiss nicht<br />

auf der Strecke der S.O.B. Aber auch in andern Gewerben<br />

stehts nicht besser.» wurde <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» einmal<br />

mehr konstatiert (SD 3.1.1930). Im März 1930 las man: «Die<br />

Arbeitslosigkeit in hier geht weiter, nachdem Eisausbeutung<br />

wieder vorbei und sowieso schmal genug bezahlt wurde.» (SD<br />

14.3.1930).<br />

Schnaps, ein erster Kommissionssitz und ein<br />

Parteiausflug<br />

Am Josefstag 1930 fand <strong>im</strong> katholischen Gesellenhaus in <strong>Einsiedeln</strong><br />

eine öffentliche Volksversammlung statt, an der Bundespräsident<br />

Jean-Marie Musy vor ca. 700 Teilnehmenden


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

über die am 6. April 1930 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangende Alkoholgesetzrevision<br />

sprach. Von dieser versprach man sich<br />

eine Eindämmung des steigenden und in die Armut führenden<br />

Schnapskonsums und dessen Besteuerung zur Verwirklichung<br />

der Alters- und Hinterlassenenversicherung. Der<br />

Inserat <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 4. April 1930.<br />

63<br />

Kritisiert wurde <strong>im</strong><br />

«Schwyzer Demokrat»<br />

jedoch, wie die Einsiedler<br />

Konservativen<br />

den Anlass für den<br />

«obersten konservativen<br />

Oberjodler» organisiert<br />

und gelobhudelt<br />

hatten. Die «Vive le<br />

Musy!»-Rufe der Einsiedler<br />

Kinder seien zudem,<br />

weil undemokratisch-komödiantisch,<br />

eine «blöde Schülereindrillung»<br />

gewesen (SD<br />

28.3.1930).<br />

Schweizerische Gewerkschaftsbund und die Sozialdemokraten<br />

unterstützten denn auch diese Vorlage, welche letztlich<br />

auch eine deutliche Zust<strong>im</strong>mung <strong>im</strong> Volk fand.<br />

Alkohol und Arbeit waren natürlich ein ständiges Thema.<br />

«Vor einigen Tagen erklärte mir ein nahestehender Christlichsozialer,<br />

bei den Christlichen herrsche die Meinung, dass die<br />

Arbeiterpartei Mitglieder habe, die, wenn sie einige Franken<br />

verdient oder Unterstützung bezogen haben, sofort alles verputzen.<br />

Gegen diese Auffassung protestieren wir. Bei uns ist<br />

kein einziges Mitglied, das die Unterstützung oder den Zahltag<br />

leichtsinnig verklopft hat.» (SD 18.4.1930). 1931 erging die Einsendung:<br />

«Etwas vom Trinken während der Arbeitszeit. Schreiber<br />

dies hatte in letzter Zeit auf einigen Bauplätzen zusehen<br />

müssen, wie verheiratete Männer während der Arbeitszeit 5-6<br />

Flaschen Bier hinuntergurgelten. An einem andern Platz sagte<br />

man mir, der und der habe heute schon den sechsten Liter<br />

Most getrunken. Das ist entschieden zuviel. (…) Da n<strong>im</strong>mt es<br />

einem nicht Wunder, wenn so ein Mann he<strong>im</strong>kommt, dass die<br />

Frau sch<strong>im</strong>pft und mit Recht; denn wenn einer den halben Taglohn<br />

vertrinkt, kann die Frau unmöglich mit ihren Kindern ohne<br />

Schuldenmachen auskommen.» (SD 14.8.1931).<br />

Am 5. April 1930 fand die Monatsversammlung der Arbeiterpartei<br />

in der «Hofstatt» statt. Eine erneute wurde am 3. Mai<br />

1930 am selben Ort abgehalten. Traktandiert waren die am<br />

Folgetag (!) stattfindenden Maiwahlen in die <strong>Bezirk</strong>sbehörden.<br />

Zugleich wurde eine kleine Maifeier mit Gratistrunk veranstaltet.<br />

«Bei den Maiwahlen sollen ausser der wieder neugegründeten<br />

Bauern- und Bürgerpartei auch die Sozialdemokraten<br />

Stellung nehmen und einen Ratsherrensessel beanspruchen<br />

wollen.» las man <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» v. 26. April 1930.<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen gingen «gemäss Vereinbarung der Parteien»<br />

<strong>im</strong> Frieden vor sich (EA 7.5.1930). Zwar<br />

wurde der Arbeiterpartei kein Ratsherrensessel<br />

zugebilligt, doch nahm mit alt Kantonsrat<br />

Daniel Kürzi <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> erstmals ein<br />

Sozialdemokrat Einsitz in eine Kommission. Er<br />

wurde als Mitglied der Armenpflege gewählt<br />

(EA 14.6.1930).<br />

Anlässlich der Monatsversammlung in der<br />

«Hofstatt» am 7. Juni 1930 äusserte sich die<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>, soweit ersichtlich,<br />

erstmals gegen eine Militärvorlage. Der 20-Millionen-Kredit<br />

für die Anschaffung von <strong>150</strong> Militärflugzeugen<br />

lehnte sie als «Geldverschleuderung»<br />

ab. «(E)s braucht sicher naive Ansichten,<br />

als könnte die Schweiz fremde Kampfflieger<br />

abhalten, um uns nicht zu vergasen oder bombardieren,<br />

wie der letzte ‹Einsiedler-Anzeiger›<br />

blausiebel machen will. Eigentlich sollte man<br />

diesem ‹Einsiedler-Anzeiger› gar keine Beachtung<br />

schenken, denn in Verdrehungen und<br />

Verdummungen, uns Arbeitern gegenüber, ist<br />

er ebenso auf der Höhe, wie die anderen verwandten Blätter;<br />

die servieren dem Arbeitervolk eine so schlechte geistige Kost,<br />

dass es Gott erbarmen möchte!» (SD 13.6.1930).<br />

Die Monatsversammlung vom 5. Juli 1930 in der «Hofstatt»<br />

und die ausserordentliche Versammlung vom 13. Juli 1930 in<br />

der «Alp» hatten die Beratung und definitive Beschlussfassung<br />

über einen Ausflug per Auto um die Rigi zum Gegenstand. Der<br />

Reisebericht sei hier wiedergegeben:<br />

«Sonntag, den 3. August machte die hiesige allgemeine<br />

Arbeiterpartei einen Ausflug per Auto um die Rigi, die Königin<br />

der Berge. Obschon die Verdienstquellen hier recht<br />

magere sind, machen doch 28 Personen mit und die Kasse<br />

leistete dazu auch noch einen Zuschuss. Das Wetter zeigte<br />

sich unsicher als wir um 8 Uhr <strong>Einsiedeln</strong> verliessen und<br />

zwar in guter St<strong>im</strong>mung mit Handorgelbegleitung. Um zirka<br />

9 Uhr trafen wir <strong>im</strong> schönen Fremdenorte Brunnen an, die<br />

vielen flotten Hotels bestaunend. Dort selbst gabs eine halbe<br />

Stunde Aufenthalt, um dann Küssnacht und dem Vierwaldstättersee<br />

entlang zu fahren. Nach einem kurzen Imbiss<br />

bei gemütlichster St<strong>im</strong>mung war Luzern bald erreicht,<br />

der schönsten Fremdenstadt der Schweiz. Hier zeigten<br />

sich sehr viele Fremde, darunter solche, die von der Not<br />

der Zeit noch nie etwas spürten. Es sind dies die Drohnen<br />

der Gesellschaft, die als Ausbeuter sich einfach auf nicht<br />

redlichstem Wege ihre ungeheuer grossen Vermögen er-


werben, dahe<strong>im</strong> aber dem Arbeiter einen gerechten Lohn<br />

vorenthalten, um ja es für sich so schön und luxuriös als<br />

nur möglich zu halten. - Auf bestellte Abmachung hin stand<br />

<strong>im</strong> Volkshaus ein einfaches, aber gutes Mittagessen bereit,<br />

das der Leitung dieses bestgeführten Hauses alle Ehre<br />

einlegte. Hernach wurde Freizeit gegeben bis 4 Uhr, wo<br />

die meisten ihren Besuch dem Löwendenkmal, Gletschergarten,<br />

Irrgarten usw., widmeten. Letzterer war äusserst<br />

etwas geleistet werden soll» (SD<br />

Ausflügler auf dem Dorfplatz vor dem «Landhaus» und dem «Franziskaner» um 1930.<br />

10.10.1930). An der nächsten Monatsversammlung<br />

vom 6. Dezember<br />

1930 stand die Besprechung<br />

amüsant, als sie ihre breitern und magern Gesichter in den der Generalversammlung und deren Abendunterhaltung auf<br />

Spiegelwänden anstiessen, das jeweils wahre Lachsalven der Traktandenliste. Es wurde die erneute Durchführung eines<br />

auslöste. Sehr von Interesse waren auch die Gletschermühlen,<br />

die aus uralter Zeit erinnern und von stetem Sichdre-<br />

Mitglieder werden sich erlauben, bei unsern verehrten Gönnern<br />

gemütlichen Abends mit Gabenverlosung beschlossen. «Vier<br />

hen ausgehölte Löcher bildeten. - Nur zu bald war die Zeit vorzusprechen, in Erwartung, nicht abgewiesen zu werden. Es<br />

verstrichen und unser tüchtige Chauffeur, Herr Zoller zur handelt sich also um eine Gabenspendung an die allgemeine<br />

Weissmühle, führte uns bei prächtigsten Sonnenschein und Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>. Wenn nun der Anzeiger für uns Reklame<br />

machen will, wie letztes Jahr, so ist er dazu freundlich<br />

unter viel Humor Zug zu, wo Freunde und Bekannte kurz<br />

besucht werden konnten. Ein letztes Halt gabs dann noch eingeladen. Dies nur zur Aufklärung, damit dies Jahr ja keine<br />

<strong>im</strong> ‹Sternen in Schindellegi›, und zwar aus Solidarität, weil ‹Täuschung› vorkommt.» (SD 12.12.1930). Gleichzeitig wurde<br />

dort das Lokal der Schindellegler Arbeiterpartei ist. Um gut an der Versammlung gegen den Ausweisungsbeschluss des<br />

9 Uhr gelangten wir in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Vereinslokal an, wohlbehalten<br />

und hocherfreut über all das Gesehene, wo allen selbe hatte <strong>im</strong> Juli 1929, von London und Bellinzona herkom-<br />

Bundesrates gegenüber Giovanni Bassanesi protestiert. Der-<br />

der Dank ausgesprochen wurde für die Disziplin. Der Vorstand,<br />

an der Spitze unser beliebte Präsident Daniel Kürzi, und be<strong>im</strong> Rückflug <strong>im</strong> Gotthardgebiet eine Bruchlandung<br />

mend, über Mailand antifaschistische Flugblätter abgeworfen<br />

ermahnte zum Schluss alle Genossen, auch fernerhin nüchtern<br />

und treue Mitglieder und Kämpfer für die Sozialdemo-<br />

Nicht unerwähnt bleiben darf der Artikel «Die sozialistische<br />

gemacht.<br />

kratie zu sein.» (SD 22.8.1930).<br />

Ehe» <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 31. Januar 1931. Es ging<br />

64<br />

Sprechstunden des Arbeitersekretärs in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> und die «sozialistische Ehe»<br />

Am 31. August 1930 fand die nächste Monatsversammlung<br />

der Arbeiterpartei in der «Hofstatt» statt. Es referierte Arbeitersekretär<br />

Josef Heinzer.<br />

Am schwyzerischen Arbeiterparteitag vom 26. Oktober<br />

1930 bildete nicht nur die «Bestellung von Agitationskomitees<br />

in allen Sektionen» ein Thema, sondern<br />

auch die Eingabe der Sektion<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Diese wünschte nämlich,<br />

dass der Arbeitersekretär<br />

nicht nur wöchentlich in Wollerau<br />

und Siebnen Sprechstunden<br />

halte, sondern in Anbetracht des<br />

kommenden Etzelwerkes auch in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Der Antrag wurde zur<br />

Beschlussfassung an die Delegiertenversammlung<br />

der Arbeiterpartei<br />

vom 14. Mai 1931, welche<br />

<strong>im</strong> «Waldschloss» in Biberbrugg<br />

stattfand, überwiesen, wo ihm<br />

dann auch zugest<strong>im</strong>mt wurde (SD<br />

31.10.1930, 15.5.1931).<br />

Im «Schwyzer Demokrat» vom<br />

10. Oktober 1930 wurde zur Teilnahme<br />

an der Monatsversammlung<br />

vom Folgetag in der «Hofstatt» aufgerufen.<br />

Vollständiges Erscheinen<br />

der Mitglieder sei Pflicht, «wenn


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

in diesem um die von der Sozialdemokratie und ihren Exponenten<br />

propagierte und geförderte wirtschaftliche Verselbständigung<br />

der Frau, deren politische Mitbest<strong>im</strong>mung man<br />

schon seit <strong>Jahre</strong>n verlangte. Zum einen hätten sich die wirtschaftlichen<br />

Grundlagen der Ehe verändert und vollziehe sich<br />

die Produktion ausserhalb der Ehe. Zum anderen gehe es vermehrt<br />

um «Maschinenarbeit und Geburtenregelung, die der<br />

Frau Zeit und Möglichkeit geben, durch richtige Pflege und<br />

Ertüchtigung <strong>im</strong> Sport Körperkraft und Jugend zu erhalten und<br />

dem Manne erotisch länger zu genügen. Dagegen habe übermässiges<br />

Gebären und pausenlose Arbeit <strong>im</strong> Haushalt jenes<br />

frühzeitige Altern hervorgerufen, das wir auch heute noch an<br />

der Bauernfrau beobachten können.» Der «Einsiedler Anzeiger»<br />

zeigte sich schockiert: «Es ist dies ein Bild des Grauens<br />

und Grausens für Mann und Frau».<br />

Ein gemütlicher Abend, aufkommende<br />

Nervosität und politische Grundsätzlichkeit<br />

Die Generalversammlung hielt die Arbeiterpartei am 17. Januar<br />

1931 in der «Hofstatt» ab. Die beschlossene Abendunterhaltung<br />

wurde zunächst auf den 26. Januar, dann auf den<br />

2. Februar 1931 verschoben.<br />

«Voraussichtlich werden zwei kurze Referate von den Genossen<br />

Nationalrat Wattenhofer und Kantonsrat Heinzer gehalten.<br />

Nachher kommen komische Vorträge zur Geltung.<br />

Eine Gruppe vom Jodlerklub ‹Alpenrösli› wird zur Verschönerung<br />

des Abends mithelfen. Selbstverständlich wird in der<br />

Zwischenzeit bei lüpfiger Musik das Tanzbein geschwungen.<br />

Auch die Magenfrage wird gelöst durch den obligatorischen<br />

Schüblig mit Brot und Kartoffelsalat. Zirka 12 Uhr erfolgt die<br />

Tombola, welche ebenbürtig derjenigen der letzten <strong>Jahre</strong> ist.<br />

Es wird gewiss jeder auf seine Rechnung kommen. Alles in<br />

allem, es wird ein gemütlicher Abend werden. Wir ersuchen<br />

unsere Gesinnungsfreunde und Kollegen auch Angehörige<br />

mitzubringen.» (SD 9.1.1931, SD 23.1.1931).<br />

«Der am Montag von der allgemeinen Arbeiterpartei abgehaltene<br />

gemütliche Abend war gut besucht und nahm einen<br />

urgemütlichen Verlauf. Ueber <strong>100</strong> Personen bezeugten der<br />

Arbeiterpartei durch ihre Teilnahme warme Sympathie. Der<br />

Saal zur Hofstatt war prächtig dekoriert, ein Kränzchen darum<br />

der wackeren Gastgeberin Frau Ww. Reichmuth. Die schneidige<br />

Unterhaltungsmusik, der flott auftretende Jodlerklub,<br />

sie haben uns einen unvergesslich schönen Abend bereitet,<br />

ihnen allen herzlichsten Dank. Es konnten sogar auch junge<br />

Mitglieder aufgenommen werden, sie seien in unserm Kreise<br />

stets willkommen! Der grosse Gabentempel hat dann bei der<br />

Losung und Ziehung viel Humor ins Zeug gebracht, wie ebenso<br />

die humoristischen und komischen Darbietungen, für deren<br />

Opfer den Spielenden alle Anerkennung gezollt sei. Zufolge Erkrankung<br />

von Sekretär Ktrt Heinzer fiel das Referat aus und so<br />

pflegte man die Gemütlichkeit noch einige Stunden, so dass<br />

jedermann voll befriedigt von dem Gebotenen, den Unterhaltungsabend<br />

der Arbeiterpartei noch lange in angenehmer Erinnerung<br />

wach halten wird.» (SD 6.2.1931).<br />

Trotz aufgeräumter St<strong>im</strong>mung ging in <strong>Einsiedeln</strong> weiterhin<br />

das Gespenst der Arbeitslosigkeit um. Indessen begann<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> eine gewisse Euphorie und Nervosität Einzug<br />

zu halten: der Beginn der Bauarbeiten am Etzelwerk stand<br />

nun endlich unmittelbar bevor und man rechnete mit einem<br />

Beginn <strong>im</strong> Sommer. Der <strong>Bezirk</strong>srat beschloss, sich bei den<br />

Bundesbahnen dafür einzusetzen, dass gemäss Konzessionsvertrag<br />

nur einhe<strong>im</strong>ische Arbeiter und Gewerbebetriebe, «sofern<br />

sie gleich leistungsfähig sind und zu Konkurrenzpreisen<br />

liefern», berücksichtigt werden. Auch wolle er sich dafür einsetzen,<br />

dass in den Baracken, die während des Baus erstellt<br />

werden, kein öffentlicher Wirtschaftsbetrieb gestattet werde<br />

(SD 2.1.1931, SD 13.2.1931).<br />

Die Z<strong>im</strong>merleute bereiteten sich auf die kommende Sihlseebauzeit<br />

vor. «Abbindplätze und Vergrösserungen der Maschinenwerkstätten<br />

sind <strong>im</strong> Gange.» (SD 6.2.1931). «Unsere<br />

Handwerker und Gewerbetreibende raffen sich auf, um das<br />

einsiedlerische Gewerbe hochzuhalten und einen Block zu<br />

gründen, gegen auswärtige Konkurrenz. Das ist alles recht und<br />

eine Besserung der Verhältnisse und Aufschwung ist ihnen zu<br />

gönnen. Aber wie steht es mit deren Arbeitern und Gesellen?<br />

Bekommen diese Leute auch eine angemessene Lohnerhöhung,<br />

wenn dann die Renditen gut sind.» wurde <strong>im</strong> «Schwyzer<br />

Demokrat» gefragt (SD 27.3.1931). «Sie alle wollen einhe<strong>im</strong>sen.<br />

Die Fuhrhalter haben sich zu einem Verband zusammen getan<br />

auf hiesigem Platze und die Schreinermeister und weitere<br />

folgen. Sie erkennen mit Recht, dass nur ein einiges geschlossenes<br />

Vorgehen ihnen Erfolg bringt. Nicht so die Arbeiter. Die<br />

lassen sich in Sekten teilen, sind leider vielfach zu dumm zu<br />

erkennen, dass sie in allererster Linie eine geeinigte grosse<br />

Organisation nötig hätten.» (SD 10.4.1931).<br />

Schutzvorkehrungen bestanden auch auf kantonaler Ebene,<br />

indem ohne vorherige Bewilligung der kantonalen bzw.<br />

eidgenössischen Fremdenpolizei Ausländern eine Arbeitsaufnahme<br />

strengstens untersagt war (SD 20.2.1931).<br />

Erfreulich war für die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>, dass ihrem<br />

Gesuch um Entsendung eines Vertreters in die Landkommission<br />

des Etzelwerks vom <strong>Bezirk</strong>srat stattgegeben wurde. Als<br />

Vertreter der Arbeiterpartei wurde Blasius Nauer gewählt (EA<br />

21.2.1931, EA 28.3.1931).<br />

Weitere Monatsversammlungen der Arbeiterpartei wurden<br />

am 11. April 1931 und am 2. Mai 1931 in der «Hofstatt» durchgeführt.<br />

An letzterer wurde «in bescheidenem Rahmen eine<br />

Maifeier» abgehalten (SD 10.4.1931, 30.4.1931).<br />

Anlässlich der – bereits oben – erwähnten Delegiertenversammlung<br />

der Arbeiterpartei des Kantons Schwyz vom<br />

14. Mai 1931 <strong>im</strong> «Waldschloss» in Biberbrugg wurde einst<strong>im</strong>mig<br />

beschlossen, die neue kantonale Steuergesetzvorlage<br />

abzulehnen, weil trotz «regierungsrätlichem Versprechen» der<br />

65


Aus dem «Schwyzer Demokrat» vom 15. Mai 1931.<br />

obligatorische Gemeinderats- und <strong>Bezirk</strong>sratsproporz noch<br />

nicht eingeführt sei (SD 15.5.1931, EA 20.5.1931). «Man will<br />

der Arbeiterschaft einfach keine Rechte zuerkennen. (…) Der<br />

Arbeiterpartei will man auch nie den Kantonsratspräsidenten<br />

geben; eine Ungerechtigkeit jagt die andere gegen uns. Man<br />

gönnt uns auch in der Regierung keine Vertretung.», so die<br />

Klage der Kantonalpartei (SD 15.5.1931).<br />

Die Steuergesetzvorlage erlitt in der Abst<strong>im</strong>mung dann auch<br />

Schiffbruch, aber wohl kaum aus alleiniger Sympathie für die<br />

Anliegen der Arbeiterpartei. Die Katholisch-Konservativen und<br />

Christlichsozialen hatten ohne Erfolg darauf hingewiesen, dass<br />

der <strong>Bezirk</strong> unbedingt vermehrte Finanzmittel benötige, um den<br />

Fremdenverkehr und die wirtschaftliche Lage von <strong>Einsiedeln</strong><br />

wieder zu heben (EA 30.5.1931).<br />

Im April 1931 fand in <strong>Einsiedeln</strong> eine christlichsoziale Landeswallfahrt<br />

nach <strong>Einsiedeln</strong> zur Feier des 40jährigen Bestehens<br />

der Arbeiter-Enzyklika «Rerum novarum» statt. Im August<br />

führte der katholische Arbeiterverein sogar eine Enzyklika-Feier<br />

durch (EA 25.4.1931, EA 22.8.1931). Man wähnte sich wahrlich<br />

in zwei Welten! Die damals vorherrschende katholisch-konservative<br />

Anspruchshaltung kommt in folgender Aussage treffend<br />

zum Ausdruck: «Es besteht in unserer Eidgenossenschaft ausser<br />

der katholisch-konservativen und der christlichsozialen Partei<br />

keine andere Partei, die mit den dogmatischen Lehren der<br />

Kirche nicht <strong>im</strong> Widerspruch steht. Daraus folgt mit eiserner<br />

Konsequenz, dass eine katholische Politik notwendig ist, sofern<br />

man die Notwendigkeit von Politik überhaupt nicht bestreitet.»<br />

(EA 19.9.1931).<br />

Konsequenz war des Öfteren auch folgende Erfahrung der<br />

Einsiedler Genossen: «Es ist oft interessant anzuhören, wie gewisse<br />

Arbeitgeber Mitglieder der Arbeiterpartei anöden und<br />

zugleich erklären, ja wenn Du austrittst, kannst Du bei mir arbeiten.»<br />

(SD 5.6.1931).<br />

Erwähnenswert ist der am 15. August 1931 erfolgte Wechsel<br />

des Sekretärs der christlichsozialen Organisationen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

zu Fritz Husi, dem späteren langjährigen Kantonsrat,<br />

Kantonsratspräsidenten, <strong>Bezirk</strong>sgerichtspräsidenten, Regierungsrat<br />

und Landammann (EA 15.8.1931, EA 5.3.1985).<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> traf sich am 6. Juni, 4. Juli und<br />

8. August 1931 zu ihren Monatsversammlungen in der «Hofstatt»<br />

(SD 5.6.1931, SD 3.7.1931, SD 7.8.1931). Über die behandelten<br />

Geschäfte ist leider nichts bekannt.<br />

Gründung der Etzelwerk AG,<br />

Nationalratswahlen 1931 und «traurige<br />

Taglöhne»<br />

Am 12. August 1931 wurde auf dem Einsiedler Rathaus zwischen<br />

Vertretern der Schweizerischen Bundesbahnen und<br />

der Nordostschweizerischen Kraftwerke mit einem Aktienkapital<br />

von 20 Mio. Franken eine Aktiengesellschaft zum Bau<br />

des Etzelwerkes gegründet (SD 14.8.1931).<br />

Vorboten der anstehenden Nationalratswahlen zeigten<br />

sich <strong>im</strong> September 1931. Der katholisch-konservative Schwyzer<br />

Nationalrat Fritz Stähli machte die Sozialdemokraten für<br />

den Generalstreik von 1918 und dessen Opfer («hunderte von<br />

Soldaten») verantwortlich (EA 16.9.1931).<br />

Der Parteitag der Arbeiterpartei des Kantons Schwyz in<br />

Lachen nominierte am 27. September 1931 für die Nationalratswahlen<br />

erneut das Gespann Johann Wattenhofer, alt Nationalrat,<br />

kumuliert, und Josef Heinzer, Arbeitersekretär (SD<br />

2.10.1931).<br />

«Die Sozialisten hoffen! Die Sozialisten geben ihrer Hoffnung,<br />

dass sie den Konservativen ein Nationalratsmandat entreissen<br />

werden, ganz unverhohlen Ausdruck. Dieser Hoffnung<br />

entspricht auch ihre ungemein rührige Tätigkeit in Versammlungen<br />

und in Bearbeitung der St<strong>im</strong>mfähigen. Das dürfte doch<br />

den Bürgerlichen ein Weckruf sein, und da die liberale Kandidatur<br />

gesichert ist, die konservative Liste mit den Namen von<br />

Weber und Dr. Stähli in die Urne zu legen.» (EA 17.10.1931).<br />

Auf 18. Oktober 1931 lud die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

zu einer Volksversammlung in die «Hofstatt». Alt Nationalrat<br />

und Nationalratskandidat Johann Wattenhofer, Siebnen, referierte<br />

über wirtschaftliche und politische Tagesfragen (SD<br />

16.10.1931).<br />

Die Katholisch-Konservativen machten <strong>im</strong> Wahlkampf<br />

weiter Dampf: «Wattenhofer als Vorspann Heinzers! Die sozialistische<br />

Arbeiterpartei verleiht ihrer Liste Zugkraft durch<br />

den Namen Wattenhofer, den sie als loyalen und tüchtigen<br />

Volksmann preist. Sie weiss, dass sie damit in weiten Kreisen<br />

66


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Eingang findet, die grundsätzlich nichts vom Sozialismus wissen<br />

und ihre St<strong>im</strong>me nur dem Kandidaten Wattenhofer geben<br />

wollen. Nun wird aber aus sicherer Quelle bekannt und auch<br />

der ‹Schwyzer Demokrat› deutet es an, dass Wattenhofer den<br />

Sitz seinem Listenkollegen Heinzer abtreten wird. So soll also<br />

das Volk mit dem Namen<br />

Wattenhofer geködert und<br />

in Wirklichkeit Heinzer gewählt<br />

werden. Ein Wahlmanöver!<br />

Mitbürger! Lasst<br />

Euch das nicht bieten!»<br />

(EA 24.10.1931).<br />

Die Einsiedler Genossen<br />

verlangten vom <strong>Bezirk</strong>srat<br />

eine Einsitznahme<br />

in das Wahlbüro für die<br />

Wahlen vom 25. Oktober<br />

1931. Dieser gab dem<br />

Verlangen statt und wählte<br />

in dieses zwei Vertreter<br />

der Arbeiterpartei (EA<br />

28.10.1931).<br />

Der Angriff der Schwy-<br />

67<br />

zer Sozialdemokraten<br />

blieb leider erfolglos. Obwohl<br />

sie die St<strong>im</strong>menzahl<br />

von 1928 fast halten konnten<br />

verpasste ihre Liste<br />

die notwendige Verteilzahl<br />

um über 2‘000 St<strong>im</strong>men.<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> vermochte<br />

die Liste nur 9.5% der<br />

St<strong>im</strong>men auf sich zu vereinigen<br />

(EA 28.10.1931).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger»<br />

frohlockte: «Die Nationalratswahlen<br />

sind nun vorüber.<br />

Die erhitzten Gemüter der Sozialdemokraten haben sich<br />

wieder gekühlt. Der heisse Kampf des Bürgertums gegen den<br />

revolutionären Sozialismus ist geschlagen. Die schwyzerische<br />

Sozialdemokratie, welche mit grosser Siegeshoffnung in den<br />

so scharf geführten Wahlkampf zog, ist glänzend besiegt worden.<br />

Unser Schwyzer Bergvölklein ist wie einst seine Väter in<br />

Not und Gefahr treu und fest zusammengestanden und hat die<br />

alte kathol. Urschweizertradition stramm und freudig hochgehalten.»<br />

(EA 31.10.1931).<br />

Die Arbeiterpartei hielt am 14. November 1931 ihre Versammlung<br />

in der «Hofstatt» ab. Thema bildeten offenbar Unkorrektheiten<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> bei der St<strong>im</strong>mabgabe und man<br />

verlangte einen Untersuch wegen unberechtigter Abgabe von<br />

Ausweiskarten (SD 20.11.1931). Um was ging es? – «Der Missbrauch<br />

des St<strong>im</strong>mrechts <strong>im</strong> Kloster <strong>Einsiedeln</strong>. (…) Die Schüler<br />

der obersten Klassen sind bei Wahlen und Abst<strong>im</strong>mungen<br />

auch st<strong>im</strong>mfähig und bekommen den St<strong>im</strong>mrechtsausweis.<br />

Nun ist es vorgekommen, dass anlässlich der Nationalratswahlen<br />

sogar jene St<strong>im</strong>mkarten erhielten, die schon das letzte<br />

Jahr das Kloster und die Schule verlassen haben. Es haben<br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 15. Oktober 1931 bzw. dem beigelegten Wahl-Pamphlet<br />

«Schwyzerland». «Das Machwerk strotzt von Lügen und Verleumdungen! Das sind<br />

Wahlmanöver gemeinster, niedrigster Art! Pfui. Mit solchen traurigen Mitteln voller Lügen u.<br />

Entstellungen kämpft die konservative Partei.» (SD 23.10.1931).<br />

nun einige wohl sehr gut konservative Studenten sich dieser<br />

St<strong>im</strong>mausweise unbefugterweise bemächtigt, nahmen solche<br />

St<strong>im</strong>mzettel von solchen, die nicht mehr da waren und gingen<br />

damit st<strong>im</strong>men; wie ist natürlich nicht notwendig zu fragen!»<br />

(SD 18.12.1931).<br />

Im Herbst 1931 wurde zudem bekannt bzw. ruchbar, mit<br />

was für Löhnen be<strong>im</strong> Bau des Etzelwerks gerechnet werden<br />

kann. «Es wird <strong>im</strong>mer viel vom Sihlsee geredet und auch gefragt,<br />

was da wohl für Löhne bezahlt werden. Und siehe da: Es<br />

gibt Unternehmer, gut katholische, die in der Kirche nie fehlen<br />

und glauben den Erdarbeiter mit einem Löhnchen von 70-80<br />

Rappen per Stunde abtun zu können. Wie ist dem zu begegnen?<br />

Ganz einfach: Die Arbeiter seien unter sich eben eins<br />

und weisen zum vornherein einen solchen Schundlohn energisch<br />

zurück. Für derartige Elendslöhne hat nämlich auch der


Handwerker- und Gewerbestand kein Interesse, denn wenn<br />

das Löhnchen bloss langt fürs Essen, dann reichts eben nicht<br />

mehr für andere Bedarfsartikel und den Schaden haben dann<br />

auch jene.» (SD 9.10.1931). Bezüglich der am Bau beteiligten<br />

Firma Käppeli war die Rede von Taglöhnen von Fr. 8.— bis Fr.<br />

8.50 (SD 2.10.1931).<br />

Das Jahr 1931 endete mit einem öffentlichen und überparteilich<br />

getragenen Vortrag von Nationalrat Alois Ab Yberg am<br />

29. November 1931 <strong>im</strong> «St. Georg» zur Alters- und Hinterlassenenversicherung<br />

(SD 27.11.1931) und mit einer letzten Parteiversammlung<br />

am 19. Dezember 1931 in der «Hofstatt» (SD<br />

18.12.1931).<br />

Der «Linksblock» von <strong>Einsiedeln</strong> und ein<br />

Wahlstreik der Oppositionsparteien<br />

Auch die Generalversammlung am Meinradstag 1932 wurde<br />

in der «Hofstatt» abgehalten (SD 15.1.1932). «Obwohl wir nicht<br />

alles erreichten, was wir erhofften, so dürfen wir doch zufrieden<br />

sein. Der Vorstand wurde wieder aus den alten Kämpen<br />

bestellt. Dass es auch bei uns zu verschiedenen Meinungsverschiedenheiten<br />

kam, geht nicht gut anders wie bei allen<br />

politischen Parteien. Das Referat vom Sekretär Josef Heinzer<br />

erntete grossen Applaus und wurde verdankt. Nach der Versammlung<br />

ging man zum gemütlichen Teil über mit Musik,<br />

komischen Einlagen und einigen köstlichen Witzen. Um 10<br />

Uhr wurde das Nachtessen eingenommen, was zur vollen Befriedigung<br />

aller Teilnehmer geschah. Nachher ging man zur<br />

Verlosung über und alle waren befriedigt über ihre Gewinne.<br />

Dass einige keine Lose erhielten, aus Versehen, ist dem Vorstand<br />

leid genug gewesen. Von 12 Uhr an wurde das Tanzbein<br />

geschwungen und es war köstlich wie Alt und Jung fast keinen<br />

ausliessen bis gegen Morgen. Alles in allem, es war ein<br />

richtiger Arbeiter-Unterhaltungsabend. Auch einen speziellen<br />

Dank allen jenen, die zum Gabentempel uns unterstützen.»<br />

(SD 29.1.1932).<br />

Wie sich der Vorstand mit den «alten Kämpen» genau zusammensetzte<br />

ist nicht bekannt. An der Budgetgemeinde vom<br />

10. Januar 1932 wurde Daniel Kürzi vorstellig und verlangte,<br />

der <strong>Bezirk</strong>srat möchte in Bern vorsprechen, um von dem Kredit<br />

für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch einen Anteil<br />

für <strong>Einsiedeln</strong> zu sichern (EA 13.1.1932). Die Arbeiterpartei<br />

hakte in dieser Problematik kurz darauf nach und aus den<br />

<strong>Bezirk</strong>sratsverhandlungen war zu lesen: «Die Allgemeine Arbeiterpartei<br />

wünscht vom <strong>Bezirk</strong>srat, er möchte für vermehrte<br />

Arbeitsbeschaffung <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> besorgt sein, um Arbeitsentlassungen<br />

in verschiedenen Firmen zu vermeiden. Der Rat wird<br />

dafür Sorge tragen, dass so bald wie möglich neue Arbeitsgelegenheiten<br />

geschaffen werden, wie Meliorationen usw. Der<br />

Beginn dieser Arbeiten ist aber bedingt durch die Subventionsbehörden,<br />

welche eine Baubewilligung erteilen müssen.<br />

Der Rat wird bei Eingabe von Projekten den Oberbehörden<br />

empfehlen, die Baubewilligung umgehend zu erteilen, um der<br />

Arbeitslosigkeit zu steuern. Sodann kann der Rat darauf aufmerksam<br />

machen, dass gegenwärtig oder in allernächster Zeit<br />

verschiedene Arbeiten ausgeführt werden, die ziemlich viele<br />

Arbeitskräfte erfordern; so soll die Katzenstrickkanalisation<br />

tunlichst befördert werden; die Genossame Willerzell sieht ein<br />

Wegprojekt vor, und <strong>im</strong> Steinbach werden grössere Uebererdungsarbeiten<br />

ausgeführt. Verglichen mit andern Gemeinden,<br />

dürfte die Arbeitsmarktlage in unserm <strong>Bezirk</strong> relativ noch als<br />

gut zu bezeichnen sein.» (EA 23.1.1932).<br />

Am 5. März 1932 trafen sich die Genossen zur nächsten<br />

Monatsversammlung in der «Hofstatt». Mutmasslich ging es<br />

um den sehnlichst erwarteten Baubeginn des Etzelwerks.<br />

Die Partei verlangte die Schaffung eines bezirksrätlichen Einigungsamtes<br />

in etwaigen Arbeitskonflikten und eine Einsitznahme<br />

(SD 11.3.1932).<br />

Am 24. April 1932 standen die Regierungs- und Kantonsratswahlen<br />

an. Die liberale Partei und die konservative Volkspartei<br />

einigten sich auf eine Besitzstandswahrung <strong>im</strong> Regierungsrat.<br />

«Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass eine<br />

politische Minderheit <strong>im</strong> Rate nicht vertreten ist. Die sozialdemokratische<br />

Partei, die formell auf Grund ihrer St<strong>im</strong>menzahl<br />

auf ein Mandat Anspruch erhebt, wird die sozial fortschrittliche<br />

Einstellung und die <strong>im</strong> Verhältnis zu den gegebenen Mitteln<br />

entsprechende Wirksamkeit der obersten vollziehenden Landesbehörde<br />

anerkennen müssen.» (EA 2.4.1932). Der kantonale<br />

Parteitag beschloss, für die Regierungsratswahlen keinen<br />

Vorschlag aufzustellen und erklärte St<strong>im</strong>menthaltung (EA<br />

13.4.1932).<br />

In Bezug auf die Kantonsratswahlen in <strong>Einsiedeln</strong> gestaltete<br />

sich die Ausgangslage schwierig. Neu standen dem <strong>Bezirk</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> nämlich nur noch 13 statt der bisherigen 14 Sitze<br />

zu. «Die Arbeiterpartei stellt auch dieses Mal wieder eine Nomination<br />

auf, und mit Recht, denn nach der Parteistärke bei den<br />

Nationalratswahlen hat sie das volle Recht auf ein Mandat und<br />

einen Ersatz. Ob es zum offenen Kampf oder zu einer Einigung<br />

aller Parteien kommt, wird eben erst am Samstag entschieden.<br />

Die Arbeiterpartei ist fest entschlossen, ob Kompromiss oder<br />

nicht, den Kampf aufzunehmen, denn 1 Sitz gehört ihr!» (SD<br />

15.4.1932).<br />

Nachdem die konservative Mehrheitspartei nach wie<br />

vor neun Sitze für sich beanspruchte, kam es nicht nur zum<br />

Kampf, sondern zu einem «Linksblock» in <strong>Einsiedeln</strong>. «Die<br />

liberale Partei und die Bauern- und Bürgerpartei haben sich<br />

für die Kantonsratswahlen mit der sozialdemokratischen Partei<br />

verbunden. Also hat eine Hochzeit stattgefunden und die<br />

Entente ist beieinander.» «Was sich <strong>im</strong> ganzen Kanton Schwyz<br />

sonst nirgendwo ereignet hat, ist in <strong>Einsiedeln</strong> passiert, nämlich,<br />

dass zwei bürgerliche Parteien die Sozialisten zu Hilfe<br />

nehmen, um einer dritten bürgerlichen Partei Mandate abzujagen.<br />

(…) Das ist eine Provokation seitens unserer Liberalen und<br />

der Bauern- und Bürgerpartei!» (EA 20.4.1932).<br />

68


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Auf der gemeinsamen Liste des «Linksblockes» stand als Kandidat<br />

der Arbeiterpartei alt Kantonsrat Daniel Kürzi, pensionierter<br />

Lokomotivführer (SD 22.4.1932). Die drei Oppositionsparteien<br />

warben mit einem schwefelgelben Flugblatt: «Es ist<br />

nach unserer Auffassung klug, wenn wir, entgegen dem Willen<br />

der konservativen Partei, auch der Arbeiterpartei Gelegenheit<br />

geben, neben den andern Parteien am Staatswagen zu ziehen.»<br />

(EA 27.4.1932).<br />

Dem Gesuch der Arbeiterpartei um eine Vertretung <strong>im</strong><br />

Abst<strong>im</strong>mungsbüro wurde vom <strong>Bezirk</strong>srat entsprochen (EA<br />

30.4.1932). Der Wahlkampf gestaltete sich aufgrund dieser<br />

Ausgangslage sehr lebhaft, endete aber mindestens für die<br />

Arbeiterpartei in einer Niederlage. «Alle neun Vorgeschlagenen<br />

der konservativ-christlichsozialen Liste wurden gewählt.<br />

(…) Von den Linksblockparteien sind drei Liberale und ein<br />

Bauern- und Bürgerparteiler gewählt, wie bisher. Der Sozialdemokrat<br />

wurde von seinen liberalen und bauern-bürgerparteilichen<br />

Wahlfreunden so gründlich gestrichen, dass er zum<br />

vorneherein ausser Abschied und Traktanden fiel. Ob sich die<br />

Einsiedler Sozialdemokraten ein anderes Mal wieder als Zahlenmaterial,<br />

um nicht einen bekanntern, zünftigen Ausdruck zu<br />

gebrauchen, hergeben?» (EA 27.4.1932).<br />

Immerhin kantonal gewann die schwyzerische Arbeiterpartei<br />

drei Mandate hinzu.<br />

Unmittelbar nach den Kantonsratswahlen standen die<br />

Wahlen in die <strong>Bezirk</strong>sbehörden an. Die Konservativen nahmen<br />

zur Kenntnis, dass die drei Oppositionsparteien sich weigerten,<br />

diesbezüglich mit ihnen in Verhandlungen zu treten (EA<br />

30.4.1932). «Wie die Linksblockgründung auf die Kantonsratswahlen<br />

für <strong>Einsiedeln</strong> eine Neuheit war, so waren es auch die<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen vom letzten Sonntag. Dieselben stunden nämlich<br />

<strong>im</strong> Zeichen des grundsätzlichen Wahlstreikes der Linksparteien.<br />

Wie kam die Sache? Die Herbeiziehung der Sozialdemokraten<br />

durch die Liberalen und Bürgerparteiler als Sturmtruppe<br />

gegen die Konservativ-Christlichsozialen hatte bei den Letzern<br />

selbstverständlich die berechtigte Ablehnung gefunden. (…)<br />

Nach erfolgter Aufstellung unserer Nominationen, die verdientermassen<br />

ganz <strong>im</strong> Sinne der Bestätigung erfolgt waren,<br />

erfolgten endlich am Freitag Verhandlungsanbahnungen aus<br />

den Minderheitsparteien. (…) Von den Linksparteien waren bei<br />

den Verhandlungen nur die liberale Partei und die Bürgerpartei<br />

vertreten. Wie die sozialdemokratische Partei, die am Sonntag<br />

zuvor noch mit den beiden andern Linksparteien marschierte,<br />

inzwischen von denselben ‹weggekommen› war, entzieht sich<br />

unserer Kenntnis. Die Verhandlungen zwischen den Konservativen<br />

und den Linksparteilern führten zu keinem Resultat. Die<br />

Letztern erklärten zum Schlusse, dass ihre in Aussicht genommenen<br />

Kandidaten solidarisch auf die ihnen zugedachten Sitze<br />

verzichten. Nun war der Wahlstreik da, eine Neuigkeit in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Aber doch nicht auf der ganzen Linie. Der Landschreiber<br />

und der <strong>Bezirk</strong>sweibel wurden von den Linksparteien doch<br />

verlangt.» (EA 4.5.1932).<br />

Die Liste der Konservativen, der Christlichsozialen und des<br />

jungkonservativen Stauffacherbundes marschierte auch hier<br />

durch und diese errangen einen zusätzlichen Sitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat.<br />

In den notwendigen Nachwahlen überliessen sie den Liberalen<br />

und der Bauern-, Bürger- und Gewerbepartei indessen<br />

freiwillig einen Sitz, weil «die heutige allgemeine Wirtschaftskrise<br />

und die bevorstehenden wichtigen Fragen <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>shaushalt<br />

die Zusammenarbeit in der Behörde und den Frieden <strong>im</strong><br />

Volke» nahe lege (EA 18.5.1932). Die Arbeiterpartei sah zudem<br />

die Aussichtslosigkeit ein, mit einem Mann in den <strong>Bezirk</strong>srat<br />

einzuziehen und begnügte sich damit, gemäss Vereinbarung<br />

drei Kommissionssitze zu erhalten (SD 20.5.1932). Daniel Kürzi<br />

nahm nun nicht nur in der Armenpflege, sondern neu auch<br />

<strong>im</strong> Schulrat Einsitz (EA 28.5.1932). Der dritte Sitz dürfte weiterhin<br />

derjenige von Blasius Nauer in der Landkommission des<br />

Etzelwerks gewesen sein.<br />

Beginn der Etzelwerkarbeiten, Streiks und<br />

Arbeitsbedingungen<br />

Im Sommer 1932 gingen zwei Ankündigungen wie ein Lauffeuer<br />

durch <strong>Einsiedeln</strong>. Zum einen haperte es in den Buchdruckereien<br />

und standen Kündigungen <strong>im</strong> Raum. Zum anderen<br />

wurde das Etzelwerk vom Bund als Notstandsarbeit definitiv<br />

gesichert (SD 17.6.1932). Der Schwyzer Regierungsrat wies<br />

postwendend alle neuen Einreise- und Arbeitsgesuche von<br />

ausländischen Saisonarbeitern ab (SD 24.6.1932).<br />

«Das Etzelwerk, an dem am längsten Tag [21. Juni] der erste<br />

Spatenstich getan worden, wirkt sich bereits auch <strong>im</strong> täglichen<br />

Leben <strong>Einsiedeln</strong>s aus. Noch kann man öfters in Autocars einzelne<br />

Gruppen Offizieller sehen, die unter kundiger Leitung diesen<br />

oder jenen Punkt besuchen und in Augenschein nehmen.<br />

Schon macht sich aber auch der Zuzug von Leuten bemerkbar,<br />

die hier für die Zeit des Etzelwerkbaues ihr Auskommen<br />

zu finden hoffen. Zahlreich sind bereits die Schreinermeister,<br />

die vom Baubeginn Arbeit für ihre neuerrichteten Werkstätten<br />

erhoffen. In grosser Zahl gehen auch schon be<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>samt<br />

von Kantinenhaltern die Gesuche zum Bau von Baracken <strong>im</strong><br />

Gebiete des Sihlsees ein und namentlich stellen sich täglich<br />

viele Arbeitssuchende ein. Sie werden vielfach von auswärts<br />

nach <strong>Einsiedeln</strong> gewiesen, denn hier bekämen sie schon Arbeit.<br />

Leider sehen sich dann die Leute getäuscht, denn von<br />

einem grossen Arbeitsbetrieb spürt man noch wenig, konnten<br />

doch bis anhin nicht einmal alle Arbeitslosen des <strong>Bezirk</strong>es Beschäftung<br />

finden.» (SD 22.7.1932).<br />

Zwei Konflikte traten für die hiesige Arbeiterschaft zu Tage.<br />

Der erste betraf den Kanton Zürich. Dieser verlangte, 65% der<br />

be<strong>im</strong> Etzelwerk angestellten Arbeiter stellen und entsprechend<br />

Arbeitslose nach <strong>Einsiedeln</strong> schicken zu können, auf was sich<br />

die Kantone auch einigten, was den Einsiedler Arbeitslosen<br />

aber natürlich nicht gefiel (SD 26.8.1932, SD 31.3.1933, SD<br />

9.11.1934). Von Seiten der Arbeiterpartei bestand zudem der<br />

69


Bauarbeiten am Hühnermattdamm <strong>im</strong> Horgenberg (Foto Hermann Lienert, undat.).<br />

Verdacht, dass vorrangig Christlichsoziale berücksichtigt würden.<br />

Das andere war ein Lohnkonflikt. Der Stundenlohn lag<br />

unter einem Franken und die Auswärtigen wurden besser<br />

bezahlt.<br />

Als erste wehrten sich die Strassenarbeiter der Firma Walo<br />

Bertschinger <strong>im</strong> Horgenberg. Ihr eintägiger Arbeitsunterbruch<br />

war erfolgreich und der Stundenlohn wurde von 85 Rp. auf 95<br />

Rp. angehoben (SD 2.9.1932).<br />

Am 25. September 1932 organisierten sich in <strong>Einsiedeln</strong> die<br />

Bau- und Holzarbeiter als freie Gewerkschaft (SD 23.9.1932).<br />

Die Arbeiterpartei hielt am 1. Oktober 1932 ihre Monatsversammlung<br />

in der «Hofstatt» ab «um alle Angelegenheiten zu<br />

regeln» (SD 30.9.1932).<br />

Am 14. Oktober 1932 machten in <strong>Einsiedeln</strong> Gerüchte die<br />

Runde, dass in Willerzell und Euthal in den Firmen Fietz &<br />

Leuthold sowie Gossweiler & Cie. einige Gruppen von Strassenbauarbeitern<br />

am Etzelwerk in den Streik getreten seien.<br />

«In einem Aufrufe an die Bevölkerung von Willerzell und Euthal<br />

wurde ab Seite der Streikleitung erklärt, dass die Arbeiter<br />

wirklich in den Ausstand getreten seien und dass auch kein<br />

Einhe<strong>im</strong>ischer den um bessere Existenzbedingungen kämp-<br />

70<br />

fenden Arbeitsbrüdern in<br />

den Rücken fallen möge.<br />

Grund zur Arbeitsniederlegung<br />

wurden genannt:<br />

kleine Löhne, strenge Arbeit<br />

<strong>im</strong> Wasser und Dreck,<br />

schlechte Behandlung<br />

durch die Vorgesetzten und<br />

teures, schwächliches Essen<br />

in den Kantinen. Sofort<br />

begab sich das <strong>Bezirk</strong>samt<br />

nach Willerzell und zum<br />

Schutze der Arbeitswilligen<br />

(lies Kapitalisten!) wurde als<br />

erste Massnahme natürlich<br />

sofort ein grosses Polizeiaufgebot<br />

hierher beordert.<br />

Eine Konferenz in Zürich<br />

mit den Vertretern des Etzelwerkes<br />

ergab, dass die<br />

Unternehmer erklärten, sie<br />

entlöhnen <strong>im</strong> Sinne des<br />

Vertrages. Da mögen nun<br />

einmal jene Herren selbst<br />

in die Schmutzlöcher<br />

herabsteigen mit einem<br />

Schundlöhnchen, denn<br />

der ortsübliche Tarif, das<br />

ist für <strong>Einsiedeln</strong> etwas<br />

Dehnbares. Aber trotzdem<br />

erklärten die Herren protzig,<br />

dass sie nicht gewillt seien, grössere Löhne zu zahlen.»<br />

(SD 21.10.1932).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» witterte aufgrund der Urheberschaft<br />

der Streikaktion wohl nicht zu Unrecht einerseits politische<br />

Motive, stellte andererseits aber auch unumwunden<br />

fest, dass die Lohn- und Arbeitsverhältnisse am Etzelwerk alles<br />

andere als gut waren: «Ohne gross zu leben und zu prassen,<br />

kann es passieren, dass das Lohntreffnis nicht ausreicht,<br />

um die gemachten Ausgaben [für Kost und Logis in den Kantinen<br />

der Unternehmer] zu decken. So sollte ein Arbeiter bei der<br />

Firma Gossweiler ausbezahlt werden; aber unglücklicherweise<br />

hatte er für Kost und Logis mehr ausgegeben, als seine Entlöhnung<br />

ausmachte. Er musste wohl oder übel weiter arbeiten,<br />

bis er den letzten Heller bezahlt hatte. Vollständig mittellos,<br />

war er gezwungen, zu Fuss nach Hause ins Zürichbiet zu tippeln.»<br />

(EA 26.10.1932). «Die Leute müssen Bier oder Mineralwasser<br />

kaufen oder in den Kantinen der Unternehmer wacker<br />

Schulden machen. Immer wird der am meisten berücksichtigt,<br />

der in der Kantine des Unternehmers am meisten konsumiert.<br />

Solche Zustände sind einfach skandalös. Ferner wird ungewohnten<br />

Arbeitern Akkordarbeit zugemutet. Dass die Behand-


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Wie sich <strong>im</strong> Nachhinein ergab, hatten die streikenden Arbeiter<br />

in Willerzell eine Versammlung abgehalten und war<br />

hierbei das Kampforgan der kommunistischen Partei Zürich,<br />

der «Kämpfer» verteilt worden. Dieser wurde anfangs<br />

Woche von zwei Radfahrern auch <strong>im</strong> Dorf unter die Leute<br />

gebracht (EA 22.10.1932). Die direkte Streikaktion mit sofortiger<br />

Arbeitsniederlegung und Verzicht auf vorgängige<br />

Verhandlungen wurde als Fehler beurteilt. Vermittlungsversuche<br />

des Einsiedler Arbeitsamtes scheiterten an der<br />

«Starrköpfigkeit der Unternehmer», die Begehren der<br />

Streikleitung wurden als unberechtigt zurückgewiesen,<br />

diese verhaftet und während dreier Tage <strong>im</strong> Gefängnis in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> eingekerkert und die streikenden Arbeiter ausgesperrt<br />

(EA 26.10.1932, SD 28.10.1932).<br />

lung auch sehr zu wünschen übrig lässt, beklagten alle.» hielt<br />

auch der «Schwyzer Demokrat» fest (SD 28.10.1932). «Dass<br />

es bei derartigen Zuständen Erbitterung geben kann, ist nicht<br />

zu verwundern, besonders wenn man in Betracht zieht, dass<br />

diese Arbeit für manchen [Arbeitslosen] eine ungewohnte Tätigkeit<br />

ist. Verständigerweise bedeutet eine Arbeit, die in Lehm<br />

und Dreck bis über die Fussknochen ausgeführt werden muss,<br />

sicher kein Vergnügen. Was bleibt da bei solchen armseligen<br />

Löhnen noch übrig für gutes Schuhwerk und Kleider, für die<br />

Familie, für Frau und Kinder, für Hauszins, Heizung und andere<br />

vielgestaltige Unkosten?» (EA 26.10.1932).<br />

Die Stellungnahme der Gewerkschaften vom 1. November<br />

1932 zu Handen des Bundesamtes für Industrie, Gewerbe und<br />

Arbeit, der Bauleitung der Etzelwerk AG, Regierungsrat und<br />

Stadtrat von Zürich, nahm kein Blatt vor den Mund. Auf den<br />

fünf Baustellen arbeiteten insgesamt 283 Mann, wovon 174<br />

aus dem Kanton Zürich, und 109 aus dem Kanton Schwyz.<br />

Die Stundenlöhne betrugen zwischen 90 Rp. und Fr. 1.10 bei<br />

einer wöchentlichen Arbeitszeit von 55–58 Stunden. Die Verpflegung<br />

in den Kantinen kostete pro Tag etwa Fr. 3.—. «Das<br />

Essen kann als preiswert bezeichnet werden, ist jedoch für die<br />

schwere und ungewohnte Arbeit <strong>im</strong> Freien nicht ausreichend,<br />

so dass die Zwischenverpflegungen (Znüni und Zvieri) nicht<br />

übertrieben sind. Dadurch tritt aber eine wesentliche Verteuerung<br />

der Verpflegungskosten ein.» Die Arbeiter waren bei<br />

den Bauern in der Umgebung untergebracht und bezahlten<br />

pro Nacht 50–60 Rp. bzw. Fr. 15.— bis Fr. 18.— pro Monat auf<br />

der linken Sihlseite (!), währenddem bei den Baustellen auf<br />

der rechten Sihlseite pro Nacht 70–80 Rp. bzw. Fr. 21.— bis Fr.<br />

24.— pro Monat verlangt wurden. Meistens handelte es sich<br />

um 2er- oder 3er-Z<strong>im</strong>mer und bestand keine Gelegenheit, die<br />

nassen Kleider trocknen zu können. In Bezug auf die Behandlung<br />

der Arbeiter «musste festgestellt werden, dass bei letzteren<br />

[auf der rechten Sihlseite] verschiedenes nicht st<strong>im</strong>mt,<br />

und sich diese Arbeiter in einer ungünstigeren Lage befinden<br />

als ihre Kollegen links der Sihl. Dies kommt durch die niedrigeren<br />

Löhne, Mehrpreis für das Logis, wie durch eine starke<br />

Fluktuation unter den Arbeitern zum Ausdruck.» Hinzu kam:<br />

«Wie üblich haben die Arbeiter bei solchen Bauten wegen der<br />

Witterungsverhältnisse grosse Einbussen am Lohn zu erleiden,<br />

wogegen sie natürlich die Ausgaben für Verpflegung und<br />

Logis gleichwohl bestreiten müssen. Wie von der Bauleitung<br />

mitgeteilt wurde, werden die Arbeiten ab November auf den<br />

meisten Baustellen ganz eingestellt.» (SD 4.11.1932).<br />

Dem «Einsiedler Anzeiger» lagen Zahltagscouverts vor, bei<br />

71


Etzelwerk-Strassenarbeiter in Euthal in einer undatierten Aufnahme.<br />

etwas klares Wasser einzuschenken, das<br />

werden auch Sie für gut finden.» kommentierte<br />

der «Schwyzer Demokrat» gegenüber<br />

dem christlichsozialen Arbeitersekretär<br />

Fritz Husi trocken (SD 4.11.1932). «Der<br />

‹Goldregen am Etzelwerk›, wie ihn etliche<br />

haben, ist eben nicht der Arbeiterschaft<br />

beschieden, wohl aber hat es Ingenieure,<br />

die ein Monatssalär von 2‘500 und 3‘000<br />

Franken einsacken, Unteringenieure Fr.<br />

1‘400 bis 1‘600 Fr.»<br />

Das christlichsoziale Arbeitersekretariat<br />

bzw. Fritz Husi st<strong>im</strong>mte bei. «Mag der<br />

Streik, wie er in Szene gesetzt wurde, ein<br />

falsches Mittel gewesen sein, die Forderungen<br />

waren bis in die Einzelheiten gerecht.»<br />

(EA 2.11.1932).<br />

Ob und wie sich die Arbeitsverhältnisse<br />

danach verbesserten ist nicht bekannt.<br />

Wie sich vier <strong>Jahre</strong> später herausstellen<br />

sollte, war es um den Arbeiterschutz aber<br />

<strong>im</strong>mer noch nicht gut bestellt.<br />

Genfer Aufruhr und<br />

eine Rechtfertigung des<br />

Parteinamens<br />

welchen Arbeitern nach zwei Wochen Arbeit und Abzug von<br />

Kost und Logis zwischen Fr. 3.75 und Fr. 7.40.— übrig blieben<br />

und bei hiesigen Arbeitern Fr. 25.70. Letztere mussten hieraus<br />

die Wohn- und Lebenskosten ihrer Familie bestreiten (EA<br />

26.10.1932).<br />

«Ja, lieber Herr Sekretär, jetzt haben Sie einen Haufen Arbeit<br />

zu bewältigen und wir möchten ja nicht, dass Sie aus lauter<br />

Erfahrungen Sozialist werden. Den Herren hin und wieder aber<br />

Im Jahr 1932 traten in der Schweiz je länger<br />

je mehr Spannungen zwischen (gemässigten)<br />

Sozialdemokraten und Kommunisten<br />

auf. Die 1. Mai-Feiern beging<br />

man bereits getrennt.<br />

Der Grosse Stadtrat Zürich behandelte<br />

am 2. November 1932 eine Interpellation<br />

des Kommunisten Brunner<br />

betreffend die Arbeitsverhältnisse am Etzelwerk.<br />

Dieser warf dem roten Stadtrat<br />

vor, dass er <strong>im</strong> Etzelwerkstreik «eine jämmerliche<br />

Judasrolle» gespielt habe und<br />

die Arbeiter am Etzel «verrecken» lasse<br />

(EA 5.11.1932).<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> hielt wie<br />

gewohnt am 1. Oktober und 5. November<br />

1932 ihre Monatsversammlungen in<br />

der «Hofstatt» ab (SD 30.9.1932, SD 4.11.1932). Die behandelten<br />

Geschäfte dürften sich um die Verträge mit den Elektrizitätswerken<br />

des Kantons Zürich betreffend Energielieferung<br />

und Verteilanlagen und um Sihlseeangelegenheiten gedreht<br />

haben.<br />

Am 9. November 1932 fanden die Unruhen von Genf statt,<br />

auch bekannt als «Blutnacht von Genf». Gegen eine Veranstaltung<br />

der frontistischen Union nationale demonstrierten<br />

72


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

etwa 8‘000 Personen des militanten linken Lagers um den<br />

späteren Kommunisten Léon Nicole. Die Situation eskalierte,<br />

als die Polizei die erst in der sechsten Ausbildungswoche stehende<br />

Rekrutenschule als Verstärkung beizog, und die Rekruten<br />

ohne Vorwarnung in die Menschenmenge schossen. Es<br />

kam in der Folge zur bislang letzten Bundesintervention mit<br />

Truppenaufgebot.<br />

Der Genfer Aufruhr wurde von der bürgerlichen Presse wegen<br />

dessen «bolschewistischen Charakter» als Alarmzeichen<br />

betrachtet und es wurden Rufe um einen vorsorglichen Schutz<br />

der öffentlichen Ordnung laut (EA 19.11.1932).<br />

Am 20. November 1932 lud die Arbeiterpartei zu einem<br />

öffentlichen Vortrag von Stadtrat Graf, Arbeitersekretär in Luzern,<br />

in die «Hofstatt». Der «Einsiedler Anzeiger» enervierte<br />

sich einmal mehr über die Namensgebung der Partei (EA<br />

23.11.1932). Diese konterte: «Also mein lieber Neuling, die Arbeiterpartei<br />

führt diesen Namen mit vollem Recht, denn sie ist<br />

die Partei des arbeitenden Volkes <strong>im</strong> tiefsten Sinne des Wortes,<br />

<strong>im</strong> Gegensatz zur christlichsozialen Partei, deren Wortführer<br />

angeblich Arbeiterpolitik betreiben, aber in recht vielen, das arbeitende<br />

Volk direkt berührenden Fragen am Gängelband der<br />

konservativen Kapitalisten tanzen. (…) Arbeiterpolitik ist nicht<br />

Herrenpolitik! Die Arbeiterpartei des Kt. Schwyz machte noch<br />

nie einen Hehl daraus, dass sie eine sozialdemokratische Partei<br />

sei.» (SD 25.11.1932).<br />

Im Dezember 1932 kursierten in <strong>Einsiedeln</strong> Unterschriftenbögen<br />

für die von den Sozialdemokraten und dem Gewerkschaftsbund<br />

lancierten «Krisen-Initiative» (EA 3.12.1932).<br />

Die Arbeiterpartei führte am 17. Dezember 1932 in der<br />

«Hofstatt» noch einmal eine Monatsversammlung durch (SD<br />

16.12.1932). Mutmasslich wurden Unterschriften gesammelt.<br />

Gleichzeitig nahm man zur Kenntnis: «Da die Arbeiten am Etzelwerk<br />

sozusagen fast ganz eingestellt sind, zufolge Schnee<br />

und Kälte, bleibt diesen armen Teufeln nichts anderes übrig,<br />

als zu feiern, indem es ausgeschlossen ist, jetzt anderorts<br />

Arbeit zu finden. Es ist nur zu hoffen, dass diese Leute ohne<br />

Scherereien anständig unterstützt werden.» (SD 16.12.1932).<br />

Ein Präsidentenwechsel, eine<br />

Lohnabbauvorlage und Armenpflege<br />

Die Befindlichkeiten in <strong>Einsiedeln</strong> brachte der «Einsiedler<br />

Anzeiger» bereits zu Beginn des <strong>Jahre</strong>s 1933 treffend zum<br />

Ausdruck: «Ungeteiltes Interesse über die Entwicklung der<br />

Dinge be<strong>im</strong> Bau des Etzelwerkes hält offensichtlich die Gemüter<br />

in zwiespältigen Ahnungen, hoffnungsvolle Zuversicht<br />

– hoffungsleeres Bangen. (…) Die starke Hoffnung auf ausreichenden<br />

Verdienst, die so manchen Bürger bewog, an der<br />

Konzessionsgemeinde für die Erteilung der Konzession zu<br />

st<strong>im</strong>men, erwies sich nach den gemachten Erfahrungen als<br />

trügerisch. In Wirklichkeit zeigt sich ein ganz anderes Bild:<br />

kleiner Verdienst und grosse Enttäuschung; an Stelle eines<br />

ausreichenden Einkommens ein armseliges Tröpfeln.» (EA<br />

7.1.1933).<br />

Gegen <strong>100</strong> Personen, die meisten von ihnen hatten Familien<br />

zu versorgen, waren arbeitslos. Allein das Kloster hatte<br />

<strong>im</strong> vergangenen November an Arbeiter über 1‘000 Essen<br />

verabreicht (SD 20.1.1933).<br />

Die Arbeiterpartei sammelte nicht nur Unterschriften für<br />

die erwähnte Kriseninitiative, sondern auch für das Referendum<br />

gegen den <strong>im</strong> Bund vorgesehenen Lohnabbau be<strong>im</strong><br />

eidgenössischen Personal (SD 10.1.1933).<br />

Am Meinradstag, 21. Januar 1933, hielt sie <strong>im</strong> Saale zur<br />

«Hofstatt» ihre Generalversammlung ab. «Die ziemlich ergiebige<br />

Traktandenliste fand reibungslose Erledigung: die Besetzung<br />

des Vorstandes fand darin eine Aenderung, dass an<br />

Stelle unseres beliebten Parteipräsidenten Daniel Kürzi, alt<br />

Kantonsrat, der infolge öfteren schmerzvollen Krankheiten<br />

sich veranlasst gefunden hatte, als Spitzenmann ins zweite<br />

Glied zurückzutreten. Seine Verdienste wurden denn auch<br />

vom Verein wärmstens verdankt, umsomehr, wenn man<br />

weiss, mit welchen oft verrosteten Waffen gegen den Sozialismus<br />

in konservativen und ohne grösseren Unterschied,<br />

auch von liberalen Zeitungen anödend, geschrieben wird.<br />

Da begreift man, dass es vom sozialdemokratischen Parteipräsidenten<br />

am zielvollen Bewusstsein für unsere hohe<br />

Aufgabe nicht fehlt, noch fehlen darf, um die gegnerischen<br />

Klippen zu umfahren, damit das Vereinsschiff nicht Lecke<br />

bekommt und das wusste unser alte Präsident stets zu handhaben,<br />

darum nochmals sei ihm Dank gezollt. An seine Stelle<br />

liess sich eine jüngere, frische Kraft, wenn auch zögernd,<br />

wählen und mit einst<strong>im</strong>miger Akklamation genehmigt. Ruhiges,<br />

sicheres und bewusstes Auftreten, sind auch am frischen<br />

Parteipräsidenten Eigenschaften, welche eine Garantie<br />

geben, dass unser Vorwärtsstreben nicht Rückschläge<br />

erfahren wird, obwohl es ebensoviel, an den Mitgliedern<br />

selbst liegt, entsprechend dem Charakter des Präsidenten<br />

mitzuhelfen und mitzuraten. Und so wollen wir ein ehrenhaftes<br />

Glied sein und bleiben in der grossen weltumsponnenen<br />

Kette des internationalen Proletariats. Ein wichtiger<br />

Faktor ist <strong>im</strong>mer <strong>im</strong> Vereinswesen die Finanzlage. Hierin<br />

haben wir in Kassier Birchler Stephan die richtige Kraft.<br />

Seine Rechnungsführung gab ein Bild von peinlichster Genauigkeit.<br />

Einst<strong>im</strong>mig und mit Dank für seine Gewissenhaftigkeit<br />

wurde er wiederum gewählt. Wir sind also stolz einen<br />

schönen Betrag in der Kasse zu wissen. Auch ergeht der<br />

Beschluss, den Genferopfern, welche durch hochstehende<br />

Militärpersonen verschuldet sind, einen schönen Betrag zuzusenden.<br />

Im grossen Ganzen hat schon mehrmals die hiesige Allgemeine<br />

Arbeiterpartei ihre Solidarität bewiesen, <strong>im</strong>mer zu<br />

helfen, wo es die Not erfordert. Mit Freuden wollen wir <strong>im</strong><br />

neuen Jahr die nie versagenden Pflichten zum Wohle der<br />

Werktätigen zu erfüllen suchen. Wenn auch der Lohn nicht<br />

73


direkt erfolgt, so doch indirekt. Für Gerechtigkeit, unser heilige<br />

Kampf!» (SD 7.2.1933).<br />

Leider ist nicht bekannt, welche «jüngere, frische Kraft»<br />

nach einigem Zögern das Parteipräsidium übernahm. Ob<br />

es sich hierbei um Stefan Birchler-Hensler (1898-1934), Ziegeleiarbeiter,<br />

wohnhaft <strong>im</strong> Hafnerquartier, gehandelt hat, ist<br />

ungewiss. Die Partei bedauerte jedenfalls relativ ausführlich<br />

und öffentlich sein frühes Dahinscheiden und zitierte ihn mit<br />

den Worten: «Ach, wenn doch das endliche Erkennen Platz<br />

greifen würde, dass alle Arbeiter, Kleinbauern und Kleinhandwerker<br />

ein Zusammenarbeiten finden würden in vereinigtem<br />

Handeln.» (SD 23.10.1934, EA 27.10.1934). Oder handelte es<br />

sich um den späteren Kantonsrat Fritz Moser-Birchler?<br />

Ende März 1933 wurden die Arbeiten <strong>im</strong> Etzelwerk wieder<br />

aufgenommen und fanden 60 Mann erneut eine Anstellung<br />

(SD 24.3.1933).<br />

Die Arbeiterpartei hielt am 29. März 1933 ihre gewohnte<br />

Versammlung in der «Hofstatt» ab (SD 28.3.1933).<br />

Am Ostermontag wurde <strong>im</strong> Saal zur Taube der Film «Das<br />

Eidgenössische Personal <strong>im</strong> Dienste der Arbeit» gezeigt (SD<br />

14.4.1933). Offenkundig wurde damit für eine Verwerfung<br />

des Bundesgesetzes über den Lohnabbau be<strong>im</strong> eidgenössischen<br />

Personal geworben.<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» warb aus Spargründen für die<br />

Vorlage (EA 6./17.5.1933) und erntete zum Teil harsche Reaktionen.<br />

«Der gute, ja sehr gute katholisch-konservative<br />

Einsiedler Anzeiger lechzt nach dem Lohnabbau. Er will den<br />

dummen Leuten Gerechtigkeit in seinem Sinn vorschwafeln.<br />

Jener Zeitungsschreiber ist kein Arbeiter, der hat noch nie<br />

ein rechtes Werkzeug in Händen gehabt, sonst könnte der<br />

nicht so blöde Artikel schreiben. (…) Ein Einsiedler Arbeiter.»<br />

(SD 9.5.1933).<br />

Am 23. Mai 1933 organisierten die Christlichsozialen in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> gegen die Lohnabbau-Vorlage eine öffentliche<br />

Volksversammlung <strong>im</strong> «Pilgerhof» (heute «Sihlsee»). «Da<br />

die hiesige Allg. Arbeiterpartei eine freundliche Einladung<br />

von kompetenten Vorstandsmitglieder seitens der christlich<br />

organisierten Arbeiter erhalten hatte, mit der Annahme unserseits,<br />

dürfe auch eine Beteiligung erwartet werden, soll<br />

nichts unterlassen bleiben, dem Wunsche nachzukommen.»,<br />

so der Aufruf der Partei zur Teilnahme (SD 12.5.1933).<br />

Der Lohnabbau wurde am 28. Mai 1933 schweizweit sowie<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz und auch in <strong>Einsiedeln</strong> verworfen.<br />

Auch in Bezug auf die Armenpflege gingen die Arbeiterpartei<br />

und das christlichsoziale Arbeitersekretariat für einmal<br />

Hand in Hand und tätigten eine Eingabe an den <strong>Bezirk</strong>srat,<br />

damit in erster Linie der Kanton Schwyz und speziell die Einsiedler<br />

für die Arbeiten am Etzelwerk beigezogen würden.<br />

Der <strong>Bezirk</strong>srat versprach, mit den zuständigen Stellen Fühlung<br />

aufzunehmen (EA 10.5.1933).<br />

Am 17. Juni 1933 versammelten sich die Mitglieder der<br />

Abeiterpartei wiederum in der «Hofstatt». «Zahlreiches Erscheinen<br />

ist erwünscht, da sehr wichtige Traktanden zu behandeln<br />

sind.» (SD 13.6.1933).<br />

Das Problem der Arbeitslosen, ihr Hin- und Herschieben<br />

vom Arbeitsamt zum <strong>Bezirk</strong>samt und umgekehrt blieb in der<br />

Diskussion. «Der Herr <strong>Bezirk</strong>sammann gab den Rat, sich bei<br />

der Armenpflege zu verwenden und die Ledigen können ins<br />

Armenhaus. Uebrigens meinte ein Witzbold, der Amtmann<br />

kaufe in Zukunft ein Kilo Zuckerkügeli und gebe jedem ein<br />

Paar Stück für den Vormittag. Nachmittags könne ein jeder<br />

einen Schick zu sich nehmen, das genüge ja schon. Nein,<br />

meine Herren, wir wollen Arbeit und Brot und nicht armengenössig<br />

werden.» (SD 11.8.1933).<br />

Im Oktober 1933 musste vermeldet werden, dass bei<br />

den Etzelwerkarbeiten bereits Ebbe eingetreten sei. «Eine<br />

bittere Aussicht auf den Winter, wenn es der Regierung nicht<br />

gelingt, Arbeit zu schaffen. Dies alles ruft doch gewiss einer<br />

Arbeitslosenversicherung!» (SD 13.10.1933).<br />

Aus den <strong>Bezirk</strong>sratsverhandlungen vom 2. November<br />

1933 entn<strong>im</strong>mt man: «Die allgemeine Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

reichte dem Rat ein Gesuch ein, wonach die Armenpflege<br />

verhalten werden sollte, jene Gesuche, welche von unverschuldet<br />

arbeitslosen Einsiedlern gestellt werden, nicht ins<br />

allgemeine Armenprotokoll aufzunehmen, sondern in einem<br />

zu diesem Zweck zu schaffenden Kontrollbuch aufzuführen.<br />

Da zu einem solchen Vorgehen die gesetzlichen Grundlagen<br />

fehlen und zudem ein kantonales Versicherungsgesetz in<br />

Aussicht steht, wonach sich die Arbeiter versichern lassen<br />

können, muss der Rat das Gesuch ablehnen.» (EA 8.11.1933,<br />

SD 10.11.1933).<br />

Auf den 25. November 1933 berief die Arbeiterpartei<br />

eine wichtige Versammlung in die «Hofstatt» ein und in der<br />

Folge erging der Aufruf: «Wir ersuchen die Arbeiterschaft<br />

von <strong>Einsiedeln</strong> am Sonntag unter allen Umständen den Gang<br />

zur Urne nicht zu versäumen und Ja zu st<strong>im</strong>men. Aber nicht<br />

nur das, wir müssen es uns zur Pflicht machen, die letzten<br />

Stunden vor der Abst<strong>im</strong>mung zur Agitation zu benutzen und<br />

aufzuklären, wo solche noch not tut. Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>.»<br />

(SD 1.12.1933).<br />

Am 3. Dezember 1933 stand nämlich die Abst<strong>im</strong>mung<br />

über das kantonale Gesetz betreffend Arbeitslosenversicherung<br />

und Arbeitslosenfürsorge an. Dieses wurde <strong>im</strong> Kanton<br />

und auch in <strong>Einsiedeln</strong> (722 Ja gegen 274 Nein) deutlich<br />

angenommen.<br />

Im Bericht zur öffentlichen Volksversammlung des Handwerker-<br />

und Gewerbevereins <strong>Einsiedeln</strong> sowie des Rabattvereins<br />

am 10. Dezember 1933 <strong>im</strong> Gesellenhaus zum<br />

Referat über die «Neuordnung der Wirtschaft und des Gewerbestandes»<br />

findet sich der Hinweis: «An der Diskussion<br />

beteiligten sich noch Hr. Wolf als Vertreter der sozialistischen<br />

Arbeiterpartei (…).» (EA 16.12.1933).<br />

«Das Wirtschaftsjahr 1933 gehörte zu den allerschlechtesten<br />

der Nachkriegszeit.» (EA 3.1.1934).<br />

74


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Exkurs: Nationalsozialismus in <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Machtergreifung von Adolf Hitler <strong>im</strong> Frühjahr 1933 in<br />

Deutschland zeitigte auch Auswirkungen in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Be<strong>im</strong> «Gnädigen» handelte es sich um den Wirt des Hotels<br />

«Freihof», Willy Gnädinger, in <strong>Einsiedeln</strong> geboren und<br />

aufgewachsen.<br />

Postwendend fanden er und weitere Deutsche ihre Häuser<br />

mit einem Hakenkreuz verschmiert. «Als alte demokratische<br />

Bürger wünschen wir es ins Pfefferland. Wir wollen frei<br />

sein, wie es unsere Väter<br />

waren. Wenn auch verschiedene<br />

Fronten in<br />

unserm Schweizerlande<br />

entstehen, teilweise mit<br />

Programmpunkten, die<br />

wir Konservative schon<br />

längst vertreten, so ist<br />

und bleibt unser Weg der<br />

gerade Pfad der kathol.<br />

Weltanschauung. Kein<br />

Faszismus, keine Diktatur,<br />

komme sie von links<br />

oder von rechts.», kommentierte<br />

der «Einsiedler<br />

Anzeiger» (EA 3.5.1933).<br />

Die Schmierereien wurden<br />

verurteilt (SD 3./6.5.1933).<br />

Nebst Willy Gnädinger, der als<br />

erster nationalsozialistischer<br />

Gauleiter fungierte, galten<br />

auch die Gasthäuser zum<br />

«Rebstock» und das «Schwyzerhüsli»<br />

von Josef Brandt als<br />

deutschfreundlich.<br />

Willy Gnädinger wurde 1936<br />

wegen verbotener politischer<br />

Tätigkeit verwarnt (SD<br />

17.7.1936).<br />

Rechts: Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» vom 19.1.1936.<br />

Im Juli 1933 hielt der spätere Bundesrat und ehemalige<br />

Stiftsschüler Philipp Etter als katholisch-konservativer Zuger<br />

Ständerat ein Referat mit dem Titel «Fronten und Konservative<br />

Volkspartei». In der Berichterstattung war zu lesen: «Abschliessend<br />

befürwortet Ständerat Etter eine positive Einstellung<br />

unserer Partei zu den neuen Bewegungen. Wir wollen ihr<br />

Gutes anerkennen, uns freuen, dass eine vaterländische und<br />

soziale Erneuerung mächtigen Antrieb erhalten konnte. Wir<br />

müssen aber auch dafür wirken, dass eine Abklärung <strong>im</strong> Sinne<br />

der christlichen und schweizerischen Traditionen erfolgt.» (EA<br />

5.7.1933).<br />

Nachdem in Nazi-<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» publizierte<br />

in seiner Ausgabe<br />

vom 26. April 1933 nebenstehendes<br />

Inserat, was für einigen<br />

Aufruhr sorgte.<br />

«Wirklich, das fehlt uns hier gerade<br />

noch! Der G n ä d i g e verschone<br />

uns mit solcher Kost.<br />

Die deutschen Märkli sind uns<br />

Einsiedlern recht, aber mit ihrer<br />

verrückten, kanzlerischen<br />

Volkserziehungsmethode sollen<br />

sie uns ferne bleiben.»<br />

(SD 28.4.1933).<br />

Deutschland eine<br />

schwere Katholikenverfolgung<br />

eingesetzt hatte<br />

und katholische wie<br />

reformierte Organisationen<br />

sowie die deutsche<br />

sozialdemokratische<br />

Partei und die Gewerkschaften<br />

aufgelöst und<br />

ihre Vermögen verstaatlicht<br />

wurden, fanden sich<br />

Katholisch-Konservative<br />

und Schweizer Sozialdemokraten<br />

kurzerhand <strong>im</strong><br />

selben Boot.<br />

Zu der von der «Hitlergarde»<br />

am 28. Mai 1933 in Biberbrugg eingeladenen öffentlichen<br />

Versammlung rief der «Schwyzer Demokrat» zur<br />

boykottierenden Teilnahme auf: «Arbeiter von <strong>Einsiedeln</strong> und<br />

Umgebung! Macht es wie die Genossen anderswo es gemacht<br />

haben: beteiligt euch in Masse an der Versammlung, lasst die<br />

Schweizernazi reden, aber dann redet auch und erklärt den<br />

Burschen den Standpunkt mit Einsiedlergründlichkeit. Dann<br />

werden sie unverrichteter Dinge abfahren und ihre Pfeifen<br />

einziehen müssen, wie es ihnen schon an manchen Orten ergangen<br />

ist.» (SD 19.5.1933).<br />

Im August 1933 war <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» zu lesen:<br />

«Eine krasse Reklame leistet sich der Besitzer des Gasthauses<br />

‹Freihof› in <strong>Einsiedeln</strong>, Herr Friedrich Wilhelm Gnädinger. Das<br />

75


unvermeidliche Bild der Stiftskirche, flankiert durch dasjenige<br />

des Gasthauses wird umrahmt von einer salbungsvollen<br />

Textaufmachung: ‹Wenn Sie mal nach <strong>Einsiedeln</strong> reisen, dann<br />

gehen Sie in das Gasthaus Freihof – altbekanntes deutsches<br />

Haus an der Hauptstrasse rechts, nahe der Kirche. Im Freihof<br />

werden Sie sehr freundlich aufgenommen... Den werten<br />

Zwischen Juli 1941 und April 1944 fanden <strong>im</strong> Hotel «Taube»<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> verschiedene nationalsozialistische<br />

Film- und Propagandavorführungen statt, welche aber<br />

vorab den Mitgliedern vorbehalten blieben.<br />

Diese Aktivitäten, welche auch Veranstaltungen und Feiern<br />

beinhalteten, wurden in <strong>Einsiedeln</strong> wohl wahrgenommen,<br />

doch wurde über sie nicht berichtet.<br />

Pilgern bestens empfohlen... empfehle mich speziell unsern<br />

lieben Landsleuten aus Deutschland. Deutsche, unterstützt<br />

das Deutschtum <strong>im</strong> Auslande! Heil Hitler! Hakenkreuz!› - Das<br />

ist der Herr, den zu betupfen wir schon einmal das Vergnügen<br />

hatten. Das ist der angebliche Freund Hitlers. Genossen<br />

von <strong>Einsiedeln</strong>, passt diesem Nazibruder auf die Finger!» (SD<br />

29.8.1933).<br />

Der sozialdemokratische «Schwyzer Demokrat» rief auch<br />

dazu auf, keine deutschen Waren zu kaufen (SD 17.11.1933).<br />

Im August 1934 wurde der «Freihof» wiederum mit einem<br />

Hakenkreuz verschmiert (SD 10.8.1934). Im Januar 1935<br />

tauchte in <strong>Einsiedeln</strong> die «Deutsche Kolonie» als «Stützpunkt<br />

der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei» auf (EA<br />

26.1.1935).<br />

Am 7. Juli 1941 wurde dann die «Deutsche Gemeinschaft <strong>Einsiedeln</strong><br />

und Umgebung», die <strong>Bezirk</strong>e <strong>Einsiedeln</strong>, Höfe und<br />

March umfassend, gegründet. Sie umfasste bis November<br />

1944 zwischen 60 und 130 Mitglieder. Die Beitrittsquote der<br />

hier <strong>im</strong> Kanton ansässigen Deutschen betrug etwa 41%. Der<br />

Stützpunkt der «Reichsdeutschen Jugend» («Hitler Jugend»<br />

und «Bund Deutscher Mädel») <strong>im</strong> Kanton Schwyz befand sich<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>. Kolonie- und Gauleiter der <strong>Bezirk</strong>e March, Höfe<br />

und <strong>Einsiedeln</strong> war Johann Fritzsche, Zündstoff-Fabrikant in<br />

Schindellegi, Mitglied der NSDAP (SD 6./17.7.1945).<br />

Etwas irritierend, handkehrum aus Arbeiteroptik in gewisser<br />

Hinsicht aufschlussreich, erscheint das Lob ausgerechnet<br />

<strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 14. April 1936: «Endlich<br />

hat sich ein Wirt in hier aufgemacht und es fertig gebracht,<br />

dass auch ein Arbeiter ein Gläschen Wein zu trinken vermag.<br />

Alle Ehre dem Freihofwirt, Herrn Willy Gnädinger. So bekommt<br />

man doch ein pr<strong>im</strong>a Tiroler-Spz., 2 Dezi für 35 Rp. Ebenso sind<br />

andere Weine so reduziert. (…) Dass der Freihof auf diese Weise<br />

gut besucht wird, ist selbstverständlich. Den andern Wirten<br />

zur Nachahmung empfohlen!»<br />

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden <strong>im</strong> Kanton<br />

Schwyz zehn Personen wegen nationalsozialistischer Umtriebe<br />

ausgewiesen, unter ihnen Willy Gnädinger («Freihof»),<br />

Josef Brandt («Schwyzerhüsli») und Paul Dalski (Besitzer des<br />

Trachslauer Kieswerks) aus <strong>Einsiedeln</strong> (EA 31.7.1945). Auf liberale<br />

Fürsprache wurde einzig und just der eidgenössische<br />

Ausweisungsbefehl gegen Johann Fritzsche – mit befürwortendem<br />

Antrag des Schwyzer Regierungsrates – in Wiedererwägung<br />

gezogen, was der «Schwyzer Demokrat» rundweg als<br />

Skandal bezeichnete, zu einer «Säuberungs-Petition» und zu<br />

einer Interpellation der Arbeiterfraktion <strong>im</strong> Schwyzer Kantonsrat<br />

führte (SD 7./17.8.1945, SD 7.5.1946).<br />

Das «Ordnungsgesetz», Unruhen um den<br />

«Schwyzer Demokrat» und missliebige<br />

Bagger<br />

Über die am 20. Januar 1934 in der «Hofstatt» stattgefundene<br />

Generalversammlung der Arbeiterpartei wissen wir leider<br />

nichts Näheres. Nebst Aktivmitgliedern müssen auch Passivmitglieder<br />

bestanden haben und waren «Gesinnungsfreunde»<br />

stets willkommen (SD 15.1.1934).<br />

Die nächste Monatsversammlung fand am 4. Februar<br />

1934 am nämlichen Ort statt. «Sehr wichtige Verhandlungen.<br />

Vollzähliges Erscheinen unerlässlich.» (SD 2.2.1934). In Österreich<br />

herrschte zur selben Zeit Bürgerkrieg. Die sozialdemokratische<br />

Partei Österreichs wehrte sich gegen ihre Vernichtung<br />

und hatte zum Kampf aufgerufen (EA 17.2.1934).<br />

Auf der politischen Traktandenliste stand das Bundesgesetz<br />

zum Schutze der öffentlichen Ordnung, das am 11. März<br />

1934 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangte. Das Bundesstrafgesetz von<br />

1853 war veraltet und angesichts der struben Zeitverhältnisse<br />

76


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der «Schwyzer Demokrat», ab Juli 1934 neu nicht mehr «Offizielles Organ der ‹Arbeiter-Union› des Kantons Schwyz».<br />

und insbesondere <strong>im</strong> Nachgang an die Genfer Unruhen hatte<br />

die neue Vorlage zum Ziel, auch Vorbereitungshandlungen<br />

und erfolglose Versuche, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu<br />

stören, unter Strafe zu stellen. Die Vorlage war pr<strong>im</strong>är gegen<br />

die Sozialdemokratie gerichtet. «Die revolutionäre Massenaktion<br />

steht heute noch als Kampfmittel <strong>im</strong> sozialdemokratischen<br />

Programm. (…) Auch in unserer alten Demokratie zeigen sich<br />

Erscheinungen und Methoden, die undemokratisch sind, die<br />

öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährden und schliesslich<br />

selbst den Bestand des Landes gefährden könnten. Allen diesen<br />

Tendenzen gegenüber gilt es, rechtzeitig für den nötigen<br />

Schutz des Staates und der öffentlichen Ordnung zu sorgen.»<br />

(EA 3.3.1934).<br />

Der «Schwyzer Demokrat» rief zur Ablehnung der Vorlage<br />

auf. «Warum st<strong>im</strong>men wir zum Ordnungsgesetz Nein? Weil es<br />

gegen das arbeitende Volk gerichtet ist und den Schutz des<br />

grosskapitalistischen Ausbeutertums in sich birgt. (…) Darum<br />

bachab mit einem neuen Prügel der Volksfreiheit!» (SD<br />

2.3.1934).<br />

Während der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und auch der Kanton<br />

Schwyz diesem Ordnungsgesetz deutlich zust<strong>im</strong>mten, wurde<br />

dieses durch das Schweizervolk bei einer St<strong>im</strong>mbeteiligung<br />

von 79% (!) eher überraschend verworfen. Der «Einsiedler Anzeiger»<br />

meinte: «Ein Sieg der allgemeinen Unzufriedenheit. (…)<br />

Ohne Übertreibung darf man sagen: noch nie bildete bei einer<br />

eidgenössischen Abst<strong>im</strong>mung die Mehrheit ein derartiges<br />

Konglomerat gegensätzlicher Elemente.» (EA 14.3.1934).<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> war indessen zufrieden. «Der<br />

Kampf ist vorbei. Unsere Agitation gegen das Umsturzgesetz<br />

hat sich bezahlt, wie das Abst<strong>im</strong>mungsresultat ausweist. Besonders<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> hatte den beiden Zeitungsredaktoren<br />

der Schlotter in die Beine geschlagen, als sie am Montagmorgen<br />

etwas hinkend in ihr Bureau gingen.» (SD 16.3.1934).<br />

Der Frühling 1934 zeigte sich hoffnungsvoll, denn das<br />

Bauprogramm des Etzelwerks mit einem Schwergewicht der<br />

Bauarbeiten in den <strong>Jahre</strong>n 1935/36 wurde vorgestellt und die<br />

Tausendjahr-Feier des Klosters wurde feierlich eröffnet. Man<br />

schätzte, dass an den Feierlichkeiten bis September über<br />

200‘000 Personen <strong>Einsiedeln</strong> besucht hatten, darunter sechs<br />

Kardinäle, 50 Bischöfe und 30 Äbte (SD 19.10.1934). Missmut<br />

gab es wegen der Verteilung der Pilger auf die Gasthöfe und<br />

Hotels (SD 26.6.1934).<br />

Für die am 6. Mai 1934 anstehenden <strong>Bezirk</strong>swahlen wurde<br />

der Arbeiterpartei auf deren Gesuch hin das Recht eingeräumt,<br />

zwei Männer in das Wahlbüro zu entsenden (EA 5.5.1934). Die<br />

Beteiligung an den Wahlen war schlecht. Es stand nur ein gemeinsamer<br />

Vorschlag der Konservativen Volkspartei, der Liberalen<br />

Partei und der Bauern- und Bürgerpartei zur Wahl (EA<br />

5.5.1934).<br />

«Der Gang zur Urne liess sehr zu wünschen übrig. Es gab<br />

halt sehr viele, die sagten, das hat doch keinen Wert, wenn<br />

nicht von anderer Seite Opposition gemacht wird, bleiben wir<br />

zu Hause. Es muss gesagt sein, dass der Arbeiterpartei in letzter<br />

Stunde schriftlich und mündlich Vorwürfe gemacht wurden,<br />

weil wir nicht eine Nomination aufstellten. Das ist alles schön<br />

und recht, aber wenn der Vorstand eine Versammlung oder<br />

eine Vertrauensleute-Sitzung einberuft, so fehlen gerade die,<br />

welche man benötigte. Immerhin ist es erfreulich, zu hören,<br />

dass auch von andern Parteien gleiche Worte zu unsern Gunsten<br />

gefallen sind. Es sei einfach nicht recht, dass die Arbeiterpartei<br />

<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srate nicht vertreten sei. Aber das nächste Mal<br />

alle Mann auf Deck!» (SD 11.5.1934).<br />

Ob der Arbeiterpartei bei einer valablen Kandidatur tatsächlich<br />

ein Sitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat zur Verfügung gestellt worden<br />

wäre bleibt zu bezweifeln. Daniel Kürzi wurde indessen als<br />

Mitglied sowohl des Schulrates, als auch der Armenpflege bestätigt<br />

(EA 28.5.1934).<br />

Parteiintern sorgte der Entscheid der Präsidentenkonferenz<br />

der «Arbeiter-Union» des Kanton Schwyz für Aufruhr,<br />

wonach ab 1. Juli 1934 das neue Blatt «Schwyzer-Volk» als<br />

offizielles sozialdemokratisches Presseorgan best<strong>im</strong>mt wurde<br />

(SD 3.7.1934, EA 11.7.1934). Josef Kürzi als Herausgeber des<br />

auf das Abstellgleis verdonnerten «Schwyzer Demokrat» wetterte:<br />

«Seitdem wir hier in Siebnen den mehr kommunistisch<br />

als sozialdemokratisch eingestellten Schlosser Rudolf Meier<br />

haben, den verhetzte Arbeiter am Auffahrtstag zu ihrem Sekretär<br />

[der ‹Arbeiter-Union›] emporhoben, ist Unfriede in der<br />

schwyzerischen Arbeiterpartei eingekehrt. Infolge dessen,<br />

da sich der Verleger des Demokrat weigerte, diesen erstklassigen<br />

Hetzapostel als Redaktor anzustellen und weil er als an-<br />

77


gehender 50-jähriger Mann, der<br />

Sitten und Gebräuche unseres<br />

Volkes kennt, sich nicht unter einen<br />

27-jährigen Draufgänger beugen<br />

wollte, darum ist der ‹Teufel<br />

<strong>im</strong> Dach›. (…) Wenn wir mehr auf<br />

gemässigtem Boden stehen und<br />

dadurch entschieden mehr erreichen,<br />

als mit fortwährendem Gehetz,<br />

dann sind wir sicher, dass<br />

mit uns der Grossteil der vernünftig<br />

denkenden Arbeiterschaft<br />

geht.» (SD 10.7.1934).<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

– mit Unterzeichner Daniel Kürzi,<br />

Schulrat und alt Kantonsrat – wie<br />

auch Arbeitervertreter aus den<br />

<strong>Bezirk</strong>en March und Höfe erklärten<br />

ihre Solidarität und Treue<br />

zum «Schwyzer Demokrat». «Wir<br />

stellen fest, dass über 2 Jahrzehnte<br />

hindurch der ‹Schwyzer-<br />

Demokrat› als kantonales Organ<br />

der Arbeiterpartei seine Pflicht<br />

voll und ganz erfüllt hat (…).» (EA<br />

17.7.1934). «Wie man das ‹Schwyzer<br />

Volk› bei uns in <strong>Einsiedeln</strong><br />

beurteilt, hat man allgemein in<br />

Arbeiterkreisen nur ein geringschätziges<br />

Lächeln für dieses<br />

Blättchen. Da ist uns dann der<br />

Schwyzer Demokrat schon tausendmal<br />

lieber; und dem Schwyzer<br />

Demokrat werden wir treu<br />

bleiben. Damit unterstützen wir<br />

eine gesunde Arbeiterpolitik und<br />

eine Zeitung, die man jedem Menschen vor die Augen halten<br />

darf. Wir glauben nicht, dass das ‹Schwyzer Volk› in <strong>Einsiedeln</strong><br />

nur den zwanzigsten Teil der Abonnenten werben kann, wie sie<br />

der Schwyzer Demokrat hat. (…) Also wir bleiben dem ‹Demokrat›<br />

treu! Damit unterstützen wir auch einen Einsiedler in der<br />

Fremde.» (SD 17.7.1934).<br />

Im Sihlseegebiet wurde über den Sommer 1934 wacker<br />

gearbeitet. Zusätzlich zu den Strassenarbeiten wurden nun<br />

die Staudämme in der Schlagen und in der Hühnermatt in<br />

Angriff genommen (SD 7.8.1934). Für Missst<strong>im</strong>mung sorgte<br />

dabei, dass vier Baggermaschinen zum Einsatz kamen, welche<br />

Handarbeiten und damit den Einsatz von Arbeitswilligen<br />

zu einem Teil überflüssig machten. Die Arbeitsämter wurden<br />

be<strong>im</strong> Bundesamt zuständig und verlangten, dass diese Baggermaschinen<br />

nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen<br />

sollten (SD 17./24.8.1934, SD 14.4.1936, SD 15.5.1936).<br />

Eine der missliebigen Baggermaschinen <strong>im</strong> Einsatz bei Bauarbeiten am Hühnermattdamm<br />

(Foto Hermann Lienert).<br />

78<br />

Ganz verdammt wurden sie in der Folge nicht, aber <strong>im</strong>merhin<br />

wurden «Probeleistungen mit Handarbeit» vorgenommen (SD<br />

31.8.1934).<br />

Das letzte Quartal des <strong>Jahre</strong>s 1934 verlief eher ruhig. Auf<br />

dem Katzenstrick konnte ein Arbeitslager für ältere Arbeitslose<br />

durchgeführt werden, welche Schlipfe und Fluren ausbesserten<br />

und instandhielten (SD 6.11.1934). Der Vinzenzverein<br />

organisierte erneut einen sog. Kartoffeltag für in Not geratene<br />

Mitbürger, welcher <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» diesmal anerkannt<br />

und verdankt wurde (SD 9.11.1934).<br />

Anlässlich einer Versammlung des katholischen Arbeitervereins<br />

<strong>im</strong> «Klostergarten» wurde zum Thema «Gottlosentum<br />

in neuester Zeit» referiert. «(E)in anwesender Sozialdemokrat,<br />

der glaubte, das Wort in der Diskussion verlangen zu müssen<br />

und den Sozialismus in einem sehr schönen Lichte zu<br />

zeichnen, wurde vom Referenten gründlich abgefertigt.» (EA


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

14.11.1934). Die katholisch-konservativen An<strong>im</strong>ositäten waren<br />

<strong>im</strong>mer noch vorhanden.<br />

Aus den mitgeteilten <strong>Bezirk</strong>sratsverhandlungen von Ende<br />

November 1934 ging hervor, dass ein Gesuch der Arbeiterpartei<br />

betreffend Verbesserung der Verhältnisse <strong>im</strong> Pfrundwesen<br />

der Armenpflege zur Erledigung überwiesen worden sei<br />

(EA 28.11.1934).<br />

Am 16. Dezember 1934 gelangten zwei kantonale Vorlagen<br />

zur Abst<strong>im</strong>mung. Zum einen eine solche betreffend einen<br />

fakultativen <strong>Bezirk</strong>srats- und Gemeinderatsproporz, welcher<br />

von den Sozialdemokraten aus Gründen der Wahlgerechtigkeit<br />

schon längst verlangt und unterstützt wurde, zum anderen<br />

die von den Jungliberalen eingereichte Strassenbauinitiative.<br />

Auch für Annahme letzterer rief der «Schwyzer Demokrat»<br />

zwecks Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf (SD 14.12.1934).<br />

Beide Vorlagen wurden an der Urne aber deutlich verworfen<br />

(EA 19.12.1934).<br />

In der anschliessenden politischen Diskussion nahm der<br />

«Schwyzer Demokrat» einen interessanten Bezug auf die Berichterstattung<br />

in der liberalen «Neuen Einsiedler Zeitung»:<br />

«Besonders glaubt sie, die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> sei nicht<br />

in der Lage, einen Vertreter in den <strong>Bezirk</strong>srat zu stellen, und<br />

kommt mit der Frage, ob ein solcher Vertreter auch einen Kommissionspräsidenten<br />

stellen könnte. Nur gemach, ihr Herren!<br />

Wenn es wirklich so weit wäre, so stellen wir gewiss einen<br />

Mann, der diese Aemter versehen könnte. Nur ein kleines Beispiel:<br />

Nach unseren Erkundigungen erfüllt unser Parte<strong>im</strong>ann<br />

in der Armenpflege, sowie <strong>im</strong> Schulrat vollauf seine Pflicht und<br />

vertritt offen seine Meinung. Also nur keine unnützen Anfragen<br />

ihr Herren. Aber eben, es ist wie der ‹Demokrat› schrieb: Zum<br />

liberal st<strong>im</strong>men wären wir gut genug, sobald der Arbeiterpartei<br />

aber auch ein Sitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat eingeräumt werden sollte, gibt<br />

es bei den Herren Bedenken! Das ist euer Proporz;<br />

euch alles, uns nichts. Darum ab heute die Parole:<br />

Entweder gibt man uns einen Vertreter und hilft ehrlich<br />

mit, ihn zu wählen, wie wir euch jahrelang auch<br />

geholfen haben, oder aber wir ziehen unsere Konsequenzen!»<br />

(SD 21.12.1934).<br />

gestellte Antrag eines Horgenberglers, man sollte gewisse Arbeitslose,<br />

die von der Armenpflege unterstützt werden, in den<br />

Zeitungen publizieren (SD 11.1.1935)!<br />

Die Arbeiterpartei traf sich zu ihrer Generalversammlung<br />

am 16. Februar 1935 in der «Hofstatt». Offenbar war die Teilnahme<br />

der Mitglieder an den Parteiaktivitäten alles andere<br />

als vorbildlich. Der Vorstand liess jedenfalls verlauten: «Wer<br />

an der Generalversammlung nicht teiln<strong>im</strong>mt, trifft eine Busse,<br />

ausgenommen triftige Gründe. Wir erwarten aber sämtliche<br />

Parte<strong>im</strong>itglieder. Einmal <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong> wird es jedem möglich sein,<br />

an der Versammlung teilzunehmen. Gesinnungsfreunde mitbringen.»<br />

(SD 15.2.1935).<br />

In der politischen Grundsatzdiskussion stand die sog.<br />

Wehrvorlage, die am 24. Februar 1935 <strong>im</strong> Bund zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangte. Es ging um eine zeitgemässe Anpassung der<br />

Militärorganisation inklusive eine Verlängerung der Rekrutenschule.<br />

«Wiederum sind es die Linksextremisten mit den<br />

Kommunisten an der Spitze und den Linkssozialisten in deren<br />

Gefolge, die das Referendum gegen die zeitbedingte Abänderung<br />

der Militärorganisation ergriffen haben.» lästerte der<br />

«Einsiedler Anzeiger» (EA 20.2.1935). Die Sozialdemokraten<br />

standen wohl zur Landesverteidigung, waren aber gegen die<br />

Verlängerung der Rekrutenschule.<br />

Die Heisssporne vom jungkonservativen Stauffacherbund<br />

riefen zur Annahme auf: «Uebt keinen Verrat an unserer Vatererde.<br />

Seien wir zu Opfern bereit, zeigen wir uns als würdige<br />

Nachkommen der Helden von Morgarten. Wir st<strong>im</strong>men Ja!»<br />

(EA 23.2.1935).<br />

Die Überraschung war perfekt, als das Schweizervolk den<br />

Vorlagen wohl zust<strong>im</strong>mte, der Stand Schwyz beide aber sehr<br />

deutlich ablehnte. Offenbar hatten auch die Bauern dagegen<br />

gest<strong>im</strong>mt (EA 27.2.1935).<br />

Wehrvorlage, Kriseninitiative und<br />

eine «verdammte Pflicht» des<br />

<strong>Bezirk</strong>srates<br />

Im Januar 1935 stempelten in <strong>Einsiedeln</strong> wiederum<br />

114 Arbeitslose (SD 18.1.1935). Bei den SOB fanden<br />

Lohnstreitigkeiten statt (SD 4.1.1935). «Bitter bös<br />

stehts da und dort in den Arbeitslosenfamilien.», so<br />

der «Schwyzer Demokrat» (SD 8.2.1935). Und auch<br />

der katholische Arbeiterverein liess verlauten: «Wir<br />

leben heute in einer Zeit, die für so viele Arbeiter hart<br />

und trostlos ist.» (EA 19.1.1935). Kopfschütteln erntete<br />

hüben wie drüben der an der Budgetgemeinde<br />

Aus dem «Schwyzer Demokrat» vom 28. Mai 1935.<br />

79


Die nächste Grundsatzabst<strong>im</strong>mung – «unser Land geht einem<br />

Schicksalstag erster Ordnung entgegen» (EA 1. Juni 1935) –<br />

folgte am 2. Juni 1935 auf dem Fuss: die von der Sozialdemokratischen<br />

Partei und von Gewerkschaften mit 335‘000 St<strong>im</strong>men<br />

eingereichte sog. Kriseninitiative, welche zum Ziel hatte,<br />

die wirtschaftliche Misère zu bekämpfen und Arbeit zu schaffen.<br />

Ein sozialdemokratisches Aktionskomitee des Kantons Schwyz<br />

führte am 12. Mai 1935 eine öffentliche Volksversammlung <strong>im</strong><br />

«Pilgerhof» durch, am 19. Mai 1935 folgte eine Gegenveranstaltung<br />

<strong>im</strong> katholischen Gesellenhaus mit Bundesrat Philipp Etter<br />

als Referenten. Die Kriseninitiative, von den Bürgerlichen «Katastrophen-Initiative»<br />

genannt (EA 1.6.1935), wurde als Vorstufe<br />

des sozialistischen Planes der Arbeit betrachtet, welcher die<br />

politischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Staatswesens<br />

völlig zerstören würde (EA 29.5.1935).<br />

Die Kriseninitiative wurde letztlich sowohl <strong>im</strong> Bund als auch<br />

<strong>im</strong> Kanton und in <strong>Einsiedeln</strong> deutlich verworfen. «Wir hatten<br />

nie damit gerechnet, dass der Kanton Schwyz eine Mehrheit<br />

für mehr Ja-St<strong>im</strong>men aufbringen würde. Das Resultat darf sich<br />

in Anbetracht unserer Verhältnisse <strong>im</strong>merhin noch sehen lassen.»<br />

(SD 4.6.1935).<br />

Die wirtschaftliche Situation auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong> blieb<br />

trotz Etzelwerk schwierig. «Die Arbeitslosigkeit n<strong>im</strong>mt auch<br />

bei uns ja selbst mitten <strong>im</strong> Hochsommer eher zu als ab. Es<br />

ist dies ein bedenkliches Zeichen. Wie soll das erst kommen,<br />

wenn einmal das Etzelwerk gebaut ist? Uns schaudert vor der<br />

Zukunft. Sucht unser <strong>Bezirk</strong>srat keine Mittel und Wege, um<br />

unsern Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen? Gewiss<br />

ist das eine schwierige Sache, aber wer nun einmal sich hat<br />

in die Behörden wählen<br />

Der Wahlkampf war – den Zeitumständen entsprechend<br />

– grundsätzlicher Natur, hart und<br />

wurde mit allen Mitteln geführt. Die drei Kandidaten<br />

der Arbeiterunion und die Arbeiterpartei<br />

des Kantons Schwyz wurden radikalisiert<br />

und als Staats- und Gesellschaftsfeinde – «rote<br />

Volks- und Staatsausbeuter» – verungl<strong>im</strong>pft,<br />

«deren oberstes Ziel die Vernichtung und Zertrümmerung<br />

eines ordentlichen, christlichen<br />

Staatswesens und seiner Institutionen ist» (EA<br />

26.10.1935). «Männer und Frauen von <strong>Einsiedeln</strong><br />

bedenket, es gibt dunkle Mächte, die voller Ungeduld<br />

jener Tage harren, an denen sie mit Nietzsche,<br />

dem Gottesleugner, triumphierend sagen<br />

wollen: ‹Gott ist tot, erlöst das Volk von seinem Erlöser›.<br />

Ihr Sinnen ist Vernichtung der Religion und<br />

frohlockende Gottlosigkeit. (…) Es müsste nur der<br />

Sozialismus die Macht <strong>im</strong> Staate erhalten, dann<br />

wäre es sicher um die Bedeutung <strong>Einsiedeln</strong>s als<br />

Wallfahrtsort geschehen.» (EA 26.10.1935).<br />

80<br />

lassen, dem liegt auch<br />

die verdammte Pflicht<br />

und Schuldigkeit ob,<br />

für das Wohl des Volkes<br />

zu sorgen und wer dies<br />

nicht will, der tut besser,<br />

er dankt ab. Die<br />

Arbeitslosen verlangen<br />

Arbeit und keine Almosen,<br />

vorwärts mit der Arbeitsbeschaffung!»<br />

(SD<br />

26.7.1935).<br />

Der Benziger-Verlag<br />

musste 1935 Kurzarbeit<br />

einführen und letztlich<br />

auch Kündigungen aussprechen<br />

(SD 30.4.1935,<br />

SD 6.9.1935). An den<br />

<strong>Bezirk</strong>srat wurde erneut<br />

die Frage gestellt, ob<br />

dieser nicht Notstandsarbeiten<br />

in Auftrag geben<br />

könne (Ausbau Stationenweg auf Meinradsberg, Sportanlagen;<br />

SD 3.5.1935). Diskutiert wurde in <strong>Einsiedeln</strong> auch,<br />

ob an die Arbeitslosen verbilligt Fleisch abgegeben werden<br />

könne (SD 18.1.1935). Die Verbilligung von Fleisch, Milch und<br />

Käse griff in der Folge auch das christlichsoziale Arbeitersekretariat<br />

auf (EA 13.3.1935). Die Regierung gab dem statt und<br />

es wurde unbemittelten Familien Fleischkonserven zu reduzierten<br />

Preisen abgegeben (SD 17.5.1935).<br />

Im Juli wurde <strong>im</strong> Hotel «Rigi» in <strong>Einsiedeln</strong> eine Versammlung<br />

der am Etzelwerk beschäftigten Bauarbeiter durchgeführt.<br />

Thema bildeten die Löhne, die Arbeiterbehandlung, Barackenverhältnisse<br />

usw. Verlangt wurde, dass die Regierung sich mehr<br />

<strong>im</strong> Arbeiterschutz engagiere (SD 12.7.1935).<br />

Immerhin wurde man gewahr, dass der Touristenverkehr<br />

von Jahr zu Jahr zunahm. Das <strong>im</strong> Bau befindliche Etzelwerk<br />

erhielt fast täglich Besuch von grösseren und kleineren Gesellschaften.<br />

Auch das Welttheater war 1935 ein Publikumserfolg.<br />

Die Nationalratswahlen 1935 – eine «Faust ins<br />

Gesicht»<br />

Die «Arbeiter-Union» des Kanton Schwyz beschloss an ihrer<br />

ausserordentlichen Delegiertenversammlung in Wollerau die<br />

Teilnahme an den Nationalratswahlen vom 26./27. Oktober<br />

1935. Ziel war die Rückeroberung eines Nationalratsmandats.<br />

«Von der Geschäftsleitung der liberalen Partei in Verbindung<br />

mit den Konservativen lag ein Schreiben resp. ein Gesuch<br />

vor, worin gewünscht wird [angesichts Wirtschaftskrise und<br />

der damit verbundenen Notlage weiter Volkskreise], dass die


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

diesjährigen eidgenössischen Wahlen <strong>im</strong><br />

Interesse des Schwyzervolkes in Ruhe<br />

und Eintracht, das heisst bei Wahrung des<br />

bisherigen Besitzstandes durchgeführt<br />

werden sollen. Die Stellungnahme der Arbeiterpartei<br />

ist hierzu ohne weiteres ganz<br />

gegeben; bekanntlich hat sie ja gar keinen<br />

Besitzstand zu wahren, indem von den 5<br />

eidgenössischen Mandaten die Konservativen<br />

davon 4 und die Liberalen 1 Mandat<br />

beanspruchen.» (SD 17.9.1935).<br />

«Die Arbeiterpartei gelangte schriftlich<br />

an die andern Parteien mit dem Begehren<br />

auf kampflose Ueberlassung eines Mandates<br />

von den fünfen. Dieses Begehren<br />

wurde abgewiesen. (…) Aus ‹taktischen<br />

Gründen› gehen die konservative und die<br />

liberale Partei getrennt vor, aber gleichzeitig<br />

wurde beschlossen, dass die beiden<br />

Parteien eine Listenverbindung miteinander<br />

eingehen. (…) Auf diese Weise hoffen<br />

die Führer der konservativen und der liberalen<br />

Partei den berechtigten Anspruch der<br />

Arbeiterpartei auf ein Mandat bodigen zu<br />

können. (…) Gerechtigkeit erhöht ein Volk!»<br />

(SD 15.10.1935).<br />

Die Arbeiterunion portierte alt Nationalrat Johann Wattenhofer,<br />

Siebnen, Kantonsrat Josef Heinzer, Goldau, und alt<br />

Kantonsrat Bernhard Ineichen, Schwyz, als Kandidaten (SD<br />

22.10.1935).<br />

Das katholisch-konservative Lager verteilte ihre Wahlzeitung<br />

«Schwyzerland» in alle Haushaltungen und auch die Arbeiterunion<br />

warb mit ihrem Flugblatt «Es muss anders werden!».<br />

Die Wahlen endeten mit einer Niederlage der Sozialdemokraten.<br />

Die Katholisch-Konservativen erzielten einen Wähleranteil<br />

von 63%, die Liberalen 23% und die Arbeiterpartei kam auf<br />

lediglich 14% (EA 30.10.1935). Damit war der bisherige Besitzstand<br />

in Bezug auf die Mandate bestätigt. «Auch <strong>im</strong> sozialistischen<br />

Lager wird man nun einsehen, dass der Kanton Schwyz<br />

für einen Linkskurs nicht reif ist und es nie werden wird. Dafür<br />

bürgt zu sehr die treu katholische und bürgerliche Einstellung<br />

des Schwyzervolkes.» (EA 30.10.1935).<br />

Der «Schwyzer Demokrat» haderte: «Immerhin wird der<br />

Sonntag kein Ruhmesblatt bedeuten in der schwyzerischen<br />

konservativen Parteigeschichte. Denn was in letzter Stunde<br />

von dieser Seite geleistet wurde, grenzt tatsächlich ans Aschgraue.<br />

Mit allen glaublichen und unglaublichen, mit allen verfänglichen<br />

Mitteln, mit strotzenden Lügen, Märchen und ellenlangen<br />

Verdrehungen hat man der Arbeiterschaft die Faust ins<br />

Gesicht geschlagen. Das konservative Pamphlet Schwyzerland<br />

wird zu der übelsten Sorte von Wahlmache gehören, was je<br />

in der ganzen Schweiz fabriziert wurde. Anderseits wollen wir<br />

Aus der Wahlzeitung «Schwyzerland», Beilage zum «Einsiedler Anzeiger»<br />

vom 17. Oktober 1935.<br />

81<br />

auch anerkennen, dass diesmal die berüchtigte Verungl<strong>im</strong>pferei<br />

der gegnerischen Kandidaten beiseite gelassen wurde,<br />

wenigstens in Schrift und Bild.» (SD 29.10.1935).<br />

Zu reden gab schweizweit der Wahlsieg der Migros-Liste<br />

von Gottlieb Duttweiler. Ende November 1935 machte in <strong>Einsiedeln</strong><br />

das Gerücht die Runde, die Migros eröffne ein Geschäft.<br />

«Die arbeitende Bevölkerung wird es begrüssen, wenn<br />

in heutiger Zeit, wo alle Lebensmittelpreise wieder in die Höhe<br />

gehen, eine Quelle geschaffen wird, wo hauptsächlich der<br />

arme und weniger bemittelte Familienvater günstig einkaufen<br />

kann.» (SD 26.11.1935).<br />

Per Ende 1935 stellte das «Schwyzer Volk» als offizielles<br />

Organ der schwyzerischen sozialdemokratischen Partei sein<br />

Erscheinen ein. Neues Organ war die «Freie Innerschweiz»<br />

(EA 31.12.1935).<br />

Die Forderung nach einem Regierungssitz, ein<br />

politisierender Sekundarlehrer und ein neuer,<br />

roter Kantonsrat<br />

Das Jahr 1936 wurde mit einer weiteren Kampfansage eröffnet:<br />

«Die schwyzerische Arbeiter-Union fordert einen Regierungssitz.»<br />

(SD 3.1.1936). Begründet wurde dieser Anspruch<br />

mit dem Wähleranteil und mit dem Argument einer Mehrheitsbeschaffung<br />

in Bezug auf das neue Einkommenssteuergesetz.<br />

«Entweder nun gebt ihr der Arbeiterschaft eine<br />

Vertretung in die Regierung oder aber dann steigt uns den


Buckel herauf mit einem Einkommenssteuergesetz. - Wenn<br />

man uns keine Rechte geben will, Pflichten haben wir heute<br />

schon genug.» (SD 17.1.1936). «Angesichts der wachsenden<br />

wirtschaftlichen Not ist eine Vertretung der Arbeiterschaft<br />

umso erforderlicher.» (SD 21.2.1936).<br />

«Daraus wird nichts.», meinte der «Einsiedler Anzeiger»<br />

kurz und bündig (EA 14.1.1936).<br />

Wie bereits <strong>im</strong> Vorjahr, so vernahm man in den Medien<br />

auch 1936 praktisch nichts mehr von der Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Hatten die gehässigen politischen Grundsatzdiskussionen<br />

und Verungl<strong>im</strong>pfungen die Mitglieder verunsichert<br />

und stumm gemacht?<br />

Gegiftelt wurde zwischen dem «Schwyzer Demokrat»<br />

und dem «Einsiedler Anzeiger» <strong>im</strong> März 1936 über einen Sekundarlehrer<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>, «der seinen Schülern von unlogischen<br />

Abst<strong>im</strong>mungen seitens der Sozialdemokraten an der<br />

letzten Session vorschwafelte usw. Gehört das in eine Schule?<br />

(…) Wir halten dafür, dass ein Lehrer für die Schule da ist<br />

und nicht für die Politik.» (SD 20./24./31.3.1936). «Dass das<br />

Sozialistenblatt solch hetzerische Einsendungen aufn<strong>im</strong>mt,<br />

wundert bei der bekannten Geistesrichtung dieses Blattes<br />

nicht, wohl aber ist man weit herum in <strong>Einsiedeln</strong> darüber<br />

empört, dass Einsiedler zu Handlangern solcher Gehässigkeiten<br />

werden können. Wir glauben einige von ihnen zu kennen;<br />

es sind dieselben, die von dem Gedeihen der einsiedlischen<br />

Wirtschaft ganz und gar abhängig sind, umgekehrt<br />

aber jene Männer befeinden, die je und je ihre Kräfte in den<br />

Dienst der Allgemeinheit gestellt haben. Für solche Machenschaften<br />

hat das Einsiedlervolk ein Pfui!» (EA 24.3.1936).<br />

Währenddessen hörte man, dass es dem Benziger-Verlag<br />

nach wie vor schlecht gehe, machten sogar Übernahmegerüchte<br />

die Runde (SD 3.3.1936) und folgte letztlich eine<br />

Massenentlassung (SD 5.5.1936). Arbeitseinschränkungen<br />

gab es auch bei der Möbelfabrik G. Kuriger und Söhne (SD<br />

21.4.1936). Das Armen- und das Waisenhaus waren gefüllt<br />

(SD 8.9.1936). «Die Aussichten für das kommende Frühjahr<br />

und den Sommer sind nicht gerade rosig. Von Pilgerzugsanmeldungen<br />

hört man leider noch gar nichts. Im April werden<br />

die verschiedenen Wahlen und der Fröschnet für etwas Abwechslung<br />

sorgen. Be<strong>im</strong> Fröschnen muss man aufpassen,<br />

dass man die Richtigen erwischt. Be<strong>im</strong> Wählen sollte man<br />

ebenso vorsichtig sein.» (SD 13.3.1936).<br />

Dass sich bei den Einsiedler Sozialdemokraten eine<br />

gewisse Passivität eingeschlichen hatte bewies der Aufruf<br />

<strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» zu den anstehenden Kantonsratswahlen:<br />

«In früheren <strong>Jahre</strong>n hat <strong>Einsiedeln</strong> stets <strong>im</strong>mer<br />

auch einen Arbeiter-Kantonsrat nach Schwyz entsandt, so<br />

z.B. Herrn Bruno Kälin, Hofstatt und später Daniel Kürzi-Seeholzer.<br />

Am nächsten Sonntag muss nun auf dem Wahlbüro<br />

zwischen 10-11 Uhr eine event. Kandidatur eingegeben<br />

werden, versehen mit 15 Unterschriften von St<strong>im</strong>mberechtigten.<br />

Hoffen wir, dass auch <strong>Einsiedeln</strong> inskünftig wieder seinen<br />

Arbeiter-Kantonsrat nach Schwyz abordnen kann!» (SD<br />

17.4.1936).<br />

«Drückend schwer lastet die gegenwärtige Krise auf der<br />

werktätigen Bevölkerung. Insbesondere ist es die Arbeitslosigkeit,<br />

die die Arbeiter <strong>im</strong>mer mehr in ihrer sowieso kargen Lebensexistenz<br />

bedroht. Deshalb ist es in diesen Zeiten doppelt<br />

wichtig, die Volksvertretung <strong>im</strong> kantonalen Parlament so zu<br />

bestellen, dass die berechtigten Interessen der notleidenden<br />

Volksschichten richtig vertreten sind.» (SD 17.4.1936).<br />

Tatsächlich gab die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> ein Lebenszeichen<br />

von sich. Dies zum Missfallen der bürgerlichen Parteien,<br />

welche die Wahlgeschäfte mit allseitiger Besitzstandswahrung<br />

friedlich hatten abwickeln wollen. «Nun aber rückt<br />

auf Weisung oder Befehl der sozialistischen Parteiorganisation,<br />

wie man lesen konnte, die sozialistische Partei <strong>Einsiedeln</strong><br />

auf den Plan und verlangt mit einer Zweierliste ebenfalls Eintritt<br />

ins kantonale Parlament. Das bedeutet den Kampf, den<br />

man uns aufzwingt.» (EA 21.4.1936).<br />

Die Arbeiterpartei hatte für die Kantonsratswahlen an<br />

ihrer Versammlung Theodor Waldvogel und Fritz Moser-<br />

Birchler auf den Schild gehoben und beide auf der Wahlliste<br />

kumuliert (EA 17./21.4.1936). «Es sind zwei Männer, die es<br />

verdienen, dass ihnen eine gesicherte Wahl bevorsteht. Herr<br />

Theodor Waldvogel, früherer Wirt zum ‹Franziskaner› [1930-<br />

1935], ist ein welterfahrener Mann, der offen und gerade<br />

seine Meinung zum Ausdruck bringen darf, und zu Dorf und<br />

Land bekannt ist. Ebenso Fritz Moser, Maschinenschlosser<br />

[SOB], ist eine geachtete Person und wird für das soziale<br />

Wohl <strong>im</strong> Parlament energisch auftreten. Fritz Moser wird unter<br />

den Arbeitern best<strong>im</strong>mt als der richtige Mann angesehen<br />

und verdient auch er eine gesicherte Wahl. Die Arbeiterpartei<br />

hat das volle Recht, von den 13 Kantonsräten zwei Mandate<br />

zu beanspruchen. Es sei jetzt schon gesagt, dass wir<br />

keine Gehässigkeiten gegen unsere Gegner treiben. Aber<br />

wir hoffen auch, dass der Gegner sich gleich verhalten wird.<br />

Arbeiter und Gesinnungsfreunde! An Euch appellieren wir!<br />

Habt Zutrauen zu diesen Männern, die für eine gerechte<br />

Wirtschaft und für das soziale Wohl der ganzen Bevölkerung<br />

eintreten.» (SD 21.4.1936).<br />

«Rote Einsiedler Kantonsräte? Nein, niemals! Am nächsten<br />

Sonntag haben wir Einsiedlerbürger 13 Kantonsräte<br />

zu erküren und von allen hierorts existierenden Parteien<br />

werden insgesamt 20 Kandidaten zur umstrittenen Wahl<br />

vorgeschlagen. Auch die Sozialisten unseres Ortes treten<br />

unter der verfänglichen Maske der ‹Allgemeinen Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong>› mit einer Zweierliste in den Wahlkampf.<br />

Wir Bürger von Dorf und Land aber werden als senkrechte<br />

Eidgenossen eines weltberühmten Wallfahrtsortes doch<br />

nicht einen Sozialisten in den Schwyzer Kantonsratssaal<br />

entsenden wollen.» (EA 24.4.1936). «<strong>Einsiedeln</strong> darf keinen<br />

Sozialisten nach Schwyz senden, weil der Sozialismus in<br />

selbstsüchtiger Weise die Klassengegensätze mehrt und es<br />

82


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

«Die Arbeiterfraktion des schwyzer. Kantonsrates, aufgenommen in der Sommersession 1936. Sitzend v.l.n.r. Meister-Bäch,<br />

Meier-Goldau, Wattenhofer-Wangen, Schnyder-Galgenen, Heinzer-Goldau, Kürzi-Siebnen. Stehend v.l.n.r. Mächler-Lachen,<br />

Steiner-Brunnen, Röllin-Wollerau, Solka-Schwyz, Kistler-Reichenburg, Moser-<strong>Einsiedeln</strong>, Wildi-Feusisberg.» (SD 31.7.1936).<br />

Fritz Moser wurde am 26. Januar 1902 in <strong>Einsiedeln</strong><br />

geboren und durchlief hier auch alle<br />

Schulen. Er machte die Lehre als Schlosser und<br />

arbeitete danach neben seinem Vater, der Lokomotivführer<br />

war, als Hilfsheizer bei der SOB.<br />

Aus gesundheitlichen Gründen wechselte er<br />

dann als Schlosser in die Werkstätten der SOB.<br />

1928 verheiratete er sich mit Theresia Birchler<br />

und wurde Vater von zwei Kindern.<br />

Er amtete von 1936-1940 als dritter <strong>SP</strong>-Kantonsrat.<br />

«Als Politiker war Herr Moser massvoll und<br />

korrekt. Allein, die politische Tätigkeit sagte ihm<br />

nicht zu.», hiess es <strong>im</strong> Nekrolog (EA 22.4.1949).<br />

Fritz Moser starb am 16. April 1949 bei der St.<br />

Gangulf-Kapelle an einem Schlaganfall, als er<br />

vom Fischen nach Hause zurückkehrte.<br />

83<br />

selbst in Zeiten der Not nicht versteht, in verantwortungsbereiter<br />

Schicksalsgemeinschaft dem Volke die Treue zu<br />

halten. Sein Endziel ist Umsturz und Alleinherrschaft.» (EA<br />

24.4.1936).<br />

«Ja, <strong>im</strong> Heruntermachen des politischen Gegners bekommen<br />

unsere Patentchristen von der<br />

Zeitung des ‹Anzeiger› Note eins. So<br />

zu hetzen und bis anhin hochachtbare<br />

Männer derart schmutzig in den Kot zu<br />

ziehen, das bringt sonst niemand fertig.<br />

(…) Jetzt ist plötzlich wieder die Religion<br />

in Gefahr. (…) Wir erklären euch offen<br />

und ehrlich, wenn ihr die Arbeiterliste<br />

unverändert einlegt, dann begeht ihr<br />

nicht nur keine Sünde, sondern helft<br />

euch und eure Familie, auf dass sie<br />

leben und existieren kann. Die Arbeiterpartei<br />

will nichts Schlechtes.» (SD<br />

24.4.1936).<br />

Tatsächlich endeten die Wahlen in<br />

den Kantonsrat mit einem Erfolg für die<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>. Sie erzielte<br />

ein Vollmandat. Gewählt wurde mit 278<br />

St<strong>im</strong>men Fritz Moser. Statt bisher 11 Mandate hielten die Schwyzer<br />

Sozialdemokraten nun 13 Mandate <strong>im</strong> Kantonsrat inne.<br />

In den nachfolgenden <strong>Bezirk</strong>swahlen wurde Daniel Kürzi<br />

als Mitglied <strong>im</strong> Schulrat und in der Armenpflege bestätigt (EA<br />

15.5.1936).


Die Wehranleihe, ein neues<br />

Erwerbssteuergesetz, streikende<br />

Automobilisten und kantonale<br />

Notstandsarbeiten<br />

In der zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte 1936 standen wiederum zwei<br />

wichtige politische Sachthemen an. Zu nennen ist zunächst<br />

die eidgenössische Wehranleihe. Diese Geldbeschaffung<br />

diente der Verstärkung der Landesverteidigung, der Schaffung<br />

von Arbeitsmöglichkeiten und der Belebung der Wirtschaft<br />

und war eine Spar- und Kapitalanlage, aufgeteilt in<br />

Obligationen zwischen Fr. <strong>100</strong>.— bis Fr. 5‘000.—. Sie konnte<br />

zwischen 21. September und 15. Oktober 1936 von jedermann<br />

gezeichnet werden und galt als «Prüfstein der vaterländischen<br />

Gesinnung» (EA 7.8.1936). Der Bundesrat, die<br />

Schwyzer Regierung sowie sämtliche Schwyzer Parteien –<br />

unter ihnen auch die Arbeiterpartei des Kantons Schwyz und<br />

die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> – riefen öffentlich zur Zeichnung<br />

auf (EA 15./22./25.9.1936). Die Sozialdemokratische Partei<br />

der Schweiz war in der Frage hingegen gespalten und hatte<br />

sie an ihrem Parteitag knapp abgelehnt (EA 9.6.1936).<br />

Zu gegenseitigen polemischen Äusserungen führte eine<br />

Protestaktion der Automobilisten, zu welcher der Zentralvorstand<br />

des schweizerischen Automobilklubs wegen der fortschreitenden<br />

Verteuerung des Strassenverkehrs aufgerufen<br />

hatte. «Die schweizerischen Automobilisten <strong>im</strong> Schlepptau<br />

des Sozialismus» betitelte der «Einsiedler Anzeiger» diese<br />

Aktion (EA 7.7.1936). «Das Blödsinnigste, was je eine Presse<br />

gebracht hat» antwortete ihm der «Schwyzer Demokrat» (SD<br />

10.7.1936).<br />

Für Gehässigkeiten, welche das Leben der Einsiedler Sozialdemokraten<br />

auch nicht gerade erleichterten, sorgte der<br />

beissende Spott in den sozialdemokratischen Zeitungen<br />

«Volksrecht» und «Freie Innerschweiz» betreffend den Aufruf<br />

des Ignatianischen Männerbundes der Sektion <strong>Einsiedeln</strong><br />

zur Teilnahme an den nächtlichen Anbetungsstunden: «Wie<br />

Schwyz für die Arbeitslosen ‹sorgt›. (…) Wirklich ein Rezept.<br />

Es soll einmal ein Arbeitsloser mit seiner Familie ausprobieren<br />

und versuchen, mit Beten in der Wallfahrtskirche seinen<br />

Hunger zu stillen, den Mietzins und den Krämer zu bezahlen.<br />

Hausmeister und Spezierer, auch wenn sie noch so fromm<br />

sind, würden jedenfalls keinen Betausweis als Zahlung entgegennehmen.<br />

Man muss schon staunen, dass solche Ratschläge<br />

überhaupt gemacht werden. Will man eigentlich noch über<br />

die armen Leute unter dem Deckmantel der Frömmigkeit spotten?»<br />

(EA 17.7.1936).<br />

Der «Schwyzer Demokrat» feierte 1936 sein 25jähriges<br />

Jubiläum (SD 31.7.1936). Die Festschrift wurde in alle Haushaltungen<br />

des Kantons vertragen. Der «Einsiedler Anzeiger»<br />

kommentierte und mahnte: «Theorie und Praxis stehen auch<br />

in der sozialistischen Partei sehr oft in Widerspuch zueinander.<br />

(…) Es wäre eine folgenschwere politische Kurzsichtigkeit, die<br />

Bedeutung dieses unbestreitbaren politischen Fortschrittes zu<br />

übersehen oder zu unterschätzen; denn gerade wegen seiner<br />

gemässigten Taktik erweist sich der Sozialismus in den katholischen<br />

Stammlanden als ausserordentlich gefährlich.» (EA<br />

28.8.1936).<br />

Ab 1. Oktober 1936 fungierte der «Schwyzer Demokrat»<br />

wieder als offizielles Organ der kantonalen «Arbeiter-Union».<br />

Als politischer Redaktor amtete neu der kantonale Parteisekretär,<br />

Gottlieb Graf, <strong>im</strong> Übrigen der Verleger Josef Kürzi (SD<br />

29.9.1936, EA 2.10.1936).<br />

Auf die politische Agenda <strong>im</strong> Kanton Schwyz gelangten<br />

1936 endlich auch wichtige kantonale Notstandsarbeiten<br />

bzw. Arbeitsbeschaffungsmassnahmen: der Ausbau der Pragelstrasse<br />

(1940 auf der Glarner Seite gebaut, auf Schwyzer<br />

Seite erst 1974!), die Melioration der Linthebene (realisiert<br />

1940-1964), der Hurdner Durchstich (1943) und die Elektrifikation<br />

der Schweizerischen Südostbahn (1938-39). Diese wurden<br />

von den Schwyzer Sozialdemokraten natürlich begrüsst<br />

(SD 5.6.1936, SD 18./21.6.1936).<br />

Arbeiterschutz am Etzelwerk,<br />

programmatische Richtlinien, ein<br />

Erwerbssteuergesetz und eine Badeordnung<br />

Die Arbeitsverhältnisse am Etzelwerk gaben nach wie vor zu<br />

reden und zu Kritik Anlass. «Die regierungsrätliche Wegleitung<br />

betreffend die Arbeitszeit werde so wenig eingehalten wie<br />

etwa die Vorschriften über die Bereitstellung von Wasserstiefeln,<br />

Trockengelegenheit für nasse Kleider usw. Schl<strong>im</strong>m vor<br />

allem sei, dass weder Süssmost noch Tee noch Trinkwasser<br />

auf den Arbeitsplätzen bereitgestellt werden.», wurde <strong>im</strong> Zürcher<br />

Kantonsrat kritisiert (SD 30.10.1936). «Als <strong>im</strong> Schwyzer<br />

Kantonsrat Genosse Kantonsrat Meister von Bäch ebenfalls<br />

bessern Schutz der Arbeiter am Etzelwerk verlangte, da bekam<br />

er von der Regierung die Antwort, dass ihr keine Klagen<br />

eingegangen wären.» (SD 30.10.1936).<br />

Die «Bau- und Holzarbeiterzeitung» liess in ihrer Schilderung<br />

ebenfalls kein gutes Haar am Etzelwerk. «Leider können<br />

wir nicht von einem Idealzustand sprechen, weder von der Arbeit,<br />

noch viel weniger von der Entlöhnung. Auch von übergrosser<br />

Menschlichkeit der Vorgesetzten gegenüber den Arbeitern<br />

war nichts zu bemerken. (…) Dazu kommt noch, dass auch der<br />

Durchschnittslohn von 1 Fr. nicht bezahlt wird. Kost und Logis<br />

aber müssen mit 4 Fr. pro Tag bezahlt werden. Wird nicht gearbeitet,<br />

geht natürlich mehr darauf, und die armen Teufel sind<br />

ständig mit einem Konto in der Baracke belastet oder bekommen<br />

am Zahltag überhaupt nichts mehr. Auch werden ihnen<br />

noch fünf Tage Decompte zurückbehalten. Zahltagsschluss<br />

ist Montag, Entlöhnung erfolgt erst am Samstagabend.» (SD<br />

10.11.1936).<br />

Mittels Interpellation verlangte der sozialdemokratische<br />

Kantonsrat Josef Kürzi, Siebnen, dass bei der letzten Bau-<br />

84


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

etappe am Etzelwerk in erster Linie Arbeiter und Unternehmer<br />

aus dem Kanton Schwyz berücksichtigt und angestellt werden<br />

(SD 30.10.1936).<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> führten die Konservative Volkspartei, die<br />

Liberale Partei, die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei<br />

sowie die Arbeiterpartei gemeinsam öffentliche Versammlungen<br />

durch und es wurden Vorträge auch in den Vierteln<br />

gehalten (EA 7.12.1936).<br />

Im Oktober 1936 verabschiedete der Schweizerische Gewerkschaftsbund<br />

seine «Richtlinien für den wirtschaftlichen<br />

Wiederaufbau und die Sicherung der Demokratie». In diesen<br />

fand sich die vorbehaltlose Anerkennung der Demokratie,<br />

eine positive Einstellung zur militärischen, wirtschaftlichen<br />

und geistigen Landesverteidigung, die Achtung der religiösen<br />

Überzeugung der Volksgenossen<br />

als Voraussetzung des religiösen<br />

Friedens in der He<strong>im</strong>at und die Verpflichtung<br />

auf ein gemeinsames Programm<br />

für den wirtschaftlichen Wiederaufbau<br />

und für die Lösung der<br />

sozialen Probleme, welche die Forderung<br />

nach sozialer Gerechtigkeit<br />

und nach gegenseitiger Solidarität<br />

<strong>im</strong> Wirtschaftsleben zu verwirklichen<br />

sucht, ohne die eine wahre Volksgemeinschaft<br />

nicht bestehen kann (EA<br />

16.10.1936).<br />

Die Delegiertenversammlung<br />

der schwyzerischen «Arbeiter-<br />

Union» in Wollerau nahm diese<br />

programmatischen – sprich: auch<br />

pragmatischen – Richtlinien am<br />

29. November 1936 einst<strong>im</strong>mig an<br />

und beschloss, diese zur Grundlage<br />

der zukünftigen kantonalen Politik zu machen (SD 1.12.1936,<br />

EA 15.12.1936).<br />

Am 13. Dezember 1936 gelangte das kantonale Erwerbssteuergesetz<br />

zur Abst<strong>im</strong>mung. Fünfmal bereits war ein solches<br />

an der Urne gescheitert. Mit vereinter Kraft gelang es,<br />

das Erwerbssteuergesetz be<strong>im</strong> Volk <strong>im</strong> sechsten Anlauf<br />

durchzubringen (SD 15.12.1936).<br />

Zum <strong>Jahre</strong>sende sorgte der Präsident des katholischen<br />

Volksvereins, P. Othmar Scheiwiller, der geregelte Badeverhältnisse<br />

<strong>im</strong> zukünftigen Sihlsee verlangte, sprich eine absolute<br />

Trennung der Geschlechter (Verbot des Standbadens) und<br />

ein Verbot des wilden, unbeaufsichtigten Badens, für Spott<br />

(EA 22.12.1936). «Heiterschüch und dunkelfrech! Noch ist kein<br />

Tropfen Wasser <strong>im</strong> künftigen Stausee zusammengeronnen,<br />

und schon – man denke sich wie fortschrittlich! – haben einige<br />

Vorstände an den <strong>Bezirk</strong>srat das Gesuch gestellt, dass<br />

er auf raschestem Wege eine Badeordnung erlasse. Auch sei<br />

das ‹wilde› Baden und die Erstellung von Wochenendhäuschen<br />

verboten. – Herjeh, herjeh! Anstatt dass diese Leute sich<br />

zusammentäten und Mittel und Wege suchten, um in unsere<br />

Waldstatt bessern und vermehrtern Männerverdienst zu bringen,<br />

erachten sie es als das Wichtigste, heute, wo noch gar<br />

kein See existiert, eine Badeverordnung zu verlangen.» (SD<br />

5.1.1937).<br />

Die Sihl wird gestaut, ein «neuer»<br />

Parteipräsident und die Auflösung der<br />

«Arbeiter-Union»<br />

«Wir wollen Brot für alle!» Mit Neujahrsbeginn 1937 lancierte<br />

die Sozialdemokratische Partei der Schweiz eine neue Arbeitsbeschaffungsinitiative<br />

(auch Kriseninitiative Nr. 2 genannt),<br />

85


Der Sihlsee entsteht! Im Vordergrund das Bühl («Grüen Aff») in Willerzell, links der Viadukt (Aufnahme vom 4. Mai 1937).<br />

welche Subventionen des Bundes in der Höhe von 300 Mio.<br />

Franken vorsah (SD 18.12.1936). Die Bürgerlichen lehnten diese<br />

als «Exper<strong>im</strong>ent, auf vermehrten ungedeckten Defiziten<br />

eine Restauration der schweizerischen Wirtschaft herbeiführen<br />

zu wollen», ab (EA 5.1.1937). Bereits <strong>im</strong> März 1937 wurde<br />

das Initiativbegehren mit rund 280‘000 Unterschriften eingereicht<br />

(EA 26.3.1937).<br />

Während in den verschiedenen Baufirmen an der Staumauer<br />

über 30 Arbeiter entlassen wurden und die Armenpflege<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat ersuchte, in <strong>Einsiedeln</strong> an Bedürftige verbilligte<br />

Kartoffeln abzugeben (SD 31.12.1936, SD 12.2.1937),<br />

suchten Ende Januar 1937 über 2‘000 Personen den Weg zu<br />

den Skifeldern in Oberiberg. Man zählte 300 Privatautos und<br />

gegen 50 Gesellschaftswagen und in Oberiberg soll es zu Verkehrsstockungen<br />

gekommen sein (SD 12.2.1937). Die einen<br />

leisteten sich den Luxus von Wintersportfreuden, die anderen<br />

wussten nicht, ob und bis wann sie Arbeit hatten. Die Zeit der<br />

Sihlsee-Stauung nahte. Bis 1. April 1937 musste das obere<br />

Sihltal von allen Gebäuden, Holzbeständen, Streuetristen usw.<br />

geräumt werden, da mit dem Stau des Sees begonnen werden<br />

soll (SD 29.1.1937). «Und nun ade ihr schönen Turbenfelder,<br />

die ihr uns bis heute <strong>im</strong>merhin etwelchen Verdienst gebracht<br />

und einen warmen Ofen gespendet habt.» (SD 19.1.1937).<br />

Der Turpäblätz war das Kohlenbergwerk des kleinen Mannes<br />

gewesen!<br />

Am 30. April 1937, morgens um 6 Uhr, war es soweit:<br />

mit dem Aufstau der Sihl zum Sihlsee wurde begonnen (EA<br />

30.4.1937)! Die Neugier in der Bevölkerung war gross und der<br />

werdende Sihlsee erhielt täglich Besuch von nah und fern. Für<br />

Spektakel sorgte anfangs Mai 1937 der als Militärübung inszenierte<br />

Fliegerbombenabwurf auf die letzten Häuser und Höfe<br />

<strong>im</strong> Sihlseebecken.<br />

Aber auch eine gewisse Ernüchterung hielt Einkehr. «Die Generalversammlung<br />

des hiesigen Handwerker- und Gewerbevereins<br />

(…) konstatierte, dass der nun zu Ende gehende Bau des<br />

Etzelwerkes <strong>Einsiedeln</strong> und seinen Gewerbetreibenden nicht<br />

das gebracht habe, was man von ihm erwartete. Etwelcher<br />

Verdienst ist ja geblieben, aber es ist eben auch klar u. darunter<br />

leiden nicht zuletzt die Gewerbetreibenden, dass wenn der<br />

Arbeiter niedere Löhne hat, ihm herzlich wenig abfällt, zumal<br />

gar zu viel mit Baggern gearbeitet wurde.» (SD 2.4.1937).<br />

Die Arbeitslosenzahl stieg in <strong>Einsiedeln</strong> wieder über <strong>100</strong><br />

und der Ruf nach Arbeitsbeschaffung und neuer Industrie in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> wurde erneut laut (SD 29.10.1937, SD 23.11.1937).<br />

Am 27. August 1937 las man <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat»<br />

endlich wieder einmal etwas von der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>:<br />

«Samstag, den 28. August begeht unser Genosse Fritz Wolf<br />

seinen 70. Geburtstag. Fritz Wolf war <strong>im</strong>mer ein unerschrockener<br />

Kämpfer für die soziale Besserstellung der Arbeiterschaft,<br />

zeitlebens kämpfte er für Fortschritt und Freiheit. Nichts<br />

begehrte er für sich, sein Kampf und seine Arbeit galten einzig<br />

und allein der Allgemeinheit. Auch heute noch, in seinem 70.<br />

Altersjahre, lebt er unerschütterlich seinem Ideal und arbeitet<br />

aktiv und begeistert, wie in seinen jungen <strong>Jahre</strong>n, in der Bewegung.<br />

Als Präsident unserer Parteisektion <strong>Einsiedeln</strong> stellt er<br />

heute noch seinen Mann, den Jungen ein leuchtendes Vorbild!<br />

Wir gratulieren unserm Genossen Fritz Wolf recht herzlich zu<br />

seinem 70. Geburtstag und wünschen ihm beste Gesundheit<br />

und noch viele <strong>Jahre</strong> Glück und Wohlergehen.»<br />

Fritz Wolf dürfte das Präsidium entweder 1934 oder 1936<br />

übernommen und dabei die 1933 gewählte «jüngere, frische<br />

Kraft» – entweder Stefan Birchler, der 1934 verstarb, oder Fritz<br />

Moser, der 1936 zum Kantonsrat gewählt wurde – abgelöst<br />

haben.<br />

86


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

«Noch selten hatte der Stand Schwyz so einschneidende Vorlagen<br />

dem Volke vorgelegt, wie es am 28. November der Fall<br />

ist.» (SD 23.11.1937). Zur Abst<strong>im</strong>mung gelangten die Arbeitsbeschaffungsvorlagen<br />

Seedamm, Pragelstrasse und die Elektrifikation<br />

der SOB, sowie die Arbeitslosenversicherung, welche<br />

allesamt deutlich angenommen wurden. «Ein wuchtiges<br />

Bekenntnis des Schwyzer Volkes, dass unsern Arbeitslosen<br />

dringende Hilfe not tut.» (SD 30.11.1937).<br />

Auf kantonaler Ebene fand Ende Jahr noch eine wichtige<br />

Reorganisation statt. «Die Arbeiter-Union des Kts. Schwyz,<br />

deren formelle Auflösung in der ausserordentlichen Delegiertenversammlung<br />

vom 19. Dezember in Wollerau in die Wege<br />

Fritz Wolf war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Geboren<br />

wurde er am 28. August 1867. Sein Bürgerort war<br />

Lotzwil/BE. «Als Mitte der 90er <strong>Jahre</strong> dieser Mann als Angestellter<br />

eines grossen Etablissements in Lachen einzog und<br />

nicht lange nachher seine Propaganda begann, indem er der<br />

schul- und christenlehrpflichtigen Jugend durch freie Vorträge<br />

die Ideale der Sozialdemokratie mundgerecht machte<br />

und dabei auch den politischen und religiösen Liberalismus<br />

als Vater der Sozialdemokratie verherrlichte, da bedurfte es<br />

ganz aussergewöhnlicher Anstrengungen von Seite achtbarer<br />

Bürger bis von massgebender Seite eingeschritten und<br />

die öffentliche Tätigkeit Wolfs als ‹Jugendlehrer› unterdrückt<br />

wurde. (…) Wolf ist nicht der Mann, der seine politische Ansicht<br />

und Tätigkeit an den Nagel hängt, der Mann hat das<br />

Zeug zu einem politischen Führer, das muss ihm selbst der<br />

entschiedenste Gegner lassen. (…) Wolf hat durch den Vertrieb<br />

sozialistischer Presserzeugnisse und durch jeweils gepflogene<br />

mündliche Belehrungen den Boden bebaut, der<br />

vordem schon für sozialistische Ideen fruchtbar gemacht<br />

worden. (…) Und noch weniger wundern wir uns, wenn es<br />

Wolf noch in neuerer Zeit gelungen ist, einen Stab von 20-<br />

30 Burschen zu einem sozialistischen Jungburschenbund<br />

zu vereinigen.», las man von ihm <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger»<br />

vom 3. Juli 1912.<br />

Fritz Wolf arbeitete in Lachen als Velomechaniker und war<br />

auch 1910 politisch in Erscheinung getreten als Mitglied<br />

<strong>im</strong> «liberalen Ortskomitee», welches gegen die Katholisch-<br />

Konservativen agierte. Er wurde auch damals beschrieben<br />

als «ausgesprochener Sozialist und Verbreiter des Zürcher<br />

‹Volksrecht›», der sozialdemokratischen Tageszeitung von<br />

Zürich (EA 18.3.1910). 1912 war er es, der gegen sämtliche<br />

von der Lachner Gemeindeversammlung in gehe<strong>im</strong>er Abst<strong>im</strong>mung<br />

getätigten Wahlen (erfolglos) Kassationsklage erhob<br />

(EA 26.6.1912).<br />

Johann Wattenhofer musste sich 1918 als vaterländisch gesinnter<br />

«Grütlianer» von der in Lachen durchgeführten Volksversammlung,<br />

an der der schillernde St. Galler Kommunist<br />

und Nationalrat Fritz Platten referiert hatte, distanzieren. Einberufen<br />

hatte diese Volksversammlung «ein provisorisches<br />

Komitee, an dessen Spitze Fritz Wolf stand.» (EA 27.4.1918).<br />

Anlässlich der Kirchgemeindeversammlung in Lachen am<br />

17. August 1919 machte Fritz Wolf wieder von sich reden<br />

als einer derjenigen Sozialisten, die durch eine «Wirtshaus-<br />

Motion» die Behandlung von ihnen missliebigen Traktanden<br />

verhindern wollten, worauf die Versammlung abgebrochen<br />

werden musste (EA 23.8.1919).<br />

Danach schien es um ihn etwas ruhiger geworden zu sein.<br />

1929 zog er nach <strong>Einsiedeln</strong>. Der Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat erteilte<br />

ihm zusammen mit seiner Einsiedler Ehefrau, Marie<br />

Wihelmine Kälin (geb. 1894), Langrüti, die er am 28. Januar<br />

1928 geheiratet hatte, die Niederlassungsbewilligung (EA<br />

13.4.1929). Zwischen 1929 und 1945 inserierte er regelmässig<br />

<strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» als Velomechaniker<br />

und -reparateur, als Verkäufer von Herren- und Damenfahrrädern<br />

und von Kinderwagen sowie als Vertreter von<br />

Adler- und Pfaff-Nähmaschinen in der Langrüti.<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> trat er politisch erstmals 1933 «als Vertreter der<br />

sozialistischen Arbeiterpartei» als Diskussionsteilnehmer in<br />

der öffentlichen Volksversammlung zum Thema «Neuordnung<br />

der Wirtschaft und des Gewerbestandes» in Erscheinung<br />

(EA 16.12.1933). Auch mindestens noch 1942, als der<br />

katholische Volksverein zum Thema «Familienschutz» einen<br />

Vortrag hielt, sowie 1947 anlässlich der <strong>Jahre</strong>sversammlung<br />

des Bauernvereins <strong>Einsiedeln</strong> beteiligte er sich aktiv an den<br />

Diskussionen (EA 17.3.1942, EA 29.4.1947).<br />

Fritz Wolf war laut eigener Aussage Vater von 11 Kindern<br />

(EA 17.3.1942) und damit finanziell sicher nicht auf Rosen<br />

gebettet. Ob diese Kinder der Ehe mit der 27 <strong>Jahre</strong> jüngeren<br />

Marie Wilhelmine Kälin entstammten oder aus einer früheren<br />

Ehe ist nicht bekannt.<br />

Bis 1943 amtete er als Präsident der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Von 1944-1947 war er <strong>im</strong> Vorstand noch als Beisitzer<br />

tätig. 1948 verliess Fritz Wolf <strong>Einsiedeln</strong> und zog nach Kreuzlingen,<br />

wo er <strong>im</strong> Frühjahr 1949 verstarb (EA 22.3.1949). Er<br />

war das einzig bekannte Ehrenmitglied der Partei. Eine Fotografie<br />

von ihm ist leider nicht vorhanden.<br />

geleitet werden soll, war bis jetzt die Zusammenfassung aller<br />

Arbeiter-Organisationen <strong>im</strong> Kanton Schwyz, die auf dem Boden<br />

der modernen Arbeiterbewegung stunden. Ihr beiden Abteilungen,<br />

die gewerkschaftliche, bestehend aus den lokalen Sektionen<br />

der zentralen Gewerkschaftsverbände und die politische,<br />

gebildet aus den Sektionen der Sozialdemokratischen Partei<br />

und den örtlichen Arbeiterparteien, ergänzten sich gegenseitig<br />

und traten bei wichtigen Aktionen gemeinsam in den Kampf.<br />

(…) Auf Grund der Beschlüsse des Schweiz. Gewerkschaftskongresses<br />

vom Oktober 1936 haben sich die kantonalen Gewerkschaftskartelle<br />

zu selbständigen Organisationen umzugestalten.<br />

Die bis jetzt bestehende organisatorische Verbindung<br />

87


mit der politischen Arbeiterpartei wird dadurch gelöst werden.»<br />

(SD 17.12.1937). Die Delegiertenversammlung st<strong>im</strong>mte dieser<br />

Auflösung und Neuordnung fast einhellig zu (SD 21.12.1937).<br />

Das schwyzerische Kommunistenverbot,<br />

friedliche <strong>Bezirk</strong>swahlen und ein<br />

«abstossendes Elaborat»<br />

Der «Schwyzer Demokrat» zeichnete zu <strong>Jahre</strong>sbeginn 1938 erneut<br />

ein düsteres Bild. «Es ist leider so, unser He<strong>im</strong>atkanton ist<br />

durch die jahrzehntelange Herrschaft der Konservativen sozial<br />

auf der letzten Stufe <strong>im</strong> ganzen Schweizerland angekommen.<br />

Statt sozialer Reformen wird in magerer freiwilliger ‹christlicher<br />

Nächstenliebe› gemacht. Wir haben das reichste Kloster <strong>im</strong><br />

ganzen Schweizerland, aber daneben auch die elendesten Armenhäuser.»<br />

(SD 14.1.1938). «Die grosse Arbeitslosigkeit in hier<br />

macht sich je länger je mehr spürbar und es ist bittere Wahrheit,<br />

dass wenn nicht viele Familien gar vom Kloster noch mit Speisen<br />

unterstützt würden, die Armenlasten noch grösser würden.» (SD<br />

25.1.1938).<br />

Im Oktober des Vorjahres hatte ein bürgerliches Komitee den<br />

Beschluss gefasst, <strong>im</strong> Kanton Schwyz den Kampf gegen den<br />

«Vaterland und Freiheit sind in Gefahr!! Ein Knebelungsgesetz,<br />

Marke Musy und Hitler soll <strong>im</strong> Kt. Schwyz durchgepeitscht<br />

werden. Musy ist der Vater und Hitler der Götti<br />

dieses freiheitsmordenden Gesetzes! Wehret den Anfängen!<br />

Wir wollen unsere alten Rechte ungeschmälert! Die<br />

Nazispinne soll sich bei uns nicht festsetzen! Fegt sie<br />

gründlich weg mit einem kräftigen Nein bei der Abst<strong>im</strong>mung<br />

über das sog. ‹Kommunistenverbot›!», machte<br />

der «Schwyzer Demokrat» gegen das Gesetz mobil (SD<br />

18.2.1938).<br />

Kommunismus aufzunehmen und <strong>im</strong> Sinne eines dringlichen<br />

Antrages eine ausgearbeitete Gesetzesvorlage eingebracht.<br />

«Man höre und staune, ausgerechnet <strong>im</strong> Kanton Schwyz soll<br />

eine kommunistische Gefahr bestehen, denn sonst müsste ja der<br />

Kampf gegen den Kommunismus nicht noch extra aufgenommen<br />

werden. Man muss sich nun wirklich fragen, haben diese Herren<br />

eigentlich nichts Gescheiteres zu tun. Denn von einer kommunistischen<br />

Gefahr <strong>im</strong> Kanton Schwyz kann <strong>im</strong> Ernste nur ein politischer<br />

Phantast sprechen. Denn <strong>im</strong> Kanton Schwyz gibt es keine<br />

einzige kommunistische oder den Kommunisten verwandte oder<br />

zugetane Organisation.» (SD 2.11.1937). In der kantonsrätlichen<br />

Beratung wurde dem Antrag der Arbeiterpartei, das Verbot<br />

wenigstens auf die faschistischen und frontistischen Organisationen<br />

auszudehnen, abgelehnt! (SD 12.11.1937).<br />

Es nützte nichts. Das «Kommunistenverbot» wurde vom<br />

Kanton Schwyz als erstem deutschsprachigem Kanton am<br />

20. Februar 1938 mit 5‘488 Ja gegen 3‘517 Nein angenommen,<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> mit 1‘066 Ja gegen 490 Nein (EA 22.2.1938). Trotz<br />

der deutlichen Zust<strong>im</strong>mung zeigte sich der «Einsiedler Anzeiger»<br />

irritiert ob der hohen Zahl Nein-St<strong>im</strong>men.<br />

Möglich, dass die Zust<strong>im</strong>mung zu diesem Gesetz durch die<br />

Plakataktion der <strong>SP</strong> Schweiz <strong>im</strong> Januar 1938 unfreiwillig gefördert<br />

wurde. «Wohin steuert die Schweiz? Das Volk soll entscheiden,<br />

nicht der Bundesrat. Nicht ein reaktionärer Block <strong>im</strong> Parlament.<br />

Fort mit der Dringlichkeitsdiktatur!», war die Losung, die mit dem<br />

nachfolgenden Plakat verbunden war (EA 25.1.1938). Die bürgerliche<br />

Presse tobte über «die widerlich gemeine Form dieser Art<br />

Kritik an unserer obersten Landesbehörde» (EA 1.2.1938).<br />

Am ausserordentlichen Parteitag vom 13. Februar 1938 – inmitten<br />

dieser politischen Gehässigkeiten – konstituierte sich die<br />

schwyzerische Arbeiterpartei nach der Loslösung aus der kantonalen<br />

«Arbeiter-Union». Als Kantonalpräsident amtete Kantonsrat<br />

Josef Heinzer, Goldau. Einsiedler Genossen waren in der kantonalen<br />

Parteiorganisation nicht vertreten (SD 15.2.1938).<br />

Die bürgerliche Presse in der Schweiz war sich einig, dass das<br />

Bild der sozialistischen Opposition in letzter Zeit eine grundlegende<br />

Wandlung durchgemacht hat. «Es besteht kaum ein Zweifel<br />

darüber, dass der klassenkämpferische Marxismus scharfer<br />

Observanz in den Vordergrund tritt.» (EA 11.2.1938).<br />

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Oesterreich und<br />

dem Überfall Deutschlands auf die Tschechoslowakei <strong>im</strong> März<br />

1938 und der sich überstürzenden Ereignisse in der Weltpolitik<br />

fragte selbst der «Einsiedler Anzeiger», ob der Sozialismus zur<br />

Mitarbeit in der obersten Landesbehörde einbezogen werden<br />

könne (EA 22.3.1938). Dass über Europa Unheil aufzog, hatte<br />

man kommen sehen und organisatorische, militärische und wirtschaftliche<br />

Vorbereitungen getroffen (SD 7.12.1937).<br />

Für die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 1. Mai 1938 einigten sich die katholisch-konservative,<br />

die liberale und die Bauern-, Bürger- und<br />

Gewerbepartei auf einen gemeinsamen Wahlvorschlag (EA<br />

26.4.1938). Daniel Kürzi von der Arbeiterpartei wurde als Mitglied<br />

<strong>im</strong> Schulrat und in der Armenpflege bestätigt (EA 13.5.1938).<br />

88


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

«Verletzung des Postgehe<strong>im</strong>nisses, Anerkennung Abessiniens,<br />

Verurteilung der Spaniensöldner, Verbot ausländischer<br />

Zeitungen, um etwa die wesentlichsten Stichworte<br />

zu nennen. Das Abstossendste aber wird in der illustrativen<br />

Aufmachung des Plakats geleistet. Es führt unsere sieben<br />

Bundesräte in Gehrock und Zylinder vor. Die Köpfe werden<br />

durch Konturen angedeutet, womit offenbar gesagt sein<br />

soll, dass es Hohlköpfe seien. Die linke Seite schmückt eine<br />

Stange mit dem Gesslerhut in der Form einer Hitlermütze<br />

und den Abzeichen des Nationalsozialismus, des Faszismus,<br />

des Frontismus und der spanischen Nationalisten.<br />

Das Elaborat wirkt umso abstossender, wenn man vern<strong>im</strong>mt,<br />

dass die Porträtköpfe der Bundesräte, die auf<br />

einem gesonderten Bildstreifen erscheinen, einer Photographie<br />

vom Trauergeleite zu Ehren des verstorbenen<br />

Oberstkorpskommandanten Roost entnommen sind.»<br />

(EA 25.1.1938).<br />

Im «Schwyzer Demokrat» vom 10. Mai 1938 erging der Aufruf:<br />

«Am kommenden Mittwoch, den 11. Mai 1938 wird abends 8<br />

Uhr in der ‹Hofstatt› eine Versammlung, einberufen von einem<br />

Aktionskomitee, abgehalten. Sehr wichtige und ernste Fragen<br />

der Arbeitsbeschaffung werden besprochen. Dass gerade<br />

dieses Problem ein sehr dringendes ist, müssen wir hier wohl<br />

nicht mehr erklären. Sind doch über <strong>100</strong> Arbeiter arbeitslos<br />

und grösstenteils auch ausgesteuert. (…) Die Not ist furchtbar<br />

ernst und gross, deshalb soll und darf es in der Frage der Arbeitsbeschaffung<br />

kein Zaudern und Zögern mehr geben. Jetzt<br />

heisst es handeln, wenn man nicht das Schl<strong>im</strong>mste erwarten<br />

will. (…) Also liebe Arbeiter, erscheint an die hochwichtige Versammlung.<br />

An dieser Versammlung wird auch eine Resolution<br />

zur Sprache kommen, die am darauffolgenden Tage als Eingabe<br />

an den löbl. <strong>Bezirk</strong>srat weitergeleitet wird.»<br />

Man darf wohl davon ausgehen, dass diese Aktion – zumal<br />

in der «Hofstatt» – von Mitgliedern der Arbeiterpartei initiiert<br />

war, doch warum stand nicht die Partei mit Namen hin?<br />

Der neu gewählte <strong>Bezirk</strong>srat nahm sich dem brennenden<br />

Problem der Arbeitsbeschaffung an und hatte «gleich einige<br />

konkrete Arbeitsbeschaffungsprojekte in Arbeit genommen.<br />

Es weht ein frischer Wind!» (EA 24.5.1938).<br />

Kurz darauf sah sich auch das Personal der Südostbahn,<br />

das auf die seit 1936 anhängigen, reglementarischen Gehaltsaufbesserungen<br />

wartete, dazu genötigt, zwecks Stellungnahme<br />

am 18. Mai 1938 eine Nachtversammlung in der «Hofstatt»<br />

abzuhalten (SD 20.5.1938). Aus dieser Lohnbewegung resultierte<br />

schliesslich ein Kompromiss (SD 17.6.1938).<br />

Es gärte aber weiterhin. «Die Delegiertenversammlung<br />

des Gewerkschaftskartells des Kantons Schwyz stellt<br />

fest, dass trotz den vom Volke beschlossenen Arbeiten,<br />

wie Hurdnerdurchstich, Bau der Pragelstrasse und Elektrifikation<br />

der Südostbahn, <strong>im</strong> Kanton Schwyz noch eine<br />

grössere Zahl von Arbeitslosen vorhanden ist, die mitten<br />

<strong>im</strong> Sommer keine Beschäftigung finden können. Die Versammlung<br />

erwartet von der Regierung, dass sie mit Beschleunigung<br />

die beschlossenen Arbeiten zur Ausführung<br />

bringen lässt, um den Arbeitslosen die in Aussicht gestellte<br />

Arbeit beschaffen zu können.» (SD 28.6.1938).<br />

Kantonalpräsident und Kantonsrat Josef Heinzer, Goldau,<br />

protestierte in der Sommersession des Schwyzer Kantonsrates,<br />

dass der Arbeiterpartei das Recht, den Vizepräsidenten<br />

zu stellen, abgesprochen wurde (EA 5.7.1938).<br />

89


Der Bau- und Holzarbeiterverband, der Ruf<br />

nach «neuer Industrie» und Arbeiternot<br />

Die <strong>SP</strong> Schweiz erliess <strong>im</strong> Juli 1938 einen flammenden, programmatischen<br />

Appell: «Für die Erhaltung von Demokratie<br />

und Freiheit! Für eine neue aufbauende Politik. Mitbürger!<br />

Krise und Not lasten auf der Schweiz. Stadt und Landschaft<br />

leiden gleicherweise unter der Arbeitslosigkeit und ihren katastrophalen<br />

Folgen. Die soziale Ungerechtigkeit, das Elend<br />

Das Hotel «St. Benedikt» in einer Aufnahme um 1932.<br />

der Massen hat Formen angenommen, die eine ernste Gefahr<br />

für unser Land bedeuten. Gebieterisch und unabweisbar<br />

stellt sich darum heute die Forderung des Tages: Sammlung<br />

aller gutgewillten Kräfte, Zusammenarbeit aller aufbauwilligen<br />

Schichten des Volkes, um die Schweiz zu retten als Land des<br />

Fortschritts, der Freiheit und des Rechts. (…) Schliesst euch<br />

zusammen zu einer neuen, starken, vom Willen zum Aufbau<br />

beseelten Volksmehrheit!» (SD 26.7.1938).<br />

Wo waren die Einsiedler Genossen, fragt man sich wieder.<br />

Im «Schwyzer Demokrat» waren seit geraumer Zeit keinerlei<br />

Aktivitäten mehr bekannt gegeben worden. Fritz Wolf amtierte<br />

aber als Parteipräsident, Fritz Moser sass <strong>im</strong> Kantonsrat und<br />

Daniel Kürzi war gerade erst wieder in den bezirksrätlichen<br />

Kommissionen bestätigt worden.<br />

Antworten liefern die regelmässigen Einsendungen des<br />

1932 in der «Hofstatt» gegründeten freien, d.h. «sozialistischen»<br />

Bau- und Holzarbeiterverbandes <strong>Einsiedeln</strong><br />

(SD 23.9.1932; nicht zu verwechseln mit<br />

der christlichsozialen Holz- und Bauarbeitergewerkschaft,<br />

die ihre Versammlungen jeweils <strong>im</strong> «Pilgerhof»<br />

abhielt!). Der Bau- und Holzarbeiterverband lud<br />

regelmässig zu Quartalsversammlungen in das Gasthaus<br />

«St. Benedikt». Präsident dieser Gewerkschaft<br />

war Stefan Bisig. Aktuar war niemand anders als Fritz<br />

Wolf, der amtierende Präsident der Arbeiterpartei,<br />

und als Sektionskassier, später sogar als Präsident,<br />

fungierte der nachmalige Kantonsrat der Arbeiterpartei,<br />

Anton Mächler (SD 3.2.1939, SD 26.4.1940,<br />

SD 7.2.1941).<br />

Es besteht die Vermutung, dass sich die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Verlauf der späten 1930er-<strong>Jahre</strong><br />

auf eine Wahlpartei und Austauschplattform der organisierten<br />

Gewerkschafter reduziert und ihr materielles<br />

Engagement für die Arbeiterschaft verstärkt<br />

auf gewerkschaftliche Basis verlegt hatte. Wenn die<br />

Arbeiterschaft nicht zu uns kommt, gehen wir zu ihnen,<br />

könnte das pragmatische Motto gelautet haben.<br />

Zu dieser Entwicklung beigetragen haben dürften die<br />

geschilderten politisch wie wirtschaftlich schwierigen<br />

Zeitumstände, eine gewisse Radikalisierung der<br />

schweizerischen Mutterpartei sowie eine mit all dem<br />

einhergehenden parteipolitischen Perspektivelosigkeit<br />

<strong>im</strong> streng katholischen Wallfahrtsort <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Dass die Einsiedler Genossen und Gewerkschafter<br />

politisch gemässigt ausgerichtet waren geht beispielhaft<br />

aus der Begebenheit hervor, dass der Bau- und<br />

Holzarbeiterverband <strong>Einsiedeln</strong> offenbar nicht be<strong>im</strong><br />

(«sozialistischen») Gewerkschaftskartell des Kantons<br />

Schwyz mitmachen wollte, und Kartellvorstandsmit-<br />

Am 25. Juni 1938 wurde <strong>im</strong> «St. Benedikt» eine öffentliche<br />

Bau- und Holzarbeiterversammlung einberufen. «Es<br />

werden die notwendigen Schritte zur Erreichung eines<br />

Arbeitsvertrages für das Maurergewerbe eingeleitet. Die<br />

gegenwärtig in unserer Gegend bezahlten Löhne sind unbefriedigend,<br />

müssen erhöht und die Arbeitsbedingungen<br />

verbessert werden.» (SD 17.6.1938).<br />

90


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

glieder 1939 darum ersuchten, die Frage eines Beitritts doch<br />

«in Wiedererwägung» zu ziehen (SD 3.2.1939). Dem kantonalen<br />

Gewerkschaftskartell gehörten damals 18 selbständige<br />

Gewerkschaftssektionen und 7 Gewerkschaftsgruppen an bei<br />

einem Mitgliederbestand von rund 1‘<strong>100</strong> (SD 17.3.1939). Die<br />

Parole der «Bau- und Holzarbeiter von <strong>Einsiedeln</strong> und Umgebung»<br />

lautete aber dennoch kämpferisch: «Wir Arbeiter sind<br />

gewillt, zu kämpfen für Arbeit und Brot; darum fürchten wir weder<br />

Willkür und Not!» (SD 3.2.1939).<br />

Auf sanftmütigerem Boden standen demgegenüber die<br />

christlichsozialen Gewerkschaften. Sie «wollen durch die kraftvolle<br />

Zusammenarbeit der Mitglieder und die eifrige Pflege des<br />

ständischen, religiös-sittlichen und sozialen Lebens die Arbeiterschaft<br />

geistig und materiell auf eine höhere Stufe emporführen<br />

und ihr die gerechte Anteilnahme an den Kulturgütern<br />

sichern.», las man <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» (EA 27.4.1937).<br />

Die ebenfalls neu in Erscheinung getretene Gewerkschaft<br />

der Chauffeure, die ihre Aktivitäten ebenfalls <strong>im</strong> «Schwyzer<br />

Demokrat» publizierte, hielt ihre Versammlungen jeweils <strong>im</strong><br />

«Central» oder in der «Helvetia» ab (sie waren dem Gewerkschaftskartell<br />

beigetreten) und die Versammlungen des «Südostbahn-Personals<br />

Höfe-<strong>Einsiedeln</strong>» wurden <strong>im</strong> «Waldschloss»<br />

in Biberbrugg durchgeführt. Daneben existierte bekanntlich<br />

noch die «Typographia». Die freien – <strong>im</strong> Gegensatz zu den<br />

christlichsozialen – Gewerkschafter waren somit in ihren jeweiligen<br />

Organisationen eingebunden. Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

bildete folglich noch eine Austausch- und Wahlplattform<br />

für die politisch Interessierten von ihnen.<br />

Auch <strong>im</strong> Sommer 1938 wurde aufgrund der Zahl der Arbeitslosen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> nach staatlicher Arbeitsbeschaffung,<br />

nach Notstandsarbeiten und «neuer Industrie» gerufen; das<br />

Arbeitsamt war überfordert, der <strong>Bezirk</strong>srat offenbar nicht <strong>im</strong><br />

Stande, genügend Abhilfe zu schaffen (SD 12.8.1938, SD<br />

26.8.1938). Das Ersuchen um mehr Truppenpräsenz in <strong>Einsiedeln</strong><br />

wurde abschlägig beantwortet; <strong>im</strong>merhin wurde der Weg<br />

auf den St. Meinradsberg in Angriff genommen und der Bau<br />

eines Pfrundhauses in Erwägung gezogen (EA 24.5.1938, SD<br />

30.9.1938, SD 18.10.1938). Auch die Abfallverwertung und das<br />

Sammeln von Abfällen wurde angestossen (SD 11.4.1939).<br />

«Bald scheint es, dass alles Diskutieren über die Arbeitslosigkeit<br />

<strong>im</strong> Dorf und Land unnütz sei. Beispielsweise können<br />

bei den Notstandsarbeiten bei der SOB nur Verheiratete beschäftigt<br />

werden. Ungefähr 20 Mann von <strong>Einsiedeln</strong>. (…) Ein<br />

Arbeiter kommt auf höchstens Fr. 7.50 pro Tag. Also wie wenn<br />

einer eine Familie hat, armengenössig wird und die Klostersuppe<br />

holen muss!! Für ledige Arbeitslose ist es heute besonders<br />

schwer, unterzukommen, sie werden als vogelfrei erklärt. Das<br />

bringt eben die heutige verfluchte Wirtschaftsordnung mit sich,<br />

die den Reichen <strong>im</strong>mer reicher und den Armen <strong>im</strong>mer ärmer<br />

macht. Eine fortschrittliche Regierung, die wirklich vom Volkswillen<br />

getragen wäre, könnte heute der Arbeitslosigkeit radikal<br />

den Garaus machen. (…) Ein Horgenbärgler.» (SD 21.101.1938).<br />

Derweil enervierten sich die Spezierer und Gewerbler auf dem<br />

Platz <strong>Einsiedeln</strong> über den beabsichtigten Einzug eines Girodienstes<br />

und der Migros. «Die Spezierer haben gemerkt, dass<br />

es ihnen an den Kragen geht. Daran sollen nun die Arbeiter<br />

schuld sein, weil sie bei den Giroladen einkaufen. ‹Die Arbeiter<br />

müssen zum Gewerbestand stehen›, haben sie geschrieben.<br />

In dieser Parole ist ein Fehler. Es soll heissen: ‹Die Gewerbler<br />

müssen zur Arbeiterschaft stehen. › (…) Es wird heute viel von<br />

Faschisten und Totalitären geschrieben, wir haben solche auch<br />

auf wirtschaftlichem Gebiete.» (SD 23.9.1938). Die Schwyzer<br />

Regierung beschloss indessen, dass ab Neujahr 1939 keine<br />

Migrosläden <strong>im</strong> Kanton existieren dürfen! (SD 13.1.1939).<br />

Eine «neue Industrie», eine rote<br />

Volksinitiative und die «Landi» 1939<br />

«Unser Arbeitsamt meldet nach ihrer letzten Zählung 136 kontrollierte<br />

Arbeitslose, davon sind 34 Berufsleute und 102 ohne<br />

Beruf, Tagwerker. 95 verheirateten stehen 41 ledige Arbeitslose<br />

gegenüber.» (SD 7.2.1939). Offenbar gab es in <strong>Einsiedeln</strong> aber<br />

auch noch etliche Arbeitslose, die nicht registriert waren. «Es<br />

gibt halt viele Verärgerte, welche sagen, was nützt mich das,<br />

‹zu dem ufä z‘goh›, der ja nur sagt, ich kann euch nicht helfen,<br />

habe keine Arbeit zu verschaffen. Darum schaut halt mancher<br />

selbst um etwas. Auch gibt es solche, welche meinen, das Arbeitsamt<br />

habe keinen Wert mehr, da ja doch jeder Arbeitgeber<br />

selber seine Leute, die er braucht, ohne Arbeitsamt einstellt,<br />

und der Kanton schön Geld einsparen würde.» (SD 21.7.1939).<br />

Auf eine Reklamation hiergegen von Seiten des Arbeitsamtes<br />

stellte der «Schwyzer Demokrat» klar, dass hinter dieser Äusserung<br />

kein «gr<strong>im</strong>miger Wolf» (gemeint Fritz Wolf) stecke und<br />

auch nicht die Arbeiterpartei (SD 1.8.1939).<br />

Die Oppositionsparteien von <strong>Einsiedeln</strong> führten am 19. Januar<br />

1939 in der «Linde» eine Volksversammlung durch, an der über den<br />

Finanzhaushalt des <strong>Bezirk</strong>s referiert wurde. Auch «unsere Parteifreunde»<br />

wurden aufgefordert, an dieser teilzunehmen (SD<br />

17.1.1939). Die Budgetgemeinde verlief in Ruhe. Im «Schwyzer<br />

Demokrat» wurde aber selbstkritisch moniert: «Dass kein Posten<br />

für Arbeitsbeschaffung in Sachen Herbeiziehung neuer<br />

Industrien vorgesehen ist, ist sehr bedauerlich und zeigt nicht<br />

gerade von grossem sozialem Verständnis. Aber wir hätten<br />

erwartet, dass mindestens jemand dieses Thema aufgegriffen<br />

und einen daherigen Posten <strong>im</strong> Budget einzusetzen verlangt<br />

hätte. Wo waren jetzt die vielen Arbeitslosen, ist ihnen das<br />

Herz in die Hosen gefallen, dass sie sich hier nicht wehrten?<br />

Das war ein Fehler, an solchen Tagungen muss man eben teilnehmen,<br />

man kann nachher wieder hinter der Ofenbank Trübsal<br />

blasen.» (SD 3.2.1939).<br />

Die Hoffnung der «Arbeiterparteiler», dass für den verstorbenen<br />

Einsiedler Ständerat Martin Ochsner der konservative<br />

Parteipräsident und Landammann August Bettschart aus<br />

<strong>Einsiedeln</strong> («offen in Arbeiterfragen») auf den Schild gehoben<br />

91


Aufgrund der herrschenden Krise und der unsicheren<br />

Weltlage war der Wallfahrtsverkehr bereits 1938 regelrecht<br />

eingebrochen, was für das Hotel- und Gastgewerbe<br />

schwerwiegende Einbussen zur Folge hatte. Besuchten<br />

1934 noch über 78‘176 Personen mit 128‘263 Logiernächten<br />

den Wallfahrtsort <strong>Einsiedeln</strong>, waren dies 1938 noch<br />

34‘963 Personen mit 51‘296 Logiernächten. <strong>Einsiedeln</strong><br />

war auf innerschweizerischen Verkehr angewiesen, besonders<br />

an kirchlichen Hauptfesttagen, religiösen Tagungen<br />

und während der Sommer- und Ferienwochen mit Besuch<br />

des neu geschaffenen Sihlsees (SD 14.3.1939).<br />

Am 6. Mai 1939 wurde überdies die Schweizerische Landesausstellung<br />

in Zürich, die «Landi», eröffnet. Sie dauerte<br />

bis Ende Oktober 1939 und führte zu einem weiteren<br />

«Frequenzausfall des Wallfahrtsortes» (SD 11.7.1939). Es<br />

kam hinzu, dass auch die bereits beworbenen «Geistlichen<br />

Spiele» («Welttheater») wegen der «Landi» und der<br />

unsicheren politischen Weltlage abgesagt worden waren.<br />

Man hatte Angst vor einem finanziellen Misslingen (SD<br />

6./20.6.1939, SD 11.7.1939).<br />

Titelseite des bereits herausgegebenen Werbeprospekts für<br />

das «Welttheater» 1939.<br />

würde, zerschlugen sich. Der einzige Kandidat für die Ersatzwahl,<br />

der katholisch-konservative Fritz Stähli aus der March,<br />

machte das Rennen (SD 10.2.1939, SD 7.3.1939).<br />

Im Februar 1939 machte – endlich – die Mitteilung die<br />

Runde, wonach es gelungen sei, in <strong>Einsiedeln</strong> eine neue<br />

Industrie anzusiedeln. Und zwar ging es um eine Isolierplattenfabrik<br />

bzw. um die Verarbeitung von Torf zu Isolierplatten<br />

für Bauzwecke, welche zu Beginn Verdienst für 30-<br />

40 ungelernte Arbeiter, später für 50-70 Arbeiter schaffen<br />

sollte (SD 17.2.1939, SD 14.3.1939). Das (Haken-)Kreuz an<br />

der Geschichte war, dass als treibende Kraft der nationalsozialistische<br />

Wirt vom «Freihof», Willy Gnädinger, galt (SD<br />

14.3.1939). Es war darum wiederholt notwendig darzulegen,<br />

dass die Aufenthaltsbewilligungen nicht für Deutsche waren<br />

und dass eine englische Finanzgesellschaft dahinter steckte<br />

bzw. kein deutsches Geld investiert wurde (SD 24.3.1939,<br />

SD 7./28.4.1939). In der Folge zeigten sich jedoch gewisse<br />

Schwierigkeiten. Reichte der zur Verfügung stehende Torf?<br />

Letztlich scheiterte das Projekt, zumal nach Kriegsausbruch<br />

und nachdem der <strong>Bezirk</strong> doch einen finanziellen Beitrag hätte<br />

bevorschussen müssen (SD 25.7.1939, SD 19.9.1939).<br />

Politisch von sich reden machte 1939 die Unterschriftensammlung<br />

für die «rote Verfassungsinitiative», welche – als Reaktion<br />

auf die erneute Nichtberücksichtigung der Sozialdemokraten<br />

bei der Bundesratsersatzwahl am 15. Dezember 1938<br />

– die Volkswahl des Bundesrates <strong>im</strong> Proporz verlangte (EA<br />

16.12.1938, SD 17./24.2.1939). Zwar meinte sogar der «Einsiedler<br />

Anzeiger»: «Als besorgniserregende Auswirkung des<br />

15. Dezember befürchten wir aber einen tiefgreifenden Rückschlag<br />

in der Nationalisierung der schweizerischen Sozialdemokratie,<br />

die – man muss das anerkennen – in verschiedener<br />

Richtung erfreulich eingesetzt hat. Gewiss mag es unbefriedigend<br />

sein, dass die schweizerische Sozialdemokratie ihr ‹patriotisches<br />

Herz› erst entdeckt hat, als ihr der Nazischreck in die<br />

Glieder fuhr; aber das enthebt uns nicht der unbedingten Notwendigkeit<br />

der innern, nationalen Einigkeit und Zusammenarbeit,<br />

und diese ist sicher durch die letzte Bundesratswahl nicht<br />

gefördert worden.» (EA 20.12.1938). Doch letztlich meinte er<br />

92


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

mit Blick auf die Stabilität und Festigkeit des Staates, dass diese<br />

Parteiaktion «ungeschickt aufgezogen (…) und <strong>im</strong> Interesse<br />

des Landes besser unterblieben wäre». «Hände weg von der<br />

roten Verfassungsinitiative!» (SD 10.3.1939).<br />

Am ordentlichen Parteitag der schwyzerischen Arbeiterpartei<br />

vom 14. Mai 1939 <strong>im</strong> «Weingarten» in Wollerau löste der<br />

unermüdliche alt Nationalrat Johann Wattenhofer Josef Heinzer<br />

als Kantonalpräsident ab. Notiert wurde die erste bekannte<br />

Teilnahme von Einsiedler Genossen, nämlich Daniel Kürzi,<br />

Fritz Wolf und Fritz Moser, die sich an der Diskussion über<br />

schwyzerische Pressefragen beteiligt hatten (SD 16.5.1939).<br />

Themen bildeten aber hauptsächlich die Unterschriftensammlung<br />

für die Verfassungsinitiative, wobei die Ortssektionen<br />

wiederholt zur Einreichung der Unterschriftenbögen<br />

aufgefordert werden mussten (SD 14./21.7.1939), sowie die<br />

beiden Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 4. Juni 1939 betreffend<br />

Verstärkung der Landesverteidigung und Bekämpfung der<br />

Arbeitslosigkeit. Es ging um ein Finanzierungsvolumen von<br />

400 Mio. Franken und einen «Markstein der Krisenwende» (SD<br />

2.6.1939). Beide Vorlagen wurden deutlich angenommen und<br />

die <strong>SP</strong> Schweiz zog in der Folge ihre sog. Kriseninitiative Nr. 2<br />

zurück. «Das Schweizervolk für Freiheit und Brot!» freute sich<br />

der «Schwyzer Demokrat» (SD 6.6.1939).<br />

Die Wehrmanns-Notunterstützung,<br />

militarisierte Arbeitslose und steigende<br />

Teuerung<br />

Das Bekanntwerden des russisch-deutschen Nichtangriffspaktes<br />

sowie Generalmobilmachungen in anderen Ländern<br />

veranlassten den Bundesrat zur Mobilisation der gesamten<br />

Grenzschutztruppen. Am 30. August<br />

1939 wählte die Bundesversammlung<br />

Henri Guisan zum<br />

General und am 1. September<br />

1939 erfolgte die Generalmobilmachung<br />

der schweizerischen<br />

Armee (SD 25./29.8.1939,<br />

SD 1./5.9.1939, EA 1.9.1939).<br />

Deutschland marschierte in der<br />

Slowakei und in Polen ein und seit<br />

dem 3. September 1939 befanden<br />

sich Deutschland, Frankreich und<br />

Grossbritannien <strong>im</strong> Kriegszustand<br />

(SD 1./5.9.1939).<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> wurden zwei Bataillone<br />

einquartiert und ein weiteres<br />

Bataillon sicherte die Staumauer<br />

und den Hühnermattdamm<br />

(SD 8.9.1939).<br />

Die Generalmobilmachung<br />

führte dazu, dass die einrückenden<br />

93<br />

Wehrmänner nicht mehr für den Lebensunterhalt ihrer Familien<br />

aufzukommen vermochten. In die Bresche sprang zwar<br />

die sog. Wehrmanns-Unterstützung, eine Notunterstützung<br />

für in Notlage geratene Angehörige eines Wehrmannes. Die<br />

Arbeiterpartei des Kantons Schwyz wies allerdings sehr früh<br />

darauf hin, dass diese Unterstützungsleistungen völlig ungenügend<br />

waren, weil hieraus nicht einmal die Miete bezahlt<br />

werden konnte (SD 12.9.1939). Die Partei prangerte auch an,<br />

dass einzelne Gemeinden statt eine Barunterstützung nur<br />

Gutscheine für Lebensmittel aushändigten (SD 22.9.1939).<br />

Am ausserordentlichen Parteitag der kantonalen Arbeiterpartei<br />

am 1. Oktober 1939 <strong>im</strong> «Weingarten» in Wollerau wurde<br />

beschlossen, sich angesichts der schweren Zeit nicht an den<br />

anstehenden Nationalratswahlen zu beteiligen. Gleichzeitig<br />

wurde eine Reihe sozialer Postulate zu Gunsten der Wehrmänner<br />

und ihrer Angehörigen beschlossen und eine Eingabe an<br />

den Regierungsrat getätigt. Erwähnenswert ist, dass als St<strong>im</strong>menzähler<br />

am Parteitag Fritz Wolf, <strong>Einsiedeln</strong>, gewählt wurde<br />

(SD 3.10.1939). Die Nationalratswahlen vollzogen sich in der<br />

Folge still.<br />

Die Existenzsicherung der Familien der Wehrmänner wurde<br />

als dringendstes innerpolitisches Problem erachtet. Diskutiert<br />

wurde eine Erhöhung der Beiträge um 30% und die<br />

Finanzierung über ein Lohnopfer der Werktätigen von 2%,<br />

was den Protest der Sozialdemokratischen Partei hervorrief,<br />

weil das Kapital geschont wurde und die Werktätigen zusätzlich<br />

mit der einsetzenden Lebensmittelteuerung zu kämpfen<br />

hatten (SD 24.11.1939, SD 7.12.1939). Der Protest nützte aber<br />

nichts. Die unsoziale Lohnsteuer, welche für die untersten<br />

Lohnkategorien keinen abzugsfreien Betrag kannte, wurde<br />

beschlossen (SD 2.1.1940). Am 1. Februar 1940 trat die neue<br />

Vereidigung der Einsiedler Luftschutzkompanie am 3. September 1939 vor dem Alten<br />

Schulhaus (EA 8.9.1939, Foto Gasser).


Truppenpräsenz auf der Rösslistrasse in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Februar 1940.<br />

Ob und inwieweit die bereits vor Kriegsausbruch auf Sparflamme<br />

funktionierende Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> durch<br />

die Generalmobilmachung betroffen war, ist nicht bekannt.<br />

Zwei ihrer wichtigsten Repräsentanten – Parteipräsident<br />

Fritz Wolf und <strong>Bezirk</strong>skommissionsmitglied Daniel<br />

Kürzi – waren jedenfalls pensioniert.<br />

Lohnersatzordnung in Kraft (SD 16.2.1940).<br />

Für den Detailhandel wurden diverse Preiserhöhungen behördlich<br />

bewilligt (SD 3.11.1939). Der <strong>Bezirk</strong>srat rief die Bevölkerung<br />

dazu auf, <strong>im</strong> kommenden Jahr vermehrt Gemüse anzupflanzen,<br />

vor allem Kartoffeln (SD 24.11.1939). Im Dezember<br />

1939 wurden Vorratskarten für rationierte Lebensmittel für die<br />

Anlegung von eisernen Rationen ausgegeben. «Das ist alles<br />

gut und recht. Aber viele, die in der heutigen schweren Zeit<br />

von der Hand in den Mund leben müssen – und das sind sehr<br />

viele, Arbeiter, Handwerker wie Bauern – sind nicht <strong>im</strong>stande,<br />

grosse Vorräte anzulegen.» (SD 15.12.1939).<br />

Am 26. November 1939 hielt der Bau- und Holzarbeiterverband<br />

<strong>im</strong> «St. Benedikt» eine Versammlung ab (SD 24.11.1939).<br />

Der Handel war – mit Ausnahme <strong>im</strong> Holzmarkt – ins Stocken<br />

94<br />

geraten (SD 5.12.1939, SD 9.1.1940). Auf dem<br />

Langrütiweiher wurde geeist, was einen gewissen<br />

Verdienst brachte (SD 2./9.1.1940). Im April 1940<br />

begann man wieder mit Fröschnen (SD 9.4.1940,<br />

s.a. SD 7.4.1942) und <strong>im</strong> Mai 1940 konnten Sammler<br />

30 Zentner Schnecken an eine auswärtige<br />

Grossfirma verschicken (SD 14.5.1940).<br />

Im Dezember 1939 hatte der Bundesrat eine<br />

Militarisierung der Arbeitslosen beschlossen «Es<br />

ist ein harter Schlag, der hier gegen die schweizerische<br />

Arbeiterschaft geführt wird. Es handelt sich<br />

nicht nur darum, dass die Arbeitslosen so um ihre,<br />

ihnen gesetzlich zustehende Arbeitslosenunterstützung<br />

kommen, für die sie die Prämien bezahlt<br />

haben. Noch schl<strong>im</strong>mer ist in der Auswirkung der<br />

Druck auf die Löhne. Jedermann wird versuchen,<br />

sich irgendwie Arbeit zu verschaffen, ohne Rücksicht<br />

auf den Lohn, um nicht in diese Zwangsarbeitsdetachemente<br />

eingereiht zu werden. Statt<br />

einer Lohnerhöhung, die durch die Teuerung mehr<br />

als gerechtfertigt wäre, wird eine allgemeine Lohndrückerei<br />

einsetzen.» (SD 19.12.1939).<br />

Gleichzeitig rollte eine erste Teuerungswelle bei<br />

den wichtigsten Nahrungsmitteln und Gebrauchsartikeln<br />

zwischen 6-50% über die Schweiz und<br />

es wurde zwangsläufig, wiederholt und dringlich<br />

nach Lohnerhöhungen gerufen (SD 12.1.1940, SD<br />

1.3.1940, SD 16.4.1940). Eine zweite Teuerungswelle<br />

folgte bis Frühjahr 1940 und die Teuerung<br />

betrug seit Mai 1939 bereits 10-90% (SD 16.2.1940). Vom<br />

Bundesrat wurden gegen den Protest der Sozialdemokraten<br />

diverse Brotaufschläge bewilligt (SD 5.4.1940).<br />

Friedliche Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

und ein sozialdemokratischer<br />

Kantonsratspräsident!<br />

Das Parteileben litt natürlich unter diesen erschwerten Umständen.<br />

Die kantonale Arbeiterpartei appellierte: «Die Parteiarbeit<br />

muss trotz den durch die Mobilisation entstandenen<br />

Schwierigkeiten erledigt werden. Mit vereinter Kraft haben wir<br />

alle, Sektionsvorstände, Vertrauensleute und Mitgliedschaft,<br />

unter Beweis zu stellen, dass wir den Anforderungen, die die<br />

Parteiarbeit heute an uns stellt, gewachsen sind und ein jeder<br />

auf seinem Posten steht!» (SD 12.1.1940).<br />

Am 2. Februar 1940 erging <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» ein<br />

erneuter Aufruf: «Ist der Vertrauensleute-Apparat vollständig?<br />

Viele unserer Vertrauensleute mussten einrücken zum Militärdienst.<br />

Die entstandenen Lücken dürfen nicht bestehen<br />

bleiben. Jeder Fehlende ist für die Dauer der Mobilisation zu<br />

ersetzen. Der Kleinarbeit unserer Vertrauensleute haben wir<br />

den Aufstieg unserer Partei zu verdanken. Diese Kleinarbeit


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

ist unermüdlich fortzusetzen. Es darf darum kein Sektionsvorstand<br />

es versäumen, die Vertrauensleute regelmässig zu besammeln.<br />

(…) Aber Schwierigkeiten sind da, um überwunden<br />

zu werden. In früheren Jahrzehnten hatten unsere Genossen<br />

mit noch viel grösseren Hindernissen zu kämpfen – nehmen<br />

wir sie uns zum Vorbild.»<br />

Für die Kantonsratswahlen vom 28. April 1940 kam ein<br />

gemeinsamer Wahlvorschlag der konservativen Volkspartei,<br />

der Liberalen Volkspartei, der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei<br />

sowie der Arbeiterpartei zustande (EA 16.4.1940). «Die<br />

allgemeine Arbeiterpartei stellt in der Person von Anton Mächler,<br />

Bahnbeamter, Dorf, einen Vertreter, der das Zutrauen aller<br />

Kreise verdient, sodass zu erwarten ist, dass auch ihm die Bürger<br />

die St<strong>im</strong>me geben und sich so an das ehrliche Abkommen<br />

der Parteien halten. Wie den übrigen Volkskreisen gehört auch<br />

der Arbeiterschaft eine Vertretung.» (SD 16./26.4.1940). Der<br />

bisherige Kantonsrat, Fritz Moser, war nicht mehr angetreten.<br />

Der Bau- und Holzarbeiterverband <strong>Einsiedeln</strong> liess verlauten:<br />

«Als Vertreter der Arbeitersache, speziell der Gewerkschaften,<br />

figuriert auf der Liste unser bewährte Sektionskassier<br />

Anton Mächler. Er ist langjähriger Funktionär unseres<br />

Verbandes und wirkt fortwährend für den sozialen Fortschritt<br />

und das Wohlergehen der Allgemeinheit. Es ist Ehrenpflicht<br />

jedes Kollegen, an die Urne zu gehen.» (SD 26.4.1940, SD<br />

3.5.1940).<br />

Mit Ausnahme der Gemeinde Muotathal fanden in allen<br />

Schwyzer Gemeinden Kompromisswahlen statt (SD<br />

19.4.1940). Genosse Anton Mächler wurde auf dem gemeinsamen<br />

Wahlvorschlag – bei einigen Streichungen – mit einem<br />

guten Resultat gewählt (EA 30.4.1940, SD 30.4.1940).<br />

Der ordentliche Parteitag der kantonalen Arbeiterpartei<br />

Anton Mächler wurde am 31. Oktober 1892<br />

geboren. Nach der Pr<strong>im</strong>arschule betätigte<br />

er sich mit Fuhrwerken. Von 1919-1928<br />

arbeitete er als Heizer be<strong>im</strong> Gaswerk in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, danach als Bahnarbeiter und<br />

Gramper bei der Südostbahn, später – bis<br />

1961 – als Stationsarbeiter. Viele <strong>Jahre</strong> besorgte<br />

er auch das Amt als Leichenträger.<br />

1919 verehelichte er sich mit Mathilde<br />

<strong>Schönbächler</strong>. Das Ehepaar wohnte an der<br />

Wänibachstrasse. Ihrer Ehe entsprossen<br />

vier Mädchen.<br />

Anton Mächler, der am 28. September<br />

1970 verstarb, war ein Mann der Arbeit, so<br />

der Nekrolog. «Sein bescheidenes Wesen,<br />

seine Offenheit und seine sprichwörtliche<br />

Originalität machten ihn zu einem beliebten<br />

Mitbürger.» (EA 16.10.1970).<br />

95<br />

hatte sich am 14. April 1940 <strong>im</strong> «Weingarten» in Wollerau versammelt.<br />

Diesmal amtete Daniel Kürzi, <strong>Einsiedeln</strong>, als St<strong>im</strong>menzähler.<br />

«Be<strong>im</strong> Traktandum Regierungsratswahlen wurde<br />

der Beschluss gefasst, in Anbetracht der Zeit und da keine<br />

Vakanzen vorliegen, sich an den Regierungsratswahlen nicht<br />

zu beteiligen. Es wurde St<strong>im</strong>mfreigabe beschlossen. Grundsätzlich<br />

wird hingegen auf allermindestens ein Mandat Anspruch<br />

erhoben. Es ist Sache der konservativen Partei, die mit<br />

fünf von sieben Sitzen eine Uebervertretung besitzt, eine gerechte<br />

Verteilung durchzuführen.», so die klare Botschaft (SD<br />

16.4.1940).<br />

Der Drang in die Exekutive erwachte aber nicht nur auf kantonaler<br />

Ebene, sondern sachte auch in <strong>Einsiedeln</strong>. Im Februar<br />

1940 fand sich <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» die «Plauderei eines<br />

Wehrmannes aus <strong>Einsiedeln</strong>», welcher<br />

kritisierte, dass man sich <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

keine Gedanken über he<strong>im</strong>kehrende<br />

Wehrmänner, die Arbeit suchen, mache.<br />

«Nach meiner unparteiischen Ansicht<br />

gehört unbedingt ein Arbeiterparteiler<br />

in den Rat, da ich es selber weiss<br />

und auch meine Kameraden aus allen<br />

Parteien bezeugen es ebenfalls, man<br />

wisse ja, was für Anstrengungen für Industrie<br />

und Arbeit gewisse Männer der<br />

Arbeiterpartei schon getan haben. Und<br />

der Wunsch Vieler ist, dass das ohne<br />

Verleumdung und Kampf vor sich gehen<br />

sollte. Gerade jetzt wäre die Zeit<br />

da, da man miteinander reden sollte.<br />

Ein 72er.» (SD 27.2.1940).<br />

Man muss davon ausgehen, dass<br />

die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> 1940 entweder<br />

nicht in der Lage war, valable<br />

Kandidaten für den <strong>Bezirk</strong>srat zu präsentieren,<br />

oder eine Kampfwahl zum Voraus als aussichtslos<br />

erachtete. Schon zwei Tage vor der Wahl am 5. Mai 1940 liess<br />

sie nämlich <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» verlauten: «Die Arbeiterschaft<br />

ist zwar leider in der engern <strong>Bezirk</strong>sbehörde nicht vertreten,<br />

doch hoffen wir, dass demnächst auch hier die gesunde<br />

Einsicht obwalte, um auch der Arbeiterschaft eine Vertretung<br />

zu gewähren. Am Wahlakte soll sich aber die Arbeiterschaft<br />

dennoch beteiligen, um als freie Bürger das St<strong>im</strong>mrecht auszuüben.»<br />

(SD 3.5.1940).<br />

«Die friedlichen ‹Kriegswahlen› in unsere <strong>Bezirk</strong>sbehörden<br />

sind ebenso still vor sich gegangen wie die Kantonsratswahlen<br />

(…).» war <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu lesen (EA 7.5.1940). Aufgrund<br />

der tiefen St<strong>im</strong>mbeteiligung von gerade 25% meinte<br />

der «Schwyzer Demokrat»: «Schuld daran ist nicht so sehr die<br />

gemeinsame Liste, als der Umstand, dass man <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

die Arbeiterschaft beharrlich weiterhin von einem Mitspracherecht<br />

<strong>im</strong> Rate ausschliesst.» (SD 10.5.1940).


Immerhin ergab sich <strong>im</strong> Anschluss daran insofern ein Erfolg,<br />

als Daniel Kürzi nicht bloss als Schulrat und Mitglied der Armenpflege<br />

bestätigt wurde, sondern neu auch in die Verkehrsund<br />

Industriekommission gewählt wurde (EA 24.5.1940). Auch<br />

dieser Umstand lässt den Anschein erwecken, dass die Personaldecke<br />

der Arbeiterpartei dünn war. Indessen<br />

las man <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat»: «Auch das offene<br />

Mandat für den <strong>Bezirk</strong>sgerichts-Substituten<br />

hätte man bei einigermassen gutem Willen der Arbeiterpartei<br />

überlassen dürfen.» (SD 28.5.1940).<br />

Einen grossen Erfolg konnte dafür die Arbeiterpartei<br />

des Kantons Schwyz am 27. Juni 1940<br />

feiern. Genosse alt Nationalrat und Kantonsrat Johann<br />

Wattenhofer hatte nicht bloss die Ehre, als Alterspräsident<br />

die erste Sitzung des neugewählten<br />

Kantonsrates zu eröffnen, sondern wurde überdies<br />

ohne Gegenvorschlag und einst<strong>im</strong>mig zum neuen<br />

Kantonsratspräsidenten 1940/41 gewählt! Johann<br />

Wattenhofer verdankte die Wahl und meinte unter<br />

anderem: «Diese Wahl bedeutet ein Symbol dafür,<br />

dass die verschiedenen Parteien des Kantons gewillt<br />

sind, in gemeinsamer Arbeit in schwerster Zeit<br />

zusammen zu wirken.» (SD 28.6.1940).<br />

Bereits <strong>im</strong> Mai 1940 hatte die Arbeiterpartei mit<br />

Laurenz Kistler, Reichenburg, erstmals einen Kantonsrichter<br />

stellen können (SD 19.7.1940).<br />

Ein neuer Feiertag, bleibende Probleme und<br />

ein Unrecht an der Arbeiterschaft<br />

Französische und polnische Internierte bauen 1940 die Strasse auf die<br />

Sattelegg.<br />

96<br />

Engelweih-Prozession vor dem Einsiedler Rathaus um 1940<br />

(Foto Wilhelmine Marthaler).<br />

Weil der Wallfahrtsverkehr in den letzten <strong>Jahre</strong>n stark abgeflaut<br />

war, machte man sich Gedanken, wie dieser und der<br />

Tourismus generell gefördert werden könnten. Zum einen geschah<br />

dies dann mit dem Bau der Strasse von Willerzell über<br />

die Sattelegg nach Vorderthal, für welchen französische und<br />

polnische Internierte beigezogen wurden, und von dem man<br />

sich mehr Besucher des «schönen Alpenpanoramas» erhoffte<br />

(SD 14.6.1940, SD 6.9.1940), zum anderen – eher etwas unkonventionell<br />

– mit der Schaffung eines neuen Feiertages! Der<br />

<strong>Bezirk</strong>srat führte die Engelweihe bzw. den Heiligkreuztag, das<br />

Hochfest der Einsiedler Wallfahrt, als neuen lokalen Feiertag<br />

ein, «aus Dank an den Allmächtigen, dass unser liebes Vaterland<br />

bisher von der Kriegsgeisel verschont geblieben ist.» (SD<br />

27.8.1940). «Für Arbeiter gibt es da magere Löhnli.», meinte der<br />

«Schwyzer Demokrat» (SD 27.8.1940). Es seien jedoch gewisse<br />

Opfer zu bringen, die religiösen und kulturellen Motive würden<br />

die wirtschaftliche Belastung überwiegen, so<br />

Hochwürden P. Othmar Scheiwiller (EA 31.1.1939).<br />

Zahlreiche Schweizer Pilger kamen nämlich nach<br />

<strong>Einsiedeln</strong> um die Bitte niederzulegen, es möge<br />

die He<strong>im</strong>at vor Kriegswirren und ihren bitteren Folgen<br />

verschont bleiben (SD 9.8.1940).<br />

Vor dem zweiten Kriegswinter zeigte sich nun<br />

auch eine Benzin- und Kohlenknappheit und mittels<br />

Verbrauchslenkung (u.a. fünftägige Arbeitswoche)<br />

wurde versucht, dieser zu begegnen (SD<br />

23.8.1940). Das grosse Hotel «Pfauen» musste seinen<br />

Betrieb für mehrere Wochen einstellen, weil<br />

nicht genügend Brennmaterial vorhanden war (SD<br />

14.1941). Butter war scharf rationiert und es erging<br />

ein Rahmverbot (SD 22.10.1940).<br />

An der Versammlung des Bau- und Holzarbeiterverbandes<br />

<strong>Einsiedeln</strong> vom 13. Oktober 1940 in<br />

der «Linde» war das skandalöse Verhalten des Einsiedler<br />

Arbeitsamtes Thema. Dieses hatte gegen-


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Frage der Arbeitsbeschaffung, insbesondere der Bau<br />

einer Jugendkirche und eines Pfrundhauses, blieb ein politisches<br />

Thema, und auch die Lebensmittelpreise stiegen<br />

weiterhin, verbunden mit dem wiederholten Ruf nach einer<br />

Angleichung der Löhne (SD 27.8.1940, SD 18.10.1940,<br />

SD 8.11.1940, SD 5.1.1942). «Arbeiter, schliesst die Reihen!<br />

Die Teuerung greift <strong>im</strong>mer weiter um sich, und die Löhne<br />

kommen nicht nach. Wohl sind in manchen Berufen<br />

Lohnaufbesserungen gewährt worden, aber sie sind wie<br />

ein Tropfen auf einen heissen Stein. Sie vermögen den<br />

Druck, der die Arbeiterfamilien bedrängt, bei weitem nicht<br />

aufzuhalten. (…) Deshalb ergeht der Ruf an alle Arbeitnehmer:<br />

Lasst Euch nicht trennen durch die Demagogie Eurer<br />

Gegner! Schliesst die Reihen der Organisierten!» (SD<br />

10.12.1940).<br />

Links: Aus dem «Schwyzer Demokrat» vom 18. Oktober 1940<br />

über einer ausserkantonalen Baufirma erklärt, die von dieser<br />

ausgerichteten Löhne seien «zu hoch und würden bloss die<br />

Arbeiter bei den einhe<strong>im</strong>ischen Unternehmen unzufrieden machen!»<br />

(SD 1.10.1940, SD 5.11.1940). «Eine feste und geschlossene<br />

Parteiorganisation ist heute mehr denn je notwendig und<br />

Voraussetzung für die erfolgreiche Verteidigung der Lebensinteressen<br />

der Arbeiterschaft!» lautete die Durchhalteparole des<br />

Verbandes (SD 11.10.1940).<br />

Am 1. Dezember 1940 gelangte die Bundesvorlage über<br />

einen obligatorischen militärischen Vorunterricht zur Abst<strong>im</strong>mung.<br />

Die Arbeitnehmerschaft votierte für eine Ablehnung.<br />

«Die Vorlage beeinträchtigt die freie Erziehung der Schweizer<br />

Jugend, sie schwächt ihren Freiheitsgeist, sie bereitet sie nicht<br />

zum Freiheitskampf vor, sie ist ein Stück Gleichschaltung.», so<br />

die Begründung (SD 22.11.1940). Zudem bestünde ein solcher<br />

auf freiwilliger Basis bereits seit 1915 <strong>im</strong> Kanton Schwyz (SD<br />

29.11.1940). Die Vorlage fand be<strong>im</strong> St<strong>im</strong>mvolk keine Gnade<br />

und wurde abgelehnt. «Eine gesunde ant<strong>im</strong>ilitaristische Gesinnung<br />

hat gesiegt!» triumphierte der «Schwyzer Demokrat»<br />

(SD 3.12.1940). Die kantonale Arbeiterpartei hatte indessen<br />

St<strong>im</strong>mfreigabe beschlossen (SD 26.11.1940).<br />

Der Versuch der Schweizer Sozialdemokraten, einen Sitz<br />

<strong>im</strong> Bundesrat zu erhalten, scheiterte <strong>im</strong> zweiten Halbjahr 1940<br />

gleich zwe<strong>im</strong>al. <strong>SP</strong>-Ständerat Gustav Wenk unterlag <strong>im</strong> Juli<br />

und die nominierten <strong>SP</strong>-Nationalräte Robert Bratschi und Johannes<br />

Huber <strong>im</strong> Dezember 1940. Deren Nichtberücksichtigung<br />

wurde als wiederholtes «Unrecht an der Arbeiterschaft»<br />

scharf gebrandmarkt. Die Partei rief ult<strong>im</strong>ativ nach «politischer<br />

Gerechtigkeit» (SD 16./17.7.1940, SD 10.12.1940).<br />

Viel Beachtung fand in dieser Thematik die Ansprache von<br />

Genosse Kantonsratspräsident Johann Wattenhofer anlässlich<br />

der Wintersession des Schwyzer Kantonsrates. «Man ist<br />

überrascht, aus konservativem Munde auf einmal die Bereitschaft<br />

der Zusammenarbeit innerhalb der politischen Parteien<br />

zu vernehmen.» meinte in der Folge der «Schwyzer Demokrat»<br />

(SD 10.1.1941). Doch mit der politischen Zusammenarbeit<br />

sollte es noch eine Weile gehen.<br />

Durchhalteparolen, fleischlose Tage,<br />

Anbauschlacht und der Ruf nach einem<br />

Lohnamt<br />

1941 war ein düsteres Jahr. «Die Parteiarbeit muss trotz den<br />

durch die Mobilisation entstandenen Schwierigkeiten erledigt<br />

werden.» ermahnte die kantonale Geschäftsleitung einmal<br />

mehr (SD 10.1.1941). «Heute mehr denn je muss wieder<br />

in vermehrtem Masse Kleinarbeit geleistet werden. (…) Pflicht<br />

und Aufgabe: mehr ins Volk hinaus, mehr Versammlungen<br />

abzuhalten. Diese Aufgabe soll erfolgen in Zusammenarbeit<br />

mit den Gewerkschaften.» (SD 22.7.1941).<br />

Anlässlich der Generalversammlung des Bau- und Holzarbeiterverbandes<br />

vom 1. Februar 1941 <strong>im</strong> Gasthaus «St.<br />

Benedikt» wurde der Kantonsrat der Arbeiterpartei, Anton<br />

Mächler, als neuer Präsident gewählt (SD 7.2.1941). «Praktische<br />

Arbeit kann aber nur geleistet werden, wenn alle mithelfen.<br />

Zusammenschluss macht stark, das war das Leitwort<br />

der ergrauten Kämpen der Arbeiterbewegung. In diesem<br />

Sinne und Geiste schafften sie Grosses. Was schliesslich<br />

97


<strong>im</strong> Laufe von Jahrzehnten erreicht wurde an Verbesserung<br />

des Lohnes und an sozialen Einrichtungen, das ist nicht zuletzt<br />

das Werk einer geschlossenen Arbeiterbewegung.» (SD<br />

7.2.1941).<br />

In wirtschaftlicher Hinsicht erging eine einheitliche Ladenschlussordnung<br />

und musste – nebst der allgemeinen<br />

Teuerung – ein erneuter Anstieg des Brotpreises konstatiert<br />

werden (SD 7.3.1941, SD 21.10.1941). Der «Schwyzer Demokrat»<br />

wies mit Recht auf die vor 15 <strong>Jahre</strong>n verpasste, weil vom<br />

Volk verworfene Regelung einer staatlichen Getreideversorgung<br />

hin (SD 18.4.1941). Schuhe wurden nun rationiert (SD<br />

25.4.1941), Kaffee, Tee und Kakao gesperrt (SD 3.6.1941) und<br />

die beiden Werktage Mittwoch und Freitag vom Bundesrat<br />

als fleischlose Tage verordnet (SD 13.5.1941). «Im Gegensatz<br />

zur Verordnung des [1.] Weltkrieges, als der Genuss von Innereien<br />

wie Zunge, Hirn, Milken, Leber, Kutteln usw. sowie<br />

Geflügel gestattet waren, sind die fleischlosen Tage diesmal<br />

vollständig; einzig der Konsum von Fischen, Krebsen, Schnecken<br />

und Fröschen wird gestattet.» Später wurde das Fleisch<br />

zusätzlich rationiert (SD 3.3.1942).<br />

Anbauplan und Anbauschlacht wurden propagiert und es<br />

wurden Vorträge gehalten. Die Lage der Volksernährung war<br />

gefährdet (SD 21.1.1941, EA 28.3.1941). «Hinter dem Kloster,<br />

dem sog. ‹Acher›, hat die Stiftsstatthalterei ein grosses Stück<br />

Land zu Anbauzwecken von Kartoffeln und Gemüse aufgebrochen.<br />

Auch die Genossame Dorf-Binzen gedenkt ein grösseres<br />

Areal Land aufzubrechen. Sie stellt jedem Bürger auf dem Waldweg<br />

bereits aufgebrochenes Pflanzland für den nächsten Frühling<br />

zur Verfügung.» (SD 15.11.1940, SD 5.6.1942).<br />

Weiterhin wurde angesichts der Knappheit und der Verteuerung<br />

der auswärtigen Kohlen Torf ausgebeutet. «Mit Maschinen<br />

ist man nun <strong>im</strong> sog. Möösli daran gegangen, dort ‹Turben zu<br />

stechen›. Viel wäre auf diesem Gebiete zu machen, aber grosse<br />

Torfgebiete liegen heute unter den Wellen des Sihlsees.» (SD<br />

6.6.1941, SD 2.6.1942). Immerhin fanden in <strong>Einsiedeln</strong> ca. 25 Arbeiter<br />

ein Auskommen und konnten 3‘519 Tonnen Turben ausgeführt<br />

werden (SD 12.10.1943). In He<strong>im</strong>arbeit fabrizierten kinderreiche<br />

Familien auch «Sägmehl-Briketts» (SD 24.11.1942).<br />

Der Einsiedler Bau- und Holzarbeiterverband führte seine<br />

gewohnten Quartalsversammlungen <strong>im</strong> Gasthaus «St. Benedikt»<br />

durch (SD 16.5.1941, SD 19.9.1941, SD 24.10.1941). Es<br />

wurde über die gegenwärtige Lage sowie die Aufgabe des Verbandes<br />

referiert. Positiv vermerkt wurde der Beschluss, in <strong>Einsiedeln</strong><br />

eine Jugendkirche zu bauen (SD 15.4.1941).<br />

Während die Katholisch-Konservativen und die Christlichsozialen<br />

ausgiebig den 50. <strong>Jahre</strong>stag der päpstlichen Enzyklika<br />

«Rerum novarum» feierten, auf der ihre Haltung nach wie<br />

vor fest fusste («Das Licht leuchtete in der Finsternis, aber die<br />

Finsternis hat es nicht begriffen.», EA 13.5.1941), tätigte das<br />

Schwyzer Gewerkschaftskartell eine Eingabe an den Regierungsrat:<br />

«Für Steuergerechtigkeit! Für Lohnausgleich! Gegen<br />

Teuerung!» (SD 20.6.1941). Der Parteitag der Arbeiterpartei des<br />

Kt. Schwyz doppelte am 20. Juli 1941 nach. «Der Parteitag erwartet<br />

von den Behörden des Bundes und des Kantons <strong>im</strong> Hinblick<br />

auf die 650-Jahrfeier der Eidgenossenschaft nicht hohltönende<br />

Phrasen, wohl aber soziale Taten und wirtschaftlicher<br />

Fortschritt: Planmässige Organisation der Wirtschaft; Staatlich<br />

gelenkte, grosszügige Arbeitsbeschaffung <strong>im</strong> Blick auf die kommende<br />

Arbeitslosigkeit; Gerechtere Steuerpolitik; Anpassung<br />

der Löhne an die Teuerung; Unterdrückung von sachlich ungerechtfertigten<br />

Preiserhöhungen und endlich die Schaffung einer<br />

Alters- und Hinterlassenenversicherung. Die Ausbeutung der<br />

Notlage der grossen Volkskreise durch eine kleine, ohnehin<br />

schon bevorzugte Schicht ist zu verhindern. Wir stehen am<br />

1. August dafür ein, dass das Motto ‹Einer für alle, alle für<br />

einen!› nicht ein wesenloses Schema bleibe, sondern zur<br />

wuchtigen Tatsache werde!» (SD 22.7.1941). An Stelle des<br />

abtretenden Johann Wattenhofer wurde neu als Kantonalpräsident<br />

Josef Kürzi jun., Siebnen, gewählt.<br />

Die Kantonalpartei forderte von der Schwyzer Regierung<br />

einen Appell an die Arbeitgeber, um deren soziales Gewissen<br />

zu wecken, die Schaffung eines Lohnamtes, das Verschwinden<br />

der Waren-Umsatzsteuer und Notstandsaktionen <strong>im</strong> Kanton<br />

(SD 4.11.1941). Der «Einsiedler Anzeiger» attestierte der Eingabe<br />

«gute Gedanken», kommentierte aber nicht ganz zu Unrecht,<br />

dass die Arbeiterpartei den von den Konservativen und<br />

Christlichsozialen propagierten Familienschutz mit der Idee der<br />

Ausrichtung von Familien- und Kinderzulagen überging bzw.<br />

dieser sogar ablehnend gegenüberstand («Anständige Löhne,<br />

damit der Arbeiter und Angestellte leben kann, sind der beste<br />

Familienschutz.», SD 20.3.1942). «Letzten Endes bilden wohl<br />

weltanschauliche Gegensätze den Grund dieser negativen Einstellung.»<br />

(EA 13.6.1941, EA 7.11.1941). Hier anknüpfend ist aber<br />

gerade interessant festzustellen, dass die Katholisch-Konservativen<br />

und Christlichsozialen mit ihrem Postulat von staatlichen<br />

Zulagen an sich den Sozialismus predigten und die Arbeiterpartei<br />

in ihrer Vorgehensweise faktisch teilweise dem Ruf der<br />

päpstlichen Enzyklika folgte!<br />

Sympathien zeigte aber der Präsident der Arbeiterpartei,<br />

Fritz Wolf, anlässlich eines öffentlichen Referates über die Familienschutzinitiative<br />

(EA 17.3.1932).<br />

Wie ein Blitz traf die Schwyzer Arbeiterbewegung die Mitteilung<br />

des Todes von Johann Wattenhofer am 30. Dezember<br />

1941. «Unser Bester ist tot.» (SD 2.1.1942).<br />

Volkswahl des Bundesrates, Weiterbildung<br />

und der wiederholte Ruf nach einer AHV<br />

Am 25. Januar 1942 gelangte die sozialdemokratische Initiative<br />

auf Volkswahl des Bundesrates und die Erhöhung der<br />

Zahl der Bundesräte von 7 auf 9 zur Abst<strong>im</strong>mung. Die Initiative<br />

hatte ihren Ursprung <strong>im</strong> ständigen Übergehen ihres Sitzanspruchs<br />

<strong>im</strong> Bundesrat und war ein Prestigeanliegen, weshalb<br />

die Arbeiterpartei <strong>im</strong> Kanton Schwyz auch eifrig Werbung für<br />

98


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

das betrieb, einen Kampffonds äufnete und in alle Haushaltungen<br />

eine Abst<strong>im</strong>mungszeitung vertrug (EA 13.1.1942, SD<br />

23.1.1942). «Me deckt ä keis Huus um, wenn‘s dusse stürmt!»,<br />

wurde <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» prägnant für ein Nein geworben<br />

(EA 13.1.942). Nicht förderlich war, dass sich die nationalsozialistische<br />

Bewegung der Schweiz für die Initiative<br />

aussprach (EA 2.12.1941, EA 23.12.1941). Diese wurde vom<br />

Schweizervolk denn auch mit einem Nein-St<strong>im</strong>menanteil von<br />

66% verworfen, <strong>im</strong> Kanton Schwyz mit 76% und in <strong>Einsiedeln</strong><br />

sogar mit gut 84% (EA 27.1.1942). «Gesamtschweizerisch, was<br />

ist die Konsequenz aus diesem Entscheid für die Sozialdemokratie?<br />

Sammlung aller Werktätigen zu einer zielklaren Politik,<br />

mehr Opposition allüberall, weniger Rücksichten auf die Satten,<br />

mehr Klassenpolitik!» war in der Folge der kämpferische<br />

Tenor (EA 30.1.1942).<br />

Der Bau- und Holzarbeiterverband <strong>Einsiedeln</strong> hielt am<br />

25. Januar 1942 in seinem üblichen Lokal «St. Benedikt» seine<br />

Generalversammlung ab. «Es soll und muss wieder vorwärts<br />

gehen, darum mache sich ein jedes Mitglied zur Pflicht, diesen<br />

Sonntagnachmittag dem Verbande zu widmen.», lautete der<br />

Aufruf (SD 23.1.1942). Am 7. März 1942 lud die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> daselbst zu einer öffentlichen Volksversammlung,<br />

in welcher der Zentralsekretär der <strong>SP</strong> Schweiz über das Thema<br />

«Der Ferne Osten und seine kriegspolitische Bedeutung»<br />

referierte und der Film «Insel der Dämonen», welcher von der<br />

Kultur und Landschaft der Südseeinsel Bali handelte, gezeigt<br />

wurde. „(E)ingedenk der [grütlianischen] Devise: ‹Durch Bildung<br />

zur Freiheit.›» (SD 20.2.1942, SD 6.3.1942).<br />

Der Vortrag und die Filmaufführung fussten auf dem Anliegen<br />

der Kantonalpartei und des Gewerkschaftskartells nach<br />

Durchführung von mehr Bildungsveranstaltungen und waren<br />

ein Erfolg. Den Organisationen stand unentgeltlich ein in Siebnen<br />

stationierter Filmvorführungsapparat zur Verfügung (SD<br />

10.7.1942). «Und man hört vielfach den Wunsch äussern, die<br />

Arbeiterpartei möchte in vermehrtem Masse solch volksbildende<br />

Anlässe veranstalten, denn gerade hier in <strong>Einsiedeln</strong>, wo<br />

eine gewisse Presse das Menschenmöglichste tut, um nicht<br />

zu erreichen, dass das Volk mehr lernt, selbständig zu denken,<br />

hier ist es ein dringendes Bedürfnis der Arbeiterschaft <strong>im</strong><br />

besonderen, mehr fortschrittliche Geisteskost zu bekommen.»<br />

(SD 17.3.1942).<br />

Derweil lautete die generelle Devise weiterhin: «Anbau,<br />

Mehranbau, Höchstanbau! (…) Das Jahr 1942 soll zum Kampfund<br />

Leistungsjahr der Kleinpflanzer und Selbstversorger werden.»<br />

(SD 3.2.1942). «Wir führen den Kampf gegen den Hunger.<br />

Es wird gerodet und melioriert, um pflanzen zu können.»<br />

(SD 6.3.1942).<br />

Die politische Forderung nach einer Alters- und Hinterbliebenenversicherung<br />

wurde einmal mehr erhoben. «Je mehr die<br />

Not zun<strong>im</strong>mt und der Mangel innerhalb der Wirtschaft wächst,<br />

umso deutlicher zeigt es sich, dass wir schweren Zeiten entgegengehen.<br />

In diesen Zeiten werden viele Menschen arbeitslos<br />

und andere verarmen. Ganz schl<strong>im</strong>m sind heute in vielen Staaten<br />

Europas die Kinder und die alten Leute dran. Für die Alten<br />

besonders wird die Situation in der kommenden Zeit schwer<br />

werden. Seit Jahrzehnten fordert die Sozialdemokratie eine Alters-<br />

und Hinterbliebenenversicherung.» (SD 20.3.1942).<br />

Im Mai 1942 erging der Aufruf an die Gewerkschafter und<br />

Sozialdemokraten <strong>im</strong> Kanton Schwyz, das Initiativbegehren<br />

für die Umwandlung der Ausgleichskassen für Wehrmänner<br />

in Alters- und Hinterbliebenen-Versicherungskassen zu unterstützen<br />

(SD 19.5.1942).<br />

Sozialistischer Auftrieb und politischer Druck<br />

Die freien bzw. sozialistischen Gewerkschaftsorganisationen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> waren aktiv. Der VHTL (Gewerkschaft Verkauf<br />

Handel Transport Lebensmittel) traf sich 1942 zu Sektionsversammlungen<br />

in der «Helvetia», <strong>im</strong> «Grütli» und <strong>im</strong> «Landhaus»<br />

(SD 15.3.1942, SD 12.6.1942, SD 21.8.1942, SD 4.12.1942), das<br />

Südostbahn-Personal tagte regelmässig <strong>im</strong> «Waldschloss» in<br />

Biberbrugg (SD 6.3.1942, SD 20.3.1942), «Typographia» und «Lithographia»<br />

waren engagiert und auch unser Bau- und Holzarbeiterverband<br />

führte seine General- und Quartalversammlungen<br />

<strong>im</strong> Gasthaus «St. Benedikt» durch (SD 1.5.1942, SD 9.10.1942,<br />

SD 17.1.1943).<br />

Deren Verhältnis zur kantonalen Arbeiterpartei war sehr gut.<br />

Die andernorts, bspw. in Zürich, vorhandenen Spannungen waren<br />

in Schwyz nicht vorhanden (EA 21.4.1942). Arbeiterpartei<br />

und Gewerkschaftskartell tagten mit ihren erweiterten Vorständen<br />

auch gemeinsam (SD 10.7.1942). Mit dabei der Kantonsrat<br />

der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> und Präsident des Bau- und Holzarbeiterverbandes,<br />

Anton Mächler.<br />

An der Tagung des kantonalen Parteivorstandes vom 7. Juni<br />

1942 in der Post in Pfäffikon konnte Parteipräsident Josef Kürzi<br />

jun. selbstbewusst feststellen, dass «in unseren Reihen Stagnation<br />

kein He<strong>im</strong>atrecht geniesst.» (SD 12.6.1942). Anlass zu dieser<br />

Feststellung gaben diverse Parteigründungen <strong>im</strong> Kanton, Neukonstituierungen<br />

und erfolgreiche Wahlen in Gemeinden.<br />

Mit unverhohlener Genugtuung konnte der «Schwyzer Demokrat»<br />

in seiner Ausgabe vom 19. Juni 1942 sodann verkünden:<br />

«Aktivität! Eine neue V.P.O.D.-Gewerkschaftssektion in <strong>Einsiedeln</strong>!<br />

(...) Mit Stolz und ganz besonderer Freude können wir<br />

heute die Mitteilung machen, dass in <strong>Einsiedeln</strong> eine stramme<br />

Gewerkschaftssektion des VPOD, des Verbandes des Personals<br />

öffentlicher Dienste, ins Leben gerufen wurde. Die Führung liegt<br />

in tatkräftigen Händen. Wir grüssen den Benjamin in der schwyzerischen<br />

gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung und wünschen<br />

ihm frohes Glückauf!» Mutmasslich dürften hier u.a. die Zeughausarbeiter<br />

Paul Christen-Kälin und Martin Steiner treibende<br />

Kräfte gewesen sein.<br />

Die Arbeiterpartei und die Gewerkschaften trafen den Nerv<br />

der Zeit. Der Brotpreise wurde nämlich bereits wieder erhöht und<br />

auch die Teigwaren schlugen auf (SD 30.6.1942, SD 21.8.1942).<br />

99


Der Druck auf den Regierungsrat wurde aufrecht erhalten und<br />

es erfolgte wiederum die Aufforderung an diesen, «endlich eine<br />

umfassende kantonale Notstandsaktion auf den Herbst und Winter<br />

hin einzuleiten. Es geht nicht an, dass Tausende von Franken<br />

als Viehprämien an vermögliche Bauern ausbezahlt werden,<br />

während weitere Teile unseres schaffenden Volks heute darben<br />

müssen.» (SD 7.7.1942). Der Regierung wurde vorgeworfen, dass<br />

sie nichts von der Not der Zeit merke und sie nur nicke gegenüber<br />

dem Widerstand des Finanzchefs, wenn es gelte, etwas zur<br />

Linderung der Not zu unternehmen. Der «Einsiedler Anzeiger»<br />

sprach von übler Hetze in schl<strong>im</strong>mer Zeit (EA 24.7.1942). Es war<br />

wohl eher eine Mischung aus sozialem Notruf mit einem Schuss<br />

gewolltem Populismus.<br />

In der Arbeiterschaft rumorte es auch anderswo. Selbst die<br />

Hebammen von <strong>Einsiedeln</strong> verlangten in Anbetracht der Teuerung<br />

eine Erhöhung des Wartgeldes, was der <strong>Bezirk</strong>srat aber<br />

ablehnte. (SD 11.8.1942). Und das Einsiedler Schreinergewerbe<br />

widersetzte sich einer arbeitsvertraglichen Regelung auf dem<br />

Platz. «So richtig der Protzenstandpunkt wurde eingenommen.»<br />

(SD 11.8.1942).<br />

Im Oktober 1942 stellte die kantonale Arbeiterpartei an den<br />

Regierungsrat das weitere Begehren, «er möchte anlässlich der<br />

Kantonsratssitzung vom 28. Oktober nächsthin als gemeinsame<br />

Kundgebung der versammelten Kantonsbehörden an alle Arbeitgeber<br />

der Industrie und des Gewerbes den dringenden Appell<br />

richten, an die Arbeitnehmer eine Herbstzulage zur Tätigung der<br />

Herbst- und Wintereinkäufe auszurichten.» (EA 20.10.1942, SD<br />

20.10.1942).<br />

Es war aber nicht so, dass der Kanton gänzlich untätig geblieben<br />

wäre. Die kantonsrätliche Arbeitsbeschaffungskommission<br />

befasste sich mit Projekten <strong>im</strong> Umfang von 46.7 Millionen<br />

Franken (SD 27.10.1942). Sodann: «Gemäss Regierungsratsbeschluss<br />

vom 4.9.1942 sind <strong>im</strong> Kanton Schwyz verschiedene<br />

kriegswirtschaftliche Fürsorgemassnahmen durchzuführen.<br />

In Betracht kommen vorläufig: Beiträge zur Verbilligung des<br />

Brotes, Beiträge zur Verbilligung von Kartoffeln und Aepfel. Der<br />

<strong>Bezirk</strong>srat wählt zum Präsidenten dieser Kommission Hrn. Statthalter<br />

Franz Kälin.» (SD 27.10.1942). Per Kreisschreiben forderte<br />

das kantonale Arbeitsamt die Gemeinden auf, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm<br />

für die Nachkriegszeit aufzustellen (SD<br />

3.8.1943).<br />

Kein Erfolg beschieden war der sog. Pfändler-Initiative, benannt<br />

nach dem St. Galler LdU-Nationalrat Otto Pfändler, die am<br />

3. Mai 1942 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangte. Die Partei von Migros-<br />

Gründer Gottlieb Duttweiler wollte mit dieser eine Reorganisation<br />

des Nationalrates bewerkstelligen. Mittels Flugbatt hatte die<br />

Partei auch in <strong>Einsiedeln</strong> zu einer Volksversammlung ins Hotel<br />

«Steinbock» eingeladen. An der Diskussion nahm auch der Präsident<br />

der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> teil, nutzte die Plattform<br />

indessen für ein eigenes Votum: «Genosse Fritz Wolf forderte,<br />

dass doch endlich die Altersversicherung Tatsache werden<br />

möchte, denn schon der Ueberschuss der Lohnausgleichskasse<br />

von 165 Millionen Fr. bedeute dafür einen schönen Fond. Was<br />

den Familienschutz anbelangte, möge man mit bessern Löhnen<br />

aufwarten, das sei den kinderreichen Familien am wirksamsten<br />

geholfen.» (SD 28.4.1942).<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen in <strong>Einsiedeln</strong> vom 3. Mai 1942 verliefen<br />

unspektakulär ruhig und ebenfalls nach dem Motto «Wenn es<br />

stürmt, soll man das Haus nicht umdecken.» (EA 21.4.1942). Der<br />

gemeinsame Wahlvorschlag der Konservativen Volkspartei, der<br />

Liberalen Partei und der Bauern-, Bürger- und Gewerbepartei<br />

setzte sich durch (EA 28.4.1942, EA 5.5.1942). Daniel Kürzi von<br />

der Arbeiterpartei wurde ein weiteres Mal als Schulrat, Mitglied<br />

der Armenpflege sowie der Verkehrs- und Industriekommission<br />

bestätigt (EA 15.5.1942).<br />

«Eine neue Schweiz in einer neuen Welt» und<br />

missglückte Nationalratswahlen 1943<br />

Die kantonale Arbeiterpartei<br />

griff den Ball denn auch programmatisch<br />

auf und erklärte<br />

an ihrem Parteitag vom 16.<br />

September 1943 <strong>im</strong> «Weingarten»<br />

in Wollerau das Eintreten<br />

in den Nationalratswahlkampf.<br />

Nominiert wurden Kantonsrat<br />

Josef Heinzer, Goldau, Redaktor<br />

Josef Kürzi jun., Siebnen,<br />

und Kantonsrat Karl Röllin,<br />

Wollerau (SD 24./28.9.1943).<br />

An ihrer Tagung vom 5./6. Dezember 1942 äusserte sich die<br />

Sozialdemokratische Partei der Schweiz zu aktuellen Tagesfragen<br />

und gab ihr politisches Aktionsprogramm bekannt,<br />

welches mittels einer neuen<br />

Volksinitiative betreffend<br />

Wirtschaftsreform<br />

und Recht der Arbeit <strong>im</strong><br />

März 1943 lanciert wurde<br />

(SD 11.12.1942, EA<br />

23.12.1942, EA 2.3.1943).<br />

Die Initiative konnte<br />

bereits am 10. September<br />

1943 mit 161‘664 Unterschriften<br />

eingereicht<br />

werden und verfolgte <strong>im</strong><br />

Wesentlichen die gleichen<br />

Ziele wie die frühere Krisen-<br />

Initiative (EA 17.9.1943). Am<br />

schweizerischen Parteitag<br />

wurde verkündet: «Die Zeit<br />

für halbe Lösungen ist vorbei!»<br />

Verlangt wurde eine<br />

aktivere Lohnpolitik des<br />

Bundes, der Schutz der<br />

Arbeiter und Angestellten<br />

vor ungerechtfertigten<br />

Entlassungen, ein voller<br />

Teuerungsausgleich für<br />

kleine Einkommen, die Bekämpfung<br />

der Teuerung,<br />

eine vermehrte Förderung<br />

des Wohnungsbaues, die<br />

beschleunigte Vorbereitung<br />

der eidgenössischen<br />

Alters- und Hinterbliebe-<br />

<strong>100</strong>


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

«Flugblätter, Broschüren und anderes Werbematerial fliegen<br />

in diesen Tagen in die aufnahmebereiten Briefkästen<br />

unserer Schwyzerfamilien. Vielerorts sind die Plakatsäulen<br />

und Anschlagstellen hübschfein mit Wahlplakaten dekoriert,<br />

wobei die Oppositionsparteien, nämlich die Sozialisten<br />

und Unabhängigen, sich besonders hervortun. Der<br />

arme rote Lazarus und der Migros-Krösus kennen keine<br />

Sparmassnahmen und schütten ihre wohlgespickten Kassen<br />

gründlich aus. Die Sozialisten wollen an die Macht. Zu<br />

diesem Zwecke soll vor allem das Manifest ‹Neue Schweiz›<br />

dienen (…).» (EA 29.10.1943). Der «Schwyzer Demokrat»<br />

scheute sich nicht, eine Wahl-Nummer herauszugeben:<br />

«Schwyzer Volk, lass dich aufklären! Der Weg in eine bessere<br />

Zukunft. Was wir wollen – für was wir dienen und<br />

kämpfen.» (SD 28.10.1943).<br />

nenversicherung und ein scharfer Kampf gegen die Steuerhinterziehung.<br />

Kurzum «Eine neue Schweiz in einer neuen Welt!»<br />

(SD 10.9.1943).<br />

Der von bürgerlicher Seite erhobene Vorwurf einer Wahlpropaganda<br />

war nicht ganz von der Hand zu weisen, denn am<br />

31. Oktober 1943 standen die Nationalratswahlen an.<br />

Zwei Begebenheiten verhinderten jedoch einen fast sicheren<br />

Sitzgewinn der schwyzerischen Arbeiterpartei! Zum einen<br />

nahm an den Nationalratswahlen erstmals eine Bauernvereinigung<br />

teil und zum anderen gingen diese, die Konservativen<br />

und die Liberalen eine Listenverbindung ein (EA 22.10.1943).<br />

Die Fronten waren klar. «Hier Reaktion – dort Fortschritt!» kommentierte<br />

der «Schwyzer Demokrat» (SD 12.10.1943). Das Gerücht,<br />

dass sich Gottlieb Duttweilers Landesring der Unabhängigen<br />

an den Nationalratswahlen <strong>im</strong> Kanton Schwyz beteilige,<br />

erwies sich als unrichtig (SD 27.7.1943).<br />

Die Konservativen verloren letztlich einen Sitz an die Bauernvereinigung,<br />

welche triumphierte. Die Liste der Arbeiterpartei<br />

war abgeschlagen. Es half ihr wenig, dass sie Panaschiergewinnerin<br />

war und die beste Parteidisziplin aufwies<br />

(EA 2.11.1943). Schwach war das Resultat der Arbeiterpartei-<br />

Liste in <strong>Einsiedeln</strong>, wo sie nur auf einen Wähleranteil von rund<br />

8% kam.<br />

Schweizweit betrachtet war die Sozialdemokratische Partei<br />

die Wahlgewinnerin mit zusätzlichen 11 Sitzen und mit 56 Sitzen<br />

neu stärkste Fraktion <strong>im</strong> Nationalrat (EA 5.11.1943). «Der<br />

Kampf um die ‹Neue Schweiz› ist eröffnet.» (SD 5.11.1943). Die<br />

Frage einer sozialistischen Bundesratsbeteiligung kam nach<br />

dem Rücktritt des freisinnigen Bundesrates Ernst Wetter wieder<br />

auf. Und diesmal ging es nicht anders: Genosse Nationalrat<br />

Ernst Nobs wurde mit 122 von 181 gültigen St<strong>im</strong>men<br />

zum ersten sozialdemokratischen Bundesrat gewählt (EA<br />

17.12.1943). Die «bürgerlich-sozialistische Koalitionsregierung»<br />

war ein «Markstein der innerpolitischen Entwicklung»<br />

(EA 17.12.1943), welche auch auf Schwyz und <strong>Einsiedeln</strong><br />

ausstrahlte.<br />

Gewerkschaften, «schwyzerische<br />

Polizeiwillkür» und der unsägliche<br />

«Arbeitsrappen»<br />

Im <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ging es politisch gemächlich zu. VPOD<br />

und Bau- und Holzarbeiterverband hielten <strong>im</strong> Januar 1943 ihre<br />

traditionellen Generalversammlungen beide <strong>im</strong> «St. Benedikt»<br />

ab (SD 10./17.1.1943). Es wurden <strong>im</strong> ersten Halbjahr 1943 insgesamt<br />

drei Filmabende – ebenfalls <strong>im</strong> «St. Benedikt» – organisiert,<br />

zu welchem auch Nichtmitglieder eingeladen wurden<br />

(SD 12.2.1943, SD 26.3.1943, SD 2.4.1943). Besonders der<br />

dritte Anlass, eine Arbeiterversammlung, hinterliess einen guten<br />

Eindruck. «Der junge, initiative Kollege Paul Christen führte<br />

den Vorsitz. Nachdem ein ansprechender Schweizerfilm allgemein<br />

erfreute, hielt der kantonale Parteipräsident, Redaktor<br />

Jos. Kürzi jun., ein beifällig aufgenommenes Referat über<br />

schweizerische Gegenwartsfragen. An seine Ausführungen,<br />

die zum Schluss zur Stärkung und zum Zusammenschluss der<br />

Arbeiterschaft aufriefen, schloss sich eine flotte Diskussion<br />

an. Dann rollten zwei schöne Schweizerfilme, sowie der Film<br />

‹Erntezeit in der Ukraine› über die Leinwand. Der ganze Anlass<br />

hinterliess bei jung und alt einen sehr guten Eindruck. Es taget<br />

<strong>im</strong> finstern Wald. An die Arbeiterschaft richten wir den Appell,<br />

auch bei weiteren Anlässen der Gewerkschaften und Arbeiterpartei<br />

mit der nämlichen Geschlossenheit und Teilnahme zu<br />

erscheinen.» (SD 2.4.1943).<br />

An der Delegiertenversammlung des kantonalen Gewerkschaftskartells<br />

wurde Kantonsrat Anton Mächler, <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

als Beisitzer gewählt. Der unter seinem Präsidium<br />

stehende Bau- und Holzarbeiterverband fungierte als Re-<br />

101


Aufruf <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 18. Februar 1944.<br />

visionssektion (SD 14.5.1943).<br />

Der Bau- und Holzarbeiterverband versammelte sich zu seinen<br />

üblichen Quartalsversammlungen am 15. Mai und 31. Juli<br />

1943 zufolge Eigentümerwechsel neu <strong>im</strong> Hotel «Linde» (SD<br />

14.5.1943, SD 30.7.1943). Als Markstein in der schwyzerischen<br />

Arbeiterbewegung wurde die Schaffung eines ständigen Sekretariats<br />

der Holzarbeitersektionen von <strong>Einsiedeln</strong>, Wollerau-<br />

Bäch, Lachen, Siebnen und Rapperswil in Pfäffikon bezeichnet<br />

(SD 20.8.1943). Aber es ging noch weiter. Der Bau- und<br />

Holzarbeiterverband wurde zusätzlich überregional organisiert<br />

und umfasste neu die <strong>Bezirk</strong>e See, Gaster, March, Höfe und<br />

<strong>Einsiedeln</strong> (SD 10.9.1943). Die Organisation in <strong>Einsiedeln</strong> war<br />

noch eine Bau- und Holzarbeiter-Gruppe (EA 7.1.1944).<br />

Für einen kleinen Aufruhr sorgte <strong>im</strong> Herbst die Verhaftung<br />

von drei Zürcher Gewerkschaftern in einem Arbeitslager<br />

bei Rothenthurm. Dieselben hatten sich über die ungenügende<br />

Verpflegung beschwert, worauf ihnen der Lohn<br />

zurückbehalten, sie polizeilich abgeführt und per Gefängniswagen<br />

nach Zürich in eine Zelle verbracht wurden. Die<br />

kantonale Arbeiterpartei protestierte gegen diese «schwyzerische<br />

Polizeiwillkür» und ersuchte die Regierung um Abklärung<br />

(SD 27.8.1943, SD 3./7.9.1943).<br />

Die neue VPOD-Gewerkschaft hielt ihre Generalversammlung<br />

am 22. Januar 1944 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» ab. Als<br />

Referent trat kein Geringerer auf als Hans Oprecht, Parteipräsident<br />

der <strong>SP</strong> Schweiz, welcher über die Teuerungszulage<br />

1944 orientierte (SD 21.1.1944).<br />

Gar nicht einverstanden war die Arbeiterpartei mit der kantonalen<br />

Gesetzesvorlage über die Verhütung und Bekämpfung<br />

der Arbeitslosigkeit, die am 27. Februar 1944 zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangte. Zwar st<strong>im</strong>mten die sozialdemokratischen Vertreter<br />

<strong>im</strong> Kantonsrat dieser noch zu, die Vorstände der Partei und<br />

des Gewerkschaftskartells gaben jedoch die Verwerfungsparole<br />

aus. Diese gründete <strong>im</strong> sog. Arbeitsrappen, welcher<br />

der Arbeiterschaft eine undifferenzierte Lohnsteuer auferlege,<br />

ohne ihr zudem Rechte einzuräumen (SD 25.1.1944, SD<br />

22.2.1944). «Das kantonale Arbeitsrappengesetz bringt die<br />

schärfste Kontrolle der Lohnbezüger. Die Schwerreichen betreiben<br />

unkontrolliert weiterhin ihren Steuerbetrug. Arbeiter!<br />

Bachab mit dieser neuen Lohnsteuer! Arbeitsrappengesetz:<br />

NEIN.» (SD 18.2.1944).<br />

Für die Partei war die Verwerfung dieses Gesetzes durch<br />

den Schwyzer St<strong>im</strong>mbürger mit 4‘680 Nein gegen 2‘605 Ja<br />

ein grosser Triumph. Offen blieb, ob das mangelnde Interesse<br />

der Bauern entscheidend war (EA 29.2.1944). «Die konservative<br />

Regierung hat einen verdienten Denkzettel vom Souverän<br />

in Empfang nehmen können. Ob sie daraus etwas lernen wird?<br />

Das wagen wir nicht zu bejahen. (...) Die Vorbereitungen zu den<br />

Regierungsratswahlen vom kommenden 30. April 1944 werden<br />

zeigen, ob die Konservativen weiterhin gedenken, so ausschliesslich<br />

an der übermässigen Vertretung <strong>im</strong> Regierungsrat<br />

festzuhalten. Der Zeitpunkt zu einer Revision dieses überholten<br />

Machtanspruches ist überfällig. Die Nationalratswahlen waren<br />

ein starkes Donnern, der sonntägliche Urnengang bildete die<br />

Fortsetzung dieser Erschütterung.» (SD 29.2.1944).<br />

Eine neue Parteiorganisation, «eine dunkle<br />

Seite <strong>im</strong> Buche» und ein neuer Regierungsrat<br />

Nach der Verwerfung des Arbeitsrappens hielt die Kantonalpartei<br />

den politischen Druck aufrecht. Bereits am 12. März<br />

1944 tätigte sie eine Eingabe an den schwyzerischen Regierungsrat,<br />

in der sie einen kantonalen Arbeitsbeschaffungsrat<br />

verlangte. Im Gegensatz zur bestehenden kantonsrätlichen Arbeitsbeschaffungskommission<br />

soll dieser auch Vertreter des<br />

kantonalen Arbeitsamtes, der Industrie, der Behörden, des Gewerbes,<br />

der Landwirtschaft und der Arbeitnehmer umfassen,<br />

wobei den Wirtschaftsorganisationen auf paritätischer Basis<br />

das Recht der souveränen Best<strong>im</strong>mung ihrer Delegationen<br />

eingeräumt werden soll. «Diesem Arbeitsbeschaffungsrat wür-<br />

102


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

de die Aufgabe obliegen, wirtschaftliche Generalstabsarbeit<br />

zu leisten. (...) Das Ziel eines solchen Programmes wäre es, die<br />

Arbeitsmöglichkeiten der nächsten <strong>Jahre</strong> <strong>im</strong> Kanton Schwyz<br />

zu erfassen und ihre Durchführung in die Zeit der Arbeitslosigkeit<br />

zu lenken. (…) Das Wesentlichste ist seine Ausführung.<br />

Und so wird die Finanzierung dieser Projekte eine der Hauptfragen<br />

bilden, mit denen der Arbeitsbeschaffungsrat sich wird<br />

beschäftigen müssen. (...) Die Hauptsache ist indessen, dass<br />

wir der drohenden Krise ins Auge sehen und die Abwehrmittel<br />

bereit stellen.» (SD 17.3.1944).<br />

Die Tagung der kantonalen Arbeiterpartei nahm am<br />

12. März 1944 auch Stellung zu den anstehenden Regierungsratswahlen<br />

vom 30. April 1944. «Einst<strong>im</strong>mig wurde beschlossen,<br />

den gerechten Anspruch der Arbeiterpartei auf<br />

mindestens ein Mandat geltend zu machen. In diesem Sinne<br />

wurde an die konservative und liberale Partei wie auch an die<br />

Bauernvereinigung ein Schreiben gerichtet, worin der konservativen<br />

Partei anhe<strong>im</strong> gestellt wird, auf einen der 5 bisher<br />

innegehabten Sitze zugunsten eines Vertreters der Arbeiterpartei<br />

zu verzichten, um so eine friedliche Wahl des Regierungsrates<br />

zu ermöglichen.» Zu Handen des Parteitages<br />

wurde Genosse Kantonsrat Josef Heinzer, Goldau, einst<strong>im</strong>mig<br />

als Regierungsrat vorgeschlagen (SD 17.3.1944).<br />

Das Schreiben blieb unbeantwortet und der «Einsiedler<br />

Anzeiger» äusserte seine Ablehnung «aus weltanschaulichen<br />

Gründen» (EA 18.4.1944, SD 2.5.1944).<br />

Am Frühjahrs-Parteitag am 16. April 1944 in Wollerau<br />

marschierten die Genossen so zahlreich wie noch nie auf.<br />

Kantonalpräsident Josef Kürzi jun. zeigte sich erfreut über<br />

das zahlenmässige Erstarken der sozialdemokratischen Parteiorganisationen.<br />

«Mit ihrem Programm ‹Die neue Schweiz›<br />

für die Nachkriegszeit hat der Kampf um die neue, die soziale<br />

Schweiz, begonnen. Der Kampf um diese neue Schweiz<br />

ist auch in den Kantonen, <strong>Bezirk</strong>en und Gemeinden ununterbrochen<br />

zu führen.» lautete der Aufruf. Mit Begeisterung wurde<br />

die Teilnahme an den Regierungsratswahlen beschlossen<br />

und Josef Heinzer als Kandidat auf den Schild gehoben (SD<br />

21.4.1944). Auf der gemischten Wahlliste der Partei wurde an<br />

Stelle des bäuerlich-konservativen Nationalrates Josef Schuler<br />

kurzerhand Josef Heinzer platziert (EA 25.4.1944).<br />

Am Parteitag wurde nebenbei bemerkt, dass unter anderem<br />

auch in <strong>Einsiedeln</strong> eine Parteiorganisation geschaffen<br />

worden sei (SD 21.4.1944). Offenbar war die Parteileitung<br />

neu bestellt worden. Näheres ist aber nicht bekannt. Die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> nahm an den Kantonsratswahlen teil<br />

und stellte als Kandidaten auf: Robert Bertsch, Bahnbeamter,<br />

Anton Mächler, Bahnarbeiter, und Martin Steiner, Zeughausarbeiter<br />

(SD 18.4.1944). «Die Wahlsituation <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>e <strong>Einsiedeln</strong><br />

bezüglich der Kantonsratswahlen ist gekennzeichnet durch einen<br />

Kampf Aller gegen Alle. Die Allianz der Minderheitsparteien,<br />

sowie die enge Gebundenheit zwischen der liberalen<br />

und der Bauern- und Gewerbepartei sind für diesmal ausgeschaltet.»<br />

Die Konservativ-christlichsoziale Partei stellte acht<br />

Kandidaten auf, die Liberalen neun und auch die Bauern- und<br />

Gewerbepartei neun (EA 21.4.1944).<br />

Vom Wiedererwachen der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> konnte<br />

man <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» vom 28. April 1944 Kenntnis<br />

nehmen: «Die Arbeiterpartei unseres <strong>Bezirk</strong>es ruft alle freiheitlich<br />

und fortschrittlich gesinnten Bürger auf, am kommenden<br />

Sonntag die Arbeiterliste einzulegen. Arbeiter seid euch bewusst,<br />

um was es geht bei den Kantonsratswahlen. Die Nachkriegszeit<br />

speziell wird Probleme bringen, die auf das tiefste<br />

die Arbeiterschaft angehen und sie darum <strong>im</strong> Kantonsrat gut<br />

vertreten sein muss. Es hat der Bremsklötze genug <strong>im</strong> Ratssaale<br />

zu Schwyz, seien sie dann bei der liberalen oder konservativen<br />

Partei, denn nur zu oft sahen wir die sich viel bestreitenden<br />

bürgerlichen Parteien wieder rasch einig, wenn es galt,<br />

Stellung zu nehmen gegen zeitgemässe Postulate ab Seite der<br />

Arbeiterschaft.»<br />

Die Kantonsrats- wie auch die Regierungsratswahlen<br />

brachten der Partei aber noch keine Wahlerfolge. Das Erwachen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> war offenbar zu spät gekommen. Mit einem<br />

Wähleranteil von bloss 6% verpasste die Arbeiterpartei bei<br />

den Kantonsratswahlen sogar ein Restmandat! «Ob es an der<br />

Person oder Sache gelegen ist, dass der von den Sozialdemokraten<br />

innegehabte Sitz verloren ging, ist eine müssige Frage.»,<br />

kommentierte der «Einsiedler Anzeiger» (EA 2.5.1944). Die<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> selbst äusserte: «Eine dunkle Seite<br />

<strong>im</strong> Buche unserer Arbeiterbewegung schrieb der vergangene<br />

Wahlsonntag. Wir wollen diese Seite umwenden und die Lehren<br />

daraus ziehen. Weder Machenschaften noch persönliche<br />

Anfeindungen, wie sie der ‹Einsiedler Anzeiger› glaubt in seinem<br />

Kommentar ergiessen zu müssen, können uns abhalten,<br />

erst recht wieder ans Werk zu gehen und es wird wieder hell<br />

werden. Die Beteiligung der Arbeiter am Wahlgang war eine<br />

bedenklich schlechte und so ist es nicht verwunderlich, wenn<br />

wir verlieren mussten. Bei nur 105 eingelegten Listenst<strong>im</strong>men,<br />

wovon 50 reine und 55 abgeänderte, erhielten Kollege Bertsch<br />

130, Kollege Mächler 148 und Steiner 121 St<strong>im</strong>men. Dafür haben<br />

in anderen Gemeinden des Kantons unsere Genossen<br />

sehr gut gearbeitet und die Aspirationen der grossen Mehrheitspartei<br />

zunichte gemacht. Ihnen unsere Glückwünsche!»<br />

(SD 5.5.1944).<br />

Das Ergebnis bei den Regierungsratswahlen zeigte ein<br />

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Vertreter der Arbeiterpartei,<br />

Josef Heinzer, und dem konservativen Bauernvertreter<br />

Josef Schuler, welche beide als Einzige das absolute Mehr<br />

verfehlt hatten (EA 2.5.1944). Die Tagung der Vorstände der<br />

kantonalen Arbeiterpartei und des Gewerkschaftskartells portierte<br />

für die Nachwahlen natürlich wiederum Josef Heinzer<br />

und ersuchte gleichzeitig um ein kampfloses Überlassen des<br />

Mandates in Anbetracht der ausgewiesenen Stärke <strong>im</strong> ersten<br />

Wahlgang (SD 12.5.1944). «(M)it grosser Spannung, ja zum Teil<br />

mit Sorge blickt man dem Ausgang des zweiten Treffens ent-<br />

103


gegen, bei dem endgültig darüber entschieden wird, ob der<br />

Sozialismus in der Schwyzerregierung vertreten sein soll oder<br />

nicht.» war <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu lesen (EA 30.5.1944).<br />

konnte der «Schwyzer Demokrat» am 6. Juni 1944 verkünden!<br />

«Unser Genosse Josef Heinzer, Goldau, zum Regierungsrat<br />

gewählt!» In der Regierungsratsnachwahl vom 3. Juni 1944<br />

vermochte Josef Heinzer seinen Widersacher um 654 St<strong>im</strong>men<br />

zu distanzieren. Die Wahlbeteiligung betrug ca. 50%. Der<br />

Erfolg kam vor allem dank der Wählerst<strong>im</strong>men in den <strong>Bezirk</strong>en<br />

March, Höfe und Gersau sowie der Gemeinden Arth und Ingenbohl<br />

zustande (EA 6.6.1944).<br />

Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> gratulierte. «Eitle Freude<br />

bemächtigte uns bei der Bekanntgabe, dass unser hochgeschätzter<br />

Genosse Jos. Heinzer mit einem so ehrenvollen<br />

Wahlergebnis als erster Regierungsrat der Arbeiterpartei in<br />

unsere oberste kantonale Behörde einzieht. (…) Die Scharte<br />

der Kantonsratswahlen ist ausgemerzt und mit Zuversicht<br />

schreiten wir vorwärts unserm gesteckten Ziele entgegen.»<br />

(SD 6.6.1944).<br />

Bei der Konstituierung der <strong>Bezirk</strong>sbehörden wurde Robert<br />

Bertsch als neuer Schulrat der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> gewählt<br />

und Daniel Kürzi als Mitglied der Armenpflege bestätigt<br />

(EA 16.5.1944).<br />

An der Delegiertenversammlung des kantonalen Gewerkschaftskartells<br />

vom 2. Juli 1944 in Wollerau wurde Anton<br />

Mächler als Beisitzer bestätigt (SD 7.7.1944).<br />

Gewerkschaftlich war eine weitere Aufbruchst<strong>im</strong>mung spürbar.<br />

Die Bau- und Holzarbeiter versammelten sich am 20. August<br />

1944 in Wollerau zu einer Landsgemeinde. Der Zentralsekretär<br />

des Verbandes, Ernst von Ins, referierte zum Thema «Der Kampf<br />

um die materielle und kulturelle Besserstellung der Arbeiterschaft<br />

in der Schweiz» (SD 22.8.1944).<br />

Die Bau- und Holzarbeiter-Gruppe <strong>Einsiedeln</strong> konnte ihn<br />

auch an ihrer Versammlung vom 26. August 1944 in der «Linde»<br />

als Referenten begrüssen (SD 25.8.1944). Am 5. September<br />

1944 war sodann <strong>im</strong> «Schwyzer Demokrat» zu lesen: «Gewerkschaftlicher<br />

Aufstieg auch in <strong>Einsiedeln</strong>! Ganz <strong>im</strong> stillen wurde<br />

am Dienstag, den 22. August in <strong>Einsiedeln</strong> eine neue Gruppe der<br />

bisherigen Ortsgruppe <strong>Einsiedeln</strong> des Bau- und Holzarbeiterverbandes,<br />

Sektion Oberer Zürichsee, angegliedert. Es sind dies die<br />

Ziegeleiarbeiter von <strong>Einsiedeln</strong>, die dem Rufe zu einer aufklärenden<br />

Versammlung in erfreulichem<br />

Umfange nachge-<br />

Josef Heinzer (1886-1961) kann man als politischen Ziehsohn<br />

von Johann Wattenhofer bezeichnen. Während über<br />

20 <strong>Jahre</strong>n prägten sie zusammen die Arbeiterbewegung <strong>im</strong><br />

Kanton Schwyz.<br />

Er war Bürger von Muotathal und wohnhaft in Arth, absolvierte<br />

nach der Volksschule zunächst eine Drogistenlehre<br />

und bildete sich in Arbeiterbildungsschulen weiter. Von<br />

1908-1922 arbeitete er als Kondukteur bei den SBB, danach<br />

war er bis 1938 umtriebiger und engagierter Arbeitersekretär<br />

der «Arbeiter-Union des Kantons Schwyz».<br />

Die politische Karriere von Josef Heinzer ist beeindruckend:<br />

Kantonsrat (1920-1944), Gemeinderat (1926-1944) und Gemeindepräsident<br />

(1938-1942) in Arth, Regierungsrat (1944-<br />

1960, Departement des Innern) und Nationalrat (1947-1959).<br />

Er war Mitbegründer des Tierparks Goldau und des Einwohnervereins<br />

Goldau.<br />

Josef Heinzer verstarb just am Tag der Arbeit, am 1. Mai<br />

1961.<br />

lebt haben. Die bisherigen<br />

unhaltbaren Lohnbedingungen<br />

in der Ziegelei haben<br />

die gewerkschaftlichen<br />

Instanzen bewogen, in Einzelunterredungen<br />

mit den<br />

betreffenden Arbeitern zu<br />

treten und ihnen die Vorteile<br />

auseinanderzusetzen, die<br />

ihnen erwachsen, wenn sie<br />

unserem Verbande beitreten,<br />

der dann ihre Interessen<br />

wahrnehme.»<br />

Zwischenzeitlich hatte<br />

sich das schwyzerische<br />

A r b e i t s b e s c h a f f u n g s -<br />

programm konkretisiert.<br />

«Grosse Mühe verursacht<br />

es nicht, <strong>im</strong> Kanton Schwyz<br />

Projekte für ein Arbeitsbeschaffungsprogramm zu finden.» Einen<br />

breiten Raum nahmen Strassenbauten ein, Projekte der<br />

Bundesbahnen, Meliorationen, Waldweganlagen, Wildbachverbauungen<br />

und die Erweiterung des Regierungsgebäudes<br />

(SD 15.9.1944).<br />

Am 22. Oktober 1944 wurde in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Meinradsberg» eine öffentliche Versammlung durchgeführt, die<br />

vom Handwerker- und Gewerbeverband <strong>Einsiedeln</strong>, dem Rabattverein<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, der Konservativ-christlichsozialen Volkspartei,<br />

der Bauern-, Bürger- und Gewerbepartei sowie der Arbeiterpartei<br />

getragen wurde. Orientiert wurde über das Bundesgesetz über<br />

den unlauteren Wettbewerb und das kantonale Wirtschaftsgesetz<br />

(EA 20.10.1944).<br />

104


IX. Die Arbeiterpartei in den<br />

Nachkriegsjahren<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Eine Konstituierungsversammlung und eine<br />

«Säuberungs-Petition»<br />

Bereits am Parteitag vom 16. April 1944 war bemerkt worden,<br />

dass auch in <strong>Einsiedeln</strong> «eine Parteiorganisation geschaffen<br />

worden sei.» (SD 21./28.4.1944). Nachdem der Fokus der Einsiedler<br />

Arbeiterschaft in der zweiten Hälfte der 1930er-<strong>Jahre</strong><br />

vorab auf die Gewerkschaftsarbeit gerichtet und die Arbeiterpartei<br />

praktisch zur blossen Wahlorganisatorin verkommen<br />

war, besann man sich <strong>im</strong> Zuge der politischen Aufbruchst<strong>im</strong>mung<br />

und der Erfolge der Genossen in den anderen schwyzerischen<br />

Gemeinden wieder auf die Wichtigkeit des Bestehens<br />

einer politischen Organisation. Der Wähleranteil von 6%<br />

anlässlich der Kantonsratswahlen war tatsächlich bedenklich.<br />

Mutmasslich kam hinzu, dass der auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong><br />

federführende Bau- und Holzarbeiterverband infolge der überregionalen<br />

Einbindung lokal an Bedeutung verloren hatte, da<br />

er nurmehr als Gruppe fungierte.<br />

Man war bei der Besetzung der Parteileitung bedacht, diese<br />

aus mehreren Berufsklassen zusammenzusetzen.<br />

Offiziell konstituierte sich die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> wieder am 7. Dezember<br />

1944 <strong>im</strong> Hotel «St. Benedikt.» Das Protokoll<br />

der Konstitutions-Versammlung<br />

stellt den ersten, noch vorhandenen Eintrag<br />

in den Parteiannalen dar. Erstmals<br />

ist auch die Zusammensetzung der Parteileitung<br />

bekannt. Alt Präsident Fritz<br />

Wolf, mittlerweilen 77jährig, war <strong>im</strong>mer<br />

noch als Beisitzer aktiv. Als neuer Präsident<br />

amtete Martin Steiner (1901-1948).<br />

Über ihn ist nicht viel bekannt, ausser<br />

dass er an der Weidstrasse wohnte und<br />

offenbar – wie sein Vater – als Coiffeur<br />

arbeitete (EA 1.10.1946).<br />

Vizepräsident Anton Mächler, alt Kantonsrat, Präsident der<br />

Einsiedler Gruppe des Bau- und Holzarbeiterverbandes, wurde<br />

<strong>im</strong> Dezember 1944 auch als neuer Magaziner be<strong>im</strong> Konsumverein<br />

<strong>Einsiedeln</strong> gewählt (SD 15.12.1944).<br />

Über weitere Parteiaktivitäten der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

ist nichts bekannt. Im «Schwyzer Demokrat» vom 26. Januar<br />

1945 erging der Aufruf zur Teilnahme an der Generalversammlung<br />

vom 27. Januar 1945 <strong>im</strong> Gasthof «St. Benedikt». Im Mittelpunkt<br />

stand ein Referat des kantonalen Parteipräsidenten<br />

Josef Kürzi jun. Ein entsprechendes Protokoll findet sich allerdings<br />

nicht. Die Bau- und Holzarbeiter-Gruppe hielt ihre regelmässigen<br />

Quartalsversammlungen in der «Linde» ab.<br />

Politisch war die Abst<strong>im</strong>mung über die Sanierung der<br />

Schweizerischen Bundesbahnen und die Beteiligung des<br />

105<br />

Kantons Schwyz an der Sanierung der Südostbahn für die<br />

Arbeiterpartei von Wichtigkeit. Beide wurden am 21. Januar<br />

1945 vom Volk angenommen (SD 23.1.1945). Schiffbruch erlitt<br />

am 14./15. April 1945 hingegen das neue Steuergesetz, ein<br />

«Verständigungswerk» aller Parteien und Berufsgruppen (SD<br />

17.4.1945).<br />

Im Mai 1945 erscholl erstmals der Ruf «Hinaus mit den<br />

Nazi!» (SD 25.5.1945). Die kantonale Arbeiterpartei und der<br />

«Schwyzer Demokrat» agierten an erster Stelle. Ein Dorn <strong>im</strong><br />

Auge war ihnen vor allem, dass der Kolonie- und Gauleiter der<br />

<strong>Bezirk</strong>e March, Höfe und <strong>Einsiedeln</strong>, der Schindellegler Zündstoff-Fabrikant<br />

und «Obernazi» Johann Fritzsche auf Fürsprache<br />

von liberaler Seite erfolgreich gegen seine Ausweisung<br />

Einsprache erheben konnte (SD 10.7.1945). Die Kantonalpartei<br />

lancierte in der Folge eine aggressive «Säuberungs-Petition»<br />

(SD 17.8.1945), die letztlich aber nicht von Erfolg gekrönt war.<br />

Auf nationaler Ebene entfachte die Auseinandersetzung<br />

zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Letztere waren<br />

in der «Partei der Arbeit» organisiert. «Die Sozialdemokraten<br />

wollen durch das Eindringen in die bäuerlichen und<br />

gewerblichen Mittelschichten die Mehrheit<br />

erobern und so die Voraussetzung<br />

zur Machtergreifung schaffen. Die ‹Partei<br />

der Arbeit› versuchte es mit massiveren<br />

Mitteln: Sie ist schon <strong>im</strong> Sommer 1945<br />

auf die Strasse gestiegen. (…) Man kommt<br />

um den Eindruck nicht herum, dass sich<br />

auch in den politischen Kampfmitteln die<br />

beiden Linksparteien <strong>im</strong>mer mehr angleichen<br />

und dass die Bestrebungen zur Bildung<br />

einer Einheitsfront weitergehen.» (EA<br />

11.1.1946).<br />

Ein Konflikt <strong>im</strong><br />

Schreinergewerbe, eine weitere<br />

Reorganisation und eine<br />

«sozialistische Zelle» in Euthal<br />

Mitte April 1946 kam es auf dem Platz <strong>Einsiedeln</strong> zu einem<br />

Konflikt <strong>im</strong> Schreinergewerbe. Im Restaurant «Bierhalle» wurde<br />

am 16. April 1946 eine Protestversammlung der Schreiner<br />

und Schreinerhilfsarbeiter durchgeführt. «Ein Arbeiter einer<br />

Schreinerei hat die Stelle korrekt gekündigt und nach Ablauf<br />

der Kündigungszeit verlassen. Am dritten Tag seines neuen<br />

Anstellungsverhältnisses erhielt sein alter Meister offenbar<br />

Wind, dass sein ehemaliger Arbeiter noch in <strong>Einsiedeln</strong>, aber<br />

bei der Konkurrenz arbeite. Auf Grund eines gegenseitigen<br />

Abkommens innerhalb der Schreinermeistervereinigung<br />

musste die Firma Gebr. Ochsner den Kollegen fristlos entlassen,<br />

wollte sie dieses bisher gehe<strong>im</strong> gehaltene Abkommen<br />

nicht verletzen. Dieses Vorkommnis und die Tatsache, dass<br />

die Berufsverbände seit 1942 in Unterbrüchen versucht ha-


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

ben, mit den Einsiedler Schreinermeistern einen Arbeitsvertrag<br />

abzuschliessen, wobei aber die selbstherrlichen Meister<br />

sich nie soweit herbeiliessen, sich durch einen Arbeitsvertrag<br />

binden zu lassen, sondern <strong>im</strong>mer von sich best<strong>im</strong>men<br />

wollten, wie die Lohnverhältnisse sich gestalten sollen, haben<br />

die plötzliche Erregung der Schreinergehilfen verursacht.», so<br />

der Schweizerische Bau- und Holzarbeiterverband Sektion<br />

Oberer Zürichsee (SD 18.4.1946). Es wurde ult<strong>im</strong>ativ die Beseitigung<br />

dieses Sperreabkommens und der Abschluss eines<br />

Gesamtarbeitsvertrages verlangt (EA 19.4.1946). Der Konflikt<br />

konnte entsprechend beigelegt werden (EA 26.4.1946).<br />

Nachdem die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> bis dahin offenbar<br />

weitgehend inaktiv geblieben war, dürfte gerade dieser<br />

Konflikt unmittelbar dazu beigetragen haben, die Partei neu<br />

zu reorganisieren. Dem «Einsiedler Anzeiger» war am 3. Mai<br />

1946 zu entnehmen:<br />

Laut «Übergangs-Protokoll vom 7.12.44 – 26.4.46» wurden in<br />

dieser Zeitspanne weder die obligaten Versammlungen noch<br />

Kommissionssitzungen abgehalten und sei der Kontakt zu<br />

den Parte<strong>im</strong>itgliedern verloren gegangen. Der bisherige Parteipräsident,<br />

Martin Steiner, erschien krankheitshalber nicht.<br />

Offenbar wurde die Reorganisation ohne dessen Wissen<br />

durchgeführt, wie später festgehalten wurde!<br />

Der Vorstand konstituierte sich nebst den <strong>im</strong> Zeitungsbericht<br />

Genannten wie folgt: Kassier Robert Bertsch, Bahnbeamter,<br />

Aktuar <strong>Walter</strong> Binder, Dorfmühle, und Beisitzer Fritz<br />

Wolf. Der Mitgliederbestand betrug 17 und setzte sich aus vier<br />

Bähnlern, acht Hilfsarbeitern/Schreinern/Z<strong>im</strong>mermännern/<br />

Sager, zwei Wirten, einem Vertreter, Wagner und Mechaniker<br />

zusammen.<br />

Nachtrag <strong>im</strong> Protokoll: «Dieses Inserat ist der Leitfaden<br />

u. zeigt uns, dass wir unentwegs u. unbeirrbar unsere Wege<br />

schreiten zur sozialen Verbesserung der Allgemeinheit. Mit geballter<br />

Kraft werden wir sämtliche Hindernisse überwältigen.<br />

Unser Leitsatz: Einigkeit macht stark.»<br />

An eine Teilnahme an den <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 5. Mai 1946<br />

war nicht zu denken. Diese gingen einvernehmlich und gemäss<br />

Vereinbarung der konservativ-christlichsozialen Volkspartei, der<br />

liberalen Volkspartei und der Bauern-, Bürger- und Gewerbepartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> vor sich (EA 3./7.5.1946). Genosse Robert Bertsch<br />

wurde neu Mitglied <strong>im</strong> Schulrat und Genosse Ernst Nef nahm<br />

neu Einsitz in die Armenpflege (EA 11.6.1946).<br />

Zu einer besonderen Episode kam es offenbar Ende Dezember<br />

1946 in Euthal. «Ein roter Gewerkschaftssekretär von St.<br />

Gallen versuchte am letzten Samstag unter Assistenz eines<br />

ebenso roten Gewerkschafters vom Dorf in Euthal eine sozialistische<br />

Zelle zu gründen. Durch Flugblatt waren die Arbeiter<br />

und Arbeiterinnen der Knopffabrik Brac AG zu einer<br />

Versammlung in den Bauernhof eingeladen. Erfolg: Es erschienen<br />

zwei gwundrige Arbeiterinnen von Euthal und noch<br />

zwei weitere gwundrige Euthler, die nicht zur Fabrik gehörten;<br />

die Unteriberger hatten das Werbematerial unbenützt zurückgeschickt.<br />

Der Grund zu dieser missglückten Aktion liegt,<br />

so weiss man hier, in der durchaus berechtigten Entlassung<br />

eines Arbeiters, der durch sein Benehmen und Reden die Interessen<br />

seiner Mitarbeiter mehr gefährdet als gefördert zu<br />

haben scheint und mit diesem letzten Stücklein seine Rache<br />

befriedigen wollte. Von massgeblicher Seite wird uns versichert,<br />

dass die Lohnverhältnisse in durchaus neuzeitlichem<br />

Sinne geregelt werden, sobald sich die Arbeiterschaft in die<br />

neuen Verhältnisse und Methoden eingeschafft hat, was natürlich<br />

seine Zeit braucht. Und wenn schon ein Arbeitersekretär<br />

aufgeboten werden muss oder soll, so holen sich die Euthler<br />

sicher keinen roten ‹Unbekannten› von St. Gallen, sondern<br />

den christlichsozialen bekannten von <strong>Einsiedeln</strong>, Herrn Kantonsrat<br />

Fritz Husi. Für ‹rote› Kultur ist der Boden um die Fluh<br />

doch etwas zu steinig.» (EA 31.12.1946).<br />

Hyperaktivitäten, eine Umbenennung der<br />

Partei und ein neuer Nationalrat<br />

Die neu organisierte Arbeiterpartei traf sich in den folgenden<br />

eineinhalb <strong>Jahre</strong>n zu sage und schreibe sechs (offiziellen)<br />

Vorstands- und Kommissionssitzungen, elf Monatsversammlungen<br />

und einer Generalversammlung und füllte damit 48<br />

Protokollseiten!<br />

Der Vorstand beschäftigte sich mit dem weiteren Aufbau<br />

der Parteiorganisation und der Werbung von weiteren Mitgliedern.<br />

Seine Sitzungen führte er <strong>im</strong> «Schwyzerhüsli», später<br />

auch in der «Aargauerhalle» (heute «Pöstli») durch. Die Monatsversammlungen<br />

fanden weiterhin <strong>im</strong> Restaurant «St. Benedikt»<br />

statt, welches auch offiziell als Vereinslokal best<strong>im</strong>mt<br />

wurde. Wirt Johann <strong>Schönbächler</strong> war Parte<strong>im</strong>itglied. Im Oktober<br />

1946 konnten acht neue Mitglieder begrüsst werden.<br />

Ein Anliegen des Parteivorstandes war es, dass die Zusammenarbeit<br />

der Gewerkschafter mehr gepflegt und sich diese<br />

mehr politisch betätigen sollen, um eine Besserstellung der<br />

Arbeiterschaft zu erreichen.<br />

An den Versammlungen nahmen jeweils 10-15 Personen<br />

teil. Der Mitgliederbestand betrug <strong>im</strong> Januar 1947 22 und <strong>im</strong><br />

März 1947 27 Genossen.<br />

An der Generalversammlung vom 1. März 1947 konnte<br />

die Arbeiterpartei einen bekannten Referenten bei sich begrüssen:<br />

<strong>SP</strong>-Zentralsekretär Jules Humbert-Droz, 1921 Mit-<br />

107


Bruno Lacher (1921-1968),<br />

Sohn des Alois Lacher und<br />

der Ida Steinauer vom alten<br />

«Sagehüsli» in Trachslau. Er<br />

machte die Schreinerlehre<br />

bei Anton Lienert, <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

und arbeitete danach<br />

während zehn <strong>Jahre</strong>n in Betrieben<br />

in Zürich. 1945 heiratete<br />

er Josy Hehl und der<br />

Ehe entsprangen fünf Kinder.<br />

Bis zu seinem krankheitsbedingten<br />

Tode arbeitete er als<br />

Vorarbeiter in der Möbelfabrik<br />

Fuchs in Trachslau (EA<br />

22.10.1968).<br />

begründer der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS),<br />

1939 Zürcher Nationalrat und Präsident der KPS, 1943 von<br />

dieser ausgeschlossen. Thema war «Die Einführung in den<br />

Sozialismus».<br />

Zufolge Amtsmüdigkeit der bisherigen Amtsträger musste<br />

die Parteileitung neu bestellt werden. Teilweise fand nur ein<br />

Wechsel der Chargen statt. Als neuer Präsident wurde Bruno<br />

Lacher gewählt, als Vizepräsident Anton Mächler, als Aktuar<br />

Richard Kälin, als Beisitzer Ernst Nef, Hermann Füchslin und<br />

Fritz Wolf. Letzterer fand an der Generalversammlung eine besondere<br />

Ehrung: «Der heutige Abend brachte uns das erfreuliche<br />

Ereignis, Genosse F. Wolf, nachdem er mehr als 50 <strong>Jahre</strong><br />

die Arbeiterbewegung in aktivster Form mitgemacht hat, als<br />

Ehrenmitglied zu erklären!» Fritz Wolf war und ist bis heute das<br />

einzige Ehrenmitglied der Partei.<br />

Im Vorstand kam auch<br />

die Notwendigkeit, dass<br />

die Arbeiterpartei <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

vertreten sein<br />

sollte, zur Sprache. Eine<br />

nähere Zusammenarbeit<br />

mit der Holz- und Bauarbeitergewerkschaft<br />

war<br />

ein Thema. Während die<br />

Arbeiterpartei noch klein<br />

war, besass die Gewerkschaft<br />

mit «gleichgerichteten<br />

Zielen» etwa 160<br />

Mitglieder. Etwas überraschend<br />

trat Präsident<br />

Bruno Lacher nach drei<br />

Monaten von seinem Amt<br />

zurück. Die Gründe sind<br />

nicht bekannt. Der Vorstand<br />

ging nun direkt den<br />

Präsidenten der Holz- und<br />

Bauarbeitergewerkschaft,<br />

Emil Zehnder an, und trug<br />

ihm das Parteipräsidium<br />

an. Dieser st<strong>im</strong>mte zu,<br />

betonte aber, dass Partei<br />

und Gewerkschaft «verschiedene<br />

Dinge» seien,<br />

die er nicht vermischen<br />

wollte.<br />

Auf der politischen<br />

Tagesordnung stand zu<br />

dieser Zeit die sozialdemokratische<br />

Initiative<br />

«Wirtschaftsreform und<br />

Rechte der Arbeit» und<br />

die für die Arbeiterschaft<br />

und die Sozialdemokraten<br />

ebenfalls zentrale Vorlage<br />

über die Alters- und Hinterlassenenversicherung<br />

(AHV). Erstere wurde am<br />

18. Mai 1947 deutlich verworfen<br />

(EA 20.5.1947),<br />

letztere am 6. Juli 1947<br />

in der Volksabst<strong>im</strong>mung<br />

angenommen und am 1.<br />

Januar 1948 eingeführt.<br />

Sie entstand aus der vormaligen<br />

Lohn- und Verdienstausgleichskasse<br />

für<br />

Wehrmänner. Die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> befasste<br />

sich natürlich rege<br />

mit dieser Vorlage, die<br />

sie einhellig befürwortete,<br />

und rief zur Teilnahme an<br />

der Abst<strong>im</strong>mung auf.<br />

Nachdem die Arbeiterpartei<br />

des Kantons<br />

Schwyz sich seit Juni<br />

1946 in «Sozialdemokratische<br />

Partei des Kantons<br />

Schwyz» umbenannt hatte<br />

(SD 11.6.1946), geschah<br />

dies ein Jahr später auch<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>: aus der Arbeiterpartei<br />

wurde offiziell<br />

die «Sozialdemokratische<br />

Partei <strong>Einsiedeln</strong>».<br />

An den Monatsversammlungen<br />

vom 30. August 1947<br />

und vom 10. Oktober 1947<br />

konnte die Partei den von<br />

der Kantonalpartei als<br />

Nationalratskandidaten<br />

nominierten Regierungsrat<br />

Josef Heinzer bei sich<br />

begrüssen.<br />

Auf der «sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen<br />

Liste» trat einzig<br />

Regierungsrat Josef Heinzer<br />

als Kandidat an. Fünf<br />

Listen mit neun Kandidaten<br />

kämpften um die<br />

Emil Zehnder (1912-1981),<br />

genannt «Löchli-Miggel»,<br />

stammte aus Bennau. Seine<br />

Eltern waren Emil und Lina<br />

Zehnder-Zehnder. Der Vater<br />

war Bauer.<br />

In Olten erlernte Emil Zehnder<br />

den Schreinerberuf und arbeitete<br />

danach in <strong>Einsiedeln</strong><br />

bei seinem Onkel Emil Steinauer-Zehnder<br />

an der Katzenstrickstrasse<br />

sowie bei <strong>Walter</strong><br />

Kälin an der Mühlestrasse.<br />

Nach Absolvieren einer Reihe<br />

von kaufmännischen Kursen<br />

trat er als Vertreter in die<br />

Versicherungsbranche über.<br />

Emil Zehnder blieb jedoch<br />

Gewerkschafter aus Überzeugung<br />

und war zeitlebens<br />

Mitglied bei der Holz- und<br />

Bauarbeitergewerkschaft.<br />

Von 1963 bis kurz vor seinem<br />

Tode war er Genossenrat und<br />

Genossenschreiber in der<br />

Genossame Dorf-Binzen.<br />

Die 1934 mit Cöly Petrig geschlossene<br />

Ehe blieb kinderlos<br />

(EA 20.11.1981).<br />

drei Nationalratsmandate. Am 26. Oktober 1947 errang die <strong>SP</strong><br />

Kanton Schwyz mit Josef Heinzer ein zweites Mal ein Nationalratsmandat<br />

(EA 28.10.1947). «Die Sozialdemokraten haben<br />

108


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

dank der mangelnden Geschlossenheit<br />

in unsern Reihen für diesmal ein Mandat<br />

gewonnen. Unser Kampf richtete sich<br />

nicht gegen die Person von Regierungsrat<br />

Heinzer, sondern gegen die sozialistische<br />

Staats- und Gesellschaftslehre,<br />

die sich mit unserer Weltanschauung<br />

nicht vereinbaren lässt. Es mag sein, dass<br />

diese grossen weltanschaulichen Spannungen<br />

unsichtbar bleiben, so lange<br />

ein massvoller und besonnener Politiker<br />

wie Heinzer in der Partei tonangebend<br />

bleibt.», leckte der «Einsiedler Anzeiger»<br />

seine Wunden (EA 28.10.1947).<br />

Am kantonalen Parteitag der Schwyzer<br />

Sozialdemokraten <strong>im</strong> Dezember 1947<br />

wurde ein vom Präsidenten Josef Kürzi<br />

jun. vorgelegtes politisches Aktionsprogramm<br />

von 28 Punkten beraten und gutgeheissen<br />

(EA 16.12.1947). Die Einsiedler Sektion orientierte<br />

sich teilweise hieran und sah ein Ziel vorab in einem Ausbau<br />

der Sekundarschule und der Gewerbeschule.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> verfügte 1947 auch über eine sog. Propaganda-Kommission.<br />

Dieser gehörten vier Mann an: Albert<br />

Schneider, Bruno Egli, Arnold <strong>Schönbächler</strong> und Wendelin<br />

<strong>Schönbächler</strong>.<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen 1948,<br />

Durchhalteparolen und eine Partei am Boden<br />

Die Parteiversammlung vom 20. Dezember 1947 befasste sich<br />

mit den Wahlgeschäften des kommenden Frühjahres und beschloss,<br />

den Kampf aufzunehmen und bei den Kantonsratswahlen<br />

mit einer Zweierliste anzutreten. Sie verabschiedete<br />

auch das erste «politische <strong>Bezirk</strong>sprogramm».<br />

An der Generalversammlung vom 21. Februar 1948 nahm<br />

nur eine spärliche Anzahl Mitglieder teil. Kassier Robert<br />

Bertsch beklagte, dass es mit dem Einzug der Bussen wegen<br />

Absenzen hapere. An Stelle des als Beisitzer zurückgetretenen<br />

Ernst Nef wurden neu Wendelin <strong>Schönbächler</strong> und<br />

<strong>Walter</strong> Züger gewählt.<br />

In Bezug auf die anstehenden Wahlen beschloss die Parteiversammlung<br />

vom 20. März 1948 nach längerer Diskussion<br />

eine Zweier-Kandidatur für den <strong>Bezirk</strong>srat mit Emil Zehnder<br />

und Wendelin <strong>Schönbächler</strong> und eine Einer-Kandidatur mit<br />

Anton Mächler für den Kantonsrat. An der Nominationsversammlung<br />

vom 7. April 1948 <strong>im</strong> Restaurant «St. Benedikt»<br />

nahmen von Seiten der Kantonalpartei Josef Kürzi und Sekretär<br />

Hedinger teil. Es entspann sich erneut eine längere Diskussion<br />

über die Wahlgeschäfte, da die Gäste den Einsiedlern<br />

für die Kantonsratswahlen eine Dreierliste beliebt machen<br />

wollten. Die Versammlung schwenkte ein und nominierte die<br />

Da er des Öftern in Ausführung seines<br />

Amtes angegriffen werde, gab der neu als<br />

Kantonsrat gewählte Emil Zehnder <strong>im</strong> Juli<br />

1948 seinen Rücktritt als Parteipräsident<br />

bekannt. Der vierte Wechsel innerhalb von<br />

vier <strong>Jahre</strong>n! Der bisherige Beisitzer <strong>Walter</strong><br />

Züger erklärte sich an der Parteiversammlung<br />

vom 10. Juli 1948 zur Übernahme des<br />

Amtes bereit. An der Versammlung vom 7.<br />

August 1948 wurde er «mehrheitlich gewählt»<br />

und Kassier Robert Bertsch musste<br />

wiederum über bedeutende Ausstände an<br />

Mitgliederbeiträgen orientieren.<br />

<strong>Walter</strong> Züger-<strong>Schönbächler</strong> (1919-2004),<br />

Spritzlackierer in Uster, später wohnhaft in<br />

Altendorf.<br />

109<br />

Genossen <strong>Walter</strong> Züger, Emil Zehnder und Anton Mächler auf<br />

einer «Sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Liste».<br />

Offiziell eingegeben wurde danach dann aber eine Zweierliste<br />

mit <strong>Walter</strong> Züger, Maler, und Emil Zehnder, Schreiner, beide<br />

kumuliert (EA 16.4.1948). Der «Einsiedler Anzeiger» meinte<br />

bereits <strong>im</strong> Voraus: «An einem Mandatgewinn sozialdemokratischerseits<br />

ist nicht zu zweifeln, besonders nachdem die Sozialisten<br />

vor vier <strong>Jahre</strong>n in <strong>Einsiedeln</strong> und Schwyz die Einreichung<br />

der Wahlvorschläge ‹vertrödelt› hatten.» (EA 23.4.1948).<br />

Diese Prognose war richtig. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> holte sich mit<br />

Emil Zehnder das Restmandat. Bei den Regierungratswahlen<br />

musste sich Regierungsrat Josef Heinzer einer Nachwahl unterziehen,<br />

weil er das absolute Mehr <strong>im</strong> ersten Durchgang verpasste<br />

(EA 27.4.1948). Diese erfolgte kampflos, weil sowohl<br />

die Bauernvereinigung als auch die Katholisch-Konservativen<br />

und Liberalen darauf verzichtet hatten, mit einem Kandidaten<br />

an dieser teilzunehmen (EA 28.5.1948).<br />

Bezüglich der folgenden <strong>Bezirk</strong>swahlen wurde die Parteileitung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 26. April 1948 <strong>im</strong> Regen stehen<br />

gelassen. Die bürgerlichen Parteien beantworteten die Ansprüche<br />

gar nicht. «Bis 23 h warten wir vergeblich auf eine<br />

Antwort. Wir ziehen es daher vor zum He<strong>im</strong>weg anzutreten unter<br />

Zurücklassung von Präsident Zehnder.»<br />

Aus den Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s zog sich die Partei zurück<br />

(EA 27.5.1952). Ernst Nef, Mitglied in der Armenpflege,<br />

war zudem parteiintern angefeindet worden und hatte genug.<br />

Die nächste Monatsversammlung vom 2. Oktober 1948<br />

war derart spärlich besucht, dass Genosse Heinrich Keller<br />

die Anfrage machte, «was man zu tun gedenke, falls die Versammlungen<br />

nicht besser besucht würden. Es habe keinen<br />

Sinn, wenn einige Mitglieder Zeit & Geld opfern für eine verlorene<br />

Sache. Präsident Züger will sich nicht entmutigen lassen,<br />

selbst wenn er als einziges Mitglied übrig bleiben sollte. Der


Wille zum Durchhalten kommt sichtlich zum Ausdruck.»<br />

Die Partei organisierte am 12. Dezember 1948 <strong>im</strong> «St. Benedikt»<br />

einen Vortragsabend mit dem Zürcher Parteisekretär<br />

Fritz Escher, der über seine Reise durch das kriegsversehrte<br />

Deutschland berichtete. Der Anlass wurde von ca. 30 Personen<br />

besucht, «wovon der grössere Teil parteilos», wie vermerkt<br />

wurde.<br />

An der Generalversammlung vom 2. April 1949 <strong>im</strong> «St.<br />

Benedikt» nahmen lediglich acht Parte<strong>im</strong>itglieder teil. Thema<br />

bildeten weiterhin die ausstehenden Beiträge. «Auf einen Einzug<br />

der rückständigen Bussen muss verzichtet werden. Dies<br />

<strong>im</strong> Hinblick, dass wir eine Partei sind, der es nicht geziemt, zu<br />

solchen Mitteln zu greifen.» Immerhin verliefen die Wahlen in<br />

Minne und wurde der Vorstand bestätigt.<br />

Dieser schlug vor, <strong>im</strong> Sinne einer Bildungsbestrebung, einen<br />

Vortrag zu organisieren. Kantonsrat Emil Zehnder, gleichzeitig<br />

Präsident der Holz- und Bauarbeitergewerkschaft gab<br />

zu bedenken, dass wenn dieser Anlass unter dem Namen der<br />

Partei laufe, der Besuch desselben schwach sein werde. Eine<br />

Teilnahme von Seiten der Gewerkschafter könne nur erwartet<br />

werden, wenn die Sache völlig neutral sei. «Die allgemeine<br />

Umfrage wird nicht benützt. Ob der in Aussicht stehende<br />

Schübling mit Kartoffelsalat die Ursache ist wird vom Schreiber<br />

vermutet.»<br />

Für das Jahr 1949 sind keine Parteiaktivitäten mehr vermerkt.<br />

Auch <strong>im</strong> nächsten Jahr fand offenbar am 4. Februar<br />

1950 einzig die Generalversammlung <strong>im</strong> «St. Benedikt» statt.<br />

Neun Mann nahmen teil bei einem Mitgliederbestand von 15.<br />

Präsident <strong>Walter</strong> Züger orientierte über die vergangenen Geschehnisse.<br />

«Zu einem unblutig verlaufenden Duell kommt es<br />

hin und wieder zwischen Emil Zehnder & Präsident Züger.»,<br />

so der Protokollschreiber. Der Kassier vermeldete, dass er<br />

verschiedener Umstände halber die Rechnung nicht habe<br />

abschliessen können. Präsident <strong>Walter</strong> Züger und Aktuar<br />

Richard Kälin traten zurück. Kantonsrat Emil Zehnder übernahm<br />

erneut das Präsidium. Als Aktuar konnte Hans Räber<br />

gewonnen werden.<br />

Bis 1953 existieren keine Parteiaufzeichnungen mehr. Die<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen 1950 waren offenbar kein Thema und man beteiligte<br />

sich nicht.<br />

Der Bodenvogt, die Nationalratswahlen<br />

1951 und eine sozialistische<br />

Vermögensabgabe-Initiative<br />

Ein Höhepunkt in der kantonalen Parteigeschichte stellte am<br />

27. Juni 1950 die ehrenvolle Wahl von Regierungsrat Josef<br />

Heinzer zum ersten sozialdemokratischen Landammann des<br />

Standes Schwyz dar (EA 4.7.1950).<br />

Während der «Ruhephase» der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> kam am<br />

1. Oktober 1950 die ursprüngliche Jungbauern-Initiative aus<br />

dem <strong>Jahre</strong> 1943 betreffend Massnahmen gegen die Spekulation<br />

mit nutzbarem Grundeigentum zur Abst<strong>im</strong>mung.<br />

Weil diese nationalsozialistisches Erbgut in sich trug und die<br />

Sozialdemokraten eine staatliche Kontrolle des Bodens sowie<br />

die Schaffung von Bodenämtern befürworteten wurde<br />

sie von bürgerlicher Seite rigoros bekämpft. Bereits damals<br />

focht man mit prägnanten Schlagworten: Nein zur Einführung<br />

des Bodenvogtes. Die Vorlage erlitt eine sehr deutliche<br />

Abfuhr an der Urne (EA 29.9.1950, EA 3.10.1950).<br />

Erfolgreicher verliefen die Nationalratswahlen ein Jahr später,<br />

am 28. Oktober 1951. Der Parteitag der Sozialdemokratischen<br />

Partei des Kantons Schwyz beschloss am 2. September<br />

1951 in Wollerau einst<strong>im</strong>mig, mit der Liste der «Arbeiterunion<br />

des Kantons Schwyz» und der kumulierten Einerkandidatur<br />

von Nationalrat Josef Heinzer in den Wahlkampf zu ziehen (EA<br />

7.9.1951). Die Konservativ-Christlichsozialen gewannen das vor<br />

vier <strong>Jahre</strong>n verlorene zweite Mandat zurück, die Liberalen fielen<br />

hinter die Sozialdemokratische Partei zurück! «Mit einem<br />

Zuwachs von rund 3‘000 St<strong>im</strong>men ist sie zur zweitstärksten<br />

Partei unseres Kantons geworden. Im Gegensatz zum <strong>Jahre</strong><br />

1947 steht ihre Berechtigung auf einen Nationalratssitz heute<br />

eindeutig fest. (…) Ein beträchtlicher Teil muss unzweifelhaft<br />

auf die grosse persönliche Sympathie und das Vertrauen zurückgeführt<br />

werden, das ihr Kandidat, Landammann Heinzer,<br />

in sämtlichen Volksschichten und bei allen Parteien geniesst.<br />

Die grosse St<strong>im</strong>menzahl, die er erreichte, hat gezeigt, dass das<br />

Volk seine Gunst nicht dem Fanatiker, sondern dem massvollen<br />

Politiker schenkt.» (EA 30.10.1951). Ein Kommentator meinte,<br />

dass ihm «in der Propaganda die rote Farbe faustdick übertüncht<br />

wurde, [und er] seine neuen St<strong>im</strong>men vorab <strong>im</strong> bäuerlichen<br />

Lager holte, was auch bei der Propaganda deutlich berücksichtigt<br />

und einberechnet wurde.» (EA 2.11.1951).<br />

Zur selben Zeit lief die Unterschriftensammlung für die <strong>im</strong><br />

Juli von der <strong>SP</strong> Schweiz lancierte Initiative zur Erhebung einer<br />

Vermögensabgabe und gleichzeitig von Zuschlägen zur<br />

Wehrsteuer. «Diese Initiative war als eigentlicher Wahlschlager<br />

für die eidgenössischen Herbstwahlen vorgesehen, aber aus<br />

durchsichtigen Gründen wurde dieser vermeintliche Trumpf<br />

nicht allzuoft ausgespielt. Mit dieser Initiative wird gar nichts<br />

anderes angestrebt, als die Rüstungslasten einseitig auf einen<br />

kleinen Kreis von Steuerzahlern abzuwälzen, mit andern Worten,<br />

‹die Reichen sollen zahlen›.» «Hände weg!» mahnte der<br />

«Einsiedler Anzeiger» vor der sog. sozialistischen Vermögensabgabe-Initiative<br />

(EA 16.11.1951).<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen 1952, ein<br />

erster Angriff<br />

Über die Generalversammlung <strong>im</strong> Jahr 1952 ist nichts bekannt.<br />

Das Mitgliederverzeichnis wies 18 Mitglieder auf.<br />

Die Kantonsrats- und Regierungsratswahlen fanden<br />

am 27. April 1952 statt. Letztere verliefen in Minne. Der<br />

gemeinsame Wahlvorschlag der konservativen Volkspar-<br />

110


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

tei, der liberalen und der sozialdemokratischen Partei fand<br />

vom Volk eine Bestätigung (EA 29.4.1952).<br />

Für die Kantonsratswahlen wurden <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

vier Listen eingereicht. Ein «Wahlvorschlag der bürgerlichen<br />

Opposition», ein «Wahlvorschlag der Bauern-,<br />

Gewerbe- und Bürgerpartei», der «Wahlvorschlag der konservativen<br />

Volkspartei, der christlichsozialen Partei u. der<br />

jungkonservativen Bewegung» und ein «Wahlvorschlag<br />

des Arbeiterkartells». Auf letzterem kandidierte der bisherige<br />

<strong>SP</strong>-Kantonsrat Emil Zehnder, Versicherungsvertreter,<br />

zusammen mit August Kälin, Schreiner. Emil Zehnder erzielte<br />

fünf St<strong>im</strong>men mehr und wurde damit als Kantonsrat<br />

bestätigt. Ihre Liste holte ein Vollmandat (EA 29.4.1952, EA<br />

6.5.1952). Im «Einsiedler Anzeiger» wurde konstatiert, dass<br />

der Wahlkampf fair geführt worden war (EA 29.4.1952).<br />

In der Listenbezeichnung widerspiegelte sich schön<br />

der damals labile und unsichere Zustand, in dem sich die<br />

sozialdemokratische Partei befand. Man wähnt sich wiederum<br />

in den späten 1930er-<strong>Jahre</strong>n. Auch damals mussten<br />

die Gewerkschaften die Partei stützen.<br />

«Die <strong>Bezirk</strong>swahlen des <strong>Jahre</strong>s 1952 dürfen als ein parteipolitisches<br />

Kuriosum bezeichnet werden; denn wenn<br />

sich der Schreibende nicht irrt, ist es seit Menschengedenken<br />

noch nie vorgekommen, dass die konservative<br />

und liberale Partei trotz gegenseitiger Anerkennung des<br />

Besitzstandes bei <strong>Bezirk</strong>swahlen getrennt marschiert sind.<br />

Man muss auf das Jahr 1932 zurückgehen, um eine Wahl<br />

zu finden, wo Konservative und Liberale für die Bestellung<br />

der <strong>Bezirk</strong>sbehörden keine gemeinsame Liste vereinbart<br />

hatten. (…) Die Sozialisten hatten ebenfalls eine volle Liste<br />

eingereicht, auf der andererseits u.a. unser christlichsoziale<br />

Vertreter, Ratsherr Urban Hensler, fehlte. (…) Also Listen<br />

genug, dass sich der Bürger beinahe nicht mehr auskannte.»<br />

(EA 6.5.1952).<br />

Die Konservativ-Christlichsozialen hatten ein von den<br />

Liberalen getrenntes Marschieren beschlossen. Grund<br />

war, dass die Erfahrungen früherer <strong>Jahre</strong> gezeigt habe,<br />

«dass die Loyalität der liberalen St<strong>im</strong>mbürger bei einer gemeinsamen<br />

Liste gegenüber unsern Kandidaten zu wünschen<br />

übrig lasse und schliesslich die Ueberlegung, dass<br />

die Sozialisten einen Sitz beanspruchen, sodass es Sache<br />

der Liberalen und Sozialisten sei, über diesen Sitz zu entscheiden.»<br />

(EA 2.5.1952).<br />

Die sozialdemokratische Partei hatte sich damit erstmals<br />

an den <strong>Bezirk</strong>swahlen beteiligt! Auf ihrer vollen (bürgerlichen)<br />

Liste fand sich an Stelle von Urban Hensler der<br />

Name von Meinrad Fuchs. Mit 344 St<strong>im</strong>men reichte es ihm<br />

aber – abgeschlagen – nicht für einen Ratsherrensessel<br />

(EA 6.5.1952). Insgesamt drei Sitze mussten in den Nachwahlen<br />

besetzt werden.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zeigte hierbei einen erstaunlichen Offensivgeist,<br />

nachdem die Konservativ-Christlichsozialen für<br />

die Nachwahlen vom 18. Mai 1952 eine gemeinsame Liste<br />

mit neu Kantonsrat Emil Zehnder als <strong>Bezirk</strong>sratskandidat<br />

abgelehnt hatte (EA 16.5.1952). Sie portierte für die Nachwahlen<br />

nun nämlich nicht nur Kantonsrat Emil Zehnder,<br />

sondern auch wiederum Meinrad Fuchs. Der Angriff war<br />

indessen nicht von Erfolg gekrönt (EA 20.5.1952).<br />

Was für einen Einfluss die gleichzeitig zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangende «sozialistische Vermögensabgabe-Initiative»<br />

hatte, welche an der Urne eine deutliche Abfuhr erlitt, kann<br />

nicht gesagt werden. Geholfen haben dürfte sie den beiden<br />

sozialdemokratischen Kandidaten in <strong>Einsiedeln</strong> aber<br />

jedenfalls kaum (EA 20.5.1952).<br />

In Bezug auf die Einsitznahme in bezirksrätliche Kommissionen<br />

war sodann zu lesen: «Das Arbeiterkartell übersendet<br />

am 19. Mai ein Gesuch um Einräumung von Sitzen<br />

für ihre Partei <strong>im</strong> Schulrat, in der Armenpflege und in der<br />

Lehrlingskommission. Die Fraktionen konnten zu diesem<br />

Gesuche, das am 20. Mai durch die Post zugestellt wurde,<br />

nicht mehr Stellung beziehen. Da die Arbeiterpartei 1948<br />

sich aus sämtlichen Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>es zurückgezogen<br />

hatte, nahmen dieselben ohne weiteres an, dass<br />

sie den gleichen Standpunkt auch bei den neuen Kommissionsbestellungen<br />

einnehmen würde. Der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

tritt deshalb auf das Gesuch der Arbeiterpartei anlässlich<br />

der Kommissionsbestellungen 1952/54 nicht ein.» (EA<br />

27.5.1952).<br />

Eine stattgehabte Vorstandserneuerung und<br />

der erste rote <strong>Bezirk</strong>srat 1954<br />

Mit dem Protokoll der Generalversammlung vom 14. März 1953,<br />

die <strong>im</strong> Restaurant «St. Benedikt» stattfand, wurden die Parteiaufzeichnungen<br />

wieder fortgesetzt. Offenbar war der Vorstand<br />

zwischenzeitlich einer Erneuerung unterzogen worden. Als Präsident<br />

amtierte Emil Trümpy, der dieses Amt von Emil Zehnder<br />

übernommen hatte. Neuer Kassier war Josef Iten und neuer Aktuar<br />

Meinrad Fuchs. Über die Person von Emil Trümpy ist leider<br />

nichts weiter bekannt, als dass er Schriftsetzer war. Anwesend<br />

waren an der Generalversammlung 17 Mann bei einem Mitgliederbestand<br />

von 21, wovon 10 Bähnler, zwei Postbeamte, sechs<br />

Schreiner/Bau- und Hilfsarbeiter/Handlanger, zwei Maschinensetzer/Buchdrucker<br />

und ein Versicherungsvertreter. An der Generalversammlung<br />

wurden auch Parteistatuten verabschiedet.<br />

«In seinem <strong>Jahre</strong>sbericht erläutert unser Präsident die Ziele<br />

der S.P., die in einer vermehrten Sozialisierung der wirtschaftlichen<br />

u. sozialen Interessen des gesamten Volkes gipfeln,<br />

resp. die Anteilnahme aller Bevölkerungsschichten am allgemeinen<br />

Volkswohlstand, Bekämpfung der Armut u. viel verborgenem<br />

Elendes. Nur intensive Parteiarbeit u. Aufklärung des<br />

arbeitenden Volkes wird uns diesem Ziele näher führen.»<br />

Die Partei war mit den neuen Vorstandsmitgliedern offenbar<br />

gut aufgestellt und der kleine Schuldenberg des Vereins<br />

111


Meinrad Fuchs wurde am 5. März 1915 in Bennau geboren und besuchte dort und in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> die Volksschulen, bevor er für mehrere <strong>Jahre</strong> ins Welschland ging. «Schon<br />

in jungen <strong>Jahre</strong>n erlebte er die schweren Folgen der Weltwirtschaftskrise am eigenen<br />

Leib, sah und erlitt er die seelische Not der Arbeitslosigkeit und versuchte schon damals<br />

zu helfen, wo er nur konnte. Sein Wesen wurde in jenen schweren <strong>Jahre</strong>n geprägt. Er<br />

wurde zum Sozial-Demokraten und blieb dieser Auffassung bis zu seinem Lebensende<br />

unermüdlich und stets einsatzbereit treu.»<br />

1941 trat er als Saisonarbeiter bei der Südostbahn ein, wurde zum Stationsbeamten<br />

befördert und 1946 zum Kondukteur berufen.<br />

1942 verheiratete er sich mit der Tessinerin Augusta Marchetti, die ihm zwei Töchter<br />

schenkte.<br />

Meinrad Fuchs war 17 <strong>Jahre</strong> lang fast durchgehend Parteipräsident, 20 <strong>Jahre</strong> lang<br />

<strong>Bezirk</strong>srat und zuletzt <strong>Bezirk</strong>sammann (1972-1974), von 1960-1973 Kantonsrat, dann<br />

Mitinitiant und von 1955-1984 Präsident der Baugenossenschaft «Mythen» und von<br />

1972-1984 Präsident der Genossenschaft Alterssiedlung «Gerbe».<br />

Meinrad Fuchs verstarb am 20. November 1984 (EA 24.12.1984).<br />

war fast restlos abgetragen. Mit Interesse liest man <strong>im</strong> Protokoll<br />

auch von einem Neu-Eintritt in die Kantonalpartei. Offenbar<br />

hatten finanzielle Ausstände zu einem Ausschluss geführt.<br />

Auch nannte sich die Partei – laut den neuen Statuten – wieder<br />

Arbeiterpartei.<br />

Der Vorstand wurde wie folgt bestätigt: Präsident Emil<br />

Trümpy, Schriftsetzer, Aktuar und Vizepräsident Karl Kuriger,<br />

Kondukteur, Kassier Josef Iten, Schreiner, Beisitzer Anton<br />

Beeler, Postangestellter, und Josef Kälin, Kondukteur, Geschäftsprüfungskommission<br />

Richard Kälin, pensionierter<br />

Postbeamter, und Robert Manser, Bahnbeamter.<br />

An der Versammlung vom 6. Juni 1953 <strong>im</strong> Restaurant «St.<br />

Benedikt» wurde in Bezug auf die nächsten Wahlen ein pragmatisches<br />

Vorgehen diskutiert und eine Kontaktnahme mit<br />

bürgerlichen Exponenten ins Auge gefasst. Ein grosses Engagement<br />

war insbesondere von Meinrad Fuchs festzustellen,<br />

der auch eine Eingabe an den <strong>Bezirk</strong>srat betreffend Spielwiesen<br />

anregte.<br />

Auf den 12. Dezember 1953 musste eine ausserordentliche<br />

Generalversammlung einberufen werden, da das «Trüpplein»<br />

zufolge Austritts des Präsidenten wiederum führerlos geworden<br />

war! Zu dessen Nachfolger wurde dann Meinrad Fuchs<br />

einst<strong>im</strong>mig gewählt und ihm zur Auflage gemacht, «mit dem<br />

initiativsten Mann unserer Partei», Robert Manser, eine enge<br />

Zusammenarbeit zu pflegen. Zudem wurde nun der Beitritt<br />

zur Kantonalpartei beschlossen.<br />

Am 6. Dezember 1953 gelangte ein von den Sozialdemokraten<br />

seit Jahrzehnten verfolgtes Anliegen zur kantonalen Abst<strong>im</strong>mung:<br />

die Einführung des fakultativen Gemeinderatsproporzes<br />

und der gehe<strong>im</strong>en Abst<strong>im</strong>mung für Sachgeschäfte der<br />

Gemeinden und <strong>Bezirk</strong>e. «Entschlossene Gegner waren die<br />

Liberalen, während vor allem die Sozialisten sich vehement<br />

ins Zeug legten, um ein altes Postulat zu verwirklichen. Konservativerseits<br />

war man dafür, wenngleich vor allem <strong>im</strong> innern<br />

Kantonsteil keine grosse Begeisterung und kein Schwung an<br />

den Tag gelegt wurde.» (EA 7.12.1953). <strong>Einsiedeln</strong> st<strong>im</strong>mte der<br />

Vorlage zu, <strong>im</strong> Kanton wurde sie jedoch verworfen.<br />

Für das Jahr 1954 fehlen wiederum Parteiaufzeichnungen,<br />

obwohl dieses für die Partei von eminenter Wichtigkeit war.<br />

«Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> stellt das Begehren um Ueberlassung<br />

eines Sitzes <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat anlässlich der Maiwahlen<br />

1954. Für die nach den Maiwahlen zu bestellenden Kommissionen<br />

werden Wahlvorschläge eingereicht. Da der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

für die Abtretung eines <strong>Bezirk</strong>sratssitzes nicht zuständig ist,<br />

kann er auf dieses Begehren nicht eintreten. Von den Wahlvorschlägen<br />

wird Kenntnis genommen. Anlässlich der Kommissionsbestellungen<br />

wird der Rat dieses Begehren prüfen.» (EA<br />

30.3.1954).<br />

Die gemeinsame Parteiversammlung der Katholisch-Konservativen<br />

und der Christlichsozialen behandelte das Anliegen<br />

wohlwollend. Und auch die neu aus einer Fusion zwischen der<br />

1922 gegründeten Bauern- und Bürgerpartei mit der liberalen<br />

Partei entstandene fortschrittlich-demokratische Partei opponierte<br />

nicht, zumal dies nicht ihren Sitzanspruch tangierte.<br />

«Mit der Arbeiterpartei wurde vereinbart, dass ihr <strong>Bezirk</strong>sratsanwärter,<br />

Herr Meinrad Fuchs, Kondukteur SOB, erst anlässlich<br />

der Nachwahl kandidiert. Die konservativ-christlichsoziale<br />

Partei und die FDP haben der Arbeiterpartei zugesichert, ihren<br />

Kandidaten in keiner Weise, weder direkt noch indirekt, zu<br />

bekämpfen. Da die Nachwahl <strong>im</strong> Zeichen der interparteilichen<br />

Verständigung vor sich geht, und da die bürgerlichen Parteien<br />

der Arbeiterpartei den Sitz freiwillig überlassen, hat die Arbeiterpartei<br />

zugesichert, das Wahlergebnis in keiner Weise propagandistisch<br />

gegen die bürgerlichen Parteien auszuwerten und<br />

die St<strong>im</strong>menzahl ihres Kandidaten nicht als für ihre effektive<br />

Parteistärke massgeblich zu betrachten.» (EA 23.4.1954).<br />

112


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der «Einsiedler Anzeiger» gewährte der Partei in seiner Ausgabe<br />

vom 28. Mai 1954 ausnahmsweise sogar Platz für einen<br />

Wahlaufruf: «An die St<strong>im</strong>mbürger des <strong>Bezirk</strong>s <strong>Einsiedeln</strong>! Für<br />

den am 2. Mai 1954 zum <strong>Bezirk</strong>sammann gewählten Herrn<br />

Urban Hensler findet am 29./30. Mai die Ersatzwahl statt. Gemäss<br />

einem Abkommen zwischen der konservativ-christlichsozialen,<br />

der fortschrittlich-demokratischen Partei und der<br />

Arbeiterpartei soll dieses Mandat durch einen Vertreter der<br />

letzteren besetzt werden. Die Mehrheitspartei hat <strong>im</strong> Sinne<br />

des freiwilligen Proporzes und der Gerechtigkeit willen auf ein<br />

Mandat verzichtet, um auch der Minderheit Gelegenheit zu<br />

geben, sich am aktiven Geschehen zu beteiligen und einen<br />

Teil der Verantwortung zu tragen. Diese loyale Einstellung ist<br />

erfreulich, wird doch dadurch das erste Mal ein Vertreter der<br />

Arbeiterschaft in den <strong>Bezirk</strong>srat einziehen. Die Arbeiterpartei<br />

bringt für die Ersatzwahl Herrn Meinrad Fuchs, Kondukteur,<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, in Vorschlag. Unser Kandidat gilt unbestritten als<br />

aufgeschlossen denkender, gerechter Bürger, der nicht nur die<br />

berechtigten Interessen der Arbeiterschaft, sondern auch das<br />

Gesamtwohl <strong>im</strong> Auge behalten wird. Wir ersuchen die Wähler<br />

des <strong>Bezirk</strong>es, durch eine ehrenvolle Wahl unseres Kandidaten<br />

ein fruchtbares Zusammenarbeiten zwischen allen Parteien<br />

fördern zu helfen. Ihr Zutrauen verdanken wir<br />

bestens. Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>.»<br />

Die Nachwahl ging ohne Überraschung<br />

und ruhig vor sich. Meinrad Fuchs wurde mit<br />

757 St<strong>im</strong>men ehrenvoll zum ersten sozialdemokratischen<br />

Vertreter in den Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat<br />

gewählt (EA 1.6.1954)! Und auch in<br />

den Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s konnte die<br />

Partei wieder Einsitz nehmen: Robert Manser,<br />

Stationsbeamter, <strong>im</strong> Schulrat und nunmehriger<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs in der Armenpflege<br />

(EA 8.6.1954).<br />

Kaspar Zentner als Aktuar und Peter Kälin als Kassier. Alle diese<br />

Funktionäre wohnen zur Zeit in <strong>Einsiedeln</strong>. Wie man dazu<br />

weiter vern<strong>im</strong>mt, beabsichtigt die Genossenschaft vorerst einmal<br />

zwei Wohnhausblöcke zu acht Wohnungen zu erstellen.<br />

Diese sollen auf das Gebiet des unteren Langrütibodens zu<br />

stehen kommen.» (EA 1.4.1955).<br />

Der Ursprung des politischen Erfolges von Meinrad Fuchs<br />

entsprang auch seinem breiten Engagement ausserhalb der<br />

Partei. So waren ihm günstige Wohnungen ein grosses Anliegen.<br />

Den Gedanken, mit der Gründung einer Baugenossenschaft<br />

gute und preiswerte Wohnungen zu schaffen, hatten<br />

Angestellte der SOB unter seiner Führung zu Beginn der fünfziger<br />

<strong>Jahre</strong>. Es war damals für junge Familien schwierig, familiengerechte<br />

Wohnungen zu finden, in denen auch für Kinder<br />

etwas Freiheit und Bewegungsraum vorhanden war.<br />

Auf Initiative von Meinrad Fuchs erfolgte eine Orientierungsversammlung<br />

für das Personal der SOB, in welcher das<br />

Projekt mit 4-Z<strong>im</strong>mer-Wohnungen vorgestellt wurde. Das Vorhaben<br />

stiess auf grosses Interesse. Fast gleichzeitig wurde<br />

mit der Genossame Dorf-Binzen wegen eines Landverkaufes<br />

Verbindung aufgenommen. Benötigt wurde eine Landparzelle<br />

von etwa 1‘800 Quadratmetern.<br />

Gründung der Baugenossenschaft<br />

«Mythen» (1955)<br />

Die Generalversammlung vom 19. Februar 1955<br />

ging ruhig vonstatten. Präsident und Ratsherr<br />

Meinrad Fuchs konnte <strong>im</strong> vergangenen Jahr<br />

neue Mitglieder gewinnen. Der anwesende<br />

Kantonalpräsident Josef Kürzi jun. referierte über seinen Aufenthalt<br />

in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin und den<br />

«eisernen Vorhang».<br />

Meinrad Fuchs war initiativ. «Wie wir aus dem kant. Amtsblatt<br />

ersehen, hat sich in <strong>Einsiedeln</strong> eine Baugenossenschaft<br />

konstituiert. Die Baugenossenschaft ‹Mythen› erstrebt den<br />

Bau oder Kauf von soliden, zweckmässigen Wohnhäusern<br />

und Häusergruppen. Die Wohnungen sollen zu möglichst<br />

günstigen Bedingungen vermietet werden. Der Verwaltung<br />

gehören an die Herren Ratsherr Meinrad Fuchs als Präsident,<br />

Bis 1961 wurden von der Baugenossenschaft «Mythen» vier Wohnhausblöcke<br />

an der Mythen- und Kornhausstrasse erstellt (Foto Franz Kälin).<br />

113<br />

Die Gründung der Baugenossenschaft «Mythen» erfolgte dann<br />

am 8. März 1955, obwohl sich nur noch eine kleine Gruppe<br />

von SOB-Kollegen dafür gewinnen liess. Die Gründe lagen darin,<br />

dass etliche Kollegen ausstiegen, da sie ein finanzielles<br />

Abenteuer befürchteten. Die Gründungsakte unterzeichneten<br />

Martin Fuchs, Peter Kälin, Klemenz Schnüriger, Josef Stössel,<br />

Hans Stössel, Kaspar Zentner, Paul Essig und Meinrad Fuchs.<br />

Der letztgenannte übte dann auch das Amt des Präsidenten<br />

bis zu seinem Tod <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong> 1984 aus.<br />

Auf den 15. März 1956 konnten die ersten Wohnungen be-


Der Gedenkstein für Meinrad Fuchs befindet sich noch heute<br />

<strong>im</strong> Garten des Wohnhausblocks an der Mythenstrasse 23.<br />

zogen werden, womit auf dem Wohnungsmarkt eine gewisse<br />

Entspannung auftrat (EA 16.3.1956).<br />

Die Befürchtung oder Kritik, dass die Mieter dieser Wohnungen<br />

nicht in der Lage wären, den errechneten Mietzins mit Nebenkosten<br />

aufzubringen, drückte sich auch an der folgenden Fasnacht<br />

aus! So wurde am Fasnachtsumzug<br />

ein Sujet mit einem riesigen<br />

Block herumgeführt und als «Servelatbunker»<br />

bezeichnet. Damit<br />

wollte man aufzeigen, dass es<br />

den Genossenschaftern in ihren<br />

Wohnungen nicht mehr möglich<br />

sei, neben den «hohen» Mietkosten<br />

anderes Fleisch als eben nur<br />

noch Servelats zu kaufen.<br />

Der Mietzins wurde damals<br />

inklusive Nebenkosten<br />

auf Fr. 140.-- berechnet. Heute<br />

ein Traumpreis, zu jener Zeit ein<br />

harter Brocken für die meisten<br />

Genossenschafter. Doch man<br />

schaffte es, alle Wohnungen<br />

zu vermieten. Der letzte Mietvertrag<br />

wurde am 1. Mai 1956<br />

unterzeichnet. Eine nicht leicht zu lösende Aufgabe für einige<br />

Interessenten und angehende Genossenschafter war zudem<br />

die Übernahme von Anteilscheinen in der Höhe von Fr.<br />

1‘600.--, die als Eigenmittel für die Finanzierung des Bauvorhabens<br />

einbezahlt werden mussten.<br />

Das Fabrikareal der Landis & Gyr um 1958.<br />

114<br />

Ein Fabrik-Neubau, ein «Mann des<br />

Jahrhunderts», fast friedliche Wahlen und das<br />

erste RPK-Mitglied der Arbeiterpartei<br />

Anlässlich der Quartalsversammlung der Partei am 6. Mai<br />

1955 konnte der Kantonalpartei mit Kassier Josef Iten ein<br />

Revisor zur Wahl vorgeschlagen werden. Meinrad Fuchs orientierte<br />

die Anwesenden auch über den Stand der Verhandlungen<br />

betreffend den Fabrikneubau auf dem Langrütiboden,<br />

mit dem die Firma Landis & Gyr eine Zweigniederlassung in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> errichten wollte. Dieser Fabrikbau wurde 1957 ausgeführt<br />

und brachte für viele willkommenen – und wie die Geschichte<br />

zeigte: seit Jahrzehnten erhofften – Verdienst nach<br />

<strong>Einsiedeln</strong>.<br />

An den Nationalratswahlen vom 30. Oktober 1955 beteiligten<br />

sich die vier Listen der «Arbeiterunion», der Liberalen<br />

Volkspartei, der Konservativen Volkspartei und der Christlichsozialen<br />

Volkspartei. Die Kantonalpartei trat mit der Einer-Kandidatur<br />

von Nationalrat Josef Heinzer an und vermochte den<br />

Sitz zu verteidigen. Die sozialdemokratische Liste erzielte in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> einen St<strong>im</strong>menanteil von 15% (EA 31.10.1955). In<br />

der «wahlpolitischen Nachlese» schrieb der «Einsiedler Anzeiger»:<br />

«In Sachen Versprechungen und Zukunftshoffnungen<br />

haben <strong>im</strong> letzten Wahlkampf vor allem die Sozialisten allzudick<br />

aufgetragen. Man sah sich vor einen richtigen Forderungskatalog<br />

gestellt. Man möchte besser leben; man verspricht weniger<br />

Arbeit und mehr Verdienst und erst noch ‹Kampf der<br />

Teuerung›! Solche Methoden sind furchtbar einfach; aber Forderungen<br />

erfüllen und Versprechen halten, ist für den Staat,<br />

der meistens wieder den einzelnen Steuerzahler belangen<br />

muss, sehr schwer. Als ‹letzter Zwick› für das Wahlvolk waren<br />

in der sozialistischen Presse die Leistungen von Nationalrat J.<br />

Heinzer angeführt. Die Leistungen des Schwyzer Sozialisten


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

droben unter der Bundeskuppel in Ehren.<br />

Auch wir würdigen sie und danken ihm dafür.<br />

Ob aber nun wirklich alles bis ins Detail<br />

angeführt und mit Wolken von Weihrauch bedacht<br />

werden muss? Wenn man bedenkt, was<br />

für ein Papieraufwand in Wahlzeitungen und<br />

Flugblättern für Sebi Heinzer erfolgte, und in<br />

welchen höchsten Tönen er dem Schwyzervolk<br />

so quasi als der ‹Mann des Jahrhunderts<br />

<strong>im</strong> Kanton› gepriesen wurde, so wundert uns,<br />

dass er gegenüber 1951 bloss 77 St<strong>im</strong>men<br />

mehr verzeichnete.» (EA 4.11.1955).<br />

An der Generalversammlung der Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> vom 10. März 1956 konnte<br />

ein Mitgliederbestand von 20 (+3) vermerkt<br />

werden. «Unsere Partei wurde <strong>im</strong> Laufe des<br />

letzten <strong>Jahre</strong>s mit Ausnahme der Nationalratswahlen<br />

nicht stark in Anspruch genommen»,<br />

äusserte Parteipräsident Meinrad Fuchs. Im<br />

Hinblick auf die kommenden Kantonsratswahlen<br />

vom 29. April 1956 wünschte die<br />

Kantonalpartei, dass die Einsiedler Genossen<br />

zwei Kandidaten aufstellen. Die Kandidatensuche<br />

gestaltete sich aber nicht einfach.<br />

Amtsinhaber Emil Zehnder zögerte mit einer erneuten Zusage,<br />

andere erachteten sich als zu wenig bekannt und/oder<br />

nicht als «Einhe<strong>im</strong>ische». So fiel denn die Wahl auf <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Meinrad Fuchs. Robert Manser erklärte sich für den Fall einer<br />

Zusage bereit, das Parteipräsidium zu übernehmen. Die Partei<br />

nominierte in der Folge an erster Stelle Emil Zehnder und auf<br />

dem zweiten Platz Meinrad Fuchs. Auch für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

wurde wiederum <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs portiert.<br />

Die Kantonsratswahlen verliefen einvernehmlich. Kantonsrat<br />

Emil Zehnder wurde auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag<br />

mit 1‘191 St<strong>im</strong>men auf 1‘537 Wahlzetteln gut wiedergewählt<br />

(EA 1.5.1956). Der amtierende Regierungsrat Josef Heinzer<br />

schaffte seine Wiederwahl souverän.<br />

Auch die <strong>Bezirk</strong>swahlen verliefen in Minne. «Die Arbeiterpartei<br />

wünscht einen Substitutensitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>sgericht und einen<br />

Sitz in der Rechnungsprüfungskommission. Unsere Partei<br />

hält diese Ansprüche als begründet. Da wir in diesen Behörden<br />

nicht über-, in der Rechnungsprüfungskommission mit nur<br />

einem Mitglied sogar untervertreten sind, ist es an der liberalen<br />

Partei, diese Begehren zu erfüllen.» meinte die Konservative<br />

Partei. Mit dieser wurde die Besetzung und der Turnus <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>sratsbüro diskutiert und infolgedessen kam auch hier<br />

eine gemeinsame Wahlliste zustande (EA 1.5.1956).<br />

Meinrad Fuchs wurde als <strong>Bezirk</strong>srat bestätigt und mit<br />

Kassier Josef Iten, Schreiner, konnte die Arbeiterpartei auch<br />

erstmals Einsitz in die Rechnungsprüfungskommission nehmen!<br />

(EA 8.5.1956). «Die ‹friedlichen› <strong>Bezirk</strong>swahlen vom letzten<br />

Sonntag für die sich alle Parteien die Hand gegeben und<br />

Ein Teil der Belegschaft der Landis & Gyr um 1960.<br />

115<br />

gegenseitig die Kandidaten akzeptiert hatten, haben sehr unfriedlich<br />

geendet. Am Samstag erschien eine wilde Liste, die<br />

mit drei Ausnahmen die Namen der offiziellen gemeinsamen<br />

Liste enthielt. Ausgewechselt waren zwei konservative <strong>Bezirk</strong>sratsmitglieder<br />

und ein konservativer Gerichtssubstitut. (…) Bei<br />

einem absoluten Mehr von 778 St<strong>im</strong>men erreichte ein Kandidat<br />

der wilden Liste, Herr Josef Fuchs, Möbelfabrik, Trachslau,<br />

799 St<strong>im</strong>men, so dass er gewählt ist.» (EA 8.5.1956).<br />

Schulische Anliegen, ein «geistig<br />

unbeweglicher Schulratspräsident», das<br />

Referat des Pfarrers und ein neuer Nationalrat<br />

«Die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> reicht verschiedene Begehren<br />

betr. Verbesserungen an unsern Schulen ein. Die Partei regt<br />

die Bildung einer dritten Sekundarschulklasse an, sie möchte,<br />

dass auch die Abgangsklasse geschaffen würde und glaubt,<br />

dass die Einrichtung von Förderklassen grosse Vorteile bringen<br />

würde. Falls die dritte Sekundarschule nicht geschaffen<br />

werden könne, sollte der <strong>Bezirk</strong>srat mit dem Gemeinderat Freienbach<br />

eine Vereinbarung treffen, wonach unsere Schüler die<br />

dortige dritte Sekundarschulklasse besuchen könnten. Diese<br />

Eingabe gibt Anlass zu einer gründlichen Aussprache. Den<br />

Begehren kann heute aus räumlichen Gründen kaum entsprochen<br />

werden, es wäre denn, die Gemeinde würde ein zusätzliches<br />

neues Schulhaus bauen lassen. Aber selbst in diesem<br />

Falle wären die Lehrkräfte, die heute sehr rar sind, noch nicht<br />

vorhanden. Diese Anregungen bringen dem <strong>Bezirk</strong> ganz ge-


waltige Ausgaben, sofern sie verwirklicht würden. Es ist daher<br />

notwendig, die Angelegenheit mit Wohlwollen weiter zu prüfen.<br />

Sowohl <strong>Bezirk</strong>srat wie Schulrat sind bereit, diesen Problemen<br />

die volle Aufmerksamkeit zu schenken.» (EA 22.2.1957,<br />

EA 8.3.1957).<br />

Die Arbeiterpartei konnte auch<br />

in den Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s<br />

zulegen: Robert Manser<br />

wurde als Schulrat bestätigt, <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Meinrad Fuchs verblieb<br />

in der Armenpflege und August<br />

Kälin-Beeler nahm neu Einsitz in<br />

die Lehrlingskommission. Josef<br />

Iten hatte Einsitz in der Rechnungsprüfungskommission<br />

(EA<br />

8.6.1956).<br />

Josef Iten (1912-1994),<br />

Schreiner, erstes RPK-Mitglied<br />

der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

An der Generalversammlung vom 13. April 1957 konnten <strong>im</strong><br />

«St. Benedikt» 17 Mitglieder begrüsst werden. Aus gesundheitlichen<br />

Gründen trat Karl Kuriger als Aktuar zurück und auch<br />

Meinrad Fuchs wollte das Präsidium, wie bereits gehandhabt,<br />

an Robert Manser abtreten. Letzterer lehnte ab, so dass Meinrad<br />

Fuchs das Präsidium behielt. Josef Kälin wurde zum neuen<br />

Aktuar und Vizepräsidenten gewählt, Klemens Schnüriger<br />

zum Beisitzer und Kaspar Zentner zum neuen Rechnungsprüfer.<br />

«Von der Aufstellung eines <strong>Jahre</strong>sprogramms wurde Umgang<br />

genommen, da <strong>im</strong>mer unvorhergesehene Sachen dazukommen,<br />

die es verunmöglichen, ein lückenloses Programm<br />

zu machen. Man kann nur eines sagen: Jeder soll nach Möglichkeit<br />

neue Mitglieder werben.»<br />

Die Generalversammlung vom 1. Februar 1958 <strong>im</strong> «St.<br />

Benedikt» war von 14 Mitgliedern besucht. «Es wurde wieder<br />

einmal die Feststellung gemacht, dass der Schulratspräsident<br />

unbedingt ersetzt werden sollte, da er geistig unbeweglich<br />

ist, und eher als Bremser wirkt.» Für Diskussion sorgte auch<br />

die Frage eines Eisfeldes und dessen Unterstützung durch<br />

den <strong>Bezirk</strong>. Der Mitgliederbestand betrug 27 (15 Bähnler, 7<br />

Schreiner/Mechaniker/Hilfs- und Gartenbarbeiter, zwei Typografen/Maschinensetzer<br />

und je ein Postgehilfe, Kaufmann<br />

und Versicherungsvertreter).<br />

Am 9. März 1958 wurde – mit Unterstützung der<br />

Sozialdemokraten – das kantonale Gesetz über Kinderzulagen<br />

mit grossem Mehr angenommen (EA<br />

11.3.1958).<br />

An der Quartalsversammlung vom 5. Juli 1958<br />

konnte der neue Kantonalpräsident Sepp Diethelm<br />

begrüsst werden, der zum Thema «Die Arbeiterbewegung<br />

gestern, heute u. morgen» ein Referat hielt.<br />

In Bezug auf die stattgefundenen <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

konnte Präsident Meinrad Fuchs zwar feststellen,<br />

dass Josef Iten als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission<br />

wiedergewählt wurde. Aber: «Er kritisierte<br />

das Verhalten der liberalen Partei anlässlich der<br />

Maiwahlen. Es wurde uns seinerzeit ein Gerichtssubstitut<br />

versprochen, sobald einer der liberalen Partei<br />

demissioniere. Sie haben aber nicht Wort gehalten<br />

(…).» Bei der Besetzung der Kommissionen wurde als<br />

neuer Schulrat Josef Kälin, Kondukteur, gewählt. Der Besitzstand<br />

wurde gewahrt (EA 30.5.1958).<br />

«Es gibt ja leider <strong>im</strong>mer noch Leute, die an und für sich für<br />

unsere Sache eingenommen sind, aber die Meinung vertreten,<br />

ein Katholik könne kein Sozialdemokrat sein, oder auch umgekehrt.»<br />

So lud der Vorstand für die Quartalsversammlung vom<br />

29. November 1958 den (auswärtigen) Pfarrer Imobersteg als<br />

Referenten ein, der zum Thema «Das Menschenbild <strong>im</strong> Sozialismus<br />

und Christentum» sprach. «Er erläutert uns in sehr verständlicher<br />

Weise die Ideale der Sozialdemokratischen Partei.<br />

Ebenso ihren Standpunkt gegenüber der Religion. Es war daraus<br />

deutlich zu entnehmen, dass die Partei keine christliche<br />

Religion beiseiteschiebt oder gar bekämpft.»<br />

In gleicher Weise demonstrativ mutete die kirchliche Ehrenbezeugung<br />

am kantonalen Parteitag <strong>im</strong> November 1958<br />

an: «Nach einer Ehrenbezeugung für den verstorbenen Papst<br />

sprachen sich die Schwyzer Sozialdemokraten für eine Hul-<br />

Für die am 2. Juni 1957 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangende sozialdemokratische<br />

Steuergesetzrevisions-Initiative, die<br />

Steuerabzüge und einen Ausgleich mittels Progression der<br />

Vermögens- und Einkommenssteuer in den höheren Lagen<br />

sowie einer Grundstück-, Kapital- und Liquidationssteuer<br />

verlangte (EA 1.3.1957), bildete die Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong><br />

eigens eine Kommission, die propagandistisch tätig wurde.<br />

Die Vorlage wurde aber mit deutlichem Mehr verworfen.<br />

Inserat der Gegnerschaft <strong>im</strong> EA vom 28. Mai 1957.<br />

116


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

digung an das neue Oberhaupt<br />

der katholischen Kirche, Papst<br />

Johannes XXIII., aus.» (EA<br />

14.11.1958). Die Partei winkte<br />

regelrecht mit Palmzweigen! Daneben<br />

erging eine Eingabe an<br />

den Regierungsrat mit dem Ersuchen,<br />

sie möchte angesichts der<br />

über 2‘000 pendelnden Arbeitskräfte<br />

aus dem Kanton Schwyz<br />

gegen die von den SBB vorgesehene<br />

massive Tariferhöhung<br />

intervenieren.<br />

Die Generalversammlung der<br />

Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> fand am<br />

28. Februar 1959 wie gewohnt <strong>im</strong><br />

«St. Benedikt» statt. Der Mitgliederbestand<br />

hatte sich in einem<br />

Jahr um fünf auf neu 25 Mann<br />

erhöht. Diskutiert wurde, die Versammlungen<br />

interessanter zu gestalten, vermehrt Referenten<br />

einzuladen oder einen Film vorzuführen. «Kollege Manser<br />

schlägt vor, in Zukunft sollten alle Behördenmitglieder an der<br />

Generalversammlung einen ausführlichen Bericht über ihre<br />

Tätigkeit abgeben.»<br />

Ende April 1959 erklärte der bereits 72jährige Regierungsrat<br />

Josef Heinzer seinen Rücktritt aus dem Nationalrat<br />

(EA 1.5.1959). Der Parteitag der Arbeiterpartei des Kantons<br />

Schwyz hob alt Kantonsratspräsident Josef Diethelm, Siebnen,<br />

auf den Schild (EA 18.9.1959). Auch die Arbeiterpartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> versicherte ihn an ihrer Parteiversammlung vom<br />

25. Juli 1959 ihrer Unterstützung. Die «Liste der Arbeiterunion»<br />

mit der Ein-Mann-Kandidatur war erfolgreich, erzielte hinter<br />

der katholisch-konservativen Liste am zweitmeisten St<strong>im</strong>men<br />

(23.7%) und das Nationalratsmandat konnte folglich gehalten<br />

werden (EA 23./27.10.1959).<br />

Ein «sozialistischer Kronprinz»<br />

und Ämterkumulationen<br />

Josef (Sepp) Diethelm (1914-1978), Schübelbach,<br />

Möbelfabrikarbeiter mit kaufmännischer<br />

Weiterbildung. Er war danach als Versicherungsinspektor<br />

(1943) und kantonaler<br />

Steuerbeamter (1946-1960) tätig. Von 1944-<br />

1960 sass er <strong>im</strong> Kantonsrat und war 1954/55<br />

der zweite sozialdemokratische Kantonsratspräsident.<br />

Zwischen 1946 und 1960 war er<br />

zudem <strong>Bezirk</strong>srat in der March.<br />

Von 1959-1978 sass er <strong>im</strong> Nationalrat und<br />

fast zeitgleich (1960-1977) auch <strong>im</strong> Schwyzer<br />

Regierungsrat.<br />

Der Parteisektion Schübelbach stand er während<br />

22 <strong>Jahre</strong>n, der Kantonalpartei während<br />

12 <strong>Jahre</strong>n als Präsident vor.<br />

Ein Engagement für die Schwyzer Sozialdemokratie,<br />

das seinesgleichen sucht!<br />

Was an der letzten Parteiversammlung bereits gemunkelt wurde<br />

trat <strong>im</strong> Februar 1959 ein: der altgediente Josef Heinzer, alt<br />

Landammann und alt Nationalrat, trat auch als Regierungsrat<br />

zurück. Die Arbeiterpartei des Kantons Schwyz nominierte an<br />

ihrem Parteitag <strong>im</strong> Wäggital <strong>im</strong> März 1959 einst<strong>im</strong>mig Nationalrat<br />

Josef Diethelm – vom «Einsiedler Anzeiger» bereits als<br />

«sozialistischer Kronprinz» bezeichnet (EA 9.2.1960) – als neuen<br />

Regierungsrat (EA 18.3.1960).<br />

Der Vorstand der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> tagte am 18. Februar<br />

1960 in der «Aargauerhalle» und war der Ansicht, dass<br />

ein zweiter Kantonsratssitz <strong>im</strong> Bereich des Möglichen liege.<br />

«Es wird beschlossen, eine 3er oder 4er Liste mit zugkräftigen<br />

117<br />

Namen aufzustellen, um möglichst viele Listenst<strong>im</strong>men zu<br />

erhalten.»<br />

Die am nächsten Tag abgehaltene Generalversammlung<br />

war gut besucht. Der Mitgliederbestand der Partei hatte sich<br />

weiter auf 29 erhöht (+4). Präsident Meinrad Fuchs bedauerte<br />

in seinem <strong>Jahre</strong>sbericht die Ablehnung der Bauordnung in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. «Ein Dorf wie <strong>Einsiedeln</strong> braucht ganz best<strong>im</strong>mt<br />

eine Bauverordnung, damit nicht jeder wursteln kann, wie er<br />

will.» Der Aktuar notierte <strong>im</strong> Protokoll: «Zusammenfassend<br />

kann gesagt werden, dass Fuchs Meinrad in unserer Partei an<br />

der richtigen Stelle steht und wir alle hoffen, dass er das Steuer<br />

unseres Schiffleins noch einige Zeit in seiner kundigen Hand<br />

behält.» Wegweisend war der Beschluss, dass die Behördenmitglieder<br />

künftig eine 5%ige Mandatssteuer entrichten. Weiter<br />

entschied man sich für die Durchführung eines 1. Mai-Anlasses<br />

<strong>im</strong> Säli des «Rot Kreuz».<br />

Am 23. März 1960 fand auf Einladung der Konservativen<br />

erstmals eine Aussprache aller Parteien <strong>im</strong> Hinblick auf die<br />

Kantonsratswahlen statt. Delegiert wurden Meinrad Fuchs<br />

und Josef Iten. «Wie wir vernehmen, hat die christlichsoziale<br />

Partei des <strong>Bezirk</strong>es <strong>Einsiedeln</strong> an ihrer Parteiversammlung<br />

vom letzten Samstag beschlossen, an ihrem Anspruch auf drei<br />

Kantonsräte festzuhalten. Gestützt auf diesen Beschluss hat<br />

nun auch die Arbeiterpartei einen Zweieranspruch angemeldet,<br />

nachdem sie vorher bereit gewesen wäre, sich mit ihrer<br />

bisherigen Einervertretung zu begnügen und dem Status quo<br />

zuzust<strong>im</strong>men, wenn das auch die Christlichsozialen getan hätten.<br />

(…) Nachdem die Christlichsozialen das bisherige Besitzverhältnis<br />

nicht mehr anerkennen, dürfte es zum Kampfe kommen.»<br />

(EA 29.3.1960, EA 12.4.1960).<br />

Die Nominationsversammlung vom 28. März 1960 <strong>im</strong> «St.<br />

Benedikt» führte nach längeren Diskussionen dazu, dass die


August Kälin, «Lüssi-Güstel», wurde am 24. Juni 1916 <strong>im</strong> «Mythenblick» in <strong>Einsiedeln</strong><br />

geboren. Sein Vater August (ein «Hutli») war Verkäufer in der Textilbranche, seine Mutter<br />

war Anna Kälin.<br />

August Kälin absolvierte die Lehre als Bau- und Möbelschreiner bei Josef Zehnder,<br />

dem Vater der späteren Möbelfabrikanten. Danach arbeitete er an verschiedenen Orten<br />

in der Schweiz, bevor er in <strong>Einsiedeln</strong> in die Schreinerei von Melchior Ochsner, und<br />

später in die Firma von Emil Steinauer eintrat.<br />

Seit 1957 wohnte er <strong>im</strong> Eigenhe<strong>im</strong> an der Mythenstrasse 26. In seiner Freizeit war er als<br />

Larven-Fabrikant tätig, widmete sich der Bauernmalerei und der Holz-Schnitzkunst.<br />

Er war ein bewusster Gewerkschafter: Seit 1946 Mitglied in der Bau- und Holzgewerkschaft<br />

und ab 1954 während einiger <strong>Jahre</strong> deren Präsident. 1961-1972 präsidierte er<br />

auch die Genossenschaft Coop <strong>Einsiedeln</strong> (Konsumverein). Er war Mitglied <strong>im</strong> Rettungskorps<br />

<strong>Einsiedeln</strong> und «ein unbezahlbarer Clown» bei dessen Generalversammlungen.<br />

1944 verheiratete er sich mit Berta Beeler. Der Ehe entsprossen zwei Töchter.<br />

August Kälin verstarb am 17. Januar 1983 (EA 25.2.1983).<br />

Partei mit einer 3er-Liste in den Wahlkampf zog. Auf dem ersten<br />

Platz wurde noch einmal Kantonsrat Emil Zehnder nominiert,<br />

auf dem zweiten Platz Josef Iten und auf dem dritten <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Meinrad Fuchs. Letzterem wurde versprochen, dass<br />

Karl Kuriger das Aktuarenamt antrete und der jetzige Aktuar,<br />

Josef Iten, bei einer etwaigen Wahl dann das Präsidium<br />

übernehme.<br />

Das Wahlergebnis vom 24. April 1960 bestätigte, dass der<br />

Kampf der Christlichsozialen für drei Mandate unnütz gewesen<br />

war. Was parteiintern wohl befürchtet worden war trat <strong>im</strong> Übrigen<br />

ein: <strong>Bezirk</strong>srat und Parteipräsident Meinrad Fuchs wurde<br />

mit einem Vorsprung von 15 St<strong>im</strong>men vor Emil Zehnder auch<br />

zum neuen Kantonsrat gewählt! «Die St<strong>im</strong>menzahl der Arbeiterpartei<br />

hat sich seit 1959 ein wenig vermindert, dafür aber hat<br />

sie durch Parteidisziplin geglänzt; von ihren 196 Listen waren<br />

nur 36 verändert. Das ist vorzüglich, wenn man bedenkt, dass<br />

von rund 1‘800 abgegebenen Listen rund 1‘000 verändert eingelegt<br />

wurden. (…) Der Wahlkampf wurde von Seite der Fortschrittlichdemokratischen<br />

und der Arbeiterpartei, wie auch von<br />

uns, sehr fair und ohne jede persönlichen Angriffe geführt. (…)<br />

Auch die Arbeiterpartei hat sich positiv zu friedlichen Wahlen<br />

eingestellt.» (EA 26.4.1960).<br />

An der Parteiversammlung vom 8. April 1960 konnte Kantonalpräsident<br />

und Nationalrat Josef Diethelm begrüsst werden.<br />

Dieser ermunterte die Einsiedler Genossen zum Wahlkampf<br />

und gab Tipps für die Wahlpropaganda. Die Kantonalpartei<br />

stellte Aktionsprogramme zur Verfügung. «Mit einer gründlichen<br />

Agitation von Mann zu Mann können Glanzresultate erzielt<br />

werden.»<br />

An den <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 1. Mai 1960 marschierten dann<br />

alle Parteien wieder gemeinsam. Die Katholisch-Konservativen<br />

fanden sogar warme Worte: «In der Person von Herrn<br />

Kantonsrat Meinrad Fuchs portiert die Arbeiterpartei wieder<br />

ihr bisheriges, bewährtes Mitglied des <strong>Bezirk</strong>srates. Wir schätzen<br />

Herrn Meinrad Fuchs als besonnenen, jedem Fanatismus<br />

abholden Vertreter der Arbeiterpartei, dem Gerechtigkeit<br />

und politischer Friede am Herzen liegt. – Empfohlen sei auch<br />

Herr Josef Iten als Rechnungsprüfer der Arbeiterpartei.» (EA<br />

29.4.1960). Meinrad Fuchs wurde mit dem drittbesten Resultat<br />

als <strong>Bezirk</strong>srat bestätigt und auch Josef Iten wurde als<br />

RPK-Mitglied wiedergewählt (EA 3.5.1960). Neu nahm Meinrad<br />

Fuchs nicht mehr nur in der Armenpflege Einsitz, sondern<br />

auch in der Kommission für AHV und IV sowie in der Friedhof-<br />

Kommission. Die übrigen Kommissionsmitglieder verblieben<br />

<strong>im</strong> Amt (EA 17.5.1960).<br />

Die Regierungsratswahlen verliefen friedlich und Nationalrat<br />

Josef Diethelm wurde neu auch in den Regierungsrat<br />

gewählt. Er hat damit vollumfänglich die Nachfolge von Josef<br />

Heinzer angetreten.<br />

Ein neuer Vorstand, ein ruhiges Intermezzo,<br />

Personenkult und die erste Schulrätin<br />

Die Generalversammlung der Arbeiterpartei <strong>Einsiedeln</strong> vom<br />

17. März 1961 fand für einmal <strong>im</strong> Restaurant «Obere Brauerei»<br />

statt. Der Zürcher Parteisekretär Fritz Escher referierte zur<br />

5. AHV-Revision. Nach einem Rückblick auf die erfolgreichen<br />

Wahlen 1960 musste Kassier Josef Iten einen «bedenklichen<br />

Tiefstand» der Parteifinanzen vermelden, worauf der Monatsbeitrag<br />

auf Fr. 1.50 erhöht wurde. Die Mitgliederzahl war erneut<br />

auf 34 gewachsen.<br />

<strong>Bezirk</strong>s- und Kantonsrat Meinrad Fuchs erklärte seinen<br />

Rücktritt als Parteipräsident. Er war zwischenzeitlich auch<br />

noch als Vorsitzender be<strong>im</strong> SOB-Personal gewählt worden<br />

und sei – was Wunder! – «zu sehr beansprucht». Er erklärte<br />

sich aber bereit, als Stütze für seinen Nachfolger <strong>im</strong> Vorstand<br />

zu verbleiben.<br />

Der neue Vorstand konstituierte sich hierauf wie folgt:<br />

118


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Präsident August Kälin, Vizepräsident Meinrad Fuchs, Aktuar<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong>, Kassier Josef Iten, Beisitzer Emil Zehnder,<br />

Meinrad Birchler und Karl Kuriger sowie die Rechnungsprüfer<br />

Max Keller und Karl Kälin.<br />

In den <strong>Jahre</strong>n zwischen 1961 und 1965 fehlen weitere<br />

Parteiaufzeichnungen.<br />

1961 konnten die Sozialdemokraten mit Karl Röllin, Wollerau,<br />

erstmals auch Einsitz in den Bankrat nehmen (EA<br />

24./31.10.1961).<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen 1962 waren «<strong>im</strong> Zeichen des Wahlfriedens<br />

vor sich gegangen. Wilde Listen wurden nicht erwartet<br />

und sind in der Tat auch nicht eingetroffen.» (EA 8.5.1962).<br />

Meinrad Fuchs wurde als <strong>Bezirk</strong>srat bestätigt und die Kommissionssitze<br />

blieben unverändert (EA 22.5.1962).<br />

Am 1. April 1962 verwarf das Schweizer Volk die sozialdemokratische<br />

Initiative für ein Verbot von Atomwaffen. «Das eidgenössische<br />

Nein zur Initiative, das ein Ja zum absoluten Verteidigungswillen<br />

und zu unserer bewaffneten Neutralität bedeutet,<br />

wird <strong>im</strong> ganzen Ausland, so klein unser Land auch ist, nicht<br />

unbeachtet bleiben.»… (EA 3.4.1962). Eine zweite Atominitiative<br />

gelangte am 26. Mai 1963 zur Abst<strong>im</strong>mung. Auch diese, welche<br />

vorsah, dass der Bundesrat über einen eventuellen Einsatz von<br />

Nuklearwaffen entscheiden könne, wurde deutlich abgelehnt<br />

(EA 28.5.1963).<br />

«Die Zehn Gebote verhalten sich zur Politik wie eine geometrische<br />

Formel zu einer Orange oder einer Kartoffel!» las<br />

man <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» ein Zitat des Ehrenpräsidenten<br />

der Liberalen Weltunion zum Katholizismus in der Politik (EA<br />

8.1.1963). 1963 war nämlich wieder ein Wahljahr. Die sozialdemokratische<br />

Kantonalpartei unterstützte am Herbstparteitag<br />

1962 die Eingabe für eine sofortige Revision der AHV-Gesetzgebung<br />

und appellierte an die Kantonsregierung, ein Gesetz<br />

über eine kantonale Alters- und Invalidenhilfe auzuarbeiten<br />

(EA 2.11.1963). Die <strong>SP</strong> Schweiz begann <strong>im</strong> Januar 1963 mit<br />

der Unterschriftensammlung für ihre Initiative für ein neues<br />

Bodenrecht. «Hände weg vom sozialistischen Bodenrecht. (…)<br />

Diese Initiative soll offenbar zum sozialistischen Wahlschlager<br />

1963 werden. Sie verlangt die Einführung eines gesetzlichen<br />

Vorkaufsrechtes auf dem Liegenschaftsmarkt und eine wesentliche<br />

Erweiterung des Enteignungsrechtes zugunsten<br />

der öffentlichen Hand.» (EA 8.1.1963). Sie wurde <strong>im</strong> Juli 1963<br />

mit 131‘000 Unterschriften <strong>im</strong> Bundeshaus deponiert (EA<br />

19.7.1963).<br />

Eine gewisse Nervosität auf Seiten der Konservativen-<br />

Christlichsozialen zeigte sich auch in der Kritik am Radio<br />

Beromünster. In einem zweistündigen Programm zum 1. Mai<br />

kamen neun <strong>SP</strong>-Redner zu Wort. «Der Missbrauch des Landessenders<br />

zu Parteipropaganda war noch selten so offensichtlich.<br />

Er kann nicht unwidersprochen hingenommen werden.»<br />

(EA 10.5.1963).<br />

Und <strong>im</strong> Juli 1963 startete die Arbeiterpartei des Kantons<br />

Schwyz zusammen mit den Christlichsozialen eine Volksinitiative<br />

für eine Revision des Steuergesetzes (EA 30.7.1963, EA<br />

13.8.1963).<br />

Dieser Aktionismus zahlte sich aus. Die sozialdemokratische<br />

Liste «Arbeiter- und Angestellten-Union» mit dem bisherigen<br />

Nationalrat Josef Diethelm erzielte bei den Nationalratswahlen<br />

am 27. Oktober 1963 einen sagenhaften Erfolg. Sie<br />

segelte sogar an der katholisch-konservativen Liste vorbei und<br />

vereinigte einen Wähleranteil von 28.9%! (EA 29.10.1963). In<br />

den March-Gemeinden erzielte die sozialdemokratische Liste<br />

sogar die absolute Mehrheit der St<strong>im</strong>men, in <strong>Einsiedeln</strong> vermochte<br />

sie 15.4% auf sich zu vereinigen (EA 31.10.1963).<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» schmollte: «Der groteske Papierund<br />

Energieverschleiss der Propaganda in den letzten Wochen<br />

– nur die Konservative Volkspartei bewahrte noch den<br />

Sinn für Mass und Proportion – endete mit der Weiterexistenz<br />

des Status quo: Das hätte man auch billiger haben können.<br />

(…). Parteist<strong>im</strong>men verloren haben, mit Ausnahme der Sozialdemokratischen<br />

Partei, auch alle anderen Parteien. (…) Unbestreitbare<br />

Tabellensiegerin ist die Sozialdemokratische Partei,<br />

die ihre Parteist<strong>im</strong>menzahl vom <strong>Jahre</strong> 1959 (11‘101) um 2‘616<br />

Parteist<strong>im</strong>men auf 13‘717 Parteist<strong>im</strong>men erhöhen konnte, womit<br />

sie sogar unsere Parteist<strong>im</strong>menzahl übertrifft. Während die<br />

Liberalen sich den Wahlerfolg mit einer möglichst grossen Zahl<br />

von Kandidaten erhofften, operierten die Sozialdemokraten<br />

mit einem andern Extrem: mit einer Einerliste. Das kann sich<br />

nur eine Partei leisten, die eine hervorragende Parteidisziplin<br />

besitzt. Dazu kam die ungewöhnliche persönliche Beliebtheit<br />

ihres Kandidaten über die eigenen Parteigrenzen hinaus. (…)<br />

Noch ein Wort zur Form des Wahlkampfes. Erfreulich ist, dass<br />

der Kampf, bei aller Härte und Heftigkeit, ohne persönliche Gehässigkeiten<br />

und Beleidigungen vor sich ging. Was hingegen<br />

viele sachliche denkende Bürger mehr und mehr abstiess, das<br />

war die zum Teil jedes vernünftige Mass verlierende Propaganda<br />

für einzelne Kandidaten.» (EA 29.10.1963). «Die Sozialisten<br />

verzeichneten mit ihrem durch einen ins Unerträgliche gesteigerten<br />

Personenkult einen vollen Erfolg und st<strong>im</strong>menmässig<br />

einen Ruck nach vorn. Enorm waren die finanziellen Mittel, die<br />

aufgewendet wurden. ‹Die haben Geld›, hörte man <strong>im</strong>mer wieder.<br />

Dass Nationalrat Josef Diethelm der Vergötterung seiner<br />

Person nicht Einhalt gebot, kann man weitherum nicht verstehen.<br />

Hatte er diesen Riesenaufwand nötig?» (EA 31.10.1963).<br />

Mit den Kantonsratswahlen ging es am 26. April 1964 weiter.<br />

Die sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong> nominierte fünf<br />

Kandidaten, alle kumuliert, für die 11 Einsiedler Sitze: Meinrad<br />

Fuchs-Marchetti, Gerhard Egli-Grätzer, August Kälin-Beeler,<br />

Max Keller-Bollmann und Emil Zehnder-Bisig. Kantonsrat<br />

Meinrad Fuchs wurde wiedergewählt. «Der Wahlkampf ist fair<br />

und sachlich geführt worden, was ebenfalls zu den erfreulichen<br />

Seiten der diesjährigen Kantonsratswahlen gehört. Persönliche<br />

Angriffe unterblieben. Den Parteileitungen gebührt<br />

Dank, dass sie für einen anständigen Wahlkampf besorgt waren.<br />

Das Volk hat dies sicher geschätzt.» (EA 17./28.4.1964).<br />

119


Rosa (Rösy) <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert wurde am 28. September 1917 <strong>im</strong><br />

«Feldhöfli» in Alpthal geboren. Der Vater war Revierförster. Nach der Schule<br />

bildete sie sich als Damenschneiderin aus und war längere Zeit als Haushalthilfe<br />

in der damaligen Arztfamilie von Dr.med. Arnold Eberle tätig.<br />

1942 verheiratete sie sich mit Josef <strong>Schönbächler</strong> («Sigisbärte»), der als<br />

Schrift- und Maschinensetzer be<strong>im</strong> Benziger-Verlag, später bei der Waldstatt<br />

AG und der Etzel-Druck AG in <strong>Einsiedeln</strong>, am Schluss bei der Baumann<br />

AG in Wädenswil arbeitete. Der Ehe entsprossen fünf Kinder, von<br />

denen zwei <strong>im</strong> Kindesalter verstarben. Sohn Josef <strong>Schönbächler</strong> jun. als<br />

späterer <strong>Bezirk</strong>srat als auch die Enkel <strong>Patrick</strong> und Katja <strong>Schönbächler</strong>-<br />

Lacher traten in die sozialdemokratischen Fussstapfen. Drei Generationen<br />

in einer Partei!<br />

Der Genossenschaftsgedanke, sei dies <strong>im</strong> Konsumverein oder in der<br />

Wohnbaugenossenschaft «Mythen», war bei ihr und ihrem Ehemann stets<br />

grossgeschrieben. Rösy <strong>Schönbächler</strong> war von 1964-1972 erste Schulrätin.<br />

Sie verstarb am 16. Mai 2005.<br />

Regierungsrat Josef Diethelm wurde auf gemeinsamer Liste<br />

kampflos <strong>im</strong> Amt bestätigt.<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 4. Mai 1964 fanden <strong>im</strong> Einvernehmen<br />

statt. «Sämtliche Parteien haben sich auf eine gemeinsame<br />

Liste geeinigt, die <strong>im</strong> wesentlichen dadurch charakterisiert<br />

ist, dass der bisherige Besitzesstand gewahrt bleibt.» (EA<br />

1.5.1964). Auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag befanden<br />

sich Meinrad Fuchs als <strong>Bezirk</strong>srat und Josef Iten als RPK-Mitglied,<br />

welche beide auch komfortabel gewählt wurden (EA<br />

5.5.1964).<br />

Die Konstituierung der <strong>Bezirk</strong>sbehörden fiel durch zwei<br />

Besonderheiten auf: <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs wurde zum einen<br />

mit Kommissionssitzen überhäuft: Armenpflege, Baukommission,<br />

Markungs- und Grundbuchvermessungskommission,<br />

Präsident Militärisches Quartieramt, Kommission für AHV und<br />

IV, Kinderschutzkommission und Kindergartenkommission!<br />

120<br />

August Kälin wurde als Mitglied der Lehrlingskommission<br />

bestätigt.<br />

Zum anderen nahm als erste – nota bene noch<br />

nicht st<strong>im</strong>m- und wahlberechtigte! – Frau für die Sozialdemokratische<br />

Partei <strong>Einsiedeln</strong> Rosa <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert<br />

Einsitz in den Schulrat. Sie war<br />

die Ehefrau von Partei-Aktuar Josef <strong>Schönbächler</strong>.<br />

Aufruf zur Parteiarbeit, ein<br />

Schulhaus-Neubau, das «Gespenst<br />

eines Frauenst<strong>im</strong>mrechts» und<br />

friedliche Nationalratswahlen<br />

Im Mitgliederverzeichnis waren 1965 28 Genossen<br />

aufgeführt (14 Bähnler, sechs Schreiner/Hilfs- und<br />

Gartenarbeiter, zwei Typographen/Maschinensetzer,<br />

zwei Elektriker/Elektromechaniker, je ein Versicherungsvertreter,<br />

Kaufmann, Fabrikarbeiter und ein<br />

nicht deklarierter Beruf).<br />

Die Parteiaufzeichnungen fingen erst mit der<br />

Einladung zur Parteiversammlung am 25. Oktober<br />

1965 <strong>im</strong> «St. Benedikt» wieder an. Orientierungshalber<br />

wurde hierbei die Zusammensetzung des<br />

am 25. Juni 1965 neu gewählten Parteivorstandes<br />

bekannt gegeben: Präsident Meinrad Fuchs, Vizepräsident<br />

August Kälin, Aktuar Josef <strong>Schönbächler</strong>,<br />

Kassier Josef Iten, Beisitzer Emil Zehnder, Meinrad<br />

Birchler, Karl Kuriger und Jean Kälin sowie die Rechnungsprüfer<br />

Max Keller und Karl Kälin.<br />

Zu dieser Versammlung existiert kein Protokoll.<br />

Dasselbe gilt für diejenige vom 20. April 1966.<br />

Die Wahlen in die <strong>Bezirk</strong>sbehörden wurden am<br />

1. Mai 1966 abgehalten. «Die Maiwahlen warfen keine<br />

hohen Wellen und die Vorschläge der Parteien fanden<br />

die Zust<strong>im</strong>mung der Wähler. Auch die Kommissionsbestellungen<br />

verliefen nicht mehr so hitzig wie in<br />

frühern Zeiten, da besonders die Konservative Partei ein Mangel<br />

an geeigneten Leuten hat, die wichtige Vorsitze von Kommissionen<br />

einnehmen könnten. So wurde zum ersten Mal der Kommissionsvorsitz<br />

der Strassenkommission an die Liberalen abgetreten,<br />

wobei die Liberalen ebenfalls aus Mangel an geeigneten<br />

Leuten den Vorsitz in der Fürsorgekommission an unsere Partei<br />

abtrat. Zeichen der Zeit oder Degenerationserscheinungen?»<br />

fragte der Parteipräsident in seinem <strong>Jahre</strong>sbericht. Rechnungsprüfer<br />

Josef Iten war <strong>im</strong> Austritt und wurde <strong>im</strong> Amt bestätigt (EA<br />

3.5.1966). Rösy <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert verblieb <strong>im</strong> Schulrat<br />

und konnte zusammen mit Emil Zehnder neu Einsitz nehmen<br />

in die Sekundarschulhaus-Neubau-Kommission, August Kälin-<br />

Beeler wurde in der Lehrlings-Kommission bestätigt. <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Meinrad Fuchs hatte Einsitz in der Kinderschutz-Kommission, in<br />

der AHV- und IV-Kommission, in der Kindergarten-Kommission<br />

und präsidierte neu die Fürsorge-Kommission (EA 13.5.1966).


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Generalversammlung vom 30. April 1966 <strong>im</strong> Hotel «St. Benedikt»<br />

war von 14 Genossen besucht. Präsident Meinrad Fuchs richtete den<br />

dringenden Appell an alle Mitglieder, ihm die Parteiarbeit nicht allein zu<br />

überbürden! Im <strong>Jahre</strong>sbericht nahm er Bezug auf das kantonale Parteiprogramm<br />

und die Zielsetzungen, die es weiter zu verfolgen gab: Recht<br />

auf Bildung, Beschaffung von gesunden und preiswerten Wohnungen,<br />

Ausbau des Gesundheitswesens und Gewässerschutz sowie eine gerechte<br />

Lastenverteilung in der Finanzpolitik.<br />

121<br />

Während dieser Zeit hatte die Kantonalpartei be<strong>im</strong><br />

Regierungsrat ein Postulat eingereicht, mit welchem<br />

sie die Einräumung eines Sitzes <strong>im</strong> Erziehungsrat<br />

verlangte. «Die sozialdemokratische Partei war <strong>im</strong><br />

Erziehungsrat bisher noch nie vertreten. Der Regierungsrat<br />

betrachtet das Postulat als begründet.»<br />

(EA 8.3.1966). Die notwendige Verfassungsänderung<br />

scheiterte aber in der Volksabst<strong>im</strong>mung vom<br />

16. Oktober 1966. «Der Anspruch der Sozialdemokraten<br />

übermässig in den Vordergrund gestellt, und<br />

der Einsatz einer Frau in diese Behörde sind am<br />

Resultat mitbeteiligt. Da geisterte vermutlich das<br />

‹Gespenst› des Frauenst<strong>im</strong>mrechts <strong>im</strong> Hintergrund.<br />

Nicht unschuldig am Ergebnis ist die zwiespältige<br />

Haltung der Liberalen Partei.», kommentierte der<br />

«Einsiedler Anzeiger» (EA 18.10.1966).<br />

Erwähnens- und bemerkenswert war in Unteriberg<br />

sodann die Wahl von <strong>SP</strong>-Kantonsrat Edwin<br />

Marty zum neuen Gemeindepräsidenten. Die Wahlbeteiligung<br />

lag bei 88% und er setzte sich mit 220<br />

gegen 148 St<strong>im</strong>men gegen seinen Widersacher<br />

durch. „Damit hat die Gemeinde Unteriberg zum<br />

erstenmal in ihrer Geschichte einen sozialistischen<br />

Präsidenten erhalten.“ (EA 7.6.1966).<br />

Auch anlässlich der Generalversammlung vom<br />

22. April 1967 <strong>im</strong> «St. Benedikt», an der wiederum<br />

13 Genossen und Rösy <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert<br />

teilnahmen, erging der dringende Aufruf des Präsidenten:<br />

«Begnügt Euch nicht damit, dass nur der<br />

Präsident und der Kassier als einzig geltende Stützen<br />

der Partei angesehen werden und auch an jeder<br />

Veranstaltung und Tagung teilnehmen müssen,<br />

eine Delegierung an einen andern Kollegen, sei es<br />

des Parteivorstandes oder aus der Mitgliedschaft<br />

würde nur zur Verfestigung unserer Partei beitragen.<br />

Kollegen, helft also mit, unser noch kleines<br />

Parteischifflein in bessern Wind zu tragen, mit einer<br />

disziplinierten Mannschaft, die Auswirkungen werden<br />

best<strong>im</strong>mt nur positiv sein! Dafür besten Dank!»<br />

Anlässlich der überparteilich organisierten öffentlichen<br />

Versammlung <strong>im</strong> Hotel «Schiff» vom 31.<br />

Mai 1967 wurden die kantonalen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen<br />

vom 4. Juni 1967 vorgestellt. <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad<br />

Fuchs sprach über das Einführungsgesetz zum<br />

Bundesgesetz über Massnahmen zur Förderung<br />

des Wohnungswesens (EA 30.5.1967). Die Vorlage wurde vom<br />

Volk angenommen (EA 6.6.1967).<br />

Am 2. Juli 1967 kam die sog. Bodenrechts-Initiative der Sozialdemokraten<br />

zur Abst<strong>im</strong>mung. Sie scheiterte wuchtig (EA<br />

4.7.1967). «Die demokratischen Spielregeln gelten auch für die<br />

Sozialdemokraten. Es ist verständlich, dass die wuchtige Verwerfung<br />

der Bodeninitiative durch Stände und Volk bei den Sozialdemokraten<br />

eine tiefe Enttäuschung ausgelöst hat. Die Initiative<br />

wurde als Grundsatzentscheid für sozialistische Politik konzipiert<br />

– aber selbst die angestammte sozialistische Wählerschaft war<br />

nicht voll zu mobilisieren.» war der Kommentar <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger»<br />

(EA 11.7.1967).<br />

Die Nationalratswahlen vom 29. Oktober 1967 fanden<br />

friedlich statt. Ein Novum war, dass die Katholisch-Konserva-


Das neue Oberstufenschulhaus «Furren» um 1970 (Foto Franz Kälin).<br />

tive Partei erstmals auf eine Teilnahme verzichtete! Grund war<br />

der, dass die liberale Partei mit dem schweizerischen Bauernpräsidenten<br />

Joach<strong>im</strong> Weber antrat, die Christlichsozialen mit<br />

dem bisherigen Karl Bachmann, und auch die Sozialdemokraten<br />

wiederum mit Josef Diethelm. Dafür stellten die Katholisch-Konservativen<br />

die beiden Ständeräte Heinrich Oechslin<br />

und Josef Ulrich (EA 5.9.1967, EA 31.10.1967).<br />

Am 10. November 1967 wurde in der Parteiversammlung der<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> über den Bau eines neuen Oberstufenschulhauses<br />

in der «Furren» beraten. Die Einsiedler St<strong>im</strong>mbürger st<strong>im</strong>mten<br />

dem Bau überraschend deutlich mit 1‘094 Ja gegen nur 331 Nein<br />

zu.<br />

Zufolge des Todes von Regierungsrat Meinrad Schuler (parteilos)<br />

fand am 14. Januar 1968 eine Regierungsratsersatzwahl<br />

statt. Im November 1967 wurde von der Kantonalpartei noch erwogen,<br />

einen sozialdemokratischen Kandidaten aus dem inneren<br />

Kantonsteil zu portieren. Sie nahm dann aber davon Abstand «<strong>im</strong><br />

Interesse einer konstruktiven Zusammenarbeit» (EA 14.11.1967,<br />

EA 15./19.12.1967).<br />

Ruhige Frühjahrswahlen 1968<br />

und ein engagierter Parteipräsident<br />

Am 30. März 1968 wurde die Generalversammlung <strong>im</strong> Hotel «St.<br />

Benedikt» durchgeführt. Anwesend waren 19 Mitglieder. Im <strong>Jahre</strong>sbericht<br />

kritisierte der Präsident, dass <strong>im</strong>mer dieselben Kollegen die<br />

Parteiversammlungen und -tagungen besuchen. «Auch die Nachwuchssorgen<br />

beschäftigen den Berichterstatter, denn gerade die Mutationstabelle<br />

unseres eifrigen und pflichtbewussten Kassiers zeigt<br />

uns, dass wir den Krebsgang angetreten haben und unsere schon<br />

kleine Schar <strong>im</strong>mer kleiner wird.»<br />

122<br />

Im Hinblick auf die Frühjahrswahlen <strong>im</strong> Kanton und <strong>Bezirk</strong><br />

wurde mit den Sektionspräsidenten des Gewerkschaftskartells<br />

<strong>Einsiedeln</strong> eine gemeinsame Sitzung abgehalten.<br />

Für die Kantonsratswahlen nominierte die Partei den<br />

bisherigen Amtsinhaber, Meinrad Fuchs-Marchetti, Zugführer,<br />

Fritz Dubs, Lokomotivführer, Gerhard Egli-Grätzer,<br />

Werkmeister, Karl Hensler, Maschinensetzer, Josef Iten-<br />

Bisig, Werkmeister, Karl Kuriger-Thalmann, Angestellter,<br />

und Meinrad <strong>Schönbächler</strong>, Willerzell. Der <strong>SP</strong>-Sitz<br />

konnte mit Kantonsrat Meinrad Fuchs gehalten werden<br />

(EA 30.4.1968). Die Regierungsratswahlen waren nicht<br />

umstritten. Regierungsrat Josef Diethelm wurde mit dem<br />

besten Resultat <strong>im</strong> Amt bestätigt (EA 30.4.1968).<br />

Für die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 5. Mai 1968 «wurde eine<br />

gemeinsame Liste mit den anderen Parteien beschlossen,<br />

nachdem diese lediglich die Wahrung ihres Besitzstandes<br />

forderten. (…) Die Sozialdemokratische Partei nominiert in<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat: Kantonsrat Meinrad Fuchs (bisher); in die<br />

Rechnungsprüfungskommission Josef Iten (bisher).» (EA<br />

30.4.1968).<br />

Die Wahlen verliefen in Minne und Meinrad Fuchs und<br />

Josef Iten wurden bestätigt (EA 7.5.1968). Die bisherigen Kommissionssitze<br />

blieben mit einer Ausnahme unverändert. Neu hatte Meinrad<br />

Fuchs auch noch Einsitz in die Finanz- und Steuerkommission<br />

(EA 4.6.1968).<br />

Im «Einsiedler Anzeiger» vom 6. Dezember 1968 war zu lesen,<br />

dass eine Studie das Bedürfnis für den Bau eines Alters- und Pflegehe<strong>im</strong>es<br />

bejaht hatte. «Es wurde nun unter dem Vorsitz von Ratsherr<br />

Meinrad Fuchs ein Unterausschuss gebildet, welcher der Kommission<br />

die notwendigen Arbeitsunterlagen beschaffen soll.» Der Parteipräsident<br />

war auch in dieser Sache an vorderster Front dabei! Damit<br />

hatte es aber noch nicht sein Bewenden. Er war auch noch Mitglied<br />

<strong>im</strong> 21köpfigen Pfarreiseelsorgerat (EA 2.5.1969) sowie <strong>im</strong> Initiativkomitee<br />

für eine Stiftung Friedhofkapelle aktiv (EA 13.5.1969) und amtete<br />

als Obmann des Bildungsausschusses des Gewerkschaftskartells<br />

(EA 23.5.1969).<br />

Seine Fortschrittlichkeit stellte er mit einem Vorstoss <strong>im</strong> Kantonsrat<br />

unter Beweis. Er verlangte eine Steuergesetzrevision, mit der das<br />

Einkommen einer in ungetrennter Ehe lebenden Ehefrau ohne Rücksicht<br />

auf den Güterstand separat zu besteuern wäre. «Seiner Ansicht<br />

nach würden vermehrt Frauen eine Arbeit aufnehmen, die durch den<br />

Frauenverdienst entstehenden hohen Einkommenssteuern meist abschrecken.»<br />

(EA 8.7.1969).<br />

Der erste sozialdemokratische Erziehungsrat,<br />

ein Gerichtssubstitut und eine politische<br />

Bankrotterklärung<br />

Das Jahr 1970 startete mit sozialdemokratischen Premièren.<br />

Am 21. Januar 1970 nahm mit Anton Holdener, Schübelbach,<br />

erstmals ein Sozialdemokrat als neugewähltes Mitglied des<br />

Erziehungsrates an dessen Sitzung teil. «Mit ihm ist nun auch


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Ansichts-/Werbekarte um 1910.<br />

Am 21. Februar 1969 wurde die Generalversammung der <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Hotel zum «Roten Ochsen» abgehalten. Angedacht<br />

waren Demissionen von Vorstandsmitgliedern, doch<br />

blieb es bei der bisherigen Zusammensetzung. In der Einladung<br />

wies der Präsident darauf hin, dass ein besonderes<br />

Augenmerk auf die Zugezogenen zu richten sei, «denn hier<br />

liegt noch Vieles <strong>im</strong> argen». Auch der persönlichen Werbung<br />

müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt und die Presse als<br />

Kommunikationsmittel verwendet werden. Die Generalversammlung<br />

war von 14 Mitgliedern besucht.<br />

Auch die Herbstversammlung am 28. November 1969 fand<br />

<strong>im</strong> «Roten Ochsen» statt.<br />

die Sozialdemokratische Partei in der obersten kantonalen<br />

Erziehungsbehörde vertreten und damit die Diskussion aller<br />

Schulprobleme auf breitester Basis gestellt.» (EA 3.2.1970).<br />

Anton Holdener nahm auch an der Generalversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 11. April 1970, welche diesmal <strong>im</strong> Gasthof<br />

«Drusberg» abgehalten wurde, teil. Anwesend waren 22<br />

Genossen. Präsident Meinrad Fuchs schrieb in seinem <strong>Jahre</strong>sbericht:<br />

«Eine unverkennbare Verknöcherung ist in vielen<br />

Belangen unseres politischen Lebens eingetreten. Konformismus<br />

<strong>im</strong> täglichen Leben, in unsern Gewohnheiten, ja in unserm<br />

Denken wird gross geschrieben. Jedes abwegige Verhalten<br />

(Nonkonformismus) wird abgelehnt. (…) Denkfaulheit<br />

und abgrundtiefe Dummheit beherrscht den Menschen in unserer<br />

materialistischen Welt. Das Gerechtigkeitsgefühl ist nur<br />

schwach entwickelt.» Des Weiteren kritisierte er erneut, «dass<br />

wir uns <strong>im</strong>mer wieder auf ausgetretenen Pfaden bewegen und<br />

uns vom Prestige einzelner Männer, die für unsere Parteiarbeit<br />

fast unentbehrlich geworden sind, leiten lassen, ohne neue<br />

Wege zu suchen. Das Grundübel dieser Haltung ist, dass sich<br />

zu wenig Freunde unserer Sache finden lassen und dass die<br />

Parteiarbeit nur auf den Schultern von 3-4 Mann beschränkt<br />

ist, die in der Regel bereits schon durch Beruf und Tätigkeit<br />

in Behörde, Vereinen belastet sind und daher nicht genügend<br />

Zeit finden, sich den Problemen einer fruchtbaren Parteiarbeit<br />

zu widmen.» Die Zusammensetzung des Vorstandes blieb<br />

unverändert.<br />

Frohe Kunde erreichte die Partei aus der Versammlung der<br />

Konservativen Volkspartei, welche die Maiwahlen behandelte:<br />

«Im Verhältnis zu den andern Parteien wurde eine einzige<br />

Aenderung vorgenommen, indem Gerichtssubstitut Armin Kälin,<br />

Euthal, der seine Demission eingereicht hatte, nicht mehr<br />

durch unsere Partei ersetzt wird. Schon seit <strong>Jahre</strong>n hatte die<br />

Sozialdemokratische Partei die Ueberlassung eines Mandates<br />

<strong>im</strong> Gericht gewünscht. Trotzdem der Anspruch <strong>im</strong> Prinzip nie<br />

bestritten wurde, konnte das Begehren nie erfüllt werden, weil<br />

keine geeigneten Demissionen vorlagen. Heute schien nun der<br />

Zeitpunkt gekommen, die Sache zu bereinigen. Die Konservative<br />

Partei wird in Zukunft <strong>im</strong> Gericht sieben Mandate besetzen,<br />

die Liberale Partei deren vier, die Christlichsozialen drei<br />

und die Sozialdemokraten eines.» (EA 24.4.1970).<br />

Am 3. Mai 1970 fanden friedliche <strong>Bezirk</strong>swahlen statt. Es<br />

gab einen gemeinsamen Wahlvorschlag der Konservativen<br />

Volkspartei, der Fortschrittlich-Demokratischen Partei, der<br />

Christlichsozialen Partei und der Sozialdemokratischen Partei.<br />

«Von der Sozialdemokratischen Partei wird in der Person<br />

von Gerhard Egli-Grätzer erstmals ein Gerichtssubstitut portiert,<br />

während in die Rechnungsprüfungskommission neu<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong>, Etzelstrasse, Einzug hält.» (EA 1.5.1970).<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs war gesetzt. Alle Vorgeschlagenen<br />

wurden ehrenvoll gewählt (EA 5.5.1970).<br />

In den bezirksrätlichen Kommissionen gab es keine Veränderungen,<br />

abgesehen von <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs, der<br />

123


neu auch noch in die Krankenhaus-Kommission für Trägerverband/Zweckverband<br />

gewählt wurde (EA 29.5.1970).<br />

Der Frühjahrs-Parteitag der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz wurde am<br />

9. Mai 1971 in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» abgehalten.<br />

Leider war er von den Einsiedler Parte<strong>im</strong>itgliedern «äusserst<br />

schwach besucht, was sicher keinen glänzenden Eindruck<br />

hinterliess.»<br />

Die nächsten Parteiversammlungen am 29. August und 22.<br />

September 1970 waren ebenfalls schlecht besucht. Traktandiert<br />

waren an letzterer die Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 27.<br />

September 1970. Man<br />

sprach sich unter anderem<br />

einst<strong>im</strong>mig für die<br />

Annahme der Initiative<br />

«Recht auf Wohnung» sowie<br />

den Verfassungsartikel<br />

über Turnen und Sport<br />

aus (EA 25.9.1970).<br />

Eine wichtige poli-<br />

Gerhard Egli (1931-2017), 1970<br />

erster Gerichtssubstitut der <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong>, 1976-1992 erster <strong>SP</strong>-<br />

<strong>Bezirk</strong>srichter.<br />

tische Weichenstellung,<br />

welche langfristige Auswirkungen<br />

zeitigen sollte, war<br />

die Gründung der Schwyzer<br />

CVP am 27. November<br />

1971 <strong>im</strong> «Gesellenhaus»<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>. Die Katholisch-Konservative<br />

Volkspartei<br />

und die Christlichsoziale<br />

Volkspartei des<br />

Kantons Schwyz lösten<br />

sich in der Folge auf (EA<br />

26./30.11.1971). Dies geschah<br />

auf gleiche Weise auch auf <strong>Bezirk</strong>sebene: Am 7. Februar<br />

1972 entschwanden die Katholisch-Konservativen und die<br />

Christlichsozialen in die Christlich-demokratische Volkspartei<br />

des <strong>Bezirk</strong>s <strong>Einsiedeln</strong> (EA 4./8.2.1972). Der von diesen beiden<br />

Parteien über Jahrzehnte fast mit Fanatismus gepflegte<br />

Katholizismus war bankrott! «Die neue Partei (…) wird es sich<br />

besonders angelegen sein lassen, zu sehen, dass sie die konfessionelle<br />

Enge, aus der heraus keine moderne Staatspolitik<br />

betrieben werden kann, überwindet.» liess sich der damalige<br />

Präsident der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei der<br />

Schweiz zitieren (EA 2.10.1970).<br />

Mittel- und langfristig sollte damit das durch die schleichende<br />

Aufgabe der rechten Flanke und der fortschreitenden<br />

Erosion der religiösen Einstellung einhergehende politische<br />

Vakuum anderweitige Wortführer finden. Diesbezüglich wegweisend<br />

war letztlich die praktisch zeitgleich erfolgte Gründung<br />

der Kantonal-Schwyzerischen Volkspartei (BGB) am<br />

8. April 1972 in Sattel (EA 7./14.4.1972). «Der BGB kann man<br />

nur den Charakter einer Splittergruppe Unzufriedener zuerkennen,<br />

die sich auf die Dauer kaum halten dürfte.» war der sich<br />

als Fehleinschätzung erweisende Kommentar <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» (EA 28.4.1972).<br />

Endlich: das Frauenst<strong>im</strong>mrecht, Land für<br />

ein neues Altershe<strong>im</strong> und eine verjüngte<br />

Parteileitung<br />

Der 7. Februar 1971 war ein geschichtsträchtiger Tag. Das<br />

Schweizervolk nahm <strong>im</strong> zweiten Anlauf das Frauenst<strong>im</strong>m- und<br />

-wahlrecht auf eidgenössischer Ebene <strong>im</strong> Verhältnis 2:1 an.<br />

Sowohl der Kanton Schwyz als auch der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

wollten von diesem aber noch nichts wissen, obwohl sich<br />

auch ein Schwyzerisches Aktionskomitee für dieses eingesetzt<br />

hatte (EA 9.2.1971). Im Kanton herrschte <strong>im</strong>mer noch die<br />

Meinung vor: «Die Frauen wollen das St<strong>im</strong>mrecht gar nicht!<br />

(…) Es fehlt den Frauen an politischem Interesse. (…) Politik<br />

ist Männersache.» (EA 22.1.1971). Oder: «Durch das Frauenst<strong>im</strong>mrecht<br />

wird nichts Wesentliches geändert; es lohnt sich<br />

nicht, es einzuführen. (…) Die Gleichberechtigung wirkt sich für<br />

die Frauen negativ aus, nämlich als eine Mehrbelastung. (…)<br />

Die Schweiz steht zivilrechtlich so gut, dass sich das St<strong>im</strong>mrecht<br />

erübrigt. (…) Die Hauptaufgabe der Frau besteht darin,<br />

Gattin und Mutter zu sein.» (EA 2.2.1971).<br />

Dass die Sozialdemokraten das Frauenst<strong>im</strong>m- und -wahlrecht<br />

stützten war klar (EA 22.1.1971). Auch die Einsiedler Genossen<br />

standen dem seit Jahrzehnten postulierten Begehren<br />

an ihrer beratenden Parteiversammlung vom 25. Januar 1971<br />

<strong>im</strong> Hotel «Rot-Kreuz» positiv gegenüber.<br />

Am 7. Februar 1971 st<strong>im</strong>mte <strong>Einsiedeln</strong> aber <strong>im</strong>merhin<br />

weitsichtig für die Abgabe eines Teils der Liegenschaft «Gerbe»<br />

<strong>im</strong> Baurecht an das Initiativkomitee für ein «Altershe<strong>im</strong> <strong>Einsiedeln</strong>»<br />

(EA 9.2.1971). Treibende Kraft und dessen Präsident<br />

war <strong>Bezirk</strong>srat und Kantonsrat Meinrad Fuchs, «der sich als<br />

Präsident der bezirksrätlichen Fürsorgekommission schon seit<br />

<strong>Jahre</strong>n vor allem der sozialen und humanitären Aufgaben in<br />

unserm <strong>Bezirk</strong> mit grosser Hingabe ann<strong>im</strong>mt.» (EA 29.9.1970).<br />

Er amtierte dann auch als erster Präsident der gegründeten<br />

Genossenschaft für Alterssiedlungen (EA 25.2.1972).<br />

An der Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 17. April<br />

1971 <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» konnte Regierungsrat Josef Diethelm<br />

begrüsst werden. Es waren 24 Genossen anwesend. Ein Protokoll<br />

existiert nicht. Die Parteileitung konnte jedoch in neue, verjüngte<br />

Hände gelegt werden! Neuer Parteipräsident wurde Josef<br />

Kälin, neuer Vizepräsident Karl Hensler. Aktuar Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

sen. und Kassier Josef Iten blieben <strong>im</strong> Amt und Meinrad<br />

Fuchs wurde Beisitzer, zusammen mit Karl Kuriger und Josef<br />

<strong>Schönbächler</strong> jun.<br />

Am 28. Mai 1971 hielt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> noch eine Parteiversammlung<br />

ab, deren Traktanden aber nicht bekannt sind.<br />

Die kommenden Nationalratswahlen warfen aber bereits<br />

ihre Schatten voraus. «Anlässlich ihrer Delegiertenversammlung<br />

in Rothenthurm, an der auch einzelne Frauen teilnahmen,<br />

124


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Josef Kälin («Chnödis»)<br />

wurde am 4. März 1945<br />

geboren. Er machte<br />

die Schriftsetzer-Lehre<br />

bei der Firma Benziger,<br />

arbeitete zwischenzeitlich<br />

in Zürich und dann<br />

wieder bei Etzel-Druck<br />

AG in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Er war Mitglied in der<br />

«Typographia», kam<br />

1968 als Delegierter in<br />

Kontakt mit der Einsiedler<br />

Partei und blieb «hängen».<br />

Von 1971-1975<br />

war er Parteipräsident in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Daneben war er auch noch Aktuar der Schwyzer<br />

Kantonalpartei, Präsident der «Typographia», des Eishockeyclubs<br />

<strong>Einsiedeln</strong> und des Hauspflegevereins.<br />

1976-1980 wurde er vollamtlicher Sekretär der Aargauer<br />

<strong>SP</strong>-Kantonalpartei. 10 <strong>Jahre</strong> lang war er auch <strong>im</strong> Aarauer<br />

Einwohnerrat und Fraktionschef.<br />

Ab 1980 bis zur Pensionierung war er in der Verlagsbranche<br />

tätig und zuletzt Leiter des Kaufmännischen Verlages.<br />

Heute lebt er <strong>im</strong> Tessin.<br />

stellt die Sozialdemokratische Partei des Kantons Schwyz<br />

erneut ihren bisherigen Nationalrat Josef Diethelm, Siebnen,<br />

als Kandidaten für die Ausmarchung <strong>im</strong> Herbst auf.» (EA<br />

22.6.1971).<br />

Gleichzeitig und wahlkampfwirksam wurde <strong>im</strong> September<br />

1971 die Steuergesetz-Initiative eingereicht, mit welcher eine<br />

soziale Revision des Steuergesetzes verlangt wurde<br />

(EA 16.7.1971, EA 7.9.1971).<br />

Es kam indessen nicht zu einem Kampf bei den<br />

Wahlen in die eidgenössischen Behörden. «Schwyzer<br />

Wahlabkommen ist perfekt.» konnte der «Einsiedler<br />

Anzeiger» am 21. September 1971 verkünden.<br />

Die Liberale Volkspartei, die Sozialdemokratische<br />

Partei und die Christlichsoziale Partei stellten eine<br />

Wahlliste mit je einem Kandidaten auf. Bemerkenswert<br />

waren die Christlichsozialen, die mit Elisabeth<br />

Blunschy die erste Frau portierten! Die Konservative<br />

Volkspartei beanspruchte wiederum die beiden<br />

Ständeratsmandate (EA 21.9.1971).<br />

«Werden Frauen in den Nationalrat einziehen?<br />

Die Wählerschaft, die an den kommenden Nationalratswahlen<br />

teiln<strong>im</strong>mt, ist zu etwa 60 Prozent eine<br />

andere als vor vier <strong>Jahre</strong>n. - Die Frauen, die etwas<br />

mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen,<br />

werden erstmals zur Urne gehen. Dazu kommen die<br />

125<br />

jungen Männer von 20 bis 24 <strong>Jahre</strong>n, die letztesmal noch nicht<br />

wahlberechtigt waren. (…) In der ganzen Schweiz werden 268<br />

Frauen als Kandidatinnen für den Nationalrat aufgestellt, eine<br />

davon aus dem Kanton Schwyz.» (EA 26.10.1971).<br />

Das Wahlergebnis war für die Christlichsozialen phänomenal.<br />

Elisabeth Blunschy überflügelte sogar Josef Diethelm,<br />

der selber mit einem sehr guten Resultat wiedergewählt wurde<br />

(EA 2.11.1971). «Wir zweifelten nie an der Wahl von Frau<br />

Blunschy, trotz der paradoxen Situation, die wir momentan <strong>im</strong><br />

Kanton Schwyz haben, indem die Frauen heute weder das<br />

St<strong>im</strong>m- noch das Wahlrecht in Gemeinde-, <strong>Bezirk</strong>s- und Kantonssachen<br />

in unserem Lande Schwyz haben.» Das Störmanöver<br />

einer vierten Liste, einem überparteilichen Komitee «Wir<br />

wollen wählen», blieb wirkungslos.<br />

Die erste Kantonsratskandidatin und<br />

Meinrad Fuchs <strong>Bezirk</strong>sammann!<br />

Nachdem das Frauenst<strong>im</strong>m- und -wahlrecht auf eidgenössischer<br />

Ebene 1971 seinen Durchbruch feiern konnte, geschah<br />

dies in der Folge auch <strong>im</strong> Kanton Schwyz am 5. März<br />

1972 (EA 7.3.1972). Die Schwyzer gewährten ihren Frauen nun<br />

ebenfalls das St<strong>im</strong>m- und Wahlrecht!<br />

Die Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 11. März<br />

1972 wurde zum ersten Mal <strong>im</strong> Hotel-Restaurant «Waldstatt»<br />

abgehalten. Ein Protokoll existiert nicht. Der Vorstand blieb<br />

aber unverändert.<br />

Erneut standen Kantonsratswahlen an. «Die Zusammenstellung<br />

der Kandidatenliste für die Kantonsratswahlen war mit<br />

Schwierigkeiten verbunden.», las man <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong>sbericht 1972.<br />

Im Pressebericht kam dies aber nicht zum Ausdruck: «Die <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> bereinigte anlässlich ihrer Versammlung die Kandidatenliste<br />

für die Kantonsratswahlen vom 30. April 1972. Die<br />

Ein Zeitdokument: <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad Fuchs, Präsident der<br />

Fürsorgekommission, eröffnet den Tag der offenen Tür <strong>im</strong> umgebauten<br />

Altershe<strong>im</strong> Langrüti (EA 18.2.1972).


Das Besondere an dieser Kantonsratswahlliste<br />

war, dass mit Berta Egli-Grätzer<br />

erstmals eine Frau für die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

kandidierte!<br />

Der bisherige Kantonsrat Meinrad Fuchs<br />

wurde aber mit einem Spitzenresultat<br />

<strong>im</strong> Amt bestätigt. Die Partei konnte ihren<br />

Wähleranteil auf 14.3% steigern (EA<br />

2.5.1972).<br />

Auch Regierungsrat Josef Diethelm<br />

schaffte die Wiederwahl mit einem<br />

Glanzresultat (EA 2.5.1972).<br />

Erste Kantonsratskandidatin der <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong>: Berta Egli-Grätzer (1934-2012).<br />

folgenden Kandidaten werden zur Wahl vorgeschlagen: Meinrad<br />

Fuchs-Marchetti, 1915, Zugführer (bisher); Fritz Dubs-Hegetschweiler,<br />

1930, Lok-Führer SOB; Berta Egli-Grätzer, 1934,<br />

Textilwarenmarkt Gotthard; Karl Hensler-Nussbaumer, 1943,<br />

Maschinensetzer; Josef Kälin-Pidoux, 1945, Vertriebsleiter.<br />

Als Vertreter der Arbeiter, Angestellten und des Kleingewerbes<br />

bilden diese Kandidaten eine echte Alternative zu den Listen<br />

der beiden Ortsparteien.» (EA 7.4.1972).<br />

Die anschliessenden <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 14. Mai 1972<br />

kommentierte Parteipräsident Josef Kälin in seinem <strong>Jahre</strong>sbericht<br />

wie folgt: «Die Wahlen in den <strong>Bezirk</strong>srat waren eine<br />

verworrene Angelegenheit.» Verworren war die Situation darum,<br />

weil die Verhandlungen zwischen den Parteien und insbesondere<br />

mit der Liberalen Partei negativ verliefen. «Ihre Vertreter<br />

verlangten vehement einen zusätzlichen Sitz, also somit<br />

5 Sitze <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat, ansonsten sie sich aus dem <strong>Bezirk</strong>srat<br />

und aus sämtlichen Kommissionen demonstrativ zurückziehen<br />

würde, somit sich also jeglicher Mitarbeit und Verantwortung<br />

entziehen. Am 13./14. Mai wird es also zu Kampfwahlen<br />

kommen.» (EA 9.5.1972).<br />

Es kam in der Folge zu einem gemeinsamen Wahlvorschlag<br />

von CVP und <strong>SP</strong>. Mit auf der Liste: <strong>Bezirk</strong>srat Meinrad<br />

Fuchs und Josef <strong>Schönbächler</strong> für die Rechnungsprüfungskommission<br />

(EA 12.5.1972). Die Linie des <strong>Bezirk</strong>sammanns<br />

auf dem Wahlvorschlag blieb leer.<br />

Meinrad Fuchs wurde <strong>im</strong> ersten Wahlgang ehrenvoll als<br />

<strong>Bezirk</strong>srat gewählt und verpasste die Mehrheit für das Amt<br />

des <strong>Bezirk</strong>sammanns nur knapp, obwohl gar keine offizielle<br />

Kandidatur seinerseits vorlag (EA 16.5.1972).<br />

In den Nachwahlen vom 4. Juni 1972 mussten der <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

und vier <strong>Bezirk</strong>sräte best<strong>im</strong>mt werden. In den<br />

gemeinsamen Verhandlungen der drei Parteien am 29. Mai<br />

1972 <strong>im</strong> Hotel «Bären» wurde vereinbart, dass Meinrad Fuchs<br />

als <strong>Bezirk</strong>sammann antritt und nach einer Amtsperiode von<br />

126<br />

zwei <strong>Jahre</strong>n zurücktritt, danach hätte die Liberale Partei Anspruch<br />

auf das <strong>Bezirk</strong>sammann-Mandat. «Sollten bei den<br />

Kantonsratswahlen vom <strong>Jahre</strong> 1976 die gleichen prozentualen<br />

Parteist<strong>im</strong>men erzielt werden, so tritt die CVP je 1 Sitz<br />

den Liberalen und den Sozialdemokraten ab. Im übrigen wird<br />

1976 der freiwillige Proporz zur Anwendung kommen.» (EA<br />

30.5.1972). Die Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wurde erst <strong>im</strong><br />

Nachhinein ihres fehlenden Selbstbewusstseins gewahr und<br />

dass sie über den Tisch gezogen wurde (warum soll Meinrad<br />

Fuchs bereits nach zwei <strong>Jahre</strong>n als <strong>Bezirk</strong>sammann abtreten?)<br />

und widerrief die Vereinbarung am nächsten Morgen (EA<br />

30.5.1972). Dies auf direkte Intervention von Meinrad Fuchs,<br />

«da ich mich mit der in ult<strong>im</strong>ativer Form gehaltenen Formulierung<br />

der Amtszeitbeschränkung nicht einverstanden erklärte<br />

(…). Um eine Konstanz in der Amtsführung zu gewährleisten<br />

und best<strong>im</strong>mte Vorstellungen meinerseits betr. Arbeitseinteilung<br />

durchzuführen, bedarf es einer Anlauf- und Ausführungszeit,<br />

welche 2 <strong>Jahre</strong> sicher übersteigen wird.<br />

Da meine best<strong>im</strong>mten Ansichten dieser Forderung<br />

zuwiderlaufen, erklärte ich Rückzug<br />

von der gemeinsamen Erklärung, und dies<br />

wurde von meiner Partei auch sanktioniert.<br />

Inzwischen wurden die Verhandlungen mit<br />

der Liberalen Partei nochmals aufgenommen<br />

und ein Formulierungstext vereinbart,<br />

der nun beiden Parteien entgegenkommt.<br />

Somit ist der Weg für friedliche Wahlen offen<br />

(…).» (EA 2.6.1972).<br />

«Mitgliederversammlung und Vorstand<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> befassten sich eingehend<br />

mit der Situation <strong>im</strong> Hinblick auf die Nachwahlen<br />

vom kommenden Wochenende.<br />

Nachdem unser Anspruch auf den Sitz des<br />

<strong>Bezirk</strong>sammanns von keiner Seite bestritten<br />

wird und die Möglichkeit einer zweiten<br />

zweijährigen Amtsperiode wieder offen ist, sind wir bereit, der<br />

gemeinsamen Regelung zuzust<strong>im</strong>men. Wir bitten darum alle<br />

St<strong>im</strong>mbürgerinnen und St<strong>im</strong>mbürger, den Kandidaten der gemeinsamen<br />

Liste mit MEINRAD FUCHS als <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

das Vertrauen zu schenken und zahlreich am Urnengang teilzunehmen.<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.» (EA 2.6.1972).<br />

Am 4. Juni 1972 wurde der Sozialdemokrat Meinrad<br />

Fuchs mit einer überragenden St<strong>im</strong>menzahl von 1‘597 zum<br />

<strong>Bezirk</strong>sammann gewählt.<br />

Der Parteipräsident äusserte sich in seinem <strong>Jahre</strong>sbericht<br />

dennoch selbstkritisch: «Vor den <strong>Bezirk</strong>sratswahlen und bei<br />

den Verhandlungen mit den andern Parteien wirkte sich das<br />

Fehlen eines taktischen Konzeptes und das Abweichen vom<br />

Verhandlungsziel nachteilig aus. Lehrgeld musste bezahlt werden.»<br />

Im zweiten Wahlgang hatte die Partei auch mit dem Gedanken<br />

gespielt, die Gunst der Stunde zu nutzen und mit Karl<br />

Hensler einen zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitz zu erobern. Die Idee


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

gedieh so weit, dass sämtliche Drucksachen bereits für den<br />

Versand vorlagen. Um jedoch die Wahl von Meinrad Fuchs<br />

als <strong>Bezirk</strong>sammann <strong>im</strong> zweiten Wahlgang nicht zu gefährden,<br />

liess die Partei von diesem Vorhaben ab – und stampfte die<br />

noch nach Druckerfarbe riechende Wahlpropaganda ein.<br />

Bei der Besetzung der <strong>Bezirk</strong>skommissionen konnte<br />

die Partei mit Willi Suter einen zweiten Schulrat stellen und<br />

– fast erdrutschartig – in weitere Kommissionen Einsitz nehmen:<br />

Karl Hensler<br />

in der Gesundheitskommission,<br />

Fritz Dubs in der<br />

B aukommission<br />

und in der Wasser<br />

versorgungs -<br />

kommission, und<br />

<strong>Bezirk</strong>sammann<br />

Meinrad Fuchs zusätzlich<br />

zu seinen<br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom<br />

16. März 1973.<br />

bisherigen Komm<br />

i s s i o n s s i t z e n<br />

noch in die Pastorationskommission<br />

(Präsidium) und in<br />

Für Aufsehen sorgte die Partei mit die Kommission<br />

ihrer Aktion, be<strong>im</strong> Ausfüllen der Vorberatung Probleme<br />

und Projekte<br />

Steuererklärung behilflich zu sein!<br />

«Sie fand regen Zuspruch, war aber (EA 27.6.1972).<br />

sehr arbeitsaufwendig und muss <strong>im</strong> Das Hochgefühl<br />

bewirkte dann<br />

Wiederholungsfall anders organisiert<br />

werden.», so der Präsident in aber leider keine<br />

seinem <strong>Jahre</strong>sbericht.<br />

bessere Präsenz<br />

an der Parteiversammlung<br />

vom 18. Juli 1972 <strong>im</strong> «National», zu der bloss zehn Anwesende<br />

erschienen waren. Offenbar waren der Parteiaktivitäten<br />

zu viel: «Unsere Sektion war <strong>im</strong> Berichtsjahr überaus<br />

aktiv. 10 Vorstandssitzungen, 8 Versammlungen und Zusammenkünfte<br />

sowie 2 öffentliche Veranstaltungen legen<br />

davon Zeugnis ab.»<br />

Für die Vorstandssitzung vom 6. November 1972 legte<br />

Parteipräsident Josef Kälin verschiedene «Ideenskizzen»<br />

für Vorstösse, Eingaben oder andere Aktivitäten der Partei<br />

vor: Durchführung eines Lottos zur Sanierung der Parteifinanzen,<br />

Untätigkeit von gewissen bezirksrätlichen Kommissionen,<br />

ärztliche Versorgung des <strong>Bezirk</strong>s, Standorte<br />

der Abst<strong>im</strong>mungsurnen und Umfahrungsstrasse.<br />

Trotz des Zwists mit den Liberalen führte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>im</strong> November 1972 mit diesen eine gemeinsame<br />

öffentliche Orientierungsversammlung über das Abkommen<br />

der Schweiz mit der EWG, die 8. AHV-Revision sowie<br />

das Kinderzulagengesetz durch (EA 21.11.1972).<br />

127<br />

Brand des Spitals und eine<br />

neue Generation übern<strong>im</strong>mt<br />

Die Generalversammlung vom 30. März 1973 war mit 34 Anwesenden<br />

sehr gut besucht. Der Mitgliederbestand betrug mittlerweilen<br />

54. Die Parteileitung blieb unverändert.<br />

Fritz Dubs konnte als Vertreter der Mieter in die neu geschaffene<br />

Mieter-Schlichterstelle Einsitz nehmen (EA 13.3.1973).<br />

Am 8. Juni 1973 war <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu lesen:<br />

«Kantonsrat Meinrad Fuchs, <strong>Einsiedeln</strong>, hat dem Regierungsrat<br />

mitgeteilt, dass er auf den 1. Juli 1973 wegen starker Belastung<br />

durch seine übrigen amtlichen und seine beruflichen Aufgaben<br />

aus dem Kantonsrat ausscheiden werde. Der Regierungsrat hat<br />

gemäss dem Kantonsratswahlgesetz Fritz Dubs, Lokomotivführer,<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, als zum Nachfolger des Demissionärs gewählt<br />

erklärt.» Meinrad Fuchs hatte dies der Parteileitung bereits am<br />

<strong>Jahre</strong>sende angekündigt. Gleichzeitig hatte er auch mitgeteilt,<br />

dass er <strong>im</strong> kommenden Frühjahr 1974 aus gesundheitlichen<br />

Gründen weder als <strong>Bezirk</strong>sammann noch als <strong>Bezirk</strong>srat wieder<br />

kandidieren werde.<br />

Nach dem Brand des Spitals am 7. Mai 1973 erteilte der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

bereits <strong>im</strong> Juli 1973 eine vorzeitige Baubewilligung für<br />

ein Notspital auf dem Areal des «Einsiedlerhofes» (EA 10.7.1973).<br />

Das Vorgehen erregte <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> offenbar die Gemüter. Die <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> nahm dazu wie folgt Stellung: «Planung und Arbeitsvergebung<br />

des Notspitals geben Anlass zu heftigen Diskussionen.<br />

In Anbetracht der gegenwärtigen Notsituation muss es<br />

Zweck und Ziel aller behördlichen Bestrebungen sein, die spitalärztliche<br />

Versorgung von <strong>Einsiedeln</strong> und Umgebung innert<br />

kürzester Frist zu gewährleisten. (…) Kleinliche Diskussionen um<br />

Verfahrensfragen, die materiell nichts ändern können, sind unserer<br />

Meinung nach <strong>im</strong> gegenwärtigen Zeitpunkt fehl am Platz.<br />

Am 9. Mai 1973 brannte das Spital <strong>Einsiedeln</strong>. Schuld war eine<br />

brennende Kerze <strong>im</strong> Z<strong>im</strong>mer einer Schwester (Foto Franz Kälin).


Das rasche, zielstrebige Handeln der <strong>Bezirk</strong>sbehörden (…) unterstützen<br />

wir voll und ganz.» (EA 20.7.1973).<br />

«Die Monatsversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> befasste sich<br />

auch mit der zweiten Abst<strong>im</strong>mungsvorlage. (…) Im Interesse<br />

der schulpflichtigen Kinder unterstützen wir die Krediterteilung<br />

für diese Schulpavillons als momentan einzige realistische und<br />

ausführbare Möglichkeit und bitten Sie, auch dieser Vorlage<br />

zuzust<strong>im</strong>men. Pressedienst <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.» (EA 20.7.1973).<br />

Am 21. November 1973 versammelten sich die Sozialdemokraten<br />

<strong>im</strong> Hotel «St. Georg» zur Orientierung über die zur<br />

Abst<strong>im</strong>mung gelangenden eidgenössischen und kantonalen<br />

Vorlagen. <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad Fuchs erläuterte die <strong>Bezirk</strong>svorlagen,<br />

insbesondere die Neuregelung der Pastorationsverhältnisse,<br />

deren Annahme er empfahl. «In Anbetracht<br />

der zum Teil stark auseinandergehenden Meinungen wird dem<br />

Antrag auf St<strong>im</strong>mfreigabe mehrheitlich zugest<strong>im</strong>mt. Zum Abschluss<br />

der Versammlung orientiert der Parteipräsident über<br />

den Start zur Unterschriftensammlung für die Reichtumssteuer-Initiative<br />

und die wichtige Neustrukturierung der Kantonalpartei.»<br />

(EA 27.11.1973).<br />

Am 25. November 1973<br />

fand <strong>im</strong> Gemeindesaal eine<br />

öffentliche Orientierungsversammlung<br />

zum Stand<br />

und zur Planung der Alterssiedlung<br />

«Gerbe» statt. Es<br />

referierten <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

Meinrad Fuchs, Präsident<br />

der Genossenschaft, und<br />

<strong>SP</strong>-Regierungsrat Josef<br />

Diethelm als Präsident der<br />

Stiftung «Für das Alter»<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz (EA<br />

23.11.1973).<br />

Im Februar 1974 wurde<br />

der Rücktritt von <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

Meinrad Fuchs<br />

publik, mutmasslich nach<br />

der Parteiversammlung<br />

vom 5. Februar 1974 (EA<br />

12.2.1974). Am 22. Februar<br />

1974 fand bereits eine<br />

Karl Hensler («Nasli») wurde am 11. Februar 1943 an<br />

der Grotzenmühlestrasse in <strong>Einsiedeln</strong> geboren. Nach<br />

der Volksschule erlernte er den Beruf des Schriftsetzers,<br />

zuerst in der Buchdruckerei Gebr. Eberle, später<br />

bei der Etzel-Druck AG. Anschliessend machte er<br />

eine Weiterbildung als Maschinensetzer. In Zürich arbeitete<br />

er bei der Genossenschaftsdruckerei Zürich<br />

und war stellvertretender Abteilungsleiter. Als aktiver<br />

Gewerkschafter in der «Typographia» trat er bereits<br />

1965 in die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ein. Von 1974-1990 war er<br />

<strong>Bezirk</strong>srat und von 1976-1980 auch Parteipräsident.<br />

1988 wurde er zum ersten He<strong>im</strong>leiter für das Altersund<br />

Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti gewählt, welches er bis zu<br />

seiner Pensionierung leitete.<br />

Karl Hensler ist seit 1961 Mitglied <strong>im</strong> Turnverein <strong>Einsiedeln</strong><br />

STV. 1966 verheiratete er sich mit Margrith<br />

Nussbaumer. Ihrer Ehe entstammen zwei Mädchen<br />

und ein Sohn.<br />

128<br />

weitere Parteiversammlung, diesmal <strong>im</strong> Hotel «National» statt,<br />

welche der Vorbereitung der Generalversammlung, den Wahlen<br />

und der Beratung der Statuten galt.<br />

Die Partei lud am 2. März 1974 zur Generalversammlung<br />

in das Hotel «St. Georg». Es nahmen 33 Mitglieder teil, unter<br />

diesen acht Frauen. «Zur Pflege der Geselligkeit wurde die Bewilligung<br />

für Verlängerung bis 2 Uhr eingeholt.» Im Zentrum<br />

stand die Beratung der neuen Statuten, welche Neustrukturierungen<br />

beinhaltete und Aufgaben sowie Verantwortlichkeiten<br />

neu und klarer regelte. «Nach den anschliessenden Neuwahlen<br />

sieht die Parteileitung wie folgt aus: Präsident Josef<br />

Kälin, Vizepräsident Karl Hensler, Kassier Martin Kälin, Organisator<br />

Jakob Wirth, Administrator und Sekretariat Ursula Dubs<br />

und Agnes Suter, Presse Josef <strong>Schönbächler</strong>. Der Parteipräsident<br />

orientierte über die Situation <strong>im</strong> Hinblick auf die Frühjahreswahlen.<br />

Dem demissionierenden <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad<br />

Fuchs dankte er für seinen Einsatz und seine Arbeit <strong>im</strong> Dienste<br />

der Oeffentlichkeit. Aus der Versammlungsmitte wurde erneut<br />

mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, dass der berechtigte<br />

Anspruch der Sozialdemokraten auf einen zweiten Sitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

nach wie vor offen ist. Im weitern wurde angeregt, dass<br />

die <strong>Bezirk</strong>sratskandidaten aller Parteien in einer gemeinsamen<br />

öffentlichen Veranstaltung den Wählern vorgestellt werden.»<br />

(EA 12.3.1974).<br />

Eine neue, junge Generation, unter dieser erfreulicherweise<br />

auch zwei Frauen, hatte damit das Partei-Ruder<br />

übernommen!<br />

Diese agierte zunächst aber etwas umständlich. Zum einen<br />

befasste sich eine ausserordentliche Generalversammlung<br />

vom 16. April 1974 mit dem Traktandum <strong>Bezirk</strong>swahlen,<br />

zum anderen auch die Parteileitung an insgesamt sechs (!)<br />

Sitzungen zwischen 22. April und 1. Oktober 1974 betreffend<br />

die Kommissionen.<br />

Für die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 26. April 1974 konnten sich die<br />

CVP, Jung CVP, die LVP und die <strong>SP</strong> auf einen gemeinsamen<br />

Wahlvorschlag einigen. «Die Partei hatte mit der Auswahl ihres<br />

Kandidaten für den <strong>Bezirk</strong>srat eine schwierige Aufgabe zu lösen,<br />

hatte sie doch den Ersatz für den nach 20 <strong>Jahre</strong>n Amtstätigkeit<br />

aus Gesundheitsgründen zurücktretenden, allseits<br />

beliebten und geachteten <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad Fuchs zu


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

An der Parteiversammlung vom<br />

15. Oktober 1974 wurde über die<br />

eidgenössischen und kantonalen<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 20. Oktober<br />

1974 orientiert. Zur Überfremdungsinitiative<br />

der Nationalen Aktion<br />

wurde die Nein-Parole gefasst (EA<br />

11./18.10.1974). Damit wurde die Haltung<br />

der Kantonalpartei und des kantonalen<br />

Gewerkschaftskartells übernommen.<br />

«Wenn auch die Meinung<br />

zum Ausdruck kam, dass die Fremdarbeiterfrage<br />

ein Problem ist, das<br />

endlich wirksam angepackt werden<br />

muss, so überwog doch die Ansicht,<br />

dass die Initiative der Nationalen Aktion<br />

kaum ein taugliches Mittel dazu<br />

ist, stehen ihr doch weder Vernunft,<br />

noch Menschlichkeit zu Gevatter.»<br />

(EA 15.10.1974).<br />

erklären. Die Versammlung<br />

schloss<br />

sich dem Vorschlag<br />

der Parteileitung<br />

einst<strong>im</strong>mig<br />

an und portiert als<br />

künftigen, leider<br />

einzigen <strong>SP</strong>-Vertreter<br />

in den <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Karl Hensler,<br />

Maschinensetzer<br />

(…). Josef <strong>Schönbächler</strong>,<br />

Buchhalter,<br />

wird die <strong>SP</strong> für<br />

weitere 2 <strong>Jahre</strong> in<br />

der Rechnungsprüfungskommission<br />

vertreten.» (EA<br />

19.4.1973).<br />

Beide <strong>SP</strong>-Kandidaten<br />

wurden problemlos<br />

gewählt.<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

erzielte gar das<br />

beste Resultat aller<br />

Kandidaten für die<br />

R e c h n u n g s p r ü -<br />

fungskommission<br />

(EA 30.4.1974). Die<br />

«Rosenegg-Mafia»<br />

hatte gegen den ihr<br />

missliebigen «roten<br />

Nasli» (Karl Hensler)<br />

erfolglos mit Flugblättern<br />

zu intrigieren<br />

versucht. «Wählt<br />

ihn nicht, denn er<br />

hat – bedingt durch seinen Zürcher Arbeitgeber – kein Verständnis<br />

für historisch Gewachsenes!»<br />

In den notwendigen Ergänzungswahlen vom 19. Mai 1974<br />

sowie den noch folgenden Nachwahlen vom 14. Juli 1974 unterstützte<br />

die Partei die offiziellen Kandidaten der CVP und der LVP<br />

(EA 14.5.1974, EA 5.7.1974).<br />

An der letzten Sitzung in der alten Zusammensetzung des<br />

<strong>Bezirk</strong>srates wurde der scheidende <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad<br />

Fuchs mit warmen Worten verabschiedet. «Seine Loyalität und<br />

Volksverbundenheit, sein vielseitiges Wissen um das öffentliche<br />

Geschehen und seine soziale Einstellung bildeten in ihrer<br />

Gesamtheit gute Grundlagen für seine politische Tätigkeit. (…)<br />

Zwei kurze <strong>Jahre</strong> als <strong>Bezirk</strong>sammann liessen erkennen, was<br />

an Energie und Können in ihm steckt. Zwei kurze <strong>Jahre</strong>, zu<br />

kurz, um all die hochgemuten Pläne verwirklichen zu können.<br />

(…). Der Volksmund sagt es und die Erfahrung bewahrheitet es,<br />

dass der Dienst an der Oeffentlichkeit nicht selten mit Undank<br />

vergolten wird. Dies trifft bei <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad Fuchs<br />

sicher nicht zu.» (EA 3.5.1974).<br />

Die Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s konnten neu wie folgt besetzt<br />

werden: <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler nahm Einsitz in das Waisenamt,<br />

die Finanz- und Steuerkommission und die Rathauskommission,<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> übernahm das Präsidium in der Rechnungsprüfungskommission,<br />

Stefan Kälin («Hahne-Stäffel») wurde in die<br />

Finanzplanungskommission und seine Ehefrau Claudia Kälin in<br />

die Kinderschutzkommission gewählt, Josef Kälin in die Gesundheits-<br />

und Umweltschutzkommission, Fritz Dubs blieb in der<br />

Baukommission und war neu in der Schulhausbaukommission<br />

Gross, August Kälin-Beeler in der Berufsbildungskommission,<br />

Josef Iten in der Zivilschutzkommission, Willi Suter <strong>im</strong> Schulrat<br />

und in der Schulplanungskommission, Ursula Dubs kam für die<br />

zurückgetretene Rösy <strong>Schönbächler</strong> in den Schulrat, und der<br />

zurückgetretene alt <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad Fuchs präsidierte<br />

weiterhin die Fürsorgekommission, hatte Einsitz in die Spitalbetriebskommission<br />

und war Delegierter des <strong>Bezirk</strong>srates bei Pro<br />

Asilo (EA 7.6.1974). Die Partei war auf zahlreichen Ebenen engagiert<br />

und in die Verantwortung eingebunden!<br />

An der Parteileitungssitzung vom 2. Juli 1974 kamen verschiedene<br />

Probleme mit dem Kieswerk Trachslau zur Sprache<br />

(Kantonsrat Fritz Dubs hatte eine Kleine Anfrage an den Regierungsrat<br />

betreffend den Gewässerschutz gerichtet) und wurde<br />

über den Bau eines Kaufmännischen Berufsschulhauses beraten,<br />

welches befürwortet wurde (EA 5.7.1974).<br />

Für die Abst<strong>im</strong>mung über das Baureglement des <strong>Bezirk</strong>s <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

den Zonenplan und die Überbauungspläne, die am 8.<br />

Dezember 1974 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangten, beschloss die Partei<br />

die Ja-Parole (EA 3.12.1974). Die sozialdemokratische Volksinitiative<br />

Kranken- und Unfallversicherung lehnte das Volk deutlich<br />

ab (EA 10.12.1974).<br />

Ein Verwaltungsrichter, ein neuer<br />

Parteipräsident, Pressezensur, ein zweiter<br />

<strong>Bezirk</strong>sratssitz und das Kieswerk Trachslau<br />

In das neu geschaffene kantonale Verwaltungsgericht wurde mit<br />

alt <strong>Bezirk</strong>sammann Meinrad Fuchs auf Antrag der <strong>SP</strong>-Fraktion<br />

der erste Sozialdemokrat gewählt (EA 10.1.1975).<br />

Die Generalversammlung wurde am 1. März 1975 <strong>im</strong> Hotel<br />

«St. Georg» abgehalten. Anwesend waren 26 Mitglieder bei<br />

einem Mitgliederbestand von 54. Es konnte ein Vermögensbestand<br />

von Fr. 2‘965.20 festgehalten werden. Die Parteileitung<br />

wurde bestätigt. Das Amt des Koordinators, das bislang von dem<br />

nach Wollerau gezogenen Jakob Wirth ausgeübt wurde, wurde<br />

nicht mehr besetzt. Meinrad Fuchs als Präsident der Genossenschaft<br />

Alterssiedlungen «Gerbe» informierte die Anwesenden<br />

über das Bauprojekt und <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler über Pläne für<br />

ein Dorfzentrum auf dem Areal des ehemaligen Kinderhe<strong>im</strong>es.<br />

129


Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger»<br />

vom 22. Oktober 1975.<br />

An der Parteiversammlung vom 9. April<br />

1975 <strong>im</strong> «Rot-Kreuz» unterstützte die<br />

Partei – anwesend waren 10 Mitglieder<br />

– die <strong>Bezirk</strong>svorlagen. Zum einen den<br />

Umbau des Rathauses und zum anderen<br />

den wichtigen Bau des Dorfzentrums mit<br />

Saalneubau (EA 18.4.1975).<br />

Die Parteiversammlung vom 3. Juni 1975<br />

widmete sich den eidgenössischen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen<br />

vom 8. Juni 1975,<br />

aber auch lokalen Themen. «Kantonsrat<br />

Fritz Dubs verurteilte mit scharfen Worten<br />

die Vernehmlassung des <strong>Bezirk</strong>srates<br />

zum Ausbau des Kieswerkes Trachslau<br />

an den Regierungsrat. Drei der vier vorberatenden<br />

Kommissionen hätten den Ausbau<br />

in dieser Form abgelehnt – der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

aber st<strong>im</strong>mte zu! Im Ratsbericht<br />

in der Presse wurde dies aber verschwiegen.<br />

Die Oeffentlichkeit erwartet endlich<br />

eine klare und objektive Orientierung. Die<br />

Versammlung beschloss, die demnächst<br />

anlaufende Unterschriftensammlung gegen<br />

den Ausbau des Kieswerkes Trachslau<br />

zu unterstützen.» (EA 6.6.1975).<br />

Für die Nationalratswahlen wurden vier<br />

Parteilisten eingereicht. Während LVP,<br />

CVP und BGB je mit drei Kandidaten<br />

antraten, portierte die Sozialdemokratische<br />

Partei des Kantons Schwyz einzig<br />

Regierungsrat Josef Diethelm, kumuliert<br />

(EA 19.9.1975). Er schaffte am 26. Oktober<br />

1975 <strong>im</strong> Alleingang und mit dem<br />

höchsten St<strong>im</strong>mentotal eine souveräne<br />

Wiederwahl bei einem Wähleranteil von<br />

29.3% (EA 28.10.1975, EA 7.11.1975)!<br />

Die Partei bot auch dieses Jahr wieder Hilfe be<strong>im</strong> Ausfüllen<br />

der Steuererklärungen an. «Ein junges Team der Sozialdemokratischen<br />

Partei liess sich gründlich instruieren und füllt Ihre<br />

Steuererklärung korrekt und diskret aus.» (EA 4.3.1975). An<br />

15 (!) Abenden stellten sich Josef Kälin, Stefan Kälin, Josef<br />

<strong>Schönbächler</strong> und Willi Suter für diese Aktion zur Verfügung.<br />

Der Parteikasse konnten damit Fr. 500.— zugeführt werden.<br />

Am 26. Oktober 1975 st<strong>im</strong>mten die Einsiedlerinnen und<br />

Einsiedler der Krediterteilung für das Altershe<strong>im</strong> Gerbe zu (EA<br />

28.10.1975). Ein schöner Erfolg für den Initianten und Präsidenten<br />

der Genossenschaft, Meinrad Fuchs.<br />

130<br />

Anlässlich der Parteileitungssitzung vom<br />

4. November 1975 musste Präsident Josef<br />

Kälin mitteilen, dass er sein Amt zufolge<br />

Wegzugs per Januar 1976 abgeben müsse<br />

(er wurde vollamtlicher Parteisekretär<br />

der Aargauer <strong>SP</strong>-Kantonalpartei). An der<br />

ausserordentlichen Generalversammlung<br />

vom 25. November 1975 wurde <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Karl Hensler zum neuen Präsidenten, Willi<br />

Suter zum Vizepräsidenten und Stefan<br />

Kälin zum neuen Koordinator gewählt. Die<br />

übrigen Chargen standen nicht zur Wahl.<br />

«Der Hauptakzent des Abends lag auf der<br />

ausführlichen Behandlung des Baukostenbeitrages<br />

für die Erstellung des Regionalspitals<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Die Sozialdemokraten<br />

unterstützen einst<strong>im</strong>mig die Bemühungen<br />

für eine Verwirklichung dieses wichtigen<br />

Vorhabens. Stark kritisiert wurde aber,<br />

dass die Botschaft an die St<strong>im</strong>mbürger<br />

wohl sehr langatmig abgefasst ist, wichtige<br />

Punkte aber nur oberflächlich streift<br />

oder ganz weglässt. Aus den lebhaften<br />

Diskussionen ging ganz klar hervor, dass<br />

die Vorlage krasse Mängel aufweist. Es<br />

wurde insbesondere darauf hingewiesen,<br />

dass das Fehlen der Vereinbarung über<br />

die finanzielle Beteiligung der Nachbargemeinden<br />

zu unzumutbaren Belastungen<br />

für <strong>Einsiedeln</strong> führen könnte und darum<br />

die entsprechenden Verhandlungen noch<br />

vor Baubeginn abgeschlossen werden<br />

sollten.» (EA 28.11.1975).<br />

Anstelle des auch aus der Etzelwerk-<br />

Kommission demissionierenden Josef<br />

Kälin wurde vom <strong>Bezirk</strong>srat auf Antrag<br />

der Partei Stefan Kälin, Bankbeamter, als<br />

neues Mitglied gewählt (EA 16.12.1975).<br />

Anlässlich der Nominationsversammlung<br />

vom 5. März 1976 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» wurden folgende<br />

fünf Kandidaten für die Kantonsratswahlen nominiert (s.<br />

nachfolgendes Bild).<br />

Die Generalversammlung fand am 20. März 1976 <strong>im</strong> Hotel<br />

«St. Georg» statt und war mässig besucht. Das Parteivermögen<br />

betrug Fr. 3‘765.60. Die Mandatssteuer aus Rats- und Kommissionstätigkeit<br />

wurde bei 10% belassen. Die Parteileitung wurde<br />

<strong>im</strong> Amt bestätigt.<br />

Aus den Parteiaufzeichnungen ist gerade in Bezug auf die<br />

anstehenden Kantons- und Regierungsratswahlen schön ersichtlich,<br />

wie die lokale Presse – das CVP-Blatt «Einsiedler Anzeiger»<br />

und die liberale «Neue Einsiedler Zeitung» (NEZ) – mit<br />

Einsendungen der Einsiedler Sozialdemokraten umgingen.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

V.l.n.r. Fritz Dubs (bisher), Lokomotivführer, Willi Suter, Verkaufsdisponent, Martin Kälin, Posthalter Egg, Karl Hensler,<br />

Maschinensetzer, und Stefan Kälin, Bankangestellter, auf der Wahlliste alle kumuliert (EA 23.3.1976).<br />

Textstellen, die nur einen Hauch von Werbung enthielten, wurden<br />

einfach gestrichen. «Wir haben Ihr Begehren mit dem Verleger<br />

der NEZ besprochen. Da Ihre Partei die unsere Zeitung<br />

während des <strong>Jahre</strong>s kaum verwendet, würde eine Zusage nur<br />

für die Kantonsratswahlen ein ausserordentliches Entgegenkommen<br />

bedeuten.» «In der Zwischenzeit hat die Redaktionskommission<br />

beschlossen, ihr Blatt für zwei Ausgaben für andere<br />

Parteien zu öffnen. (…) Sie stellt Ihnen ihr Blatt wie folgt zur<br />

Verfügung: 1. Aus technischen Gründen können Wünsche der<br />

anderen Parteien nur in zwei Ausgaben berücksichtigt werden.<br />

2. Das Inserat darf das Ausmass einer ¼ Seite nicht übersteigen.<br />

3. Die Einsendung <strong>im</strong> Textteil darf nur 20 Schreibmaschinenzeilen<br />

umfassen (A4 hoch), 4. Die Grösse des Textes verhält sich<br />

proportional zum Inserat. 5. Bilder von Kandidaten können nicht<br />

abgedruckt werden. 6. Die Redaktion behält sich das Recht vor,<br />

allfällige textliche Änderungen vorzunehmen.»<br />

Die «Neue Einsiedler Zeitung» wäre an sich gerne nicht<br />

so kleinlich gewesen, konnte es sich aber kaum leisten,<br />

grosszügiger als der «Einsiedler Anzeiger» zu sein… Acht<br />

<strong>Jahre</strong> später brachte es der <strong>SP</strong>-Präsident anlässlich des<br />

125-Jahr-Jubiläums des «Einsiedler Anzeigers» entsprechend<br />

zum Ausdruck (EA 30.11.1984, nächste Seite).<br />

Für die Kantonsratswahlen vom 11. April 1976 wurden vier<br />

Listen eingereicht: LVP, <strong>SP</strong>, CVP/Jung CVP und eine solche von<br />

einer «Ueberparteilichen Schwyzer Opposition» (EA 2.4.1976).<br />

Von den 11 Mandaten holte die CVP deren sechs, die LVP vier<br />

und die <strong>SP</strong> mit Fritz Dubs ein Mandat. Die vierte Liste erzielte ein<br />

blamables Ergebnis. Bei den Regierungsratswahlen wurde der<br />

vom Parteitag vom 6. März 1976 in Rothenthurm erneut nominierte<br />

Amtsinhaber Josef Diethelm auf der gemeinsamen Liste<br />

mit Bravour <strong>im</strong> Amt bestätigt (EA 13.4.1976). Dem auch bei diesen<br />

Wahlen erfolgten Störmanöver einer oppositionellen, freien<br />

Gruppierung sowie wilden Listen war kein Erfolg beschieden.<br />

Kantonsrat Fritz Dubs war vor allem in Sachen Kieswerk<br />

Trachslau seit <strong>Jahre</strong>n kritisch engagiert und wies während den<br />

Kantonsratswahlen auf sein entsprechendes Engagement hin.<br />

Neben dem Gewässerschutz ging es auch um den befürchteten<br />

Mehrverkehr durch das Dorf über die Langrütistrasse.<br />

Bezüglich der folgenden <strong>Bezirk</strong>swahlen einigten sich die<br />

Einsiedler Parteien ebenfalls auf einen gemeinsamen Wahlvorschlag.<br />

Dieser beinhaltete Josef <strong>Schönbächler</strong>, alt RPK-Präsident,<br />

als neuen, zweiten <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srat (<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler<br />

stand nicht zur Wahl), und Martin Kälin als neues Mitglied für<br />

die Rechnungsprüfungskommission. Gerhard Egli-Grätzer, seit<br />

1970 Gerichtssubstitut, war als <strong>Bezirk</strong>srichter vorgesehen (EA<br />

4.5.1976). Aufgrund der Ergebnisse der Kantonsratswahlen hatte<br />

die CVP der <strong>SP</strong> ein zweites <strong>Bezirk</strong>sratsmandat zugestanden.<br />

Auch bei den <strong>Bezirk</strong>swahlen tauchten aber wilde Listen auf.<br />

«In irreführender Weise hat nun eine kleine, politisch ungebundene<br />

‹Wirtshaus-Gruppierung› einen ‹Gemeinsamen Wahlvorschlag<br />

für die CVP, LVP und <strong>SP</strong>› herausgegeben. (…) In grober<br />

Missachtung jeder politischen Fairness versuchen die Initianten<br />

damit, die St<strong>im</strong>mbürger hinters Licht zu führen.» (EA 7.5.1976).<br />

Sie vermochten die politische Friedenslandschaft aber nicht wesentlich<br />

zu verändern. <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> wurde auf<br />

Anhieb mit dem zweitbesten Resultat auf dem gemeinsamen<br />

131


Wahlvorschlag gewählt. Ein CVP-Kandidat musste in<br />

die Nachwahlen (EA 11./16./25.5.1976).<br />

Damit stellte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zum ersten Mal<br />

zwei <strong>Bezirk</strong>sräte und einen <strong>Bezirk</strong>srichter.<br />

Anlässlich der Parteiversammlung vom 23. Juni<br />

1976 zeigte sich Parteipräsident Karl Hensler zufrieden<br />

über die gute Vertretung der Partei in den <strong>Bezirk</strong>s-<br />

Kommissionen. Er selber präsidierte als <strong>Bezirk</strong>srat die<br />

Fürsorgekommission und war Mitglied <strong>im</strong> Waisenamt,<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> hatte Einsitz in der Finanzkommission,<br />

in der Gesundheitskommission und<br />

in der Sicherheitskommission, Fritz Dubs wurde in<br />

die Hochbau-Kommission, Christian Iten und Martin<br />

Ulrich in die beiden Tiefbau-Kommissionen (Strassen,<br />

Wasser), Martin Kälin in die Volkswirtschaftskommission,<br />

Ursula Dubs und Willi Suter in den Schulrat und<br />

Stefan Kälin in die Etzelwerk-Kommission gewählt (EA<br />

15.6.1976). Die Parteiversammlung beschloss zudem,<br />

das kantonale Patronatskomitee «Gleiche Rechte für<br />

Mann und Frau», das unter dem Präsidium der Einsiedlerin<br />

Antoinette Hofmann-<strong>Schönbächler</strong> stand, zu<br />

unterstützen (EA 6.8.1976).<br />

Weitere Parteiversammlungen fanden am 20. September<br />

1976 sowie am 24. November 1976 statt. Die<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> beschloss an letzterer die Nein-Parole<br />

zum Ausbau der Trachslauerstrasse (EA 26.11.1976).<br />

Ein neuer Regierungsrat<br />

und die Reichtumssteuer<br />

Auch <strong>im</strong> Jahr 1977 bot die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wieder<br />

Hilfe be<strong>im</strong> Ausfüllen der Steuererklärungen an (EA<br />

25.2.1976).<br />

Die Partei sprach sich an der Versammlung<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> («Sigisbärte»), geb. 16. September 1943, Sohn von alt Parteiaktuar<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> und alt Schulrätin Rösy <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert, aufgewachsen<br />

an der Langrüti.<br />

Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er ein Jahr Sprachaufenthalt in Belgien.<br />

In der damaligen Waldstatt AG erlernte er den Beruf des Schriftsetzers. Nach<br />

verschiedenen Weiterbildungskursen in grafischer und kaufmännischer Richtung<br />

schloss er die kaufmännische Berufsschule in Schwyz ab. Seit 1966 arbeitete er<br />

als Buchhalter bei der Möbelfabrik Zehnder. Von 1986 bis zu seiner Pensionierung<br />

war er Verwalter des Regionalspitals <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

1970 wurde er in die RPK gewählt, die er 1975/76 präsidierte. 1976 folgte die Wahl<br />

in den <strong>Bezirk</strong>srat, dem er bis 1988 angehörte.<br />

Von 1989-1998 stand er dem Aufsichtsrat der Raiffeisenbank <strong>Einsiedeln</strong> vor, ab<br />

1988-2004 war er Bankpräsident und von 1994-2004 auch Präsident des Schwyzer<br />

Regionalverbandes.<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> ist verheiratet mit Rita Kälin. Sie haben drei Kinder.<br />

132


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Das Restaurant «Biergarten», ab 1976 regelmässiger Versammlungsort<br />

der Einsiedler Sozialdemokraten.<br />

Heinrich Kistler bei einer Ansprache auf dem<br />

Sternenplatz in <strong>Einsiedeln</strong> um 1980.<br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom<br />

15. November 1977.<br />

Heinrich Kistler wurde am 21. Juli 1927 in Reichenburg<br />

geboren.<br />

Er machte eine Maurerlehre, bildete sich am Technikum und<br />

an Abendschulen weiter und besuchte Fach- und Sprachkurse<br />

an der Gewerbeschule Zürich. Er arbeitete als Polier und<br />

Baufachmann.<br />

Von 1962-1970 war er Gemeinderat in Reichenburg, von 1970-<br />

1977 <strong>Bezirk</strong>srat der March und sass von 1971-1977 <strong>im</strong> Kantonsrat.<br />

1977 wurde er in den Schwyzer Regierungsrat gewählt. Er<br />

stand dem Baudepartement vor. 1982/84 war er Landammann.<br />

Heinrich Kistler galt als integrative Figur. Er hatte Einsitz <strong>im</strong> Verwaltungsrat<br />

der SOB und der Centralschweizerischen Kraftwerke,<br />

war Mitglied der eidgenössischen Linthkommission und<br />

der Stiftung Ital-Reding-Haus.<br />

Er verstarb am 9. Februar 1989 <strong>im</strong> Amt.<br />

Am 3. November 1977 kam es zu einer Zusammenkunft der Gewerkschaftspräsidenten des Platzes <strong>Einsiedeln</strong> mit dem<br />

Präsidium der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, vertreten durch Parteipräsident Karl Hensler und Martin Kälin, <strong>im</strong> Restaurant «Falken». Anwesend<br />

waren 16 Delegierte. Thema bildete eine gemeinsame Durchführung der Abst<strong>im</strong>mungskampagne zur Reichtumssteuer-Initiative,<br />

die am 4. Dezember 1977 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangte. Es wurde eine öffentliche Orientierungsversammlung<br />

beschlossen, die am 18. November 1977 in der «Krone» abgehalten wurde.<br />

Die Partei beschloss die Ja-Parole (EA 25.11.1977). Die Initiative wurde vom St<strong>im</strong>mvolk aber deutlich abgelehnt.<br />

133


Der Erweiterungsbau der Möbelfabrik Zehnder AG an der<br />

Zürichstrasse um 1978.<br />

1977 konnte die Möbelfabrik Zehnder AG ihr 50-Jahr-Jubiläum<br />

feiern (EA 17.6.1977). Sie galt in <strong>Einsiedeln</strong> als eine<br />

wichtige und auch vorbildliche Arbeitgeberin.<br />

Was 1927 an der unteren Eisenbahnstrasse begann, erfuhr<br />

1947 einen ersten und 1961 einen weiteren Erweiterungsbau<br />

(Werk 1) und führte 1970 schliesslich zur Erstellung<br />

eines neuen, zusätzlichen Werkes (Werk 2) an der<br />

Zürichstrasse (heute Leuthold Mechanik AG HLM).<br />

1965 errichtete die Firma eine Personal-Fürsorgestiftung<br />

für die Arbeiterschaft und liess diese ab 1967 am erwirtschafteten<br />

Erfolg teilhaben.<br />

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zeigte sich unter<br />

anderem auch in Mitarbeiter-Informationstagen und gegenseitigen<br />

Betriebsbesichtigungen der beiden Werke<br />

durch die Mitarbeiter.<br />

Die tägliche Produktion betrug Mitte der 1970er-<strong>Jahre</strong><br />

ungefähr 400 Möbelstücke und die Belegschaft umfasste<br />

gut 90 Mitarbeitende (EA 22.3.1974). Unter diesen waren<br />

auch die Parteileitungsmitglieder Josef <strong>Schönbächler</strong> jun.<br />

und Willi Suter.<br />

vom 7. März 1977 <strong>im</strong> «Biergarten» einst<strong>im</strong>mig gegen die beiden<br />

Überfremdungsinitiativen aus. Am 15. April 1977 fand sodann<br />

die Generalversammlung statt, an der 21 Mitglieder teilnahmen.<br />

Präsident Karl Hensler resümierte das vergangene Jahr:<br />

«Es war ein ausgesprochenes Wahljahr, das es zu meistern<br />

galt. Die Vorbereitungsarbeiten von den Regierungsrats- und<br />

Kantonsratswahlen über die <strong>Bezirk</strong>swahlen und anschliessend<br />

die Ausmarchung an der ‹chibigen Sitzung› zur Besetzung der<br />

Kommissionen respektive Departemente mit <strong>SP</strong>-Mitgliedern<br />

verlangten einen grossen Zeitaufwand und einen enormen<br />

Arbeitseinsatz von Seiten der Parteileitung aber auch von den<br />

Mitgliedern, die uns tatkräftig mitgeholfen haben.» Konstatieren<br />

musste er, dass sich die Mitgliederwerbung leider <strong>im</strong>mer<br />

noch <strong>im</strong> Winterschlaf befinde. Aus der Parteileitung lagen keine<br />

Demissionen vor. Neue Beisitzerin wurde Agnes Suter (EA<br />

26.4.1977).<br />

Nachdem der eben erst wiedergewählte Regierungsrat<br />

Josef Diethelm auf ärztliches Anraten seinen vorzeitigen Rücktritt<br />

per Ende Juli 1977 erklären musste (EA 29.3.1977), hielt die<br />

Kantonalpartei am 30. April 1977 <strong>im</strong> Hotel «Rössli» in Rothenthurm<br />

eine ausserordentliche Delegiertenversammlung ab. Als<br />

Nachfolger wurde Kantonsrat Heinrich Kistler vorgeschlagen<br />

(EA 3.5.1977). Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> nahm mit sechs Delegierten<br />

an der Versammlung teil.<br />

Regierungsratskandidat Heinrich Kistler stellte sich den<br />

Einsiedler Genossen an deren Parteiversammlung vom 3. Juni<br />

1977 <strong>im</strong> «Biergarten» vor, welche ihn auch ihrer vollen Unterstützung<br />

versicherten (EA 7.6.1977).<br />

Der Sitzanspruch war bei den traditionellen Parteien unbestritten<br />

und Heinrich Kistler wurde am 12. Juni 1977 als<br />

dritter sozialdemokratischer Regierungsrat gewählt (EA<br />

14./28.6.1977).<br />

Die Parteiversammlung vom 16. September 1977 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» widmete sich den eidgenössischen Vorlagen<br />

vom 25. September 1977. Nach über einstündiger Diskussion<br />

st<strong>im</strong>mte die Partei mit 12 Ja gegen 6 Nein bei 4 Enthaltungen<br />

der zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden Volksinitiative «für<br />

die Fristenlösung» zu (EA 20.9.1977).<br />

Ein ruhiges Jahr 1978<br />

Die Parteiversammlung vom 20. Februar 1978 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

widmete sich den am 26. Februar 1978 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden<br />

eidgenössischen Vorlagen. Die Partei befürwortete die<br />

9. AHV-Revision und gab die Nein-Parole zur Herabsetzung des<br />

AHV-Alters (POCH-Initiative) aus (EA 24.2.1978).<br />

Die ordentliche Generalversammlung fand am 30. März 1978<br />

<strong>im</strong> «Biergarten» statt. Anwesend waren 21 Mitglieder. Die Parteileitung<br />

blieb – mit Ausnahme des Austritts von Koordinator<br />

Stefan Kälin, der die Parteitätigkeit mit seiner Arbeit als Bankangestellter<br />

nicht mehr vereinen konnte – unverändert. Für die<br />

anstehenden <strong>Bezirk</strong>swahlen konnten die bisherigen Amtsinhaber,<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler und Martin Kälin als Mitglied der<br />

Rechnungsprüfungskommission, für eine weitere Amtsperiode<br />

nominiert werden (EA 4.4.1978).<br />

Für die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 16. April 1978 kam eine gemeinsame<br />

Liste aller drei Parteien zustande (EA 31.3.1978). «Nachdem<br />

in den letzten Stunden vor der Wahl mit ‹wilden Listen› und<br />

Flugblättern für zwei Kandidaten geworben wurde, konnte man<br />

sich ausrechnen, dass eventuell eine Nachwahl nötig sein würde.»<br />

(EA 18.4.1978). Ein überparteiliches Wahlkomitee hatte «einen<br />

jungen, aktiven und dynamischen Einsiedler-Bürger, Richard Bingisser<br />

jun.» ohne dessen Zust<strong>im</strong>mung zur Wahl vorgeschlagen<br />

134


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

(EA 21./25.4.1978). Seine Kandidatur war vom «Einsiedler Anzeiger»<br />

als «infamen Tiefschlag gegen den bisherigen Ratsherrn<br />

Albert <strong>Schönbächler</strong>» kritisiert worden. <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler<br />

und Rechnungsprüfungskommissionsmitglied Martin Kälin wurden<br />

mit guten Resultaten <strong>im</strong> Amt bestätigt (EA 18.4.1978).<br />

Auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag wurde für die Nachwahlen<br />

der neue CVP-Kandidat Hans Oechslin-Lienert unterstützt<br />

(EA 25.4.1978), der schliesslich gewählt wurde. Der bisherige,<br />

<strong>im</strong> ersten Wahlgang nicht bestätigte Albert <strong>Schönbächler</strong><br />

hatte auf eine weitere Kandidatur verzichtet (EA 21.4.1978).<br />

Die anschliessende Verteilung der Sitze in den <strong>Bezirk</strong>skommissionen<br />

wurde von der Parteileitung als «zufriedenstellend»<br />

bezeichnet. <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler präsidierte weiterhin die<br />

Fürsorgekommission und war Mitglied <strong>im</strong> Waisenamt, <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> hatte weiterhin Einsitz in der Finanzkommission<br />

und neu in der Baukommission, Fritz Dubs wurde neu in<br />

die Gesundheitskommission gewählt, Robert <strong>Schönbächler</strong> neu<br />

in die Kommission Polizei- und Wehrabteilung, Martin Kälin verblieb<br />

in der Volkswirtschaftskommission, Ursula Dubs und Willi<br />

Suter <strong>im</strong> Schulrat und Stefan Kälin in der Etzelwerk-Kommission<br />

(EA 26.5.1978).<br />

An der nächsten Parteiversammlung vom 24. Mai 1978, wiederum<br />

<strong>im</strong> «Biergarten», standen die eidgenössischen und <strong>Bezirk</strong>svorlagen<br />

vom 28. Mai 1978 zur Debatte (EA 26.5.1978). An der<br />

Orientierungsversammlung vom 30. August 1978 <strong>im</strong> Hotel «St.<br />

Georg» referierte mit Nationalrat Josef Diethelm (Neugründung<br />

des Kantons Jura), Regierungsrat Heinrich Kistler (Autoprüfhalle<br />

Pfäffikon), Kantonsrat und Kantonalpräsident Hans-Ruedi Jäger<br />

(Steuergesetzrevision) sowie Kantonsrat und Fraktionschef Adolf<br />

Meister (Neuordnung kantonaler Finanzausgleich) die Crème de<br />

la Crème der kantonalen Sozialdemokratie in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Das Jahr 1978 endete mit einer ruhigen Parteiversammlung<br />

am 22. November 1978 <strong>im</strong> «Biergarten». Es ging um die eidgenössischen<br />

und kantonalen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 3. Dezember<br />

1978 und den Voranschlag des <strong>Bezirk</strong>s 1979, welche<br />

allesamt keine grossen Wellen warfen.<br />

Ein Nationalrat auf Zeit<br />

und Kantonsratswahlen 1980<br />

Am 29. Dezember 1978 verstarb der amtierende Nationalrat<br />

Josef Diethelm (EA 2.1.1979). Da er der einzige Wahlvorschlag<br />

in den letzten Nationalratswahlen war, kam es zu einer Besonderheit<br />

in dessen Ersatzwahl. «Der Regierungsrat hat die<br />

Unterzeichner des Wahlvorschlages, den die Sozialdemokratische<br />

Partei des Kantons Schwyz für die Nationalratswahlen<br />

1975 eingereicht hat, eingeladen, bis Ende Januar einen Vorschlag<br />

für die Besetzung des durch den Tod von Nationalrat<br />

Josef Diethelm freigewordenen Sitzes <strong>im</strong> Nationalrat einzureichen.»<br />

(EA 9.1.1979). Der neue Nationalrat wurde damit – <strong>im</strong><br />

Einklang mit dem damaligen Recht – von den <strong>SP</strong>-Wahlmännern<br />

und -frauen best<strong>im</strong>mt!<br />

Es waren einige<br />

Kandidaten <strong>im</strong> Gespräch.<br />

Die kantonale<br />

Parteileitung<br />

beantragte dann<br />

den Gemeindepräsidenten<br />

von<br />

Schübelbach, Alois<br />

Kessler, zu Handen<br />

der Delegiertenversammlung<br />

und des<br />

Kollegium der 28<br />

Wahlmänner vom<br />

22. Januar 1979 für<br />

die Nachfolge (EA<br />

16.1.1979). Diese<br />

unterstützten die<br />

Nomination und<br />

Alois Kessler wurde<br />

definitiv neuer,<br />

Alois Kessler (1925-1994) war erst<br />

Briefträger, dann Versicherungsinspektor.<br />

1971 wurde er zum Kanzleisekretär<br />

der Gemeinde Schübelbach<br />

gewählt. Von 1960-1970 war<br />

er Gemeinderat und von 1970-1986<br />

deren Gemeindepräsident. In den<br />

<strong>Jahre</strong>n 1980-1984 hatte er auch<br />

Einsitz <strong>im</strong> Kantonsrat.<br />

Im Januar 1979 rückte er für den<br />

verstorbenen Josef Diethelm als<br />

Nationalrat nach, konnte das Mandat<br />

<strong>im</strong> Wahlherbst dann aber nicht<br />

verteidigen.<br />

insgesamt vierter<br />

s c hw y zerischer<br />

<strong>SP</strong>-Nationalrat (EA<br />

26.1.1979).<br />

An der Parteiversammlung<br />

vom<br />

9. Februar 1979<br />

standen erneut vier<br />

e i d g e n ö s s i s c h e<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen<br />

auf der Traktandenliste.<br />

Unter<br />

anderem ging es<br />

um das St<strong>im</strong>mund<br />

Wahlrecht für<br />

18jährige, welches<br />

die Partei befürwortete.<br />

«Ein Antrag,<br />

in Zukunft die eidg. Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen infolge übersättigender<br />

Orientierung durch die Massenmedien <strong>im</strong> lokalen<br />

Kreis nicht mehr in dieser Form zu diskutieren, wurde von der<br />

Parteileitung zur Prüfung entgegengenommen. Man erwartet<br />

u.a. in viel früherem Stadium entsprechende freie Diskussionsrunden.»<br />

(EA 6./13.2.1979). Kritisiert wurde in der Versammlung<br />

auch die andauernde Verschiebung von Sitzungen in der<br />

Gesundheitskommission.<br />

Die Generalversammlung fand relativ spät, am 8. Mai 1979,<br />

<strong>im</strong> «Biergarten» statt. Und erneut standen fünf eidgenössische,<br />

kantonale und kommunale Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen auf<br />

der Traktandenliste. Anwesend waren 20 Mitglieder bei einem<br />

Mitgliederbestand von 49. Die Parteileitung konnte unverändert<br />

<strong>im</strong> Amt bestätigt werden.<br />

135


Die <strong>SP</strong>-Kantonsratskandidaten, erstmals mit Foto <strong>im</strong><br />

«Einsiedler Anzeiger» vom 3. April 1980 porträtiert! Erste<br />

Reihe v.l.n.r. Peter Weibel, Betriebsmaurer SOB, <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Karl Hensler, Martin Kälin, Posthalter Egg. Zweite Reihe v.l.n.r.<br />

Werner Kälin («Falken-Werni»), Wirt und Baggerführer, und<br />

Kantonsrat Fritz Dubs, Lokomotivführer.<br />

Der Herbst stand <strong>im</strong> Zeichen der Nationalratswahlen vom 21. Oktober<br />

1979. «Die Sozialdemokraten des Kantons Schwyz werden sich<br />

mit einer Dreierliste an den Herbstwahlen beteiligen. Mit deutlicher<br />

Mehrheit entschieden sich die st<strong>im</strong>mberechtigten Delegierten am<br />

vergangenen Freitag in Altendorf für eine Dreierliste: Neben dem<br />

bewährten, bisherigen Nationalrat Alois Kessler, Gemeindepräsident,<br />

Siebnen, sind auf Vorschlag der <strong>Bezirk</strong>sparteien Schwyz und<br />

Höfe, Gemeinderat Max Küttel, Schwyz, und alt <strong>Bezirk</strong>sammann<br />

Helmut Zurbuchen, Bäch, auf der <strong>SP</strong>-Liste zu finden. Mit diesen<br />

ausgewiesenen Persönlichkeiten steigt die Sozialdemokratische<br />

Partei des Kantons Schwyz mit Zuversicht in den Wahlkampf.» (EA<br />

13.7.1979).<br />

Insgesamt bewarben sich drei Listen von der LVP, CVP und<br />

<strong>SP</strong> mit insgesamt neun Kandidaten für die drei Nationalratssitze.<br />

«Die teilweise erwartete Liste der SVP wurde nicht eingereicht.» (EA<br />

31.8.1979).<br />

Die Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war bestrebt, das Ihre zum<br />

Erfolg beizutragen. Wahlpropaganda war vorgesehen in Form<br />

von Werbebriefen, Plakaten, Flugblättern und Wahlzetteln. Das<br />

Adressmaterial wurde auf dem <strong>Bezirk</strong>samt zusammengetragen.<br />

Am 5. Oktober 1979 wurde zusammen mit dem Gewerkschaftskartell<br />

ein öffentlicher Diskussionsabend mit Vorstellung der drei<br />

<strong>SP</strong>-Kandidaten <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» durchgeführt (EA 25.9.1979).<br />

«Die Sozialdemokraten operieren in ihrem Wahlkampf mit<br />

Schlagworten und glauben, dass die Bürgerlichen jedes vierte<br />

Jahr ihr soziales Gewissen entdecken. Aber nur <strong>im</strong> Wahlprogramm!<br />

Dem sind doch die klaren Leistungen der CVP-Parlamentarier<br />

entgegenzuhalten.» (EA 12.10.1979).<br />

Die grossen Verlierer der Nationalratswahlen vom 21. Oktober<br />

1979 waren dann die Sozialdemokraten. Das seit 1947 ohne Unterbruch<br />

gehaltene Nationalratsmandat ging verloren und wurde<br />

von der LVP beerbt! Die sozialdemokratische Liste konnte nur<br />

einen Wähleranteil von gut 22% verzeichnen, wohingegen die<br />

LVP-Liste auf 27.8% und diejenige der CVP auf fast 50% kam (EA<br />

23.10.1979).<br />

Die Parteiversammlung vom 27. November 1979 verlief ruhig.<br />

Im Zentrum standen der Voranschlag 1980 sowie diverse<br />

<strong>Bezirk</strong>svorlagen.<br />

Die Kandidatensuche für die Kantonsratswahlen vom 27. April<br />

1980 verlief harzig. Noch am 6. März 1980 waren nebst Amtsinhaber<br />

Fritz Dubs keine Mitstreiter bekannt! An der Parteileitungssitzung<br />

vom 20. März 1980 <strong>im</strong> Restaurant «Falken» war sie dann<br />

zusammen. Die Wahlversammlung vom 27. März 1980 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

konnte eine Fünferliste, alle kumuliert, nominieren. «Verschiedene<br />

Votanten liessen klar erkennen, dass Angestellte und Gewerkschafter<br />

künftig <strong>im</strong> Kantonsparlament mit mehr Gewicht vertreten<br />

sein müssen. Die Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> hofft, mit diesem<br />

Team (alle sind aktive Gewerkschafter und Vertreter des ‹kleinen<br />

Mannes›) den Vorstellungen der St<strong>im</strong>mbürgerinnen und St<strong>im</strong>mbürger<br />

zu entsprechen und damit mitzuhelfen, die Zusammensetzung<br />

der Schwyzer Legislative der Bevölkerungsschicht angepasst zu<br />

gestalten!» (EA 3.4.1980).<br />

Für die Kantonsratswahlen wurden ingesamt vier Listen eingereicht.<br />

Erstmals nahm an der Wahl auch die Schweizerische Volkspartei<br />

<strong>Einsiedeln</strong> (SVP/BGB) teil (EA 15.4.1980). Deren Gründung<br />

<strong>im</strong> April 1980 war von beiden Lokalzeitungen totgeschwiegen<br />

worden. Die (mutmassliche) Antwort waren «Flugblätter mit persönlichen<br />

Verungl<strong>im</strong>pfungen verschiedener Einsiedler Kantonsräte<br />

sowie eines Regierungsratskandidaten» (EA 25.4.1980).<br />

Mit Kantonsrat Fritz Dubs konnte das <strong>SP</strong>-Kantonsratsmandat<br />

gehalten werden. Neu zog auch die SVP mit Richard Bingisser<br />

jun. in die kantonale Legislative ein (EA 29.4.1980). Bei den Regierungsratswahlen<br />

marschierte die gemeinsame Liste von CVP/LVP/<br />

<strong>SP</strong> durch und alle sieben Regierungsratskandidaten – unter ihnen<br />

neu die beiden Einsiedler Paul Brandenberg (CVP) und Marcel<br />

Kürzi (LVP) – wurden <strong>im</strong> ersten Wahlgang gewählt (EA 29.4.1980).<br />

Eine Beschwerde gegen die Kantonsratswahlen wegen der von<br />

einem SVP-Sympathisanten in Umlauf gebrachten, mit den Ziffern<br />

1-11 nummerierten, leeren Liste mit der Bezeichnung «Wahlvorschlag<br />

der SVP/BGB», die vom Wahlbüro als ungültig erklärt worden<br />

war, wurde vom Verwaltungsgericht mangels Relevanz für das<br />

Wahlergebnis abgewiesen (EA 17.6.1980).<br />

Strube <strong>Bezirk</strong>swahlen 1980<br />

und ein Präsidentenwechsel<br />

Für die nachfolgenden <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 18. Mai 1980<br />

erging <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 9. Mai 1980 folgende Erklärung:<br />

«Die Christlichdemokratische Volkspartei, die Libe-<br />

136


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

rale Volkspartei und die Sozialdemokratische Partei des <strong>Bezirk</strong>es<br />

<strong>Einsiedeln</strong> haben für die kommenden <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 18. Mai ein Wahlbündnis geschlossen. (…) Keine Partei<br />

ist stark genug, um eine Führung allein zu gewährleisten. (…)<br />

Die Probleme, die für <strong>Einsiedeln</strong> anstehen, sind gross und<br />

vielfältig. Nur politische Ruhe und Verständnis sind eine Basis<br />

für die gute Entwicklung unseres Gemeinwesens.»<br />

«Da sich eine neue Gruppierung (SVP) um ein Mandat <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>srat bewirbt, dürfte die Ausmarchung diesmal besonders<br />

spannend werden.» war in der Einladung zur Parteiversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, welche am 12. Mai 1980 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» abgehalten wurde, zu lesen. Der gemeinsame<br />

Wahlvorschlag fand aber die Gnade der Wählerschaft und<br />

die Vorgeschlagenen – unter ihnen Josef <strong>Schönbächler</strong> mit<br />

dem besten St<strong>im</strong>menzahl aller <strong>Bezirk</strong>sräte, Martin Kälin als<br />

Mitglied der Rechnungsprüfungskommission und <strong>Bezirk</strong>srichter<br />

Gerhard Egli – wurden mit Ausnahme von CVP-Kandidat<br />

Hans Iten gewählt (EA 20.5.1980). Dieser musste sich<br />

in den Nachwahlen vom 8. Juni 1980 dem Kandidaten der<br />

SVP, Hans Kälin, Masseur, stellen. CVP, LVP und <strong>SP</strong> portierten<br />

den CVP-Kandidaten gemeinsam. Die Überraschung trat<br />

aber ein. Der SVP-Kandidat distanzierte seinen Widersacher<br />

um 268 St<strong>im</strong>men und die SVP zog mit ihm erstmals in den<br />

<strong>Bezirk</strong>srat ein. «Wie kommt es, dass der ‹gemeinsame Kandidat›<br />

<strong>im</strong> ersten Wahlgang fast die doppelte Anzahl St<strong>im</strong>men<br />

Die Warnung <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 16. Mai 1980.<br />

erreichte wie in der Nachwahl, wo er ja wieder ‹gemeinsam›<br />

portiert wurde?» (EA 10.6.1980). Die Antwort lag wohl bei der<br />

LVP-Wählerschaft…<br />

Die Verhandlungen der Parteien betreffend die Besetzung<br />

der Kommissionen ergaben folgendes Resultat: <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> war Mitglied in der Finanzkommission,<br />

in der Baukommission und in der Energiekommission,<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler Präsident der Fürsorgekommission<br />

und Vizepräsident der Vormundschaftsbehörde sowie Delegierter<br />

des <strong>Bezirk</strong>srates <strong>im</strong> Altershe<strong>im</strong> Gerbe, in der Genossenschaft<br />

Dorfzentrum und <strong>im</strong> Verein für Jugend- und<br />

Familienberatung, Martin Kälin hatte Einsitz in der Volkswirtschaftskommission<br />

und in der Finanzplanungskommission,<br />

Fritz Dubs in der Gesundheitskommission und<br />

Robert <strong>Schönbächler</strong> in der Polizei- und Wehrabteilung. Ursula<br />

Dubs und Willi Suter waren weiterhin <strong>im</strong> Schulrat (EA<br />

20.6.1980).<br />

Erneut spät, am 18. September 1980, fand <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Falken» die ordentliche Generalversammlung der <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> statt. Anwesend waren lediglich 14 Mitglieder.<br />

Parteipräsident Karl Hensler trat aus beruflichen und gesundheitlichen<br />

Gründen sowie wegen der zusätzlichen Belastung<br />

als <strong>Bezirk</strong>srat zurück. Als neuer Präsident wurde<br />

Kantonsrat und <strong>SP</strong>-Fraktionschef Fritz Dubs gewählt. Die<br />

übrigen Parteileitungsmitglieder wurden <strong>im</strong> Amt bestätigt<br />

(EA 23.9.1980).<br />

Die nächste Parteiversammlung wurde am 18. November<br />

1980 wieder <strong>im</strong> «Biergarten» durchgeführt. Traktandiert<br />

waren Kurzreferate zu den eidgenössischen und <strong>Bezirk</strong>svorlagen<br />

vom 30. November 1980.<br />

Die Parteileitung befasste sich intensiv mit der Frage von<br />

Aktivitäten auf Gewerkschaftsebene sowie der Durchführung<br />

von öffentlichen Veranstaltungen (Referate, Podiumsgespräche)<br />

und der Bildung einer <strong>SP</strong>-Frauengruppe.<br />

Am 4. Februar 1981 organisierte die Partei <strong>im</strong> Hotel<br />

«Storchen» ein öffentliches Podium zur Frage «Findet die<br />

Landesausstellung 1991 <strong>im</strong> Kanton Schwyz oder <strong>im</strong> Kanton<br />

Luzern statt?» Kantonsrat Franz Marty als Befürworter einer<br />

137


Fritz Dubs, geb. 20. April 1930, war<br />

mit Ursula Dubs-Hegetschweiler verheiratet,<br />

welche für die Partei lange<br />

<strong>Jahre</strong> <strong>im</strong> Schulrat tätig war und auch<br />

als Parteiaktuarin amtete. Der Ehe<br />

entstammen zwei Töchter.<br />

Fritz Dubs arbeitete als Lokomotivführer<br />

bei der SOB.<br />

Von 1971-1978 präsidierte er die reformierte<br />

Kirchgemeinde <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Auch dem Jägerverein <strong>Einsiedeln</strong><br />

stand er als Präsident vor.<br />

Von 1973-1983 sass er für die <strong>SP</strong> <strong>im</strong><br />

Schwyzer Kantonsrat und amtete zuletzt<br />

als Fraktionschef. Seit 1973 war<br />

er in der Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

aktiv.<br />

Fritz Dubs verstarb am 10. Oktober<br />

2000.<br />

Doppelturnhalle mit Schulschw<strong>im</strong>mbecken<br />

be<strong>im</strong> Schöngarn. Ersteres wurde<br />

von der Partei befürwortet, letzteres abgelehnt.<br />

Be<strong>im</strong> Volk fand beides keinen<br />

Anklang.<br />

Die Parteileitung intensivierte die<br />

Mitgliederwerbung am Arbeitsplatz,<br />

bei den Gewerkschaften und bei denjenigen<br />

Mitgliedern, die lange nicht mehr<br />

an Parteiveranstaltungen teilgenommen<br />

hatten.<br />

Noch strubere <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

1982, «eine Lektion in Sachen<br />

Anstand» und der dritte<br />

<strong>SP</strong>-Landammann<br />

Die Parteileitungssitzungen vom 3. und<br />

11. Februar 1982 fanden <strong>im</strong> «Falken»<br />

statt, dienten dem Meinungsaustausch<br />

und der Vorbesprechung der <strong>Bezirk</strong>s-<br />

Landi in Schwyz und Kantonsrat Jürg Krummenacher<br />

von der kritischen Aktion «Sunnewirbel» kreuzten<br />

die Klingen (EA 17.1.1981). Letzterer kritisierte «eine<br />

überd<strong>im</strong>ensionierte, Geld, Zeit und Umwelt kostende<br />

Monsterschau» (EA 6.2.1981). Wo die Sympathien<br />

lagen zeigte Parteipräsident und Kantonsrat<br />

Fritz Dubs in der September-Session des Kantonsrates.<br />

Bei der <strong>SP</strong>-Fraktion «zündete der Funke noch<br />

nicht ganz. Ich weiss allerdings nicht, ob dies daran<br />

lag, dass der Funke zu klein wäre oder dass das Holz<br />

zu nass sei.» (EA 22.9.1981). Die <strong>SP</strong> unterstützte das<br />

Postulat des kritischen forums auf Abhaltung einer<br />

vorzeitigen Konsultativabst<strong>im</strong>mung.<br />

Die Generalversammlung hielt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

am 27. März 1981 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» ab. «Obwohl<br />

auf allen Ebenen hindurch alle Quartale Abst<strong>im</strong>mungen<br />

mit teils enormen finanziellen Konsequenzen<br />

stattfinden sei leider von Jahr zu Jahr ein merklich<br />

zunehmendes Desinteresse in der Bürgerschaft und<br />

insbesondere in den Reihen der Arbeiter und Gewerkschafter<br />

festzustellen.» konstatierte der Parteipräsident.<br />

Der Mitgliederbestand betrug 49, 36 Männer<br />

und 13 Frauen. Das Parteivermögen betrug gerade<br />

noch Fr. 2‘105.05. Die Parteileitung wurde <strong>im</strong> Amt<br />

bestätigt.<br />

Im laufenden Jahr hielt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> noch<br />

drei Parteiversammlungen <strong>im</strong> «Biergarten» und einen<br />

Chlaushock <strong>im</strong> «Falken» ab (EA 21.4.1981, EA<br />

9.10.1981, EA 10.11.1981). Unter anderem ging es<br />

um einen Landerwerb und einen Baukredit für eine<br />

138


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

wahlen. Zufolge der Demission des Säckelmeisters ergab<br />

sich die Gelegenheit, mit dem nicht <strong>im</strong> Austritt befindlichen<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> für das Säckelmeisteramt zu<br />

kandidieren.<br />

Die Parteiversammlung am 1. März 1982 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

war den kantonalen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 28. März 1982<br />

gewidmet. Kantonsrat Richard Wyrsch referierte unter anderem<br />

über die Initiative auf Proporzwahl des Regierungsrates.<br />

Die Generalversammlung wurde am 6. April 1982 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

abgehalten. In der Kürze liegt die Würze, nach diesem<br />

Motto legte Parteipräsident Fritz Dubs Rechenschaft über das<br />

vergangene Jahr ab. Er war kein Freund langer Reden oder<br />

Schriften, er war ein Mann der Tat. Entsprechend kurz fielen<br />

jeweils seine <strong>Jahre</strong>sberichte aus!<br />

Der Mitgliederbestand lag mittlerweilen bei 59. Die Parteileitungsmitglieder<br />

wurden in ihren Ämtern bestätigt. Der zweite<br />

Teil der Generalversammlung war den anstehenden <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 25. April 1982 gewidmet. Die Bekanntgabe<br />

einer allfälligen Kandidatur von <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

habe zu heftigen Gesprächen mit den anderen Parteien, vorab<br />

der LVP, geführt, bemerkte Parteipräsident Fritz Dubs. «Um<br />

23.50 Uhr erscheint seitens LVP Jürg Gyr und Wendelin Kälin,<br />

wobei Fritz Dubs Jürg Gyr eine Lektion in Sachen Anstand und<br />

bisherigem Vorgehen erteilte. Nachdem unsererseits der Anspruch<br />

auf das Säckelmeisteramt fallengelassen, konnte eine<br />

Einigung auf gemeinsame Liste erzielt werden.», so das Protokoll.<br />

Einst<strong>im</strong>miger Tenor der Genossen war das Halten des<br />

zweiten <strong>Bezirk</strong>sratsmandats von Karl Hensler und der Sitz des<br />

ebenfalls wieder kandidierenden Mitglieds der Rechnungsprüfungskommission,<br />

Martin Kälin.<br />

Im Parteibericht enervierte man sich noch einmal über das<br />

Verhalten der LVP. «Kein Verständnis jedoch empfand man<br />

gegenüber dem überheblichen Gebaren der LVP-Parteispitze,<br />

insbesondere den Präsidenten, <strong>im</strong> Hinblick auf die von der <strong>SP</strong><br />

angemeldete Kandidatur für den eventuell neu zu besetzenden<br />

Posten des Säckelmeisters. Herr j.g. sollte als Wahlstratege<br />

doch endlich einsehen, dass auf lokaler Ebene, aus Erfahrungen,<br />

mehr die angebotenen Personen, als die ‹anbietenden<br />

Parteien› entscheidend sind.» (EA 16.4.1982).<br />

Trotz oder gerade in Folge des Wahlabkommens von CVP,<br />

LVP und <strong>SP</strong> wurden Kampfwahlen erwartet (EA 26./30.3.1982).<br />

«Praktisch alle Prognosen lauten (…) dahin, dass eine Nachwahl<br />

notwendig sein wird. Neben den parteioffiziellen Listen<br />

– es stehen sich die gemeinsame Liste der ‹historischen› drei<br />

Parteien und der SVP/BGB gegenüber – stehen bereits auch<br />

sogenannte wilde Listen zur Verfügung.» (EA 20.4.1982).<br />

«Einsiedler Wahlkampf in der Endphase. Nun werden die<br />

Leute wirklich nervös. Wie üblich, entgleitet der Wahlkampf um<br />

die <strong>Bezirk</strong>sratsmandate in den letzten Tagen den gesitteten<br />

Bahnen. Von hüben und drüben wird mit grobem Geschütz<br />

gegeneinander aufgefahren, wobei sich die SVP aus den<br />

Auseinandersetzungen raushalten kann. Neben den eigenen<br />

Die wirtschaftliche Lage in den hiesigen grösseren Betrieben<br />

war 1982 schwierig und die Rezession spürbar. Sowohl<br />

bei der Benziger AG (EA 10.8.1982) als auch bei Landis<br />

& Gyr, das 1982 sein 25-jähriges Jubiläum des Werks<br />

<strong>Einsiedeln</strong> feiern konnte, musste Kurzarbeit eingeführt<br />

werden und erfolgte ein Personalabbau (EA 23.11.1982,<br />

EA 17.12.1982). Dasselbe geschah bei der Firma Bührle <strong>im</strong><br />

Ochsenboden (EA 10.12.1982).<br />

Landis & Gyr zählte 1982 400 Mitarbeitende. Anfangs der<br />

1970er-<strong>Jahre</strong> fanden noch bis zu 540 ein Auskommen in<br />

der Firma (EA 7.9.1982).<br />

Dissidenten und der SVP/BGB haben nun auch die Sozialdemokraten<br />

Position gegen die Liberalen bezogen, obwohl sie<br />

deren offiziellen Kandidaten weiterhin unterstützen. Gleichsam<br />

haufenweise flattern den staunenden St<strong>im</strong>mbürgerinnen und<br />

St<strong>im</strong>mbürgern in diesen Tagen Flugblätter und Wahlvorschläge<br />

in den Briefkasten. (…) Hauptwortführer in dieser Auseinandersetzung<br />

mit den Liberalen ist neben den Dissidenten<br />

aus dieser Partei die SVP, die gar eine Sonderausgabe ihres<br />

Parteiblattes – man vermisst allerdings die übliche Hausfarbe<br />

– verschickt und darin hemmungslos den liberalen ‹Feind› attackiert.»<br />

(EA 23.4.1982).<br />

Während sämtliche Kandidaten der CVP und der <strong>SP</strong> <strong>im</strong><br />

ersten Wahlgang gewählt wurden musste der offizielle liberale<br />

Kandidat Peter Grätzer, Bankrat, der nur 75 St<strong>im</strong>men mehr<br />

erzielte als der bisherige, von den Liberalen nicht mehr aufgestellte<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Rudolf Schnüriger, in die Nachwahlen (EA<br />

27.4.1982). Der Kandidat der SVP, Anton Kälin, hatte mehr<br />

St<strong>im</strong>men als diese beiden erzielt, sodass der Ausgang der<br />

Nachwahlen spannend und offen war. Nachdem sich Peter<br />

Grätzer als Kandidat zurückgezogen hatte, wurde der missliebige<br />

Rudolf Schnüriger von den Liberalen doch wieder offiziell<br />

ins Rennen geschickt. <strong>SP</strong>-Parteipräsident Fritz Dubs erteilte<br />

einer Unterstützungsanfrage eine Absage. «Für uns ist das<br />

Wahlabkommen am 25. April abgelaufen. Wir werden nicht<br />

Stellung nehmen.» (EA 7.5.1982).<br />

Nach Wahlgeplänkeln zwischen der LVP und der SVP/BGB<br />

(EA 14.5.1982) gingen die Nachwahlen vom 16. Mai 1982 zu<br />

Gunsten der letzteren aus. Ihr Kandidat, Anton Kälin («Mösli-<br />

Toni») holte doppelt so viele St<strong>im</strong>men wie der LVP-Kandidat,<br />

und die junge Partei war nunmehr mit zwei Männern <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>sratsgremium<br />

vertreten (EA 18.5.1982).<br />

Die Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 25. Mai<br />

1982 <strong>im</strong> «Biergarten» verlief in ruhigen Bahnen. Beraten wurde<br />

über verschiedene <strong>Bezirk</strong>svorlagen, unter anderem einen Kredit<br />

für die Restaurierungskosten der Klosterkirche <strong>Einsiedeln</strong>, den<br />

die Genossen einst<strong>im</strong>mig guthiessen. Am Folgetag fand die «chibige<br />

Sitzung» betreffend die Verteilung der Sitze in den <strong>Bezirk</strong>skommissionen<br />

statt. Diese fanden gegenüber 1980 nur folgende<br />

139


Veränderungen: <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> hatte zusätzlich<br />

Einsitz in der Betriebskommission Wasserversorgung und in der<br />

Grossen Planungskommission und <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler präsidierte<br />

neu auch die Kommission Betagten-Pflegehe<strong>im</strong>-Neubau,<br />

Lydia Suter-Stössel war an Stelle von Fritz Dubs neu Mitglied in<br />

der Gesundheitskommission (EA 28.5.1982).<br />

Die Delegiertenversammlung der <strong>SP</strong> des Kantons Schwyz wurde<br />

am 28. Mai 1982 <strong>im</strong> Hotel «Kolping» in <strong>Einsiedeln</strong> abgehalten.<br />

Ein Höhepunkt in der kantonalen Parteigeschichte war in<br />

der Sommersession des Kantonsrates die Wahl von Baudirektor<br />

Heinrich Kistler zum Landammann des Kantons Schwyz, dem<br />

erst dritten Landammann der <strong>SP</strong> nach Josef Heinzer und Josef<br />

Diethelm (EA 25./29.6.1982).<br />

Die Parteiversammlungen vom 13. September 1982 <strong>im</strong> Hotel<br />

«St. Georg» sowie vom 12. November 1982 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

waren eidgenössischen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen gewidmet (EA<br />

16.11.1982).<br />

Martin Kälin neuer Kantonsrat,<br />

Helmut Hubacher in <strong>Einsiedeln</strong> und eine<br />

Insolvenzerklärung der Kantonalpartei<br />

Inserat vom 3. Oktober 1983 <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger».<br />

An der öffentlichen Wahlveranstaltung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

die am 5. Oktober 1983 <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» stattfand,<br />

konnte sich Nationalratskandidat Arthur Züger vorstellen.<br />

Landammann Heinrich Kistler hielt das Schlusswort (EA<br />

4.10.1983).<br />

Der 23. Oktober 1983 zeitigte aber das zu befürchtende<br />

Resultat: ein Nationalratsmandat lag weiterhin ausser<br />

Reichweite. Die <strong>SP</strong> verlor vor allem in ihren Stammlanden<br />

March erheblich an St<strong>im</strong>men, obwohl man dort Arthur Züger<br />

am besten kannte (EA 25.10.1983).<br />

Landammann Heinrich Kistler (<strong>SP</strong>) und <strong>SP</strong>-Nationalrat und<br />

<strong>SP</strong>S-Parteipräsident Helmut Hubacher am Frühjahrsparteitag<br />

vom 26. März 1983 <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Fritz Dubs, Lokomotivführer, demissionierte per Ende Februar<br />

1983 als Kantonsrat wegen des neu eingeführten Taktfahrplanes.<br />

An seiner Stelle rückte Posthalter Martin Kälin für den<br />

Rest der Amtsdauer als Kantonsrat nach (EA 25.2.1983, EA<br />

18.3.1983).<br />

An der von 15 Mitgliedern besuchten Parteiversammlung<br />

vom 18. Februar 1983 <strong>im</strong> Restaurant «Falken» gelangten die<br />

eidgenössischen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 27. Februar<br />

1983 zur Diskussion.<br />

Der Frühjahrsparteitag der <strong>SP</strong> des Kantons Schwyz wurde am<br />

26. März 1983 <strong>im</strong> Hotel «St. Georg» abgehalten. Prominenter<br />

Gastredner war Nationalrat Helmut Hubacher, Präsident der<br />

Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Der Parteitag galt<br />

als Auftakt zu den eidgenössischen Parlamentswahlen <strong>im</strong><br />

Herbst (EA 25.3.1983).<br />

Bereits <strong>im</strong> Oktober 1982 war <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu<br />

lesen gewesen, dass die Schwyzer <strong>SP</strong> für die Nationalratswahlen<br />

1983 den Kampf angesagt hatte (EA 26.10.1982). «Auf<br />

Vorschlag der Parteileitung hat am Samstag der Frühlings-Parteitag<br />

der Schwyzer <strong>SP</strong> offiziell die Teilnahme an den Wahlen<br />

<strong>im</strong> Herbst 1983 beschlossen. Selbst die Beteiligung bei den<br />

Ständeratswahlen will man sich offen halten.» (EA 29.3.1983).<br />

Es folgte jedoch die Erkenntnis, dass man sich mit zugkräftigen<br />

Kandidaten schwer tat.<br />

Der Redaktor des «Einsiedler Anzeigers», Gerhard Oswald,<br />

140


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Benziger AG – Die letzte grössere Arbeiterbewegung<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> und eine Trauergeschichte<br />

Die Wirtschaftsaussichten waren 1982 nach wie vor düster.<br />

Die Frühjahrsversammlung 1983 der Graphischen Gewerkschaft<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, die einen respektablen Bestand von 140<br />

Personen zählte und von <strong>Walter</strong> Reichmuth präsidiert wurde,<br />

machte sich Sorgen wegen der erfolgten Entlassung<br />

von 14 Buchbindern bei der Benziger AG (EA 31.5.1983).<br />

Es gab für diese <strong>im</strong>merhin einen Sozialplan (EA 8.7.1983)<br />

und die Direktion äusserte, es würden keine weiteren Kündigungen<br />

mehr folgen (EA 22.7.1983).<br />

Im November 1983 kam es zu einer Umstrukturierung<br />

und einem Führungswechsel bei der Benziger AG (EA<br />

18.11.1983). Ende 1983 musste aber erneut weniger Umsatz<br />

und wiederum ein Verlust deklariert werden (EA<br />

23.12.1983).<br />

Anfangs Februar 1984 kam es zum Paukenschlag. Die Benziger<br />

AG liess verlauten, bis Juni 1984 60 Mitarbeitende zu<br />

Buchbinder bei Benziger um 1950 bei der Arbeit.<br />

entlassen und die Buchbinder-Abteilung zu schliessen (EA<br />

7.2.1984). Das Personal war empört und unzufrieden. Diese<br />

Information traf die Belegschaft «wie ein Blitz aus heiterem<br />

H<strong>im</strong>mel», war doch noch vor kurzem mitgeteilt worden, es<br />

gebe keine weiteren Kündigungen. Auf Kritik stiess auch<br />

der mangelnde Informationsstand, insbesondere, wen die<br />

Kündigung trifft, und ganz generell die Informationspolitik<br />

der Firma. Die Betriebskommission mit Obmann Willi Grätzer<br />

suchte das Gespräch mit dem <strong>Bezirk</strong>srat und das Personal<br />

besprach zusammen mit der Gewerkschaft etwaige<br />

Massnahmen. Schliesslich beschloss man – mit Rückhalt<br />

be<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat – den Kampf: «Kein Abbau von Arbeitsplätzen!»<br />

Streikaktionen waren ein Thema (EA 7./10./17.2.1984).<br />

Verbal duellierten sich Direktor S<strong>im</strong>on Kissling und Gerhard<br />

Heckmanns, Mitglied der Betriebskommission und<br />

Vorstandsmitglied der Gewerkschaft (EA 10.2.1984).<br />

Auch die Parteiversammlung der <strong>SP</strong> vom 9. Februar<br />

1984 kritisierte die Entlassungen. «Harte Worte waren am<br />

Schlusse der Versammlung angebracht in Bezug auf die<br />

Art und Weise, wie bei Benziger AG innert sechs Monaten<br />

sechzig Stellen durch Kündigung abgebaut werden sollen.<br />

Die angewandte Informationspraxis gebe wohl das Bild dar,<br />

wie kurzsichtig sich die verantwortlichen Personen des zu<br />

umfangreichen Managements auf die enorme Umstrukturierung<br />

in der Graphischen Branche, und da besonders <strong>im</strong><br />

Sektor Buchbinderei, eingestellt hatten.» (EA 17.2.1984).<br />

Dem Benziger-Unternehmen wurde vorgeworfen, eine «unglückliche<br />

Programmpolitik» zu verfolgen (EA 14.2.1984),<br />

worauf die Firma <strong>im</strong>merhin über die Bücher ging (EA<br />

28.2.1984, EA 27.6.1986) und sich später sogar<br />

noch als Video-Produktionsfirma betätigte (EA<br />

2.9.1986). Eine Aussprache der Parteien am 14.<br />

Februar 1984 führte indessen zu keiner Annäherung<br />

der Standpunkte, Hoffnungssch<strong>im</strong>mer<br />

glommen aber doch gegen Ende Februar auf (EA<br />

17./24.2.1984). Die Schweizerische Graphische<br />

Gewerkschaft <strong>Einsiedeln</strong> (SGG) platzierte ult<strong>im</strong>ativ:<br />

«Firma Benziger muss weiterleben!» (EA<br />

28.2.1984).<br />

Die linke «WOZ»-Zeitung thematisierte das skandalöse<br />

Vorgehen der Benziger-Geschäftsleitung,<br />

der «Einsiedler Anzeiger» nahm diese – einmal<br />

mehr, wie die Geschichte zeigt – in Schutz (EA<br />

2./9.3.1984).<br />

Mitte März 1984 wurde der Verkaufsleiter der Benziger<br />

AG fristlos entlassen (EA 16.3.1984). Gleichzeitig<br />

fanden Verhandlungsrunden zwischen der<br />

Benziger AG und dem Aarauer Verlag Sauerländer<br />

betreffend den Erhalt des Unternehmens<br />

statt, die letztlich aber – zur Konsternation des<br />

Personals – scheiterten (EA 23.3.1984, EA 13./17.4.1984).<br />

Im April 1984 begannen Verhandlungen über einen Sozialplan<br />

(EA 19./27.4.1984). Eine Selbsthilfegruppe wurde aktiv<br />

(EA 18.5.1984). Am 29. Juni 1984 wurde dann verkündet,<br />

dass Firmenleitung und Arbeitnehmer über den Sozialplan<br />

einig wurden und die Betroffenen «grösstenteils zufrieden»<br />

seien (EA 3./10.7.1984).<br />

Ende Juli 1984 wurde bekannt, dass die Benziger Verlagsanstalt<br />

von der deutschen Rheinpfalz Verlag & Druckerei<br />

GmbH (später Pfälzische Verlagsanstalt) übernommen wer-<br />

141


de (EA 27.7.1984, EA 18.9.1984, EA 23.10.1984). Wichtig<br />

war dabei offenbar die Feststellung, dass deren Besitzer<br />

katholisch war!<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» sprach von Rettung und der Verwaltungsrat<br />

der Benziger AG erfuhr Neubesetzungen (EA<br />

31.7.1984). «Wir investieren, um zu sanieren!» meinte Dieter<br />

Schaub, der neue Benziger-Besitzer (EA 26.10.1984, EA<br />

13.11.1984). Tatsächlich sollen 12 Millionen Franken investiert<br />

worden sein (EA 29.8.1986).<br />

Im März 1985 nahm mit Hanspeter Unternährer ein neuer<br />

Geschäftsführer seine Tätigkeit auf (EA 12.3.1985). Das<br />

Verlagsgeschäft sollte ausgebaut werden (EA 16.4.1985).<br />

«Bei Benziger hat die Zukunft begonnen» (EA 25.6.1985).<br />

Dies geschah indessen zunächst mit einer Rationalisierung<br />

der Buchauslieferung. Die Verlage Benziger und Diogenes<br />

spannten zusammen und gründeten die BD Bücherdienst<br />

AG (EA 20.9.1985). Der Ausverkauf bei Benziger war bereits<br />

<strong>im</strong> Gange. Der Benzigerkomplex am Klosterplatz wurde<br />

verkauft (EA 15.11.1985) und <strong>im</strong> August 1986 wurde das<br />

Aktienkapital abgeschrieben (EA 5.8.1986).<br />

Der Benziger-Direktor sprach Anfang September 1986 von<br />

einem der technisch modernsten Betriebe in Europa (EA<br />

5.9.1986).<br />

Ende Oktober 1986 war die Benziger AG dennoch wieder<br />

in den Schlagzeilen. Zum einen wurde der vormalige<br />

Delegierte <strong>im</strong> Verwaltungsrat, ein Luzerner Treuhänder,<br />

wegen Finanzdelikten angeklagt (EA 2./9.9.1986, EA<br />

24./28.10.1986). Zum anderen machten erneut Verkaufsgerüchte<br />

die Runde (EA 28.10.1986, EA 25.11.1986). Ende<br />

1986 wurde dann der rentabelste Betrieb, die BD Bücherdienst<br />

AG, an den Diogenes Verlag AG abgestossen (EA<br />

25.11.1986). Dieser verblieb dann noch in <strong>Einsiedeln</strong> (EA<br />

28.11.1986, EA 1.5.1987).<br />

1986 wurden Verlag und grafisches Unternehmen getrennt.<br />

Ersterer wurde von der deutschen Verlagsgruppe Westermann<br />

übernommen und 1994 an die deutsche Patmos Verlagsgruppe<br />

verkauft. 2003 wurde das unter dem Namen<br />

Benziger laufende Programm dann eingestellt. Das grafische<br />

Unternehmen ging 1992 auf den damaligen Geschäftsführer<br />

Louis Senn über. 1993 wurde der Druckereibetrieb eingestellt,<br />

die Buchbinderei und der übrige Geschäftsbetrieb 1995.<br />

Was diese Entwicklung des Einsiedler Traditionsunternehmen<br />

<strong>im</strong> Zeitraum von nur zehn <strong>Jahre</strong>n für <strong>Einsiedeln</strong>, als Arbeitsstandort<br />

und für die Arbeitsbeschaffung, aber vor allem<br />

für die direkt betroffene und verunsicherte Belegschaft bedeutete<br />

kann man nurmehr erahnen. Die Arbeiterschaft war<br />

ausgeliefert und Opfer einer verfehlten Unternehmerpolitik<br />

geworden.<br />

Die noch 1970 an der südlichen Dorf-Peripherie errichteten Benziger-<br />

Gebäulichkeiten in einer Aufnahme von 1989.<br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger»<br />

vom 3. April 1984.<br />

142


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

kommentierte: «Wenn zur Zeit eine Partei nicht um ihre Lage zu<br />

beneiden ist, dann die Sozialdemokraten. Noch <strong>im</strong>mer haben<br />

sie den Verlust ihres unbestrittenen Leaders Josef Diethelm<br />

nicht verkraftet, der ihnen St<strong>im</strong>menmagnet, Organisator und<br />

Kristallisationspunkt in einem war. Eine klare Führung der Partei<br />

fehlt denn auch heute, was selbst prominente Mitglieder nicht<br />

selten beklagen. Recht lauthals hat sich die <strong>SP</strong> an ihrem Frühlingsparteitag<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> zu den Herbstwahlen vernehmen<br />

lassen (..). Vom (personellen) Glück ist die Partei jedoch nicht<br />

begünstigt. Was übrigens absehbar war. Landammann Heinrich<br />

Kistler will nicht, alt Nationalrat Alois Kessler fällt (plötzlich)<br />

gesundheitshalber aus. Eine einigermassen zugkäftige Nationalratsliste<br />

konnte am letzten Samstag nicht zusammengestellt<br />

werden. Vermutlich wurde das Licht doch etwas zu früh<br />

auf den Scheffel gestellt. Und wenn nicht ein Wunder passiert,<br />

so sind die Herbstwahlen für die <strong>SP</strong> bereits verloren. Eine Perspektive,<br />

die für die Parteiarbeit nicht eben motivierend wirkt.<br />

Aber noch einer anderen Gefahr hat sich die <strong>SP</strong> zu erwehren.<br />

Sie wird ihr vermutlich noch mehr Kopfzerbrechen bereiten.<br />

Morgen Samstag wird in Wollerau das Kritische Forum des<br />

Kantons Schwyz gegründet, eine politische Vereinigung, die<br />

links der <strong>SP</strong> anzusiedeln ist.» (EA 27.5.1983).<br />

Die Kantonalpartei (und ihre Sektionen) brachten <strong>im</strong> dritten<br />

Anlauf mit <strong>Bezirk</strong>srat Arthur Züger nur eine Einerliste für<br />

die Nationalratswahlen zustande. «Was die Sozialdemokraten<br />

der erstaunten Schwyzer Wählerschaft für die kommenden<br />

Herbstwahlen zu präsentieren geruhen, kommt einer Insolvenzerklärung<br />

der Partei gleich. (...) Man verpasste es, neben<br />

Diethelm weitere Persönlichkeiten als mögliche Nachfolger<br />

aufzubauen, indem man sie auf die Nationalratsliste nahm.<br />

(...) Nichts gegen den nun portierten einzigen Kandidaten<br />

Arthur Züger, der das plötzliche und von Rätseln umwitterte<br />

Verschwinden von alt Nationalrat Alois Kessler von der politischen<br />

Bühne auszubügeln hat. Er hat sich als fähiger, humorvoller<br />

und volkstümlicher <strong>Bezirk</strong>spolitiker erwiesen. (...)<br />

Die <strong>SP</strong> wird es schwer haben, bei den Nationalratswahlen<br />

1983 auch nur annähernd an das ohnehin schon bescheidene<br />

Ergebnis von 1979 heranzukommen.» (EA 17.6.1983).<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> lud zwischenzeitlich zu ihrer ordentlichen<br />

Generalversammlung am 8. April 1983 in das Restaurant<br />

«Biergarten». Sie war von 18 Mitgliedern besucht. Das<br />

Mitgliederverzeichnis führte 60 Mitglieder und vier Sympathisanten<br />

auf. Aus der Parteileitung lagen keine Demissionen<br />

vor. Als Sekretär amtete <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong>. Dieser<br />

stellte den Anwesenden als Kommissionspräsident das<br />

Umbauprojekt «Altes Schulhaus» vor, welches Zust<strong>im</strong>mung<br />

fand (EA 5.4.1983).<br />

An der Orientierungsversammlung vom 25. August 1983<br />

wurde <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» das Volksbegehren «Dorf<br />

und Land mitenand» betreffend den Bau einer Sporthalle <strong>im</strong><br />

Dorf und sechs Mehrzweckhallen auf den Vierteln und den<br />

entsprechenden Baukredit von Fr. 13‘240‘000.— kontradiktorisch<br />

beraten. Die Vorlage fand eine knappe Zust<strong>im</strong>mung<br />

(EA 23./30.8.1983). Die <strong>SP</strong> nahm dabei als einzige Partei<br />

des <strong>Bezirk</strong>s einen befürwortenden Standpunkt ein (EA<br />

26.8.1983).<br />

Die Parteiversammlung vom 28. September 1983 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» st<strong>im</strong>mte dem Kreditbegehren betreffend Umbau/Renovation<br />

des Alten Schulhauses zu.<br />

An der Parteiversammlung vom 17. November 1983 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Falken» gelangten die Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom<br />

4. Dezember 1983 zur Diskussion. Im Gegensatz zur Kantonalpartei<br />

st<strong>im</strong>mte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> sowohl dem kantonalen<br />

Wahlgesetz als auch dem Sozialhilfegesetz und einer Steuererhöhung<br />

an der Budgetgemeinde zu (EA 22.11.1983).<br />

Für eine Bundesratsbeteiligung, linke<br />

Konkurrenz und Kantonsratswahlen 1984<br />

Die Parteiversammlung vom 9. Februar 1984 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Biergarten» war von 29 Mitgliedern besucht. Traktandiert waren<br />

die eidgenössischen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 26. Februar<br />

1984. Der Zivildienstinitiative, der Schwerverkehrssteuer<br />

und auch der Autobahnvignette wurde – letztlich ohne Erfolg<br />

(EA 28.2.1984) – zugest<strong>im</strong>mt. Die Partei beauftragte Fritz Dubs<br />

als Delegierten überdies, am schweizerischen Parteitag vom<br />

11./12. Februar 1984 für einen Verbleib der <strong>SP</strong> <strong>im</strong> Bundesrat<br />

zu votieren (EA 13.1.1984, EA 3./17.2.1984). Gleicher Meinung<br />

war auch die Mehrheit des Parteirates der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz<br />

(EA 3.2.1984).<br />

«Nun hat das grösste Polittheater des Jahrzehnts seinen<br />

vorläufigen Abschluss gefunden. Die <strong>SP</strong>-Delegierten haben<br />

mit 773 gegen 511 St<strong>im</strong>men ihrem Vorstand eine deutliche<br />

Abfuhr erteilt. Die Sozialdemokraten verbleiben ohne Wenn<br />

und Aber <strong>im</strong> Bundesrat. Der Täubeliaktion ihres Parteipräsidenten<br />

Helmut Hubacher wurde das staatsmännische Verantwortungsbewusstsein<br />

der grossen Mehrzahl des Parteivolkes<br />

entgegengestellt.», kommentierte Gerhard Oswald <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» (EA 14.2.1984). Die Diskussion war durch<br />

die Nichtwahl von Lilian Uchtenhagen als erster Frau und die<br />

Wahl von Otto Stich in den Bundesrat losgetreten worden.<br />

«Mit Genugtuung hat die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom Entscheid des<br />

<strong>SP</strong>S-Parteitages Kenntnis genommen, weiterhin Bundesratspartei<br />

zu bleiben.» (EA 14.2.1984).<br />

Nachdem das kritische forum schwyz (kfs) <strong>im</strong> Januar<br />

1984 die Absicht erklärt hatte, in allen grösseren und damit<br />

proporzgünstigen Gemeinden mit Kandidaturen anzutreten<br />

(EA 20.1.1924) war die Gründung des kritischen forums<br />

einsiedeln (kfe) keine Überraschung. «Kritisches forum (kfe)<br />

stellt sich vor. (...) Warum kfe? Wir glauben, dass auch in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> eine konstruktive Oppositionspolitik notwendig<br />

ist. Eine Politik, die sich nicht nur mit Fragen, welche einen<br />

Grossteil der Bevölkerung beschäftigt, auseinandersetzt,<br />

sondern diese auch offen zu vertreten gewillt ist.» Als pro-<br />

143


grammatische Punkte wurden genannt: Umweltschutz und<br />

Förderung des öffentlichen Verkehrs. Das kfe verstand sich<br />

als politische Gruppierung (EA 2.3.1984).<br />

Das kfs stellte bei den Regierungsratswahlen ihre Oppositionspolitik<br />

gleich unter Beweis, indem sie Paul Brandenberg<br />

(CVP) wegen seiner befürwortenden Haltung zum Waffenplatz<br />

Rothenthurm ihren eigenen Kandidaten Jürg Krummenacher,<br />

Schwyz, gegenüberstellte. Der Angriff war aufgrund der gemeinsamen<br />

Liste für die Regierungsratswahlen zu zahm und<br />

bewirkte nichts (EA 2./13./16.3.1984). <strong>SP</strong>-Regierungsrat Heinrich<br />

Kistler wurde problemlos wiedergewählt (EA 10.4.1984).<br />

An der Parteiversammlung vom 23. Februar 1984 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Falken» verabschiedete man die Kandidatenliste für<br />

die Kantonsratswahlen vom 8. April 1984. «Erklärtes Ziel der<br />

<strong>SP</strong> muss und wird es sein, ein Mandat für die grosse Einsiedler<br />

Arbeitnehmerschaft halten zu können (nach den bekannten<br />

Die Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> 1984 <strong>im</strong> «Einsiedler<br />

Anzeiger» vom 20. März 1984. V.l.n.r. Urs Jäger, Student, Gerhard Egli, Werkmeister<br />

Landis & Gyr, <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler, Ursula Dubs, Hausfrau und Schulrätin, Martin Ulrich,<br />

Sachbearbeiter SOB, Kantonsrat Martin Kälin, Posthalter (kumuliert), Werner Kälin, Wirt<br />

und Baggerführer, Lydia Suter-Stössel, Hausfrau, und Willi Suter, Verkaufs-Disponent.<br />

Mutationen vielleicht künftig sogar den einzigen Arbeitnehmersitz?).<br />

Der Parteileitung, mit Fritz Dubs an der Spitze, ist<br />

es gelungen eine in Bezug auf Berücksichtigung von Frauen,<br />

Gewerkschaften, Angestellten und Altersgruppen sehr ausgewogene<br />

Kandidatenliste zu präsentieren. Die Grosszahl der<br />

Kandidaten/innen verfügt über politische Erfahrung in Behörde<br />

und Kommissionen und hat ihr soziales Engagement schon<br />

vielfach unter Beweis gestellt.» (EA 16.3.1984).<br />

Infolge der Beteiligung des kfe an den Kantonsratswahlen<br />

vom 8. April 1984 traten in <strong>Einsiedeln</strong> das erste Mal fünf Listen<br />

mit insgesamt 43 Kandidierenden zur Wahl an. Ein Tolgg war,<br />

144<br />

dass von allen Parteien nur vier Frauen portiert wurden (EA<br />

27.3.1984).<br />

«Ruhige Ausmarchung um Regierungs- und Kantonsratsmandate.<br />

Wer verliert den elften Sitz? Kantonsratswahlen stehen<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz <strong>im</strong>mer unter einem besonderen Aspekt:<br />

Die übrigen Parteien versuchen mit allen Mitteln, der CVP ihre<br />

knappe Mehrheitsstellung streitig zu machen. Dies ist auch an<br />

diesem Wochenende ihr erklärtes Ziel. (...) In <strong>Einsiedeln</strong> wird<br />

eine Partei sicher als Verlierer aus den Wahlen hervorgehen.<br />

Es stehen dem <strong>Bezirk</strong> statt bisher elf nur noch zehn Kantonsratsmandate<br />

zu.» (EA 6.4.1984).<br />

Am Wahltag zeigte es sich, dass die <strong>SP</strong> ihr Kantonsratsmandat<br />

mit Martin Kälin zu halten vermochte (Vollmandat).<br />

Kantonal büsste die Partei aber an Wählerst<strong>im</strong>men ein. In <strong>Einsiedeln</strong><br />

traf es am deutlichsten die <strong>SP</strong>, die gegenüber 1980<br />

18.5% Wähleranteil einbüsste. «Ein weiterer derartiger Verlust,<br />

und die Tage eines <strong>SP</strong>-Mandates <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> dürften gezählt sein.»<br />

kommentierte der «Einsiedler Anzeiger»<br />

(EA 10./13.4.1984). Auch die SVP<br />

konnte ihren Sitz verteidigen, wohingegen<br />

das kfe chancenlos blieb.<br />

Der Parteitag der Schwyzer Sozialdemokraten<br />

vom 16. März 1984<br />

<strong>im</strong> «Rössli» in Rothenthurm sah den<br />

Besuch der ersten <strong>SP</strong>-Regierungsrätin<br />

der Schweiz, Hedy Lang (EA<br />

16.3.1984). Zu einem späteren Zeitpunkt<br />

beschloss die Kantonalpartei<br />

für die am 20. Mai 1984 zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangende Banken-Initiative<br />

die Ja-Parole. «Nach Auffassung der<br />

<strong>SP</strong> des Kantons Schwyz beherrschen<br />

die Grossbanken einen wesentlichen<br />

Teil schweizerischer Industrieunternehmen.<br />

Trotz gewaltiger Gewinne würden<br />

sie auf die Löhne drücken. Auch<br />

hätten die Banken keine Arbeitsplätze<br />

gerettet, sondern eher zu ihrem Abbau<br />

beigetragen.» (EA 11.5.1984).<br />

Am selben Tag fanden auch die<br />

Wahlen in die <strong>Bezirk</strong>sbehörden statt. Sie standen erneut <strong>im</strong> Zeichen<br />

des Kampfes. «Erst zwei Tage bevor die St<strong>im</strong>mberechtigten<br />

erstmals zur Urne gehen können, stand endgültig fest, dass die<br />

Einsiedler <strong>Bezirk</strong>swahlen nicht in Minne verlaufen werden. Verhandlungen<br />

über das Wochenende ergaben keine Einigung. So<br />

haben sich nun die CVP, LVP und <strong>SP</strong> auf eine gemeinsame Liste<br />

geeinigt, während die SVP ihr Heil <strong>im</strong> Alleingang versucht. Sie<br />

geht dabei erneut auf neue Mandate aus, so be<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat, bei<br />

der Rechnungsprüfungskommission und bei der Wahl des Kantonsrichters.»<br />

Eine Einigung war daran gescheitert, weil der SVP<br />

kein Sitz in der Rechnungsprüfungskommission zugestanden


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Das Restaurant «Falken» <strong>im</strong> Horgenberg in einer Aufnahme um 1965.<br />

worden war (EA 15.5.1984). Auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag<br />

standen auch die von der Parteiversammlung am 10. Mai<br />

1984 Nominierten: <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> (bisher) und<br />

Christian Iten (neu) für die Rechnungsprüfungskommission.<br />

«Harte Note <strong>im</strong> Einsiedler Wahlkampf. Heftige Attacken<br />

gegen die SVP. Kurz aber heftig, so könnte man die Auseinandersetzung<br />

um die <strong>Bezirk</strong>swahlen in <strong>Einsiedeln</strong> umschreiben.<br />

Angeschossen werden jedoch weniger die Kandidaten der gemeinsamen<br />

Wahlliste der CVP, LVP und <strong>SP</strong> als vielmehr jene der<br />

SVP, die den Wahlkampf eher unüberlegt vom Zaume riss. Neben<br />

den beiden offiziellen Listen sind bereits auch wilde Listen <strong>im</strong><br />

Umlauf. (...) Und schliesslich werden auch die Sozialdemokraten<br />

tangiert, gegen deren Rechnungsprüfer (Christian Iten) die vierte<br />

Partei einen Gegenkandidaten aufstellte.» (EA 18.5.1984).<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen nahmen jedoch den erwarteten Ausgang.<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> wurde mit dem besten<br />

Resultat aller <strong>Bezirk</strong>sräte <strong>im</strong> Amt bestätigt. Gewählt waren<br />

auch Christian Iten (RPK) und <strong>Bezirk</strong>srichter Gerhard Egli (EA<br />

22.5.1984). In die Nachwahlen musste der amtierende SVP-<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Hans Kälin. Die CVP portierte neu prompt <strong>Walter</strong><br />

Zehnder, welcher den Amtsinhaber am 3. Juni 1984 tatsächlich<br />

um neun St<strong>im</strong>men zu überflügeln vermochte. Damit holte<br />

sich die CVP <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat die Mehrheit zurück. Acht CVP-<br />

<strong>Bezirk</strong>sräten standen vier von der LVP und je einer von der <strong>SP</strong><br />

und der SVP gegenüber (EA 25.5.1984, EA 5.6.1984).<br />

In den Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s gab es für die <strong>SP</strong> nur<br />

marginale Änderungen: Martin Ulrich nahm neu Einsitz in die<br />

Gesundheitskommission und Lydia Suter wechselte in den<br />

Schulrat.<br />

An der Generalversammlung der Partei vom 12. April 1984<br />

145<br />

<strong>im</strong> Restaurant «Falken» wurde ein Rückblick auf<br />

die Kantonsratswahlen genommen. Anwesend waren<br />

22 Mitglieder.<br />

Die Parteiversammlung vom 19. Juni 1984 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» fasste für alle kantonalen und kommunalen<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 1. Juli 1984<br />

die Ja-Parole (EA 26.6.1984).<br />

Im Kanton Schwyz wurde 1984 auch über das<br />

Asylantenwesen diskutiert. Von Seiten der Kantonalpartei<br />

erging folgende Medienmitteilung: «Sozialdemokratische<br />

Partei zu den Asylanten. So werden<br />

keine Probleme gelöst. Wie einem Beitrag in der<br />

Lokalpresse zu entnehmen ist, wollen zwölf Ausserschwyzer<br />

Gemeindepräsidenten be<strong>im</strong> Regierungsrat<br />

gegen die Aufnahme von Asylanten aus Afrika<br />

intervenieren. In der Begründung werden Probleme<br />

der Unterbringung, der Arbeitsbeschaffung und des<br />

Lebensstils angeführt. Diese Probleme sind tatsächlich<br />

vorhanden.» Die Kantonalpartei beurteilte dies<br />

aber als vorschnellen und gar ängstlichen Entscheid<br />

und sprach von einem «unheilvollen Abwehrreflex»<br />

(EA 24.7.1984).<br />

An der Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 18. September<br />

1984 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» kamen die eidgenössischen<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 23. September 1984<br />

zur Diskussion: zum einen die Volksinitiative «für eine Zukunft<br />

ohne weitere Atomkraftwerke», zum anderen die Volksinitiative<br />

«für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung».<br />

Beide wurden aber letztlich nur von den Sozialdemokraten<br />

und dem kritischen forum befürwortet und erlitten<br />

sowohl <strong>im</strong> Kanton Schwyz als auch gesamtschweizerisch eine<br />

Ablehnung (EA 25.9.1984). An der Parteiversammlung vom 14.<br />

November 1984 <strong>im</strong> Restaurant «Falken» wurde ebenfalls allen<br />

eidgenössischen Vorlagen zugest<strong>im</strong>mt (EA 20.11.1984).<br />

Das Jahr wurde mit dem Chlaus-Hock am 5. Dezember 1984<br />

<strong>im</strong> «Biergarten» abgeschlossen. «Unsere verschiedenen Kommissions-<br />

und Behördenmitglieder geben Auskunft. Sie werden<br />

es unter der gestrengen Aufsicht durch St. Nikolaus nicht leicht<br />

haben!», so die Einladung.<br />

Probleme um den «Schwyzer Demokrat»,<br />

Teilerneuerung der Parteileitung und<br />

zahlreiche Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen<br />

Das neue Jahr fing mit Unsicherheiten um die Parteizeitung<br />

«Schwyzer Demokrat» an. Offenbar stand die Zeitung vor dem<br />

Zusammenbruch und wurde in der Folge vom «March-Anzeiger»<br />

übernommen. «Mit einer Vereinbarung haben die Verkäufer<br />

jedoch die weitere Herausgabe des ‹Schwyzer Demokrat›<br />

als einziger <strong>SP</strong>-Zeitung <strong>im</strong> Kanton Schwyz gesichert. Allerdings<br />

wird eine redaktionelle Zusammenarbeit mit dem ‹March-Anzeiger›<br />

angestrebt, lediglich <strong>im</strong> Bereich der Parte<strong>im</strong>einung will


man eine Trennungslinie ziehen.» (EA 5./8.2.1985). Ende Jahr<br />

erschien der «Schwyzer Demokrat» bereits aber nur noch einmal<br />

wöchentlich (EA 19.11.1985).<br />

Bezüglich der vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund<br />

und von der <strong>SP</strong> Schweiz lancierten Ferien-Initiative, die für<br />

alle Arbeitnehmer ab 40 <strong>Jahre</strong>n mindestens fünf Wochen<br />

Ferien verlangte, gaben die Einsiedler Sozialdemokraten zusammen<br />

mit der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz die JA-Parole aus (EA<br />

1./5./8.3.1985).<br />

An der Vorstandssitzung vom 28. März 1985 <strong>im</strong> «National»<br />

gab Parteipräsident Fritz Dubs bekannt, dass er sein Amt auf<br />

die Generalversammlung hin niederlegen wolle. Kantonsrat<br />

Martin Kälin erklärte sich zur Übernahme bereit und wurde an<br />

der Generalversammlung vom 18. April 1985 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

auch mit grossem Applaus gewählt. Als neue Kassierin stellte<br />

sich Ingrid Reich zur Verfügung und als neue Rechnungsprüfer<br />

Christian Iten und Meiri Gyr («Chlejri»). Die Partei diskutierte<br />

auch ihre Stellung zum kfe und Martin Kälin sollte mit dessen<br />

Präsidenten, Markus Horat, in Kontakt treten. Es wurden<br />

auch Unterschriften für die Volksinitiative «für eine gerechtere<br />

Vertretung <strong>im</strong> Kantonsrat» gesammelt. Nein sagten die Anwesenden<br />

zur Sachvorlage des <strong>Bezirk</strong>s vom 9. Juni 1985 betreffend<br />

Erstellung eines Parkplatzes Acher be<strong>im</strong> Studententheater<br />

des Klosters (EA 23.4.1985).<br />

Die Kontaktnahme mit dem kritischen forum fand statt und<br />

die Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit wurde signalisiert,<br />

«aber das KFE scheint an internen Schwierigkeiten zu leiden»,<br />

wurde vermerkt.<br />

Die Parteiversammlung vom 19. Juni 1985 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Biergarten» war schlecht besucht. Traktandiert waren die<br />

kantonalen und <strong>Bezirk</strong>svorlagen vom 1. Juli 1985.<br />

Die Parteiratssitzung der Kantonalpartei fand am 5. September<br />

1985 <strong>im</strong> Restaurant «Sihlsee» statt. Zwei wichtige Vorlagen<br />

vom 22. September 1985 fanden die Zust<strong>im</strong>mung der<br />

Partei: die Al<strong>im</strong>entenbevorschussung und die Landschaftsschutz-Initiative<br />

(EA 13.9.1985). Für die letztere führte die <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> am 6. September 1985 auch ein überparteiliches<br />

Podiumsgespräch <strong>im</strong> Restaurant «Sihlsee» durch. Die Parteiversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> unterstützte diese Vorlagen<br />

(EA 17.9.1985) und zeigte sich nach deren Annahme an der<br />

Urne so zufrieden, dass sie gleich ein Statement abgab (EA<br />

27.9.1985). «Der positive Ausgang beider kantonalen Vorlagen<br />

bestärkt die <strong>SP</strong>E, den eingeschlagenen Weg in der Sozial- und<br />

Umweltpolitik weiterzuverfolgen.»<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen hielten die Partei weiterhin auf Trab.<br />

Die Parteiversammlung vom 5. November 1985 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

st<strong>im</strong>mte der Initiative auf Bau einer Doppel-Turnhalle be<strong>im</strong><br />

Schulhaus Brüel praktisch einst<strong>im</strong>mig zu (EA 12.11.1985). Gratuliert<br />

wurde <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong>, der zum neuen<br />

Spitalverwalter <strong>Einsiedeln</strong> gewählt worden war.<br />

Das Jahr 1985 endete mit dem obligaten Chlaus-Hock <strong>im</strong><br />

«Biergarten» am 3. Dezember 1985.<br />

Erfolg für das Betagten-Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti<br />

und eine erste <strong>Bezirk</strong>sratskandidatin<br />

«Die Schweiz ist keine Insel», sagten die Schwyzer Sozialdemokraten<br />

(EA 28.2.1986) und das sahen auch die Einsiedler Genossen<br />

so. An der Parteiversammlung vom 6. März 1986 <strong>im</strong><br />

Restaurant «Falken» nahmen auch sie befürwortend Stellung<br />

zum UNO-Beitritt und sprachen sich vor allem auch für die am<br />

16. März 1986 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangende Vorlage über den<br />

Bau eines Betagten-Pflegehe<strong>im</strong>es be<strong>im</strong> Altershe<strong>im</strong> Langrüti<br />

aus. <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler hatte dieses Anliegen seit<br />

<strong>Jahre</strong>n verfolgt und auf dieses hingearbeitet (EA 11.3.1986).<br />

Die Vorlage wurde vom St<strong>im</strong>mvolk mit einem «Bombenresultat»<br />

angenommen und war ein grosser persönlicher Erfolg von<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler, Präsident der Betriebskommission Betagten-Pflegehe<strong>im</strong><br />

(EA 18.3.1986).<br />

Am 2. April 1986 nominierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> an ihrer Parteiversammlung<br />

<strong>im</strong> Restaurant «Schwyzerhüsli» ihre bisherigen<br />

Mandatsträger, <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler und RPK-Mitglied Christian<br />

Iten, für eine weitere Amtsdauer. Die Partei anerkannte auch<br />

den CVP-Anspruch auf Besetzung des Säckelmeisteramtes und<br />

ging mit dieser Partei ein Wahlbündnis ein (EA 4./11.4.1986). Das<br />

führte zu einem Zusammengehen der LVP und der SVP, welche<br />

den CVP-Kandidaten Eugen Hensler für das Säckelmeisteramt<br />

bekämpften, weil <strong>Bezirk</strong>skassier Franz Lacher Präsident der<br />

Krankenkasse war, bei der Eugen Hensler arbeitete. Der Wahlkampf<br />

wurde von diesen Parteien zeitweise «unter der Gürtellinie»<br />

geführt (EA 15.4.1986). Mit wilden Listen wurde auf einen<br />

zweiten Wahlgang hingearbeitet (EA 22.4.1986). CVP und <strong>SP</strong> gaben<br />

ein gemeinsames Wahlinserat auf: «Jetzt erst recht! Eugen<br />

Hensler ist der richtige Kandidat für das Amt des Säckelmeisters!<br />

Mehr, so meinen wir, muss angesichts der liberalen Schlammschlacht<br />

gar nicht gesagt werden. Wählen Sie die gemeinsame<br />

Liste der CVP und <strong>SP</strong>.» (EA 25.4.1986).<br />

Es nützte aber nichts. Der LVP-Kandidat Meinrad Bisig entschied<br />

die Wahl um das Säckelmeisteramt für sich. Es war eine<br />

schwere Niederlage für die CVP. Die Bisherigen, unter ihnen<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler und RPK-Mitglied Christian Iten wurden<br />

Die CVP musste sich an zwei Fronten wehren. Auch ihr offener<br />

RPK-Sitz wackelte. Die Wahltaktik von LVP und SVP<br />

ging denn auch auf. Im ersten Wahlgang hatte die LVP der<br />

SVP einen ihrer beiden Sitze in der RPK zugehalten und dafür<br />

die Unterstützung der SVP be<strong>im</strong> Säckelmeisterposten erhalten.<br />

In den Nachwahlen holte sich die LVP diesen RPK-Sitz<br />

wieder zurück und die SVP schaffte es erneut, mit Mathias<br />

Lacher einen zweiten Mann in den <strong>Bezirk</strong>srat zu hieven (EA<br />

6./13.5.1986). Die CVP verlor ihre Mehrheit <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat.<br />

<strong>SP</strong>-Kandidatin Ursula Dubs schaffte aber einen Achtungserfolg.<br />

Offenbar war ihr Wahlinserat nicht überall auf Gegenliebe<br />

gestossen...<br />

146


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

hingegen sicher wiedergewählt (EA 29.4.1986).<br />

Nun kam aber auch die <strong>SP</strong> auf den Geschmack. Die Parteiversammlung<br />

vom 2. Mai 1986 <strong>im</strong> «Biergarten» portierte für<br />

die Nachwahlen vom 11. Mai 1986 mit Schulrätin Ursula Dubs<br />

eine Kandidatin für die zwei noch offenen <strong>Bezirk</strong>sratssitze! (EA<br />

6.5.1986).<br />

«Trotz der neuen politischen Gewichtsverteilung hat sich somit<br />

bei den Zuständigkeiten verhältnismässig wenig geändert. LVP,<br />

<strong>SP</strong> und SVP haben je ein Präsidium hinzugewonnen, die Sozialdemokraten<br />

jenes über die neugeschaffene Kommission ‹Neubau<br />

Schulhaus Gross›. Die CVP hat zwei Präsidien abgeben müssen.»<br />

(EA 27.5.1986). <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> nahm neu Einsitz in die<br />

Volkswirtschaftskommission, <strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong> und<br />

Peter Weibel in die Grosse Planungskommission. Die erwähnte<br />

Kommission «Neubau Schulhaus Gross» wurde von <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> präsidiert.<br />

An der ordentlichen Generalversammlung vom 18. September<br />

1986 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» musste Präsident Martin Kälin<br />

«etwas gelichtete Reihen» begrüssen. Anwesend waren lediglich<br />

11 Mitglieder. Leitsatz <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong>sbericht war: «Wir wollen arbeiten,<br />

um zu leben – Wir leben nicht, um zu arbeiten». Das Parteivermögen<br />

war nach den Wahlen auf Null geschrumpft. Wahlen in die<br />

Parteileitung fanden keine statt. Im Anschluss an die Generalversammlung<br />

wurden die Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 28. September<br />

1986 vorgestellt (EA 26.9.1986).<br />

An ihrer Parteiversammlung vom 18. November 1986 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» wurden wiederum sechs eidgenössische, kantonale<br />

und <strong>Bezirk</strong>svorlagen, die am 7. Dezember 1986 zur<br />

Abst<strong>im</strong>mung gelangten, diskutiert. Wichtig waren für die Partei<br />

die kantonale Landschaftsschutz-Initiative und der Mieterschutz-Verfassungsartikel<br />

(EA 21.11.1986). Letzterem wurde<br />

schweizweit zugest<strong>im</strong>mt, erstere erfuhr leider eine deutliche<br />

Abfuhr (EA 10.12.1986).<br />

Mit dem Chlaus-Hock am 8. Dezember 1986 <strong>im</strong> Landgasthof<br />

«Seehof» endete auch dieses Jahr.<br />

«Dr Sihlsee ghört üs!», keine Reduktion der<br />

<strong>Bezirk</strong>sratssitze – und ein Nationalrat!<br />

Am Parteihock vom 12. März 1987 <strong>im</strong> Restaurant «Falken» gelangten<br />

– wie die originelle Einladung zeigte – ganz verschiedene<br />

Themen zur Diskussion.<br />

Die Partei besichtigte am 21. März 1987 die Abwasserreinigungs-Anlage<br />

(ARA) <strong>im</strong> Rabennest. Der Anlass war ein schöner<br />

Erfolg. Es nahmen ca. 40 Personen teil (EA 27.3.1987).<br />

An der Parteiversammlung vom 3. April 1987 wurde <strong>im</strong> Hotel<br />

«St. Georg» die liberale Initiative auf Reduktion des <strong>Bezirk</strong>rates<br />

von 15 auf 9 besprochen und man bezog eine klare, ablehnen-<br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 6. Mai 1986.<br />

147


de Haltung: «Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> betrachtet die liberale Initiative<br />

zum Erlass einer Gemeindeordnung als einen Frontalangriff auf<br />

die Arbeitnehmer und als eine Schwächung der Viertel. Eine<br />

Verkleinerung des <strong>Bezirk</strong>srates hätte eine zusätzliche Belastung<br />

der einzelnen Ratsmitglieder zur Folge. Dies würde es Arbeitnehmern<br />

praktisch verunmöglichen, dieser Behörde künftig anzugehören.<br />

(...) Die Quintessenz wäre eine verstärktere Präsenz<br />

von sogenannten Selbständigerwerbenden in der politischen<br />

<strong>Bezirk</strong>s-Landschaft.» (EA 10.4.1987).<br />

An der beratenden <strong>Bezirk</strong>sgemeinde vom 10. April 1987 obsiegte<br />

aber die LVP-Initiative (EA 22.4.1987). An der Urne wurde<br />

diese dann aber gebodigt (EA 28.4.1987). In der Folge wurde<br />

vom <strong>Bezirk</strong>srat eine Kommission mit allen Parteien gebildet,<br />

welche sich mit der Thematik beschäftigen sollte. Einige <strong>Jahre</strong><br />

später wurde ein Ressortsystem eingeführt, denn bislang war<br />

die Arbeit unter den fünfzehn Mitgliedern des <strong>Bezirk</strong>srates sehr<br />

ungleich verteilt. Etwa die Hälfte aller Amtsträger hatten de facto<br />

den Status als «Beisitzer». Wieder <strong>Jahre</strong> später wurde die Reduktion<br />

des <strong>Bezirk</strong>srates durch eine Eingabe der CVP erneut<br />

Thema und wurde anschliessend stufenweise umgesetzt.<br />

Der 1. Mai wurde zusammen mit der Höfner und der Märchler<br />

<strong>SP</strong> auf dem Katzenstrick gefeiert.<br />

Zur Generalversammlung am 7. Mai 1987 erschienen <strong>im</strong><br />

Restaurant «Biergarten» 19 Mitglieder. Das Mitgliederverzeichnis<br />

wies insgesamt 49 Mitglieder aus. Für einmal wurde sie<br />

von Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen entschlackt, so dass das Parteileben<br />

<strong>im</strong> Vordergrund stand. Der Kassenbericht wies nach den<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen ein dürftiges Vermögen von gerade noch Fr.<br />

1‘398.90 auf. Aus der Parteileitung lagen keine Demissionen<br />

vor. Unter Varia meinte Parteipräsident Martin Kälin, dass die<br />

Partei vermehrt «grüner politisieren» solle. Anschliessend wurde<br />

über die Arbeit in den Kommissionen Bericht erstattet (EA<br />

22.5.1987).<br />

Die Partei blieb in diesem Jahr auf Wanderschaft und<br />

Anfangs 1987 wurde <strong>im</strong> Zusammenhang mit der Erneuerung<br />

der Etzelwerkkonzession die überparteiliche Aktion<br />

«Dr Sihlsee ghört üs!» ins Leben gerufen. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

unterstützte diese Volksbewegung und <strong>SP</strong>-Kantonsrat<br />

Martin Kälin amtete <strong>im</strong> Komitee als deren Vizepräsident<br />

(EA 6.2.1987).<br />

Polit-Cabaret am 29. September 1987 in <strong>Einsiedeln</strong>: Die<br />

Kandidaten Arthur Züger und Otto Kümin mit dem Stern von<br />

Bethlehem.<br />

148


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Inserat <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 12. Juni 1987.<br />

machte mit Kreisförster Stefan Lienert eine Waldbegehung <strong>im</strong><br />

Gebiet Chälen und Tritt. Er wies hierbei auch auf die Problematik<br />

des Waldsterbens hin (NEZ 5.6.1989).<br />

Seit Januar, als das kritische forum seine Teilnahme an den<br />

Nationalratswahlen vom 18. Oktober 1987 publik gemacht hatte<br />

(EA 30.1.1987), zielte alles auf den Wahlherbst hin. Am 23. Mai<br />

Arthur Züger, geb. 24. März 1940,<br />

von Wangen. Nach der Volksschule<br />

besuchte er die Handelsschule<br />

in Zürich und machte danach eine<br />

Verwaltungslehre auf der PTT. Auf<br />

der Post arbeitete er während 16<br />

<strong>Jahre</strong>n, zuletzt als Bürochef <strong>im</strong><br />

Postamt Siebnen. Danach, seit<br />

1975, war er Gemeindekassier in<br />

Wangen.<br />

1970 wurde er in den Gemeinderat<br />

Wangen gewählt und war bis 1974<br />

deren Säckelmeister. 1974-1984<br />

hatte er Einsitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat March<br />

und war Schulpräsident. Von 1984-<br />

1988 sass er <strong>im</strong> Kantonsrat und<br />

von 1987-1995 als fünfter Schwyzer<br />

Sozialdemokrat <strong>im</strong> Nationalrat.<br />

Arthur Züger ist verheiratet und hat<br />

zwei Kinder.<br />

149<br />

1987 fand in Rothenthurm<br />

der kantonale Parteitag statt.<br />

Gastreferentin war die Zürcher<br />

<strong>SP</strong>-Nationalrätin Lilian Uchtenhagen.<br />

Die Genossen zeigten<br />

sich kämpferisch. «Die Sozialdemokraten<br />

und Sozialdemokratinnen<br />

des Kantons Schwyz<br />

werden mit geschlossenem<br />

Einsatz alles daran setzen, ihr<br />

vor acht <strong>Jahre</strong>n verlorenes Nationalratsmandat<br />

zurückzugewinnen.»<br />

(EA 30.5.1987).<br />

Am Wahlparteitag vom 26.<br />

August 1987 konnte die <strong>SP</strong><br />

Kanton Schwyz die Kantonsräte<br />

Arthur Züger, Wangen,<br />

Otto Kümin, Wilen, und Richard<br />

Wyrsch, als Nationalratskandidaten<br />

nominieren. Der Parteitag<br />

gab auch seine Zust<strong>im</strong>mung<br />

zu einer Listenverbindung<br />

mit dem kritischen forum (EA<br />

28.8.1987). Eine solche kam auch zustande (EA 4.9.1987).<br />

Militär- und Asylvorlagen standen <strong>im</strong> ersten Halbjahr 1987<br />

in der öffentlichen Diskussion und am 6. Dezember 1987 ging<br />

es um die anstehende «Rothenthurm-Initiative», mit welcher die<br />

Erstellung des Waffenplatzes <strong>im</strong> Rothenthurmer Moorgebiet verhindert<br />

werden sollte. Themen zuhauf, mit denen sich die Sozialdemokraten<br />

profilieren wollten. Mitte September<br />

1987 wurde überdies die von neun<br />

Organisationen – unter anderen <strong>SP</strong>, kfs, He<strong>im</strong>atschutz,<br />

WWF und Gewerkschaftsbund<br />

– getragene Energie-Initiative eingereicht<br />

(EA 16.9.1987).<br />

Der Wahlausgang war für die Schwyzer<br />

Sozialdemokraten ein Fiasko. Der<br />

Wähleranteil reduzierte sich nach 1979<br />

(22.6%) und 1983 (21%) auf nunmehr<br />

bedenkliche 14.3%. Das taktische Kalkül<br />

mit der Unterstützung der «Rothenthurm-<br />

Initiative» hatte nicht gezogen. Dass es<br />

Arthur Züger dennoch zur Rückeroberung<br />

des Nationalratssitzes für die <strong>SP</strong><br />

reichte, war der Listenverbindung mit<br />

dem kritischen forum zu verdanken, deren<br />

Liste auf Anhieb 12.02% erreichte!<br />

Der kf-Kandidat Jürg Krummenacher<br />

war die Wahllokomotive, die sogar mehr<br />

St<strong>im</strong>men holte als Arthur Züger (EA<br />

20./23.10.1987). An den Wahlen beteiligt,<br />

aber abgeschlagen, hatte sich übrigens<br />

Die Parteiversammlung vom 11. Juni<br />

1987 behandelte <strong>im</strong> «Biergarten» die kantonalen<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen vom 21.<br />

Juni 1987. Im Fokus stand das von den<br />

Minderheitsparteien <strong>SP</strong>/LVP/SVP/kfs eingereichte<br />

Initiativbegehren «für eine gerechtere<br />

Volksvertretung <strong>im</strong> Kantonsrat».<br />

Hintergrund der Initiative war, dass die<br />

CVP mit einem Wähleranteil von 44.1%<br />

an den letzten Kantonsratswahlen 55 der<br />

<strong>100</strong> Kantonsratssitze zugeteilt erhielt. Die<br />

Einsiedler st<strong>im</strong>mten dieser Vorlage wohl<br />

zu (EA 16.6.1987), doch erlitt diese in der<br />

Abst<strong>im</strong>mung Schiffbruch (EA 23.6.1987).<br />

Kleine Gemeinden fürchteten um ihre<br />

Vertretung und erachteten das Wahlprozedere<br />

und die «Wahlkreisgeometrie» als zu<br />

kompliziert. Die St<strong>im</strong>mbeteiligung betrug<br />

bedenkliche 19.6%!


«Waffenplatzgegner/in = Armeegegner/in? (...) Unsere Kinder<br />

und Enkel werden uns dankbar sein für jedes Fleckchen<br />

heile Natur, das wir ihnen erhalten können. Deshalb<br />

am 6. Dezember ein überzeugtes Ja für die Initiative<br />

zum Schutze der Moore. Frauen der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.» (EA<br />

1.12.1987). Nicht bloss die Einsiedler Genossinnen, auch<br />

die <strong>SP</strong> Schweiz hatte die Initiative bereits 1983 ihrer Unterstützung<br />

versichert (EA 13.9.1983).<br />

Trotz Schwyzer Nein wurde die «Rothenthurm-Initiative»<br />

vom Schweizer Volk am 6. Dezember 1987 angenommen<br />

(EA 8.12.1987). Naturschutzinteressen wurden höher gewichtet<br />

als solche des Militärs!<br />

Friedliche Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

und die erste Frau in der RPK<br />

Eine Rothenthurmer Bäuerin stellt sich 1983 dem Auto der<br />

Militärkommission des Nationalrats in den Weg.<br />

auch die damalige Autopartei.<br />

Die <strong>SP</strong> war sich bewusst, wem sie den Sitz zu verdanken<br />

hatte. «Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Rentnerinnen<br />

und Rentner und alle sozial Schwachen wissen in Bern<br />

wieder einen echten Volksvertreter. (...) Der Wahlerfolg ist aber<br />

ein Gemeinschaftswerk. Ohne die tatkräftige Wahlhilfe des Kritischen<br />

Forums und ihrer Wählerinnen und Wähler wäre Arthur<br />

Züger heute nicht Nationalrat.» (EA 23.10.1987).<br />

Die Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 13. November<br />

1987 <strong>im</strong> «Biergarten» st<strong>im</strong>mte allen <strong>Bezirk</strong>svorlagen zu,<br />

unter anderem der Landabtretung an die Stiftung Chärnehus.<br />

Und man freute sich auf den Besuch bei Nationalrat Arthur<br />

Züger <strong>im</strong> Bundeshaus in Bern am 8. Dezember 1987 (EA<br />

20.11.1987).<br />

Am 5. September 1987 machten Einsiedler Sozialdemokraten<br />

eine Begehung <strong>im</strong> Waffenplatz-Areal in Rothenthurm.<br />

Die Parteileitung hatte zwischenzeitlich mit dem kritischen<br />

forum (kfs), das auf die Kantonsratswahlen hin wieder erwacht<br />

war, Kontakt aufgenommen. Fazit war jedoch, dass<br />

beide mit einer eigenen Liste in den Kampf zogen.<br />

Der «Einsiedler Anzeiger» titelte bereits <strong>im</strong> Januar 1988<br />

«Harter Kampf bei Kantons- und <strong>Bezirk</strong>sratswahlen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

zu erwarten». «Zwei Parteien haben ihre Ziele ausdrücklich<br />

auf Mandatserwerb ausgesteckt. Die Liberalen<br />

möchten ihr vor vier <strong>Jahre</strong>n verlorenes Mandat zurückholen,<br />

die SVP drängt es nach einem zweiten Kantonsrat.»<br />

Auch war man gespannt, «in welchem Mass das kfs in den<br />

Bereich anderer Parteien – vor allem der <strong>SP</strong> – einzudringen<br />

vermag.» (EA 23.1.1988).<br />

Währenddem liess die Kantonalpartei verlauten, dass<br />

Regierungsrat Heinrich Kistler noch einmal antritt und<br />

postulierte für die Kantonsratswahlen drei Ziele: «Wähleranteil<br />

steigern, Fraktion verstärken und durch Frauen ergänzen.»<br />

(EA 9.2.1988). Der Wahlauftakt wurde mit dem<br />

Wahlparteitag am 12. März 1988 in <strong>Einsiedeln</strong> gemacht,<br />

welcher einer gemeinsamen Regierungsrats-Wahlliste seine<br />

Zust<strong>im</strong>mung gab (EA 15.3.1988).<br />

Am 21. Januar 1988 diskutierte die Parteiversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>im</strong> «Biergarten» die Strategie hinsichtlich der anstehenden<br />

Frühlingswahlen und konnte <strong>im</strong> April verkünden,<br />

dass sie mit einer vollen Listen in die Wahlen eintritt (EA<br />

2.4.1988). Gratuliert werden konnte <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler,<br />

der zum ersten He<strong>im</strong>leiter des Alters- und Pflegehe<strong>im</strong>s<br />

Langrüti gewählt worden war.<br />

Fünf Wahllisten nahmen an den Kantonsratswahlen<br />

teil. Die Parteien waren sich – zumindest offiziell – auch<br />

einig: «Wir wollen einen fairen und sauberen Wahlkampf!<br />

Wir distanzieren uns von allen anonymen und schmutzigen<br />

Flugblättern. <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, LVP <strong>Einsiedeln</strong>, Kritisches Forum<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, CVP <strong>Einsiedeln</strong>.» (EA 22.4.1988).<br />

<strong>150</strong>


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die neun <strong>SP</strong>-Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten 1988: v.l.n.r. Karl<br />

Hensler, <strong>Bezirk</strong>srat, Jürg Jäger, cand. theol., Lydia Suter, Hausfrau, <strong>Walter</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong>, Lokomotivführer, Ursula Dubs, Hausfrau, Ingrid Reich, Hausfrau,<br />

Meinrad (Meiri) Gyr, Z<strong>im</strong>mermann, Martin Kälin, Kantonsrat (bisher, kumuliert),<br />

Posthalter in Egg, und Christian Iten, Vermessungszeichner.<br />

keine Konsequenzen aus ihren Verlusten<br />

anlässlich der Kantonsratswahlen ziehen<br />

wollten.» Die CVP gab nach, da sie das<br />

Gericht nicht verpolitisieren wollte (EA<br />

29.4.1988).<br />

Trotz des gemeinsamen Wahlvorschlages<br />

erschienen wilde Listen, von<br />

welchen sich alle Parteien (offiziell) distanzierten<br />

(EA 10.5.1988). Die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 15. Mai 1988 gingen für die<br />

<strong>SP</strong> erfolgreich aus. Die Partei nahm die<br />

Wahlresultate am Wahlsonntag <strong>im</strong> «Falken»<br />

entgegen. Sowohl Christian Iten in<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat als auch – als erste Frau<br />

– Josy Gyr-Steiner in die Rechnungsprüfungskommission<br />

wurden problemlos<br />

gewählt. Zugesetzt hatte das Sperrfeuer<br />

der wilden Listen aber dem CVP-Statthalter-Kandidaten<br />

<strong>Walter</strong> Zehnder, der in<br />

die Nachwahlen gezwungen wurde (EA<br />

17.5.1988). Parteiintern wurde über eine<br />

Statthalterkandidatur von Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

diskutiert, dieser verzichtete jedoch.<br />

Im zweiten Wahlgang vermochte<br />

<strong>Walter</strong> Zehnder den SVP-Konkurrenten zu<br />

Die Wahlen endeten am 24. April<br />

1988 mit einem Erfolg für die SVP,<br />

die zu Lasten der CVP ein zweites<br />

Mandat errang. Das kritische forum<br />

blieb unbedeutend. Im Übrigen<br />

konnten die Parteien ihren<br />

Besitzstand wahren. <strong>SP</strong>-Kantonsrat<br />

Martin Kälin wurde klar wiedergewählt<br />

(EA 26.4.1988). <strong>SP</strong>-Regierungsrat<br />

Heinrich Kistler erzielte<br />

auf der gemeinsamen Liste das<br />

Christian Iten, geb. 1951, verheiratet mit Annemarie<br />

Kälin, zwei Kinder, ist in <strong>Einsiedeln</strong><br />

aufgewachsen.<br />

Nach dem Schulbesuch erfolgte eine Lehre<br />

als Vermessungszeichner in der Firma Caflisch<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>. Danach arbeitete er als<br />

Technischer Assistent Abteilung Bau und<br />

Unterhalt SOB.<br />

Von 1984-1988 war er Mitglied in der Rechnungsprüfungskommission,<br />

die er die letzten<br />

zwei <strong>Jahre</strong> auch präsidierte. Von 1988-1996<br />

war er der vierte <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srat.<br />

Er war langjähriges Vorstandsmitglied <strong>im</strong> STV<br />

<strong>Einsiedeln</strong> und ist deren Ehrenmitglied. Er ist<br />

Instruktor <strong>im</strong> Schweizerischen Samariterbund<br />

und seit <strong>Jahre</strong>n – auch als Präsident – <strong>im</strong> Samariterverein<br />

<strong>Einsiedeln</strong> engagiert.<br />

beste Wahlergebnis. Neu war,<br />

dass die CVP die absolute Mehrheit<br />

<strong>im</strong> Kantonsrat verlor.<br />

Die «Elefantenrunde» der<br />

Parteien fand am 27. April 1988<br />

statt. Die <strong>SP</strong> portierte als neuen<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Christian Iten – Josef<br />

<strong>Schönbächler</strong> hatte <strong>im</strong> Januar<br />

1988 seinen Rücktritt bekannt<br />

gegeben – und als neues RPK-Mitglied Josy Gyr-Steiner.<br />

«Gemeinsame Liste hing an einem Faden. (…) In den Vorverhandlungen<br />

der Präsidenten von CVP, LVP, SVP und<br />

<strong>SP</strong> schien die Möglichkeit einer gemeinsamen Liste greifbar.<br />

Dass sie aber beinahe nicht zustande gekommen ist,<br />

lag an den übersetzten Ansprüchen der Liberalen, welche<br />

151<br />

schlagen (EA 14.6.1988).<br />

Die Generalversammlung vom 18. Mai 1988 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

war gut besucht und die Partei nach den Wahlen<br />

gut gelaunt. Die bisherigen Mandatsträger verblieben in<br />

der Parteileitung. Diese wurde aber mit Jürg Jäger als PR-<br />

Mitglied und Bruno Kälin ergänzt. Verdankt wurde nicht


nur Wahlmanager Willi Suter, sondern auch Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

für seine 18 <strong>Jahre</strong> Öffentlichkeitsarbeit, 6 <strong>Jahre</strong><br />

in der RPK (erster <strong>SP</strong>-Präsident in dieser Behörde) und<br />

12 <strong>Jahre</strong> <strong>Bezirk</strong>srat. Sein letztes Projekt, dem er als Kommissionspräsident<br />

vorstand, war der Neubau des Schulhauses<br />

Gross, und wurde vom Souverän am 12. Juni 1988<br />

mit grossem Mehr angenommen (EA 14.6.1988).<br />

Die Kommissionsbestellungen des <strong>Bezirk</strong>s verliefen<br />

1988 friedlich. Von Seiten der <strong>SP</strong> lagen keine Demissionen<br />

vor. Josy Gyr-Steiner wurde neu in die Betriebskommission<br />

Alters- und Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti gewählt. Und Ingrid<br />

Reich und Regula Dubs-<strong>Schönbächler</strong> engagierten sich<br />

in der Arbeitsgruppe der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz.<br />

Zwei weitere erfreuliche Nachrichten waren <strong>im</strong> Sommer<br />

1988 zu vernehmen: <strong>SP</strong>-Kantonsrat Richard Wyrsch<br />

wurde zum neuen Kantonsratspräsidenten gewählt und<br />

<strong>SP</strong>-Schulrätin Ursula Dubs wurde als zweite <strong>SP</strong>-Vertreterin<br />

in den Erziehungsrat gewählt (EA 1./8.7.1988).<br />

Das Ende des «Schwyzer Demokrat»,<br />

«Dr rout Rab» und andere Publikationen<br />

Ende November 1987 mussten die Schwyzer Sozialdemokraten<br />

zur Kenntnis nehmen, dass ihre Zeitung, der «Schwyzer<br />

Demokrat» nicht mehr erscheint (EA 20./24.11.1987). Damit<br />

ging eine bedeutsame Ära zu Ende! Zwar versuchte man, die<br />

publizistische Lücke auf genossenschaftlicher Basis wieder<br />

zu füllen, doch scheiterte dieses Projekt mit dem links-grünen<br />

Magazin «Schwyzer Spiegel» letztlich an der Finanzierung (EA<br />

16.12.1988). Auch ein Wiederbelebungsversuch «Schwyzer<br />

Demokrat 2.0» <strong>im</strong> Jahr 2015 als Online-Ausgabe scheiterte.<br />

An der letzten Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> 1988<br />

wurde unter Varia vermerkt: «Wie bereits mehrmals diskutiert,<br />

wünscht unsere Sektion eine Öffnung, ein Bekannterwerden,<br />

mehr Präsenz zur Bevölkerung. Dies soll nun in Form eines<br />

Mitteilungsblattes versucht werden. Erfreulicherweise hat sich<br />

Jürg Jäger bereit erklärt, den redaktionellen Teil dieses Infor-<br />

Titel- und Rückseite der Erstausgabe des «Dr rout Rab» <strong>im</strong> September 1988.<br />

152


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

mationsblattes mit dem Titel: ‹Roter Rabe›, zu übernehmen.<br />

Behilflich wird ihm dabei Bruno Kälin sein, zusammen mit allen<br />

interessierten Mitgliedern als ‹Beiträge-Lieferanten›. Man<br />

ist der Meinung, dass Umweltschutzpapier verwendet werden<br />

soll.»<br />

Anfangs September 1988 war es soweit. «Dieser Tage wurde<br />

«De rot Rab» verteilt. Auf vier Seiten berichtet das Blatt der<br />

Einsiedler Sozialdemokraten über eigene Arbeiten, Geschehnisse<br />

und Vorkommnisse. Als Hauptartikel dient ein Beitrag<br />

über die Möglichkeit einer autofreien Hauptstrasse in <strong>Einsiedeln</strong>.»<br />

(EA 9.9.1988).<br />

«‹Dr rout Rab› soll als zwar kleiner, ‹aber konsequenter Gegenpol<br />

in der Einsiedler Medienlandschaft unsere sozialdemokratische<br />

Sicht der Dinge unter die Bevölkerung bringen.›<br />

So heisst es als Devise. Den kleinen Seitenhieb gelassen nehmend,<br />

möchten wir es nicht unterlassen, auf das Erscheinen<br />

des ‹roten› Blattes hinzuweisen. Hingewiesen sei zudem auf<br />

das vom ‹alten roten Raben› verfasste Gedicht, in welchem<br />

mit den Liberalen nicht eben gl<strong>im</strong>pflich umgesprungen wird.»,<br />

so ein gelassener «Einsiedler Anzeiger» (EA 18.9.1990).<br />

Die Zeitung erschien 2-3mal pro Jahr bis 1998. Eine kleine<br />

Wiederauferstehung feierte «Dr rout Rab» mit der Aufschaltung<br />

der Webseite www.sp-einsiedeln.ch <strong>im</strong> März 2000. Wie<br />

es sich für eine fortschrittliche Partei gehörte war die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

die erste Partei auf dem Platz, welche das Potential<br />

des Internets bzw. des World Wide Web erkannt hatte! Für die<br />

Kantonsratswahlen ab 2012 wurde die Wahlzeitung «Dr rout<br />

Rab» ebenfalls wieder aktiviert.<br />

«Dr rout Rab» ist online.<br />

153


X. Metamorphosen und Neuzeit<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong> war Ende der<br />

1980er-<strong>Jahre</strong> an einem Wendepunkt angelangt. Bereits an<br />

der Generalversammlung vom 12. April 1984 konstatierte alt<br />

Präsident Meinrad Fuchs, dass das frühere Gewerkschaftskartell<br />

und dessen Bildungsausschuss nicht mehr aktiv waren.<br />

Die Partei verlor damit nicht bloss eine Diskussions- und<br />

Organisationsplattform, sondern je länger je mehr auch die<br />

Verbindung zu den Gewerkschaften, welche selber<br />

auch – mindestens lokal und regional – zu schwächeln<br />

anfingen. Der Arbeiterschaft ging es ja gut!<br />

Wichtige Impulse resultierten durch das Erscheinen<br />

des kritischen forums bzw. der Grünen, die hauptsächlich<br />

Umweltfragen auf das politische Parkett brachten,<br />

welche die Sozialdemokraten aufgriffen.<br />

Die Parteiziele erfuhren eine entsprechende Erweiterung<br />

und die Zusammensetzung der Partei, das<br />

berufliche Spektrum der Mitglieder, veränderte und<br />

erweiterte sich. Was aber blieb war das Einstehen für<br />

Gerechtigkeit, für soziale Anliegen, für gesellschaftlichen<br />

Fortschritt und Gleichberechtigung von Mann<br />

und Frau.<br />

Ein neuer Regierungsrat, ein neuer<br />

Präsident und die Armeeabschaffungsfrage<br />

Das Jahr 1989 begann für die Schwyzer Sozialdemokraten tragisch.<br />

Regierungsrat Heinrich Kistler verstarb am 9. Februar<br />

1989 <strong>im</strong> Amt (EA 14.2.1989). «Die Kardinalfrage, die man sich<br />

derzeit allenthalben stellt, ist die, ob es den Sozialdemokraten<br />

gelingt, jenes Regierungsmandat, das sie seit ungefähr 45 <strong>Jahre</strong>n<br />

innehaben, (noch einmal) über die Runde zu bringen. So sicher<br />

muss man feststellen, ist das denn doch nicht. Entschliesst<br />

sich beispielsweise Jürg Krummenacher, den Fight für das kfs<br />

zu wagen, so müssen ihm je nach <strong>SP</strong>-Kandidat gute bis ausgezeichnete<br />

Chancen zugesprochen werden.» (EA 17.2.1989).<br />

Die kantonale Parteileitung äusserte unmissverständlich, die<br />

sozialdemokratische Präsenz in der Regierung weiterführen<br />

zu wollen (EA 17.2.1989). Die Delegiertenversammlung nominierte<br />

nach einer internen Ausmarchung Kantonsrat Richard<br />

Wyrsch, Brunnen, als Kandidaten für den Regierungsrat (EA<br />

31.3.1989). Die SVP marschierte mit scharfem Geschütz auf,<br />

sprach der <strong>SP</strong> die Regierungswürdigkeit aufgrund ihrer armeekritischen<br />

Haltung ab und nominierte als Gegenkandidaten<br />

Albert Meile, Pfäffikon (EA 7.4.1989). Die CVP empfahl<br />

Richard Wyrsch zur Wahl (EA 14.4.1989) und auch die LVP<br />

sprach sich «aus politischen Erwägungen» für ihn aus (EA<br />

28.4.1989). Richard Wyrsch setzte sich in der Regierungsratsersatzwahl<br />

am 30. April 1989 gegen seinen Kontrahenten<br />

deutlich durch und wurde damit der vierte <strong>SP</strong>-Regierungsrat<br />

des Kantons Schwyz (EA 2.5.1989).<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> traf sich am 16. Februar 1989 und am<br />

16. März 1989 zu Parteihocks. Für die kommunalen Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen<br />

betreffend Abtretung des Chärnehus samt<br />

Umgelände an die Stiftung Chärnehus wurde einst<strong>im</strong>mig<br />

An der ordentlichen Generalversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 12. April 1989 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» nahm auch Kantonsratspräsident<br />

und Regierungsratskandidat Richard<br />

Wyrsch teil, der sich den Versammelten<br />

vorstellte. Die Wahlen in die Parteileitung<br />

ergaben nur eine Mutation: Parteipräsident<br />

Martin Kälin gab sein Amt nach fünf<br />

<strong>Jahre</strong>n an den «gewerkschaftlich/grünen»<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Lokomotivführer,<br />

weiter. Dieser nahm die Wahl an nach dem<br />

Motto: «Wenn wir unsere Ziele nicht erreichen,<br />

so nicht, weil wir das Falsche wollen,<br />

sondern weil wir zu wenige sind, die das<br />

Richtige tun.» (EA 21.4.1989).<br />

155<br />

Richard Wyrsch, geb. 1952, von<br />

Brunnen. Er machte die Handelsschule<br />

und die Handelsmatura,<br />

war früh journalistisch tätig<br />

und arbeitete als Redaktor bei<br />

der Tagesschau des Schweizer<br />

Fernsehens.<br />

Richard Wyrsch war von 1980-<br />

1989 Kantonsrat, 1982 Fraktionschef<br />

und 1988/89 Kantonsratspräsident.<br />

Von 1989-2000 sass<br />

er <strong>im</strong> Schwyzer Regierungsrat<br />

und führte das Baudepartement.<br />

die Ja-Parole beschlossen (EA<br />

14.2.1989). Die Aufhebung des<br />

Nachtfahrverbotes durch den<br />

<strong>Bezirk</strong>srat wurde kritisiert. Pikant<br />

waren die über 1‘000 Spezialbewilligungen<br />

von Anwohnern<br />

aber alleweil… (EA 28.2.1989).<br />

Der an der GV neu gewählte<br />

Präsident packte nach seiner<br />

Wahl gleich an und initiierte eine<br />

Revision der seit 1953 geltenden<br />

Statuten. Am Parteihock<br />

vom 11. Mai 1989 <strong>im</strong> Landgasthof<br />

«Seehof» wurde kontradiktorisch<br />

über die «Initiative für eine<br />

Schweiz ohne Armee» diskutiert.<br />

Die Diskussion endete in einem


Patt und die Partei beschloss St<strong>im</strong>mfreigabe. Vor allem die<br />

älteren Mitglieder hatten sich gegen die Armeeabschaffung<br />

ausgesprochen. Auch die Diskussion am Parteitag der <strong>SP</strong><br />

Kanton Schwyz am 11. Oktober 1989 in Rothenthurm ergab<br />

kein einheitliches Bild. Die anschliessende Diskussion zeigte<br />

auf, dass es sich letztendlich um eine «Glaubensfrage» handelte<br />

(EA 6./13.10.1989).<br />

Der Parteihock vom 14. Juni 1989 <strong>im</strong> «Falken» befürwortete<br />

das neue Güselreglement mit der Einführung des Verursacherprinzips<br />

und der Sackgbühr.<br />

Ein gesellig-informativer Anlass wurde am 19. August<br />

1989 durchgeführt. Die Partei besichtigte die Wasserversorgung<br />

Willerzell und das Quellgebiet. «Die Wasserqualität ist<br />

sehr gut», wurde konstatiert (EA 8.9.1989).<br />

Neben der Frage der Armeeabschaffungsinitiative war<br />

das Flüchtlingswesen (Personal und Unterkunft) nach<br />

wie vor ein politisches Dauerthema. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

wurde mit Schreiben vom 6. September 1989 be<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

vorstellig und<br />

verlangte erfolgreich<br />

eine zusätzliche Stelle<br />

be<strong>im</strong> regionalen Sozial-<br />

und Beratungsdienst<br />

(EA 3.10.1989).<br />

Die Parteihocks- und<br />

-versammlungen vom<br />

6. September 1989,<br />

31. Oktober 1989 und<br />

vom 15. November<br />

1989 standen weitgehend<br />

<strong>im</strong> Zeichen von<br />

A b s t i m m u n g s v o r l a -<br />

gen (EA 7.11.1989, EA<br />

21.11.1989). Diskutiert<br />

wurde vor allem aber auch<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>, geb. 14. August 1958,<br />

Lokomotivführer, Vater von drei Söhnen.<br />

Er war Parteipräsident von 1989-1999.<br />

Politische Ämter führt er zwar nicht in seinem<br />

Palmarès, doch zeichnete er sich in<br />

der Partei während nunmehr 30 <strong>Jahre</strong>n<br />

als Wahlstratege und (meist) erfolgreicher<br />

Wahlkampfleiter sowohl bei <strong>Bezirk</strong>s-, Kantonsrats-<br />

als auch Nationalratswahlen aus.<br />

Seit 2004 sitzt er <strong>im</strong> Stiftungsrat des Spitals<br />

<strong>Einsiedeln</strong>.<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> ist leidenschaftlicher<br />

Weinhändler und Imker.<br />

An der Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

vom 25. April 1990 wartete die Partei<br />

mit zwei Überraschungen auf. «Ganz feminin<br />

gibt sich die Sozialdemokratische Partei<br />

<strong>Einsiedeln</strong>s bei den diesjährigen <strong>Bezirk</strong>sratswahlen.<br />

Josy Gyr und Ingrid Reich sollen<br />

bei diesem Urnengang die roten Farben der<br />

<strong>SP</strong> vertreten. An der ‹Wahlkampfs›-Parteiversammlung<br />

vom vergangenen Mittwoch<br />

wählten die zahlreiche erschienenen <strong>SP</strong>-<br />

Mitglieder Josy Gyr als Kandidatin für den<br />

Sitz des abtretenden <strong>Bezirk</strong>srats Karl Hensler<br />

und Ingrid Reich als Josy Gyrs Nachfolgekandidatin<br />

in die RPK» (EA 27.4.1990).<br />

156<br />

über den Einsiedler Verkehrsrichtplan, zu dem sich die Parteien<br />

vernehmlassend äussern konnten. Eine Arbeitsgruppe<br />

der <strong>SP</strong> hatte sich intensiv mit diesem befasst. «Interessanterweise<br />

spricht sich die <strong>SP</strong> für massive strassenbauliche<br />

Massnahmen (Nordtangente, Eisenbahnstrasse)<br />

aus, während das kfe vor<br />

allem Verkehrsverhinderung betreiben<br />

möchte.» (EA 15.12.1989). Der selbstverursachte<br />

Verkehr <strong>im</strong> Dorfkern und die<br />

Verkehrssicherheit an der Eisenbahnstrasse<br />

waren zentrale Themen der <strong>SP</strong>.<br />

Sie brachte auch unkonventionelle Ideen<br />

ein wie beispielsweise eine Untertunnelung<br />

der Eisenbahnstrasse. Auch eine<br />

Lösung be<strong>im</strong> Grossen Herrgott mittels<br />

Kreisel wurde vorgeschlagen.<br />

Am 29. November 1989 wurde die<br />

BSZ-Werkstätte in <strong>Einsiedeln</strong> besichtigt<br />

und zum <strong>Jahre</strong>sabschluss fand erneut<br />

der traditionelle Chlaus-Hock <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

statt.<br />

Die erste <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srätin und Atomvorlagen<br />

Zu Beginn des <strong>Jahre</strong>s 1990 befasste sich die Parteileitung intensiv<br />

mit den Frühjahrswahlen, der Ausarbeitung der neuen Parteistatuten<br />

und Verkehrsfragen.<br />

An der ordentlichen Generalversammlung vom 7. März 1990 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» wurden die neuen Statuten verabschiedet. Zum neuen<br />

Vizepräsidenten wurde an Stelle von Willi Suter <strong>Bezirk</strong>srat Christian<br />

Iten gewählt und zum neuen Rechnungsprüfer an Stelle ebenfalls<br />

von Willi Suter Josef Unternährer. Willi Suter verblieb damit noch<br />

das Aktuarenamt. Rösy und Josef <strong>Schönbächler</strong> sen. konnten für<br />

36 <strong>Jahre</strong> Mitgliedschaft geehrt werden (EA 16.3.1990).<br />

Am Parteitag der kantonalen Partei in <strong>Einsiedeln</strong> am 17. März


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Einsiedler Sozialdemokraten feierten am 13. Mai 1990 ihre neue<br />

– und erste – <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr (zweite von links) <strong>im</strong> «Biergarten».<br />

1990 stand Europa <strong>im</strong> Zentrum: «Schweiz als He<strong>im</strong>at – Europa<br />

als Zukunft» war das Thema. Kantonsrat Martin Kälin wurde zum<br />

Kassier der Kantonalpartei gewählt (EA 21.3.1990). Im April 1990<br />

forderten die Schwyzer Sozialdemokraten, dass die politische<br />

Polizei <strong>im</strong> Kanton Schwyz abgeschafft werden soll und die <strong>SP</strong>-<br />

Fraktion lancierte hierzu drei Vorstösse (EA 18.4.1990).<br />

In Bezug auf die anstehenden <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 13. Mai<br />

1990 deutete alles auf eine gemeinsame<br />

Liste hin. «Weshalb kein Wahlkampf? Verschiedene<br />

Parteipräsidenten weisen auf<br />

die grossen Schwierigkeiten hin, geeignete<br />

Kandidaten zu finden.» (EA 20.4.1990).<br />

Der gemeinsame Wahlvorschlag der<br />

Parteien kam zustande. Dies, obwohl die<br />

Liberalen sich wegen der «scharf antibürgerlichen<br />

Klinge» der Sozialdemokraten<br />

auf Bundesebene zunächst zierten, für eine<br />

solche Hand zu bieten (EA 27.4.1990, EA<br />

1.5.1990).<br />

Die Wahlen verliefen tatsächlich friedlich<br />

und ganz <strong>im</strong> Sinne aller Parteien. Beide <strong>SP</strong>-<br />

Kandidatinnen wurden gewählt. Und: Mit<br />

Josy Gyr nahm erstmals eine Frau Einsitz <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>srat! «Sie hat das nicht leichte Unterfangen<br />

auf der gemeinsamen Liste überzeugend<br />

geschafft.» (EA 15.5.1990).<br />

Bezüglich der Kommissionsbestellungen ergab sich, dass<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr das Ressort Sozialwesen übernahm, <strong>im</strong><br />

Ressort Vormundschaftswesen als Stellvertreterin amtete und<br />

Einsitz hatte in der Betriebskommission Alters- und Pflegehe<strong>im</strong><br />

Langrüti. <strong>Bezirk</strong>srat Christian Iten stand dem Liegenschaftswesen<br />

vor, hatte <strong>im</strong> Tiefbauwesen Einsitz als stellvertretender<br />

Ressortchef und war Mitglied in der Baukommission, in der<br />

Werkbetriebskommission und in der Finanzkommission. <strong>Walter</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> wurde in der Kommission Volkswirtschaft<br />

157<br />

und Kultur bestätigt, Björn Kälin wurde in<br />

die Kommission Jugend und Sport gewählt,<br />

Bruno Kälin in die Gesundheits-, Energieund<br />

Umweltschutzkommission. Im Schulrat<br />

waren für die <strong>SP</strong> weiterhin Ursula Dubs und<br />

Rita Gschwend Peine.<br />

Am 30. Mai 1990 wurde <strong>im</strong> Hotel «Krone»<br />

ein Podiumsgespräch über «Die Schweiz<br />

ohne Atomkraftwerke» durchgeführt. Sowohl<br />

die Schwyzer Kantonalpartei als auch<br />

die Einsiedler Sozialdemokraten in ihrer<br />

Parteiversammlung am 5. September 1990<br />

sprachen sich in Bezug auf die Atomkraftwerke<br />

einst<strong>im</strong>mig sowohl für die Moratoriums-<br />

als auch die Ausstiegsinitiative aus (EA<br />

11.9.1990).<br />

Am 11. Oktober 1990 konnte die Waldstatt<br />

<strong>im</strong> «St. Georg» wieder einen prominenten Sozialdemokraten<br />

begrüssen. Der Walliser Nationalrat und neue Parteipräsident<br />

Peter Bodenmann gab sich die Ehre und feuerte bei<br />

seiner Rede an der Kantonalversammlung «Breitseiten gegen<br />

Bürgerliche» ab und rief auf zu einer klaren, umweltverträglichen<br />

Politik <strong>im</strong> Interesse auch der Klein- und Mittelverdiener<br />

(EA 16.10.1990).<br />

Kantonalversammlung vom 11. Oktober 1990 in <strong>Einsiedeln</strong>:<br />

v.l.n.r. Hansueli Kälin, Kantonalpräsident, Nationalrat und <strong>SP</strong>S-Präsident Peter<br />

Bodenmann, Regierungsrat Richard Wyrsch.<br />

Am Parteihock vom 17. Oktober 1990 liess sich die Partei den<br />

Regional-Entwicklungsverband (REV) vorstellen und die Parteiversammlung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 14. November 1990 <strong>im</strong><br />

«Biergarten» war Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen gewidmet. Es nahmen<br />

26 Personen teil. Der Revision der kantonalen Personal- und<br />

Besoldungsverordnung, gegen die rechtsbürgerliche Kreise<br />

das Referendum ergriffen hatten, wurde zugest<strong>im</strong>mt (EA<br />

20.11.1990). Das Jahr schloss mit dem Chlaus-Hock am 7. Dezember<br />

1990.


Eine Zukunftswerkstatt und ein neues,<br />

«revolutionäres» Aktions-/Parteiprogramm<br />

An der Generalversammlung vom 23. Januar 1991 wurde<br />

heftig über die Eisenbahnstrasse und die Verkehrssicherheit<br />

diskutiert. Anwesend war nebst Kantonalpräsident Hansueli<br />

Kälin, der für ein besseres Europaverständnis warb, nämlich<br />

auch Baudirektor Richard Wyrsch (EA 29.1.1991). Die Partei<br />

wies einen Mitgliederbestand von 57 auf. Josef Unternährer<br />

übernahm neu das Amt des Kassiers und Dorothea Jäger dasjenige<br />

der Rechnungsprüferin.<br />

Die Parteiversammlung vom 20. Februar 1991 diskutierte<br />

die <strong>Bezirk</strong>svorlage betreffend eine Aktienbeteiligung an<br />

der Parkhaus Brüel AG, welche einst<strong>im</strong>mig bejaht wurde (EA<br />

26.2.1991).<br />

«Obwohl sich die Partei manchmal wie ein Wahlverein vorkommt,<br />

der von einer Wahl zur nächsten rennt, befassten wir<br />

uns auch mit den übrigen Aufgaben einer politischen Partei.<br />

(...) Wer nicht politisiert, mit dem wird politisiert.» (EA 8.2.1991).<br />

Im Anschluss an das politische Programm der Kantonalpartei,<br />

welches von der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Juni 1990 diskutiert wurde,<br />

führte auch die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 9. März 1991 eine Zukunftswerkstatt<br />

durch, an der zehn Mitglieder teilnahmen. Es schälten<br />

sich dabei drei Themen heraus, die man in naher Zukunft<br />

anpacken wollte: Asylpolitik, Aktivitäten zum Frauenstreik und<br />

Dorfkern (Verkehr usw.).<br />

Die Diskussionen führten zu einem mittel- und langfristigen<br />

Aktions- und Parteiprogramm. Der damalige Parteipräsident<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> äussert sich (auch) rückblickend dazu:<br />

«Die Zeiten änderten sich. Die eher gewerkschaftlich orientierte<br />

<strong>SP</strong>, welche sich jeweils in mit Rauchschwaden behangenen<br />

Lokalen traf, musste sich auch <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> den<br />

neuen Tendenzen anpassen. Umweltschutz, Feminismus und<br />

Pazifismus wurden in den 1990er <strong>Jahre</strong>n auch in der Partei<br />

<strong>im</strong>mer spürbarer. Die Zeit des auch in der Partei herrschenden<br />

Männerdiktats schien vorbei zu sein. Die Partei stand zudem<br />

unter Druck der neu entstandenen grünen Partei, welche sich<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> «kritisches forum» nannte. Das Wort ‹kritisch›<br />

vermochte unverfänglich auch unideologisch denkende Menschen<br />

anzulocken, wobei das Element ‹grün› <strong>im</strong> Vordergrund<br />

stand. Diese Neuerscheinung schmerzte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wie<br />

ein Stachel <strong>im</strong> Fleisch und wirkte nachhaltig.<br />

Die <strong>SP</strong> war zum Beispiel nämlich die Partei, welche dem<br />

einfachen Bürger ermöglichte, ein Auto zu kaufen. Nun sollte<br />

sie dieses Auto aus Umweltschutzgründen plötzlich verbieten?<br />

Obwohl die <strong>SP</strong>-Mitglieder Frauenanliegen schon lange als legit<strong>im</strong><br />

erachteten, wurden sie dennoch von den plötzlichen ult<strong>im</strong>ativen<br />

Forderungen unangenehm überrascht nach dem Motto,<br />

wir sind zwar frauenfreundlich, aber trotzdem froh, wenn sie<br />

zu Hause bleiben.<br />

Obwohl die <strong>SP</strong> traditionell armeekritisch eingestellt war und<br />

ist (die einzigen Armeeeinsätze mit Schiessbefehlen und Toten<br />

richteten sich gegen Schweizer Arbeiter), war sie dennoch irgendwie<br />

froh um die von der Armee ausgelösten Aufträge in<br />

der Waffenindustrie und den daraus entstandenen Arbeitsplätzen<br />

(Ochsenboden). Viele dieser Arbeiter waren Gewerkschafter<br />

und auch Sozialdemokraten.<br />

Wie soll die Partei, vor allem in einer ländlichen Gegend<br />

damit umgehen?<br />

Die Lösung war das sukzessive Anpassen verschiedener<br />

Positionen <strong>im</strong> Umweltschutzbereich und in der Verkehrs- und<br />

Energiepolitik nach links-grün, welche in der Partei für heftige<br />

Diskussionen und auch für Austritte sorgte (‹mit dieser grünen<br />

Partei will ich nichts mehr zu tun haben›). Diese Austritte wurden<br />

jedoch durch neue Leute mehr als kompensiert.<br />

Das Ziel war, die teils neuen Positionen, welche durch das<br />

‹kritische forum› vertreten wurden, <strong>SP</strong>-tauglich in unserer Partei<br />

zu integrieren. Der kumulierte links-grüne Wähleranteil betrug<br />

auch in den 1990er <strong>Jahre</strong>n ca. 20 Prozent. Dies galt es – jedenfalls<br />

war das die Absicht der Parteiverantwortlichen – in einer<br />

Partei, respektive auf einer Liste zu bündeln. Leider war es so,<br />

dass verschiedene Gespräche diesbezüglich nichts fruchteten.<br />

Gemeinsame Listen zwischen <strong>SP</strong> und kfe kamen nie zustande.<br />

Es sei hier festgehalten, dass nicht nur das Verhalten einiger<br />

kfe-Männer, sondern auch dasjenige von <strong>SP</strong>-Mannen dazu beitrug.<br />

Das kritische forum kandidierte in <strong>Einsiedeln</strong> für die Kantonsratswahlen<br />

dre<strong>im</strong>al erfolglos. Die jeweils sechs bis sieben<br />

Prozent Wähleranteil verpufften für die Linke wirkungslos. Davon<br />

profitierte der übermächtige Bürgerblock von CVP, LVP und der<br />

in den 1980er- und 1990er- <strong>Jahre</strong>n aufstrebenden SVP. Umso<br />

mehr veranlasste dieser Umstand die <strong>SP</strong>, mit entsprechender<br />

Positionierung dieses Wählersegment aufzusaugen. Diese Neupositionierung<br />

war in der Partei nicht unumstritten.<br />

Tatsächlich wurden damals die Parteiverantwortlichen wegen<br />

ihrer neuen Verkehrs- und Umweltpolitik (autofreie Hauptstrasse,<br />

Vernehmlassung zum Verkehrsrichtplan, Sackgebühren,<br />

usw.) von eigenen Mitgliedern heftig gerügt, weil sich<br />

vieles gegen die Errungenschaften der Arbeiter richte...<br />

Desgleichen war in der Partei wohl ein gewisses Verständnis<br />

für den aufkommenden (militanten) Feminismus vorhanden,<br />

aber auch ein vernehmbarer Widerwillen war spürbar, auch<br />

teilweise bei unseren Frauen. Der Frauenstreik von 1991 jedenfalls<br />

hinterliess auch in der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> seine Spuren. Es wurde<br />

in der Folge vermehrt versucht, Frauen in Ämter zu bringen.<br />

Ernüchtert musste man jedoch oft Absagen entgegennehmen<br />

und feststellen, dass das weibliche Geschlecht offenbar viel<br />

höhere Ansprüche an sich stellte, als dies Männer normalerweise<br />

tun (‹ich kann das nicht›, ‹ich habe Familie› usw.). Oder<br />

waren dies Ausreden, um nicht selbst umsetzen zu müssen,<br />

was frau forderte? Jedenfalls waren Frauen, welche sich politisch<br />

exponieren wollten – mit Ausnahmen – rar. Um eine geschlechterparitätische<br />

Zehnerliste für die Kantonsratswahlen<br />

zu erstellen, war damals sehr aufwendige Überzeugungsarbeit<br />

vonnöten. Bei Männern war dies sehr viel einfacher…<br />

158


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Fazit: Auch die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> musste sich von eher altbackenen,<br />

fast ausschliesslich gewerkschaftlichen Positionen lösen,<br />

und die Programmatik verbreitern. Dies veranlasste die Partei,<br />

ein neues Parteiprogramm zu erstellen.»<br />

Die Kerngruppe mit Jürg Jäger, Bruno Kälin und Präsident<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> erarbeitete in der Folge das neue<br />

Aktionsprogramm der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, welches anschliessend<br />

<strong>im</strong> Parteiorgan «Dr rout Rab» veröffentlicht wurde. Mit ihrem<br />

erstmaligen Aktions- und Parteiprogramm, welches sich an<br />

diejenigen der Kantonalpartei und der <strong>SP</strong> Schweiz anlehnte,<br />

formulierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> moderate Forderungen für die<br />

nächsten <strong>Jahre</strong>. Es folgten jedoch vehemente Reaktionen in<br />

Parteien und Rathaus. «Wer soll denn diese sozialistischen<br />

Forderungen überhaupt finanzieren?»<br />

Ironischerweise sind heute – mehr als 25 <strong>Jahre</strong> später – viele<br />

der gestellten Forderungen erfüllt. Die <strong>SP</strong> war damals schon<br />

visionär und der Zeit voraus. Die erfüllten Bereiche <strong>im</strong> Aktionsprogramm<br />

sind rot-kursiv dargestellt!<br />

Was will die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>?<br />

Die folgenden Ziele wird die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> in den nächsten<br />

<strong>Jahre</strong>n anstreben. Die Forderungen beziehen sich<br />

<strong>im</strong> Wesentlichen auf Einsiedler Anliegen. Diese sind stichwortartig<br />

in verschiedenen Themenkreisen zusammengefasst,<br />

wobei Überschneidungen auftreten können.<br />

Wohnen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> fördert und unterstützt den gemeinnützigen<br />

genossenschaftlichen Wohnungsbau. Kleinräumiges<br />

Nachverdichten mit Gestaltungsplänen ist möglich,<br />

falls die Wohnqualität oder die Quartierstruktur verbessert<br />

wird. Horten von Bauland und Ausschluss von best<strong>im</strong>mten<br />

Bevölkerungskreisen be<strong>im</strong> Baulandverkauf sind zu verhindern.<br />

Wir wünschen Wohnformen, die gemeinschaftliche<br />

Aktivitäten fördern, z.B. Hütedienst, Pflege und<br />

Wohngemeinschaft.<br />

Unsere Schulen<br />

Schulbauten müssen kindergerecht gestaltet und gestaltbar<br />

sein. Vor allem die Pausenplätze sollen attraktiver<br />

werden. Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> sorgt für eine Kinderkrippe,<br />

einen Tageshort und einen Mittagstisch.<br />

Sichere Schulwege sind unerlässlich. Bei kritischen Strassenüberquerungen<br />

sind Lotsendienste durchzuführen.<br />

Die Stundenpläne sind mittels Blockzeit zu verbessern.<br />

Die 5-Tage-Woche ist an der Schule einzuführen, falls damit<br />

kein Abbau von Stoffmenge verbunden ist.<br />

Anliegen der Jugendlichen<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> fördert autonome Jugend-Treffpunkte<br />

ohne Konsumzwang. In Gremien, welche die Jugendlichen<br />

direkt betreffen, bekommen sie Mitbest<strong>im</strong>mung<br />

und Verantwortung. Randgruppen werden tolerant<br />

behandelt.<br />

Arbeit und Wirtschaft<br />

Wir unterstützen gewerkschaftliche Anliegen in der Privatwirtschaft<br />

und in der Verwaltung (Teuerungsausgleich,<br />

Reallohn, Arbeitszeit, Pensionierungsalter, Freizügigkeit,<br />

usw.).<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> unterstützt ein breites Angebot<br />

an Berufsausbildung für Frauen und Männer, welche einen<br />

Wiedereinstieg planen oder eine Berufsneuorientierung<br />

vornehmen wollen (z.B. Bereitstellung der nötigen<br />

Infrastruktur).<br />

Teilzeitstellen sind vermehrt anzubieten. Insbesondere bietet<br />

der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine grosse Zahl Teilzeitstellen<br />

auf allen Lohnstufen an.<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> fördert die Ansiedlung von Industrie<br />

und Gewerbe.<br />

Soziale Aspekte<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> bietet Beratungsstellen und Beratungsdienste<br />

an, die alle Lebensbereiche angemessen abdecken<br />

können (z.B. Ombudsstelle).<br />

<strong>Einsiedeln</strong> bietet ein ausreichendes Angebot an guten<br />

Dienstleistungen und bezahlter Nachbarschaftshilfe an,<br />

damit alte und kranke Leute ihren Lebensort möglichst<br />

lange selber best<strong>im</strong>men können (Spitex).<br />

Für die grösser werdende Gruppe alter MitbürgerInnen,<br />

die sich nicht selber versorgen können, sind genügend<br />

Pflegeplätze in <strong>Einsiedeln</strong> anzubieten. <strong>Einsiedeln</strong> erhöht<br />

den Personalbestand der Sozialberatungsstelle. <strong>Einsiedeln</strong><br />

unterstützt den Bund bei seinen Bemühungen in der<br />

Asylfrage und sorgt für eine vorbildliche Betreuung und<br />

Eingliederung der Asylsuchenden in <strong>Einsiedeln</strong>. Einbürgerungsgesuche<br />

werden vom <strong>Bezirk</strong>srat geprüft und abschliessend<br />

entschieden.<br />

Der Einsiedler Strassenverkehr<br />

Alle VerkehrsteilnehmerInnen zeigen ein rücksichtsvolles<br />

Verkehrsverhalten.<br />

In den Wohnquartieren werden verkehrsberuhigende Massnahmen<br />

eingeführt.<br />

Über das Parkplatzangebot muss der Privatverkehr so gesteuert<br />

werden, dass er beschränkt oder vermindert werden<br />

kann. Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> stellt Parkplätze für Benützer<br />

des öffentlichen Verkehrs zur Verfügung (Park and Ride).<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> erstellt ein Radwegnetz und stellt für<br />

das Velo genügend Parkraum zur Verfügung. Der öffentliche<br />

Verkehr erhält gegenüber dem Privatverkehr klar Priorität.<br />

Die Hauptstrasse wird verkehrsfrei.<br />

159


Kultur<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> berücksichtigt alle kulturellen Anliegen,<br />

auch die zeitgenössische Kultur. Für neue kulturelle<br />

Anliegen sind Mittel und Raum zur Verfügung zu stellen<br />

(z.B. Konzertlokalitäten).<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> stellt dem Breitensport eine gute<br />

Infrastruktur zur Verfügung. Die Einsiedler Sportanlagen<br />

sind allgemein zugänglich zu machen.<br />

<strong>Einsiedeln</strong> gibt den ausländischen EinwohnerInnen den<br />

nötigen Raum für ihre kulturellen Bedürfnisse.<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> fördert das Verständnis für andere<br />

Kulturgruppen<br />

Die Welt, die uns erträgt<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> soll <strong>im</strong> ganzen Bereich der Umweltpolitik<br />

ein Vorbild sein. <strong>Einsiedeln</strong> betreibt eine effiziente<br />

Umweltberatungsstelle für alle umweltrelevanten Bereiche.<br />

<strong>Einsiedeln</strong> fördert private Initiativen der Wirtschaft,<br />

die zur Reduktion der Umweltbelastung beitragen und verbindet<br />

die Massnahmen mit geeigneten Auflagen. Regenerierbare<br />

Energien und Wärme-Kraft-Kopplung sind vom<br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zu fördern. Fernheizungen in kleinerem<br />

Rahmen werden unterstützt (Zusammenfassung mehrerer<br />

Gebäude oder Quartierteile, Nutzung von Industrieabwärme).<br />

Die Ziele der Luftreinhaltung sind durchzusetzen.<br />

Lärmemissionen sind möglichst an der Quelle zu<br />

el<strong>im</strong>inieren.<br />

Die Abfallmenge ist zu reduzieren. Der Gebrauch von<br />

mehrmals verwendbaren Materialien ist zu fördern.<br />

Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> braucht genügend qualifiziertes<br />

Personal, um die Ziele der Umweltpolitik durchzusetzen.<br />

Die Landschaft soll durch Biotope, Flussläufe, Hecken<br />

usw. vernetzt werden.<br />

Nationalratswahlen 1991<br />

und das Kieswerk Trachslau<br />

«kfs pokert sehr hoch. (...) Für die nächsten Herbstwahlen scheint<br />

nun der Haussegen zwischen den beiden Linksgruppierungen<br />

etwas schiefer zu hängen. Wie <strong>im</strong> EA angekündigt, stellt das kritische<br />

forum den Sozialdemokraten unnmissverständliche Bedingungen,<br />

welche bei den Adressaten einiges Kopfzerbrechen<br />

verursachen dürfte. Das kfs verlangt nämlich als Gegenleistung<br />

für eine Listenverbindung bei den Nationalratswahlen, dass die<br />

<strong>SP</strong> <strong>im</strong> Frühjahr 1992 bei den Regierungsratswahlen auf eine<br />

gemeinsame Liste mit CVP und <strong>SP</strong> verzichtet. Eine solche ist<br />

jedoch der einzige Garant für eine sichere Wiederwahl von Regierungsrat<br />

Richard Wyrsch.» (EA 17.5.1991).<br />

Diesem kfs-Diktat erteilte der kantonale Parteitag am 19. August<br />

1991 eine klare Absage und nominierte für die Nationalratswahlen<br />

vom 20. Oktober 1991 Arthur Züger (bisher), Wangen,<br />

Kantonsrätin Theres Weber-Nauer, Wilen, und Kantonsrat Stefan<br />

Blank, Goldau (EA 23.8.1991).<br />

Letztlich buhlten acht Listen mit 19 Kandidaten und Kandidatinnen<br />

für die drei Schwyzer Nationalratssitze: Christlichsoziale<br />

Parteigruppe, <strong>SP</strong>, LVP, CVP, Partei der Zukunft (Marcel<br />

Strebel), Europapartei (Heinrich Walder), SVP und Demokratische<br />

Autopartei! Das kritische forum hatte verzichtet. «Die<br />

grüne Gruppierung wählte das kleinste aller ‹Übel›» und unterstützte<br />

die <strong>SP</strong> (EA 6.9.1991).<br />

Die drei <strong>SP</strong>-Kandidaten stellten sich am Wahlhappening<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Hotel «Krone» am 4. Oktober 1991 vor.<br />

«Zur Auflockerung greift das <strong>SP</strong>-Wahlkabarett die brandheissen<br />

Themen von heute und morgen auf. Sisiphus und Satanus,<br />

wie sich die beiden Kabarettisten aus der March nennen,<br />

behandeln witzig und kritisch zugleich die Probleme des ‹kleinen<br />

Mannes›.» (EA 1./11.10.1991).<br />

Die Nationalratswahlen endeten in einem katastrophalen<br />

Ergebnis für die CVP/C<strong>SP</strong>-Listen. Deren Wähleranteil sackte<br />

auf 32.8% ab, währenddem die <strong>SP</strong> ohne das kritische forum<br />

wieder auf 19.4% kam. Dies reichte Arthur Züger für eine Wiederwahl<br />

als Nationalrat (EA 22.10.1991).<br />

1991 stand aber auch das Kieswerk Trachslau <strong>im</strong> Fokus.<br />

Dieses wurde wiederholt erweitert, was vom <strong>Bezirk</strong>srat<br />

(«altrechtlich») toleriert wurde, obwohl die Umweltschutzvorschriften<br />

nicht eingehalten wurden. Bereits ausgebeutete<br />

Bereiche dienten überdies als (ebenfalls) unbewilligte Inertstoffdeponien.<br />

Dass unter diesen Deponien ein Grundwasservorrat<br />

lag, interessierte damals mit Ausnahme der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

niemanden.<br />

«Anlässlich der <strong>Bezirk</strong>sgemeindeversammlung vom 26. April<br />

1991 erbat die Sozialdemokratische Partei <strong>Einsiedeln</strong> eine Stellungnahme<br />

des <strong>Bezirk</strong>srates zum Kieswerk Trachslau, das bis<br />

heute über keine Betriebsbewilligung verfügt. Die Umstände,<br />

die bis heute die Bewilligungserteilung verhinderten, haben verschiedene<br />

Ursprünge. Dennoch ist der Betrieb des Kieswerkes<br />

Trachslau nicht als illegal einzustufen, wie die <strong>SP</strong>E in ihrer Fragestellung<br />

(zumindest in Klammern) festzustellen meint.» (EA<br />

24.5.1991).<br />

Die Partei stufte das Kieswerk aufgrund der unbewilligten<br />

Erweiterung 1975 als illegal ein. Man wollte nicht dessen<br />

Stilllegung, aber die Einhaltung der diversen Auflagen (EA<br />

1.6.1991). Am 5. Juli 1991 kam es zu einer Aussprache zwischen<br />

der Partei, dem <strong>Bezirk</strong>srat und der Betreiberfirma Trüeb.<br />

Es passierte aber nichts. «Am 14. Februar [1992] haben Bruno<br />

Kälin und <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> von der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> gegen<br />

den <strong>Bezirk</strong>srat <strong>Einsiedeln</strong> be<strong>im</strong> Kanton Schwyz wegen des<br />

unbewilligten Kieswerks Trachslau eine Aufsichtsbeschwerde<br />

eingereicht. Darin wird vom Regierungsrat verlangt, dem<br />

<strong>Bezirk</strong>srat eine angemessene Frist zu setzen, um die Bau- und<br />

Betriebsbewilligung für das Kieswerk Trachslau zu erteilen.<br />

Wird diese Frist nicht eingehalten, soll der Kiesabbau verbo-<br />

160


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Das illegale Kieswerk Trachslau um 1988.<br />

ten werden, bis eine rechtsgültige Bewilligung in Kraft ist.»<br />

(EA 21.2.1992). Und der Regierungsrat hiess die Aufsichtsbeschwerde<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> gut! <strong>Bezirk</strong>srat und kantonale<br />

Amtsstellen wurden zu einer zügigen Verfahrensabwicklung<br />

betreffend eine Bau- und Betriebsbewilligung für die Kieswerk<br />

Trachslau AG angehalten (EA 16.9.1992). Es ging in der<br />

Folge zwar vorwärts, aber aufgrund des «komplizierten Verfahrens»<br />

sehr träge (EA 13.11.1992). Erst 1995 erging eine<br />

Baubewilligung mit massiven Auflagen (EA 3.2.1995).<br />

An der Parteiversammlung vom 22. Mai 1991 referierte<br />

<strong>SP</strong>-Nationalrätin Barbara Haering Binder – entsprechend<br />

der Themensetzung an der Zukunftswerkstatt – zur Gleichstellung<br />

von Frau und Mann (EA 18.5.1991). <strong>Bezirk</strong>srätin Josy<br />

Gyr führte damals das Protokoll und schrieb zum gezeigten<br />

Videofilm: «Mein persönlicher Eindruck: Viele der <strong>SP</strong>-Parlamentarierinnen<br />

sprechen mir aus dem Herzen, mit einzelnen<br />

Voten kann ich nicht viel anfangen. Die Rahmengeschichte<br />

gefällt mir persönlich nicht, nein, der Rahmen hat mich sogar<br />

gestört. Alles in Allem aber doch eine gute Werbung für die<br />

Sache der Frau und unsere <strong>SP</strong>-Vertreterinnen.»<br />

Die Parteiversammlung vom 14. August 1991 behandelte<br />

<strong>Bezirk</strong>svorlagen. «Der Landabtausch für die Schulanlage Bennau<br />

löste an der Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine<br />

heftige Diskussion aus. Trotz Vorbehalten sprach sich eine<br />

Mehrheit für das Geschäft aus.» (EA 23.8.1991).<br />

Die Parteileitung blieb aktiv. Am 18. September 1991<br />

organisierte sie in der «Krone» eine Podiumsdiskussion zur<br />

Asylpolitik, welche gemäss Berichterstatter zwiespältig ausfiel.<br />

«Im Verlaufe des engagiert über die Runde gehenden<br />

Abends konnte man feststellen, dass Biertisch-Politik, billiger<br />

St<strong>im</strong>menfang und Vorurteile für vieles herhalten müssen.» (EA<br />

20.9.1991).<br />

Die Parteiversammlung vom 20. November 1991 unterstützte<br />

das Kreditbegehren des FC <strong>Einsiedeln</strong> zwecks Errichtung<br />

des Fussballplatzes Schlyffi und auch den Baurechtsvertrag<br />

für eine Minigolfanlage <strong>im</strong> Weisswindgarten.<br />

Eine autofreie Hauptstrasse, eine<br />

bürgerliche Strafaktion sowie ein Einsiedler<br />

<strong>SP</strong>-Kantonsratspräsident<br />

Mit der Herausgabe des «Dr rout Rab» am 8. November 1991<br />

lancierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> die – ebenfalls an der Zukunftswerkstatt<br />

thematisierte – Petition für eine autofreie Hauptstrasse. Petitionsbögen<br />

wurden auch <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» platziert (EA<br />

24.1.1992).<br />

Am 3. Februar 1992 konnte die Partei der <strong>Bezirk</strong>skanzlei<br />

eine von 921 (!) Einsiedlerinnen und Einsiedlern unterzeichnete<br />

Petition einreichen. Die Verkehrspolitik war <strong>im</strong> Gespräch (EA<br />

7.2.1991). Parallel und in Ergänzung dazu verlangte man, dass<br />

der Verkehrsrichtplan in einigen Punkten ergänzt bzw. geändert<br />

werde. Der <strong>Bezirk</strong>srat lehnte die Petition und die zusätzlichen<br />

Anträge zwar ab, leitete aber die Forderungen an die zuständige<br />

Verkehrskommission weiter, welche dann ein einigermassen akzeptables<br />

Verkehrskonzept ausarbeitete. Dass dabei die Petition<br />

und die zusätzlichen Forderungen unterstützend gewirkt hatten<br />

war ein Erfolg für die Partei. Die <strong>SP</strong> nahm den ablehnenden<br />

Entscheid des <strong>Bezirk</strong>srates bezüglich der Petition für eine autofreie<br />

Hauptstrasse zur Kenntnis. Man war sich ohnehin bewusst,<br />

dass für eine autofreie Hauptstrasse verschiedene Rahmenbe-<br />

161


dritten Mal an dessen inakzeptablen Forderungen bezüglich<br />

der Listenbesetzung (EA 21.2.1992).<br />

«<strong>SP</strong> will 15 Prozent Anteil. So frühzeitig wie noch nie, war<br />

es anlässlich der ordentlichen Generalversammlung vom<br />

24. Januar 1992 der Sozialdemokratischen Partei <strong>Einsiedeln</strong><br />

möglich, die Weichen für die Kantonsratswahlen vom Frühjahr<br />

zu stellen.» (EA 25.2.1992).<br />

Während die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ihren Kantonsratssitz mit Martin<br />

Kälin verteidigen konnte, aber nur gut 10% Wähleranteil erzielte,<br />

musste das kritische forum ein enttäuschendes Resultat<br />

einfahren und ging leer aus (EA 6./10.4.1992). Zusammen<br />

hätte man wohl das nun den Liberalen zugefallene Restmandat<br />

erringen können (EA 24.4.1992)! Kantonal gehörten die<br />

Sozialdemokraten zu den Verlierern (minus zwei Mandate).<br />

Der Wähleranteil war auf 11.4% gesunken und man besass<br />

<strong>im</strong> Kantonsrat gerade noch 11 Vertreter (EA 14.4.1992).<br />

Bei den Regierungsratswahlen bockte die LVP, sodass<br />

– nach Jahrzehnten – kein gemeinsamer Wahlvorschlag der<br />

Regierungsratsparteien zustande kam und jede Liste allein<br />

in die Wahlen ging (EA 11./14.2.1992). Die <strong>SP</strong> Kt. Schwyz<br />

nominierte mit Richard Wyrsch ihren bisherigen Regierungsrat,<br />

verzichtete auf einen zweiten Kandidaten, und nahm aus<br />

taktischen Überlegungen die bisherigen Regierungsräte<br />

der anderen Parteien mit auf die Liste (EA 10.1.1992, EA<br />

14./18.2.1992). Die CVP ging dann als Siegerin der Ausmarchung<br />

hervor, da sie als einzige Partei alle ihre bisherigen<br />

Kandidaten <strong>im</strong> ersten Wahlgang über die Runde brachte.<br />

Richard Wyrsch erzielte das sechstbeste Resultat und wurde<br />

erst in den Nachwahlen vom 26. April 1992 in seinem Amt<br />

bestätigt (EA 1.5.1992).<br />

Überschattet wurden die Wahlen vom plötzlichen<br />

Hinschied unseres <strong>SP</strong>-Parteiaktuars und langjährigen<br />

Koordinators Willi Suter (EA 7.4.1992).<br />

Die Parteiversammlung vom 27. April 1992 diskutier-<br />

dingungen erfüllt sein mussten, welche nicht von heute auf<br />

morgen realisiert werden konnten. Die Informationspraxis<br />

des <strong>Bezirk</strong>srates wurde aber kritisiert, da er die Partei<br />

erst etwa sechs Monate nach dem Entscheid offiziell<br />

und (erst auf telefonische Reklamation hin) schriftlich in<br />

Kenntnis setzte!<br />

Am 24. Januar 1992 hielt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ihre ordentliche<br />

Generalversammlung – wie gewohnt – <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

ab. Als Gäste konnten Nationalrat Arthur Züger<br />

und Kantonalpräsident Hansueli Kälin begrüsst werden.<br />

Nebst der Petition für eine autofreie Hauptstrasse standen<br />

die kommenden Frühlingswahlen <strong>im</strong> Vordergrund (EA<br />

31.1.1992).<br />

Bereits <strong>im</strong> August 1991 hatte sich die Parteileitung mit<br />

den Kantonsratswahlen und den Bedingungen für eine<br />

gemeinsame Liste mit dem kritischen forum befasst. Die<br />

Zusammenarbeit mit diesem scheiterte dann aber zum<br />

Die <strong>SP</strong> überreicht die von 921 Personen unterzeichnete Petition<br />

für eine autofreie Hauptstrasse. V.l.n.r. Bruno Kälin, Landschreiber<br />

Martin Harris, <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> und Jürg Jäger.<br />

162


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die <strong>SP</strong>-Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten 1992: V.l.n.r. <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

(1958, Dorf), Lokomotivführer, Präsident der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>; Josef Unternährer (1962, Dorf),<br />

Schreiner; Bruno Kälin (1964, Trachslau), diplomierter Geophysiker; Magrith Züger (1950, Dorf),<br />

Hausfrau; Rita <strong>Schönbächler</strong>-Kälin (1946), Hausfrau; Martin Kälin (1940, Egg), Posthalter und<br />

Kantonsratsvizepräsident, kumuliert; Marlis Pfister-Kälin (1953, Dorf), Hausfrau; Ingrid Reich<br />

Zentner (1957, Dorf), Hausfrau; Meiri Gyr (1944, Dorf), Chauffeur (EA 17.3.1992).<br />

te nicht bloss die vergangenen Wahlen, sondern nominierte<br />

auch die Kandidatinnen und Kandidaten für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 17. Mai 1992: <strong>Bezirk</strong>srat Christian Iten (bisher), Mitglied<br />

der Rechnungsprüfungskommission Ingrid Reich (bisher) und<br />

neu, für den nach 22 <strong>Jahre</strong>n zurückgetretenen <strong>Bezirk</strong>srichter<br />

Gerhard Egli, alt <strong>Bezirk</strong>srat Karl Hensler (EA 24.4.1992). Es<br />

kam eine gemeinsame Liste zustande. «Die <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat vertretenen<br />

Partei, CVP,<br />

LVP, SVP und <strong>SP</strong> haben<br />

sich mit gutem Grund,<br />

und weil der bisherige<br />

Besitzstand gewahrt<br />

bleibt, auf eine gemeinsame<br />

Liste für die<br />

kommenden <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

geeinigt.» (EA<br />

12.5.1992). Die Wahlen<br />

gingen entsprechend<br />

aus und die drei Kandidaten<br />

der <strong>SP</strong> wurden<br />

komfortabel gewählt<br />

(EA 19.5.1992).<br />

Die Besetzung der<br />

Kommissionen verlief<br />

dann aber nicht mehr<br />

in Minne. Die beiden<br />

163<br />

Beschwerdeführer in Sachen<br />

Kieswerk Trachslau, <strong>Walter</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> (Kommission<br />

Volkswirtschaft und Kultur)<br />

und Bruno Kälin (Gesundheits-,<br />

Energie- und Umweltschutzkommission)<br />

wurden<br />

<strong>im</strong> Sinne einer offensichtlichen<br />

Strafaktion aus den<br />

Kommissionen verbannt! An<br />

Stelle von Bruno Kälin wurde<br />

Margrit Züger in die Kommission<br />

aufgenommen.<br />

Im Herbst 1992 fanden<br />

noch zwei Parteiversammlungen<br />

statt (10. September,<br />

11. November). An letzterer<br />

ging es um die Erstellung<br />

von Alterswohnungen be<strong>im</strong><br />

Alters- und Pflegehe<strong>im</strong><br />

Langrüti, welche von der<br />

Partei einst<strong>im</strong>mig unterstützt<br />

wurde. Die Initiativen<br />

betreffend Neubau Einsiedlerhof<br />

und Erstellung eines<br />

Hallenschw<strong>im</strong>mbades auf<br />

dem Areal des ehemaligen Notspitals wurden abgelehnt (EA<br />

22.9.2012, EA 20.11.1992). Der Chlaus-Hock fand am 6. Dezember<br />

1992 <strong>im</strong> «Biergarten» statt.<br />

«Eine folgenreiche Weichenstellung unternahm das<br />

Schweizervolk am 6. Dezember. Die EWR-Abst<strong>im</strong>mung brachte<br />

ein überwältigendes Stände- und ein knappes Volksnein.<br />

Die Gegner dieser Jahrhundertvorlage konnten mit Schlag-<br />

Ein sehr erfreuliches Ereignis fand dafür<br />

am 25. Juni 1992 in Egg statt. Alt Parteipräsident<br />

und Kantonsrat Martin Kälin<br />

wurde mit 99 St<strong>im</strong>men zum neuen Kantonsratspräsidenten<br />

1992/93 gewählt!<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> konnte erstmals einen<br />

solchen stellen. Mit seiner Antrittsrede<br />

dürften sich aber nicht alle Kantonsräte<br />

angefreundet haben, sprach er doch sehr<br />

europafreundlich über die kommende Abst<strong>im</strong>mung<br />

zum EWR. In seiner Ansprache<br />

<strong>im</strong> Gasthaus St. Meinrad auf dem Etzel<br />

sagte der frischgebackene Kantonsratspräsident<br />

dann launisch: «Ich bin zwar<br />

kleiner als unser Sektionspräsident, aber<br />

trotzdem höher.» (EA 20./30.6.1992).


worten den Souverän gegen diesen Beitritt mobilisieren. Die<br />

Rechnung wird uns schon heute, sicher aber auch in Zukunft<br />

präsentiert. Abkapselung und Abschottung ist offenbar das<br />

Rezept der Mehrheit. Unverständlich ist, dass sich viele ArbeitnehmerInnen<br />

von den gegnerischen Argumenten überzeugen<br />

liessen. Die St<strong>im</strong>men der Rechtspopulisten zählen<br />

leider mehr als die der <strong>SP</strong> und der Gewerkschaften. Wann<br />

erwacht die Arbeitnehmerschaft?» liest man <strong>im</strong> <strong>Jahre</strong>sbericht<br />

des Präsidenten.<br />

Notschlafstelle, Drogenpolitik, der richtige<br />

Polizeidirektor und eine zweite bürgerliche<br />

Strafaktion<br />

Zur Generalversammlung vom 5. Februar 1993 fanden sich<br />

<strong>im</strong> «Biergarten» 20 Parte<strong>im</strong>itglieder ein. Die Parteileitung<br />

blieb – mit Ausnahme des vakanten Aktuarenpostens (Willi<br />

Suter+) – unverändert, konnte mit Erika Weber aber eine neue<br />

Beisitzerin willkommen heissen (EA 12.2.1993). Die Partei bestand<br />

aus 52 Mitgliedern und 14 Sympathisanten. Festgestellt<br />

werden musste, dass einzelne «alte Gewerkschafter» zufolge<br />

«ideologischen Schwierigkeiten» ihren Austritt bekannt gegeben<br />

hatten.<br />

Der kantonale Parteitag fand am 31. März 1993 wiederum<br />

<strong>im</strong> «St. Georg» statt und war dem Thema Arbeitslosigkeit<br />

gewidmet (EA 23.3.1993). «Die Schweiz befindet sich in der<br />

schwersten Krise seit 60 <strong>Jahre</strong>n – wirtschaftlich, politisch und<br />

sozial. Wirtschaftlich n<strong>im</strong>mt die Zahl der Arbeitslosen ständig<br />

weiter zu; politisch verharrt eine bürgerliche Mehrheit mit veralteten<br />

Rezepten <strong>im</strong> Nichtstun, sozial sind <strong>im</strong>mer mehr Menschen<br />

vom Abgleiten in die Abhängigkeit von der Fürsorge<br />

bedroht.» (EA 16./23.4.1993).<br />

Die Parteiversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 21. April<br />

1993 unterstützte die <strong>Bezirk</strong>svorlagen und insbesondere die<br />

Gewährung eines zinslosen Darlehens von 3 Mio. Franken an<br />

die Genossenschaft Dorfzentrum. Auch die steigende Arbeitslosigkeit<br />

war Diskussionsthema (EA 30.4.1993). Zusammen<br />

mit der <strong>SP</strong> March und <strong>SP</strong> Höfe wurde die 1. Mai-Feier <strong>im</strong> Gasthaus<br />

«St. Meinrad» auf dem Etzelpass begangen. Die traditionelle<br />

<strong>SP</strong>-Wanderung wurde am 27. Juni 1993 durchgeführt.<br />

Die Kantonalpartei setzte sich an ihrer Kantonalversammlung<br />

vom 13. Mai 1993 in Pfäffikon mit den beiden armeekritischen<br />

Initiativen «Für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge»<br />

und «40 Waffenplätze sind genug» auseinander und<br />

unterstützte diese (EA 7./25.5.1993).<br />

Ein Trauerspiel sondergleichen war dann die am Birkenweg<br />

in Bennau geplante Einrichtung einer Notschlafstelle, gegen<br />

welche sich in der Bevölkerung bzw. <strong>im</strong> Quartier erbitterter<br />

Widerstand regte und auch den <strong>Bezirk</strong>srat zu Passivität verleitete.<br />

«Notschlafstelle ja, aber bitte nicht bei uns und nicht in einer<br />

Wohnzone», war der Tenor. Parteipräsident <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

meinte zu Recht: «Nicht mehr als eine Alibiübung. Im<br />

Die Parteiversammlung vom 1. September 1993 st<strong>im</strong>mte<br />

nicht nur dem Zonenplan, dem Baureglement und einem<br />

arbeitsfreien Bundesfeiertag zu, sondern beschloss<br />

auch die Durchführung einer Podiumsdiskussion über<br />

Drogenpolitik (EA 10.9.1993, EA 22.10.1993). Klar zu<br />

Tage trat, dass das Drogenproblem auch <strong>im</strong> Kanton<br />

Schwyz existierte. Aber wie begegnen: Restriktive Prohibition<br />

oder Drogenfreigabe? (EA 29.10.1993).<br />

Kanton Schwyz leben rund 2‘000 Drogenabhängige, wovon<br />

deren rund 1‘800 schwerst alkoholabhängig sind. (...) Als Mitglied<br />

des Vereins Notschlafstelle Ausserschwyz unterstützt<br />

der <strong>Bezirk</strong>srat die Ausgrenzung von Hilfsbedürftigen. Ehrlicher<br />

wäre ein Austritt aus diesem Verein, denn alles andere<br />

ist eine Alibiübung.» (EA 11.5.1993).<br />

Trotz Aufklärung und Sensibilisierung gelang es nicht, die<br />

Wogen in <strong>Einsiedeln</strong> – und vor allem am Birkenweg in Bennau<br />

– zu glätten. Die Gegnerschaft organisierte einen Fackelzug<br />

gegen die (legale) Eröffnung der Notschlafstelle (EA<br />

26.10.1993) und nachdem der Bennauer Regierungsrat und<br />

164


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Polizeidirektor den Einsatz der Polizei, welche die Eröffnung<br />

sichern sollte, abblies, war der Skandal perfekt – aber das<br />

Projekt «erfolgreich» gebodigt (EA 29.10.1993). Die Kantonalpartei<br />

gelangte an den Regierungsrat und forderte ein Konfliktlösungsmodell.<br />

«Wir dürfen nicht zulassen, dass Ängste<br />

das Handeln <strong>im</strong> Kanton Schwyz blockieren und an sich sehr<br />

weit gediehene und auf weite Strecken anerkannte Lösungen<br />

verunmöglichen.» (EA 3.11.1993). <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr,<br />

Ressortchefin Sozialwesen, hatte es nicht leicht und wurde<br />

von der Bennauer Bevölkerung verbal zum Teil übel und massiv<br />

angegriffen, was sie jedoch mit stoischer Ruhe bewältigte!<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> diskutierte an ihrer Parteiversammlung vom<br />

10. November 1993 engagiert, wie mit der von der Protestbewegung<br />

«Birkenweg» lancierten Initiative, welche ein Verbot<br />

von Notschlafstellen, Obdachlosenhe<strong>im</strong>en und dergleichen in<br />

Wohnzonen <strong>im</strong> Baureglement festgehalten haben wollte, umgegangen<br />

werden sollte. Die Partei kritisierte die «verwerfliche<br />

Geisteshaltung», welche der Initiative zu Grunde lag, und beurteilte<br />

diese auch als verfassungswidrig. Es wurde beschlossen,<br />

an der Gemeindeversammlung einen Rückweisungsantrag<br />

zu stellen, sollte die Initiative nicht vorher zurückgezogen<br />

werden (EA 12.11.1993). Letzteres geschah dann aber (EA<br />

16.11.1993).<br />

Der Chlaus-Hock vom 3. Dezember 1993 beinhaltete eine<br />

Filmvorführung des <strong>SP</strong>-Kantonalpräsidenten Hansueli Kälin:<br />

«Durchs wilde Sibirien, von Moskau nach Peking».<br />

Die Generalversammlung fand am 31. Januar 1994 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

statt. Aus beruflichen Gründen bzw. zufolge Wegzugs<br />

traten die engagierten Parteileitungsmitglieder Bruno Kälin und<br />

Jürg Jäger zurück. Der Aktuarenposten blieb vakant. Für die anstehenden<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen vom 8. Mai 1994 nominierte die Partei<br />

die bisherigen Amtsträgerinnen: <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr und<br />

RPK-Mitglied Ingrid Reich (EA 4.2.1994).<br />

An der Wahlversammlung vom 5. April 1994 musste die<br />

Partei zur Kenntnis nehmen, dass die Liberalen wieder einmal<br />

«Stunk» machten und die Zust<strong>im</strong>mung zu einem gemeinsamen<br />

Wahlvorschlag verweigerten. «Was vor zwei <strong>Jahre</strong>n schon geprobt,<br />

aber dann doch nicht durchgeführt wurde, findet am<br />

8. Mai statt. Die übliche gemeinsame Liste der vier <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

<strong>Einsiedeln</strong> vertretenen Parteien kam nicht zustande. Die drei<br />

sich bürgerlich nennenden Parteien CVP, LVP und SVP haben<br />

der <strong>SP</strong> die Aufnahme in die gemeinsame Liste versagt. Dies, obwohl<br />

die CVP vorgängig eine gemeinsame Liste aller Parteien<br />

beschlossen hatte. Als Grund werden ideologische Differenzen<br />

genannt. Das zur Wahl anstehende <strong>SP</strong>-Mandat wird von den übrigen<br />

Parteien nicht bestritten.» (EA 8.4.1994).<br />

Es handelte sich klar um eine rechtsbürgerliche Retourkutsche.<br />

Vorab die Liberalen und in deren Schlepptau die SVP<br />

sahen die Gelegenheit gekommen, den kritischen St<strong>im</strong>men<br />

in der <strong>SP</strong> nach der Kieswerk Trachslau- und Notschlafstellen-<br />

Geschichte einen Denkzettel zu verpassen und der Partei bzw.<br />

deren «Rout Rab» einen «Maulkorb anzulegen», wie der Parteipräsident<br />

damals vermerkte. Das brachte die CVP in Nöte und<br />

diese liess sich in der Folge mit vor den «bürgerlichen Karren»<br />

spannen (zumal auch der von der <strong>SP</strong> kritisierte Bennauer Polizeidirektor<br />

und der wegen seines Zick-Zack-Kurses in Steuerfragen<br />

kritisierte Ständerat wohl nicht dagegen opponiert haben<br />

dürften).<br />

Die beiden <strong>SP</strong>-Frauen wurden damit von bürgerlicher Seite<br />

geschnitten und die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> musste allein in die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

gehen, führte auf ihrer Liste aber die CVP-Kandidaten auf<br />

(EA 22.4.1994). Zur Nebensache verkam, dass sich eine «wilde<br />

Liste» gegen die beiden CVP-Kandidaten wandte, weil sie Lehrpersonen<br />

waren (EA 6.5.1994). Der bürgerliche Wahlvorschlag<br />

war letztlich wohl erfolgreich, aber weniger deutlich, als erwartet.<br />

Josy Gyr und Ingrid Reich verpassten das absolute Mehr nur<br />

knapp, mussten damit aber am 8. Mai 1994 die Nachwahlen<br />

bestreiten, die sie dann mit Bravour meisterten (EA 10.5.1994,<br />

EA 14.6.1994). Grossmundig in den Raum gestellte Gegenkandidaturen<br />

von LVP und SVP blieben aus (EA 27.5.1994).<br />

Die Parteiversammlung vom 25. Mai 1994 beschloss zur<br />

<strong>Bezirk</strong>svorlage über einen Beitrag an den Um- und Anbau der<br />

Alterssiedlung Gerbe – weil als unzweckmässig und überrissen<br />

erachtet – die Nein-Parole (EA 31.5.1994). Dieser folgten denn<br />

auch die St<strong>im</strong>mbürgerinnen und St<strong>im</strong>mbürger. 80% lehnten den<br />

<strong>Bezirk</strong>sbeitrag ab (EA 14.6.1994).<br />

Die Besetzung in den <strong>Bezirk</strong>skommissionen erfuhr aus <strong>SP</strong>-<br />

Sicht folgende Veränderungen: <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr war neu<br />

zusätzlich in der Finanzkommission, Rita Ruhstaller kam neu<br />

in die Kulturkommission, Markus Degiorgi in die Kommission<br />

Volkswirtschaft und Freizeit, Beat Eberle in die Werkbetriebskommission,<br />

Susanne Lienert und Erika Weber in den Schulrat,<br />

Meiri Gyr als Mietervertreter in die Schlichtungsbehörde <strong>im</strong><br />

Mietwesen.<br />

Das zweite Halbjahr 1994 verlief in ruhigen Bahnen. Martin<br />

Kälin trat als Kassier aus der kantonalen Parteileitung zurück<br />

(EA 2.9.1994). Als neues Mitglied wurde von der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Margrit Züger vorgeschlagen. Die Parteiversammlung<br />

vom 9. November 1994 sodann st<strong>im</strong>mte allen «Güselvorlagen»<br />

zu (EA 18.11.1994).<br />

Im Dezember 1994 konnte von der Wahl des Einsiedler Bürgers<br />

Urs Birchler, <strong>SP</strong>-Regierungsrat, zum Zuger Landammann<br />

Kenntnis genommen werden (EA 20.12.1994).<br />

Rettung des Willerzeller-Viadukts<br />

und Verlust des Nationalratssitzes<br />

Die Generalversammlung fand am 9. Februar 1995 in Anwesenheit<br />

von Regierungsrat Richard Wyrsch <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Biergarten» statt. Der Mitgliederbestand betrug 47. In der Parteileitung<br />

wechselten Markus Degiorgi und Josef Unternährer<br />

die Ämter. Ersterer übernahm von letzterem das Kassieramt<br />

und letzterer fungierte neu als Rechnungsprüfer. «Die Wählerschaft<br />

der Sozialdemokratischen Partei hat sich verändert.<br />

165


Der Rückweisungantrag der <strong>SP</strong> gegen die infolge des Schwerverkehrs notwendige<br />

Sanierung und den Ausbau der Sihlseeuferstrasse hat wohl den Willerzeller-Viadukt<br />

gerettet (Foto Hermann Lienert um 1937).<br />

(…) ‹Chrampfarbeit› wird heute vielfach von ausländischen Mitarbeitern<br />

und Mitarbeiterinnen geleistet. Schweizerinnen und<br />

Schweizer zählen sich schnell einmal nicht mehr zur ‹Arbeiterklasse›.<br />

Die Mitglieder der Gewerkschaften bestehen teilweise<br />

bis zu 85% aus Ausländerinnen und Ausländern, welche kein<br />

St<strong>im</strong>mrecht haben. Auch werden in Gewerkschaften zum Teil<br />

Parolen analog zur SVP gefasst. Gemäss Univox-Umfrage ist<br />

die Wählerschaft der <strong>SP</strong> vermehrt in intellektuellen Kreisen zu<br />

finden. Die heutige Politik bewegt sich auf einem Niveau, das<br />

vielen Leuten nicht mehr angepasst ist.» brachte Regierungsrat<br />

Richard Wyrsch ein brennendes Thema auf den Punkt. Die<br />

Partei unterstützte <strong>im</strong> zweiten Teil der Generalversammlung<br />

die Oberstufenreform <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> und den Schulversuch (EA<br />

12.2.1995).<br />

An die Parteiversammlung vom 6. April 1995 fanden nur neun<br />

Mitglieder den Weg. Die <strong>Bezirk</strong>srechnung 1994 schien kein Interesse<br />

zu finden. Intensiv diskutiert wurde aber die bezirksrätliche<br />

Vorlage für eine Sanierung der Sihlseeuferstrasse, deren beabsichtigten<br />

gleichzeitigen Ausbau und die Finanzierungsfrage. Die<br />

Partei beschloss, an der <strong>Bezirk</strong>sgemeinde durch den Parteipräsidenten<br />

einen Rückweisungsantrag zu stellen (EA 11.4.1995).<br />

Dieser Rückweisungsantrag obsiegte dann mit 63 gegen 61<br />

St<strong>im</strong>men (EA 25.5.1995)! Der <strong>Bezirk</strong>srat wurde beauftragt, mit<br />

dem Regierungsrat einen neuen Finanzierungsschlüssel auszuhandeln.<br />

Erwartungsgemäss lehnte die Regierung aber ab. Sie<br />

verwies erneut darauf, dass für einen erhöhten Kantonsbeitrag<br />

keine gesetzlichen Grundlagen vorhanden seien. Um für diese <strong>im</strong><br />

Kanton einmalige Situation kein Präjudiz zu schaffen, erklärte sie<br />

sich auch nicht bereit, mit einer Kreditvorlage an den Kantonsrat<br />

zu gelangen (EA 30.6.1995). Auf Unverständnis stiess <strong>im</strong> Volk der<br />

Umstand, dass der <strong>Bezirk</strong>srat vom Regierungsrat keinen be<strong>im</strong><br />

166<br />

Verwaltungsgericht anfechtbaren<br />

Entscheid verlangt hatte. Die zweite<br />

unveränderte Abst<strong>im</strong>mungsvorlage<br />

wurde in der Folge haushoch abgelehnt<br />

(EA 19.12.1995).<br />

Mit Fug und Recht darf heute behauptet<br />

werden, dass ohne diesen<br />

Rückweisungsantrag der <strong>SP</strong> und<br />

die anschliessenden Diskussionen<br />

um den Willerzeller-Viadukt die Sache<br />

wohl anders verlaufen wäre. Der<br />

heute aus Umweltschutzgründen<br />

nicht mehr mögliche Ausbau der<br />

Sihlseeuferstrasse wäre damals erfolgt<br />

und das Todesurteil bzw. der<br />

Abbruchentscheid für den Willerzeller-Viadukt<br />

gefällt worden!<br />

Der kantonale Wahl-Parteitag<br />

fand am 10. Juni 1995 in <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>im</strong> Dorfzentrum statt. Begrüsst werden<br />

konnte <strong>SP</strong>-Bundesrätin Ruth<br />

Dreifuss. Die Kantonalpartei nominierte nebst dem bisherigen<br />

Nationalrat Arthur Züger, Wangen, die Lachner Kantonsrätin<br />

Elvira Jäger und alt <strong>Bezirk</strong>srat Balz Theus aus Küssnacht (EA<br />

13.6.1995).<br />

Da <strong>im</strong> Herbst die Nationalratswahlen bevorstanden, befasste<br />

sich die Parteileitung <strong>im</strong> August 1995 auch mit der Vorbereitung<br />

von Wahlveranstaltungen. Am 23. September 1995 wurde vor<br />

der Raiffeisenbank eine kleine Festwirtschaft eingerichtet, an<br />

der sich die <strong>SP</strong>-Kandidaten Arthur Züger, Elvira Jäger und Balz<br />

Theus vorstellen konnten. Für humoristische Einlagen sorgte das<br />

Kabarett «<strong>SP</strong>-Schprützä» (EA 26.9.1995). Am 22. Oktober 1995<br />

folgte dann aber die Ernüchterung. Die <strong>SP</strong> verlor ihren Nationalratssitz<br />

an die SVP, die aus einer schlechten CVP-Liste offensichtlich<br />

Profit ziehen und auch die Protestwähler der vormaligen<br />

Strebel- sowie der Autopartei auf sich zu vereinen vermochte.<br />

In <strong>Einsiedeln</strong> konnte der <strong>SP</strong>-Wähleranteil <strong>im</strong>merhin von 13.63%<br />

(1991) auf 16.59% gesteigert werden (EA 24.10.1995).<br />

An der Parteiversammlung vom 22. November 1995 wurde<br />

zur erneuten <strong>Bezirk</strong>svorlage betreffend eine Sanierung der<br />

Sihlseeuferstrasse St<strong>im</strong>mfreigabe beschlossen und dem abgespeckten<br />

Beitragsgesuch für den Umbau des Altershe<strong>im</strong>s Gerbe<br />

zugest<strong>im</strong>mt (EA 1.12.1995).<br />

Die erste Einsiedler Kantonsrätin<br />

und ein «grauer Panther»<br />

Bereits zu Beginn des <strong>Jahre</strong>s 1995 wurde klar, dass die Partei<br />

<strong>im</strong> Frühjahr 1996 verschiedene Mandate wird neu besetzen<br />

müssen. <strong>Bezirk</strong>srat Christian Iten, RPK-Mitglied Ingrid Reich<br />

und auch Kantonsrat Martin Kälin hatten ihre Demissionen<br />

angekündigt.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Parteileitung hatte zunächst Schwierigkeiten, geeignete<br />

Personen zu finden, welche bereit waren, Zeit und Energie in<br />

diese Ämter zu investieren.<br />

Da das kritische forum nicht mehr existierte bzw. zu den<br />

Kantonsratswahlen nicht mehr antrat, war die Hoffnung gross,<br />

deren Wählerpotenzial abholen zu können, mindestens einen<br />

Wähleranteil von 15% zu erreichen und damit einen zweiten<br />

Kantonsratssitz zu erzielen (EA 12.3.1996). Am 21. April 1996<br />

war dann die Überraschung perfekt, aber nicht <strong>im</strong> Sinne der<br />

<strong>SP</strong>. Zwar konnte das<br />

Kantonsratsmandat mit<br />

Marlis Pfister gehalten<br />

und erstmals eine Frau in<br />

den Schwyzer Kantonsrat<br />

abgeordnet werden,<br />

doch vermochte man den<br />

Wähleranteil nur bis 14%<br />

zu steigern. Die Überraschung<br />

war letztlich, dass<br />

die LVP zwei Sitze an die<br />

SVP verlor. Zu den Regierungsratswahlen<br />

waren<br />

insgesamt 11 Kandidaten<br />

und eine Kandidatin angetreten.<br />

Die <strong>SP</strong> ging mit<br />

einer Zweier-Kandidatur<br />

in die Wahl: dem Bisherigen<br />

Richard Wyrsch<br />

und dem Höfner <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Bruno Attinger (neu;<br />

EA 27.2.1996). Mit einem<br />

überragenden Resultat<br />

schaffte nur Franz Marty<br />

(CVP) das absolute<br />

Mehr. Richard Wyrsch<br />

erreichte den siebten<br />

Platz (EA 22.4.1996). Im<br />

zweiten Wahlgang vom<br />

19. Mai 1996 trat nur noch<br />

Richard Wyrsch an und<br />

wurde — überraschend<br />

— mit dem zweitbesten<br />

Ergebnis <strong>im</strong> Amt bestätigt.<br />

Der von seiner Partei<br />

für den zweiten Wahlgang<br />

nicht mehr nominierte<br />

Amtsinhaber Oskar Kälin<br />

Marlis Pfister-Kälin, geb.<br />

9. April 1953, aufgewachsen<br />

an der Mythenstrasse in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Die Eltern waren<br />

Josef und Alice Kälin-Maag.<br />

Der Vater war Kondukteur.<br />

Marlis Pfister absolvierte eine<br />

kaufmännische Ausbildung<br />

und arbeitete als Familienfrau<br />

(drei Söhne), als <strong>Bezirk</strong>sleiterin<br />

der Pro Juventute<br />

und bei der Pfarrei. Verheiratet<br />

ist sie mit Harry Pfister,<br />

Pr<strong>im</strong>arlehrer.<br />

Marlis Pfister war von 1995-<br />

2002 in der Parteileitung und<br />

von 1997-2001 Vizepräsidentin<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Sie war von 1996-2001 die<br />

erste Einsiedler Kantonsrätin.<br />

(CVP) schaffte auf der eigenen Liste ebenfalls die Wiederwahl<br />

und vereitelte damit den Einzug der CVP-Frau Gerda Bachmann,<br />

die <strong>im</strong> ersten Wahlgang noch 3‘000 St<strong>im</strong>men mehr als<br />

er erzielt hatte (EA 21.5.1996).<br />

Am 24. April 1996 waren auch die Würfel für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

gefallen. Alle Parteien beschlossen, alleine in den<br />

Wahlkampf zu ziehen. Sie SVP erhob Anspruch auf einen<br />

dritten Sitz. Gleichzeitig beharrten die Liberalen auf ihrer Fünfervertretung.<br />

Der bereits anfangs Jahr aus der Partei ausgetretene<br />

liberale <strong>Bezirk</strong>srat Paul <strong>Schönbächler</strong> kandidierte wild<br />

auf einer eigenen Liste. Im Verlauf der Diskussionen an der <strong>SP</strong>-<br />

Parteiversammlung brachte sich angesichts einer gewissen<br />

Ratlosigkeit, wer dem zurückgetretenen <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srat Christian<br />

Iten nachfolgen sollte, alt Präsident und alt Kantonsrat<br />

167


«Die allerletzte Chance für <strong>Einsiedeln</strong>». Unter diesem Titel versandte<br />

ein Aktionskomitee «Für die grauen Panther» eine wilde Liste.<br />

Fritz Dubs als Übergangslösung für vier <strong>Jahre</strong> ins Gespräch.<br />

Der Vorschlag fand breite Zust<strong>im</strong>mung, ja sogar Erleichterung<br />

und wurde als bessere Lösung erachtet, als den Sitz kampflos<br />

abzutreten. Parteipräsident <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> präsentierte<br />

ihn den anderen Parteien als «grauen Panther», der <strong>im</strong> Gegensatz<br />

zu den anderen amtierenden und/oder kandidierenden<br />

<strong>Bezirk</strong>sräte genügend Zeit habe, sich für das Amt einzusetzen<br />

So zog die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> mit Pensionär Fritz Dubs als <strong>Bezirk</strong>sratskandidat,<br />

Helmuth Fuchs («Buddli») als Kandidat für die<br />

Rechnungsprüfungskommission sowie dem Bisherigen Karl<br />

Hensler als <strong>Bezirk</strong>srichter in den Wahlkampf (EA 26.4.1996).<br />

Die Parteien vereinbarten <strong>im</strong>merhin, die Bisherigen auf ihre<br />

Listen zu nehmen.<br />

Das Ergebnis war dann aber nicht überraschend: die Bisherigen<br />

sowie die neuen Unbestrittenen schafften die Wahl, die<br />

168<br />

Neuen landeten unter dem absoluten Mehr. <strong>Bezirk</strong>srichter<br />

Karl Hensler wurde <strong>im</strong> Amt bestätigt (EA 21.5.1996).<br />

Die Nachwahlen waren für die <strong>SP</strong> schwierig: vier Kandidaten<br />

für zwei <strong>Bezirk</strong>sratssitze und drei Kandidaten<br />

für zwei RPK-Sitze. In den Nachwahlen am 9. Juni 1996<br />

setzten sich Beat Bisig (SVP) und der parteilose Paul<br />

<strong>Schönbächler</strong> durch. LVP und <strong>SP</strong> verloren damit je ein<br />

Mandat. Auch der RPK-Sitz der <strong>SP</strong> ging verloren (EA<br />

11.6.1996). «Für die <strong>SP</strong>E war dieses Abst<strong>im</strong>mungswochenende<br />

ein schwarzer Tag. Erwartungsgemäss verloren<br />

wir beide Sitze.», so der Parteipräsident in seinem<br />

<strong>Jahre</strong>sbericht. An den Kommissionszuteilungen veränderte<br />

sich aber <strong>im</strong>merhin nichts.<br />

Die Parteileitung ging über die Bücher und man<br />

machte sich Überlegungen, wie künftige Behördenmitglieder<br />

parteiintern aufgebaut und auch neue Mitglieder<br />

geworben werden könnten.<br />

Die Parteiversammlung vom 4. November 1996 mit<br />

Besprechung des Voranschlages 1997 rundete das turbulente<br />

Jahr ab.<br />

Eine neue Zukunftswerkstatt und<br />

erfolglose <strong>Bezirk</strong>sratswahlen 1998<br />

Die Generalversammlung wurde am 22. Januar 1997<br />

<strong>im</strong> «Biergarten» abgehalten. Der Mitgliederbestand lag<br />

bei 51. <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> liess sich für eine weitere,<br />

letzte Amtsdauer als Parteipräsident wählen. Neue Vizepräsidentin<br />

wurde Kantonsrätin Marlis Pfister. Es wurde<br />

beschlossen, <strong>im</strong> Herbst erneut eine Zukunftswerkstatt<br />

durchzuführen. Im Anschluss an die ordentlichen Traktanden<br />

stellte sich dann die neue (erste) Kantonalpräsidentin,<br />

Elsbeth Anderegg Marty, Lachen, der Einsiedler<br />

Sektion vor.<br />

Die Parteiversammlung vom 1. April 1997 wurde<br />

dazu genutzt, Kommissionsmitglieder aus ihren Kommissionen<br />

berichten zu lassen, und die Zukunftswerkstatt<br />

vom 25./26. Oktober 1997 vorzubereiten. Als Leiterin<br />

derselben konnte die <strong>SP</strong>-Nationalrätin Gaby Vermot-Mangold,<br />

Bern, gewonnen werden.<br />

Betreffend die dürftige Informationspolitik aus dem Rathaus,<br />

speziell <strong>im</strong> Zusammenhang mit der Integrierten Oberstufe<br />

(Schulversuch), wurde die Partei am 7. Mai 1997 vorstellig,<br />

und wünschte, dass aufgrund der Bedeutung des genannten<br />

Projektes häufiger aus dem Schulrat berichtet werde. Der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

sicherte in seiner Antwort eine Opt<strong>im</strong>ierung der bisherigen<br />

Informationspraxis zu.<br />

Die Parteiversammlung vom 28. August 1997 unterstützte<br />

den <strong>Bezirk</strong>sbeitrag an die Stiftung «Bilbliothek Werner Oechslin»<br />

einhellig.<br />

Die Zukunftswerkstatt vom 25./26. Oktober 1997 stand unter<br />

dem Motto «Keine Visionen? Dann entwickeln wir welche»


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Generalversammlung vom 27. Januar 1999 <strong>im</strong> «Biergarten».<br />

und wurde in der Kantine und den Schulungsräumen der Firma<br />

Steinel AG durchgeführt. An der Veranstaltung nahmen 15<br />

Parte<strong>im</strong>itglieder teil und brachten ihre Kritik und Fantasie sowie<br />

ihre Inputs zu Umsetzung und Planung ein. Es resultierten mögliche<br />

Absichten und Vorhaben (EA 31.10.1997).<br />

Die Parteiversammlung vom 5. November 1997 sprach sich<br />

für den <strong>Bezirk</strong>sbeitrag an den Fussballclub (Clubhaus) und den<br />

Baurechtsvertrag aus.<br />

Ende 1997 wurde die Problematik betreffend Regionalspital<br />

akut. Der Regierungsrat hatte die Schliessung von 31 Spitalbetten<br />

per Ende 1998 verfügt und die Lösungs- und Entscheidfindung<br />

an die Spitalträger delegiert. Das Spital <strong>Einsiedeln</strong> mit<br />

seinen 55 Betten war von dieser Thematik in seiner Existenz<br />

betroffen. Es bildete sich eine überparteiliche IG (IGRE) mit<br />

Einschluss der Gemeinden Alpthal, Rothenthurm, Unter- und<br />

Oberiberg. Der wirtschaftliche Faktor Regionalspital <strong>Einsiedeln</strong><br />

mit seinen rund <strong>150</strong> Voll- und Teilzeitstellen sollte unbedingt<br />

erhalten bleiben. Parteipräsident <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> wurde<br />

in die IG delegiert. Am 25. November 1998 konnte die IGRE<br />

11‘776 Solidaritätsunterschriften sowie Vorschläge zur Reform<br />

des Gesundheitswesens an Landammann Richard Camenzind<br />

übergeben.<br />

Über den <strong>Jahre</strong>swechsel machte sich die Parteileitung<br />

sodann intensiv Gedanken betreffend die <strong>Bezirk</strong>swahlen <strong>im</strong><br />

Frühjahr 1998. <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr kam in die Wahl und erklärte<br />

ihre Bereitschaft für eine weitere Amtsdauer. Ziel war<br />

aber die Rückgewinnung eines zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitzes.<br />

An der Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 6. Februar<br />

1998 <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten» waren 18 Mitglieder<br />

anwesend. Die Parteileitung erfuhr keine Veränderungen.<br />

Gastreferent war <strong>SP</strong>-Fraktionschef Otto Kümin, Wilen, der zur<br />

Thematik «Steuerparadies – für wen?» referierte und hierbei<br />

die sozialdemokratischen Vorstellungen<br />

<strong>im</strong> Zusammenhang<br />

mit der Steuergesetzrevision<br />

darlegte.<br />

Die Parteiversammlung vom<br />

15. April 1998 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

nominierte für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 17. Mai 1998 Josy Gyr (bisher)<br />

und Yvonne Egloff (neu) als<br />

<strong>Bezirk</strong>srätinnen und <strong>Patrick</strong> Notter<br />

als neues Mitglied für die Rechnungsprüfungskommission.<br />

Zu<br />

einer gemeinsamen Liste konnten<br />

sich die Parteivertreter allerdings<br />

nicht durchringen und es traten in<br />

der Folge alle gegen alle an. Dass<br />

es unter diesen Voraussetzungen<br />

schwierig werden würde war klar<br />

und bestätigte sich auch. Josy Gyr wurde wiedergewählt, ein<br />

zweiter <strong>Bezirk</strong>sratssitz und die Rückeroberung des RPK-Sitzes<br />

waren aber ausser Reichweite.<br />

Für Gesprächsstoff sorgte seit geraumer Zeit die nun von der<br />

CVP zur Diskussion gebrachte Initiative für weniger <strong>Bezirk</strong>sräte.<br />

Die <strong>SP</strong>-Parteileitung konnte sich mit dem Anliegen nun grundsätzlich<br />

einverstanden erklären. Erwünscht war kein Demokratieabbau,<br />

vielmehr aber eine adäquate Entlöhnung sowie Entscheidungsspielräume<br />

für die <strong>Bezirk</strong>sräte in ihren Ressorts.<br />

Nach dem Rücktritt von Landschreiber Martin Harris musste<br />

dieses Amt neu besetzt werden. An der Parteiversammlung<br />

vom 17. September 1998 stellten sich die beiden Kandidaten,<br />

Landschreiber-Stellvertreter <strong>Walter</strong> Kälin (LVP) und Willi Füchslin<br />

(CVP) vor. Die Partei verzichtete auf eine Parole und beschloss<br />

St<strong>im</strong>mfreigabe. Der Sachvorlage «Neubau Feuerwehrlokal»<br />

wurde sodann fast einst<strong>im</strong>mig zugest<strong>im</strong>mt.<br />

Zum <strong>Jahre</strong>sabschluss liess sich die Partei an der Versammlung<br />

vom 10. Dezember 1998, die erstmals <strong>im</strong> «Katharinenhof»<br />

stattfand, durch <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr über den Voranschlag<br />

1999 des <strong>Bezirk</strong>s informieren.<br />

Eine neue Präsidentin, die Begrünung<br />

des Adlermättli und chancenlose<br />

Nationalratswahlen<br />

Nachdem <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> seine Rücktrittsabsichten bereits<br />

vor vier <strong>Jahre</strong>n erstmals kundgetan hatte, war es diesmal<br />

so weit. An der Generalversammlung vom 27. Januar<br />

1999, wiederum <strong>im</strong> Restaurant «Biergarten», wurde an Stelle<br />

des demissionierenden <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> neu – und als<br />

erste Frau – Rita Ruhstaller-Ruhstaller zur Parteipräsidentin<br />

gewählt. Die übrige Parteileitung blieb bestehen. Das Parteivermögen<br />

betrug satte Fr. 8‘080.80, was – ein Novum – auch<br />

gleich dazu benutzt wurde, den Anwesenden <strong>im</strong> Anschluss an<br />

169


die Versammlung einen kleinen Imbiss zu offerieren. Des Weiteren<br />

referierte Kantonsrätin Elvira Jäger über die Wohneigentumsinitiative<br />

und <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> orientierte über die<br />

vorgesehene Eingabe der <strong>SP</strong> betreffend eine Progression bei<br />

der Feuerwehrersatzabgabe.<br />

Am 15. März 1999 wurde die Eingabe an den <strong>Bezirk</strong>srat<br />

zur Einführung eines Feuerwehrbeitrages und einer Anpassung<br />

der Feuerwehrersatzabgaben getätigt.<br />

Parteileitung und die Parteiversammlungen vom 6. April<br />

und vom 19. August 1999 beschäftigten sich mit der Frage<br />

der Reorganisation bzw. Reduktion des <strong>Bezirk</strong>srates, welche<br />

Die Werbe-Postkarte für ein begrüntes Adlermättli.<br />

Rita Ruhstaller, geb. 22. August 1959, verheiratet<br />

mit Beat Ruhstaller. Das Paar hat<br />

eine Tochter und einen Sohn.<br />

Rita Ruhstaller hat als Pr<strong>im</strong>arlehrerin, Familienfrau<br />

und Maltherapeutin gearbeitet<br />

und ist heute als Heilpädagogin tätig.<br />

Von 1999-2002 war sie Parteipräsidentin<br />

und danach noch ein Jahr als Beisitzerin<br />

aktiv.<br />

Rita Ruhstaller war von 1994 bis zur Auflösung<br />

der Kulturkommission des <strong>Bezirk</strong>s<br />

<strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Jahr 2000 deren Mitglied<br />

und seit 2000 Abgeordnete in der Stiftung<br />

Chärnehus.<br />

Ihr Engagement führte zum Erfolg für eine<br />

Öffentliche Bibliothek in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

170<br />

man mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis<br />

nahm.<br />

Am 4. September 1999 fand – <strong>im</strong><br />

Hinblick auf die Nationalratswahlen vom<br />

24. Oktober 1999 – eine Standaktion zum<br />

Thema Verkehr statt, an welcher Unterschriften<br />

für die von der Partei lancierte<br />

Initiative zur Begrünung des Adlermättli<br />

gesammelt wurden. Es kamen (lediglich)<br />

<strong>150</strong> Unterschriften zusammen, die bei der<br />

<strong>Bezirk</strong>skanzlei deponiert werden konnten.<br />

Die Initiative war aus dem Gedanken heraus<br />

entstanden, den Klosterplatz und seine<br />

nähere Umgebung möglichst autofrei<br />

zu gestalten und den Schandfleck vor dem<br />

Marienhe<strong>im</strong> zu beseitigen. Der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

stellte sich unverständlicherweise gegen<br />

diese Idee, obwohl das Adlermättli <strong>im</strong> behördenverbindlichen<br />

Verkehrsrichtplan als<br />

Grünzone aufgeführt war. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> verknüpfte mit<br />

einer Teilrenaturierung des Adlermättli folgende Vorteile: Erhöhung<br />

der touristischen Attraktivität des Platzes, Erhöhung<br />

der Lebensqualität <strong>im</strong> öffentlichen Raum durch die Vergrösserung<br />

der Grünfläche, Steigerung der Wohnqualität <strong>im</strong> Oberdorf<br />

(Überbauung Benzigerareal), grössere Sicherheit für die<br />

Schulkinder vor dem alten Schulhaus durch den Anschluss<br />

des Adlermättli an den Pausenplatz und den Gewinn von zusätzlichem<br />

Raum für kulturelle Veranstaltungen.<br />

An den Nationalratswahlen vom 24. Oktober 1999 nahmen<br />

acht Listen teil. Während zwei Listen (Freie und unabhängige<br />

Wählerschaft des Kantons<br />

Schwyz, Pro Freie Schweiz) unmassgeblich<br />

waren, musste festgestellt werden,<br />

dass sowohl die CVP als auch die SVP ihre<br />

Jungparteien mobilisiert hatten. Die <strong>SP</strong>-Liste<br />

mit Redaktorin Elvira Jäger, Lachen,<br />

Regierungsrat Richard Wyrsch, Brunnen,<br />

und Sekundarlehrer Otto Kümin, Pfäffikon,<br />

war chancenlos. Die SVP hätte mit ihrem<br />

Wähleranteil von 35.9% sogar ein viertes<br />

Restmandat geholt. Die <strong>SP</strong> vermochte nur<br />

16.4% auf ihrer Liste zu vereinen und musste<br />

damit einen St<strong>im</strong>menverlust von 3.5%<br />

gegenüber 1995 hinnehmen. Auch die<br />

erstmalige Teilnahme der <strong>SP</strong> am Ständeratswahlkampf<br />

führte zu keinem Erfolg:<br />

alt Nationalrat Arthur Züger vermochte<br />

nicht zu reüssieren. Als Probleme wurden<br />

von Seiten des Wahlausschusses unter anderem<br />

die nicht (mehr) flächendeckende<br />

Präsenz der <strong>SP</strong> <strong>im</strong> Kanton und die knappen<br />

finanziellen Ressourcen erkannt.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Armin Hüppin, geb. 14. Januar 1960, wohnhaft in Wangen.<br />

Nach seiner Ausbildung als eidg. dipl. Förster arbeitete er als Revierförster <strong>im</strong><br />

Kanton Schwyz.<br />

1992 übernahm er das Präsidium der Sektion Wangen, welches er bis 2007 innehatte.<br />

1996-2000 war er Mitglied des Kantonsrates. Von 2000-2012 amtierte er<br />

als fünfter <strong>SP</strong>-Regierungsrat, die letzten zwei <strong>Jahre</strong> als Landammann. Er führte<br />

das Departement des Innern.<br />

Von 1994-2001 war er Präsident der Genossame Wangen und seit 2012 ist er als<br />

Geschäftsführer der Genossame Lachen tätig.<br />

Kantonsratswahlen<br />

und ein neuer Regierungsrat<br />

Die Generalversammlung vom 25. Januar 2000 fand <strong>im</strong><br />

«Biergarten» statt. Die Parteileitung blieb in der Zusammensetzung<br />

unverändert. Für die Kantonsratswahlen vom<br />

12. März 2000 konnte eine vollständige Liste präsentiert<br />

und alle zehn Kandidatinnen und Kandidaten nominiert<br />

werden.<br />

Ein wertvolles Hilfsmittel war das von der Kantonalpartei<br />

für alle Sektionen erarbeitete «Positions- und Arbeitspapier<br />

für die Kantonsratswahlen 2000».<br />

Die Zielvorgaben von 16-18% Wähleranteil sowie<br />

eines zweiten Kantonsratsmandates konnten<br />

trotz erneuter Steigerung ganz knapp nicht erreicht<br />

werden. Der listeninterne Wettbewerb und der Verzicht auf<br />

das – bislang gewohnte – Kumulieren der bisherigen Kantonsrätin<br />

erwies sich aber dennoch als richtig. Kantonsrätin<br />

Marlis Pfister erreichte mit 1‘056 St<strong>im</strong>men ein hervorragendes<br />

Ergebnis. Nur 28 St<strong>im</strong>men fehlten der Liste für das<br />

Restmandat und einen zweiten Sitz!<br />

Bei den Regierungsratswahlen musste der zurückgetretene<br />

Richard Wyrsch ersetzt werden. Die Kantonalpartei hatte als<br />

Kandidaten Kantonsrat Armin Hüppin, Revierförster, Wangen,<br />

nominiert. Der Wahlkampf war geprägt vom Wahlbündnis der<br />

CVP und FDP, die den Einzug der SVP in die Regierung verhindern<br />

(und ihre Vormachtstellung zementieren) wollten. Im<br />

ersten Wahlgang schafften nur die bisherigen zwei CVP-Regierungsräte<br />

das absolute Mehr. Auch <strong>im</strong> zweiten Wahlgang<br />

hielten CVP und FDP zusammen. Nach dem massiven Wahlerfolg<br />

der SVP bei den Kantonsratswahlen (plus acht Sitze)<br />

und des Umstandes, dass Armin Hüppin nach dem ersten<br />

Wahlgang noch hinter den beiden SVP-Regierungsratskandidaten<br />

gelegen hatte, musste befürchtet werden, dass der<br />

traditionelle <strong>SP</strong>-Sitz in der Regierung verloren gehen könnte.<br />

Am 30. Oktober 2000 fand <strong>im</strong> Hotel «Bären» der ordentliche<br />

Parteitag der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz statt. Als Referent<br />

zu der am 26. November 2000 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden<br />

sog. Umverteilungsinitiative konnte das politische<br />

Urgestein Helmut Hubacher, ehemaliger <strong>SP</strong>S-Präsident<br />

(1975-1990) und alt Nationalrat (1963-1997), gewonnen<br />

werden. Der per Bahn anreisende Helmut Hubacher wurde<br />

von Seiten der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> empfangen und in <strong>Einsiedeln</strong><br />

willkommen geheissen. Es folgte zunächst eine Kurzbesichtigung<br />

des in Renovation befindlichen Dachstuhls<br />

des Klosters <strong>Einsiedeln</strong> (EA 3.11.2000).<br />

171


Zum Jahrtausend- und Jahrhundertwechsel ergibt sich die Gelegenheit bzw. Notwendigkeit,<br />

eine kurze Rückschau zu halten. Die Arbeiterbewegung <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> gab es<br />

nicht mehr und die <strong>SP</strong> war nicht mehr «nur» Arbeiterpartei, sondern hatte sich programmatisch<br />

weiterentwickelt. Die Gewerkschaften waren teils Opfer ihres eigenen Erfolges<br />

geworden. Der Arbeitnehmerschutz hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten nämlich<br />

massiv verbessert.<br />

Früher wurde in <strong>Einsiedeln</strong> auch um Arbeitsplätze gekämpft, um die Ansiedlung «neuer Industrien»<br />

geworben und von genügender und nachhaltiger Arbeitsbeschaffung geträumt<br />

(Etzelwerk, Tourismus, Wallfahrt). Wo stehen wir heute? – Die Thematik hat sich mit der<br />

zunehmenden Mobilität der Arbeitsuchenden stark relativiert. Erhalt und Förderung des<br />

Arbeitsstandortes <strong>Einsiedeln</strong> sind zwar weiterhin <strong>im</strong> volkswirtschaftlichen Fokus, aber eigentliche<br />

Arbeitskonflikte und <strong>Arbeiterbewegungen</strong>, der Kampf um Arbeitsbedingungen,<br />

haben sich verflüchtigt. Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in <strong>Einsiedeln</strong> geht es<br />

gut. Emotionen gehen nur noch hoch, wenn Arbeitsplätze zu verschwinden drohen.<br />

Grösste Arbeitgeber <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> waren <strong>im</strong> Jahr 2000 die Steinel AG (Fabrikation<br />

Industriesensoren) mit 200 Arbeitsplätzen, gefolgt vom <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> (174), der<br />

Möbelfabrik Zehnder AG (135), dem Regionalspital <strong>Einsiedeln</strong> (126), dem Kloster <strong>Einsiedeln</strong><br />

(124), der Astor Holding AG (Küchen, Selbstklebeproduktion) mit 106, der SIBOS<br />

AG (Produktionsautomatisierung) mit 95, der Biberbau AG (Holzbau, Kunststoff-Fenster)<br />

mit 65 und der WEPA-Gruppe (Verpackung aus Kunststoff, Holz) mit 53 Arbeitsplätzen<br />

(Bote 29.6.2000). Diese allein vereinten somit 1‘078 Arbeitsplätze auf sich. Hinzu<br />

kamen natürlich noch die zahlreichen klein- und mittelständischen Gewerbe- und<br />

Dienstleistungsbetriebe.<br />

Das Zünglein an der Waage war jedoch der parteilose Muotathaler<br />

Wirt Bruno Suter, welcher der SVP wichtige St<strong>im</strong>men<br />

entzogen haben dürfte. Jedenfalls schaffte Armin Hüppin die<br />

Hürde um 33 St<strong>im</strong>men vor dem nächsten SVP-Kandidaten<br />

und war gewählt! Die Zauberformel in der Regierung blieb damit<br />

bestehen.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> hatte – da ihr <strong>Bezirk</strong>sratsmitglied Josy<br />

Gyr nicht zur Wahl stand – an den <strong>Bezirk</strong>sratswahlen 2000, die<br />

bereits <strong>im</strong> Zeichen der ersten Reduktion (auf letztlich neun <strong>Bezirk</strong>sräte)<br />

standen, nicht teilgenommen. Im Zuge der Neukonstituierung<br />

der Behörden konnte durch die <strong>SP</strong> aber – <strong>im</strong> Abtausch<br />

gegen ein Mitglied <strong>im</strong> Wahlbüro an die CVP – ein zweiter Schulratssitz<br />

besetzt werden.<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr war weiterhin Vorsteherin der Fürsorgebehörde,<br />

Vizepräsidentin der Vormundschaftsbehörde und der<br />

Kommission Finanzen und EDV, Mitglied in der Betriebskommission<br />

Alters- und Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti, Erika Weber und Josef<br />

Unternährer hatten Einsitz <strong>im</strong> Schulrat, Meiri Gyr war weiterhin<br />

Mietervertreter in der Schlichtungsbehörde <strong>im</strong> Mietwesen, Rita<br />

Ruhstaller Delegierte <strong>im</strong> Stiftungsrat Chärnehus und mit <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> war man erstmals <strong>im</strong> Regional-Entwicklungsverband<br />

(REV) vertreten.<br />

Mit Genugtuung nahm die Partei auch zur Kenntnis, dass der<br />

<strong>Bezirk</strong>srat ihrer Forderung um eine differenzierte Feuerwehrersatzabgabe<br />

mit Entlastung der unteren und mittleren Einkommen<br />

zust<strong>im</strong>mte und per 1. Januar 2001 auch bereits umsetzte.<br />

Die Abst<strong>im</strong>mungen vom 26. November 2000 verliefen nicht <strong>im</strong><br />

Sinne der Partei. Sowohl das<br />

Initiativbegehren «Begrünung<br />

Adlermättli», als auch<br />

die offene Jugendarbeit und<br />

die öffentliche Bibliothek<br />

wurden deutlich abgelehnt.<br />

Ein neues<br />

Positionspapier, ein<br />

neuer Kantonsrat,<br />

endlich eine<br />

Kinderkrippe<br />

und der<br />

Sihlseeuferweg<br />

Bereits während der<br />

Arbeit des Wahlausschusses<br />

1999/2000 war<br />

es innerhalb der Partei<br />

zu internen Diskussionen<br />

über Kompetenzen und<br />

Kompetenzabgrenzungen<br />

gekommen, welche zu einer<br />

Standortbest<strong>im</strong>mung<br />

auch innerhalb der Parteileitung<br />

geführt hatten.<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, geb.<br />

16. November 1968, aufgewachsen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong><br />

und verheiratet mit Susanne<br />

Theiler. Vater von drei<br />

Töchtern.<br />

Nach der Matura an der<br />

Stiftsschule <strong>Einsiedeln</strong><br />

Studium der Rechtswissenschaften<br />

in Zürich, Promotion,<br />

und Tätigkeit als selbständiger<br />

Rechtsanwalt in<br />

Schwyz.<br />

Er war von 2003-2010 Co-<br />

Präsident der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

sass von 2001-2010<br />

<strong>im</strong> Schwyzer Kantonsrat<br />

und amtete 2007/08 als<br />

K a n to n s r a t s p r ä s i d e n t .<br />

2012 Kandidatur für den<br />

Regierungsrat.<br />

Von 2001-2006 präsidierte<br />

er den Verein für Jugendund<br />

Familienberatung, <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

war von 2002-2010<br />

Stiftungsrat in der Stiftung<br />

«Phönix» Kanton Schwyz<br />

und 2010-2017 Vorstandsmitglied<br />

in der Welttheater-Gesellschaft.<br />

Daneben<br />

war er stets musikalisch<br />

engagiert, vorab <strong>im</strong> Symphonic<br />

- Rock- Orchestra<br />

«Wood & Metal Connection»,<br />

<strong>Einsiedeln</strong>.<br />

172


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> hatte bereits in ihrem Aktionsprogramm<br />

von 1992 gefordert, dass der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> für eine<br />

Kinderkrippe, einen Tageshort und einen Mittagstisch sorge.<br />

Acht <strong>Jahre</strong> später erteilte er dem Verein für Jugendund<br />

Familienberatung endlich den Auftrag, ein Konzept für<br />

einen Kinderhort auszuarbeiten (EA 10.11.2000). Es war<br />

der Druck der Wirtschaft notwendig und das beherzte Engagement<br />

von <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat. Drei<br />

<strong>Jahre</strong> später wurde das «Chinderhus» unter dem Präsidium<br />

von <strong>SP</strong>-Kantonsrat <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> Wirklichkeit.<br />

Eröffnung des «Chinderhus» <strong>im</strong> August 2003 in <strong>Einsiedeln</strong> an der Gerbestrasse 11. V.l.n.r. Krippenleiterin Marika Lippuner,<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr, Betriebsgruppenleiterin Felicia Bettschart Schmitt.<br />

173


Diese erfuhr an der Generalversammlung vom 24. Januar<br />

2001 <strong>im</strong> Foyer des Chärnehus (wieder) eine Reduktion auf<br />

neun Mitglieder: Präsidentin Rita Ruhstaller, Vizepräsidentin<br />

Kantonsrätin Marlis Pfister, Aktuar <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

(neu), Kassierin Martina Krieg Guggenberger (neu), als Beisitzerinnen<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr, Erika Weber und <strong>Patrick</strong> Notter<br />

sowie die beiden Rechnungsprüfer Meiri Gyr und Josef<br />

Unternährer. Beschlossen wurde an der Versammlung die Erarbeitung<br />

eines neuen Aktionsprogramms und betreffend die<br />

<strong>Bezirk</strong>sabst<strong>im</strong>mung über den Landkauf und Landabtausch<br />

Eschbach St<strong>im</strong>mfreigabe (EA 26.1.2001).<br />

Die Parteileitung erarbeitete in der Folge ein Aktionsprogramm,<br />

dessen Umsetzung «möglichst ereignisbezogen und<br />

schrittweise angegangen» werden soll. Es wurde an der Parteiversammlung<br />

vom 23. Mai 2001 <strong>im</strong> «Juanito» («St. Johann»)<br />

als Positionspapier verabschiedet<br />

und in alle Haushaltungen<br />

versandt (EA 26.5.2001, EA<br />

16.6.2001).<br />

Am 28. März 2001 teilte<br />

Kantonsrätin Marlis Pfister der<br />

Parteileitung mit, dass sie aus<br />

gesundheitlichen Gründen aus<br />

dem Kantonsrat zurücktrete.<br />

An ihre Stelle rückte <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong>, Rechtsanwalt,<br />

in der Juni-Session in den Kantonsrat<br />

nach.<br />

An der Parteiversammlung vom 3. September 2001 berichtete<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Antonia Birchler über den Stand eines<br />

Sihlseeuferweges. Ein Anliegen, das von der <strong>SP</strong> bereits<br />

1981 aufgegriffen wurde. <strong>Bezirk</strong>sätin Josy Gyr erklärte des<br />

Weiteren ihre Bereitschaft, <strong>im</strong> Frühjahr 2002 für eine weitere<br />

Amtsdauer zu kandidieren, was angesichts der zweiten Runde<br />

der <strong>Bezirk</strong>sratsreduktion mit Erleichterung aufgenommen<br />

wurde.<br />

Am 23. November 2001 reichte die Partei die Petition für<br />

die Schaffung eines durchgehenden Sihlseeuferweges ein<br />

(EA 7.12.2001). «Unter dem Motto ‹Wir packen an!› anerbietet<br />

sich die <strong>SP</strong>E <strong>100</strong> m Sihlseeuferweg in Fronarbeit zu erstellen.<br />

Das Material und die Bauleitung soll jedoch vom <strong>Bezirk</strong> übernommen<br />

werden.»<br />

Eine «unheilige Allianz», Rückeroberung<br />

des RPK-Sitzes, eine Ombudsstelle<br />

und eine «Chropfleerete»<br />

An der Generalversammlung vom 22. Januar 2002 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Biergarten» standen drei Themen <strong>im</strong> Vordergrund.<br />

Zum einen die Wahlen in die Parteileitung: <strong>Bezirk</strong>srätin Josy<br />

Gyr übernahm von Marlis Pfister neu das Vizepräsidium in<br />

der Partei und Christian Iten trat – nach langer Tätigkeit in<br />

der Parteileitung – aus dieser zurück. Zum anderen die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

vom 14. April 2002. Erklärtes Ziel der Partei war<br />

das Halten des <strong>Bezirk</strong>sratsmandats sowie – bei Vorliegen von<br />

Rücktritten – eine erneute Einsitznahme in die Rechnungsprüfungskommission.<br />

Und schliesslich befürwortete die Versammlung<br />

mehrheitlich den am 3. März 2002 zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangenden <strong>Bezirk</strong>sbeitrag für die Skisprunganlage<br />

Eschbach. Nicht unerheblichen Rückenwind hatte diese – an<br />

der Urne letztlich knapp angenommene – Vorlage durch das<br />

olympische Doppel-Gold von S<strong>im</strong>on Ammann in Salt Lake<br />

City am 10. Februar 2002 erhalten…<br />

«aberjosycher!» war das Fazit an den <strong>Bezirk</strong>swahlen vom<br />

14. April 2002. <strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr schaffte die Wiederwahl<br />

auf Anhieb! Bei den Parteiengesprächen war keine Einigung<br />

für eine gemeinsame Liste zustandegekommen. Die zweite<br />

Reduktionsstaffel der <strong>Bezirk</strong>sratsmandate um drei Sitze hatte<br />

den Parteien mehr zu denken gegeben als noch vor zwei<br />

<strong>Jahre</strong>n. Keine Partei wollte freiwillig auf einen Sitz verzichten.<br />

Die ganze Entwicklung hatte für alle Parteien zu einer dummen<br />

Situation geführt, wobei sich vor allem die FDP mit ihren<br />

Forderungen überschätzte. Die <strong>SP</strong>-Vertreter trafen sich nach<br />

den offiziellen Parteiengesprächen mit den SVP-Vertretern<br />

spontan zu einem Bier in der «Krone». Es resultierte die gegenseitige<br />

Unterstützung der beiden Kandidatinnen Josy Gyr<br />

An der Parteiversammlung vom 3. April 2003<br />

<strong>im</strong> Hotel «Drei Könige» referierte Nationalrätin<br />

Barbara Marty Kälin über die am 18. Mai<br />

2003 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden eidgenössischen<br />

Atomvorlagen «Strom ohne Atom»<br />

und «Moratorium Plus». Die Präsenz der Mitglieder<br />

vermisste man allerdings. Die Partei<br />

führte am 26. April 2003 eine Standaktion auf<br />

dem Sennhofplatz durch (EA 8.4.2003).<br />

Nationalratskandidatin Josy Gyr und die<br />

Referentin, Nationalrätin Barbara Marty Kälin.<br />

174


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

(<strong>SP</strong>) und Antonia Birchler (SVP) und die Erstellung von damals<br />

noch erlaubten wilden Listen. Diese Strategie hatte Erfolg. Die<br />

beiden Kandidatinnen wurden gewählt und der erst seit zwei<br />

<strong>Jahre</strong>n amtierende FDP-<strong>Bezirk</strong>srat Willy Streuli abgewählt.<br />

Der von der <strong>SP</strong> für die Rechnungsprüfungskommission nominierte<br />

André Ruhstaller («Weiss Kreuz») erzielte ein achtbares<br />

Ergebnis, musste aber in die Nachwahlen.<br />

Die Zusammenarbeit mit der SVP bei den <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

war rückblickend ein Fehler, denn gemäss Wahlanalyse hätte<br />

die SVP ihren Sitz verloren. Josy Gyr war während acht langen<br />

<strong>Jahre</strong>n alleinige Vertreterin der <strong>SP</strong> und wurde gelegentlich<br />

auch von den Ratskollegen etwas gemobbt. Nie liess sie<br />

sich unterkriegen und hatte <strong>im</strong>mer einen Spruch parat. Einmal<br />

soll sie wegen ihres Engagements für die Gleichberechtigung<br />

hochgenommen worden sein. Nach einer Weile des Zuhörens<br />

fragte sie ihre Ratskollegen: «Wänn händer s’letscht Mal Sex<br />

gha?» Es folgte eine vielsagende Stille und das Thema war<br />

erledigt…<br />

In den <strong>Bezirk</strong>skommissionen gab es folgende Veränderungen:<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Josy Gyr nahm zusätzlich Einsitz in die Infrastrukturkommission,<br />

Josef Unternährer war neu einziger Vertreter<br />

<strong>im</strong> Schulrat und Beat Eberle kam in die Kulturkommission.<br />

In Sachen «Petition durchgehender Sihlseeuferweg» musste<br />

die Partei nach einer dürftigen Antwort des <strong>Bezirk</strong>rates mit<br />

einer Eingabe vom 23. Mai 2002 nachdoppeln. Zwar wurden<br />

Weil alle Kandidaten der<br />

CVP <strong>im</strong> ersten Wahlgang<br />

erfolgreich waren, konnte<br />

deren Wählerschaft <strong>im</strong> zweiten<br />

Wahlgang unbeschwert<br />

wählen.<br />

Für die drei offenen Sitze bewarben<br />

sich je ein Kandidat<br />

der <strong>SP</strong> (André Ruhstaller), der<br />

FDP und der SVP. Dank überparteilichen<br />

und «halbwilden»<br />

Listen, einem medienwirksamen<br />

Missgeschick der <strong>Bezirk</strong>skanzlei<br />

(Fehldruck der<br />

<strong>SP</strong>-Liste und Korrektur nach<br />

in Aussicht gestellter Wahlbeschwerde)<br />

sowie einem kompetenten<br />

Steuer- und Finanzfachmann<br />

als Kandidaten,<br />

obsiegte André Ruhstaller am<br />

2. Juni 2002 und holte für die<br />

<strong>SP</strong> nach sechs <strong>Jahre</strong>n den<br />

RPK-Sitz zu Lasten der (übervertretenen)<br />

FDP zurück.<br />

Regierungsrat Armin Hüppin und Spitalverwalter Josef<br />

<strong>Schönbächler</strong> referierten bei den Einsiedler Genossinnen<br />

und Genossen am 13. Juni 2003 <strong>im</strong> «Meinradsberg» zu der<br />

für <strong>Einsiedeln</strong> wichtigen Spitalvorlage, welche dem Regierungsrat<br />

eine Steuerung <strong>im</strong> Spitalwesen ermöglichen soll<br />

(EA 17.6.2003).<br />

gewisse Umsetzungsschwiergkeiten anerkannt,<br />

doch wurde dem <strong>Bezirk</strong>srat ein konkretes, pragmatisches<br />

Vorgehen skizziert. Es resultierte letztlich<br />

die Aufnahme der Idee in die Nutzungsplanung<br />

Sihlsee.<br />

Die Parteileitung beschäftigte sich in Anlehnung<br />

an ihr Positionspapier auch mit der Errichtung<br />

einer Ombudsstelle <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Man erachtete es je länger je mehr als wichtig,<br />

dass die Bürgerinnen und Bürger mit Fragen und<br />

Problemen, welche die Behörden und die Verwaltung<br />

betrafen, an eine (von der Verwaltung) unabhängige<br />

vermittelnde Person gelangen können.<br />

Mit Interesse und Wohlwollen nahm die Partei<br />

am 10. September 2002 sodann Kenntnis von der<br />

Gründung der Jungsozialisten (Juso) und dem<br />

Engagement des Bennauers <strong>Patrick</strong> Nauer.<br />

Die Parteiversammlung vom 20. November<br />

2002 <strong>im</strong> «Biergarten» sprach sich einst<strong>im</strong>mig für<br />

den Bau eines neuen Schulhauses an der Kornhausstrasse<br />

aus.<br />

Gegen Ende Jahr stellte die Parteipräsidentin<br />

ihr Amt auf die kommende Generalversammlung<br />

hin zur Verfügung und es wurde nach einer<br />

«Chropfleerete» in konstruktiver Weise über die<br />

Neubestellung der Parteileitung diskutiert.<br />

175


Martina Krieg, geb. 21. August 1968, ist Mutter von zwei Töchtern und einem<br />

Sohn und lebt mit ihrem Partner in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Nach ihrer Ausbildung als Pr<strong>im</strong>arlehrerin bildete sie sich in Fremdsprachendidaktik<br />

weiter, absolvierte das Bachelorstudium in Bildungswissenschaften und<br />

ein MA-Studium in Schulentwicklung. Sie war jahrelang selbständiger Coach für<br />

Lehrpersonen und Schulleitende sowie für Eltern- und Erziehungsfragen. Seit<br />

2014 ist sie Leiterin der Abteilung Schulentwicklung <strong>im</strong> Kanton Zug. Derzeit absolviert<br />

sie eine verkürzte Lehre als Hutmacherin.<br />

Von 2003-2009 hatte sie zusammen mit <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> das Co-Präsidium<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> inne.<br />

Ein Jahrzehnt war sie <strong>im</strong> Fortbildungsverein <strong>Einsiedeln</strong> als Kursorganisatorin tätig,<br />

aktiv ist sie aktuell <strong>im</strong> Tennisclub.<br />

Ein Co-Präsidium, das Hallenbad<br />

und eine Einsiedler <strong>SP</strong>-Nationalrätin!<br />

176<br />

An der Generalversammlung vom 24. Januar 2003 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Meinradsberg» nahm nebst 19 Mitgliedern auch der neue<br />

Kantonalpräsident Martin Reichlin, Brunnen, teil. Der Mitgliederbestand<br />

lag bei 50 Mitgliedern. Erstmals in ihrer Geschichte<br />

bestellte die Partei mit <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> und Martina Krieg<br />

Guggenberger ein Co-Präsidium. Neuer Aktuar wurde <strong>Patrick</strong><br />

Notter und Josef Oechslin übernahm das Kassieramt. Rita<br />

Ruhstaller verblieb – <strong>im</strong> Jobsharing mit ihrem Ehemann<br />

Beat – in der Parteileitung. Positiv zur Kenntnis genommen<br />

werden konnte auch die Wahl der langjährigen Schulrätin<br />

Erika Weber in den Erziehungsrat.<br />

Alt <strong>SP</strong>E-Präsident <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> war von der<br />

Kantonalpartei als Wahlkampfleiter für die <strong>im</strong> Herbst<br />

anstehenden Nationalratswahlen bestellt worden. «Am<br />

19. Oktober holen wir den uns zustehenden Sitz in Bern<br />

ab.» gab er am 24. Januar 2003 die Marschrichtung<br />

durch.<br />

Nachdem Gerüchte die Runde machten, dass das Hallenbad<br />

Minster in Unteriberg per Ende 2003 seine Tore<br />

schliessen könnte und damit auch der Schw<strong>im</strong>munterricht<br />

an den Einsiedler Schulen in Frage gestellt war, wurde die<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> aktiv und forderte den <strong>Bezirk</strong>srat <strong>im</strong> Januar<br />

2003 auf, die Erstellung eines eigenen Hallenbades in <strong>Einsiedeln</strong><br />

– allenfalls in Kooperation mit dem Projekt «Sportzentrum<br />

Eschbach» – zu prüfen (EA 17.1.2003).<br />

Wichtigstes Ereignis des <strong>Jahre</strong>s 2003 waren aber die<br />

Nationalratswahlen. Erstmalig in ihrer Geschichte konnte<br />

die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> an ihrer ausserordentlichen Generalversammlung<br />

vom 10. März 2003 <strong>im</strong> Landgasthof «Seehof»<br />

eine Nationalratskandidatin erküren: <strong>Bezirk</strong>srätin Josy<br />

Gyr stellte sich zur Wahl! «Ich möchte eine Politik mitgestalten,<br />

die sozial, gerecht und für alle finanziell tragbare<br />

Lösungen bietet.», antwortete Josy Gyr, auf ihre Ziele <strong>im</strong><br />

Nationalrat angesprochen. Der kantonale Wahlkampfleiter<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> stellte die Wahlen unter das Motto<br />

«Tue Gutes und rede darüber». Die Arbeit und die politischen<br />

Erfolge der <strong>SP</strong> des Kantons Schwyz sollen kommuniziert werden.<br />

Ziel der Partei war der Gewinn eines Nationalratssitzes<br />

(EA 14.3.2003).<br />

In Sachen Hallenbad lud die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 3. Juli 2003<br />

zu einem Runden Tisch <strong>im</strong> Restaurant «Meinradsberg», an<br />

welchem Vertreter aller Parteien, der SLRG, der Sportzentrum<br />

Eschbach AG, des Sporthotels Minster, des Verkehrsvereins<br />

Die frischgebackene Einsiedler Nationalrätin Josy Gyr trifft zur<br />

Wahlfeier ein. Hinten Dölf Hüppin, rechts Sohn Alex Gyr.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Josy Gyr-Steiner, geb. 10. Oktober 1949 in Wädenswil. Sie war verheiratet<br />

mit Meiri Gyr. Von ihren drei Kindern verstarben zwei <strong>im</strong> Kindesalter.<br />

Sie schloss die Handelsschule ab und war danach als Familienfrau tätig.<br />

Wie kam sie zur Politik? Eigentlich wurde Josy’s Mann Meiri Gyr 1988 vom<br />

damaligen Parteipräsidenten angefragt, ob er in die RPK wolle. Dieser meinte<br />

dazu: «Dr Schösel cha das besser!» Das war der Start einer fulminanten<br />

politischen Karriere.<br />

Von 1988-1990 war sie Mitglied der Rechnungsprüfungskommission <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und von 1990-2006 <strong>Bezirk</strong>srätin. Sie stand stets der Fürsorgekommission<br />

vor. 2003 wählte der Kanton Schwyz die bodenständige<br />

und pragmatische Sozialpolitikerin als sechste Sozialdemokratin in den<br />

Nationalrat.<br />

Josy Gyr war Präsidentin der Schwyzer Fürsorgekonferenz, Präsidentin des<br />

Schwyzer Turnverbandes KSTV und Stiftungsrätin der Behindertenbetriebe<br />

Schwyz (BSZ).<br />

Sie verstarb am 18. April 2007, kurz nach ihrem Rücktritt als Nationalrätin.<br />

Oberiberg und der Gemeinde Unteriberg teilnahmen. Grossmehrheitlich<br />

wurde dabei eine Gegenüberstellung der Varianten<br />

«Eschbach» und «Minster» befürwortet.<br />

Am 19. Oktober 2003 war es dann soweit. Nicht überraschend<br />

holte die <strong>SP</strong> des Kantons Schwyz mit Josy Gyr den<br />

(neuen) vierten Nationalratssitz! Die Freude und der Stolz der<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war enorm: die Parte<strong>im</strong>itglieder waren auf den<br />

Beinen und liessen es sich nicht nehmen, «ihrer» Josy persönlich<br />

zu gratulieren! Die Wahlfeier fand in der BSZ in <strong>Einsiedeln</strong><br />

statt. Josy Gyr erzielte mehr St<strong>im</strong>men als die bisherige Nationalrätin<br />

Maya Lalive d’Epinay und die FDP verlor damit ihr<br />

Mandat. Eine Zeitung kommentierte: «<strong>100</strong> kg Sozialkompetenz<br />

obsiegte gegenüber 50 kg Shareholder Value». Wie wahr!<br />

Im Herbst 2003 beschäftigte sich die Parteileitung bereits<br />

mit den Kantonsratswahlen 2004 und den möglichen Kandidatinnen<br />

und Kandidaten. An der Parteiversammlung vom<br />

5. Dezember 2003 wurde Rückblick gehalten auf die Nationalratswahlen,<br />

der Voranschlag 2004 vorgestellt und aus den<br />

verschiedenen Behördentätigkeiten informiert.<br />

Die Budgetgemeinde am 9. Dezember 2003 verlief <strong>im</strong><br />

Sinne der Partei. «Was gibt es für bessere Kompl<strong>im</strong>ente, als<br />

wenn ein SVP-Präsident sagt, WIR seien schuld gewesen, dass<br />

die Budgetgemeinde lediglich einer kleinen Steuerfusssenkung<br />

zugest<strong>im</strong>mt hat. Wir sind offenbar zur politischen Grösse,<br />

mindestens zu einer ernstzunehmenden, mutiert.<br />

(…) Der Erfolg hat gut getan und – was<br />

für uns wichtig ist – der <strong>Bezirk</strong> muss finanziell<br />

nicht aus dem letzten Loch pfeifen. Ein Schuldenabbau<br />

und die Unterstützung für soziale,<br />

kulturelle und innovative Projekte ist weiterhin<br />

uneingeschränkt möglich.», so der <strong>Jahre</strong>sbericht<br />

des Co-Präsidiums.<br />

Kantonsrats- und <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

2004: ein zweiter Sitz!<br />

Die vermeintlich 60. ordentliche Generalversammlung<br />

hielt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am 23. Januar<br />

2004 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige» ab. Es waren<br />

30 Mitglieder anwesend, unter ihnen Nationalrätin<br />

Josy Gyr, Regierungsrat Armin Hüppin<br />

und Kantonalpräsident Martin Reichlin. Der<br />

Mitgliederbestand konnte um 33% auf insgesamt<br />

63 Personen vergrössert werden und war<br />

zum einen wohl auf den <strong>SP</strong>-Nationalratserfolg<br />

177


<strong>Patrick</strong> Notter, geb. 5. März 1968, aufgewachsen in Schindellegi, seit 1991 wohnhaft in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, Vater von vier Kindern.<br />

Nach der Erstausbildung als Betriebssekretär bei der Post, 1992 Umschulung zum Pr<strong>im</strong>arlehrer.<br />

2010 Wahl als Amtsvormund <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, seither 70% Pensum <strong>im</strong><br />

Erwachsenen- und Kindesschutz.<br />

Politisch seit 1999 <strong>im</strong> Vorstand der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>. Von 2004-2016 Mitglied des Schwyzer<br />

Kantonsrates, fünf <strong>Jahre</strong> als Fraktionschef. Seit 2015 <strong>Bezirk</strong>srat <strong>im</strong> Ressort Volkswirtschaft<br />

und Sicherheit.<br />

Von 1998 bis 2006 präsidierte er den Verein Pro Juventute <strong>Einsiedeln</strong>, engagierte sich von<br />

1996 bis 2004 als Lektor in der katholischen Kirchgemeinde <strong>Einsiedeln</strong> und war Gründungsmitglied<br />

der Gruppe «Sunntigsfiir». 2014-2017 Stiftungsrat in der Stiftung «Phönix»<br />

Kanton Schwyz und seit 2018 Verwaltungsrat der Tourismusorganisation EYZ AG.<br />

zurückzuführen und zum anderen auf die Wahl des SVP-Scharfmachers<br />

Christoph Blocher am 10. Dezember 2003 in den Bundesrat.<br />

Rita und Beat Ruhstaller traten aus der Parteileitung zurück.<br />

Letzterer führte dafür neu die Kasse der Kantonalpartei.<br />

Im zweiten Teil der Generalversammlung fand per Akklamation<br />

die Nomination der zehn Kantonsratskandidatinnen<br />

und -kandidaten statt. Es war eine ausgewogene Liste und<br />

man rechnete sich Chancen auf den Gewinn eines zweiten<br />

Kantonsratssitzes aus.<br />

Und: der Coup gelang! Mit <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> und <strong>Patrick</strong><br />

Notter stellte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> erstmals in ihrer Geschichte zwei<br />

Kantonsräte. Der Bisherige, <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, machte das<br />

achtbeste Resultat und das Restmandat wurde komfortabel erreicht.<br />

Der Wähleranteil war <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> auf 17.7% gestiegen. Entscheidend<br />

zum Erfolg beigetragen hatten sicher die zehn Kandidatinnen<br />

und Kandidaten, welche ihre Wählerschaft mit viel<br />

Engagement mobilisieren konnten.<br />

Die Kantonsratswahlen vom 28. März 2004 waren für die<br />

Schwyzer Sozialdemokraten generell erfolgreich. Die <strong>SP</strong>-Fraktion<br />

wuchs nämlich um vier auf neu 15 Sitze.<br />

Bei den Regierungsratswahlen erzielte <strong>im</strong> ersten Wahlgang<br />

keiner der Kandidierenden das absolute Mehr. Die CVP hatte<br />

freiwillig auf einen ihrer vier Regierungsratssitze verzichtet. Das<br />

gute Abschneiden des parteilosen Muotathaler Wirts Bruno Suter<br />

veranlasste die vier Traditionsparteien dann aber zu einer<br />

gemeinsamen Wahlliste für den zweiten Wahlgang am 16. Mai<br />

2004. Damit wurde aber die 60jährige Schwyzer Zauberformel<br />

gesprengt: die SVP zog neu in die Regierung ein. Armin Hüppin,<br />

der <strong>im</strong> ersten Wahlgang das fünftbeste Resultat erzielt hatte,<br />

wurde für weitere vier <strong>Jahre</strong> <strong>im</strong> Amt bestätigt.<br />

An der Parteiversammlung vom 31. März 2004 <strong>im</strong> «Biergarten»<br />

war zum einen die <strong>Bezirk</strong>srechnung 2003 traktandiert<br />

und zum anderen standen die Nominationen für die<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen vom 16. Mai 2004 an. Die Partei portierte<br />

als neue, zweite <strong>Bezirk</strong>srätin Erika Weber, den Bisherigen in<br />

der RPK, André Ruhstaller, Christian Iten als neuen <strong>Bezirk</strong>srichter,<br />

Christoph Lehner als neuen Ersatzrichter und Martina<br />

Krieg als neue Vermittler-Stellvertreterin (EA 6.4.2004).<br />

Die Kandidaten und Kandidatinnen für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

2004: v.l.n.r. Christian Iten, Martina Krieg, André Ruhstaller,<br />

Erika Weber und Christoph Lehner.<br />

Die interparteilichen Gespräche vom 31. März 2004 verliefen<br />

nicht wie gewünscht. Das laue Lüftchen blies scheinbar<br />

zugunsten der FDP und SVP. Auf jeden Fall war es so, dass<br />

die Gespräche zwischen den Parteien scheiterten. In der<br />

Folge beschlossen SVP und FDP gemeinsame Sache zu<br />

machen. Die SVP beanspruchte einen dritten Sitz, was natürlich<br />

Gegenreaktionen seitens <strong>SP</strong> und CVP hervorrief. Diese<br />

bestanden ebenfalls in einem gemeinsamen Vorgehen.<br />

Erwähnenswert war dabei die erfolgreiche Zusammenarbeit<br />

zwischen dem (inzwischen etwas nach links gerückten)<br />

CVP-Zuchtmeister Gerhard Oswald und <strong>SP</strong>-Wahlkampflei-<br />

178


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Erika Weber-Locher, geb. 21. Februar 1958, aufgewachsen in Bern. Sie ist verheiratet mit<br />

Markus Weber. Der Ehe entstammen ein Sohn und eine Tochter.<br />

Nach einem Lehrabschluss als Ménagère Citadine und einer Verkaufslehre sowie Sprachaufenthalten<br />

schloss sie die Handelsschule in Bern ab. 2011-2013 liess sie sich zusätzlich<br />

zur Bibliothekarin ausbilden.<br />

Erika Weber war seit 1993 Mitglied in der Parteileitung und 2008-2013 Vizepräsidentin<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Von 1992-2002 amtete sie als Schulrätin, von 2000-2004 zusätzlich als Erziehungsrätin<br />

und stand als <strong>Bezirk</strong>srätin von 2004-2012 dem Ressort Bildung und Kultur vor. 2012-2017<br />

nahm sie Einsitz in den Schwyzer Kantonsrat.<br />

Erika Weber ist seit 2015 <strong>im</strong> reformierten Kirchgemeinderat engagiert (aktuell Vizepräsidentin),<br />

Vorstandsmitglied <strong>im</strong> Elternverein und Stiftungsrätin <strong>im</strong> Ortsmuseum FRAM.<br />

Daneben macht sie noch Kloster- und Schanzenführungen.<br />

ter <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>. So lief es denn auch. FDP und SVP<br />

kamen mit je einem Kandidaten. Die CVP mit zwei, die <strong>SP</strong><br />

mit Erika Weber. Also auf der Ebene <strong>Bezirk</strong>srat zwei Kandidierende<br />

zu viel.<br />

Am Wahlsonntag, 16. Mai 2004, gab es zwe<strong>im</strong>al lange<br />

Gesichter! Kurz nach der Auszählung wurde als <strong>Bezirk</strong>srat<br />

nur SVP-Kandidat Josef Kälin, Euthal, als gewählt erklärt.<br />

Keiner der anderen hatte das absolute Mehr erreicht. Dies<br />

schmälerte natürlich die Aussichten der <strong>SP</strong> für den zweiten<br />

Wahlgang. Nach den üblichen Gratulationen vor dem<br />

Rathaus fand jedoch Landschreiber <strong>Walter</strong> Kälin noch<br />

ungeöffnete St<strong>im</strong>mcouverts unter einer Bank <strong>im</strong> Ratssaal<br />

– und nahm das Resultat umgehend zurück. Nach kurzer<br />

Nachzählung stand fest, keiner ist gewählt. Wieder lange<br />

Gesichter.<br />

Die anschliessende Konstellation war einzigartig. Bis auf<br />

die <strong>Bezirk</strong>sratssitze waren alle anderen Positionen von FDP<br />

und SVP (<strong>Bezirk</strong>sammann, Statthalter, RPK und Gericht, Vermittler)<br />

gewählt, diejenigen von CVP und <strong>SP</strong> nicht (Ausnahme<br />

Säckelmeister Markus Oechslin, welcher auf allen Listen<br />

figurierte). Dies hatte zur Folge, dass CVP und <strong>SP</strong> <strong>im</strong> zweiten<br />

Wahlgang mit einer vollen Liste antreten konnten, nämlich mit<br />

elf Personen. Diese Liste war natürlich deutlich attraktiver als<br />

jene von SVP und FDP mit nur zwei Positionen. CVP und <strong>SP</strong><br />

gewannen <strong>im</strong> zweiten Wahlgang alle noch offenen Sitze, SVP-<br />

Kandidat Josef Kälin und der bereits einmal abgewählte Willy<br />

Streuli (FDP) scheiterten. Somit gewann die <strong>SP</strong> mit Erika Weber<br />

den zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitz zurück. Auch die anderen <strong>SP</strong>-<br />

Kandidaten waren gewählt.<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Erika Weber übernahm das Präsidium <strong>im</strong><br />

Schulrat und in der Kulturkommission. Der bisherige Sitz<br />

von <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> <strong>im</strong> Regional-Entwicklungsverband<br />

(REV) wurde nach dessen Rücktritt nicht mehr besetzt. Eine<br />

Organisation, die trotz Forderung und Interesse der Wirtschaft<br />

Am 25. August<br />

2004 wurde die<br />

Kantonalversammlung<br />

der <strong>SP</strong> Kanton<br />

Schwyz <strong>im</strong> Chärnehus<br />

in <strong>Einsiedeln</strong><br />

durchgeführt.<br />

Über die Neugestaltung<br />

des Fin<br />

a n z a u s g l e i c h s<br />

(NFA) referierte der<br />

damalige Schaffhauser<br />

Nationalrat<br />

und <strong>SP</strong>S-Parteipräsident<br />

Hans-Jürg<br />

Fehr.<br />

weder fähig noch willens war, sich für die Unterstützung von<br />

familienexternen Kinderbetreuungseinrichtungen stark zu machen,<br />

war nutzlos!<br />

Im <strong>Jahre</strong>sbericht 2004 wurde zu den Wahlen mit einigem<br />

Stolz vermerkt: «Ich glaube man kann mit Fug und Recht<br />

behaupten, dass die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> mit einer Nationalrätin,<br />

zwei Kantonsräten, zwei <strong>Bezirk</strong>srätinnen und einem RPK-<br />

Präsidenten noch nie so stark dagestanden ist. Von den verstärkten<br />

Vertretungen in den Kommissionen (Wahlen und<br />

Abst<strong>im</strong>mungen, Spital) und Schlichtungsbehörden ganz zu<br />

schweigen!»<br />

In den Kommissionen des <strong>Bezirk</strong>s nahm <strong>im</strong> Schulrat an<br />

Stelle von Josef Unternährer neu Josef Oechslin für die <strong>SP</strong><br />

Einsitz.<br />

Mit Schreiben vom 15. April 2004 wünschte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

eine breitere Abstützung in Bezug auf Projektideen<br />

179


zum Areal Einsiedlerhof. Nicht zu<br />

Unrecht, wie die Geschichte lehren<br />

wird…<br />

Die Parteiversammlung vom<br />

28. April 2004 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige»<br />

stand unter dem Themenreferat<br />

«Schule <strong>Einsiedeln</strong>: heute<br />

und morgen – Situation, Probleme,<br />

Ziele». Es referierte Statthalter und<br />

Schulpräsident Thomas Bisig (EA<br />

30.4.2004).<br />

Die Parteiversammlung vom<br />

3. Dezember 2004 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Drei Könige» hatte den Voranschlag<br />

2005 zum Thema und ein<br />

orientierendes Referat von Marann<br />

Schneider zur Spitex und deren Finanzierungs-<br />

und Kostenstruktur.<br />

Eine kantonale<br />

1. Mai-Feier und<br />

eine Schweinerei<br />

Die Generalversammlung vom<br />

11. Februar 2005 wurde <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» abgehalten. Mittels<br />

Statutenänderung war der Kassier<br />

nun beauftragt, jeweils ein<br />

Budget für das kommende Jahr<br />

vorzubereiten. Der Mitgliederbestand<br />

lag neu bei 65. Die Parteileitung<br />

blieb unverändert. Als<br />

<strong>Jahre</strong>sziel wurde eine verstärkte<br />

Mitgliederwerbung festgesetzt.<br />

Die aktuelle Situation um das Regionalspital <strong>Einsiedeln</strong><br />

bzw. die Frage der Trägerschaft beschäftigte auch die Parteiversammlung<br />

vom 12. April 2005 <strong>im</strong> Hotel «St. Georg». Der<br />

neue Stiftungsrat des Spitals <strong>Einsiedeln</strong>, <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong>,<br />

orientierte über seine Tätigkeit. Einst<strong>im</strong>mig beschloss<br />

die Versammlung zudem die Schaffung eines Amtsnotariats<br />

(EA 19.4.2005). Der <strong>Bezirk</strong>srat lehnte dieses Ansinnen <strong>im</strong><br />

April 2007 dann aber ein erstes Mal ab.<br />

Die kantonale 1. Mai-Feier wurde erstmals in <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

<strong>im</strong> Paracelsus-Park, organisiert. Gastredner war Nationalrat<br />

und Gewerkschaftsbundpräsident Paul Rechsteiner. «Die Bereicherung<br />

der Reichen ist das Gegenstück zum Sozialabbau<br />

für das gewöhnliche Volk.» Er forderte weiter die Einlösung<br />

des versprochenen sozialen, flexiblen Rentenalters, wandte<br />

sich gegen den steten Lohndruck, befürwortete aber gleichzeitig<br />

eine nichtdiskr<strong>im</strong>inierende Personenfreizügigkeit. Ein<br />

Gottesdienst, Alphornbläser, Latin und Hip-Hop sowie die<br />

Juso mit einem Kinderprogramm bereicherten den Anlass.<br />

Das Warten hat sich gelohnt, viele Flaschen sind leer, die Sau ist bis auf einen kleinen<br />

Rest vertilgt.<br />

180<br />

Das erste Mal am 3. August 1991 sowie erneut am 2. Juli<br />

2005 fand bei der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine «Schweinerei» statt.<br />

Mit Kind und Kegel beschäftigten sich dann die Mitglieder<br />

jeweils nicht nur mit Politik, sondern mit verschiedensten<br />

kulinarischen Köstlichkeiten, oft eben mit dem<br />

Braten eines Spanferkels. Fachmännisch und -frauisch<br />

mithelfen und stundenlang drehen war dann angesagt. Um<br />

die Gefahr einer Dehydrierung zu verhindern, war selbstverständlich<br />

<strong>im</strong>mer für genügend Flüssigkeit gesorgt.<br />

Wenn dann der Grillmeister nach acht langen Stunden<br />

zum ersten Schnitt schritt, war ihm jeweils die ganz grosse<br />

Aufmerksamkeit sicher.<br />

An der Parteiversammlung vom 12. August 2005 <strong>im</strong><br />

Hotel «Drei Könige» stellte <strong>Bezirk</strong>srat Beat Kälin (CVP) den<br />

Erschliessungsplan und dessen Leidensgeschichte vor.<br />

Warum fand der Veloverkehr keine Erwähnung? Zur Totalrevision<br />

der Schwyzer Kantonsverfassung referierte Kantonsrat<br />

und Co-Präsident <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

«March-Höfe-Zeitung» vom 28. April<br />

2005.<br />

An der Parteiversammlung vom 1. Dezember<br />

2005 wurde über den Voranschlag<br />

2006 und von den Initianten über<br />

das Projekt «Sportzentrum Eschbach»<br />

orientiert. Die Partei st<strong>im</strong>mte dem Projektierungskredit zu.<br />

Verlust des zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitzes,<br />

die Ortsbus-Initiative und eine Fitze<br />

Dass Nationalrätin Josy Gyr ihr <strong>Bezirk</strong>sratsmandat abgeben<br />

wird, war bereits Ende 2005 bekannt. Parteiintern ergab sich,<br />

dass Kassier Josef (Sepp) Oechslin an einer Kandidatur interessiert<br />

war.<br />

Die ordentliche Generalversammlung fand am 27. Januar<br />

2006 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige» statt. Kassier Sepp Oechslin konnte<br />

ein noch nie dagewesenes Parteivermögen von Fr. 16‘302.85<br />

präsentieren. Die Wahlkasse war prall gefüllt! Der Sympathisantenwerbebrief<br />

hatte aber noch nicht die gewünschte Wirkung<br />

gezeigt. Der Mitgliederbestand verharrte bei 65.<br />

An der Parteiversammlung vom 10. März 2006 konnte für die Be-<br />

Am 9. Mai 2006 besuchte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ihre Nationalrätin Josy Gyr <strong>im</strong><br />

Bundeshaus in Bern. V.l.n.r. Co-Präsidentin Martina Krieg, Norbert Jansen,<br />

Nationalrätin Josy Gyr, Marie-Madeleine Jansen, Sepp Oechslin, Meiri Gyr, Monika<br />

Oechslin, Monika Notter und Kaspar Zentner.<br />

181<br />

zirkswahlen vom 21. Mai<br />

2006 Sepp Oechslin<br />

als <strong>Bezirk</strong>sratskandidat<br />

(neu) und André Ruhstaller<br />

(bisher) für die Rechnungsprüfungskommission<br />

nominiert werden.<br />

Wiederum wurde<br />

der Wahlkampf in Zusammenarbeit<br />

mit der<br />

CVP geführt. Die Koordination<br />

sollte zwischen<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

und Gerhard Oswald<br />

erfolgen. Die beiden<br />

trafen sich zu einem Nachtessen <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige», um<br />

das weitere Vorgehen zu besprechen. Einige Tage später starb<br />

Gerhard Oswald auf dem Weg zum Bahnhof. Ein politischer<br />

Kopf mit <strong>im</strong>mensem Wissen war leider nicht mehr! Trotzdem<br />

ging der Wahlkampf weiter. SVP und LVP marschierten ebenfalls<br />

wieder zusammen, wobei die LVP mit Berta Gyr eine neue<br />

Kandidatin portierte. Es war ein ziemlich heftiger Wahlkampf,<br />

Sepp Oechslin wurde von der Gegenseite hinterrücks als Gewerbegegner<br />

(obwohl er selber Gewerbler war!) diffamiert. Am<br />

Wahltag verlor Sepp Oechslin ganz knapp. Der Sitz in der RPK<br />

konnte hingegen verteidigt werden. Es folgte danach auch eine<br />

Selbstkritik: Hatten wir zu viel gemacht?<br />

Was die VCS-Sektion und eine kantonale <strong>SP</strong>-Arbeitsgruppe<br />

in ihrem Konzept zum öffentlichen Verkehr bereits 1986 angeregt<br />

hatten (EA 7.2.1986), griff die Parteileitung 20 <strong>Jahre</strong> später<br />

wieder auf. Sachgerecht – aber auch wahlkampfwirksam (Bote


Die Ortsbus-Initianten übergeben dem Landschreiber <strong>Walter</strong> Kälin am<br />

30. März 2006 das Initiativbegehren.<br />

22.4.2006) – reichten die <strong>SP</strong>-Initianten Sepp Oechslin, Martina<br />

Krieg, <strong>Patrick</strong> Notter und <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> be<strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

am 29. März 2006 das von 500 Personen unterzeichnete Initiativbegehren<br />

für einen Ortsbus in <strong>Einsiedeln</strong> ein: «Der <strong>Bezirk</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> trifft Massnahmen zur besseren Erschliessung der<br />

Bauzonen durch den öffentlichen Verkehr (bspw. Horgenberg,<br />

Zürichstrasse, Grotzenmühle- und Kornhausstrasse) und zur<br />

Förderung des lokalen öffentlichen Verkehrs, insbesondere mit<br />

dem Ziel der besseren Anbindung des Regionalspitals/Gesundheitszentrums<br />

und der beiden Altershe<strong>im</strong>e. Der <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

betreibt oder bestellt zu diesem Zweck einen Ortsbus.<br />

Die Ortsverkehrslinien können sich an der Nachfrage<br />

und dem Erreichen eines min<strong>im</strong>alen Kostendeckungsgrades<br />

orientieren.» (EA 31.3.2006).<br />

Bei der Besetzung der <strong>Bezirk</strong>skommissionen<br />

gab es für die <strong>SP</strong> folgende Änderungen: <strong>Bezirk</strong>srätin<br />

Erika Weber hatte zusätzlich neu Einsitz in der<br />

Einbürgerungsdelegation und war – als Präsidentin<br />

– noch einzige Vertreterin <strong>im</strong> Schulrat (sah man vom<br />

Lehrervertreter Franz Camenzind, dem späteren <strong>SP</strong>-<br />

Kantonsrat, ab), Andrea Fässler wurde in die Fürsorgebehörde<br />

gewählt, Markus Brändle in die Kommission<br />

Sport und Freizeit, <strong>Patrick</strong> Nauer in die Bau- und<br />

Umweltbehörde und Marie Madeleine Jansen nebst<br />

Meiri Gyr als Mietervertreterin in die Schlichtungsbehörde<br />

<strong>im</strong> Mietwesen.<br />

Die Parteiversammlung vom 26. Oktober 2006<br />

<strong>im</strong> Bistro Tulipan beschloss die Ja-Parole sowohl zur<br />

Neugestaltung der Hauptstrasse (Begegnungszone)<br />

als auch zur kantonalen G-Reform, welche durch<br />

die Aufhebung der <strong>Bezirk</strong>e zu einer Stärkung der Gemeinden<br />

führen sollte. Beide Vorlagen erlitten an der Urne dann aber<br />

Schiffbruch.<br />

Erfreulicher war, dass der <strong>Bezirk</strong>srat das Initiativbegehren<br />

Ortsbus <strong>Einsiedeln</strong> dann am 16. November 2006 für zulässig<br />

erklärte.<br />

Die Parteiversammlung vom 5. Dezember 2006 <strong>im</strong> «St. Georg»<br />

war mässig besucht. Der Voranschlag des <strong>Bezirk</strong>s für das<br />

kommende Jahr interessierte wenige. Für Unmut sorgte aber der<br />

Landschreiber, weil er sich in Leserbriefen in seiner Funktion<br />

politisch geäussert hatte. Bemängelt wurden sodann<br />

nicht nur Fehler bei Abst<strong>im</strong>mungen, sondern auch gehäufte<br />

Mängel <strong>im</strong> aktuellen Behördenverzeichnis und<br />

aktuell <strong>im</strong> Voranschlag. Am Vorabend des Samichlaus<br />

hatte die Partei darum die Fitze ausgepackt.<br />

Tod unserer Nationalrätin,<br />

Energie-Stadt und ein neuer<br />

<strong>SP</strong>-Kantonsratspräsident<br />

Standaktion am 1. September 2007 auf dem Sennhofplatz .V.l.n.r. Co-<br />

Präsidentin Martina Krieg, Nationalrat Andy Tschümperlin und die Kandidaten<br />

Karin Schwiter, <strong>Patrick</strong> Nauer, Andreas Marty und Kurt Zurbuchen.<br />

Die Generalversammlung vom 23. Februar 2007<br />

wurde <strong>im</strong> Bistro Tulipan abgehalten. Die Parteileitung<br />

blieb unverändert. Der Einsiedler Umweltschutzbeauftragte<br />

Bruno Kälin referierte über das<br />

Thema «Energiesparmassnahmen <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>».<br />

<strong>Einsiedeln</strong> sei prädestiniert, das Label<br />

«Energiestadt» anzustreben.<br />

An der Parteileitungssitzung vom 26. März<br />

2007 musste vom verschlechterten Gesundheitszustand<br />

von Josy Gyr Kenntnis genommen werden<br />

(EA 13.4.2007).<br />

Am 12. April 2007 fand erstmals eine konstruktive<br />

182


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Aussprache bzw. Gedankenaustausch zwischen dem Gesamtbezirksrat<br />

und den Ortsparteien statt. Es wurden regelmässige<br />

Zusammenkünfte in Aussicht gestellt.<br />

Die Parteiversammlung vom 13. April 2007 <strong>im</strong> Bistro Tulipan<br />

nahm dann traurig Kenntnis von Josy Gyrs erklärtem<br />

Rücktritt als Nationalrätin. An der Versammlung wurde des<br />

Weiteren kontradiktorisch über die Wasenmattstrasse diskutiert,<br />

die schliesslich von einer Mehrheit befürwortet wurde.<br />

Am 18. April 2007 verstarb unsere Nationalrätin Josy Gyr.<br />

Die Trauer war landesweit gross, was die Bekanntheit und<br />

Beliebtheit von Josy Gyr nur unterstrich (EA 20.4.2007, Bote<br />

19.4.2007).<br />

Die Parteiarbeit ging unerbittlich weiter. Vom 16.-20. Mai 2007<br />

organisierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> eine Gratis-Kinovorführung mit<br />

dem Film von Al Gore, «Eine unbequeme Wahrheit», zum Kl<strong>im</strong>awandel.<br />

Es konnten total 347 Eintritte verbucht werden.<br />

Am 20. Juni 2007 lud die Partei die anderen Ortsparteien<br />

ins Bistro Tulipan, um ein Miteinander zur Energiestadt <strong>Einsiedeln</strong><br />

zu diskutieren. Jules Pikali von EnergieSchweiz hielt ein<br />

Informationsreferat.<br />

Infolge des Todes von Josy Gyr rückte der Zweitplatzierte,<br />

Kantonsrat Andy Tschümperlin, Schwyz, in den Nationalrat nach.<br />

Die <strong>SP</strong> Kanton Schwyz stellte mit ihm den siebten Nationalrat.<br />

Da Andy Tschümperlin zu jener Zeit Vizepräsident des Schwyzer<br />

Kantonsrates war und dieses Amt in der Folge abgab, musste<br />

ein Ersatz her. Die <strong>SP</strong>-Fraktion nominierte in der Folge einst<strong>im</strong>mig<br />

den Einsiedler Kantonsrat <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, der das Vizepräsidium<br />

gerade noch eine Session lang ausüben konnte, um<br />

danach, am 27. Juni 2007 zum zweiten Einsiedler <strong>SP</strong>-Kantonsratspräsidenten<br />

gewählt zu werden. Die Besonderheit für <strong>Einsiedeln</strong><br />

bestand darin, dass der höchste Schwyzer damit zwei <strong>Jahre</strong><br />

hintereinander aus <strong>Einsiedeln</strong> kam (nach Kantonsrat Karl Roos<br />

2006/2007). In seiner Antrittsrede <strong>im</strong> Kantonsrat verglich er – als<br />

Musiker – diesen mit einem grossen Orchester. Es braucht alle<br />

Register für einen st<strong>im</strong>migen Klang (Bote 28.6.2007). Die Feierlichkeiten<br />

fanden in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Paracelsus-Park und <strong>im</strong> Dorfzentrum<br />

statt. «Kl<strong>im</strong>awandel und Zigarren» brachte der Bote den<br />

Abend amüsant auf den Punkt (Bote 30.6.2007, EA 3.7.2007).<br />

Der Ortsbus kommt, zwei Vollmandate bei<br />

den Kantonsratswahlen und ein abgewählter<br />

Landschreiber<br />

Kantonsratspräsident <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> bei seiner<br />

Ansprache vor dem Alten Schulhaus <strong>im</strong> Paracelsus-Park. Ein<br />

anwesender eidgenössischer Parlamentarier meinte, es sei<br />

eine «Karfreitagspredigt» gewesen...<br />

Andy Tschümperlin, geb. 11. März 1962, ist aufgewachsen<br />

und lebt in Rickenbach/Schwyz. Er ist verheiratet mit Cornelia<br />

Gamma. Der Ehe entstammen vier Kinder.<br />

Nach der Pr<strong>im</strong>ar- und Reallehrer-Ausbildung arbeitete er bis<br />

2012 als Schulleiter einer Integrationsschule für fremdsprachige<br />

Jugendliche in Zug.<br />

Von 1996-2007 hatte er Einsitz <strong>im</strong> Schwyzer Kantonsrat und<br />

amtete auch als Fraktionschef.<br />

2007 rückte er<br />

in den Nationalrat nach,<br />

wurde 2008 Vizepräsident<br />

der <strong>SP</strong>-Fraktion und<br />

ab 2012 deren Präsident.<br />

2015 blieb ihm eine Wiederwahl<br />

versagt.<br />

Er arbeitete danach be<strong>im</strong><br />

Arbeiterhilfswerk als Leiter<br />

für Bildung <strong>im</strong> Strafvollzug<br />

in Luzern und ist<br />

seit 2017 Abteilungsleiter<br />

Soziale Dienste Asyl <strong>im</strong><br />

Kanton Zug.<br />

Der Herbst 2007 stand <strong>im</strong> Zeichen der Nationalratswahlen. Für<br />

die Energieinitiative wurden Unterschriften gesammelt und eine<br />

Eintauschaktion von normalen Glühbirnen in Energiesparlampen<br />

durchgeführt.<br />

An der Parteiversammlung vom 6. September 2007 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Rosengarten» beschloss die Partei einst<strong>im</strong>mig die Ja-<br />

Parole zum Musikschulreglement und genehmigte das Abst<strong>im</strong>mungsbudget<br />

für die am 25. November 2007 zur Abst<strong>im</strong>mung<br />

gelangende Ortsbus-Initiative. Der Bennauer <strong>Patrick</strong> Nauer, der<br />

für die Juso als Ständerat kandidierte, stellte sich der Partei vor.<br />

Die eidgenössischen Wahlen vom 21. Oktober 2007 verliefen<br />

für die <strong>SP</strong> Kanton Schwyz erfolgreich. Andy Tschümperlin,<br />

Schwyz, bisher, Karin Schwiter, Lachen, Andreas Marty,<br />

183


Die Freude der Ortsbus-Initianten. V.l.n.r. <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Sepp<br />

Oechslin, Martina Krieg und <strong>Patrick</strong> Notter.<br />

Die Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten 2008:<br />

V.l.n.r. Dominik Marty, Martina Krieg, Ingrid Reich, <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> (bisher), Beat Küchler, Ingrid Widmer,<br />

Regula <strong>Schönbächler</strong>-Dubs, <strong>Patrick</strong> Notter (bisher), Sepp<br />

Oechslin und Jeannette Schwyter.<br />

Die Wogen gingen ob diesem Begehren allerdings<br />

hoch (EA 9.11.2007). Dieses fand aber am 25. November<br />

2007 die Zust<strong>im</strong>mung von 53.5% der St<strong>im</strong>menden<br />

– obwohl sich keine der drei sogenannt bürgerlichen<br />

Parteien dafür ausgesprochen hatte (EA 27.11.2007)!<br />

Offenbar hatten sie das Bedürfnis vorab der älteren<br />

Generation und die Anbindung der Altershe<strong>im</strong>e und<br />

des Spitals schlicht verschlafen und unterschätzt.<br />

Der <strong>Bezirk</strong>srat hatte nun die Aufgabe, den auf vier<br />

<strong>Jahre</strong> beschränkten Versuchsbetrieb umzusetzen.<br />

Der Ortsbus startete am 6. Dezember 2008 zu seiner<br />

Jungfernfahrt und nahm am 14. Dezember 2008 seinen<br />

Versuchsbetrieb auf. Erfreulicherweise verlief dieser<br />

positiv und wurde der definitive Betrieb dann am<br />

27. November 2011 eingeführt (EA 23.9.2011). Heute<br />

ist der Ortsbus aus dem Dorf <strong>Einsiedeln</strong> nicht mehr<br />

wegzudenken.<br />

Nach den Wahlen <strong>im</strong> Herbst war bereits wieder vor<br />

den Wahlen <strong>im</strong> Frühjahr 2008. Der Wahlausschuss<br />

war seit dem Spätherbst 2007 an der Arbeit.<br />

Die Generalversammlung vom 18. Januar 2008<br />

fand <strong>im</strong> Bistro Tulipan statt und war von 23 Mitgliedern<br />

besucht. Der neue Mitgliederbestand betrug 66.<br />

Neu übernahm Jeannette Schuler Ponte die Parteikasse<br />

von Sepp Oechslin, welcher der Parteileitung<br />

aber als Beisitzer erhalten blieb. Neue Vizepräsidentin<br />

wurde <strong>Bezirk</strong>srätin Erika Weber. Im Anschluss an die<br />

ordentlichen GV-Traktanden wurde die Nominationsversammlung<br />

für die Kantonsratswahlen vom 16. März<br />

2008 durchgeführt. Die Partei konnte eine volle Liste<br />

präsentieren.<br />

Goldau, und Kurt Zurbuchen, Pfäffikon, auf der <strong>SP</strong>-Liste,<br />

vermochten den Sitz <strong>im</strong> Listenverbund mit dem Gewerkschaftsbund<br />

Kanton Schwyz, den Schwyzer Grünen und<br />

den Jungsozialisten, zu verteidigen. Es resultierte ein St<strong>im</strong>menvorsprung<br />

auf die leer ausgehenden Freisinnigen von<br />

gut 1‘000 St<strong>im</strong>men. Bei den Ständeratswahlen hatte der<br />

Juso-Kandidat natürlich keine Chance, vermochte aber <strong>im</strong>merhin<br />

über 5‘000 St<strong>im</strong>men auf sich zu vereinen.<br />

Am 12. Oktober 2007 liess sich die Parteiversammlung<br />

<strong>im</strong> Bistro Tulipan vom Abteilungsleiter Bildung und Kultur,<br />

Erich Zumstein, das Einsiedler Schulraumkonzept vorstellen.<br />

Statthalter Beat Bisig nahm Stellung zum Initiativbegehren<br />

Ortsbus, welches dem Altersleitbild entspreche<br />

und darum vom <strong>Bezirk</strong>srat <strong>im</strong> Sinne einer vierjährigen Versuchsphase<br />

unterstützt werde.<br />

«pro specie rara» – die kleine <strong>SP</strong>-Fraktion <strong>im</strong> Schwyzer Kantonsrat<br />

zusammen mit Regierungsrat Armin Hüppin <strong>im</strong> Juni 2008.<br />

V.l.n.r. Paul Furrer (Schwyz), Verena Vanomsen (Freienbach),<br />

<strong>Patrick</strong> Notter (<strong>Einsiedeln</strong>), Karin Schwiter (Lachen), Sibylle<br />

Dahinden (Küssnacht), Armin Hüppin (Wangen), Daniel Hüppin<br />

(Wangen), Romy Lalli (Brunnen), Andreas Marty (Arth) und <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> (<strong>Einsiedeln</strong>).<br />

184


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Kantonalversammlung <strong>im</strong> «Fismo» in <strong>Einsiedeln</strong>. V.l.n.r.<br />

Christian Levrat, <strong>SP</strong>S-Präsident, Martin Reichlin,<br />

Kantonalpräsident, und <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Co-Präsident<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Für eine (nachträgliche) Posse sorgte der von der Partei<br />

am 25. Oktober 2008 organisierte Rundgang durchs Dorf<br />

mit Architekt und Parte<strong>im</strong>itglied <strong>Patrick</strong> Nauer nach dem<br />

Motto «Architektonische Stilblüten und Wildwuchs». Ein<br />

hiesiger liberaler Architekt wollte sich hierbei partout nicht<br />

von einem amerikanischen Stararchitekten beeinflusst<br />

wissen und erreichte, dass der <strong>Bezirk</strong>srat das Baukommissionsmitglied<br />

<strong>Patrick</strong> Nauer wegen Befangenheit ihm<br />

gegenüber wiederholt in den Ausstand zwang…<br />

Ziel der Partei war natürlich die Verteidigung des zweiten<br />

Kantonsratssitzes und die Wiederwahl von <strong>SP</strong>-Regierungsrat<br />

Armin Hüppin.<br />

An der Standaktion auf dem Sennhofplatz wurden am<br />

23. Februar 2008 über 300 neue Stromsparlampen verteilt und<br />

kamen die Kandidierenden auch mit Passanten ins Gespräch.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> erzielte am 16. März 2008 ein hervorragendes<br />

Ergebnis, nämlich erstmals zwei Vollmandate! Sowohl<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> als auch <strong>Patrick</strong> Notter wurden<br />

<strong>im</strong> Amt bestätigt. Der Wähleranteil der <strong>SP</strong> konnte <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong><br />

auf rekordhohe 19.33% gesteigert werden. Verglichen mit<br />

dem übrigen Kantonsgebiet war <strong>Einsiedeln</strong> zu einer <strong>SP</strong>-<br />

Hochburg geworden.<br />

Auch Armin Hüppin schaffte die Wiederwahl <strong>im</strong> ersten<br />

Wahlgang mit dem fünftbesten Resultat.<br />

Schon am 25. März 2008 ging es weiter: Die Parteiversammlung<br />

<strong>im</strong> Hotel «St. Georg» stand <strong>im</strong> Zeichen der<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen vom 27. April 2008. In der Wahl standen<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin Erika Weber, <strong>Bezirk</strong>srichter Christian Iten,<br />

Jeannette Schuler Ponte als Vermittler-Stellvertreterin, sowie<br />

Stefan Kälin als Ersatzrichter. An Stelle des zurückgetretenen<br />

André Ruhstaller wurde zudem Monika Oechslin<br />

für die RPK portiert. Sie wurden alle mit guten Resultaten<br />

gewählt. Spannend und umstritten war einzig der Posten<br />

des Landschreibers. Der parteilose Jurist Peter Eberle wurde<br />

von den drei Parteien CVP, SVP und <strong>SP</strong> als Kampfkandidat<br />

unterstützt. Nur die FDP hielt an ihrem Mitglied <strong>Walter</strong><br />

Kälin, dem bisherigen Amtsinhaber, fest. Diesem wurde<br />

von den anderen Parteien vorgeworfen, parteiisch zu sein.<br />

Dies und einige Missgeschicke <strong>im</strong> Amt dürften ihn letztlich<br />

den Kopf gekostet haben. Trotz grossem Werbeaufwand<br />

für ihn verlor die FDP die Wahl. Peter Eberle war der neue<br />

Landschreiber.<br />

Bei der Bestellung der <strong>Bezirk</strong>skommissionen kam es bei<br />

der <strong>SP</strong> zu folgenden Änderungen und Neubesetzungen:<br />

Erich Meier und Katja Lacher-<strong>Schönbächler</strong> nahmen Einsitz<br />

in die beiden Einbürgerungsdelegationen, Daniel Meienberg<br />

in die Kommission Volkswirtschaft, Sicherheit und Gesundheit,<br />

Jeannette Schuler Ponte in die Betriebskommission<br />

Alters- und Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti, Andrea Fässler in die<br />

Kommission für Altersfragen und in die Fürsorgebehörde,<br />

Salome Egg Nauer in die Planungskommission, Ra<strong>im</strong>und<br />

Sigrist in die Infrastrukturkommission und Meiri Gyr war<br />

noch der einzige <strong>SP</strong>-Vertreter in der Schlichtungsbehörde<br />

<strong>im</strong> Mietwesen.<br />

Am 28. Juni 2008 wurde be<strong>im</strong> Bildungszentrum <strong>Einsiedeln</strong><br />

erneut eine «Schweinerei» – diesmal aber ohne Spanferkel<br />

– abgehalten.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> äusserte sich am 30. Juni 2008 konstruktiv-kritisch<br />

zur Entwicklungsstrategie des <strong>Bezirk</strong>s<br />

<strong>Einsiedeln</strong>. Sie verlangte insbesondere ein massvolles<br />

und qualitatives Wachstum, die Schaffung von günstigem<br />

Wohnraum, die Sicherstellung von grosszügigen Freiflächen,<br />

Spielplätzen und Pärken und die Schaffung der erforderlichen<br />

Infrastrukturanlagen (inkl. Anbindung an den<br />

öffentlichen Verkehr).<br />

Die Kantonalversammlung vom 15. Oktober 2008 fand<br />

wieder einmal in <strong>Einsiedeln</strong> statt. Sie wurde <strong>im</strong> «Fismo»<br />

(Ziegelei) durchgeführt und sah als prominenten Gast <strong>SP</strong>S-<br />

Präsident Christian Levrat, Nationalrat aus dem Kanton<br />

Freiburg. Er referierte über die Initiative «Für ein flexibles<br />

AHV-Alter».<br />

Das Jahr 2008 wurde abgerundet mit der Parteiversammlung<br />

vom 4. Dezember <strong>im</strong> Bistro Tulipan. Kantonsrat<br />

und Verfassungskommissionmitglied <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

referierte über die neue Kantonsverfassung.<br />

185


<strong>SP</strong>-Hochburg <strong>Einsiedeln</strong>, offene<br />

Jugendarbeit, ein neues Co-<br />

Präsidium und ein «Porno-Rocker»<br />

Die Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

wurde am 23. Januar 2009 <strong>im</strong> Bistro Tulipan<br />

durchgeführt. Mit einem Bestand von neu 71<br />

Mitglieder war die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zur stärksten<br />

<strong>SP</strong>-Sektion des Kantons Schwyz aufgestiegen!<br />

Da Kantonsrat <strong>Patrick</strong> Notter das Fraktionspräsidium<br />

übernommen hatte, überliess er das Amt<br />

des Aktuars neu Daniel Meienberg. Als weiterer<br />

Beisitzer in der Parteileitung wurde <strong>Patrick</strong> Nauer<br />

gewählt. Zusätzlich nahm Monika Oechslin als<br />

RPK-Mitglied Einsitz (EA 30.1.2009).<br />

Einige Parte<strong>im</strong>itglieder machten am 1. März<br />

2009 einen Besuch in der Satire-Sendung «Giacobbo/Müller»<br />

in Zürich.<br />

An der Parteiversammlung vom 9. April 2009<br />

<strong>im</strong> Bistro Tulipan wurde die Rechnung 2008 besprochen<br />

und nahm die Partei ablehnend Stellung<br />

zur Umzonung des Einsiedlerhof-Areals und<br />

dem auf diesem vorgesehenen Hotelprojekt.<br />

Die Parteileitung, vor allem Co-Präsidentin Martina Krieg,<br />

beschäftigte sich <strong>im</strong> Frühjahr 2009 intensiv mit einem Jugendkonzept<br />

und der Einreichung einer neuen Initiative für eine offene<br />

Jugendarbeit. Vor neun <strong>Jahre</strong>n war dieses Anliegen <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom St<strong>im</strong>mvolk verworfen worden.<br />

In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juli 2009 zur Nutzungsplanrevision<br />

verlangte die Partei die Schaffung von Zonen für sozialen<br />

bzw. genossenschaftlichen Wohnungsbau.<br />

Die Parteiversammlung vom 12. Oktober 2009 <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» war dem kantonalen Energiegesetz und<br />

der <strong>SP</strong>-Energieinitiative sowie der GSoA-Initiative betreffend<br />

Kriegsmaterial-Exporte gewidmet, für welche kompetente<br />

Referenten eingeladen wurden. Zur selben Zeit wurden Unterschriften<br />

gesammelt für die kantonale <strong>SP</strong>-Initiative «Familien<br />

stärken – Ja zu Ergänzungsleistungen für Familien».<br />

Der Voranschlag 2010 des <strong>Bezirk</strong>s sowie die <strong>Bezirk</strong>svorlage<br />

betreffend eine neue Weihnachtsbeleuchtung waren<br />

die Traktanden an der Parteiversammlung vom 2. Dezember<br />

2009 wiederum <strong>im</strong> Bistro Tulipan.<br />

Die ordentliche Generalversammlung vom 19. Februar<br />

2010 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige» stand <strong>im</strong> Zeichen eines Umbruchs<br />

in der Parteileitung. Martina Krieg trat als Co-Präsidentin<br />

zurück und an ihrer Stelle wurde neu Daniel Meienberg,<br />

Buchhändler, neben <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> zum<br />

Co-Präsidenten gewählt. Als neue Aktuarin konnte Barbara<br />

Zurfluh-<strong>Schönbächler</strong> gewonnen werden. Berichtet wurde<br />

über die neue Social-Media-Präsenz der Partei und die neue<br />

<strong>SP</strong>-Corporate Identity der Webseite. Für die anstehenden<br />

<strong>Bezirk</strong>swahlen nominierten die Anwesenden Stefan Kälin,<br />

Die «Päckli-Politik» oder «3 gegen 1». Wahlkampf von Stefan Kälin mit<br />

Gipfeli-Verteilaktion am 6. April 2010.<br />

186<br />

Gross, für den <strong>Bezirk</strong>srat, und Monika Oechslin für zwei weitere<br />

<strong>Jahre</strong> für die RPK (EA 23.2.2010).<br />

An der Parteiversammlung vom 16. April 2010 <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» stand weniger die Rechnung 2009 des <strong>Bezirk</strong>s<br />

<strong>im</strong> Vordergrund als vielmehr der verkündete Rücktritt von <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> aus dem Kantonsrat per Ende Mai 2010,<br />

die illegale Wohnung der amtierenden liberalen Baupräsidentin<br />

(«Es braucht für ein Baugesuch ja x Papiere, Zettel und<br />

weiss der Güggel was»…) und die offene Jugendarbeit mit<br />

der vom <strong>Bezirk</strong>srat in Aussicht gestellten Anstellung eines<br />

Jugendarbeiters.<br />

An den <strong>Bezirk</strong>sratswahlen vom 25. April 2010 wollte die<br />

<strong>SP</strong> mit Stefan Kälin den vor vier <strong>Jahre</strong>n verlorenen <strong>Bezirk</strong>sratssitz<br />

von Josy Gyr zurückgewinnen. Die politischen Gegner<br />

trauten ihm dies denn auch zu. Am 8. März 2010, bei der<br />

«Elefantenrunde» bzw. den Parteiengesprächen, wurde aber<br />

klar, wie gross der Respekt vor dem <strong>SP</strong>-Kandidaten war. FDP,<br />

SVP und CVP machten gemeinsame Sache, um ihren Besitzstand<br />

zu wahren, und liessen die <strong>SP</strong> und ihren Kandidaten<br />

<strong>im</strong> Regen stehen. Die <strong>SP</strong> lancierte eine fünfte Liste («Wahlvorschlag<br />

für den <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>») mit dem <strong>Bezirk</strong>sratsbüro,<br />

Stefan Kälin und der RPK. Es wurde ein spannender<br />

Wahlkampf, der von vielen Seiten unterstützt wurde, und bei<br />

dem Stefan Kälin als Person und Kandidat nie zur Diskussion<br />

stand, sondern <strong>im</strong>mer nur seine Parteizugehörigkeit.<br />

Trotz sehr viel Kampfgeist des Kandidaten und der Partei<br />

war kein Erfolg beschieden. Stefan Kälin erzielte unter den genannten<br />

Umständen <strong>im</strong>merhin ein Resultat, das Mut machte.<br />

Der RPK-Sitz von Monika Oechslin war nicht bestritten.


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> vom 24. Februar 2011 <strong>im</strong><br />

«Meinradsberg».<br />

Die Komissionsbestellungen erfuhren – mit Ausnahme der<br />

Einsitznahme von Frank Heinzer in die Bau- und Umweltkommission<br />

– für die <strong>SP</strong> keine Veränderungen.<br />

Im Herbst musste vom vorzeitigen Rücktritt der Aktuarin<br />

Kenntnis genommen werden.<br />

Die Parteiversammlung vom 7. Oktober 2010 wurde<br />

erstmals <strong>im</strong> Museum Fram abgehalten. Im Mittelpunkt standen<br />

die Schulhausbaute in Euthal, die befürwortet wurde,<br />

die Steuergerechtigkeitsinitiative<br />

und eine<br />

Orientierung über die<br />

Erweiterung des «Chinderhus»<br />

<strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Am 28. Oktober<br />

2010 kam es zu einer<br />

Ersatzwahl eines<br />

SV P - Er s a t z r i c h te r s<br />

am <strong>Bezirk</strong>sgericht.<br />

Der Sitzanspruch war<br />

an sich unbestritten,<br />

der von der rechtsbürgerlichen<br />

Partei aber<br />

präsentierte Kandidat<br />

– ein «Porno-Rocker»<br />

mit nackten Auftritten<br />

und Texten aus der untersten Schublade (Bote<br />

12./30.11.2010) – warf Fragen auf, weckte<br />

aber offenbar nur bei der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> Bedenken!<br />

Das Jahr wurde mit der den Voranschlag<br />

2011 beratenden Parteiversammlung<br />

vom 3. Dezember 2010 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige»<br />

abgeschlossen.<br />

Ein neuer Präsident, «Tischleindeck-dich»<br />

und eine Demonstration<br />

Pro Spital <strong>Einsiedeln</strong><br />

Das neue Jahr 2011 fing mit einer Einsprache der<br />

Partei gegen die Nutzungsplanrevision des <strong>Bezirk</strong>s<br />

<strong>Einsiedeln</strong> am 14. Februar 2011 an. Es ging<br />

um Ein- und Umzonungen <strong>im</strong> Schlapprig/Egg, kritisierte «Zonen<br />

für gehobenes Wohnen», ungenügende Best<strong>im</strong>mungen<br />

Eindrücklich war Demonstration der Einsiedlerinnen und Einsiedler<br />

am 30. Juni 2011 auf dem Hauptplatz in Schwyz! Mit nur<br />

vier St<strong>im</strong>men Differenz wurde das Spital dann vor allem dank<br />

den beiden Fraktionen <strong>SP</strong> und CVP <strong>im</strong> Kantonsrat gerettet.<br />

Sepp Oechslin, geb. 11. Juli 1963, ist in Bennau aufgewachsen und Vater von zwei Töchtern.<br />

Er machte eine Schreinerlehre und bildete sich auf seinem Beruf weiter. 2008 machte er sich mit der AVOR Oechslin GmbH<br />

selbständig.<br />

Sepp Oechslin war engagierter Tubist und langjähriger Aktuar der Feldmusik Bennau und deren OK-Präsident an der Neuuniformierung<br />

und Fahnenweihe 1998. 2002 amtete er als umsichtiger Festwirt an der Einsiedler Gewerbeausstellung. Von<br />

2003-2011 stand er der Jugendmusik <strong>Einsiedeln</strong> als Präsident vor.<br />

Seit 2003 war Sepp Oechslin in der Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, zunächst als Kassier (-2007), dann als Beisitzer und<br />

schliesslich als Präsident (2011-2012).<br />

Von 2004-2006 hatte er Einsitz <strong>im</strong> Schulrat, von 2010-2012 <strong>im</strong> Schwyzer Kantonsrat.<br />

2012 zog er nach Küssnacht. Sepp Oechslin verstarb am 15. Januar 2016.<br />

187


Die Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten 2012: V.l.n.r. Benno Kälin,<br />

Salome Besmer, Daniel Meienberg, Philipp Fanchini, Erika Weber, Franz-<br />

Josef Marty, Patricia Kälin, Sepp Oechslin (bisher), <strong>Patrick</strong> Notter (bisher)<br />

und Helen Küchler.<br />

Mini-Gewerbeschau der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> zum Thema erneuerbare Energien<br />

am 4. Februar 2012 <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige».<br />

188<br />

zu Erholungs- und Kinderspielplätzen sowie eine<br />

neue Materialabbau- und Ablagerungszone <strong>im</strong><br />

Landwirtschafts- und Schutzzonenplan.<br />

An der Generalversammlung vom 24. Februar<br />

2011 <strong>im</strong> Restaurant «Meinradsberg» löste Kantonsrat<br />

Sepp Oechslin das bisherige Co-Präsidium als neuer<br />

Präsident ab. Daniel Meienberg übernahm wieder<br />

das Amt des Parteiaktuars und <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong><br />

trat zurück. Im Anschluss an die Versammlung stellte<br />

Stefan Kälin sein Projekt «Tischlein-deck-dich» vor.<br />

Notdürftigen sollen für einen symbolischen Franken<br />

abgelaufene Nahrungsmittel abgegeben werden.<br />

«Also ein klassisches Anliegen unserer sozialdemokratischen<br />

Partei»!<br />

Im April 2011 wurde erstmals das Parteiarchiv gesichtet<br />

und geordnet. Und zwischenzeitlich komplett<br />

digitalisiert.<br />

Die Ankündigung der Schwyzer Regierung<br />

<strong>im</strong> Mai 2011, das Spital <strong>Einsiedeln</strong> von der kantonalen Spitalliste<br />

zu streichen, hatte für grosse Betroffenheit in der Region<br />

<strong>Einsiedeln</strong> gesorgt. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ergriff die Initiative<br />

und lud am 8. Juni 2011 zu einer Informationsveranstaltung<br />

ins Dorfzentrum <strong>Einsiedeln</strong>: «Spital <strong>Einsiedeln</strong> wie weiter?».<br />

Parteipräsident Sepp Oechslin führte souverän durch die<br />

Veranstaltung. Diese war von über 400 Interessierten besucht<br />

und ein voller Erfolg.<br />

Am 23. Oktober 2011 standen die Nationalratswahlen an.<br />

Diese beschäftigten die Parteileitung in der zweiten <strong>Jahre</strong>shälfte.<br />

Mit Kantonsrat <strong>Patrick</strong> Notter stellte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

auch wieder einen Kandidaten. Dieser war am 24. März 2011<br />

zusammen mit Andy Tschümperlin, Schwyz (bisher), Karin<br />

Schwiter, Lachen, und Verena Vanomsen, Freienbach, nominiert<br />

worden. Erklärtes Ziel war das Halten des Nationalratssitzes<br />

von Andy Tschümperlin. An der Wahl für die vier Sitze<br />

nahmen letztlich nicht weniger als 17 Listen teil! Mit entsprechenden<br />

Listenverbindungen erhofften sich die Parteien einen<br />

St<strong>im</strong>menzuwachs. So war die <strong>SP</strong>-Liste mit derjenigen der Evangelischen<br />

Volkspartei (EVP), der Jungsozialisten (Juso), der Grünen,<br />

den Listen «Frischer Wind» und «Atomfrei – Ja zu Sonne<br />

und Holz» sowie derjenigen des Gewerkschaftsbundes Kanton<br />

Schwyz verbunden. Diese Listenverbindung schaffte die Verteidigung<br />

des <strong>SP</strong>-Sitzes. Weit hinter der SVP war man st<strong>im</strong>menmässig<br />

auf Augenhöhe mit den Liberalen und der CVP.<br />

Ein unglaubliches Engagement der Partei,<br />

die <strong>SP</strong> fliegt aus der Regierung und ein neuer<br />

Präsident<br />

Die Generalversammlung vom 11. Januar 2012 wurde <strong>im</strong> Hotel<br />

«Sonne» durchgeführt. Der Mitgliederbestand der Partei<br />

war auf 83 angewachsen! Neu nahmen in der Parteileitung<br />

als Beisitzer Benno Kälin und Philipp Fanchini Platz. Im Anschluss<br />

an die ordentlichen Traktanden wurde<br />

die Nominationsversammlung für die Kantonsratswahlen<br />

vom 11. März 2012 abgehalten.<br />

Mit einer Standaktion auf dem Sennhofplatz<br />

am 28. Januar 2012 lancierten Philipp Fanchini,<br />

Benno Kälin und Daniel Meienberg die Initiative<br />

zur «Förderung von kostengünstigem Wohnraum»,<br />

die der <strong>Bezirk</strong>skanzlei am 22. Februar<br />

2012 eingereicht werden konnte. Zwar wurde sie<br />

vom <strong>Bezirk</strong>srat befürwortet, doch scheiterte sie<br />

letztlich an der Urne knapp.<br />

Und am 4. Februar 2012 fand die erste, ebenfalls<br />

von der Partei organisierte Mini-Gewerbeschau<br />

zum Thema erneuerbarer Energien <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» statt.<br />

Seit 2012 lief auch die Aktion «Tischlein-deckdich»,<br />

ein Engagement von Stefan Kälin, <strong>Patrick</strong>


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Konsternierte Gesichter am 11. März 2012 in der Wahlzentrale<br />

der Staatskanzlei <strong>im</strong> Kollegium Schwyz. V.l.n.r. alt Regierungsrat<br />

Armin Hüppin, Wahlkampfleiter <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> und<br />

Kandidat <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>.<br />

Notter und Michael Schweyer. Qualitativ einwandfreie Lebensmittel<br />

und Waren des täglichen Bedarfs wurden (und<br />

werden noch <strong>im</strong>mer) direkt an armutsbetroffene Menschen<br />

abgegeben. Einmal pro Woche kommen Personen, welche für<br />

diesen Zweck eine Bezugskarte erhalten haben, zur Ausgabestelle<br />

ins Waldstatt-Zentrum, wo sie sich mit Lebensmitteln<br />

eindecken können, um ihr Budget zu entlasten. Unter dem Patronat<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ist ein Helferteam von 25 Personen<br />

dafür besorgt, dass übers Jahr die rund 12 t Lebensmittel reibungslos<br />

an etwa 70 armutsbetroffenen Personen abgegeben<br />

werden. Das war und ist echte Basisarbeit nach dem Motto:<br />

«Nüd nur lafere, sondern au liefere!» Auch in <strong>Einsiedeln</strong> existiert<br />

Armut (EA 10.2.2017).<br />

Mit <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, alt Kantonsratspräsident, hatte<br />

der Parteitag der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz am 13. Januar 2012 in<br />

Goldau auch erstmals einen Einsiedler Sozialdemokraten für<br />

die Regierungsratswahlen nominiert. Armin Hüppin war zurückgetreten.<br />

Die Ausgangslage war indessen nicht glücklich.<br />

189<br />

Neun Kandidaten – sechs bisherige und drei neue – buhlten<br />

um die sieben Sitze. Während die FDP ihre zwei Sitze halten<br />

wollte, drängte die SVP auf einen Sitzgewinn und die CVP<br />

auf Rückeroberung eines Sitzes. Jede Partei ging damit allein<br />

in die Wahlen. Während die drei anderen Parteien Bisherige<br />

als Zugpferde auf der Liste hatten, bestand die <strong>SP</strong>-Wahlliste<br />

aus dem einzigen, neuen Kandidaten. Der Glaube, dass das<br />

Volk die gewohnte Konkordanz in der Regierung wolle, war<br />

ein Trugschluss und eine Wahl letztlich chancenlos. <strong>Patrick</strong><br />

<strong>Schönbächler</strong> – wie auch der neue CVP-Kandidat – übertrafen<br />

zwar das absolute Mehr, schieden aber als Überzählige aus.<br />

Das seit 1943 innegehabte<br />

Stefan Kälin, geb. 15. Februar 1968, aufgewachsen und<br />

wohnhaft in Gross, verheiratet mit Marlene Kälin-Doswald,<br />

Vater eines Sohnes.<br />

Nach elf <strong>Jahre</strong>n Pr<strong>im</strong>arlehrer, Weiterbildung zum Berufsschullehrer<br />

für Allgemeinbildung, unterrichtet seit 2000 am<br />

Berufsbildungszentrum Pfäffikon.<br />

War stets initiativ und engagiert in diversen Vereinen. Er startete<br />

für die <strong>SP</strong>-<strong>Einsiedeln</strong> in der Hallenbadkommission, ist seit<br />

2010 in der Parteileitung und seit 2012 als <strong>Bezirk</strong>srat tätig.<br />

Er ist Initiant und strategischer Denker diverser lokaler und<br />

kantonaler Projekte, u.a. «Tischlein-deck-dich», Solargenossenschaft<br />

G3E, Veloparkierung Dorfkern, Energiestadt <strong>Einsiedeln</strong>,<br />

Erhöhung Steuereintrittsschwelle. Stefan Kälin ist<br />

begeisterter Sportler und spielt Trompete, bspw. in der Let’s<br />

go Bigband.<br />

Benno Kälin, geb. 6.<br />

November 1968, aufgewachsen<br />

in <strong>Einsiedeln</strong><br />

(vom «Sennhof») und<br />

verheiratet mit Sonja<br />

Kälin, zwei Töchter. Zusammen<br />

führen sie die<br />

Papeterie Kälin an der<br />

Hauptstrasse.<br />

Nach der Schule Ausbildung<br />

zum uniformierten<br />

Postbeamten. Aktuell<br />

ist er Teamleiter Zustellung<br />

Post <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

Benno Kälin war von<br />

2015-2017 Präsident<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>. Seit<br />

2011 sitzt er für die Partei in der Infrastrukturkommission<br />

des <strong>Bezirk</strong>s.<br />

In seiner Freizeit ist er passionierter Tennisspieler und war<br />

von 1999-2011 Captain einer Tennismannschaft.<br />

Regierungsratsmandat der<br />

<strong>SP</strong> ging damit verloren und<br />

die <strong>SP</strong> flog nach 68 <strong>Jahre</strong>n<br />

aus der Regierung!<br />

Erfolg feierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

hingegen bei den<br />

Kantonsratswahlen. Ein<br />

sehr gutes Team, eine breit<br />

abgestützte Programmatik<br />

sowie diverse erfolgreiche<br />

und innovative Vorstösse<br />

und Initiativen (Ortsbus,<br />

«Tischlein-deck-dich», Kinderbetreuung,<br />

offene Jugendarbeit,<br />

Förderung von<br />

kostengünstigem Wohn-


Punkto Arbeitsstandort und Arbeitsbeschaffung darf der<br />

Zuzug der Leuthold Mechanik AG HLM von Heinz Leuthold<br />

in den sanierten Produktionsräumlichkeiten der früheren<br />

Möbelfabrik Zehnder AG, Zürichstrasse, als Glücksfall für<br />

<strong>Einsiedeln</strong> bezeichnet werden. Seit 2012 produziert HLM<br />

nun mit rund 90 Beschäftigten am Standort <strong>Einsiedeln</strong> für<br />

Kunden aus der ganzen Welt Spezialteile für die Maschinenund<br />

Aluminiumverpackungsindustrie.<br />

Abzocker, Jugendkonzept und Wohnraum<br />

sowie starkes Mitgliederwachstum<br />

Die Generalversammlung vom 8. Februar 2013 war von 30<br />

Mitgliedern gut besucht. Zum Auftakt des Abends referierte<br />

Thomas Zehnder, Präsident der Genossenschaft Gerbe über<br />

den geplanten Ausbau des Alters- und Pflegehe<strong>im</strong>s Gerbe.<br />

Die Partei beschloss die Ja-Parole zu einem <strong>Bezirk</strong>sbeitrag<br />

und auch zur vorgesehenen Photovoltaik-Anlage auf dem<br />

Schulhaus Euthal. In Bezug auf die Mutationen konnte eine<br />

raum <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und Mini-Gewerbeausstellung<br />

für erneuerbare Energien) verhalfen der Partei<br />

zu einem noch nie dagewesenen Hoch. Erstmals<br />

überschritt die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> die 20 Prozentmarke<br />

und konnte einen Wähleranteil von 22.3% erzielen!<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war zur drittstärksten politischen<br />

Kraft <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> geworden und hatte die<br />

rote Laterne an die FDP abgegeben. Gewählt wurden<br />

die bisherigen Kantonsräte <strong>Patrick</strong> Notter und<br />

Sepp Oechslin. Ersterer machte mit 1‘941 St<strong>im</strong>men<br />

das drittbeste Resultat aller Kandidaten.<br />

Aus gesundheitlichen Gründen musste Sepp Oechslin<br />

dann aber auf den Amtsantritt verzichten, sodass die<br />

Drittplatzierte, <strong>Bezirk</strong>srätin Erika Weber in den Kantonsrat<br />

einzog. Auch das Parteipräsidium gab Sepp<br />

Oechslin ab und wurde ad inter<strong>im</strong> von Stefan Kälin<br />

übernommen.<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 29. April 2012 verliefen in<br />

ruhigen Bahnen. Das ganze <strong>Bezirk</strong>sratsbüro, mit Ausnahme<br />

des Landschreibers, wurde neu bestellt. Für die<br />

zurückgetretene Erika Weber portierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

erneut Stefan Kälin, Gross. Der <strong>SP</strong>-Sitz war unbestritten<br />

und Stefan Kälin wurde mit sehr gutem Resultat zum <strong>Bezirk</strong>srat<br />

gewählt. Ebenfalls eine sehr gute Wahl erfuhren Yvonne<br />

Steiner (neues RPK-Mitglied der <strong>SP</strong>), Christian Iten (<strong>Bezirk</strong>srichter)<br />

und Jeannette Schuler Ponte (Vermittler-Stellvertreterin).<br />

Bei der Konstituierung der <strong>Bezirk</strong>sbehörden übernahm Stefan<br />

Kälin das Ressort Bau und Umwelt und war stellvertretender Ressortchef<br />

Planung und Gewässer. In den Kommissionen nahm an<br />

Stelle von Erich Meier neu Claudia Schönbächer in der Einbürgerungskommission<br />

1 Einsitz, Brigitte Durrer neu in der Kommission<br />

Liegenschaften Sport Freizeit, Benno Kälin in der Infrastrukturkommission<br />

und Meiri Gyr in der Etzelwerkkommission. Die übrigen<br />

Chargen blieben unverändert.<br />

Die kantonale 1. Mai-Feier 2012 fand – fast standesgemäss, ist<br />

man versucht zu sagen – in <strong>Einsiedeln</strong> statt. Im Restaurant «Klostergarten»<br />

hielt Alex Granato, Sekretär Unia Schwyz/Uri die Rede.<br />

Anlässlich der Parteiversammlung vom 25. Mai 2012 <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» wurde nicht nur Rückblick auf die erfolgreichen<br />

Wahlen gehalten, sondern konnte mit Benno Kälin auch das verwaiste<br />

Präsidentenamt wieder besetzt werden.<br />

Standaktion mit der Juso Kt. Schwyz vom 16. März 2013 in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

«Taste the Waste» und die Abzocker-Initiative «1:12 – für gerechte<br />

Löhne» standen <strong>im</strong> Zentrum.<br />

190<br />

zweistellige (!) Zahl an Neumitgliedern verzeichnet werden.<br />

In der Parteileitung nahm an Stelle des aus beruflichen Gründen<br />

zurückgetretenen Philipp Fanchini neu Irina Bilyavska Camenzind<br />

Einsitz.<br />

Am 18. Mai 2013 organisierte die Partei vor dem Dorfzentrum<br />

einen Anlass zum Jugendkonzept, an dem die Einsiedler<br />

Jugend sich und ihre Hobbies vorstellte. An der Parteiversammlung<br />

vom 3. Mai 2013 wurde für die am 9. Juni 2013<br />

zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden Vorlagen «Reglement über die<br />

Jugendarbeit des <strong>Bezirk</strong>s <strong>Einsiedeln</strong>» und die <strong>SP</strong>-Initiative<br />

«Förderung von kostengünstigem Wohnraum <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>»<br />

die Ja-Parole gefasst. Beide Vorlagen wurden – unverständlicherweise<br />

– knapp abgelehnt. Viel Engagement und<br />

Arbeit für nichts! Oder fand doch eine Sensibilisierung statt?<br />

Die Abzocker-Initiative der Juso wurde an der Parteiversammlung<br />

vom 3. September 2013 vorgestellt.<br />

Die Parteileitung befasste sich stark mit organisatorischen<br />

Fragen, stand in regelmässigem Kontakt und Ausausch mit


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> 2014. V.l.n.r. <strong>Patrick</strong> Notter,<br />

Präsident, Jeannette Schuler Ponte, Beisitzerin, Yvonne Steiner,<br />

Aktuarin, Erika Weber, Vizepräsidentin, Johannes Borner, Kassier<br />

und Irina Bilyavska Camenzind, Beisitzerin.<br />

Am 23. Januar 2014 fand die ordentliche Generalversammlung<br />

<strong>im</strong> Restaurant «Sihlsee» statt. Parteipräsident Benno Kälin<br />

musste aus beruflichen Gründen kürzer treten und auch<br />

Daniel Meienberg gab sein Amt infolge Wegzugs ab. Das<br />

Parteipräsidium übernahm neu Kantonsrat <strong>Patrick</strong> Notter,<br />

das Aktuarenamt neu Yvonne Steiner und zum neuen Kassier<br />

best<strong>im</strong>mt wurde Johannes Borner. Der Mitgliederbestand der<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> lag bei 99! Alt <strong>SP</strong>-<strong>Bezirk</strong>srat Josef <strong>Schönbächler</strong><br />

warb als Mit-Initiant für das Einsiedlerhof-Projekt und CVP-<br />

<strong>Bezirk</strong>srat Hanspeter Egli orientierte die Anwesenden über<br />

die Nutzungplanung <strong>Einsiedeln</strong>. «<strong>Einsiedeln</strong> wächst viel zu<br />

schnell und investiert zu wenig in die Infrastruktur», war der<br />

Tenor der Partei (EA 28.1.2014).<br />

Der Umstand, dass die FDP <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Februar 2014<br />

per Inserat (!) auf Mitgliedersuche ging, bewog den «Einsiedler<br />

Anzeiger» zu einer interessanten Bestandesaufnahme<br />

bei den vier Einsiedler Ortsparteien: «Parteien gehts<br />

nicht anders als Vereinen» (EA 21.2.2014). Parteipräsident <strong>Patrick</strong><br />

Notter liess sich zitieren mit den Worten: «Für spezielle<br />

Aufgaben lassen sich Leute mobilisieren. Aber es ist schwierig,<br />

jemanden für ein exponiertes Amt zu finden.»<br />

Anstelle von Irina Bilyavska Camenzind nahm ab März<br />

2014 deren Ehemann Franz Camenzind als Beisitzer an den<br />

Parteileitungssitzungen teil. Vorbereitet wurde die Zukunftswerkstatt<br />

der Partei, die am 15. November 2014 stattfand.<br />

An der Parteiversammlung am 31. März 2014 <strong>im</strong><br />

«Sihlsee» durfte <strong>Bezirk</strong>srat Stefan Kälin mit berechtigtem<br />

Stolz von der «Energiestadt <strong>Einsiedeln</strong>» und<br />

der vorgesehenen, öffentlichen Label-Übergabe<br />

am 4. Juni 2014 berichten (an diesem Tag machte<br />

auch die E-Mobil-Rallye «Wave» in <strong>Einsiedeln</strong> Halt).<br />

<strong>Patrick</strong> Notter und Johannes Borner präsentierten sodann<br />

die beiden Zwillings-Initiativen, welche von der<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> am kantonalen Parteitag eingereicht<br />

worden waren. Mit der ersten soll die Steuereintrittsgrenze<br />

angehoben werden, denn <strong>im</strong> Kanton Schwyz<br />

waren bereits ab einem <strong>Jahre</strong>sbruttoeinkommen von<br />

Fr. 4‘681.— Steuern zu entrichten, was schweizweit<br />

den tiefsten Wert bedeutete. Mit der zweiten Initiative<br />

zur massvollen Dividendenbesteuerung sollen dort<br />

Mehrerträge generiert werden, wo die grössten Steuergeschenke<br />

gemacht werden. Der Abzug von 75%<br />

den Kommissionsmitgliedern und gleiste die Diskussion<br />

um das künftige <strong>SP</strong>-Positionspapier auf. In der Parteileitung<br />

stand ein erneuter Umbruch an. Die Aktivitäten hatten Energie<br />

gekostet!<br />

Präsidentenwechsel, «nüd ganz <strong>100</strong>»<br />

und Lancierung von zwei kantonalen<br />

Steuer-Initiativen<br />

Der neue und der alte Präsident der <strong>SP</strong> Kanton Schwyz. Markus<br />

Urech aus <strong>Einsiedeln</strong> (links) und Martin Reichlin, Brunnen,<br />

am 5. April 2014 (Bote 7.4.2014, Foto Ruggero Vercellone).<br />

Markus Urech wohnte seit zwei <strong>Jahre</strong>n in <strong>Einsiedeln</strong>, wo er<br />

an der Stiftsschule Mathematik unterrichtete. Er war früher<br />

während <strong>Jahre</strong>n <strong>SP</strong>-Sektionspräsident in Rorschach.<br />

Beruflich zog es ihn 2015 wieder in die Ostschweiz, weshalb<br />

er das Präsidium nach einem Jahr bereits wieder abgab (Bote<br />

19.5.2015).<br />

Markus Urech verstarb am 25. Dezember 2017.<br />

auf den Dividenden geht zu Lasten der Ärmsten und des<br />

Mittelstandes.<br />

Die Parteiversammlung am 25. April 2014 <strong>im</strong> Hotel «Drei<br />

Könige» sah ein Novum: den frischgebackenen Einsiedler <strong>SP</strong>-<br />

Kantonalpräsidenten Markus Urech! Er wohnte seit kurzem in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> und war früher Sektionspräsident in Rorschach.<br />

Traktandiert waren zum einen das neue Initiativbegehren Ein-<br />

191


Unterschriftensammlung für die beiden Steuer-Initiativen der <strong>SP</strong> Kanton<br />

Schwyz am 23. August 2014 in <strong>Einsiedeln</strong>. Innert vier Stunden wurden 300<br />

Unterschriften gesammelt (EA 29.8.2014)! V.l.n.r. Paul Furrer (Kantonsrat,<br />

Schwyz), Markus Urech (Kantonalpräsident), Johannes Borner (<strong>SP</strong>E), <strong>Patrick</strong><br />

Notter (<strong>SP</strong>E, Kantonsrat), Luka Markic (Kantonsrat, Freienbach), Elias Studer<br />

(Präsident Juso, Schwyz), Leo Camenzind (Kantonsrat, Brunnen), Damian<br />

Stocker (Gemeinderat, Feusisberg) und Verena Vanomsen (alt Kantonsrätin,<br />

Freienbach).<br />

siedlerhof, welches kontradiktorisch behandelt wurde, und<br />

die Vorstellung der zwei neuen <strong>Bezirk</strong>sratskandidaten: auf<br />

der einen Seite der SVP-Mann, auf der anderen die Präsidentin<br />

der kantonalen Gleichstellungskommission, Doris Beeler.<br />

Obwohl die Partei der Meinung war, dass eine Frau in den<br />

<strong>Bezirk</strong>srat gehört, gab sie keine offizielle Wahlempfehlung ab.<br />

Die <strong>SP</strong> liebäugelte ihrerseits mit einem künftigen Sitzgewinn,<br />

auf welchen sie – gemessen an ihrem Wähleranteil – auch<br />

Anspruch hatte.<br />

Gegen die gemeinsame Liste der vier Ortsparteien hatte<br />

Doris Beeler am 18. Mai 2014 keine Chance. Die zur Wahl stehende<br />

<strong>SP</strong>-Kandidatin für die Rechnungsprüfungskommission,<br />

Yvonne Steiner, wurde <strong>im</strong> Amt bestätigt, und alle Parteien<br />

konnten ihren Besitzstand wahren.<br />

Die Kommissionsbestellungen <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong> erfuhren aus<br />

Sicht der <strong>SP</strong> folgende Veränderungen: Markus Weber nahm<br />

Einsitz in die Kommission Volkswirtschaft und Sicherheit, <strong>Patrick</strong><br />

Ruhstaller in die Bau- und Umweltbehörde und Edgar<br />

Steinauer in die Energiekommission.<br />

Im Juli 2014 trat in <strong>Einsiedeln</strong> neu auch die Grünliberale<br />

Partei in Erscheinung.<br />

Das erste Halbjahr 2014 war beherrscht von zwei eidgenössischen<br />

Abst<strong>im</strong>mungsvorlagen, der Masseneinwanderungsinitiative<br />

der SVP, die am 9. Februar 2014 vom Schweizervolk<br />

angenommen wurde, und der Beschaffung des<br />

Gripen-Kampfflugzeuges für die Schweizer Luftwaffe, welche<br />

192<br />

am 18. Mai 2014 eine Abfuhr erlitt.<br />

An der Parteiversammlung vom 5. September<br />

2014 <strong>im</strong> Restaurant «Sihlsee» wurde die Ja-<br />

Parole zur Kreditvorlage Klosterplatz, ein Jahrhundertwerk,<br />

gefasst.<br />

Unter der Moderation von Nationalrat Andy<br />

Tschümperlin fand am 15. November 2014 die<br />

ganztägige Zukunftswerkstatt der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>im</strong> Hotel «Allegro» statt. Ziel war die Verabschiedung<br />

eines neuen Positionspapieres für das<br />

kommende Frühjahr. Diskutierte Themenkreise<br />

waren Verkehr, Energie, Bildung, Kultur/Freizeit/Sport,<br />

Wirtschaft und Alter. Aber man war<br />

sich bewusst: «Wir werden an Taten und nicht<br />

an Worten gemessen.» (EA 18.11.2014).<br />

Die Parteiversammlung vom 26. November<br />

2014 <strong>im</strong> «Meinradsberg» begann Parteipräsident<br />

<strong>Patrick</strong> Notter <strong>im</strong> Hinblick auf das Wahljahr<br />

2015 mit den Worten, es herrsche Ruhe<br />

vor dem Sturm. Wie recht er hatte, sollte sich<br />

noch zeigen. Nach der Ablehnung des Jugendkonzepts<br />

wurde erfreulicherweise der Verein<br />

Jugendförderung gegründet. Dieser wurde den<br />

Anwesenden vorgestellt. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war<br />

von Anfang an Mitglied. Säckelmeister Philipp<br />

Fink stellte den Parte<strong>im</strong>itgliedern den Voranschlag<br />

2015 vor (EA 5.12.2014).<br />

Ein neuer Präsident, «James Bond» als<br />

<strong>Bezirk</strong>srat, ein Positionspapier und<br />

der Verlust des Nationalratssitzes<br />

Das Jahr 2015 begann turbulent. Aufgrund des ausserterminlichen<br />

Rücktritts von SVP-<strong>Bezirk</strong>srat Markus Heinrich wurde<br />

eine Ersatzwahl nötig, die auf den 8. März 2015 festgelegt<br />

wurde. Die SVP hielt an ihrem Sitzanspruch fest und portierte<br />

Martin Thoma als Nachfolger (EA 9.1.2015). Die <strong>SP</strong> führte am<br />

11. Januar 2015 eine ausserordentliche Nominationsversammlung<br />

<strong>im</strong> Bistro Tulipan durch und schlug ihrerseits Kantonsrat<br />

und Parteipräsident <strong>Patrick</strong> Notter vor (EA 13.1.2015). Es kam<br />

zum spannenden Showdown der beiden politischen Pole in<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, welche der «Einsiedler Anzeiger» dankbar aufgriff<br />

(EA 13.2.2015)!<br />

Die Generalversammlung vom 29. Januar 2015 <strong>im</strong> Kaffee<br />

Indigo («St. Georg») brachte erneut Änderungen in der Parteileitung.<br />

Neu übernahm Johannes Borner das Parteipräsidium,<br />

<strong>Patrick</strong> Notter wurde Vizepräsident, Franz Camenzind<br />

versah den Posten des Aktuars und Denise Oechslin (Tochter<br />

von alt Präsident Sepp Oechslin) die Kassenführung. Die übrige<br />

Parteileitung (Beisitzer), vorab bestehend aus Kommissions-<br />

und Behördenmitgliedern, blieb unverändert. Ehrungen<br />

erfuhren <strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> für sein Engagement als Stif-


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Parteileitung der <strong>SP</strong> 2015: v.l.n.r. Kantonsrat <strong>Patrick</strong> Notter, Vizepräsident,<br />

Yvonne Steiner und Andrea Fässler, Beisitzerinnen, Denise Oechslin, Kassierin,<br />

Johannes Borner, Präsident, Kantonsrätin und Nationalratskandidatin Erika<br />

Weber und <strong>Bezirk</strong>srat Stefan Kälin. Es fehlen Franz Camenzind, Aktuar, und<br />

Jeannette Schuler Ponte, Beisitzerin.<br />

Und die SVP und deren Kandidat patzten. Der<br />

«Einsiedler Anzeiger» wollten den beiden Kandidaten<br />

noch einmal auf den Zahn fühlen und ein<br />

Wahlpodium organisieren. An keinem der sechs<br />

(!) vorgeschlagenen Abenden wollte es dem SVP-<br />

Kandidaten passen und das Wahlpodium musste<br />

abgesagt werden (EA 31.3.2015). Die interessierte<br />

Bürgerschaft war darob etwas irritiert, was sich<br />

in Leserbriefen niederschlug (EA 2./8.4.2015).<br />

Ein Kandidat, der keine Zeit hat und sich zierte?<br />

– Die Wahlquittung kam prompt. Mit einem «Erdrutschsieg»<br />

distanzierte <strong>Patrick</strong> Notter seinen Konkurrenten<br />

um 574 St<strong>im</strong>men (EA 28.4.2015). Die<br />

<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> hatte wieder ihren zweiten Sitz <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>srat!<br />

tungsrat des Spitals <strong>Einsiedeln</strong> (er leitete<br />

den am 1. Oktober 2014 eingeweihten Erweiterungsbau)<br />

und <strong>Bezirk</strong>srat Stefan Kälin<br />

für seinen unermüdlichen Einsatz für die<br />

«Energiestadt» <strong>Einsiedeln</strong> (EA 3.2.2015). Anschliessend<br />

nominierte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> als<br />

grösste Ortssektion <strong>im</strong> Kanton Schwyz alt<br />

<strong>Bezirk</strong>srätin und Kantonsrätin Erika Weber<br />

als Kandidatin für die Nationalratswahlen.<br />

Die Ersatzwahl in den <strong>Bezirk</strong>srat am<br />

8. März 2015 endete überraschenderweise in<br />

einem Patt. Die FDP hatte sich für den SVP-<br />

Kandidaten ausgesprochen (EA 3.3.2015),<br />

die CVP hatte keine Wahlempfehlung abgegeben<br />

(EA 10.2.2015). Die siegesbewusste<br />

SVP vertraute auf ihren grossen Wähleranteil<br />

und wähnte sich durch die FDP unterstützt.<br />

Keiner der beiden Kandidaten erreichte<br />

am Wahlsonntag aber das absolute Mehr.<br />

Der SVP-Kandidat verpasste dieses jedoch<br />

um nur 16 St<strong>im</strong>men (EA 10./13.3.2015). Es musste ein zweiter<br />

Wahlgang am 26. April 2015 her.<br />

Der Wahlkampf von <strong>Patrick</strong> Notter hatte es übrigens sogar<br />

in die Ausgabe der Boulevardzeitung «Blick» vom 28. April<br />

2015 geschafft: «In James-Bond-Manier zum Wahlsieg», in An-<br />

Johannes Borner, geb. 21. Juli<br />

1963, aufgewachsen in Hägendorf/SO,<br />

mit Monika Borner-Junker<br />

verheiratet. Vater<br />

von 4 Söhnen und einer Tochter.<br />

Wirtschaftsmatura in Olten,<br />

anschliessend Studium in französischer<br />

Literatur, Geschichte<br />

und Medienwissenschaften an<br />

der Uni Bern. Berufsbegleitendes<br />

Zusatzstudium in Nationalökonomie<br />

und Politologie.<br />

Tätigkeit als unabhängiger<br />

Journalist, in der Unternehmenskommunikation<br />

und als<br />

Aktienanalyst von diversen<br />

Firmen <strong>im</strong> In- und Ausland, aktuell<br />

unabhängiger Vermögensverwalter in Pfäffikon/SZ für Schweizer<br />

Pensionskassen. Seit 2015 Präsident der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> und seit<br />

2016 für die <strong>SP</strong> <strong>im</strong> Bankrat der Schwyzer Kantonalbank.<br />

Vorstandstätigkeit in verschiedenen OL-Vereinen, 1995–1999<br />

Oeffentlichkeitsarbeit bei Swiss Orienteering. Musikalisch aktiv,<br />

insbesondere be<strong>im</strong> Orchesterverein <strong>Einsiedeln</strong>, seit 2018 dessen<br />

Präsident.<br />

193


Die Vereidigung des neuen <strong>Bezirk</strong>srates und der sofortige Amtsantritt<br />

beendeten die sechsmonatige Vakanz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat. <strong>Patrick</strong> Notter<br />

übernahm das Ressort Volkswirtschaft und Sicherheit (EA 16.5.2016).<br />

V.l.n.r. Sonja Kälin, <strong>Bezirk</strong>srat <strong>Patrick</strong> Notter, <strong>Bezirk</strong>sweibel Bruno Kälin und<br />

<strong>Bezirk</strong>sammann Hermann Betschart.<br />

lehnung an den von seinen Kindern gedrehten Werbespot mit<br />

ihm als robbenden <strong>Bezirk</strong>sratskandidaten!<br />

An der Versammlung vom 2. Juni 2015 verabschiedete<br />

die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Hotel «Drei Könige» ihr neues<br />

Positionspapier.<br />

Das zweite Halbjahr 2015 war geprägt von den Nationalratswahlen<br />

vom 18. Oktober 2015. Kantonsrätin Erika Weber<br />

kandidierte zusammen mit Andy Tschümperlin (bisher),<br />

Schwyz, Kantonsrätin Karin Schwiter, Lachen, und Kantonsrat<br />

Luka Markic, Freienbach.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> – und mit ihr Kandidatin Erika Weber –<br />

waren aktiv. Sei dies mit dem Besuch der Arena<br />

des Schweizer Fernsehens (EA 7.7.2015) oder<br />

dem Freiwilligeneinsatz <strong>im</strong> Altershe<strong>im</strong> Langrüti<br />

am 10. Oktober 2015.<br />

Der Einsatz zahlte sich nicht aus. Die <strong>SP</strong><br />

Kanton Schwyz verlor die Wahlen und ihren Nationalratssitz<br />

mit einem Wähleranteil von bloss<br />

17.3% deutlich, trotz dem Listenverbund mit<br />

den Jungsozialisten (Juso), den Grünliberalen<br />

(glp), den Jungen Grünliberalen (jglp) und den<br />

Grünen. Der Sitz ging an die SVP, welche mit<br />

einem Wähleranteil von 42% ihr zweites Mandat<br />

holte. Die SVP stellte damit neu vier von sechs<br />

eidgenössischen Vertretern in Bern und war<br />

bzw. ist damit krass übervertreten. Es war ein<br />

bitterer Moment nicht nur für die Partei (insbesondere<br />

nach dem Verlust des Regierungsratssitzes<br />

2012), sondern auch für Nationalrat Andy<br />

Tschümperlin, dem <strong>SP</strong>-Fraktionschef <strong>im</strong> Parlament.<br />

War ihm dies – nebst dem Höhenflug der<br />

SVP – zum Verhängnis geworden?<br />

Die Luft war nachher etwas draussen. Die Parteiversammlung<br />

vom 28. September 2015 <strong>im</strong> Bistro Tulipan befürwortete sowohl<br />

das «Reglement über den Bezug von Betreuungsgutscheinen<br />

für familienergänzende Kinderbetreuung <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong>» als auch den Baukredit für die Sanierung und Umgestaltung<br />

des Dorfplatzes und der unteren Hauptstrasse (EA<br />

2.10.2015). Beide wurden in der Abst<strong>im</strong>mung vom 28. Februar<br />

2016 aber knapp abgelehnt.<br />

An der Parteiversammlung vom 25. November 2015 <strong>im</strong><br />

Hotel «Bären» wurde der Gotthardstall-Initiative (Baulandabtretung<br />

für die Stiftung «Phönix») zugest<strong>im</strong>mt.<br />

Der «doppelte Pukelshe<strong>im</strong>er» und<br />

erfolgreiche Kantonsratswahlen 2016<br />

Die Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> 2016:<br />

v.l.n.r. Franz Camenzind, Erika Weber (bisher), Daniel Reichmuth, Moritz<br />

Kälin, Antoine Chaix, Katja Lacher-<strong>Schönbächler</strong>, Stefan Knobel, Yvonne<br />

Steiner und Esther Hegner.<br />

Am 11. Januar 2016 nominierte die Partei <strong>im</strong> Hotel<br />

«Drei Könige» die Kandidatinnen und Kandidaten<br />

für die Kantonsratswahlen vom 20. März<br />

2016 und beschloss – knapp – die Ja-Parole zum<br />

Baurechtsvertrag Einsiedlerhof (EA 15.1.2016).<br />

In einer Auflage von 7‘000 Ex. erschien<br />

auch diesmal wieder «Dr rout Rab» als Wahlzeitung<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>. In <strong>Einsiedeln</strong> buhlten<br />

nicht weniger als sechs Listen mit 46 Kandidierenden<br />

(neu mit den Grünliberalen/glp und<br />

der Evangelischen Volkspartei/EVP) um die<br />

dem <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> noch zustehenden neun<br />

Sitze (EA 15.1.2016, EA 2.2.2016).<br />

Der Wahlsonntag präsentierte schliesslich<br />

eine neue Zusammensetzung der Einsiedler<br />

Delegation in den Schwyzer Kantonsrat: die<br />

194


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Kantonsratswahlen 2016 fanden unter ganz neuen<br />

Voraussetzungen statt. Erstmals wurden diese Wahlen<br />

nach dem Verfahren des «doppelten Pukelshe<strong>im</strong>» durchgeführt.<br />

Die SVP war entschieden gegen dieses System,<br />

weil davon kleine Parteien profitieren. Ironischerweise<br />

war genau diese Partei zusammen mit <strong>SP</strong>, kfs und den<br />

Liberalen noch 1987 für ein ähnliches System gewesen.<br />

Damals war die SVP-Fraktion vier Mann stark, die CVP-<br />

Fraktion hatte 55 Mitglieder.<br />

Das doppeltproportionale Zuteilungsverfahren belässt zwar<br />

jeder Gemeinde ihre Anzahl Kantonsratssitze, errechnet aber<br />

neu die gesamtkantonalen Wähleranteile der Parteien und<br />

verteilt sie anschliessend wieder an die Parteien. Das heisst,<br />

es gehen keine St<strong>im</strong>men mehr verloren. Für die Parteien gilt<br />

deshalb, dass sie in jeder Gemeinde eine Liste einreichen<br />

muss, wenn sie einen möglichst grossen gesamtkantonalen<br />

Wähleranteil erreichen will. Dieses System hat eine ganz besondere,<br />

zusätzliche Dynamik <strong>im</strong> Kanton Schwyz, weil hier<br />

insgesamt dreizehn Einerwahlkreise existieren. Gemeinden<br />

also, welchen nur ein Kantonsratsmandat zugeteilt ist. Im<br />

Kanton Schwyz ist es üblich, dass diese Einerwahlkreise<br />

mit bürgerlichen Politikern besetzt sind. Die <strong>SP</strong> hatte da<br />

(mit wenigen Ausnahmen) meistens keine Chance. Früher<br />

waren diese Gemeinden Hochburgen der Katholisch-Konservativen<br />

und der CVP, heute werden sie zunehmend von<br />

Politikern der SVP gehalten. Da die Einvernahme dieser<br />

Einerwahlkreise durch eine dieser bürgerlichen Parteien zu<br />

überproportionalen Sitzgewinnen führen würde, gleicht das<br />

der kantonale Proporz aus. Die Folge ist, dass diese Partei<br />

Mandate in den grossen Gemeinden verliert.<br />

Wahlfeier am 20. März 2016 <strong>im</strong> «Klostergarten». Ein<br />

zufriedener Parteipräsident mit den beiden Gewählten<br />

Antoine Chaix und Erika Weber.<br />

Antoine Chaix, geb.<br />

5. September 1964,<br />

verheiratet mit Nicole<br />

Chaix und Vater von<br />

zwei Kindern.<br />

Nach dem Medizinstudium<br />

Tätigkeit für<br />

«Ärzte ohne Grenzen»<br />

und deren Vorstandsmitglied<br />

von 2004-<br />

2011, davon drei <strong>Jahre</strong><br />

als Vizepräsident. Er<br />

führt mit seiner Frau<br />

eine Hausarztpraxis<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> und in<br />

Glovelier/JU.<br />

In der Freizeit widmet<br />

er sich dem Pferdesport und mit Leidenschaft auch der<br />

Malerei. Seit 2016 ist er Kantonsrat.<br />

vier traditionellen Ortsparteien erzielten neu je zwei Sitze<br />

und ein Sitz ging – dank dem neuen Wahlverfahren und<br />

zu Lasten der SVP – an die Grünliberalen. Neben der bisherigen<br />

<strong>SP</strong>-Kantonsrätin Erika Weber schaffte den Sprung<br />

nach Schwyz auch Antoine Chaix. Infolge des neuen Wahlverfahrens<br />

konnten <strong>SP</strong>/Grüne <strong>im</strong> Kanton Schwyz fünf und<br />

die glp zwei Sitzgewinne <strong>im</strong> Kantonsrat verbuchen.<br />

Für die gleichzeitig stattfindenden Regierungsratswahlen<br />

hatten die sozialdemokratische und die Kantonalpartei<br />

der Grünen <strong>SP</strong>-Kantonsrat und Fraktionschef Paul Furrer,<br />

Schwyz, und die Grüne Birgitta Michel Thenen, Rickenbach,<br />

nominiert. Hier gingen fünf Listen mit 11 Kandidierenden<br />

ein (EA 15.1.2016). Bei den Regierungsratswahlen blieb die<br />

vereinigte Linke jedoch chancenlos gegen das «Päckli» von<br />

FDP/SVP und CVP (Bote 21.3.2016).<br />

2016 war wieder ein Wahljahr! – Kaum waren die eidgenössischen<br />

und kantonalen Wahlen vorbei, hatte die Partei<br />

die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 1. Mai 2016 vorzubereiten. Die Partei<br />

nominierte am 23. März 2016 ihren bisherigen Vertreter <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>srat, Stefan Kälin, und für die RPK neu den Juristen<br />

Marco Kälin. Die Ausgangslage war für beide sehr gut. Sowohl<br />

die CVP als auch die FDP nahmen die beiden auf ihre<br />

Liste. Um den freien <strong>Bezirk</strong>sratssitz buhlten aber die CVP<br />

mit Bernadette Deuber und die SVP mit Christoph Bingisser<br />

(EA 19.4.2016). Die Parteiversammlung lud diese sowie den<br />

neuen SVP-Kandidaten für die RPK am 14. April 2016 zu einer<br />

Vorstellung ein (EA 19.4.2016). Und der «Einsiedler Anzeiger»<br />

organisierte ein Wahlpodium, an dem diesmal alle<br />

Kandidierenden teilnahmen (EA 15.4.2016). Das Wahlergebnis<br />

fiel am 1. Mai 2016 denkbar knapp aus: Der SVP-Mann<br />

setzte sich mit bloss fünf St<strong>im</strong>men Vorsprung gegen die<br />

195


CVP-Frau durch, die beiden <strong>SP</strong>-Kandidaten waren gewählt<br />

(EA 3.5.2016). Damit war die seit gut einem Jahr bestehende<br />

«Mitte-Links-Regierung» in <strong>Einsiedeln</strong> wieder beendet, die<br />

SVP hatte ihren Sitzverlust an die <strong>SP</strong> von 2015 wieder zu Lasten<br />

der CVP wettgemacht – und das reine Männergremium<br />

blieb bestehen.<br />

Die «chibige Sitzung» am 18. Mai 2016 führte nur zu unwesentlichen<br />

Veränderungen in den Ressorts und Kommissionen:<br />

Markus Brändle wechselte in die Fürsorgebehörde,<br />

Erika Weber nahm Einsitz in die Betriebskommission Altersund<br />

Pflegehe<strong>im</strong> Langrüti und Jeron<strong>im</strong>o Barahona wurde in<br />

die Bau- und Umweltbehörde berufen. Kritisiert wurde von<br />

der Partei, dass sie nach wie vor nur einen Schulratssitz<br />

innehatte!<br />

Im Juni 2016 forderte die Partei den <strong>Bezirk</strong>srat auf, die<br />

beiden Liegenschaften Sonneck und Flora der Stiftung «Phönix»<br />

zu kaufen oder mit Landabtausch zu erwerben, sobald<br />

diese auf dem bezirkseigenen «Gotthardstallareal» gebaut<br />

haben würde (EA 17.6.2016). Der <strong>Bezirk</strong>srat lehnte dies ab<br />

(EA 12.8.2016).<br />

Einen Erfolg konnte die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> mit der Wahl ihres<br />

Parteipräsidenten Johannes Borner in den Bankrat der<br />

Schwyzer Kantonalbank durch den Kantonsrat vermelden (EA<br />

28.5.2016, EA 1.7.2016).<br />

Für fairere Steuern, Pro Viadukt Willerzell<br />

und ein neuer Kantonsrat<br />

Gleich zu Beginn des neuen <strong>Jahre</strong>s, am 14. Januar 2017, veranstaltete<br />

die Partei auf dem Bahnhofplatz <strong>Einsiedeln</strong> eine<br />

Standaktion für fairere Steuern. Den beiden <strong>SP</strong>-Steuerinitiativen,<br />

die am 12. Februar 2017 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangten,<br />

An der Parteiversammlung vom 9. September 2016 <strong>im</strong><br />

Restaurant «Bären» fand ein Podiumsgespräch zur Flat<br />

Rate Tax statt und liess sich die Partei über die geplante<br />

Bahnhaltestelle in den Blatten orientieren (EA 13.9.2016).<br />

Zu einem Schulterschluss bzw. gemeinsamen Bekenntnis<br />

der fünf Ortspartei-Präsidenten kam es in Bezug auf die<br />

Neugestaltung des Hauptplatzes. Man war sich einig: eine<br />

Investition in die Zukunft (EA 11.10.2016).<br />

Die <strong>SP</strong>-Versammlung vom 3. November 2016 wiederum<br />

<strong>im</strong> Restaurant «Bären» beschloss ein vierfaches Ja zu den<br />

am 27. November 2016 zur Abst<strong>im</strong>mung gelangenden <strong>Bezirk</strong>svorlagen<br />

(EA 8.11.2016) und machte sich für diese in<br />

Zusammenarbeit mit der CVP stark.<br />

Der Beratung des Voranschlages 2017 war dann zum <strong>Jahre</strong>sabschluss<br />

noch die Parteiversammlung am 1. Dezember<br />

2016 in den «Drei Königen» gewidmet (EA 6.12.2016).<br />

Der neue Einsiedler<br />

<strong>SP</strong>-Kantonsrat ist<br />

Franz Camenzind, geb.<br />

2. August 1966, verheiratet<br />

mit Irina Bilyavska<br />

Camenzind, Vater<br />

von drei Söhnen.<br />

Er arbeitet als Schulleiter<br />

an der Sekundarschule<br />

in <strong>Einsiedeln</strong>.<br />

In seiner mehrsprachigen<br />

Familie wird<br />

Weltoffenheit und Integration,<br />

verbunden mit<br />

Tradition und Verwurzelung<br />

aktiv gelebt.<br />

Erste politische Erfahrungen<br />

sammelte er<br />

als Lehrervertreter <strong>im</strong> Schulrat (2006-2008) und als ehemaliger<br />

Präsident der Schwyzer Sekundarlehrer.<br />

Seit 2015 ist er Aktuar in der Parteileitung und seit 2017<br />

Kantonsrat.<br />

196


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

An der Parteiversammlung vom 25. April 2017 <strong>im</strong> Restaurant «Bären»<br />

konnte Parteipräsident Johannes Borner Politprominenz begrüssen. Nationalrat<br />

Matthias Aebischer, Bern, referierte über das Energiegesetz (Energiestrategie<br />

2050) und Kantonsrat Paul Furrer, Schwyz, über die Initiative<br />

«Keine Bevormundung der Bürger und Gemeinden» (KESB). Eine<br />

Rekordzahl von 46 Interessierten folgte ihren Ausführungen. Während<br />

Matthias Aebischer offene Türen einrannte, sagte die Partei einst<strong>im</strong>mig<br />

Nein zur KESB-Initiative. An der Versammlung gab <strong>SP</strong>-Kantonsrätin Erika<br />

Weber ihren Rücktritt per September 2017 bekannt (EA 28.4.2017).<br />

wehte von Seiten des bürgerlichen Regierungs- und Kantonsrates<br />

ein kalter Wind entgegen! Beide Vorlagen wurden letztlich<br />

abgelehnt, aber die erzielten 44% Ja-St<strong>im</strong>men waren ein<br />

Achtungserfolg und liessen doch aufhorchen (EA 14.2.2017).<br />

Die Generalversammlung vom 26. Januar 2017 wurde<br />

in der Milchmanufaktur durchgeführt. Als Zeichen der Anerkennung<br />

hatte die Partei vorgängig ihre Kommissionsmitglieder<br />

zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Die<br />

Parteileitung wurde in globo bestätigt. Jeannette Schuler<br />

Ponte löste Markus Degiorgi als neue Rechnungsprüferin<br />

ab. Zur Aufstockung des Schulhauses Nordstrasse wurde<br />

die Ja-Parole gefasst. Parteipräsident Johannes Borner<br />

brachte seinen <strong>Jahre</strong>sbericht auf den<br />

Schlusspunkt: «Die Stärke des Volkes<br />

misst sich am Wohl der Schwachen.»<br />

An der Gründungsversamlung der<br />

neuen <strong>SP</strong>-Ortspartei Rothenthurm-Sattel<br />

nahm auch eine Delegation der <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> teil (EA 17.3.2017).<br />

Die Parteiversammlung vom 30. März<br />

2017 <strong>im</strong> Restaurant «Bären» beschloss<br />

sowohl für den neuen Werkhof an der<br />

Grotzenmühlestrasse als auch für das<br />

Schulhaus Trachslau die Ja-Parole.<br />

Die Partei liess sich von Vertretern von<br />

197<br />

Pro Viadukt Willerzell auch über den aktuellen<br />

Stand der Verhandlungen aufklären und vom<br />

vorgeschlagenen Marschhalt überzeugen (EA<br />

4.4.2017). An der öffentlichen Informationsveranstaltung<br />

<strong>im</strong> Dorfzentrum zur Frage der Erneuerung<br />

des Etzelwerks nahmen 750 Personen teil<br />

(EA 7.4.2017). Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> schloss sich als<br />

einzige Partei den Willerzellern an: «Es braucht<br />

endlich faire Verhandlungen!» (EA 21.7.2017).<br />

Das Sommerfest der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wurde<br />

am 25. Juni 2017 <strong>im</strong> Josefsdörfli durchgeführt.<br />

Die Parteiversammlung vom 31. August 2017,<br />

erneut <strong>im</strong> Restaurant «Bären», befasste sich mit<br />

der Rentenreform 2020. Kein Geringerer als der<br />

St. Galler Ständerat und Gewerkschaftsbundpräsident<br />

Paul Rechsteiner war als Gastredner<br />

eingeladen. Parteileitungsmitglied Andrea Fässler<br />

berichtete über die kommende 1. Einsiedler<br />

Seniorenmesse am 9. September 2017 <strong>im</strong> Dorfzentrum,<br />

welche von der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> initiiert<br />

wurde (EA 5./12.9.2017). Mit gleichem Datum<br />

reichte die Partei eine Einzelinitiative für eine<br />

Photovoltaik-Anlage auf dem neuen Werkhof<br />

an der Grotzenmühlestrasse ein (EA 5.9.2017).<br />

Diese zog sie später zurück (EA 22.6.2018).<br />

Die Parteiversammlung vom 30. November<br />

2017 <strong>im</strong> Restaurant «Bären» diskutierte den<br />

Voranschlag des <strong>Bezirk</strong>s 2018. Dieser wurde<br />

harsch als verantwortungslos kritisiert. Zudem stand Andreas<br />

Kuriger (FDP) als Kandidat für das Amt des Säckelmeisters<br />

den Anwesenden Red und Antwort (EA 5.12.2017).<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> stellte sich in der Folge als einzige Partei<br />

gegen die Steuerfusssenkung, weil sie angesichts der<br />

geplanten Investitionen von über 60 Millionen Franken und<br />

der sich <strong>im</strong> Jahr 2020 auf 90 Millionen Franken belaufenden<br />

Verschuldung einfach <strong>im</strong> falschen Zeitpunkt erfolge (EA<br />

7.12.2017). Die Budgetgemeinde vom 12. Dezember 2017<br />

st<strong>im</strong>mte der Steuerfusssenkung trotz Opposition aber zu (EA<br />

15.12.2017).


Eine Polit-Sensation, ein Säckelmeister-<br />

Kandidat zur falschen Zeit<br />

und «s‘Notariat ghöjrt i üüs»!<br />

Am 11. Januar 2018 diskutierte die Partei mit Bezugnahme<br />

auf die Resonanz der 1. Seniorenmesse die Einreichung einer<br />

«Falsche Partei, falscher Zeitpunkt», lautete die Überschrift <strong>im</strong><br />

Kommentar des «Einsiedler Anzeigers» (EA 24.4.2018).<br />

In der Tat, der SVP-Kandidat war – wie auch der glp-Kandidat<br />

für die RPK – chancenlos gegen das Wahlbündnis von CVP,<br />

FDP und <strong>SP</strong>.<br />

Einzelinitiative für eine Neuausrichtung der Alterspolitik und<br />

die Schaffung einer Alterskommission.<br />

Die <strong>100</strong>. ordentliche Generalversammlung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

fand am 2. Februar 2018 <strong>im</strong> Restaurant «Schiff» statt.<br />

Deklariert war sie als die 74. Generalversammlung, da man<br />

zu diesem Zeitpunkt noch<br />

nichts vom runden Jubiläum<br />

wusste! Der Mitgliederbestand<br />

lag bei 93. Begonnen<br />

wurde die Generalversammlung<br />

mit der einst<strong>im</strong>migen<br />

Nomination von <strong>Bezirk</strong>srat<br />

<strong>Patrick</strong> Notter für die <strong>Bezirk</strong>swahlen<br />

am 22. April<br />

2018. Noch offen war eine<br />

Kandidatur für die RPK, da<br />

der bisherige Amtsinhaber<br />

Marco Kälin zurücktrat. Die<br />

Partei sagte sowohl Nein zu<br />

«No Billag» als auch Nein<br />

zur Kürzung der Prämienverbilligung.<br />

Bezüglich der<br />

Zusammensetzung der Parteileitung ergaben sich keine Veränderungen<br />

(EA 9.2.2018).<br />

Das Abst<strong>im</strong>mungswochenende vom 4. März 2018 sah eine<br />

Sensation. Der Kanton Schwyz sagte mit 50.3% völlig überraschend<br />

JA zur Transparenzinitiative der Jungsozialisten,<br />

welche etwas <strong>im</strong> Schatten der Prämienverbilligungsvorlage<br />

stand, und mit welcher mehr Transparenz in der Politikfinanzierung<br />

verlangt wurde (EA 6.3.2018)!<br />

Die <strong>Bezirk</strong>swahlen vom 22. April 2018 verliefen relativ ruhig,<br />

sieht man davon ab, dass die SVP der FDP den Posten<br />

des Säckelmeisters streitig machte. Die Lust von CVP und <strong>SP</strong><br />

für einen weiteren SVP-Sitz <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>sratsbüro war indessen<br />

gering und man einigte sich mit der FDP auf einen Kandidatentausch<br />

auf den Listen bzw. eine gemeinsame Listengestaltung.<br />

Den <strong>SP</strong>-Sitz in der RPK nahm Thomas Philipp, Gross,<br />

ein. «Die Einsiedler wählten in erster Linie Stabilität und Kontinuität.»<br />

(EA 24.4.2018).<br />

Die Parteiversammlung vom 22. Mai 2018 <strong>im</strong> Restaurant<br />

«Bären» hatte «historischen Charakter». Susann Bosshard-<br />

Kälin und Heinz Nauer referierten über ihr Projekt «<strong>Einsiedeln</strong><br />

anderswo», welches einen Brückenschlag von Louisville, dem<br />

Auswanderungsziel zahlreicher Einsiedler, und <strong>Einsiedeln</strong><br />

zum Gegenstand hat. Auch das überraschende <strong>100</strong>-Jahr-<br />

Jubiläum der Sozialdemokratischen Partei <strong>Einsiedeln</strong> wurde<br />

mit gespannter Erwartung zur Kenntnis genommen (EA<br />

25.5.2018).<br />

Bereits der «Schwyzer Demokrat» vom 30. Oktober 1931<br />

propagierte die Abkehr vom Sportelsystem, bei dem der Notar<br />

auf eigene Rechnung arbeitet, zum Amtsnotariat. Die <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> verlangte dies bereits 2005 und 2018 erneut.<br />

Erstaunlicherweise wehrte sich der abtretende Amtsinhaber<br />

mit Händen und Füssen gegen einen Systemwechsel und<br />

wollte fast den Anschein erwecken, er hätte das Amt für «Gotteslohn»<br />

gemacht. Das Notariat sei sicher keine Goldgrube!<br />

Und überhaupt zu einem Amtsnotar: «Warum sollte er sich ein<br />

198


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Am 27. Mai 2018 unternahmen die drei <strong>SP</strong>-Mitglieder<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, Andreas Marty und Franz Camenzind<br />

mit ihrer Einzelinitiative einen erneuten Anlauf<br />

für einen Wechsel zum Amtsnotariat (wie in anderen<br />

<strong>Bezirk</strong>en des Kantons Schwyz), denn der bisherige, seit<br />

32 <strong>Jahre</strong>n tätige Notar ging in Rente (EA 5.6.2018). «Die<br />

Führung eines Notariats und des Grundbuchamtes als<br />

Amtsnotariat besticht durch Unabhängigkeit, Kostengünstigkeit<br />

und Fachkompetenz. Die Gefahr von Interessenbindungen<br />

gegenüber Grosskunden wird erheblich<br />

entschärft und die Bürgerinnen und Bürger erhalten<br />

auch die Sicherheit, dass sie durch eine unabhängige<br />

Amtsperson beraten werden. Im heutigen Sportelsystem<br />

kann ein Notar auch noch berufliche Nebentätigkeiten<br />

ausüben und als Rechtsanwalt tätig sein. Dass dabei<br />

systembedingt lnteressenkollisionen, insbesondere bei<br />

der Abwicklung von Grundstücksgeschäften, auftreten<br />

und vorliegen können ist nicht von der Hand zu weisen.<br />

Weitere Argumente für den Wechsel zum Amtsnotariat<br />

sind sodann Kostengünstigkeit, weil kein Gewinnstreben<br />

des Amtsnotars vorliegt, sowie dennoch zu erwartende<br />

finanzielle Überschüsse aus dessen Amtsführung, welche<br />

nicht mehr diesem selber, sondern neu dem <strong>Bezirk</strong><br />

zufallen würden.»<br />

Bein ausreissen?» (EA 8.6.2018). Transparenz schuf er trotz<br />

wiederholter Aufforderung aber nicht und auch Umsatzzahlen<br />

legte er keine auf den Tisch (EA 12.6.2018). Dieses<br />

Verhalten führte an der beratenden <strong>Bezirk</strong>sgemeinde zu erheblichem<br />

Unmut und gab zu denken, doch funktionierte die<br />

bürgerliche Seilschaft von CVP, FDP und SVP, dem Hauseigentümer-<br />

und dem Gewerbeverein, welche sich alle gegen<br />

die Initiative stellten, und sich bemüssigt sahen, sicherheitshalber<br />

noch halbseitige Inserate <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» zu<br />

platzieren (EA 30.10.2018). Ehre, wem Ehre gebührt!<br />

In der Volksabst<strong>im</strong>mung vom 25. November 2018 erzielte<br />

die Initiative angesichts des bürgerlichen Bollwerks mit einer<br />

Zust<strong>im</strong>mung von gut 41% einen Achtungserfolg (EA<br />

27.11.2018). Der <strong>Bezirk</strong>srat griff in der Folge zentrale Anliegen<br />

wie das Verbot einer anwaltlichen Nebenerwerbstätigkeit<br />

und die Schaffung von mehr finanzieller Transparenz auf (EA<br />

18.1.<strong>2019</strong>).<br />

Last, but not least. Die von der glp lancierte – und von<br />

der <strong>SP</strong> unterstützte (EA 7.9.2018) – Initiative «Energiestadt –<br />

jetzt!» segelte <strong>im</strong> Windschatten der Notariats-Diskussionen<br />

knapp zum Erfolg. Gleichzeitig verhalf die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

auch dem neuen Energieliefervertrag mit den Elektrizitätswerken<br />

Zürich (EKZ) zum Durchbruch und stellte damit die<br />

Finanzierung der glp-Initiative überhaupt sicher.<br />

Am 20. Oktober 2018 beging auch die Kantonalpartei<br />

ihr <strong>100</strong>-Jahr-Jubiläum <strong>im</strong> «Dorfgadä» in Altendorf. Die <strong>SP</strong><br />

<strong>Einsiedeln</strong> war an diesem Anlass gut vertreten. Der «Bote»<br />

titelte zu dieser: «<strong>SP</strong>: Seit <strong>100</strong> <strong>Jahre</strong>n <strong>im</strong> Gegenwind» (Bote<br />

18.10.2018). Ja, das ist <strong>im</strong> Kanton Schwyz so, wie die Geschichte<br />

auch zeigt. Aber man stelle sich den Kanton ohne<br />

stetes sozialdemokratisches Engagement vor!<br />

199


XI. Unsere amtierenden <strong>Bezirk</strong>sräte: persönlich<br />

Netzwerk – persönlicher Bezug als Grundlage<br />

für Politkarrieren<br />

1995 lernten wir – Stefan Kälin und <strong>Patrick</strong> Notter – uns in<br />

<strong>Einsiedeln</strong> kennen. Stefan Kälin war schon seit sechs <strong>Jahre</strong>n<br />

Pr<strong>im</strong>arlehrer, <strong>Patrick</strong> Notter hatte nach seiner Erstausbildung<br />

bei der Post eben sein Lehrerdiplom abgeschlossen und war<br />

in <strong>Einsiedeln</strong> ebenfalls als Pr<strong>im</strong>arlehrer gewählt worden. Nach<br />

dem Motto «Erfolgreiche Arbeit ist Teamarbeit» spannten wir<br />

bei der Unterrichts-Vorbereitung zusammen. Daraus resultierten<br />

verschiedenste Projekte <strong>im</strong> Fach Mensch und Umwelt,<br />

welche die <strong>Jahre</strong>sprogramme in unseren Klassen wesentlich<br />

mitgeprägt hatten. Aus der beruflichen Zusammenarbeit entstand<br />

Freundschaft. Die Arbeitswochen schlossen wir meist<br />

<strong>im</strong> Restaurant «Klostergarten» mit einem Freitagsbier ab – bei<br />

Diskussionen über Gott und die Welt.<br />

Politisiert werden – ein konkretes Ereignis führt<br />

in die Politik<br />

Bei einer solchen Gelegenheit konnte <strong>Patrick</strong> Notter, welcher<br />

schon seit <strong>Jahre</strong>n für die <strong>SP</strong> aktiv war, seinen Kollegen Stefan<br />

Kälin für die Finanzkommission des Hallenbads Eschbach<br />

gewinnen. Das Bedürfnis nach einem Hallenbad war bei der<br />

Lehrerschaft, der Schule sowie bei der Bevölkerung gross.<br />

Die ersten politischen Erfahrungen waren für Stefan Kälin<br />

dann allerdings ernüchternd, weil das Projekt <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat<br />

eingestellt wurde, trotz genehmigtem und ausgegebenem Planungskredit<br />

von fast einer Million Franken.<br />

Wir liessen den Kopf nicht hängen und diskutierten, was<br />

für Ideen man zusammen <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat wohl umsetzen und<br />

wie man bei der Gestaltung von <strong>Einsiedeln</strong> mitwirken könnte.<br />

Wertvolle Stütze und Wegbegleiter war dabei auch der leider<br />

viel zu früh verstorbene Sepp Oechslin. Zu dritt trafen wir<br />

uns unzählige Male, um an Ideen und Projekten zu arbeiten.<br />

Nebst dem «Chrampfen» war aber stets auch die Geselligkeit<br />

wichtig.<br />

Politischer Erfolg – Projektarbeit als Grundlage<br />

Die Parteileitung der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> verfügt(e) mit verschiedenen<br />

engagierten Personen über Politerfahrung und hohe<br />

Projekt- und Sachkompetenz. Auf dieser Grundlage konnten<br />

bereits verschiedenste Ideen umgesetzt, oder mittels Initiative<br />

an die Urne überwiesen werden. Ein erstes Erfolgserlebnis<br />

war die Kampagne zur überraschend angenommenen Ortsbusinitiative.<br />

Auch der erfolgreiche Aufbau des «Chinderhus»<br />

<strong>Einsiedeln</strong> wurde durch die lokalen <strong>SP</strong>-Kräfte massgebend<br />

gefördert und unterstützt. Somit war die nötige Zuversicht vorhanden,<br />

weitere Projekte lösungsorientiert umzusetzen und<br />

die Bevölkerung zu überzeugen, dass die <strong>SP</strong> eine konstruktive<br />

und mehrheitsfähige Politik macht. Das «Tischlein deck<br />

dich» war ein Projekt sowohl für die Bekämpfung von Food<br />

Waste, als auch für die Unterstützung von Armutsbetroffenen.<br />

Es kam bereits <strong>im</strong> ersten Anlauf auf Eigeninitiative zustande<br />

und wird <strong>im</strong>mer noch erfolgreich betrieben. Andere Projekte<br />

wie die «Energiestadt» oder die Jugendarbeit gelangten erst<br />

später oder in modifizierter Version zur Umsetzung.<br />

Zu späten Nachtstunden wurde auch die Idee geboren,<br />

<strong>im</strong> Kanton Schwyz die beiden Initiativen privilegierte Dividendenbesteuerung<br />

und höhere Steuer-Eintrittsschwelle zu<br />

lancieren. Nachdem die Parteileitung, die Sektion und die<br />

Kantonalpartei davon überzeugt werden konnten, starteten<br />

wir die Kampagne mit einer Unterschriftensammlung. Mit<br />

Traktor und Bauarbeiterwagen wurde sämtliches Material von<br />

Gemeinde zu Gemeinde gezogen und mit medienwirksamen<br />

Auftritten die fragwürdige kantonale Finanz- und Steuerpolitik<br />

angeprangert. In nur drei Stunden kamen in <strong>Einsiedeln</strong><br />

mit Unterstützung der JUSO über 300 Unterschriften zusammen,<br />

so viele wie noch nie. Die Initiative wurde kantonal zwar<br />

knapp abgelehnt, <strong>im</strong> bevölkerungsreichen <strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

jedoch angenommen.<br />

Heute, zwei <strong>Jahre</strong> später, sieht es so aus, als ob dieser<br />

Missstand, die zu tiefe Steuereintrittsschwelle, demnächst<br />

behoben würde. Und nun ausgerechnet von Parteien, welche<br />

dies vorher bekämpft hatten. Somit kann man hoffentlich bald<br />

von einem indirekten, nachträglichen Erfolg sprechen.<br />

Auswirkungen – der Einsatz zahlt sich aus<br />

Das Beispiel mit den Steuerinitiativen zeigt auf, dass sich die<br />

Aufbauarbeit in der Partei gelohnt hatte und sich der Erfolg<br />

gegenüber anderen Gemeinden in einem höheren Ja-St<strong>im</strong>menanteil<br />

messen liess.<br />

Die verschiedenen Projektaktivitäten benötigten Unterstützung<br />

und es mussten <strong>im</strong>mer wieder viele Leute angefragt<br />

und in persönlichen Gesprächen oder Telefonaten von den<br />

politischen Anliegen überzeugt werden. Erfreulicherweise<br />

war der Weg zu einer Mitgliedschaft dann oft nicht mehr weit!<br />

Die Mitgliederzahl der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> konnte stetig gesteigert<br />

und somit auch die Abstützung der Ideen und Kandidaturen<br />

verbessert werden. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ist stolz darauf, mit ca.<br />

<strong>100</strong> Mitgliedern die mit Abstand grösste <strong>SP</strong> Sektion <strong>im</strong> Kanton<br />

Schwyz zu sein. Es ist für die Umsetzung von politischen<br />

Ideen matchentscheidend, dass auf eine solch breite Basis<br />

gezählt werden kann.<br />

Auch die politischen Gegner attestieren der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

<strong>im</strong>mer wieder, dass sie gute Arbeit leiste und wirklich «etwas»<br />

mache. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> ist nicht linksradikal, sondern eine<br />

links positionierte, pragmatisch arbeitende Partei, die eine<br />

vernünftige und sachbezogene Politik verfolgt. Der Wähleranteil<br />

stieg folglich bei den Kantonsratswahlen kontinuierlich<br />

an und erreichte <strong>im</strong> Jahr 2012 mit 22.3 % den bisherigen<br />

Höhepunkt. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> entwickelte sich dadurch zur<br />

201


drittgrössten Partei <strong>Einsiedeln</strong>s. Stefan Kälin wurde <strong>im</strong> selben<br />

Jahr als Nachfolger von Erika Weber in den <strong>Bezirk</strong>srat<br />

gewählt.<br />

Der hohe Wähleranteil war auch die Legit<strong>im</strong>ation dafür, <strong>im</strong><br />

Jahr 2015 in einer spannenden Kampfwahl gegen die bis dahin<br />

dominierende SVP mit <strong>Patrick</strong> Notter den zweiten <strong>Bezirk</strong>sratssitz<br />

zurückzuerobern und damit in der Exekutive zusätzliche<br />

Verantwortung zu übernehmen.<br />

Parteistärke – Legit<strong>im</strong>ation für den <strong>Bezirk</strong>srat<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> war in den letzten Jahrzehnten (wie die Geschichte<br />

zeigt) <strong>im</strong>mer wieder mit einem oder sogar mit zwei<br />

<strong>Bezirk</strong>sräten vertreten. Für uns war es einmalig, dass wir unsere<br />

Visionen und Ideen nun gemeinsam <strong>im</strong> <strong>Bezirk</strong>srat anpacken<br />

konnten! Im Zentrum unserer Bemühungen stand stets,<br />

fortschrittlich, offen, sozial, nachhaltig und innovativ zu sein.<br />

Dies gelang uns unter anderem in der Investitionspolitik.<br />

Es war für uns unverständlich, dass in den <strong>Jahre</strong>n 2002-2012<br />

die Steuern von 310% auf 220% gesenkt und die Investitionen<br />

über ein Jahrzehnt vernachlässigt wurden. Zusätzlich war die<br />

Bevölkerung in dieser Zeit rasant von 12‘500 auf 14‘500 Einwohner<br />

gewachsen! Es herrschte aber ein eigentlicher Investitionsstopp,<br />

denn die 1.5 Millionen Franken pro Jahr reichten<br />

nur für eine «Pflästerlipolitik». Somit wurde ein gigantischer<br />

Investitionsberg angehäuft. Erfreulich ist, dass der <strong>Bezirk</strong>srat<br />

diese Blockade zwischenzeitlich aufgehoben hat und längst<br />

fällige Projekte nun umsetzt. So werden zum Beispiel Schulhäuser<br />

gebaut, der Klosterplatz neu gestaltet, Strassen saniert,<br />

der Verkehrsknotenpunkt «Grosser Herrgott» geplant<br />

(eine alte Idee der <strong>SP</strong>!), das Projekt Bahnhof und Dorfplatz<br />

vorangetrieben usw.<br />

Seit die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> einen Wähleranteil von 22.3% erreicht<br />

hat, hat sich auch der Umgang unter den Parteien<br />

verbessert. Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> wird als etablierte Partei wahrgenommen.<br />

Während den <strong>Bezirk</strong>sratssitzungen ist spürbar,<br />

dass der intensive Austausch von Links bis Rechts hilft, unter<br />

Abwägung aller Argumente, gemeinsam den besten Weg zu<br />

finden. Insbesondere auch die Kommissionen verfügen neuerdings<br />

über diese ausgewogene, paritätische Abdeckung<br />

und somit über eine breite Diskussionsbasis. Vorbei sind die<br />

Zeiten, wo man in den Kommissionen nur drei Parteien abbildete<br />

und dadurch stets Streitereien über deren Konstellation<br />

anhören musste.<br />

Exekutive – verantwortungsvolle Arbeit <strong>im</strong><br />

<strong>Bezirk</strong>srat<br />

Gemeinsam dürfen wir unseren «Tatendrang» nun nicht mehr<br />

nur für die Partei ausleben, sondern als <strong>Bezirk</strong>sratsduo für die<br />

gesamte Bevölkerung. Als Basis dient uns dabei das «Positionspapier<br />

der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>». In unseren Ressorts konnten<br />

wir einige dieser Ziele aktiv umsetzen. Zudem brachten wir<br />

diese Zielsetzungen auch in den Klausuren des Gesamtbezirksrats<br />

ein, denn dort werden die Legislaturziele für den<br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong> in den verschiedenen Lebensbereichen definiert<br />

und später ressortübergreifend angegangen.<br />

Einige Beispiele unseres erfolgreichen Einsatzes: <strong>Einsiedeln</strong><br />

wurde «Energiestadt», die lokale Altholz-Verwertung hat<br />

einen Wärmeverbund, für die Umweltarbeit stehen neu grössere<br />

personelle Ressourcen zur Verfügung, Neophyten werden<br />

koordiniert bekämpft, die Förderung des Veloverkehrs<br />

hat begonnen, die Alterspolitik bekam neue institutionalisierte<br />

Gefässe, Hunderte von alten Pendenzen <strong>im</strong> Bauamt wurden<br />

abgearbeitet, die Ablaufstrukturen bei Baugesuchen ist<br />

opt<strong>im</strong>iert, die he<strong>im</strong>ischen Unternehmer werden gepflegt, der<br />

Ausbau der Sportinfrastruktur von Privaten wird unterstützt,<br />

die Planung der Mittagstische werden vorangetrieben, die<br />

Erlebbarkeit der Natur wird über das Entwicklungskonzept<br />

Sihlsee (EKS) Schritt um Schritt umgesetzt, die Tourismusförderung<br />

wird in einen grösseren Kontext gesetzt und die<br />

Sicherheit hat einen noch höheren Stellenwert erhalten.<br />

<strong>Einsiedeln</strong> strebt nach vorne und wir freuen uns, dass wir<br />

diesen Fortschritt gemeinsam mit den anderen <strong>Bezirk</strong>sräten<br />

mittels konstruktiver und respektvoller Gesprächskultur unterstützen<br />

können.<br />

Vision – ein Blick in die Zukunft<br />

Für die kommenden <strong>Jahre</strong> wünschen wir uns für <strong>Einsiedeln</strong> und<br />

die <strong>SP</strong>, dass sich alle Parteien in respektvollem Dialog für die<br />

Bevölkerung von <strong>Einsiedeln</strong> einsetzen. Nicht die Profilierung<br />

einer einzelnen Partei soll <strong>im</strong> Zentrum stehen, sondern der konstruktive<br />

Austausch. Zusammen soll ausdiskutiert werden, was<br />

für eine erfolgreiche Zukunft der beste Weg ist. Ein Weg, bei<br />

welchem Mensch und Natur gleichermassen profitieren und ein<br />

Mehrwert für alle generiert werden kann. Es ist nicht nötig, mit<br />

einer Tiefsteuerpolitik die Reichsten aus aller Welt anzulocken,<br />

denn dies würde das kulturelle und reichhaltige Miteinander<br />

gefährden. <strong>Einsiedeln</strong> punktet durch seine unglaublich reiche<br />

Vereinsvielfalt, das ausgeprägte kulturelle Schaffen, die vielen<br />

Anlässe und Festivitäten, die zahlreichen sportlichen Aktivitäten,<br />

die wunderbare Natur und vor allem auch durch die traditionelle<br />

«Guet-Taag-Kultur». Man kennt sich, man grüsst sich<br />

und man lebt zusammen. Es wird geschätzt, wenn neu zugezogenen<br />

Personen sich in den Vereinen engagieren, wenn sie am<br />

kulturellen Leben teilen und es somit bereichern.<br />

Wir sind dankbar, dass wir unseren Lebensraum <strong>Einsiedeln</strong><br />

an vorderster Front mitgestalten dürfen. <strong>Einsiedeln</strong> soll für<br />

ALLE attraktiv sein. Dafür setzen wir uns auch weiterhin mit viel<br />

Engagement ein.<br />

<strong>Bezirk</strong>sräte Stefan Kälin und <strong>Patrick</strong> Notter<br />

<strong>Einsiedeln</strong>, <strong>im</strong> April <strong>2019</strong><br />

202


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Der Einsiedler <strong>Bezirk</strong>srat 2018, umrahmt von Trachtendamen. Erste Reihe (v.l.n.r.): Säckelmeister Andreas Kuriger (FDP),<br />

<strong>Bezirk</strong>sweibel Bruno Kälin, <strong>Bezirk</strong>sammann Franz Pirker (SVP), Statthalter Hanspeter Egli (CVP); zweite Reihe Meinrad Gyr<br />

(SVP), Landschreiber Peter Eberle, Markus (Meny) Kälin (FDP); dritte Reihe: Gerhard Villiger (CVP), <strong>Patrick</strong> Notter (<strong>SP</strong>),<br />

Christoph Bingisser (SVP) und Stefan Kälin (<strong>SP</strong>).<br />

203


XII. Ausblick<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Die Zukunft der <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> – ein paar<br />

Gedanken<br />

Die Zukunft der Sozialdemokratischen Partei präsentiert sich verheissungsvoll<br />

und herausfordernd zugleich. Die seit der Finanzkrise<br />

vor über 10 <strong>Jahre</strong>n massive Subventionierung des Kapitals, die<br />

vierte industrielle (digitale) Revolution und die geopolitisch multipolare<br />

Welt haben die Vermögensschere weiter geöffnet und neue<br />

Bevölkerungsgruppen hervorgebracht, die keine Lobby und wenig<br />

St<strong>im</strong>men für ihre Anliegen haben und der Gefahr ausgesetzt sind,<br />

gesellschaftlich ausgegrenzt und abgehängt zu werden. Dazu gehören<br />

die steigende Zahl der Erwerbstätigen, die knapp ihren Lebensunterhalt<br />

bestreiten können, junge Menschen kurz nach ihrer Ausbildung<br />

oder Rentnerinnen und Rentner, die von Min<strong>im</strong>alleistungen<br />

leben müssen. Die Globalisierung hat aber auch zu mehr Migration<br />

geführt, welche Menschen hervorbringt, die aus militärischer Repression,<br />

politischer Verfolgung oder mangelnder wirtschaftlicher<br />

Basis existenziellen Schutz suchen, aber auch wertvolle Arbeitskräfte<br />

für unsere überalterte, etwas bequem und träge gewordene<br />

Gesellschaft sind. Eine aktive Integration all dieser Menschen ist ein<br />

«Muss» und keine Option. Zudem sind die althergebrachten Themen<br />

der Lohngerechtigkeit, der Gleichstellung zwischen Mann und Frau,<br />

das Min<strong>im</strong>aleinkommen für ein würdiges Leben aller Altersgruppen<br />

und des Umweltschutzes aktueller denn je. Dies sind für uns keine<br />

Modeströmungen, sondern Kernanliegen. An Zielgruppen und Themen<br />

für das beherzte Engagement der <strong>SP</strong> fehlt es fürwahr nicht.<br />

Die Herausforderungen sind nicht weniger. Unserem Sozialsystem<br />

fehlt die nachhaltige Finanzierung. Einmal mehr droht den<br />

Schwächsten unserer Gesellschaft weitere Last aufgebürdet zu<br />

werden. Zugegeben, dem Sozialmissbrauch – den es leider auch<br />

gibt – gilt es den Riegel zu schieben. Keine Frage. Zu oft und zu<br />

schnell wird allerdings Systemwechsel proklamiert, was die Hilfebedürftigen,<br />

wegen einer uneinsichtigen Minderheit, in zusätzliche<br />

Schwierigkeiten bringt. Und wer setzt Steuergerechtigkeit durch?<br />

Würden all die Schlupflöcher, Briefkastenfirmen und sonstigen Steuertricks<br />

geahndet, stünden mehr Mittel zur Verfügung bzw. könnten<br />

Bedürftige spürbarere Entlastungen erfahren. So ist die konsequente<br />

Durchsetzung der Steuergerechtigkeit (Leistung nach wirtschaftlicher<br />

Kraft) und des Steuersystems (Progression, keine Ausnahmen)<br />

ein Grundstein für die Sicherung unseres Staatshaushalts.<br />

Bei den Sozialwerken können auch wir von der <strong>SP</strong> die Augen vor der<br />

demographischen Entwicklung nicht verschliessen. Es ist aber auch<br />

in dieser Hinsicht eine langfristige, nachhaltige Lösung anzustreben.<br />

Was nützt eine Rentenalter-Erhöhung, wenn die erfahrenen Arbeitskräfte<br />

– aus Kostengründen – nicht mehr gefragt sind? Wozu sind<br />

Senkungen der Umwandlungssätze in den Pensionkassen oder eingefrorene<br />

AHV-Renten gut, wenn Altersarmut zuzunehmen droht?<br />

Eine Lösung verlangt Opfer allerseits, aber bitte der wirtschaftlichen<br />

Kraft entsprechend. Und es braucht Bereitschaft, die Sozialwerke<br />

weiterzuentwickeln und mit flankierenden Massnahmen wie Ausund<br />

Weiterbildung, Arbeitsintegration usw. zu stärken.<br />

In diesem Zusammenhang ist auf die zunehmende Ent-Solidarisierung<br />

unserer Gesellschaft hinzuweisen. Sie wirkt leider in viele<br />

Richtungen: arm – reich, jung – alt, nach Geschlecht und Herkunft.<br />

Dabei ist die Basis unserer Gesellschaftsordnung und dem demokratischen<br />

Selbstverständnis in Gefahr. Die Entwicklung ist he<strong>im</strong>tückisch,<br />

weil sie langsam voranschreitet. Ein Rezept gibt es nicht. Die<br />

Lösung liegt bei jedem von uns. Etwas weniger Egoismus und mehr<br />

Aufmerksamkeit und Verständnis fürs unmittelbare Umfeld. Etwas<br />

mehr Selbstlosigkeit. Auch dies bleibt <strong>im</strong> Herzen der Sozialdemokratie<br />

und tut gut, in die Welt hinausgetragen zu werden.<br />

Die globale Welle von Desintegration und Abschottung trifft auch<br />

Europa. Es tut gut, in diesem Zusammenhang die Friedensprämie<br />

– ursprüngliche Idee eines geeinten Europas – in Erinnerung zu rufen.<br />

Nach 1989 droht der alte Kontinent erneut in die Zange grosser<br />

Mächte zu gelangen. USA, Russland, China gestalten mehr oder<br />

weniger offensichtlich mit militärischen und wirtschaftlichen Mitteln<br />

eine neue Weltordnung. Europa ist aussen vor und wäre deshalb gut<br />

beraten mehr Einigkeit zu zeigen. Die Schweiz kann sich dabei nicht<br />

ducken. Bei aller – zum Teil berechtigter – Kritik am europäischen<br />

Gebilde, die Schweiz sollte nur schon aus geopolitischen Überle-<br />

205


gungen Interesse an der Weiterentwicklung Europas haben. Und da<br />

haben wir mit unserer über <strong>150</strong> <strong>Jahre</strong> Bundesstaat-Erfahrung etwas<br />

in die Waagschale zu werfen! Ein Rahmenabkommen kann ein erster<br />

Schritt sein, auch wenn die Schweiz dabei nicht den Fünfer und<br />

das Weggli kriegt. Dies ist auch sozialdemokratische Solidarität.<br />

Eine weitere Herausforderung ist ein für die direkte Demokratie<br />

tödliches Desinteresse der Bevölkerung an der Politik. Dies ist<br />

zwar kein <strong>SP</strong>-Thema, für eine Partei, die meist mit ihren prägnanten<br />

Meinungen <strong>im</strong> Schaufenster steht, aber besonders schwierig. Wenn<br />

sich durchschnittlich nur noch zwischen 30 und 40% der St<strong>im</strong>mberechtigten<br />

für wichtige Entscheide interessieren, best<strong>im</strong>mt eine<br />

Minderheit über die Mehrheit. Aber nicht nur. Dadurch gewinnt auch<br />

die finanziell potente Lobby-Arbeit an Gewicht. Anliegen der wirtschaftlich<br />

schwächeren Interessengruppen haben so nicht einmal<br />

an der Urne mehr Chancen. Da ist die <strong>SP</strong> gefordert. Zudem wird es<br />

<strong>im</strong>mer schwieriger, Leute zu finden, die sich zu unpopulären Themen<br />

zu Wort melden oder für Anliegen schwächerer Bevölkerungsgruppen<br />

einsetzen, oder gar ein politisches Amt übernehmen. Da<br />

ist Führungs- und Überzeugungsarbeit gefordert, und unmittelbare<br />

Betroffenheit führt dann oft zu Engagement. Darauf basiert die <strong>SP</strong>-<br />

Parteiarbeit auch in Zukunft.<br />

Die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> versteht sich auch in den kommenden <strong>Jahre</strong>n<br />

als wichtigste St<strong>im</strong>me für soziale Fragen und Umweltanliegen.<br />

Getreu unserem Positionspapier wollen wir mit unserer Politik eine<br />

sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Gesellschaftsentwicklung<br />

anregen. Echte Bedürfnislücken sollen gefüllt, Fehlentwicklungen<br />

angesprochen und verändert werden. Den benachteiligten<br />

Bevölkerungsgruppen wollen wir ein Gehör verschaffen. Der<br />

Erhalt der hohen Lebensqualität für alle Einsiedler Bewohner steht<br />

<strong>im</strong> Vordergrund. <strong>Einsiedeln</strong> ist zu einer Kleinstadt gewachsen. Wir<br />

setzen uns dafür ein, dass viele Bereiche dieser neuen Situation<br />

angepasst werden, die Identität des Ortes aber trotzdem erhalten<br />

bleibt.<br />

Dies tönt alles etwas abstrakt. Hier ein paar Visionen: In der<br />

Umweltpolitik liegen uns die alternativen Energien sehr am Herzen.<br />

Ist es abwegig auf eine autonome Energieversorgung des Dorfes<br />

mit <strong>100</strong>% erneuerbaren Quellen zu setzen? Wir glauben nicht. Dafür<br />

bedarf es Investitionen, die lokale Wertschöpfung generieren,<br />

aber auch eine koordinierte Energiepolitik des <strong>Bezirk</strong>s. Zu unserer<br />

Umweltpolitik gehört zudem der unnachgiebige Schutz empfindlicher<br />

Landschaften. Räume, welche zum Erholen einladen, sind<br />

rar geworden. Diese gilt es zu erhalten.<br />

Be<strong>im</strong> Verkehr droht in <strong>Einsiedeln</strong> der Kollaps. Diesen zu verhindern,<br />

bedingt vorerst und vordringlich Selbstverantwortung. Vermeiden<br />

vor Verbannen. Dann braucht es eine gute Erschliessung<br />

des Dorfes mit dem öffentlichen Verkehr. Eine direkte Anbindung<br />

an Zürich, der Ausbau des örtlichen und regionalen Netzes sind da<br />

die Schlagwörter. Sehen wir in Zukunft autonom fahrende Kleinbusse,<br />

helfen uns Fahrgemeinschaften, den Verkehr zu reduzieren?<br />

Eine Entflechtung der Verkehrsträger an neuralgischen Orten,<br />

wie zum Beispiel be<strong>im</strong> Bahnhof, verkehrsfreie Zonen <strong>im</strong> Zentrum,<br />

welche zum Flanieren einladen, verkehrsberuhigte Gebiete in den<br />

Quartieren und <strong>im</strong> Naherholungsgebiet um den Sihlsee, aber auch<br />

ein effizientes Verkehrsleitungssystem und eine entsprechende<br />

Parkplatzlösung liegen in unseren Bestrebungen. Dies steigert die<br />

Lebensqualität.<br />

Gesellschaftspolitisch fokussiert die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> auf eine<br />

zukunftsorientierte Jugendarbeit und Alterspolitik. In beiden Gebieten<br />

sind die privatrechtlichen Angebote (Vereine usw.) zahlreich<br />

vorhanden. Eine Angebots-Ergänzung und -Koordination drängt<br />

sich allerdings auf. Einen Effort dürfte sich zudem auch bei der<br />

besseren Integration von Zuzügern lohnen. Dabei denken wir nicht<br />

nur an den regen Austausch mit fremden Kulturen und Sprachen,<br />

sondern auch an den Erfahrungsschatz vieler Einwohner, die aus<br />

verschiedenen Landesteilen nach <strong>Einsiedeln</strong> ziehen.<br />

Und letztlich gibt es viel Entwicklungsmöglichkeit bei der<br />

schulischen Infrastruktur. Bei den Schulräumen ist <strong>Einsiedeln</strong><br />

mittlerweile auf gutem Weg, be<strong>im</strong> Betreuungsangebot noch<br />

rückständig. Echte Tagesstrukturen, welche in den Familien<br />

eine Erwerbstätigkeit beider Elternteile zulassen würden, fehlen<br />

heute weitgehend. Erste Lösungsansätze sind vorhanden,<br />

wir werden uns dafür einsetzen, dass der Weg konsequent bis<br />

zum Ende gegangen wird. Ein «Muss», will man Familien nach<br />

<strong>Einsiedeln</strong> locken und hier behalten! Die Sportinfrastruktur hat<br />

noch Aufholpotenzial. Die dringenden Bedürfnisse der Schulen<br />

sind in Zusammenarbeit mit den unzähligen Sportvereinen,<br />

welche ihrerseits Nachholbedarf haben, zu befriedigen.<br />

Darüber hinaus dürften Angebote wie Eisbahn und Hallenbad<br />

<strong>Einsiedeln</strong> touristisch und als Wohnort attraktiver machen.<br />

Bei der Finanzpolitik ist sich die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> bewusst, dass<br />

sorgsam mit den Steuergeldern umgegangen werden muss. Bei<br />

der Realisierung unserer Ziele und Forderungen pochen wir deshalb<br />

auf eine ausgeglichene, langfristig orientierte Investitionspolitik<br />

die der jeweiligen Finanzlage aber auch künftigen Projekten<br />

gerecht wird. Dabei ist zu beachten, dass <strong>Einsiedeln</strong> ohne den<br />

innerkantonalen Steuerausgleich ein strukturelles Defizit hat. Dementsprechend<br />

setzen wir uns für eine gerechte und umsichtige<br />

Steuerpolitik ein. Wir wollen kein «mal Hü, mal Hott»!<br />

Schliesslich will die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> auch weiterhin eine offene,<br />

soziale, fortschrittliche, innovative und lösungsorientierte Politik<br />

betreiben. Es gehört zur politischen Kultur <strong>Einsiedeln</strong>s, dass man<br />

unabhängig von der politischen Position stets miteinander spricht.<br />

Hart in der Sache, fair <strong>im</strong> Umgang. Dies gilt es zu pflegen. So will<br />

die <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong> weiterhin an Aktionen und Resultaten gemessen<br />

werden und nicht an Konzepten und Ideologien. Dabei verfolgen<br />

wir den Grundsatz «Für alle, statt für wenige» und setzen wir uns<br />

für den Nutzen vieler und nicht den Profit weniger ein. Dies soll<br />

uns auch erlauben, unsere Position unter den vier grossen Ortsparteien<br />

zu festigen und unseren Wähleranteil in den nächsten <strong>Jahre</strong>n<br />

weiter zu steigern. Nicht der Quote wegen, sondern um unseren<br />

wichtigen Anliegen mehr Gehör zu verschaffen.<br />

Johannes Borner, Präsident <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

April <strong>2019</strong><br />

206


XIII. Personen und Ämter<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Präsidenten Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Bruno Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1918-1920<br />

Daniel Kürzi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1920-, 1928-1933<br />

(Stefan Birchler-Hensler/Fritz Moser) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1933-1934, ev. -1936<br />

Fritz Wolf. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1934-/ev. ab 1936-1944<br />

Martin Steiner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1944-1946<br />

Anton Mächler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946-1947<br />

Bruno Lacher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1947<br />

Emil Zehnder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1947-1951<br />

<strong>Walter</strong> Züger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1948, ad inter<strong>im</strong><br />

Emil Trümpy . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1952-1953<br />

Meinrad Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1953-1960, 1965-1970<br />

Robert Manser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1956, ad inter<strong>im</strong><br />

August Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1961-1964<br />

Josef Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1971-1975<br />

Karl Hensler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1975-1979<br />

Fritz Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1979-1984<br />

Martin Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1984-1988<br />

<strong>Walter</strong> <strong>Schönbächler</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1989-1999<br />

Rita Ruhstaller. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1999-2002<br />

Martina Krieg und <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2002-2009<br />

Daniel Meienberg und <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2010<br />

Josef Oechslin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2011<br />

Stefan Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2012, ad inter<strong>im</strong><br />

Benno Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2012-2014<br />

<strong>Patrick</strong> Notter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2014<br />

Johannes Borner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2015<br />

Vize-Präsidenten Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

?<br />

Anton Mächler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1944-1945, 1947-1952<br />

Ernst Nef. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946<br />

Karl Kuriger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1953-1956<br />

Josef Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957-1960<br />

Meinrad Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1961-1964<br />

August Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1966-1970<br />

Karl Hensler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1971-1975<br />

Willi Suter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1976-1989<br />

Christian Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1990-1996<br />

Marlis Pfister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1997-2001<br />

Josy Gyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2002-2007<br />

Erika Weber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2008-2014<br />

Stefan Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2014<br />

<strong>Patrick</strong> Notter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2015<br />

207


Aktuare Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

?<br />

Eduard Kälin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1921-)<br />

Germann Füchslin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1944-1945<br />

<strong>Walter</strong> Binder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946<br />

Richard Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1947-1949<br />

Hans Räber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1950-1951<br />

Meinrad Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1952<br />

Karl Kuriger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1953-1956<br />

Josef Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957-1960<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> sen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1961-1973<br />

Ursula Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1974-1982<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> jun. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1983-1986<br />

Agnes Suter/Ursula Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1987-1989<br />

Willi Suter/Ursula Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1990-1992<br />

Markus Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1996-2000<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2001-2002<br />

<strong>Patrick</strong> Notter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .2003-2008<br />

Daniel Meienberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2009, 2011-2013<br />

Barbara <strong>Schönbächler</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2010<br />

Yvonne Steiner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2014<br />

Franz Camenzind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2015-2018<br />

Stefan Knobel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit <strong>2019</strong><br />

Kassiere Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

?<br />

Hermann Feusi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (1921-)<br />

Stephan Birchler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (193x-)<br />

Johann Ochsner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1944-1945<br />

Robert Bertsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946-1951<br />

Josef Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1952-1973<br />

Martin Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1974-1984<br />

Ingrid Reich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1985-1992<br />

Josef Unternährer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1993-1994<br />

Markus Degiorgi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1995-2000<br />

Martina Krieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2001-2002<br />

Josef Oechslin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2003-2007<br />

Jeannette Schuler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2008-2013<br />

Johannes Borner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2014<br />

Denise Oechslin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2015<br />

208


<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Beisitzer Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Beisitzer waren in der Regel die jeweils amtierenden Behördenmitglieder aus Kantonsrat, <strong>Bezirk</strong>srat und RPK. Da die Zusammensetzung<br />

variierte wird hier auf die Personenhinweise in dieser Schrift verwiesen.<br />

Rechnungsprüfer Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

?<br />

Bruno Lacher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946<br />

Ernst Nef. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1946<br />

<strong>Walter</strong> Treichler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1947-1949<br />

Emil Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1947-1948<br />

Richard Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1949-1956<br />

<strong>Walter</strong> Züger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1950<br />

Robert Manser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1951-1955<br />

Klemens Schnüriger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1956<br />

Kaspar Zentner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957-1958<br />

Karl Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957-1974<br />

Max Keller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1959-1974<br />

Willi Suter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1975-1984<br />

<strong>Walter</strong> Trinkler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1975-1984<br />

Christian Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1985-1989<br />

Meinrad Gyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1985-<br />

Josef Unternährer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1990, 1995-2002<br />

Dorothea Jäger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1991<br />

Markus Degiorgi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1993-1994, 2003-2016<br />

Jeannette Schuler Ponte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2017<br />

Nationalräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Josy Gyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2003-2007<br />

Kantonsräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Bruno Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1920-1921<br />

Daniel Kürzi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1921-1924<br />

Fritz Moser. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1936-1940<br />

Anton Mächler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1940-1944<br />

Emil Zehnder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1948-1960<br />

Meinrad Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1960-1974<br />

Fritz Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1974-1983<br />

Martin Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1983-1994, Kantonsratspräsident 1992/93<br />

Marlis Pfister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1994-2001<br />

<strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2001-2010, Kantonsratspräsident 2007/08<br />

<strong>Patrick</strong> Notter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2004-2016<br />

Josef Oechslin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2010-2012<br />

Erika Weber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2012-2017<br />

Antoine Chaix . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2016<br />

Franz Camenzind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2017<br />

209


<strong>Bezirk</strong>sräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Meinrad Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1952-1974, <strong>Bezirk</strong>sammann 1972/74<br />

Karl Hensler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1974-1990<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> jun. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1976-1988<br />

Christian Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1988-1996<br />

Josy Gyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1990-2004<br />

Erika Weber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2004-2012<br />

Stefan Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2012<br />

<strong>Patrick</strong> Notter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2016<br />

Mitglieder Rechnungsprüfungskommission Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Josef Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1958-1972<br />

Josef <strong>Schönbächler</strong> jun. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1972-1976<br />

Martin Kälin, Post, Egg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1976-1984<br />

Christian Iten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1984-1988<br />

Josy Gyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1988-1990<br />

Ingrid Reich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1990-1996<br />

André Ruhstaller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2002-2008<br />

Monika Oechslin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2008-2012<br />

Yvonne Steiner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2012-2016<br />

Marco Kälin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2016-2018<br />

Thomas Philipp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2018<br />

Schulräte Arbeiterpartei/<strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Daniel Kürzi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1930-1944<br />

Robert Bertsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1944-1948<br />

Robert Manser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1954-1958<br />

Josef Kälin, Kondukteur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1958-1960<br />

Karl Kuriger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1961-1964<br />

Rosa <strong>Schönbächler</strong>-Schelbert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1964-1972<br />

Willi Suter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1972-1984<br />

Ursula Dubs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1984-1992<br />

Erika Weber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1992-2002<br />

Josef Unternährer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2002-2004<br />

Josef Oechslin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2004-2006<br />

Franz Camenzind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2006-2008 (Vertreter Lehrerschaft)<br />

Felicia Bettschart Schmitt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2008-2010 (Vertreterin Lehrerschaft)<br />

Salome Besmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2012-2018<br />

Daniel Reichmuth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . seit 2018<br />

210


XIV. QuellenVerzeichnis<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong><br />

Literatur<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> Sozialdemokratische Partei Kanton Schwyz (1918-2018), Jubiläumsschrift, Schwyz 2018.<br />

<strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>SP</strong> Arth-Goldau, Jubiläumsschrift, Goldau 2018.<br />

1912-1987 «Schwyzer Demokrat» 75 <strong>Jahre</strong>, Marchring, Volks- und He<strong>im</strong>atkunde der Landschaft March Nr. 30/1991.<br />

Année Politique Suisse, Institut für Politikwissenschaft, Bern, URL:https://anneepolitique.swiss<br />

Bara-Zurfluh, Corinne, Politik <strong>im</strong> 19. und 20. Jahrhundert, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte des<br />

Kantons Schwyz, Band 4, Zürich 2012.<br />

Benziger, Karl J., Geschichte des Buchgewerbes <strong>im</strong> fürstlichen Benediktinerstifte U.L.F. v. <strong>Einsiedeln</strong>, <strong>Einsiedeln</strong>/Köln/Waldshut<br />

1912.<br />

Degen, Bernhard, Arbeiterbewegung, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24. Februar 2014, URL: http://<br />

www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16479.php.<br />

Degen, Bernhard, Gewerkschaft Druck und Papier (GDP), in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 12. November<br />

2012, URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16494.php.<br />

Degen, Bernhard, Schweizerischer Arbeiterbund, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27. November<br />

2012, URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17398.php.<br />

Hensler, Josef Hensler/Bingisser, Ernst-Louis, Die löblichen Einsiedler Zünfte von 1620 bis 2010, <strong>Einsiedeln</strong> 2010.<br />

Gilomen, Hans-Jörg, Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters, München 2014.<br />

Glauser, Fritz, Von alpiner Landwirtschaft beidseits des St. Gotthards <strong>100</strong>0-1350, in: Der Geschichtsfreund, Mitteilungen des<br />

Historischen Vereins der Zentralschweiz 1988.<br />

Kälin, Wernerkarl, Aufstand der Krämerinnen, in: Das alte Einsidlen Nr. 7 v. 17. Januar 1967.<br />

Kälin, Wernerkarl, Von Bruderschaften, Zünften und Vereinen, Schriften des Vereins «Fürs Chärnehus», <strong>Einsiedeln</strong> 1988.<br />

Kessler, Valentin, Gnade über die Masse, Aspekte zur Entwicklung des Einsiedler Pilgerwesens <strong>im</strong> Mittelalter, in: Mitteilungen<br />

des Historischen Vereins des Kantons Schwyz, Schwyz 2016.<br />

Landolt, Oliver, Wirtschaften <strong>im</strong> Spätmittelalter, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte des Kantons<br />

Schwyz, Band 2, Zürich 2012.<br />

Landolt, Oliver, Wirtschaften in der Frühen Neuzeit, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte des Kantons<br />

Schwyz, Band 5, Zürich 2012.<br />

Meier, Thomas, Handwerk, Handel und Gewerbe <strong>im</strong> 18. Jahrhundert, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte<br />

des Kantons Schwyz, Band 5, Zürich 2012.<br />

Meienberg, Daniel, Der Streik bei der Verlangsanstalt Benziger in <strong>Einsiedeln</strong> <strong>im</strong> Jahr 1900, Lizentiatsarbeit Zürich 2009.<br />

Müller, Felix, Grütliverein, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22. Dezember 2010, URL: http://www.hlsdhs-dss.ch/textes/d/D17397.php.<br />

Mynall, David, Die Deutschen Kolonien <strong>im</strong> Kanton Schwyz, Lizentiatsarbeit, Bern 2005.<br />

Nauer, Heinz, Fromme Industrie, Der Benziger Verlag <strong>Einsiedeln</strong> 1750-1970, Baden 2017.<br />

Oswald, Gerhard, Die Bahn ist die beste Strasse, Wie <strong>Einsiedeln</strong> 1870-1877 zu seiner Bahn kam, 1990.<br />

Ringholz, Odilo, Wallfahrtsgeschichte Unserer Lieben Frau von <strong>Einsiedeln</strong>, Freiburg i.B. 1896.<br />

Saurer, Karl, <strong>100</strong> <strong>Jahre</strong> Gewerbeverein <strong>Einsiedeln</strong> (1886-1986), <strong>Einsiedeln</strong> 1986.<br />

<strong>Schönbächler</strong>, <strong>Patrick</strong>, Der Buchdrucker-Streik bei Benziger, oder die Geschichte einer Arbeiterbewegung bei den «Typographen<br />

des hl. Stuhls» <strong>im</strong> katholischen Wallfahrtsort <strong>Einsiedeln</strong>, in: Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons<br />

Schwyz, Heft 110 (2018), S. 231 ff.<br />

Straumann, Tobias, Die Wirtschaft <strong>im</strong> 20. Jahrhundert, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte des<br />

Kantons Schwyz, Band 5, Zürich 2012.<br />

Suter, Meinrad, Die Staatsgeschichte 1798-2008 <strong>im</strong> Überblick, in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hsg.), Geschichte<br />

des Kantons Schwyz, Band 4, Zürich 2012.<br />

211


Lexika<br />

Historisches Lexikon der Schweiz, diverse Artikel (Biografien)<br />

Wikipedia, diverse Artikel (Ereignisse, Abst<strong>im</strong>mungen)<br />

Archive/Zeitungen<br />

Archiv Fram-Museum, <strong>Einsiedeln</strong><br />

Archiv Schweizerischer Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband SEV<br />

<strong>Bezirk</strong>sarchiv <strong>Einsiedeln</strong><br />

Bote der Urschweiz (zit. Bote)<br />

Der Grütlianer (zit. Grü)<br />

Einsiedler Anzeiger (zit. EA)<br />

Neue Einsiedler Zeitung (zit. NEZ)<br />

Schweizerisches Sozialarchiv: Sog. Streikbuch. Be<strong>im</strong> Bestand handelt es sich um eine Aktensammlung aus der Gründungszeit<br />

der Typographia <strong>Einsiedeln</strong>, verfasst von Schriftsetzer Bernhard Pohl. Sie enthält diverse Protokolle und Zeitungsberichte von<br />

1887-1913<br />

Schwyzer Demokrat (zit. SD)<br />

Bildmaterial<br />

(r/rechts, l/links, m/mitte, u/unten, o/oben)<br />

Baugeschichtliches Archiv Zürich, S. 40.<br />

<strong>Bezirk</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, S. 203.<br />

Bote der Urschweiz, S. 191r, 193ul.<br />

Digitalarchiv/Sammlung <strong>Patrick</strong> <strong>Schönbächler</strong>, S. 17- 18, 25, 28, 34, 39o, 42, 44, 49- 50, 52- 53, 58-61, 64, 70-72, 78, 85u, 86, 90,<br />

92-94, 96, 113-115, 120, 122-123, 127, 133l, 134, 141, 142l, 145, 148l, <strong>150</strong>, 161, 166, 170u, 173u, 175o, 184u, 185r, 187o, 187r.<br />

Einsiedler Anzeiger, S. 24, 35, 75, 81, 85, 107, 116u, 125u, 128-130, 132, 137o, 140, 142r, 147, 149, 151r, 155o, 155u, 156u, 157u,<br />

173o, 214.<br />

Gemeinfrei, S. 19-20, 117, 171.<br />

Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK, S. 89.<br />

Neue Einsiedler Zeitung, S. 39u.<br />

Parteiarchiv <strong>SP</strong> <strong>Einsiedeln</strong>, S. 9, 11-12, 15, 106, 121, 125o, 131, 133r, 136, 137u, 138, 140, 144, 147r, 148r, 151o, 152, 153, 156o,<br />

157o, 162-164, 167-169, 170o, 171u, 172, 174, 175u, 176-183, 184o, 184m, 185l, 186, 187ul, 188-190, 191o, 192, 193o, 193r, 194-<br />

197, 198o, 199, 205, 216.<br />

Sammlung Albert Bingisser, Titelbild, S. 37.<br />

Sammlung David Mynall, S. 76.<br />

Schwyzer Demokrat, S. 48, 57, 62-63, 66-67, 77, 79-80, 83o, 88, 97, <strong>100</strong>-102, 198u, 213.<br />

Staatsarchiv Schwyz, S. 27, 30, 32, 38, 46, 83u, 95, 104-105, 108-109, 112, 116, 118, 124, 126, 135.<br />

212


Aus der Wahlzeitung «Schwyzerland», Beilage <strong>im</strong> «Einsiedler Anzeiger» vom 17. Oktober 1935.

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