Unternehmen Österreich 04/2023
Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich
Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich
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OSTERREICH<br />
Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong><br />
www.wirtschaftsverband.at<br />
4 | 2022 <strong>2023</strong><br />
Weitergabe des <strong>Unternehmen</strong>s<br />
Explodierende Energiekosten<br />
Wie die NACHFOLGE<br />
Wie die<br />
gelingt<br />
WER KANN DAS<br />
BEZAHLEN?<br />
Nachfolge.<br />
Es geht auch anders<br />
Weitergabe Die EU-Staaten im Familienkreis,<br />
rigoros Übergewinne Übernahme von der<br />
schöpfen<br />
Interessent:innen, Energie-Profiteure Suche ab. Die<br />
nach türkis-grüne Nachfolger:innen: Regierung<br />
Wie legt es nur gelingt. ein Minimum vor.<br />
Sozialpartnerschaft.<br />
COFAG-Günstlinge<br />
Obwohl Kurz-Freund EPU Martin und KMU Ho, das<br />
Rückgrat René Benko, der Starbucks<br />
österreichischen<br />
etc.: Nun Wirtschaft steht fest, sind, wer finden<br />
ihre die größten Anliegen Gewinner kaum Gehör in<br />
der Corona-Krise Bundesregierung. sind.<br />
<strong>Österreich</strong>ische Post AG / Sponsoring.Post <strong>04</strong>Z035977<br />
„Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1070 Wien“
Arbeitsplätze<br />
schaffen.<br />
<strong>Österreich</strong>s Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche<br />
und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung<br />
und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt!<br />
Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss<br />
www.iv-net.at
WAS WIR (NICHT) WOLLEN<br />
Totalversagen<br />
Rechtswidrig. <strong>Österreich</strong> kämpft<br />
nach wie vor mit einer extremen<br />
Teuerung, das belastet die Selbstständigen,<br />
EPU & KMU schwer.<br />
Die Preise steigen weiter, zuletzt<br />
um 6,1 Prozent im September. Die<br />
Wirtschaftsleistung sinkt und die<br />
Arbeitslosigkeit steigt. Dennoch<br />
führt die Bundesregierung unbeirrt<br />
ihren Weg der Überförderung<br />
für Großunternehmen fort, während<br />
Selbstständige, EPU & KMU<br />
durch die Finger schauen.<br />
Das VfGH-Urteil bestätigte zuletzt<br />
das, was wir immer wussten:<br />
die Einrichtung der COFAG war<br />
rechtswidrig! Der viel zu spät<br />
eingerichtete Energiekostenzuschuss<br />
2 zeigt erneut das Totalversagen<br />
der Bundesregierung,<br />
wenn es um die Unterstützung<br />
der <strong>Unternehmen</strong> geht.<br />
Nun stehen unzählige <strong>Unternehmen</strong><br />
vor dem finanziellen<br />
Abgrund, mussten Insolvenz<br />
anmelden oder haben zumindest<br />
mit enormen Herausforderungen<br />
zu kämpfen – ohne zu wissen, wie<br />
es weitergehen wird. Wir fordern<br />
daher nach wie vor Maßnahmen,<br />
die die wirtschaftliche Tätigkeit<br />
von EPU & KMU sicherstellt: einen<br />
Rechtsanspruch auf Verdienstentgang,<br />
einen Rechtsanspruch<br />
auf Finanzförderungen, nachhaltige<br />
Maßnahmen wie Preisdeckel<br />
bei Energiekosten und Mieten.<br />
> 06<br />
> INHALT<br />
Aktuell. Eine rechtswidrige COFAG, ein Förderchaos und<br />
die bislang fehlende Wohnbauoffensive inklusive Zweckentfremdung<br />
von Wohnbaufördergeldern treffen vor<br />
allem EPU und KMU hart ..................................................................<strong>04</strong><br />
Nachfolge. Es ist für niemanden einfach, sein Lebenswerk<br />
loszulassen. Ob eine Weitergabe im Familienverband, die<br />
Übernahme von interessierten Nachfolger:innen oder die<br />
Suche danach: Wie es gelingt ....................................................... 06<br />
Sozialpartnerschaft. Obwohl EPU und KMU die Stützen<br />
der österreichischen Wirtschaft sind, finden ihre Anliegen<br />
kaum Gehör in der Bundesregierung. Leider wird die<br />
wichtige Institution der Sozialpartnerschaft in jüngster<br />
Vergangenheit immer öfters diskreditiert ....................... .......14<br />
Rund um die Rinde. Ihr Motto „Heute schon gemulcht?“<br />
ziert das Logo der Firma Waldviertler Rindenprodukte-<br />
Schulz GmbH. Der Familienbetrieb hat sich seit mehr als 35<br />
Jahren der Rindenverarbeitung verschrieben ................ ...... 16<br />
> 18<br />
Tradition<br />
trifft Moderne.<br />
Helmut und Lisa<br />
Frana haben den<br />
Installationsbetrieb<br />
ihrer Eltern und vor<br />
knapp zwei Jahren<br />
einen zweiten<br />
Traditionsbetrieb<br />
übernommen.<br />
iStock by Getty Images, Diesner<br />
Impressum | Herausgeber: Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1060 Wien, Gerichtsstand: Wien, ZVR-Zahl: 42108716 |<br />
Medieninhaber: echo medienhaus Ges. m. b. H., FN 73819h, HG Wien, Windmühlgasse 26, 2. Stock, 1060 Wien, www.echo.at. Eigentümerin der echo medienhaus<br />
Ges. m. b. H. ist die FFPG Beteiligungs GmbH. Gesellschafter der FFPG Beteiligungs GmbH sind KR Anton Feistl (25 %), Anton Feistl jr. (25 %) und Christian Pöttler (50 %)<br />
| Geschäftsführung: Christian Pöttler | <strong>Unternehmen</strong>sgegenstand: Herausgabe diverser Publikationen und Periodika sowie allgemeine Verlags aktivitäten | Hersteller:<br />
echo medienhaus Ges. m. b. H. | Redaktion: echo medienhaus Ges. m. b. H., Dr. in Helga Häupl-Seitz (Chefredaktion), Windmühlgasse 26, 3. Stock, 1060 Wien | Grafik:<br />
Jenny Neumann | Fotoredaktion: Mag. a Claudia Knöpfler (Ltg.) | Coverfoto: iStock by Getty Images | Druckerei: Walstead Leykam Druck GmbH & Co KG, Bickfordstraße<br />
21, A-7201 Neudörfl | Verlags- & Herstellungs ort: Wien | Blattlinie: Informationen des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong>. Namentlich gekennzeichnete<br />
Beiträge und Gastkommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen. Entgeltliche Einschaltungen werden mit „entgeltliche<br />
Einschaltung“ oder „bezahlte Anzeige“ gekennzeichnet.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
3
aktuell<br />
ERBÄRMLICH.<br />
Das Almosensystem der<br />
Bundesregierung wird nie zur<br />
Planungssicherheit führen.<br />
COFAG UND<br />
ENERGIEKOSTENZUSCHUSS<br />
Totalversagen der Regierung<br />
Wir brauchen echte Unterstützung für Selbstständige, EPU & KMU statt<br />
Förderchaos & Übergewinne für Großkonzerne.<br />
<strong>Österreich</strong> hat nach wie vor mit einer extremen<br />
Teuerung zu kämpfen, die die<br />
Selbstständigen, EPU & KMU belastet.<br />
Seit September 2022 sind die Preise um<br />
6,1 Prozent gestiegen, seit September<br />
2021 um 17,4 Prozent. Der europäische Vergleich zeigt,<br />
dass <strong>Österreich</strong> nach wie vor die höchste Inflation in<br />
Westeuropa aufweist. Andere europäische Staaten<br />
haben ihre Teuerung wesentlich besser in den Griff<br />
bekommen: Belgien hat die Inflationsrate von 12,1 auf<br />
0,7 Prozent gesenkt, Deutschland von 10,9 auf 4,3, Spanien<br />
von 9 auf 3,2, die Eurozone im Durchschnitt von<br />
9,9 auf 4,3 Prozent. <strong>Österreich</strong> ist beim HVPI immer<br />
noch bei 5,8 Prozent (VPI 6,1). Die Preise steigen hier<br />
weiter, die Wirtschaftsleistung sinkt und die Arbeitslosigkeit<br />
steigt. Förderungen werden noch und nöcher<br />
an Großunternehmen ausgeschüttet, während Selbstständige,<br />
EPU & KMU durch die Finger schauen.<br />
Rechtswidrige COFAG & verschlafener<br />
Energiekostenzuschuss<br />
Selbstständige, EPU & KMU werden mittlerweile<br />
seit Jahren in völliger Planungsunsicherheit gelassen.<br />
Herausforderungen wie die COVID-19-Pandemie,<br />
die Energiekrise und die anhaltende Rekordteuerung<br />
müssen die 99 Prozent der österreichischen<br />
Unternehmer:innen vollkommen allein meistern. Im<br />
Gegensatz zu Großbetrieben, die in Krisenzeiten sogar<br />
von Übergewinnen profitiert haben und auf hohe<br />
Rücklagen zurückgreifen können, sind die kleinen<br />
<strong>Unternehmen</strong> darauf angewiesen, dass der Rechtsstaat<br />
ihr Fortbestehen in Krisenzeiten ermöglicht. Die Bundesregierung<br />
wirkt diesem Ansinnen entgegen: Der<br />
Rechtsanspruch auf Finanzunterstützung während<br />
der Pandemie wurde den Unternehmer:innen von der<br />
Bundesregierung weggenommen, stattdessen eingerichtete<br />
Förderungen werden nicht oder nur in geringem<br />
Maß und ohne Anspruch ausgezahlt. Das VfGH-<br />
Urteil zur rechtswidrig eingerichteten COFAG und<br />
der viel zu spät eingerichtete Energiekostenzuschuss 2<br />
konstatieren das Totalversagen der Bundesregierung,<br />
wenn es um die Unterstützung für <strong>Unternehmen</strong> geht.<br />
Das Ergebnis: Unzählige <strong>Unternehmen</strong> stehen vor<br />
dem finanziellen Abgrund, mussten Insolvenz anmelden<br />
oder haben zumindest mit enormen Herausforderungen<br />
zu kämpfen – ohne zu wissen, wie es weitergehen<br />
wird.<br />
Nachhaltige Lösungen statt Almosen<br />
und leere Versprechen<br />
Es steht fest, dass das Almosensystem der Bundesregierung<br />
nie für Planungssicherheit sorgen wird.<br />
Selbstständige, EPU & KMU brauchen eine nachhaltige<br />
Sicherstellung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit.<br />
Ein Rechtsanspruch auf Verdienstentgang, ein<br />
Rechtsanspruch auf Finanzförderungen, nachhaltige<br />
Maßnahmen wie Preisdeckel bei Energiekosten und<br />
Mieten, das Aussetzen der CO2-Steuererhöhung<br />
und die Senkung der Mehrwertsteuer für Güter des<br />
täglichen Bedarfs könnten mehr Sicherheit schaffen.<br />
Damit <strong>Österreich</strong>s Wirtschaft sich wieder erholen<br />
kann, müssen jetzt alle an einem Strang ziehen und<br />
nachhaltige Maßnahmen gegen die Inflation und für<br />
das Wirtschaftswachstum umsetzen. Die Preiskommission<br />
in sozialpartnerschaftlicher Manier könnte<br />
hier einen wichtigen Eckpfeiler bilden. Zudem muss<br />
die Bundesregierung jetzt gezielt und segmentweise in<br />
Bereiche wie den Hochbau investieren. Es muss unser<br />
gemeinsames Ziel sein, das Wirtschaftswachstum<br />
voranzutreiben und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit<br />
zu sichern. Dafür setzt sich der SWV<br />
im Parlament mit Christoph Matznetter und als Fraktion<br />
in der Wirtschaftskammer auch mit zahlreichen<br />
Anträgen ein.<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES (2)<br />
4 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
aktuell<br />
WOHNBAUOFFENSIVE UND<br />
ZWECKBINDUNG<br />
von Wohnbaufördergeldern<br />
Die gesamte Bauwirtschaft (Bauhaupt-,<br />
Neben- und Hilfsgewerbe) erwirtschaftet<br />
rund 60 Milliarden Euro im Jahr.<br />
Das ist in etwa ein Siebentel des Bruttoinlandprodukts.<br />
Auch in den Jahren der<br />
COVID-19-Pandemie hat die Bauwirtschaft die österreichische<br />
Wirtschaft als Konjunkturlokomotive<br />
durch die Krise gezogen. Die enorme Bedeutung dieser<br />
Branche zeigt sich auch in Zahlen: Mit 41.000 <strong>Unternehmen</strong><br />
mit ca. 338.000 Mitarbeiter:innen schafft<br />
die Bauwirtschaft beachtlich viele Arbeitsplätze in<br />
<strong>Österreich</strong>. „Durch die derzeitige Zinspolitik stehen<br />
wir allerdings vor großen Herausforderungen: Es<br />
fehlt massiv an Aufträgen – insbesondere im Wohnbau.<br />
Gleichzeitig werden die Mietenzahlungen für<br />
immer mehr <strong>Österreich</strong>er:innen zum finanziellen<br />
Problem. Es besteht also dringender Handlungsbedarf“,<br />
erklärt Alexander Safferthal, SWV-Vizepräsident<br />
und Spartenobmann für Gewerbe und<br />
Handwerk. Er setzt deshalb auch die Initiative für<br />
einen Antrag im Wirtschaftsparlament und fordert<br />
eine Wohnbauoffensive und eine Zweckbindung der<br />
Wohnbaufördergelder.<br />
Wohnbaufördergelder zweckentfremdet<br />
Denn die unter dem Titel „Wohnbaufördergelder“<br />
eingehobenen Steuern werden in den meisten Ländern<br />
zur Sanierung des Budgets und nicht zweckgebunden<br />
verwendet. Allein dadurch kommt es zu<br />
einem finanziellen Abfluss weg von der Bauwirtschaft<br />
in der Höhe von mindestens 130 Millionen<br />
Euro jährlich!<br />
Wohnbauoffensive endlich umsetzen<br />
„Es ist untragbar, dass Banken Kredite in der<br />
Höhe von zwei Dritteln des Bundesbudgets und in<br />
der eineinhalbfachen Höhe des österreichischen<br />
Bauvolumens an undurchsichtige Firmenverschachtelungen<br />
zur Finanzierung von Luxusimmobilien<br />
ausgeben können, während andere, sinnvolle<br />
Projekte nicht finanziert werden. Die in mehreren<br />
Regierungserklärungen bereits versprochene<br />
Wohnbauoffensive muss jetzt endlich umgesetzt<br />
werden – nur so wird die arbeitskraftintensive,<br />
wohnraumschaffende, nachhaltige Bauwirtschaft<br />
unterstützt mit dem gleichzeitigen Effekt, dass Arbeitsplätze<br />
und Wohnraum geschaffen werden und<br />
dass Mietpreise sinken“, so Safferthal. Durch die<br />
Verwendung der Wohnbaumittel zur energetischen<br />
Sanierung und zur städtebaulichen Verdichtung<br />
käme es außerdem zu klimaschonenden Effekten,<br />
die zusätzlich einer weiteren Bodenversiegelung<br />
entgegenwirken würden. Jeder in die Bauwirtschaft<br />
investierte Euro löst eine Kettenreaktion an<br />
budgetneutralen, positiven und problemlösenden<br />
Maßnahmen aus.<br />
UNERLÄSSLICH.<br />
Die Wohnbauoffensive<br />
unterstützt<br />
die nachhaltige<br />
Bauwirtschaft ,<br />
schafft Arbeitsplätze,<br />
Wohnraum und<br />
senkt die Mietpreise.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
5
cover<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES<br />
06 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
cover<br />
Nachfolge, wie<br />
sie gelingen kann<br />
WEITERGABE. Für eine gelungene Übernahme des<br />
<strong>Unternehmen</strong>s, sei es im Familienverband oder an<br />
Interessent:innen, braucht es die richtige Planung.<br />
Hand aufs Herz: Die Vorstellung,<br />
wer im eigenen <strong>Unternehmen</strong>,<br />
egal wie klein oder<br />
groß es sein möge, in Zukunft<br />
das Zepter schwingen könnte,<br />
ist keine leichte Frage. Nach<br />
vielen Jahren der Aufbauarbeit,<br />
des 14-Stunden-Tags, ja<br />
des Lebensinhalts, stellt sich für jeden Unternehmer<br />
und jede Unternehmerin dennoch irgendwann<br />
die Frage, was mit dem Betrieb weiter geschehen<br />
soll. Sind die Kinder willens und bereit, das <strong>Unternehmen</strong><br />
weiterzuführen? Kann ich es ihnen zutrauen?<br />
Wie werden sie es weiterführen? Was ist,<br />
wenn sie andere Interessen haben und ich neue<br />
Nachfolger:innen finden muss?<br />
Weitergabe in der Familie<br />
Kein leichtes Thema. Aus vielen Erzählungen ist herauszuhören,<br />
dass Weitergaben in der Familie keineswegs<br />
einfach sind. Sei es, dass sie überraschend<br />
erfolgten oder den potenziellen Nachfolger:innen<br />
anfangs nicht zugetraut wurde, das <strong>Unternehmen</strong><br />
gewinnbringend weiterführen zu können.<br />
Nochmals Hand aufs Herz: Wenn man in Pension<br />
gehen oder sich einfach nur zurückziehen möchte,<br />
gehört auch das Loslassen und das Vertrauen dazu,<br />
dass man das Zepter in die richtigen Hände legt und<br />
es zulässt, dass sich die Jungen, die sich für den Betrieb<br />
entscheiden, auch neuen Herausforderungen,<br />
STOLZ SEIN.<br />
Der Nachwuchs<br />
kann mehr, als<br />
Unternehmereltern<br />
vielleicht<br />
anfangs<br />
vermuten.<br />
wie etwa der Digitalisierung samt Onlineauftritt,<br />
stellen müssen. Und eines darf darüber hinaus nie<br />
vergessen werden: Viele Kinder sind in den Betrieben<br />
„aufgewachsen“ und haben lebenslange Kindheitserinnerungen<br />
daran. Wenn sie dann das <strong>Unternehmen</strong><br />
weiterführen wollen: Mehr können sich<br />
Eltern wirklich nicht wünschen ...<br />
Gelungene Generationenwechsel<br />
Erfolgreiche Weitergaben im Familienkreis gibt es<br />
einige: „Meine Mutter hat mir stets Freiraum gelassen.<br />
Und den richtigen Zeitpunkt für die Übergabe<br />
gewählt. Sie hatte auch immer Verständnis dafür,<br />
dass ich den Betrieb nach und nach vorsichtig<br />
zu dem umgestaltet habe, der er jetzt ist“, so Max<br />
Breckner-Bachmann, Betreiber des angesagten<br />
Vienna City Beach Club an der Alten Donau. ›<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
07
cover<br />
ERFOLGSREZEPT. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit der Nachfolgeplanung eröffnet<br />
Zeiträume, um die Nachfolgegeneration an das Thema heranzuführen.<br />
Leider kann eine Übernahme manchmal auch unvermittelt<br />
erfolgen. Wie bei Mark Mayer. Er hat die<br />
Firma seiner Eltern, Jellinek Transporte, gemeinsam<br />
mit seiner Schwester Constanze geerbt. Ihre Firma<br />
beliefert große Baufirmen u. a. mit Materialien und<br />
Spezialfahrzeugen wie Großkränen. „Einfach war es<br />
für mich nicht: 2020 ist mein Vater gestorben, dann<br />
2022 völlig überraschend auch meine Mutter. Dass<br />
ich die Firma übernehmen<br />
soll, hatten meine Eltern<br />
schon vorgesehen. Ich<br />
habe bereits einige Jahre<br />
im Betrieb mitgearbeitet,<br />
dennoch ist eine spontane,<br />
komplette Betriebsübernahme<br />
mit 80 bis 90<br />
Beschäftigten<br />
eine<br />
ganz andere<br />
Sache.<br />
Mir haben die vielen langjährigen<br />
Mitarbeiter:innen weitergeholfen und<br />
mich unterstützt. Das hat mich stark<br />
gemacht. Wir sind wirklich ein Familienbetrieb<br />
im klassischen Sinn.“<br />
Mit Fingerspitzengefühl<br />
Manchmal geht es nicht ohne viel Fingerspitzengefühl<br />
seitens der Kinder: „Das<br />
Loslassen ist unserem Vater nicht leichtgefallen.<br />
Vor allem gegen jegliche Neuerungen<br />
hat er sich gesträubt. Da haben wir<br />
„<br />
Der richtige Zeitpunkt für eine<br />
Übernahme ist wichtig. Und: Die<br />
Jungen müssen Fehler machen<br />
dürfen und die Chance bekommen,<br />
dem <strong>Unternehmen</strong> die eigene<br />
Handschrift aufzudrücken.“<br />
Max Breckner-Bachmann<br />
schon viel Kommunikation gebraucht, um wieder<br />
zueinanderzufinden“, erzählt Helmut Frana. Er betreibt<br />
mit seiner Schwester Lisa zwei Installationsbetriebe.<br />
Neben der elterlichen Firma hat er Anfang<br />
2022 einen weiteren Installationsbetrieb aus Familienbesitz<br />
übernommen. Dessen Seniorchef ist sehr<br />
glücklich, Helmut Frana zu seinem Nachfolger gemacht<br />
zu haben, und freut sich über die digitalen<br />
Neuerungen.<br />
Großer Einschnitt<br />
„Für viele Unternehmer:<br />
innen nimmt das <strong>Unternehmen</strong><br />
neben der Familie<br />
einen zentralen Platz im<br />
Leben ein“, weiß auch Florian<br />
Meindl, Partner und<br />
Experte für Private Clients<br />
bei BDO. „Wenn man sein<br />
ganzes Leben in den Aufbau<br />
eines <strong>Unternehmen</strong>s investiert hat, stellt sich<br />
natürlich die Frage, wer dieses Lebenswerk einmal<br />
fortführen wird – spätestens, wenn man selbst das<br />
Pensionsalter erreicht.“<br />
Ob und wann Erbschafts-, Schenkungs- oder Vermögenssteuern<br />
erhoben werden, ist dabei anfangs<br />
ebenso unklar wie mögliche Ausnahmen für Übergaben<br />
im Familienkreis bzw. an die eigenen Kinder.<br />
Umso wichtiger sei es, zwar nichts zu überstürzen,<br />
aber dennoch zeitnah überlegt und strukturiert an<br />
das Projekt Nachfolgeplanung heranzugehen, betont<br />
der Experte.<br />
Das Thema aktiv angehen<br />
Es stimmt: Das Thema aktiv anzugehen, rechtzeitig<br />
zu initiieren und offen zu kommunizieren ist das Erfolgsrezept<br />
schlechthin. Die frühzeitige Auseinandersetzung<br />
mit der Nachfolgeplanung eröffnet Zeiträume,<br />
um die Nachfolgegeneration an das Thema<br />
heranzuführen oder um Vermögensumschichtungen<br />
bzw. -umstrukturierungen zu ermöglichen, um eine<br />
friktionsfreie Übernahme zu gewährleisten.<br />
Dazu gehört auch das sanfte Einsteigen in den<br />
Betrieb, bei dem Eltern und Kinder nebeneinander<br />
arbeiten. Oft über mehrere Jahre lernen die<br />
Nachfolger:innen dabei in den verschiedensten Positionen<br />
die Firma und ihre Beschäftigten kennen,<br />
machen sich ein Bild, was sie künftig ändern wollen,<br />
und können das auch mit den Seniorchef:innen besprechen.<br />
Bis beide wissen: Jetzt ist es so weit.<br />
08 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
cover<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES<br />
TRADITIONSBETRIEBE.<br />
Insgesamt stehen bis 2027 etwa 41.700 Kleinund<br />
Mittelbetriebe mit über 400.000 Arbeitsplätzen<br />
zur Übergabe an.<br />
Gerade in traditionellen Geschäftsbranchen<br />
kann eine Betriebsübernahme mehr unternehmerischen<br />
Erfolg versprechen als eine<br />
Neugründung.<br />
Kurz und schmerzlos<br />
Ing. Reinhold Romirer und sein Sohn, Ing. Bernhard<br />
Romirer, MA, lösten die Übergabe ihrer Firma<br />
Zingl Bau GmbH ohne großen Aufwand. Auf<br />
die Frage, wie die Übergabe gestaltet wurde, antwortet<br />
Bernhard Romirer: „Kurz und schmerzlos.<br />
Mein Vater hat mich bei einigen Themen natürlich<br />
unterstützt. Auch jetzt gibt es einen wöchentlichen<br />
Termin, bei dem große Themen erörtert werden.“<br />
Reinhold Romirer ergänzt: „25 Jahre Vollgas waren<br />
ausreichend. Man muss auch rechtzeitig erkennen,<br />
wann die Zeit für einen Wandel gekommen<br />
ist, um die jugendliche Dynamik im <strong>Unternehmen</strong><br />
aufrechtzuerhalten. Die Geschäftsführerübergabe<br />
war natürlich gemeinsam abgestimmt. Ich bin am<br />
Freitag aus dem Büro gegangen, Bernhard ist am<br />
Montag eingezogen.“<br />
Übernahme stand immer im Raum<br />
Für den Sohn stand die Übernahme immer im<br />
Raum. Auch seine Ausbildung richtete er danach<br />
aus. Mit Unterbrechungen verbrachte er rund 7<br />
Jahre vor der Übergabe im <strong>Unternehmen</strong>: „Dazwischen<br />
habe ich ein <strong>Unternehmen</strong> gegründet, das<br />
der Zingl Bau zugearbeitet hat und dies auch heute<br />
noch tut. In dieser Zeit war ich bereits nahe an<br />
den Zingl-Bau-Mitarbeitern im Büro und auf der<br />
Baustelle, was sicher nicht geschadet hat.“ Wichtig<br />
war, dass Kontakte des Vaters dem <strong>Unternehmen</strong><br />
erhalten bleiben. Dazu absolvierten sie im Vorfeld<br />
gemeinsame Termine mit Kund:innen und<br />
Partner:innen. „Doch auch jetzt nach über drei Jahren<br />
gibt es noch Anfragen an den Vater, die werden<br />
dann an mich weitergeleitet“, schmunzelt er.<br />
Weiters war für ihn wichtig, dass sein Vater,<br />
der die Baufirma 1994 gegründet hat, die Entscheidung<br />
der Übergabe im Vorfeld gut an seine<br />
Mitarbeiter:innen kommunizierte. „Damit hatten<br />
alle genug Zeit, sich darauf einzustellen. Die<br />
allermeisten kannten mich ohnehin von der<br />
›<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
09
cover<br />
MIT VOLLER KRAFT VORAUS<br />
■ VIENNA CITY BEACH CLUB<br />
Schon seine Kindheit war unkonventionell:<br />
„Meine erste Klasse<br />
Volksschule habe ich auf dem<br />
Segelboot meiner Eltern im Mittelmeer<br />
verbracht, meine dritte<br />
Klasse im Roten Meer. Meine Mutter<br />
hat mich damals unterrichtet“,<br />
erzählt Max Breckner-Bachmann.<br />
Nachdem er den einstigen Radfahrerimbiss<br />
seiner Eltern auf der<br />
Alten Donau, den damals seine<br />
Mutter führte, 2006 übernommen<br />
hatte, baute er den saisonalen Betrieb<br />
nach und nach zur hippen<br />
Eventlocation aus.<br />
■ JELLINEK TRANSPORTE<br />
Wenn man Mark Mayer zur<br />
Nachfolge des familiären<br />
Transportunternehmens befragt,<br />
antwortet er mit: „Nicht<br />
einfach.“ Das <strong>Unternehmen</strong>,<br />
von seinem Großvater<br />
gegründet<br />
und Anfang 2000<br />
von den Eltern<br />
übernommen, ist<br />
ihm durch den Tod<br />
MARK MAYER. Um<br />
ihn scharen sich<br />
80–90 teils langjährige<br />
Mitarbeiter:innen. „Wir<br />
sind eine große Familie.“<br />
INSELFEELING.<br />
Max Breckner-<br />
Bachmann hat<br />
den ehemaligen<br />
Radfahrerimbiss<br />
seiner Eltern<br />
übernommen<br />
und daraus einen<br />
angesagten Hotspot<br />
auf der Alten<br />
Donau in Wien<br />
gemacht.<br />
beider Eltern innerhalb weniger<br />
Jahre 2022 unvermittelt zugefallen.<br />
Langjährige Mitarbeiter:innen<br />
halfen bei der Übernahme:<br />
„Mitarbeiter:innen, die 45 Jahre<br />
im Betrieb sind. Sie kennen mich<br />
noch als kleines Kind. Aber sie<br />
machen mir das Leben leichter,<br />
allen voran Mischa Nedeljkovic. Er<br />
kennt sich in allem aus. Ich bin ihm<br />
sehr dankbar.“ Nun ist auch seine<br />
Schwester Constanze Molnar<br />
als Prokuristin im <strong>Unternehmen</strong><br />
angekommen. „Gemeinsam haben<br />
wir schon so viel<br />
bewältigt, ich bin<br />
glücklich, dass sie<br />
dabei ist“, so Mark<br />
Mayer.<br />
Zusammenarbeit. Dass unsere Mitarbeiter diesen<br />
Wechsel so gut mitgetragen haben, erfüllt mich<br />
schon mit Stolz, das ist nicht selbstverständlich.<br />
Wir sind mittlerweile ein großartiges Team.“ Natürlich<br />
bringt ein Generationswechsel auch einen<br />
neuen Führungsstil mit sich: „Geprägt durch meine<br />
Ausbildung ist mit Sicherheit ein neuer, junger<br />
Führungsstil bei uns im <strong>Unternehmen</strong> eingekehrt.<br />
Jeder soll seinen und den Erfolg des <strong>Unternehmen</strong>s<br />
spüren und sich ein bisschen selbst verwirklichen<br />
können. Natürlich ist dadurch nicht alles besser,<br />
der ein oder andere mag den Stil meines Vaters sicherlich<br />
vermissen“, weiß Bernhard Romirer.<br />
Was jetzt neu ist<br />
„Wir versuchen, mit den verschiedensten monetären<br />
und nicht monetären Instrumenten unser<br />
Stammpersonal auf lange Sicht zu halten. Durch<br />
unseren Internet- und Social-Media-Auftritt und<br />
andere Marketingaktionen erhöhen wir die Bekanntheit<br />
der Marke Zingl Bau. Damit sollen sich<br />
auch die Chancen auf neue Kundenkontakte und<br />
neues Personal verbessern. Durch meine Affinität<br />
zur EDV konnten wir außerdem den bereits hohen<br />
Standard noch einmal verbessern, wir können hier<br />
im Branchenvergleich sicher mithalten. Organisatorisch<br />
gesehen haben wir mit der Wiedereinführung<br />
der ISO-Zertifizierung nach 9001 einen guten<br />
Rahmen für die Mitarbeiter geschaffen, damit der<br />
Zingl-Bau-Qualitätsstandard gesichert ist“, so Geschäftsführer<br />
Bernhard Romirer. Und was macht<br />
Nochaufsichtsrat Reinhold Romirer? „Ich arbeite<br />
mich in mein neues Arbeitsgebiet Immobilien ein.<br />
Ich darf mir jetzt eine Aufgabe stellen und selbst<br />
abarbeiten“, schmunzelt er.<br />
Verkauf in der Baubranche<br />
Der Verkauf eines familiengeführten <strong>Unternehmen</strong>s<br />
in der Baubranche ist schwierig. Viele begleitende<br />
Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden.<br />
Für DI Alexander Safferthal zu viele. Er zog<br />
einen rigorosen Schlussstrich unter sein Bauunternehmen:<br />
„Ich habe die Firma von meiner Mutter<br />
übernommen. Sie war die zweite Frau in Wien, die<br />
die Baumeisterprüfung gemacht hat, und die erste,<br />
die eine Baufirma übernommen hat. Ich habe mehr<br />
als 40 Jahre 14 Stunden am Tag geschuftet und den<br />
Betrieb vergrößert. Mit 60 Jahren wollte ich in Pension<br />
gehen. Da meine Kinder kein wirkliches Inter-<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES, PRIVAT, VICORIA POSCH, SWV WIEN, ABAU<br />
10 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
cover<br />
ZINGL BAU.<br />
Ein sanfter<br />
Übergang ließ<br />
die Weitergabe<br />
von Vater<br />
Reinhold zu<br />
Sohn Bernhard<br />
zum gelungenen<br />
„Projekt“<br />
beider werden.<br />
esse an einer Übernahme hatten, habe ich die Firma<br />
binnen einem Jahr heruntergefahren“, so Safferthal.<br />
Fremde Käufer:innen und Einsteiger:innen sah er<br />
für sein Bauunternehmen von Anfang an kritisch.<br />
„Eine Baufirma ist kein Handelsgeschäft,<br />
das man einfach mit allem<br />
Drum und Dran verkauft. Da<br />
sind die Verträge mit den jeweiligen<br />
Bauherren einer Baustelle,<br />
die erst erneut zustimmen müssen,<br />
wenn die ausführende Firma<br />
eine andere wird. Auf der anderen<br />
Seite sind Baustellen ja zeitlich<br />
nicht so dimensioniert, dass<br />
alle zu einem bestimmten Zeitpunkt<br />
fertig sind. Das heißt, auch<br />
wenn ein<br />
Nachfolger<br />
sie übernimmt<br />
–<br />
die Gewährleistungsfristen<br />
für die<br />
Baustelle blieben weiterhin<br />
bei mir.“ Das wollte er<br />
nicht: „Ich hatte ein<br />
familiengeführtes,<br />
Es gab immer ein<br />
Lebensmotto in<br />
meiner Familie:<br />
„Geht net, gibt’s<br />
net“. Das möchte<br />
ich allen jungen<br />
Unternehmer:innen<br />
ans Herz legen. Mit<br />
Motivation geht<br />
alles.“<br />
Mark Mayer<br />
erfolgreiches <strong>Unternehmen</strong>, das letztendlich 100<br />
Jahre bestand. Diesen Ruf lasse ich mir am Ende<br />
nicht ruinieren, weil ein möglicher Nachfolger auf<br />
meinen ehemaligen Baustellen pfuscht.“<br />
Nachfolgesuche schwierig<br />
Alexander Safferthal ist mit den<br />
fehlenden Nachfolger:innen in<br />
seiner Familie nicht allein. Früher<br />
fand die Übergabe in der Regel<br />
innerhalb der Familie statt. Mittlerweile<br />
sind es bereits weniger<br />
als 50 %. Insgesamt stehen bis 2027<br />
etwa 41.700 Klein- und Mittelbetriebe<br />
mit etwa 400.000 Arbeitsplätzen<br />
zur Übergabe an. Daraus<br />
ergibt sich die große Herausforderung,<br />
geeignete Nachfolger:innen<br />
zu finden. Gerade in traditionellen<br />
Branchen stellt die Übernahme<br />
eines <strong>Unternehmen</strong>s eine gute<br />
Alternative zur Neugründung dar. Man fängt nicht<br />
bei Null an, profitiert vom Know-how der Belegschaft<br />
und hat von Beginn an einen bestehenden<br />
Standort und einen Kundenstock. Die WKO hilft<br />
bei der Übergabe und Übernahme.<br />
INSIDER. DI Alexander Safferthal weiß um die<br />
Probleme Bescheid, eine Baufirma in fremde<br />
Hände zu übergeben.<br />
›<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
11
cover<br />
NACHFOLGE.<br />
Heute werden<br />
bereits weniger<br />
als 50 Prozent<br />
der Betriebe in<br />
der Familie weitergegeben.<br />
Familienbetriebe<br />
suchen Nachfolger<br />
BEWERBEN. Bis 2027 stehen etwa 41.700 Klein- und Mittelbetriebe in traditionellen<br />
Geschäftsbranchen mit über 400.000 Arbeitsplätzen zur Übergabe an.<br />
Sie sind es, die nach wie vor für die<br />
Lebensqualität im Grätzl sorgen,<br />
wichtige Ansprechpartner sind und<br />
weite Wege ersparen: Die kleinen<br />
Betriebe, die oft „Nischenbereiche“<br />
abdecken, die es sonst nicht mehr<br />
gibt, und die deshalb von der treuen<br />
Kundschaft besonders geschätzt<br />
werden. Wenn sie schließen, hinterlassen sie eine Lücke<br />
im nahen Versorgungsbereich, die so nicht mehr<br />
geschlossen werden kann. Gerade in traditionellen<br />
Geschäftsbranchen kann deshalb eine Betriebsübernahme<br />
mehr unternehmerischen Erfolg versprechen<br />
als eine Neugründung. Die Freude der Stammkundschaft<br />
ist den jungen Unternehmer:innen sicher und<br />
mit Neuerungen werden diese sich auch gerne überraschen<br />
lassen.<br />
Nachfolgebörse der WKO<br />
Dafür hat die WKO eine eigene Nachfolgebörse eingerichtet.<br />
Hier können <strong>Unternehmen</strong> Nachfolger:innen<br />
suchen und potenzielle Unternehmer:innen nach<br />
einer möglichen Betriebsübernahme schauen. Die<br />
Plattform bietet detaillierte Suchmöglichkeiten<br />
nach österreichweiten Angeboten und Nachfragen.<br />
Inserate sind kostenlos und können anonymisiert geschaltet<br />
werden.<br />
INFORMATIONEN & KONTAKTE<br />
Alle Informationen zum Erstellen bzw. Abrufen<br />
von Inseraten gibt es unter:<br />
www.wko.at/gruendung/nachfolgeboerseunternehmenssuche<br />
Bei Fragen zum Login steht die kostenlose<br />
WKO-Serviceline unter der Nummer 08 0022<br />
1221 (Mo.–Fr., 8–20 Uhr, Sa., 8–12 Uhr) oder<br />
per E-Mail an benutzerverwaltung@wko.at<br />
zur Verfügung.<br />
Allgemeine Fragen zur Nachfolgebörse gibt<br />
es bei Mag. Christina Breuer<br />
E-Mail: nachfolgeboerse@wko.at<br />
Tel.: 05 90 900-4518<br />
(Dienstag bis Freitag, 8.30–12.30 Uhr)<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES<br />
12 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
cover<br />
WORAUF ES ANKOMMT<br />
■ RECHTZEITIGE PLANUNG<br />
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor<br />
für eine gelungene <strong>Unternehmen</strong>snachfolge<br />
ist, das Thema<br />
aktiv anzugehen, rechtzeitig<br />
zu initiieren und offen zu<br />
kommunizieren. Die frühzeitige<br />
Auseinandersetzung mit<br />
der Nachfolgeplanung eröffnet<br />
Zeiträume, um die Nachfolgegeneration<br />
an das Thema<br />
heranzuführen oder um Vermögensumschichtungen<br />
bzw.<br />
-umstrukturierungen vorzunehmen,<br />
um eine friktionsfreie<br />
Übernahme zu gewährleisten.<br />
■ DEN RICHTIGEN WEG FINDEN<br />
Am Beginn des Nachfolgeprozesses<br />
sollten die Anliegen<br />
der Familie stehen. Es gilt<br />
herauszufinden, ob bzw. wie<br />
sich Familienmitglieder einbringen<br />
möchten: Übernimmt<br />
eines der Kinder die Firma?<br />
Oder mehrere Kinder gemeinsam?<br />
Haben sie einen anderen<br />
Karriereweg eingeschlagen,<br />
möchten aber dennoch die<br />
Geschicke des <strong>Unternehmen</strong>s<br />
mitlenken? Erst danach sollte<br />
eine steuerliche und rechtliche<br />
Planung entstehen.<br />
■ CHECKLISTE<br />
Für jeden Unternehmer und<br />
jede Unternehmerin stellen<br />
sich anfangs viele Fragen: von<br />
der Art der Übernahme, der<br />
Kaufpreisfindung und Bewertung<br />
des <strong>Unternehmen</strong>s über<br />
bestehende Mietverträge bis<br />
hin zu steuerlichen Fragen.<br />
Unerlässlich ist auch, pensionsrechtliche<br />
Aspekte zu klären.<br />
Die Checkliste der WKO<br />
für die perfekte Planung einer<br />
Betriebsübergabe hilft dabei,<br />
alle erforderlichen Maßnahmen<br />
Schritt für Schritt zu klären.<br />
■ KONFLIKTE<br />
Nicht nur steuerliche und<br />
rechtliche Fragen spielen bei<br />
einer <strong>Unternehmen</strong>snachfolge<br />
eine Rolle. Oft sind auch persönliche<br />
Befindlichkeiten und<br />
Ängste vorhanden. Faktoren<br />
wie Erbstreitigkeiten in der<br />
Familie oder Verunsicherung<br />
in der Belegschaft können sich<br />
negativ auf die Effizienz eines<br />
<strong>Unternehmen</strong>s auswirken. Für<br />
die Lösung derartiger Konflikte<br />
kann Mediation hilfreich<br />
sein.<br />
■ PROFESSIONELLE BERATUNG<br />
Um die passenden Übergabemodalitäten<br />
zu finden, sollte<br />
man sich an externe Fachkräfte<br />
wenden. <strong>Österreich</strong>weit<br />
können professionelle Übergabeberater<br />
für individuelle,<br />
kostenlose Beratungen über<br />
das Gründerservice der WKO<br />
gebucht werden.<br />
WEITERGABE.<br />
Eine langfristig<br />
geplante Übergabe<br />
ist das A und<br />
O einer <strong>Unternehmen</strong>sübernahme<br />
– sei es im<br />
familiären Bereich<br />
oder an fremde<br />
Hände.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
13
aktuell<br />
RÜCKGRAT DER WIRTSCHAFT.<br />
Kleine und mittlere <strong>Unternehmen</strong><br />
stellen 96,4 Prozent aller Ausbildungsbetriebe<br />
in <strong>Österreich</strong>.<br />
Unsere Wirtschaft<br />
beginnt mit „Wir“<br />
GEMEINSAM STARK. Die Resolution des SWV – einstimmig angenommen<br />
am Bundesparteitag der SPÖ – und ein Antrag im Wirtschaftsparlament<br />
verdeutlichen die Positionen des SWV.<br />
Am 11. und 12. November fand der<br />
Bundesparteitag der SPÖ statt, an<br />
dem Andreas Babler als Vorsitzender<br />
bestätigt wurde. Der SWV<br />
<strong>Österreich</strong> wirkt an der Willensbildung<br />
der SPÖ mit: Wir stellen<br />
4 Delegierte am Bundesparteitag<br />
und zahlreiche SWV-Funktionär:innen sind über<br />
ihre regionale SPÖ-Mitgliedschaft delegiert. Die SPÖ<br />
sieht sich schon seit Bruno Kreisky als Partei der arbeitenden<br />
Menschen. Dem SWV war es wichtig, hier<br />
noch einmal einen Akzent zu setzen: Denn als Partei<br />
der arbeitenden Menschen vertritt die SPÖ die Interessen<br />
der Ein-Personen-Unternehmer:innen und<br />
Kleinunternehmer:innen. Denn sie sind es, die dieses<br />
Land gemeinsam auf den Schultern tragen und<br />
das System finanzieren. Es ist daher eine Frage der<br />
Gerechtigkeit, dass sie auch etwas dafür zurückbekommen.<br />
Jede und jeder von uns hat ein gutes Leben<br />
mit einem anständigen Einkommen und einer umfassenden<br />
sozialen Absicherung verdient. Wir sind<br />
gemeinsam als Beschäftigte, als kleine und mittelgroße<br />
<strong>Unternehmen</strong> und auch als Neue Selbstständige<br />
nicht nur das Rückgrat, sondern darüber hinaus das<br />
Herz der österreichischen Wirtschaft.<br />
Herz der Wirtschaft<br />
Allein die Zahlen sprechen Bände: 99,6 Prozent<br />
aller <strong>Unternehmen</strong> in <strong>Österreich</strong> sind Ein-Personen-<strong>Unternehmen</strong><br />
(EPU) und Klein- und Mittelunternehmen<br />
(KMU). Hinzu kommen die Neuen<br />
Selbstständigen wie zum Beispiel Vortragende oder<br />
Journalist:innen. Das sind rund 500.000 Menschen<br />
in unserem Land, die eine wesentliche Verantwortung<br />
für unsere Wirtschaft tragen: 1,7 Millionen<br />
Menschen sind Mitarbeiter:innen bei KMU – das<br />
sind 65,7 Prozent der unselbstständig Beschäftigten.<br />
Rund 55.000 Lehrlinge werden jährlich von KMU<br />
ausgebildet – damit stellen die KMU 96,4 Prozent<br />
aller Ausbildungsbetriebe in <strong>Österreich</strong>. 401 Milliarden<br />
Euro Umsatz werden jährlich von EPU und<br />
KMU erwirtschaftet und 61 Prozent aller Investitionen<br />
werden von KMU getätigt.<br />
Obwohl gerade EPU und KMU eine so gro-<br />
ISTOCK BY GETTY IMAGES<br />
14 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
aktuell<br />
Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren, das hilft nur den wenigen Reichen und<br />
Großkonzernen. Halten wir zusammen: Die Interessen der Arbeitgeber:innen und<br />
Arbeitnehmer:innen müssen Hand in Hand gehen!<br />
ße Verantwortung für unser Land und für ihre<br />
Mitarbeiter:innen übernehmen, finden ihre Anliegen<br />
kaum Gehör bei der Bundesregierung. Lassen<br />
wir uns nicht auseinanderdividieren – denn das<br />
hilft nur den wenigen Reichen und Großkonzernen!<br />
Die Interessen der Arbeitnehmer:innen und<br />
Arbeitgeber:innen müssen Hand in Hand gehen.<br />
Wirtschaft beginnt mit „Wir“ – also halten wir zusammen.<br />
Gemeinsam stark<br />
Die Sozialdemokratische Partei <strong>Österreich</strong>s bekennt<br />
sich zu einem Arbeitsbegriff, der alle arbeitenden<br />
Menschen in unserem Land umfasst. Dieser<br />
enthält neben unterschiedlichen Formen der<br />
Beschäftigung auch selbstständige Arbeit und jede<br />
Arbeit, die zur Schaffung einer Existenzgrundlage<br />
dient, sowie unbezahlte Arbeit im Familienverband.<br />
Die SPÖ setzt sich für die lückenlose soziale Absicherung<br />
aller Menschen in <strong>Österreich</strong> ein – das gilt<br />
sowohl für EPU und KMU als auch für Neue Selbstständige.<br />
Steuergerechtigkeit für alle<br />
Dazu gehören ein fairer Wettbewerb<br />
und Steuergerechtigkeit auf jeder Ebene –<br />
<strong>Unternehmen</strong>, die große Gewinne aus der<br />
österreichischen Wirtschaft ziehen, müssen<br />
auch einen gerechten Beitrag abgeben.<br />
Neben einer Vermögenssteuer setzt sich<br />
die SPÖ deshalb auch für eine progressive<br />
Körperschaftssteuer ein.<br />
Ebenso muss die längst versprochene<br />
Leistungsharmonisierung über alle<br />
Sozialversicherungsträger hinweg endlich<br />
umgesetzt werden und der Selbstbehalt für<br />
Unternehmer:innen beim Arztbesuch entfallen. Es<br />
muss das Prinzip „Gleiche Beiträge, gleiche Leistung“<br />
geltend gemacht werden. Für kleine <strong>Unternehmen</strong><br />
mit wenigen Mitarbeiter:innen ist außerdem<br />
der Zuschuss zur Entgeltfortzahlung von immenser<br />
Bedeutung. Dieser ist noch immer nicht nachhaltig<br />
gesichert.<br />
Sozialpartnerschaft<br />
Die Sozialpartnerschaft ist ein Eckpfeiler unserer<br />
Republik. Leider wird diese wichtige Institution in<br />
jüngster Vergangenheit immer öfters diskreditiert:<br />
Bundeskanzler Nehammer macht kein Hehl aus seiner<br />
fehlenden Wertschätzung, schon Sebastian Kurz<br />
maß der Sozialpartnerschaft keine hohe Bedeutung<br />
bei. Als sozialdemokratische Bewegung sehen es die<br />
SPÖ und der SWV in ihrer Verantwortung, die Sozialpartnerschaft<br />
zu verteidigen und zu stärken: Der<br />
SWV bringt daher einen Antrag im Wirtschaftsparlament<br />
ein, um die Wirtschaftsvertreter:innen zu<br />
einem lauten gemeinsamen Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft<br />
zu bewegen.<br />
SOZIALPARTNERSCHAFT.<br />
Das Konsensmodell und ein wichtiger Eckpfeiler<br />
der Zweiten Republik steht, spätestens<br />
seit der Zeit, als Sebastian Kurz Bundeskanzler<br />
war, immer wieder unter Beschuss.<br />
Auch Bundeskanzler Nehammer macht kein<br />
Geheimnis daraus, dass er die Sozialpartnerschaft<br />
nicht wertschätzt.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
15
porträt<br />
Waldviertler Rinde<br />
bestplatziert<br />
INNOVATIV. Das Motto „Heute schon gemulcht?“ ziert das Logo der Firma<br />
Waldviertler Rindenprodukte – Schulz G.m.b.H. in Gföhl. Der Familienbetrieb<br />
widmet sich seit mehr als 35 Jahren der Rindenverarbeitung.<br />
RINDENMULCH.<br />
Er dient als biologischer Fallschutz<br />
für Spielplätze .<br />
Waldviertler Rindenprodukte –<br />
Schulz G.m.b.H.<br />
3542 Gföhl, Wurfenthalstraße 43<br />
Tel: +43 2716 6333<br />
schulz@wv-rinde.at<br />
www.wv-rinde.at<br />
RINDEN<br />
KOMPOST.<br />
Der kostbare<br />
Rindenkompost<br />
ist<br />
ein idealer<br />
Torfersatz.<br />
Am Anfang war die<br />
Idee: Ing. Ludwig<br />
Schulz experimentierte<br />
mit seinem<br />
Professor auf der<br />
Universität für Bodenkultur,<br />
was aus<br />
der abgeschälten Rinde der Bäume<br />
entstehen könnte. Ludwig Schulz hatte<br />
von seinem Vater das Transportunternehmen<br />
in Gföhl übernommen,<br />
das damals hauptsächlich Sägespäne<br />
lieferte. Dank erfolgreicher Experimente<br />
und „universitärer“ Versuche<br />
sattelte er das <strong>Unternehmen</strong> auf<br />
naturbelassene Rindenverarbeitung<br />
um. Nach und nach kamen spezielle<br />
Rindenmulchverarbeitungen für verschiedene<br />
Anwendungsgebiete hinzu.<br />
Seit 10 Jahren ist auch seine<br />
Tochter Mag.a Lisa Schulz dabei.<br />
Zunächst nur nebenberuflich:<br />
Sie studierte<br />
Geschichte und<br />
Psychologie/<br />
Philosophie auf<br />
Lehramt. Nach<br />
dem Abschluss<br />
vor zwei Jahren<br />
stieg sie<br />
voll in die Firma<br />
ein, „das Lehramt<br />
muss warten“,<br />
schmunzelt sie. Von<br />
den nachhaltigen Rindenprodukten<br />
ist sie ebenso sehr begeistert<br />
wie ihr Vater. „Ich bin eine große<br />
Verfechterin von Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit<br />
und Regionalität. Wir<br />
erhalten die Rohrinde von den Waldviertler<br />
Sägewerken und verarbeiten<br />
sie weiter“, erzählt die junge Unternehmerin<br />
stolz.<br />
Großes Sortiment<br />
Das Sortiment kann sich sehen lassen.<br />
Eine Jahr für Jahr stark steigende<br />
Nachfrage gibt es für den Rindenkompost:<br />
„Er ist eine ideale Alternative zum<br />
Torf, weil er genauso die Feuchtigkeit<br />
speichert und wichtige Nährstoffe in<br />
die Erde transportiert“, so Lisa Schulz.<br />
Mit ihrem Fallschutz-Rindenmulch<br />
belegen sie die öffentlichen Spielplätze<br />
und Parks. Ihre Lieferungen erstrecken<br />
sich auf Gemeinden und Gärtnereien<br />
in ganz Ostösterreich, „bis nach<br />
Klagenfurt“, so die Firmenchefin. Seitdem<br />
sie mehr und mehr das Zepter in<br />
der Firma übernommen hat, setzt sie<br />
behutsam neue Akzente.<br />
WALDVIERTLER RINDENPRODUKTE<br />
16 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
porträt<br />
EIN TEAM.<br />
Seitdem Tochter Lisa<br />
voll in den Betrieb<br />
eingestiegen ist, zieht<br />
sich Vater Ludwig<br />
nach und nach zurück.<br />
VERARBEITUNG.<br />
Je nach Anwendungsgebiet<br />
entstehen aus dem<br />
Rohstoff neue<br />
Produkte.<br />
Neue Akzente<br />
Ein neues Bürogebäude, erstmals auf<br />
dem Firmengelände angesiedelt und<br />
ausschließlich von ansässigen Betrieben<br />
errichtet, machte dabei den<br />
Anfang. Auch die Betriebsstruktur<br />
veränderte sie leicht. „Ich kann mich<br />
auf unsere teilweise sehr langjährigen<br />
Mitarbeiter:innnen verlassen. Einer<br />
ist seit 24 Jahren im Betrieb. Im Gegensatz<br />
zu meinem Vater habe ich den<br />
Betriebsurlaub in der Nebensaison<br />
eingeführt, damit jeder auch wirklich<br />
durchatmen kann. Der Jänner gilt der<br />
Regeneration; denn ab Februar gehts<br />
wieder los.“ Parallel zu den ständigen<br />
Mitarbeitern gibt es nun auch<br />
Menschen mit Handicap, die von<br />
der arbeitsmarktpolitischen Initiative<br />
„Menschen & Arbeit“ vom Land NÖ<br />
in den Betrieb kommen. „Ihre Integration<br />
ist uns wichtig. Sie freuen sich<br />
sehr und bemühen sich. Drei haben<br />
wir bereits behalten“, so Lisa Schulz.<br />
Mit insgesamt zwischen 12 und 15<br />
Mitarbeiter:innen, je nach Saison,<br />
möchte sie den Betrieb nicht vergrößern:<br />
„Wir bleiben ein KMU. Es passt<br />
so, wie es ist.“<br />
Es ist zwar noch nicht offiziell, doch<br />
verrät die leidenschaftliche Reiterin<br />
dennoch ein neues, von ihr selbst entworfenes<br />
Produkt: „Es wird ein spezieller<br />
Pferdemulch, so viel kann ich<br />
schon sagen“, schmunzelt sie. Nächstes<br />
Jahr wird sie es präsentieren.<br />
Ausgezeichnet für Lebenswerk<br />
Im Juni wurde Ing. Ludwig Schulz vom<br />
Sozialdemokratischen Wirtschafsverband<br />
Niederösterreich im Rahmen<br />
des Unternehmer:innenpreises von<br />
Präsident Thomas Schaden speziell<br />
für sein Lebenswerk ausgezeichnet.<br />
Eine Ehrung, die diesem Lebenswerk<br />
mehr als gerecht wird.<br />
Wir sind ein<br />
regionaler Betrieb.<br />
Wir erhalten die<br />
Rohrinde von den<br />
Waldviertler Sägewerken<br />
und<br />
verarbeiten sie bei<br />
uns weiter.“<br />
NACHHALTIG.<br />
Das neue Bürogebäude auf dem Firmengelände<br />
wurde ausschließlich von regional<br />
ansässigen <strong>Unternehmen</strong> errichtet.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
17
porträt<br />
FORTFÜHREN.<br />
Traditionsbetriebe<br />
weiterzuführen ist<br />
für Helmut und Lisa<br />
Frana eine Herzensangelegenheit.<br />
Von der Tradition<br />
in die Moderne<br />
VERPFLICHTET. Mit viel Behutsamkeit hat Helmut Frana den<br />
Installationsbetrieb seines Vater übernommen. Vor rund zwei Jahren<br />
kaufte er einen zweiten Familienbetrieb ohne Nachfolger in Wien.<br />
Seinen „Stammbetrieb“ in Wien-Simmering,<br />
1953 vom Großvater gegründet,<br />
hat er von seinem gleichnamigen Vater<br />
übernommen: „Das war im Jänner 2015<br />
und ich war sehr glücklich darüber,<br />
denn die Übergabe war nicht einfach“,<br />
erinnert sich Helmut Frana, obwohl er<br />
seine Ausbildung darauf ausgerichtet hatte: Nach der<br />
Matura besuchte er ein zweijähriges HTL-College<br />
und machte berufsbegleitend den Bachelor in <strong>Unternehmen</strong>sführung<br />
auf der FH Wien der WKW. Vertrauen<br />
zu haben und loslassen zu können, ist sicherlich<br />
nicht einfach, glücklicherweise hat es geklappt.<br />
Bereits bestens vertraut mit dem vorhandenen Team<br />
gelang die Übernahme reibungslos. „Ich habe nach<br />
und nach Arbeitsprozesse umgestaltet, um sie für die<br />
25 Mitarbeiter einfacher und effizienter zu machen,<br />
und die Räumlichkeiten umgebaut.“ Sein Verantwortungsbereich<br />
umfasst dabei neben der Auftragslage<br />
besonders seine Mitarbeiter und ihre Anliegen und<br />
Bedürfnisse. „Eine große Hilfe war mir dabei in Erinnerung<br />
meine Mutter: Sie hat mit meinem Vater<br />
den Betrieb gemeinsam geführt und die damals neue<br />
„Kultur des Miteinander“ eingeführt. Sie hatte ein offenes<br />
Ohr für alle Mitarbeiter, ist auf ihre Fragen und<br />
Sorgen eingegangen und hat, wo sie konnte, geholfen.<br />
Das hatte ich mir immer vorgenommen, wenn ich<br />
einmal Firmenchef werde“, so Helmut Frana.<br />
Neue Anforderungen<br />
„Ich habe das, was unsere Kund:innen immer gemocht<br />
haben, beibehalten und gleichzeitig die neuen<br />
Herausforderungen, die ein Installationsbetrieb<br />
heutzutage leisten muss, dazu genommen.“ Zu sei-<br />
FRANA INSTALLTEUR<br />
18 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
porträt<br />
IM EINSATZ.<br />
Die Flotte kann<br />
sich sehen lassen<br />
– in beiden<br />
Firmen sind<br />
engagierte Mitarbeiter<br />
im Einsatz<br />
und vor Ort.<br />
Installateur Frana<br />
Hauffgasse 6, 1110 Wien<br />
Tel.: +43 1 7493451<br />
E-Mail: office@franainstallateur.at<br />
www.franainstallateur.at<br />
@installateurfrana<br />
Heizung Sanitär Uhrmann<br />
Wagramer Straße 55, 1220 Wien<br />
Tel.: +43 1 2<strong>04</strong>18190<br />
E-Mail: office@uhrmann.at<br />
www.uhrmann.at<br />
@uhrmann.heizung.sanitär<br />
nen Kunden zählen Hausverwaltungen und Gewerbebetriebe,<br />
die Wohnungsverbesserungen und<br />
-instandhaltungen verlangen, wie die Wartung<br />
von Gasgeräten, aber auch die Installation von<br />
Badezimmern und Heizungsanlagen. Bei privaten<br />
Kund:innen stehen der tropfende Wasserhahn und<br />
großzügige Umbauten von Badezimmern, aber<br />
auch der Umstieg von Gas auf Wärmepumpen und<br />
Pelletsanlagen, Photovoltaik und thermische Solaranlagen<br />
an vorderster Stelle.<br />
Zweiter Betrieb<br />
Von den Kund:innen nahezu unbemerkt verlief die<br />
Übernahme eines zweiten traditionellen Installationsbetriebs<br />
in der Donaustadt. „Herbert Uhrmann<br />
hat seinen Betrieb 1990 in der Wagramer Straße<br />
gegründet und mit großem Erfolg geführt. Seine<br />
Kunden waren u. a. langjährige „Stammgäste“, die<br />
auch bei kleinen Verbesserungen stets Gehör fanden.<br />
Als Herbert Uhrmann keinen Nachfolger fand,<br />
habe ich Anfang Jänner 2022 den Betrieb mitsamt<br />
seinen ebenfalls 25 eingespielten Mitarbeiter:innen<br />
übernommen und bin stolz darauf, ihn weiterführen<br />
zu dürfen“, so Frana. Herbert Uhrmann wiederum<br />
ist glücklich, einen so fähigen Nachfolger<br />
gefunden zu haben. Beide gehen regelmäßig zum<br />
Gedankenaustausch miteinander essen.<br />
Vertrauensbasis wichtig<br />
Im vergangenen Mai holte Helmut Frana seine<br />
Schwester Lisa an Bord. Mit viel Berufserfahrung<br />
und einem Masterstudium im Gepäck ist sie für das<br />
Personalmarketing, IT und das Prozessmanagement<br />
beider Firmen verantwortlich. „Eine Modernisierung<br />
der EDV haben wir in beiden, separat<br />
geführten Firmen soeben hinter uns gebracht. Jetzt<br />
geht es um eine behutsame interne Weiterentwicklung<br />
für mehr Effizienz in den Alltagsabläufen und<br />
wie man mögliche Synergien zwischen beiden Firmen<br />
herstellen kann“, so Lisa Frana voller Elan.<br />
Auch sie ist mit Herz und Seele dabei: „Wir sind im<br />
elterlichen Betrieb aufgewachsen. Deshalb sind wir<br />
uns auch der Verantwortung bewusst, einen alteingesessenen<br />
Traditionsbetrieb zu übernehmen.<br />
Sei es den eigenen oder einen anderen, sie erhalten<br />
unsere Wirtschaft und Lebenskultur.“<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
19
aus den bundesländern<br />
WIEN: MARKO FISCHER zum neuen SWV WIEN-<br />
Präsidenten gewählt!<br />
Handschlag. Auf der Landeskonferenz<br />
des SWV WIEN am 21. November wurde<br />
Marko Fischer zum neuen Präsidenten<br />
gewählt. Als Vizepräsident:innen ziehen<br />
mit ihm André Stolzlechner, Norbert<br />
Zauner, Elisabeth Mannsberger, Gurdial<br />
Singh Bajwa sowie Roland Hauer in das<br />
Leitungsgremium des SWV WIEN ein.<br />
„Ich stehe für Gemeinsamkeit, für ein<br />
Miteinander, für offene Kommunikation<br />
und für Handschlagqualität. Es geht<br />
darum, dass wir Seite an Seite miteinander<br />
arbeiten, gestalten und gemeinsam<br />
Wahlen gewinnen!“, betont Marko<br />
Fischer.<br />
„Die Sorgen der Wiener Unter nehmer:innen<br />
reichen vom Fach kräftemangel<br />
über die SVS bis hin zu horrenden<br />
Kosten für Miete und Energie.<br />
Wir werden weiter dafür kämpfen, dass<br />
diese Themen in die Öffentlichkeit kommen<br />
und nach Lösungen suchen – sei es<br />
in Kooperation mit der SPÖ WIEN oder<br />
mit unserem Thinktank Future Vienna!“,<br />
erläutert Fischer nach der Wahl.<br />
„Gerade in wirtschaftlich schwierigen<br />
Wahl. Das<br />
SWV-WIEN-Leitungsgremium<br />
(v. l. n. r.): André<br />
Stolzlechner,<br />
Norbert Zauner,<br />
Elisabeth<br />
Mannsberger,<br />
Gurdial Singh<br />
Bajwa, Marko<br />
Fischer und<br />
Roland Hauer.<br />
Zeiten ist es essenziell, dass wir als<br />
Wirtschaftsflügel der SPÖ Antworten<br />
darauf bieten. Als Interessenvertretung<br />
für Ein-Personen-<strong>Unternehmen</strong>, Kleinund<br />
Mittelbetriebe werden wir den<br />
Stellenwert der Selbstständigen noch<br />
weiter ausbauen und weiterhin eine<br />
laute Stimme für die Wiener Wirtschaft<br />
sein!“, fasst Fischer seine Ziele für die<br />
kommenden Monate zusammen. „Jetzt<br />
beginnt für den SWV WIEN ein neues<br />
Kapitel und ich freue mich auf die<br />
Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern<br />
und Funktionär:innen!“<br />
SWV NÖ-PRÄSIDENT THOMAS SCHADEN:<br />
„FIRMENINSOLVENZEN werden <strong>2023</strong><br />
einen neuen HÖCHSTSTAND ERREICHEN!“<br />
Die türkis-grüne Regierung soll endlich sinnvolle Maßnahmen treffen,<br />
die den kleinen <strong>Unternehmen</strong> wirklich helfen.<br />
Erschreckend. „Die Firmeninsolvenzen<br />
sind laut Alpenländischem<br />
Kreditorenverband<br />
(AKV) österreichweit rapide<br />
angestiegen – nämlich um<br />
13,6 % gegenüber dem Vorjahr,<br />
in Niederösterreich sind es<br />
21 %! Das ist nicht nichts<br />
und das haben wir<br />
dieser Regierung zu<br />
verdanken, die die<br />
letzten zwei Jahre<br />
die Hände in<br />
den Schoß gelegt<br />
hat“, ärgert sich Thomas Schaden,<br />
der Präsident des Sozialdemokratischen<br />
Wirtschaftsverbandes<br />
(SWV) NÖ.<br />
„Was haben wir nicht alles gefordert,<br />
als die Inflation in die Höhe<br />
geschnellt ist: einen Mietpreisdeckel,<br />
einen Gas- und Strompreisdeckel,<br />
ein Aussetzen der Mehrwertsteuer<br />
auf Lebensmittel. Aber<br />
Türkis-Grün hat es vorgezogen,<br />
uns zu erzählen, dass sich alles<br />
schon wieder beruhigen wird, und<br />
sich auf Einmalzahlungen herausgeredet<br />
wie auf den Energiekostenzuschuss<br />
2, der ein halbes Jahr<br />
zu spät kommt. Und jetzt haben<br />
die Firmeninsolvenzen nach AKV<br />
nach Abschluss des dritten Quartals<br />
<strong>2023</strong> bereits das Niveau von<br />
2019 übertroffen.“<br />
„Wir fordern diese untätige Regierung<br />
auf, endlich ihrer Pflicht<br />
nachzukommen und sinnvolle,<br />
wirksame Maßnahmen zu treffen,<br />
die den kleinen <strong>Unternehmen</strong> auch<br />
wirklich helfen“, verlangt Thomas<br />
Schaden.<br />
SWV WIEN, FRAS, SWV TIROL, NIKLAS SCHNAUBELT, SWV STMK<br />
20<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
aus den bundesländern<br />
WIEN: Investment für Frauen:<br />
FRAUEN-BUSINESS-<br />
FRÜHSTÜCK mit Viola Ramani<br />
Finanzen. Bei unserem letzten Frauen-<br />
Business-Frühstück im Open Space des<br />
SWV WIEN durften wir Vivi Ramani<br />
zu einem Finanzworkshop bei uns<br />
begrüßen. Sie ist Geschäftsführerin<br />
und Gründerin der Alpha & Partner<br />
Vermögensmanagement GmbH sowie<br />
der Frauencommunity Women’s<br />
Mindset. Gestartet wurde der Workshop<br />
mit dem Bereich „Mindset“. Die<br />
Teilnehmerinnen haben analysiert, welche<br />
Glaubenssätze und Emotionen<br />
sie selbst mit Geld und Vermögen<br />
verbinden. Danach erläuterte<br />
Ramani die Grundlagen der<br />
Finanzmärkte und Anlageformen<br />
für Selbstständige. Aus konkreten<br />
Beispielen konnten die teilnehmenden<br />
Unternehmerinnen Strategien für ihre<br />
individuelle Situation ableiten.<br />
„Finanzbildung ist für alle Frauen,<br />
aber besonders für uns Selbstständige<br />
Frauenpower. V. l. n. r.: Viola Ramani mit<br />
unserer Frauenvorsitzenden Farangis Firozian,<br />
SWV-WIEN-Geschäftsführerin Elisabeth Hakel<br />
und Finanzexpertin Elif Hakcobani.<br />
unabdinglich! Der Gender-Pension-<br />
Gap ist auch bei Unternehmerinnen<br />
traurige Realität – wir müssen unsere<br />
Finanzen selbst in die Hand nehmen!“,<br />
so Frauenvorsitzende Farangis Firozian.<br />
TIROL: SWV KIRCHMAIR: Lücken bei sozialer<br />
Absicherung von Selbstständigen müssen<br />
geschlossen werden<br />
Antrag. Der Sozialdemokratische<br />
Wirtschaftsverband (SWV)<br />
Tirol hat in der Junisitzung des<br />
Wirtschaftsparlaments Tirol<br />
den Antrag „Selbstständig –<br />
Ja, aber sicher!“ eingebracht.<br />
Dort thematisierte Präsident<br />
Kirchmair die lückenhafte<br />
soziale Absicherung von<br />
Selbstständigen, EPU<br />
und Kleinunternehmen. So wurde<br />
durch die Initiative des SWV eine<br />
fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe<br />
eingerichtet, die nun einen<br />
grundlegenden Maßnahmenkatalog<br />
zur sozialen Absicherung für<br />
EPU und Kleinunternehmen erarbeitet<br />
hat. „Ich freue mich, dass<br />
wir als SWV dieses wichtige Maßnahmenpaket<br />
zur sozialen Absicherung<br />
von Selbstständigen, EPU<br />
und Kleinunternehmen anstoßen<br />
konnten. Seit Jahren zeigen wir die<br />
prekäre Situation von Selbstständigen<br />
auf. Es ist höchste Zeit, dass<br />
sie endlich mehr Unterstützung<br />
bekommen“, erklärt KR Michael<br />
Kirchmair. Das Maßnahmenpaket<br />
richtet sich an die WKO und die<br />
Bundesregierung.<br />
STMK: »GEMMA’S AN!«<br />
Unter diesem Motto stand der Workshop »Vorbereitung<br />
auf die WK-Wahlen 2025« des SWV Steiermark.<br />
Gelungen. An unserem Workshop am<br />
18. November <strong>2023</strong> in Gratkorn nahmen<br />
37 hochmotivierte EPU und Kleinunter<br />
neh mer:innen teil. Und es wurde<br />
ihnen einiges geboten: Der Schwerpunkt<br />
lag auf dem Thema „Selbstmotivation“.<br />
Dazu hatten wir den europaweit<br />
bekannten „Movetivation-Trainer“<br />
Masara Dziruni eingeladen. Seinen<br />
interaktiven Workshop hatte er genau<br />
auf die Teilnehmer:innen abgestimmt.<br />
Top. Die rege Teilnahme am interaktiven<br />
Workshop „Selbstmotivation“ zeigte den<br />
Erfolg des Angebots des SWV Steiermark.<br />
Sie wurden nicht nur dazu inspiriert,<br />
sich selbst zu motivieren, sondern sich<br />
auch der Grundlagen des persönlichen<br />
Erfolgs bewusst zu werden. Die Beantwortung<br />
der Frage „Was will das ICH“<br />
und viele wertvolle Tipps für die berufliche<br />
Praxis begeisterten das Publikum.<br />
Beispiele, wie ein erfolgreicher Wahlkampf<br />
geführt werden kann, lieferten<br />
die „Erfolgsstorys“ von Mag.a Elisabeth<br />
Sommerbauer (Kleidermacher-Meisterin),<br />
Markus Glatz (Immobilientreuhänder)<br />
und Michael Schnabl (Werbefotograf<br />
und KI-Experte).<br />
Beim gemeinsamen Abendessen wurde<br />
dann noch lange weiter diskutiert.<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
21
aus den bundesländern<br />
Runde. V. l. n. r.: Clemens Wasner,<br />
CEO Enlite AI, Carina Schmiedseder,<br />
Unternehmerin, Susanne<br />
Pollinger, Moderatorin, Peter<br />
Schobesberger, Bürgermeister<br />
Vöcklabruck, Manfred Zaunbauer,<br />
Präsident SWV OÖ.<br />
OÖ: KI HÄLT EINZUG in<br />
Vöcklabruck<br />
Information. Bei einer spannenden Informationsveranstaltung<br />
konnten Unter neh mer:innen aus dem Bezirk Vöcklabruck Einsatzmöglichkeiten<br />
der künstlichen Intelligenz kennenlernen. Domenic<br />
Niederhuber bereitete während seines Praktikums im SWV Wien<br />
die Veranstaltung vor und legte damit den Grundstein zu einem<br />
außerordentlich gelungenen Abend. Bei einem Buffet konnten die<br />
Teilnehmer:innen im Anschluss selbst ihre Erfahrungen austauschen.<br />
WIEN: 5-PUNKTE-PLAN des SWV WIEN zur<br />
Bekämpfung des Fachkräftemangels<br />
83 % der <strong>Unternehmen</strong> haben Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu<br />
finden, 61 Prozent betrachten den Fachkräftemangel als größte Gefahr.<br />
Jetzt handeln. Wenn diese Studie eines<br />
zeigt, dann dass der Arbeitskräftemangel<br />
längst kein Problem einzelner Branchen<br />
mehr ist, sondern eine Gefahr für den gesamten<br />
Wirtschaftsstandort!<br />
Marko Fischer, der Präsident des SWV<br />
WIEN, führt selbst seit dreißig Jahren ein<br />
<strong>Unternehmen</strong> und ist damit bestens mit<br />
den Sorgen der Wiener KMU vertraut. Im<br />
22. Wiener Gemeindebezirk hat er deshalb<br />
sogar einen Mobilitätscampus zur Ausbildung<br />
von Fachkräften gegründet. „Einzelne<br />
Initiativen werden jedoch nicht ausreichen,<br />
um den Fachkräftemangel zu entschärfen.<br />
Genau deshalb haben wir den 5-Punkte-<br />
Plan des SWV WIEN entwickelt. Zentral<br />
ist etwa eine nationale Strategie zur Anwerbung<br />
internationaler Fachkräfte oder<br />
die Modernisierung der Lehre! Es braucht<br />
aber auch endlich einen Rechtsanspruch<br />
auf ganztägige und -jährliche Kinderbetreuung,<br />
nur so können wir das Potential<br />
des heimischen Arbeitsmarktes voll ausschöpfen!“,<br />
betont Fischer.<br />
Denn nur, wenn wir uns der Tatsache stellen,<br />
dass der Fachkräftemangel eine enorme<br />
Bedrohung für unsere Wirtschaft darstellt,<br />
können wir auch nach vorne sehen<br />
und jetzt zu handeln beginnen. Sonst<br />
droht dasselbe Schicksal, wie es<br />
bereits jetzt im Bereich Medizin<br />
und Pflege der Fall ist. Mit dem<br />
5-Punkte-Plan des SWV WIEN<br />
können wir diesen negativen Effekten<br />
entgegenwirken und <strong>Österreich</strong><br />
zum Talente-Hotspot befördern<br />
– doch um die Wirtschaft von morgen zu<br />
sichern, müssen wir jetzt handeln!<br />
FRAS,, DANIEL SCHWINGENSCHLÖGEL/ PASSION 4 SHOOTING, SWV OÖ, MECGREENIE<br />
22 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong>
aus den bundesländern<br />
NÖ: ZU WENIG UNTERSTÜTZUNG<br />
der Regierung für kleine Betriebe<br />
Einmalzahlungen als Unterstützung gegen die hohen Energiekosten<br />
sind keine nachhaltige Hilfe und kommen auch viel zu spät.<br />
Zu wenig. Seit mehr als einem Jahr<br />
kämpfen die <strong>Unternehmen</strong> mit extrem<br />
hohen Energiekosten. Viele von<br />
ihnen sind dadurch in ihrem Weiterbestand<br />
gefährdet. Die türkisgrüne<br />
Regierung bleibt aber wirksame<br />
Hilfen schuldig. „Die bisherigen<br />
Unterstützungsmaßnahmen der Regierung<br />
sind viel zu wenig“, ärgert<br />
sich Wirtschaftsverband-NÖ-Vizepräsidentin<br />
Martina Klengl. „Ende<br />
2022 wurde den <strong>Unternehmen</strong> der<br />
Energiekostenzuschuss 2 versprochen.<br />
Erst Mitte Oktober <strong>2023</strong><br />
konnte man sich dann endlich zwei<br />
Wochen lang für diesen Zuschuss<br />
voranmelden. Denn die Regierung<br />
konnte sich schlimmerweise lange<br />
nicht auf die Richtlinien einigen.<br />
Und dann hat man ein enges Zeitfenster<br />
zugeteilt bekommen, in dem<br />
man den Antrag auf den Zuschuss<br />
stellen kann – wenn man es in diesem<br />
Zeitrahmen überhaupt schafft,<br />
die erforderlichen Unterlagen einzureichen.<br />
Denn das ist alles andere<br />
als leicht“, kritisiert Martina Klengl.<br />
„Nicht viel runder ist es bei der<br />
Energiekostenpauschale gelaufen,<br />
die bis Ende November beantragt<br />
werden konnte. Anfangs war eine<br />
Beantragung oft technisch nicht<br />
möglich. Dann wurde schnell klar:<br />
Der Zuschuss beträgt nur zwischen<br />
110 Euro und 2.475 Euro. Diese Einmalzahlungen<br />
sind nur ein Tropfen<br />
auf dem heißen Stein. Die Mehrkosten,<br />
die die <strong>Unternehmen</strong> für die<br />
hohen Energiepreise zahlen müssen,<br />
sind um ein Vielfaches höher.<br />
Martina Klengl ist überzeugt davon,<br />
dass eine Strom- und Gaspreisbremse<br />
den Betrieben schneller und effizienter<br />
geholfen hätte. „Auch einen<br />
Mietpreisdeckel haben wir verlangt,<br />
um die kleinen Betriebe, aber auch<br />
die Menschen zu schützen. Gekommen<br />
ist davon bis heute nichts.“<br />
Zusammehalt.<br />
V. l. n. r.: Manfred Schauberger,<br />
Felix Schober, Manfred Zaunbauer,<br />
Tobias Höglinger, Tina Blöchl.<br />
OÖ: SWV RÜCKT<br />
im Zentralraum OÖ<br />
ZUSAMMEN<br />
LiLiLa. Am 4. Oktober fand im Volksheim<br />
Ebelsberg die erste Regionskonferenz des SWV<br />
LiLiLa statt, wobei in diesem Rahmen die organisatorische<br />
Zusammenlegung der Bezirke Linz<br />
(Li) und Linz-Land (LiLa) beschlossen wurde.<br />
Als Vorsitzender wurde Manfred Schauberger<br />
einstimmig gewählt. Mit der Einsetzung von<br />
Regionsverantwortlichen wird eine noch engere<br />
Bindung zu den einzelnen Betrieben in den Bezirken<br />
angestrebt. So wird die Stadt Linz künftig<br />
von Hannes Statzer (Nord), Felix Schober<br />
(Mitte) und Christian Morandell (Süd) betreut<br />
und der Bezirk Linz-Land durch Thomas Unger,<br />
Carina Schmiedseder (beide Zentralraum),<br />
Heike Bauer (Ost), Beatrix Swoboda (West)<br />
und Domenic Niederhuber (Süd) vertreten. Gestärkt<br />
werden die Regionsbetreuer:innen von<br />
den politisch Verantwortlichen (Vizebürgermeisterin<br />
Tina Blöchl und Landtagsabgeordneter<br />
Tobias Höglinger).<br />
<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2023</strong><br />
23
DEINE SPENDE.<br />
MEINE BILDUNG.<br />
#kinderarmutabschaffen<br />
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