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FOCUS-GESUNDHEIT_2023-07 - Vorschau

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Schlank mit Darm-OP<br />

Neues Verfahren gegen<br />

Diabetes und Übergewicht<br />

Geschenkte Organe<br />

Lebendspende für die<br />

Liebsten setzt sich durch<br />

Alzheimer-Mittel<br />

Kliniken rechnen mit<br />

Ansturm im Frühjahr<br />

Die große Klinikliste 2024<br />

AMBULANTE OP<br />

Wer sich jetzt nach<br />

Operationen zu Hause<br />

auskurieren kann<br />

DIE<br />

E-PATIENTEN-<br />

AKTE KOMMT!<br />

Wie Sie profitieren –<br />

und wo die Fallen<br />

lauern<br />

Die große Klinikliste 2024<br />

<strong>GESUNDHEIT</strong><br />

DEUTSCHLANDS<br />

TOP-KLINIKEN<br />

Hilfe bei der Wahl des passenden Krankenhauses<br />

für 60 Erkrankungen. In Ihrer Nähe, empfohlen von<br />

Ärzten, Patienten und <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

V. l.: Stationsleiterin Nadja<br />

Penzkofer, Oberärztin<br />

Dr. Christine Meindl, Prof.<br />

Dr. Lars Maier, Klinikdirektor<br />

der Klinik und Poliklinik für<br />

Innere Medizin II des Universitätsklinikums<br />

Regensburg<br />

EMPFEHLUNG<br />

1816 FACHKLINIKEN FÜR HERZ, MAGEN, GELENKE, GEHIRN, HAUT, AUGEN, KREBS,<br />

GYNÄKOLOGIE, HORMONE, KINDER, NERVEN, PSYCHE, ALTER, ZÄHNE U. V. M.


Alle <strong>FOCUS</strong>-Titel to go.<br />

focus-shop.de<br />

JETZT<br />

E-PAPER LESEN:


EDITORIAL<br />

Chefredakteur Jochen Niehaus<br />

Im Bett bei Experten<br />

Foto: Christian Schoppe für <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

Expertise erfordert Spezialisierung – das gilt besonders<br />

in der Medizin. Diese Klinikliste in Ihren Händen<br />

ist Deutschlands umfassendes Verzeichnis für Fachabteilungen<br />

in Krankenhäusern, die in einer von 60 Indikationen<br />

ein hervorragendes Niveau erreicht haben.<br />

Dort behandelte Patienten dürfen exzellente Therapie,<br />

Zugang zu neuesten Forschungsansätzen und Geräten<br />

sowie top ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte mit viel<br />

Erfahrung erwarten. Ab Seite 63 finden Sie unsere<br />

Klinikempfehlungen geordnet nach Fachbereichen und<br />

Erkrankungen.<br />

In welchen Krankenhäusern am meisten empfohlene<br />

TOP-Kliniken und <strong>FOCUS</strong>-TOP-Ärzte ihre Hilfe<br />

anbieten, erfahren Sie ab Seite 66.<br />

Spezialisierung als Heilmittel wirkt auch bei den Kliniken<br />

selbst. Gesundheit wird immer teurer; manche<br />

Regionalkliniken sind von Insolvenz bedroht. Die Krankenhausstrukturreform<br />

soll nun Schwerpunkte der<br />

Häuser und des Personals bündeln und so Wirtschaftlichkeit<br />

und Behandlungsqualität erhöhen. Ab Seite 10<br />

lesen Sie, wo Kliniken und Landkreise vorbildlich planen<br />

und wie Sie als Patient vom Wandel profitieren.<br />

Was Spitzenmedizin heute leistet, haben unsere Redakteure<br />

vor Ort recherchiert: Babys einer Frühchen-<br />

Intensivstation gedeihen besser dank der professionellen<br />

Zurückhaltung ihrer Ärzte (S. 28); die Nierenspende<br />

von Verwandten ist noch sicherer geworden<br />

(S. 18), und Patienten mit Herzschwäche leben länger<br />

mit einer neuen Kombinationstherapie (S. 24).<br />

Falls bei Ihnen ein Klinikaufenthalt ansteht, wünsche<br />

ich schon heute viel Erfolg und gute Gesundheit!<br />

Herzlichst Ihr<br />

ganz schön smart und<br />

immer mehr grün …<br />

TOP KLINIK<br />

<strong>FOCUS</strong><br />

Klinikliste 2024<br />

11.000 Beschäftigte, 32 Kliniken, 24 Institute vernetzt im<br />

führenden Gesundheitsdienstleister des Ruhrgebiets.<br />

Wir nutzen die Digitalisierung, um den Menschen in den<br />

Mittelpunkt zu stellen und nachhaltig zu arbeiten.<br />

Mehr unter: www.ume.de


INHALT<br />

<strong>FOCUS</strong>-<strong>GESUNDHEIT</strong> <strong>07</strong>/23 KLINIKLISTE 2024<br />

Demenz erkennen<br />

Das MRT zeigt Veränderungen<br />

im Gehirn eines<br />

38 Alzheimer-Patienten<br />

24<br />

Das Herz stärken<br />

Kardiologie-<br />

Professor Lars<br />

Maier im OP am<br />

Universitätsklinikum<br />

Regensburg<br />

Magazin<br />

10 Patient Krankenhaus<br />

Auslastung, Finanzierung, Pflege –<br />

die Situation der deutschen Kliniken<br />

in der großen Infografik<br />

28<br />

Nestwärme tanken<br />

Cerstin Drechsler<br />

mit Sohn Luis beim<br />

„Känguruhing“<br />

auf der Frühchenstation<br />

im Tübinger<br />

Uniklinikum<br />

28 Viel zu früh ins Leben<br />

Mit Liebe und Hightech rettet die<br />

Neonatologie zarteste Neugeborene.<br />

Besuch auf der Frühchenstation<br />

63<br />

Top-Kliniken<br />

Mehr als 1800<br />

Krankenhäuser<br />

für die wichtigsten<br />

medizinischen<br />

Fachbereiche<br />

>> Sie finden die Top-Kliniken auch<br />

unter: focus-arztsuche.de<br />

12 Besser versorgt<br />

Mehr Gesundheit für weniger Geld:<br />

Engagierte Projekte weisen Wege<br />

für die anstehende Krankenhausreform<br />

18 Die 293-Gramm-Spende<br />

Bei einer Nierentransplantation an<br />

der Charité zeigen Ärzte, wie medizinischer<br />

Fortschritt die Lebendspende<br />

immer sicherer macht<br />

24 Stark im Viererpack<br />

Ein Medikamenten-Quartett verbessert<br />

die Überlebenschancen bei<br />

Herzinsuffizienz erheblich<br />

34 Einmal OP und zurück<br />

Zunehmend erfolgen Operationen<br />

ambulant. Ob das für Sie infrage<br />

kommt und was es zu beachten gilt<br />

38 Nichts versäumen<br />

Im Frühjahr könnte ein Alzheimer-<br />

Mittel auf den Markt kommen.<br />

Wie Kliniken sich und ihre Patienten<br />

jetzt schon darauf vorbereiten<br />

44 Neustart für den Darm<br />

Ein Eingriff im Verdauungstrakt hilft<br />

Menschen mit Typ-2-Diabetes.<br />

Neue Alternative zu Magen-OP und<br />

Abnehmspritze?<br />

Titel: Foto: Jonas Ratermann für <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

4<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong>


34<br />

Ambulant<br />

operieren<br />

Immer öfter geht es nach<br />

einem Eingriff nicht ins Klinikbett,<br />

sondern heim aufs Sofa<br />

Die große Klinikliste<br />

64 Erhebung Schritt für Schritt<br />

So entstehen die Empfehlungen<br />

von <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

66 Die Top-100-Krankenhäuser<br />

Das Ranking der Top-Kliniken mit<br />

den meisten Empfehlungen<br />

70 Internationale Patienten<br />

Diese Häuser sind auf ausländisches<br />

Publikum gut eingestellt<br />

Die Top-Fachkliniken<br />

Das umfassende Verzeichnis empfohlener<br />

Kliniken nach Fachbereichen<br />

120 Kinder<br />

Kinderchirurgie, Neonatologie,<br />

Neuropädiatrie<br />

126 Krebs<br />

Krebserkrankungen an Blase,<br />

Brust, Darm, Haut, Hoden,<br />

Knochen, Lunge, Nieren, Prostata<br />

sowie im lymphatischen System,<br />

Gynäkologische Onkologie, Hirn-,<br />

Kopf-Hals-Tumoren, Leukämie<br />

162 Magen, Darm & Bauch<br />

Adipositas-Operationen, Gallenchirurgie,<br />

Hernienchirurgie,<br />

Proktologie, Prostata-Syndrom,<br />

Refluxchirurgie<br />

178 Neurologie<br />

Demenzen, Multiple Sklerose,<br />

Parkinson, Schlaganfall<br />

Fotos: Frank Lübke, Michela Morosini/beide für <strong>FOCUS</strong>- Gesundheit , S cience Photo Library;<br />

Illustration: Alex Aksonov für <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

48 Eine für alles<br />

Die elektronische Patientenakte<br />

bündelt Ihre Gesundheitsdaten.<br />

Der kluge Umgang mit den sensiblen<br />

Informationen ist entscheidend –<br />

auch für den Therapieerfolg<br />

52 Wegweiser zum Klinikaufenthalt<br />

Von der Wahl der Klinik bis zum<br />

Arztgespräch: Der Krankenhaus-<br />

Navigator beantwortet die wichtigsten<br />

Fragen<br />

Gesund bleiben<br />

55 Selbsthilfe<br />

Wie Sie durch die Wechseljahre<br />

kommen. Welche Techniken gegen<br />

Stress helfen. Plus: Sanfte Helfer<br />

bei peinlichen Beschwerden<br />

76 Augenheilkunde<br />

Hornhauterkrankungen,<br />

Refraktive Chirurgie, Katarakt<br />

82 Geriatrie<br />

Akutgeriatrie<br />

86 Gynäkologie & Geburt<br />

Gynäkologische Chirurgie,<br />

Kinderwunsch, Risikogeburt<br />

und Pränataldiagnostik<br />

94 Haut & Plastische Chirurgie<br />

Hautkrankheiten, Plastisch-<br />

Ästhetische Chirurgie, Plastisch-<br />

Rekonstruktive Chirurgie, Venen<br />

100 Herz & Gefäße<br />

Gefäßchirurgie, Herzchirurgie,<br />

Kardiologie, Rhythmologie<br />

112 Hormone & Stoffwechsel<br />

Diabetes, Diabetische Fußerkrankungen,<br />

Schilddrüsenchirurgie<br />

190 Orthopädie<br />

Fuß-, Hand-, Hüft-, Knie-, Schulterchirurgie,<br />

Sportmedizin und<br />

Sportorthopädie, Unfall- und<br />

Wirbelsäulenchirurgie<br />

214 Psyche<br />

Angststörungen, Essstörungen,<br />

Schmerz- und Zwangsstörungen,<br />

Depressionen<br />

224 Strahlen- & Nuklearmedizin<br />

Nuklearmedizin, Strahlentherapie<br />

230 Zahnmedizin<br />

Zahnheilkunde<br />

Rubriken<br />

3 Editorial des Chefredakteurs<br />

6 Kurzmeldungen<br />

234 <strong>Vorschau</strong> und Impressum<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong> 5


KLINIKREFORM<br />

Der Dachlandeplatz<br />

ermöglicht schnelle<br />

Rettungseinsätze per<br />

Helikopter<br />

Durch hohe Fenster<br />

blicken die Patienten der<br />

allgemeinpflegerischen<br />

Station ins Grüne 160<br />

Millionen Euro soll das<br />

neue Zentralklinikum<br />

Main-Spessart kosten<br />

Besser versorgt<br />

Viele Krankenhäuser kränkeln, eine große Klinikreform ist auf dem<br />

Weg. Mehr Gesundheit für weniger Geld – wie soll das funktionieren?<br />

Hier einige Vorzeigemodelle, bei denen der Genesungsprozess<br />

bereits eingeleitet ist. Auch zum Wohle der Patienten<br />

Fotos: PR, Gerald Huter<br />

12<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong>


Das Bauteil B beherbergt<br />

die zentrale Notaufnahme<br />

und die Intensivmedizin<br />

mit Stroke-Unit<br />

BEST PRACTICE<br />

ZUSAMMEN-<br />

SCHLUSS<br />

Weniger ist mehr<br />

Aus drei mach eins<br />

Noch existiert das<br />

neue Zentralklinikum<br />

in Lohr am Main nur im<br />

Computer. Bis 2026<br />

soll der moderne Bau<br />

stehen. Zwei kommunale<br />

Krankenhäuser<br />

wurden bereits geschlossen,<br />

auch den<br />

alten Standort in Lohr<br />

(unten) wird es treffen.<br />

Das gebündelte Budget<br />

fließt in das neue Klinikum<br />

mit seiner hochwertigen<br />

medizinischen<br />

Versorgung<br />

Wenn Klinikchef René Bostelaar<br />

aus dem Fenster seines<br />

Büros am Marktplatz von<br />

Lohr am Main sieht, blickt er<br />

auf malerische Zeugnisse der<br />

Vergangenheit. Fachwerkfassaden säumen gepflasterte<br />

Gassen. Rund um ein altes Renaissance-Rathaus<br />

bieten Wirtshäuser fränkischen<br />

Sauerbraten an. Eine behagliche Provinzstadt,<br />

wie sie typisch ist für Deutschland – auch in ihren<br />

Nöten. „Sieben von zehn Einwohnern haben das<br />

60. Lebensjahr überschritten. Wir werden älter<br />

und weniger. Auch unser Gesundheitspersonal<br />

nähert sich der Rente“, so Bostelaar.<br />

Pensionsreif ist nicht zuletzt das örtliche<br />

Krankenhaus der 16000-Einwohner-Stadt, dem<br />

Bostelaar als Klinikreferent – so sein offizieller<br />

Titel – vorsteht. Das Gebäude aus dem Jahr 1963,<br />

das 2026 durch einen Neubau auf der grünen<br />

Wiese abgelöst werden soll, hat seine beste Zeit<br />

längst hinter sich. Wie die Mehrzahl der Krankenhäuser<br />

in Deutschland schreibt die Klinik<br />

Verluste. Rund vier Millionen Euro betrug das<br />

Defizit im vergangenen Jahr.<br />

Fehlendes Personal, dräuende Investitionen,<br />

rote Zahlen. Mit diesen Problemen kämpfen<br />

nicht nur Hospitäler in Nordbayern. Laut einer<br />

Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft<br />

sorgen sich 70 Prozent der Kliniken ernsthaft<br />

um ihre Existenz. Auslöser ist neben den<br />

gestiegenen Kosten für Energie oder Löhne und<br />

der stagnierenden Investitionsförderung durch<br />

die Bundesländer eine Eigenart des Vergütungssystems.<br />

Kliniken erhalten ihre stationären Leistungen<br />

über Pauschalen für Behandlungsfälle<br />

bezahlt. Die Universitätsmedizin mit ihren aufwendigen<br />

Therapien ist in dieser Rechnung ebenso<br />

benachteiligt wie kleine Häuser in der Provinz,<br />

die zwar die ländliche Notfallversorgung sicherstellen,<br />

aber zu wenig Patienten operieren, um<br />

ihre Betriebskosten zu bestreiten.<br />

Mit schuld an dem Dilemma ist aber auch die<br />

hohe Zahl der Kliniken in Deutschland. Ein Vergleich<br />

zwischen Holland und dem kaum größeren<br />

Bundesland Nordrhein-Westfalen zeigt die Dimensionen.<br />

Während die Niederländer 83 Krankenhäuser<br />

und vier Unikliniken zählen, besitzt<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong> 13


NIERENTRANSPLANTATION<br />

Die 293-Gramm-<br />

Spende<br />

Zehn Jahre warten Nierenkranke auf ein Ersatzorgan zur Transplantation.<br />

Die Lebendspende bietet einen Ausweg. Auch dank Fortschritten in der<br />

Immunforschung steht die Option jetzt mehr Patienten offen<br />

Einbau der Niere<br />

So schnell wie möglich<br />

verbinden die Chirurgen<br />

das Organ wieder mit<br />

dem Blutkreislauf. Hier<br />

stillen sie mit einer speziellen<br />

Pinzette Blutungen,<br />

träufeln Kochsalzlösung<br />

auf die verletzte Stelle<br />

18<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong>


Für einen Augenblick ist es völlig still<br />

im OP-Saal zwei der Chirurgischen<br />

Klinik auf dem Campus Virchow-Klinikum<br />

der Charité in Berlin. Eine gute<br />

Stunde lang hat sich das Chirurgenteam<br />

mit laparoskopischem Werkzeug durch das<br />

Fettgewebe im Bauch des 55-jährigen Mannes auf<br />

dem OP-Tisch geschnitten, nach und nach dessen<br />

rechte Niere freigelegt und schließlich die Blutgefäße<br />

durchtrennt. Der leitende Operateur Robert<br />

Öllinger hebt mit der Hand das Organ durch<br />

den Schnitt am Unterbauch heraus. Gebettet auf<br />

einem grünen Tuch liegt die Niere handtellergroß<br />

und rosa schimmernd in einer Metallschale auf<br />

Eis. Alle Blicke sind auf sie gerichtet. Der Moment<br />

hat etwas von einer Geburt. „Sieht gut aus“, nickt<br />

Öllinger zufrieden und spült das Organ mit einer<br />

elektrolytreichen Speziallösung. So präpariert<br />

kann eine Niere gekühlt bis zu 24 Stunden gelagert<br />

werden. Bei der Gewichtskontrolle bringt<br />

dieses Exemplar 293 Gramm auf die Waage. Vier<br />

Stunden später wird die gesunde Niere des frisch<br />

Operierten im Körper seines zwei Jahre älteren<br />

Bruders zum ersten Mal Urin produzieren – und<br />

ihm ein Leben ohne Dialyse ermöglichen.<br />

Noch im OP arbeitet die<br />

neue Niere schon wieder<br />

Foto: Benjamin Zibner für <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

„Eine erfolgreiche Transplantation beendet die<br />

Abhängigkeit von der Dialyse, verbessert die Lebensqualität<br />

und erhöht insbesondere bei Jüngeren<br />

auch die Lebenserwartung“, zählt Kai-Uwe<br />

Eckardt, Direktor der Medizinischen Klinik Nephrologie<br />

der Charité, die Vorteile einer Nierentransplantation<br />

auf. Aber: Es gibt viel zu wenig<br />

Organe. Allein 6683 Menschen warteten im vergangenen<br />

Jahr auf eine Niere. Es standen jedoch<br />

nur 1388 Organe von Verstorbenen zur Verfügung.<br />

Bis eine geeignete Spenderniere zugeteilt<br />

wird, vergehen im Schnitt zehn Jahre. Mit jedem<br />

Jahr an der Dialyse verschlechtert sich der Gesundheitszustand<br />

der Erkrankten. Oft ist eine<br />

Transplantation dann gar nicht mehr möglich.<br />

Für Patienten, bei denen Niere oder Leber versagen,<br />

gibt es eine Abkürzung. Ein gesunder<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong><br />

19


HERZINSUFFIZIENZ<br />

Stark im<br />

Viererpack<br />

Ein neues Medikament, die Kombination bekannter<br />

Wirkstoffe, Expertenkonsile und telemedizinische Nachbetreuung<br />

verbessern die Therapie bei Herzschwäche erheblich<br />

Fotos: xxxxxx für <strong>FOCUS</strong>-Gesundheit<br />

Sie beginnt meist derart unauffällig,<br />

dass es zunächst gar nicht auffällt:<br />

die Herzschwäche, in der Fachsprache<br />

Herzinsuffizienz genannt.<br />

Zuerst fühlen sich die Betroffenen<br />

etwas schneller erschöpft als normalerweise, die<br />

Luft geht früher aus. Die Straße zum Bahnhof ist<br />

man sonst doch zügig entlanggespurtet – und<br />

jetzt ist auf halber Strecke Pause angesagt, weil<br />

die Luft zum Weitergehen fehlt. Nun gut, die<br />

Jahre, denkt sich der eine oder die andere. Dass<br />

tatsächlich das Herz der Grund für den Konditionsverlust<br />

ist, merkt dann oft der Hausarzt. Und<br />

das in vielen Fällen erst, wenn weitere Beschwerden<br />

auftreten: dick geschwollene Fußknöchel,<br />

Gewichtszunahme, Herzstolpern. Bis dahin hat<br />

sich die Lage häufig derart zugespitzt, dass das<br />

Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körper<br />

pumpt. Organe und Muskeln bleiben mit Sauerstoff<br />

unterversorgt. Die Betroffenen müssen zügig<br />

in eine Klinik eingewiesen werden.<br />

Medikamente entlasten das Herz<br />

Herzinsuffizienz ist hierzulande die häufigste<br />

Einzeldiagnose bei der stationären Aufnahme im<br />

Krankenhaus. Unter den Todesursachen rangiert<br />

sie an dritter Stelle. „Nach der Diagnose Herzinsuffizienz<br />

versterben 50 Prozent der Menschen<br />

innerhalb von fünf Jahren“, sagt Lars Maier, Direktor<br />

der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin<br />

II am Universitätsklinikum Regensburg und<br />

Experte für die Behandlung der Herzschwäche.<br />

Denn das Leiden wird oft erst spät diagnostiziert.<br />

Kommen die Patienten endlich in die Klinik, konzentriert<br />

sich die Therapie darauf, das weitere<br />

Fortschreiten der Probleme zu verhindern.<br />

Medikamente sind dabei der zentrale Baustein.<br />

Verschiedene Wirkstoffe unterstützen das schwächelnde<br />

Organ auf unterschiedliche Weise. Sogenannte<br />

Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren,<br />

kurz ARNI, kombinieren zwei blutdrucksenkende<br />

Mittel, die überwiegend an der Niere<br />

wirken. Betablocker wiederum blockieren jene<br />

Rezeptoren, an welche das Stresshormon Adrenalin<br />

und der Botenstoff Noradrenalin andocken.<br />

Dadurch sinkt der Blutdruck, der Herzschlag<br />

verlangsamt sich, was den Muskel entlastet. Aldosteronantagonisten,<br />

auch MRA genannt, sorgen<br />

dafür, dass mehr Wasser über den Harn ausgeschieden<br />

wird, sodass die Menge an Flüssigkeit<br />

im Blutsystem abnimmt. Auch das entlastet das<br />

Herz.<br />

Seit Kurzem steht ein weiteres Medikament zur<br />

Verfügung, das sich in Studien als äußerst effektiv<br />

erwiesen hat: die sogenannten SGLT-2-Hemmer<br />

(siehe Kasten Seite 26). Die ursprünglich für die<br />

Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelten<br />

Medikamente bewirken unter anderem eine Verbesserung<br />

des Herz- und Muskelstoffwechsel. Sie<br />

erreichen, dass mehr Flüssigkeit über den Harn<br />

ausgeschieden wird. „Die SGLT-2-Hemmer unterstützen<br />

die Effekte der anderen Medikamente und<br />

sind daher eine enorm wertvolle Ergänzung“, sagt<br />

Kardiologe Maier. „Im klinischen Alltag staune<br />

Herzinsuffizienz<br />

erkennen<br />

Treffen mehrere der<br />

genannten Punkte<br />

zu, konsultieren Sie<br />

Ihren Arzt<br />

• Kurzatmigkeit bei<br />

alltäglichen Tätigkeiten<br />

• Luftnot bei schnellem<br />

Gehen<br />

• schnell eintretende<br />

Erschöpfung<br />

• Wassereinlagerungen<br />

z. B. auf dem Fußrücken,<br />

an den Knöcheln, am<br />

Schienbein<br />

• Schlafen nur mit erhöhtem<br />

Oberkörper möglich<br />

• Herzstolpern<br />

• schneller Puls (mehr<br />

als 80 Schläge/Minute),<br />

unregelmäßiger Puls<br />

• Vorliegen von Risikofaktoren,<br />

z. B. Bluthochdruck,<br />

Diabetes<br />

<strong>FOCUS</strong>- <strong>GESUNDHEIT</strong> 25

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