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WA_FOCUS_47_2023_Wien

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AUSGABE <strong>47</strong> 18. November <strong>2023</strong> € 5,20 EUROPEAN MAGAZINE A<strong>WA</strong>RD WINNER <strong>2023</strong> COVER /// INFOGRAPHIC<br />

Grüne<br />

im Dilemma<br />

Basis oder Ampel:<br />

Die Öko-Partei<br />

muss sich entscheiden<br />

<strong>Wien</strong><br />

im Winter<br />

48 Stunden in<br />

der schönsten Stadt<br />

für dunkle Tage<br />

ARZNEI<br />

ALARM<br />

Husten, Krebs, Depressionen:<br />

Deutschlands Apotheken gehen<br />

Hunderte Medikamente aus,<br />

die Politik versagt – was Patienten<br />

jetzt tun können


LEBEN<br />

Angerichtet<br />

<strong>Wien</strong>er Schnitzel,<br />

Tafelspitz, Schweinsbraten,<br />

Kaiserschmarrn<br />

– stellen<br />

Sie sich darauf ein,<br />

bei Ihrer <strong>Wien</strong>reise<br />

viel und gut zu essen<br />

94 <strong>FOCUS</strong> <strong>47</strong>/<strong>2023</strong>


REISE<br />

48 Stunden<br />

in <strong>Wien</strong><br />

Österreichs Hauptstadt steht schon<br />

seit Jahren an der Spitze internationaler<br />

Städterankings. Ist ja auch zu schön<br />

hier – nicht nur für Alteingesessene<br />

und Zugezogene. Die besten Routen,<br />

Restaurants und Museen für den<br />

perfekten Kurztrip an die Donau<br />

TEXT VON HARALD PETERS<br />

Fo t o : C a t h r i n e S t u k h a r d / l a i f<br />

<strong>FOCUS</strong> <strong>47</strong>/<strong>2023</strong><br />

95


LEBEN<br />

W<br />

<strong>Wien</strong>, die lebenswerteste Stadt. Österreichs<br />

Metropole wurde vom britischen<br />

„Economist“ dieses Jahr bereits zum vierten<br />

Mal seit 2018 an die Spitze seines<br />

jährlichen Städterankings gewählt und<br />

das Magazin „Monocle“ sieht es genauso:<br />

Nirgendwo lebt es sich so gut wie in<br />

<strong>Wien</strong>. Gründe dafür sind unter anderem<br />

eine gute und verlässliche Infrastruktur,<br />

ausreichend bezahlbarer Wohnraum und<br />

jede Menge Kultur.<br />

Ob auch die typisch wienerische Grantigkeit<br />

bei der Wahl eine Rolle spielte,<br />

ist nicht überliefert, aber das konstante<br />

Missvergnügtsein, so scheint es, hat in<br />

<strong>Wien</strong> eine existenzielle Dimension, wie<br />

ließe sich so viel geballte Lebensqualität<br />

sonst auch aushalten.<br />

Staatsoper, Burgtheater und Stephansdom,<br />

das imposante Rathaus im neogotischen<br />

Stil, der Judenplatz und die<br />

Annagasse, der Hohe Markt, der Donnerbrunnen<br />

und auch die Pestsäule – die<br />

Sehenswürdigkeitendichte in der <strong>Wien</strong>er<br />

Innenstadt ist nur schwer zu überbieten.<br />

Man hat das Gefühl, durch ein Freiluftmuseum<br />

zu spazieren, in dem dann an<br />

jeder Straßenecke ein weiteres Museum<br />

steht. Die Albertina mit ihrer riesigen<br />

grafischen Sammlung, die Hofburg mit<br />

dem Sisi-Museum, der Silberkammer und<br />

den Kaiser-Apartments, das Bank Austria<br />

Kunstforum, die Gemäldegalerie, das<br />

Secessionsgebäude und das Künstlerhaus.<br />

Mehr als 60 Museen gibt es allein<br />

im 1. Bezirk und dazwischen: Parkanlagen,<br />

Gärten und Plätze.<br />

Aber es ist längst nicht alles alt in <strong>Wien</strong>.<br />

Sieben Kilometer östlich der Innenstadt<br />

entsteht im 22. Bezirk etwa die Seestadt<br />

Aspern, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte<br />

Europas, wo bis in die<br />

2030er Jahre Wohnraum für 25 000 Menschen<br />

sowie rund 20 000 Arbeitsplätze<br />

entstehen sollen – alles selbstverständlich<br />

lebenswert, nachhaltig und innovativ. In<br />

den innerstädtischen Bezirken versucht<br />

man unterdessen, den Herausforderungen<br />

des Klimawandels mit Fahrradwegen,<br />

begrünten Fassaden und noch mehr<br />

Gärten zu begegnen.<br />

Die Agentur Austria Guides for Future<br />

bietet gleich zwanzig verschiedene Führungen<br />

zum Thema an, die zum Beispiel<br />

„Alte Industrie macht jungem Wohnen<br />

Platz“ oder „Urbane Begegnung im grünen<br />

<strong>Wien</strong>tal“ heißen. Aber eins nach dem<br />

anderen, wir haben ja nur 48 Stunden Zeit.<br />

Tag eins – vormittags<br />

Fangen wir mit den Grundlagen an und<br />

begeben uns zu diesem Zweck ins Naturhistorische<br />

Museum. Das 1889 eröffnete<br />

Haus am Maria-Theresien-Platz zählt zu<br />

den bedeutendsten Naturkundemuseen<br />

der Welt. Die gesamte Geschichte unseres<br />

Planeten mit rund 30 Millionen Sammlungsobjekten<br />

wird erzählt. Wer die Mineralogisch-Petrographische<br />

Abteilung<br />

aufmerksam durchschritten hat, meint,<br />

alle Steine dieser Erde gesehen zu haben,<br />

wobei von den 150 000 Objekten ja nur<br />

15 Prozent ausgestellt sind.<br />

Dazu kommen ausgestopfte Tiere aller<br />

Art, zu Land, zu Wasser und aus der Luft.<br />

Im Sauriersaal sind mehrere gewaltige<br />

Skelette aufgebaut, deutlich kleiner ist<br />

wiederum die „Venus von Willendorf“ in<br />

der archäologischen Abteilung. Die nur<br />

elf Zentimeter große und 29 500 Jahre alte<br />

Figurine ist Österreichs prominentestes<br />

prähistorisches Objekt und erinnert ein<br />

wenig an die vollschlanken Skulpturen<br />

von Niki de Saint Phalle, nur eben nicht<br />

so bunt.<br />

Wer statt Erdgeschichte lieber gleich<br />

richtige Kunst hätte, sollte das Kunsthistorische<br />

Museum direkt gegenüber aufsuchen.<br />

Als Höhepunkte der Sammlung<br />

gelten Werke von Bruegel d. Ä., Cranach,<br />

Dürer, Vermeer, Rembrandt, Raffael und<br />

Caravaggio. Sie hätten lieber Kunst mit<br />

Erbaut<br />

Die Seestadt Aspern im<br />

22. <strong>Wien</strong>er Bezirk ist derzeit<br />

eines der größten Stadtentwicklungsprojekte<br />

Europas<br />

Begrünt<br />

Nachhaltigkeit zählt zu den<br />

Schwerpunkten in <strong>Wien</strong>, was<br />

sich auch im bepflanzten Foyer<br />

des Hotel Gilbert ausdrückt<br />

96 <strong>FOCUS</strong> <strong>47</strong>/<strong>2023</strong>


REISE<br />

Gemütlich<br />

Auch wenn Touristen<br />

sie gern nutzen, sind<br />

die Fiaker genannten<br />

Kutschen nicht Teil des<br />

öffentlichen Personennahverkehrs<br />

<strong>Wien</strong>s<br />

Gepfeffert<br />

Würstelbuden stehen in <strong>Wien</strong> an jeder Ecke.<br />

Beim „Scharfen Rene“ gibt es die Würstchen<br />

erwartungsgemäß gut gewürzt<br />

mund Freud in der Berggasse 19 vorbei.<br />

Dann wird es langsam spät, bereiten wir<br />

uns auf den Abend vor.<br />

Fo t o s : Fabian Weiss/laif, Hotel Gilbert, Geog Hochmuth/AFP via Getty Images, dpa, Toni Anzenberger<br />

Geschmückt<br />

Um den Opernball zu eröffnen, muss<br />

man zwischen 18 und 25 sein und über<br />

gute Linkswalzerkenntnisse verfügen.<br />

Bewerbungen für 2025 sind noch möglich<br />

Ortsbezug? Dann ist die Egon-Schiele-<br />

Sammlung im Leopold Museum vielleicht<br />

etwas für Sie. Und Gustav Klimt?<br />

Den gibt es im Belvedere. Moderne Kunst<br />

findet sich hingegen im MUMOK. Wenn<br />

Sie aber keine Kunst suchen, sondern nur<br />

Kunstnähe, dann wäre das Museums-<br />

Quartier vielleicht etwas, das achtgrößte<br />

Kunstareal der Welt. Sie fühlen sich von<br />

all der Kultur bereits überfordert? Vielleicht<br />

ist es Zeit für eine kleine Stärkung.<br />

Tag zwei – mittags<br />

Würstelbuden sind in <strong>Wien</strong> eine Street-<br />

Food-Institution, man findet sie praktisch<br />

überall. Laut einer Erhebung des österreichischen<br />

Genuss-Magazins „Falstaff“<br />

aus dem vergangenen Jahr, ist die Würstelbude<br />

„Alles Wurscht“ am Börseplatz<br />

die beliebteste der Stadt. Die Empfehlung<br />

des Hauses ist das Bosna Sandwich, also<br />

gebratene Bosna-Würstchen mit Senf,<br />

Curry und Petersilie im Brot – kann man<br />

machen!<br />

In der Würstelbude „Zum scharfen Leo“<br />

hat man sich passend zum Namen hingegen<br />

auf scharfe Würstchen spezialisiert<br />

und der „Würstelstand Leo“ serviert die<br />

größte Käsekrainer der Welt. Die Sonderanfertigung<br />

trägt den Namen „Big Mama“<br />

und ist derart groß, dass selbst der größte<br />

Hunger dafür zu klein ist. Welche Würstelbude<br />

soll man nun ansteuern? Wir empfehlen,<br />

die zu nehmen, die am weitesten entfernt<br />

ist, um die Wegstrecke zum Anlass zu<br />

nehmen, <strong>Wien</strong> zu Fuß zu erkunden.<br />

Erst wenn man durch die Straßen und<br />

Gassen schlendert, entwickelt man ein<br />

Gespür für die Stadt. Man merkt, dass<br />

<strong>Wien</strong> mehr ist, als eine kaum zu bewältigende<br />

Summe von Kultureinrichtungen,<br />

dass <strong>Wien</strong> zum Beispiel noch einen funktionierenden<br />

Einzelhandel mit allen möglichen<br />

Spezialgeschäften hat, nach denen<br />

man in Deutschland lange suchen müsste;<br />

man entdeckt Straßen und Gassen<br />

mit interessanten Cafés und Restaurants,<br />

die man am nächsten Tag unbedingt<br />

besuchen will, dann aber leider gleich<br />

wieder vergisst; man versteht, dass <strong>Wien</strong><br />

eigentlich viele <strong>Wien</strong>s ist, eine Stadt,<br />

deren Charakter sich von Bezirk zu Bezirk<br />

ändert.<br />

Wenn Sie nicht zu Fuß gehen wollen,<br />

empfiehlt sich eine Fahrt mit der Tram.<br />

Die Linie D führt Sie etwa vom Hauptbahnhof<br />

bis zum Palais Liechtenstein.<br />

Steigen Sie dort aus und erkunden Sie<br />

das malerische Servitenviertel. Wenn<br />

Ihnen danach ist, schauen Sie bei Sig-<br />

Tag eins – abends<br />

Es geht zum Fine Dining ins Glasswing.<br />

Das Restaurant befindet sich im neuen<br />

Hotel The Amauris, einem aufwendig<br />

renovierten alten Stadtpalais in Sichtweite<br />

der Oper. Erst im Februar war Eröffnung<br />

und nur drei Monate später wurde<br />

der 30-jährige Chefkoch Alexandru<br />

Simon bereits im Rahmen der Rolling Pin<br />

Awards Austria <strong>2023</strong> zum Newcomer des<br />

Jahres gekürt. Sein Ansatz ist, dem kulinarischen<br />

Erbe Österreichs in respektvoller<br />

Weise die Schwere zu nehmen. Das ist<br />

in jeder Hinsicht vernünftig, ansonsten<br />

ließe sich ein mehrgängiges Menü mit<br />

landestypischer Küche auch gar nicht<br />

bewältigen. Auf dem Programm seines<br />

wunderbaren Tastingmenüs stehen derzeit<br />

Kreationen wie „Gereiftes Rind mit<br />

Waldorfsalat und Kaviar“, „Challans<br />

Entenbrust mit Germknödel und Rotkraut“<br />

und „Quitte mit Mascarpone und<br />

Madeleine“. Wer dazu noch die großartige<br />

Wein- und Cocktailbegleitung wählt, ist<br />

nach sieben Gängen in jeder Hinsicht bedient<br />

und denkt glücklich: Morgen ist ja<br />

auch noch ein Tag.<br />

Zweiter Tag – vormittags<br />

Nutzen wir den Morgen, um ein wenig<br />

durch den Augarten zu lustwandeln. Die<br />

über 50 Hektar große Parkanlage im<br />

zweiten Bezirk zählt nicht nur zu den<br />

ältesten Barockgärten <strong>Wien</strong>s, sie ist auch<br />

Sitz der bedeutenden Augarten Porzellanmanufaktur<br />

sowie Heimstatt der <strong>Wien</strong>er<br />

Sängerknaben, deren Internat im Palais<br />

Augarten untergebracht ist. Zieht man<br />

<strong>FOCUS</strong> <strong>47</strong>/<strong>2023</strong><br />

97


LEBEN<br />

REISE<br />

1 Gasthaus Pöschl<br />

<strong>Wien</strong>er Schnitzel, Tafelspitz und Käsenblunzenradeln –<br />

im Gasthaus Pöschl gibt es die Klassiker der österreichischen<br />

Küche zu fairen Preisen. Gleich um die Ecke des<br />

Franziskanerplatzes. gasthauspöschl.com<br />

Gebrauchsanweisung<br />

für<br />

<strong>Wien</strong><br />

KULTUR<br />

3 Naturhistorisches Museum <strong>Wien</strong><br />

Die Weltgeschichte in 30 Millionen<br />

Sammlungsobjekten: Das von Gottfried<br />

Semper erbaute Haus ist der perfekte Ort,<br />

um diesen und andere komische Vögel<br />

kennenzulernen. nhm-wien.ac.at<br />

4 The Amauris Hotel<br />

Neu eröffnetes 5-Sterne-<br />

Haus im Zentrum der<br />

Stadt, das Teil der Relais &<br />

Châteaux-Gruppe ist.<br />

Mit viel Marmor, Samt<br />

und Kunst sowie natürlich<br />

erstklassigem Service.<br />

theamauris.com<br />

HOTELS<br />

5 Hotel Gilbert<br />

Junges, urbanes Hotel<br />

mit komplett begrünter<br />

Fassade, das sich<br />

ganz der Nachhaltigkeit<br />

verschrieben hat.<br />

Weiterer Pluspunkt:<br />

ein großartiges Gym.<br />

hotel-gilbert.at<br />

RESTAURANTS<br />

2 Glasswing<br />

Alexandru Simon, Newcomer des Jahres <strong>2023</strong>, setzt im<br />

neu eröffneten Restaurant Glasswing auf österreichische<br />

Küche mit einem modernen Twist, der den Gerichten ihre<br />

typische Schwere nimmt. glasswing-restaurant.com<br />

5<br />

3<br />

FILM<br />

6 Kleines Café<br />

Richard Linklater ließ<br />

in „Before Sunrise“ die<br />

Bahnfahrer Julie Delpy<br />

und Ethan Hawke einen<br />

Zwischenstopp einlegen.<br />

Das Café ist so klein,<br />

dass es nicht mal eine<br />

Homepage hat.<br />

Innere Stadt<br />

Hofburg<br />

Stephansdom<br />

WIEN<br />

500m<br />

1 6<br />

2 4<br />

„Der dritte Mann“<br />

Der wohl bekannteste<br />

<strong>Wien</strong>-Film von 1949<br />

eignet sich wunderbar<br />

zur Vor- oder Nachbereitung<br />

einer Reise.<br />

Entdecken Sie mit<br />

Orson Welles die Kanalisation<br />

der Stadt<br />

KAFFEEHÄUSER<br />

7<br />

7 Prückel<br />

Fun fact: das denkmalgeschützte<br />

Kaffehaus<br />

wurde 1903 vom Radrenneuropameister<br />

Maxime Lurion eröffnet<br />

uns ist für die 50er Jahre<br />

Einrichtung bekannt.<br />

prueckel.at<br />

dann noch die zwei riesigen Flaktürme<br />

hinzu, die im Zweiten Weltkrieg im Park<br />

errichtet wurden, hat man rund 400 Jahre<br />

<strong>Wien</strong>er Stadtgeschichte auf einem Flecken<br />

beisammen.<br />

Noch komprimierter und ausführlicher<br />

bekommt man die Entwicklung der Stadt<br />

im <strong>Wien</strong> Museum am Karlsplatz dargeboten,<br />

das Anfang Dezember nach einem<br />

spektakulären Umbau wiedereröffnet<br />

wird. Weil der alte dreistöckige 50er-Jahre-<br />

Bau für die reiche Geschichte zu klein<br />

wurde, hat man einfach eine Glas-und-<br />

Stahlkonstruktion obendrauf gesetzt, die<br />

wirkt als, sei ein eckiges Raumschiff sanft<br />

auf dem Bau gelandet.<br />

Zweiter Tag – mittags<br />

Haben wir eigentlich schon ein Kaffeehaus<br />

besucht? Bestimmt, aber wir haben<br />

noch nicht darüber gesprochen. Das Beste<br />

an <strong>Wien</strong>er Kaffeehäusern ist, dass man<br />

sie morgens, mittags, abends besuchen<br />

kann und sich ihr Sinn und Zweck mit<br />

der Tageszeit und den Bedürfnissen der<br />

Kundschaft ändert. Nur die liebenswerte<br />

Arroganz der Bedienung bleibt erfreulich<br />

konstant, was dazu führt das jedes Kaffeehaus<br />

in <strong>Wien</strong> bei den einschlägigen Bewertungsportalen<br />

keine gute Figur macht.<br />

Es wissen halt nicht alle Gäste eine solide<br />

Unfreundlichkeit zu schätzen.<br />

Da es in <strong>Wien</strong> ungezählte Kaffeehäuser<br />

gibt, empfehlen wir zum Beispiel das<br />

denkmalgeschützte Café Prückel mit seiner<br />

Einrichtung im Stil der 50er Jahre.<br />

Ein <strong>Wien</strong>er Schnitzel steht selbstverständlich<br />

auch auf der Karte, und ohne in<br />

<strong>Wien</strong> ein <strong>Wien</strong>er Schnitzel gegessen zu<br />

haben, darf man die Stadt sowieso nicht<br />

verlassen.<br />

Wer keinen Appetit hat, aber seine Erfrischungen<br />

gern mit filmhistorischen<br />

Mehrwert zu sich nimmt, könnte auch<br />

ins Kleine Café gehen, wo Julie Delpy<br />

und Ethan Hawke sich 1995 in „Before<br />

Sunrise“ einst verliebt anschauten, Bier<br />

tranken, sich die Zukunft vorhersagen<br />

ließen und dann aus den Augen verloren.<br />

Zweiter Tag – abends<br />

Die letzte große Hürde für einen würdigen<br />

Abschluss des 48-stündigen <strong>Wien</strong>abenteuers<br />

besteht nun darin, eine Karte<br />

für die Oper zu bekommen. Restkarten<br />

gibt es fast immer. Oder versuchen Sie<br />

es mit dem Burgtheater. Dort wird nichts<br />

gespielt, was sie interessiert? Dann gehen<br />

Sie ins Kino und schauen den in <strong>Wien</strong><br />

spielenden Nachkriegsfilm „Der dritte<br />

Mann“ von 1949. Sie werden feststellen,<br />

dass die Stadt heute doch nicht so alt ist,<br />

wie man zunächst vielleicht meint. 7<br />

Fo t o s : Gasthaus Pöschl, The Amauris Vienna, action press, imago images, Marko Mihaljevic, dpa<br />

98 <strong>FOCUS</strong> <strong>47</strong>/<strong>2023</strong>

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