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vsao Journal Nr. 6 - Dezember 2023

Rettung - Von Krankenhäusern und Karotten Politik - Ein Leitfaden zu Planetary Health Sportmedizin - Verletzungen vorbeugen und behandeln Sekundärer Antikörpermangel - Die Immunoglobulin-Substitution in der Hämatologie

Rettung - Von Krankenhäusern und Karotten
Politik - Ein Leitfaden zu Planetary Health
Sportmedizin - Verletzungen vorbeugen und behandeln
Sekundärer Antikörpermangel - Die Immunoglobulin-Substitution in der Hämatologie

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<strong>vsao</strong><br />

<strong>Nr</strong>. 6, <strong>Dezember</strong> <strong>2023</strong><br />

<strong>Journal</strong><br />

Das <strong>Journal</strong> des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte<br />

Rettung<br />

Von Krankenhäusern<br />

und Karotten<br />

Seite 24<br />

Politik<br />

Ein Leitfaden zu<br />

Planetary Health<br />

Seite 6<br />

Sportmedizin<br />

Verletzungen vorbeugen<br />

und behandeln<br />

Seite 41<br />

Sekundärer<br />

Antikörpermangel<br />

Die Immunoglobulin-<br />

Substitution in<br />

der Hämatologie<br />

Seite 44


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Inhalt<br />

Rettung<br />

Von Krankenhäusern und Karotten<br />

Coverbild: Stephan Schmitz<br />

Editorial<br />

5 Save our souls<br />

Politik<br />

6 Gemeinsam für das Klima und<br />

die Gesundheit<br />

8 Viel Engagement und ein Entscheid<br />

für die Umwelt<br />

10 Auf den Punkt gebracht<br />

Weiterbildung /<br />

Arbeitsbedingungen<br />

12 Tipps und Tools für den Karrierestart<br />

15 Im AA-Universum<br />

<strong>vsao</strong><br />

16 Neues aus den Sektionen<br />

22 <strong>vsao</strong>-Inside<br />

23 <strong>vsao</strong>-Rechtsberatung<br />

Perspektiven<br />

41 Aktuelles zur sportärztlichen<br />

Betreuung: Sportmedizin zwischen<br />

Tanz und Tradition<br />

44 Aus der «Therapeutischen<br />

Umschau» – Übersichtsarbeit:<br />

Immunoglobulin-Substitutionstherapie<br />

bei hämatologischen<br />

Patienten mit sekundärem Antikörpermangel<br />

50 Der besondere Ort<br />

mediservice<br />

51 Briefkasten<br />

52 Das Dilemma mit der Digitalisierung<br />

54 Impressum<br />

Fokus: Rettung<br />

24 Trainieren für den Notfall<br />

28 Die Rettung einer Tessiner Karotte<br />

30 Rettung ist probiotisch<br />

34 Eine Inspirationsquelle für<br />

zukünftige Bauten<br />

38 Suizidprävention kann Leid<br />

verhindern<br />

<strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>: neue Redaktionsmitglieder gesucht<br />

Sind Sie vielseitig interessiert und haben Lust, das <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong> mitzuprägen?<br />

Gewinnen Sie einen Einblick in unsere Arbeit, und nehmen Sie unverbindlich an einer<br />

Redaktionssitzung teil. Hauptaufgaben der Redaktion sind<br />

• die thematische Planung der Hefte,<br />

• die Suche nach Autorinnen und Autoren,<br />

• die regelmässige Teilnahme an den Sitzungen<br />

(sechs abendliche Sitzungen und eine Retraite).<br />

Interessiert? Dann melden Sie sich unter journal@<strong>vsao</strong>.ch.<br />

Wir freuen uns auf neue Gesichter.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 3


Allgemeine<br />

Innere Medizin<br />

30.01. – 03.02.24 Basel<br />

11. – 15.06.2024 Zürich<br />

40 h<br />

Innere Medizin<br />

05. – 09.12.<strong>2023</strong> Zürich<br />

39 SGAIM<br />

25. – 29.06.2024 Zürich<br />

40 h<br />

Hausarzt Fortbildungstage<br />

07. – 08.03.2024 St. Gallen<br />

14. – 15.03.2024 Bern<br />

14 h<br />

Bonus FOMF<br />

Code*<br />

INVS1223<br />

Anästhesiologie<br />

und Intensivmedizin<br />

04. – 05.06.2024 Zürich<br />

16 h<br />

EKG – Grundkurs<br />

10. – 11.06.2024 Zürich<br />

16 h<br />

Gynäkologie<br />

02. – 04.05.2024 Zürich<br />

24 h<br />

Ophthalmologie<br />

13. – 14.06.2024 Zürich<br />

16 h<br />

Pädiatrie<br />

11. – 13.04.2024 Zürich<br />

24 h<br />

Pneumologie<br />

03. – 04.05.2024 Zürich<br />

14 h<br />

Psychiatrie und<br />

Psychotherapie<br />

06. – 08.06.2024 Zürich<br />

21 h<br />

Psychologie<br />

07. – 09.12.<strong>2023</strong> Zürich<br />

23 SGPP | 24 ASP |<br />

21 SAPPM | 21 FSP<br />

Urologie<br />

24.05.2024 Zürich<br />

7 h<br />

Update Refresher<br />

Information / Anmeldung<br />

Tel.: 041 567 29 80 | info@fomf.ch | www.fomf.ch<br />

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Editorial<br />

Save our souls<br />

Regula Grünwald<br />

Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz. Diesen Notruf<br />

setzte das britische Passagierschiff «Slavonia» ab, als es<br />

1909 vor den Azoren auf eine Klippe auflief – und<br />

sorgte damit für eine Premiere in der Geschichte der<br />

internationalen Seefahrt. Der Hilferuf war erfolgreich: Alle Passagiere<br />

wurden gerettet. Drei Jahre zuvor hatte sich die internationale<br />

Funkkonferenz in Berlin auf SOS als einheitliches Notsignal<br />

geeinigt, 1908 war dieses offiziell eingeführt worden. Formulierungen<br />

wie «save our souls» oder «sure of sinking» wurden erst im<br />

Nachhinein konstruiert, um den drei Buchstaben einen Sinn<br />

zu verleihen. Ursprünglich war SOS jedoch eine bedeutungslose,<br />

dafür aber sehr einprägsame und gut erkennbare Kombination<br />

von Morsezeichen.<br />

Einfach und leicht zu merken sind auch unsere heutigen Notrufnummern<br />

– sehr komplex hingegen das, was dahintersteckt. Wie<br />

sich ein reibungsloser Ablauf in Notfallsituationen trainieren lässt,<br />

zeigt ein Beitrag in unserem Schwerpunkt «Rettung». Dass es zu<br />

manchen Notfällen gar nicht erst kommen müsste, darauf deuten<br />

Studien zur Suizidprävention bei Jugendlichen hin. Wie weit<br />

die Schweiz diesbezüglich ist, beleuchtet ein weiterer Beitrag.<br />

Der Wunsch nach Sicherheit gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen.<br />

In vielen Religionen spielt deshalb der Glaube an<br />

einen göttlichen Retter eine prägende Rolle. Wir werfen einen Blick<br />

auf das Juden- und das Christentum.<br />

Doch nicht nur Menschenleben lassen sich retten: Im Ballenberg<br />

nahe Brienz sind auf 66 Hektaren über 100 gerettete historische<br />

Bauten aus der ganzen Schweiz versammelt. Im ganzen Land<br />

verteilt hingegen sind die Kulturpflanzen und Nutztiere, welche<br />

die Stiftung ProSpecieRara bewahren und schützen will. Im Fall<br />

der Tessiner Karottensorte «Gniff» brauchte es dafür einen<br />

beson deren Kniff. Mehr dazu im Fokusteil.<br />

Nicht gerade die Welt retten, aber zumindest einen Beitrag zu<br />

einem gesünderen Planeten leisten will der <strong>vsao</strong> mit einem Leitfaden<br />

zu Planetary Health. Fundierte Informationen, einprägsame<br />

Beispiele und praxistaugliche Tipps sollen zum Nachdenken<br />

und Handeln anregen. Ein Beitrag dazu findet sich im Politikteil.<br />

Dort nachzulesen ist ebenfalls, was der Zentralvorstand des<br />

<strong>vsao</strong> und die Delegiertenversammlung von mediservice an ihrer<br />

Herbstsitzung beschlossen haben.<br />

Mit der letzten Nummer dieses Jahres verabschieden wir Camille<br />

Bertossa, die uns als UHU und junge Assistenzärztin einen humorvollen<br />

Einblick in ihren nicht immer ganz so lustigen Alltag<br />

gegeben hat. Sie hingegen, liebe Leserinnen und Leser, würden<br />

wir sehr gerne auch im neuen Jahr wieder begrüssen. In der<br />

Zwischenzeit dankt Ihnen die Redaktion des <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>s herzlich<br />

für Ihr Interesse und wünscht Ihnen und Ihren Liebsten frohe<br />

Festtage sowie ein glückliches und gesundes neues Jahr.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 5


Politik<br />

Gemeinsam<br />

für das Klima und<br />

die Gesundheit<br />

Der Klimawandel ist die grösste gesundheitliche Bedrohung<br />

unseres Jahrhunderts. Die FMH möchte mit ihrer<br />

Planetary-Health-Strategie die Ärztinnen und Ärzte<br />

dazu ermutigen, ihre Verantwortung wahrzunehmen.<br />

Auch der <strong>vsao</strong> leistet einen Beitrag dazu.<br />

Philipp Thüler, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer <strong>vsao</strong><br />

Die Sommer werden heisser, in<br />

den Wintern fehlt der Schnee,<br />

die Gletscher schmelzen, es<br />

kommt vermehrt zu Stürmen<br />

und Unwettern, Hochwassern, Steinschlägen,<br />

Erdrutschen und Dürreperioden –<br />

weltweit und auch in der Schweiz. Wir alle<br />

spüren, sehen und erleben den Klimawandel.<br />

Viele Veränderungen wie der<br />

Anstieg der Durchschnittstemperatur,<br />

der Anstieg des Meeresspiegels oder das<br />

Schmelzen der Gletscher sind bereits erfolgt<br />

und nicht mehr umkehrbar. Es besteht<br />

deshalb dringender Handlungsbedarf,<br />

um das Ausmass der Veränderungen<br />

so gering wie möglich zu halten.<br />

Unbestritten ist, dass es vor allem eine<br />

Reduktion der Treibhausgasemissionen<br />

braucht, da diese eine Hauptursache der<br />

Klimaveränderung sind. Die Schweiz hat<br />

sich mit der Unterzeichnung und Ratifizierung<br />

des Pariser Abkommens von<br />

2015 denn auch verpflichtet, die Treibhaus<br />

gasemissionen bis 2030 auf 50 Prozent<br />

des Standes von 1990 zu reduzieren.<br />

Was hat das mit der Ärzteschaft<br />

zu tun?<br />

Ebenso unbestritten ist, dass die Ärztinnen<br />

und Ärzte eine Verantwortung und<br />

ein Interesse haben, sich zu engagieren.<br />

Der Klimawandel ist ein gesundheitsrelevantes<br />

Thema, er ist – wie es die FMH<br />

in ihrer Planetary-Health-Strategie ausdrückt<br />

– die grösste gesundheitliche Bedrohung<br />

unseres Jahrhunderts. Die Erhaltung<br />

und die Verbesserung der natürlichen<br />

Lebensgrundlagen stabilisieren das<br />

Klima und schützen die Gesundheit. Denn<br />

der Klimawandel hat auch Auswirkungen<br />

auf die Gesundheit.<br />

Am direktesten zeigt sich dies im<br />

Zusammenhang mit der Hitzebelastung.<br />

Hitze kann Erschöpfung und Hitze schläge<br />

auslösen und bestehende Erkrankungen<br />

wie Herz-Kreislauf- oder Atemwegskrankheiten<br />

verschlimmern. Tropennächte führen<br />

zu schlechterer nächtlicher Erholung,<br />

auch psychische Krankheiten nehmen zu.<br />

Im Rekordsommer 2003 betrug die hitzebedingte<br />

Übersterblichkeit 6,9 Prozent,<br />

das entspricht gut 1000 zusätzlichen Todesfällen.<br />

Hohe Emissionen im Gesundheitswesen<br />

Es gibt aber auch indirekte Effekte, etwa<br />

durch sich verändernde Ökosysteme, die<br />

dazu führen, dass sich krankheitsübertragende<br />

Tiere wie Mücken und Zecken,<br />

Krankheitserreger und allergene Pflanzen<br />

vermehrt verbreiten. Auch die erhöhte<br />

Belastung der Luft durch Ozon und Feinstaub<br />

hat negative Effekte auf die Gesundheit.<br />

Dazu kommt: Weltweit trägt der Gesundheitssektor<br />

4,6 Prozent zu den Gesamtemissionen<br />

bei, in der Schweiz sind es<br />

je nach Quelle zwischen 5,9 und 6,7 Prozent.<br />

Eine Reduktion der Emissionen im<br />

Gesundheitswesen kann also durchaus<br />

einen wichtigen Beitrag leisten.<br />

Die Ärzteschaft hat dies erkannt. Pionierarbeit<br />

leisteten und leisten die Ärztinnen<br />

und Ärzte für Umweltschutz (AefU),<br />

ein Verein, der «aus der Sorge um eine<br />

zunehmend kranke Umwelt, die unsere Gesundheit<br />

bedroht und das Leben künftiger<br />

Generationen in Frage stellt», entstand. Er<br />

setzt sich bereits seit 1987 aus ärztlicher<br />

Perspektive für die Vermeidung und Verhinderung<br />

von schädlichen Umwelteinflüssen<br />

ein.<br />

Die Planetary-Health-Strategie<br />

der FMH<br />

Auch die FMH beschäftigt sich mit dem<br />

Thema. Im Oktober 2021 verabschiedete sie<br />

das Dokument «Planetary Health – Strategie<br />

zu den Handlungsmöglichkeiten der Ärzteschaft<br />

in der Schweiz zum Klimawandel».<br />

Dazu angeregt hatte die Vereinigung der<br />

Medizinstudierenden (swimsa) mit Unterstützung<br />

des <strong>vsao</strong>. In einer breit abgestützten<br />

Arbeitsgruppe, in der auch die swimsa<br />

und der <strong>vsao</strong> vertreten sind, wurde die Strategie<br />

erarbeitet. Mit der Strategie will die<br />

FMH Massnahmen zur Förderung von Planetary<br />

Health stärken und ein «nachhaltig<br />

gesundheitsförderndes und klimaresilientes<br />

Schweizer Gesundheitswesen» erreichen,<br />

und zwar mit «verhältnismässigen, finanziell<br />

tragbaren Massnahmen».<br />

6<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Politik<br />

Spitäler und Arztpraxen können zu einem schonenden Umgang mit Ressourcen beitragen, beispielsweise mit einer konsequenten Abfalltrennung.<br />

Bild: Adobe Stock<br />

Die FMH hat sich in der Strategie Ziele<br />

in vier Bereichen gesetzt. Die Information<br />

soll gefördert werden durch den Aufbau<br />

und die Verbreitung von Wissen und Kompetenzen<br />

zu Planetary Health. Die Ärzteschaft<br />

soll zudem aktiv zur Reduktion der<br />

Treibhausgase und zur Ressourcenschonung<br />

beitragen. Ebenso ihren Beitrag leisten<br />

soll sie zur Adaptation, indem sich die<br />

Ärzteschaft dafür einsetzt, dass sich die<br />

Schweiz und ihr Gesundheitswesen an ein<br />

sich veränderndes Klima anpassen. Und<br />

nicht zuletzt sollen die Schweizer Ärztinnen<br />

und Ärzte eine Vorbildrolle wahrnehmen<br />

und sich für eine Politik einsetzen,<br />

welche die öffentliche und die planetare<br />

Gesundheit schützt und fördert.<br />

Zuständig für die Umsetzung der Strategie<br />

sind bei der FMH die Abteilung Public<br />

Health und die Arbeitsgruppe Planetary<br />

Health. Eine solche Arbeitsgruppe<br />

hat seit Kurzem auch der <strong>vsao</strong> – sie wird<br />

von Nora Höger und Mirjam Arn geleitet.<br />

Was können Ärztinnen und<br />

Ärzte tun?<br />

Erste konkrete Resultate der verschiedenen<br />

Arbeiten gibt es bereits: Der <strong>vsao</strong> Zürich/Schaffhausen<br />

hat einen Leitfaden zu<br />

Planetary Health für <strong>vsao</strong>-Mitglieder publiziert,<br />

der vom Dachverband auch auf<br />

Französisch und Italienisch übersetzt<br />

wurde und auf der <strong>vsao</strong>-Website zur Verfügung<br />

steht. Nebst einer Übersicht über die<br />

gesundheitlichen Folgen des Klimawandels<br />

gibt es darin konkrete Handlungsempfehlungen<br />

für Ärztinnen und Ärzte,<br />

wie sie ihrer besonderen Verantwortung,<br />

sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen<br />

und ihre Stimme zu erheben, gerecht<br />

werden können.<br />

Die FMH hat ein ganzes Toolkit für<br />

Arztpraxen publiziert. Dieses enthält rund<br />

70 Massnahmen in 14 Kategorien wie zum<br />

Beispiel Wasser, Abfall und Recycling, Chemikalien,<br />

Heizung und Energie, Kommunikation,<br />

Weiterbildung oder Ernährung.<br />

Die einzelnen Massnahmen sind zudem in<br />

drei Stufen eingeteilt: Bronzemassnahmen<br />

erfordern geringen Aufwand und sind<br />

meist sofort umsetzbar. Silbermassnahmen<br />

bedürfen eines grösseren Aufwands,<br />

und für die Goldmassnahmen braucht es<br />

noch einmal etwas mehr Einsatz.<br />

Beispiele für Massnahmen sind die<br />

Einführung einer strikten Abfalltrennung,<br />

angepasstes Heizen, das Etablieren telefonischer<br />

Konsultationen, die Abschaffung<br />

von gebührenfreien Parkplätzen,<br />

das Anpassen gewisser Medikationen, der<br />

konsequente Einsatz von nachhaltigem<br />

Büromaterial, die Umsetzung einer nachhaltigen<br />

Anlagestrategie und viele mehr.<br />

Arztpraxen haben sogar die Möglichkeit,<br />

sich zu registrieren und die umgesetzten<br />

Massnahmen zu erfassen. Wenn eine registrierte<br />

Praxis 75 Prozent der Goldmassnahmen<br />

umgesetzt hat und dies auch<br />

nachweisen kann, darf sie sich mit dem<br />

FMH-Zertifikat «Umweltfreundliche Praxis»<br />

schmücken.<br />

Massnahmen für Spitäler<br />

Die im Toolkit beschriebenen Massnahmen<br />

sind auch für Privatpersonen inspirierend<br />

und können je nachdem auch in<br />

Spitälern umgesetzt werden. Wobei – für<br />

Spitäler gibt es noch mehr: Das vom Nationalfonds<br />

finanzierte Projekt «Green Hospital»<br />

hat eine Liste mit Massnahmen für<br />

ein «umweltfreundliches und effizientes<br />

Spital» publiziert. Ein Blick darauf lohnt<br />

sich – immerhin könnten gemäss dem Projektleiter<br />

und Umweltwissenschaftler Matthias<br />

Stucki 50 Prozent der Schweizer Spitäler<br />

ihren Umweltfussabdruck halbieren.<br />

Es gibt also auch im Arztberuf viele<br />

Möglichkeiten, etwas gegen Treibhausgasemissionen<br />

und für eine gesündere Umwelt<br />

zu tun. Nun gilt es, diese Gelegenheiten<br />

zu packen und selbst aktiv zu werden<br />

oder zu bleiben.<br />

Websites mit Informationen<br />

zum Thema<br />

– <strong>vsao</strong>: www.<strong>vsao</strong>.ch/planetary-health<br />

– FMH: www.planetary-health.fmh.ch<br />

– Green Hospital: www.greenhospital.ch<br />

@<strong>vsao</strong>asmac<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 7


Politik<br />

Der Zentralvorstand <strong>vsao</strong> war geprägt von einer kollegialen Atmosphäre,<br />

konstruktiven Diskussionen und einigen Abstimmungen.<br />

Viel Engagement<br />

und ein Entscheid<br />

für die Umwelt<br />

Neben den Dauerbrennern Bürokratie, Arbeitsbedingungen und<br />

Zulassungssteuerung widmeten sich die Delegierten des Zentralvorstands<br />

<strong>vsao</strong> auch dem Thema Planetary Health – und setzten als Delegierte<br />

von mediservice <strong>vsao</strong>-asmac gleich ein Zeichen: Das <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong> erscheint<br />

ab Mitte 2024 nur noch online.<br />

Regula Grünwald, Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>, Bild: Severin Nowacki<br />

Eine gute Nachricht gleich vorneweg:<br />

Bei den <strong>vsao</strong>-Mitgliederbeiträgen<br />

gibt es auch im kommenden<br />

Jahr keine Erhöhung.<br />

Dies, obwohl das Budget 2024 ein Minus<br />

von CHF 276 500.– vorsieht. Der budgetierte<br />

Verlust sei jedoch keineswegs Zeichen<br />

von Misswirtschaft oder eines Mitgliederschwunds,<br />

betonte <strong>vsao</strong>-Geschäftsführer<br />

Simon Stettler. «Das Minus ist vielmehr<br />

Ausdruck unserer vielen Projekte, Aktivitäten<br />

und Arbeitsgruppen, welche die Ausgaben<br />

steigen lassen.» Da der <strong>vsao</strong> mit einem<br />

Vermögen von rund vier Millionen<br />

Franken über solide Finanzen verfügt, die<br />

finanzielle Situation in vielen Spitälern<br />

und damit bei den <strong>vsao</strong>-Mitgliedern hingegen<br />

weiterhin schwierig ist, beschloss<br />

der Zentralvorstand <strong>vsao</strong> (ZV) an seiner<br />

Herbstsitzung vom 25. November <strong>2023</strong>, die<br />

Mitgliederbeiträge nicht zu verändern, und<br />

nahm das Budget 2024 unverändert an.<br />

Inkompatible Systeme und<br />

Mehrfacherfassungen<br />

Dass beim <strong>vsao</strong> im Moment tatsächlich einiges<br />

läuft und auch 2024 vieles zu tun<br />

bleibt, zeigten die darauffolgenden Traktanden.<br />

Im Juni <strong>2023</strong> hatte der <strong>vsao</strong> einen<br />

runden Tisch zu den Themen Arbeitsbedingungen,<br />

Bürokratie und Weiterbildung<br />

organisiert, an dem Vertreterinnen<br />

und Vertreter der FMH, des Vereins der leitenden<br />

Spitalärztinnen und -ärzte Schweiz<br />

(VLSS), des Schweizerischen Instituts für<br />

ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF),<br />

des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sowie<br />

des Spitalverbands H+ teilnahmen.<br />

Diese legten verschiedene Wege fest, die<br />

nun in kleineren Gruppen weiterverfolgt<br />

werden. Auch ausserhalb dieser Gruppen<br />

ist der Verband aktiv. Mit der Publikation<br />

des Handbuchs «Medizin statt Bürokratie!»<br />

im Mai <strong>2023</strong> habe der <strong>vsao</strong> zwar die gleichnamige<br />

Kampagne abgeschlossen, sagte<br />

Philipp Thüler, Leiter Politik und Kommunikation.<br />

Eine Umfrage mit rund 700 Teilnehmenden<br />

habe jedoch gezeigt, dass insbesondere<br />

inkompatible Systeme und<br />

Mehrfacherfassungen nach wie vor eine<br />

grosse Belastung darstellten. «Bürokratie<br />

bleibt ein grosses Thema.» Gestützt auf<br />

konkrete Beispiele werden nun konkrete<br />

Lösungsvorschläge erarbeitet.<br />

8<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Politik<br />

Bilder: zvg<br />

Arbeitszeit und Vereinbarkeit<br />

Auf grosses – auch mediales – Interesse stiess<br />

dieses Jahr das Modell einer 42+4-Stunden-<br />

Woche, zu welcher der <strong>vsao</strong> ein Factsheet erarbeitet<br />

und publiziert hat. Die Forderung<br />

nach einer verkürzten Arbeitszeit ist ein<br />

Wunsch und Bedürfnis der Mitglieder – es<br />

gibt aber auch Gegenwind. Insbesondere einige<br />

Exponenten aus der Chirurgie äusserten<br />

öffentlich Kritik. Der <strong>vsao</strong> nahm diese Kritik<br />

ernst, suchte das Gespräch und strebt gemeinsame<br />

Lösungen an, um auch die chirurgische<br />

Weiterbildung zu stärken.<br />

Ein weiteres Bedürfnis vieler Mitg lieder<br />

ist die Vereinbarkeit von Beruf und<br />

Privatleben. Auch hier ist der <strong>vsao</strong> auf verschiedenen<br />

Ebenen aktiv. So können Mitglieder<br />

ein kostenloses Telefoncoaching<br />

durch die Fachstelle UND in Anspruch<br />

nehmen. «Oft lässt sich mit einfachen Mitteln<br />

eine schwierige Situation verbessern»,<br />

sage Yvonne Stadler-Niederer, Leiterin<br />

Recht. Weiter ist eine Broschüre zu den<br />

Themen Schutzbestimmungen in der<br />

Schwangerschaft, Mutterschaft und Elternzeit<br />

in Arbeit, und der <strong>vsao</strong> beteiligt<br />

sich an einem Projekt der Fachhochschule<br />

Nordwestschweiz (FHNW), das unter anderem<br />

die Auswirkungen von Sorgeverpflichtungen<br />

auf die Karriere untersuchen<br />

sowie Massnahmen entwickeln soll, um<br />

den Karriereknick zu vermeiden.<br />

Klar positionieren will sich der <strong>vsao</strong><br />

auch in einem Bereich, der nicht zu seinen<br />

Kernthemen gehört. Die im Sommer konstituierte<br />

Arbeitsgruppe Planetary Health<br />

soll das Thema im Verband sichtbarer machen<br />

sowie entsprechende Synergien mit<br />

anderen Institutionen nutzen. Wie eine<br />

Umfrage der Arbeitsgruppe zeigt, würden<br />

zwar viele Assistenz- und Oberärztinnen<br />

und -ärzte ein Engagement zu Planetary<br />

Health befürworten, konkrete Massnahmen<br />

werden jedoch nur an wenigen Arbeitsstätten<br />

umgesetzt.<br />

Auswirkungen des Klimawandels, Digitalisierung,<br />

Fachkräftemangel, steigende<br />

Kosten – auch andere Länder kämpfen<br />

mit ähnlichen Herausforderungen wie die<br />

Schweiz. Um zu prüfen, ob eine stärkere<br />

Vernetzung in Europa einen Mehrwert<br />

bringt, beschloss der ZV nach einigen Diskussionen,<br />

in der Organisation European<br />

Junior Doctors (EJD) einen Beobachterstatus<br />

zu beantragen. Nach einem Jahr<br />

soll die Zusammenarbeit evaluiert und das<br />

weitere Vorgehen entschieden werden.<br />

<strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong> geht online<br />

Noch vor dem Mittagessen hatten die Delegierten<br />

von mediservice <strong>vsao</strong>-asmac einen<br />

wegweisenden Entscheid für die Zukunft<br />

des <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>s zu fällen. Der einbrechende<br />

Werbemarkt sowie die steigenden<br />

Produktionskosten stellen das <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

vor finanzielle Herausforderungen.<br />

Gleichzeitig führen die zunehmenden Bemühungen<br />

für Planetary Health zur Frage,<br />

ob eine gedruckte Ausgabe des <strong>Journal</strong>s<br />

noch zeitgemäss ist. Aus diesen Gründen<br />

beantragten Vorstand und Geschäftsleitung<br />

von mediservice, das <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong> in<br />

eine reine Online-Publikation umzuwandeln,<br />

voraussichtlich per August 2024. Waren<br />

die Meinungen an der letzten Delegiertenversammlung<br />

noch geteilt, herrschte<br />

diesmal Einigkeit: Alle anwesenden Sektionen<br />

nahmen den Antrag diskussionslos<br />

an. Einstimmig wurde auch das Budget<br />

2024 verabschiedet, das für das nächste<br />

Jahr einen überschaubaren Verlust von<br />

CHF 18 500.– vorsieht.<br />

Rekordverdächtiger Zuwachs<br />

Ein Thema, das viele <strong>vsao</strong>-Sektionen beschäftigt,<br />

ist die Zulassungssteuerung. Bis<br />

zum 30. Juni <strong>2023</strong> mussten die Kantone ihre<br />

Regelungen zur Festlegung der Höchstzahlen<br />

aufstellen. Fast alle Kantone sind<br />

dieser Vorgabe nachgekommen, wobei die<br />

jeweilige Auslegung teilweise sehr unterschiedlich<br />

ausfiel. 1 Mit einem Monitoring<br />

der kantonalen Regelungen und deren<br />

Auswirkungen sowie einem regelmässigen<br />

Austausch mit den Sektionsjuristinnen<br />

und -juristen bleibt der <strong>vsao</strong> am Ball und<br />

unterstützt die Sektionen bei Bedarf.<br />

Ob es nun die vielfältigen Engagements<br />

und Dienstleistungen des <strong>vsao</strong> sind,<br />

die neue Mitglieder anlocken, oder der<br />

Nachklang der grossen Mitgliederkampagne<br />

im Jubiläumsjahr 2022, sei dahingestellt.<br />

Klar ist jedoch, dass die Zahl der<br />

neuen Mitglieder sehr erfreulich ist. Mit<br />

1431 Neuzugängen konnte der <strong>vsao</strong> bis<br />

Ende September <strong>2023</strong> bereits mehr Anmeldungen<br />

verzeichnen als im ganzen Jahr<br />

2022. Eine vollständige Bilanz ist jedoch<br />

erst im Frühling 2024 möglich, wenn auch<br />

die Austritte beziffert werden können.<br />

1 Ein Überblick zum aktuellen Stand der Zulassungssteuerung<br />

ist in Heft 5/23 erschienen.<br />

Frisches Blut im GA<br />

Um auch weiterhin bestehende Herausforderungen<br />

anzugehen und Projekte voranzutreiben,<br />

braucht es viele Ressourcen.<br />

Einstimmig wählten die Teilnehmenden<br />

deshalb Fabrice Juchler, Fabian Kraxner<br />

und Loredana Mitruccio in den Geschäftsausschuss<br />

(siehe Kasten). Mit dem zweisprachigen,<br />

im Waadtland aufgewachsenen<br />

und ab nächstem Jahr im Kantonsspital<br />

Freiburg tätigen Fabrice Juchler ist<br />

im GA nun auch die Romandie vertreten.<br />

Als Tarifdelegierter <strong>vsao</strong> kennt er den Verband<br />

bestens und ist überzeugt, dass der<br />

<strong>vsao</strong> das Gesundheitswesen in der Schweiz<br />

prägen und verbessern kann. Auch Fabian<br />

Kraxner, Geschäftsleitungsmitglied des<br />

VSAO Zürich und Redaktionsmitglied des<br />

<strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>s, ist kein Unbekannter. Seine<br />

Erfahrungen und sein Know-how möchte<br />

er nun auch auf nationaler Ebene einbringen,<br />

um den Verband gegen innen<br />

und aussen zu stärken. Den GA turnusgemäss<br />

nach zwei Jahren verlassen wird<br />

Clara Ehrenzeller, bisherige Vertreterin<br />

der Schweizerischen Vereinigung der<br />

Medizinstudierenden (swimsa). Loredana<br />

Mitruccio tritt per Januar 2024 ihre Nachfolge<br />

an. Schon länger ein bekanntes Gesicht<br />

im GA ist Svenja Ravioli, die der ZV<br />

trotz einem verlängerten Auslandaufenthalt<br />

als GA-Mitglied bestätigte.<br />

Der Zuwachs im GA sei sehr erfreulich,<br />

sagte <strong>vsao</strong>-Präsident Angelo Barrile.<br />

Dennoch seien jederzeit auch neue Gesichter<br />

willkommen – insbesondere auch<br />

aus der lateinischen Schweiz.<br />

Neu im Geschäftsausschuss<br />

<strong>vsao</strong><br />

Fabrice Juchler<br />

Assistenzarzt in der<br />

Praxis Flühli, Luzern<br />

Tarifdelegierter <strong>vsao</strong><br />

seit März 2021<br />

Fabian Kraxner<br />

Oberarzt Psychiatrie,<br />

Spital Affoltern<br />

(in Teilzeit)<br />

Geschäftsleitungsmitglied<br />

VSAO-<br />

Sektion Zürich;<br />

Gemeinderat (Exekutive)<br />

in Hedingen<br />

Loredana Mitruccio<br />

(ab Januar 2024)<br />

Medizinstudentin<br />

im fünften Jahr an<br />

der Università della<br />

Svizzera Italiana in<br />

Lugano<br />

Mitglied der Swiss<br />

Medical Students<br />

Association (swimsa)<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 9


Politik<br />

Was gibt es Persönlicheres<br />

als die Bedrohung<br />

unserer Existenz?<br />

Das «Problem» an der Klimakrise ist, dass sie uns alle<br />

betrifft. Jede und jeder von uns spürt bereits jetzt<br />

Folgen dieser drastischen Umweltveränderungen.<br />

Wir wissen, dass diese Krise unsere Existenz bedroht<br />

oder zumindest in ihrer jetzigen Form infrage stellt –<br />

wenn wir ehrlich sind.<br />

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben,<br />

dass im Schnitt jeder Tag im September und im<br />

Oktober dieses Jahres in der Schweiz zu<br />

trocken und zu heiss war. Bereits der<br />

Frühsommer war ungewöhnlich warm.<br />

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir<br />

uns fragen: War das nicht schon in<br />

den letzten Jahren so? Wann hatten<br />

wir das letzte Mal einen «richtigen»<br />

Winter? Lohnt es sich noch, den<br />

Kindern das Skifahren beizubringen?<br />

Können wir regelmässige Urlaubsflüge<br />

noch verantworten? Die<br />

Liste liesse sich beliebig erweitern.<br />

Wenn wir ehrlich sind, ist es unglaublich<br />

anstrengend, sich mit diesem<br />

Thema auseinanderzusetzen. Zuzulassen,<br />

dass es so gut wie jedes Element<br />

unseres bisherigen Alltags infrage stellt. Sich<br />

bewusst zu werden, dass auch unsere Wohlstandsblase<br />

in Europa von drastischen Veränderungen betroffen<br />

sein wird. Dass die Welt unserer Kinder komplett anders<br />

aussehen wird – und dies nur schon mit den klimatischen<br />

Veränderungen, die bereits jetzt nicht mehr rückgängig zu<br />

machen sind. Das ist eigentlich kaum auszuhalten.<br />

Deshalb suchen wir nach Auswegen. Wir verhandeln<br />

(«Ich nehme jetzt das Auto, dafür esse ich nachher kein<br />

Fleisch»), bagatellisieren («Bei uns wird es schon nicht so<br />

schlimm werden»), reden uns raus («Die Klimakrise ist so<br />

komplex – wo soll ich denn da anfangen?!»), emotionalisieren<br />

(«Diese Aktivisten wollen uns vorschreiben, was richtig ist»),<br />

projizieren («Schade um die Tiere, die können sich nicht so<br />

schnell an die Umweltveränderungen anpassen!»), schieben die<br />

Verantwortung ab («Solange die USA und China so viel CO 2<br />

produzieren, kommt es auf meinen Beitrag eh nicht an») und<br />

vieles mehr. Es werden bereits Bücher und Abhandlungen<br />

geschrieben über die psychologischen Abwehrmechanismen<br />

hinsichtlich der drohenden Klimakatastrophe.<br />

Auf den<br />

Punkt<br />

gebracht<br />

Die meisten Diskussionen sind dazu verdammt, in der<br />

Emotionalität zu versinken, oder sie sind zumindest stark davon<br />

geprägt. Die gelebte Panik sehen wir bei den Klimaaktivistinnen<br />

und -aktivisten der «Letzten Generation». Die gelebte Verleugnung<br />

bei Donald Trump. Wie also nüchtern bleiben und Handlungsfähigkeit<br />

bewahren?<br />

Inzwischen gibt es kaum noch einen Tag,<br />

der mich nicht in irgendeiner Form an die<br />

Klimakrise denken lässt. Sei es das Freibadwetter<br />

im Oktober, sei es das neue<br />

Plastikspielzeug der Kinder, sei es der<br />

vollgestellte Parkplatz vor dem Haus.<br />

Spass macht das nicht. Aber genau<br />

dieses Bewusstsein gibt mir den<br />

Ansporn für Veränderung. Und<br />

wenn ich ehrlich bin: Ein bisschen<br />

Panik brauche ich, um weiterzumachen.<br />

In Anlehnung an Hannah<br />

Arendt: Kein Mensch hat das Recht,<br />

wegzuschauen.<br />

Denn es gibt nichts Persönlicheres<br />

als die Bedrohung unserer Existenz.<br />

Nora Höger,<br />

Co-Leiterin der <strong>vsao</strong>-Arbeitsgruppe<br />

Planetary Health<br />

Bild: zvg<br />

10<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


medifuture<br />

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verpasst?<br />

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Als grösste Arbeitgeberin für Arbeits- und Versicherungsmedizin<br />

in der Schweiz ist die Suva für die Beurteilung<br />

sowie die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten<br />

zuständig. Die Tätigkeit unserer Ärztinnen und Ärzte<br />

umfasst medizinische Berat ungen, Untersuchungen und<br />

Betriebs besuche und bewegt sich im interdisziplinären<br />

Umfeld zwischen Arbeit, Prävention, Medizin und Recht.<br />

Lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir uns bald<br />

gemeinsam für einen sicheren Alltag und eine gesündere<br />

Gesellschaft einsetzen können. Suva macht Sinn.<br />

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freut sich, von Ihnen zu lesen oder zu hören:<br />

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<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 11


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

Tipps und Tools<br />

für den<br />

Karrierestart<br />

Was gilt es auf dem Weg zum Facharzttitel zu beachten?<br />

Welche Fachrichtung wäre spannend? Und wo sind die Vor- und Nachteile<br />

bei einer Anstellung im Spital oder einer eigenen Praxis?<br />

Antworten auf diese und weitere Fragen gab es am<br />

Laufbahnkongress medifuture.<br />

Regula Grünwald, Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>, Bilder: Yanik Gasser/pixters.ch<br />

Dank den vielfältigen, lehrreichen und oftmals auch humorvollen Referaten erhielten die Teilnehmenden von medifuture einen Einblick<br />

in verschiedene Facetten des Arztberufs.<br />

12<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

Unbekannte Fachgebiete kennenlernen,<br />

hilfreiche Tipps<br />

zur Karriereplanung erhalten,<br />

sich mit Gleichgesinnten austauschen,<br />

gut essen. Gemäss einer – zugegebenermassen<br />

nicht ganz repräsentativen<br />

– Umfrage waren die Erwartungen<br />

an den diesjährigen, vom <strong>vsao</strong> und von<br />

mediservice <strong>vsao</strong>-asmac organisierten<br />

Laufbahnkongress medifuture klar.<br />

«Ihr seid selbstwirksam»<br />

Den Auftakt zu den Referaten machten die<br />

beiden Assistenzärzte Afreed Ashraf und<br />

Willi Balandies mit einer Liveaufzeichnung<br />

ihres Podcasts «Swissmedtalk». Zu<br />

Gast war Jana Siroka, leitende Ärztin Notfall/IMC<br />

in der Klinik Arlesheim sowie<br />

Mitglied im <strong>vsao</strong>-Geschäftsausschuss und<br />

im FMH-Zentralvorstand. Sie gab den gut<br />

450 Teilnehmenden gleich einen wichtigen<br />

Ratschlag mit auf den Weg: Die Assistenzzeit<br />

sei herausfordernd und verlange<br />

den jungen Menschen viel ab; umso wichtiger<br />

sei es deshalb, sich selbst Raum und<br />

Zeit zu geben, wenn der Stress zu gross<br />

oder eine Situation zu schwierig sei.<br />

«Sprecht es im Team an, schliesst euch zusammen.<br />

Fordert ein, dass ihr auf Augenhöhe<br />

behandelt werdet und Feedback bekommt.<br />

Denn ihr seid selbstwirksam.»<br />

Angeregte Gespräche unter zukünftigen Arbeitskolleginnen und -kollegen? Mit viel Begeisterung,<br />

spannenden Aktivitäten und originellen Give-aways versuchten die Ausstellenden, die nächste<br />

Generation zu packen.<br />

Gute Planung erspart Umwege<br />

Wie sich zumindest der organisatorische<br />

Teil der medizinischen Weiterbildung<br />

mög lichst stressfrei erledigen lässt, erklärte<br />

Christoph Hänggeli, Geschäftsführer<br />

des Instituts für ärztliche Weiter- und<br />

Fortbildung (SIWF). Das Weiterbildungssystem<br />

in der Schweiz biete viele Freiheiten<br />

in Bezug auf Teilzeitarbeit, Auslandaufenthalte<br />

und den genauen Werdegang.<br />

«Mit nahezu 150 verschiedenen Qualifikationen<br />

haben Sie eine riesige Auswahl,<br />

und Sie können sich nicht falsch entscheiden<br />

– denn Sie werden überall gebraucht.»<br />

Dennoch sei es wichtig, sich gut vorzubereiten<br />

und sich zu informieren, betonte<br />

Hänggeli und stellte vier wichtige Tools<br />

vor: Das e-Logbuch diene zur Dokumentation<br />

der Weiterbildung und gebe einen<br />

guten Überblick darüber, was die Assistenzärztinnen<br />

und -ärzte bereits erreicht<br />

hätten – sofern sie die Daten regelmässig<br />

und sorgfältig aktualisierten. Um Verzögerungen<br />

auf dem Weg zum Facharzttitel<br />

möglichst zu vermeiden, lohne sich ein<br />

regelmässiger Abgleich mit dem jeweiligen<br />

Weiterbildungsprogramm. Das Register<br />

der zertifizierten Weiterbildungsstätten<br />

führe zum einen alle anerkannten Institutionen<br />

auf, zum anderen seien dort<br />

auch Weiterbildungskonzepte sowie die<br />

Resultate der Qualitätsumfrage zu finden,<br />

die wichtige Hinweise auf das Niveau der<br />

angebotenen Weiterbildung gäben. Und<br />

schliesslich biete die Website www.siwf.ch<br />

nützliche Informationen zu allen Prozessen<br />

sowie Kontaktdaten für allfällige Fragen.<br />

Wer den Arztberuf wähle, entscheide<br />

sich für lebenslanges Lernen, betonte<br />

Hänggeli: «Medizinisches Wissen hat eine<br />

kurze Halbwertszeit. Die drei wichtigsten<br />

Dinge in diesem Beruf sind deshalb Bildung,<br />

Bildung und – Sie haben es erraten –<br />

nochmals Bildung.»<br />

Vorstellungsrunde der Fachgesellschaften<br />

So weit, so gut. Doch in welche Richtung<br />

soll es gehen? Für Eric Jaunin und Iulia<br />

Crisan ist der Fall klar: «Wer die Physiologie<br />

und Pharmakologie liebt, ist in der Anästhesiologie<br />

richtig», sagte Iulia Crisan<br />

an der Podiumsdiskussion der Fachgesellschaften.<br />

Sie könne sowohl mit dem Kopf<br />

als auch mit den Händen arbeiten. Zudem<br />

brauche es vor einer Operation oft einige<br />

beruhigende Worte. «Die Gespräche dauern<br />

aber nicht lange», sagte sie mit einem<br />

Augenzwinkern, «und wenn wir unsere<br />

Arbeit gut machen, wissen die Betroffenen<br />

beim Aufwachen nicht mehr, wie wir heissen.<br />

Wir sind die unsichtbaren Helden.»<br />

Ganz und gar nicht unsichtbar sei die Arbeit<br />

in der Hämatologie und der Onkologie,<br />

waren sich Yvette von Aarburg und<br />

Astrid Beerlage einig. «Wir dürfen Betroffene<br />

und Angehörige meistens über einen<br />

langen Zeitraum begleiten und unterstützen.<br />

Das ist eine schöne und dankbare Arbeit,<br />

auch wenn es nicht immer gut ausgeht»,<br />

sagte Astrid Beerlage. Besonders<br />

spannend in der Allgemeinen Inneren Medizin<br />

seien die Breite der Themen sowie<br />

eine gewisse Flexibilität, sagte Stefanie<br />

Mosimann: Eigene Praxis, Spital oder Forschung,<br />

alles sei möglich. «Wer die Vielfalt<br />

mag und sucht, wird sich in diesem Bereich<br />

wohlfühlen.» Auch die Gynäkologie<br />

sei ein buntes Fach, erklärte Claudia Becker.<br />

Von der Zeugung bis zum Mammakarzinom<br />

decke sie alles ab. «Wenn jemand<br />

gerne operiert, ist er oder sie hier<br />

richtig. Wenn nicht, auch.»<br />

Infos, Aktivitäten und Give-aways<br />

Wer etwas genauer wissen wollte, hatte in<br />

den Pausen die Gelegenheit, die Ausstellung<br />

mit über 50 Ständen zu besuchen.<br />

Zahlreiche Spitäler, Fachgesellschaften<br />

und Institutionen aus dem Gesundheitsbereich<br />

beantworteten Fragen, informierten<br />

über ihre Arbeit oder ihre Angebote<br />

und verteilten Give-aways. An einigen<br />

Ständen konnten die Teilnehmenden sogar<br />

selbst aktiv werden und eine Wunde<br />

nähen, eine Puppe intubieren und beatmen<br />

oder an einem Simulator Teilschritte<br />

einer Operation, eine Appendektomie<br />

oder eine Cholezystektomie durchführen.<br />

Beliebt waren auch die Simulation von<br />

Mikroanastomosen, der CV-Check sowie<br />

die Möglichkeit, ein kostenloses Bewerbungsfoto<br />

zu machen.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 13


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

Anzeige<br />

Selbstständig oder angestellt?<br />

Wie das Leben nach dem Facharzttitel<br />

aussehen kann, zeigten vier Referate auf<br />

Deutsch und Französisch von Brigitte<br />

Nyfeler, Chefärztin Notfallzentrum Lindenhofspital,<br />

Bern, Lars Frauchiger, Belegarzt<br />

und Inhaber einer Praxis für Orthopädische<br />

Chirurgie und Traumatologie des<br />

Bewegungsapparates, Julien Vaucher, Klinikchefarzt<br />

Allgemeine Innere Medizin<br />

am Kantonsspital Freiburg, und Patrick<br />

Ruedin, Spe zialist für Innere Medizin,<br />

Nephrologie und medizinische Hypnose<br />

in einer Gemeinschaftspraxis.<br />

In der Notfallmedizin brauche es oft<br />

rasche Entscheidungen, sagte Brigitte<br />

Nyfeler: «Man muss Prioritäten setzen und<br />

damit leben können, dass sich nicht immer<br />

alles bis zum Schluss abklären lässt.» Sie<br />

schätze jedoch, dass sie eine spannende<br />

und extrem vielfältige Arbeit habe. «Jeder<br />

Tag ist anders.»<br />

Vor einigen Jahren selbstständig gemacht<br />

hat sich hingegen Lars Frauchiger.<br />

Es sei ein Sprung ins kalte Wasser gewesen,<br />

erzählte er. «Wir lernen zwar alles über Medizin,<br />

aber wie man einen Businessplan<br />

macht oder ein Budget erstellt, hat einem<br />

niemand gesagt.» Bei solchen Fragen lohne<br />

es sich, frühzeitig Hilfe zu holen. Dennoch<br />

sei er froh über seine Entscheidung. «Selbst<br />

wenn ich viel zu tun habe, ist es in der Praxis<br />

ruhiger als im Spital.»<br />

Und wie sieht es mit der Freizeit aus?<br />

«Die Arbeit geht mir nicht aus», sagte Lars<br />

Frauchiger lachend, schob aber gleich nach:<br />

«Man kann gut Teilzeit arbeiten, insbesondere<br />

im gemeinschaftlichen Setting. Und ich<br />

kann vieles selbst bestimmen.» Im Spital sei<br />

einiges fremdbestimmt und ohne Spät- und<br />

Wochenenddienste gehe es nicht, räumte<br />

Brigitte Nyfeler ein. «Teilzeit ist aber durchaus<br />

möglich. Und nach Ende der Schicht<br />

kann ich einfach nach Hause gehen.»<br />

Mit wenig viel erreichen<br />

Auch nach dem Mittag erwartete die Teilnehmenden<br />

ein buntes Programm. Einen<br />

Einblick in die vielfältigen medizinischen<br />

Dienstleistungen des Schweizer Paraplegiker-Zentrums<br />

in Nottwil gab Michael<br />

Harder, leitender Arzt Paraplegiologie. Die<br />

brennendsten Fragen zur Chirurgie beantworteten<br />

Dieter Hahnloser, Leiter der Koloproktologischen<br />

Chirurgie am Universitätsspital<br />

in Lausanne, sowie Anna Wang,<br />

Fachärztin für Plastische und Handchirurgie<br />

am Kantonsspital Aarau, und der<br />

Hausarzt Raphael Stolz erzählte von seinen<br />

Erfahrungen als ärztlicher Leiter der<br />

Sanität am OpenAir St. Gallen sowie des<br />

Pfadi-Bundeslagers 2022.<br />

Unter besonderen Bedingungen arbeitet<br />

der Internist und Notfallmediziner Martin<br />

Rohacek, der seit acht Jahren in Tansania<br />

tätig ist. Die durchschnittliche Lebenserwartung<br />

betrage dort 65 Jahre und sei<br />

damit so hoch wie in den 1940er-Jahren in<br />

der Schweiz. Die nicht übertragbaren<br />

Krankheiten bedeuteten eine massive<br />

Krankheitslast. «Viele Menschen kommen<br />

oft erst sehr spät zu uns. Mit Screenings in<br />

den Dörfern versuchen wir, dem entgegenzuwirken<br />

und Hypertonie, Herz- und Lungenkrankheiten<br />

sowie Tumore früher zu<br />

erkennen.» Ursprünglich habe er geplant<br />

gehabt, zwei Jahre in Tansania zu bleiben,<br />

sagte Martin Rohacek. Warum ist er immer<br />

noch da? «Die Arbeit ist zwar anstrengend.<br />

Aber wir können mit wenigen Mitteln viel<br />

bewirken und vielen Leuten helfen. Das ist<br />

ein prägendes Erlebnis.»<br />

sympathisch l<br />

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pex ll<br />

Die sympathische<br />

Ärztesoftware<br />

Voller Kopf und voller Bauch<br />

Ob das die Teilnehmenden wohl auch über<br />

medifuture sagen? «Tolle Referate, gute<br />

Stimmung, gute Abwechslung zwischen<br />

Referaten und verschiedenen Ständen»<br />

lautete die eine Rückmeldung, «Hatte eine<br />

super Zeit und konnte viel mitnehmen» eine<br />

andere. Erneut eine gelungene Ausgabe<br />

also, die vielen Studierenden die Möglichkeit<br />

bot, sich über ihre Karrieremöglichkeiten<br />

zu informieren, und vielleicht auch<br />

einige inspirierte, einen bestimmten Weg<br />

zu gehen. Und wie war das Essen? «Top!»<br />

pex II ist ein hocheffizienter Assistent mit einem ausgeklügelten<br />

TarMed-Abrechnungs- und Informationssystem. Die Ärztesoftware<br />

besticht durch eine einfache, übersichtliche Bedienung und klaren<br />

Arbeitsabläufen. Mit einer Vielzahl an Softwareoptionen lässt sich<br />

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Ihr Partner für medizinische Software<br />

Dank<br />

An dieser Stelle danken wir allen<br />

Sponsoren und Ausstellern ganz herzlich<br />

für ihre Unterstützung. Ein besonderer<br />

Dank geht an die Universitären Psychiatrischen<br />

Dienste Bern, die den Wettbewerb<br />

gesponsert haben. Ebenso danken<br />

wir den Referentinnen und Referenten.<br />

Ohne sie alle wäre medifuture <strong>2023</strong><br />

nicht zustande gekommen.<br />

Der nächste Laufbahnkongress findet<br />

am 2. November 2024 wiederum im<br />

Stadion Wankdorf in Bern statt.<br />

14<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

Im AA-Universum<br />

Der Anfang vom Ende oder<br />

das Ende des Anfangs?<br />

Letztens ist mir beim Training<br />

aufgefallen, dass sich der Start<br />

in die medizinische Karriere<br />

sehr gut mit einem Triathlon<br />

vergleichen lässt. Wie beim Sport gilt<br />

es auch im Arztberuf, seine Stärken,<br />

Schwächen und Grenzen stets rasch zu<br />

erkennen und zu versuchen, im richtigen<br />

Moment die richtigen Massnahmen<br />

zu treffen.<br />

Doch beginnen wir beim Start:<br />

Da ist man voller Elan, Zuversicht und<br />

Adrenalin, mit einem bestimmten Ziel<br />

vor Augen – gleichzeitig jedoch begleitet<br />

von einem bangen Gefühl wegen eventueller<br />

Hindernisse und potenzieller<br />

Probleme. Wie bei einem Triathlon<br />

schwimmt man erst mal in Arbeit, und<br />

wenn man mit zu viel Elan startet, kann<br />

es sein, dass sich bereits bei der ersten<br />

Boje die Erschöpfung bemerkbar macht.<br />

Hier gilt es also, ein wenig herunterzufahren,<br />

den Puls stabil zu halten und<br />

sich zu überlegen, wie man die restliche<br />

Energie in Anbetracht der nächsten<br />

Etappen geschickt einteilen kann.<br />

Ist die erste Etappe überstanden,<br />

bietet die Wechselzone die Gelegenheit,<br />

sich kurz zu sammeln, bevor man wieder<br />

durchstartet. Denn auf der zweiten<br />

Etappe bleibt keine Zeit zum Überlegen;<br />

es gilt, zu radeln, so schnell es geht,<br />

und alles zu geben, was man draufhat.<br />

Vielleicht schafft man es dann auf die<br />

Überholspur. Doch zu früh freuen sollte<br />

man sich nicht, denn von hinten kommen<br />

ständig noch stärkere, besser vorbereitete,<br />

erfahrenere und mit besserem Material<br />

und neuerer Technik ausgestattete Konkurrentinnen<br />

und Konkurrenten. Davon<br />

sollte man sich jedoch nicht entmutigen<br />

lassen und das Ziel vor Augen behalten<br />

– was leichter gesagt ist als getan.<br />

Denn in der Regel erhalten diejenigen auf<br />

der Überholspur Jubel und Ermutigungen,<br />

da der bevorstehende Erfolg bei<br />

ihnen fassbarer ist. Den Schwächeren<br />

wird höchstens bemitleidend Mut zugeklatscht,<br />

oder sie werden gar nicht<br />

mehr beachtet.<br />

Bei der erneuten Ankunft in der<br />

Übergangszone folgt der zweite Schwächeanfall.<br />

Die Kraft in den Beinen schwindet,<br />

und ohne zusätzlichen Zuckerschub<br />

würde sich die dritte Etappe schwierig<br />

gestalten. Die Motivation ist zu diesem<br />

Zeitpunkt mässig stark ausgeprägt, und<br />

man mag sich die zwei Minuten Pause in<br />

dem Moment vielleicht gar nicht gönnen,<br />

wo das Ziel doch so nahe liegt. Trotz zunehmender<br />

Erschöpfung rappelt man<br />

sich nochmals auf und nimmt die Joggingstrecke<br />

auf sich. Die Beine, die sich<br />

mittlerweile wie Schaumstoff anfühlen,<br />

tragen einen doch irgendwie Meter um<br />

Meter weiter bis zur Ziellinie.<br />

Und nun? War es ein Zieleinlauf<br />

mit Ranggewinn, oder musste man das<br />

Rennen vorzeitig abbrechen? Wie lassen<br />

sich Gewinner und Verlierer unterscheiden?<br />

Ist das überhaupt nötig? Und wurde<br />

das Ziel wirklich erreicht?<br />

Denn mit dem Zieleinlauf hört der<br />

Wettkampf ja nicht auf: Das Adrenalin,<br />

das wieder aufsteigt, wenn das Rennen<br />

vorbei ist, lässt die Ambitionen erneut<br />

aufkochen, und man setzt sich gleich<br />

wieder ein neues Ziel.<br />

Meine persönliche Weisheit zum<br />

Jahresende, die vielleicht auch bei Ihnen<br />

eine positive Reflexion zum vergangenen<br />

Jahr auslöst: Erfolg heisst nicht, dass man<br />

der oder die Beste ist. Erfolg bedeutet,<br />

dass man in einem festgelegten Zeitraum<br />

sein Ziel erreichen konnte. Dass man<br />

überhaupt ein Ziel vor Augen hatte, nicht<br />

aufgegeben und durchgehalten hat. Aber<br />

Erfolg heisst auch, dass man zum richtigen<br />

Zeitpunkt die Notbremse gezogen,<br />

gemäss den persönlichen Ressourcen<br />

gehandelt und das Rennen vorzeitig abgebrochen<br />

hat.<br />

Das Erkennen und das Einteilen der<br />

persönlichen Ressourcen sind meiner<br />

Meinung nach das Wichtigste, um bei<br />

jeder Etappe – sei es beim Sport oder in<br />

der Medizin – das Beste aus sich herausholen<br />

zu können.<br />

Camille Bertossa,<br />

Assistenzärztin im<br />

1. Weiterbildungsjahr<br />

Bild: zvg<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 15


<strong>vsao</strong><br />

Neues aus<br />

den Sektionen<br />

Basel<br />

Staatsessen des VSAO Basel<br />

Rund 160 frischgebackene Ärztinnen und<br />

Ärzte versammelten sich am Freitag,<br />

20. Oktober <strong>2023</strong>, in der Halle 7 in Basel,<br />

um am traditionellen Staatsessen des<br />

VSAO Basel teilzunehmen.<br />

Im Rahmen dieser Veranstaltung organisierte<br />

der VSAO Basel eine informative<br />

Podiumsdiskussion zum Thema<br />

«Vereinbarkeit von Familie und Arbeit<br />

im Spital». Dr. med. Daniel Steffens sowie<br />

die Vorstandsmitglieder Dr. med. Susanna<br />

Stöhr und Arno Moritz lieferten den jungen<br />

Medizinerinnen und Medizinern<br />

wertvolle Einblicke in die sich wandelnden<br />

Arbeitsbedingungen im Spitalwesen.<br />

Die Teilnehmenden erhielten zahlreiche<br />

Ratschläge für einen gelungenen Einstieg<br />

in den Klinikalltag sowie wertvolle<br />

Tipps zum Umgang mit Stress. Zusätzlich<br />

bot sich die Gelegenheit zu einem fruchtbaren<br />

Austausch zwischen dem Vorstand<br />

und der Geschäftsleitung des VSAO Basel<br />

und den Gästen.<br />

Im modernen, industriellen Ambiente<br />

der Halle 7 in Basel genossen die Anwesenden<br />

ein festliches Abendessen, bei<br />

dem viele Fragen beantwortet und auf die<br />

erfolgreichen Abschlüsse der jungen Ärztinnen<br />

und Ärzte angestossen wurde. Der<br />

Abend war geprägt von einer inspirierenden<br />

Atmosphäre und zeigte exemplarisch,<br />

welche Unterstützungs- und Vernetzungsmöglichkeiten<br />

der VSAO Basel seinen Mitgliedern<br />

bietet.<br />

Das Staatsessen erwies sich einmal<br />

mehr als gelungene Veranstaltung, die<br />

nicht nur die Verbindung zwischen den<br />

jungen Medizinerinnen und Medizinern<br />

stärkt, sondern auch wichtige Informationen<br />

und Austauschmöglichkeiten für den<br />

Berufsstart bietet.<br />

Jenny Settembrini, Leiterin Kommunikation<br />

VSAO Basel<br />

Bern<br />

Workshops für<br />

Dienst planende<br />

Wir organisieren eine dreiteilige Workshopserie<br />

für Dienstplanerinnen und<br />

Dienstplaner. Der erste Teil vermittelt die<br />

Grundlagen für die Dienstplanung. Im<br />

zweiten Teil wird die konkrete Dienstplanerstellung<br />

geübt, und im dritten Teil geht<br />

es darum, Dienstpläne zu analysieren.<br />

Der Grundlagenworkshop:<br />

Brüten Sie oft stundenlang nach Feierabend<br />

über dem Dienstplan der Abteilung<br />

und sehen am Schluss nur noch PEP-Symbole,<br />

die vor den Augen im Kreis tanzen?<br />

Möchten Sie wissen, wie Teilzeitarbeit<br />

sinnvoll in den Dienstplan integriert werden<br />

kann? Sind Sie manchmal unsicher,<br />

wie Sie Stolpersteine bei der korrekten<br />

Umsetzung des Arbeitsgesetzes vermeiden<br />

können? Interessiert es Sie, wie ein<br />

korrekter Dienstplan aussehen könnte?<br />

Simon Schneider, Rechtsanwalt und<br />

stellvertretender Geschäftsführer VSAO<br />

Bern, Dr. med. Noëmi Allemann, Dienst­<br />

Bild Basel: zvg; Bild Bern: Adobe Stock<br />

16<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


<strong>vsao</strong><br />

planberaterin VSAO Bern, Dr. med. Philipp<br />

Rahm, Dienstplanberater <strong>vsao</strong>, und Susanne<br />

Nüesch, Spitalfachärztin UNZ Inselspital<br />

und Verantwortliche Dienstplanung<br />

der Assistenzärztinnen und -ärzte, sorgen<br />

für ein spannendes Programm und stehen<br />

bei Fragen sehr gerne zur Verfügung.<br />

Datum: Donnerstag, 18. Januar 2024,<br />

18.30 bis 21 Uhr, mit Verpflegung<br />

Durchführungsort: Sitzungszimmer<br />

<strong>vsao</strong>, Bollwerk 10, 3011 Bern<br />

(direkt beim Bahnhof Bern)<br />

Solothurn<br />

Ein Jahr voller Highlights<br />

Das Jahr <strong>2023</strong> der VSAO-Sektion Solothurn<br />

war geprägt von einigen tollen und<br />

erfolgreichen Events. Angefangen hat es<br />

mit einer Dienstplanschulung im Frühling,<br />

an der <strong>vsao</strong>-Dienstplaner Philipp<br />

Rahm alle Fragen rund um die Dienstplanung<br />

beantwortete. Trotz der eher komplizierten<br />

Thematik haben wir rege diskutiert,<br />

uns ausgetauscht und Unklarheiten<br />

geklärt. Dazu durfte natürlich ein Apéro<br />

nicht fehlen – denn mit einem Glas Wein<br />

lässt es sich viel angenehmer diskutieren.<br />

Auch den diesjährigen feministischen<br />

Streik haben wir nicht verschlafen. Zusammen<br />

mit dem vpod Solothurn betrieben<br />

wir am Bürgerspital Solothurn ein<br />

Streik-Café. Dieses wurde rege besucht,<br />

und so konnten wir berufsgruppenübergreifend<br />

ein Zeichen für mehr Solidarität<br />

und Gleichstellung setzen.<br />

Im Sommer wollten wir unsere Mitglieder<br />

nochmals vor Ort an den beiden<br />

Standorten Solothurn und Olten treffen.<br />

Was eignet sich da besser, als einen Glacestand<br />

aufzustellen? An zwei Sommer tagen<br />

verteilten wir am Bürgerspital Solothurn<br />

und am Kantonsspital Olten feinste Oltner<br />

«Kalte Lust»-Glace und führten viele interessante<br />

Gespräche. Ein Hoch genuss!<br />

Mit dem Hintergedanken, die Wissenslücken<br />

vom Studium zu schliessen,<br />

organisierte der VSAO Solothurn im<br />

Herbst zwei Soft-Skills-Workshops zu den<br />

Themen «Time-Management» und «Feedback».<br />

Geleitet und mitgestaltet wurden<br />

sie von Dr. med. Regula Fankhauser (Leitende<br />

Ärztin SoH, MME) sowie von Dr. med.<br />

Kate Gurevich (Assistenzärztin SoH, VSAO<br />

Solothurn). Es trafen sich Assistenzärztinnen<br />

und -ärzte unterschiedlicher Ausbildungsstufen<br />

und Fachrichtungen. Im<br />

Work shop «Time-Management und Self­<br />

Leadership» konnten die Teilnehmenden<br />

sich Gedanken zu ihren Lebenszielen machen<br />

und erhielten Tipps, um diese zu erreichen.<br />

In gemütlicher Atmosphäre und<br />

bei einem abschliessenden Apéro tauschten<br />

sich alle aus. Im Workshop «Feedback»<br />

wurde geübt, Vorgesetzten, Peers und Unterassistentinnen<br />

und -assistenten Feedback<br />

zu geben. Mit diesen praktischen<br />

Workshops erhoffen wir uns, Assistenzund<br />

Oberärztinnen und -ärzten praktische<br />

Skills für die Arbeit und die Freizeit<br />

vermitteln zu können.<br />

Um zukünftige Veranstaltungen und<br />

Events nicht zu verpassen, folge uns auf<br />

Instagram (www.instagram.com/<strong>vsao</strong>_so)<br />

und Facebook.<br />

Kate Gurevic und Mirjam Nussbaumer,<br />

Vorstandsmitglieder VSAO Solothurn<br />

Anmeldung bis am 10. Januar 2024<br />

auf www.<strong>vsao</strong>-bern.ch<br />

Die Informationen für die aufbauenden<br />

Folgeworkshops werden spätestens Anfang<br />

2024 auf unserer Website publiziert.<br />

Bilder: zvg<br />

MV 2024<br />

Save the Date:<br />

Mitgliederversammlung 2024<br />

25. April 2024, ab 19 Uhr<br />

im PROGR Bern<br />

Janine Junker, Geschäftsführerin VSAO Bern<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 17


<strong>vsao</strong><br />

Tessin<br />

Treffen in Lugano:<br />

Ein Austausch über<br />

den Arztberuf<br />

Am Mittwoch, 25. Oktober, fand in Lugano<br />

ein Treffen zwischen dem <strong>vsao</strong>, Medizinstudierenden<br />

im fünften Jahr und der<br />

ASMACT (<strong>vsao</strong>-Sektion Tessin) statt. Die<br />

Veranstaltung wurde organisiert von Maria<br />

Grazia Mele, der Verantwortlichen für die<br />

Koordination der medizinischen und universitären<br />

Ausbildung, und bot die Gelegenheit,<br />

eine Reihe von zentralen Themen<br />

rund um den Arztberuf und die Zukunft<br />

der Schweizer Ärzteschaft zu diskutieren.<br />

Am Treffen nahmen unter anderem<br />

der Präsident des <strong>vsao</strong>, Angelo Barrile, der<br />

Präsident der ASMACT, Davide Giunzioni,<br />

und die Vizepräsidentin der ASMACT,<br />

Gior gia Lo Presti, teil. Die Diskussion drehte<br />

sich um wichtige Themen wie medi ­<br />

zinische Leistungen, Gesundheitspolitik,<br />

Vertragswesen, Arbeitsbedingungen sowie<br />

die allgemeine Situation der Ärzteschaft in<br />

der Schweiz.<br />

Zentrale Themen des Treffens waren<br />

das Programm «Coach My Career» und die<br />

Bedeutung der ersten Anstellung als Assistenzärztin<br />

oder Assistenzarzt. Die Studierenden<br />

konnten ihre Bedenken im Hinblick<br />

auf mögliche Herausforderungen in<br />

den ersten Jahren ihrer Karriere äussern,<br />

und der <strong>vsao</strong> informierte über Ressourcen<br />

und Unterstützungsangebote zur Bewältigung<br />

dieser Schwierigkeiten.<br />

Zur Sprache kamen auch die Diskriminierung<br />

im medizinischen Bereich aufgrund<br />

des Geschlechts sowie die Frage, wie<br />

dieser begegnet werden kann. Die Diskussion<br />

verdeutlichte, wie wichtig die Förderung<br />

der Diversität und der Gleichstellung<br />

der Geschlechter im Arztberuf ist.<br />

Darüber hinaus wurde über das Bestreben<br />

diskutiert, die Arbeitszeit von Ärztinnen<br />

und Ärzten schweizweit zu verkürzen,<br />

ausgehend unter anderem von der Einführung<br />

der 42+4-Stunden-Woche in den Tessiner<br />

EOC-Spitälern (Ente Ospedaliero<br />

Cantonale) ab 2025. Dieser Schritt wird als<br />

wichtig erachtet, um das Wohlbefinden der<br />

Ärztinnen und Ärzte zu fördern und eine<br />

bessere Versorgungsqualität für die Patientinnen<br />

und Patienten zu gewährleisten.<br />

Das Treffen verdeutlichte, wie wichtig<br />

der Dialog zwischen angehenden Ärztinnen<br />

und Ärzten sowie erfahrenen Branchenvertreterinnen<br />

und -vertretern ist, um<br />

für die Herausforderungen und Chancen<br />

des Arztberufs in der Schweiz gerüstet zu<br />

sein.<br />

Giorgia Lo Presti, Vizepräsidentin ASMACT<br />

Angelo Barrile, Maria Grazia Mele, Davide Giunzioni und Giorgia Lo Presti (v. l. n. r.) trafen sich in<br />

Lugano, um gemeinsam mit Medizinstudierenden über die Zukunft des Arztberufs zu diskutieren.<br />

Bilder: zvg; Adobe Stock<br />

18<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Das <strong>Journal</strong> des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte<br />

<strong>Nr</strong>. 3, Juni 2021<br />

Seite 27<br />

Kardiologie<br />

Neue Therapien für die<br />

kardiale Amyloidose<br />

Seite 36<br />

Hämatologie<br />

Neoplasien ohne<br />

Chemotherapie behandeln?<br />

Seite 39<br />

Politik<br />

Arbeitszeiten müssen sinken<br />

Seite 6<br />

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Ein Engagement des Verlegerverbandes SCHWEIZER MEDIEN für die Schweizer Fachpresse – q-publikationen.ch<br />

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Langeweile<br />

Ein spannendes Gefühl


<strong>vsao</strong><br />

St. Gallen /<br />

Appenzell<br />

Die Ereignisse überschlagen<br />

sich in der Sektion St. Gallen/<br />

Appenzell<br />

Wir hatten uns den Herbst <strong>2023</strong> ganz geordnet<br />

vorgestellt: In aller Ruhe würden<br />

wir uns der Lancierung unserer neuen<br />

Website widmen, im November dann einen<br />

runden Tisch veranstalten, um uns<br />

politisch besser zu koordinieren und die<br />

Verhandlungsposition des <strong>vsao</strong> zu stärken,<br />

und zuletzt das Jahr am 16. November<br />

<strong>2023</strong> mit unserer Mitgliederversammlung<br />

ausklingen lassen.<br />

Aber es kam anders. Dunkle Wolken<br />

zogen bereits Anfang September auf. Gerüchten<br />

zufolge lagen die Finanzen des<br />

St. Galler Spitalverbunds derart im Argen,<br />

dass ein gross angelegter Stellenabbau unausweichlich<br />

werden würde. Und tatsächlich:<br />

Am 27. September erhielt der <strong>vsao</strong><br />

St. Gallen/Appenzell eine äusserst kurzfristig<br />

versandte Einladung zur Medienkonferenz,<br />

an welcher der Verwaltungsratspräsident<br />

und die CEOs der Spitäler<br />

Grabs, St. Gallen und Uznach über einen<br />

Stellenabbau informieren würden. Das<br />

ungute Gefühl wurde zur Gewissheit, und<br />

so nahm unser Vorstand die Botschaft am<br />

Tag darauf zusammen mit anderen Sozialpartnern<br />

entgegen. Diese hatte es in sich:<br />

Ein Abbau von 440 Stellen soll drohende<br />

Defizite von jährlich 50 Millionen Franken<br />

decken. Davon fallen rund 120 Stellen in<br />

den Bereich der Pflege. Eigentlich absurd,<br />

war dieser Bereich doch bis vor Kurzem<br />

darum bemüht, vakante Stellen zu besetzen.<br />

Die Versicherung, die Kolleginnen<br />

und Kollegen an der «Bettenfront» seien<br />

nicht betroffen, da vorwiegend Stellen im<br />

Verwaltungsbereich wegfallen würden,<br />

beruhigte nur mässig.<br />

Der <strong>vsao</strong> St. Gallen/Appenzell nahm<br />

diese Nachricht mit gemischten Gefühlen<br />

auf. Zum einen verstehen wir, dass ein<br />

jährliches Defizit von 50 Millionen Franken<br />

das langfristige Überleben des Spitalverbunds<br />

direkt bedroht. Zum anderen<br />

fragen wir uns, warum das Defizit weiterhin<br />

so hoch ist, obwohl in den letzten Jahren<br />

bereits etliche Spitäler im Kanton (Flawil,<br />

Rorschach, Wattwil) geschlossen wurden.<br />

Offenbar verdienen die Spitäler des<br />

Kantons unter den aktuellen Rahmenbedingungen<br />

kein Geld. Zur gleichen Einsicht<br />

musste der Verwaltungsrat gekommen<br />

sein und fasste den Stellenabbau ins<br />

Auge, um die Finanzlage rasch und deutlich<br />

zu verbessern.<br />

Wir hoffen, dass der Stellenabbau wie<br />

versprochen hauptsächlich in der Verwaltung<br />

stattfinden wird. Erste Stellen fallen<br />

jedoch auch in der Ärzteschaft weg, pikanterweise<br />

sind dies zum Teil Stellen in der<br />

Grundversorgerklinik, die eigentlich geschaffen<br />

wurden, um die weggefallenen<br />

Ausbildungsplätze der vormals geschlossenen<br />

Regionalspitäler zu kompensieren.<br />

Die Leitenden der betroffenen Kliniken<br />

sind nicht zu beneiden, kämpfen sie doch<br />

um jede einzelne Stelle und versuchen, Innovationen<br />

der vergangenen Jahre so gut<br />

als möglich zu erhalten.<br />

Wir fordern im Namen des <strong>vsao</strong> mit<br />

Nachdruck nachhaltige Lösungen. Der<br />

Stellenabbau im Spitalverbund St. Gallen<br />

läutet ein neues Zeitalter ein. Die Finanzen<br />

in etlichen anderen Zentrumsspitälern<br />

sind ebenfalls in Schieflage, und der Druck<br />

auf die Gesundheitsversorger ist enorm.<br />

Die Tarife bieten keinerlei Möglichkeit,<br />

sich an rasch ändernde, wirtschaftliche<br />

Begebenheiten wie gestiegene Lohn- und<br />

Energiekosten sowie die Teuerung anzupassen.<br />

Die Zeche zahlt zum Schluss das<br />

Personal, das immer noch mehr Arbeit mit<br />

noch weniger Mitarbeitenden bewältigen<br />

soll. Derweil schöpfen die Privatspitäler die<br />

Gewinne ab. Lukrative Eingriffe, die unkomplizierte<br />

Verläufe versprechen, werden<br />

von diesen en masse durchgeführt. Treten<br />

Komplikationen auf oder sollen multimorbide,<br />

geriatrische Patientinnen und Patienten<br />

versorgt werden, schickt man diese<br />

getrost in die Zentrumsspitäler, die nebenbei<br />

noch fast die gesamte Aus- und Weiterbildung<br />

des medizinischen Nachwuchses<br />

stemmen. Dass dies auf Dauer nicht funktionieren<br />

kann, zeigt sich nun in St. Gallen<br />

mit erschreckender Klarheit.<br />

Unsere Sektion bleibt am Ball. Der Vorstand<br />

kann dies jedoch nicht alleine tun<br />

und ist weiter auf aktive und engagierte<br />

Mitglieder angewiesen. An der Mitgliederversammlung<br />

vom 16. November wurden<br />

erste Ansätze und das weitere Vorgehen<br />

angesprochen. Bringt eure Ideen ein, und<br />

meldet Missstände – nur dort, wo wir darauf<br />

aufmerksam gemacht werden, können<br />

wir auch reagieren. Das Melden ist dank<br />

unserer neuen Website www.<strong>vsao</strong>-sg.ch so<br />

einfach wie nie zuvor. Mit dem geplanten<br />

runden Tisch fordern wir die Politik auf,<br />

über nachhaltige Lösungen und den oben<br />

geschilderten Konflikt nachzudenken. Wir<br />

sind gespannt, was dabei herausschaut.<br />

Dasselbe Format auf nationaler Ebene lässt<br />

uns hoffen, dass fruchtbare Dialoge möglich<br />

und Lösungen erreichbar sind.<br />

Severin Baerlocher, Vorstandspräsident Sektion<br />

St. Gallen / Appenzell<br />

Bild: Kantonsspital St. Gallen<br />

20<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


<strong>vsao</strong><br />

Zürich /<br />

Schaffhausen<br />

Stark in der Klinik und im<br />

Alltag: Resilienztraining für<br />

Oberärztinnen und -ärzte<br />

Bild: zvg<br />

Die Arbeitsbelastung in Spitälern ist besonders<br />

für Ärztinnen und Ärzte hoch. Der<br />

VSAO Zürich setzt sich nicht nur für strukturelle<br />

Verbesserungen ein, sondern<br />

möchte insbesondere für Oberärztinnen<br />

und -ärzte eine Möglichkeit schaffen,<br />

durch die Stärkung der eigenen Resilienz<br />

ihre Widerstandskräfte zu trainieren.<br />

Was ist Resilienz? Resilienz ist die<br />

Kunst, an schwierigen Situationen zu<br />

wachsen und auch bei Stress seine Ziele<br />

nicht aus den Augen zu verlieren. Resilienz<br />

zu üben, ist von grosser Bedeutung, da<br />

sie uns ermächtigt, effektiv mit den Herausforderungen<br />

des Alltags umzugehen<br />

und unsere Lebensqualität nachhaltig zu<br />

steigern, indem wir uns schnell von Rückschlägen<br />

erholen und psychische Stärke<br />

aufbauen.<br />

Der VSAO Zürich hat dieses Jahr zum<br />

ersten Mal ein Resilienztraining für Oberärztinnen<br />

und -ärzte durchgeführt. An<br />

vier Abenden im Oktober und November<br />

<strong>2023</strong> stellten Fachpersonen acht verschiedene<br />

Faktoren vor, welche die Resilienz<br />

stärken, und zeigten auf, wie diese sowohl<br />

im Klinikalltag als auch privat trainiert<br />

werden können. Im Austausch mit den<br />

Kolleginnen und Kollegen konnten die<br />

Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit Resilienz<br />

reflektieren und erweitern.<br />

Geleitet wurden die Workshops von<br />

einer Expertin und einem Experten auf<br />

diesem Gebiet: Dr. med. Bernadette<br />

Ruhwinkel, Oberärztin und Leitende Ärztin<br />

der Psychiatrie, Supervisorin und<br />

Coach im Gesundheitswesen, ist mit den<br />

Besonderheiten des beruflichen Alltags<br />

und insbesondere mit der interdisziplinären<br />

Teamarbeit vertraut; Dr. Michael<br />

Buchmann ist Agronom und als Resilienztrainer<br />

mit dem Training von individueller<br />

Resilienz und Teamresilienz vertraut.<br />

Beide sind als Co-Leitung des Resilienz-Ateliers<br />

in Winterthur seit 2019 für<br />

das Training von Resilienz aktiv.<br />

Es freut uns, dass das erste Resilienztraining<br />

bereits beachtlichen Anklang gefunden<br />

hat, und wir danken allen Teilnehmenden<br />

für ihr Dabeisein!<br />

Melde dich jetzt an: Forschungsevent<br />

am 17. Januar 2024<br />

Die Forschung ist ein grosser und wichtiger<br />

Bestandteil der Medizin. Sie dient als<br />

Grundlage aller medizinischen Massnahmen.<br />

Bisher ist Forschung nicht für alle<br />

zugänglich, und Forschungsarbeit erhält<br />

oft nicht genügend Anerkennung.<br />

Wir bauen deshalb ein neues Ressort<br />

Forschung auf und laden dich am Mittwochabend,<br />

17. Januar 2024, zum ersten<br />

Research-Event an der Universität Zürich<br />

mit inspirierenden Referentinnen und Referenten<br />

sowie einem Networking-Apéro<br />

ein. Melde dich jetzt an: www.<strong>vsao</strong>-zh.ch.<br />

Dominique Iseppi, Kommunikationsassistentin,<br />

VSAO Zürich / Schaffhausen<br />

Machen Sie Werbung für den <strong>vsao</strong><br />

Sie sind bereits Mitglied beim <strong>vsao</strong>? Schön – und gut zu wissen, denn je mehr Mitglieder wir<br />

sind, desto mehr Gewicht hat unsere Stimme. Wir belohnen Mitglieder, die aktiv Werbung<br />

für den <strong>vsao</strong> machen. Schliesslich gibt es keine bessere Werbung, als wenn jemand aus<br />

eigener Überzeugung andere Ärztinnen und Ärzte zu uns bringt. Für jedes neu angeworbene<br />

Mitglied erhalten Sie ein kleines Dankeschön, z. B. eine Lunchbox, einen Büchergutschein<br />

oder einen SBB-Gutschein im Wert von jeweils CHF 50.–. Ebenfalls zur Auswahl steht eine<br />

Spende an eine gemeinnützige Organisation.<br />

Alles Weitere finden Sie auf unserer Website unter www.<strong>vsao</strong>.ch/mitgliederkampagne.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 21


<strong>vsao</strong><br />

<strong>vsao</strong>-Inside<br />

Tabea Adamina<br />

Wohnort: Muri bei Bern<br />

Beim <strong>vsao</strong> seit: Mai <strong>2023</strong><br />

Der <strong>vsao</strong> für Dich in drei Worten:<br />

Dienstleistungsorientiert,<br />

verständnisvoll, engagiert<br />

In den gut sieben Monaten,<br />

die Tabea Adamina nun beim<br />

<strong>vsao</strong> als Sachbearbeiterin<br />

Service und Projekte tätig ist,<br />

hat sie bereits viel über Ärztinnen<br />

und Ärzte sowie über das Gesundheitswesen<br />

allgemein gelernt.<br />

Mit dieser Branche hatte sie vor ihrem<br />

<strong>vsao</strong>­ Engagement beruflich nur am<br />

Rande zu tun. Sie absolvierte ursprünglich<br />

eine kaufmännische Lehre und<br />

später die Tourismusfachschule. Nach<br />

einer mehrjährigen Phase, in der sie<br />

nicht berufstätig war, sondern sich<br />

vorwiegend um ihre Kinder und die<br />

Familie kümmerte, stieg sie wieder ins<br />

Berufsleben ein und arbeitete zuletzt<br />

während acht Jahren für Schweiz<br />

Tourismus.<br />

Tourismus passt recht gut, schliesslich<br />

ist Tabea im Wallis aufgewachsen.<br />

Heute lebt sie mit ihrem Mann und den<br />

drei Kindern in Muri bei Bern. In ihrer<br />

Freizeit unternimmt sie gerne etwas mit<br />

Freundinnen und Freunden, schmökert<br />

in Büchern oder erkundet spazierend<br />

die nähere und weitere Umgebung.<br />

Besonders entspannend ist für sie die<br />

Arbeit im eigenen Garten, und ganz<br />

speziell freut sie sich jeweils auf die<br />

Ferien, in denen sie am liebsten mit<br />

ihrer Familie verreist und neue Orte<br />

entdeckt.<br />

Auch die Arbeit beim <strong>vsao</strong> macht<br />

Tabea viel Spass und Freude: «Es ist toll,<br />

in einem so hilfsbereiten und aufgestellten<br />

Team zu arbeiten.» Als Mitarbeiterin<br />

des Bereichs Service und Projekte hat sie<br />

vielfältige und abwechslungsreiche<br />

Aufgaben. Sie betreut die Telefonzentrale<br />

und arbeitet mit bei der Debitorenbuchhaltung,<br />

der Mitgliederverwaltung, dem<br />

Erfassen von Neumitgliedern sowie der<br />

Organisation des <strong>vsao</strong>-Laufbahnkongresses<br />

medifuture. Durch die vielen Kontakte<br />

mit Mitgliedern lernt sie jeden Tag<br />

Neues dazu: «Die Mitglieder haben<br />

immer wieder neue Fragen und Probleme,<br />

mit denen sie sich an uns wenden.<br />

Das macht den Alltag spannend, und ich<br />

freue mich immer, wenn ich einem<br />

Mitglied weiterhelfen kann.»<br />

Beim <strong>vsao</strong> ist Tabea am richtigen Ort.<br />

Sie findet es wichtig, dass in den Spitälern<br />

Ärztinnen und Ärzte arbeiten, die<br />

nicht permanent überlastet sind. «Es<br />

motiviert mich sehr, dass sich der <strong>vsao</strong><br />

für bessere Arbeitsbedingungen in den<br />

Spitälern einsetzt und ich zu Fortschritten<br />

bei diesem wichtigen Anliegen<br />

beitragen kann.»<br />

Bild: zvg<br />

22<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


<strong>vsao</strong><br />

<strong>vsao</strong>-Rechtsberatung<br />

Pikettdienst:<br />

Was gilt als Arbeitszeit?<br />

Wenn ich Pikettdienst<br />

leiste, werde ich regelmässig<br />

telefonisch<br />

kontaktiert und muss<br />

dabei Anweisungen von zu Hause<br />

aus erteilen. Gilt diese Zeit als Arbeitszeit?<br />

Gemäss Art. 14 Abs. 1 der Verordnung 1<br />

zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) gilt:<br />

«Beim Pikettdienst hält sich der Arbeitnehmer<br />

oder die Arbeitnehmerin neben<br />

der normalen Arbeit für allfällige Arbeitseinsätze<br />

bereit für die Behebung von<br />

Störungen, die Hilfeleistung in Notsituationen,<br />

für Kontrollgänge oder für<br />

ähnliche Sonderereignisse.»<br />

Art. 15 b Abs. 1 ArGV 1 hält fest:<br />

«Wird der Pikettdienst im Betrieb geleistet,<br />

stellt die gesamte zur Verfügung<br />

gestellte Zeit Arbeitszeit dar.»<br />

Und Art. 15 b Abs. 2 ArGV 1 bestimmt:<br />

«Wird der Pikettdienst ausserhalb des<br />

Betriebes geleistet, so ist die zur Verfügung<br />

gestellte Zeit soweit an die Arbeitszeit<br />

anzurechnen, als der Arbeitnehmer<br />

oder die Arbeitnehmerin tatsächlich zur<br />

Arbeit herangezogen wird.»<br />

In diesem Fall gelten das Beantworten<br />

von Fragen und das Erteilen von<br />

Anweisungen von zu Hause aus sehr wohl<br />

als Arbeit, da diese Leistung im Rahmen<br />

des Pikettdienstes und zum Nutzen<br />

des Arbeitgebers erbracht wird. Gemäss<br />

Art. 15 b Abs. 2 ArGV 1 gilt die dafür<br />

aufgewendete Zeit also als Arbeitszeit<br />

und wird zu den im Spital geleisteten<br />

Arbeitsstunden im Rahmen der normalen<br />

Tätigkeit oder des Pikettdienstes hinzugezählt.<br />

Damit steht folgende Frage im Raum:<br />

Wie kann die von daheim aus für den<br />

Arbeitgeber geleistete Arbeit verbucht<br />

werden?<br />

Am einfachsten wäre es, ein Dokument<br />

zu erstellen, in dem jeder Einsatz<br />

vermerkt wird mit Angabe des Datums,<br />

der Zeit des Anrufes, des Grundes der<br />

Anfrage (kann sehr allgemein gehalten<br />

werden) und der Dauer des «Einsatzes»,<br />

also des Telefongesprächs. Dieses<br />

Dokument müsste dann am Ende des<br />

Pikettdienstes dem Arbeitgeber vorgelegt<br />

werden, damit die aufgewendete Zeit in<br />

die wöchentliche Arbeitszeit einfliessen<br />

kann.<br />

Valentine Gétaz Kunz,<br />

Juristin der <strong>vsao</strong>-Sektion<br />

Wallis<br />

Bild: zvg<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 23


Fokus: Rettung<br />

Trainieren für<br />

den Notfall<br />

Simulationen helfen, medizinische Notfallsituationen<br />

gezielt zu üben und Abläufe zu optimieren. Sie ermöglichen<br />

einen spezifischen Blick auf die «Non-Technical Skills»,<br />

einen vielfach nicht ausreichend gewürdigten Aspekt der<br />

medizinischen Versorgung.<br />

Kai Kranz, Bereichsleiter Continuous Medical Education, Innovation & Development, Schweizer Institut<br />

für Rettungsmedizin (SIRMED), und Helge Regener, Geschäftsführer SIRMED<br />

Im Schockraum treffen Menschen mit unterschiedlichem<br />

beruflichem Hintergrund aufeinander. In einer Simulation<br />

können sie die Zusammenarbeit üben und verbessern.<br />

24<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Bilder: SIRMED<br />

Kennen Sie das? Eine Patientin<br />

oder ein Patient erleidet auf<br />

der Abteilung einen Kreislaufstillstand,<br />

Sie beginnen<br />

gemeinsam mit anderen die Reanimation,<br />

das Reanimationsteam kommt, kurz<br />

danach hat die Person wieder einen Spontankreislauf<br />

und wird auf die Intensivstation<br />

verlegt. Obschon sie überlebt,<br />

bleibt bei Ihnen ein seltsames Gefühl der<br />

Unzulänglichkeit hängen. Der Ablauf war<br />

über weite Strecken hektisch, teilweise<br />

chaotisch: Platz schaffen, die Person auf<br />

den Rücken legen, Rea-Alarm auslösen,<br />

Herzdruckmassage, Defibrillation, Beatmung,<br />

Adrenalin und so fort. Im Verlauf<br />

der Reanimation haben die Beteiligten<br />

an alles gedacht, und dennoch gab es<br />

Missverständnisse, Behinderungen und<br />

spannungsgeladene Wortwechsel. In einer<br />

ruhigen Minute fragen Sie sich, ob das<br />

Erlebte tatsächlich der normale Ablauf<br />

einer innerklinischen Notfallversorgung<br />

ist und sein soll. Die Antwortet lautet: ja<br />

und nein. Ja, weil die beschriebene Situation<br />

in der Realität keine Seltenheit ist<br />

und angesichts des akuten Handlungsbedarfs<br />

plausibel erscheint. Und nein, weil<br />

es auch andere Verlaufsmöglichkeiten<br />

gibt, die Sie hoffentlich auch schon erlebt<br />

haben. Diese können durch Zufall entstehen<br />

oder das Resultat einer bewussten<br />

Planung sein.<br />

Überfachliche Kompetenzen<br />

kommen oft zu kurz<br />

Um zu verstehen, wie die geschilderte Situation<br />

zustande kommen kann, brauchen<br />

wir nur einen Blick auf die Ausbildungsstrukturen<br />

im Gesundheitswesen<br />

zu werfen. Im Bildungsjargon wird von<br />

Kompetenz gesprochen, wenn jemand<br />

eine berufliche Aufgabe oder Problemstellung<br />

erfolgreich bearbeiten kann.<br />

Dazu braucht es spezifisches Wissen und<br />

bestimmte Fertigkeiten. Basierend auf<br />

diesem Verständnis wurde der Ausbildungsaufbau<br />

vieler Gesundheitsberufe<br />

in Richtung Kompetenzorientierung neu<br />

ausgerichtet. Eine genauere Betrachtung<br />

zeigt allerdings, dass diese Kompetenzen<br />

häufig primär fachspezifische Aspekte betreffen<br />

und auf die einzelne Person ausgerichtet<br />

sind. Überfachliche Kompetenzen<br />

wie Teamwork, Leadership, Kommunikation<br />

usw. fristen mehrheitlich ein untergeordnetes<br />

Dasein, obwohl ihr enormer<br />

Einfluss auf eine sichere und effektive<br />

Versorgung der Patientinnen und Patienten<br />

längst belegt ist [2, 7]. Diese überfachlichen<br />

oder interpersonalen Kompetenzen<br />

Ein Experte beobachtet die Simulation aus dem Steuerraum und zeichnet sie für das anschliessende<br />

Debriefing auf.<br />

werden auch als «Non-Technical Skills»<br />

bezeichnet und als essenzielle Ergänzung<br />

der fachlichen Fähigkeiten, der «Technical<br />

Skills», angesehen [5]. Vereinfacht ausgedrückt:<br />

Fachliche Kompetenzen ermöglichen<br />

es, die konkreten Massnahmen der<br />

Patientenversorgung zu definieren; überfachliche<br />

Kompetenzen hingegen helfen,<br />

erstere zuverlässig unter verschiedenen<br />

Bedingungen anzuwenden.<br />

Die anfänglich beschriebene Situation<br />

hat insofern einen gewissen Normalitätscharakter,<br />

als Anwendungsaspekte in<br />

interprofessionellen Teams bei der Ausbildung<br />

nicht genügend gewichtet werden.<br />

Dieses Phänomen ist bekannt, weshalb die<br />

World Health Organization (WHO) und<br />

das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu<br />

mehr interprofessioneller Ausbildung in<br />

Gesundheitsberufen aufrufen [3, 12]. Um<br />

den Patientinnen und Patienten eine möglichst<br />

optimale und risikoarme Behandlung<br />

bieten zu können, braucht es eine<br />

stärkere Verankerung der Non-Technical<br />

Skills in der beruflichen Grund-, Weiterund<br />

Fortbildung. Eine erwiesenermassen<br />

nützliche Methode sind simulationsbasierte<br />

Teamtrainings [4, 6, 9, 11].<br />

Regelmässiges Training verbessert<br />

Prozesse<br />

Spitäler, darin insbesondere Notfallstationen,<br />

Operationssäle und Intensivstationen,<br />

gehören zu den Hochrisikoarbeitsumgebungen<br />

und werden daher<br />

als Hochzuverlässigkeitsorganisationen<br />

oder «High Reliability Organisations»<br />

(HRO) angesehen [1, 10]. HRO zeichnen<br />

sich durch eine besondere Prozesszuverlässigkeit<br />

aus; das heisst, sie erbringen<br />

ihre Leistungen auch unter erschwerten<br />

Voraussetzungen, weil ansonsten schwerwiegende<br />

Konsequenzen drohen. Von<br />

«Hochleistung» wird in diesem Zusammenhang<br />

gesprochen, wenn es um eine<br />

besonders hohe Arbeitseffizienz geht [8].<br />

SIRMED organisiert Kurse für Laien und Profis<br />

Das Schweizer Institut für Rettungsmedizin (SIRMED) ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft<br />

und wird zu je 50 Prozent von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS)<br />

und der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) getragen. SIRMED führt rettungsund<br />

notfallmedizinische Aus-, Weiter- und Fortbildungen für Profis und Laien auf<br />

hohem Qualitätsniveau durch und beteiligt sich aktiv an der Ausgestaltung der Rettungs-<br />

und Notfallmedizin sowie der rettungsdienstlichen Bildung in der Schweiz.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 25


Fokus: Rettung<br />

Die «Hochzuverlässigkeit» orientiert sich<br />

an verschiedenen Grundprinzipien, so etwa<br />

an der hohen Expertise der Belegschaft<br />

sowie dem reibungslosen Ablauf von Prozessen.<br />

Um sie zu erreichen, ist kontinuierliches<br />

Training essenziell [10]. Mit simulationsbasierten<br />

Trainings lassen sich<br />

bestimmte Situationen üben. Die nachgängige<br />

Reflexion der abgelaufenen Prozesse,<br />

der Zusammenarbeit im Team sowie<br />

des individuellen Verhaltens ermöglicht<br />

relevante Erkenntnisse, die zu einer<br />

Optimierung der Prozesse beitragen können<br />

[6].<br />

Reale Bedingungen im Simulationsszenario<br />

Simulationen finden seit geraumer Zeit<br />

insbesondere in der Notfallmedizin und<br />

Anästhesiologie Anwendung, und auch<br />

andere Disziplinen machen zunehmend<br />

Gebrauch davon. Vielfach geht es darum,<br />

die Zusammenarbeit von Teams gezielt<br />

zu fördern, was wir am Beispiel eines sogenannten<br />

Schockraumtrainings veranschaulichen<br />

wollen. Personen, die einer<br />

Schockraumversorgung bedürfen, sind<br />

häufig in einem kritischen Gesundheitszustand.<br />

Eine besonders effiziente Versorgung<br />

ist also essenziell. Am Training nehmen<br />

reale Teamkonstellationen nach dem<br />

Prinzip «Train as you fight» teil. Sie werden<br />

in der Simulation mit vorab bewusst gewählten<br />

Arbeitssituationen, sogenannten<br />

Szenarien, in einer realitätsnahen Arbeitsumgebung<br />

konfrontiert. Ein sehr starker<br />

Bezug zum jeweiligen Arbeitskontext entsteht<br />

bei Trainings im eigenen Schockraum.<br />

Die Szenarien lassen sich gezielt<br />

auswählen und beruhen idealerweise auf<br />

einer vorherigen Bedarfsanalyse. So können<br />

z. B. Ereignisse geübt werden, die im<br />

Alltag selten vorkommen. Bevor ein Simulationsszenario<br />

beginnt, wird ein Team zusammengestellt<br />

und mit einigen Informationen<br />

zum Kontext (Zeit, Ort, Ressourcen<br />

usw.) versorgt. Das Szenario selbst dauert<br />

in der Regel zwischen zehn und fünfundzwanzig<br />

Minuten. Als Patientinnen und<br />

Patienten werden entweder Phantome<br />

oder reelle Personen, also Simulationspatientinnen<br />

und -patienten, eingesetzt. Das<br />

Team ist angehalten, alle Massnahmen der<br />

Behandlung konkret durchzuführen.<br />

Die Merksätze des «Crisis Resource Management»<br />

(CRM) gelten als Kodex der Zusammenarbeit<br />

im Team.<br />

CRM Merksätze<br />

Situationsbewusstsein<br />

– Kenne Deine Arbeitsumgebung<br />

– Nutze alle vorhandenen Informationen<br />

– Erkenne und verhindere Fixierungsfehler<br />

– Kenne Deine Grenzen und fordere frühzeitig Hilfe an<br />

– Reevaluiere die Situation immer wieder (10 für 10 Prinzip)<br />

– Lenke Deine Aufmerksamkeit bewusst<br />

Entscheidungsfindung<br />

– Antizipiere und plane voraus<br />

– Habe Zweifel und überprüfe genau<br />

– Verwende Merkhilfen und schlage nach<br />

– Definiere Probleme und lege Lösungsoptionen dar<br />

– Plane das Vorgehen und setze Prioritäten dynamisch<br />

Kommunikation<br />

– Sag was Dich bewegt, was für Dich unklar ist und<br />

wo Du Unterstützung brauchst<br />

– Kommuniziere Erkenntnisse laut<br />

– Schliesse Kommunikationskreisläufe (closed loop)<br />

– Pflege einen respektvollen Umgang<br />

Teamwork<br />

– Übernimm die Führungsfunktion oder füge Dich ins Team ein<br />

– Unterstütze Deine Teampartner beim Denken und Handeln<br />

– Finde einen Konsens über die Situation<br />

– Verteile die Arbeitslast (10 für 10 Prinzip)<br />

In Anlehnung an: Rall, Gaba 2005 und Jordi et al 2009<br />

Schweizer Institut für Rettungsmedizin | www.sirmed.ch 04 / 2021<br />

22_307_SIR_Memokarte_CRM-Merksaetze_A6_DE_FR_IT.indd 1 12.04.22 09:21<br />

Was ist gut gelaufen, was weniger? Und wer hat aus welchen Gründen wie gehandelt? Im Debriefing reflektieren die Anwesenden die Simulation.<br />

26<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Debriefing zeigt Schwachstellen auf<br />

Im anschliessenden Debriefing reflektiert<br />

das Team gemeinsam mit Expertinnen<br />

und Experten die Simulation. Dabei liegt<br />

der Schwerpunkt häufig auf den<br />

Non-Technical Skills. Die geleitete Konversation<br />

soll aufzeigen, welche Behandlungsstrategien<br />

und Zusammenarbeitsansätze<br />

den Betroffenen geholfen haben und<br />

welche nicht. Als Referenz gelten dabei<br />

die jeweiligen Behandlungsstandards und<br />

Teamworkkonzepte wie etwa das «Crisis<br />

Resource Management» (CRM). Der Austausch<br />

schafft gegenseitiges Verständnis<br />

und ermöglicht es, produktive Formen der<br />

Zusammenarbeit zu erarbeiten.<br />

Setzt eine Organisation diese Art von<br />

Trainings bewusst ein, arbeitet sie an einem<br />

bekannten Schwachpunkt in der Versorgung<br />

der Patientinnen und Patienten,<br />

würdigt die Expertise von Einzelpersonen<br />

und Teams, stärkt die Effizienz und erhält<br />

wichtige Informationen über das institutionelle<br />

Leistungsvermögen. Und erfolgt<br />

eine konsequente Umsetzung der beschriebenen<br />

Massnahmen, werden Situationen<br />

wie eingangs beschrieben immer<br />

seltener auftauchen.<br />

Literatur<br />

[1] Baker, D. P., Day, R.,<br />

& Salas, E. (2006). Teamwork<br />

as an essential component of<br />

high-reliability organizations.<br />

Health services research,<br />

41(4 Pt 2), 1576–1598. https://doi.<br />

org/10.1111/j.1475-6773.2006.00566.x<br />

[2] Buljac-Samardzic, M.,<br />

Doekhie, K. D., & Van Wijngaarden,<br />

J. D. H. (2020). Interventions to<br />

improve team effectiveness within<br />

health care: A systematic review of<br />

the past decade. Human Resources<br />

for Health, 18(1), 1–42. https://doi.<br />

org/10.1186/s12960-019-0411-3<br />

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Themengruppe «Interprofessionalität».<br />

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admin.ch/bag/de/home/das-bag/<br />

publikationen/forschungsberichte/<br />

forschungsberichte-interprofessionalitaet-im-gesundheitswesen.<br />

html<br />

[4] Draycott, T., Sibanda, T.,<br />

Owen, L., Akande, V., Winter, C.,<br />

Reading, S., & Whitelaw, A. (2006).<br />

Does training in obstetric<br />

emergencies improve neonatal<br />

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journal of obstetrics and gynaecology,<br />

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[5] Flin, R., O’Connor, P., &<br />

Crichton, M. (2008). Safety at the<br />

sharp end – A guide to non-technical<br />

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Francis Group.<br />

[6] Kranz, K., & Regener, H.<br />

(2020). So tun als ob – Simulation<br />

für die Aus-, Fort- und Weiterbildung.<br />

Rettungsdienst, 43(11),<br />

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[7] Krüger, A., Gillmann, B.,<br />

Hardt, C., Döring, R., Beckers, S.<br />

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non-technical skills for critical<br />

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management training for medical<br />

students. Der Anaesthesist, 58(6),<br />

582–588. http://www.ncbi.nlm.nih.<br />

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[8] Pawlowsky, P., &<br />

Mistele, P. (2008). Hochleistungsmanagement<br />

– Leistungspotentiale<br />

in Organisationen gezielt<br />

fördern (P. Pawlowsky & P. Mistele,<br />

Hrsg.). Gabler-Verlag.<br />

[9] Shapiro, M. J., Morey, J.<br />

C., Small, S. D., Langford, V.,<br />

Kaylor, C. J., Jagminas, L., Suner,<br />

S., Salisbury, M. L., Simon, R., &<br />

Jay, G. D. (2004). Simulation based<br />

teamwork training for emergency<br />

department staff: does it improve<br />

clinical team performance when<br />

added to an existing didactic<br />

teamwork curriculum? Quality &<br />

Safety in Health Care, 13(6),<br />

417–421. https://doi.org/10.1136/<br />

qhc.13.6.417<br />

[10] Weick, K. E., & Sutcliffe,<br />

K. M. (2015). Managing the<br />

Unexpected – Sustained Performance<br />

in a Complex World (third<br />

edition). Wiley.<br />

[11] Weile, J., Nebsbjerg, M.<br />

A., Ovesen, S. H., Paltved, C., &<br />

Ingeman, M. L. (2021). Simulation-based<br />

team training in<br />

time-critical clinical presentations<br />

in emergency medicine and critical<br />

care: a review of the literature.<br />

Advances in Simulation, 6(1), 3.<br />

https://doi.org/10.1186/s41077-021-<br />

00154-4<br />

[12] World Health Organization<br />

(2010). Framework for Action<br />

on Interprofessional Education &<br />

Collaborative Practice. 04/09/<strong>2023</strong><br />

https://www.who.int/publications/i/item/framework-for-action-on-interprofessional-education-collaborative-practice<br />

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<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 27


Fokus: Rettung<br />

Die Rettung<br />

einer Tessiner<br />

Karotte<br />

ProSpecieRara rettet seltene Pflanzensorten vor dem Aussterben.<br />

Doch manchmal scheitern herkömmliche Rettungsversuche<br />

einer Sorte – zum Beispiel, wenn das letzte Saatgut nicht mehr keimen<br />

will oder die wenigen verbleibenden Pflanzen noch weniger werden.<br />

Vor einigen Jahren drohte dieses Ungemach der Tessiner<br />

Karottensorte «Gniff». Eine neue Methode war gefragt.<br />

Philipp Holzherr, Co-Bereichsleiter Pflanzen, ProSpecieRara<br />

Die Karotte «Gniff» ist ein kultureller<br />

Schatz aus dem Kanton<br />

Tessin. Die violette Färbung<br />

mit dem weissen Kern,<br />

gepaart mit der konischen Form – von<br />

breiten Schultern zu einer dünnen Spitze<br />

auslaufend –, macht die Rübe aussergewöhnlich.<br />

Hinzu kommen der kräftige<br />

Geschmack nach Kräutern, die geringe<br />

Süsse und ein Hauch von Rose im Aroma.<br />

Die Karotte hat die Zeit als typische Landsorte<br />

überdauert. Anfang des 20. Jahrhunderts<br />

dürfte sie vielerorts im Tessin<br />

bekannt gewesen sein. Keine zentrale<br />

Züchtungs organisation, sondern zahlreiche<br />

Gärtnerinnen und Gärtner sowie<br />

Kleinbetriebe pflegten das Saatgut der<br />

einzigartigen Karotte, was dazu führte,<br />

dass die Ausprägungen der Merkmale<br />

stark variierten. Und während die «Gniff»<br />

mancherorts als Karotte für die Schweine<br />

verschrien war, sagte man dem Dorf Brè<br />

bei Lugano die schmackhaftesten Exemplare<br />

dieser Sorte nach. «Gniff» – die Tessinerinnen<br />

und Tessiner sagen «niff» – ist<br />

im Dialekt nicht nur ein Wort für violett,<br />

sondern rund um Lugano und im Bleniotal<br />

auch schlicht ein Synonym für Karotte.<br />

Bestand litt unter Inzuchtdepression<br />

Doch wie es alten Sorten vielerorts ergeht,<br />

wurde auch die «Gniff» schleichend immer<br />

weniger angebaut – bis ProSpecieRara<br />

zu Beginn des neuen Jahrtausends nur<br />

noch an sechs Orten Saatgut auftreiben<br />

konnte. Leider war dessen Zustand<br />

alarmierend. Zum einen entsprachen die<br />

Karotten nicht mehr dem ursprünglichen<br />

Sortenbild der «Gniff». Zum anderen stiess<br />

Rote Liste mit besonders gefährdeten Obstsorten<br />

Nicht alle Pflanzen sind über Saatgut<br />

– also generativ – vermehrbar.<br />

Zu den vegetativ vermehrbaren<br />

Pflanzen gehören z. B. Obst und<br />

Beeren, aber auch viele Kräuterund<br />

Zierpflanzen. Als Bäume oder<br />

Sträucher wachsen sie permanent<br />

in Gärten von Institutionen oder<br />

aber in Privatgärten, wo sie gehegt<br />

und gepflegt werden. Bei Bedarf<br />

werden sie über Stecklinge, Edelreiser<br />

oder Wurzelteilung vermehrt.<br />

Von den über 2400 ProSpecieRara-Obstsorten stehen 40 Prozent auf der sogenannten<br />

Roten Liste. Das bedeutet, dass diese Sorten an weniger als drei Standorten abgesichert<br />

sind. Die Pflanzung weiterer Bäume ist dringend nötig. Jeweils im Herbst publiziert<br />

ProSpecieRara deshalb einen Auszug aus der Roten Liste mit dem Ziel, jährlich mindestens<br />

40 Sorten besser abzusichern.<br />

Wer Platz für einen Obstbaum hat sowie Lust, sich auf alte, teilweise wenig bekannte<br />

Obstsorten einzulassen, ist eingeladen, einen Baum aus der Roten Liste zu pflanzen.<br />

Auch Hausgärten sind dafür geeignet, wo kleinere Baumformen (z. B. Niederstamm<br />

oder Spalier) gepflanzt werden können. Interessant für beschränkten Platz sind auch<br />

Mehrsortenbäume, bei denen zwei bis drei verschiedene Sorten an einem Baum wachsen.<br />

Wer bereits einen Obstbaum im Garten hat, kann auch eine sehr seltene Sorte<br />

zusätzlich aufpfropfen.<br />

Weitere Infos gibt es unter www.prospecierara.ch/rote-liste<br />

Bilder: ProSpecieRara<br />

28<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Weshalb ist die<br />

Erhaltung der Vielfalt<br />

wichtig?<br />

ProSpecieRara wurde 1982 als<br />

schweizerische, nicht profitorientierte<br />

Stiftung gegründet, um gefährdete<br />

Kulturpflanzen und Nutztiere vor<br />

dem Aussterben zu schützen. Heute<br />

engagiert sich ProSpecieRara für<br />

die Erhaltung und Nutzung von über<br />

1500 Garten- und Ackerpflanzen,<br />

2400 Obstsorten, 1000 Zierpflanzensorten,<br />

400 Beerensorten und<br />

38 Nutztierrassen.<br />

Das Schicksal der traditionellen Tessiner Karottensorte «Gniff» hing zeitweise am seidenen Faden.<br />

Dank umsichtiger Erhaltungs- und Züchtungsarbeit konnte sie schliesslich gerettet werden.<br />

die Saatgutorganisation Sativa Rheinau,<br />

welche die «Gniff» im Auftrag von Pro­<br />

SpecieRara vermehren sollte, auf starke<br />

Pro bleme bei der Saatgutproduktion und<br />

folgerte daraus, dass die Bestände vermutlich<br />

unter Inzuchtdepression litten. Diese<br />

tritt auf, wenn in mehreren Generationen<br />

zu wenige Samenpflanzen miteinander<br />

vermehrt werden – und sie kann eine Sorte<br />

bis zur Auslöschung gefährden.<br />

Erhaltung auf Feldern mit vielen<br />

Vorteilen<br />

Im Normalfall werden die rund 1700 samenvermehrbaren<br />

Garten-, Acker- und Zierpflanzensorten,<br />

die sich in der Obhut von<br />

ProSpecieRara befinden, über ein grosses<br />

Netzwerk erhalten: In Samenbaukursen<br />

ausgebildete, ehrenamtliche Sortenerhalterinnen<br />

und -erhalter bauen die Sorten in<br />

ihren Gärten an, ernten Saatgut und schicken<br />

dieses an ProSpecieRara zurück, wo es<br />

in der Samenbibliothek – dem Herzstück<br />

der Stiftung – gelagert und später wieder<br />

ins Netzwerk verschickt wird. Diese sogenannte<br />

On-Farm-Erhaltung, bei der die<br />

Sorten lebendig in Gärten und auf Feldern<br />

erhalten werden (und nicht tiefgekühlt im<br />

Permafrost), bietet zahlreiche Vorteile. So<br />

passen sich die Sorten an sich ändernde<br />

Umweltbedingungen an. Zudem kommen<br />

sie regelmässig mit Krankheiten in Kontakt<br />

und bilden im Optimalfall Resistenzen.<br />

Dank Neuzüchtung in den<br />

Nischenanbau<br />

Nicht so die «Gniff». Der alarmierende<br />

Befund bei der Karottensorte war ein<br />

triftiger Grund für ProSpecieRara, die<br />

Sortenrettungsmethoden um die klassische<br />

Kreuzungszucht zu erweitern. Indem<br />

der «Gniff» mit einer anderen Sorte eine<br />

«Blutauffrischung» verpasst würde, könnte<br />

der Bestand gesunden. Mit Sativa Rheinau<br />

startete ProSpecieRara 2012 deshalb<br />

ein Züchtungsprojekt. Dabei wurde viel<br />

Wert darauf gelegt, die sortentypischen<br />

Eigenschaften zu erhalten. So behält auch<br />

die «neue Gniff» ihre konische Form und<br />

besticht weiterhin durch ihre violettweisse<br />

Farbe. Das Züchtungsprojekt soll<br />

die Karottensorte robuster machen und<br />

den Ertrag verbessern. Das Ziel ist, sie so<br />

auch in den landwirtschaftlichen Anbau<br />

zu bringen, damit sie mehr Menschen<br />

zugänglich wird. Anfang 2025 sollte das<br />

Saatgut erhältlich sein – und bald danach<br />

auch die Karotten im Gemüsehandel.<br />

Die vielfältigen Eigenschaften der<br />

alten Sorten und Rassen sind gleichbedeutend<br />

mit einem breiten Genpool,<br />

auf den man bei Bedarf zurückgreifen<br />

kann. Dies ist umso wichtiger, weil der<br />

Hauptteil der heutigen Welternährung<br />

auf beängstigend wenigen Arten,<br />

Sorten und Rassen basiert. Spezielle<br />

Eigenschaften können wieder gefragt<br />

sein wegen plötzlich auftretender<br />

Krankheiten, Klimaveränderungen<br />

oder neuen Konsumbedürfnissen.<br />

Eine möglichst breite Vielfalt zu<br />

erhalten, ist deshalb eine Rückversicherung<br />

für die Zukunft.<br />

Für ihre Arbeit ist ProSpecieRara auf<br />

die Unterstützung von Gönnerinnen<br />

und Gönnern sowie auf Spenden<br />

angewiesen.<br />

Mehr Infos unter<br />

www.prospecierara.ch/unterstuetzen<br />

Beitrag zur Nahrungsmittelsicherheit<br />

In der Zwischenzeit konnte auch die Ursprungssorte<br />

«Gniff» gerettet werden. Wie<br />

durch ein Wunder schaffte Sativa Rheinau<br />

es mit umsichtiger Auslese, den Bestand<br />

gesund zu bekommen. Die originale<br />

«Gniff» ist darum bereits wieder erhältlich.<br />

Die bessere Chance auf einen breiten<br />

Anbau hat indes die neue Sorte namens<br />

«Gniffola». Einen Beitrag zu einer vielfältigen<br />

Nahrungsmittelbasis der Zukunft<br />

leisten sie alle beide.<br />

Dies tun übrigens auch alle Menschen,<br />

die sich mit vom Aussterben bedrohten<br />

Sorten beschäftigen. Wer sie anpflanzt,<br />

vermehrt oder mit ihnen kocht,<br />

trägt zu ihrer Erhaltung bei. Denn nur,<br />

wenn die seltenen Sorten vielfältig genutzt<br />

werden und in den Köpfen und<br />

Herzen der Menschen präsent bleiben,<br />

sind sie auch langfristig abgesichert.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 29


Fokus: Rettung<br />

Rettung ist<br />

probiotisch<br />

Sklaverei, Krankheit, Tod:<br />

Es gibt im Juden- und im Christentum viele Situationen,<br />

in denen die Gläubigen auf Rettung hoffen – und diese erfahren.<br />

Doch was bedeutet Rettung? Und wer ist der Rettende?<br />

Einige religionshistorische Überlegungen zur Rettung.<br />

Dr. Florian Lippke, Oberassistent am Lehrstuhl für Exegese des Alten Testaments<br />

und altorientalische Religionsgeschichte, Universität Freiburg<br />

Bild: Adobe Stock<br />

30<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Eine klare Botschaft in der<br />

Osternacht<br />

Wer einmal in der christlichen Osternacht<br />

an einem Gottesdienst war, hat vielleicht<br />

bemerkt, dass genau diese Texte vom Auszug<br />

aus Ägypten in den Gottesdienstlesungen<br />

vorkommen. So zum Beispiel der<br />

Durchzug durchs Schilfmeer, bei dem Israel<br />

endgültig der Kampftruppe Ägyptens<br />

entkommt. Diese Erzählung wurde in<br />

zahlreichen Filmen monumental in Szene<br />

gesetzt. Der erwähnte Errettungstext ertönt<br />

in den christlichen Kirchen, kurz bevor<br />

Ostern fröhlich gefeiert wird. Die Botschaft<br />

ist klar: Hier feiert auch das Christentum<br />

ein Rettungserlebnis. Wie das<br />

Entkommen der Israeliten aus der Repression<br />

Ägyptens, so geschieht zu Ostern die<br />

Errettung der Christen. Diese wird wiederum<br />

ganz konkret gedacht: Es ist eine Errettung<br />

vom (sündenbehafteten) Tod.<br />

Mit dem Auszug aus Ägypten wird das Volk Israel aus der Sklaverei errettet.<br />

Rettung (Synonym: Errettung)<br />

ist in den alten Kulturen und<br />

Religionen nie abstrakt gedacht.<br />

Sie ist immer konkret.<br />

Entweder wird verdeutlicht, wer gerettet<br />

hat oder worin die Rettung bestand. So<br />

umfasst Rettung in der antiken Welt unter<br />

anderem die Rettung aus der Sklaverei,<br />

die Rettung von einer Krankheit und – im<br />

Extremfall – die Errettung vom Tode.<br />

Schnell erkennt man an diesen Beispielen:<br />

Geht es um Rettung, ist der Ausgangspunkt<br />

meist eine widrige oder gar<br />

lebensbedrohliche Situation. Durch eine<br />

Rettung erfolgt die Änderung der Parameter<br />

und Bedingungen, sodass ein neuer<br />

Zustand hergestellt wird. Dieser zeichnet<br />

sich durch einen positiveren, lebensförderlichen<br />

Rahmen aus. Es liesse sich also<br />

kulturübergreifend formulieren: Durch<br />

eine Rettung wird eine lebensfeindliche<br />

Situation zum Guten und zum Lebensförderlichen<br />

gewendet. Mit anderen Worten:<br />

Rettung ist ein Eingreifen zugunsten des<br />

Lebens oder für das (gute) Leben – Rettung<br />

ist pro-biotisch.<br />

Die Errettung aus Ägypten<br />

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte des<br />

Volkes Israel ist der Auszug aus Ägypten<br />

mit dem nachfolgenden Einzug ins Heilige<br />

Land. Dieser Auszug (Exodus) hat es sogar<br />

in die Zehn Gebote geschafft, denn diese<br />

beginnen mit einer Selbstvorstellung Gottes:<br />

«Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus<br />

dem Land Ägypten geführt hat, aus dem<br />

Sklavenhaus» (2. Mose 20,2). Hier wird natürlich<br />

auf die Errettung aus den widrigen<br />

und lebensfeindlichen Bedingungen der<br />

Sklaverei in Ägypten angespielt. Interessant<br />

dabei ist, dass selbst ein legalistischer<br />

Text wie die Zehn Gebote nicht mit einem<br />

Gesetz beginnt, sondern mit dem Hinweis<br />

auf die Errettung bzw. auf die Befreiung. Alle,<br />

die das Judentum exklusiv als Gesetzesreligion<br />

sehen, die nur auf Gebote, Verbote<br />

usw. achtet, werden hier eines Besseren belehrt.<br />

Die Schlüsselerzählung im Zentrum<br />

der jüdischen Überlieferung ist eine Errettungsgeschichte.<br />

Noch vor irgendwelchen<br />

Gesetzen werden die Befreiung aus der Unterdrückung<br />

und der Aufbruch in die Freiheit<br />

thematisiert. Freiheit und Rettung werden<br />

hier zusammen gedacht.<br />

Rettung und Stellvertretung<br />

Die im Neuen Testament zunächst geschilderten<br />

Ereignisse rund um Ostern<br />

sind nicht gerade lebensförderlich: Misshandlung,<br />

Kreuzigung und Tod von Jesus<br />

Christus werden ausführlich abgehandelt.<br />

Zwei Aspekte verwandeln diese Szenen<br />

aber in Rettungssituationen. Erstens: Zunächst<br />

einmal hält die christliche Lehre<br />

fest, dass Jesus für die Sünden der Menschen,<br />

insbesondere der Gläubigen, gestorben<br />

sei. Sein Tod bedeute demnach<br />

die Errettung der Menschen vom sündhaften<br />

Tod. Religionshistorisch kann dies als<br />

Stellvertretung oder als Sühne, also als<br />

Ausgleich einer Schuld, klassifiziert werden.<br />

In beiden Fällen resultiert hieraus ein<br />

«Gerettetsein» der Menschen bzw. der<br />

Gläubigen aus unguten Verstrickungen,<br />

von denen es im Leben viele gibt. Psychologisch<br />

ist dieses Freisprechen von Verstrickungen<br />

gleichzusetzen mit einer Errettung<br />

vom psychischen, sozialen oder<br />

physischen Tod. Es fühlt sich an, als ob<br />

Jesus Christus ein neues Leben schenkt.<br />

Und dies bringt uns zum zweiten Punkt …<br />

Rettung als Auferstehung<br />

Zweitens: Ostern endet nicht mit dem<br />

Tod. Ostern hat seinen Höhepunkt in der<br />

Auferstehung. Religionssoziologisch werden<br />

hier die Lebenswege der Gläubigen<br />

und der geschichtliche Weg von Jesus<br />

Christus parallel geführt. Die Botschaft<br />

lautet in diesem Fall: Wie Jesus Christus<br />

gestorben und auferstanden ist, so wird<br />

der einzelne Gläubige sterben und auferstehen.<br />

Der Tod bedeutet nicht das Ende –<br />

es folgt die Auferstehung. Wir jonglieren<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 31


Fokus: Rettung<br />

hier mit den komplexesten theologischen<br />

Themen überhaupt – über diese wurde<br />

seit je und wird immer noch diskutiert<br />

und gestritten. Thematisch wird aber allen<br />

klar: Es geht um Strukturen der Rettung,<br />

die durch einen «Heilsbringer» ermöglicht<br />

werden.<br />

Die grosse Frage: Wer rettet?<br />

Wer aber rettet im christlichen Glauben?<br />

Es gibt eine einfache und eine komplexe<br />

Antwort. Die einfache Antwort lautet: Im<br />

Christentum errettet Jesus vom Tod. Aber<br />

dieser Jesus hat einen sprechenden Namen.<br />

«Jesus» ist die griechische Wiedergabe<br />

eines hebräisch-aramäischen Namens:<br />

Jehoschua. Dieser Name ist ein<br />

Bekenntnis- oder Satzname. Ausbuchstabiert<br />

und übersetzt heisst er: «JHWH rettet/hilft.»<br />

Damit verweist die zentrale Retterfigur<br />

im Neuen Testament (Jesus) auf<br />

die Rettung durch den alttestamentlichen<br />

Gott (JHWH). Wieder eine komplexe Geschichte<br />

der Rettung, zwischen Altem und<br />

Neuem Testament, zwischen Judentum<br />

und Christentum. Man könnte fast meinen:<br />

Ohne Rettung geht es in diesen Religionen<br />

gar nicht.<br />

Religiöse Rettung<br />

Es gäbe noch viel zu berichten zum Thema<br />

Rettung: Über alle möglichen biblisch<br />

überlieferten «Rettungsnamen» zum Beispiel.<br />

Nicht nur Jesus heisst übersetzt<br />

«Gott rettet», auch der Name des Propheten<br />

Jesaja leitet sich vom hebräischen jš ˛<br />

ab und bedeutet «Gott ist Hilfe/Rettung».<br />

Der Nachfolger des Mose, der Israel ins<br />

Heilige Land führt, heisst Josua. Man kann<br />

dies mit «Gott errettet» übersetzen. Die<br />

Liste liesse sich weiterführen. Interessanterweise<br />

gibt es ein ganzes Buch, das den<br />

Rettern Israels gewidmet ist. Da der hebräische<br />

Begriff aber sowohl «retten» als auch<br />

«richten» heissen kann, erkennt man das<br />

Buch nicht direkt am Titel. Das sehr selten<br />

gelesene Buch der «Richter» (Schophetim)<br />

ist eigentlich ein «Retterbuch», das von<br />

den Rettungstaten Gottes durch die Stammesführer<br />

(Richter/Retter) berichtet.<br />

Das menschliche Bedürfnis nach<br />

Sicherheit<br />

In praktisch allen Religionen Eurasiens,<br />

aber auch darüber hinaus spielt der Glaube<br />

an einen göttlichen Retter eine entscheidende<br />

Rolle. JHWH, Christus,<br />

Mithras, Zeus Soter, Isis – die Rettung im<br />

göttlichen Gewand hat viele Namen und<br />

Formen. Allen gemeinsam ist das Eintreten<br />

für bedrückte und niedergeschlagene<br />

Individuen und Gruppen. Religiös-göttliche<br />

Retter und Retterinnen sind darum so<br />

wesentlich, weil sie das menschliche Bedürfnis<br />

nach Wohlergehen und Sicherheit<br />

ansprechen: Gerettet zu sein, heisst, wieder<br />

in Sicherheit zu sein. Und der Wunsch<br />

nach Sicherheit ist ein ganz und gar<br />

menschlicher. Nicht umsonst bezeichnet<br />

der Historiker Yuval Noah Harari den<br />

Menschen als tief religiöses Wesen: Die<br />

Frage nach dem Menschen, seinem Wohlergehen<br />

und seiner Errettung ist eine religiöse<br />

Schlüsselfrage.<br />

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6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Bild: Shutterstock<br />

Das Kirchenfenster der St Nicholas Church im englischen Gloucester<br />

thematisiert die Auferstehung Jesu.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 33


Fokus: Rettung<br />

Aufwendige Laubsägeornamente zieren die 1872 erbaute Fabrikantenvilla aus Burgdorf (BE).<br />

Eine<br />

Inspirationsquelle<br />

für zukünftige<br />

Bauten<br />

Über 100 historische Gebäude hat das<br />

Freilichtmuseum Ballenberg gerettet und nahe Brienz<br />

wieder aufgebaut. Sie sollen die ländliche Kultur<br />

vergangener Zeiten erlebbar machen – aber nicht nur das.<br />

Regula Grünwald, Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>, Bilder: Severin Nowacki<br />

34<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Idylle pur: Im Freilichtmuseum Ballenberg fühlt man sich um einige Jahrhunderte zurückversetzt. Links ein Bauernhaus aus Therwil (BL) von 1675,<br />

rechts ein Wohnhaus aus Villnachern (AG) etwa von 1635.<br />

Es war einmal eine Villa, erbaut<br />

im Schweizerhausstil und reich<br />

dekoriert mit Laubsägeornamenten.<br />

Sie stand inmitten eines<br />

schönen Parks. In den grosszügigen<br />

und vornehmen Räumen wohnte ein erfolgreicher<br />

Textilfabrikant mit seiner Familie<br />

und mehreren Hausangestellten.<br />

Ihr Glück währte jedoch nicht sehr lange.<br />

Die schwierige Wirtschaftslage nach dem<br />

Ersten Weltkrieg brachte die Firma in finanzielle<br />

Schieflage. Schliesslich war die<br />

Familie gezwungen, die Firma zu liquidieren<br />

und die Villa sowie das angrenzende<br />

Fabrikareal zu verkaufen. Nach und nach<br />

wurden das Fabrikgelände sowie die Parkanlage<br />

überbaut, bis sich die Villa eingeklemmt<br />

zwischen Strassen und Wohnblocks<br />

wiederfand. Eine Zeit lang wohnten<br />

einkommensschwache Familien in<br />

dem ehemals vornehmen Gebäude. Als<br />

auch diese ausziehen mussten, verlotterte<br />

die Villa, und ihr drohte der Abbruch. Sie<br />

hatte jedoch Glück: Die Stiftung Ballenberg<br />

liess sie abbauen, um sie im Freilichtmuseum<br />

Ballenberg möglichst originalgetreu<br />

zu rekonstruieren.<br />

Die Geschichte dieser 1872 erbauten<br />

Villa aus Burgdorf, die einem beim Besuch<br />

des Freilichtmuseums Ballenberg vom<br />

westlichen Eingang her als erstes Gebäude<br />

ins Auge sticht, steht stellvertretend für<br />

die Vergangenheit vieler anderer historischer<br />

Gebäude, die heute auf dem Ballenberg<br />

stehen. Und doch ist sie speziell<br />

Bauernhausforschung als<br />

treibende Kraft<br />

Im späteren 19. Jahrhundert begann sich<br />

die Volkskunde mit der Alltagskultur der<br />

unteren und mittleren Sozialschichten<br />

zu befassen und machte diese in entsprechenden<br />

Museen einer breiten Öffentlichkeit<br />

zugänglich. In diese Zeit fällt auch<br />

die Eröffnung des ersten Freilichtmuseums<br />

auf der schwedischen Insel Skansen<br />

bei Stockholm im Jahr 1891. Bis auch<br />

in der Schweiz ein Freilichtmuseum eröffnet<br />

wurde, sollte es jedoch noch eine<br />

Weile dauern. Die Bauernhausforschung,<br />

die insbesondere ab den 1930er- und<br />

1940er-Jahren zunehmend das Bewusstsein<br />

für den Wert von Bauernhäusern<br />

schärfte sowie Bauten, Siedlungen und<br />

Aspekte des bäuerlichen Alltags dokumentierte,<br />

trieb den Wunsch, historische<br />

Bauernhäuser zu retten und zu sammeln,<br />

weiter voran. 1978 öffnete schliesslich das<br />

Freilichtmuseum Ballenberg mit 16 Museums<br />

objekten seine Tore.<br />

Denkmalbegriff ist verhandelbar<br />

Heute sind auf der 66 Hektar grossen Fläche<br />

103 historische Bauten aus verschiedenen<br />

Epochen – in der Regel vor der Motorisierung,<br />

die im 19. Jahrhundert einsetzte –,<br />

aus nahezu allen Landesteilen und aus<br />

unterschiedlichen sozialen Schichten versammelt.<br />

Ein Zürcher Weinbauernhaus<br />

im Fachwerkbau und ein Aargauer Taglöhnerhaus<br />

mit Strohdach sind ebenso<br />

zu finden wie ein Kornspeicher und ein<br />

Heutzutage ein seltener Anblick: Muss das<br />

Strohdach des Taglöhnerhauses aus Leutwil<br />

(AG) aus dem Jahr 1803 erneuert werden, ist das<br />

Freilichtmuseum Ballenberg auf Spezialistinnen<br />

und Spezialisten aus Norddeutschland<br />

oder Lettland angewiesen.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 35


Fokus: Rettung<br />

Ein für die Region Zürichsee typisches Fachwerkhaus. Die vielen Balken des um 1780 erbauten<br />

Weinbauernhauses aus Richterswil (ZH) (links) wären statisch nicht alle nötig, zeugen jedoch von<br />

der Blütezeit des Fachwerkbaus.<br />

Altes Handwerk erhalten<br />

Das Freilichtmuseum Ballenberg<br />

vermittelt Einblicke in das ländlichgewerbliche<br />

Alltagsleben der Schweiz.<br />

Die historischen Gebäude mit den<br />

traditionell eingerichteten Küchen,<br />

Kammern und Wohnstuben bilden<br />

dabei nur einen Teil der Ausstellung.<br />

Denn das Museum will auch alte,<br />

zum Teil fast vergessene Gewerbe<br />

bewahren. So sind drinnen und<br />

draussen zahlreiche Handwerkerinnen<br />

und Handwerker anzutreffen, die auf<br />

traditionelle Weise Schindeln machen,<br />

Kohle herstellen, Kalk brennen, Stroh<br />

und Körbe flechten, schnitzen, schmieden,<br />

spinnen und weben. Auch Besucherinnen<br />

und Besucher können aktiv<br />

werden und bei einem Workshop<br />

Sgraffiti kratzen, Ziger herstellen,<br />

Holz schnitzen oder eine wundersame<br />

Tinktur mischen. Die gemeinnützige<br />

Stiftung finanziert sich zu 80 Prozent<br />

aus eigener Kraft und ist für den Unterhalt<br />

der Bauten und die zeitgemässe<br />

Vermittlung auf Unterstützung durch<br />

Spenden angewiesen.<br />

Mehr Infos unter<br />

www.ballenberg.ch/spenden.<br />

Der Ballenberg will das bäuerliche Leben dokumentieren.<br />

Dazu gehört auch ein einfacher, im 19. Jahrhundert gezimmerter<br />

Heustall aus Spiringen (UR).<br />

Handwerkerhaus aus Bern, ein Heustall<br />

aus Uri, ein Tessiner Gutshof und ein stattliches<br />

Genfer Bauernhaus mit Taubenhaus.<br />

Die Gebäude stammen aus dem bäuerlichen<br />

oder handwerklichen Umfeld, die Fabrikantenvilla<br />

bildet da eine Ausnahme.<br />

«Mit der Übernahme dieser Villa waren wir<br />

36<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Für einmal kein Holz: Die Mauern des 1762 erbauten und später mehrmals umgebauten Genfer<br />

Bauernhauses mit Taubenhaus sind aus Bruch- und Kieselsteinen gebaut und verputzt.<br />

nicht ganz konsequent. Sie ist jedoch ein<br />

schönes Beispiel für den damals beliebten<br />

Chaletstil, in dem sich die Sehnsucht der<br />

wohlhabenden Gesellschaft nach einem<br />

idyllischen, beschaulichen Landleben widerspiegelt.<br />

Deshalb hat der Ballenberg sie<br />

bewahrt», erklärt Riccarda Theiler, Bereichsleiterin<br />

Architektur und Hausforschung<br />

im Freilichtmuseum Ballenberg, bei<br />

einem Rundgang. Zum Glück – denn wäre es<br />

um die reich verzierte Fassade und den<br />

kunstvoll geschnitzten Dachgiebel nicht<br />

jammerschade gewesen? «Das Bewusstsein<br />

dafür, was als schützenswert gilt, verändert<br />

sich; der Denkmalbegriff wird fortlaufend<br />

verhandelt», sagt Riccarda Theiler. Der Wert<br />

repräsentativer Architektur, wie beispielsweise<br />

von Schlössern oder Herrschaftsbauten,<br />

sei auch in der Vergangenheit kaum infrage<br />

gestellt worden. «Doch erst in jüngerer<br />

Zeit erfahren die Geschichten, die Bauernhäuser,<br />

Fabrikgebäude, Arbeiterwohnungen<br />

oder Nachkriegsbauten der 1950er-Jahre<br />

erzählen, vermehrt Aufmerksamkeit.»<br />

Die Gebäude an ihrem ursprünglichen<br />

Standort zu erhalten, ergebe Sinn, betont<br />

Riccarda Theiler. «Im Ballenberg haben wir<br />

nur Gebäude, die es sonst nicht mehr geben<br />

würde.» So fehlt im Freilichtmuseum bis<br />

heute ein Engadinerhaus. «Ein solches würden<br />

wir trotz dem offiziellen Sammlungsstopp<br />

gerne aufnehmen. Jedoch werden<br />

diese Häuser mit ihren wuchtigen Steinmauern<br />

und ihren schönen Sgraffiti sehr<br />

geschätzt und dementsprechend geschützt<br />

und bewahrt. Und das ist gut so.» Denn zwar<br />

werde bei einer Translozierung der Aufbau<br />

eines Objekts bis ins kleinste Detail dokumentiert,<br />

um es am neuen Ort möglichst<br />

originalgetreu rekonstruieren zu können.<br />

Doch selbst, wenn die Bausubstanz noch<br />

gut sei und kaum Materialien ersetzt werden<br />

müssten, verliere das Gebäude etwas.<br />

«Es wird aus seinem Kontext herausgerissen,<br />

aus der umgebenden Landschaft,<br />

aus seiner Siedlung. Das verändert viel.»<br />

Gleichzeitig gehe mit dem Abbruch von<br />

historischen Gebäuden auch am ursprünglichen<br />

Standort ein Stück Kultur und Geschichte<br />

verloren. «Früher hatte jede Region<br />

bestimmte Bauweisen, die sich dem<br />

strukturellen und wirtschaftlichen Wechsel<br />

anpassten. Heute lässt sich ein Neubau in<br />

Neuenburg kaum mehr von einem Neubau<br />

in St. Moritz unterscheiden.» Zwar sei es<br />

notwendig, Bestehendes zu verdichten und<br />

neuen Lebensraum zu schaffen. Allerdings<br />

sei es auch wichtig, gut hinzuschauen, bevor<br />

historische Siedlungen um Neubauten<br />

ergänzt würden. «Früher haben die Menschen<br />

nachhaltig und ökologisch gebaut.<br />

Dies heisst nicht, dass wir alles kopieren<br />

müssen. Aber die alten Gebäude – sei es auf<br />

dem Ballenberg oder sonst wo – können als<br />

Inspirationsquelle dienen.»<br />

1<br />

Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Denkmäler in<br />

der Schweiz: Erste Ergebnisse. Denkmalstatistik<br />

2016 und Statistik des Kulturverhaltens.<br />

Neuenburg 2018.<br />

Kein Engadinerhaus in Sicht<br />

Gemäss Bundesamt für Statistik waren<br />

2016 rund 272 000 Einzelobjekte erfasst,<br />

die besondere denkmalpflegerische Qualitäten<br />

aufweisen. 75 084 davon standen unter<br />

Schutz, wobei 2752 Objekte als Baudenkmäler<br />

von nationaler und 72 332 als<br />

Baudenkmäler von regionaler oder lokaler<br />

Bedeutung klassiert waren. Da die Denkmalpflege<br />

stark föderalistisch geprägt ist,<br />

kann die Situation in den einzelnen Kantonen<br />

sehr unterschiedlich sein. Gut die<br />

Hälfte aller geschützten Objekte entfallen<br />

auf fünf Kantone. 1<br />

Der Kornspeicher aus dem Jahr 1760 stand in Ostermundigen etwas abseits vom Bauernhaus.<br />

Sein Glück – denn das Bauernhaus brannte 1797 ab.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 37


Fokus: Rettung<br />

Suizidprävention<br />

kann Leid<br />

verhindern<br />

Pro Jahr nehmen sich schweizweit rund 1000 Menschen<br />

das Leben, oft beginnt suizidales Verhalten in der Jugend.<br />

Schulische Präventionsprogramme können die Zahl<br />

der Selbstmordversuche senken. Für eine nachhaltige Umsetzung<br />

braucht es jedoch eine gesicherte Finanzierung.<br />

Maya Cosentino, Doktorandin und stv. Oberärztin, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie<br />

und Psychotherapie, Universität Bern, Global Health Policy, London School of Hygiene and Tropical Medicine<br />

Prof. Dr. med. Michael Kaess, Ordinarius und Direktor, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie<br />

und Psychotherapie, Universität Bern<br />

Über vier Prozent der Jugendlichen in Europa haben gemäss eigenen Angaben schon einen Selbstmordversuch hinter sich.<br />

Um Suizidversuchen vorzubeugen, braucht es eine nachhaltige Umsetzung von wirksamen Suizidpräventionsprogrammen.<br />

Bilder: Adobe Stock<br />

38<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus: Rettung<br />

Suizid ist weltweit eine der häufigsten<br />

Todesursachen; etwa ein<br />

Prozent der Todesfälle geht auf<br />

einen Selbstmord zurück [1]. In<br />

Ländern mit hohem Einkommen ist Suizid<br />

die häufigste krankheitsbedingte Todesursache<br />

bei Jugendlichen [2]. Über vier<br />

Prozent der Jugendlichen in Europa geben<br />

an, dass sie schon einmal einen<br />

Selbstmordversuch unternommen haben<br />

[3]. Suizidales Verhalten bei Jugendlichen<br />

ist daher ein bedeutendes und zunehmendes<br />

Problem.<br />

Mehr Suizidversuche während<br />

der Pandemie<br />

Das Leid, das ein Suizid für die betroffenen<br />

Familien und das soziale Umfeld generiert,<br />

sowie die gesamtgesellschaftlichen<br />

Kosten eines Suizids in jungen<br />

Jahren sind beträchtlich. Deshalb geben<br />

aktuelle Trends in der Schweiz Grund zur<br />

Sorge [4]. Die COVID-19-Pandemie ging<br />

mit einem erheblichen Anstieg der Notfälle<br />

in der Kinder- und Jugendpsychiatrie<br />

sowie mit einer Verschärfung der bereits<br />

bestehenden Ressourcenknappheit<br />

innerhalb des kinder- und jugendpsychiatrischen<br />

Versorgungssystems einher [5].<br />

2021 haben die Krankenhauseinweisungen<br />

wegen vermuteter Suizidversuche bei<br />

Jugendlichen in der Schweiz im Vergleich<br />

zu 2020 deutlich zugenommen, insbesondere<br />

bei Mädchen [5]. Die Schweiz ist keine<br />

Ausnahme: Eine Studie mit Daten aus<br />

18 Ländern zeigte, dass die Zahl der Besuche<br />

in der pädiatrischen Notaufnahme<br />

während der COVID-19-Pandemie insgesamt<br />

zurückging, die Zahl der Besuche in<br />

der Notaufnahme wegen Selbstmordversuchen<br />

jedoch deutlich zunahm [6].<br />

Wie sich Suizidalität entwickelt<br />

Suizidales Verhalten entsteht durch ein<br />

komplexes Wechselspiel zwischen neurobiologischen,<br />

sozialen, familiären und<br />

Umweltfaktoren. Bedeutende Risikofaktoren<br />

sind ungünstige Lebensereignisse<br />

und Stressfaktoren sowie Depressionen<br />

und andere psychische Störungen [7]. Dabei<br />

stellt das Kindes- und Jugendalter jene<br />

Entwicklungsperiode dar, in der sich suizidales<br />

Verhalten häufig zum ersten Mal<br />

zeigt. Ebenfalls deuten Forschungsergebnisse<br />

darauf hin, dass die meisten psychischen<br />

Erkrankungen bereits in der Kindheit<br />

und Jugend beginnen [8]. Nach der<br />

interpersonell-psychologischen Theorie<br />

nach Thomas Joiner werden drei spezifische<br />

Faktoren postuliert, die in der Entwicklung<br />

der Suizidalität eine wesentliche<br />

Rolle spielen: das Gefühl, ausgeschlossen<br />

zu sein («thwarted belongingness»), das<br />

Gefühl, anderen zur Last zu fallen («perceived<br />

burdensomeness»), sowie die – beispielsweise<br />

durch gedankliche Vorbereitung,<br />

selbstverletzende und suizidale<br />

Handlungen oder Substanzgebrauch – erworbene<br />

Fähigkeit, sich das Leben zu nehmen<br />

(«acquired capability for suicide») [9].<br />

Selbstverletzendes Verhalten ist daher bei<br />

Jugendlichen ein wichtiger Risikomarker<br />

für mögliche Suizidgefährdung [10].<br />

Sozio-emotionale Kompetenzen<br />

stärken<br />

Suizidale Jugendliche holen sich nur selten<br />

oder deutlich verspätet Hilfe [11, 12].<br />

Öffentliche Werbespots zur Suizidprävention<br />

für Jugendliche konnten weder deren<br />

Einstellung zur Vermeidbarkeit von Suizid<br />

noch ihr Hilfesuchverhalten ändern<br />

[13]. In ihrem evidenzbasierten Leitfaden<br />

zur Suizidprävention «Live Life» empfiehlt<br />

die Weltgesundheitsorganisation<br />

(WHO), die sozio-emotionalen Lebenskompetenzen<br />

bei Jugendlichen zu fördern<br />

[14]. Diese Empfehlung steht in Übereinstimmung<br />

mit Forschungsergebnissen,<br />

die darauf hindeuten, dass schulbasierte<br />

Programme zur Suizidprävention,<br />

die sozio-emotionale Kompetenzen wie<br />

Stress- und Problemlösungsstrategien sowie<br />

die Selbstregulation von Emotionen,<br />

Gedanken und Handlungen bei Jugendlichen<br />

stärken, positive Ergebnisse erzielen<br />

und als wirksam angesehen werden können<br />

[15, 16, 17]. So werden Jugendliche dabei<br />

unterstützt, die Verantwortung für ihre<br />

psychische Gesundheit selbst in die<br />

Hand zu nehmen. Darüber hinaus haben<br />

diese Programme das Potenzial, die meisten<br />

jungen Menschen zu erreichen, darunter<br />

auch gefährdete Jugendliche.<br />

Programm halbiert Suizidversuche<br />

Das internationale Programm «Youth Aware<br />

of Mental Health» (YAM) zielt darauf ab,<br />

stressbedingte Bewältigungs fähigkeiten zu<br />

verbessern und negative Wahrnehmungen<br />

zu verändern. Das schul basierte, universelle<br />

Programm wurde in einer multizentrischen,<br />

randomisierten, kontrollierten Studie<br />

mit über 11 000 Jugendlichen aus zehn<br />

europäischen Ländern untersucht [15]. Im<br />

Vergleich zur Kontrollgruppe verringerte<br />

YAM das Risiko schwerer Selbstmordgedanken<br />

bei Jugendlichen um fast 50 Prozent<br />

und die Zahl der Selbstmordversuche<br />

um über 50 Prozent. Interessanterweise<br />

zeigten Interventionen, die auf das Schulpersonal<br />

oder gefährdete Schülerinnen<br />

und Schüler abzielten, keine signifikanten<br />

Auswirkungen.<br />

Eine Übersichtsarbeit zur Bewertung<br />

primärer Suizidpräventionsmassnahmen<br />

für Kinder und Jugendliche deutet darauf<br />

hin, dass schulbasierte Massnahmen<br />

kurzfristig und möglicherweise auch langfristig<br />

Suizidversuche verhindern, während<br />

die Auswirkungen anderer gemeinschaftsbasierter<br />

Massnahmen ungewiss<br />

bleiben [16]. Als besonders wirksam haben<br />

sich schulische Suizidpräventionsprogramme<br />

erwiesen, die kurz dauern und<br />

eine Nachbeobachtung vorsehen [17]. Es<br />

wird geschätzt, dass pro 20 durch solche<br />

Programme erreichte Personen einem Suizidversuch<br />

vorgebeugt wird («number<br />

needed to treat») [17]. Dies deutet darauf<br />

hin, dass ein Interventionsprogramm in<br />

ein bis zwei Klassenräumen mindestens<br />

einen Suizidversuch verhindern kann.<br />

Weitere als potenziell wirksam eingestufte<br />

Präventionsmassnahmen bei Jugendlichen<br />

sind die kontrollierte Abgabe<br />

von Analgetika in kleineren Packungen<br />

sowie die Behandlung von Depressionen.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 39


Fokus: Rettung<br />

Aktionsplan: Umsetzung ist<br />

im Rückstand<br />

Im November 2016 hat das Bundesamt für<br />

Gesundheit (BAG) einen Aktionsplan zur<br />

Suizidprävention in der Schweiz verabschiedet.<br />

Dieser zielt darauf ab, die Suizidrate<br />

bis 2030 im Vergleich zu 2013 um<br />

25 Prozent zu reduzieren [18]. Laut dem<br />

jüngsten Fortschrittsbericht sind weitere<br />

Massnahmen erforderlich, um die angestrebten<br />

Ziele zu erreichen. Gegenwärtig<br />

werden primäre Suizidpräventionsprogramme<br />

– also Massnahmen vor dem Auftreten<br />

gesundheitlicher Probleme – für<br />

Jugendliche in der Schweiz nicht oft umgesetzt<br />

und sind kaum systematisch verankert<br />

[19]. Auch bestehende Programme<br />

haben Mühe, eine nachhaltige und umfassende<br />

Finanzierung zu erhalten.<br />

Leben retten kostet<br />

Um wirksame primäre Suizidprävention<br />

für Jugendliche nachhaltig umzusetzen,<br />

braucht es eine umfassende Einführung<br />

schulbasierter Suizidpräventionsprogramme<br />

in der Schweiz. Die Koordina tion, Finanzierung<br />

und effektive Um setzung einer<br />

nationalen Suizidpräventionsstrategie erfordert<br />

eine staatliche Führung. Laut dem<br />

Fortschrittsbericht zur Umsetzung des<br />

nationalen Aktionsplans fehlt dem Bund<br />

eine umfassende Gesetzgebungskompetenz<br />

in der Suizidprävention, welche die<br />

Einführung von Top-down-Massnahmen<br />

erlauben und eine nachhaltige Verankerung<br />

fördern würde [19]. Eine ausreichende<br />

Finanzierung würde die Entwicklung<br />

und Umsetzung langfristiger schulbasierter<br />

Suizidpräventionsprogramme ermöglichen<br />

und die Schulen in die Lage versetzen,<br />

Verträge mit Programmanbietern<br />

abzuschlies sen. Bisher fliessen die Mittel<br />

grösstenteils in Massnahmen, die von einer<br />

stärkeren, weniger stigmatisierten<br />

Lobby gefordert werden. Es wäre sinnvoll,<br />

die Mittel stattdessen nach Prioritäten geordnet<br />

zuzuweisen. Denn nur wenn finanzielle<br />

Mittel über einen längeren Zeitraum<br />

zur Verfügung stehen, können wirksame<br />

Suizidpräventionsprogramme nachhaltig<br />

umgesetzt und so Leben gerettet werden.<br />

Literatur<br />

[1] World Health Organization.<br />

Suicide worldwide in 2019:<br />

global health estimates.<br />

[2] Miniño A. Mortality<br />

among teenagers aged 12–19 years:<br />

United States, 1999–2006. NCHS<br />

Data Brief. 2010(37):1–8.<br />

[3] Carli V, Hoven CW,<br />

Wasserman C, Chiesa F, Guffanti G,<br />

Sarchiapone M, Apter A, Balazs J,<br />

Brunner R, Corcoran P, Cosman D.<br />

A newly identified group of<br />

adolescents at “invisible” risk for<br />

psychopathology and suicidal<br />

behavior: findings from the SEYLE<br />

study. World psychiatry. 2014<br />

Feb;13(1):78–86.<br />

[4] Zechmeister I, Kilian R,<br />

McDaid D. Is it worth investing in<br />

mental health promotion and<br />

prevention of mental illness? A<br />

systematic review of the evidence<br />

from economic evaluations. BMC<br />

public health. 2008 Dec;8(1):1–1.<br />

[5] Schuler D, Tuch A,<br />

Sturny I, Peter C. Psychische<br />

Gesundheit. Kennzahlen 2021<br />

(Obsan Bulletin 01/<strong>2023</strong>).<br />

Neuchâtel: Schweizerisches<br />

Gesundheitsobservatorium. <strong>2023</strong>.<br />

[6] Madigan S, Korczak DJ,<br />

Vaillancourt T, Racine N, Hopkins<br />

WG, Pador P, Hewitt JM, AlMousawi<br />

B, McDonald S, Neville RD.<br />

Comparison of paediatric<br />

emergency department visits for<br />

attempted suicide, self-harm, and<br />

suicidal ideation before and during<br />

the COVID-19 pandemic: a<br />

systematic review and meta-analysis.<br />

The Lancet Psychiatry. <strong>2023</strong><br />

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Bobes J. School-based suicide<br />

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factors among adolescents: a<br />

meta-analysis and meta-regression.<br />

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[18] Federal Office of Public<br />

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Available from: https://www.bag.<br />

admin.ch/bag/en/home/<br />

strategie-und-politik/politische-auftraege-und-aktionsplaene/aktionsplan-suizidpraevention.html<br />

[accessed 28 January<br />

<strong>2023</strong>].<br />

[19] Federal Office of Public<br />

Health. Zwischenstand Umsetzung<br />

Nationaler Aktionsplan Suizidprävention<br />

Schlussbericht.<br />

Available from: https://www.bag.<br />

admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/politische-auftraege-und-aktionsplaene/aktionsplan-suizidpraevention.html<br />

[accessed 28 January <strong>2023</strong>].<br />

40<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Unter fachkundiger Anleitung absolviert eine Tänzerin des<br />

Balletts Basel das Screening, um ihre Schwächen zu<br />

erkennen und diesen so gezielt entgegenwirken zu können.<br />

Aktuelles zur sportärztlichen Betreuung:<br />

Verletzungen vorbeugen und rasch behandeln<br />

Sportmedizin<br />

zwischen Tanz und<br />

Tradition<br />

Ein Meniskusriss oder eine Sehnenentzündung sind zwar<br />

für alle Betroffenen mühsam, bei Spitzenathletinnen und -athleten haben<br />

solche Verletzungen aber weitreichende Konsequenzen.<br />

Die professionelle medizinische Betreuung – von der Prävention<br />

bis hin zur Akutversorgung – ist deshalb essenziell.<br />

Bilder: Kantonsspital Baselland<br />

Dr. med. Julian Röhm, Prof. Dr. med. Dr. phil. Dipl.-Ing. FH Andrej M. Nowakowski,<br />

Klinik für Orthopädie und Traumatologie, Zentrum Bewegungsapparat, Kantonsspital Baselland (KSBL)<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 41


Perspektiven<br />

Anhand verschiedener Übungen identifiziert ein Physiotherapeut Stärken und Schwächen des Tänzers.<br />

Der Kontrast zwischen Schwingsport<br />

und Ballett könnte kaum<br />

grösser sein: Schwingen, eine<br />

gelebte Schweizer Tradition,<br />

ist eine Sportart mit höchsten körperlichen<br />

Ansprüchen an Kraft, Ausdauer und Belastbarkeit.<br />

Die kräftigen Kämpfer wiegen<br />

nicht selten deutlich über hundert Kilogramm.<br />

Die Tänzerinnen und Tänzer im<br />

Ballett hingegen sind deutlich filigraner,<br />

wenn auch nicht weniger athletisch gebaut.<br />

Im Vordergrund stehen hier Kunst,<br />

Ausdruck und Körperbeherrschung.<br />

Wer sich etwas näher mit beiden Sportarten<br />

beschäftigt, merkt jedoch schnell,<br />

dass bei beiden ein ausserordentliches<br />

Mass an Disziplin, Training und Körperkontrolle<br />

notwendig ist. Die Sportorthopädinnen<br />

und -orthopäden sowie die Physiotherapeutinnen<br />

und -therapeuten des<br />

Kantonsspitals Baselland (KSBL) haben<br />

sich mit beiden Sportarten befasst.<br />

Präventionsarbeit im Ballett<br />

Die Tänzerinnen und Tänzer im Ballett<br />

sind nicht nur Kunstschaffende, sondern<br />

auch Spitzensportlerinnen und -sportler.<br />

Ihr Körper und ihre Gesundheit sind ihr<br />

Kapital, diese müssen sie dementsprechend<br />

trainieren und schützen. Prävention<br />

und professionelle medizinische Betreuung<br />

sind deshalb mittlerweile auch<br />

im Tanzsport essenziell.<br />

Seit 2021 ist das KSBL offiziell Medical<br />

Partner des Theaters Basel und übernimmt<br />

in diesem Rahmen die sportmedizinische<br />

Betreuung des Balletts Basel. Ein<br />

Team aus ausgebildeten Sportärztinnen<br />

und -ärzten sowie Sportphysiotherapeutinnen<br />

und -therapeuten entwickelte<br />

gemeinsam mit dem vom Theater Basel<br />

beschäftigten Physiotherapeuten ein Präventionskonzept,<br />

um die häufigen Verletzungen<br />

an Sehnen, Bändern und Knochen<br />

auf ein Minimum zu reduzieren.<br />

Individuelle Trainings mit<br />

positiven Effekten<br />

In einem ersten Schritt wurde im<br />

Herbst 2022 ein Pre-Season-Screening<br />

mit 28 Tänzerinnen und Tänzern durchgeführt.<br />

Die Testbatterie beinhaltete zehn<br />

verschiedene Übungen, bei denen Stärken<br />

und Schwächen der einzelnen Teilnehmenden<br />

erkannt und dokumentiert wurden.<br />

Während der Saison absolvierten sie<br />

neben dem gemeinsamen Ballett-Training<br />

auch individuelle Einheiten, um Defiziten<br />

gezielt entgegenzuwirken. Eine Wiederholung<br />

der Testbatterie im August <strong>2023</strong> zeigte<br />

erste positive Effekte. Um konkrete wissenschaftliche<br />

Erkenntnisse zu erhalten oder<br />

sogar Empfehlungen bezüglich des Tanztrainings<br />

zu geben, müssen noch mehr<br />

Tests durchgeführt werden. In Zukunft ist<br />

eine schweizweite Implemen tierung des<br />

Screenings denkbar. Neben der wichtigen<br />

Präventionsarbeit stehen die Fachpersonen<br />

des KSBL der Ballettkompanie auch<br />

bei der Akutversorgung zur Verfügung.<br />

Dank notfallmässigen Kon sultationen mit<br />

Bildgebung und medizinischer Erstversorgung<br />

können die Tänzerinnen und Tänzer<br />

ihre Beschwerden rasch abklären und Verletzungen<br />

umgehend behandeln lassen,<br />

um so möglichst schnell auf die Bühne zurückkehren<br />

zu können.<br />

Akutversorgung beim Schwingfest<br />

Im Kontrast zur Präventionsarbeit stellt die<br />

Akutversorgung eines sportlichen Gross-<br />

42<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Das Sportärzte-Team des KSBL kümmerte sich am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2022 in Pratteln um die verletzten Athleten.<br />

events Sportmedizinerinnen und -mediziner<br />

vor ganz andere Herausforderungen.<br />

Alle drei Jahre findet mit dem Eidgenössischen<br />

Schwing- und Älplerfest (ESAF)<br />

jeweils das grösste Einzelsportereignis der<br />

Schweiz statt. Das KSBL wurde im Rahmen<br />

der Planung des ESAF 2022 in Pratteln für<br />

die medizinische Athletenbetreuung in der<br />

Schwingarena angefragt.<br />

Der Durchmesser der grössten mobilen<br />

Freiluft-Arena der Schweiz betrug 250 Meter<br />

bei einer Zuschauerkapazität von über<br />

50 000 Menschen. Insgesamt kämpften<br />

274 Schwinger in 1790 Paarungen in sieben<br />

Kreisen, meistens parallel. Um ihre<br />

Gegner auf den Rücken zu legen, benötigen<br />

Schwinger gleichermassen Kraft und Dynamik.<br />

Mit im Boden eingebrachten Kraftmessplatten<br />

wurden in Versuchen Spitzenkräfte<br />

von bis zu einer Tonne gemessen.<br />

Vor allem die unteren Extremitäten, insbesondere<br />

die Kniegelenke, sind häufig<br />

von Verletzungen betroffen. Daher war<br />

ein gut funktionierendes System zur ärztlichen<br />

Primärversorgung notwendig. Die<br />

orthopädische Abteilung war mit insgesamt<br />

sieben ausgebildeten Sportorthopäden<br />

während dreier Tage vor Ort. Zusätzlich<br />

unterstützt wurde das Team von einem<br />

zertifizierten Notarzt sowie von Rettungssanitäterinnen<br />

und -sanitätern. Verletzungen,<br />

die zu Unterbrechungen oder zum<br />

Abbruch eines Kampfes führten, wurden<br />

dokumentiert. Dabei galt es, die verletzten<br />

und gehunfähigen Kämpfer schnell und<br />

sicher aus der grossen Arena und aus dem<br />

Blickfeld des grossen Publikums vor Ort<br />

und der bis zu 800 000 Fernsehzuschauenden<br />

zu befördern, um sie dann an einem<br />

Sanitätsposten unter Ausschluss der Öffentlichkeit<br />

untersuchen und behandeln<br />

zu können. Hierfür wurde ein geländegängiger<br />

Fahrtransporter mit speziellem<br />

Aufbau und Sichtschutz für den Liegendtransport<br />

ausgerüstet.<br />

Sorgfältig vorbereiten – schnell<br />

reagieren<br />

Die sportmedizinische Betreuung eines<br />

sportlichen Grossanlasses wie des ESAF<br />

ist essenziell, um die Gesundheit und Sicherheit<br />

der Athleten zu gewährleisten.<br />

Besonders wichtig hierfür sind qualifiziertes<br />

und erfahrenes medizinisches Personal,<br />

eine auf die typischen Verletzungen<br />

der zu betreuenden Sportart angepasste<br />

medizinische Ausrüstung und eine effektive<br />

Kommunikation zwischen den medizinischen<br />

Teams. Eine sorgfältige Vorbereitung<br />

hilft, um auf verschiedene Szenarien<br />

schnell reagieren zu können.<br />

Literatur<br />

Saner M, Steiner C, Röhm J, Müller SA,<br />

Suter T, Nowakowski AM. Primärversorgung<br />

von gehunfähigen Schwingern bei einem<br />

sportlichen Grossanlass, 38. Jahreskongress<br />

GOTS, Luxemburg <strong>2023</strong><br />

https://blog.primeo-energie.ch/<br />

schwingen-und-kraftwirkung/<br />

Maliachovas NK, Klukowska-Rötzler J,<br />

Sauter TC, et al. Severity and pattern of<br />

injuries caused by Swiss wrestling<br />

(Schwingen): first retrospective study at a<br />

level I University Emergency Department in<br />

Switzerland. BMJ Open Sport & Exercise<br />

Medicine 2018;4:e000270.<br />

doi:10.1136/ bmjsem-2017-000270<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 43


Perspektiven<br />

Aus der «Therapeutischen Umschau»* – Übersichtsarbeit<br />

Immunoglobulin-<br />

Substitutionstherapie<br />

bei hämatologischen<br />

Patienten mit sekundärem<br />

Antikörpermangel<br />

Thomas R. Braschler 1 und Sacha Zeerleder 1, 2<br />

Einführung<br />

Der Antikörpermangel als Untergruppe<br />

der Immundefizienzen wird entsprechend<br />

seiner Ätiologie eingeteilt in primäre und<br />

sekundäre Formen. Ein primärer Antikörpermangel,<br />

«Primary Antibody Deficiency»<br />

(PAD), basiert auf einer Gruppe heterogener,<br />

genetischer Krankheiten, die<br />

zu einem Mangel an und / oder einer Dysfunktion<br />

der Antikörper führen. Die Prävalenz<br />

liegt über alle Altersgruppen verteilt<br />

bei ca. 1:1200, im Kindesalter liegt sie<br />

etwas tiefer. Die sekundäre Immundefizienz<br />

hingegen ist eine Folge von exogenen,<br />

erworbenen Ursachen, wie zum Beispiel<br />

neoplastischen und / oder autoimmunen<br />

Krankheiten, viralen Infektionen (z. B.<br />

HIV, Malaria) oder Medikamentennebenwirkungen.<br />

Der sekundäre Antikörpermangel<br />

(«Secondary Antibody Deficiency»,<br />

SAD) als Untergruppe der sekundären<br />

Immundefizienz kommt deutlich häufiger<br />

vor als der primäre Antikörpermangel und<br />

1<br />

Abteilung für Hämatologie, Luzerner Kantonsspital,<br />

Luzern, Schweiz<br />

2<br />

Universitätsklinik für Hämatologie und<br />

Hämatologisches Zentrallabor, Inselspital,<br />

Universitätsspital Bern, Schweiz<br />

* Der Artikel erschien ursprünglich in der<br />

«Therapeutischen Umschau» (2022), 79(6),<br />

295–300.<br />

hat meist eine multifaktorielle Ätiologie,<br />

wobei die zugrunde liegende Krankheit<br />

wie auch die entsprechende Therapie einen<br />

relevanten Beitrag zum – vielfach<br />

temporären – Antikörpermangel leistet<br />

(Tabelle 1). Die chronische lymphatische<br />

Leukämie (CLL), das Multiple Myelom<br />

(MM) und Lymphome sind klassische<br />

hämatologische Krankheiten, die zu einem<br />

sekundären Antikörpermangel führen<br />

können. Die zur Therapie dieser<br />

Krankheiten verwendeten Medikamente,<br />

wie zum Beispiel alkylierende Substanzen,<br />

Purin-Analoga und Proteasom Inhibitoren,<br />

führen durch die Lymphozytendepletion<br />

respektive die Hemmung der<br />

Proliferation zu einer sekun dären Immundefizienz<br />

mit Störung der zellulären und<br />

vielfach auch der humoralen Immunität<br />

im Sinne eines Antikörpermangels. Die<br />

verzögerte Immunrekonstitution nach allogener,<br />

aber zum Teil auch autologer<br />

Stammzelltransplantation ist eine weitere<br />

Ursache des sekundären Antikörpermangels.<br />

Durch die breite Anwendung<br />

von therapeutischen Antikörpern und seit<br />

Kurzem auch von neuen zellulären Therapien<br />

mit zielgerichteter B-Zell-Depletion<br />

hat die Häufigkeit des sekundären Antikörpermangels<br />

deutlich zugenommen.<br />

Ein sekundärer Antikörpermangel führt<br />

zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und<br />

trägt signi fikant zur Morbidität und Mortalität<br />

von hämatologischen Krankheiten<br />

und deren Therapien bei [1]. Dieser sekundäre<br />

An tikörpermangel wird in der klinischen<br />

Praxis vielfach mit der Verabreichung<br />

von Immunglobulinen behandelt.<br />

Der vorliegende Artikel befasst sich mit<br />

den Ursachen des sekundären Antikörpermangels,<br />

gibt einen Überblick über die Effektivität<br />

und die Indikationsstellung der<br />

Immun globulin-Substitutionstherapie.<br />

Ursachen eines sekundären<br />

Antikörpermangels bei hämatologischen<br />

Patienten<br />

Hämatologische Neoplasien sind häufig<br />

mit einem sekundären Antikörpermangel<br />

assoziiert, einer sogenannten Hypogammaglobulinämie.<br />

Mehr als 80 % der Patienten<br />

mit einer CLL haben eine Hypogammaglobulinämie<br />

und 25 bis 50 % der<br />

Patienten sterben schliesslich an infektiösen<br />

Komplikationen [2]. Hier ist anzumerken,<br />

dass mit zunehmendem Alter der<br />

Patienten, deren Komorbiditäten sowie<br />

der Krankheitsdauer die Prävalenz der<br />

Hypogammaglobulinämie zunimmt. Circa<br />

45 – 83 % der Patienten mit MM haben<br />

einen sekundären Antikörpermangel und<br />

gemäss einer Studie sterben 45 % dieser<br />

Patienten innerhalb von sechs Monaten<br />

nach Diagnose an infektiösen Komplikationen,<br />

wobei Pneumonien, Infektionen<br />

des Urogenitaltraktes und Septikämien<br />

als häufigste Ursachen identifiziert wurden<br />

[2].<br />

44<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Erwiesenermassen führt auch die<br />

Thera pie von hämatologischen Neoplasien<br />

zu einer sekundären Immundefizienz.<br />

Hochdosierte Steroide über längere<br />

Perioden führen nicht nur zu einer Suppression<br />

der zellulären Abwehr, sondern<br />

auch zu einem Immunglobulin-Mangel [3].<br />

Chemo therapie mit alkylierenden Substanzen<br />

(Cyclophosphamid, Chlorambucil,<br />

Melphalan, Bendamustin, Busulfan) induzieren<br />

eine Myelosuppression mit dem Risiko<br />

von infektiösen Komplikationen mit<br />

Erregern wie S. aureus, Strep. pneumo niae,<br />

H. influenza und K. pneumoniae. Eine Behandlung<br />

mit Purin-Analoga (z. B. Fludarabin)<br />

induziert durch die Lymphozytendepletion<br />

eine humorale und zellu läre<br />

Immunsuppression mit dem Risiko von<br />

opportunistischen bakteriellen wie viralen<br />

Infektionen [1]. Die Kombination dieser<br />

Zytostatika mit spezifisch gegen B-Zellen<br />

gerichteten Antikörpern (Immunochemotherapie,<br />

Kombination mit z. B. Rituximab),<br />

wie sie bei der Behandlung von lymphoproliferativen<br />

Krankheiten eingesetzt<br />

wird, kann zu einer schweren und lang<br />

anhaltenden Hypogammaglobulinämie<br />

von 18 bis 24 Monaten führen. Auch als<br />

Monotherapie kann eine Behandlung mit<br />

Rituximab abhängig von Dosis, Frequenz<br />

und Therapiedauer zu einer Hypogammaglobulinämie<br />

von sechs bis neun Monaten<br />

oder gar länger führen [4]. Die durch<br />

Rituximab induzierte Hypogammaglobulinämie<br />

geht dann auch mit einem erhöhten<br />

Infektionsrisiko einher [5]. Auch<br />

therapeutische Antikörper, die gegen andere<br />

B-Zell-Antigene (z. B. CD19, CD22) gerichtet<br />

sind, führen zu einer Hypogammaglobulinämie<br />

[1]. Therapeutische Antikörper,<br />

die Antigene auf Plasmazellen<br />

erkennen (z. B. anti-CD38), führen zu einer<br />

effizienten Plasmazell-Depletion und sind<br />

daher bei der Behandlung des MM sehr<br />

wirkungsvoll. Die Behandlung mit diesen<br />

Antikörpern geht mit einem erhöhten Risiko<br />

von bakteriellen und viralen Infektionen<br />

einher [6], jedoch interessanterweise<br />

nicht zwingend mit einer Hypogammaglobulinämie.<br />

Inhibitoren der Bruton-Tyrosinekinase<br />

(BTK), die zur Behandlung von<br />

lymphoproliferativen Krankheiten eingesetzt<br />

werden, induzieren ebenfalls eine<br />

Hypogammaglobulinämie.<br />

Blinatumomab, ein bispezifischer<br />

T-Zell-Antikörper («bispecific T-cell engager»,<br />

BiTE), der bei der akuten lymphatischen<br />

Leukämie eingesetzt wird, erkennt<br />

CD3 auf T-Zellen und CD19 auf B-Zellen<br />

und bringt so B- und T-Zellen in Kontakt.<br />

Die aktivierten, zytotoxischen T-Zellen<br />

Tabelle 1. Übersicht sekundäre Immundefizienze mit potenziell sekundärem Antikörpermangel<br />

bei hämatologischen Malignitäten.<br />

Hämatologische Krankheiten<br />

Leukämien<br />

Plasmazelldyskrasie<br />

Lymphome<br />

Therapien<br />

Medikamente<br />

Antikörpertherapien<br />

Zelluläre Therapien<br />

Entfernen von Antikörpern<br />

– Chronisch Lymphatische Leukämie<br />

– Akute Lymphatische Leukämie<br />

– Multiples Myelom<br />

– Smouldering Myeloma<br />

– MGUS<br />

– Hodgkin Lymphom<br />

– Diffus grosszelliges B-Zell Lymphom<br />

– Mantelzell Lymphom<br />

– Follikuläres Lymphom<br />

– Marginalzonen Lymphom<br />

– Burkitt Lymphom<br />

– M. Waldenström<br />

– Alkylantien (z. B. Cyklophosphamid,<br />

Melphalan)<br />

– Steroide<br />

– Proteasome inhibitoren (z. B. Bortezomib)<br />

– Purin-Analoga (z. B. Fludarabin, Cladribin,<br />

Bendamustin)<br />

– Mycophenolat-Mofetil<br />

– (Tyrosin) Kinase Inhibitoren (z. B.<br />

Imatinib, Dasatinib, Ibrutinib, Idealisib)<br />

– Anti-CD20 (z. B Rituximab, Ofatumumab,<br />

Obinutuzumab)<br />

– Anti-CD19 (z. B. Blinatumumab)<br />

– Anti-CD22 (z. B. Epratuzumab)<br />

– Anti-CD38 (z. B Daraumumab,<br />

Isatuximab)<br />

– Anti-CD52 (Alemtuzumab)<br />

– Anti-BAFF (Belimumab)<br />

– Allogene Stammzelltransplantation<br />

– Doner Lymphozyten Infusion<br />

– CD19-gerichtete «chimeric antigen<br />

receptor<br />

– T-cells» (CAR-T)<br />

– BCMA-gerichtete «chimeric antigen<br />

receptor<br />

– T-cells» (CAR-T)<br />

– Plasmapherese<br />

– Immunadsorption<br />

– Anti-FcRn (z. B. Rozanolixizumab)<br />

Anmerkungen: CD: Cluster of differentiation; BAFF: B-cell maturation antigen; CAR:<br />

Chimeric Antigen Receptor; FcRn: neonataler Fc-Rezeptor. Tabelle adaptiert aus [1].<br />

zerstören die B-Zellen (lymphatische<br />

B-Zell-Blasten wie auch physiologische<br />

B-Zellen), was zu einer ausgeprägten<br />

B-Zell-Depletion und in der Folge zu einer<br />

Hypogammaglobulinämie führt [1].<br />

Die nur langsame Immunrekonstitution<br />

des lympha tischen Kompartiments bei<br />

Patienten nach allogener Stammzelltransplantation<br />

führt zu einer zellulären<br />

wie humoralen Immundefizienz. Das Auftreten<br />

einer Graft­ versus-Host(GvHD)-<br />

Reaktion und die dadurch notwendige Immunsuppression<br />

verzögern die Immunrekonstitution<br />

zusätzlich und kann zu einer<br />

lang dauernden sekundären Immundefizienz<br />

mit Hypogammaglobulinämie füh­<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 45


Perspektiven<br />

ren. Die kumulative Inzidenz einer Hypogammaglobulinämie<br />

bei Patienten nach<br />

allogener Stammzelltransplantation beträgt<br />

nach einem Jahr 24 % und nach drei<br />

Jahren 27 %. Als Risikofaktoren für eine<br />

Hypogammaglobulinämie bei diesen Patienten<br />

wurden lymphatische Malignitäten,<br />

die Behandlung mit Mycophenolat-Mofetil,<br />

tiefe Immunglobulin(IgG)-Spiegel vor<br />

der Transplantation und akute GvHD Grad<br />

2 bis 4 identifiziert [7]. Die negative Auswirkung<br />

des sekundären Antiköpermangels<br />

in dieser Patientengruppe wird durch<br />

eine Studie eindrücklich belegt: Patienten<br />

nach allogener Stammzelltransplantation,<br />

die im ersten Jahr nach Transplantation<br />

IgG-Spiegel von weniger als 4 g / l aufwiesen,<br />

zeigten eine 18 % höhere transplantations-assoziierte<br />

Mortalität, respektive<br />

eine 17 % tiefere Überlebensrate [8]. Die<br />

neuen zellulären Therapien mit «Chimeric<br />

Antigen Receptor(CAR)»-T-Zellen werden<br />

erfolgreich zur Behandlung von aggressiven<br />

B-Zell-Lymphomen eingesetzt. Diese<br />

CAR-T-Zellen reagieren mittels chimärem<br />

Antigenrezeptor (z. B. anti-CD19) spezifisch<br />

mit den Tumorzellen, z. B. Lymphomzellen.<br />

CAR-T-Zellen mit einem chimären<br />

Rezeptor gegen CD19 induzieren ebenfalls<br />

eine sehr effiziente und vielfach langanhaltende<br />

B-Zell-Depletion und somit auch<br />

eine Hypogammaglobulinämie. In einer<br />

Studie mit CAR-T-Zell-Infusion wurde zwischen<br />

Tag 15 und 30 in 35 %, zwischen Tag<br />

31 bis 60 in 27 % und zwischen Tag 61 und<br />

90 in 46 % eine Hypo gammaglobulinämie<br />

(IgG-Spiegel < 4 g / l) rapportiert [9]. In einer<br />

anderen Studie zeigen 67 % der Patienten<br />

90 Tage oder noch länger nach<br />

CAR-T-Zell-Infusion eine Hypogammaglobulinämie<br />

mit IgG-Spiegeln von < 4 g / l<br />

oder es wurde eine Immun globulin-<br />

Substitutionstherapie nötig [10]. Hier gilt<br />

anzumerken, dass die Häufigkeit des Auftretens<br />

der Hypogammaglobulin ämie von<br />

CAR-T-Präparat zu CAR-T­ Zell­ Präparat<br />

unterschiedlich ist, wobei dies wahrscheinlich<br />

nicht – oder nicht nur – an den<br />

verschiedenen Präparaten, sondern auch<br />

an den verschiedenen Therapieprotokollen<br />

liegt, die unterschiedliche Definitionen<br />

der Hypogammaglobulinämie aufweisen<br />

und verschiedene Zeitpunkte der<br />

IgG-Messung vorschreiben [11]. Obschon<br />

viele dieser Patienten bereits eine intensive<br />

Vorbehandlung mit Rituximab-enthaltenden<br />

Therapieschemata erhielten und<br />

vor CAR-T-Therapie verminderte Immunglobulin-Spiegel<br />

aufweisen, führt die CAR-<br />

T-Zell-Therapie zusätzlich zu einer weiteren<br />

Verminderung dieser Spiegel [11]. Infektiöse<br />

Komplikationen nach CAR-T-Zell-<br />

Therapie sind häufig und tragen signifikant<br />

zur Mortalität bei. In 23 – 42 % der Patienten<br />

tritt im ersten Monat nach CAR-T-Zell-<br />

Therapie eine infektiöse Komplikation<br />

auf, danach – bis Tag 90 nach CAR-T-Zell-<br />

Infusion – werden diese Komplikationen<br />

noch bei 21 % der Patienten beobachtet [11].<br />

Ein direkter Zusammenhang zwischen<br />

der Hypogammaglobulinämie und infektiösen<br />

Komplikationen kann bei Kindern<br />

in den ersten 28 Tagen nach CAR-T-Zell-<br />

Infusion belegt werden, eine entsprechende<br />

Assoziation konnte jedoch bei Erwachsenen<br />

Patienten noch nicht bestätigt werden.<br />

Therapie der sekundären<br />

Hypogammaglobulinämie<br />

mit Immunglobulinen<br />

Die IgG-Substitutionsbehandlung ist in<br />

der Behandlung des primären und sekundären<br />

Antikörpermangels zentral. Im Jahre<br />

1952 wurden bei einem achtjährigen<br />

Knaben mit rezidivierenden schweren<br />

Infektionen aufgrund einer Aggammaglobulinämie<br />

zum ersten Mal Immunglobuline<br />

verabreicht. Diese erste Substitutionsbehandlung<br />

wurde monatlich subkutan<br />

in Dosen von 3,2 g verabreicht und<br />

führte dazu, dass während einem Jahr<br />

keine Infektionen mehr aufgetreten sind<br />

[12]. In den folgenden Jahren wurden Immunglobuline<br />

hauptsächlich intramuskulär<br />

appliziert. Die Therapie zeigte jedoch<br />

Tabelle 2. Vergleich intravenös vs. subkutanes Immunglobulin.<br />

Pharmakokinetik<br />

Dosierung<br />

Patientenfreundlichkeit<br />

Nebenwirkungen<br />

Reaktion an der Injektionsstell<br />

Patientenzufriedenheit<br />

Intravenös immunglobuline<br />

– Fluktuierende Spiegel<br />

– Alle 3 – 4 Wochen<br />

– Dosis ev. Bestimmt durch Volumen<br />

Toleranz<br />

– Tiefe Talspiegel mit Wirkungsverlust<br />

– Meist gebunden an Spital / Poliklinik<br />

– Gefässzugang erforderlich<br />

– Spezialisiertes medizinisches Personal<br />

nötig<br />

– Erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen<br />

– Dosis- und Frequenz-abhängige<br />

– Nebenwirkungen<br />

– Selten<br />

– Bevorzugt durch Patienten, die Angst vor<br />

Nadeln und Eigenverabreichung haben<br />

– Nicht zuverlässige Patienten<br />

Subkutan Immunglobuline<br />

– Konstante Spiegel<br />

– Alle 1 – 2 Wochen<br />

– Frequenz bestimmt durch Dosis,<br />

toleriertes Volumen und Präferenz Patient<br />

– Höhere Talspiegel mit geringem Risiko<br />

Wirkungsverlust<br />

– Meistens zu Hause möglich<br />

– Gefässzugang nicht erforderlich<br />

– Selten, meist milder als bei IglV<br />

– Kann bei Patienten eingesetzt werden<br />

die bei IglV Reaktionen hatten<br />

– Irritation, Schwellung, Verhärtung und<br />

Juckreiz an der Injektionsstelle normal;<br />

Symptome klingen rasch ab<br />

– Erhöhte QoL (Unabhängigkeit, Flexibilität)<br />

– Verminderte Belastung Infrastruktur<br />

– Tiefere Kosten<br />

Anmerkungen: IgSC: subkutane Immunglobuline; IgIV: intravenöse Immunglobuline; QoL: Quality of Life. Tabelle angepasst gemäss [13].<br />

46<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

beträchtliche Nebenwirkungen, wie lang<br />

dauernde Schmerzen an der Injektionsstelle<br />

und nicht selten schwere allergische<br />

Reaktionen. Erst mit der weiteren Optimierung<br />

der Immunglobulinproduktion<br />

wurde es möglich, die Präparate intravenös<br />

zu verabreichen und randomisierte<br />

klinische Studien belegten, dass die<br />

intrave nöse Verabreichung dieser Präparate<br />

gegenüber der intramuskulären Applikation<br />

betreffend Effizienz und Sicherheit<br />

überlegen war [13].<br />

Die Indikation zur Immunglobulin-<br />

Substitutionsbehand lung bei sekundärem<br />

Antikörpermangel stützt sich im klinischen<br />

Alltag auf Empfehlungen, die grösstenteils<br />

auf klinischer Erfahrung und Daten<br />

aus der Behandlung der primären Immundefizienzen<br />

beruhen. Das ist dann<br />

auch der Grund, weshalb nationale Fachgesellschaften<br />

und Autoritäten ihre eignen<br />

Empfehlungen betreffend Indikation<br />

zur Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

bei sekundärem Antikörpermangel herausgeben.<br />

Es liegen kontrollierte Studien<br />

vor, die zum Beispiel bei CLL den Benefit<br />

einer Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

zeigen. Eine placebo-kontrollierte,<br />

doppelblinde Studie in 81 Patienten mit<br />

CLL zeigte eindrücklich, dass eine Substitutionsbehandlung<br />

mit Immunglobulinen<br />

zu einer signifikanten Reduk tion der<br />

bakteriellen Infektionen führte [14]. Weitere<br />

kontrollierte, randomisierte Studien<br />

mit einer jedoch bescheidenen Anzahl<br />

CLL-Patienten bestätigten die Resultate<br />

dieser Studie. Eine placebo-kontrollierte<br />

Studie in 82 Patienten mit Multiplem Myelom<br />

mit sekundärer Hypogammaglobulinämie<br />

zeigte eine signifikante Verminderung<br />

der schweren infektiösen Komplikationen<br />

während der Substitutionstherapie<br />

mit Immunglobulinen [15]. Eine Cochrane-Analyse<br />

aus dem Jahr 2008 kam zum<br />

Schluss, dass Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

bei Patienten mit CLL und<br />

Multiplem Myelom zwar das Auftreten<br />

von infektiösen Komplikationen vermindert,<br />

jedoch keinen Einfluss auf die Mortalität<br />

hat. Die Autoren relativierten ihre<br />

Aussage aber auch, da die Anzahl ausgewerteter<br />

Patienten nicht hoch sei und für<br />

eine verlässliche Aussage eine grössere<br />

Anzahl Patienten benötigt werde [16]. Eine<br />

kürzlich publizierte grosse Kohortenstudie<br />

mit rituximab-behandelten Patienten<br />

zeigte, dass die Immunglo bulin-Substi tutionsbehandlung<br />

das Risiko auf schwere<br />

infektiöse Komplikationen signifikant<br />

ver mindert [17]. Allgemein bleiben nebst<br />

der beschränkten Anzahl der in den placebo-kontrollierten<br />

Studien eingeschlossenen<br />

Patienten auch die Hete rogenizität<br />

der verwendetet Patientengruppen sowie<br />

die verwendeten unterschiedlichen Definitionen<br />

der Hypogammaglobulinämie<br />

ein Problem. Es fehlen aktuellere kontrollierte<br />

Studien mit einer hohen statistischen<br />

Aussagekraft, die eine verlässliche<br />

Aussage des Effekts der Immunglobulin-<br />

Substitution auf die Mortalität respektive<br />

die infektiösen Komplikationen erlauben.<br />

Das dürfte dann auch der Grund sein, weshalb<br />

die Europäische Gesellschaft für medizinische<br />

Onkologie ESMO («European<br />

Society for Medical Oncology») mit ihren<br />

Empfehlungen betreffend Substitutionstherapie<br />

mit Immunglobulinen bei CLL<br />

sehr zurückhaltend ist, da diese zu keiner<br />

bewiesenen Verbesserung des Überlebens<br />

der CLL-Patienten führt. Die ESMO empfiehlt<br />

daher den Einsatz der Immunglobulin-Substitution<br />

nur bei schwerer Hypogammaglobulinämie<br />

und wiederholten<br />

(schweren) Infektion [1].<br />

Welche Patienten profitieren<br />

potenziell von einer Immunglobulin-<br />

Substitutionstherapie, mit welcher<br />

Dosis und wie lange soll man<br />

behandeln?<br />

Angesichts der nicht glasklaren Datenlage<br />

betreffend Wirksamkeit haben in verschiedenen<br />

Ländern nationale Expertengremien<br />

und Autoritäten Empfehlungen<br />

aufgestellt, um festzulegen, welche Patienten<br />

mit sekundärem Antikörpermangel<br />

für eine Immunglobulin-Substi tutionsbehandlung<br />

qualifizieren. Auch die<br />

Europäische Arzneimittelbehörde («European<br />

Medical Agency», EMA) hat kürzlich<br />

ihre Empfehlung zur Behandlung von Patienten<br />

mit sekundärem Antikörpermangel<br />

mit Immunglobulinen angepasst. Den<br />

meisten Empfehlungen ist die Anfor derung<br />

des Nachweises einer Hypogammaglobulinämie<br />

bei einer unter liegenden<br />

hämatologischen Krankheit gemein. Die<br />

Definition einer Hypogammaglobulinämie<br />

hingegen wird sehr unterschiedlich<br />

gehandhabt, wobei IgG-Werte von < 4 g / l,<br />

< 5 g / l oder schlichtweg zweimalig gemessen<br />

unter dem Referenzwert für IgG als<br />

Definition verwendet werden. Viele Empfehlungen<br />

fordern auch, dass die Patienten<br />

schwere und / oder wiederholte infektiöse<br />

Episoden hatten [1, 18]. Angesichts<br />

dieses unübersichtlichen Wildwuchses<br />

an Empfehlung hat sich ein paneuropäisches<br />

Experten panel, zusammengesetzt<br />

aus renommierten Immunologen und<br />

Hämato-Onkologen, bemüht, mittels der<br />

Delphi­ Methode eine «Europäische Expertenempfehlung»<br />

zu erarbeiten. Diese<br />

Empfehlung berücksichtigt sehr gelungen<br />

die einschlägigen nationalen (europäischen<br />

und nicht europäischen) Empfehlungen.<br />

Die Empfehlung beginnt mit der<br />

Defini tion der verschiedenen Schweregraden<br />

der Infektionen (1), gefolgt von einer<br />

Stellungnahme betreffend Zeitpunkt der<br />

Bestimmung der Serum-Immunoglobuline<br />

(2), wann eine Substitutionstherapie<br />

begonnen werden sollte (3) und der zu<br />

wählenden Dosis (4). Abgeschlossen wird<br />

mit einer Empfehlung, wann eine Substitutionstherapie<br />

wieder sistiert werden<br />

kann (5). Nachfolgend ein auf Schweizer<br />

Verhältnisse angepasster Vorschlag, der<br />

die Europäischen Empfehlungen berücksichtigt<br />

[18]:<br />

1. Definition einer Infektion bei<br />

Patienten mit hämatologischen<br />

Neoplasien<br />

– schwere Infektion: erfordert eine akute<br />

intravenöse An tibiotikatherapie und<br />

geht mit einer immediaten und meist<br />

verlängerten Hospitalisation oder gar<br />

der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen<br />

Behandlung einher<br />

– rezidivierende Infektionen: wiederholte<br />

Infektionen, mindestens dreimal pro<br />

Jahr trotz adäquater antimikrobieller<br />

Prophylaxe<br />

– persistierende Infektion: keine Verbesserung<br />

trotz Breitband-Antibiotika oder –<br />

nach erfolgter Keimidentifika tion und<br />

Resistenzbestimmung – gerichteter adäquater<br />

Antibiotikatherapie<br />

2. Zu welchem Zeitpunkt sollten die<br />

Gammaglobulin-Spiegel gemessen<br />

werden und was genau muss<br />

gemessen werden?<br />

– vor dem Start einer Anti-Tumor-Therapie<br />

(z. B. Immuno[chemo]-Therapie,<br />

Stammzelltransplantation, zelluläre<br />

Therapie)<br />

– bei pädiatrischen Patienten ist es wichtig,<br />

die Werte gemäss der altersspezifischen<br />

Normwerten zu interpretieren<br />

– die Autoren empfehlen eine regelmässige<br />

Kontrolle (alle acht bis zwölf Wochen),<br />

auch unter Substitution (Talspiegel)<br />

– die Messung sollte eine Bestimmung<br />

der Isotypen IgG, IgM und IgA beinhalten;<br />

bei Patienten mit / nach Behandlung<br />

eines Multiplen Myeloms ist eine<br />

regelmässige Immunfixation und Bestimmung<br />

der leichten Ketten im Serum<br />

sinnvoll<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 47


Perspektiven<br />

48<br />

Zusammenfassung<br />

Hämatologische Malignitäten und Immunochemotherapien sind häufig mit einer sekundären<br />

zellulären und humoralen Immunschwäche assoziiert. Durch die zunehmende<br />

Ver wendung von effektiven therapeutischen Antikörpern und zellulären Therapien, die<br />

gerichtet Antikörper-produzierende Zellen (B- und Plasma-Zellen) eliminieren, nimmt die<br />

Häufigkeit des sekundären Antikörpermangel-Syndroms in der täglichen hämatologischen<br />

Praxis zu. Diese Übersichtsarbeit gibt einen kurzen Überblick über die Ätiologie des sekundären<br />

Antikörpermangels bei hämatologischen Patienten und widmet sich in der Folge<br />

der Wirksamkeit und Indikationsstellung für eine Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

sowie Überlegungen zur entsprechenden Präparatewahl in dieser Patientengruppe.<br />

Abstract: Immunglobulin Substitution Therapy in<br />

Hematological Patients with secondary Antibody<br />

Deficiency<br />

Hematological malignancies and immunochemotherapy are frequently associated with<br />

secondary cellular and humoral immunodeficiencies. Due to the growing application<br />

of effective therapeutic antibodies, and cellular therapies specifically targeting and hence<br />

depleting antibody producing cells (B- and plasma cells) the incidence of secondary antibody<br />

deficiencies in the daily practice is increasing. This article will provide a short<br />

overview of the etiology of secondary antibody deficiencies in hematological patients.<br />

Then, it will discuss the efficacy and indication of immunoglobulin substitution therapy<br />

in these patients and finally address the choice of the respective preparation.<br />

3. Wann sollte bei Patienten mit<br />

hämatologischer Neoplasie eine<br />

Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

gestartet oder zumindest<br />

erwogen werden?<br />

– bei einem IgG-Spiegel < 4 g / l unter adäquater<br />

antimikrobieller Prophylaxe<br />

während oder nach einer schweren Infektion<br />

oder bei rezidivierenden oder<br />

persistierenden Infektionen<br />

– bei allen Patienten nach allogenen<br />

Stammzelltransplantation, im Besonderen<br />

wenn sie tiefe IgG (< 4 g / l) oder / und<br />

eine GvHD haben, die mit Immunsupressiva<br />

behandelt wird<br />

– bei Patienten nach CAR-T-Zell-Therapie<br />

sollte immer eine Substitution<br />

durchgeführt werden<br />

– bei Patienten mit einer trotz adäquater<br />

antibiotischer Therapie schweren, rezidivierenden<br />

oder persistierenden Infektion<br />

kombiniert mit einer milden<br />

Hypogammaglobulinämie von 4 bis<br />

6 g / l und / oder einer ungenügenden<br />

Impfantwort gegen Pneumokokken<br />

4. Wie muss dosiert werden?<br />

– Die Dosierung der Immunglobulin­<br />

Substitutionstherapie sollte gewichtsadaptiert<br />

erfolgen. Bei adipösen Pa tienten<br />

sollte die Dosis gewichtsadaptiert an<br />

das Ideal- oder angepasstes Körpergewicht<br />

(engl. «ideal» oder «adjusted body<br />

weight») angepasst werden.<br />

– Bei hämatologischen Patienten mit einem<br />

sekundären Antikörpermangel<br />

sollte die Dosierung 0.4 g / kg Körpergewicht<br />

alle drei bis vier Wochen betragen.<br />

– Bei Patienten, bei denen die Infektion<br />

trotz dieser Dosis alle drei bis vier Wochen<br />

nicht unter Kontrolle ist respektive<br />

Rezidive auftreten, muss eine Erhöhung<br />

der Dosis erwogen werden.<br />

5. Wann kann die Immunglobulin-Substitution<br />

wieder gestoppt werden?<br />

– bei Patienten, die eine klinisch signifikante<br />

Periode ohne infektiöse Komplikationen<br />

hatten oder bei denen Zeichen<br />

einer immunologischen Erholung<br />

sichtbar sind<br />

– bei Patienten ohne infektiöse Komplikationen<br />

für mindestens sechs Monate<br />

und mit Zeichen einer immunologischen<br />

Erholung<br />

– auch nach Absetzen der Substitution<br />

sollten die Immunoglobulin-Spiegel<br />

regelmässig gemessen werden und bei<br />

Wiederauftreten von infektiösen Kompli<br />

ka tionen niederschwellig eine erneute<br />

Immunglobulin- Substitutionstherapie<br />

gestartet werden.<br />

Wahl des Präparates<br />

und der Verabreichungsroute<br />

Seit der ersten Verabreichung 1952 wurden<br />

die Produktionsprozesse der Immunglobulin-Präparate<br />

optimiert. Im Vordergrund<br />

dieser Produktionsoptimierung stand eine<br />

Erhöhung des Gehaltes und der Reinheit<br />

des gewonnenen IgG aus einem Pool von<br />

gesunden Plasmaspendern. Die Präparate<br />

mit einem Mindestanteil von 96 % IgG bestehen<br />

hauptsächlich aus den IgG-Subklassen<br />

IgG1 (ca. 56 – 69 %) und IgG2 (26 – 32 %),<br />

zudem enthalten sie einen geringen Anteil<br />

IgG3 und IgG4. Die erhältlichen Präparate<br />

weisen auch eine IgA-Konzentration von<br />

< 0.9 mg / ml auf. Die Optimierung der<br />

Produktionsprozesse schliesst auch eine<br />

effi zientere Pathogen-Inaktivierung ein,<br />

was die Sicherheit dieser Immunglobulin­<br />

Präparate weiter erhöht [13].<br />

Die Therapie mit Immunglobulinen<br />

wird meist gut vertragen. Überempfindlichkeiten<br />

bis hin zur Anaphylaxie können<br />

auftreten, sind aber selten. Das Auftreten<br />

dieser Nebenwirkung kann einen Zusammenhang<br />

mit der Infusionsgeschwindigkeit<br />

haben, kann aber auch bei der ersten<br />

Infusion oder bei einer primären Hypooder<br />

Agam maglobulinämie mit oder ohne<br />

bestehenden IgA-Mangel auftreten. Beim<br />

Auftreten einer milden allergischen Reaktion<br />

kann die Infusion gestoppt werden<br />

und bei schneller Regredienz der Symptome<br />

nach einer Pause mit tieferer Infusionsgeschwindigkeit<br />

wieder aufgenommen<br />

werden [13]. Bei einer schwereren<br />

Reaktion bis hin zur Anaphylaxie muss<br />

die Infusion gestoppt werden und die entsprechenden<br />

notfallmedizinischen Massnahmen<br />

(Volumensupport, H1- und H2-<br />

Blocker, Steroide, evtl. Sauerstoff) müssen<br />

schnell eingeleitet werden. Selten kann<br />

die Immunglobulin-Substitution einen<br />

positiven direkten An tiglobulin-Test verursachen<br />

und in sehr seltenen Fällen kann<br />

dieser mit einer Hämolyse vergesellschaftet<br />

sein. Im Immunoglobulinpräparat enthaltene<br />

Isoagglutinine verursachen die<br />

sehr seltene Komplikation, wobei diese<br />

vor allem bei hohen Substitutionsdosen<br />

(> 0.5 g / kg KG) an Nicht-O-Blutgruppenempfänger<br />

auftritt. Hersteller haben zwischenzeitlich<br />

dieses Problem mit teils<br />

selektiver Reduktion von Isoagglutininen<br />

(Anti-A und Anti-B) in der Herstellung<br />

gelöst. Das sehr seltene Auftreten von<br />

thromboembolischen Komplika tionen<br />

wird ebenfalls beschrieben. Das plötzliche<br />

Zusammenspiel von Anstieg der Viskosität<br />

in Kombination mit vorbestehenden<br />

Risikofaktoren für thromboembo lische<br />

Ereignisse dürfte hier sicher eine Rolle<br />

spielen, vor allem bei höheren Dosierungen<br />

(> 0.5 g / l kg KG). Eine vergleichbare<br />

Ätiologie hat wahrscheinlich auch die<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

sehr selten beschriebene Niereninsuffizienz<br />

als Komplikation dieser Behandlung.<br />

In seltenen Fällen kann vor allem bei hochdosierter<br />

Behandlung mit Immunglobulinen<br />

(> 1 g / kg KG) eine aseptische Meningitis<br />

auftreten [13].<br />

Die subkutane Serumverabreichung<br />

hatte sich schon im Zeitalter von Emil von<br />

Behring vor mehr als 100 Jahren etabliert.<br />

Im Rahmen der verschiedenen Optimierungen<br />

der Prozesse in der Produktion mit<br />

dem Ziel, den Ertrag der Immunglobuline<br />

im Produkt zu steigern und die Sicherheit<br />

der Produkte zu verbessern, wurden über<br />

die letzten Dekaden verschiedene Verabreichungsrouten<br />

– intramuskulär, intravenös<br />

und dann auch wieder subkutan – verwendet.<br />

Mittlerweile wird der grösste Teil<br />

der Immunglobulin­ Präparate bei Antikörpermangel<br />

intravenös oder subkutan<br />

verabreicht. Die subkutane Immunglobulin-Verabreichung<br />

führt im Gegensatz<br />

zur intravenösen Verabreichung zu einer<br />

langsameren Absorption und Verteilung<br />

der IgG im Körper. Zudem vermindert eine<br />

sub kutane Verabreichung auch die Häufigkeit<br />

von schweren systemischen Nebenwirkungen.<br />

Bei Patienten mit hämatolo gischen<br />

Maligni täten mit einem sekundären<br />

Antikörpermangel, die für eine Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

qualifizieren,<br />

müssen die Vor- und Nachteile der<br />

intravenösen und subkutanen Verabreichung<br />

diskutiert werden und die Patienten<br />

sollten auch aktiv in den Entscheid<br />

einbezogen werden. Die Tabelle 2 gibt<br />

eine kurze allgemeine Übersicht über die<br />

Unterschiede zwischen subkutaner und<br />

intravenöser Verab reichung. Die Möglichkeit<br />

einer subkutanen Immunglobulin-Substitutionstherapie<br />

sollte – wenn<br />

es die Begleitumstände des Patienten erlauben<br />

– immer ernsthaft geprüft werden<br />

[13, 18].<br />

Prof. Dr. med. et phil. Sacha Zeerleder<br />

Abteilung Hämatologie<br />

Luzerner Kantonsspital<br />

Spitalstrasse<br />

6000 Luzern 16<br />

Schweiz<br />

sacha.zeerleder@luks.ch<br />

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<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 49


Perspektiven<br />

Der besondere Ort<br />

Ein Ort, wo Realität und<br />

Traum verschmelzen<br />

Tharshika Thavayogarajah, Redaktionsmitglied <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

Dubrovnik, die «Perle der<br />

Adria», ist zweifellos einer<br />

der faszinierendsten Orte,<br />

die Kroatien zu bieten hat.<br />

Die Stadt ist nicht nur für ihre atemberaubende<br />

Schönheit bekannt, sondern<br />

auch für ihre reiche Geschichte sowie<br />

ihre Rolle als Schauplatz einiger der<br />

bekanntesten Ereignisse in der Literaturund<br />

Filmgeschichte, wie etwa in der<br />

beliebten Serie «Game of Thrones».<br />

Ein Schauplatz der Geschichte<br />

Dubrovnik, auch bekannt als Ragusa,<br />

hat eine lange und ereignisreiche<br />

Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht.<br />

Die Stadt war einst eine Seemacht<br />

und ein bedeutendes Handelszentrum.<br />

Mit ihren gut erhaltenen Stadtmauern,<br />

historischen Gebäuden und charmanten<br />

Plätzen zeugt die Altstadt von Dubrovnik,<br />

eine UNESCO-Weltkulturerbestätte,<br />

von dieser Vergangenheit.<br />

Die Stadt spielte auch während der<br />

Renaissance und der Aufklärung eine<br />

wichtige Rolle, wodurch sie zu einem<br />

Zentrum des intellektuellen und kulturellen<br />

Austauschs wurde. Viele berühmte<br />

Denker, Schriftsteller und Künstler haben<br />

Dubrovnik besucht und beeinflusst,<br />

was sich in der kulturellen Vielfalt der<br />

Stadt widerspiegelt.<br />

Eine Verbindung zu «Game of Thrones»<br />

Für Fans von «Game of Thrones»<br />

ist Dubrovnik ein wahrer Pilgerort.<br />

Die beeindruckende Kulisse der<br />

Stadt diente als Drehort für King’s<br />

Landing, die Hauptstadt der fiktiven<br />

Welt von Westeros. Beim Spaziergang<br />

durch die engen Gassen und über<br />

die majestätischen Stadtmauern kann<br />

man sich leicht vorstellen, in die Intrigen<br />

und Machtspiele der Serie verwickelt<br />

zu sein. Dubrovniks Architektur und<br />

Atmosphäre lassen Realität und Fiktion<br />

verschmelzen.<br />

Ein Ort zum Träumen und Entspannen<br />

Dubrovnik ist ein wahrer Rückzugsort.<br />

Die mediterrane Schönheit der Stadt,<br />

die azurblauen Gewässer der Adria und<br />

die malerische Landschaft bieten die<br />

perfekte Kulisse, um dem Stress des<br />

Alltags zu entfliehen. Die ruhigen Strände<br />

und die charmanten Cafés laden dazu<br />

ein, die Zeit zu vergessen und einfach<br />

den Moment zu geniessen.<br />

Die Geschichten des Ozeans<br />

Als Seemacht war das Schicksal der Stadt<br />

eng mit dem Meer verbunden, was in<br />

den historischen Hafenbereichen und<br />

den Geschichten der Seefahrer zum<br />

Ausdruck kommt. Die Küste Kroatiens,<br />

zu der Dubrovnik gehört, ist reich an<br />

maritimer Tradition. In den Gedichten<br />

und Geschichten der Region finden<br />

sich oft Anklänge an das Meer, die<br />

Freiheit der Wellen und die Abenteuer<br />

der Seefahrt. Diese literarische Tradition,<br />

gepaart mit der realen Geschichte der<br />

Stadt, verleiht Dubrovnik eine einzigartige<br />

Atmosphäre, die Besucherinnen<br />

und Besucher in ihren Bann zieht.<br />

Fazit: ein Ort der Vielfalt und Inspiration<br />

Dubrovnik ist zweifellos ein Ort, der<br />

sowohl in der realen Geschichte als auch<br />

in der Literatur und Fantasie eine<br />

bedeutende Rolle spielt. Die Verbindung<br />

von historischer Bedeutung, atemberaubender<br />

Schönheit und kultureller<br />

Vielfalt macht die Stadt zu einem Ort<br />

der Inspiration und des Träumens.<br />

Als Ärztin ist mein Alltag oft von Hektik<br />

und Verantwortung geprägt. In Dubrovnik<br />

finde ich die Möglichkeit, dem Alltag<br />

zu entfliehen, mich in die Vergangenheit<br />

zu vertiefen und gleichzeitig von den<br />

kreativen Impulsen der Literatur und<br />

Geschichte inspiriert zu werden.<br />

Tharshika<br />

Thavayogarajah<br />

ist seit <strong>2023</strong> Redaktionsmitglied<br />

des<br />

<strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>s. Die<br />

Ärztin und Forscherin<br />

in der Hämatologie<br />

liebt neben der Medizin<br />

auch Kultur, Musik und Literatur.<br />

<strong>Journal</strong>ismus hat sie bereits im Studium<br />

interessiert, weshalb sie auch<br />

früher gerne Artikel zu bildungspolitischen<br />

Themen verfasst hat.<br />

Bilder: zvg<br />

50<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


mediservice<br />

Briefkasten<br />

Sicher surfen und<br />

shoppen<br />

Ich höre und lese oft von Cyberattacken<br />

auf Firmen. Welche<br />

Gefahren gibt es im Internet für<br />

mich als Privatperson, und wie<br />

kann ich mich davor schützen?<br />

Nicht nur Firmen, sondern auch Privatpersonen<br />

können zum Opfer von Internetkriminalität<br />

werden: Wer in einem<br />

scheinbar seriösen Phishing-E-Mail einen<br />

Anhang anklickt oder auf einer harmlos<br />

aussehenden Seite ein Programm herunterlädt,<br />

kann sich bereits einen Computervirus<br />

einfangen. Die Schadsoftware<br />

kann den Computer lahmlegen, Daten,<br />

Fotos und Dokumente zerstören oder<br />

persönliche Informationen wie Passwörter<br />

und Kreditkarteninformationen<br />

absaugen.<br />

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erstklassigen Schutz bei Hackerangriffen<br />

und deckt Kosten bis<br />

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– Die Versicherung «Zurich Cyber<br />

Shop & Pay» bietet Sicherheit<br />

beim Onlineshopping und beim<br />

E-Banking. Die Versicherungssumme<br />

ist wählbar – von<br />

CHF 10 000.– bis 50000.–.<br />

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Wenn Hacker das Konto leerräumen<br />

Auch beim beliebten Onlineshopping<br />

kann einiges schiefgehen – wenn zum<br />

Beispiel bestellte Gegenstände fehlerhaft,<br />

beschädigt oder gar nicht ankommen.<br />

Ebenso unerfreulich ist es, wenn Sie<br />

online Ihre Traumferien buchen, vor Ort<br />

aber alles ganz anders ist als versprochen.<br />

Das Worst-Case-Szenario: Ihre E-Banking-Zugangsdaten<br />

geraten in falsche<br />

Hände und Ihr Konto wird leergeräumt.<br />

Wachsamkeit ist der beste Schutz<br />

Der beste Schutz gegen jede Art von<br />

Cyberattacken ist es, stets wachsam und<br />

vorsichtig zu bleiben: Stammt die E-Mail<br />

mit dem ausländischen Länderkürzel<br />

wirklich von Ihrem Paketdienst? Würde<br />

Ihre Bank tatsächlich auf diesem Wege<br />

nach persönlichen Daten fragen? Warum<br />

sollten gerade Sie von einem Millionengewinn<br />

profitieren? Öffnen Sie keine<br />

Anhänge von E-Mails mit unbekanntem<br />

Absender, klicken Sie nicht auf dubiose<br />

Banner und seien Sie sehr zurückhaltend<br />

beim Herunterladen von Programmen<br />

aus dem Netz. Auch beim Onlineshopping<br />

ist Wachsamkeit gefragt: Werden Sie<br />

misstrauisch, wenn ein Angebot zu gut<br />

ist, um wahr zu sein. Lesen Sie auch das<br />

Kleingedruckte und prüfen Sie gerade bei<br />

Dienstleistungen im Abonnement die<br />

Kündigungsfristen.<br />

Wichtige Daten als Offlinekopie<br />

speichern<br />

Nutzen Sie als Passwort nicht Ihren<br />

Vornamen und Ihr Geburtsdatum.<br />

Ersetzen Sie Buchstaben durch Zahlen,<br />

und verwenden Sie Sonderzeichen:<br />

Mit «5Onn3!?!» statt «Sonne123» machen<br />

Sie Hackern das Leben zumindest etwas<br />

schwerer. Ausserdem sollten Sie von<br />

wichtigen Daten regelmässige Back-ups<br />

machen und anschliessend den Datenträger<br />

vom Netz nehmen. Doch auch bei<br />

höchster Wachsamkeit lässt sich ein<br />

Restrisiko niemals ausschliessen.<br />

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Katrin Schnettler Ruetz,<br />

Senior Content Strategist bei<br />

Zurich Schweiz<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 51


mediservice<br />

Am weitesten verbreitet ist digitaler Stress bei Arbeitnehmenden in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen.<br />

Das Dilemma<br />

mit der<br />

Digitalisierung<br />

Stress allgemein und insbesondere digitaler Stress wirken sich negativ<br />

auf die Gesundheit und die mentale Verfassung aus. In einem ersten Schritt<br />

hilft es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich zu fragen:<br />

Stehe auch ich unter digitalem Stress?<br />

Sara Steinmann, Redaktorin Visana<br />

Bild: zvg<br />

52<br />

6/23 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


eDossier 1 / Umgang mit digitalem <strong>2023</strong> Stress<br />

mediservice<br />

Fred, der Neandertaler, hört ein<br />

verdächtiges Geräusch. Er<br />

schreckt von seinem Mittagsschlaf<br />

hoch und ist hellwach:<br />

War das ein Säbelzahntiger? In Sekundenbruchteilen<br />

schiessen die Hormone durch<br />

seinen Körper, allen voran Adrenalin.<br />

Sein Körper signalisiert ihm höchste<br />

Alarmbereitschaft und zwei Optionen:<br />

Kampf oder Flucht.<br />

Der digitale Säbelzahntiger<br />

Auch wenn es im Arbeitsalltag keine Säbelzahntiger<br />

sind, die solche Situationen<br />

auslösen, reagiert unser Körper bei Stress<br />

noch immer gleich. Digitaler Stress am Arbeitsplatz<br />

kann solche Momente verursachen.<br />

Die meistgenannten Stressoren in<br />

diesem Bereich sind Leistungsüberwachung<br />

und Beeinträchtigung der Privatsphäre,<br />

Unzuverlässigkeit technischer<br />

Hilfsmittel, Unsicherheit im Umgang mit<br />

der digitalen Technik, die ständige Verfügbarkeit<br />

von Informationen sowie die<br />

permanente Erreichbarkeit.<br />

Negative Auswirkungen auf<br />

Körper und Psyche<br />

Wer häufig digitalen Stress am Arbeitsplatz<br />

empfindet, leidet vermehrt an körperlichen<br />

Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen<br />

und Störungen des<br />

Verdauungssystems. Zudem belastet digitaler<br />

Stress auch den mentalen Bereich<br />

und führt zu psychischen Beeinträchtigungen.<br />

So fühlen sich Betroffene müde<br />

und ausgelaugt, oft fehlt es an Energie.<br />

Zudem fällt es ihnen schwer abzuschalten:<br />

Arbeitsthemen gehen ihnen auch<br />

nach Feierabend nicht aus dem Kopf. Darüber<br />

hinaus sind digital gestresste Menschen<br />

häufiger gereizt und nervös.<br />

Anti-Stress-Strategien und<br />

aktive Erholung<br />

Wie lernen Betroffene, mit digitalen<br />

Stressfaktoren besser umzugehen? Anti-<br />

Stress-Strategien können helfen, die<br />

eigene Stresskompetenz zu verbessern.<br />

Dazu gehört es, Grenzen zu setzen, das<br />

Zeitmanagement zu optimieren und zu<br />

versuchen, die Realität anzunehmen und<br />

Anforderungen als konstruktiv zu bewerten.<br />

Sport und Bewegung wirken stressreduzierend<br />

und lassen sich gut in den<br />

Alltag einbauen. Ein Waldspaziergang,<br />

eine Velotour oder einige Stunden ohne<br />

Smartphone sorgen für wohltuende Abwechslung<br />

und lenken die Gedanken in<br />

andere Richtungen. Übrigens: Am weitesten<br />

verbreitet ist digitaler Stress bei Arbeitnehmenden<br />

in der Altersgruppe der<br />

25- bis 34-Jährigen.<br />

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uns telefonisch unter 031 350 44 22<br />

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Visana setzt sich für Betriebliches Gesundheitsmanagement<br />

(BGM) ein und bietet online themenspezifische E-Dossiers an.<br />

Diese enthalten nützliche Tipps für ein gesundes Arbeiten – gerade<br />

auch im Homeoffice. Das Angebot des BGM-Kompetenzzentrums<br />

von Visana umfasst Beratung, Seminare, Gesundheitsworkshops<br />

oder Impulsreferate sowie praktische Hilfestellungen,<br />

Best-Practice-Beispiele und das Magazin für Unternehmenskunden<br />

«Visana Business News». Weitere Infos und die E-Dossiers<br />

finden Sie hier: www.visana.ch/edossiers > Umgang mit digitalem<br />

Stress.<br />

Gesund arbeiten<br />

Umgang mit digitalem<br />

Stress<br />

eDossier, Visana<br />

Digitaler Stress – was ist das?<br />

Eine Definition<br />

Als Stress bezeichnet man den Zustand erhöhter<br />

psychischer oder physischer Aktivierung aufgrund einer<br />

fehlenden Balance zwischen Anforderungen und den<br />

individuellen Voraussetzungen (Ressourcen), mit diesen<br />

Anforderungen umzugehen.<br />

Stress wird dann zum Problem für die Gesundheit, wenn<br />

die Dauer und die Intensität der Belastungen hoch sind.<br />

Von digitalem Stress spricht man bei negativen<br />

Beanspruchungsfolgen durch Belastungen im Umgang<br />

mit digitalen Medien. Er kann durch eine Vielzahl von<br />

Faktoren ausgelöst werden.<br />

Digitaler Stress am Arbeitsplatz<br />

Gesundheitliche Folgen<br />

Arbeitnehmende, die starken digitalem Stress empfinden, leiden häufiger an spezifischen gesundheitlichen<br />

Beschwerden:<br />

Quelle: «Gesund digital arbeiten?!», 2020<br />

3<br />

<strong>2023</strong><br />

eDossier / Umgang mit digitalem Stress<br />

7<br />

<strong>2023</strong><br />

eDossier / Umgang mit digitalem Stress<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 6/23 53


Impressum<br />

Kontaktadressen der Sektionen<br />

<strong>Nr</strong>. 6 • 42. Jahrgang • <strong>Dezember</strong> <strong>2023</strong><br />

Herausgeber/Verlag<br />

AG<br />

VSAO Sektion Aargau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

mediservice <strong>vsao</strong>-asmac<br />

Bollwerk 10, Postfach, 3001 Bern<br />

Telefon 031 350 44 88<br />

journal@<strong>vsao</strong>.ch, journal@asmac.ch<br />

www.<strong>vsao</strong>.ch, www.asmac.ch<br />

Im Auftrag des <strong>vsao</strong><br />

Redaktion<br />

Regula Grünwald (Chefredaktorin),<br />

Maya Cosentino, Kerstin Jost, Fabian Kraxner,<br />

Bianca Molnar, Patricia Palten, Léo<br />

Pavlopoulos, Lukas Staub, Tharshika<br />

Thavayogarajah, Anna Wang<br />

Geschäfts ausschuss <strong>vsao</strong><br />

Angelo Barrile (Präsident), Nora Bienz<br />

(Vizepräsidentin), Severin Baerlocher,<br />

Christoph Bosshard (Gast), Clara Ehrenzeller<br />

(swimsa), Marius Grädel-Suter,<br />

Fabrice Juchler, Fabian Kraxner, Richard<br />

Mansky, Gert Printzen, Svenja Ravioli,<br />

Patrizia Rölli, Martin Sailer, Jana Siroka<br />

Druck, Herstellung und Versand<br />

Stämpfli AG, Kommunikationsunternehmen,<br />

Wölflistrasse 1, 3001 Bern<br />

Tel. 031 300 66 66<br />

info@staempfli.com, www.staempfli.com<br />

Layout<br />

Oliver Graf<br />

Titelillustration<br />

Stephan Schmitz<br />

Inserate<br />

Zürichsee Werbe AG, Fachmedien,<br />

Markus Haas, Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa<br />

Tel. 044 928 56 53<br />

<strong>vsao</strong>@fachmedien.ch<br />

Auflagen<br />

Druckauflage: 22 850 Expl.<br />

WEMF/KS-Beglaubigung <strong>2023</strong>: 21 648 Expl.<br />

Erscheinungshäufigkeit: 6 Hefte pro Jahr.<br />

Für <strong>vsao</strong>-Mitglieder im Jahresbeitrag<br />

inbegriffen.<br />

ISSN 1422-2086<br />

Ausgabe <strong>Nr</strong>. 1/2024 erscheint im<br />

Februar 2024. Thema: Leere<br />

© <strong>2023</strong> by <strong>vsao</strong>, 3001 Bern<br />

Printed in Switzerland<br />

BL/BS<br />

VSAO Sektion beider Basel, Geschäftsleiterin und Sekretariat:<br />

lic. iur. Claudia von Wartburg, Advokatin, Hauptstrasse 104,<br />

4102 Binningen, Tel. 061 421 05 95, Fax 061 421 25 60,<br />

sekretariat@<strong>vsao</strong>-basel.ch, www.<strong>vsao</strong>-basel.ch<br />

BE VSAO Sektion Bern, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern, Tel. 031 381 39 39,<br />

info@<strong>vsao</strong>-bern.ch, www.<strong>vsao</strong>-bern.ch<br />

FR<br />

ASMAC Sektion Freiburg, Rue du Marché 36, 1630 Bulle,<br />

presidence@asmaf.ch<br />

GE Associations des Médecins d’Institutions de Genève, Postfach 23,<br />

Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genf 14, info@amig.ch, www.amig.ch<br />

GR<br />

JU<br />

NE<br />

VSAO Sektion Graubünden, 7000 Chur, Samuel B. Nadig,<br />

lic. iur. HSG, RA Geschäftsführer/Sektionsjurist, Tel. 081 256 55 55,<br />

info@<strong>vsao</strong>-gr.ch, www.<strong>vsao</strong>-gr.ch<br />

ASMAC Sektion Jura, Bollwerk 10, 3001 Bern, sekretariat@<strong>vsao</strong>.ch<br />

Tel. 031 350 44 88<br />

ASMAC Sektion Neuenburg, Joël Vuilleumier, Jurist,<br />

Rue du Musée 6, Postfach 2247, 2001 Neuenburg,<br />

Tel. 032 725 10 11, vuilleumier@valegal.ch<br />

SG/AI/AR VSAO Sektion St. Gallen-Appenzell, Bettina Surber, Oberer Graben 44,<br />

9000 St. Gallen, Tel. 071 228 41 11, Fax 071 228 41 12,<br />

surber@anwaelte44.ch<br />

SO<br />

TI<br />

TG<br />

VD<br />

VS<br />

VSAO Sektion Solothurn, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

ASMAC Ticino, Via Cantonale 8-Stabile Qi, 6805 Mezzovico-Vira,<br />

segretariato@asmact.ch<br />

VSAO Sektion Thurgau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

ASMAV, case postale 9, 1011 Lausanne-CHUV,<br />

asmav@asmav.ch, www.asmav.ch<br />

ASMAVal, p.a. Maître Valentine Gétaz Kunz,<br />

Ruelle du Temple 4, CP 20, 1096 Cully, contact@asmaval.ch<br />

Zentralschweiz (LU, ZG, SZ, GL, OW, NW, UR)<br />

VSAO Sektion Zentralschweiz, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

ZH/SH<br />

VSAO ZH/SH, RA lic. iur. Susanne Hasse,<br />

Geschäftsführerin, Nordstrasse 15, 8006 Zürich, Tel. 044 941 46 78,<br />

susanne.hasse@<strong>vsao</strong>-zh.ch, www.<strong>vsao</strong>-zh.ch<br />

Publikation<strong>2023</strong><br />

FOKUSSIERT<br />

KOMPETENT<br />

TRANSPARENT<br />

Gütesiegel Q-Publikation<br />

des Verbandes Schweizer Medien<br />

54<br />

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D: Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 1x täglich 1 Brausetablette oral. KI: Niereninsuffizienz, AV-Block, Exsikkose. IA: Tetracycline, Eisensalze, Cholecalciferol.<br />

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Muskelschmerzen 3<br />

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u. Erw.; betr. Stelle 1–5x tgl. behandeln. KI: Überempfindlichkeit auf einen der Inhaltsstoffe, verletzte Haut. VM: Nicht mit luftdicht abschliessenden Kompressen verwenden.<br />

IA: keine bekannt. S/S: Nach Rücksprache mit dem Arzt. UW: Selten: Allerg. Hautreaktionen. P: Tube 100 g*. Kat. D. Ausführliche Angaben siehe www.swissmedicinfo.ch.<br />

*kassenzulässig V02.0921<br />

Referenzen: 1. BAG Spezialitätenliste. www.spezialitaetenliste.ch, abgerufen am 26.06.<strong>2023</strong>. 2. Traumaplant kann im Gegensatz zu anderen topischen Arzneimitteln mit<br />

der Indikation «stumpfe Traumen» auch bei Schürfwunden und anderen unblutigen Hautverletzungen angewendet werden. Arzneimittelinformationen; www.swissmedicinfo.ch,<br />

abgerufen am 26.06.<strong>2023</strong>. 3. Traumaplant ® . www.swissmedicinfo.ch, abgerufen am 26.06.<strong>2023</strong>. 4. Barna M et al. Wound healing effects of a Symphytum herb extract<br />

cream: Results of a randomized, controlled double-blind study. Wien Med Wochenschr 2007; 157(21-22): 569-574. 5. Kucera M et al. Topischer Beinwellextrakt: Studie bestätigt<br />

rasche Wirksamkeit bei Myalgien durch Überlastung oder akute stumpfe Traumen. J Pharmakol Ther 2012; 21(4): 112-117. 6. Casetti F et al. Beinwellsalbe. Klinischer<br />

Nutzen und Wirkmechanismus in der Haut. Z Phytother 2014; 35(6): 268-272. Die Referenzen sind auf Anfrage erhältlich.<br />

Biomed AG, Überlandstrasse 199, CH-8600 Dübendorf<br />

© Biomed AG. 06/<strong>2023</strong>. All rights reserved.

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