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D I E Z E I T S C H R I F T F Ü R A U S L A N D S C H W E I Z E R

A P R I L 2 0 0 8 / N R . 2

Sternstunden des

Schweizer Fussballs

Kaiser Napoleon III.

sprach Thurgauer Dialekt

Gefahr für den

Schweizer Cervelat


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Bild: Fotostiftung Schweiz, Winterthur

E D I T O R I A L I N H A L T

Immer mehr Schweizer leben im Ausland

DIE ZAHL DER SCHWEIZERINNEN UND SCHWEIZER IM AUSLAND ist letztes

iJahr von 645 010 auf 668 107 oder um 3,6 Prozent angestiegen. Das zeigt die jüngste

Auslandschweizerstatistik des Eidgenössischen Departementes für auswärtige

Angelegenheiten. Mit 10,4 Prozent weist Asien die höchste Zuwachsrate auf, gefolgt

von Afrika mit 4,8 Prozent und Ozeanien mit 3,1 Prozent. Unter den Ländern mit den

grössten Auslandschweizerkolonien (mehr als 10 000) liegt Israel mit einer Zuwachsrate

von 9,5 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Österreich (4,5 Prozent), Deutschland

(3,6 Prozent), Kanada (3,6 Prozent) und Grossbritannien (3,5 Prozent). Unter den

Ländern mit mittelgrossen Auslandschweizerkolonien (500 bis 10 000) verzeichnen die

Vereinigten Arabischen Emirate (24 Prozent, 276 Personen), Singapur (20,7 Prozent,

352 Personen) und Serbien (20 Prozent, 176 Personen) besonders hohe Zuwachsraten,

vor dem Libanon (13,2 Prozent), der Türkei (12,3 Prozent), Marokko (11,3 Prozent),

Kroatien (10,4 Prozent), Thailand (9,7 Prozent), Indien (9,1 Prozent), der Dominikanischen

Republik (8,3 Prozent) und China (7,9 Prozent).

Die Mehrzahl der Auslandschweizer lebt jedoch in Ländern der Europäischen Union:

Frankreich (176 723), Deutschland (75 008), Italien (47 953), Grossbritannien (28 288),

Spanien (23 324) und Österreich (13 984).

Ausserhalb von Europa leben die meisten Auslandschweizer in den USA (73 978),

Kanada (37 684), Australien (22 004), Argentinien (15 372), Brasilien (14 374), Israel (13 151)

und Südafrika (9078).

Und noch ein paar Details: 57,9 Prozent aller erwachsenen Landsleute im Ausland

sind Frauen (296 621) und 22,8 Prozent sind jünger als 18 Jahre (151 714).

119 429 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer haben sich in einem Stimmregister

eingetragen und beteiligen sich regelmässig an eidgenössischen Urnengängen.

Das sind 7,4 Prozent mehr als im Jahr 2006.

Aus welchen Gründen die Schweizerinnen und Schweizer ins Ausland ziehen, wird

statistisch nicht erfasst. Die Hauptgründe für die zunehmende Mobilität liegen jedoch

sicher in der globalisierten Wirtschaft und im freien Personenverkehr

innerhalb der Europäischen Gemeinschaft. Viele Schweizerinnen

und Schweizer ziehen auch aus persönlichen Gründen ins

Ausland, das heisst, sie heiraten einen Ausländer oder eine Ausländerin.

Und noch eine überraschende Mitteilung aus dem Bundeshaus:

Das neue Armeemesser soll nun doch in der Schweiz hergestellt

werden. In der «Schweizer Revue» 5/2007 war hier zu lesen,

Heinz Eckert

dass der Auftrag gemäss WTO-Vorschriften international aus-

geschrieben werden müsse und es denkbar sei, dass das neue Messer in China produziert

werde. Diese Aussicht ist in der Bevölkerung – auch unter den Schweizerinnen

und Schweizern im Ausland – auf harte Kritik und Unverständnis gestossen und hat sogar

zu einer Unterschriftensammlung geführt. Nun hat sich das Beschaffungszentrum

des Bundes gegen eine internationale Ausschreibung entschieden und wird nur Schweizer

Unternehmen für Offerten einladen. Die Schweizer Armee will 75 000 neue

Sackmesser für insgesamt 1,4 Millionen Franken bestellen. Das neue Messer soll neben

einer arretierbaren Klinge aus Edelstahl mit Wellenschliff als Werkzeug einen Kreuzkopfschraubenzieher

und eine Holzsäge enthalten und wartungsarm sein. Es wird künftig in

einer Tasche am Gurt getragen. Das neue Design ist noch nicht bestimmt. Man darf

gespannt sein. HEINZ ECKERT, CHEFREDAK TOR

Der Sprung, 1955, Bild von Theo Frey.

5

Briefkasten

5

Gelesen: Schweizer in Rom

7

Gesehen: Theo Freys Bilderwelt

8

Euro 08: Sternstunden des Schweizer

Fussballs

Regionalnachrichten

11

Politik

12

Aus dem Bundeshaus

14

Der Kaiser aus der Schweiz

16

ASO-Informationen

18

Der Cervelat in Gefahr

19

In Kürze

Titelbild: Euro 08, Diego Benaglio steht im Tor der

Schweizer Fussballnationalmannschaft.

IMPRESSUM: «Schweizer Revue», die Zeitschrift für die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, erscheint im 35. Jahrgang in deutscher, französischer, italienischer, englischer

und spanischer Sprache in 20 regionalen Ausgaben und einer Gesamtauflage von rund 400 000 Exemplaren. Regionalnachrichten erscheinen viermal im Jahr.

■ REDAK TION: Heinz Eckert (EC), Chefredaktor; Rolf Ribi (RR), René Lenzin (RL), Alain Wey (AW), Gabriela Brodbeck (BDK), Auslandschweizerdienst EDA, CH-3003 Bern, verantwort-

lich für «Aus dem Bundeshaus». Übersetzung: CLS Communication AG ■ POSTADRESSE: Herausgeber/Sitz der Redaktion/Inseraten-Administration: Auslandschweizer-Organisation,

Alpenstrasse 26, CH-3006 Bern, Tel. +4131356 6110, Fax +4131356 61 01, PC 30-6768-9. Internet: www.revue.ch ■ E-MAIL: revue@aso.ch ■ DRUCK: Zollikofer AG, CH-9001 St.Gallen.

■ ADRESSÄNDERUNG: Bitte teilen Sie Ihre neue Adresse Ihrer Botschaft oder Ihrem Konsulat mit und schreiben Sie nicht nach Bern.

Einzelnummer CHF 5.– ■

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SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

B R I E F K A S T E N G E L E S E N

Danke!

Ich habe gerade heute

die Dezember-Ausgabe

der «Schweizer

Revue» bekommen

(die kommt immer so

spät). Ich habe gleich

alles verschlungen,

und ich sehe, dass sich

meine E-Mail von

gestern erledigt hat. Danke für

die differenzierte Berichterstattung.

Jetzt weiss ich auch, dass

die meisten Kantone bei der

Ausweisung der Wahlresultate

nicht aufschlüsseln, welche

Stimmen von Auslandschweizern

und welche von in der

Schweiz wohnhaften Schweizern

stammen.

EVELYNE URECH, TÂRGU MURES,

RUMÄNIEN

Schweiz als Beispiel

des Friedens

Ich will Ihnen zum Editorial

der Dezember–Ausgabe herzlich

gratulieren. Dieser Standpunkt

ist genau die richtige Stellungnahme

betreffend den ungerechten

und unberechtigten Kommentaren,

die man kürzlich über

die Schweiz und das schweizerische

Volk in den ausländischen

Medien lesen und im Ausland

hören musste. Spanien war leider

keine Ausnahme in diesem Fall.

Nicht nur hier, sondern überall

wurde schnell, unüberlegt und

falsch über die gesellschaftliche

Lage in unserem friedlichen

Land geschrieben, gesprochen

und geurteilt. Man sollte doch in

diesen anderen Ländern zuerst

selber mehr Ordnung im eigenen

Hause machen und die Ethik

auch mehr respektieren, bevor

man der Schweiz Intoleranz vorwirft.

Vielen Dank für die klare,

richtige Stellungnahme. Wir

Schweizer (Auslandschweizer

besonders) brauchen uns für

nichts zu schämen. Unser Land

ist ein Beispiel des Friedens und

wird es auch bleiben.

A. SANDIL ANDS, BARCELONA,

SPANIEN

Schwarzes Schaf

Ihr Editorial hat mir

gut gefallen. Als ich

in meinen Ferien in

der Schweiz weilte,

war ich betrübt

darüber, wie viel

Aufmerksamkeit

die Medien den ausländischenKommentaren

schenkten. Ich habe auch

das Plakat «Sicherheit schaffen»

gesehen, auf dem eine

Herde Schafe ein schwarzes

Schaf verstösst. Das schwarze

Schaf wird auf Französisch mit

«brebis galeuse» (räudiges

Schaf) übersetzt und so habe

ich die Abbildung auch verstanden.

Zu meinem grossen

Erstaunen wurde ich aber

darüber aufgeklärt, dass dieses

Plakat als rassistisch und fremdenfeindlich

interpretiert und

das schwarze Schaf mit Ausländern

gleichgesetzt wurde. Ich

nahm wahr, wie bestrebt die

Schweiz war, geliebt und anerkannt

zu werden, einen guten

Ruf zu haben, konform zu sein.

Bei so viel Sorge um die Meinung

anderer würde man in der

Psychologie von ungenügender

Eigenliebe und mangelndem

Selbstvertrauen sprechen. Ich

glaube aber, dass das Schweizer

Volk mit diesen Problemen

weniger behaftet ist als eine

gewisse Intelligenzija inklusive

Journalisten und Regierende.

Ich hoffe auf Politikerinnen

und Politiker, die wieder den

Mut zum Unterschied haben,

die akzeptieren, so zu sein,

wie wir sind, statt sich dafür zu

entschuldigen und sich, koste

es, was es wolle, manchmal bis

zur Selbstverleugnung anzupassen.

Apropos Investoren:

Haben Sie schon einmal erlebt,

dass die sich um die Moral

scheren? Die gehen dorthin, wo

sie Gewinne machen können,

selbst wenn es sich dabei um

das «dunkle Herz Europas»

handelt!

S YLVIA CHACHAY, NEUKALEDONIEN

Wussten Sie, dass der Tessiner Architekt Domenico Fontana

die Stadt Rom in fünf Jahren neu erfunden hat? Natürlich ist

diese Frage des Römer Architekturprofessors Paolo Portoghesi

ziemlich verkürzt oder, wie wir Journalisten heute sagen,

zugespitzt. Aber Portoghesi hat diese pointierte Feststellung

bewusst gewählt, um den grossen Einfl uss Fontanas auf das

kurze, aber für die städtebauliche Entwicklung Roms zentrale

Pontifi kat von Sixtus V. (1585–1590) zu illustrieren. Fontana,

bisher vor allem als Architekt bekannt, sei auch ein bedeutender

Urbanist gewesen, sagt Portoghesi. Mit Francesco

Borromini und anderen Tessinern habe er wesentlich dazu

beigetragen, dass Rom vom 16. bis 18. Jahrhundert zu den

herausragenden Stätten der Architektur gehört habe.

Diese Tessiner Architekten bilden einen Schwerpunkt einer

Sonderausgabe der italienischsprachigen Zeitschrift

«Arte & Storia» zur schweizerischen Präsenz in Rom vom 16. Jahrhundert

bis heute. Wer sich schon mit dem Thema beschäftigt hat,

fi ndet auf den ersten Blick wenig Neues. Bei genauem Hinsehen

entdeckt man jedoch etliche neue Zugänge zu bereits vielfach beschriebenen

Personen und Ereignissen. Etwa das organisatorische

und technische Wirken der Tessiner auf den grossen Baustellen wie

derjenigen des Petersdoms. Und am Ende jedes Kapitels listen die

Autoren hilfreiche bibliografi sche Hinweise für diejenigen auf, die

einzelne Aspekte noch vertiefen möchten.

Der erste Beitrag des knapp 400-seitigen, reich bebilderten

und chronologisch aufgebauten Buchs widmet sich – wie könnte es

anders sein – der Schweizergarde, die den Päpsten seit nunmehr

über 500 Jahren zu Diensten steht. In 29 Beiträgen gehen die Autorinnen

und Autoren anschliessend auf die prominenten Rom-

Schweizer und einige ihrer wichtigsten Werke ein. Neben den Architekten

fi nden Künstler wie Giovanni Serodine, Pier Francesco

Mola, Angelica Kauffman und Arnold Böcklin sowie auch der Historiker

Jacob Burckhardt Eingang ins Werk. Zwei Kapitel sind

schliesslich jenen Schweizer Hoteliers gewidmet, welche die römische

Hotellerie seit dem 19. Jahrhundert stark geprägt haben. Etwa

der Bündner Alberto Hassler, der 1892 das bis heute weltberühmte

gleichnamige Hotel an der Piazza di Spagna gründete. Oder die Familie

Wirth, deren Mitglieder seit über 100 Jahren mehrere renommierte

Hotels führen und aus deren Mitte der entscheidende Impuls

zur Gründung der Schweizer Schule Rom im Jahre 1947

gekommen ist. Zusammen mit dem Istituto Svizzero di Roma, einer

Aussenstelle der Kulturstiftung Pro Helvetia, gehört diese Schule

heute zu den wichtigen Pfeilern der schweizerischen Präsenz in der

ewigen Stadt. Beiden ist je ein Kapitel des Buches gewidmet.

Hilfreich ist die kurze Einführung zur Geschichte Roms von

1420 bis 1945. Leider fehlt hingegen der Versuch, die Schweizer in

Rom auch quantitativ zu erfassen. Da der Bund seit rund 50 Jahren

Auslandschweizerstatistiken nach Ländern

und Konsularbezirken führt, wäre dies zumindest

für die jüngste Zeit möglich gewesen.

Diese Kritik sollte aber niemanden hindern,

sich in dieses insgesamt lesenswerte Buch zu

vertiefen.

RENÉ LENZIN

Schweizer in Rom

«SVIZZERI A ROMA» ist als Spezialausgabe der Zeitschrift

«Arte & Storia» erschienen, die von der

Ticino Management SA in Lugano herausgegeben wird

(www.ticinomanagement.ch). Das Buch kostet

40 Franken und ist nur auf italienisch erhältlich.

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SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Publireportage

Jahresbericht 2007

Soliswiss etabliert sich als Gruppe im Markt. Die Genossenschaft

konzentriert sich auf Pauschalentschädigungen. Die

Soliswiss AG führt ihre Tätigkeiten als Vermögensverwalterin

und Versicherungsvermittlerin erfolgreich weiter.

Die Genossenschaft konzentriert

sich seit 2007 ausschliess-

lich auf ihre Kernaufgabe Pauschalentschädigungen.

Im

Berichtsjahr konnte sie Einzelpersonen

und Familien helfen,

welche in den Ländern Libanon,

Kolumbien und Irak einen Scha-

den erlitten. Ein Gesuch aus

Bolivien musste sie ablehnen,

weil die statutarischen Voraussetzungen

nicht gegeben waren.

Ein weiteres Gesuch aus

Osteuropa ist am Ende der

Berichtsperiode noch offen.

Solide Finanzen

Der Entschädigungsfonds kann

ein Jahrtausendereignis auffan-

gen. Dies ist zehnmal mehr als

die Aufsichtsbehörden verlangen

und zeugt von der grossen Vorsicht

im Geschäftsgebaren. Die

Ausfallgarantie des Bundes verleiht

Soliswiss eine zusätzliche

Risikoabsicherung, obwohl durch

die guten Reserven eine Bean-

spruchung dieser Garantie weiterhin

sehr unwahrscheinlich ist.

Die Kapitalanlagen erzielten

in der Berichtsperiode eine

Gesamtrendite von 8.7%, was

wiederum ein überdurchschnittlich

gutes Ergebnis darstellt.

Die Genossenschafter können

bekanntlich wie die Genossenschaft

anlegen. Unser Portefeuille

mit verschiedenen Käufen

und Verkäufen über die Berichtsperiode

zeigte folgende

Renditen: Winter –0.8%, Frühling

12.0%, Sommer 20.5%,

Herbst –0.8%. Daneben können

die Genossenschafter mit dem

Soliswiss-Konto bei Raiffeisen

zur Zeit mit 2.125% rechnen.

Die Prämieneinnahmen für

Pauschalentschädigungen sind

leider gesunken. Vor allem das

Prämieninkasso, welches früher

direkt über eine Verrechnung

mit den Spareinlagen erfolgte,

bereitet Sorgen. Die Zahlungs-

möglichkeit mit Kreditkarte

ist in Planung und steht für die

kommende Periode bereit.

Die ordentliche Rechnung

schliesst mit 0.2 MCHF Gewinn

ab.

Moderne Produkte

und Dienstleistungen

Mit der Globalisierung der

Weltwirtschaft sind Nischen im

Versicherungsmarkt wieder entdeckt

und weiterentwickelt wor-

den. Dazu gehört das Politische

Risiko. Soliswiss will ihre auf der

ganzen Welt einzigartige Pauschalentschädigung

bei Existenzverlust

infolge politischer

Zwangsmassnahmen weiterfüh-

ren. Im Rahmen der Unternehmensentwicklung

hat der Vor-

standsausschuss ein Projekt

gestartet zum Thema, wie Soli-

swiss den Genossenschaftern in

Zusammenarbeit mit erstklassi-

gen Versicherungsgesellschaften

spezifischere Deckungen anbieten

könnte. Konkrete Resultate

werden für 2008 erwartet.

RÜCKRUF

Neues Personal

Die Genossenschaft profitiert

von der grossen ehrenamtlichen

Unterstützung des Vorstands,

denn sie arbeitet mit weniger als

drei Vollzeitstellen. Darunter fin-

det sich seit Frühjahr 2007 Dr.

Doron Zimmermann, Historiker

und Sicherheitspolitikwissenschafter,

welcher aus dem Vor-

stand in die Geschäftsstelle

übertrat und nun vollamtlich für

die erwähnte Produktentwicklung

verantwortlich zeichnet.

Der Ausschuss hat sich verstärkt

mit Eric Herren, Sicher-

heitsexperte in vielen Gremien

auf nationaler und internationa-

ler Ebene, und Walter Suter, als

früherer Generalkonsul ein grosser

Kenner der Auslandschwei-

zerkolonien und als alt Botschafter

ein versierter Kenner

von Regionen mit einem instabilen

politischem Umfeld.

Unterschiedliche Märkte

Soliswiss ist geografisch weltweit

tätig. Sie unterscheidet drei

Marktsegmente:

1. Sichere Länder: Die Genos-

senschafter zahlen Jahresbeiträge

sowie Prämien ein

und beanspruchen praktisch

keine Entschädigungen. Hier

reden wir von einem Spendermarkt.

2. Akut gefährdete Länder:

Die Prämieneinnahmen reichen

bei weitem nicht aus

für die Finanzierung der Scha-

Unter Aufsicht der EBK Eidgenössische Bankenkommission erfolgen

seit Herbst 2006 die Rückzahlungen der ehemaligen Spareinlagen.

Während die Mehrheit der Guthaben transferiert werden konnte, fehlen

von einigen Genossenschafterinnen und Genossenschaftern die

erforderlichen Zahlungsaufträge. Melden Sie sich, wenn Ihnen die entsprechenden

Unterlagen von der Post nicht zugestellt wurden oder

aus anderen Gründen fehlen. Machen Sie Familienangehörige und

Bekannte darauf aufmerksam, wenn Sie um deren Anspruchberechtigung

wissen. Nicht eingelöste Guthaben werden nach Genehmigung

von der EBK am 30. Juni 2008 auf ein gebührenpflichtiges Sammelkonto

bei der Raiffeisenbank überwiesen, können jedoch weiterhin

bei Soliswiss abgerufen werden. Wir danken für Ihre Zusammen-

arbeit.

denzahlungen. Hier reden wir

von einem Empfängermarkt.

3. Instabile Länder: Prämien-

und Schadenzahlungen halten

sich langfristig die Waage.

Dies ist ein klassischer Schadensversicherungsmarkt.

Segmente 1 und 2 bezeugen,

dass die Genossenschaft ihre

Aufgabe nur wahrnehmen kann,

wenn die Auslandschweizer

unter sich solidarisch sind und

jenen helfen, die unverschuldet

in existenzielle Not geraten.

Segment 3 belegt, dass sich die

Auslandschweizer gegenseitig

beistehen und schützen kön-

nen.

Neue Genossenschafter

In der Berichtsperiode verzeich-

net Soliswiss 360 Neueintritte.

Die einen Neumitglieder kom-

men wegen der attraktiven

Dienstleistungen der Soliswiss

AG als Vermögensverwalterin

und Vermittlerin von Kranken-

und Lebensversicherungen. Andere

wiederum treten Soliswiss

aus Solidarität in Bezug auf die

Pauschalentschädigungen bei.

Beides sind exzellente

Gründe zum Mitmachen. Sorgen

Sie für sich und Ihre Familie

vor, oder helfen auch Sie in

Existenznot geratenen Mitmenschen,

indem Sie Mitglied werden

von Soliswiss.

Soliswiss – mit Schweizer

Sicherheit im Ausland.

Dr. Felix Bossert

Direktor


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Bilder: Fotostiftung Schweiz, Winterthur

G E S E H E N

Theo Frey (1908–1997) wird oft in einem Atemzug mit den Klassikern der

Schweizer Reportagefotografie – Hans Staub, Gotthard Schuh, Paul Senn –

genannt, obwohl sein Gesamtwerk noch weniger bekannt ist. Sein Interesse

galt immer dem Leben der kleinen Leute, seine Fotografie war geprägt

von grossem sozialem Engagement. Die Fotostiftung Schweiz in Winterthur

zeigt noch bis zum 24. August eine Auswahl aus seinem riesigen Nachlass.

Gesangsprobe, Zuoz, 1939. Tabakarbeiterin, Brissago, 1947. Silberner Sonntag, Zürich, 1948.

Gemeinderäte in Rüederswil, 1938. Flühli, Entlebuch, 1941. Tänzerinnen, Genf, 1941.

Kartoffelfuhre in Obersaxen, Plategna GR, 1948. Strassenverkehr, Kanton Zürich, um 1949.

Radrennbahn, Zürich-Oerlikon, Dreissigerjahre.

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SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

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E U R O 0 8

Sternstunden des Schweizer Fussballs. Die Fussball-

Europameisterschaft Euro 08 steht vor der Tür. Walter Lutz,

langjähriger Chefredaktor der Zeitung «Sport», gilt als einer der

hervorragendsten Kenner des Schweizer Fussballs. Für die

«Schweizer Revue» erinnert er sich an die grossen Erfolge der

Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in der Vergangenheit.

Die Fussball-Europameisterschaft wird vom

7. bis 29. Juni je hälftig in vier Städten der

Schweiz (Basel, Bern, Genf und Zürich) und

Österreichs mit 16 Nationen und 31 Spielen

in Szene gehen. Es wird für den Schweizer

Steuerzahler die teuerste Sportveranstaltung,

die je in diesem Land stattgefunden

hat. Während sich die Weltmeisterschaft

1954 in der Schweiz dank der Unterstützung

durch den Sport-Toto selber finanzierte,

wird jetzt die öffentliche Hand mit 182 Millionen

Franken zur Kasse gebeten. Der Bund

wird die Hälfte übernehmen, praktisch den

gesamten Aufwand für die Sicherheit. Diese

ist das Kernstück und zugleich die Achillesferse

der gesamten EM. Sie wird zur nationalen

Aufgabe und verpflichtet die Politik

zu Schutzmassnahmen, die weit über den

sportlichen Bereich hinausgehen müssen. So

werden pro Match 400 bis 1000 Ordnungshüter

in die Zuschauerränge eingeschleust.

Höhere Ansprüche der Europäischen Fussballunion

(Uefa), die Absicht, für die Fremden

in den Städten Fanmeilen zu schaffen,

wo sie auf Grossleinwänden die Spiele verfolgen

können, tragen zu dieser Eskalation

der Kosten bei. Die Ansprüche haben sich

seit 1954 fundamental verändert. Während

damals die Brasilianer und die Schweizer in

der Sportschule Magglingen in nebeneinanderliegenden,

spartanisch einfachen Häusern

– sie tragen heute noch die Namen Brasilianer-

und Schweizerhaus – mit einem

Minimum an Komfort fast wie im Pfadilager

hausten, logieren jetzt nahezu alle Delegationen

in Fünfsternehotels.

Die Schweiz und ihr Fussballverband

(SFV) haben viel zur weltweiten Entwicklung

des Fussballs beigetragen. Als der SFV

1895 gegründet wurde, galt es tief verankerte

Widerstände und Vorurteile von Lehrerschaft,

Kirche, Behörden und der Eltern zu

beseitigen. 1904 gehörte die Schweiz zu den

sieben Gründernationen des Weltfussballverbandes

(Fifa). Dieser hat seit 1932 seinen

Sitz in Zürich. Fünf Schweizer führten als

Generalsekretäre die Fifa. Und seit 1998 ist

mit Sepp Blatter ein Walliser der höchste

Fussballer der Welt. Ähnliches geschah ein

halbes Jahrhundert später, als in der Schweiz

die Uefa ins Leben gerufen wurde. Dort ist

sie seit 50 Jahren beheimatet.

Im Reich der Fifa geht heute die Sonne nie

unter. Fussball ist die weltweit populärste

Sportart und die mit der höchsten Medienpräsenz.

Der Fifa gehören 208 Nationen mit

über 250 Millionen aktiven Fussballern an.

32 Milliarden TV-Zuschauer verfolgten die

WM 2006. Fussball ist das Spiel der Spiele,

einfacher als jedes andere. Die nur 17 Regeln

scheinen in Stein gemeisselt. Sie sind in aller

Welt das einzige Gesetz, das für alle Sprachen,

alle Rassen, alle Kulturen, Reich und

Arm, Jung und Alt, Analphabeten und Intellektuelle

gilt und dem sich die Menschen

aller politischen Systeme und Ideologien

ohne Wenn und Aber unterziehen.

Obschon der Professionalismus erst spät

eingeführt wurde, haben Schweizer Fussballer

auf dem Rasen erstaunliche Erfolge erreicht.

Während 32 Jahren (1934 bis 1966)

gehörte ihre Nationalmannschaft zum Kreis

der grossen Fussballländer; denn ausser

Brasilien übertraf kein anderer Verband die

Schweiz mit ihren sechs WM-Teilnahmen in

dieser Zeitspanne.

Die Serie der erstaunlichen Leistungen der

Schweizer Amateure begann 1924 am Olympiaturnier

in Paris. Sie kehrten als Europameister

heim. Dieses Turnier, sechs Jahre vor

der ersten WM durchgeführt, gilt als die

Geburtsstunde des internationalen Fussballs.

Dies, weil mit Uruguay erstmals ein Team

Südamerikas mitmachte. Die Schweizer reisten

im Zug und mit einem nur zehn

Tage gültigen Retourbillet nach Paris, alle

Spieler hatten bis zwei Tage vor dem ersten

Match gearbeitet, und zwei Tage nach dem

Final standen sie schon wieder an ihrem

Arbeitsplatz. Jeder Spieler hatte unbezahlten

Urlaub genommen. Die Erfolge in den

sechs Spielen lösten in der Heimat eine unvorstellbare

Begeisterung aus. Sie machten

den Fussball im Lande über Nacht populär.

Die Zeitungen gaben erstmals für einen

Sportanlass Extrablätter heraus, in den Wan-

1924, Olympische Spiele in Paris. Die Schweizer Nationalmann

Schweizer gewannen die Silbermedaille, womit sie auch als

(GC), Pulver (YB), Faessler (YB), Ramseyer (YB), Oberhauser

Pollitz (Old Boys), Ehrenbolger (Nordstern Basel), Dietrich

delgängen des Bundeshauses tönte es so:

«Die Schweiz braucht keine Diplomaten

mehr – elf Mann und ein Ball genügen.» Und

vor dem Endspiel munterte Bundespräsident

Ernest Chuard im ersten Telegramm, das je

aus dem Bundeshaus an eine Schweizer Sportequipe

verschickt wurde, die Mannschaft auf.

Er tat das «als Dolmetscher der Gefühle des

ganzen Schweizervolkes», und hoffte, «dass

ihre Tapferkeit und ihre Ausdauer sich weiterhin

so glänzend kundgeben mögen».

14 Jahre später, 1938, folgten neue Höhepunkte.

Zuerst gelang den Schweizern am

21. Mai in Zürich mit 2:1 der erste Sieg über

die bis dahin von Europäern kaum je besiegten

Engländer. Und am 9. Juni errang die

Schweiz an der WM in Paris ihren bisher

spektakulärsten Erfolg: Wenige Wochen

nach dem «Anschluss» Österreichs ans Hitler-Reich

besiegte die Mannschaft nach einem

1:1 im ersten Treffen im Wiederholungsspiel

die grossdeutsche Elf 4:2. Nie vorher

und nie nachher hat, erklärbar nur durch die

damalige angespannte politische Lage, ein

Fussballspiel im Lande ein solches Echo

gefunden. Extrablätter, Matchberichte auf

der Titelseite, sogar in der «NZZ», Umzüge,

Glückwunschbotschaften von Bundesrat

und Parlament – dieser Sieg gilt noch heute

als der bedeutendste. Vor dem zweiten Spiel

hatte sich der «Völkische Beobachter», das

Sprachrohr Hitlers, höhnisch an die Schweizer

gerichtet und sie gewarnt: «In Paris

werden 60 Millionen Deutsche gegen die

Schweiz spielen!» Nach dem Match antwortete

der «Sport» aus Zürich sarkastisch: «Da

spielen also 60 Millionen Deutsche gegen

uns, aber uns genügen 11 Spieler.»

Noch dreimal gelangen helvetischen Nationalteams

an Weltmeisterschaften grosse

Coups: 1954 in der Schweiz, als die Mannschaft

in zwei bewegten Spielen die Italiener


schaft stellt sich vor Spielbeginn zur Nationalhymne auf. Die

Europameister galten. Von links nach rechts: Xam Abegglen

(Nordstern Basel), Reymond (Servette), Pache (Servette),

(Ser vette), P. Schmiedlin (FC Bern).

SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Foto: Keystone

aus dem Turnier warf. Später, 1994, in Amerika

überstanden die Schweizer gleich wie

2006 in Deutschland wenigstens die erste

Runde.

Was machte 1924, 1938, 1954, 1994 und

2006 die Mannschaften so stark? Jede profitierte

von der Vielfalt und Verschiedenartigkeit

in Sprache, Rasse, Kultur und der auch

im Fussball andersartigen Denkart. Diese

Mischung und Blutsverschiedenheit führte

zu einer Kombination helvetischer Charaktere,

bei der die Eigenschaften schwerblütiger

Deutschschweizer und temperamentvoller

Lateiner untereinander vermischt und

miteinander verknüpft wurden. Diese Mannschaften

setzten sich hälftig aus Spielern der

Deutschschweiz und der Romandie zusammen.

Und im vielleicht stärksten dieser Teams,

jenem von 1954, standen sogar neun Westschweizer.

Etwas Ähnliches ist in den letzten

Jahren durch die Eingliederung von Secondos

und Ausländern der dritten Generation

in der Nationalmannschaft geschehen.

Die Europameisterschaft wird hohe Wellen

werfen. Ein Heer von über 30 000

Schweizern hat vor zwei Jahren an der WM

in Deutschland Spiele ihrer Mannschaft

besucht. Die Fussballbegeisterung nahm

derartige Formen an, dass viele Vereine den

Ansturm der Jugendlichen nicht mehr bewältigen

konnten. Heute gibt es in der

Schweiz 242 793 aktive Fussballer - davon

sind 60 Prozent Jugendliche. Und 80 Schweizer

spielen im Ausland. Viele allerdings nicht

als Stamm-, sondern nur als Ergänzungsspieler.

Deshalb und auch wegen der hohen Zahl

von verletzten Teamspielern gilt es, die Aussichten

an der letzten Meisterschaft unter

dem Nationalcoach Köbi Kuhn vorsichtig zu

beurteilen. Anders als helvetische Träumer

posaunen, hat die Schweiz keine Chance,

Europameister zu werden.

F U S S B A L L N A T I O N A L M A N N S C H A F T

«Von der Nati kann man sich alles erhoffen»

Wird die Auswahlmannschaft von Köbi Kuhn bei der Euro 08

aufblühen? Der Erfolg eines Fussballteams hängt nicht

nur vom Talent seiner Spieler ab. Der ehemalige Schweizer

Internationale Umberto Barberis analysiert die Chancen

der Nati. Interview Alain Wey

SCHWEIZER REVUE: Wie beurteilen Sie die

Taktik von Köbi Kuhn?

UMBERTO BARBERIS: Sie ist recht einfach.

Ich bedaure, dass er auf das Ende der Euro

seinen Rücktritt angekündigt hat. Er träumt

natürlich von einem glanzvollen Abgang. Ich

denke, er wird alles unternehmen, damit die

Mannschaft ihr Bestes gibt. Bei solchen

Meisterschaften hängt oft alles von den ersten

Resultaten ab, die dem Team den nötigen

Schwung verleihen und die Begeisterung

der Bevölkerung entfesseln. Mit Rationalität

hat das nicht sehr viel zu tun. Bei der Vorbereitung

gilt es zu berücksichtigen, dass wir

als Gastgeberland automatisch qualifiziert

sind. Es gibt also viele Elemente, die Köbi

Kuhn nicht beeinflussen kann. Er hat ein Jahr

mit zahlreichen Freundschaftsspielen hinter

sich, die er zweifellos sehr ernst genommen

hat. Bei den Spielern ist es allerdings so, dass

sie mit einem Teil der Gedanken halt doch

immer bei der Meisterschaft ihres Clubs

sind, solange ein Match für die Qualifikation

eigentlich gar keine Rolle spielt.

Oft hatte man das Gefühl, dass die Schweiz

nach einem Sieg in Hochmut verfiel und nicht

mehr alles gab. Ihr Spiel flachte ab und zeigte

Schwächen, die der Gegner oft mit Erfolg ausnutzen

konnte. Sind das die Nebenwirkungen

eines Freundschaftsmatchs oder liegen die

Wurzeln des Übels tiefer?

Ich sehe das nicht so. Die Nati zeigt eine

gute Verteidigungsleistung, wenn alle defensiv

spielen, aber sie verfügt nicht über die

Qualitäten Italiens, denn die Kunst der Verteidigung

verlangt sehr viel Präzision. Verteidigen,

ohne Fehler zu machen, ist hohe

Schule. Die Schweizer Nati greift an, geht

zum Pressing über und nachdem sie ein Tor

geschossen hat, manchmal sogar gegen

Mannschaften, die ihr überlegen sind, versucht

sie – immer noch etwas schweizerisch,

aber schon sehr viel besser als früher – das

erreichte Resultat zu halten. Natürlich muss

man sich immer auch in die Lage des Gegners

versetzen: Wer gegen die Schweiz 1:0 im

Rückstand ist, ändert seine Taktik. Hat die

Nati eine gute erste Halbzeit gespielt, nimmt

die Spielintensität in der zweiten Hälfte des

Matchs etwas ab, aber das hat nicht unbedingt

mit Hochmut zu tun.

Ist die Schweiz ein schwieriger Gegner?

Ja, ein sehr schwieriger. Insbesondere für

Nationen wie Italien und Frankreich, die

nicht gerne gegen die Schweiz spielen. Für

die Spanier, die Portugiesen oder die Deutschen

stellt sie kein Problem dar, denn sie

wissen, dass die Nati keine Chance hat, wenn

sie mit ihren Systemen spielen. Italien und

Frankreich hatten in den letzten Jahren hingegen

eher Mühe: Spielen sie gegen die

Schweiz, wählen sie eine andere als ihre

übliche Aufstellung. Stellt man Vergleiche

an, kann man dies nicht nur aus dem Blickwinkel

der Schweiz tun, man muss auch den

Gegner, die Art, wie er den Match angeht

und den Stand der Meisterschaft berücksichtigen.

Was sind die Stärken der Schweizer

Mannschaft?

Sie hat eine Seele. Köbi Kuhn hat über

mehrere Jahre einen Teamgeist aufgebaut

und das Publikum hat darauf reagiert. Vielleicht

war er in den letzten Freundschaftsspielen

etwas weniger spürbar, aber der

Schweizer Geist existiert tatsächlich. Die

Sponsoren und das Publikum kommen nicht,

wenn sie nicht an die Mannschaft glauben. Es

herrscht ein positives Klima rund um das

Team. Weil die EM bevorsteht, geben sich

die Schweizer Medien der Nationalmannschaft

gegenüber aber dennoch sehr kritisch.

Klar, wenn man in den Kreis der acht besten

europäischen Fussballnationen aufgenommen

werden will, muss man auf sehr hohem

Niveau spielen. Die Schweiz muss noch einiges

beweisen, aber sie hat schon Grossartiges

erreicht. Und wenn sie sich hie und da von

anderen Nationen, wie beispielsweise von

Deutschland, schlicht vom Platz fegen lässt,

ist das ganz normal. Wunder gibt es keine,

man muss wirklich ein Ausnahmematch

zeigen.

9


10

SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Foto: Keystone

E U R O 0 8

Die übrigen Trümpfe der Mannschaft?

Ich glaube, die wirkliche Stärke der

Schweiz ist das Kollektiv. Die herausragenden

Einzelspieler sind bekannt, aber es sind

nicht viele. Da ist Alex Frei, aber ihn hat man

in diesem Jahr nur wenig gesehen. Er ist ein

Fussballer, der spielentscheidend sein kann.

Weiter gibt es Ludovic Magnin, der, wenn er

all seinen Biss und seinen ganzen Willen einsetzt,

einen Match umkehren kann, denn er

kann auf seiner Aussenbahn dem Gegner viel

Schaden zufügen. Dann ist da noch die ganze

junge Generation. Unsere Stärken sind also

das Kollektiv, eine gewisse Jugendlichkeit, der

Spielhunger und individuelle Talente.

Die Schwächen der Nati?

Wir glauben nicht genug an unsere Chancen.

Von einigen grossen europäischen Nationen

wie Italien und Deutschland abgesehen,

können alle mal einen schlechten Tag erwischen.

Diese beiden Nationalmannschaften

weisen einen solchen Palmarès und ein so

grosses offensives und defensives Potenzial

auf, dass es schwierig wird, ihnen in der

Finalrunde noch die Stirn zu bieten. Sie können

Offensivwellen abwehren, etwas, was die

Schweiz noch nicht beherrscht. Zudem fehlt

es uns an Kreativität und in der Offensive an

Auswechselspielern.

Und unsere grösste Schwäche?

Unsere Medien sind den Ereignissen nicht

gewachsen. Sie können unglaubliche Lobeshymnen

singen – aber lieber auf Sportler

anderer Nationen, selbst wenn es bei uns

ebenso gute oder sogar bessere gibt. Sportler

sind sensibel, nach heftigen Kritiken

wenden sie sich von der Schweizer Presse

ab. Sie sind froh, im Ausland wieder ihre

Fachpresse zu finden, die ihnen zwar auch

keine Geschenke macht, aber viel mehr Respekt

entgegenbringt. Die Schweiz hingegen

gefällt sich darin, die Dinge herunterzumachen.

Denken Sie, dass die Nati nun auch beim

Penalty-Schiessen bestehen kann?

Ich galt als nicht allzu schlechter Spieler,

dennoch hatte ich Angst vor dem Elfmeterschiessen.

Im Training versenkte ich sie alle,

aber ich meldete mich nicht freiwillig, ich

hatte keinen sicheren Fuss. Obschon sich der

Penaltypunkt recht nahe am Tor befindet,

schien mir immer, ich sei 200 km davon entfernt,

weil mir so viel durch den Kopf ging.

Man kann Köbi Kuhn oder seinem Staff nicht

UMBERTO BARBERIS (55)

■ Ehemaliger Trainer von Lausanne Sport,

spielte zwischen 1976 und 1985 in der

Schweizer Nationalmannschaft (54 Mal aufgestellt).

Der Spielmacher, ein «als Italiener

in Sitten geborener eingebürgerter Schweizer»,

wurde mit dem FC Servette 1979 und

1985 Schweizer Meister und 1978, 1979 und

1985 Schweizer Cupsieger. 1982 gewann er

mit Monaco die französische Meisterschaft,

1981 und 1982 wurde er in Frankreich zum

besten ausländischen Spieler gewählt.

vorwerfen, sie würden die Penaltys nicht vorbereiten.

Wenn die Qualifikation aber nur

noch davon abhängt, muss man verstehen,

dass mit jedem Schuss eine neue Geschichte

beginnt. Das ist der einzige Moment, in dem

der Spieler negativ denkt und sich sagt:

«Wenn ich den verschiesse, werde ich zur

Schnecke gemacht.» Man trägt wirklich eine

enorme Verantwortung. Maradona, Platini

haben Elfmeter verschossen. Alle grossen

Fussballer haben bei wichtigen Spielen mal

einen Penalty vergeigt.

Was kann man sich von der Schweizer

Nationalmannschaft erhoffen?

Alles. Zunächst spielt man in der Gruppenrunde

und muss die Qualifikation erreichen;

insofern ist die Ausgangslage für alle Nationen

dieselbe. Kurz- bis mittelfristig muss man

die erste Zeit überstehen. Die Schweiz kann

das auf sich zukommen lassen. Was das Studieren

der gegnerischen Mannschaften betrifft,

so kennt man diese bereits alle, zudem

wurden Teams zusammengestellt, die diese

Aufgabe übernehmen. Sie werden sich die

Matchs der anderen Mannschaften anschauen

und ihre Spiele analysieren. Vom Formzustand

abgesehen, gibt es in der Finalrunde

kaum Überraschungen. Man müsste zudem

auch wissen, ob es ein Vorteil ist, selbst zu den

Veranstaltern zu gehören, und darauf kann ich

Ihnen keine Antwort geben. Diesbezüglich

hängt viel davon ab, wie der Anlass von den

Medien aufbereitet wird. Werden sie ein günstiges

Terrain, das der Schweizer Nati Auftrieb

gibt, oder eher ein ängstliches Klima voller

Misstrauen schaffen? Solche Faktoren sind

sehr wichtig. Ich behaupte nicht, die Schweiz

habe grössere Chancen als andere, aber sie hat

ebenso grosse. Die Favoritenrolle, wie sie

Deutschland oder Italien innehaben, drückt

schwerer.

Ihre Prognosen?

Wie bei der Hälfte aller Menschen ist es

auch bei mir das Herz, das spricht. Aufgrund

meiner italienischen Wurzeln steht bei mir

immer Italien an erster Stelle, denn dieses

Land befindet sich in ständiger Konkurrenz

mit den anderen Fussballnationen. Danach

kommt die Schweiz, weil ich wirklich sehr

stark an sie glaube und schliesslich Frankreich.

Sind die Spiele der Schweiz in der Gruppe A

alle gleich schwierig?

Die Schweiz hat das Glück, nicht gleich

zuerst gegen Portugal spielen zu müssen,

denn gegen diese Nation hat sie eine sehr

schlechte Bilanz. Portugal hat grosse Ambitionen,

spielt ein schnelles Spiel und fürchtet

die Schweiz nicht. Die Nati hat Probleme

mit technisch versierten und schnellen

Mannschaften. Auch die Türken spielen

technisch starken Fussball, sie sind jedoch

stark stimmungsabhängig: Haben sie einen

schlechten Tag, kann die Schweiz gewinnen.

Tschechien ist uns hingegen technisch nicht

überlegen, obschon ihr System etwas ausgefeilter

ist. Diese beiden letzten Nationen

könnten uns liegen. Das entscheidende Spiel

wird meiner Meinung nach aber dasjenige gegen

Portugal sein. Es wäre daher besser, wenn

Portugal seine Matchs sehr früh gewinnen

würde, damit die anderen in Bedrängnis

kommen. Der Spielplan ist günstig für die

Schweiz. Gleich zu Beginn gegen Portugal

spielen zu müssen, wäre am schlimmsten gewesen.

Ich glaube, in dieser Gruppe wird sich

Portugal auf jeden Fall qualifizieren.

Welche Spieler der Nati werden Ihrer

Meinung nach entscheidend sein?

Da sehe ich zwei. Tranquillo Barnetta, ein

sehr kompletter Spieler. Vielleicht fehlt es

ihm etwas an Persönlichkeit und Charisma,

um die Dinge an sich zu reissen, aber die

Euro 08 könnte sein Turnier werden. Und

selbstverständlich Alex Frei, der viele Tore

schiesst. Bei Blaise N’Kufo bin ich mir nicht

sicher: In den Niederlanden hat er viel Erfolg

und ich würde mich freuen, wenn dies

auch im Schweizer Team der Fall wäre. Man

müsste ihm in der Nati dieselbe Stimmung

bieten können, die er in den Niederlanden

erlebt.


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

P O L I T I K / A B S T I M M U N G

Steuerreform hauchdünn

angenommen

50,5 Prozent der Stimmenden

befürworteten die Reform der

Unternehmensbesteuerung.

Chancenlos war die Initiative

gegen Kampfjetlärm.

Zittersieg für den Bundesrat und die bürgerlichen

Parteien: Mit nur gerade 20 000 Stimmen

Vorsprung befürwortete das Volk Steuererleichterungen

für Aktionäre, die mehr als

TI 54,4%

zehn Prozent einer Firma halten. Zwar

stimmten 18 Kantone zu, aber die Ablehnung

in Basel und der Westschweiz war deutlich.

Klares Nein hingegen zur Initiative gegen

Kampfjetlärm: 68 Prozent des Volks und alle

GE 52,7%

VS 53,2%

Kantone lehnten ab. RL Ja-Stimmen-Anteil in Prozent in den einzelnen Kantonen bei der Unternehmenssteuer-Reform.

Einbürgerungen als

politischer Dauerbrenner

Sind Einbürgerungen an der

Urne zulässig? Darüber entscheiden

Volk und Stände am

1. Juni. Ausserdem befinden

sie über die Initiative gegen

Behördenpropaganda und

über einen Verfassungsartikel

zur Krankenversicherung.

Von René Lenzin

Einbürgerungen durch Volksentscheide haben

insbesondere in der Deutschschweiz

Tradition, sind aber umstritten. 2003 hat das

Bundesgericht die Ablehnung mehrerer Einbürgerungsgesuche

in der luzernischen Gemeinde

Emmen als willkürlich bezeichnet.

Für den negativen Bescheid brauche es eine

anfechtbare Begründung, was mit Abstimmungen

an der Urne nicht gewährleistet

werden könne. Daher seien diese unzulässig,

hielt das Gericht fest.

Für die Schweizerische Volkspartei (SVP)

ist klar, dass die Bevölkerung in der direktdemokratischen

Schweiz das Recht haben

muss, über Einbürgerungen abzustimmen

und diese allenfalls ohne Begründung abzulehnen.

Mit einer Volksinitiative verlangt die

Partei daher, dass jede Gemeinde selber bestimmen

kann, welches Gremium einbürgert.

VD 45,6%

NE 40,4%

JU 42,7%

FR 44,8%

Und gegen die Beschlüsse dieses Gremiums

soll es keine Beschwerdemöglichkeit geben.

Der Bundesrat, die Sozialdemokraten

(SP), die Grünen, die Freisinnigen (FDP)

und die Christlichdemokraten (CVP) lehnen

die Initiative ab. Vor allem in den Reihen

der beiden letztgenannten Parteien tun

sich viele aber ebenfalls schwer mit dem Bundesgerichtsentscheid.

Sie haben daher einen

indirekten Gegenvorschlag zur Initiative

ausgearbeitet. Dieser will zwar Einbürgerungen

an der Urne untersagen, aber an Gemeindeversammlungen

weiterhin zulassen.

Allerdings dürfte eine Ablehnung nur nach

einem begründeten Antrag erfolgen. Damit

bliebe den Gesuchstellern die Beschwerdemöglichkeit

offen. Dieser Gegenvorschlag

auf Gesetzesebene tritt nur in Kraft, wenn

die Volksinitiative abgelehnt wird.

Maulkorb für den Bundersrat?

Die Initiative «Volkssouveränität statt Behördenpropaganda»

will die Informationstätigkeit

von Bundesrat und Verwaltung im

Vorfeld von Abstimmungen stark einschränken.

Erlaubt wären nur noch ein einmaliger

kurzer Auftritt des für den Abstimmungsgegenstand

zuständigen Bundesrats sowie

das «Bundesbüchlein», also die schriftlichen

Erläuterungen der Regierung, die mit den

Abstimmungsunterlagen verschickt werden.

Der Bundesrat lehnt die Initiative ab. Denn

die Stimmberechtigten hätten einen Anspruch

darauf, die Haltung und Beweggründe

SH 51,4%

BS 41,7%

TG 57,2%

AG 50,6%

ZH 50,2%

BL 42,8%

AR 53,4%

IR 63,7%

SO 44,6%

LU 58,3%

ZG 62,0%

SZ 60,7%

SG 53,1%

BE 48,5%

NW 64,3%

OW 60,9%

GL 59,6%

UR 52,7%

GR 57,7%

ihrer Regierung zu erfahren und über mögliche

Auswirkungen der Abstimmungsergebnisse

auf Staat, Gesellschaft und Einzelne

«umfassend, sachlich und objektiv» informiert

zu werden. Diesen Argumenten hat sich die

Mehrheit des Parlaments angeschlossen. Nur

die SVP hat dem Begehren zugestimmt. Auch

zu dieser Initiative hat das Parlament einen

indirekten Gegenvorschlage verabschiedet.

Dieser verpflichtet die Regierung, «kontinuierlich,

sachlich, transparent und verhältnismässig»

über eidgenössische Abstimmungsvorlagen

zu informieren. Wie bei der

Einbürgerungsvorlage tritt dieses Gesetz nur

in Kraft, wenn die Initiative abgelehnt wird.

Mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen?

Wettbewerb und Transparenz sollen als wichtigste

Prinzipien der obligatorischen Krankenversicherung

gelten. So will es zumindest

die Mehrheit des Parlaments in einem neuen

Verfassungsartikel festschreiben. Der Text

ist ein Gegenvorschlag zur inzwischen zurückgezogenen

Volksinitiative der SVP mit

dem Titel «Für tiefere Krankenkassenprämien».

Für den Verfassungsartikel sprechen

sich neben der SVP auch FDP und CVP aus.

Hingegen lehnen ihn SP und Grüne ab, weil

sie im Gesundheitswesen die staatliche Steuerung

dem Wettbewerb vorziehen. Zurückhaltend

bis skeptisch hat sich der Bundesrat

zum Projekt geäussert. Er hätte es vorgezogen,

die etappenweise Reform der Krankenversicherung

voranzutreiben.

11


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

12 A U S D E M B U N D E S H A U S

Neuerungen

im Sozialversicherungsrecht

Auf den 1. Januar 2008 sind

diverse Änderungen im Gebiet

der Sozialversicherungen in

Kraft getreten. Eine Auswahl

von Änderungen, die auch

die Auslandschweizerinnen

und Auslandschweizer

interessieren.

Freiwillige AHV/IV

In der freiwilligen AHV/IV

werden seit 1. Januar 2008 die

Beiträge neu gestützt auf die

Gegenwartsbemessung festgesetzt.

Dies heisst, die Beiträge

werden nicht mehr wie bis anhin

auf dem Durchschnitt der

vorangegangenen zwei Jahre

(Vergangenheitsbemessung)

berechnet, sondern auf den

Einkommen des laufenden Beitragsjahres.

Damit wird die

Beitragsbemessung in der freiwilligen

AHV/IV derjenigen in

der obligatorischen angeglichen.

In der obligatorischen

AHV/IV werden die Beiträge

bereits seit 2001 nach dem System

der Gegenwartsbemessung

festgesetzt. Die Beitritts- und

Ausschlussvoraussetzungen

ändern sich nicht.

Zentrale Durchführung

der freiwilligen

AHV/IV in Genf

Die Dienstleistungen

der freiwilligen

AHV/IV im Ausland

werden nicht mehr

durch die AHV/IV-

Dienste im Ausland

erbracht, sondern seit

1. Januar 2008 zentral

am Sitz der SchweizerischenAusgleichskasse

in Genf. Wir

haben darüber bereits

im letzten Jahr in der

«Schweizer Revue»

6/07 berichtet.

5. IV-Revision

Seit dem 1. Januar 2008 sind

die 5. IV-Revision und die notwendigenAusführungsbestimmungen

in Kraft. Die Revision

hat zwei Hauptziele:

1. Es werden Massnahmen

zur Früherfassung und -intervention

sowie Möglichkeiten

zur besseren Integration Behinderter

ins Erwerbsleben

eingeführt (diese Massnahmen

sind grundsätzlich auf Personen

mit Wohnsitz Schweiz

beschränkt).

2. Im Rahmen von Sparmassnahmen

werden auch die noch

laufenden Zusatzrenten für

die Ehegatten von IV-Rentenbezügern

und der sogenannte

Karrierezuschlag bei der Rentenberechnung

aufgehoben.

Durch diese Massnahmen

erhofft sich der Gesetzgeber,

das Milliardendefizit in der

IV-Versicherung reduzieren

zu können.

Anhebung des Mindestsatzes

in der beruflichen Vorsorge

(Pensionskasse)

Der Bundesrat hat letztes Jahr

entschieden, den Mindestzinssatz

zur Verzinsung der Altersguthaben

in der beruflichen

Vorsorge wegen der insgesamt

positiven Entwicklung der

Finanzmärkte während der

letzten Jahre von gegenwärtig

2,5 Prozent auf 2,75 Prozent

anzuheben. Diese Neuerung

ist am 1. Januar 2008 in Kraft

getreten.

Anpassung der Hinterlassenen-

und IV-Renten der

beruflichen Vorsorge an

die Teuerung

Per 1. Januar 2008 wurden

diejenigen Hinterlassenen- und

Invalidenrenten der beruflichen

Vorsorge an die Teuerung

angepasst, die erstmals im Jahr

2004 ausgerichtet wurden.

Die Rentenerhöhung beträgt

3 Prozent. Diese Renten werden

künftig gemeinsam mit den

schon vor dem Jahr 2004 ausgerichteten

Renten gleichzeitig

mit den Renten der AHV/IV

an die Teuerung angepasst,

das heisst in der Regel alle zwei

Jahre. Die Renten der AHV

sowie die laufenden Hinterlassenen-

und Invalidenrenten

wurden letztmals auf den

1. Januar 2007 angepasst.

Neue AHV-Versichertennummer

Ab 1. Juli 2008 wird die neue

Nummer in der Alters- und

Hinterlassenenversicherung,

der Invalidenversicherung und

in der Erwerbsersatzordnung

schrittweise eingeführt. Die

Nummer ist neu 13-stellig,

anonymisiert und lässt im

Gegensatz zur alten 11-stelligen

AHV-Nummer keine Rückschlüsse

auf die versicherte

Person zu. Inskünftig wird die

neue Nummer für Schweizerinnen

und Schweizer aufgrund

der Eintragungen im Zivilstandsregister

automatisch vergeben.

Die neue AHV-Versichertennummer

kann von allen in der

Sozialversicherung tätigen

oder eng mit der Sozialversicherung

tätigen Institutionen

und Stellen verwendet werden

(z. B. für die Zusatzversicherung

in der Kranken- und

Unfallversicherung, in der

ausserobligatorischen beruflichen

Vorsorge). Eine Ausdehnung

auf weitere Bereiche

bedarf einer gesetzlichen

Grundlage auf Bundes- oder

Kantonsebene.

Die Versicherten werden

rechtzeitig und automatisch

entweder durch ihre Arbeitgeber

oder durch ihre Ausgleichskasse

informiert. Dies sollte im

zweiten Semester 2008 oder

spätestens im Jahr 2009 geschehen.Auslandschweizerinnen

und -schweizer erhalten


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

die notwendigen Informationen

durch die Schweizerische Ausgleichskasse

in Genf.

Durch die Schaffung einer

neuen AHV-Versicherten-Nummer

müssen auch neue AHV-

Ausweise ausgestellt werden.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

erhalten diese von ihren

Arbeitgebern. Selbstständigerwerbende,Nichterwerbstätige,

Rentnerinnen und Rentner

erhalten sie direkt von der für

sie zuständigen Ausgleichkasse.

Ebenfalls gleichzeitig mit der

neuen AHV-Versichertennummer

wird ein weiteres Dokument

eingeführt: der Versicherungsnachweis.

Er ersetzt in

gewissem Sinn den Stempel auf

den alten AHV-Ausweisen und

wird ausgestellt, wenn die versicherte

Person von ihrem Arbeitgeber

bei einer Ausgleichskasse

angemeldet worden ist. So

wird der arbeitnehmenden Person

bestätigt, dass die ausstellende

Ausgleichskasse ein individuelles

Konto für sie führt.

Im Verlauf einer Berufskarriere

können Versicherte folglich

mehrere solcher Versicherungsnachweise

von verschiedenen

Ausgleichskassen erhalten.

Diese neuen Ausweise werden

erst bei Arbeitgeberwechseln

nach dem 1. Juli 2008 ausgestellt.

Die alten AHV-Ausweise

sollten deshalb aufbewahrt werden.

Zusätzliche Informationen

finden sich im Merkblatt «Die

neue AHV-Nummer» der Informationsstelle

AHV/IV. Es steht

im Internet zur Verfügung

unter:

www.bsv.admin.ch – Themen

– AHV – neue AHV-Nummer.

Weitere Informationen

zu den Änderungen in den

Sozialversicherungen finden

Sie in der Zeitschrift «Soziale

Sicherheit» CHSS 6/07 des

Bundesamtes für Sozialversicherungen.

Sie ist im Internet

zu finden unter:

www.bsv.admin.ch – Doku-

mentation - Publikationen –

Soziale Sicherheit CHSS,

Ausgabe 6/07.

Initiativrechte auch

vom Ausland her

Seit einiger Zeit stellen

Schweizer Initiativkomitees

sowie die schweizerische

Bundeskanzlei Auslandschweizerinnen

und -schweizern

die Unterschriftenlisten

in elektronischer Form zur

Verfügung. Dies erleichtert

unsern Landsleuten im

Ausland wesentlich, sich an

den Initiativrechten vom

Ausland her zu beteiligen.

Als Auslandschweizerin oder

Auslandschweizer können

Sie die Unterschriftenbogen

der hängigen Initiativen von

folgender Webseite herunterladen:

www.admin.ch/ch/d/pore/vi/

vis_1_3_1_1.html

Voraussetzung

Nur wenn Sie stimmberechtigt

und bei einer Stimmgemeinde

gemeldet sind, können Sie eine

Volksinitiative unterzeichnen.

Geben Sie auf der ausgedruckten

Unterschriftenliste Ihre

politische Gemeinde und den

entsprechenden Kanton an.

Schreiben Sie Ihre Daten handschriftlich

und leserlich auf die

Unterschriftenliste und unterschreiben

Sie eigenhändig. Geben

Sie als Wohnort Ihre offizielle

Adresse im Ausland an.

Achtung: Pro Unterschriftenbogen

dürfen jeweils nur Personen

aus den gleichen Stimmgemeinden

unterschreiben.

Enthält ein Unterschriftenbogen

Unterschriften von Personen

aus anderen Stimmgemeinden,

sind diese Unterschriften

ungültig.

Stellen Sie den unterschriebenen

Unterschriftenbogen

dem Initiativkomitee zu.

DIE SCHWEIZER VERTRETUNGEN IM INTERNET

■ Kennen Sie die Webseite der für Sie zuständigen Vertretung (Botschaft,

Generalkonsulat) und deren Angebot? Möchten Sie Merkblätter

oder Formulare herunterladen? Wollen Sie eine Adressänderung

elektronisch mitteilen?

Internet- und Mail-Adressen sämtlicher Schweizer Vertretungen

finden Sie unter: www.eda.admin.ch/eda/de/home/reps.html

Weitere Informationen zu

den politischen Rechten auf

Bundesebene finden Sie unter

www.bk.admin.ch/themen/

index.html?lang=de

Angriff auf die

Tabaksteuer

Im Dezember 2006 wurde

die eidgenössische Volksinitiative

«Prävention statt

Abzockerei – Für eine Neuausrichtung

der Tabaksteuer»,

lanciert, die so genannte

Tabakinitiative.

Die Initiative bezweckt eine

Änderung von Artikel 131 der

schweizerischen Bundesverfassung

(BV). Dieser Artikel, der

die Erhebung von Verbrauchssteuern

durch den Bund regelt,

soll durch einen neuen Absatz

4 ergänzt werden.

Die Initiative hat zum Ziel,

den Steuersatz für Tabak und

Tabakwaren auf höchstens 20

Prozent des Kleinhandelspreises

des besteuerten Produktes

festzusetzen. Dies würde eine

massive Senkung der Tabaksteuer

bedeuten. Gegenwärtig

liegt der Besteuerungsatz bei

60 Prozent.

Ferner soll die Zweckbindung

der Steuereinnahmen geändert

werden. Die aus der Besteuerung

erzielten Reinerträge

sollen nicht mehr der AHV

zugute kommen, sondern es

sollen Massnahmen unterstützt

werden, die der Vorbeugung

des Tabakkonsums dienen.

Die Prävention würde auf diese

Weise durch die Raucher

finanziert, was auch dem Verursacherprinzip

entspräche.

Diese Inititative können Sie

noch bis 12. Juni 2008 unterschreiben.

VOLKSINITIATIVEN

Seit der letzten Ausgabe ist folgende Volksinitiative lanciert worden:

■ «6 Wochen Ferien für alle», bis 15. Juli 2009

Unter der Seite www.admin.ch/ch/d/pore/vi/vis_1_3_1_1.html

können Sie die Unterschriftenbogen der hängigen Initiativen herunterladen.

VERANT WORTLICH FÜR DIE AMTLICHEN MITTEILUNGEN DES EDA:

GABRIEL A BRODBECK, AUSL ANDSCHWEIZERDIENST/EDA, BUNDESGASSE 32,

CH-3003 BERN; TELEFON: +41 31 324 23 98; TELEFAX: +41 31 324 23 60

WWW.EDA.ADMIN.CH/ASD; PA6-AUSL ANDCH@EDA.ADMIN.CH

Inserat

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14

SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Fotos: Napoleonmuseum, Arenenberg

S C H L O S S A R E N E N B E R G

Der Kaiser aus der Schweiz. Ein Schweizer Bürger auf dem

Kaiserthron in Frankreich? Von 1852 bis 1870 war Napoleon III.

der letzte Kaiser der Franzosen. Vorher lebte er 23 Jahre lang

auf Schloss Arenenberg im Kanton Thurgau. Er war Schweizer

Ehrenbürger, Berner Hauptmann der Artillerie und sprach den

Thurgauer Dialekt. Von Rolf Ribi

Als der letzte Kaiser der

Franzosen am 9. Januar

1873 für immer die Augen

schloss, lag auf seinem

Sterbebett eine Urkunde

aus der Schweiz

– der Thurgauer Pass

von 1838. Gewiss, das

Vaterland von Napoleon

III. war immer die

«Grande Nation» gewesen.

Als aber der damalige

Prinz Louis Napoleon

im Jahr 1832 dem

Kanton Thurgau für das

verliehene Bürgerrecht

dankte, nannte er das Kaiser Napoleon III.

Gebiet des Bodensees

als «seine Heimat». «Gibt es einen schöneren

Beweis für die Anhänglichkeit eines

Menschen an seine Heimat?», fragt Dominik

Gügel, Konservator des Napoleonmuseums

im Schloss Arenenberg.

Am 20. April in diesem Frühling jährt sich

der 200. Geburtstag des letzten französischen

Monarchen, der mehr als zwei Jahrzehnte

lang das Schicksal Frankreichs als

Staatspräsident und Kaiser mit eiserner

Hand, liberalem Geist und sozialem Herzen

gelenkt hatte. Was für eine Rolle hat aber das

thurgauische Schloss Arenenberg im Leben

des Prinzen und späteren Kaisers gespielt?

Louis Napoleon ist der jüngste Sohn von

Königin Hortense de Beauharnais und von

Louis Bonaparte, König von Holland und

Bruder des grossen Kaisers Napoleon I. Hortense

wiederum war die Tochter der Kaiserin

Joséphine, der ersten Frau von Napoleon

Bonaparte. Die Königin Hortense und Mutter

von Napoleon III. war also die Stieftochter

und Schwägerin von Kaiser Napoleon,

und dieser war der Grossvater und Onkel seines

Neffen Louis Napoleon.

Asyl auf dem Arenenberg

Schon mit sieben Jahren lernte der junge

Prinz unser Land kennen: Nach der Niederlage

von Napoleon Bonaparte bei Waterloo

1815 und seinem Sturz

als Kaiser wurden Hortense

und die ganze Familie

Bonaparte aus

Frankreich vertrieben.

Am Ende einer abenteuerlichen

Flucht erreichten

die erschöpfte

Königin und ihr jüngster

Sohn im Dezember

1815 das deutsche Konstanz

am Bodensee.

Weil die prominenten

Gäste auch dort nicht

bleiben durften, suchten

und fanden sie ein

Asyl auf dem Arenenberg.

«Die Regierung

des Schweizer Kantons Thurgau erlaubte

mir, das Schloss zu kaufen. Sie hat dadurch

das Verdienst erworben, mich zur Ruhe kommen

zu lassen», schrieb Hortense später.

Die Thurgauer Behörden setzten sich tapfer

gegen die Bedenken der eidgenössischen

Tagsatzung durch und verliehen der Königin

das Recht auf Niederlassung. Und so begann

im Jahr 1817 auf dem Hügel mit der schönen

Aussicht auf den See, die Insel Reichenau

und Konstanz in der Ferne eine neue Zeitrechnung:

Arenenberg und sein Schloss wurden

zum Mittelpunkt eines politischen und

gesellschaftlichen Lebens der berühmten

Napoleon-Familie. Ein Hauch von Monarchie

und Weltgeschichte umwehte den republikanischen

Thurgau. Von 1823 an lebten

Königin Hortense und Prinz Louis Napoleon

im Sommer ständig auf Arenenberg.

Der herrschaftliche Sitz über dem Bodensee,

der hier Untersee heisst, war im 16. Jahrhundert

als Schloss gebaut worden. Nach ihrer

Ankunft auf Arenenberg liess Hortense

das Anwesen im Stil eines französischen

Landhauses samt einer neugotischen Kapelle

umbauen. Das Innere stattete sie mit Tapeten,

Möbeln, Figuren und Bildern ganz in Erinnerung

an Kaiser Napoleon I. aus, den sie

verehrte und bewunderte. Bis zu ihrem Tod

1837 empfing die frühere Königin, die sich

nun Herzogin nannte, in ihrem Sommersitz

viele Gäste von europäischem Rang aus der

Welt der Literatur, der Musik, der Kunst, der

Politik und des europäischen Hochadels.

«Arenenberg war zur Insel französischer Kultur

im biedermeierlichen Bodenseegebiet geworden»,

steht im Historischen Lexikon der

Schweiz. Im Volk war die «Frau Herzogin»

beliebt, weil sie viel Gutes für die Armen

tat.

«Der nächste Kaiser»

Alle Besucher auf dem Arenenberg wussten:

Hier wächst im Schosse seiner Mutter der

nächste Kaiser der Franzosen heran. Denn

die erste Ehe von Napoleon Bonaparte mit

Kaiserin Joséphine war kinderlos geblieben.

Und so bestimmte Napoleon I. die zukünftigen

Kinder von Hortense für die Nachfolge

auf seinem Thron. Nach dem frühen Tod des

einzigen legitimen Sohnes Napoleons I. aus

seiner zweiten Ehe mit der österreichischen

Kaisertochter Marie-Louise stand der Prinz

Louis Napoleon in der Reihenfolge an erster

Stelle. «Dem jüngsten Sohn von Hortense

sollte es beschieden sein, im zweiten französischen

Kaiserreich als Napoleon III. der verstossenen

Dynastie nochmals zu Macht und

Glanz zu verhelfen», steht in einer Schrift

des Napoleonmuseums.

«Aufgewachsen im Glorienschein des ersten

Empire, hatte ihn sein Onkel, der Kaiser

Napoleon Bonaparte, noch auf den Knien geschaukelt

und ihm eine grosse Zukunft vorausgesagt»,

heisst es in der gleichen Schrift.

Und: «Seine Mutter Hortense hatte es nie

versäumt, in ihm die Vergangenheit des Kaiserreichs

wach zu halten.» In seiner Zeit auf

Arenenberg waren alle Zimmer seiner Dépendence

nach Westen ausgerichtet – dorthin

also, wo Paris liegt. Kaiser Napoleon I. war übrigens

nie auf dem Arenenberg gewesen.

Abenteuer und Amouren

Prinz Louis Napoleon hatte seine Erstkommunion

im Kloster Einsiedeln erhalten, dem

er ein Leben lang verbunden blieb. Vom

zwanzigjährigen Prinzen hiess es: «Er trieb

sich gerne mit den gleichaltrigen Jungen der

Umgebung herum und verdrehte mancher

schönen Dame den Kopf.» Angeblich sprach

er den Thurgauer Dialekt besser als seine

französische Muttersprache. Er half mit, den

Thurgauischen Schützenverein zu gründen

und wirkte bei der Veranstaltung der ersten

kantonalen Schützenfeste massgeblich mit.

1832 trug ihm die Gemeinde Salenstein, wo


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

der Arenenberg liegt, das Ehrenbürgerrecht

an, das er gerne annahm. Als der thurgauische

Grosse Rat es bestätigte, wurde der Prinz ein

Bürger der Eidgenossenschaft. «Ich lebe in

einem freien Land», sagte er stolz in seiner

Dankesrede.

Weil er in seinem Vaterland keine militärische

Ausbildung haben konnte, besuchte er

die Militärschule von Oberst Dufour in

Thun. Dort nahm er als Freiwilliger an den

militärischen Übungen teil, schlief wie alle

anderen im Stroh und fror (wie er in Briefen

schilderte). Der junge Offizier gewann die

Gunst des späteren Generals Henri Dufour

und blieb ihm bis an sein Lebensende verbunden.

Von 1834 an leistete der Prinz regelmässig

Militärdienst und verfasste sogar ein

«Handbuch zum Gebrauch der Artillerie».

Der Kanton Bern schätzte ihn derart, dass er

ihn zum Hauptmann seiner Artillerie ernannte.

Der Prinz als Revolutionär

Nach der Juli-Revolution von 1830 in Frankreich

mit dem Sturz der Bourbonen und der

erneuten Machtergreifung des Bürgertums

erwachte im Prinzen die politische Leidenschaft.

Er verfasste Schriften wie «Politische

und militärische Betrachtungen über die

Schweiz». Arenenberg wurde gar zum Treffpunkt

junger Revolutionäre. Der Prinz

schloss sich dem Aufstand der patriotischen

Carbonari in Italien an. Nach zwei missglückten

Putschversuchen in Frankreich verlangte

Paris seine Ausweisung aus der Eidgenossenschaft.

Doch die Mehrheit der

Tagsatzung widersetzte sich und berief sich

auf das thurgauische Bürgerrecht des Prinzen.

Als der Konflikt der beiden Nachbarländer

sich bis zu Truppenaufgeboten zuspitzte,

verliess der Prinz die Schweiz auf den Rat

von Freunden.

Doch sein revolutionärer Drang war damit

nicht beruhigt. Von England aus versuchte

er 1840 mit einem Staatsstreich an

die Macht zu kommen. Das Vorhaben scheiterte,

und der Prinz wurde zu lebenslanger

Festungshaft verurteilt. Es wurden seine

«Universitätsjahre», in denen er seine politische

Zukunft vorbereitete. Nach fünf Jahren

Haft gelang ihm die Flucht nach England.

Kaiser der Franzosen

Mit der bürgerlich-demokratischen Februar-

Revolution von 1848 kam Louis Napoleon

dem Ziel seiner Träume nahe. Zuerst wurde

er ins Parlament gewählt und am 10. Dezem-

ber 1848 zum Staatspräsidenten der Zweiten

französischen Republik erkoren. Mit

dem Staatsstreich von 1851 verlängerte er die

Präsidentschaft und liess sich ein Jahr später

zum Kaiser Napoleon III. erklären. In den

zwei Jahrzehnten seiner Herrschaft wurde

Frankreich zur führenden Macht in Europa.

Der Pariser Hof war unter der schönen Kai-

Traumhafte Lage: das Schloss Arenenberg.

serin Eugénie der Inbegriff der Eleganz. In

jener Zeit kam es zum Durchstich der Meerenge

von Suez. Die Weltausstellungen von

1855 und 1867 richteten alle Blicke nach Paris.

«Napoleon III. hat Frankreich in die Moderne

geführt», sagt Kuratorin Christina Egli

vom Napoleonmuseum.

In der Zeit seiner grössten Machtfülle

hatte Napoleon III. den Arenenberg nicht

vergessen. Dort war es nach dem Tod von

Königin Hortense 1837 und dem erzwungenen

Weggang ihres Sohnes ruhig geworden.

Doch im Sommer 1865 herrschte grosse

Freude am Untersee – der Kaiser der Franzosen

und seine Gemahlin Eugénie weilten

vom 17. bis 21. August auf Schloss Arenenberg.

Mehr als ein Vierteljahrhundert zuvor

hatte der Prinz die Gegend als Flüchtling

verlassen müssen. Der Salensteiner Männerchor

brachte seinem früheren Mitbürger ein

Ständchen. Der Kaiser freute sich, «den Ort

NAPOLEONMUSEUM

Das 1906 gegründete Napoleonmuseum

im Schloss Arenenberg

gibt einen guten

Einblick in die napoleonische

Geschichte und das damalige

gesellschaftliche Leben. Das

Museum ist mit vielen Origi-

nalmöbeln und Gegenständen

aus der Zeit der Königin

Hortense ausgestattet. Neben

den wertvollen Sammlungen

unterhält das Haus eine Forschungsbibliothek.

Für den

200. Geburtstag Napoleons

der glücklichen Jugendzeit» wiederzusehen.

Mit einem grossen Feuerwerk wurde die

Rückkehr des Ehrenbürgers gefeiert – der

Kaiser füllte seinen Gästen mit eigener Hand

die Champagnerkelche.

In der Folge wird Napoleon III. nie mehr

nach Arenenberg zurückkehren. Nach Frankreichs

Niederlage in der Schlacht von Sedan

im September 1870 im Deutsch-Französischen

Krieg und seiner Kapitulation schien

zwar für den Arenenberg eine neue Epoche

zu beginnen. Doch der baldige Tod des Monarchen

am 9. Januar 1873 in England wollte

es anders. Auf dem Arenenberg blieben die

Kaiserin Eugénie und der junge Sohn Prinz

Louis Napoleon. Das nochmals erweiterte

Schloss wurde nun zum Mittelpunkt all jener,

die auf eine napoleonische Restauration

hofften. Der tragische Tod des Prinzen 1879

in Südafrika im Dienst der britischen Kolonialarmee

machte diesen Plan zunichte.

Die Kaiserin besuchte den Arenenberg immer

seltener und vermachte das ganze Besitztum

im Jahr 1906 dem Kanton Thurgau

– als Dank ihrer Familie für die Gastfreundschaft

in schwierigen Zeiten. Im Napoleonmuseum

steht die kostbare Empireuhr, welche

die dankbare Königin dem Kanton

geschenkt hatte.

III. wird eine historische Ausstellung

im Napoleonmuseum

und in den Städtischen

Museen Konstanz vorbereitet

(20. April bis 19. Oktober

2008).

www.napoleonmuseum.tg.ch

15


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

16 A U S L A N D S C H W E I Z E R - O R G A N I S A T I O N

Auslandschweizer-Kongress

vom 22. bis 24. August 2008

in Freiburg

Schweiz

ohne Grenzen?

Vom 22. bis 24. August führt

die ASO ihren 86. Auslandschweizer-Kongress

durch.

Angesagt sind viele spannende

Erlebnisse im traumhaften

Freiburgerland.

Der Schweizer Beitritt zum

Schengenraum bewegt die

Fünfte Schweiz. Was wird aus

der Schweiz, wenn sich ihre

Grenzen auflösen, beziehungsweise

dort die Personenkontrollen

wegfallen? Was, wenn

sie sich von Europa isolieren

sollte? Die definitive Einführung

der Personenfreizügigkeit

unterliegt nämlich dem fakultativen

Referendum. Die rund

650 000 im Ausland residierenden

Schweizer sehen gebannt

auf die Entwicklungen in ihrer

Heimat. Grenzübergänge,

Fremdsein, Stellensuche als

Ausländer; all dies sind Themen,

die sie aus eigener Erfahrung

kennen. Die Zukunft ihrer

Heimat berührt sie, ob sie

nun selber im Schengenraum

leben oder ausserhalb. Am

diesjährigen Kongress werden

Fachleute über Hintergründe

des Schengener Abkommens

und der Personenfreizügigkeit

debattieren, Auslandschweizer

werden ihre Erfahrungen einbringen

und offene Fragen an

Workshops vertiefen.

Der Migrationshintergrund

des Kantons Freiburg macht

den Tagungsort des diesjährigen

Kongresses zusätzlich interessant:

Im Jahr 1818 reisten

gut 300 Familien aus dem damals

hungernden Kanton, um

in Brasilien eine neue Heimat

aufzubauen. Im Bundesstaat

Rio de Janeiro gründeten sie

die heute 180 000 Einwohner

zählende Stadt Nova Friburgo.

Auch darüber werden die Kongressteilnehmer

Interessantes

erfahren.

Programm

Der 86. Auslandschweizer-

Kongress bietet viel für Hirn,

Herz und Gaumen.

Prominente Redner leuchten

in Kurzreferaten und Streitgesprächen

Chancen und Gefahren

von Schengen und des

freien Personenverkehrs aus.

In Workshops können die

Kongressteilnehmer beispielsweise

konkret erfahren, wie

das Schengener Informationssystem

funktioniert.

Zwischen den Programmpunkten

können die Besucherinnen

und Besucher eine Bilderausstellung

von Kindern der

86. AUSLANDSCHWEIZER-KONGRESS, 22. BIS 24. AUGUST 2008

Bitte schicken Sie mir die Unterlagen zum 86. Auslandschweizer-Kongress in Freiburg

(bitte in Blockschrift ausfüllen).

Name: Vorname:

Strasse/Nr.:

PLZ/Ort:

Land:

Telefon: Fax:

E-Mail:

Bitte den ausgefüllten Talon vor dem 30. Mai 2008 zurücksenden an: Auslandschweizer-Organisation,

Kongress, Alpenstrasse 26, CH – 3006 Bern. Aus organisatorischen

Gründen läuft die Anmeldefrist für den Kongress Ende Juni ab. Das Anmeldeformular

finden Sie in den Kongressunterlagen, die Sie mit dem oben stehenden Talon

bestellen können. Die Bestellung der Kongressunterlagen ist auch elektronisch möglich:

communication@aso.ch. Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Postadresse anzugeben.

Danke!

Schweizer Schule in Santiago

de Chile und einer Primarschule

von Neuenegg (Kanton

Bern) bestaunen. Die Mädchen

und Buben zeigen, auf welche

Art sie sich der Kongressthematik

nähern. Eine spannende

Fotoausstellung über Nova Friburgo

wird ebenfalls das Interesse

der Teilnehmer wecken.

Umrahmt wird die Plenarversammlung

von Geselligkeit.

Denn es bleibt genug Zeit,

auch an der feierlichen Kongresseröffnung

vom Freitagabend

sowie während der Ausflüge

vom Sonntag, bei feinster

Schweizer Küche das Beisammensein

zu geniesssen.

Freu dich auf die

Sommerzeit

in der Schweiz

Ferien in der Schweiz, Naturerlebnisse,

Unterhaltung,

Abenteuer und Spass bietet dir

die Auslandschweizer-Organisation

diesen Sommer in den

Ferienlagern auf den Flumserbergen.

Interessante und lehrreiche

Bildungsferien stellt

dir die ASO auf deinen Wunsch

zusammen. Und während der

Euro 08 sind wir hautnah

dabei. Auch du findest etwas

Passendes im Angebot.

Rund 160 Jugendliche erwartet

die ASO diesen Sommer in den

grossen Sommerlagern auf den

Flumserbergen. Teilnehmer aus

über 30 Nationen geniessen das

spektakuläre Bergpanorama

der Churfirsten. Die ASO bietet

dir die Möglichkeit, neue

Outdooraktivitäten zu entde-

Inserat

cken oder dich in einer deiner

Lieblingssportarten zu verbessern.

Du kannst dich in Workshops,

in gestalterischen Tätigkeiten,

im elektronischen oder

im musikalischen Bereich betätigen.

Viele Freundschaften erwarten

dich im Bergsommer

2008. Die Daten:

Flumserberg I : 13. 7.–25. 7. 2008

Flumserberg II: 27. 7.–8. 8. 2008

Workshop zur Fussball-

Europameisterschaft 2008

Auch die jungen Auslandschweizer

packt diesen Sommer

das Fussballfieber. Die

ASO bietet dir im Juni 2008

eine Woche an, in der du hautnah

am grossen Event EM

2008 dabei bist. Besuche der

EM-Städte in der Schweiz,

Besichtigung der Stadien, Besuche

bei den Hauptsitzen der

FIFA oder der UEFA sowie

beim Schweizerischen Fussballverband

stehen auf dem Programm.

Wir schauen hinter die

Kulissen der Medienberichterstattung

und feiern mit Gästen

aus ganz Europa in den Fanmeilen

ein grosses Fussballfest.

Eine Sprache lernen –

leicht gemacht

Das Angebot des Jugenddienstes

erschöpft sich damit keineswegs.

In den zweiwöchigen

Sprachkursen können Auslandschweizer

Deutsch oder Französisch

lernen. Unsere aufgeschlossenen

Gastfamilien

erwarten dich und lassen dich

teilhaben am schweizerischen

Alltag. Wir beraten dich in

Ausbildungsfragen und

schliesslich darf die Jugend am

Auslandschweizer-Kongress

in Freiburg nicht fehlen. Das


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Seminar zum Kongress trägt

den Titel «Schweiz ohne

Grenzen?» und befasst sich

mit dem Verhältnis der

Schweiz zu seinem grossen

Nachbar, der Europäischen

Union.

Jugenddienst

Telefon +41 31 356 61 00

youth@aso.ch

www.aso.ch

Ausbildung

in der Schweiz

Kehren junge Auslandschweizerinnen

und Auslandschweizer

zu Ausbildungszwecken in die

Schweiz zurück, so stehen sie

oft vor besonderen Problemen.

Dies betrifft zum Beispiel die

Einschulung in die obligatorische

Schule, die Aufnahme

Inserate

einer Lehre oder die Zulassung

zu einer Hochschule. Der «Verein

zur Förderung der Ausbildung

junger Auslandschweizerinnen

und Auslandschweizer»

(AJAS) kann die Jugendlichen

bei ihren ersten Schritten in

der Schweiz beraten und unterstützen.

Der Verein informiert

über die Ausbildungsmöglichkeiten

in der Schweiz,

Praktika, Lehrstellensuche,

Hochschulstudien, Unterkunftsmöglichkeiten,Studienfinanzierung

usw. Bei Bedarf

verweist er die Anfragenden an

die zuständigen Stellen weiter.

Zahlreiche Informationen und

Merkblätter sind auf der Website

von AJAS, www.ajas.ch,

abrufbar.

AJAS berät die Jugendlichen

auch in Fragen der Studienfinanzierung.

Junge Auslandschweizerinnen

und Ausland-

schweizer, deren Eltern eine

Ausbildung in der Schweiz

nicht oder nur teilweise finanzieren

können, haben die

Möglichkeit, bei ihrem Heimatkanton

ein Stipendiengesuch

einzureichen. AJAS nimmt

gegebenenfalls mit der zuständigen

Behörde Kontakt auf und

agiert als Vermittler. Deckt

das kantonale Stipendium die

Lebens- und Ausbildungs-

kosten nicht, so kann bei AJAS

ein Antrag für ein Zusatzstipendium

oder Darlehen

gestellt werden.

Bei weiteren Fragen zu

Ausbildungsmöglichkeiten in

der Schweiz stehen wir Ihnen

gerne zur Verfügung:

AJAS

Telefon +41 31 356 61 04

ajas@aso.ch

www.ajas.ch

AUSLANDSCHWEIZER-ORGANISATION

Unsere Dienstleistungen:

■ Rechtsdienst

■ Jugenddienst

■ AJAS

Der Verein zur Förderung der Ausbildung junger Auslandschweizer

■ KSA

Das Komitee für Schweizer Schulen im Ausland

■ SJAS

Die Stiftung für junge Auslandschweizer

ASO, Auslandschweizer-Organisation, Alpenstrasse 26, CH-3006 Bern,

Telefon +41 31 356 61 00, Fax +41 31 356 61 01, www.aso.ch

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SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

Foto: Keystone

C E R V E L A T I N G E F A H R

Es gilt, die Haut des Cervelats zu retten. Der Cervelat in

seiner heutigen Form droht von der Bildfläche zu verschwinden,

weil es an brasilianischen Rinderdärmen für die Wursthüllen

fehlt. Nun werden die Schweizer Fleischfachleute aktiv und

suchen mit Politikern nach Alternativen. Von Alain Wey

Die Tage der beliebtesten Wurst der Schweizer

sind gezählt. Alles begann mit dem Importstopp

für die brasilianischen Rinderdärme, die

bisher in der Cervelatproduktion verwendet

wurden. Die Schweiz schloss sich dem von der

Europäischen Union per 1. April 2006 eingeführten

Importverbot an, und nun gehen die

Darmvorräte zur Neige und die Euro 08 muss

vielleicht ohne Cervelats auskommen. Der

Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) wollte

nicht untätig zuschauen. Unterstützt vom

Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) bildete

er eine Task-Force, die den Auftrag hat,

neue Versorgungsquellen ausfindig zu machen.

Parallel dazu wurde beim Parlament eine Interpellation

mit der Aufforderung eingereicht,

eine politische Lösung zwischen Bern, Brüssel

und Brasilien anzustreben.

Wie es dazu kam

Für den Laien ist es zumindest erstaunlich,

dass bei der Cervelatherstellung die Haut

eine so grosse Rolle spielen soll; dennoch ist

das so, denn die Haut weist Eigenschaften

auf, die über die Grösse, die Krümmung, die

Schälbarkeit und die Grilltauglichkeit bestimmen.

Zudem eignen sich nicht alle Rinderdärme

für den Cervelat: Die Schweizer

Därme haben beispielsweise einen zu grossen

Durchmesser und werden seit der BSE-

Krise ohnehin alle vernichtet. Die Lieferungen

aus Brasilien begannen sich genau zu

dem Zeitpunkt durchzusetzen, als vor zwanzig

Jahren in Europa die Massnahmen gegen

BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie)

eingeführt wurden. Warum wurden denn die

Importe des berühmten brasilianischen Rinderdarms

jetzt untersagt? Die Europäische

Union und Bern haben Brasilien in die Kategorie

der Länder «mit kontrolliertem BSE-

Risiko» eingestuft, zu der auch die Schweiz

gehört. Allerdings wurde in Brasilien bisher

noch kein einziger BSE-Fall verzeichnet.

Laut Balz Horber, dem Direktor des SFF,

habe Brasilien in den Neunzigerjahren Rinder

aus Europa eingeführt und das sei der

einzige Grund für den Kategorienwechsel.

Da der Cervelat für die Schweizer Fleischwirtschaft

von grosser Bedeutung ist, konnte

der SFF diese Situation keinesfalls auf sich

beruhen lassen und abwarten. Seine

Hauptstrategie: Ersatzdärme finden oder

versuchen, Bern und Brüssel hinsichtlich des

Importverbots zum Umdenken zu bewegen.

Der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker

(FDP), Präsident des SFF, wurde aktiv: «Wir

werden in Brüssel für unseren Cervelat

kämpfen müssen.» Im Dezember 2007

reichte er beim Parlament eine Interpellation

mit dem Titel «Wursthüllen aus Rinderdärmen»

ein. Er will erreichen, dass der

Bundesrat bei der Europäischen Union interveniert,

damit diese der Schweiz ein

«Importfenster» für brasilianische Rinderdärme

einräumt. Zusätzlich zu diesen langwierigen

politischen Vorstössen wurde die

Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-

Posieux (ALP) damit beauftragt, mögliche

Alternativen zum brasilianischen Rinderdarm

zu testen.

Der politische Weg

Es werden zwei Ansätze geprüft, um von

Brüssel ein «Importfenster » bewilligt zu bekommen.

Erstens soll die Tatsache genutzt

werden, dass nur ein Teil des brasilianischen

Darms ein BSE-Risiko birgt. «Dies ist zwar

der längere Weg, er gewährleistet aber das

bessere Ergebnis», erklärt Cathy Maret,

Pressesprecherin des Bundesamts für Veterinärwesen

(BVET). «BSE betrifft nämlich nur

einen kleinen Teil des Rinderdarms, das Ileum.

DER CERVELAT: ZAHLEN UND GESCHICHTE

■ Produktion: Rund 160 Millionen Cervelats

pro Jahr, das sind beinahe 25 000 Tonnen.

Sie ermöglichen die Vermarktung von rund

120 000 Kühen und etwa 360 000 Schweinen,

zu fast 90 Prozent aus schweizerischer Herkunft.

Die Cervelats machen rund 30 Prozent

der gesamten Wurstwarenproduktion des

Landes aus. Pro Person und Jahr werden

hierzulande 25 Stück konsumiert. Den

Cervelat, wie man ihn heute in der Schweiz

isst, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.

Erst zu dieser Zeit verfügte man über die

Maschinen, die das Fleisch zu Brät verkleinern

konnten. Zur Nationalwurst wurde er

Deshalb setzen wir nun direkt bei der Festlegung

dessen, was als Risikomaterial gilt, an

und versuchen, die Europäische Union davon

zu überzeugen, dass die Därme importiert

werden könnten, wenn das Ileum zuvor entfernt

wird. Aber es ist nicht damit zu rechnen,

dass wir vor 2009 etwas erreichen können.»

Notlösungen für den Cervelat

Die Forschungsanstalt ALP testete zwölf alternative

Wursthüllen und beurteilte diese

nach den Kriterien Geschmack, Form, Farbe,

Abweichung von der Standardgrösse (12 cm

lang, 3,8 cm Durchmesser), Schälbarkeit und

Grilltauglichkeit. Schliesslich blieben drei Varianten

übrig: Rinderdärme aus Uruguay,

Schweinedärme und Kollagendärme. «Sie

weisen aber alle mindestens einen Nachteil

auf», gibt Rolf Büttiker zu. Uruguay kann

möglicherweise den Schweizer Bedarf gar

nicht decken. Beim Schweinedarm variiert

die Dicke der Cervelats beträchtlich, weshalb

sich diese Lösung nicht für die industrielle

Herstellung eignet. Zudem lässt sich die

Wurst schlechter schälen und platzt auf dem

Grill sehr rasch. Der Cervelat in der Kollagenhülle

lässt sich nicht schälen. Die Journalistinnen

und Journalisten, die im Januar bei

einer Pressekonferenz in Zürich anwesend

waren, brachten diesen «Notlösungen» bestenfalls

gemischte Gefühle entgegen. Während

viele darin übereinstimmten, beim Cervelatsalat

keinen Unterschied festzustellen,

änderte sich diese Beurteilung bei den «gebrätelten»

Würsten. So soll zum Beispiel die

Wursthaut aus Schweinedarm nach dem Grillieren

unangenehm verbrannt schmecken.

Die Vorräte an brasilianischen Därmen reichen

nur noch für Monate. Die «Task-Force

Cervelat» muss sich nun in Geduld üben und

auf die Ergebnisse ihrer Vorstösse warten.

am 1. August 1891 befördert, und bei der

Weltausstellung in Paris 1900 repräsentierte

er zusammen mit der Schokolade und dem

Emmentaler die Schweiz.


SCHWEIZER REVUE April 2008 / Nr. 2

I N K Ü R Z E

■ Ein Einbruch wie in einem

Hollywood-Klassiker? Aus der

Sammlung Emil Georg Bührle

in Zürich wurden vier Bilder

von Paul Cézanne, Edgar

Degas, Claude Monet und

Vincent van Gogh gestohlen.

Bei einem Beutewert von

180 Millionen Franken spricht

die Polizei von einem der

grössten Kunstraube in

Europa. Vier Tage zuvor wurden

in Pfäffikon (SZ) bereits

zwei Picassos mit einem geschätzten

Wert von 4,8 Millionen

Franken gestohlen.

■ Der Winter 2006–2007, der

wärmste seit mehr als einem

Jahrhundert, beschleunigte den

Gletscherschwund in der

Schweiz. Gemäss der Akade-

«Wir haben ein Problem,

das sich gegenwärtig

verschlimmert:

Immer mehr Kinder

und Jugendliche leiden

unter Übergewicht,

motorischen Defiziten

sowie Koordinationsproblemen.»

MATTHIAS REMUND, DIREK TOR

DES BUNDESAMTES FÜR SPORT, ZUR

KAMPAGNE «GESUNDES KÖRPER-

GEWICHT».

mie der Naturwissenschaften

in Bern haben 88 von 91 ausgemessenen

Gletschern 2007 an

Länge verloren. In Graubünden

verzeichnete der Vadret da

Roseg innerhalb eines Jahres einen

Schwund von 127 Metern,

während sich der Gauligletscher

in den Berner Alpen um

100 Meter zurückzog.

■ Im vergangenen Jahr wurden

40 Prozent der 38 000 jungen

Dienstpflichtigen in der

Schweiz als dienstuntauglich

erklärt.

■ Laut dem vom Bundesamt

für Statistik veröffentlichten

Bericht zur Gleichstellung von

Frau und Mann im internatio-

nalen Vergleich gehört die

Schweiz hinter Dänemark,

Norwegen und Island zu den

Ländern Europas, die eine

hohe Beteiligung der Frauen

am Erwerbsleben ausweisen.

2005 arbeiteten in der Schweiz

59 Prozent der Frauen, während

es 1990 erst 49 Prozent

waren. Eine bemerkenswerte

Zunahme, die zu einem guten

Teil auf den hohen Anteil an

Teilzeitbeschäftigung zurückgeht,

denn 58 Prozent der

Frauen arbeiten Teilzeit, das

ist die zweithöchste Rate in

Europa.

■ Seit dem 1. Januar 2008, wird

in der Armee in der Regel mit

geladener Waffe Wache geschoben.

Dieser von Verteidigungsminister

Samuel Schmid

gefällte Entscheid sorgte für

so viel Aufsehen, dass der neue

Armeechef Roland Nef beschwichtigen

musste: Er versicherte,

dass innerhalb von Ortschaften

nicht mit scharfer

Munition bewacht würde.

■ Die Fernsehzuschauerinnen

und –zuschauer der drei nationalen

Senderketten wählten

anlässlich der sechsten Ausgabe

des «Swiss Award» den Schwingerkönig

Jörg Abderhalden

zum Schweizer des Jahres

2007. Er tritt die Nachfolge

von Köbi Kuhn an. Zudem

wurden in fünf verschiedenen

Sparten die «Swiss Awards»

vergeben. In der Kategorie

Wirtschaft wurde Daniel

Borel, der Mitbegründer von

Logitech (Informatikzubehör),

ausgezeichnet. Der «Swiss

Award» in der Sparte Politik

ging an Carla Del Ponte, ehemalige

Chefanklägerin am Internationalen

Strafgerichtshof

in Den Haag.

■ Die Europäische Union hat

dem Abkommen zugestimmt,

das zur Aufhebung der systematischen

Grenzkontrollen

auch an den Schweizer Grenzen

führt. Die Schweiz ratifizierte

das betreffende Abkom-

men bereits im Frühling 2006

und muss nun die rechtliche

Anpassung der kantonalen Gesetze

in die Hand nehmen und

praktische Massnahmen in den

Flughäfen umsetzen, damit

diese den neuen Normen genü-

gen. Zum Abkommen gehört

auch eine gemeinsame Visa-

Politik und eine Polizeidatenbank,

das Schengener Informationssystem

SIS. Der Bundes-

rat strebt einen Beitritt zum

Schengen-Raum auf den

1. November 2008 an.

■ Ein Mysterium: Der Bedarf

an Schweizer Geld ist plötzlich

angestiegen. Die Swissmint, die

für das Prägen der Schweizer

Münzen zuständig ist, verdrei-

fachte 2007 ihre Produktion

von 32 Millionen Stück auf

90 Millionen. Bis 2010 sollen

jährlich rund 80 Millionen

Münzen geprägt werden.

■ Die UBS gibt den ersten Jahresverlust

in ihrer Geschichte

«Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Einzig

olympisches Gold könnte diesen Sieg noch toppen.»

DIDIER CUCHE, DIESJÄHRIGER SIEGER DER PRESTIGETRÄCHTIGSTEN ABFAHRT

DER WELT, DER LEGENDÄREN «STREIF» IM ÖSTERREICHISCHEN KITZBÜHEL.

Inserat

bekannt. Das Defizit beträgt

4,4 Milliarden Schweizer Franken.

Diesen Misserfolg bekommt

auch der Fiskus zu spüren:

Der Bund rechnet mit

Steuerausfällen von über einer

Milliarde Schweizer Franken.

Die Crédit Suisse hingegen erwirtschaftete

2007 trotz Subprimekrise

einen Rekordgewinn

von 8,55 Milliarden

Franken, das sind 3 Prozent

mehr als im Vorjahr. AL AIN WEY

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