Herausforderung Demographischer Wandel - Kuratorium der ...

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Herausforderung Demographischer Wandel - Kuratorium der ...

Flexible Ausbildungsdauer – Mehr Chancen für Betriebe und Bewerber

Argumente gegen 2-jährige Berufe

• Die generelle Verkürzung der Ausbildung auf zwei Jahre

im Rahmen einer Anpassung an europäische Standards

verschlechtert die Qualität der Mitarbeiter. Die Güte in der

internationalen Konkurrenz liegt nicht zuletzt in den gut

ausgebildeten Fachkräften.

• Bei 3- bzw. 3,5-jähriger Ausbildungszeit können die Auszubildenden

insbesondere in der letzten Ausbildungsphase

bereits selbstständig mitarbeiten und umfassende Berufserfahrung

gewinnen.

• Das Modell aus Sachsen, in zwei Jahren zum Mechatroniker

auszubilden, kann nicht verallgemeinert werden, da

nur gute Absolventen (Realschüler und Gymnasiasten)

dazu in der Lage sind und diese Verkürzung kein Angebot

für schwächere Schüler darstellt. Insofern ist die Frage, ob

Ausbildung nicht generell auf zwei Jahre zu verkürzen sei,

mit nein zu beantworten.

Manfred Laux

Der Maschinen- und Anlagenführer

Erfahrungen bei AUDI

In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl neuer Berufe

entstanden, die neben der Befriedigung der Nachfrage der

verschiedenen Wirtschaftszweige vor allem auch dem Ziel

Rechnung tragen sollte, mehr Lehrstellen zu schaffen. Dieses

Ziel wurde branchenabhängig in unterschiedlichem Umfang

erreicht. Als ein Grund wird immer wieder genannt, dass das

Potenzial der Bewerber für die Anforderungen der in der Regel

3 bis 3,5 Jahre dauernden Berufsausbildungen unzureichend

ist. Vorhandene 2-jährige Ausbildungsgänge wie der

„Teilezurichter“ entsprechen jedoch nicht mehr den Anforderungen

der modernen Wirtschaft. Aus diesem Grunde wurde

2004 u. a. das Berufsbild des Maschinen- und Anlagenführers

durch das Bundeswirtschaftsministerium verordnet, das hier

Abhilfe schaffen soll (vgl. Abb. 1). Daneben bietet dieses Berufsbild

aber eine Reihe weiterer Chancen.

Einstieg auch für Leistungsschwächere

Mit seinem hohen Maß an prozessorientierter Ausbildung,

d. h. einem „Lernen im Problem“ statt eines „Lernens auf

Vorrat“, bietet das Berufsbild des Maschinen- und Anlagenführers

die Möglichkeit zum Einstieg in den Arbeitsmarkt auch

für leistungsschwächere Jugendliche. Sie sollen Gelegenheit

erhalten, in der betrieblichen Wirklichkeit zu zeigen, welche

Leistungsfähigkeit sie besitzen. Durch entsprechenden Einsatz

während der ersten beiden Jahre können sie sich für

eine Weiterqualifi zierung in einem 3 oder 3,5-jährigen Ausbildungsgang

empfehlen, auf die die Ausbildung zum Maschinen-

und Anlagenführer angerechnet werden kann. Gleichzeitig

haben die Auszubildenden die Chance, nach zwei Jahren

einen arbeitsmarktfähigen Abschluss zu erlangen. Umgekehrt

lernen die Betriebe die Auszubildenden kennen, ohne sich

gleich drei oder dreieinhalb Jahre mit entsprechend höheren

Risiken zu binden.

Lebensbegleitendes Lernen als Programm

Der Ausbildungsgang beinhaltet eine solide Grundbildung,

die als Basis für einen technischen Einsatz in einem Industriebetrieb

sowie als Grundlage für die meisten betrieblichen

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Einführung ins Berufsbild MAF (Abb. 1)

Ausbildungsstruktur

Maschinen- und Anlagenführer

2. Ausbildungsjahr

Fachbildung

1. Ausbildungsjahr

Grundbildung

Fertigungsmechaniker Fachkraft für

Industriemechaniker Lebensmitteltechnik

Werkzeugmechaniker FK f. Fruchtsafttechnik

Zerspanungsmechaniker Molkereifachmann

VM Kunststofftechnik Brauer und Mälzer

Schwerpunkt

Metalltechnik /

Kunststofftechnik

Schwerpunkt

Lebensmittel

technik

Textilmechaniker Textilveredler Buchbinder

Verpackungsmittelmechaniker

Schwerpunkt

Textiltechnik

Schwerpunkt

Textilveredlung

Sowohl gleichlautende als auch unterschiedliche Ausbildungsinhalte

Gleichlautende Ausbildungsinhalte

Schwerpunkt

DruckweiterundPapierverarbeitung

Spezialisierungen ohnehin erforderlich ist. Das führt zu einem

weiteren Aspekt der berufl ichen Bildung, der mit dem Ausbildungsgang

des Maschinen- und Anlagenführers neu betrachtet

werden kann: „Auslernen“ in einem bestimmten Berufsbild

fi ndet zukünftig nicht mehr statt. Die Bereitschaft, immer Neues

dazuzulernen in Kombination mit dem daraus entstehenden

Erfahrungswissen über das Herangehen an neue Problemstellungen

wird für eine vollständige berufl iche Handlungsfähigkeit

essentiell sein. Ein Einstieg mit einem Berufsbild, das

zunächst viele Wege offen lässt, wirkt so von vorneherein

dem falschen Eindruck entgegen, nach drei oder dreieinhalb

Jahren Ausbildung wäre der Berufsabschluss erreicht.

Flexibilität bei der Verfügbarkeit von Fachkräften

Wenn heute eine Entscheidung zur Erhöhung von Ausbildungszahlen

getroffen wird, muss damit auch gleichzeitig über

den Bedarf eines Unternehmens an bestimmten Fachkräften

in fünf Jahren entschieden werden – und das bei sich schnell

ändernden fachlichen Anforderungen (vgl. Abb. 2). Auch hier

bietet der Maschinen- und Anlagenführer als fl exibles Berufsbild

eine gute Einstiegsmöglichkeit. Entsprechendes Potenzial

an Auszubildenden vorausgesetzt, können relativ kurzfristig

(innerhalb von max. zwei Jahren) aus diesem Berufsbild

heraus spezialisierte Facharbeiter wie Werkzeugmechaniker

oder Industriemechaniker entwickelt werden.

Vergleichbarkeit berufl icher Bildung auf EU-Ebene

Zeitlich kürzer gefasste Qualifi zierungsabschnitte bieten bessere

Möglichkeiten zur Vergleichbarkeit berufl icher Bildung auf

europäischer Ebene. Ausbildungsgänge mit Zertifi kat erst nach

drei oder dreieinhalb Jahren, wie in Deutschland, sind andernorts

nicht üblich. Dafür bietet das deutsche duale System ein

hohes Maß an berufl icher Handlungsfähigkeit als Ergebnis der

systematischen Verzahnung von theoretischer und praktischer

Ausbildung. Daran soll auch weiter festgehalten werden.

Diesen besonderen Vorteil versucht auch das Modell einer

berufsbegleitenden Weiterqualifi zierung des Maschinen- und

Anlagenführers zum Fertigungsmechaniker mit den Erfordernissen

der Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene (Credits

aus einem länderübergreifenden Kreditpunktesytem) zu

kombinieren und auszubauen (vgl. Abb. 3). Eine Fortsetzung

des „erfahrungsbasierten Lernens“ über die Ausbildung zum

Maschinen- und Anlagenführer hinaus soll zudem die bereits

erwähnte höhere Einsatzfl exibilität der Mitarbeiter erreichen.

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