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Schlank&Gesund 01/2024

Schlank & Gesund bietet eine Vielzahl an kreativen Anregungen für einen genussvollen, kalorienarmen Alltag mit vielen spannenden Informationen und Rezeptideen.

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Schlank & gesund<br />

IK<br />

H<br />

Schlank<br />

&<br />

Snippets<br />

gesund<br />

Ein Special von<br />

<strong>01</strong>/<strong>2024</strong><br />

Anleitung für<br />

Powerfrauen<br />

VERONA POOTH<br />

HIGHLIGHTS<br />

VON DER FRANKFURTER<br />

Von BUCHMESSE Buch- 2023<br />

Bestsellern<br />

inspirierte<br />

Rezepte<br />

LESEN MIT GESCHMACK<br />

Lesen<br />

&<br />

genießen<br />

FOTOS: XXXXXX<br />

23 REZEPTE<br />

für die guten Vorsätze<br />

CHECKER TOBI<br />

Bewusst &<br />

lecker essen<br />

So gut schmeckt<br />

das neue Jahr …


Inhalt<br />

Das neue<br />

Special<br />

für alle<br />

Bücherfans<br />

ab Seite 80<br />

HIGHLIGHTS<br />

VON DER FRANKFURTER<br />

BUCHMESSE 2023<br />

FOTOS/ILLUSTRATION: DK VERLAG/LIZZIE MAYSON; HANS-FLORIAN HOPFNER; ANELIA JANEVA; BERND REUTEMANN/TREK FUTURE RACING; STOCK.ADOBE.COM/LIFESTYLE GRAPHIC, NGUPAKARTI, ZDRAVINJO<br />

ab Seite 74<br />

Neues Special<br />

für Bücherfans<br />

4 schlank&gesund<br />

ENTSPANNUNG für den schönsten<br />

Start ins neue Jahr – mit Krimis bis hin<br />

zu Lesestoff für die ganze Familie<br />

ab Seite 18<br />

Gute Vorsätze<br />

richtig umsetzen<br />

Jeanette Siegenthaler, Ernährungsexpertin<br />

am erpse Institut, erklärt<br />

anschaulich, was möglich ist<br />

ab Seite 6<br />

23<br />

gesunde<br />

Rezepte<br />

für den Start<br />

ins neue Jahr<br />

Lesen<br />

&<br />

genießen<br />

ab Seite 62<br />

Unsere Zeit<br />

wertvoll<br />

gestalten<br />

Autor, Unternehmer und Biketeam-Chef<br />

Bernd Reutemann teilt<br />

im Interview gesunde Ratschläge<br />

FOTOS: XXXXXX<br />

2 schlank&gesund


ab Seite 14<br />

Einfach<br />

unperfekt<br />

perfekt sein<br />

Unternehmerin und Entertainerin<br />

Verona Pooth hat wertvolle Tipps für<br />

alle Super-mitten-im-Leben-Frauen<br />

ab Seite 40<br />

Spaß<br />

muss es<br />

machen!<br />

Kinder-Fernseh- und Kinostar<br />

Checker Tobi über umweltbewusste<br />

Ernährung für die ganze Familie<br />

Wie man Phobien,<br />

Manien und Ängste<br />

überwinden kann.<br />

Tipps und Tricks von<br />

Expertin Jeanette<br />

Siegenthaler auf<br />

Seite 78<br />

GESUNDE<br />

WEGE ZUR<br />

DESENSIBILISIERUNG


schlank&gesund / Morgens<br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/LUFTBILDFOTOGRAF<br />

Gute Vorsätze<br />

zum Frühstück<br />

4 schlank&gesund


Das Frühstück ist ein<br />

idealer Start in den Tag,<br />

um gute Vorsätze umzusetzen<br />

– nicht nur am<br />

Jahresanfang. Ein nahrhaftes<br />

Frühstück mit Vollkorn,<br />

frischem Obst und Proteinen<br />

fördert <strong>Gesund</strong>heit und<br />

Energie. Und bei besonderen<br />

Anlässen ein Glas Sekt<br />

fördert die gute Laune. Das<br />

Frühstück ist ein Moment<br />

der Achtsamkeit, um den<br />

Tag zu planen und sich<br />

auf persönliche Ziele zu<br />

konzentrieren. So wird das<br />

Frühstück zum Schlüssel<br />

für langfristige, positive<br />

Lebensveränderungen.<br />

schlank&gesund 5


schlank&gesund / Morgens<br />

VEGAN<br />

Süß-würzige<br />

Apfel-Pancakes<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

Mehl, Backpulver, Salz, Zimt und Muskatnuss in einer Schüssel gut<br />

vermischen.<br />

In einer separaten Schüssel Apfelmus, Agavendicksaft und Pflanzendrink<br />

verrühren, dann zur Mehlmischung gießen und alles zu<br />

einem glatten Teig verrühren.<br />

Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen und jeweils eine gute halbe Kelle<br />

der Teigmischung darin bei mittlerer Hitze braten, bis sich die<br />

Blasen an der Oberfläche des Pfannkuchens nicht mehr schließen.<br />

Dann den Pfannkuchen umdrehen und braten, bis die Unterseite<br />

goldgelb ist.<br />

Mit frischen Beeren und etwas Agavendicksaft servieren.<br />

ZUTATEN für 6 Stück<br />

150 g Mehl<br />

2 TL Backpulver<br />

½ TL Salz<br />

½ TL gemahlener Zimt<br />

¼ TL gemahlene Muskatnuss<br />

4 EL Apfelmus<br />

2 EL Agavendicksaft<br />

200 ml Pflanzendrink<br />

etwas geschmacksneutrales<br />

Öl, z. B. Sonnenblumenöl<br />

Zum Servieren<br />

Blaubeeren, Erdbeeren oder<br />

Himbeeren (nach Wahl) und<br />

etwas Agavendicksaft<br />

Rezept aus dem Buch<br />

VEGANUARY – DAS OFFIZIELLE KOCHBUCH.<br />

MIT ÜBER 100 KREATIVEN VEGANEN REZEPTEN<br />

FÜR DAS GANZE JAHR<br />

DK Verlag<br />

240 Seiten, 24,95 Euro<br />

FOTO: DK VERLAG/LIZZIE MAYSON


25<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 7


schlank&gesund / Morgens<br />

VEGAN<br />

Müsli-Cupcakes<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

Den Backofen auf 180 °C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Die Muffin-<br />

Backform mit den Papierförmchen auslegen.<br />

Das Kokosöl in einem Topf bei mittlerer Hitze schmelzen. Dann<br />

in einer Schüssel das Kokosöl mit Haferflocken, Haselnüssen und<br />

Agavendicksaft zu einer homogenen Masse vermischen.<br />

Die Masse in die Muffinförmchen füllen und mit dem Boden eines<br />

kleinen Glases ein Loch in die Mitte der Cupcakes drücken. Mit den<br />

Fingern sollte noch zusätzlich ein kleiner Rand geformt werden,<br />

sodass eine Mulde für die Füllung entsteht.<br />

Die Cupcakes im vorgeheizten Backofen für 15 Minuten backen, bis<br />

sie goldbraun sind. Anschließend 15 Minuten in der Form abkühlen<br />

lassen, da sie sonst brechen.<br />

Den Joghurt in einer separaten Schüssel mit dem Açaí-Pulver verrühren.<br />

Die Cupcakes mit der Joghurtmasse befüllen und mit den<br />

Beeren garnieren.<br />

ZUTATEN für 12 Cupcakes<br />

40 g Kokosöl<br />

120 g Haferflocken<br />

40 g Haselnüsse<br />

6 EL Agavendicksaft<br />

200 g Kokosjoghurt<br />

1 TL Açaí-Pulver<br />

100 g Brombeeren<br />

Rezept aus dem Buch<br />

EVERYDAY VEGAN FOOD.<br />

70 EINFACHE REZEPTE FÜR JEDEN TAG<br />

Nina Witt<br />

Südwest<br />

176 Seiten, 24,00 Euro<br />

FOTO: NINA WITT


50<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Tipp<br />

Die Müsli-Cupcakes halten sich<br />

ohne Füllung 3 Tage in einer<br />

Frischhaltedose im Kühlschrank,<br />

sodass man sie nach Bedarf<br />

frisch befüllen und<br />

genießen kann.<br />

schlank&gesund 9


schlank&gesund / Morgens<br />

„Fit & gesund “-<br />

Brot<br />

VEGAN<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

Haselnüsse und Mandeln hacken (nicht mahlen). Anschließend alle<br />

trockenen Zutaten sowie das Salz in einer großen Rührschüssel<br />

vermischen.<br />

Wasser, Olivenöl und Agavendicksaft dazugeben und zu einem<br />

Teig verarbeiten. Den Teig 1 Stunde gehen lassen.<br />

Nach der Gehzeit den Backofen auf 180 °C (Umluft) vorheizen und<br />

die Backform mit Backpapier auslegen. Den Teig in die Backform<br />

füllen und auf mittlerer Schiene 90 Minuten im Ofen backen.<br />

Bevor es angeschnitten wird, sollte das Brot vollständig auskühlen.<br />

ZUTATEN für 15 Scheiben<br />

150 g Haselnüsse<br />

150 g Mandeln<br />

200 g Sonnenblumenkerne<br />

100 g Leinsamen<br />

50 g Flohsamenschalen<br />

2 TL Salz<br />

500 ml Wasser<br />

50 ml Olivenöl<br />

2 TL Agavendicksaft<br />

Rezept aus dem Buch<br />

EVERYDAY VEGAN FOOD.<br />

70 EINFACHE REZEPTE FÜR JEDEN TAG<br />

Nina Witt<br />

Südwest<br />

176 Seiten, 24,00 Euro<br />

FOTO: NINA WITT


180<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 11


schlank&gesund / Morgens<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Gebackene Eier<br />

mit Chipotle<br />

1<br />

2<br />

3<br />

ZUBEREITUNG in drei Schritten<br />

Das Olivenöl in einer großen ofenfesten Pfanne erhitzen (wer keine<br />

ofenfeste Pfanne hat, füllt die Sauce später in eine ofenfeste Form<br />

um). Zwiebel, Knoblauch, Paprika und Chili dazugeben. Mit ein paar<br />

Prisen Salz würzen und 20 Minuten langsam garen, bis die Paprika<br />

weich ist.<br />

Alle Gewürze und Kräuter hinzufügen und weitere 30 Sekunden garen.<br />

Dann Chipotles, Tomaten, Zucker und Essig mit einer weiteren<br />

großen Prise Salz hinzufügen (die Zuckermenge hängt davon ab,<br />

ob frische Tomaten oder welche aus der Dose verwendet werden<br />

und wie reif sie sind). Dann mit 250 ml Wasser aufgießen und 15<br />

Minuten köcheln lassen, bis die Sauce etwas eingedickt ist, aber<br />

immer noch flüssig genug, dass sie die Eier später schön umhüllt.<br />

Inzwischen den Backofen auf 190 °C vorheizen. Die Sauce abschmecken<br />

und bei Bedarf in eine ofenfeste Form umfüllen.<br />

Kleine Vertiefungen in die Sauce drücken und die Eier hineinschlagen.<br />

12–15 Minuten backen, bis das Eiweiß gerade fest geworden<br />

ist. Während die Eier garen, die Tortillas aufwärmen. Eier, Sauce<br />

und Tortillas mit Avocado und Korianderblättern servieren.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

3 EL Olivenöl<br />

1 Zwiebel, in dünne Scheiben<br />

geschnitten<br />

2 Knoblauchzehen, in dünne<br />

Scheiben geschnitten<br />

1 kleine rote Paprika, in<br />

dünne Streifen geschnitten<br />

1 rote Chili, fein gehackt<br />

1 TL gemahlener Kreuzkümmel<br />

1 TL gemahlener Zimt<br />

1 TL gemahlener Piment<br />

1–2 große Prisen mexikanischer<br />

Oregano (oder Hoja<br />

Santa)<br />

1 EL Chipotles in Adobo<br />

2 Dosen stückige Tomaten<br />

(à 400 g oder 700 g frische<br />

Tomaten, gehackt)<br />

2–3 TL brauner Zucker<br />

1 EL Rotweinessig<br />

8 Eier<br />

Salz<br />

Rezept aus dem Buch<br />

MEXIKANISCH VEGETARISCH!<br />

100 EINFACH FRISCHE REZEPTE.<br />

VEGETARISCH UND VEGAN MEXIKANISCH KOCHEN,<br />

MIT GRUNDLAGEN UND TIPPS FÜR NEULINGE<br />

Thomasina Miers<br />

DK Verlag<br />

256 Seiten, 24,95 Euro<br />

Zum Servieren<br />

8 Maistortillas<br />

Avocadoscheiben<br />

1 Handvoll Korianderblätter<br />

(oder Kerbel)<br />

FOTO: DK VERLAG/ TARA FISCHER


60<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 13


schlank&gesund / Lifestyle<br />

14 schlank&gesund


Sei deine allerbeste<br />

Freundin<br />

Das Leben wird um einiges leichter, wenn wir uns selbst in unserer<br />

unperfekten Art und Weise als perfekt ansehen und dafür lieben,<br />

sagt eine Ikone, die es wissen muss. Verona Pooth über Wechseljahre,<br />

Powerfrauen und wie sie lernen, auch mal Nein zu sagen<br />

Frauen in ihren Fünfzigern erbringen<br />

auf mehreren Baustellen<br />

Höchstleistungen: Während sie<br />

mit beiden Beinen im Berufsleben<br />

stehen, werden die (Schwieger-)<br />

Eltern zunehmend pflegebedürftig<br />

und die Kinder (falls vorhanden)<br />

befinden sich vielleicht gerade<br />

zwischen abklingender Pubertät<br />

und beginnender Ausbildung.<br />

Textauszug aus dem Buch<br />

DIE SUPERMILF. WERDE AUCH DU EINE SUPER<br />

MITTEN IM LEBEN FRAU<br />

Verona Pooth<br />

Thalia Vertiko GmbH<br />

Taschenbuch, 242 Seiten, 22,– Euro<br />

ISBN: 978-3-00-075666-5<br />

Wir bedanken uns herzlich bei Thalia.<br />

Wenn du früh Mama geworden<br />

bist, wirst du in diesem Jahrzehnt<br />

eventuell schon Oma und willst<br />

dich auch dementsprechend einbringen.<br />

Wenn es also hart auf<br />

hart kommt, sollst du als Fünfzigerin<br />

mehrere Generationen<br />

gleichzeitig betreuen und auch<br />

deinen eigenen Job noch in Vollzeit<br />

machen. Jede dieser Aufgaben<br />

ist auf mehreren Ebenen herausfordernd<br />

– intellektuell, aber<br />

auch emotional. Und ich weiß,<br />

dass Care-Arbeit in den wenigsten<br />

Fällen richtig wertgeschätzt<br />

wird und man nicht darauf hoffen<br />

sollte, dass einem eine Beförderung<br />

von der Mutter/ Köchin/<br />

Pflegerin zur Senior Mutter/<br />

Köchin/Pflegerin angeboten wird,<br />

die mit einem Gehaltssprung und<br />

mehr Anerkennung verbunden<br />

ist. Überhaupt wären Gehalt und<br />

Anerkennung an sich schon mal<br />

schön. Wir müssen uns also selbst<br />

loben, wertschätzen und vor<br />

allem lieben. Unser Leben wird<br />

um einiges leichter, wenn wir uns<br />

selbst in unserer unperfekten Art<br />

und Weise als perfekt ansehen<br />

und dafür lieben. Schau mich<br />

an: Meine Gedanken sind außer<br />

schlank&gesund 15


schlank&gesund / Lifestyle<br />

Ich war<br />

früher<br />

einfach<br />

zu nett<br />

für ein<br />

Nein<br />

Kontrolle wie eine Horde Justin-<br />

Bieber-Fans, ich bin anstrengend,<br />

nervig und habe eine Stimme<br />

wie jemand, der jeden Morgen<br />

zum Frühstück einen Helium-<br />

Smoothie trinkt. Aber all das<br />

macht mich zu mir. Und dafür<br />

bin ich dankbar.<br />

Selbstliebe ist eine wichtige Voraussetzung,<br />

um in der zweiten<br />

Lebenshälfte voll durchzustarten.<br />

Nicht zu verwechseln mit Narzissmus<br />

oder Egoismus. Es geht<br />

schlicht darum, sich selbst zu<br />

akzeptieren, seiner inneren Stimme<br />

zu vertrauen und Rücksicht<br />

auf die eigenen Bedürfnisse zu<br />

nehmen. Zum Beispiel mit diesen<br />

Tipps:<br />

HÖR DIR ZU<br />

Belausche dich öfter mal selbst:<br />

deine Gedanken, deine Gefühle.<br />

Nimm sie an und vor allem ernst.<br />

Du kannst sie auch einfach mal<br />

laut aussprechen. Muss ja nicht in<br />

der vollen Straßenbahn sein, aber<br />

so ein Selbstgespräch morgens bei<br />

einem Kaffee kann sehr heilsam<br />

sein. Viele der besten Gespräche<br />

meines Lebens hatte ich mit mir<br />

selbst. Wichtig ist dabei nur, dass<br />

keiner zuhört und dass aus dem<br />

Selbstgespräch kein Selbststreit<br />

à la Gollum wird, sondern dass<br />

du freundlich und positiv mit dir<br />

selbst umgehst.<br />

ENTSCHEIDE DICH FÜR DICH<br />

Sei deine allerbeste Freundin! Sei<br />

ehrlich zu dir, aber niemals zu<br />

hart. Wir neigen dazu, bei anderen<br />

großzügig und bei uns selbst<br />

16 schlank&gesund


gnadenlos zu sein. Schick die Kritikerin<br />

in dir in den Ruhestand<br />

und gehe liebevoll mit dir selbst<br />

um.<br />

MEMO AN DICH SELBST<br />

Schreib dir auf, worauf du zuletzt<br />

stolz warst. Manche kritzeln ganze<br />

Tagebücher voll, ich schreibe<br />

mir selbst hin und wieder einen<br />

bunten Post-it mit einer positiven<br />

Nachricht. Franjo hat mich mal<br />

gefragt, ob ich einen Verehrer<br />

hätte, einen Zettel-Stalker, und<br />

ich habe nur ganz geheimnisvoll<br />

geantwortet: „Oh ja, aber he is a<br />

she!“<br />

MEHR ME-TIME<br />

Plane regelmäßig Dates mit dir<br />

selbst ein: ein Wellness-Bad mit<br />

Gesichtsmaske, einen Kinobesuch<br />

oder eine Pilates-Session. Alles,<br />

was dir guttut und was du nur<br />

für dich machst, wird dich ein<br />

Stück näher zu dir selbst bringen.<br />

Ich liebe Yoga und plane<br />

mir meine Stunden immer ganz<br />

bewusst in den Wochenverlauf<br />

ein. Und ich nehme diese Zeit<br />

mit mir genauso ernst wie die<br />

Zeit mit Freund:innen oder<br />

Businesspartner:innen und sage<br />

sie nur ab, wenn etwas dazwischenkommt,<br />

das sich wirklich<br />

nicht verschieben lässt.<br />

WERDE ZUR NEIN-SAGERIN<br />

Hör endlich auf, andere wichtiger<br />

zu nehmen als dich, und fang an,<br />

Nein zu sagen. Ich war früher<br />

auch einfach zu nett für ein Nein<br />

und konnte Menschen selten was<br />

abschlagen. Helfersyndrom lässt<br />

grüßen. Seit ich älter bin, kann<br />

ich besser differenzieren, wo<br />

meine Hilfe gebraucht und wertgeschätzt<br />

wird und wo ich besser<br />

Nein sagen sollte. Stelle deine Bedürfnisse<br />

an die erste Stelle. Das<br />

beginnt schon damit, dich nicht<br />

für Menschen oder Aktivitäten zu<br />

verbiegen, auf die du eigentlich<br />

keine Lust hast. Sich verbiegen<br />

macht auf Dauer ganz krumm<br />

und wer krumm ist, steht nicht<br />

für sich gerade. Leuchtet irgendwie<br />

ein, oder?<br />

BLEIB DU UND SEI STOLZ DARAUF<br />

Dich ständig mit anderen zu vergleichen,<br />

macht dich zu hundert<br />

Prozent unglücklich. Denn du<br />

wirst sehr schnell feststellen, dass<br />

du nicht alles kannst, und gleichzeitig<br />

vergessen, zu was du in der<br />

Lage bist. Sobald du aber weißt,<br />

was du selbst alles kannst und<br />

wer du bist, kannst du dich wieder<br />

wertfrei vergleichen und wirst<br />

dich sogar freuen, dass es Menschen<br />

mit anderen Talenten gibt!<br />

Ich kann zum Beispiel leider nicht<br />

so gut singen, wie ich es gerne<br />

können würde. Für „Ritmo de la<br />

noche“ hat es gereicht, aber eine<br />

Ballade über mehrere Oktaven<br />

wird es von mir wohl nie geben.<br />

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN …<br />

Frag dein Spieglein nicht, wer die<br />

Schönste, Beste, Tollste im ganzen<br />

Land ist, sondern sag es ihm einfach:<br />

„Ich bin die Tollste! Ich bin<br />

liebenswert! Ich bin ein Geschenk<br />

für die Welt.“ Diese so genannten<br />

Spiegel-Affirmationen lassen deine<br />

Selbstliebe wachsen. Wenn du<br />

noch nicht bereit bist, mit deinem<br />

Spiegelbild zu sprechen, lächle<br />

dich einfach öfter mal an oder<br />

zwinkere dir zu, auch das wirkt<br />

Wunder.<br />

FIT BLEIBEN<br />

Für mich gehört zur Selbstliebe<br />

auch, dass ich meinen Körper<br />

gesund und fit halte. Ich spreche<br />

nicht von heftigsten Workouts<br />

und Modelmaßen, aber von einem<br />

liebevollen und wertschätzenden<br />

Umgang mit meinem<br />

Körper. Das ist nicht oberflächlich,<br />

sondern essenziell, nicht<br />

nur in der Lebensmitte. Und<br />

es gibt gute Nachrichten zum<br />

Thema Stoffwechsel: der macht<br />

sich nämlich nicht pünktlich<br />

zu deinem vierzigsten Geburtstag<br />

auf und davon und kommt<br />

nie wieder. Mittlerweile haben<br />

Wissenschaftler:innen herausgefunden,<br />

dass der Stoffwechsel<br />

zwischen dem zwanzigsten und<br />

dem sechzigsten Lebensjahr relativ<br />

stabil bleibt. Und was man<br />

auch noch weiß: bei Frauen, die<br />

Sport treiben (auch nur leichten),<br />

sind die Beschwerden der Menopause<br />

weniger stark ausgeprägt.<br />

Genug Gründe, wieder aktiv zu<br />

werden oder es auch in der zweiten<br />

Lebenshälfte zu bleiben. Wie<br />

wäre es mit ein paar Hampelmännern<br />

direkt nach dem Aufstehen?<br />

Einen für jeden Hampelmann<br />

da draußen, der denkt, dass<br />

wir Frauen in der Lebensmitte<br />

nicht noch superfit sein können!<br />

FOTO: ANELIA JANEVA<br />

schlank&gesund 17


schlank&gesund / Lifestyle<br />

18 schlank&gesund


Wege, gute Vorsätze einzuhalten<br />

„Führe<br />

ein Interview<br />

mit deinem<br />

Körper“<br />

Gute Vorsätze sind Herzenswünsche. Jeanette Siegenthaler,<br />

Mitinhaberin der erpse Institut AG, Ernährungsberaterin SVDE<br />

und zert. Hyponose-Therapeutin, über die Top 3 der guten<br />

Vorsätze, Tipps, wie sie eingehalten werden können, mit welchen<br />

Methoden Kopf und Körper wieder in Einklang kommen –<br />

und was Schmetterlinge damit zu tun haben<br />

schlank&gesund 19


schlank&gesund / Lifestyle<br />

Gute Vorsätze gehören zu<br />

jedem Jahreswechsel. Und genauso,<br />

dass diese bereits Mitte<br />

Januar von den meisten wieder<br />

über den Haufen geworfen werden.<br />

Wie lässt sich das verhindern<br />

– außer, sich kleine, praktikable<br />

Ziele zu setzen?<br />

Ich definiere in der Beratung den<br />

Herzenswunsch. Nach der Sehnsucht,<br />

was sich verändern soll.<br />

Nach Wunschgefühlen. Das ist<br />

einer der innerlichen Antriebe,<br />

die zur Verwirklichung der Ziele<br />

führen. Zudem geht es darum,<br />

zu erkennen, was sich dadurch<br />

verändern soll und weshalb es<br />

sich lohnt, diesen Weg zu gehen.<br />

Zehntausende erpse-Fälle haben<br />

gezeigt: Nur wer fokussiert und<br />

mit einem seriösen Berater an seiner<br />

Seite an sein Ziel herangeht,<br />

kann dieses auch erreichen.<br />

Was sind denn die häufigsten<br />

Wünsche und die wichtigsten<br />

Tipps dazu?<br />

Top-Wunsch und Tipp 1: Innere<br />

Ruhe/Gelassenheit. Einfach 3- bis<br />

5-Mal tief ein- und ausatmen,<br />

dann innehalten. Das mehrmals<br />

am Tag wiederholen. Wer’s probiert,<br />

wird erstaunt sein, wie<br />

schnell das hilft.<br />

Top-Wunsch und Tipp 2: Sich<br />

im eigenen Körper wohlfühlen.<br />

Führe ein Interview mit deinem<br />

Körper. Ich meine das ernst!<br />

Frage ihn und damit dich selbst,<br />

wie er sich behandelt fühlt, was<br />

ihm guttut, was nicht, ob er genügend<br />

Ruhezeiten hat, genügend<br />

qualitativ hochwertige Nahrung<br />

bekommt. Und höre zu, was er<br />

dir „sagt“.<br />

Top-Wunsch und Tipp 3: Endlich<br />

das eigene Leben leben. Finde heraus,<br />

welche Rollen du dir selbst<br />

auferlegst, priorisiere und reduziere<br />

sie. Hypnose als Reise zu<br />

dir selbst ist übrigens wunderbar<br />

geeignet, Ballast abzubauen.<br />

Sind die besonderen Herausforderungen<br />

in diesen Zeiten<br />

spürbar?<br />

Ja. Ich nehme auf verschiedenen<br />

Ebenen deutlich mehr Unsicherheiten<br />

wahr: die finanzielle Situation,<br />

die Angst, nicht zu genügen,<br />

Angst vor Erkrankungen und<br />

das Gefühl, ausgebrannt zu sein,<br />

was wiederum „emotionales“<br />

Essen oder im Gegensatz dazu<br />

ein sehr starkes Kontrollverhalten<br />

auslösen kann. Ich merke<br />

gerade beim Jahreswechsel, dass<br />

viele Menschen in sich gehen<br />

und erkennen, dass wir ihnen mit<br />

unserem ganzheitlichen physiopsychologischen<br />

Verständnis und<br />

etablierten Methoden wirklich<br />

helfen können – im Gegensatz<br />

zu vielen selbsternannten, sagen<br />

wir, Healthfluencern auf Social<br />

Media. Bei uns werden die guten<br />

Vorsätze sozusagen wissenschaftlich,<br />

von Kopf bis Fuss und vor<br />

allem individuell ernst genommen.<br />

Hypnose für Mental Health,<br />

ganzheitliche Ernährungsdiagnostik<br />

für den gesunden<br />

Körper. Welche erpse-Beratungspakete<br />

passen denn zu<br />

welchen Zielen und Menschen?<br />

Wer sich unsicher ist, dem empfehle<br />

ich erpse hello, um sich<br />

selbst besser kennenzulernen. Die<br />

Kosten werden gutgeschrieben,<br />

wenn man sich für ein erpse-<br />

Paket entscheidet. Wir können in<br />

kurzer Zeit feststellen, was notwendig<br />

ist, um die Ziele zu erreichen,<br />

denn in der Regel wird erst<br />

einmal gemessen.<br />

Auch wenn es um Mental Health<br />

geht?<br />

Sofern das sinnvoll ist, natürlich.<br />

Die Beratungen sind<br />

zielführend und kein Stuhlkreis.<br />

Ein gutes Beispiel für den<br />

erpse-typischen, ganzheitlichen<br />

Ansatz ist das Leistungspaket<br />

Hypno&Ernährung. Wer sich<br />

dafür entscheidet, lernt sich und<br />

seinen Körper auf Basis diagnostischer<br />

Messdaten neu kennen<br />

und verstehen. Die im Zuge der<br />

Zusammenarbeit für jeden individuell<br />

konzipierte Ernährungsstrategie<br />

liefert die Energie, auch<br />

am Mindset zu arbeiten – unter<br />

anderem mit Hypnose. Diese<br />

ist ein wunderbares Instrument,<br />

negative Blockaden zu lösen. Ziel<br />

ist es, neues, positives Verhalten<br />

langfristig im Alltag umzusetzen.<br />

Wie kann Hypnose konkret dabei<br />

helfen, die guten Vorsätze<br />

auch wirklich umzusetzen?<br />

Durch das Visualisieren in der<br />

Hypnose werden die Ziele real,<br />

greifbar und spürbar. Der Körper<br />

erinnert sich an das positive<br />

Gefühl. Die Umsetzung der jeweiligen<br />

Ziele kann leichter durch-<br />

20 schlank&gesund


gezogen werden, weil man<br />

sozusagen das „Endergebnis“<br />

in der Hypnose schon gefühlt<br />

und innerlich erlebt hat.<br />

Wie lange dauert eine Begleitung,<br />

bis Ergebnisse<br />

festzu stellen sind?<br />

Das ist natürlich davon abhängig,<br />

welcher physische<br />

und psychische Zustand vorliegt.<br />

Beim Schmetterlingspaket<br />

„Zurück zum dir“ begleite<br />

ich die Prozesse ganze<br />

6 Monate lang – auch mittels<br />

Einblick in die Herkunftsfamilie,<br />

um festzustellen, was<br />

die jewei lige Rolle geprägt<br />

hat. Meine Klientinnen und<br />

Klienten entfalten sich und<br />

sind danach endlich die Person,<br />

die sie sein möchten. Es<br />

ist geeignet für jene Menschen,<br />

die bereit sind, sich<br />

selbst etwas wert zu sein und<br />

in sich zu investieren, um ihre<br />

Herzenswünsche zu erfüllen.<br />

Wer die Zusammenarbeit erst<br />

einmal ausprobieren möchte,<br />

entscheidet sich oft für „Zurück<br />

zum Glück“. Wir schauen<br />

einfach individuell, welche<br />

Methoden und Messungen<br />

am besten zu den gewünschten<br />

Zielen passen.<br />

Mehr Infos zu den Themen ganzheitliche Ernährung<br />

auf wissenschaftlicher Basis und Mental Health<br />

unter www.erpse.com im Bereich „Deine Ziele“.<br />

FOTOS: ALICE DAS NEVES; STOCK.ADOBE.COM/ALICE_PHOTO, ASTA CONCEPT<br />

schlank&gesund 21


schlank&gesund / Mittags<br />

Gute Vorsätze<br />

zu Mittag<br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/JENKOATAMAN<br />

22 schlank&gesund


Das Mittagessen mit<br />

seinem Kind oder einem<br />

anderen Lieblingsmenschen<br />

zuzubereiten, ist ebenfalls<br />

eine perfekte Gelegenheit,<br />

gute Vorsätze zu verfolgen:<br />

eine ausgewogene, nicht<br />

zu große Mahlzeit, reich<br />

an Gemüse, Vollkorn und<br />

mageren Proteinen, unterstützt<br />

<strong>Gesund</strong>heit, fördert<br />

das Wohlbefinden und gibt<br />

die notwendige Energie für<br />

den Rest des Tages.<br />

schlank&gesund 23


schlank&gesund / Mittags<br />

Tacos mit Linsen<br />

und Brokkolistrunk<br />

VEGAN<br />

1<br />

2<br />

3<br />

ZUBEREITUNG in drei Schritten<br />

Das Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin bei<br />

mittlerer Hitze in 3–5 Minuten unter gelegentlichem Rühren weich<br />

dünsten. Geraspelten Brokkolistrunk, Linsen, Knoblauch und Tomaten<br />

zufügen und 2–3 Minuten unter gelegentlichem Rühren garen.<br />

Tomatenmark, Sojasauce, Nährhefe und Gewürze zugeben und<br />

unter häufigem Rühren etwa 3 Minuten braten, bis die Mischung<br />

andickt und am Pfannenboden anzuhängen beginnt. In der letzten<br />

Minute 1–2 EL Wasser unterrühren. Die Mischung vom Herd nehmen<br />

und bis zum Servieren abgedeckt beiseitestellen. Die Tortillas<br />

erwärmen.<br />

Zum Servieren die Gemüsemischung auf den warmen Tortillas<br />

verteilen. Mit Gurken-Salsa und Kräutern garnieren. Mit Limettenspalten<br />

zum Beträufeln servieren.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

2 EL Olivenöl<br />

½ rote Zwiebel, in dünne<br />

Ringe geschnitten<br />

1 großer Brokkolistrunk,<br />

geraspelt<br />

1 Dose grüne Linsen (400 g),<br />

abgetropft und abgespült<br />

2 Knoblauchzehen, fein<br />

gehackt<br />

4 sonnengetrocknete<br />

Tomaten, grob gehackt<br />

1 EL Tomatenmark<br />

1 EL Sojasauce (oder Tamari)<br />

1 EL Nährhefe<br />

1 TL geräuchertes Paprikapulver<br />

1 TL gemahlener Kreuzkümmel<br />

¼ TL Pfeffer<br />

Rezept aus dem Buch<br />

YOU CAN COOK THIS!<br />

ALLES VERWENDEN, NICHTS VERSCHWENDEN:<br />

135 SCHNELLE VEGETARISCHE UND VEGANE<br />

REZEPTE FÜR JEDEN TAG. DAS KOCHBUCH DES<br />

SOCIAL-MEDIA-STARS MAX LA MANNA<br />

Max La Manna<br />

DK Verlag<br />

288 Seiten, 24,95 Euro<br />

Zum Servieren<br />

8–12 Maistortillas<br />

(oder Weizentortillas)<br />

knackige Gurken-Salsa<br />

frisch gehacktes Koriandergrün<br />

und Basilikum<br />

Limettenspalten<br />

FOTO: DK VERLAG/LIZZY MAYSON


Tipp<br />

Die Füllung eignet sich auch für<br />

Nachos und Burritos, für ein Chili<br />

oder als Topping für Reis-Bowls. Wer<br />

empfindlich auf Gluten reagiert,<br />

verwendet Tamari (glutenfreie<br />

Sojasauce) und Maistortillas.<br />

25<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 25


schlank&gesund / Mittags<br />

VEGAN<br />

Rote-Beete-Ceviche<br />

mit Estragon, Blutorange & Avocadocreme<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

ZUTATEN für 3–4 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Rote Bete mit 1 EL Olivenöl<br />

und etwas Meersalz einreiben, in eine ofenfeste Form geben<br />

und mit Alufolie abdecken. Dann 1 Stunde im Backofen garen, bis<br />

die Knollen beim Anstechen mit einem Messer weich sind. Etwas<br />

abkühlen lassen.<br />

Inzwischen die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett goldgelb<br />

rösten, herausnehmen und beiseitestellen.<br />

Für das Dressing Chilischote und Knoblauch in derselben Pfanne<br />

ohne Öl bei mittlerer Hitze 5–7 Minuten rösten, bis sie rundherum<br />

geschwärzt sind. Dann Kreuzkümmel 30 Sekunden in derselben<br />

Pfanne rösten. Die Chilischote entkernen und vierteln, den Knoblauch<br />

schälen. In einem Mörser ein Viertel der Chilischote mit dem<br />

Knoblauch, einigen Prisen Salz, Kreuzkümmel und Zucker zu einer<br />

Paste zerstoßen. Den Limettensaft einarbeiten. Olivenöl und Orangensaft<br />

unterrühren.<br />

4 mittelgroße Rote Bete<br />

2 ½ EL Olivenöl<br />

30 g Sonnenblumenkerne<br />

1 Avocado<br />

1 ½ EL Limettensaft<br />

2 EL Korianderstängel, gehackt,<br />

plus 1 kleine Handvoll<br />

Korianderblätter, grob gehackt<br />

½ Bund Radieschen<br />

2 Frühlingszwiebeln, fein<br />

gehackt<br />

1 kleine Handvoll Estragonblätter,<br />

grob gehackt<br />

feines Meersalz<br />

Kresse oder Erbsensprossen<br />

zum Garnieren (nach Belieben)<br />

Tostadas (nach Belieben)<br />

4<br />

5<br />

Die Avocado mit Limettensaft, 1 ½ EL Wasser und dem restlichen<br />

Öl (1 ½ EL) pürieren. Die Korianderstängel und 2–3 große Prisen<br />

Salz zugeben und zu einer glatten dickflüssigen Creme pürieren.<br />

Die Rote Bete pellen (Einweghandschuhe anziehen!), in 3 mm dicke<br />

Scheiben hobeln und in überlappenden Kreisen auf einer großen<br />

Servierplatte anrichten. Noch warm mit dem Dressing beträufeln.<br />

Die Radieschen in hauchdünnen Scheiben darüberhobeln.<br />

Frühlingszwiebeln, Koriander, Estragon und Sonnenblumenkerne<br />

darüberstreuen und mit der Avocadocreme beträufeln. Gleich<br />

mit der Kresse oder den Erbsensprossen und den Tostadas (falls<br />

gewünscht) servieren.<br />

Dressing<br />

1 Scotch Bonnet oder<br />

Vogelaugenchili<br />

1 kleine Knoblauchzehe,<br />

ungeschält<br />

¼ TL Kreuzkümmelsamen<br />

1 TL Zucker<br />

2 EL Limettensaft<br />

7 EL natives Olivenöl extra<br />

Saft von ½ Orange<br />

(am besten Blutorange)<br />

Salz<br />

FOTO: DK VERLAG/ TARA FISCHER


75<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Rezept aus dem Buch<br />

MEXIKANISCH VEGETARISCH!<br />

100 EINFACH FRISCHE REZEPTE.<br />

VEGETARISCH UND VEGAN MEXIKANISCH KOCHEN,<br />

MIT GRUNDLAGEN UND TIPPS FÜR NEULINGE<br />

Thomasina Miers<br />

DK Verlag<br />

256 Seiten, 24,95 Euro<br />

schlank&gesund 27


schlank&gesund / Mittags<br />

Knusprige<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Mais-Nuggets<br />

mit milder<br />

Chilisauce<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

Den Mais mit einem scharfen Messer von den Kolben schneiden.<br />

Die Hälfte der Maiskörner in einen Mixer geben und 20–30 Sekunden<br />

pürieren. Mit den ganzen Maiskörnern mischen.<br />

Die restlichen Zutaten bis auf das Frittieröl hinzufügen. Großzügig<br />

mit Salz (mindestens 1 TL) und Pfeffer würzen.<br />

In einen Wok oder eine hohe Pfanne 5–7 cm hoch Frittieröl gießen<br />

und dieses auf 160–180 °C erhitzen. Zur Probe etwas von der<br />

Mischung ins Öl geben: Sie sollte brutzeln und in 20–30 Sekunden<br />

braun werden. Verbrennt sie oder bräunt zu schnell, die Hitze reduzieren<br />

und das Öl einige Minuten abkühlen lassen.<br />

Esslöffelgroße Portionen von der Masse abnehmen und in jeweils<br />

etwa 2 Minuten hell goldbraun frittieren. Je nach Größe der Pfanne<br />

5–6 Nuggets pro Arbeitsgang frittieren. Mit Crème fraîche, Salsa<br />

oder Harissa-Paste und Korianderblättern servieren.<br />

ZUTATEN für 18–20 Stück<br />

3 Maiskolben (oder 360 g<br />

Mais aus der Dose)<br />

1 ½ TL Backpulver<br />

6 Frühlingszwiebeln,<br />

fein gehackt<br />

30 g Chipotles in Adobo,<br />

gehackt<br />

3 Knoblauchzehen, zerdrückt<br />

30 g Korianderblätter,<br />

gehackt<br />

Saft von 2 Limetten (3 EL)<br />

120 g Kichererbsenmehl<br />

1 ½ TL gemahlener Kreuzkümmel<br />

1 TL gemahlener Piment<br />

1 TL brauner Zucker<br />

Rapsöl zum Frittieren<br />

Salz und Pfeffer<br />

Rezept aus dem Buch<br />

MEXIKANISCH VEGETARISCH!<br />

100 EINFACH FRISCHE REZEPTE.<br />

VEGETARISCH UND VEGAN MEXIKANISCH KOCHEN,<br />

MIT GRUNDLAGEN UND TIPPS FÜR NEULINGE<br />

Thomasina Miers<br />

DK Verlag<br />

256 Seiten, 24,95 Euro<br />

Zum Servieren<br />

Crème fraîche (oder vegane<br />

Alternative)<br />

Salsa Negra, Salsa Macha<br />

oder Harissa<br />

Korianderblätter<br />

FOTO: DK VERLAG/ TARA FISCHER


20<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 29


schlank&gesund / Mittags<br />

Bunte<br />

VEGAN<br />

Sesam-Tofu-Bowl<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

ZUBEREITUNG in sechs Schritten<br />

Den Tofu mit doppelt gelegter Küchenrolle umwickeln, die Flüssigkeit<br />

herausdrücken und anschließend in Würfel schneiden.<br />

Die Speisestärke in einem tiefen Teller mit dem Wasser und<br />

der Sojasauce vermischen, bis sie komplett aufgelöst ist. In<br />

einem zweiten tiefen Teller die beiden Sesamsorten miteinander<br />

vermischen.<br />

Das Bratöl in einer Pfanne bei hoher Temperatur erhitzen. Sobald<br />

das Öl heiß ist, die Temperatur auf mittlere Stufe reduzieren.<br />

Währenddessen die Tofuwürfel panieren: Zuerst in der Soja-<br />

Mischung und danach im Sesam wälzen.<br />

Die panierten Tofuwürfel in der Pfanne von jeder Seite insgesamt 5<br />

Minuten goldbraun braten. Dann auf ein doppeltes Stück Küchenrolle<br />

legen, damit das Bratöl abtropfen kann.<br />

Den Spinat und die Tomaten waschen, die Tomaten halbieren. Die<br />

Rote Bete in Scheiben schneiden. Die Avocado halbieren, den Kern<br />

herausnehmen, das Fruchtfleisch aus der Schale herauslösen und<br />

ebenfalls in Scheiben schneiden. Alle Bowl-Zutaten zusammen mit<br />

den Kichererbsen und dem Mais in 4 Schalen anrichten, die Tofuwürfel<br />

darauf verteilen.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

400 g Tofu<br />

8 EL Speisestärke<br />

4 EL Wasser<br />

6 EL Sojasauce<br />

150 g Sesam<br />

50 g schwarzer Sesam<br />

3 EL Bratöl<br />

100 g frischer Spinat<br />

150 g Cherrytomaten<br />

1 Rote Bete (gekocht)<br />

1 Avocado<br />

300 g gekochte Kichererbsen<br />

(aus der Dose, abgetropft)<br />

150 g Mais<br />

(aus der Dose, abgetropft)<br />

6<br />

Alle Zutaten für das Dressing mit 8 Esslöffeln Wasser in einem<br />

Becher gut miteinander verrühren und zum Schluss über die Bowls<br />

geben.<br />

FOTO: NINA WITT


30<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Rezept aus dem Buch<br />

EVERYDAY VEGAN FOOD.<br />

70 EINFACHE REZEPTE FÜR JEDEN TAG<br />

Nina Witt<br />

Südwest<br />

176 Seiten, 24,00 Euro<br />

schlank&gesund 31


schlank&gesund / Mittags<br />

Grüne<br />

Gemüsepfanne<br />

VEGAN<br />

mit Minze<br />

1<br />

2<br />

3<br />

ZUBEREITUNG in drei Schritten<br />

Das Gemüse gründlich waschen und gut abtropfen lassen. Den<br />

Brokkoli in Röschen teilen, in mundgerechte Stücke zerkleinern.<br />

Den Strunk großzügig schälen, der Länge nach vierteln und in<br />

ca. 2 cm große Würfel schneiden. Die Zucchini der Länge nach halbieren<br />

und schräg in ca. 2 cm große Stücke schneiden, die Enden<br />

nicht verwenden. Die Frühlingszwiebeln putzen und in 2 cm große<br />

Stücke teilen. Von den Zuckerschoten die Enden abschneiden und<br />

die Schoten schräg halbieren. Den Spinat putzen und in kleinere<br />

Stücke zupfen. Die Minze waschen, trocken schütteln und klein<br />

hacken. Den Knoblauch abziehen und in dünne Scheiben schneiden.<br />

Das Pflanzenöl in einer Pfanne oder einem Wok erhitzen und das<br />

Gemüse darin bei mittlerer Temperatur insgesamt 10 Minuten braten.<br />

Erst die Stücke vom Brokkolistrunk braten, dann das restliche<br />

Gemüse dazugeben und zum Schluss den Knoblauch und die Minze<br />

unterrühren. Das Sesamöl darüber träufeln.<br />

Das Gemüse mit Sojasauce und Ahornsirup würzen und servieren.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

500 g Brokkoli<br />

400 g Zucchini<br />

2 Frühlingszwiebeln (ca. 100 g)<br />

200 g Zuckerschoten<br />

600 g Spinat<br />

½ Bund Minze<br />

2 Knoblauchzehen<br />

2 EL Pflanzenöl<br />

2 EL Sesamöl<br />

1 2 EL Sojasauce<br />

1 EL Ahornsirup oder Honig<br />

Rezept aus dem Buch<br />

LOW CARB – DAS GUTE LEBEN.<br />

365 REZEPTE FÜR JEDEN TAG.<br />

Ralf Frenzel (Hrsg.)<br />

Tre Torri Verlag<br />

384 Seiten, 9,99 Euro<br />

FOTO: PETER SCHULTE, HAMBURG, FÜR TRE TORRI VERLAG


25<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 33


schlank&gesund / Mittags<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Gefüllte Zucchini<br />

mit Ratatouille und Mozzarella<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

Den Dampfbackofen auf 100 °C Heißluft und 100 % Feuchte vorheizen.<br />

Die Tomaten kreuzförmig einschneiden, in den gelochten<br />

Garbehälter geben und im Dampfbackofen ca. 3–4 Minuten dämpfen.<br />

Anschließend in Eiswasser abschrecken, häuten, Stielansatz<br />

entfernen und das Fruchtfleisch in Stücke schneiden.<br />

Die Aubergine und 1 Zucchini putzen, waschen und in kleine Würfel<br />

schneiden. Paprikaschoten waschen, Kerne und weiße Innenhäute<br />

entfernen und das Fruchtfleisch ebenfalls würfeln. Zwiebel<br />

und Knoblauchzehen schälen und hacken. Rosmarin und Thymian<br />

waschen, trocken schütteln, Nadeln beziehungsweise Blättchen abzupfen<br />

und fein hacken. Den Dampfbackofen auf 160 °C Heißluft<br />

erhöhen und die Feuchte auf 60 % reduzieren.<br />

Die Gemüsewürfel in einem Topf in heißem Olivenöl unter Rühren<br />

anschwitzen. Zwiebel und Knoblauch zugeben und kurz mitanschwitzen.<br />

Die Kräuter und das Lorbeerblatt zufügen. Gemüsebrühe<br />

und Tomatenmark einrühren und aufkochen. Das Ratatouille<br />

ca. 5 Minuten köcheln lassen. Nach Ende der Garzeit das Lorbeerblatt<br />

entfernen und mit Salz sowie Pfeffer abschmecken.<br />

Die restlichen Zucchini waschen, erst längs, anschließend quer halbieren<br />

und mit einem Löffel aushöhlen. Den Mozzarella in Würfel<br />

schneiden. Die Zucchini leicht salzen, das Ratatouille in die Zucchini<br />

geben und den Mozzarella darauf verteilen.<br />

Die Zucchini in den gelochten Garbehälter setzen und im Dampfbackofen<br />

ca. 15 Minuten dämpfen. Auf Flächengrill mit Umluft<br />

umstellen, die Temperatur auf 200 °C erhöhen und die Zucchini<br />

ca. 2–5 Minuten, je nach gewünschter Bräune, grillen.<br />

2 Tomaten<br />

½ Aubergine<br />

3 Zucchini<br />

je ½ rote und gelbe<br />

Paprikaschote<br />

1 Zwiebel<br />

2 Knoblauchzehen<br />

2 Zweige Rosmarin<br />

3 Zweige Thymian<br />

4 EL Olivenöl<br />

1 Lorbeerblatt<br />

100 ml Gemüsebrühe<br />

1 EL Tomatenmark<br />

Salz, Pfeffer<br />

1 Kugel (125 g) Mozzarella<br />

FOTO: THORSTEN KLEINE HOLTHAUS FOTOGRAFIE, DÜSSELDORF, FÜR TRE TORRI VERLAG


35<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Rezept aus dem Buch<br />

LOW CARB – DAS GUTE LEBEN.<br />

365 REZEPTE FÜR JEDEN TAG.<br />

Ralf Frenzel (Hrsg.)<br />

Tre Torri Verlag<br />

384 Seiten, 9,99 Euro<br />

schlank&gesund 35


schlank&gesund / Mittags<br />

VEGAN<br />

Nori Wraps<br />

1<br />

2<br />

3<br />

ZUBEREITUNG in drei Schritten<br />

Die Gurke waschen und in feine Streifen schneiden. Die Karotten<br />

schälen und ebenfalls in feine Streifen schneiden. Die Kräuter<br />

waschen, trocken schleudern und hacken. Die Nori-Blätter auf der<br />

Arbeitsfläche verteilen.<br />

Die Avocados halbieren, entsteinen und schälen. Die Avocado auf<br />

den Blättern verteilen und mit einer Gabel zerdrücken, so werden<br />

die Blätter aufgeweicht. Die Salatblätter in mundgerechte Stücke<br />

pflücken, waschen, trocknen und auf den Nori-Blättern verteilen.<br />

Gurke, Karotten, Koriander, Petersilie und die Sesamsamen darauf<br />

verteilen.<br />

Den Nori Wrap fest zusammenrollen, mit einem Messer halbieren<br />

und direkt servieren.<br />

ZUTATEN für 2 Portionen<br />

1 Gurke<br />

2 Karotten<br />

1 Handvoll frischer Koriander<br />

1 Handvoll frische Petersilie<br />

4 Nori-Blätter<br />

2 Avocados<br />

100 g gemischte Salatblätter<br />

2 EL Sesamsamen<br />

Rezept aus dem Buch<br />

ME FOOD, MY FOOD, MY TEL AVIV<br />

Nathalie Gleitmann<br />

Tre Torri Verlag<br />

240 Seiten, 29,90 Euro<br />

FOTO: INGOLF HATZ UND JULIA HILDEBRAND, MÜNCHEN, FÜR TRE TORRI VERLAG


15<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Tipp<br />

Wer Nori-Blätter nicht mag, kann<br />

die Wraps auch mit Reispapier zubereiten.<br />

und dann von unten nach<br />

oben fest aufrollen. Für die Zubereitung<br />

bitte die Angaben<br />

auf der Verpackung<br />

beachten.<br />

schlank&gesund 37


schlank&gesund / Mittags<br />

Orientalische<br />

Bowl<br />

VEGAN<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

ZUTATEN für 2 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

Den Ofen auf 180 °C Umluft vorheizen und ein Backblech mit<br />

Backpapier belegen. Das Gemüse waschen, ggf. schälen und in<br />

mundgerechte Stücke schneiden. Zusammen mit den Kichererbsen<br />

in eine Schale geben und mit 1 EL Olivenöl, Salz, Kreuzkümmel und<br />

Paprikapulver vermengen. Das Gemüse auf dem Backblech verteilen<br />

und 20 Minuten backen, bis es gar ist.<br />

Die Quinoa im Wasser ca. 15 Minuten kochen, bis die Flüssigkeit<br />

aufgenommen ist. Die Datteln hacken, zur noch warmen Quinoa<br />

geben, untermischen und auskühlen lassen.<br />

Zum Anrichten zwei Servierschalen nehmen und Quinoa und<br />

Gemüse darin verteilen. Die Bowls immer gerne so anrichten, dass<br />

jede Zutat ihre eigene kleine Ecke hat. Die Kräuter waschen, trocken<br />

schleudern, hacken und dazugeben. Die Avocado entsteinen,<br />

schälen, in mundgerechte Stücke schneiden und ebenfalls in der<br />

Schale anrichten.<br />

Zitronensaft, restliches Olivenöl und etwas Salz miteinander<br />

vermengen, über der Bowl verteilen und mit den Sesamsamen<br />

bestreuen.<br />

Rezept aus dem Buch<br />

ME FOOD, MY FOOD, MY TEL AVIV<br />

Nathalie Gleitmann<br />

Tre Torri Verlag<br />

240 Seiten, 29,90 Euro<br />

1 Zucchini<br />

1 Karotte<br />

1 Paprika<br />

100 g Kichererbsen<br />

aus der Dose<br />

3 EL Olivenöl<br />

Salz<br />

½ TL gemahlener<br />

Kreuzkümmel<br />

½ TL edelsüßes Paprikapulver<br />

100 g Quinoa<br />

2 entsteinte Medjool-Datteln<br />

1 EL frische Minze<br />

1 Handvoll Kräuter<br />

(Petersilie, Koriander)<br />

2 EL Sesamsamen<br />

1 Avocado<br />

Saft von ½ Zitrone<br />

2 EL schwarze Sesamsamen<br />

FOTO: INGOLF HATZ UND JULIA HILDEBRAND, MÜNCHEN, FÜR TRE TORRI VERLAG


Tipp<br />

Die Autorin kocht immer<br />

etwas mehr Quinoa und<br />

verwendet sie für ein<br />

weiteres Gericht am<br />

nächsten Tag.<br />

40<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 39


schlank&gesund / Lifestyle<br />

Spaß muss<br />

es machen!<br />

Kinder-Fernseh- und Kinostar Checker Tobi sensibilisiert<br />

seine Millionen Fans für vieldiskutierte Ernährungsthemen:<br />

Ist Zucker gut oder schlecht, wie sinnvoll ist es, Fleisch zu<br />

essen u. v. m.? Mit Checker Tobi macht Kochen Spaß<br />

Warum hast du dich entschieden,<br />

ein Kochbuch zu schreiben?<br />

Ich esse gern, ich koche gern und<br />

ich mag Kochbücher – drei super<br />

Gründe, dachte ich. Außerdem<br />

find ich es wichtig, Kindern mitzugeben,<br />

wo unser Essen herkommt<br />

und was man damit alles<br />

herrliches machen kann!<br />

Was ist dein Lieblingsrezept<br />

und magst du etwas gar nicht?<br />

Ich liebe Nudeln. Pasta könnte<br />

ich für den Rest meines Lebens<br />

jeden Tag essen, in sämtlichen Variationen!<br />

Nur nicht mit Gorgonzola<br />

– denn der schmeckt mir gar<br />

nicht. Ich würde ihn gern mögen<br />

und probiere auch immer wieder.<br />

Aber klappt nicht.<br />

Du sprichst in deinem Buch<br />

auch über deine Familie. Durftest<br />

du als Kind auch deinen<br />

Eltern beim Kochen helfen?<br />

Habt ihr in deiner Familie bestimmte<br />

Traditionen wie z.B.<br />

eine feste Uhrzeit, zu der gegessen<br />

wird oder ein Gericht,<br />

das ihr oft kocht?<br />

Es gibt einige Gerichte, die ich so<br />

nur aus meinem Elternhaus kenne.<br />

Einige davon finden sich auch<br />

im Kochbuch! Und auch sonst<br />

gibt es bei uns einige Essens-<br />

Traditionen. Das geht von Tischmanieren,<br />

die uns sehr gut beigebracht<br />

wurden und die wir alle<br />

sehr beherzigen, bis hin zu einer<br />

ausziehbaren Teleskop-Gabel, die<br />

mein Vater immer dann zum Einsatz<br />

bringt, wenn es Pommes gibt.<br />

Wir nennen ihn deshalb auch<br />

„den Pommesräuber“.<br />

Welche Kräuter/welche Gewürze<br />

dürfen bei dir zuhause auf<br />

keinen Fall fehlen?<br />

Da bin ich Purist: Mit Pfeffer<br />

und Salz kriegt man schon echt<br />

‘ne ganze Menge hin. Ansonsten<br />

sind Kräuter viel im Einsatz, gern<br />

frisch: Petersilie, Thymian, Basilikum,<br />

Rosmarin. Oh, und unbedingt<br />

Bohnenkraut!<br />

In deinem Buch gibt es auch<br />

viele vegetarische Rezepte.<br />

Warum ist es dir wichtig, nicht<br />

jeden Tag Fleisch zu essen und<br />

worauf sollten wir achten,<br />

wenn wir doch mal Fleisch oder<br />

Fisch essen?<br />

40 schlank&gesund


schlank&gesund 41


schlank&gesund / Lifestyle<br />

Als Gesellschaft essen wir zu<br />

viel Fleisch. Weil so viel gegessen<br />

wird, wird auch viel „hergestellt“:<br />

und das sorgt für schreckliche,<br />

unzumutbare Zustände in<br />

der (Massen-)Tierhaltung und<br />

für katastrophale Auswirkungen<br />

auf unser Klima. Seit einigen<br />

Jahren esse ich deshalb nur selten<br />

Fleisch, und auch nur solches, bei<br />

dem ich weiß, wo es herkommt.<br />

Hast du generell Tipps, wie wir<br />

uns umweltbewusster ernähren<br />

können?<br />

Man kann darauf achten, saisonal<br />

und regional zu essen. Also<br />

Lebensmittel aus der Region zu<br />

kaufen und in der Jahreszeit, in<br />

der sie wachsen und geerntet<br />

werden. Denn dann müssen sie<br />

nicht über den halben Erdball<br />

transportiert oder über Monate<br />

gekühlt werden.<br />

Für dein Buch hast du viele<br />

verschiedene Fragen gecheckt,<br />

Interview zum Buch<br />

wie z. B. was es mit „Vertical<br />

Farming“ auf sich hat oder wer<br />

die Nudeln erfunden hat. Hat<br />

dich dabei etwas besonders<br />

überrascht?<br />

Ich finde es ganz schwer, da die<br />

eine Sache herauszugreifen. Es<br />

gibt – wie immer bei mir – ‘ne<br />

ganze Menge Spannendes zu<br />

erfahren. Es ist womöglich das<br />

Kochbuch mit den meisten spannenden<br />

Fun facts aller Zeiten!<br />

Warum ist zu viel Zucker nicht<br />

gut für uns und wie können wir<br />

weniger Zucker essen, ohne auf<br />

Süßes zu verzichten?<br />

Zu viel Zucker macht dick, ist<br />

schlecht für die Zähne und hat<br />

noch ein paar andere schlechte<br />

Eigenschaften. Es ist wie überall:<br />

Wenn es zu viel ist, schadet<br />

es uns. Ich will Zucker deshalb<br />

überhaupt nicht generell verurteilen.<br />

Aber es ist schon wichtig,<br />

sich ein bisschen damit auseinanderzusetzen.<br />

Und auch wenn es<br />

KOCHT MIT CHECKER TOBI –<br />

MEINE LIEBLINGSGERICHTE, MITMACH-CHECKS<br />

UND CHECKER-FRAGEN RUND UMS ESSEN<br />

Tobias Krell, Gregor Eisenbeiß<br />

Südwest Verlag<br />

Hardcover, 192 Seiten, 22,00 Euro<br />

ISBN: 978-3-517-10226-9<br />

Wir bedanken uns herzlich bei Südwest.<br />

„lame“ klingt: Wer öfter mal ‘nen<br />

Apfel isst statt Schokolade, tut<br />

sich was Gutes. Und beim nächsten<br />

Mal schmeckt die Schokolade<br />

dann auch wieder doppelt so gut.<br />

In deinem Buch nimmst du uns<br />

mit auf eine kulinarische Weltreise.<br />

Welches Land würdest du<br />

einmal gerne bereisen, um das<br />

Essen dort zu probieren?<br />

Japan! Dort war ich noch nie,<br />

finde das Land eh spannend –<br />

und liebe japanisches Essen. Sushi,<br />

klar, aber auch Ramen, die<br />

typischen japanischen Suppen,<br />

und Gyoza, diese gefüllten Teigtaschen,<br />

und und und …<br />

Hast du eine Goldene Regel<br />

beim Kochen?<br />

Spaß muss es machen! Dann<br />

schmeckt es hinterher nämlich<br />

gleich nochmal besser.<br />

Was glaubst du, unterscheidet<br />

ein Kinderkochbuch von einem<br />

Kochbuch für Erwachsene?<br />

Ich weiß gar nicht, ob da so ein<br />

großer Unterschied ist? Und warum<br />

sollte es auch – es gibt Rezepte,<br />

spannende Sachen zum Lesen<br />

drumherum und tolle Fotos, die<br />

einem das Wasser im Munde zusammenlaufen<br />

lassen. Zack fertig:<br />

Kochbuch!<br />

FOTO: HANS-FLORIAN HOPFNER<br />

42 schlank&gesund


schlank&gesund / Abends<br />

Gute Vorsätze<br />

zum Abend<br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/MP STUDIO<br />

44 schlank&gesund


Romantisch zu Zweit oder mit<br />

Freunden. Ein Abendessen lässt<br />

sich hervorragend mit guten Vorsätzen<br />

verbinden. Einfach leichte,<br />

nährstoffreiche Speisen wählen,<br />

die sättigen, ohne zu beschweren.<br />

Wie beim Mittagessen gilt:<br />

Eine Kombination aus Gemüse,<br />

Vollkorn und mageren Proteinen<br />

fördert eine gesunde Verdauung<br />

und vertreibt schwere Gedanken.<br />

Die Belohnung: ein erholsamer<br />

Schlaf. Wie schön, gute Nacht!<br />

schlank&gesund 45


schlank&gesund / Abends<br />

VEGAN<br />

Rote-Bete-<br />

Bucatini<br />

VEGetarisch<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

Für die Sauce in einem Topf Wasser aufkochen und die Rote Bete<br />

darin in 10–15 Minuten weich kochen. Abgießen, die Knolle einige<br />

Minuten abkühlen lassen, dann vierteln.<br />

In der Zwischenzeit das Olivenöl in einer beschichteten Pfanne<br />

erhitzen. Zwiebel, Knoblauch, Petersilie und Basilikum darin bei<br />

mittlerer Hitze 3–5 Minuten braten, bis sie weich sind und duften.<br />

In einen Mixer geben, die Pfanne nicht reinigen. Rote-Bete-Viertel,<br />

Nährhefe, Zitronensaft, Salz und Pfeffer zur Zwiebel-Kräuter-<br />

Mischung geben. Alles mit der Pulsfunktion 1 Minute vermischen,<br />

dann bei laufendem Motor langsam den Haferdrink zugießen. Auf<br />

hoher Stufe pürieren, bis eine glatte Sauce entsteht. Ist die Sauce<br />

zu dick, esslöffelweise noch etwas Haferdrink untermixen.<br />

Die Bucatini in kochendem Salzwasser in etwa 9 Minuten bissfest<br />

garen. Die Nudeln danach in ein Sieb abgießen und dabei 4–5 EL<br />

Kochwasser auffangen. Inzwischen für die Knoblauchbrösel das Öl<br />

in einer weiteren Pfanne erhitzen. Den Knoblauch darin bei mittlerer<br />

Hitze 1 Minute braten, bis er leicht gebräunt ist. Die Semmelbrösel<br />

zugeben und unter Rühren 2–3 Minuten mitbraten, bis sie<br />

kräftig gebräunt sind und duften. Vom Herd nehmen.<br />

Die gekochten Nudeln in die benutzte Pfanne geben. Die Rote-<br />

Bete-Sauce zufügen und alles bei schwacher bis mittlerer Hitze 2<br />

Minuten erwärmen, dabei gelegentlich umrühren. Ist die Sauce zu<br />

dick, esslöffelweise das aufgefangene Nudelkochwasser einrühren.<br />

Die Bucatini auf vier Tellern oder in Schalen anrichten. Mit grob<br />

zerpflückten Basilikumblättern, zerbröseltem Feta und den Knoblauchbröseln<br />

garnieren.<br />

380 g Bucatini<br />

(oder Spaghetti) Linguine<br />

Salz<br />

40 g Feta, zerbröselt,<br />

zum Servieren<br />

Rote-Bete-Sauce<br />

1 große Rote Bete mit Grün<br />

1 EL Olivenöl<br />

1 Zwiebel, gehackt<br />

2 Knoblauchzehen,<br />

fein gehackt oder zerdrückt<br />

1 EL gehackte Petersilienstiele<br />

1 EL gehackte Basilikumstiele,<br />

plus einige Blätter zum<br />

Garnieren<br />

4 EL Nährhefe<br />

Saft von ½ Zitrone<br />

1 TL Salz<br />

½ TL Pfeffer<br />

70 ml Haferdrink,<br />

plus mehr zum Verdünnen<br />

Knusprige Knoblauchbrösel<br />

1 EL Olivenöl<br />

1 Knoblauchzehe, gerieben<br />

oder in dünne Scheiben<br />

geschnitten<br />

50 g Semmelbrösel<br />

FOTO: DK VERLAG/LIZZY MAYSON


45<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Rezept aus dem Buch<br />

YOU CAN COOK THIS!<br />

ALLES VERWENDEN, NICHTS VERSCHWENDEN:<br />

135 SCHNELLE VEGETARISCHE UND VEGANE<br />

REZEPTE FÜR JEDEN TAG. DAS KOCHBUCH DES<br />

SOCIAL-MEDIA-STARS MAX LA MANNA<br />

Max La Manna<br />

DK Verlag<br />

288 Seiten, 24,95 Euro<br />

schlank&gesund 47


schlank&gesund / Abends<br />

Gegrillte<br />

Auberginen<br />

mit Erdnusssauce<br />

VEGAN<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

ZUTATEN für 2 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

Den Backofengrill auf höchster Stufe vorheizen. Die Auberginen<br />

der Länge nach halbieren und das Fruchtfleisch mit einem Messer<br />

rautenförmig einritzen. Die Hälften in einen Bräter legen und 10<br />

Minuten grillen, bis sie dunkelbraun sind. Herausnehmen und die<br />

Ofentemperatur auf 220 ˚C reduzieren.<br />

In der Zwischenzeit Sojasauce, Ahornsirup, Sriracha und Sesamöl<br />

verrühren. Die gegrillten Auberginen auf ein mit Backpapier belegtes<br />

Backblech legen und mit der Marinade beträufeln. Mit Alufolie<br />

abdecken und im Ofen 20 Minuten garen. Die Folie entfernen und<br />

die Auberginen mit der abgetropften Marinade bestreichen. Dann<br />

zugedeckt weitere 8–10 Minuten garen, bis sie sehr weich und<br />

klebrig sind.<br />

Inzwischen für die Erdnusssauce alle Zutaten mit so viel Wasser<br />

verquirlen, dass eine dickflüssige Sauce entsteht.<br />

Die gegarten Auberginen auf einer Servierplatte anrichten und mit<br />

der Sauce beträufeln. Mit Erdnüssen, Koriandergrün, Minze, Frühlingszwiebeln<br />

und Chili bestreuen.<br />

Rezept aus dem Buch<br />

YOU CAN COOK THIS!<br />

ALLES VERWENDEN, NICHTS VERSCHWENDEN:<br />

135 SCHNELLE VEGETARISCHE UND VEGANE<br />

REZEPTE FÜR JEDEN TAG. DAS KOCHBUCH DES<br />

SOCIAL-MEDIA-STARS MAX LA MANNA<br />

Max La Manna<br />

DK Verlag<br />

288 Seiten, 24,95 Euro<br />

2 Auberginen<br />

2 EL Sojasauce (oder Tamari)<br />

2 EL Ahornsirup<br />

1 EL Sriracha<br />

(scharfe Chilisauce)<br />

2 EL Sesamöl<br />

Pikante Erdnusssauce<br />

2 EL Erdnussbutter<br />

(stückig oder cremig)<br />

1 EL Sriracha<br />

(scharfe Chilisauce)<br />

abgeriebene Schale und Saft<br />

von 1–2 Bio-Limetten<br />

1 EL Ahornsirup<br />

Zum Servieren<br />

50 g Erdnusskerne,<br />

grob gehackt<br />

4 EL frisch gehacktes<br />

Koriandergrün<br />

4 EL frisch gehackte Minze<br />

3 Frühlingszwiebeln,<br />

in dünne Ringe geschnitten<br />

1 roter Chili, in dünne Ringe<br />

geschnitten<br />

FOTO: DK VERLAG/LIZZY MAYSON


55<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 49


schlank&gesund / Abends<br />

Pulled Jackfruit<br />

Sandwich<br />

mit Cole Slaw<br />

VEGAN<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

Die Jackfruit abtropfen lassen und abspülen, dann den harten Kern<br />

der Frucht herausschneiden und den Rest mit den Fingern zerpflücken.<br />

Mit dem Grillgewürz und 1 EL Öl gut vermischen und mindes tens<br />

30 Minuten beiseitestellen. In der Zwischenzeit den Selleriesalat<br />

zubereiten. Knollensellerie, Apfel und Rotkohl raspeln oder hobeln.<br />

Zitronensaft, Mayo, Senf, Kapern und Petersilie untermischen und<br />

bis zur Verwendung in den Kühlschrank stellen.<br />

Eine beschichtete Pfanne erhitzen und die Jackfruit in dem restlichen<br />

Öl bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten braten, dabei ab und zu<br />

wenden.<br />

Die Barbecue-Sauce unterrühren und 3–4 Minuten köcheln lassen.<br />

Die Brötchen aufschneiden und die Schnittflächen mit veganer<br />

Butter bestreichen. Die Jackfruit auf den Brötchen-Unterhälften<br />

verteilen, mit dem Salat belegen und die oberen Brötchenhälften<br />

daraufsetzen.<br />

ZUTATEN für 2 Portionen<br />

1 Dose (400 g) Jackfruit<br />

in Salzlake<br />

3 TL Grillgewürzmischung<br />

2 EL Olivenöl<br />

75 g Barbecue-Sauce<br />

2 Buns oder Brötchen<br />

nach Wahl<br />

vegane Butter<br />

Für den Cole Slaw<br />

50 g Knollensellerie, geschält<br />

½ Apfel, entkernt<br />

35 g Rotkohl<br />

1 Spritzer Zitronensaft<br />

3–4 EL vegane Mayonnaise<br />

1 TL Dijon-Senf<br />

1 EL Kapern<br />

1 Handvoll frische Petersilie<br />

Rezept aus dem Buch<br />

VEGANUARY – DAS OFFIZIELLE KOCHBUCH.<br />

MIT ÜBER 100 KREATIVEN VEGANEN REZEPTEN<br />

FÜR DAS GANZE JAHR<br />

DK Verlag<br />

240 Seiten, 24,95 Euro<br />

FOTO: DK VERLAG/LIZZIE MAYSON


50<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 51


schlank&gesund / Abends<br />

VEGAN<br />

Fenchelsalat<br />

mit Roten Beten & Wildreis<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

Den Backofen auf 190 °C Umluft vorheizen. Die Rote-Bete-Stücke<br />

in einem Bräter verteilen, mit etwas Olivenöl beträufeln und mit<br />

Salz und Pfeffer würzen.<br />

Den Fenchel in einen separaten Bräter geben und mit Olivenöl<br />

und Balsamico-Essig beträufeln. Mischen und ebenfalls würzen.<br />

Rote Bete und Fenchel in den Backofen schieben und 40 Minu ten<br />

backen, nach der Hälfte der Zeit umrühren oder wenden.<br />

In der Zwischenzeit den Wildreis nach Packungsanweisung garen<br />

(normalerweise etwa 30 Minuten). Vom Herd nehmen, abgießen<br />

und abkühlen lassen.<br />

Für das Dressing alle Zutaten verrühren, salzen und pfeffern und<br />

bis zur Verwendung in den Kühlschrank stellen. Das gegarte<br />

Gemüse aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Mit dem<br />

Wildreis und den Orangenfilets mischen.<br />

Orangensaft und Ahornsirup in einer kleinen Schüssel verrühren.<br />

Über den Salat gießen und gründlich vermengen. Zum Schluss das<br />

Joghurt-Dressing darüberträufeln oder separat dazu reichen.<br />

ZUTATEN für 2 Portionen<br />

3 Rote Beten, geschält und in<br />

Spalten geschnitten<br />

Olivenöl<br />

2 Fenchelknollen, die harten,<br />

äußeren Blättern entfern,<br />

in Spalten geschnitten<br />

1 EL Balsamico-Essig<br />

150 g Wildreis<br />

1 Orange, geschält und<br />

filettiert<br />

Saft von 1 Orange<br />

3 EL Ahornsirup<br />

Salz und Pfeffer<br />

Für das Dressing<br />

100 g Sojajoghurt<br />

Saft von ½ Orange<br />

1 EL Kapern<br />

2 EL Sesamsamen<br />

2 EL frisch gehackter Dill<br />

Rezept aus dem Buch<br />

VEGANUARY – DAS OFFIZIELLE KOCHBUCH.<br />

MIT ÜBER 100 KREATIVEN VEGANEN REZEPTEN<br />

FÜR DAS GANZE JAHR<br />

DK Verlag<br />

240 Seiten, 24,95 Euro<br />

FOTO: IDK VERLAG/LIZZIE MAYSON


60<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 53


schlank&gesund / Abends<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Linsen-Bolo<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

Linsen gut waschen und abtropfen lassen. Karotten und<br />

Stangensellerie putzen und klein würfeln, ebenso die Schalotte<br />

und den Knoblauch.<br />

Die Schalottenwürfel mit 2 EL Olivenöl kurz in einem Topf andünsten<br />

und dann die Karotten und Stangensellerie hinzugeben. Alles<br />

für 3–4 Minuten anbraten, dann den Knoblauch kurz mitbraten.<br />

Jetzt die Gewürze: Thymian, Oregano, Paprikapulver und Zucker<br />

dazugeben.<br />

Nun das Tomatenmark dazu, kurz mitbraten und dann die Linsen<br />

mit in den Topf geben. Mit der Gemüsebrühe ablöschen, die passierten<br />

Tomaten und rund 2/3 des abgebrausten Basilikums dazu.<br />

Das Ganze köchelt rund 15 Minuten vor sich hin, bis die Linsen<br />

weich sind. In dieser Zeit könnt ihr den Topf mit dem Nudelwasser<br />

aufsetzen und die Nudeln kochen. Wenn die Linsen weich sind,<br />

schmeckt ihr eure Bolognese mit Salz, Pfeffer, dem Zitronensaft<br />

und ein wenig Zitronenabrieb ab.<br />

Jetzt die Zartbitterkuverture unterrühren und schmelzen lassen.<br />

Das gibt den besonderen Pep! Alles auf den Tellern anrichten, mit<br />

Parmesan bestreuen und mit den restlichen Basilikumblättchen<br />

garnieren. Fertig! Buon appetito!<br />

200 g rote Linsen<br />

2 Karotten<br />

1 Stangensellerie<br />

1 Schalotte<br />

1 Knoblauchzehe<br />

2 EL Öl<br />

1 TL Thymian<br />

1 TL Oregano<br />

1 TL Paprikapulver<br />

1 Prise Zucker<br />

1 EL Tomatenmark<br />

500 ml passierte Tomaten<br />

1 Topf Basilikum<br />

800–1000 g Nudeln,<br />

z. B. Orecchiette<br />

Salz<br />

frisch gemahlener schwarzer<br />

Pfeffer<br />

Saft und Abrieb von 1 Zitrone<br />

50 g Kuvertüre-Drops<br />

(Zartbitterschokolade)<br />

50 g Parmesan, gerieben<br />

FOTO: VOLKER DEBUS/SÜDWEST VERLAG


Rezept aus dem Buch<br />

KOCHT MIT CHECKER TOBI –<br />

MEINE LIEBLINGSGERICHTE, MITMACH-CHECKS UND<br />

CHECKER-FRAGEN RUND UMS ESSEN<br />

Tabias Krell, Gregor Eisenbeiß<br />

Südwest Verlag<br />

192 Seiten, 22,00 Euro<br />

40<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 55


schlank&gesund / Abends<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Sellerie-Schnitzel<br />

in Haferflocken-Panade mit Fächerkartoffeln<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

ZUBEREITUNG in sechs Schritten<br />

Den Ofen auf 200 °C (Ober-/Unterhitze) aufheizen. Den Sellerie<br />

schälen und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. In einem Topf Milch<br />

aufsetzen, die Selleriescheiben hineingeben und für 15–20 Minuten<br />

mit der Gemüsebrühe und dem Curry kochen.<br />

Die Kartoffeln waschen. Damit die schöne Fächerform zustandekommt,<br />

mehrere Schlitze in die Kartoffeln vorsichtig einschneiden. Die<br />

geschlitzten Kartoffeln in eine Auflaufform geben und mit Olivenöl<br />

benetzen, sodass es in die Schlitze läuft. Reichlich salzen und pfeffern.<br />

Die Kartoffeln für 35–40 Minuten in den Ofen geben. Nach 40 Minuten<br />

mit einem Holzstäbchen checken, ob die Kartoffel gar ist. Ist sie<br />

noch zu fest, erneut in den Ofen geben. Ist sie gar, Butterflocken auf<br />

die Kartoffeln setzen und weitere 10 Minuten backen.<br />

Wahrend die Kartoffeln im heißen Ofen vor sich hin schwitzen, den<br />

Bergkäse reiben und den gewaschenen Schnittlauch in Röllchen<br />

schneiden. Dann alles mit dem Frischkäse und 1 EL Olivenöl vermischen,<br />

salzen und pfeffern.<br />

Auch ein Sellerie-Schnitzel will paniert sein. Es werden 3 Teller mit<br />

Mehl, Ei und Haferflocken benötigt. Gegarten Sellerie aus der Milch<br />

nehmen, salzen und pfeffern und nun zuerst in Mehl, dann im Ei und<br />

zum Schluss in den Haferflocken wälzen, sodass sie schön bedeckt<br />

sind. Anschließend beiseite legen.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

1 Sellerie (circa 1200 g)<br />

750 ml Milch<br />

1 EL gekörnte Gemüsebühe<br />

1 TL Curry<br />

4 große, vorwiegend<br />

festkochende Kartoffeln<br />

Olivenöl<br />

Salz<br />

frisch gemahlener, schwarzer<br />

Pfeffer<br />

40 g Butter<br />

50 g Bergkäse<br />

1 Bund Schnittlauch<br />

200 g Frischkäse<br />

100 g Mehl<br />

2 Eier<br />

300 g Haferflocken<br />

Öl oder Butterschmalz zum<br />

Ausbacken<br />

5<br />

6<br />

Die Frischkäsemischung in einen Spritzbeutel füllen und einen Strang<br />

auf jede Kartoffel spritzen. Danach noch einmal für 10 Minuten in den<br />

Ofen geben, bis der „Frischkäse-Wurm“ schön gebräunt ist.<br />

Jetzt wandern die Schnitzel in die Pfanne mit reichlich heißem Öl.<br />

Wenn diese goldgelb gebraten sind, herausnehmen und auf einem<br />

Küchentuch abtropfen lassen.<br />

FOTO: VOLKER DEBUS/SÜDWEST VERLAG


Tipp<br />

60<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Dazu passt wunderbar noch<br />

etwas Frisches und Knackiges: z.B.<br />

ein schneller Romanasalat. Für das<br />

Dressing einfach ein wenig Öl,<br />

Essig, Salz, Pfeffer und eine Prise<br />

Zucker vermischen und über<br />

den gewaschenen Salat<br />

kippen.<br />

Rezept aus dem Buch<br />

KOCHT MIT CHECKER TOBI –<br />

MEINE LIEBLINGSGERICHTE, MITMACH-CHECKS UND<br />

CHECKER-FRAGEN RUND UMS ESSEN<br />

Tabias Krell, Gregor Eisenbeiß<br />

Südwest Verlag<br />

192 Seiten, 22,00 Euro<br />

schlank&gesund 57


schlank&gesund / Abends<br />

VEGAN<br />

VEGetarisch<br />

Kraftsalat<br />

von Checker Tobi<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

Die Eier circa 10 Minuten kochen und danach sofort mit eiskaltem<br />

Wasser abschrecken, damit der Garprozess gestoppt wird.<br />

Den Brokkoli in kleine Röschen schneiden und in gut gesalzenem<br />

Wasser 3–4 Minuten blanchieren. Danach auch die Brokkoliröschen<br />

sofort ins Eiswasser, damit die grüne Farbe bleibt.<br />

Die Avocado halbieren, den Kern und die Schale entfernen und in<br />

dünne Streifen schneiden. Die Karotten und den Apfel grob raspeln,<br />

Zitronensaft hinzugeben, damit der Apfel nicht braun wird.<br />

Die Pilze putzen und vierteln, eine Pfanne mit 1 EL Olivenöl<br />

erhitzen und die Pilze darin kurz braten, dabei mit Salz und Pfeffer<br />

würzen. Für das Dressing 6 EL Olivenöl, den Senf, den Honig und<br />

den Essig zusammengeben und verrühren.<br />

Alles bis auf die Eier, die Kürbiskerne und die Granatapfelkerne zusammen<br />

in eine Schüssel geben, das Dressing dazu und ordentlich<br />

durchrühren.<br />

Jetzt noch die Eier schälen, halbieren, in Viertel oder Scheiben<br />

schneiden und oben auf dem Salat drapieren. Kürbiskerne und<br />

Granatapfelkerne drüber – und fertig.<br />

ZUTATEN für 4 Portionen<br />

4 Eier<br />

1 Brokkoli<br />

Salz<br />

1 Avocado<br />

2 Karotten<br />

1 Apfel<br />

etwas Saft von 1 Zitrone<br />

400 g Pilze,<br />

z. B. Champignons<br />

7 EL Olivenöl<br />

frisch gemahlener, schwarzer<br />

Pfeffer<br />

1 EL Senf<br />

2 EL Honig<br />

1 EL heller Aceto balsamico<br />

50 g Kürbiskerne<br />

50 g Granatapfelkerne, geht<br />

auch super mit Blaubeeren<br />

FOTO: VOLKER DEBUS/SÜDWEST VERLAG


30<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

Rezept aus dem Buch<br />

KOCHT MIT CHECKER TOBI –<br />

MEINE LIEBLINGSGERICHTE, MITMACH-CHECKS UND<br />

CHECKER-FRAGEN RUND UMS ESSEN<br />

Tabias Krell, Gregor Eisenbeiß<br />

Südwest Verlag<br />

192 Seiten, 22,00 Euro<br />

schlank&gesund 59


schlank&gesund / Abends<br />

Nudeln<br />

m i tGi n-Sa u c e<br />

für Feinschmecker<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

ZUBEREITUNG in fünf Schritten<br />

Die Zwiebeln sowie den Knoblauch schälen und in feine Stückchen<br />

scheiden. Das Olivenöl in die Pfanne geben und langsam erhitzen.<br />

Nun als erstes die Zwiebeln in die Pfanne geben und diese glasig<br />

werden lassen, danach folgt der Knoblauch.<br />

Wenn die Zwiebeln und der Knoblauch angebraten sind, die Kapern<br />

dazugeben (ohne Wasser). Das Kapernwasser aber unbedingt aufbewahren,<br />

es wird später noch benötigt.<br />

Wenn die Zwiebeln goldfarben sind, die Hitze reduzieren. Jetzt die<br />

Tomaten und den Gin dazugegeben.<br />

Die Sauce mit den Gewürzen nach Wahl verfeinern und 1 TL<br />

Kapern wasser zugeben. Die Gin-Sauce muss nun etwas einköcheln,<br />

dies kann durchaus 10-15 Minuten dauern. Hierbei immer mal<br />

wieder umrühren.<br />

Während die Gin-Sauce einköchelt, kann die Pasta zubereitet werden.<br />

Hierfür einen großen Topf mit Wasser aufsetzen und 2 EL Salz<br />

dazugeben. Wasser zum Kochen bringen und die Nudeln hineingeben.<br />

Nach ca. 8-10 Minuten sollte die Pasta fertig sein.<br />

ZUTATEN für 3–4 Portionen<br />

10 cl New Western Dry Gin<br />

500 g Penne Rigate<br />

(oder Nudelsorte nach Wahl)<br />

4 EL Olivenöl<br />

2 Zwiebeln<br />

2 Knoblauchzehe<br />

1 kleines Glas Kapern<br />

2 große Dosen Tomaten in<br />

Stücken<br />

Gewürze nach Wahl,<br />

wir empfehlen: Salz, Pfeffer,<br />

Basilikum und etwas Thymian<br />

Rezept von<br />

spitzmund.com<br />

mit ANKER GIN,<br />

einem Hauch Pflaume<br />

und Botanicals


30<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 61


schlank&gesund / Lifestyle<br />

62 schlank&gesund


„<br />

Zeitwert<br />

ist weit mehr als das überstrapazierte<br />

Modewort Achtsamkeit“<br />

Nicht die Menge der Zeit, die man miteinander verbringt, ist entscheidend,<br />

sondern wie wertvoll man sie gestaltet: Was wir von Autor, Unternehmer und<br />

Teamchef eines Biketeams für Young Professionals, Bernd Reutemann, lernen<br />

können und warum der Zeitwert für alle Menschen gesund und wichtig ist<br />

Sie prägen den Begriff Zeitwert.<br />

Was bedeutet das – für Sie und<br />

für uns alle?<br />

Für mich bedeutet Zeitwert, für<br />

mich selbst das Wertvollste aus<br />

meiner Zeit herauszuholen und<br />

allen Menschen, die mir begegnen,<br />

etwas Positives mitzugeben –<br />

sodass die Zeit, die sie mir geben,<br />

für sie einen Wert erhält. Darum<br />

geht es.<br />

Widerspricht sich das nicht oft?<br />

Nicht im Geringsten. Ich kann<br />

jedem nur raten, es zu versuchen.<br />

Jeder kennt das Gefühl, wenn er<br />

Positives ausstrahlt und dies gespiegelt<br />

wird. Das macht etwas<br />

mit Körper, Kopf und Seele. Verbunden<br />

mit dem Erlebnis, seine<br />

Zeit für sich wertvoll einzusetzen,<br />

ist Zeitwert keine Form des Egoismus,<br />

sondern der Konzentration<br />

auf Relevanz. Es gilt, Antworten<br />

auf wichtige Fragen zu geben,<br />

denn Zeit ist bekanntlich ein begrenztes<br />

Gut: Wofür nutzt man<br />

seine Zeit? Ist das, was ich umsetze,<br />

wirklich relevant, spürbar für<br />

mich und meine Umgebung, hat<br />

es eine Auswirkung? Zeitwert ist<br />

weit mehr als das über strapazierte<br />

Modewort Achtsamkeit.<br />

Klingt ein wenig nach dem<br />

Eisenhower-Prinzip.<br />

Der Zeitwert ist nicht ganz so<br />

kategorisch, aber zielt auf Ähnliches<br />

ab. Aussortieren, was für<br />

einen selbst und die Menschen,<br />

mit denen man in verschiedenen<br />

Situationen lebt, nicht wichtig ist.<br />

Das ist jetzt nicht etwa eine Erkenntnis<br />

aus Ihrer Tätigkeit als<br />

Unternehmensberater oder aus<br />

einer Fernbeziehung?<br />

Nein, nein, ehrlich gesagt, habe<br />

ich schon als Kind begriffen, dass<br />

nicht die Menge der Zeit, die<br />

man miteinander verbringt, entscheidend<br />

ist, sondern wie wertvoll<br />

man sie gestaltet.<br />

Sie arbeiten als Teamchef eines<br />

Rad-Teams mit jungen Menschen<br />

zusammen. Wie kommt<br />

die Botschaft an?<br />

Es ist ziemlich egal, ob es beim<br />

Zeitwert um Beratungen oder<br />

meinen Job als Teamchef eines<br />

globalen Nachwuchsteams in<br />

Mountainbike geht: Ich arbeite<br />

stets sehr werteorientiert.<br />

schlank&gesund 63


schlank&gesund / Lifestyle<br />

Wie wirkt sich das denn im<br />

Biketeam Trek Future Racing<br />

aus und was können wir alle<br />

daraus lernen?<br />

Mein Team und ich begleiten<br />

mehr als 250 junge Athletinnen<br />

und Athleten aus 21 Ländern auf<br />

ihrem Weg zum Spitzensportler.<br />

Da ist bei unseren Meetings auch<br />

Wertschätzung das Thema. Und<br />

so hatte ich unlängst gefragt, wie<br />

die jungen Sportler den Streckenposten<br />

ihre Dankbarkeit dafür<br />

zeigen, dass sie in ihrer Freizeit<br />

mit Getränken und Essen Sorge<br />

tragen, dass das Rennen stattfinden<br />

kann. Es herrschte dann<br />

erst einmal Ruhe und kurze Zeit<br />

später habe ich Bilder bekommen,<br />

wie die jungen Menschen<br />

sich persönlich bei den Helfern<br />

bedanken und ihnen ein Lachen<br />

ins Gesicht zaubern: mit Kuchen,<br />

Keksen, Getränken, selbst geschriebenen<br />

Karten. In meiner<br />

Zeit als Hotelier haben wir mit<br />

liebevollen Details unsere Gäste<br />

empfangen, wofür sie sich mit<br />

bemalten Bananen bedankten.<br />

Was ist der Grund, dass der<br />

Zeitwert nicht immer präsent<br />

ist?<br />

Manchmal sind Menschen ein<br />

wenig gedankenlos und halten<br />

sich zu wenig den Spiegel vor.<br />

Aber jeder kann etwas bewegen<br />

und den Anstoß dazu geben, an<br />

den Zeitwert zu denken – den<br />

eigenen und den der anderen.<br />

Wie wirkt sich der Zeitwert auf<br />

die Performance aus?<br />

Die Unternehmen, die ich begleiten<br />

darf, erfahren schnell,<br />

warum sie auf dem Weg zum<br />

„Lovebrand“ ihre Zukunft<br />

sichern. Wenn die Servicekultur,<br />

die Endkunden bindet, und das<br />

Kundenerlebnis spürbar ist, ist<br />

der Erfolg vorprogrammiert. Dabei<br />

geht es um Details, nicht um<br />

Budgets. Zeitwert ist eine Frage<br />

der Einstellung, Erfolg ist das<br />

Ergebnis. Und in der Talent- und<br />

Nachwuchsentwicklung möchte<br />

ich zeigen, dass sich Nachhaltigkeit<br />

und Leistung nicht ausschließen.<br />

<strong>Gesund</strong>heit und langfristiges<br />

Denken wirken sich in der Regel<br />

positiv aus – wir sind das derzeit<br />

erfolgreichste U23-Team 2023.<br />

Bei hoher Leistung müssen Übertraining<br />

und Burnout verhindert<br />

werden. Das gilt auch für den<br />

Alltag. Meine Botschaft: Komme<br />

mal runter. Man kann auch einen<br />

positiven Moment haben, der<br />

einen Platz im eigenen „Museum<br />

des Lebens“ bekommt, wenn<br />

man mal nicht auf dem Podest<br />

steht. Soziale Verantwortung,<br />

Selbstreflektion und die Stärkung<br />

des Selbstbewusstseins sind daher<br />

Teil unserer Ausbildungsinhalte.<br />

Bernd Reutemann<br />

Der praxis- und erlösorientierte Unternehmer und Bestseller-Autor Bernd Reutemann (Service-<br />

Kamasutra: Unternehmen und Kunden leidenschaftlich dienen, ohne Diener zu sein, Haufe Fachbuch,<br />

2<strong>01</strong>1) ist in zahlreichen Branchen und Lebensbereichen erfolgreich.<br />

Sein Ziel: In Unternehmen Servicekultur dauerhaft zu etablieren bzw. zu optimieren sowie diese bei<br />

den Kunden zum „Lovebrand“ zu positionieren. Als gelernter Koch, beliebter Hotelier, effizienter<br />

Unternehmensberater, als Teamchef des internationalen Radteams Trek Future Racing sowie als<br />

ehren amtlicher Mitarbeiter für den ambulanten Kinderhospizdienst am Bodensee und als Vater von<br />

zwei Töchtern. Seit 15 Jahren werden Bernd Reutemann und sein Team regelmäßig zu einem der Top-<br />

Dienstleistungsunternehmen gekürt und für die Servicequalität ausgezeichnet. Privat bewirbt er sich<br />

täglich neu um den Titel „Vater des Jahres“. Die Jury besteht aus seinen Töchtern.<br />

Wer mehr erfahren will: bernd-reutemann.de und trek-future-racing.com<br />

FOTOS: BERND REUTEMANN/TREK FUTURE RACING, SALOME ROESSLER/LENSANDLIGHT<br />

64 schlank&gesund


schlank&gesund 65


schlank&gesund / Bestseller-Rezepte<br />

Gute Vorsätze<br />

für <strong>2024</strong><br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/AUL ZITZKE<br />

Endlich Zeit für ein gutes Buch, rein ins Abenteuer. Es ist wahr:<br />

Gute Vorsätze, wie regelmäßiges Buchlesen, bereichern den Geist und<br />

fördern die innere Ruhe. Das Vertiefen in Bücher erweitert Horizonte,<br />

stimuliert die Kreativität und bietet eine wertvolle Auszeit vom Alltagsstress.<br />

Der Jahreswechsel ins neue Jahr ist die Gelegenheit, sich etwas<br />

Gutes zu tun. Klappt nicht? Einfach den Fernseher ausschalten und loslesen.<br />

66 schlank&gesund


schlank&gesund 67


schlank&gesund / Bestseller-Rezepte<br />

EIN ROMAN ZUM GENIESSEN<br />

Leseprobe<br />

auf Seite 118<br />

Jennifer Quinn hätte nie gedacht, dass in ihrem<br />

Leben noch etwas Aufregendes passiert. Seit<br />

fast sechzig Jahren ist sie glücklich mit Bernard<br />

verheiratet, und die beiden genießen ihre beschaulichen<br />

Tage in einem kleinen englischen Dorf. Mrs.<br />

Quinns Leidenschaft ist das Backen, die vielen Familienrezepte<br />

gehören zu ihren wertvollsten Erinnerungen, und sie liebt es, Freunde<br />

und Familie mit ihren Köstlichkeiten zu verwöhnen. Doch kurz vor dem<br />

großen Hochzeitstag mit Bernard ist auf einmal alles anders.<br />

DER SPÄTE RUHM DER MRS. QUINN<br />

Olivia Ford<br />

dtv, 400 Seiten, 24,00 Euro<br />

Ein typisch englisches Rezept für alle,<br />

die genauso gerne backen wie Mrs. Quinn<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

ZUTATEN für 12-15 Stück<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Den Ofen auf 220 Grad Celsius vorheizen und ein Backblech mit<br />

Backpapier auslegen.<br />

In einer großen Schüssel Haferflocken, Mehl, braunen Zucker, Backpulver<br />

und Salz vermengen. Die kalten Butterwürfel hinzufügen<br />

und mit den Fingern in die trockenen Zutaten einarbeiten, bis die<br />

Mischung krümelig ist. Milch und Vanilleextrakt hinzufügen und<br />

vorsichtig vermengen, bis alles eine homogene Masse ergibt.<br />

Den Teig auf einer leicht bemehlten Fläche zu einer etwa 2 cm<br />

dicken Platte formen und mit einem runden Ausstecher Scones<br />

ausstechen. Die Scones auf das vorbereitete Backblech legen und<br />

etwa 12–15 Minuten backen bis sie goldbraun sind.<br />

150 g Haferflocken<br />

180 g Mehl<br />

100 g brauner Zucker<br />

1 Esslöffel Backpulver<br />

½ Teelöffel Salz<br />

115 g kalte Butter, in Würfel<br />

geschnitten<br />

120 ml Milch<br />

1 Teelöffel Vanilleextrakt<br />

FOTOS: STOCK.ADOBE.COM/AKAOMAYO, JON LE-BON<br />

4<br />

Scones aus dem Ofen nehmen, auf einem Kuchengitter abkühlen<br />

lassen. Dann das Buch in die Hand nehmen und lesen & genießen.


Haferflocken-<br />

Scones<br />

für Mrs.-Quinn-Fans<br />

30<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 69


schlank&gesund / Bestseller-Rezepte<br />

MÜNCHEN 1900 UND DIE NEUERFINDUNG DES LEBENS<br />

ZEIT DER VERWANDLUNG.<br />

MÜNCHEN 1900 UND DIE<br />

NEUERFINDUNG DES LEBENS<br />

Stefan Bollmann<br />

Klett-Cotta, 384 Seiten, 28,– Euro<br />

Ausgerechnet in der bierseligen, faschingsverwöhnten Kunststadt München<br />

kommt es zwischen 1886 und 1914 zu einem beispiellosen kulturellen<br />

Aufbruch: Psychotherapie und Jugendstil, Secession und Satirezeitschrift,<br />

Frauen emanzipation und fluide Geschlechter – das alles gedeiht hier erstmals<br />

und in beispielloser Vielfalt. In München versteht man zuerst, dass<br />

Jugend ein Lebensgefühl ist. Ein Hypnosearzt entwickelt gleichsam aus dem<br />

Nichts die Verhaltens therapie. Um die Kunst vor Bevormundung zu schützen,<br />

entstehen die erste Secession und in ihrem Gefolge mit dem Blauen<br />

Reiter die abstrakte Kunst. Neue Zeitschriften und Kabaretts machen<br />

München zur unheimlichen Satirehauptstadt des von Berlin aus regierten<br />

Reiches. Unterdessen zeigt Franziska zu Reventlow, dass freie Liebe nicht<br />

länger Männersache ist. Und mit der Erfindung des modernen Tanzes<br />

verschwimmen die traditionellen Geschlechterrollen und Geschlechtsidentitäten<br />

dann endgültig.<br />

Ein ebenso grandioses wie buntes Panorama des Aufbruchs und der Veränderung,<br />

in dessen Zentrum begabte Frauen und Männer stehen, die diese<br />

Verwandlung herbeigesehnt, erkämpft und gelebt haben.<br />

Münchener Lebensgefühl für zu Hause<br />

mit einem echten Klassiker der bayerischen Küche<br />

ZUBEREITUNG in vier Schritten<br />

ZUTATEN für 2-4 Portionen<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

Die Kartoffeln in Salzwasser mit Schale kochen, bis sie weich sind.<br />

Anschließend abkühlen lassen, pellen und in Scheiben schneiden.<br />

Während die Kartoffeln kochen, die Zwiebeln fein würfeln.<br />

In einer kleinen Schüssel Weißweinessig, Öl, Senf und Kapern (falls<br />

verwendet), Salz und Pfeffer zu einem Dressing verrühren. Die<br />

Gemüsebrühe in einem Topf erwärmen, aber nicht kochen lassen.<br />

Die noch warmen Kartoffelscheiben in eine große Schüssel geben.<br />

Die warme Gemüsebrühe über die Kartoffeln gießen und vorsichtig<br />

vermischen. Dann die Zwiebeln und das Dressing hinzufügen und<br />

alles vorsichtig unterheben. Abschmecken, bei Bedarf nachwürzen.<br />

Den Salat mindestens 30 Minuten ziehen lassen und vor dem Servieren<br />

mit frischen Kräutern bestreuen.<br />

1 kg festkochende Kartoffeln<br />

1 mittelgroße Zwiebel, fein<br />

gewürfelt<br />

3-4 EL Weißweinessig<br />

5-6 EL Olivenöl<br />

Salz und frisch gemahlener<br />

schwarzer Pfeffer<br />

1 TL Senf (optional)<br />

1 EL Kapern (optional)<br />

Frische Kräuter<br />

(z.B. Petersilie), fein gehackt<br />

150 ml Gemüsebrühe<br />

VEGAN<br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/MYVIEWPOINT<br />

VEG<br />

tarisc


Bayerischer<br />

Kartoffelsalat<br />

für München-Fans<br />

70<br />

Minuten<br />

Zubereitungszeit<br />

schlank&gesund 71


schlank&gesund / Bestseller-Rezepte<br />

TOMATENSAFT STATT HUNDEFUTTER<br />

Emma wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. „Kommt überhaupt<br />

nicht in die Tüte!“, war bisher alles, was ihr Vater dazu gesagt hat. Doch<br />

jetzt hat er eine neue Freundin, vor der er cool dastehen will. Emma wittert<br />

ihre Chance. Tatsächlich kann sie ihn überzeugen, dass ein süßer, braver,<br />

flauschiger Familienhund eine ausgesprochen gute Idee wäre. Einzige Bedingung:<br />

Er muss aus dem Tierschutz kommen. So wird kurzerhand ein kleiner<br />

Straßen hund aus Rumänien adoptiert, ausgesetzt irgendwo in Transsilvanien.<br />

Doch der Hund ist alles andere als süß, brav und flauschig. Er ist nachtaktiv,<br />

hört kein bisschen aufs Wort und dann taucht auch noch ein mysteriöser<br />

transsilvanischer Graf auf. Was hat das alles bloß zu bedeuten?<br />

DAS VAMPIRTIER UND DIE SACHE MIT DEN TOMATEN<br />

Lotte Schweizer (Text) und Alexandra Helm (Illustrationen)<br />

dtv, 128 Seiten, 14,00 Euro<br />

Hund gesucht ...<br />

Vampirtier<br />

Leseprobe<br />

auf Seite 166<br />

gefunden!<br />

Vampirtiere lieben Ketchup! Du auch?<br />

Dann stell doch einfach dein eigenes Ketchup<br />

her, das ist noch viel leckerer. Wir haben auf<br />

der rechten Seite ein Vampirtier-Rezept für dich<br />

– mit und ohne Knoblauch, falls auch in dir ein<br />

kleiner Vampir steckt. Lass es dir schmecken!<br />

ILLUSTRATIONEN: DTV/ALEXANDRA HELM; STOCK.ADOBE.COM/INSPIRING.TEAM, OLEG525


Tomatenketchup<br />

Originalrezept aus der Balkan-Küche<br />

Zutaten:<br />

5 kg Tomaten<br />

5 Zwiebeln<br />

20 Knoblauchzehen (für das Vampirtier bitte ohne Knoblauch, sonst<br />

muss es immer niesen oder wird sogar unsichtbar)<br />

8 EL Zucker<br />

1 ½ EL Salz<br />

8 EL Apfelessig<br />

10 Nelken<br />

½ TL Pfeffer<br />

Prise Muskatnuss (nach Geschmack)<br />

Zubereitung:<br />

Tomaten und Zwiebeln klein schneiden, mit den übrigen Zutaten in<br />

einen Topf geben und für 2 Stunden auf mittlerer Hitze kochen lassen.<br />

Zwischendurch immer wieder umrühren.<br />

Am Schluss sollte eine homogene Masse entstehen und der Großteil<br />

des Wassers aus den Tomaten sollte verdampft sein. Anschließend<br />

kurz abkühlen lassen und absieben.<br />

Nochmal für eine ½ - ¾ Stunde kochen lassen, dann heiß in<br />

Einmachgläser abfüllen und gleich mit dem Deckel<br />

verschließen. Das Rezept ergibt ungefähr 2 Kilo<br />

Ketchup.<br />

Du kannst natürlich auch eine kleinere<br />

Menge zubereiten und die Zutaten entsprechend<br />

reduzieren. Aber eine Warnung<br />

vorab:<br />

Dieses Ketchup ist seeeehr lecker und<br />

nicht nur das Vampirtier liebt es!<br />

schlank&gesund 73


Liebe LeserInnen, jetzt folgt eine Beilage von Snippets –<br />

mit Leseproben und Lesetipps auf über 100 Seiten.<br />

Viel Spaß beim Stöbern ...<br />

&<br />

Lesen<br />

Lesen<br />

genießen<br />

FOTO/ILLUSTRATION: STOCK.ADOBE.COM/ANIKONAANN, NGUPAKARTI<br />

Bücher entdecken und sich inspirieren lassen


Snippets<br />

Das neue<br />

Special<br />

für alle<br />

Bücherfans<br />

THRILLER<br />

LITERATUR<br />

BELLETRISTIK<br />

HUMOR<br />

KINDERBUCH<br />

SACHBUCH<br />

ENTSPANNUNG<br />

FÜR DEN SCHÖNSTEN<br />

START INS NEUE JAHR


Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Ruth Ware: Zero Days<br />

dtv, Paperback, 384 Seiten, € 17,00, ISBN: 978-3-423-26369-6<br />

73<br />

Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Ivar Leon Menger: Angst<br />

dtv, Paperback, 448 Seiten, € 16,00, ISBN: 978-3-423-26361-0<br />

97<br />

Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn<br />

dtv, Hardcover, 400 Seiten, € 24,00, ISBN: 978-3-423-28382-3<br />

111<br />

Inhaltsverzeichnis | Snippets<br />

MAGAZIN<br />

Manien & Phobien S. 78<br />

SPANNUNG<br />

Eine atemlose Jagd –<br />

eine tödliche Bedrohung<br />

Jack und ihr Ehemann Gabe werden von großen Unternehmen<br />

engagiert, um deren Sicherheitssysteme zu unterlaufen und so<br />

deren Schwachstellen zu finden. Und die beiden sind verdammt<br />

gut in ihrem Job! Doch eines abends geht etwas schief und Jack<br />

wird verhaftet. Als sie Stunden später entlassen wird, findet sie<br />

ihren Mann Gabe ermordet am Schreibtisch. Verzweifelt und<br />

fassungslos bricht sie zusammen. Wer kann ihm das angetan<br />

haben?<br />

Als wenig später ihre Aussage aufgenommen wird, ist Jack<br />

schnell klar: Sie selbst ist ins Visier der Ermittler geraten und<br />

bereits tief in ein gefährliches Spiel verstrickt. Und die Uhr tickt.<br />

Eine verzweifelte Flucht beginnt – und die Suche nach einem<br />

skrupellosen Mörder ...<br />

Will ich haben!<br />

Zero Days<br />

Leseprobe S. 80<br />

SPANNUNG<br />

Du wirst ganz<br />

mir gehören!<br />

Jede Nacht hat ihre Kinder. Geschöpfe wie ihn, die um die<br />

beleuchteten Häuser schlichen und nach Beute suchten. Mit<br />

dem Teleobjektiv, aus sicherer Entfernung. Einmal im Monat<br />

eroberte der Schatten ein anderes Revier. Ein fremdes Viertel,<br />

eine neue Straße. Er wurde regelrecht süchtig danach. Bis er<br />

Mia sah. Und so blieb er für immer ...<br />

Irgendetwas an Viktor stimmt nicht, das spürt Mia schon bei<br />

ihrem ersten Date im Edelrestaurant auf dem Dach des Kanzleramts.<br />

In den Tagen darauf geschehen merkwürdige Dinge,<br />

die sich irgendwann nicht mehr mit dem Zufall erklären lassen.<br />

Mias anfängliche Beunruhigung weicht einer lähmenden<br />

Angst. Doch dann beschließt sie, den Spieß umzudrehen. Ein<br />

tödliches Spiel beginnt ...<br />

Will ich haben!<br />

ANGST<br />

Leseprobe S. 104<br />

SPANNUNG<br />

BELLETRISTIK<br />

Vom Mut,<br />

etwas Neues zu wagen<br />

Jennifer Quinn hätte nie gedacht, dass in ihrem Leben noch<br />

etwas Aufregendes passiert. Seit fast sechzig Jahren ist sie glücklich<br />

mit Bernard verheiratet, und die beiden genießen ihre beschaulichen<br />

Tage in einem kleinen englischen Dorf. Mrs. Quinns<br />

Leidenschaft ist das Backen, die vielen Familienrezepte gehören<br />

zu ihren wertvollsten Erinnerungen, und sie liebt es, Freunde und<br />

Familie mit ihren Köstlichkeiten zu verwöhnen. Doch kurz vor<br />

dem großen Hochzeitstag mit Bernard ist auf einmal alles anders.<br />

Sie fühlt, dass sie noch etwas wagen muss, bevor es zu spät ist.<br />

Heimlich bewirbt sie sich für eine beliebte TV-Backshow und<br />

erfüllt sich dadurch nicht nur einen großen Traum, sondern setzt<br />

auch alles aufs Spiel. Denn was niemand ahnt: In Mrs. Quinns<br />

Leben gibt es ein dunkles Geheimnis, das sie jahrzehntelang gut<br />

gehütet glaubte, und dem sie sich nun endlich stellen muss.<br />

Will ich haben!<br />

Der späte Ruhm der Mrs. Quinn<br />

Leseprobe S. 118<br />

BELLETRISTIK<br />

76


Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi<br />

dtv, Taschenbuch, 288 Seiten, € 13,00, ISBN: 978-3-423-21878-8<br />

137<br />

Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Lotte Schweizer (Text) und Alexandra Helm (Illustrationen):<br />

Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten<br />

dtv, Hardcover, 128 Seiten, € 14,00, ISBN: 978-3-423-76448-3<br />

Lesealter ab 7 Jahre<br />

159<br />

Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine<br />

dtv, Hardcover, 96 Seiten, € 13,00, ISBN: 978-3-423-64108-1<br />

Lesealter ab 8 Jahre<br />

169<br />

Leseprobe | Snippets<br />

Link zum Shop<br />

Yuval Noah Harari (Text) und Ricard Zaplana Ruiz (Illustration):<br />

Warum die Welt nicht fair ist<br />

dtv, Hardcover, 208 Seiten, € 20,00, ISBN: 978-3-423-76475-9<br />

Lesealter ab 10 Jahre<br />

179<br />

UNTERHALTUNG<br />

Make Amt<br />

Great Again!<br />

Conny, Beamtin im öffentlichen Dienst, macht den Job seit<br />

Jahrzehnten. Mit ihren Kolleginnen – Tief-einatmen-Petra,<br />

Gegen-alles-Gisela, Kussi-Doris, Küken- Dilara und Du-bistder-Change-Ronja<br />

– trotzt sie Aktenbergen, Management-<br />

Geschwätz, Digitalisierung und viel zu selbstbewussten<br />

Bürgern. Und wenn gar nichts mehr geht: „Da bin ick nicht<br />

zuständig, Mausi.“<br />

Connys Kolleginnen sind ihr wohl oder übel zur Familie<br />

geworden. Der alltägliche Behördenwahnsinn schweißt<br />

sie zusammen. Zwischen Kaffee- und Raucherpausen wird<br />

diskutiert, gelästert und gestritten – und mit Neugierde über<br />

das Liebesleben der Belegschaft gewacht. Aber keine Sorge,<br />

Conny bleibt Herrin der Lage und ihrem Mantra treu: „Nix<br />

muss sich ändern, damit alles so bleibt, wie es ist!“<br />

Will ich haben!<br />

Da bin ick nicht zuständig, Mausi<br />

Leseprobe S. 144<br />

UNTERHALTUNG<br />

KINDERBUCH<br />

Tomatensaft<br />

statt Hundefutter<br />

Emma wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. „Kommt<br />

überhaupt nicht in die Tüte!“, war bisher alles, was ihr Vater dazu<br />

gesagt hat. Doch jetzt hat er eine neue Freundin, vor der er cool<br />

dastehen will. Emma wittert ihre Chance. Tatsächlich kann sie<br />

ihn überzeugen, dass ein süßer, braver, flauschiger Familienhund<br />

eine ausgesprochen gute Idee wäre. Einzige Bedingung: Er muss<br />

aus dem Tierschutz kommen. So wird kurzerhand ein kleiner<br />

Straßen hund aus Rumänien adoptiert, ausgesetzt irgendwo in<br />

Transsilvanien.<br />

Doch der Hund ist alles andere als süß, brav und flauschig. Er ist<br />

nachtaktiv, hört kein bisschen aufs Wort und dann taucht auch<br />

noch ein mysteriöser transsilvanischer Graf auf. Was hat das<br />

alles bloß zu bedeuten?<br />

Will ich haben!<br />

Das Vampirtier<br />

Leseprobe S. 166<br />

KINDERBUCH<br />

So spannend<br />

wie Indiana Jones<br />

Zwei neue Detektiv-Fälle zum Mitraten und Rätseln:<br />

Wer ist der geheimnisvolle Briefeschreiber, der Parzival Po<br />

dringend bittet, in den Dschungel zu kommen? – Und im<br />

zweiten Fall hat es jemand auf den kostbaren Honigkelch<br />

abgesehen, den Parzival Po aus dem Dschungel mitgebracht<br />

hat.<br />

Band 5 der Kinderbuchreihe zum Lesen, Betrachten und<br />

Ermitteln – ein witziges Beschäftigungsbuch im Comic-Stil<br />

mit vielen Rätseln, Wimmelbildern und Labyrinthen.<br />

Will ich haben!<br />

Detektiv Parzival Po (5) –<br />

Das Rätsel der Tempelruine<br />

Leseprobe S. 176<br />

KINDERBUCH<br />

Die Geschichte<br />

der Menschheit<br />

Warum sind manche Leute reich und andere arm? Wie<br />

kam es, dass die Menschheit sich in Könige und Sklaven<br />

unterteilte, ein paar antike Nerds die Schrift erfanden und<br />

unsere Vorfahren den Göttern große Tempel bauten? Und<br />

was hat das alles damit zu tun, dass die Menschen sich vor<br />

zehntausend Jahren von Jägern und Sammlern zu Bauern<br />

entwickelten?<br />

Landwirtschaftliche Revolution, die ersten Städte und das<br />

alte Ägypten: Erneut schildert Bestsellerautor Yuval Noah<br />

Harari inspirierend und mitreißend die abenteuerliche<br />

Geschichte der Menschheit.<br />

Will ich haben!<br />

Warum die Welt nicht fair ist<br />

Leseprobe S. 186<br />

KINDERBUCH<br />

77


Magazin | Snippets<br />

Der Weg zur<br />

Desensibilisierung<br />

Wie man Ängste überwinden kann, erzählt Jeanette Siegenthaler,<br />

zertifizierte Hypnosetherapeutin und Ernährungsberaterin SVDE<br />

beim erpse Institut<br />

Sie wenden gerne Hypnose an, um<br />

Wie viele Sitzungen sind notwendig?<br />

Ängst zu bekämpfen. Lassen Sie uns<br />

Häufig ist eine Sitzung ausreichend.<br />

wissen, was während einer Sitzung<br />

Je nach Thematik ist eine Vertiefung<br />

konkret passiert.<br />

in einer zweiten Sitzung sinnvoll<br />

In der hypnotischen Trance (an­<br />

oder es zeigen sich neue Glaubens­<br />

genehme körperliche und geistige<br />

sätze, die die Umsetzung noch ver­<br />

Entspannung) werden andere Hirn­<br />

hindern. Diese können dann in einer<br />

areale aktiv, das kognitive rationale<br />

Folgesitzung umgegwandelt werden.<br />

Denken rückt etwas in den Hintergrund,<br />

ist aber nicht gänzlich weg.<br />

Klingt so einfach, warum gibt es<br />

Infolgedessen kann eine Thematik<br />

denn dann überhaupt noch Men-<br />

wie die Angst „umgewandelt wer­<br />

schen mit Ängsten und Manien?<br />

Diagnostik erhöhte CO 2 -Werte,<br />

den“. Erst wird dem Klienten eine<br />

Wenn es um Angst geht, ist die Kon­<br />

folglich kommt zu wenig Sauerstoff<br />

„Rettungsweste“ angezogen, mit<br />

trolle ein wichtiges Thema. Hypnose<br />

in den Körper. Das beschleunigt den<br />

dieser geht er dann gedanklich in<br />

wird fälschlicherweise immer noch<br />

Herzschlag, ein erstes Anzeichen bei<br />

die angstmachende Situation und<br />

mit Kontrollverlust verbunden, was<br />

einer Panikattacke. Dadurch wird<br />

lernt Schritt für Schritt, seine Anker<br />

überhaupt nicht der Fall ist. Man<br />

die Angst vor der Attacke geschürt,<br />

anzuwenden. Man nennt dies bei<br />

verliert nie die Kontrolle in der Sit­<br />

das Hyperventilieren ist eine Folge<br />

Ängsten auch Desensibilisierung.<br />

zung. Wenn diese Hürde genommen<br />

davon – auch um das Missverhältnis<br />

Die Angst wird skaliert – von wenig<br />

ist, gehen viele Menschen lieber in<br />

des Gasaustausches auszugleichen.<br />

Angst machend bis unvorstellbar.<br />

die Hypnose, als zum Therapeuten.<br />

Je malnutrierter eine Person ist,<br />

Während der Hypnose spürt der<br />

umso dünnhäutiger und ängstlicher<br />

Klient, dass die Angst kleiner wird,<br />

Sie sind auch Ernährungsberaterin.<br />

wird sie. Das sehen und messen wir<br />

er schaut, wie weit er in seiner Vor­<br />

Spielt Ernährung überhaupt eine<br />

täglich in der Beratung. Gerade in<br />

stellung gehen kann.<br />

Rolle bei Angststörungen?<br />

Kombination mit Essstörungen sind<br />

Idealerweise sollte danach gleich<br />

eine reale Situation geschaffen werden,<br />

um die Anker auch in der Realität<br />

anzuwenden.<br />

Angststörungen und Panikattacken<br />

sind oft verknüpft mit restriktiver<br />

Mangelernährung. In der Atmung<br />

messen wir bei erpse dann in der<br />

Angstattacken häufig verbreitet.<br />

Mehr Infos zu den Themen Ernährung<br />

und Hypnose unter www.erpse.com<br />

FOTO: ALICE DAS NEVES<br />

78


SACHBUCH<br />

DAS KOMPENDIUM<br />

ÜBER UNSERE ÄNGSTE<br />

UND ZWÄNGE<br />

Jetzt beim Verlag bestellen<br />

Kate Summerscale führt uns in das faszinierend-bizarre<br />

Labyrinth des menschlichen Unbewussten und unserer sich<br />

wandelnden Faibles, Leidenschaften und Bessessenheiten<br />

– vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. 99<br />

fesselnde und außergewöhnliche Geschichten von vertrauten<br />

(Klaustrophobie) zu überraschenden Ängsten vor Eiern,<br />

Haaren, Schweigen und überhaupt vor allem (Pantophobie)<br />

– und von deren Heilung. Ein höchst informatives, seriöses<br />

und amüsantes A-Z-Kompendium.<br />

FOTO: STOCK.ADOBE.COM/ZDRAVINJO<br />

Schrecken Sie vor Spinnenphobie beim Anblick einer Spinne<br />

zurück – oder zucken Sie vor Nomophobie, wenn Sie Ihr<br />

Handy verlegen? Waren Sie jemals sprachlos, als Sie in der<br />

Öffentlichkeit gesprochen haben? Möglicherweise leiden<br />

Sie unter Glossophobie. Grenzen Ihre Bücherkaufgewohnheiten<br />

an Bibliomanie? Vielleicht stecken Sie in Unentschlossenheit<br />

und Unsicherheit fest - Abulomanie? Unsere<br />

Phobien und Manien sind widersprüchlich und vielfältig:<br />

zutiefst intim, doch von der Zeit und der Epoche, in der wir<br />

leben, geprägt – die häufigste Form der Angststörung, die<br />

jedoch selten eine formelle Diagnose erhält. Tauchen Sie<br />

ein in dieses einzigartige, überraschende und fesselnde A-<br />

Z-Kompendium, um zu entdecken, wie unsere Fixierungen<br />

vom Mittelalter bis heute Gestalt angenommen haben. Unsere<br />

Ängste und Zwänge fühlen sich oft wie ein Teil unseres<br />

tiefsten Selbst an – und doch sind sie in die Strömungen<br />

der Welt um uns herum eingebunden. Geschickt zeichnet<br />

die Autorin die Verbindungen zwischen Vergangenheit und<br />

Gegenwart, dem Psychologischen und dem Sozialen nach.<br />

Kate Summerscale:<br />

Das Buch der Phobien und Manien.<br />

Eine Geschichte der Welt in 99 Obsessionen<br />

Klett-Cotta, 352 Seiten, 22,– Euro<br />

79


SPANNUNG


Leseprobe | Snippets<br />

Eine atemlose Jagd –<br />

eine tödliche Bedrohung<br />

Jack und ihr Ehemann Gabe werden von großen Unternehmen<br />

engagiert, um deren Sicherheitssysteme zu unterlaufen und so<br />

deren Schwachstellen zu finden. Und die beiden sind verdammt<br />

gut in ihrem Job! Doch eines abends geht etwas schief und Jack<br />

wird verhaftet. Als sie Stunden später entlassen wird, findet sie<br />

ihren Mann Gabe ermordet am Schreibtisch. Verzweifelt und fassungslos<br />

bricht sie zusammen. Wer kann ihm das angetan haben?<br />

Als wenig später ihre Aussage aufgenommen wird, ist Jack schnell<br />

klar: Sie selbst ist ins Visier der Ermittler geraten und bereits tief<br />

in ein gefährliches Spiel verstrickt. Und die Uhr tickt. Eine verzweifelte<br />

Flucht beginnt – und die Suche nach einem skrupellosen<br />

Mörder ...<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Ruth Ware: Zero Days<br />

dtv, Paperback, 384 Seiten, € 17,00, ISBN: 978-3-423-26369-6<br />

81


Leseprobe | Snippets<br />

SAMSTAG, 4. FEBRUAR<br />

Minus acht Tage<br />

82


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

Die Mauer um das Gelände war ein Kinderspiel. Knapp<br />

zwei Meter hoch, aber ohne Metallspitzen oder Stacheldraht<br />

oben drauf. Stacheldraht ist meine Nemesis. Er wird<br />

nicht ohne Grund in Kriegsgebieten verwendet.<br />

Mit meinen eins siebzig reichte ich nicht weit genug hinauf,<br />

um mich hochzuziehen, also kletterte ich auf einen<br />

Baum mit einem stabilen Ast, der über den Parkplatz ragte.<br />

Dann ließ ich mich hinunter, bis meine Füße die Mauerkrone<br />

berührten, und lief leise bis zu einer Stelle, an der ich außer<br />

Sichtweite der Überwachungskameras runterspringen konnte.<br />

Jenseits des Parkplatzes befand sich der Notausgang, den<br />

Gabe beschrieben hatte, und er sah vielversprechend aus. Die<br />

übliche halb verglaste Tür mit horizontaler Entriegelungsstange<br />

innen. Zufrieden stellte ich fest, dass sie schlecht eingebaut<br />

war, mit einem fast handbreiten Spalt an der Unterseite.<br />

Ich brauchte knapp dreißig Sekunden, um eine flache Metallstange<br />

mit Haken darunter zu schieben, hoch zu schwingen<br />

und in die Entriegelungsstange einzuhängen. Ich zog fest, und<br />

die Tür ging auf. Ich hielt die Luft an, wartete auf den Alarm –<br />

Notausgänge sind immer riskant –, aber es blieb still.<br />

Drinnen ging automatisch das Licht an – große Leuchtstoffquadrate<br />

in einer gekachelten Decke, ein Schachbrett, das<br />

sich in die Dunkelheit erstreckte. Das Ende des Korridors war<br />

stockdunkel, die Sensoren dort hatten meine Bewegung noch<br />

nicht registriert, aber der Bereich, in dem ich mich befand,<br />

9<br />

83


Leseprobe | Snippets<br />

war taghell. Ich blieb stehen, um mich an das grelle Licht zu<br />

gewöhnen.<br />

Licht ist immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ein<br />

Warnsignal für denjenigen, der die Sicherheitskameras überwacht.<br />

Jeder Wachmann schaut sofort von seinem Handy auf,<br />

wenn neben ihm plötzlich ein Monitor in weihnachtlichem<br />

Glanz erstrahlt. Aber man kann damit durchkommen, wenn<br />

man sich ausreichend selbstbewusst bewegt. Schleicht man<br />

jedoch mit einer Taschenlampe durch einen unbeleuchteten<br />

Gang, ist das deutlich schwieriger zu erklären. Da könnte man<br />

ebenso gut ein gestreiftes T-Shirt und einen Sack tragen, auf<br />

dem »Beute« steht.<br />

Es war 22:20 Uhr und ich trug meine »Büro«-Kleidung –<br />

eine schwarze Hose, die wie das Unterteil eines Hosenanzugs<br />

aussah, in Wahrheit aber dehnbarer und atmungsaktiver war,<br />

dazu eine dunkelblaue Bluse und einen schwarzen Standard-<br />

Blazer. An den Füßen hatte ich schwarze Converse-Turnschuhe,<br />

ein grauer Rucksack hing über der Schulter.<br />

Nur meine Haare stachen hervor. Diesen Monat waren sie<br />

leuchtend scharlachrot, ein komplett unnatürlicher Farbton,<br />

der nicht zu der leicht spießigen Atmosphäre des Unternehmens<br />

passte, einer Versicherungsgesellschaft namens Arden<br />

Alliance. Gabe hatte eine Perücke vorgeschlagen, aber Perücken<br />

waren immer ein Risiko, und ich wollte richtig in die<br />

Rolle schlüpfen. Jen – ich hatte beschlossen, dass meine imaginäre<br />

Büroangestellte Jen hieß – arbeitete im Kundendienst,<br />

dachte aber gern an ihr freies Jahr nach der Uni zurück und<br />

hielt sich immer noch für ein bisschen cool. Jen mochte sich<br />

ins Zeug legen, um befördert zu werden, aber ihr Haar war<br />

der letzte Hauch einer Persönlichkeit, die sie noch ganz nicht<br />

dem Job geopfert hatte. Dazu ein bisschen viel flüssiger Eyeliner<br />

und ein Zitat von Arya Stark als Tattoo auf dem Schulterblatt.<br />

10<br />

84


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

Der Eyeliner war echt – ohne fühlte ich mich nicht richtig<br />

angezogen. Der Universitätsabschluss war imaginär. Ebenso<br />

das Tattoo. Ich stand nicht genug auf Game of Thrones, um<br />

mir wirklich eins stechen zu lassen, obwohl ich zugeben muss,<br />

dass Arya dann schon die Figur meiner Wahl gewesen wäre.<br />

Jen hatte noch Überstunden gemacht und hatte es jetzt<br />

eilig, nach Hause zu kommen. Daher die bequemen Schuhe.<br />

Der Rucksack war für ihre High Heels – an dem Punkt wich<br />

mein Rollenspiel von der Realität ab. Jen mochte High Heels<br />

in ihrem Rucksack herumtragen – meiner hingegen war voller<br />

Einbruchwerkzeuge und Computerausrüstung mit sehr<br />

anrüchiger Software, die Gabe aus dem Dark Web heruntergeladen<br />

hatte.<br />

Ich schlich auf leisen Gummisohlen durch den Korridor<br />

und versuchte, so auszusehen, als gehörte ich hierher. Auf<br />

beiden Seiten waren Türen, dahinter verlassene Büros, nur<br />

hier und da leuchtete eine LED, wo jemand versäumt hatte,<br />

den Computer herunterzufahren.<br />

In einer Nische blinkte hypnotisch ein Fotokopierer. Ich<br />

blieb stehen und schaute links und rechts den Korridor entlang.<br />

Hinter mir war es hell, um die Ecke vor mir dunkel, weil<br />

die Bewegungsmelder meine Anwesenheit noch nicht registriert<br />

hatten. Umso besser – das Licht konnte den Sicherheitsdienst<br />

alarmieren, aber umgekehrt funktionierte das auch.<br />

Die Wachleute würden kaum von hinten kommen, da der<br />

Korridor dort nur zum Parkplatz führte. Kämen sie von vorn,<br />

würde mich das aufflammende Licht warnen, und ich könnte<br />

umkehren oder mich in einem Büro verstecken. Gabe würde<br />

mir wahrscheinlich sagen, ich solle schnellstmöglich den Serverraum<br />

finden – aber diese Chance konnte ich mir nicht entgehen<br />

lassen.<br />

Hinter dem Kopierer befanden sich wie erhofft ein Kabelgewirr<br />

und zwei LAN-Anschlüsse, über die Geräte mit dem<br />

11<br />

85


Leseprobe | Snippets<br />

Hauptnetzwerk der Firma verbunden wurden. Einer war in<br />

Gebrauch und mit dem Kopierer verbunden. Der andere war<br />

frei. Mit klopfendem Herzen sah ich noch einmal in beide<br />

Richtungen und holte einen der kleinen Raspberry-Pi-Computer<br />

aus dem Rucksack.<br />

Der Pi war kleiner als ein Taschenbuch. Ich schob ihn hinter<br />

den Kopierer, wo er unauffällig in dem Haufen Blätter verschwand,<br />

die aus dem Dokumenteneinzug gefallen waren. Ich<br />

verband ihn mit einer Steckdose und das LAN-Kabel mit dem<br />

leeren Port. Sekunden später knisterten meine Bluetooth-<br />

Kopfhörer, und die tiefe Stimme meines Mannes drang in mein<br />

Ohr, seltsam intim in der Stille des verlassenen Gebäudes.<br />

»Hey, Schatz … dein Pi ist gerade online gegangen. Wie<br />

läuft’s?«<br />

»Okay.« Ich sprach leise, kaum mehr als ein Flüstern. »Ich<br />

versuche gerade, mich zurechtzufinden.« Ich legte ein Blatt<br />

über den Pi, hängte mir den Rucksack über die Schulter und<br />

ging durch den Korridor und um die Ecke. »Wie geht’s dir?«<br />

»Ach, du weißt schon.« Gabe klang trocken. »Ich spiele ein<br />

bisschen Dark Souls auf der PS. Ich kann ja nicht viel machen,<br />

bis du mich in den Serverraum bringst.«<br />

Ich lachte, aber das war nur ein halber Scherz. Das mit Dark<br />

Souls mochte nicht stimmen – ich wusste genau, dass er auf<br />

keinen Fall spielen würde; im Gegenteil, er hockte zweifellos<br />

vor seinem Monitor und verfolgte angespannt meine Bewegungen<br />

auf den Grundrissen, die wir von der Planungsabteilung<br />

erhalten hatten. Der Rest hingegen traf zu. Diese Phase<br />

war für Gabe immer am schwierigsten – wenn er abwarten<br />

und zuhören musste, ohne mir helfen zu können, falls es ein<br />

Problem gab.<br />

»Wo bist du?«<br />

»In einem Korridor, der vom Notausgang in Ost-West-<br />

Richtung verläuft. Dieses Gebäude ist – oh, Mist.«<br />

12<br />

86


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

Ich blieb abrupt stehen.<br />

»Was?« Gabe klang wachsam, aber nicht übermäßig besorgt.<br />

Ich hätte kaum Oh, Mist gesagt, wenn ich mit einem<br />

Wachmann zusammengestoßen wäre. Das hätte sich ganz anders<br />

angehört.<br />

»Da vorn ist eine Sicherheitstür. Ist die auf dem Grundriss?«<br />

»Nein«, sagte Gabe. »Die muss neu sein.«<br />

Ich konnte hören, wie seine Finger über die Tastatur flogen.<br />

»Moment, ich versuche, über deinen Pi ins Sicherheitssystem<br />

zu gelangen. Was kannst du sehen?«<br />

»Einen PIR-Sensor.« Ich schaute zu dem blinkenden Infrarot-Oval<br />

über der Tür.<br />

»Okay, warte, der Sensor könnte einen Alarm auslösen.«<br />

»Ach, echt?«, sagte ich. Das war mir natürlich klar. Ich<br />

machte mir keine Sorgen wegen der Tür an sich – zusammen<br />

kamen Gabe und ich durch die meisten Sperren. Aber ein PIR-<br />

Sensor bedeutete normalerweise einen Bewegungsmelder –<br />

und wenn ich den nach Feierabend auslöste, lief ich Gefahr, die<br />

Wachleute zu alarmieren. Andererseits hatte der Notausgang<br />

auch keinen Alarm ausgelöst, was ich als gutes Zeichen deutete.<br />

Ich ging langsam näher.<br />

»Jack?«, fragte Gabe. Die Tasten klickten nicht mehr. »Jack,<br />

Schatz, sprich mit mir. Was machst du? Wir wollen doch kein<br />

zweites Zanatech.«<br />

Zanatech. Argh. Nur ein Wort: Hunde. Ich habe nichts gegen<br />

sie als Haustiere, aber ich hasse Wachhunde. Die können<br />

wirklich Schaden anrichten. Und sehr schnell rennen.<br />

Ich trat noch einen Schritt näher und hielt den Atem an.<br />

Der Sensor registrierte meine Anwesenheit, leuchtete auf,<br />

und ich schloss die Augen, machte mich auf Sirene und<br />

schnelle Schritte gefasst … doch nichts passierte, außer dass<br />

die Tür sanft aufschwang.<br />

13<br />

87


Leseprobe | Snippets<br />

»Jack?« Gabes Stimme klang drängend an mein Ohr, als er<br />

mich erleichtert ausatmen hörte. »Was ist passiert?«<br />

»Alles in Ordnung. Die Tür ist offen. Ich glaube nicht, dass<br />

sie etwas ausgelöst hat.«<br />

Ich konnte förmlich hören, wie Gabe die Zähne zusammenbiss<br />

und eine ungehaltene Erwiderung unterdrückte. Ich hätte<br />

warten sollen, während er versuchte, über den Pi aufs Sicherheitssystem<br />

zuzugreifen und herauszufinden, ob die Tür<br />

alarmgesichert war. Aber das konnte Stunden dauern, und in<br />

diesem Job war Nichtstun riskant. Manchmal musste man<br />

sich einfach auf sein Bauchgefühl verlassen.<br />

Außerdem war es nicht wirklich ein Bauchgefühl, und das<br />

wusste Gabe. Es war ein durch jahrelange Erfahrung geschärfter<br />

Instinkt.<br />

»Du hoffst, es hat nichts ausgelöst«, sagte er schließlich,<br />

und ich kicherte siegesgewiss. Wäre ein Alarm oder, schlimmer,<br />

Hundegebell ertönt, während Gabe Ich hab’s dir doch<br />

gesagt! schrie, wäre mir das Lachen allerdings schnell vergangen.<br />

Aber Gabe war wirklich kein schlechter Verlierer, das<br />

war eine seiner vielen guten Eigenschaften. Er widmete sich<br />

schon dem nächsten Problem. »Wo bist du jetzt? Vor den Aufzügen?«<br />

»Ja«, sagte ich und schaute mich um. Die Lobby war mit einer<br />

hohen Yuccapalme und einem futuristischen Metallstuhl<br />

ausgestattet. »Hier gehen drei Korridore ab und …« Ich<br />

schaute auf die Anzeige über den Aufzügen. »Oh Mann, vierzehn<br />

Stockwerke. Wissen wir, wo der Serverraum ist?«<br />

»Warte mal«, sagte Gabe. Computertasten klickten. »Die IT<br />

scheint im fünften Stock zu sein, also fang dort an. Wo bist du,<br />

im Erdgeschoss?«<br />

»Ich bin mir nicht sicher.« Ich sah mich um. »Das Parkhaus<br />

geht über zwei Etagen.«<br />

Gegenüber hing eine Infotafel. Anscheinend befand ich<br />

14<br />

88


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

mich im ersten Stock. Weiter oben stand 5 – IT / HR. So viel<br />

zu Gabes Computer-Zauberkünsten.<br />

Ich schickte ihm rasch ein Foto des Schildes mit dem Kommentar<br />

No shit sherlock und hörte sein tiefes Lachen, als die<br />

Nachricht ankam.<br />

»Was soll ich sagen – wir Techs sollen ja ständig Probleme<br />

lösen, die die Leute eigentlich selbst lösen müssten.«<br />

»Fick dich, Medway«, sagte ich gutmütig, und er lachte<br />

wieder, ein leises, anzügliches Glucksen, das meinen Bauch in<br />

Schwingungen versetzte.<br />

»Würde ich ja, aber ich hab da jemand Heißeres im Kopf.<br />

Und sie wird in ein oder zwei Stunden zu Hause sein. Falls sie<br />

mal ihren Arsch hochkriegt.«<br />

Ich musste lächeln, ließ meine Stimme aber streng klingen.<br />

»Ich komme überhaupt nicht nach Hause, wenn du mich<br />

nicht in den Serverraum bringst. Also konzentrier dich auf<br />

die Arbeit und lass meinen Arsch da raus.«<br />

Die Bedientafel des Aufzugs war eine Hightech-Variante,<br />

bei der man seine Karte einlesen und dann eine Etage auswählen<br />

musste. »Der Aufzug hat einen Kartenleser, also dürften<br />

die oberen Etagen nur mit Karte zugänglich sein.«<br />

»Den kann ich wahrscheinlich erst ausschalten, wenn du<br />

mich in den Serverraum gebracht hast. Es wird Zeit, dass du<br />

dich reinhängst, Babe.«<br />

Ich seufzte theatralisch und sah mich nach dem Notausgang,<br />

also der Treppe, um. Eine Tür in der Ecke der Lobby wies<br />

mir den Weg, aber vorher ließ ich noch einen verwanzten<br />

USB-Stick vor den Aufzugtüren fallen. Gabe hatte mir ein<br />

halbes Dutzend mitgegeben, unschuldig aussehende kleine<br />

Dinger, die er mit selbstentwickelten Trojanern versehen<br />

hatte. Mit etwas Glück würde am Montag jemand den Stick<br />

aufheben und in seinen Computer stecken, um den Besitzer<br />

ausfindig zu machen. Die Person würde nur einen Haufen<br />

15<br />

89


Leseprobe | Snippets<br />

nichtssagender Word-Dokumente vorfinden, während sich<br />

ein hinterhältiges Stückchen Code auf der Festplatte einnistete,<br />

Kontakt zum Mutterschiff aufnahm und einen Lese- und<br />

Schreibzugriff auf den Computer ermöglichte, solange dieser<br />

mit dem Internet verbunden war.<br />

Im fünften Stock ließ ich einen weiteren USB-Stick fallen<br />

und berührte mein Headset.<br />

»Du befindest dich in einer kleinen Lobby«, sagte ich mit<br />

Roboterstimme. »Korridore führen nach Norden, Osten und<br />

Westen. Südlich von dir ist ein Aufzug, in der Ferne ein hoher,<br />

strahlend weißer Turm. Nein, warte, das war jetzt aus Colossal<br />

Cave Adventure.«<br />

»USB-Stick fallen lassen«, sagte Gabe, und ich lachte.<br />

»Längst erledigt. Was du übrigens wüsstest, wenn du es geschafft<br />

hättest, dich in die Überwachungskameras zu hacken.<br />

Also – welcher Korridor?«<br />

Ich sah mir die drei unauffälligen Flure an und horchte auf<br />

das Klicken von Gabes Maus. Er versuchte, den Grundriss zu<br />

durchschauen.<br />

»Du bist durch den Notausgang reingekommen, und Lift C<br />

ist hinter dir, richtig?«, fragte er.<br />

»Ja. Zumindest nehme ich an, es ist Lift C. Auf der linken<br />

Seite ist eine Tür mit der Aufschrift HR, falls das hilft.«<br />

»Das tut es. Du musst den Korridor geradeaus nehmen,<br />

glaube ich.«<br />

Ich reckte den Daumen nach oben, obwohl Gabe mich noch<br />

nicht sehen konnte, und ging zu der Glastür. Sie schwang<br />

nicht automatisch auf.<br />

»Okay, hier haben wir eine weitere Sicherheitstür – und<br />

ich bin auf der falschen Seite. Da ist ein Kartenleser. Was nun,<br />

Inspektor Superhirn?«<br />

»Kannst du irgendwo einen Code eingeben?«<br />

»Über ein Tastenfeld. Numerisch.«<br />

16<br />

90


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

»Das ist doch schon mal was. Gib mir eine Sekunde. Keine<br />

Ahnung, ob ich schon durchkomme, aber vielleicht kann ich<br />

den Code über deinen Pi aus ihrem System ziehen.«<br />

Ich wartete mit verschränkten Armen und hörte Gabes<br />

Finger hektisch auf der Tastatur klicken, während er gelegentlich<br />

vor sich hin fluchte. Wieder zupfte ein Lächeln an<br />

meinen Lippen, und einen kurzen Moment lang wünschte<br />

ich mir, ich wäre daheim in unserem Wohnzimmer, damit ich<br />

seinen breiten Oberkörper umschlingen und einen Kuss auf<br />

seinen warmen Nacken drücken könnte, wo das schwarze<br />

Haar kurz rasiert war. Ich liebte Gabe immer und überall, am<br />

meisten aber, wenn er mit gesenktem Kopf dasaß und völlig<br />

in seine Arbeit vertieft war. Nicht nur war es sexy, jemandem<br />

bei etwas zuzusehen, das er sehr, sehr gut konnte, es ging<br />

auch um die Kameradschaft, das Gefühl, wir beide gegen den<br />

Rest der Welt.<br />

Und manchmal auch gegeneinander. Wir waren zwar verheiratet,<br />

aber das hieß noch lange nicht, dass wir keine Konkurrenten<br />

waren. Ich war auch gut in meinem Job. Sehr gut<br />

sogar.<br />

Ich schlenderte zum Tastenfeld und tippte 1234 ein. Nichts<br />

geschah, nur der Sensor leuchtete kurz rot auf. Mehr hatte ich<br />

auch nicht erwartet, aber es war den Versuch wert. Dann gab<br />

ich 4321 ein. Wieder nichts. Ich riskierte keinen dritten Versuch,<br />

um keine Sperre auszulösen, doch dann fiel mir etwas<br />

ein, und ich durchwühlte meine Tasche nach der Druckluftdose.<br />

»Wie läuft’s, Schatz?«, fragte ich, während ich den Deckel<br />

abschraubte.<br />

Die Antwort war ein knurriges Gemurmel. »Ich bin im<br />

System, komme aber nicht zur Admin. Ich versuche, mich in<br />

die E-Mails zu hacken, falls jemand mal den Code verschickt<br />

hat.«<br />

17<br />

91


Leseprobe | Snippets<br />

»Tick tack, Medway. Falls du mich schnell zu Hause haben<br />

willst, wäre es allmählich an der Zeit, deinen wohlgeformten<br />

Hintern zu bewegen.«<br />

Als Antwort kam nur ein Brummen, halb frustriert, halb<br />

belustigt. Ich klemmte die Dose in den Türspalt und drückte.<br />

Ein langes, lautes Zischen, als Luft durch den schmalen Spalt<br />

gepresst wurde – und dann glitt die Tür auf. Ich krähte triumphierend.<br />

Das Klicken verstummte.<br />

»Äh … was war das gerade?«<br />

»Nur ich, die ein Problem löst, das Tech-Genies eigentlich<br />

auch selbst lösen können sollten.«<br />

»Moment, du hast die Tür aufbekommen? Wie?«<br />

»Weißt du doch, Baby. Druckluft durch Türspalt. Der Temperaturwechsel<br />

verwirrt den PIR-Sensor. So hackt man.«<br />

»Ach, fick dich.«<br />

»Ich dachte, das hätten wir schon geklärt – das ist Ihr Job,<br />

Mr. Medway.«<br />

Gabes Ärger löste sich in Gelächter auf. »Ja, ist es. Und da<br />

wir gerade von wohlgeformten Hintern sprechen, beeil dich,<br />

Babe. Wie du schon sagtest: Tick tack.«<br />

»Tick tack«, stimmte ich zu und ging durch den langen<br />

Korridor. Eine nach der anderen gingen die Lampen an. Auch<br />

hier Büros und kein Serverraum. Ich spähte durch eine unbeschriftete<br />

Tür – dahinter war nur ein Schrank mit Hausmeisterbedarf,<br />

Mopp und Eimer. Das letzte Licht ging an, ich<br />

konnte jetzt bis zum Ende des Gangs sehen.<br />

Mein Headset knisterte. »Immer noch nichts?«<br />

»Nein«, sagte ich knapp und hielt inne, um zu lauschen.<br />

»Hast du –«, setzte Gabe an.<br />

»Pst!«, zischte ich. Es klickte leise, als er sein Mikro stummschaltete,<br />

damit nicht mal sein Atem mich ablenkte.<br />

Da vorn waren Geräusche. Zum Glück keine Schritte, sondern<br />

das leise Summen von Computerlüftern und Klimaanla-<br />

18<br />

92


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

gen, die Überstunden machen. Man hört Serverräume, bevor<br />

man sie sieht.<br />

»Ich hab ihn«, flüsterte ich Gabe zu. »Oder hinter der Tür<br />

da vorn steht eine Cessna.«<br />

Beim Näherkommen sah ich eine Tür mit Belüftungsschlitzen,<br />

auf der »Zutritt für Unbefugte verboten« stand. Ich ignorierte<br />

es und drückte den Türgriff. Natürlich abgeschlossen,<br />

aber wirklich schlecht war, dass es kein Schlüsselloch gab. Ein<br />

normales Schloss hätte ich wohl knacken können, doch die Tür<br />

hatte nur einen Kartenleser links neben dem Griff. Es gab keine<br />

Tastatur, um einen Code einzugeben. Die Tür war gut eingepasst,<br />

ohne jeden Spalt darunter. Drinnen gab es mit ziemlicher<br />

Sicherheit einen Entriegelungsknopf, doch ich bezweifelte, dass<br />

ich ihn mit so wenig Bewegungsspielraum betätigen konnte.<br />

Die Belüftung war so eingebaut, dass die Lamellen nach unten<br />

zeigten, und die Öffnungen waren zu klein, um brauchbar zu<br />

sein. Selbst wenn ich das Gitter abmontiert hätte, hätte ich<br />

nicht durchgepasst. Außerdem sollte ich nichts beschädigen.<br />

»Babe?«, fragte Gabe.<br />

»Es gibt einen Durchzugleser. Keine Chance, einen Code<br />

einzugeben.«<br />

»Scheiße.« Ich sah förmlich, wie er nachdenklich an seinem<br />

Bart zupfte und nach einem Ausweg suchte. Eine Magnetstreifenkarte<br />

zu kodieren war nicht schwer, wenn man die nötige<br />

Ausrüstung hatte und den Code kannte, aber den kannten<br />

wir ja nicht. Und selbst wenn er ihn aus den Intranetdateien<br />

ziehen konnte, war ich hier und das Codiergerät zu Hause.<br />

Wir mussten die Sache heute Abend abschließen.<br />

»Oben drüber?«, fragte Gabe, als hätte er meine Gedanken<br />

gelesen.<br />

»Genau das dachte ich auch gerade.«<br />

Ich schaute mir die Räume links und rechts vom Serverraum<br />

an. Links war ein gewöhnliches Büro mit Glaswand, in dem<br />

19<br />

93


Leseprobe | Snippets<br />

zwei Schreibtische standen. Die Tür war vermutlich offen, die<br />

Glaswand jedoch nicht ideal. Rechts hingegen – das war gut.<br />

Eine Toilette. Dass es eine Herrentoilette war, machte für meine<br />

Zwecke keinen Unterschied.<br />

»Houston, wir haben eine Toilette«, murmelte ich.<br />

»Ready, steady, Klo.«<br />

»Mach ruhig Witze, du sitzt gemütlich zu Hause auf deinem<br />

Hintern.« Ich hörte ihn lachen, als ich die Tür aufstieß.<br />

Ich zog die Jacke aus und sah mich um. An der Wand zum<br />

Korridor waren die Waschbecken. Rechts von mir zwei Pissoirs,<br />

direkt vor mir die Kabinen. Ich öffnete die Tür der linken<br />

Kabine und stellte befriedigt fest, dass es sich um eine<br />

Standardausführung handelte – mit einem soliden Spülkasten,<br />

der mir bis zur Brust reichte. Spülkästen in der Wand zu verstecken<br />

mochte schick sein, wäre für mein Vorhaben aber<br />

denkbar ungünstig gewesen. Ich klappte den Toilettendeckel<br />

herunter, stieg darauf und kletterte auf den Spülkasten. Jetzt<br />

stand ich geduckt unter der Decke. Ich testete kurz mein<br />

Gleichgewicht und ob meine Ausrüstung gesichert war, dann<br />

drückte ich vorsichtig gegen die Deckenplatte.<br />

Sie bewegte sich sofort, eine Wolke aus Staub und toten<br />

Fliegen rieselte auf mich herunter. Ich zog mich hoch und<br />

betete, dass die Wand zwischen den beiden Räumen mein<br />

Gewicht tragen würde. Sie knarrte leise, als ich den Bizeps<br />

anspannte, und noch einmal, als ich ein Bein hoch und in die<br />

schmale Öffnung schob. Doch sie hielt, und keine zwanzig<br />

Sekunden später lag ich auf dem Bauch zwischen der abgehängten<br />

und der echten Decke. Es war sehr, sehr heiß, weil<br />

hier die silbernen Leitungen der Klimaanlagen verliefen, die<br />

auf Hochtouren arbeiteten, um die Serverschränke im Raum<br />

darunter zu kühlen. Als ich die Taschenlampe im Halbkreis<br />

schwenkte, sah ich den Kriechraum, der sich vor mir in die<br />

Dunkelheit erstreckte. Ich nahm die Taschenlampe zwischen<br />

20<br />

94


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

die Zähne und robbte voran, wobei ich mich so nah wie möglich<br />

an der tragenden Wand hielt. Dann bohrte ich die Fingernägel<br />

in eine Deckenplatte, die sich meiner Einschätzung nach<br />

in der Ecke des Serverraums befinden musste. Sie ließ sich<br />

leicht hochziehen wie eine Falltür, doch ich war beängstigend<br />

weit oben. Reihen blinkender Serverschränke, die keinen Halt<br />

boten. Es wäre ein Sprung aus zweieinhalb Metern Höhe. Ich<br />

konnte mich hinunterlassen – mein Oberkörper war ziemlich<br />

kräftig –, wäre aber wohl kaum in der Lage, mich wieder hochzuziehen.<br />

Was zu der drängenden Frage führte, ob sich die Tür<br />

des Serverraums von innen ohne Magnetstreifenkarte öffnen<br />

ließ.<br />

Ich legte mich flach auf die Trennwand, steckte den Kopf<br />

durch die Öffnung und leuchtete mit der Taschenlampe in den<br />

Raum unter mir. Es gab ein Bedienfeld neben dem Türgriff,<br />

aber ich konnte nicht erkennen, ob es sich um eine Entriegelungsvorrichtung<br />

oder einen Feueralarmknopf handelte. Oder<br />

nur um einen Lichtschalter. Ich musste näher heran.<br />

Ganz vorsichtig legte ich die Deckenplatte beiseite und kroch<br />

zur Mitte des Raums. Die Unterkonstruktion knarrte ein wenig,<br />

bewegte sich aber nicht. Mit angehaltenem Atem zog ich<br />

eine zweite Platte hoch. Sie saß fester, und ich musste mit aller<br />

Kraft daran ziehen. Eine Ecke gab nach, ich zog noch fester.<br />

Dann brach mit einem Geräusch wie ein Donnerschlag die<br />

ganze Platte in zwei Hälften, und ich purzelte nach hinten.<br />

Einen Moment lang lag ich wie erstarrt da, die halbe Platte<br />

in der Hand. Der Knall war so laut gewesen, dass mir die Ohren<br />

klingelten, und ich konnte mir vorstellen, wie der Krach<br />

durch den Deckenraum über dem Korridor gehallt sein musste,<br />

die Decke vibrierte wie eine Trommel. Um mich herum rieselte<br />

körniger Staub herunter, die Panzer winziger Insekten<br />

landeten in meinen Haaren und meinem Gesicht, und ich<br />

hörte Gabes panische Stimme im Ohr.<br />

21<br />

95


Leseprobe | Snippets<br />

»Jack! Jack! Alles okay? Babe, bist du in Ordnung? Was ist<br />

passiert?«<br />

»Mir geht’s gut«, flüsterte ich und berührte das Headset,<br />

um zu prüfen, ob es noch richtig saß. Meine Finger zitterten<br />

vor Schreck. »Ich – ich hab gerade eine Deckenplatte zerbrochen.«<br />

»Es klang wie ein Schuss!« Ich hörte, wie erleichtert er war,<br />

und wünschte mir plötzlich sehnlichst, er wäre hier bei mir.<br />

Ihm ging es genauso, das wusste ich. Dies war immer der<br />

schwierigste Teil – wenn etwas ganz oder beinahe schiefging<br />

und der andere nicht helfen konnte.<br />

»Mein Gott, Süße, tu mir das nicht an. Ich dachte, sie hätten<br />

dich erschossen.«<br />

»Mir geht’s gut, aber verdammt, Gabe, das war total laut.<br />

Falls noch jemand auf dieser Etage arbeitet, hat er es garantiert<br />

gehört.«<br />

»Ich komme nicht in die Überwachungskameras, bevor du<br />

nicht den Drive angeschlossen hast.« Gabe klang jetzt ernst<br />

und so, als wäre er beunruhigt, wollte es aber nicht zeigen –<br />

weil er mich nicht mit seiner Nervosität anstecken wollte und<br />

weil ich auf seinen Beschützerinstinkt manchmal gereizt reagierte.<br />

»Im Ernst, Liebes, alles okay?«<br />

»Alles bestens.« Ich legte die zerbrochene Platte weg,<br />

stützte mich auf die Ellbogen und tastete mich vorsichtig ab.<br />

Mein Herzschlag wurde langsamer, in Rucksack und Taschen<br />

schien nichts zu fehlen. Dann merkte ich, dass die Taschenlampe<br />

durch das Loch in der Decke gefallen war und auf dem<br />

Boden des Serverraums lag. Und ich hatte immer noch keine<br />

Ahnung, ob es eine Entriegelungsvorrichtung gab.<br />

Scheiß drauf, es gab nur einen Weg in diesen Serverraum –<br />

und falls ich nicht wieder rauskam, war das eben so. Notfalls<br />

würde ich hier übernachten. Ich hatte schon Schlimmeres<br />

getan.<br />

22<br />

96


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

Ich ließ meine Stimme fest klingen. »Ich gehe runter.«<br />

»Wie hoch ist es?«<br />

»Zweieinhalb Meter, höchstens drei.«<br />

»Hals- und Beinbruch. Nein, nicht wörtlich nehmen!«<br />

»Wird schon«, sagte ich knapp, schätzte die Fallhöhe ab,<br />

tauchte die Fingerspitzen in die Kletterkreide, die an meinem<br />

Rucksack hing, und ließ mich langsam hinunter, meine Muskeln<br />

vor Anstrengung hart angespannt. Genau darum verbrachte<br />

ich fünf langweilige Vormittage pro Woche im Fitnessstudio.<br />

Nicht, um in Skinny Jeans zu passen, und schon<br />

gar nicht für Gabe, dem meine Kleidergröße völlig egal war.<br />

Nein, ich machte es für solche Momente, in denen alles von<br />

der Kraft meines Bizeps und meines Griffs abhing.<br />

Dafür und um vor Wachleuten wegzurennen, was heute<br />

Abend hoffentlich nicht nötig werden würde.<br />

Kurz darauf hing ich nur noch an den Fingerspitzen, die<br />

Arme gestreckt. Ich sah nach unten. Vielleicht noch ein Meter<br />

bis zum Boden. Das war nicht optimal, und ich wünschte, ich<br />

hätte etwas Stoßdämpfenderes als Converse getragen, aber<br />

meine Finger protestierten schon. Ich zählte bis drei.<br />

Und ließ los. Ich landete lautlos wie eine Katze auf allen<br />

vieren. »Bin drin.«<br />

»Du bist verdammt brillant. Sag ich dir das eigentlich oft<br />

genug? Hast du die USB-Sticks und den zweiten Pi?«<br />

»Ja.« Ich richtete mich auf und kramte im Rucksack nach<br />

dem Polsterumschlag, dessen Inhalt Gabe sorgfältig vorbereitet<br />

hatte. »Wo sollen die hin?«<br />

»Okay«, sagte Gabe, seine Stimme war jetzt pure Konzentration.<br />

»Hör zu, du tust Folgendes …«<br />

Etwa fünf Minuten später steckte ich den letzten USB-Stick<br />

ein, wischte mir die schwitzenden Handflächen ab und sah<br />

mich nach der Taschenlampe um. Zuerst konnte ich sie nicht<br />

23<br />

97


Leseprobe | Snippets<br />

entdecken, bemerkte dann aber ein Leuchten unter dem hintersten<br />

Serverschrank. Ich musste sie versehentlich dorthin<br />

gestoßen haben, als ich mich hatte fallen lassen.<br />

Sie lag ganz hinten, aber ich konnte sie mit der Metallstange<br />

herausholen. Ich leuchtete auf das Bedienfeld neben der Tür.<br />

Ein grüner Knopf. Unbeschriftet, aber es musste eine Entriegelung<br />

sein. Der Brandschutz verbot es doch garantiert,<br />

Leute in Räumen einzusperren, die mit elektronischen Geräten<br />

gefüllt waren.<br />

Bevor ich den Knopf drückte, sah ich zur Decke hoch. Zwei<br />

Platten fehlten: eine hatte ich herausgenommen, die andere<br />

war durchgebrochen. Schäden an der Einrichtung gehörten<br />

nicht zum Plan, aber Unfälle ließen sich nicht immer vermeiden.<br />

Allerdings wäre es vielleicht ratsam, in der Herrentoilette<br />

noch mal raufzuklettern und die Platte wieder einzusetzen.<br />

Ich dachte gerade darüber nach, als Gabes Stimme erklang.<br />

Sein Tonfall war anders.<br />

»Babe? Bist du noch da?«<br />

»Ich will gerade gehen. Was ist los?«<br />

»Sie kommen. Ich habe gerade Zugriff auf die Kameras gekriegt.<br />

Ein Wachmann auf der Hintertreppe, noch einer beim<br />

Hauptaufzug. Sie verlassen gerade den dritten Stock.«<br />

»Wie viel Zeit habe ich?«<br />

»Zwei Minuten, höchstens. Vielleicht weniger.«<br />

»Soll ich hierbleiben?«<br />

»Nein, sie durchsuchen alle Räume. Jemand muss den Lärm<br />

gehört haben.«<br />

»Okay. Ich versuch’s.«<br />

Nervös drückte ich den grünen Knopf. Einen Moment lang<br />

tat sich nichts, mein Magen zog sich zusammen. Hatten die<br />

Wachen irgendwie den Mechanismus deaktiviert? Ich zog am<br />

Griff – und die Tür schwang nach innen auf.<br />

24<br />

98


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

»Wo sind sie?«, flüsterte ich und schlich geduckt in den<br />

Korridor. Die Lampen gingen an, als ich die Bewegungsmelder<br />

auslöste. Die Wachleute würden sofort merken, dass jemand<br />

hier war.<br />

»Im vierten, glaub ich.« Gabes Stimme klang angespannt.<br />

Vermutlich hing er über den Monitoren, um den Grundriss<br />

des Gebäudes mit den Kamerabildern abzugleichen. Baupläne<br />

und technisches Kauderwelsch – darin war ich gar nicht<br />

gut, während er praktisch dafür lebte. »Hey, ich kann dich<br />

sehen.«<br />

Ich blickte hoch und schaute ins starre schwarze Auge einer<br />

Überwachungskamera. Ich warf Gabe eine Kusshand zu und<br />

stellte mir vor, wie er zurückgrinste. Dann fragte ich mich, ob<br />

irgendein erstaunter Wachmann das jetzt auch gesehen hatte.<br />

Gabes Stimme riss mich aus meinen Gedanken. »Stopp. Ein<br />

Wachmann ist direkt vor dir, will gerade in die Lobby im fünften<br />

Stock. Mach kehrt, geh zur Hintertreppe; vielleicht schaffst<br />

du es runter, bevor der Typ im vierten Stock fertig ist. Nicht<br />

rennen – er ist genau unter dir und würde dich hören.«<br />

Gehorsam bewegte ich mich leise mit großen Schritten in<br />

die andere Richtung, dankbar für meine Gummisohlen. Ich<br />

war fast an der Treppe, als Gabe sich in scharfem Ton meldete.<br />

»Abbruch! Er ist auf der Treppe.«<br />

Fuck. Ich konnte nicht reden, das wusste Gabe. Er sah seine<br />

Frau auf den Monitoren, gefangen wie eine Maus zwischen<br />

zwei Katzen. Es gab keinen Ausweg. Ich musste mich verstecken.<br />

»Schnell, in ein Büro«, befahl er. Ich war schon dabei, die<br />

Türen zu probieren. Erste abgeschlossen. Zweite abgeschlossen.<br />

Was waren das bloß für Leute? Misstrauten sie ihren<br />

Kollegen so sehr? Dritte abgeschlossen. Verzweifelt durchwühlte<br />

ich den Rucksack nach meinen Dietrichen, steckte<br />

einen ins Schlüsselloch und stocherte wild darin herum. Das<br />

25<br />

99


Leseprobe | Snippets<br />

Glück war auf meiner Seite, das Schloss gab mit einem erfreulichen<br />

Klicken nach. Ich glitt hinein, verschloss die Tür und<br />

drückte mich mit dem Rücken ans Holz, versuchte mein heftig<br />

klopfendes Herz zu beruhigen.<br />

»Ich kann dich sehen«, sagte Gabe eindringlich. Ich wandte<br />

den Kopf, er hatte recht. Selbst wenn ich mich an die Tür<br />

drückte, war ich durch die Glasscheibe zu sehen, und die<br />

Wachen kamen näher. Ich konnte ihre Schritte im Korridor<br />

hören, ihre Stimmen wurden lauter.<br />

Mir blieben nur Sekunden.<br />

Sie durchsuchen die Büros, schoss mir Gabes Warnung<br />

durch den Kopf. Wenn sie die Tür öffneten, war ich geliefert.<br />

Ich warf mich auf den Boden, rollte seitwärts unter ein<br />

Sofa. Ich lag da, das Gesicht in den Teppich gepresst, das Blut<br />

pochte in meinen Ohren. Einen Moment lang dachte ich an<br />

Jen, meine imaginäre Büroangestellte, und fragte mich, was<br />

sie wohl davon halten würde. Ich musste ein hysterisches<br />

Kichern unterdrücken.<br />

Ich hielt die Luft an und drehte den Ring an meiner linken<br />

Hand mit dem Daumen. Das machte ich immer, wenn ich gestresst<br />

war – eine Angewohnheit irgendwo zwischen Nägelkauen<br />

und Daumendrücken, nur war sie mit Gabe verbunden.<br />

Es ergab durchaus Sinn, da mein Schicksal so oft in den<br />

Händen meines Mannes lag.<br />

Ich hörte Schritte vor der Tür, die Klinke wurde gedrückt.<br />

»Auch abgeschlossen.«<br />

»In diesem Stockwerk ist überall abgeschlossen«, sagte eine<br />

andere Stimme. »Hier, ich habe den Hauptschlüssel.«<br />

Ein Schlüsselbund wurde klirrend geworfen, ich unterdrückte<br />

ein Lachen, als er auf dem Boden landete.<br />

»Tu mir den Gefallen und gib ihn mir das nächste Mal einfach.«<br />

Ein Schlüssel wurde ins Schloss gesteckt, die Tür geöffnet.<br />

Das Licht einer Taschenlampe schwenkte durch den Raum.<br />

26<br />

100


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

Ich hielt den Atem an und betete, dass sie nicht unter das Sofa<br />

leuchteten. Ein Schreibtischstuhl wurde zur Seite gerollt, dann<br />

fiel die Tür wieder zu.<br />

Ich atmete zitternd und möglichst leise aus.<br />

»Keiner drin. Was ist mit den Klos?«<br />

»Leer.« Die Stimme klang hohl, als käme sie aus dem Inneren<br />

der Toilette. Eine Pause und dann: »Warte mal …«<br />

Von meiner Position aus konnte ich nichts sehen, hob vorsichtig<br />

die Hand und berührte mein Headset.<br />

»Sprich mit mir«, hauchte ich.<br />

»Sie haben die Deckenplatte gefunden«, flüsterte Gabe.<br />

Scheiße.<br />

»Sieh dir das an«, sagte ein Wachmann.<br />

Ich hörte Schritte, als der andere durch den Korridor ging.<br />

Er öffnete die Toilettentür, sie schloss sich mit einem leisen<br />

Geräusch hinter ihm.<br />

Ich wollte gerade unter dem Sofa hervorkriechen, als Gabe<br />

sich drängend meldete.<br />

»Los, los, geh. Jetzt!«<br />

Das brauchte er mir nicht zweimal zu sagen. Ich war schon<br />

auf den Beinen, riss die Tür auf, sah mich um, unsicher, in<br />

welche Richtung ich laufen sollte.<br />

»Weg von den Aufzügen!« Ich rannte los und bog um die<br />

Ecke, wo ich fast gegen die nächste Sicherheitstür geprallt<br />

wäre, doch Gabe hatte sie schon geöffnet.<br />

»Der Notausgang ist rechts von dir«, sagte Gabe, und ich<br />

stürzte hindurch, gelangte in ein schwindelerregendes Treppenhaus,<br />

das spiralförmig nach unten in die Dunkelheit führte.<br />

Die schwere Tür schlug hinter mir zu, doch das war mir egal.<br />

Ich hatte meine Chance auf einen diskreten Abgang sowieso<br />

verspielt. Bloß weg hier.<br />

Ein Stockwerk runter. Noch ein Stockwerk. Mein Herzschlag<br />

hämmerte in meinen Ohren.<br />

27<br />

1<strong>01</strong>


Leseprobe | Snippets<br />

»Du bist fast da«, sagte Gabe. »Du schaffst das – noch drei<br />

Etagen, dann scharf links, da ist ein Notausgang.«<br />

»Und wenn der eine Alarmanlage hat?«, keuchte ich. Noch<br />

eine Treppe. Die vorletzte.<br />

»Scheiß auf die Alarmanlage. Die andere Tür war auch<br />

nicht gesichert. Falls doch, stelle ich sie ab. Du schaffst das,<br />

hörst du mich? Du schaffst das.«<br />

»Okay.« Ich war außer Atem, konnte jetzt nicht reden. Die<br />

letzte Treppe, dann taumelte ich nach links. Tatsächlich, da<br />

war der Notausgang – und dahinter die Freiheit.<br />

Ich schlug auf die Stange, horchte auf einen Alarm – wieder<br />

nichts. Das würde ich im Bericht vermerken. Jetzt aber war ich<br />

erst mal draußen, an der ersehnten frischen Luft.<br />

»Wahnsinn!«, johlte Gabe in meinem Ohr und lachte zittrig,<br />

beinahe hysterisch. »Mein Gott. Du warst unglaublich.<br />

Ich hätte nicht gedacht, dass du es schaffst.«<br />

»Ich auch nicht.« Mein Herz schlug wie verrückt, aber ich<br />

zwang mich, langsam über den Parkplatz zu gehen. Falls hier<br />

draußen noch mehr Wachleute waren, erregte ich besser keine<br />

Aufmerksamkeit. »Fuck, das war echt kein Vergnügen.«<br />

Gabe lachte sein tiefes, dreckiges Lachen, das ich so liebte.<br />

»Erstens, werde ich ganz sicher. Und zweitens wissen wir<br />

beide, dass das gelogen ist. Du hast jede Minute genossen.«<br />

Ich spürte, wie sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ausbreitete.<br />

»Na schön … ein bisschen habe ich es genossen.«<br />

»Ein bisschen? Du hattest einen Riesenspaß!«<br />

»Suchen die noch nach mir?«<br />

»Ja, im fünften Stock. Einer hat den Serverraum geöffnet,<br />

aber sie haben die Sticks noch nicht entdeckt. Du warst großartig,<br />

Babe.«<br />

»Ich weiß«, sagte ich bescheiden und hörte Gabe lachen.<br />

»Kommst du ab jetzt allein klar? Ich muss ins Netzwerk,<br />

bevor sie merken, was hier läuft.«<br />

28<br />

102


Ruth Ware: Zero Days | Spannung<br />

»Ja, bin fast am Auto. Wir sehen uns in …« Ich sah aufs<br />

Handy. »Vierzig Minuten? Um diese Zeit dürften die Straßen<br />

leer sein.«<br />

»Soll ich was zu essen bestellen?«<br />

Ich merkte, dass ich hungrig war. Ich aß nie vor einem Job –<br />

mit vollem Magen herumzurennen, fühlt sich nicht gut an.<br />

Doch nun lief mir beim Gedanken an Essen das Wasser im<br />

Mund zusammen.<br />

»Ja«, sagte ich mit Nachdruck. »Eine große Pizza mit Pilzen,<br />

Paprika … Nein, vergiss es. Ich will den Portobello Veggieburger<br />

von Danny’s Diner mit Trüffel-Mayo und extra Zwiebeln.<br />

Meinst du, die haben noch auf?«<br />

»Klar.«<br />

»Super. Denk an den Krautsalat. Und extra Pommes. Nein,<br />

lieber Süßkartoffelpommes. Und sag ihnen, sie sollen es nicht<br />

in dieselbe Tüte packen wie dein Essen. Letztes Mal musste<br />

ich deinen ekligen Bacon Jam von meinem Burger kratzen.«<br />

»Verstanden. Keine Pommes. Extra Bacon. Bis gleich, Babe.<br />

Ich liebe dich.«<br />

»Ich dich auch«, sagte ich glücklich und nahm das Headset<br />

ab.<br />

Über die Mauer zu klettern, war diesmal schwieriger, weil<br />

meine Muskeln wehtaten und mein Herz noch vom Adrenalin<br />

hämmerte, aber ich stieg auf eine Recyclingtonne, sprang<br />

auf der anderen Seite runter und lief zum Auto. Ich kramte in<br />

der Tasche nach dem Schlüssel und sah nicht hoch, aber das<br />

hätte auch keinen Unterschied gemacht. Als ich um die Ecke<br />

bog, warteten sie schon auf mich.<br />

Ich lief dem Sicherheitschef direkt in die Arme.<br />

29<br />

103


SPANNUNG


Leseprobe | Snippets<br />

Du wirst ganz<br />

mir gehören!<br />

Jede Nacht hat ihre Kinder. Geschöpfe wie ihn, die um die<br />

beleuchteten Häuser schlichen und nach Beute suchten. Mit<br />

dem Teleobjektiv, aus sicherer Entfernung. Einmal im Monat<br />

eroberte der Schatten ein anderes Revier. Ein fremdes Viertel,<br />

eine neue Straße. Er wurde regelrecht süchtig danach. Bis er<br />

Mia sah. Und so blieb er für immer ...<br />

Irgendetwas an Viktor stimmt nicht, das spürt Mia schon bei<br />

ihrem ersten Date im Edelrestaurant auf dem Dach des Kanzleramts.<br />

In den Tagen darauf geschehen merkwürdige Dinge,<br />

die sich irgendwann nicht mehr mit dem Zufall erklären lassen.<br />

Mias anfängliche Beunruhigung weicht einer lähmenden<br />

Angst. Doch dann beschließt sie, den Spieß umzudrehen. Ein<br />

tödliches Spiel beginnt ...<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Ivar Leon Menger: Angst<br />

dtv, Paperback, 448 Seiten, € 16,00, ISBN: 978-3-423-26361-0<br />

105


Leseprobe | Snippets<br />

Prolog<br />

Jede Nacht hat ihre Kinder. Geschöpfe wie ihn, die um die<br />

beleuchteten Häuser schleichen und nach Beute suchen. Mit<br />

dem Teleobjektiv, aus sicherer Entfernung. Einmal im Monat<br />

eroberte der Schatten ein anderes Revier. Ein fremdes Viertel,<br />

eine neue Straße. Er wurde regelrecht süchtig danach. Bis er<br />

Mia sah. Und so blieb er für immer.<br />

Er studierte jede ihrer Bewegungen, beobachtete, wie sie die<br />

Vorhänge an ihrem Fenster zuzog, meist nur halbherzig. Vermutlich,<br />

damit er ihr weiterhin zusehen konnte, wie sie sich im<br />

Schein der Schreibtischlampe entkleidete. Dann wünschte er<br />

sich, dass sie sich zwischen die Beine fasste und für ihn masturbierte.<br />

Doch das war nie geschehen. Das hob sie sich wohl für<br />

andere auf.<br />

Ja, er war ihr hartnäckig gefolgt. Bis er endlich in ihrer Nähe<br />

war. So dicht, dass sie seine Anwesenheit gar nicht mehr bemerkte.<br />

Das war eine Kunst, kein Verbrechen.<br />

Und trotzdem saß er nun hier, in diesem schrecklich schmucklosen<br />

Verhörraum, und sollte erzählen, was vor zwei Wochen<br />

passiert war.<br />

Er dachte, es wäre Liebe. Dabei hatte ihm Mia nur etwas vorgespielt.<br />

Er schüttelte den Kopf über die eigene Dummheit.<br />

Warum war er nicht von alleine darauf gekommen? Sie war<br />

Schauspielerin von Beruf. Also so etwas Ähnliches wie er.<br />

Er hatte früh gelernt, sich zu verstellen. In andere Rollen zu<br />

schlüpfen, damit sie ihm nicht auf die Spur kamen. Schon da-<br />

7<br />

106


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

mals, als er als Kind die Nachmittage im Wald verbrachte,<br />

Blaubeeren sammelte, den Schnecken die Fühler abschnitt oder<br />

Katzen anzündete.<br />

Der Kommissar schob ihm einen Becher mit Kaffee über den<br />

Tisch.<br />

Er nahm einen Schluck und ärgerte sich über die Handschellen,<br />

die ihn dazu zwangen, den Kaffeebecher mit zwei<br />

Händen zu umklammern. Er war doch kein Eichhörnchen.<br />

»Mein Name ist Tarik Ünal. Ich bin der leitende Mordermittler<br />

in diesem Fall.« Seine Stimme war so tief wie ein gut<br />

gestimmter Kontrabass. »Bevor wir mit unserer Befragung<br />

beginnen – haben Sie eine Anwältin oder einen Anwalt, die<br />

wir benachrichtigen sollen?« Der Kommissar sah ihn an, doch<br />

er blieb weiterhin stumm. »Wünschen Sie rechtlichen Beistand?«<br />

Er schüttelte den Kopf.<br />

Rechtlicher Beistand hatte ihm schon früher nicht geholfen.<br />

Als er in den Jugendknast gekommen war.<br />

»Wie Sie meinen«, sagte Tarik Ünal und räusperte sich. Er<br />

drückte auf die Taste eines Aufnahmegeräts und schob ihm ein<br />

Mikrofon vor die Nase. »Ich halte fest, dass der Beschuldigte<br />

über seine Rechte aufgeklärt wurde und auf einen Rechtsbeistand<br />

verzichtet. Es ist der 20. Juli, elf Uhr acht.« Der<br />

Kommissar legte die Arme auf den Tisch. »Bevor wir zu den<br />

Mordopfern kommen, würde ich gern über die Stalkingvorwürfe<br />

reden, die gegen Sie vorliegen.« Er fuhr sich mit der<br />

Hand über den gepflegten Dreitagebart. »Ich will das verstehen.«<br />

»Sie … sie liebt mich«, murmelte er und stellte den Kaffeebecher<br />

wieder auf den Metalltisch zurück. »Ich wollte nicht,<br />

dass es so endet.«<br />

»Natürlich«, entgegnete Tarik Ünal ruhig. »Niemand wollte<br />

das. Aber beginnen wir am Anfang. Für das Protokoll, einverstanden?<br />

Als Sie Mia Richter kennenlernten.« Er richtete sich<br />

8<br />

107


Leseprobe | Snippets<br />

vor ihm auf. »Bitte erklären Sie mir eins …« Die Lederjacke des<br />

Polizisten knarzte, als er die Arme vor der Brust verschränkte.<br />

»Wie zur Hölle haben Sie es geschafft, bis in ihre Wohnung zu<br />

kommen?«<br />

Er grinste. »Oh, das war leicht.«<br />

108


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

1<br />

Der Kellner schenkt ungefragt Champagner nach. Aber vielleicht<br />

macht man das so, hoch über den Dächern des Regierungsviertels.<br />

Ich schiele zu den Nachbartischen hinüber.<br />

Rauschendes Stimmengemurmel in der Sommernacht, darüber<br />

leise Klaviermusik. Wahrscheinlich Frédéric Chopin in Endlosschleife.<br />

Ein italienisches Touristenpärchen im Kerzenschein,<br />

verträumt, mit Sicht auf den Berliner Fernsehturm. Wie zwei<br />

Models aus einer Parfumwerbung. Dahinter mit Rosenblüten<br />

eingedeckte Tischreihen, an denen ein Junggesellinnenabschied<br />

gefeiert wird. Ein Dutzend lachsfarbene Poloshirts mit Hochsteckfrisuren<br />

in wohltemperierter Lautstärke. Und an der letzten<br />

Tafel der Dachterrasse zwei Mittsiebziger in eleganter<br />

Abendgarderobe, händchenhaltend. Die beiden Alten wirken<br />

so verliebt, als wäre heute ihr erstes Date.<br />

So viel Liebe um mich herum, ich könnte kotzen.<br />

Ich kratze den letzten Löffel Limettenmousse vom Teller<br />

und wische mir den Mund mit der steifen Stoffserviette ab.<br />

Lauwarmer Wind zieht durch meine Seidenbluse. Streift meine<br />

Haut, den roséfarbenen Spitzen-BH, den ich mir letzte Woche<br />

gegönnt habe. Als ich mit diesem angesagten Prenzlauer-Berg-<br />

DJ aus war. Christoph oder Torben oder so ähnlich, keine<br />

Ahnung. Sorry, aber von sexistischen Arschlöchern merke ich<br />

mir grundsätzlich keine Namen.<br />

Besonders, wenn sie sich nicht mehr bei mir melden.<br />

Die unfassbar teure Glasflasche neben mir klirrt im Eiswürfelbad.<br />

Der Kellner deutet eine knappe Verbeugung an, dann<br />

13<br />

109


Leseprobe | Snippets<br />

verschwindet er im Lichtermeer des Dachgartens. Ach, wie<br />

gern würde ich ihm folgen. Einfach nur weg von hier.<br />

Doch die mondäne Stimmung des Edelrestaurants im historischen<br />

Reichstagsgebäude nimmt mich ungewollt gefangen.<br />

Das hier ist kein Feierabendbier am Späti, kein Date in einem<br />

hippen Burgerladen oder wo man sich ansonsten in Berlin trifft,<br />

wenn man sich kennenlernen will. Das hier hat Klasse. Genauso<br />

wie der blonde Dreißigjährige, der mir seit fast zwei Stunden<br />

gegenübersitzt.<br />

Viktor.<br />

Seinen Nachnamen kenne ich nicht.<br />

Ich kann es nicht erklären, aber an diesem piekfeinen Ort<br />

fühle ich mich irgendwie besonders. Wie die zwiegespaltene<br />

Hauptfigur in einem französischen Godard-Film, die hier sein<br />

will und gleichzeitig ganz woanders. Ich lächle mein Gegenüber<br />

an, nicke verständnisvoll, auch wenn ich seinem Monolog<br />

schon seit Minuten nicht mehr folge. Ich greife zu meinem<br />

Champagnerglas und nehme einen Schluck. Die herben Perlen,<br />

die meinen Gaumen kitzeln, betören mich immer mehr.<br />

Keine Sorge, ich bin nicht betrunken. Auch nicht kurz davor.<br />

Denn das ist meine wichtigste Regel: Bei einem unbekannten<br />

Date immer die Kontrolle behalten! Ich spreche aus Erfahrung.<br />

Ansonsten wachst du am nächsten Morgen zu Hause auf und<br />

weißt nicht, wie du deinen Nachtfang wieder loswirst.<br />

Ich will keine feste Beziehung. Das verträgt sich nicht mit<br />

meinen Zukunftsplänen. Nicht umsonst habe ich die kleine<br />

Vogeltätowierung auf meinem Handgelenk. Eine Schwalbe, frei<br />

und unabhängig, von Baum zu Baum fliegend, um etwas Spaß<br />

zu haben.<br />

Nun also Viktor.<br />

Dunkelblauer Nadelstreifenanzug, gebügeltes weißes T-Shirt,<br />

braune Lederschuhe, teure Armbanduhr.<br />

Er wirkt so ganz anders als heute Nachmittag, als ich ihn<br />

kennengelernt habe. Eleganter, reicher. Doch seine traurigen<br />

14<br />

110


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

Augen und das verschmitzte Lächeln sind geblieben. Eine<br />

Kombination, die mich neugierig gemacht hat. Vor wenigen<br />

Stunden auf der Museumsinsel, in der Alten Nationalgalerie.<br />

Ich hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, dass er mir mit<br />

seiner schwarzen NYC-Baseballcap, den zerrissenen Jeans und<br />

dem dunkelblauen Kapuzenpulli durch die verschiedenen Ausstellungen<br />

gefolgt war. Bis in die oberste Etage zur Romantik,<br />

wie passend.<br />

Es war vor dem Gemälde Der Mönch am Meer von Caspar<br />

David Friedrich, mitten zwischen den asiatischen Touristen, als<br />

er mich aus dem Nichts heraus gefragt hat, ob ich vielleicht einen<br />

Kaffee mit ihm trinken würde. Noch bevor er mich nach meinem<br />

Namen gefragt hat. Seine Hände haben gezittert, genau wie<br />

seine Stimme. Ich habe den Kopf schiefgelegt und ihn von oben<br />

bis unten gemustert. So wie ihr Männer es mit uns Frauen tut.<br />

Er hat nervös gelächelt, ist von einem Fuß auf den anderen<br />

getreten, hat auf die blaugräuliche Leinwand hinter uns gedeutet.<br />

Hat gesagt, falls ich sein Angebot ablehne, würde er sich aus<br />

Kummer in die Sturmfluten des Gemäldes werfen.<br />

Das war charmant, witzig.<br />

Ich entgegnete, dass wahrscheinlich nicht nur ich über seinen<br />

kreativen Freitod untröstlich wäre, sondern vermutlich auch<br />

der Museumswärter, der grimmig zu uns herüberstarrte. Darüber<br />

musste er so laut lachen, dass der Wächter den Zeigefinger<br />

an die Lippen legte.<br />

Also sagte ich ihm kurzerhand zu. Ohne eine Sekunde zu<br />

zögern. Es imponierte mir, dass er die Chuzpe besessen hatte,<br />

mich einfach anzusprechen. So wie früher, in der guten analogen<br />

Zeit. Als man sich noch im Kino oder Tanzcafé kennengelernt<br />

hat. Und nicht über Dating-Apps. Wie hätte ich da Nein<br />

sagen können? Außerdem sah er wie ein schräger Berliner<br />

Künstler aus. Irgendwie süß. Wenn auch nicht mein Typ.<br />

»Mia.« Ich streckte ihm die Hand hin. »Mia Richter.«<br />

Er hat meine Hand genommen. »Viktor.«<br />

15<br />

111


Leseprobe | Snippets<br />

Und nun, nur wenige Stunden später, sitzen wir überraschend<br />

hier. In diesem Promi-Edelschuppen, angeblich seinem<br />

Lieblingsrestaurant, nach einem Sieben-Gänge-Menü mit Weinbegleitung,<br />

auf einer Dachterrasse über dem Berliner Regierungsviertel.<br />

Das nennt er Kaffee trinken?<br />

Er dachte wohl, nach Langoustines Royal mit Vinaigrette von<br />

gereifter Sojasauce, Sauté vom Kalbsbries mit kleinen, gefüllten<br />

Champignons, Uckermärker Rinderrücken mit Sauerklee und<br />

geschmorter Rote Bete bekommt er mich als Dessert dazu.<br />

Junge, vergiss es. Mit Geld beeindruckt mich niemand.<br />

Mit zerrissener Jeans warst du interessanter.<br />

Ich nippe am Champagnerglas und schiele auf meine Uhr.<br />

Viertel vor zehn an einem Donnerstagabend. Die verbleibenden<br />

fünfzehn Minuten schenke ich Viktor noch, dann wird es Zeit,<br />

nach Hause zu fahren. Ich bin kein ängstlicher Typ, trotzdem<br />

muss ich mein Schicksal nicht herausfordern, wenn ich später<br />

mit der U-Bahn nach Kreuzberg fahre. Außerdem ist morgen<br />

ein wichtiger Tag für mich.<br />

Erneut nicke ich mit dem Kopf, ohne zuzuhören, als mir<br />

Viktors Mundwinkel auffallen. Sie haben sich plötzlich verändert,<br />

hängen wie seine Augenlider traurig nach unten. Er tupft<br />

sich mit der Stoffserviette über die Stirn.<br />

Ex-Freundin? Tragisch? Von was spricht er da?<br />

Ich setze mich im Stuhl auf und stelle mein Grinsen ein.<br />

»Bitte entschuldige, Viktor«, sage ich. »Was war mit deiner<br />

Freundin? Wieso hat sie dich verlassen?«<br />

Viktor holt Luft. »Meine Verlobte hat sich umgebracht.«<br />

»O Gott«, entfährt es mir leise. »Das … das tut mir leid.«<br />

Meine Nackenhaare stellen sich auf. Ich streiche über meine<br />

Tätowierung, über die schmale Narbe.<br />

»Nein, nein. Mir tut es leid, Mia«, sagt er hastig. »Ich wollte<br />

jetzt nicht unseren wunderbaren Abend zerstören.« Viktor lässt<br />

den Kopf hängen. »Ich bin nicht gut in so was.«<br />

16<br />

112


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

»Darin ist niemand gut, Viktor«, sage ich leise. »Suizid ist ein<br />

ernstes, wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen<br />

wird.«<br />

»Aber doch nicht bei unserer ersten Verabredung«, sagt Viktor<br />

und schüttelt den Kopf. »Wie dumm kann man sein?«<br />

Ich beuge mich zu ihm vor, lege die Hand auf seinen Arm.<br />

»Du bist nicht dumm, Viktor. Genau das macht uns doch zu<br />

Menschen. Wenn Gespräche in die Tiefe gehen, kein oberflächliches<br />

Blabla.« Ich ziehe meine Hand wieder zurück. »Möchtest<br />

du darüber sprechen?« Viktor lehnt sich zurück, starrt in den<br />

Himmel. Ich senke meine Stimme: »Hatte deine Verlobte …<br />

Depressionen?«<br />

»Nee«, antwortet er knapp. »Sie hat nur unsere Trennung<br />

nicht verkraftet.« Dann richtet sich Viktor plötzlich zu voller<br />

Größe auf und winkt die Kellnerin zu uns. »Hallo? Hier! Bitte<br />

zahlen!«<br />

Augenblicklich habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich<br />

ihm nicht richtig zugehört, sondern ganz egoistisch den Abend<br />

genossen habe. Auch wenn ich mir unser spontanes Date eigentlich<br />

ganz anders vorgestellt hatte. Einfacher, mit viel weniger<br />

Tamtam.<br />

Ich drehe mich zur Kellnerin um, die mit der Rechnung an<br />

unseren Tisch getreten ist, und öffne meine Handtasche. »Wir<br />

zahlen bitte getrennt.«<br />

»Kommt überhaupt nicht infrage, Mia«, geht Viktor dazwischen.<br />

»Ich habe gesagt, dass ich dich einlade.« Er schlägt mit<br />

der Handfläche auf den Tisch. »Und was ich sage, wird gemacht.«<br />

Ich zucke zurück. Meine Handtasche fällt zu Boden.<br />

Er lacht.<br />

»Bist du sicher? Die Rechnung ist ganz schön hoch«, sage<br />

ich, obwohl mich dieser Abend ein Viertel unserer WG-<br />

Zimmermiete kosten wird. Ich bücke mich unter den Tisch, um<br />

meine Tasche aufzuheben, Kugelschreiber und Lippenstift sind<br />

17<br />

113


Leseprobe | Snippets<br />

herausgekullert. Als ich wieder nach oben komme, überreicht<br />

Viktor der überraschten Kellnerin ein Bündel Geldscheine.<br />

»Stimmt so«, sagt er mit breitem Grinsen.<br />

»Herzlichen Dank, der Herr. Das ist sehr großzügig«, entgegnet<br />

sie mit einer knappen Verbeugung und verschwindet so<br />

schnell, wie sie gekommen ist.<br />

»Viktor, das wäre wirklich nicht nötig gewesen«, sage ich<br />

und meine es aufrichtig. »Wir hätten uns die Rechnung teilen<br />

können.« Auch wenn ich mir dieses Restaurant niemals freiwillig<br />

ausgesucht hätte, geschweige denn leisten könnte – ich<br />

hasse das Gefühl, jemandem etwas schuldig zu sein. »Trotzdem<br />

vielen Dank, Viktor. Das war seit langer Zeit mal wieder ein<br />

wundervoller Abend.«<br />

»Ja, Mia. Das war es«, sagt er und knetet sich die Hände.<br />

Dann verstummen wir.<br />

Aus Höflichkeit macht niemand den ersten Schritt. Wir wissen<br />

beide, dass es das erste und letzte Mal war, dass wir uns getroffen<br />

haben. Dafür sind wir einfach zu verschieden. Ich, eine<br />

fünfundzwanzigjährige Nachwuchs-Schauspielerin aus Kreuzberg<br />

und er, ein circa dreißigjähriger … Ja, was macht Viktor<br />

eigentlich beruflich? Darüber haben wir gar nicht gesprochen.<br />

Eigentlich hat er mir die ganze Zeit nur Poesiealbum-Fragen<br />

gestellt. Was sind deine Lieblingsblumen? Lieblingsurlaubsland?<br />

Was dein Lieblingstier, Lieblingsfarbe, Lieblingsbuch?<br />

Seinem dunkelblauen Anzug nach zu urteilen, scheint er<br />

Banker oder Versicherungsmakler zu sein. Er könnte aber auch<br />

ein Start-up führen oder etwas mit Bitcoins machen. Jedenfalls<br />

ist Viktor definitiv kein Künstler, so wie ich es vor wenigen<br />

Stunden im Museum vermutete.<br />

»Ich bring dich nach Hause«, sagt er, schiebt den Stuhl nach<br />

hinten und geht um den Tisch. Viktor bietet mir seinen Arm<br />

zum Aufstehen an. Ein bisschen albern, doch irgendwie gefällt<br />

es mir. Eine verloren gegangene Geste von Respekt.<br />

»Danke«, sage ich und erhebe mich.<br />

18<br />

114


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

»Wo musst du hin?«, fragt Viktor. »Ich rufe uns ein Taxi.«<br />

»Kreuzberg, Graefekiez«, sage ich, ohne weiter darüber<br />

nachzudenken. Eigentlich wollte ich den Abend gleich an der<br />

Restauranttür beenden, aber ein Taxi ist um diese Uhrzeit auf<br />

jeden Fall sicherer als unsere berüchtigte U-Bahn-Station<br />

Schönleinstraße. Also nehme ich Viktors Angebot dankend an.<br />

Er hilft mir in den Mantel, und wenig später sitzen wir<br />

schweigend im Taxi, rauschen durch die Berliner Nacht. Hell<br />

erleuchtet zieht das moderne Regierungsviertel an uns vorbei,<br />

viel Stahl und Beton, der glitzernde Spreekanal. Über uns dreht<br />

sich der Funkturm, eine Schnulze von Roland Kaiser im Autoradio.<br />

Irgendwann später mit Graffiti besprühte Häuserwände,<br />

Kolonnen von Krankenwagen, vereinzelt Polizeisirenen, Spielhallen,<br />

Dönerbuden, Shisha-Bars, türkische Juweliere, Sportwetten,<br />

Köfte-Grills, geschlossene Stofflädchen. Wir erreichen<br />

den Kottbusser Damm, der Wagen biegt links in die verkehrsberuhigte<br />

Zone ein. Vorbei an den Straßencafés, meinem Späti,<br />

der kleinen Eckpizzeria, vorbei an grölenden Jugendlichen,<br />

betrunkenen Touristen, weiter in die von Platanen gesäumte<br />

Dieffenbachstraße.<br />

»Sie können gleich hier halten!«, rufe ich nach vorne und<br />

deute auf das spanische Restaurant neben unserer Hofeinfahrt.<br />

Das Taxi hält an. Ich schnalle mich ab und drehe mich zu<br />

Viktor. »Danke«, sage ich und drücke die Handtasche gegen<br />

meine Brust. »Das war wirklich ein schöner Abend.«<br />

»Der beste Abend seit Langem«, sagt Viktor und lächelt mich<br />

an. »Wir können ihn ja wiederholen.«<br />

»Na klar, warum nicht?«, entgegne ich, weil mir auf die<br />

Schnelle der Mut fehlt, ihn zu enttäuschen. Das ist der Moment,<br />

den ich am meisten hasse. Die Unehrlichkeit nach einem missglückten<br />

Date. Warum kann man nicht einfach sagen: Hey, ich<br />

mag dich. Das war ein interessanter Abend, du bist nett, aber es<br />

hat nicht gefunkt. Warum denken Männer immer, dass sich mit<br />

einem weiteren Treffen ihre Chancen erhöhen?<br />

19<br />

115


Leseprobe | Snippets<br />

»Was macht das?«, frage ich nach vorne und wühle mich<br />

durch die Tiefen meiner Handtasche. Irgendwo muss doch das<br />

Portemonnaie stecken. Vielleicht ist es hinter mein Notizbuch<br />

gerutscht? Der Taxifahrer gibt eine Antwort, die ich nicht verstehe.<br />

Endlich habe ich die Börse gefunden und ziehe sie heraus.<br />

Doch Viktor legt seine Hand auf meine. Sie ist fleischig und<br />

feucht. »Ich übernehme das«, sagt er.<br />

»Danke«, sage ich und ziehe meine Hände zurück. Ich öffne<br />

die Tür und steige aus dem Taxi. Kühle Abendluft, das Rascheln<br />

der Blätter in den Bäumen. Endlich zu Hause. Vor mir auf dem<br />

Bürgersteig erwartet mich ein Hundehaufen, in letzter Sekunde<br />

springe ich daran vorbei.<br />

»Bis ganz bald!«, ruft mir Viktor zu. »Du Traumfrau!«<br />

Traumfrau, o je. Ich nicke freundlich und schlage die Tür<br />

hinter mir zu. Auf dem Weg zu unserem Hauseingang verdrehe<br />

ich die Augen. Zum Glück hat dieser Typ nicht meine Telefonnummer<br />

oder kennt meinen Nachnamen. Ich kehre auf dem<br />

Absatz um und laufe sicherheitshalber in die entgegengesetzte<br />

Richtung. Er muss ja nicht wissen, wo ich wohne. Gegen Ende<br />

der Taxifahrt wurde Viktor immer seltsamer, hat mich die ganze<br />

Zeit angestarrt. Als würde ich es nicht merken. Aber ich will<br />

nicht undankbar erscheinen. Viktor war ansonsten sehr zuvorkommend<br />

und höflich. Die Art von Mann war bei meinen letzten<br />

Verabredungen viel zu selten dabei. Meinen anderen Dates<br />

ging es letztendlich nur darum, mich möglichst schnell in die<br />

Kiste zu kriegen.<br />

Das Taxi hinter mir fährt los. Ich drehe mich nicht um, spüre<br />

aber Viktors Blicke in meinem Rücken. Ich bleibe an der Hausmauer<br />

stehen und verharre, bis der Wagen in die Graefestraße<br />

gebogen ist.<br />

Dann gehe ich zurück, öffne die Handtasche und wühle nach<br />

meinem Schlüsselbund. Einzelne Euromünzen klimpern, ich<br />

schiebe mein Smartphone zur Seite, fingere zwischen Make-up-<br />

Döschen, Notizbuch, Portemonnaie, einer Packung Taschen-<br />

20<br />

116


Ivar Leon Menger: Angst | Spannung<br />

tücher, dem Kugelschreiber und dem Lippenstift nach meinen<br />

Schlüsseln. Ich suche weiter, tiefer. Sogar in den verborgenen<br />

Innentaschen. Dann in meiner Jackentasche. In meiner Jeans.<br />

Doch es hat keinen Sinn.<br />

Mein Hausschlüssel, er ist nicht da.<br />

117


BELLETRISTIK


Leseprobe | Snippets<br />

Vom Mut,<br />

etwas Neues zu wagen<br />

Jennifer Quinn hätte nie gedacht, dass in ihrem Leben noch etwas<br />

Aufregendes passiert. Seit fast sechzig Jahren ist sie glücklich mit<br />

Bernard verheiratet, und die beiden genießen ihre beschaulichen<br />

Tage in einem kleinen englischen Dorf. Mrs. Quinns Leidenschaft<br />

ist das Backen, die vielen Familienrezepte gehören zu ihren wertvollsten<br />

Erinnerungen, und sie liebt es, Freunde und Familie mit<br />

ihren Köstlichkeiten zu verwöhnen. Doch kurz vor dem großen<br />

Hochzeitstag mit Bernard ist auf einmal alles anders.<br />

Sie fühlt, dass sie noch etwas wagen muss, bevor es zu spät ist.<br />

Heimlich bewirbt sie sich für eine beliebte TV-Backshow und<br />

erfüllt sich dadurch nicht nur einen großen Traum, sondern setzt<br />

auch alles aufs Spiel. Denn was niemand ahnt: In Mrs. Quinns<br />

Leben gibt es ein dunkles Geheimnis, das sie jahrzehntelang gut<br />

gehütet glaubte, und dem sie sich nun endlich stellen muss.<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn<br />

dtv, Hardcover, 400 Seiten, € 24,00, ISBN: 978-3-423-28382-3<br />

119


Leseprobe | Snippets<br />

Prolog<br />

Es war ein Abend im Dezember und einer dieser Tage, an<br />

denen man sich im warmen Zimmer herrlich geborgen<br />

fühlte, aber heute war das anders. Die Bäume vor dem Fenster<br />

wirkten düster und morsch, und die fremdartigen Silhouetten<br />

erinnerten sie daran, dass sie weit fort von zu Hause<br />

war. Sie griff nach ihrem neuen Rezeptbuch, strich über den<br />

hellblauen Einband und öffnete es so weit, dass der Buchrücken<br />

widerwillig nachgab. Ihr Bleistift schwebte über den<br />

unberührten Seiten, während sie den Duft des frischen Papiers<br />

aufsaugte.<br />

Das erste Rezept. Das sollte unbedingt ihre Lieblingsgeburtstagstorte<br />

sein, mit der sie sich in ihrer Familie bereits<br />

einen Namen gemacht hatte. Ganz oben schrieb sie Jennys<br />

Schwarzwälder Kirschtorte in ihrer schönsten, mit zusätzlichen<br />

Schwüngen verzierten Handschrift hin und unterteilte<br />

die Seite in Zutaten und Zubereitung. Sie spürte den<br />

feuchten Stoff des mit Sahne gefüllten Spritzbeutels in ihrer<br />

Hand und sah, wie der Aufsatz auf magische Weise perfekte<br />

Röschen formte. Sie dachte an den bitteren Geruch des Kakaopulvers,<br />

das man unvermeidlich einatmete, wenn man es<br />

zu schwungvoll in den Teig gab, und daran, wie die Schokolade<br />

den zarten Geschmack der Kirschen abrundete.<br />

Sie blätterte weiter. Das zweite Rezept sollte etwas Alltäglicheres<br />

sein. Ein Regentag, der erst aufregend wurde, wenn<br />

man die Rührschüssel zur Hand nahm. Sie ging in Windeseile<br />

ihre Lieblingsfamilienrezepte durch und blieb schließlich<br />

9<br />

120


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

bei Grandma Audreys Schoko-Cornflakes-Küchlein hängen,<br />

deren Rezept von Generation zu Generation weitergewandert<br />

war, bis es schließlich bei ihr gelandet war. Cornflakes,<br />

Kakao und Zuckersirup, verschmolzen zu knusprigen<br />

Nestern reinster Wonne. Als kleines Kind hatte sie immer gebannt<br />

zugesehen, wie ihr Vater die reich in Gold und Grün<br />

verzierte Dose aus dem Schrank holte, den Deckel wie von<br />

einer Farbdose abhob und sich zähe Fäden der klebrig süßen<br />

Masse bildeten. Wenn sie ganz nah heranging, schien das Innere<br />

der Dose sie in einen bernsteinfarbenen Strudel zu ziehen,<br />

und das Ablecken des Löffels war stets purer Genuss<br />

gewesen.<br />

Das letzte Rezept sollte etwas Weihnachtliches sein. Nur<br />

was? Sie stellte sich vor, wie sie die Teigdeckel der Mince Pies<br />

mit der Gabel anstach und Unmengen an Trockenfrüchten<br />

für den Weihnachtskuchen abwog. Es machte nichts, dass alles<br />

Jahr für Jahr denselben Abläufen folgte, wie bei einem<br />

eingespielten Theaterstück, denn es fühlte sich jedes Mal aufs<br />

Neue magisch an.<br />

Doch dieses Jahr war alles anders. Dieses Mal blickte sie<br />

dem, worauf sie sich sonst so freute, mit schwerem Herzen<br />

entgegen. Sie hoffte, dass sich ihr angespanntes Lächeln eines<br />

Tages wieder natürlich anfühlen würde.<br />

Während sie den Bleistift zwischen ihren Handflächen<br />

rollte, dachte sie an den Schoko-Tiffin ihres Vaters. An das<br />

befriedigende Geräusch, wenn die dicken Butterplätzchen<br />

unter dem Nudelholz zerbröselten und daraus schließlich<br />

durch die Zugabe von kandierten Früchten, Kakao, Sirup<br />

und Rosinen eine feste, buttrige Masse und somit etwas vollkommen<br />

Neues entstand.<br />

Sie stellte sich vor, wie ihr Kind eines Tages am Weihnachtsmorgen<br />

aufwachen und aufgeregt zu dem von Geschenken<br />

ausgebeulten Strumpf laufen würde. Würde sie am<br />

10<br />

121


Leseprobe | Snippets<br />

anderen Ende des Knallbonbons ziehen? Würde sie die Freude<br />

in dem kleinen Gesicht sehen, wenn es das sehnlich erhoffte<br />

Geschenk öffnete? Und am allerwichtigsten: Würde<br />

sie miterleben, wie es voller Vorfreude in Vaters Schoko-Tiffin<br />

biss, so wie sie selbst es früher getan hatte?<br />

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Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

1<br />

Englischer Teekuchen<br />

Sechzig Jahre später<br />

Jennifer Quinn hätte nicht gedacht, dass sie im Alter von<br />

siebenundsiebzig Jahren zu einer Berühmtheit werden<br />

würde.<br />

Es war ein grauer Winternachmittag, und sie hatte sich<br />

die unbedeutende, aber befriedigende Aufgabe gestellt, englischen<br />

Teekuchen zu backen. Das dazugehörige Rezept war<br />

vermutlich älter als sie selbst. Es lag sicher verwahrt in der<br />

verblassten Ausgabe eines Delia-Smith-Kochbuches aus den<br />

späten 1970ern und war in der Handschrift ihrer Großmutter<br />

auf einem vergilbten Blatt Papier notiert, das, den zahlreichen<br />

goldbraunen Ringen in verschiedensten Größen<br />

nach zu schließen, schon vielen Teetassen als Untersetzer gedient<br />

hatte. Majarine, wenn keine Butter vorrätig, hatte ihre<br />

Großmutter in Klammern hinzugefügt – eine Erinnerung<br />

an deren lebenslangen Kampf mit der Rechtschreibung. Es<br />

ist schon seltsam, dachte Jennifer bei sich, wie Rezepte die<br />

Menschen überleben, die sie aufgeschrieben haben, und wie<br />

sie dabei diese Menschen in gewisser Weise wieder zum Leben<br />

erwecken, als würde ein winziges Stück ihrer Seele in<br />

den Anweisungen weiter bestehen.<br />

Sie leerte die Rosinen in die Messingschale ihrer gusseisernen<br />

Küchenwaage, und die Gewichte hoben sich, bis sie zu<br />

einem fragilen Gleichgewicht fanden. Sie verzog das Ge-<br />

13<br />

123


Leseprobe | Snippets<br />

sicht, als sie an die digitale Alternative dachte, die Bernard<br />

ihr ständig aufschwatzen wollte, und sie fragte sich, warum<br />

die Gesellschaft andauernd das Bedürfnis hatte, Dinge besser<br />

zu machen, die bereits gut genug waren.<br />

Als Nächstes riss sie die Tüte mit den Sultaninen auf und<br />

ließ sich von dem satten, zuckersüßen Geruch gefangen nehmen,<br />

der sie daran erinnerte, wie sie als Kind beim Backen<br />

des Weihnachtskuchens geholfen hatte. Sie sah vor sich, wie<br />

sie die in Brandy eingeweichten Trockenfrüchte in die dicke,<br />

klumpige Masse gerührt und immer wieder einen kleinen<br />

Happen stibitzt hatte, wenn ihre Tante nicht hingesehen<br />

hatte.<br />

»Hallihallo!«, rief Bernard von der Eingangstür aus und<br />

schloss sie hinter sich.<br />

Sie warf einen prüfenden Blick in die Teekanne. Der<br />

Earl Grey hatte so lange gezogen, dass er fast schon bitter<br />

schmeckte, und auf der Oberfläche hatte sich eine zarte<br />

Haut gebildet.<br />

»Hallo, Darling«, sagte Bernard. »Ist dir etwas in den Tee<br />

gefallen?«<br />

»Nein«, erwiderte sie, legte den Deckel zurück auf die<br />

Kanne und goss den Tee großzügig über die Früchte. Feuchter<br />

Dampf überzog ihre Wangen. »Ich mache Teekuchen.<br />

Wie ist es gelaufen?«<br />

Er stellte eine Tüte auf die mit Zucker und Mehl bestäubte<br />

Arbeitsplatte.<br />

»Sieht so aus, als hätte ich auf meine alten Tage auch noch<br />

Asthma bekommen.« Er öffnete das Küchenschränkchen<br />

über ihrem Kopf und fügte seiner Medikamentensammlung<br />

eine neue Schachtel hinzu. »Sie haben mir einen Inhalator<br />

verschrieben.«<br />

Sie wandte sich um und sah ihn besorgt an. »Asthma?«<br />

»Entweder das, oder es ist eine chronisch obstruktive Lun-<br />

14<br />

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Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

generkrankung, du weißt schon, dieses COPD. Auf jeden<br />

Fall müssen wir es im Auge behalten.«<br />

»Das klingt ziemlich ernst.« Ihr entging nicht, wie schwer<br />

er atmete und wie sich sein knochiger Rücken unter dem<br />

Wollpullover abzeichnete.<br />

»Natürlich wäre es nicht gerade toll, wenn es sich tatsächlich<br />

als COPD entpuppt, aber ich hoffe, dass der Inhalator<br />

seinen Zweck erfüllt.«<br />

»Und wie kommen die Ärzte zu dieser Diagnose?«<br />

»Sie glauben, dass die jahrelange Arbeit als Tischler und<br />

der Staub meiner Lunge zugesetzt haben. Mir wurde geraten,<br />

es langsam anzugehen, und ich meinte, das wäre kein<br />

Problem. Schließlich planen wir in nächster Zeit keine großen<br />

Abenteuer, nicht wahr?« Er schloss das Küchenschränkchen.<br />

»Außerdem sind wir mittlerweile mehr als glücklich<br />

mit einer Zeitung in der Hand und Hausschuhen an den<br />

Füßen.«<br />

Sie presste die Lippen aufeinander und nickte zögerlich.<br />

»Es war und wird nie selbstverständlich für mich sein, mit<br />

dir zusammen alt werden zu dürfen«, erklärte er und drückte<br />

ihr einen Kuss auf den Scheitel.<br />

»Niemals«, stimmte sie ihm zu und stellte die Schale mit<br />

den getränkten Früchten auf das Fensterbrett, wo sie bleiben<br />

würden, bis sie aussahen wie Fingerkuppen nach einem<br />

zu langen Bad. Normalerweise standen sie über Nacht dort,<br />

aber heute mussten ein paar Stunden genügen.<br />

»Aber jetzt verabschiede ich mich zu meiner Nachmittagszeitung,<br />

wenn es dir nichts ausmacht.«<br />

»Natürlich nicht«, erwiderte sie und wartete, bis seine<br />

Schritte verklungen waren, ehe sie in das Küchenschränkchen<br />

griff, um sich den Inhalator anzusehen, damit sie mit<br />

allen wichtigen Maßnahmen vertraut war, falls er einmal in<br />

Schwierigkeiten geriet.<br />

15<br />

125


Leseprobe | Snippets<br />

»Deine Sendung beginnt gleich!«, rief Bernard aus dem<br />

Wohnzimmer. Der Fernseher hatte ihn einen Moment von<br />

seiner Zeitung abgelenkt.<br />

»Komme schon!«, antwortete Jenny, während sie weiter<br />

in der Schublade neben dem Backofen wühlte. Sie enthielt<br />

eine Mischung der nützlichsten und nutzlosesten Dinge im<br />

Haus, je nachdem, wer gerade in ihr kramte. Ein Sammelsurium<br />

an Gegenständen, die sie in ihrem gemeinsamen Leben<br />

angehäuft hatten. Ein kleines Schraubenzieherset, das 1995<br />

in einem Knallbonbon gesteckt hatte, eine Muschel mit Wackelaugen,<br />

die ihre Großnichte Poppy gebastelt hatte, und –<br />

am allerwichtigsten – das Backpapier, nach dem sie suchte.<br />

Sie legte in Windeseile die Backform damit aus, füllte den<br />

Teig ein und schob alles in den heißen Ofen, bevor sie sich<br />

zu Bernard ins Wohnzimmer gesellte.<br />

Seine buschigen Augenbrauen lugten gerade noch über<br />

dem Rand der Zeitung hervor, und er wippte mit seinen abgetragenen<br />

Hausschlappen im Takt der Titelmelodie von<br />

Das Backduell – Backen auf der Insel. Er gab sich gleichmütig<br />

und blieb hinter der Zeitung verborgen, aber sie hatte<br />

schon oft beobachtet, wie sein Gesicht über der Zeitung aufgetaucht<br />

war, weil das Drama um ein in sich zusammengefallenes<br />

Schaumgebäck seine Aufmerksamkeit erregt hatte.<br />

Diese Woche stand die Weihnachtsausgabe auf dem Programm,<br />

und eine Gruppe ehemaliger Kandidaten und Kandidatinnen<br />

hatte die Aufgabe bekommen, eine Festtagstorte<br />

zu backen. Jenny drehte sich die feinen silbernen Haare<br />

hoch und fixierte sie mit einer kleinen Klammer, während sie<br />

mit wachsendem Unbehagen zusah, wie die Jury die Santa<br />

Claus im Kamin-Torte von Graham, einem warmherzigen,<br />

sympathischen Lkw-Fahrer, als trocken bezeichnete. Jennys<br />

Eindruck nach hatte er sich zu sehr bemüht, etwas Ausgefallenes<br />

mit zu vielen verschiedenen Zutaten zu zaubern.<br />

16<br />

126


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

Normalerweise gewannen Kandidaten, die etwas Vertrautes<br />

mit einem zusätzlichen Twist in etwas Neues verwandelten.<br />

Am Ende bekam die Geschichtslehrerin Laura den goldenen<br />

Kochlöffel für ihre Neuinterpretation eines klassischen<br />

Weihnachtskuchens mit Schokolade, Kirschen und Mandeln.<br />

Die Juroren lobten den hervorragenden Geschmack,<br />

aber Jenny hätte wohl eher die altbewährte Mischung bevorzugt.<br />

Sie warf einen Blick auf Bernard, doch der schien ähnlich<br />

unbeeindruckt, denn die Zeitung bedeckte mittlerweile<br />

sein Gesicht und hob und senkte sich im Rhythmus seines<br />

zufriedenen Schnarchens.<br />

Während des Abspanns dachte Jenny an das bevorstehende<br />

siebenundsiebzigste Weihnachtsfest ihres Lebens und<br />

an das näher rückende Ende eines weiteren Jahres. Sie sah<br />

Bernard beim Schlafen zu und lauschte seinem Atem, der<br />

langsam dieses typische, seltsame Pfeifen annahm. Der Sopran<br />

zum Tenor seines Schnarchens. Sie ließ zu, dass ihre<br />

Gedanken eine ernstere Richtung einschlugen, und fragte<br />

sich, wie viele Weihnachten sie wohl noch zusammen erleben<br />

würden. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er allein<br />

in seinem Sessel saß und ihn niemand weckte und ihm sagte,<br />

dass es Zeit fürs Bett war. Sie dachte an die andere Möglichkeit,<br />

nämlich, dass sie allein zurückblieb und auf seinen<br />

leeren Sessel starrte, in dessen dunklem Samt noch sein Abdruck<br />

zu sehen war. Der Abdruck eines Menschen, der diese<br />

Welt bereits verlassen hatte. Mit einem Mal war sie sich<br />

der Dringlichkeit ihrer schwindenden Existenz mehr als bewusst.<br />

Der bitteren Wahrheit ihres Alters und der Tatsache,<br />

dass sie einen Punkt erreicht hatte, an dem der größte Teil<br />

ihres Lebens bereits hinter ihr lag.<br />

Sie nahm die Fernbedienung, die neben Bernards Sessel<br />

lag, und richtete sie auf den Fernseher, als könnte sie damit<br />

auch ihre Gedanken abstellen, aber als sie gerade den Knopf<br />

17<br />

127


Leseprobe | Snippets<br />

drücken wollte, wurde der Abspann von einer Ankündigung<br />

unterbrochen.<br />

»Sie backen gern? Sie wollen im kommenden Jahr Teil unserer<br />

Show werden? Dann gehen Sie jetzt auf unsere Homepage<br />

und bewerben Sie sich!«<br />

Mit einem Mal war sie hellwach, und ihre Angst trat in<br />

den Hintergrund, als sie die Schlagzeilen in der Regionalzeitung<br />

vor sich sah: 77-Jährige aus Kittlesham gewinnt Das<br />

Backduell – Backen auf der Insel! und Juroren begeistert von<br />

Jenny Quinns Teekuchen!<br />

»Ist es schon vorbei?«, fragte Bernard blinzelnd.<br />

»Ja, ist es. Zeit fürs Bett!«, sagte sie und schob ihre Gedanken<br />

eilig beiseite. Peinlich berührt, als hätte er sie beim<br />

Lesen in einem fremden Tagebuch erwischt.<br />

Am darauffolgenden Morgen wurde Jenny wie immer früh<br />

von Bernards Pfeifen geweckt, der unten in der Küche Tee<br />

für sie beide kochte. Das Geräusch hatte sich ihr ins Gedächtnis<br />

gebrannt, und sie fragte sich, ob sie es wohl auch<br />

noch hören würde, wenn er nicht mehr da war.<br />

Während sie gemächlich den Schlaf hinter sich ließ, hörte<br />

sie das Klappern der Arzneifläschchen, gefolgt von mehreren<br />

keuchenden Atemzügen, als Bernard den neuen Inhalator<br />

benutzte. Dann kamen das Rumpeln des Wasserkochers,<br />

kurz bevor das Wasser aufwallte, das schmatzende Geräusch<br />

der Kühlschranktür, als er die Milch herausholte, und der<br />

dumpfe Aufschlag der Zeitung, die auf der Fußmatte landete.<br />

Pünktlich wie die Uhr trat er kurz darauf mit zwei Tassen<br />

Earl Grey und der Zeitung unter dem Arm ins Schlafzimmer,<br />

und die weißen Haare standen ihm nach einer erholsamen<br />

Nacht in liebenswerten Büscheln ab.<br />

»Guten Morgen, Darling«, sagte er und öffnete die Vorhänge,<br />

sodass fahles Winterlicht auf die Steppdecke fiel. Die<br />

18<br />

128


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

Bäume vor dem Haus waren nur noch Schatten ihrer selbst,<br />

denn langsam fielen auch die letzten Blätter, und die Vögel<br />

plusterten sich auf vor Kälte.<br />

»Ich habe da eine Idee«, verkündete er, und seine Augen<br />

funkelten. »Ich werde Poppy als Weihnachtsgeschenk ein<br />

Puppenhaus bauen, eines dieser traditionell viktorianischen.<br />

Es bleibt nicht mehr viel Zeit, schon klar, aber ich glaube, ich<br />

könnte es noch schaffen.«<br />

»Das ist eine wunderbare Idee«, meinte Jenny und nippte<br />

an ihrem heißen Tee. »Aber bist du dir sicher, dass du das<br />

tun solltest? Es klingt nach jeder Menge Staub.«<br />

»Ich glaube nicht, dass das jetzt noch einen Unterschied<br />

macht«, erwiderte er.<br />

»Sie wird sich auf jeden Fall sehr darüber freuen«, erklärte<br />

Jenny, während sie bei sich dachte, was für ein wundervoller<br />

Vater er doch gewesen wäre.<br />

Nachdem Bernard mit der Aussicht auf einen geschäftigen<br />

Vormittag in seiner Werkstatt verschwunden war, dachte<br />

Jenny an seine Feststellung, dass keine Abenteuer mehr vor<br />

ihnen lagen und sie mit ihrem beschaulichen Leben mehr als<br />

glücklich waren. Aus einem stillen Protest heraus beschloss<br />

sie, einen Abstecher ins Büro zu machen. Es war ein kastenförmiger<br />

Raum, in dem sich alle möglichen unwichtigen<br />

Briefe mit durchsichtigem Fenster und gedruckter Adresse<br />

stapelten. Den Mittelpunkt bildeten ein Computer und ein<br />

Drucker. Ihr Herz schlug ein wenig schneller, als sie sich vor<br />

den Bildschirm setzte. Sie war sich sicher, dass der Computer<br />

genau beobachtete, wie sie sich beim Bedienen anstellte.<br />

Sie bewegte die Maus, und er sprang unter dem lauten<br />

Getöse zahlreicher Gebläse an. Das Leben eines Computers<br />

schien Schwerstarbeit. Im Drucker lagen einige vergessene<br />

19<br />

129


Leseprobe | Snippets<br />

Seiten mit der Überschrift DIY Puppenhaus, und sie lächelte,<br />

als sie sich vorstellte, wie Bernard eifrig für sein nächstes<br />

Projekt recherchiert hatte. Sie tippte mit dem Zeigefinger<br />

Das Backduell – Backen auf der Insel in die Suchmaschine<br />

und klickte auf Jetzt bewerben.<br />

Sie überflog das Bewerbungsformular. Die Anzahl der<br />

Fragen war überwältigend, und sie musste Fotos von ihr<br />

und ihren schönsten Kreationen hochladen oder einschicken.<br />

Ihr Blick blieb an der Frage Warum und für wen backen<br />

Sie?, hängen. Sie überlegte. Darüber hatte sie noch nie<br />

richtig nachgedacht. Wenn das Leben sie zu sehr forderte,<br />

bot ihr die Einfachheit des Backens Zuflucht, und es gab<br />

eine Zeit lang bloß Eier, Zucker, Butter und Mehl. Backen<br />

war ihre stärkste Verbindung zur Vergangenheit, und die<br />

Rezepte gehörten zu ihren wertvollsten und liebsten Erinnerungen.<br />

Sie dachte an die selbst gemachten Reiswaffeln<br />

ihrer Schwiegermutter, die genauso schlicht und bodenständig<br />

waren, wie die Köchin es gewesen war. Backen machte<br />

die Menschen, die Jenny am meisten geliebt hatte, wieder<br />

lebendig.<br />

Die nächste Frage lautete: Was war Ihre beeindruckendste<br />

Kreation? Sie dachte an die Geburtstagstorten, die sie in<br />

all den Jahren für Bernard gebacken hatte und die jedes Mal<br />

seine gerade aktuellen Interessen widerspiegelten. Ein besonderer<br />

Hit war der Sportwagen aus Lebkuchen gewesen,<br />

den sie gebacken hatte, weil sie sich im echten Leben keinen<br />

leisten konnten. Und ihre Hochzeitstorte! Die war bis heute<br />

ihr ganzer Stolz. Auf dem obersten Stockwerk der Etagere<br />

hatte sie eine Torte aus klassischem Rührkuchenteig mit<br />

Früchten platziert, die sie mit Zuckerguss überzogen hatte,<br />

darunter folgten zwei Ebenen mit Fondantpralinen. Obwohl<br />

es mittlerweile sechzig Jahre her war, wusste sie noch,<br />

wie aufgeregt sie gewesen war, als sie den Rand mit weißem<br />

20<br />

130


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

Zuckerguss verziert, jede Praline mit einem Q versehen und<br />

dabei in einem fort in Gedanken ihren neuen Namen wiederholt<br />

hatte. Mrs. Jennifer Quinn. Die All-Saints-Kirche,<br />

in der sie geheiratet hatten, stand auf einem Hügel, inmitten<br />

von Feldern, und es roch nach Kerzenwachs, Weihrauch und<br />

Eichenholz. Ihr Vater führte sie zum Altar, wo ihr Bernie<br />

auf sie wartete. Ein hochgewachsener Mann, der die Hände<br />

nervös hinter dem Rücken umklammerte und dessen braune<br />

Augen sie zu verschlingen schienen. Er hatte die dunklen,<br />

widerspenstigen Haare penibel zur Seite frisiert, was seine<br />

großen Ohren betonte, derentwegen er oft Demütigungen<br />

einstecken musste, für die Jenny allerdings mittlerweile eine<br />

große Schwäche zeigte.<br />

Mit den Gedanken wieder zurück im Büro, wanderte ihr<br />

Blick weiter zu einem Teil des Formulars, in dem sie ihre<br />

Fähigkeiten in bestimmten Bereichen benoten sollte. Plätzchen,<br />

Tartes, gefüllte Kuchen, süße Desserts, Torten und …<br />

Brot. Sie hatte noch nie einen Laib Brot gebacken, auf den<br />

sie stolz gewesen wäre. Bei ihrem letzten Versuch war das<br />

Brot derart versalzen gewesen, dass nicht einmal die Vögel<br />

es fressen wollten, trotzdem glaubte sie, ins Rennen um den<br />

Titel »größter Backchampion Großbritanniens« gehen zu<br />

können. Sie erkannte ernüchtert, wie albern der Gedanke<br />

war, sie wäre mehr als eine alte Lady, die gern den Backlöffel<br />

schwang. Genau wie Millionen andere auch.<br />

Sie scrollte nach unten und spürte, wie sie langsam der<br />

Mut verließ. Im stolzen Alter von siebenundsiebzig sollte sie<br />

glücklich sein mit dem, was sie hatte, trotzdem fragte sie sich<br />

unwillkürlich, was sie in all den Jahren erreicht hatte. Was<br />

hatte sie ohne Bernard? Das schlechte Gewissen stieg wie<br />

dunkler Nebel in ihr hoch, als sie sich vorstellte, er könnte<br />

ihre Gedanken hören, und ihre eigene Undankbarkeit ließ<br />

sie erschaudern.<br />

21<br />

131


Leseprobe | Snippets<br />

Sie wollte das Formular gerade schließen, als sich ihre<br />

Brust zusammenzog. Ganz unten stand der Einsendeschluss:<br />

11. Januar, unterstrichen und fett hervorgehoben,<br />

wie um sie zu verhöhnen. Drei Wochen. Sie schloss die Website,<br />

machte den Computer aus und verließ das Zimmer. War<br />

es ein Zeichen oder bloß ein schmerzhafter Zufall?<br />

132


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

2<br />

Sandwichbrot<br />

Es war immer der Traum der beiden Quinns gewesen,<br />

sich in Kittlesham zur Ruhe zu setzen, nachdem sie<br />

während eines Urlaubs an der Küste in den Anfangsjahren<br />

ihrer Ehe zufällig auf das Dorf gestoßen waren. Es lag am<br />

River Huckmere, und bei ihrem ersten Besuch war es, als<br />

hätten sie etwas lange Verborgenes entdeckt, als wären sie<br />

in einen verwunschenen Garten oder durch die Rückseite<br />

eines Kleiderschrankes getreten. Schon nach kurzer Zeit waren<br />

sie sich einig, dass sie hier ihren Lebensabend verbringen<br />

wollten. Es war der Inbegriff eines kleinen, englischen Dorfes<br />

mit reizenden, alles andere als makellosen Häuschen und<br />

mittelalterlichen Pubs, deren Türen so niedrig waren, dass<br />

Bernard sich bücken musste, um hindurchzukommen – allerdings<br />

jedes Jahr ein bisschen weniger. Der Dorfladen sah<br />

aus wie die Vorratskammer eines Wohnhauses, und obwohl<br />

sich die Kunden über die Jahrzehnte veränderten, blieb der<br />

Laden selbst gleich.<br />

Es war ein kalter, klarer Morgen, und Jenny und Bernard<br />

gingen die Hauptstraße entlang in Richtung Kirche, die unter<br />

der Frostschicht aussah, als hätte sie jemand mit Zuckerguss<br />

überzogen.<br />

»Gib Acht, dass du nicht ausrutschst«, warnte Jenny Bernard<br />

und umfasste seine Hand ein wenig fester. Ihre Hand<br />

lag in seiner, und sie wärmten einander. Zwei Hände, die<br />

zusammen alt geworden waren, mit geschwollenen Finger-<br />

23<br />

133


Leseprobe | Snippets<br />

knöcheln und Altersflecken, die aber immer noch perfekt<br />

ineinander passten.<br />

»Sind das dort mit dem Kinderwagen etwa Ann und<br />

Fred?«, fragte Bernard, und sein warmer Atem bildete Wolken,<br />

die sich in der eisigen Luft auflösten.<br />

Jenny sah lediglich zwei miteinander verschmolzene Mäntel<br />

und die dazugehörigen Hüte, die immer deutlicher wurden,<br />

je näher sie kamen.<br />

»Ja, ich glaube schon«, erwiderte sie.<br />

Ann war eine gepflegte Frau mit dem Gebaren eines Terriers<br />

und durchdringendem Blick, der genauso kalt war wie<br />

ihr Auftreten. Sie gehörte zu den bedauernswerten Menschen,<br />

die schon vom ersten Eindruck an unsympathisch<br />

waren, aber Jenny hatte sie über die vielen Jahre lieb gewonnen<br />

und mochte sie vielleicht sogar gerade deswegen.<br />

Sie war unerschütterlich loyal, und man wusste immer, woran<br />

man bei ihr war. Ihr Mann Fred traf niemals eine Entscheidung<br />

allein und schien durchaus glücklich mit dieser<br />

Dynamik.<br />

»Hallo!«, rief Ann und schob den Kinderwagen so<br />

schwungvoll über die Pflastersteine, dass er kräftig ins Wanken<br />

geriet, während Fred und ihre beiden Enkelkinder hinterherhasteten.<br />

Es schien, als wäre der Kinderwagen ein<br />

Einkaufswagen und Jenny und Bernard zwei weitere Punkte<br />

auf ihrer Einkaufsliste.<br />

»Toby, Isabelle, das sind unsere Freunde Jenny und Bernard«,<br />

erklärte sie.<br />

Isabelle versteckte sich prompt hinter Freds Beinen, während<br />

Toby zu ihnen aufsah, die Nase rot vor Kälte.<br />

»Schön, euch kennenzulernen«, sagte Jenny und beobachtete<br />

Bernard, der sich über den Kinderwagen beugte.<br />

»Das ist meine Schwester Ellie«, erklärte Toby mit stolzgeschwellter<br />

Brust. »Sie ist neu.«<br />

24<br />

134


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

»Gratulation«, sagte Bernard. »Sie ist wunderhübsch.«<br />

»Wie ihr seht, haben wir dieses Wochenende alle Hände<br />

voll zu tun. Großelternpflichten!«, verkündete Ann.<br />

»Wie schön«, meinte Jenny. »Was macht ihr denn so?«<br />

»Wir waren im Süßigkeitenladen!«, tat Freds Bein kund,<br />

das Isabelle fast vollständig verbarg.<br />

Ann verdrehte die Augen und schloss Tobys obersten<br />

Mantelknopf, sodass es aussah, als würde der Mantel den<br />

Jungen tragen und nicht umgekehrt. »Fred war mit ihnen im<br />

Süßigkeitenladen, da ist der Besuch im Museum natürlich<br />

schnell vergessen.«<br />

»Wie geht es euch?«, fragte Fred etwas lauter als nötig,<br />

denn er hörte schon ein wenig schlecht.<br />

»Gut, danke«, antwortete Jenny. »Bernard war die ganze<br />

Woche in der Werkstatt mit Poppys Puppenhaus beschäftigt,<br />

und ich backe für Weihnachten.«<br />

»Der Luxus uneingeschränkter Freizeit«, meinte Ann, zog<br />

ein Taschentuch aus dem Ärmel und wischte Isabelles Nase<br />

mit einer einzigen geübten Bewegung sauber. »Mit fünf Enkelkindern<br />

ist man rund um die Uhr beschäftigt, nicht wahr,<br />

Fred?«<br />

Fred lächelte abwesend, ein Gesichtsausdruck, der zu jeder<br />

Situation passte und den er über die Jahre perfektioniert<br />

hatte.<br />

»Dann halten wir euch am besten nicht länger auf.« Jenny<br />

betrachtete eingehend Bernards Schuhspitzen, um Anns<br />

Blick zu entgehen.<br />

»Wir sehen uns!«, verabschiedete sich Ann und fuhr im<br />

Zickzack mit dem Kinderwagen davon. »Komm, Isabelle!«<br />

Sie gingen weiter, und es wurde immer eisiger.<br />

»Was für nette Kinder«, sagte Bernard, dessen Ohren bereits<br />

rot vor Kälte waren. »Und alle haben rote Haare, sogar<br />

das Baby.«<br />

25<br />

135


Leseprobe | Snippets<br />

»Gehen wir doch schnell mal in den Laden«, schlug Jenny<br />

vor und steuerte Bernard Richtung Tür. »Ich brauche Brotmehl<br />

und Hefe.«<br />

Die Küche war seit dem Tag ihres Einzugs unverändert geblieben,<br />

und obwohl klein und altmodisch, war sie ihr wunderbar<br />

vertraut. Alles hatte seinen Platz, und Jenny betrieb<br />

sie wie ein Auto, das nur sie allein fahren konnte. Die einst<br />

modischen und neuen Schranktüren hingen schwer in den<br />

Angeln und klemmten, und sie wusste genau, wie sie die<br />

Schubladen öffnen und schließen musste, damit sie nicht aus<br />

den Schienen gerieten.<br />

Sie hatte sich für ein Rezept ihrer Mutter entschieden,<br />

weil es den Titel Einfaches Sandwichbrot trug, und folgte<br />

den Buchstaben mit dem Finger. Die Handschrift war kritzelig<br />

und übereilt, und sie erinnerte Jenny an den ständigen<br />

Kampf ihrer Mutter gegen die Uhr, was gleichzeitig ihre liebenswerteste<br />

und auch ihre frustrierendste Eigenschaft gewesen<br />

war. Sie erinnerte sich, dass ihre Schuhe kaum den<br />

Boden berührt hatten, wenn ihre Mutter sie als kleines Kind<br />

die Straße hinuntergezerrt hatte, um sie zehn Sekunden nach<br />

dem Klingeln der Glocke durch das Schultor zu schieben.<br />

Und an die unzähligen Gottesdienste, bei denen ihre Mutter<br />

unauffällig in die letzte Reihe gehuscht war und versucht<br />

hatte, nicht zu laut zu atmen, damit niemand bemerkte, dass<br />

sie den ganzen Weg gelaufen und trotzdem fünf Minuten zu<br />

spät gekommen war. Vielleicht war Jenny gerade deshalb so<br />

stolz auf ihr Zeitmanagement, weil ihre Mutter ständig und<br />

überall zu spät gekommen war.<br />

Sie schlug die Luft mit den Fäusten aus dem Teig und wurde<br />

wieder einmal an ihr Alter erinnert, als sie die Knöchel in<br />

die elastische Masse drückte. Sie breitete sich vor ihren Augen<br />

aus wie ein lebendiger Organismus.<br />

26<br />

136


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

»Nachdem ich die Luft herausgedrückt habe, braucht der<br />

Teig einige Zeit, um zu gehen«, erklärte sie und sah lächelnd<br />

ins Fenster, als wäre es eine Kamera und sie eine der Jurorinnen<br />

von Das Backduell, deren weiße Zähne aus dem Fernseher<br />

blitzten.<br />

»Nach einer Stunde ist er so weit, dass er in den …«<br />

»Darling? Ist alles in Ordnung?«<br />

Bernard sah besorgt zur Tür herein, woraufhin sie vor<br />

Schreck den Teig über ihre Schulter und auf den kalten Fliesenboden<br />

schleuderte, wo er mit einem unangenehmen Klatschen<br />

aufkam.<br />

»Großer Gott!«, rief sie und hob den Teig so schnell es<br />

ging hoch, um ihn vielleicht doch noch zu retten. »Ich habe<br />

nur das Rezept laut vorgelesen. Das hilft mir manchmal,<br />

mich daran zu erinnern.«<br />

»Es sah aus, als würdest du durch das Fenster mit jemandem<br />

reden«, sagte er und warf prüfend einen Blick hinaus,<br />

während sie den Teig in eine Brotbackform legte.<br />

»Du willst ihn backen, obwohl er auf dem Boden gelandet<br />

ist?«, fragte er verwirrt.<br />

»Bernard, was sollen die vielen Fragen?« Sie fächerte sich<br />

mit dem fadenscheinigen Ofenhandschuh Luft zu. »Ich will<br />

einfach sehen, ob er noch aufgeht. Ich brauchte mal eine Herausforderung,<br />

wir müssen das Brot ja nicht essen.«<br />

Er nickte und verzog sich wieder in seine Werkstatt.<br />

Es dauerte weitere zwei Stunden, bis ihr Brot fertig war,<br />

was bedeutete, dass sie insgesamt fünf Stunden damit beschäftigt<br />

gewesen war, und das ohne den Genuss, die Rührschüssel<br />

bis auf den letzten Klecks auszuschlecken, wie es<br />

bei einer Torte der Fall war. Als sie das Brot anschnitt, fiel<br />

die Scheibe mit einem dumpfen Rums auf den Teller. Der<br />

Teig war zu fest und trocken, und nach einem Bissen war sie<br />

sich sicher, dass sie nicht noch einen probieren wollte.<br />

27<br />

137


Leseprobe | Snippets<br />

»Einfaches Sandwichbrot?!«, schnaubte sie verächtlich,<br />

dann ging sie mit dem Brot unter dem Arm in den Garten,<br />

riss es achtlos in Stücke und legte sie ins Vogelhaus.<br />

Jenny spülte die Rührschüssel, und heißes Wasser schwappte<br />

über ihre Handgelenke, während sie zusah, wie die Sonne<br />

hinter den Bäumen verschwand. Eine Amsel landete im<br />

Vogelhaus und pickte hektisch auf den Brotstücken herum.<br />

»Na also, zumindest einem scheint es zu schmecken«,<br />

sagte Bernard und schob ein gedrehtes Geschirrtuch in ein<br />

Wasserglas, während er Jenny beobachtete. »Diesmal gehen<br />

die Vögel dran, das ist doch ein Anfang!«<br />

Die Amsel schleuderte die Rinde in die Luft, sodass sie auf<br />

dem Boden landete, dann hüpfte der Vogel über den Rasen<br />

davon.<br />

»Zu früh gefreut«, seufzte Jenny, und ihr Lächeln wurde<br />

von Schuldgefühlen getrübt.<br />

Wenn sie sich wirklich bewerben wollte, hatte sie noch<br />

jede Menge Arbeit vor sich. Sie würde es vorerst für sich behalten<br />

und Bernard erst davon erzählen, wenn es ernst wurde.<br />

Es war besser so.<br />

In den neunundfünfzig Jahren ihrer Ehe war das erst das<br />

zweite Geheimnis, das sie vor ihm hatte. Das erste lag sicher<br />

verwahrt, tief in ihrem Inneren. Es gehörte zu einem anderen<br />

Leben, und sie würde es für alle Ewigkeit fest verschlossen<br />

halten.<br />

28<br />

138


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

3<br />

Weihnachtsbaumstamm<br />

Heiligabend war die perfekte Gelegenheit, um Torten<br />

und Kuchen für das Bewerbungsverfahren zu backen,<br />

ohne dass jemand fragte, weshalb sie süße Köstlichkeiten für<br />

eine ganze Kompanie zubereitete. Der Weihnachtsbaumstamm<br />

nach dem hochgeschätzten Familienrezept von Bernards<br />

verstorbener Schwester war beinahe fertig. Margot<br />

hatte das Leben geliebt und sowohl das Schicksal als auch<br />

die Menschen mit solcher Freude in die Arme geschlossen,<br />

dass in ihrer Gegenwart stets die Sonne aufgegangen war.<br />

Ihr Leben war von Freigiebigkeit erfüllt gewesen, als hätte<br />

sie schon immer gewusst, dass ihre Zeit begrenzt war.<br />

Jenny folgte Margots Tradition seit deren Tod jedes Jahr,<br />

weil es Bernard eine Menge bedeutete und Margot auf diese<br />

Weise immer noch ein Teil ihrer Weihnachtsfeierlichkeiten<br />

war.<br />

Jenny stach vorsichtig mit der Gabel in die Mitte des<br />

Schokobiskuits und lobte sich im Stillen selbst, als nichts<br />

daran haften blieb. Sie stellte das Kuchenblech zum Auskühlen<br />

zur Seite und breitete ein Geschirrtuch darüber, das<br />

mit Selbstporträts von Poppys Freunden aus der Vorschule<br />

bedruckt war. Poppy hatte keinen Körper, sondern nur ein<br />

großes, vor Freude grinsendes Gesicht, aus dem Arme und<br />

Beine ragten und das von einem Bob aus wenigen Strichen<br />

umrahmt wurde. Der Junge neben ihr hieß Oliver und wirkte<br />

wie ein Wesen von einem anderen Stern, ungewöhnlich<br />

29<br />

139


Leseprobe | Snippets<br />

klein, mit kleeförmigen Händen und allen wichtigen Körperteilen.<br />

Es war faszinierend, wie viel Persönlichkeit in den Zeichnungen<br />

lag. Der kleine Oliver etwa war mit Sicherheit besonnen<br />

und aufmerksam. Poppy hingegen war eine Quasselstrippe<br />

und trat damit direkt in die Fußstapfen ihrer<br />

Großmutter Margot. Das große, grinsende Gesicht auf zwei<br />

Beinen zeigte ein kleines, unbeschwertes und selbstbewusstes<br />

Mädchen.<br />

Sobald der Biskuit abgekühlt war, griff sie nach dem<br />

Spachtelmesser und trug Schokoladenganache und flaumige<br />

Schlagsahne auf, während sie sich vorstellte, das köstlichste<br />

Sandwich der Welt zuzubereiten. Danach rollte sie den<br />

Teig Zentimeter um Zentimeter ein und hielt den Atem an,<br />

während sie ihn mit größter Sorgfalt in die richtige Richtung<br />

drückte. Ein Riss im Teig wäre eine Katastrophe gewesen,<br />

auch wenn es Margot nichts ausgemacht hätte. Sie hätte<br />

Jenny vielmehr erklärt, dass der Geschmack doch trotzdem<br />

gleich blieb und es unter dem darüber gestreuten Puderzucker<br />

ohnehin niemandem auffiel.<br />

»Du liebe Zeit, wie sollen wir denn das alles ins Auto bekommen?<br />

Wir haben ja auch noch das Puppenhaus …«<br />

Bernard war in die Küche gekommen, wo auf sämtlichen<br />

Oberflächen Süßspeisen thronten und die warme Luft nach<br />

Schokobiskuit duftete. Auf den Kuchengittern reihten sich<br />

lieb gewonnene alte Familientraditionen aneinander: Mince<br />

Pies, Tiffin und die knusprigen Reiswaffeln, die Bernards<br />

Mutter immer gebacken hatte und die jedes Weihnachten<br />

einen besonderen Auftritt hatten. Dazu kamen jedoch auch<br />

einige neue und recht extravagante Kreationen, darunter<br />

ein Napfkuchen, der mit glasierten Beeren garniert war und<br />

aussah wie vom Cover eines Backmagazins.<br />

»Das wird schon klappen, ich nehme einfach einen Teil<br />

30<br />

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Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

auf den Schoß«, sagte Jenny und genoss den befriedigenden<br />

Anblick, wie der Puderzucker aus dem Sieb auf den Weihnachtsbaumstamm<br />

fiel. Nur echter Schnee war schöner.<br />

»Margots Weihnachtsbaumstamm«, freute sich Bernard,<br />

als würde er einen alten Freund willkommen heißen.<br />

»Er war noch jedes Weihnachten dabei«, meinte Jenny.<br />

»Also, wo ist Ernie?«<br />

Sie öffnete die Schublade neben dem Backofen, kramte<br />

darin herum und holte schließlich eine etwas derangierte<br />

Rotkehlchenfigur heraus, die sie auf den Baumstamm setzte.<br />

Der Schnabel hing nur noch an einem dünnen Draht.<br />

»Wenigstens einer, dem das Alter noch mehr zugesetzt hat<br />

als mir«, bemerkte Bernard und schloss die ersten Behälter<br />

mit den Leckereien.<br />

»Warte«, sagte Jenny und klang dabei, als wäre ihr der<br />

Gedanke gerade erst gekommen. »Würdest du ein Foto von<br />

den Sachen machen? Jetzt, wo alles so hübsch hier steht?«<br />

Bernard nickte und ging nach oben, um die Kamera zu<br />

holen. Als er zurückkam, hatte Jenny ihr bestes rotes Karotischtuch<br />

ausgebreitet und dekorierte ihre Kreationen gerade<br />

mit Stechpalmenblättern aus dem Garten.<br />

»Ein wahres Festmahl«, schwärmte Bernard. Seine Brille<br />

saß auf der Nasenspitze, während er versuchte, auf dem<br />

Display etwas zu erkennen. »Ich mache auch eines mit dir.«<br />

Sie steckte sich die feinen silbernen Haare hinters Ohr,<br />

trug eine frische Schicht rosafarbenen Lippenstift auf und<br />

lächelte unnatürlich in die Kamera.<br />

»Wie sehe ich aus?«<br />

»Umwerfend«, antwortete Bernard, dann warf er einen<br />

Blick auf die Uhr. »Aber jetzt sollten wir lieber los. Bei dem<br />

Verkehr dauert es womöglich Stunden, bis wir angekommen<br />

sind.«<br />

31<br />

141


Leseprobe | Snippets<br />

Es war Tradition, dass sie Weihnachten mit Bernards Nichte<br />

Rose, ihrem Mann Jeremy und den Kindern Poppy und<br />

Max verbrachten. Poppy war mittlerweile acht und Max<br />

vierzehn, und die Ankunft der Quinns läutete jedes Jahr den<br />

Beginn des Weihnachtsfestes ein.<br />

Bernard packte den Kofferraum mehrmals um und klappte<br />

die Sitze nach vorn, um das Puppenhaus zwischen den Taschen<br />

zu verstauen. Als er es endlich geschafft hatte, warf er<br />

schwer atmend den Kofferraumdeckel zu.<br />

»Hast du deinen Inhalator eingepackt?«, fragte Jenny, die<br />

unter den vielen Behältern mit ihren Kreationen kaum zu<br />

sehen war.<br />

»In meinem Koffer«, antwortete er und startete den Wagen.<br />

»Wir können nur hoffen, dass wir keinen Unfall bauen,<br />

Jenny. Die denken sonst, ein lebendiger Kuchen wäre mit<br />

dem Auto gefahren!«<br />

Sie fuhren von Weihnachtsmusik aus dem Radio begleitet<br />

die Fernstraße entlang, und Jenny sah aus dem Fenster<br />

und beobachtete die anderen Fahrer und Mitfahrer, die<br />

auf dem Weg zu ihren Weihnachtsfeierlichkeiten waren. Da<br />

war ein besorgt wirkender Mann, der – wie sie vermutete<br />

– von seiner panischen Frau losgeschickt worden war, um<br />

die vergessene Brandybutter zu besorgen. Er wusste wohl<br />

nicht, dass man sie ganz einfach selbst herstellen konnte<br />

und sie dann sogar noch besser schmeckte. Auf dem Rücksitz<br />

eines Familienvans saßen zwei kleine Jungen und hatten<br />

den Blick in den dunkler werdenden Himmel gerichtet. Offenbar<br />

hofften sie, einen frühen Blick auf den Weihnachtsmann<br />

zu erhaschen. Einer der kleinen Jungen wandte sich<br />

um, deutete auf ihr Auto und drückte sich seine Nase an<br />

der Fensterscheibe platt. Einen Moment lang dachte Jenny,<br />

er hätte sie mit jemandem verwechselt, aber dann wurde<br />

ihr klar, dass der Junge Interesse an Maurice, dem kleinen,<br />

32<br />

142


Olivia Ford: Der späte Ruhm der Mrs. Quinn | Belletristik<br />

müde aussehenden Bären auf dem Armaturenbrett, gefunden<br />

hatte.<br />

Maurice hatte zwei Glasaugen, von denen eines nur noch<br />

an einem dünnen Faden hing und in eine andere Richtung<br />

blickte. Außerdem hatte er mittlerweile mehrere kahle Stellen.<br />

Er hatte in jedem ihrer Autos gewohnt, und er war nach<br />

ihrem allerersten Wagen, einem Morris Minor 1000, benannt<br />

worden. Jenny erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem<br />

sie ihn gekauft hatten. Es war Bernards fünfundzwanzigster<br />

Geburtstag gewesen, und er hatte strahlend die gewölbte,<br />

graublaue Motorhaube gestreichelt. Jenny war anfangs nicht<br />

wohl dabei gewesen, so viel Geld auszugeben, aber Bernard<br />

hatte monatelang einen Teil seines Lohns für das Auto gespart<br />

und war nicht davon abzubringen. Denk doch nur an<br />

all die Abenteuer, die wir damit erleben werden, hatte er gesagt,<br />

und er hatte recht behalten.<br />

Sie sah von Maurice zu Bernard, der sich auf die Straße<br />

konzentrierte. Die Falten um die Augen und um den Mund<br />

wiesen ihn als gutmütigen Mann aus, der gern lachte. Sie bewunderte<br />

seine ungewöhnlich dichten Wimpern, um die sie<br />

ihn seit mehr als einem halben Jahrhundert beneidete, und<br />

dachte an die vielen Stunden, die sie neben ihm auf dem Beifahrersitz<br />

verbracht hatte. Manchmal unterhielten sie sich,<br />

dann wieder genossen sie einfach schweigend die Gesellschaft<br />

des anderen. Ein Leben ohne ihn konnte sie sich nicht<br />

vorstellen.<br />

33<br />

143


UNTERHALTUNG


Leseprobe | Snippets<br />

Make Amt<br />

Great Again!<br />

Conny, Beamtin im öffentlichen Dienst, macht den Job seit<br />

Jahrzehnten. Mit ihren Kolleginnen – Tief-einatmen-Petra,<br />

Gegen-alles-Gisela, Kussi-Doris, Küken- Dilara und Du-bistder-Change-Ronja<br />

– trotzt sie Aktenbergen, Management-<br />

Geschwätz, Digitalisierung und viel zu selbstbewussten<br />

Bürgern. Und wenn gar nichts mehr geht: „Da bin ick nicht<br />

zuständig, Mausi.“<br />

Connys Kolleginnen sind ihr wohl oder übel zur Familie<br />

geworden. Der alltägliche Behördenwahnsinn schweißt sie zusammen.<br />

Zwischen Kaffee- und Raucherpausen wird diskutiert,<br />

gelästert und gestritten – und mit Neugierde über das Liebesleben<br />

der Belegschaft gewacht. Aber keine Sorge, Conny bleibt<br />

Herrin der Lage und ihrem Mantra treu: „Nix muss sich ändern,<br />

damit alles so bleibt, wie es ist!“<br />

Will ich haben!<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi<br />

dtv, Taschenbuch, 288 Seiten, € 13,00, ISBN: 978-3-423-21878-8<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

Da bin ick nicht zuständig, Mausi<br />

»Mein Name ist Conny, und ich bin Beamtin.« Seit fünfundzwanzig<br />

Jahren stell ich mich jetzt schon so vor. Kurz und<br />

knapp. In all den Jahren ist noch nie jemand auf die Idee gekommen<br />

zu fragen, was ich denn eigentlich genau mache.<br />

Oder es hat sich einfach niemand getraut, weil »Beamtin« ja<br />

irgendwie selbsterklärend ist.<br />

Erst mal vorab: Beamtin ist gar kein Beruf. Es ist ein Status<br />

und ja, irgendwie auch ein Lebensgefühl. Auf jeden Fall mein<br />

Lebensgefühl! Und anscheinend ein so mächtiges Wort, dass<br />

es zur Vorstellung der gesamten Persönlichkeit ausreicht. Dabei<br />

gibt es so viele von uns. Es gibt Lehrer, Richter, Polizisten,<br />

die Feuerwehr, es gibt Steuerbeamte oder die Sozialarbeiter.<br />

Ja, und dann gibt es halt auch noch die Verwaltungsbeamten.<br />

Niemand weiß so richtig, was die tun, aber trotzdem hat<br />

jeder irgendeine Vorstellung davon. Zu dieser ganz besonderen<br />

Beamten-Spezies gehöre ich. Ich bin Verwaltungsbeamtin<br />

im gehobenen Dienst. Oder, für die Amts-Nerds unter<br />

euch: Stadtoberinspektorin im nichttechnischen gehobenen<br />

Verwaltungsdienst des Landes Berlin. Da kiekste, wa! Müssta<br />

euch noch mal auf der Zunge zergehen lassen: Stadt-Ober-<br />

Inspektorin. Sexy!<br />

Wenn ich Männer kennenlerne, stelle ich mich immer ganz<br />

selbstbewusst mit dieser Berufsbezeichnung vor. Die Gesichter<br />

dazu könnta euch nicht ausmalen! »Okay, biste also so<br />

was wie ne Detektivin?« Jenau, Süßer, und du bist nur Teil<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

meiner Ermittlungen, ich habe unser gesamtes Gespräch aufgezeichnet,<br />

und gleich landen hier zwei Hubschrauber, die<br />

dich mitnehmen.<br />

»Stadtoberinspektorin« hört sich aber auch echt krass an.<br />

Unterm Strich und übersetzt in die Sprache von Normalsterblichen:<br />

Ich bin Sachbearbeiterin. Sachen bearbeiten wir<br />

ja irgendwie alle, irgendwo, mit irgend welchen Zuständigkeiten.<br />

Bei mir sind’s halt spezielle Amtssachen.<br />

Ich sitze nun seit fast fünfundzwanzig Jahren in ein und<br />

derselben Bezirksverwaltung und bearbeite ein und dieselben<br />

Vorgänge in ein und derselben Vorgehensweise. Die Inspektorin<br />

in meinem Titel inspiziert also, welcher Bürger auf<br />

Basis von dieser und jener Rechtsgrundlage was darf. Oder<br />

halt auch nicht darf. Und sie arbeitet ab: Anträge, Bußgeldbescheide,<br />

Widersprüche.<br />

Ankommen, Kaffee kochen, Eingangspost bearbeiten,<br />

Kaffee trinken, Ausgangspost raus, Feierabend. Mein Arbeitstag,<br />

kurzgefasst.<br />

Angelockt haben sie uns damals, und wir sind dem Ruf<br />

der Ämter gefolgt wie kleine Lämmchen. Es gab Aufrufe in<br />

allen Tageszeitungen, meine Familie hat über nichts anderes<br />

mehr gesprochen, und schließlich stand fest: »Dit Kind muss<br />

uffs Amt.« Richtig attraktiv war das. »Also, unsere Conny, die<br />

lernt ja bei de Stadt.« Meine Eltern waren stolz wie Bolle,<br />

dass ich nach meinem Realschulabschluss in Berlin-Neukölln<br />

entschieden habe, eine Lehre in einer Behörde anzufangen.<br />

Heute, muss ich sagen, ist der Lack ein bisschen ab von all<br />

dem. Besonders gut zu sehen an den altbackenen, hässlichen<br />

Möbeln. Damals waren sie auch nicht schön, aber für mich<br />

das Sinnbild einer strahlenden Zukunft. Hat ja keiner wissen<br />

können, dass die Teile nie wieder ausgetauscht werden.<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

So bin ich also zum ehrbaren Beruf der Verwaltungsfachangestellten<br />

gekommen und hatte meinen festen Posten im<br />

mittleren Dienst. Im Laufe der Jahre habe ich mich genau ein<br />

Mal aus meiner Komfortzone herausgetraut: mit nem Aufstiegslehrgang.<br />

Danach war ich im gehobenen Dienst. Ja, und<br />

so sitze ich hier nun seit nem Vierteljahrhundert zwischen<br />

den ollen Möbeln mit den immer gleichen Kollegen: Petra,<br />

Gisela, Doris und wie sie nicht alle heißen. Die werden sich<br />

später alle noch mal persönlich bei euch vorstellen.<br />

Mein Job ist ein sicherer Hafen. Draußen kann die Welt<br />

untergehen, alles kann sich verändern und neu erfunden<br />

werden. In unseren heiligen Hallen, zwischen der immer laufenden<br />

Kaffeemaschine und dem leisen Radiogeräusch im<br />

Hintergrund, ist die Welt noch in Ordnung. Hier herrscht<br />

Stabilität. Das Amt gibt Halt so wie die liebste Omi der Welt,<br />

die immer was Süßes in der Tasche hat, wenn man Trost<br />

braucht. So in etwa.<br />

So, kommt ma mit jetze in meine Welt. In meinen Mikrokosmos.<br />

Ihr werdet gleich viele Parallelen feststellen, wenn<br />

ihr auch auf nem Amt arbeitet. Oder in sonst einem Büro<br />

oder in, sagen wir, beamtenähnlichen Strukturen. Aber auch<br />

ihr, genau, ihr! Ihr schimpft doch immer über die Ämter und<br />

Behörden dieses Landes. Kommt ma mit. Ich lade euch janz<br />

herzlich dazu ein, Behörden nach meinen Geschichten noch<br />

schrecklicher zu finden denn je. Na, wat denn, kommta? Hab<br />

nicht ewig Zeit.<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

Hallo? Könnt ihr mich sehen?<br />

Corona, oh Corona! Dieses Virus hat unserer Welt so viel<br />

Unglück gebracht – und den Ämtern in Deutschland nichts<br />

als Freude. Die Blitz-Digitalisierung traf uns alle wie ein Tsunami.<br />

Und wer hätte es gedacht? Es hat sich was verändert<br />

aufm Amt, und ich habe jetzt ein neues Lieblingskommunikationsmittel:<br />

die Videokonferenz. Was in Unternehmen gang<br />

und gäbe ist, ist für Behörden und uns Dinosaurier-Mitarbeiter<br />

wie die erste Mondlandung – purer Wahnsinn.<br />

Stellt euch mal den durchschnittlichen Beamten bildlich<br />

vor. Da sitzt eine zweiundsechzigjährige Doris. Doris verarbeitet<br />

in ihrem Kopf noch immer die Einführung von E-Mails,<br />

kommt null klar damit und macht auch kein Geheimnis<br />

draus! Dann sitzt da Gisela, die ist irgendwas Anfang fünfzig.<br />

Die wehrt sich gegen alles und jeden, der ihr irgendwie Kopfschmerzen<br />

bereiten könnte, und es gibt kaum eine Sache,<br />

über die nicht gemeckert wird. Und dann gibt’s da noch eine<br />

Petra, die alles Elektronische und Digitale für negative Energien<br />

hält und am liebsten im Wald leben würde.<br />

Diese Menschen treffen dann auf eine Mitte-dreißig-Konzern-Ronja,<br />

bei der jedes zweite Wort auf Englisch ist, das<br />

hier kein Schwein versteht. Und auf Dilara, die zwar ein liebes,<br />

nettes Küken, aber eben auch mit diesem Teufelszeug<br />

von Internet aufgewachsen ist. Und in dieser Kombi soll man<br />

jetzt Kontakte reduzieren, kürzere Wege finden und einen<br />

weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung gehen? Lachste<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

dich kaputt. Ich sag’s, wie’s ist: Ick hab keen Bock. Aber da<br />

mein Gemütszustand und meine Motivation niemanden interessieren,<br />

beiß ich auch in diesen sauren Apfel der neumodischen<br />

Trends und schwimme mal wieder mit dem Strom.<br />

Ich seh’s noch vor mir. Wir waren im ersten Lockdown,<br />

und immer nur eine Hälfte der Kollegen war im Büro. Die<br />

andere Hälfte musste irgendwie zuhause klarkommen. Da wir<br />

Zweier- und Dreierbüros haben, die wie auf einem Strang nebeneinanderliegen,<br />

kann man durch die Verbindungstüren<br />

vom ersten Büro bis ins letzte durchlaufen. Das ist übrigens<br />

auch unser aller Morgenritual. Einmal den Walk of Fame,<br />

alle Kollegen kurz grüßen, in irgendnem Büro hängen bleiben,<br />

sich verquatschen und sich erst zwei Stunden später am<br />

eigenen Platz einfinden. Na ja, das Morgenritual im Amt ist<br />

noch mal ne ganz eigene Geschichte. Wir wollen ja jetzt über<br />

die Modernisierung der Ämter sprechen: Videokonferenzen.<br />

Also, ich fand ja Telefonieren schon ne Zumutung. Du versuchst<br />

mit einem Menschen, den du noch nie zuvor gesehen<br />

oder gesprochen hast, ein amtliches Telefonat zu führen.<br />

»Hallo. Nee, wir beantworten keene Fragen am Telefon.<br />

Sie müssen inne Sprechstunde kommen. Ja, jenau. Sie müssen<br />

erst nen Termin machen. Uff Wiederhören!«<br />

Keine Mimik, keine Gestik, kein Garnix. Hat aber auch sein<br />

Gutes. Könntest im Homeoffice dabei nackig die Spülmaschine<br />

ausräumen, bei jedem Satz die Augen verdrehen oder<br />

einfach in der Nase bohren. Auf meine alten Tage musste ich<br />

also erst Videokonferenzen kennenlernen, um das gute alte<br />

Telefonat zu würdigen!<br />

Dieser Luxus, inkognito mit dem Hörer in der Hand, sollte<br />

also von jetzt auf gleich verschwinden. Konnt ich mir nicht<br />

vorstellen, wollt ich mir nicht vorstellen. Ich arbeite seit über<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

zwanzig Jahren mit Gisela zusammen und war noch nie in<br />

ihrer Wohnung. Was, wenn die ausgestopfte Tiere zuhause<br />

hinter ihrem Schreibtisch hängen hat? Oder Doris im roten<br />

Negligé vor der Kamera sitzt? Petra Voodoo-Zeremonien abhält?<br />

Will ich das wirklich sehen? Ick gloobe nich.<br />

Ich erzähl euch mal, wie unsere erste Videokonferenz ablief.<br />

Bei uns ganz modern abgekürzt als »ViKo«.<br />

Per Mail bekommen wir alle Zugangsdaten, mit denen wir<br />

uns einloggen sollen. Da geht’s schon los. Die Mail trudelt<br />

ein, und keine Minute später bimmelt mein Telefon. Doris.<br />

»Du, Mausi, samma, wat schickt die denn da rum in blauer<br />

Schrift. Haste jesehen? Is sicher wieder son Virus, hab ick<br />

gleich jelöscht.« Doris ist mit ihrer Naivität so ne Zuckerschnute,<br />

dass man einfach nicht sauer auf sie sein kann. Alles,<br />

wirklich alles, was sie sagt, erscheint grenzwertig oder falsch.<br />

Aber sauer auf sie sein, nee, das kann ich nicht. Das kann niemand.<br />

Abgesehen davon, dass sie die Älteste im Team ist, ist<br />

sie einfach so ne liebe Berliner West-Omi. Hat keinen bösen<br />

Hintergedanken, niemals schlechte Absichten, aber bei der<br />

IQ-Verteilung war der liebe Herrgott halt einfach etwas sparsamer.<br />

Ick hab schon so nen Hals. Ich stelle Doris stumm und<br />

brülle: »Meine Fresse noch mal!« Dann stelle ich wieder auf<br />

laut und erkläre ihr, dass das ein Link ist, auf den man klicken<br />

muss.<br />

Schon klar, ihr denkt: Was erzählt die Alte denn da? Ist<br />

doch alles ausgedacht und niemals so vorgekommen. Leider<br />

nein, Mausis, da muss ich euch enttäuschen. Es ist alles genau<br />

so passiert und passiert auch jetzt, in diesem Moment,<br />

in irgendeiner deutschen Behörde, an irgendeinem Schreibtisch.<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

Ich erkläre Doris also den Vorgang des Log-ins, als wäre<br />

er die reinste Raketenwissenschaft, und, halleluja, nur viele<br />

Minu ten später – wir sind online!<br />

Ich sehe eine Kachel mit der hochmotivierten Ronja,<br />

unserer Referentin. Was die genau macht, erzähle ich euch<br />

noch. Sie strahlt in die Kamera und sitzt selbstverständlich<br />

vor einem gut gefüllten Bücherregal, um uns zu zeigen, wie<br />

intellektuell sie auch in ihrer Freizeit unterwegs ist. Blöde<br />

Kuh. Das sind doch alles nur wieder irgendwelche Ratgeber,<br />

die dir erklären, wie du dein Leben mit Mitte dreißig zu<br />

leben hast, um dein Potential kompletto auszuschöpfen. Bücher,<br />

die einem sagen, wie man am gesündesten lebt, welchen<br />

Sport man am besten treibt und wie man am effizientesten<br />

arbeitet. Gut, inzwischen weiß ich, dass das ein virtueller<br />

Hintergrund war und Ronja bloß in ihrer ollen Küche saß. Na<br />

ja, egal, finde, sie nervt trotzdem.<br />

Nach und nach schalten sich meine Herzenskolleginnen<br />

dazu. Erst Petra, dann Gisela und später Dilara. Dilara schaut<br />

mit ihren großen Rehaugen in die Kamera und verdreht sie<br />

gleich wieder, als ihre Mutter ihr einen vollen Obstteller vor<br />

die Nase stellt. Ich kenne Dilara und ihre Mutter Gül sehr gut.<br />

Wir sind Nachbarn, und das seit über zwanzig Jahren.<br />

Irgendwie bekomme ich es hin, meine Kamera auch endlich<br />

einzuschalten. Gott, sehe ich scheiße aus!<br />

Gisela, die nicht merkt, dass sie nun auch zu sehen und zu<br />

hören ist, brüllt ihren Sohn Marvin am Telefon an: »Ick hab<br />

jetze hier Videokonferenz, Marvin, wat is denn, mein Jott?«<br />

Dilara schaltet sich dazu und sagt Gisela, dass man sie<br />

hört. Woraufhin Gisela in ihrer Panik kurzerhand auf das rote<br />

X drückt und offline ist. Ein Traum das Ganze! So kann man<br />

auch seine Arbeitszeit verbringen. Können gern den ganzen<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

Tag hier so sitzen und versuchen, uns ein- und dann wieder<br />

auszuloggen, mich stört’s nicht.<br />

Plötzlich hallt ein lautes »Hallo? Könnta mich hören, ihr<br />

Lieben?« aus irgendeiner Kachel ohne Bild. Petra, die schon<br />

angekündigt hat, sich nicht per Webcam dazuzuschalten,<br />

meldet sich zu Wort. »Ick seh dit ja nich ein, dass ick mich<br />

hier filmen lasse.« Die Strahlungsbelastung des Laptops, sagt<br />

sie, reicht ihr schon, da muss sie nicht noch die Kamera aktivieren.<br />

Gisela, die inzwischen wieder online ist und ihre Kamera<br />

anmacht, guckt so grimmig, dass ich Angst um meinen Bildschirm<br />

habe. »Wat soll denn dieset Theater hier? Ick muss<br />

nicht jeden Trend immer mitmachen. Ick höre nüscht und<br />

sehe nur meine eigene Gusche. Ick werf dit Teil gleich ausm<br />

Fenster, werf ick ditte.« Sie ist auf hundertachtzig. Nichts<br />

Neues. Vor der Frau haste einfach Respekt. Parallel zum brüllenden<br />

Gisela-Gesicht beobachte ich Doris dabei, wie sie sich<br />

die dritte Zigarette anmacht, heiter in die Kamera quatscht<br />

und sich dabei halbtot lacht. Ohne Ton. Dilara in Schockstarre,<br />

Ronja kurz vor dem nächsten Nervenzusammenbruch.<br />

Herzlich willkommen auf dem Amt, liebe Videokonferenz,<br />

hier hat wirklich niemand auf dich gewartet.<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

Jour fixe<br />

»Einmal die Woche setzen wir uns zusammen und tauschen<br />

uns über die vergangenen Tage aus. Das ist so wichtig, guys.<br />

Auch fürs Brainstorming. Neue Ideen, neuer Input. Alles für<br />

den Change!«, erklärt uns Ronja.<br />

Die hat uns wieder mal zu einer kleinen Kaffeerunde zusammengetrommelt<br />

und schwafelt blödes Zeug. Was esse<br />

ich nachher eigentlich zum Mittag? Kann mir nicht wieder<br />

nen Döner reinpfeifen. Die Hose wollte heute Morgen nur in<br />

liegender Position zugehen. Boah ey, irgendwie riecht Petra<br />

heute auch leicht nach Ziege. Stelle mir oft vor, dass die in<br />

nem Heubett in irgendnem Stall pennt, die alte Hippiebraut.<br />

Sie fischt ihren Bio-Ayurveda-Ökö-Gedöns-Teebeutel aus<br />

ihrer Tasse und schließt die Augen. So was darf sich auch nur<br />

Petra erlauben.<br />

»Ihr müsst euch im Laufe des Tages ooch ma selbst besuchen.<br />

Ma na innen kehren. Euch ma streicheln und innehalten«,<br />

sagt sie immer.<br />

Petra war nicht immer so. Auf ihren spirituellen Selbstfindungspfad<br />

ist die Frau erst gekommen, als ein Kerl sie von<br />

ihrem eigentlichen Weg abgebracht hat. Weggeschubst hat er<br />

sie. Ausgelöscht oder – wie Ronja sagen würde – »geghosted«.<br />

Die richtigen Details dazu kennt wohl nur Doris, die bekanntlich<br />

unsere Boulevardzeitung auf zwei Beinen ist.<br />

Den Gerüchten nach hatte Petra wohl mal was mit Wolfgang<br />

aus der Poststelle. Hat dann aber nicht das bekommen,<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

was sie sich erhoffte, und anschließend auch noch nen Arschtritt<br />

von ihm kassiert. Im Büro herrscht Stillschweigen über<br />

dieses Thema. Niemand wagt es, Petra aus ihrer allumfassenden<br />

Atemübung rauszuzerren und sie mal zu fragen, was<br />

denn nun genau passiert ist zwischen Wolle und ihr.<br />

Ganz ehrlich, ich weiß auch nicht so recht, ob ich das so<br />

detailliert wissen will. Allein die Vorstellung, dass Schnarchnase<br />

Wolfgang ne zwischenmenschliche Beziehung eingeht!<br />

Oder ne sexuelle! Da schüttelt’s mich. Ich wette, dass Petra<br />

ne Voodoo-Puppe zuhause hat. Die hat so ganz kleine, von<br />

ihr selbst genähte Karo-Kurzarm-Hemden an, die Wolfgang<br />

in groß trägt. Und dann sticht die der Puppe abends immer<br />

ne Nadel in den Hintern und freut sich einen ab. Kann ja<br />

kein Zufall sein, dass Wolfgang jeden zweiten Morgen dasitzt<br />

und sagt: »Meen Ischias bringt ma irjendwann noch<br />

ins Grab!«<br />

Während ich in meiner Gedankenwelt das Liebesrätsel um<br />

Petra und Wolfgang zu lösen versuche, steht Ronja an der<br />

weißen Tafel und skizziert wild ihre Kack-Ideen. Das ist ihr<br />

»Moodboard«. Da rennt die mindestens dreimal die Woche<br />

hin und krakelt irgendwelche englischen Wörter rauf, die sie<br />

dann farblich umkreist und mit süßen Smileys verziert. Hat<br />

sie in nem Präsentationskurs gelernt.<br />

Herrjott, dit sind Steuerjelder!<br />

Da sitzt der Bürger zuhause und regt sich über das Amt auf<br />

und wieso alles so langsam und oll ist und siehe da: fließt alles<br />

in Dinge, die das Amtsleben noch komplizierter machen. Und<br />

während wir diesen Monat das sechste Mal damit beschäftigt<br />

sind, wie wir uns optimieren können, fällt irgendwo ein Bürger<br />

in nem Wartezimmer tot um, weil er da schon siebzehn<br />

Jahre steht und nüscht passiert! Ronjas Verbesserungsdrang<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

in allen Ehren, aber was soll sich denn bitte ändern, wenn die<br />

Leute, die die Ideen umsetzen sollen, dieselben bleiben.<br />

»Ich führe jetzt einen Jour fixe ein«, strahlt Ronja, wobei<br />

sie nur Dilara anguckt. Ist halt auch die Einzige, die versteht,<br />

was die Alte meinen könnte.<br />

»Wat isn ditte, Mausi? Is dit ne Tütensuppe? So wie Maggi<br />

Fix?« Doris hat wieder einen rausgehauen. Gisela kriegt sich<br />

gar nicht mehr ein vor Lachen, und Petra hat der Witz auch<br />

aus ihrer Meditation gerissen.<br />

Dabei war’s nicht mal einer. Doris meinte das ziemlich<br />

ernst.<br />

Bitte schön, Ronja. Da haben wir jetzt den Salat. Du kannst<br />

halt jemanden, der sich bei KiK und C&A einkleidet, nicht auf<br />

die Balenciaga-Fashionshow mitnehmen und hoffen, dass sie<br />

das irgendwie anmacht. Du kannst ne sechzigjährige Schlagermaus<br />

nicht in einen Berliner Underground Hip-Hop-Club<br />

schleppen und drauf warten, dass sie plötzlich lostwerkt. Und<br />

genauso kannste dich nicht uffs Amt stellen und den Leuten<br />

sagen, dass wir jetzt nen Jour fixe haben. Mal abgesehen davon,<br />

dass wir hier kaum Fremdsprachen beherrschen, scheint<br />

das wieder son blöder Modebegriff zu sein, den keener kapiert.<br />

Ronja verdreht die Augen und kichert dabei so künstlich<br />

mit, wie sie nur kann.<br />

Die Stimmung darf nicht kippen. Es darf nicht wieder in<br />

einem »Nein, das machen wir nicht« enden. Du bist die Vorgesetzte<br />

und verantwortlich für das Change Management,<br />

Ronja, reiß dich zusammen! Ich sehe ihr an, wie ihr diese<br />

Gedanken durch den Kopf schießen. Junge, wat tut die mir<br />

manchmal leid! Ich wär schon längst durchgedreht in diesem<br />

ignoranten Saftladen, dessen Teil ich bin.<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

»Is ja ejal, wat dit is. Jour fixe. Die Hauptsache is, dass et<br />

fix jeht. ZZ. Ziemlich zackig. Hahahaha«, setzt Gisela noch<br />

einen drauf und lacht wie vom Teufel besessen.<br />

Dilara ist spürbar kurz davor, sich den Tacker zu schnappen<br />

und uns allen jeweils Ober- und Unterlippe mit ner<br />

Packung 1 000er-Heftklammern zusammenzutackern.<br />

Ronja sammelt sich und setzt noch mal an: »Wir treffen<br />

uns einmal die Woche zu einem FIXEN Tag und besprechen<br />

uns zu den wichtigsten Themen«, versucht sie die Botschaft,<br />

so selbstbewusst, wie es nur geht, rüberzubringen.<br />

»Jut, und wieso sagste dit nich gleich, Mausi?« Doris hat<br />

zur Abwechslung mal recht. Die Zeitungen berichten von der<br />

Trägheit der Berliner Verwaltung. Bürger warten monatelang<br />

auf Termine. Alle hassen sie uns. Und wir sitzen jetzt seit ner<br />

Dreiviertelstunde hier und amüsieren uns darüber, ob die wöchentliche<br />

Besprechung nicht auch Tütensuppe genannt werden<br />

könnte.<br />

»Na, Mensch, dann lasst uns doch einfach dit Wochenfrühstück<br />

wieder einführen. Bei nem Brötchen und ner<br />

Tasse Kaffee lässt sich dit doch viel jemütlicher jour fixen.«<br />

Ich möchte diese Runde endlich auflösen. Ich ertrag’s nicht<br />

mehr, wenn ich mir vorstelle, wie hier die Steuergelder meiner<br />

Rentnereltern verbraten werden, während wir endlos debattieren.<br />

»Also eigentlich wollte ich den Jour fixe als Stand-up-Meeting<br />

einführen, aber vielleicht …«<br />

»… vielleicht lassen wir das lieber, Ronja. Ich finde die Idee<br />

mit einem Frühstück eigentlich ganz nett«, vollendet Dilara<br />

den Satz. Beschwichtigen kann sie. Vermitteln kann sie auch.<br />

Musste sie ja auch schon immer. Zwischen ihren Eltern, zwischen<br />

ihren Eltern und Behörden und Ärzten, zwischen zwei<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

Religionen und schließlich auch zwischen zwei Kulturen.<br />

Gut, dass wir dieses kleine türkische Küken im Team haben.<br />

Eine Diplomatin durch und durch.<br />

»Also, ick find dit mit dem Frühstück ooch super, aber will<br />

gleich noch ma anmerken, dass ick nur vegan esse.«<br />

»Petra, dit klären wa denn die Tage, jut? Noch ne Diskussion<br />

ertrag ick jetzt ooch nich mehr. Hab schließlich wat zu<br />

tun, ob de dit nun gloobst oder nich«, antworte ich. Reicht<br />

jetzt aber auch.<br />

»Super, Mädels. Danke für diesen so konstruktiven Austausch<br />

und diesen tollen Input. Dann machen wir jetzt jeden<br />

Montag unseren Jour fixe um zehn Uhr! Oh Gott, nein, sorry!<br />

Unser fixes Frühstück meine ich natürlich.«<br />

Geht doch, Ronja. Das Leben ist ein Kompromiss. Und dieses<br />

Ergebnis einer Kaffeerunde eine wahre Glanzleistung fürs<br />

Amt. Chapeau!<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

Doris<br />

Hallöchen, Mausis! Icke bin’s – Doris.<br />

Tja, was soll ich euch über mich erzählen?<br />

Kleen-Doris ist die Älteste im Bunde<br />

und zarte zweiundsechzig Jahre jung.<br />

Bin hier quasi die Amts-Mutti! Gebo-<br />

ren und aufgewachsen bin ich in Berlin-<br />

Lichten rade, schön in nem kleinen Häuschen<br />

mit meinen beiden Eltern und zwei<br />

Geschwistern. Ich weiß, wir sollen eigentlich<br />

nicht mehr zwischen Ost und West<br />

trennen, aber ich bin Wessi. Find ich nicht<br />

weiter schlimm, das auch zu sagen. Die Ossis<br />

machen’s ja genauso.<br />

Vor vierzig Jahren habe ich meinen mann Günter kennen und lieben gelernt. Er<br />

Ehewar<br />

der Sohn von ner Freundschaft meiner Eltern und mein<br />

erster richtiger Freund. Die jungen Leute heute träumen ja<br />

immer von so ner Romanze – Günter und icke, wir haben dit.<br />

Kinder haben wir nie bekommen, was meiner Meinung nach<br />

an ihm lag und nicht an mir, aber ist ja auch nicht schlimm,<br />

Mausis. Generell find ich kaum was schlimm. Das habe ich mir<br />

irgendwann so angewöhnt und verinnerlicht.<br />

Um da hinzukommen, wo ich jetzt bin, muss man ne<br />

Menge erlebt haben. In meinen Zwanzigern und Dreißigern,<br />

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Leseprobe | Snippets<br />

da wollte ich noch rebellieren. Habe mich mit Hinz und Kunz<br />

angelegt und immer alles ausdiskutiert. Irgendwann merkste<br />

dann, dass sich eh nüscht ändert, und findest dich damit ab.<br />

Und dann ist auch nüscht mehr schlimm. Mein Job aufm Amt<br />

hat auch maßgeblich dazu beigetragen, dass ich so geworden<br />

bin, wie ich heute bin.<br />

Mit sechzehn hab ich meine Lehre begonnen. Wen ich<br />

schon alles hab kommen und gehen sehen – hör mir uff!<br />

Chefs, die die Welt verändern wollten und dann das Weite<br />

gesucht haben. Kollegen, die dachten, sie könnten sich aufm<br />

Amt ausruhen, und dann ihr blaues Wunder erleben mussten.<br />

Affären, Skandale, Lästereien, Intrigen. Aber auch schöne<br />

Sachen. Liebesgeschichten, entstandene Freundschaften und<br />

Kollegen, die man ins Herz geschlossen hat. Verwaltungsreformen,<br />

Veränderungen, gescheiterte Modernisierungen und<br />

jetzt die schon ewig dauernde Digitalisierung.<br />

Anfangs war ich noch motiviert und wollte bei allem dabei<br />

sein, aber mit Anfang vierzig habe ich aufgegeben. Gar nicht<br />

im negativen Sinne, sondern zurückgelehnt habe ich mich.<br />

Mein Job ist sicher, das Geld stimmt, und Freizeit habe ich<br />

auch noch genügend. Also, wat soll ick mir nen Kopp machen?<br />

Ich tu, was getan werden muss, und verkrümele mich Freitagnachmittag<br />

in meinen hübschen Schrebergarten.<br />

Da lebt nämlich mein Mausebär Günter. Falls ihr glaubt,<br />

vierzig Jahre Ehe würden immer so glatt laufen, habt ihr euch<br />

geirrt. Das, was unsere Ehe frisch gehalten hat, war nämlich<br />

der Abstand. Unter der Woche leben Mausebär und ich also<br />

getrennt, und am Wochenende besuche ich ihn im Garten. Da<br />

hat man sich dann wenigstens was zu erzählen und sich vielleicht<br />

sogar vermisst. Wir laden Freunde ein, grillen, trinken<br />

lecker Eierlikörchen und machen uns das Leben schön. Das<br />

21<br />

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Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

ist nämlich ganz schön kurz und auch zu schade, um es mit<br />

Meckern und Motzen zu verbringen.<br />

So nett unsere Wochenenden auch sind, so sehr freue ich<br />

mich trotzdem auf jeden Montag. Das Amt ist meine zweite<br />

Familie und auch irgendwie ein Stück Zuhause. So viel Zeit,<br />

wie wir auf Arbeit verbringen – müssta euch ma vorstellen!<br />

Da ist es wichtig, dass man sich liebhat und nicht alles allzu<br />

ernst nimmt. Was die jungen Hühner sich immer um alles<br />

Sorgen machen. Die sollen erst mal in mein Alter kommen,<br />

dann ist denen auch alles egal!<br />

Manchmal, da ist es nicht einfach, mit so verschiedenen<br />

Menschen zusammenzuarbeiten. Bei uns haste ja auch allet:<br />

Ossi, Wessi, Öko, ausländisch (Darf man dit noch sagen?), alt<br />

und jung. Da knallt’s dann auch mal, aber das hält uns frisch<br />

und schweißt am Ende sogar mehr zusammen. Mir sagen sie<br />

immer, dass ich viel in Fettnäpfchen trete und zu viel nachfrage.<br />

Bin halt neugierig, und böse meine ich das auch nie!<br />

Aber heutzutage musste ja aufpassen, was du noch sagen<br />

darfst und was nicht. Ach, is mir doch ejal!<br />

Kurz und knapp, Mausis: Ihr dürft euch nicht immer so ne<br />

Platte machen! Aus diesem Leben is noch keener lebend rausjekommen,<br />

also wozu der Stress? Is allet halb so schlimm und<br />

sicher ooch nich böse jemeint! Kussi!<br />

22<br />

161


Leseprobe | Snippets<br />

Ronja will onboarden<br />

Kleiner Test: Schließt mal kurz die Augen und stellt euch ne<br />

Beamtin vor. Na? Was habt ihr gesehen? Lasst mich raten:<br />

Es war nicht Heidi Klum. Eher alt, ein bisschen rundlich,<br />

schlecht gekleidet, komische Frisur, grimmiger Blick. Also<br />

wie icke. Könnta ruhig zugeben. Das ist doch das, was sich<br />

alle vorstellen, wenn sie an Beamte denken. Ja, okay, hier und<br />

da ist das nicht ganz falsch. Aber auch hier gilt das Motto: Es<br />

sind nicht alle so, wie man denkt.<br />

Meine Damen und Herren, begrüßen Sie also nun mit mir<br />

die neue Mitarbeitergattung der deutschen Behörden: Ronja.<br />

Diese neue, unverwechselbare Spezies hat irgendeinen Bachelor<br />

mit Medien gemacht (wie alle von dieser Gattung).<br />

Dann irgendnen Master im Ausland (so wie viele). Um danach<br />

in irgendnem Großkonzern zu arbeiten (auch nicht<br />

wenige), um am Ende nicht das zu bekommen, was man sich<br />

davon erhofft hat, und anschließend völlig ausgebrannt ins<br />

Amt zu rollen.<br />

Das ist jetzt nämlich der neueste Trend oder wie Ronja<br />

sagen würde: der neueste Shit. Man rettet sich in die Ämter<br />

Deutschlands, um die guten Arbeitsbedingungen zu haben,<br />

die die großen Firmen alle nur anpreisen. Work-Life-Balance,<br />

das wollen sie heute alle, verlieren sich aber in ihrem Ehrgeiz<br />

nach dem Nonplusultra-Job. Tolle Büros, ne Kita fürs Kind,<br />

drei Kickertische und jeden Freitag Afterworkparty. Was du<br />

dafür leisten musst? Profit. Profit. Profit. Und dann merkste<br />

23<br />

162


Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

irgendwann, dass du unzählige Überstunden hast und der<br />

Leistungsdruck dich killt.<br />

Ronja ist ein Paradebeispiel dafür. So ne richtige Mittdreißigerin.<br />

Vorliebe für englische Wörter, Power-Pilates, gesunde<br />

Ernährung, Karriere. Immer gute Laune. Immer motiviert.<br />

Hat tausende Ideen, will das Rad neu erfinden.<br />

Alles, was ich will: sie mal kräftig durchschütteln.<br />

Sie ist das Gegenteil vom Amtsidealbild und zerstört unser<br />

Image schon bei der morgendlichen Begrüßung: »Gooooood<br />

mooooorning« quietscht sie täglich mit ihrer schrecklichen<br />

Stimme durch die Büros.<br />

»Dit heißt ›juten Morgen‹ und wir sind hier immer noch<br />

in Deutschland!«, antwortet Gisela mindestens jeden zweiten<br />

Tag.<br />

Recht hat sie. Wozu denn immer diese dämlichen englischen<br />

Vokabeln? Fühlt Ronja sich dadurch besonders cool?<br />

Macht man das heutzutage so? So sprechen, dass einen so<br />

wenige Menschen wie nur möglich verstehen? Ronja, wir sind<br />

hier nicht mehr in deiner super-hippen Company, dit ist ne<br />

Behörde, verdammt! Das macht mich aggressiv.<br />

Aber es wird noch schlimmer. Ronja ist nämlich nicht nur<br />

Kollegin. Nein, sie ist auch noch unsere Vorgesetzte. Eine<br />

Chefin! Eine Führungskraft! Frage mich täglich, wen die denn<br />

nun genau führt? Mich bestimmt nicht. Geschweige denn<br />

Grummel-Gisela, die sich eindeutig selbst führt.<br />

Da setzen die uns alten Hasen irgendwelche Ronjas vor die<br />

Nase und hoffen, dass wir uns was sagen lassen? Pustekuchen!<br />

Die Dinge, die die in der Uni gelernt hat, kann se gern<br />

in irgendner Firma umsetzen. Nicht aufm Amt. Wir sind ein<br />

eigener Planet, hier herrschen andere Gesetze! Die Uhren ticken<br />

anders. Die Menschen sowieso.<br />

24<br />

163


Leseprobe | Snippets<br />

Heute ist also wieder einer dieser Tage, an denen Madame<br />

Ronja unser Amt umkrempeln will.<br />

»Mädels, wir müssen dringend am Onboarding arbeiten.«<br />

»Wat muss ick? Janüscht muss ick. Sterben muss ick«,<br />

brabbelt Gisela vor sich hin, während sie sich den Zeigefinger<br />

ableckt, um das Aktenblatt zu wenden, das sie mit ziemlich<br />

hoher Wahrscheinlichkeit eh nicht liest.<br />

Ganz ehrlich? Wäre ich Ronja, ich würde mir das hier keinen<br />

einzigen Tag lang geben. Ich bin zwar selbst die immer<br />

neinsagende Klischeebeamtin, aber das wär mir nix hier.<br />

Ganz egal, was man sagt, Gegenwind ist vorprogrammiert.<br />

Neinsagen ist Prinzip. Und ja, das nervt. Daher kurze Anerkennung<br />

für Ronjas Geduld. Na jut. Vorbei.<br />

»Ick weeß nich, ob ick nachfragen soll, wat dit nu wieder<br />

is, oder dit einfach sein lasse, Mausi«, sagt Doris. Am Ende jedes<br />

Satzes ein »Mausi« und dann noch ein Luftküsschen hinterher.<br />

Damit zieht die sich gnadenlos aus jeder Affäre. Doris<br />

ist gar nicht so doof, wie sie wirkt. Kussi hinterher, dann is<br />

»dit alles ja nich mehr so schlimm«, was sie da sagt.<br />

»Onboarding« wiederhole ich kurz im Kopf. Ich wünschte,<br />

ich könnte es mir irgendwie herleiten, um Ronja zur Abwechslung<br />

auch mal nen Gefallen zu tun. Aber da tut sich<br />

beim besten Willen nichts. Das einzige Boarding, das ich<br />

kenne, passiert im Flieger. Wüsste jetzt nicht, was wir hier<br />

mit Flugzeugen am Hut haben sollten.<br />

Ich denke es, und Gisela spricht es aus: »Wat is los. Willste<br />

die Passagiere in Flieger boarden, oder wat?«<br />

Dilara verdreht ihre Rehaugen. Jaja, immer muss sie alles<br />

übersetzen. Als würde es nicht reichen, dass das arme Mädel<br />

schon ihr ganzes Leben zwischen ihren türkischen Eltern und<br />

Ämtern vermittelt. Dilara schweigt. Sicher aus Frust.<br />

25<br />

164


Conny from the block: Da bin ick nicht zuständig, Mausi | Unterhaltung<br />

»Abholen. Wir müssen neue Kolleginnen und Kollegen abholen«,<br />

erklärt Ronja.<br />

»Ick bin damals ooch janz alleene hier herjekommen. Und<br />

jetze sollen wa die Neuen abholen, oder wat? Ick gloob echt,<br />

ick spinne!«, sagt Gisela.<br />

»Na, samma, Mausi, die können doch ooch mit die Öffis<br />

her kommen.« Doris schiebt sich die nächste Kippe in den<br />

Mund. Nachvollziehbar. War ja auch anstrengend, Doris, das<br />

Gespräch. Wenn’s kompliziert wird, kommt immer: »Ick jeh<br />

eene roochen.«<br />

Ronja übt sich in Geduld und Achtsamkeit, das sehe ich<br />

ihr an. Innerlich testet sie gerade eine der Übungen, die sie<br />

aus ihren schlauen Ratgebern hat. In Wirklichkeit will sie sich<br />

ihre teure Ralph-Lauren-Bluse von der Brust reißen und sie<br />

irgendeiner von uns zusammengeknüllt ins Maul stopfen.<br />

Wie gehe ich mit der Mitarbeiterspezies Beamte um. In 30 Tagen<br />

zur erfolgreichen Führungskraft. Ey, das wär’n Kassenschlager.<br />

Vielleicht sollte Ronja einfach ein Buch schreiben. Es folgt<br />

also keine Erklärung dazu, was denn nun »Onboarding« sein<br />

soll.<br />

Doris hat sich längst zum Rauchen davongeschlichen.<br />

Dilara sitzt wieder am Platz und macht sich ihre Kopfhörer<br />

rein. Gisela setzt neuen Kaffee auf. Hier bleibt alles so, wie’s<br />

is. Willkommen ON BOARD, liebe Ronja!<br />

26<br />

165


KINDERBUCH


Leseprobe | Snippets<br />

Tomatensaft<br />

statt Hundefutter<br />

Emma wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. „Kommt<br />

überhaupt nicht in die Tüte!“, war bisher alles, was ihr Vater dazu<br />

gesagt hat. Doch jetzt hat er eine neue Freundin, vor der er cool<br />

dastehen will. Emma wittert ihre Chance. Tatsächlich kann sie ihn<br />

überzeugen, dass ein süßer, braver, flauschiger Familienhund eine<br />

ausgesprochen gute Idee wäre. Einzige Bedingung: Er muss aus<br />

dem Tierschutz kommen. So wird kurzerhand ein kleiner Straßenhund<br />

aus Rumänien adoptiert, ausgesetzt irgendwo in Transsilvanien.<br />

Doch der Hund ist alles andere als süß, brav und flauschig. Er ist<br />

nachtaktiv, hört kein bisschen aufs Wort und dann taucht auch<br />

noch ein mysteriöser transsilvanischer Graf auf. Was hat das alles<br />

bloß zu bedeuten?<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Lotte Schweizer (Text) und Alexandra Helm (Illustrationen):<br />

Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten<br />

dtv, Hardcover, 128 Seiten, € 14,00, ISBN: 978-3-423-76448-3<br />

Lesealter ab 7 Jahre<br />

167


Leseprobe | Snippets<br />

Lotte Schweizer<br />

Das<br />

Vampirtier<br />

und die Sache mit<br />

den Tomaten<br />

Mit farbigen Illustrationen<br />

von Alexandra Helm<br />

168


Lotte Schweizer: Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten | Kinderbuch<br />

Dieses Kapitel hält eine<br />

Überraschung mit Ketchup bereit<br />

Alles fing mit Papas neuem Ohrring an. Beziehungsweise<br />

mit seiner neuen Freundin Diana, wegen der es<br />

den Ohrring überhaupt gab. Ein bisschen hing das Ganze<br />

natürlich auch mit Emmas Brüdern Lenny und Paul zusammen.<br />

Die waren – nun ja – ebenfalls neu. In Emmas<br />

Leben hatte sich in den letzten Monaten einiges getan.<br />

Aber am besten fangen wir vorne an und vorne ist einen<br />

Abend vor Emmas achtem Geburtstag.<br />

»Also wegen deinem Geburtstag«, sagte Papa damals.<br />

»Da wollte ich was mit dir besprechen.«<br />

»Geht’s um mein Geschenk?«, fragte Emma.<br />

Sie saß am Esstisch in der kleinen Wohnküche<br />

und sah zu, wie Papa Karotten schälte. Draußen<br />

pustete der Wind dunkle Wolken über die<br />

Dächer im Birnbaumring und klapperte<br />

mit den alten Fenster läden. Blätter,<br />

rot wie Dachziegel, tanzten durch<br />

die Luft, ehe sie sich auf dem ordentlich<br />

gestutzten Rasen im Vorgarten<br />

niederließen.<br />

169


Leseprobe | Snippets<br />

Papa wiegte mit dem Kopf. »Könnte man so sagen, ja«,<br />

druckste er herum.<br />

Emma zappelte aufgeregt mit den Füßen. »Was ist es<br />

denn? Darf ich raten? Au ja, ich rate! Glitzert es?«<br />

»Emma, hör mir mal kurz zu, es ist wichtig. Ich wollte<br />

schon längst mit dir darüber sprechen. Irgendwie habe<br />

ich nur noch nicht den richtigen Moment dafür gefunden.«<br />

»Nun sag schon, glitzert es?«<br />

Papa seufzte. »Nein, es glitzert nicht.«<br />

»Ist es grün?«, fragte Emma weiter.<br />

»Auch nicht. Aber, Emma, du musst mir jetzt mal<br />

zuhö…«<br />

»Du musst mir schon einen Tipp geben, sonst komme<br />

ich nie darauf, was du mir zum Geburtstag schenkst«,<br />

unterbrach Emma ihn. Papa hackte die Karotten in Würfel<br />

und dachte nach. »Na schön, dann sag ich’s mal so:<br />

Du bekommst etwas, das deine Freundin Natalie nicht<br />

hat«, kündigte er geheimnisvoll an. »Und auch nie bekommen<br />

wird«, ergänzte er noch geheimnisvoller.<br />

Er warf die Karottenwürfel zu den Zwiebeln in den<br />

Kochtopf. Es zischte und Emma ging vor dem spritzenden<br />

Fett in Deckung.<br />

Sonst gab es bei ihnen meistens nur Nudeln mit Ketchup,<br />

weil Papa nämlich nichts anderes konnte. Er ließ<br />

sogar gekochte Eier anbrennen, so schlecht war er in der<br />

Küche. Aber heute, einen Abend vor Emmas großem Tag,<br />

versuchte er sich an einer Bolognese­Soße. Hausgemacht!<br />

8<br />

170


Lotte Schweizer: Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten | Kinderbuch<br />

Emma grübelte. Etwas, das Natalie nie bekommen<br />

würde. Was könnte das sein? Natalie durfte sogar abends<br />

noch Cola trinken und hatte so viele Spielsachen, dass sie<br />

dafür ein zweites Zimmer brauchte. Sie hatte wirklich<br />

alles.<br />

Außer …<br />

Ja! Eine Sache gab es, die Natalie nicht besaß. Wegen<br />

der Allergie ihrer Mutter. Diese Sache war süß und flauschig<br />

und kuschelig, und von dieser Sache träumte Emma<br />

schon lange. Sie wünschte sich die Sache so sehr, dass<br />

sie jedes einzelne Spielzeug sofort dafür hergeschenkt<br />

hätte.<br />

»Hab ich es mir schon immer gewünscht?«, fragte<br />

Emma zaghaft. Ihr Bauch fühlte sich so kribbelig an, als<br />

würden Seifenblasen darin zerplatzen. Sollte ihr größter<br />

und einziger Wunsch endlich wahr werden?<br />

Sie hatte schon alles versucht, um ihren Vater von der<br />

Sache zu überzeugen, und ihn bestimmt einhundertfiffillionen<br />

Mal danach gefragt. Aber seine Antwort lautete<br />

jedes Mal: »Auf. Keinen. Fall.«<br />

Sollten sich all ihre Bemühungen nun womöglich doch<br />

noch auszahlen?<br />

»Es ist etwas, über das du dich freuen wirst«, antwortete<br />

Papa und leerte gestückelte Tomaten in den Kochtopf.<br />

»Hoffe ich jedenfalls.« Er rührte in der Soße und<br />

seine Brillengläser beschlugen vom Dampf.<br />

»Hat es eine feuchte Nase?«, fragte Emma hoffnungsvoll.<br />

9<br />

171


Leseprobe | Snippets<br />

»Manchmal.« Papa zwinkerte ihr zu und kippte eine<br />

ganze Packung Nudeln in das blubbernde Wasser.<br />

»Ist es stubenrein?« Emma wurde hibbelig.<br />

»Das will ich doch schwer hoffen!«, erwiderte Papa<br />

lachend. Es roch ein kleines bisschen angebrannt. Aber<br />

Emma war zu aufgeregt, um es Papa zu sagen.<br />

»Kann ich damit toben?«, wollte sie stattdessen wissen.<br />

»Auf jeden Fall!« Papa wischte die Arbeitsfläche sauber.<br />

Aus dem Topf mit der hausgemachten Soße stieg Rauch<br />

auf.<br />

»Spielt es gerne Ball?«, fragte Emma zappelig.<br />

»Jup!«, bestätigte Papa. Dann hielt er inne, runzelte<br />

die Stirn und schnupperte. »Irgendetwas riecht hier komisch<br />

… Ach herrje!« Er nahm den Topf vom Herd und<br />

fächerte mit einem Tuch den Rauch weg. Unglücklich betrachtete<br />

er die Soße, die keine Soße mehr war, sondern<br />

ein Klumpen.<br />

»Hat es Ohren?«, fragte Emma jauchzend.<br />

»Oh ja, es hat sogar vier Ohren«, verkündete Papa, während<br />

er missmutig die Soße betrachtete. Vier Ohren?<br />

Emma stutzte. »Was für ein Hund hat denn vier Ohren?«<br />

»Wieso denn Hund?«, fragte Papa verwirrt. »Emma,<br />

dieses Thema hatten wir schon oft genug. Ein Hund<br />

kommt mir nicht ins Haus!«<br />

»Aber …«, stammelte Emma. »Was bekomme ich denn<br />

dann zum Geburtstag?«<br />

Papa goss das Nudelwasser in den Abfluss.<br />

»Das versuche ich dir ja schon die ganze Zeit zu sagen:<br />

10<br />

172


Lotte Schweizer: Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten | Kinderbuch<br />

Du bekommst etwas viel Tolleres als einen Hund!«, versicherte<br />

er und platzierte zwei Teller mit trockenen Nudeln<br />

auf dem Tisch. Dann stellte er eine Flasche Ketchup dazu<br />

und verkündete: »Emma, du bekommst zwei große<br />

Brüder!«<br />

173


Leseprobe | Snippets<br />

Dieses Kapitel ist ein<br />

schlechter Scherz, oder?<br />

Einen Moment lang starrte Emma Papa verblüfft an. Dann<br />

lachte sie los. Das war doch ein Witz, oder? Das musste ein<br />

Witz sein! Aber Papa lachte nicht. Er saß ihr gegenüber<br />

und blinzelte sie über den Rand seiner schmalen Brille an.<br />

Emma stopfte sich eine Nudel in den Mund. Und dann<br />

noch eine und noch eine. Irgendwann hatte sie richtige<br />

Hamsterbacken vor lauter Nudeln. War das nun ein Witz<br />

oder nicht?<br />

»Iff will aber keine Brüder«, nuschelte sie, um auf Nummer<br />

sicher zu gehen. Dann spülte sie den Nudelklumpen<br />

mit einem Schluck Apfelsaft herunter.<br />

»Du erinnerst dich doch an meine Freundin Diana,<br />

oder?«, fragte Papa und drückte einen Schwall Ketchup<br />

auf seinen Teller. Emma verdrehte die Augen. Natürlich<br />

erinnerte sie sich an Diana. Papa sprach seit Monaten<br />

von kaum etwas anderem und hatte dabei immer diesen<br />

komischen Blick drauf. Und wenn er von einem Treffen<br />

mit ihr nach Hause kam, roch er nach Zimt und war giggelig<br />

wie ein Schuljunge.<br />

»Jedenfalls«, fuhr Papa fort, »ist Diana etwas ganz Blö­<br />

12<br />

174


Lotte Schweizer: Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten | Kinderbuch<br />

des passiert. Ihr Vermieter hat ihr den Mietvertrag gekündigt,<br />

weil er selbst in die Wohnung einziehen will. Ein Unding,<br />

dass so etwas überhaupt möglich ist!« Er schob sich<br />

in typischer Papa­Manier mit dem Mittelfinger die Brille<br />

hoch.<br />

»Und?« Emma zuckte mit den Achseln.<br />

»Na ja«, sagte Papa. »Ich hätte dir das längst erzählen<br />

sollen. Wir haben gehofft, dass sie noch rechtzeitig eine<br />

neue Wohnung findet. Aber der Wohnungsmarkt …«, Papa<br />

schüttelte den Kopf.<br />

»Ich versteh kein Wort.« Emma legte die Gabel neben<br />

ihren Teller und sah Papa an. Sein Gesicht wurde ketchuprot.<br />

»Diana und ihre Söhne, Lenny und Paul, müssen ganz<br />

dringend eine neue Wohnung finden. Sonst landen sie<br />

auf der Straße. Leider ist das nicht so leicht, bei den Mietpreisen.«<br />

Emma verstand noch immer nicht, worauf Papa hinauswollte.<br />

»Und jetzt hilfst du ihnen, eine Wohnung zu finden?«,<br />

fragte sie. Papa wich ihrem Blick aus.<br />

»Ich dachte eher daran … Also … Ich habe ihnen angeboten,<br />

hier einzuziehen.«<br />

Emma spuckte vor Schreck eine Fontäne Apfelsaft quer<br />

über den Küchentisch. »Hier?«, rief sie. »Bei uns?«<br />

Papa hob entschuldigend die Arme. »Ich weiß, es ist<br />

nicht ganz optimal … Und es kommt jetzt sehr plötzlich …«<br />

»Wo sollen die denn alle schlafen?« Sie ließ den Blick<br />

13<br />

175


KINDERBUCH


Leseprobe | Snippets<br />

So spannend<br />

wie Indiana Jones<br />

Zwei neue Detektiv-Fälle zum Mitraten und Rätseln:<br />

Wer ist der geheimnisvolle Briefeschreiber, der Parzival Po<br />

dringend bittet, in den Dschungel zu kommen? – Und im<br />

zweiten Fall hat es jemand auf den kostbaren Honigkelch<br />

abgesehen, den Parzival Po aus dem Dschungel mitgebracht<br />

hat.<br />

Band 5 der Kinderbuchreihe zum Lesen, Betrachten und<br />

Ermitteln – ein witziges Beschäftigungsbuch im Comic-Stil<br />

mit vielen Rätseln, Wimmelbildern und Labyrinthen.<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine<br />

dtv, Hardcover, 96 Seiten, € 13,00, ISBN: 978-3-423-64108-1<br />

Lesealter ab 8 Jahre<br />

177


Leseprobe | Snippets<br />

TROLL<br />

Das Rätsel der Tempelruine<br />

Aus dem Japanischen von<br />

Nana Umino<br />

178


Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine | Kinderbuch<br />

Detektiv Parzival Po<br />

Er bewahrt immer und überall einen kühlen<br />

Kopf. Er liebt warme Getränke und leckere<br />

­Süßigkeiten,­insbesondere­Süßkartoffelkuchen.­<br />

Sein Hobby ist es, bei einem Tässchen Tee<br />

­Bücher­zu­lesen.­Wenn­ihm­etwas­verdächtigvorkommt,<br />

sagt er gern: »Hmm, die Sache<br />

stinkt­gewaltig.«<br />

Brown<br />

Er­ist­der­Assistent­des­Detektivs.­<br />

Er ist ein ehrlicher kleiner Dussel,<br />

der­leicht­übermütig­wird.<br />

Der Auftraggeber<br />

Er schickt aus der Ferne einen Brief, in dem er<br />

­Parzival­Po­um­Hilfe­bittet.­Was­hat­es­wohl­mitdieser<br />

geheimnisvollen Person auf sich?<br />

179


Leseprobe | Snippets<br />

Das Rätsel der Tempelruine<br />

Als Parzival Po eines Nachmittags seine<br />

Bücher ordnete, sah er durchs Fenster, wie<br />

unten der Postbote vor dem Haus hielt.<br />

2<br />

180


Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine | Kinderbuch<br />

Brown öffnete die Tür und<br />

nahm einen Brief entgegen.<br />

»Nanu? Da steht gar kein<br />

Absender drauf«, sagte er.<br />

In dem Umschlag ohne Absender steckten ein Brief<br />

und eine Karte. Auf der Karte war eine Stelle mit<br />

einem X markiert.<br />

3<br />

181


Leseprobe | Snippets<br />

»202?«, las Brown. »Die 2 sieht irgendwie<br />

komisch aus«, wunderte er sich.<br />

»Hmm«, machte Parzival Po nachdenklich.<br />

Dann hielt er den Brief vor den Spiegel, um ihn<br />

spiegelverkehrt zu betrachten.<br />

Das sieht mir aus, als stände hier SOS.<br />

4<br />

182


Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine | Kinderbuch<br />

»Und was bedeutet SOS?«<br />

»SOS ist ein Notsignal, mit dem man um Hilfe<br />

bittet. Vielleicht befindet sich jemand an dem<br />

Ort, der auf der Karte markiert ist, und<br />

braucht unsere Hilfe.«<br />

183


Leseprobe | Snippets<br />

Parzival Po blätterte im Atlas und sagte:<br />

»Der Ort liegt einerseits weit von unserer Stadt<br />

entfernt. Andererseits schickt uns jemand seine<br />

Nachricht in Spiegelschrift. Für mich sieht das<br />

sehr nach einem Kriminalfall aus.«<br />

»Heißt das, wir reisen<br />

dorthin?!«, fragte Brown.<br />

Ja, wir werden unserem unbekannten<br />

Auftraggeber helfen.<br />

6<br />

184


Troll: Detektiv Parzival Po (5) – Das Rätsel der Tempelruine | Kinderbuch<br />

Parzival Po und Brown fuhren mit<br />

Zug und Schiff zu dem Ort, der auf der<br />

Bin gespannt,<br />

was für ein Abenteuer<br />

uns erwartet!<br />

Auf geht’s!!<br />

Karte abgebildet war.<br />

Uff, ich bin<br />

seekrank …<br />

Wo sind meine<br />

Kleinen?!<br />

Du musst tief ein­ und<br />

ausatmen. Das hat mir<br />

mein Vater beigebracht.<br />

Hier ist es<br />

wärmer als<br />

bei uns zu<br />

Hause.<br />

185


KINDERBUCH


Leseprobe | Snippets<br />

Die Geschichte<br />

der Menschheit<br />

Warum sind manche Leute reich und andere arm? Wie<br />

kam es, dass die Menschheit sich in Könige und Sklaven<br />

unterteilte, ein paar antike Nerds die Schrift erfanden und<br />

unsere Vorfahren den Göttern große Tempel bauten? Und<br />

was hat das alles damit zu tun, dass die Menschen sich vor<br />

zehntausend Jahren von Jägern und Sammlern zu Bauern<br />

entwickelten?<br />

Landwirtschaftliche Revolution, die ersten Städte und das<br />

alte Ägypten: Erneut schildert Bestsellerautor Yuval Noah<br />

Harari inspirierend und mitreißend die abenteuerliche<br />

Geschichte der Menschheit.<br />

Will ich haben!<br />

Link zum Shop<br />

Yuval Noah Harari (Text) und Ricard Zaplana Ruiz (Illustration):<br />

Warum die Welt nicht fair ist<br />

dtv, Hardcover, 208 Seiten, € 20,00, ISBN: 978-3-423-76475-9<br />

Lesealter ab 10 Jahre<br />

187


Leseprobe | Snippets<br />

10.000<br />

Wildreis, Wildmais und Wildkartoffeln<br />

werden zu Nutzpflanzen gemacht – Schafe,<br />

Schweine, Kühe und Katzen zu Nutztieren.<br />

13.000<br />

Früheste Hinweise auf<br />

kriegerische Auseinandersetzungen.<br />

15.000<br />

In Vorderasien entstehen<br />

erste Dörfer, in denen<br />

Getreide angebaut wird.<br />

8.000<br />

Erstmals wird Käse hergestellt.<br />

Erste Bewässerungskanäle<br />

werden gegraben.<br />

25.000<br />

Wilde Wölfe werden<br />

zu Haushunden.<br />

5.500<br />

Entstehung der ersten<br />

großen Städte.<br />

188


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

4.300<br />

Die erste Dichterin, En-hedu-anna, und<br />

der erste Friseur, Ilum Palilis, hinterlassen<br />

ihre Spuren in der Geschichte.<br />

4.500<br />

Im Reich der Sumerer<br />

entstehen die ersten<br />

Schulen.<br />

4.000<br />

Die Ägypter graben<br />

einen großen Kanal<br />

vom Nil bis zur<br />

Krokodil-Stadt.<br />

5.000<br />

Das ägyptische Reich<br />

wird geeint – unter<br />

dem ersten Pharao.<br />

3.300<br />

Die erste überlieferte<br />

Seuche tritt auf.<br />

5.200<br />

Im Reich der<br />

Sumerer wird die<br />

Schrift erfunden.<br />

Unsere<br />

Geschichte<br />

189


Leseprobe | Snippets<br />

YUVAL NOAH<br />

HARARI<br />

WARUM DIE<br />

WELT NICH<br />

FAIR IST<br />

übersetzt von<br />

Birgit Niehaus<br />

illustriert von<br />

Ricard Zaplana Ruiz<br />

190


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

Für alle Lebewesen –<br />

die von gestern, von heute<br />

und von morgen.<br />

Unsere Vorfahren haben die Welt<br />

zu der gemacht, die sie ist.<br />

Aber wir sind es,<br />

die über ihre Zukunft<br />

entscheiden.<br />

191


Leseprobe | Snippets<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

»Das ist unfair!« 8<br />

Kapitel 1: Alles unter Kontrolle<br />

Sag mir nicht, was ich zu tun habe! 13<br />

Eine Pflanze verändert die Welt 14<br />

Fünf Mützen für einen Kopf 17<br />

Bequemlichkeit siegt 20<br />

Ein mulmiges Gefühl 24<br />

Ein kleines Problem 27<br />

Gräben buddeln 29<br />

Das Wolken­Problem 31<br />

Ein Haus für die Götter 34<br />

Die Nachtwache 38<br />

Kontrollfreaks 40<br />

Big Horn und Ba Baaa 41<br />

50 Milliarden Hühner 45<br />

Die Goldmedaille für das elendste Leben 47<br />

Die hässliche Seite der Milch 49<br />

Best Friends Forever 52<br />

Wer hat Lust, Bauer oder Bäuerin zu werden? 57<br />

Wie sich die Landwirtschaft durchsetzte 59<br />

Kapitel 2: Uuups, so war das nicht geplant!<br />

Unbeabsichtigte Folgen 65<br />

Skelettgeschichten 68<br />

Weizenkinder 72<br />

Tage mit Durchfall 75<br />

Mehr Sachen – mehr Kriege 78<br />

Ameisen und Grillen 81<br />

Pflanzen, die die Welt eroberten 86<br />

Ende gut, alles gut? 88<br />

Die zehn Plagen der landwirtschaftlichen Revolution 90<br />

192


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

Kapitel 3: Was Erwachsenen Angst macht<br />

Schlimmer als böse Geister 95<br />

Lugal­banda und<br />

Lugal­kinische­dudu 97<br />

Mit acht plötzlich Pharao! 100<br />

Wozu sind Königreiche gut? 102<br />

Willkommen in Krokodil­Stadt! 104<br />

Wer schreibt Geschichte? 106<br />

Etwas besitzen und<br />

etwas schulden 108<br />

Die Mammut­Steuer 110<br />

Viele Wege in die Armut 112<br />

Eine neue Art von Eigentum 114<br />

Was Gehirne nicht leisten können 118<br />

Matheprobleme 121<br />

Nerds finden die Lösung 124<br />

Im Matsch spielen 126<br />

Gezeichnet, Kushim 127<br />

Die Dichterin und ihr Friseur 129<br />

Mal schnell googeln 131<br />

Der Schreibtisch ist König 134<br />

Warum du so viele Klassen ­<br />

arbeiten schreiben musst 136<br />

Die Erfindung der Schule 138<br />

Skelette lügen nicht 140<br />

Kapitel 4: In den Träumen der Toten<br />

Die Regeln verändern 145<br />

So läuft der Hase nun mal 148<br />

Bitte nicht berühren! 150<br />

Wer möchte eine Belohnung? 152<br />

Wer wacht über die Wächter? 153<br />

Das Geheimnis der Macht 155<br />

Die Feder und das Krokodil 157<br />

Jede Geschichte hat<br />

eine dunkle Seite 160<br />

Aus dem Mund des Riesen 161<br />

Magischer Gestank 164<br />

Jungen und Mädchen 167<br />

Noch erschreckender als<br />

Gespenster und Steuern 169<br />

Das Erzählte mit eigenen<br />

Augen sehen 171<br />

Mit dem rechten Fuß zuerst 173<br />

Die Macht des So­tun­als­ob 176<br />

Flaggen und T­Shirts 177<br />

Drei Arten von Dingen 180<br />

Was nur du spürst 182<br />

Gemeinsame Träume 183<br />

Endlos lange Träume 185<br />

Warum ziehen Menschen<br />

in den Krieg? 186<br />

Den Fluch brechen 189<br />

Die Geschichte über<br />

die Frauen 193<br />

Halt deine Ohren offen 196<br />

Wenn verschiedene Geschichten<br />

aufeinandertreffen 198<br />

193


Leseprobe | Snippets<br />

»Das ist<br />

unfair!«<br />

Wie oft hörst du Leute so schimpfen? Oder regst dich selbst über<br />

eine Ungerechtigkeit auf? Bestimmt nicht so selten, oder?<br />

Es gibt Menschen, die sind unvorstellbar reich. Sie wohnen in palastartigen<br />

Häusern mit Swimmingpool, fliegen in Privatjets durch die<br />

Gegend und müssen nie selber aufräumen oder abwaschen. Das erledigen<br />

ihre Hausangestellten.<br />

Andere Menschen sind bitterarm. Sie hausen in Hütten ohne Toilette<br />

und müssen bei Wind und Wetter auf den Bus warten, um zu den<br />

Häusern der Reichen zu fahren – wo sie aufräumen und abwaschen.<br />

Außerdem gibt es extrem mächtige Menschen. Sie bestimmen<br />

die Regeln, schreiben anderen vor, was sie zu tun haben, und halten<br />

wichtige Reden.<br />

Andere Menschen haben überhaupt keine Macht. Von ihnen wird<br />

erwartet, dass sie die Regeln befolgen. Sie müssen tun, was ihnen<br />

gesagt wird, und brav applaudieren, wenn die Mächtigen ihre Reden<br />

schwingen. Ist das gerecht?<br />

»Was willst du später mal werden?« Diese Frage bekommen Kinder<br />

oft zu hören. Doch in vielen Ländern haben sie kaum eine Wahl.<br />

Wenn du in einer armen Familie aufwächst, kannst du dir noch so<br />

sehr wünschen, Präsident oder Kanzlerin zu werden. Du wirst dich<br />

dem Regierungssitz höchstens nähern, um vor dem Eingangstor zu<br />

fegen. War das schon immer so?<br />

War die Menschheit schon immer in Arm und Reich, in Herrschende<br />

und Dienende aufgeteilt?<br />

Manche Leute sagen: Das ist einfach die natürliche Ordnung<br />

8<br />

194


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

der Dinge. Man braucht sich doch nur umzuschauen: Überall bestimmen<br />

die Starken und gehorchen die Schwachen. Historische<br />

Filme und Videospiele sind voller Könige und Prinzessinnen, die in<br />

prächtigen Schlössern leben und über riesige Reiche mit Millionen<br />

Untertanen herrschen.<br />

Dabei gab es ursprünglich gar keine Könige und Königreiche,<br />

erst recht keine mit Millionen Untertanen. Bis vor ungefähr<br />

10.000 Jahren lebten unsere Vorfahren in kleinen Gruppen oder<br />

Stämmen zusammen, mit höchstens ein paar Tausend Menschen.<br />

Klar, auch damals gab es Leute, die sich zum Anführer aufschwingen<br />

und andere herumkommandieren wollten. Aber selbst<br />

der grimmigste Anführer hatte kaum Macht – es gab einfach noch<br />

nicht genug Menschen, die ihm eine schicke Burg hätten bauen<br />

oder ein riesiges Reich hätten erobern können. Und die wenigen<br />

Menschen, die es gab, zogen oft einfach weg und ließen den Tyrannen<br />

alleine, wenn er sie mit seiner Herrschsucht nervte.<br />

Doch dann, vor rund 10.000 Jahren, geschah etwas Verwunderliches.<br />

Etwas, das alles veränderte. Etwas, das Millionen Menschen<br />

ihre Entscheidungsmöglichkeiten raubte und ein paar wenige Ehrgeizige<br />

zu Herrschern machte.<br />

Was genau passierte damals, vor 10.000 Jahren? Und wieso hat<br />

es einige wenige in die Lage versetzt, über alle anderen zu herrschen?<br />

Warum haben sich Millionen Menschen darauf eingelassen,<br />

ein paar Tyrannen zu gehorchen? Und wo kamen die Könige, Königinnen<br />

und Königreiche plötzlich her?<br />

Die Antwort auf diese Fragen ist eine der erstaunlichsten Geschichten,<br />

die du je hören wirst.<br />

Und noch dazu ist es eine wahre Geschichte.<br />

9<br />

195


Leseprobe | Snippets<br />

196


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

Alles unter<br />

Kontrolle<br />

197


Leseprobe | Snippets<br />

198


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

Sag mir nicht,<br />

was ich zu tun habe!<br />

Die Geschichte, die wir hier erzählen, startet vor etwa 10.000 Jahren<br />

in Vorderasien. Die Leute dort waren Jäger und Sammler, wie<br />

überall auf der Welt. Sie jagten wilde Schafe, Gazellen, Kaninchen<br />

und Enten. Sie sammelten wilden Weizen, wilde Zwiebeln, Linsen<br />

und Feigen. Und wenn sie ans Meer, an einen See oder einen Fluss<br />

kamen, fingen sie Fische, Krebse und Muscheln.<br />

Zu der Zeit waren die Menschen bereits die mächtigsten Tiere<br />

weit und breit. Aber sie versuchten noch nicht, über alles zu herrschen.<br />

Sie sammelten Pflanzen, aber sie sagten den Pflanzen noch<br />

nicht, wo sie zu wachsen hatten. Sie jagten Tiere, aber sie befahlen<br />

ihnen nicht, wo sie sich bitte s chön aufhalten sollten.<br />

Das Leben damals war nicht immer leicht. Es gab noch einige<br />

sehr gefährliche Tiere in der Gegend, Schlangen zum Beispiel, und<br />

jede Menge Naturkatastrophen, von Schneestürmen bis zu Hitzewellen.<br />

Hin und wieder kam es auch zu Prügeleien mit den Nachbarn<br />

– wir Menschen konnten schon immer fies zueinander sein.<br />

Aber im Großen und Ganzen ging es den Leuten gut. Sie hatten<br />

ausreichend zu essen und genügend Freizeit, um sich Geistergeschichten<br />

zu erzählen, ab und zu ein Nickerchen zu machen oder<br />

mit den Nachbarn zu feiern. Kriege waren selten. Seuchen und<br />

Hungersnöte ebenso.<br />

Wenn die Gazellen weiterzogen oder alle reifen Feigen abgepflückt<br />

waren, schlugen die Menschen ihr Lager einfach<br />

wo anders auf – dort, wo Gazellen und Feigen nicht knapp<br />

waren.<br />

13<br />

199


Leseprobe | Snippets<br />

Eine Pfl anze<br />

verändert die Welt<br />

Es gab aber auch Gegenden, in denen<br />

die Menschen so viel Nahrung<br />

fan den, dass sie gar nicht weiterzuziehen<br />

brauchten. Sie konnten dauerhaft<br />

am selben Ort siedeln – weil dort nämlich<br />

ganz spezielle Pflanzen wuchsen. Obwohl diese<br />

Pflanzen ziemlich unscheinbar waren, weder besonders<br />

groß noch besonders schön, beginnt mit ihnen<br />

unsere Geschichte – denn sie haben die ganze Welt ver ändert.<br />

Ahnst du schon, welche Pflanzen das waren? Genau, die Getreidepfl<br />

anzen.<br />

Getreide isst du wahrscheinlich jeden Tag. Weizen, Gerste, Reis,<br />

Mais und Hirse sind Getreidesorten. Und Brot, Kekse, Kuchen,<br />

Frühstücksmüsli und Nudeln werden daraus gemacht.<br />

Bis vor ungefähr 10.000 Jahren haben die Menschen kaum Getreide<br />

gegessen, denn die Pflanzen waren noch nicht sehr verbreitet.<br />

Weizen zum Beispiel kam in Amerika, China oder Australien<br />

gar nicht vor. Er wuchs nur in einigen Gegenden Vorderasiens. Und<br />

auch nicht auf großen Feldern, wie wir sie kennen, sondern sehr<br />

verstreut. Ein paar Halme hier, ein paar Halme dort. Deshalb haben<br />

selbst in Vorderasien die meisten Menschen dem Weizen keine<br />

große Beachtung geschenkt. Einige wenige aber schon.<br />

Wir wissen nicht, wann und wo genau sich die ersten Menschen<br />

für Getreide interessierten, aber wir können es uns vorstellen.<br />

Nehmen wir einmal an, ein Mädchen zog herum, um Pflanzen und<br />

kleine Tiere zu sammeln, und stieß dabei auf ein Mädchen aus<br />

14<br />

200


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

einem anderen Stamm, das die ganze Zeit am selben Fleck hockte<br />

und Weizen pflückte.<br />

»Hallo«, sagte das erste Mädchen. »Ich bin Wanda. Die Leute<br />

nennen mich so, weil ich viel herumwandere. Wie heißt du?«<br />

»Meine Leute nennen mich Weizi, weil ich Weizen so liebe.«<br />

»Weizen? Pah! Nach dem Zeug bücke ich mich gar<br />

nicht erst. Den ganzen Tag ist man mit Abzupfen<br />

beschäftigt und am Ende hat man doch<br />

immer zu wenig. Und selbst wenn man<br />

mal genug zusammenbekommt – die<br />

Körner sind so verdammt hart! Einmal<br />

hab ich vom Kauen fiese<br />

Kopfschmerzen bekommen<br />

und mir einen Zahn kaputt<br />

gemacht. Und dann hatte ich<br />

auch noch drei Tage Bauchweh.«<br />

»Aber du hast das ja auch völlig<br />

falsch gemacht!«, rief Weizi. »Man kann Weizenkörner nicht einfach<br />

so essen – roh! Du musst sie mit ins Lager nehmen, die harte<br />

Außenhaut abpulen und das Korn zermahlen. Das Pulver, das du<br />

erhältst, vermischst du mit Wasser und formst einen Fladen daraus.<br />

Den legst du auf einen flachen Stein neben dem Feuer. Dann<br />

2<strong>01</strong>


Leseprobe | Snippets<br />

wartest du ein bisschen – und schwups, hast du ein leckeres Brot!<br />

Keine Kopfschmerzen, kein kaputter Zahn, kein Bauchweh.«<br />

»Puh, klingt anstrengend. Nach viel Arbeit. Da bleib ich doch<br />

lieber bei Feigen und Fisch.«<br />

»Hast recht, es ist anstrengend. Dafür hat Weizen einen Riesenvorteil<br />

gegenüber Fisch und Feigen.«<br />

»Was? Die kleinen trockenen Dinger? Welcher Vorteil soll das<br />

denn sein?«<br />

»Wenn du Fische nicht gut räucherst und saftige Feigen nicht<br />

vollständig trocknest, verrotten sie schnell. Hast du schon mal<br />

Fisch gegessen, der drei Tage irgendwo herumlag?«<br />

»Igitt, hör auf!«<br />

»Siehst du? Getreide ist da ganz anders. Das hält sich monatelang,<br />

kein Problem. Wenn es reif ist, sammeln wir so viel davon wie<br />

möglich und horten es. Und wenn die Ernte vorbei ist, gehen wir<br />

auf die Jagd, zum Beispiel nach Gazellen, oder sammeln Feigen<br />

und anderes, genau wie ihr. Aber manchmal gibt’s eben nichts zu<br />

jagen oder zu sammeln.«<br />

»Dann zieht ihr in ein anderes Tal?«<br />

»Nein! Dann kehren wir in unser Lager zurück, nehmen etwas<br />

Getreide aus dem Vorrat, mahlen es und backen Brot. Oder kochen<br />

Getreidebrei. Wenn wir während der Erntesaison genug Korn zusammenbekommen,<br />

können wir das ganze Jahr über am selben<br />

Ort bleiben.«<br />

202


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

Fünf Mützen<br />

für einen Kopf<br />

Es waren also Getreidesammler wie Weizi, die vor rund 10.000 Jahren<br />

in Vorderasien die ersten festen Dörfer gründeten. Wenn sie es<br />

schafften, genügend Korn zu ernten und zu horten, brauchten<br />

sie nicht mehr groß umherzuziehen. Und mit der Zeit wurde das<br />

Umherziehen auch schwieriger, denn die Leute häuften in ihren<br />

Dörfern immer mehr Zeug an. Jäger und Sammler dagegen hatten<br />

kaum Besitz. Wenn sie beschlossen, weiterzuziehen, sprangen sie<br />

einfach auf und marschierten los. Für die Getreidesammler war<br />

das nicht mehr so einfach.<br />

»Wo schläfst du eigentlich, Wanda?«, fragte Weizi.<br />

»Wenn wir uns irgendwo niederlassen, binden wir ein paar Äste<br />

und Schilfrohre zusammen – fertig ist die Hütte«, erklärte Wanda.<br />

»Dauert nicht länger als eine Stunde.«<br />

»Pff, so provisorisch hausen wir nicht mehr. Wir wohnen in<br />

einem richtigen Dorf«, sagte Weizi stolz. »Wir sammeln Steine,<br />

fällen Bäume, formen Ziegel aus Lehm und bauen daraus stabile<br />

Häuser. Aber wir leben ja auch das ganze Jahr über darin, da lohnt<br />

sich die Mühe. Vor allem bei Unwetter zahlt es sich aus.«<br />

»Ich hasse Unwetter!«, rief Wanda. »Manchmal haben wir Glück<br />

und können uns in eine Höhle retten, aber meistens kauern wir nass<br />

und frierend unter einem Baum, bis die Wolken weiterziehen.«<br />

»Mir machen Unwetter überhaupt nichts mehr aus! Ich kuschle<br />

mich in mein warmes Bett und lausche dem Regen, der aufs Dach<br />

prasselt, und dem Wind, der an der Tür rüttelt.«<br />

»Oh, so ein Haus hätte ich auch gerne. Aber wie macht ihr’s, wenn<br />

ihr weiterziehen wollt? Wie bekommt ihr die Häuser transportiert?«<br />

17<br />

203


Leseprobe | Snippets<br />

»Gar nicht. Warum sollten wir sie wegbewegen? Es hat doch so<br />

viel Mühe gemacht, sie zu bauen. Und erst recht die Getreidevorräte.<br />

Die könnten wir doch überhaupt nicht tragen.«<br />

»Nein, wahrscheinlich nicht«, räumte Wanda ein. »Ich finde es<br />

ja schon anstrengend, ständig meinen kleinen Lederbeutel mit den<br />

Messern und Nadeln herumzuschleppen.«<br />

»Du hast bloß Messer und Nadeln? Wir haben richtig viele Werkzeuge<br />

und Geräte: Sicheln aus Feuerstein, um das Getreide zu<br />

schneiden, Mörser und Stößel, um die Körner zu zermahlen, und<br />

dann natürlich den Ofen, um zu kochen und zu backen. Das alles<br />

müssten wir bei einem Umzug zurücklassen.«<br />

»Das ist wirklich eine Menge Zeug!«<br />

»Und das ist längst nicht alles«, antwortete Weizi. »Wir behalten<br />

viele Dinge, die wir finden. Gestern habe ich einen wunderschönen<br />

glänzenden Stein entdeckt. Den hab ich gleich mit nach Hause<br />

genommen. Und neulich haben wir alle gemeinsam einen Hirsch<br />

erlegt. Sein riesiges Geweih hängt jetzt bei uns im Haus an der<br />

Wand. Sieht wirklich cool aus – und wir können endlich unsere<br />

Mäntel und Mützen aufhängen.«<br />

204


Yuval Noah Harari: Warum die Welt nicht fair ist | Kinderbuch<br />

»Mützen? Willst du etwa sagen, du hast mehr als eine Mütze?«<br />

»Klar. Ich habe meine alte Fuchszahn­Mütze, eine neue Wolfsschwanz­<br />

und eine Bärenfellkappe und zwei schöne Strohhüte mit<br />

Blumen.«<br />

»Aber wozu brauchst du die alle? Du hast doch nur einen Kopf!«<br />

Meistens, wenn Weizi und die anderen aus ihrer Gruppe auf<br />

ihre Besitztümer blickten, waren sie sehr zufrieden mit sich. Aber<br />

manchmal begannen sie auch zu zweifeln. »Wisst ihr was?«, sagte<br />

der Obernörgler des Dorfes eines Tages. »Mir gefällt es hier nicht<br />

mehr. Das Dorf ist zu voll und zu schmutzig. Und wahnsinnig laut!<br />

Wir sind einfach zu viele. Außerdem habe ich’s satt, immer nur<br />

Brot und Brei zu essen. Jeden Tag Brei! Ich hätte gern mal wieder<br />

Feigen und Gazellensteak. Letzte Nacht hatte jemand Durchfall –<br />

und zwar direkt hinter meinem Haus! Unfassbar, oder?! Also wirklich,<br />

irgendwann reicht’s! Lasst uns woanders hinziehen.«<br />

»Ja, wir verstehen, warum du dich aufregst«, stimmten die Dorfbewohner<br />

zu. »Aber was sollen wir mit all unserem Zeug machen?<br />

Und mit den Getreidevorräten? Wir haben so hart dafür gearbeitet.<br />

Und was, wenn wir keine Gazellen und Feigen finden? Nein, lasst<br />

uns doch lieber hierbleiben.«<br />

205


Impressum<br />

„Schlank & gesund“<br />

erscheint mind. 2x im Jahr bei<br />

Grüner Verlag Green Media GmbH Verlagsgesellschaft,<br />

Klostergut Fremersberg, 76530 Baden-Baden<br />

Geschäftsführer: Peter Wolf<br />

Verlagsleiter: Marko Petersen<br />

petersen@ids-deutschland.de<br />

HUP GmbH / REBLZ und Partner<br />

Redaktionsleitung & Text: Boris Udina<br />

Grafik: Silvia Murauer<br />

Bildnachweis Cover:<br />

DK Verlag/Lizzy Mayson, Hans-Florian Hopfner, Anelia Janeva,<br />

stock.adobe.com/ngupakarti<br />

„Schlank & gesund“ wird vermarktet von<br />

Grüner Verlag Green Media GmbH Verlagsgesellschaft<br />

Anzeigenleitung: Marko Petersen<br />

(verantwortlich für Anzeigen),<br />

Grüner Verlag Green Media GmbH<br />

Verlagsgesellschaft,<br />

Klostergut Fremersberg,<br />

76530 Baden-Baden<br />

Vertrieb: Digital über Readly<br />

206 schlank&gesund


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Das Vegan-Abonnement umfasst 8 Ausgaben im Jahr. Das Angebot gilt nur für Deutschland und solange der Vorrat reicht. Auslandspreise auf Anfrage.<br />

„Vegan für mich“ erscheint bei Grüner Verlag Green Media GmbH Verlagsgesellschaft, Klostergut Fremersberg, 76530 Baden-Baden. Amtsgericht Mannheim, HRB 737656


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