Ein Positionspapier für Technologieoffenheit. Gemeinderatsinfo #11 | 2024
Kurz vor der Weihnachtspause ist die Arbeit im Gemeinderat in vollem Gange. Die Fraktionsgemeinschaft lehnte den städtischen Haushalt ab. Es drohen pro Jahr ca. 40 Millionen Euro neue Schulden. Dieser Haushalt steht nicht auf soliden Finanzen! Außerdem verfasste die Fraktion ein Positionspapier zum städtischen Energieleitplan: Es soll technologieoffen gedacht werden. Dabei spielt Wasserstoff als Energiequelle eine besonders wichtige Rolle. Dies und mehr lesen Sie in der 11. Gemeinderatsinfo der Freien Wähler und FÜR Karlsruhe Fraktionsgemeinschaft!
Kurz vor der Weihnachtspause ist die Arbeit im Gemeinderat in vollem Gange. Die Fraktionsgemeinschaft lehnte den städtischen Haushalt ab. Es drohen pro Jahr ca. 40 Millionen Euro neue Schulden. Dieser Haushalt steht nicht auf soliden Finanzen! Außerdem verfasste die Fraktion ein Positionspapier zum städtischen Energieleitplan: Es soll technologieoffen gedacht werden. Dabei spielt Wasserstoff als Energiequelle eine besonders wichtige Rolle. Dies und mehr lesen Sie in der 11. Gemeinderatsinfo der Freien Wähler und FÜR Karlsruhe Fraktionsgemeinschaft!
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GEMEINDERATSINFO<br />
der Freie Wähler | FÜR Karlsruhe Gemeinderatsfraktion<br />
Ausgabe 11 | 2023<br />
ISSN 2751-7918<br />
<strong>Ein</strong> <strong>Positionspapier</strong> <strong>für</strong><br />
<strong>Technologieoffenheit</strong><br />
Die Fraktion legt ein <strong>Positionspapier</strong> zum städtischen Energieleitplan vor.<br />
Die Schulden<br />
der Stadt<br />
werden steigen<br />
Mit neuen Krediten und<br />
wenig <strong>Ein</strong>sparungen<br />
können die<br />
Finanzprobleme der<br />
Stadt nicht gelöst<br />
werden.<br />
Mehr Qualität<br />
<strong>für</strong> die Kitas in<br />
Karlsruhe<br />
Die Qualität in den<br />
Kitas muss steigen, um<br />
damit eine attraktive<br />
Option <strong>für</strong><br />
pädagogische<br />
Fachkräfte zu sein.<br />
Mit Wasserstoff<br />
muss geplant<br />
werden<br />
Wasserstoff wird in<br />
vielen Regionen als<br />
Energiequelle genutzt.<br />
Karlsruhe sollte<br />
innovativ denken, und<br />
einen Plan entwickeln.<br />
Seite 4 bis 17 Seite 16 und 17 Seite 18 bis 27<br />
fwfuer.de
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Editorial<br />
Kurz vor der Weihnachtspause ist die Energieleitplan: Es soll<br />
Arbeit im Gemeinderat in vollem technologieoffen gedacht werden.<br />
Gange. Die Fraktionsgemeinschaft Dabei spielt Wasserstoff als<br />
lehnte den städtischen Haushalt ab. Es Energiequelle eine besonders wichtige<br />
drohen pro Jahr ca. 40 Millionen Euro Rolle. Dies und mehr lesen Sie in der<br />
neue Schulden. Dieser Haushalt steht 11. <strong>Gemeinderatsinfo</strong> der Freien<br />
nicht auf soliden Finanzen! Außerdem Wähler und FÜR Karlsruhe<br />
verfasste die Fraktion ein Fraktionsgemeinschaft!<br />
<strong>Positionspapier</strong> zum städtischen<br />
Für Sie im Gemeinderat<br />
INHALT<br />
40 MILLIONEN EURO NEUE SCHULEN PRO JAHR<br />
Der neue städtische Finanzhaushalt steht. Jedoch ohne die Zustimmung<br />
der Fraktionsgemeinschaft. 40 Millionen Euro Schulden pro Jahr stehen<br />
nicht <strong>für</strong> solide Finanzen und einen Finanzplan, der an die künftigen<br />
Generationen denkt!<br />
DIE QUALITÄT IN DEN KITAS MUSS SICH STEIGERN<br />
Aktuell fehlen in Karlsruhe über 1000 Kinderbetreuungsplätze. Die<br />
Fraktion will dies ändern, indem die Arbeits- und Betreuungsqualität in<br />
den Kitas angehoben wird, um das Arbeitsangebot <strong>für</strong> pädagogische<br />
Fachkräfte zu verbessern.<br />
KARLSRUHES ENERGIEVERSORGUNG MUSS NEU GEDACHT WERDEN<br />
Mit einem eigenen <strong>Positionspapier</strong> stößt die Fraktionsgemeinschaft eine<br />
Debatte über die Energieversorgung in Karlsruhe an. Mit einer Reihe an<br />
neuen Ideen soll der Energieleitplan neu gedacht werden.<br />
4<br />
16<br />
18<br />
Petra Lorenz<br />
Stadträtin<br />
Impressum<br />
An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet:<br />
Grafik, Fotos und Bilder:<br />
Text:<br />
Layout:<br />
Druck:<br />
V.i.S.d.P.:<br />
| 2<br />
Friedemann Kalmbach<br />
Fraktionsvorsitzender<br />
Gabriel Meier; Micha Schlittenhardt; Daniel Gräber; Marius Meger;<br />
unsplash.com<br />
Marius Meger; Daniel Gräber; Micha Schlittenhardt<br />
Micha Schlittenhardt<br />
Umweltdruckerei<br />
Friedemann Kalmbach, Fraktionsvorsitzender<br />
FW|FÜR Gemeinderatsfraktion<br />
Haus der Fraktionen<br />
Hebelstr. 13<br />
76133 Karlsruhe<br />
Jürgen Wenzel<br />
Stadtrat<br />
ISSN 2751-7918<br />
Fon: 0721 133 1096<br />
Fax: 0721 133 1659<br />
Mail: fwfuer@fraktion.karlsruhe.de<br />
DER PODCAST DER FRAKTIONSGEMEINSCHAFT<br />
In der Podcastreihe sind Andreas Schick von den Netzen Südwest und<br />
Zoodirektor Dr. Rheinschmidt zu Gast und sprechen mit der Fraktion über<br />
die Themen, die Karlsruhe bewegen.<br />
WICHTIGE STRASSEN DÜRFEN NICHT GESPERRT WERDEN<br />
Der Unmut vieler Anwohner der Sophienstraße ist groß: Die Straße soll<br />
nach den Plänen der Stadtverwaltung <strong>für</strong> den Autoverkehr gesperrt und an<br />
die „Musterlösung des Radnetzes Baden-Württemberg“ angepasst<br />
werden. Parkplätze werden inzwischen von provisorischen<br />
Sitzgelegenheiten, Pflanzen und Fahrradständern belegt. Die Fraktion<br />
stemmt sich gegen die Entscheidung der Stadt.<br />
3 |<br />
28<br />
34
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
40 Millionen Euro neue<br />
Schulden pro Jahr<br />
Die Stadträte der Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und FÜR Karlsruhe<br />
Friedemann Kalmbach, Petra Lorenz und Jürgen Wenzel sind mit einem klaren Ziel in<br />
die Verhandlungen gegangen: Die Stadt muss bei ihren Ausgaben Prioritäten setzen,<br />
um gegen den städtischen Schuldenberg anzukämpfen. An den richtigen Stellen<br />
muss gespart werden, sodass man sich wichtige Investitionen <strong>für</strong> die Zukunft noch<br />
leisten kann:<br />
In der abschließenden Abstimmung<br />
stimmte die Fraktionsgemeinschaft<br />
gegen den Doppelhaushalt 2023/24.<br />
Am Ende steht <strong>für</strong> die Stadt im Jahr <strong>2024</strong> ein Minus von 36,7 Millionen und im Jahre<br />
2025 ein Minus von 44,8 Millionen Euro.<br />
"Man kann nur ausgeben, was man auch einnimmt, bzw. mittelfristig auch<br />
erwirtschaften kann. Oder, was <strong>für</strong> Karlsruhe in Zukunft gelten muss: Sparen darf<br />
keine Plattitüde mehr sein! Unser Ziel ist es, solide zu wirtschaften. Höhere<br />
Investitionen und damit noch mehr Schulden gibt unsere Finanzsituation nicht<br />
mehr her", brachte es Stadträtin Lorenz in ihrer Haushaltsrede auf den Punkt.<br />
"Zwar wurde in den Haushaltsberatungen sachlich und konstruktiv verhandelt, was<br />
aufgrund der unangenehmen Themenlage nicht selbstverständlich ist, jedoch sind<br />
200 Millionen Euro neue Schulden, die in den nächsten Jahren mit einem hohen<br />
Zinssatz zurückbezahlt werden müssen, kein Aufbruch in eine solide Wirtschaftsund<br />
Finanzlage", so Stadtrat Jürgen Wenzel zum Ergebnis der Haushaltsberatungen.<br />
Nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen muss festgehalten werden, dass die<br />
Mehrheit des Gemeinderats das Ziel, solide zu wirtschaften, nicht teilt: 200<br />
Millionen Euro sollen als Kredit ausgenommen werden, geplante Investitionen<br />
können nicht aus dem finanziert werden, was die Stadt erwirtschaftet.<br />
In der abschließenden Abstimmung stimmte die Fraktionsgemeinschaft gegen die<br />
Verabschiedung des Doppelhaushalts 2023/24. Der Haushalt der Stadt Karlsruhe<br />
wird nun an das Regierungspräsidium des Landes Baden-Württemberg<br />
weitergeleitet und muss dort genehmigt werden.<br />
Die Verhandlungen über den Finanzhaushalt der Stadt sind abgeschlossen. Zwei<br />
Tage wurde im Gemeinderat über den städtischen Haushalt und die eingebrachten<br />
Anträge der Fraktionen verhandelt.<br />
| 4<br />
5 |
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Petra Lorenz hielt Haushaltsrede <strong>für</strong> die<br />
Fraktionsgemeinschaft<br />
In einer eindringlichen Haushaltsrede betonte Stadträtin Petra Lorenz die<br />
entscheidende Bedeutung von klaren Prioritäten <strong>für</strong> die wirtschaftliche Zukunft<br />
Karlsruhes. Unter dem Motto "Wer früher spart, hat länger Geld!" warnte sie vor<br />
der anhaltenden Belastung durch hohe Schulden und steigende Zinsen, die eine<br />
sorgfältige Haushaltsführung unumgänglich machen. Lorenz mahnt, dass<br />
Karlsruhe nicht über seine Verhältnisse leben könne.<br />
Die Stadträtin der FW|FÜR Karlsruhe Fraktion betonte die Notwendigkeit, die<br />
Wirtschaftskraft der Stadt zu stärken, um Schulden abzubauen und Raum <strong>für</strong><br />
wichtige Investitionen zu schaffen. Dabei gelte es, einen attraktiven und<br />
dynamischen Wirtschaftsstandort zu schaffen. Auch die Förderung von<br />
Zukunftstechnologien und die Schaffung von Entwicklungsräumen <strong>für</strong><br />
Unternehmen in der Region seien von großer Bedeutung. Dazu bringt die<br />
Fraktionsgemeinschaft einen Antrag ein, der die Entwicklung eines<br />
Industriegebiets mit Wasserstoffanschluss vorantreibt.<br />
Des Weiteren machte Petra Lorenz deutlich, dass die Förderung von Bildung und<br />
Erziehung einen entscheidenden Stellenwert einnehmen müsse. Sie betonte die<br />
Notwendigkeit gute Startbedingungen <strong>für</strong> Kinder und Jugendliche zu schaffen.<br />
Lorenz rief dazu auf, die Finanzierung von Kitas zu reformieren, um Qualität statt<br />
Quantität zu fördern. Denn dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz wird die Stadt<br />
derzeit nicht gerecht – es fehlen bis zu 1000 Betreuungsplätze in Karlsruhe.<br />
Abschließend sprach Stadträtin Lorenz die Herausforderungen an, vor denen die<br />
Karlsruher Verwaltung stehe. Sie forderte eine beschleunigte Digitalisierung und<br />
effizientere Prozesse, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.<br />
Gleichzeitig müsse der Personalabbau durch mehr Eigenverantwortung und klare<br />
Richtlinien kompensiert werden:<br />
"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen künftig mehr<br />
Eigenverantwortung, damit sie selbständig Entscheidungen treffen können.<br />
Da<strong>für</strong> braucht es klare Richtlinien <strong>für</strong> Entscheidungsprozesse."<br />
Mit klaren Worten und klarem Kurs setzte Petra Lorenz ein deutliches Zeichen <strong>für</strong><br />
eine verantwortungsvolle Haushaltsführung und eine zukunftsorientierte<br />
Entwicklung der Stadt Karlsruhe. Die vollständige Haushaltsrede kann auf der<br />
Stadträtin Petra Lorenz hält die Haushaltsrede in Vertretung <strong>für</strong><br />
Fraktionsvorsitzenden Friedemann Kalmbach.<br />
Website der Stadt Karlsruhe und der Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler |<br />
FÜR Karlsruhe eingesehen werden.<br />
| 6
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Welche Ideen hat die Fraktionsgemeinschaft<br />
<strong>für</strong> Karlsruhe?<br />
Haushaltsverhandlungen<br />
Die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und FÜR Karlsruhe trat mit einem<br />
vielfältigen Ideenkatalog in die bevorstehenden Haushaltsverhandlungen ein.<br />
Ziel ist es, den Karlsruher Schuldenberg, der bis 2025 auf über eine Milliarde Euro<br />
anwachsen wird, zu abzutragen.<br />
Insgesamt wurden neun Anträge von der Fraktionsgemeinschaft eingebracht. <strong>Ein</strong><br />
zentraler Fokus liegt dabei auf der Delegation von mehr Verantwortung an die<br />
Mitarbeiter der Stadtverwaltung, um Entscheidungsprozesse zu vereinfachen.<br />
Herzstück dieser Maßnahme ist die <strong>Ein</strong>führung des Umlaufverfahrens oder<br />
kurzfristige <strong>Ein</strong>berufungen des Personalausschusses <strong>für</strong><br />
Personalentscheidungen. Dies ermöglicht eine zügige Bearbeitung von<br />
Bewerbungen und die zeitnahe Besetzung von Schlüsselpositionen. Bisher<br />
mussten Bewerberinnen und Bewerber oft mehrere Monate auf eine<br />
Rückmeldung warten, was nicht nur Frustration, sondern auch Unsicherheit<br />
verursachte. Dies führte nicht selten dazu, dass qualifizierte Kandidatinnen und<br />
Kandidaten ihre Bewerbung zurückzogen, da sie anderswo schneller Zusagen<br />
erhielten.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft strebt darüber hinaus einen wirtschaftlichen<br />
Aufschwung in Karlsruhe an. In den letzten Jahren musste die Stadt den<br />
bedauerlichen Verlust einiger bedeutender Unternehmen verzeichnen. <strong>Ein</strong><br />
maßgeblicher Grund hier<strong>für</strong> sind die langwierigen Such- und<br />
Genehmigungsprozesse. Die bürokratischen Hürden sind zu hoch und schrecken<br />
potenzielle Investoren ab. In der heutigen dynamischen Zeit sind Unternehmen<br />
gezwungen, sich rasch an Marktveränderungen anzupassen, um<br />
wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass<br />
die Verwaltung einen ebenso effizienten und unkomplizierten Weg <strong>für</strong><br />
Unternehmen bietet. Die Fraktionsgemeinschaft hat einen Antrag an den<br />
Karlsruher Gemeinderat gestellt, um die Wirtschaftsförderung der Stadt zu<br />
optimieren. Ziel ist es, eine zentrale Anlaufstelle <strong>für</strong> Gewerbetreibende und<br />
Unternehmen zu schaffen, die sich in Karlsruhe verändern oder neu ansiedeln<br />
möchten.<br />
Weitere Zuschüsse <strong>für</strong> die Kultur<br />
wäre wünschenswert, aber in der<br />
gegenwärtigen wirtschaftlichen<br />
Situation nicht zu verantworten.<br />
Um<br />
die<br />
H a u s h a l t s l a g e<br />
Karlsruhes<br />
verbessern,<br />
zu<br />
sieht<br />
die Fraktionsgemeinschaft keinen finanziellen Spielraum <strong>für</strong> neue<br />
Großbauprojekte. Die Erweiterung und Sanierung der Turmbergbahn bringt<br />
jedoch bereits neue Kosten mit sich, die die 20 Millionen Euro bereits<br />
überschritten haben. Fraktionsgeschäftsführer Friedemann Kalmbach betonte:<br />
"Wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns nicht mehr alles leisten können.<br />
Die Sanierung der Turmbergbahn ist angesichts der Haushaltslage der Stadt in<br />
dieser Dimension nicht begründbar und kann keine Priorität sein. Es gibt<br />
dringendere Bedürfnisse und Projekte, bei denen das Geld besser investiert ist,<br />
insbesondere im Ausbau der Schulen und Kitas. Die Turmbergbahn ist zweifellos<br />
ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes der Stadt, aber angesichts der<br />
schwierigen finanziellen Lage der Stadt müssen wir sorgfältig abwägen, welche<br />
Investitionen den größten Nutzen <strong>für</strong> die Bürgerinnen und Bürger bringen."<br />
Um die Attraktivität der Turmbergbahn dennoch zu bewahren, schlägt die<br />
Fraktionsgemeinschaft eine Teilsanierung vor.<br />
| 8<br />
9 |
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
"Durch die <strong>Ein</strong>führung dieser Maßnahmen erwarten wir eine deutliche<br />
Verbesserung der Personalbesetzungsprozesse. Nicht nur Bewerberinnen und<br />
Bewerber profitieren von schnelleren Entscheidungen, sondern auch die<br />
Stadtverwaltung selbst, die von einer effizienteren Besetzung wichtiger<br />
Positionen profitiert", so Stadträtin Petra Lorenz.<br />
Insbesondere bei der Besetzung von Amtsleiterinnen- oder Amtsleiter-Stellen<br />
soll künftig eine kurzfristige <strong>Ein</strong>berufung des Personalausschusses innerhalb von<br />
14 Tagen erfolgen. Diese zeitliche Vorgabe ermöglicht es, Vakanzen zeitnah zu<br />
Schnellere Personalentscheidungen<br />
in der Stadtverwaltung<br />
Im Laufe der kommenden Jahre wird die Personaldecke in der Stadtverwaltung<br />
dünner. Viele Angestellte gehen in den wohlverdienten Ruhestand. Ihre Stellen<br />
können aber aufgrund einem Mangel an Bewerbungen nicht gleichwertig<br />
ausgefüllt werden.<br />
besetzen und somit kritische Stellen nicht über längere Zeiträume unbesetzt zu<br />
lassen.<br />
Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen wurde der Antrag der Freien Wähler und<br />
FÜR Karlsruhe in den Personalausschuss weiter verwiesen und wird dort weiter<br />
vertieft.<br />
Mit einer neuen Konzeption im Personalausschuss sollen Prozesse nun<br />
beschleunigt werden, um Personalstellen schneller freigeben zu können. Im<br />
Mittelpunkt der Maßnahme steht die <strong>Ein</strong>führung des Umlaufverfahrens <strong>für</strong><br />
Personalentscheidungen. Dies ermöglicht eine zügige Bearbeitung von<br />
Bewerbungen und die zeitnahe Besetzung von Schlüsselpositionen. Bisher<br />
mussten Bewerberinnen und Bewerber oft mehrere Monate auf eine<br />
Rückmeldung warten, was nicht nur Frustration, sondern auch Unsicherheit<br />
verursachte. Dies führte nicht selten dazu, dass qualifizierte Kandidaten ihre<br />
Bewerbung zurückzogen, da sie anderswo schneller Zusagen erhielten.<br />
Stadträtin Petra Lorenz mit Stadtrat Jürgen Wenzel und<br />
Fraktionsvorsitzenden Friedemann Kalmbach.<br />
| 10<br />
11 |
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Karlsruhes Wirtschaft braucht eine<br />
effiziente Förderung<br />
In den letzten Jahren hat Karlsruhe bedauerlicherweise den Verlust einiger<br />
bedeutender Unternehmen verzeichnen müssen. <strong>Ein</strong> Grund da<strong>für</strong> sind die<br />
langwierigen Such- und Genehmigungsprozesse bei Erweiterungswünschen. Die<br />
bürokratischen Hürden sind zu hoch und schrecken potenzielle Investoren ab. In<br />
der heutigen Zeit sind Unternehmen gezwungen, sich schnell an<br />
Marktveränderungen anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.<br />
* Bildquelle: tyler casey / unsplash.com<br />
Friedemann Kalmbach, Fraktionsvorsitzender der FW|FÜR Karlsruhe Fraktion,<br />
betont: "Wir möchten Karlsruhe als attraktiven Wirtschaftsstandort stärken und<br />
den Unternehmen optimale Bedingungen bieten. <strong>Ein</strong>e effiziente<br />
Daher ist es von großer Bedeutung, dass die Verwaltung einen ebenso schnellen<br />
und unkomplizierten Weg <strong>für</strong> Unternehmen anbietet. Kurze Wege und klare<br />
Lösungsansätze sollten daher zentral an einer Stelle ermöglicht werden. Die<br />
derzeitige Wirtschaftsförderung erfüllt diese Anforderungen noch nicht. Aus<br />
diesem Grund beantragt die Fraktionsgemeinschaft, die Wirtschaftsförderung<br />
mit den weiteren zuständigen Ämtern zu vernetzen und sie als zentrale<br />
Anlaufstelle und Ansprechpartner <strong>für</strong> die Behördengänge von Unternehmen zu<br />
etablieren.<br />
Wirtschaftsförderung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Durch die<br />
Schaffung einer zentralen Anlaufstelle können wir den Unternehmen helfen, ihre<br />
Anliegen schnell und unkompliziert zu klären und somit den Wirtschaftsstandort<br />
Karlsruhe weiter voranzubringen.<br />
| 12<br />
13 |
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Freiwillige Leistungen müssen<br />
auf den Prüfstand<br />
Mehr Wohnmöglichkeiten<br />
<strong>für</strong> Fachkräfte<br />
* Bildquelle: Brandon Griggs / unsplash.com<br />
Die Fraktionsgemeinschaft setzt sich<br />
<strong>für</strong> eine regelmäßige Überprüfung von<br />
freiwilligen Leistungen ein, um<br />
sicherzustellen, dass die<br />
Förderungsgründe<br />
weiterhin<br />
bestehen und die Leistungen den<br />
aktuellen<br />
Förderrichtlinien<br />
entsprechen.<br />
Aktuell werden viele freiwillige<br />
Leistungen in den Haushalten<br />
übernommen, oft ohne vorherige<br />
Überprüfung. Um eine effiziente<br />
Verwendung der Finanzmittel zu<br />
gewährleisten, beantragt die<br />
Fraktionsgemeinschaft<br />
einen<br />
Überprüfungsturnus von fünf Jahren.<br />
Innerhalb dieses Zeitraums soll<br />
ermittelt werden, ob der<br />
Förderungsgrund nach wie vor<br />
gegeben ist und ob die Förderungen<br />
den aktuellen Förderrichtlinien<br />
entsprechen.<br />
Diese Maßnahme zielt darauf ab, eine<br />
transparente und zielgerichtete<br />
Mittelverwendung sicherzustellen.<br />
Durch regelmäßige Überprüfungen<br />
werden unnötige Ausgaben<br />
vermieden, während gleichzeitig<br />
sichergestellt wird, dass diejenigen,<br />
die auf freiwillige Leistungen<br />
angewiesen sind, weiterhin die<br />
Unterstützung erhalten, die sie<br />
benötigen.<br />
"Wir sehen in dieser Initiative einen<br />
wichtigen Schritt zur nachhaltigen<br />
Verwaltung der städtischen Mittel.<br />
Durch eine regelmäßige Evaluierung<br />
können Ressourcen effektiver<br />
eingesetzt werden, was letztlich allen<br />
Bürgerinnen und Bürgern Karlsruhes<br />
zugutekommt. Jeder soll die<br />
Unterstützung bekommen, die man<br />
auch wirklich benötigt. Dieses neue<br />
Verfahren soll dies sicherstellen",<br />
sagt Stadträtin Petra Lorenz über den<br />
Antrag der Fraktionsgemeinschaft.<br />
In der aktuellen Situation werden in<br />
Karlsruhe vermehrt Fachkräfte<br />
gesucht, darunter Erzieherinnen und<br />
Erzieher sowie Pflegepersonal.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft der Freien<br />
Wähler und FÜR Karlsruhe setzt sich<br />
aktiv <strong>für</strong> die Schaffung von zeitlich<br />
begrenztem Wohnraum ein, der<br />
speziell <strong>für</strong> Fachkräfte zur Verfügung<br />
gestellt werden kann. Ziel ist es, die<br />
Hürde der Erstwohnung zu nehmen<br />
und einen schnellen Zuzug von<br />
Fachkräften nach Karlsruhe zu<br />
ermöglichen, insbesondere vor dem<br />
Hintergrund des angespannten<br />
Wohnungsmarkts.<br />
Um diesen Zielgruppen den Start in<br />
Karlsruhe zu erleichtern, sollen die<br />
Volkswohnungen speziell <strong>für</strong> sie<br />
Wohnungen vorhalten. Dies<br />
ermöglicht es, die anfängliche Hürde<br />
des Wohnungswechsels zu<br />
überwinden und den Umzug nach<br />
Karlsruhe zu beschleunigen.<br />
"<strong>Ein</strong>e solide Wohnungsversorgung<br />
spielt eine entscheidende Rolle <strong>für</strong> die<br />
Attraktivität <strong>für</strong> Fachkräfte. Personen,<br />
die sich in Karlsruhe gut aufgehoben<br />
und willkommen fühlen, sind eher<br />
geneigt, in der Stadt zu bleiben und<br />
einen langfristigen Beitrag zur<br />
Gemeinschaft zu leisten.<br />
Durch diese Maßnahme wird aktiv<br />
dem Fachkräftemangel in Karlsruhe<br />
entgegengewirkt, was wiederum die<br />
wirtschaftliche Entwicklung der Stadt<br />
positiv beeinflusst.", sagt<br />
Fraktionsvorsitzender Friedemann<br />
Kalmbach.<br />
Der Fraktion ist es wichtig zu betonen,<br />
dass dies keinen <strong>Ein</strong>fluss auf die<br />
städtischen Sozialwohnungen hat,<br />
sondern eine eigenständige Initiative<br />
darstellt, die ein Sonderkontigent an<br />
Wohnungen beansprucht.<br />
| 14<br />
15 |
Haushaltsverhandlungen<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Mehr Qualität <strong>für</strong> die Kitas in Karlsruhe!<br />
Die Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und FÜR Karlsruhe setzt neue Akzente<br />
bei der KiTa-Finanzierung. In einem Antrag setzt man sich da<strong>für</strong> ein, dass die<br />
bisherige KiTa-Gebührennivellierung der Stadt Karlsruhe zurückgenommen<br />
wird. Zukünftig sollten freie Träger von Kindertagesstätten die Möglichkeit<br />
haben, ihre KiTa-Gebühren selbstständig zu gestalten, ohne sich an die vormals<br />
vorgeschriebenen 10 % Nivellierung zu halten.<br />
Diese wegweisende Neuregelung eröffnet den freien Trägern die Chance, durch<br />
zusätzliche <strong>Ein</strong>nahmen die Qualität der Betreuung weiter zu steigern und damit<br />
attraktivere finanzielle Angebote <strong>für</strong> Fachkräfte zu schaffen.<br />
Hintergrund der Entscheidung war das angestrebte Ziel der Stadt Karlsruhe, die<br />
Elternbeiträge in städtischen, kirchlichen und freien <strong>Ein</strong>richtungen einheitlich zu<br />
gestalten. Doch die bisherige Beschränkung, wonach freie Träger höchstens zehn<br />
Prozent höhere Gebühren als städtische Kitas verlangen durften, führte nicht zu<br />
der erhofften Entwicklung einer ausreichenden Kinderbetreuung. Aktuell fehlen<br />
in Karlsruhe über 1000 Kinderbetreuungsplätze.<br />
Die <strong>Ein</strong>führung einer freien Gebührenordnung <strong>für</strong> die freien Träger hat keinerlei<br />
Auswirkungen auf Elternhäuser mit geringem <strong>Ein</strong>kommen, da die KiTa-<br />
Gebühren dieser Haushalte weiterhin von der Stadt getragen werden. Das<br />
Gebührenniveau der städtischen Kindertagesstätten bleibt unverändert.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und FÜR Karlsruhe ist überzeugt, dass<br />
diese Maßnahme einen wichtigen Schritt zur Sicherstellung einer qualitativ<br />
hochwertigen Kinderbetreuung in Karlsruhe darstellt und gleichzeitig den freien<br />
Trägern die Möglichkeit gibt, sich noch stärker zu profilieren.<br />
Welche Auswirkungen hat die Neuregelung der KiTa-Gebühren auf Eltern mit<br />
geringem <strong>Ein</strong>kommen?<br />
Die Neuregelung hat keinerlei Auswirkungen auf Elternhäuser mit geringem<br />
<strong>Ein</strong>kommen, da die KiTa-Gebühren dieser Haushalte weiterhin von der Stadt<br />
getragen werden.<br />
Bleibt das Gebührenniveau der städtischen Kindertagesstätten unverändert?<br />
Ja, das Gebührenniveau der städtischen Kindertagesstätten bleibt unverändert.<br />
Die Neuregelung betrifft ausschließlich die freien Träger von Kindertagesstätten.<br />
Wie sollen die freien Träger von Kindertagesstätten von der Neuregelung profitieren?<br />
Die freien Träger erhalten durch die Neuregelung die Möglichkeit, ihre Gebühren<br />
eigenständig festzulegen. Dadurch können sie zusätzliche <strong>Ein</strong>nahmen generieren<br />
und die Qualität der Betreuung weiter verbessern. Zudem können attraktivere<br />
finanzielle Angebote <strong>für</strong> Fachkräfte geschaffen werden.<br />
Warum ist die Neuregelung notwendig?<br />
Die bisherige Nivellierung der KiTa-Gebühren hat nicht zu der gewünschten<br />
Entwicklung einer ausreichenden Kinderbetreuung geführt. Durch die<br />
Neuregelung sollen die freien Träger mehr Spielraum erhalten, um die<br />
Betreuungsmöglichkeiten <strong>für</strong> Kinder in Karlsruhe zu verbessern.<br />
FAQ<br />
| 16<br />
17 |
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Mit Wasserstoff muss geplant<br />
werden!<br />
Die Fraktionsgemeinschaft legt ein <strong>Positionspapier</strong> zum städtischen Energieleitplan<br />
vor. In dem <strong>Positionspapier</strong> wird auf den Entwurf des Energieleitplanes der Stadt<br />
Karlsruhe eingegangen und konkrete Vorschläge und Empfehlungen formuliert, um<br />
eine technologieoffene und CO2-neutrale Energieversorgung zu erreichen. Dabei<br />
bezieht sich die Fraktion auf Zukunftstechnologien und Energieträger wie Wasserstoff.<br />
Stadtkreise und große Kreisstädte in Baden-Württemberg sind verpflichtet bis Ende<br />
2023 einen kommunalen Wärmeplan als Planungsinstrument zu erstellen. In diesem<br />
Wärmeplan sollen Maßnahmen präsentiert werden, wie der Landkreis oder die Stadt<br />
bis 2040 klimaneutral gestaltet werden soll. Die Stadt Karlsruhe hat beschlossen,<br />
einen Energieleitplan zu erstellen, der neben dem Bereich Wärme auch den Bereich<br />
Strom umfasst, um die Anforderungen des Klimaschutzgesetzes zu erfüllen. Der<br />
Entwurf des Energieleitplans liegt derzeit vor und soll im Gemeinderat verabschiedet<br />
werden.<br />
Trotz des großen Umfangs des städtischen Energieleitsplans hat die<br />
Fraktionsgemeinschaft einige Kritikpunkte und Fehlannahmen identifiziert.<br />
Diese sollen durch konkrete Empfehlungen und Lösungsansätze des<br />
<strong>Positionspapier</strong>s korrigiert werden, um umfassende, realistische und nachhaltige<br />
Lösungen <strong>für</strong> die zukünftige Energieversorgung zu schaffen und die Klimaziele<br />
bis spätestens 2040 – besser bis 2035 – zu erreichen.<br />
„Wir wollen in unserem <strong>Positionspapier</strong> seriöse und wissenschaftliche Vorschläge<br />
zur Debatte stellen, die unserer Meinung nach im Energieleitplan der<br />
Stadtverwaltung fehlen. Uns ist es dabei wichtig, nicht nur Kritik an den Plänen<br />
der Stadt zu äußern, sondern auch konstruktive Maßnahmen vorzuschlagen, die<br />
unsere Stadt klimafreundlich gestalten und zugleich wirtschaftlich und<br />
realistisch sind“, so Fraktionsvorsitzender Friedemann Kalmbach über die Ziele<br />
des <strong>Positionspapier</strong>s.<br />
| 18<br />
19 |
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
hätten Verbraucherinnen und Verbraucher in Karlsruhe keine Möglichkeit, den<br />
Anbieter frei zu wählen. Auch reichen die aktuellen Versorgungsstrukturen nicht<br />
aus, um den Bedarf der Gesamtstadt zu decken. <strong>Ein</strong>e erneute Abhängigkeit in der<br />
Energieversorgung sollte nach den Erfahrungen mit russischem Öl und Erdgas<br />
vermieden werden.<br />
Die Stadtverwaltung geht in ihren<br />
Maßnahmen von unrealistischen<br />
Annahmen aus. Es fehlen die<br />
Finanzmittel sowie Fachkräfte <strong>für</strong> die<br />
Umsetzung des Leitplans.<br />
Die grundsätzlichen Kritikpunkt des <strong>Positionspapier</strong>s sind, dass im Energieleitplan der<br />
Stadt keine klaren Aussagen zur Umsetzung, also ein Zeitplan der Maßnahmen und<br />
Prüfungen sowie geplanten Umsetzungen der Gesamtstrategie, zu finden sind. <strong>Ein</strong><br />
zielführender Zeitplan mit konkreten Maßnahmen würde den Akteuren, die <strong>für</strong> die<br />
Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich sind, die Arbeit erleichtern.<br />
Zusätzlich geht die Stadtverwaltung in ihren Maßnahmen von unrealistischen<br />
Annahmen aus: Für die Annahme von einer Sanierungsquote von 4,8 % – zurzeit liegt<br />
sie in Karlsruhe bei 1 % – fehlen Finanzmittel sowie ausreichend Fachkräfte.<br />
Unzureichend ist im Energieleitplan auch die einseitige Fokussierung auf Fernwärme:<br />
Die Monopolstellung der Stadtwerke Karlsruhe in Bezug auf die Fernwärmeversorgung<br />
führt zu einer bedenklichen Alternativlosigkeit bei der Wahl des Lieferanten.<br />
Im Gegensatz zu Strom, Gas und Öl<br />
Um dem entgegenzuwirken plädiert die Fraktionsgemeinschaft in ihrem<br />
<strong>Positionspapier</strong> <strong>für</strong> <strong>Technologieoffenheit</strong> und eine verstärkte Nutzung der<br />
Zukunftstechnologie Wasserstoff als zusätzlicher Energieträger.<br />
Wärmepumpen, Fernwärmenetze und durch Elektromobilität beeinflusste<br />
Stromversorgung sieht die Fraktionsgemeinschaft als elementare Bausteine<br />
klimaneutraler Energieversorgung. In diese Reihe gehört aber auch die schnelle<br />
Entwicklung und Forschung in der Wasserstoffwirtschaft. Das <strong>Positionspapier</strong><br />
beschreibt die zukünftigen Möglichkeiten der Wasserstoffwirtschaft <strong>für</strong> die<br />
Stadt Karlsruhe <strong>für</strong> die Energie- und Wärmewende.<br />
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Das sind unsere Lösungen:<br />
Thema: Energieleitplan<br />
• Aufnahme von Wasserstoffnetzausbaugebieten und Meldung der Bedarfe<br />
bis 2025 sowie ein damit verbundenes Memorandum of Understanding<br />
(MoU) mit dem Netzbetreiber.<br />
• Kostenanalyse und Vergleich der an jeweiligen Standort möglichen<br />
Heizsysteme und gebäudescharfe Darstellung <strong>für</strong> Endverbraucherinnen<br />
und Endverbraucher.<br />
• Roadmap mit Zeitangaben <strong>für</strong> Prüfungen und Maßnahmen des<br />
Energieleitplans und kürzere Intervalle <strong>für</strong> die Fortschreibung.<br />
• Zukünftige Quartiere nach dem Vorbild von Projektquartieren im Energieund<br />
Abwasserbereich planen.<br />
die Stadtwerke proaktiv auf mögliche Wasserstofflieferanten und -versorger<br />
zugehen, um zukünftige Bedarfe frühzeitig zu sichern. Dadurch kann sich<br />
Karlsruhe auch als Standort <strong>für</strong> wasserstoffintensive Gewerbe etablieren:<br />
<strong>Ein</strong> Wasserstoffquartier <strong>für</strong> die Industrie<br />
Die Fraktionsgemeinschaft hat einen Antrag an den Karlsruher Gemeinderat<br />
gestellt, um die Möglichkeiten eines Gewerbe- bzw. Industriegebiets oder -<br />
quartiers mit Wasserstoffanschluss zu prüfen. Ziel ist es, Unternehmen, die<br />
Wasserstoff benötigen, in Karlsruhe anzusiedeln und den Innovationsstandort<br />
Karlsruhe weiter zu stärken.<br />
Wasserstoff wird einer der Zukunftsenergieträger, insbesondere <strong>für</strong> Gewerbe-<br />
und Industriebetriebe. Die Fraktionsgemeinschaft ist der Überzeugung, dass<br />
Karlsruhe bereits jetzt die Weichen stellen sollte, um ein Gewerbe- bzw.<br />
Industriegebiet mit Wasserstoffanschluss zu schaffen. Die Nähe zum Rheinhafen<br />
bietet sich hier als möglicher Standort an.<br />
Der Antrag beinhaltet die Forderung nach einer stärkeren <strong>Ein</strong>bindung in die<br />
Wasserstoffstrategie des Landes Baden-Württemberg und einen Anschluss der<br />
Region an das Wasserstoffnetz. Die gesammelten Erkenntnisse und Bedarfe<br />
sollen weitere Gespräche und Planungen im Blick auf den Wasserstoff in Karlsruhe<br />
informieren. Zudem möchte die Fraktionsgemeinschaft, dass die Verwaltung und<br />
"Deutschland ist voller positiver Beispiele wie ein Wohnquartier oder ein<br />
Industriegebiet an das Wasserstoffnetz angeschlossen werden kann, um sich<br />
umweltfreundlich mit Energie versorgen zu lassen. Wir sehen Wasserstoff als<br />
Zukunftstechnologie und wünschen uns <strong>für</strong> Karlsruhe, dass die Zukunft nicht<br />
verschlafen wird. Uns ist wichtig, dass die Stadtverwaltung aktiv wird und ihre<br />
Möglichkeiten ausschöpft. Das Land Baden-Württemberg hat eine<br />
Wasserstoffstrategie – wir brauchen auch eine. Die nötige Infrastruktur wäre mit<br />
der Nähe zum Rheinhafen gegeben", so Stadtrat Friedemann Kalmbach zu dem<br />
Antrag der Fraktionsgemeinschaft.<br />
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<strong>Ein</strong> guter Plan braucht eine klare Roadmap<br />
Die Fraktionsgemeinschaft setzt sich <strong>für</strong> eine nachhaltige und<br />
zukunftsorientierte Energiepolitik in der Stadt Karlsruhe ein. In einem<br />
Ergänzungsantrag zum Energieleitplan fordert die Fraktion eine klare Roadmap,<br />
um die Umsetzung der Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität<br />
effektiver zu gestalten.<br />
Der Ergänzungsantrag beinhaltet unter anderem die Forderung nach einem<br />
Zeitrahmen <strong>für</strong> die Umsetzung des Fernwärmenetzes und die Prüfung, Planung<br />
und Umsetzung von Geothermie. Zudem sollen konkrete Starter-Maßnahmen<br />
mit Stichdaten festgelegt werden, ebenso wie Wasserstoffnetzausbaugebiete<br />
und deren Meldung. <strong>Ein</strong> weiterer Schwerpunkt des Antrags liegt auf der Ansprache<br />
und dem Austausch von Öl- und Gasheizungen in Karlsruhe:<br />
"Der Fortschritt in unseren Bemühungen und Plänen des Energieleitplans muss<br />
<strong>für</strong> jeden transparent gemacht werden. Dies gelingt am besten mit einem<br />
konkreten, jährlichen Fortschrittsbericht, der über den Prozess ausführlich und<br />
klar informiert. So kann die Umsetzung des Energieleitplans genau überprüft<br />
werden und es warten keine bösen Überraschungen, die uns möglicherweise vor<br />
vollendete Tatsachen stellen. Deswegen sollte das Intervall der Fortschreibung<br />
und Überprüfung des Energieleitplans auf maximal fünf Jahre festgelegt<br />
werden.", so Stadtrat Friedemann Kalmbach über die Kontrolle der Umsetzung<br />
des Energieleitplans.<br />
Des Weiteren sollen im Energieplan pauschal benannte Förderungen des Bundes<br />
konkret auf ihre Verfügbarkeit geprüft werden. Für Startermaßnahmen sollen<br />
Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine konkrete Prüfung der Fördermittel<br />
durchgeführt werden.<br />
Die Pläne des Energieleitplans müssen<br />
transparent und <strong>für</strong> jeden einsehbar<br />
sein. Deshalb brauchen wir einen<br />
jährlichen und konkreten<br />
Fortschrittsbericht.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und der Wählergruppe FÜR<br />
Karlsruhe betont die Notwendigkeit dieses Ergänzungsantrags, da der<br />
bestehende Energieleitplan nicht ausreichend konkret im Blick auf die<br />
Zeitschiene und die Erreichung der Klimaneutralität ist. <strong>Ein</strong>e klare Roadmap mit<br />
festen Daten und Zeiträumen sei entscheidend, um die Umsetzung der<br />
Maßnahmen effektiver zu gestalten. Die Fraktion fordert außerdem eine<br />
Überprüfung des Intervalls der Fortschreibung des Energieleitplans, um<br />
kurzfristige Anpassungen aufgrund neuer Datenlagen und veränderter Vorgaben<br />
des Bundes zu ermöglichen. Die Erstellung einer praktischen Roadmap <strong>für</strong> den<br />
Austausch von Öl- und Gasheizungen sowie die Umstellung auf nachhaltige<br />
Energien sei von großer Bedeutung, um die Umstellung effizient zu gestalten und<br />
klare Ziele <strong>für</strong> die Zukunft zu setzen.<br />
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Was wird das alles kosten?<br />
Man braucht eine transparente und kostentransparente Datengrundlage <strong>für</strong><br />
Heizsystemwechsel in Karlsruhe. In einem Ergänzungsantrag zum Energieleitplan<br />
der Stadt Karlsruhe fordert die Fraktion eine detaillierte Kostenanalyse <strong>für</strong><br />
verschiedene Heizlösungen sowie eine klare Darstellung dieser Kosten <strong>für</strong> die<br />
Bürgerinnen und Bürger.<br />
Der Ergänzungsantrag sieht vor, dass die Stadtverwaltung die<br />
volkswirtschaftlichen Kosten der Wärmelösungen berechnet. Dabei sollen sowohl<br />
die Ausbau- und Rückbaukosten von Gasleitungen als auch die Anschluss- und<br />
Umrüstungskosten berücksichtigt werden.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft weist zudem darauf hin, dass die potenzielle<br />
Lieferung von Wasserstoff ab 2030 in Haushalte mit Gasnetzanschluss<br />
berücksichtigt werden sollte. Die Integration dieser Alternative in den<br />
integrierten Wärmeleitplan ist von zentraler Bedeutung, um die Kosten der<br />
verschiedenen Heizsysteme auf einer gebäudescharfen Karte <strong>für</strong> die Bürgerinnen<br />
und Bürger abzuwägen.<br />
* Bildquelle: Didier Weemaels / unsplash.com<br />
Des Weiteren sollen die Kosten <strong>für</strong> Heizlösungen wie Wärmepumpen,<br />
Gasheizungen mit H2-ready/H2, Fernwärme und Nahwärme <strong>für</strong> verschiedene<br />
Gebäudearten sowohl bei der <strong>Ein</strong>führung als auch im laufenden Betrieb<br />
transparent dargestellt werden. Diese Informationen sollen auf einer Karte<br />
gebäudetrennscharf präsentiert werden, um den Bürgerinnen und Bürgern eine<br />
fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.<br />
"<strong>Ein</strong>e solche Kostenanalyse soll nicht nur die laufenden Ausgaben<br />
berücksichtigen, sondern auch eine Gesamtschau der Maßnahmen ermöglichen.<br />
Dazu gehören beispielsweise die Umrüstung eines Altbaus <strong>für</strong> die Nutzung einer<br />
Wärmepumpe oder der Rückbau der Gasinfrastruktur an Stellen, an denen<br />
Nahwärme oder Fernwärmeversorgung vorhanden ist. Es ist uns ein Anliegen,<br />
dass sowohl der Gemeinderat als auch die Bürgerinnen und Bürger mit<br />
Gebäudeeigentum über die Kosten den Zeitplan informiert sind.", so Stadtrat<br />
Friedemann Kalmbach.<br />
<strong>Ein</strong>e transparente Kostenanalyse schafft Klarheit und unterstützt sowohl die<br />
Bürgerinnen und Bürger als auch die Entscheidungsträger dabei, die<br />
bestmögliche Lösung <strong>für</strong> eine nachhaltige und wirtschaftlich sinnvolle<br />
Wärmeversorgung in Karlsruhe im Sinne der Klimaziele zu finden.<br />
* Bildquelle: Kaleidico / unsplash.com<br />
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Die Fraktion im Podcast<br />
Karlsruhe und die Zukunft<br />
In dieser Podcast-Episode besprechen Stadträtin Petra Lorenz und<br />
Fraktionsgeschäftsführer Micha Schlittenhardt die Haushaltstreden, wo die<br />
verschiedenen Fraktionen im Gemeinderat ihre Pläne <strong>für</strong> die Zukunft vorgestellt<br />
haben.<br />
Die Haushaltsreden der Fraktionen im Gemeinderat werfen Fragen auf: Wird richtig<br />
gespart? Gibt es Prioritäten im Klimaschutz? Und welche Rolle spielen die teuren<br />
Das sind unsere Themen:<br />
Thema: Podcast<br />
• Karlsruhe und die Zukunft: Stadträtin Petra Lorenz und<br />
Fraktionsgeschäftsführer Micha Schlittenhardt sprechen über die<br />
Haushatlstreden, wo die verschiedenen Fraktionen im Gemeinderat ihre<br />
Pläne <strong>für</strong> die Zukunft vorgestellt haben.<br />
• Q&A mit Zoodirektor Dr. Reinschmidt: Micha Schlittenhardt trifft sich<br />
erneut mit dem Karlsruher Zoodirektor und spricht über das Thema<br />
Artenschutz und artgerechte Tierhaltung im Zoo.<br />
• Gasheizung, Wasserstoff & Wärmewende: Stadträtin Petra Lorenz und<br />
Micha Schlittenhardt besprechen mit Andreas Schick von den Netzen<br />
Südwest über die Herausforderungen und Chancen im Energiesektor,<br />
insbesondere in Bezug auf die Energieversorgung und die Wärmewende.<br />
Bauprojekte wie die Kombilösung und das Staatstheater? Außerdem stehen die<br />
Fixkosten der Stadt, insbesondere im ÖPNV und im Gesundheitswesen im Fokus.<br />
Petra Lorenz und Micha Schlittenhardt besprechen, welche Investitionen noch<br />
angemessen sind und welche Auswirkungen sie auf den städtischen Haushalt haben<br />
würden. Auch die Kosten <strong>für</strong> den öffentlichen Nahverkehr und das Klinikum werden<br />
thematisiert und im Vergleich zu anderen Ausgaben betrachtet.<br />
Geld kann nicht eingenommen werden, indem die<br />
Bürger mit neuen Steuern oder Maßnahmen wie<br />
mehr Blitzern zu belasten. Man muss von nun an<br />
stark priorisieren, <strong>für</strong> was man Geld ausgibt und<br />
<strong>für</strong> was nicht.<br />
Besonders skeptisch sieht es die Fraktionsgemeinschaft, dass der Wille zum Sparen<br />
bei den anderen Fraktionen so gering ausfällt, obwohl die Genehmigung des<br />
Karlsruher Haushalts nicht gesichert ist.<br />
Wenn sie sich <strong>für</strong> die Politik von Karlsruhe interessieren und mehr über die<br />
Herausforderungen bei den Finanzen und Investitionen in der Stadt erfahren<br />
möchten, dann hören Sie unbedingt in diese spannende Podcast-Folge rein!<br />
Stadträtin Petra Lorenz mit Fraktionsgeschäftsführer Micha Schlittenhardt,<br />
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Q&A mit Zoodirektor Dr. Rheinschmidt<br />
Nach den letzten beiden Videos, wo die Fraktionsgemeinschaft die Arbeit im<br />
Karlsruher begleitete, gab es viel Feedback und insbesondere viele kritische Fragen<br />
zum Thema Artenschutz. In dem letzten Video im Karlsruher Zoo wurde gezeigt, wie<br />
ein Eisbär stereotypisch im Kreis läuft, was zu Fragen führte, ob dies noch<br />
Artenschutz ist und wo Artenschutz überhaupt anfängt. Gibt es artgerechten<br />
Artenschutz im Zoo oder ist dies nur in der freien Wildbahn möglich?<br />
Um diese Fragen zu klären trifft sich Fraktionsgeschäftsführer Micha Schlittenhardt<br />
erneut mit Dr. Reinschmidt, um über diese Themen zu sprechen. Er ist<br />
freundlicherweise auf unser Angebot eingegangen und wir freuen uns, diese Fragen<br />
genauer zu beleuchten. Dr. Rheinschmidt, der Zoodirektor vom Zoo Karlsruhe, gibt<br />
uns <strong>Ein</strong>blicke in das Thema Artenschutz und die besondere Aufgabe von Zoos in<br />
diesem Bereich.<br />
Gasheizung, Wasserstoff und Wärmewende<br />
Stadträtin Petra Lorenz und Fraktionsgeschäftsführer Micha Schlittenhardt<br />
sprechen mit Andreas Schick von den Netzen Südwest über die Herausforderungen<br />
und Chancen im Energiesektor, insbesondere in Bezug auf die Energieversorgung<br />
und die Wärmewende. Andreas Schick gibt <strong>Ein</strong>blicke in die verschiedenen Aspekte<br />
der Energiewende, diskutiert die Bedeutung von Wasserstoff als Brennstoff in<br />
Heizungssystemen und teilt seine Erfahrungen aus der Praxis:<br />
Es gibt in BW einen großen Mittelstand und einen großen Industriestandort, der<br />
versorgt werden muss. Gerade hier spielt das Thema Wasserstoff eine große Rolle.<br />
Außerdem beleuchtet er die Rolle der Stadt in der Energieplanung und wie<br />
Wasserstoff eine wichtige Rolle in der Wärmewende spielen kann. Außerdem werden<br />
Micha Schlittenhardt im Gespräch mit Zoodirektor Dr. Rheinschmidt.<br />
die Bedenken der Bürger und Unternehmen in Bezug auf die Kostenstruktur <strong>für</strong> die<br />
Energie und die Herausforderungen bei der Umstellung auf alternative<br />
Heizungstechnologien thematisiert.<br />
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* Bildquelle: gwyn / unsplash.com<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Unsere Arbeit im Gemeinderat<br />
Die Bettensteuer ist das<br />
falsche Signal<br />
Karlsruhe erhält 2025 eine Bettensteuer. Im Gemeinderat wurde dies von einer<br />
Mehrheit der Fraktionen Linken, SPD, Grünen und KAL verabschiedet. Somit<br />
werden Hoteliers 5 % der Übernachtungskosten als Steuer abgeben müssen.<br />
Die Abgabe wird wohl auf die Übernachtungsgäste umgelegt werden.<br />
Die Hoteliers und die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und FÜR<br />
Karlsruhe sehen die Entscheidung <strong>für</strong> eine Bettensteuer mit großer Sorge. Die<br />
Bettensteuer wurde mit der Begründung verabschiedet, dass die städtischen<br />
Infrastrukturen bisher allein von den Bürgerinnen und Bürgern finanziert<br />
wird und sich die Touristen nun daran beteiligen sollen.<br />
Petra Lorenz, Stadträtin der Fraktionsgemeinschaft und Karlsruher<br />
Unternehmerin, hält die Entscheidung des Gemeinderates <strong>für</strong> ein falsches<br />
Signal:<br />
"Wir halten die Entscheidung aus vielen Gründen <strong>für</strong> eine falsche Maßnahme:<br />
Die neue Steuer ist nicht zweckgebunden, wird also nicht zwangsläufig in den<br />
kommunalen Tourismus reinvestiert, sondern wird zum Stopfen der<br />
städtischen Haushaltslücken verwendet werden. Transparent ist das nicht.<br />
Des Weiteren bedeutet die neue Steuer einen großen bürokratischen<br />
Mehraufwand <strong>für</strong> die Hotelerie. Die Abrechnung und Umsetzung der Steuer<br />
bedeutet mehr Arbeitszeit, die nicht <strong>für</strong> die eigentliche Arbeit der Hotels<br />
genutzt werden kann." Abschließend betont Petra Lorenz, dass die <strong>Ein</strong>führung<br />
der Bettensteuer auch dem städtischen Tourismus zu Gute kommen sollte:<br />
"Wir appellieren an die Verantwortlichen, eine transparente und<br />
zweckgebundene Nutzung der Steuereinnahmen sicherzustellen, um einen<br />
Mehrwert <strong>für</strong> den kommunalen Tourismus zu schaffen. Es ist unerlässlich,<br />
dass die Mittel gezielt in die Förderung und Weiterentwicklung der städtischen<br />
Attraktionen sowie in die Verbesserung der touristischen Infrastruktur<br />
fließen. Die städtischen Hotels stehen im freien Wettbewerb mit den Hotes<br />
außerhalb der Stadt, die keine Bettensteuer zahlen müssen. Das bedeutet<br />
erschwerte Bedingungen. Wenn der Preis <strong>für</strong> eine Übernachtung steigt, dann<br />
muss auch die Attrativität <strong>für</strong> Touristen steigen in Karlsruhe ein Hotel zu<br />
buchen."<br />
Die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und FÜR Karlsruhe setzt sich<br />
da<strong>für</strong> ein, dass die schwierige Haushaltslage der Stadt nicht mit neuen Steuern<br />
gemildert wird, sondern Prioritäten bei der Ausgaben gesetzt werden, denn<br />
Karlsruhe hat kein <strong>Ein</strong>nahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.<br />
* Bildquelle: Rhema Kallianpur / unsplash.com<br />
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| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Die Sophienstraße muss frei bleiben<br />
Der Unmut vieler Anwohner der Sophienstraße ist groß: Die Straße soll nach<br />
den Plänen der Stadtverwaltung <strong>für</strong> den Autoverkehr gesperrt und an die<br />
„Musterlösung des Radnetzes Baden-Württemberg“ angepasst werden.<br />
Parkplätze, die aufgrund der Anpassungen bereits nicht mehr nutzbar sind,<br />
werden inzwischen von provisorischen Sitzgelegenheiten, Pflanzen und<br />
Fahrradständern belegt, die selten genutzt werden. Die Freien Wähler<br />
Karlsruhe und die Wählergruppe FÜR Karlsruhe teilt die Skepsis der<br />
Anwohnerinnen und Anwohnern gegenüber den Veränderungen und<br />
Baumaßnahmen, die im kommenden Jahr beginnen sollen:<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
Schon bald wieder Sport<br />
in der Europahalle<br />
Die Fraktionsgemeinschaft hat von der Karlsruher Stadtverwaltung<br />
erfreuliche Informationen zur Wiederaufnahme von Sportveranstaltungen<br />
und Events in der Karlsruher Europahalle erhalten.<br />
Ab Juni <strong>2024</strong> wird die sanierte Europahalle Schulen und Vereinen wieder <strong>für</strong><br />
Trainingszwecke zur Verfügung stehen. Sportveranstaltungen, darunter auch<br />
Basketball-Bundesliga-Spiele, können ab Juli <strong>2024</strong> wieder stattfinden.<br />
"Die Beweggründe der Stadtverwaltung <strong>für</strong> die Verkehrs- und<br />
Baumaßnahmen in der Sophienstraße sind nicht klar: Woher resultiert die<br />
Annahme der Stadt, den Verkehr in der Sophienstraße an die „Musterlösung<br />
des Radnetzes Baden-Württemberg“ anzupassen, ohne die Anwohnerinnen<br />
und Anwohner ausreichend zu informieren, geschweige denn, in den<br />
Entscheidungsprozess einzubeziehen?<br />
Die Stadtverwaltung muss auf die Bürgerinnen und Bürger jetzt zugehen und<br />
sich erklären. Deshalb stellen wir mit einer Anfrage einen Fragenkatalog an die<br />
Stadtverwaltung, um die dringendsten Anliegen zu klären. Bisher wird das<br />
ganze Projekt als sehr fragwürdig empfunden ", so Stadträtin Petra Lorenz<br />
von der Freien Wählern, die sich mit den Anwohnerinnen und Anwohner über<br />
die Veränderungen in der Sophienstraße bereits ausgetauscht hat.<br />
Von der Stadtverwaltung wird erwartet, die Fragen der Bürgerinnen und<br />
Bürger ernst zu nehmen, ausführlich und klar auf den Fragenkatalog<br />
einzugehen.<br />
Die Großsporthalle bietet rein rechnerisch eine Kapazität von 4.800 Personen.<br />
Praktisch wird die maximale Zuschauerkapazität nach aktuellen<br />
Möblierungsvarianten jedoch bei 4.100 Zuschauerinnen und Zuschauern<br />
liegen.Um die termingerechte technische Abnahme sicherzustellen, obliegt<br />
die Koordination den beauftragten Ingenieurbüros. <strong>Ein</strong>e externe<br />
Projektsteuerung wurde zusätzlich mit dem Inbetriebnahmemanagement<br />
beauftragt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.<br />
Das Betreiberkonzept und Catering in der Europahalle wird in<br />
Zusammenarbeit zwischen der Karlsruher Sportstätten-Betriebs-GmbH<br />
(KSBG) und der Firma Saki's Party Service & Events (Pächter) umgesetzt. Nach<br />
Abschluss sämtlicher Baumaßnahmen und der wieder vorhandenen<br />
Nutzungsmöglichkeit der Europahalle wird der Pächter einen Pachtvertrag<br />
von bis zu zwei Jahren annehmen.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft begrüßt diese Entwicklung. Die Wiederaufnahme<br />
von Sportveranstaltungen und Events in der Karlsruher Europahalle markiert<br />
einen bedeutenden Schritt <strong>für</strong> die sportliche und kulturelle Vielfalt der Stadt.<br />
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* Bildquelle: Bailey Burton / unsplash.com
Der Umgang mit Antisemitismus<br />
| GEMEINDERATSINFO | Ausgabe 11 | 2023<br />
muss auf die Agenda<br />
Die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler und der Wählergruppe "FÜR<br />
Karlsruhe" setzt sich da<strong>für</strong> ein, dass der Runde Tisch Antirassismus und<br />
Antidiskriminierung um das Themenfeld Antisemitismus erweitert wird. In<br />
einem Ergänzungsantrag zum aktuellen Antrag an den Karlsruher<br />
Gemeinderat forderte die Fraktion, dass der Antisemitismus als<br />
eigenständiges Thema in den Beratungen des Runden Tisches behandelt wird.<br />
Die Stadtverwaltung nahm den Vorschlag in den Bericht zum Runden Tisch<br />
wohlwollend auf.<br />
Antirassismus und Antidiskriminierung auch Maßnahmen gegen<br />
Antisemitismus erörtern sollte. Hierzu könnte es erforderlich sein, das<br />
Themenfeld in einem untergliederten Gremium des Runden Tisches mit den<br />
betroffenen oder damit betrauten Akteurinnen und Akteuren zu diskutieren.<br />
Antisemitismus kann als eine Form von Rassismus betrachtet werden, weist<br />
jedoch deutlich andere Dimensionen auf, die sich vom Rassismus<br />
unterscheiden. Dennoch sind beide Formen gruppenbezogener<br />
Menschenfeindlichkeit und verdienen gleichermaßen Aufmerksamkeit.<br />
"Wir müssen Antisemitismus als eigenständiges Thema in den Fokus nehmen<br />
und entsprechende Maßnahmen ergreifen", betont Fraktionsvorsitzender<br />
Insbesondere in den Wirkungsfeldern des<br />
öffentlichen Raums und der Bildung und Schule<br />
sind Maßnahmen gegen Antisemitismus<br />
unerlässlich.<br />
Friedemann Kalmbach. "Gerade in Zeiten, in denen antisemitische Vorfälle<br />
zunehmen, ist es wichtig, dass wir als Stadt Karlsruhe ein klares Zeichen<br />
setzen und uns aktiv gegen Antisemitismus engagieren. Wir begrüßen die<br />
Symbolhandlungen wie das Hissen der israelischen Flagge. Als nächster<br />
Schritt muss der Umgang mit Antisemitismus auf die Agenda gesetzt werden."<br />
Insbesondere in den Wirkungsfeldern des öffentlichen Raums und der Bildung<br />
und Schule sind Maßnahmen gegen Antisemitismus unerlässlich, gerade vor<br />
dem Hintergrund aktueller Entwicklungen des Krieges im Nahen Osten, sowie<br />
der Reaktionen in Deutschland.<br />
Die Fraktionsgemeinschaft setzt sich <strong>für</strong> eine offene und tolerante<br />
Gesellschaft ein und möchte mit diesem Antrag einen Beitrag zur Bekämpfung<br />
von Antisemitismus leisten.<br />
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