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MERIAN-0421 Südtirol

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Die Lust am Reisen<br />

<strong>Südtirol</strong><br />

LAND DER ZAUBERBERGE<br />

BIS ZUR HÜTTE Wandern und einkehren: Routen für jeden Geschmack<br />

IN DIE STÄDTE Lieblingsorte in Bozen, Bruneck, Brixen und Meran<br />

ZUM GENIESSEN Ferien auf dem Bauernhof & spektakuläre Hotels


Reinhold Messner im <strong>MERIAN</strong>-Gespräch: »Allein bin ich am besten!«<br />

Die Lust am Reisen<br />

Grosso = Ziffer für Monat + JJJJ; Abo = nur Ziffer für Monat<br />

Wandern in den Dolomiten, Bergseen, Burgen, Wein und We lness. Insider-<br />

Touren durch Bozen, Meran & Bruneck. Das Beste in Vinschgau & Eisacktal<br />

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<strong>MERIAN</strong> EDITORIAL<br />

Das Tor zu 126 Dreitausendern<br />

Home of Iceman Ötzi<br />

Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

in meiner Wahrnehmung gibt es nicht viele<br />

Reiseziele, die bei so vielen Menschen über die<br />

Jahrzehnte ihre Favoritenrolle behaupten. Mit<br />

<strong>Südtirol</strong> ist es so. Woran das wohl liegt? Es wäre<br />

ja die unkomplizierteste Sache der Welt, auf<br />

der Brennerautobahn die Fahrt in den Süden<br />

einfach fortzusetzen, vorbei an Sterzing, Brixen,<br />

Klausen, Bozen Nord, Bozen Süd, Neumarkt –<br />

und weg wäre man. Tatsächlich aber zweigten<br />

im Sommerhalbjahr 2019 gut 4,7 Millionen<br />

Menschen auf einer dieser Ausfahrten im »Alto<br />

Adige« in die Seitentäler ab und belegten<br />

Hansjörg Falz, <strong>MERIAN</strong>-Chefredakteur mindestens eine Nacht eines der 225000 Betten,<br />

die es offiziell zu buchen gibt. Es muss daran<br />

liegen, dass in Italiens nördlichster Provinz das Vertraute nie fremd,<br />

das Attraktive nie langweilig und das Schöne nie hässlich werden.<br />

<strong>Südtirol</strong> fasziniert durch kontrast reiche Landschaften, alpine Traditionen,<br />

mediterranen Stil. Das Vornehme und das Einfache halten sich<br />

die Waage. Aktive und Faulenzer, Luxusliebhaber und Matratzenlagerschläfer,<br />

Romantiker und Pragmatiker, Gourmets und Dosenöffner:<br />

Ein jeder findet, was er sucht. <strong>Südtirol</strong> ist sommers wie winters<br />

ein Traumziel, ja, selbst bei schier nicht zu ertragender Hitze im<br />

Bozner Talkessel oder bei krachendem Gewitter in den Dolomiten.<br />

Meine Kolleginnen Kathrin Sander und Inka Schmeling sind<br />

derselben Meinung und widmen deswegen drei Folgen ihres Podcasts<br />

»Reisen beginnt im Kopf« <strong>Südtirol</strong>. Freuen Sie sich darin<br />

auf weitere handverlesene Tipps und in dieser Ausgabe auf viele tolle<br />

Anregungen für die nächste (hoffentlich bald mögliche) Reise.<br />

Herzlich Ihr<br />

OUR GLACIAL<br />

PERSPECTIVES<br />

Ein halbes<br />

Dutzend <strong>MERIAN</strong>-<br />

Ausgaben und<br />

einen <strong>MERIAN</strong><br />

scout haben<br />

wir über <strong>Südtirol</strong><br />

seit 1948<br />

produziert.<br />

<strong>Südtirol</strong><br />

250<br />

Ideen für schöne<br />

Ausflüge und<br />

kleine Abenteuer<br />

SÜDTIROL<br />

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Bergtouren, die Meran und Bozen: Wein, Äpfel, Speck –<br />

man nie vergisst Städte zum Verlieben ein Fest für die Seele<br />

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Der <strong>MERIAN</strong>-Podcast nimmt Sie mit auf<br />

Reisen, demnächst auch nach <strong>Südtirol</strong>:<br />

Urlaubs-Inspiration auf www.merian.de<br />

und bei allen gängigen Anbietern.<br />

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Beim digitalen Zeitschriftenkiosk<br />

Readly können Sie diese<br />

und andere <strong>MERIAN</strong>-Ausgaben<br />

auf dem Tablet oder Smartphone lesen.<br />

schnalstal.com<br />

©Photo: Alex Filz, Martin Rattini<br />

<strong>MERIAN</strong> 3


Grosso = Ziffer für Monat + JJJJ; Abo = nur Ziffer für Monat<br />

04<br />

74<br />

Die Lust am Reisen<br />

38<br />

Gipfel der Gastfreundschaft: Zu<br />

Besuch auf der Büllelejochhütte<br />

und anderen Hütten, deren Wirte<br />

Wanderer willkommen heißen<br />

54<br />

82<br />

Stadt mit gutem Geschmack: Mit<br />

Designer Harry Thaler zu den<br />

hübschesten Adressen von Meran<br />

Urlaub für alle: Wie eine Familie<br />

ihr Glück auf dem Bauernhof fand –<br />

und ein gutes Knödelrezept<br />

INHALT<br />

100<br />

Schlafen mit Stil: Hotels wie der<br />

»Bühelwirt« gönnen sich – und den<br />

Gästen – preisgekrönte Architektur<br />

16<br />

DOLCE VITA TRIFFT DOLOMITEN<br />

Eine Bilderreise durch Italiens vielseitigen Norden<br />

30 EINE LEKTION IM ZUHÖREN<br />

Autor Marco Balzano fuhr mit seiner Familie nach<br />

<strong>Südtirol</strong>. Und kehrte mit einer Bestseller-Idee heim<br />

34 PLÖTZLICH POLITIKER<br />

Arno Kompatscher liebt Punk, hat sieben Kinder,<br />

fährt gerne Bus – und ist <strong>Südtirol</strong>s Regierungschef<br />

38 HÖCHSTLEISTUNG!<br />

Zu Besuch bei <strong>Südtirol</strong>s Hüttenwirten<br />

48 DELIKATESSEN AUF 3000 METERN<br />

Zehn Hüttentouren für Einsteiger bis Ausdauernde<br />

52 UND TÄGLICH GRÄBT ...<br />

... das Murmeltier! Nämlich in den <strong>Südtirol</strong>er Bergen<br />

54 48 STUNDEN IN MERAN<br />

Designer Harry Thaler führt zu den schönsten Hotels,<br />

Cafés und Läden seiner Heimatstadt<br />

58 DAS DORF IST DIE WELT<br />

Rabenstein liegt abgelegen im Passeiertal. Warum<br />

es trotzdem für seine Einwohner Nabel der Welt ist<br />

64 48 STUNDEN IN BOZEN<br />

Radiomoderatorin Sarah Bernardi verrät ihre<br />

Lieblingstipps in der Landeshauptstadt<br />

SÜDTIROL<br />

<strong>Südtirol</strong><br />

LAND DER ZAUBERBERGE<br />

BIS ZUR HÜTTE Wandern und einkehren: Routen für jeden Geschmack<br />

IN DIE STÄDTE Lieblingsorte in Bozen, Bruneck, Brixen und Meran<br />

ZUM GENIESSEN Ferien auf dem Bauernhof & spektakuläre Hotels<br />

68 DER EISKALTE STAR<br />

Die Gletschermumie Ötzi liegt in Bozen, ein Freilichtmuseum<br />

im Schnalstal zeigt seine Lebenswelt<br />

70 DIE JUNGEN KOMMEN<br />

Eine neue Winzer-Generation sorgt für Furore<br />

76 ESSEN UND TRINKEN<br />

Gute Adressen für Knödel & Co<br />

78 DAS EIS WIRD DÜNN<br />

Für unsere Fotoreportage<br />

über Hüttenwirte (S. 38)<br />

besuchte <strong>MERIAN</strong>-Fotograf<br />

Gregor Lengler auch<br />

die Büllelejochhütte bei den<br />

Drei Zinnen – und schoss<br />

dieses Coverfoto<br />

Künstler Olafur Eliasson widmet den Gletschern eine<br />

Installation in den Ötztaler Alpen<br />

80 MESSNERS SCHLOSS<br />

Die sehenswertesten Museen der Region<br />

82 STALLLUFT MACHT LAUNE<br />

Wie man Teenies für Bauernhof-Urlaub begeistert<br />

90 48 STUNDEN IN BRIXEN<br />

In Brixen lässt sich besonders gut das Leben<br />

genießen, findet Kabarettist Lukas Lobis<br />

94 WIE DIE ZEIT VERGEHT<br />

Skifahren auf der Seiser Alm – um 1940 und heute<br />

100 DER BLICK FÜRS GROSSE GANZE<br />

Hotels, die mit der Landschaft verschmelzen<br />

110 »EHRLICHE GASTFREUNDSCHAFT«<br />

Traditionshotels und Newcomer mit Wohlfühlfaktor<br />

112 48 STUNDEN IN BRUNECK<br />

Mit Künstlerin Julia Bornefeld durch die kleine Perle<br />

im Pustertal<br />

116 DER KULTURBERG<br />

Auf dem Kronplatz steht das Lumen-Museum für<br />

Bergfotografie. Interview mit Leiterin Thina Adams<br />

3 Editorial 6 Top 10 8 Inside 10 Skizzen<br />

13 Leserfoto 122 Kolumne 124 Impressum<br />

126 Karte 128 Gut zu wissen 130 Vorschau<br />

4 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 5


<strong>MERIAN</strong> WOHIN IN SÜDTIROL<br />

TOP 10<br />

1<br />

<strong>MERIAN</strong>­Chefredakteur Hansjörg Falz ist Wiederholungstäter: Seit einem<br />

Vierteljahrhundert zieht es ihn nach <strong>Südtirol</strong>. Hier findet er die ideale Mischung<br />

aus Natur und Luxus, Tradition und Moderne. Und überall: Genuss<br />

2<br />

1 Pfitschertal<br />

Es ist ein Ritual. Kommt der erste »Autogrill«<br />

nach dem Brenner, stoppe ich mein<br />

Auto an der Servicestation, eile an die<br />

Theke und bestelle »un espresso per<br />

favore«. Es sind jedes Mal gut investierte<br />

1,20 Euro. Je nach Zeit und Plan verlasse<br />

ich die Autobahn in Sterzing ganz und<br />

gar. Das kleine Stadtzentrum lockt mit<br />

sehenswerten Bürgerhäusern mit Erkern,<br />

Zinnen und farbigen Fassaden, aber<br />

mich zieht’s ein Stück weit ins Pfitschertal<br />

hinein, zum Pretzhof von Familie Mair<br />

(www.pretzhof.com). Dort im Vorgarten<br />

sitzen, die erste Sonne auf der Alpensüdseite<br />

und ein paar Speisen (Speck,<br />

Schüttelbrot) genießen – deswegen fahren<br />

wir doch aus dem Norden hierhin.<br />

2 Brixen<br />

An Brixen fahren viel zu viele vorbei.<br />

Nicht nur in den Bergen fühlt sich der<br />

Mensch klein und unbedeutend, auch<br />

das mächtige Innere des Doms löst bei<br />

mir dieses Gefühl aus. Bis Anfang des<br />

19. Jahrhunderts hatten die Bischöfe<br />

von Brixen hier auch die weltliche Macht,<br />

die Fresken im Kreuzgang, der Marmor,<br />

das Gold zeugen von ihrer Stärke. Wer<br />

sich anschließend etwa eine Autostunde<br />

ins Pustertal bemüht, kommt in den Ort,<br />

der nach mir benannt wurde: Falzes.<br />

Okay, Scherz! Das Restaurant der Sichel ­<br />

burg dort ist aber ein echter Grund<br />

für den Abstecher. Und da der Pragser<br />

Wildsee in diesem Teil <strong>Südtirol</strong>s überlaufen<br />

ist: Wie wäre es mit dem Ant holzer<br />

See? Auch malerisch. Eine Stunde reicht,<br />

um ihn zu umrunden. Für Übernachtungen<br />

in Falzes (Pfalzen) empfehle ich das<br />

»Boutiquehotel Tanzer« (www.tanzer.it).<br />

3 Seiser Alm<br />

Nächstes Ziel: Völs am Schlern, Heimat<br />

des Landeshauptmanns Arno Kompatscher<br />

(siehe S. 34), den wir im schicken<br />

»Romantik Hotel Turm« trafen. Von dort<br />

würde ich zur Tagestour auf die Seiser<br />

Alm aufbrechen. Bitte an Wanderschuhe<br />

und ­stöcke denken, wenn Sie den Weg<br />

zur Gostner Schwaige nehmen: Die<br />

Almhütte mit eigener Käserei ist mein<br />

Lieblingsziel. Achtung unterwegs vor<br />

den teils zu rücksichtslosen E­Bike­<br />

Aktivisten! (www.aussergost.com)<br />

4 Tiers<br />

Jetzt wird’s ungerecht, oder besser: brutal<br />

subjektiv. Es gibt viele tolle Aussichtspunkte<br />

in <strong>Südtirol</strong>. Aber »meiner« liegt<br />

bei Tiers. Am Wuhnleger Weiher hat man<br />

das ganze Jahr über einen famosen Blick<br />

auf den Rosengarten. Absolut unvergesslich<br />

aber ist dieses Erlebnis im Juli, wenn<br />

man zusätzlich zu den Glücklichen zählt,<br />

die eine Eintrittskarte für die »Berglertafel<br />

in Tiers« ergattern. Bei regionalen Spezialitäten<br />

und zu Musik sitzt man an einer<br />

langen Tafel mit Blick auf den im Sonnen ­<br />

untergang glühenden Rosengarten.<br />

Tickets über das Tourismusbüro Tiers:<br />

www.seiseralm.it<br />

5 Bozen<br />

Ausflug in die Landeshauptstadt, die viel<br />

mediterranes Flair hat: parken unterm<br />

Waltherplatz, um mittendrin zu sein, zu<br />

Fuß in die Laubengasse, herumstöbern.<br />

Auf den Obstmarkt stoßen, verzückt sein<br />

vom Angebot, in die Dr.­Josef­Streiter­<br />

Gasse abbiegen, dem Wirt Cobo zunicken<br />

– seine Open­Air­Bar ist stets<br />

voll. Immer auch Pflicht: ein Blick ins<br />

Museion, eines der führenden Museen<br />

moderner und zeitgenössischer Kunst<br />

im Alpenraum (www.museion.it).<br />

6 MMM Firmian<br />

Die spätmittelalterliche Festungsanlage<br />

Sigmundskron wurde im Juni 2006 als<br />

wichtigstes Messner Mountain Museum<br />

eröffnet. Alle sechs MMMs haben ihren<br />

Reiz, aber Firmian ist meine Nr.1. Das<br />

mag am prägenden Erlebnis liegen, dass<br />

Reinhold Messner mal im Sturmschritt<br />

mit mir durch jeden Trakt, treppauf,<br />

treppab gerannt ist, alles beschreibend<br />

und erklärend. Aber auch ohne ihn: die<br />

Tafeln erläutern alles, was man sieht.<br />

Und wenn Sie an einem von Messners<br />

Lagerfeuer­Gesprächsabenden zufällig<br />

Zeit haben: teilnehmen!<br />

www.messner-mountain-museum.it<br />

7 Buschenschank<br />

<strong>Südtirol</strong>s Küche ist legendär. Ich sitze<br />

hier aber lieber im Buschenschank als<br />

im Sterne­Restaurant. In Oberplars im<br />

»Schnalshuberhof« – sehr bekannt, sehr<br />

gut und immer sehr gut besucht, aber<br />

etwas zu teuer geworden. Also wohin<br />

nun? »Probier‘ den ›Gschlössler‹ in Vahrn«,<br />

ruft mir eine Freundin aus Bozen zu.<br />

Oder »Oberpartegger« in Villanders. Prima,<br />

zwei neue Ziele (www.gschloessler.com).<br />

1| Den perfekten Blick auf den Rosengarten gibt’s<br />

vom Wuhnleger Weiher bei Tiers 2| Hausgemachtes<br />

Bozner Bier schenkt »Hopfen & Co.« aus. Durchs<br />

Lokal verlaufen Reste der alten Stadtmauer<br />

3| Spaziergang mit Meran-Blick: der Tappeinerweg<br />

8 Tscherms<br />

Statt zu klettern oder zu wandern, ziehe<br />

ich lieber mit Ball und Schläger über den<br />

Golfplatz, etwa beim Golf Club Lana.<br />

Nach der Runde führt mich der Weg in<br />

die »7 Gärten des Kränzelhofes« in<br />

Tscherms. Der noch berühmtere Garten<br />

befindet sich jenseits der Schnellstraße:<br />

Trauttmansdorff. Ein »Must­see«.<br />

.<br />

9 Meran<br />

Nicht minder subjektiv: Ich liebe das<br />

»Miramonti Boutique Hotel« bei Hafling<br />

mit Blick von oben auf Meran im Tal,<br />

quasi die Vogelperspektive. Von dort<br />

kommt man unkompliziert in die Sisi­<br />

3<br />

Stadt, zur Seilbahn nach Dorf Tirol oder<br />

zum Tappei nerweg, den es seit gut 100<br />

Jahren gibt und den verschiedene, teils<br />

exotische und schön blühende Pflanzenarten<br />

umsäumen. Einziges Problem: Ich<br />

muss dafür die Terrasse des »Miramonti«<br />

verlassen. Will ich das? Manchmal.<br />

10 Kalterer See<br />

Mit dem Baden habe ich es nicht so, und<br />

dann in ein Gewässer mit Namen Kalterer<br />

See ... Gut, dass die Region mehr für den<br />

Wein steht. Meine Top 3 in loser Reihenfolge:<br />

Weingut Dominikus, Kellerei Girlan,<br />

Kellerei Tramin (www.dominikus.it, www.<br />

girlan.it, www.kellereitramin.com).<br />

6 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 7


<strong>MERIAN</strong> INSIDE<br />

Gregor Lengler<br />

lebt in Hamburg<br />

und reist für seine<br />

Reportagen um<br />

die ganze Welt. Für<br />

diese Ausgabe<br />

fotografierte er<br />

Berghütten (S. 38)<br />

und unser Titelbild.<br />

FOTOSCHULE NATURFOTOGRAFIE<br />

Welche Ausrüstung ist<br />

richtig für die Berge?<br />

1. Objektive In die Berge nehme ich nur<br />

zwei bis drei Objektive mit: Sehr gut ist eines<br />

mit einem Zoom von 24 bis 70 Millimeter –<br />

damit lassen sich sowohl Panoramen wie nahe<br />

Motive festhalten. Auch gut: ein Makroobjektiv,<br />

um Pflanzen, und ein Teleobjektiv, um die<br />

oft weit entfernten Tiere zu fotografieren.<br />

2. Akkus Achtung, denken Sie daran,<br />

ausreichend einzupacken – auf den Hütten gibt<br />

es wenige Steckdosen zum Aufladen!<br />

3. Stativ Ein leichtes Stativ ist hilfreich,<br />

um in den Morgen- und Abendstunden<br />

besondere Lichtsituationen festzuhalten.<br />

4. Sonstiges Außerdem habe ich immer<br />

dabei: gute Wanderschuhe und Regenkleidung,<br />

Mütze und Handschuhe (es wird schnell kalt!),<br />

Wandersocken und Blasenpflaster, Sonnen brille,<br />

Stirnlampe, Kopfbedeckung, Sonnencreme,<br />

Wasser und einen Müsliriegel oder Nüsse.<br />

MARATHON-PROJEKT<br />

Täglich mindestens zwei,<br />

meistens aber gut fünf Stunden<br />

wanderten Marlene Lobis und<br />

Fotograf Gregor Lengler für ihre<br />

Reportage über die schönsten<br />

Berghütten (S. 38), meistens<br />

bei Traumwetter. Auf dem Weg<br />

zur Edelrauthütte gerieten sie<br />

aber im Regen in ein Schneefeld,<br />

ein entgegenkommender<br />

Mann rutschte aus, schlidderte<br />

in Marlene hinein und riss sie<br />

mehrere Meter talwärts, was<br />

zum Glück jedoch bei allen nur<br />

zu einem Lachanfall führte.<br />

DEINEN ERSTEN<br />

LAPHROAIG<br />

VERGISST DU NIE<br />

HERZLICHER EMPFANG<br />

Den Nachwuchs auf <strong>Südtirol</strong>er<br />

Top-Weingütern (S. 70) fotografierte<br />

Vivi D’Angelo (unten im Bild).<br />

Dabei erlebte sie große Gastfreundschaft:<br />

Auf dem Pfannenstielhof<br />

etwa ging es nach der Session mit<br />

Anna und Veronika Pfeifer (oben)<br />

gleich zum Essen ins Wirtshaus.<br />

»Das war eigentlich wie Urlaub bei<br />

Freunden«, stellte die Fotografin<br />

am Ende der Reise fest.<br />

KNÖDELSCHULE AUF DEM BAUERNHOF<br />

<strong>MERIAN</strong>-Redakteurin Kathrin Sander (re.)<br />

erlebt selten, dass alle ihrer drei Kinder sich<br />

für das gleiche Gericht begeistern. Aber auf<br />

dem Großplonerhof waren sich alle einig: Die<br />

Knödel von Elisabeth Kaser (li.) sind genial.<br />

Zum Glück hat sie das Rezept verraten (S. 82).<br />

8 <strong>MERIAN</strong>


<strong>MERIAN</strong> SKIZZEN<br />

Der Berg singt!<br />

Internationaler Jazz auf dem Pass, ladinischer Pop aus<br />

dem Dorf – <strong>Südtirol</strong> spielt groß auf. Nicht nur mit neuer Musik,<br />

sondern auch mit junger Mode und jeder Menge Genuss<br />

BODY & MIND<br />

RELAX & BEAUTY<br />

im Golden SPA<br />

IM-GARTEN-SEIN<br />

Gartenparadies mit<br />

Infinity Pool 32 °C<br />

CIGAR LOUNGE<br />

Whisky, Rum & Gin<br />

für Männer mit Stil<br />

Wenn selbst Felsbrocken<br />

zur Bühne werden,<br />

dann steigt wieder das<br />

<strong>Südtirol</strong>er Jazzfestival<br />

LADINISCHE BAND<br />

Das Lied der Nixen<br />

Holzhäuser, Bauerngärten, eine alte Kapelle. In Wengen (ital. La Val)<br />

ist die Welt noch in Ordnung. Das 1300-Seelen-Dorf wirkt wie aus<br />

der Zeit gefallen – und ist es auch: Denn hier wird Ladinisch geredet.<br />

Nur noch etwa 30 000 Menschen in den Tälern <strong>Südtirol</strong>s sprechen<br />

den romanischen Dialekt. Zu hören bekommen ihn aber deutlich<br />

mehr dank dreier Töchter Wengens: 2010 gründeten die Schwestern<br />

Elisabeth und Marlene Schuen (Mitte und rechts) mit ihrer Cousine –<br />

auf die mittlerweile Natalie Plöger (links) folgte – die auf Ladinisch<br />

singende Band Ganes. Als »Ganes« bezeichnet man in der ladinischen<br />

Mythologie den Wassernixen ähnliche Fabelwesen. Das fünfte<br />

Album der Nixen soll im April 2021 erscheinen. www.ganes-music.com<br />

Oldtimer-Abenteuer<br />

VW-BULLI-TOUREN<br />

in den Weinbergen<br />

4<br />

URLAUBS<br />

ERLEBNISSE<br />

Anders. Besonders. Liebevoll.<br />

DIE VIER JAHRESZEITEN<br />

... gibt’s jetzt auch als Socken:<br />

D<br />

ie letzten Meter sind die schwersten, heißt<br />

es so schön, und das trifft auch auf so manches<br />

Konzert des »<strong>Südtirol</strong> Jazzfestival Alto<br />

Adige« zu. Als die Londoner Blaskapelle »Perhaps<br />

Contraption« im Rosengarten auftrat (Foto), musste<br />

das Publikum nicht nur den langen Weg zum Felsen<br />

des Rotwandstein, auf dem die Band spielte, hinter<br />

sich bringen – wer ganz nah bei den Musikern sein<br />

wollte, hatte auch noch eine etwa 10 Meter hohe<br />

Leiter hochzuklettern. Aber der Aufwand lohnt sich<br />

natürlich: Denn das vorsichtig selbst erklärte »wohl<br />

größte Jazzfestival Europas« bietet Konzerte vor absolut<br />

einmaliger Kulisse. Nicht nur im Bergpanorama<br />

der Dolomiten, sondern auch an so unterschiedlichen<br />

Orten wie einem Weingut, auf einem See oder in<br />

der Lagerhalle eines Baumarkts finden die rund<br />

90 Events des 10-tägigen Festivals regelmäßig statt.<br />

2020 musste das Festival wie so viele andere abgesagt<br />

werden, 2021 aber soll alles besser werden –<br />

und zumindest im Rosengarten wäre für alle Zuschauer<br />

ja auch mit Sicherheitsabstand genug Platz.<br />

www.suedtiroljazzfestival.com<br />

Das <strong>Südtirol</strong>er Start-up WAMS?!<br />

macht schicke Strümpfe, etwa<br />

mit Designs zur Saison. Hier<br />

zu sehen: Frühling und Winter.<br />

www.wam-socks-com<br />

10 <strong>MERIAN</strong><br />

Meran | <strong>Südtirol</strong> | Italien<br />

T: +39 0473 230 577<br />

www.plantitscherhof.com


<strong>MERIAN</strong> SKIZZEN<br />

<strong>MERIAN</strong><br />

TARZANING<br />

Tal der Dschungelkönige<br />

Der Hochseilgarten an sich hat ja ein etwas biederes Image als<br />

Hort halbtägiger Teamworking-Seminare. Im Passeiertal, wo<br />

Bergführer Erwin Mairginter seinen Tarzaning-Parcours errichtete,<br />

schießt einem aber wirklich das Adrenalin durch die<br />

Arterien: Man kraxelt an Flüssen entlang, surrt mit dem »Flying<br />

Fox« über die Schlucht (Foto) und – na klar – schwingt sich<br />

wie Tarzan persönlich an einem Seil durch den Wald.<br />

www.bergfuehrer-mairginter.it<br />

GROSSER FOTOWETTBEWERB<br />

ZEIGEN SIE IHRE BESTEN BILDER!<br />

Birnen<br />

von der Burg<br />

Jetzt mitmachen! Wir suchen Fotos zu den Themen RHEIN, BREMEN, DEUTSCHLAND<br />

EINMALIGES WELLNESS-ERLEBNIS<br />

Als »Sommerapothekerbirne«<br />

war die Palabirne wegen ihrer<br />

gesundheitlichen Wirkung<br />

einst bekannt. Dem Erhalt der<br />

raren Obstsorte, die vor mehr<br />

als 400 Jahren aus Asien<br />

kam, widmet sich heute an der<br />

Churburg in Schluderns<br />

der Tälerhof. Die Birnen, die<br />

es natürlich auch so zu<br />

kaufen gibt, werden von der<br />

Manufaktur etwa zu vorzüglichem<br />

Mus, Aufstrich oder<br />

Mostarda (Foto) verarbeitet.<br />

www.taelerhof.com<br />

Wanne aus gutem Holz<br />

Viele Hotels versuchen, ihre Gäste mit opulenten Pools zu<br />

beeindrucken, in ihrem kleinen B&B bietet Familie Eschgfeller<br />

ein etwas anderes Spa: Beim »Latschenkiefernbad« werden<br />

Besucher im Holz der hier im Sarntal wachsenden Bäume eingebuddelt.<br />

Bis zu 50 Grad wird es unter der Walddecke, die<br />

Anwendung fördert die Durchblutung und hemmt Entzündungen<br />

– schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts tauchen die<br />

Bewohner des Tals deswegen ins Holz. www.eschgfeller.eu<br />

Traumreise für<br />

10 000 €<br />

zu gewinnen<br />

»Die Lust am Reisen« – unter diesem<br />

Motto suchen <strong>MERIAN</strong> und CEWE die<br />

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1. CHANCE: LESERFOTO DES MONATS<br />

Jeden Monat werden Ihre besten Fotos zum nächsten Heftthema<br />

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das beste Leserfoto und veröffentlicht es im Heft (s. S. 14). Die<br />

nächsten Themen: Rhein, Bremen, Deutschland. Ihre Fotos sollen<br />

einen Bezug zum jeweiligen Monatsthema haben. Das Motiv darf frei<br />

ge wählt werden: Ob Landschaftsbilder oder Straßenszenen – der<br />

Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jeder Monats gewinner erhält<br />

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<strong>MERIAN</strong>-Jahresabonnement.<br />

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Jedes hochgeladene Foto hat dazu automatisch die Chance, das Foto<br />

des Jahres zu werden. Für diesen Wettbewerb dürfen Sie auch Bilder<br />

von anderen Zielen einsenden. Alles, was zum Motto »Die Lust am<br />

Reisen« passt, ist erlaubt: Motive von besonders schönen, originellen<br />

oder amüsanten Momenten genauso wie Fotos, die im Gedächtnis<br />

bleiben. Die Auswahl trifft eine professionelle Jury – und dem Sieger<br />

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<strong>MERIAN</strong><br />

LESERFOTO DES MONATS<br />

VALENTIN PFEIFHOFER<br />

stand in 2957 Meter Höhe<br />

auf der Dreischusterplatte in<br />

den Sextner Dolomiten, als ihm<br />

dieses Foto gelang. Eigentlich<br />

ging es dem 34-jährigen<br />

Natur- und Landschaftsfotografen,<br />

der seinen Wohnsitz in<br />

Berlin hat und die Website<br />

»dreamworld-pictures.com«<br />

führt, an diesem Tag darum,<br />

ein perfektes Bild der schon so<br />

ermüdend oft von unten<br />

abgelichteten Drei Zinnen zu<br />

produzieren (was ihm im<br />

Übrigen auch glückte). Aber<br />

dann fand er es ebenso<br />

faszinierend, »die Ruhe zu<br />

spüren, die frische, klare Luft<br />

zu schmecken und einfach im<br />

Moment zu sein. Im Hier und<br />

Jetzt.« Und so fotografierte er<br />

auch seinen Lagerplatz. Die<br />

ruhige Stimmung, die das Bild<br />

aufgrund der harmonischen<br />

Komposition von Formen und<br />

Farben hat, drückt für Valentin<br />

Pfeifhofer vor allem »Freiheit,<br />

Lebendigkeit und Frieden aus«.<br />

»Es ist faszinierend, was Fotografen sich<br />

aufbürden. Dieses Bild erzählt ein Abenteuer.«<br />

DAS SAGT DIE JURY<br />

Katharina Oesten, <strong>MERIAN</strong>-Fotoredakteurin: »Es gibt Motive, die sind so<br />

stark, dass man für ein ausgezeichnetes Foto nur auf den Auslöser<br />

drücken muss. Und dann gibt es Bilder wie dieses. Es ist faszinierend,<br />

was Fotografen wie Valentin Pfeifhofer sich für ihre Aufnahmen aufbürden.<br />

Unser Gewinner hat Sack und Pack geschultert, sich auf den Weg zum<br />

Gipfel gemacht, das Zelt aufgestellt, das Innere ausgeleuchtet und dann<br />

noch das Glück gehabt, einen wunderschönen Sonnenaufgang in<br />

Pastellfarben zu erleben. Dieses Foto erzählt ein ganzes Abenteuer.«


<strong>MERIAN</strong> PORTFOLIO<br />

Wo Dolce Vita<br />

auf Dolomiten trifft<br />

Vom saftig grünen Tal bis zur dramatischen Felswand,<br />

vom ursprünglichen Dorf zur mediterranen Stadt,<br />

von mittelalterlichen Mauern zu modernster Architektur:<br />

eine Bilderreise durch die ganze Vielfalt <strong>Südtirol</strong>s<br />

ÜBERRAGEND SCHÖN:<br />

DIE GEISLERSPITZEN<br />

Natur-Fernsehen vom Feinsten: die Aussicht über<br />

das Villnößtal auf den Gebirgskamm der Geislerspitzen.<br />

Wegen ihres hohen Kalkgehalts nennt man die<br />

Dolomiten auch »bleiche Berge«. Ihr prominentester<br />

Gipfel (der etwas breitere links im Bild) ist der<br />

3025 Meter hohe Sass Rigais. Von oben, sagt die<br />

Bergsteigerlegende Reinhold Messner, könne<br />

man bei guter Sicht fast bis nach Venedig blicken<br />

16 <strong>MERIAN</strong>


SONNIGES VERGNÜGEN<br />

IM ANGESICHT DES ORTLER<br />

Beim Baden in den Bergen denkt man normalerweise<br />

an kühle, tiefe Seen. Hier in Trafoi, dicht an der<br />

Schweizer Grenze, lockt dagegen ein seichter Badeteich<br />

mit Traumblick auf die Ortler-Gruppe. Trafoi ist der<br />

Geburtsort von Gustav Thöni, einem der erfolgreichsten<br />

Skifahrer der siebziger Jahre. Der Teich gehört zum<br />

Hotel »Bella Vista«, das er mit seiner Familie betreibt<br />

<strong>MERIAN</strong> 19


BRIXEN: IN VOLLER<br />

PRACHT UND HÖCHSTEN TÖNEN<br />

33 verschiedene Arten feinster Marmor und ein rund<br />

200 Quadratmeter großes Deckenfresko des Barockmalers<br />

Paul Troger zieren den Dom, der wiederum seit<br />

über 1000 Jahren in unterschiedlicher Gestalt das Zentrum<br />

Brixens schmückt. Sehr viel jünger und alles<br />

andere als sakral präsentieren sich »Die Schmeichler«,<br />

eine Dreiercombo, die mit Jazz und Dixieland<br />

seit mehr als 30 Jahren in Brixen und Umgebung<br />

auftritt – gern unter freiem Himmel<br />

20 <strong>MERIAN</strong>


DER HOLZWEG IST EINER<br />

DER SCHÖNSTEN AM SCHLERN<br />

Er ist ein Unikum unter <strong>Südtirol</strong>s Bergwegen: der<br />

»Prügelweg«, der von Völs auf den Schlern führt.<br />

Mit »Prügel« sind die Bohlen aus Lärchenholz gemeint,<br />

die den Schlernbach überspannen und so einen<br />

Weg durch die Schlernbachschlucht schaffen. An<br />

einigen Tagen im Jahr ist dort für Menschen<br />

allerdings kaum ein Durchkommen: wenn das Vieh<br />

im Frühsommer auf die Schlernalm getrieben<br />

wird – und im Spätsommer wieder hinab<br />

22 <strong>MERIAN</strong>


BOZEN BRINGT KUNST<br />

AUF DIE GRÜNE WIESE<br />

Wenn das Museion in <strong>Südtirol</strong>s Hauptstadt an<br />

Sommerabenden seine Türen schließt, werden die<br />

Talferwiesen davor zu einem besonderen Open-<br />

Air-Kino. Die 25 Meter hohe und 23 Meter breite<br />

Glasfassade des 2008 eröffneten Kunsthauses<br />

ist dann hell erleuchtet und wird zur Projektionsfläche<br />

für zeitgenössische Videokunst<br />

<strong>MERIAN</strong> 25


OB KRONPLATZ ODER AHRNTAL: DIE<br />

MACHT DER BERGE IST ALLGEGENWÄRTIG<br />

Auf dem Plateau des 2275 Meter hohen Brunecker Hausbergs<br />

Kronplatz baute Zaha Hadid das jüngste der sechs<br />

Messner Mountain Museen. Corones heißt der Bau, der sich<br />

drei Etagen tief in den Fels hineinschiebt – und auf der<br />

Aussichtsplattform einen fast magischen Blick auf die Gipfel<br />

ringsum eröffnet. Wer die Berge auf eigenen Wegen entdecken<br />

will, kann das wunderbar im Tauferer Ahrntal (rechts).<br />

Das Gebiet im Nordosten gehört mit über 80 Dreitausendern<br />

zu den attraktivsten Wanderrevieren <strong>Südtirol</strong>s<br />

<strong>MERIAN</strong> 27


MERAN STEHT IN VOLLER BLÜTE<br />

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff ziehen sich<br />

vom Schloss über 100 Höhenmeter den Hang<br />

hinunter. Kaiserin Elisabeth (Sisi) kurte hier und soll<br />

ihren Lieblingsplatz unter einer alten Kastanie<br />

gehabt haben. Im Schloss erzählt heute das<br />

Touriseum von der Entwicklung des Tourismus in<br />

der Region, und in den 12 Hektar großen Gärten<br />

wachsen über 5800 Pflanzenarten und -sorten,<br />

darunter Raritäten wie die lange ausgestorben geglaubte<br />

Wollemi Pine, ein steinzeitliches Gewächs,<br />

das in Australien wiederentdeckt wurde<br />

<strong>MERIAN</strong> 29


<strong>MERIAN</strong> DENKE ICH AN SÜDTIROL<br />

Die Berge haben mich<br />

das Zuhören gelehrt<br />

Nur der Kirchturm ragt noch<br />

in die Höhe. Auf dem Boden des<br />

aufgestauten Reschensees liegt<br />

das versunkene Dorf Graun<br />

Schriftsteller Marco Balzano verdankt seinen<br />

größten Bestseller einer Reise nach <strong>Südtirol</strong>. Dort<br />

verfuhr er sich, landete vor dem Reschensee.<br />

Und hielt dessen faszinierende Geschichte in<br />

einem Roman fest. Sein Titel: »Ich bleibe hier«<br />

Der Ort, an dem wir geboren werden,<br />

prägt uns mehr, als wir das gerne wahrhaben.<br />

Es ist wie bei Tieren: Sie markieren<br />

ihr Territorium. Aber wenn sie<br />

das tun, dann hat das Territorium bereits<br />

sie markiert, hat sie an sich gebunden, ihnen<br />

einen Blick und ein Gefühl für die Welt gegeben.<br />

Mein Territorium war stets Mailand, wo ich 1978<br />

geboren wurde, wo ich aufwuchs und wo ich noch<br />

heute mit meiner Frau, unserer Tochter, 6, und unserem<br />

Sohn, 4, lebe. Das Meer ist für mich nicht sonderlich<br />

exotisch; meine Eltern kommen aus Apulien,<br />

wo ich die Sommer meiner Kindheit und Jugend<br />

zwischen Olivenhainen und Sandstränden verbracht<br />

habe. Die Berge aber waren mir völlig fremd, als ich,<br />

bald nachdem ich Vater geworden war, mit meiner<br />

Frau und unserer noch sehr kleinen Tochter nach<br />

<strong>Südtirol</strong> in den Urlaub fuhr. Freunde hatten mir gesagt,<br />

die Berge seien gut für kleine Kinder.<br />

Wir kamen wieder, fast jedes Jahr, irgendwann<br />

zu viert. Mit <strong>Südtirol</strong> verbinde ich noch immer als<br />

Allererstes die Erinnerung an die frühe Kindheit<br />

meiner Kinder. Die Zeit, als ich versuchte zu verstehen,<br />

was ihre Augen sahen und wovon sie träumten,<br />

wenn sie geschlossen waren. Als sie so klein waren,<br />

dass sie in einen Rucksack auf meinem Rücken passten.<br />

Für meine Kinder sind die Berge ein vertrauter<br />

Ort geworden, ein Stück weit ihr Territorium. Für<br />

mich bleiben sie ein Blick auf die Welt, eine Art<br />

zu leben, die ich selbst niemals wählen würde. Aus<br />

genau diesem Grund faszinieren sie mich.<br />

Vor drei Jahren, der Urlaub in <strong>Südtirol</strong> war längst<br />

Familientradition, fuhren wir durch das Vinschgau,<br />

und irgendwo muss ich auf den falschen Weg gekommen<br />

sein. Ich habe in meinem Leben schon öfter den<br />

falschen Weg genommen und bin dabei auf unglaubliche<br />

Menschen und Orte gestoßen. Diesmal kamen<br />

wir nach Graun, auf Italienisch: Curon.<br />

Plötzlich standen wir vor diesem Stausee, aus<br />

dem ein Glockenturm ragte. Alle, selbst die Kinder,<br />

verstummten. Wir gingen ans Ufer des Reschensees,<br />

um uns diesen verstörenden Ort genauer anzuschauen.<br />

Wie hatte es dazu kommen können, dass sich dort,<br />

wo der Glockenturm als letztes Relikt an eine offen-<br />

30 <strong>MERIAN</strong>


Hier, in <strong>Südtirol</strong>s Bergen, habe<br />

ich erst richtig gelernt, zu<br />

laufen. Und mit denen Schritt<br />

zu halten, die mich führen.<br />

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32 <strong>MERIAN</strong><br />

sichtlich totale Zerstörung erinnerte, sich Menschen<br />

am Strand sonnten, dass sie für Fotos posierten und<br />

auf dem Wasser im Tretboot den Turm umkreisten?<br />

Dieser Widerspruch war für mich noch brutaler als<br />

der Glockenturm selbst, der an diesem Sommertag<br />

im Wasser zu schweben schien. Ich wollte auf der<br />

Stelle die Geschichte dieses Ortes erzählen.<br />

Dass ich daran beinahe gescheitert wäre, lag an<br />

meiner mangelnden Kenntnis der Berge. Als ich im<br />

Winter alleine nach Graun zurückkehrte,<br />

um die Hintergründe dieses<br />

Stausees zu recherchieren, nahm ich<br />

bewusst Zug und Bus, nicht das Auto,<br />

um nachzuempfinden, wie abgelegen<br />

dieser Ort ist. Aber ich war naiv, hatte<br />

diese Reise nicht vorbereitet, vertraute<br />

auf mein Glück, dass schon<br />

jemand mit mir sprechen würde.<br />

Doch niemand kam auf mich zu. Alle<br />

sahen mich misstrauisch an. Nach<br />

drei Tagen schlich ich mich mit eingezogenem<br />

Schwanz zurück und dachte:<br />

Die Klischees über die Zurückhaltung<br />

der Bergbewohner sind alle<br />

wahr. Aus Wut versuchte ich, diesen<br />

Roman zu schreiben, ohne je wieder<br />

einen Fuß nach Graun zu setzen.<br />

Ich scheiterte, ich musste daran<br />

scheitern. Denn es ist nicht wahr, dass<br />

Schreiben ein einsamer Beruf ist. Um<br />

eine Geschichte erzählen zu können,<br />

muss ich zuerst denen zuhören, die<br />

diese Geschichte erlebt haben. Also<br />

packte ich schließlich meine Koffer<br />

und kehrte zurück nach Graun. Diesmal<br />

aber organisierte ich vorher alles,<br />

schrieb einen Freund an, der mich<br />

fünf Zeitzeugen vorstellte, machte<br />

mit ihnen telefonisch Termine aus.<br />

Drei dieser Zeitzeugen sind heute<br />

verstorben, die beiden anderen über<br />

90 Jahre alt. Sie haben sich mir irgendwann<br />

geöffnet, allerdings nicht<br />

wie an vielen Orten dieser Welt beim<br />

gemeinsamen Kaffeetrinken. Sondern<br />

beim Gehen. Beim Gehen hörte<br />

MEINE TIPPS<br />

Bei der Etschquelle liegt<br />

noch der sehr sehenswerte<br />

»Bunker Nr. 20« – Teil<br />

des Alpenwalls, mit dem<br />

sich Italien im Zweiten<br />

Weltkrieg vor deutschen<br />

Angriffen schützen wollte.<br />

In Graun esse ich am<br />

liebsten im Restaurant<br />

»Gletscherblick« (Langtaufers<br />

86): gemütliche<br />

Atmosphäre, herzhafte<br />

Hausmannskost!<br />

Bei Bozen führt die<br />

Kohlerer Bahn von 1908<br />

hoch nach Kohlern –<br />

ein typischer Ort für die<br />

Sommerfrische am Fin de<br />

Siècle. Eine tolle Zeitreise!<br />

Der Kalterer See ist einer<br />

der wärmsten der Alpen,<br />

im Sommer wird er bis<br />

zu 28 Grad warm. Gerade<br />

nachmittags gibt’s auch<br />

für Surfer und Segler oft<br />

perfekte Winde.<br />

Von der Burg Tschenglsberg<br />

(ca. 1,5 Stunden zu<br />

Fuß von Tschengls bergauf)<br />

stehen heute noch<br />

der Bergfried und Teile der<br />

Ringmauer. Eine malerische<br />

Ruine mit tollem<br />

Blick aufs Vinschgau!<br />

ich mir ihre Geschichten an, beim Gehen verwandelte<br />

ich schließlich auch ihre Erzählungen in fiktive<br />

Personen, in Dialoge und Erzählszenen. Hier, in den<br />

Bergen, habe ich erst richtig gelernt, zu laufen. Und<br />

mit denen Schritt zu halten, die mich führen.<br />

Es war ein Foto, das mich zu der Hauptfigur Trina<br />

in meinem Roman »Ich bleibe hier« inspiriert hat:<br />

Eine der Zeitzeuginnen zeigte es mir, darauf war<br />

eine alte Frau zu sehen, die sich in ihrem überfluteten<br />

Haus versteckte. Als ich das sah, dachte<br />

ich: So eine mutige Frau möchte ich<br />

in meinem Roman haben. Zur Lehrerin<br />

habe ich sie gemacht, weil mich<br />

die Katakombenschulen, in denen die<br />

Kinder hier während des Faschismus<br />

im Geheimen weiter in ihrer Muttersprache<br />

Deutsch unterrichtet wurden,<br />

sehr fasziniert haben. Diese Schulen<br />

sind ein starkes Symbol für den Mut<br />

und den Widerstand, mit dem die <strong>Südtirol</strong>er<br />

auf die erzwungene Italienisierung<br />

reagiert haben. Sie zeigen aber<br />

auch: Eine Gemeinschaft muss zur<br />

Schule gehen, um zusammenzuhalten.<br />

Erst jetzt, in diesen Gesprächen,<br />

begann ich, darüber nachzudenken,<br />

wie <strong>Südtirol</strong> zu einem Teil Italiens<br />

wurde. Die heutige Generation hat<br />

den Hass und den Groll ihrer Vorfahren<br />

abgeschüttelt. Die Berge sind heute<br />

für einen jungen Menschen keine<br />

unpassierbare Welt mehr und die tragischen<br />

Wenden des letzten Jahrhunderts<br />

nicht mehr länger der Grund,<br />

sich in seiner eigenen kleinen Welt zu<br />

verbarrikadieren.<br />

n<br />

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<strong>MERIAN</strong> PORTRÄT<br />

Eine Karriere als Politiker? Hat<br />

Arno Kompatscher lange nicht inte -<br />

ressiert. Nun regiert er <strong>Südtirol</strong><br />

PLÖTZLICH<br />

POLITIKER<br />

TEXT RONALD RENG FOTOS NATALIE KRIWY<br />

Arno Kompatscher liebt Punk, hat sieben Kinder, fährt im<br />

Bus zur Arbeit – und ist Regierungschef von <strong>Südtirol</strong>.<br />

<strong>MERIAN</strong> traf ihn in seinem Heimatdorf Völs am Schlern<br />

N<br />

ach fünf Minuten mit Arno<br />

Kompatscher habe ich vergessen,<br />

dass da der Regierungschef<br />

von <strong>Südtirol</strong> vor mir sitzt. Er redet<br />

über Punkmusik. Mit Anfang 20<br />

sei er mit ein paar Leuten aus seiner<br />

Gegend in einer Band aufgetreten,<br />

Gesang und Trompete war das Seine,<br />

»unser Repertoire reichte von Punk<br />

bis zu Peter Alexander. Wobei: Peter<br />

Alexander ist Punk.«<br />

Nach zehn Minuten spricht Arno<br />

Kompatscher über das Dach des<br />

Schlernhauses, der Schutzhütte auf<br />

dem fast 2500 Meter hohen Völser<br />

Hausberg. »Das habe ich befestigt.«<br />

Vier Wochen weilte er als junger<br />

Mann auf dem Berg, um als gelernter<br />

Schlosser das Blechdach anzubringen.<br />

Nach 15 Minuten mit Arno Kompatscher<br />

fällt mir wieder ein, warum<br />

ich ihn eigentlich spreche: weil er der<br />

Landeshauptmann von <strong>Südtirol</strong> ist.<br />

Ministerpräsident würde man in<br />

Deutschland sagen.<br />

In der Reihe <strong>Südtirol</strong>er Landeshauptmänner<br />

noch hervorzustechen,<br />

schien schwer möglich. Denn Kompatschers<br />

Vorgängern haftet etwas<br />

geradezu Legendäres an. Silvius<br />

Magnago, einbeinig seit einem Granatenangriff<br />

im Zweiten Weltkrieg,<br />

erkämpfte <strong>Südtirol</strong>s weitreichende<br />

Autonomie. Luis Durnwalder trieb<br />

<strong>Südtirol</strong>s sagenhaften Aufstieg von<br />

einer armen Bergbauernregion zu einer<br />

Wohlstandsgesellschaft massiv<br />

voran, ein Landespatron im ehrwürdigen<br />

und am Ende auch im traurigsten<br />

Sinne, als die Freunderlwirtschaft<br />

überhandnahm. Magnago regierte<br />

29 Jahre, Durnwalder ein Vierteljahrhundert.<br />

Als Arno Kompatscher das<br />

Amt 2014 übernahm, stand er für<br />

das Ende des Personenkults, ein<br />

sachlicher Landesmanager statt eines<br />

Übervaters. Er erwies sich als Politiker<br />

von Format und, ganz ohne Kult,<br />

als faszinierende Persönlichkeit.<br />

In so mancher politischen Frage<br />

konnte er sich profilieren. Bei der<br />

Energiewende wurde <strong>Südtirol</strong> ein<br />

führendes Laboratorium. Als Verfechter<br />

eines zusammenarbeitenden<br />

Europas erlangte Kompatscher für<br />

einen Regionalpolitiker seltene internationale<br />

Aufmerksamkeit. In der<br />

Coronakrise versucht er, <strong>Südtirol</strong> entgegen<br />

der Dekrete der italienischen<br />

Zentralregierung mit einem eigenen<br />

Kurs zu steuern, wobei er beim sprunghaften<br />

Ändern der Maßnahmen nicht<br />

immer souverän wirkte. Welches Thema<br />

wir während unseres Gesprächs<br />

auch anschneiden, wir landen immer<br />

wieder an dem Punkt, dass Arno Kompatscher,<br />

50 in diesem Jahr, 40 Jahre<br />

seines Lebens auf alles andere zusteuerte<br />

als auf den Posten des Regierungschefs,<br />

den er nun so kompetent ausfüllt.<br />

Wir sitzen im Hotel »Turm« in<br />

Völs am Schlern, einem 3000­Einwohner­Dorf.<br />

Arno Kompatscher lebt<br />

hier seit seiner Geburt. Sein Vater<br />

war der Dorfschmied und ab 1969 elf<br />

Jahre lang Bürgermeister. Das klingt<br />

nach einem politischen Haushalt.<br />

»Zunächst einmal schreckte mich<br />

das Bürgermeisteramt meines Vaters<br />

von der Politik ab. Denn wenn mich<br />

die Leute im Dorf fragten: ›Zu wem<br />

gehörst denn du?‹ und ich antwortete:<br />

›Zum Kompatscher Walter‹, hörte ich<br />

oft: ›Bah, der Bürgermeister!‹. Ich<br />

erinnere mich, wie ich als Kind daraufhin<br />

meine Mutter fragte: ›Ist das<br />

etwas Schlimmes, was Papa macht?‹<br />

Mit so einem Amt wollte ich nichts zu<br />

tun haben. Aber diskutiert über Politik<br />

wurde zwischen uns fünf Geschwistern<br />

in der Jugend lebhaft, interessiert<br />

hat es mich schon immer.«<br />

Die 1980er Jahre in <strong>Südtirol</strong> waren<br />

die Zeit Alexander Langers, eines<br />

intellektuellen Friedens­ und Um weltaktivisten,<br />

dessen Ideen viele Jugendliche<br />

beeinflussten, so auch Arno<br />

Kompatscher. Er trug grüne Haare<br />

Arno Kompatscher, im<br />

März 1971 in Völs am<br />

Schlern geboren, ging in<br />

Bozen zur Schule, studierte<br />

Rechtswissenschaften<br />

an den Universitäten<br />

in Innsbruck und Padua.<br />

Während der Hochschulzeit<br />

arbeitete er im elterlichen<br />

Betrieb als Spengler<br />

und Schlosser. Über<br />

erste Verwaltungsjobs gelangte<br />

er in die Politik. Im<br />

April 2013 gewann er die<br />

Basiswahl der <strong>Südtirol</strong>er<br />

Volkspartei (SVP) und<br />

wurde Spitzenkandidat<br />

für die Landtagswahl.<br />

Seit 2014 ist Kompatscher<br />

Landeshauptmann.<br />

damals. »Die waren aber so schlecht<br />

gefärbt, dass sie schon bald kupferfarben<br />

wirkten.«<br />

Das Leben hatte anderes mit ihm<br />

vor, als die konservative Landbevölkerung<br />

zu erschrecken. Seine Frau<br />

Nadja wurde jung schwanger. Kompatscher<br />

musste Geld verdienen. »Ich<br />

hatte im Schlosserbetrieb meiner großen<br />

Brüder gearbeitet. Da war ich<br />

auch glücklich. Aber meine Brüder<br />

waren schon zu dritt und sagten: ›Für<br />

dich ist kein Platz mehr.‹ Ich träumte<br />

davon, Journalist zu werden, doch<br />

meine Eltern meinten, das sei brotlose<br />

Kunst. Also studierte ich Jura.«<br />

Er arbeitete als Lehrer, wurde höherer<br />

Beamter für Rechtsfragen in<br />

der Nachbargemeinde und schließlich<br />

Geschäftsführer des Seilbahnbetriebs<br />

Seiser Alm. Die Kinder, die es zu versorgen<br />

galt, wurden ja nicht weniger.<br />

Sieben haben Arno Kompatscher und<br />

seine Frau. »Sieben Kinder, ja, aber<br />

da steckt keine Ideologie dahinter.<br />

Wie sagt man? Es geschah, wie das<br />

Leben so spielt. Ich bin mit meiner<br />

<strong>MERIAN</strong> 35


<strong>MERIAN</strong>-Gespräch im Hotel<br />

»Turm«: Arno Kompatscher (rechts)<br />

und Autor Ronald Reng<br />

Frau einfach sehr lange zusammen,<br />

30 Jahre schon.« Seine Frau arbeitet<br />

unverändert als Lehrerin, sie muss<br />

das wahre Managertalent in der Familie<br />

sein, denn der Landeshauptmann<br />

kommt in der Regel erst um<br />

23 Uhr nach Hause. Drei der Kinder<br />

sind mittlerweile aus dem Haus, in<br />

Rom, in Brüssel. Die Älteste, Anna,<br />

arbeitet bei der Europäischen Kommission<br />

in der Abteilung für digitale<br />

Kommunikation. Der winzige Vorteil,<br />

dass er die größeren Kinder nicht<br />

mehr täglich sieht, liegt darin, dass er<br />

weniger Kritik zu hören bekommt.<br />

»Papa, zieh doch nicht immer nur<br />

blaue Anzüge an, so langweilig! Papa,<br />

wie umständlich hast du dich wieder<br />

im Fernsehen ausgedrückt?« Das Interesse<br />

lässt immerhin erahnen, dass<br />

die Kinder seine Rolle als Regierungschef<br />

recht cool finden.<br />

Arno Kompatscher hat das Amt<br />

nie angestrebt. Er war mit Ende 20<br />

für die gesetzte <strong>Südtirol</strong>er Volkspartei<br />

in den Gemeinderat von Völs geraten,<br />

irgendwie hineingezogen in die<br />

IM POLITISCHEN<br />

PLAN WAR ICH<br />

EIGENTLICH NICHT<br />

VORGESEHEN«<br />

Politik, wohl wegen seiner Sachkenntnisse<br />

als höherer Verwaltungsbeamter.<br />

So ging es weiter: Irgendwie<br />

hineingezogen, irgendwie hinein geraten<br />

wurde er wie sein Vater Bürgermeister<br />

von Völs, bald auch noch<br />

Präsident des <strong>Südtirol</strong>er Gemeindeverbands.<br />

Als nach dem Verschleiß<br />

des Landeshauptmanns Durnwalder<br />

2014 ein unverbrauchter Politiker gesucht<br />

wurde, fielen die Lichter plötzlich<br />

auf ihn. »Ich bin da reingeschlittert.<br />

Im politischen Plan <strong>Südtirol</strong>s war<br />

ich nicht vorgesehen.«<br />

Fast allen der Landeshauptmänner<br />

in den zurückliegenden 60 Jahren<br />

fiel in ihrer Amtszeit ein Über thema<br />

zu. Für Magnago war es der Kampf<br />

um die Rechte der deutschsprachigen<br />

Bevölkerung und die Versöhnung<br />

mit Italien. Bei Durnwalder war es<br />

der wirtschaftliche Fortschritt bei Erhaltung<br />

des bäuerlichen Am bientes.<br />

Kompatscher steht vor der großen<br />

Aufgabe, den Tourismus, die Triebkraft<br />

des <strong>Südtirol</strong>er Wirtschaftswunders,<br />

in Zeiten des Klimawandels neu<br />

zu gestalten.<br />

Er hat am eigenen Leibe miterlebt,<br />

wie der Tourismus in <strong>Südtirol</strong> stetig<br />

wuchs. Als Junge musste er jeden<br />

Sommer wieder sein Kinderzimmer<br />

räumen und mit den Geschwistern<br />

drei Monate lang auf den Dachboden<br />

ziehen. Die Eltern vermieteten »die<br />

gute Wohnung« im Haus an Touristen.<br />

Das waren die Anfänge, Privatzimmer­Vermietungen<br />

in den 1970ern.<br />

Nun sitzen wir im »Turm«, einem<br />

Fünf­Sterne­Hotel, wie es längst jedes<br />

Dorf in <strong>Südtirol</strong> aufweist. 17 Prozent<br />

des <strong>Südtirol</strong>er Bruttosozialprodukts<br />

erwirtschaftet der Tourismus,<br />

SÜDTIROL UND<br />

DIE AUTONOMIE<br />

1363<br />

Die Region kommt für über 550<br />

Jahre zur Grafschaft Tirol und<br />

damit zum Reich der Habsburger.<br />

1919<br />

Tirols Süden wird nach der<br />

Niederlage Österreich-Ungarns<br />

Italien offiziell zugesprochen.<br />

Mai 1945<br />

Gründung der <strong>Südtirol</strong>er<br />

Volkspartei (SVP).<br />

September 1946<br />

Österreich und Italien sichern<br />

<strong>Südtirol</strong> im Pariser Vertrag Maßnahmen<br />

zur Erhaltung von<br />

Kultur, Sprache und Identität zu.<br />

Januar 1948<br />

Italien verabschiedet das erste<br />

Autonomiestatut. Die Provinzen<br />

Bozen und Trient werden<br />

zur Region Trentino-<strong>Südtirol</strong> mit<br />

eigenem Parlament, wobei<br />

<strong>Südtirol</strong> gegenüber dem Trentino<br />

nur eine Unterautonomie besitzt.<br />

November 1957<br />

35 000 <strong>Südtirol</strong>er demonstrieren<br />

auf Schloss Sigmundskron. Ihre<br />

Forderung: »Los von Trient!« Die<br />

Proteste gipfeln in der »Feuernacht«<br />

1961, bei der Hochspannungsmasten<br />

gesprengt werden.<br />

November 1969<br />

Die Landesversammlung der<br />

SVP stimmt für ein »Paket« von<br />

137 Maßnahmen zum besseren<br />

Schutz der <strong>Südtirol</strong>er. Das darin<br />

angekündigte zweite Autonomiestatut<br />

tritt 1972 in Kraft. .<br />

Februar 2004<br />

Eine neue Regionalregierung<br />

wird bestellt – nach Wahlen,<br />

die erstmals explizit einen<br />

<strong>Südtirol</strong>er Landtag bestimmt<br />

haben. In der ersten Hälfte<br />

der Legislatur hat der <strong>Südtirol</strong>er<br />

Landeshauptmann den Vorsitz,<br />

in der zweiten der Amtskollege<br />

des Trentino.<br />

WIR BRAUCHEN<br />

IM TOURISMUS<br />

EINE RADIKALE<br />

WENDE«<br />

sieben Millionen Urlauber besuchen<br />

jedes Jahr die Provinz, und dabei ist<br />

längst ein Widerspruch entstanden:<br />

Die Urlauber suchen die Idylle der<br />

Natur, aber je mehr Touristen kommen,<br />

desto weniger Ruhe finden sie,<br />

desto mehr schreitet die Belastung<br />

der Natur voran. »Wir brauchen beim<br />

Tourismus kein quantitatives Wachstum<br />

mehr. Das ist die weitverbreitete<br />

Stimmung in der Bevölkerung und<br />

übrigens auch in der Tourismuswirtschaft.<br />

Wir wollen da eine wirklich<br />

radikale Wende schaffen.« Er würde<br />

sich freuen, sagt Kompatscher, wenn<br />

bald viele Menschen in Europa riefen:<br />

»Die spinnen, die <strong>Südtirol</strong>er!«<br />

Weil <strong>Südtirol</strong> tatsächlich vom obersten<br />

ökonomischen Glaubensbekenntnis<br />

des letzten Jahrhunderts abkehre,<br />

dem »mehr, mehr, mehr!«, um stattdessen<br />

nachhaltiger zu wachsen. »Sie<br />

werden staunen, wir haben bereits vor<br />

zwei Jahren im Landtag ein neues<br />

Landesraumordnungsgesetz verabschiedet,<br />

das den Bau von Hotels im<br />

Grünen untersagt. Das ist für <strong>Südtirol</strong><br />

eine historische Wende.«<br />

Tatsächlich ist <strong>Südtirol</strong> bei einer<br />

Vielzahl klimaeffizienter Projekte<br />

Vorreiter. Skilifte im Pustertal wurden<br />

direkt an Zugstationen angeschlossen,<br />

sodass die Skifahrer das<br />

Auto zu Hause lassen können. Der<br />

Strom in <strong>Südtirol</strong> wird zu 100 Prozent<br />

aus erneuerbaren Energien erzeugt.<br />

Senioren und Schüler des Landes fahren<br />

das ganze Jahr über umsonst in<br />

öffentlichen Verkehrsmitteln. Der<br />

Landeshauptmann sitzt frühmorgens<br />

auch oft im 170er oder 176er von Völs<br />

nach Bozen. »Ich habe mein iPad dabei,<br />

da kann ich im Bus wunderbar<br />

E-Mails schreiben.« Die Leute grüßen<br />

ihn kurz, »hoi, Arno!«, und lassen<br />

ihn in Ruhe. In Völs ist er unverändert<br />

der Arno. Andernorts im Land<br />

ist das nicht mehr so unkompliziert.<br />

Letztens wehrte sich der jüngste Sohn<br />

bei einem Spaziergang am Völser<br />

Weiher mit Tränen und Geschrei,<br />

weil Arno Kompatscher ihm kein Eis<br />

kaufte, »er hatte nämlich an dem Tag<br />

schon eins!«. Sofort eilten drei Spaziergänger<br />

herbei, um mit ihren Handys<br />

zu filmen, wie der Landeshauptmann<br />

diese Probe meisterte.<br />

In seiner eigenen Partei muss<br />

Arno Kompatscher so manchen ähnlich<br />

hysterischen Kampf aushalten.<br />

Die SVP wurde als Partei aller<br />

deutschsprachigen <strong>Südtirol</strong>er gegründet,<br />

um der Minderheit eine möglichst<br />

starke Stimme gegenüber Rom<br />

zu verleihen. Man stelle sich vor,<br />

Politiker von CDU, SPD, FDP und<br />

Grüne wären in einer Partei – dementsprechend<br />

ringen konträre Strömungen<br />

in der SVP um Einfluss. »Ich<br />

stehe da immer im Verdacht, für meine<br />

Partei etwas zu weit links zu stehen.«<br />

Mit seiner äußerst sachlichen,<br />

vernunftgesteuerten Art zu regieren,<br />

konnte Kompatscher verheerende<br />

Richtungsstreits bislang vermeiden.<br />

Dabei versteckt er seine Überzeugungen<br />

nicht, auch wenn sie manche vor<br />

den Kopf stoßen. Er war der erste<br />

Landeshauptmann, der daran erinnerte,<br />

dass <strong>Südtirol</strong>er bei der Judenverfolgung<br />

im Faschismus »nicht nur<br />

Opfer, sondern auch Täter« waren.<br />

»Geschichte ist nie vorbei, wir brauchen<br />

sie als Kompass unseres Lebens«,<br />

sagt er. So gibt es in Völs heute auch<br />

eine Anna-Jobstin-Straße. Arno Kompatscher<br />

benannte die Straße in seiner<br />

Zeit als Völser Bürgermeister<br />

nach einer Frau, die 1506 in Völs als<br />

Hexe verbrannt worden war. Es sollte<br />

ein Anstoß sein, darüber nachzudenken,<br />

ob wir heutzutage Menschen, die<br />

anders erscheinen, nicht oft noch immer<br />

zu Sündenböcken, zu modernen<br />

Hexen machen.<br />

Nach anderthalb Stunden mit<br />

Arno Kompatscher weiß ich recht gut,<br />

wer vor mir sitzt: ein Politiker, wie<br />

man ihn im restlichen Italien gerade<br />

ziemlich schmerzlich vermisst. n<br />

36 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 37


HÖCHSTL EISTUNG!<br />

Hüttenwirte sind die guten Seelen der Berge.<br />

Mühsam schaffen sie alles aus dem Tal hinauf und<br />

versorgen in der Höhe ihre Gäste. Ein 24-Stunden-<br />

Job. Warum es trotzdem einer der schönsten<br />

Posten der Welt ist, verraten die Wirte von vier<br />

der schönsten Schutzhütten <strong>Südtirol</strong>s<br />

TEXT MARLENE LOBIS FOTOS GREGOR LENGLER<br />

Im Schatten der Gipfel der Sextner Sonnenuhr<br />

gehen in der Büllelejochhütte die Lichter an.<br />

Einer der markantesten Berge: der 3094 Meter<br />

hohe »Zwölfer« gleich hinter der Zuflucht<br />

38 <strong>MERIAN</strong>


2528 METER: BÜLLELEJOCHHÜTTE<br />

Als Greti Rogger und ihr Mann die höchstgelegene Hütte der<br />

Sextner Dolomiten übernahmen, hatte sie nicht einmal Strom.<br />

Jetzt reichen sie den Staffelstab weiter – an Tochter Steffi<br />

HÜTTENINFOS<br />

Lage Unterhalb des<br />

Gipfels der Oberbachernspitze<br />

im Naturpark<br />

Drei Zinnen<br />

Bauzeit Als Schutzhaus<br />

errichtet in den<br />

siebziger Jahren<br />

Pächter Seit 1979 die<br />

Familie Rogger<br />

Öffnungszeiten Mitte<br />

Juni bis Ende September/<br />

Anfang Oktober<br />

Reservierungen Per Mail<br />

an info@buellelejoch.it<br />

oder telefonisch unter<br />

0039 337451517.<br />

Mehr Infos unter www.<br />

rifugiopiandicengia.it<br />

Greti und Steffi, eure Hütte ist ein echter<br />

Familienbetrieb. Wie teilt ihr die Arbeit auf?<br />

STEFFI: Meine Eltern, mein Freund Niki<br />

und ich sind den ganzen Sommer oben auf<br />

der Hütte. Meine Mutter und Niki kochen<br />

– Niki kam als Koch hierher und irgendwann<br />

haben wir uns verliebt, eine Hüttenliebe<br />

also! Ich arbeite im Service, beantworte<br />

zum Beispiel die Reservierungen.<br />

Mein Vater Hubert macht alles außen rum,<br />

kümmert sich um die Wege, repariert, was<br />

kaputt ist, macht im Tal Besorgungen.<br />

Jedes Mal, wenn er kommt, gibt es eine<br />

Überraschung. So wie heute: Er hatte mit<br />

dem Traktor einen Platten und hängt<br />

irgendwo auf dem Weg. Mein Bruder und<br />

er reparieren das gerade.<br />

GRETI: Die Belieferung der Hütte ist immer<br />

auch gefährlich, nicht nur anstrengend.<br />

Wenn es schauert, liegt am nächsten Tag<br />

Eis. Wenn es schneit, dann braucht es die<br />

Ketten. Der Weg ist teils ausgesetzt, da<br />

musst du voll konzentriert sein.<br />

Wie sah das Leben auf der Hütte aus, als ihr<br />

sie vor rund 40 Jahren gepachtet habt?<br />

GRETI: Anfangs war hier gar nichts: kein<br />

Strom, kein Herd, ganz wenig Wasser, und<br />

das war nicht eingefasst zum Wirtschaften.<br />

Es war eiskalt, und damals gab es noch<br />

kältere Sommer – wir hatten manche September<br />

mit minus 15 Grad. Das erste Jahr<br />

haben wir so dahingewurschtelt. Es gab<br />

noch keinen Weg, den haben wir angelegt<br />

und die Dinge nach und nach hergerichtet,<br />

um die Hütte zu bewirtschaften.<br />

STEFFI: Als Kinder waren mein Bruder<br />

und ich rund um die Hütte unterwegs –<br />

zwischen den Steinen lag unsere Märchenwelt.<br />

Wir hatten teilweise auch ein Kindermädchen.<br />

Es war nicht so viel los wie<br />

heute, also hatten unsere Eltern trotzdem<br />

Zeit für uns. Das war wunderschön.<br />

GRETI: Eine Hütte zu führen, war damals<br />

anders. Ich habe etwas gekocht und dann<br />

wurde ausgeschöpft. Man musste fast Alpinist<br />

sein, um so hoch zu kommen. Heute<br />

sind die Wege gut markiert, es gibt einen<br />

Wetterbericht. Aber nach wie vor ist eine<br />

Schutzhütte etwas anderes als eine Skihütte.<br />

Mir gefällt es immer noch, hier oben<br />

gehört mir die Welt. Hier ist man ein bisschen<br />

wie auf einer Insel.<br />

Eine Insel ohne Strom- und Wasserleitungen<br />

– und mit einem Plumpsklo …<br />

STEFFI: Die Wasserversorgung ist sicher<br />

unsere größte Herausforderung. Wir haben<br />

eine Quelle, aber mit sehr wenig Wasser.<br />

Das fließt in Tanks und wird in der<br />

Hütte gebraucht. Wenn dann Tagesgäste<br />

ihre Wasserflaschen auffüllen wollen und<br />

wir sagen, wir haben nur Wasserflaschen,<br />

die wir auch aus dem Tal heraufbringen<br />

müssen, zum Verkauf, können es viele<br />

nicht verstehen. Als Kanalisierung haben<br />

wir ein Dreikammernsystem: Beim normalen<br />

Klo im Bereich für die Hüttengäste<br />

wird alles direkt in dieses System gespült.<br />

Das mit dem Plumpsklo für die Tagesgäste<br />

ist meinem Vater peinlich, aber ich sage:<br />

Das ist eben die Realität. Den Kübel unter<br />

dem Plumpsklo müssen wir raustragen und<br />

ins System leeren. Hier funktionieren die<br />

Dinge eben anders. Wer bei Schönwetter<br />

herkommt, sieht das alles recht locker, aber<br />

kaum schlägt das Wetter um, ist es hier<br />

oben eine ganz andere Welt. Dann friert<br />

das Wasser ab, die Solarzellen gehen nicht<br />

mehr oder es schlägt der Blitz ein und wir<br />

haben keinen Strom mehr.<br />

GRETI: Ich sage immer: Die Grundvoraussetzung<br />

ist, dass man wirklich gerne hier<br />

oben lebt. Nur für das Geschäft kann man<br />

das nicht machen, denn jeder Hüttenwirt<br />

hat im Verhältnis zum Verdienst viel zu<br />

viele Arbeitsstunden. Aber obwohl jeder<br />

von uns seine Aufgaben zu erledigen hat,<br />

setzen wir uns um 10 Uhr vormittags alle<br />

an unseren Tisch in der Gaststube und<br />

trinken gemeinsam Kaffee. Das ist uns<br />

wichtig, das ist unser Ritual.<br />

Zwei Generationen, eine Heimat: Hubert, Steffi, Greti und Niki (v.l.n.r.) kümmern sich gemeinsam<br />

um die Hütte. Hubert bringt mit dem Traktor unter anderem die Lebensmittel<br />

hinauf, die dann auf der Terrasse verzehrt werden – wenn er unterwegs keinen Platten hat<br />

40 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 41


3026 METER: SCHWARZENSTEINHÜTTE<br />

Margit Ainhauser war Maurerin, bevor es sie auf den<br />

Berg zog. Ihr neuer Arbeitsplatz: Wirtin in der spektakulären<br />

Vorzeigehütte für modernes Bauen in den Alpen<br />

Der Name ist Programm: Mit ihrer schwarzen<br />

Fassade hängt die Schwarzensteinhütte wie ein<br />

eingeschlagener Meteorit im Hang – dabei<br />

wurde sie erst 2018 neu eröffnet. Sie halten hier oben<br />

den Laden in Schuss: Chefin Margit Ainhauser (rechts)<br />

und ihre Mitarbeiterin Kathrin (links)<br />

Margit, vom Baugewerbe auf die Hütte –<br />

was hat dich an diesem Wechsel gereizt?<br />

Ich bin gelernte Maschinenbautechnikerin<br />

und war 17 Jahre lang Maurerin. Einen<br />

Sommer habe ich aber auf der Müllerhütte<br />

geholfen. Das gefiel mir so gut, dass ich mir<br />

gedacht habe, ich übernehme gleich eine<br />

Schutzhütte. Die Schwarzensteinhütte ist<br />

genau die richtige, denn ich wollte immer<br />

eine hohe Hütte. Das ist eine Herausforderung,<br />

es gibt keine Materialseilbahn, und<br />

du musst schauen, wie du alles machst und<br />

organisierst, was du brauchst – vom Schraubenzieher<br />

bis hin zum Klebeband.<br />

Wie war die Reaktion, dass du als Frau die<br />

Hütte übernommen hast?<br />

Es ist sicher außergewöhnlich, dass eine<br />

Frau das macht, aber die Reaktionen waren<br />

sehr positiv. Es ist heute schwer, Hüttenwirte<br />

zu finden. Die Leute haben eine Familie,<br />

einen festen Job, und eine Hütte zu führen,<br />

ist viel Arbeit. Aber es gibt schon einzelne<br />

Hüttenwirtinnen, etwa auf der Parmerhütte<br />

gleich hier hinter dem Stallersattel.<br />

In deiner Belegschaft auf der Hütte herrscht<br />

Frauenpower.<br />

Auf die Ausschreibung für die Hüttenpacht<br />

gab es nur zwei Bewerber: Kathrin<br />

und mich. Als ich den Zuschlag bekam,<br />

bot Kathrin mir ihre Hilfe an. Mittler weile<br />

sind wir das fixe Team hier oben, das passt<br />

echt gut. Dann haben wir meist noch zwei,<br />

drei Leute, tatsächlich oft Frauen, die uns<br />

unterstützen.<br />

Was gefällt dir am besten an der Arbeit als<br />

Hüttenwirtin?<br />

Ich koche sehr gerne, und auch das Organisieren<br />

gefällt mir. Und dann musst du<br />

auch ein bisschen zu den Leuten hingehen,<br />

das mögen die Gäste. Ich gehe nach dem<br />

Abendessen immer raus in die Gaststube<br />

und mache eine Schnapsrunde, um ein<br />

bisschen mit den Leuten zu reden.<br />

Wie sieht dein Hüttenalltag davor aus?<br />

Morgens stehe ich um 6 Uhr auf, um das<br />

Frühstück vorzubereiten, dann bin ich die<br />

meiste Zeit in der Küche. Außerdem gibt<br />

es auch in und um die Hütte viel zu organisieren,<br />

etwa die Anlagen zu checken<br />

und die Anrufe für die Übernachtungen<br />

entgegenzunehmen. Intensiv sind die Tage<br />

vor dem Hubschraubertransport. Da muss<br />

ich die Bestellungen bei den Lieferanten<br />

machen, aufpassen, dass ich nichts vergesse<br />

und den Flughelfern Bescheid geben,<br />

was sie zu welcher Ladung packen sollen<br />

– eine Flugladung darf maximal 600 Kilo<br />

wiegen. Das muss ich gut einteilen, Flugminuten<br />

sind sehr teuer.<br />

Das klingt nicht gerade so, als hättest du<br />

Zeit, die umliegenden Berge zu erkunden.<br />

Die Mädels gehen am Nachmittag oft mit<br />

den Hunden hinauf auf den Schwarzenstein.<br />

Ich habe so gut wie nie Zeit, wohin<br />

zu gehen. Und wenn, dann würde ich als<br />

erstes hinauf zur Wassereinfassung laufen<br />

und schauen, ob alles passt. Das ist eben<br />

ein 24/7­Job, und als Chefin halte ich hier<br />

die Stellung.<br />

HÜTTENINFOS<br />

Lage Die Schwarzensteinhütte<br />

bei St. Johann<br />

im Ahrntal ist die<br />

höchste Hütte in den<br />

Zillertaler Alpen<br />

Bauzeit Die vorige Hütte<br />

an gleicher Stelle<br />

eröffnete bereits 1894,<br />

die neue 2018<br />

Pächter Seit 2019 führt<br />

Margit Ainhauser, 38,<br />

die Hütte<br />

Öffnungszeiten Ende<br />

Juni bis Mitte/Ende<br />

September – abhängig<br />

von der Witterung<br />

Reservierungen Per<br />

Telefon unter 0039<br />

3428038586. Weitere<br />

Infos auf www.schwarzensteinhuette.com<br />

42 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 43


2670 METER: OBERETTESHÜTTE<br />

Eine junge Hütte für eine junge Familie: Karin und Edwin<br />

Heinisch führen das Schutzhaus oberhalb von Matsch – und verbringen<br />

mit ihren drei Kindern den Sommer auf dem Berg<br />

HÜTTENINFOS<br />

Lage Im Vinschgauer<br />

Matscher Tal, das zu den<br />

Ötztaler Alpen gehört<br />

Bauzeit Fertiggestellt<br />

1982, davor stand an<br />

gleicher Stelle bis 1945<br />

die Karlsbader Hütte,<br />

dann 40 Jahre Ruinen<br />

Pächter Seit 2010:<br />

Karin und Edwin<br />

Heinisch, die im Sommer<br />

mit ihren drei Kindern<br />

auf der Hütte leben<br />

Öffnungszeiten Mitte<br />

Juni bis Anfang Oktober<br />

Reservierungen Per<br />

Telefon unter 0039<br />

3406119441 oder Mail<br />

an info@oberettes.it.<br />

Weitere Infos auf www.<br />

oberettes.it.<br />

Karin und Edwin, wie kam es, dass ihr<br />

Hütten wirte geworden seid?<br />

EDWIN: Eines Tages hat mich der Ortsstellenleiter<br />

des Alpenvereins <strong>Südtirol</strong> angerufen:<br />

Ein Einheimischer solle diese<br />

Hütte übernehmen, ob ich das machen<br />

würde. Die Wirte davor blieben immer nur<br />

zwei, drei Jahre. Also habe ich überlegt<br />

und mich dann als Hüttenpächter beworben.<br />

Der Sommer 2010 war unsere erste<br />

Saison hier oben.<br />

KARIN: Das war alles sehr spontan. Ich<br />

hatte die Hütte vor der Bewerbung gar<br />

nicht gesehen, und wir kannten uns erst ein<br />

halbes Jahr lang!<br />

EDWIN: Die Hütte ist jung, sie wurde 1982<br />

gebaut und ist gut in Schuss. Sie zu übernehmen,<br />

war für uns ein Sprung ins kalte<br />

Wasser. »No risk, no fun«, so haben wir<br />

das gesehen.<br />

Was war die größte Herausforderung?<br />

KARIN: Der Anfang war stressig. Wir hatten<br />

keinen Plan, keine Erfahrung in der<br />

Gastronomie. Wie viel Reis kochst du für<br />

50 Leute? Wir mussten erst ein gutes<br />

System finden. Lange habe ich selbst gekocht,<br />

mit der Unterstützung unserer beiden<br />

Mütter, und an den Wochenenden hat<br />

noch jemand geholfen. Seit ein paar Jahren<br />

haben wir einen Koch.<br />

Du hast am Anfang selbst gekocht – mit drei<br />

Kindern?<br />

KARIN: Ich frage mich manchmal selbst,<br />

wie wir das gemacht haben. Frieda, unsere<br />

Älteste, kam 2012 auf die Welt. Sie war<br />

fünf Monate alt, als wir sie das erste Mal<br />

mit auf die Hütte nahmen. 2013 folgte<br />

Leon hard und 2016 dann Jakob, allesamt<br />

Winter kinder. Die Omas haben uns immer<br />

stark unterstützt, denn am Wochenende ist<br />

viel los auf der Hütte, da hatte ich fast<br />

keine Zeit für die Kinder. Mittlerweile<br />

sind sie aber sehr selbstständig.<br />

Wie bringt ihr die Lebensmittel und alles<br />

Notwendige auf die Hütte?<br />

EDWIN: Ich fahre einmal die Woche ins<br />

Tal. Vorher bestelle ich bei unseren Bauern<br />

und Lieferanten, dann hole ich alles mit<br />

einem kleinen Anhänger ab. Die Talstation<br />

unserer Materialseilbahn liegt einige<br />

Hundert Höhenmeter unter der Hütte. Wir<br />

seilen das ganze Zeug mit der Bahn hoch,<br />

eine Fahrt dauert rund zehn Minuten. Bis<br />

alles oben ist, muss man oft zehn­ bis<br />

zwölfmal fahren.<br />

Gibt es auf der Hütte für euch als Familie<br />

einen Rückzugsort?<br />

KARIN: Nicht wirklich. Im oberen Stock ist<br />

ein Zimmer mit Stockbetten, dort schlafen<br />

die Kinder und die Oma. Unser Zimmer<br />

ist direkt neben der Gaststube, deshalb<br />

schlafe ich mittlerweile mit Ohrstöpseln.<br />

Im Hochsommer steht einer von uns um<br />

4 Uhr auf, um das Frühstück für die Wanderer<br />

zur Weißkugel zu machen, das ist<br />

eine beliebte Tour von hier aus.<br />

Und mögen eure Kinder das Hüttenleben?<br />

KARIN: Ja, sie freuen sich jedes Jahr wieder<br />

total heraufzukommen. Unsere Kinder<br />

spielen viel miteinander und erkunden hier<br />

die Gegend.<br />

EDWIN: Seit einem oder zwei Jahren spielen<br />

sie auch mit den Kindern der Gäste,<br />

denn es kommen viele Familien zum Übernachten<br />

auf die Hütte. Im Herbst zieht es<br />

sie dann aber schon ins Tal …<br />

… und in die Schule?<br />

KARIN: Die Schule geht für die Großen<br />

Mitte September los. Dann wechseln wir<br />

uns ab, einer ist hier oben, einer unten im<br />

Tal. Das ist kein Problem, ab Mitte September<br />

ist auf der Hütte nicht mehr so viel<br />

los, und wir schließen Anfang Oktober.<br />

Was gefällt euch am besten an der Arbeit<br />

als Hüttenwirte?<br />

KARIN: In den Bergen zu sein und selbst<br />

zu entscheiden, in welche Richtung man<br />

die Hütte entwickelt.<br />

EDWIN: Ja, du bist selbstständig in den<br />

Bergen und hast meist deine selige Ruhe.<br />

Schnelles Familienfoto in einer der wenigen Pausen: Während ihre drei Kinder<br />

die Berge erkunden, kümmern sich Karin und Edwin Heinisch auf der<br />

Hütte um alles, Bettenwechseln inklusive, damit es ihre Gäste nach dem Anstieg,<br />

der an einem Wasserfall vorbeiführt, schön gemütlich haben<br />

44 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 45


2545 METER: EDELRAUTHÜTTE<br />

Herzlich, bärtig, alles im Blick: So wie Michael<br />

»Much« Weissteiner stellt man sich einen Hüttenwirt vor! Seit fast<br />

50 Jahren führt seine Familie das Schutzhaus am Eisbruggjoch<br />

Nur einmal im Monat kommt der Hubschrauber<br />

aus dem Tal zum Eisbruggjoch und legt neben der Hütte<br />

ein großes Versorgungspaket ab. Für Notfälle gibt es<br />

die Bergrettung, aber die fliegt nicht nachts – weshalb<br />

Hüttenwirt Weissteiner schon mal einspringen muss<br />

Much, du hast so viele Sommer hier oben<br />

auf der Edelrauthütte verbracht. Was ist<br />

deine erste Erinnerung?<br />

Meine Eltern haben die Hütte anfangs gemeinsam<br />

mit einer befreundeten Familie<br />

geführt, wir waren damals hauptsächlich<br />

für den Transport zuständig. Damit verbunden<br />

ist auch meine erste Erinnerung: Als<br />

ich fünf oder sechs Jahre alt war, haben<br />

meine Brüder und ich mit dem Rucksack<br />

Dosen zur Eisbrücke getragen, denn früher<br />

gab es Getränke nur in Dosen. Jeder von<br />

uns vier Buben musste welche tragen, je<br />

nach Größe. Wir sind eben so oft gegangen,<br />

bis genug beisammen waren.<br />

War für dich von klein auf klar, dass du die<br />

Hütte weiterführen willst?<br />

Eigentlich nicht. Als meine Eltern um die<br />

sechzig waren, haben sie uns Kinder gefragt,<br />

ob einer die Hütte weiterpachten will,<br />

denn sonst hätten sie’s gelassen. Meine<br />

Brüder wollten nicht, also bin nur ich geblieben.<br />

Mittlerweile führe ich die Hütte<br />

seit 20 Jahren. Der Schnitt für meine Eltern<br />

war eigentlich die neue Hütte. Bis letztes<br />

Jahr kam mein Vater noch fix einmal pro<br />

Woche mit dem Grünzeug aus dem Garten.<br />

Jetzt sind sie beide über achtzig und kommen<br />

nur noch ab und zu auf Besuch rauf.<br />

Als Hüttenwirt muss man alles ein bisschen<br />

können, oder?<br />

Ja klar, es hilft dir ja niemand hier oben.<br />

Ein Hüttenwirt sollte möglichst viel können<br />

– oder zumindest musst du dir zu<br />

helfen wissen. Für die technischen Anlagen<br />

der neuen Hütte kommt ein Techniker,<br />

da kann ich nichts mehr selbst reparieren.<br />

Aber du musst wissen, wie die Turbine mit<br />

ihrer uralten Fassung funktioniert oder die<br />

Kläranlage mit Trockenbeet. Und du musst<br />

wissen: Was passiert bei minus 5 Grad hier<br />

oben? Das alles sind Dinge, die schon bei<br />

der alten Hütte wichtig waren und auch<br />

jetzt noch sind – denn auch wenn die<br />

Hüttenarchitektur modern ist, die Infrastruktur<br />

und der Aufwand dahinter sind<br />

immer noch dieselben.<br />

Wie würdest du dein Leben auf der Hütte<br />

beschreiben?<br />

Ich stehe um 5 Uhr auf und mache als Erstes<br />

den Apfelstrudel und die Kuchen. Ich<br />

habe dazu ein tolles Team mit Gastronomie­Profis,<br />

als Familie wäre das nicht mehr<br />

zu schaffen gewesen, denn seit der Neueröffnung<br />

hat sich die Anzahl der Gäste<br />

verdoppelt. Tagsüber hat jeder seine Aufgaben,<br />

aber morgens frühstücken wir alle<br />

gemeinsam, das ist uns wichtig. Im Grunde<br />

bist du als Hüttenwirt ein Manager. Der<br />

Hubschrauber kommt hier einmal im<br />

Monat mit Nachschub, da muss man gut<br />

planen. Aber auch Schuhe reparieren wir<br />

häufig, manchmal sind Verletzte zu verarzten.<br />

Schon oft mussten wir auch vom Weg<br />

abgekommene Wanderer suchen gehen<br />

und zur Hütte bringen. Es ist so: Bei diesem<br />

Job kommen so viele unterschiedliche<br />

Situationen daher, dass du ständig gezwungen<br />

bist, zu improvisieren.<br />

n<br />

HÜTTENINFOS<br />

Lage In den Zillertaler<br />

Alpen am Eisbruggjoch<br />

zwischen Pfunderer<br />

und Lappacher Tal –<br />

wird deswegen<br />

auch Eisbruggjochhütte<br />

genannt<br />

Bauzeit Die alte Hütte<br />

entstand von 1906<br />

bis 1908, der Neubau<br />

von 2015 bis 2016<br />

Pächter Michael<br />

Weissteiner, geboren<br />

1967, aus Niedervintl<br />

führt seit rund 20 Jahren<br />

die Hütte. Übernommen<br />

hat er sie von seinen<br />

Eltern, die ab 1974<br />

ihre Pächter waren<br />

Öffnungszeiten Mitte<br />

Juni bis Mitte Oktober<br />

Reservierungen Per<br />

Telefon unter 0039<br />

0474653230 oder Mail<br />

an info@edelrauthuette.it<br />

Weitere Infos auf<br />

www.edelrauthuette.it<br />

46 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 47


SERVICE WANDERN<br />

Auf einsamem Posten: Ein<br />

beliebter Klettersteig führt<br />

hinauf zur Santnerpasshütte<br />

am Rosengarten<br />

FÜR EINSTEIGER<br />

Delikatessen auf 3000 Metern<br />

Rund 90 Schutzhütten gibt es in <strong>Südtirol</strong>. Viele sind<br />

nicht nur tolle Wanderziele, sagt die bei Bozen lebende Autorin<br />

Marlene Lobis, sondern auch kulinarische Top-Adressen<br />

Lavarellahütte (2050 m)<br />

Vom Parkplatz am Berggasthaus<br />

»Pederü« geht es in etwa zwei Stunden<br />

– mäßig über den Schotterweg,<br />

den auch die Mountainbiker nutzen,<br />

steiler auf dem markierten Weg Nr. 7 –<br />

hinauf zur flachen Almmulde Klein-<br />

Fanes. Hier befindet die Lavarellahütte,<br />

die im Sommer als auch im Winter<br />

ihre Türen geöffnet hat. Daneben<br />

liegt der Grünsee und das »Parlament<br />

der Murmeltiere«, ein Amphitheater<br />

aus geschichtetem Dolomitgestein,<br />

Feinschmecker zieht es aber sicherlich<br />

zuerst auf die Hütte selbst. Das Essen<br />

ist fantastisch, die Hüttenwirte sind<br />

ausgebildete Wein- und Biersommeliers<br />

und seit 2019 braut Familie<br />

Frenner im Keller sogar selbst Bier –<br />

damit ist die Lavarellahütte die höchstgelegene<br />

Kleinbrauerei Europas!<br />

Dauer Hüttenzustieg Ab Parkplatz Pederü<br />

etwa 2 Stunden<br />

Übernachtung im Zimmer oder Schlaflager<br />

Geöffnet Sommer: Juli bis Oktober; Winter:<br />

Ende Dezember bis Mitte April<br />

Info www.lavarella.it<br />

Sesvennahütte (2256 m)<br />

Die Hütte liegt wunderschön auf einer<br />

Almwiese über dem Schlinigtal an der<br />

Grenze zwischen <strong>Südtirol</strong> und Graubünden.<br />

Die familienfreundliche Wanderung<br />

hinauf führt vom Parkplatz in<br />

Schlinig in der Gemeinde Mals auf<br />

dem Weg Nr. 1 vorbei an der Schliniger<br />

und Inneren Alm. Ab der Talstation<br />

der Materialseilbahn der Sesvenna -<br />

hütte wird der Pfad steiler, es geht neben<br />

einem Wasserfall nach oben, bis<br />

man die flachen Almwiesen, die Alte<br />

Pforzheimer Hütte und schließlich die<br />

daneben liegende Sesvennahütte erreicht.<br />

Hier oben wird mit regionalen<br />

Zutaten gekocht, die Kinder können<br />

nach dem Essen auf dem Spielplatz<br />

herumtollen. Von der Hütte aus lohnt<br />

sich auch ein Ausflug zur spektakulären<br />

Uinaschlucht, die etwa 1,5 Stunden<br />

entfernt liegt und sich bereits auf<br />

Enga diner Seite befindet. Sie war einst<br />

eine beliebte Schmugglerroute, darüber<br />

erfährt man einiges im Museum<br />

der Pforzheimer Hütte.<br />

Dauer Hüttenzustieg Ab Parkplatz Schlinig<br />

1,5 bis 2 Stunden<br />

Übernachtung im Mehrbettzimmer oder Lager<br />

Geöffnet Sommer: Mitte Juni bis Ende Oktober;<br />

Winter: Mitte Februar bis Anfang Mai<br />

Info www.sesvenna.com<br />

Bonnerhütte (2340 m)<br />

Der Ausblick von der Hüttenterrasse<br />

auf die gegenüberliegenden Sextner<br />

und Pragser Dolomiten ist einfach<br />

herrlich. Außerdem gibt es leckere<br />

Schmankerl in Bioqualität: Die Wirte<br />

verwenden ausschließlich Produkte<br />

von <strong>Südtirol</strong>er Bauern. Hinauf zur<br />

Hütte geht es vom Silvesterkirchlein<br />

im Weiler Kandellen in Toblach entlang<br />

der Wegmarkierung 25. Anfangs<br />

läuft man über eine asphaltierte Straße,<br />

dann auf einem Forstweg in Serpentinen<br />

bis zur Waldgrenze, zuletzt<br />

über Almwiesen bis zur Bonnerhütte.<br />

Die liegt am Fuß des Toblacher<br />

Pfannhorns, weshalb sie auch Pfannhornhütte<br />

genannt wird. Die mittelschwere<br />

Tour von der Hütte auf den<br />

Berggipfel dauert circa eine Stunde.<br />

Dauer Hüttenzustieg Ab Kandellen<br />

1,5 bis 2 Stunden<br />

Übernachtung im Zimmer oder Bettenlager<br />

Geöffnet Sommer: Mitte Mai bis<br />

Mitte Oktober; Winter: Weihnachten<br />

bis Ende Februar<br />

Info www.bonnerhuette.it<br />

FÜR ERFAHRENE<br />

Santnerpasshütte (2734 m)<br />

Wer zu dieser Hütte will, sollte Klettererfahrung<br />

haben und die entsprechende<br />

Ausrüstung mitbringen! Erst<br />

einmal geht es aber ganz gemächlich<br />

vom Gasthof »Frommer Alm« am<br />

Nigerpass im Skigebiet Carezza mit<br />

der König-Laurin-Kabinenbahn zur<br />

Kölner Hütte. Von dort folgt man zunächst<br />

dem kurzen Weg Nr. 550 hinauf<br />

zu einer Geröllterrasse, dann der Markierung<br />

Nr. 542 zum Einstieg in den<br />

Santnerpass-Klettersteig. Der ist etwa<br />

300 Meter lang und mäßig schwierig<br />

mit kurzen Kletterstellen des Schwierigkeitsgrads<br />

I. und II. Da der Klettersteig<br />

aber ein Dolomiten-Klassiker ist,<br />

am besten früh starten! Am Ausstieg<br />

des Steigs und unterhalb der Rosengartenspitze<br />

liegt die winzige Santnerpasshütte.<br />

Viele Jahre war sie nicht<br />

bewirtschaftet, seit Sommer 2019 ist<br />

sie wieder geöffnet und wird von einem<br />

jungen Paar geführt: Dem aus<br />

Seis stammenden Michael Perathoner<br />

und seiner Freundin Romina, die aus<br />

Mailand kommt und eigentlich Mode-<br />

design studiert hat. Kletterbegeisterte<br />

finden in der Umgebung zahlreiche<br />

weitere Klettersteige. Die Hütte selbst<br />

liegt direkt beim »Gartl« des Zwergenkönigs<br />

Laurin. Also: ankommen, Legende<br />

lesen und dann das sagenhafte<br />

Abendrot genießen!<br />

Dauer Hüttenzustieg Ab Kölner Hütte<br />

2:20 Stunden<br />

Übernachtung Die Hütte verfügt nur<br />

über 12 Schlafplätze (2 Sechserzimmer),<br />

also unbedingt anmelden!<br />

Geöffnet Mitte Juni bis Mitte Oktober<br />

Info www.santnerpass.com<br />

Über die Vordere Rotspitze zur<br />

Marteller Hütte (2610 m)<br />

Der Aufstieg ist etwas länger, dafür<br />

aber abwechslungsreich: Vom Parkplatz<br />

Hintermartell am Talschluss des<br />

urigen Höhentals Martell geht es zunächst<br />

auf einer Brücke über die Plimaschlucht.<br />

Vorbei am ehemals berühmten<br />

»Hotel Paradies« folgt man<br />

den Schildern in Richtung »Vordere<br />

Rotspitz« – erst Weg Nr. 37, dann Nr.<br />

31. Der Weg verläuft zunächst durch<br />

den Wald, dann in Serpentinen über<br />

Ge röllfelder und zum Schluss durch<br />

eine steile Rinne, wo Trittsicherheit<br />

gefragt ist, zum Gipfelkreuz. Die<br />

Mühe lohnt sich: Der Blick von der<br />

3030 Meter hohen Vorderen Rotspitze<br />

inmitten der Ortlergruppe mit<br />

ihren zahl reichen Dreitausendern ist<br />

gewaltig.<br />

Um anschließend zur Marteller Hütte<br />

zu gelangen, bei der ersten Weggabelung<br />

dem Weg Nr. 37A durch eine<br />

herrliche, von Gletschern geformte<br />

Landschaft folgen. Nach ca. 1,5 Stunden<br />

ist die gemütliche Schutzhütte<br />

endlich erreicht. Der Abstieg von dort<br />

erfolgt über die Zufallhütte und ist<br />

etwas kürzer – er dauert nur 2,5 Stunden.<br />

Sehenswert im letzten Wegabschnitt:<br />

der erst vor einigen Jahren<br />

angelegte »Plima-Schluchtenweg«.<br />

Dauer Hüttenzustieg ca. 5 bis 6 Stunden<br />

Übernachtung im Zimmer oder Bettenlager<br />

Geöffnet Sommer: Mitte Juni bis Oktober;<br />

Winter: Ende Februar bis Mitte Mai<br />

Info www.martellerhuette.com<br />

Höchsterhütte (2560 m)<br />

Ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler.<br />

Anfangs weist der Weg, den man vom<br />

Stausee Weißbrunn im Ultental erreicht,<br />

indem man dem Schild Nr. 140<br />

folgt, nur eine leichte Steigung auf – im<br />

letzten Abschnitt geht es teilweise<br />

dann steiler zur Höchster Hütte. Deren<br />

Vorgänger wurde 1909 errichtet,<br />

als aber 1957 der Stausee, der heutige<br />

Grünsee, errichtet wurde, baute man<br />

eine neue Hütte am jetzigen Standort.<br />

Wer in die Speisekarte schaut, merkt<br />

gleich, dass Hüttenwirt Dominikus<br />

Bertagnolli und sein Team viel Wert<br />

auf eine gesunde Küche legen und<br />

alles Mögliche zaubern: zum Beispiel<br />

vollwertige Dinkelgerichte, je nach<br />

Saison passendes Pesto, hausgemachten<br />

Strudel und sogar Pizzocheri, eine<br />

Spezialität aus dem nahegelegenen<br />

Veltlin. Für einen schönen Rundweg<br />

empfiehlt sich der Abstieg über den<br />

Langsee (Weg Nr. 12) und die Weißbrunnalm<br />

(Nr. 107).<br />

Dauer Hüttenzustieg 1,5 bis 2 Stunden<br />

Übernachtung im Zimmer oder<br />

Matratzenlager<br />

Geöffnet Anfang Juni bis Mitte Oktober<br />

Info www.rifugiocanziani.it<br />

FÜR ABENTEURER<br />

Becherhaus (3195 m)<br />

Das höchstgelegene Schutzhaus <strong>Südtirol</strong>s<br />

ist für die Einheimischen ein<br />

Klassiker unter den Wanderzielen –<br />

auch wenn oder gerade weil die Tour<br />

Bergsteigern einiges abverlangt. Vom<br />

Parkplatz am Bergwerksmuseum in<br />

Maiern im Ridnauntal führt der Weg<br />

Nr. 9 über die Grohmannhütte und die<br />

Teplitzer Hütte nach oben. Der Weg<br />

ist nur im letzten Abschnitt etwas ausgesetzter,<br />

ansonsten technisch nicht<br />

schwierig, doch die 13 Kilometer lange<br />

48 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 49


SERVICE WANDERN<br />

Strecke und die fast 1800 Höhenmeter,<br />

die man überwinden muss, gehen<br />

ordentlich in die Knie. Umso größer<br />

ist die Freude, wenn man schließlich<br />

die weithin sichtbare Hütte am Gipfel<br />

des Bechers erreicht, sich auf der<br />

Terrasse zurücklehnt und ein wohlverdientes<br />

Bier sowie den Ausblick<br />

auf den Übeltalferner genießt. Das<br />

Becher haus wurde vor rund 125 Jahren<br />

als recht kühnes Projekt erbaut,<br />

zu Ehren von Kaiserin Elisabeth,<br />

weshalb es heute noch mancher<br />

»Kaiserin-Elisabeth-Haus« nennt. Im<br />

Sommer 2021 gibt es einige Veränderungen<br />

auf der Hütte: Nach 20 Jahren<br />

als Hüttenwirt übergibt Erich Pichler<br />

die Führung des Schutzhauses an<br />

Lukas Lantschner, bisher Wirt der<br />

nahe gelegenen Müllerhütte. In der<br />

Winterpause wurde die Hütte außerdem<br />

renoviert. Wer trotz der fast<br />

100 Schlafplätze keinen Platz mehr<br />

ergattert, steigt zur Teplitzer Hütte ab<br />

– was allerdings drei Stunden dauert.<br />

Dauer Hüttenzustieg 6 bis 7 Stunden<br />

Übernachtung im Zimmer oder Matratzenlager<br />

Geöffnet Ende Juni/Anfang Juli bis September<br />

Info www.becherhaus.com<br />

Zwickauer Hütte (2989 m)<br />

Auf die Schutzhütte am Gurglkamm<br />

in den Ötztaler Alpen kommen die<br />

Bergsteiger nicht nur wegen der tollen<br />

Aussicht. »Der Wirt ist das Ziel« stand<br />

auf den Etiketten des Hüttenweins,<br />

der im vorigen Sommer zum 10-jährigen<br />

Hüttenwirts-Jubiläum von Heinz<br />

Leitner ausgeschenkt wurde. Heinz<br />

gilt als Unikat und spielt des Öfteren<br />

ein Ständchen mit seiner Gitarre, etwa<br />

den »Zwickauer Blues« – die Einheimischen<br />

nennen das schlichtweg die<br />

»Heinzigartigkeit« der Hütte. Hinauf<br />

geht’s von Pfelders im Passeiertal über<br />

den Weg Nr. 6A durch das malerische<br />

Pfelderertal. Erst läuft man auf Almwiesen,<br />

teils Geröllfeldern bis zur<br />

Jausenstation Schneidalm, dann zum<br />

Geländevorsprung Obere Schneide<br />

und von dort recht steil den Bergrücken<br />

hinauf zur Zwickauer Hütte.<br />

Dauer Hüttenzustieg etwa 4 Stunden<br />

Übernachtung im Matratzenlager oder<br />

Bettenzimmer<br />

Geöffnet Anfang Juli bis Ende September<br />

Info www.zwickauer.13h.de<br />

FÜR AUSDAUERNDE<br />

Sarntaler Hufeisentour<br />

Wildromantische Natur und sogar in<br />

der Hochsaison wenig begangene Pfade:<br />

Der abwechslungsreiche Höhenweg<br />

führt, wie der Name schon verrät,<br />

hufeisenförmig durch die Sarntaler<br />

Alpen nördlich von Bozen. In sieben<br />

Tagesetappen mit je fünf bis sechs<br />

Stunden Wanderzeit geht es teils über<br />

steiniges Gelände, teils über Almwiesen<br />

und durch Latschenfelder. Die<br />

Tour wird üblicherweise gegen den<br />

Uhrzeigersinn gegangen und weist<br />

verschiedene Schwierigkeitsgrade auf,<br />

der Zustieg ist an mehreren Orten<br />

möglich. Neben der Ruhe und Einsamkeit<br />

haben Wanderer immer wieder<br />

eine gewaltige Aussicht, die zum<br />

Beispiel in das Ortlergebiet und in<br />

die Brentagruppe sowie zu den Zillertaler,<br />

Stubaier und Ötztaler Alpen<br />

reicht. Wem die gesamte Tour zu lang<br />

ist, dem sei die erste Etappe auf das<br />

leicht zu erreichende Rittner Horn<br />

ans Herz gelegt – der Gipfel selbst<br />

ist unspektakulär, bietet aber einen<br />

360-Grad-Blick in die <strong>Südtirol</strong>er<br />

Bergwelt und darüber hinaus. Ein<br />

echtes Erlebnis entlang der Route ist<br />

auch der Sonnenauf- bzw. -untergang<br />

bei den sagenumwobenen »Stoanernen<br />

Mandl« in Sarntal, dem Endpunkt<br />

der Tour.<br />

Info www.sarntal.com<br />

Ortler Höhenweg<br />

Um den mit 3905 Metern höchsten<br />

Berg <strong>Südtirol</strong>s, den sogenannten<br />

»König Ortler«, führt ein neuer Rundwanderweg.<br />

Die im Herbst 2018 eröffnete<br />

Route um die Ortlergruppe gilt<br />

als einer der anspruchsvollsten Höhenwege<br />

im Alpenraum. Das ist etwas für<br />

echte Bergfexe: Hier sind Erfahrung,<br />

Kondition und teilweise sogar Gletscherausrüstung<br />

gefragt. Insgesamt<br />

geht es rund 8000 Höhenmeter hinauf<br />

und wieder hinab, so mancher Abschnitt<br />

des hochalpinen Weges liegt<br />

auf über 3000 Meter Höhe. Die Begleitung<br />

durch Bergführer wird empfohlen<br />

(z.B. die der Alpinschule Ortler<br />

oder von Feel The Mountains). Der<br />

rund 120 Kilometer lange Höhenweg<br />

führt vom Stilfser Joch im Vinschgau<br />

in das lombardische Veltlin und wieder<br />

zurück durch den Nationalpark Stilfserjoch.<br />

Die Panoramen entlang des<br />

Weges sind schlicht beeindruckend.<br />

Info www.vinschgau.net, www.alpinschuleortler.com,<br />

www.feel-the-mountains.com<br />

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Gemütlich eingebettet in einen<br />

Hang der Südlichen Ortlergruppe<br />

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Und täglich gräbt<br />

das Murmeltier<br />

Mit etwas Glück kann man die Nager in den Bergen beim<br />

Spielen, Raufen oder bei der gegenseitigen Fellpflege beobachten.<br />

Putzig, oder? Findet hier weiß Gott nicht jeder!<br />

TEXT SILVIA TYBURSKI ILLUSTRATION MARINA FRIEDRICH<br />

Da hat sich mal wieder der Stärkere durchgesetzt:<br />

Es ist der Adler, den die <strong>Südtirol</strong>er<br />

auf ihr Wappen setzten. Aber fragen Sie<br />

mal die Besucher, wonach sie in Wahrheit<br />

Ausschau halten, wenn sie rund um den Langkofel<br />

wandern oder sich aufmachen, den Schlern zu erklimmen.<br />

Genau: Murmeltiere, die einfach zum Knuddeln<br />

sind. Am liebsten möchte man eines in den Rucksack<br />

stecken und mit nach Hause nehmen. Sie sind die<br />

Wappentiere der Herzen.<br />

Und es ist nicht nur wahrscheinlich, sondern sogar<br />

»ziemlich sicher, dass man eines entdeckt, wenn man<br />

ein bisserl aufmerksam ist«, sagt der Umweltpädagoge<br />

Arnold Rinner, 60, der Besucher durch das Passeiertal<br />

führt und ihnen viel über wilde Tiere erzählt. Nur die<br />

Mittagszeit sei ungünstig für eine Wanderung auf den<br />

Spuren der Nager, die zur Familie der Hörnchen gehören.<br />

Dann halten sie wegen der Hitze Siesta. Denn<br />

Murmeltiere können weder schwitzen noch hecheln und<br />

sind auch deshalb erst ab etwa 1600 Meter Höhe<br />

anzutreffen. Wer vorsichtig sei, komme mit<br />

der Kamera schon mal auf 100 bis 50 Meter<br />

an sie heran, sagt Rinner. Meist warnt dann<br />

der »Wächter« der Sippe seine Artgenossen<br />

mit einem hohen Pfiff, der wie der<br />

eines Raubvogels klingt. Dann sind<br />

sie schneller verschwunden, als Sie<br />

»Murmeltier« sagen können. Mit etwas<br />

Abstand gelingt vielleicht ein<br />

Familienfoto: Rund um das Jakobifest<br />

am 25. Juli kommen zum ersten Mal<br />

auch die Jungen aus dem Bau, erzählt<br />

Rinner. In der Jägersprache heißen<br />

die Kleinen »Affen«, die Weibchen<br />

»Katze«, die Männchen »Bär«.<br />

Jäger? Ja, manche Bauern in <strong>Südtirol</strong><br />

sind nicht gut auf Murmeltiere<br />

zu sprechen. Denn eine Almwiese<br />

voller Löcher kann zur Gefahr für<br />

ihre Kühe werden, die die nahrhaften<br />

Kräuter ebenso mögen wie ihre pelzigen<br />

Untermieter, die sich ansonsten auch mal ein<br />

Schneehuhn­Ei schmecken lassen. Murmeltiere graben<br />

mit ihren schaufelartigen Pfoten nämlich nicht nur den<br />

Mutterbau, ein etwa acht Meter langes System aus Gängen<br />

und der ausgepolsterten Schlafhöhle, in der sie in<br />

Gruppen von 15 bis 20 Tieren zwischen Oktober und<br />

April überwintern – ihr Herz schlägt dann nur noch vierbis<br />

sechsmal in der Minute, ihre Körpertemperatur<br />

sinkt auf ein bis zwei Grad. Vor allem auf den Almen,<br />

wo sie Klee, Löwenzahn und Bocksdorn finden, buddeln<br />

sie auch möglichst viele rettende Schlupflöcher,<br />

falls einmal ein Adler oder ein Fuchs auftaucht. Deshalb<br />

liegen in ihrem Revier noch diverse Fluchtbaue,<br />

die nur ein bis zwei Meter lang, dafür aber umso zahlreicher<br />

sind. Ihre Tunnel können sogar ganze Hänge<br />

ins Rutschen bringen. Derzeit gilt in <strong>Südtirol</strong> deswegen<br />

eine Regelung, dass im September bis zu 2,5 Prozent<br />

der Murmel, wie sie hier sagen, geschossen werden dürfen.<br />

Darüber freut sich mancher Almwirt, der sie zum<br />

Beispiel mit Kräutern, Speck und Risotto<br />

zubereitet. »Schmeckt ziemlich erdig«, sagt<br />

Arnold Rinner. »Man merkt schon, dass<br />

sie 200 Tage im Jahr unter Tage leben.«<br />

Aber bevor Sie jetzt neugierig werden<br />

und Ihre Bestellung aufgeben, möchten<br />

wir Sie warnen: vor dem Zorn einer<br />

wehrhaften Kriegerin, von der man sich<br />

in <strong>Südtirol</strong> bis heute erzählt. Prinzessin<br />

Dolasilla stammte der Legende nach<br />

von den Murmeltieren ab und zog<br />

mit Pfeil und Bogen in den Kampf<br />

für das Gute. Eine flache Felsformation<br />

im Fanestal, die wie<br />

ein Amphitheater aussieht und<br />

»Parlament der Murmeltiere«<br />

heißt, erinnert an ihre Ge schichte.<br />

Hier sollen übrigens lange vor<br />

dem Menschen die Murmeltiere<br />

über die Welt geherrscht haben –<br />

die gerechten und einzig wahren<br />

Könige der Berge.<br />

n<br />

52 <strong>MERIAN</strong>


<strong>MERIAN</strong> CITY-TRIP<br />

48 STUNDEN IN<br />

Meran<br />

Lange lebte Designer Harry Thaler in London, dann kehrte er<br />

in seine Heimatstadt Meran zurück. Die zeigt einen ausgeprägten<br />

Sinn für das Schöne – auch dank seiner eigenen Entwürfe<br />

M<br />

eran ist charmant, gegensätzlich,<br />

verkopft, grün, weltoffen<br />

und dann wieder verschlossen.<br />

Aber vor allem schätze ich an der<br />

Stadt ihre fantastische Lebensqualität,<br />

die stark von der alpinen und mediterranen<br />

Kultur geprägt ist. Elf Jahre habe ich<br />

in London gelebt und gearbeitet, bin<br />

aber immer wieder auch nach Meran<br />

gependelt. Seit über fünf Jahren lebe ich<br />

mit meiner Frau und unseren zwei Söhnen<br />

nun in einem Dorf bei der Stadt.<br />

Zum Arbeiten habe ich in der Industriezone<br />

von Lana unterhalb von Meran ein<br />

stillgelegtes Silo gemietet und es in<br />

Eigen regie umgebaut. Für meine Arbeit<br />

bin ich viel unterwegs, aber auch in und<br />

um Meran finde ich Inspiration.<br />

Vielleicht nimmt sich die Stadt manchmal<br />

zu wichtig, aber schön ausschauen,<br />

das kann sie gut. Meran ist mit Sicherheit<br />

eine sehr designaffine Stadt. Wenn man<br />

durch die Straßen spaziert, findet man<br />

vielfältige Designs aus den unterschiedlichsten<br />

Epochen, etwa tolle Objekte<br />

in Hotels und Pensionen wie der »Villa<br />

Fluggi«, Live Merano Camping oder im<br />

Ottmanngut – die Empfangstheke und<br />

Teile der Zimmer dort habe ich entworfen.<br />

Gern trinke ich mit dem Gastgeber<br />

Martin einen Kaffee und genieße den<br />

wunderschönen Garten.<br />

Auch beim Betrachten der Bergketten<br />

ringsum Meran finde ich Inspiration. Ich<br />

mag an der Stadt, dass die Natur direkt<br />

vor der Haustür liegt. Ein schöner Ausflug<br />

mit einer tollen Aussicht – und ein<br />

exzellenter Start, um die Region gebührend<br />

kennenzulernen – ist die Fahrt<br />

mit dem Korblift Vellau vom Stadtrand<br />

hinauf zur Leiter Alm. Wer weiß, wie<br />

lange es diesen Nostalgie-Lift noch gibt.<br />

Ich finde ihn jedenfalls genial!<br />

In Meran liebe ich außerdem das<br />

Essen – es gibt hier wirklich viele gute<br />

Restaurants. Nach einem ausgedehnten<br />

Spaziergang durch die Innenstadt empfehle<br />

ich einen Teller hausgemachte Pasta<br />

der Trattoria Flora in den Lauben, wie<br />

die zweigeteilte Laubengasse auch genannt<br />

wird. In den geschichtsträchtigen<br />

Mauern war ab 1400 Merans Gerichtssitz<br />

zu Hause, dann in den fünfziger Jahren<br />

ein Bordell, gefolgt vom ersten Sterne-<br />

Harry Thaler, geboren<br />

1975 in Meran, ist Produktund<br />

Interior Designer<br />

und Träger zahlreicher<br />

Preise, unter anderem des<br />

European Product<br />

Design Award. Bekannt<br />

ist er dafür, traditionelle<br />

Handwerkskunst mit<br />

innovativen Formen zu<br />

verbinden. Der Alumnus<br />

des Londoner Royal<br />

College of Art kooperiert<br />

mit vielen internationalen<br />

Unternehmen, zum Beispiel<br />

mit Pulpo oder Davide<br />

Groppi. Mehr Infos auf<br />

www.harrythaler.it<br />

1| Der Turm von St. Nikolaus ragt 80 Meter aus<br />

der Altstadt empor – aber beim Blick vom Pulverturm<br />

liegt auch er einem zu Füßen 2| Im Garten Palmen,<br />

drinnen Thalers Design: das Ottmanngut 3| Perfekt für<br />

eine Pause: der Kiosk PulverSturm von Barbara Marchi<br />

3<br />

2<br />

1<br />

54 <strong>MERIAN</strong>


Wenn im Zentrum viel<br />

los ist, laufe ich die<br />

Winterpromenade entlang<br />

SISIS REICH<br />

Restaurant der Stadt und seit 2018 diese<br />

Trattoria. Genau so etwas hat in Meran<br />

noch gefehlt, finde ich. Durch die Stadt<br />

fahre ich übrigens auch gerne mit meinem<br />

E-Bike, dem »Pressed Bike«. Dessen<br />

Design habe ich für das Bozner Unternehmen<br />

LEAOS entwickelt. Vorbild<br />

dafür war mein Stuhl »Pressed Chair«,<br />

meine Abschlussarbeit am Royal College<br />

of Art, der bei Möbeldesigner Nils Holger<br />

Moormann in Produktion ist.<br />

Nach dem Essen in der Trattoria sollte<br />

man bei Kunst Meran vorbeischauen. In<br />

diesem Ausstellungsraum, der ebenfalls<br />

in den Lauben und nur 100 Meter entfernt<br />

liegt, gibt es hervorragende Kunstund<br />

Designausstellungen. Eine sehr gute<br />

Anlaufstelle für Design-Fans ist auch<br />

der Monocle Shop, der von Linda Egger<br />

mit großem Engagement geführt wird.<br />

Tyler Brûlé, Chefredakteur des Life stylemagazins<br />

Monocle, liebt <strong>Südtirol</strong> und hat<br />

in Meran vor ein paar Jahren diesen<br />

Laden eröffnet.<br />

Der ist aber lange nicht die einzige<br />

gute Adresse: Design aus <strong>Südtirol</strong> gibt<br />

es nämlich auch in den Pur-<strong>Südtirol</strong>-<br />

Shops – neben ausschließlich regionalen<br />

Lebensmitteln und leckeren, kleinen<br />

Gerichten. Als ich 2010 gefragt wurde,<br />

ob ich beim Einrichten der Läden helfe,<br />

brachte ich gleich die Idee der »Pur<br />

Manufactur« ein und kuratiere seitdem<br />

die Linie: Gemeinsam mit <strong>Südtirol</strong>er<br />

Designern und Handwerkern entstehen<br />

dafür jedes Jahr ein paar neue Produkte<br />

rund um das Thema Kulinarik. In der<br />

Freiheitsstraße in der Innenstadt eröffnete<br />

das erste Pur <strong>Südtirol</strong> – mein Studio<br />

in Lana liegt gleich neben deren Headquarter<br />

und einer weiteren Filiale. Dort<br />

gehe ich gern hin, wenn ich zwischendurch<br />

eine Pause brauche.<br />

Die Ruhe, das Unaufgeregte – ich bin<br />

jemand, der das genießt. Im Zentrum<br />

von Meran ist manchmal viel los, wenn<br />

man aber entlang der Passer, wie der<br />

Fluss der Stadt heißt, in Richtung Wandelhalle<br />

läuft, wird es beschaulicher. Nur<br />

am letzten Samstag im Monat findet dort<br />

ein Flohmarkt statt und es ist proppenvoll.<br />

Ich sitze dann am liebsten im Café<br />

Wandelhalle, trinke einen Kaffee und<br />

schaue den Leuten beim Stöbern zu. An<br />

allen anderen Tagen ist es in diesem Café<br />

angenehm ruhiger als in den restlichen<br />

Cafés entlang der Passerpromenade. Wer<br />

hier gute Cocktails schlürfen möchte, ist<br />

am anderen Ende der Promenade in<br />

Gigis Bar genau richtig.<br />

Ein schöner Ort noch etwas weiter ist<br />

die Brücke Steinerner Steg – von hier<br />

geht es auch weiter zur wilden Gilfschlucht<br />

und zum Tappeinerweg. Aber<br />

erst einmal angehalten: An der Brücke<br />

selbst findet man die handgeschriebene<br />

Tageskarte des Restaurants Meteo. Die<br />

jungen Besitzer machen eine Art italienische<br />

Fusionsküche und coole Events.<br />

In das etwas versteckte Restaurant kommen<br />

abends vor allem Einheimische –<br />

und im Sommer, wenn es in Meran richtig<br />

heiß werden kann, dann ist es an den<br />

Tischen am Fluss besonders angenehm.<br />

Und am Wochenende? Vom Pulverturm<br />

am Tappeinerweg aus hat man einen<br />

großartigen Blick auf die Stadt, deshalb<br />

ist hier tagsüber viel los. Mit meinen<br />

Freunden treffe ich mich gerne am<br />

Kiosk PulverSturm gleich daneben zum<br />

Aperitif. Ich mag das entspannte Ambiente,<br />

außerdem serviert Barbara leckere<br />

Burger aus regionalen Zutaten –<br />

manchmal sogar bei einem Barbecue im<br />

winzigen Garten hinter dem Kiosk.<br />

Protokoll: Marlene Lobis n<br />

Zweimal kam Kaiserin<br />

Elisabeth zur Kur ins Meraner<br />

Schloss Trauttmansdorff und<br />

genoss dessen Gärten. Die sind<br />

noch immer majestätisch schön<br />

und einen Besuch wert: Auf<br />

rund zwölf Hektar und über<br />

einen Höhenunterschied von<br />

100 Metern verteilen sich zig<br />

eigene Landschaften. Besonders<br />

bunt wird’s im Frühling,<br />

wenn mehr als 200 000 Tulpen<br />

blühen. Ein Argument, um den<br />

Nachwuchs herzulocken: Auch<br />

Kaninchen, Zwergziegen und<br />

sogar Schlangen leben hier.<br />

St.-Valentin-Str. 51 A<br />

www.trauttmansdorff.it<br />

ADRESSEN<br />

Ottmanngut Verdistr. 18<br />

www.ottmanngut.it<br />

Korblift Vellau<br />

Algund, Vellau 33 (Betrieb:<br />

März/April bis November)<br />

Trattoria Flora Lauben 75<br />

www.trattoriaflora.it<br />

Kunst Meran Lauben 163<br />

www.kunstmeranoarte.org<br />

Monocle Shop Dantestr. 25<br />

www.monocle.com/shop<br />

Pur <strong>Südtirol</strong> Freiheitsstr. 35<br />

www.pursuedtirol.com<br />

Café Wandelhalle<br />

Winterpromenade 25<br />

Gigis Bar<br />

Passerpromenade 68<br />

www.gigis.bar<br />

Restaurant Meteo<br />

Winterpromenade 51<br />

www.cometometeobaby.it<br />

Kiosk PulverSturm<br />

Tappeinerweg 3<br />

1| Im »Café Wandelhalle« sorgen Nicoletta Polonio (li.)<br />

und Notburga Putzer für angenehme Ruhe im Meraner Trubel<br />

2| Promenieren an der Passer: ein absolutes Muss bei<br />

jedem Meran-Besuch 3| Frische Tropfen in den gut<br />

600 Jahre alten Lauben: Benvenuto in der »Trattoria Flora«<br />

3<br />

2<br />

1<br />

56 <strong>MERIAN</strong>


Ein Bullerbü der Berge: Felix (9) führt<br />

ein Stierkalb vor dem Hof der Eltern<br />

an der Kette. Seine Grundschule hat<br />

nur ein Dutzend Schüler. Man bleibt<br />

in Rabenstein unter sich, aber freut<br />

sich über jeden, der herzieht<br />

Das Dorf ist die Welt<br />

Das abgelegene Rabenstein im hintersten Passeiertal hat<br />

230 Einwohner, eine Schule, gute Straßen und vor allem: eine<br />

Zukunft. Während kleine Dörfer anderswo aussterben, sind<br />

<strong>Südtirol</strong>s einsame Orte ein Phänomen – wer kann, bleibt hier<br />

TEXT BARBARA BAUMGARTNER FOTOS NATALIE KRIWY<br />

<strong>MERIAN</strong> 59


Das Ziel: Die Abgelegenheit darf kein Nachteil sein<br />

Die Stärke: gute Infrastruktur und schnelles Internet<br />

In der<br />

rußgeschwärzten, gemütlichen<br />

Bauernküche kommt das Gespräch<br />

auf das Teenagerdasein:<br />

Wie es so ist mit 15, wenn man »hinter dem Mond links<br />

wohnt«, wie der Onkel scherzhaft sagt, der dieselbe Adresse<br />

hatte, nun aber in der Schweiz lebt und nur zu Besuch<br />

ist. Annalena, 15, hebt ein wenig die Augenbrauen in ihrem<br />

fein gezeichneten Gesicht und lächelt gelassen, als<br />

kenne sie das schon. Keine Klagen<br />

von ihrer Seite. Nur so viel:<br />

Die Mitschüler am Gymnasium<br />

in Meran, wo sie morgens nach<br />

anderthalb Stunden Busfahrt mit<br />

zweimal umsteigen eintrifft, haben<br />

nicht wirklich eine Vorstellung<br />

davon, wie abgelegen sie<br />

wohnt. Bis sie Annalena zum<br />

ersten Mal besuchen kommen.<br />

Rabenstein ist ein 230-Einwohner-Dorf<br />

im hintersten Passeiertal,<br />

das entlegenste der weitläufigen<br />

Gemeinde Moos, umgeben<br />

von Berghängen, die gefürchtet<br />

sind für ihre Lawinen abgänge.<br />

Über 36 Kilometer und zahllose<br />

Windungen fädelt die Straße von<br />

Meran sich herein. Die Dorfkirche<br />

liegt auf 1420 Meter – 230 Meter<br />

tiefer als der Hof, in dessen<br />

Küche der Onkel, eingehüllt in<br />

eine Wolke aus Reden und Lachen,<br />

Speck in Scheiben schneidet,<br />

die Annalenas kleine Brüder sich<br />

mit Appetit in den Mund stecken.<br />

Es ist die Küche der Großmutter<br />

und September. Vor dem Fenster fällt Schnee; gerade<br />

noch war Sommer.<br />

Annalenas Vater Michael telefoniert, er muss einen<br />

Schaftransport neu organisieren, ohne Winterreifen geht<br />

jetzt nichts. Annalenas Mutter Claudia ist ins 15 Kilometer<br />

entfernte St. Leonhard gefahren, um den ältesten<br />

Sohn abzuholen; auch er besucht die Oberschule in<br />

Meran, und je nach Stundenplan und Busverbindung ist<br />

Claudia Sulser viel unterwegs. Den Führerschein des<br />

Sohns sehnt sie nicht weniger herbei als er selbst.<br />

In der Küche von Annalenas Großmutter (Mitte)<br />

geht’s für Generationen um den Speck. Links<br />

eine Freundin der Familie, rechts Bruder Stefan<br />

Sulser ist Lehrerin an der Grundschule Rabenstein,<br />

in diesem Jahr hat sie zwölf Schüler; ihr zweitjüngster<br />

Sohn ist einer von zwei Erstklässlern. Auch ihn fährt sie<br />

regelmäßig nach St. Leonhard, zum Sing- und Flötenunterricht,<br />

denn die Kinder, findet sie, »sollen nicht zu<br />

viele Nachteile haben, nur weil wir so abgelegen leben«.<br />

Nicht zu viele Nachteile, trotz Abgelegenheit: Das<br />

könnte auch als Devise der <strong>Südtirol</strong>er Siedlungspolitik<br />

durchgehen. Es erklärt die schön<br />

sanierte Rabensteiner Schule für<br />

ein Dutzend Kinder, mit einem<br />

Turn- und einem Computerraum,<br />

oder den Bus, der die Jüngeren<br />

einsammelt und in den Kindergarten<br />

nach Moos bringt, und<br />

generell eine Vielzahl provinzpolitischer<br />

Maßnahmen – Zuschüsse,<br />

damit Dorfläden überleben<br />

können, ein kapillares Netz<br />

öffentlicher Verkehrsmittel, gut<br />

ausgebaute Straßen – die helfen<br />

sollen, auch die entlegensten<br />

Orte lebendig zu halten. Denn<br />

bei aller Verwurzelung, die<br />

selbst in beiläufigen Äußerungen<br />

manchmal wie Hintergrundmusik<br />

durchklingt: Natürlich könnte ein<br />

Dorf wie Rabenstein auch sterben.<br />

Ein Blick in andere Alpenregionen<br />

genügt; Gebiete im Abseits<br />

geraten leicht in eine Ab-<br />

wärtsspirale: Wenn Menschen die<br />

Nachteile als zu groß empfinden,<br />

gehen sie weg, und je weniger<br />

übrig sind, desto größer werden<br />

die Nachteile, weil etwa die Schule schließen muss, worauf<br />

noch mehr weggehen. <strong>Südtirol</strong> ist von solchem Ausbluten<br />

bislang weitgehend verschont geblieben, auch in Dörfern<br />

wie Rabenstein, die nicht vom Tourismus leben und in<br />

denen der Weg zur Arbeit für fast alle Bewohner weit ist.<br />

»Wer kann, bleibt meist hier.« Judith Lanthaler ist die<br />

Bäuerin vom »Herrischner«, dem ältesten Hof in Rabenstein,<br />

vor dessen Stall ihr neunjähriger Sohn Felix stolz<br />

ein wenige Tage altes Stierkalb vorführt, das unter wilden<br />

Sprüngen am Seil zerrt. »Lass ihn nicht los!« Selbst in<br />

Stallkleidung ist sie eine aparte Erscheinung, mit fast vierzig<br />

gertenschlank wie ein Mädchen, unter dem dunklen<br />

Tuch, das die Haare zurückhält, glänzen kleine Perlenohrringe.<br />

Während der Ausbildung zur Sozialbetreuerin<br />

wohnte sie in Meran im Schulheim, und obwohl es ihr gut<br />

gefiel in der Stadt, wankte sie nie in der Gewissheit, dass<br />

sie letztlich in Rabenstein bleiben würde – oder vielleicht<br />

wankte sie manchmal freitagnachmittags, wenn sie für<br />

das Wochenende heimkam, niemand<br />

sie in Moos abholen konnte<br />

(damals fuhr noch kein Bus) und<br />

sie die acht Kilometer zu Fuß<br />

nach Rabenstein ging, »immer<br />

den langen Weg über die Straße,<br />

statt am Bach entlang, denn wenn<br />

ich Glück hatte, kam jemand vorbei<br />

und nahm mich mit!« Sie lacht.<br />

Sie hat den Hof vor vier Jahren<br />

vom Vater übernommen, doch um<br />

die Familie zu ernähren – Felix<br />

hat noch zwei kleine Schwestern –<br />

reichen die gut 20 Milchkühe<br />

nicht: Auch Judiths Mann pendelt<br />

zur Arbeit nach Meran.<br />

»Aber das geht schnell, frühmorgens<br />

kommt mir nur der<br />

Bäcker entgegen«, Werner Haller<br />

spielt die Entfernung herunter, in<br />

Rabenstein eine weitverbreitete<br />

Angewohnheit. An einem Sonntagmorgen<br />

trinkt er einen Kaffee<br />

im »Trausberg«, einem von zwei<br />

Gasthäusern im Ort. Noch ist<br />

Sommer, der Himmel strahlt.<br />

Gleich wird es auf dem Platz draußen<br />

eine Messe geben, begleitet von Musikkapelle und<br />

Kirchenchor: Rabenstein feiert den »Tag der Vereine«.<br />

Kapellmeister Gilbert Gufler steht mit zwei seiner<br />

Musikanten am Tresen. Gufler, stämmig und leutselig,<br />

wird allseits als ein Motor des Dorflebens beschrieben,<br />

sein musikalisches Talent – bis auf die Klarinette spielt er<br />

jedes Instrument in der Kapelle – ist so groß wie die Bereitschaft,<br />

es in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.<br />

Er leitet auch den Chor, gibt dem Nachwuchs Instrumentenunterricht.<br />

Die Musikanten tragen Tracht: Lederhose,<br />

Landet der Ball im Netz, ist er längst nicht im<br />

Tor. Der Schulhof liegt wie eine Terrasse am<br />

Hang. Ohne Schutz wären viele Bälle verloren<br />

leuchtend rote Westen, bestickte Gürtel. Die Wirtin<br />

steckt ihrem 16-jährigen Sohn, der die Tuba spielt, eine<br />

Geranie an den Hut: »Ich hatte schon befürchtet, auch<br />

diese Feier muss ausfallen.« Tatsächlich liegt eine fast<br />

ungläubige Freude über dem Gastraum: Nach langen<br />

Corona-Monaten, in denen alles verboten war – Proben,<br />

Treffen, Feste – kommen sie zum ersten Mal wieder alle<br />

zusammen, und aus jedem Gesicht ist zu lesen, wie sehr<br />

es ihnen gefehlt hat.<br />

Mit Werner Haller trinkt eine<br />

Frau Kaffee, deren Augen strahlen<br />

wie der Himmel draußen. Doris<br />

Graf ist seine Vereinskollegin,<br />

beide sind sie »Helfer vor Ort« –<br />

ehrenamtliche Rettungssanitäter,<br />

die bei Unfällen die Erstversorgung<br />

leisten. »Bis der Rettungswagen<br />

hier ist, vergehen mehr als<br />

20 Minuten«, erklärt Graf: »In<br />

einer lebensbedrohlichen Situation<br />

ist das zu lang.« Es gibt einen<br />

Fachbegriff, der die Herausforderungen<br />

dezentraler Besiedelung<br />

zusammenfasst: »Kosten der<br />

Weite«. Das ist ökonomisch gemeint;<br />

doch die Distanz kann im<br />

Extremfall auch Leben kosten.<br />

Graf ist Betriebswirtin und<br />

Firmenchefin, mit ihren Onkeln<br />

führt sie ein Hoch- und Tiefbau-<br />

Unternehmen. Doch nicht den<br />

Betrieb nennt sie auf die Frage,<br />

was sie in Rabenstein hält. »Ich<br />

glaube, es hat einen Sinn, dass<br />

man an einem bestimmten Ort<br />

geboren ist; ich spüre eine starke Verbindung zu den<br />

Menschen hier. Es ist ein toller Zusammenhalt.« Für den<br />

spricht auch die Anzahl der Vereine: Musikkapelle, Chor,<br />

Feuerwehr, Helfer vor Ort, Eiskletterer, Bergrettung –<br />

möglich ist das nur, weil viele Rabensteiner in mehreren<br />

Mitglied sind. Die Vereine sind wie ein Anker; ein Grund,<br />

nach der Arbeit nach Hause zu fahren, anstatt den Abend<br />

auch noch auswärts zu verbringen. Diese Verbindung<br />

überdauert oft auch einen Umzug: Neben Gufler steht ein<br />

hagerer Mann in Feuerwehruniform, der auch im Chor<br />

60 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 61


DÖRFER IN TRAUMLAGE<br />

Das kostbarste Gut: der Zusammenhalt im Ort<br />

<strong>MERIAN</strong>-Autorin Barbara Baumgartner<br />

wohnte in London, Hamburg und<br />

Barcelona und lebt nun wieder in ihrer<br />

Heimat <strong>Südtirol</strong>. Ihre Tipps für einsame Orte<br />

in grandioser Natur:<br />

singt; beide Mitgliedschaften hat er beibehalten, obwohl<br />

er vor Jahren ins Dorf seiner Frau zog.<br />

Bei Claudia Sulser steckte der Anker lange auch woanders.<br />

Sie kommt aus dem Ultental, spielte in der Ka pelle<br />

ihres Dorfs und fuhr selbst als junge Mutter noch jahrelang<br />

zu den Proben, hin und zurück drei Stunden. Mittlerweile<br />

spielt sie die Querflöte in Rabenstein. In der<br />

Grundschule unterrichtet sie Musik und Mathematik. Im<br />

großen Klassenzimmer, das bei<br />

Bedarf eine Schiebewand teilt,<br />

hängt vorne ein Smartboard, aus<br />

den Fenstern schaut man auf steil<br />

abfallende Hänge. Der Pausenhof<br />

liegt wie eine Terrasse über dem<br />

Tal, von Netzen umgeben, sonst<br />

wären viele Fußbälle weg. Die<br />

ältesten Schüler sind in diesem<br />

Jahr sämtlich Jungen, fünf an der<br />

Zahl, und vier davon Bauernkinder<br />

– weshalb die Gespräche, wie<br />

Sulser versichert, sich vor allem<br />

um Milchleistung, neue Kälber<br />

oder Felix’ Ziegen drehen.<br />

Als Vorteile einer solchen<br />

Zwergschule nennt sie: »Jedes<br />

Kind bekommt sein eigenes, maßgeschneidertes<br />

Programm. Und<br />

auch schwächere Schüler machen<br />

die Erfahrung, den Jüngeren helfen<br />

zu können.« Was Besuchern<br />

als Bullerbü-Idylle erscheint (und<br />

in gewisser Weise auch ist: »Wir<br />

fühlen uns wie eine Familie«, sagt<br />

Sulser), habe aber auch Schattenseiten:<br />

»Die Auswahl an Freunden<br />

ist begrenzt. Wer in seinem Jahrgang allein ist, kann<br />

sich zudem mit niemandem messen.« Der Corona-Lockdown<br />

habe ihren Schülern kaum Probleme bereitet: »Die<br />

Kinder von den Höfen sind es gewohnt, wenig soziale<br />

Kontakte zu haben. Und: Wir haben hier sehr schnelles<br />

Internet.« Glasfaser ist der große Gleichmacher, nimmt<br />

der Distanz die Bedeutung: Sulsers Sohn, ein begabter<br />

Schüler, möchte Programmierer werden, später aber von<br />

zu Hause aus arbeiten, um weiterhin auf dem Hof mitzuhelfen.<br />

Das Glasfasernetz verlegte eine Genossenschaft,<br />

Entscheidung fürs Dorfleben:<br />

Judith Lanthaler wollte schon als Kind den<br />

Hof der Eltern übernehmen<br />

in der alle Mooser Bürger Mitglied sind und die alle<br />

Haushalte mit Energie versorgt, die EUM (»Energie<br />

Umwelt Moos«). Ihre Anfänge liegen 20 Jahre zurück,<br />

als ein paar tatkräftigen Männern auffiel, dass das alte<br />

E-Werk der Gemeinde die Macht der Passer mehr verschwendete<br />

als nutzte; sie gründeten die EUM und bauten<br />

das erste Kraftwerk (heute sind es elf). »Das waren bodenständige<br />

Leute mit einer Vision und einer gesunden<br />

Portion Selbstvertrauen.« Theo<br />

Lanthaler ist der aktuelle Geschäftsführer,<br />

ein Mann in den<br />

50ern, an dem alles gut geschnitten<br />

ist: Schuhe, Jackett, Brille,<br />

Gesicht. Zur Stromversorgung<br />

kam Internet, ein Heizwerk, eine<br />

Tankstelle, drei Dorfläden, Internet.<br />

»Unser Strompreis ist nicht<br />

halb so hoch wie im italienischen<br />

Durchschnitt. Die Rabensteiner<br />

konnten auch Anteile an ihrem<br />

Kraftwerk erwerben: als Belohnung<br />

fürs Dableiben sozusagen.«<br />

Lanthaler lenkt sein Auto langsam<br />

durch einen finsteren Tunnel<br />

– »ich denke, wir sind gerade tief<br />

unter der Kirche« – zu einer<br />

hochmodernen Schaltzentrale.<br />

Durch diesen Tunnel kamen<br />

schon Regionalentwicklungsexperten<br />

aus dem ganzen Alpenraum,<br />

denn die EUM könnte<br />

auch für andere periphere Gebiete<br />

ein Modell sein.<br />

Doch warum überhaupt bis in<br />

die tiefsten Täler hinein Dienstleistungen<br />

aufrechterhalten, warum sich der Abwanderung<br />

entgegenstemmen? Warum nicht wie ein Naturgesetz<br />

hinnehmen, dass die großen Orte im Tal die<br />

Bergdörfer leersaugen – so, wie man es in Italien vielerorts<br />

hinnahm? Weil <strong>Südtirol</strong>, wie die Verantwortlichen wissen,<br />

sich dann schnell in ein anderes Land verwandeln würde:<br />

landschaftlich und kulturell monotoner, weniger attraktiv<br />

für Touristen; anfälliger für Naturkatastrophen. Es ist<br />

auch für die Allgemeinheit von Vorteil, wenn die Menschen<br />

bleiben können, wo sie zu Hause sind.<br />

Die Zukunft sieht man in Rabenstein optimistisch. Es<br />

gibt weniger Kinder als früher, wie überall, aber nicht weniger<br />

Familien. Die jungen Bauern, berichtet jemand,<br />

»haben alle eine nette Frau von auswärts gefunden«. Eine<br />

von ihnen singt im Kirchenchor; nach der Probe im großzügigen<br />

Vereinshaus erzählt sie, die Rabensteiner hätten<br />

es ihr leicht gemacht, sich zugehörig zu fühlen. In stadtnahen<br />

Dörfern, beliebt als Wohnquartier, mögen Alteingesessene<br />

das Bedürfnis haben,<br />

sich von Zuzüglern abzugrenzen;<br />

nicht in Rabenstein, wo man im<br />

Winter manchmal tagelang von<br />

der Außenwelt abgeschnitten ist,<br />

die Straße wegen Lawinengefahr<br />

gesperrt. Wäre nicht diese leidig<br />

lange, kurvige Straße, wäre nicht<br />

der leidig lange, kalte Winter –<br />

nach ein paar Tagen im Dorf hat<br />

man fast den Eindruck eines<br />

Idealzustands: Die alte Gemeinschaft<br />

noch da, während das frühere<br />

Regelkorsett, eng geschnürt<br />

von Tradition und Kirche, einem<br />

toleranten »Leben und leben lassen«<br />

Platz machte. Wollen die Jugendlichen<br />

samstags bis spät in die<br />

Nacht ausgehen, buchen sie gemeinsam<br />

einen Shuttle.<br />

Bei der Freiluftmesse am Tag<br />

der Vereine tragen kleine Mädchen<br />

zum Dirndl Sneaker. Es riecht<br />

nach frisch gemähtem Heu, durch<br />

den Himmel schießen Schwalben.<br />

Als alle Kirchenlieder gesungen<br />

sind, kündigt Gufler noch einen<br />

Marsch an, »weil ihr so lange keinen gehört habt«. Es werden<br />

mehrere. Wäre alles wie immer, würde es jetzt auf<br />

dem Platz ein Fest geben; so wird es nur ein langer Umtrunk<br />

mit Maske. Die Kinder verziehen sich mit ihren<br />

Limonadenflaschen zum Spielen auf den Schulhof. Tief<br />

unter ihnen rauscht die Passer talauswärts. Manche dieser<br />

Kinder werden wohl einmal in dieselbe Richtung verschwinden;<br />

aber einige werden bleiben wollen – und an<br />

einem Tag wie diesem erscheint, was eigentlich eine<br />

Errungenschaft ist, als das Natürlichste der Welt. n<br />

Das Dorf macht Musik: Josef Gufler spielt die<br />

Tuba, sein Sohn ist Kapellmeister, Chorleiter<br />

und Instrumentallehrer für die Kinder<br />

Pfelders, Passeiertal<br />

Auf über 1600 Metern inmitten des Naturparks<br />

Texelgruppe gelegen, ist Pfelders ein beschauliches<br />

Bergdorf – und will es auch bleiben: Seit Jahren<br />

verfolgt der Ort ein Konzept sanfter Mobilität; Tagesgäste<br />

müssen am Ortseingang parken, weiter geht<br />

es im Bus, manchmal auch mit der Kutsche.<br />

St. Gertraud, Ultental<br />

Das letzte und am höchsten gelegene Dorf im urtümlichen<br />

Ultental. Die Höfe rings um die Kirche sind<br />

schöne Beispiele des traditionellen<br />

Baustils: gemauertes Untergeschoss,<br />

hölzerner Aufbau, das Dach mit<br />

Tonziegeln oder Schindeln gedeckt.<br />

Ganz in der Nähe stehen die wohl<br />

850 Jahre alten Ultner »Ur-Lärchen«.<br />

Katharinaberg, Schnalstal<br />

Die sonnige Höhe bietet einen<br />

wunderbaren Blick in die Alpenlandschaft:<br />

Die Kirche im Ort steht<br />

auf den Fundamenten einer Burg der<br />

Herren von Schnals, der alte<br />

Burgturm ist nun Glockenturm.<br />

St. Magdalena, Villnöss<br />

Eines der beliebtesten Fotomotive im<br />

Land: die Kirche von St. Magdalena<br />

mit den Türmen der Geislergruppe im<br />

Rücken – besonders stimmungsvoll<br />

zum Sonnenuntergang. Das letzte<br />

Dorf im Villnösstal ist auch perfekter<br />

Ausgangspunkt für Wanderungen und<br />

Touren im Naturpark Puez-Geisler.<br />

Campill /Longariü, Gadertal<br />

Eines von zwei <strong>Südtirol</strong>er »Bergsteigerdörfern«<br />

– und damit auf strenge Kriterien eines<br />

nachhaltigen und umweltverträglichen Tourismus<br />

verpflichtet. Ein Idyll, umschlossen von den Dolomitengipfeln<br />

der Puez-, Geisler- und Peitlerkofelgruppe.<br />

Rein in Taufers / Tauferer Ahrntal<br />

Am Fuß des mächtigen Hochgall gelegen, hat Rein<br />

als Reiseziel für Bergfreunde eine lange Tradition.<br />

32 der 84 Dreitausender des Tauferer Ahrntals sind<br />

im Reintal zu finden.<br />

62 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 63


<strong>MERIAN</strong> CITY-TRIP<br />

48 STUNDEN IN<br />

Bozen<br />

Urbanes Leben und Bergromantik in perfekter Harmonie: Die Radiomodera<br />

torin Sarah Bernardi ist begeistert von den Kontrasten in<br />

der <strong>Südtirol</strong>er Landeshauptstadt. <strong>MERIAN</strong> verrät sie ihre Lieblingsorte<br />

B<br />

ozen hat für mich die richtige Mischung<br />

von vielem: Einerseits<br />

ermöglicht Bozen die Anonymität<br />

einer Stadt, andererseits treffe ich<br />

unterwegs viele Menschen, die ich kenne<br />

und gerne mag. Und mir gefällt der<br />

Promi-Faktor – beim Kaffeetrinken laufen<br />

schon mal Barbara Schöneberger<br />

oder Otto Waalkes an einem vorbei.<br />

Auch die Kontraste der Vegetation liebe<br />

ich: An den Südhängen der Stadt gedeihen<br />

lauter mediterrane Pflanzen wie<br />

Feigenkakteen oder Agaven, gleichzei -<br />

tig bin ich innerhalb kürzester Zeit<br />

oben am Berg, inmitten von Enzian und<br />

Edelweiß.<br />

Ich will immer nach oben, beispielsweise<br />

nach Jenesien oberhalb von Bozen.<br />

Mein Freund lebt dort, entsprechend ist<br />

das inzwischen meine Trainingsstrecke<br />

zu Fuß oder mit dem Rennrad. Immerhin<br />

muss ich dabei etwa 800 Höhenmeter<br />

überwinden. Es ist aber auch schön, mit<br />

der Seilbahn hochzufahren. Zu Fuß gehe<br />

ich eine Stunde von Bozen aus, auf teils<br />

recht steilen Wegen. Manchmal wandere<br />

ich noch eine Stunde weiter bis auf den<br />

Salten. Dieses mit Lärchen bestandene<br />

Hochplateau hat eine unheimlich beruhigende<br />

Wirkung auf mich.<br />

Ich wohne inmitten von Weinbergen<br />

in Rentsch bei Bozen und fühle mich<br />

dort sehr wohl. Von meinem Esstisch<br />

aus sehe ich die Dolomiten und das<br />

Abendrot am Rosengarten. Und in<br />

sieben Minuten bin ich mit dem Fahrrad<br />

im Studio. So kurze Distanzen sind viel<br />

wert, wenn man so früh rausmuss wie ich:<br />

Mein Wecker klingelt kurz nach 4 Uhr,<br />

meine Frühstückssendung im Radiosender<br />

»<strong>Südtirol</strong> 1« endet um 10 Uhr.<br />

Erst nach einem Mittagsschläfchen geht<br />

mein Leben draußen los. Ich bin in Bozen<br />

oft mit meinem knallroten Fahrrad<br />

unterwegs, aber die Stadt lässt sich auch<br />

gut zu Fuß erkunden.<br />

Für einen Kaffee besuche ich gern<br />

das neue Kulturcafé Waag. An warmen<br />

Tagen sitzt man dort vor dem wunderschönen,<br />

historischen Waaghaus mitten<br />

in der Altstadt. Danach geht es zum<br />

Bozner Obstmarkt. Dort schlägt das<br />

Herz der Stadt, und es ist immer was los.<br />

Unter der Woche werden an den Marktständen<br />

frische Lebensmittel und Blumen<br />

verkauft, am Freitag- und Samstag-<br />

Sarah Bernardi, Jahrgang<br />

1975, ist in Brixen<br />

aufgewachsen und in<br />

Bozen heimisch geworden.<br />

Seit 2003 arbeitet sie<br />

hier beim Radiosender<br />

»<strong>Südtirol</strong> 1«. Längst ist<br />

ihre Stimme in der gesamten<br />

Region bekannt,<br />

vor allem durch die beliebte<br />

Morningshow des<br />

Senders, die sie seit Jahren<br />

zusammen mit ihrem<br />

Kollegen Daniel Winkler<br />

moderiert.<br />

Schlendern vor schmucken<br />

Fassaden: Herrschaftliche<br />

Häuser säumen die Mustergasse,<br />

die sich zum ebenso<br />

eleganten Waltherplatz öffnet<br />

64 <strong>MERIAN</strong>


Besondere Momente.<br />

Bunt gemischt: Die Keramik<br />

aus kleinen Manufakturen<br />

ist im »TonHaus« auch mal so<br />

farbenfroh wie ein Blumenstrauß<br />

DIE BILDERBURG<br />

Besondere Orte.<br />

abend trifft sich hier Bozens Jugend.<br />

Hinter den Marktständen versteckt, liegen<br />

kleine Läden wie mein liebster<br />

Krimskrams-Laden Arts & Crafts. Und<br />

an der Eisdiele Nicolas am oberen Ende<br />

des Obstmarkts komme ich nie vorbei,<br />

ohne mir eine Kugel zu holen. Das Eis<br />

ist eine Wucht, da steckt Liebe drin.<br />

Wenn Nicolas mich vorbeigehen sieht,<br />

läuft er mir mit seiner neuesten Krea tion<br />

hinterher. So lecker!<br />

Wenn ich ein besonderes Geschenk<br />

suche, gehe ich eine Gasse weiter ins<br />

TonHaus. Ich liebe diesen Laden! Die<br />

Inhaberin Christine reist quer durch<br />

Europa, um die besten kleinen Keramikmanufakturen<br />

und -künstler zu finden.<br />

Mein Tipp: das farbenfrohe Geschirr der<br />

Boznerin Veronika Thurin.<br />

Wenn Sie mittags Gusto auf Knödel<br />

haben, empfehle ich das Restaurant<br />

Feichter, ein Familienbetrieb mit sehr<br />

guter <strong>Südtirol</strong>er Kost. Ich esse auch gern<br />

im Restaurant 37 über den Dächern der<br />

Altstadt. Dort nehme ich aber niemals<br />

den Lift: Ich finde, wenn ein Restaurant<br />

»Alpine Eating« anbietet, sollte man sich<br />

das Essen durch Treppensteigen erarbeiten.<br />

Die Belohnung? Zum Beispiel das<br />

handgehackte Tatar.<br />

U<br />

m die italienischste Seite von<br />

Bozen kennenzulernen, reichen<br />

ein paar Schritte von den Lauben<br />

über die Talferbrücke bis zum<br />

Sieges platz. Hier wird in den Bars und<br />

Geschäften meist nur Italienisch gesprochen,<br />

und die faschistische Architektur<br />

der dreißiger Jahre prägt das Bild. Das<br />

ist ein trauriges Kapitel der <strong>Südtirol</strong>er<br />

Geschichte. Wer sich aber unvoreingenommen<br />

auf die Atmosphäre einlässt,<br />

fühlt sich unter den Lauben der Freiheitsstraße<br />

wie in Padua oder Vicenza.<br />

Das mag ich. Bestens geht das etwa im<br />

Il Corso: Drinnen wird der Espresso<br />

meist al banco – also direkt am Tresen –<br />

getrunken, draußen hat man den geschichtsträchtigen<br />

Siegesplatz im Blick.<br />

Zum Aperitif gibt’s supergute tramezzini.<br />

Ein Klassiker, um den Tag bei einem<br />

Hugo oder Veneziano ausklingen zu lassen,<br />

ist die Franzbar. Dort mischt man<br />

sich einfach draußen unter die Grüppchen<br />

an den Stehtischen. Am und rund<br />

um den Obstplatz liegt ein In-Lokal neben<br />

dem anderen. Einer meiner Lieblingsplätze<br />

für einen gepflegten Aperitif<br />

ist die Wineboutique Lisa. Lisa ist<br />

eine profunde Weinkennerin mit gutem<br />

Humor, wir kennen uns schon ewig. Sie<br />

stammt wie ich aus Brixen und hat alle<br />

guten Eisacktaler Weißweine im Sortiment.<br />

Mein Favorit ist der würzige Kerner!<br />

Der beste Platz dort ist das kleine<br />

Separee mit zwei Sesseln und einer Glastür,<br />

die den Blick auf das Treiben in der<br />

Gasse freigibt. Das ist wie Fernsehen live.<br />

Der schönste Ort für Livemusik in stilvollem<br />

Ambiente ist die Laurin Bar:<br />

Freitagabends gibt es fantastische Jazzkonzerte.<br />

Die Bozner lieben das »Laurin«,<br />

auch wichtige Geschäfte werden hier<br />

schon seit Generationen abgewickelt.<br />

Ich komme gern für berufliche Termine<br />

her, aber auch privat. Bei schönem Wetter<br />

setze ich mich in den Gastgarten, das<br />

ist wie Kurzurlaub mitten in der Stadt.<br />

Mein Geheimtipp für Romantiker ist<br />

ein Abend auf der jahrhundertealten<br />

Haselburg über dem Stadtteil Haslach:<br />

Man kann dort zuerst mit einem Glas<br />

Wein in der Hand den Ausblick auf Bozen<br />

und den Sonnenuntergang ge nießen,<br />

um danach im feinen Burg restaurant<br />

zu speisen. Protokoll: Marlene Lobis n<br />

Der Schatz von Schloss<br />

Runkelstein am nördlichen<br />

Rand von Bozen besteht<br />

nicht aus Gold und Diamanten,<br />

sondern aus Bildern:<br />

In mehreren Räumen gewähren<br />

mittelalterliche Fresken<br />

Einblicke in eine vergangene<br />

höfische Lebenswelt. Am<br />

besten läuft man zu Fuß zum<br />

knapp drei Kilometer von der<br />

Altstadt entfernten Schloss:<br />

entlang der Talfer oder weiter<br />

oben mit schönem Panorama<br />

über die Oswaldpromenade.<br />

Sill 15, www.runkelstein.info<br />

ADRESSEN<br />

Waag Café Kornplatz 12<br />

www.waagcafe.eu<br />

Arts & Crafts Obstplatz 36<br />

www.artsandcrafts.it<br />

Eisdiele Nicolas<br />

Obstplatz 7<br />

TonHaus<br />

Rauschertorgasse 28<br />

www.tonhaus.it<br />

Restaurant Feichter<br />

Weintraubengasse 15<br />

www.hotelfeichter.it<br />

(nur Mo-Fr mittags)<br />

Restaurant 37<br />

Lauben 37/Silbergasse 4<br />

www.restaurant37.com<br />

Il Corso Siegesplatz 44<br />

www.ilcorso-bolzano.com<br />

Franzbar<br />

Leonardo-da-Vinci-Str. 1C<br />

www.facebook.com/franzbar.it<br />

Lisa Wineboutique<br />

Dr.-Josef-Streiter-Gasse 22 a/b<br />

https://lisa-wine-store.<br />

business.site<br />

Laurin Bar Laurinstr. 4<br />

www.laurin.it<br />

Restaurant Haselburg<br />

Kuepachweg 48<br />

www.haselburg.it<br />

1| Sarah Bernardi liebt die Stände auf dem<br />

Obstmarkt – und die kleinen Geschäfte dahinter<br />

2| Die Gäste der »Haselburg« genießen bei Wolfsbarsch<br />

und Kalbsleber eine fantastische Aussicht<br />

2<br />

1<br />

Foto: © A. Schwarz; IDM/H. Wisthaler, F. Blickle<br />

Besondere Genüsse.<br />

Besondere Begegnungen.<br />

Urlaub mal anders. Wie?<br />

Einfach herzlich!<br />

Wir haben genau den Urlaubsflair, der ganz<br />

ungekünstelt und offenherzig daherkommt<br />

und bringen Ihnen gleichzeitig Land und<br />

Leute näher. Natürliche Gastfreundschaft,<br />

Unterkünfte, in denen man sich wie „zu Hause“<br />

fühlt und hohe Flexibilität sprechen für einen<br />

Urlaub bei uns Privatvermieter. Denn nur<br />

abseits der ausgetretenen Pfade werden Eindrücke<br />

zu Erfahrungen, aktives Entdecken zum<br />

Abenteuer und Ihr <strong>Südtirol</strong>-Urlaub zu einer<br />

ganz besonderen Erinnerung.<br />

66 <strong>MERIAN</strong><br />

suedtirolprivat<br />

Schlachthofstraße 59 · I-39100 Bozen<br />

www.suedtirolprivat.com · Tel +39 0471 324 879


ÖTZI ENTDECKEN<br />

Der eiskalte Star<br />

5300 Jahre alt und von einer Haut aus Eis umgeben:<br />

Der Ötzi ist die berühmteste Gletschermumie der Welt.<br />

Wanderer fanden ihn 1991 im Schnalstal, heute liegt<br />

er bei minus sechs Grad im Bozner Archäologiemuseum<br />

Dass hier ein Promi zu sehen ist, wird<br />

schnell klar. Schon im Eingangsbereich<br />

des <strong>Südtirol</strong>er Archäologiemuseums<br />

flimmern TV­Nachrichten<br />

auf Bildschirmen, und Zeitungsartikel<br />

aus aller Welt zieren die Wände.<br />

Alle haben nur ein Thema: den Fund<br />

einer Gletschermumie in den Ötztaler<br />

Alpen. Deutsche Bergwanderer hatten<br />

sie am 19. September 1991 beim<br />

Tisenjoch, einem Übergang am Fuße<br />

des Simlauns, entdeckt, wo Teile des<br />

Körpers aus dem Eis ragten. Was man<br />

zunächst für einen verunglückten<br />

Bergsteiger hielt, entpuppte sich nach<br />

und nach als archäologische Sensation.<br />

Denn »Ötzi«, wie der Tote nach<br />

seinem Fundort genannt wird, ist älter<br />

als jede andere bekannte natürlich<br />

Mumie mit Geheimnissen. Die<br />

Umstände von Ötzis Tod sind bis<br />

heute nicht ganz aufgedeckt<br />

konservierte Mumie der Welt –<br />

5300 Jahre. Ötzi ruht in einer Kühlkammer<br />

bei konstant minus sechs<br />

Grad Celsius. Regelmäßig wird der<br />

1,54 Meter große und nur noch 13 Kilogramm<br />

schwere Körper mit destilliertem<br />

Wasser eingesprüht, damit sich<br />

eine dünne Eisschicht auf ihm hält.<br />

In den vergangenen Jahrzehnten haben<br />

mehr als 500 Wissenschaftler die<br />

Mumie selbst, aber auch ihre gut erhaltene<br />

Kleidung und Ausrüstung<br />

untersucht.<br />

Die Originalfundstücke sind Teil der<br />

Ausstellung, ebenso wie eine Rekonstruktion,<br />

die zeigt, wie Ötzi zu Lebzeiten<br />

ausgesehen haben könnte. Wer<br />

er aber tatsächlich war und wa rum<br />

er durch einen Pfeilschuss sterben<br />

musste, konnte bislang nicht geklärt<br />

werden. So ist das halt bei Promis:<br />

Sie haben immer noch Geheimnisse.<br />

<strong>Südtirol</strong>er Archäologiemuseum<br />

Bozen, Museumstr. 43, www.iceman.it<br />

Gletschertour<br />

zum Fundort<br />

Wer dorthin wandern<br />

will, wo Ötzi einst im Eis<br />

lag, braucht Kondition.<br />

Von Juli bis Oktober können<br />

sportliche Wanderer in<br />

Begleitung eines Bergführers<br />

zur Fundstelle auf<br />

3210 Meter Höhe aufbrechen.<br />

Die Tagestour<br />

startet und endet in Kurzras.<br />

www.oetzi-glacier-tour.it<br />

Mit der Bahn zum<br />

Ötzi-Panorama<br />

Wer nicht wandern möchte,<br />

kann mit der Seilbahn<br />

von Kurzras zur Bergstation<br />

hochfahren. Zu Fuß geht<br />

es noch 40 Höhenmeter<br />

weiter zur Aussichtsplattform<br />

»Iceman Ötzi Peak«.<br />

Von hier aus reicht der<br />

Blick bis zum Similaun,<br />

an dessen Fuß die<br />

Gletschermumie lag.<br />

www.grawand.com/gletscherabenteuer/aussichtsplattform<br />

Auf der Pirsch wie<br />

vor Jahrtausenden<br />

Der Pfeil in der Hand, die<br />

Sehne gespannt, das Ziel<br />

im Blick. Valentin Müller<br />

vom Moarhof in Katharinaberg<br />

führt Familien in<br />

die Kunst des Bogenschießens<br />

ein und weiß viel<br />

über die Jagdmethoden der<br />

Steinzeitmenschen.<br />

www.moarhof-schnals.com<br />

Hier wurde er gefunden: Ein<br />

Denkmal am Tisenjoch erinnert<br />

an den Mann aus dem Eis (li).<br />

So hat er gelebt: Der ArcheoParc<br />

im Schnalstal zeigt Besuchern<br />

das Leben im Neolithikum (re.)<br />

Was kann ein Freilichtmuseum über die Zeit vor 5000 Jahren erzählen?<br />

Wir wollen die Steinzeit erlebbar machen<br />

<strong>MERIAN</strong>: Frau Alber, im ArcheoParc im<br />

Schnalstal dreht sich alles um den Ötzi.<br />

Doch die Mumie und viele Ausrüstungsgegenstände<br />

sind im <strong>Südtirol</strong>er Archäologiemuseum<br />

zu sehen. Was bietet Ihre Ausstellung?<br />

MAGDALENA ALBER: Im Bozner Museum<br />

sind die Originalfunde zu sehen, aber natürlich<br />

alles sicher hinter Glas. In unserem<br />

Park haben wir Rekonstruktionen, dafür<br />

ist alles zum Anfassen. Auf unserem Gelände<br />

befinden sich Nachbauten von Häusern<br />

aus der Steinzeit, es gibt Vorführungen<br />

und Mitmachaktionen, wo man<br />

etwa lernt, wie Kleidung hergestellt oder<br />

Steine geschliffen wurden. Besucher können<br />

Ötzis Werkzeuge in die Hand nehmen<br />

und seine Kappe aufsetzen. Kurz: Wir wollen<br />

die Steinzeit erlebbar machen.<br />

Gab es denn hier früher ein Steinzeitdorf?<br />

Genau an dieser Stelle unserer Kenntnis<br />

nach nicht. Aber es gibt Hinweise auf steinzeitliche<br />

Siedlungen im unteren Vinsch gau<br />

und Naturns. Und man kann die Fundstelle<br />

der Mumie von unserem Gelände aus<br />

in der Ferne sehen. Außerdem haben Forscher<br />

herausgefunden, dass der Ötzi das<br />

Schnalstal durchquert hat, bevor er am<br />

Tisenjoch verstarb. Er hatte nämlich Pollen<br />

von Hopfenbuchen am Körper, die nur südlich<br />

des Alpenhauptkamms vorkommen<br />

und nicht weiter nördlich im Ötztal. Man<br />

hätte die Gletschermumie statt »Ötzi« also<br />

auch gut »Schnalsi« nennen können.<br />

Was schätzen Ihre Gäste denn besonders an<br />

Ihrem Museum?<br />

Ich denke, dass die Mischung zwischen<br />

Informationsvermittlung und Spaß gut<br />

gelungen ist. Man erfährt, dass man bei der<br />

Mumie Zunderpilz, Pyrith, Ahornblätter<br />

und einen Feuerstein gefunden hat. Aber<br />

es ist nochmal etwas ganz anderes, sich<br />

das im Schaukasten anzuschauen oder<br />

daraus mit eigenen Händen ein Feuer zu<br />

entfachen.<br />

ArcheoParc Schnalstal, Unser Frau 163<br />

www.archeoparc.it<br />

Magdalena Alber,<br />

40, gehört zum Team<br />

des ArcheoParc<br />

im Schnalstal. Das<br />

2001 eröffnete<br />

archäologische Freilichtmuseum<br />

mit<br />

Indoor-Ausstellung<br />

bringt Besuchern<br />

Lebensraum und<br />

Alltag des Ötzi nahe.<br />

<strong>MERIAN</strong> 69


Noch entscheidet der Vater von Anna und<br />

Veronika Pfeifer (linke Seite), wann auf<br />

dem Pfannenstielhof die Lagrein-Trauben<br />

geerntet werden – aber die beiden<br />

diskutieren immer mehr mit ihm. Sie gehören<br />

zur neuen Generation, die in <strong>Südtirol</strong><br />

Top-Weingüter in die Zukunft führen soll – wie<br />

Simon Pliger, Helena und Clemens Lageder,<br />

Jakob Gasser sowie Karoline und Julia Walch<br />

(rechte Seite, im Uhrzeigersinn)<br />

DIE JUNGEN KOMMEN<br />

PFANNEN-<br />

STIELHOF<br />

Johannes Pfeifer, der den<br />

Hof in siebter Generation<br />

führt, beschränkt sich<br />

auf die zwei Rebsorten<br />

Vernatsch und Lagrein.<br />

Bekannt ist er vor allem<br />

für seine St. Magdalener.<br />

Dafür wird Vernatsch mit<br />

etwas Lagrein ergänzt –<br />

traditionell als gemischter<br />

Satz direkt im Weinberg.<br />

www.pfannenstielhof.it<br />

In wenigen Jahrzehnten hat sich <strong>Südtirol</strong> von<br />

einem verschlafenen zu einem weltbekannten Weinbaugebiet<br />

entwickelt. Die Winzerinnen und<br />

Winzer, die diesen Aufstieg geprägt haben, geben ihre<br />

erfolgreichen Betriebe jetzt nach und nach in<br />

neue Hände. Die junge Generation ist bestens ausgebildet,<br />

doch die Erwartungen sind hoch. Der deutsche<br />

Weinexperte Jens Priewe hat nachgefragt: Was ist ihr<br />

wichtig? Was hat man für Pläne, wenn man<br />

gleich ganz oben anfängt?<br />

FOTOS VIVI D’ANGELO<br />

<strong>MERIAN</strong> 71


KLEIN, ABER<br />

VIELFÄLTIG ...<br />

... ist die Weinbauregion<br />

<strong>Südtirol</strong>. Aufgeteilt in<br />

sieben Gebiete wachsen<br />

auf rund 5400 Hektar<br />

neben den zwei<br />

autochthonen Rebsorten<br />

Lagrein und Vernatsch<br />

vor allem Chardonnay,<br />

Gewürztraminer,<br />

Sauvignon Blanc sowie<br />

Grau-, Weiß- und<br />

Spätburgunder, hier<br />

Blauburgunder genannt.<br />

Meran<br />

3<br />

Bozen<br />

1<br />

4<br />

5<br />

SÜDTIROL<br />

Brixen<br />

2<br />

1 Pfannenstielhof<br />

2 Kuenhof<br />

3 Alois Lageder<br />

4 Kellerei St. Michael-Eppan<br />

5 Elena Walch<br />

n Bozen<br />

n Unterland<br />

n Meran<br />

n Vinschgau<br />

n Eisacktal<br />

n Etschtal<br />

n Überetsch<br />

Wenn Simon Pliger (links) im Keller<br />

des Kuenhofs arbeitet, hört er<br />

oft Musik. Draußen beim Riesling<br />

reicht Vogelgezwitscher<br />

KUENHOF<br />

Mit großem Engagement<br />

haben Peter und Brigitte<br />

Pliger an steilen Weinterrassen<br />

Trockenmauern<br />

wiederaufgebaut und den<br />

jahrhundertealten Hof<br />

renoviert. Zusammen mit<br />

ihrem Sohn Simon<br />

produzieren sie nach<br />

biodynamischen Richtlinien<br />

vier herausragende,<br />

sortenreine Weißweine.<br />

www.kuenhof.com<br />

D<br />

ie Fotos von Anna Pfeifer, 23, und ihrer Schwester<br />

Veronika, 21, hängen in der Ahnengalerie des<br />

Pfannenstielhofs bereits an der Wand. Sie sollen<br />

den Hof nun mal übernehmen – wann immer das<br />

sein wird. Heute wird das kleine Weingut, das versteckt<br />

am Rande eines Gewerbegebiets liegt, in siebter Generation<br />

von Johannes Pfeifer geführt. Weithin bekannt<br />

ist der Winzer für seine St. Magdalener. Sie bestehen größtenteils<br />

aus Vernatsch – und es ist Pfeifer, der dieser unterschätzten<br />

Rebsorte zu neuen Höhen verholfen hat. Der<br />

beste St. Magdalener ist von einer Qualität,<br />

die man der Vernatsch­Traube noch<br />

vor zehn Jahren nicht zugetraut hätte.<br />

»Annver« heißt er, zusammengesetzt aus<br />

den drei Anfangsbuchstaben der Namen<br />

seiner Töchter. Werden diese einmal einen<br />

noch besseren St. Magdalener machen?<br />

Oder was ganz anderes? Noch sind<br />

Anna und Veronika in der Ausbildung.<br />

Anna hat einen Bachelor in der Tasche,<br />

Veronika studiert in Geisenheim. Die beiden<br />

diskutieren auf dem Weingut mit,<br />

doch die Entscheidungen trifft der Vater.<br />

»Noch weiß er mehr als wir«, sagt Veronika<br />

dazu. Und die Töchter haben auch nicht<br />

vor, eines Tages alles umzukrempeln:<br />

»Wir sind mit den Weinen unseres Vaters<br />

sehr zufrieden«, bestätigen beide.<br />

Wie dem Pfannenstielhof geht es vielen<br />

Weingütern in <strong>Südtirol</strong>. Langsam tritt<br />

die Generation ab, die vor 30 oder 40 Jahren<br />

den Aufschwung eingeleitet und <strong>Südtirol</strong><br />

von einem verschlafenen zu einem florierenden<br />

Wein anbaugebiet gemacht hat. Nicht überall sind die Voraussetzungen<br />

für einen sanften Übergang so ideal wie<br />

auf dem Pfannenstielhof. Wer jetzt die Nachfolge antritt,<br />

mag besser ausgebildet sein als die Eltern es waren, muss<br />

aber auch hohen Erwartungen gerecht werden. Oft sind<br />

die Fußstapfen der alten Generation schlichtweg zu groß,<br />

um erst mal klein anzufangen. Weine wie die exotische<br />

Sauvignon­Interpretation »Lieben Aich« vom Weingut<br />

Manincor oder der ausdrucksstarke Cabernet Sauvignon<br />

»Cor Römigberg« vom Weingut Alois<br />

Lageder begeistern Kenner und Experten<br />

in aller Welt. Inzwischen sind manche<br />

Spitzenweine wie die Weißwein­Cuvée<br />

»Appius« der Kellerei St. Michael­Eppan<br />

so begehrt, dass eine Flasche durchaus um<br />

die 100 Euro kosten kann. Wie also geht<br />

die nächste Generation damit um, wenn<br />

der Betrieb bereits ganz oben steht? Können<br />

sie neue Schwerpunkte setzen, wollen<br />

sie das überhaupt?<br />

Ein solches Erbe mit Anspruch haben<br />

mit dem schmucken Kuenhof im Eisacktal<br />

auch Peter und Brigitte Pliger zu vergeben.<br />

Seit über 30 Jahren betreiben sie erfolgreich<br />

Weinbau. Hoch über Brixen wächst<br />

auf 6,5 Hektar Silvaner, Riesling, Grüner<br />

Veltliner und Gewürztraminer. Aus der<br />

Ernte entstehen einige der besten und<br />

gesuchtesten Weißweine in <strong>Südtirol</strong>. Die<br />

Pligers haben zwei Töchter und einen<br />

Sohn. Peter Pliger ist ein angesehener<br />

Weinbauer, doch nie hat er Druck auf seine Kinder ausgeübt,<br />

ihm nachzufolgen. Dennoch blieb bei Simon Pliger<br />

das Gefühl: Ich bin der Sohn, ich muss den Hof übernehmen.<br />

Zuerst aber wollte er weg. Er ging an eine Wirtschaftsschule,<br />

brach die Ausbildung nach zwei Jahren ab<br />

und begann eine Lehre als Elektrotechniker. Die Arbeit<br />

auf der Baustelle machte ihm mehr Spaß. Aber er wollte<br />

nicht sein Leben lang Leitungen verlegen. Mit 21 fing er<br />

nochmal von vorne an: jetzt doch auf einem Weingut, in<br />

Württemberg. Da kam die Wandlung. »Mit jedem Tag<br />

wuchs mein Interesse am Wein«, berichtet er. Er schrieb<br />

sich an einer Weinbauschule ein, machte den Abschluss<br />

– und kehrte auf den Kuenhof zurück. Heute ist er 27 und<br />

sagt: »Ich traue mir jetzt zu, meinem Vater auf Augen höhe<br />

zu begegnen.« Dessen biodynamischen Ansatz will er<br />

übernehmen und weiterentwickeln. Er experimentiert mit<br />

Ihre Weine trinken Clemens und<br />

Helena Lageder (rechts) gerne selbst.<br />

Besucher erhalten sie in der<br />

hübschen Vineria »Paradeis« (links)<br />

ALOIS LAGEDER<br />

Auf 55 biodynamisch bewirtschafteten Hektar<br />

reifen hier Trauben für Glanzstücke wie der<br />

Chardonnay »Löwengang« und der Pinot Grigio<br />

»Porer«. Famos sind die Kometen-Weine, für<br />

die Familie Lageder viel experimentiert. Bester Ort<br />

zum Probieren ist der Glyzinien-bewachsene<br />

Innenhof des »Paradeis«, Weinladen und Restaurant<br />

in einem historischen Ansitz.<br />

www.aloislageder.eu<br />

72 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 73


In Zukunft soll Jakob Gasser für<br />

die Trauben zuständig sein, die über<br />

300 Weinbauern in der Kellerei<br />

St. Michael-Eppan abladen<br />

Das Weingut von Elena Walch:<br />

Castel Ringberg (rechts). Auch das<br />

haben ihre Töchter Julia und<br />

Karoline (hinten) übernommen<br />

»Im Süden <strong>Südtirol</strong>s gibt es für<br />

unsere heimischen weißen Sorten keine Zukunft«<br />

CLEMENS LAGEDER<br />

»Es ist Ansporn für uns,<br />

als Frauen in einer Männerdomäne zu arbeiten«<br />

JULIA & KAROLINE WALCH<br />

neuen Kräuterextrakten, um die Kupferspritzungen zu<br />

minimieren. Er würde gern Schafe anschaffen. Und er<br />

möchte einen Süßwein kreieren. »Die großen Träume sind<br />

Realität geworden«, sagt er. »Jetzt müssen wir um die<br />

Details kämpfen.«<br />

Beim Weingut Alois Lageder, dem<br />

bekanntesten Weingut <strong>Südtirol</strong>s, ist der<br />

Generationswechsel schon vollzogen. Vater<br />

Alois hat das Weingut 2015 seinen<br />

beiden Töchtern und Sohn Clemens, 33,<br />

überschrieben. Letzterer hat die Geschäftsführung<br />

inne. Auch für ihn war die<br />

Rückkehr ins Weingut nicht selbstverständlich.<br />

Er hatte, als der Vater ihn mit<br />

der Nachfolgefrage konfrontierte, bereits<br />

zehn Jahre im Ausland gelebt und eigentlich<br />

andere Pläne: »Ich hatte Soziologie in<br />

Zürich studiert, war politisch links und<br />

interessierte mich für Ökologie. Ich hätte<br />

mir gut eine akademische Karriere vorstellen<br />

können.« Jetzt verfolgt er seine<br />

ökologischen Interessen eben konsequent<br />

im Weingut. Rührt frühmorgens Schachtelhalmbrühe,<br />

läuft mit der Handspritze<br />

durch die Weinberge, öffnet die Tore des<br />

mobilen Stalls, den er für seine 20 Kühe<br />

angeschafft hat, damit sie das wild wuchernde<br />

Grün zwischen den Rebzeilen<br />

KELLEREI<br />

ST. MICHAEL-<br />

EPPAN<br />

Vor allem für exzellente,<br />

zum Teil im Barrique<br />

ausgebaute Weißweine ist<br />

der Genossenschaftsbetrieb<br />

mit 330 Mitgliedern<br />

bekannt. Zu den Highlights<br />

gehören der cremige<br />

Weißburgunder »Schulthauser«<br />

und der elegante<br />

Sauvignon der Premiumlinie<br />

»Sanct Valentin«.<br />

www.stmichael.it<br />

abgrasen und dort ihren Dung hinterlassen. Sein Traum<br />

ist es, einen geschlossenen Hoforganismus mit Tier ­<br />

haltung zu schaffen. Die größte Herausforderung sieht<br />

Clemens Lageder im Klimawandel: »Der Süden <strong>Südtirol</strong>s<br />

wird immer wärmer, für unsere heimischen weißen Rebsorten<br />

gibt es hier keine Zukunft. Wir<br />

brauchen hitzebeständige Trauben.« Deswegen<br />

steht in der Vinothek des Weinguts<br />

in einigen Jahren vielleicht auch ein<br />

Assyrtiko im Regal. Die griechische Weißweinsorte<br />

befindet sich bereits im Anbau.<br />

Ebenso die rote Tannat, die eigentlich im<br />

Pyrenäenvorland zu Hause ist.<br />

Gerade in <strong>Südtirol</strong> ist die Frage der<br />

Nachfolge nicht immer eine Familiensache:<br />

Über drei Viertel des Weins werden<br />

genossenschaftlich gekeltert. Manche Betriebe<br />

wie die Kellerei St. Michael­Eppan<br />

spielen dabei ganz oben mit. Hans Terzer,<br />

der dort seit 1977 »regierender« Kellermeister<br />

ist, wurde in der Presse schon häufig<br />

als bester Weißweinmacher Italiens<br />

bezeichnet. »Ich kann auch Rotwein«, widerspricht<br />

er. Kürzlich hat er eine Pinot<br />

Noir Riserva aus der Taufe gehoben – die<br />

Fachwelt ist begeistert. Die Messlatte liegt<br />

also hoch für Jakob Gasser, den Terzer als<br />

seinen Nachfolger auserkoren hat, wenn<br />

er sich in drei Jahren zurückziehen wird. Doch dem<br />

26­Jährigen ist nicht bange vor der Verantwortung. Obwohl<br />

erst seit 2017 dabei, kennt er bereits jeden Weinberg<br />

der 330 Mitglieder. Er weiß, wo die Sonne um 17 Uhr<br />

untergeht und wo erst um 20 Uhr. »Mit dem Blauburgunder<br />

werden wir uns in <strong>Südtirol</strong> weiter profilieren«,<br />

ist er überzeugt. »Beim Weißburgunder<br />

spielen wir sowieso ganz vorne mit,<br />

und beim Sauvignon müssen wir uns vor<br />

niemandem in der Welt verstecken.«<br />

Mit ihren vielen Rebsorten, Böden und<br />

Höhenlagen ist die Weinregion <strong>Südtirol</strong><br />

äußerst vielfältig. Doch eines ist auch<br />

hier überall gleich: Die Weingüter werden<br />

meist von Männern geleitet. Eine Ausnahme<br />

ganz an der Spitze ist Elena Walch.<br />

Weine wie ihr Blauburgunder »Ludwig«<br />

sind vinologische Diamanten, die in einigen<br />

der besten Restaurants der Welt ausgeschenkt<br />

werden. Vor sechs Jahren haben<br />

Elena und ihr Mann Werner das Weingut<br />

den Töchtern Julia, 34, und Karoline, 33,<br />

überschrieben. Angst vor der Größe der<br />

Aufgabe kennen die Schwestern nicht.<br />

»Wir wollen uns auch weiterhin mit den<br />

Topweinen der Welt messen«, sagt Julia.<br />

Sie hat in Toulouse Geschichte studiert, in<br />

Brüssel Europäische Wissenschaften, in<br />

ELENA WALCH<br />

Mehrere gute Lagen<br />

gehören zu diesem viel<br />

beachteten Weingut, das<br />

Elena Walch vor einigen<br />

Jahren an ihre Töchter<br />

Julia und Karoline<br />

überschrieben hat.<br />

Die rund 30 Weine des<br />

vielfältigen Sortiments<br />

können im kleinen Ort<br />

Tramin gekauft oder dort in<br />

aller Ruhe im Gartenbistro<br />

gekostet werden.<br />

www.elenawalch.com<br />

Dijon Weinwirtschaft. Sie besitzt zwei Master­Abschlüsse,<br />

spricht vier Fremdsprachen, hat ein Weinbaupraktikum<br />

in Bordeaux gemacht und hätte vermutlich aufgrund ihrer<br />

Qualifikation auch in den diplomatischen Dienst ihres<br />

Landes eintreten können. »Aber ich bin gern nach <strong>Südtirol</strong><br />

zurückgekehrt«, bekennt sie. »Bergwandern,<br />

Reiten, die heimische Küche –<br />

all das möchte ich nicht missen.« Ähnlich<br />

Schwester Karoline: BWL in Graz, Master<br />

in Weinwirtschaft im australischen<br />

Adelaide, zwischendurch bei Mercedes<br />

gearbeitet und einen Sommelier­Kurs in<br />

Österreich absolviert. »Wir wollen das<br />

Rad kontinuierlich weiterdrehen«, sagt<br />

sie entschlossen. Das heißt: Den Fokus<br />

noch stärker auf die Lagen legen, die<br />

Nachhaltigkeit steigern, Bioprojekte starten.<br />

Beide sind hoch motiviert: »Als<br />

Frauen in einer Männerdomäne zu arbeiten,<br />

ist Ansporn für uns.«<br />

Trotz der hohen Erwartungen ist sie<br />

selbstbewusst, die junge Winzergeneration<br />

in <strong>Südtirol</strong>. Und weil sie ganz oben<br />

anfängt, kann sie in den Betrieben gleich<br />

die großen Herausforderungen angehen:<br />

sich auf den Klimawandel einstellen,<br />

nachhaltiger arbeiten – und die Weinwelt<br />

etwas weiblicher machen.<br />

n<br />

74 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 75


SERVICE ESSEN & TRINKEN<br />

Pizza<br />

Natürlich beherrschen<br />

sie im Norden die südita lienische<br />

Kunst des Pizzabackens:<br />

das »357«, also<br />

Trecinquesette, in Meran<br />

besticht durch knusprigdicke<br />

Krusten. Im hippen<br />

»Turonda« in St. Ulrich gibt’s<br />

modernisierte Klassiker<br />

und »frittierte Pizza«. Gute<br />

Drinks und Fusion­Food<br />

haben beide Läden.<br />

Meran, trecinquesette.it<br />

St. Ulrich, turonda.com<br />

Bistro & Fusion<br />

Gerade angesagt: »Im Kult«<br />

verbinden sich Design,<br />

Kultur und Genuss auf gut<br />

gelungene Art und Weise.<br />

Im »aLMa9« sitzt man<br />

im Garten eines Ex­Fliesenlagers<br />

und isst Organisches.<br />

Das »Waink’s« ist<br />

eine lässige Lounge Bar<br />

mit gutem Restaurant.<br />

Marling, www.imkult.com<br />

Bozen, www.alma9.com<br />

Bruneck, www.wainks.it<br />

Leiter am Waal<br />

Was darf’s sein? Waaler­<br />

Marende? Schlutzkrapfen?<br />

Speckknödel? Oder Leiters<br />

berühmte Marillenknödel,<br />

Mohnkrapfen,<br />

Apfelstrudel? »Wohlfühlen<br />

auf <strong>Südtirol</strong>erisch« lautet<br />

Familie Bauers Motto, alles<br />

hausgemacht. Große Klasse!<br />

Algund, Mitterplars 26<br />

www.leiteramwaal.com<br />

Spaß am Diktat<br />

der Jahreszeiten<br />

Die Kräuter kommen gerne mal aus dem eigenen<br />

Garten und das Gemüse vom Bauernhof nebenan:<br />

<strong>Südtirol</strong>s Küche besticht durch die lokalen Zutaten<br />

Tilia Restaurant<br />

Gute Produkte brauchen keine Schnörkel.<br />

Aber sie erfordern einen Chefkoch,<br />

der die individuelle Klasse hat, gute<br />

Produkte in gutes Essen zu verwandeln.<br />

Chris Oberhammer aus und in<br />

Toblach ist so einer. Geschult hat er sich<br />

in Brüssel und Monte Carlo, auch bei<br />

Alain Ducasse, um einen bekannten Namen<br />

zu nennen. Es blinkt der Michelin­Stern<br />

für Oberhammers Restaurant<br />

»Tilia«, und das schon seit 2007.<br />

Zwei, drei Hauptelemente hat er auf<br />

dem Teller, gern eigene Kräuter und<br />

eigenes Gemüse. Und viel Geschmack!<br />

Toblach, Dolomitenstr. 31B, www.tilia.bz<br />

Miil<br />

Das eine »i« im Namen »Miil« steht<br />

auf dem Kopf. Seit Yoga weiß man:<br />

Wer braucht Sterne, wenn er<br />

Steine hat: Othmar Raich<br />

im »Miil« kreiert Zauberhaftes<br />

Umkehrhaltungen sind gesund. Und<br />

alles, was Othmar Raich und sein<br />

Team im »Miil« zaubern, trägt schlagartig<br />

zum Wohlgefühl bei. Die Jahreszeiten<br />

diktieren seine Speisekarte,<br />

alles hat höchste Qualität und<br />

schmeckt hervorragend. Wer ihn mal<br />

bei einem Kochkurs erlebt, merkt: Er<br />

ist auch ein Typ, den man einfach mag.<br />

Tscherms, Gampenstr. 1, www.miil.it<br />

Zur Blauen Traube<br />

Halbe Sachen mag und macht er nicht,<br />

sagt Christoph Huber. Der Küchenchef<br />

des denkmalgeschützten Gasthofs<br />

»Zur Blauen Traube« kocht seit<br />

der Eröffnung als Wirtshaus im Jahr<br />

2019 »radikal lokal«. Die Ergebnisse<br />

auf dem Teller haben ihm viel Aufmerksamkeit<br />

zuteil werden lassen –<br />

das muss man in <strong>Südtirol</strong> erst mal<br />

schaffen!<br />

Algund, Alte Landstr. 44, www.blauetraube.it<br />

Restaurant AO<br />

Levin Grütens linken Oberarm ziert<br />

ein großflächiges Tattoo, sein Ge -<br />

sicht umrahmt ein Hipsterbart. Der<br />

smarte Belgier lernte ein halbes Jahr<br />

im »Noma« in Kopenhagen, einst<br />

Nonplusultra aller Gourmetreisenden,<br />

und zelebriert nun zusammen mit<br />

Simon Pichler am Herd ein tolles<br />

Zusammenspiel aus Tradition und<br />

Moderne, das das Restaurant zu einem<br />

der Shootingstars der Region<br />

hat werden lassen. Simons Schwester<br />

Teresa ist die charmante Gastgeberin<br />

des Gourmetwirtshauses mit Hotelbetrieb<br />

(18 Suiten im Weinberg).<br />

Oberhalb von Brixen in Kranebitt<br />

scheint die Sonne hoffentlich lang auf<br />

dieses Team.<br />

Brixen, Weinbergstr. 68, www.byhaller.com<br />

Zum Löwen<br />

Im »Löwen« in Tisens, wo die über<br />

die Grenzen des Landes bekannte<br />

Spitzenköchin Anna Matscher am<br />

Herd steht und ihre Brigade dirigiert,<br />

arbeitet auch deren Tochter Elisabeth.<br />

»Das Restaurant«, sagt die 31-Jährige,<br />

»ist mein Leben.« Und die Leidenschaft<br />

für das Gute in der Kulinarik<br />

hat Elisabeth Matscher Sommelière<br />

werden lassen. Sie tritt so in die Fußstapfen<br />

von Vater Luis. Die Weine<br />

des Pfannenstielhofs (siehe S. 70) sind<br />

fester Bestandteil ihrer Weinkarte,<br />

ebenso wie Silvaner und Veltliner<br />

1/ 2<br />

Mehr Raum.<br />

-Anzeige<br />

Mehr Licht.<br />

Mehr Urlaub.<br />

Platz für Genießer: Das Restaurant<br />

»Zum Löwen« lebt von<br />

Anna Matschers Kochkünsten<br />

vom Kuenhof. Schon mit 14 hat Elisabeth<br />

Matscher begonnen, im Service<br />

zu arbeiten. Ein Architekturstudium<br />

gab sie auf, um sich dem Wissen um<br />

den Wein zu widmen: »Mein Vater<br />

liebt Burgund, ich liebe <strong>Südtirol</strong>«, sagt<br />

sie. <strong>Südtirol</strong>er Weine machen 90 Prozent<br />

der Weinkarte aus.<br />

Tisens, Hauptstr. 72, www.zumloewen.it<br />

Die Magie der Vielfalt<br />

im Meraner Land<br />

Mit dabei bester Service und<br />

kompetente Beratung, wenn es ums<br />

Wandern, Genussradeln und Biken geht. Dazu<br />

gesellen sich duftender Zierbelkiefer in Ihrem<br />

Zimmer, die raffinierte Naturküche und die<br />

alpine Wellness voller Tradition.<br />

Kurz gesagt: vitalpina pur…<br />

Neu: Vista Spa mitten in den Apfelgärten<br />

76 <strong>MERIAN</strong><br />

VITALPINA<br />

HOTEL WALDHOF<br />

Hans-Guet-Straße 42<br />

I-39020 Rabland/Partschins bei Meran<br />

Tel. 0039 0473 968 088<br />

E-Mail: info@hotelwaldhof.it<br />

www.hotelwaldhof.it<br />

<strong>MERIAN</strong> 77


<strong>MERIAN</strong> MEISTERSTÜCK<br />

TEXT SILVIA TYBURSKI<br />

Das Eis<br />

wird dünn<br />

Mit seiner Installation »Our glacial<br />

perspectives« in den Ötztaler Alpen<br />

bringt der Künstler Olafur Eliasson die<br />

Besucher der Berge zum Nachdenken –<br />

auch über den Zustand der Gletscher<br />

D<br />

ie Welt ist die Leinwand des Künstlers<br />

Olafur Eliasson. Der 54-Jährige, der in<br />

Kopenhagen geboren wurde und dort<br />

und in Berlin lebt, verbindet seine<br />

Kunst oft mit Landschaft: 2008 etwa<br />

ließ er vier bis zu 40 Meter hohe künstliche Wasserfälle<br />

in New York bauen, zwischen 1998 und 2001<br />

färbte er mit dem (unschädlichen) Pulver Uranin<br />

ganze Abschnitte von Flüssen etwa in Stockholm,<br />

Tokio und Los Angeles giftgrün.<br />

Jetzt ist Eliasson in die Berge gestiegen. Ge nauer<br />

gesagt auf die gut 3200 Meter hohe Grawand in den<br />

Ötztaler Alpen. Hier, am Hochjochferner Gletscher,<br />

steht seit Oktober 2020 eines seiner neuesten Werke,<br />

es heißt »Our glacial perspectives« und steht in erhabener<br />

Einsamkeit.<br />

Die Installation beginnt mit einem 410 Meter<br />

langen Weg durch neun Tore auf dem Bergkamm.<br />

Sie sind in Abständen angeordnet, die den zeitlichen<br />

Intervallen der vergangenen Eiszeiten entsprechen.<br />

Am Ende erreicht man einen Pavillon, der aus drei<br />

Elementen besteht: einer Aussichtsplattform in der<br />

Die Grawand ist für Olafur<br />

Eliasson (re.) Teil der Installation.<br />

Neun Tore symbolisieren die<br />

Eiszeiten der Erdgeschichte und<br />

führen zu einem Pavillon in<br />

gut 3200 Meter Höhe<br />

Mitte, einem äußeren Stahlkonstrukt, das die Nord-<br />

Süd- und die Ost-West-Achse der Himmelsrichtungen<br />

sowie die Horizontlinie anzeigt, und aus schräg<br />

stehenden Stahlringen, die mit blauen Glasscheiben<br />

versehen sind. Diese markieren den Lauf der Sonne<br />

zur Sommersonnenwende, zur Tagundnachtgleiche<br />

und zur Wintersonnenwende.<br />

Eliasson will den Betrachtern aber nicht nur<br />

Orien tierung in Zeit und Raum verschaffen, er<br />

möchte sie vor allem zum Perspektivwechsel auffordern.<br />

Wie wäre es zum Beispiel, fragt er, wenn wir<br />

die Welt nicht aus unserer menschlichen Sicht, also<br />

vom Standpunkt der Erfinder und Eroberer aus, betrachteten<br />

und unser Handeln danach ausrichteten,<br />

sondern wenn wir die Welt aus Sicht der Natur sähen<br />

– etwa der eines Gletschers? Diese »glaziale Perspektive«<br />

soll daran erinnern, welch kleines Licht wir<br />

Menschen gemessen an den Dimensionen der Erdgeschichte<br />

sind – wenn auch eines, das die Welt auf<br />

extreme Weise verändert. Die Lage am Hochjochferner<br />

Gletscher, der in der letzten Eiszeit (vor etwa<br />

110 000 bis 10 000 Jahren) entstand, ist perfekt für<br />

Eliassons Denkanstoß. Wo der Anblick der mächtigen<br />

umliegenden Berge wie die Weißkugel und die<br />

Wildspitze ihre Besucher beeindruckt, entlässt eben<br />

dieser Blick sie im Idealfall mit ein wenig Demut<br />

wieder in ihren Alltag.<br />

Rund 200 000 Gletscher gibt es weltweit, 5000<br />

davon liegen in den Alpen. Respekt und Schutz<br />

von Seiten der Menschen brauchen sie dringend. Der<br />

Hochjochferner Gletscher ging allein seit 1970<br />

um 1200 Meter zurück, zwischen August 2018 und<br />

August 2019 brach die Hauptgletscherzunge endgültig<br />

vom oberen Teil ab. In den 1970er Jahren reichte<br />

sie noch bis zur Schutzhütte Schöne Aussicht, etwa<br />

eine Stunde Fußmarsch von Eliassons Kunstwerk<br />

entfernt. Immerhin: Hier an der Grawand versuchen<br />

sie, ihren Eisriesen zu schützen, indem sie ihn sommers<br />

mit einem weißen Vlies bedecken. Skifahren<br />

ist nur noch von September bis Mai erlaubt.<br />

Es gibt ein Video auf YouTube, das den Bau von<br />

Eliassons Pavillon zeigt. Man sieht, wie Mensch und<br />

Kunst, noch bevor das Werk fertig ist, den Kräften der<br />

Natur ausgesetzt sind, wie diese die Installation bereits<br />

im Entstehen verändern: Schnee bedeckt die Stahlbögen<br />

und -streben, es bilden sich Eiszapfen, die wieder<br />

schmelzen. Es ist wie eine Erinnerung daran, dass<br />

es die Natur ist, die am Ende die Regeln vorgibt. n<br />

Der Weg zur Installation Mit der Schnalstaler Gletscherbahn<br />

in Kurzras geht es in 6 Minuten hinauf zur Bergstation<br />

auf 3212 Metern, von der man die Installation bereits sehen<br />

kann. Von hier erreicht man »Our glacial perspectives«<br />

zu Fuß in wenigen Minuten. Die Bergstation ist zugleich ein<br />

Hotel (www.grawand.com).<br />

Schnalstaler Gletscherbahn Tel. 0473 662171<br />

www.schnalstal.com<br />

78 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 79


SERVICE KULTUR<br />

Messners Schloss<br />

Bergwelt hoch 6<br />

Bergsteiger Reinhold<br />

Messner hat sechs<br />

Messner Mountain<br />

Museen (MMM)<br />

eröffnet, jedes widmet<br />

sich einem anderen<br />

Bereich der Bergwelt.<br />

Die Themen reichen<br />

von ihren Mythen (im<br />

MMM Juval, einem<br />

Schloss) über ihre<br />

Gletscher (im unterirdischen<br />

MMM<br />

Ortles) bis zum Bergsteigen<br />

(im von Zaha<br />

Hadid entworfenen<br />

MMM Corones). Was<br />

alle Häuser gemeinsam<br />

haben: spannende<br />

Ausstellungen und<br />

einzigartige Lagen.<br />

Für den Besuch mehrerer Häuser<br />

empfiehlt sich das MMM-Tour-Ticket:<br />

www.messner-mountain-museum.it<br />

... ist ein Highlight unter <strong>Südtirol</strong>s Museen. Auch<br />

beeindruckend: zeitgenössische Kunst im Gefängnis<br />

und eine der größten privaten Rüstungssammlungen<br />

BURGEN<br />

<strong>Südtirol</strong> zählt rund 800 Burgen und<br />

Schlösser, kaum irgendwo sonst in<br />

Europa findet sich eine größere Dichte<br />

an Burgen und Adelsresidenzen.<br />

Viele beherbergen Besonderheiten<br />

und Schätze, etwa diese beiden:<br />

Schloss Tirol<br />

Keine andere Burg ist so sehr mit der<br />

Identität <strong>Südtirol</strong>s verwoben wie diese,<br />

schließlich gab die Festung der<br />

Grafen von Tirol dem Land seinen<br />

Namen. Seit dem 11. Jahrhundert<br />

thront das Wahrzeichen auf einer Anhöhe<br />

hoch über Meran, seine Ringmauer,<br />

errichtet um 1100, gehört zu<br />

den ältesten noch erhaltenen Burgmauern<br />

überhaupt. Bei so viel Historie<br />

erstaunt es nicht, dass im Innern<br />

passenderweise das <strong>Südtirol</strong>er Landesmuseum<br />

für Kultur- und Landesgeschichte<br />

untergebracht ist. Zum<br />

Rundgang gehört auch ein Stopp in<br />

der Burgkapelle mit ihren gotischen<br />

Wandmalereien.<br />

Dorf Tirol, Schlossweg 24, www.schlosstirol.it<br />

Churburg<br />

Eine der schönsten Burgen <strong>Südtirol</strong>s<br />

ragt am Eingang zum Matscher Tal<br />

bei Schluderns in die Höhe. Seit mehr<br />

als 500 Jahren gehört die Churburg<br />

aus dem 13. Jahrhundert zum Besitz<br />

der Grafen von Trapp. Besonders<br />

sehenswert ist der dreistöckige Arkadenhof<br />

mit Marmorsäulen und kunstvoll<br />

bemalten Renaissance-Gewölben.<br />

Die Rüstkammer beherbergt eine der<br />

größten privaten Sammlungen an<br />

maßgeschneiderten Rüstungen, Streit -<br />

äxten, Armbrüsten und Schwertern.<br />

Schluderns, Churburggasse 1<br />

www.churburg.com<br />

MODERNE KUNST<br />

Museion<br />

Die Sammlung des Museion umfasst<br />

mehr als 4000 Werke von 1990 bis<br />

heute, hinzu kommen Sonderausstellungen<br />

mit internationalen Künstlern.<br />

Doch das Museum für moderne und<br />

zeitgenössische Kunst ist nicht nur für<br />

seine Exponate bekannt. Schon das<br />

futuristisch anmutende Gebäude, ein<br />

gläserner Kubus, fällt ins Auge, vor<br />

allem im Sommer, wenn seine Außenfassade<br />

für Projektionen von Videokunst<br />

genutzt wird. Den schönsten<br />

Blick auf das Museum hat man von<br />

der anderen Seite der Talfer, über die<br />

eine elegante Brücke führt.<br />

Bozen, Piero Siena Platz 1, www.museion.it<br />

Kunst Meran<br />

Der Spagat zwischen Mittelalter und<br />

Moderne gelingt diesem Museum in<br />

der historischen Laubengasse. Hinter<br />

der denkmalgeschützten Fassade vereint<br />

es auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche<br />

wechselnde künstlerische<br />

Präsentationen von bildender<br />

Kunst, Architektur, Literatur, Musik,<br />

Fotografie und Medien.<br />

Meran, Lauben 163<br />

www.kunstmeranoarte.org<br />

Galerie Gefängnis<br />

Die Galerie zeigt seit 2007 in den<br />

Räumlichkeiten des einstigen Gefängnisses<br />

von Kaltern wechselnde<br />

Ausstellungen zeitgenössischer<br />

Kunst. Dabei werden jeweils zwei<br />

Künstler/innen eingeladen, die<br />

ehemaligen Zellen zu bespielen.<br />

Kaltern, Pater Bühel<br />

www.gefaengnislecarcerigalerie.it<br />

TRADITION<br />

UND KULTUR<br />

Landesmuseum für Volkskunde<br />

Wie lebte der Landadel? Wie sah<br />

der Alltag von Bauern und Handwerkern<br />

im 15. bis 19. Jahrhundert<br />

aus? Das erfährt man im <strong>Südtirol</strong>er<br />

Volkskundemuseum. Herzstück<br />

des Areals ist der Gutshof<br />

Mair mit verschiedenen Sammlungen,<br />

Wirtschaftsgebäuden und<br />

barockem Garten. Hinzu kommt<br />

ein Freilichtgelände mit rund zwei<br />

Dutzend alter Bauwerke aus verschiedenen<br />

Tälern <strong>Südtirol</strong>s.<br />

Bruneck, Herzog-Diet-Str. 24<br />

www.volkskundemuseum.it<br />

Um das Verhältnis von Mensch<br />

und Berg geht es im Messner<br />

Mountain Museum Firmian auf<br />

Schloss Sigmundskron bei Bozen<br />

Museo Ladin Ciastel de Tor<br />

Im Rest Europas weiß man wenig<br />

über die Ladiner. Das Museum im<br />

Schloss Thurn gibt mit vielseitigen<br />

Exponaten – von Handwerkskunst<br />

bis zu multimedialen Präsentationen<br />

– Einblick in Geschichte<br />

und Leben der Dolomiten­Bewohner.<br />

St. Martin in Thurn, Torstr. 65<br />

www.museumladin.it<br />

Touriseum<br />

Durch zwei Jahrhunderte alpinen<br />

Tourismus führt die Ausstellung<br />

im Meraner Schloss Trauttmansdorff<br />

– einst Feriensitz von Kaiserin<br />

Sisi. Auch einen Blick in die<br />

Zukunft wagt das Haus: Wie wird<br />

sich das Reisen verändern durch<br />

Themen wie Umweltschutz oder<br />

die Corona­Krise?<br />

Meran, St. Valentin-Str. 51a<br />

www.touriseum.it<br />

HOTEL<br />

Hotel Tyrol<br />

Villnöss, <strong>Südtirol</strong><br />

UNESCO Welterbe<br />

Dolomiten<br />

www.tyrol-hotel.eu<br />

DOLOMITES<br />

SLOW<br />

LIVING<br />

Fenster<br />

auf.<br />

Sprachlos.<br />

Panorama-View,<br />

natürliche<br />

Materialien, lokalsaisonale<br />

Küche,<br />

Pool, Whirlpool,<br />

Sauna, Dampfbad,<br />

Relax.<br />

80 <strong>MERIAN</strong>


Stallluft<br />

macht Laune<br />

Dicht dran an großen Tieren:<br />

55 Milchkühe leben auf dem<br />

Großplonerhof. Die Kinder<br />

hoffen, dass während ihrer Zeit<br />

am Hof ein Kalb zur Welt<br />

kommt – dann dürften sie den<br />

Namen bestimmen<br />

Mit drei Stadtkindern auf den Bergbauernhof – geht das noch gut,<br />

wenn der Nachwuchs übers Streichelzoo-Alter hinaus ist?<br />

Ein Selbstversuch mit Kühen, Katzen und Knödeln nach <strong>Südtirol</strong>er Art<br />

TEXT KATHRIN SANDER FOTOS STEFANO SCATA<br />

<strong>MERIAN</strong> 83


So schmecken die Berge: Bäuerin<br />

Elisabeth Kaser (links) bringt<br />

ihren Gästen bei, wie man Speckknödel<br />

macht – natürlich mit<br />

Milch und Eiern vom Hof<br />

Ein Idyll auf 1000 Metern: Der<br />

Großplonerhof oberhalb von<br />

Lüsen wird schon seit mehr als<br />

30 Generationen bewirtschaftet<br />

S<br />

Soraya wiegt um die 700 Kilo und schaut beim Fressen auf sanfte,<br />

sattgrüne Hänge voller Lärchen. Würde sie den Blick etwas nach<br />

rechts wenden, sähe sie aus ihrem Panorama-Stall auf die 2517 Meter<br />

hohe schneebedeckte Karspitze. Aber weil Soraya eine schwarzbunte<br />

Milchkuh ist, interessieren sie das Heu und die Silage im<br />

Futtertrog mehr als die majestätische Landschaft und auch mehr<br />

als der 13-Jährige, der neben ihr steht und ihr vorsichtig die Stirnhaare<br />

zwischen den Ohren krault.<br />

Urlaub auf dem Bauernhof ist für uns ein Experiment. Wir sind<br />

eine Familie mit zwei Teenagern, 15 und 13, dazu ein willensstarker<br />

Neunjähriger. Geht das noch, Stadtkinder in diesem Alter für Ruhe,<br />

Berge und Stalltiere zu begeistern? Oder hängen wir als Eltern einem<br />

Idealbild hinterher, dessen Chance auf Realisierung wir verpasst<br />

haben, weil süße Katzenbilder auf Instagram die Kinder mittlerweile<br />

mehr fesseln als echte Tiere?<br />

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, vor knapp 16 Jahren,<br />

machten mein Mann und ich zum ersten Mal Urlaub auf einem<br />

<strong>Südtirol</strong>er Bauernhof. Freunde hatten uns den Roten<br />

Hahn empfohlen, eine Organisation unter dem Dach<br />

des <strong>Südtirol</strong>er Bauernbundes. Als Paar waren wir<br />

damals sicher: Wir kommen als Familie wieder. Und<br />

da sind wir nun, wenn auch deutlich später als geplant<br />

– auf einem Hof, den wir wieder beim Roten<br />

Hahn gefunden haben: den Großplonerhof oberhalb<br />

von Lüsen im Eisacktal. Wie gesagt: Es ist ein Experiment.<br />

Die große Tochter läuft auf Krücken, weil<br />

sie sich zwei Tage vor der Abfahrt das Band gerissen<br />

hat, der kleine Sohn kann zwar laufen, will von<br />

»wandern« aber nichts wissen, und der 13-Jährige<br />

steht nun im Stall vor Soraya und kommt einer<br />

Milchkuh so nah wie nie zuvor in seinem Leben.<br />

Es ist unser erster Tag auf dem Großplonerhof.<br />

Elisabeth Kaser ist die Bäuerin hier oben, in knapp<br />

1000 Meter Höhe – und eine Gastgeberin, wie man<br />

sie sich herzlicher nicht wünschen kann. Zwei Ferienwohnungen<br />

vermieten sie und ihr Mann Martin auf<br />

SPECKKNÖDEL<br />

SÜDTIROLER ART<br />

Zutaten: (4 Personen / ca. 8 Knödel)<br />

80 g Speck, in feine Würfel<br />

geschnitten<br />

1/2 Zwiebel<br />

150 g schnittfestes Weißbrot oder<br />

Knödelbrot<br />

20 g Butter (1 EL)<br />

40 g Mehl (2 EL)<br />

etwa 100 ml Milch oder Wasser<br />

2 Eier<br />

1 EL Petersilie oder Schnittlauch, fein<br />

geschnitten<br />

Salz<br />

Zubereitung: Das Weißbrot in kleine<br />

Würfel schneiden. Die in feine Würfel<br />

geschnittene Zwiebel in der Butter<br />

dünsten, über das Brot geben und<br />

vermischen. Das Mehl und den<br />

Speck untermengen. Eier, Milch,<br />

Petersilie und Salz verrühren, über<br />

das Brot geben und alles gut vermengen.<br />

Die Masse etwa 15 Minuten<br />

ziehen lassen. Knödel formen und<br />

in kochendes Salzwasser geben,<br />

15-20 Minuten halb zugedeckt<br />

sieden lassen. Dazu passt Rote Bete.<br />

<strong>MERIAN</strong> 85


Wenn auf dem Hof<br />

gebacken wird, dann im<br />

großen Stil. 48 Brote<br />

formen Großmutter<br />

Ida Kaser und Autorin<br />

Kathrin Sander<br />

dem Hof, erst vor ein paar Jahren kam noch ein elegantes Chalet<br />

aus Zirbenholz dazu. Die Kasers haben vier Kinder, Fabian,<br />

Magdalena, Florian und Marie, außerdem wohnen Oma Ida und<br />

Opa Franz auf dem Hof, genau wie Franz’ Bruder Hansl. Oft ist auch<br />

Martins Schwester auf dem Hof und hilft beim Melken. Alle arbeiten<br />

und essen zusammen, zehn Leute am Mittagstisch sind für<br />

Elisabeth normaler Alltag.<br />

»Früher war ich mir ganz sicher: Niemals heirate ich einen Bauern«,<br />

sagt sie: »Jetzt weiß ich, etwas Besseres konnte mir gar nicht passieren.«<br />

Ihr Mann Martin hat den Hof von seinen Eltern übernommen,<br />

der älteste Sohn Fabian hat Spaß an der Landwirtschaft und wird<br />

vielleicht eines Tages das Gleiche tun. »Ich sage den Kindern manchmal,<br />

wir leben hier im Paradies«, erzählt Elisabeth. Ihre Idee war es<br />

auch, sich ab und zu Gäste ins Paradies zu holen. Gäste, denen sie<br />

nicht nur schöne Wohnungen vermietet, sondern die mit anpacken<br />

dürfen, wenn sie denn wollen. Beim Melken und Füttern genauso<br />

wie beim Kochen und Backen.<br />

Wir entscheiden uns für das volle Programm, und so stehen die<br />

Jungs aufgeregt Punkt 17 Uhr im Melkstand und lernen, dass der<br />

Euter einer Milchkuh Pflege bedarf und eingecremt wird. Und sie<br />

merken, dass Melken Übung braucht, an jede Zitze muss der richtige<br />

Melkbecher, an dem der Milchschlauch hängt. Zehn Kühe sind auf<br />

einmal an der Reihe. Die Jungs legen die Becher an, beobachten die<br />

Digitalanzeige, auf der die Liter gezählt werden, sperren Gatter auf<br />

und zu, desinfizieren die Schläuche und tätscheln die Kühe, als wären<br />

sie alte Freunde. 55 Milchkühe haben die Kasers, zweimal am Tag<br />

wird gemolken, morgens um fünf und wieder abends um fünf.<br />

Martin lässt uns eine Tasse von der Milch probieren, sie ist noch<br />

warm und schmeckt wohlig fett. Er kann sich ein Lächeln nicht verkneifen,<br />

als er sieht, wie ungewohnt sie für uns schmeckt: »Es gibt<br />

Milch im Supermarkt in allen Sorten, fettarm und laktosefrei, aber<br />

kaum einer weiß noch, wie sie wirklich schmeckt.« Ob er morgen<br />

wieder melken dürfe, fragt mein Jüngster am Abend im Bett. Und<br />

ob wir nicht auch zumindest eine Katze haben könnten, wenn schon<br />

keine Milchkühe möglich sind.<br />

Tatsächlich waren es deutsche Städter, die den Bauernhof-Urlaub<br />

in <strong>Südtirol</strong> populär machten. Zwar gab es schon ab den 1850er Jahren<br />

vereinzelt Sommerfrischler aus Italiens Städten, die zur Erholung aufs<br />

Land fuhren, aber erst die Deutschen, die ab den<br />

1960ern hierher kamen, sorgten dafür, dass das<br />

Konzept sich auch in Italien durchsetzte. Wobei<br />

der Hofurlaub von damals nicht mit dem zu vergleichen<br />

ist, was wir heute auf dem Großplonerhof<br />

erleben. Denn noch bis in die 1990er Jahre<br />

waren Ferienzimmer auf dem Bauernhof oft<br />

schlicht die Kinderzimmer der Familie; Mädchen<br />

und Jungen wurden den Sommer über umquartiert,<br />

um Platz für die Gäste zu schaffen.<br />

E<br />

s war ein gutes Gespür für Zeitgeist einerseits<br />

und wirtschaftliche Notwendigkeiten<br />

andererseits, dass die Organisation<br />

der Landwirte 1998 den Roten Hahn<br />

gründen ließ. Der Bauernbund schlug so gleich<br />

mehrere Fliegen mit einer Klappe: Gerade<br />

kleine Betriebe bekamen neue Verdienstmöglichkeiten,<br />

das wiederum sicherte das Überleben<br />

der Dörfer – anders als etwa im benachbarten<br />

Trentino, wo verlassene Weiler die Region vor<br />

schwierige Herausforderungen stellen. Und drittens<br />

gelang es so, ein Qualitätssiegel für den<br />

Bauernhof-Urlaub zu etablieren: Ähnlich wie<br />

Sterne für Hotels symbolisieren die ein bis fünf<br />

Blumen bei den Bauernhöfen unterschiedliche<br />

Standards. Wobei, das ist Kevin Huck vom Roten<br />

Hahn ganz wichtig: »Es geht hier nicht nur um<br />

Luxus und die schönsten Apartments.« Die Kriterien<br />

sind deutlich vielfältiger, hinein spielt etwa,<br />

ob und wie die Bauernfamilie die Gäste betreut<br />

und in den Hofalltag einbindet oder ob den Gästen<br />

hofeigene Produkte zur Verfügung stehen.<br />

Die gibt es bei den Kasers in großer Auswahl:<br />

Eier holen die Kinder morgens aus dem Hühnerstall,<br />

der Honig kommt von den eigenen Bienen,<br />

im Gemüsegarten pflücke ich den Salat fürs<br />

Abendessen, und das wirklich Allerbeste – da ist<br />

Da haben wir den Salat. Im großen<br />

Gemüsegarten dürfen sich die Kinder<br />

bedienen. Und stellen fest: Kräuter<br />

und Gemüse schmecken doppelt so gut,<br />

wenn man sie selbst geerntet hat<br />

86 <strong>MERIAN</strong>


Arbeit gibt’s immer auf dem Hof,<br />

aber für die Gäste auch viel Platz<br />

zum Entspannen – auf Bänken<br />

draußen oder im Gemeinschaftsraum<br />

aus Zirbenholz<br />

Gelungene Annäherung: Felix (13)<br />

und Luis (9) verbringen so viel Zeit<br />

bei den Hühnern, bis eins auf der<br />

Schulter bleibt. Der Trick: aus<br />

der Hocke langsam hochkommen<br />

sich meine ganze Familie einig – ist Kasers <strong>Südtirol</strong>er Bauernbrot.<br />

Elisabeth freut sich, dass wir alle davon schwärmen und lädt uns ein:<br />

Am nächsten Morgen dürfen meine Tochter Lilly und ich mit Oma<br />

Ida Brot backen. Und noch etwas, sagt Elisabeth, sollten wir unbedingt<br />

lernen, wenn wir in <strong>Südtirol</strong> sind: Speckknödel nach Bauernart.<br />

Als wir uns morgens um acht zum Brotbacken in der Küche<br />

treffen, wird mir allerdings bewusst, dass die Kasers in ganz anderen<br />

Dimensionen backen als wir zu Hause für ja immerhin auch<br />

schon fünf hungrige Menschen. Den Teig bereiten wir aus 20 Kilo<br />

selbst gemahlenem Dinkelmehl zu, später kommen noch ein paar<br />

Kilo Roggenmehl, Hefe, Wasser, Salz hinzu – und eine ordentliche<br />

Portion Brotklee. Ein Gewürz, das auch im Garten der Kasers<br />

wächst und das Ida und Elisabeth getrocknet haben. 48 Brote formen<br />

wir aus den Teigmassen, ein stolzes Regiment handlicher Fladen,<br />

die im Ofen unter der Treppe gebacken werden. Elisabeth hat<br />

schon frühmorgens angefeuert, und als die ersten Brote aus dem<br />

Feuer kommen, duften der Flur und die Stube nach dem leckersten<br />

Brot der Welt. Bei den Knödeln hilft uns Elisabeth, der Teig (Rezept<br />

S. 85) darf nicht zu weich sein, die Knödel müssen schön rund sein,<br />

richtig fest – und ganz wichtig: Das Wasser muss kochen, wenn die<br />

Knödel in den Topf kommen. Als mein Jüngster seinen Knödel<br />

lieber wie ein Ufo formen möchte, sagt Elisabeth, wunderbar, das<br />

schmecke dann bestimmt ganz besonders gut.<br />

Und weil wir auf den Geschmack kommen, machen<br />

wir weiter: wagen uns an Rote-Bete-Knödel –<br />

Rohnenknödel, wie sie in <strong>Südtirol</strong> heißen – und zum<br />

Dessert gibt’s süße Knödel mit Pflaumenfüllung. Wir<br />

kochen, essen, schauen auf die Berge, und unsere<br />

Wanderungen sind allenfalls Spaziergänge. Zwischendurch<br />

rollen sich die Jungs wie Baumstämme die steil<br />

abfallende Wiese unterhalb des Kuhstalls hinunter.<br />

Meine Tochter hat stundenlang eine braun-weiße<br />

Katze namens Linda auf dem Schoß, der Kleine kuschelt<br />

wann immer möglich mit dem schwarzen Kater<br />

Bagira, und als wir wieder nach Hause fahren müssen,<br />

sind wir uns in drei Dingen absolut einig. Erstens: Wir<br />

kommen zurück. Zweitens: Man kann die Berge beim<br />

Wandern entdecken, aber wesentlich bequemer geht<br />

das auch bei Knödeln und Bauernbrot. Und drittens:<br />

Kein Kind und kein Erwachsener ist je zu alt für<br />

Urlaub auf dem Bauernhof.<br />

n<br />

FERIEN AUF DEM<br />

BAUERNHOF<br />

Roter Hahn heißt <strong>Südtirol</strong>s wichtigste<br />

Plattform für Urlaub auf dem Bauernhof.<br />

Die Organisation unter dem<br />

Dach des <strong>Südtirol</strong>er Bauernbundes<br />

vereint rund 1700 Höfe und ist in<br />

vier Sparten aktiv. Neben Betrieben,<br />

die Gäste aufnehmen, wie der<br />

Großplonerhof oberhalb von Lüsen<br />

(www.grossplonerhof.com), sind hier<br />

auch bäuerliche Schankbetriebe<br />

organisiert sowie Höfe, die besonderes<br />

Handwerk oder eigene Produkte<br />

wie Säfte, Käse, Essig oder Wein<br />

anbieten. Bei den Ferienhöfen gelten<br />

strenge Kriterien, so dürfen die<br />

Betriebe nur maximal fünf Ferienwohnungen<br />

oder acht Zimmer<br />

anbieten, und die Landwirtschaft<br />

muss Schwerpunkt der Arbeit sein.<br />

Je nach Ausstattung und Angeboten<br />

wie etwa einem Hofladen oder<br />

Aktivitäten für die Gäste sind die<br />

Höfe mit ein bis fünf Blumen<br />

bewertet. Informationen zu allen<br />

Höfen und Buchungsanfragen unter:<br />

www.roterhahn.it<br />

Die steile Wiese liegt direkt vorm<br />

Kuhstall. Beim Weg nach oben haben<br />

die Kinder die Berge im Blick. Runter<br />

geht’s schneller – sie lassen sich rollen<br />

<strong>MERIAN</strong> 89


<strong>MERIAN</strong> CITY-TRIP<br />

48 STUNDEN IN<br />

Die Adlerbrücke verbindet Stufels<br />

mit dem Stadtkern, aus dem Brixens<br />

Wahrzeichen emporragen – der<br />

Weiße Turm der Pfarrkirche und die<br />

Doppelspitze des großen Doms<br />

Brixen<br />

»Warum lebe ich noch hier?«, fragt sich Kabarettist Lukas Lobis<br />

manchmal. Beim Spaziergang durch seine schnuckelige Heimatstadt<br />

fällt es ihm jedes Mal wieder ein. Seine Lieblingsorte:<br />

J<br />

a, ich weiß: Weltbürger möchte<br />

man sein, überall daheim und in<br />

jedem Hafen eine Braut. Dass man,<br />

wie ich, in Brixen geboren wurde, ist da<br />

kein Hindernis. Im Gegenteil: Eine<br />

Kleinstadt im Gebirge eignet sich hervorragend<br />

als Startpunkt für eine Karriere<br />

als Weltbürger. Die Lust, aus beengten<br />

Verhältnissen auszubrechen, und der<br />

Bruch mit Tradition im konservativen<br />

Umfeld gehören schließlich zum Einmaleins<br />

des jugendlichen Widerstands. Und<br />

trotzdem gingen die Jahre ins Land, und<br />

ich bin immer noch Brixner.<br />

Ich wohne im Norden der Stadt. Ein<br />

Haus am Hang – das mag in Holland<br />

oder im niederösterreichischen Marchfeld<br />

als Alleinstellungsmerkmal gelten,<br />

bei uns ist es das Normalste der Welt. Wir<br />

haben fast nur Hänge. Und an diesen<br />

Hängen wächst unser Wein. Ich nenne<br />

die Hügel zwischen Brixen und Elvas<br />

auch gern die Toskana des Eisacktals.<br />

Ein gutes Glas Eisacktaler Weißwein<br />

ist der beste Start für einen Brixen-<br />

Besuch. Mittendrin in den Hügeln thront<br />

der Hoandlhof: Manni Nössing ist ein<br />

leidenschaftlicher Winzer mit fantastischen<br />

Weinen. In seinem Verkostungsraum<br />

haben wir schon öfters abends die<br />

Lösungen für so manches Weltproblem<br />

gefunden – nur konnten wir uns am<br />

nächsten Tag nie mehr an die Lösungen<br />

erinnern. Rund um Brixen werden übrigens<br />

fast ausschließlich Weißweine angebaut.<br />

Es sind vor allem junge Winzer, die<br />

in den letzten Jahren begonnen haben,<br />

ihre Trauben selbst zu keltern – statt sie<br />

den großen Kellereien zu liefern. Das hat<br />

noch keine Tradition, aber gerade das ist<br />

in einer Stadt wie Brixen erfrischend.<br />

Mein erstes Ziel in der Innenstadt ist<br />

in der Regel das Café Pupp, wo ich mir<br />

ein »Schokolade-Gipfele« hole. Aber<br />

Vorsicht: Konditormeister Christian füllt<br />

mindestens das Dreifache der üblichen<br />

Menge an leckerer Schokoladencreme<br />

in die Croissants, die unter Brixnern<br />

äußerst beliebt sind. Auch der Kaffee ist<br />

hier gut. Und Kaffee gehört zu Brixens<br />

Lifestyle: Wenn man im kleinen Zentrum<br />

zufällig auf Bekannte trifft, führt der<br />

gemeinsame Weg unweigerlich an den<br />

Tresen des nächsten Cafés, auf einen<br />

Lukas Lobis, 1966 in<br />

Brixen geboren, lebt mit<br />

seiner Familie im Viertel<br />

Kranebitt. Er zählt zu den<br />

bekanntesten <strong>Südtirol</strong>er<br />

Schauspielern und Kabarettisten<br />

– etwa durch Auftritte<br />

in der Internet-Comedy<br />

»Ban Luis« oder »Die<br />

Wöchenschau«. Zur Bühne<br />

kam er spät: Nach einem<br />

fröhlichen Törggeleabend<br />

sprang er, damals Radiound<br />

Werbefachmann, für<br />

einen Bekannten bei einer<br />

Theaterproduktion ein.<br />

90 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 91


Die Altstadt steckt voller<br />

kleiner Schmuckstücke<br />

– wie dem Brunnen des<br />

Drachentöters St. Georg<br />

neben dem Dom<br />

KONKRET.it<br />

www.residence-nives.com<br />

FAMILIEN-<br />

WANDERUNG<br />

Ihr Wohlfühlzuhause<br />

in Brixen<br />

Espresso und kurzen »Ratscher« – südtirolerisch<br />

für Plauderei.<br />

Vor dem »Pupp« liegen die Kletter halle<br />

und das Erlebnisbad Acquarena. Sport<br />

ist in Brixen allgegenwärtig und das Angebot<br />

an Aktivitäten enorm. Aber ich<br />

schlendere lieber gemütlich weiter durch<br />

die Altenmarktgasse in der Altstadt. Bald<br />

taucht links die Vinothek Vinus auf, in<br />

der Peter erlesene Weine ausschenkt.<br />

Neben den Cafés spielen in Brixen Vinotheken<br />

eine große Rolle. Hier trifft man<br />

sich am frühen Abend zum Aperitif, und<br />

es kann schon mal passieren, dass man<br />

sie erst spät nachts wieder verlässt.<br />

Ein paar Schritte entfernt liegt die<br />

traditionsreichste Druckerei Tirols: Den<br />

Weger gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert.<br />

Im oberen Stock der heutigen<br />

Buchhandlung steht eine der weltweit<br />

ältesten Druckerpressen mit beweglichen<br />

Holzlettern – datiert auf 1520.<br />

Familie Weger hat sie vor etwa 20 Jahren<br />

zufällig auf dem Dachboden entdeckt.<br />

Wenn man bedenkt, dass Gutenberg den<br />

Buchdruck um 1450 erfand, lässt einen<br />

das vor Ehrfurcht fast erstarren. Da wird<br />

einem bewusst, dass diese Stadt über<br />

1000 Jahre lang Bischofssitz war, das<br />

geistig-kulturelle Zentrum eines Einzugsgebietes,<br />

das weit über das damalige<br />

Territorium Gesamttirols hinausreichte.<br />

E<br />

in weiterer meiner Lieblingsorte:<br />

die Eisdiele Pradetto unter den<br />

Bögen der Laubengasse. Mit der<br />

Waffel in der Hand schlendere ich dann<br />

gerne über den Domplatz, vorbei am<br />

Dom, über dessen üppige barocke Pracht<br />

die meisten Besucher Brixens staunen.<br />

Im Sommer findet übrigens im Innenhof<br />

des früheren Bezirksgefängnisses am<br />

Domplatz, dem sogenannten Tschumpus,<br />

92 <strong>MERIAN</strong><br />

der »Kultursommer hinter Gittern« statt<br />

– ein noch junges, aber spannendes Herzensprojekt<br />

von Georg Kaser, einigen<br />

Brixner Schauspielerkollegen und mir.<br />

Weiter geht’s über den Hofburgplatz,<br />

mich zieht es wie so oft in das rosarote<br />

Blütenmeer im an die Burg grenzenden<br />

Herrengarten. Wenn hier die Bäume blühen,<br />

komme ich mehrmals die Woche her.<br />

Und ist die Waffel endlich aufgegessen,<br />

ist es ja fast schon Zeit fürs Abendessen,<br />

oder? Ich gehe gerne in den Kircherhof<br />

etwas außerhalb, dort werden modern<br />

interpretierte <strong>Südtirol</strong>er Gerichte aus<br />

hofeigenen Produkten aufgetischt. Auch<br />

in der Innenstadt gibt es gute Adressen<br />

wie das Sternelokal »Apostelstube« im<br />

Hotel Elephant. Im »Elephant« mag ich<br />

besonders das Ambiente der Bar. Apropos<br />

Elefant: Der hätte es kürzlich fast auf<br />

unser Stadtwappen gebracht – so groß<br />

war der Hype um Soliman, den Elefanten,<br />

den der portugiesische König einst seinem<br />

Neffen, Erzherzog Maximilian von<br />

Österreich, schenken wollte, und der um<br />

1500 auf seiner Alpenüberquerung durch<br />

Brixen kam und hier Rast machte.<br />

Nach dem Essen überquere ich zumindest<br />

die Adlerbrücke nach Stufels. Das<br />

ist der älteste Teil der Stadt – mit malerisch<br />

verwinkelten Gassen, vielen Künstlerateliers<br />

und dem Kleinkunstkeller<br />

Dekadenz. Gerhard Polt, Alfred Dorfer,<br />

Michael Mittermeier, Ottfried Fischer<br />

und viele mehr haben hier schon ihr<br />

kabarettistisches Unwesen getrieben –<br />

und auch meine Wenigkeit.<br />

Ich weiß jetzt jedenfalls, was mich<br />

noch immer in Brixen hält: der Genuss.<br />

In all seinen Facetten. Hier kann man<br />

einfach das Leben genießen. Also für<br />

mich hat das Suchtpotenzial.<br />

. Protokoll:MarleneLobis n<br />

Mit der Familie gehe ich oft<br />

hinauf zum Aussichtsturm am<br />

Archeopfad, meine Töchter<br />

sind fasziniert von der<br />

»Hexenrutsche«, wie hier oben<br />

ein Felsen mit seltsamen<br />

Spuren heißt. Die leichte Wanderung<br />

von Stufels nach<br />

Elvas dauert etwa zweieinhalb<br />

Stunden. Der markierte Weg<br />

startet bei der Adlerbrücke und<br />

führt dann zu der Aussichtsplattform<br />

mit Blick über den<br />

Talkessel. Schön ist die<br />

Wanderung auch als Rundweg<br />

über das Kloster Neustift.<br />

ADRESSEN<br />

Hoandlhof<br />

Weinbergstr. 66<br />

www.manninossing.it<br />

Café & Konditorei Pupp<br />

Altenmarktgasse 37<br />

www.pupp.it<br />

Vinothek Vinus<br />

Altenmarktgasse 6<br />

www.vinothekvinus.it<br />

Buchhandlung A. Weger<br />

Weißenturmgasse 5<br />

www.weger.net<br />

Eisdiele Pradetto<br />

Große Lauben 1<br />

Im Tschumpus –<br />

Kultursommer hinter Gittern<br />

Domplatz 3<br />

www.tschumpus.com<br />

Kircherhof Albeins 12<br />

www.kircherhof.it<br />

Hotel Elephant, Apostelstube<br />

Weißlahnstr. 4<br />

www.hotelelephant.com<br />

Kleinkunstkeller Dekadenz<br />

Obere Schutzengelgasse 3A<br />

www.dekadenz.it<br />

1| Theater, Konzerte und feinstes Kabarett,<br />

auch schon von Lukas Lobis, gibt’s in der<br />

»Dekadenz« 2| Die Mütze sitzt perfekt, das<br />

Eis in der Waffel erst recht – bei »Pradetto«<br />

2<br />

1<br />

Fotos: Arnold Ritter<br />

Nachhaltigkeitszertifikat<br />

„Klimahaus Welcome“<br />

Studio oder Loft?<br />

Ankommen und Wohlfühlen.<br />

Eintauchen und Großartiges erleben.<br />

Abwechslungsreiche Sport- und<br />

Kulturangebote stehen Ihnen kostenlos<br />

zur Verfügung!<br />

Cesare Battisti Straße 48<br />

I - 39042 Brixen - <strong>Südtirol</strong><br />

Tel: +39 0472 836 479<br />

info@residence-nives.com


<strong>MERIAN</strong> WIE DIE ZEIT VERGEHT<br />

Der Weg zur Piste<br />

Auf der Seiser Alm nimmt vor gut 80 Jahren der<br />

erste Schlittenlift den Betrieb auf. Heute sind<br />

Bergbahnen auf Europas größter Hochalm selbstverständlich,<br />

nur der Schnee wird knapp<br />

um 1940<br />

Es gibt noch keine<br />

Pisten rund um den<br />

Schlern, als dieser<br />

Schlittenlift seine Passagiere<br />

nach oben zieht. Die Liftanlage am Joch-Panorama<br />

ist die erste auf der Seiser Alm, eingeweiht im Winter<br />

1938/39. 19 Menschen finden hier Platz, über ein Seil<br />

zieht Motorkraft das Gefährt bergauf, während zeitgleich<br />

ein zweiter Schlitten abwärts gleitet. Eine Innovation,<br />

die als Meilenstein für die Entwicklung des Wintersports<br />

auf Europas größter Hochalm gilt – und ein ungekannter<br />

Luxus für Skisportler, die es bislang gewohnt waren,<br />

den Weg bergauf zu Fuß zurückzulegen: mit über die<br />

Skier gezogenen Fellen. Skifahren ist um diese Zeit noch<br />

Abenteuersport, schon seit 1900 gilt die Seiser Alm<br />

als ideales Revier. Abfahrten führen meistens durch<br />

Tiefschnee, nur die wenigsten Strecken sind von Hand –<br />

oder besser zu Fuß – präpariert, weil Wintersportler<br />

den Schnee seitwärts mit Skiern festgetreten haben.<br />

Erst ab 1940 kommen handgezogene Walzen<br />

zum Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt man<br />

auf der Seiser Alm alle Hoffnung auf den Ausbau<br />

des Tourismus. Schwaigen und Schutzhütten werden<br />

zu Gasthäusern und Hotels umgebaut. Der Plan<br />

geht auf. 2018/19 wird sogar die alte Schlittenliftanlage<br />

aufwendig restauriert. Sie fährt noch, nimmt<br />

aber nur zu besonderen Gelegenheiten den<br />

Betrieb wieder auf.<br />

Ein Panorama-Lift fährt heute dort,<br />

2020 wo die erste Schlittenstandseilbahn in<br />

Betrieb ging. Im Sechser-Sessellift<br />

genießt man wie einst den Traumblick<br />

auf den Schlern. Die Bergstation ist noch am gleichen<br />

Ort – auf 2015 Meter Höhe, nur die Talstation hat man<br />

ein Stück weiter nach unten verlegt. Mit 175 Pistenkilometern<br />

und 80 Bergbahnen ist das Skigebiet Seiser<br />

Alm und Gröden das größte der Dolomiten. Nur die Natur<br />

macht Probleme: Aufgrund des Klimawandels fällt der<br />

Schnee zu selten und zu schwach. Der Ausweg liegt<br />

im »technischen Schnee«, wie ihn Experten nennen: Etwa<br />

zehn Millionen Kubikmeter Wasser werden in <strong>Südtirol</strong><br />

jährlich zu Kunstschnee.<br />

94 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 95


ADVERTORIAL<br />

KLEINE PAUSE<br />

Auf halber Strecke<br />

genießen Sabine Voß<br />

und Hündin Abby<br />

die <strong>Südtirol</strong>er Sonne<br />

VORFREUDE<br />

Oliver Voß bei der Gestaltung<br />

seines CEWE FOTOBUCHs. Der<br />

Import der Bilder und das Layout<br />

sind mit der kostenlosen Gestaltungssoftware<br />

ein Kinderspiel<br />

Foto-Safari<br />

in den Bergen<br />

Einmal rund um die Drei Zinnen im<br />

Schneckentempo, um Fotos zu produzieren:<br />

das waren Masterplan und Urlaubs-<br />

Highlight der Familie Voß in <strong>Südtirol</strong><br />

O<br />

ft ist der Weg das Ziel,<br />

ganz besonders in <strong>Südtirol</strong>.<br />

Manchmal ist der<br />

Weg bis dahin jedoch<br />

lang: als Kind und<br />

Jugend licher fuhr Oliver Voß mit seinen<br />

Eltern jedes Jahr an die Ostsee,<br />

zumeist nach Timmendorf. Erst als<br />

Erwachsener entdeckte der Verlagsleiter<br />

von <strong>MERIAN</strong> seine Liebe zu<br />

den <strong>Südtirol</strong>er Alpen: ein verlängertes<br />

Wochenende in Dorf Tirol, einmal<br />

auf dem Tappeinerweg wandern – und<br />

schon war es um ihn geschehen. Nun<br />

vergeht seit gut zwei Jahrzehnten kein<br />

Jahr, in dem Oliver Voß, seine Frau<br />

Sabine und die beiden Söhne Benedikt<br />

und David nicht für ein paar Wo-<br />

chen aus dem hohen Norden Deutschlands<br />

in die nördlichste Region<br />

Italiens reisen. Ein Ziel stand lange<br />

auf ihrem Wunschzettel: die Dolomiten<br />

mit ihrem Wahrzeichen, den Drei<br />

Zinnen. Diese prägnante Felsformation<br />

gehört vermutlich zu den meistfotografierten<br />

Berggipfeln der Welt,<br />

und auch Oliver Voß wollte einmal<br />

um die »Tre Cime di Lavaredo«, wie<br />

sie auf Italienisch heißen, herumwandern<br />

und sie bis ins letzte Detail fotografieren.<br />

Fotografie-begeistert ist<br />

Voß seit seiner Jugend, als er zur Konfirmation<br />

seine erste Spiegelreflexkamera<br />

geschenkt bekam.<br />

Im vergangenen Jahr war es endlich<br />

so weit: das Ehepaar und ihre zwischenzeitlich<br />

in die Familie aufgenommene<br />

Flatcoated-Retrieverhündin<br />

Abby kurvten mit »Roady«, dem<br />

eigenen Wohnmobil, die Serpentinen<br />

von Misurina aus hoch zur Auronzo-<br />

Hütte. Auf dem Parkplatz vor der<br />

Hütte gibt es einen eigens für Wohnmobile<br />

reservierten Bereich, auf dem<br />

man 24 Stunden lang parken und damit<br />

auch übernachten darf. Die Maut<br />

für die Fahrt nach oben ist zwar kein<br />

Pappenstiel, aber alle, die von hier aus<br />

den Sonnenuntergang in den Dolomiten<br />

bewundern durften, zahlen die<br />

Gebühr jederzeit vorfreudig wieder.<br />

Am Folgetag brachen die drei Flachländer<br />

zur traumhaften Wanderung<br />

um die Drei Zinnen auf, die Oliver<br />

96 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 97


20190326_CEWE_Print_Anzeige_DIN_A4_Klaus_TIPA_IK_bereinigte_Daten_neu_4.indd 1 26.03.19 16:19<br />

ADVERTORIAL<br />

KEIN PANORAMABLICK<br />

Flatcoated Retrieverhündin Abby<br />

interessiert sich mehr für ihr Rudel als<br />

für die Almwiese und die Alpengipfel<br />

REISEN BEGINNT IM KOPF<br />

Sabine und Oliver Voß schwelgen beim<br />

Anblick der Bilder in ihrem CEWE<br />

FOTOBUCH in den Erinnerungen an<br />

ihre tolle Tour in den Dolomiten<br />

GROSSES FORMAT<br />

Den Fernblick auf die Dolomiten<br />

genießt Oliver Voß jetzt mit<br />

dem Gallery Print von CEWE in<br />

seinem Arbeitszimmer<br />

SCHICKE SACHE<br />

Das CEWE FOTOBUCH »Panorama<br />

groß« mit Hochglanz-Veredelung<br />

ist im Wohnzimmer ein steter<br />

Blickfang und Anlass zur Freude<br />

Voß wie geplant aus jeder Himmelsrichtung<br />

ablichtete. Am beeindruckendsten<br />

wurden die Panaromaaufnahmen,<br />

die er mit einer eigens für<br />

diesen Anlass gekauften 360°-GoPro-<br />

Kamera produzierte. Seine digitale<br />

Spiegelreflexkamera von Canon eignete<br />

sich perfekt für die Detailaufnahmen,<br />

und ausnahmsweise war<br />

Abby mal nur das am zweitmeisten<br />

fotografierte Motiv.<br />

Zu Hause am Rechner wurden dann<br />

Hunderte Fotos gesichtet, gelöscht,<br />

verwaltet. »Die Erstellung des CEWE<br />

FOTOBUCHs war erstaunlich einfach«,<br />

erinnert sich Voß. »Ich habe<br />

die Software auf meinen betagten<br />

Mac mini geladen, mir aus den vielen<br />

verschiedenen Fotobuchvorlagen eine<br />

passende herausgesucht und die Bilder<br />

hochgeladen. Im Anschluss habe<br />

ich noch das ein oder andere Bild ausgetauscht,<br />

verkleinert oder vergrößert<br />

und gemeinsam mit meiner Frau<br />

Texte und Karten ergänzt.« Das Kartenfeature<br />

von CEWE war Voß neu.<br />

Dadurch kann man die Fotos geografisch<br />

verorten. Das fertige Fotobuch<br />

wird letztlich per Knopfdruck<br />

auf den Server hochgeladen. »Beim<br />

nächsten CEWE FOTOBUCH«, sagt<br />

Voß, »werde ich auch das Videofeature<br />

nutzen.«<br />

Bereits ein paar Tage später traf Post<br />

ein. Nun schmückt auch noch ein<br />

120 Zentimeter breites Panorama von<br />

den Drei Zinnen als Gallery Print<br />

das Homeoffice-Arbeitszimmer von<br />

Oliver Voß. Auch das wirkt perfekt<br />

gegen Fernweh.<br />

CEWE FOTOBUCH | SO EINFACH GEHT ES!<br />

gal, ob Urlaube, Feiern oder andere festliche Anlässe – oft<br />

E geht es in einem CEWE FOTOBUCH um gemeinsam mit anderen<br />

erlebte Geschichten und die Erinnerungen an diese Erlebnisse.<br />

Jeder der Beteiligten hat dabei mitunter auch eigene Sichtweisen auf<br />

diese Geschehnisse. Warum also nicht einmal die Erinnerung<br />

gemeinsam gestalten? Über CEWE myPhotos lassen sich nicht<br />

nur Fotos, sondern auch Fotoprojekte teilen. So können beispielsweise<br />

Freunde, die gemeinsam auf Reisen gewesen sind, ein<br />

CEWE FOTOBUCH gemeinsam erstellen und abwechselnd daran<br />

arbeiten. Dies funktioniert auch, wenn<br />

man sich nicht persönlich sehen<br />

kann – und über den Computer und<br />

das Internet verbunden ist.<br />

Mehr darüber auf www.cewe.de/<br />

cewe-myphotos.html<br />

Original CEWE FOTOBUCH<br />

von Jörg Uhlenbrock<br />

CEWE FOTOBUCH Kunde<br />

„Best Photo<br />

Print Service<br />

Worldwide“<br />

Die schönsten Geschichten<br />

erzählt man mit CEWE.<br />

Gestalten Sie eine bleibende Erinnerung,<br />

die immer wieder Freude bereitet.<br />

cewe.de<br />

98 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 99


DER BLICK<br />

GROSSE<br />

FÜRS<br />

GANZE<br />

TEXT JOHANNES TESCHNER<br />

<strong>Südtirol</strong>s größter Luxus? Die Natur.<br />

Das erkennen auch viele Hoteliers – und<br />

bauen ihre Häuser so, dass sie mit der<br />

Landschaft verschmelzen<br />

Sprung ins warme Wasser: Der Pool<br />

des »Hotel Miramonti« ist 16 Meter<br />

lang, das Solewasser 32 Grad warm –<br />

und der Blick über den Meraner<br />

Talkessel spektakulär<br />

100 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 101


GLORIETTE<br />

Kleine Lusthäuser nannte man ursprünglich<br />

»Gloriette«, ein solches steht auch im<br />

Garten des Guesthouses, das die Architekten<br />

noa* – network of architecture entworfen<br />

und 2018 eröffnet haben. Inmitten eines<br />

Parks am Ritten, dem Hausberg von Bozen,<br />

bieten Birgitt Alber mit Sohn Andi und<br />

Schwiegertochter Julika 25 Suiten und Zimmer<br />

an. Die kommen allesamt jung, lässig,<br />

schick und stilvoll daher. Und durch die<br />

großen, halbkreisförmigen Fenster lässt sich<br />

das Panorama besonders gut genießen.<br />

www.gloriette-guesthouse.com<br />

102 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 103


FORESTIS<br />

Am Südhang des Gebirgsstocks der Lüsner<br />

Berge, oberhalb von Brixen, entstand 1912<br />

wegen der besonderen Luftqualität und des<br />

guten Klimas eine Lungenheilanstalt. Am<br />

selben Platz befindet sich seit Sommer 2020<br />

nun das Hideaway »Forestis«, geführt von<br />

Teresa und Stefan Hinteregger. Gebaut wurde<br />

mit viel Glas, viel Holz und der heimischen<br />

Gesteinsart Dolomit. Zum Wohlfühlen<br />

und Entspannen gibt es an diesem Kraftplatz<br />

Out- und Indoor-Pools sowie ein Spa<br />

mit individuellen Behandlungsangeboten.<br />

www.forestis.it<br />

104 <strong>MERIAN</strong> <strong>MERIAN</strong> 105


SALTUS<br />

Claudia Mumelters Urgroßvater baute<br />

einst das erste Hotel in Jenesien und nannte<br />

es Sonnenparadies. Nun ist das »Saltus«<br />

das erste »Eco-Hotel« <strong>Südtirol</strong>s, mit Forest-<br />

Spa und 28 hellen und modern gestalteten<br />

Zimmern. www.hotel-saltus.com<br />

E<br />

igentlich, sagt Claudia Mumelter, solle<br />

ihr Hotel unsichtbar sein. Nun ist das<br />

schwer vorstellbar bei einem Haus<br />

mit 56 Zimmern, zwei Pools, Saunen,<br />

Yoga- und Ruheräumen. Und doch<br />

versteht man, was Mumelter meint, wenn man sich<br />

ihrem Hotel »Saltus« nähert.<br />

Das Hotel steht im Bergdorf Jenesien in steiler<br />

Hanglage direkt am Waldrand. Es ist aufgeteilt in<br />

drei unterschiedlich große Bauten, jeweils in der<br />

Form eines Quaders. Zwei der Blöcke liegen unterhalb<br />

der von oben kommenden Straße, sind bei<br />

der Anfahrt also gar nicht zu sehen; der dritte zeigt<br />

nur schüchtern seine Spitze. Und auch wenn man<br />

die Kuben dann in Gänze erblickt, wirken sie zurückhaltend<br />

mit ihrer schlichten, geradlinigen Formensprache<br />

und ihrer Fassade aus naturbelassenem<br />

Lärchenholz – fast so, als seien sie selbst Teil des<br />

Waldes. »Wir wollten keinen Bau, der schreit«, sagt<br />

Mumelter, die das »Saltus«, lateinisch für Wald, zusammen<br />

mit ihrer Mutter und ihrer Schwester betreibt.<br />

»Sondern eine Architektur, die sich in die<br />

Umgebung einfügt.«<br />

Man müsse in <strong>Südtirol</strong> mit der Natur bauen und<br />

nicht gegen sie, hat der in Bozen geborene Stararchitekt<br />

Matteo Thun einmal gesagt. Die <strong>Südtirol</strong>er<br />

Landschaft mit den Bergen, den Wäldern, den Ausblicken,<br />

sie müsse die Architektur prägen – und nicht<br />

umgekehrt.<br />

Und in den letzten Jahren, so scheint es, folgen<br />

immer mehr <strong>Südtirol</strong>er seinem Credo. Diese meist<br />

jungen Bauherren und Architekten wollen Gebäude,<br />

die ihre Umgebung nicht erschlagen, sondern ihr<br />

entsprechen und gerade im Zusammenspiel mit ihr<br />

an Kraft gewinnen. Dafür nutzen sie regionale Materialien<br />

und reduzierte Formen, folgen althergebrachten<br />

Prinzipien der lokalen Handwerkskunst –<br />

und versuchen, sie ins 21. Jahrhundert zu übersetzen.<br />

Die Verschmelzung von Moderne und Tradition<br />

sowie das Bewusstsein für den Standort kann man<br />

ausmachen bei Kellereien, Museen, Kindergärten –<br />

und besonders häufig eben auch bei Hotels. Auch<br />

wenn man mitunter etwas genauer hinsehen muss,<br />

um es zu erkennen.<br />

So wirkt der »Bühelwirt« auf den ersten Blick<br />

nicht gerade wie eine sanfte Einfügung in die Umgebung<br />

– sondern eher wie eine Provokation. Unweit<br />

der weiß gekalkten Kirche des Dorfes St. Jakob steht<br />

er da, dunkel, massiv, bedrohlich fast. Es habe schon<br />

manchen Skeptiker im Ort gegeben, als der Anbau<br />

zu ihrem mehr als 100 Jahre alten Stammhaus 2015<br />

begann, sagen Michaela und Matthias Haller, die das<br />

Hotel gemeinsam führen. »Und auch wir mussten<br />

erst mal in uns gehen, als die Architekten vorschlugen,<br />

die Holzfassade schwarz zu streichen«, räumt<br />

Michaela Haller ein. »Das war für uns schon a bisserl<br />

heftig.« Aber man habe sich schnell mit der Idee angefreundet,<br />

wie auch die meisten örtlichen Kritiker<br />

besänftigt gewesen seien, als das Gebäude schließlich<br />

stand – denn tatsächlich steckt viel <strong>Südtirol</strong> im<br />

»Bühelwirt«.<br />

So schimmert in der Außenfarbe ein Grünton,<br />

der je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu<br />

sehen ist, den »Bühelwirt« in der Sommersonne dunkelgrün,<br />

im Winter fast schwarz erscheinen lässt –<br />

und so den jahreszeitlichen Farbwandel der umliegenden<br />

Wälder spiegeln soll. »Wir wollten, dass<br />

die Fassade ein Schauspiel bietet, Natürlichkeit<br />

und Lebendigkeit vermittelt«, erklärt der Architekt<br />

Armin Pedevilla, der den »Bühelwirt« zusammen mit<br />

seinem Bruder Alexander entworfen hat.<br />

Die Pedevillas gehören zu jenen jungen südtirolischen<br />

Architekten, die weg wollen von einer beliebigen,<br />

internationalen Bauweise, hin zu einer<br />

Architektur der Örtlichkeit. »Für uns ist immer erst<br />

mal die entscheidende Frage: Wo bauen wir?«, sagt<br />

Armin Pedevilla. »Welche Begebenheiten finden<br />

wir vor, wie ist die Topografie, die Meereshöhe, das<br />

Klima – und auch: Welche Materialien gibt es dort?«<br />

Für den »Bühelwirt« nutzten sie Lärchenholz aus<br />

den umliegenden Wäldern. Und mischten fein geriebenen<br />

Schiefer aus einem nahe gelegenen Bergwerk<br />

in den Putz im Gebäudeinnern, wiederum für ein<br />

sich je nach Lichteinfall wandelndes, zwischen grün<br />

und grau oszillierendes Farbspiel. Der Gast solle<br />

dadurch, dass sich die in der Umgebung vorkommenden<br />

Töne im Gebäude wiederfänden, eine Vertrautheit,<br />

Geborgenheit fühlen, so Pedevilla – selbst wenn<br />

er gar nicht genau sagen könne, woher diese rühre.<br />

Die Interaktion von Draußen und Drinnen war<br />

auch der entscheidende Gedanke für die markanten,<br />

den »Bühelwirt« prägenden Erker. Eigentlich hatten<br />

sich die Hallers große Balkone vorgestellt. Doch<br />

mit dem Argument des recht schroffen Klimas in<br />

St. Jakob – das Dorf liegt rund 1200 Meter über dem<br />

Meeresspiegel – brachte Armin Pedevilla die Bauherren<br />

von der Idee ab und versah die Zimmer stattdessen<br />

mit Erkern samt Fensterfront. »So kann man<br />

106 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 107


»DIE RICHTIGEN MATERIALIEN LASSEN<br />

EIN GEBÄUDE IN WÜRDE ALTERN«<br />

Architekt Armin Pedevilla<br />

im Erker sitzen und ins Tal blicken, kann die Natur<br />

ins Zimmer holen und ist dabei vor der Witterung<br />

geschützt.«<br />

Gerade bei Kindern hätten sich die Erker mit<br />

den eingezogenen Holzflächen zudem als beliebter<br />

Schlafplatz etabliert, und ein erkrankter Gast, zu<br />

erschöpft, um rauszugehen, habe fast seine gesamte<br />

Urlaubswoche im Vorbau verbracht. »Danach meinte<br />

er, es sei noch nie so fantastisch gewesen, krank zu<br />

sein«, sagt Pedevilla und lacht.<br />

BÜHELWIRT<br />

Michaela und Matthias Haller haben ihrem<br />

Haus mit seiner über 100-jährigen Geschichte in<br />

St. Jakob ein Facelifting verpasst – der neue<br />

Anbau mit der schwarzen Holzfassade von<br />

den Architekten Armin und Alexander Pedevilla ist<br />

der perfekte Kontrast zum traditionellen Gasthof<br />

und wurde 2019 mit dem German Design<br />

Award ausgezeichnet. 20 gemütliche und<br />

stilvolle Zimmer gewannen sie dadurch hinzu.<br />

www.buehelwirt.com<br />

Der 47-Jährige schwärmt für die besondere <strong>Südtirol</strong>er<br />

Handwerkskunst, die erwachsen sei aus dem<br />

harten, entbehrungsreichen Alltag der Bergbauern –<br />

um bestehen zu können, hätten sie immer pragmatisch<br />

bauen müssen, einfach und solide. Mit dem<br />

aufkommenden Wohlstand in den 1970er Jahren<br />

sei diese Tradition ein wenig in Vergessenheit geraten,<br />

doch in den letzten Jahren kehre man wieder<br />

zu ihr zurück. So zeichneten sich Projekte wie der<br />

»Bühelwirt« aus durch Formen ohne Schnörkel und<br />

eine »Ehrlichkeit der Materialien«, wie Pedevilla es<br />

ausdrückt. »Solche Materialien lassen ein Gebäude<br />

in Würde altern, mit der Zeit an Kraft gewinnen –<br />

das ist für mich der Inbegriff der Nachhaltigkeit.«<br />

Auch Michaela und Matthias Haller wollten keinen<br />

Bau, »den man in zehn Jahren wieder umgestalten<br />

muss, weil er aus der Mode gekommen ist«. So<br />

erleben sie es bei manchem investorengetriebenen<br />

Großprojekt in der südtirolischen Hotelerie. »Das ist<br />

genau das, was uns stört, dieser Gedanke: Wir verwenden<br />

minderwertige Qualität, weil wir ohnehin<br />

bald alles wieder umbauen. Wir möchten stattdessen<br />

eine Architektur, die Bestand hat.« Vielleicht ist das<br />

einer der Gründe für die Besinnung auf nachhaltige,<br />

qualitativ hochwertige Architektur in der südtirolischen<br />

Hotellandschaft: Die vielen familiengeführten<br />

Betriebe, deren Besitzer nicht in Quartalszahlen<br />

denken, sondern in Generationen.<br />

Bei den Hallers war es die Urgroßmutter, die<br />

1910 das Stammhaus bauen ließ, an das sich nun der<br />

»Bühelwirt« anschließt. Und bei Claudia Mumelter<br />

vom Hotel »Saltus« eröffnete der Urgroßvater in den<br />

1950er Jahren das erste Gasthaus im damals abgeschiedenen<br />

Bergbauerndorf Jenesien.<br />

D<br />

ie 26-jährige Mumelter sagt, sie freue sich schon<br />

darauf, ihr Hotel altern zu sehen. So sind die<br />

Bretter der Lärchenholzfassade an den drei<br />

Quadern auch deshalb senkrecht verbaut, weil sich<br />

so weniger Wasser in den Fugen sammelt, das Holz<br />

gleichmäßiger verwittert und ausgraut. Die Kalk- und<br />

Lehmwände im Innern ließen die Mumelters gar<br />

nicht oder nur mit Bienenwachs versiegeln, um die<br />

Materialien spürbar zu machen. Und beim Interieur<br />

setzten sie auf Antiquitäten, wegen »der Patina, die<br />

ein neues Möbelstück nicht hat«, so Claudia Mumelter.<br />

Von der »Schönheit des Unperfekten« spricht sie<br />

und sagt: »Im Idealfall ist das Hotel in einigen Jahren<br />

noch anmutiger als am ersten Tag.«<br />

Klar ist aber auch: Trotz aller Langlebigkeit,<br />

Natürlichkeit und Regionalität der Materialien<br />

bleibt jeder Bau ein massiver Eingriff in die Natur.<br />

Das Bewusstsein dafür wächst – in <strong>Südtirol</strong>, dessen<br />

Tourismus von der Schönheit der Landschaft lebt,<br />

vielleicht stärker als anderswo. So spüren viele<br />

Hoteliers bei den Gästen ein erwachendes Öko-<br />

Gewissen – und fühlen sich wiederum darin bestärkt,<br />

auch in ihrer alltäglichen Arbeit auf Nachhaltigkeit<br />

zu achten.<br />

Als »eine unserer größten Aufgaben« bezeichnet<br />

Klaus Alber, Inhaber des Hotels »Miramonti«, den<br />

ressourcenbewussten Betrieb seines Hauses. Wie<br />

das »Saltus« und der »Bühelwirt« setzt auch das<br />

»Miramonti« auf eine geradlinige und ruhige Architektur,<br />

die ganz auf die Begebenheiten des Standortes<br />

ausgelegt ist – in diesem Fall, wie es der Name<br />

schon sagt, der Blick vom Rande eines Hochplateaus<br />

auf die Gipfel der Dolomiten. Auch hier nutzte man<br />

für den Umbau des zuvor etwas in die Jahre gekommenen<br />

Berghotels regionale Materialien und freut<br />

sich seitdem über eine jüngere, internationalere<br />

Gäste schaft, die das Hotel ganz bewusst wegen dieses<br />

neuen Weges auswählt.<br />

»Und dennoch«, so Klaus Alber, »wollen wir uns<br />

auf diesem Erfolg nicht ausruhen, niemals einschlafen,<br />

sondern immer weitermachen.« So haben er und<br />

seine Frau Carmen, die das Hotel gemeinsam führen,<br />

extra eine Stelle für Nachhaltigkeit geschaffen – und<br />

sie der 21-jährigen Annalena Messner gegeben.<br />

Messner, die von sich sagt, sie »brenne« für das<br />

Thema Nachhaltigkeit, ist nach der Ausbildung an<br />

der Hotelfachschule für ein Dreivierteljahr auf Reisen<br />

gegangen, hat geschaut, wie anderswo umweltbewusst<br />

gearbeitet wird, zum Beispiel auf einem<br />

australischen Bio-Weingut. Nun versucht sie, den<br />

energetischen Fußabdruck des »Miramonti« zu verkleinern.<br />

Die Wegwerf-Badeschlappen: abgeschafft.<br />

Das Bar-Sortiment: umgestellt auf chemiefreie<br />

regio nale Spirituosen und Limonaden. Das Frühstücksbüfett:<br />

um ein paar Brot- und Croissantsorten<br />

erleichtert. Es sind Nuancen, die Messner verändert,<br />

aber in der Masse können sie einen Unterschied<br />

machen. Wie ihre Chefs ist auch sie überzeugt, dass<br />

Luxus mit Verzicht vereinbar ist. Zu oft, so sagt<br />

sie, gehe es in der Hotelerie »nur um immer mehr<br />

Masse, immer mehr Geld«.<br />

Es ist die nächste Generation an Gastgebern, die<br />

da spricht. Mit ihr kommen vielleicht Hotels, die<br />

noch konsequenter auf Nachhaltigkeit setzen. Hotels,<br />

die vielleicht noch weniger in die Natur eingreifen<br />

– auch, wenn sie mit Sicherheit niemals unsichtbar<br />

sein werden.<br />

n<br />

MIRAMONTI<br />

Carmen und Klaus Alber (oben) haben 2012<br />

ein Haus bei Hafling übernommen und in einen<br />

Rückzugsort »mit Seele und Wärme« verwandelt.<br />

2015 wurde das »Miramonti Boutique<br />

Hotel« in die Liste der »Small Luxury Hotels of<br />

the World« aufgenommen. Seit 2019 sind alle<br />

44 Zimmer neu gestaltet: Natur – Erde – Lehm –<br />

Grau – Braun dominieren das Erscheinungsbild.<br />

Spektakulär: der Eingangsbereich mit<br />

Panoramafenster und Blick auf Meran (unten).<br />

www.hotel-miramonti.com<br />

<strong>MERIAN</strong> 109


SERVICE ÜBER NACHT<br />

Alltag vergessen.<br />

Hotel Gasthof<br />

Zum Hirschen<br />

Schon im Jahr 1184<br />

wird der Gasthof am<br />

Nonsberg im Dorf Unsere<br />

Liebe Frau im Walde<br />

(ital. Senale) als Herberge<br />

für Pilger und Reisende<br />

erwähnt. 2017 wurde das<br />

Hotel umgebaut und<br />

renoviert und ist wahrlich<br />

eine Oase der Ruhe in<br />

unserer hektischen Zeit.<br />

Senale, www.zumhirschen.com<br />

Hotel Lindenhof<br />

Wer zu Familie Nischler<br />

in ihr – nomen est omen –<br />

»Lifestyle DolceVita Resort«<br />

reist, passiert vier Kaiserlinden,<br />

die dem Haus den<br />

Namen »Lindenhof« geben.<br />

Glas und Holz prägen das<br />

Erscheinungsbild, aber die<br />

Perle des Hotels ist der<br />

moderne Wellnessbereich.<br />

Naturns, www.lindenhof.it<br />

Hotel Eggentaler<br />

Eigentlich sind wir zu<br />

Armin Schmieder stets<br />

gefahren, weil er die (welt­)<br />

besten Steaks brutzelt. Aber<br />

inzwischen hat er sein<br />

Haus um 22 Zimmer bereichert,<br />

die mit »liebevoll<br />

eingerichtet« korrekt beschrieben<br />

sind. Also hin:<br />

essen, trinken (toller Weinkeller!),<br />

über Nacht bleiben.<br />

Bozen, www.eggentaler.com<br />

Panorama-Pool im Naturhotel<br />

»Pfösl«, Gute-Stube-Gemütlichkeit<br />

im »Castel Hörtenberg« (rechts)<br />

»Ehrliche<br />

Gastfreundschaft«<br />

Egal ob Traditionshaus oder cooler<br />

Newcomer: Die Inhaber dieser Hotels setzen<br />

auf den Wohlfühlfaktor<br />

Traditionshotel Zirmerhof<br />

Der ehemalige Bauernsitz aus dem<br />

12. Jahrhundert ist ein idealer<br />

Rückzugsort – das fand schon<br />

Richard von Weizsäcker, der ihn<br />

als »Paradies der Weite und Freiheit«<br />

beschrieb. Im »Zirmerhof«<br />

stimmt alles: die Qualität der<br />

Zimmer, der Speisen, das Gesamterlebnis.<br />

Ein Hotel zum Anreisen<br />

und Nie­wieder­abreisen­wollen.<br />

Radein, www.zirmerhof.com<br />

Eden Boutique Hotel<br />

Familie Strobl verspricht »ehrliche<br />

Gastfreundschaft« und »einen<br />

Ort, an dem sich unsere Gäste zu<br />

Hause fühlen«. Reschen am See<br />

liegt zwar etwas abseits, aber den<br />

Umweg ist das Boutiquehotel allemal<br />

wert: stilsicher das Ambiente,<br />

King­Size die Betten, Zimmer mit<br />

Balkon und Aussicht auf den See.<br />

Dazu verlässlich gute Kulinarik.<br />

Was will man mehr?<br />

Reschen am See<br />

www.eden-reschensee. com<br />

Weisses Kreuz<br />

Auch hier »ticken die Uhren etwas<br />

anders«, so Familie Theiner.<br />

Mara führt Regie, Marc steht am<br />

Herd, Mutter Marlene ist Gastgeberin,<br />

Vater Thomas übersieht die<br />

Haustechnik. Tante und Onkel<br />

mit Tochter sind auch im Team.<br />

Sie werden die Zeit in diesem modernen<br />

Traditionshotel genießen!<br />

Burgeis, www.weisseskreuz.it<br />

Pfösl<br />

Ein Naturhotel, das Nachhaltigkeit<br />

zur Maxime erklärt hat. Aber auch<br />

ein Haus mit spektakulärer Archi­<br />

tektur: die Geschwister Zelger<br />

beauftragten die Brixner Architekten<br />

bergmeisterwolf mit der<br />

Neugestaltung. Die lichterfüllten,<br />

modern eingerichteten Räume<br />

wurden mehrfach preisgekrönt.<br />

Und erwähnten wir schon die<br />

Pano ramalage mit Blick auf Rosengarten,<br />

Latemar und Schlern?<br />

Deutschnofen, www.pfoesl.it<br />

Gfell<br />

Warme Farben aus der Natur in<br />

alpin- mediterraner Landschaft:<br />

das zeichnet das »neue Gfell« aus.<br />

Seit Generationen kehren Wanderer<br />

im Berg-Gasthaus in Völs<br />

am Schlern ein, seit Juli 2020 nun<br />

können sie das Essen mit dem<br />

Schlafen verbinden: in schicken<br />

Zimmern mit Panoramablick.<br />

Preis und Leistung, das muss ja<br />

auch mal gesagt werden, harmonieren<br />

an dieser Stelle sehr, sehr<br />

gut. Völs am Schlern, www.gfell.it<br />

Castel Hörtenberg<br />

Das Besondere, so die Maxime<br />

der Familie Podini, ist für ihre<br />

Gäste gerade gut genug: mit der<br />

Übernahme des »Castel Hörtenberg«<br />

erhielt Bozen ein exzellentes<br />

neues Hotel. Auf den ersten<br />

Blick: altes Gemäuer, vier Türme,<br />

ein verwunschener Ort. Eigenbeschreibung:<br />

»eine Symbiose<br />

zwischen gelebter Geschichte, urbaner<br />

Coolness und traditioneller<br />

Handwerkskunst«. Wir sagen: der<br />

neue Platzhirsch der Stadt.<br />

Bozen, www.castel-hoertenberg.it<br />

BED & BREAKFAST<br />

Alter Schlachthof<br />

Direkt unterm Dach schläft man<br />

gemütlich in Kojen; wer es schicker<br />

will, bucht eine Wohnung.<br />

Zum herzhaften und regionalen<br />

Frühstück treffen sich dann alle<br />

im Wohnzimmer.<br />

Brixen, www.schlachthof.it<br />

Gailerhof<br />

Nur zwölf Kilometer entfernt<br />

vom beliebten Pragser Wildsee<br />

erwarten Sie im »Gailerhof«:<br />

Kati und Georg Ploner. Bei ihnen<br />

ist Luxus kein Schnickschnack,<br />

sondern herzlich, offen, gradlinig.<br />

Und wunderschön.<br />

Welsberg, www.gailerhof.com<br />

Rössl Bianco<br />

In der Altstadt, unter den Lauben,<br />

befindet sich dieses Kleinod.<br />

Ideal für ein romantisches Wochenende<br />

in der Kurstadt.<br />

Meran, www.roesslbianco.it<br />

Ovina’s Haus<br />

Das Haus (acht Suiten) wurde<br />

gerade erst um ein zweites (sechs<br />

Suiten) erweitert. Ein Frühstücksbüfett<br />

gibt’s nicht, aber dafür eine<br />

Küche und Kaffee, auf Vorbestellung<br />

auch Frühstückskörbe.<br />

Sand in Taufers, www.ovinas.it<br />

Natur erleben.<br />

Frischluft genießen.<br />

110 <strong>MERIAN</strong> www.bruneck.com


<strong>MERIAN</strong> CITY-TRIP<br />

48 STUNDEN IN<br />

Bruneck<br />

Die Künstlerin Julia Bornefeld schöpft aus einem Spannungsfeld, sie<br />

lebt sowohl in Berlin als auch im Pustertal. Was sie dort in Bruneck<br />

besonders mag: Rodelstrecken, Teigtaschen und Raum für Kreativität<br />

V<br />

or mehr als 25 Jahren kam ich<br />

aus Kiel nach Bruneck. Mein damaliger<br />

Lebensgefährte, der Vater<br />

meiner Kinder, kommt von hier. Der<br />

Alpenraum war mir nicht ganz fremd,<br />

meine Mutter und ihre Familie stammen<br />

aus Tirol. Viele Jahre lebten wir mit den<br />

Kindern je nach Jahreszeit mal an der<br />

Ostsee und mal in den Bergen. Unterwegs<br />

zu sein, ist für mich sehr bereichernd,<br />

für meine Arbeits- und Ausstellungsprojekte<br />

komme ich in Deutschland,<br />

Österreich und Italien viel herum.<br />

Als Künstlerin ist es für mich elementar,<br />

von einer beeindruckenden Landschaft<br />

und Natur umgeben zu sein – das<br />

gibt mir die Ruhe für Kreativität. In<br />

Norddeutschland war das die Weite der<br />

Ostsee, hier in <strong>Südtirol</strong> sind es die Berge.<br />

Speziell die Dolomiten erlebe ich als<br />

plastisches Naturphänomen. Inzwischen<br />

schöpfe ich auch aus dem spannungsreichen<br />

Wechsel zwischen der Großstadt<br />

Berlin und der alpinen Kleinstadt.<br />

Klein heißt aber nicht, dass es in Bruneck<br />

nicht lebendig wäre, im Gegenteil:<br />

Die Stadt hat eine gute Infrastruktur und<br />

eine hohe Lebensqualität, es gibt viele<br />

Plätze und Cafés. Für einen ersten Eindruck<br />

schlendern Sie am besten gemütlich<br />

durch die Stadtgasse. Ich empfehle,<br />

bei Horvat reinzuschauen, das ist ein<br />

herrlicher kleiner Laden im Stil der ehemaligen<br />

Kolonialwarengeschäfte! Bis zur<br />

Decke sind die Regale mit Marmeladen,<br />

Säften und anderen, meist regionalen<br />

Produkten gefüllt. Und aus den über<br />

100 Schubladen wird nur die Menge an<br />

Gewürzen oder Nüssen geschöpft, die<br />

man wirklich braucht. Gute Literatur<br />

finde ich immer gleich um die Ecke, im<br />

Buchladen am Rienztor. Jedes einzelne<br />

Buch wird dort von Inhaber Hans<br />

Nöckler persönlich ausgewählt. Zum Laden<br />

gehört auch eine kleine Kunstgalerie.<br />

Für mich als multimedial arbeitende<br />

Künstlerin sind Stadträume wichtig – als<br />

Inspiration und Spielwiese. In Bruneck<br />

kann man sich auf einem Spaziergang<br />

am Graben, der bunten Flaniermeile, auf<br />

Kunstbänken ausruhen. Die sind im<br />

Rahmen des Kunstprojekts »Artists by<br />

Moessmer« entstanden. Moessmer ist<br />

eine Tuchfabrik in Bruneck, die seit<br />

Generationen Wollstoffe produziert und<br />

Labels wie Prada, Armani und Louis<br />

Vuitton beliefert. Elf Jahre lang habe<br />

ich mit den Künstlerkolleginnen Wil-ma<br />

Kammerer und Sylvie Riant ihre Werkshallen<br />

als Atelier genutzt und für jede<br />

Sommersaison eine Kunstaktion im öffentlichen<br />

Raum initiiert.<br />

Auf meinem Weg ins Atelier oder nach<br />

Hause trinke ich gerne einen Kaffee<br />

oder ein Glas Wein in der Bar Pinta Pichl.<br />

Dort startet auch ein schöner Stadt-<br />

Julia Bornefeld, Jahrgang<br />

1963, ist eine multimedial<br />

arbeitende Künstlerin.<br />

In Kiel wuchs sie auf;<br />

dort, in Venedig und in<br />

Ljubljana studierte sie<br />

Kunst. Seit rund 25 Jahren<br />

lebt und arbeitet sie in<br />

Bruneck, pendelt aber auch<br />

an die Ostsee und nach<br />

Berlin. Ihre Werke sind<br />

in Stadträumen und<br />

Ausstellungen zu sehen.<br />

www.juliabornefeld.com<br />

1| Eingebettet ins Pustertal: die 16 000-Einwohner-<br />

Stadt Bruneck mit dem gleichnamigen Schloss im<br />

Vordergrund 2| Feinste regionale Köstlichkeiten: bei<br />

»Horvat« in der Stadtgasse 5A 3| <strong>Südtirol</strong>er Genuss<br />

in 1240 Meter Höhe: im »Gasthof Oberraut«<br />

3<br />

2<br />

1<br />

112 <strong>MERIAN</strong>


1<br />

2<br />

DIE ERDPYRAMIDEN<br />

VON PERCHA<br />

1| Aperitivo und leckere Häppchen: in der<br />

»Bar Ett?« am Gilmplatz 2| Feinste Stoffe<br />

für die besten Modemacher: In der Tuchfabrik<br />

Moessmer gibt es auch ein Outlet<br />

spaziergang (rund 1,5 Stunden): Von<br />

der Brunecker Oberstadt geht’s hinauf<br />

zum Schloss Bruneck, einst Sommersitz<br />

der Fürstbischöfe. Heute erzählt dort<br />

Ripa, eines der sechs Messner Mountain<br />

Museen, von der Kultur der Bergvölker<br />

aus aller Welt. Der Weg führt weiter über<br />

eine Hängebrücke zu einem Soldatenfriedhof<br />

aus dem Ersten Weltkrieg, an<br />

zwei Seen vorbei zur Kaiserwarte, einem<br />

historischen Aussichtsturm, der eine neue<br />

Form bekommen soll. Ziel der kleinen<br />

Wanderung ist Reischach am Fuße des<br />

Brunecker Hausberges Kronplatz.<br />

Von diesem 2275 Meter hohen Berg<br />

hat man einen sehr schönen Blick auf die<br />

Dolomiten, das Gletschermassiv der<br />

Marmolata und den Alpenhauptkamm,<br />

er ist beliebt bei Skifahrern, Wanderern<br />

und Bikern. Und auf dem Gipfel liegt ein<br />

weiteres Messner Mountain Museum:<br />

Corones, das die Architektin Zaha Hadid<br />

entworfen hat.<br />

Für einen Aperitif treffe ich meine<br />

Freunde gerne in der Bar Ett?, das bedeutet<br />

im Pustertaler Dialekt so viel wie<br />

»Meinst du nicht?« Zur Aperitivo-Zeit<br />

zwischen 16 und 20 Uhr serviert die Besitzerin<br />

Hildegard immer leckere Häppchen.<br />

Danach empfehle ich ein mediterranes<br />

Abendessen mit hiesigen Zutaten<br />

im Waink’s. Die Stimmung ist locker, die<br />

Auswahl an Cocktails gut.<br />

Feine <strong>Südtirol</strong>er Kost gibt es im Gasthof<br />

Oberraut etwas außerhalb der Stadt.<br />

114 <strong>MERIAN</strong><br />

Das Rindfleisch kommt aus dem eigenen<br />

Stall, die »Erdäpfelblattlan« aus Kartoffelteig<br />

und die je nach Saison gefüllten<br />

Teigtaschen schmecken fantastisch. Nach<br />

dem Essen sollten Sie ein paar Meter<br />

weiterspazieren, da steht eine Bank mit<br />

einem grandiosen Ausblick auf Bruneck.<br />

Am Wochenende unternehme ich mit<br />

Familie und Freunden oft Ausflüge in die<br />

Natur, gern auch mit dem E-Bike. Im<br />

Pustertal gibt es ein gut ausgebautes<br />

Netz an Radwegen, man kann die Räder<br />

auch im Zug mitnehmen. Mein Tipp:<br />

eine Radtour von Bruneck ins Ahrntal<br />

und zu den Reinbachfällen.<br />

Im Sommer gehe ich oft schwimmen,<br />

etwa im Issinger Weiher, wenn es dafür<br />

zu kalt wird, ist die Sauna im Cron4 mein<br />

Erholungsort. Im Winter ist ein Tag Rodeln<br />

in den Bergen für mich ähnlich erholsam<br />

wie ein langer Spaziergang an<br />

den Stränden der Ost- oder Nordsee.<br />

Besonders schön sind die Schlittenfahrten<br />

(auch bei Nachtbeleuchtung) von der<br />

Innerhofer Alm nach Weißenbach, von<br />

der Lercher alm nach Oberwielenbach,<br />

an der Taistner Alm oder am riesigen<br />

Hochplateau Plätzwiese.<br />

Nach einem Ausflug empfehle ich, beim<br />

Saalerwirt einzukehren. Das Ambiente<br />

ist gemütlich, das Essen sehr lecker, hier<br />

werden traditionelle Gerichte neu aufgemischt.<br />

Und von der Terrasse aus sieht<br />

man die Sonne über den Dolomiten<br />

untergehen. Protokoll: Marlene Lobis n<br />

Rund fünf Kilometer östlich<br />

von Bruneck steht ein gigantisches<br />

Kunstwerk, das sich –<br />

mal langsam, mal ganz schnell –<br />

immer wieder verändert: die<br />

Erdpyramiden von Percha,<br />

Säulen aus lehmhaltiger Erde,<br />

gekrönt von großen Gesteinsbrocken.<br />

An ihrer Entstehung<br />

mitgewirkt haben: ein Erdrutsch<br />

vor ein paar Hundert<br />

Jahren, Unwetter und die<br />

Erosion. Mit selbst gebackenem<br />

Kuchen stärken kann man<br />

sich im »Pyramidencafe« in<br />

Oberwielenbach, von dort<br />

läuft man rund eine Stunde<br />

zu den Pyramiden.<br />

www.pyramidencafe.it<br />

ADRESSEN<br />

Horvat<br />

Stadtgasse 5A, www.horvat.it<br />

Buchladen am Rienztor<br />

Groß-Gerau-Promenade 12<br />

www.buch.it<br />

Tuchfabrik Moessmer<br />

Walther-von-der-Vogelweide-<br />

Str. 6, www.moessmer.it<br />

Bar Pinta Pichl<br />

Oberragen 3, www.facebook.<br />

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Messner Mountain Museen<br />

Siehe S. 80<br />

Bar Ett?<br />

Gilmplatz 1A<br />

Waink’s<br />

Tielt Promenade 7<br />

www.wainks.it<br />

Gasthof Oberraut<br />

Amaten 1, www.oberraut.it<br />

Hallenbad und Sauna Cron4<br />

Reischach, Im Gelände 26<br />

www.cron4.it<br />

Saalerwirt<br />

St. Lorenzen, Saalen 4<br />

www.saalerwirt.com<br />

1<br />

1| Das große Rauschen: Der unterste der Reinbachfälle<br />

ist mit 10 Metern vergleichsweise klein, weiter oben<br />

sind die Wassermassen auf 50 Metern im freien Fall<br />

2| Hat selbst große Freude an seiner Buchauswahl:<br />

Hans Nöckler in seinem »Buchladen am Rienztor«<br />

HOTEL RESTAURANT SCHLOSSWIRT★★★★<br />

Familie Prunner +39 0473 945620<br />

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KONKRET.it Fotos: Raab und Klaus Peterlin | Frieder Blickle


<strong>MERIAN</strong> IM GESPRÄCH<br />

Der perfekte Ort für ein Museum der Bergfotografie?<br />

Eine Seilbahn-Station auf 2275 Metern. Auf dem Kronplatz<br />

bei Bruneck zeigt das Lumen mit historischen und aktuellen<br />

Fotografien die Schönheit und den Wandel der Bergwelt<br />

INTERVIEW INKA SCHMELING<br />

DER KRONPLATZ<br />

SOLL ZUM KULTUR-<br />

BERG WERDEN«<br />

Architekt Gerhard Mahlknecht hat<br />

nicht nur Platz für Bergfotografien<br />

eingeplant – sondern auch für den<br />

Traumblick auf die Dolomiten<br />

<strong>MERIAN</strong>: Frau Adams, Sie werden bestimmt<br />

oft um Ihren Job beneidet. Allein<br />

dieser Arbeitsweg!<br />

THINA ADAMS: Der ist beeindruckend,<br />

oder? Ich genieße das selbst<br />

immer noch: Jeden Morgen hier unten<br />

in Bruneck erst mal in die Gondel<br />

zu steigen und mich hoch zum Kronplatz<br />

fahren zu lassen.<br />

Dort oben, in 2275 Meter Höhe, wurde<br />

2019 mit dem Lumen ein Museum für<br />

Bergfotografie eröffnet. Sie sind dessen<br />

Leiterin. Was genau wollen Sie mit<br />

Ihrem Haus zeigen?<br />

Die etwa 700 Fotos, die wir im Lumen<br />

ausstellen, erzählen von den verschiedenen<br />

Facetten der Bergwelt. Da ist<br />

einmal die Geschichte der Bergfotografie:<br />

Wir beherbergen hier oben unter<br />

anderem das Tiroler Archiv für photographische<br />

Dokumentation und Kunst<br />

(TAP). Aber auch zeitgenössische Fotografie<br />

spielt eine große Rolle bei uns, in<br />

Wechselausstellungen zeigen wir die<br />

Positionen heutiger Künstler. Wichtig<br />

ist uns, sowohl bei den historischen wie<br />

den aktuellen Fotografien: Wir möchten<br />

nicht nur die Schönheit der Berge<br />

zeigen. Sondern auch kritische Punkte.<br />

Die Schönheit der Berge setzt aber gerade<br />

die Architektur Ihres Hauses gekonnt<br />

in Szene. Allein der Blick hier im<br />

Shutter-Raum durch das Fenster, eine<br />

Art Riesenblende ...<br />

Das ist mein Lieblingsraum. Weil er<br />

besonders gut diesen Kontrast aus<br />

Geschichte und Gegenwart zeigt, der<br />

für unser Museum so typisch ist, eben<br />

auch in der Architektur. 1963 war dieses<br />

Haus hier die erste Bergstation<br />

am Kronplatz. Die Einfahrtslücke,<br />

durch die damals die Seilbahn fuhr,<br />

ist heute diese Riesenblende.<br />

Mit den Seilbahnen des 20. Jahrhunderts<br />

wurden die Berge für alle zugänglich.<br />

Die historischen Fotos im Lumen<br />

zeigen aber auch, wie hart einst der<br />

Aufstieg in die Höhe war.<br />

Vor allem für die Fotografen! Die<br />

anfangs üblichen Daguerreotypie-<br />

Kameras wogen mitsamt den silberbeschichteten<br />

Kupferplatten und den<br />

nötigen Chemikalien etwa 50 Kilo.<br />

Hatten sie all das einmal auf den<br />

Gipfel getragen, mussten sie mit den<br />

damals noch sehr langen Belichtungszeiten<br />

kämpfen. Bis zu 40 Minuten<br />

standen die ersten Kamerapioniere<br />

wie John Ruskin oder Gustave Dardel<br />

in der klirrenden Kälte, bis sich das<br />

Bild der Berge auf ihrer Platte eingebrannt<br />

hatte.<br />

Bald darauf kam es zu einer kleinen<br />

Technik-Revolution: Statt Kupferplatten<br />

musste man für das Kollodiumver fahren<br />

nun Glasplatten mitnehmen.<br />

Mitte des 19. Jahrhunderts wog eine<br />

gängige Fotoausrüstung sogar bis zu<br />

Thina Adams, Leiterin<br />

des Lumen-Museums für<br />

Bergfotografie, wurde<br />

1990 in Bruneck geboren.<br />

Sie studierte in Wien und<br />

Innsbruck Kunstgeschichte,<br />

Wirtschaft und<br />

Marketing. Später arbeitete<br />

sie für verschiedene<br />

Galerien und das Museion<br />

in Bozen. Neben ihren<br />

Forschungen im Bereich<br />

der Fotografie setzt sie<br />

sich auch mit der Globalisierung<br />

in der Kunst<br />

auseinander.<br />

<strong>MERIAN</strong> 117


250 Kilo. Dazu kam noch das Gewicht<br />

für die provisorische Dunkelkammer,<br />

die man vor Ort errichten<br />

musste – die nassen Glasplatten<br />

mussten schließlich unmittelbar nach<br />

der Belichtung entwickelt werden.<br />

Was für eine Strapaze! Wofür nahmen<br />

diese frühen Fotografen das auf sich?<br />

Die allerersten Fotografen orientierten<br />

sich noch sehr an der alpinen<br />

Landschaftsmalerei. Aber bald rückte<br />

immer mehr die wissenschaftliche<br />

Erfassung der Alpen in den Vordergrund,<br />

und die Fotografien wurden<br />

zur wichtigen Grundlage für Geografen<br />

und Kartografen.<br />

Heute sind Bergfotografien eher Sehnsuchts-Auslöser,<br />

manchmal bis an die<br />

Grenze zum Kitsch ...<br />

Zum Teil ist das durch die nächste<br />

technische Weiterentwicklung entstanden:<br />

Je leichter sich die Bilder mit<br />

der Zeit reproduzieren ließen, desto<br />

mehr verbreiteten sie sich natürlich<br />

auf der Welt – als Werbung, Postkarte,<br />

Andenken. Und überall lösten sie<br />

den Wunsch aus, diese Bergwelt kennenzulernen.<br />

So wurde die Bergfotografie<br />

zum Auslöser für den modernen<br />

Fremdenverkehr in den Alpen.<br />

Und sind es bis heute, oder? Soziale<br />

Medien wie Instagram sind doch voll<br />

mit Selfies vor Bergkulissen.<br />

Das Gipfelfoto als Beweis: Klar, das<br />

ist aus dem alpinen Tourismus nicht<br />

mehr wegzudenken. Die Fotos zeigen<br />

aber auch, wie sehr sich unser Naturgefühl<br />

mit der Zeit verändert hat.<br />

Anfangs waren die Berge etwas Erhabenes,<br />

der Sitz der Götter. Durch ihre<br />

fotografische Erschließung und die<br />

Reiseliteratur der Romantik hat sich<br />

das verändert in ein Bild der Idylle.<br />

Und heute?<br />

Heute sind die Berge primär Freizeitort.<br />

Aber auch das verändert sich –<br />

immer mehr Menschen finden hier<br />

einen Ort der Ruhe und des Rückzugs<br />

von der Hektik der Städte; einen<br />

Ort, an dem sie zu sich finden können.<br />

DIE FRÜHEN FOTOS<br />

LÖSTEN ÜBERALL<br />

AUF DER WELT DEN<br />

WUNSCH AUS, DIE<br />

BERGE ZU SEHEN«<br />

»What a wonderful view« hat die<br />

<strong>Südtirol</strong>er Künstlerin Brigitte Niedermair<br />

diese Fotografie genannt, die im Lumen<br />

zu sehen ist. Es zeigt eine Besucherin<br />

in Burka vor den Drei Zinnen<br />

Wellness<br />

Fitness<br />

Kulinarik<br />

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Lust auf mehr ...<br />

brandnamic.com | Foto: Archiv Hotel Lindenhof<br />

Lindenhof Lifestyle DolceVita Resort<br />

118 <strong>MERIAN</strong><br />

Eine Damengruppe<br />

des Londoner Alpine<br />

Club lässt sich auf<br />

den Mont Blanc führen<br />

– und von den<br />

Brüdern Charneaux<br />

fotografieren<br />

Von Experten und Usern des Holiday-Forums „Wellness<br />

Heaven“ zum besten Spa-Hotel Europas gewählt.<br />

Naturns bei Meran/<strong>Südtirol</strong><br />

www.lindenhof.it<br />

T +39 0473 666242


Fotografischer Blick: Wie eine Kamerablende<br />

funktioniert das Fenster im Shutter-<br />

Raum. Geschlossen wird es zur Leinwand,<br />

offen zum Panorama-Fenster<br />

IMMER MEHR MEN-<br />

SCHEN FINDEN IN<br />

DEN BERGEN EINEN<br />

ORT DER RUHE UND<br />

DES RÜCKZUGS«<br />

Falls man es nicht schafft, alle 700 Fotos<br />

Ihres Hauses zu sehen: Welche zwei<br />

sollte man nicht verpassen?<br />

Schwierig ... Unter den historischen<br />

Fotografien mag ich ein Foto aus dem<br />

Jahr 1860 sehr. Es zeigt eine Frauengruppe<br />

des Alpine Clubs aus England.<br />

Was man damals trug, wenn man als<br />

Frau in die Berge ging! Diese Kleidung<br />

stellen wir zum Foto mit aus.<br />

Aus der Gegenwart fasziniert mich<br />

ein Bild der <strong>Südtirol</strong>er Künstlerin<br />

Brigitte Niedermair: Sie hat eine Frau<br />

mit Burka vor den Drei Zinnen festgehalten.<br />

Ein so beliebter Ort, dass er<br />

fast etwas von einer Pilgerstätte hat.<br />

Auch der Kronplatz ist ja ein Berg mit<br />

vielen Besuchern – darunter zunehmend<br />

auch Kultur-Urlauber.<br />

Das liegt nicht nur an uns, hier oben<br />

hat ja auch Reinhold Messner sein<br />

Museum MMM Corones über den<br />

Alpinismus, also das Bergsteigen.<br />

Noch so ein spektakuläres Haus, entworfen<br />

von Zaha Hadid. Wird der Kronplatz<br />

zu einem Kulturberg?<br />

Ja, genau das wollen wir: Uns mit Kultur<br />

am Berg abheben von anderen<br />

Ausflugszielen. Wir investieren nicht<br />

in Rodelbahnen, sondern stellen die<br />

Kultur in den Vordergrund. Auch<br />

Feinschmecker kommen übrigens zunehmend<br />

auf den Kronplatz. Bei uns<br />

im Haus ist nämlich auch das Restaurant<br />

»Alpinn«, in dem Sterne­Koch<br />

Norbert Niederkofler nach seinem<br />

»Cook the Mountain«­Konzept feinste<br />

Berggerichte auftischt.<br />

n<br />

Lumen-Museum für Bergfotografie<br />

Kronplatz Gipfel<br />

www.lumenmuseum.it<br />

Anfahrt mit der Seilbahn ab Bruneck/<br />

Reischach, Olang oder St. Vigil,<br />

letzte Abfahrt um 17 Uhr.<br />

Es gibt Kombi-Tickets für die Fahrt und<br />

den Eintritt ins Lumen sowie in das nahe<br />

Messner Mountain Museum Corones.<br />

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Was Marken auszeichnet, gilt auch für uns Markenmedien. Unsere Leistung dient der intensiven Pflege von<br />

Beziehungen. In unserem Fall die mit unseren Nutzern. Mit regelmäßigen Flirts schaffen wir die Grundlage für<br />

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die wir für unsere Werbekunden mit Verbrauchern initiieren, sind daher Investitionen in Nachhaltigkeit.<br />

Mehr Informationen unter www.editorial.media<br />

120 <strong>MERIAN</strong> DIE MARKENMEDIEN IM


<strong>MERIAN</strong> KOLUMNE<br />

Einfach einen Fuß<br />

vor den anderen setzen<br />

Um den föderalen Alpinismus in Deutschland aus den<br />

Kinderschuhen zu holen, plante Hans Zippert die<br />

16-Summit-Expedition. Von Reinhold Messner lernte<br />

er die wichtigste Grundregel für sein Vorhaben<br />

ILLUSTRATIONEN P. M. HOFFMANN<br />

M<br />

ein Verhältnis zu <strong>Südtirol</strong> ist etwas<br />

angespannt, denn dort ist mir mal<br />

übel mitgespielt worden. Vor ein<br />

paar Jahren bereitete ich mich auf<br />

eines der größten Abenteuer vor,<br />

das je ein Mensch bestanden hatte. Ich plante eine<br />

föderale Tour de Force, ich wollte die 16 höchsten<br />

Berge Deutschlands, genau genommen, den jeweils<br />

höchsten Berg eines Bundeslandes bezwingen.<br />

16 Bundesländer – 16 Summits. Von der fast 3000 Meter<br />

hohen Zugspitze bis zum 116 Meter hohen, majestätischen<br />

Hasselbrack in Hamburg. Damit dieses<br />

Unternehmen überhaupt eine Chance auf Verwirklichung<br />

hatte, traf ich mich mit<br />

Reinhold Messner auf Schloss<br />

Juval bei Bozen. Ich wusste, dass<br />

er die legendären 14 Summits<br />

bezwungen hatte, fragte mich<br />

aber, warum er nie die Besteigung<br />

der 16 Summits ins Auge<br />

gefasst hatte. Warum war ausgerechnet<br />

er vor dieser Aufgabe,<br />

die ihn endgültig unsterblich gemacht<br />

hätte, zurückgeschreckt?<br />

Das Gespräch verlief in freundlicher,<br />

aber auch etwas angespannter<br />

Atmosphäre, schon<br />

nach kurzer Zeit bezeichnete er<br />

mich als Spaziergänger oder Wan-<br />

An dieser Stelle schreiben unsere<br />

Kolumnisten in unregelmäßiger Folge<br />

über die Welt und wie sie ihnen<br />

begegnet. Diesmal der in Bielefeld<br />

geborene und in Oberursel bei<br />

Frankfurt/Main lebende Satiriker und<br />

Nannen-Preisträger Hans Zippert<br />

derer und schien mein Vorhaben nicht wirklich ernst<br />

zu nehmen. Intensiven Nachfragen wich er allerdings<br />

aus, sodass ich immer mehr den Eindruck gewann,<br />

es gäbe ein dunkles Geheimnis um die 16 Summits,<br />

eine Gefahr, von der er durchaus wusste, die aber<br />

selbst für ihn zu groß war. Ich fragte ihn noch einmal,<br />

wie ich das ganze Unternehmen angehen sollte, und<br />

er antwortete: »Einfach einen Fuß vor den anderen<br />

setzen.« Das war möglicher weise der wichtigste<br />

Ratschlag in meinem Leben, für den ich Messner<br />

wirklich dankbar bin. Mehrere Male hat mir sein<br />

Tipp später das Leben gerettet. Ich wollte auch<br />

noch wissen, ob er eine sichere Methode wüsste, wie<br />

man eine ausgeklappte Landkarte<br />

möglichst schnell und natürlich<br />

in der richtigen Reihenfolge wieder<br />

zusammenfaltet. Das ist ja<br />

unterwegs oft ein großes Problem,<br />

besonders bei Wind. Da<br />

wirkte er plötzlich seltsam unbeholfen<br />

und wenig versiert. Ich<br />

erklärte mir das später damit,<br />

dass er normalerweise gar keine<br />

Karten benutzt, weil es keine<br />

Wanderwege auf dem Mount<br />

Everest gibt. Man steigt einfach<br />

immer nach oben, bis es nicht<br />

mehr weitergeht und dann wieder<br />

runter. Ich dagegen war bei mei-<br />

ner Expedition auf umfangreiches Kartenmaterial<br />

angewiesen, weil viele der zu bezwingenden Gipfel<br />

so niedrig waren, dass man sie mit bloßem Auge<br />

kaum wahrnehmen konnte. Hier schienen zwei unvereinbare<br />

alpine Konzepte aufeinanderzuprallen.<br />

Als ich nur drei Jahre später tatsächlich alle 16 Gipfel<br />

bezwungen und meine Abenteuer in einem erfreulich<br />

schmalen Buch zusammengefasst hatte, bat ich<br />

den Jahrhundertbergsteiger um ein kurzes Vorwort,<br />

was er ohne Begründung ablehnte. Daraufhin wollte<br />

der Verlag den Hinweis »Ohne ein Vorwort von<br />

Reinhold Messner« auf den Umschlag drucken lassen,<br />

aber er verweigerte auch das. Diese doch leicht<br />

irritierenden Vorgänge haben meine Erinnerungen<br />

an Bozen getrübt.<br />

Bei einer anderen Gelegenheit in Meran erging<br />

es mir kaum besser. Ich hatte ein Engagement in<br />

einem vornehmen Hotel, wo ich den meist älteren<br />

Gästen an drei Abenden etwas aus meinen Werken<br />

vorlesen sollte. Ich begann mit einer heiteren Friedhofserzählung,<br />

die auf erstaunlich wenig Resonanz<br />

stieß. Mitten in meinem Vortrag erhob sich plötzlich<br />

ein vierschrötiger Mann und stellte sich als Gerhard<br />

Seiler vor. Er freue sich, dass die Menschen so zahlreich<br />

erschienen seien und wolle ihnen ein paar Kostproben<br />

aus seinem umfangreichen Repertoire geben.<br />

Noch bevor ich irgendwelche Einwände erheben<br />

konnte, öffnete er einen recht großen Kasten und<br />

entnahm ihm, zu meiner nicht geringen Überraschung<br />

ein Saxofon, auf dem er sogleich die »Wilhelm<br />

Tell Ouvertüre« verhackstückte. Das Stück war immerhin<br />

zu erkennen, was man von den darauffolgenden<br />

Nummern nicht sagen konnte. Ständig zog er<br />

weitere Instrumente aus seinem Höllenkasten, einer<br />

Quer- folgten eine Piccoloflöte und eine leicht wachstumsverzögerte<br />

Trompete. Das Publikum bedachte<br />

seinen für meine Ohren grauenvollen Vortrag mit<br />

großem Applaus, viele zogen sich erfreut die Hörgeräte<br />

aus den Ohren, weil sie die Kakophonie des<br />

Grauens auch ohne technische Hilfsmittel wahrnehmen<br />

konnten. Das wurde mir zum Verhängnis, denn<br />

meinem nächsten Text konnte akustisch niemand<br />

mehr folgen. Es wurde gemurmelt, geraschelt und<br />

gehustet, was der teuflische Bläser zum Anlass nahm,<br />

mit einer Tuba, die er unter einem Tuch verborgen<br />

hatte, die nächste Darbietung anzustimmen. Das<br />

Publikum schrie vor Begeisterung und erklatschte<br />

sich diverse Zugaben. Die Hoteldirektorin entschuldigte<br />

sich später bei mir, sie hätte mich wohl auf<br />

Herrn Seilers Anwesenheit vorbereiten sollen. Sie<br />

habe aber den Eindruck, dass seine Musik meine<br />

Texte ergänzt, wenn nicht gar verbessert hätte. An<br />

den nächsten beiden Abenden verteilte ich Kopien<br />

meiner Lesetexte im Publikum und verbrachte den<br />

Rest der Zeit in der weit entfernten Bar, in der ein<br />

Hansi-Hinterseer-Potpourri die Blas-Phemien des<br />

Herrn Seiler übertönte. Vielleicht erklärt das, warum<br />

mein Verhältnis zu <strong>Südtirol</strong> etwas angespannt ist. n<br />

122 <strong>MERIAN</strong><br />

<strong>MERIAN</strong> 123


IMPRESSUM<br />

Chefredakteur<br />

Stellvertretende Chefredakteurin<br />

Art Direction<br />

Chefin vom Dienst<br />

Redaktion<br />

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EIN UNTERNEHMEN DER GANSKE VERLAGSGRUPPE<br />

Hansjörg Falz<br />

Kathrin Sander<br />

Isa Johannsen<br />

Jasmin Wolf<br />

Tinka Dippel, Kalle Harberg, Jonas Morgenthaler, Stefanie Plarre,<br />

Inka Schmeling; Mitarbeit: Hannes Lübcke<br />

Violetta Bismor, Tanja Foley, Katharina Oesten (Leitung)<br />

Lena Glauche (stellv. AD), Tanja Schmidt<br />

Bodo Drazba (Ltg.)<br />

Jasmin Deiter<br />

Lina Malin Lilischkis<br />

Inka Schmeling (Text), Katharina Oesten (Bild)<br />

Antonia Baum, Kristine Bilkau, Dennis Gastmann, Finn-Ole Heinrich,<br />

Thomas Pletzinger, Till Raether, Saša Stanišić, Ilija Trojanow, Hans Zippert<br />

Hansjörg Falz<br />

Thomas Ganske, Sebastian Ganske, Heiko Gregor (CEO), Peter Rensmann<br />

Oliver Voß<br />

Jörg-Michael Westerkamp (Zeitschriften handel), Thomas Voigtländer (Buchhandel)<br />

Christa Balcke<br />

Oliver Voß<br />

Helma Spieker (verantwortlich für Anzeigen), Tel. 040 2717-0<br />

Henning Meyer, Tel. 040 2717-2496<br />

Corinna Plambeck-Rose, Tel. 040 2717-2237<br />

Alexander Grzegorzewski<br />

Jörg Slama, Tel. +49 40 22859 2992, joerg.slama@jalag.de<br />

Michael Thiemann, Tel. +49 40 22859 2996, michael.thiemann@jalag.de<br />

Marco Janssen, Tel. +49 40 22859 2997, marco.janssen@jalag.de<br />

Andrea Tappert, Tel. +49 40 22859 2998, andrea.tappert@jalag.de<br />

Mediawire International, Tel. +31 651 48 01 08, info@mediawire.nl<br />

Dagmar Hansen, Tel. +49 4027172030, dagmar.hansen@jalag.de<br />

Mercury Publicity Ltd., Tel. +44 7798 665 395, stefanie@mercury-publicity.com<br />

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Die Premium Magazin Gruppe im Jahreszeiten Verlag<br />

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Heft 04/2021 – <strong>Südtirol</strong>. Erstverkaufstag dieser Ausgabe ist der 25.03.2021<br />

<strong>MERIAN</strong> erscheint monatlich im Jahreszeiten Verlag GmbH, Harvestehuder Weg 42, 20149 Hamburg, Tel. 040 2717-0<br />

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www.dpv.de, E-Mail: leserservice-jalag@dpv.de<br />

Vertrieb DPV Vertriebsservice GmbH, www.dpv-vertriebsservice.de<br />

Litho K+R Medien GmbH, Darmstadt<br />

Druck und Verarbeitung Walstead Kraków Sp. z o.o., Obroń ców Modlina 11, 30-733 Krakau, Polen<br />

Das vorliegende Heft April 2021 ist die 4. Nummer des 74. Jahrgangs. Diese Zeitschrift und die einzelnen Beiträge und<br />

Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf<br />

der Zustimmung des Verlages. Keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos.<br />

Jahresabonnementspreis im Inland 99 €, für Studenten 49,50 € (inklusive Zustellung frei Haus). Der Bezugspreis enthält<br />

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ISBN 978-3-8342-3284-7, ISSN 0026-0029, <strong>MERIAN</strong> (USPS No. 011-458) is pub lished monthly by JAHRESZEITEN VERLAG GMBH.<br />

Weitere Titel der JAHRESZEITEN VERLAG GmbH: A&W ARCHITEKTUR & WOHNEN,<br />

CLEVER LEBEN, COUNTRY, DER FEINSCHMECKER, FOODIE, HOLIDAY, LAFER, <strong>MERIAN</strong> SCOUT, PRINZ,<br />

POLETTO, ROBB REPORT, SCHÖNER REISEN, WEIN GOURMET<br />

124 <strong>MERIAN</strong><br />

Bildnachweis<br />

Anordnung im Layout: o = oben, u =<br />

unten,<br />

r = rechts, l = links, m = Mitte<br />

Titel: Gregor Lengler; S.3o Volker<br />

Renner; S.4lo, 4/5 Gregor Lengler, S.4u<br />

Mike Rabensteiner, S.5ro Stefano Scatà;<br />

S.6lo, 7lo Volker Renner, S.7ro Alex Filz/<br />

Kurverwaltung Meran/IDM <strong>Südtirol</strong>,<br />

S.7lm Gregor Lengler; S.8rm Gregor<br />

Lengler, S.8lu Vivi d‘Angelo, ru Stefano<br />

Scatà; S.10 gpichler.com, S.11o<br />

Christoph Jorda, S.12ro Daniel<br />

Mairginter, ru Eschgfeller – Atem der<br />

Berge; S.13lo Tim Langlotz, ro Isabela<br />

Pacini, lm Visit Stockholm, rm Gulliver<br />

Theis; S.14lo, 14/15 Valentin Pfeifhofer/<br />

dreamworld-pictures.com, S.15u Violetta<br />

Bismor; S.16/17 Thanapol Tontinikorn/<br />

gettyimages.de, S.18/19 Bethel Fath/<br />

lookphotos, S.20 ClickAlps/lookphotos,<br />

S.21, 27 Gregor Lengler; S.22/23<br />

Helmuth Rier, S.24/25 Othmar<br />

Seehauser, S.26 wisthaler.com, S.28/29<br />

Alex Filz/IDM <strong>Südtirol</strong>; S.30 Geri<br />

Krischker/Diogenes Verlag, S.31 Marco<br />

Taliani de Marchio/Alamy Stock Foto;<br />

S.34, 36 Natalie Kriwy; S.38-47 Gregor<br />

Lengler; S.48 Gregor Lengler, S.49<br />

Romina Huber, S.50 Marteller Hütte;<br />

S.52 Marina Friedrich; S.54, 55lu, ru,<br />

57 Volker Renner, S.55o Gregor Lengler;<br />

S.58-63 Natalie Kriwy; S.64, 66, 67o<br />

Volker Renner, S.65 Michael Schinharl;<br />

S.68 Luca Guadagnini/<strong>Südtirol</strong>er<br />

Archäologiemuseum, S.69lo<br />

DarioFrasson/<strong>Südtirol</strong>er Archäologiemuseum,<br />

ro, rm Alexandra Frank; S.70-75<br />

Vivi d‘Angelo, S.71m, 72m, 73u, 74m,<br />

75m Adobe Stock; S.76ro Florian<br />

Andergassen, S.77 Vivi d‘Angelo;<br />

S.78/79 Oskar Da Riz/2020 Olafur<br />

Eliasson, S.79ro Martin Rattini//2020<br />

Olafur Eliasson; S.81 Tappeiner/MMM<br />

Firmian; S.82-89 Stefano Scatà; S.90<br />

Arno Dejaco, S.91, 92, 93u Volker<br />

Renner; S.94/95 Ghedina Cortina/<br />

<strong>Südtirol</strong> Tourismuswerbung/Amt für Film,<br />

S.95ro Harlad Wisthaler/Seiser Alm<br />

Marketing; S.96-99 Oliver Voss;<br />

S.100/101, 109o Miramonti,<br />

S.102/103 Tiberio Sorvillo, S.104/105<br />

Jeremy Austin, S.106 Nectar & Pulse<br />

und Eigenarchiv (3), S.108 Bühelwirt,<br />

S.109u stefanschuetz.com; S.111<br />

Giovanni De Sandre/Castel Hörtenberg;<br />

S.112, 113lu. ru, 114lo, ro, 115ro<br />

Volker Renner, S.113o Harald Wisthaler/<br />

IDM <strong>Südtirol</strong>, S.115lo Hannes<br />

Niederkofler/IDM <strong>Südtirol</strong>; S.116o<br />

Skirama Kronplatz/Stiftung Museum<br />

LUMEN, u Paolo Riolzi/Stiftung Museum<br />

LUMEN, S.117 Stiftung Museum<br />

LUMEN, S.118 Brigitte Niedermair,<br />

“sister_oukhet“, what a wonderful view,<br />

2005/© Brigitte Niedermair, u<br />

Charneaux, F. & G., Ladies and Guides<br />

on the Mer de Glace, Mont Blanc,<br />

c.1886,/© Alpine Club London, S.120<br />

Jürgen Eheim/Stiftung Museum LUMEN;<br />

S.122-123 P.M. Hoffmann; S.128<br />

Gregor Lengler, S.130lo, ru Dominik<br />

Ketz, lu Anna Mutter, ro Markus Bassler<br />

Kartenillustration: Jochen Schäfers<br />

Karten: maps4news.com ©HERE<br />

Foto-Syndication<br />

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Tel. 089 747202-90<br />

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Redaktionsschluss<br />

19. Februar 2021<br />

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A<br />

Aachen<br />

Ägypten<br />

Algarve<br />

Allgäu<br />

Alpen<br />

Amsterdam<br />

Andalusien<br />

Augsburg<br />

B<br />

Baden-Württemberg<br />

Barcelona<br />

Berlin *<br />

Bielefeld<br />

Bodensee<br />

Bonn *<br />

Brandenburg<br />

Braunschweig *<br />

Budapest<br />

C<br />

Chiemgau<br />

Cornwall<br />

Costa Rica<br />

D<br />

Deutschland / Kultur erleben<br />

Deutschland / Natur & Genuss<br />

Die Burgenstraße<br />

Donau<br />

Dresden<br />

E<br />

Elsass<br />

F<br />

Fernweh<br />

Finnland<br />

Florenz u. d. Toskana<br />

Florida<br />

Frankfurt & Rhein-Main<br />

Freiburg<br />

G<br />

Gardasee<br />

Georgien<br />

H<br />

Hamburg<br />

Heidelberg *<br />

I<br />

Irland<br />

Island<br />

Israel<br />

Istrien<br />

J<br />

Japan<br />

Jerusalem<br />

K<br />

Kanada<br />

Kappadokien<br />

Kassel *<br />

Katalonien<br />

Köln<br />

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Kuba<br />

L<br />

Leipzig<br />

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M<br />

Madrid<br />

Mailand<br />

Mallorca<br />

Mannheim *<br />

Marrakesch<br />

Marokko<br />

Mexiko<br />

München<br />

N<br />

Namibia<br />

Neapel und die Amalfiküste<br />

New York<br />

Nordrhein-Westfalen *<br />

O<br />

Oberbayern<br />

Osnabrück<br />

Ostsee<br />

P<br />

Paris<br />

Passau<br />

Pfalz<br />

Piemont/Turin<br />

Portugal<br />

Prag<br />

R<br />

Rheinhessen<br />

Riga<br />

Rostock *<br />

Rund um die Ostsee<br />

S<br />

Saarland<br />

Sachsen<br />

Sachsen-Anhalt *<br />

Safari in Afrika<br />

Salzburg<br />

Sardinien<br />

Schleswig-Holstein *<br />

Schottland<br />

Sizilien<br />

Spanien<br />

Sri Lanka<br />

Steiermark<br />

Südafrika<br />

Südschweden<br />

<strong>Südtirol</strong><br />

Stuttgart<br />

Sylt<br />

Syrien/Libanon<br />

T<br />

Tansania<br />

Tel Aviv<br />

Teneriffa<br />

Thailand<br />

Thüringen *<br />

Toskana<br />

Trentino<br />

Trier *<br />

Türkei/Schwarzes Meer<br />

Türkische Ägäis<br />

V<br />

Venedig<br />

Vietnam<br />

W<br />

Wien<br />

*<br />

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ENGLISCHE<br />

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ERHäLTLICH


KARTE SÜDTIROL<br />

S C H W E I Z<br />

Reschensee<br />

LOMBARDEI<br />

Reschen am See<br />

SS40<br />

Burgeis<br />

Mals<br />

©Mapcreator.io/©HERE<br />

SS41 Tartsch<br />

Autobahn<br />

Autobahn Tunnel<br />

Staatsstraßen<br />

Staatsstraßen Tunnel<br />

Straßen<br />

Bahnlinien<br />

Landesgrenze<br />

Fährverbindungen<br />

Nationalparks<br />

Flughäfen<br />

N<br />

5 km<br />

126 <strong>MERIAN</strong><br />

2<br />

Sankt Valentin<br />

auf der Haide<br />

I<br />

V<br />

1<br />

N<br />

S C<br />

Eyrs<br />

Laas<br />

Prad am<br />

Stilfserjoch<br />

H G A<br />

Nationalpark<br />

Stilfserjoch<br />

TIROL<br />

Vernagt Stausee<br />

U<br />

Schlanders<br />

Goldrain<br />

Morter<br />

Tschars<br />

SS40<br />

Latsch<br />

Ö S T E R R E I C H<br />

Etsch<br />

Zoggler<br />

Stausee<br />

UU L T E<br />

Rabland<br />

Sankt<br />

Walburg<br />

N<br />

Naturpark<br />

Texelgruppe<br />

T A L<br />

Töll<br />

Marling<br />

Riffian<br />

Lana<br />

Sankt Pankraz<br />

in Ulten<br />

Tisens<br />

3<br />

Meran<br />

Nals<br />

Andrian<br />

Sankt Felix<br />

Kalterer See<br />

Etsch<br />

Etsch<br />

Kaltern<br />

Tramin an der<br />

Weinstraße<br />

Kurtatsch an<br />

der Weinstraße<br />

Margreid an<br />

der Weinstraße<br />

Burgstall<br />

Ridnaun<br />

Mareit<br />

Gargazon<br />

Mölten<br />

Vilpian<br />

4<br />

Frangart<br />

SÜDTIROL<br />

Eppan<br />

TRENTINO<br />

Sarnthein<br />

Jenesien<br />

Bozen<br />

SS12<br />

Auer<br />

Leifers<br />

Gossensaß<br />

Wiesen<br />

Sterzing<br />

Gasteig<br />

Oberbozen<br />

Flughafen<br />

Bozen<br />

Dolomiten<br />

Branzoll<br />

SS48<br />

A22<br />

Naturpark<br />

Trudner Horn<br />

B R<br />

A13<br />

L<br />

A W I P P T 5<br />

L<br />

O D<br />

Steinegg<br />

E R<br />

Eisack Eisack<br />

Klausen<br />

Villanders<br />

Barbian<br />

Lajen<br />

Waidbruck<br />

SS242<br />

Deutschnofen<br />

I<br />

M O<br />

E<br />

N<br />

N<br />

A22<br />

E<br />

Eisack<br />

Kastelruth<br />

Welschnofen<br />

Seis<br />

K T<br />

N<br />

E T<br />

6<br />

I<br />

S<br />

Karersee<br />

A L<br />

A<br />

Rienz Rienz<br />

Brixen<br />

St. Maddalena<br />

Sankt Christina<br />

in Gröden<br />

Mühlwald<br />

Vals<br />

Weitental<br />

Terenten<br />

Meransen<br />

Niedervintl<br />

St. Sigmund<br />

C<br />

7<br />

Schabs<br />

Natz<br />

Vahrn<br />

Überwasser<br />

S E I S E R<br />

M<br />

L A<br />

I T A L I E N<br />

Ehrenburg<br />

Campill<br />

Naturpark<br />

Puez-Geisler<br />

A A T T U F F<br />

Sankt<br />

Steinhaus<br />

Johann<br />

Luttach<br />

E R<br />

Ahr<br />

Bruneck<br />

8<br />

Gais<br />

Sankt Vigil<br />

Pederoa<br />

Pedratsches<br />

Stern<br />

E E<br />

R T<br />

A L<br />

Sankt<br />

Kassian<br />

Sankt<br />

Peter<br />

Sand in<br />

Taufers<br />

Naturpark<br />

Rieserferner-Ahrn<br />

Mühlen<br />

Uttenheim<br />

Sankt<br />

Reischach<br />

Lorenzen<br />

9<br />

L<br />

A A H R N T<br />

Percha<br />

Antholz<br />

Niedertal<br />

Niederrasen<br />

A<br />

T R E T P U S<br />

Klobenstein<br />

Naturpark<br />

Schlern-<br />

Rosengarten<br />

Naturpark<br />

Fanes-Sennes-<br />

Prag<br />

Sankt<br />

Magdalena<br />

Welsberg<br />

Niederdorf<br />

Toblach<br />

L<br />

DIE <strong>MERIAN</strong>-<br />

HIGHLIGHTS<br />

1 Churburg<br />

Das Prachtstück unter<br />

<strong>Südtirol</strong>s Burgen (Seite 80)<br />

2 Grawand-Grat<br />

Die Installation von Olafur<br />

Eliasson VENETIEN lenkt unseren Blick<br />

auf die Gletscher (Seite 78)<br />

3 Meran<br />

Die Kurstadt gönnt sich<br />

frisches Design (Seite 54)<br />

4 Weinstraße<br />

Wo die nächste Winzer-<br />

Generation neue Weine<br />

macht (Seite 70)<br />

5 Bozen<br />

Die Landeshauptstadt<br />

bezaubert ihre Besucher mit<br />

Naturpark<br />

Drei Zinnen<br />

10<br />

TIROL<br />

Moos<br />

Kultur, Cafés und reichlich<br />

Charme (Seite 64)<br />

6 Rosengarten<br />

Was für ein Entree in die<br />

Dolomiten-Welt! (Seite 6)<br />

7 Brixen<br />

Dolce Vita pur in dem<br />

schönen Städtchen im<br />

Eisacktal (Seite 90)<br />

8 Bruneck<br />

Inspirierende Alpenstadt im<br />

Pustertal (Seite 112)<br />

9 Lumen<br />

So macht das Museum für<br />

Bergfotografie den Kronplatz<br />

zum Kulturberg (Seite 116)<br />

FRIAUL<br />

10 Drei Zinnen<br />

Wahrzeichen der Dolomiten<br />

und Gipfelglück für<br />

Wanderer (Seite 38)


SERVICE GUT ZU WISSEN<br />

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Drei Küchenmeister<br />

verraten ihre Rezepte und<br />

Wissenswertes über die Herkunft<br />

typischer Gerichte.<br />

128 <strong>MERIAN</strong><br />

Auf der Sonnenseite<br />

der Alpen<br />

... liegt diese enorm vielseitige Region. Sie ist kulturell<br />

so reich wie landschaftlich – mit mediterranen<br />

Städtchen und ganzjährig verschneiten Hochgebirgen<br />

<strong>Südtirol</strong>s Sonderstatus<br />

Ab 1363 war die historische Grafschaft<br />

Tirol Teil des Habsburgerreiches.<br />

Geteilt wurde Tirol 1919 nach<br />

dem Ende des Ersten Weltkriegs,<br />

fortan gehörte das Gebiet südlich des<br />

Brenners zur Siegermacht Italien.<br />

Heute ist <strong>Südtirol</strong> (Italienisch: Alto<br />

Adige) Teil der Region Trentino-<br />

<strong>Südtirol</strong>, der innerhalb Italiens ein<br />

Sonder status zukommt. Während die<br />

Gesetzgebungsbefugnis beim Staat<br />

liegt, sind der <strong>Südtirol</strong>er Landesregierung<br />

Bereiche wie Gesundheitswesen,<br />

Straßenbau, Handel, Kultur, Sozialsystem<br />

und Tourismus unterstellt.<br />

Geografie<br />

<strong>Südtirol</strong> ist Italiens nördlichste Provinz.<br />

Seine Gesamtfläche beträgt<br />

7400 Quadratkilometer, 80 Prozent<br />

davon sind gebirgig, nur 6 Prozent<br />

sind besiedelbar. Höchster Berg ist<br />

der Ortler im Vinschgau (3905 m).<br />

Die Dolomiten (UNESCO-Welterbe)<br />

liegen zu etwa einem Drittel auf<br />

<strong>Südtirol</strong>er Gebiet. Die Landschaft ist<br />

enorm vielfältig: Apfelanbaugebiete,<br />

Weingärten, Laub- und Nadelwälder,<br />

hochalpine, teils vergletscherte Bereiche.<br />

Die wichtigsten Flüsse sind Etsch,<br />

Eisack und Rienz. Der größte und<br />

wärmste Badesee der Alpen ist der<br />

Kalterer See.<br />

Bevölkerung und Sprache<br />

<strong>Südtirol</strong> hat etwa 532 000 Einwohner<br />

(2019). Es gibt drei offizielle Landessprachen.<br />

69% der Bevölkerung sprechen<br />

Deutsch, 26% Italienisch und<br />

0,68 % Ladinisch als Muttersprache.<br />

Das Ladinische, eine rätoromanische<br />

Sprache, wird noch in den Dolomitentälern<br />

Gröden und Gadertal (Alta<br />

Badia und Teile des Kronplatz-Gebietes)<br />

gesprochen.<br />

Klima<br />

Seiner Lage an der Alpensüdseite verdankt<br />

<strong>Südtirol</strong> im Schnitt 300 Sonnentage.<br />

Die trockenste Region ist der<br />

Vinschgau, die regenreichste das Tau-<br />

ferer Ahrntal. Während auf den<br />

Gipfeln der Hochgebirge ganzjährig<br />

Schnee liegt, ist es in den Tälern fast<br />

schon mediterran, vor allem in Meran,<br />

an der Weinstraße und in Bozen.<br />

Anreise<br />

Mit dem Auto: Viele deutsche Urlauber<br />

kommen von Norden über den<br />

Brennerpass. Die Vignette für den<br />

Streckenabschnitt in Österreich gibt<br />

es an Raststätten oder vorab di -<br />

gital (www.asfinag.at/maut-vignette/<br />

vignette). Tipp: Wer die Streckenmaut<br />

für den Brennerpass online bezahlt,<br />

kommt an der Mautstation schneller<br />

voran (www.asfinag.at/maut-vignette/<br />

streckenmaut). Den Telepass für Italiens<br />

Autobahnen gibt es an der<br />

Mautstation oder online (www.toll<br />

tickets.com; Zustellung per Post oder<br />

an einer Pick-up-Station). Weitere<br />

Routen führen über den Vinschgau im<br />

Westen oder durch das Pustertal im<br />

Osten. Bus und Bahn: Die Website<br />

www.thetrainline.com/de bietet einen<br />

guten Überblick über alle wichtigen<br />

Bahnverbindungen. Flixbus listet Fernbusverbindungen<br />

auf (www.flixbus.<br />

de). Flugzeug: Die nächsten Flughäfen<br />

sind Verona und Venedig in<br />

Italien und Innsbruck in Österreich.<br />

Einen guten Überblick über aktuelle<br />

Reiseverbindungen findet man unter<br />

www.suedtirol.info/anreise.<br />

Unterwegs in <strong>Südtirol</strong><br />

Ein Shuttle-Service vom Bahnhof<br />

(oder Flughafen) bis zur Unterkunft<br />

ist unter www.suedtiroltransfer.com<br />

buchbar. Einen Überblick über sämtliche<br />

öffentlichen Verkehrsverbindungen<br />

(Stadt- und Überlandlinien, Citybusse,<br />

Regionalzüge, Bahnen) bietet<br />

die Website www.suedtirolmobil.info/<br />

de. Mit der Mobilcard für 1 bis 3 oder<br />

7 Tage sind alle öffentlichen Verkehrsmittel<br />

und auch einige Seilbahnen<br />

unbeschränkt nutzbar.<br />

Infos<br />

Sehr hilfreich ist die offizielle Tourismus-Website:<br />

www.suedtirol.info/de.<br />

Fotos: Hannes Niederkofler<br />

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DAS BLEIBT IN DER FAMILIE Kleine Läden, große Tradition<br />

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ST. PETERSBURG, TALLINN,<br />

RIGA, KLAIPEDA,<br />

KALININGRAD, DANZIG<br />

AUF<br />

GROSSER<br />

TOUR<br />

Salzburg<br />

GENIALE KOMPOSITION<br />

November 2020 Dezember 2020 Januar 2021 Februar 2021<br />

130 <strong>MERIAN</strong><br />

ISTRIEN<br />

Istrien<br />

FÜR ECHTE GENIESSER<br />

März 2021<br />

In Vorbereitung:<br />

Rhein<br />

Bremen<br />

Deutschland neu<br />

entdecken<br />

Berghotel Ratschings OHG der Rainer Annelies<br />

Bichl 43 | 39040 Ratschings | (BZ)-<strong>Südtirol</strong><br />

info@berghotel-ratschings.com | hotels-ratschings.com | +39 0472 659 800


Was macht <strong>Südtirol</strong> so einzigartig?<br />

Es sind die Menschen, die sich hier begegnen. So wie Architekt<br />

Peter und Holzbauunternehmer Walter. Gemeinsam haben sie ein<br />

spektakuläres Bauwerk erschaffen, das visionäre Architektur,<br />

Südtiroler Handwerk und die einzigartige Landschaft zu einem<br />

faszinierenden Gesamtkunstwerk vereint. Wer hier einkehrt, spürt:<br />

So etwas gibt es nur hier – in Südtirol.

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