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Das ökumenische Magazin für nachhaltige Beschaffung, Ausgabe April 2022

Die Beschaffung in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden verantwortet pro Jahr ca. 120 Milliarden Umsatz. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Menschenrechtsverletzungen steht die ökumenische Beschaffung in einer Transformation. Sie sind Teil dieser Transformation und wollen sich über aktuelle Trends, Best Practices und Meinungen der Stakeholder in der öffentlichen Beschaffung informieren? Dann sind Sie hier richtig! Das Magazin für nachhaltige Beschaffung informiert regelmäßig zum Thema, veröffentlicht Interviews, Erkenntnisse aus der täglichen Praxis und gibt Tipps zum Einstieg und Vertiefung der nachhaltigen Beschaffung in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden

Die Beschaffung in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden verantwortet pro Jahr ca. 120 Milliarden Umsatz. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Menschenrechtsverletzungen steht die ökumenische Beschaffung in einer Transformation.

Sie sind Teil dieser Transformation und wollen sich über aktuelle Trends, Best Practices und Meinungen der Stakeholder in der öffentlichen Beschaffung informieren? Dann sind Sie hier richtig!

Das Magazin für nachhaltige Beschaffung informiert regelmäßig zum Thema, veröffentlicht Interviews, Erkenntnisse aus der täglichen Praxis und gibt Tipps zum Einstieg und Vertiefung der nachhaltigen Beschaffung in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden

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<strong>Das</strong> <strong>ökumenische</strong> <strong>Magazin</strong><br />

<strong>für</strong> einen <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf<br />

6,80 EURO<br />

<strong>Ausgabe</strong> Oktober 2021<br />

Weitere Themen:<br />

Nachhaltiger Einkauf im<br />

Gesundheitswesen<br />

Initiative<br />

„Faire Einrichtung“<br />

Umweltbilanz<br />

von Streaming,<br />

Videokonferenz & Co<br />

Best Practice<br />

aus Kirche und Wohlfahrt<br />

Top-Themen:<br />

Nachhaltiger Einkauf und Digitalisierung<br />

Klimaschutz in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden<br />

Kleine Kniffe<br />

1<br />

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2 Kleine Kniffe<br />

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Editorial<br />

Der Krieg überschattet alles. Russland überfällt ein Land, Millionen von Menschen sind<br />

gezwungen zu fliehen, Städte und Infrastruktur werden sinnlos zerstört. Dem Entsetzen folgt<br />

Hilfsbereitschaft und Initiativen der Unterstützung. Der Finne Sammeli Sammalkorpi startet in<br />

Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Verband in Finnland eine Initiative in seinem Netzwerk<br />

der Verantwortlichen <strong>für</strong> <strong>Beschaffung</strong> und Lieferketten: die berufsbezogene Initiative procure4peace,<br />

die sich über social networks schnell weltweit verbreitet. Und Stefan Krojer von ZUKE baut<br />

in enger Zusammenarbeit mit den Ministerien in Deutschland eine Internet-Plattform <strong>für</strong> den<br />

Krankenhausbereich auf. Krankenhäuser aus der Ukraine können dort ihren Bedarf an medizinischem<br />

Gerät, Medikamenten und Hilfsgütern posten, damit man in Deutschland den konkreten<br />

Bedarf erkennen kann. Geliefert werden die Güter zentral in die Ukraine, die Verteilung dort<br />

erfolgt mit eigener Kraft.<br />

Beide Initiativen zeigen, wie zentral das Wissen von <strong>Beschaffung</strong>sverantwortlichen ist, um die<br />

weltweite Hilfsbereitschaft in konkrete Lieferungen umwandeln zu können.<br />

Es stellt sich heraus, dass die Unsicherheiten in den Lieferketten, die durch COVID verursacht<br />

wurden, durch den Krieg dramatisch steigen. Über die Unsicherheiten in Logistik und<br />

Materialbeschaffung hinaus, stellt sich heute in aller Wucht die Frage, ob das exportorientierte<br />

Wirtschaftsmodell Deutschlands in der Zukunft noch tragfähig ist. Was ist, wenn sich neben<br />

Russland nun auch China vom globalen Markt abschottet? Keine andere Wirtschaft auf der Welt<br />

ist wie die deutsche im Im- und Export so stark global vernetzt. Chemie- Automobil- und Maschinenbau-Industrie<br />

sind vor die Frage gestellt, wie sie ihre Absatz- und <strong>Beschaffung</strong>spolitik ändern<br />

müssen, um zukunftsfähig zu bleiben.<br />

Wir alle spüren im Privat- und Berufsleben die Auswirkungen der krisenhaften Situation.<br />

Steigende Energiepreise, leerstehende Regale, steigende Produktpreise. Die Verantwortung der<br />

<strong>Beschaffung</strong>sverantwortlichen steigt und ihr Fachwissen über Rohstofflieferanten, politische Rahmenbedingungen,<br />

persönliche Kontakte zu Zulieferern und Akquisition neuer Zulieferer werden<br />

immer mehr zu einem strategischen Faktor in Unternehmen. <strong>Beschaffung</strong>sverantwortliche sind<br />

<strong>für</strong> den Aufbau und Erhalt stabiler Lieferketten und einen <strong>nachhaltige</strong>n, sicheren Einkauf unersetzlich.<br />

Bleiben Sie gesund und optimistisch!<br />

Chefredakteur<br />

Kleine Kniffe<br />

3<br />

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Impressum<br />

Redaktion<br />

SDG media GmbH<br />

Wagenfeldstraße 7a<br />

44141 Dortmund<br />

Kontakt:<br />

redaktion@kleine-kniffe.de<br />

Chefredaktion und V.i.S.d.P:<br />

Thomas Heine<br />

Textbeiträge von:<br />

Hendrik Claasen, Mareike Erhardt, Dr. Oliver<br />

Foltin, Ralf Grosse, Gabriella Gyori, Frank<br />

Hagedorn, Thomas Heine, Dr. Anne Hübner,<br />

Judith Jung, Stefan Krojer, Marco Lasczyk,<br />

Eveline Lemke, Jil Mungo, Caterina Marcucci,<br />

Falko Meyer, Marina Köhn, Lukas Kruse,<br />

Nadine Schrempp, Dr. Volker Teichert, Heinrich<br />

Wedel<br />

26<br />

Fotos/Grafiken:<br />

Bundesministerium <strong>für</strong> Wirtschaft und Energie,<br />

DENEFF, depositphotos, Deutscher Caritasverband<br />

e.V., Diakonie Düsseldorf, Europäische<br />

Union, <strong>2022</strong>, Johannesstift Diakonie Services,<br />

Stiftung Evangelisches Johannesstift<br />

Internet:<br />

www.<strong>nachhaltige</strong>-beschaffung.com<br />

Social media:<br />

Twitter: https://twitter.com/MKniffe<br />

LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/<br />

thomas-heine-866785<br />

Facebook: https://www.facebook.com/Kleine-<br />

Kniffe-1601748926512841/<br />

36<br />

Höhe der Auflage:<br />

15.000<br />

Distribution<br />

Der Versand der Auflage erfolgte mit finanzieller<br />

Unterstützung des Umweltbundesamtes<br />

Druck:<br />

Produktion mit 100% Ökostrom aus regenerativer<br />

Stromerzeugung und ohne Einsatz<br />

fossiler Brennstoffe.<br />

Druck:<br />

Recyclingpapier<br />

Herausgeber<br />

SDG media GmbH<br />

Wagenfeldstraße 7a<br />

44141 Dortmund<br />

www.sdg-media.de<br />

kleine kniffe® ist eingetragene Marke<br />

der IMAGO GmbH, Dortmund<br />

06. Die Zukunft der<br />

<strong>Beschaffung</strong> ist<br />

grün<br />

Green Healtcare<br />

10. Green Hospital<br />

Johannesstift Diakonie<br />

Services<br />

12. Faire<br />

Einrichtung<br />

Diakonisches Werk<br />

Württemberg<br />

18. Energieeffizienz<br />

in sozialen Einrichtungen<br />

21.Procure4Peace<br />

Interview<br />

22. Nachhaltige<br />

Energiebeschaffung<br />

WGKD<br />

14. Mitarbeiter<br />

Begeistern<br />

24. Energiemanagement<br />

<strong>für</strong> Klimaschutz<br />

Beispiel Johannisstift<br />

4 Kleine Kniffe<br />

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08 42<br />

47<br />

18<br />

26. Klimaneutralität<br />

der Kirchen<br />

FEST, Heidelberg<br />

35. Klimaschutz und<br />

Wirtschaftlichkeit<br />

46. Tool zur<br />

Ermittlung der<br />

CO 2<br />

-Emissionen<br />

30. Klimaschutz und<br />

Bundesbehörden<br />

KNB<br />

36. Klimaneutral bis<br />

2030<br />

Interview CARITAS<br />

47. Kreislaufwirt<br />

schaft<br />

Interview mit Eveline Lemke<br />

32.Standardisierung<br />

in der <strong>Beschaffung</strong><br />

34. NachhaltigeR<br />

Online-Einkauf<br />

HKD<br />

42. Streaming,<br />

Videokonferenz<br />

& Co.<br />

Klimabilanzen<br />

44. Interview mit<br />

Weihbischof Rolf Lohmann<br />

48. neue EU-<br />

Energielabel<br />

Dr. Teichert, FEST<br />

52. Kreislaufwirtschaft<br />

und zirküläre <strong>Beschaffung</strong><br />

Kleine Kniffe<br />

5<br />

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Nachhaltige <strong>Beschaffung</strong> im Bereich Health Care<br />

Die Zukunft der <strong>Beschaffung</strong> ist GRÜN<br />

Neben dem Megatrend Digitalisierung wird die kommenden Jahre der Megatrend Nachhaltigkeit<br />

die <strong>Beschaffung</strong> stark verändern. Nachhaltige <strong>Beschaffung</strong> berücksichtigt die bestmöglichen<br />

Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft über den gesamten Lebenszyklus<br />

(ISO 20400:2017). Der Gesundheitssektor weist einen Anteil von 4,4 Prozent an den globalen<br />

Treibhausgasemissionen auf. <strong>Das</strong> entspricht 2 Gt CO 2<br />

-Äquivalenten. Ein Krankenhausbett<br />

hat ungefähr den Energiebedarf eines Doppelhauses. Somit haben die im Gesundheitssektor<br />

entstehenden CO 2<br />

-Emissionen erhebliche Auswirkungen auf den Klimawandel.<br />

Ein Beitrag von Stefan Krojer<br />

Insbesondere Krankenhäuser verursachen mit ihrem kontinuierlichen<br />

24/7-Betrieb, der höchste technische Anforderungen<br />

und einen hohe Ressourcenverbrauch erfordert, hohe Umweltbelastungen.<br />

Deutschland will im Jahr 2050 Klimaneutral sein. <strong>Das</strong><br />

Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) setzt konkrete Ziele bis 2030<br />

und ab <strong>2022</strong> auch von 2031 bis 2050. Diese Ziele muss auch der<br />

Gesundheitssektor insbesondere Krankenhäuser erreichen. Der<br />

Einkauf trägt hierbei eine wesentliche Verantwortung. Denn: Der<br />

Einkauf kann bis zu 70 Prozent der im Krankenhaus entstehenden<br />

Emissionen beeinflussen. Dazu kommt die Verantwortung einer<br />

<strong>nachhaltige</strong>n Lieferkette unter Einhaltung von Menschenrechten<br />

und Umweltstandards. <strong>Das</strong> Sorgfaltspflichtengesetz (Lieferkettengesetz)<br />

wurde am 12.2.2021 beschlossen. Ab 2023 müssen auch<br />

Kliniken mit mehr als 3.000 Mitarbeiter – ab 2024 mit mehr als<br />

1.000 Mitarbeiter – sich an die Rechtspflichten der Einhaltung von<br />

Menschenrechten und Umweltstandards halten. Kurzum: Es ist Zeit,<br />

etwas zu tun.<br />

Deshalb will die Initiative »Zukunft Krankenhaus-Einkauf« mit<br />

dem Format »ZUKE Green« einen Beitrag leisten. Durch unsere<br />

praktische Erfahrung im Krankenhaus- und Pflege-Einkauf wissen<br />

wir, dass Kliniken Ihre <strong>Ausgabe</strong>n begrenzen müssen. Deshalb liegt<br />

unser besonderes Augenmerk darauf, über <strong>nachhaltige</strong> Lösungen<br />

und Konzepte wie zum Beispiel PEGreen zu informieren, die wirtschaftlich<br />

sind.<br />

Ansatzpunkte <strong>für</strong> eine <strong>nachhaltige</strong><br />

<strong>Beschaffung</strong><br />

Eine effizientere Anlieferungsroutine der Produkte ist ein<br />

großer Hebel. Hier hilft eine bessere Bestellplanung. Kohlenstoffarme<br />

Substitutionen und Produktinnovationen die Dekarbonisierung<br />

der Lieferantenprozesse sind weitere Hebel. Über 1,4% der Emissionen<br />

in der Lieferkette sind auf Einweggeräte zurückzuführen,<br />

von denen einige wiederverwendet oder repariert werden könnten,<br />

wodurch die Einrichtungen sowohl Kohlenstoff als auch Geld<br />

sparen. Einweg-Plastikgegenstände können entfernt werden. Hier<br />

kann die Umwelt und der Geldbeutel geschont werden, da weniger<br />

Verpackungs-, Liefer- und Entsorgungskosten anfallen. Grundsätzlich<br />

sollten Einrichtungen im Gesundheitswesen ein<br />

Lieferantenmanagement einführen nach dem Prinzip «Vorbeugen<br />

– Identifizieren – Reagieren«:<br />

Vorbeugen: Nachhaltigkeitsanforderungen werden in Verträgen<br />

und Lastenheften verankert, insbesondere im Code of Conduct<br />

<strong>für</strong> Geschäftspartner; Lieferanten werden qualifiziert und sensibilisiert.<br />

Identifizieren: Die Nachhaltigkeitsrisiken in der Lieferkette<br />

werden systematisch ermittelt und priorisiert. Nachhaltigkeit wird<br />

in den wesentlichen Vergabeentscheidungen verankert und ein<br />

Rating der Nachhaltigkeitsperformance der potenziellen Lieferanten<br />

genutzt. Grundlage da<strong>für</strong> sind Selbstauskünfte sowie risikobasierte<br />

Vor-Ort-Checks.<br />

6 Kleine Kniffe<br />

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Foto: depositphotos<br />

Reagieren: Um auf die ermittelten Risiken und Auswirkungen<br />

zu reagieren, stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung.<br />

Dazu gehören ein standardisierter interner Prozess zur Aufarbeitung<br />

von Verstößen einzelner Lieferanten und Maßnahmenpläne aus<br />

Vor-Ort-Checks. Zentrales Ziel ist es, Verstöße zu beheben und zu<br />

verhindern sowie die Nachhaltigkeitsperformance der Lieferanten<br />

aktiv und wirksam zu verbessern.<br />

Umfrage<br />

ZUKE Green hat die User des Netzwerks LinkedIn befragt:<br />

“Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Argument, warum Kliniken<br />

<strong>nachhaltige</strong>r werden sollten?”. <strong>Das</strong> Ergebnis ist eindeutig: Die Erde<br />

zu retten wählten 70% der Befragten. Aber auch neue Mitarbeiter<br />

<strong>für</strong> die Klinik und das Pflegeheim zu gewinnen und zu binden wird<br />

immer wichtiger.<br />

Vision <strong>für</strong> einen <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf<br />

• arbeitet trotz Einhaltung sozialer und ökologischer Standards<br />

wirtschaftlich. Kostensteigerungen sind minimiert, Fördermöglichkeiten<br />

genutzt und Risiken gemanagt.<br />

Mit ZUKE Green wollen wir einen Beitrag leisten zur Erreichung<br />

dieses anspruchsvollen, aber absolut notwendigen Zielbildes<br />

<strong>für</strong> unser Gesundheitssystem. <strong>Das</strong> zentrale Ziel: Decarbonisierung<br />

des Gesundheitssektors bis 2050. Der Einkauf und die <strong>Beschaffung</strong><br />

ist hierbei eine zentrale Schlüsselposition einer <strong>nachhaltige</strong>n Wirtschaft<br />

und Gesundheitseinrichtung. Er ist Multiplikator nach innen<br />

und nach außen. Aber alleine kann der Einkauf die Ziele nicht erreichen.<br />

Deshalb vernetzen sich die Nachhaltigkeitsbotschafter:innen<br />

intern und extern, um gemeinsam mehr zu erreichen. Funktionierende<br />

Erfolgsbeispiele zur Verbesserung des sozialen, ökologischen<br />

und wirtschaftlichen Fußabdrucks werden untereinander geteilt.<br />

Wir wollen, dass Nachhaltigkeit im Supply Chain Management im<br />

Gesundheitswesen zum Standard wird.<br />

Wie kann eine Vision <strong>für</strong> einen <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf aussehen?<br />

Die Vision von Zukunft Krankenhaus-Einkauf ist: Jede Gesundheitseinrichtung...<br />

• ist im Jahr 2040 klimaneutral (direkte Emissionen) und im<br />

Jahr 2050 komplett klimaneutral inklusive der Decarbonisierung<br />

der Lieferkette (Scope 3 Emissionen = net zero)<br />

• trägt ihre soziale Verantwortung innerhalb der eigenen<br />

Einrichtung und der Lieferkette<br />

Autor:<br />

Stefan Krojer<br />

Gründer ZUKE Green<br />

www.zukunft-krankenhaus-einkauf.de<br />

Kleine Kniffe<br />

7<br />

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Veranstaltungshinweis<br />

Zweite Online-Konferenz <strong>für</strong> mehr<br />

Nachhaltigkeit im Krankenhaus Einkauf<br />

Wie gelingt eine erfolgreiche Transformation zum grünen und<br />

<strong>nachhaltige</strong>n Krankenhaus der Zukunft? Darüber diskutieren 35<br />

Experten auf der zweiten Online-Konferenz <strong>für</strong> <strong>nachhaltige</strong>s Einkaufen<br />

und Wirtschaften im Krankenhaus am 22. und 23. November<br />

<strong>2022</strong> online. Kernthemen sind <strong>nachhaltige</strong> <strong>Beschaffung</strong>, Klimaneutralität,<br />

Kreislaufwirtschaft und Lieferkettengesetz.<br />

Politik und Klinikgruppen geben Einblicke<br />

<strong>Das</strong> Bundesgesundheitsministerium sowie diverse Klinikbetreiber<br />

sind angefragt und stellen ihre Nachhaltigkeitsstrategie und<br />

Best Practices vor. In aktiven Workshops geht es darum, gemeinsam<br />

mit Experten Lösungen zu erarbeiten. Der Kongress richtet sich an<br />

Klinikentscheider, Nachhaltigkeitsmanagement, Einkauf, Medizin,<br />

Pflege, Technik, Abfallmanagement sowie an Industrie, Handel, IT,<br />

Beratung und Einkaufsgemeinschaften. Weitere Informationen zum<br />

Kongress und Programm erfahren sie unter<br />

Kontakt:<br />

ZUKE Green - Eine Initiative von Zukunft Krankenhaus-Einkauf<br />

Stefan Krojer<br />

Hatzurodestr. 28<br />

41812 Erkelenz<br />

Tel. +49 177 82 98 372<br />

Homepage: www.zuke-green.de<br />

Kongress: https://kongress.zuke-green.de<br />

Mail: office@zuke-green.de<br />

https://kongress.zuke-green.de<br />

8 Kleine Kniffe<br />

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Kleine Kniffe<br />

9<br />

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Nachhaltige <strong>Beschaffung</strong> im Bereich Health Care<br />

Nachhaltige <strong>Beschaffung</strong> im Krankenhauswesen<br />

Der Bereich Einkauf und Logistik der Johannesstift Diakonie Services ist <strong>für</strong> die <strong>Beschaffung</strong><br />

von medizinischen und nicht medizinischen Produkten <strong>für</strong> Krankenhäuser sowie Pflege- und<br />

Sozialeinrichtungen verantwortlich. <strong>Das</strong> Megathema Nachhaltigkeit und die daraus resultierende<br />

Handlungsnotwendigkeit wird auch hier als immer dringender wahrgenommen. Was sind die<br />

Maßnahmen und wie nachhaltig können Medizinprodukte in einem streng regulierten Markt sein?<br />

Ein Beitrag von Marco Lasczyk und Heinrich Wedel<br />

<strong>Das</strong> Service Center Einkauf und Logistik der Johannesstift<br />

Diakonie Services versorgt inzwischen 40 Krankenhäuser und<br />

verschiedene Pflege- und Sozialeinrichtungen vornehmlich christlicher<br />

Trägerschaften in acht Bundesländern. Wer im SCEuL, so die<br />

Abkürzung des Service Centers, Vollversorgung genießt, <strong>für</strong> den<br />

reicht die Dienstleistung vom Zentraleinkauf der medizinischen und<br />

nicht medizinischen Materialien bis zur Lieferung in den Schrank.<br />

Zur Johannesstift Diakonie Services gehören neben dem Service<br />

Center Einkauf und Logistik auch die Bereiche Catering, Reinigung,<br />

Zentralsterilisation, Bau- und Energiemanagement, Immobilienmanagement<br />

und seit <strong>2022</strong> neu die Bereiche International und<br />

Eventmanagement.<br />

Die Johannesstift Diakonie Services ist eine hundertprozentige<br />

Tochter der konfessionellen Johannesstift Diakonie gAG. Diese<br />

hat das Thema Nachhaltigkeit als einen wichtigen Bereich in ihrer<br />

Strategie aufgesetzt. Vor allem geht es dem Unternehmensverbund<br />

darum, mit vielfältigen Maßnahmen Energie und CO ²<br />

einzusparen.<br />

Mehr Nachhaltigkeit bei Lieferketten und<br />

<strong>Beschaffung</strong>sprozessen<br />

Der Bereich Einkauf und Logistik arbeitet kontinuierlich daran,<br />

<strong>nachhaltige</strong> <strong>Beschaffung</strong>sprozesse in den Arbeitsalltag zu integrieren.<br />

Dabei sind verschiedene Aspekte wichtig. Im Kern wird der Begriff<br />

Nachhaltigkeit in ihren drei Dimensionen Umwelt, Soziale Verantwortung<br />

und Unternehmensführung unterschieden. Angelehnt<br />

daran hat der Bereich Einkauf <strong>für</strong> sich in einer Chancen-Risiko-Analyse<br />

<strong>nachhaltige</strong> <strong>Beschaffung</strong>sziele definiert.<br />

Die Maßnahmen können in zwei grobe Handlungsstränge<br />

gegliedert werden. Einerseits geht es um die Optimierung der<br />

Lieferketten: Gemeinsam mit den Anwender*innen aus den medizinischen<br />

Bereichen werden die Lieferanten nach <strong>nachhaltige</strong>n und<br />

transparenten Kriterien ausgewählt und gleichzeitig bewertet. Interessant<br />

sind unternehmensinterne Kennzahlen in den drei genannten<br />

Nachhaltigkeitsdimensionen genauso wie Zertifizierungen nach<br />

anerkannten Standards. Besonders attraktiv sind Produktlinien, die<br />

womöglich schon CO ²<br />

-neutrale Lieferketten nachweisen können.<br />

Die Suche nach möglichen Kooperationspartner*innen in der Lieferindustrie<br />

und Pilotprojekten ist <strong>für</strong> den Bereich Einkauf und<br />

Logistik dabei ein stetiger und wichtiger Prozess.<br />

Andererseits sollen die eigenen <strong>Beschaffung</strong>sprozesse <strong>nachhaltige</strong>r<br />

gestaltet werden. Es entsteht derzeit eine <strong>Beschaffung</strong>sstrategie,<br />

die beispielsweise Lieferwege optimiert und viele Teillieferungen<br />

hin zu gebündelten Bestellungen verändert. Es sollen aber nicht nur<br />

Aspekte des Umweltschutzes, sondern auch der Bereiche Soziale<br />

Verantwortung und Unternehmensführung berücksichtigt werden.<br />

Mittelfristiges Ziel ist ein auf Nachhaltigkeit abzielender verbindlicher<br />

Handlungsleitfaden <strong>für</strong> den strategischen und operativen<br />

Einkauf.<br />

Elektroautos und grünes Büromaterial<br />

Erste Neuerungen in der <strong>Beschaffung</strong> gibt es beim Flottenmanagement:<br />

Wo immer es möglich ist, werden elektrisch betriebene<br />

Fahrzeuge angeschafft. Parallel dazu entsteht die notwendige Ladeinfrastruktur<br />

in den Einrichtungen und erste Pilotprojekte werden<br />

bereits gebaut.<br />

10 Kleine Kniffe<br />

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Foto: Johannesstift Diakonie Services<br />

Außerdem wurde das Büromaterial in einem ersten Schritt unter<br />

die grüne Lupe genommen und der Artikelkatalog gemeinsam mit<br />

den Lieferanten deutlich verschlankt. <strong>Das</strong> Kopierpapier wurde im<br />

ersten Quartal <strong>2022</strong> auf 100 Prozent Recyclingpapier umgestellt.<br />

Dabei soll der bewusste Papierverbrauch aller Mitarbeitenden<br />

gefördert werden. Denn: Der Verbrauch an Kopierpapier muss<br />

um insgesamt 14 Prozent sinken, um die derzeitigen Kosten trotz<br />

Umstellung nicht zu erhöhen.<br />

Diese Maßnahmen haben den Vorteil, dass sie sich ohne größere<br />

Hürden umsetzen lassen und gleichzeitig schnelle Erfolge erzielen,<br />

die Akzeptanz schaffen und der Nachhaltigkeit zugutekommen.<br />

Hinsichtlich der <strong>Beschaffung</strong> von medizinischem Verbrauchsmaterial<br />

wie beispielsweise Implantaten oder persönlicher<br />

Schutzausrüstung sind insbesondere Kriterien der Sozialen Verantwortung<br />

und der Unternehmensführung der potenziellen Lieferanten<br />

wichtig. In den Ausschreibungsunterlagen stellt der Bereich Einkauf<br />

und Logistik sicher, dass die Wahrung der Menschenrechte, Zahlung<br />

von gerechten Löhnen und Korruptionsprävention oberste Priorität<br />

haben. Diese Punkte werden momentan in intensiver Zusammenarbeit<br />

verschiedener Projektteams um ökologische Aspekte erweitert.<br />

die im Lichte der Patientensicherheit geführt wird. Hierbei bewegt<br />

sich der Trend hin zu mehr Einwegartikeln und weg von Mehrwegprodukten.<br />

Inwieweit das der Nachhaltigkeit zugutekommt,<br />

lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Eine weitere Grenze<br />

ist, dass Unternehmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit über die<br />

gesamte Lieferkette hinweg schwierig zu bewerten sind. Es mangelt<br />

an Transparenz und klaren Kriterien.<br />

Bei allen Aktivitäten ist es <strong>für</strong> die Johannesstift Diakonie Services<br />

wichtig, mehr Transparenz und Achtsamkeit <strong>für</strong> dieses so wichtige<br />

Thema zu schaffen. Im Hinblick auf unsere diakonische Tradition<br />

sehen und leben wir unsere Vorbildfunktion und möchten unseren<br />

gesellschaftlichen und <strong>nachhaltige</strong>n Beitrag dazu leisten.<br />

Wenn Sie sich <strong>für</strong> <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf im Krankenhauswesen<br />

interessieren, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf:<br />

Grenzen umweltbewusster <strong>Beschaffung</strong> im<br />

medizinischen Bereich<br />

Die Frage nach den Grenzen umweltbewusster <strong>Beschaffung</strong><br />

kommt sehr schnell auf, wenn über „grüne“ Implantate oder Beatmungsschläuche<br />

diskutiert wird. Für einen großen Teil der <strong>für</strong> den<br />

Krankenhausbetrieb notwendigen Artikel existieren schlicht noch<br />

keine vollumfänglich <strong>nachhaltige</strong>n Alternativen. Dies gilt vor allem<br />

<strong>für</strong> patientenkritische und sicherheitsrelevante Bereiche. Durch<br />

strenge und unbestritten auch notwendige gesetzliche Regularien<br />

gibt es in diversen Produktbereichen nur wenige Handlungsmöglichkeiten.<br />

Im Gegenteil beobachten wir im Moment eine Diskussion,<br />

Autoren<br />

Marco Lasczyk und<br />

Bereichsleiter Strategischer Einkauf<br />

Heinrich Wedel<br />

Mitarbeiter Strategischer Einkauf<br />

Johannesstift Diakonie Services<br />

www.jsd.de/services<br />

Kleine Kniffe<br />

11<br />

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Aus Wohlfahrtsverbänden<br />

Initiative Faire Einrichtung<br />

Faire <strong>Beschaffung</strong>, Klima- und Umweltschutz in Einrichtungen, Diensten und Tagungshäusern in<br />

der württembergischen Diakonie und Landeskirche zu fördern und zu begleiten, das ist das Ziel<br />

der Initiative „Faire Einrichtung“. <strong>Das</strong> Engagement <strong>für</strong> Nachhaltigkeit, das in vielen Einrichtungen<br />

schon seit Jahren vorhanden ist, soll <strong>für</strong> Klient*innen, Besucher*innen und die Öffentlichkeit<br />

sichtbar werden. Da<strong>für</strong> vergibt die Initiative eine Plakette mit Urkunde und lädt dazu ein, die<br />

Auszeichnung als Anlass <strong>für</strong> die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen.<br />

Ein Beitrag von Mareike Erhardt,<br />

Landesstelle Brot <strong>für</strong> die Welt/Diakonisches Werk Württemberg<br />

Auf Gemeindeebene gibt es<br />

schon seit sieben Jahren die Initiative<br />

„Faire Gemeinde“ <strong>für</strong> Fairen<br />

Einkauf und Bewahrung der<br />

Schöpfung in Kirchengemeinden.<br />

120 Kirchengemeinden beteiligen<br />

sich aktuell an der <strong>ökumenische</strong>n<br />

Initiative. Auch diakonischen und<br />

kirchlichen Einrichtungen ein<br />

Angebot zu machen, war schon<br />

seit mehreren Jahren geplant.<br />

Seit Anfang 2021 wird die Arbeit<br />

mit Unterstützung der Inlandsförderung<br />

von Brot <strong>für</strong> die Welt<br />

finanziert.<br />

Die Geschäftsstelle der<br />

„Fairen Einrichtung“ ist im Diakonischen<br />

Werk Württemberg<br />

/ Landesstelle Brot <strong>für</strong> die Welt<br />

angesiedelt. Ein Trägerkreis begleitet<br />

die Arbeit, einbezogen sind<br />

damit auch Expert*innen <strong>für</strong> den<br />

fairen Handel, Bewahrung der<br />

Schöpfung, Globales Lernen und<br />

Ökumene. Im Trägerkreis vertreten<br />

sind das Umweltreferat der Landeskirche mit der Geschäftsstelle<br />

Grüner Gockel, der Dienst <strong>für</strong> Mission, Ökumene und Entwicklung<br />

(DiMOE), das Zentrum <strong>für</strong> entwicklungsbezogene Bildung (ZEB)<br />

sowie der Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg.<br />

Kernaussagen des Beitrags<br />

120 Kirchengemeinden beteiligen sich aktuell an der <strong>ökumenische</strong>n<br />

Initiative „Faire Gemeinde“ der württembergischen<br />

Landeskirche.<br />

Im Trägerkreis vertreten sind das Umweltreferat der Landeskirche<br />

mit der Geschäftsstelle Grüner Gockel, der Dienst <strong>für</strong> Mission,<br />

Ökumene und Entwicklung (DiMOE), das Zentrum <strong>für</strong> entwicklungsbezogene<br />

Bildung (ZEB), Brot <strong>für</strong> die Welt / Diakonisches<br />

Werk Württemberg sowie der Dachverband Entwicklungspolitik<br />

Baden-Württemberg.<br />

Es hat sich auch gezeigt, dass es in der Diakonie Württemberg<br />

einen größeren Bedarf der Einrichtungen gibt, sich über konkrete<br />

Erfahrungen auszutauschen und sich so gegenseitig bei der Umstellung<br />

auf Fair und Nachhaltig zu unterstützen.<br />

Insbesondere im Bereich des Klimaschutzes stehen viele Einrichtungen<br />

vor Herausforderungen. Um diese gut zu bewältigen,<br />

braucht es weitere Angebote und konkrete Unterstützung sowie ein<br />

klares Bekenntnis auf Verbands- und Leitungsebene.<br />

Die Kriterien der „Fairen<br />

Einrichtung“<br />

Die Grundvoraussetzungen<br />

der „Fairen Einrichtung“, die jede<br />

ausgezeichnete Einrichtung erfüllt,<br />

sind:<br />

1. Fairer Kaffee: Die Einrichtung<br />

schenkt fair gehandelten<br />

Kaffee aus und verwendet mindestens<br />

ein weiteres Produkt aus<br />

fairem Handel.<br />

2. Kommunikation: Die Einrichtung<br />

informiert darüber, dass<br />

sie an der Initiative Faire Einrichtung<br />

teilnimmt. Jährlich führt sie<br />

mindestens eine Bildungsveranstaltung<br />

zum Themenbereich „Fair<br />

Handeln bei uns und weltweit“<br />

durch.<br />

Neben den Grundvoraussetzungen<br />

erfüllen teilnehmende<br />

Einrichtungen im ersten Jahr zwei<br />

Kriterien des Kriterienkatalogs der<br />

„Fairen Einrichtung“ und danach jährlich zusätzlich ein weiteres<br />

Kriterium.<br />

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Foto: depositphotos<br />

„Faire Einrichtung“-Kriterienkatalog:<br />

• <strong>Beschaffung</strong>srichtlinien<br />

Die Einrichtung gibt sich <strong>Beschaffung</strong>srichtlinien, die die<br />

Kriterien fair und ökologisch umfassen und beginnt mit der<br />

Umsetzung.<br />

• Give-Aways und Geschenke<br />

Es wird regelmäßig geprüft, wie viele Give-Aways wirklich<br />

benötigt werden. Die Give-Aways der Einrichtungen bei<br />

Messen, Veranstaltungen u.a. kommen aus fairem Handel,<br />

aus <strong>nachhaltige</strong>r regionaler Produktion oder von Werkstätten<br />

<strong>für</strong> Menschen mit Behinderung. <strong>Das</strong> gleiche gilt <strong>für</strong> Geschenke<br />

der Einrichtung an Mitarbeitende zu Geburtstagen, Verab<br />

schiedungen etc.<br />

• Bewirtung <strong>für</strong> Mitarbeitende und Gäste<br />

Bei der Sitzungsbewirtung, der Verpflegung von Mitarbeiten<br />

den und Gästen werden, wo möglich, saisonale, regionale und<br />

fair gehandelte Produkte angeboten. <strong>Das</strong> Angebot von Wurst<br />

und Fleisch wird reduziert. Da<strong>für</strong> werden attraktive vegetarische/vegane<br />

Gerichte angeboten.<br />

• Bewirtung <strong>für</strong> Bewohner*innen<br />

Bei der Bewirtung <strong>für</strong> Bewohner*innen oder Patient*innen<br />

werden, wo möglich, saisonale, regionale und fair gehandelte<br />

Produkte angeboten. <strong>Das</strong> Angebot von Wurst und Fleisch wird<br />

reduziert. Da<strong>für</strong> werden attraktive vegetarische/vegane<br />

Gerichte angeboten.<br />

• Verkaufsstelle fairer Produkte<br />

Die Einrichtung richtet eine Verkaufsstelle <strong>für</strong> Produkte<br />

aus fairem Handel ein. Dort können zum Beispiel Geschenke,<br />

Grußkarten oder Snacks gekauft werden.<br />

• Elektronik und IT<br />

Die Einrichtung beschafft umweltschonende elektronische<br />

Geräte und IT. Es wird geprüft, wie der Lebenszyklusverlängert<br />

werden kann (z.B. durch die Verwendung generalüberholter<br />

IT, Tauschbörse <strong>für</strong> nicht verwendete IT).<br />

Umweltschonendes Recycling wird sichergestellt.<br />

Smartphones werden nachhaltig eingesetzt (z.B. indem eine<br />

Zweifach-Nutzung ermöglicht wird).<br />

• Mobilität<br />

Die Einrichtung fördert die Nutzung der öffentlichen<br />

Verkehrsmittel und von Fahrrädern durch die Mitarbeitenden.<br />

Dienstreisen werden umweltfreundlich durchgeführt. Für alle<br />

motorisierten Dienstreisen wird ein CO2-Ausgleich geleistet,<br />

z.B. über www.Klima-Kollekte.de. Bei eigenen Veranstaltungen<br />

wird eine umweltfreundliche Anreise ermöglicht.<br />

• Büromaterial<br />

Die Einrichtung beschafft umweltfreundliches und recyclebares<br />

Büromaterial.<br />

• Druckerzeugnisse<br />

Die Einrichtung druckt auf Recyclingpapier (Empfohlenes<br />

Label: Blauer Engel) und in der Regel doppelseitig.<br />

Die Auflagenzahlen ihrer Druckerzeugnisse werden<br />

regelmäßig überprüft, um Überschüsse zu vermeiden. Es wird<br />

ein CO 2<br />

-Ausgleich <strong>für</strong> die Druckerzeugnisse geleistet.<br />

• Textilien<br />

Die Einrichtung beschafft fair produzierte Textilien, bei deren<br />

Herstellung die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten wurden.<br />

• Spielzeug<br />

In Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, in Kindergärten<br />

oder <strong>für</strong> weitere Angebote <strong>für</strong> Kinder in der Einrichtung<br />

wird Spielzeug aus inländischer Produktion mit dem „spiel<br />

gut-Zeichen“, Spielzeug aus Werkstätten <strong>für</strong> Menschen mit<br />

Behinderung oder Spielzeug aus fairem Handel angeschafft.<br />

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Foto: FEMNET<br />

• Müllvermeidung<br />

Bei der Bewirtung in Sitzungen und in der Cafeteria und/oder<br />

bei der Bewirtung von Bewohner*innen wird ausschließlich<br />

Mehrweggeschirr verwendet. Abfälle in der Küche und bei der<br />

Verpackung werden reduziert.<br />

• Energie<br />

Die Einrichtung bezieht Ökostrom, der aus 100 Prozent<br />

regenerativen Energien erzeugt wird. Es wird angestrebt,<br />

Energie (Strom, Wärme, Warmwasser) aus regenerativen<br />

Quellen selbst zu erzeugen.<br />

• Grüner Gockel/EMAS und EMAS+<br />

Die Einrichtung führt das Energiemanagement „Grüner<br />

Gockel“/EMAS oder EMAS+ ein oder ist bereits zertifiziert.<br />

Wie die Erfahrungen zeigen, gestaltet sich die Umstellung als<br />

Prozess über einen längeren Zeitraum. Es lohnt sich, einen niederschwelligen<br />

Einstieg zu ermöglichen. Der Beschluss zur Teilnahme<br />

an der Initiative ist <strong>für</strong> viele Einrichtungen bereits ein großer Schritt.<br />

Hat der Prozess dann begonnen und wurden Strukturen geschaffen,<br />

fällt es leichter, weitere Kriterien hinzuzunehmen. Auf diesem Weg<br />

ist die Bildungsarbeit ein wichtiges Element. Damit kann, gezeigt<br />

werden, dass es <strong>nachhaltige</strong> Alternativen gibt und die Umstellung<br />

sogar Spaß machen kann, in der Einrichtung wie auch im privaten<br />

Umfeld. Bei der Planung und Durchführung von Bildungsveranstaltungen<br />

bietet der Trägerkreis der Initiative Unterstützung an.<br />

Große Komplexträger, kleine Diakoniestationen oder Wohngruppen<br />

der Jugendhilfe: Die Vielfalt der diakonischen Einrichtungen<br />

ist groß. <strong>Das</strong> müssen wir bei unserer Initiative berücksichtigen.<br />

Daher ist eine individuelle Beratung wichtig. Außerdem halten wir<br />

den bürokratischen Aufwand bewusst klein. Im Mittelpunkt steht<br />

das gemeinsame mit- und voneinander Lernen. <strong>Das</strong> bedeutet auch,<br />

dass die Initiative „Faire Einrichtung“ bei Bedarf angepasst und weiterentwickelt<br />

wird.<br />

Es hat sich auch gezeigt, dass es in der Diakonie Württemberg<br />

einen größeren Bedarf der Einrichtungen gibt, sich über konkrete<br />

Erfahrungen auszutauschen und sich so gegenseitig bei der Umstellung<br />

auf Fair und Nachhaltig zu unterstützen. Auf Bundesebene<br />

bestehen bereits einige Netzwerke, an denen sich auch Einrichtungen<br />

aus Württemberg beteiligen. Ein Beispiel hier<strong>für</strong> ist das Projekt<br />

zu „Nachhaltigen Textilien“ der Business Scouts der Caritas und Diakonie<br />

Deutschland.<br />

Insbesondere im Bereich des Klimaschutzes stehen viele Einrichtungen<br />

vor Herausforderungen. Um diese gut zu bewältigen, braucht<br />

es weitere Angebote und konkrete Unterstützung sowie ein klares<br />

Bekenntnis auf Verbands- und Leitungsebene.<br />

Weitere Informationen<br />

Mareike Erhardt,<br />

Referentin in der Landesstelle Brot <strong>für</strong> die Welt/<br />

Diakonisches Werk Württemberg,<br />

Mobil: 0171 4934174,<br />

erhardt.m@diakonie-wue.de<br />

Autorin<br />

Mareike Erhardt<br />

Diakonisches Werk Württemberg<br />

www.diakonie-wue.de<br />

Tel.: 0711 1656 108<br />

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Aus Wohlfahrtsverbänden<br />

Mitarbeitende <strong>für</strong> Klimaschutz begeistern<br />

<strong>Das</strong> Hamburger Evangelische Amalie Sieveking Krankenhaus, eine Einrichtung der Immanuel<br />

Albertinen Diakonie, nimmt als eine von 250 Kliniken deutschlandweit an dem Projekt Klik<br />

Green des Bundes <strong>für</strong> Umwelt und Naturschutz Deutschland teil. <strong>Das</strong> Projekt verfolgt das Ziel,<br />

mit Modernisierungen im technischen und baulichen Bereich, <strong>nachhaltige</strong>m Einkauf, Recycling,<br />

Schulungen der Mitarbeitenden und Umstellung der Speisenversorgung pro teilnehmende Klinik<br />

innerhalb eines Jahres zehn Prozent der CO 2<br />

-Produktion einzusparen.<br />

Ein Beitrag von Dr. Anne Hübner und Frank Hagedorn<br />

Die Klimaschutzmaßnahmen aller beteiligten Kliniken werden<br />

im Projektzeitraum 2018 bis <strong>April</strong> <strong>2022</strong> insgesamt 100.000 Tonnen<br />

CO2 einsparen und somit einen wichtigen Beitrag <strong>für</strong> die Gesunderhaltung<br />

der Bevölkerung und zur Bewahrung der Schöpfung <strong>für</strong><br />

die nachfolgenden Generationen leisten. <strong>Das</strong> Gesundheitssystem ist<br />

<strong>für</strong> circa fünf Prozent des globalen CO 2<br />

-Ausstoßes verantwortlich.<br />

Für die Umsetzung der Maßnahmen musste die Geschäftsführung<br />

nicht lange überzeugt werden, das Thema Nachhaltigkeit als<br />

ernstzunehmendes Thema in das Portfolio der Klinik aufzunehmen.<br />

Nicht zuletzt hat Klimaschutz auch einen ökonomischen Nutzen und<br />

rechnet sich. So haben sich die durchgeführten Maßnahmen zum<br />

Leuchtmitteltausch auf LEDs und Einbau von Bewegungsmeldern<br />

angesichts sprunghaft gestiegener Energiepreise bereits jetzt amortisiert.<br />

Und auch kleine Schritte zählen: Im Rahmen des Austausches<br />

alle Drucker wurde die Einstellung „Duplex = Doppelseitendruck“, in<br />

die Voreinstellungen übernommen.<br />

Ebenso wichtig ist aber auch die andauernde Motivation der<br />

Mitarbeitenden bei der Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen.<br />

Diese war von Anfang an sehr hoch, wohl auch deshalb, weil das<br />

Thema Klimaschutz medial sehr präsent ist. Viele Mitarbeitende<br />

haben die personelle Besetzung einer Klimamanagerin als sehr positiv<br />

aufgenommen und fühlen sich bei mir mit ihren Fragen und<br />

Vorschlägen zu dem Thema gehört. <strong>Das</strong> betrifft so unterschiedliche<br />

Dinge wie Vorschläge zur Ausweitung vegetarischer und veganer<br />

Speisen oder zur Reduktion von Verpackungsmüll. Auch beim<br />

Thema E-Ladesäulen wurde aufgrund der vermehrten Nachfrage<br />

von Mitarbeitenden Kontakt zu einem Anbieter aufgenommen, der<br />

vier Säulen auf dem Klinikgelände installieren soll.<br />

Die Konzentration der Klinik auf das Thema Klimaschutz schafft<br />

oftmals eine positive Identifikation und auch eine gewisse Befriedigung<br />

bei der täglichen Arbeit, so zum Beispiel beim Sammeln von<br />

sortenreinem Plastik in den Funktionsbereichen. <strong>Das</strong> Hamburger<br />

Start-up Eco Projects Global sammelt Deckel von Infusionsflaschen<br />

und andern Behältern. Es wiegt die Deckel und schreibt sie als sogenannte<br />

Eco-Cents den Mitarbeitenden gut, die sie einem sozialen<br />

Projekt zukommen lassen können. Nach einer spendenfinanzierten<br />

Anlaufphase hat das Unternehmen mittlerweile dem Recycling über<br />

drei Tonnen sortenreines Plastik zukommen lassen und kann seitdem<br />

die sozialen Projekte aus diesen Einnahmen unterstützen. Die<br />

Auswahl der unterstützten Projekte ist zum einen interessant. Die<br />

Kolleginnen und Kollegen sind zum anderen stolz, eine gute Sache<br />

unterstützt zu haben.<br />

Als Projekt mit Wirkung über das Evangelische Amalie<br />

Sieveking Krankenhaus hinaus ist im vergangenen Jahr „PRO-<br />

4NATURE“ gestartet. Die Albertinen Services-Hamburg (ASH)<br />

GmbH, einhundertprozentige Tochter der Immanuel Albertinen<br />

Diakonie, setzt damit ein wichtiges Zeichen <strong>für</strong> mehr Klima- und<br />

Umweltschutz sowie artgerechte Tierhaltung. Die drei Cafeterien<br />

der Hamburger Einrichtungen der Immanuel Albertinen Diakonie<br />

– neben dem Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg-Volksdorf<br />

auch im Albertinen Krankenhaus und Albertinen<br />

Haus in Hamburg-Schnelsen – bieten täglich verschiedene Gerichte<br />

an, die aus nachhaltig angebauten beziehungsweise produzierten<br />

Lebensmitteln aus der Region hergestellt werden.<br />

Bei der Auswahl der Produzenten wird darauf geachtet, dass<br />

diese in einem Umkreis von maximal 100 Kilometer um Hamburg<br />

16 Kleine Kniffe<br />

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Foto: depositphotos<br />

ansässig sind. Neben der Reduzierung von CO 2<br />

-Emmissionen soll<br />

mit dem Projekt auch die Stärkung regionaler Lieferanten erreicht<br />

werden, die <strong>nachhaltige</strong> Lebensmittel produzieren. Hinzu kommt<br />

noch, dass so besonders leckere Speisen angeboten werden können,<br />

die trotz eines moderaten Aufpreises sehr nachgefragt sind.<br />

Die Gerichte werden in Handarbeit frisch hergestellt und<br />

nach saisonalen Gesichtspunkten ausgewählt, sodass hauptsächlich<br />

Gemüse und Obst Einzug in die Speisekarte hält, die auch zu<br />

den entsprechenden Zeiten geerntet werden. Die Vorverarbeitungsstufen<br />

sind gering, Täglich werden von Montags bis Freitag je<br />

ein Fleisch/Fisch sowie ein vegetarisches/veganes Gericht in den<br />

Cafeterien angeboten. <strong>Das</strong> Angebot besteht auch <strong>für</strong> Wahlleistungspatientinnen<br />

und –patienten, die in diesem Zeitraum diese Gerichte<br />

bestellen können.<br />

Als Schlüssel zur Motivation haben sich Transparenz und<br />

Information herausgestellt. Für die jeweiligen Abteilungen wie<br />

Anästhesie, OP, Einkauf, Technik oder Reinigungspersonal<br />

haben wir individuelle Erklärungen verfasst, die die Effekte der<br />

Maßnahmen verdeutlichen, ohne dabei Verbote oder Maßregelungen<br />

zu sein. So wussten beispielsweise viele Anästhesistinnen und<br />

Anästhesisten sowie Anästhesiepflegekräfte nicht, welche negativen<br />

Auswirkungen Narkosegase als halogenierte Kohlenwasserstoffe auf<br />

die Erderwärmung haben. Eine siebenstündige Narkose mit einem<br />

bestimmten Narkosegas entspricht einem CO 2<br />

-Äquivalent einer<br />

30.000 Kilometer langen Autofahrt.<br />

In der Anästhesie verursachen laut der Deutschen Gesellschaft<br />

<strong>für</strong> Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) verworfene Medikamente<br />

ca. ein Viertel der Gesamtkosten <strong>für</strong> Medikamente. Zu selten<br />

wird an die Möglichkeit kleiner Verpackungsgrößen gedacht.<br />

Nicht zuletzt spielen Anreize und Belohnungen eine Rolle.<br />

Wer beispielsweise die Fahrradmobilität unter den Mitarbeitenden<br />

erhöhen möchte, kann mit dem Ausbau überdachter Stellplätze, der<br />

Bereitstellung von Pumpen und Werkzeug und dem vierteljährlichen<br />

Angebot einer mobilen Fahrradwerkstatt mehr erzielen als<br />

mit dem erhobenen Zeigefinger. Gerade das Beispiel Fahrradfahren<br />

zeigt, dass Klimaschutz auch Gesundheitsprävention bedeutet und<br />

Volkskrankheiten wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen<br />

vorbeugt. Klimaschutz muss Spaß machen und überzeugen.<br />

Autorinnen<br />

Dr. Anne Hübner und Frank Hagedorn<br />

Immanuel Albertinen Diakonie<br />

www.immanuelalbertinen.de<br />

Kleine Kniffe<br />

17<br />

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Aus Initiativen der Nchhaltigkeit<br />

Im Gespräch mit:<br />

Olaf Eggert, Diakonie Düsseldorf,<br />

Teamleitung Kaufmännischer Geschäftsbereich und<br />

Henning Ellermann, Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V.<br />

<strong>Das</strong> Interview führte Caterina Marcucci, DENEFF<br />

Herr Eggert, zur Diakonie Düsseldorf gehören über<br />

250 Standorte im Stadtgebiet von Düsseldorf und<br />

angrenzend im Kreis Mettmann. Deutschland soll bis<br />

2045 klimaneutral werden. Was bedeutet das <strong>für</strong> Sie als<br />

Teamleiter des kaufmännischen Immobilienbereichs?<br />

Nachhaltigkeit und Gemeinwohlökonomie sind Unternehmensziele<br />

der Diakonie. Im Vorstand und der Steuerungsgruppe<br />

wird derzeit erarbeitet, ab wann die Diakonie treibhausgasneutral<br />

sein will. Aber auch unabhängig von politischen Forderungen sind<br />

wir und bin ich im weiteren Sinne schon seit 20 Jahren mit diesen<br />

Themen beschäftigt und drehen an vielen Stellschrauben. Darüber<br />

hinaus betrachten wir Nachhaltigkeit ganzheitlich und haben ein<br />

weiteres großes Team, das sich mit den vielen verschiedenen Facetten<br />

beschäftigt. <strong>Das</strong> ist einfach im Geist der Diakonie enthalten und<br />

die Mitarbeiter haben immer den Freiraum bekommen, sich hier<br />

auch zu engagieren. Aber in letzter Zeit hat das Thema Klimaschutz<br />

noch einmal eine ganz andere Dimension bekommen.<br />

Herr Ellermann, als Vertreter des CoSo-Projekts<br />

haben Sie genau darüber in den letzten drei Jahren mit<br />

vielen verschiedenen Einrichtungen gesprochen. Inwiefern<br />

spüren diese den Druck, den die politischen Klimaziele<br />

heute ausüben?<br />

Klimapolitisch liegen zwischen Projektstart und heute Welten,<br />

das kann ich bestätigen. Damals waren eine Reihe von Pionier-Einrichtungen<br />

wie die Diakonie Düsseldorf begeistert dabei. Durch neue<br />

Anforderungen und steigende Energiepreise stehen nun viele weitere<br />

Einrichtungen und Träger ebenfalls in den Startlöchern.<br />

Herr Eggert, Sie waren von Anfang an am CoSo-Projekt<br />

beteiligt. Was hat Sie motiviert, sich mehr mit dem<br />

Thema Klimaschutz in Gebäuden zu beschäftigen?<br />

Energiemanagement ist seit langem mein Steckenpferd, wir<br />

machen neuerdings auch als eine der ersten Einrichtungen Versuche<br />

mit Smart Metering. Bei uns sind vom Architekten bis zum Ingenieur<br />

alle vertreten und es macht mir Spaß, in so einem Umfeld zu<br />

arbeiten, besonders an der Schnittstelle zwischen kaufmännischer<br />

und technischer Optimierung. Als ich dann vom CoSo-Projekt hörte,<br />

war ich spontan dabei.<br />

Herr Ellermann: <strong>Das</strong> hat uns natürlich sehr gefreut! Wir haben<br />

diesen Anpacker-Geist von Anfang an im Projekt gespürt. Und der<br />

ist auch notwendig, um den Gebäudebereich im Sinne der Klimaziele<br />

erfolgreich umzugestalten.<br />

Inwiefern hat das CoSo-Projekt aus Ihrer Sicht hier<br />

einen Beitrag leisten können?<br />

Herr Ellermann: Wir sind ja gestartet mit dem Anspruch,<br />

deutlich mehr Sozialeinrichtungen Klimaschutzmaßnahmen an<br />

ihren Gebäuden zu ermöglichen, vor allem im Gesundheitsbereich<br />

und mit Hilfe von Energiedienstleistern. Dazu haben wir am Anfang<br />

18 Kleine Kniffe<br />

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Foto: Diakonie Düsseldorf<br />

vor allem zugehört und besser verstanden, was die Bedürfnisse der<br />

Einrichtungen sind – auch jenseits energetischer Fragen. Daraus ist<br />

ein fruchtbarer und vertrauensvoller Austausch zwischen Einrichtungen<br />

und Trägern, den unabhängigen Projektentwicklern und<br />

Energiedienstleistern entstanden. Der hat uns sehr geholfen, die<br />

richtigen Hilfsangebote und Lösungen zu entwickeln. Die stellen<br />

wir nun kostenfrei zur Verfügung, um Möglichkeiten aufzuzeigen<br />

und Einrichtungen auf dem Weg zu mehr Klimaschutz zu helfen.<br />

Wo steht die Diakonie Düsseldorf strategisch und<br />

was sind die größten Hemmnisse beim Klimaschutz in<br />

Ihren Gebäuden?<br />

Herr Eggert: Wir erarbeiten dazu gerade intern einen Zeitplan.<br />

Die größte Herausforderung ist der Zielkonflikt zwischen Klimazielen<br />

und finanziellen Ressourcen. Im Pflegebereich beispielsweise<br />

läuft die Refinanzierung über limitierte Investitionsendgelte, und da<br />

stehen wir immer in harten Verhandlungen mit dem Kostenträger.<br />

Problematisch war auch der plötzliche Förderstopp bei den Gebäudeprogrammen<br />

im Januar dieses Jahres.<br />

Herr Ellermann: Die klimapolitischen Anforderungen auch<br />

gesetzlicher Natur nehmen zu, aber die benötigten Fördermittel<br />

werden ebenfalls freigesetzt– das zusammen muss jetzt die nötige<br />

Planungssicherheit schaffen. Im Projekt haben wir bereits Beispiele<br />

gesehen, die auch innerhalb der aktuellen Rahmenbedingen<br />

schon ambitioniert energetisch modernisieren. Diese best practice-Beispiele<br />

der Vorreiter sollen Schule machen und in die Breite<br />

getragen werden, um Nachahmer zu finden.<br />

Herr Eggert: Wir haben bei der Diakonie Düsseldorf auch mit<br />

kleinen Maßnahmen, wie beispielsweise Blockheizkraftwerken,<br />

angefangen. Die Technik, um Gebäude effizient zu machen, ist auf<br />

jeden Fall da. Die Umstellung auf LED-Leuchten ist auch ein Beispiel<br />

<strong>für</strong> eine kleine Maßnahme, die schnell und wirtschaftlich Energie<br />

einspart und wichtig ist, aber noch gar nicht in der Fläche umgesetzt<br />

wurde.<br />

Herr Ellermann, was können die Sozialeinrichtungen<br />

tun, wenn sie nicht auf große politische Entscheidungen<br />

warten, aber trotzdem Klimaschutz in Gebäuden machen<br />

wollen?<br />

Die Aufgaben, die vor den Sozialeinrichtungen liegen, sind<br />

groß – aber machbar! Und sogar wirtschaftlich, besonders wenn<br />

man mittel- und langfristig plant. Eine mögliche Option ist es, einen<br />

Contractor als Energiedienstleister mit ins Boot zu holen. Ein häufiges<br />

Feedback der Einrichtungen war, dass der größte Mehrwert eines<br />

Energiedienstleisters ist, wenn er einem als Partner wirklich Arbeit<br />

abnimmt. Energiedienstleister können Komplexität reduzieren und<br />

interne Ressourcen finanziell und personell schonen. Aber ob mit<br />

oder ohne Contracting – es ist wichtig, dass jetzt schnell energetisch<br />

sinnvoll modernisiert wird!<br />

Herr Eggert: Die sozialen Einrichtungen in Deutschland sind<br />

sehr unterschiedlich aufgestellt. Gerade die kleinen Einrichtungen,<br />

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Foto: DENEFF<br />

die intern das technische Know-how nicht haben, sind auf externe<br />

Expertise angewiesen. <strong>Das</strong> Wichtigste ist, dass die Einrichtung<br />

weiß, was sie will und sich Ziele gesetzt hat. Ich würde außerdem<br />

einen Energiedienstleister beauftragen, der bereits Erfahrung in der<br />

sozialen Branche hat. Über ein erstes, kleines Projekt kann man sich<br />

dann annähern und schauen, ob es mit der Zusammenarbeit funktioniert.<br />

Wie geht es nun weiter im CoSo-Projekt?<br />

Herr Ellermann: Wir planen beispielsweise Webinare <strong>für</strong> die<br />

Sozialeinrichtungen, um ihnen die kostenlosen Tools des CoSo-Projekts<br />

mit an die Hand zu geben, damit sie bald die nächsten Schritte<br />

gehen können. Parallel schulen wir Projektentwickler und Contractoren,<br />

wie sie die Bedürfnisse dieser Zielgruppe noch besser<br />

berücksichtigen und Projekte so aufsetzen, dass sie erfolgreich und<br />

gut laufen. <strong>Das</strong> gestiegene Interesse der Einrichtungen muss auf ein<br />

passendes Angebot treffen.<br />

<strong>Das</strong> COSO-Projekt<br />

Methoden und Netzwerk <strong>für</strong> Contracting in sozialen<br />

Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen.<br />

<strong>Das</strong> Projekt unterstützte Sozialeinrichtungen Träger<br />

und Betreiber mit geeigneten Contracting-Modellen,<br />

Musterverträgen und Informationen – damit möglichst<br />

viele solcher „Klimaschutzprojekte ohne Zuzahlung“ zur<br />

Realisation kommen.<br />

Mit branchenspezifischen „Contracting“-Lösungen wird<br />

die energetische Sanierung <strong>für</strong> Krankenhäuser, Pflegeund<br />

Rehaeinrichtungen kinderleicht.<br />

Herr Eggert, welches Modernisierungsprojekt steht<br />

bei Ihnen als nächstes an?<br />

Wir beginnen dieses Jahr mit der Sanierung eines Bestandsgebäudes<br />

auf das ambitionierte Niveau „Effizienzhaus 70 gemäß BEG<br />

(Bundesförderung <strong>für</strong> effiziente Gebäude), was eine echte Herausforderung<br />

darstellt. Wir bauen nachhaltig um, beispielsweise mit<br />

PV-Anlagen, 100% recyclebaren Kunststoff-Fenstern, sowie <strong>nachhaltige</strong>n<br />

Dämmstoffen <strong>für</strong> Dach und Fassade. Ein schönes Projekt!<br />

<strong>Das</strong> Interview führte<br />

Caterina Marcucci,<br />

Deutsche Unternehmensinitiative<br />

Energieeffizienz e.V. (DENEFF)<br />

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Aus Unternehmen<br />

Smarte Lösungen <strong>für</strong> einen <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf<br />

Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und eine deutliche Kostenführerschaft – das sind die Unternehmensziele<br />

bei Steinbeis Papier. Und der Einkauf steht in der Verantwortung, vor allem letzteres Ziel unter<br />

Berücksichtigung der Nachhaltigkeit zu erreichen. Ein Einblick in die <strong>Beschaffung</strong> bei Steinbeis Papier<br />

verrät, dass die Arbeit primär von lösungsorientierten Strategien geprägt ist und mit Transparenz und<br />

digitaler Anbindung langfristige Partnerschaften mit Lieferant:innen eingegangen werden.<br />

Ein Beitrag von Torben Link<br />

Steinbeis Papier ist Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit und<br />

europäischer Marktführer <strong>für</strong> grafische Recyclingpapiere aus 100<br />

Prozent Altpapier, die alle mit dem Blauen Engel ausgezeichnet<br />

sind. Dieser Erfolg beruht auf der konsequenten Umsetzung einer<br />

<strong>nachhaltige</strong>n Kreislaufwirtschaft, aber eben auch auf einem lösungsorientierten<br />

und effizienten Management in vielen Bereichen des<br />

Unternehmens und – übergeordnet – der Steinbeis-Gruppe. Eine<br />

entscheidende Einheit dabei ist der Steinbeis Einkauf. Hier kümmert<br />

sich ein fünfköpfiges Team um die <strong>Beschaffung</strong> <strong>für</strong> vier Unternehmungen:<br />

Steinbeis Papier, Steinbeis Energie, EBS Concept und B+S<br />

Papenburg Energie. Sie alle werden mit unterschiedlichsten Gütern<br />

und Dienstleistungen im Wert von ca. 100 Millionen Euro pro Jahr<br />

ausgestattet. In dieser Verantwortung fokussiert sich der Einkauf<br />

insbesondere auf das Unternehmensziel der Kostenführerschaft,<br />

ohne dabei die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie aus den<br />

Augen zu verlieren.<br />

Besondere Arbeitsweise im Einkauf<br />

Im Einkauf hat sich ein Team aus Generalist:innen zusammengefunden.<br />

Sie behalten zwar den operativen Bereich im Auge, widmen<br />

sich jedoch in erster Linie der Umsetzung von Projekten und Entwicklung<br />

neuer Strategien, um letztlich ein kosteneffizientes und<br />

<strong>nachhaltige</strong>s Lieferantenmanagement zu betreiben. Was bedeutet<br />

das in der Praxis? Hier sind vor allem Eigenverantwortung und Kreativität<br />

von allen Teammitgliedern gefragt. Jeder wird dazu ermutigt<br />

und befähigt, eigene Ideen und Prozessoptimierungen vorzustellen,<br />

und darf Verbesserungsprozesse implementieren. Ein besonderer<br />

Verantwortungsbereich kommt dem Einkauf bei der Versorgungssicherheit<br />

zu. Mit digitalen Lösungen und smarten Ideen geht es um<br />

die Optimierung von Liefermengen, Lieferplänen und der Bevorratung.<br />

Der Einkauf bietet einen ganzheitlichen 24/7-Service <strong>für</strong> die<br />

verschiedenen Unternehmungen. Im Hintergrund schaut das Team,<br />

wer da<strong>für</strong> die richtigen Partner:innen sind, welche Regeln gelten und<br />

wie dann der Wettbewerb sichergestellt werden kann.<br />

Innovative Zusammenarbeit<br />

Der Steinbeis Einkauf setzt auf langfristige Beziehungen mit Lieferant:innen.<br />

Eine ehrliche und transparente Kommunikation ist die<br />

Basis <strong>für</strong> eine gute Zusammenarbeit. Gerade in herausfordernden<br />

Zeiten – wie der Pandemie – führt der Einkauf bei Steinbeis intensive<br />

Gespräche mit Lieferant:innen, um zielführende Lösungen zu<br />

erarbeiten. Regionalität ist ebenso ein wichtiger Faktor in der strategischen<br />

Ausrichtung des Einkaufs. Lieferat:innen aus der Umgebung<br />

stellen sich dann wie alle anderen bestimmten Anforderungen: <strong>Das</strong><br />

reicht von der Digitalisierung des Angebotskatalogs bis hin zu kosteneffizienten<br />

Lieferoptionen. Wichtig ist, dass die Partner:innen<br />

den Wert ihrer Produkte und Dienstleistungen kennen, die Qualität<br />

dieser hochhalten und letztendlich mit Zuverlässigkeit und Innovationsgeist<br />

überzeugen. <strong>Das</strong> geschieht jedoch nicht von heute auf<br />

morgen. Lieferant:innen werden vom Einkauf langfristig aufgebaut,<br />

stark gemacht, digital angebunden und in die Lage versetzt, Performance<br />

im Sinne einer <strong>nachhaltige</strong>n <strong>Beschaffung</strong> abzuliefern. Mit<br />

dieser Strategie verbindet der Einkauf die Unternehmensziele der<br />

Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und Kostenführerschaft erfolgreich<br />

miteinander.<br />

Autor<br />

Torben Link<br />

Leiter Einkauf<br />

Steinbeis Papier<br />

www.stp.de<br />

Kleine Kniffe<br />

21<br />

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Aus kirchlichen Initiativen<br />

Nachhaltige Energiebeschaffung,<br />

die Freude macht!<br />

Auf dem Weg zur klimaneutralen Kirche sind wir alle gefragt.So gilt es <strong>für</strong> alle Geschäftsstellen,<br />

Dienste und Einrichtungen, ihren Beitrag zur Klimaneutralität beizusteuern.<br />

Ein Beitrag von Falko Meyer<br />

Der Klimawandel und seine bereits heute spürbaren Auswirkungen<br />

auf Mensch und Natur stellt die Weltgemeinschaft vor<br />

eine Herausforderung globalen Ausmaßes. Mit seiner Enzyklika<br />

„Laudato Si“ bekräftigt Papst Franziskus die Rolle der katholischen<br />

Kirche und verdeutlicht: Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz sind<br />

zwei Seiten derselben Medaille.<br />

Wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine sind zudem die<br />

Energiepreise stark gestiegenen. Extrem hohe Heizkosten, extrem<br />

hohe Strompreise, extrem hohe Spritpreise belasten Haushalte, und<br />

je geringer die Einkommen, desto stärker.<br />

Die Energiewende muss vorankommen, zumal der Energieverbrauch<br />

künftig durch die Elektrifizierung des Verkehrs- und<br />

Wärmesektors, Gewinnung von grünem Wasserstoff oder die<br />

Digitalisierung steigen wird.<br />

Auf dem Weg zur Klimaneutralität kommt es darauf an, die Entstehung<br />

bzw. den Ausstoß von Treibhausgasemissionen möglichst<br />

zu vermeiden (z. B. kurze Dienstwege mit Fahrrad anstatt PKW<br />

zurücklegen), sie drastisch zu reduzieren (z. B. durch Sanierung<br />

der Gebäudehülle) und nur unvermeidbare Emissionen oder den<br />

Rest zu kompensieren. Als klimaneutral gilt eine Aktivität oder<br />

eine Organisation dann, wenn keine klimaschädlichen Emissionen<br />

mehr durch sie verursacht bzw. kompensiert werden.<br />

Signifikante Preisschwankungen an Energie- und Rohstoffmärkten<br />

zwingen viele kirchliche Institutionen zunehmend zur<br />

Optimierung Ihrer Geschäftsabläufe. Einst berechenbare Rohstoffkosten<br />

sind in den letzten Jahren zu einem kaum kalkulierbaren<br />

Risiko geworden.<br />

Wie findet man die einfache Lösung zum<br />

Energieeinkauf?<br />

Die beste Energie ist die, die man erst gar nicht benötigt. Die<br />

zweitbeste ist die, die man selbst erzeugt. Viele kirchliche Einrichtungen<br />

und Kirchengemeinden bemühen sich um die Reduzierung<br />

ihres Energiebedarfes oder produzieren Strom bereits selbst mit<br />

Solaranlagen und Blockheizkraftwerken. Doch nicht jeder hat die<br />

Möglichkeit Strom selbst zu erzeugen und Erdgas zum Heizen muss<br />

generell eingekauft werden.<br />

Als Fundament kirchlicher und sozialer Arbeit haben wir ein<br />

<strong>nachhaltige</strong>s Energiepaket ausgearbeitet, das die speziellen Bedürf-<br />

22 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 22 09.04.22 09:25


nisse der kirchlichen und sozialen Einrichtungen in besonderer<br />

Weise aufnimmt. Gemeinsam mit unserem langjährigen Partner der<br />

ESDG haben wir das Produkt WIRgemeinsam entwickelt.<br />

Was macht WIRgemeinsam so besonders?<br />

1. Energielieferung und -dienstleistung<br />

WIRgemeinsam umfasst die Lieferung von Strom und Gas in<br />

der von Ihnen gewünschten Konfiguration. ESDG beschafft die<br />

jeweilig präferierte Energiemenge mit den gewünschten<br />

Zertifikaten.<br />

2. Abnahme erzeugter Eigenenergie<br />

Über unser WIRgemeinsam-Angebot kauft die ESDG Ihnen<br />

eigenerzeugten Strom zu attraktiven Konditionen ab und stellt<br />

ihn der Gemeinschaft zur Verfügung.<br />

3. Strom & Gas <strong>für</strong> Mitarbeitende<br />

WIRgemeinsam ist auch ein Angebot <strong>für</strong> Mitarbeitenden, denn<br />

die Energie, die in Kirchen, Diözesen, Diakonien und der Caritas<br />

erzeugt wird, kann durch das Ankauf-Programm ohne Umweg<br />

zu diesen fließen.<br />

Dabei ist WIRgemeinsam gleich mehrfach nachhaltig.<br />

• Ökologisch und ökonomisch: Die Grundidee von WIRge<br />

meinsam ist die Verwendung von bereits produziertem<br />

Strom aus kirchlichen und sozialen Einrichtungen. Diese<br />

Geschlossenheit des Systems garantiert Wirtschaftlichkeit und<br />

Nachhaltigkeit.<br />

• Solidarisch und sozial: Die Bewahrung der Schöpfung ist<br />

uns allen ein gemeinsames Anliegen. Deshalb schaffen wir ein<br />

Angebot, das auch der Mitarbeiterschaft zugutekommt.<br />

Autor<br />

Falko Meyer<br />

Geschäftsführer WGKD<br />

www.wgkd.de<br />

Kleine Kniffe<br />

23<br />

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Nachhaltigkeit im Sozialbereich<br />

Energiemanagement im Johannesstift<br />

Einsparungen mit LED-Beleuchtung,<br />

Regelungstechnik und Sparsamkeit<br />

Die Stiftung Evangelisches Johannesstift in Berlin-Spandau möchte künftig <strong>nachhaltige</strong>r und<br />

klimaschonender agieren. Ein wichtiger Punkt ist hier die Zukunft ihres 75 Hektar großen Geländes<br />

in Berlin-Spandau. Jörg Ackermann hat als Energiemanager der Johannesstift Diakonie Services,<br />

die auch <strong>für</strong> das Energiemanagement der Gebäude auf dem Gelände der Stiftung verantwortlich<br />

ist, Anfang 2021 begonnen, Ideen und Maßnahmen zu entwickeln, damit der Standort seine<br />

Klimabilanz verbessern kann.<br />

Ein Beitrag von Lukas Kruse<br />

In einem Interview in der „Kontakte“ mit Redaktionsmitglied<br />

Lukas Kruse erläuterte Jörg Ackermann im vergangenen<br />

Jahr, worum es im Projekt geht. Seit Anfang <strong>2022</strong> setzt<br />

Energiemanager Kevin Kudert diese Arbeit fort. Die Zeitschrift <strong>für</strong><br />

das Gemeinwesen Johannesstift stellt in einer Serie <strong>nachhaltige</strong> Projekte<br />

auf dem Gelände vor. Die Idee hatte Lukas Kruse, der unter<br />

anderem als Gemeinwesendiakon dort die Bewohnenden begleitet.<br />

Was macht ein Energiemanager, Herr Ackermann?<br />

Mein Beruf ist es, zum einen Gebäude zu analysieren, sodass<br />

Energie ökologisch und ökonomisch sinnvoll genutzt werden kann.<br />

Und zum anderen sind technische Aufgaben zu lösen, dass es warm<br />

ist, dass es hell wird, dass es im Sommer aber auch nicht zu warm<br />

wird. Und dann das alles zu gewährleisten mit möglichst wenig Einsatz<br />

und betriebssicher.<br />

Also, praktisch gesagt: Wichtig ist die Gebäudehülle! Also,<br />

die Fenster, die Fassade, das Dach und der Keller. Und dann die<br />

technischen Systeme darin, die Lüftung, die Heizung, Kühlung,<br />

Beleuchtung.<br />

Was machen Sie hier im Alltag konkret?<br />

Die Klimaziele der Stiftung Evangelisches Johannesstift sind im<br />

Kontext der Klimaziele der Johannesstift Diakonie gAG zu betrachten,<br />

deren alleinige Aktionärin die Stiftung ist. Es geht darum, in den<br />

kommenden Jahren Energie und CO 2<br />

-Emissionen einzusparen.<br />

Wir wollen die von der Bundesregierung gesetzten Ziele umsetzen<br />

und klimaneutral werden. Es geht also nicht nur um den Campus<br />

Evangelisches Johannesstift, sondern alle Gebäude der Johannesstift<br />

Diakonie. Im Speziellen geht es darum, wie sich diese vielen Standorte<br />

weiterentwickeln lassen, um CO 2<br />

-Emissionen einzusparen. Es<br />

gibt Gebäude, die sind vor fünf Jahren errichtet worden, da lassen<br />

sich keine 90 Prozent mehr einsparen. Aber es gibt ältere Gebäude,<br />

wo das ganz gut hinzubekommen ist. Und da<strong>für</strong> wollen wir Photovoltaik-Anlagen<br />

einsetzen, also Strom aus Sonnenenergie. Dann<br />

haben wir hier im Johannesstift noch das Blockheizkraftwerk <strong>für</strong><br />

Wärme und Strom. Wir wollen die Einsparungen auch teilweise<br />

über die Dämmung von Häusern erreichen: Wenn Gebäude umgebaut<br />

werden, soll damit der Wärmehaushalt der Häuser verbessert<br />

werden.<br />

Welchen Plan haben Sie <strong>für</strong> das Johannesstift?<br />

Ich plane Energieeinsparung mit LED-Beleuchtung, weg von<br />

den alten Leuchtstoffröhren. Da muss man aber ein bisschen gucken,<br />

was <strong>für</strong> Vorschaltgeräte, also Geräte zum Start und zur Strombegrenzung,<br />

verbaut worden sind. Da<strong>für</strong> braucht es ein bisschen<br />

Know-how. Letztendlich lässt sich so aber locker die Hälfte der<br />

Energie einsparen. <strong>Das</strong> müssen wir aber noch entwickeln, wie wir<br />

das genau machen. Ich habe zum Beispiel schon Projekte gemacht,<br />

da ging es um Halogenlampen: Da wurde mit Herstellern, mit dem<br />

Großhandel und Verbraucher*innen zusammengearbeitet, sodass<br />

24 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 24 09.04.22 09:25


Foto: Stiftung Evangelisches Johannesstift<br />

die energiesparenden Halogenlampen günstiger gekauft werden<br />

konnten. Da müssen wir jetzt hier entsprechende Beteiligte finden,<br />

um so etwas umzusetzen.<br />

Welche Pläne haben Sie noch?<br />

Dann wollen wir an den Bereich Regelungstechnik ran. <strong>Das</strong> sind<br />

im Wesentlichen Heizungs-, Kälte- und Lüftungsanlagen, besonders<br />

in den technisch ausgestatteten Gebäuden. Da ist in den vergangenen<br />

Jahren viel entwickelt worden, was wir ausschöpfen wollen. Da<strong>für</strong><br />

müssen wir hier die Menschen finden, mit denen wir das zusammen<br />

machen.<br />

Wie können die Bewohner*innen des Johannesstifts<br />

den Klimaschutz selbst unterstützen?<br />

Wichtig ist der Lernprozess bei den Bewohnern*innen und<br />

Mitarbeiter*innen. Ich habe viel auch in Schulen gearbeitet und<br />

die Teilnehmer*innen haben sich noch nach Jahren an die Sachen<br />

erinnert, die wir gemacht haben. Sie haben etwas <strong>für</strong> ihr Leben gelernt,<br />

denke ich. <strong>Das</strong> ist auch Teil unserer Tätigkeit, solche Projekte<br />

hier mit den Bildungseinrichtungen durchzuführen und auch mit<br />

den Arbeitsbereichen ins Gespräch zu kommen. Wenn wir so ein<br />

Bewusstsein entwickeln können, achtsam mit Energie umzugehen,<br />

dann lässt sich <strong>für</strong> viele Menschen Geld einsparen. Wenn sie<br />

mitkriegen, dass sie mehr Geld <strong>für</strong> das Kino oder andere Sachen<br />

ausgeben können, wenn sie das Heizungsventil mal zudrehen, auf<br />

LED-Beleuchtung umstellen oder sparsame Haushaltsgeräte anschaffen,<br />

dann ist viel gewonnen. Wir alle können mithelfen, das Ziel der<br />

CO 2<br />

-Neutralität zu erreichen.<br />

Weitere Informationen<br />

Die Stiftung Evangelisches Johannesstift fördert Projekte<br />

in der Jugendhilfe, in der Behindertenhilfe, im Pflege &<br />

Wohnen sowie der Bildung, der Beratung und der<br />

Medizin. Da<strong>für</strong> wirbt die Stiftung Spenden ein.<br />

Stiftungszweck ist darüber hinaus die Ausbildung von<br />

Diakon*innen. Die Stiftung hat ihren Sitz auf dem<br />

eigenen 75 Hektar großen Gelände in Berlin-Spandau.<br />

Dort wohnen und arbeiten rund 1.600 Menschen, die<br />

Lukas Kruse als Gemeinwesendiakon begleitet. Die<br />

Stiftung ist alleinige Aktionärin der Johannesstift<br />

Diakonie gAG.<br />

Die Johannesstift Diakonie ist das größte konfessionelle<br />

Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region<br />

Berlin und Nordostdeutschland. 9.800 Mitarbeiter*innen<br />

leisten moderne Medizin und zugewandte Betreuung<br />

im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des<br />

Unternehmens.<br />

Autor<br />

Lukas Kruse<br />

Gemeindediakon<br />

Evangelisches Johannesstift SbR<br />

Kleine Kniffe<br />

25<br />

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Aus Wissenschaft und Forschung<br />

Treibhausgasund<br />

Klimaneutralität der Kirchen<br />

Positionspapier der FEST zur Definition von Klimaschutzzielen und Reduktionspfaden im<br />

kirchlichen Kontext 1<br />

Ein Beitrag von Dr. Oliver Foltin und Dr. Volker Teichert<br />

Der globale Klimawandel beeinträchtigt<br />

auch in Deutschland viele<br />

Lebens- und Wirtschaftsbereiche<br />

der Menschen. Seine Folgen sind<br />

primär durch Extremwetterereignisse<br />

wie Starkregen, Hochwasser<br />

und Sturmböen, aber auch extreme<br />

Hitzewellen mit Temperaturrekorden<br />

und Dürreperioden im Sommer<br />

bereits jetzt <strong>für</strong> viele Städte und<br />

Gemeinden zu einer großen Herausforderung<br />

geworden. Die<br />

Starkregen im Sommer 2021 in<br />

Deutschland untermauern die klimatischen<br />

Veränderungen, die uns<br />

in den kommenden Jahrzehnten<br />

bevorstehen werden. Daraus entstandene<br />

Schäden verdeutlichen<br />

die Notwendigkeit zum Handeln,<br />

um die Voraussetzungen <strong>für</strong> eine<br />

Anpassung an die Folgen des Klimawandels<br />

zu schaffen und negative<br />

Auswirkungen auch künftig soweit<br />

wie möglich zu begrenzen.<br />

Mit dem Pariser Abkommen von 2015 hat sich die internationale<br />

Staatengemeinschaft erstmals darauf verständigt, die Erderwärmung<br />

auf deutlich unter 2°C und möglichst 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen<br />

Niveau zu begrenzen und in der zweiten Hälfte des 21.<br />

Jahrhunderts zudem Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Zumindest<br />

rhetorisch wird die Dringlichkeit zum Handeln kaum mehr in<br />

Kernaussagen des Beitrags<br />

Der globale Klimawandel beeinträchtigt viele Lebensund<br />

Wirtschaftsbereiche der Menschen. Daraus entstandene<br />

Schäden verdeutlichen die Notwendigkeit zum Handeln, um die<br />

Voraussetzungen <strong>für</strong> eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels<br />

zu schaffen.<br />

Es ist hilfreich, CO 2<br />

-Neutralität und Treibhausgasneutralität<br />

zu definieren und von der klimawissenschaftlichen Definition von<br />

Klimaneutralität zu unterscheiden.<br />

Für die in kirchlichen Klimaschutzkonzepten vorrangig<br />

behandelten Bereiche Gebäude und Mobilität bedeutet dies, dass<br />

eine vollständige Beendigung des Treibhausgasausstoßes angestrebt<br />

werden sollte.<br />

Auch die Kirchen müssen vor diesem Hintergrund die klimarelevanten<br />

Emissionen in ihrem Verantwortungsbereich<br />

entschieden reduzieren, wenn sie nicht nur Mahner und Mittler,<br />

sondern auch Motor <strong>für</strong> Veränderungen sein wollen.<br />

Abrede gestellt. Länder, aber auch<br />

Unternehmen und Institutionen<br />

einschließlich der Kirchen setzen<br />

sich vermehrt Klimaschutzziele, die<br />

das Erreichen von Klimaneutralität,<br />

Null-Emissionen oder Treibhausgasneutralität<br />

bis zu einem<br />

bestimmten Zieljahr vorsehen.<br />

Allerdings wird Klimaneutralität<br />

je nach Kontext sehr<br />

unterschiedlich definiert. Die Verwendung<br />

des Begriffs reicht von<br />

der wissenschaftlichen Definition<br />

des Intergovernmental Panel on<br />

Climate Change (IPCC) bis hin<br />

zur Bewerbung so genannter „klimaneutraler“<br />

Produkte. Während<br />

erstere mit „Klimaneutralität“ einen<br />

Zustand beschreibt, in dem menschliche<br />

Aktivitäten – einschließlich<br />

der Berücksichtigung von Effekten<br />

wie Luftverschmutzung und Oberflächen-Albedo<br />

– keinerlei Auswirkungen auf das Klima haben, wird<br />

letzteres bereits genutzt, wenn die im Zuge des Produktionsprozesses<br />

ausgestoßenen Treibhausgasemissionen durch Kompensation<br />

ausgeglichen werden. Darüber hinaus werden sowohl auf der Ebene<br />

von Staaten als auch von Kommunen, Unternehmen und anderen<br />

Organisationen Begriffe wie Treibhausgasneutralität, CO 2<br />

-Neutralität<br />

oder Netto-Null-Emissionen synonym verwendet. Damit wird<br />

26 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 26 09.04.22 09:25


Abb. 1: CO 2-<br />

Neutralität, Treibhausgasneutralität und Klimaneutralität<br />

es auch <strong>für</strong> kirchliche Akteurinnen und Akteure dringlicher, den<br />

genauen Inhalt des angestrebten Klimaziels zu klären.<br />

Da<strong>für</strong> ist es hilfreich, CO 2<br />

-Neutralität und Treibhausgasneutralität<br />

zu definieren und von der klimawissenschaftlichen Definition<br />

von Klimaneutralität zu unterscheiden (siehe Abb. 1):<br />

• CO 2<br />

-Neutralität bedeutet, dass eine Balance zwischen<br />

CO 2<br />

-Emissionen und deren Abbau durch Senken erreicht wird.<br />

Sie kann als Übergangsziel betrachtet werden, ist jedoch<br />

unzureichend, um die Erderhitzung zu stoppen.<br />

• Treibhausgasneutralität wird erreicht, wenn ein Gleichgewicht<br />

zwischen den anthropogenen Emissionen von<br />

Treibhausgasen und dem Abbau solcher Gase durch Senken<br />

besteht. Da in erster Linie CO 2<br />

in Senken gebunden und der<br />

Ausstoß anderer Treibhausgase nicht vollständig reduziert<br />

werden kann, erfordert dies voraussichtlich eine nettonegative<br />

CO 2<br />

-Emissionsbilanz durch die Bindung von CO 2<br />

in<br />

Senken.<br />

• Klimaneutralität ist ein Zustand, in welchem menschliche<br />

Aktivitäten keinerlei Effekt auf das Klimasystem haben. Neben<br />

der Balance zwischen Treibhausgasemissionen und -senken<br />

sind dabei auch andere regionale oder lokale biogeophysikalische<br />

Folgen menschlichen Handelns zu berücksichtigen, z. B.<br />

auf die Rückstrahlfähigkeit (Albedo) der Erdoberfläche.<br />

Aufgrund der Bindung von CO 2<br />

in Senken kann Treibhausgasneutralität<br />

bedeuten, dass die Emissionen nicht in allen Sektoren<br />

vollständig reduziert werden. Für die Nutzung fossiler Energieträger<br />

und die daraus resultierenden Emissionen – zum Beispiel im<br />

Gebäude-, Energie- und Verkehrssektor – wird allerdings generell<br />

eine Reduktion auf null empfohlen. Um Treibhausgasneutralität zu<br />

erreichen, ist demnach in den Sektoren Energiewirtschaft, Gebäude<br />

und Verkehr eine Reduktion auf 0% der Emissionen anzuvisieren<br />

und die verbleibenden Gesamtmissionen auf unter 5% des Ausgangswertes<br />

zu minimieren. Verbleibende Emissionen müssen<br />

ausgeglichen werden.<br />

Für die in kirchlichen Klimaschutzkonzepten vorrangig<br />

behandelten Bereiche Gebäude (einschließlich Stromverbrauch)<br />

und Mobilität bedeutet dies, dass eine vollständige Beendigung<br />

des Treibhausgasausstoßes angestrebt werden sollte. Auch bei der<br />

<strong>Beschaffung</strong> sollten weitreichende Minderungen erreicht werden,<br />

aufgrund der Vielfältigkeit der Produkte und der Komplexität<br />

der Treibhausgasbilanzierung kann hier jedoch kein einheitliches<br />

Reduktionsziel angegeben werden.<br />

Schnell und entschieden<br />

Treibhausgasemissionen reduzieren<br />

Entscheidend <strong>für</strong> die Klimawirkung ist, wann und auf welchem<br />

Reduktionspfad Treibhausgasneutralität erreicht werden kann. <strong>Das</strong><br />

ab dem Jahr 2020 noch verbleibende globale CO 2<br />

-Budget, mit dem<br />

das Pariser 1,5°C-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 50%<br />

eingehalten werden kann, beträgt laut IPCC 500 Mrd. Tonnen (Gt)<br />

CO 2<br />

. Folgt man dem vom Sachverständigenrat <strong>für</strong> Umweltfragen<br />

(SRU) vorgeschlagenen Vorgehen <strong>für</strong> eine faire Verteilung dieses<br />

Restbudgets, entfällt auf Deutschland ein CO 2<br />

-Ausstoß von insgesamt<br />

maximal 4,3 Mrd. Tonnen ab dem Jahr 2020. Wird mit einer<br />

linearen Reduktion der Emissionen kalkuliert, ist dieses deutsche<br />

CO 2<br />

-Budget bereits 2032 aufgebraucht. Nur wenn ein frühzeitiger<br />

überproportionaler Abbau erreicht wird, entsteht dadurch<br />

Kleine Kniffe<br />

27<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 27 09.04.22 09:25


Abb. 2: Möglicher Reduktionspfad unter Annahme der Einhaltung des deutschen CO2-Budgets, eigene Darstellung<br />

Spielraum <strong>für</strong> die Jahre nach 2030 und ein späteres Zieljahr wird<br />

ermöglicht. Dabei müssen neben den CO 2<br />

-Emissionen die übrigen<br />

Treibhausgasemissionen ebenfalls reduziert werden.<br />

Auch die Kirchen müssen vor diesem Hintergrund die klimarelevanten<br />

Emissionen in ihrem Verantwortungsbereich entschieden<br />

reduzieren, wenn sie nicht nur Mahner und Mittler, sondern auch<br />

Motor <strong>für</strong> Veränderungen sein wollen. Dies betrifft insbesondere<br />

direkte Emissionen beispielsweise aus der Verbrennung von Heizoder<br />

Kraftstoffen und indirekte Emissionen aus gekaufter Energie<br />

wie etwa Strom, aber prinzipiell auch den Ausstoß von Treibhausgasen<br />

durch die <strong>Beschaffung</strong> von Waren und Dienstleistungen.<br />

Dennoch können Überlegungen zum kirchlichen Klimaschutz<br />

die in den vorangehenden Abschnitten dargestellten Orientierungspunkte<br />

berücksichtigen und in pragmatischer Weise auf den<br />

Verantwortungsbereich der Kirchen angewendet werden. Kirchliche<br />

Organisationen und Einrichtungen sollten Anstrengungen<br />

unternehmen, selbst Treibhausgasneutralität auf einem Reduktionspfad<br />

zu erreichen, der mit einem fairen deutschen Beitrag zur<br />

Einhaltung der Ziele des Paris-Abkommens kompatibel ist.<br />

Auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität gilt es daher auch <strong>für</strong><br />

kirchliche Akteurinnen und Akteure,<br />

• einen Reduktionspfad zur Treibhausgasneutralität bis<br />

spätestens 2045 anzustreben, der die Treibhausgasemissionen<br />

um mindestens 95% gegenüber dem Ausgangswert und in den<br />

Bereichen Gebäude und Mobilität möglichst auf Null reduziert<br />

und einen verantwortungsvollen Beitrag zur Erreichung des<br />

1,5°C-Ziels leistet,<br />

• sich konkrete Zwischenziele <strong>für</strong> die kurze und mittlere Frist zu<br />

setzen (mindestens alle fünf Jahre), die eine überproportionale<br />

Reduktion in den kommenden Jahren vorsehen,<br />

• transparent zu machen, inwieweit diese mit einem Reduktionspfad<br />

in Einklang stehen, der mit einem fairen nationalen<br />

Emissionsbudget als Beitrag Deutschlands zur Einhaltung des<br />

1,5°C-Ziels kompatibel ist.<br />

Als Anhaltspunkt kann ein exponentieller Reduktionspfad bei<br />

einem CO 2<br />

-Budget von 4,3 Gt ab dem Jahr 2020 dienen: Gegenüber<br />

dem deutschen Emissionsniveau des Jahres 2019 wäre demnach bis<br />

2025 eine Minderung um 60%, bis 2030 um 82% und bis 2035 um<br />

91% erforderlich (siehe Abb. 2). Bis zum Jahr 2040 wäre auf einem<br />

solchen Pfad Treibhausgasneutralität – verstanden als Reduktion um<br />

mindestens 95% – zu erreichen.<br />

<strong>Das</strong> Umweltbundesamt 2 hat <strong>für</strong> den Gebäudesektor eine Reihe<br />

von Maßnahmen aufgeführt, die in diesem Jahrzehnt umzusetzen<br />

sind:<br />

• Beendigung des fossilen Brennstoffeinsatzes von Gas und<br />

Heizöl<br />

• Umstellung der Heiztechniken auf Wärmepumpen<br />

• Umstellung auf Wärmeversorgungstechniken wie etwa<br />

Geothermie, Solarthermie oder Großwärmepumpen<br />

• Mittlere jährliche Sanierungsrate des Gebäudebestandes von<br />

2,5% <strong>für</strong> den Zeitraum von 2020 bis 2030<br />

Für den Verkehrsbereich schlägt das Umweltbundesamt 3 vor:<br />

• Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und Priorisierung der<br />

Elektromobilität<br />

28 Kleine Kniffe<br />

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Abb. 3: Idealtypische Beschreibung der kirchlichen Klimaschutzaktivitäten, eigene Darstellung<br />

• Verlagerung auf klimaschonendere Verkehrsträger durch<br />

Stärkung des Rad- und Fußverkehrs<br />

• Einhalten eines Tempolimits von 120 km/h auf Autobahnen,<br />

80 km/h auf Landstraßen und von 30 km/h innerorts<br />

Eine wichtige Grundlage, um Klimaschutzziele festlegen, Maßnahmen<br />

ergreifen und ihren Erfolg evaluieren zu können, ist eine<br />

glaubwürdige Bilanzierung der Emissionen im eigenen Verantwortungsbereich<br />

(siehe Abb. 3). Dazu gehört unter anderem, die<br />

Handlungsbereiche Gebäudenutzung einschließlich Stromverbrauch<br />

und Mobilität umfassend zu berücksichtigen sowie mindestens<br />

ausgewählte Produktgruppen bei der <strong>Beschaffung</strong> einzubeziehen.<br />

Zentral ist auch, adäquate Rechenverfahren zu verwenden und die<br />

Ergebnisse transparent zu kommunizieren.<br />

Vor allem aber müssen die notwendigen Anstrengungen <strong>für</strong> die<br />

Umsetzung umfassender Klimaschutzmaßnahmen in allen Bereichen<br />

sofort unternommen werden, um die Ziele zu erreichen. Die damit<br />

einhergehenden Herausforderungen sind sowohl <strong>für</strong> die Kirchen<br />

als auch gesamtgesellschaftlich enorm – aber nicht unüberwindbar,<br />

wenn sie in ihrer Dringlichkeit anerkannt und die Verantwortung<br />

zu handeln auf allen Ebenen angenommen wird. Dazu gehören<br />

strukturelle Weichenstellungen, Sofortprogramme <strong>für</strong> erneuerbare<br />

Energien und Energieeffizienz sowie die Berücksichtigung der Klimawirkungen<br />

bei allen Investitionsentscheidungen. Wie dringlich<br />

eine Priorität <strong>für</strong> die Maßnahmenumsetzung ist, zeigt nicht zuletzt<br />

das deutlich verfehlte Zwischenziel der evangelischen Landeskirchen<br />

und der EKD von minus 40% gegenüber dem Basisjahr 2005 im Jahr<br />

2020. Zwischen 2005 und 2020 konnten nach einer vorsichtigen<br />

Schätzung vermutlich nur knapp 30% reduziert werden. 4<br />

Quellen:<br />

1. Rodenhäuser, Dorothee/Vetter, Hannes/Foltin, Oliver/Stadtherr,<br />

Lisa/Diefenbacher, Hans/Teichert, Volker/Held, Benjamin (2021):<br />

Treibhausgas- und Klimaneutralität in Kirchen. Positionspapier zur<br />

Definition von Klimaschutzzielen und Reduktionspfaden im kirchlichen<br />

Kontext. Heidelberg: Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft;<br />

URL: https://bit.ly/3yuyGjf.<br />

2. Vgl. Umweltbundesamt (2021): Treibhausgasminderung um 70 Prozent bis 2030:<br />

So kann es gehen. Dessau, S. 26ff.; URL: https://www.umweltbundesamt.de/sites/<br />

default/files/medien/1410/publikationen/2021-09-23_position_treibhausgasminderungen-2030_neu.pdf.<br />

3. Vgl. ebenda, S. 30ff.<br />

4. Vgl. Rat der EKD, Hrsg. (2020): Klimabericht <strong>für</strong> die Evangelische Kirche in<br />

Deutschland 2020. URL: https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/07-TOP-VII-<br />

Klimabericht.pdf<br />

Autoren<br />

Dr. Oliver Foltin und Dr. Volker Teichert sind<br />

wissenschaftliche Referenten im Arbeitsbereich<br />

Nachhaltige Entwicklung der Forschungsstätte der<br />

Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST).<br />

Kleine Kniffe<br />

29<br />

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Aus nationalen Kompetenzstellen der <strong>Beschaffung</strong><br />

Bundesbehörden berücksichtigen bei Bedarfsermittlung<br />

und <strong>Beschaffung</strong> den Klimaschutz<br />

Die <strong>für</strong> Bundesbehörden verpflichtende Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur<br />

<strong>Beschaffung</strong> klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima), das Klimaschutzgesetz (KSG), das<br />

Kreislaufwirtschaftsgesetz sowie das Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit der Bundesregierung<br />

stellen wichtige Meilensteine auf dem Weg zur klimaneutralen Bundesverwaltung bis zum Jahr<br />

2030 dar.<br />

Ein Beitrag von Ralf Grosse<br />

Die AVV Klima enthält <strong>für</strong> Bedarfsträger und Beschaffer neue<br />

Anforderungen und Pflichten, die sich aus § 13 KSG ergeben, und<br />

konkretisiert diese. Die Zielsetzung dabei ist die Minderung von<br />

Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus. Die AVV<br />

Klima ist damit ein wichtiges Instrument, um die oben genannten<br />

Ziele in der öffentlichen <strong>Beschaffung</strong> umzusetzen.<br />

Im September 2021 hat das Bundeswirtschaftsministerium, heute<br />

das Bundesministerium <strong>für</strong> Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK),<br />

die AVV EnEff zur AVV Klima weiterentwickelt und neben den<br />

Aspekten der Energieeffizienz jetzt auch den Klimaschutz, unter<br />

Berücksichtigung der Vorgaben des § 13 (2) Bundes-Klimaschutzgesetz<br />

(KSG), einbezogen. Die AVV Klima ist zum 1. Januar <strong>2022</strong> in<br />

Kraft getreten. Bundesbehörden in unmittelbarer Bundesverwaltung<br />

müssen nun die Anforderungen daraus berücksichtigen.<br />

Der Fokus der AVV Klima liegt in einem hohen Maß im Bereich<br />

der Energieeffizienz, aber auch auf der Bilanzierung und der<br />

monetären Bewertung von Treibhausgasemissionen, die über den<br />

gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg anfallen und in der<br />

Auftragsvergabe der öffentlichen Hand entsprechende Berücksichtigung<br />

finden sollen.<br />

Die Erläuterungen zur AVV Klima halten hierzu fest, „dass <strong>für</strong><br />

die Vermeidung oder Verursachung von Treibhausgasemissionen<br />

in der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung ein CO 2<br />

-Preis rechnerisch<br />

zugrunde zu legen ist (CO 2<br />

- Schattenpreis). Bezug genommen wird<br />

dabei auf das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), das Orientierung<br />

<strong>für</strong> eine Bepreisung von klimarelevanten Emissionen,<br />

angegeben als CO 2<br />

-Äquivalent, bietet.“<br />

Mit der AVV Klima werden auch Prüf-, Berücksichtigungsund<br />

Bevorzugungspflichten klimafreundlicher Leistungen zu<br />

einer zentralen Vorgabe in den, dem Bedarf zugrunde liegenden,<br />

Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen, wie auch in den Bereichen der<br />

Bedarfsermittlung und in den <strong>Beschaffung</strong>sprozessen des Bundes.<br />

Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und der<br />

Bedarfsermittlung sind bei der Erstellung der Leistungsbeschreibung<br />

mit Blick auf die Klimarelevanz der zu beschaffenden Leistungen<br />

zu berücksichtigen. Dabei soll die höchstmögliche Energieeffizienzklasse<br />

einbezogen, soweit verfügbar auch die Nutzung von Kriterien<br />

vorhandener Gütezeichen in Betracht gezogen werden, wie beispielhaft<br />

die Kriterien des Blauen Engels oder des Europäischen<br />

Umweltzeichens. Die AVV Klima beinhaltet auch die Berücksichtigung<br />

der Kosten der verursachten Treibhausgasemissionen bei<br />

der Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots. Hierzu können, <strong>für</strong><br />

eine entsprechende Überprüfung der eingegangenen Angebote, ab<br />

einem voraussichtlichen Auftragswert von 10.000 Euro von allen<br />

Bietern konkrete Angaben zu Energieverbräuchen und Treibhausgasemissionen<br />

gefordert werden.<br />

Neu ist die Aufnahme einer „Negativliste“ in die AVV Klima<br />

und damit verbunden eine Einschränkung des Leistungsbestimmungsrechts<br />

öffentlicher Auftraggeber des Bundes. Diese beinhaltet<br />

Leistungen und Produkte, deren <strong>Beschaffung</strong> aus Gründen des<br />

Umwelt- oder Gesundheitsschutzes unzulässig ist. Hierunter fallen<br />

unter anderem die sogenannten „Gas-Heizpilze“, wie auch „Geräte,<br />

die ausschließlich der Zubereitung von Heißgetränken durch Befüllung<br />

mit Lebensmittelportionen, die <strong>für</strong> den Endverbraucher nur als<br />

einzeln verpackte Einheiten in, mehrere dieser Einheiten enthaltenden<br />

Verkaufsverpackungen erhältlich sind, dienen.“<br />

30 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 30 09.04.22 09:25


Weitere Informationen<br />

Informationen zur Beachtung und Berechnung von<br />

Lebenszykluskosten im <strong>Beschaffung</strong>sprozess sowie<br />

hilfreiche Tools stellt das Umweltbundesamt in seinem<br />

Internetauftritt zur Verfügung:<br />

https://t1p.de/fjhe6<br />

Eine juristische Betrachtung kann dem Beitrag von<br />

Frau Dr. Dahlendorf auf der Webseite des Vergabeblogs<br />

entnommen werden:<br />

https://t1p.de/afnwn<br />

Kompetenzstelle <strong>für</strong> Nachhaltige <strong>Beschaffung</strong> (KNB)<br />

Hotline: +49 (0)22899 610-2345<br />

Email: nachhaltigkeit@bescha.bund.de<br />

Autor<br />

Ralf Grosse<br />

Kompetenzstelle <strong>für</strong> Nachhaltige<br />

<strong>Beschaffung</strong> (KNB)<br />

Kleine Kniffe<br />

31<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 31 09.04.22 09:25


Aus nationalen Kompetenzstellen der <strong>Beschaffung</strong><br />

Standardisierung <strong>für</strong><br />

mehr Innovationen in der öffentlichen <strong>Beschaffung</strong><br />

Wieso sollte ausgerechnet eine Standardisierung zu mehr Innovationen in der öffentlichen<br />

<strong>Beschaffung</strong> führen? Würde man nicht eher vermuten, dass durch das Setzen von Standards die<br />

systematische <strong>Beschaffung</strong> von Innovationen gehemmt wird? <strong>Das</strong> Kompetenzzentrum innovative<br />

<strong>Beschaffung</strong> (KOINNO) wird sich in den nächsten Monaten diesen Fragen verstärkt widmen und<br />

gemeinsam mit Experten aus der Praxis mögliche Standards erarbeiten.<br />

Ein Beitrag von Judith Jung<br />

Gerade in den frühen Phasen des <strong>Beschaffung</strong>sprozesses erkennt<br />

man eine eher heterogene Ausgestaltung. Dies betrifft insbesondere<br />

die Phasen vor der eigentlichen Ausschreibung. Dazu zählen vor<br />

allem das Bedarfsmanagement sowie die <strong>Beschaffung</strong>smarktforschung<br />

(oder auch Markterkundung).<br />

Neben der <strong>Beschaffung</strong> spielen zwei weitere Akteure hier eine<br />

besonders wichtige Rolle: die Bedarfsträger sowie die potenziellen<br />

Lieferanten. Gerade an diesen beiden entscheidenden Schnittstellen<br />

entstehen häufig Informationsasymmetrien und Unsicherheiten.<br />

Die Ideen zur <strong>Beschaffung</strong> von Innovationen kommen meist<br />

von den Bedarfsträgern. Sie verfügen in der Regel über alle nötigen<br />

Informationen bezogen auf die Problemstellung, d.h. sie sind in der<br />

Lage, ihren Bedarf zu beschreiben. Potenzielle Lieferanten hingegen<br />

verfügen über Informationen hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur<br />

Problemlösung. Aufgabe der <strong>Beschaffung</strong> ist es nun, diese beiden<br />

Informationsstände zu kombinieren und so Bedarfsträger und potenzielle<br />

Anbieter zusammenzuführen, um letztendlich Innovationen zu<br />

realisieren. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die <strong>Beschaffung</strong><br />

frühzeitig über Bedarfe in Kenntnis gesetzt wird und so bereits bei<br />

der Ideenentwicklung involviert ist.<br />

Die Entwicklung eines systematischen Vorgehens, eines sog.<br />

Standards, könnte hier Abhilfe schaffen.<br />

Wie kann Standardisierung zu mehr<br />

Innovationen führen?<br />

Bei einem Standard handelt es sich um eine vergleichsweise<br />

einheitliche oder vereinheitlichte, von bestimmten Kreisen anerkannte<br />

und meist auch angewandte (oder zumindest angestrebte)<br />

Art und Weise, etwas herzustellen oder durchzuführen, die sich<br />

gegenüber anderen Arten und Weisen durchgesetzt hat . Ein<br />

wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur sog. Norm ist, dass der<br />

Standardisierungsprozess nicht zwingend unter Einbeziehung<br />

aller interessierten Kreise und der Öffentlichkeit abläuft. Derartig<br />

entwickelte Standards können aber durchaus die Basis <strong>für</strong> spätere<br />

Normen sein.<br />

Die Entwicklung von Standards verfolgt in erster Linie das<br />

Ziel, die Effizienz und Effektivität von Geschäftsprozessen innerhalb<br />

und zwischen Unternehmen zu steigern. Überträgt man dieses<br />

Verständnis auf die öffentliche <strong>Beschaffung</strong>, ergeben sich mehrere<br />

Ansatzpunkte <strong>für</strong> eine Standardisierung. Innerhalb von KOINNO<br />

möchten wir den Fokus zunächst auf die drei folgenden Hebel legen:<br />

• Standardisierung des <strong>Beschaffung</strong>sprozesses unter Berücksichtigung<br />

der Anforderungen <strong>für</strong> die <strong>Beschaffung</strong> von Innovationen.<br />

• Standardisierung der Art und Weise der Bedarfsspezifikation<br />

von Innovationen, d.h. die Art und Weise wie Bedarfe an die<br />

<strong>Beschaffung</strong>sstelle kommuniziert werden.<br />

• Standardisierung der Interaktion mit der Anbieterseite<br />

Entstehen von Standards<br />

Die Entstehung eines Standards folgt in der Regel einem festen<br />

Vorgehen. Die im nachfolgenden beschriebene Vorgehensweise orientiert<br />

sich am Standardisierungsmodell nach de Vries .<br />

Standards werden üblicherweise von Unternehmen oder<br />

anderen Organisationen <strong>für</strong> den internen Gebrauch entwickelt. Aber<br />

auch Unternehmenskonsortien oder Regierungsstellen entwickeln<br />

Standards.<br />

32 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 32 09.04.22 09:25


Foto: depositphotos<br />

Standards beinhalten typischerweise technische Spezifikationen<br />

oder andere präzise Kriterien, die sicherstellen, dass Materialien,<br />

Produkte, Prozesse, Dienstleistungen, Systeme oder Personen <strong>für</strong><br />

den vorgesehenen Zweck geeignet sind. Sie können aber ebenfalls<br />

Prüfverfahren, Verfahrensregeln, Managementsystemnormen,<br />

Empfehlungen oder Leitlinien <strong>für</strong> eine vereinbarte „Best-Practice“<br />

sein.<br />

Wenn ein Standard in die Geschäftsprozesse der breiten Öffentlichkeit<br />

implementiert und dort genutzt wird, können daraus<br />

diverse positive Effekte resultieren. Bezogen auf die Prozesse können<br />

dies u.a. sein:<br />

• Erhöhte Prozessqualität<br />

• Reduzierte Durchlaufzeiten<br />

• Reduzierte Prozesskosten<br />

• Verbesserte Reaktionszeiten<br />

Können Standards also tatsächlich <strong>für</strong> mehr Innovationen in der<br />

öffentlichen <strong>Beschaffung</strong> sorgen? Ziel ist es zumindest, dass Beschaffer,<br />

Bedarfsträger und Anbieter auf dem Weg hin zur Innovation<br />

besser miteinander in den Austausch kommen können.<br />

Autorin<br />

Judith Jung<br />

Projektmanagerin im<br />

Kompetenzzentrum<br />

innovative <strong>Beschaffung</strong><br />

http://www.koinno-bmwi.de/<br />

Die KOINNO-Standardisierung als neues Element im<br />

Leistungsportfolio<br />

KOINNO wird zukünftig Standardisierungspotenziale<br />

im <strong>Beschaffung</strong>sprozess sowie in den<br />

Schnittstellenprozessen untersuchen.<br />

Ziel ist es, gemeinsam mit Expertinnen und<br />

Experten aus der Praxis Standards im öffentlichen<br />

<strong>Beschaffung</strong>sprozess zu definieren, die als<br />

Orientierungshilfe <strong>für</strong> öffentliche Auftraggeber zur<br />

Umsetzung einer innovativen öffentlichen <strong>Beschaffung</strong><br />

dienen sollen.<br />

Werden Sie Teil einer unserer vier Arbeitsgruppen<br />

• Bedarfsmanagement<br />

• <strong>Beschaffung</strong>smarktforschung<br />

• <strong>Beschaffung</strong>svergabe<br />

• <strong>Beschaffung</strong>sabwicklung<br />

und tragen Sie dazu bei, eine Orientierungshilfe<br />

<strong>für</strong> öffentliche Auftraggeber zur Umsetzung einer<br />

innovationsorientierten öffentlichen <strong>Beschaffung</strong> zu<br />

erstellen.<br />

Unterstützen Sie das KOINNO bei dem Vorhaben,<br />

Innovationspotenziale <strong>für</strong> öffentliche Auftraggeber<br />

sichtbar und intuitiv anwendbar zu machen.<br />

Bei Interesse freuen wir uns über Ihre<br />

E-Mail an judith.jung@bme.de<br />

Kleine Kniffe<br />

33<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 33 09.04.22 09:25


Aus kirchlichen Initiativen<br />

Nachhaltigkeit -<br />

Die Verantwortung als Online-Marktplatz<br />

Online-Marktplätze, wie der KIRCHENShop, der Produkte und Dienstleistungen vertreibt, stehen in<br />

der Verantwortung, den klimatischen und gesellschaftlichen Wandel positiv zu beeinflussen.<br />

Ein Bericht von Hendrik Claaßen, Geschäftsführer der HKD<br />

Mit der Kampagne „Für unser Morgen“ setzt der KIRCHENShop<br />

ein Zeichen, dass seine Kund*innen bereits einen wichtigen Beitrag<br />

„Für unser Morgen“ leisten. Die Kampagne zeigt Nachhaltigkeitsvorbilder<br />

aus den Bereichen Kirche, KiTa und Werkstätten <strong>für</strong><br />

Menschen mit Handicap.<br />

Müge, Simone und Thomas wurden durch ihren Arbeitsalltag<br />

begleitet und zeigen eindrucksvoll, wie sie mit Leichtigkeit Nachhaltigkeit<br />

in ihren Arbeitsalltag integrieren. Ob das Upcycling<br />

vergessener Ressourcen, über den Umstieg auf E-Mobilität bis hin<br />

zum gemeinsamen Gärtnern im kitaeigenen Gemüsegarten. All das<br />

sind kleine Schritte, die jede*r im Alltag integrieren kann, um <strong>nachhaltige</strong>r<br />

zu leben. (www.fuerunsermorgen.de)<br />

Kirche von Kurhessen-Waldeck, die Ev. Kirche im Rheinland und<br />

das Erzbistum Köln. Damit holt sich der KIRCHENShop Spezialwissen<br />

zum Thema Öko-fair-soziale <strong>Beschaffung</strong> in der Kirche und<br />

Diakonie ins Haus und kann somit ihren Kund*innen zukünftig ein<br />

breiteres Nachhaltigkeitsangebot bieten.<br />

Tun auch Sie etwas <strong>für</strong> unser Morgen und registrieren Sie sich<br />

jetzt unter:<br />

www.kirchenshop.de<br />

Geprüft <strong>nachhaltige</strong> Produkte<br />

Besonders am individuellen Konsumverhalten kann mit kleinen<br />

Schritten Großes bewirkt werden. Durch den Nachhaltigkeitsfilter<br />

können die KIRCHENShop Kund*innen über 25.000 geprüft<br />

<strong>nachhaltige</strong> Produkte u.a. aus den Bereichen Hygiene, Büro- und<br />

Kirchenbedarf erwerben. Bevor Artikel und Dienstleistungen im<br />

KIRCHENShop zur Verfügung stehen, werden alle Anbieter auf<br />

ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitskriterien<br />

geprüft, damit die Kund*innen guten Gewissens einkaufen können.<br />

Kontakt:<br />

HKD Handelsgesellschaft <strong>für</strong> Kirche und Diakonie mbH<br />

Herzog-Friedrich-Str. 45<br />

24103 Kiel<br />

Telefon Kirchenshop: 0431 / 59 49 99-555<br />

E-Mail: kontakt@kirchenshop.de<br />

Kooperation mit wir-kaufen-anders.de<br />

Als Erweiterung des Nachhaltigkeitskonzeptes kooperiert der<br />

KIRCHENShop seit Januar <strong>2022</strong> mit wir-kaufen-anders.de. Die<br />

<strong>ökumenische</strong> Informationsplattform ist eine gemeinsame Initiative<br />

von sechs Landeskirchen/Diözesen zur Förderung der <strong>nachhaltige</strong>n<br />

<strong>Beschaffung</strong>. Beteiligt sind die Ev. Landeskirche in Baden, das<br />

Erzbistum Freiburg, die Ev. Kirche in Hessen und Nassau, die Ev.<br />

Autor:<br />

Hendrik Claaßen<br />

Geschäftsführer der<br />

HKD Handelsgesellschaft <strong>für</strong><br />

Kirche und Diakonie mbH<br />

www.kirchenshop.de<br />

34 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 34 09.04.22 09:25


Aus Initiativen der Nachhaltigkeit<br />

Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit<br />

in Sozialeinrichtungen durch Effizienzmaßnahmen<br />

Die Gebäude von Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser oder<br />

Pflegeheime weisen in der Regel immense Energieverbräuche auf, die eine erhebliche<br />

Kostenbelastung darstellen können. Die Einführung der CO 2<br />

-Bepreisung und die deutlichen<br />

Energiepreissteigerungen haben den wirtschaftlichen Druck zusätzlich verschärft.<br />

Ein Beitrag von Caterina Marcucci<br />

Gleichzeitig stehen die Einrichtungen auch beim Thema Klimaschutz<br />

vor besonderen Herausforderungen. Die Bundesregierung<br />

hat <strong>für</strong> Deutschland das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 festgeschrieben.<br />

Manche Träger sind sogar noch weitaus ambitionierter<br />

unterwegs.<br />

So möchte beispielsweise die Diakonie Deutschland bereits 2035<br />

klimaneutral wirtschaften. Die gute Nachricht ist, dass die gesetzten<br />

Klimaziele mit schon heute vorhandenen Technologien und mit<br />

wirtschaftlichen Mitteln erreicht werden können. Doch wie können<br />

Einrichtungen mit ihren begrenzten Personal- und Finanzressourcen<br />

jetzt konkret handeln und ihre Liegenschaften auf den Pfad der<br />

Dekarbonisierung bringen?<br />

Um die Einrichtungen hierbei zu unterstützen, hat die Klimaschutz-<br />

und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)<br />

gemeinsam mit der Hochschule <strong>für</strong> Technik Stuttgart (HFT) und der<br />

Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF)<br />

vor drei Jahren das Projekt „Contracting <strong>für</strong> Sozialeinrichtungen“<br />

gestartet.<br />

Unterstützt vom Bundesministerium <strong>für</strong> Wirtschaft und<br />

Klimaschutz wurden im Dialog mit Trägern, einzelnen Einrichtungen,<br />

Finanzierern und Energiedienstleistern Lösungsansätze<br />

entwickelt, mit deren Hilfe mehr Klimaschutzprojekte in sozialen<br />

Liegenschaften umgesetzt werden können. Kernanliegen war dabei<br />

immer, auf die tatsächlichen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen<br />

der Einrichtungen einzugehen und da<strong>für</strong> sowohl die passenden<br />

Informationen bereitzustellen als auch etablierte Geschäftsmodelle<br />

infrage zu stellen.<br />

So wurde klar, dass sich viele Einrichtungen von Energiedienstleistern<br />

bzw. Contractoren vor allem wünschen, dass sie sie<br />

mit technischem Know-how, Finanzierung und ganzheitlicher<br />

Betrachtung strategisch bei der Dekarbonisierung unterstützen<br />

und ihnen den Rücken <strong>für</strong> das jeweilige Kerngeschäft freihalten.<br />

Aus der Zusammenarbeit im Projekt entstanden eine Reihe von<br />

praxisnahen Tools, die nun kostenlos online verfügbar sind und von<br />

Fachseminaren und Schulungsangeboten begleitet werden. Denn<br />

viele Einrichtungen wollen aktiv werden, wissen aber nicht, womit<br />

und wie sie anfangen sollen.<br />

Für Sozialeinrichtungen hält das Projekt unter anderem praktische<br />

Finanzierungsübersichten, einen Schnellrechner inklusive<br />

Best-Practice-Beispielen sowie Hinweise auf unabhängige Berater<br />

bei der Planung von Sanierungsmaßnahmen bereit.<br />

<strong>Das</strong> Motto dabei: Egal ob mit oder ohne Energiedienstleister – es<br />

muss jetzt gehandelt werden, um den Sanierungsstau zu beheben und<br />

die Klimaschutzziele zu erreichen. Tools und weitere Informationen<br />

finden Sie unter:<br />

www.kea-bw.de/CoSo<br />

Autorin:<br />

Caterina Marcucci<br />

Deutsche Unternehmensinitiative<br />

Energieeffizienz e.V. (DENEFF)<br />

Kleine Kniffe<br />

35<br />

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Aus Wohlfahrtsverbänden<br />

Deutscher Caritasverband - Klimaneutral bis 2030<br />

Im Gespräch mit Astrid Schaffert<br />

Astrid Schaffert ist Mitarbeiterin im Deutschen Caritasverband im Kompetenzbereich Organisation,<br />

Strategie und Theologie und ist Leiterin der AG Klimaschutz im Deutschen Caritasverband.<br />

<strong>Das</strong> Interview führte Thomas Heine, Chefredakteur „Kleine Kniffe“<br />

Frau Schaffert, die CARITAS will bis zum Jahr 2030<br />

klimaneutral sein. Worum geht es?<br />

Mit ihren über 25.000 Diensten und Einrichtungen erzeugt die<br />

Caritas einen gewaltigen ökologischen und klimarelevanten Fußabdruck:<br />

Der große Bestand an Sozialimmobilien und Fahrzeugen, aber<br />

auch die <strong>Beschaffung</strong> von Energie und anderen Materialien wirken<br />

sich aus und sind zu beachten. Als Gesellschaft haben wir beschlossen,<br />

bis 2045 klimaneutral zu leben und zu wirtschaften. Daher ist<br />

auch die Caritas als Organisation aufgerufen, ihren Beitrag <strong>für</strong> den<br />

Klimaschutz zu leisten.<br />

Warum wurde dieser Beschluss gerade jetzt gefällt?<br />

Wir leben in einer Zeit der Superlative. <strong>Das</strong> Jahr 2019 war in<br />

Europa mit zwei Grad Celsius über den Werten von vor 100 Jahren<br />

das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Seit<br />

20 Jahren sind fast alle Jahre deutlich wärmer als die Jahre im vorigen<br />

Jahrhundert, meist begleitet von weiteren Wetterextremen. Diese<br />

haben sich in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland mehr als<br />

verdreifacht. Ein Wegschauen fällt angesichts der auch hier spürbaren<br />

negativen Auswirkungen immer schwerer. Und dann gab es noch<br />

Fridays for Future, die das Thema eindrucksvoll in die Öffentlichkeit<br />

beförderten.<br />

Trifft der Klimawandel jeden Menschen gleichermaßen?<br />

Die heute bereits spürbaren Auswirkungen der Klimakrise sind<br />

sozial ungleich verteilt. In Deutschland sind ältere Menschen, Einkommensschwache<br />

sowie Kinder und Jugendliche als Leidtragende<br />

besonders betroffen. So wohnen einkommensärmere Menschen<br />

häufig in schlecht isolierten Wohnungen, die sich in Sommern<br />

stark aufheizen und die nötige Abkühlung nicht zulassen. Ältere<br />

Menschen leiden stärker unter hohen Temperaturen als Jüngere,<br />

Hitzestress, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind<br />

direkte Folgen der Klimaerhitzung. Auch im Freien arbeitende<br />

Berufstätige, wie bspw. BauarbeiterInnen können sich den hitzebedingten<br />

Auswirkungen nicht entziehen.<br />

Die Caritas begründet ihren Beschluss zur Klimaneutralität<br />

auch mit sozialen Gesichtspunkten. Was können<br />

Sie dazu sagen?<br />

Zusammen mit der Reduktion von Treibhausgasen ist die<br />

Fokussierung auf eine „Option <strong>für</strong> die Armen“ aus Caritas-Perspektive<br />

essentiell. Fast jeder fünfte Haushalt in Deutschland ist<br />

von Armut betroffen. Sie spüren nicht nur die Auswirkungen<br />

der Klimakrise, auch die bisherige Klimapolitik trifft sie fiskalisch<br />

überproportional. Energiekosten summieren sich auf einen relativ<br />

gesehen höheren Anteil ihres Nettoeinkommens im Vergleich zu<br />

einkommensstärkeren Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitig nahezu<br />

36 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 36 09.04.22 09:25


Foto: Deutscher Caritasverband e.V.<br />

unelastischer Nachfrage. Klimaschutzinduzierte Preissteigerungen<br />

spüren sie folglich deutlicher. Daher ist Klimaschutz ein Bestandteil<br />

von Sozialpolitik, kann diese aber nicht ersetzten.<br />

Welche Forderungen ergeben sich daraus <strong>für</strong> die Politik?<br />

Wir brauchen eine ambitionierte Klimapolitik, die gleichzeitig<br />

soziale Gerechtigkeit befördert. Nicht eine konsequente Klimapolitik<br />

stört den sozialen Frieden, sondern gerade ein ‚Weiter-wie-bisher‘!<br />

Die Basis der sozial gerechten Klimapolitik müssen verbindliche,<br />

überprüfbare, ausreichende und bei Nichteinhaltung mit Sanktionen<br />

hinterlegte Reduktionsziele sein. Es geht um die Entwicklung<br />

einer geteilten Vision unseres künftigen Zusammenlebens als Menschheitsfamilie<br />

sowie um unseren Umgang mit unserer natürlichen<br />

Umgebung. Der Diskurs über eine gemeinsame Zukunftsperspektive<br />

muss inklusiv sein und sich insbesondere an den Perspektiven von<br />

bislang benachteiligten Gruppen, aber auch von jungen Menschen<br />

orientieren – sie werden die Auswirkungen des Klimakollaps in<br />

Zukunft am deutlichsten zu spüren bekommen.<br />

Und wie positioniert sich die Caritas im politischen<br />

Diskurs?<br />

Im politischen Prozess immer wieder festgefahrene Denkweisen<br />

kritisch zu hinterfragen und Offenheit <strong>für</strong> kreative Ideen anzuregen,<br />

ist Aufgabe von Kirche und ihrer Caritas. Der christliche Sinnhorizont<br />

bietet Inspiration <strong>für</strong> <strong>nachhaltige</strong> Lebensmodelle. Dabei kann<br />

sich die verbandliche Caritas am Leitgedanken der Suffizienz, wie er<br />

auch durch Papst Franziskus stark gemacht worden ist, orientieren:<br />

nicht viel zu haben, sondern verantwortungsvoll zu leben ist die<br />

Grundhaltung christlicher Spiritualität.<br />

Welche Aufgaben kommen auf die Caritas-Einrichtungen<br />

zu?<br />

Die Caritas gehört zu den großen Immobiliennutzern und auch<br />

-eigentümern. Es handelt sich überwiegend um energieintensive Gebäude<br />

(z. B. Krankenhäuser, Pflegeheime oder auch Wohngebäude<br />

und tagesstrukturierende Einrichtungen der Behindertenhilfe),<br />

bei denen mit Modernisierungsmaßnahmen oftmals erhebliche<br />

CO2-Reduktionen möglich wären.<br />

Welchen Einfluss hat die <strong>Beschaffung</strong> auf die klimaneutrale<br />

Transformation?<br />

Eine klimaneutrale Transformation der <strong>Beschaffung</strong> ist eine<br />

vielfältig gelagerte Herausforderung. Verpflegung ist in vielen<br />

Arbeitsfeldern der Caritas ein integraler Bestandteil der Leistungserbringung.<br />

Die Hälfte der CO2-Emissionen in Pflegeheimen ist auf<br />

die Verpflegung zurückzuführen. Da kann auch ohne große bauliche<br />

Investitionen angesetzt werden. Die Caritas hat hier ebenso<br />

wie im Bereich der Energiebeschaffung und im sonstigen <strong>Beschaffung</strong>swesen<br />

eine beträchtliche Marktmacht, die es einzusetzen gilt.<br />

Kleine Kniffe<br />

37<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 37 09.04.22 09:25


Foto: Deutscher Caritasverband e.V.<br />

Anstrengungen in Bezug auf <strong>nachhaltige</strong> Lieferketten, die ihrerseits<br />

faire und ökologische Produktionsweisen stärken, sollten zudem<br />

intensiviert werden. <strong>Das</strong> vom Deutschen Caritasverband mitgetragene<br />

Textilsiegel „Grüner Knopf“ des BMZ ist ein wichtiger<br />

Schritt hin zu eine <strong>nachhaltige</strong>n Textilbeschaffung. Einige Einrichtungen<br />

befassen sich intensiv mit ökofairer Textilbeschaffung.<br />

Und natürlich können auch Finanzanlagen Klimaschutz befördern,<br />

wenn die klassischen Anlageziele Liquidität, Sicherheit und Rendite<br />

durch nicht-finanzielle Ziele ergänzt werden. Pilot-Projekte, die in<br />

der Caritas bereits erfolgreich umgesetzt wurden, sind zu skalieren.<br />

Für jeden Schritt haben wir in der Broschüre dann auch Checklisten,<br />

Ideensammlungen und Handreichungen entwickelt. Sie steht zum<br />

Download auf unserem Klimablog unter<br />

https://klima.caritas.de/klimamanagement/<br />

Dort finden sich auf Ankündigungen <strong>für</strong> die zahlreichen<br />

inhaltlichen, digital durchgeführten Fortbildungs- und Austauschveranstaltung<br />

zu einzelnen Aspekten der Klimatransformation<br />

statt. Schauen Sie einfach mal rein.<br />

Welche Unterstützung gibt der Deutsche Caritasverband<br />

seinen Einrichtungen, um das Klimaziel erreichen<br />

zu können?<br />

Wir haben ein Arbeitsbuch „<strong>Das</strong> Caritas Klimamanagement“<br />

herausgegeben. Darin informieren wir über die Schritte wie ein<br />

Klimamanagement in den Einrichtungen aufgesetzt werden kann.<br />

Schritt <strong>für</strong> Schritt entwickeln wir in der Broschüre, wie man von<br />

der Bestandsaufnahme, zur Datenerhebung, zur Zielsetzung und<br />

Maßnahme-Planung, zur Umsetzung zur Erfolgskontrolle kommt.<br />

<strong>Das</strong> Interview führte<br />

Thomas Heine<br />

Chefredakteur “Kleine Kniffe”<br />

www.<strong>nachhaltige</strong>-beschaffung.com<br />

38 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 38 09.04.22 09:25


Veranstaltungen<br />

zum <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf<br />

Nachhaltig einkaufen <strong>für</strong> die Kirche – wir<br />

kaufen anders! <strong>Das</strong> neue Einkaufsportal<br />

Jede und jeder kann durch ein bewusstes Einkaufen einen Beitrag<br />

zum Klimaschutz leisten, kann ein Zeichen gegen Kinderarbeit<br />

setzen und sich <strong>für</strong> eine gerechte und <strong>nachhaltige</strong> Welt engagieren.<br />

Auch der Einkauf in der kirchlichen Einrichtung und in der Kirchengemeinde<br />

kann ein Beitrag dazu sein. Bei dieser Veranstaltung<br />

gibt es von der Servicestelle <strong>für</strong> Öko-fair-soziale <strong>Beschaffung</strong> der<br />

Evangelischen Landeskirche in Baden konkrete Tipps <strong>für</strong> den<br />

eigenen <strong>nachhaltige</strong>n Einkauf und es wird das neue Einkaufsportal<br />

vorgestellt, welches in Kooperation von wir-kaufen-anders mit der<br />

HKD läuft.<br />

Termin: 19.5.<strong>2022</strong><br />

Anmeldung: https://t1p.de/70g8b<br />

Workshop: Klimafreundliche Mobilität<br />

Wir sind (all)täglich in Bewegung. Dabei gehen wir meistens<br />

den gewohnten Weg. Unser Mobilitätsverhalten ist durch Routinen<br />

geprägt. Mobilitätsverhalten zu ändern, bedeutet auch Gewohnheiten<br />

aufzubrechen. <strong>Das</strong> braucht Zeit und gute Alternativen.<br />

Termin: 26.4.<strong>2022</strong><br />

Anmeldung: https://t1p.de/vn70m<br />

Workshop: Kompensation – Möglichkeiten und<br />

Grenzen<br />

CO 2<br />

vermeiden – reduzieren – kompensieren. Ein kleiner Rest<br />

Emissionen wird immer bleiben. Und da<strong>für</strong> lohnt es die folgenden<br />

Fragen zu stellen: Wohin fließt der Kompensationsbeitrag? Welche<br />

Projekte sollten damit unterstützt werden? Tragen diese zur Armutsbekämpfung<br />

vor Ort bei sowie zur Umsetzung der Ziele <strong>für</strong> eine<br />

<strong>nachhaltige</strong> Entwicklung (SDG)?<br />

Termin: 14.6.<strong>2022</strong><br />

Anmeldung: https://t1p.de/0vvbz<br />

Kleine Kniffe<br />

39<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 39 09.04.22 09:25


Aus nationalen Kompetenzstellen der <strong>Beschaffung</strong><br />

Umweltbilanz von Streaming,<br />

Videokonferenz & Co.<br />

Der Büroalltag von vielen Beschäftigten sieht derzeit so aus, dass vom Küchentisch oder bequem<br />

vom Sofa mit Kolleg:innen oder Teilnehmenden einer Veranstaltung über Videokonferenz<br />

der Kontakt hergestellt wird. Es stellen sich hierbei die Fragen, was nach der Pandemie <strong>für</strong><br />

Arbeitsformen bestehen bleiben und welcher ökologische Rucksack damit verbunden ist. <strong>Das</strong><br />

Umweltbundesamt (UBA) hat die Umweltbilanz von einigen digitalen Diensten ermittelt. Dabei<br />

kamen erwartbare und nicht erwartbare Ergebnisse zum Vorschein. Welche das sind, wird im<br />

folgenden Beitrag vorgestellt.<br />

Ein Beitrag von Marina Köhn<br />

Digitale Diensten bestimmen nicht nur den<br />

Arbeitsalltag<br />

Morgens eine Videokonferenz, dann die Dokumente in der<br />

Cloud gespeichert und zum Feierabend einen Film aus der Mediathek<br />

sehen oder mit Freunden zum Online-Spielen verabreden.<br />

Immer mehr Menschen nutzen Cloud-Dienste. Die Bundesnetzagentur<br />

hat im Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2020/2021 auf<br />

das weiterhin rasant steigende Datenvolumen hingewiesen. Im Jahr<br />

2020 wurden in Deutschland insgesamt rund 81 Mrd. Gigabyte (GB)<br />

Daten über das Festnetz und knapp 4 Mrd. GB Daten über die Mobilfunknetze<br />

übertragen. Für das Jahr 2021 wird pandemiebedingt mit<br />

der Zunahme des Datenvolumens von ca. 20 Prozent beim Festnetz<br />

und ca. 30 Prozent im Bereich Mobilfunk gerechnet. „Die absolute<br />

Steigerung um 21 Mrd. GB im ersten Jahr der Covid-19-Pandemie<br />

war die bisher höchste überhaupt.“ [BNetzA 2021]. <strong>Das</strong> durchschnittliche<br />

Datenvolumen sei pro Festnetz-Anschluss von 142 GB<br />

auf 225 GB im Monat gestiegen. Geht man von einer Festplattengröße<br />

von 500 GB aus, so transportiert jeder Haushalt in jedem Monat<br />

ca. die Hälfte seines Festplattenvolumens.<br />

Die Anwendungen, die derzeit das Wachstum des Internetverkehrs<br />

antreiben, sind Videostreaming und soziale Netzwerke.<br />

Insbesondere das Videostreaming hält nach Schätzungen nicht nur<br />

den Löwenanteil des Internetverkehrs mit ca. 60 %, sondern weist<br />

auch den höchsten prozentualen Anstieg auf.<br />

<strong>Das</strong>s Streaming und andere Internetdienste einen CO 2<br />

-Fußabdruck<br />

haben, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber wie hoch<br />

ist die Umweltbelastung des sogenannten Cloud-Computing? Ist es<br />

<strong>für</strong> den Klimaschutz besser, klassisch an einer Konferenz vor Ort<br />

oder per Videokonferenz teilzunehmen? Muss ich ein schlechtes<br />

Gewissen haben, wenn ich mehrmals am Tag Videos im Internet<br />

streame?<br />

Um diese Frage zu beantworten, gibt es methodisch unterschiedliche<br />

Wege. Bisherige Studien basieren i.d.R. auf Literatur- und<br />

Internetrecherchen und nicht auf direkten Messungen. <strong>Das</strong> erklärt,<br />

warum es unterschiedliche Forschungsergebnisse über die Umweltbilanz<br />

von Streaming-Diensten gibt und diese Ergebnisse zum<br />

Teil weit auseinander liegen. <strong>Das</strong> UBA hat sich entschieden, diese<br />

Fragen im Forschungsvorhaben Green-Cloud Computing [Groeger<br />

2021] zu beantworten und außerdem die Umweltbelastung<br />

von Cloud-Computing-Anwendungen bei Cloud-Dienstleistern in<br />

der Praxis zu messen. Mit der UBA Methode KPI4DCE (Key Performance<br />

Indikator for Datacenter) [Schödwell 2018] liegen die<br />

methodischen Voraussetzungen vor, um die direkten Umweltbelastungen<br />

im Rechenzentrum zu messen.<br />

Die Werte können sich je nach Dienstanbieter und -leistung<br />

unterscheiden, denn es kommt darauf an, wie effizient die Dienstleistung<br />

erbracht wird und welchen Anteil erneuerbare Energie an<br />

der Stromversorgung hat.<br />

40 Kleine Kniffe<br />

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Foto: depositphotos<br />

Ein Beispiel, das diese These bestätigt, ist die Berechnung des<br />

CO 2<br />

-Fußabdrucks von Online-Speicherplatz in vier Rechenzentren.<br />

Wie man in der Abbildung 1 erkennen kann, werden <strong>für</strong> ein<br />

Terabyte Online-Datenspeicherung jährlich CO 2<br />

-Emissionen in<br />

unterschiedlicher Größenordnung freigesetzt. Die Bandbreite reicht<br />

bei den vier Rechenzentren von 166 Kilogramm (RZ02) bis zu 280<br />

Kilogramm CO 2<br />

-Äquivalente pro Terabyte (RZ01) gespeicherte<br />

Daten pro Jahr.<br />

Abbildung 1: CO 2<br />

-Fußabdruck <strong>für</strong> Online-Storage im Vergleich;<br />

UBA 2021 Green Cloud Computing<br />

Wäre es <strong>für</strong> Cloud-Dienstleister verpflichtend, den CO 2<br />

-Fußabdruck<br />

<strong>für</strong> die Cloud-Dienstleistung auszuweisen, wäre es <strong>für</strong><br />

Verbraucher:innen möglich, sehr schnell festzustellen, welcher<br />

Anbieter die Dienstleistung mit einer geringeren Klimabelastung<br />

erbringt.<br />

Kaum ein Cloud-Dienst hat in den letzten Jahren eine ähnlich<br />

große Nachfrage erfahren wie das Streamen von Videos<br />

aus dem Internet. Videostreaming ist mit Abstand die häufigste<br />

nachgefragte Dienstleistung. <strong>Das</strong> war Anlass genug, die Umweltbelastung<br />

<strong>für</strong> diese Dienstleistung unter die Lupe zu nehmen. Für<br />

die Ermittlung des CO2-Fußabdruck konnten wir einen großen<br />

Streaming-Dienstleister als Praxispartner gewinnen, der uns alle notwendigen<br />

Daten zur Verfügung gestellt hat. Für die Bereitstellung<br />

der Cloud-Dienstleistung Videostreaming wurde im Rechenzentrum<br />

ein CO 2<br />

-Fußabdruck von 1,46 Gramm Kohlendioxid-Äquivalenten<br />

pro Stunde Videostream in HD-Qualität (2 Gigabyte Datenvolumen)<br />

ermittelt. <strong>Das</strong> Rechenzentrum liefert im Jahr 619 Millionen Stunden<br />

Videostreams in HD Qualität aus und emittiert dabei 899 Tonnen<br />

Kohlendioxid-Äquivalente.<br />

Der CO 2<br />

-Fußabdruck <strong>für</strong> eine Stunde Videostreaming im<br />

Rechenzentrum erscheint sehr gering. Hierbei muss bedacht werden,<br />

dass die Umweltaufwände <strong>für</strong> die Datenübertragung und <strong>für</strong> die<br />

Technik im Heimnetz in der Berechnung nicht enthalten sind.<br />

Kleine Kniffe<br />

41<br />

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Abbildung 3: Treibhausgasemissionen Videokonferenz-Teilnahme bei verschiedenen Endgeräten (incl. Herstellungs- und Nutzungsphase)<br />

In Abbildung 2 ist der elektrische Energiebedarf bei der Übertragung<br />

von einem GB Datenvolumen über unterschiedliche<br />

Übertragungstechniken dargestellt. Redundante Netztechnik und<br />

Standby-Verbräuche wurden in der Berechnung der Datenübertragung<br />

nicht berücksichtigt. Trotzdem lassen die Werte den Schluss zu,<br />

dass die Datenübertragung über die Mobilfunknetze einen wesentlich<br />

höheren Energiebedarf als kabelgebundene Anschlüsse hat.<br />

Den Anteil der Technik im Heimnetzwerk am CO 2<br />

-Fußabdruck<br />

möchte ich im letzten Fallbeispiel Videokonferenz darstellen.<br />

Videokonferenzen sind mittlerweile <strong>für</strong> viele Arbeitnehmer:innen,<br />

Schüler:innen und Student:innen zum festen Bestandteil des Büro-,<br />

Schul- oder Studienalltags geworden. Ob Unternehmen und Behörden<br />

auch nach der Pandemie <strong>für</strong> Meetings auf Video-Konferenzen<br />

setzen, wird sich zeigen. Anhand unserer Berechnungen können wir<br />

bestätigen, dass die Teilnahme an einer Videokonferenz zur Reduzierung<br />

der Treibhausgasemissionen in Unternehmen beiträgt.<br />

Mit der Teilnahme an einer einstündigen Videokonferenz<br />

sind Treibhausgasemissionen zwischen 55 und 295 Gramm<br />

CO 2<br />

-Äquivalenten verbunden, je nachdem mit welcher IT an<br />

der Videokonferenz teilgenommen wird (inklusive Herstellung<br />

der Hardware). In Abbildung 3 ist gut erkennbar, dass <strong>für</strong> den<br />

Löwenanteil der Treibhausgasemissionen die Technik im Heimnetz<br />

verantwortlich ist. Die klimafreundlichste Videokonferenz-Teilnahme<br />

ist mit einem Laptop möglich. Bei Treibhausgasemissionen<br />

von 55 Gramm CO 2<br />

-Äquivalenten pro Stunde ist sie die klimaschonendste<br />

Variante. Mit einem Desktop-PC mit Monitor sind es 90<br />

Gramm und mit einem großen Videomonitor sind es 295 Gramm<br />

CO 2<br />

-Äquivalenten pro Stunde Teilnahme.<br />

Die Treibhausgasemissionen <strong>für</strong> die Teilnahme an einer Stunde<br />

Videokonferenz sind in Abbildung 7 mit denen der Verkehrsmittel<br />

PKW, Linienbus, ÖPNV und Fernzug ins Verhältnis gesetzt. Eine<br />

einstündige Videokonferenz mit einem Laptop ist klimafreundlicher<br />

als die An und Abreise, sobald mehr als 0,26 Personenkilometer mit<br />

dem PKW oder 1,01 Personenkilometer mit dem Fernzug zurückzulegen<br />

sind.<br />

Abbildung 2: Theoretische Leistungsaufnahme im Telekommunikationsnetzwerk<br />

bei 1 GB/h innerhalb Deutschlands (2020)<br />

Handlungsempfehlungen <strong>für</strong> energieeffiziente<br />

und ressourcenschonende Nutzung von Cloud-<br />

Dienstleistungen<br />

Die vergleichsweise geringen Treibhausgasemissionen <strong>für</strong> die<br />

Nutzung der Cloud-Dienste und die Verdopplung des Datenvolumens<br />

alle zwei Jahre sind die zwei Seiten einer Medaille. Nicht das<br />

einzelne Video, sondern die große Anzahl an Filmen, die täglich<br />

konsumiert werden und Videoclips, die mit Freunden und Verwandten<br />

geteilt werden, sind das Hauptproblem. Nur so lässt sich erklären,<br />

welchen großen Anteil Videostreaming am Gesamtdatenvolumen<br />

einnimmt.<br />

42 Kleine Kniffe<br />

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Abb. 7: Vergleich der Treibhausgasemissionen von Videokonferenzen mit verschiedenen Anzeigegeräten mit den Personenkilometern verschiedener Verkehrsmittel<br />

Um die digitalen Infrastrukturen nicht zu überlasten, müssen<br />

Anreize zur Einsparung von Daten geschaffen werden. Jeder hat es in<br />

der Hand, sich gegen Fehlanreizen zu entscheiden, die zu Mehrkonsum<br />

führen, wie beispielsweise kostenlose Flatrates <strong>für</strong> Musik- und<br />

Videostreaming.<br />

Folgende Faustregeln helfen, den CO 2<br />

-Fußabdruck bei der<br />

Nutzung von Cloud-Diensten zu senken: Alle Daten, dazu gehören<br />

auch Video-Streams, sollten möglichst über WLAN oder LAN<br />

übertragen werden, nicht über Mobilfunk. Videos sollten möglichst<br />

komprimiert werden. Je kleiner der Monitor, desto geringer ist der<br />

CO 2<br />

-Fußabdruck beim Video-Streaming aus der Mediathek oder<br />

von der Streaming-Plattform. <strong>Das</strong> Datenvolumen hängt unmittelbar<br />

mit der Auflösung zusammen. Im Allgemeinen gilt: Je höher<br />

die Auflösung, desto größer die Datei, die übertragen werden muss.<br />

Häufig ist der Qualitätsunterschied bspw. zwischen Full-HD- und<br />

4K-UHD-Auflösung kaum erkennbar - insbesondere bei kleinen<br />

Monitoren und bei Entfernung zum Bildschirm.<br />

Eine weitere Möglichkeit, den persönlichen digitalen CO 2<br />

-Fußabdruck<br />

zu reduzieren, ist es, Daten die nicht mehr gebraucht werden,<br />

wie Bilder oder Videos, regelmäßig aus der Cloud zu löschen. Denn<br />

die Daten in der Cloud verbrauchen viel Energie (vgl. Abbildung<br />

1), weil sie 24 Stunden an jedem Tag im Jahr zur Verfügung gestellt<br />

werden.<br />

Sie haben bereits erfahren, dass bei der Teilnahme an einer<br />

Videokonferenz das Endgerät, mit dem Sie an der Konferenz teilnehmen,<br />

entscheidet <strong>für</strong> den CO 2<br />

-Fußabdruck ist. Sie können diesen<br />

weiter reduzieren, in dem Sie Ihr Videobild immer nur dann aktivieren,<br />

wenn es notwendig ist.<br />

In der Pandemie war es <strong>für</strong> viele von uns ein Trost, dass wir mit<br />

Freund:innen, Eltern und Großeltern über Videotelefonie kommunizieren<br />

konnten. Lassen Sie es nicht zur Gewohnheit werden und<br />

reduzieren Sie die Video-Telefonie auf ein notweniges Maß, auch<br />

dann, wenn es scheinbar kostengünstig ist.<br />

Gewohnheit und nicht mehr darüber nachzudenken, welche<br />

negativen Umweltwirkungen mit dem Handeln verbunden sind,<br />

führen zum Rebound-Effekt. Wir alle haben es AUCH in der Hand,<br />

die Digitalisierung umweltverträglicher zu machen.<br />

Auszug aus Köhn, M. <strong>2022</strong>. Informationstechnik geht auch<br />

umweltverträglich. In J. A. Werner, T. Kaatze, A. Schmidt-<br />

Rumposch (Hrsg.), Green Hospital -Nachhaltigkeit und<br />

Ressourcenschonung im Krankenhaus,<br />

ISBN: 978-3-95466-679-9. Online verfügbar unter:<br />

https://www.mwv-berlin.de/produkte/!/title/greenhospital/id/830<br />

Literaturverzeichnis<br />

1. BNetzA 2021: Tätigkeitsbericht Telekommunikation 2020/2021. Bundesnetzagentur<br />

<strong>für</strong> Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und<br />

Eisenbahne (Hg.). Bonn Dezember 2021 Online verfügbar unter https://<br />

www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Mediathek/Berichte/2021/<br />

TTB2020.pdf?__blob=publicationFile&v=1<br />

2. Gröger J, Li R, Stobbe L, Druschke J, Richter N (2021): Green Cloud<br />

Computing Lebenszyklusbasierte Datenerhebung zu Umweltwirkungen<br />

des Cloud Computing (Texte 94/2021). Umweltbundesamt (Hg.), 2021.<br />

Online verfügbar unter https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/green-cloud-computing<br />

3. Schödwell B, Zarnekow R, Liu R, Gröger J, Wilkens M (2018): Kennzahlen<br />

und Indikatoren <strong>für</strong> die Beurteilung der Ressourceneffizienz von<br />

Rechenzentren und Prüfung der praktischen Anwendbarkeit (Texte<br />

19/2018). Umweltbundesamt (Hg.), 2018. Online verfügbar unter https://<br />

www.umweltbundesamt.de/publikationen/kennzahlen-indikatoren-fuer-die-beurteilung-der<br />

Autorin<br />

Marina Köhn<br />

Beratungsstelle <strong>nachhaltige</strong><br />

Informationsund<br />

Kommunikationstechnik<br />

www.uba.de<br />

Kleine Kniffe<br />

43<br />

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Aus Kirchen<br />

Klima- und Umweltschutzbericht 2021<br />

der Deutschen Bischofskonferenz.<br />

Interview mit Weihbischof Rolf Lohmann<br />

Ein <strong>für</strong> den Klimaschutz entscheidendes Jahrzehnt liegt vor der Menschheit. Dabei kommt den großen und<br />

reichen Emittenten zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens die größte Verantwortung zu:<br />

„Wir müssen ehrlich sein: Unter dem hohen CO 2<br />

-Ausstoß der wohlhabenden Industriestaaten leiden die<br />

Ärmsten in der Welt am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. In unserem Land müssen die<br />

Klimaziele glaubhaft, zielorientiert und konsequent umgesetzt und, wenn nötig, nachgeschärft werden.“,<br />

sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing. Die katholische Kirche<br />

in Deutschland leistet ihren Beitrag zur <strong>nachhaltige</strong>n Gestaltung des Lebens und Wirtschaftens. Die<br />

verschiedenen praktischen Maßnahmen sind im aktuellen Klima- und Umweltschutzbericht der Deutschen<br />

Bischofskonferenz zusammengefasst und dokumentiert.<br />

In den letzten Jahren ist Handeln der katholischen<br />

Kirche in Deutschland und dessen Auswirkungen auf<br />

Klima und Umwelt stärker in den Fokus gerückt. Ein<br />

Ausdruck dieser Aktivitäten ist der Klima- und Umweltschutzbericht<br />

2021 der Deutschen Bischofskonferenz.<br />

Wie ist er gegliedert?<br />

Wir sind sehr froh, dass wir im letzten Jahr den Klima- und<br />

Umweltschutzbericht vorlegen konnten und damit erstmalig<br />

Rechenschaft darüber ablegen, was wir in der katholischen Kirche<br />

zum Klima- und Umweltschutz beitragen. Kern dieser Dokumentation<br />

sind Berichte aus allen deutschen (Erz-)Diözesen über ihren<br />

jeweiligen Stand des Schöpfungsengagements. Dazu berichten auch<br />

weitere katholische Organisationen, nämlich der Deutsche Caritasverband,<br />

die Deutsche Ordensobernkonferenz, das Zentralkomitee<br />

der deutschen Katholiken sowie die bischöflichen Hilfswerke aus<br />

ihrer Praxis. Die Zusammenstellung wird durch Überblicksartikel<br />

über zentrale Handlungsfelder des Schöpfungsengagements ergänzt.<br />

Der Bericht ist kostenlos im Internet abrufbar oder als Druckexemplar<br />

bestellbar unter https://www.dbk-shop.de/de/publikationen/<br />

arbeitshilfen/unser-einsatz-zukunft-schpfung-klima-umweltschutzbericht-2021-deutschen-bischofskonferenz.html<br />

Um was geht es genau im Klima- und Umweltschutzbericht<br />

2021 der Deutschen Bischofskonferenz?<br />

Vielleicht ist es hilfreich, wenn ich ein paar Schlagworte anführe,<br />

um konkrete Aspekte zu benennen. Es geht im Bericht um Dinge<br />

wie Exerzitien, Weltgebetstage, Schöpfungspreise, Kirchenmusik,<br />

Bistumspartnerschaften, Fasten und Pilgern, Religionsunterricht<br />

und Erwachsenenbildung, Priesterausbildung, Ökostrom und<br />

Solardächer, Dienstfahrräder und Dienstwagen, Videokonferenzen,<br />

CO 2<br />

-Kompensationen, Müllvermeidung, ökologische Landwirtschaft,<br />

regionales und saisonales Essen sowie Finanzanlagen. Damit<br />

können Sie sich ein Bild machen. Es wird ein breites Spektrum des<br />

Engagements abgedeckt – ein Spektrum, dass wir Bischöfe schon<br />

im Jahr 2018 mit der Broschüre „Schöpfungsverantwortung als<br />

kirchlicher Auftrag – Handlungsempfehlungen zu Ökologie und<br />

<strong>nachhaltige</strong>r Entwicklung <strong>für</strong> die deutschen (Erz-)Diözesen“ aufgezeigt<br />

hatten.<br />

Kommt die Bestandsaufnahme des Klima- und<br />

Umweltschutzberichts 2021 der Deutschen Bischofskonferenz<br />

zu spät angesichts des kaum noch zu erreichenden<br />

1,5 Grad Ziels?<br />

Ob das 1,5-Grad-Ziel der Erderwärmung global eingehalten<br />

werden kann, hängt realistischerweise nicht in erster Linie von<br />

der Deutschen Bischofskonferenz ab. Aber wir Bischöfe sehen uns<br />

gleichwohl stark in der Verantwortung, unseren Beitrag dazu zu<br />

leisten, den Klimawandel und andere Bedrohungen <strong>für</strong> die Umwelt<br />

aufzuhalten. Insofern halte ich es <strong>für</strong> richtig und wichtig, dass wir<br />

eine erste Bestandsaufnahme in den deutschen Diözesen vorgenommen<br />

haben und auf dieser Grundlage nun schauen, was zu tun ist und<br />

wo wir systematisch noch besser werden müssen.<br />

Welche Handlungsfelder sieht der Klima- und<br />

Umweltschutzberichts im Zentrum des Handelns?<br />

Die meisten CO 2<br />

-Emissionen entstehen im Gebäudebereich.<br />

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Daher ist es wichtig, unseren Gebäudebestand wie beispielsweise<br />

Kirchen, Pfarrheime, Kitas, Krankenhäuser und Einrichtungen der<br />

Caritas nachhaltig und umweltverträglich zu bewirtschaften. Dazu<br />

gehört es, Energie zu sparen, aber auch die Energieversorgung auf<br />

erneuerbare Energieträger umzustellen.<br />

Gibt es weitere Handlungsfelder neben dem <strong>nachhaltige</strong>n<br />

Gebäudemanagement?<br />

Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld der Schöpfungsverantwortung<br />

ist es, das Mobilitätsverhalten im kirchlichen Bereich<br />

umweltschonender zu gestalten, etwa auf dem Weg zur Arbeit<br />

und bei Dienstreisen. Während der Corona-Pandemie haben wir<br />

schon erlebt, wie sich dieses plötzlich und radikal ändern kann und<br />

beispielsweise Videokonferenzen manches vereinfachen<br />

können. Weitere wichtige Handlungsfelder sind auch<br />

die Verankerung des Schöpfungsengagements in Liturgie<br />

und Verkündigung, die Bildungsarbeit, die <strong>Beschaffung</strong>,<br />

die Bewirtschaftung von Kirchenland und der Umgang mit<br />

Finanzanlagen.<br />

Schulen, sollten saisonale, regionale Produkte bevorzugt und eine<br />

Reduktion des Fleischkonsums angestrebt werden, um einen Beitrag<br />

zum Klimaschutz zu leisten.<br />

Welche Handlungsorientierung geben Sie den kirchlichen<br />

Institutionen mit auf den Weg?<br />

Ein ganzheitliches Vorgehen wäre mir wichtig. Nachhaltigkeit<br />

hat schließlich verschiedene Dimensionen, und unser Handeln sollte<br />

nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern etwa auch Verluste der<br />

Artenvielfalt oder andere Umweltschäden minimieren. Zudem ist<br />

die soziale Dimension zu beachten. <strong>Das</strong> alles ist nicht leicht, wichtig<br />

scheint es mir aber, dass die nötigen Schritte gegangen, Erfahrungen<br />

gesammelt werden und, wo erforderlich, weitere Überzeugungsarbeit<br />

geleistet wird. Die Unterstützung und Wertschätzung des<br />

ehrenamtlichen Engagements sind hier natürlich ebenfalls von<br />

Bedeutung. Insgesamt wünsche ich allen, dass sie bei ihrem Einsatz<br />

<strong>für</strong> Klima und Umwelt eine Freude verspüren können, die von der<br />

Erfahrung von Gemeinschaft und von der Hoffnung auf eine gute<br />

Zukunft genährt wird.<br />

Welchen Einfluss hat die kirchliche <strong>Beschaffung</strong> auf<br />

die Erreichung der Klimaziele?<br />

Der Einfluss sollte sicherlich nicht unterschätzt werden, das<br />

<strong>Beschaffung</strong>svolumen im kirchlichen Bereich ist schließlich erheblich.<br />

Wenn etwa beim Einkauf ökologische und soziale Kriterien<br />

berücksichtigt werden, hilft das dem Klima, der Umwelt und den<br />

Menschen. Um einen Bereich konkret zu nennen: Bei der <strong>Beschaffung</strong><br />

von Lebensmitteln, etwa in kirchlichen Tagungshäusern oder<br />

<strong>Das</strong> Interview führte<br />

Thomas Heine<br />

Chefredakteur<br />

www.<strong>nachhaltige</strong>-beschaffung.com<br />

Kleine Kniffe<br />

45<br />

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Aus Unternehmensverbänden<br />

Online-Tool Ecocockpit zur Ermittlung der CO 2<br />

-Emissionen<br />

Klimaschutz und Klimaneutralität sind in aller Munde. Spätestens durch den Europäischen Green Deal, die<br />

sich daraus ableitenden gesetzlichen Vorgaben, den kontinuierlichen Preisanstieg fossiler Energieträger<br />

sowie durch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Forderungen muss sich jedes Unternehmen<br />

– unabhängig von Branche und Größe – mit dem Klimawandel und den sich daraus ergebenden<br />

Handlungsnotwendigkeiten auseinandersetzen.<br />

Ein Beitrag von Jil Munga<br />

Für die Unternehmen in Deutschland tickt gar die Uhr: Bis 2030<br />

sollen die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber 1990<br />

sinken, bis 2045 soll Klimaneutralität erreicht sein – so die Vorgabe<br />

der Politik.<br />

Dadurch bekommt die Transparenz über die eigenen CO 2<br />

-Emissionen<br />

<strong>für</strong> Unternehmen eine zunehmend größere Bedeutung. Auch<br />

KMU müssen sich auf den Weg zu einem weniger klimaschädlichen<br />

Wirtschaften machen. Um dies zu gewährleisten, ist die Kenntnis<br />

der eigenen Emissionen erforderlich, denn nur dann können entsprechende<br />

Maßnahmen zur Reduktion eingeleitet und gesteuert<br />

werden.<br />

Mit Ecocockpit liefert die IHK-Organisation in Baden-Württemberg<br />

unter Regie der Federführung Umwelt des<br />

Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages<br />

(BWIHK) jetzt ein kostenloses Online-Tool, mithilfe dessen jedes<br />

Unternehmen einen Einstieg in die CO 2<br />

Bilanzierung machen<br />

kann. Diese Erhebung ist essenziell und schafft die Grundlage <strong>für</strong><br />

alle Aktivitäten im Bereich des betrieblichen Umweltschutzes. <strong>Das</strong><br />

ecocockpit Tool wurde von der Effizienzagentur NRW <strong>für</strong> KMU<br />

entwickelt und beruht auf dem internationalen Standard des Greenhouse<br />

Gas Protocols (GHG Protocol).<br />

Die Eingabe der im Betrieb erhobenen Daten erfolgt nach den<br />

Scopes 1-3. Hier<strong>für</strong> sind schon diverse Subkategorien angelegt damit<br />

bei der Bilanzierung nichts ausgelassen wird. Die Unternehmer:innen<br />

können beispielsweise beim Strom- oder Gasverbrauch (Scope2<br />

und Scope 1) anfangen und dann später die Daten der Pendlerströme<br />

ihrer Mitarbeitenden mit einfließen lassen.<br />

Nach Fütterung mit allen vorhandenen Daten liefert Ecocockpit<br />

einen Bericht, der zeigt, an welchen Schrauben das Unternehmen<br />

drehen sollte.<br />

Der große Vorteil des Tools ist der niederschwellige Einstieg in<br />

die Thematik. Die Werte <strong>für</strong> die CO 2<br />

Emissionen werden mit wenig<br />

Aufwand ermittelt, da die mühselige Recherche nach Emissionsfaktoren<br />

erspart bleibt. Lediglich <strong>für</strong> die Datenbeschaffung entsteht ein<br />

kalkulierbarer Aufwand. Die Bilanz wird nicht auf externen Servern<br />

gespeichert und steht lokal <strong>für</strong> spätere Nutzung oder Weiterentwicklung<br />

zur Verfügung.<br />

Schon jetzt gibt es große Firmen, die von ihren Zulieferern<br />

Klimaneutralität fordern. Und deren Anzahl wächst stetig. Dies gilt<br />

nicht nur <strong>für</strong> die Industrie, sondern quer durch alle Branchen. Auf<br />

dem Weg zur Klimaneutralität stehen dann die Umwelt- und Klimaexperten<br />

der IHKs vor Ort den IHK-Mitgliedsbetrieben zur Seite.<br />

Kontakt<br />

Ecocockpit-bw.de<br />

Treibhausgasbilanzierung / LEA - LandesEnergieAgentur<br />

(lea-hessen.de)<br />

ecocockpit – CO 2<br />

-Bilanzierung <strong>für</strong> Unternehmen<br />

https://ecocockpit-bw.de/<br />

Autorin<br />

Jil Munga<br />

Referentin Klimaschutz und<br />

Nachhaltigkeit<br />

IHK Südlicher Oberrhein<br />

46 Kleine Kniffe<br />

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Kreislaufwirtschaft<br />

Kreislaufwirtschaft - Interview mit Eveline Lemke<br />

Eveline Lemke gründete Thinking Circular® nach Ihrer Amtszeit als Ministerin <strong>für</strong> Wirtschaft,<br />

Klimaschutz, Energie und Landesplanung in Rheinland-Pfalz. Die gelernte Stahlschrottkauffrau<br />

und Ökonomin hat den Think Tank gegründet um Unternehmen, Politik und Gesellschaft die<br />

Circular Economy zu vermitteln. Thinking Circular® ist auf dem United Nation Sustainability<br />

Helpdesk gelistet.<br />

<strong>Das</strong> Interview führte Thomas Heine, Chefredakteur „Kleine Kniffe“<br />

<strong>Das</strong> Konzept der Kreislaufwirtschaft (Circular<br />

Economy) gilt als Wirtschaftsmodell der<br />

Zukunft. Können Sie das Modell genauer<br />

erklären?<br />

Eine Welt ohne Abfall – das ist die Vision der Circular Economy.<br />

Die Wirtschaftsakteure spielen dabei nach den Regeln und mit<br />

den Lösungen der. <strong>Das</strong> Modell vereint Ökologie und Ökonomie<br />

und löst den Widerspruch zwischen Industrieller Wertschöpfung,<br />

welche die Umwelt verschmutzen darf, und Umweltschutz,<br />

welcher die Aufgabe hat, alles wieder zu reinigen, auf. Der Begriff<br />

Kreislaufwirtschaft lehnt sich an die natürlichen Kreisläufe in der<br />

Natur an. Zirkularität bedeutet, alle Ressourcen dauerhaft nutzen<br />

zu können.<br />

In dieser Deutung ist C0 2<br />

auch Abfall in der Atmosphäre. Klimawandel<br />

wird ergo durch Abfälle ausgelöst (im Wesentlichen<br />

Verbrennung fossiler Rohstoffe). Die Vision setzt ein Ende unter<br />

das lineare Wegwerfsystem unserer Konsumgesellschaft.<br />

Immer wieder hört man, dass die lineare<br />

Wirtschaft ausgedient hat. Wie schätzen Sie<br />

das ein?<br />

Wenn wir unsere Wirtschaftsweise nicht ändern, dann überlebt<br />

die Spezies des Homo Sapiens, also wir Menschen, auf diesem<br />

Planeten nicht. So einfach ist das. Es ist eine Überlebensfrage. In<br />

der Ökonomie ging es immer um die Frage des Überlebens. Wenn<br />

wir überleben wollen, müssen wir unser wirtschaftliches Verhalten<br />

verändern.<br />

<strong>Das</strong> Wirtschaftsmodell Circular Economy wird<br />

immer als nachhaltig betitelt. Auf welche<br />

Weise fördert die Circular Economy die<br />

Ressourcenschonung und wie erhöht sie die<br />

Wertschöpfung?<br />

Die 17 Nachhaltigkeitsziele decken sich zu 100 % mit den<br />

Zielen der Circular Economy. <strong>Das</strong> was in der linearen Wirtschaft<br />

schiefgelaufen ist, soll jetzt richtig funktionieren. Denn die lineare<br />

industrialisierte Wirtschaftsweise hat zur Ausbeutung von Menschen,<br />

Natur und Umwelt geführt und zwar so weit, dass wir einen<br />

lebensbedrohenden Zustand erreicht haben. Sie führte dazu, dass wir<br />

von den jährlich ca. 100 Mrd. Tonnen Ressourcen, die wir dem Planeten<br />

entnehmen nicht einmal 9 % in der wirtschaftlichen Nutzung<br />

behalten. Jährlich verschwinden real und in der Statistik mehr als<br />

90 Mrd. Tonnen Rohstoffe, z. B. als Plastik in die Ozeane oder C0 2<br />

in die Atmosphäre. <strong>Das</strong> sind die Dimensionen unserer bisherigen<br />

Wirtschaftsweise.<br />

Zirkularität und zirkuläre Wertschöpfung bedeuten, dass alle<br />

Rohstoffe unendlich in der wirtschaftlichen Nutzung gehalten<br />

werden können und das Prinzip „do-no-harm“ gilt. Daneben gilt<br />

das Design-Prinzip Cradle-to-Cradle (C2C) und das RESOLVE-<br />

Prinzip (Renew, Regenerate, Reuse, Recycle, Share, Optimise, Close<br />

the Loop, Virtualise, Exchange information visely). Der Ansatz ist<br />

ganzheitlich und systemisch.<br />

Nähere Informationen: www.thinking-circular.com<br />

Interview Partnerin<br />

Eveline Lemke<br />

Sustainability and<br />

Circular Economy Consulting<br />

e.lemke@thinking-circular.com<br />

www.thinking-circular.com<br />

Kleine Kniffe<br />

47<br />

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Aus Kirchen<br />

<strong>Das</strong> neue Energielabel<br />

in der Europäischen Union<br />

Elektrische und elektronische Produkte verbrauchen Strom. Damit Sie beim Kauf oder der<br />

Kaufempfehlung entscheiden können, welche der Geräte energieeffizienter sind als andere,<br />

wurde 2005 von der Europäischen Union (EU) die so genannte Öko-Design-Richtlinie<br />

verabschiedet.<br />

Ein Beitrag von Dr. Volker Teichert<br />

Ziel dieser Richtlinie ist die<br />

umweltfreundliche Gestaltung von<br />

energiebetriebenen Produkten, zu<br />

denen 32 Produktgruppen zählen,<br />

unter anderem gewerbliche Kühlund<br />

Tiefkühlgeräte, Staubsauger,<br />

gewerbliche Waschmaschinen und<br />

Wäschetrockner, Transformatoren<br />

sowie Werkzeugmaschinen. Mit der<br />

Erweiterung auf energieverbrauchsrelevante<br />

Produkte 2009<br />

umfasst der Anwendungsbereich<br />

mittlerweile auch Produkte, die den<br />

Energieverbrauch anderer Systeme<br />

beeinflussen. Beispiele hier<strong>für</strong> sind<br />

etwa wassersparende Wasserhähne<br />

und Duschköpfe, die nicht nur<br />

den Wasser-, sondern auch den<br />

Energieverbrauch <strong>für</strong> die Warmwasserbereitung<br />

mindern.<br />

Die Ökodesign-Richtlinie<br />

bildet die Grundlage <strong>für</strong> das Energielabel<br />

der Europäischen Union.<br />

Es verpflichtet die Hersteller nicht nur dazu, den Stromverbrauch<br />

ihrer Geräte eindeutig zu deklarieren, sondern auch die Lautstärke,<br />

den Wasserverbrauch oder die Schleuderwirkung (etwa bei<br />

Waschmaschinen) anzugeben. Effiziente Geräte haben letztlich auch<br />

wirtschaftliche Vorteile, indem am Ende des Jahres einige hundert<br />

Euro pro Gerat eingespart werden können.<br />

Kernaussagen des Beitrags<br />

Die Ökodesign-Richtlinie bildet die Grundlage <strong>für</strong> das Energielabel<br />

der Europäischen Union. Es verpflichtet die Hersteller<br />

nicht nur dazu, den Stromverbrauch ihrer Geräte eindeutig zu<br />

deklarieren, sondern auch die Lautstärke, den Wasserverbrauch<br />

oder die Schleuderwirkung (etwa bei Waschmaschinen) anzugeben.<br />

Die neue Messmethode der Labels soll alltagsnaher sein als die<br />

alte, sodass die Werte auf dem Label noch realistischer abgebildet<br />

werden.<br />

Stoffe, die sehr schwer zu recyceln sind, werden verboten. So<br />

sind halogenierte Flammschutzmittel, die beim Recycling der in<br />

Fernsehern und Monitoren enthaltenen Kunststoffe ein großes<br />

Problem darstellten, im Gehäuse schon nicht mehr erlaubt.<br />

Die EU-Kommission hat errechnet, dass allein die neuen<br />

Vorschriften von 2019 bezüglich Ökodesign und Energielabel den<br />

Energieverbrauch in der Europäischen Union bis 2030 jährlich um<br />

167 TWh verringern werden.<br />

Zur Entwicklung des<br />

Energielabels<br />

Bereits seit 1998 gibt es das<br />

Energielabel; es gilt seitdem als<br />

verpflichtend <strong>für</strong> energiebetriebene<br />

und -verbrauchsrelevante<br />

Geräte. <strong>Das</strong> Energielabel gibt an,<br />

wie es um den Energieverbrauch<br />

bzw. die Energieeffizienz von<br />

Geräten bestellt ist. Eingeführt<br />

wurde zunächst eine Skala von<br />

A-G, wobei A den energieeffizientesten<br />

Geräten vorenthalten war<br />

und G die größten Energieverschwender<br />

anzeigte. Auch andere<br />

Faktoren wie Lärmemissionen<br />

oder Wasserverbrauch wurden<br />

bereits damals auf den Labels mit<br />

angeführt.<br />

Im Laufe der Jahre hat vor<br />

allem der technische Fortschritt<br />

dazu geführt, dass immer mehr<br />

Geräte die Anforderungen der Energieeffizienzklasse A übertrafen,<br />

manche sogar deutlich. Um die bestehenden Unterschiede zwischen<br />

Geräten, die alle die Klasse A erreichten, aber dennoch stark im Verbrauch<br />

variierten, zu verdeutlichen, wurden sukzessiv die Klassen<br />

A+, A++ und A+++ eingeführt.<br />

48 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 48 09.04.22 09:26


Foto: © Europäische Union, <strong>2022</strong><br />

So war es wieder möglich, das Gerät zu erwerben, das die besten<br />

Effizienzwerte aufwies. Mit der Novellierung des Energielabels<br />

erfolgt in diesem Jahr die Rückkehr zu den alten Kategorien. Die<br />

höchste Klasse ist wieder A und die niedrigste G.<br />

Was bis dato A war, heißt jetzt D, was zuvor A+++ war,<br />

entspricht jetzt der Klasse A. Doch Vorsicht ist geboten, denn<br />

auch die Anforderungen und die Methoden zur Berechnung der<br />

Energiebilanz haben sich verschärft, so kann es gut sein, dass ein<br />

Kühlschrank, der bisher in der höchsten Klasse A+++ eingestuft war,<br />

in die Klasse C oder gar D abrutscht. Für manche Produkte wurden<br />

die Anforderungen an die Klassen A und B sogar bewusst so hoch<br />

angesetzt, dass es bisher kein Gerät schafft, diese zu erreichen. Dies<br />

soll die Hersteller motivieren, ihre Geräte nochmals deutlich zu verbessern.<br />

Außerdem sollen auf den neuen Energielabels QR-Codes<br />

vorhanden sein, über die man weitere Informationen zum Produkt<br />

erhalten kann. Wie schon zuvor werden auf dem Label weitere<br />

Angaben zur Nutzung zu finden sein, wie beispielsweise bei Spülmaschinen<br />

die Dauer des Energiesparprogramms. Andere Angaben,<br />

wie der Jahresverbrauch, werden vereinheitlicht, sodass in Zukunft<br />

bei Wasch- und Spülmaschinen generell von 100 Spülgängen im<br />

Jahr ausgegangen wird: So fällt das Überschlagen des eigenen Verbrauchs<br />

leichter aus wie vorher, als man noch mit 280 Spülgängen<br />

und 220 Waschgängen gerechnet hatte.<br />

Die neue Messmethode soll alltagsnaher sein als die alte, sodass<br />

die Werte auf dem Label noch realistischer abgebildet werden. Die<br />

neuen Labels gelten <strong>für</strong> bestimmte Produktgruppen, wie z.B. Kühlund<br />

Gefrierschränke, Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen,<br />

Fernseher und elektrische Displays bereits seit dem 1. März 2021.<br />

Für Lichtquellen gelten sie ab 1. September 2021 und <strong>für</strong> Geräte,<br />

wie beispielsweise Trockner, Staubsauger und Backöfen werden sie<br />

voraussichtlich erst ab 2024 eingeführt. Für Heizungen wird mit den<br />

neuen Labels sogar erst ab 2026 gerechnet.<br />

So unterstützt Ökodesign einen effizienten<br />

Umgang mit Ressourcen<br />

Ein Beispiel: Hersteller von Fernseher, Waschmaschinen und<br />

Geschirrspüler haben Ihnen oder fachlich kompetenten Reparateuren<br />

in Zukunft direkt die wichtigsten Ersatzteile zur Verfügung<br />

zu stellen. So müssen beim Geschirrspüler Türscharniere und<br />

-dichtungen, Sprüharme, Ablauffilter, Geschirrkörbe und Kunststoffzubehör<br />

wie Besteckkörbe mindestens zehn Jahre lieferbar sein.<br />

Außerdem muss bei der Herstellung die Reparierbarkeit und die<br />

Wiederverwendbarkeit berücksichtigt werden. Auch müssen Produkte<br />

leicht zerlegbar sein, sodass die Einzelteile getrennt entsorgt<br />

werden können.<br />

Stoffe, die sehr schwer zu recyceln sind, werden verboten. So<br />

sind halogenierte Flammschutzmittel, die beim Recycling der in<br />

Fernsehern und Monitoren enthaltenen Kunststoffe ein großes<br />

Problem darstellten, im Gehäuse schon nicht mehr erlaubt. Auch<br />

die Gebrauchsanleitung muss verschiedene Angaben, z.B. zur<br />

Reinigung und Pflege des Produkts enthalten, um die Lebensdauer<br />

des Geräts zu verlängern. Zusätzlich müssen Informationen über<br />

die Programmdauer und Verbräuche <strong>für</strong> verschiedene Programme<br />

bereitgestellt werden. Auch bei Lichtquellen ist auf der Verpackung<br />

die Lebensdauer anzugeben. <strong>Das</strong> alles soll Ihnen die Auswahl eines<br />

energieeffizienteren und damit umweltfreundlicheren Produktes<br />

erleichtern.<br />

Kleine Kniffe<br />

49<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 49 09.04.22 09:26


Grafik: Bundesministerium <strong>für</strong> Wirtschaft und Energie<br />

Einspareffekte<br />

Die EU-Kommission hat errechnet, dass allein die neuen<br />

Vorschriften von 2019 bezüglich Ökodesign und Energielabel den<br />

Energieverbrauch in der Europäischen Union bis 2030 jährlich um<br />

167 TWh verringern werden. Dies entspricht in etwa dem jährlichen<br />

Energieverbrauch von Dänemark. Emissionen von 46 Millionen<br />

Tonnen CO 2<br />

-Äquivalent können auf diese Weise jährlich vermieden<br />

werden; Haushalte sparen im Schnitt 150 EUR im Jahr durch<br />

die Maßnahmen ein.<br />

Dazu kommen die Einsparungen aus den vorherigen Vorschriften,<br />

bei denen man bis 2020 jährlich mit einer Einsparung von<br />

1.750 TWh rechnete, was dem jährlichen Endenergieverbrauch Italiens<br />

entspricht. Ein durchschnittlicher Haushalt sparte bereits 285<br />

EUR im Jahr an Energiekosten auf Grund der Ökodesign-Richtlinie<br />

und den Energielabels. <strong>Das</strong> Beispiel einer Produktgruppe, an der<br />

die Einspareffekte besonders deutlich werden, sind Lampen. Durch<br />

die Ökodesign-Richtlinie und die damit verbundenen Mindestanforderungen<br />

an die Effizienz von Lampen verschwanden die sehr<br />

ineffizienten Glüh- und Halogenlampen nach und nach vom Markt.<br />

<strong>Das</strong> Angebot effizienterer und umweltfreundlicherer LED-Lampen<br />

wuchs und brachte Energieeinspareffekte von bis zu 85% beim Austausch<br />

von Glühbirnen durch LED-Leuchtmittel.<br />

Energie- und Ressourceneinsparung<br />

Doch die Einspareffekte können durchaus verhindert werden,<br />

nämlich dann, wenn sich so genannte Rebound-Effekte einstellen.<br />

Mit ihnen wird der Zustand beschrieben, dass trotz immer energieeffizienterer<br />

Geräte der Gesamtstromverbrauch der Haushalte nicht<br />

sinkt, weil immer mehr und größere Geräte angeschafft werden.<br />

Um tatsächlich Energie einzusparen, ist es also entscheidend,<br />

dass Sie sich fragen, was sie wirklich an elektrischen Geräten<br />

brauchen, ob es z.B. wirklich ein Gerät sein muss, das dreimal so<br />

viel Energie verbraucht wie ein anderes. Auch in anderen Bereichen<br />

liegt es an Ihrem Verhalten. Energie kann beispielsweise gespart<br />

werden, indem<br />

• beim Waschen niedrigere Temperaturen gewählt werden,<br />

• die Wasch- und Spülmaschine vollständig befüllt wird,<br />

• im Winter mit einer niedrigeren Raumtemperatur geheizt<br />

wird,<br />

• die elektrischen und elektronischen Geräte möglichst lange<br />

genutzt werden, bevor sie durch neue ersetzt werden.<br />

Dabei ist jedoch zu beachten, dass es in manchen Fällen sinnvoll<br />

sein kann, alte energieineffiziente durch neue energieeffizientere<br />

Geräte bereits früher zu ersetzen, sofern die Energieeinsparungen<br />

größer als die Energie sind, die zur Herstellung des neuen Geräts<br />

benötigt wird. Dies kann insbesondere Heizungen betreffen.<br />

Trotz energieeffizienterer Elektrogeräte ist der Stromverbrauch<br />

der privaten Haushalte in Deutschland nur geringfügig zurückgegangen:<br />

1990 lag der Anteil am gesamten Stromverbrauch bei 25,7<br />

Prozent, 2018 bei 25,1 Prozent. 1 Effizienzsteigerung führt somit<br />

nicht unbedingt zu einer Verringerung des Ressourcenverbrauchs.<br />

Weiter werden Sie durch einen gezielten Modellwechsel permanent<br />

50 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 50 09.04.22 09:26


dazu angehalten, ihre Produkte möglichst schnell durch ein neues<br />

zu ersetzen.<br />

Spätestens am Ende des Lebenszyklus zeigt sich, was das <strong>für</strong> eine<br />

Ressourcenvernichtung darstellt. Eine Reihe von unterschiedlichen<br />

Beispielen soll dies unterstreichen: 2019 wurden in Deutschland<br />

etwa 947.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt; 2006 waren es<br />

noch 754.000 Tonnen. 2 Der weit überwiegende Teil waren Altgeräte<br />

aus privaten Haushalten, das entspricht rund 9,3 Kilogramm<br />

pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr. 3 <strong>Das</strong> Einsparen von<br />

Ressourcen steht also nur bedingt im Fokus des persönlichen, aber<br />

auch des wirtschaftlichen Denkens. Dieses lineare Denken sollte von<br />

einem zirkulären abgelöst werden: „Nehmen, herstellen, wegwerfen<br />

– das war die Vorgehensweise des Industriezeitalters. Nehmt euch<br />

die Ressourcen, die ihr braucht, stellt etwas daraus her, werft weg,<br />

was bei der Produktion an Resten übrigbleibt, und wenn die hergestellten<br />

Produkte genutzt worden sind, werft auch sie weg. Heute<br />

wird diese Logik zunehmend durch ein neues Denken in Kreisläufen<br />

ersetzt.“ 4<br />

Ausblick<br />

Eine relevante Produktgruppe, die als nächstes über Ökodesign<br />

und Energielabel stärker reguliert werden soll, sind Smartphones,<br />

Netzteile mit einheitlichen Anschlüssen, Wasserkocher und<br />

Hochdruckreiniger. Hierzu will die EU-Kommission bis 2023 ein<br />

verpflichtendes Energielabel einführen. Außerdem wurde 2020 der<br />

Aktionsplan Kreislaufwirtschaft beschlossen, der zum Ziel hat, die<br />

Ökodesign-Richtlinie auf möglichst viele Produktgruppen auszuweiten<br />

und dabei einen stärkeren Fokus auf eine Kreislaufwirtschaft<br />

zu richten, also die Wiederverwendbarkeit von Produkten zu<br />

fördern.<br />

<strong>Das</strong> Umweltbundesamt (2020d) hat ebenfalls vor kurzem<br />

„Leitsätze einer Kreislaufwirtschaft“ vorgelegt 5 . Darin wird primär<br />

die Substitution von Primärmaterialien durch Sekundärrohstoffe<br />

hervorgehoben. Weiter sollen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft<br />

auch die Materialkreisläufe verlangsamt, Ressourcen im Kreislauf<br />

gehalten und Produkte wieder- und weiterverwendet werden. Die<br />

hier beschriebene Kreislaufwirtschaft zielt in erster Linie darauf<br />

ab, Rohstoffe effizienter einzusetzen, Produkte langlebiger und<br />

nutzungsintensiver zu machen sowie Abfälle und Emissionen zu<br />

vermeiden, also zu einem zirkulären Wirtschaften überzugehen.<br />

<strong>Das</strong> Umweltbundesamt (UBA) sieht in der Kreislaufwirtschaft<br />

einen Lösungsentwurf <strong>für</strong> die globalen Nachhaltigkeitsziele der<br />

Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs), indem sie<br />

nicht nur das Ziel 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion), sondern<br />

auch das Ziel 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen),<br />

Ziel 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), Ziel<br />

13 (Maßnahmen zum Klimaschutz), Ziel 14 (Leben unter Wasser)<br />

und Ziel 15 (Leben an Land) in den Blick nimmt. Ob sich die SDGs<br />

als Grundlage <strong>für</strong> ein <strong>nachhaltige</strong>s Produzieren und Konsumieren<br />

eignen, wird entscheidend davon abhängen, ob und inwieweit sie<br />

in das unternehmerische Handeln von Organisationen integriert<br />

werden können.<br />

Quellen:<br />

1. Eigene Berechnungen nach Umweltbundesamt (2020a): Stromverbrauch.<br />

Dessau. https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/stromverbrauch.<br />

2. Vgl. Umweltbundesamt (2020b): Elektro- und Elektronikaltgeräte.<br />

Dessau. https://www.umweltbundesamt.de/daten/<br />

ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/<br />

elektro-elektronikaltgeraete#sammlung-und-verwertung-von-elektro-und-elektronikaltgeraten-drei-kennzahlen-zahlen.<br />

3. Vgl. Umweltbundesamt (2020c): Elektronikaltgeräte in Deutschland.<br />

Dessau. https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/<br />

produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/elektroaltgeraete#elektronikaltgerate-in-deutschland.<br />

4. Hawken, Paul (2019): Drawdown – Der Plan. Wie wir die Erderwärmung<br />

umkehren können. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.<br />

5. Vgl. Umweltbundesamt (2020d): Leitsätze einer Kreislaufwirtschaft.<br />

Dessau. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/<br />

medien/1410/publikationen/2020_04_27_leitlinie_kreislaufwirtschaft_bf.pdf<br />

Autor<br />

Dr. Volker Teichert<br />

wissenschaftlicher Referent<br />

im Arbeitsbereich Nachhaltige<br />

Entwicklung der Forschungsstätte<br />

der Evangelischen<br />

Studiengemeinschaft (FEST).<br />

Kleine Kniffe<br />

51<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 51 09.04.22 09:26


Kreislaufwirtschaft<br />

Vom Flickenteppich zu einer echten Kreislaufwirtschaft<br />

Kreislaufwirtschaft spielt die Schlüsselrolle auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Sie ist ein<br />

wirksames Instrument zum Erreichen der Klimaziele und zum Schutz der biologischen Vielfalt – sie ist der<br />

tragende Baustein <strong>für</strong> ein <strong>nachhaltige</strong>s Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen. Nach unserer<br />

Definition einer echten Kreislaufwirtschaft liegt der Blick vor allem auf Suffizienz-Businessmodellen und<br />

darauf, dass wir eine absolute Reduktion im Ressourcenverbrauch schaffen.<br />

Ein Beitrag von Gabriella Gyori<br />

Doch in Deutschland gibt<br />

es bisher keine echte Kreislaufwirtschaft.<br />

Schuld daran ist der<br />

Flickenteppich aus Gesetzen,<br />

unverbindlichen Zielsetzungen und<br />

unklaren Zuständigkeiten. Es fehlt<br />

eine ganzheitliche Strategie <strong>für</strong> eine<br />

regenerative Kreislaufwirtschaft,<br />

die den Einsatz von Ressourcen<br />

minimiert, einen bewussten<br />

Konsum und kreislauforientierte<br />

Businessmodelle fördert und damit<br />

auch klimafeindliche Emissionen<br />

und Energieverschwendung verhindert.<br />

Kernthesen des Beitrags<br />

Der WWF Deutschland und das Wuppertal Institut <strong>für</strong> Klima,<br />

Umwelt, Energie haben in einem Impulspapier die Eckpunkte einer<br />

echten Kreislaufwirtschaftsstrategie entworfen und vier zentrale<br />

Hebel identifiziert, die den Wandel beschleunigen können.<br />

Ein zentraler Hebel liegt bei der öffentlichen <strong>Beschaffung</strong>. Die<br />

öffentliche Hand kann den wesentlichen Anstoß geben, um eine<br />

Kreislaufwirtschaft in Schwung zu bringen.<br />

Eine konkrete Handlungsempfehlung an die Politik ist die<br />

Einführung einer obligatorischen zirkulären <strong>Beschaffung</strong>. Die<br />

wichtigsten Ansatzpunkte sind da<strong>für</strong>, dass die Politik diese priorisiert<br />

und zirkuläre Ansätzen im nationalen Aktionsplan <strong>für</strong> grüne<br />

<strong>Beschaffung</strong> verankert.<br />

Öffentliche <strong>Beschaffung</strong><br />

als zentraler Hebel des<br />

Wandels zum zirkuläre<br />

Wirtschaften<br />

Die öffentliche Hand kann<br />

den wesentlichen Anstoß geben,<br />

um eine Kreislaufwirtschaft in<br />

Schwung zu bringen. Bund, Länder,<br />

Städte und Gemeinden vergeben<br />

jährlich Aufträge im Wert von bis<br />

zu 440 Milliarden Euro, zur Förderung<br />

der Kreislaufwirtschaft bleibt<br />

dieses Potenzial bislang weitgehend<br />

ungenutzt.<br />

Der WWF Deutschland und<br />

das Wuppertal Institut <strong>für</strong> Klima,<br />

Umwelt, Energie haben in einem<br />

Impulspapier die Eckpunkte einer<br />

echten Kreislaufwirtschaftsstrategie<br />

entworfen und vier zentrale<br />

Hebel identifiziert, die den Wandel<br />

beschleunigen können. Ein zentraler Hebel liegt bei der öffentlichen<br />

<strong>Beschaffung</strong>.<br />

Die zentrale Bedeutung von Kreislaufwirtschaft und damit<br />

öffentliche <strong>Beschaffung</strong>en als zentraler Hebel des Wandels<br />

zum zirkulären Wirtschaften wurde in dem Koalitionsvertrag<br />

zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP erkannt.<br />

Zirkuläre <strong>Beschaffung</strong> (auf<br />

English „circular procurement“)<br />

ist ein spezifischer Ansatz zur strategischen<br />

<strong>Beschaffung</strong>, der über<br />

umwelt¬orientierte <strong>Beschaffung</strong><br />

hinausgeht. Mit diesem ist die<br />

Forderung verbunden, dass der<br />

<strong>Beschaffung</strong>sprozess geschlossene Materialkreisläufe innerhalb von<br />

Lieferketten fördert, um negative Umweltauswirkungen und die<br />

Entstehung von Abfall über den gesamten Lebenszyklus zu minimieren<br />

und zu vermeiden. Darüber hinaus erfordet der Ansatz das<br />

Anwenden von kreislauffähigen <strong>Beschaffung</strong>smodellen, wie zum<br />

52 Kleine Kniffe<br />

Kleine_Kniffe_04_22_Kirche_1.indd 52 09.04.22 09:26


Foto: depositphotos<br />

Beispiel Produkt-Service-Systeme (PSS) oder Sharing¬-Ansätze bei<br />

<strong>Beschaffung</strong>en.<br />

Zirkuläre <strong>Beschaffung</strong>skriterien und Anforderungen werden<br />

bisher noch zu wenig in der öffentlichen <strong>Beschaffung</strong> umgesetzt.<br />

Zudem fehlen schlicht statistische Daten, aus denen sich die<br />

Anwendung zirkulärer Kriterien herauslesen lassen. Es mangelt an<br />

Monitoring und Berichtspflicht. Darüber hinaus, bestimmte zirkuläre<br />

Strategien wie Sharing oder PSS lassen sich in der derzeitigen<br />

<strong>Beschaffung</strong>spraxis nur schwer durchsetzen.<br />

Eine konkrete Handlungsempfehlung an die Politik ist die<br />

Einführung einer obligatorischen zirkulären <strong>Beschaffung</strong>. Die wichtigsten<br />

Ansatzpunkte sind da<strong>für</strong>, dass die Politik diese priorisiert und<br />

zirkuläre Ansätzen im nationalen Aktionsplan <strong>für</strong> grüne <strong>Beschaffung</strong><br />

verankert. <strong>Das</strong> Nutzen und Anwenden von zirkulären Produkten<br />

und Dienstleistungen sollte in den relevanten Gesetzen verbindlich<br />

vorgeschrieben werden. Damit bewegt sich der Markt in Richtung<br />

wachsender Angebotsvielfalt.<br />

Bei der zirkulären <strong>Beschaffung</strong> sind Innovation und Zusammenarbeit<br />

von entscheidender Bedeutung. Daher sollten innovative<br />

<strong>Beschaffung</strong>sansätze zukünftig intensiver gefördert werden, beispielsweise<br />

die Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern im Form<br />

von „Buying Groups“, Branchendialoge und R&D-<strong>Beschaffung</strong>sprojekte.<br />

Um die Anwendung der zirkulären <strong>Beschaffung</strong>spraktiken zu<br />

verstärken, sind obligatorische zirkulärer Quoten <strong>für</strong> bestimmte<br />

Warengruppen, wie etwa <strong>für</strong> Textilien und Bauvorhaben, beziehungsweise<br />

die Ergänzung der grünen <strong>Beschaffung</strong>skriterien um<br />

zirkuläre Ansätze notwendig. Darüber hinaus sollten einige der einschlägigen<br />

Vergabevorschriften überarbeitet und geändert werden,<br />

um sicherzustellen, dass bei der <strong>Beschaffung</strong>spraxis zirkuläre<br />

<strong>Beschaffung</strong>spraktiken angewendet werden. Artikel 114 des Gesetzes<br />

gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) beziehungsweise<br />

die Vergabestatistikverordnung (VergStatVO) sollten um zirkuläre<br />

Indikatoren ergänzt werden. Darüber hinaus muss der Gesetzgeber<br />

das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) so ergänzen, dass Städte,<br />

Gemeinden und die Behörden des Landes in Artikel 45 abgebildet<br />

sind.<br />

Es gibt allerdings weitere operative Lösungsansätze <strong>für</strong> zirkuläre<br />

<strong>Beschaffung</strong>en, die die Auftraggeber anwenden können. Dabei<br />

sollten E-Kataloge und Rahmenverträge, die die Produkte <strong>für</strong> die<br />

E-Kataloge liefern, mit zirkulären Ansätzen weiterentwickelt<br />

werden. Außerdem müssen Lebenszyklus-Kalkulationen in Ausschreibungen<br />

verbindlich vorgeschrieben werden.<br />

Zwei Instrumente, die sich auf der Angebotsseite positiv auswirken<br />

und damit die Entwicklung zirkulärer Produkte vorantreiben,<br />

sind die Innovationsbeschaffung (Public Procurement of Innovation)<br />

und die Auftragsvergabe innovativer Lösungen (Pre-Commercial<br />

Procurement). PPI und PCP haben sich als wirksame Innovationsmaßnahmen<br />

auf der Nachfrageseite erwiesen. Sue ermöglichen es<br />

Kleine Kniffe<br />

53<br />

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den öffentlichen Beschaffern, Innovation auf der Nachfrageseite<br />

voranzutreiben, indem sie als Erstkäufer der technologischen neuartigen<br />

Produkte auftreten. PCP und PPI können auch eine kritische<br />

Masse an Nachfrage nach zirkulären Produkten und Dienstleistungen<br />

schaffen, die sich mit den Herausforderungen in den Bereichen<br />

Umwelt- und Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Rohstoffe<br />

befassen.<br />

Ein Schritt in die richtige Richtung – Was<br />

kann der Koalitionsvertrag <strong>für</strong> zirkuläre<br />

<strong>Beschaffung</strong>en bedeuten?<br />

Die zentrale Bedeutung von Kreislaufwirtschaft und damit<br />

öffentliche <strong>Beschaffung</strong>en als zentraler Hebel des Wandels zum<br />

zirkulären Wirtschaften wurde in dem Koalitionsvertrag zwischen<br />

SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP erkannt.<br />

Die Bundesregierung fördert die Senkung des primären Rohstoffverbrauchs<br />

und die Etablierung geschlossenen Stoffkreisläufe.<br />

Um diese Ziele zu erreichen, können öffentliche <strong>Beschaffung</strong>en<br />

einen wesentlichen Beitrag leisten und mit gutem Beispiel vorgehen.<br />

Wesentlichen Elemente des Vertrages sind die Stärkung der rechtlichen<br />

Verbindlichkeiten im öffentlichen <strong>Beschaffung</strong>swesen und<br />

die verstärkte Anwendung von Lebenszykluskosten, besonders bei<br />

Bauvorhaben. Solche verbindlichen gesetzliche Vorgaben könnten<br />

die Bevorzugung zirkulärer Produkte und Dienstleistungen in den<br />

öffentlichen <strong>Beschaffung</strong>en ermöglichen.<br />

Der Koalitionsvertrag setzt darauf, dass Anforderungen an Produkte<br />

europaweit im Dialog mit den Herstellern einheitlich festgelegt<br />

werden sollten. Für zirkuläre <strong>Beschaffung</strong>en kann dies bedeuten,<br />

dass der öffentliche Marktdialog im Vorfeld der Vergabeverfahren<br />

zirkuläre Produktanforderungen häufiger einbezieht.<br />

Zirkuläre Mindest- oder Zuschlagskriterien wie zB. Langlebigkeit,<br />

Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclebarkeit<br />

oder das Einführen von unterschiedlichen Recycling-Labels werden<br />

bei der <strong>Beschaffung</strong> in die Zukunft mehr Bedeutung bekommen.<br />

In Deutschland gibt es Potenzial <strong>für</strong> zirkuläre öffentliche <strong>Beschaffung</strong>en,<br />

die die Transformation zu einer echten Kreislaufwirtschaft<br />

ermöglichen. Der Koalitionsvertrag ist ein positives Zeichen, eine<br />

gute Ausgangsbasis <strong>für</strong> die weitere Stärkung der Rolle der Kreislaufwirtschaft<br />

im öffentlichen <strong>Beschaffung</strong>swesen. Allerdings kommt<br />

es jetzt auf die Umsetzung an, wie werden die politische Ziele des<br />

Vertrages im Form von konkreten Maßnahmen übersetzt werden.<br />

Autorin<br />

Gabriella Gyori<br />

WWF Deutschland<br />

www.wwf.de<br />

54 Kleine Kniffe<br />

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Kleine Kniffe<br />

55<br />

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www.<strong>nachhaltige</strong>-beschaffung.com<br />

56 Kleine Kniffe<br />

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