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Paracelsus Today

Ausgabe 3 | Dezember 2023

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DAS MAGAZIN DER PARACELSUS PRIVATUNIVERSITÄT FÜR SALZBURG UND NÜRNBERG<br />

PARACELSUS<br />

TODAY<br />

3<br />

Dezember 2023<br />

DIE MACHT DER BILDER<br />

Neue Technologien in der<br />

Medizin schaffen Möglichkeiten<br />

mit Gefahrenpotential.<br />

PRIMAR IN JUNGEN JAHREN<br />

PMU-Alumnus Reinhold Ortmaier<br />

hat ein Faible für die Schulter.<br />

WISSEN-<br />

SCHAFT<br />

ERKLÄREN<br />

Forschergeist Christian Mayr<br />

und die Liebe zur Lehre


Make<br />

Your<br />

Body<br />

Smile<br />

immun POWER<br />

MIT MAGNESIUM<br />

+ VITAMIN D<br />

*Magnesium trägt zur Verringerung von<br />

Müdigkeit und Ermüdung bei und Vitamin D<br />

trägt zu einer normalen Funktion des<br />

Immunsystems bei.<br />

Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene<br />

Ernährung und eine gesunde Lebensweise.


EDITORIAL<br />

Liebe Leserinnen<br />

und Leser!<br />

Patrick Daxenbichler<br />

Short Cuts<br />

Neues aus der Uni 4<br />

Spot light<br />

Das Tor zur akademischen Karriere 6<br />

Research<br />

Game of Genoms: Genetiker Christian<br />

Mayr treibt der Forschergeist 8<br />

Update<br />

Seit 15 Jahren arbeiten Forscher der PMU in<br />

Gastein und wandeln auf den Spuren von<br />

<strong>Paracelsus</strong> 12<br />

Focus On<br />

Die neue Macht der Bilder verbessert rasant<br />

die Diagnostik und Behandlungen in der<br />

Medizin 14<br />

Education<br />

Stefan Knop, Dekan am PMU-Standort<br />

Nürnberg, schwärmt von der Qualität der<br />

Absolventinnen und Absolventen 18<br />

Alumni<br />

In Salzburg Medizin studiert, in Linz Primar<br />

mit 38 Jahren: Reinhold Ortmaier 24<br />

Very personal<br />

Der spätberufene Felix Fritsch hat in Salzburg<br />

Pharmazie studiert und Rezepte für<br />

die Apotheke von Morgen 28<br />

Focus On<br />

Eine ungewöhnliche Geschichte rettet seit<br />

100 Jahren Millionen Frauenleben 32<br />

Erinnerungen sind Teil unseres Lebens und bescheren zuweilen<br />

schöne (gefühlt gegenwärtige) Momente. Ein emotionaler Tag<br />

in der Entstehung und Entwicklung der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen<br />

Privatuniversität war die Begrüßung der ersten 42 Studierenden<br />

der Humanmedizin in Salzburg am 8. September –<br />

also vor 20 Jahren und einigen Wochen. Aus Ungewissheit aller ob des gemeinsamen,<br />

gewünschten Erfolges wurde Sicherheit, viele damals<br />

gestellten Fragen haben Antworten gefunden.<br />

Der Hexameter „Tempora<br />

mutantur, nos et mutantur in illis“ trifft<br />

zu. Die Zeiten ändern sich, und wir ändern<br />

uns mit ihnen. Das hat seine Richtigkeit<br />

und ist auch eingetroffen.<br />

Heute präsentiert sich die Univer-<br />

sität als „unverzichtbar“ (Originalton<br />

Landeshauptmann Wilfried Haslauer,<br />

zugleich neuer Vorsitzender des Stiftungsrats),<br />

mit einer hohen Ausbildungsqualität<br />

in Humanmedizin, Pflegewissenschaft<br />

und Pharmazie, tausenden<br />

Absolventinnen und Absolventen<br />

und Forschung, die den Menschen zugutekommen<br />

möge. Unverzichtbar sind<br />

auch die vielen Persönlichkeiten, die<br />

uns unterstützen: einerseits finanziell (ohne die privaten Mittel, die wir mit<br />

Demut und Achtsamkeit verwenden, gebe es uns nicht. Herzlichen Dank<br />

für diese Großzügigkeit!), aber auch in anderen Belangen.<br />

In dieser Ausgabe dürfen wir Ihnen, werte Leserinnen und Leser, wieder<br />

Menschen vorstellen, die an der PMU oder/und am Uniklinikum herausragende<br />

Arbeit leisten – an beiden Standorten in Salzburg und Nürnberg.<br />

Wenn Sie beim Lesen der ausgewählten Geschichten und Themen unsere<br />

Freude am Tun, unseren Stolz über Erreichtes, unseren Willen, qualitätsvoll<br />

einen Teil in unserem Gesundheitswesen beizutragen, fühlen, dann freuen<br />

wir uns.<br />

Ein gesundes Jahr 2024!<br />

Ihr Dr. Gottfried Stienen<br />

Chefredakteur<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

3


SHORTCUTS<br />

Fotos: <strong>Paracelsus</strong> Uni/wildbild<br />

PMU feiert<br />

25 Bachelors<br />

der Pharmazie<br />

Stiftungsrat der PMU<br />

mit Landeshauptmann<br />

In der Stiftungsratssitzung der PMU vor<br />

einigen Wochen wurden Weichen neu<br />

gestellt. Die neue Kanzlerin Christian<br />

Pedit präsentierte das Budget für das Wirtschaftsjahr<br />

2023/24, welches einstimmig<br />

Zufriedene Gesichter (von links): Rektor<br />

Wolfgang Sperl, Kanzlerin Christiane Pedit<br />

und Landeshauptmann Wilfried Haslauer<br />

genehmigt wurde. Wilfried Haslauer hat die Funktion des Vorsitzenden übernommen<br />

und folgt damit Christian Stöckl nach. Der Salzburger Landeshauptmann gab wiederholt<br />

ein klares Bekenntnis zur <strong>Paracelsus</strong> Universität ab und bekräftigte auch die damit<br />

verbundenen Finanzierungshilfen für die Forschung und Lehre. Das Land Salzburg<br />

hat im Regierungsübereinkommen 2023 bis 2028 den „Ausbau der Förderung<br />

für die <strong>Paracelsus</strong> Medizinische Privatuniversität, um den für Salzburg enorm wichtigen<br />

Ausbildungs- und Forschungsstandort langfristig abzusichern“ deutlich hervorgehoben.<br />

Betont wurde auch der interdisziplinäre Dreiklang, also die Kombination aus<br />

den Fachbereichen Humanmedizin, Pflegewissenschaft und Pharmazie am Campus.<br />

17 Studentinnen und acht Studenten der<br />

Pharmazie durften im November 2023<br />

im EVER Pharma Auditorium der <strong>Paracelsus</strong><br />

Uni ihren Bachelor-Abschluss feiern.<br />

Fünf von ihnen haben mit „ausgezeichnetem<br />

Erfolg“ abgeschlossen.<br />

Rektor Wolfgang Sperl gratulierte herzlich<br />

und lobte die Themenvielfalt und<br />

hohe Qualität ihrer Abschlussarbeiten.<br />

Er hob die Bedeutung der Pharmazie im<br />

interdisziplinären Setting der PMU mit<br />

der Humanmedizin und der Pflegewissenschaft<br />

hervor und betonte den zunehmenden<br />

Stellenwert speziell der klinischen<br />

Pharmazie in der interprofessionellen<br />

Gesundheitsversorgung.<br />

Salzburgs Gesundheits-Landesrätin<br />

Daniela Gutschi betonte in ihren Grußworten,<br />

dass die Pharmazeutinnen und<br />

Pharmazeuten einen wesentlichen Beitrag<br />

zur Sicherstellung einer flächendeckenden<br />

Arzneimittelversorgung für die<br />

Bevölkerung leisten. Johanna Pachmayr,<br />

Dekanin und Vorständin des Instituts<br />

für Pharmazie, freute sich besonders,<br />

dass mit nur einer einzigen Ausnahme<br />

alle aus diesem Jahrgang ihr Studium<br />

im Master-Abschnitt an der PMU<br />

fortsetzen und sagte: „Die Zukunft der<br />

Pharmazie zum Wohle der Patientinnen<br />

und Patienten liegt in der interdisziplinären<br />

und interprofessionellen Zusammenarbeit<br />

von Universität, Apotheken,<br />

Klinik und Industrie. In unserem Studium<br />

legen wir darauf besonderen Wert und<br />

schaffen mit einem anwendungs- und<br />

praxisorientierten Curriculum und Maßnahmen<br />

wie beispielsweise unserer interdisziplinären<br />

Ausbildungsstation am<br />

Uniklinikum Salzburg die Voraussetzung<br />

dafür.“<br />

Neue Vorsitzende<br />

im Alumni Club<br />

Der stetig wachsende Alumni<br />

Club der <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

hat eine neue<br />

Vorsitzende. Lucie<br />

Stukenbrock<br />

hat am Standort<br />

Nürnberg Humanmedizin<br />

studiert<br />

und übernahm<br />

bei der Generalversammlung<br />

– diesmal<br />

in Nürnberg – die Agenden der<br />

langjährigen Vorsitzenden<br />

Margarita Nagele, die für Ärzte<br />

ohne Grenzen im Jemen zu arbeiten<br />

begonnen hat. Der gut<br />

aufgestellte Alumni Club hat<br />

mit Simon Krutter erstmals einen<br />

Absolventen der Pflegewissenschaft<br />

mit Ph. D-Abschluss<br />

im sechsköpfigen Vorstand,<br />

der mehrheitlich von<br />

Frauen geführt wird.<br />

Der neue Vorstand: Lucie Stukenbrock,<br />

Isa-Maria van<br />

Wersch (stv. Vorsitzende), Simon<br />

Krutter, Jan Westerhuis,<br />

Aida Shamlou, Stefan Targosinski<br />

PMU-Dekan neuer Klinik-<br />

Vorstand der Inneren Medizin I in<br />

Salzburg<br />

Prof. Elmar Aigner, Dekan der <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

für Humanmedizin im Bereich Lehre, ist seit 1. November<br />

2023 neuer Vorstand der Universitätsklinik für Innere<br />

Medizin I am Uniklinikum Salzburg. Der international<br />

anerkannte Leberspezialist folgt damit Prof. Bernhard<br />

Paulweber nach, der in Ruhestand trat. Elmar Aigner<br />

wuchs in Saalfelden auf und studierte in Innsbruck<br />

Medizin. Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in<br />

Glasgow kam er 2002 zurück in sein Heimatbundesland:<br />

„Damals wurde gerade die <strong>Paracelsus</strong> Medizinische<br />

Privatuniversität gegründet und die Möglichkeit<br />

zu forschen war ein Faktor, nach Salzburg zu kommen“,<br />

so Aigner, der seine<br />

Facharzt-Ausbildung im Krankenhaus<br />

Oberndorf absolvierte<br />

und 2011 an das Uniklinikum Salzburg<br />

wechselte. Er habilitierte<br />

sich in weiterer Folge an der PMU<br />

und war Fachbereichsleiter, bevor<br />

er 2020 zum Dekan gewählt<br />

wurde. Am Uniklinikum Salzburg<br />

war Elmar Aigner seit Beginn an der Uniklinik für Innere<br />

Medizin I tätig. 2017 wurde er Leitender Oberarzt für<br />

den Bereich Hepatologie (Leber-Erkrankungen). Neben<br />

seiner klinischen Tätigkeit forscht er unter anderem<br />

an Stoffwechsel-Erkrankungen der Leber – von<br />

der häufig vorkommenden nicht-alkoholischen Fettleber<br />

bis hin zu seltenen genetischen Erkrankungen.<br />

4 paracelsus today 3 | 23


Paul Sungler geehrt<br />

und im Ruhestand<br />

Mit dem Ehrenzeichen des<br />

Landes Salzburg wurde Paul<br />

Sungler noch vor seinem Antritt<br />

in den Ruhestand (mit 31. Dezember<br />

2023) geehrt. Landeshauptmann<br />

Wilfried Haslauer<br />

befand in seiner Lobrede, dass<br />

der langjährige kaufmännische<br />

Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken die Geschicke<br />

des größten Gesundheitsdienstleisters und Arbeitgebers des<br />

Landes mit Weitsicht geführt habe. „Vor allem während der für<br />

alle so fordernden Corona-Pandemie.“ Der bekannte Chirurg<br />

(26 Jahre in St. Veit und am LKH Salzburg) habilitierte 2006 an<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Universität und war jahrelang leitender Oberarzt<br />

und Stellvertreter des Vorstandes der Uniklinik für Chirurgie<br />

(2005 bis 2011) am LKH. Von 2011 bis 2014 arbeitete Sungler<br />

als medizinischer Direktor des Mediclinic Welcare Hospitals in<br />

Dubai, ehe er dem Ruf nach Salzburg im Jänner 2014 folgte.<br />

Nochmals ein Satz vom Landeshauptmann: „Paul Sungler hat<br />

sich erfolgreich um komplementäre Schwerpunktsetzungen an<br />

den Standorten der Salk bemüht und die Digitalisierung vorangetrieben.“<br />

Sungler selbst betonte 2014 in einem Interview mit<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> seine „hohe Identifikation mit der Universität<br />

und dem Landeskrankenhaus“.<br />

Ad multos annos!<br />

Impressum<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong><br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> ist das Magazin der <strong>Paracelsus</strong><br />

Medizinischen Privatuniversität in<br />

Salzburg<br />

Auflage: 26.100 Stück<br />

Medieninhaber und Herausgeber: <strong>Paracelsus</strong><br />

Medizinische Privatuniversität Salzburg<br />

- Privatstiftung, Strubergasse 21, 5020<br />

Salzburg, Tel. +43 (0)662/2420-0, www.<br />

pmu.ac.at<br />

Verlag: Magazinmanagement und Verleger:<br />

Schoba & Partner GmbH, Friaulweg 4,<br />

8042 Graz, www.schoba.at<br />

Geschäftsführerin: Mag. Eva Schoba<br />

Chefredakteur: Dr. Gottfried Stienen<br />

Chefin vom Dienst: Nadja Hofstetter<br />

Art-Direktion: Erich Schillinger<br />

Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe:<br />

Andreas Aichinger, Wolfgang Bauer, Florian<br />

Emminger, Isabel Lauer, Ilse Spadlinek,<br />

Gottfried Stienen, Eva-Maria Zimmermann<br />

Coverfoto: wild&team fotoagentur gmbg<br />

Fotos: Leon Bernhofer, Patrick Daxenbichler,<br />

Jürgen Grünwald, iStock, ResearchGate,<br />

Salk, Luisa Schuster/Uniklinikum Nürnberg,<br />

Ordensklinikum Linz, Stony Brook University,<br />

wild&team fotoagentur gmbh<br />

Hersteller: Walstead Leykam Druck GmbH<br />

& Co KG, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl<br />

Alle Angaben ohne Gewähr.<br />

Haftung für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen.<br />

Satz- und Druckfehler sowie<br />

alle Rechte vorbehalten.<br />

SPENDEN BOX<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> würde sich über<br />

Ihre Sympathiespende sehr freuen.<br />

Unser Spendenkonto: Salzburger<br />

Landes-Hypothekenbank,<br />

SWIFT-Code: SLHYAT2S,<br />

IBAN: AT03 5500 0104 0001 3375<br />

Offenlegung nach § 25 (2)<br />

des Mediengesetzes<br />

„<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong>“ ist das Universitätsmagazin<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen<br />

Privatuniversität in Salzburg.<br />

Die Themenschwerpunkte umfassen<br />

Aus- und Weiterbildung, Forschung<br />

sowie gelebte Kooperationen im Bereich<br />

Health Sciences. 3 Mal jährlich<br />

werden unsere Sponsoren, Partner,<br />

Freunde und Abonnenten über das<br />

Leben und Arbeiten an der Universität<br />

informiert. Herausgegeben wird<br />

das Magazin vom Rechtsträger der<br />

Universität, der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen<br />

Privatuniversität Salzburg –<br />

Privatstiftung. (FN 191581m, Landesgericht<br />

Salzburg), die damit gleichzeitig<br />

als Medieneigentürmer fungiert.<br />

Der Stiftungszweck ist vorrangig auf<br />

die Förderung, den Betrieb und Erhalt<br />

der Universität ausgerichtet.<br />

BACNET SECURE CONNECT<br />

Sichere Gebäudeautomationssysteme<br />

Cybersicherheit geht heute über den typischen<br />

Aufgabenbereich der IT hinaus. Denn die Verbindung<br />

von IT-Netzwerken mit weniger sicheren OT-Netzwerken<br />

für Heizung, Lüftung, Klimaanlage (HVAC), Beleuchtung,<br />

Energiemessung, Sicherheit und Zugangskontrolle,<br />

kann die Sicherheitsrisiken erhöhen und intelligente<br />

Gebäude anfällig für Cyberangriffe machen. Wie man<br />

Gebäudetechnologien so sicher wie Internet-Banking<br />

macht: BACnet Secure Connect - der neue Standard für<br />

die Sicherheit in der Gebäudeautomation.<br />

siemens.at/bacnet-secure


SPOTLIGHT<br />

Autorin: Ilse Spadlinek. Foto: <strong>Paracelsus</strong> Uni/wildbild<br />

Die <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

freut sich über 300<br />

erfolgreiche Habilitationen.<br />

Der lange<br />

Weg zur<br />

„venia<br />

legendi“<br />

PMU-Rektor Wolfgang Sperl.<br />

„Die Habilitation ist ein wichtiges<br />

Tor zur akademischen Karriere.“<br />

Bis heute gilt die Habilitation in vielen Ländern Europas als die<br />

höchste akademische Prüfung, mit der die Lehrbefähigung in<br />

einem wissenschaftlichen Fach festgestellt und die Lehrberechtigung<br />

„venia legendi“ erteilt wird (der angelsächsische Raum<br />

hat andere Spielregeln im wissenschaftlichen Fortkommen). Die<br />

Anforderungen sind hoch: wissenschaftliche Publikationen<br />

müssen in hochrangigen Zeitschriften publiziert sein, eine Habilitationsschrift<br />

verfasst, öffentlich präsentiert und der Nachweis<br />

didaktischer Fähigkeiten erbracht werden.<br />

Als die <strong>Paracelsus</strong> Medizinische Privatuniversität mit der Lehrtätigkeit begann,<br />

erging auch der Ruf an junge, wissbegierige Akademiker und Akademikerinnen sowohl<br />

der PMU-Institute als auch der Salzburger Universitätskliniken, sich an der PMU<br />

zu habilitieren. Bereits 2006 hatten die ersten diese Herausforderung angenommen<br />

und die schwierige „Habil“ samt Titel „Privatdozent oder Privatdozentin“ geschafft.<br />

Im Jahr 2023 freut sich die <strong>Paracelsus</strong> Universität bereits über die 300. Einreichung<br />

zur Habilitation – dazu auch ein Blick in die Statistik von Claudia Melcharts, die seit<br />

Beginn die Habilitationen an der PMU betreut: viele erfolgreiche Habilitanden und<br />

Habilitandinnen kamen aus den eigenen Reihen, aber auch von „auswärts“, also von<br />

anderen Universitäten, Kliniken oder akademischen Einrichtungen. Mit Stand<br />

2021/22 waren es 244 aus der Fachgruppe Medizin, 27 aus der Naturwissenschaft, 4<br />

aus der Pflegewissenschaft und 2 aus der Psychologie. Was den Frauenanteil betrifft,<br />

so wäre mehr wünschenswert – aber die Tendenz in Richtung „weiblich“ ist deutlich<br />

erkennbar. Und für die beste an einer österreichischen Medizinischen Universität angenommene<br />

Habilitation wurde Christian Mayr vom PMU-Institut für Physiologie<br />

und Pathophysiologie 2019 mit dem renommierten Otto-Kraupp-Preis ausgezeichnet.<br />

Die Habilitation – „ein erster Schritt, ein wichtiges Tor zur akademischen Karriere und<br />

ein Schub für die weitere akademische Entwicklung“, so PMU-Rektor Wolfgang Sperl.<br />

Aber es geht um mehr als das, davon ist er überzeugt: „Für mich, wie für viele andere,<br />

ist und war die Habilitation Endprodukt einer langjährigen Vertiefung in die Forschung<br />

und harte, wissenschaftliche Arbeit. Das ging Hand in Hand mit der Weiterentwicklung<br />

klinischer Eigenschaften im Fachgebiet, samt dem Erwerb didaktischer<br />

Fähigkeiten in der Lehre. Die „venia legendi“ in der Medizin ist letztlich aus dem<br />

Dreiklang ‚klinische Beherrschung des Fachgebiets, Forschung und Lehre‘ zu sehen.<br />

Es ist ein langer, oft dorniger Weg, der abgesehen von der eigenen Durchhaltekraft<br />

nur mit Unterstützung sowohl im beruflichen als auch im familiären Umfeld zu schaffen<br />

ist. Aber es ist auch eine Lebensschule, die dazu führen kann, Medizin nicht nur<br />

als Handwerk oder wissenschaftliches Fach zu sehen, sondern auch als ‚Heilkunst‘ zu<br />

entwickeln, die eben nicht nur aus reiner Begabung resultiert, sondern aus Empathie,<br />

Fleiß, Ausdauer und Bereitschaft zum ständigen Lernen“. <br />

Ω<br />

6 paracelsus today 3 | 23


Gabriele<br />

spätertaubt,<br />

hört mit zwei Cochlea-Implantaten<br />

Hörimplantate aus Österreich<br />

Gesund durch gutes Hören<br />

Eine gute Hörversorgung im reiferen Alter trägt zu einer Verbesserung der Kommunikation zwischen ärztlichem Fachpersonal<br />

und ihren Patienten/Patientinnen sowie zur Qualität einer eventuell notwendigen medizinischen Therapie bei.<br />

Auch Studien belegen: Wer im Alter gut hört, ist oft gesünder.<br />

Seit über 40 Jahren setzt sich der österreichische Hörsysteme-Hersteller MED-EL weltweit dafür ein:<br />

Dank innovativer Hörimplantate können Menschen weltweit und in jedem Alter das Leben<br />

(wieder) hören – selbst wenn Hörgeräte nicht mehr helfen.<br />

Die Plattform zum Thema Hörimplantate für niedergelassene<br />

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Der Herr der Histone<br />

Research | Der junge Genetiker Christian Mayr lässt sich von Musik<br />

in fantastische Welten tragen. Und er nutzt sie als Erklär-Brücke in<br />

die Welt seiner preisgekrönten Forschung.<br />

Autor: Andreas Aichinger. Fotos: i-stock/Oleshko Artem, <strong>Paracelsus</strong> Uni/wildbild<br />

Was ist der Unterschied<br />

zwischen<br />

Genetik und Epigenetik?<br />

„Wenn ein<br />

Musiker nur die<br />

Notennamen für ein Stück bekommt,<br />

dann entspricht das bildlich gesprochen<br />

dem Genom“, setzt Christian Mayr zur<br />

Erklärung an. Diese nackte Information<br />

allein würde aber noch nichts darüber<br />

aussagen, wie – beispielsweise in welchem<br />

Takt – gespielt werden soll. Mayr:<br />

„Das macht dann die Epigenetik, sie gibt<br />

das Wie vor.“ Epigenetische Faktoren<br />

regeln demnach, welche Gene überhaupt<br />

aktiv sind – oder eben nicht. Und<br />

an diesem Punkt tun sich interessante<br />

Fragen auf: Welche Rolle spielt das in<br />

der medizinischen Forschung des<br />

36-Jährigen, der am Institut für Physiologie<br />

und Pathophysiologie der <strong>Paracelsus</strong><br />

Medizinischen Privatuniversität tätig<br />

ist? Und wie wird ein junger akademischer<br />

Lehrer zu einem derart verständlich-lockeren<br />

Wissens-Erklärer?<br />

Die beste Habilitation hat den gebürtigen<br />

Freilassinger, der an der Paris Lodron<br />

Universität in Salzburg Biologie studiert<br />

hat, erstmals in den Fokus des Interesses<br />

gerückt. Genauer gesagt: Mayr wurde<br />

2019 mit dem „Otto-Kraupp-Preis“<br />

der Gesellschaft der Ärzte Wien für die<br />

beste Habilitation an einer medizinischen<br />

Universität ausgezeichnet. Hintergrund<br />

der Arbeit („New therapeutic<br />

targets in biliary tract cancer – epigenetic<br />

regulation, cancer stem cells, and<br />

natural compounds“) rund um das Thema<br />

Gallengangskrebs: Die sogenannte<br />

DNA-Methylierung (Einführung von<br />

CH3-Methylgruppen in ein Molekül)<br />

schaltet bildlich gesprochen einzelne<br />

Gene auf einem DNA-Abschnitt aus (oder<br />

ein). Diese Methylierungen sind somit einer<br />

der epigenetischen Schlüssel-Mechanismen,<br />

die vor einer fehlerhaften Aktivierung<br />

des Erbgutes schützen. Es gibt<br />

aber noch einen zweiten Ansatzpunkt<br />

für epigenetische Regulation, nämlich<br />

die Histone – Proteine, die für die „Verpackung“<br />

der DNA zuständig sind. Christian<br />

Mayr bestätigt: „In meiner Arbeit<br />

ging es um diese Methylgruppen, und<br />

zwar konkret um Histon-Methylierung.“<br />

Neugier und Forschergeist. Schon im<br />

Gymnasium verspürt der junge Mayr –<br />

der sich heute selbst als „ehrlich, ungeduldig<br />

und neugierig“ beschreibt – die<br />

Faszination, mit Hilfe der Biologie „etwas<br />

über sich selbst“ zu erfahren. Dass<br />

sich daran bis zum heutigen Tag im<br />

Grunde genommen wenig geändert hat,<br />

bestätigt er auch im Gespräch mit <strong>Paracelsus</strong><br />

<strong>Today</strong>: „Mich treibt die Neugier<br />

an.“ Dazu kommt die Perspektive, mit<br />

der eigenen wissenschaftlichen Arbeit<br />

einen gewissen gesellschaftlichen Beitrag<br />

leisten zu können. Ein explizit phi-<br />

8 paracelsus today 3 | 23


„Man kann alles so<br />

herunterbrechen und<br />

erklären, dass es die Leute<br />

verstehen können.“<br />

lanthropischer Ansatz ist aber dennoch<br />

nicht Mayrs Hauptmotivation, sondern<br />

„eher der Forschergeist“. Dass dieser Forschergeist<br />

heute mit dem Gallengangskarzinom<br />

eine vergleichsweise seltene<br />

Krebsform umweht, sei dabei „eigentlich“<br />

dem Zufall zu verdanken gewesen:<br />

Mayr stößt auf das Thema, als er 2013 an<br />

der Salzburger Universitätsklinik für Innere<br />

Medizin I an seiner Dissertation zu<br />

arbeiten beginnt. Heute leitet er gemeinsam<br />

mit seinem Mentor Tobias Kiesslich<br />

das Labor für Tumorbiologie und Experimentelle<br />

Therapien (TREAT). Und<br />

nach wie vor drehen sich seine Forschungsprojekte<br />

um den überaus gefährlichen<br />

Gallengangskrebs:<br />

Die Epigenetik beschreibt wie erwähnt<br />

die ganz normalen zellulären Prozesse,<br />

die die Genaktivität steuern. Epigenetische<br />

Faktoren werden aber naturgemäß<br />

vor allem dort interessant, wo sie – wie<br />

etwa in einer Tumorzelle – dafür verantwortlich<br />

sind, dass „ein falsches Lied abgespielt“<br />

wird, wie Christian Mayr es<br />

ausdrückt. Zudem werden auch die epigenetischen<br />

Regulatoren selbst gesteuert,<br />

und auch hier können Fehler ihren<br />

Ausgang nehmen. „In jedem Fall entsteht<br />

in der Tumorzelle ein falsches epigenetisches<br />

Muster“, präzisiert der 36-Jährige.<br />

Und weiter: „Dadurch werden beispielsweise<br />

Gene abgelesen, die eigentlich<br />

nicht abgelesen werden sollen.“ Eines<br />

seiner aktuellen Forschungsprojekte beschäftigt<br />

sich auch mit der Frage, wie<br />

dieses Wissen in neue Therapieansätze<br />

umgemünzt werden kann. Ansatzpunkt<br />

ist dabei einer der genannten epigenetischen<br />

Regulatoren, nämlich die (für die<br />

Histon-Methylierung mitverantwortliche)<br />

„Histon-Lysin-Methyltransferase“<br />

EZH1. Unterstützt wird das Projekt übrigens<br />

durch einen Forschungs-Grant der<br />

Salzburger Krebshilfe.<br />

Als Wissenschafts-Erklärer und Lehrender<br />

an der <strong>Paracelsus</strong> Uni hat sich Christian<br />

Mayr längst ebenfalls einen sehr guten<br />

Namen gemacht und wurde bereits<br />

fünfmal als „Teacher of the Year“ ausgezeichnet.<br />

„Man kann alles so herunterbrechen<br />

und erklären, dass es die Leute<br />

verstehen können“, unterstreicht Mayr<br />

die Aufgabe, Fachwissen verständlich zu<br />

vermitteln. Zudem begreift sich der „apl.<br />

Professor“ („apl.“ steht für „außerplanmäßig“)<br />

für Physiologie selbst als Lernender,<br />

der sich viele Inhalte „auf dem<br />

zweiten Bildungsweg selbst beigebracht“<br />

hat. Darüber hinaus hat er kürzlich auch<br />

noch den Universitätslehrgang „Health<br />

Sciences & Leadership“ abgeschlossen –<br />

sozusagen als Schüler. Seine Erfolgsrezeptur<br />

als Lehrer: alltagstaugliche Beispiele,<br />

Erklär-Videos, dazu<br />

einfach strukturierte, gut aufgebaute<br />

Unterlagen mit selbst gezeichneten Abbildungen.<br />

Dazu kommt die ständige Bereitschaft,<br />

auf Unklarheiten und Interessenslagen<br />

einzugehen: „Ich motiviere die<br />

Studierenden immer, mir Fragen zu stellen.<br />

So etwas wie dumme Fragen gibt es<br />

für mich nicht.“<br />

Zelltod & Zimmer. Ein weiteres – übrigens<br />

vom Forschungsförderungsfonds<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Uni unterstütztes – Projekt<br />

kreist um den sogenannten Eisentod<br />

(Ferroptose) von Zellen: Vermittelt<br />

durch eine verstärkte Eisen-Aufnahme<br />

kann der Körper auf diese Weise nämlich<br />

überflüssige, defekte oder entartete<br />

Zellen abtöten. Auch hier sieht der junge<br />

Forscher die Chance, im Kampf gegen<br />

das Gallengangskarzinom auf einer „völlig<br />

neuen Schiene“ zu fahren. Bleibt die<br />

Frage nach Mayrs Musik-Skills: Tatsächlich<br />

spielt der verheiratete Vater eines<br />

fast vierjährigen Sohnes seit über 25 Jahren<br />

Klavier. Angetan hat es ihm vor allem<br />

Filmmusik à la Hans Zimmer zu<br />

Streifen wie Fluch der Karibik, aber<br />

auch Fantasy-Fixsterne wie Herr der<br />

Ringe oder Game of Thrones. Kann aber<br />

auch sein, dass „Sachen aus meiner Jugend“<br />

wie Linkin Park oder sogar einmal<br />

Metallica gegeben werden. Auch dass<br />

hin und wieder eine Playstation-Zerstreuung<br />

auf dem Programm steht, verschweigt<br />

Christian Mayr nicht. Denn:<br />

„Ich verstelle mich nie, weder im Hörsaal<br />

noch bei diesem Interview. Das ist denke<br />

ich das Wichtigste.“<br />

Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

9


Pionier der<br />

Schulterchirurgie<br />

ausgezeichnet<br />

Research | Rom war im September 2023 Schauplatz<br />

des 15. Kongresses der Internationalen Gesellschaft<br />

für Schulter- und Ellbogenchirurgie. Unter den 2000<br />

Teilnehmerinnen und Teilnehmern weltweit war<br />

Herbert Resch, jahrelang Primar der Unfallchirurgie<br />

und Traumatologie am Uniklinikum<br />

Salzburg, geladen. Ihm wurde<br />

eine Ehrung zuteil und er skizziert<br />

an dieser Stelle den Fortschritt der<br />

Schulterchirurgie.<br />

International höchst anerkannter<br />

Schulterspezialist:<br />

PMU-Gründungsrektor<br />

Herbert Resch.<br />

Bei der Ehrung zum „Pioneer<br />

of Shoulder Surgery“ in Rom.<br />

Fotos: wildbild, privat<br />

Noch in den frühen 80er Jahren,<br />

dem Beginn der modernen<br />

Schulterchirurgie, wurde<br />

die Schulter als weitgehend<br />

inoperabel erachtet. Zu<br />

risikoreich erschienen Eingriffe in die besondere<br />

Anatomie dieses Gelenks aufgrund seiner<br />

multidirektionalen Beweglichkeit und des<br />

komplexen Zusammenspiels von Pfanne, Gelenkskopf,<br />

Muskeln und Bändern. Die Gefahr<br />

einer Einsteifung nach einem<br />

operativen Eingriff<br />

war gegeben, da man bei<br />

der offenen Operation<br />

durch den Muskelmantel<br />

gehen musste. Die genaue<br />

Zuordnung von Schmerzen<br />

zur Schmerzquelle war zudem<br />

in vielen Fällen nicht<br />

möglich, da die Schmerzen<br />

aufgrund von Ausstrahlung<br />

anderswo verspürt wurden.<br />

Die bis dahin nicht erkannte Auswirkung von<br />

Nachtschmerzen auf die so wichtigen REM-<br />

Schlafphasen lenkte auch mitunter fälschlicherweise<br />

den Verdacht auf das Vorliegen<br />

psychosomatischer Erkrankungen.<br />

Seit den frühen 80er Jahren stellte sich eine<br />

unglaubliche Entwicklung sowohl im diagnostischen<br />

als auch im therapeutischen Bereich<br />

ein. Es waren vor allem die Fortschritte<br />

in der bildgebenden Diagnostik, vom einfachen<br />

Röntgen über die Computertomographie<br />

bis hin zur Magnetresonanz (MR).<br />

Mit Hilfe der modernen bildgebenden Verfahren<br />

wurde es nun möglich den Zusammenhang<br />

zwischen Schmerzquelle und verspürtem<br />

Schmerz herzustellen. Ein weiterer<br />

großer Fortschritt war die Arthroskopie, mit<br />

der man nicht nur diagnostisch den MR-Befund<br />

überprüfen konnte, sondern therapeutisch<br />

viele Maßnahmen setzen konnte, ohne<br />

den Muskelmantel ablösen zu müssen. Die<br />

enorme Entwicklung auf dem Instrumentensektor<br />

erlaubt heute eine Vielzahl von<br />

Operationen auf arthroskopischem Wege zu<br />

bewerkstelligen, insbesondere bei Instabilitäten<br />

und Sehnenrupturen.<br />

In einem Festakt ehrte der Präsident der<br />

Gesellschaft, Osvandre Lech aus Brasilien,<br />

die Leistungen von zehn Personen aus der<br />

ganzen Welt als „Pioneers of Shoulder Surgery“.<br />

Herbert Resch wurde im besonderen<br />

Maße für die Entwicklung neuer Operationsmethoden<br />

bei Schulterinstabilität, bei<br />

der Frakturbehandlung, sowie chronischem<br />

Ausfall von Schultermuskel durch Ersatzoperationen<br />

gewürdigt. Insgesamt hat<br />

Resch vier Operationsmethoden entwickelt,<br />

die heute international angewendet werden.<br />

Darüber hinaus hat er entscheidend bei der<br />

Modifikation bestehender Operationsmethoden<br />

mitgewirkt. Im Jahre 2021 wurde<br />

ihm, gemeinsam mit anderen Schulterexperten,<br />

der sogenannte Neer Award verliehen.<br />

Dieser Award gilt weltweit als die<br />

höchste Auszeichnung für eine wissenschaftliche<br />

Arbeit in der Schulter- und Ellbogenchirurgie<br />

und wurde vorher erst einmal<br />

in Europa verliehen. <br />

Ω<br />

10 paracelsus today 3 | 23


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Das Forschungsinstitut<br />

Gastein<br />

feiert 15-jähriges<br />

Jubiläum<br />

Update | Der Kreis schließt sich - <strong>Paracelsus</strong> war<br />

einer der ersten, der Gasteins natürliche Heilwässer<br />

beschrieben hat. Jetzt erforscht das FOI-Gastein,<br />

eingebunden in die <strong>Paracelsus</strong> Medizinische Universität,<br />

deren Heilkraft mit neuesten Wissenschaftsmethoden.<br />

Autorin: Ilse Spadlinek. Fotos: <strong>Paracelsus</strong> Uni/wildbild<br />

GEBALLTES WISSEN.<br />

Markus Ritter (6 v.l.) mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitenden seines Instituts.<br />

or 15 Jahren<br />

ist das traditionsreiche<br />

Forschungsinstitut<br />

Gastein<br />

(FOI) in „die wissenschaftliche<br />

Obhut“<br />

des Instituts für Physiologie<br />

und Pathophysiologie<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

gelegt worden. Mit dem<br />

Ziel, die wissenschaftliche<br />

Forschung rund um die ortsgebundenen<br />

Heilmittel des Gasteinertals<br />

auf den neuesten akademischen<br />

Stand zu bringen und<br />

durch Studien und neue Erkenntnisse<br />

zu ergänzen. Im Fokus der Forschung<br />

sollte natürlich nach wie vor<br />

die medizinische Anwendung des Edelgases<br />

Radon stehen, als schmerzlinderndes<br />

Heilmittel bei rheumatischen und anderen<br />

Erkrankungen seit langem bewährt.<br />

12 paracelsus today 3 | 23


„Wir standen im Herbst 2006 gewissermaßen<br />

schon auf den Schultern von<br />

Riesen“, sagt PMU-Institutsleiter Markus<br />

Ritter. Denn in der „so wechselvollen wie<br />

erhabenen Geschichte“ der Gasteiner Forschung<br />

finden sich große Namen: <strong>Paracelsus</strong><br />

(1493-1541) beispielsweise, der in<br />

seinem 1525 verfassten Werk „von den<br />

natürlichen Bädern“ die Gasteiner Thermen<br />

analysiert hat. Oder später der Gasteiner<br />

Badearzt Niederhuber, der „das<br />

feine mineralische Gas, jenes eigentlich<br />

flüchtige, wirkende Wesen“ im Thermalwasser<br />

erahnte – das radioaktive Edelgas<br />

„Radon“. Gefunden hat es dann 1904 Pierre<br />

Curie, gemeinsam mit dem österreichischen<br />

Physiker Heinrich Mache und dem<br />

Gasteiner Arzt Anton Wassing. 1936 wurde<br />

schließlich das Forschungsinstitut Gastein<br />

gegründet, hunderte Publikationen<br />

veröffentlicht und so das Wissen um die<br />

medizinischen Wirkungen der Gasteiner<br />

Heilmittel auf eine solide wissenschaftliche<br />

Basis gestellt.<br />

All das nachzulesen in der FOI-Bibliothek:<br />

Sie ist „zwar klein, enthält aber wohl den<br />

größten Buchbestand zur Balneologie<br />

(Bäderheilkunde) in Österreich“, erklärt<br />

Markus Ritter nicht ohne Stolz. Heute ist<br />

die Bibliothek katalogisiert, digital erfasst<br />

und online abrufbar – vor allem dank der<br />

Zusammenarbeit mit der PMU-Bibliothek<br />

und dem Institut für Geschichte der Paris<br />

Lodron-Universität. Die FOI-Bibliothek<br />

ist jetzt in einer ehemaligen Arztpraxis<br />

untergebracht, die erst saniert und den<br />

Anforderungen einer modernen wissenschaftlichen<br />

Infrastruktur gemäß eingerichtet<br />

werden musste – samt einer kleinen<br />

Laboreinheit, dem Wilhelm Magnus<br />

Netzer-Labor. Aber vor allem ist es gelungen,<br />

ein schlagkräftiges Team von Forscherinnen<br />

und Forschern zusammenzustellen:<br />

zu den Pionieren von damals zählt<br />

Ritter vor allem Angelika Moder und<br />

Martin Gaisberger, beide aus der Naturwissenschaft.<br />

Durch die Anbindung an das PMU-Institut<br />

für Physiologie und<br />

Pathophysiologie hat das<br />

gen des Bewegungsapparats.<br />

Wir initiieren dazu<br />

FOI uneingeschränkt Zugang<br />

klinische Studien, im<br />

zu High-Tech Gerä-<br />

Physiologie-Labor kön-<br />

ten, die teils auch für den<br />

mobilen Einsatz konzipiert<br />

sind. Bei Messungen,<br />

Probenaufbereitungen<br />

nen wir auch experimentelle<br />

Untersuchungen an<br />

Knorpelzellen durchführen.<br />

So wird man die Entstehung<br />

und komplexen Analysen Internationale<br />

von Arthrose<br />

wird eng mit Ärztinnen Publikationen.<br />

besser verstehen und<br />

und Ärzten des Gasteinertals<br />

und der Gasteiner Gesundheitsbetriebe<br />

Die Forschungsergebnisse<br />

belegen die medizinischen<br />

neue Therapieansätze erarbeiten<br />

können“.<br />

zusam-<br />

Die Hoffnung liegt<br />

Wirkungen der<br />

Gasteiner Kur- und<br />

mengearbeitet – vor allem<br />

beim Leuchtturmlichen<br />

Nachwuchs, den<br />

auch beim wissenschaft-<br />

Reha-Therapie.<br />

projekt „Gasteiner Radon<br />

Register“, kurz RadReg<br />

genannt. Daran sind bereits<br />

es zu fördern gilt. Zum<br />

Beispiel durch den „Gastein<br />

Award“, der für Gaentinnen<br />

mehr als 1500 Patistein-bezogene,<br />

hervor-<br />

und Patienten beteiligt, die sowohl<br />

vor als auch nach ihrem Therapieaufenthalt<br />

über ihre Erfahrungen berichten.<br />

Die wissenschaftlich ausgewerteten<br />

Ergebnisse „werfen ein überzeugendes<br />

Licht auf die vielfältige Gasteiner Kurund<br />

Reha-Therapie und belegen anhaltende<br />

Schmerzreduktion bei rheumatischen<br />

Erkrankungen wie nachhaltige Verbesserung<br />

ragende medizinisch-naturwissenschaftliche<br />

Forschung vergeben wird, oder<br />

durch den FOI-Forschungsförderungs-<br />

Fonds. Das FOI organisiert auch Symposien<br />

und Tagungen, präsentiert die neuesten<br />

Forschungsergebnisse auf Kongressen<br />

und ist in verschiedenen verschiedenen<br />

Expertengruppen und Beratungsgremien<br />

vertreten<br />

der Lebensqualität“, so die Epiragende<br />

demiologin und Rehabilitationsforscherin<br />

Antje van der Zee-Neuen. Nicht nur in diesem<br />

Zusammenhang verweisen Julia<br />

Fuchs und als wissenschaftliche Koordinatorin<br />

Sonja Wildburger auf die Vielzahl<br />

an Publikationen in renommierten internationalen<br />

Wissenschaftsjournalen.<br />

Ein Wort noch zu Finanzen und Kontrolle:<br />

Forschung auf höchstem Niveau und mit<br />

modernsten Methoden ist teuer. Dies gilt<br />

auch für das FOI, das ein Basis-Budget<br />

durch den Verein Forschungsinstitut Gastein<br />

erhält. Die Mittel dafür stammen<br />

von einer einmaligen Abgabe in der Höhe<br />

von 1,10 Euro, die - gemäß Salzburger<br />

Ein Meilenstein in der Entwicklung des<br />

FOI war, Teil des Ludwig Boltzmann-Instituts<br />

für Arthritis und Rehabilitation<br />

(LBIAR) zu werden. Schwerpunkt der Forschung<br />

sind Gelenkserkrankungen, insbesondere<br />

Arthritis und Arthrose – und<br />

Nächtigungsabgabengesetz - jeder Gasteiner<br />

Gast ab einem Aufenthalt von drei<br />

bzw. vier Nächten leistet. Neben dieser<br />

Grundfinanzierung sorgt das FOI, dem<br />

ein Steuerungsgremium zur Seite steht,<br />

durch Einwerbung von sogenannten<br />

„weil es noch immer keine Heilung für diese<br />

Drittmitteln und durch Wirtschaftskooperationen<br />

schmerzhafte Erkrankung gibt, tut in-<br />

tensive Forschung not“, sagt Markus Ritter.<br />

„Das FOI kann hier einen wichtigen Beitrag<br />

leisten, denn die Mehrheit derer, die nach<br />

selbst für den wesentlitensive<br />

chen Anteil seiner Forschung. Weiterhin<br />

also viel Erfolg für das gesamte FOI-Team<br />

und alle, die direkt und indirekt daran beteiligt<br />

Gastein kommen, leiden an Erkrankun-<br />

sind! <br />

Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

13


Paul Lauterbur mit dem ersten MRT-Gerät „Big Red“.<br />

Als die<br />

Bilder<br />

„denken“<br />

lernten<br />

FocusOn | Neue Technologien<br />

und Künstliche<br />

Intelligenz beflügeln die<br />

medizinische Bildgebung<br />

zu ungeahnten<br />

Höhenflügen. Das birgt<br />

viele neue Möglichkeiten,<br />

eine alte Gefahr<br />

und die Notwendigkeit,<br />

wertvolle Datenschätze<br />

zu heben.<br />

Autor: Andreas Aichinger.<br />

Fotos: Stony Brook University,<br />

Duke Center for in Vivo Microscopy,<br />

PMU/wildbild<br />

Eine scharfe Maus – genauer<br />

gesagt: eine gestochen<br />

scharfe MRT-Aufnahme<br />

eines Mäusegehirns – begeisterte<br />

vor einigen Monaten<br />

die radiologische<br />

Fachwelt. Verantwortlich für den Wow-<br />

Effekt in Sachen Bildgebung war ein Team<br />

der renommierten Duke University in<br />

North Carolina gewesen. Im Vergleich zu<br />

gängigen MRT-Geräten sollen die Bilder<br />

dank neuester Technologie unglaubliche<br />

64 Millionen Mal schärfer geworden sein,<br />

so die Jubelmeldungen. Doch selbst bei<br />

kritischer Betrachtung sprengt die Auflösung<br />

alles bisher Dagewesene: Jeder der<br />

dreidimensionalen Pixel der Aufnahme<br />

entspricht einem Würfelchen von lediglich<br />

fünf Mikrometern Seitenlänge. Betrachtet<br />

man statt der „räumlichen Auflösung“<br />

nur diese Kantenlänge, so ergibt<br />

sich immer noch eine erstaunliche Verbesserung<br />

um den Faktor 400.<br />

Das nagelneue MRT-Verfahren basiert<br />

letztlich auf einem Mix aus verbesserter<br />

Technik – ein 9,4-Tesla-Magnet und<br />

stärkere Spulen zur Steuerung des Magnetfeldes<br />

– sowie einer eleganten Kombination<br />

mit der „Lichtscheiben-Fluoreszenzmikroskopie“.<br />

Letztere ermöglicht<br />

eine Unterscheidung verschiedener Zellarten,<br />

die anhand von einzelnen Proteinen<br />

unterschiedlich gefärbt sowie mit dem<br />

MRT-Bild überlagert werden. Die Methode<br />

der „Diffusionstensor“-Bildgebung wiederum<br />

macht die Bewegung von Wassermolekülen<br />

im Gewebe und somit den Verlauf<br />

von Nervenfasern sichtbar. Rückschlüsse<br />

auf Alterungsprozesse und<br />

neurodegenerative Erkrankungen wie<br />

Alzheimer oder Parkinson gehören zu den<br />

Hoffnungen, die die erstaunlichen Mausgehirn-Bilder<br />

aus den USA geweckt haben.<br />

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung<br />

der spektakulären Bilder im heurigen<br />

Frühjahr war übrigens kein Zufall:<br />

Beatles-Geld für Erfinder. Genau 50 Jahre<br />

zuvor hatte nämlich der US-amerikanische<br />

Chemiker und Radiologe Paul<br />

Lauterbur das Zeitalter der Magnetresonanztomografie<br />

mit einer grundlegenden<br />

Publikation („Image Formation by<br />

Induced Local Interactions: Examples<br />

Employing Nuclear Magnetic Resonance“)<br />

eingeläutet. Seine bahnbrechende<br />

Erfindung basiert vereinfacht gesagt auf<br />

einem starken Magnetfeld, das den<br />

14 paracelsus today 3 | 23


Ein neues MRT-Verfahren an der Duke University liefert<br />

gestochen scharfe Aufnahmen eines Mäusegehirns.<br />

(Kern)Spin der Wasserstoffatome im<br />

Körper kurzfristig gleich ausrichtet –<br />

was wiederum Rückschlüsse auf den<br />

Wasserstoffanteil und somit auf das jeweilige<br />

Gewebe erlaubt. Der Vorteil dieser<br />

Methode der Gewinnung von Schichtbildern<br />

aus dem Körperinneren liegt darin,<br />

dass sie im Gegensatz zur Computertomografie<br />

(CT) ohne potenziell schädliche<br />

Röntgenstrahlen auskommt. Auch die<br />

CT-Technik – ihr Vorteil liegt nicht zuletzt<br />

in ihrer Schnelligkeit für dringende<br />

Diagnosen – hat ihre Anfänge in den frühen<br />

1970er-Jahren. Was kaum bekannt<br />

ist: An der Wiege der Computertomografie<br />

stand der durchschlagende Erfolg<br />

der Beatles. Deren Plattenfirma nützte<br />

nämlich die vollen Kassen dazu, dem<br />

EMI-Ingenieur Godfrey Hounsfield Geld<br />

für seine Forschungsideen zu Verfügung<br />

zu stellen. 1971 wurde mit dem ersten<br />

Computertomografen, dem „EMI Mark<br />

1“, diese erstaunliche Frucht der Beatles-Hits<br />

in einem Londoner Krankenhaus<br />

installiert.<br />

Die enorme Bedeutung der bildgebenden<br />

Diagnostik für die moderne Medizin<br />

zeigen aber nicht nur MRT- und<br />

CT-Anwendungen, die bekanntlich von<br />

Sportverletzungen bis hin zur Tumordiagnostik<br />

reichen. Schon die erste Röntgenaufnahme<br />

der Welt am 22. Dezember<br />

1895 – Wilhelm Conrad Röntgen<br />

nahm damals die Hand seiner Frau Anna<br />

Bertha auf – und die ersten Lichtmikroskope<br />

rund 300 Jahre zuvor ebneten den<br />

Weg für den Siegeszug der Sichtbarmachung<br />

in der Medizin. Heute haben modernste<br />

Verfahren der Bildgebung längst<br />

auch in der Chirurgie Einzug gehalten.<br />

Nur ein aktuelles Beispiel von vielen: An<br />

der Uniklinik für Neurochirurgie in<br />

Wien wurde vor kurzem – übrigens<br />

erstmals in Europa – eine neue laserbasierte<br />

Bildgebungstechnik („Stimulated<br />

Raman Histology“) eingesetzt. Im Rahmen<br />

von Tumor-Operationen kann diese<br />

Form der digitalen Histologie innerhalb<br />

weniger Minuten eine Gewebe-Befundung<br />

liefern, sie ist somit dem konventionellen<br />

Schnellschnitt überlegen.<br />

Künstliche Intelligenz (KI) schließlich<br />

hilft im genannten Beispiel dabei,<br />

die entscheidende und gerade bei Gehirntumoren<br />

besonders schwierige Abgrenzung<br />

des Tumorgewebes von gesundem<br />

Gewebe sicherzustellen. Dass<br />

an der Med-Uni Wien sowohl ein Forschungscluster<br />

„Medical Imaging“ als<br />

auch ein Lehrstuhl für „Machine Learning<br />

in Medical Imaging“ existieren,<br />

spricht in diesem Zusammenhang eine<br />

klare Sprache. Prinzipiell lässt sich KI<br />

überall dort sehr gut einsetzen, wo sich<br />

klare Fragestellungen in einen Algorithmus<br />

übersetzen lassen und wo vor allem<br />

das entsprechende Datenmaterial – und<br />

in vielen Fällen handelt es sich um durch<br />

Bildgebung gewonnene Daten – vorhanden<br />

ist. Obwohl das Thema Künstliche<br />

Intelligenz erst seit kurzem in den Massenmedien<br />

angekommen ist, gibt es entsprechende<br />

Anwendungen durchaus<br />

schon seit längerer Zeit. Ein interessantes<br />

und überaus instruktives Beispiel dafür<br />

kommt aus Salzburg:<br />

KI seit 2003. Als erste Augenklinik weltweit<br />

hat die Universitätsklinik für Augenheilkunde<br />

und Optometrie in Salzburg<br />

bereits im Jahr 2003 damit begonnen,<br />

Künstliche Intelligenz für die optimierte<br />

Früherkennung und Diagnostik<br />

von Glaukomen („Grüner Star“) einzusetzen.<br />

Klinikvorstand Herbert Reitsamer<br />

bestätigt: „Wir haben einfach sehr früh<br />

angefangen, da waren wir tatsächlich Pi-<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

15


„Wir Mediziner sitzen auf einem Datenschatz,<br />

den wir klug einsetzen müssen.“<br />

HERBERT REITSAMER<br />

oniere.“ Ermöglicht hätte diese frühe<br />

KI-Nutzung in der klinischen Routine<br />

der Augenklinik in erster Linie das Vorhandensein<br />

eines großen, standardisierten<br />

Datensatzes, der wiederum der Glaukom-Vorsorge<br />

des Landes Salzburg zu<br />

verdanken gewesen sei. Reitsamer, der<br />

auch Vizerektor für Innovation und Digitalisierung<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen<br />

Privatuniversität in Salzburg ist:<br />

„Wir Mediziner sitzen auf einem Datenschatz,<br />

den wir klug einsetzen müssen.“<br />

Dieser Datenschatz kann – wie das<br />

Beispiel der Salzburger Uni-Augenklinik<br />

zeigt – auch für einen Blick in die Zukunft<br />

genutzt werden: Auf Basis einer<br />

Analyse der frühen Daten späterer Glaukom-Patienten<br />

kann Reitsamers KI<br />

gleichsam vorhersagen, wer in zehn Jahren<br />

ebenfalls betroffen sein wird – und<br />

zwar mit einer „fast hundertprozentigen<br />

Spezifität“. Und der Primar weiß, was<br />

das für die Zukunft der Medizin bedeutet:<br />

„Daten sind das neue Gold.“ Wenn<br />

also Bildgebung und KI verschmelzen<br />

und letztere auf Basis hochwertiger,<br />

standardisierter und allgemeingültiger<br />

Daten trainiert wird, dann dürfte es aus<br />

heutiger Sicht kaum Grenzen für mögliche<br />

medizinische Anwendungen geben.<br />

Und die Liste an bereits existierenden<br />

Beispielen ist lang und reicht von der<br />

Hautkrebs-Vorsorge über Pathologie<br />

und natürlich Radiologie (hier ist mit „Radiomics“<br />

sogar ein eigenes Forschungsfeld<br />

entstanden) bis hin zur Chirurgie.<br />

Speziell die Roboterchirurgie ist naturgemäß<br />

auf intelligente Bildgebungs-Software<br />

angewiesen, etwa um Schnittkanten<br />

zu definieren. In der Augen- und<br />

Netzhautchirurgie ist wiederum die Optische<br />

Kohärenztomografie (OCT) im Kommen.<br />

Gleichzeitig ist diese vergleichsweise<br />

junge Bildgebungs-Methode auch in<br />

der Dermatologie angesagt, um – natürlich<br />

KI-unterstützt – die Hautkrebs-Diagnostik<br />

weiter zu verbessern.<br />

Eine gefährliche Versuchung bringt<br />

allerdings gerade die moderne Bilddiagnostik<br />

mit sich: Je besser die medizinischen<br />

Bilder werden, desto eher verführen<br />

sie nämlich wenigstens potenziell<br />

dazu, ihre diagnostische Aussagekraft<br />

überzubewerten. Ein klassisches Beispiel<br />

für die Herausforderung, zwischen<br />

Kausalität auf der einen und Koinzidenz<br />

auf der anderen Seite zu unterscheiden,<br />

sind Gelenksarthrosen. Vereinfacht gesagt:<br />

Wer sich die Knieschmerzen eines<br />

Patienten nicht erklären kann, wird auf<br />

der Suche nach Antworten vielleicht<br />

vorschnell die sichtbaren Abnutzungserscheinungen<br />

dafür verantwortlich machen.<br />

Bildet so ein Bildbefund dann die<br />

alleinige Basis für eine eigentlich fragwürdige<br />

OP-Entscheidung, ist der Schaden<br />

auch schon angerichtet. Doch selbst<br />

in solchen Fällen könnte Künstliche Intelligenz<br />

die Kluft zwischen Befund und<br />

Befinden zusehends schließen: Aktuelle<br />

Forschungsergebnisse legen nahe, dass<br />

KI-assistierte Radiografie-Diagnostik<br />

die Übereinstimmung zwischen Bildgebung<br />

und Symptomatik verbessert.<br />

Mensch oder Maschine? Was aber bedeuten<br />

die skizzierten Entwicklungen<br />

für die Medizin von morgen, besonders<br />

auch für angehende Medizinerinnen<br />

und Mediziner? PMU-Vizerektor Herbert<br />

Reitsamer differenziert: „In der<br />

Bildgebung liefern Algorithmen schon<br />

heute Ergebnisse, deren Qualität teilweise<br />

sogar menschlichen Experten überlegen<br />

ist.“ Beim Blick auf das große Ganze<br />

sowie bei der klinischen Bewertung sei<br />

hingegen ein menschlicher Experte „immer<br />

überlegen“, glaubt Reitsamer. Einfachere<br />

Assistenz-Tätigkeiten würden<br />

menschlichen Ärzten und Ärztinnen<br />

zwar „mit Sicherheit“ aus der Hand genommen.<br />

Andererseits bräuchte aber<br />

„niemand zu befürchten“, dass bald ein<br />

Operationsroboter Metastasen in einem<br />

Lymphknoten entfernt. Selbst den Aspekt<br />

der Mustererkennung – in enger Auslegung<br />

eigentlich ein Heimspiel für KI-Anwendungen<br />

– sieht der Primar differenziert.<br />

Menschen könnten schließlich auch<br />

Muster im Denken oder Muster in der<br />

Problemlösung erkennen. „Und wir können<br />

Muster transponieren, was uns ermöglicht,<br />

sehr agil und flexibel zu agieren“,<br />

beschreibt Herbert Reitsamer den<br />

humanen USP. Logische Schlussfolgerung:<br />

„Wir als Mediziner sind der<br />

Schlüssel, und nicht die Technik.“ Ω<br />

16 paracelsus today 3 | 23


Apothekenabrechnung<br />

jetzt noch einfacher:<br />

Neues Digital-Feature<br />

für Privatversicherte<br />

Bezahlte Anzeige<br />

(c) Nikola Milatovic<br />

Die privaten Krankenversicherungen Österreichs starten gemeinsam mit österreichischen<br />

Apotheken eine neue Partnerschaft. Im Fokus dieser Kooperation steht der Mehrwert für<br />

Kundinnen und Kunden: Vom initiierten Digitalisierungsschub profitieren alle privat Krankenversicherten,<br />

die ihre Apothekenrechnung<br />

via App einreichen. Die neue Serviceleistung<br />

wird österreichweit ausgerollt.<br />

Christian Kladiva,<br />

Vorstandsdirektor und<br />

Dr. Gerhard Kobinger<br />

(v.l.)<br />

In Zeiten der Digitalisierung braucht es einfache Lösungen<br />

und kundenorientierte Services. Ein von den privaten<br />

Krankenversicherungen Österreichs gemeinsam mit der<br />

Österreichischen Apothekerkammer initiiertes Projekt geht<br />

genau diesen Weg: mit einer Innovation für alle Kundinnen<br />

und Kunden. Durch das Auslesen eines am Kassenbon<br />

angehängten QR-Codes gestaltet sich die Leistungseinreichung<br />

via App des jeweiligen Versicherers noch bequemer.<br />

Die entsprechende Softwarelösung führt zu einer schnelleren Kostenrückerstattung für privat<br />

Krankenversicherte, die nach einem Apothekenbesuch ihre Rechnung digital einreichen. Insgesamt<br />

gibt es in Österreich rund 3,4 Millionen privat Krankenversicherte, von denen ein Großteil<br />

in den Genuss dieser Neuheit kommt.<br />

Schulterschluss aller Privatversicherer<br />

Das Service steht ab sofort allen Kundinnen und Kunden privater Krankenversicherungen zur<br />

Verfügung. Damit profitieren Kundinnen und Kunden österreichweit. Mit diesem Angebot verbindet<br />

sich ein regionales Einkaufserlebnis mit modernen Mitteln, das für noch mehr Kundenzufriedenheit<br />

sorgt.<br />

„Gemeinsam und im Schulterschluss präsentieren wir eine digitale Neuheit, die unseren Kundinnen<br />

und Kunden zugute kommt und die zeigt, wie innovationsstark wir als Branchen sind,<br />

wenn wir uns an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren. Ich freue mich über diesen Zukunftsschritt,<br />

den Mut und die Offenheit, die es braucht, um Neues zu bewegen“,betont Christian<br />

Kladiva, Vorstandsdirektor der Merkur Versicherung, die dieses Projekt initiiert hat.<br />

Dr. Gerhard Kobinger, 2. Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer: „Innovationen<br />

ebnen den Weg für eine erfolgreiche Zukunft. Wichtig ist dabei, dass jede technologische<br />

Neuheit bei unseren Kundinnen und Kunden ankommt. Mit dieser gemeinsamen Initiative kombinieren<br />

wir das Know-how aus zwei Branchen, um das Einkaufserlebnis weiter zu stärken. Zudem<br />

setzen wir ein starkes Statement, wenn es darum geht, den Weg in die Apotheke mit innovativen<br />

Serviceleistungen vor Ort zu fördern. Wir freuen uns auf diese Zusammenarbeit, von<br />

der unsere Kundinnen und Kunden in der Apotheke vor Ort in vielerlei Hinsicht profitieren.“<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

17


„Das PMU-Konzept<br />

hat eine hohe<br />

Innovationskraft“<br />

Education | Stefan Knop ist der neue Dekan für Lehre<br />

am PMU-Standort Nürnberg. <strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> hat<br />

den Chefarzt für Onkologie und Hämatologie zum<br />

Interview gebeten.<br />

Autorin: Isabel Lauer. Fotos: Luisa Schuster/Klinikum Nürnberg<br />

Prof. Dr. Stefan Knop,<br />

Chefarzt Klinik für Innere<br />

Medizin 5, Schwerpunkt<br />

Onkologie/Hämatologie,<br />

Klinikum Nürnberg<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong>: Herr<br />

Professor Knop, Sie führen<br />

seit zwei Jahren eine große<br />

internistische Abteilung am<br />

Klinikum Nürnberg. Im vergangenen September<br />

haben Sie dazu das Amt als Dekan<br />

für Lehre und Klinische Angelegenheiten<br />

des PMU-Standorts übernommen. Fühlten<br />

Sie sich nicht ausgelastet?<br />

Knop: Das war ein Angebot der Universitätsleitung,<br />

das ich nicht ablehnen konnte<br />

und wollte. Für meinen Vorgänger im<br />

Amt, Thomas Papadopoulos, war ich der<br />

Wunschnachfolger. Das empfand ich als<br />

Ehre und Ansporn. Ich bin noch nicht<br />

lange in Nürnberg und hatte mich zu<br />

diesem Zeitpunkt nicht aktiv für die Aufgabe<br />

gemeldet. Aber ich kann mich gut<br />

mit ihr identifizieren.<br />

Was gefällt Ihnen daran, fortan „oberster<br />

Ausbilder“ zu sein?<br />

Knop: Junge Leute auf dem Weg in den<br />

Beruf zu begleiten, ist eine Superaufgabe.<br />

Ich gebe gern ein Vorbild ab.<br />

Allerdings rücken Sie als Dekan jetzt weiter<br />

weg von der Praxis, weil Sie in viele<br />

Gremiensitzungen und Besprechungen<br />

müssen.<br />

Knop: Ja, im Moment haben wir sehr viel<br />

Detailarbeit damit, das Curriculum vom<br />

Diplom auf Master und Bachelor umzustellen,<br />

die neuen Module und Prüfungsordnungen<br />

zu entwickeln. Dass ich nun<br />

weniger selbst lehren kann, ist schade.<br />

Aber es ist mir wichtig, dass wir die Universität<br />

hier am Standort noch mehr<br />

verinnerlichen. Ich will auf kollegiale<br />

Weise in die Teams hineinwirken, damit<br />

wir diesen akademischen „Spirit“ für die<br />

Wissenschaft und die Lehre leben. Es ist<br />

ein Privileg, junge Menschen dazuhaben,<br />

die einen dazu anhalten, sein Tun zu<br />

hinterfragen.<br />

18 paracelsus today 3 | 23


PT: Auch als Vater einer Tochter: Wie<br />

nehmen Sie diese jungen Leute wahr?<br />

Aktuell wird viel diskutiert über die<br />

„Generation Z“...<br />

Knop: …Charlotte ist seit drei Monaten in<br />

der Schule, von ihrer Begeisterung kann<br />

sich jeder eine Scheibe abschneiden<br />

(lacht). Im Ernst: Ich erlebe sehr motivierte<br />

Studierende, die sich ebenfalls<br />

vielfach mit großer Begeisterung an den<br />

Wissenserwerb machen. Im Arbeitsleben<br />

verschieben sich aber die Vorstellungen<br />

eindeutig hin zu geregelteren<br />

Zeiten und einem wöchentlichen Pensum,<br />

das im Arbeitsvertrag steht. Wir alle<br />

sind alle gefordert, neue Modelle zu<br />

schaffen.<br />

Haben Sie Vorbilder für gute Lehre in<br />

Ihrem Leben?<br />

Knop: Mein erster Tübinger Chef, Professor<br />

Lothar Kanz, war ein fantastischer<br />

Kliniker und mitreißender klinischer<br />

Lehrer. Er war derjenige, der mich zur<br />

Hämatologie gebracht hat. Ich war im<br />

siebten, achten Semester, und er hielt die<br />

Vorlesung „Differenzialdiagnose der Inneren<br />

Medizin“. Von ihm habe ich gelernt,<br />

nichts zu glauben, was einem serviert<br />

wird. Als guter Mediziner muss<br />

man offen und unvoreingenommen<br />

bleiben, weil kein Fall dem anderen<br />

gleicht. Man braucht einen scharfen<br />

analytischen Verstand und muss sich<br />

sein eigenes Bild machen, warum etwas<br />

so ist – oder warum nicht.<br />

An der Julius-Maximilians-Universität<br />

Würzburg haben Sie später selbst eine<br />

Differenzialdiagnose-Vorlesung begründet.<br />

2012 bekamen Sie dafür den Lehrpreis<br />

der Medizinfakultät, auf Vorschlag<br />

der Studierenden. Kann man es lernen,<br />

ein guter Lehrer zu sein, oder ist es Talent?<br />

Knop: Man kann viel lernen und Fehler<br />

vermeiden – aber letztlich braucht es die<br />

Lust dazu, den eigenen Antrieb.<br />

Sie haben an einer uralten Traditionsuniversität<br />

studiert, Tübingen. Was hätte<br />

rückblickend in Ihrem Studium besser<br />

laufen können bei der Lehre?<br />

Knop: Tübingen ist ein Riesenladen. Zu<br />

meiner Zeit gab es rund 300 Studienanfängerinnen<br />

und -anfänger pro Jahr.<br />

Lernen in kleinen Gruppen, was die<br />

PMU auszeichnet, war da natürlich unmöglich.<br />

Ich erinnere mich an den Klinischen<br />

Untersuchungskurs Innere Medizin,<br />

den „Klopfkurs“. Ich sehe uns noch<br />

alle mit dem Professor in den Vier- und<br />

Sechsbettzimmern stehen. Wenn Sie<br />

wollten, konnten Sie diesen kompletten<br />

Kurs überstehen, ohne dass Sie einmal<br />

einen Patienten anfassen mussten. Das<br />

darf es nicht geben!<br />

In Würzburg haben Sie sich habilitiert.<br />

2021 wechselten Sie nach Nürnberg: von<br />

einer der ältesten deutschen Unikliniken<br />

an die noch nicht mal zehn Jahre alte<br />

PMU. Hatten Sie Verlustängste?<br />

Knop: Natürlich, keine Frage. Die unglaubliche<br />

Diversifizierung im wissenschaftlichen<br />

Bereich ist ein Privileg, das<br />

können wir an der PMU in Nürnberg<br />

momentan nicht abbilden. Was für eine<br />

hohe Innovationskraft das PMU-Konzept<br />

trotzdem hat, habe ich in einem<br />

meiner letzten Würzburger Bewerbungsgespräche<br />

verstanden, als eine<br />

PMU-Studentin sich vorstellte. Wir bringen<br />

hervorragende Absolventinnen und<br />

Absolventen hervor. Aus meiner Sicht<br />

sollten wir uns übrigens nicht daran<br />

festhalten, dass möglichst viele von ihnen<br />

nach dem Studium in Nürnberg<br />

bleiben. Diese Erwartung ist ein Denkfehler.<br />

Der eigentliche Erfolg ist doch,<br />

dass unsere Absolventen raus auf den<br />

Markt gehen, ob nach Hamburg oder<br />

Berlin oder sonst wohin. Und dass sie ein<br />

Jahr früher anfangen zu arbeiten.<br />

Das Klinikum Nürnberg hat auch eine<br />

lange Tradition, allerdings als städtisches<br />

Großkrankenhaus. Wie alle kommunalen<br />

Maximalversorger in Deutschland steht<br />

es unter hohem Druck und ist als Allrounder<br />

für die Bevölkerung gefragt. Wie<br />

schwierig ist es, die Kolleginnen und<br />

Kollegen zu Exzellenz in der Lehre zu<br />

motivieren?<br />

Knop: Es ist auch eine Generationenfrage.<br />

Es ist erklärtes Ziel der Universitätsund<br />

Klinikumsleitung, die Hochschulmedizin<br />

noch fester zu verankern.<br />

Durch die große Zahl der Mitarbeitenden<br />

finden Sie zum Glück immer Kollegen,<br />

die Spaß daran haben.<br />

Der PMU-Standort Nürnberg feiert 2024<br />

sein zehnjähriges Bestehen. Welches<br />

Potenzial sehen Sie in ihm?<br />

Knop: Das Haus hätte kraft seiner Größe<br />

weit mehr Ausbildungskapazität als nur<br />

für 55 Studierende pro Jahr. Traut man<br />

sich zu, das auszubauen? Natürlich ginge<br />

eine Expansion nicht mit demselben<br />

Lehrpersonal und ohne Investitionen.<br />

In Ihrer knappen Freizeit kriegen Sie dem<br />

Vernehmen nach den Kopf gut in der<br />

Oper frei.<br />

Knop: Ja, ich bin früher dafür regelmäßig<br />

nach Stuttgart gefahren. Aber das Musiktheaterangebot<br />

in Nürnberg schätze<br />

ich sehr und es ist innerhalb weniger<br />

Minuten erreichbar!<br />

Bei dem Thema müssen Sie diplomatisch<br />

auch was zu Salzburg sagen.<br />

Knop: Einmal im Jahr Salzburger Festspiele<br />

– auf jeden Fall!<br />

Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

19


Early-Life-Care-<br />

Zentrum in Salzburg:<br />

einzigartig<br />

FocusOn | Mit dem neuen Zentrum bietet der Standort nun eine<br />

ideale Kombination aus Universitätslehrgang, Forschungsinstitut<br />

und Versorgungseinheit.<br />

Autor: Florian Emminger. Foto: Leon Bernhofer, iStock/FatCamera<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong>: Was empfinden Sie<br />

anlässlich der Eröffnung des Zentrums?<br />

Sperl: Ich freue mich sehr. Das Zentrum<br />

ist ein weiterer, wesentlicher Höhepunkt<br />

in der Umsetzung unseres damals visionären<br />

Early-Life-Care-Gedankens. Early<br />

Life Care bezieht sich auf das so wichtige<br />

Zeitfenster um den Lebensbeginn herum,<br />

die Notwendigkeit besonderen, professionellen<br />

Wissens um diese vulnerable Zeit<br />

und die Wichtigkeit von Bindung und Beziehung.<br />

Das Zentrum entspricht der gemeinsam<br />

mit der Pflege und anderen Berufsgruppen<br />

entwickelten Vision einer<br />

interprofessionellen Nachsorgeeinheit in<br />

BEI DER ERÖFFNUNGS-FEIER<br />

DES NEUEN ZENTRUMS: (v.l.):<br />

Thorsten Fischer (Vorstand Uniklinik für Frauenheilkunde<br />

und Geburtshilfe), Wolfgang Sperl<br />

(Rektor PMU), Daniel Weghuber (Vorstand<br />

Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde),<br />

Daniela Gutschi (Gesundheits-Landesrätin),<br />

Daniela Karall (Präsidentin der Österreichischen<br />

Gesellschaft für Kinder- und Jungendheilkunde<br />

ÖGKJ), Beate Priewasser (Vorständin Institut für<br />

Early Life Care), Paul Sungler (Geschäftsführer<br />

SALK) und Roman Metzger (Vorstand der<br />

Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie).<br />

Möglichst optimale Bedingungen<br />

für Familien rund um<br />

Schwangerschaft, Geburt<br />

und frühe Kindheit zu schaffen ist das<br />

Ziel des neuen, interprofessionellen<br />

Early-Life-Care-Zentrums am Uniklinikum<br />

Salzburg. Mit einem Festakt an<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen Privatuniversität<br />

(PMU) wurde das von den<br />

Universitätskliniken für Kinder- und<br />

Jugendmedizin, Kinder- und Jungendchirurgie<br />

sowie Frauenheilkunde und<br />

Geburtshilfe, der Pflegedirektion und<br />

dem Institut für Early Life Care der<br />

PMU gegründete Zentrum im November<br />

2023 offiziell eröffnet. Die österreichweit<br />

erste Einrichtung dieser Art<br />

hilft dabei, bindungsorientierte, familienzentrierte<br />

und entwicklungsfördernde<br />

Pflege und Versorgung in der<br />

klinischen Praxis leben zu können.<br />

Maßgeblicher Wegbereiter des neuen<br />

Zentrums und einer der zentralen „Väter“<br />

von Early Life Care in Salzburg ist<br />

Wolfgang Sperl, PMU-Rektor und<br />

langjähriger ehemaliger Vorstand der<br />

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin.<br />

Im Gespräch mit <strong>Paracelsus</strong><br />

<strong>Today</strong> blickt er auf die Meilensteine<br />

der Entstehung zurück.<br />

einem Kinderzentrum, die sich als<br />

Schnittstelle zwischen Klinikum und Zuhause<br />

um die kompetente Versorgung<br />

kranker Kinder und betroffener Familien<br />

kümmert.<br />

Was waren die wichtigsten Meilensteine<br />

auf dem Weg zum ELC-Zentrum?<br />

Sperl: Das waren sicherlich der Start des<br />

interprofessionellen Universitätslehrgangs<br />

Early Life Care gemeinsam mit<br />

dem Bildungszentrum St. Virgil 2016 sowie<br />

die Gründung des Instituts für Early<br />

Life Care an der PMU im selben Jahr. Vereinfacht<br />

gesagt: der Universitätslehrgang<br />

bildet die Professionisten aus, die nun im<br />

neuen Early-Life-Care Zentrum tätig sind.<br />

Das Institut, für das ich damals den renommierten<br />

Kinder- und Jugendpsychi-<br />

20 paracelsus today 3 | 23


ater Prof. Karl Heinz Brisch als Leiter<br />

gewinnen konnte, bildet sozusagen<br />

die wissenschaftliche Grundlage für<br />

den Lehrgang und leistet wertvolle<br />

Forschung. Wir haben damit hier in<br />

Salzburg eine ideale Kombination aus<br />

Lehrgang, Forschungsinstitut und<br />

Versorgungszentrum.<br />

Was war Ihre Rolle in der Entstehungsgeschichte?<br />

Sperl: Als Pädiater war es mir ein großes<br />

Anliegen, ein solches Zentrum in<br />

Salzburg zu etablieren. Meine Rolle<br />

war die des Initiators und Koordinators,<br />

Professor Daniel Weghuber hat<br />

als mein Nachfolger das Staffelholz<br />

für Early Life Care mit vollster Überzeugung<br />

übernommen. Wesentlich<br />

war, dass auch Kinderchirurgie, Frauenheilkunde<br />

und Geburtshilfe, Neonatologie<br />

und Pränatalzentrum – die<br />

Bereiche des ebenfalls unter meiner<br />

Early Life Care<br />

Early Life Care ist ein interdisziplinäres<br />

Konzept der Gesundheitsförderung und<br />

-Versorgung mittels Beratung, Begleitung,<br />

Diagnostik, Therapie und Betreuung<br />

am Lebensbeginn. Die ersten Jahre<br />

eines Säuglings sind das Fundament für<br />

einen guten Start ins Leben, für tragfähige<br />

Beziehungen und eine gesunde<br />

bio-psycho-soziale Entwicklung.<br />

Für einen guten Start ins Leben<br />

braucht es professionelles Wissen.<br />

Koordination etablierten Zentrums<br />

für Kinder- und Jugendmedizin –<br />

zentral für das Thema zu gewinnen<br />

waren.<br />

Wie gelingt ein guter Start ins Leben?<br />

Sperl: Für einen guten Start ins Leben<br />

braucht es professionelles<br />

Wissen. Der Lebensbeginn ist<br />

ein komplexer Abschnitt, in<br />

dem wichtige Weichen gestellt<br />

werden. Hier kann sehr<br />

viel richtig, aber auch vieles<br />

falsch gemacht werden – sei<br />

es missbräuchlich oder auch<br />

durch Unwissen. Wir wollen<br />

diese vulnerable Phase kompetent<br />

begleiten. Mit Zertifizierungsvorgaben<br />

für Early-Life-Care-Zentren<br />

haben wir die<br />

Möglichkeit zur europaweiten<br />

Vervielfältigung unserer Idee<br />

geschaffen.Ω<br />

Wir leisten Pionierarbeit<br />

im Gesundheitswesen.<br />

Für jeden Menschen. Überall. Nachhaltig.<br />

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Gemeinsamer Blick zurück. Zu den Highlights jeder<br />

Feier zählt die traditionelle Absolvent*innen-Rede.<br />

Applaus gibt<br />

es auch für die<br />

Lehrenden.<br />

Gemeinsame<br />

Abschlussfeier<br />

der Bachelors<br />

(hellblaue Schärpe)<br />

und Master<br />

of Science in<br />

Nursing (orange<br />

Schärpe).<br />

Habemus Doctores!<br />

Das Stichwort für das<br />

Werfen der Hüte.<br />

Absolvent*innen<br />

des Online-Bachelorstudiengangs<br />

Pflegewissenschaft.<br />

Der zweite Abschlussjahrgang<br />

des Masterstudiums<br />

Pharmazie.<br />

22 paracelsus today 3 | 23


Inside<br />

Wohlverdiente<br />

Feier-Zeit<br />

Dekanin Daniela<br />

Schuster bei der<br />

Pharmazie-<br />

Masterfeier im<br />

Hangar-7.<br />

Es ist jedes Mal aufs Neue ein emotionaler Höhepunkt<br />

– für die Absolventinnen und Absolventen<br />

und ihre stolzen Angehörigen sowieso, gleichermaßen<br />

aber auch für die <strong>Paracelsus</strong> Universität – wenn<br />

im Rahmen akademischer Feiern die Dekrete für die<br />

Studienabschlüsse verliehen werden. Seit dem Sommer<br />

reihen sich knapp 300 weitere Dr. med. Univ., Ph.D.,<br />

Master und Bachelors in die Riege der PMU-Alumni ein,<br />

auch fünf Professuren wurden in diesem Zeitraum verliehen.<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> hat einige Impressionen eingefangen<br />

– von den Abschlussfeiern der Humanmedizin<br />

über die Sponsionen der Pharmazie sowie Pflegewissenschaft<br />

und Public Health bis hin zu den Feiern der<br />

Universitätslehrgänge wie Early Life Care oder Palliative<br />

Care. Die Bilder sprechen für sich: freudestrahlende<br />

Gesichter über den wohlverdienten Studienabschluss<br />

nach intensiven Jahren des Lernens und der persönlichen<br />

Weiterentwicklung. Wir sind stolz auf unsere Absolventinnen<br />

und Absolventen. Sie sind die Visitenkarte<br />

der <strong>Paracelsus</strong> Universität.<br />

Frisch gebackene<br />

Master of Science<br />

in Public Health.<br />

Geschafft! Erleichterung<br />

und Freude sind groß.<br />

Stolze Ph.D. in Nursing<br />

and Allied Health<br />

Sciences: Miriam und<br />

Christopher Läpple.<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

23


Der Arztberuf kam für Reinhold<br />

Ortmaier lange Zeit<br />

überhaupt nicht in Frage. „Eigentlich<br />

wollte ich als Schüler<br />

Jurist werden. Die Medizin hatte für mich<br />

etwas Abstoßendes, ich konnte kein Blut<br />

sehen“, erinnert sich der gebürtige<br />

Stadt-Salzburger. Das änderte sich während<br />

seines Präsenzdienstes als Sanitäter<br />

– seine ersten Erfahrungen mit der Medizin,<br />

die er überaus spannend, facettenreich<br />

und einprägsam erlebt hat. Sie führten<br />

letztlich zu dem Entschluss, Medizin<br />

zu studieren und eine ärztliche Tätigkeit<br />

anzustreben. Er bewarb sich an der PMU,<br />

wurde aufgenommen und studierte von<br />

2005 bis 2010 Humanmedizin.<br />

Die „Salzburger Jahre“. Bald galt sein Interesse<br />

der Unfallchirurgie und der Orthopädie.<br />

Das hatte vor allem mit dem<br />

breiten Spektrum an therapeutischen<br />

Herausforderungen dieser Fächer zu<br />

tun: von konservativen und sportorthopädischen<br />

Möglichkeiten über minimal<br />

invasive Eingriffe bis hin zu großen Operationen.<br />

Die Ausbildung zum Facharzt<br />

für Unfallchirurgie absolvierte er an der<br />

Universitätsklinik Salzburg und spezialisierte<br />

sich auf die Schulterchirurgie und<br />

Traumaversorgung. Diese Schwerpunktsetzung<br />

erfolgte nicht ganz zufällig, sie<br />

hing unter anderem mit dem langjährigen<br />

Leiter dieser Abteilung und damaligen<br />

Rektor der PMU, Herbert Resch, zusammen.<br />

Ein international anerkannter<br />

Schulterspezialist und eine schillernde<br />

Persönlichkeit, wie Ortmaier sagt. Außerdem:<br />

„Die Schulter ist ein komplexes<br />

Gelenk, ihre chirurgische Versorgung<br />

noch ein relativ junges Fach, das eine<br />

spannende Entwicklung durchmacht“.<br />

Nach der Zeit am Uniklinikum Salzburg<br />

folgten Aufenthalte im Ausland<br />

und der Wechsel an die Orthopädische<br />

Abteilung am Ordensklinikum Linz<br />

Barmherzige Schwestern, wo er die<br />

Facharztausbildung für Orthopädie absolvierte.<br />

Und wo er letztlich „hängen<br />

PMU-Alumnus<br />

neuer Orthopädie-<br />

Primar in Linz<br />

Alumni | Der 38-jährige Salzburger Reinhold Ortmaier<br />

leitet seit kurzem die orthopädische Abteilung<br />

am Ordensklinikum Linz. Sein fachlicher<br />

Werdegang begann an der <strong>Paracelsus</strong> Universität,<br />

zu der er nach wie vor rege Verbindungen gibt.<br />

Autor: Wolfgang Bauer. Foto: Ordensklinikum Linz<br />

24 paracelsus today 3 | 23


„Die Schulter ist ein<br />

komplexes Gelenk, ihre<br />

chirurgische Versorgung<br />

noch ein relativ<br />

junges Fach, das<br />

eine spannende Entwicklung<br />

durchmacht“,<br />

erklärt Ortmaier.<br />

„Ich habe an der<br />

<strong>Paracelsus</strong> Uni in<br />

Salzburg eine ausgezeichnete<br />

Ausbildung<br />

genossen, die einen<br />

wesentlichen Grundstein<br />

für meinen weiteren<br />

Weg darstellte.“<br />

REINHOLD ORTMAIER<br />

auch international positionieren, sagt<br />

Ortmaier. Daher beobachtet er aufmerksam,<br />

wie sich die fortschreitende Digitalisierung<br />

der Medizin sowie der Einsatz<br />

von Künstlicher Intelligenz in der Heilkunde<br />

entwickelt. So könnte der Einsatz<br />

von Apps und VR-Brillen die Vorbereitung<br />

von Patientinnen und Patienten auf<br />

eine OP grundlegend verändern. Auch die<br />

Nachkontrolle bzw. Nachsorge werde<br />

künftig anders verlaufen, Video-Sprechstunden<br />

oder online-Abfrage-Tools<br />

könnten dabei vermehrt zum Einsatz<br />

kommen und Klinik-Besuche reduzieren,<br />

sagt Ortmaier. „Ich denke, dass wir uns<br />

künftig ambulanter aufstellen müssen<br />

und weniger Patientinnen und Patienten<br />

über stationäre Aufnahmen führen.“ Der<br />

Umgang mit knappen Ressourcen und<br />

dem Fachkräftemangel werde die Medizin<br />

wohl ebenfalls beschäftigen.<br />

blieb“. 2018 dann die Habilitation zur<br />

Erlangung der venia docendi und zum<br />

Privatdozent an der PMU in Salzburg.<br />

Das Thema: “Anwendungsgebiete der inversen<br />

Schulterprothetik”. Zwei Jahre<br />

später wurde er stellvertretender Abteilungsvorstand<br />

am Ordensklinikum und<br />

schloss eine berufsbegleitende Zusatzausbildung<br />

in Sportmedizin an der privaten<br />

Universität UMIT in Tirol ab.<br />

Seit 1. Juli dieses Jahres leitet der<br />

38-Jährige die Orthopädische Abteilung<br />

am Ordensklinikum Linz – eine neue<br />

und herausfordernde Aufgabe, in die er<br />

sich gut eingefunden hat. Denn: „Als<br />

stellvertretender Vorstand war ich bereits<br />

seit 2020 in administrative Prozesse<br />

involviert“.<br />

Die Schwerpunkte der Abteilung reichen<br />

von der Schulterchirurgie über die Fußchirurgie<br />

bis zur Sport- und Kinderorthopädie,<br />

dazu seltene, komplexe Eingriffe<br />

– ein breites Spektrum an medizinischen<br />

und therapeutischen Leistungen.<br />

Dazu zählt natürlich auch der Gelenkersatz<br />

beim Hüft- und beim Kniegelenk.<br />

„Hüfte und Knie sind als gewichtstragende<br />

Gelenke von vornherein einer großen<br />

Belastung und daher einem gewissen Verschleiß<br />

ausgesetzt. Dieser wird durch<br />

Übergewicht zusätzlich begünstigt. Dazu<br />

kommt noch, dass die Menschen immer<br />

älter und die älteren Personen immer<br />

mehr werden. Daher steigt die Zahl der<br />

operationswürdigen Personen“, sagt Ortmaier.<br />

Um die Patienten bestmöglich betreuen<br />

zu können, arbeiten am eigenen<br />

Endoprothetik-Zentrum der Orthopädischen<br />

Abteilung Fachleute aus unterschiedlichen<br />

Bereichen zusammen – eine<br />

multiprofessionelle Teamarbeit. Ortmaiers<br />

Know-how ist auch in der Tumorchirurgie<br />

gefragt. Trotz aller Fortschritte und<br />

Möglichkeiten in der chirurgischen Therapie<br />

hält es Reinhold Ortmaier für überaus<br />

wichtig, konservative Möglichkeiten so<br />

weit wie möglich auszuschöpfen. „Die Chirurgie<br />

sollte immer am Ende einer Behandlung<br />

stehen“, so der junge Primar.<br />

Zukunft, die bereits begonnen hat. Er<br />

wolle seine Abteilung fachlich und<br />

strukturell gut in die Zukunft führen und<br />

Positiver Rückblick. Die Zeit an der PMU<br />

hat er überaus positiv in Erinnerung. „Es<br />

war eine intensive und lehrreiche Zeit, in<br />

der es sehr viel zu lernen galt. Ich habe<br />

eine ausgezeichnete Ausbildung genossen,<br />

die einen wesentlichen Grundstein<br />

für meinen weiteren Weg darstellte“,<br />

sagt er. Mit der PMU ist er nach wie vor<br />

in Verbindung. So bekam er im Sommer<br />

dieses Jahres von der PMU die außerplanmäßige<br />

Professur für das Fach Orthopädie<br />

und Unfallchirurgie verliehen.<br />

Derzeit vertieft ein junger Kollege aus<br />

Salzburg seine Kenntnisse in Sachen<br />

Schulterchirurgie in Linz. Darüber hinaus<br />

ist Ortmaier offen für Hospitationen<br />

und Famulaturen angehender Ärztinnen<br />

und Ärzte aus Salzburg an seiner Abteilung.<br />

Neben der zeitintensiven Arbeit in<br />

der Klinik steht für Reinhold Ortmaier<br />

die Familie im Mittelpunkt, auch für<br />

sportliche Aktivitäten wie Laufen oder<br />

Radfahren findet er Zeit. Seine beiden<br />

Söhne, drei und sechs Jahre alt, zeigen<br />

ebenfalls Sympathien für die Heilkunde.<br />

Der ältere tendiert zur Veterinärmedizin,<br />

der jüngere zur Humanmedizin. Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

25


Rachenentzündung -<br />

häufige Infektion der kalten Jahreszeit<br />

Bodycheck I Die akute Pharyngitis (Entzündung des Rachens) gehört zu den Erkältungskrankheiten<br />

und tritt somit vor allem in den Herbst- und Wintermonaten auf. Die Übertragung<br />

erfolgt meist durch Aerosole im Sinne einer Tröpfcheninfektion, jedoch können<br />

auch Schmierinfektionen vorkommen, insbesondere im Kleinkindalter.<br />

SYMPTOME<br />

In 80 Prozent verläuft die Erkrankung viral. Die häufigsten<br />

viralen Erreger sind Adenoviren, Coronaviren, Rhinoviren, Influenza-<br />

und Parainfluenza sowie EBV-Viren. Es kann auch<br />

zu einer bakteriellen Superinfektion kommen. Häufig präsentiert<br />

sich die Pharyngitis nicht als isolierte Rachenentzündung,<br />

sondern in Form einer Hals- Nasen-Ohren-Entzündung.<br />

Eine ausgeprägte Entzündung der Nase und des Rachens<br />

kann oft bei akuter EBV-Infektion (EBV gehört zur Familie<br />

der Herpesviren) beobachtet werden.<br />

VERLAUF und PROGNOSE<br />

Patienten mit einer akuten Pharyngitis berichten über ein<br />

Kratzen und/oder Brennen im Hals. Eine zähe Verschleimung<br />

des Rachens wird oft beschrieben. In sehr ausgeprägten Fällen<br />

kann neben Fieber auch eine Odynodysphagie, also eine<br />

schmerzhafte bis unmögliche Nahrungsaufnahme hinzukommen.<br />

In diesen Fällen ist eine stationäre Aufnahme zur<br />

Flüssigkeitssubstitution indiziert. Bei EBV assoziierter Entzündung<br />

der Nase und des Rachens kommt es häufig zu einem<br />

nasalen Sprachklang.<br />

DIAGNOSTIK<br />

Der Lokalbefund einer Pharyngitis präsentiert sich typischerweise<br />

in Form multipler, kleiner, hellroter und leicht erhabener<br />

Lymphfollikel, die an der Rachenhinterwand deutlich ersichtlich<br />

sind. Der HNO-Arzt beschreibt dies im klinischen<br />

Alltag als granulierte Rachenhinterwand. Bei bakterieller<br />

Superinfektion sind die oben beschriebenen Lymphfollikel<br />

eitrig durchsetzt.<br />

THERAPIE<br />

Die Therapie ist in erster<br />

Linie rein symptomatisch<br />

und kann in den meisten<br />

Fällen ambulant durchgeführt<br />

werden. Die mittlere<br />

Erkrankungsdauer<br />

liegt bei fünf Tagen. Neben<br />

der Gabe von oralen Analgetika/Antiphlogistika empfiehlt<br />

sich eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine unterstützende<br />

Lokaltherapie mit entzündungshemmenden<br />

Gurgellösungen und/oder Lutschtabletten mit Lokalanästhetikum.<br />

Bei ausgeprägten Befunden ist die Gabe eines Antibiotikums<br />

indiziert.<br />

Eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Flüssigkeitssubstitution<br />

ist bei ausgeprägten Schluckbeschwerden und<br />

erschwerter oraler Nahrungsaufnahme indiziert.<br />

Komplikationen durch eine akute Pharyngitis sind selten.<br />

Es kann zu einer fortgeleiteten Entzündung bis ins Mittelohr<br />

kommen und sich hier als akute Mittelohrentzündung manifestieren.<br />

Bei immunsupprimierten Patienten und verzögerten<br />

Verläufen sollten neben regelmäßigen Kontrollen der<br />

Entzündungsparameter bildgebende Verfahren zum Ausschluss<br />

eines tief im Rachen sitzenden Abszesses erwogen<br />

werden.<br />

Die akute Pharyngitis ist eine meist harmlos verlaufende,<br />

gut behandelbare und oft selbstlimitierende Erkrankung.<br />

Durch die akute Einschränkung grundlegender Körperfunktionen<br />

wie Schlucken, Sprechen und Nasenatmung fühlen<br />

sich die Patienten in ihrem Alltag jedoch stark beeinträchtigt.<br />

istock, privat<br />

Die Autorin:<br />

DR.in EVA-MARIA ZIMMERMANN-BALOGH ist Oberärztin an der Universitätsklinik<br />

für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten in Salzburg.<br />

26 paracelsus today 3 | 23


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Dass Felix Fritsch als<br />

Spross der oberösterreichischen<br />

Pharmadynastie<br />

Richter/Fritsch die familieneigene<br />

Apotheke<br />

im Stadtzentrum von Wels einmal in<br />

sechster Generation weiterführen wird,<br />

kommt nicht wirklich überraschend.<br />

Dass er dort sehr schnell nach dem Beginn<br />

seines Aspirantenjahres – wer in<br />

Österreich Apotheker werden möchte,<br />

muss nach Abschluss des Pharmaziestudiums<br />

eine einjährige praktische<br />

Ausbildung in einer öffentlichen Apotheke<br />

oder Krankenhausapotheke absolvieren<br />

– bereits in hohem Maße auch<br />

Leitungsaufgaben und strategische<br />

Themen übernimmt, war so zunächst<br />

jedoch nicht geplant.<br />

Die Möglichkeit gleich tiefer in das<br />

Apothekengeschäft einzusteigen ergibt<br />

sich für den frisch gebackenen PMU-Absolventen<br />

schon wenige Tage nach seinem<br />

Start im Juni 2023: Nachdem der<br />

langjährige stellvertretende Leiter der<br />

Adler Apotheke die Chance ergreift, zeitnah<br />

eine eigene Apotheke am Stadtrand<br />

von Wels erwerben zu können, übergibt<br />

er Felix Fritsch schrittweise Aufgaben.<br />

Einkauf, Preisverhandlungen mit Zulieferern,<br />

Marketing- und Aktionspläne sowie<br />

die Kontaktpflege mit Stakeholdern<br />

zählen damit für den 33-Jährigen bald<br />

zur Tagesordnung, zusätzlich zu seinen<br />

Aspirantenaufgaben. „Es ist viel Büroarbeit,<br />

an der Tara stehe ich dann meist<br />

samstags. Aber mir taugt diese Herausforderung<br />

sehr. Ich will etwas bewegen“,<br />

sagt Felix Fritsch hochmotiviert. Und<br />

damit zielt er nicht nur auf die Weiterentwicklung<br />

der eigenen Apotheke ab,<br />

sondern denkt zugleich umfassend:<br />

„Wichtig wäre, dass alle Player und Professionen<br />

in unserem Gesundheitssystem<br />

enger zusammenarbeiten und<br />

dabei das Wohl des Patienten wieder<br />

stärker in den Mittelpunkt stellen. Es<br />

gibt nach wie vor zu viele Einzelinteressen.“<br />

Stärke und Chance der Apotheke<br />

„Ich will etwas<br />

bewegen“<br />

VeryPersonal | Medikationsmanagement,<br />

Community Nurse, Tele-Pharmazie,<br />

Blister-Service – Felix Fritsch hat viel<br />

vor mit der Adler Apotheke in Wels.<br />

Der PMU-Alumnus des Pharmazie-<br />

Abschlussjahrgangs 2023 übernimmt<br />

das traditionsreiche Haus in sechster<br />

Generation.<br />

Autor: Florian Emminger. Fotos: Jürgen Grünwald, wildbild<br />

Im Bild: Felix Fritsch mit seiner Verlobten Kathrin<br />

Kaltenbrunner, Vater Florian Fritsch (Konzessionär<br />

und Leiter der Adler Apotheke sowie Mehrheitseigentümer<br />

und Aufsichtsratsvorsitzender der Richter<br />

Pharma AG in Wels) und Labrador-Hündin.<br />

28 paracelsus today 3 | 23


in diesem System sieht Fritsch in der hohen<br />

Kompetenz und Expertise der Apotheker<br />

und ihrer Mitarbeiter, die es zu<br />

nutzen gelte. Unternehmerisches Denken<br />

und Handeln sei dabei unerlässlich,<br />

denn von Kassentarifen alleine könne<br />

längst keine Apotheke mehr leben.<br />

Seine Rezepte für die Adler Apotheke<br />

von morgen? Medikationsmanagement<br />

in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden<br />

Arzt beispielsweise, sagt<br />

Fritsch: „Wir machen vor Ort einen Interaktions-Check<br />

der verschriebenen<br />

Medikamente, fragen den Patienten, wie<br />

er diese verträgt. Wenn sich Auffälligkeiten<br />

ergeben, fragen wir beim Arzt<br />

nach, geben Empfehlungen zur Optimierung.<br />

Gerade von der nachrückenden<br />

jungen Generation von Ärztinnen<br />

und Ärzten wird unsere Expertise gut<br />

angenommen. Hier ist ein Umdenken<br />

spürbar.“ Eine weitere Möglichkeit im<br />

Zusammenspiel der Gesundheitsdienstleister<br />

sieht Fritsch im System Community<br />

Nurse. Um seine Patienten noch<br />

umfassender unterstützen zu können,<br />

strebt er eine Kooperation mit diplomierten<br />

Pflegekräften an. „Die Pflegekraft<br />

kann den Patienten zu Hause neben<br />

ihren pflegerischen und beratenden Tätigkeiten<br />

beispielsweise die Anwendung<br />

des Wunderverbands oder des Druckluft-Inhalationsgeräts<br />

aus der Apotheke<br />

erklären.“ Einen weiteren Service sieht<br />

der angehende Apotheker in der Tele-<br />

Pharmazie, wo er in Österreich im Vergleich<br />

zu Nachbarländern Aufholbedarf<br />

ortet. „Die hohe Beratungskompetenz ist<br />

eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale<br />

der Apotheken. Warum also<br />

nicht die Beratung auch auf digitalem<br />

Weg in die Wohnzimmer bringen?“<br />

Ebenfalls etablieren möchte Fritsch einen<br />

eigenen Blister-Service, also die Patienten-individuell<br />

in der richtigen<br />

Menge und Dosierung nach Einnahmezeit<br />

vorsortierte Medikation in Säckchen,<br />

so genannten Blistern. Patienten,<br />

die eine Dauermedikation benötigen, erhalten<br />

die Wochenrationen fertig abgepackt<br />

geliefert. „Meine Großmutter ist<br />

97, lebt zuhause und nimmt seit Jahren<br />

dieselben Tabletten. Warum hat sie keinen<br />

Blister? Das wäre doch viel einfacher<br />

und sicherer.“ Als Zielgruppe sieht<br />

er nicht nur ältere Menschen. Dauermedikationen<br />

fangen meist bei 40-Jährigen<br />

an und verändern sich nicht allzu<br />

schnell, sagt Fritsch und ergänzt: „Durch<br />

individuelle Verblisterung hätte nicht<br />

nur der Patient mehr Sicherheit und<br />

Komfort, es würde auch ein übermäßiger<br />

Arzneimittelverbrauch verhindert<br />

„Der Lehrplan der PMU<br />

beinhaltet sehr viel davon,<br />

was ein Pharmazeut<br />

später im Berufsleben<br />

tatsächlich braucht“<br />

FELIX FRITSCH<br />

Felix Fritsch bei seiner Sponsion im September<br />

2023 im Hangar-7 in Salzburg.<br />

werden.“ Auch pharmakogenetische<br />

Analysen mit dem Ziel besserer Verträglichkeit<br />

und Wirksamkeit von Medikamenten<br />

sollen das Dienstleistungsangebot<br />

der Adler Apotheke künftig erweitern.<br />

„Viele Ansätze und Ideen habe ich<br />

aus der PMU mitgebracht“, erzählt<br />

Fritsch.<br />

An die PMU hat es Felix Fritsch über Umwege<br />

verschlagen: Nach abgebrochenem<br />

Pharmaziestudium in Wien und<br />

anschließendem Präsenzdienst führt<br />

ihn sein Weg zunächst für eineinhalb<br />

Jahre nach Australien, wo er für ein auf<br />

Rennkamele und Rennpferde spezialisiertes<br />

Pharmaunternehmen im Vertrieb<br />

arbeitet und zu Tierärzten und<br />

Rennställen fährt. Nach seiner Rückkehr<br />

nimmt er einen neuen Anlauf und<br />

inskribiert in Innsbruck im Bachelorstudium<br />

Pharmazie. Seinen Master-Abschluss<br />

will er nicht mehr an einer öffentlichen<br />

Universität machen, wechselt<br />

im Studienjahr 2021/2022 an die PMU<br />

nach Salzburg und schließt dort nach<br />

zweijähriger Regelstudienzeit im Juni<br />

2023 erfolgreich ab. „Der Wechsel nach<br />

Salzburg war absolut die richtige Entscheidung.<br />

Der Lehrplan ist topmodern<br />

und beinhaltet sehr viel davon, was ein<br />

Pharmazeut später im Berufsleben tatsächlich<br />

braucht. Und ich habe hier großen<br />

Zusammenhalt und Unterstützung<br />

erlebt, sowohl seitens der Mitstudierenden<br />

als auch der Lehrenden.“<br />

Wo sieht Felix Fritsch seine unmittelbare<br />

berufliche Zukunft? „Die nächsten<br />

zehn Jahre sicherlich in der Adler<br />

Apotheke. Es gibt hier für mich noch so<br />

viel zu lernen und gemeinsam mit meinem<br />

tollen Team zu erreichen“, meint<br />

Fritsch ambitioniert. Trotz übervoller<br />

Agenda findet er zusammen mit seiner<br />

Verlobten noch Zeit für die große gemeinsame<br />

Leidenschaft: die Jagd mit<br />

Hund. Und noch ein erfreulicher Blick<br />

in die Zukunft: Die beiden erwarten<br />

2024 ihr erstes Kind. Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

29


Im Förder-Klub<br />

Gutes tun und darüber reden<br />

Die <strong>Paracelsus</strong> Medizinische Privatuniversität<br />

in Salzburg (PMU) beschreitet<br />

in der medizinischen,<br />

pflegerischen und pharmazeutischen Ausund<br />

Weiterbildung seit ihrer Gründung<br />

vor 21 Jahren neue Wege. Ziel ist es, exzellente<br />

Lehre und Forschung für die Versorgung<br />

von Patientinnen und Patienten heute<br />

und in der Zukunft zu gewährleisten.<br />

Als Privatuniversität sind wir auf private<br />

Spenden angewiesen. Bildung und<br />

Forschung sind kostenintensiv, aber für<br />

unsere Gesellschaft von größter Bedeutung.<br />

Der Förder-Klub wurde 2010 gegründet<br />

und versteht sich als Netzwerk<br />

von Menschen, die sich der <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

verbunden fühlen, deren engagierte<br />

Arbeit im Gesundheitswesen schätzen<br />

und diese ideell wie auch finanziell unterstützen<br />

möchten. Mit Ihrer Spende kann<br />

die Universität auch zukünftig den sehr<br />

hohen Ausbildungsstandard halten – unsere<br />

Alumni sind weltweit tätig, in ihren<br />

Arbeitsbereichen hoch anerkannt, viele davon<br />

arbeiten auch in Österreich - und in<br />

der Forschung noch intensiver arbeiten.<br />

GEMEINSAM DIE<br />

ZUKUNFT GESTALTEN.<br />

FÖRDER-KLUB<br />

DER PMU<br />

SALZBURG<br />

Mit einem Mindestbetrag von Euro 1.000 pro<br />

Jahr werden Sie Mitglied im Förder-Klub. Ihre<br />

Spende ist steuerlich absetzbar.<br />

Darüber hinaus bieten wir Ihnen exklusiv an:<br />

• Einmal jährlich laden wir Sie zu einem gemeinsamen<br />

Abend in Salzburg mit führenden<br />

Persönlichkeiten der Universität. Knüpfen<br />

Sie neue Kontakte, lernen Sie auch die anderen<br />

Mitglieder im Förder-Klub kennen. Wir<br />

wollen dazu namhafte Politiker, Geistliche<br />

oder andere bekannten Personen in den Förder-Klub<br />

zu einem Gedankenaustausch und<br />

Diskussion einladen.<br />

• Verbringen Sie gemeinsame Abende in Salzburg mit führenden Persönlichkeiten<br />

der Universität zu medizinischen, pflegewissenschaftlichen<br />

oder pharmazeutischen Vorträgen oder/und Führungen durch die Universitätswelt<br />

mit exklusiven Einblicken in die Welt der Medizin.<br />

• Bei dreijähriger Klubzugehörigkeit haben Sie die Möglichkeit, eine exklusive<br />

kostenlose Gesundheits-Untersuchung am Uniklinikum Salzburg<br />

zu machen.<br />

• Dreimal jährlich erhalten Sie kostenlos unser spannendes und informatives<br />

Universitätsmagazin „<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong>“.<br />

• Ihre Spende ist absetzbar.<br />

• Unternehmen erhalten direkt eine Spendenquittung nach Zahlungseingang.<br />

Für Privatpersonen als Spende erledigen wir alles beim Finanzamt,<br />

damit Sie den steuerlichen Vorteil nützen können.<br />

Ihre Ansprechpartnerin: Brigitte Wiesauer (0699/1242 0153) • www.pmu.ac.at/foerder-klub<br />

Ein herzliches Dankeschön den Freunden und Förderern: ACM austrian capital management GmbH | Aicher, Max & Eveline | Alumni Club der <strong>Paracelsus</strong><br />

Universität | AP-Trading GmbH | Ball Beverage Packaging Ludesch Corporation | Bankhaus Carl Spängler & Co. AG | Bayer Austria Ges.m.b.H. | Biogena GmbH<br />

& Co KG | Commend Österreich GmbH | DBS Gesellschaft für digitale Bildsysteme m.b.H. | Die Hayward Privatstiftung | dm drogeriemarkt GmbH | DOLL<br />

Bauunternehmen GmBH | DS Smith Packaging Deutschland Stiftung & Co. KG | EVER Neuro Pharma GmbH | G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft m.b.H. |<br />

Gassner GmbH | GEBRO Holding GmbH | Gebrüder Woerle Ges.m.b.H. | Greither, Andreas | Hagleitner Hygiene International GmbH | Hansjörg Wyss Foundation<br />

| Herba Chemosan | HYPO Salzburg | J. Eder & Co OG | Jacoby GM Pharma | M. Kaindl OG / Kaindl Flooring GmbH | KASTNER | Kellerhals, Helga | Koller, Norbert |<br />

Klenk, Christoph | KS Pharma GmbH | Kuhn Holding GmbH | Kuhn, Irmgard | Kuhn, Stefan | Kwizda Pharmahandel GmbH | Lethmate Stiftung | Lions Club Hallein<br />

| Lukesch, Edith | MED-EL Elektromed. Geräte GesmbH | Medilab GmbH | Melasan Produktions- & Vertriebsges.m.b.H. | Moosleitner Ges.m.b.H | Moser,<br />

Mag. Stephan | NUTROPIA Pharma GmbH | Österreichischer Apothekerverband | Palfinger AG | Pappas Holding GmbH | <strong>Paracelsus</strong> Rotary Club | Rauch<br />

Fruchtsäfte GmbH & Co OG | Red Bull - Mateschitz, Mark | Rhedey Internationale Transporte Ges.m.b.H. | Richter Pharma AG | Roche Austria GmbH | Ruckser,<br />

Gertraud – Kleeblatt Hotel GmbH & Co KG | Salesianer Mietex GmbH | SALLMANN GmbH | Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation | Salzburg<br />

Aluminium AG | Salzburger Sand- und Kieswerke Gesellschaft m.b.H. | Salzburger Sparkasse Bank AG | Schön, Christopher | Schön Holding SE & Co. KG |<br />

Schwarzbraun, Familie | Senoplast Klepsch & Co GmbH & Co KG | Siemens AG Österreich | Siemens Healthcare Diagnostics GmbH | SPAR Österreichische Warenhandels-AG<br />

| Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co KG | Stieglbrauerei zu Salzburg GmbH | teampool personal service gmbh | von Schilgen, Eva<br />

Maria | VR - meine Raiffeisenbank eG, Altötting-Mühldorf (D) | Winkler, Fritz Wolfgang und Winkler-Berger, Helga | Zürcher Kantonalbank Österreich AG<br />

30 paracelsus today 3 | 23


Bock<br />

auf Bio


Der unsterbliche<br />

Dr. Pap und die<br />

Krebsprävention<br />

FocusOn | Vor 100 Jahren wurde erstmals eine<br />

Methode der Krebsfrüherkennung erprobt,<br />

die seither Millionen Frauenleben gerettet hat.<br />

Und das ist die ungewöhnliche Geschichte<br />

hinter dem Pap-Abstrich.<br />

Autor: Andreas Aichinger. Fotos: ResearchGate<br />

Andromache ist ein Fixpunkt<br />

in der griechischen Mythologie,<br />

wörtlich übersetzt<br />

bezeichnet der Name eine<br />

Frau, die „wie ein Mann<br />

kämpft“. Er wird mit einer Amazonen-Kriegerin,<br />

vor allem aber mit der<br />

Gemahlin des legendären trojanischen<br />

Helden Hektor assoziiert. Die Geschichte<br />

von Andromache Mavrogeni und ihrem<br />

Mann George Papanicolaou trägt ebenfalls<br />

heldenhafte Züge, spielt aber in der<br />

Welt der medizinischen Forschung. Sie<br />

beginnt im Jahr 1910 auf der griechischen<br />

Insel Euböa:<br />

neigung, wie sein Vater als praktischer<br />

Arzt zu arbeiten, sind in diesen Jahren<br />

zwei Seiten der biografischen Medaille<br />

des jungen Papanicolaou. Bei seinen<br />

Aufenthalten im heimatlichen Euböa<br />

verliebt er sich in eine junge Frau, deren<br />

Eltern in unmittelbarer Nachbarschaft<br />

ein Wochenendhaus besitzen und die er<br />

seit Kindheitstagen kennt: Andromache<br />

Mavrogeni. 1910 heiraten die beiden,<br />

drei Jahre später wandert das Paar in die<br />

USA aus – übrigens mit mageren Englisch-Kenntnissen<br />

und kaum mehr als<br />

den vorgeschriebenen 250 Dollar in der<br />

Tasche. „My ideal is not to become rich,<br />

or to be happy, but to work, to act, to create,<br />

to do something worthy of an ethical<br />

and strong man”, schreibt George in einem<br />

Brief an seinen Vater.<br />

Menstruierende Meerschweinchen stehen<br />

an der Wiege eines der bedeutendsten<br />

medizinischen Durchbrüche in Sachen<br />

Krebsvorsorge. Nachdem sich die<br />

beiden unter anderem als Näherin, Teppichverkäufer<br />

und Geiger verdingt ha-<br />

George Papanicolaou – 1883 selbst auf<br />

Euböa geboren – hatte im zarten Alter<br />

von nur 21 Jahren sein Medizinstudium<br />

in Athen beendet, und war nach dem Militärdienst<br />

nach Deutschland gegangen.<br />

An der Ludwig-Maximilians-Universität<br />

in München erwirbt er ein Biologie-Doktorat,<br />

sein wahres Interesse gilt aber<br />

Geistesgrößen wie Nietzsche oder Kant.<br />

Die Liebe für die Philosophie und die Abben,<br />

winkt George eine Anstellung an<br />

der Pathologie der New York University<br />

und an der Cornell University. Mary –<br />

wie Andromache mittlerweile meist genannt<br />

wird – folgt ihm als (aufgrund von<br />

Unvereinbarkeitsregeln unbezahlte)<br />

technische Assistentin. Gemeinsam untersucht<br />

das Power-Paar jetzt unter dem<br />

Mikroskop Zell-Abstriche von Meerschweinchen.<br />

Bald kann George anhand<br />

der Größe und Form der Zervix-Zellen<br />

genau den Zeitpunkt des 16-tägigen<br />

Menstruationszyklus der Tiere vorhersagen.<br />

1923 weitet Papanicolaou seine<br />

Untersuchungen auf Menschen aus, besser<br />

gesagt – auf Mary. Viele Jahre lang<br />

wird sie nun die Forschung ihres Mannes<br />

mit ihren Zellspenden unterstützen,<br />

nahezu im Tagesrhythmus werden Abstriche<br />

angefertigt. Und so nimmt diese<br />

Erfolgsgeschichte der Krebsprävention<br />

ausgerechnet in einem kleinen Labor an<br />

der New Yorker Cornell University ihren<br />

Lauf. Auch 100 Jahre nach dem ersten<br />

„Papanicolaou-Abstrich“ wird der nach<br />

seinem Erfinder benannte „Pap-Test“<br />

noch immer im Verwendung sein.<br />

Der eigentliche Durchbruch gelingt George<br />

Papanicolaou genau genommen aber<br />

erst, als er die Untersuchungen 1925<br />

auch auf andere Frauen ausweiten kann.<br />

In einer der Proben sieht der Grieche<br />

nämlich erstmals deutlich entartete Zellen<br />

und zieht aus diesen zytologischen<br />

Veränderungen die richtigen Schlüsse –<br />

die Patientin hat Gebärmutterhalskrebs.<br />

„The first observation of cancer cells in<br />

the smear of uterine cervix gave me one<br />

of the greatest thrills I ever experienced<br />

during my scientific care”, beschreibt er<br />

später diesen Heureka-Moment. 1928<br />

präsentiert „Dr. Pap“ – wie er zusehends<br />

und bis heute vereinfachend genannt<br />

wird – seine neue und kostengünstige<br />

Krebsdiagnose-Methode im Rahmen der<br />

Publikation „New Cancer Diagnosis“ auf<br />

einer Konferenz in Michigan. Die Mehrheit<br />

der Kollegenschaft reagiert jedoch<br />

32 paracelsus today 3 | 23


skeptisch bis ablehnend. Erst eine andere<br />

Pionierin der Medizingeschichte, die<br />

New Yorker Pathologin Elise Strang<br />

L’Esperance, leitet die Wende ein:<br />

George Papanicolaou und<br />

seine Frau Andromache.<br />

Gebärmutterhalskrebs<br />

Zu Lebzeiten von George Papanicolaou galt Gebärmutterhalskrebs<br />

(das Zervixkarzinom) als eine der<br />

tödlichsten Krebsarten und war – da die Opfer in<br />

vielen Fällen junge Mütter waren – als „Waisenmacher-Krankheit“<br />

verschrien. Während dank Vorsorgeprogramm<br />

in Österreich heute nur mehr rund 400<br />

Frauen pro Jahr betroffen sind, verursacht Gebärmutterhalskrebs<br />

weltweit noch immer jährlich<br />

knapp 600.000 neue Krankheitsfälle und rund<br />

340.000 Todesfälle.<br />

Vorsorge & HPV-Impfung<br />

Zusätzlich zu den konventionellen Pap-Abstrichen<br />

empfiehlt die Österreichische Krebshilfe Frauen ab<br />

30 zusätzlich (alternierend) eine HPV-Testung im<br />

Drei- bis Fünf-Jahresintervall. Anders als bei anderen<br />

Krebsformen steht mit der HPV-Impfung (Broschüren-Download:<br />

www.krebshilfe.net/services/<br />

broschueren/broschuere/80) eine effektive und<br />

bewährte Form der Primärprävention zur Verfügung,<br />

die in Österreich vom neunten bis zum vollendeten<br />

21. Lebensjahr kostenlos erhältlich ist. Neben Gebärmutterhalskrebs<br />

ist die Schutzimpfung auch gegen<br />

andere, potenziell von HP-Viren ausgelöste Krebsformen<br />

(Anal- und Rachenkrebs, Scheiden- und<br />

Vulvakrebs, Peniskarzinom) effektiv.<br />

Nachdem First Lady Eleanor Roosevelt<br />

1933 deren „Strang Cancer Prevention<br />

Institute“ – eines der ersten Zentren für<br />

Krebsfrüherkennung überhaupt – eröffnet<br />

hat, setzt Elise Strang L’Esperance ab<br />

1937 routinemäßig auch Pap-Tests ein.<br />

Papanicolaou wiederum verfeinert seine<br />

Technik weiter und kooperiert ab 1939<br />

mit dem US-amerikanischen Gynäkologen<br />

Herbert F. Traut. Die gemeinsam publizierte<br />

Monografie „Diagnosis of Uterine<br />

Cancer by the Vaginal Smear“ aus<br />

dem Jahr 1943 gilt als Geburtsstunde der<br />

Zytodiagnostik. 1952 dann der nächste<br />

Meilenstein: In Memphis, Tennessee<br />

wird die bis dahin größte Präventionsstudie<br />

in der Geschichte der Krebsforschung<br />

gestartet, beworben unter anderem<br />

auf großen Plakatwänden. In dreieinhalb<br />

Jahren können 108.000 Frauen<br />

untersucht werden, bei 773 entdeckt<br />

man Krebs. Der Pap-Test hat sich jetzt<br />

auch in großem Stil als effizient und<br />

praktikabel erwiesen, zudem untermauert<br />

er die Bedeutung der Früherkennung<br />

– inklusive der Möglichkeit, sogar Vorstufen<br />

des Krebses zu entdecken. In den<br />

1960er-Jahren wird der nach George Papanicolaou<br />

benannte Test zunächst in<br />

den USA und nach einigen Jahren auch<br />

in Europa flächendeckend eingeführt.<br />

Den endgültigen Siegeszug seiner Idee<br />

erlebt Papanicolaou – der ab 1948 mehrfach<br />

für den Nobelpreis nominiert, aber<br />

nie ausgezeichnet worden war – allerdings<br />

nicht mehr. Er, der ein Forscherleben<br />

lang sieben Tage in der Woche ohne<br />

Urlaub gearbeitet hat, stirbt im Februar<br />

1962 an einem Herzinfarkt. Mary, die ihren<br />

Mann jahrzehntelang als Köchin<br />

und Sekretärin, vor allem aber als technisch-zytologische<br />

Assistentin und felsenfeste<br />

Stütze seiner Arbeit unterstützt<br />

hat, erlebt hingegen noch die nächste<br />

wissenschaftliche Sensation: 1976 publiziert<br />

der deutsche Mediziner Harald zur<br />

Hausen seine Hypothese, wonach Humane<br />

Papillomaviren (HPV) eine Rolle<br />

bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs<br />

spielen. 1982 und 1983 kann<br />

zur Hausen die beiden verantwortlichen<br />

Virustypen HPB 16 und HPV 18 tatsächlich<br />

isolieren. Er wird dafür 25 Jahre später<br />

mit dem Nobelpreis geehrt, ab 2006<br />

steht erstmals ein entsprechender<br />

HPV-Impfstoff zur Verfügung. George<br />

„Dr. Pap“ Papanicolaou hingegen gilt<br />

heute als einer der Väter der modernen<br />

Zellforschung respektive Zytologie. Anlässlich<br />

seines Todes formulierte der damalige<br />

Präsident der American Cancer<br />

Society, Thomas Carlile: „His name will<br />

remain in history along with Pasteur<br />

and Koch as one of the immortals of Medicine.”Ω<br />

paracelsus today 3 | 23<br />

33


Ein denkwürdiger Tag<br />

im September<br />

Point of View | Das passende Wort denkwürdig (zusammengesetzt aus<br />

denk- und würdig) bringt die Bedeutung des angesprochenen Tages auf<br />

den Punkt: man möge sich daran gerne erinnern. Dieser denkwürdige<br />

Tag für die <strong>Paracelsus</strong> Universität war der 8. September 2003.<br />

Autor: Gottfried Stienen. Foto: <strong>Paracelsus</strong> Uni/wildbild<br />

Der erste Humanmedizin-Jahrgang<br />

der PMU<br />

am 8. September 2003<br />

vor der Naturwissenschaftlichen<br />

Fakultät<br />

(NAWI), wo in der Anfangszeit<br />

der Unterricht<br />

stattfand.<br />

Was ist an diesem Tag geschehen:<br />

42 ausgewählte, handverlesene<br />

Studierende haben<br />

als erster Jahrgang der Humanmedizin<br />

an der <strong>Paracelsus</strong> Medizinischen Privatuniversität<br />

das Studium in Salzburg<br />

aufgenommen. Seit 1807 gab es damit<br />

erstmals wieder Medizinstudierende in<br />

Salzburg. Von den 42 jungen Frauen und<br />

Männern stammten 17 aus Stadt und<br />

Land Salzburg, zwölf aus anderen Bundesländern<br />

Österreichs, elf aus Deutschland<br />

und zwei aus Südtirol.<br />

<strong>Paracelsus</strong> <strong>Today</strong> hat zwei aus dieser<br />

Gruppe zu ihren Erinnerungen – 20 Jahre<br />

und einige Wochen später – gefragt.<br />

„Ich kann mich noch sehr gut an den ersten<br />

Studientag erinnern. Für uns Studenten<br />

bestand die gesamte Universität<br />

aus einem Vorlesungssaal an der Naturwissenschaftlichen<br />

Fakultät. Am ersten<br />

Tag hatten wir eine kurze Einführung<br />

mit Gruppenfoto und dann bereits mehrere<br />

Stunden Frontalvorlesung Chemie<br />

und Physik. Auch daran kann man die<br />

enorme Entwicklung der räumlichen<br />

und personellen Ressourcen der PMU in<br />

den letzten 20 Jahren sehen“, sagt Alumnus<br />

Assoc. Prof. Thomas Melchardt,<br />

Ph.D. Er ist heute Leitender Oberarzt an<br />

der Universitätsklinik für Innere Medizin<br />

III am Salzburger Uniklinikum.<br />

Die Pongauerin Maria Kollmann hat<br />

sich seinerzeit ebenfalls einen Studienplatz<br />

unter den mehr als 400 Bewerberinnen<br />

und Bewerbern sichern können.<br />

„Ich habe mich an der PMU von Anfang<br />

an sehr willkommen gefühlt. Die Aufregung<br />

und die Freude über den gemeinsamen<br />

Start waren von allen Seiten<br />

spürbar. Auffallend war auch die große<br />

Wertschätzung, welche uns entgegengebracht<br />

wurde. Außerdem wurden wir<br />

mit einem tollen Stethoskop beschenkt,<br />

das ich bis heute in Verwendung habe.“<br />

Heute arbeitet Maria Kollmann als<br />

Fachärztin der Abteilung für Innere Medizin<br />

an der Landesklinik St. Veit im<br />

Salzburger Land. Noch etwas: Kollmann<br />

zählte damals zu mehreren Studierenden,<br />

die von er <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

mit einem Stipendium finanziell unterstützt<br />

worden waren. Frau Gertraud<br />

Ruckser übernahm die Studiengebühr<br />

und ermöglichte dadurch Maria Kollmann<br />

das Studium zu finanzieren.<br />

Heute ist die <strong>Paracelsus</strong> Universität<br />

im Bereich Humanmedizin Alma Mater<br />

für 952 Alumni.<br />

Bei der akademischen Feier im Jahr<br />

2024 wird ergo die „Tausendermarke“<br />

erreicht bzw. überschritten. Auch denkwürdig.<br />

<br />

Ω<br />

34 paracelsus today 3 | 23


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