19.10.2023 Aufrufe

Kulturmagazin 20-10-2023

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

<strong>20</strong>.<strong>10</strong>. <strong>20</strong>23<br />

magazin<br />

Bildschirmzeit<br />

Künstliche Intelligenz und Kunstschaffen: Wie das zusammenpasst,<br />

zeigen Martina Menegon und andere mit ihren Arbeiten.


Zeit<br />

Jetzt<br />

neu!<br />

für mehr<br />

Kultur!<br />

<strong>20</strong>%<br />

sparen mit<br />

dem flexiblen<br />

Schnupperabo<br />

3<br />

Vorstellungen<br />

zum<br />

Wunschtermin<br />

www.theater-wien.at/schnupperabo


Inhalt<br />

magazin<br />

Cover, Aufmacherbild: Carolina Frank.<br />

Editorial<br />

Impressum<br />

Innovativ. Egor<br />

Krafts „Content<br />

AwareStudies“<br />

nutzen künstliche<br />

Intelligenz und<br />

maschinenbasiertes<br />

Lernen für<br />

Kunstschaffen.<br />

Im Dossier ab<br />

Seite 14.<br />

Von einer„Mystik derVerschlüsselung“ spricht Johanna Hofleitner<br />

in der Überschrift zur Titelstrecke, die sich Verbindungslinien<br />

zwischen der bildenden Kunst und künstlichen Intelligenzen widmet.Ingewohnt<br />

brillanter Weisehat sich unsereKunstschreiberin<br />

für das „<strong>Kulturmagazin</strong>“mit einem komplexenThema auseinandergesetzt,<br />

wassie viel Konzentration und Engagement kostete. Das Ergebnisfreilich<br />

istein gutes Argument dafür,warum (Qualitäts-)Journalismus noch lang<br />

nicht KI-gefährdet ist, also „in my humble“und nicht ganz außenstehender<br />

„opinion“. Die ergänzenden Betrachtungen vonEva Komarek zur Bedeutung,die<br />

digitale Formate derzeit am Kunstmarkt haben, runden dieses<br />

große Thema hervorragend ab.Abgesehen davon, dass ich all diese Beiträge<br />

als sehr lesenswertempfinde:Die Erkenntnis, dass neue Technologien als<br />

Chance und Bereicherung,nicht als Bedrohung empfunden werden, auch<br />

im Kunstschaffen, istdoch recht tröstlich. Wie<br />

stetsist auch dieses„<strong>Kulturmagazin</strong>“von vorn bis<br />

hinten vollgepackt mit Beiträgen, die Sie durch die<br />

kommenden Monate geleiten können, manches<br />

isttopaktuell, manchesweist,wie eine Vorschau<br />

aufdas etwasverquer anmutende Konzept einer<br />

Regionenkulturhauptstadt, in dieZukunft.Dadie<br />

Verweildauer dieser Ausgabe bisinden kommenden<br />

Frühling reicht,möchteich mit dem tröstlichen<br />

Hinweis schließen, dass die Tage schon wieder<br />

länger werden, wenn die Aktualität dieses<br />

„<strong>Kulturmagazin</strong>s“zur Neigegeht. DanielKalt s<br />

Daniela Tomasovsky,Sissy Rabl,<br />

Daniel Kalt.<br />

04 Panorama. Kulturtipps ausallen Himmelsrichtungen<br />

im In- undAusland.<br />

14 Themenschwerpunkt. Wielässtsich künstliche<br />

Intelligenz in der bildenden Kunst einsetzen?<br />

26 Passioniert. Facettender Leidenschaftsind Thema<br />

derViennaArt Week.<br />

26 Kunstausflug. Arbeiten vonArneQuinze sind in<br />

einemSkulpturenparkinIstrienzusehen.<br />

30 Rundgang. Der Überblickwichtiger Museumsschauen<br />

in der dunklenJahreszeit.<br />

44 Digitale Euphorie. Im Gefolgevon NFTund KI-Arbeitenentdecktauch<br />

der Kunstmarkt das Thema neu.<br />

48 Auktionskalender. WelcheMessenund Versteigerungengibtes?<br />

Undwas gibt es da zu kaufen?<br />

56 Großprojekt. Die KulturhauptstadtBad Ischl<br />

Salzkammergut will Spuren hinterlassen.<br />

60 Jubiläum. Das Porgy&Bess feiertseinen 30.Geburtstag.<br />

Gründer Christoph Huber im Interview.<br />

62 Nah am Abgrund. Die Münchner BandMola macht<br />

unbekömmlichenDeutschpop.<br />

64 Am Pult. Karina Canellakis istheuer<br />

Fokus-Künstlerin im Musikverein.<br />

66 Tonleitern. EinÜberblick über die neuen<br />

Produktionen in derWienerStaatsoper.<br />

68 Querschnitt. Das Desertshore-Festivalbringt<br />

unkonventionellePositionenauf die Bühne.<br />

70 Neuzugang. Ein Porträtvon Nils Arztmann, der neu<br />

im Ensembleder Josefstadtspielt.<br />

74 Große Pläne. Washat das neueIntendantenquartett<br />

mit dem Schauspielhaus vor?<br />

76 Schrittfolge. Der Wahl-Linzer Yu-Teng Huan<br />

beeindruckt mit seiner Bühnenpräsenz.<br />

78 Kind, Haus und Karriere. HannahOppolzer hinterfragt<br />

in ihremDebütroman Lebenswege.<br />

80 Klimafiktion. Wieweit darf die „Letze Generation“<br />

gehen–literarische Antworten.<br />

82 Produktverliebt. VonKinofilmenmit Werbewirkung<br />

unddem Erfolgsrezept „IntellectualProperty“.<br />

86 Highlights. Kuratierte Tipps der Redaktion ausallen<br />

Kultursparten.<br />

90 Kulturhalbjahr. Die neue Dschungel-Wien-Intendantin<br />

Anna Horn gibt Veranstaltungstipps.<br />

Medieninhaber und Herausgeber: „Die Presse“ Verlags-Ges.m.b.H. &CoKG, <strong>10</strong>30 Wien, Hainburger Straße 33, Tel.: 01/514 14-Serie. Geschäftsführung: Mag. Herwig Langanger,Andreas Rast.<br />

Chefredaktion „Die Presse“: Mag. Florian Asamer. Leitung „<strong>Kulturmagazin</strong>“: Mag. Dr.Daniel Kalt. Produktion: MMag. Daniela Tomasovsky,Sissy Rabl BA MA. Mitarbeit (Text, Foto): Mag. Andrey Arnold,<br />

Dipl. Des.Carolina Frank, Johanna Hofleitner,Samir H. Köck, EvaKomarek, Mag. Magdalena Mayer BA,Christine Mayrhofer BA MA,Katrin Nussmayr BA,Mag. Ditta Rudle, Dr.Theresa Steininger-Mocnik,<br />

Mag. Erwin Uhrmann. Bildredaktion: Mag. art.Christine Pichler. Art Director: Matthias Eberhart. Produktion/Layout: Peter Jaunig, Bakk. Thomas Kiener,Christian Stutzig. Hersteller: Druck Styria GmbH<br />

&CoKG, Graz. Herstellungsort: Wyszków/PL. Projektleitung Vermarktung: Sabine Bacher MA,Tel.: +43 664 85 35 240<br />

Compliance-Hinweis: Beiträge über Kooperationspartner der „Presse“ mit Club-Kennzeichnung erscheinen in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der jeweiligen Partner.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 3


Panorama<br />

SÜD<br />

„Orlando“. Orlando kommt als<br />

Junge zur Welt und macht als<br />

Frau Karriere. Die irische Choreografin<br />

Marguerite Donlon hat<br />

ein Ballett nach Virginia Woolfs<br />

Roman gemacht,auch die Musik<br />

dazu ist britisch: von Purcell bis<br />

Britten. Oper Graz, 21. Oktober.<br />

Standortbestimmung. Die Ausstellung<br />

„Double Exposure“ –also<br />

„Doppelbelichtung“ –versammelt<br />

in der CameraAustria vier<br />

unterschiedliche fotografische<br />

Positionen, die am Beispiel von<br />

gefundenen Bildern oder Archivmaterialien<br />

erinnerungspolitische<br />

Prozesse verhandelnBild: Husain/<br />

Schroedinger.Ab25. 11.<br />

Entropisch. Die letzte Zugreise<br />

führt den Philosophen und<br />

Physiker Friedrich Boltzmann<br />

durch Mürzzuschlag. Sie steht<br />

Pate für eine künstlerische Reise<br />

durch Chaos-Welten und<br />

ihreUnvorhersehbarkeiten. Mit<br />

Teresa Cos,Lisl Ponger (Bild),<br />

Hannes Zebedin u. a. Ab 2. 12.<br />

im Kunsthaus Mürz.<br />

Zurück. Die wilde Wiener Kombo<br />

Buntspecht hat sich Anfang des<br />

Jahres eine Auszeit genommen, um<br />

sich nun mit einem neuen Album zurückzumelden.<br />

Die sprachliche Feinsinnigkeit<br />

sowie die musikalische<br />

Vielfalt blieben der Gruppe dabei erhalten.<br />

Am 8. 11. im Orpheum Graz.<br />

„Alice im Wunderland“. Maja<br />

Haderlap und Sylvia Brandl<br />

haben Lewis Carrolls Klassiker<br />

für die Bühne adaptiert,Mathias<br />

Krispin Bucher hat die Musik<br />

dazu geschrieben. Premiere<br />

des Musicals (ab 6) ist am 4. 11.,<br />

Stadttheater Klagenfurt.<br />

Politisch. Ungezügelte Systemkritik<br />

in deutscher Sprache und zu Post-<br />

Punk-Soundkulisse, das ist das<br />

Markenzeichen der jungen Wiener<br />

Band Bipolar Feminin. Dieses Jahr<br />

erschien das Debütalbum „Ein<br />

fragiles System“. Ab 9. 11. in der<br />

Grazer Postgarage.<br />

Fotos: Husain/Schroedinger, Marko Mestrovic, Verena Schellander, Lisl Ponger, Michelle Rassnitzer, Apollonia Theresa Bitzan.<br />

4 <strong>Kulturmagazin</strong>


Feiern Sie Silvester im<br />

Wiener Konzerthaus!<br />

28 &29/12/23<br />

Strauss Festival<br />

Orchester Wien<br />

WillyBüchler Dirigent<br />

28/12/23<br />

<strong>10</strong>0 Jahre<br />

Gerhard Bronner &<br />

Georg Kreisler<br />

29/12/23<br />

Musicbanda Franui &<br />

Die Strottern<br />

30 &31/12/23 &01/01/24<br />

Beethoven:<br />

Symphonie Nr. 9<br />

Wiener Symphoniker,<br />

Wiener Singakademie,<br />

Omer Meir Wellber Dirigent u. a.<br />

30/12/23<br />

Nikolaus Habjan<br />

31/12/23<br />

Silvester-Gala:<br />

Janoska Ensemble &Friends<br />

©Corina Gruber


Panorama<br />

NORD<br />

Sanatorium. Die ultimative<br />

Weltformel steht im<br />

Zentrum von Sophia Süßmilchs<br />

Solo-Show im Linzer<br />

Francisco Carolinum.<br />

Eine Mind-Map fasst ein<br />

Brainstorming zusammen,<br />

für das das Museum<br />

temporär als Sanatorium<br />

umgewidmet wurde.Ab11.<br />

11.<br />

Steil. My Ugly Clementine<br />

um Sophie Lindinger und<br />

MiraLuKovacs veröffentlichte<br />

vor drei Jahren ihr<br />

Debüt und hat seitdem<br />

eine Erfolgsgeschichte<br />

hingelegt.Nun tourt<br />

die Band mit dem Album<br />

„The Good Life“ durch<br />

Europa und hält dabei in<br />

Salzburg, am 7. 2. <strong>20</strong>24.<br />

Unterstützen. „Systems<br />

of Support“lautet das<br />

Motto der Jahresausstellung<br />

<strong>20</strong>23 des Salzburger<br />

Kunstvereins.Ausgangspunkt<br />

ist der Versuch,<br />

Kunst als Teil einer größerensozialen<br />

und historischen<br />

Dynamik zu begreifen.<br />

Ab 16. 12.<br />

„Prima Facie“. Tessa hat<br />

es geschafft: Aus dem<br />

Arbeiterkind wurde eine<br />

gefragte Strafverteidigerin.<br />

Sie vertritt erfolgreich<br />

Männer,die wegen<br />

sexueller Übergriffe vor<br />

Gericht stehen. Dann<br />

wirdsie selbst zum Opfer.<br />

Suzie MillersStück ist bis<br />

23. 12. in Linz zu sehen.<br />

Im Rosenhag. Wie der<br />

Komponist selbst hält<br />

Ballettchef Oliveira<br />

„Dornröschen“ für<br />

die beste Ballettmusik<br />

Tschaikowskys. In seiner<br />

Choreografie widmet er<br />

sich dem Märchen von<br />

der schlafenden Schönen.<br />

9. März, Salzburger<br />

Landestheater.<br />

Brucknerjahr <strong>20</strong>24. Vor<strong>20</strong>0 Jahren<br />

wurde Anton Bruckner geboren, in<br />

Oberösterreich wirddas umfassend<br />

gefeiert.Das Brucknerhaus Linz<br />

führt alle seine Sinfonien auf,Kinder<br />

können in „Antons Kids Club“<br />

Geburtstag feiern oder sein Leben<br />

kennenlernen („Alles Anton“).<br />

Fotos: Sophia Süßmilch, Rea von Vi, copyright Adobe Stock, Anna Maria Löffelberger, Petra Moser, Kaupo Kikkas.<br />

6 <strong>Kulturmagazin</strong>


©Belvedere, Wien |Illustration: www.studioback.at/Annett Stolarski


Panorama<br />

WEST<br />

Style. Ist Coolness die Währung,<br />

ist der Swift Circle ein Kreis an Millionären.<br />

Die Wiener Gruppe um<br />

die Rapper Eli Preiss und Bibiza<br />

ist angesagt –mitsamt Clique und<br />

Blockparty-Events.Preiss tourt im<br />

Winter durch Österreich. Am 2. 12<br />

im Dachsbau in Innsbruck.<br />

Im Kreislauf.Marcel Leemann, der<br />

neue Ballettdirektor in Innsbruck,<br />

hat die „Vier Jahreszeiten“ zu einem<br />

bunten Bilderbogen zusammengefügt.Die<br />

Tanzmusik liefert Max<br />

WintersVersion von Vivaldis Bestseller.Armin<br />

Wolf kommentiert via<br />

Video.Ab14. <strong>10</strong>., Landestheater<br />

Verknüpfungen. Die historische Turbinenhalle<br />

des Kunstraums Dornbirn<br />

fordert Künstlerinnen immer wieder<br />

zu Interventionen heraus.Für „blingbling“<br />

verknüpfen Fulterer/Scherrer<br />

farbstarkeObjekte und „Bondage“-<br />

Bilder mit der vorhandenen Architektur<br />

und Infrastruktur.Ab24. 11.<br />

„Maria Stromberger oder Bilder<br />

von allem“. Sie galt als „Engel<br />

von Auschwitz“, hat im KZ Übermenschliches<br />

geleistet,umden Inhaftierten<br />

zu helfen. Das Stück ist<br />

ein Auftragswerk an die heimische<br />

Autorin Gerhild Steinbuch. Ab 2.3.<br />

im Vorarlberger Landestheater.<br />

Aufarbeitung. Diese kitschige Wiese<br />

bei Schwazhat eine düstereVergangenheit:<br />

NS-Zwangsarbeiterlager,Entnazifizierungslager,Flüchtlingslager,Wohnbaracken.<br />

Der<br />

Kunstraum Schwazversucht,über<br />

den Gedächtnisspeicher Archiv Geschichte<br />

neu zu denken.<br />

Bis 27.1. <strong>20</strong>24.<br />

8 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Zappeln. Hauptsache, Spaß am<br />

Musikmachen: Die Berliner Indie-<br />

Formation Vonwegen Lisbeth will<br />

ihr Publikum bewegen –ambesten<br />

hin zur Tanzfläche.Das gelingt gut<br />

mit Nummern wie „Meine Kneipe“<br />

oder „Wenndutanzt“. Am 7. 11. in<br />

der Music Hall in Innsbruck.<br />

Fotos: Jessie Way, Birgit Gufler, Fulterer Scherrer, Lisa Edi, Sony Music, copyright Nadja Ayoub.


ab<br />

23.11.<strong>20</strong>23


Panorama<br />

OST<br />

Alter Ego. Momo ist ein<br />

richtiger,bestens organisierter<br />

Mann, doch<br />

in der zweiten Seelenkammer<br />

herrscht ein<br />

buntes Chaos.„Momo“<br />

ist das neue Ballett<br />

von Ohad Naharin zur<br />

Musik von Laurie Anderson<br />

und dem Kronos<br />

Quartet.18. 11.,<br />

Festspielhaus Sankt<br />

Pölten.<br />

Stelldichein. Als Maler,Zeichner,<br />

Grafiker wie auch Kunstprofessorenprägten<br />

Herwig Zens und Adolf<br />

Frohner das Wiener Kunstgeschehen<br />

fast zeitgleich. „Und der Tod<br />

lacht mit“lässt die beiden Granden<br />

nun wieder aufeinandertreffen.<br />

Ab 4.11. im Forum Frohner.<br />

Schmäh. Gewohnt<br />

charmant und gewitzt<br />

präsentiert Norbert<br />

Schneider seine neue<br />

Platte „Ollas Paletti“.<br />

Auf Wienerisch und mit<br />

ein wenig Gospel-Feeling<br />

groovt Schneider<br />

durch sein Album, auf<br />

den großen Hit pfeift er<br />

dabei, dafür gibt es umso<br />

mehr Soul. Am 4. 11<br />

in der Cselley Mühle,<br />

Oslip,Burgenland.<br />

Adventkonzert. Mit<br />

Harfe, Zither und Gitarrespielt<br />

das „Salzbuger<br />

Saitenklang“-<br />

Ensemble Klassiker-<br />

Arrangements und<br />

weihnachtliche Volksweisen.<br />

Kristina Sprenger<br />

liest Weihnachtliches.„Saitenklang<br />

und<br />

Weihnachtsgschicht’n“,<br />

Haydn Geburtshaus<br />

Rohrau, 26. November.<br />

<strong>10</strong> <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Vordem Fall. Aktuelle Kommentare<br />

zu den „Sieben Todsünden“ stehen<br />

im Zentrum der großen Herbstausstellung<br />

der Kunsthalle Krems.<br />

In verschiedenen Medien werden<br />

menschliche, existenzielle und<br />

gesellschaftliche Fragestellungen<br />

verhandelt.Bis 1. 4.<br />

Drüberstehen. Die deutsche<br />

Rapperin Shirin David wirdoft angefeindet,etwaweil<br />

sie sich bei<br />

ihren Texten helfen lässt.Zum<br />

Glück gibt sie nicht viel auf Hip-<br />

Hop-Spielregeln, kreidet Hate und<br />

Sexismus in ihren Texten an.<br />

Am 19. 11. in der Stadthalle Wien.<br />

Fotos: Copyright Landessammlungen Niederösterreich,, Ascaf, Copyright Christian Rettenbacher/ courtesy the artist, beigestellt.


BIS21.1.<strong>20</strong>24<br />

KARLSPLATZ 5<br />

Xenia Hausner, EXILES 3 (Detail), <strong>20</strong>17, ALBERTINA, Wien –Familiensammlung Haselsteiner<br />

©Xenia Hausner /Bildrecht Wien, <strong>20</strong>23<br />

Michelangelo, Studien fürdie Libysche Sibylle,um15<strong>10</strong>/11 ©bpk /The Metropolitan Museum of Art<br />

BIS14.1. <strong>20</strong>24<br />

ALBERTINAPLATZ 1<br />

MICHELANGELO<br />

UND D IE FOLGEN


Panorama<br />

INTERNATIONAL<br />

„Ein Wintermärchen“. Der Litauer<br />

Martynas Levickis macht mit dem<br />

Akkordeon Furore, die Hamburger<br />

Elbphilharmonie widmet ihm einen<br />

Schwerpunkt.Am23. Dezember<br />

spielt er etwamit Albrecht Mayer an<br />

der Oboe Weihnachtliches.<br />

Katharina Thalbach liest dazu.<br />

Material Girl. Vor40Jahren hat<br />

ihremusikalische Karrierebegonnen,<br />

und das feiert eine der größten<br />

Popikonen der Gegenwart mit<br />

einer Welttournee: Madonna startet<br />

im Oktober in England und spielt<br />

dann Konzerte in Kopenhagen,<br />

Köln, Berlin, Paris oder Mailand im<br />

November.Eine Reise wert!<br />

Wunderbar magisch. Dreimal Bartók<br />

auf der Ballettbühne.„Der wunderbareMandarin“,<br />

„Der hölzerne<br />

Prinz“ und die „Tanzsuite“ sind zu<br />

einem Triptychon zusammengefasst.Die<br />

großartigen Choreografien<br />

sind eine Budapest-Reise wert.<br />

Ungarische Staatsoper,3.2.<strong>20</strong>24<br />

Vorreiter der Moderne.<br />

Joseph MallordWilliam<br />

Turner (1775–1851)<br />

verschob in seinen Landschaften<br />

die Grenzen<br />

der Gegenständlichkeit<br />

bis hin zur Reduktion auf<br />

Farbe, Licht,Atmosphäre.<br />

Das Lenbachhaus in<br />

München zeigt sein Werk<br />

nun in seiner ganzen<br />

Breite.Ab28. <strong>10</strong>.<br />

Komet. VorKurzem spielte sie<br />

noch in Disney-Produktionen mit,<br />

nun ist Olivia Rodrigo gerade einmal<br />

<strong>20</strong> und schon jetzt ein Pop-<br />

Superstar.Ihr Album „Guts“ wird<br />

von Fans und Kritikern gleichermaßen<br />

gefeiert.ImMai beginnt<br />

sie ihreEuropatournee.<br />

Schwesternschaft. Am Beispiel der<br />

Werkevon Künstlerinnen aus vier<br />

Jahrhunderten zeichnet eine Schau<br />

im Museo Thyssen den Wegzur<br />

künstlerischen Emanzipation nach.<br />

Mit Artemisia Gentileschi, Mary<br />

Cassatt,Sonia Delaunay,Helene<br />

Funke(Bild) u. v. a. m. Ab 31. <strong>10</strong>.<br />

Fotos: ©Tate /Tate Images, Lentos Kunstmuseum Linz /Peter Funke Estate /Foto: Reinhard Haider, ©Valter Berecz /Hungarian State Opera, Fredy Builes/AFP, Timothy A.Clary, beigestellt.<br />

12 <strong>Kulturmagazin</strong>


BENOÎT PIÉRON<br />

Monsteradeliciosa<br />

26.1O.2O23—7.1.2O24<br />

MuseumsQuartier<br />

Museumsplatz 1, A-<strong>10</strong>70 Wien<br />

www.mumok.at<br />

Benoît Piéron, Moniqa,<strong>20</strong>23, polymer paste, customized snowglobe,<br />

figuremade by Marie Dumas /L’Atelier Lyonnais, CourtesyGalerie<br />

Sultana, Paris, Photo:Deinhardstein ©mumok


DieMystik<br />

der Verschlüsselung<br />

Im Bereich der bildenden Kunst eröffnet die künstliche Intelligenz<br />

viele Freiheiten und Möglichkeiten für Experimente. Zugleich<br />

fordert die allgegenwärtige Technologie als Reibefläche zur<br />

Auseinandersetzung und zum kritischen Umgang mit ihr heraus.<br />

Produktion, Text: Johanna Hofleitner<br />

Porträts: Carolina Frank<br />

Simon Lehner bewegt sich künstlerisch<br />

zwischen klassischer Fotografie, digitalen<br />

Produktionsformen und Malerei.<br />

Ausgehend vonErinnerungen und<br />

erlebter Gewalt,beschäftigte er sich früh schon<br />

in Fotografien und Bildgeschichten mit männlichem<br />

Selbstverständnis, toxischer Männlichkeit,<br />

aber auch dem „Sigma Male“als Gegenentwurf.<br />

Ausder Erfahrung einesnicht abreißenden<br />

Bilderstroms vonKindheit an –vom Reality-TV<br />

desIrak-Kriegs bishin zu Instagram, TikTok,<br />

Netflix mit ihrer selbstverständlich gewordenen<br />

Manipulation vonInhalten durch „Bildrezepte“<br />

–erwuchs eine mehr und mehr skeptische<br />

Haltung gegenüber fotografischen Bildern.<br />

„Bilder sind nurmehr Hüllen“, sagter. „Es war<br />

schon lang abzusehen, dass wir irgendwann<br />

keine Kameras mehr brauchen würden.“Erfing<br />

an, Bilder über Datenbanken zu recherchieren<br />

und sein eigenesBildarchivaufzubauen. Über<br />

die Jahrewuchs ein Pool an, der die Frage„Wer<br />

hateigentlich die Macht über die Bilder?“ mehr<br />

und mehr ins Zentrum rückte. Lehners Antwort<br />

sind Kunstwerke, die aufeiner KI-gesteuerten<br />

Malmaschine entstehen, welche endlos iterierte<br />

Fotografien aufGrundlagegepipelineter Programme<br />

zusammenführt. „Esist ein Prozesswie<br />

bei Midjourney–mit dem Unterschied, dass er<br />

bei mir kontrolliertabläuft,weil ichselbst jede<br />

Einzelheit bestimme.“ AndereWerke wiederum<br />

werden mittels CNC-Roboter zu 3-D-Reliefs und<br />

„lense-based sculptures“transformiert. „Es geht<br />

um visuelle Störungen und darum, Bildfassaden<br />

aufzubrechen. Die Fotografie warmir dafür<br />

zu starr,zuleblos, zu wiederholend geworden.<br />

Ichwollteimmersiverarbeiten –auch aufeiner<br />

senso-somatischen Ebene.“<br />

14 <strong>Kulturmagazin</strong>


„Es geht mir darum,<br />

visuelle Störungen<br />

aufzuzeigen<br />

und Bildfassaden<br />

aufzubrechen.“<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 15


EgorKraft beschäftigtsich als interdisziplinärer Künstler<br />

wie auch als Theoretiker mit den philosophischen<br />

Widersprüchen der künstlichen Intelligenz.„Wieviel<br />

Falschheit wollen wir zulassen?“, fragter. Als Beispiel<br />

führtder 1986 in St.Petersburg geborene, heutezwischen<br />

Wien, London und Japan pendelnde Künstler das mittelalterliche<br />

Voynich-Manuskript an, das in einer bisheuteunbekannten<br />

Schrift verfasst ist. Während es Historiker bisheute<br />

nicht dechiffrierern konnten, behauptete<strong>20</strong>18 ein Computerexperte<br />

derUniversityofAlberta,den Quellcode der Schrift<br />

mithilfevon KI geknackt zu haben. Eine Methode, die die<br />

Geschichtswissenschaft bisheutenicht anerkennt.„KI produziertInformation,<br />

ohne sie zu klassifizieren“, sagtKraft.„Sie<br />

findet immer eine Lösung und gibt immer eine Antwort –auch<br />

wenn sie keinen Sinn ergibt.Das istdas Problem.“<br />

Das komplizierte Verhältnisvon Archäologie, (Kunst-)<br />

Geschichteund KI demonstrieren auch seine „Content<br />

Awareness Studies“,aktuell zu sehen in der Wiener Charim<br />

Galerie. Über die Bildschirme einer Multichannel-Installation<br />

rauschen Abertausende Datensätzeantiker Porträts. Eingespeist<br />

in Learning Enginesund durch neuronale Netze trainiert,<br />

könnten sie die Grundlagefür die KI-basierte Rekonstruktion<br />

verloren gegangener Teile vonSkulpturen, Friesen<br />

und anderen Objekten sein. Die Fehleranfälligkeit desProzessesmitsamt<br />

seinen komischen Outputsdemonstrieren beispielhaft<br />

CNC-gefrästeBüsten, wo die Originalfragmenteaus<br />

weißem Marmor und die rekonstruiertenTeileaus Polyamid<br />

gebildet sind. Kraft: „Wir verlassen uns aufhistorische Dokumente.<br />

Sobald diese aber synthetisch und teilweisevielleicht<br />

auch mit KI produziertsind, schwindet der Realitätsbezug.“<br />

„Die KI findet<br />

immer eine<br />

Lösung und<br />

gibt immer<br />

eine Antwort<br />

–auch wenn<br />

sie keinen<br />

Sinn ergibt.<br />

Das ist das<br />

Problem.“<br />

16 <strong>Kulturmagazin</strong>


„Das ist die Mystik der Verschlüsselung: Manchmal kommt<br />

etwas Schönes heraus,manchmal entgleist der Avatar.“<br />

Mit ihrer interaktivenInstallation<br />

„I’m sorryImadeyou feel that<br />

way(memoriesofcare)“ gibt Martina<br />

Menegonihren eigenen Körper<br />

buchstäblich frei –jedenfalls virtuell. Auf<br />

Grundlageeinesfotogrammetrisch erstellten<br />

3-D-Modells hatdie in Wien lebende italienische<br />

Künstlerin, die an der Angewandten<br />

Senior Artist im Bereich Transmediale Kunst<br />

ist, einen nackten Selfie-Avatarerstellt,der in<br />

Echtzeit aufihremomentane Verfassung,ihr<br />

Wohlbefinden, ihreAktivitätenund andere<br />

Informationen reagiert. EinOura-Smartring<br />

liefertrund um die Uhr die notwendigen<br />

biometrischen Daten. Je relaxterdie Künstlerin<br />

ist, umso vollkommener erscheint der<br />

Avatar.Funktionale Unregelmäßigkeiten<br />

wiederum schlagen sich in Störungen und<br />

„Glitches“,also Bildfehlern nieder.„Das ist<br />

die Mystik der Verschlüsselung: Manchmal<br />

kommt etwasSchönesheraus, manchmal<br />

entgleist der Avatar“, sagtMartina Menegon.<br />

Mit dem fluiden Körper interagieren kann<br />

nur, wermittels VR-Headset und Controller<br />

in das Reich der Virtualität eintritt.„Wichtig<br />

istmir dabei, dass ich als Künstlerin die Kontrolle<br />

über die freigegebenen Datenbehalte.“<br />

Die Außenhaut desdurch AI gesteuertenund<br />

durch VR sichtbar gemachten Avatars wird<br />

in dieser Installation gleichsam zur Schnittstelle<br />

zwischen Körper und Welt.Über das<br />

Körperhaftehinaus adressiertdie Arbeit<br />

auch den Bereich der Gefühle. Undsie wirft<br />

die Frageauf:Was bedeutet Selbstporträt im<br />

digitalen Zeitalter?Was istes, das Computerdurch<br />

das Auge der AI sehen?Was istdas<br />

Selbst? „Auch wenn das, wasman sieht,nur<br />

virtuell stattfindet und somit ein Hybrid ist,<br />

verbirgtsich dahinter immer noch ein realer<br />

Körper“, sagtMenegon. „Und zwar mein<br />

Körper,der verletzlich, fragil, nackt ist.“<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 17


Alonah Rodeh arbeitet mit den cinematografischen<br />

Aspekten der KI.<br />

IhrecomputergeneriertenKurzfilme<br />

zeichnet ein Mix ausKomik und Zivilisationskritik<br />

aus. Die Serie „CityDummies“<br />

etwa versammelt neumodische Mobilitätssysteme<br />

zu einem Puzzle vonGroßstadt-Playern.<br />

Da schlängeln sich etwa zwei fahrerlose E-Tretroller<br />

zu den Klängen eines50er-Jahre-Lullabysüber<br />

nächtliche Straßen, nurihreweißen<br />

Scheinwerferkegelund rotenBegrenzungslichterbrennen<br />

sich in den schwarzen Himmel. Jäh<br />

stören umgestürzteScooter den tänzelnden<br />

Paarlauf,bringen sie ins Trudeln, bissie über<br />

eine Brückefallen und explodieren. Das wiederum<br />

löst eine exponentielle Vermehrung von<br />

E-Scootern aus, die am Ende über den Himmel<br />

taumeln. Alonah Rodeh beschreibt ihreKunst<br />

als„surrealistischen Realismus“. Der Ausgangspunkt<br />

isteine Choreografie ausLicht,Sound<br />

und Bewegung.Dafür arbeitet die Künstlerin,<br />

die zwischen Berlin und TelAvivpendelt,mit<br />

Spezialisten, die ihr helfen, ihreIdeen mithilfe<br />

vonEmerging Technologiesumzusetzen. Die<br />

KI steckt dabei im Detail. Gaming-Enginesetwa<br />

ermöglichen, dass rein digitale Datensätzezu<br />

Sci-Fi-ähnlichen Geisterbildern werden. „In<br />

meiner Arbeit spielen verschiedensteTools<br />

zusammen. Am Ende steckt jede MengeHandarbeit<br />

dahinter.“ IhreArbeitsweise hatRodeh<br />

ausder Pandemie herausentwickelt.„Teamarbeit<br />

istimmer mit Abhängigkeit verbunden.<br />

Der Schritt zum Digitalen hatmir viel Unabhängigkeit<br />

eröffnet –auch mit Hinblick aufSammlungen<br />

und Museen. Die Produktion istfür<br />

mich aufdiese Weiseviel einfacher und auch<br />

leistbarer geworden als im Real Life. Für meine<br />

Imagination bedeuten die KI-getriebenen Technologien<br />

ein hohesMaß an Freiheit.“<br />

„Für meine Imagination bedeuten KI-getriebene<br />

Technologien ein hohes Maß an Freiheit.“<br />

18 <strong>Kulturmagazin</strong>


„Es geht um den Austausch und<br />

darum, nicht nur in der Welt,<br />

sondern mit der Welt zu sein.“<br />

Flavia Mazzanti, Jahrgang 1994, hatihre<br />

Kunst ausschließlich ausden digitalen<br />

Medien herausentwickelt,deren vielfältiges<br />

Potenzial sie je nach Fragestellung<br />

einsetzt.Zur bildenden Kunst gelangte die<br />

mehrfach preisgekrönteKünstlerinüber die<br />

Musik und Architektur.Wegen Letztererist die<br />

gebürtigeItalienerin mit brasilianischen Wurzeln<br />

nach Studienaufenthalten im Tessin, in<br />

Zürich und München nach Wien an die Akademie<br />

der bildenden Künstegekommen, wo sie.<br />

Am Institut für Architektur und Kunst fand sie<br />

ein Umfeld vor, das ihr Möglichkeiten bot,sich<br />

experimentell mit dem Raum und zugehörigen<br />

Fragen auseinanderzusetzen: Wiebewegeich<br />

mich im Raum?Wie kann ich diese Bewegungenins<br />

Digitale übertragen?Von hier ausentwickeltesie<br />

ein philosophischesKonzept,das<br />

Zusammenhängezwischen Mensch, Welt und<br />

Umwelt voneinem postanthropozentristischen<br />

Standpunkt ausinterpretiert, in dem nicht<br />

mehr der Mensch allein im Zentrum steht,<br />

sondern auch Natur und Umwelt.„Es geht um<br />

Identität und Austausch und darum, nicht nur<br />

in der Welt,sondern auch mit der Welt zu sein.“<br />

Für ihreSerie „Flux Selves“ etwa,die derzeit<br />

im Rahmen desCommunity-Projekts„Close/d“<br />

desKunsthausesWien gezeigtwird, geht sie<br />

vondigitalen Avataren aus. Nurauf den ersten<br />

Blick scheinen diese vonklassischen Porträts<br />

hergeleitet,defacto wurden sie durch mannigfaltigedigitale<br />

Prozesse „beyond destypisch<br />

Menschlichen“(Mazzanti) transformiert. Zum<br />

aktuellen Hype um die KI hatsie ein reserviertesVerhältnis.<br />

„Ich habe mit KI experimentiert,<br />

diese findet aber in meiner aktuellen künstlerischen<br />

Arbeit keine Anwendung.Jedoch sehe<br />

ich einen starkenNutzen zur Unterstützung allgemeiner<br />

Arbeitsprozesse.“<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 19


Klassische Moderne<br />

27. November,Montag, 14 Uhr<br />

Werner Berg(Detail), €70.000-140.000<br />

Antiquitäten<br />

29. November,Mittwoch, 14 Uhr<br />

Birnkrug, Gmunden, datiert1758, €15.000-30.000<br />

Zeitgenössische Kunst<br />

27. November,Montag, ab 16 Uhr<br />

Markus Prachensky* (Detail), €<strong>20</strong>.000-40.000<br />

Schmuck<br />

29. November,Mittwoch, ab 16 Uhr<br />

Naturperlen-Collier, €15.000 -30.000<br />

Alte Meister<br />

28. November,Dienstag, 16 Uhr<br />

DesideriodaSettignano Umkreis, €150.000 -300.000<br />

Uhren<br />

29. November,Mittwoch, ab 17:30 Uhr<br />

Museale Email-Taschenuhr, €15.000 -30.000<br />

Gemälde des19. Jahrhunderts<br />

Jugendstil &Design<br />

28. November,Dienstag, ab 17 Uhr<br />

30. November,Donnerstag, 16 Uhr<br />

Tina Blau (Detail), €<strong>10</strong>0.000 -<strong>20</strong>0.000 DemetreH.Chiparus, €45.000 -90.000<br />

imkinsky.com<br />

Schaustellung: 17.-30. November,Mo-Fr<strong>10</strong>-18 Uhr,Saund So <strong>10</strong>-17 Uhr


MariaLassnig (Detail), €250.000 -500.000<br />

AlleWerkeder Jubiläumsauktion:<br />

imkinsky.com/online-katalog<br />

Evening Sale<br />

Ausgewählte Werke<br />

27. November,Montag, 19 Uhr<br />

Auktionshaus im Kinsky, Freyung 4, A-<strong>10</strong><strong>10</strong> Wien,<br />

office@imkinsky.com, +43 1532 42 00


DNA-Falle. Heather<br />

Dewey-Hagborgdemonstriert<br />

hier die Willkür<br />

DNA-basierter<br />

Fahndungsfotos.<br />

Am MAK. Marlies<br />

Wirth ist Kuratorin<br />

für Digitale<br />

Kunst und Kustodin<br />

der Sammlung<br />

Design.<br />

Der Hype und<br />

seine Wurzeln<br />

Das Thema der künstlichen Intelligenz<br />

dominiert den Diskurs derzeit in allen<br />

Facetten. Wie steht die Kunstwelt dazu?<br />

Text: Johanna Hofleitner<br />

22 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Ob Alltag, Privatleben, Beruf –von der-<br />

Suchmaschine über die Partnerbörse<br />

bis zur medizinischen Diagnostik, von<br />

Smartphone-Apps, Mobilität und Marketing<br />

bis zu Wetter-, Pandemie-, Klima- und<br />

Finanzprognosen gibt es kaum einen Lebensbereich,<br />

der nicht von künstlicher Intelligenz (KI)<br />

durchdrungen ist. Es gibt kein Zurück mehr. Die<br />

KI ist lang schon nicht mehr bloß eine Spezialangelegenheit<br />

von Wissenschaft oder Forschung,<br />

Sie istinder Gesellschaft angekommen.<br />

Mit generativen Bild- und Text-KIs lassen sichheute<br />

scheinbar mühelos Texte, Videoclips oder<br />

Songs generieren. Anwendungen wie Midjourney<br />

oder Dall-E, die auf Knopfdruck aus Textbeschreibungen<br />

Bilder erstellen, ChatGPT &Co.<br />

haben den Hype nur noch mehr befeuert. Nach<br />

ihrem Aufpoppen dauerte es nur kurze Zeit, bis<br />

rund tausend Tech-Experten, darunter Tesla-<br />

Milliardär Elon Musk und Apple-Mitbegrün-<br />

Fotos:Krisitna Wisig,, Marcella Ruiz Cruz for PWMagazine, CSA Zagreb, beigestellt.


Immersiv. „COM-<br />

BATscience“ reflektiert<br />

wissenschaftsethische<br />

Fragen mittels<br />

Mixed-Reality.<br />

der Steve Wozniak, einen sechsmonatigen Forschungsstopp<br />

forderten. Im Endeffekt blieb es<br />

seitens der Forschung bei einer symbolischen<br />

Geste, die aber dennoch zumindest verbreitete<br />

Sorgen aufden Punkt bringt.<br />

Wer hat Angst vor der KI? „Wir müssen keine<br />

Angst vor neuen Technologien wie der künstlichen<br />

Intelligenz haben“, sagtMarlies Wirth, Kuratorin<br />

und Leiterin der MAK-Sammlung Design<br />

und Digitale Kultur. „Sie haben denselben Stellenwert<br />

wie andere Tools – Holz etwa oder<br />

Metall. Das macht sie als Phänomen der ,digital<br />

culture‘ –sowie Design –für die Sammlungskonzeption<br />

des MAK umfassend interessant, auch<br />

wenn es, wie auch die zeitgenössische Kunst,<br />

aus den klassischen Kategorien herausfällt.“ Mit<br />

dieser Orientierung nimmt das Museum hierzulande<br />

eine Vorreiterrolle ein, die auch durch einschlägigeGroßausstellungen<br />

zu neuen Technologien<br />

manifestiert wird, in diesem Sommer etwa<br />

„/imagine“: Diese „Reise in die Neue Virtualität“<br />

bot einen Überblick über deren vielfältige<br />

„Die KI istvergleichbar mit der ersten industriellen Revolution<br />

–nur dass jetzt allesinrasendem Tempo passiert.“<br />

neue Gestaltungsstrategien. „Wie Design<br />

begreifen wir auch die digitale Kultur als<br />

Ganzes als eine experimentelle, manchmal<br />

auch spekulative Strategie zur Veränderung<br />

der Gesellschaft“, stellt Marlies Wirth<br />

klar. „Gerade der Designbereich ist vermehrt<br />

sich aus der Produktion und Verarbeitung von<br />

technologiebasiert.“<br />

Daten ergibt, und ihrer willkürlichen Interpretation<br />

Als Paradebeispiel aus der MAK-Sammlung<br />

verweist wiederum die transdisziplinäre<br />

nennt sie das erste KI-Emoji, das in der Großausstellung<br />

Künstlerin und Biohackerin Heather Dewey-Hag-<br />

„Uncanny Values“ gezeigt wurde. <strong>20</strong>19<br />

borg.Inihrer Arbeit „ProbablyChelsea“ etwa ver-<br />

vom Wiener Process Studio entwickelt, funktioniert<br />

sammelte sie dreißig ganz unterschiedlich aus-<br />

dieses „AImoji“ auf Basis eines Datensets<br />

fallende mögliche Porträts der amerikanischen<br />

von 3145 häufig benutzten Emojis. Oder Trevor<br />

Whistleblowerin Chelsea E. Manning, die alle<br />

Paglen: Der US-amerikanische Foto- und Videokünstler<br />

algorithmisch durch die Kombination von DNA-<br />

sowie Aktivist beleuchtet in seinen<br />

Analyse und einem Gesichtserkennungsystem<br />

Werken die politischen Dimensionen und Prozesse,<br />

erzeugt wurden –eine Technologie, die auch bei<br />

die hinter den mächtigen Fassaden der<br />

der Erstellung von Fahndungsfotos verwendet<br />

neuen, ursprünglich häufig fürs Militär entwickelten<br />

wird und deren Variabilität Rassismus, Sexismus<br />

Technologien ablaufen. Wirth: „Es geht<br />

und anderen Vorurteilen Tür und Toröffnet.<br />

immer auch um die Frage, woher die Bilder des<br />

Machine Learnings kommen. Die Datensätze der<br />

Medienkünstlerin.<br />

Ruth<br />

Machbarkeit und Wissenschaftsethik. Ruth<br />

Trainingsbibliotheken sind alle menschengemacht<br />

voneiner Vielzahl schlecht bezahlter Indiversität<br />

für angewandte Kunst die Abteilung für<br />

Schnell warProfessorin<br />

für Digi-<br />

Schnell, die bis vor Kurzem an der Wiener Unitale<br />

Kunst an der<br />

viduen in Billiglohnländern.“ Auf die ethische<br />

Digitale Kunst leitete, ist eine Pionierin der jüngeren<br />

österreichischen Medienkunst-Szene, also<br />

Angewandten.<br />

Problematik der „Data Bias“, also Verzerrung, die »<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 23


Fiktion. Stockburgers„Worldeater“-Serie<br />

simuliert<br />

mittels Listen<br />

die Logik von KI-<br />

Plattformen.<br />

auf den Kopf stellt. Sie ist vergleichbar mit der<br />

ersten industriellen Revolution –mit dem Unterschied,<br />

dass jetzt alles inrasendem Tempo passiert.“Ein<br />

Problem der neuen Technologien sieht<br />

sie auch in deren Abhängigkeit vom Markt. „Die<br />

Entwicklung ist inden letzten Jahren zu einem<br />

Kapitalismus-Thema geworden, sie hat sich von<br />

unabhängigen Forschungsinstitutionen oder<br />

auch der Gamer-Community hin zu Konzernen<br />

wie Google, Microsoft,Amazon und anderen verlagert.<br />

Dort geschieht die eigentliche Entwicklung<br />

der KI. Wir bekommen davon bloß Nebenprodukte<br />

wie ChatGPT oder Midjourney indie<br />

Hände.“<br />

»<br />

„Jeder Algorithmus hateinen Zweck.Esgibt hierbei<br />

keine Neutralität,das istein Phantasma.“<br />

der Generation nach Peter Weibel, Valie Export,<br />

Robert Adrian Xoder Robert Kriesche. In ihrer<br />

Karriere hat sie die verschiedenen Stufen der<br />

Digitalisierung bis hin zur KI durchlaufen, ohne<br />

jeden einzelnen Hype mitzumachen. „Datenhandschuhe<br />

habe ich ausgelassen“, sagt sie, „das<br />

war mir zu inhaltsleer.“ Seit dem Studium in den<br />

frühen 1980ern bei Peter Weibel an der Angewandten<br />

dreht sich in ihrer Kunst alles umdie<br />

Erzeugung bewegter Bilder mit digitalen Mitteln,<br />

angefangen von den ersten Experimenten am<br />

einzigen (teuren!) CommodoreC64inder Klasse<br />

bis hin zu den aktuellen Arbeiten mit immersiven<br />

medialen Environments, in denen Augmented<br />

Reality zum Einsatz kommt und künstliche<br />

Intelligenz verhandelt wird.<br />

Schnells kürzlich in einem Saal der Otto-Wagner-<br />

Postsparkasse präsentierte, mittels HoloLens,<br />

einer speziellen Mixed-Reality-Brille, erfahrbare<br />

Arbeit „COMBATscience Augmented II“ etwa diskutiert<br />

grundlegende Fragen der Wissenschaftsethik,<br />

der Machbarkeit um jeden Preis und des<br />

Feminismus, ausgehend vonden Gasangriffen im<br />

Ersten Weltkrieg bis hin zur Forschung an autonomen<br />

KI-basierten Waffensystemen der Gegenwart.<br />

„Die Sci-Fi-Szenarien sind näher denn je.<br />

Manmusssich damit befassen“, sagtSchnell. „Die<br />

KI ist ein gefährliches Terrain, weil sie die Welt<br />

Tipp<br />

Fragen. Videointerviewssind<br />

ein zentrales Tool<br />

für Stockburgers<br />

künstlerische<br />

Recherchen.<br />

Reflexion. Axel<br />

Stockburger lehrt<br />

Kunst- und Kulturtheorie<br />

an der<br />

Akademie der bildenden<br />

Künste.<br />

Digitale Animationen.<br />

Mit der Ausstellung „edging“<br />

des Hongkonger Multimedia-<br />

und Outsider-Künstlers<br />

Wong Ping eröffnet das<br />

Wiener MAK seine neue<br />

Ausstellungshalle<br />

MAK Contemporary.<br />

25. <strong>10</strong>.–31. 3. <strong>20</strong>24, mak.at<br />

Clickbaits und Datenmüll. Axel Stockburger<br />

ist nicht nur als assoziierter Professor für Kunst<br />

und Kulturtheorie an der Wiener Akademie der<br />

bildenden Künste und Mitglied im Secessionsvorstand<br />

sowie der transdiziplinären Plattform<br />

„Technopolitics“ nah am zeitgenössischen Diskurs<br />

dran. Auch in seiner eigenen künstlerischen<br />

Arbeit nimmt die Reflexion aktueller Phänomene<br />

einen zentralen Stellenwert ein, wofür er gern in<br />

die Tiefe bohrt. „Ich finde es spannend, wie neue<br />

Technologien die Art und Weise verändern, wie<br />

wir über Kunst und Kultur nachdenken. Vondem<br />

her ist die Zäsur durch die KI vergleichbar mit<br />

der Erfindung desBuchdrucks.“<br />

Ein Nachdenken über KI wird bei ihm etwa vom<br />

Begriff der Intelligenz her angelegt, wie in dem<br />

<strong>20</strong><strong>20</strong> geführtenVideo-Interviewmit Oswald Wiener,<br />

den er nicht nur als Sprachtheoretiker und<br />

Schriftsteller zu Wort kommen lässt,sondern insbesondere<br />

auch als Kybernetiker. Oswald Wiener<br />

spricht in dem Interview inBezug auf künstliche<br />

Intelligenz von einem „funktionalen Äquivalent,<br />

das so ähnlich aussieht wie das, was Menschen<br />

machen“. „Dieses Maschinendenken funktioniert<br />

sogar richtig gut“, so Stockburger, „aber es<br />

hat nichts damit zu tun, wie Menschen denken.<br />

Es sieht nur soaus, als wäre es etwas, obwohl in<br />

Wirklichkeit nur Clickbaits produziert werden.“<br />

Die große Gefahr liegt für ihn daher nicht darin,<br />

dass die KI selbstbewusst und übermächtig wird.<br />

„Das Problem ist vielmehr, dass der Datenmüll<br />

durch die neuen Anwendungen exponential<br />

wächst.Das istdie billigsteArt, Content zu produzieren<br />

–wie Fast Food.“ Das wiederum führt zur<br />

Frage der Entsorgung dieses Datenmülls. Stockburger:„Wirsind<br />

sehr gern bereit,Dingeauszulagern,<br />

was politisch ein Riesenproblem wird. Und<br />

es wird umso größer, jemehr Müll wir produzieren.<br />

Jeder Algorithmus hat einen Zweck. Esgibt<br />

keine Neutralität,das istein Phantasma.“ e<br />

Fotos: ©Axel Stockburger, beigestellt.<br />

24 <strong>Kulturmagazin</strong>


Gastkünstlerin.Die<br />

feministische chinesische<br />

Künstlerin Li Xinmo<br />

arbeitet in unterschiedlichen<br />

Medien.<br />

IhrePerformances<br />

zeichnet eine schonungslose<br />

Direktheit,<br />

gepaart mit zarter<br />

Symbolik, aus.<br />

Für die<br />

Kunst<br />

brennen<br />

Die unterschiedlichen<br />

Facetten der Leidenschaft<br />

sind Leitthema der<br />

diesjährigen Vienna Art<br />

Week. Text: Johanna Hofleitner<br />

Inklusion. Die radikale<br />

Modernität von Claude<br />

Monets Spätwerk<br />

ist nicht zuletzt einem<br />

Augenleiden geschuldet.Sein<br />

später „Seerosenteich“<br />

steht Pate<br />

für einen inklusiven<br />

Kreativworkshop im<br />

Atelier der Albertina.<br />

26 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Schwebezustand. Die<br />

Fotografin CaraRomero<br />

ist eine von 24 indigenen<br />

Künstlern der<br />

Schau „Science Fiction(s)“,<br />

die im Weltmuseum<br />

über alternative<br />

Zukunftsszenarien<br />

und die Welt von<br />

morgen nachdenken.<br />

Wer kennt sie noch nicht? Die<br />

Vienna Art Week, die in diesem<br />

November bereits zum<br />

19. Mal stattfindet. Quer<br />

durch die Museen, Galerien, Studios,<br />

Kunstuniversitäten und Alternativ-Spaces<br />

der Stadt ist die Wiener Kunstwoche eine<br />

großartige Gelegenheit, sich mit der Vielfalt<br />

des Wiener Kunstgeschehens vertraut<br />

zu machen. Unter dem Motto „Inciting Passion“<br />

dreht sich diesmal alles umdie Leidenschaft.<br />

Sie ist allem voran eine positive<br />

Kraft,die die Liebe ebenso wie die Kunst in<br />

all ihren Ausprägungen befeuert. Sie spielt<br />

darüber hinaus aber auch im Berufsleben,<br />

Bildmagie. Claudia<br />

Larcher arbeitet mit<br />

Ansichten von Körpern,<br />

Landschaften,<br />

Architekturen. Diese<br />

dreht,spiegelt und<br />

seziert sie und entwickelt<br />

auf diese Weise<br />

eine eigene Bild- und<br />

Formensprache.<br />

Tipp<br />

Vienna Art Week. Die<br />

Kunstwoche bietet <strong>10</strong>0<br />

Veranstaltungen mit 70<br />

Programmpartnern. Als<br />

Festivalzentrale fungiert<br />

eine ehemalige Druckerei<br />

in Fünfhaus (<strong>10</strong>.–17. 11.).<br />

viennaartweek.at<br />

in der Politik und Religion eine treibende<br />

Rolle, wo sie sich einerseits als Engagement<br />

äußern kann, andererseits aber auch<br />

gefährlich und zerstörerisch wirkenkann.<br />

Gefühlslage unserer Zeit. Diese Doppeldeutigkeit<br />

der Passion durchzieht sämtliche<br />

Veranstaltungen als Leitthema, insbesondere<br />

die programmatische Hauptausstellung<br />

in der Festivalzentrale, die einmal<br />

mehr in einem abbruchreifen Haus untergebracht<br />

ist. Diesmal konnte eine aufgelassene<br />

Druckerei mit Geschäftslokalen und<br />

Wohnungen in der Nähe desWestbahnhofs<br />

aufgetan werden. <strong>10</strong>00 Quadratmeter stehen<br />

Künstlerinnen und Künstlern als multimediale<br />

Experimentierfläche zur Verfügung,unter<br />

ihnen auch prominenteNamen<br />

wie Bill Viola, Tracey Emin, Hans Ashley<br />

Sheirl oder die feministische chinesische<br />

Künstlerin Li Xinmo,die in diesem Jahr von<br />

der Vienna Art Week zueiner dreiwöchigenResidencyeingeladen<br />

wurde.<br />

Ein Klassiker jeder Vienna Art Week sind<br />

auch die Open Studio Days, für die fünfzig<br />

Künstlerinnen und Künstler von Alfredo<br />

Barsuglia bis Beatrix Zobl zwei Nachmittage<br />

lang ihre Ateliers öffnen. Neben<br />

geführten Touren („Open Studio Days Walking<br />

Tours“) werden teilweise auch Workshops<br />

oder Performancesgeboten.<br />

Eine generelle, längst fällige Neuerung ist<br />

last but not least ein inklusives Programm<br />

für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen,<br />

Demenzerkrankte und<br />

Menschen mit eingeschränkter Mobilität.<br />

Angeboten wirdesvon Albertina, Architekturzentrum,<br />

Belvedere, Kunsthalle, Kunsthistorischem<br />

Museum und Strabag. e<br />

Fotos: ©Cara Romero, ©LiXinmo(2), Albertina, Wien -Sammlung Batliner, ©Michael Michlmayr für Fotogalerie Wien.


Langenlois spielt auf<br />

Die LOISIARTE im März <strong>20</strong>24 setzt auf den Komponisten Gerald Resch –<br />

im Fokus von vier Konzertprogrammen.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Die LOISIARTE ist <strong>20</strong>24 wieder<br />

Kulturhotspot.<br />

Werke des Komponisten Gerald<br />

Resch (oben) werden in Langenlois<br />

geboten.<br />

Fotos: POV Robert Herbst, beigestellt<br />

Mit dem oberösterreichischen Komponisten<br />

Gerald Resch steht in Kooperation mit<br />

Imago Dei bei der LOISIARTE <strong>20</strong>24 ein<br />

Vertreter der jüngeren österreichischen<br />

Komponistenszene im Mittelpunkt der vier Konzertprogramme.<br />

Vom 21. bis zum 24. März <strong>20</strong>24 ist das<br />

Publikum eingeladen, ausgewählte Werke im Loisium<br />

in Langenlois zu erleben.<br />

Verschiedene Perspektiven. Gerald Reschs Œuvre<br />

ist bereits umfangreich und sehr vielfältig, Bei der<br />

LOISIARTE <strong>20</strong>24 kann nur ein kleiner Ausschnitt aus<br />

dem Werk des Komponisten vorgestellt werden, aber<br />

es wurden Kompositionen ausgewählt, die den Künstler<br />

Gerald Resch von ganz verschiedenen Seiten<br />

beleuchten. Sein Streichquartett Nr. 3,„attacca“, wird<br />

ebenso erklingen wie „Madrigale für fünf Stimmen a<br />

cappella nach zeitgenössischen Liebesgedichten“,<br />

„Fünf Versuche nach Italo Calvino“ für Klaviertrio, das<br />

kürzlich uraufgeführte „Fluid“ für Violine und Klavier<br />

und das „Notturno turbato“ für Klavier solo.<br />

Komponisten, Literaten. Franz Schubert und Maurice<br />

Ravel sind Komponisten, die Gerald Resch als ihm<br />

besonders nahestehend erwähnt –die künstlerische<br />

Leitung hat daher entschieden, diesmal die Programmkonzeption<br />

der LOISIARTE ganz auf drei Komponisten<br />

aufzubauen: In jedem Konzert werden Werke von Maurice<br />

Ravel, Gerald Resch und Franz Schubert und ein<br />

ausgewählter literarischer Beitrag zu hören sein. Die<br />

Sonate für Violine und Violoncello und die Violinsonate<br />

von Maurice Ravel werden ebenso zu hören sein wie<br />

vierhändige Klaviermusik von Franz Schubert oder das<br />

Kalender<br />

LOISIARTE Musik &Literatur<br />

im LOISIUM<br />

Neuer Termin: 21. bis 24. März <strong>20</strong>24<br />

Kooperationspartner Imago Dei<br />

www.klangraum.at<br />

Gäste,die beide Spielstätten besuchen,<br />

erhalten 25%Rabatt auf das<br />

Ticket<br />

Besuchen Sie die neueWebsite:<br />

www.loisiarte.at<br />

berühmte „Forellenquintett“,<br />

und auch der Arnold Schoenberg<br />

Chor –seit Anbeginn der<br />

LOISIARTE ein Fixpunkt im<br />

Programm des Festivals –<br />

wird Kompositionen für Chor<br />

acappella aller drei Komponisten<br />

zu seinem Auftritt bei der LOISIARTE <strong>20</strong>24 mitbringen.<br />

Mit einigen Geschichten wird Italo Calvino vertreten<br />

sein, und Thomas Bernhard verspricht Unterhaltung<br />

auf höchstem Niveau. Der künstlerische Leiter<br />

Christian Altenburger freut sich weiters über die<br />

Zusagen von Mitra Kotte, Benjamin Herzl und Dominik<br />

Wagner. Erstmals wird Markus Meyer bei der LOISIAR­<br />

TE lesen, und Julia Stemberger ist –wie <strong>20</strong>23 –zweimal<br />

zu Gast, sie wird einen der literarischen Beiträge<br />

gestalten und auch wieder beim Kinderkonzert am<br />

Sonntagnachmittag (24. 3. <strong>20</strong>24) lesen.<br />

Zur Person. Gerald Resch kann auf eine erfolgreiche<br />

Laufbahn zurückblicken. Jahrgang 1975, startete der<br />

Linzer seine Ausbildung in Wien bei<br />

Iván Eröd und setzte sein Kompositionsstudium<br />

bei York Höller, Michael<br />

Jarrel, Beat Furrer und bei Germán Toro­Perez<br />

fort. Nebenbei absolvierte er<br />

ein Studium der Musikwissenschaft,<br />

Philosophie und Kunstgeschichte. Er<br />

konnte mehrere Forschungsstipendien<br />

für sich entscheiden, unterrichtete und<br />

erhielt <strong>20</strong>22 eine Professur für Komposition<br />

an der Universität für Musik und<br />

darstellende Kunst Wien.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 27


Wachstum. Zwischen zwei und sechs<br />

Metern ragen die Metallskulpturen von<br />

Arne Quinze in die Höhe.<br />

Fotos: Dave Bruel(2).<br />

28 <strong>Kulturmagazin</strong>


Freiluftkunst<br />

und Lebensart<br />

Auf dem Gelände eines Hotels und Weingutes in<br />

Istrien soll ein Skulpturenpark entstehen. Den<br />

Anfang machen Arbeiten von Arne Quinze.<br />

Text: Daniel Kalt<br />

Eine der beeindruckendsten Skulpturen,<br />

die der Belgier Arne Quinze<br />

für den öffentlichen Raum geschaffen<br />

hat, war wohl seine bei aller<br />

Gigantomanie zugleich doch filigrane<br />

Arbeit „Uchronia“. Sie wurde <strong>20</strong>06 in der<br />

Wüste von Nevada für das berüchtigte<br />

Burning-Man-Festival aufgebaut, bestand<br />

aus 150 Kilometern an- und übereinander<br />

befestigten Holzlatten, die das Sonnenlicht<br />

durchschimmern lassen und dabei selbst<br />

wie Strahlen wirken sollten. Lichterloh<br />

endete die Angelegenheit auch, wie das bei<br />

Burning Man so üblich ist: Das Kunstwerk<br />

ging in Flammen auf, damit die Wüste, der<br />

Philosophie dieses Festivals folgend, wieder<br />

ihrem ursprünglichen Zustand zugeführtwerden<br />

konnte.<br />

Verlorenes Paradies. Arne Quinze<br />

nun, Jahrgang 1971, hat sich in den<br />

letzten Jahren als Schöpfer solcher<br />

Public-Art-Präsenzen einen ausgezeichneten<br />

Namen gemacht.Museen<br />

und Stiftungen zählen zu seinen Auftraggebern;<br />

in dem von Santiago<br />

Calatravageschaffenen Komplexdes<br />

Wissenschaftsmuseums von Valencia<br />

standen Quinzes Arbeiten im<br />

Dialog mit der unverwechselbaren<br />

Museumsarchitektur des Lokalmatadors.<br />

Und während er in Nevada<br />

seine Qualitäten als Gestalter einer<br />

naturbelassenen Wüstenlandschaft<br />

unter Beweis stellte, gilt Quinze im<br />

Allgemeinen als Spezialist für Stadträume,<br />

die ihm als Begegnungszonen<br />

von sogenannten City-Users<br />

am Herzen liegen. Das lässt sich<br />

wohl auch aus seinem Werdegang<br />

erklären: Arne Quinze war nämlich<br />

Graffiti-Künstler, ehe er sich auf das<br />

Dreidimensionale verlegte.<br />

Eine wichtigeRolle spieltefür seinen künstlerischen<br />

Werdegang außerdem der Garten<br />

seines Vaters, den er als Rückzugsort allerdings<br />

verlor, als seine Eltern sich trennten.<br />

Erst im Erwachsenenalter hat Arne Quinze<br />

sich wieder seinen eigenen Paradiesgarten<br />

geschaffen, den er als aufmerksamer Beobachter<br />

studiert und so auch auf der Suche<br />

nach Vorlagen für biomorphe Neuschöpfungen<br />

nutzt.<br />

Seine Werkserie der „Lupinen“ etwa<br />

ist eine, die eng in Verbindung mit der<br />

Natur als Inspirationsquelle steht. Und<br />

sie sind auch jene Gruppe von Arbeiten,<br />

auf die seit diesem Sommer die Gäste des<br />

Meneghetti Hotels in Istrien, eines Hauses<br />

der Relais&Châteaux-Vereinigung, treffen,<br />

wenn sie über das weitläufige Gelände spazieren.<br />

Zwischen zwei und fünf Metern sind<br />

die Lupinen hoch, die der Berliner Kunst-<br />

Verpflanzt. Zwei der sechs vor Ort angebrachten<br />

„Lupinen“ schuf Quinze eigens<br />

für die Ausstellung in Istrien.<br />

berater und Kurator Reiner Opoku für<br />

diesen Skulpturengarten ausgewählt hat<br />

– unübersehbar also inmitten der Meneghetti-Weingärten.<br />

Sechs von ihnen sind<br />

vor Ort aufgestellt; zwei davon entstanden<br />

<strong>20</strong>23, nachdem die Zusammenarbeit mit<br />

Meneghetti besiegelt worden war.<br />

Es handelt sich bei dieser Freiluftausstellung<br />

nur um das erste von mehreren<br />

geplanten Kapiteln dieser Kunst-<br />

Geschichte, die nach und nach das riesige<br />

Grundstück um das Meneghetti-Haus<br />

zum Skulpturenpark machen soll. Bis<br />

Ende <strong>20</strong>24 werden die „Lupinen“ von Arne<br />

Quinze bleiben: Sie stehen hier auch zum<br />

Verkauf, zugleich ist angedacht, dass eine<br />

oder mehrere von ihnen dem Hotel erhalten<br />

bleiben. Ganz klar scheint freilich noch<br />

nicht zu sein, wie diese Ausstellungsreihe<br />

weitergeht und welche konkrete<br />

Form der Skulpturenpark eines<br />

Tages annehmen soll. Wenn man mit<br />

Opoku durch Gärten und Weingut<br />

spaziert, späht der Kurator aber da<br />

und dort schon nach Plätzchen für<br />

die Anbringung weiterer Werke.<br />

Nicht ganz St. Moritz. „Bisher fehlt<br />

noch ein wenig das Wissen um Istrien<br />

als eine attraktive internationale Destination“,<br />

sagt Reiner Opoku, der in<br />

Zusammenhang mit der Region von<br />

einem „defensiven High-Key-Tourismus“<br />

spricht. „Hier trifft man nicht<br />

die klassischen Südfrankreich-Leute,<br />

die das Gefühl haben, sich an einem<br />

bestimmten Ort zeigen zu müssen“,<br />

so der Kurator und Kunstmanager,<br />

der vor Jahren etwa für das Programm<br />

desSankt-Moritz-Art-Masters-<br />

Festivals verantwortlich zeichnete.<br />

Opoku selbst hat die Arbeit an<br />

einem anderen Großprojekt nach Istrien<br />

gebracht: Ein aufwendiger Bildband über<br />

die Brijuni-Inseln vor der Küste entsteht<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 29<br />

»


Meerblick. Die Anlage von Meneghetti<br />

Hotel &Winery ist nördlich von Pula,<br />

unweit der Adriaküste, gelegen.<br />

Die „Lupinen“von Arne Quinze bleiben bis<strong>20</strong>24,<br />

danach werden neue Kunstwerkeauf das Gelände<br />

kommen. So soll ein Skulpturenparkentstehen.<br />

Anwesen. Kurator Reiner Opoku sucht<br />

nach Anbringungsorten für künftige<br />

Skulpturen auf den Meneghetti-Gründen.<br />

»<br />

gerade. Diesen Ort preist Opoku als eine<br />

geradezu filmreife Kulisse an–mit Architektur,<br />

die ihn an Filme von Wes Anderson<br />

denken lasse. Für Menschen in<br />

der Region denkwürdig: der Safaripark<br />

mit Tieren, die einst Tito von<br />

Staatsoberhäuptern aus aller Welt<br />

geschenkt bekam.<br />

Wegen des Brijuni-Projekts, das ihn<br />

seit Längerem beschäftigt (der italienische<br />

Name der Inseln, Brioni,<br />

stand einst übrigens Pate für die<br />

gleichnamige Modemarke), hat<br />

Opoku seinen Lebensmittelpunkt<br />

phasenweise nach Kroatien verlegt<br />

und kam so auch in Kontakt mit<br />

Miroslav Plišo, der das Meneghetti-<br />

Hotel vor 21 Jahren zunächst als<br />

Nebenschauplatz seines Erwerbslebens als<br />

Anwalt in Zagreb startete.<br />

Das größereGanze. <strong>20</strong>02 erwarb Plišo hier<br />

eine kleine Stancija mit viel landwirtschaftlichem<br />

Grund: Was heute ein Fünfsternehotel<br />

mit 58 Zimmern und Suiten, verteilt<br />

auf ein Haupt- und zahlreiche Nebengebäude,<br />

ist, war einst ein Gehöft mit vier<br />

Zimmern. Nach und nach wurde erweitert<br />

und laufend restrukturiert, parallel ein<br />

eigenes Weingut aufgebaut. Heute produziert<br />

man circa 130.000 Flaschen im Jahr.<br />

Am beliebtestenist der für die Gegend typi-<br />

Tipp<br />

Meneghetti Hotel &Winery.<br />

Buchbar über meneghetti.hr<br />

Anreise. Vereinzelt Direktflüge<br />

nach Pula. Bale liegt etwaeine<br />

halbe Autostunde nördlich.<br />

Ausstellung. Die „Lupinen“ von<br />

Arne Quinze sind bis Dezember<br />

<strong>20</strong>24 zu sehen.<br />

sche Malvaiser, das Weingut ist heute eine<br />

eigenständige Attraktion für Tagesgäste.<br />

Erst <strong>20</strong>22 wurde ein Lokal für Weinverkostungen<br />

außerhalb der Hotelanlage<br />

eröffnet, ineinem von Zeljko Burić<br />

und Antonio Balazzero geplanten<br />

Gebäudekomplex.<br />

Für Miroslav Plišo gehören Hotel<br />

und Weinverkostungen zusammen<br />

zu einem größeren Ganzen, und<br />

auch sein Engagement als (Freiluft-)Kunstmäzen<br />

fügt sich in dieses<br />

Gesamtbild. „Wir haben in den Jahrenzuvor<br />

vereinzelt solche Projekte<br />

gestartet, außerdem junge Kunststudenten<br />

mit einem Stipendium<br />

unterstützt, über das sie sich sehr<br />

gefreut haben.“ Als er Reiner Opoku<br />

kennenlernte, der vor seiner Tätigkeit in<br />

Berlin lang in NewYorklebteund darum in<br />

großen Maßstäben zu denken pflegt, fasste<br />

Miroslav Plišo auch für Meneghetti neue<br />

Pläne. „Gutes Essen, Wein, ein Hotel, Kunst:<br />

Ich möchte hier schöne Dinge zusammentragen<br />

und sie unseren Gästen zeigen“, gibt<br />

er sich konkret. Erist übrigens auch selbst<br />

ein Sammler –allerdings von historischen<br />

Landkarten Kroatiens, bis zurück ins 14.<br />

und 15. Jahrhundert. „Von anderen Gegenden<br />

wären sie unbezahlbar, aber unser<br />

Land ist klein, das Interesse hält sich in<br />

Grenzen.“ e<br />

Fotos: Daniel Kalt, <strong>20</strong>23 Meneghetti(2).<br />

COMPLIANCE-HINWEIS: Die Reise erfolgte auf Einladung von Meneghetti Hotel &Winery.<br />

30 <strong>Kulturmagazin</strong>


Mehr als ein Konzert<br />

Die Kammermusik-Reihe der Wiener Symphoniker schafft neue Perspektiven<br />

auf Anton Bruckner und Arnold Schönberg.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Die Wiener Symphoniker und ihre Kammermusikreihe: Patricia Kopatchinskaja als Pierrot (ganz links), Emmanuel Tjeknavorian (Mitte oben)<br />

und Anton Bruckner (ganz rechts), der mit Arnold Schönberg im Fokus steht.<br />

Fotos: Marco Borggreve, Lukas Beck, ÖNB, beigestellt.<br />

Musik hören und mehr sehen –das ist das<br />

Motto der exklusiven Kammermusikreihe<br />

der Wiener Symphoniker. Diese Saison<br />

ziehen die Konzerte an gleich drei unterschiedliche<br />

Orte und drehen sich um die beiden Jubilare<br />

Anton Bruckner und Arnold Schönberg.<br />

Eine Entdeckungsreise. Im Arnold Schönberg Center<br />

widmet sich eine Sonderausstellung dem 150. Geburtstag<br />

des Komponisten: eine Entdeckungsreise zu<br />

„den Gesetzen der Natur und den Gesetzen unserer<br />

Denkweise“. Zu sehen sind Musikmanuskripte, Fotografien,<br />

Gemälde, Texte und historische Dokumente.<br />

Jedes der beiden Konzerte wird von einer exklusiven<br />

Führung eingeläutet.<br />

Am 23. November konfrontiert das HABE Quartett<br />

Wien Beethovens Streichquartett „Quartetto serioso“<br />

mit Schönbergs Streichquartett Nr. 2,dessen 4. Satz<br />

–der erste ohne Grundtonbezug in Schönbergs<br />

Schaffen –mit Stephan Georges Worten anhebt:<br />

„Ich fühle Luft von anderem Planeten“.<br />

Beim zweiten Termin am 29. Februar <strong>20</strong>24 erfahren<br />

Besucherinnen und Besucher zunächst mehr über Arnold<br />

Schönberg und Karl Kraus, bevor Geiger Emmanuel<br />

Tjeknavorian und Musiker:innen der Wiener Symphoniker<br />

Richard Strauss’ Streichsextett aus der Oper<br />

„Capriccio“ und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“<br />

für Streichsextett op. 4interpretieren.<br />

Information<br />

DER PREIS INKLUDIERT DEN<br />

KONZERTBESUCH SOWIE EINE<br />

EXKLUSIVE FÜHRUNG VORAB<br />

(AUSSER 16.6.).<br />

Abonnement (6 Konzerte):235 Euro<br />

Einzelkarten: 49 Euro<br />

www.wienersymphoniker.at<br />

Viele Facetten. Drei Konzerte finden in der Österreichischen<br />

Nationalbibliothek statt, die sich in ihrer Ausstellung<br />

„Anton Bruckner. Der fromme Revolutionär“ mit<br />

dem Einfluss des Komponisten auf die Musikgeschichte<br />

beschäftigt. Das Glière Quartett, die Vienna Classical<br />

Players und die Hornisten der Wiener Symphoniker<br />

stellen hier unterschiedliche musikalische Facetten des<br />

Komponisten vor. Am28. März steht der junge Anton<br />

Bruckner im Fokus des Abends. Die Vienna Classical<br />

Players widmen sich am 2. Mai in „Der Musikant<br />

Gottes“ der frommen Seite des Komponisten u. a. mit<br />

seinem „Locus iste“ in einer Bearbeitung für Streichorchester.<br />

Die Hornisten der Wiener Symphoniker gehen<br />

in ihrem Konzert am 3. Juni auf Spurensuche des großen<br />

Symphonikers. Dabei werden auch jene Wagner-<br />

Tuben des Orchesters zum Einsatz kommen, die einst<br />

bei der Uraufführung seiner 9. Symphonie gespielt<br />

wurden. Auf dem Programm stehen neben Werken<br />

Bruckners auch Bearbeitungen für Horn-Oktett von<br />

Felix Mendelssohn Bartholdy und Eric<br />

Ewazen.<br />

Ein weiterer Höhepunkt und Schlusspunkt<br />

der Kammermusikreihe ist die<br />

Aufführung von Schönbergs „Pierrot<br />

Lunaire“, einem Schlüsselwerk der<br />

musikalischen Moderne, mit Geigerin<br />

Patricia Kopatchinskaja am 16. Juni<br />

im Wiener Konzerthaus.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 31


Vonden Rändern<br />

des Alltags<br />

Fremdheit, Diversität, Marginalisiertes, Ausgegrenztes: Die Ausstellungen der dunklen<br />

Monate handeln viel von Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit. Text: Johanna Hofleitner<br />

1<br />

Fotos: ©National Art Museum of Ukraine; Wien Museum; Courtesy Galerie Wonnerth Dejaco and Katharina Höglinger; ©Anna Jermolaewa, Bildrecht, Wien <strong>20</strong>23.<br />

32 <strong>Kulturmagazin</strong>


2<br />

3<br />

4<br />

1. Unteres Belvedere<br />

„In the Eyeofthe Storm“. Die Ausstellung fasst die Errungenschaften der<br />

ukrainische Moderne in all ihrer Bandbreite zusammen –von der frühen Figuration<br />

bis zu Futurismus und Konstruktivismus.Ineinem Bogen vom Ersten<br />

Weltkrieg und der Revolution 1917, den Unabhängigkeitskampf (1917–<br />

21), die Gründung der Sowjetukraine bis hin zu Stalinismus und Holodomor<br />

werden auch Zusammenhänge mit der Kunst um 1900 verdeutlicht.Mit AlexandraExter<br />

(Bild), K. Malevich, V. Tatlin u. a. 23. 2.–2. 6. <strong>20</strong>24, belvedere.at<br />

2. Wien Museum Musa<br />

„<strong>20</strong>00er“. Im Vorfeld der großen Wiedereröffnung des Wien Museums am<br />

Karlsplatz erhält auch das Musa seine Bestimmung als Ausstellungszentrum<br />

für zeitgenössische Kunst zurück. Mit einer Schau über das erste Jahrzehnt<br />

des neuen Jahrtausends geht die Serie der Überblicksausstellungen zur heimischen<br />

Kunstszene in ihresechste Runde.„Bye-byeZuversicht“lautet ihr<br />

pessimistisches Motto in Anspielung auf 9/11 und den Terroranschlag auf<br />

das World Trade Center,der die Welt geopolitisch, gesellschaftlich und kulturell<br />

buchstäblich aus den Angeln hob.Bis 17. 3. <strong>20</strong>24, wienmuseum.at<br />

3. Kunstverein Eisenstadt<br />

„Doomscroll“. Jean Paul Sartres Figur des Antoine Roquetin aus dem<br />

Roman „Der Ekel“, der seine Gefühle und Subjektivität verloren hat,steht<br />

Pate für diese Groupshow.Inseinem Leiden spiegeln sich Phänomene der<br />

Gegenwart,etwadie Abkoppelung von Gefühlen infolge eines exzessiven<br />

Internetkonsums,welche Übersättigung in vermeintliche Wahrheit,Vorahnung<br />

oder Bestätigung kippen lässt.Esist Sache der Kunst,sich auf die Seite<br />

der Subjektivität zu schlagen. Mit Kerstin von Gabain, Katharina Höglinger<br />

(Bild), Robert Smithson u. a. 29. <strong>10</strong>.–25. 2. <strong>20</strong>24, kunstvereineisenstadt.at<br />

4. Museum der Moderne Salzburg<br />

„Anna Jermolaewa“. Anna Jermolaewa, Preisträgerin des renommierten<br />

Otto-Breicha-Preises für Fotokunst und offizielle Vertreterin Österreichs bei<br />

der kommmenden Venedig-Biennale, bezeichnet sich selbst als Realistin.<br />

In ihren Fotoserien hält sie immer wieder Beobachtungen des Alltags fest.<br />

Seit 1998 fotografiert sie etwainallen Teilen der Welt Märkte, deren Mikrokosmen<br />

für sie auch von gesellschaftlichen Themen wie Erinnerung, Entwurzelung,<br />

Neubeginn erzählen. 1. 12.–1. 4. <strong>20</strong>24, museumdermoderne.at<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 33


2<br />

1<br />

3<br />

34 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

1. Fotohof Salzburg<br />

„Open Territory“. Die Ausstellung präsentiert sieben Fotografinnen und Fotografen<br />

aus Tschechien und der Slowakei und deren Erzählungen von der<br />

Erkundung des Raums.Verwurzelt in der Tradition des Magischen Realismus,stehen<br />

öffentliche Räume und urbane Landschaften, Subkulturen und<br />

Außenseiter,der gewöhnliche Alltag im Mittelpunkt ihrer Fotografien und<br />

Filme.Daniel Šperl (Bild) etwafokussiert in seiner Serie „Homo Pragensis“<br />

das öffentliche Leben in Prag als einer Stadt,inder das Reale und Imaginäre<br />

eng ineinander verwoben scheinen. 1. 12.–27. 1. <strong>20</strong>24, fotohof.at<br />

2. Albertina Modern<br />

„The Beauty of Diversity“. Die Ausrichtung auf „weiße Männer“ durchzieht<br />

die Ausstellungs- und Sammlungspraxis der Albertina wie ein roter Faden.<br />

Dem tritt „The Beauty of Diversity“entschieden entgegen. Im Zentrum der<br />

Schau stehen die vielen Facetten der Diversität heute und die Vielfalt von<br />

Identitäten und Kunstformen –von Art Brut und Outsider-Art (Bild: Verena<br />

Bretschneider) über außereuropäische Kunst bis hin zu Ästhetiken, die sich<br />

jeglichem klassischen Kanon widersetzen. 16. 2.–18. 8. <strong>20</strong>24, albertina.at<br />

3. Heidi Horten Collection<br />

„We “. Das Sammlerinnen-Museum wirdzum Community-Projekt.Ausgehend<br />

von den Sammlungsschwerpunkten Expressionismus,1960er- und<br />

1970er-Jahresowie Figur und Abstraktion ist das Publikum eingeladen,<br />

über die <strong>20</strong> beliebtesten Werkeabzustimmen und so eine zukünftige Dauerpräsentation<br />

mitzugestalten. 24. 11.–25. 8. <strong>20</strong>24, hortencollection.com<br />

Fotos: Daniel Šperl; ALBERTINA, Wien –Sammlung Dagmar und Manfred Chobot ©Verena Bretschneider; Heidi Horten Collection, ©Bildrecht, Wien, <strong>20</strong>23.


KIND<br />

SEIN<br />

BezahlteAnzeige<br />

EINST<br />

UND<br />

JETZT<br />

GRUPPEGUT.IT<br />

13.05. –<br />

05.11.<strong>20</strong>23<br />

SCHALLABURG<br />

AUSSCHNITT AUS:<br />

Erzherzog Karl Joseph (1649-1664)<br />

mit Eichhörnchen, im Alter vonvier bis fünf Jahren<br />

Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie<br />

©KHM-Museumsverband<br />

Cornelius Sustermans, um 1653/54


1<br />

2<br />

1. Halle für Kunst & Neue Galerie Graz<br />

„Ernsthaft?!“. Alles dreht sich in dieser Doppelausstellung um das Lachen<br />

samt Albernheit und Enthusiasmus – ein wenig aufgearbeitetes Thema, das<br />

in Zeiten wie diesen höchst willkommen ist. Mit rund <strong>10</strong>0 Positionen von der<br />

frühen Moderne bis zur jüngsten Gegenwart, von Dada bis Post-Surrealismus<br />

und Post-Internet (Bild: Jeremy Deller), Camp bis B-Movies macht die<br />

Schau nicht nur Spaß, sondern unterminiert auch Konservatismen, Bigotterien,<br />

Doppelmoral und Dogmatismen, auch aus den eigenen Reihen.<br />

Bis 25. 2. <strong>20</strong>24, halle-fuer-kunst.at und museum-joanneum.at<br />

36 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

2. Kunsthalle Wien<br />

„Darker, Lighter, Puffy, Flat“. Brust, Busen, Titten, Mamma – die diversen<br />

Bezeichnungen für das sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmal verweisen<br />

auf seine unterschiedlichen Kontextualisierungen. Mit Werken mehrheitlich<br />

von Künstlerinnen spürt die Ausstellung den vielfältigen Bedeutungen<br />

der Brust in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft nach. Mit Werken<br />

von Lucia Dovičáková (Bild), Valie Export, Maria Lassnig, Abdul Sharif Oluwafemi<br />

Baruwa, Toni Schmale u. v. a. 29. 11.–14. 4. <strong>20</strong>24, kunsthallewien.at<br />

3. Kunsthaus Bregenz<br />

Solange Pessoa. Organische Materialien wie Erde, Moos, Wachs, Federn,<br />

Blut oder Leder spielen in Solange Pessoas Skulpturen, Bildern, Installationen<br />

und Videos eine zentrale Rolle. In ihren stets ortsspezifischen Installationen<br />

spiegelt sich eine Denkweise, die Natur als ein selbst schaffendes<br />

schöpferisches Prinzip begreift. 11. 11.–4. 2. <strong>20</strong>24, kunsthaus-bregenz.at<br />

3<br />

Fotos: Courtesy The Modern Institute/Toby Webster Ltd, Glasgow, Foto: Patrick Jameson, courtesy tmi; Courtesy Lucia Dovičáková; © Solange Pessoa und Mendes Wood DM Sao Paulo


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

MQ goes Green<br />

Klimawandel und Nachhaltigkeit sind die bestimmenden Themen unserer Zeit. Zu den<br />

zentralen Aufgaben von Kulturarealen zählt, auf unterschiedlichen Ebenen Wissen um das<br />

Thema Nachhaltigkeit zu vermitteln, aber auch aktiv kreative Impulse zu setzen.<br />

Fotos: MQ Haupthof ©MuseumsQuartier Wien, Foto: Klaus Pichler; converter, <strong>20</strong>23 ©Judith Fegerl,<br />

Bildrecht Wien, <strong>20</strong>23 lMuseumsQuartier Wien, Foto: Alexander Eugen Koller.<br />

Ein wesentliches Ziel im MuseumsQuartier ist<br />

der Weg hin zu einem klimaneutralen Kunstund<br />

Kulturareal bis <strong>20</strong>30. Mit der Initiative<br />

„MQ goes Green“ definiert das MQ zentrale<br />

Herausforderungen und Ziele. Zu den zentralen Maßnahmen<br />

zählt die Begrünung des Außenraums.<br />

Die Landschaftsarchitekt:innen D\D haben für die<br />

Höfe sowie den Vorplatz des MuseumsQuartier ein<br />

eigenes Begrünungskonzept entwickelt. Die Umsetzung<br />

erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren.<br />

Besonderes Augenmerk bei der Auswahl der Pflanzen<br />

liegt auf Klima- und Hitzeresilienz. Die Pflanzen sollen<br />

sich langsam an das Stadtklima gewöhnen und<br />

weiterentwickeln, sodass sich die Begrünung stetig<br />

verdichtet.<br />

Zukunftsstrategien bieten. „Der vergangene Sommer<br />

hat gezeigt, dass die Klimakrise keine Pause macht.<br />

Als Kulturschaffende können wir dabei eine Vorreiterrolle<br />

einnehmen. Unser Ziel muss es sein, Strategien<br />

für eine lebenswerte Zukunft für uns alle zu<br />

entwickeln. Mit den großzügigen und langfristigen<br />

Begrünungsmaßnahmen haben wir das Potential, ein<br />

um einige Grade kühleres MuseumsQuartier zu<br />

Begrünte Wohlfühlzone<br />

im<br />

Hof (l.), Skulptur<br />

von Judith Fegerl.<br />

Kulturtipps<br />

Skulpturenprojekte von Sonia Leimer<br />

und Tillman Kaiser im Rahmen<br />

des Jubiläums „300 Jahre<br />

Fischer von Erlach“<br />

ab 23. Oktober<br />

Winter imMQ<br />

8.11.–23.12<br />

www.mqw.at<br />

schaffen und dadurch die Aufenthaltsqualität für die<br />

Besucher:innen zu erhöhen. Somit leisten wir einen<br />

Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt“,<br />

so Bettina Leidl, Direktorin MuseumsQuartier Wien.<br />

Transformation unterstützen. Kultureinrichtungen<br />

haben eine Vorbildfunktion und können Multiplikatoren<br />

sein, um die Vision einer guten Zukunft für alle in die<br />

Gesellschaft zu tragen und die Transformation der<br />

Gesellschaft auf ökonomischer, sozialer und ökologischer<br />

Ebene zu unterstützen. Programmatisch greift<br />

daher auch die künstlerische Bespielung des öffentlichen<br />

Raums nachhaltige, gesellschaftsrelevante<br />

Themen und Entwicklungen auf, um Bewusstseinsarbeit<br />

zu leisten sowie Orientierung<br />

zu geben. Kunst hat die Möglichkeit,<br />

komplexe Inhalte erfahrbar zu<br />

machen. Besucher:innen wird imMQ<br />

ein ganzjährig kuratiertes Programm<br />

sowohl im Innen- als auch im Außenbereich<br />

geboten, um damit unterschiedliche<br />

Positionen und Blickwinkel<br />

zu zeigen sowie Austausch<br />

und Begegnung zu fördern.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 37


1<br />

2<br />

1. Kunstraum Lakeside<br />

„Solar“. BarbaraKapustanimmt in Installationen, Videos,Soundarbeiten,<br />

keramischen Skulpturen und sprachbasierten Werken soziale Beziehungen<br />

ebenso unter die Lupe wie politische Verhältnisse.Macht und Ohnmacht,<br />

Beherrschung und Unterwerfung sind dabei Leitmotive, der Blick ist immer<br />

vom Körper geleitet.Ineiner zunehmend von Codes durchdrungenen<br />

Lebenswelt ist er der Austragungsort,andem analoge und digitale Muster<br />

aufeinandertreffen. 22. 11.– 12. 1. <strong>20</strong>24, lakeside-kunstraum.at<br />

38 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

2. Mumok<br />

„Monsteradeliciosa“. Den medizinischen und gesellschaftlichen Umgang<br />

mit dem kranken Körper hat Benoît Piéron von Kindheit an am eigenen Leib<br />

erfahren. Die Krankheit samt den mit ihr verbundenen Strukturen und Hegemonien<br />

wurde seitdem zum beherrschenden Thema seiner Kunst.Umihr<br />

Plastizität zu verleihen, näht er aus recycelten Krankenhauslaken Flaggen,<br />

Plüsch-Seelenführer oder andereObjekte.26.<strong>10</strong>.–7.1.<strong>20</strong>24, mumok.at<br />

3. Museum Gugging<br />

„abstrakt.!?“. Laila Bachtiar,Jahrgang 1971, konstruiert ihreWelt mit dem<br />

Zeichenstift,indem sie in einem prozesshaften Wechselspiel von Figuration<br />

und Abstraktion Liniengerüste mit Strichkaskaden überfängt.Die Schau<br />

konfrontiert ihreWerkemit jenen von Gugginger Künstlern, die sich von Beginn<br />

an mehr der Abstraktion als der Figuration verpflichtet fühlten, Rudolf<br />

Schöpkeetwaoder Rudolf Liemberger.Bis <strong>20</strong>. 3. <strong>20</strong>24, museumgugging.at<br />

3<br />

Fotos: ©Babara Kapusta, <strong>20</strong>22; Courtesy Galerie Sultana ©Benoît Piéron; Privatsammlung, courtesy Galerie Gugging.


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Kunstschätze am Torzur Wachau<br />

Die längste Radierung der Welt und Kunstschätze aus 250 Jahren<br />

Kunstgeschichte gibt es in Krems zu entdecken.<br />

Herwig Zens, „Hexensabbat“, 1984, Öl, Acryl auf Leinwand.<br />

Fotos: Landessammlungen NÖ, Raffael F. Lehner, Christoph Fuchs, beigestellt.<br />

Das Unesco-Weltkulturerbe Wachau hat nicht<br />

nur sehenswerte Stifte und Burgen sowie<br />

hervorragenden Wein zu bieten, sondern<br />

auch ein herausragendes Kulturangebot. Die<br />

Landesgalerie Niederösterreich in Krems ist die erste<br />

Adresse für österreichische Kunst in Niederösterreich.<br />

Der spektakuläre Museumsneubau liegt nur fünf Gehminuten<br />

von der Schiffstation Krems-Stein entfernt und<br />

ist ein neuer, kultureller Hotspot in der bezaubernden<br />

Doppelstadt an der Donau. Die Landesgalerie zeigt auf<br />

3000 Quadratmetern modernster Ausstellungsfläche<br />

spannende Wechselausstellungen.<br />

Sammlungspräsentation. Aktuell präsentiert die Ausstellung<br />

„Kunstschätze vom Barock bis zur Gegenwart“<br />

hochkarätige Meisterwerke aus den Landessammlungen<br />

Niederösterreich. Die<br />

Schau bietet eine kurzweilige Reise<br />

durch Österreichs Kunstgeschichte der<br />

letzten 250 Jahre. Zu sehen sind aristokratische<br />

Porträts von Johann Peter<br />

Krafft, biedermeierliche Landschaftsmalerei<br />

von Franz Steinfeld dem Jüngeren<br />

oder impressionistische Stimmungsbilder<br />

von Emil Jakob Schindler. Anton<br />

Romakos „Mädchen mit Kaninchen“<br />

und Egon Schieles berühmte „Zerfallende<br />

Mühle“ sind weitere Höhepunkte.<br />

Der chronologische Rundgang führt bis<br />

in die Gegenwartskunst mit berühmten<br />

Künstler:innen wie Arnulf Rainer, Erwin<br />

Wurm, Renate Bertlmann oder Franziska Maderthaner.<br />

80. Geburtstag. Ab 4. November zeigt die Landesgalerie<br />

Niederösterreich eine große Ausstellung zu Herwig<br />

Zens (1943-<strong>20</strong>19) anlässlich seines 80.Geburtstags.<br />

Der niederösterreichische Künstler hatte nicht nur prägenden<br />

Einfluss auf das heimische Kunstgeschehen, er<br />

Die Landesgalerie Niederösterreich beeindruckt.<br />

Ausstellungsansicht<br />

„Kunstschätze<br />

vom<br />

Barock bis zur<br />

Gegenwart“.<br />

Kontakt<br />

LANDESGALERIE<br />

NIEDERÖSTERREICH<br />

Museumsplatz 1,3500 Krems<br />

www.lgnoe.at<br />

Öffnungszeiten:Di–So und Mo,<br />

wenn Feiertag,<strong>10</strong>bis 18 Uhr<br />

(ab 1. 11.:<strong>10</strong>–17 Uhr)<br />

Herwig Zens in Aktion.<br />

setzte auch als Professor für den Kunstunterricht neue<br />

Maßstäbe. Die Schau „Keine Zeit!“ ehrt Zens’ große<br />

Leistung als Lehrer und setzt einen Schwerpunkt auf<br />

sein außergewöhnliches druckgrafisches Werk. In über<br />

40 Jahren entstand sein über<br />

40 Meter langes radiertes Tagebuch.<br />

Es ist die längste Radierung<br />

der Welt. Rund zwölf Meter<br />

des einzigartigen autobiografischen<br />

Zeugnisses von Herwig<br />

Zens werden in Krems ausgestellt.<br />

Darüber hinaus werden<br />

Darstellungen griechischer Mythen,<br />

Zyklen zur Musikgeschichte<br />

und Zens’ Auseinandersetzung<br />

mit berühmten Malern wie<br />

Diego Velásquez und Francisco<br />

de Goya zu sehen sein. Das nur<br />

drei Gehminuten entfernte Forum<br />

Frohner in der malerischen Altstadt von<br />

Stein widmet Herwig Zens anlässlich seines<br />

Jubiläums ebenso eine Schau. Hier treffen<br />

seine Radierungen zum Thema Todund Vanitas<br />

auf Arbeiten von Adolf Frohner (1934<br />

–<strong>20</strong>07), der selbst ein exzellenter Druckgrafiker<br />

und Kunstprofessor war.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 39


1<br />

2<br />

1. MAK<br />

„Hard/Soft“. Was verbindet Fragen von Material, Ästhetik und Gesellschaft<br />

aus Avantgardesicht? Ein Anknüpfungspunkt könnten archaische Materialien<br />

wie Textil und Keramik sein, mitsamt ihrer haptischen Qualität. Damit<br />

verbundenee handwerkliche Prozesse wie Sticken, Knüpfen, Weben, Formen<br />

erschließen ihrerseits Schnittstellen zwischen bildender und angewandter<br />

Kunst, von der Architektur über die Musik bis hin zur Digitalität. Die Großausstellung<br />

versammelt u. a. Werke von Geta Brătescu, Gelatin, Nilbar Güres<br />

(Bild), Rosemarie Trockel, Ingrid Wiener. 3. 12.–28. 4. <strong>20</strong>24, mak.at<br />

40 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

2. Leopold Museum<br />

Gabriele Münter. Ihr Blick für Bildausschnitt und Komposition machte Gabriele<br />

Münter (1877–1962), Mitbegründerin des Münchner Kollektivs „Blauer<br />

Reiter“, zu einer der führenden Protagonistinnen der deutschen Avantgarde.<br />

Die Retrospektive zeichnet den Facettenreichtum ihres Schaffens nach, vom<br />

frühen Expressionismus über ihre neusachliche Phase bis hin zum synthetischen<br />

Spätwerk. <strong>20</strong>. <strong>10</strong>.–18. 2. <strong>20</strong>24, leopoldmuseum.org<br />

3. Secession<br />

Charlotte Prodger. Fragen zu Genderpolitik, Individualität und Freiheit stehen<br />

im Zentrum von Charlotte Prodgers Videos. Ihre neuesten Arbeiten filmte die<br />

Turner-Preisträgerin <strong>20</strong>18 mit dem Smartphone als maschineller Erweiterung<br />

des Körpers. Schonungslos Autobiografisches vermischt sich darin mit einem<br />

breiten Themenspektrum, das Anthropologie und Paläontologie ebenso einschließt<br />

wie Kunstgeschichte. 1. 12.–28. 1. <strong>20</strong>24, secession.at<br />

3<br />

Fotos: © Martin Janda; Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957, © Bildrecht, Wien <strong>20</strong>23; Courtesy die Künstlerin, Hollybush Gardens, London und Kendall Koppe, Glasgow, © Charlotte Prodger.


„Rock MeAmadeus“<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Die Vereinigten Bühnen Wien präsentieren mit „Rock Me Amadeus –Das Falco Musical“<br />

eine Show über eine Ikone der österreichischen Kulturszene.<br />

Falco hat bis<br />

heute Kultfaktor!<br />

Das Ensemble überzeugt<br />

in jeder Hinsicht.<br />

Das Musical wurde für<br />

Wien geschaffen.<br />

Die neueste VBW-Eigenproduktion erzählt die<br />

aufregende und bewegende Geschichte vom<br />

jungen Wiener Musiker Hans Hölzel und seinem<br />

Aufstieg zum Weltstar in einem spektakulären<br />

und gleichzeitig berührenden neuen Musical,<br />

das von international hochkarätigen Kreativen extra für<br />

Wien kreiert wurde. Mit über 60 Millionen verkauften<br />

Tonträgern, zahlreichen Nummer-1-Hits und Songs in<br />

Hitparaden von 27 Ländern gilt Falco bis heute als eine<br />

der erfolgreichsten Popgrößen Europas.<br />

Fotos: VBW/Deen van Meer, Stefanie Steindl, beigestellt.<br />

Emotionen, Erfolge, Eskapaden. „Rock Me Amadeus<br />

–Das Falco Musical“ ist eine Hommage an den österreichischen<br />

Ausnahmekünstler und würdigt Falco als<br />

Künstler und Mensch. Es wurde in Zusammenarbeit<br />

mit der Falco Privatstiftung sowie langjährigen Wegbegleitern<br />

Falcos entwickelt. Seine Karriere startete in<br />

den Underground-Clubs Wiens der 1980er-Jahre. Die<br />

selbst erschaffene Kunstfigur „Falco“, seine unvergesslichen<br />

Songs sowie sein exzentrisches und charismatisches<br />

Auftreten ließen ihn in kürzester Zeit weltberühmt<br />

werden. Neben Falcos größten Hits erwartet das<br />

Publikum eine aufregende Reise durch Emotionen,<br />

Erfolge, Eskapaden und die immer wiederkehrende<br />

Zerrissenheit des „Falken“, die tiefe Einblicke in sein<br />

Innerstes verspricht.<br />

Falco-Hits und brandneue Songs. Das Stück besticht<br />

durch eine beeindruckende Bühnenshow, mitreißende<br />

Choreografien, ein aufwendiges Bühnenbild, schillernde<br />

Kostüme –und natürlich Falcos unvergessliche<br />

Musik. Neben seinen größten Hits präsentieren die<br />

VBW in diesem Musical auch vier brandneue Songs,<br />

Unvergessliche<br />

Hits und neue<br />

Songs werden zu<br />

hören sein.<br />

Kontakt<br />

ROCK ME AMADEUS –<br />

DAS FALCO MUSICAL<br />

Ronacher,Seilerstätte 9, <strong>10</strong><strong>10</strong><br />

Wien; Di &Mi: 18.30 Uhr,Do, Fr<br />

&Sa: 19.30 Uhr,So: 14.00 Uhr,<br />

Mo: spielfrei,Onlinebuchungen<br />

über denTicketshop<br />

www.musicalvienna.at<br />

die von den Original-Falco-Komponisten und weltbekannten<br />

Musikproduzenten Ferdi Bolland und Rob<br />

Bolland (u. a. Bloodhound Gang, Samantha Fox, Reamonn,<br />

Fettes Brot) exklusiv für die Show komponiert<br />

wurden. Zudem stehen die beiden der Produktion als<br />

kreative Berater zur Verfügung. Außerdem sind auch<br />

Musikproduzent, Falco-Wegbegleiter und Komponist<br />

Robert Ponger sowie Markus Spiegel, ebenfalls legendärer<br />

Musikproduzent, Falco-Entdecker, Freund<br />

und langjähriger Vertrauter Konsulenten der Produktion.<br />

Es spielt das Orchester der VBW unter der<br />

Leitung von Michael Römer.<br />

Noch kurze Zeit: „Rebecca“. Am Raimund<br />

Theater kann man noch bis Jänner <strong>20</strong>24<br />

in den Genuss des Musicalhits „Rebecca“<br />

kommen. Intendant Christian Struppeck<br />

zeigt den legendären Musicalthriller der<br />

Erfolgsautoren Michael Kunze und<br />

Sylvester Levay.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 41


Digitale<br />

Kunst wird<br />

erwachsen<br />

Von NFT über VR bis KI: Die<br />

digitale Kunst erobert den<br />

Kunstmarkt und besinnt sich<br />

auf ihren historischen Kontext.<br />

Text: Eva Komarek<br />

VR-Lounge. Virtual-Reality-<br />

Reise von Christiane Peschek<br />

auf der Viennacontemporary.<br />

Fotos: kunstdokumentation.com<br />

42 <strong>Kulturmagazin</strong>


Ein Bällebad mit Sound und eine Virtual-Reality-Reise<br />

zum Entspannen in einer speziellen<br />

Lounge: „The Fetch“ heißt das Werk der Salzburger<br />

Künstlerin Christiane Peschek, das auf der<br />

diesjährigen Viennacontemporary inder von Francesca<br />

Gavin kuratiertenZone1für viel Aufmerksamkeit sorgte.<br />

Es ist ein Auftragswerk der Messe, die den Technologiekonzern<br />

Meta alsKooperationspartner für digitale Kunst<br />

gewinnen konnte. Im kommenden Jahr wird eseinen<br />

eigenen Bereich für digitale Kunst geben, kündigte VC-<br />

Geschäftsführer Markus Huber an. „Ich glaube, dass die<br />

Grenzen von Kunst und Kunstmessen immer mehr verschwimmen.<br />

Performance, Installationen und digitale<br />

Erfahrungen im Rahmen einer Messe erleben zu können<br />

hat eine starke Anziehungskraft. Man erreicht ein breiteres<br />

Publikum, und Sammler können aus dem Supermarktgefühl<br />

von Messen ausbrechen“, sieht Kuratorin<br />

Gavin eine große Chance in der Erweiterung von Kunstmessen.<br />

Peschek erlebt eine gestiegene Wertschätzung<br />

für digitale Kunst. „Vor ein paar Jahren war esschwer zu<br />

erklären, was ich mache. Heute erkennen die Menschen,<br />

dass es ein grundlegender Teil unserer Realität ist, und<br />

die Wertschätzung für diese Kunst nimmt zu.“<br />

Die Anfänge. Digitale Kunst ist keine neue Erscheinung.<br />

Ihre Wurzeln reichen bis indie 1960er-Jahre zurück, als<br />

computer- und systembasierte Kunst sowie konzeptuelle<br />

Kunstformen entstanden. Diese frühen Vorläufer legten<br />

den Grundstein für das, was wir heute als digitale Kunst<br />

kennen. Auch AR- und VR-Kunst tauchten schon früher<br />

auf. Man denke an Jordan Wolfsons Werk „Real Violence“<br />

auf der Whitney Biennale <strong>20</strong>17 oder<br />

Digitale Kunst<br />

istkeinneues<br />

Phänomen.<br />

IhreWurzeln<br />

reichten in die<br />

1960er-Jahre<br />

zurück.<br />

Jon Rafmans „View ofPariser Platz“,<br />

das auf der Berlin Biennale <strong>20</strong>16<br />

den Betrachter miterleben ließ, wie<br />

der Platz von einer apokalyptischen<br />

Explosion zerstört wird. Auch auf<br />

Messen tauchte VR-Kunst schon <strong>20</strong>19<br />

auf. Die Frieze NewYorkwidmeteihr<br />

einenkuratiertenSektor.<br />

Dennoch blieb digitale Kunst lang<br />

eine Randerscheinung. Die Wende<br />

kam <strong>20</strong>21, als die NFT-Bildcollage<br />

„Everydays“ des Künstlers Beeple<br />

bei Christie’s um69Millionen Dollar versteigert wurde.<br />

Damit wurde die NFT-Technologie zum Mainstream, und<br />

eine breite Gruppe von Sammlern begann, von dieser<br />

Kunstform und der neuen Technologie, die zum ersten<br />

Mal die sichere Übertragung des Eigentums an digitalen<br />

Werken ermöglichte, Kenntnis zu nehmen. Esentstand<br />

ein Hype, der jedoch nicht lang währte. Mit dem Krypto-<br />

Crash imFrühjahr <strong>20</strong>22 brach auch der NFT-Markt ein.<br />

Doch seitdem hat sich digitale Kunst zu einem bedeutendenPhänomen<br />

in der Kunstwelt entwickelt.<br />

„Der Markt hat sich seit <strong>20</strong>21 sicherlich verändert, und<br />

meiner Meinung nach zum Besseren. Auf dem Höhe-<br />

Gabriele Münter, Bildnis Marianne von Werefkin (Detail), 1909, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Gabriele Münter Stiftung 1957 © Bildrecht, Wien <strong>20</strong>23<br />

<strong>20</strong>.<strong>10</strong>.<strong>20</strong>23–18.02.<strong>20</strong>24<br />

GABRIELE<br />

MÜNTER<br />

RETROSPEKTIVE<br />

MuseumsQuartier Wien<br />

U3 Volkstheater<br />

www.leopoldmuseum.org<br />

Partner des Leopold Museum


Gen Art Program. „Themes<br />

and Variations #112“ von<br />

Vera Molnar.<br />

punkt war der Markt sehr viel spekulativer und wurde<br />

nicht von einer kunsthistorischen Perspektive angetrieben,<br />

die Einblicke und einen Kontext liefert, warum<br />

Künstler und ihre Werke wichtig sind und einen<br />

bestimmten Wert haben“, sagt Michael Bouhanna, Leiter<br />

der Abteilung für Digitale Kunst bei Sotheby’s. In den<br />

letzten Monaten beobachtet er ein steigendes Interesse<br />

an generativerKunst,einer Form der digitalen Kunst,die<br />

aufeinem algorithmischen System basiert. „Der Marktfür<br />

diese Arbeiten hatsich verändert. Jetztgibt es ein wieder<br />

auflebendesInteresse an der kunsthistorischen Linie, die<br />

diese frühen Bewegungen mit der heutigen digitalen und<br />

generativen Kunst verbindet“, so Bouhanna. Die Preise<br />

variieren je nach Künstler und Art des Werks. „Unsere<br />

Auktion digitaler Kunst aus der GRAILS-Sammlung im<br />

Juni wurde beispielsweise von einem Werk der generativenKunstvon<br />

DmitriCherniak angeführt, das für 6,2Mio.<br />

Dollar verkauft wurde. Das war der zweithöchste Preis,<br />

„Fidenza“. Tyler Hobbs zählt zu<br />

den führenden Künstlern dergenerativen<br />

Kunstbewegung.<br />

„In den letzten Monatenbeobachteich ein steigendes<br />

Interesse an generativerKunst.“<br />

Transition. Christiane Peschek<br />

experimentiert mit von einer KI<br />

veränderten Selbstporträts.<br />

der je für ein Werk der generativen Kunst erzielt wurde.“<br />

Außerdem habe Sotheby’s vor Kurzem die erste Auktion<br />

des Sotheby’s Gen Art Programs mit der Künstlerin Vera<br />

Molnar abgehalten. Der Verkaufvon 500 Editionen generativer<br />

Kunst habe im Schnitt einen Verkaufspreis von<br />

etwa <strong>20</strong>00 Dollar erzielt.<br />

„Subscapes“. Matt DesLauriersarbeitet<br />

mit einem generativen<br />

JavaScript-Programm.<br />

Generative Kunst. Dmitri<br />

Cherniaks„Ringers#879 (The<br />

Goose)“ erzielt 6,2 Mio.Dollar.<br />

Tipp<br />

KI-Kunst. Einen Schritt weiter geht KI-Kunst, die seit<br />

ChatGPT anFahrt aufgenommen hat. Auch Peschek hat<br />

damit experimentiert. Sie fütterte eine künstliche Intelligenz<br />

mit Selbstporträts und ließ sich digital neu zusammensetzen.<br />

„Das war sehr interessant, weil bei einigen<br />

Bildern mein Körper von der physischen zu einer sehr<br />

abstrakten Form wechselte. Aber es war immer noch ein<br />

Porträt von mir selbst“, sagt sie. Auch KI-Kunst existiert<br />

schon länger. Das französische Künstlerkollektiv Obvioushat<br />

<strong>20</strong>18 eine KI geschaffen, die basierend auf15.000<br />

Porträtsvom 14.bis zum <strong>20</strong>.JahrhundertBilder anfertigt.<br />

Eines dieser Porträts, „Edmond de Belamy“, wurde bei<br />

Christie’s für 350.000 Dollar zugeschlagen. <strong>20</strong>19 folgte<br />

Sotheby’smit einer Arbeit vonMario Klingemann.<br />

Der Markt für digitale Kunst ist sehr spezialisiert und er<br />

istjung.„Es sind jungeLeuteinihren Dreißigern, die diesen<br />

Marktdominieren“, sagtGavin. Und<br />

es ist kein kurzfristiger Trend, sondern<br />

Digital Art Fair. Die <strong>20</strong><strong>20</strong><br />

gegründete Digital Art<br />

Fair ist die weltweit erste<br />

Web-3.0-Kunstmesse mit<br />

Schwerpunkt auf digitale<br />

Kunst.Bis 23.<strong>10</strong>. im K11<br />

Musea in Hongkong,<br />

digitalartfair.io<br />

eine wichtige künstlerische Ausdrucksform<br />

einer von Digitalisierung geprägten<br />

Welt. „Große Blue-Chip-Galerien<br />

wie Pace oder Gagosian, aber auch<br />

Museen treiben die Integration dieser<br />

Technologien voran. Und was auch<br />

immer in einer Institution ist, hat definitiveinen<br />

Markt“, resümiertGavin. e<br />

Fotos: Vera Molnar, Sotheby‘s(4).<br />

44 <strong>Kulturmagazin</strong>


13.<strong>10</strong>.<strong>20</strong>23–25.2.<strong>20</strong>24<br />

ERNSTHAFT<br />

ALBERNHEIT<br />

UND<br />

ENTHUSIASMUS<br />

IN<br />

R<br />

Kuratiert Kuratiert von von<br />

DER<br />

KUNST<br />

I DIC U LO U S L Y<br />

Jörg Jörg Heiser Heiser &Cristina Ricupero Ricupero<br />

ART<br />

AWKWARDNESS<br />

AND<br />

ENTHUSIASM<br />

!<br />

Y O UR S<br />

Grafik: Adrien Rovero, Basis-Design: Anne Stock, Adaption: UMJ/Grafik<br />

In Kooperation In mit der mit BundeskunsthalleBonn der und und<br />

den den Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg<br />

Das Das Land Land<br />

Steiermark Steiermark


Master Drawings<br />

New York. Eine Studie von<br />

Gustav Klimt für den Violinspieler<br />

im Deckengemälde „Tanz“im<br />

Stadttheater Karlsbad ist bei<br />

Wienerroither &Kohlbacher<br />

der Star der New Yorker Master<br />

Drawings Week, die im Jänner das<br />

Kunstjahr eröffnet.Kostenpunkt:<br />

80.000 Dollar.Auch W&K feiern<br />

heuer ihr 30-Jahr-Jubiläum.<br />

27. Jänner–3. Februar <strong>20</strong>24,<br />

masterdrawingsnewyork.com<br />

In<br />

Feierlaune<br />

Vor30Jahren beendetedas AuktionshausimKinsky<br />

die Monopolstellung desDorotheums.Das wirdheuer<br />

gefeiert. Aber auch im Wiener Kunsthandel gibt es<br />

mehrererundeGeburtstage. Text: Eva Komarek<br />

Jubiläumsauktion<br />

Im Kinsky. Das Wiener Auktionshaus<br />

im Kinsky feiert heuer<br />

30-Jahr-Jubiläum. Die Gründer,<br />

der Kunsthändler Michael Kovacek<br />

und der Rechtsanwalt Ernst<br />

Ploil, führen bis heute das Haus.<br />

Das Highlight der Jubiläumsauktion<br />

ist „Zornbild/Süße Wiener<br />

Herzerln“ von Maria Lassnig, das<br />

auf 500.000 bis eine Million Euro<br />

geschätzt wird.<br />

24.–30. November, imkinsky.com<br />

46 <strong>Kulturmagazin</strong>


Paris<br />

Internationale<br />

Entdecker-Messe. Die Paris Internationale<br />

gilt als Entdecker-Messe.<br />

Sie verfolgt ein Pop-up-Prinzip<br />

und quartiert sich in frei stehenden<br />

Gebäuden ein. Heuer ist es<br />

die Telefonzentrale „Le Coeur“,<br />

einen Steinwurf von den Grands<br />

Boulevards entfernt.Aus Wien ist<br />

Sophie Tappeiner dabei. Sie zeigt<br />

etwaKyle Thurman mit „Dream<br />

Police“. Noch bis 22. Oktober,<br />

parisinternationale.com<br />

Paris +par Art Basel<br />

Die Neue. Erst im Vorjahr feierte<br />

die Art Basel ihr Pariser Debüt.<br />

Heuer ist Österreich mit sechs<br />

Galerien vertreten, davon zwei im<br />

geförderten Sektor Émergentes:<br />

Gianni Manhattan und Felix Gaudlitz.<br />

Im Hauptsektor ist die Galerie<br />

nächst St.Stephan, die u. a. die<br />

Chinesin Miao Ying mit „Training<br />

Landscpaes NO.11“ zeigt.<br />

<strong>20</strong>.–22. Oktober,<br />

parisplus.artbasel.com<br />

Fotos: beigestellt, Kyle Thurman and Sophie Tappeiner, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, DOROTHEUM<br />

Highlights<br />

München. Als Boutiquemesse<br />

beschreibt sich die <strong>20</strong><strong>10</strong> gegründete<br />

Münchner Messe, die das gesamte<br />

Spektrum aus 3000 Jahren<br />

Kunstgeschichte anbietet.Aus Österreich<br />

nehmen vier Händler teil,<br />

darunter der Salzburger Thomas<br />

Salis,der unter anderem von Max<br />

Ernst die Collage „Déchets d‘oeuvres“<br />

aus 1968 mitnehmen wird.<br />

Noch bis 22. Oktober,<br />

munichhighlights.com<br />

Wiederentdeckung<br />

Dorotheum. Lange Zeit galt das<br />

Gemälde „La Coda del Diavolo“<br />

von Fausto Zonaroals verschollen<br />

und warnur von einer Fotografie<br />

bekannt.Erstkürzlich wurde<br />

es in einer deutschen Privatsammlung<br />

wiederentdeckt und<br />

kommt nun bei der Auktionswoche<br />

Classic Week im Dorotheum mit<br />

einem Schätzwert von <strong>10</strong>0.000 bis<br />

160.000 Eurozum Aufruf.<br />

23.–25. Oktober, dorotheum.com<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 47


Paris Photo<br />

Neue Direktorin. Die Paris Photo<br />

steht seit heuer unter neuer künstlerischer<br />

Leitung. Anna Planas,die<br />

unter anderem für die Foto-Agentur<br />

Magnum gearbeitet hat,soll<br />

die wichtigste Spezialmesse für<br />

OstLicht<br />

Fotoauktion. Friedrich Viktor Spitzer<br />

warIndustrieller und Amateurfotograf.Ergehörte<br />

zum Kreis der<br />

Piktorialisten um Heinrich Kühn,<br />

Hennebergund Watzek und schuf<br />

eine Reihe bedeutender Porträts,<br />

Fotografie um ein inhaltliches Programm<br />

erweitern. Aus Wien nimmt<br />

Johannes Faber teil, der u. a. von<br />

Horst P. Horst „Black Corset“um<br />

18.000 Euroanbieten wird.<br />

9.–12. November, parisphoto.com<br />

darunter auch von Gustav Klimt.<br />

Das Porträt gehört bei der nächsten<br />

Fotoauktion bei OstLicht zu<br />

den Toplosen. Der Schätzpreis<br />

beträgt 25.000–30.000 Euro.<br />

18. November, ostlicht.org<br />

Art &Antique<br />

Die Elegante. Unter den Wiener<br />

Kunst- und Antiquitätenmessen<br />

gilt die Art &Antique,<br />

die Anfang November in den<br />

Prunkräumen der Hofburg<br />

stattfindet,als die elegante.<br />

Heuer sind rund 40 Händler<br />

vertreten. Schon in zweiter<br />

Generation dabei ist die Galerie<br />

bei der Albertina Zetter,<br />

die heuer 50-Jahr-Jubiläum<br />

feiert.Sie wirdeine Papierarbeit<br />

von Egon Schiele mitbringen.<br />

„Mutter in schwarzer<br />

Schürze und gestreiftem<br />

Rock mit Kind am Arm“ kostet<br />

340.000 Euro.<br />

9.–13. November,<br />

artantique-hofburg.at<br />

Artist Quarterly<br />

Junge Kunst. Sotheby’s Österreich-Chefin<br />

Andrea Jungmann<br />

will mit ihrer Initiative Artist Quarterly<br />

junge Künstler fördern und<br />

gleichzeitig mehr junge Leute für<br />

Kunst begeistern. Im vierten Quartal<br />

zeigt sie Luisa Hübner,die in<br />

ihren Fotografien, Videos und Objekten<br />

mit surrealem Humor das<br />

Seltsame am Prozess des Wartens<br />

thematisiert.Noch bis 19. Dezember,<br />

sothebys.com<br />

Fotos: Galerie Johannes Faber, Galerie bei der Albertina, Zettter GmbH, Luisa Hübner, Friedrich Viktor Spitzer, Artcurial, Galerie Elisabeth &Klaus Thoman /Bernhard Sickert, Asgar/ Gabriel /Hilger, Leitz Photographica Auction -Otto Steinert<br />

48 <strong>Kulturmagazin</strong>


Luxembourg Art<br />

Week<br />

Focus Wien. Caroline von Reden<br />

wurde zur neuen Direktorin der<br />

Kunstmesse LuxembourgArt Week<br />

berufen. Manchem ist sie noch aus<br />

ihrer Zeit bei der Viennacontemporary<br />

ein Begriff, wo sie das Collectors-Programm<br />

verantwortete.Die<br />

Focus-Sektion ist Wien gewidmet.<br />

Mit dabei ist die Galerie Hilger mit<br />

Arbeiten von Asgar/Gabriel.<br />

<strong>10</strong>.–12. November,<br />

luxembourgartweek.lu<br />

Meisterwerk<br />

Artcurial. Jean-HonoréFragonard<br />

gilt als Inbegriff des französischen<br />

Rokokos.Seine Bilder sind verspielt,innovativ<br />

und sinnlich. Das<br />

französische Auktionshaus Artcurial<br />

bietet im Rahmen seiner Auktion<br />

für Alte Meister und Kunst des<br />

19. Jahrhunderts die Leinwand<br />

„Le sacrifice au Minotaure“ an. Die<br />

kraftvolle Komposition wirdauf vier<br />

bis sechs Millionen Eurogeschätzt.<br />

22. November, artcurial.com<br />

Nachkriegsfotografie<br />

Leitz Photographica Auction. Otto<br />

Steiner prägte die deutsche Nachkriegsfotografie<br />

wie kein Zweiter.<br />

Er spannte den Bogen vom „Neuen<br />

Sehen“ zur „Subjektiven Fotografie“<br />

und beeinflusste wesentlich<br />

die Bildsprache.Ein Konvolut<br />

von 22 Vintageabzügen wird<br />

mit einer Schätzung von <strong>20</strong>0.000<br />

bis 300.000 Eurobei der nächsten<br />

Leitz-Fotoauktion versteigert.<br />

24. November, leitz-auction.com<br />

Art Cologne<br />

Köln. Die älteste Kunstmesse der<br />

Welt,die Art Cologne, ist heuer bei<br />

österreichischen Galerien besondersbeliebt.Gleich<br />

14 Aussteller<br />

nehmen teil, darunter sind Layr,<br />

Meyer Kainer,Charim und Exile,<br />

die erstmals auf der Art Cologne<br />

ausstellen. Schon mehrfach dabei<br />

wardie Galerie Thoman, die diesmal<br />

u. a. „Das Wiehern“ von Arnulf<br />

Rainer zeigen wird.<br />

16.–19. November, artcologne.de<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 49


Contemporary Week<br />

Art Miami<br />

Dorotheum. Die Nachfrage nach<br />

Arbeiten von Maria Lassnig ist ungebrochen.<br />

Im Rahmen der Contemporary<br />

Week im Dorotheum<br />

ist sie mit der Leinwand „Der rote<br />

Zorn“ vertreten. Das Bild stammt<br />

von 1984 und wirdauf 180.000 bis<br />

250.000 Eurogeschätzt.Neben<br />

„Der rote Zorn“ wirdauch eine<br />

frühe Zeichnung der Künstlerin<br />

von 1948 angeboten.<br />

28.–30. November, dorotheum.com<br />

Die Lokale. Sie wardie erste<br />

Kunstmesse in Miami, lang bevor<br />

die Art Basel sich breit machte<br />

und sich eine ganze Art Week<br />

entwickelte.Die Rede ist von der<br />

Art Miami, die von sich behauptet,<br />

die zweitmeistbesuchte Messe in<br />

Miami zu sein. TreuerAussteller<br />

ist die Galerie Hilger,die mit dem<br />

Street-Art-Künstler ShepardFairey<br />

auch heuer vertreten sein wird.<br />

5.–<strong>10</strong>. Dezember, artmiami.com<br />

Art Karlsruhe<br />

Kaufkraft. Baden-Württemberg<br />

zählt zu den kaufkräftigsten Regionen<br />

Deutschlands.Damit bietet<br />

die auf Moderne und Gegenwartskunst<br />

fokussierte Kunstmesse Art<br />

Karlsruhe beste Voraussetzungen<br />

für Aussteller.Davon will die<br />

Wiener Galerie Kovacek &Zetter<br />

profitieren und stellt u. a. Arbeiten<br />

von Gottfried Helnwein aus.<br />

22.–25. Februar <strong>20</strong>24,<br />

art-karlsruhe.de<br />

Art Antwerp<br />

Die Junge. Die Art Antwerp<br />

wurde <strong>20</strong>21 von den Messemachern<br />

der Art Brussels gegründet.Die<br />

flämische Stadt<br />

mit hoher Galeriedichte, namhaften<br />

Museen und einer etablierten<br />

Sammlerschaft ist ein<br />

guter Ort für eine Messe.Im<br />

Vorjahr waren68Galerien, die<br />

Hälfte davon aus dem Ausland,<br />

mit dabei. Für die diesjährige<br />

Ausgabe hat sich auch die Innsbrucker<br />

Galerie Thoman beworben<br />

und wirdu.a.die Skulptur<br />

„Heritage Studies #40“ von<br />

Iman Issa zeigen. 14.–17.<br />

Dezember, art-antwerp.com<br />

Fotos: DOROTHEUM, Shepard Fairey /Hilger, Kovacek &Zetter GmbH, Galerie Elisabeth &Klaus Thoman /kunstdokumentation.com<br />

50 <strong>Kulturmagazin</strong>


In Wien zu Hause<br />

Das Volkstheater bespielt einen Schwerpunkt zur Hauptstadt.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Fotos: Marcel Urlaub, beigestellt.<br />

Mehr Wien!“ Unter diesem Motto präsentiert<br />

das Volkstheater in der Spielzeit <strong>20</strong>23/24<br />

einen unverkennbaren Wien-Schwerpunkt<br />

mit Stücken, die in Wien spielen, von Wien<br />

handeln, aus Wien kommen und nach Wien gehören.<br />

Im Zentrum steht neben Ingeborg Bachmanns „Malina”<br />

und einem musikalischen Abend mit viel Wiener Lied,<br />

Nestroy-Preisträger Samouil Stoyanov und dem schönen<br />

Titel „Heit bin ened munta wuan“ eine Theaterversion<br />

von Raphaela Edelbauers umjubeltem und für den<br />

Deutschen Buchpreis nominiertem Roman „Die Inkommensurablen“.<br />

Der Roman, eine Art Roadmovie durch<br />

die Hauptstadt der auseinanderfallenden Habsburg-<br />

Monarchie am Vorabend des Ersten Weltkrieges, beschwört<br />

das Wien des frühen <strong>20</strong>. Jahrhunderts –von<br />

Prachtpalais hin zu queeren Halbweltlokalen, bezieht<br />

sich aber auch auf kulturelle Ereignisse der Zeitgeschichte<br />

wie das legendäre Watschenkonzert oder die<br />

kriegstrunkenen Straßenzüge.<br />

Medienübergreifend. Zum Leben erweckt wird Edelbauers<br />

unwiderstehlicher Trip vom Künstlerkollektiv<br />

Sputnic als Live Animation Cinema, eine so faszinierende<br />

wie höchst unterhaltsame Mischung aus Theater,<br />

Film und Graphic Novel. Sputnic beschreibt ihre Kunst<br />

als Zauberei mit Narration und Technik. Ein neues<br />

Theater-Genre, das Film, Schauspiel und Animation<br />

verbindet, um vor den Augen der Zuschauer*innen<br />

einen abendfüllenden Live-Trickfilm entstehen zu lassen.<br />

Dabei kommt von uralten Overhead-Projektoren<br />

bis zur künstlichen Intelligenz auch allerlei Technik zum<br />

Einsatz. Regisseur Nils Voges: „Für diese Inszenierung<br />

werden wir zusätzlich zu klassischer Illustration auch<br />

mit der KI Midjourney arbeiten. Mit ihr wollen wir eine<br />

Art Traumvision von Wien 1914 entstehen lassen. Indem<br />

wir Midjourney mit Stichworten und manchmal<br />

auch Bildern füttern, erträumt sie uns ein Wien, das<br />

erkennbar ist, aber gleichzeitig auch neu und fremd.<br />

Das passt zu unserer Interpretation von Edelbauers<br />

Info<br />

ALLE INFORMATIONEN zum<br />

aktuellen Programm,zum Spielplan<br />

<strong>20</strong>23/24, zum Ticketkauf und zu<br />

Abos: www.volkstheater.at<br />

„Die Inkommensurablen“ am Volksteater<br />

ist eine spannende Mischung<br />

aus Theater, Film und Graphic Novel.<br />

Die Bilderwelten entstehen teils<br />

durch Künstliche Intelligenz (oben).<br />

Mit „Malina“ bringt Starregisseurin<br />

Claudia Bauer Ingeborg Bachmanns<br />

einzigen Roman auf die Bühne (li.).<br />

Roman, in dem ja auch nicht<br />

immer klar ist, was Wirklichkeit<br />

und was nur erträumt ist.“ In<br />

dieser Hinsicht ist dieser Abend<br />

nicht nur für Menschen mit Interesse<br />

an Wiener Zeit- und Kulturgeschichte<br />

sowie österreichischer<br />

Literatur ein Muss, sondern<br />

spricht auch jene an, die überraschende und<br />

außergewöhnliche Theatererlebnisse suchen –und<br />

sich gern visuell begeistern lassen. Wobei die Innovationslust<br />

des Abends selbst dem Geist der Stadt zu<br />

Beginn des <strong>20</strong>. Jahrhunderts entspricht. Nicht umsonst<br />

wird Wien als „Kristallisationspunkt der Moderne“<br />

beschrieben. Nirgendwo sonst entstanden so viele<br />

Ideen, die für das <strong>20</strong>. Jahrhundert maßgebend wurden,<br />

wie in dieser Stadt. Eine Tradition, an die das<br />

Volkstheater aktuell anknüpft als Ort für Vielfalt, Schönheit,<br />

Komik und Tragik, Literatur und Grenzerfahrung,<br />

Utopien und Pop. Ein Raum, der das<br />

Hier und Jetzt im Blick behält, und ein<br />

Ort für die Stadt und alle, die in ihr<br />

wohnen. Kurz: Ein Theater, andem<br />

Kunst möglich werden soll –mitten in<br />

der Metropole. Solche Abende machen<br />

das Volkstheater zum „Place to be“ für<br />

unvergessliche Theatermomente.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 51


On Location<br />

FOTOGALERIE WIEN<br />

Wieder da!<br />

Ein Jahr lang wurde<br />

umgebaut –unter anderem,<br />

um den Zugang<br />

zu dieser ehrwürdigen<br />

WienerFotoadresse<br />

barrierefrei zu gestalten.<br />

Während derSchließphase<br />

bespieltedie Fotogalerie<br />

Wien ebenandere<br />

Räume, aber nunist sie<br />

wieder in ihremangestammten<br />

Habitat, dem<br />

Werkstätten- und Kulturhaus<br />

im Alsergrund<br />

(vielenwohlbesserals<br />

WUKbekannt) zu finden.<br />

Maneröffnetemit der<br />

Propeller-III-Biennale,<br />

die Arbeitenvon Kunststudierenden<br />

in Österreich<br />

und Ungarnzeigte.<br />

Ab 24. Oktober istnun<br />

das28. Kapitelder „Werkschau“-Reihe<br />

zu sehen:<br />

Andrea vander Straeten<br />

gibt sich mit derAnsage<br />

„burning down the<br />

house“ziemlich kämpferischund<br />

ikonoklastisch.<br />

Denneuen Räumen geht<br />

es hoffentlichnicht an<br />

denKragen.<br />

Fotogalerie Wien,WähringerStraße59,<br />

<strong>10</strong>90 Wien,<br />

siehefür Programmdetails<br />

fotogaleriewien.at<br />

Foto: Christine Pichler. Redaktion: Daniel Kalt.<br />

52 <strong>Kulturmagazin</strong>


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Musik trifft Literatur und Historie<br />

„Bösendorfer Festival“ und „Kultur in der Burg“ in Wiener Neustadt.<br />

Die Theresianische<br />

Militärakademie<br />

öffnet<br />

exklusiv ihre<br />

Pforten.<br />

Kasematten:<br />

auch architektonisch<br />

sehenswert.<br />

Fotos: Christian Husar, busyshutters, Nils Schwarz, Janine Guldener, Erika Pluhar, Lukas Beck.<br />

Außergewöhnliche Begegnungen von Musik,<br />

Literatur und Historie lassen das Kulturherz<br />

Wiener Neustadts höherschlagen. Allen voran<br />

mit dem „Bösendorfer Festival“ –einem<br />

Feuerwerk an Klängen und Stimmen –und „Kultur in<br />

der Burg“ –einem Event, das sich diesmal Kaiser<br />

Friedrich III. widmet.<br />

Die Wiener Neustädter Kasematten warten im Rahmen<br />

des Bösendorfer Festivals 23/24 mit exklusiven Programmen<br />

renommierter Theater- und Musikgrößen<br />

sowie beeindruckenden Auftritten aufstrebender Nachwuchstalente<br />

auf. Dazu gibt es dramaturgisch mitreißend<br />

gestaltete Wort-Ton-Programme sowie faszinierende<br />

Themenabende. In seiner Neuauflage präsentiert<br />

sich das Festival noch interessanter, abwechslungsreicher<br />

und hochkarätiger.<br />

Publikumslieblinge auf Themenreise. Vom 24. Oktober<br />

bis 27. Februar gastieren namhafte Künstlerinnen und<br />

Künstler in der „Allzeit Getreuen“ –darunter Publikumslieblinge<br />

wie Erika Pluhar, Heinz Marecek, Chris<br />

Lohner, Adi Hirschal, Erwin Steinhauer, Kristina Sprenger,<br />

Cornelius Obonya, Karl Markovics, Sandra Cervik,<br />

Herbert Föttinger, Michael Maertens u. v. m. Sie<br />

nehmen die Gäste mit auf spezifische Themenreisen –<br />

u. a. zu Arthur Schnitzlers „Reigen“, Miguel de Cervantes’<br />

„Don Quijote“, „Wochenend’ und Sonnenschein?“<br />

oder „Schreib. Nein, schreib nicht“.<br />

Der herausragende Pianist und künstlerische Leiter der<br />

Veranstaltungsreihe, Florian Krumpöck, verleiht der<br />

dritten Ausgabe des Bösendorfer Festivals einmal<br />

mehr eine besondere Note. Zu hören sein werden u. a.<br />

Klassiker der Klavierliteratur aus der Feder von Ludwig<br />

von Beethoven und Frédéric Chopin, erhabene Klavier-<br />

Michael Maertens,<br />

Erika Pluhar<br />

oder Heinz Marecek<br />

(v. l.): einige<br />

unter vielen großen<br />

Namen beim<br />

Bösendorfer Festival<br />

23/24.<br />

Information<br />

KONTAKT &KARTENINFOS:<br />

Infopoint Altes Rathaus,<br />

Hauptplatz 1–3<br />

2700Wiener Neustadt<br />

Tel.: 02622/373-311<br />

www.webshop-wn.at<br />

sonaten von Franz Schubert, Beschwingtes von<br />

Johann Strauß sowie klassische Kabarettchansons,<br />

heitere Wienerlieder und köstliche Kleinkunstsoli.<br />

Veranstaltungstipp: „Kultur in der Burg“ mit Friedrich III.<br />

Neben den Kasematten ist auch die Militärakademie<br />

in Wiener Neustadt eine besondere Spielstätte im<br />

historischen Kontext. So steht am 17. November<br />

„Kultur in der Burg“ unter dem Motto „Friedrich III.<br />

Der Kaiser aus Wiener Neustadt“. Der Kaiser des<br />

Heiligen Römischen Reiches (1415–1493) regierte<br />

rund ein Drittel seiner 53-jährigen Herrschaftszeit in<br />

seiner „Neustadt“. Kostümierte<br />

Guides führen die Gäste durch das<br />

spannende Programm und durch<br />

Räumlichkeiten, die normalerweise<br />

nicht öffentlich zugänglich sind.<br />

Wiener Neustadt setzt mit diesen<br />

Veranstaltungen einen wichtigen und<br />

beherzten Impuls in Niederösterreichs<br />

Kulturszene.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 53


„Kunst ist immer<br />

anspruchsvoll“<br />

Aus der Tradition schöpfen, aber nicht darin stecken<br />

bleiben: Das ist das Credo von Elisabeth Schweeger für<br />

die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut <strong>20</strong>24.<br />

Großer Welt-<br />

Raum-Weg.<br />

Fünf persönliche<br />

Erfahrungen des<br />

Gehens als Hörstück.<br />

Text: Daniela Tomasovsky<br />

Saltscapes. Salz<br />

steht in Japan für<br />

Reinheit und Erinnerung.<br />

Motoi<br />

Yamamoto macht<br />

Installationen.<br />

Wirtshauslabor.<br />

Wie sieht die Zukunft<br />

des Wirtshauses<br />

aus? Darüber<br />

diskutieren<br />

heimische Köche.<br />

54 <strong>Kulturmagazin</strong>


EvaSchlegel. Auf<br />

der Bräuwiese<br />

am Traunsee<br />

werden mittels<br />

QR-Code Installationen<br />

sichtbar.<br />

Chiharu Shiota.<br />

„Wosind wir<br />

jetzt?“ ist eine Installation,<br />

die sich<br />

mit dem Erinnern<br />

beschäftigt.<br />

Fotos: Motoi Yamamoto; MirjananVrbaški; Ian Ehm; Eva Schlegel; rope ©Bildrecht, Wien, <strong>20</strong>23.<br />

Mit Kunst können wir wahnsinnig viel erzählen,<br />

wir können lernen, dass wir über die Kunst<br />

andere Impulse erhalten, dass wir einen kritischen<br />

Blick auf uns selbst erhalten. Wir können<br />

uns im Miteinander bestärken, auch wenn wir anderer<br />

Meinung sind und anders denken. Ich finde, diese<br />

Kultur des Miteinanders, die darauf aufbaut, dass wir<br />

auch lernen müssen zu streiten, das gehört dazu,“ sagt<br />

Elisabeth Schweeger, künstlerische Leiterin des Kulturhauptstadt<br />

Bad Ischl Salzkammergut. Seit 40 Jahre gibt<br />

es das Format „Kulturhauptstadt“, zum dritten Mal ist<br />

Österreich an der Reihe: Nach Graz imJahr <strong>20</strong>03 und<br />

Linz im Jahr <strong>20</strong>09 ist nun erstmals eine Region Kulturhauptstadt:<br />

„Bad Ischl Salzkammergut“, das sind<br />

23 Gemeinden aus zwei Bundesländern, Oberösterreich<br />

und der Steiermark. Die Idee zur Bewerbung<br />

kam vom früheren Ischler Bürgermeister<br />

und EU-Abgeordneten HannesHeide(SPÖ).<br />

Handgreiflichkeiten im Wirtshaus. 23 eigenwillige<br />

und eigenständige Gemeinden, die gemeinsam<br />

an einem Strang ziehen sollen – das war<br />

von Anfang an nicht einfach. Es gab Streitigkeiten,<br />

Missverständnisse und sogar Handgreiflichkeiten<br />

in einem Wirtshaus. Der erste künstlerische Leiter der<br />

Kulturhauptstadt, der Theatermacher Stephan Rabl,<br />

wurde ein halbes Jahr nach seiner Bestellung, imMärz<br />

<strong>20</strong>21 wegen unüberbrückbarer Differenzen gegangen.<br />

Ihm fehlte vor allem der Rückhalt durch lokale Künstlerinnen<br />

und Künstler. Im Juli <strong>20</strong>21 wurde Elisabeth<br />

Schweeger einstimmig zur neuen Intendantin erkoren<br />

„Kunst macht uns<br />

gemeinsam starkin<br />

einer Situation, wo<br />

sich Europa neu<br />

definieren muss.“<br />

–sie hatte sich unter 69 Bewerbern durchgesetzt. Die<br />

gebürtige Wienerin hat viel Erfahrung im Kulturbereich:<br />

Sie war etwa Kuratorin bei der Documenta 1987, der Ars<br />

Electronica 1988 und Kommissärin für den österreichischen<br />

Pavillon bei der Biennale inVenedig. 0Sie leitete<br />

den MarstallinMünchen, warChefdramaturgin am Bayerischen<br />

Staatsschauspiel und Intendantin des Schauspiel<br />

Frankfurt. Sie weiß also,wie der Hase läuft,und hatexzellenteKontakte<br />

in die internationale Kulturszene:Chiharu<br />

Shiota(warschon mit dem„Höhenrausch“ in Österreich),<br />

Valie Export,Bill Fontana, MotoiYamamoto, Hicham Berrada,<br />

EvaSchlegel, Elfie Semotan,Hamish Fulton sind nur<br />

einigegroße Nameninihrem Adressbuch.<br />

Besonders wichtig war esElisabeth Schweeger<br />

aber, die regionale Kulturszene einzubinden.<br />

85 Prozent der Projektträger stammen aus dem<br />

Salzkammergut. Weltoffenheit und kulturelle<br />

Innovation sind nicht an Urbanität gebunden, so<br />

ihre Überzeugung. „Kunst ist immer anspruchsvoll,<br />

weil sie in die Tiefen desmenschlichen Seins<br />

eindringt“, sagt sie. Insgesamt 300 Projekte in<br />

vier Programmschienen sind geplant. Das Budget<br />

liegt bei 30 Millionen Euro.<br />

„Elisabeth Schweeger hat gute Ideen und tolle Projekte.<br />

Und sie hat sowohl Künstlerinnen und Künstler aus dem<br />

Salzkammergut als auch Leute von außerhalb eingeladen“,<br />

sagtMarie-Theres Arnbom, Direktorin desTheatermuseums<br />

Wien und selbst im Salzkammergut zu Hause.<br />

Leicht habe es die Intendantin aber nicht. „Sie wird in<br />

das kulturpolitische Hickhack hineingezogen. Da Hannes<br />

Heide die Kulturhauptstadt initiiert hat, hat das Pro-<br />

»<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 55


„Saltice“. Die<br />

Kinderoper von<br />

Ruben Zahraund<br />

Susanne Felicitas<br />

Wolf handelt von<br />

Salz und Eis.<br />

„Ballet Mécanique“.<br />

Ein Maschinenorchester<br />

spielt George<br />

Antheils Stück im<br />

Lehartheater.<br />

Intendanz. Elisabeth<br />

Schweeger<br />

leitet das Bad­<br />

Ischl­Projekt und<br />

setzt auf lokale<br />

Beiträge.<br />

Tipp<br />

„Verborgen im<br />

Fels“. Die Graphic<br />

Novel von<br />

Simon Schwartz<br />

beschäftigt sich<br />

mit Raubkunst.<br />

Kultur ist das neue Salz.<br />

Die Eröffnung der Kulturhauptstadt<br />

wirdamSamstag,<br />

<strong>20</strong>. Jänner,imKurpark in<br />

Bad Ischl stattfinden. Daran<br />

werden mehr als <strong>10</strong>00 Sängerinnen<br />

und Sänger mitwirken,<br />

verantwortlich zeichnet<br />

Hubert von Goisern.<br />

salzkammergut-<strong>20</strong>24.at<br />

»<br />

jekt für viele SPÖ-Geruch. Dabei hat die Kulturhauptstadt<br />

gar nichts mit Parteipolitik zutun“, sagt Arnbom.<br />

Dazu kommt die schwierige politische Situation in Bad<br />

Ischl: SPÖ-Bürgermeisterinist InesSchiller,die Lebensgefährtin<br />

von Hannes Heide, dem früheren Bürgermeister.<br />

Nach dessen Wechsel nach Brüssel und dem plötzlichen<br />

Tod des Vizebürgermeisters Josef Reisenbichler hatte sie<br />

überraschenddas Amt übernommen. Undvon Anfangan<br />

mit großen Widerständen der Opposition zu tun –auch<br />

weil sie die erste Frau ander Spitze der 14.000-Einwohner-Gemeinde<br />

ist. Blockade und Stillstand sind die Folge:<br />

Das Lehartheater, das für die Kulturhauptstadt schon in<br />

neuem Glanz erstrahlen sollte, istnach wie vorunsaniert,<br />

und die Ischler Bevölkerung klagt über Löcher in Gehsteigen<br />

und heruntergekommeneInfrastruktur.<br />

Gletscherschmelze, akustisch. Doch Schweeger glaubt<br />

fest daran: Kunst kann und wirdGräben überwinden. Sie<br />

hatihr Programm in vier Schienen eingeteilt.„Macht und<br />

Tradition“, „Kultur im Fluss“, „Sharing Salzkammergut<br />

–die Kultur des Reisens“ und „Globalokal<br />

–Building the New“.Die ersteProgrammlinie<br />

beschäftigt sich mit Erinnerungskultur. Sowird<br />

Chiharu Shiotaeine Installation ausroten Seilen<br />

und überlebensgroßen Kleidern im Stollen des<br />

ehemaligen KZ Ebensee gestalten. In Kooperation<br />

mit dem Lentos Linz wirdimRahmen einer<br />

dreiteiligen Ausstellung in Linz, Lauffen und<br />

Bad Aussee das Thema Raubkunst aufgegriffen.<br />

Thematisch angeknüpft ist die Graphic-Novel-<br />

Ausstellung „Verborgen im Fels. Der Berg, das<br />

Salz und die Kunst“ vonSimon SchwartzamEingang<br />

zum Schaubergwerk Altaussee.<br />

Kultur verändert sich: „Kultur und kulturelle<br />

Identität stehen niemals still“, so Schweeger.<br />

In der Schiene „Kultur im Fluss“ kommen zeitgenössische<br />

Künstlerinnen und Künstler zu<br />

Wort. So wird der US-Künstler Bill Fontana eine<br />

Klangskulptur zu den Folgen des Klimawandels<br />

erschaffen. Die Glocken von Notre Dame erklingen<br />

in der Dachstein-Eishöhle, die Schneeschmelze<br />

des Dachstein-Gletschers erklingt<br />

dafür in Notre Dame in Paris. Indieser Programmlinie<br />

geht es auch viel um die im Salzkammergut stark verankerte<br />

Handwerkskunst: So wird inBad Goisern das Scala<br />

(Salzkammergut Craft Art Lab) etabliert, das als „zentraler<br />

Ausgangspunkt,Basislager und Aktionsraum“ für den<br />

Austausch zwischen Kunst und Handwerk gedacht ist. In<br />

der dritten Programmschiene geht es um den Tourismus:<br />

„Wie kann man erreichen, dass das Reisen zu einem Dialog<br />

und zu einem Austausch der Kulturen führt?“, fragt<br />

Schweeger.Ella Raidel hatden „Regional_Express“konzipiert:<br />

Eine akustisch-visuell immersive Erzählung aufder<br />

Bahnstrecke von Attnang-Puchheim nach Tauplitz, die<br />

sich mit dem Kultur- und Naturerbe der Region befasst.<br />

Außerdem werden leer stehende Bahnhofsgebäude zu<br />

Kulturstättenumfunktioniert.<br />

Die vierte Schiene, Globalokal, ist die Quintessenz der<br />

vorherigen drei: Hier geht es um die Zukunft desalpinen<br />

Raums. Wie gestalten wir ihn lebenswert und nachhaltig,<br />

ohne den Boden zu versiegeln? Wie kann Tourismus<br />

ohne Umweltzerstörung stattfinden? Darüber sinniert<br />

etwa die „HallstattDenkwerkstatt<strong>20</strong>24.“ e<br />

Fotos: Salzkammergut <strong>20</strong>24 Saltice, NLackner, Simon Schwartz, Anette Friedl.<br />

56 <strong>Kulturmagazin</strong>


<strong>20</strong>. OKTOBER <strong>20</strong>23 BIS <strong>10</strong>. JÄNNER <strong>20</strong>24<br />

VIENNALE FILMMUSEUM RETROSPEKTIVE Raúl Ruiz<br />

Généalogiesd’un crime (GenealogiesofaCrime)<br />

1997, Raúl Ruiz<br />

2. NOVEMBER <strong>20</strong>23 BIS 4. JÄNNER <strong>20</strong>24<br />

CONSTANZE RUHM Werkschau undCarte blanche<br />

16. NOVEMBER <strong>20</strong>23 BIS 8. JÄNNER <strong>20</strong>24<br />

LAURA MULVEY Werkschau und Carteblanche<br />

6. BIS 8.DEZEMBER <strong>20</strong>23<br />

HITO STEYERL In person<br />

13. DEZEMBER <strong>20</strong>23<br />

LISL PONGER Werkstattgespräche mit Filmpionierinnen<br />

24. DEZEMBER <strong>20</strong>23<br />

WEIHNACHTEN IM FILMMUSEUM TheWizardofOz<br />

WERDEN SIE MITGLIED IM FILMMUSEUM!<br />

Als Mitglied erhalten Sie das Ticket um 6Eurostatt <strong>10</strong>,50 Euro, einen<br />

Zehnerblockum45Euround die postalische Zusendung des Programmheftes.<br />

Als Förderndes Mitglied unterstützenSie darüber hinaus die Arbeit des<br />

Filmmuseums in besonderer Weise und erhalten zahlreiche weitereVorteile,<br />

etwaexklusive Einladungen zu Vorpremieren,Führungen in Partnermuseen<br />

oder freien Eintritt zu ausgewählten Vorstellungen.<br />

Augustinerstraße 1, <strong>10</strong><strong>10</strong> Wien, T01/5337054, www.filmmuseum.at


Abdullah Ibrahim.<br />

Der Pianist aus Südafrikamachte<br />

Weltkarriere.<br />

Archie Shepp. Die<br />

Saxofonlegende<br />

aus den USA vereint<br />

Musik und Politk.<br />

Lee Konitz. Die Jazzlegende<br />

gastierte ebenfalls<br />

öfter im Porgy.<br />

Konitz verstarb <strong>20</strong><strong>20</strong>.<br />

John Zorn. Der Mann<br />

spielt sehr selten<br />

Clubkonzerte.Für<br />

das Porgymacht er<br />

eine Ausnahme.<br />

Pharoah Sanders.<br />

Das Genie des transzendentalen<br />

Free<br />

Jazz spielte mehrfach<br />

im Porgy.<br />

Christoph Huber.<br />

Der Maîtredes<br />

Jazztempels ist sehr<br />

optimistisch, wasdie<br />

Zukunft betrifft.<br />

Michael Mantler. Österreichs<br />

wichtigster<br />

Jazzkomponist nach<br />

Zawinul spielt ein<br />

Spezialprogramm.<br />

58 <strong>Kulturmagazin</strong>


Fotos: Christine Pichler, ECM Records, Rainer Rygalyk, Archiv Porgy&Bess, beigestellt.<br />

Kraftzentrum<br />

für Kreative<br />

Das Porgy &Bess feiert heuer<br />

sein 30-Jahr-Jubiläum. Ein<br />

Gespräch mit Christoph Huber,<br />

dem künstlerischen Leiter.<br />

Interview: Samir H. Köck<br />

Längst ist das Porgy &Bess eine Wiener Kulturinstitution,<br />

die weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und<br />

geschätzt ist. Eröffnet haben esdie Herren Mathias Rüegg,<br />

Renald Deppe und Christoph Huber exakt am 26. September<br />

1993 imfrüheren Etablissement Fledermaus. Nach fünf Jahren<br />

wunderbar intimer Jazzkonzerte, unvergesslich etwa Saxofonist<br />

Bob Berg und Trompeter Steve Lacy, verließ der Verein die<br />

früher von Gerhard Bronner bespielte Location. Den Zuschlag<br />

für die Räumlichkeiten des ehemaligen Pornokinos Rondell hatte<br />

man schon, allerdings wardie Zeit biszur fertiggestellten Adaptierung<br />

noch zu überbrücken. Diespassierte u. a. im Radiokulturhaus<br />

und im Messepalast.Am28. Dezember <strong>20</strong>00 eröffneteÖsterreichs<br />

berühmtester Jazzclub mit einem opulenten Programm. Das „<strong>Kulturmagazin</strong>“<br />

sprach mit Christoph Huber, der die Geschicke des<br />

Clubs seit zwei Jahrzehnten allein verantwortet.<br />

Das Porgy &Bess feiert heuer das 30-Jahr-<br />

Jubiläum.Wie legenSie es an?<br />

Wir haben in der Vergangenheit schon alles ausgereizt,<br />

was man bei solchen Jahrestagen halt<br />

so macht. Wir haben Publikationen erstellt, CD-<br />

Boxen veröffentlicht und zum Zwanziger sogar<br />

ein Straßenfest organisiert. Diesmal zelebrieren<br />

wir diskreter. Wir haben uns mit Michael<br />

Mantler ein Spezialprogramm am exakten Tag<br />

unseres Jubiläums geleistet. Zudem werden wir<br />

im April <strong>20</strong>24 mit John Zorn und seinem New<br />

Masada Quartet ein Ensemble zu Gast haben,<br />

welches, wirtschaftlich gesehen, die Club-Dimensionen eigentlich<br />

sprengt. Aber ab und zu leisten wir uns halt solche ganz speziellen<br />

Abende.<br />

DasPorgy locktmit eleganter Innenarchitektur,tollerTontechnik<br />

und höchst intimer Atmosphäre. Viele Legenden des Jazz<br />

spielten hier für kleineres Geld, nicht zuletzt, damit sie sich<br />

auch indie Annalen des Clubs einschreiben konnten. Welche<br />

Abende warendabesonderserinnerungswürdig?<br />

„Es muss Nischen<br />

geben. Im Übrigen<br />

haben wir den drittenBundespräsidentenhintereinander,<br />

der Jazzfan ist.“<br />

Ach, das waren soviele. Yusef Lateef, Pharoah Sanders, Gary Bartz,<br />

Charles Lloyd, Archie Shepp, George Duke, Martial Solal, Stanley<br />

Clarke, Billy Cobham, Jimmy Scott, Andy Bey, Sheila Jordan,<br />

Marshall Allen und viele mehr.<br />

HegenSie diesbezüglichnochTräume?<br />

Natürlich. Herbie Hancock würde ich gern mal im Club präsentieren.<br />

Und natürlich Tom Waits. Oder auch Iggy Pop mit seinem Jazzund<br />

Balladenprogramm. Wir haben viele Legenden gemacht, aber<br />

da muss man ein bisschen vorsichtig sein. Zu viel davon darf man<br />

nicht machen, denn wir sind schon in erster Linie ein Club, der für<br />

zeitgenössische Musik stehen will.<br />

Prince erwog, sein Aftershow-Konzert imPorgy zu geben, und<br />

tauchte sogar kurz im Club auf. Einige andere heutige Superstars<br />

wie Anderson Paak und Thundercat spielten im Porgy,<br />

als sie noch amAnfang ihrer Karriere standen. Von Jazzern wie<br />

AmbroseAkinmusire garnicht zu reden. Wiekam das alles?<br />

Da war natürlich schon auch etwas Glück dabei, wenn man Leute<br />

zu Beginn ihrer Karriere erwischt. Aber das hat man einfach, wenn<br />

man viel und konsequent arbeitet. Dass das mit Prince am Ende<br />

doch nicht geklappt hat, er stattdessen nach seiner großen Wien-<br />

Show nur im Hotel ein bisschen Klavier gespielt hat, tut mir schon<br />

ein bisschen weh. Was den Jazz anlangt, haben wir dem Publikum<br />

viele junge Musiker vorgestellt, die dann, wenn sie Karriere<br />

gemacht haben, nur mehr im Konzerthaus spielen. Dagegen haben<br />

wir nichts, denn mit den Talenten geht es ja beständig weiter.<br />

Darunter sind nicht zu wenig heimische Musiker. Wie sehen Sie<br />

die hiesigeJazzszeneimVergleichzuden Neunzigerjahren?<br />

Da hat sich sehr viel getan. So eine große, qualitativ hochwertige<br />

Jazzszene hatesniemals zuvorgegeben. ShakeStew,die vorher eine<br />

Saison lang Stage Band im Porgy waren, haben internationale Karriere<br />

gemacht. Pianist David Helbock hat absolutes internationales<br />

Niveau. Gansch’n’Roses haben vom Porgy aus Karriere gemacht.<br />

Und auch Dhafer Youssef. Der hat sogar internationale Karriere<br />

gemacht. Auf seinem letzten Album spielten Herbie Hancock und<br />

Dave Holland mit. Der Nächste, der groß durchstarten wird, ist<br />

sicher Ralph Mothwurf, der in dieser Saison ein Dauerengagement<br />

im Porgy hat. Das Kreativpotenzial der heimischen Szene ist stark<br />

gewachsen. Und das Porgy ist da natürlich schon ein Katalysator.<br />

Auch die „Strenge Kammer“, das vom kürzlich leider verstorbenen<br />

Renald Deppe kuratierte Spezialprogramm.<br />

Jazz wird gern alsMinderheitenprogramm diffamiert.Wie sehen<br />

Sie das?<br />

Ich sehe das gar nicht problematisch. Es muss<br />

Nischen geben, sonst geht im Mainstream nichts<br />

mehr weiter. ImÜbrigen haben wir den dritten<br />

Bundespräsidenten hintereinander, der Jazzfan<br />

ist. Das hatauch eine gewisse Symbolik.<br />

Sie haben von Anbeginn die Gastronomie,<br />

die als Cashcow von Clubs gilt, ausgelagert.<br />

Warum?<br />

Wirhaben uns nie als Gastronomen gesehen. Wir<br />

halten Programmierung und Gastro sauber auseinander.<br />

Wir verrechnen eine „Pacht pro Besucher“,<br />

das istein gutes Konzept.<br />

Das Porgy &Bess hatte heuer im August geschlossen. Wird das<br />

so bleiben?<br />

Es gab große Nachfrage von touristischem Publikum. Mal sehen,<br />

wie wir das nächstes Jahr machen werden.<br />

Ichbin ja nicht so ein Urlaubstyp.Maximal eine Woche aufGomera,<br />

und dann zieht es michschon wieder in denClub. Die Familie bleibt<br />

dann länger auf der Insel. Da können sie sich dann auch von mir<br />

erholen. Ichkann ja schon auch anstrengend sein. e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 59


Italo-Pop. Mit „Vino Bianco“ schrieb<br />

Isabella Streifeneder einen Sommerhit.<br />

Wenn es mal wieder<br />

länger wird<br />

Die Münchner Band Mola macht<br />

unbekömmlichen Deutschpop: ohne<br />

Inszenierung und immer nah am Abgrund.<br />

Text: Sissy Rabl<br />

Fotos: Deza Realdy, Markus Mathéus.<br />

60 <strong>Kulturmagazin</strong>


Hoffen. Die Band Mola stellt mit „Das<br />

Leben ist schön“ ihr zweites Album vor.<br />

Im letzten Sommer kam man an Mola nur<br />

schwerlich vorbei. Mit hoher Treffsicherheit<br />

fand das Lied „Vino Bianco“, das die<br />

Münchner Band mit den Augsburgern<br />

RoyBianco und Die AbbrunzatiBoysaufgenommen<br />

hatte, über irgendein Autoradio<br />

oder eine Party-Playlist den Weg zueiner<br />

breiten Hörerschaft. Wie so viele Künstlerinnen<br />

und Künstler vor ihr schrieb sie<br />

einen Sommerhit, indem sie die kollektive<br />

Italien-Schwärmerei und Affinitätzur Italo-<br />

Disco der Achtziger der Deutschen und<br />

Österreicherinnen zu ihrem Vorteil nutzte.<br />

Mandenkeetwaauch an die Crucchi Band,<br />

Erobique mit „Urlaub inItalien“, Resi Reiner<br />

mit „Ich will nach Italien“ oder Wanda<br />

mit „Bologna“. Im Fall vonIsabella Streifeneder,<br />

wie Künstlerin Mola eigentlich heißt,<br />

besteht aber wirklich ein Italien-Bezug.<br />

Die Sängerin wurde da geboren, der Nachname<br />

ihrer Mutter ist Mola, so ergab sich<br />

auch der Bandname. Formiert hat Streifeneder<br />

die Gruppe gemeinsam mit Partner,<br />

Produzent und Bassist Markus Sebastian<br />

Harbauer.<br />

Wider Erwarten handelt der Sommerhit<br />

„Vino Bianco“ nicht von lauen Augustabenden<br />

mit Schwips, sondern ist eigentlich<br />

ein Song über Liebeskummer und besticht<br />

zum einen mit eingängigen Textzeilen:<br />

„Ich sitze hier und frag mich Quando, Sag<br />

mir, wann kommst du zurück zu mir, Vino<br />

Bianco schmeckt nicht mehr nach Dolce<br />

Vita, erschmeckt nur nach Verlieren“. Zum<br />

anderen ist esStreifeneders Stimme, die<br />

den Song und ihre Musik auszeichnet. Ein<br />

wenig erinnert sie an Nina Hagen: Sie singt<br />

tief, rau und immer so, als wäre es am Vorabend<br />

doch noch etwaslänger geworden.<br />

Unbekömmlich. Die Annahme ist auch<br />

nicht ganz abwegig, Streifeneder verbringt<br />

gern ihre Freizeit in den Kneipen<br />

des Münchner Westend, wo sie auch aufgewachsen<br />

ist. Ihre exzessive Lebensweise<br />

vertonte sie in diversen Liedern,<br />

besingt nicht nur den Weißwein, sondern<br />

durchzechte Nächte oder Drogenkonsum<br />

(„Schnee im Sommer“, „Nichts macht mich<br />

kaputt“). „Ich bin mittlerweile ein wenig<br />

ruhiger geworden, aber mein Image ist<br />

trotzdem nicht inszeniert“, sagt die Sän-<br />

„Wann kommst du<br />

zurück zu mir,Vino<br />

Bianco schmeckt<br />

nicht mehr nach<br />

Dolce Vita,erschmeckt<br />

nurnach Verlieren.“<br />

gerin. In ihrem Leben gab es viele Aufs<br />

und Abs, nicht alles lief immer so ganz<br />

reibungslos, der Absturz war immer eine<br />

naheliegende Option. Das spiegelt sich<br />

auch in ihren Texten wider. Streifeneder<br />

schreibt direkt, manchmal derb, inhaltlich<br />

auch gern mal etwas grimmig. Und auch<br />

ihr gesamtes Auftreten widersetzt sich<br />

dem verbreiteten Image weiblicher Popstars.<br />

Der Fokus liegt nicht auf Bekömmlichkeit,<br />

sie zeigt nicht viel Haut, inszeniert<br />

sich nicht mädchenhaft oder sexy. Auf der<br />

Bühne steht sie mit wilder Mähne, in Oversized-Looks<br />

oder Lederjacke, in Interviews<br />

Tipp<br />

Zum Reinhören. Am 25. November<br />

spielt Mola ein Konzert<br />

im Wiener Flex. Auf der<br />

Bühne fühlt sich Sängerin<br />

Isabella Streifeneder besonderswohl.<br />

oeticket.at<br />

ist sie zugänglich und kumpelhaft. Mola,<br />

das ist keine Kunstfigur, Mola, das ist Isabella<br />

Streifeneder. Seit sie neun oder zehn<br />

Jahrealt war, schreibt sie Lieder,späterstudierte<br />

sie auch Jazzgesang. Esist ihr wichtig,<br />

dass die Zeilen, die sie vorträgt, sich<br />

auch authentisch anfühlen, die meisten<br />

ihrer Textesind autobiografisch.<br />

Fortsetzung. Nach ihrem Debütalbum<br />

„Schnee im Sommer“ veröffentlichte sie<br />

nun ihr zweites Album „Das Leben ist<br />

schön“. Der hoffnungsvolle Titel ist nur die<br />

halbe Wahrheit, abermals besingt sie auch<br />

die Abgründe des Lebens. „Papa ist Choleriker<br />

und schreit, Mama sitzt amKüchentisch<br />

und weint, und beide sind allein“,<br />

lauten die ersten Zeilen des titelgebenden<br />

Lieds. So manche Textpassage und Songtitel<br />

könnten in ihrer gefühlvollen Direktheit<br />

auch von Schlagerinterpreten stammen,<br />

„Weil mein Herz ein Lügner ist“ oder<br />

„Mein kleines dummes Herz“ etwa. Vorgetragen<br />

werden die Texte dann in einer Eindringlichkeit,<br />

die man auch von Vorläufern<br />

wie Udo Lindenberg oder Nena kennt. „Ich<br />

habe bei Musik schon immer zuerst aufden<br />

Text gehört, deshalb hat essich für mich<br />

natürlich angefühlt, auf Deutsch zu singen“,<br />

sagt Streifeneder. ImOktober geht es<br />

für sie los aufTourdurch den deutschsprachigen<br />

Raum, auch in Wien macht sie halt.<br />

„Touren kann natürlich auch anstrengend<br />

sein, überall istman vonAlkohol umgeben,<br />

gleichzeitg muss man sich fit halten, weil<br />

man ja auch eine gute Show abliefern will“,<br />

sagtStreifeneder.Zum Glück hatdie SängerinSpaß<br />

an den Bühnenauftritten. Nureins<br />

macht ihr noch mehr Freude:ein guter Einfall<br />

beim Texten im Studio. e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 61


Karriere.<br />

Begonnen hat<br />

Karina Canellakis<br />

als Geigerin.<br />

Doch der<br />

Wunsch zu dirigieren<br />

wurde<br />

immer stärker.<br />

„Musik warimmer<br />

omnipräsent“<br />

Sie steht am Pult der renommiertesten Orchester,<br />

nun widmet der Musikverein der Dirigentin Karina<br />

Canellakis eine Fokus-Reihe. Die Künstlerin im Porträt.<br />

Text: Theresa Steininger<br />

Sie ist die erste Frau, die jemals<br />

Principal Guest Conductor des<br />

London Philharmonic Orchestra<br />

wurde, Chefdirigentin des Niederländischen<br />

Radio-Symphonieorchesters<br />

und erste Gastdirigentin des Rundfunk-<br />

Sinfonieorchesters Berlin. Außerdem war<br />

sie die Erste, die das Nobelpreis-Konzert in<br />

Stockholm mit dem Royal Stockholm Philharmonic<br />

Orchestra und die First Night of<br />

the BBC Proms in der Royal Albert Hall in<br />

London leitete. Und doch: Karina Canellakis<br />

spricht nicht gern darüber, wie es ist,<br />

eine Frau am Pult zu sein, auch wenn sie zu<br />

den international begehrtesten Vertreterinnen<br />

gehört.<br />

„Ich nehme Fragen zu Dirigentinnen nicht<br />

übel, aber ich finde sie überholt und altmodisch.<br />

Sie langweilen mich und sind heute<br />

wirklich nicht mehr relevant“, sagt die in<br />

New York City Gebürtige. „Ich finde interessanter,<br />

darüber zu sprechen, was einen<br />

62 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

als Musikerin und als Person beschäftigt<br />

und fasziniert. Ich liebe es, über Musik zu<br />

reden.“<br />

Diese erfüllte ihr Leben von Anfang an,<br />

wurde sie doch als Tochter eines Dirigenten<br />

und einer Pianistin in eine hochmusikalische<br />

Familie geboren. Auch lernte<br />

sie früh das Violinspiel, zum Dirigieren<br />

zog es sie nicht gleich. „Es gab nie diesen<br />

einen Moment, an dem ich wusste,<br />

dass ich Dirigentin sein möchte. Musik<br />

war immer schon omnipräsent in meinem<br />

Leben.“ Auch wenn sie an der Geige rasch<br />

ein hohes Niveau erreichte und mit namhaften<br />

US-amerikanischen Orchestern<br />

spielte, war esihrem Vater doch wichtig,<br />

ihren Horizont weit zu halten: „Er hatte die<br />

Idee, dass jeder, der ein Instrument spielt,<br />

auch Dirigieren lernen sollte, daher stand<br />

auch ich bereitsmit zwölf Jahren voreinem<br />

Orchester.“ Gleichzeitig liebte sie das Violinspiel<br />

und „wollte nicht, dass mir durch<br />

eine andere Aktivität Zeit dafür abhandenkäme.<br />

Aber es kam der Punkt, andem ich<br />

mich so sehr zum Dirigieren hingezogen<br />

fühlte, dass ich es nicht mehr verhindern<br />

wollte. Es wareinfach unvermeidbar.“<br />

Einspringerin für Harnoncourt. Vor allem,<br />

als sie als Violinistin in der Orchesterakademie<br />

der Berliner Philharmoniker spielte<br />

und hier mit großen Maestri in Kontakt<br />

kam, kristallisierte sich der Wunsch zu dirigieren<br />

immer mehr heraus. Jedoch: Diese<br />

Anziehungskraft „kam nicht aus einem<br />

Ehrgeiz heraus, der neue Simon Rattle zu<br />

werden –sondern vielmehr auseiner Liebe<br />

zum ganz genauen Partiturstudium und<br />

zur Oper.“ Simon Rattle war aber durchaus<br />

eine Inspiration für sie, ebenso Fabio Luisi,<br />

bei dem sie unter anderen studierte. An<br />

der renommierten Juilliard School in New<br />

York schloss sie ihr Studium ab.<br />

Dann ging es steil bergauf. Erstmals in<br />

Europa bekannt wurde Canellakis als Einspringerin<br />

für Nikolaus Harnoncourt. Das<br />

warmit dem Chamber OrchestraofEurope<br />

<strong>20</strong>15. <strong>20</strong>16 gewann sie den renommierten<br />

Sir Georg Solti Award. Seither hat sie mit<br />

dem Boston Symphony Orchestra ebenso<br />

gearbeitet wie mit dem Gewandhausorchester<br />

Leipzig, dem Philadelphia<br />

»<br />

Fotos: Mathias Bothor, beigestellt.


KLANGLICHT <strong>20</strong>23<br />

Drei Abende voll Licht- und Klangkunst vom 25. bis 27. Oktober <strong>20</strong>23.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

„Shadow Whispers“ von Martina Tritthart<br />

thematisiert Schattenwelten.<br />

Licht spielt eine Hauptrolle, hier im Projekt<br />

„Brocken 5.6“ von Yasuhiro Chida.<br />

Siehe da, höre da: Mensch, Natur und Kunst.<br />

Gleichermaßen hinterlassen sie ihre Spuren<br />

bei Klanglicht <strong>20</strong>23, wenn es vom 25. bis 27.<br />

Oktober wieder heißt: Licht aus, Klanglicht<br />

an. Immersive Licht- und Klangarchitekturen erobern<br />

die Straßen und Bauten der Grazer Innenstadt und<br />

widmen sich in der diesjährigen Festivalausgabe mit<br />

Fragen nach Realität und Wahrnehmung, Bestand und<br />

Vergänglichkeit der künstlerischen Spurensuche.<br />

Fotos: Verena Koch, Yasuhiro Chida, Martina Tritthart.<br />

Eindrücke hinterlassen. Das Da- und Dabei-Sein des<br />

Publikums lässt Symphonien der Begegnung erklingen<br />

und verwandelt physische Interaktion in leuchtende<br />

Visualitäten. So lassen Installationen renommierter<br />

nationaler und internationaler Kunstschaffender Assoziationen<br />

von Sehnsüchten, Träumen und Ist-Zuständen<br />

gleichermaßen entstehen. Sie erinnern uns an Gewesenes,<br />

zeigen uns neue Sichtweisen auf die Einzigartigkeit<br />

unserer Welt, erzählen von der Kraft der Veränderung<br />

und skizzieren damit nicht nur, wie es sein<br />

wird, sondern auch, wie es sein könnte. Von subtilen<br />

Sinneswahrnehmungen bis zu raumgreifenden Erlebnissen<br />

spannen die diesjährigen Projekte einen Bogen<br />

zwischen den Ab- und Eindrücken, die wir Menschen<br />

auf unserem blauen Planeten hinterlassen.<br />

Es ist ein temporäres Gesamtkunstwerk aus Licht und<br />

Klang, das entsteht; so berührend, eindrücklich und<br />

weitreichend wie der künstlerische Diskurs selbst:<br />

Wo sind sie, die Spuren der Kunst, und sind sie es,<br />

die einzig allein überdauern?<br />

Emotionen wecken. Klanglicht wird imAuftrag der<br />

Bühnen Graz organisiert und trägt seit <strong>20</strong>15 zwei zentrale<br />

Elemente des Theaters hinaus in den öffentlichen<br />

Raum. Mit den Mitteln von Licht und Klang werden<br />

Menschen begeistert und berührt, Emotionen geweckt<br />

und Momente des Staunens erschaffen. So verwandelt<br />

Geschäftsführer<br />

der Bühnen Graz<br />

und Klanglicht-<br />

Initiator Bernhard<br />

Rinner, Birgit Lill-<br />

Schnabl, kuratorische<br />

Leitung.<br />

KLANGLICHT <strong>20</strong>23<br />

ALLE INFORMATION ZU<br />

KLANGLICHT <strong>20</strong>23 UND ZUM<br />

FESTIVALPASS FINDEN SIE UNTER:<br />

www.klanglicht.at<br />

Klanglicht Graz in eine Welt aus Kunst und Musik, aus<br />

Farbe und Licht und lässt <strong>20</strong>23 die Grazer Innenstadt<br />

zum Ort sinnlichen Erlebens werden: Von Schauspielhaus<br />

über Schlossberg und Herrengasse bis<br />

Burggarten erforscht, hinterfragt, erlebt Klanglicht die<br />

vielfältigen Spuren von Kunst, Natur und Mensch.<br />

Zugang schaffen. Klanglicht findet im öffentlichen<br />

Raum statt. Elf der insgesamt 15 gezeigten Installationen<br />

sind dank des Engagements zahlreicher Sponsoren<br />

für alle Besucher*innen frei zugänglich. Bei vier<br />

Locations jedoch ist ein Besuch nur für jene Gäste<br />

möglich, die Klanglicht durch den Kauf eines Festivalpasses<br />

unterstützen. Der Festivalpass gewährt darüber<br />

hinaus freie Fahrt zu Klanglicht am Veranstaltungstag<br />

im gesamten Verkehrsverbund<br />

Steiermark.<br />

Die Festivalpässe sind ab Mitte<br />

September online oder im Ticketzentrum<br />

der Bühnen Graz erhältlich.<br />

(Kaiser-Josef-Platz <strong>10</strong>, 80<strong>10</strong> Graz,<br />

Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa9–13 Uhr)<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 63


»<br />

Liebe zur Partitur.<br />

Der Musik<br />

auf den Grund<br />

zu gehen ist<br />

der gebürtigen<br />

New Yorkerin<br />

Canellakis ein<br />

Anliegen.<br />

Orchestra, dem LA Philharmonic und dem<br />

Symphonieorchester des Bayerischen<br />

Rundfunks. Auch als Operndirigentin<br />

konnte sie sich unter anderem in Amsterdam<br />

und Paris beweisen. In Wien war sie<br />

schon zu Gast, als sie Beethovens „Neunte“<br />

<strong>20</strong>21 anlässlich des Beethoven-Tags mit<br />

den Wiener Symphonikern aufführte.<br />

Nun widmet der Musikverein Wien Karina<br />

Canellakis eine eigene Fokus-Reihe, dabei<br />

kommt sie mit dem Netherlands Radio Philharmonic<br />

Orchestra, dessen Chefdirigentin<br />

sie istund bei dem ihr Vertragbis <strong>20</strong>27 verlängert<br />

wurde, ebenso wie mit dem London<br />

Philharmonic Orchestra. Auch mit<br />

dem ORF RSO Wien und mit den Wiener<br />

Symphonikern wird sie Konzerte im Großen<br />

Saal innerhalb desZyklus bestreiten.<br />

Emotionale Energie. Sie schätze die Möglichkeit<br />

dieser residenzartigen Verbindung<br />

mit dem Haus sehr, soCanellakis: „Im Normalfall<br />

ist man als Dirigent und Dirigentin<br />

für ein paar wenige Konzerte in einem<br />

Saal und fährt dann weiter, umein Jahr<br />

oder noch länger nicht wiederzukommen.<br />

Es ist wunderschön, dass ich nun innerhalb<br />

einer Saison so oft und mit so unterschiedlichen<br />

Programmen wiederkehren<br />

darf.“ Gerade dadurch, dass sie nun fünf<br />

Konzerte im Goldenen Saal gibt, bekomme<br />

„Manche Musik gibt<br />

mir beim Dirigieren<br />

das Gefühl, als würde<br />

ich fliegen. Dann fühle<br />

ich mich frei.“<br />

sie „die Möglichkeit, eine viel tiefere Beziehung<br />

zum Saal, aber auch zum Publikum<br />

aufzubauen.“ Schon einmal war Canellakis<br />

im Musikverein zu Gast, allerdings noch<br />

zu ihrer Zeit als Violinistin. „Ich erinnere<br />

mich, als ich in den Goldenen Saal kam:<br />

Man spürte sofort die lange Tradition und<br />

die Besonderheit diesesMoments.“<br />

Diesmal steht sie am Pult. „Ich hatte fast<br />

eine Carte Blanche, um die Stücke zuwählen,<br />

die ich möchte.“ Ausgesucht hat sich<br />

Canellakis unter anderem Dmitri Schostakowitschs<br />

„Violinkonzert Nr. 1“ mit Christian<br />

Tetzlaff als Solist, Johannes Brahms<br />

vierte Symphonie, Anton Weberns „Sechs<br />

Orchesterstücke“, Wolfgang Amadeus<br />

Mozarts „Klavierkonzert d-Moll“, Ludwig<br />

van Beethovens „Eroica“ und dessen „Klavierkonzert<br />

Nr. 2“, Schostakowitschs „Symphonie<br />

Nr. 8“sowie Leos Janáčeks „Glagolitische<br />

Messe“. „All die Werke, die ich in<br />

Wien dirigiere, stehen für meine Leidenschaft<br />

und für das, was mich momentan<br />

interessiert und fasziniert“, erläutert sie<br />

diesimInterview.<br />

Vor allem Janáčeks Werk habe es ihr angetan,<br />

sagt Canellakis: „Die ,Glagolitische<br />

Messe‘ ist ein einzigartiges Stück, esgibt<br />

nichtsVergleichbares aufder Welt.“ Beider<br />

Aufführung wird sie mit dem Singverein<br />

der Gesellschaft der Musikfreunde zusammentreffen,<br />

mit dem sie bereits zuvor<br />

gearbeitet hat. Schostakowitschs „Achte“<br />

habe sie gewählt, weil diese mit einem der<br />

vielen Meilensteine in ihrer Karriere zu<br />

tun hat, die „Eroica“, weil sie „ein bahnbrechendes<br />

Werk ist –und gerade daher gut,<br />

um den Zyklus abzuschließen“, so Canellakis.<br />

„Dieses Stück von Beethoven ist<br />

eines, dem jeder Dirigent und jede Dirigentin<br />

seinen und ihren Stempel aufdrücken<br />

möchte. Es ist eines, das die Energie der<br />

Dirigentin reflektiert.“ Was die Werke der<br />

Wiener Programme jedenfalls trotz all der<br />

Verschiedenheit eint, ist, „dass sie uns alle<br />

ganz eng in Verbindung mit menschlichen<br />

Emotionen bringen.“<br />

Abseits der Auftritte selbst wird das Publikum<br />

in einer Ausgabe des noch relativ<br />

neuen Musikverein-Formats „Auf ein Glas<br />

mit...“ im Anschluss an ein Konzert auch<br />

die Möglichkeit haben, Canellakis genauer<br />

kennenzulernen und zu befragen –wobei<br />

sie auch hier hofft, über die Musik und<br />

über das sprechen zu können, was sie im<br />

Leben fasziniert. Wasdas denn über Werke<br />

großer Komponistinnen und Komponistenhinausgehend<br />

noch sei? „Ich liebe es,in<br />

der Natur zu sein“, so Canellakis, die ihren<br />

Ausgleich zum intensiven Partiturstudium<br />

gern beim Wandern findet und die bei Ausflügen<br />

ins Freie Kraft schöpft. Gerade deshalb<br />

fände sie es „herrlich, wenn ich beim<br />

Dirigieren das Gefühl habe, als würde ich<br />

fliegen. Manche Musik kann das.“<br />

Von den für Wien gewählten Stücken sehe<br />

sie „vor allem bei Brahms eine starke Verbindung<br />

zur Natur. Seine Musik kann dasselbe<br />

Gefühl in mir hervorrufen, wie wenn<br />

ich in den Alpen aus dem Haus trete und<br />

die pure, frische Luft einatme“, sagt Canellakis.<br />

Und fügt mit entspanntem Gesicht<br />

hinzu: „Dann fühle ich mich frei.“ e<br />

Tipp<br />

Fokus Canellakis. 22. Okober,RSO<br />

Wien, Singverein.<br />

27. Februar,London Philharmonic<br />

Orchestra, Christian<br />

Tetzlaff (Violine). Weitere<br />

Termine: musikverein.at<br />

Fotos: Mathias Bothor, beigestellt.<br />

64 <strong>Kulturmagazin</strong>


<strong>20</strong>23/24: Die Saison!<br />

Arnold Schoenberg Chor |Rudolf Buchbinder |Vassilis Christopoulos<br />

Concentus Musicus Wien |Ferruccio Furlanetto |Grazer Philharmoniker |Martin Grubinger<br />

Augustin Hadelich |Anna Handler |Nikola Hillebrand |Claire Huangci |Marie Jacquot<br />

Axel Kober |Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor |Gaetano LoCoco<br />

Xavier de Maistre |Joana Mallwitz |Sarah McElravy |Next Liberty |Patricia Nolz<br />

Camilla Nylund |ORF Radio-Symphonieorchester Wien |Daniel Ottensamer<br />

Philharmonic Five |Markus Poschner |Julian Rachlin |Andrè Schuen<br />

Christoph Sietzen |Grigory Sokolov |Emmanuel Tjeknavorian |Wiener Sängerknaben<br />

Wiener Symphoniker |Youth Orchestra Alpe Adria u.a.<br />

musikverein-graz.at<br />

+43 316 82 24 55<br />

©Oscar Tursunov |Lukas Beck | www.annas-foto.de |Christian Jungwirth |Guido Werner |Nikolaj Lund |Sacharov |Steven Harris |Vasilka Balevska<br />

design: edsign.at


Pablo Heras-Casado.<br />

Der spanische Dirigent<br />

leitet „Le Grand<br />

Macabre“.<br />

Asmik Grigorian. Ab<br />

7. 12. ist sie die chinesische<br />

Prinzessin<br />

Turandot.<br />

Jonas Kaufmann.<br />

Jonas Kaufmann<br />

buhlt als Calaf um<br />

Turandot.<br />

GeorgNigl. Der Tod<br />

ist der Einzige, der<br />

in „Le Grand Macabre“<br />

stirbt.<br />

Triumph der Liebe<br />

über den Tod<br />

Ein Opern-Highlight des <strong>20</strong>. Jahrhunderts und<br />

ein Blockbuster von Puccini sind demnächst an<br />

der Staatsoper zu hören.<br />

Text: Daniela Tomasovsky<br />

Sarah Aristidou.<br />

In „Le Grand Macabre“<br />

ist sie Chef der<br />

Gepopo/Venus.<br />

Ein Meilenstein der Operngeschichte<br />

ist am 5. November erstmals an<br />

der Wiener Staatsoper zu sehen:<br />

György Ligetis „Le Grand Macabre“,<br />

die einzige Oper des ungarisch-österreichischen<br />

Komponisten. Als „Meisterwerk<br />

des <strong>20</strong>. Jahrhunderts“ bezeichnet es<br />

Staatsoperndirektor Bogdan Roščić. Intelligent,<br />

ironisch und doppelbödig wird hier<br />

der Weltuntergang verhandelt – es passt<br />

also zur Gegenwart: Inein imaginäres, korruptes<br />

Schlaraffenland –das „verfressene,<br />

versoffene und verhurte“ Breughelland –<br />

platzt eines Tages der Tod alias Nekrotzar<br />

alias der dämonische Große Makabre, um<br />

die unmittelbare Zerstörung der Welt und<br />

der frivolen Menschheit zu verkünden.<br />

Durch die ihm unbekannten Gelüste des<br />

Lebens verführt und überwältigt, stirbt am<br />

Ende aber ausschließlich Nekrotzar selbst.<br />

Alle anderen gelangen zur Moral, dass<br />

ihr vorläufiges Überleben zur Beibehaltung<br />

des bis dahin geführten Lebenswandels<br />

genutzt werden sollte... Inszeniert<br />

und choreografiert wird das Werk von Jan<br />

Lauwers, der vor zwei Jahren Monteverdis<br />

„Poppea“ sehr eindrucksvoll auf die Bühne<br />

gebracht hat. Dirigent ist, ebenfalls wie<br />

damals, Pablos Heras-Casado,<br />

der heuer in Bayreuth mit<br />

dem „Parsifal“ triumphierte.<br />

Den Tod singt der Wiener<br />

Bariton Georg Nigl, die Venus<br />

die französisch-zypriotische<br />

Sopranistin Sarah Aristidou,<br />

beide große Verfechter neuer<br />

Tipp<br />

„Le Grand Macabre“. Premiere<br />

und Erstaufführung an der<br />

Wiener Staatsoper ist am<br />

5. November.<br />

„Turandot“. Die Neuproduktion<br />

ist ab 7. 12. zu sehen.<br />

Musik. Apropos: Zuletzt war „Le Grand<br />

Macabre“ in einer Produktion der Neuen<br />

Oper Wien unter Walter Kobéra zuhören –<br />

eine im heimischen Musikleben nicht wegzudenkende<br />

Institution, die sich der Neuen<br />

Musik verschrieben hat.<br />

Mauern aus Angst. Nur wer die drei Rätsel<br />

der Prinzessin Turandot löst, kann ihr<br />

Bräutigam werden. Werscheitert, wird hingerichtet.<br />

Ist so etwas heute noch glaubwürdig?<br />

Auf jeden Fall, meint Claus Guth,<br />

der die Neuproduktion von Puccinis<br />

letzter und unvollendeter Oper inszeniert.<br />

„Puccini entwirft im scharfen Kontrast<br />

zum märchenhaft-exotischen Rahmen<br />

ein feinfühlig gezeichnetes Psychogramm<br />

zweier sehr verschiedener Menschen,<br />

deren Verhalten genau motiviert ist.<br />

Es gilt, dies herauszuarbeiten und uns für<br />

die Menschen hinter dem System zuinteressieren“,<br />

meint er. Schutzwälle zu errichten,<br />

das geschehe immer aus Angst. Wovor<br />

hat Turandot Angst? Und wieso ist Calaf<br />

bereit, diese Mauern zudurchbrechen? Hat<br />

er nichts zu verlieren oder liebt erTurandot?<br />

Oder will ernur die Macht an sich reißen?<br />

All diese Fragen will Guth in seiner<br />

Inszenierung verhandeln. Premiere ist am<br />

7. Dezember, in den HauptrollensindAsmik<br />

Grigorian und JonasKaufmannzuhören.<br />

Vor Weihnachten, am 16. 12., gibt es auch<br />

noch eine Kinderopern-Premiere: „Das<br />

verfluchte Geisterschiff“,<br />

ein Auftragswerk von Margit<br />

Mezgolich nach Wagners<br />

„Holländer.“ Mezgolich<br />

hat imSeptember das Publikum<br />

mit ihrer Inszenierung<br />

von „16 Wörter“ in der<br />

Zacherlfabrik begeistert. e<br />

Fotos: Fernando Sancho, Andrej Grilc, Algirdas Bakas, Gregor Hohenberg,/Sonymusic, Anita Schmid.<br />

66 <strong>Kulturmagazin</strong>


Viele denken bei<br />

Schweizer Private<br />

Banking an Mahagoni<br />

und High Society.<br />

Wir lieber an Sie.<br />

Erleben Siedas einzige Schweizer<br />

PrivateBanking in Österreich.<br />

zkb-oe.at


Intoniert. KatFrankie<br />

stellt mit sieben Musikerinnen<br />

ihr A-cappella-Projekt<br />

„Bodies“ vor.<br />

Mit vollem<br />

Körpereinsatz<br />

Das Desertshore Festival im Volkstheater holt<br />

abermals Popmusikerinnen und -musiker vor<br />

den Vorhang, die sonst im Verborgenen blieben.<br />

Text: Sissy Rabl<br />

Fotos: Cathleen Wolf, Shai Franco.<br />

68 <strong>Kulturmagazin</strong>


Ich habe mein ganzes Leben lang gesungen“,<br />

sagt Kat Frankie und hält inne.<br />

„Wenn ich darüber nachdenke, warum,<br />

denke ich daran, wie es sich anfühlt zu<br />

singen. Da ist etwas in mir —inuns Menschen<br />

eigentlich —, das sich Gehör verschaffen<br />

will. Deshalb singen wir, und<br />

unser Körper ist das Instrument dafür!“<br />

Die Australierin hat im Gespräch eigentlich<br />

keinen besonderen Hang zum Pathos.<br />

Aber manchmal, wenn sie über ihre Arbeit<br />

spricht, schleicht er sich doch ein. Die Sängerin<br />

ist vor vielen Jahren mit Sack, Pack<br />

und Gitarre nach Berlin gezogen, um dort<br />

ihre Musikkarriere zustarten. Die Innenarchitektur<br />

hat sie dafür an den Nagel<br />

gehängt. Ihre Fertigkeiten an der<br />

Gitarre sowie allen nachfolgenden Instrumenten<br />

eignete sie sich eigenständig<br />

an.<br />

Ein Teil ihrer Musik steht in der Tradition<br />

von Singer-Songwriterinnen<br />

wie Fiona Apple, PJ Harvey oder Feist,<br />

doch so ganz festlegen will sie sich<br />

nicht. „Die eine Sache, die ich mehr<br />

als alles andere verabscheue, ist Wiederholung.<br />

Ich gehe Projekte nur an,<br />

wenn ich glaube, dass ich dabei etwas<br />

Neues lernen kann“, sagt Frankie. Sie<br />

experimentiert mit Loop Stations und<br />

elektronischer Musik, singt Lieder<br />

auf Deutsch gemeinsam mit Rappern<br />

wie Clueso, Marteria, Casper oder der<br />

deutschen Band GetWellSoon. Zuletzt<br />

stellte sie ihr A-cappella-Projekt<br />

„Bodies“ vor. Ebendieses wird auch im<br />

Rahmen des zweitägigen Desertshore<br />

Festivals im Dezember im Volkstheater<br />

zu sehen sein.<br />

Hochenergetisch. „Nie habe ich so<br />

starke Reaktionen aus dem Publikum<br />

bekommen wie bei A-cappella-Aufführungen.<br />

Ohne Instrumente ist die<br />

Erfahrung auch für das Publikum eine<br />

physischere. Es klingt esoterisch, aber das<br />

Gefühl, miteinander verbunden zu sein,<br />

ist dabei sehr stark“, sagt Frankie. Dabei<br />

handelt es sich weder um einen klassischen<br />

Chor noch einen A-cappella-Trupp.<br />

„Bodies“ enthält performative Elemente,<br />

die Sängerinnen setzen ihren ganzen Körper<br />

ein, stampfen, klatschen, schnipsen,<br />

summen, brummen.<br />

Es sind nicht immer klassische Lieder, die<br />

vorgetragen werden, und schon gar nicht<br />

Coverversionen von Popballaden. „Manche<br />

der Frauen, die mit mir auf der Bühne<br />

stehen, waren schon Teil meiner Band.<br />

Andere habe ich über Instagram gefunden.<br />

In jedem Fall suchteich nach Menschen mit<br />

Bühnenerfahrung, die gern auch im Mittelpunkt<br />

stehen. Das verändert die Energie<br />

„Ich gehe<br />

Projektenur an,<br />

wenn ich glaube,<br />

dass ich dabei<br />

etwasNeues<br />

lernen kann.“<br />

Verbindend. Gemeinsam<br />

mit iranischen Musikern<br />

hat die israelische Künstlerin<br />

Liraz im Geheimen<br />

Musik aufgenommen.<br />

Tipp<br />

Hörbar. Zum zweiten Mal<br />

findet das DesertshoreFestivalstatt,heuer<br />

am 9. und <strong>10</strong>.<br />

Dezember auf den Bühnen<br />

des Wiener Volkstheaters.<br />

Zu sehen sein werden Popkünstlerinnen<br />

und -künstler<br />

abseits vom Mainstream wie<br />

KatFrankie, Liraz, Jungstötter,aber<br />

auch DJs und Talks.<br />

im Raum“, sagt Frankie. Im Jänner <strong>20</strong><strong>20</strong><br />

fand der erste Versuch einer Tour durch<br />

die Pandemie ein jähes Ende. Im Oktober<br />

dieses Jahres setzt sie sich nun endlich<br />

fort, macht etwa auch in der Elbphilharmonie<br />

in Hamburg halt, bevor sie in Wien<br />

ausklingt: Christian Morin, Intendant des<br />

Desertshore Festivals, hat Kat Frankie hierher<br />

eingeladen. Er kennt sie noch von seiner<br />

Zeit als leitender Musikdramaturg an<br />

der Volksbühne in Berlin. Das Desertshore<br />

Festival „für abenteuerliche Musik und<br />

Gedanken“ findet heuer zum zweiten Mal<br />

stattund bespielt ein Wochenende lang die<br />

Bühnen des Volkstheaters mit Konzerten,<br />

Performances, Installationen, Talks<br />

und DJ-Sets. „,Desertshore‘ hieß auch<br />

eine der tollsten Platten von Sängerin<br />

Nico (Anm.: Sängerin der Velvet Underground),<br />

die allerdings nur Eingeweihtenbekannt<br />

ist. Undgenaudarum geht<br />

es: besonderer Musik, die vielleicht<br />

nicht massentauglich ist, im Rahmen<br />

des Festivals eine Bühne zu bieten“,<br />

sagt Morin. Dabei spielt das Genre in<br />

der Auswahl der Künstler keine starke<br />

Rolle, eher ginge esumdie Geschichten,<br />

welche die Musikerinnen und<br />

Musiker zu erzählen haben.<br />

Überbrücken. So wird etwa die israelische<br />

Sängerin und Schauspielerin<br />

Liraz mit Wurzeln im Iran auftreten.<br />

„Durch ihre Familie fühlt Liraz eine<br />

sehr starke Verbindung zum Iran, singt<br />

teilweise auch auf Farsi. Während die<br />

Proteste schon in Gange waren, hat sie<br />

begonnen, im Geheimen mit Künstlern<br />

aus dem Iran eine Platte aufzunehmen.<br />

Die Tracks haben sie sich<br />

online hin- und hergeschickt. Deshalb<br />

wird ihre Musik dort auch auf Festen<br />

und Feiern gehört“, sagtMorin.<br />

Mit der deutsch-brasilianischen Musikerin<br />

Flora de Oliviera und Sound-<br />

Designer Dean Hurley sind zudem Künstler<br />

zu Gast, die sonst mit Filmemacher David<br />

Lynch zusammenarbeiten. Ihr gemeinsames<br />

Album „Oceans of Time“ produzierten<br />

die beiden übrigens gemeinsam auf digitalem<br />

Wege. AmDesertshore treffen sie sich<br />

zum ersten Mal persönlich. Ebenso wird<br />

die russische Post-Punk-Band Ploho auftreten,<br />

die nach dem russischen Einmarsch in<br />

die Ukraine nach Belgrad geflohen ist. Und<br />

auch der deutsche Künstler Jungstötter,<br />

dessen Sound den Vergleich mit Nick Cave<br />

nahelegt, wird amFestival teilnehmen. „Es<br />

werden hier viele Geschichten erzählt werden<br />

rund um Herkunft, räumliche Trennung,<br />

aber auch ums Zusammenkommen“,<br />

sagtChristian Morin. Der inhaltliche Bogen<br />

bleibt also bei aller Vielfalt gespannt. e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 69


Angekommen. Seit dieser Saison spielt<br />

Nils Arztmann im Josefstadt-Ensemble.<br />

70 <strong>Kulturmagazin</strong>


Für ihn ist jeder<br />

Abend Spieleabend<br />

Sein Spieltrieb beschränkt sich nicht auf Bühne<br />

und Film: Nils Arztmann, neu im Ensemble der<br />

Josefstadt, über Kreisky, Schach und andere Bretter.<br />

Text: Katrin Nussmayr<br />

Porträt: Christine Pichler<br />

Nils Arztmann relativiert. Nein,<br />

nein, er habe „Hamlet“ nicht wirklich<br />

gelesen, als er gerade einmal<br />

fünf oder sechs Jahre alt war.<br />

In einem Alter, indem viele Kinder ihren<br />

Namen zu schreiben lernen. „Nur überflogen“<br />

habe er das Reclamheft damals, sagt<br />

er,nur ein bisschen hineingelesen. „Richtig<br />

gelesen habe ich es erst mit zehn oder elf.<br />

Aber ,Hamlet‘ ist ein Stück, das kannst du<br />

immer lesen, vonfünf bis99.“<br />

Wer soetwas sagt, wer mit so einer natürlichen<br />

Leidenschaft über die Kunst der Dramatik<br />

spricht, der muss natürlich am Theater<br />

landen, und bei Nils Arztmann dauerte<br />

es auch nicht lang: Der 25­jährige Wiener<br />

ist seit dieser Saison Ensemblemitglied im<br />

Theater inder Josefstadt, wird dort inThomas<br />

Arzts „Leben und Sterben in Wien“<br />

und als Kostja in Tschechows „Die Möwe“<br />

zu sehen sein, in den Kammerspielen gibt<br />

er in Kleists „Der zerbrochene Krug“ den<br />

Beschuldigten Ruprecht. Und auch vor der<br />

Kamera steht einiges für ihn an: Er wird<br />

etwa die Titelrolle in „Der junge Kreisky“<br />

spielen, Harald Sicheritz’ geplantem Biopic<br />

über die prägenden Jahre des späteren<br />

Bundeskanzlers Bruno Kreisky.<br />

schlagen können. Oder, anders blumig ausgedrückt:<br />

Zu den Brettern, die ihm die Welt<br />

bedeuten, gehörten auch quadratrische<br />

mit 64 Feldern. Sein Lieblingsonkel hatte<br />

Arztmann einst das Schachspielen beigebracht,als<br />

Jugendlicher spielteerTurniere,<br />

warständig unterwegs. „Ich hattekaumein<br />

Privatleben, bis ich 16 war. Ich habe immer<br />

Schach gespielt,und wenn ich nicht Schach<br />

gespielt habe, dann Theater.“ Als kleiner<br />

Stöpsel schon inszenierte der Spross einer<br />

kulturaffinen Juristenfamilie eigene Stücke,<br />

mit acht stand er das erste Mal auf<br />

einer Bühne. Scheu vor der Theatersprache<br />

hatteernie, dafür sorgtendie großelterlichen<br />

Besuche, die ihn früh auch ins Burgtheater,<br />

Akademietheater und die Kammerspiele<br />

führten. In Reclamheften strich<br />

er Zeile um Zeile an. Nicht nur, um coole<br />

Zitate zu markieren. „Auch um zu schauen,<br />

wer ammeisten Text hat indem Stück. Den<br />

wollteich dann natürlich spielen.“<br />

Gelegenheiten hatte erbald genug dazu:<br />

Mit zwölf Jahren begann er in der Jugendtheatergruppe<br />

„gutgebrüllt“, geführt von<br />

Maria Köstlinger, die nun seine Ensemblekollegin<br />

in der Josefstadt ist –noch so<br />

eine schicksalhafte Fügung. „Bis zu meiner<br />

Matura haben wir jedes Jahr ein Stück<br />

gemacht, und es wurde von Jahr zu Jahr<br />

ernster.“ Zusätzlich spielteerinder Schule,<br />

der Deutschlehrer an seinem Gymnasium<br />

schuf extra ein Freifach, damit Arztmann<br />

Immer amBrett. Jetzt lehnt er sich –fürs<br />

Foto, natürlich! –rücklings aus einer Loge<br />

im Josefstadt­Theater,lässt die volle blonde<br />

Strubbelmähne über die Brüstung hängen,<br />

breitet die Arme über dem roten Samt aus<br />

und grinst: Er ist gut angekommen hier im<br />

Haus. Aus dieser Perspektive kennt er die<br />

Josefstadtbühne, seit er ein kleinesKind ist.<br />

Genau genommen kennt er den Blick aus<br />

der Loge gegenüber, erzeigt hin, zweiter<br />

Rang, rechts: Seine Großeltern hatten ein<br />

Abo und nahmen ihn immer mit in die Vorstellungen.<br />

Einmal selbst auf der Bühne zu<br />

stehen war sein Traum. Dass er nun wahr<br />

wurde, istfür Arztmann „völlig surreal“.<br />

Dabei hätteesihn auch in eine ganz andere<br />

Spielform als die schauspielerische verund<br />

sein bester Freund auch in der Oberstufe<br />

Theater spielen konnten. „Da haben<br />

wir so Sachen gespielt wie Becketts ,Endspiel‘.<br />

Ichhabe den Hamm gespielt,imRollstuhl,<br />

er den Clov, dann haben wir noch<br />

zwei Leute inBiotonnen gesetzt, die waren<br />

die Alten aus dem Mistkübel. Das war<br />

schon sehr cool.“<br />

Die Schule fiel ihm glücklicherweise leicht,<br />

so konnteerauch im Matheunterricht Texte<br />

lernen und trotzdem Einser schreiben. Eine<br />

Bühnenkarriere lag auf der Hand –oder?<br />

„Ich wollte mir lang nicht eingestehen,<br />

dass ich wirklich Schauspieler werden will.<br />

Eigentlich wussteich es eh immer.Auchalle<br />

in meinem Umfeld wussten es. Aber sobald<br />

man sagt, man möchte Schauspieler werden,<br />

bedeutet ein Scheitern: Ich bin nicht<br />

gut genug.“ Schließlich fasste der Teenager<br />

den Entschluss. Eineinhalb Jahre vor seinem<br />

ersten Vorsprechen an Schauspielschulen<br />

begann er, Monologbücher durchzuackern.<br />

„Sofleißig wie damals warich nie<br />

wieder.“ Er bewarb sich am Max­Reinhardt­<br />

Seminar und wurde aufgenommen. Im Vorjahr<br />

schloss er sein Studium ab.<br />

In Reichenau entdeckt. Nebenbei stand<br />

Arztmann immer wieder vor der Kamera,<br />

für diverse Fernsehkrimifolgen und die<br />

ORF-Stadtkomödie „Der Fall der Gerti B.“,<br />

die mittlerweile auf eine Serie ausgeweitet<br />

wurde. Eine kleine Rolle hatte erauch in<br />

Marie Kreutzers „Corsage“. Und natürlich<br />

ließ ihn die Bühne nicht los beziehungsweise<br />

ersie nicht. Eine Hauptrolle stellte<br />

sich als besonders zukunftsweisend heraus:<br />

Im Sommer <strong>20</strong>22 gab er bei den Festspielen<br />

Reichenau –in der ersten Saison<br />

der Intendantin MariaHappel, bei der Arztmann<br />

am Reinhardt­Seminar auch Rollenunterricht<br />

hatte –den jungen Theaterautor<br />

Konstantin, genannt Kostja, in Anton<br />

Tschechows Tragikomödie „Die Möwe“. Mit<br />

ihm auf der Bühne standen, wie in Reichenau<br />

nicht unüblich, einige Ensemblemitglieder<br />

der Josefstadt, darunter SandraCervik,<br />

Paula Nocker, Claudius von Stolzmann.<br />

Deren Chef, Josefstadt­Theaterdirektor<br />

Herbert Föttinger, war so angetan, dass er<br />

die Inszenierung in sein Programm holte,<br />

im März hat sie Premiere inden Kammerspielen.<br />

Und Arztmann, der damals schon<br />

die Kritiker überzeugte („[Ihm] gelingt die<br />

Verwandlung vom glühenden Avantgarde­<br />

Poeten zum bedauernswerten Zombie“,<br />

schrieb etwa die „Presse“), holte Föttinger<br />

eben in sein Ensemble.<br />

Ebenfalls im März ist die Uraufführung von<br />

Thomas Arzts Auftragswerk „Leben und<br />

Sterben in Wien“ angesetzt: „Es geht um<br />

die Zwischenkriegszeit in Österreich, die ja<br />

kaum aufgearbeitet ist. Austrofaschismus,<br />

„Ich hattekaumein<br />

Privatleben, bisich<br />

16 war. Ichhabe immer<br />

Schach gespielt,<br />

und wenn ich nicht<br />

Schach gespielt habe,<br />

dann Theater.“ »<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 71


»<br />

Dollfuß: Davon hat man vielleicht in der<br />

Schule gehört, aber dass das die Zeit war, in<br />

der die Leute den Nazis indie Arme getrieben<br />

wurden, istvielen kaum bewusst.Dabei<br />

sind das die Parallelen, die wir heuteerkennen<br />

müssen.“ Inderselben Zeit spielt der<br />

Film „Der junge Kreisky“, für den Arztmann<br />

als Hauptfigur gecastet wurde. Die Dreharbeiten<br />

liegennoch vorihm: Er wirdBruno<br />

Kreisky imAlter zwischen 16 und 27 Jahren<br />

spielen, also in der Zeit, inder er seine politische<br />

Prägung erfährt, der sozialistischen<br />

Partei beitritt, im Gefängnis mit einem<br />

Nationalsozialisten die Zelle teilt,schließlich<br />

vor dem NS-Regime nach Schweden flieht.<br />

„Kreisky hatte etwas, das es kaum noch<br />

gibt“, meint Arztmann: „Er sah einen Menschen<br />

immer zuerst als Menschen, egal welche<br />

politische Einstellung er hatte. Deswegenwirddas<br />

ein wahnsinnig wichtiger Film:<br />

Wie kann man vielleicht noch wegsteuern,<br />

damit sich die Geschichtenicht wiederholt?<br />

Man muss mit Menschen reden, auch wenn<br />

man ihnen in die Fresse hauen will. Denn<br />

Logenplatz. Den Blick auf die Josefstadt-<br />

Bühne kennt Arztmann seit Kindertagen.<br />

wenn man aufhört zu reden, dann verhärten<br />

sich die Fronten, und irgendwann kann<br />

man sie nicht mehr aufbrechen.“<br />

Zwei Tage Zeit. Interesse weckte die sozialistische<br />

Legende bei Arztmann auch aus<br />

persönlichen Gründen: „Meine Familie<br />

kommt aus einem kleinen Kärntner<br />

Arbeiterdorf. Das ist nicht das blaue, sondern<br />

das rote Kärnten.“ Als er das Angebot<br />

bekam, sich für die Rolle zu bewerben, ließ<br />

er alles stehen und liegen, besorgte sich<br />

ein Jackett und eine Brille und begann zu<br />

studieren: Zwei Tage lang sah er sich alle<br />

Videoaufzeichnungen von Kreisky an, die<br />

er im Internet finden konnte, und las, so<br />

viel er lesen konnte. Er nahm ein Casting-<br />

Video auf, dann ging es schnell und er hatte<br />

die Rolle. „Ich habe versucht, seinen markanten<br />

Gestus zu kopieren. Aber darum,<br />

diese Ikonografie nachzustellen, wird es<br />

gar nicht gehen. Es geht darum, die inneren<br />

Motoren Kreiskys zufinden. Das Schönste<br />

wäre,wenn man den Film anschaut und toll<br />

Tipp<br />

Nils Arztmann im Theater in<br />

der Josefstadt. „Leben und<br />

Sterben in Wien“, Regie: Herbert<br />

Föttinger,ab7. März.<br />

„Die Möwe“, Regie: Torsten<br />

Fischer,ab28. März. Schon<br />

angelaufen ist Kleists „Der<br />

zerbrochene Krug“ in den<br />

Kammerspielen.<br />

josefstadt.org<br />

„Bruno Kreiskyhatte<br />

etwas, das es kaum<br />

noch gibt: Er sah einen<br />

Menschen immer<br />

zuerst als Menschen.“<br />

findet –währenddessen aber vergisst, dass<br />

es gerade um Bruno Kreiskygeht.“<br />

Nils Arztmann sprüht vor Spielfreude. Apropos.<br />

Das Schachspiel gab Nils Arztmann als<br />

Teenager irgendwann auf, neulich holte ihn<br />

die alteLeidenschaft wieder ein: VorVorstellungen<br />

genehmigt ersich gern eine Blitzpartie<br />

am Handy, „weil es ganz andere Bereiche<br />

im Gehirn aktiviert“. Wasdie Fragenahelegt,<br />

was das eine Spiel mit dem anderen zu tun<br />

hat, die kühle, berechnende Logik hier mit<br />

der ungehemmten Expressivität da. Und ob<br />

man vomSchach etwasfür die Bühne lernen<br />

kann –oder umgekehrt. „Definitiv“, sagt Nils<br />

Arztmann, ohne zu zögern. Zum einen profitiere<br />

der Schachspieler von den „mentalen<br />

Mätzchen“, die der Schauspieler beherrscht<br />

und mit denen er seinen Gegner unter Druck<br />

setzen kann: „Indem man ihn zum Beispiel<br />

einfach anstarrt. Oderindem man jedesMal,<br />

wenn der Gegner eine Figur gezogen hat,<br />

diese zurechtrückt. Einfach nur so, zur Verunsicherung“,<br />

grinst Arztmann. Das analytische<br />

Denken, das er beim Schach trainiert<br />

habe, helfe ihm umgekehrt dabei, eine Rolle<br />

zu „knacken“ und zu verstehen, wie eine<br />

Figur denkt.Wobei ihn am Schauspiel immer<br />

auch der Umstand gereizt habe, dass hier<br />

rationales Denken nicht reicht. „Ich bin ein<br />

sehr analytischer Mensch. Ich glaube, was<br />

mich zum Schauspiel gezogen hat, war die<br />

Unmöglichkeit,alleszuanalysieren. Hier gibt<br />

es, imVergleich zu anderen Berufen, kein<br />

objektivesRichtig oder Falsch.“<br />

Hobbymäßig widmet sich Arztmann anderen<br />

Spielen mit großer Begeisterung. So<br />

verbreitet sei die Kombination gar nicht:<br />

„Ich kenne wenigeandereSchauspieler,die<br />

gern Brettspiele spielen.“Ihm hatesgerade<br />

ein Strategiespiel angetan. „,Seven Wonders‘<br />

und vor allem ,Seven Wonders Duel‘:<br />

Das ist ein kleines Nischenspiel, aber es ist<br />

ursuper und sehr durchdacht! Ich versuche<br />

gerade, eine Community inÖsterreich<br />

aufzubauen. Aber meine Freundin und ich<br />

wären schon froh, wenn wir vier Leute finden<br />

würden, die sich mit uns treffen wollen.“Oberhier<br />

einen Aufruf startenkönne?<br />

„Vielleicht will sich jemand melden: ,Verzweifelter<br />

Schauspieler sucht Spielepartner:innen!‘“<br />

e<br />

72 <strong>Kulturmagazin</strong>


SPIELZEIT23/24<br />

PREMIEREN<br />

Der Menschenfeind<br />

von Molière<br />

Inszenierung Dominic Oley<br />

Bis Sa 13.01.24<br />

Der Regenbogenfisch<br />

von Marcus Pfister<br />

Inszenierung<br />

Verena Holztrattner<br />

Bis Sa 02.03.24<br />

Kasimir undKaroline<br />

von Ödön von Horváth<br />

Inszenierung<br />

Moritz Franz Beichl<br />

Bis Do 18.01.24<br />

Dunkelblum<br />

von Eva Menasse<br />

Inszenierung Sara Ostertag<br />

Bis Sa 09.12.13<br />

Emil und dieDetektive<br />

von Erich Kästner<br />

Inszenierung Felix Metzner<br />

Premiere Sa 11.11.23<br />

Klassenzimmertheater<br />

Mario undder Zauberer<br />

von Thomas Mann<br />

Inszenierung<br />

Sebastian Schimböck<br />

Premiere Mi 29.11.23<br />

Uraufführung<br />

Die größereHoffnung<br />

von Ilse Aichinger<br />

Inszenierung Sara Ostertag<br />

Premiere Fr 01.12.23<br />

Tschick<br />

von Wolfgang Herrndorf<br />

Inszenierung Mira Stadler<br />

Premiere Do 11.01.24<br />

Der Prozess<br />

von Franz Kafka<br />

Inszenierung Jonathan Heidorn<br />

Premiere Sa <strong>20</strong>.01.24<br />

Orpheus oder<br />

DieSprache der Liebe<br />

nach Ovid, Monteverdi,<br />

Shakespeare und anderen<br />

Inszenierung<br />

Sebastian Schimböck<br />

Premiere Fr 23.02.24<br />

Die Troerinnen<br />

von Euripides<br />

Inszenierung Sláva Daubnerová<br />

Premiere Fr 01.03.24<br />

Die Physiker<br />

von Friedrich Dürrenmatt<br />

Inszenierung Kriszta Székely<br />

Premiere Sa <strong>20</strong>.04.24<br />

AlfaRomeo unddie<br />

elektrische Giulietta<br />

von Wunderbaum<br />

Inszenierung Wunderbaum<br />

Premiere Sa 11.05.24<br />

GASTSPIELE<br />

Österreich-Premiere<br />

Das Weinen (Das Wähnen)<br />

nach Texten von Dieter Roth<br />

Inszenierung<br />

Christoph Marthaler<br />

Gastspiel Schauspielhaus<br />

Zürich /Weiterspielen<br />

Productions<br />

Fr 26.01. &Sa27.01.24<br />

Österreich-Premiere<br />

Darwin’sSmile<br />

von und mit Isabella Rossellini<br />

Inszenierung<br />

Murielle Mayette-Holtz<br />

Gastspiel einer Produktion<br />

von Théâtre National de Nice<br />

–CDN Nice Côte d’Azur<br />

Fr 02.02. &Sa03.02.24<br />

Österreich-Premiere<br />

Einerflogüber<br />

das Kuckucksnest<br />

Inszenierung<br />

Leander Haußmann<br />

Gastspiel RambaZamba<br />

Theater<br />

Do 07.03. &Fr08.03.24<br />

F. Zawrel –Erbbiologisch<br />

und sozialminderwertig<br />

Inszenierung<br />

Simon Meusburger<br />

Gastspiel Nikolaus Habjan<br />

Di 19.03. &Mi<strong>20</strong>.03.24<br />

Österreich-Premiere<br />

Mothers:<br />

ASong for Wartime<br />

von Marta Górnicka<br />

Inszenierung Marta Górnicka<br />

Gastspiel The Chorus of<br />

Women Foundation<br />

Mi 05.06. &Do06.06.24<br />

LESUNGEN &<br />

BLÄTTERWIRBEL<br />

Christiane von Poelnitz und Jens<br />

Harzer, Nikolaus Habjan und Julia<br />

Kreusch, Tanja Maljartschuk,<br />

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Ilija<br />

Trojanow<br />

Reservieren Sie Ihre Karten und Abos unter: www.landestheater.net


74 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Übernahme. Martina Grohmann<br />

und Tobias Herzbergsind Teil des<br />

künstlerischen Leitungsteams.


Gemeinsam<br />

zur Erneuerung<br />

Wie bleibt ein Theater aktuell und zugänglich?<br />

Die neue Leitung im Schauspielhaus setzt auf<br />

Teilhabe, blickt aufDetailsund befragtRegeln.<br />

Text: Magdalena Mayer<br />

Porträt: Christine Pichler<br />

ressierten Menschen bleibt und zugleich<br />

keine Bubble, sei eine große Aufgabe, so<br />

Herzberg. „Der müssen sich Kulturorte<br />

annehmen, wenn sie bestehen wollen,<br />

nicht nur aus Eigeninteresse. Ich bin überzeugt,<br />

dass sie eine wichtige Lebensgrundlagefür<br />

uns und die Demokratie sind.“<br />

Eine geplante vielstimmige Gedenkveranstaltung<br />

für die Novemberpogrome 1938<br />

weist schon in die Richtung, wie man von<br />

der Porzellangasse aus die Gesellschaft als<br />

Ganzes inden Blick nimmt. Was ist inder<br />

Nachbarschaft geschehen, was gibt es für<br />

Initiativen, wie beginnt ein Austausch?<br />

Die Neonröhren sind kein grelles<br />

Theaterlicht, vielmehr sind sie<br />

zur Ausleuchtung der Baustelle<br />

montiert. Sie setzen das umgestaltete<br />

Foyer des Schauspielhauses aber<br />

auch hervorragend für einen Augenschein<br />

von Neuerungen im Theater in Szene.<br />

Mit dem Gestaltungsbüro Soju Studio hat<br />

man sich ein frisches Aussehen überlegt,<br />

es riecht nach der blauen Wandfarbe, am<br />

Boden türmen sich ausrangierte Möbel.<br />

Die Veränderungen im Haus für zeitgenössische<br />

Dramatik sind vorder Wiedereröffnung<br />

in vollem Gang. Das betrifft auch das Programm:<br />

Es gehe jetzt darum, das nächste<br />

Kapitel zu schreiben und den Betrieb weiterzuentwickeln,<br />

sagt Tobias Herzberg.<br />

Er ist Teil des Quartetts, das mit dieser<br />

Spielzeit die künsterische Leitung übernimmt.<br />

Gerade ist noch viel zu planen. Er<br />

und seine Kollegin Martina Grohmann<br />

haben sich trotzdem Zeit freigeschaufelt,<br />

um stellvertretend für ihr ganzes Viererteam<br />

–neben ihnen gehören Marie Bues<br />

und Mazlum Nergiz dazu –von Anliegenfür<br />

ein zeitgemäßes Theater und der Rolle des<br />

Publikums dabei zu erzählen.<br />

Offener Schutzraum. Zum Gespräch trifft<br />

man sich also blinzelnd unter Neonlicht:<br />

Bereits dieser Eingangsbereich kann zu<br />

einer Schleuse für die Imagination werden,<br />

merkt Grohmann an, und vor allem<br />

ein Raum für Gespräche sein. „Es wirdinteressant,<br />

wenn jede und jeder nicht nur ein<br />

Bühnenerlebnis hat, sondern dazu Austausch<br />

stattfindet.“ Das geht einher mit<br />

einem zentralen Arbeitsbegriff: Öffnung.<br />

Man wolle Diskussionen begegnen, „wie<br />

ein Theater geleitet wird, um aktuell und<br />

zugänglich zu bleiben und eine Legitimation<br />

in der heutigen Gesellschaft zu haben“,<br />

fügt Grohmann an. Das Publikum als Teil<br />

des Theaters ernst zu nehmen soll einer<br />

der Ansätze sein: Wie erreicht man viele,<br />

auch unterschiedliche Menschen? „Die<br />

Öffnung der Theaterstrukturen beginnt<br />

bei der Leitung, deswegen ist auch unsere<br />

Konstellation eine Art Programmatik“, verweist<br />

sie auf einen gewünschten Gewinn<br />

duch geteilte Gestaltungsprozesse, den die<br />

breite Basis durch die Besetzung mit gleich<br />

vier Theaterleuten aus verschiedenen<br />

Ecken ermöglichen soll. Grohmann leitete<br />

mit Bues das Theater Rampe in Stuttgart;<br />

Herzberg und Nergiz waren Teil der Dramaturgie<br />

am Berliner Maxim Gorki Theater,<br />

ehe Herzberg ans Burgtheaterging und<br />

am Institut für Sprachkunst lehrte, irgendwann<br />

kreuztensich die Wege.<br />

Nun suchen die vier Antworten auf die<br />

Fragenach der Zugänglichkeit desTheaters<br />

etwa in einer programmatischen Erweiterung,<br />

betitelt als „Offenes Haus“. Noch<br />

existiert esals Idee, bald wird das Schauspielhaus<br />

mit mehreren Formaten auch<br />

räumlich dieses offene Haus: Mit Spielclubs,<br />

Nachgesprächen oder Veranstaltungen,<br />

zu denen das Publikum aktiv beiträgt.<br />

„Wir arbeiten daran, Barrieren abzubauen“,<br />

nennt Herzberg ein Ziel. Für Menschen mit<br />

Einschränkungen, die eine geeignete bauliche<br />

Gestaltung benötigen, istdas im Kellertheaterherausfordernd.<br />

Inhaltlich istrecht<br />

klar, wie man inklusiver wird: „Wir haben<br />

uns vorgenommen, ,relaxed performances‘<br />

zu entwickeln“, sagt er. Das kann Theater<br />

ohne Knall- und Lichteffekte sein, mitunter,<br />

„um das Dogma, dass an einer fertigen<br />

Inszenierung nichts verändert werden<br />

darf, inFrage zu stellen“. Wie das Theater<br />

ein Schutzraum für Kunst und an ihr inte-<br />

Tipp<br />

Tagdes Offenen Hauses.<br />

Das Schauspielhaus startet<br />

mit einem Fest am 21. <strong>10</strong>.<br />

„Bühnenbeschimpfung“. Das<br />

Stück zur Spielzeiteröffnung<br />

hat am 3. 11. Premiere.<br />

Änderung steckt im Detail. Vom kleinen<br />

Teil ausdas Große zu betrachten steckt auch<br />

hinter der Idee des „Partikularen“: Ein weiterer<br />

Arbeitsbegriff, den das Team gewählt<br />

hat. Er soll weg von theoretischen Diskursen<br />

hin zu persönlichen Perspektiven und<br />

Geschichten führen, die konkrete Details<br />

verhandeln. So ein Erzählen könne nicht<br />

nur populistischer Verallgemeinerung entgegenwirken,<br />

meint Herzberg mit Wink auf<br />

die kürzlich hochgekochte Debatte über<br />

Normalität. Auch hole es das Publikum bei<br />

„Manchmal sitzt<br />

man ja im Theater<br />

und denkt:<br />

Es überfordertmich,<br />

es rasselt<br />

an mir vorüber.“<br />

komplexen Themen ab: „Manchmal sitzt<br />

man ja im Theater und denkt: Es überfordertmich,<br />

es rasselt an mir vorüber“.<br />

Für das Leitungsteam war klar, dass die<br />

„Bühnenbeschimpfung“ der ihnen gut<br />

bekannten Autorin Sivan Ben Yishai ihre<br />

erste Saison eröffnet. Indem Stück untersucht<br />

sich das Theater selbst, erklärt Herzberg,<br />

der Teil von dessen Regietrio ist –<br />

und was passe besser zum Neustart als ein<br />

Stück, das fragt: Wo ist der Hebel, etwas<br />

zu ändern? Das Partikulare ist indem Fall<br />

die Institution Theater als Modell für die<br />

Gesellschaftsordnung. „Schauspieler und<br />

Publikum folgen einem Skript, erfüllen tradierte<br />

Rollenzuschreibungen. Warumwerfe<br />

ich eigentlich nicht im Theater mein Glas<br />

gegen die Wand, sondern stelle esvor dem<br />

Saaleingang ab?“, fragt Herzberg. Das soll<br />

keine Aufforderung sein, das frisch gestrichene<br />

Foyer zu beschmutzen. Sondern,<br />

ergänzt Grohmann, Rituale zu hinterfragen,<br />

bevorsie zu einer Gesteerstarren. e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 75


Tänzer und Choreograf.<br />

Yu-Teng Huang<br />

ist seit <strong>20</strong>15<br />

Ensemblemitglied<br />

bei Tanz Linz.<br />

Selbstfindung<br />

durch Tanz<br />

Seine Bühnenpräsenz ist beeindruckend:<br />

Der Taiwanese Yu-Teng Huang ist eine<br />

Bereicherung des Linzer Musiktheaters.<br />

Text: Ditta Rudle<br />

„Romeo und Julia“.<br />

Yu-Teng Huang<br />

probt für die Choreografie<br />

von<br />

Caroline Finn.<br />

Labor Traces. In<br />

demneuen Format<br />

choreografierenTänzerinnen<br />

und<br />

Tänzer für die eigene<br />

Truppe.<br />

Bühnenprobe im Linzer Musiktheater.<br />

Ballettmeisterin Yuko Harada<br />

schaltet den Computer ein, der<br />

zweite Akt von Sergej Prokofjews<br />

Ballettmusik zur Geschichte von Romeo<br />

und Julia erklingt. Tänzerinnen und Tänzer<br />

wuseln über die Bühne, gleich wird Mercutio<br />

sterben. Einer schreitet in sich selbst versunken<br />

am Rand der Bühne, übt Schritte<br />

und Gesten, als gehörte er nicht dazu. Das<br />

lange schwarze Haar verbirgt das Gesicht,<br />

die Augen sind nach innen gerichtet. Yu-<br />

Teng Huang probt seine Rolle als Solist<br />

inmitten desEnsemblesvon Tanz Linz.<br />

Diesmal allerdings in der neuen Choreografie<br />

von Caroline Finn, die mit 17 Tänzerinnen<br />

und Tänzern ihre Version von „Romeo<br />

und Julia“ nach William Shakespeare einstudiert.<br />

Hier ist Yu-Teng Huang nicht wirklich<br />

Solist, erist schlicht ein Montague, ein<br />

Freund Romeos. Mit unnachahmlicher<br />

Bühnenpräsenz allerdings, denn er hat die<br />

Gabe, jeder Figur seinen persönlichen Stempel<br />

aufzudrücken, jede Rolle zu tanzen, als<br />

wäre er die Figur.<br />

Vom Zirkus fasziniert. Yu-Teng Huang<br />

wurde vor 32 Jahren in Taiwan geboren.<br />

Mit zehn Jahren wollte erzum Zirkus und<br />

lernte, mit dem Diabolo zu jonglieren.<br />

Die Selbstdarstellung auf der Bühne, der<br />

Applaus aus dem Zuschauerraum faszinierten<br />

ihn, er wollte mehr, erwollte Tän-<br />

Fotos: Philip Brunnader(4).<br />

76 <strong>Kulturmagazin</strong>


zer werden. An der Taipeh National University<br />

ofthe Arts schloss er seine Ausbildung<br />

ab. Danach war ihm die Insel zu eng geworden<br />

und er stürztesich ins Abenteuer.Ohne<br />

eine europäische Sprache zu können, Mandarin<br />

ist seine Muttersprache, erkundete<br />

er den fremden Erdteil. In Linz hat er<strong>20</strong>15<br />

Wurzeln geschlagen, doch auch heute noch<br />

besteht sein Deutsch nur aus wenigen Wörtern,<br />

dem Englischen entkommt er nicht,<br />

es ist die Tanzsprache. Lediglich die Fachausdrücke<br />

werden traditionell noch französisch<br />

benannt.<br />

Huang kommuniziert statt mit der Sprache<br />

mit dem ganzen Körper. Auf der Bühne und<br />

auch im Alltag. Nur mit seiner in Linz geborenen<br />

fünfjährigen Tochter spricht er natürlich<br />

Mandarin. Inzwischen istMila dreisprachig,die<br />

Eltern kommunizieren in Englisch,<br />

im Kindergartenwirddeutsch gesungen.<br />

Ungewöhnliche Fee. Andrey Kaydanovskiy<br />

legt in seiner aktuellen Choreografie<br />

von „Dornröschen“ die Fee Carabosse<br />

zwar hilfreich an, doch sie ist die Kehrseite<br />

der guten Feen, die mit Geschenken antanzen.<br />

Daher kommt auch Huangs Carabosse<br />

aus der Dunkelwelt. Unbeirrbar, ganz in<br />

Schwarz,schreiteterauf Plateausohlen einher<br />

und schubst Aurora aus dem Fenster<br />

der Kindheit inden Wald des Erwachsenwerdens.<br />

In der neuen Premiere tritt der<br />

finstere Diabolospieler nach dem Gemetzel<br />

als todverkündender Herold auf, scheucht<br />

die Schaulustigen mit dem Megafon vom<br />

leichenübersäten Kampfplatz. Beängstigen<br />

ihn solche eindrucksvollen, düsteren Auftritte?<br />

„Nein, gar nicht“, antwortet Huang<br />

spontan. „Ich suche dann dasGegenteil, das<br />

Helle, in mir.“ImGrund, sagt er,ist ihmjede<br />

Rolle recht, sie gibt ihm die Möglichkeit,<br />

sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.<br />

„Wer bin ich?“ ist für Huang eine wichtige<br />

Frage, die noch nicht restlos beantwortet<br />

ist. Auf der Bühne zuagieren, sieht erauch<br />

alsProzess der SuchenachseinerIdentität.<br />

Im Sommer fliegt er nach Hause, besucht<br />

seine Familie. Danach, auch wenn die Mutter<br />

ein wenig weinen muss, reist erwieder<br />

gern nach Linz zurück. „Taipeh ist laut und<br />

eng, dafühle ich mich nicht<br />

wohl. Ich habe hier auch<br />

eine neue Familie, und mir<br />

gefällt die Natur, die schöne<br />

Landschaft. Es ist auch ruhiger<br />

hier.“ Was ihn an seiner<br />

neuen Heimat stört, ist der<br />

Winter. Kälte und Dunkelheit<br />

mag er gar nicht, Yu-<br />

Teng Huang ziehtsich in sich<br />

Tipp<br />

Labor Traces. Tanzabend<br />

von HinakoTairaund Yu-<br />

Teng Huang: 24., 25. Oktober<br />

„Romeo und Julia“. VonCaroline<br />

Finn, Musik von Sergej<br />

Prokofjew,wieder am <strong>20</strong>. <strong>10</strong>.,<br />

2. 11., Musiktheater Linz<br />

selbst zurück, verfällt in Schweigsamkeit.<br />

Doch seit Kurzem hat erdagegen ein Medikament<br />

gefunden: dasChoreografieren.<br />

Neues Format. Tanzdirektorin Roma<br />

Janus hat aus der Not eines direktorialen<br />

Interregnums eine Tugend gemacht und<br />

das Ensemble motiviert, selbst zu choreografieren.<br />

Daraus ist ein neues Format entstanden:<br />

Labor Traces, Tänzer und Tänzerinnen<br />

choreografieren ihre Ideen und<br />

Erfahrungen für ihre Kollegen. Huang war<br />

gleich mit Verve dabei: „Dabei fühle ich<br />

mich frei. Ein Tanzstück zu schaffen macht<br />

mir Freude, weil ich die Gruppe, zu der<br />

ich gehöre, besser kennenlerne und mich<br />

dabei selbst ausdrücken kann.“<br />

In seiner ersten Laborarbeit hat ersich mit<br />

der Kommunikation in der Gruppe auseinandergesetzt:<br />

„Ich wollte unseren Umgang<br />

miteinander in allen Facetten<br />

zeigen.“ Beim nachfolgenden<br />

lebhaften Publikumsgespräch<br />

hat Yu-Teng<br />

Huang jegliche Scheu vor<br />

der verbalen Kommunikation<br />

verloren. Er hat sich<br />

selbst gefunden. „Leader zu<br />

sein, das ist mein Ziel für die<br />

Zukunft.“ e


Entschieden. Hannah Oppolzer begann<br />

schon als Teenager zu schreiben.<br />

78 <strong>Kulturmagazin</strong>


Eine Frau mit<br />

Möglichkeiten<br />

Was kann sich über Nacht verändern? Das<br />

fragt sich die Protagonistin Emma in Hannah<br />

Oppolzers Debütroman „Verpasst“.<br />

Text: Erwin Uhrmann<br />

Porträt: Christine Pichler<br />

Erschlagend kann es sein, wenn man<br />

als junger Mensch das gesamte<br />

Leben vor sich hat –und Entscheidungen<br />

treffen muss. „Viele wählen<br />

einen ähnlichen Lebensweg“, meint Hannah<br />

Oppolzer, „und der besteht aus Heiraten,<br />

Karriere und Kindern.“ Ihr gerade<br />

erschienener Debütroman „Verpasst“ handelt<br />

von einer jungen Frau in Studienjahren,<br />

die allmählich begreift, dass sie an<br />

einer Weggabelung angelangt ist. Soll sie<br />

mit ihrem Freund, der zur Überfürsorglichkeit<br />

neigt, zusammenbleiben? ImHaus<br />

seiner Eltern, die sie schon als vollwertiges<br />

Familienmitglied betrachten, malt<br />

sie sich die Fotos „der braven Emma“ aus,<br />

die einmal in der Küche dort hängen werden:<br />

„Sie weiß, dass alle denken, sie werde<br />

Georg einesTages heiraten, mit ihm Kinder<br />

bekommen...“ Nur, will sie das wirklich?<br />

Noch dazu, da die eigene Mutter, die noch<br />

keine 50 ist, in einem permanenten Leidenszustand<br />

lebt –sich nach einer Wochenbettdepression<br />

nie mehr richtig erholt hat,<br />

geschweige denn eine enge Verbindung zu<br />

Emma aufbauen konnte. Der fällt es sogar<br />

schwer, der Mutter zum Geburtstag zugratulieren,<br />

so verkorkst istdie Beziehung.<br />

Erkämpft. Hannah Oppolzer ist selbst erst<br />

23 Jahre alt, und die Idee zum Roman kam<br />

ihr mit 17, inForm einer Kurzgeschichte,<br />

mit der sie für einen Preis nominiert war.<br />

Nicht Emma, die Tochter, die ihr altersmäßig<br />

nahe ist, sondern die krisengebeutelteMutter,von<br />

deren Perspektive aussich<br />

ein gutes Resümee über Lebensentscheidungen<br />

und deren Folgen ziehen lässt,<br />

stand damals im Mittelpunkt. Soll man die<br />

„breite, gut gepflasterte Straße“ beschreiten,<br />

die schon viele vor einem gegangen<br />

sind? Oder sind da nicht doch noch eine<br />

Menge Möglichkeiten, die sich vor allem<br />

Frauen mühsam erkämpft haben?<br />

Als Oppolzer begann, aus ihrer Geschichte<br />

einen Roman zu machen, kam Emma<br />

hinzu. Nach zwei Jahren des Schreibens<br />

bemerkte sie, dass ihr diese Emma immer<br />

näher kam, sie ihr Manuskript wie ein Tagebuch<br />

schrieb –also strich sie die Hälfte,<br />

reduzierte das Autobiografische auf ein<br />

Minimum, um „zur literarischen Essenz“zu<br />

gelangen.<br />

Der ersteSatzdes Bucheslautet: „Was kann<br />

sich über Nacht verändern?“ –und zieht<br />

sich wie ein Motiv durch das ganze Buch.<br />

Emma stehe, so die Autorin, prototypisch<br />

für ihre Generation, die aus vielen Möglichkeiten<br />

schöpfen kann, aber jede Menge<br />

Druck verspüre, alles richtig zu<br />

machen. Eine Generation also,<br />

die es sich nicht leisten kann, in<br />

den Taghinein zu leben, sondern<br />

sich ständig Gedanken machen<br />

muss, was passieren kann –und<br />

soll.<br />

Es ist also kein Wunder, dass<br />

Emma mulmig dabei wird, wenn<br />

sie über ihre eigene Zukunft nachdenkt.<br />

Ihre beste Freundin Sophie ist heimlich in<br />

sie verliebt. Freund Georg weilt in England<br />

auf Auslandssemester, und Emma geht<br />

in dessen Abwesenheit bei seinen Eltern,<br />

ihrer „Ersatzfamilie“, ein und aus. Während<br />

eines Essens dort läuft eine Diskussion mit<br />

Georgs Bruder Valentin, den sie eigentlich<br />

nicht leiden kann, aus dem Ruder. Mit<br />

leichter Hand literarisiert Oppolzer hier<br />

eine heiße Diskussion, die Fragen von<br />

Kunst, Gesellschaft und Feminismus einschließt.<br />

Es geht um Eugen Gomringers<br />

Tipp<br />

„Verpasst“. Hannah Oppolzer,176<br />

Seiten, erschienen<br />

im Braumüller Verlag.<br />

Gedicht „Avenidas“, über das im Jahr <strong>20</strong>18<br />

ein Streit ausgebrochen war, weil es offiziell<br />

die Wand einer Hochschule in Berlin<br />

zierte, von Studierenden als sexistisch<br />

erachtet und danach entfernt worden war.<br />

Emma empfindet es als misogyn, dass im<br />

Gedicht Frauen mit Blumen verglichen<br />

werden, Valentin unterbricht sie ständig<br />

und meint schroff, dass das Übermalen<br />

des Gedichts keine Lösung sei. Später lädt<br />

er sie, als Geste der Entschuldigung, zum<br />

Abendessen ein –und die beiden landen<br />

im Bett. Den Lesenden verschweigt Emma<br />

das zunächst,sowie sie auch Teile der Realität<br />

ausblendet. Oppolzers Erzählerin ist<br />

unzuverlässig, und so weiß man auch beim<br />

Lesen nie so recht, woran man ist. Trotz<br />

aller Kommunikationsmöglichkeiten etwa<br />

ist nicht zu erfahren, ob Emma überhaupt<br />

mit Georg kommuniziert, er wirkt lange<br />

Zeit wie ein (quälendes) Hirngespinst.<br />

Erinnern. Wassie selbst betrifft,war Oppolzer<br />

schon recht früh klar, was sie will. Seit<br />

frühen Teenager­Jahren schreibt sie an<br />

einer bislang noch nicht veröffentlichten<br />

Romanreihe mit dystopischen Zügen. Nach<br />

einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen<br />

begann sie sich mit den Opfern und<br />

deren Schicksal zu beschäftigen und wurde<br />

Emma steht prototypisch für ihre<br />

Generation, die ausvielen Möglichkeiten<br />

schöpfen kann, aber<br />

jede MengeDruck verspüre.<br />

später eingeladen, beim „Dialog des Erinnerns“imParlament<br />

zu lesen.<br />

Nach der Schule entschied sich Hannah<br />

Oppolzer für ein Germanistik­Studium in<br />

Wien, dem sie nun ein Schreibstudium<br />

in Hildesheim folgen lässt –ihren ersten<br />

Roman hatsie schon im Gepäck.Auch Textkritik,<br />

wie sie in Schreibstudien praktiziert<br />

wird, ist ihr nicht fremd. In ihrem Fall hat<br />

die eigene Familie, Eltern und Schwester,<br />

die Kritikerinnenrolle übernommen. „Vor<br />

dem Verlagstermin haben sie alle noch einmal<br />

das Manuskript gelesen.“<br />

Die Verlagssuche gestaltete sich erstaunlich<br />

einfach: „Ich habe 16Bücher, die mich<br />

in letzter Zeit beeindruckt hatten, aus meinem<br />

Regal gezogen und dann die jeweiligen<br />

Verlage der Reihe nach mit einer Textprobe<br />

kontaktiert.“ Beim Wiener Braumüller<br />

Verlag wollte man sofort wissen, wie es<br />

weitergeht. Und das nicht unberechtigt,<br />

denn Oppolzer steuert die Lesenden 150<br />

Seiten lang auf einen gewaltigen Twist zu.<br />

Die Frageist: Wasgeschah bloßimApril? e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 79


Für positives<br />

Klima sorgen<br />

Ihre dystopischen Anfänge hat die<br />

Klimafiktion hinter sich gelassen. Über<br />

grüne Utopien und moralische Debatten.<br />

Text: Christine Mayrhofer<br />

Utopie. So könnte einer AI zufolge eine<br />

Welt ausschauen, in der die Hälfte des<br />

Planeten ganz der Natur gehört?<br />

Wer im Bücherregal nach Antworten<br />

auf die Klimakrise<br />

suchte, der wurde die längste<br />

Zeit — abseits von Sachbüchern<br />

und Ökothrillern —nur in Form von<br />

Dystopie und Apokalypse fündig.Für Skeptiker<br />

der engagierten Literatur keine Überraschung:<br />

Wo sich die Literatur aufs Politische<br />

einlässt, bleibt die Ästhetik gern<br />

einmal auf der Strecke. Und sowurde die<br />

Climate Fiction, seit der Etablierung des<br />

Genres (in Anlehnung an die Science Fiction),<br />

vor allem mit einer Erwartung konfrontiert:<br />

Die Menschen das Fürchten zu<br />

lehren und die Welt zum Besseren zu<br />

bekehren. Ganz abgesehen davon, dass die<br />

Ökodiktaturen in Margaret Atwoods „Oryx<br />

and Crake“ oder Cormac McCarthys „The<br />

Road“ keineswegs die grüne Wende einge-<br />

Protest. Waskann Klimaaktivismus?<br />

So malt sich die AI die Kämpfeder<br />

„Letzten Generation“ aus.<br />

läutet haben, belegen mittlerweile empirische<br />

Studien, dass entsprechende Lektüre<br />

eher Hoffnungslosigkeit als erhöhtes<br />

Umweltbewusstsein hervorruft. Seine dystopischen<br />

Anfangszeiten hat das Genre<br />

mittlerweile hinter sich gelassen, die<br />

Wende markierte Amitav Goshs „The Great<br />

Derangement“.<br />

Darin postuliert er die großen ökologischen<br />

Fragen der Gegenwart nun doch als<br />

erzählerischen Auftrag, bezweifelt allerdings,<br />

ob der Roman dafür die richtigeGattung<br />

sei. Dieser indirekten Aufforderung<br />

kam Richard Powers, Meister dieser Gattung,<br />

sogleich nach und legte, mittlerweile<br />

zum prototypischen Klimaroman avanciert<br />

und mit einem Pulitzerpreis gekrönt,<br />

„The Overstory“ vor. Nurkurzdaraufgelang<br />

Kim Stanley Robinson mit seiner fiktiona-<br />

Fotos: Midjourney xChristine Pichler(3), Leykam, Verbrecher Verlag, Arche, Milena, C.H. Beck, Kein&Aber, Jung&Jung.<br />

80 <strong>Kulturmagazin</strong>


len Ausgestaltung einer öko-marxistischen<br />

Welt in „The Ministry for the Future“, übrigens<br />

eine Lektüreempfehlung von Barack<br />

Obama, eine so dicht und überzeugend<br />

erzählteglobale Zukunftsvision, dass selbst<br />

Genre-Snobs, dem Klima zuliebe, plötzlich<br />

zum Sci-Fi-Roman griffen.<br />

Gegenwart statt dystopischer Zukunft.<br />

Nicht nur der Entwicklung des Genres,<br />

auch dem Fortschreiten der tatsächlichen<br />

Klimakrise ist es wohl geschuldet, dass<br />

diese in den letzten Jahren gegenwärtiger,<br />

kleinteiliger und somit zugänglicher<br />

erzählt wird. Maja Lunde etwa schlägt in<br />

ihrer Klimatetralogie<br />

große Erzählbögen, die<br />

eine Zukunft ohne Bienen,<br />

ohne Wasser oder<br />

Saatgut, in der der<br />

Mensch aufs Wildtier<br />

angewiesen ist, kontinuierlich mit Vergangenheit<br />

und Gegenwart unserer Welt verweben.<br />

Unter jenen, die —wie Samira El<br />

Ouassil und Friedemann Karig inihrer Diskursanalyse<br />

„Erzählende Affen“ — sich<br />

nicht scheuen, Literatur mit demokratiepolitischen<br />

Aufgaben zu beladen, gilt gar,<br />

jeder Roman istmittlerweile Klimaroman.<br />

Jene, in denen winterliche Schneelandschaften<br />

oder unbedrohliche Sommerhitze<br />

noch als Bühnenbild für zwischenmenschliches<br />

Geplänkel herhalten, seien<br />

eben die Klimaromane der schlechtesten<br />

Sorte, die an einer Gegenwart festhielten,<br />

die es längst nicht mehr gibt. Während in<br />

„Ewig Sommer“ der Schweizerin Franziska<br />

Gänsler ein vonWaldbränden heimgesuchter<br />

und deswegen von Touristen längst<br />

nicht mehr aufgesuchter Kurort zum idealen<br />

Versteck einer geheimnisvollen Unbekannten<br />

und ihrem Kleinkind wird, wird in<br />

Laura Freudenthalers „Arson“ die Zerstörung,<br />

die das Feuer mit sich bringt, zum<br />

Thema. Direkte Hinweise auf konkrete<br />

Umweltereignisse gibt es dabei keine. Die<br />

Neuerscheinung erinnert damit an Jenny<br />

Offills „Weather“, die ebenfalls auf aktuelle<br />

oder zukünftigeKlimakatstrophen verzichtet<br />

und einfängt, wie sich ökologische Sorgen<br />

inSprache und Denken manifestieren.<br />

Eine reale Umsetzung der „Half Earth“-<br />

Theorie des Biologen Edward O. Wilson,<br />

derzufolgedie Artenvielfalt und somit auch<br />

der Planet gerettet werden könnte, wenn<br />

die Hälfte der Erde zum Naturschutzgebiet<br />

erklärt würde, geht der Waldviertler David<br />

Bröderbauer in „Die halbe Welt“ nach.<br />

Andere setzen eher bei der moralischen<br />

Dimenson an und fragen: Wie weit darf die<br />

„Letzte Generation“ gehen? Während in<br />

Ulrich Woelks „Mittsommertage“ die eben<br />

erst in den deutschen Ethikrat berufene<br />

Politisch. Über die<br />

Klimakrise als soziale<br />

Krise schreibt Kulturwissenschaftler<br />

Johannes<br />

Siegmund.<br />

„Klimasolidarität“,<br />

Leykam.<br />

Zwei rezenteErscheinungen widmen sich der Frage,<br />

wie weit die „LetzteGeneration“gehen darf.<br />

Emotional. Was<br />

passiert,wenn die<br />

Stimmung in der<br />

friedlichen Protestbewegung<br />

kippt?<br />

„Wut“von Raphael<br />

Thelen, Arche.<br />

Heiß. Werbringt ein<br />

Kleinkind an einen<br />

Ort,indem die Luft<br />

voller Asche ist?<br />

„Ewig Sommer“ von<br />

FranziskaGänsler,<br />

Kein &Aber.<br />

Theoretisch. Wie viel<br />

Aktivismus braucht<br />

die Literatur? Das verhandeln<br />

die „Environmental<br />

Humanities“.“Literatur<br />

und<br />

ökologische Praxis“,<br />

Verbrecher Verlag.<br />

Wild. In einer Welt,<br />

unterteilt in Zivilisation<br />

und Wildnis,sind<br />

Pflanzen und Tiere<br />

Luxus und Seltenheit.<br />

„Die halbe Welt“von<br />

David Bröderbauer,<br />

Milena.<br />

Moralisch. Wie viel kann<br />

die bürgerliche Gesellschaft<br />

mit den Klimaaktivistinnen<br />

der „Letzten<br />

Generation“ anfangen?<br />

„Mittsommertage“ von Ulrich<br />

Woelk, C. H. Beck.<br />

Feurig. Wie umgehen<br />

mit Kontrollverlust<br />

angesichts der<br />

Katastrophe?<br />

„Arson“ von Laura<br />

Freudenthaler,<br />

Jung &Jung.<br />

und somit am Höhepunkt ihrer Karriere<br />

angekommene Philosophieprofessorin<br />

Ruth Lember von ihrer geheimen Vergangenheit<br />

als Umweltaktivistin eingeholt<br />

wird, schreibt Raphael Thelen seinen<br />

Roman „Wut“ „aus dem Herzen der Klimabewegung“<br />

heraus, wie es auf dem Cover<br />

heißt. In Woelks Roman, der in der gehobenen<br />

Schicht von Architekten, Professoren<br />

und Anwälten spielt,bringteseineRomanfigur<br />

so auf den Punkt: „Diese Extinction<br />

Rebellion pfeift auch auf Gesetze, und<br />

irgendwann sind ein paar von ihnen Professoren<br />

oder NGO-Vorstände oder Chefredakteure.“<br />

Auch die klar gezogene Parallele<br />

zwischen heutigen<br />

Klebeaktionen und der<br />

deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung<br />

der<br />

späten 1980er-Jahre soll<br />

deutlich machen, wie<br />

wenig Revolutionäres im aktuellen Aktivismustatsächlich<br />

steckt.<br />

Nah am Establishment. Bis zum NGO-Vorstand<br />

hat esauch eine Clique an Aktivistinnen<br />

in „Wut“ nicht mehr weit. Das Gründungsteam<br />

einer Klimabewegung, die an<br />

den „Fridays for Future“ Anleihe nimmt,<br />

hat es geschafft: Es sitzt in Talkshows,<br />

gewinnt Klimaklagen und hat die Telefonnummern<br />

von Ministern eingespeichert. So<br />

nah am Zentrum der Macht, kurz vor dem<br />

entscheidenden Schritt ins Establishment,<br />

kippt bei einer Demonstration die Stimmung.<br />

Die Aktivisten besetzen das Gebäude eines<br />

staatlichen Energiekonzerns, werfen Pflastersteine<br />

aufParteigebäude.<br />

Die politische und gesellschaftliche Reaktion<br />

aufden Gewaltausbrauch istabsehbar,<br />

doch dann tritt eine tatsächliche ökologische<br />

Katastrophe ein, die das Handeln der<br />

Aktivistinnen in Relation setzt und die<br />

deutsche Gesellschaft zum Umdenken<br />

anregt. Obwohl es Thelen gelingt, Motivation<br />

und Kick despolitischen Aktivismus<br />

gut einzufangen, fällt der Versuch<br />

trotzdem eher bemüht aus. Zu betont<br />

divers ist der Cast der Klimaaktivistinnen,<br />

zu leicht erwirkt die gesellschaftliche<br />

Transformation.<br />

Denn Extremwetterereignisse wie jenes,<br />

das in „Wut“ die erhoffte gesellschaftliche<br />

Veränderung bewirkt, hat es mittlerweile<br />

auch in Mitteleuropa zur Genüge gegeben.<br />

Wieviel Aktivismus braucht also die Literatur?Man<br />

darf davonausgehen, dass Thelen<br />

dafür eine eindeutige Antwort hat. Der<br />

ehemalige Klimajournalist des „Spiegel“<br />

hat kürzlich die Seiten gewechselt und<br />

engagiert sich nun hauptberuflich bei den<br />

„Fridays for Future“. Wie man liest, auch<br />

literarisch. e<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 81


Plastik-Träume:<br />

Greta Gerwigs<br />

„Barbie“-Film<br />

sieht aus wie ein<br />

Spielzeug-Katalog<br />

von Mattel.<br />

Liebes Kino,bitte<br />

verkauf mir was!<br />

Bis vor Kurzem fand die Popkultur<br />

Kommerzkult und Markenfetischismus<br />

noch fragwürdig: Der „Barbie“-Film hat das<br />

geändert. Text: Andrey Arnold<br />

82 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Kino, gönnen<br />

sich Popcorn und Softdrink, suchen sich einen<br />

schönen Platz. Das Licht geht aus, die Vorstellung<br />

beginnt: Hurra, gleich geht’s los! Nur der<br />

Werbeblock muss überstanden werden. Sei’s drum –<br />

Augen zuund durch. Markennamen strahlen von der<br />

Leinwand, altbekannte Jingles wurmen sich ins Ohr.<br />

Nach einer Weile sind Sie überzeugt: Jetzt fängt der Film<br />

endlich an. Doch da wird das Licht wieder aufgedreht.<br />

Ringsum erhebt sich das Publikum und trottet, ohne zu<br />

murren und scheinbar zufrieden, zum Ausgang. Sie sind<br />

verdutzt, verdattert: Was ist hier los? Vielleicht eine prophylaktische<br />

Klopause?Unsicher wenden Sie sich an das<br />

Saalpersonal: Wann beginnt der Film denn jetzt wirklich?<br />

Die Vorstellung sei schon vorbei, lautet die überraschende<br />

Antwort. IhreVerwirrung nimmt zu: Bislang lief<br />

doch nur Werbung! Darauf die Saalhilfe: „Das war keine<br />

Werbung,das wardas Hauptprogramm!“<br />

Unschuldiges Product Placement. Absurd? Unglaubwürdig?<br />

Eine dystopische Fantasie? Vor zwanzig Jahren<br />

hätte man es wohl noch so gesehen. Was waren das für<br />

unschuldige Zeiten! Die Königsdisziplin des Kinomarketings<br />

hieß damals noch Produktplatzierung: Um den<br />

Wiedererkennungswert (und gegebenenfalls auch die<br />

Attraktivität) einer Marke zusteigern, wurde sie gegen<br />

Bezahlung in die Textur eines Films eingewoben, mehr<br />

oder minder subtil. Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr: Der<br />

Fotos: ©<strong>20</strong>23 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved, Photo Credit: Jaap Buitendijk.


wuchernden Unterhaltungsdschungels erscheint das<br />

Bekannte, Vertraute als beruhigender Leuchtturm, wird<br />

süße Nostalgie zum heiß begehrtenSeelenbalsam.<br />

Besonders dann, wenn sie sich aufeine Kindheit bezieht,<br />

die im verklärenden Rückblick idyllisch (oder zumindest<br />

behütet) wirkt: Eine Retro-Fantasie, die sich auch<br />

von der heimeligen Aura unserer Lieblingsspielsachen<br />

nährt. Und andenen halten sehr oft Konzerne die<br />

Rechte, milliardenschwere Unternehmen wie Hasbro,<br />

Lego –und Mattel. Diese sind nicht erst gestern auf die<br />

Idee gekommen, ihre Umsätze mit Hilfe von markenbezogenem<br />

Entertainment anzukurbeln: Schon in den<br />

1980er-Jahren lancierten sie dafür Zeichentrickserien<br />

wie „Transformers“ (Hasbro) und „Masters of the Unimuskelbepackte<br />

Actionstar gönnt sich nach vollbrachter<br />

Weltrettung eine Cola und besiegelt dieses erfrischende<br />

Ritual mit einem markigen Spruch. Wasfür ein Draufgänger!<br />

Wir wollen unbedingt sosein wie er –und dürsten<br />

plötzlich nach einem zuckerhaltigen Kaltgetränk, vorzugsweise<br />

serviertineiner rotenBlechbüchse.<br />

Doch irgendwann hatte das Publikum den Psychotrick<br />

durchschaut. Fortan galt „Product Placement“ als billig<br />

und abgeschmackt. Filme, die es nicht<br />

schafften, ihre suggestiven Werbebotschaften<br />

unbemerkt an ihren Zuschauern vorbei-<br />

bzw. in deren Köpfe hineinzuschmuggeln,<br />

wurden scheel beäugt. Unterschwellige<br />

Bevormundung? Nicht mit uns! Das<br />

Licht der Aufklärung strahlte wieder aus dem Projektor.<br />

Bis Hollywood und seine PR-Partner einen Geistesblitz<br />

hatten: Wozu Werbung in Filme einbauen, wenn man die<br />

Filme in Werbung verwandeln kann?<br />

Na gut: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Aber im<br />

Grunde auch nicht viel komplexer. Wagenwir einen Blick<br />

auf den bislang erfolgreichsten Film des Jahres <strong>20</strong>23:<br />

„Barbie“. Was auch immer man von Greta Gerwigs pinkem<br />

Puppenpossen-Phänomen halten mag: Es handelt<br />

sich dabei um einen Werbefilm für eine Spielzeugfirma.<br />

Unddas nicht nurnebenbei, sondern in erster Linie:Der<br />

globale agierende US-Spielzeugkonzern Mattel hat die<br />

Produktion desBlockbusters angeleiert, um zusätzliches<br />

Kapital ausseiner bekanntestenMarke zu schlagen –und<br />

um deren angestaubtes Image aufzupolieren. Mit vollem<br />

Erfolg: Gerwigs „Barbie“-Film ist ein rekordverdächtiger<br />

Welthit. Und nicht nur das: „Barbie“, der Film, hat „Barbie“,<br />

die Puppe, wieder richtig cool gemacht.<br />

Wie ist das möglich? Haben wir uns nicht längst gegen<br />

platte Reklame immunisiert? Ist die knallbunte Komödie<br />

mit Margot Robbie in der Titelrolle schlicht so gut,<br />

dass sie alle unsere Bedenken gegen verkappte Publicity<br />

ausgehebelt hat? Das darf –bei allem Respekt vor dem<br />

beachtlichen Talent der 40-jährigen Regisseurin und<br />

Drehbuchautorin Gerwig –angezweifelt werden. Schlüssiger<br />

ist die Erklärung, dass sich das popkulturelle Klima<br />

gewandelt hat. Eben das haben Firmen wie Mattel und<br />

die US-Filmindustrie begriffen –und ihr Geschäftsmodell<br />

den neuen Umständen angepasst.<br />

Nostalgie als Seelenbalsam. Das zugehörige Branchenschlagwort<br />

heißt „pre-awareness“, d. h. Vorbewusstsein.<br />

Gemeint ist der Wiedererkennungswert von geistigem<br />

Eigentum, das auf Englisch mit „IP“ („intellectual<br />

property“) abgekürzt wird: Je höher das Vorbewusstsein,<br />

destowertvoller die IP.Die Gültigkeit dieser Formel<br />

zeichnet sich seit geraumer Zeit ab: Klagen über den Originalitätsmangel<br />

Hollywoods, über dessen Versessenheit<br />

auf Fortsetzungen und Neuauflagen, klingen uns schon<br />

seit Jahren in den Ohren. Ursachen für diesen Kult der<br />

ewigen Wiederkunft gibt es viele. Ein wesentlicher Faktor<br />

ist die Entwicklung des Filmgeschäfts hin zum Blockbuster-Spekulantentum:<br />

Um den in Zeiten globalisierter<br />

filmischer Wertschöpfung besonders üppigen Kassenschlager-Jackpot<br />

zu knacken, setzen die großen Studios<br />

auf immer höhere (Werbe-)Budgets und immer aufwendigere<br />

Kampagnen für Filme, die dann entsprechend<br />

stark einschlagen müssen, um sich zu rechnen. Dafür<br />

gibt es zwar keine Garantien, aber einigeAbsicherungen,<br />

vondenen „pre-awareness“die wichtigsteist.Was wiederum<br />

mit den unsicheren Zeiten und dem medialen Überangebot<br />

zu tun hat: Wenn Menschen kaum Geld im Börserl<br />

haben, überlegen sie sich genau, wofür sie ein teures<br />

Kinoticket lösen. Und imDickicht des ungehemmt<br />

„Barbie“ist ein Werbefilm für eine Spielzeugfirma.<br />

Unddas nicht nurnebenbei, sondern in erster Linie.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 83<br />

»


Games im Glück:<br />

Der „Super Mario<br />

Bros.Film“ hat<br />

den Marktwert<br />

der Spielefirma<br />

Nintendo erhöht.<br />

»<br />

verse“ (Matell), zu letzterer gab es 1987 auch einen Realfilm<br />

mit Dolph Lundgren in der Rolle desMucki-Mackers<br />

He-Man: damals ein Flop,heuteKult.Doch wo diese knalligen<br />

Marketinginstrumente auf Kinder und Jugendliche<br />

ausgerichtet waren, nehmen zeitgenössische Spielzeugfilme<br />

wie „Barbie“viel breitere–und tendenziell erwachsene<br />

–Zielgruppen ins Visier. Denn die im kaufkräftigen<br />

Alter angekommene Generation Ysehnt sich zusehends<br />

in ihre alten Kinderzimmer zurück. Und wenn sie „Barbie“<br />

lässig findet, lässt sich mit dieser Marke viel mehr<br />

verticken als nurPlastikpuppen.<br />

Emotionale Nachhaltigkeit. Kein Wunder, dass die<br />

Traumfabrik und US-Spielzeughersteller heute noch<br />

enger zusammenarbeiten als je zuvor: Die psychologischen<br />

Synergieeffekte ihrer modernen Marketingsymbiose<br />

stellen klassisches Merchandising klar in den<br />

Schatten. Unddie Verantwortlichen lernen laufend dazu,<br />

setzen verstärkt auf emotionale Nachhaltigkeit, umKundenfesterzubinden.<br />

Hasbros enorm lukrative „Transformers“-Filmreihe,<br />

die <strong>20</strong>07 angestartet wurde, gilt als Vorreiter<br />

einer neuen Ära des Spielzeugkinos und hielt sich<br />

erstaunlich lang im Box-Office-Spitzenfeld. Doch ihre<br />

zentrale Schwäche war ihr Ruf als geschmackloser Spektakelschund,<br />

der sie vom relevanzspendenden Tropf<br />

des Mittelschichtsdiskurses abschnitt und zusehends<br />

ins mediale Hintertreffen geraten ließ: „Aufstieg der Bestien“,<br />

der jüngste Beitrag zur „Transformers“-Saga, enttäuschteanden<br />

Kinokassen.<br />

Die „Barbie“-Macher gingen die Sache bewusst ganz<br />

anders an: Die Koppelung des Films an brisante popkulturelle<br />

Diskurse der Gegenwart war von Anfang an<br />

ihr erklärtes Ziel. Um es zu erreichen, engagierten sie<br />

keine Bombast-Experten oder willfährigen Regie-Handlanger,<br />

sondern eigenwillige Kreativköpfe wie Gerwig<br />

und deren Drehbuchpartner Noah Baumbach, denen sie<br />

überdies ungewohnt viel Gestaltungsfreiheit gewährten.<br />

Das brachte „Barbie“ nicht nur Indie-Credibility, es steigerte<br />

auch die Qualität des Endprodukts: Nicht zuletzt,<br />

weil Gerwig und Baumbach die Sprache des intendierten<br />

Millennial-Publikums sprechen, das mit allen Ironie-<br />

Wassern gewaschen ist. Geschickt und humorvoll flochten<br />

sie alle erdenklichen Vorbehalte gegen das Konzept<br />

„Barbie-Film“ indie Erzählung ein –und nahmen diesen<br />

so den Wind aus den Segeln: Der Slogan, „Barbie“ wende<br />

sich gleichermaßen an Barbie-Fans und Barbie-Hasser,<br />

warvöllig ernst gemeint.Diese Vorsichtsmaßnahme, verbunden<br />

mit markanter Ästhetik, diverser Besetzung und<br />

einer cleveren feministischen Botschaft ebnete den Weg<br />

fürden unverschämten Massengenuss einesknappzweistündigen<br />

Werbeclips.<br />

Ein neues Zeitalter? „Barbie“ hat diese Strategie nicht<br />

erfunden: Wegweisend war hier bereits das hochvergnügliche<br />

„Lego Movie“ (<strong>20</strong>14) von Phil Lord und Christopher<br />

Miller. Doch der überwältigende<br />

Erfolg von Gerwigs Film könnte ein neues<br />

Gerwig und Baumbach sprechen die mit allen Ironie- Zeitalter einläuten, in dem sich niemand<br />

mehr darüber beklagt, dass imKino nur<br />

Wassern gewaschene Sprache desMillennial-Publikums.<br />

Reklame läuft. In einem rezenten „New<br />

Yorker“-Artikel schildert die Firma Matell<br />

ihre bisweilen befremdlichen Pläne, weitere Marken aus<br />

ihrem ansehnlichen Spielzeugimperium auf die Leinwand<br />

zu hieven.Und Spielzeug ist bei Weitem nicht die<br />

einzige IP, die in dieser schönen neuen Unterhaltungswelt<br />

ihrer filmischen Verwertung harrt: Auch Dramen<br />

über den Sportschuh-Marktführer Nike(„Air“) oder über<br />

den vom Pepsi-Konzern vertriebenen Junkfood-Snack<br />

Cheetos („Flamin’ Hot“) sorgen kaum noch für Stirnrunzeln.<br />

Der Kapitalismus steuertimKino offenbar aufseine<br />

schamlose Phase zu: Bis vor Kurzem fand die Popkultur<br />

Kommerzkult und Markenfetischismus noch fragwürdig,<br />

aber leider geil. Jetztsind „leider“ und „fragwürdig“komplett<br />

weggefallen. e<br />

84 <strong>Kulturmagazin</strong><br />

Fotos: ©<strong>20</strong>23 Nintendo and Universal Studios.


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Live aus der MET-Oper in New York<br />

Cineplexx Opera Saison <strong>20</strong>23/24.<br />

Popcorn und<br />

große Leinwand<br />

für den Operngenuss.<br />

„Nabucco“<br />

(ganz l.) und Ailyn<br />

Pérez in Daniel<br />

Catáns „Florencia<br />

en el Amazonas“.<br />

Fotos: Marty Sohl/The Metropolitan Opera New York, Paola Kudacki/Met Opera New York, Philipp Jelenska.<br />

Vorhang auf –die Opernsaison<br />

<strong>20</strong>23/24 steht in den Startlöchern.<br />

Cineplexx bietet heimischen Opernbegeisterten<br />

die Möglichkeit, die<br />

spektakulären Aufführungen aus der Metropolitan<br />

Opera live zu genießen. In ausgewählten<br />

Cineplexx Kinos in ganz Österreich<br />

werden auch heuer wieder Klassiker und<br />

Neuproduktionen der New Yorker Opernwelt<br />

übertragen. Dank der großen Leinwände,<br />

bester Bildqualität und einer fantastischen<br />

Soundleistung sind die Zuseher:innen mittendrin<br />

statt nur dabei.<br />

Programmhighlights aus aller Welt. Am<br />

9. Dezember <strong>20</strong>23 eröffnet die spanische<br />

Aufführung „Florencia en el Amazonas“ (Daniel<br />

Catán) das Opernprogramm in den Cineplexx<br />

Kinos. Danach jagt ein internationales<br />

Opernhighlight das nächste: Von „Roméo et<br />

Juliette“ (Charles Gounod) über „La Rondine“<br />

(Giacomo Puccini) bis zu „Carmen“ (Georges<br />

Bizet) und den Giuseppe­Verdi­Opern<br />

„Nabucco“ sowie „La Forza del Destino“<br />

werden die Opern direkt aus der MET Opera<br />

in New York übertragen. Wer sich von allen<br />

Werken live aus dem „Big Apple“ begeistern<br />

lassen will, profitiert vom Cineplexx­Abonnementangebot.<br />

„Kino bedeutet für uns nicht<br />

nur große Blockbuster aus Hollywood, sondern<br />

genauso auch Hochkultur mit großartigen<br />

Opern­Produktionen. Wir freuen uns<br />

deshalb sehr, auch heuer ein stimmiges Programm<br />

aus der renommierten MET­Opera in<br />

die heimischen Cineplexx Kinos zu holen –<br />

und das live auf der großen Leinwand“, so<br />

Christian Langhammer, CEO/Hauptgesellschafter<br />

Constantin Film &Cineplexx<br />

Kinobetriebe.<br />

Kultur, direkt um die Ecke. „Unser Ziel der<br />

Cineplexx Opera Saison ist es, internationale<br />

Kulturhighlights für jede und jeden quasi<br />

‚nach Hause‘ zu bringen. Wir wollen zeigen,<br />

dass es dafür nicht notwendig ist, lange<br />

Reisen und hohe Kosten auf sich zu nehmen.<br />

Großartige Aufführungen können so in Nähe<br />

zum Wohnort und live in neun Standorten<br />

unserer Cineplexx Kinos erlebt werden –mit<br />

bestem Bild und Ton“, ergänzt Langhammer.<br />

Alle Infos unter: cineplexx.at/opera<br />

Programm:<br />

• „Florencia en el Amazonas“, 9. 12. <strong>20</strong>23<br />

• „Nabucco“, 6. 1. <strong>20</strong>24<br />

• „Carmen“, 27. 1. <strong>20</strong>24<br />

• „La Forza del Destino“, 9. 3. <strong>20</strong>24<br />

• „Roméo et Juliette“, 23. 3. <strong>20</strong>24<br />

• „La Rondine“, <strong>20</strong>. 4. <strong>20</strong>24<br />

• „Madama Butterfly“, 11. 5. <strong>20</strong>24<br />

TeilnehmendeKinos:<br />

Cineplexx Donau Zentrum, Cineplexx Wienerberg,<br />

Village Cinema Wien Mitte, Cineplexx<br />

Wiener Neustadt, Cineplexx Graz, Cineplexx<br />

Villach, Cineplexx Linz, Cineplexx Salzburg<br />

Airport, Cineplexx Hohenems.<br />

Ticketpreise:<br />

•pro Oper 35,– Euro*<br />

•pro Oper für Ö1 Club-Mitglieder<br />

und Freunde derWiener Staatsoper<br />

32,50 Euro*<br />

•Abonnement für alle sieben<br />

Opernabende 2<strong>10</strong>,– Euro*<br />

(6+1 Opernvorstellung gratis)<br />

*zuzüglich Aufschläge für Cinegold­<br />

Sitzplatzkategorien<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 85


Highlights<br />

KLASSIK<br />

FILM<br />

Raphaël Pichon. Der französische<br />

Originalklang­Experte begeistert mit<br />

seinen durchdachten Programmen.<br />

Erist einer der interessantestenDirigenten unserer<br />

Zeit: Raphaël Pichon. Beider heurigen Eröffnungspremiereder<br />

Salzburger Festspiele debütierte er am Pult<br />

der Wiener Philharmoniker und „rettete“ gar,wie die<br />

„FAZ“ urteilte, Martin Kušejs umstrittene „Figaro“­Inszenierung.Der<br />

38­jährigeFranzose, Gründer desOriginalklang­EnsemblesPygmalion,<br />

istnicht nurein sensibler<br />

Dirigent und ein Sinnsucher musikalischer Werkzusammenhänge,<br />

er erntet auch mit seinen klug disponierten<br />

Programmen regelmäßig Aufsehen und Anerkennung.<br />

Am 23.November kehren Pygmalion und Pichon mit<br />

einem spannenden Bach­Programm und einer erlesenen<br />

Sängerinnenschar ins Wiener Konzerthaus zurück: Die<br />

gefeierte Kontra­Altistin Lucile Richardot gibt ihr Konzerthaus­Debüt,außerdem<br />

werden Nikola Hillebrand<br />

(Sopran), Laurence Kilsby(Tenor), und Christian Immler<br />

(Bass) zu hören sein. Beeindruckend wirdsicher auch<br />

Pichons Lesartvon Mendelssohns „Elias“–dem bekanntesten<br />

Werk desKomponisten. Zu erleben istesam<br />

11. Dezember im Konzerthaus, auch hier mit toller Sänger­<br />

Besetzung: Siobhan Stagg(Sopran), Julie Roset (Sopran),<br />

Ema Nikolovska(Mezzosopran), Thomas Atkins (Tenor),<br />

Stéphane Degout (Bariton).<br />

Daniela Tomasovsky<br />

Tipp<br />

Klangforum Wien. Im Rahmen<br />

von Wien Modern bringt das<br />

Klangforum Wien ein neues<br />

Werk von GeorgFriedrich<br />

Haas für Ensemble und 50 (!)<br />

Klavierezur österreichischen<br />

Erstaufführung. Reine Intervalle<br />

auf temperierten Klavieren–selten<br />

bekommt man<br />

die Möglichkeit,soetwas zu<br />

hören. 1. November,Wiener<br />

Konzerthaus.<br />

„Schwanda, der Dudelsack-<br />

Pfeifer“. Jaromir Weinbergers<br />

Oper über den Dudelsackpfeifer<br />

Schwanda und seine<br />

Ausbrüche aus dem Eheleben<br />

verbindet böhmische Folklore<br />

mit Spätromantik. Petr Popelka<br />

(Dirigent) und Tobias Kratzer<br />

(Regie) bringen sie im Ausweichquartier<br />

des Theaters<br />

an der Wien auf die Bühne.<br />

Premiere18. 11., MQ.<br />

Martha Argerich, Janine Jansen,<br />

Mischa Maisky. Die drei<br />

großen Solisten spielen gemeinsam<br />

Kammermusik von<br />

Schostakowitsch und Tschaikowski.<br />

3. 12., Musikverein.<br />

Raúl Ruiz. <strong>20</strong>. <strong>10</strong>.–<strong>10</strong>. 1. <strong>20</strong>24, Viennale­<br />

Retrospektive in Kooperation mit dem<br />

Österreichischen Filmmuseum.<br />

Die Viennale lädt derzeit wieder zur gemütlichen<br />

Kunstfilmverkostung in Wien, und wie jedesJahr wird<br />

der Schaulauf zeitgenössischer Produktionen dabei von<br />

einer zünftigen Retrospektive in Kooperation mit dem<br />

Österreichischen Filmmuseum ergänzt. Diese widmet<br />

sich heuer,passend zum Südamerika­Faible der Festivalleiterin<br />

EvaSangiorgi, dem chilenisch­französischen<br />

Regisseur,Drehbuchautor und Produzenten Raúl Ruiz.<br />

Obwohl dieser in den Augender Filmgeschichtsschreibung<br />

nie den kanonischen Status vieler seiner modernistischen<br />

Zeitgenossen erlangthat,zählt er fraglos zu den<br />

schillerndsten, vielseitigsten und faszinierendsten Filmkünstlern<br />

des<strong>20</strong>. Jahrhunderts.Über <strong>10</strong>0 Werkefür Kino<br />

und Fernsehen hatder cineastische Tausendsassa verantwortet,die<br />

stilistische BandbreiteseinesŒuvresist<br />

enorm. Sie reicht vomverspielten Surrealismus seines<br />

<strong>20</strong>19 wiedergefundenen und restauriertenDebüts„El<br />

tangodel viudo ysuespejo deformante“ (1967) über die<br />

üppigeAdaption desletzten Bandesvon Marcel Prousts<br />

„Suche nach der verlorenen Zeit“ bishin zu seinem Klimt­<br />

Biopic mit John Malkovich. Kaum ein Genre, das Ruiz<br />

(1941–<strong>20</strong>11) nicht beackerthat –stets versehen mit seiner<br />

eigentümlichen, experimentierfreudigen Handschrift.<br />

Andrey Arnold<br />

Tipp<br />

„Killersofthe Flower Moon“.<br />

Der neue Film von Martin<br />

Scorsese ist mit knapp dreieinhalb<br />

Stunden wieder sehr<br />

lang geraten –aber keine Sekunde<br />

langweilig. Mit herber<br />

Intensität und bitterem Humor<br />

erzählt er auf Basis wahrer Begebenheiten<br />

von Morden an<br />

US­Ureinwohnern, die in den<br />

19<strong>20</strong>er­Jahren Oklahoma erschütterten.<br />

Robert De Niro<br />

brilliert als Bösewicht,Leo<br />

DiCaprio als sein Handlanger,Lily<br />

Gladstone als dessen<br />

Ehefrau. Ab 19. Oktober.<br />

„Anatomie eines Falls“. Der<br />

diesjährige Cannes­Gewinner<br />

der französischen Regisseurin<br />

Justine Triet handelt von<br />

einer Autorin, die sich für den<br />

Todihres Mannes verantworten<br />

muss.Ein Gerichtsdrama<br />

darüber,was Wahrheit eigentlich<br />

ist.Ab3.November.<br />

„Rapito“. Marco Bellocchios<br />

packender Historienfilm über<br />

einen Buben, der seiner jüdischen<br />

Familie entrissen wird,<br />

um zum Katholizismus bekehrt<br />

zu werden. Ab 12. 12.<br />

Fotos: Marc Campa, Raúl (Raul) Ruiz/ Quelle: Österreichisches Filmmuseum, Florian Moshammer, Moritz Schell, beigestellt.<br />

86 <strong>Kulturmagazin</strong>


TANZ<br />

THEATER<br />

„Die Kameliendame“. Der Balletlklassiker<br />

ist ab 24.März an der Wiener Staatsoper<br />

zu sehen.<br />

MargueriteGautier isttot.Verarmt und einsam istsie<br />

gestorben. Alles, wasvon der einst reichen und schönen<br />

Kurtisane geblieben ist, wirdversteigert. Viel Volk ist<br />

gekommen, um zu schauen, auch ein nobler Herr mischt<br />

sich darunter:Armand Duval, der sich vorlanger Zeit in<br />

Margueriteverliebt hat. Die Leidenschaft währte nureinen<br />

Sommer,dann drohteder VaterArmands ihn zu enterben,<br />

falls er vonder berüchtigtenFraunicht lassen würde. Margueritefügte<br />

sich, schickteden Geliebten fort und nahm<br />

ihr liederlichesLebenwieder auf. Verarmt und einsam<br />

starb sie an der Schwindsucht.InJohn Neumeiers Choreografie<br />

„Die Kameliendame“erinnertsich Armand an seine<br />

tiefeLiebe und deren grausamesEnde. Erzählt wirddie<br />

Geschichteaus der Pariser Halbwelt vonAlexandreDumas<br />

d. J. Sein Roman, „LaDame auxCamélias“machte1848<br />

sofortFurore. Seitdem lebt,liebt und stirbt Marguerite/<br />

ViolettaValerystets vonNeuem. Singend in der Oper,seufzend<br />

im Theaterund tanzend aufder Ballettbühne. John<br />

Neumeier hatseine Tanzerzählung 1978für das Stuttgarter<br />

Ballett geschaffen und mit dem Hamburg Ballett lebendig<br />

erhalten. Nach dem Gastspiel desHamburg Ballett <strong>20</strong>14 im<br />

Theaterander Wien wird„Die Kameliendame“zur Musik<br />

vonFrédéric Chopin vomWiener Staatsballett einstudiert.<br />

Ditta Rudle<br />

„Bis nächsten Freitag“. Ab 16. 11. im<br />

Theater in der Josefstadt.<br />

Jahrzehntelang haben sie einander nicht gesehen, nun<br />

kommen sie freitags im Restaurant zusammen: ein<br />

Buchhändler und ein Dozent für Romanistik,die einst im<br />

Internat eng befreundet waren und heute, mit 65, gemeinsam<br />

aufdie Welt und die Vergangenheit blicken. Peter<br />

Turrini lässt sie in seinem neuen Stück über alteZeiten<br />

reden, aber auch über Meinungen zu heutigen Themen,<br />

über den Umgang mit Schicksalsschlägen, über die Pandemie<br />

und die Politik.Dabei zeigtsich, dass der Dozent<br />

immer radikalereAnsichten an den Taglegt. Der Buchhändler<br />

verteidigtseine sozialen Überzeugungen, äußert<br />

aber auch Schwermut gegenüber der Welt.Turrini macht<br />

die Angst vordem Älterwerden, vorKrankheit,Trennung<br />

und TodzuThemen –über allem steht die Frage, wasvon<br />

uns bleibt,wenn wireinmal nicht mehr sind. Während<br />

der Dozent mit Wutund Zynismus gegenseine Ängste<br />

ankämpft,verliertsich der Buchhändler in Resignation.<br />

In der Regie vonAlexander Kubelka wirdHerbertFöttingerindieser<br />

Uraufführung den Dozenten, Erwin Steinhauer<br />

den Buchhändler spielen. Mit vonder Partie sind<br />

auch Silvia Meisterle, die als Kellnerin desGasthauseszu<br />

sehen ist, sowie Andrea Mühlbacher,Marcello De Nardo<br />

und Sascha Schicht.<br />

Theresa Steininger<br />

Tipp<br />

Tipp<br />

Mond im Hemd. KarolArmitage<br />

bildet mit ihren „Ligeti­<br />

Essays“ das Herzstück eines<br />

dreiteiligen Abends.Der Titel,<br />

„The moon wearsawhite<br />

shirt“, ist einem von Ligeti<br />

vertonten Gedicht des Ungarn<br />

Sándor Weöres entnommen.<br />

Premiere: 12. 11., Volksoper.<br />

Sonne am Himmel. Doris Uhlich<br />

widmet ihrejüngste Choreografie<br />

der „Sonne“. Mit der<br />

kleinen Romy Nagl als Unterstützung<br />

kommt sie dem Himmelskörper<br />

recht nahe.<strong>20</strong>. <strong>10</strong>.,<br />

Festspielhaus St.Pölten.<br />

Platz im Kopf. Die schallundrauch<br />

agency tanzt,singt,erzählt<br />

und sucht gemeinsam<br />

mit dem Publikum den besten<br />

Platz im Kopf und im Theaterraum.<br />

„Platz da!“, Premiere,<br />

3. 11., Dschungel Wien<br />

Zeit außer Takt. Die Uhr tickt<br />

für alle anders. Inge Gappmaier<br />

lädt mit „now“auch das Publikum<br />

ein, dem eigenen Zeitgefühl<br />

nachzuspüren. 15.12.,<br />

brut nordwest.<br />

„Die vielen Stimmen meines<br />

Bruders“. Welche Stimmen<br />

können wir erheben, wenn die<br />

eigene durch einen Gendefekt<br />

abhandengekommen ist?<br />

Dieser Frage geht Magdalena<br />

Schrefel nach. Aufbauend auf<br />

ihrer eigenen Familienkonstellation,<br />

lässt sie Geschwister<br />

ein Stimmcasting veranstalten.<br />

8. 11., Kosmostheater.<br />

„Gier“. Sarah Kanes von Düsternis<br />

und Depression geprägtes<br />

Werk, das auch von einer<br />

großen Sehnsucht nach Liebe<br />

und Nähe erzählt,wirdvon Bella<br />

Agoraals performative Inszenierung<br />

herausgebracht.9.11.,<br />

Vorarlberger Landestheater.<br />

„Amadeus“. Einst kongenial<br />

von Miloš Forman verfilmt,<br />

revolutionierte Peter Shaffers<br />

Stück das Mozart­Bild: Hier<br />

wurde der Komponist entmystifiziert<br />

und zugleich als<br />

Genie erneut verklärt.Das<br />

Tony­Award­gekrönte Musikerduell<br />

wirdvon Andreas Gergen<br />

inszeniert.26. 1., Salzburger<br />

Landestheater.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 87


Highlights<br />

POP<br />

LITERATUR<br />

Verkopft. Für sein Album „Unreal<br />

Unearth“ ließ sich Hozier von Ovid<br />

und Jonathan Swift inspirieren.<br />

Der irische Singer-Songwriter Andrew Hozier-Byrne’s<br />

—oder kurz Hozier —ist in seiner Funktion als Musikerkein<br />

großer Anhänger vonUnderstatement,wenn<br />

es um die Zusammenstellung seiner Alben geht.Dafür<br />

dürfteerals Privatperson kein großer Freund vonzu<br />

viel Öffentlichkeit sein. Sein zuletzt erschienenesdrittes<br />

Album „UnrealUnearth“jedenfalls orientiertsich in der<br />

Anordnung der 16 Titel an Dantes „Inferno“und wurde<br />

inspiriertvon Ovids „Metamorphosen“, Schriftstellern<br />

wie Jonathan Swift und Flann O’Brien. Auch jene Nummern,<br />

die ihn bekannt machten, wie „TakeMetoChurch“<br />

oder „Nina Cried Power“ (gemeint istNina Simone), sind<br />

raumgreifende, bombastische Lieder und kokettieren mit<br />

den Genres Blues, Folk und Gospel gleichermaßen. Sie<br />

beweisen aber auch sein dramaturgischesTalent,seine<br />

eindrucksvolle Stimme und das Vermögen, sein Publikum<br />

zu begeistern. Nunist der Künstler aufTour, um<br />

sein neuesAlbum vorzustellen, und wirdimDezember<br />

auch in der Wiener Stadthalle gastieren. In seinen Liveshowsweiß<br />

er das Publikum zu bezirzen. Als er <strong>20</strong>19 im<br />

Konzerthaus spielte, bewegteerBesuchende dazu, ihre<br />

Sitze zu ignorieren und lieber zu ihm vorandie Bühne zu<br />

kommen. Also lieber gleich den Stehplatz buchen!<br />

Sissy Rabl<br />

Buch Wien. Mehr als 400 Autorinnen<br />

und Autoren aus 25 Ländern sind bei der<br />

Buchmesse zu Gast<br />

Eskann ganz schön eng werden zwischen den Bücherwänden<br />

und Podien. Die meisten Lesejunkies, die<br />

ihren Lieblingsautorinnen- und autorenlauschen, stört<br />

das nicht.Zum 15.Mal findet die Buch Wien heuer statt<br />

und bringtinternationale literarische Stimmen wie den<br />

slowenischen AutorDrago Jančar,die ukrainische Schriftstellerin<br />

Natalja Tschajkowska, den norwegischen Krimi-<br />

Bestsellerschreiber Jo Nesbø oder die schottische Autorin<br />

und Comedian A. L. Kennedy–die auch die Eröffnungsrede<br />

halten wird–nach Österreich. Mehr als 400 Autorinnen<br />

und Autorenaus 25 Ländern sind zu Gast und<br />

beteiligen sich an 350Lesungenund Gesprächen. Die<br />

österreichische Literaturszene istgut vertreten, mit Birgit<br />

Birnbacher,Franz Schuh, Marlene Streeruwitz, Renate<br />

Welshund vielen mehr.Das Stichwort „Debatte“ wirdhervorgestrichen<br />

–die Themenpalettereicht vomUkraine-<br />

Krieg, Europa und Migration biszum Umgang mit künstlicher<br />

Intelligenz wie ChatGPT. Traditionell startetdie<br />

Messe mit einer Langen Nacht der Bücher am 8. November.Neu<br />

istein Bereich, der dem beliebten GenreNew<br />

Adult,besser bekannt als Young Adult Fiction, gewidmet<br />

ist. Kinder und Jugendliche bis14Jahreerhalten freien<br />

Eintritt.8.–12. November, buchwien.at<br />

Erwin Uhrmann<br />

Tipp<br />

Tipp<br />

Crystal Fighters. Die englischspanische<br />

Band überzeugt seit<br />

Jahren mit elektronischem Tribalpop<br />

in Hippie-Optik. Zuletzt<br />

erschien ihr Album „Lovex3“,<br />

das sie nun auch in Wien vorstellen.<br />

Am 26. 2. in der Arena.<br />

Cigarettes After Sex. Die texanische<br />

Ambient-Pop-Band<br />

rund um Sänger Greg Gonzalez<br />

versteht sich wie kaum<br />

eine anderedarauf,mit ihrem<br />

Down-Beat-Sound und träumerischer<br />

Stimme Atmosphäre<br />

zu erschaffen, weshalb sie<br />

auch immer wieder SoundtrackszuSerien<br />

und Filmen<br />

beisteuert,am2.November im<br />

Gasometer.<br />

Kytes. Die Münchner Indie-<br />

Electropop-Band hat im Sommer<br />

das Album „ToFeel Something<br />

at All“ veröffentlicht.<br />

Die Band setzt in ihren Videos<br />

und Liedern auf Leichtigkeit<br />

und guten Pop: eingängige<br />

Refrains,Upbeat-Melodien,<br />

Experimentierfreudigkeit und<br />

auffallend bunte Präsentation.<br />

Am 24. November im Flex.<br />

Salzburger Krimifestival.<br />

Lieber mit Sektkorken ballern<br />

als mit Pistolen! Das Motto<br />

des Salzburger Krimifestivals<br />

–„Peng!“ –regt jedenfalls<br />

die Fantasie an. Vom9.bis<br />

11. November lesen 15 österreichische<br />

und internationale<br />

Krimiautorinnen und -autoren<br />

im Literaturhaus Salzburgaus<br />

ihren neuen Romanen.<br />

Der Mensch und das Tier.<br />

Vom16. bis 19. November<br />

widmen sich die Europäischen<br />

Literaturtage in Krems einer<br />

der ältesten Beziehungen der<br />

Menschheit.Muss man diese<br />

neu denken? Kann eine tierische<br />

Perspektive den Menschen<br />

zu vernünftigerem Umgang<br />

mit der Natur und anderenLebewesen<br />

bewegen?<br />

Ein Jahrhundert ukrainischer<br />

Geschichte. In ihrem dreiteiligen<br />

„Amadoka“-Epos erzählt<br />

Sofia Andruchowytsch<br />

die Geschichten dreier Frauen<br />

unterschiedlicher Generationen.<br />

Im Literaturhaus Graz liest<br />

sie am 27. 11. um 19 Uhr.<br />

Fotos: Julia Johnson, Nicola Montfort.<br />

88 <strong>Kulturmagazin</strong>


Der ideale Start für <strong>20</strong>24!<br />

Unterhaltsame Mischung: Erleben Sie die Neujahrskonzerte mit dem<br />

Tonkünstler-Orchester im Musikverein Wien.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Alfred Eschwé, Isabel Weller, Claudia Goebl und Ola Rudner (v. l.) werden auf der Bühne sein.<br />

Fotos: Dieter Nagl, Kurt Pinter, Felix Kopsch, Tanja Schalling, Nancy Horowitz.<br />

Willkommen zurück im Arbeitsalltag! Während<br />

die Abende wieder merklich länger<br />

und kühler werden, wächst die Vorfreude<br />

auf die Feiertage zur Jahreswende: genau<br />

der richtige Moment, um die kulturellen Höhepunkte<br />

in der Weihnachtspause zu planen. Wie wäre es<br />

zum Beispiel mit einem der begehrten Neujahrskonzerte<br />

des Tonkünstler-Orchesters im Musikverein Wien?<br />

Aufgrund der enormen Nachfrage in den vergangenen<br />

Jahren –alle drei Aufführungen waren heuer komplett<br />

ausverkauft –spielen die Musikerinnen und Musiker ihr<br />

berauschendes Konzertprogramm zum Jahreswechsel<br />

ab dem 3. Jänner <strong>20</strong>24 an insgesamt vier Tagen.<br />

Frühzeitige Ticketbuchung sei empfohlen; bereits seit<br />

Anfang September sind Einzelkarten zu gewohnt<br />

günstigen Preisen auch im freien Verkauf erhältlich.<br />

Für Jung und Alt. Mit ihrer unterhaltsamen Mischung<br />

von Ausschnitten aus Opern und Operetten sowie festlicher<br />

Orchestermusik sind die Neujahrskonzerte der<br />

Tonkünstler im attraktiven Goldenen Saal beliebt bei<br />

Jung und Alt –und natürlich besonders gut geeignet<br />

auch für Gruppen und als Weihnachtsgeschenk oder<br />

Silvesterüberraschung für die Familie und den Freundes-<br />

und Bekanntenkreis. Die Sopranistinnen Claudia<br />

Goebl und Isabel Weller unterhalten in alternierender<br />

Folge mit Arien von Carl Maria von Weber, Georges<br />

Bizet, Carl Loewe und Robert Stolz. Dazu erklingen<br />

Melodien aus dem Orchesterrepertoire, etwa Edvard<br />

Griegs «Morgenstimmung» und die Ouvertüre zum<br />

«Opernball» von Richard Heuberger. AmDirigentenpult<br />

stehen abwechselnd Alfred Eschwé und Ola Rudner.<br />

Strauss-Experte. Alfred Eschwé, berufener Experte für<br />

die Musik der Strauss-Dynastie, dirigierte vor rund<br />

Information<br />

PROGRAMM &KARTEN:<br />

Herrengasse <strong>10</strong>,<strong>10</strong><strong>10</strong> Wien<br />

T: +43/(0)1/586 83 83,<br />

tickets@tonkuenstler.at<br />

Termine:<br />

Mi, 3. Jänner <strong>20</strong>24, 19.30 Uhr<br />

Do,4.Jänner <strong>20</strong>24,19.30 Uhr<br />

(Zusatztermin)<br />

Fr,5.Jänner <strong>20</strong>24, 15.30 Uhr<br />

So,7.Jänner <strong>20</strong>24, 15.30 Uhr<br />

Alle Informationen Tonkünstler-<br />

Orchester imMusikverein Wien<br />

unter tonkuenstler.at<br />

Das Neujahrskonzert<br />

ist auch<br />

<strong>20</strong>24 wieder ein<br />

Fixtermin.<br />

einem Vierteljahrhundert sein erstes Neujahrskonzert<br />

mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich. Seit<br />

jeher stellt er das Programm für dessen Konzerte zum<br />

Jahreswechsel zusammen, holte die Solostimmen dazu<br />

und erinnert gern daran, dass er auch die Moderation<br />

eingeführt hat: „Ich bin stolz auf<br />

diese Serie und darauf, wie sie sich<br />

entwickelt hat.“<br />

Großer Tourneeplan. Zusätzlich zu den<br />

Silvester- und Neujahrskonzerten an<br />

den drei großen Orchesterresidenzen in<br />

Wien, Grafenegg und St. Pölten stehen<br />

vom 2. bis 21. Jänner <strong>20</strong>24 zwölf Aufführungen<br />

in Niederösterreich auf dem<br />

Tourneeplan.<br />

Damit umfasst die Silvester- und Neujahrsserie<br />

der Tonkünstler wiederum<br />

insgesamt 23 Konzerte an 15 verschiedenen<br />

Spielstätten.<br />

<strong>Kulturmagazin</strong> 89


Das bringt der Herbst<br />

Anna Horn<br />

Mit der aktuellen Spielzeit übernimmt Horn die künstlerische Leitung des Dschungel<br />

Wien, zuvor warsie vier Jahreals stellvertretende Leiterin des Burgtheaterstudios tätig.<br />

Vorangehende Stationen ihrer Theaterkarrierewaren etwadie Volksbühne Berlin, wo sie<br />

mit Dimiter Gotscheff, Andriy Zholdak und Frank Castorf arbeitete.Ab<strong>20</strong>08 konzipierte<br />

sie für das Schauspiel Köln ein Programm für und mit jungen Menschen. Zwischen<br />

<strong>20</strong>16 und <strong>20</strong>19 entwickelte sie am Jungen Resi des Residenztheaterseine vergleichbareProgrammschiene.Hier<br />

teilt sie ihreTipps für das kommende Kulturhalbjahr.<br />

All my little words<br />

Yoshitomo Naras „Angry Girls“<br />

sind süße Kinder mit großen<br />

Augen und grimmigem Blick,<br />

Vampirzähnen oder auch mal<br />

einem Messer in der Hand. Sie<br />

blicken selbstbewusst auf die<br />

Betrachterin, rebellieren gegen<br />

Zuschreibungen und fordern<br />

ihren Platz ein. Albertina<br />

modern, bis 1.November,<br />

albertina.at<br />

Science Fiction(s)<br />

Welche Visionen und welches<br />

Wissen brauchen wir, um<br />

eine lebenswerte Zukunft zu<br />

gestalten? Die Ausstellung<br />

spielt mit popkulturellen<br />

Verweisen von Eroberung<br />

und kultureller Aneignung<br />

fremder Welten und macht<br />

gleichzeitig sichtbar, woher<br />

die Inspirationen stammen.<br />

Weltmuseum Wien, bis 9.1.<br />

<strong>20</strong>24, weltmuseumwien.at<br />

Räuber Hotzenplotz<br />

Hotzenplotz stiehlt der<br />

Großmutter ihre singende<br />

Kaffeemühle. Wachtmeister<br />

Alois Dimpfelmoser ist<br />

heillos überfordert, deshalb<br />

übernehmen Kasperl und<br />

Seppel. Die beiden wollen<br />

den berüchtigten Räuber<br />

überlisten und geraten<br />

in ein großes Abenteuer.<br />

Burgtheater, bis 2.November,<br />

burgtheater.at<br />

Die komische Tür<br />

Eigentlich möchte Mila nur<br />

eine neue Schnur für ihren<br />

Drachen holen. Doch auf dem<br />

Dachboden trifft sie auf eine<br />

ganz schön komische Tür.<br />

Die kann nicht nur sprechen,<br />

sondern hat ein besonderes<br />

Geheimnis: Jedes Mal, wenn<br />

man sie öffnet, erscheint etwas<br />

Neues auf der anderen Seite.<br />

Dschungel Wien, bis 4.Februar<br />

<strong>20</strong>24, dschungelwien.at<br />

Porträt: Christine Pichler.<br />

90 <strong>Kulturmagazin</strong>


Ecstatic Media<br />

Medienkunstneu betrachtet<br />

26.<strong>10</strong>.<strong>20</strong>23 —25.2.<strong>20</strong>24<br />

Mönchsberg<br />

Arch of Hysteria<br />

Zwischen Wahnsinn<br />

und Ekstase<br />

Bis 14.1.<strong>20</strong>24<br />

Mönchsberg<br />

MariaBartuszová<br />

Bis 7.1.<strong>20</strong>24<br />

Mönchsberg<br />

Vorhang auf!<br />

Theaterfotografie<br />

vonRuth Walz<br />

Bis 12.11.<strong>20</strong>23<br />

Altstadt(Rupertinum)<br />

DasRupertinum und<br />

seine Geschichten<br />

40 Jahre–viele Stimmen<br />

Bis 12.11.<strong>20</strong>23<br />

Altstadt(Rupertinum)<br />

Arch of Hysteria. Zwischen Wahnsinn und Ekstase, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, <strong>20</strong>23,<br />

©Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild/Herbert Rohrer<br />

museumdermoderne.at


Franz Sedlacek, Der Zauberer und der Harlekin, Öl auf Holz, 78x73cmSchätzwert €160.000 –300.000, Auktion 28. November <strong>20</strong>23<br />

Auktionswoche<br />

28. November –1.Dezember <strong>20</strong>23<br />

ZEITGENÖSSISCHE KUNST<br />

MODERNE, JUWELEN, UHREN<br />

Palais Dorotheum, Wien<br />

+43-1-515 60-570<br />

www.dorotheum.com<br />

Hamburg |Düsseldorf |München |Mailand |Rom |Neapel |London |Brüssel |Prag |Paris |Tel Aviv

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!