mt 01
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FACHMAGAZIN FÜR DIE KASTEN–, KÜCHEN–, BÜRO– UND SITZMÖBEL–FERTIGUNG SOWIE DEN INNENAUSBAU · WWW.MATERIAL-TECHNIK.DE · 30835<br />
<strong>01</strong> 24<br />
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auf der Agenda<br />
Holz-<br />
Handwerk:<br />
Mehr Zulieferprodukte<br />
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AL-KO Therm GmbH, Jettingen-Scheppach .................................................................................................................................................... Seite 41<br />
Julius Blum GmbH, A-Höchst ...........................................................................................................................................................4. Umschlagseite<br />
EGGER Holzwerkstoffe GmbH & Co. KG, Brilon .............................................................................................................................................. Seite 5<br />
Exposicam Srl, IT-Milano.....................................................................................................................................................................2. Umschlagseite<br />
Hymmen GmbH, Bielefeld ............................................................................................................................................................................... Seite 43<br />
impress surfaces GmbH ....................................................................................................................................................................3. Umschlagseite<br />
M.Kaindl GmbH, A-Wals .................................................................................................................................................................................. Seite 11<br />
KRONOSPAN GmbH, Steinheim-Sandebeck ................................................................................................................................................... Seite 17<br />
Lamello AG, CH-Bubendorf .............................................................................................................................................................................. Seite 23<br />
LEUCO Ledermann GmbH & Co.KG, Horb am Neckar .....................................................................................................................3. Umschlagseite<br />
Messe Frankfurt VIATT, HK- Wanchai ............................................................................................................................................................. Seite 27<br />
NürnbergMesse GmbH, HolzHandwerk, Nürnberg.......................................................................................................................................... Seite 25<br />
REHAU Industries SE & Co.KG, Rehau .............................................................................................................................................Titel, Seite 18 -21<br />
Simon Sinterlutions GmbH & Co.KG, Aichhalden ............................................................................................................................3. Umschlagseite<br />
Wagner System GmbH, Lahr..............................................................................................................................................................3. Umschlagseite<br />
Einhefter<br />
HOMAG Group AG, Schopfloch .................................................................................................................................................................. Seite 35-36<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 53
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Editorial<br />
Diagnose: Messemüdigkeit<br />
Seit der Corona-Pandemie hat sich in der<br />
Einrichtungsindustrie eine gewisse Messemüdigkeit<br />
eingestellt. Diese Diagnose<br />
konnte man als Besucher der jüngsten<br />
Branchenmessen in Köln, Frankfurt und<br />
Hannover stellen, wie wir auf den folgenden<br />
Seiten berichten. Durchweg sind es<br />
vor allem die führenden Branchenunternehmen,<br />
die sich rarmachen. Wie wir<br />
berichten, waren auf der Möbelmesse<br />
imm Cologne fast alle größeren Anbieter<br />
des mittleren Preissegments nicht angetreten,<br />
und auf der bevorstehenden Holz-<br />
Handwerk in Nürnberg oder der Xylexpo in<br />
Mailand wird es nicht anders sein.<br />
Insbesondere für Interessenten aus<br />
entfernten Ländern dürfte der<br />
Besuch damit weniger lohnenswert<br />
sein, denn sie können sich keinen<br />
kompletten Überblick über das<br />
Gesa<strong>mt</strong>angebot verschaffen.<br />
Der Bahnstreik und auch die Bauerndemonstrationen<br />
wirkten sich im<br />
Januar nicht so massiv wie befürchtet<br />
auf das Besucherinteresse aus.<br />
Hei<strong>mt</strong>extil, Domotex und imm Cologne<br />
bilanzierten ein Plus bei den<br />
Besuchern. Allerdings konnten alle<br />
drei Events nicht an die Besucherzahlen<br />
vor der Pandemie heranreichen.<br />
Eine Ursache für die Messemüdigkeit<br />
auf Industrieseite liegt in der<br />
Konsumentenverunsicherung und der<br />
schlechten Stimmung in der Wirtschaft.<br />
Nachdem das Jahr 2023 mit einem voraussichtlichen<br />
Rückgang der Wirtschaftsleistung<br />
um 0,5 Prozent endete, rechnen die<br />
Unternehmen für 2024 ebenfalls mit<br />
einem schwierigen Jahr. In einem exklusiven<br />
Statement bezeichnet Dr. Jan Bergmann<br />
vom VHI (Verband der Deutschen<br />
Holzwerkstoffindustrie) 2023 als eines der<br />
stärksten Krisenjahre seit der Wiedervereinigung.<br />
Auch André Dorner von Blum<br />
bekräftigt im Gespräch mit material+technik<br />
möbel, dass der Beschlaghersteller seit<br />
vielen Jahren keine derart globale Auftragsflaute<br />
erlebt habe. Immerhin findet er<br />
auch ermutigende Worte und betont, dass<br />
Blum mittelfristig mit einem Anziehen der<br />
Nachfrage rechne und sich hierauf vorbereite.<br />
Als eine Maßnahme bezeichnet er<br />
die Teilnahme an der Holz-Handwerk. Mit<br />
seinen jüngsten Innovationen und Investitionen<br />
sieht sich der Kantenhersteller<br />
Rehau bereits bestens für die künftigen<br />
Herausforderungen aufgestellt, wie das<br />
Management in einem Exklusiv-Interview<br />
in dieser Ausgabe unterstreicht.<br />
Alle Interviewpartner können nicht leugnen,<br />
dass ihnen die schlechten Vorgaben<br />
aus dem Wohnungsbau, aber auch die<br />
rückläufige Möbelproduktion Kopfzerbrechen<br />
bereiten. Der Verband der Deutschen<br />
Möbelindustrie (VDM) geht für das<br />
Gesa<strong>mt</strong>jahr 2023 inzwischen von einem<br />
Umsatzminus in Höhe von 5 Prozent aus,<br />
obwohl die bislang vorliegenden Statistiken<br />
für die ersten zehn Monate nur ein<br />
Minus von 3,4 Prozent ausweisen. Als<br />
Grund für die pessimistischere Einschätzung<br />
werden die guten Umsätze des Vorjahres<br />
genannt: In den letzten Jahresmonaten<br />
2022 liefen die Maschinen in der<br />
Richard Barth, Chefredakteur/<br />
Editor-in-chief. Photo: Richter<br />
Möbelindustrie noch auf Hochtouren, so<br />
dass die Messlatte für 2023 besonders<br />
hoch hängt. Die Absatzschwäche schlägt<br />
damit stärker zu Buche und drückt das<br />
Gesa<strong>mt</strong>ergebnis dadurch weiter nach<br />
unten.<br />
Nachdem die Wirtschaftsexperten ihre<br />
Wachstumsprognosen für 2024 reduziert<br />
haben und beim Wohnungsbau ein weiterer<br />
Rückgang prognostiziert wird, sieht die<br />
Einrichtungsbranche weiterhin keinen Silberstreif<br />
am Horizont. Den scheint im<br />
Moment nur die Automobilindustrie zu<br />
sehen: Das ifo-Institut hatte dort eine<br />
merkliche Verbesserung des Geschäftsklimas<br />
im Januar sowie eine optimistischere<br />
Einschätzung der kommenden Geschäftslage<br />
vermeldet. Bleibt zu hoffen, dass auch<br />
der Einrichtungsbranche schon bald eine<br />
bessere Diagnose gestellt werden kann.<br />
Diagnosis: trade fair fatigue<br />
Since the COVID-19 pandemic, a kind of trade fair fatigue<br />
has set in among the furnishing industry. This diagnosis<br />
could be made as a visitor to the most recent trade fairs in<br />
Cologne, Frankfurt and Hanover, as we report on the<br />
following pages. It is mainly the leading companies in the<br />
industry who are staying away. As we report, almost all the<br />
major mid-range suppliers did not make an appearance at<br />
the imm Cologne interior design fair, and it will be no<br />
different at the upcoming Holz-Handwerk in Nuremberg or<br />
Xylexpo in Milan. This should make the visit less worthwhile,<br />
especially for potential customers from far away<br />
countries, because they cannot get a complete overview of<br />
the entire range. The rail strike and farmers’ demonstrations<br />
did not have as huge an impact on visitor interest in January<br />
as had been feared. Hei<strong>mt</strong>extil, Domotex and imm Cologne<br />
recorded a plus for visitors. However, all three events were<br />
unable to match the pre-pandemic number of visitors.<br />
Reasons for the industry’s trade fair fatigue are consumer<br />
uncertainty and the gloomy mood in the economy. With<br />
2023 having ended with an expected 0.5% decline in<br />
economic output, companies expect a difficult year in 2024<br />
as well. In an exclusive statement, Dr Jan Bergmann of the<br />
VHI (German Wood-Based Materials Industry Association)<br />
describes 2023 as one of the strongest crisis years since<br />
reunification. In an interview with material+technik möbel,<br />
André Dorner from Blum also corroborates that the<br />
hardware manufacturer has not experienced such a global<br />
slump in orders for many years. However, he also finds<br />
words of encouragement and emphasises that Blum is<br />
counting on and preparing for demand to pick up in the<br />
medium term. He describes participation in Holz-Handwerk<br />
as one measure. With its latest innovations and investments,<br />
the edge banding manufacturer Rehau is already<br />
well positioned for the future challenges, as highlighted by<br />
management in an exclusive interview in this issue. All of<br />
the interviewees cannot deny that they are worried about<br />
the poor conditions in the housing sector, as well as the<br />
decline in furniture production. The Verband der Deutschen<br />
Möbelindustrie (Association of the German Furniture<br />
Industry (VDM)) is now expecting a 5 per cent drop in sales<br />
for the 2023 business year, although the statistics available<br />
so far only show a drop of 3.4 per cent for the first ten<br />
months. The reason for the more pessimistic assessment<br />
is the good sales from the previous year: in the last months<br />
of 2022, the machines were still running at full speed in the<br />
furniture industry, so the benchmark for 2023 is particularly<br />
high. The weakness in sales over the last few months is<br />
therefore having a greater impact and pushing the overall<br />
result down further.<br />
With economic experts having reduced their growth forecasts<br />
for 2024 and housing construction being forecast to<br />
slow down further, the furnishing industry still cannot see a<br />
silver lining. At the moment, only the automotive industry<br />
seems to to be able to see it: the ifo Institute had reported<br />
a noticeable improvement in the sector’s business climate<br />
in January and a more optimistic assessment of the<br />
upcoming business situation. Let’s hope that the furnishing<br />
industry will be able to get a better diagnosis soon, too.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 3
Inhalt<br />
Titel: Rehau<br />
Seiten 18–21<br />
Kasten- und Küchenmöbel<br />
Seiten 5–41<br />
Maschinen und Verfahren<br />
Seiten 42–45<br />
Sitzmöbel<br />
Seiten 46–50<br />
Zum Titelbild: Mit seinen innovativen<br />
Produkten ermöglicht Rehau<br />
den „perfekten Match“ von Platte,<br />
Kante und Schrankrollladen.<br />
Editorial 3<br />
Inhalt 4<br />
VHI-Standpunkt<br />
„Trendwende in Sicht<br />
oder ein weiteres<br />
Krisenjahr?“ 8–9<br />
Impressum 44<br />
Personen & Termine 52<br />
Partner der Möbelindustrie53<br />
Inserentenverzeichnis 53<br />
Fokus<br />
Konzentration im<br />
Beschlagsektor 5<br />
Schwieriges Jahr erwartet 6–7<br />
Das Handwerk im Fokus 10–12<br />
Trendfarben für den<br />
Einrichtungsbereich 24–26<br />
Innovative Ideen und<br />
Konzepte28–31<br />
Vielseitig- und Nachhaltigkeit<br />
stehen im Fokus 38–41<br />
Macher & Märkte<br />
„Eine derart globale Nachfrageflaute<br />
haben wir seit vielen<br />
Jahren nicht erlebt“ 14–16<br />
„Wir entwickeln<br />
Innovationen für<br />
unsere Kunden“ 18–21<br />
Produkte & Konzepte<br />
Kanten zur neuen Dekor-<br />
Kollektion bereits am Lager 13<br />
Späne und Stäube zuverlässig<br />
absaugen17<br />
Erweiterte Anti-Fingerprint-<br />
Kollektion 22<br />
Produktvielfalt vereint<br />
mit Funktionalität 22<br />
Innovatives „Capsule“-<br />
Konzept 23<br />
Widerstandsfähige<br />
Wasserlacke 34<br />
„Aus“ für Nitrolacke 34<br />
Kunststoffprodukte im<br />
Rampenlicht 37<br />
Fokus<br />
Konferenz bietet<br />
Oberflächen-Update 42–43<br />
Produkte & Konzepte<br />
Gestricktes Holz 44<br />
Unbegrenzte Design-<br />
Flexibilität dank Digitaldruck 45<br />
Fokus<br />
Mehr Komfort und<br />
Nachhaltigkeit bei<br />
Polsterbezügen46–49<br />
Produkte & Konzepte<br />
Vielseitig nachhaltig 50<br />
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4<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Konzentration im<br />
Beschlagsektor<br />
Nach der Ankündigung der Übernahme<br />
der FGV Gruppe durch die<br />
Hettich Gruppe im Herbst vergangenen<br />
Jahres wurde die Übernahme<br />
im Januar erfolgreich<br />
ab geschlossen und ist damit formell<br />
vollzogen. Wie Hettich zum<br />
Closing weiter mitteilt, wurden<br />
neben den erforderlichen Genehmigungen<br />
durch die Kartellbehörden<br />
alle weiteren Abschlussbedingungen<br />
für die Übernahme erfüllt.<br />
Damit ist das Unternehmen aus<br />
Kirchlengern nun 100-prozentiger<br />
Gesellschafter der FGV-Gruppe.<br />
Beide Unternehmen zeichnet laut<br />
eigenen Angaben aus, dass sie langfristig<br />
orientiert, Experten für Möbelbeschläge<br />
und in derselben Branche<br />
zu Hause sind sowie eine große<br />
Kundennähe haben. Die Übernahme<br />
erfolgte mit dem Ziel, dass beide<br />
Unternehmen sich einander mit<br />
ihren Stärken ergänzen, um die<br />
bestehenden Geschäftsaktivitäten<br />
kontinuierlich weiterzuentwickeln<br />
und den Kunden noch bessere<br />
Mehrwertlösungen anzubieten.<br />
Innerhalb des Gesa<strong>mt</strong>unternehmensverbundes<br />
der Hettich Gruppe<br />
werden Hettich und FGV als Marken<br />
und Unternehmen eigenständig<br />
bleiben, so dass die Kunden<br />
beider Unternehmen auch ihre vertrauten<br />
Ansprechpartner behalten.<br />
Uwe Kreidel, der bereits als<br />
Geschäftsführer in verschiedenen<br />
Hettich-Gesellschaften tätig ist, wird<br />
künftig als CEO von FGV verantwortlich<br />
zeichnen. Neben seiner mehr als<br />
30-jährigen Branchen-, Hettich- und<br />
Managementerfahrung bringt er<br />
seine Kenntnisse des italienischen<br />
Marktes ein, die er u. a. in seiner<br />
Funktion als Regional Director für<br />
Hettich Italia erworben hat. ba<br />
Bei der Übernahmezeremonie versammelten sich Dr. Andreas<br />
Hettich, die früheren Aktionäre von Formenti e Giovenzana und ihre<br />
Familien sowie Vertreter des FGV- und Hettich-Management-Teams.<br />
Dr Andreas Hettich, the former shareholders of Formenti e Giovenzana<br />
and their families as well as representatives of the FGV and Hettich<br />
management teams gathered at the takeover ceremony.<br />
Photo: Hettich<br />
Concentration in the fittings sector<br />
Following the announcement of the takeover of the FGV Group by the<br />
Hettich Group in autumn last year, the takeover was successfully completed<br />
in January, and has thus been formally finalised. The merger had<br />
previously been approved by the antitrust authorities, meaning that the<br />
Kirchlengern-based fittings manufacturer is now a 100 per cent shareholder<br />
of the FGV Group, which is based in Veduggio, Italy. Within the<br />
overall Hettich Group, Hettich and FGV will remain independent brands<br />
and companies. Uwe Kreidel, who previously worked as Regional Director<br />
for Hettich Italia, will in future be responsible as CEO of FGV.<br />
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Fokus<br />
Schwieriges Jahr erwartet<br />
Photo: Pixabay<br />
Das Jahr 2024 wird für die deutsche Wirtschaft ein schwieriges Jahr.<br />
Unisono rechnen die Experten der führenden Institute mit einer schwachen<br />
Performance. Die geopolitische Lage sowie der Rückgang beim Wohnungsbau<br />
lassen die Prognosen ungewöhnlich pessimistisch ausfallen.<br />
Photo: Pixabay<br />
In den letzten Monaten des vergangenen<br />
Jahres korrigierten die Wirtschaftsforscher<br />
ihre zu Jahresbeginn<br />
erstellten Prognosen zur wirtschaftlichen<br />
Entwicklung nach<br />
unten. Statt eines leichten Wachstums<br />
von 0,3 Prozent oder zumindest<br />
einer schwarzen Null, wie es<br />
noch zu Jahresbeginn 2023 prognostiziert<br />
worden war, verzeichnete<br />
die Wirtschaft in Deutschland<br />
ersten Einschätzungen zufolge<br />
einen Rückgang von mindestens<br />
0,3 Prozent. Die „Wirtschaftsweisen“<br />
gehen in ihrer jüngsten Prognose<br />
von einem Rückgang des<br />
Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,4<br />
Prozent aus, verschiedene Experten<br />
rechnen gar mit einem Minus<br />
von 0,6 Prozent.<br />
Auch die Erwartungen für das neue<br />
Jahr wurden zurückgeschraubt.<br />
Ursprünglich hatten die Wirtschaftsinstitute<br />
für 2024 eine merkliche<br />
Besserung erwartet: Anfang<br />
2023 waren sie für 2024 noch von<br />
einem Wachstum von bis zu 1,9<br />
Prozent ausgegangen.<br />
Unterschiedliche Prognosen<br />
Inzwischen sehen viele Experten<br />
die Entwicklung eher pessimistisch,<br />
so dass die Prognosen recht<br />
unterschiedlich ausfallen. So geht<br />
das Institut der deutschen Wirtschaft<br />
(IW) davon aus, dass das<br />
Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr<br />
2024 um 0,5 Prozent zurückgehen<br />
6<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
wird. Optimistischer zeigt sich das<br />
ifo-Institut, dessen Experten damit<br />
rechnen, dass das preisbereinigte<br />
BIP um 0,9 Prozent steigen wird.<br />
Allerdings hatte das ifo-Institut für<br />
das Jahr 2024 ein Wachstum von<br />
1,4 Prozent und für 2025 von 1,2<br />
Prozent vorhergesagt. Als Grund für<br />
die Korrektur ihrer Prognosen nennt<br />
das Institut die Wirtschaftsentwicklung<br />
im vierten Quartal 2023, die<br />
schwächer ausfiel, als es die<br />
Münchner Experten erwartet hatten.<br />
Der Sachverständigenrat der<br />
Wirtschaftsweisen rechnet 2024<br />
ebenfalls mit einem Wachstum von<br />
0,7 Prozent. Die Europäische Kommission<br />
hatte ihre ursprüngliche<br />
Prognose von 1,1 Prozent Wachstum<br />
ebenfalls auf 0,8 zurückgeschraubt.<br />
Die Prognosen für das<br />
Jahr 2025 fallen<br />
optimistischer<br />
aus. Das ifo-Institut erwartet<br />
einen Anstieg von 1,3 Prozent, die<br />
Europäische Kommission rechnet<br />
mit 1,2 Prozent und das IfW-Kiel<br />
gar mit 1,6 Prozent.<br />
Wirtschaft wächst langsamer<br />
Langsamer als erwartet hat sich<br />
auch die Wirtschaft in der EU entwickelt.<br />
Im Jahresverlauf 2023<br />
musste die Europäische Kommission<br />
ihre Prognosen zweimal revidieren.<br />
Rechnete sie im Sommer<br />
noch mit einem Wachstum von 0,8<br />
Prozent, so spricht die jüngste Prognose<br />
nun von 0,6 Prozent Wachstum<br />
sowohl für die EU als<br />
auch für die<br />
Die führenden Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen für das<br />
Jahr 2024 gesenkt.<br />
The leading economic institutes have lowered their forecasts for<br />
2024. Graphic: Pixabay<br />
Eurozone. Mit besseren Werten<br />
rechnete Brüssel für 2024, wenngleich<br />
auch hier die Erwartungen<br />
heruntergeschraubt wurden. In<br />
ihrer jüngsten Prognose geht die<br />
Europäische Kommission nun von<br />
einem Plus von 1,3 Prozent in der<br />
EU und von 1,2 Prozent in der Eurozone<br />
aus. Einen Tick besser fallen<br />
die Prognosen für das Jahr 2025<br />
aus, in dem ein Zuwachs von 1,7<br />
bzw. 1,6 Prozent erwartet wird.<br />
Deutschland wächst unterdurchschnittlich<br />
Im Vergleich mit den anderen EU-<br />
Ländern fällt das Wachstum in<br />
Deutschland mit 0,8 (2024) bzw.<br />
1,2 Prozent (2025) somit unterdurchschnittlich<br />
aus. Die Gründe für<br />
die düsteren Perspektiven in<br />
Deutschland sind mannigfaltig.<br />
Neben der schwierigen geopolitischen<br />
Lage ist die schwache Bauentwicklung<br />
ein weiterer Faktor,<br />
der das deutsche Bruttoinlandsprodukt<br />
nicht wachsen lässt, denn an<br />
den hohen Zinsen und Baukosten<br />
wird sich nach Ansicht der Experten<br />
auch 2024 nichts ändern. Doch<br />
es gibt auch Lichtblicke: Positiv auf<br />
den privaten Konsum dürfte sich<br />
die Entspannung bei der Inflation<br />
auswirken, bei der die Wirtschaftsexperten<br />
keinen Anstieg auf über 3<br />
Prozent mehr erwarten.<br />
Die trübe Stimmung in der deutschen<br />
Wirtschaft spiegelt sich auch
Fokus<br />
in einer Umfrage des IW wider, die<br />
das Institut zum Jahresende bei<br />
den Wirtschaftsverbänden durchführte.<br />
Dabei hatten 30 von 47<br />
befragten Verbänden die aktuelle<br />
Lage im Vergleich zum Vorjahr als<br />
schlechter eingeschätzt. 23 Verbände<br />
rechneten sogar fest damit,<br />
dass das gesa<strong>mt</strong>e Jahr 2024<br />
schlechter ausfällt. Negative Einschätzungen<br />
der Lage zum Jahreswechsel<br />
kamen u.a. aus der Holzindustrie,<br />
der Leder- und Papierindustrie<br />
sowie aus der Bauindustrie. Sie<br />
alle rechnen damit, dass der Branchenumsatz<br />
im laufenden Jahr<br />
etwas niedriger liegen wird als<br />
2023. Entsprechend ist in diesen<br />
Branchen auch bei den Investitionen<br />
Zurückhaltung angesagt. Positiv<br />
gestim<strong>mt</strong> zeigten sich bei der<br />
IW-Umfrage nur wenige Branchen.<br />
Dazu zählten das Handwerk und die<br />
Messewirtschaft, die beide die<br />
Stimmungslage zum Jahreswechsel<br />
23/24 besser als im Vorjahr<br />
bezeichneten und auch mit einem<br />
leicht höheren Umsatz rechnen.<br />
Dennoch ergab die Umfrage, dass<br />
die Investitionen im Handwerk<br />
geringer als 2023 ausfallen werden,<br />
während die Messewirtschaft stärker<br />
investieren will.<br />
Wohnungsbau bleibt schwach<br />
Der Wohnungsbau bleibt im neuen<br />
Jahr eines der größten Hemmschuhe<br />
für die Entwicklung der Einrichtungsindustrie.<br />
Die jüngsten<br />
Daten des ifo-Instituts lassen darauf<br />
schließen, dass im laufenden Jahr<br />
die Zahl der neuen Wohnungen weiter<br />
zurückgeht. Darauf lassen die<br />
jüngsten Daten des Münchner Instituts<br />
schließen, das bei Wohnungsbaugenehmigungen<br />
in den ersten<br />
neun Monaten 2023 einen Rückgang<br />
von 28,3 Prozent gegenüber<br />
dem Vorjahr ermittelt hatte. Dies<br />
entsprach einem Rückgang um<br />
75.900 auf 195.100 Wohnungen.<br />
Für die Wohn- und insbesondere<br />
die Küchenmöbelindustrie bedeutet<br />
das weniger Umzüge und damit<br />
sinkende Chancen, dass für eine<br />
neue Wohnung auch gleich neue<br />
Möbel und eine neue Einbauküche<br />
angeschafft werden. Während im<br />
Jahr 2022 noch 295.300 Wohnungen<br />
fertiggestellt wurden, erwarten<br />
die Wirtschaftsforscher für<br />
2023 einen Rückgang auf 275.000<br />
Wohnungen. Angesichts der rückläufigen<br />
Genehmigungen und insbesondere<br />
der vorgenommenen<br />
Stornierungen im Wohnungsbau<br />
rechnet das ifo-Institut für das<br />
gerade begonnene Jahr nur noch<br />
mit der Fertigstellung von 235.000<br />
Wohnungen. 2025 sollen es sogar<br />
noch weniger werden. Hier soll die<br />
Zahl der neu gebauten Wohnungen<br />
in neuen und bestehenden Gebäuden<br />
auf rund 200.000 sinken.<br />
Anderen Experten zufolge soll der<br />
Rückgang sogar noch höher ausfallen.<br />
So geht das IMK (Institut für<br />
Makroökonomie und Konjunkturforschung)<br />
davon aus, dass die Zahl<br />
der Wohnungsneubauten im Jahr<br />
2024 auf 177.000 Einheiten sinkt.<br />
Deutschland Schlusslicht<br />
Damit liegt Deutschland in Europa<br />
an letzter Stelle, was den Wohnungsbau<br />
anbetrifft: In anderen<br />
Ländern rechnen die Wirtschaftsforscher<br />
mit einer weniger schlechten<br />
und teilweise sogar mit einer<br />
vergleichsweise guten Entwicklung<br />
im Wohnungsbau. Das spiegelt<br />
sich in den Prognosen wider,<br />
die für Westeuropa im Zeitraum<br />
2021 bis 2025 von einem durchschnittlichen<br />
Rückgang von 12 Prozent<br />
ausgehen. Ebenso hoch soll<br />
der Rückgang ausfallen, wenn die<br />
östlichen Mitgliedsländer einbezogen<br />
werden. Insgesa<strong>mt</strong> soll die<br />
Zahl der Fertigstellungen in Westeuropa<br />
im Berichtszeitraum bis<br />
2025 auf 1,312 Mio. Einheiten<br />
zurückgehen. Inklusive der vier östlichen<br />
Mitgliedsländer sollen dann<br />
1,583 Mio. Wohnungen fertiggestellt<br />
werden.<br />
Neben Deutschland wird in Schweden,<br />
Österreich sowie Dänemark<br />
ebenfalls mit einem deutlich zweistelligen<br />
Rückgang bei den Fertigstellungen<br />
gerechnet. Doch auch<br />
für Frankreich, das 2021 mit insgesa<strong>mt</strong><br />
385.000 Wohnungsneubauten<br />
an der Spitze lag, wird mit<br />
einem Rückgang in Höhe von 14,5<br />
Prozent gerechnet. Deutlich besser<br />
steht Großbritannien da, wo die<br />
Zahl der Fertigstellungen lediglich<br />
um 4 Prozent fallen sollen. 2025<br />
sollen dann nur noch 193.700 Wohnungen<br />
und damit nahezu ebenso<br />
viele wie in Deutschland gebaut<br />
sein. Es gibt aber auch Länder, in<br />
denen die Experten mit einem<br />
Wachstum beim Wohnungsbau<br />
rechnen. Zu diesen zählt vor allem<br />
Irland mit einem Wachstum von<br />
rund 70 Prozent, aber auch in Portugal<br />
und Italien soll es deutlich bergauf<br />
gehen. In diesen Ländern wird<br />
Der rückläufige<br />
Wohnungsbau<br />
hem<strong>mt</strong> auch 2024<br />
die Wirtschaftsentwicklung.<br />
The decline in<br />
residential<br />
construction will<br />
continue to<br />
hamper economic<br />
development in<br />
2024.<br />
Photo: Pixabay<br />
ein Zuwachs von 19,2 bzw. 13,1<br />
Prozent prognostiziert. Auch in Spanien<br />
wird die Zahl der Wohnungen<br />
um 9,4 Prozent auf rund 100.000<br />
Einheiten steigen.<br />
Bis auf die Slowakei, der bis 2025<br />
ein Wachstum der Fertigstellungen<br />
in Höhe von 9 Prozent prognostiziert<br />
wird, rechnen die Forscher mit<br />
zweistelligen Minuswerten in den<br />
Difficult year expected<br />
anderen drei Visegrád-Ländern. Die<br />
Zahl der Fertigstellungen soll etwa<br />
in Polen um 13,5 Prozent auf<br />
203.000 Wohnungen sinken. In<br />
Ungarn wird ein Rückgang um 27,1<br />
Prozent auf 14.500 Wohnungen<br />
erwartet, und in Tschechien soll die<br />
Zahl der Fertigstellungen bis 2025<br />
auf 30.500 Wohnungen zurückgehen.<br />
Richard Barth<br />
In the final months of last year, economic researchers revised their economic<br />
development forecasts made at the beginning of the year downwards.<br />
Instead of a slight growth of 0.3 per cent or at least a break-even<br />
result, as had been forecast at the beginning of 2023, the economy in<br />
Germany recorded a decline of at least 0.3 per cent to 0.6 per cent<br />
according to initial estimates.<br />
Expectations for the new year have also been scaled back. Many experts<br />
are meanwhile taking a rather pessimistic view of developments, with<br />
the result that the gross domestic product (GDP) is forecast to fall in<br />
2024, or only increase slightly by 0.7 per cent.<br />
The forecasts for 2025 are somewhat more optimistic at between 1.2<br />
and 1.6 per cent. The economy in the EU has also developed more slowly<br />
than expected, with the institutes forecasting growth of 0.6 per cent for<br />
both the EU and the eurozone. For 2024, growth of 1.3 per cent is<br />
expected in the EU and 1.2 per cent in the eurozone. Growth of 1.7 and<br />
1.6 per cent is respectively expected in 2025.<br />
Housing construction in Germany remains one of the biggest obstacles<br />
to the development of the furnishing industry in the new year. The latest<br />
data from the ifo Institute suggests that the number of new homes will<br />
continue to fall this year.<br />
While 295,300 flats were completed in 2022, the economic researchers<br />
expect a decline to 275,000 flats in 2023. For the year that has just<br />
begun, only 235,000 flats are expected to be completed. In 2025, the<br />
number is expected to fall to around 200,000 or even lower.<br />
In other countries, economic researchers anticipate a less poor and in<br />
some cases an even comparatively good development in residential construction.<br />
Overall, the number of completions in Western Europe is<br />
expected to fall to 1.312 million units by 2025. Including the four eastern<br />
member states, 1.583 million homes are then expected to be completed.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 7
Branchen-Standpunkt<br />
Die Rubrik VHI-Standpunkt gibt dem Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) die<br />
Möglichkeit, über aktuelle Branchenthemen und Ereignisse zu informieren. Zum gerade angelaufenen<br />
Jahr blickt Dr. Jan Bergmann als Präsident des Verbandes der Deutschen Holzwerkstoffindustrie<br />
(VHI) auf das abgelaufene Jahr zurück und äußert sich zu den Herauforderungen<br />
für das Jahr 2024. Unter dem Titel „Trendwende in Sicht oder ein weiteres Krisenjahr?“ fordert<br />
er unter anderem von der Bundesregierung Initiativen zur Belebung der Baukonjunktur.<br />
„Trendwende in Sicht oder ein<br />
weiteres Krisenjahr?“<br />
Das Jahr 2023 entwickelte sich<br />
gesa<strong>mt</strong>wirtschaftlich zu einem<br />
der bislang stärksten Krisenjahre<br />
seit der Wiedervereinigung. Auch<br />
die Holzwerkstoffindustrie konnte<br />
sich dem nicht entziehen. Die<br />
ohnehin nicht große Hoffnung auf<br />
eine Trendwende erfüllte sich zum<br />
Jahresende nicht. Bedeutende<br />
Absatzmärkte waren weiter rückläufig<br />
oder wurden endgültig<br />
auch vom Abwärtssog erfasst.<br />
Laut Statistischem Bundesa<strong>mt</strong><br />
ging im Vorjahresvergleich die<br />
Anzahl der genehmigten Wohnungen<br />
in den ersten 10 Monaten<br />
des Jahres 2023 um fast ein<br />
Drittel (-29,7 %) zurück. Die Zielstellung<br />
des Koalitionsvertrages<br />
von jährlich 400.000 neu errichteten<br />
Wohnungen ist in weite Ferne<br />
gerückt. Auch die Möbelindustrie,<br />
die sich aufgrund von Auftragsbeständen<br />
bislang als<br />
robust erwiesen hatte, ist von<br />
deutlichen Rückgängen betroffen,<br />
insbesondere weil die<br />
zurückgehende Neubautätigkeit<br />
auch den Einrichtungsbedarf an<br />
neuen Möbeln senkt.<br />
„Umsatz der Holzwerkstoffindustrie<br />
ging 2023 zurück“<br />
Der Umsatz der Holzwerkstoffindustrie<br />
verzeichnete von Januar<br />
bis Oktober 2023 einen Rückgang<br />
um über 15 % im Vergleich zum<br />
Vorjahr, von 5,40 Mrd. Euro auf<br />
4,56 Mrd. Euro, wobei der<br />
Inlandsumsatz mit minus 18,3 %<br />
stärker als der im Ausland mit<br />
minus 10,7 % zurück ging.<br />
Das Jahr 2023 war zudem von<br />
deutlichen Rückgängen der Verkaufspreise<br />
geprägt. So ging<br />
etwa der durchschnittliche Preis<br />
im Industrieabsatz von Standardrohspanplatten<br />
im November<br />
im Vorjahresvergleich um<br />
rund 46 % zurück, im Bereich der<br />
MDF-Standardplatten um rund<br />
36 %.<br />
Zwar hat sich die Situation bei<br />
den Gestehungskosten mit den<br />
absoluten Preisspitzen im Jahr<br />
2022 etwas entspannt, trotzdem<br />
liegen die Preise zum Beispiel für<br />
Harnstoffformaldehydharze derzeit<br />
um rund 63 % höher als im<br />
Jahr 2020, bei Dekorpapier um<br />
fast 30 %.<br />
Die vom VHI repräsentierten Branchen<br />
- Holzwerkstoffplatten, Sperrholz,<br />
WPC-Produkte sowie Innentüren<br />
aus Holz und Holzwerkstoffen<br />
– waren von deutlichen<br />
Produktionsrückgängen gekennzeichnet.<br />
So ging in den ersten<br />
drei Quartalen die Produktion<br />
von Spanplatten von 4,32 Mio.<br />
m³ um 10,6 % auf 3,86 Mio. m³<br />
zurück. Die Menge der hergestellten<br />
Faserplatten nahm um<br />
14,47 % ab.<br />
Die Produktion von Sperrholz<br />
schrumpfte in den ersten drei<br />
Quartalen um rund 9 % . Im<br />
Bereich WPC-Produkte (Holz-<br />
Polymer-Werkstoffe) wie Terrassendielen<br />
lässt sich in den ersten<br />
drei Quartalen ein<br />
sehr deutlicher<br />
Produktionsrückgang<br />
von rund<br />
45 % feststellen.<br />
Bei der<br />
Produktion von<br />
Türblättern und<br />
Zargen betrug<br />
der Rückgang<br />
bis zum Ende<br />
des dritten Quartals<br />
im Vorjahresvergleich<br />
über 20 %.<br />
„Statt Krisenbewältigung<br />
gab es politische Enttäuschungen“<br />
Obwohl im politischen Diskurs<br />
niemand das Prinzip der Kaskadennutzung<br />
von Holz in Frage<br />
stellt und auch von der Bundesregierung<br />
oft betont wird, dass eine<br />
stoffliche Verwertung des knappen<br />
Rohstoffes Holz vor der energetischen<br />
der Regelfall sein sollte,<br />
wurde im Jahr 2023 u. a. mit dem<br />
Gebäudeenergiegesetz und der<br />
Bundesförderung für effiziente<br />
Gebäude sowie dem Wärmeplanungsgesetz,<br />
um nur einige Beispiele<br />
zu nennen, der Holzenergie<br />
bei der (zweifellos richtigen)<br />
Abkehr von fossilen Brennstoffen<br />
ein zentraler Stellenwert eingeräu<strong>mt</strong>.<br />
Zudem wurde sie mit signifikanter<br />
Förderung versehen<br />
und mengenmäßig kaum<br />
begrenzt, obwohl Holz als Energiequelle<br />
deutlich limitierter ist<br />
als etwa Wind- oder Sonnenergie.<br />
Dr. Jan Bergmann (Präsident<br />
des Verbandes der Deutschen<br />
Holzwerkstoffindustrie (VHI).<br />
Dr Jan Bergmann (President of<br />
the Verband der Deutschen<br />
Holzwerkstoffindustrie (VHI)).<br />
Photos: VHI<br />
Durch diese politischen Richtungsentscheidungen<br />
zugunsten<br />
der Holzenergie werden der<br />
Holzwerkstoffindustrie wesentliche<br />
Rohstoffe wie Sägenebenprodukte,<br />
aus denen auch Pellets<br />
produziert werden, und Altholz<br />
noch stärker als bislang entzogen.<br />
Die ohnehin bestehende<br />
Nutzungskonkurrenz stofflich vs.<br />
energetisch wurde mit diesen<br />
gesetzlichen Weichenstellungen<br />
weiter verschärft.<br />
Dadurch konterkariert die Bundesregierung<br />
neben der Kreislaufwirtschaftsstrategie<br />
leider auch die<br />
von ihr selbst aufgesetzte Holz-<br />
8<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Branchen-Standpunkt<br />
bauinitiative, mit der sich große<br />
gesellschaftliche Hoffnungen auf<br />
schnell und preisgünstig entstehenden<br />
Wohnraum mit dem<br />
nachwachsenden Rohstoff Holz<br />
verbinden.<br />
Ebenso enttäuschend war, dass<br />
durch das lang erwartete Strompreispaket<br />
keine international<br />
wettbewerbsfähigen Energiepreise<br />
für alle energieintensi ven<br />
Unternehmen gewährleistet<br />
werden, da sich die Ausweitung<br />
der Strompreiskompensation im<br />
Strompreispaket nur an die<br />
wenigen Unternehmen richtet,<br />
die bislang schon unter diese<br />
Regelung fielen. Dabei wurde die<br />
ebenso energieintensive Holzwerkstoffindustrie<br />
nicht berücksichtigt.<br />
Die mediale Darstellung,<br />
bei den energieintensiven Industrien<br />
handele es sich nur um<br />
wenige Großkonzerne, entspricht<br />
nicht den Tatsachen. Ein<br />
beträchtlicher Teil sind KMU, die<br />
mit dem Rücken zur Wand stehen.<br />
Die Bundesregierung muss<br />
hier dringend nachbessern, um<br />
für die energieintensiven Unternehmen<br />
die Energiepreise wettbewerbsfähig<br />
zu machen.<br />
Von einem notwendigen Bürokratieabbau<br />
wurde zwar viel<br />
geredet, in der Praxis ist davon<br />
aber bislang nichts angekommen.<br />
Die deutsche Industrie<br />
befindet sich bereits seit fast<br />
zwei Jahren in einer existenziellen<br />
Krise und muss schnellstmöglich<br />
von bürokratischem<br />
Aufwand und Überregulierung<br />
entlastet werden.<br />
„Baukonjunktur muss belebt<br />
werden!“<br />
Gemeinsam mit der Möbelbranche<br />
(Handelsverband Möbel und<br />
Küchen sowie Verband der Möbelindustrie)<br />
hat der VHI bereits<br />
im Sommer vergangenen Jahres<br />
an die Bundesregierung appelliert,<br />
Maßnahmen zu ergreifen,<br />
um die Verunsicherung der Menschen<br />
angesichts steigender<br />
Bauzinsen und Inflation zu überwinden.<br />
Insbesondere gelte es,<br />
auch ein Sofortprogramm für<br />
den Wohnungsbau aufzulegen,<br />
damit der Wohnungsbau und die<br />
nachgelagerten Branchen wie<br />
die Möbelindustrie stabilisiert<br />
sowie Investitionen und Konsum<br />
stimuliert werden.<br />
Auswahl von Produkten<br />
der Mitgliedsunternehmen<br />
des VHI.<br />
Selection of products<br />
from VHI member<br />
companies.<br />
Dringend notwendig ist es zudem,<br />
Förderprogramme wie<br />
„Klimafreundlicher Neubau“<br />
verlässlich zu finanzieren und<br />
auszubauen, um vertrauensschädigende<br />
Förderstopps wie in<br />
den vergangenen Jahren zu vermeiden.<br />
Auch der soziale Wohnungsbau<br />
muss weiter gestärkt<br />
werden. Die Förderung des Umbaus<br />
von Gewerbe- in Wohnimmobilen<br />
sollte deutlich aufgestockt<br />
werden.<br />
Um die Potenziale des Bauens mit<br />
Holz als umweltschonendem und<br />
langfristig Kohlenstoff speicherndem<br />
Baustoff und die Chancen<br />
eines hohen Vorfertigungsgrades<br />
im Rahmen des seriellen Bauens<br />
optimal zu nutzen, sind bestehende<br />
Hürden für den Holzbau zu<br />
reduzieren. Modulares Bauen<br />
und industrielle Vorfertigung<br />
müssen gestärkt werden. Dafür<br />
sind insbesondere Holzwerkstoffplatten<br />
prädestiniert.<br />
Gleichzeitig muss aber auch die<br />
stoffliche Verwertung von Holz<br />
gestärkt werden, um Bauprodukte<br />
aus Holz nicht zu verknappen<br />
und zu verteuern. Die Kaskadennutzung<br />
von Frischholz,<br />
inklusive Sägenebenprodukten,<br />
und auch stofflich verwertbarem<br />
Altholz muss festgeschrieben<br />
werden, insbesondere in der Biomassestrategie.<br />
Konterkarierende finanzielle Förderungen<br />
der Holzverbrennung<br />
müssen unterbleiben. Die Holzwerkstoffindustrie<br />
konnte in den<br />
vergangenen Jahren schon nicht<br />
die Mengen an Altholz einsetzen,<br />
die sie sich gewünscht hätte, da<br />
stofflich verwertbares Altholz oft<br />
den hohen Energiepreisen in die<br />
Verbrennung folgte. Dieser Weg<br />
muss umgekehrt werden, zumal<br />
sich der Anwendungsbereich für<br />
Recyclingholz wohl noch erweitern<br />
wird.<br />
In Zukunft sollte es zum Standard<br />
werden, dass Möbel über das<br />
Holzwerkstoffrecycling zu neuen<br />
Möbeln werden. Um dieses Ziel<br />
im Bereich der Faserplatten zu<br />
erreichen, wurde u. a. das von<br />
der EU geförderte Projekt EcoRe-<br />
Fibre, an dem auch VHI-Mitglieder<br />
beteiligt sind, ins Leben gerufen.<br />
Zudem sollen Rücknahmesysteme<br />
und die Sortierung von<br />
Altholz verbessert werden, wie<br />
das u. a. auch mit dem Pilotprojekt<br />
in Nordrhein-Westfalen<br />
unter dem Titel „Rücknahmesystem<br />
Altmöbel“ des Handelsverbandes<br />
Möbel und Küchen<br />
(BVDM), des Verbandes der Deutschen<br />
Möbelindustrie (VDM) und<br />
des VHI erprobt werden soll.<br />
„Klare Prioritäten zur Krisenbewältigung<br />
sind notwendig“<br />
Die Bundesregierung muss in<br />
VHI Industry Viewpoint<br />
diesem Jahr klarere Prioritäten<br />
als im vergangenen Jahr für die<br />
Überwindung der Krise setzen,<br />
gerade im Bereich der Absatzmärkte.<br />
Die Holzwerkstoffindustrie<br />
ist bereit, sie dabei konstruktiv<br />
zu unterstützen, erwartet aber<br />
auch deutliche Signale und Maßnahmen<br />
zur Stabilisierung der<br />
Standorte.<br />
Bei allen schlechten Vorzeichen für<br />
das Jahr 2024 sollten wir aber auch<br />
nicht vergessen, dass die Wertschöpfungskette<br />
Bauen, Möbel,<br />
Holzwerkstoffe unverzichtbar ist<br />
und gebraucht wird, wenn die Konjunktur<br />
wieder anspringt. Holz<br />
gehört die Zukunft, das sollte uns<br />
trotz der momentanen dunklen<br />
Wolken optimistisch stimmen.<br />
The VHI Industry Viewpoint column gives the Verband der Deutschen<br />
Holzwerkstoffindustrie (VHI) the opportunity to provide information on<br />
current industry topics and events. In this article, Dr Jan Bergmann<br />
(President of the Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI))<br />
looks back on the past year and comments on the challenges for 2024.<br />
As he explains, 2023 turned out to be one of the worst years for the<br />
economy as a whole since the German reunification, and the woodbased<br />
materials industry has not been able to escape this.<br />
Due to political decisions in favour of wood energy, such as the Building<br />
Energy Act and federal funding for efficient buildings, the wood-based<br />
materials industry was also deprived of essential raw materials such as<br />
sawmill by-products in 2023 even more than before. According to the<br />
VHI President, the already existing material versus energy utilisation<br />
competition has been further intensified by these legal decisions.<br />
In his review of the year, he appeals to the German government to launch<br />
an immediate housing construction programme to stabilise residential<br />
construction and downstream sectors such as the furniture industry and<br />
to stimulate investment and consumption. As he goes on to explain, the<br />
existing hurdles for timber construction also have to be lowered and the<br />
cascade utilisation of fresh wood, including sawmill by-products and<br />
recyclable waste wood, should be established. Counteracting financial<br />
subsidies for wood combustion should be discontinued. With a view to<br />
the year that has just begun, Dr Bergmann is calling on the German<br />
government to set clearer priorities to overcome the crisis. The woodbased<br />
materials industry is prepared to provide constructive support, but<br />
also expects clear signals and measures to stabilise its locations. To conclude<br />
his review, Dr Bergmann was optimistic for 2024 despite the poor<br />
economic outlook and emphasised that the future belongs to wood, as<br />
the construction, furniture and wood-based materials value chain is indispensable<br />
and needed.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 9
Fokus<br />
Die erste reguläre<br />
Holz-Handwerk weist<br />
weniger Aussteller<br />
als bisher auf.<br />
The first regular<br />
Holz-Handwerk will<br />
have fewer exhibitors<br />
than before.<br />
Photos: Holz-<br />
Handwerk<br />
Das Handwerk<br />
im Fokus<br />
Die erste reguläre Ausgabe der Holz-Handwerk in Nürnberg nach der coronabedingten Pause bietet den<br />
Besuchern ein deutlich geschmälertes Angebot im Maschinenbereich. Fast alle Maschinenriesen haben dem<br />
Event dieses Mal eine Absage erteilt. Dahingegen können sich die Zulieferunternehmen in einer neuen<br />
Halle mit zum Teil größeren Messeständen präsentieren.<br />
Die diesjährige 21. Holz-Handwerk<br />
in Nürnberg findet vom 19. bis zum<br />
22. März erneut in Kombination mit<br />
der Fensterbau Frontale statt. Nach<br />
der coronabedingten Pause sind<br />
die Veranstalter zum traditionellen<br />
Termin im März zurückgekehrt. Bei<br />
ihrem Re-Start im Jahr 2022 hatte<br />
die Veranstaltung als „Summer Edition“<br />
Mitte Juli stattgefunden.<br />
Damals erwies sich die Jubiläumsausgabe<br />
der Holz-Handwerk eindeutig<br />
als erfolgreichere Veranstaltung,<br />
während die Fensterbau<br />
Frontale mangels Ausstellerbeteiligung<br />
sehr mager ausfiel.<br />
Bei der diesjährigen Ausgabe<br />
scheint es umgekehrt zu sein.<br />
Grund ist das Fernbleiben nahezu<br />
aller großen Produzenten von Holzbearbeitungsmaschinen.<br />
So haben<br />
Homag, SCM, Biesse, Altendorf<br />
sowie die Felder Group ihre Teilnahme<br />
abgesagt und damit auf<br />
dem Messegelände mehrere Tausend<br />
Quadratmeter an Ausstellungsfläche<br />
frei gelassen. Von den<br />
Maschinenriesen sind lediglich<br />
Weinig mit Firmentochter Holz-Her<br />
sowie Bürkle übrig geblieben. Dazu<br />
kommen kleinere Maschinenproduzenten<br />
wie etwa Giardina, Hoffmann,<br />
Bacci, Salvador, Paul, Striebig<br />
oder Venjakob Lücken weist<br />
auch das Werkzeugangebot auf:<br />
Leitz etwa ist an Bord, während<br />
Leuco dieses Mal nicht antritt. Auch<br />
andere Anbieter dieser Sparte wie<br />
etwa Benz oder AKE sind nicht<br />
unter den Ausstellern zu finden.<br />
Dennoch sollen auf der Messe weiterhin<br />
rund 40 Prozent der Fläche<br />
mit einem Maschinenangebot aufwarten<br />
können, heißt es von Seiten<br />
der Messegesellschaft.<br />
Verändertes Hallenlayout<br />
Während die Fensterbau Frontale<br />
mit den Hallen 1 bis 8 nahezu die<br />
gleichen Hallen wie bei ihrer letzten<br />
regulären Ausgabe im Jahr 2<strong>01</strong>8<br />
belegt, tritt die Holz-Handwerk dieses<br />
Mal ohne die Halle 10.1 auf. Im<br />
Obergeschoss dieser Halle waren<br />
bislang die Zulieferunternehmen<br />
untergebracht. Auch die Halle 8<br />
zählt nicht mehr zum Angebot der<br />
Holz-Handwerk; 2<strong>01</strong>8 bildete sie<br />
noch den Übergang zur Fensterbau<br />
Frontale.<br />
Auf der diesjährigen Ausgabe sind<br />
die Anbieter von Beschlägen,<br />
Dekorplatten sowie Licht nunmehr<br />
in der einstöckigen und modernen<br />
Halle 12 anzutreffen, wo den Ausstellern<br />
auch mehr Fläche zur Verfügung<br />
steht. Außerdem befindet<br />
sich der Bereich nun direkt am Eingang<br />
Nord-West, so dass die Firmen<br />
mit einem direkten Besucherzufluss<br />
rechnen können. Manchen<br />
Aussteller werden Interessenten<br />
mit einem größeren Messestand<br />
antreffen, beispielsweise Blum,<br />
der sein Produktportfolio nun auf<br />
450 Quadratmetern vorstellen<br />
10<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
wird. Allerdings müssen sich die Aussteller<br />
die Halle nun mit den Anbietern von Handwerkzeugen<br />
teilen, die zur diesjährigen Ausgabe<br />
auch mit Rückkehrern aufwarten können.<br />
Das Maschinenangebot präsentiert sich<br />
dieses Mal lediglich in den Hallen 9 und 10.0.<br />
Rückkehrer im Beschlagangebot<br />
Bei der bevorstehenden Ausgabe sind wieder<br />
alle namhaften Beschlaghersteller an Bord,<br />
und auch Firmen wie etwa Grass und Häfele,<br />
die bei der „Summer Edition 2022“ nicht<br />
angetreten waren. Das Beschlagangebot<br />
wird von Lamello, Sugatsune und OPK<br />
ergänzt. Holzwerkstoff- und Dekorplatten<br />
werden unter anderem von Egger, Swiss<br />
Krono und Kronospan angeboten. Mit Hera,<br />
Halemeier, Brinkdöpke sowie L&S sind auch<br />
führende Anbieter von Einbauleuchten an<br />
Bord. Gleiches gilt für die Lack- und Klebstoffindustrie,<br />
bei der u. a. Remmers, Plantag,<br />
Adler-Lacke sowie Kleiberit und Zweihorn<br />
antreten. Kantenmaterialien werden die Messebesucher<br />
hauptsächlich bei Ostermann<br />
antreffen, da Rehau in diesem Jahr nicht dabei<br />
ist.<br />
Neben den Zulieferunternehmen wechseln<br />
bei der diesjährigen Holz-Handwerk auch die<br />
Anbieter von Software und Konfiguratoren<br />
ihre Platzierungen. Sie waren bislang vor<br />
allem in der Halle 11.1 anzutreffen und haben<br />
nun eine neue Platzierung in Halle 11.0 erhalten,<br />
in der auch der Bereich Organisation<br />
untergebracht ist. Mit CAD+T, Imos, Borm<br />
und Pytha Lab wird den Besuchern ein breites<br />
Spektrum auch auf diesem Gebiet geboten.<br />
Geringere Ausstellerzahl<br />
Gegenüber vorherigen Ausgaben tritt die<br />
diesjährige Ausgabe auch mit deutlich weniger<br />
Ausstellern an. Dieses Mal zählt die Holz-<br />
Handwerk knapp 320 Aussteller. Bei der<br />
„Summer Edition“ waren es rund 350 Firmen<br />
und 2<strong>01</strong>8 sogar 515 Aussteller gewesen.<br />
2022 lag die Holz-Handwerk zahlenmäßig<br />
damit auf gleicher Höhe wie die Fensterbau<br />
Frontale, die bisher immer die weitaus größere<br />
Veranstaltung gewesen war und bei dieser<br />
Ausgabe einen deutlichen Ausstellerschwund<br />
hinnehmen musste. 2<strong>01</strong>8 waren<br />
dort über 800 Firmen an Bord gewesen. In<br />
diesem Jahr werden laut Messeangaben<br />
mehr als 600 Anbieter teilnehmen.<br />
Bei den Besuchern konnte das Messe-Duo in<br />
den Jahren vor Corona einen kontinuierlichen<br />
Anstieg verzeichnen und 2<strong>01</strong>8 mit rund<br />
111.000 Besuchern einen neuen Rekord aufstellen.<br />
Die „Summer Edition 2022“ zog allerdings<br />
nur noch 28.500 Interessenten an, so<br />
dass es der Messe bei der kommenden Ausgabe<br />
gelingt, an die Zahlen früherer Jahre<br />
anzuknüpfen.<br />
Rahmenprogramm bietet Wissenstransfer<br />
Wie aus den Vorjahren gewohnt, wartet die<br />
Nürnberger Veranstaltung wieder mit einer<br />
Reihe an Sonderflächen und Sonderevents<br />
auf.<br />
Nach der Premiere auf der Sommer-Edition im<br />
Jahr 2022 veranstaltet die NürnbergMesse<br />
auch bei der kommenden Ausgabe das Forum<br />
„Digitalisierung praktisch gestalten“, das den<br />
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12.0<br />
11.0<br />
Die Beschlag- und Oberflächenindustrie tritt in<br />
diesem Jahr in der Messehalle 12 auf.<br />
This year, the fittings and surfaces industry<br />
will be exhibiting in Hall 12.<br />
VDMA<br />
NCC West<br />
S 11<br />
Rotunde<br />
Mitte<br />
Eingang<br />
Entrance<br />
U-Bahn /<br />
Subway<br />
Messe<br />
VIP<br />
West/<br />
Mitte<br />
11.0<br />
10.0S 11<br />
S 10<br />
NCC<br />
Mitte<br />
Mitte<br />
NCC Eingang<br />
Mitte Entrance<br />
S 9 VIP<br />
Mitte West/<br />
Mitte<br />
NCC<br />
Mitte<br />
S 1<br />
Mitte<br />
Operation<br />
Center<br />
NCC<br />
S 10 Mitte<br />
NCC<br />
Mitte<br />
10.0<br />
S 9<br />
Mitte<br />
9<br />
NCC<br />
Mitte<br />
S 1<br />
Mitte<br />
S 9<br />
Operation<br />
Center<br />
Messepark<br />
S 1<br />
1<br />
9<br />
8<br />
8<br />
S 8/9<br />
S 6/7<br />
6<br />
S 7<br />
S 9<br />
7Service Point<br />
Messepark<br />
S 5/6<br />
S 8/9<br />
S 6/7<br />
S 1<br />
5 S 7<br />
S 4<br />
6<br />
S 1/2<br />
1<br />
S 4/5 Service Point S 5/64<br />
2<br />
S 2/3/4<br />
S 3/4<br />
5<br />
S 4<br />
S 1/2 S 4/5<br />
3C<br />
2<br />
S 2/3/4<br />
4<br />
3<br />
7<br />
S 3/4<br />
Parkhaus<br />
Parking<br />
Parkhaus<br />
Parking<br />
ServicePartner<br />
Center<br />
ServicePartner<br />
Center<br />
7A<br />
7A<br />
NCC Ost<br />
4A<br />
NCC Ost<br />
4A3A<br />
VIP<br />
Ost 1<br />
VIP<br />
Ost 1<br />
Große<br />
Straße<br />
Große<br />
Straße<br />
Ost<br />
Ost<br />
Große<br />
Straße<br />
Große<br />
Straße<br />
Ost<br />
Eingang<br />
Entrance<br />
VIP<br />
Ost 2<br />
Ost<br />
Eingang<br />
Entrance<br />
VIP<br />
Ost 2<br />
Ost<br />
Große<br />
Straße<br />
NÜRNBERG, GERMANY 19.– 22.3. 2024<br />
NÜRNBERG, GERMANY 19.– 22.3. 2024<br />
DAS FACHANGEBOT IN DEN HALLEN<br />
PRODUCTS ON DISPLAY IN THE HALLS<br />
DAS FACHANGEBOT IN DEN HALLEN<br />
HALLEN PRODUCTS | HALLS 9, 10.0 ON DISPLAY IN THE HALLS<br />
Holzbearbeitungsmaschinen, Werkzeuge, Schleif- und<br />
Poliermittel, Oberflächentechnik, Entsorgungstechnik<br />
Woodworking HALLEN Machinery, | HALLS Tools, 9, 10.0 grinding and polishing aids,<br />
Finishing Holzbearbeitungsmaschinen, equipment and hardware, Disposal Werkzeuge, equipment Schleif- und<br />
Poliermittel, Oberflächentechnik, Entsorgungstechnik<br />
Woodworking Machinery, Tools, grinding and polishing aids,<br />
HALLE Finishing | HALL equipment 11.0 and hardware, Disposal equipment<br />
Software und Organisation<br />
Software and Organisation<br />
HALLE | HALL 11.0<br />
HALLE Software | HALL und 12.0Organisation<br />
Befestigungstechnik Software and und Organisation Beschläge, Hölzer, Holzwerkstoffe,<br />
Materialien, Bauelemente, Halbfabrikate, Einbauteile für<br />
Möbel- und Innenausbau<br />
Fixing equipment and hardware, Wood and wood-based<br />
HALLE | HALL 12.0<br />
materials, Components, semi-finished materials, finished<br />
components Befestigungstechnik for furniture-making und Beschläge, Hölzer, Holzwerkstoffe,<br />
Materialien, Bauelemente, Halbfabrikate, Einbauteile für<br />
Möbel- und Innenausbau<br />
HALLE Fixing | HALL equipment 12.0 and hardware, Wood and wood-based<br />
Elektro- materials, und Pneumatikwerkzeuge, Components, semi-finished Handwerkzeuge materials, finished<br />
Electrical and pneumatic tools, Hand tools<br />
components for furniture-making<br />
FENSTERBAU FRONTALE<br />
HALLE | HALL 12.0<br />
Elektro- und Pneumatikwerkzeuge, Handwerkzeuge<br />
Electrical and pneumatic tools, Hand tools<br />
0<br />
50 100m<br />
3C<br />
VIP Süd<br />
Parkdeck Süd<br />
Karl-Schönleben-Straße<br />
3<br />
West<br />
Einfahrt . Access<br />
Süd-Ost 1<br />
3A<br />
Süd-Ost 2<br />
Karl-Schönleben-Straße<br />
Ost<br />
Große<br />
Straße Ost<br />
Einfahrt . Access<br />
FENSTERBAU FRONTALE<br />
ches, Interviews und Diskussionen<br />
0 50 100m<br />
ihren individuellen Weg in die Digitalisierung<br />
zeigen will. Auf der<br />
Agenda stehen aber auch<br />
bewährte Veranstaltungen wie das<br />
Forum „Architektur-Fenster-Fassade“<br />
sowie das „Fensterbau Frontale<br />
Forum“.<br />
Da die Messe zusammen mit der<br />
VDMA Holzbearbeitungsmaschinen<br />
sowie dem Fachverband<br />
Schreinerhandwerk Bayern (FSH<br />
Bayern) als Mitträger veranstaltet<br />
VIP Süd<br />
wird, zeigt Parkdeck Süd sich das Rahmenprogramm<br />
der Holz-Handwerk mit<br />
West<br />
Einfahrt . Access<br />
speziell auf die Besucher zugeschnittenen<br />
Sonderschauen und<br />
Veranstaltungen. Dazu zählen der<br />
„Holz-Handwerk Campus“ und<br />
das „JobMatch“, das 2022 als zentrale<br />
Anlaufstelle für die Vernetzung<br />
von Fachkräften und Unternehmen<br />
eingeführt wurde. Beide<br />
stellen eine zentrale Plattform für<br />
das Thema Aus- und Weiterbildung<br />
sowie Karriere dar.<br />
Karl-Schönleben-Straße<br />
Süd-Ost 1<br />
Sonderflächen und Sonderschauen vermitteln den Tischlern und<br />
Schreinern zusätzliches Wissen und Informationen.<br />
Special areas and special shows provide carpenters and joiners with<br />
additional knowledge and information.<br />
Die Süd-Ost Sonderschau 2 „DesignObjekt<br />
– ObjektDesign“ des FSH Bayern<br />
Ost<br />
Einfahrt . Access<br />
im großen Foyer des Eingangs<br />
Mitte fokussiert in diesem Jahr<br />
das Thema „Nachhaltige Produktgestaltung“.<br />
Die Schau zeigt, welche Wege das<br />
Schreinerhandwerk in puncto<br />
Nachhaltigkeit bei der Gestaltung<br />
seiner Produkte längst eingeschlagen<br />
hat und welche Chancen es in<br />
Karl-Schönleben-Straße<br />
Focus on skilled trades<br />
Zukunft bietet.<br />
Wie in den vergangenen Jahren<br />
können die Besucher mit ihrem<br />
Ticket auch die jeweils parallele<br />
Messe besuchen. Bis auf den letzten<br />
Messetag hält das Messe-Duo<br />
seine Tore von 10 bis 18 Uhr offen.<br />
Am Freitag, dem 21. März schließen<br />
beide Veranstaltungen dann<br />
um 17 Uhr ihre Pforten.<br />
Richard Barth<br />
This year’s 21st Holz-Handwerk in Nuremberg will once again take place<br />
in the traditional slot in March from the (19 – 22) in combination with<br />
Fensterbau Frontale. However, the first regular edition of Holz-Handwerk<br />
after the break due to the coronavirus will offer visitors a significantly<br />
reduced range of products in the machinery sector. Almost all the<br />
machinery giants have turned down the event. On the other hand, the<br />
supplier companies can present themselves in a new hall with some<br />
larger exhibition stands. When it was relaunched in 2022, the event was<br />
held as a “summer edition” in mid-July. At that time, Holz-Handwerk<br />
proved to be the more successful event, while Fensterbau Frontale was<br />
very poorly attended due to a lack of exhibitors. This year’s edition is the<br />
other way round: while a total of around 320 exhibitors will be exhibiting<br />
at Holz-Handwerk, there will more than 600 companies at Fensterbau<br />
Frontale. In 2022, Holz-Handwerk recorded around 350 exhibitors and in<br />
2<strong>01</strong>8 as many as 515 exhibitors; at this year’s edition, suppliers of fittings,<br />
decorative panels and lighting will be exhibiting in Hall 12 for the<br />
first time, while technology providers will only be found in Halls 9 and<br />
10.0. Providers of software and configurators have now been given a<br />
new position in Hall 11.0. As in previous years, visitors can also use their<br />
ticket to visit the parallel trade fair.<br />
12<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Produkte & Konzepte<br />
Kanten zur neuen Dekor-<br />
Kollektion bereits am Lager<br />
Zeitgleich mit dem Verkaufsstart der neuen Egger-Kollektion „Dekorativ 24+“ hält Ostermann schon alle<br />
passenden Kanten bereit. Und das in jeder gewünschten Breite bis 100 mm sowie mit dem bekannten,<br />
schnellen Lieferservice. Davon können sich die Besucher der Holz-Handwerk in Nürnberg auf dem<br />
Ostermann-Messestand überzeugen.<br />
Ostermann liefert alle Kanten zur neuen Egger-Kollektion<br />
„Dekorativ 24+“ innerhalb von 24 Stunden.<br />
Ostermann delivers all edgings for the new Egger collection<br />
“Decorative 24+” within 24 hours.<br />
Die Kanten von Ostermann stehen farb- und dekorgleich zur<br />
Verfügung.<br />
The Ostermann edgings are available in the same colour and decor.<br />
Photos: Ostermann<br />
Die Ostermann-Experten hatten<br />
sich in den vergangenen Wochen<br />
und Monaten wieder intensiv mit<br />
den Dekorplatten der Egger-Kollektion<br />
„Dekorativ 24+“ auseinandergesetzt:<br />
Diese zeigen sich mit eleganten<br />
und zurückhaltenden Holzdekoren,<br />
matten und äußerst<br />
sa<strong>mt</strong>igen Unis sowie mit klassischen<br />
Materialreproduktionen, die<br />
sich durch ihre realistischen Prägungen<br />
auszeichnen.<br />
Einen besonderen Fokus hat Egger<br />
zudem auf die Nachhaltigkeit bei<br />
der Nutzung gelegt: Alle Dekore lassen<br />
sich harmonisch miteinander<br />
kombinieren und werden so auch<br />
langfristig wechselnden Anforderungen<br />
gerecht. Mit dabei sind auch<br />
zahlreiche „PerfectSense“-Lackplatten<br />
mit Holz- und Unidekoren.<br />
Passende Kanten auf Lager<br />
Damit Tischler und Schreiner die<br />
Platten aus der neuen Kollektion<br />
auch schnellstmöglich verarbeiten<br />
können, hat Ostermann frühzeitig<br />
damit begonnen, alle passenden<br />
Möbelkanten auszumustern bzw.<br />
zuzuordnen und präsentiert ab<br />
sofort zu allen Farben und Dekoren<br />
die passenden Kanten. Diese sind<br />
in den Standardabmessungen 23,<br />
33, 43 und 100 x 1 und/oder 2 mm<br />
ab Lager verfügbar und werden ab<br />
einem Meter versendet. Auf<br />
Wunsch wird jede 100 mm breite<br />
ABS-Kante auch in individuelle<br />
Breiten geschnitten. Betriebe, die<br />
mit Nullfugentechnologien arbeiten,<br />
erhalten die Kanten für ihre<br />
Laser-, Airtec- oder Infratec-Aggregate<br />
mit TPU-Funktionsschicht. Für<br />
die Verarbeitung mit Heißluftgeräten<br />
gibt es alle Varianten auch mit<br />
Schmelzkleberbeschichtung.<br />
Elegante Holzdekore<br />
Seit jeher zeichnen sich Egger-Kollektionen<br />
durch die hohe Anzahl an<br />
klassischen Holzdekoren aus, was<br />
sich auch im entsprechenden Kantenangebot<br />
von Ostermann widerspiegelt.<br />
Zur dominierenden Holzart<br />
Eiche sowie zu den authentischen<br />
„Feelwood“-Oberflächen<br />
von Egger findet der Anwender bei<br />
Ostermann die entsprechenden<br />
Holzdekorkanten in harmonisch<br />
abgestim<strong>mt</strong>en Dekorbildern und<br />
-prägungen.<br />
Bei den Unis fällt die Vielfalt der<br />
angesagten neutralen Farben von<br />
Weiß über Beige und Grau bis zum<br />
sa<strong>mt</strong>matten Schwarz ins Auge.<br />
Die Ostermann-Kanten stehen<br />
farbgleich mit den passenden<br />
Oberflächen zur Verfügung.<br />
Im Angebot der Textil-, Stein- und<br />
Metalldekore finden sich in der<br />
Egger-Kollektion Leinen, Eisen<br />
sowie Marmor in zeitlos-modernen<br />
Designs, wobei die Steindekore<br />
über leicht metallische<br />
Akzente verfügen. Bei der Herstellung<br />
der passenden Kanten hat<br />
Ostermann speziell auf die passende<br />
Haptik der Oberfläche Wert<br />
gelegt. So erscheinen auch bei<br />
den Materialreproduktionen Platte<br />
und Kante wie aus einem Guss.<br />
Alles aus einer Hand<br />
Ein weiterer Vorteil für den Verarbeiter<br />
besteht in der Bestellung<br />
aus einer Hand. Denn bei Ostermann<br />
können Tischler und Schreiner<br />
alle Materialien für ein Projekt<br />
auf einmal ordern: von den Kanten<br />
über Beschläge und Ausstattungselemente<br />
bis hin zum Werkstattbedarf.<br />
Das spart wertvolle Zeit, die dann<br />
für die Kundenberatung und Fertigung<br />
zur Verfügung steht. ba<br />
Edgings for the new decor collection already in stock<br />
Coinciding with the sales launch of the new “Dekorativ 24+” collection<br />
by Egger, Ostermann already has all the matching edgings available in<br />
any desired width up to 100 mm, and offers the fast delivery service they<br />
are known for. Visitors to Holz-Handwerk in Nuremberg can see this for<br />
themselves at the exhibition stand of Ostermann. Here, joiners and carpenters<br />
will find the wood decor edgings in harmoniously coordinated<br />
decorative patterns and embossing to match the dominant wood type<br />
oak as well as the authentic “Feelwood” surfaces by Egger. Colourmatched<br />
edgings with matching surfaces are available for the plain colours.<br />
Matching edgings for the “PerfectSense” lacquered panels as well<br />
as for the textile, stone and metal decors are also on offer. Ostermann<br />
placed particular emphasis on the matching feel of the surface meaning,<br />
that even with these material reproductions, board and edging appear to<br />
be cast from a single mould.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 13
Macher & Märkte<br />
Im Gespräch mit Richard Barth<br />
zeigt sich André Dorner (r)<br />
davon übezeugt, dass es<br />
mittelfristig fest zu einer der<br />
Nachfrage kom<strong>mt</strong>.<br />
In an interview with Richard<br />
Barth, André Dorner (r) is<br />
convinced that there will be firm<br />
demand in the medium term.<br />
»Eine derart globale Nachfrageflaute<br />
haben wir seit vielen Jahren nicht erlebt «<br />
Nach dem Messeauftritt auf der interzum 2023 ist die bevorstehende Holz-Handwerk in Nürnberg für den<br />
Beschlagspezialisten Blum wieder eine willkommene Gelegenheit, den Besuchern aus dem Handwerk seine<br />
jüngsten Produktentwicklungen vorzustellen. Im Gespräch mit material+technik möbel erläutert André<br />
Dorner (Geschäftsführer Blum Deutschland sowie Head of Sales Europe West) nicht nur den Stellenwert,<br />
den handwerkliche Verarbeiter beim Absatz einnehmen, sondern blickt auch auf das abgelaufene Jahr und<br />
seine Herausforderungen für das Unternehmen zurück.<br />
m+t: Herr Dorner, im vergangenen<br />
Jahr gab es bei Blum einige<br />
Umstrukturierungen, mit denen<br />
sich das Unternehmen besser für<br />
die künftigen Marktanforderungen<br />
aufstellte. Haben Sie in diesem<br />
Zuge auch zusätzliche Aufgabenbereiche<br />
erhalten?<br />
Dorner: Im Zuge der Erweiterung<br />
der Geschäftsleitung um die Herren<br />
Wolfgang Heinzle, Alexander Roloff<br />
und Klaus Wendel wurde im Sommer<br />
auch eine Neustrukturierung<br />
der weltweiten Verkaufsregionen<br />
vorgenommen. Neben meiner Funktion<br />
als Geschäftsführer von Blum<br />
Deutschland zeichne ich nun zusätzlich<br />
für den Vertrieb in Westeuropa<br />
verantwortlich. Weitere Head of<br />
Sales wurden für die Regionen Osteuropa,<br />
Amerika, den Nahen Osten<br />
inkl. Afrika sowie für den APAC-<br />
Raum benannt. Diese stehen nun im<br />
ständigen Kontakt mit unseren weltweit<br />
über 30 Tochtergesellschaften<br />
und Niederlassungen sowie mit<br />
unseren Vertretungen.<br />
„Mit der neuen Organisationsstruktur<br />
sind wir noch<br />
näher am Markt“<br />
m+t: Wie hat sich Blum 2023 entwickelt<br />
und mit welchen Maßnahmen<br />
hat sich das Unternehmen<br />
den neuen Herausforderungen<br />
gestellt?<br />
Dorner: Unser Gespräch führen<br />
wir zur Mitte unseres aktuellen<br />
Geschäftsjahres, das bei Blum am<br />
30. Juni eines jeden Jahres endet.<br />
Nach einem bereits nicht zufriedenstellenden<br />
Verlauf des vorangegangenen<br />
Geschäftsjahres rechnen wir<br />
nicht damit, dass wir im laufenden<br />
Wirtschaftsjahr 2023/2024 beim<br />
Umsatz zulegen können. Die Probleme<br />
sind bekanntlich geblieben,<br />
und die aktuelle Branchenstimmung<br />
lässt für 2024 keine Besserung<br />
erwarten. Genaue Zahlen<br />
werden wir aber erst nach<br />
Abschluss unseres Geschäftsjahres<br />
Ende Juni vorlegen können. Ich<br />
rechne allerdings nicht damit, dass<br />
wir unseren Vorjahresumsatz in<br />
Höhe von 2,32 Mrd. Euro erreichen<br />
werden. Im Moment geht es für<br />
uns eher darum, unseren Marktanteil<br />
zu behaupten und für eine Wiederbelebung<br />
des Marktes gerüstet<br />
zu sein.<br />
m+t: Wo sieht Blum die größten<br />
Hindernisse?<br />
Dorner: Die Gründe sind mannigfaltig.<br />
Ich denke sogar, dass wir nie<br />
zuvor eine ähnliche Entwicklung<br />
über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte<br />
angetroffen hatten, bei der<br />
sich die Märkte global so schwach<br />
entwickelt haben. Nicht einmal zur<br />
Zeit der Wirtschafts- und Finanzkrise<br />
in den Jahren 2008/2009, als<br />
der Abschwung zeitlich unterschiedlich<br />
auftrat und es Regionen<br />
gab, die der Krise verhältnismäßig<br />
gut trotzten. Aktuell sehen wir in<br />
allen Regionen dagegen eine<br />
Marktschwäche, allerdings in<br />
14<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Macher & Märkte<br />
unterschiedlich starken Ausprägungen.<br />
Auch in den USA stellten wir<br />
im Verlauf von 2023 eine Verlangsamung<br />
fest.<br />
m+t: Wir sprachen eingangs<br />
über die Veränderungen in der<br />
Organisationsstruktur. Will Blum<br />
der Situation mit der neuen Aufteilung<br />
besser begegnen?<br />
Dorner: Wir sind davon überzeugt,<br />
dass wir durch die Aufteilung in fünf<br />
regionale Absatzbereiche künftig<br />
das Ohr noch näher am Markt<br />
haben und besser auf die individuellen<br />
Wünsche und Anforderungen<br />
der jeweiligen Regionen eingehen<br />
können. Die Einrichtungsindustrie<br />
und ihre Struktur sowie die Wohngewohnheiten<br />
unterscheiden sich<br />
in Asien von denen in Amerika, und<br />
auch innerhalb von Europa sind sie<br />
unterschiedlich. Als Vertriebsverantwortlicher<br />
für Westeuropa bin<br />
ich, wie meine Kollegen in den<br />
anderen Regionen, im ständigen<br />
Kontakt mit unseren Niederlassungen<br />
vor Ort, so dass wir schneller<br />
und besser auf die Wünsche der<br />
jeweiligen Märkte eingehen können.<br />
Gleichzeitig gewährleisten wir<br />
einen besseren Austausch zwischen<br />
den einzelnen Tochtergesellschaften<br />
in der jeweiligen Region.<br />
m+t: Spiegelt sich dies auch in<br />
der Produktentwicklung bei<br />
Blum wider?<br />
Dorner: Seit Jahren stellt sich<br />
Blum bei der Produktentwicklung<br />
auf die Struktur der jeweiligen<br />
Absatzmärkte ein. So finden sich<br />
bei Blum sowohl Produktvarianten<br />
für den industriellen Einsatz als<br />
auch für die handwerklichen Verarbeiter,<br />
die wir im kommenden<br />
März wieder auf der Messe Holz-<br />
Handwerk in Nürnberg ausstellen<br />
werden. Schließlich entfällt auf<br />
diese Kundengruppe je nach<br />
Region ein wesentlicher Anteil<br />
unseres Umsatzes.<br />
„Wir zeigen praxisnahe<br />
Lösungen auf größerer<br />
Fläche“<br />
m+t: Apropos Holz-Handwerk...<br />
wie präsentiert sich Blum auf<br />
der kommenden Messe?<br />
Dorner: Wir freuen uns darüber,<br />
dass sich das Zulieferangebot erstmals<br />
in der modernen Halle 12 präsentieren<br />
darf. Dort steht Blum<br />
dieses Mal ein 450 m 2 großer<br />
Stand zur Verfügung und damit<br />
auch eine größere und bessere<br />
Präsentationsmöglichkeit als dies<br />
in der Halle 10.1 möglich war. Ein<br />
Wermutstropfen ist sicherlich der<br />
Teilnahme-verzicht großer Maschinenhersteller.<br />
Wir glauben aber<br />
nicht, dass dies Auswirkungen auf<br />
das Interesse der Besucher an<br />
Beschlägen und anderen Zuliefermaterialien<br />
haben wird. Frage ist<br />
nur, ob die Messe ähnlich hohe<br />
Besucherzahlen wie bei der letzten<br />
regulären Holz-Handwerk im<br />
Jahr 2<strong>01</strong>8 erzielen kann.<br />
m+t: Mit welchen Produkten wird<br />
Blum in Nürnberg auftreten?<br />
Dorner: Traditionell bringen wir<br />
auf die Holz-Handwerk die neuen<br />
Produkte von der interzum in für<br />
den handwerklichen Verarbeiter<br />
adaptierten Varianten mit. Eine<br />
große Rolle werden auch unsere<br />
Verarbeitungshilfen und natürlich<br />
die „E-SERVICES“ wie Konfiguratoren<br />
darstellen. Auf unserem<br />
Stand präsentieren wir dem Handwerk<br />
eine Reihe an Weiterentwicklungen,<br />
die zum einen die Teilevielfalt<br />
für den Verarbeiter reduzieren<br />
als auch durch einen<br />
höheren Vormontagegrad die<br />
Montage vor Ort erleichtern. Ein<br />
gutes Beispiel hierfür ist unsere<br />
„AVENTOS top“-Klappenbeschlagserie,<br />
bei der wir eine Reduktion<br />
von 98 auf 35 Teile erzielen konnten.<br />
Die Verarbeitung unserer Produkte<br />
erleichtern wir zum Beispiel<br />
mit vormontierten Systemschrauben.<br />
Übrigens bieten wir unseren<br />
Kunden aus Handwerk und Industrie<br />
inzwischen fast 20 digitale Services<br />
und mehr als 800 Verarbeitungshilfen<br />
unterschiedlicher Art.<br />
m+t: Gerade die jüngsten Produkte<br />
wie etwa „REVEGO“ oder<br />
der „AVENTOS HKI“ bieten hohen<br />
Komfort, zeichnen sich aber doch<br />
durch eine aufwändige Konstruktion<br />
aus. Wie wollen Sie mögliche<br />
Vorbehalte aus dem Handwerk<br />
ausräumen?<br />
Dorner: In Nürnberg werden wir<br />
– wie im Übrigen bei der Summer-<br />
Edition 2022 auch – den Fokus auf<br />
die Verarbeitungsmöglichkeiten<br />
der neuen Beschläge legen und<br />
demonstrieren, dass ein Pockettürbeschlag<br />
wie „Revego“ durch<br />
den hohen Grad der Vormontage<br />
auf der Baustelle in vernünftiger<br />
Zeit montierbar ist. Wir wollen den<br />
Verarbeiterinnen und Verarbeitern<br />
die Angst vor der Komplexität nehmen,<br />
denn schließlich bekommen<br />
sie eine optimale Möglichkeit an<br />
die Hand, den Verkaufswert zu<br />
steigern. Natürlich muss auch das<br />
wirtschaftliche Umfeld hierfür<br />
stimmen und die Endverbraucherinnen<br />
und -verbraucher in der<br />
Stimmung sein, die höheren Kosten<br />
für mehr Komfort und einen<br />
höheren Ausstattungsgrad zu<br />
bezahlen. Aktuell bremst die<br />
schwache Neubautätigkeit die<br />
Erreichung unserer Ziele etwas ab<br />
und auch die Tatsache, dass bei<br />
den Küchenverkäufern der sichere<br />
Abschluss gegenüber dem Up-<br />
Selling im Vordergrund steht, das<br />
dämpft unsere Erwartungen.<br />
„Mit unseren Investitionen<br />
signalisieren wir<br />
Liefertreue“<br />
m+t: Blum schafft für die neuen<br />
Produktgattungen durch eine<br />
Reihe an Bauprojekten neue<br />
Kapazitäten. Um welche Investitionen<br />
handelt es sich. und welche<br />
Vorteile bringen diese Blum<br />
und seinen Kunden?<br />
Dorner: Unsere aktuellen Investitionen<br />
bringen dem Kunden den<br />
klaren Vorteil einer sicheren und<br />
noch schnelleren Belieferung. An<br />
unseren Standorten in Vorarlberg<br />
bauen wir gerade über 50.000 m 2<br />
große neue Produktions- und<br />
Lagerflächen mit mehr als 16.000<br />
Palettenplätzen. In Polen hatten<br />
wir kürzlich bereits ein Hochregallager<br />
in Betrieb genommen und<br />
dort die logistischen Anlagen verbessert.<br />
Auch die Produktionsfläche<br />
wurde erweitert. Insgesa<strong>mt</strong><br />
haben wir im abgelaufenen<br />
Geschäftsjahr 390 Mio. Euro investiert,<br />
davon allein 265 Mio. Euro an<br />
unseren österreichischen Standorten<br />
in Vorarlberg.<br />
m+t: Würde Blum diese vor einigen<br />
Jahren getroffenen Investitionsentscheidungen<br />
unter der<br />
aktuellen Prämisse erneut treffen?<br />
Dorner: In der genannten Investitionssumme<br />
sind ja nicht nur<br />
Ausgaben für Kapazitätsaufbau<br />
enthalten, sondern auch umweltrelevante<br />
Maßnahmen. So erhält<br />
das Werk 6 in Gaißau ein Gründach,<br />
um im Sinne der Nachhaltigkeit<br />
die Biodiversität zu steigern<br />
und einen positiven Effekt für die<br />
Umwelt zu erzielen. Mit der teilweisen<br />
Umstellung des internen<br />
Werkverkehrs auf Biogas und der<br />
Installation einer Biogas-Tankstelle<br />
im Werk 7 tragen wir ebenfalls<br />
zum Schutz der Umwelt bei.<br />
Zudem haben wir an unsere Kunden<br />
gedacht und in neue Schauräume<br />
in Portugal, Istanbul sowie<br />
Indonesien investiert. Mit verschiedenen<br />
Ausbauprojekten in<br />
unseren österreichischen Werken<br />
sowie im Ausland signalisieren wir<br />
unseren Kunden auch, dass Blum<br />
ein verlässlicher Partner bei der<br />
„Ich sehe aktuell keine Signale für eine merkliche Nachfragestimulierung<br />
im Jahr 2024“<br />
“I am not currently seeing any signs of a noticeable stimulation<br />
in demand in 2024” Photos: Blum<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 15
Macher & Märkte<br />
„Wir glauben nach wie vor an die Vorteile und den Mehrwert von<br />
Strom im Möbel“<br />
“We still believe in the benefits and added value of electricity in<br />
furniture”<br />
Belieferung bleibt. Wir rechnen<br />
fest damit, dass die aktuelle konjunkturelle<br />
Delle in 2025 durchschritten<br />
ist und der weltweite<br />
Bedarf wieder steigen wird.<br />
Schließlich gibt es nach wie vor<br />
Länder in der Welt, bei denen ein<br />
Nachholbedarf in Bezug auf Komfort<br />
in der Küche herrscht. Und<br />
hierfür müssen wir gerüstet sein,<br />
in dem wir die erforderlichen<br />
Lagerkapazitäten vorhalten.<br />
„Wir glauben an die<br />
Elektrifizierung in Schubkästen“<br />
m+t: An welche Produkte denken<br />
Sie hierbei?<br />
Dorner: Auch glauben wir, dass in<br />
Westeuropa das Thema Elektrifizierung<br />
in Auszügen eine größere Rolle<br />
spielen wird… und dies nicht nur in<br />
der Küche, sondern im gesa<strong>mt</strong>en<br />
Wohnbereich. Mit „AMPEROS AC“,<br />
das bereits verfügbar ist sowie mit<br />
„AMPEROS DC“, das noch nicht<br />
geliefert werden kann, haben wir<br />
uns auf diese Verbraucherwünsche<br />
vorbereitet und können funktionelles<br />
oder dekoratives Licht sowie<br />
Ladefunktion in jede Schublade bringen.<br />
Ein Thema, das auch im Ladenbau<br />
auf Interesse stößt und für<br />
unser Produkt sicherlich ein zusätzliches,<br />
interessantes Einsatzgebiet<br />
darstellt.<br />
m+t: Die Elektrifizierung ist erstmals<br />
Anfang der 2000er in den<br />
Fokus gerückt worden, war aber<br />
bald wieder in der Schublade<br />
verschwunden. Kom<strong>mt</strong> jetzt das<br />
Comeback?<br />
Dorner: Wir haben immer an elektromechanische<br />
Komfortfunktionen<br />
geglaubt und nicht nur zum<br />
von Ihnen genannten Zeitpunkt,<br />
sondern auch 2<strong>01</strong>9 weitere innovative<br />
Entwicklungen vorgestellt. Ich<br />
denke hier an unsere elektromechanischen<br />
Lösungen für den<br />
Klappenlift, den Müllauszug sowie<br />
die Kühlschranktür-Öffnung, die<br />
heute fester Bestandteil unseres<br />
Sortiments sind. Mit „AMPEROS“<br />
glauben wir nun, eine verbrauchergerechte<br />
und vermarktbare<br />
Lösung gefunden zu haben, deren<br />
Kosten-Nutzen-Verhältnis stim<strong>mt</strong>.<br />
„Unser Umsatzwachstum<br />
war von Preissteigerungen<br />
getrieben“<br />
m+t: Heißt dies, dass die Akzeptanz<br />
bei den Vermarktern und bei<br />
den Endkunden gestiegen ist?<br />
Dorner: Für die Umsetzung unserer<br />
beiden Varianten „AMPEROS AC“<br />
und „AMPEROS DC“ mit 230- bzw.<br />
24-Volt ist kein Elektriker notwendig,<br />
da sie so konstruiert wurden,<br />
dass sie von jedem Monteur problemlos<br />
eingebaut werden kann. Wir<br />
nutzen bei der 230-Volt-Variante<br />
eine bereits vorhandene Schnittstelle<br />
in den Führungen und durch<br />
die Plug-and-Play-Verbindung ist die<br />
Elektrifizierung mit wenigen Handgriffen<br />
und vor allem sicher erledigt.<br />
Im Set sind alle notwendigen Teile<br />
enthalten, so dass bei der „AC“-<br />
Lösung auch eine nachträgliche<br />
Montage möglich ist.<br />
m+t: In den vergangenen Jahren<br />
hat Blum sein Produktportfolio<br />
deutlich verbreitert. Hat dies auch<br />
zur merklichen Umsatzsteigerung<br />
der letzten fünf Jahre in Höhe von<br />
rund 400 Mio. Euro beigetragen?<br />
Dorner: Nur zum Teil, denn gerade<br />
die Jahre 2021 und 2022 waren<br />
durch rasante Kostensteigerungen<br />
und in der Folge auch erforderliche<br />
Preiserhöhungen bei unseren Produkten<br />
geprägt. Dies hat auch einen<br />
Teil unserer Umsatzsteigerungen in<br />
den vergangenen Jahren ausgemacht.<br />
Auch wenn sich die Rohstoffseite<br />
inzwischen auf hohem<br />
Niveau beruhigt hat, sehen wir uns<br />
aktuell weiteren Kostensteigerungen<br />
wie etwa höheren Energie- und<br />
Transportkosten sowie Lohnabschlüssen<br />
gegenüber. Im Unterschied<br />
zu anderen Branchenkollegen<br />
hat sich Blum jedoch für ein<br />
generisches Wachstum entschieden<br />
und wächst nicht durch Firmenaufkäufe.<br />
m+t: Bedeutet dies auch, dass<br />
Blum sich vorstellen kann, künftig<br />
noch in anderen Produktsegmenten<br />
tätig zu werden?<br />
Dorner: Wie bereits eingangs<br />
erwähnt, hat Blum seine jüngsten<br />
Produkte nicht ausschließlich mit<br />
Blick auf die Küche entwickelt, sondern<br />
den Blick auch auf die Bedürfnisse<br />
außerhalb der Küche gerichtet.<br />
Ich denke hier beispielsweise an<br />
unseren 7/8-Auszug im Unterflurbereich<br />
mit integrierter „Tip-on“ für<br />
grifflose Fronten. Es ist daher nicht<br />
ausgeschlossen, dass wir unseren<br />
Entwicklungsfokus künftig auf<br />
andere Produktgruppen und Wohnbereiche<br />
ausweiten, um Konsumenten<br />
hier ebenfalls einen hohen<br />
Zusatznutzen und mehr Bedienkomfort<br />
bieten zu können. Wir<br />
sehen darin ein klares Signal, dass<br />
unsere Verarbeiter auch weiterhin<br />
auf Blum zählen können.<br />
m+t: Vielen Dank für diesen Ausblick<br />
und das Gespräch.<br />
Das Interview führte Richard<br />
Barth.<br />
“We have not experienced this kind of global<br />
slump in demand for many years”<br />
Following its trade fair appearance at interzum 2023, the upcoming Holz-<br />
Handwerk in Nuremberg is once again a welcome opportunity for fittings<br />
specialist Blum to present its latest product developments to visitors<br />
from the trade. In an interview with material+technik möbel, André<br />
Dorner (Managing Director of Blum Germany and Head of Sales Europe<br />
West) not only explains the importance of craft processors in sales, but<br />
also looks back on the past year and the challenges it presented for the<br />
company. According to Dorner, Blum will not be able to increase its<br />
revenue in the current 2023/2024 financial year due to the unfavourable<br />
situation in the industry. At the moment, he says, Blum is more concerned<br />
with maintaining its market share and being prepared for the market to<br />
pick up again. Dorner attaches great importance to product development,<br />
where Blum would respond to the structure of the respective sales markets.<br />
Blum offers product variants for industrial use as well as for craft<br />
processors. At the upcoming Holz-Handwerk trade fair, the trade will be<br />
presented with a range of further developments that reduce the variety<br />
of parts for processors and facilitate on-site assembly thanks to a higher<br />
degree of pre-assembly, while processing aids and “e-SERVICES” such<br />
as configurators will also play a major role at the trade fair stand. Dorner<br />
also attaches great importance to the current investments in logistics and<br />
production, as this sends a signal to its customers that Blum will remain<br />
a reliable supply partner. According to Dorner, over 50,000 m 2 of new<br />
production and storage space with more than 16,000 pallet spaces is<br />
currently being built in Vorarlberg region. A high-bay warehouse was<br />
recently put into operation in Poland. Part of the investment was also<br />
channelled into environmentally relevant measures such as a green roof<br />
at Plant 6 in Gaißau, says Dorner. At the end of the interview, Dorner<br />
emphasised that Blum firmly believes the current economic downturn to<br />
be over by 2025 and that global demand will increase again.<br />
16<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Produkte & Konzepte<br />
Späne und Stäube<br />
zuverlässig absaugen<br />
Bei der Bearbeitung von Holz und<br />
Metallen entstehen Stäube und<br />
Späne, die sowohl die Gesundheit<br />
der Mitarbeiter gefährden als auch<br />
eine präzise sowie saubere Fertigung<br />
erschweren. Die Systemfilteranlage<br />
„AL‐KO PROFI JET“<br />
befreit Arbeitsräume und Werkstätten<br />
zuverlässig von Spänen und<br />
Stäuben. Dank ihres modularen<br />
Aufbaus lässt sie sich an alle Anforderungen<br />
und Dimensionen anpassen.<br />
Zudem eignet sich die Anlage<br />
perfekt für die Absaugung an mehreren<br />
Arbeitsplätzen. Der Anlagenbetrieb<br />
mit einem Frequenzumrichter<br />
und der Heizkosten sparende<br />
Umluftbetrieb erhöhen zudem<br />
deutlich die Energieeffizienz.<br />
Mit der Erfahrung von über 35 Jahren<br />
entwickelt und produziert AL-KO<br />
Extraction Technology Absauglösungen<br />
für unterschiedlichste Anwendungen<br />
und Materialien – von Holz<br />
bzw. Metall bis hin zu Bau- und<br />
Kunststoffen. Die vom Unternehmen<br />
selbst entwickelten doppelwandigen<br />
und mit Steinwolle<br />
gedäm<strong>mt</strong>en Stahlblechpaneelen<br />
sorgen für eine ideale Schall- und<br />
Wärmeisolierung der Anlagen. Jede<br />
Absauganlage wird gemäß den individuellen<br />
Einsatzbedingungen des<br />
einzelnen Kunden maßgeschneidert<br />
konzipiert.<br />
Ebenfalls überzeugt vom Knowhow<br />
ist die Firma Roma aus Burgau.<br />
Beim bayerischen Spezialisten für<br />
Sonnenschutzsysteme saugt eine<br />
„PROFI JET“ zwei Bearbeitungszentren<br />
und einen Zerkleinerer für<br />
das Restmaterial ab. Das Ergebnis:<br />
gute Luft für die Mitarbeiter und<br />
saubere Bedingungen für eine<br />
tadellose Produktion von Rollladen,<br />
Raffstores und Textilscreens. ba<br />
Dank ihrer schall- und<br />
wärmegedäm<strong>mt</strong>en Stahlblechpaneele<br />
lässt sich die<br />
Filtereinheit der „AL-KO<br />
PROFI JET“ problemlos im<br />
Freien aufstellen.<br />
Thanks to its sound- and<br />
heat-insulated sheet steel<br />
panels, the filter unit of the<br />
“AL-KO PROFI JET” can be<br />
easily installed outdoors.<br />
Photo: AL-KO<br />
Reliable extraction of chips and dust<br />
The “PROFI JET” system filter unit of the company AL-KO Extraction<br />
Technology removes chips and dust from workspaces and workshops.<br />
Thanks to its modular design, it can be adapted to all requirements or<br />
dimensions and is also suitable for extraction at several workstations. The<br />
system´s operation with a frequency inverter and recirculating air operation,<br />
which saves on heating costs, also significantly increase energy efficiency.<br />
Each extraction system is customised according to the individual operating<br />
conditions of the customer. At the specialist for sun protection systems<br />
Roma, for example, a “PROFI JET” provides extraction for two machining<br />
centres and a shredder for residual materials.<br />
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umfangreiche Produktvielfalt.<br />
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ihr Wissen weitergeben und wertvolle Einblicke<br />
in die Entwicklungen der Innenarchitektur<br />
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Macher & Märkte<br />
„Wir entwickeln Innovationen<br />
für unsere Kunden“<br />
Viele Dinge im Alltag, die das Leben komfortabler und sicherer machen, wären ohne den Erfindungsgeist<br />
der Firma Rehau nicht möglich gewesen. Das Unternehmen ist seinem Grundsatz treu geblieben, stets im<br />
Interesse der Kunden zu handeln und für sie da zu sein. Das war bei der Firmengründung im Jahr 1948 so<br />
und ist auch heute zum 75-jährigen Jubiläum des Unternehmens nicht anders. Bei einem Gespräch mit<br />
material+technik möbel am Firmensitz in Rehau blickt die Divisionsleitung des Bereichs Interior Solutions<br />
auf die Meilensteine zurück und wirft zugleich einen Blick auf die Herausforderungen von morgen.<br />
Andreas Albig, Jürgen Werner (v.l.) und Hans Peter Mehnert (r.) erläutern Richard Barth bei einem Firmenbesuch das gekonnte Zusammenspiel<br />
der Rehau-Produkte.<br />
Andreas Albig, Jürgen Werner (from the left) and Hans Peter Mehnert (r.) explain the skilful interplay of Rehau products to Richard Barth<br />
during a company visit. <br />
Photos: Rehau<br />
18<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Macher & Märkte<br />
Das 75-jährige Firmenjubiläum<br />
folgt auf den zehnten Geburtstag<br />
der „RAUVISIO“-Oberflächen.<br />
The company’s 75th anniversary<br />
follows the tenth anniversary of<br />
the “RAUVISIO” surfaces.<br />
In den Jahren und Jahrzehnten seit<br />
der Firmengründung durch Helmut<br />
Wagner im Jahr 1948 hat Rehau in<br />
den unterschiedlichsten Industriezweigen<br />
für Furore gesorgt und mit<br />
seinen innovativen Produkten und<br />
Systemlösungen das Leben der<br />
Menschen verbessert. So waren<br />
zum Beispiel bei der ersten Herzverpflanzung<br />
im Jahr 1968 Schläuche<br />
von Rehau mit dabei. Auch<br />
beim Start der ersten Ariane-<br />
Rakete waren Produkte von Rehau<br />
involviert.<br />
Dabei hatte der Firmengründer in<br />
den Anfangsjahren mit der Herstellung<br />
der charakteristischen Trittbretter<br />
für den VW-Käfer den Grundstein<br />
für das kontinuierliche Wachstum<br />
des Unternehmens gelegt.<br />
Unter dem Motto „Wandel und<br />
Visionen“ ging es ihm darum, herkömmliche<br />
Materialien durch<br />
Kunststoffe zu ersetzen und Produkte<br />
dadurch zu verbessern. Dass<br />
ihm dies nachhaltig gelang, zeigt<br />
der Erfolg: Heute beschäftigt das<br />
Familienunternehmen, das aus<br />
fünf Teilkonzernen besteht, weltweit<br />
20.000 Menschen und erwirtschaftet<br />
einen Jahresumsatz von<br />
über 4,7 Mrd. Euro.<br />
Schritt ins Kantenband<br />
Nach dem Automobil-, dem Medizinbereich<br />
und der Raumfahrt<br />
folgte in den 60er Jahren der Schritt<br />
in den Möbelbereich, wo sich die<br />
Firma weltweit als führender Lieferant<br />
von Kantenbändern und später<br />
auch Schrankrollladen sowie Oberflächen<br />
einen Namen schuf.<br />
Für die meisten Unternehmen<br />
wäre das ein Grund, das 75-jährige<br />
Firmenjubiläum ausgiebig zu begehen.<br />
Nicht für Rehau: „Wir werden<br />
das Jubiläum zusammen mit unseren<br />
Mitarbeitern feiern, denn sie<br />
haben maßgeblich dazu beigetragen,<br />
dass Rehau in allen seinen<br />
Sparten so erfolgreich ist und eine<br />
führende Position eingenommen<br />
hat“, sagt Jürgen Werner (Head of<br />
Division Interior Solutions, Industries<br />
Executive Board), und Andreas<br />
Albig (Executive Director Development<br />
& Processes Furniture Solutions)<br />
ergänzt: „Wir setzen unsere<br />
Energie und Kraft vielmehr für<br />
unsere Kunden ein und feiern das<br />
Jubiläum, indem wir unseren<br />
Kunden auch in diesem Jahr eine<br />
Fülle an Innovationen bieten, mit<br />
denen sie erfolgreich am Markt<br />
agieren können.“ Beide gehören<br />
der Division Interior Solutions an,<br />
einem der fünf Teilkonzerne.<br />
Von der Kante zur Oberfläche<br />
Seit der Aufnahme der Kantenbandproduktion<br />
konnte Rehau kontinuierlich<br />
mit innovativen Entwicklungen<br />
aufwarten. Als einen Meilenstein<br />
bezeichnet Albig etwa das<br />
Laserkantenband, das 2008 auf<br />
den Markt kam und unter dem<br />
Namen „RAUKANTEX pro“ fester<br />
Bestandteil der Kollektion geworden<br />
ist. Führende Küchen- und<br />
Büromöbelhersteller weltweit<br />
setzen das Band mit polymerer<br />
Funktionsschicht ein, um ihren Einrichtungsprodukten<br />
eine Nullfugenoptik<br />
zu verleihen.<br />
Wie Werner erläutert, war die Entwicklung<br />
polymerer Oberflächenmaterialien<br />
und der Marktstart im<br />
Jahr 2<strong>01</strong>3 der nächste logische<br />
Schritt: „Wir sind ein Spezialist für<br />
Polymermaterialien, und da lag es<br />
auf der Hand, dass wir mit dem vorhandenen<br />
Know-how und unserer<br />
Expertise auch entsprechende<br />
Oberflächen herstellen können“,<br />
erläutert der Divisionsleiter. Rehau<br />
wollte den Kunden ein Gestaltungsmaterial<br />
an die Hand geben,<br />
das innovatives Design mit bewährten<br />
Ver- und Bearbeitungsmöglichkeiten<br />
verknüpft.<br />
Das war die Geburtsstunde der<br />
polymeren Oberfläche „RAUVISIO“.<br />
Bei der Entwicklung wurden die<br />
langjährigen Erfahrungen mit dem<br />
Kantenband auf die Oberfläche<br />
übertragen. „Wir kannten die Materialien<br />
und die Prozesse in Produktion<br />
und Weiterverarbeitung und<br />
konnten bei der Entwicklung auf<br />
unsere Expertise in Sachen Farbtreue,<br />
Dekoreinstellungen, Kollektions-<br />
und Qualitätsmanagement<br />
zurückgreifen“, erläutert Hans Peter<br />
Mehnert (Director Subdivision<br />
Interior Systems & Components)<br />
den Grund für den Markteintritt.<br />
Dank entsprechender Investitionen<br />
in eine stabile Prozesstechnologie<br />
konnten die „RAUVISIO“-Oberflächen<br />
2023 ihr 10-jähriges Bestehen<br />
feiern. Doch Rehau unterstützt den<br />
Kreativprozess in der Einrichtungsindustrie<br />
nicht nur mit den polymeren<br />
Plattenoberflächen, das Unternehmen<br />
setzt mit der eigenen<br />
Farbkollektion „Passion for color“<br />
auch neue Trends im Möbelbau. Für<br />
Mehnert ein Schritt in Richtung<br />
holistisches Design, denn dank der<br />
produktübergreifenden Kombinationsmöglichkeiten<br />
können nicht nur<br />
Möbelfronten, sondern auch<br />
Schrankollladen in gleicher Farbe<br />
und Materialität gestaltet werden.<br />
Schließlich komme es bei hochwertigen,<br />
designorientierten Einrichtungsprodukten<br />
auf den „perfekten<br />
Match“ an, ergänzt Albig. Die Qualität<br />
müsse auf den ersten Blick für<br />
den Konsumenten erkennbar sein<br />
und sichtbar gemacht werden.<br />
Bei allen Produktentwicklungen<br />
wird bei Rehau daher unter dem<br />
Motto „the perfect match“ darauf<br />
geachtet, dass alle Produkte miteinander<br />
kombiniert werden können<br />
und in Farbe und Haptik zueinander<br />
passen. Mit Hilfe der Neuentwicklung<br />
„RAUKANTEX pigmento“ ist<br />
der Übergang von der Fläche zur<br />
Kante neuerdings nicht mehr<br />
erkennbar, da in das Kantenband<br />
Pigmente eingearbeitet werden,<br />
die dem Radius einen natürlichen<br />
Look geben. „Dadurch ist es dem<br />
Anwender möglich, einen optisch<br />
nahtlosen Übergang von der Oberfläche<br />
zur Kante zu erzeugen. Die<br />
Möbel wirken wie aus einem Guss“,<br />
hebt Albig hervor.<br />
Design um Funktion ergänzt<br />
Neben der Designqualität misst<br />
Rehau der Funktion eine wesentli-<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 19
Macher & Märkte<br />
Unter dem Motto „Das perfekte<br />
Bauteil“ zeigt Andreas Albig, wie mit<br />
Hilfe von „RAUKANTEX pigmento“ ein<br />
nahtloser Übergang von Fläche und<br />
Kante ermöglicht wird.<br />
Under the motto “The perfect component”,<br />
Andreas Albig show how<br />
“RAUKANTEX<br />
pigmento” can be<br />
used to create<br />
a seamless<br />
transition<br />
from<br />
surface<br />
to edge.<br />
che Rolle bei. So haben Kunden<br />
eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten<br />
hinsichtlich Designs und Funktionen<br />
und können aus einem großen<br />
Spektrum schöpfen. „Wir entwickeln<br />
unsere Oberflächenprodukte<br />
kontinuierlich weiter und können<br />
mit berechtigtem Stolz behaupten,<br />
dass etwa ‚RAUVISIO crystal‘ als<br />
Glasersatz aus dem heutigen<br />
Möbelbau nicht mehr wegzudenken<br />
ist“, informiert Mehnert.<br />
Der Vorteil liegt auf der Hand:<br />
Anders als Glas lässt sich der polymere<br />
Glasersatz mit herkömmlichen<br />
Holzverarbeitungswerkzeugen<br />
problemlos ver- und bearbeiten.<br />
Und mit „RAUKANTEX scratch.<br />
protect“ hat das Unternehmen im<br />
vergangenen Jahr eine widerstandsfähige<br />
Kante mit Anti-Fingerprint-Eigenschaft<br />
vorgestellt, die<br />
ohne Schutzfolie verarbeitet<br />
werden kann. Gerade mit diesen<br />
beiden Produkten wird die Vision<br />
von Firmengründer Helmut Wagner<br />
verwirklicht: den Alltag mit polymeren<br />
Produkten problemloser und<br />
komfortabler zu gestalten.<br />
Wandverkleidungen als<br />
neues Absatzfeld<br />
In den vergangenen zehn Jahren<br />
hat sich das Angebot an polymeren<br />
Oberflächenmaterialien bei Rehau<br />
vervielfacht. Inzwischen stehen<br />
dem Anwender sechs Kollektionen<br />
mit über 500 Gestaltungsvarianten<br />
in Optik und Farbe zur Verfügung,<br />
und es werden jährlich mehr. So<br />
präsentierte Rehau auf der letztjäh-<br />
rigen Sicam in Pordenone mit<br />
„RAUVISIO innara“ ein weiteres<br />
Oberflächenprodukt, das erstmals<br />
für die moderne Gestaltung von<br />
Wänden konzipiert wurde. „Es handelt<br />
sich dabei um ein reines Naturprodukt,<br />
das zu 100 Prozent aus<br />
mineralischen Bestandteilen und<br />
Naturfasern besteht. Die betonartige,<br />
mineralische Oberfläche<br />
erfüllt in der ‚fire.protect‘-Variante<br />
sogar Brandschutzanforderungen.<br />
Mithilfe von Digitaldruck sind sogar<br />
kundenindividuelle Dekore möglich“,<br />
erläutert Werner.<br />
Nachhaltigkeit im Fokus<br />
Die innovative Wandverkleidung ist<br />
zugleich ein Beispiel dafür, dass<br />
Rehau dem Thema Nachhaltigkeit<br />
eine wichtige Rolle beimisst und<br />
seine Verantwortung ernst nim<strong>mt</strong>.<br />
„Als Unternehmen, das in der<br />
zweiten Generation von der Familie<br />
geführt wird, sehen wir uns unseren<br />
Mitarbeitern und unserer<br />
Umwelt verpflichtet, was sich nicht<br />
nur in unseren Produkten, sondern<br />
auch an unseren Standorten zeigt“,<br />
erklärt der Divisionsleiter. Wie er<br />
weiter berichtet, wurden verschiedene<br />
Produktionsstätten bereits<br />
mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet,<br />
und das Unternehmen wird<br />
im Jahresverlauf in Rehau und<br />
Erlangen zwei Photovoltaikparks<br />
errichten. Bis 2025 sollen 25 bis 30<br />
Prozent des Strombedarfs aus<br />
eigenen Energiequellen abgedeckt<br />
werden, so Werner.<br />
Bei den Produkten wird der Einsatz<br />
von Recyclingmaterialien und alternativen<br />
Rohstoffen aktiv vorangetrieben.<br />
Mit den beiden Kantenbändern<br />
„RAUKANTEX eco“ und<br />
„RAUKANTEX evo“ setzte das<br />
Unternehmen 2021 einen weiteren<br />
Meilenstein in seiner Firmengeschichte.<br />
„Wir haben zwei Kantenbänder<br />
entwickelt: ‚RAUKANTEX<br />
eco‘ besteht zu 50 Prozent aus<br />
post-industriellem Recyclingmaterial.<br />
Bei ‚RAUKANTEX evo‘ gehen<br />
wir sogar einen Schritt weiter und<br />
verwenden bei der Herstellung,<br />
Kunststoffe mit non-fossilen Vorrohstoffen<br />
– als erstes Rehau-Produkt<br />
entlang der gesa<strong>mt</strong>en Lieferkette<br />
- transparent nachvollziehbar<br />
über die ISCC-PLUS-Zertifizierung.<br />
Beide Varianten erfüllen ausnahmslos<br />
unser ‚RAUKANTEX‘-Qualitätsversprechen“,<br />
informiert Werner.<br />
Im vergangenen Jahr folgte das<br />
Rücknahmekonzept „ReTurn“, in<br />
dessen Rahmen Kunden ihre unverarbeiteten<br />
„RAUKANTEX“-Kantenbänder<br />
zurückgeben können,<br />
worauf diese dann recycelt wieder<br />
in den Verarbeitungsprozess eingespeist<br />
werden.<br />
Mit „RAUVISIO eco-fino“ hat das<br />
Unternehmen jüngst auch eine<br />
nachhaltige Möbelplatte auf den<br />
Markt gebracht, die zu 98 Prozent<br />
aus Rezyklat besteht. „Ziel von<br />
Rehau ist es, bis 2035 weltweit<br />
CO 2<br />
-neutral zu produzieren“, fasst<br />
Werner die Strategie zusammen<br />
und sieht das Unternehmen in<br />
diesem Punkt auch bestens aufgestellt.<br />
Erste „evo“-Kanten im Einsatz<br />
Die drei Vertreter der Division Interior<br />
freuen sich zudem, dass erste<br />
Möbelhersteller Rehau auf dem<br />
eingeschlagenen Nachhaltigkeitspfad<br />
folgen und auf die umweltschonenden<br />
Kantenbänder aus<br />
Oberfranken setzen. So hat Rotpunkt<br />
Küchen bei seinen Küchen<br />
auf „RAUKANTEX eco“-Kanten<br />
umgestellt, während sich die dänische<br />
TCM Group zum Einsatz der<br />
„RAUKANTEX evo“-Kanten entschlossen<br />
hat.<br />
Verarbeiter und deren Kunden<br />
können dabei sicher sein, dass es<br />
sich tatsächlich um nachhaltige<br />
Kanten handelt: „Alle „evo“-Kanten<br />
besitzen laut Angaben von Werner<br />
das ISCC-PLUS-Zertifikat, das für<br />
International Sustainability &<br />
Carbon Certification steht. „Es<br />
stellt sicher, dass bei der Herstellung<br />
alle Nachhaltigkeitsanforderungen<br />
eingehalten wurden und<br />
die Produkte ein sauberer Teil der<br />
Lieferkette sind“, informiert der<br />
Divisionsleiter. Rehau sieht damit<br />
den angestrebten Dreiklang – Ressourcen<br />
schonen, nachhaltig produzieren<br />
und Produkte beziehungsweise<br />
Rohstoffe im Kreislauf erhalten<br />
– um ein weiteres Element,<br />
den industriellen Einsatz beim<br />
Kunden, optimal ergänzt.<br />
Beratung und Service<br />
Einen weiteren Schlüssel für den<br />
Erfolg des Unternehmens. sehen<br />
die drei Manager im Service. Hier<br />
sorgt die Rehau-Produktentwick-<br />
20<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Macher & Märkte<br />
„RAUVISIO innara“ besteht zu<br />
100 Prozent aus mineralischen<br />
Bestandteilen und Naturfasern<br />
und wurde für die moderne<br />
Gestaltung von Wänden<br />
konzipiert.<br />
“RAUVISIO innara” consists of<br />
100 per cent mineral components<br />
and natural fibres and was<br />
created for modern wall design.<br />
lung nicht nur für ein optimales<br />
Zusammenspiel der Produkte,<br />
sondern auch für die entsprechende<br />
Performance im Verarbeitungsprozess.<br />
Die Schaffung eines jährlichen<br />
Kantensymposiums zählt dabei zu<br />
den weiteren Meilensteinen in der<br />
Firmengeschichte. Seit 1993 wird<br />
es im Wechsel bei den Maschinenherstellern<br />
Homag und Ima Schelling<br />
durchgeführt. Und das nächste<br />
steht bereits vor der Tür: Am 14.<br />
März 2024 lädt Rehau zu Ima<br />
Schelling nach Lübbecke ein.<br />
„Inzwischen haben wir einen<br />
Schritt über die Grenzen hinaus<br />
gemacht und im Jahr 2023 bei<br />
Biesse in Pesaro das erste Symposium<br />
außerhalb von Deutschland<br />
veranstaltet. Ein Schritt in andere<br />
Länder ist angedacht“, verrät Albig.<br />
Mit seinen Symposien bietet<br />
Rehau den Teilnehmern nicht nur<br />
ein jährliches Update in Sachen<br />
Kantenbearbeitungstechnologie,<br />
sondern auch eine Möglichkeit,<br />
sich untereinander auszutauschen<br />
und Informationen rund um Produkte<br />
und Verarbeitungstechnologien<br />
aus erster Hand zu erhalten.<br />
Schließlich will das Unternehmen<br />
im Verbund mit seinen Technologiepartnern<br />
die Verarbeiter in die<br />
Lage versetzen, mit seinen Produkten<br />
„das perfekte Bauteil“<br />
erstellen zu können.<br />
Alles aus einer Hand<br />
Seit einigen Jahren müssen die<br />
Kunden dabei nicht einmal mehr<br />
selbst Hand anlegen, denn Rehau<br />
hat seinen Service in diesem<br />
Punkt weiter ausgebaut. „Handwerklichen<br />
Betrieben ist es oft<br />
nicht möglich, hochwertige Bauteile<br />
mit Laserbekantung in kleinen<br />
Mengen selbst herzustellen“,<br />
sagt Albig und ergänzt: „Indem wir<br />
unseren Kunden das konfigurierte<br />
Bauteil, aus unserem Material liefern,<br />
nehmen wir ihnen einen<br />
großen Teil der Arbeit ab. Schreiner<br />
oder Innenausbauer können<br />
sich so vollständig auf ihr Projekt<br />
konzen trieren.“ Nach der Bestellung<br />
wird den Anwendern das fertige<br />
Bauteil im gewünschten Maß<br />
in maximal zehn Arbeitstagen<br />
geliefert.<br />
Marktführer bei Kanten<br />
Bei Kantenmaterialien geht das<br />
seit 2022 noch schneller. Rehau<br />
hat an seinem Kantenproduktionsstandort<br />
in Visbek bei Bremen ein<br />
hochmodernes Service- und<br />
Logistikzentrum in Betrieb genommen.<br />
Seither erhalten Tischler und<br />
Schreiner in Deutschland das<br />
benötigte Kantenmaterial meist<br />
innerhalb von 24 Stunden.<br />
„Unseren Slogan ‚jede Menge,<br />
jede Länge, jede Breite‘ erfüllen<br />
wir voll und ganz,“ sagt Albig und<br />
ergänzt: „Nicht ohne Grund sind<br />
wir auf diesem Gebiet auch Marktführer,<br />
denn wir haben in Visbek<br />
rund 2.400 Farben und Dekore in<br />
über 200.000 verschiedenen Kantenbandvarianten<br />
auf Lager.“<br />
Richard Barth<br />
“We develop innovations for our customers”<br />
Many things in everyday life that make life more comfortable and safe<br />
would not have been possible without the inventive spirit of the company<br />
Rehau. In an interview with material+technik möbel at the company’s<br />
headquarters in Rehau, the divisional management of Interior<br />
Solutions looks back on the past 75 years and at the same time takes a<br />
look at the challenges of ahead. In the years and decades since the<br />
company was founded by Helmut Wagner in 1948, Rehau has created<br />
quite a stir in a wide variety of industries and improved people’s lives<br />
with its innovative products and system solutions. Under the motto<br />
“Change and visions”, his aim was to replace conventional materials<br />
with plastics and thereby improve products. Milestones in the company’s<br />
history include, for example, the “RAUKANTEX pro” laser edgeband<br />
and the “RAUVISIO” polymer surface materials. With its own<br />
colour collection “Passion for colour”, Rehau is also setting new trends<br />
in furniture construction and, under the motto “the perfect match”,<br />
ensures that all products can be combined with each other and match<br />
each other in terms of colour and feel. With the help of the new development<br />
“RAUKANTEX pigmento”, the transition from surface to edge is<br />
now even no longer recognisable, as pigments are incorporated into the<br />
edgeband to give the radius a natural look.<br />
In addition to design quality, Rehau attaches great importance to function<br />
and enviromental responsability. With “RAUKANTEX scratch.protect”,<br />
a hardwearing edgeband with anti-fingerprint properties that can<br />
be applied without a protective film was introduced last year. “RAUVISIO<br />
innara” is a new surface product for modern wall design that consists<br />
of 100 per cent mineral components and natural fibres. The “RAUKANTEX<br />
eco” edgeband consists of 50 per cent post-industrial recycled material.<br />
“RAUKANTEX evo” is manufactured using plastics with non-fossil raw<br />
materials, and the “ReTurn” take-back concept makes it possible for<br />
customers to return their unprocessed “RAUKANTEX” edgebands,<br />
which are then recycled and fed back into the manufacturing process.<br />
With “RAUVISIO eco-fino”, the company also recently launched a sustainable<br />
furniture board that consists of 98 per cent recycled material.<br />
Rehau’s goal is to achieve CO 2<br />
-neutral production worldwide by 2035.<br />
Another key to the company’s success is the provided service. Thanks<br />
to the new service and logistics centre in Visbek, joiners and carpenters<br />
in Germany now usually receive the edgeband material they need<br />
within 24 hours.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 21
Produkte & Konzepte<br />
Erweiterte Anti-<br />
Fingerprint-Kollektion<br />
Mit dem neuen „OPTIFACED<br />
BOARD“ bietet Kaindl neuerdings<br />
eine direktbeschichtete<br />
Platte mit Anti-Fingerprint-<br />
Eigenschaft.<br />
With the new “OPTIFACED<br />
Produkte BOARD”, Kaindl & Konzepte now offers a<br />
directly coated board with<br />
anti-fingerprint properties.<br />
Photo: Kaindl<br />
In der Küche mit der Familie, im<br />
Restaurant oder im Hotel – überall<br />
sind lästige Fingerabdrücke auf<br />
Oberflächen zu finden. Die Anti-<br />
Fingerprint-Produkte von Kaindl<br />
minimieren Fingerabdrücke zuverlässig<br />
und sind zudem mechanisch<br />
und chemisch sehr beständig. Das<br />
macht sie strapazierfähig, leicht zu<br />
reinigen und zu pflegen. Daher<br />
stellt das Unternehmen seine<br />
erweiterte Anti-Fingerprint-Kollektion<br />
auf der Holz-Handwerk auch<br />
ins Rampenlicht.<br />
Neben der „OPTIBOARD“-Verbundplatte<br />
mit verlei<strong>mt</strong>em Deckschichtlaminat<br />
und dem Schichtstofflaminat<br />
wird die Anti-Fingerprint-Oberfläche<br />
auf dem Messestand zusätzlich als<br />
„OPTIFACED BOARD“ in Direktbeschichtung<br />
präsentiert.<br />
Sie ist im Format 2800 x 2070 x 19<br />
mm in zehn trendigen Farbstellungen<br />
erhältlich. Das neue Produkt<br />
verfügt ebenso wie die Verbundplatte<br />
über eine MDF-Trägerplatte.<br />
Die Verbundplatte hingegen ist<br />
wie bisher auch im Format 270 x<br />
1300 x 19 mm erhältlich.<br />
Neben der erweiterten Anti-Fingerprint-Kollektion<br />
werden auf dem<br />
Messestand weitere Produktneuheiten<br />
und Ergänzungen zu sehen<br />
sein. So beispielsweise neue<br />
Unfarben mit Matt-Natur-Oberfläche<br />
sowie Bestseller aus der<br />
„BOARDS Collection“ wie die<br />
Eiche „EVOKE“ und die furnierten<br />
Platten aus der „REALwood“-<br />
Produktline. Sie verbindet ursprüngliches<br />
Holzfurnier mit hochwertiger<br />
Bearbeitung, um das vielfältige<br />
Spektrum moderner Naturholzplatten<br />
zur Geltung zu bringen.<br />
Durch die vielseitigen Kombinationsmöglichkeiten<br />
der Produkte<br />
ermöglicht es Kaindl den Interior-<br />
Designern, Räume nach Belieben<br />
zu gestalten und so Wohlfühlatmosphäre<br />
zu schaffen. <br />
ba<br />
Extended anti-fingerprint collection<br />
At Holz-Handwerk, Kaindl will be spotlighting its extended anti-fingerprint<br />
collection. In addition to the “OPTIBOARD” multi-bonded board<br />
with a glued top-layer laminate and the multi-layer laminate, the company<br />
is also exhibiting the anti-fingerprint surface as “OPTIFACED<br />
BOARD” with direct coating. This board is available in the 2800x2070x19<br />
mm format in ten trendy colours and, like the multi-bonded board, has a<br />
MDF core board. Besides the anti-fingerprint products, Kaindl will be<br />
presenting new plain colours with a matt-natural surface as well as bestsellers<br />
from the “BOARDS Collection” and the veneered boards belonging<br />
to the “REALwood” product line.<br />
Produktvielfalt vereint mit Funktionalität<br />
Auf der Holz-Handwerk zeigt<br />
Kronospan seine breite Palette an<br />
Einrichtungsprodukten.<br />
At Holz-Handwerk, Kronospan presents<br />
its wide range of furnishing<br />
products.<br />
Photo: Kronospan<br />
Der Holzwerkstoffhersteller<br />
Kronospan präsentiert auf<br />
der diesjährigen Holz-Handwerk<br />
sein breites Produktportfolio,<br />
wobei nachhaltige<br />
und recycelbare Produkte<br />
stärker im Fokus stehen<br />
werden. Zugleich erwartet<br />
die Standbesucher eine<br />
Symbiose aus hochwertigen<br />
Materialien, einfacher Verarbeitung<br />
sowie eindrucksvollen<br />
Designs.<br />
Neben den Holzwerkstoffen<br />
werden auch die Wandpaneele<br />
„Rocko Tiles“ präsentiert.<br />
Ihre Zusammensetzung,<br />
das besonders große<br />
Format, die Wasserfestigkeit<br />
sowie die einfache Handhabung<br />
machen das Produkt<br />
laut Anbieter zu einer kosteneffizienten<br />
und zeitsparenden<br />
Alternative zu handelsüblichen<br />
Fliesen, sowohl im<br />
Sanierungs- als auch im Neubausegment.<br />
Ebenfalls zu sehen,<br />
sind die neuen Designs aus der<br />
„Kronodesign Global Collection“.<br />
Hier sind Holz-, Stein- und Unifarben<br />
sowohl untereinander als auch<br />
produktübergreifend aufeinander<br />
abgestim<strong>mt</strong>, sodass Projekte individuell<br />
gestaltet und ausgeführt<br />
werden können. Ein besonderes<br />
Highlight bilden die Eiche- und Kastaniendekore<br />
mit Synchronpore.<br />
Hier treffen optische Natürlichkeit<br />
und besondere Haptik aufeinander.<br />
Die neuen Strukturen „Rift Wood“<br />
(RW) für Holzoberflächen und „Pluton“<br />
(PN) für Stein- und Textildekore<br />
entsprechen dem heutigen<br />
Geschmack vor allem in den Bereichen<br />
Hospitality, Ladenbau und<br />
Interior Design.<br />
Den Messeauftritt runden die Fassadenplatten<br />
„Kronoart“, die Bauplatten<br />
„Kronobuild“ sowie Highlights<br />
aus dem Fußbodensegment<br />
„Kronoflooring“ ab. Auch die Vielfältigkeit<br />
der Lösungen im Bereich<br />
der Verbundelemente und Arbeitsplatten<br />
wird vorgestellt. ba<br />
Product diversity combined with functionality<br />
The wood-based materials manufacturer Kronospan will be presenting its<br />
broad product portfolio at Holz-Handwerk, focussing on sustainable and<br />
recyclable products. In addition to the wood-based materials as well as<br />
new designs from the “Kronodesign Global Collection”, the “Rocko Tiles”<br />
wall panels will be presented. The “Kronoart” facade panels, “Kronobuild”<br />
construction panels and highlights from the “Kronoflooring” flooring<br />
segment will round off the trade fair presentation. Solutions in the area of<br />
composite elements and worktops will likewise be on show.<br />
22<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Produkte & Konzepte<br />
Produkte & Konzepte<br />
Innovatives<br />
„Capsule“-Konzept<br />
„Hospitality – Warm Materials“ nennt sich eine „Capsule“, die<br />
öffentliche Innenraumgestaltungen durch ruhige und<br />
warme Materialien aufwertet.<br />
“Hospitality – Warm Materials” is the name of the<br />
“Capsule” that enhances public interior designs with<br />
calm and warm materials. Photos: Egger<br />
Anzeige/Advertisement<br />
Allrounder<br />
für Dünnes<br />
und<br />
Schräges<br />
Die sogenannten Capsules wie hier „Muted<br />
Greens“ geben Dekorempfehlungen für<br />
unterschiedliche Anwendungsbereiche, Trendthemen<br />
und Kombinationsmöglichkeiten.<br />
The so-called capsules, such as “Muted Greens” here,<br />
provide decor recommendations for different areas of<br />
application, trend themes and possible combinations.<br />
Egger bringt im Februar 2024 seine neue Kollektion<br />
„Dekorativ 24+“ für den Möbel- und<br />
Innenausbau auf den Markt. Damit etabliert der<br />
Holzwerkstoffspezialist auch eine neuartige<br />
und dem Zeitgeist folgende Art der Dekorberatung<br />
und Kombinationsempfehlung: das „Egger<br />
Capsule Konzept“ und erhielt hierfür bereits die<br />
ersten Auszeichnungen.<br />
So wurde das innovative Konzept von der Jury<br />
des German Design Awards 2024 in der Kategorie<br />
„Excellent Communication Design –<br />
Online Publications“ mit der Auszeichnung<br />
„Winner“ bedacht. Zum Start der Kollektion hat<br />
Egger insgesa<strong>mt</strong> fünf Capsules kreiert: „Muted<br />
Greens“, „Hospitality – Warm Materials“, „Style<br />
with Value“, „Simplicity redefined“ sowie<br />
„Design on Top“.<br />
Abgeleitet von der „Capsule Wardrobe“, in der<br />
wenige aber wertige Kleidungsstücke vielfältig<br />
kombiniert werden können, verwenden wir das<br />
Capsule Konzept für die Präsentation von Dekoren<br />
und geben damit Empfehlungen für unterschiedlichste<br />
Anwendungsbereiche, Trendthemen<br />
sowie Kombinationsmöglichkeiten“, erklärt<br />
Klaus Monhoff, Leiter Dekor- und Designmanagement<br />
der Egger Gruppe.<br />
Das Konzept bietet Architekten oder Verarbeitern<br />
eine Auswahl an Dekoren, die für spezifische<br />
Anwendungen frei kombinierbar sind.<br />
Durch ihre dreidimensionale, räumliche Form<br />
und Anordnung unterscheiden sich die Capsules<br />
von herkömmlichen Designberatungen, denn<br />
sie bieten nicht nur eine harmonische Auswahl<br />
aus der Kollektion „Dekorativ 24+“, sondern vermitteln<br />
auch einen Eindruck der Dekore in<br />
Anwendung. „Das Konzept verbindet zeitgenössische<br />
Einflüsse aus Gesellschaft bzw. Kultur<br />
und zeigt, wie mit Farben und Dekoren im<br />
Interior-Design entsprechend gestaltet werden<br />
kann. Es ermöglicht einzigartige, ästhetische<br />
und inspirierende Innenraumgestaltung auf einfache<br />
Weise“, fasst Monhoff zusammen. ba<br />
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die 4 mm Nut<br />
Innovative “Capsule” concept<br />
Egger is launching its new “Dekorativ 24+” collection for furniture and interior design in February<br />
2024. For the first time, the company is presenting it with an innovative “Capsule” concept,<br />
which has already received the “Winner” award from the jury of the German Design Awards<br />
2024 in the “Excellent Communication Design – Online Publications” category. Derived from the<br />
“Capsule Wardrobe”, in which a few but valuable items of clothing can be combined in a variety<br />
of ways, Egger is now using the concept for presenting decors in order to provide recommendations<br />
for a wide range of applications, trend themes as well as possible combinations. A total of<br />
five “capsules” have been created for this purpose: “Muted Greens”, “Hospitality – Warm Materials”,<br />
“Style with Value”, “Simplicity redefined” as well as “Design on Top”. Thanks to their threedimensional<br />
shape and spatial arrangement, the “Capsules” also convey an impression of the<br />
decors in use.<br />
– Universeller Verbinder für alle<br />
Nutfräsmaschinen<br />
– Verbindung von Werkstücken<br />
in allen Winkeln<br />
– Geringe Verbinder-Dicke für<br />
Einbau in Materialien ab 8 mm<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 23<br />
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Fokus<br />
Trendfarben für den<br />
Einrichtungsbereich<br />
Mit der imm Cologne startet Jahr für Jahr die neue Einrichtungssaison. Die internationale Einrichtungsmesse<br />
gibt dabei einen ersten Ausblick auf die kommenden Trends in der Innenraumgestaltung. In Köln wie<br />
auch auf dem Salone del Mobile in Mailand im April werden die neuen Trendfarben vorgestellt, die führende<br />
Farbinstitute und Trendforscher in den Monaten davor ermittelt hatten. Dabei zeigen sich die Einrichtungsfarben<br />
von der Mode-, der Kosmetik- sowie von der Automobilbranche inspiriert.<br />
„live simple!“ nennt sich die achte „Sustained Color“ des Colornetwork.<br />
“live simple!” is the name of Colornetwork’s eighth “Sustained<br />
Color”. <br />
Photo: Colornetwork<br />
24<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
Für die Einrichtungssaison 2024<br />
haben sich führende Farbinstitute<br />
und Trendscouts weltweit umgeschaut<br />
und die unterschiedlichen<br />
Einflüsse aus der Bekleidungsmode<br />
sowie aus den Farblabors<br />
der Automobil- und Kosmetikindustrie<br />
zusammengetragen. Rechtzeitig<br />
zur Jahreswende hat daher das<br />
amerikanische Farbinstitut Pantone<br />
seine Trendfarbe für das Jahr 2024<br />
bekannt gegeben.<br />
Gleichzeitig feiert das Farbinstitut<br />
in diesem Jahr das 25. Jubiläum<br />
der „Color of the Year“. Die Wahl<br />
einer jährlichen Trendfarbe fand<br />
erstmals im Jahr 1999 statt, als im<br />
Rahmen eines Ausbildungsprogramms<br />
die Idee geboren wurde,<br />
mit der Wahl einer Jahresfarbe die<br />
Design-Community zu einem<br />
Gespräch über Farben anzuregen<br />
und zugleich auch die Phantasie<br />
von Designern, Marken und Verbrauchern<br />
zu befeuern.<br />
Neue Farbe steht für Ruhe und<br />
Sicherheit<br />
Während bei der Premiere 1999<br />
der Farbton „Cerulean Blue“ (Pantone<br />
15-4020) gekürt wurde, trägt<br />
der Farbton des Jahres 2024 den<br />
Namen „Peach Fuzz“ (Pantone<br />
13-1023). Es handelt sich dabei<br />
um einen sa<strong>mt</strong>igen, weichen Pfirsichton,<br />
der sich zwischen Rosa<br />
und Orange bewegt. Er strahlt<br />
Wärme und Geborgenheit aus<br />
und gilt daher auch als idealer<br />
Farbton für die Inneneinrichtung.<br />
Nach Ansicht des Farbinstituts<br />
drückt die Farbe das Verlangen der<br />
Menschen nach Zusammengehörigkeit<br />
oder den Wunsch nach<br />
einem Moment der Stille und das<br />
dadurch entstehende Gefühl der<br />
Ruhe und Sicherheit aus.<br />
Zugleich verfügt „Peach Fuzz“<br />
über eine Vintage-Note und spiegelt<br />
dadurch die Vergangenheit<br />
wider, in seiner Neufassung wurde<br />
er laut Angaben von Pantone<br />
jedoch neu gestaltet und hat eine<br />
zeitgemäße Ausstrahlung. Dabei<br />
wurde darauf geachtet, dass der<br />
Farbton seine Präsenz nahtlos<br />
sowohl in der physischen als auch<br />
in der digitalen Welt zeigen kann.<br />
Wie das Institut erläutert, wollte<br />
es eine Farbe wählen, die den<br />
Fokus darauf lenken kann, welche<br />
Bedeutung Gemeinschaft und<br />
Zuwendung haben. „Peach Fuzz“<br />
soll den Wunsch ausdrücken,<br />
jenen nahe zu sein, die wir lieben,<br />
und die Freude vermitteln, die entsteht,<br />
wenn wir uns erlauben, mit<br />
uns eins zu sein und einfach einen<br />
stillen Augenblick zu genießen.<br />
Zugleich soll die Farbe Fürsorge<br />
vermitteln, Menschen zusammenbringen<br />
und ein Gefühl der Greifbarkeit<br />
auslösen.<br />
Diesem Aspekt wird gerade bei<br />
Konsumgütern eine wichtige Rolle<br />
beigemessen, denn der Wunsch,<br />
die Farbe und somit eine Oberfläche<br />
in diesem Farbton zu berühren,<br />
wirkt bei einer Vielzahl an<br />
Produkten wie zum Beispiel Einrichtungsgegenständen<br />
verkaufsfördernd.<br />
Daher haben Unternehmen<br />
aus der Einrichtungsindustrie<br />
den neuen Farbton bereits in ihre<br />
Kollektion aufgenommen und werden<br />
auf den Einrichtungsmessen<br />
2024 erste Möbel und Accessoires<br />
in diesem Farbton präsentieren.<br />
25-jähriges Jubiläum<br />
Mit „Peach Fuzz“ hat Pantone<br />
seine Reihe der „Color of the Year“<br />
auch im Jahr 2024 fortgesetzt.<br />
Allerdings kam es in der 25-jährigen<br />
Geschichte der Jahresfarbe<br />
auch vor, dass zwei Farben als Sie-
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Nürnberg, Germany<br />
19.–22.3.2024<br />
Bei der „Sustained<br />
Color No. 8” handelt<br />
es sich um ein<br />
natürliches Weiß,<br />
das von hellem<br />
Muschelkalk<br />
inspiriert ist.<br />
“Sustained Color<br />
No. 8” is a natural<br />
white inspired by<br />
light shell limestone.<br />
Photo: Colornetwork<br />
Europäische Fachmesse für Maschinentechnologie<br />
und Fertigungsbedarf<br />
ENTDECKEN<br />
ERLEBEN<br />
MACHEN<br />
ger hervorgingen. So beispielsweise<br />
2021, als die beiden eigenständigen<br />
Farben „Ultimate Gray“<br />
(Pantone 17-5104) sowie „Illuminating“<br />
(Pantone 13-0647) das<br />
Rennen machten. Nicht anders<br />
war es 2<strong>01</strong>6, als mit „Rose Quartz“<br />
sowie „Serenity“ zwei Farben<br />
ausgewählt wurden, die in Kombination<br />
die Farbbotschaft übermitteln<br />
und für die gewünschte Atmosphäre<br />
sorgen sollten. Dabei will<br />
das amerikanische Farbinstitut mit<br />
der Farbe des Jahres einen Farbton<br />
küren, der in allen Bereichen<br />
des Designs zu finden ist und eine<br />
Stimmung und Haltung der Verbraucher<br />
in der ganzen Welt ausdrückt.<br />
Im Unterschied zu einer<br />
kurzlebigen Modeerscheinung soll<br />
die „Color of the Year“ ein globaler<br />
Lifestyle-Trend sein und damit<br />
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Der Pantone-Farbton 2024 findet sich auf den unterschiedlichsten<br />
Einrichtungsgegenständen wie bei diesem Sessel von Wittmann<br />
wieder.<br />
The Pantone 2024 colour can be found on a wide variety of furnishings<br />
as i.e. on this chair of Wittmann. <br />
Photo: Wittmann<br />
parallel zur
Fokus<br />
„Peach Fuzz“ wurde von Pantone zur „Color<br />
of the Year” gekürt.<br />
“Peach Fuzz” was named “Color of the<br />
Year” by Pantone. <br />
Bei „Peach Fuzz“ handelt es sich um einen weichen Pfirsichfarbton zwischen Rosa und Orange.<br />
“Peach Fuzz” is a gentle peach tone between pink and orange and can already be seen on the<br />
first interior design items.<br />
Photos: Pantone<br />
auch Ausdruck dessen, was in diesem<br />
Jahr in der Kultur weltweit vor<br />
sich geht.<br />
Dieser Gedanke prägte auch die<br />
Wahl der Jahresfarbe 2023. Im<br />
vergangenen Jahr nannte Pantone<br />
sie „Viva Magenta“ (Pantone<br />
18-1750). Bei ihr handelte es sich<br />
um ein lebhaftes Karminrot, das<br />
auf dem Rot der Cochenille basiert,<br />
einem besonders wertvollen<br />
natürlichen Farbstoff, der einen<br />
der stärksten und intensivsten<br />
Rottöne der Welt erzeugt. Aufgrund<br />
seines Ursprungs sollte<br />
„Viva Magenta“ die Menschen zu<br />
den Wurzeln zurück bringen. Durch<br />
das Wachrufen der Kräfte der<br />
Natur sollte der Farbton den Menschen<br />
helfen, innere Stärke zu entwickeln.<br />
Nachhaltige Farben<br />
Einen nachhaltigen Ansatz wählt<br />
das Colornetwork, dessen Expertengremium<br />
seit dem Jahr 2020<br />
Farben kürt, die das Gremium als<br />
„Sustained Color“ erachtet. Dabei<br />
handelt es sich um nachhaltige<br />
Farbtöne, die über Jahre hinweg in<br />
der Einrichtungsindustrie Bestand<br />
haben sollen. Im Gegensatz zum<br />
Farbinstitut Pantone wird allerdings<br />
nicht einmal jährlich ein Farbton<br />
gewählt, sondern teilweise<br />
auch mehrmals im Jahr auf die<br />
Wünsche und Bedürfnisse der Verbraucher<br />
reagiert. Daher gibt es<br />
inzwischen bereits sieben verschiedene<br />
Farbtöne. Nach „be rooted!“<br />
(dunkler Holzton) als erster<br />
nachhaltiger Farbe im Jahr 2020<br />
folgten „stay together!“ (helles<br />
Grau), „give war<strong>mt</strong>h!“ (Sandfarbton),<br />
„pay attention!“ (Grauton),<br />
„feel jade!“ (Jadenuance), „dive<br />
deep!“ (Blaunuance) und im Jahr<br />
2023 dann „come closer!“ (heller<br />
Braunton) als siebte Farbe.<br />
„Sustained Color“ Nummer 8<br />
Für das Jahr 2024 wurde nun eine<br />
achte „Sustained Color“ vorgestellt:<br />
Es handelt sich dabei um ein<br />
natürliches Weiß, das die Bezeichnung<br />
„live simple!“ trägt. Inspiriert<br />
ist der Farbton von hellem<br />
Muschelkalk, der seit Jahrtausenden<br />
vorkom<strong>mt</strong>.<br />
Nach Ansicht des Expertengremiums<br />
trifft der Ton den Zeitgeist<br />
sehr genau, denn die Komplexität<br />
des 21. Jahrhunderts lässt eine<br />
große Sehnsucht nach Reduktion<br />
und Vereinfachung aufkommen.<br />
Auch sollte sich der Farbton angenehm<br />
von den gängigen Weißtönen<br />
abheben und gut kombinieren<br />
lassen. Zugleich sehen die Experten<br />
in ihm einen internationalen<br />
Farbton, da er Assoziationen an<br />
die Meeresstimmung an den Küsten<br />
Neuenglands, einen japanischen<br />
Zen-Garten oder ein indisches<br />
Baumwollfeld weckt.<br />
Keine kurzfristige Trendfarbe<br />
Bei der Wahl der 8. Sustained<br />
Color setzte sich das Expertenteam<br />
aus Timo Rieke (u.a. Professor<br />
an der HAWK in Hildesheim<br />
und Vorstand des Deutschen Farbzentrums)<br />
Alina Schartner (u. a.<br />
Design Consultant, Trend Forecasterin<br />
und Markenbotschafterin für<br />
RAL Farben), Andreas Enslin (u. a.<br />
Miele Design Center, Deutscher<br />
Designtag im Kulturrat der Bundesregierung),<br />
Klemens Andrup<br />
und Hannes Mörl von Pfalzen<br />
(beide Miele Design Center)<br />
Trend colours for the furnishing sector<br />
zusammen.<br />
Das Colornetwork, dem inzwischen<br />
33 Unternehmen aus der<br />
Einrichtungsindustrie angehören,<br />
versteht Farbe nicht als kurzfristigen<br />
Trend und will mit der „Sustained<br />
Color“ Farben küren, die bleibende<br />
Werte für Architektur und<br />
Lifestyle fördern.<br />
Richard Barth<br />
Leading colour institutes and trend scouts have looked around the world<br />
and compiled the various influences from clothing fashion and the automotive<br />
as well as cosmetics industries’ colour laboratories for the 2024<br />
interior design season. As a result, the American colour institute Pantone<br />
announced its trend colour for 2024 just in time for the new year. At the<br />
same time, the colour institute is celebrating the 25 th anniversary of its<br />
“Color of the Year”. The 2024 Color of the Year is called “Peach Fuzz”<br />
(Pantone 13-1023) and is a velvety, gentle peach colour that is somewhere<br />
between pink and orange. It radiates war<strong>mt</strong>h and cosiness and is<br />
therefore the ideal colour for interior design. Companies from the furnishing<br />
industry have therefore already included the new colour in their<br />
collections and will present the first furniture and accessories in this<br />
colour at the 2024 interior design fairs.<br />
Colornetwork has been taking a sustainable approach since 2020 with<br />
its panel of experts who select colours they consider to be a “Sustained<br />
Color”, which are timeless and bring lasting values to interior design. In<br />
contrast to the Pantone colour institute, however, a colour shade is not<br />
selected once a year, but sometimes several times a year in response to<br />
consumer wishes and needs. As a result, there are now seven different<br />
colours available. An eighth “Sustained Color” has currently been presented<br />
for 2024: it is a natural white called “live simple!”. The colour is<br />
inspired by light shell limestone, which has been around for thousands<br />
of years. The experts see it as an international colour, as it evokes associations<br />
with the ocean mood on the New England coast, a Japanese<br />
Zen garden or an Indian cotton field.<br />
26<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Das neue Programm „Vtektura“<br />
von Voglauer kombiniert rückseitig<br />
im Marmorlook bedruckte<br />
Glasfronten mit Massivholz.<br />
The new “Vtektura” programme<br />
from Voglauer combines reverse<br />
printed glass fronts in marble<br />
look with solid wood.<br />
Photo: Voglauer<br />
Innovative Ideen und Konzepte<br />
Die diesjährige imm Cologne machte wieder richtig Spaß. Dies spiegelte sich auch in der Besucherfrequenz<br />
wider, die insbesondere in den Designhallen das gewohnte und lang vermisste Messefeeling aufleben ließ.<br />
Dort versprühten die Gestaltung und die Inszenierungen auch ein gewisses „Mailand-Flair“.<br />
Die diesjährige Möbelmesse in<br />
Köln, die vom 14. bis zum 18.<br />
Januar stattfand, hatte ihre Sonnenund<br />
Schattenseiten. Mit rund 750<br />
Ausstellern übertraf die Veranstaltung<br />
in ihrem Angebot zwar die<br />
„Spring Edition“ im Juni vergangenen<br />
Jahres, konnte allerdings nicht<br />
an die Ausgaben vor der Pandemie<br />
heranreichen, bei denen die imm<br />
Cologne noch mit deutlich mehr als<br />
1.000 Ausstellern aufwarten<br />
konnte. So zählte die Möbelschau<br />
im Jahr 2020 noch 1.233 Aussteller.<br />
Bei den Besuchern war dies ähnlich.<br />
Mit 42.000 Besuchern aus 129<br />
Ländern erzielte die diesjährige<br />
Möbelmesse ein deutlich besseres<br />
Ergebnis als beim Re-Start 2023,<br />
bei dem rund 30.000 Fachbesucher<br />
ihr Interesse an der Schau zeigten.<br />
Vor der Pandemie wurden allerdings<br />
noch 82.000 Fachbesucher<br />
gezählt. Dazu kamen laut Messeangaben<br />
noch 46.000 Endverbraucher,<br />
für die bei der diesjährigen<br />
Ausgabe allerdings keine Publikumstage<br />
mehr vorgesehen<br />
waren.<br />
28<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
Mittleres Marktsegment fehlte<br />
Zu den Schattenseiten der imm<br />
cologne zählte sicherlich, dass das<br />
mittlere Preissegment und insbesondere<br />
die großen namhaften<br />
Möbelproduzenten auf eine Teilnahme<br />
verzichtet hatten, so dass<br />
den Besuchern insbesondere im<br />
Kastenmöbelsegment kein Überblick<br />
über die aktuellen Wohntrends<br />
und das Angebot möglich war. Im<br />
Polstermöbelsegment fehlten zwar<br />
ebenfalls namhafte Hersteller, doch<br />
Firmen wie Polipol und HTL hielten<br />
der Messe noch die Stange.<br />
Eine Premiere feierte die kürzlich<br />
erstellte Messehalle 1, die sich als<br />
neue Heimat der Hochwert-Anbieter<br />
präsentierte und damit die Halle<br />
11.3 ablöste, die diese Unternehmen<br />
bislang beherbergte. Zusammen<br />
mit den Hallen 4.2 sowie 3.2.<br />
bot sie den Besuchern einen repräsentativen<br />
Querschnitt des aktuellen<br />
Angebots, wenngleich sich<br />
namhafte Möbelmarken wie etwa<br />
Rolf Benz und Walter Knoll mit ihren<br />
Standflächen stark zurückhielten.<br />
Dies hing nicht zuletzt damit zusammen,<br />
dass sich die beiden Markenhersteller<br />
mit Kettnaker, Draenert<br />
und Object Carpet einen Gemeinschaftsstand<br />
teilten, der jedem Hersteller<br />
Freiheit bei der Gestaltung<br />
seines eigenen Bereiches ließ,<br />
während der Catering- und Aufenthaltsbereich<br />
von allen gemeinsam<br />
genutzt werden konnte.<br />
„Circles“ als Vernetzungsplattformen<br />
Unterstützung erhielt die Messegestaltung<br />
durch spezielle Themen-<br />
Unter dem Motto „live, repair, recycle“ zeigte Freistil ein Sofa,<br />
das ohne Verklebung montierbar ist und das eine sortenreine<br />
Trennung ermöglicht.<br />
Freistil exhibited a sofa with the motto “live, repair, recycle”,<br />
which can be assembled without gluing and that allows for high<br />
quality differentiated recycling. <br />
Photo: Barth
Fokus<br />
Team 7 zeigte seine Küche in<br />
weißgeölter Erle.<br />
Team 7 presented its kitchen<br />
in white-oiled alder.<br />
Photo: Team 7<br />
Flauschig-weiche<br />
Bezugsstoffe liegen im<br />
Trend, bei Koinor gab<br />
der hochflorige Bezug<br />
„Doodle“ sein Debüt.<br />
Fluffy, soft upholstery<br />
fabrics are the current<br />
trend, and Koinor’s highpile<br />
“Doodle” upholstery<br />
made its debut. Photo: Barth<br />
und Kommunikationsplattformen,<br />
die sich „The Circles“ nannten. Mit<br />
den kreisrunden Eventflächen signalisierte<br />
die Messe, dass sie auch<br />
gezielt den Austausch zwischen<br />
den Messeteilnehmenden fördern<br />
will.<br />
Die Besucher fanden in den Hallen<br />
allerdings verschiedene Varianten<br />
vor: So gab es in der Halle 1 etwa<br />
die „Inspiration Circles“, während in<br />
Halle 4 auf dem „Community<br />
Circle“ mehrere niederländische<br />
Unternehmen nachhaltige Konzepte<br />
zur Diskussion stellten. Die<br />
„Circle Suites“ in Halle 10 wiederum<br />
waren ein von Natuzzi gestalteter<br />
Loungebereich zum Verweilen<br />
und Netzwerken. Darüber<br />
hinaus gab es „Brand Circles“, in<br />
denen einzelne ausstellende Unternehmen<br />
ihre Produktinnovationen<br />
in Szene setzen konnten. Das<br />
„Studio@Circle“-Café bzw. der<br />
Club boten den Besuchern wiederum<br />
Fachvorträge<br />
Nachhaltigkeit wichtiges<br />
Messethema<br />
Zu den wichtigsten Themen der<br />
Möbelschau zählten Nachhaltigkeit,<br />
Funktionalität sowie Oberflächenvielfalt,<br />
die sich bei den Ausstellern<br />
in den neuen Produkten<br />
widerspiegelten. In fast allen Produktsegmenten<br />
hatten die Unternehmen<br />
entsprechende innovative<br />
Lösungen und Ideen mitgebracht.<br />
Zu den Highlights im Bereich der<br />
Nachhaltigkeit zählten hier die Vorschläge<br />
der Firmen Schlaraffia, Freistil<br />
und Walter Knoll, die sich alle<br />
mit der Kreislaufwirtschaft beschäftigt<br />
hatten.<br />
So stellte Freistil das modulare<br />
Sofaprogramm „Echt“ vor, welches<br />
komplett aus recycelbaren<br />
Materialien besteht und dessen<br />
Bauteile entweder vom Konsumenten<br />
selbst zusammengefügt<br />
werden oder auch vom Händler<br />
montiert geliefert werden können.<br />
Im Gegensatz zur üblichen Herstellung<br />
wird gänzlich auf Klebstoff verzichtet,<br />
so dass sortenreine Trennung<br />
und industrielle Kreislauffähigkeit<br />
gegeben sind. Beim<br />
Polsterschaum kom<strong>mt</strong> ein neuartiger<br />
Schaum von BASF zum Einsatz,<br />
der auf Basis des „Mass-Balance-<br />
Verfahrens“ hergestellt wurde.<br />
Einer der beiden wählbaren Polsterbezüge<br />
besteht aus recyceltem<br />
Polyester und wird über die Polsterung<br />
gezogen und statt mit Klettverschluss<br />
mit einem Metalldraht<br />
am Gestell fixiert. Das macht das<br />
Sofa auch wandel- und vor allem<br />
reparierbar.<br />
Sortenreine Trennung ist auch bei<br />
dem Polsterstuhl „Sheru evo“ von<br />
Walter Knoll gewährleistet, der<br />
durch seinen modularen Aufbau<br />
und verschiedene Varianten von<br />
Gestell und Husse zahlreiche<br />
Gestaltungsmöglichkeiten bietet.<br />
Auch hier wird bei der Polsterung<br />
auf Schaum sowie Klebstoffe verzichtet;<br />
als Polsterung wird stattdessen<br />
ein 3D-Mesh-Gewebe ver-<br />
Mit vier Komfortfunktionen ist das Sofa „Mooove“ von Koinor<br />
ausgestattet.<br />
The “Mooove” sofa from Koinor features four comfort functions.<br />
<br />
Photo: Barth<br />
Schwarzstahl als neues Material für die Front lässt bei Kettnaker<br />
jedes Möbelstück zu einem Unikat werden.<br />
Black steel as a new material for fronts makes every piece of<br />
furniture at Kettnaker unique. <br />
Photo: Barth<br />
wendet, das in den Stuhl eingearbeitet<br />
ist. Die Sitzschale besteht<br />
aus Post-Industrie-Rezyklat (PIR)<br />
und kann ohne professionelle<br />
Unterstützung mit verschiedenen<br />
Bezügen aus Leder oder Stoff verkleidet<br />
werden.<br />
Obwohl die Aquinos-Gruppe kein<br />
Aussteller in Köln war, nutzte das<br />
Unternehmen auf der Gemeinschaftsfläche<br />
des Matratzen-Verbandes<br />
die Gelegenheit, ihr neuartiges<br />
Recycling-Konzept vorzustellen.<br />
Als erstes Unternehmen in<br />
Deutschland wird Schlaraffia einen<br />
digitalen Produktpass in seinen<br />
Matratzen einsetzen. In Zusammenarbeit<br />
mit der belgischen Firma<br />
TripleR wird im Inneren der Matratze<br />
ein RFID-Chip platziert, der<br />
vom Recyclingbetrieb ausgelesen<br />
werden kann und Aufschluss gibt<br />
über alle Komponenten und Materialien<br />
sowie deren Trennung und<br />
Wiederverwertung. Außen erhält<br />
die Matratze ein eingenähtes Etikett<br />
mit einem QR-Code, der Detailinformationen<br />
zur Matratze gibt und<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 29
Fokus<br />
„Indra“ von Hülsta zeichnet sich durch Furnierintarsien-Fronten<br />
wahlweise in Eiche oder Nussbaum aus.<br />
“Indra” from Hülsta is characterised by veneer inlay fronts in<br />
either oak or walnut. <br />
Photo: Barth<br />
Die Kleiderschranktüren bei<br />
Schönbuch werden von fast<br />
unsichtbaren Salice-<br />
„Conecta“-Scharnieren<br />
getragen.<br />
The wardrobe doors at<br />
Schönbuch are supported<br />
by Salice´s almost invisible<br />
“Conecta” hinges.<br />
Photo: Barth<br />
Schlaraffia stattet seine<br />
Matratzen mit einem<br />
QR-Code und RFID-Chip aus.<br />
Schlaraffia is providing its<br />
mattresses with a QR code<br />
and an RFID chip.<br />
Photo: Barth<br />
vom Nutzer mit dem Smartphone<br />
gescannt werden kann.<br />
Komfortfunktionen unsichtbar<br />
gemacht<br />
Funktionalität war das zweite große<br />
Thema der Messe, wobei die Konsumenten<br />
künftig mit einer Fülle an<br />
neuem Komfort rechnen können.<br />
Zu den wesentlichen Beispielen<br />
hierfür zählt der innovative<br />
„FurnSpin“-Beschlag von Hettich,<br />
der bei Firmen wie Dreieck Design<br />
sowie Skovby anzutreffen war. Er<br />
kombiniert eine Dreh- mit einer<br />
Schwenkbewegung. Mit einem<br />
Dreh offenbart sich das Innenleben,<br />
mit einem weiteren Dreh verschwindet<br />
es aus dem Blick, und<br />
das Möbel zeigt wieder geschlossene<br />
Fronten.<br />
Obwohl das Angebot an Kastenmöbeln<br />
durch das Fernbleiben der<br />
großen Hersteller aus dem mittleren<br />
Segment eher mäßig ausfiel,<br />
gab es hier und da doch einzelne<br />
Neuerungen zu entdecken. So<br />
kamen beim Kleiderschranksystem<br />
von Schönbuch die nahezu<br />
unsichtbar in die Wangen und<br />
Der dänische Möbelhersteller<br />
Skovby<br />
zeigte ein Highboard,<br />
dessen äußere<br />
Elemente ihren Inhalt<br />
durch den „FurnSpin“-<br />
Beschlag von Hettich<br />
mit einer Drehbewegung<br />
zugänglich<br />
machen.<br />
Danish furniture<br />
manufacturer Skovby<br />
presented a highboard<br />
whose outer elements<br />
spin to reveal their<br />
contents thanks to the<br />
“FurnSpin” fitting<br />
from Hettich.<br />
Photo: Barth<br />
Fronten eingelassene Beschläge<br />
„Conecta“ von Salice zum Einsatz,<br />
wobei lediglich drei Beschläge ausreichten,<br />
um die 2,60 Meter hohen<br />
Türen zu halten. Im Mittelpunkt der<br />
Präsentation stand jedoch das<br />
Schranksystem „Canvas“, welches<br />
laut Hersteller Milliarden Gestaltungsmöglichkeiten<br />
durch verschiedene<br />
Abmessungen und<br />
Oberflächenvarianten bieten soll.<br />
So stehen allein 28 Mattlack- und<br />
23 Hochglanztöne zur Verfügung.<br />
Interlübke trat in Köln mit dem<br />
neuen Sideboardprogramm „tavi“<br />
sowie einer neuen Variante des<br />
Programms „jorel reflect“ an. Bei<br />
„tavi“ setzen die offenen Elemente<br />
oben, vorne oder seitlich auf und<br />
wechseln sich mit geschlossenen<br />
Fronten ab, wobei die Kombinationen<br />
aus Drehtüren, Schubkästen<br />
und Klappen vielfältige Variationen<br />
bieten. Das Programm „jorel<br />
reflect“ wurde durch neue Module<br />
und insbesondere die neue Oberfläche<br />
„Indigospiegel“ ergänzt.<br />
Weiterhin steht hier die Ausführung<br />
„Sepiaspiegel“ zur Verfügung,<br />
ebenfalls eine bedampfte und hinterlackierte<br />
Glasfläche. Generell<br />
sind die Programme grifflos bzw.<br />
mit passenden Griffen erhältlich.<br />
Weiterentwickelt wurde auch das<br />
Kleiderschrankprogramm „collect<br />
plus“, das nun auch einen Überbau<br />
zulässt und mit „Nussbaum<br />
dunkel“ eine weitere Holzausführung<br />
bekam. Darüber hinaus<br />
werden Alurahmen-Fronten mit<br />
Spezialglas angeboten, das erst bei<br />
Beleuchtung den Blick auf das<br />
Schrankinnere freigibt.<br />
Auf eine neue, hellere Holzausführung<br />
setzte Team 7 und zeigte Erle<br />
in der Ausführung „Weißöl“. Eine<br />
Besonderheit der grifflosen Küche<br />
„pur“ ist zudem, dass die Griffmulde<br />
nicht nur wie bisher in<br />
Schwarz matt und Edelstahl erhältlich<br />
ist, sondern nun auch in<br />
massiver Erle, Buche, Eiche und in<br />
Nussbaum zur Wahl steht, so dass<br />
der durchgängige Holzcharakter<br />
gewahrt werden kann. Bei Hochschränken<br />
erstreckt sich die Mulde<br />
sogar senkrecht bis fast 2,28<br />
Meter.<br />
Bei den Auszugstischen gibt es nun<br />
auch Nussbaum-Ausführungen mit<br />
fortlaufender Maserung bis zu 4<br />
Metern. Auch die Korpusmöbel in<br />
Nussbaum werden mit durchgängiger<br />
Maserung angeboten. Koinor<br />
hat in seine Messeneuheit<br />
„Mooove“ gleich mehrere Funktionen<br />
gesteckt. Zu den bekannten<br />
Funktionen wie Seitenverschiebung,<br />
Sitztiefenverstellung sowie<br />
Drehbarkeit kom<strong>mt</strong> nun auch eine<br />
Wippfunktion hinzu, die sich durch<br />
einen Arretierhebel allerdings auch<br />
abschalten lässt. Auch die Esszimmerbank<br />
„Merlin“ weist nun sechs<br />
Funktionen auf, hinzu kamen Funktionen<br />
wie das Vorziehen und<br />
30<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Interlübke präsentierte sein Programm„jorel“ mit einer Front in<br />
Indigospiegel.<br />
Interlübke presented its “jorel” programme with a front in<br />
indigo mirror.<br />
Photo: Interlübke<br />
Beim modularen Polsterstuhl „Sheru evo“ von Walter Knoll<br />
wird anstelle von verklebtem Schaum ein 3D-Mesh-Gewebe<br />
zur Polsterung eingesetzt, was eine sortenreine Trennung<br />
ermöglicht.<br />
The modular upholstered “Sheru evo” chair from Walter Knoll uses<br />
a 3D mesh fabric for the upholstery instead of glued foam, which<br />
allows for a high quality differentiated recycling. Photo: Barth<br />
Wippen, ergänzt von höhenverstellbaren<br />
Kopfstützen.<br />
„Echte“ Materialien im Fokus<br />
Durch das Fernbleiben des mittleren<br />
Marktsegments und der Großserienaussteller<br />
spielten Furniere<br />
auf der Messe eine wichtigere<br />
Rolle. So zu sehen beim Möbelhersteller<br />
Hülsta, der sich erst wenige<br />
Wochen vor der Messe für eine Teilnahme<br />
entschieden hatte. Der<br />
Markenhersteller zeigte in Köln mit<br />
„Indra“ ein neues Programm, bei<br />
dem den Möbeln mit Furnierintarsien<br />
charakteristische Akzente verliehen<br />
werden. Die Messeneuheit<br />
ist wahlweise in Eiche- und Nussbaumfurnier<br />
sowie in den Lackfarben<br />
Anthrazit, Creme sowie Angora<br />
erhältlich.<br />
Kettnaker stellte Ergänzungen bei<br />
seinem Systemmöbelprogramm<br />
„CASE“ vor. So kamen u. a. Fronten<br />
aus Schwarzstahl hinzu, die<br />
jedes Möbelstück zu einem Unikat<br />
machen. Bei Schwarzstahl handelt<br />
es sich um ein Material, das im Herstellungsprozess<br />
durch die Einwirkung<br />
von Sauerstoff beim Umformverfahren<br />
mit hohen Temperaturen<br />
entsteht, wobei die Oberfläche ihre<br />
schwarz-blaue Farbe bekom<strong>mt</strong>. Bei<br />
der Versiegelung dieser immer<br />
wieder anders ausfallenden Oberfläche<br />
entsteht zudem ein leichter<br />
Glanz. Das Programm hatte seine<br />
Premiere 2023 auf der „Spring Edition“<br />
der imm Cologne gegeben.<br />
Ausgehend von einem leeren Gehrungskorpus,<br />
bietet es unzählige<br />
individuelle Gestaltungsmöglichkeiten,<br />
da der Korpus außen mit<br />
unterschiedlichen dekorativen Plattenmaterialien<br />
(Fassaden) „verkleidet“<br />
werden kann. Doch auch bei<br />
anderen Programmen gab es neue<br />
Oberflächenmaterialien wie etwa<br />
„Alu eloxiert“, bronziertes Glas oder<br />
eine Relieffront. Auch die 2023 vorgestellte<br />
Home-Cinema-Lösung<br />
mit Leica wurde weiterentwickelt.<br />
Sudbrock hatte sein Angebot im<br />
Bereich Schlafen erweitert und mit<br />
Bett- und Beimöbeln ausgebaut, so<br />
dass nun neben Garderoben und<br />
Wohnmöbeln auch dieses Gebiet<br />
bedient werden kann. Gezeigt<br />
wurden vor allem Ergänzungen bei<br />
den Fronten und Farben. So kamen<br />
die Lackfarben „Mandel“ und<br />
„Puder“ hinzu, die in Kombination<br />
mit „Eiche Sahara“ und „Eiche<br />
Milk“ gezeigt wurden. Weitere<br />
Ergänzungen waren Abdeckblätter<br />
aus Keramik in Schieferoptik oder<br />
Kalksteinanmutung. Im Wohnbereich<br />
kamen Lamellenpaneele<br />
hinzu. Akzente setzten zudem<br />
geriffelte Furnierfronten.<br />
Der österreichische Möbelhersteller<br />
Voglauer hat sich bei seinem<br />
neuen Programm „Vtektura“ am<br />
Dachstein-Gletscher orientiert und<br />
dessen Schwarz-Weiß Optik per<br />
Digitaldruck auf die Rückseite von<br />
Glasplatten gebracht, was der<br />
Möbellinie eine moderne Ausrichtung<br />
verleiht. Das pigmentierte<br />
Glas, das wahlweise in den Ausführungen<br />
„Firneis white“ bzw. „dark“<br />
angeboten wird, erweckt auch den<br />
Anschein von Marmor und wurde<br />
in Köln in Kombination mit Echtholzfronten<br />
in Eiche gezeigt.<br />
Polstermöbel in Naturtönen<br />
Bei den Polstermöbeln zeigten sich<br />
verschiedne Stoffoptiken, wenngleich<br />
auch weiterhin strukturierte<br />
Unis die Modelle kleideten. Allerdings<br />
erwies sich so mancher<br />
Bezug in diesem Jahr als besonders<br />
flauschig. So war bei Koinor<br />
der Stoff „Doodle“ zu sehen, der in<br />
Optik und Haptik an das Fell der<br />
gleichnamigen Hunderasse erinnert.<br />
Andere Hersteller hatten ihre<br />
Modelle in Bezüge im Teddyfell-<br />
Look gesteckt. Dominierend waren<br />
Bouclé-Stoffe sowie Bezüge in<br />
Cord- bzw. Feincord-Optik. Cor<br />
Innovative ideas and concepts<br />
führte vor, dass sich auch die Sockel<br />
und Wangen von Tischen mit Stoff<br />
passend zum Sofa beziehen lassen.<br />
Häufiger waren zudem Stoffe aus<br />
Recyclingmaterialien anzutreffen.<br />
Bei den Farben dominierten Beigeund<br />
Cremenuancen, gefolgt von<br />
Ockertönen. Auch Grüntöne zeigten<br />
sich im Messeangebot, ergänzt<br />
von hellen Brauntönen. Grau- und<br />
Anthrazit spielten dagegen im<br />
Messebild keine große Rolle mehr,<br />
Richard Barth<br />
This year’s interior design fair in Cologne, which took place from 14 to 18<br />
January, had its bright sides and its downsides. With around 750 exhibitors,<br />
the event surpassed the “spring edition” in June last year, but was<br />
unable to match the pre-pandemic editions, where the interior design<br />
show recorded 1,233 exhibitors in 2020. With 42,000 visitors, the result<br />
was also significantly better than the relaunch in 2023. However, 82,000<br />
trade visitors were recorded before the pandemic. One of the downsides<br />
of imm cologne was certainly the fact that the mid-price segment<br />
and, in particular, the big-name furniture manufacturers did not take part,<br />
meaning that visitors were unable to get an overview of the latest home<br />
trends and the range on offer, especially in the cabinet furniture segment.<br />
The recently constructed exhibition hall 1 celebrated its premiere,<br />
presenting itself as the new home to high-end suppliers. The most<br />
important topics at the interior design show included sustainability, functionality<br />
and surfaces variety. The absence of the mid-market segment<br />
and large-scale exhibitors highlighted the fact that veneers played an<br />
important role at the trade fair anyway. Other front materials on show<br />
were black steel and sometimes aluminium as well as various mirror<br />
styles or reverse decoratively printed glass. Ceramic with a slate look or<br />
limestone appearance was often used as the material for cover panels.<br />
Accents were created using louvre panels or ribbed fronts. Upholstered<br />
furniture featured different fabric looks, although textured plain colours<br />
in bouclé or fine corduroy continued to dress the models. Very often,<br />
covers shown were fluffy. The colours were dominated by shades of<br />
beige and cream followed by ochre tones. Shades of green were also on<br />
show at the fair, complemented by light shades of brown. By contrast,<br />
grey and anthracite did not play a major role in the trade fair look.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 31
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Produkte & Konzepte<br />
Neue „Aquastain“-Beizkartenkollektion mit Rezepturen des<br />
„Hydrostain-Modular“- Beizsystems.<br />
New “Aquastain” stain card collection with formulations of<br />
the “Hydrostain-Modular” stain system. Photo: Jordan Lacke<br />
Widerstandsfähige Wasserlacke<br />
Auf der Holz-Handwerk präsentiert<br />
Plantag Coatings auf über 80 m 2<br />
seine Marke Jordan Lacke. Zu den<br />
Highlights der Messepräsentation<br />
zählen zwei neuentwickelte Wasserlacke:<br />
Beim „1K Aqua-Magic-<br />
Base JB7163-00<strong>01</strong>“ handelt es sich<br />
um einen wasserbasierenden<br />
1K-Isolierfüller mit laut Anbieter hervorragender<br />
Isolierwirkung und<br />
gutem Schliff, der vor allem bei<br />
harzinhaltsstoffreichen Hölzern zum<br />
Einsatz kom<strong>mt</strong>. Als weitere Eigenschaften<br />
nennt das Unternehmen<br />
die Schleifbarkeit, die Füllkraft und<br />
die Überlackierbarkeit mit allen Farblacksystemen<br />
von Jordan Lacke.<br />
Darüber hinaus wird der 1K Aqua-<br />
Oil-Effect „JF7455-1“ zu sehen<br />
Produkte & Konzepte<br />
sein, der sich laut Jordan Lacke<br />
durch seine angenehme Haptik,<br />
seine hohe Lichtstabilität und seine<br />
hervorragende Transparenz auszeichnet.<br />
Diese Produktneuheit<br />
verleiht dem Holz durch ihren Öl-<br />
Anteil eine natürliche Anmutung<br />
und kombiniert Widerstandsfähigkeit<br />
mit den Verarbeitungsmöglichkeiten<br />
(Spritzfähigkeit) eines Lacks.<br />
Einfache Handhabung und Haftfestigkeit<br />
kommen bei diesem Natureffektlack<br />
hinzu.<br />
Außerdem wird auf der Messe eine<br />
neue Beizkartenkollektion der Marke<br />
Jordan Lacke vorgestellt, die speziell<br />
für das wasserbasierte Beizsystem<br />
„Hydrostain-Modular“ konzipiert<br />
wurde und unzählige Möglichkeiten<br />
in Sachen kreativer Farbgestaltung<br />
bietet. Auch „Jordan<br />
Nature-Pur“, eine rein mineralische,<br />
biozid- und lösungsmittelfreie Holzschutzlasur<br />
für Holz im Innen- und<br />
Außenbereich, wird im Fokus des<br />
Messeauftritts stehen. Nach der<br />
QNG ready-Zertifizierung besteht<br />
laut Anbieter jetzt sogar die Möglichkeit<br />
einer KfW-Förderung. ba<br />
Resistant lacquers with easy handling<br />
The highlights of Plantag Coatings’ presentation at Holz-Handwerk<br />
include two newly developed water-based lacquers: “1K Aqua-Magic-<br />
Base JB7163-00<strong>01</strong>” of the Jordan Lacke brand is a water-based 1K insulating<br />
filler, that is primarily used for woods rich in resin. Furthermore,<br />
“1K Aqua-Oil-Effect JF7455-1” will be on show, which gives the wood a<br />
natural appearance thanks to its oil content and combines resistance<br />
with the processing options (sprayability) of a lacquer. In addition to a<br />
new stain card collection for the water-based “Hydrostain-Modular”,<br />
“Jordan Nature-Pur” stain system, a purely mineral, biocide- and solvent-free<br />
wood protection stain for wood both indoors and outdoors, will<br />
also be presented.<br />
Aus für Nitrolacke<br />
34<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie<br />
hat Hesse Lignal zum Jahresbeginn<br />
die Produktion und den<br />
Vertrieb von nicht nachhaltigen<br />
Nitrocelluloselacken und lösemittelhaltigen<br />
säurehärtenden Lacken<br />
eingestellt. Auch einige lösemittelhaltigen<br />
Zusatzmittel, Farbstoffe,<br />
Pigmentkonzentrate und zugehörige<br />
Verdünner werden seither<br />
nicht mehr angeboten. Damit hat<br />
das Unternehmen laut eigenen<br />
Aussagen einen ersten Meilenstein<br />
auf dem Weg zum nachhaltigen<br />
Sortiment erreicht.<br />
Im Frühjahr 2022 hatte sich Hesse<br />
Lacke dazu entschlossen, eine<br />
Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln,<br />
um seiner Verantwortung als<br />
zukunftsorientiertes Familienunternehmen<br />
mit generationsübergreifender<br />
Geschichte gerecht zu werden.<br />
Aus diesem Grund wurde<br />
beschlossen, bis 2030 alle lösemittelhaltigen<br />
Produkte durch nachhaltige<br />
Alternativen zu ersetzen. Dabei<br />
werden zwei Ziele verfolgt: Zum<br />
einen soll der Einsatz von flüchtigen<br />
organischen Verbindungen<br />
(VOC) reduziert werden, da diese<br />
zur Bildung von bodennahem Ozon<br />
und zur Entstehung von klimaschädlichem<br />
CO 2<br />
beitragen können.<br />
Zum anderen sollen Produkte,<br />
die fossile Rohstoffe enthalten,<br />
durch Alternativen aus nachhaltigen<br />
Rohstoffen ersetzt werden. Als<br />
nachhaltigere Alternativen stehen<br />
inzwischen wasserbasierte Produkte,<br />
Lacke aus nachhaltigen Rohstoffen,<br />
UV-Lacke und natürliche<br />
Öle zur Verfügung.<br />
Das Team von Hesse Lignal<br />
unterstützt Kunden bei der<br />
Auswahl geeigneter Alternativprodukte<br />
sowie bei der Umstellung.<br />
The Hesse Lignal team supports<br />
customers in selecting suitable<br />
alternative products as well as<br />
during the changeover.<br />
Photo: Hesse Lignal<br />
Damit die Umstellung in den Betrieben<br />
der Kunden reibungslos verläuft,<br />
begleitet das Unternehmen<br />
aktiv den Transformationsprozess.<br />
Unter anderem hilft das Hesse-<br />
Team laut Unternehmensangaben<br />
den Kunden bei der Auswahl geeigneter<br />
Alternativprodukte. Zudem<br />
unterstützt die Anlagen- und Technologieberatung<br />
des Lackspezialisten<br />
Handwerksbetriebe sowie Industrieunternehmen<br />
bei der Umstellung<br />
ihrer Maschinen bzw. Prozesse.<br />
Auch künftig will Hesse Lacke laut<br />
eigenen Angaben konsequent an<br />
der Entwicklung nachhaltiger Produkte<br />
arbeiten, damit bis 2030 alle<br />
Produkte mit hohem VOC-Gehalt<br />
und Lacke aus fossilbasierten Rohstoffen<br />
durch klimafreundlichere<br />
Alternativen ersetzt sind. ba<br />
“The end” for nitrocellulose<br />
lacquers<br />
As part of its sustainability strategy,<br />
Hesse Lignal discontinued<br />
the production and sale of nonsustainable<br />
nitrocellulose lacquers<br />
and solvent-based acid-curing<br />
lacquers at the beginning of<br />
2024. Some solvent-based additives,<br />
colourants, pigment concentrates<br />
and associated thinners<br />
have also been discontinued<br />
since. The company aims at having<br />
all solvent-based products<br />
replaced with sustainable alternatives<br />
by 2030. In that, two goals<br />
are being pursued: on the one<br />
hand, the use of volatile organic<br />
compounds (VOCs) is to be<br />
reduced, as these can contribute<br />
to the formation of ground-level<br />
ozone and climate-damaging carbon.<br />
On the other hand, products<br />
containing fossil raw materials<br />
are to be replaced with alternatives<br />
made from sustainable raw<br />
materials. Water-based products,<br />
lacquers made from sustainable<br />
raw materials, UV lacquers and<br />
natural oils have meanwhile<br />
become available as more sustainable<br />
alternatives.
Produkte & Konzepte<br />
Kunststoffprodukte<br />
im Rampenlicht<br />
Gegenüber der Vorjahresveranstaltung<br />
zählt die diesjährige KPA<br />
über 40 Prozent mehr Aussteller.<br />
Compared to last year’s event,<br />
this year’s KPA attracts over 40<br />
per cent more exhibitors.<br />
Photos: Easyfairs<br />
In wenigen Wochen geht die Fachmesse KPA (Kunstoff Produkte Aktuell) an den Start. Ende Februar<br />
treffen sich die Kunststoffbranche und ihre Anwenderindustrien aus dem Süden Deutschlands in Ulm,<br />
um den Besuchern einen Überblick über die gesa<strong>mt</strong>e Bandbreite der Kunststoffverarbeitung und ein<br />
vielseitiges Rahmenprogramm zu bieten. Dieses Mal präsentiert sich die KPA mit einer deutlich<br />
gestiegenen Anzahl an Ausstellern.<br />
Die diesjährige Fachmesse KPA –<br />
Kunststoff Produkte Aktuell 2024 –<br />
findet vom 28. bis 29. Februar in<br />
Ulm statt und bietet den Besuchern<br />
ein deutlich größeres Ausstellerangebot<br />
als im Vorjahr. Über 180 Aussteller<br />
und damit über 40 Prozent<br />
mehr als 2023 werden die gesa<strong>mt</strong>e<br />
Spannbreite der Kunststoffverarbeitung<br />
repräsentieren.<br />
Aussteller und Besucher dürfen<br />
sich in diesem Jahr daher auf einen<br />
intensiven Austausch freuen: die<br />
Aussteller auf den Kontakt zu<br />
potenziellen Neukunden und Besucher<br />
auf das Gespräch mit leistungsfähigen<br />
Zulieferern für ihre<br />
neuen Kunststoffprojekte.<br />
Treffpunkt auch für die Möbelbranche<br />
Im Fokus des diesjährigen Messeangebots<br />
stehen die „klassischen“<br />
Verarbeitungsprozesse wie Spritzguss,<br />
Thermoforming, Schäumen,<br />
Extrusion oder additive Fertigung.<br />
Ebenso vertreten sind Anbieter<br />
v on Kunststoffen und Materialien<br />
sowie die vor- und nachgelagerten<br />
Verfahren, von der Produktentwicklung<br />
über den Werkzeug- und Formenbau<br />
bis hin zur Oberflächenveredelung.<br />
Das Angebot auf der KPA ist vielseitig<br />
und richtet sich an eine breite<br />
Palette von Anwenderbranchen auf<br />
der Besucherseite. Babette Bell,<br />
Head of Cluster Kunststoffmessen<br />
von Easyfairs: „Für nahezu jede<br />
Branche gibt es auf der KPA Spezialisten<br />
mit umfassender Erfahrung<br />
– von A wie Automotive und Aerospace<br />
über Elektromobilität, Medizintechnik<br />
und Verpackung bis Z<br />
wie Zweiradindustrie.“<br />
Die KPA ist auch ein bedeutender<br />
Treffpunkt für Unternehmen innerhalb<br />
der Möbelbranche. Die Messe<br />
richtet sich an Einkäufer und Produktentwickler<br />
im Bereich Küchenund<br />
Büromöbel sowie Inneneinrichtung.<br />
Auf der KPA treffen diese auf<br />
geeignete Zulieferer von Kunststoffteilen,<br />
die für die Fertigung hochwertiger<br />
Möbel unerlässlich sind.<br />
Umfassendes Vortragsprogramm<br />
Der breite Ansatz der KPA spiegelt<br />
sich auch im Vortragsprogramm<br />
wider, das von Experten u. a. aus<br />
dem Kunststoffzentrum SKZ und<br />
dem Kunststoff-Institut Südwest<br />
geplant und kuratiert wurde. Im<br />
30-Minuten-Takt gibt es in der Mitte<br />
der Ausstellungsfläche spannende<br />
Vorträge. Bell: „Das Themenspektrum<br />
ist wirklich umfassend.<br />
Schwerpunkte setzen wir unter<br />
anderem bei den Themen Nachhaltigkeit,<br />
Einsatz von Rezyklaten, innovative<br />
Materialien und Oberflächen<br />
sowie neue Geschäftsmodelle für<br />
die Kunststoffindustrie. Damit sprechen<br />
wir sowohl Konstrukteure und<br />
Techniker als auch Einkäufer bzw.<br />
Mitglieder aus Betriebsleitung und<br />
Geschäftsführung von Unternehmen<br />
an, die Kunststoffe einsetzen,<br />
weiterverarbeiten oder anwenden.“<br />
Plastic products in the spotlight<br />
Die zentrale und verkehrsgünstige<br />
Lage des Messeplatzes auf der<br />
Technologieachse Süd erleichtert<br />
den Messebesuch. Kurze Wege,<br />
vielfältige Kontaktmöglichkeiten,<br />
kostenfreie Snacks und Getränke<br />
sowie eine familiäre Atmosphäre<br />
tragen ebenfalls dazu bei. Mithilfe<br />
der Besucherausweise können<br />
zudem Kontaktdaten zwischen<br />
Ausstellern und Besuchern effizient<br />
ausgetauscht werden, was die<br />
Nachbereitung vereinfacht.<br />
Weitere Informationen zu den Ausstellerprofilen,<br />
dem Vortragsprogramm<br />
und den Tickets sind auf der<br />
Website der KPA erhältlich. ba<br />
This year’s KPA trade fair – Kunststoff Produkte Aktuell 2024 – will take<br />
place in Ulm from 28 to 29 February, and will offer visitors a significantly<br />
larger range of exhibitors than last year. Over 180 exhibitors, and thus<br />
over 40 per cent more compared to 2023, will represent the entire spectrum<br />
of plastics processing. There will also be a comprehensive programme<br />
of presentations for all participants. The offer at KPA is aimed at<br />
a wide range of user industries on the visitor side, such as the furniture<br />
sector. Buyers and product developers in the kitchen and office furniture<br />
as well as interior design areas will find suitable suppliers of plastic parts<br />
required for furniture production at KPA.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 37
Fokus<br />
Vielseitig- und Nachhaltigkeit<br />
stehen im Fokus<br />
Die Domotex in Hannover zeigte vor wenigen Wochen die wichtigsten Trends bei Bodenbelägen auf.<br />
Neben Teppichen und Teppichböden standen auf der Fachmesse auch wieder Laminat- sowie Designböden<br />
im Fokus. Insgesa<strong>mt</strong> 1.000 Aussteller präsentierten dem internationalen Fachpublikum in diesem<br />
Jahr ihre Bodenbelag-Neuheiten.<br />
Die diesjährige Domotex, die vom<br />
11. bis zum 14. Januar in Hannover<br />
stattfand, war die zweite Ausgabe<br />
der Bodenbelagsmesse nach der<br />
pandemiebedingten Pause. Vor der<br />
Unterbrechung hatte die Messe<br />
zum letzten Mal im Januar 2020<br />
stattgefunden. Bei ihrem Re-Start<br />
im Januar 2023 präsentierten sich<br />
730 Unternehmen. Dieses Mal<br />
waren rund 1.000 Aussteller von<br />
rigiden und flexiblen Bodenbelägen<br />
und Teppichen an Bord gegangen,<br />
so dass der Bodenbelag-Event die<br />
internationalen Besucher mit<br />
einem umfassenderen Angebot<br />
empfangen konnte.<br />
Mit insgesa<strong>mt</strong> 18.000 Besuchern<br />
waren allerdings weniger Interessenten<br />
angereist als beim Re-Start<br />
2022, als die Messe rund 20.000<br />
Besucher zählte. Unmittelbar vor<br />
der Pandemie, im Januar 2020, verbuchte<br />
die Domotex noch rund<br />
35.000 Besucher (Eintritte), und<br />
2<strong>01</strong>8 waren es sogar noch 45.000.<br />
Zu dieser Zeit waren auch noch<br />
mehr als 1.400 Aussteller an Bord.<br />
Ein Grund für die rückläufigen<br />
Besucherzahlen dürfte im Bahnstreik<br />
zu sehen sein, der die Anreise<br />
an den ersten beiden Messetagen<br />
insbesondere für deutsche und<br />
europäische Besucher erschwerte.<br />
International stand die Veranstaltung<br />
gut da, denn 71 Prozent der<br />
Messebesucher waren aus dem<br />
Ausland angereist. Ein weiterer<br />
Grund für die geringere Besucherfrequenz<br />
war wohl die nahezu parallel<br />
veranstaltete Hei<strong>mt</strong>extil, die<br />
erstmals mit einem konzentrierten<br />
Teppichangebot aufwartete.<br />
In den geraden Jahren, in denen die<br />
BAU in München nicht stattfindet,<br />
erwies sich die Domotex bislang als<br />
führendes Schaufenster für die<br />
Bodenbelagsindustrie. 2025 wird<br />
sich das Angebot wieder auf die<br />
beiden Veranstaltungen verteilen.<br />
38<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
Der elastische Designboden „iD Evolution“ von Tarkett besteht zu 64 Prozent aus Mineralien und ist durch<br />
den Einsatz von Polypropylen sowie einer PUR-Oberflächenvergütung besonders widerstandsfähig.<br />
Tarkett’s resilient “iD Evolution” design flooring consists of 64 per cent minerals and is particularly hardwearing<br />
thanks to the use of polypropylene and a PUR surface finish. <br />
Photo: Tarkett<br />
Dann wird ein Teil der Unternehmen<br />
entweder auf beiden Messen ausstellen<br />
oder sich auf eine Präsenz<br />
auf der BAU konzentrieren. Aus<br />
diesem Grund hat die Domotex<br />
inzwischen ihr Konzept verändert<br />
und sich dazu entschlossen, in den<br />
ungeraden Jahren die Teppiche und<br />
Teppichböden verstärkt in den<br />
Fokus zu stellen und weniger die<br />
Hartbodenbeläge, die dann eher in<br />
München zu finden sind. Dass die<br />
Veranstalter der Domotex sich<br />
darum bemühen, den Ausstellerschwund<br />
auszugleichen, zeigte das<br />
Debüt des „Retailers‘ Park“, auf<br />
dem erstmalig Produkte für Wand<br />
und Decke gezeigt wurden. Wie<br />
von der Messeleitung zu hören war,<br />
soll das Portfolio der Messe möglicherweise<br />
um weitere Produkte für<br />
eine ganzheitliche Raumgestaltung<br />
erweitert werden. Ob dies bereits<br />
bei der nächsten Domotex (16. bis<br />
19. Januar 2025) der Fall sein wird,<br />
ist noch offen.<br />
Namhafte Laminatbodenproduzenten<br />
an Bord<br />
Bei der diesjährigen Ausgabe<br />
konnte die Domotex wieder mit<br />
namhaften Größen auf dem Gebiet<br />
der Laminat- und Designböden aufwarten,<br />
die in den vergangenen<br />
Jahren nicht ausgestellt hatten. So<br />
nahmen erstmals wieder Kronospan<br />
mit den Marken Kaindl und<br />
Krono Original, mFLOR, Oneflor,<br />
Republic, Classen, Gerflor sowie<br />
MeisterWerke teil. Dazu kamen<br />
langjährige Aussteller wie etwa<br />
Swiss Krono, Decospan, AGT oder<br />
CFL Flooring.<br />
Insgesa<strong>mt</strong> präsentierten sich in<br />
den Hallen 20 bis 23 des Messegeländes<br />
in Hannover über 500 Anbieter<br />
von rigiden Bodenbelägen.<br />
Hinzu kamen auch Anbieter aus der<br />
Anwendungs- und Verlegetechnik<br />
wie etwa Neuhofer, Välinge, Kleiberit<br />
und i4F, die ebenfalls in diesen<br />
Hallen anzutreffen waren.<br />
Fast ebenso viele Aussteller, also<br />
etwa 500 Firmen, umfasste der
Fokus<br />
„COREPEL Evolution PURE“ ist ein Bodenbelag, dessen Holzkern<br />
mit „Kauramin BALANCE“-Harz ummantelt ist. Damit ist er wasserfest<br />
und durch einen 30-prozentigen Anteil an recyceltem Material<br />
auch umweltfreundlich.<br />
„COREPEL Evolution PURE” is a floor covering from Swiss Krono<br />
whose wooden core is coated with “Kauramin BALANCE” resin.<br />
This makes it waterproof and environmentally friendly thanks to its<br />
30 per cent recycled material content. Photo: Swiss Krono<br />
Bei „Ikö“ von Ter Hürne handelt es sich um eine neue Laminatbodenkollektion,<br />
die dank innovativer Technologien und Verbesserungen<br />
der Klickverbindungen auch in Feuchträumen und Badezimmern<br />
eingesetzt werden kann.<br />
“Ikö” from Ter Hürne is a new laminate flooring collection that can<br />
also be used in damp rooms and bathrooms thanks to innovative<br />
technologies and improvements to the click connections.<br />
Photo: Ter Hürne<br />
Beim „CERAMIN“-<br />
Bodenbelag von<br />
Classen kommen<br />
natürlichen Mineralien<br />
sowie Polypropylen<br />
zum Einsatz.<br />
Natural minerals and<br />
polypropylene are<br />
used in the<br />
“CERAMIN” flooring<br />
from Classen.<br />
Photo: Classen<br />
Auf der Domotex stellte Swiss Krono unter dem Namen „kiwi now“<br />
einen hybriden Fußbodenbelag vor, der das Beste von Vinyl und<br />
Laminat verbindet und wasserfest sowie robust ist.<br />
Swiss Krono presented a hybrid floor covering at Domotex called<br />
“kiwi now”, which combines the best of vinyl and laminate and is<br />
waterproof and robust. Photo: Swiss Krono<br />
Beim „LICO Denim Floor“ der Firma Li&Co handelt es sich um einen<br />
Hartbodenbelag, bei dem Kleidungsabfälle für die Komfortschicht<br />
verwendet werden.<br />
“LICO Denim Floor” from Li&Co is a hard floor covering in which<br />
clothing waste is used for the comfort layer.<br />
Photo: Li&Co<br />
Bereich „Carpets & Rugs“, der die<br />
Hallen 2 bis 5 belegte und erstmals<br />
mit einem Länder-Fokuskonzept<br />
auftrat. Bei der Erstausgabe der<br />
Sonderschau wurden unter dem<br />
Titel „Insight Italy“ Trends, Designs,<br />
Farben und Innovationen aus Italien<br />
ins Rampenlicht gerückt.<br />
Ansonsten wartete der Bereich mit<br />
handgefertigten Teppichen, maschinell<br />
hergestellten Teppichen, Teppichböden<br />
sowie Matten und Sauberlaufsystemen<br />
auf.<br />
Trends bei Laminatböden<br />
Auch wenn Designböden ihren<br />
Marktanteil in den vergangenen<br />
Jahren rasant ausbauen konnten,<br />
spielen Laminatböden mengenmäßig<br />
nach wie vor die Hauptrolle.<br />
Dies spiegeln auch die Jahresstatistiken<br />
wider, die von den Industrieverbänden<br />
EPLF (Verband der<br />
Europäischen Laminatfußbodenhersteller)<br />
und MMFA (Verband der<br />
mehrschichtig modularen Fußbodenbeläge)<br />
veröffentlicht wurden.<br />
2021 belief sich der Gesa<strong>mt</strong>absatz<br />
an Laminatböden laut Angaben des<br />
EPLF auf rund 370 Mio. m 2 . Dem<br />
stand eine Absatzmenge von rund<br />
100 Mio. m 2 an Mehrschichtböden<br />
gegenüber.<br />
Bei Laminatböden setzen die<br />
Unternehmen auf ruhige und natürliche<br />
Dekore. Waren bislang rusti-<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 39
Fokus<br />
Der Laminatboden im Fischgrät-Design von Kronospan ist dank<br />
„MO.RE!“ (Moisture Resistance)-Technologie widerstands fähiger<br />
gegen Feuchtigkeit.<br />
The laminate flooring in herringbone design from Kronospan is<br />
more resistant to moisture thanks to the “MO.RE!” (moisture<br />
resistance) technology. <br />
Photo: Kronospan<br />
Auf der Domotex fand die Premiere der neuen Dachmarke „kiwi“<br />
von Swiss Krono statt.<br />
Swiss Krono’s new umbrella brand “kiwi” had its premiere at<br />
Domotex. <br />
Photo: Swiss Krono<br />
kale und astige Holzoptiken zu<br />
sehen, so präsentieren sich die<br />
neuen Bodenbeläge in Grau-Beigesowie<br />
in natürlichen Holztönen.<br />
Weiterhin im Trend liegt Eiche, die<br />
harmonischer als bislang auftritt<br />
und in Honig- und Walnuss- bis hin<br />
zu dunkleren Brauntönen gezeigt<br />
wurde. Stärkeres Interesse gilt<br />
aktuell auch anderen Holzarten wie<br />
etwa Walnuss und Kiefer, aber auch<br />
Birke und Lärche gewinnen laut<br />
Angaben der Aussteller stärker an<br />
Bedeutung. Die Oberflächen<br />
zeigen sich matt und natürlich.<br />
Hinsichtlich der Formate stellen die<br />
Anbieter eine starke Nachfrage<br />
nach längeren Dielen und unkonventionellen<br />
Formen fest, wobei<br />
nach wie vor das Fischgrätmuster<br />
gefragt bleibt. Geometrische<br />
Muster sowie Stein- und Marmordesigns<br />
spielen eine wichtige<br />
Rolle.<br />
Da Laminatböden zunehmend in<br />
der gesa<strong>mt</strong>en Wohnung verlegt<br />
werden, spielen funktionelle Eigenschaften<br />
eine immer größere Rolle.<br />
Um den Bodenbelag auch in Küche<br />
und Bad verwenden zu können,<br />
wurden mit Hilfe neuer Technologien<br />
wasserbeständige Laminatböden<br />
entwickelt. Dazu zählen etwa<br />
die Bodenbeläge mit sog.<br />
„O.R.C.A.“-Technologie, die Kronospan<br />
auf seinem Messestand vorstellte,<br />
Neben der Wasserbeständigkeit<br />
spielten auch Nachhaltigkeit und<br />
Umweltbewusstsein eine zentrale<br />
Rolle bei den Neuentwicklungen.<br />
Die Reduzierung der Laminatdicke<br />
wird dabei als eine Strategie gesehen,<br />
um Ressourcen zu schonen<br />
und Materialkosten zu sparen.<br />
Mehrschichtböden geben sich<br />
nachhaltiger<br />
Ihren großen Erfolg verdanken die<br />
Mehrschichtböden vor allem ihren<br />
funktionellen Eigenschaften. Durch<br />
die Materialwahl sowie den mehrschichtigen<br />
Aufbau haben die Hersteller<br />
ihren Bodenbelägen vielfältige<br />
Eigenschaften wie etwa Wasserbeständigkeit<br />
und hohen<br />
Nutzungskomfort verliehen. Darüber<br />
hinaus bemühen sich die Unternehmen<br />
nun darum, ihre Böden<br />
umweltfreundlicher zu gestalten.<br />
Unter den Neuheiten waren daher<br />
Produkte zu finden, bei denen die<br />
Deckschichten aus Folie durch<br />
solche aus umweltfreundlichem<br />
Papier oder durch Verwendung von<br />
Kork und PVC-Füllschichten ersetzt<br />
worden waren, um Komfort und<br />
Lärmreduzierung zu erreichen.<br />
Aber auch das Recycling und die<br />
Wiederverwendung von alten Fußbodenbelägen<br />
gewinnen zunehmend<br />
an Bedeutung. Außerdem<br />
sind im Angebot auch Produkte zu<br />
finden, die frei von PVC und Kunststoffen<br />
sind. So kommen verstärkt<br />
erneuerbare Werkstoffe wie Naturkautschuk,<br />
Pflanzenfette und sonstige<br />
natürliche Fasern zum Einsatz,<br />
die zur Wiederverwendung beitragen<br />
und Abfall verhindern.<br />
Echtholz verbessert Raumklima<br />
Als Echtholzprodukt wird Parkett<br />
ein positiver Einfluss auf das Raum-<br />
Bei Parkettbodenbelägen ist aktuell das Fischgrätmuster wie hier<br />
in dunkler Farbgebung von Kährs sehr beliebt.<br />
The herringbone pattern is currently very popular for parquet<br />
flooring, as shown here in a dark colour from Kährs. Photo: Kährs<br />
Furnierparkett in „Eiche Noble Sepia“ aus der „Finest Selection“ von<br />
Kaindl, bei der die „AQUApro“-Technologie vor Feuchtigkeit schützt.<br />
Veneer parquet in “Oak Noble Sepia” from Kaindl’s “Finest<br />
Selection”, in which the “AQUApro” technology protects against<br />
moisture.<br />
Photo: Kaindl<br />
40<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Der „FLOORganic Natural Touch“-Laminatboden in „Eiche<br />
Kansas County“ von Kaindl besteht nicht nur aus recyceltem<br />
Holz, sondern besitzt auch eine integrierte Trittschallmatte aus<br />
recyceltem Papier.<br />
The “FLOORganic Natural Touch” laminate flooring in “Oak<br />
Cansas County” from Kaindl is not only made from recycled<br />
wood, but also has an integrated sound insulation mat made<br />
from recycled paper. <br />
Photo: Kaindl<br />
klima und den Klimaschutz zugesprochen.<br />
Nach Angaben des VdP<br />
(Verband der Deutschen Parkettindustrie)<br />
reagiert der Holzboden auf<br />
die Rau<strong>mt</strong>emperatur und die<br />
schwankende Raumluftfeuchtigkeit.<br />
Das Holz nim<strong>mt</strong> bei hoher<br />
Luftfeuchtigkeit feuchte Raumluft<br />
auf und gibt diese in trockeneren<br />
Phasen wieder in den Raum ab.<br />
Aber auch die Gestaltungsvielfalt<br />
wird als Vorteil gesehen. Je nach<br />
Farbe, Verlegemuster und Oberflächenbehandlung<br />
können unterschiedliche<br />
Raumwirkungen erzielt<br />
werden. Vom hellen Ahorn über die<br />
Rottöne von Buche und Kirsche bis<br />
hin zu dunkler Räuchereiche reichen<br />
die Farbtöne. Zudem lassen<br />
sich auch helle Holzarten dunkler<br />
oder farbig beizen. Laut Angaben<br />
des Verbandes ist Eiche nach wie<br />
vor die mit Abstand beliebteste<br />
Holzart für die Parkett-Deckschicht,<br />
also die oberste Lage beim Mehrschichtparkett.<br />
Was die Muster und<br />
Verlegestile angeht, so stellt der<br />
Verband neben den klassischen<br />
Landhausdielen eine starke Popularität<br />
des Fischgrätmusters fest, das<br />
gerade oder diagonal im Raum verlegt<br />
werden kann. Daneben sind<br />
besondere Verlegemuster wie das<br />
quadratische Tafelparkett anzutreffen,<br />
das gerne auch im Premium-<br />
Segment nachgefragt wird. ba<br />
Focus on versatility and sustainability<br />
This year’s Domotex (11-14 January 24) in Hanover recorded around 1,000<br />
exhibitors of rigid and flexible floor coverings as well as carpets and rugs,<br />
offering a more comprehensive range than in 2023. Well-known names in<br />
the field of laminate and design flooring who had not exhibited in previous<br />
years were once again on board. However, with a total of 18,000 visitors,<br />
there were fewer potential customers than at the re-launch in 2022, when<br />
the trade fair attracted around 20,000 visitors. 71 per cent of the visitors<br />
came from abroad. However, in 2<strong>01</strong>8, Domotex still attracted 45,000 visitors<br />
and 1,400 exhibitors. One reason for the decline in visitor numbers<br />
was the rail strike, which made travelling to the trade fair difficult on the<br />
first two days. Another reason was Hei<strong>mt</strong>extil, which was organised<br />
almost at the same time and featured a concentrated range of carpets and<br />
rugs for the first time. The debut of the “Retailer´s Park”, where products<br />
for walls and ceilings were exhibited for the first time, showed that the<br />
trade fair organisers are endeavouring to compensate for the loss of exhibitors.<br />
It is possible that other products for holistic interior design will be on<br />
show at the next Domotex (16 to 19 January 2025). In total, more than 500<br />
suppliers of rigid floor coverings as well as suppliers of application and<br />
installation technology presented themselves in Hanover. There were<br />
almost as many exhibitors in the “Carpets & Rugs” area, which featured a<br />
country focus concept for the first time and put the spotlight on trends,<br />
designs, colours and innovations from Italy under the title “Insight Italy”.<br />
Even though designer flooring has been able to rapidly expand its market<br />
share in recent years, laminate flooring still takes the starring role in terms<br />
of volume. Companies are focussing on calm and natural designs for laminate<br />
flooring. Oak is still trendy, but other types of wood such as walnut<br />
and pine are also currently attracting greater interest, while birch and larch<br />
are also becoming more popular, according to exhibitors. The surfaces are<br />
matt and natural. In terms of formats, suppliers are seeing strong demand<br />
for longer planks and unconventional shapes, although the herringbone<br />
pattern remains popular. Geometric patterns as well as stone and marble<br />
designs play an important role. New technologies have been used to<br />
develop water-resistant laminate flooring so that it can also be used in<br />
kitchens and bathrooms. Multi-layer and design floors impress above all<br />
with their functional properties. Companies are also striving to make their<br />
floors more environmentally friendly and to use alternative raw materials.<br />
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Fokus<br />
Konferenz bietet<br />
Oberflächen-Update<br />
Dieses Jahr kehrt die Decorative Surfaces Conference zu ihrem traditionellen Frühjahrstermin zurück.<br />
Die letzten drei Jahre war das Treffen der Oberflächenspezialisten aus aller Welt coronabedingt in den<br />
Herbst geschoben worden. 2024 findet die Veranstaltung Mitte März in Berlin statt.<br />
Die Decorative Surfaces Conference<br />
kehrt 2024 zu ihrem März-Termin zurück.<br />
The Decorative Surfaces Conference will<br />
return to its March slot in 2024.<br />
Früher als in den Vorjahren lädt Veranstalter<br />
TCM in diesem Jahr zur<br />
jährlichen Decorative Surfaces<br />
Conference. Austragungsort für<br />
das diesjährige Treffen der internationalen<br />
Oberflächenspezialisten ist<br />
das Park Inn Hotel in Berlin, wo die<br />
Konferenz vom 12. bis zum 14.<br />
März stattfindet. Rund sechs<br />
Monate nach der letztjährigen Konferenz,<br />
die Mitte September in<br />
Hamburg abgehalten wurde, stehen<br />
nun erneut die jüngsten Trends<br />
und Entwicklungen bei dekorativen<br />
Oberflächen im Fokus.<br />
Während der Corona-Pandemie<br />
hatte Veranstalter Dr. Kurt Fischer<br />
das Treffen in den Herbst verlegt,<br />
so dass die jährliche Kontinuität<br />
trotz der Pandemie aufrechterhalten<br />
werden konnte.<br />
Workshop zur KI<br />
Während die eigentliche Konferenz<br />
am 13. und 14. März stattfindet,<br />
organisiert der Veranstalter am Vortrag<br />
erneut einen Workshop, der<br />
dieses Mal unter dem Titel „Artificial<br />
Intelligence in Decor“ steht.<br />
Dabei werden Experten von<br />
Decor8, Digit-S, Koenig & Bauer,<br />
Tarkett sowie Saueressig ihre<br />
Erfahrungen im Umgang mit künstlicher<br />
Intelligenz vermitteln und<br />
Wege aufzeigen, wie man sie für<br />
die Unternehmen der Einrichtungsbranche<br />
sinnvoll und gewinnbringend<br />
einsetzen kann. Zu den<br />
Experten beim Workshop werden<br />
Alejandro Martin Vidal, Oliver Baar,<br />
Royce Dodds, Thorsten Beinke,<br />
Felix Mohr sowie Matti von Kannen<br />
zählen.<br />
Auf dem Programm der Konferenz<br />
stehen Vorträge von 18 Referenten,<br />
in denen ein Überblick über die<br />
aktuellen Einrichtungstrends sowie<br />
die entsprechenden Anforderungen<br />
an die Oberflächen vermitteln<br />
werden soll. Dabei werden aktuelle<br />
Themen wie Nachhaltigkeit, technologische<br />
Neuerungen bei der<br />
Herstellung von Oberflächen sowie<br />
Lösungen zur Verringerung von<br />
Ausschuss durch Messsysteme<br />
erörtert werden. Wie auf den Konferenzen<br />
davor wird das Marktforschungsinstitut<br />
Afry zunächst die<br />
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />
aufzeigen, denen sich die<br />
Oberflächenindustrie zum Zeitpunkt<br />
der Konferenz gegenübersieht,<br />
und die jüngsten Prognosen<br />
des Instituts zur weiteren Entwicklung<br />
vorstellen.<br />
Experten informieren über<br />
Trends und Märkte<br />
Neben Goran Schmidt (Afry) werden<br />
Clive Pinnington (EPF), Clarissa<br />
Blüm (Renolit), Naci Güngör (Alim)<br />
sowie Birgit Hansen (Hansen<br />
42<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Gelegenheit zum Networking bieten die Infostände der Sponsoren<br />
sowie die Kaffeepausen.<br />
The sponsors’ information stands and coffee breaks provide an<br />
opportunity for networking.<br />
Photos: Barth<br />
Am Vortag der Konferenz findet ein Workshop zum Einsatz von<br />
künstlicher Intelligenz im Oberflächenbereich statt.<br />
A workshop on the use of artificial intelligence in the surfaces<br />
segment will be held the day before the conference.<br />
Innenarchitektur) den Teilnehmern<br />
ergänzende Informationen zu<br />
Märkten, Trends und Konsumentenwünschen<br />
vermitteln. Weitere<br />
Beiträge widmen sich dem Digitaldruck,<br />
dessen komplette Prozesskette<br />
beleuchtet wird und zu dem<br />
die Referenten Optimierungslösungen<br />
präsentieren. Hier sind Vorträge<br />
von Marc Graindourze (Agfa),<br />
Frank de Jonge (Neos), André<br />
Schwarz (Barbieri) sowie Sebastian<br />
Bazyk (Hymmen) vorgesehen. Wie<br />
bereits am Vortag auf dem Workshop<br />
wird das Thema künstliche<br />
Intelligenz auch auf der Konferenz<br />
aufgegriffen: Die Experten erörtern<br />
die Vorteile und Chancen des Einsatzes<br />
von KI in der Einrichtungsindustrie.<br />
Conference offers update on surfaces<br />
Möglichkeiten zum Vernetzen<br />
Das Networking wird auch bei der<br />
diesjährigen Konferenz eine zentrale<br />
Rolle spielen. Bereits am 12.<br />
März bieten sich nach dem Workshop<br />
auf einem Stadtrundgang<br />
erste Möglichkeiten, Kontakte zu<br />
knüpfen und zu vertiefen. Ein fester<br />
Baustein ist erneut das Konferenz-<br />
Dinner am zweiten Veranstaltungstag.<br />
In den Pausen zwischen den<br />
Vortragsblöcken sowie auf den<br />
Infoständen der über 14 Sponsoren<br />
der Veranstaltung können sich die<br />
Teilnehmer zudem im Detail zu den<br />
relevanten Fragen und Themen<br />
informieren. Im Nachgang der<br />
Decorative Surfaces Conference<br />
wird material+technik möbel als<br />
langjähriger Medienpartner zudem<br />
ausführlich über die Konferenz und<br />
die Kernaussagen der 18 Vorträge<br />
berichten. <br />
ba<br />
This year, the Decorative Surfaces Conference returns to its traditional<br />
slot in spring. The meeting of surfaces specialists from all over the world<br />
had been postponed to autumn for the last three years due to the coronavirus.<br />
The venue for this year’s meeting is the Park Inn Hotel in Berlin,<br />
where the conference will be held from 12 to 14 March. Around six<br />
months after last year’s conference in Hamburg in mid-September, the<br />
focus is once again on the latest trends and developments in decorative<br />
surfaces. While the actual conference will take place on 13 and 14 March,<br />
the organiser is once again organising a workshop the day before, this<br />
time entitled “Artificial Intelligence in Decor”. Experts will share their<br />
experiences in dealing with artificial intelligence and show ways in which<br />
it can be used sensibly and profitably for companies in the furnishing<br />
industry. The conference programme includes presentations by 18<br />
speakers, who will provide an overview of the latest furnishing trends<br />
and the corresponding requirements for surfaces. Networking will also<br />
play a key role at this year’s conference, with the traditional conference<br />
dinner being held on the second day of the event. As its long-standing<br />
media partner, material+technik möbel will once again report on the<br />
Decorative Surfaces Conference in detail afterwards.<br />
Anzeige/Advertisement<br />
Digital Lacquer Embossing (DLE)<br />
The best wood ever printed.<br />
www.hymmen.com<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 43
Produkte & Konzepte<br />
Gestricktes Holz<br />
Die Firma Spek Design aus Stuttgart<br />
ist an einem Forschungsprojekt<br />
des Bioökonomie Innovations-<br />
& Investitionsprogramms für den<br />
ländlichen Raum des Ba-Wü Ministeriums<br />
für Landwirtschaft &<br />
Ernährung beteiligt. Das Projekt<br />
wird geleitet von den DITF (Deutsche<br />
Institute für Textil- und Faserforschung<br />
Denkendorf). Weitere<br />
Projektpartner sind die Technische<br />
Strickerei Buck GmbH & Co KG und<br />
die Tecnaro GmbH.<br />
Der neue Werkstoffansatz sieht<br />
die Entwicklung von Lignin als<br />
Beschichtungsmedium für Garne<br />
aus nachwachsenden Rohstoffen<br />
vor, die durch einen anzupassenden<br />
Strickprozess in ein innovatives<br />
Halbzeug transformiert werden.<br />
Dieses semi-flexible Gestrick wird<br />
durch einen temperierten Formgebungsvorgang<br />
durch das Aufschmelzen<br />
der Lignin-Hülle sowie<br />
die Verschmelzung übereinanderliegender<br />
Garne zu einem offenporigen<br />
Verbundwerkstoff überführt,<br />
dessen Form und Steifigkeit in weiten<br />
Bereichen einstellbar sein werden.<br />
Bei diesem Formvorgang lässt<br />
sich das dehn- und drapierfähige<br />
Gestrick nahezu frei in drei Dimensionen<br />
verformen, sodass eine<br />
Vielzahl von Geometrien darstellbar<br />
ist. Die „FormLig“-Produkte<br />
sind am End-of-life wie Holz komplett<br />
biologisch abbaubar.<br />
Die Lignin-Beschichtung des Garns<br />
ermöglicht nicht nur die 3D-Verformung,<br />
sondern auch einen guten<br />
UV- und Witterungsschutz für das<br />
Gestrick. Dadurch ist nicht nur der<br />
Indoor-Einsatz, sondern auch den<br />
Outdoor-Einsatz von Möbeln mit<br />
textilen Sitz- oder Liegeflächen<br />
gewährleistet.<br />
Aktuell wird an einem Stuhl gearbeitet,<br />
dessen Sitz- und Rückenfläche<br />
aus „FormLig“-Gestrick bestehen<br />
soll. Um die weiteren<br />
3D- Verformungsmöglichkeiten aufzuzeigen,<br />
entwickelt Spek Design<br />
eine Reihe von Wohnraumleuchten<br />
mit verfor<strong>mt</strong>en Lampenschirmen.<br />
Als Pendelleuchten können diese<br />
Testhocker aus<br />
„FormLig“-Gestrick,<br />
das am end-of-lifewie<br />
Holz komplett biologisch<br />
abbaubar ist.<br />
Test stool made of<br />
“FormLig” knitted fabric,<br />
which is completely<br />
biodegradable at the end<br />
of its life cycle.<br />
Photo: Spek Design<br />
Lampenschirme weitgehend auf<br />
die üblichen Unterkonstruktionen<br />
verzichten.<br />
ba<br />
Knitted wood<br />
As part of a research project, Spek Design as well as the DITF (German<br />
Institutes of Textile and Fibre Research) are working on a new material<br />
approach that involves the development of lignin as a coating medium<br />
for yarns made from renewable raw materials, which are transformed<br />
into an innovative semi-finished product using a customised knitting process.<br />
Further project partners are Technische Strickerei Buck GmbH & Co<br />
KG and Tecnaro GmbH. This semi-flexible “FormLig” knitted fabric is<br />
completely biodegradable at the end of its life cycle. The lignin coating of<br />
the yarn not only enables 3D moulding, but also provides good UV and<br />
weather protection for the knitted fabric thereby guaranteeing indoor as<br />
well as outdoor use of furniture with textile seating or reclining surfaces.<br />
Among other things, work is currently beeing conducted on a chair with<br />
a seat and backrest made of “FormLig” knitted fabric. Development is<br />
also underway on living room luminaires with moulded lampshades.<br />
Impressum<br />
m+t Ritthammer Publishing GmbH<br />
Postfach 19<strong>01</strong>28, D-9<strong>01</strong>18 Nürnberg<br />
Emmericher Straße 10, D-90411 Nürnberg<br />
Telefon: +49 911 95578-80, Fax: +49 911 95578-78<br />
www.material-technik.de<br />
E-Mail: info@material-technik.de<br />
• Herausgeber:<br />
Verlag Matthias Ritthammer GmbH, Nürnberg<br />
• Verleger:<br />
Klaus Ritthammer, Franz Schäfer<br />
• Geschäftsführer:<br />
Klaus Ritthammer, Telefon: +49 911 95578-10<br />
E-Mail: ritthammer@ritthammer-verlag.de<br />
• Chefredaktion:<br />
Richard Barth, Telefon: +49 911 95578-87<br />
E-Mail: redaktion@material-technik.de<br />
• Redaktion:<br />
Arnd Schwarze, Telefon: +49 5222 23908-07<br />
E-Mail: schwarze@ritthammer-verlag.de<br />
Gerrith B. Horndasch, Telefon: +49 7422 20069-59<br />
E-Mail: horndasch@ritthammer-verlag.de<br />
• Redaktionelle Mitarbeiter:<br />
Sebastian Lehmann, Klaus Leonhard<br />
• Anzeigen:<br />
Birgit Kunze, Telefon: +49 911 95578-84<br />
E-Mail: kunze@material-technik.de<br />
Irini Katsika, Telefon: +49 911 95578-35<br />
E-Mail: i.katsika@ritthammer-verlag.de<br />
• Vertrieb:<br />
Ann-Kathrin Ritthammer<br />
Verlags- und Anzeigen-Repräsentanten:<br />
• Verlagsbüro und Redaktion Bad Salzuflen:<br />
Arnd Schwarze, Heldmanstraße 139, 32108 Bad Salzuflen,<br />
Telefon: +49 5222 23908-07, Fax: +49 5222 23908-08,<br />
Mobil: +49 163 3160974,<br />
E-Mail: schwarze@ritthammer-verlag.de<br />
• Verlagsbüro und Redaktion Süd:<br />
Gerrith B. Horndasch M.A., Kastanienweg 9,<br />
D-78713 Schramberg, Telefon: +49 7422 20069-59<br />
Fax: +49 7422 20069-58, Mobil: +49 177 4377484,<br />
E-Mail: horndasch@ ritthammer-verlag.de<br />
• Niederlande:<br />
Publicitas BV, Henriët Baas-Seinen, Sales Manager,<br />
Postbus 22876, 1100 DJ Amsterdam-Zuidoost,<br />
Telefon: +31 20 3119710, Fax: +31 20 3632823,<br />
E-Mail: henriet.baas@publicitas.com<br />
• Asien:<br />
APS Media Group Sdn Bhd, Dr. Casey Loo,<br />
Unit 19-<strong>01</strong> Tower A, Vertical Business Suite 8<br />
Jalan Kerinchi, Bangsar South, 59200 Kuala Lumpur,<br />
Malaysia, Telefon: +60 3 7986 0228,<br />
E-Mail: admin@apsmediagroup.com<br />
Bezugspreise:<br />
material+technik möbel Jahresabonnement Print + Digital<br />
95,00 Euro. Zzgl. Porto und derzeit gültiger Mehrwertsteuer.<br />
Kündigung 3 Monate vor Ablauf des Abschlussjahres.<br />
Anzeigenpreisliste:<br />
Nr. 41, gültig ab 1. Januar 2024.<br />
Erscheinungsweise 2024:<br />
7-mal.<br />
Nachdrucke (auch auszugsweise) und Vervielfältigungen<br />
jeder Art bedürfen der schriftlichen Genehmigung des<br />
Verlags. Fremdbeiträge, die mit Namen des Verfassers<br />
gezeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der<br />
Redaktion wieder.<br />
Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine<br />
Haftung übernommen.<br />
In der Verlagsgruppe Ritthammer erscheinen auch:<br />
Der Verlag ist Mitglied bei:<br />
Diese Hülle wurde aus Polyethylen (PE)<br />
ohne Verwendung von Zusätzen hergestellt.<br />
Die verwendeten Druckfarben enthalten<br />
keine toxischen Schwermetalle wie<br />
z.B. Blei, Cadmium oder Quecksilber. Auf<br />
der Mülldeponie verhält sich diese Hülle<br />
grundwasserneutral. Sie ist rückstandslos<br />
in der Müllverbrennung zu entsorgen, voll<br />
recyclingfähig und deshalb besonders<br />
umweltverträglich.<br />
material+technik möbel wird auf 100% recyclingfähigem<br />
Papier aus nachwachsenden Rohstoffen der EU produziert.<br />
44<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Produkte & Konzepte<br />
Mit Hilfe des „Digital Lacquer<br />
Embossing“ (DLEplus) erhalten<br />
die digital bedruckten Beläge<br />
eine Prägung im Register (EIR)<br />
zum Dekor der Oberfläche.<br />
Using “Digital Lacquer Embossing”<br />
(DLEplus), the digitally<br />
printed coverings are embossed<br />
in register (EIR) to decorate the<br />
surface.<br />
Unbegrenzte<br />
Designflexibilität<br />
dank Digitaldruck<br />
Der Digitaldruck spielt in der Zukunft der Bodenbeläge eine<br />
entscheidende Rolle, da er eine unbegrenzte Designflexibilität<br />
ermöglicht und auf einer Vielzahl von Materialien angewendet<br />
werden kann. Kürzlich ist eine weitere Digitaldruckanlage der<br />
Firma Hymmen in Betrieb gegangen, die einem Bodenbelaghersteller<br />
in Portugal ein hohes Maß an Flexibilität und<br />
Individualisierung ermöglicht.<br />
Mit dem Ziel, die Produktion von<br />
nachhaltigen und hochwertigen<br />
Korkböden wirtschaftlich zu optimieren,<br />
hat der Fußbodenproduzent<br />
Amorim Cork Flooring im Herbst<br />
2023 eine neue Digitaldruck-Produktionslinie<br />
am Standort Porto<br />
(Portugal) in Betrieb genommen.<br />
Darüber hinaus wollte Amorim künftig<br />
Bodenbeläge mit sehr tiefen und<br />
gut definierten Strukturen produzieren,<br />
die das Unternehmen auf dem<br />
Markt einen Schritt voraus sein lassen.<br />
Als langjähriger Partner lieferte<br />
Hymmen GmbH Maschinen- und<br />
Anlagenbau dafür die gesa<strong>mt</strong>e<br />
Anlagentechnik.<br />
Authentische Nachbildungen<br />
Das Herzstück der Produktion ist<br />
die „JUPITER“-Digitaldruckanlage<br />
für den Dekordruck und das „Digital<br />
Lacquer Embossing“ (DLEplus) für<br />
den digitalen Strukturdruck. Bei der<br />
installierten Single-Pass-Maschine<br />
„Jupiter JPT-C“ handelt es sich um<br />
eine Print-to-Board-Linie, die für die<br />
industrielle 24/7-Produktion konstruiert<br />
wurde und laut Angaben von<br />
Hymmen einen hochpräzisen,<br />
kontinuierlichen Substrattransport<br />
für maximale Registergenauigkeit<br />
gewährleistet. Die Druckgeschwindigkeiten<br />
betragen 25 bis 50 m/min,<br />
und die optische Auflösung ist größer<br />
als 1000 dpi.<br />
Darüber hinaus ist die Linie mit der<br />
„DLE“-Technologie (Digital Lacquer<br />
Embossing) von Hymmen ausgestattet,<br />
die Strukturen erzeugt, die<br />
im Register (EIR) zum Dekor der<br />
Oberfläche geprägt sind. Diese<br />
Technologie bietet alle kommerziellen<br />
und technischen Vorteile des<br />
digitalen Single-Pass-Drucks wie<br />
Flexibilität, schnelle Rüstzeiten und<br />
Individualisierung.<br />
Alle Eigenschaften, wie Härte,<br />
Haftfestigkeit, Kratzfestigkeit und<br />
chemische Beständigkeit des Kernlacks<br />
bleiben dabei erhalten.<br />
Haptische Strukturen dank<br />
patentierter Technologie<br />
Hymmen hat innovative Technologien<br />
für die Produktion und digitale<br />
Dekoration von Bodenbelägen<br />
erfunden und patentiert. Um<br />
sicherzustellen, dass die Kunden<br />
Zugang zu innovativen Digitaldruck-technologien<br />
haben, sind<br />
Hymmen und I4F eine exklusive<br />
Patentpartnerschaft eingegangen,<br />
um dieses IP-Portfolio für den<br />
Digitaldruck zu fördern und weiterzuentwickeln.<br />
Dazu gehört auch<br />
die preisgekrönte „Digital Lacquer<br />
Embossing“(DLE)-Technologie<br />
von Hymmen mit einem laut<br />
Die Single-Pass-Maschine<br />
„Jupiter JPT-C“ im Einsatz bei<br />
Amorim.<br />
The “Jupiter JPT-C” single-pass<br />
machine in use at Amorim.<br />
Anbieter noch nie dagewesenen<br />
Maß an realistischer Optik und<br />
Haptik.<br />
ba<br />
Unlimited flexibility in design thanks to<br />
digital printing<br />
Die Prozessschritte zur Herstellung eines digital bedruckten Korkbodens<br />
mit „DLE“-Technologie bei Amorim.<br />
The process steps for producing a digitally printed cork floor with<br />
“DLE” technology at Amorim. <br />
Photos: Hymmen<br />
Digital printing plays a crucial role in the future of flooring, as it enables<br />
unlimited flexibility in design and can be applied to a wide range of materials.<br />
In autumn 2023, flooring manufacturer Amorim Cork Flooring commissioned<br />
a “JUPITER” digital printing system for decor printing with<br />
“Digital Lacquer Embossing” (DLEplus) technology for digital texture<br />
printing from Hymmen at its site in Porto (Portugal). The installed “Jupiter<br />
JPT-C” print-to-board line not only applies digital printing to cork flooring,<br />
but also uses “DLE” technology to create textures, which are embossed<br />
in register (EIR) to decorate the surface. In that, all properties such as<br />
hardness, adhesive strength, scratch and chemical resistance of the<br />
core lacquer are retained.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 45
Fokus<br />
Beaulieu präsentierte flauschige Bouclé- und<br />
Chenillestoffe auf Basis von recyceltem Polyester.<br />
Beaulieu presented fluffy bouclé and chenille<br />
fabrics made from recycled polyester. Photo: Barth<br />
Mehr Komfort und<br />
Nachhaltigkeit bei<br />
Polsterbezügen<br />
Bei der zweiten regulären Ausgabe der Hei<strong>mt</strong>extil nach der Pandemie hatte die Frankfurter Messe als Veranstalterin<br />
wenig Glück. Die Stoffschau fiel nicht nur mitten in den Bahnstreik, sondern wurde auch von einer<br />
Großdemonstration der Bauern in der Frankfurter Innenstadt beeinträchtigt. Die Besucherzahlen konnten<br />
dadurch nicht an frühere Ausgaben der Hei<strong>mt</strong>extil heranreichen.<br />
Nachdem beim Re-Start der Messe<br />
Hei<strong>mt</strong>extil im Januar 2023 noch<br />
nicht alle früheren Aussteller an<br />
Bord gegangen waren, kündigte<br />
sich die diesjährige Ausgabe (9. –<br />
12. Januar) im Vorfeld als großes<br />
Schaufenster der Hei<strong>mt</strong>extilbranche<br />
an. Und das war sie auch: Mit<br />
2.838 Austellern konnte die Veranstaltung<br />
das Vorjahresergebnis um<br />
25 Prozent übertreffen und damit<br />
fast an die Rekordbeteiligungen vor<br />
der Pandemie mit mehr als 3.000<br />
teilnehmenden Firmen heranrücken.<br />
Entsprechend große Hoffnungen<br />
machte sich die Frankfurter<br />
Messe daher auch im Hinblick auf<br />
die Besucherzahlen und hoffte, in<br />
diesem Punkt ebenfalls an die früheren<br />
Rekorde anknüpfen zu<br />
können. Doch es kam anders: Die<br />
Bahngewerkschaft sowie die<br />
Bauern machten ihr einen Strich<br />
durch die Rechnung. Während der<br />
erste Messetag noch unbeschwert<br />
verlief, startete am zweiten Messetag<br />
der Bahnstreik und hielt zahlreiche<br />
Besucher vornehmlich aus<br />
dem Inland von einem Messebesuch<br />
ab. Hinzu kam, dass am dritten<br />
Messetag die Frankfurter<br />
Innenstadt aufgrund einer Demonstration<br />
der Bauern nahezu den<br />
kompletten Tag gesperrt und die<br />
Zufahrt zur Messe blockiert war,<br />
was auch an diesem Tag den Besucherstrom<br />
schmälerte.<br />
Nur leichtes Besucherplus<br />
Am Ende konnte die Veranstaltung<br />
zwar das Vorjahresergebnis mit<br />
(laut Messeangaben) 46.000 Besuchern<br />
übertreffen, lag aber weit<br />
unter früheren Ergebnissen. Selbst<br />
2020, wenige Wochen vor dem<br />
Ausbruch von Corona in Deutschland,<br />
besuchten 63.000 Interessenten<br />
die Frankfurter Stoffschau. In<br />
den Jahren davor zählte die Messe<br />
ebenfalls immer mehr als 60.000<br />
Besucher. Gegenüber der Vorjahresveranstaltung<br />
2023 konnte die<br />
Hei<strong>mt</strong>extil 2024 ein Plus von einem<br />
Prozent verzeichnen.<br />
Teppiche als eigenständiger<br />
Bereich<br />
Gestiegen ist laut Angaben der<br />
Messeleitung allerdings der Anteil<br />
der deutschen Besucher. Er lag um<br />
10 Prozent höher als im Vorjahr. Ein<br />
Grund dafür dürfte der neuen<br />
Produktbereich „Carpet & Rugs“<br />
gewesen sein, der erstmals konzentriert<br />
in einer Halle präsentiert<br />
wurde und rund 100 globale Unternehmen<br />
an Bord hatte. Mit diesem<br />
konzentrierten Teppichangebot trat<br />
die Hei<strong>mt</strong>extil nicht zuletzt gegen<br />
die Domotex in Hannover an, die<br />
am 11. Januar ihre Pforten öffnete<br />
und sich damit an zwei Tagen mit<br />
der Hei<strong>mt</strong>extil überschnitt. Die<br />
Domotex galt bislang unangefochten<br />
als Treffpunkt der Bodenbelagsbranche.<br />
Zusammenarbeit mit<br />
Studio Urquiola<br />
Auch im kommenden Jahr will die<br />
Hei<strong>mt</strong>extil mit einer Neuerung aufwarten.<br />
So gab die Messeleitung<br />
zur nächsten Ausgabe (14.–17.1.25)<br />
eine Zusammenarbeit mit dem<br />
renommierten italienischen Designstudio<br />
Urquiola bekannt. Geplant ist<br />
eine wegweisende Installation, mit<br />
der das gemeinsame Engagement<br />
für Innovation, Nachhaltigkeit und<br />
Design in der gesa<strong>mt</strong>en Textilbranche<br />
unterstrichen werden soll.<br />
Damit wird nicht zuletzt die jährliche<br />
Trendschau ergänzt, die dieses Jahr<br />
unter dem Titel „New Sensitivity“<br />
im „Trend Space“ der Halle 3 die<br />
Hei<strong>mt</strong>extiltrends 24/25 aufzeigte.<br />
Gestiegener Auslandsanteil<br />
Auch die hohe Beteiligung von Ausstellern<br />
aus dem Ausland könnte<br />
auf die Neuzugänge aus dem Teppichsegment<br />
zurückzuführen sein,<br />
denn in diesem Jahr stam<strong>mt</strong>en<br />
rund 95 Prozent der Aussteller aus<br />
dem Ausland. In den Jahren davor<br />
lag der Anteil der ausländischen<br />
Messeteilnehmer stets bei rund 90<br />
Prozent. Die größten Länderbeteiligungen<br />
in diesem Jahr stellten<br />
46<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
Fokus<br />
Raymakers sieht für die Einrichtungssaison 24/25 insbesondere<br />
Blau als Trendfarbe.<br />
Raymakers sees blue in particular as a trend colour for the 24/25<br />
furnishing season. <br />
Photo: Barth<br />
Bei Crevin gab „Forma“ sein Debüt, ein elastischer Stoff, der in<br />
Zusammenarbeit mit dem Studio Stefan Scholten entstanden ist.<br />
Crevin debuted “Forma”, a stretchy fabric, which was created in<br />
collaboration with Studio Stefan Scholten. <br />
Photo: Crevin<br />
China, Indien, die Türkei sowie Pakistan,<br />
die Hochburgen der Teppichproduktion<br />
sind.<br />
Vielfältiges Bezugsmaterialangebot<br />
Die diesjährige Ausgabe bot mit<br />
mehr als 300 Ausstellern von<br />
Bezugsmaterialien ein breiteres<br />
Angebot auf diesem Gebiet, da<br />
eine Reihe von Firmen, die im vergangenen<br />
Jahr noch nicht wieder<br />
an Bord gegangen waren, diesmal<br />
wieder ausstellten.<br />
Dabei erstreckte sich das Angebot<br />
von preiswerten Bezugsstoffen<br />
aus Asien bis hin zu hochwertigen<br />
Velourstoffen. Insbesondere das<br />
gehobene Stoffangebot zeigte sich<br />
nicht zuletzt durch die Präsenz der<br />
Firma Rohleder sowie die Rückkehr<br />
der niederländischen Weberei<br />
Raymakers deutlich vergrößert.<br />
Weitere namhafte Anbieter von<br />
hochwertigen Möbel- und Dekostoffen<br />
waren auf dem Gemeinschaftsstand<br />
von Trevira-CS anzutreffen.<br />
Rohleder machte in der Messehalle<br />
mit Hilfe einer Lounge sowie<br />
eines Infostandes auf seine erstmalige<br />
Präsenz aufmerksam, denn<br />
das Unternehmen hatte seine bisherige<br />
Präsentation in einem Frankfurter<br />
Hotel gegen eine Ausstellung<br />
in einem Konferenzraum der<br />
Messe getauscht. In diesem zeigte<br />
das Unternehmen sowohl seine<br />
bewährten „Charmelle“-Veloursqualitäten<br />
als auch Ergänzungen bei<br />
seiner „Q2“-Flachgewebe-Kollektion.<br />
Zu sehen waren u. a. Schattenvelours<br />
mit Matt/Glanz-Effekt oder<br />
Stoffe mit dreidimensionaler Struktur,<br />
bei denen der Pol digital<br />
bedruckt wird. Unter der Bezeichnung<br />
„Q2 second life“ wurden<br />
zudem GRS-zertifizierte Stoffe auf<br />
Basis von Polyestergarnen aus<br />
recyceltem Post-Consumer-Waste<br />
gezeigt.<br />
Nach Bouclé kehrt Chenille<br />
zurück<br />
Im diesjährigen Angebot der Hei<strong>mt</strong>extilmesse<br />
spielten unifarbene,<br />
jedoch strukturierte Möbelstoffe<br />
die Hauptrolle. Bouclés dominierten<br />
das Angebot, auch wenn einige<br />
Aussteller eine verstärkte Nachfrage<br />
nach Chenillestoffen feststellen<br />
wollen. Begründet wird dies mit<br />
den besseren Nutzungseigenschaften<br />
dieser Artikel gegenüber<br />
Boucléstoffen. Auf zahlreichen<br />
Ständen fielen Stoffe mit besonders<br />
weichem Griff oder mit plüschiger<br />
Haptik ins Auge. Andere<br />
Neuheiten zeigten sich mit dezenten<br />
Multicolor- oder Strié-Effekten.<br />
Bei den Farben spielten Creme und<br />
Beige die Hauptrolle. Grauvarianten<br />
waren gegenüber den Vorjahren<br />
weniger anzutreffen. Verschiedene<br />
Anbieter rechnen damit, dass<br />
insbesondere im kommenden Jahr<br />
Blautöne wieder mehr gefragt sein<br />
werden. Auf der diesjährigen Hei<strong>mt</strong>extil<br />
waren stattdessen Erdtöne<br />
wie etwa Grün oder Braun häufiger<br />
zu sehen.<br />
Outdoorstoffe auch für Interieur<br />
Funktionelle Eigenschaften und<br />
neue Einsatzmöglichkeiten spielten<br />
eine große Rolle. Bei zahlreichen<br />
Anbietern trafen die Besucher<br />
spezielle Outdoorstoffe oder ganze<br />
Outdoor-Kollektionen an, etwa bei<br />
Beaulieu oder Dino Zoli. Aufgrund<br />
ihrer Eigenschaften finden hier vor<br />
allem Fasern aus Polyester oder<br />
Polypropylen Anwendung. Bei den<br />
neuen Stoffen von Beaulieu ist es<br />
sogar gelungen, neben der Optik<br />
auch den Griff so zu gestalten, dass<br />
die Boucléstoffe auf Basis von Polypropylen<br />
drinnen wie draußen eingesetzt<br />
werden können. Wie handgewebt<br />
wirkt der neue Artikel<br />
„Reims“, bei dem verschiedene<br />
Faserqualitäten, z. T. recycelt, verwendet<br />
werden. Mit „Opera“ hat<br />
Dino Zoli eine Stoffkollektion auf<br />
den Markt gebracht, bei der Polypropylengarn<br />
für eine hohe Widerstandsfähigkeit<br />
und Eignung für<br />
den Outdoor-Einsatz sorgt, aber die<br />
Stoffe als Bouclé- oder Chenille-<br />
Artikel auch indoor eine gute Figur<br />
abgeben. Unter dem Namen „REspect“<br />
bietet das Unternehmen<br />
zudem Artikel, die auf recycelten<br />
Fasern beruhen. Die Mikrofaser<br />
„REsuede“ beispielsweise wird<br />
aus Polyester hergestellt, das wiederum<br />
aus Plastikflaschen gewonnen<br />
wird. In der Entwicklung befindet<br />
sich aktuell eine Mikrofaserqualität,<br />
die sowohl optisch als auch<br />
haptisch wie Kunstleder wirkt.<br />
Rückkehr unter neuem<br />
Firmendach<br />
Erstmals wieder unter den Ausstellern<br />
präsentierte sich der niederländische<br />
Veloursweber Raymakers,<br />
nun unter dem Dach des Schweizer<br />
Textilkonzerns Lantal, der die niederländische<br />
Weberei im Sommer<br />
2023 übernommen hatte. Zusammen<br />
mit den anderen Veloursherstellern<br />
von Lantal, also mit<br />
Gierlings-Velpor sowie British Velvets,<br />
wollen die Schweizer stärker<br />
im Wohnbereich Fuß fassen. Auf<br />
der Hei<strong>mt</strong>extil präsentierte Raymakers<br />
neue Veloursqualitäten, bei<br />
denen verstärkt recycelte Fasern<br />
zum Einsatz kommen. So etwa<br />
einen stückgefärbten Velours in<br />
Leinen-Look, der zu 66 Prozent aus<br />
Recyclingfasern besteht und in 54<br />
Farben erhältlich ist. Ebenfalls neu<br />
war ein Multicolor-Velours aus<br />
Baumwolle und der „NAIA“-Faser,<br />
Mah-ATN setzt bei seinen<br />
Kunstledern auf neue<br />
Narbungen und Farben.<br />
Mah-ATN focuses on new<br />
grains and colours for its<br />
artificial leathers.<br />
Photo: Barth<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 47
Fokus<br />
Bei seinem Erstauftritt auf der Hei<strong>mt</strong>extil präsentierte Rohleder u. a.<br />
Jacquardvelours, bei denen der Pol digital bedruckt ist.<br />
At its first appearance at Hei<strong>mt</strong>extil, Rohleder presented, among<br />
other things, jacquard velour fabrics in which the pile is digitally<br />
printed. <br />
Photo: Barth<br />
48<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
einer Zellulosefaser, die aus Kiefern-<br />
und Eukalyptusholz aus nachhaltiger<br />
Forstwirtschaft hergestellt<br />
wird.<br />
Hersteller Eastman präsentierte<br />
auf der Hei<strong>mt</strong>extil zudem „Naia<br />
Renew“ als zirkuläre Faser, denn<br />
sie wird zu 60 Prozent aus nachhaltig<br />
gewonnenem Zellstoff und zu<br />
40 Prozent aus zertifizierten recycelten<br />
Abfällen hergestellt. Wie das<br />
Unternehmen weiter bekannt gab,<br />
soll die neue Faser die gleiche hohe<br />
Qualität wie herkömmliche „Naia“-<br />
Fasern bieten, jedoch mit einem<br />
um 35 Prozent reduzierten CO 2<br />
-<br />
Fußabdruck.<br />
Beim Spanier Crevin debütierte<br />
auf der Hei<strong>mt</strong>extil eine VIP-Kollektion,<br />
die von dem niederländischen<br />
Designer Stefan Scholten kreiert<br />
wurde. Aktuell stehen die vier Qualitäten<br />
„Forma“, „Gir“, „Fort“ und<br />
„Cru“ zur Auswahl. Sie weisen<br />
jeweils Besonderheiten auf, mit<br />
denen die langjährige Expertise<br />
und handwerkliche Herangehensweise<br />
des Unternehmens in der<br />
Webkunst dokumentiert werden<br />
soll. Beim ersten Artikel handelt es<br />
sich um einen elastischen gestrickten<br />
Stoff, der durch ein zweifarbiges<br />
Garn einen Melange-Effekt<br />
aufweist. „Fort“ wiederum wird zu<br />
80 Prozent aus recyceltem Garn<br />
hergestellt, während sich „Gir“<br />
durch ein gezwirntes Garn auszeichnet,<br />
das in sich verschiedene<br />
Farben und Texturen aufweist. Darüber<br />
hinaus gab das Unternehmen<br />
bekannt, dass es kürzlich nach<br />
„OEKO-TEX SteP“ zertifiziert<br />
wurde, was höchste Standards für<br />
soziale und ökologische Aspekte in<br />
der Textilproduktion setzt.<br />
Nach der Erstpräsentation im vergangenen<br />
Jahr zeigte Interfabrics<br />
(Aquaclean Group) erneut seine um<br />
Neuentwicklungen erweiterte<br />
„Ori“-Kollektion, mit der das Unternehmen<br />
Textilverlage ansprechen<br />
will. In den nächsten Monaten soll<br />
auch ein neues Kollektionsbuch<br />
herausgebracht werden. Zu den<br />
Neuheiten im Flockvelours zählte<br />
der Artikel „Alpha“, weitere neue<br />
Produkte sollen auf der Proposte in<br />
Como gezeigt werden, wo das<br />
Unternehmen erstmals in der Villa<br />
Erba und nicht mehr vor den Toren<br />
des Messegeländes ausstellt. Zahlreiche<br />
Stoffe sind mit „AquaClean“-<br />
Technologie ausgestattet, so dass<br />
Flüssigkeiten abgewiesen und Flecken<br />
mit Wasser entfernt werden<br />
können.<br />
Lenzing demonstrierte<br />
anhand eines Kinderzimmers<br />
die vielfältigen<br />
Einsatzmöglichkeiten<br />
seiner „Lyocell“-Faser.<br />
Lenzing used a children’s<br />
room to demonstrate the<br />
many possible uses of its<br />
“Lyocell” fibre.<br />
Photo: Barth<br />
Nachhaltigkeit als zentrales<br />
Messethema<br />
Ein großes Thema auf der Messe<br />
Hei<strong>mt</strong>extil war Nachhaltigkeit. Erstmals<br />
wurden entsprechende Aussteller<br />
und Produkte in einem eigenen<br />
Katalog zusammengefasst, der<br />
den Besuchern damit gezielte Hinweise<br />
bot. Im Angebot fanden sich<br />
zahlreiche Möbel- und Dekostoffe<br />
aus recycelten Polyesterfasern. Der<br />
Faserhersteller Trevira (Indorama<br />
Ventures), der auf seinem Messestand<br />
insgesa<strong>mt</strong> 17 Anbieter von<br />
Möbelstoffen und Garnen versammelt<br />
hatte, informierte die Besucher<br />
über das aktuelle Angebot an<br />
Fasern und Filamenten der Marke<br />
Trevira CS und zeigte auch die Möglichkeiten<br />
auf, die das chemische<br />
Recycling bietet. So war unter<br />
anderem ein Möbelstoff der Firma<br />
Gabriel zu sehen, der unter Verwendung<br />
von chemisch recycelten<br />
Fasern hergestellt worden war.<br />
Aktuell wird dabei PET-Material aus<br />
der Verpackungsindustrie verwendet,<br />
das sich nicht zur Herstellung<br />
von Flaschen/Verpackungsmaterial<br />
eignet. Künftig könnten aber auch<br />
andere PET-Recyclingmaterialien<br />
wie etwa Textilien für die Herstellung<br />
der flammhemmenden Trevira-<br />
Fasern und -Filamentgarne verwendet<br />
werden. Deutlich größer ist<br />
inzwischen allerdings das Angebot<br />
an Stoffen, die das Label „Trevira CS<br />
eco“ tragen dürfen. Diese Stoffe<br />
müssen einen Recyclinganteil von<br />
mindestens 50 Prozent aufweisen.<br />
Die recycelten Fasern bestehen<br />
hierbei zu 100 Prozent aus Pre-Consumer-Recyclingmaterial.<br />
Seit einiger<br />
Zeit können Kunden auch<br />
gebrauchte Trevira-CS-Textilien wie<br />
Reststoff, Auslaufposten, Verschnitt<br />
sowie Textilien am Ende ihrer Nutzungsphase<br />
zurückgeben. Diese<br />
werden von einem Recyclingunternehmen<br />
zu Vliesen und Dämmmaterialien<br />
aufgearbeitet.<br />
Neben den Trevira-Garnen sowie<br />
den Individualständen der Trevira-<br />
CS-Kunden war auf dem Gemeinschaftsstand<br />
auch eine Sonderschau<br />
zu sehen, die in vier Themen-<br />
Inszenierungen die Funktionalität<br />
und Performance der Stoffe bei der<br />
Gestaltung von textilen Räumen<br />
aufzeigte. So wurden eine Sustainability-Lounge,<br />
ein luxuriöses<br />
Interieur, ein lässiger Outdoor-<br />
Bereich sowie ein behaglicher<br />
Rückzugsort („#MyCozyCosmos“)<br />
mit weit über 200 Artikeln von<br />
mehr als 50 Trevira-CS-Kunden ausgestattet.<br />
Nachhaltigkeit ist auch ein Thema<br />
bei Kunstleder. So präsentierte<br />
mah-ATN unter dem Namen<br />
„Evergreen Fiber“ ein neues PVC-<br />
Kunstleder, das zu 90 Prozent aus<br />
natürlichen Materialien bestehen<br />
soll. Die Oberfläche ist zudem mit<br />
einem Lack auf Wasserbasis versiegelt.<br />
Speziell für den Einsatz auf<br />
Booten hat das Unternehmen das<br />
Kunstleder „Marina“ entwickelt,<br />
das auch IMO-zertifiziert ist, während<br />
sich ein weiteres Kunstleder<br />
für den Outdoor-Einsatz eignet, da
Fokus<br />
Outlast zeigte seine klimaregulierenden<br />
Funktionstextilien in<br />
hellen Blautönen, die schon rein<br />
optisch einen kühlenden Effekt<br />
bewirken sollen.<br />
Outlast presented its climateregulating<br />
functional textiles in<br />
light shades of blue, which are<br />
supposed to have a cooling<br />
effect purely in terms of their<br />
appearance. Photo: Outlast<br />
es sich bei Sonneneinstrahlung bis<br />
zu 30 Prozent weniger aufheizt.<br />
Darüber hinaus kamen neue Narbungen<br />
hinzu.<br />
Nachdem Vowalon auf der letztjährigen<br />
Hei<strong>mt</strong>extil unter dem Namen<br />
„VOWAled Puria“ ein veganes Polsterkunstleder<br />
präsentiert hatte, das<br />
zu über 50 Prozent aus biobasierten<br />
und nachwachsenden Rohstoffen<br />
hergestellt ist, trat das Unternehmen<br />
dieses Mal mit Ergänzungen<br />
und Weiterentwicklungen auf.<br />
So wurde beim PUR-Kunstleder<br />
„VOWAled Pasco“ die Farbpalette<br />
auf 20 Farben erweitert und der<br />
Flammschutz erhöht. Außerdem ist<br />
der Artikel auf Schadstoffe nach<br />
Standard 100 by OEKO-TEX<br />
geprüft. Weitere Produkte will das<br />
Unternehmen dem Markt auf der<br />
Techtextil im April vorstellen.<br />
Dino Zoli präsentierte<br />
flau schige Bezugsstoffe für<br />
den In- und Outdoorbereich<br />
aus 100 % recyeltem Polyester.<br />
Dino Zoli presented fluffy<br />
upholstery fabric for indoor<br />
and outdoor use made from<br />
100% recycled polyester.<br />
Photo: Barth<br />
Füllstoffe bekommen<br />
natürliche Zutaten<br />
Wenn es um funktionelle Eigenschaften<br />
ging, wurden die Messebesucher<br />
erneut im Ausstellungsbereich<br />
Bettwaren fündig. Hier<br />
stellte Outlast seine Thermo-Technologie<br />
auf verschiedenen Trägergeweben<br />
vor. Mit Hilfe von Mikrokapseln<br />
(Phase-Change-Materials-/<br />
(PCM-)Kapseln), die mit Wachs<br />
gefüllt sind und in den Trägerstoff<br />
eingearbeitet oder darauf aufgebracht<br />
werden, wird eine klimaregulierende<br />
Wirkung erzeugt. Das<br />
Verfestigen und Verflüssigen des<br />
Naturwachses (Rapsöl) bewirkt<br />
dabei den Temperaturausgleich:<br />
Denn die Körperwärme wird beim<br />
Schlafen gespeichert und bei einem<br />
Absinken der Rau<strong>mt</strong>emperatur<br />
wieder an den Schlafenden abgegeben.<br />
Laut einer Untersuchung des<br />
Unternehmens speichert ein Quadratmeter<br />
Outlast-Textil genug Energie,<br />
um eine handelsübliche Lampe<br />
für 2 Stunden brennen zu lassen.<br />
Neuerdings werden die Gewebe<br />
wie etwa der neue Artikel „Chromo“<br />
statt in Weiß in einem hellen Blau<br />
angeboten, da die Käufer im<br />
Geschäft diese Farbe laut Hersteller<br />
eher mit Kühle und Frische in Verbindung<br />
bringen. Zudem basiert<br />
der Artikel auf Lyocellfaser, die auf<br />
Holzfasern und damit auf bis zu 80<br />
Prozent nachwachsende Ressourcen<br />
zurückgreift. Die integrierten<br />
Funktionskapseln, die für die Temperaturregulierung<br />
zuständig sind,<br />
sind zudem mit natürlichem Rapsöl<br />
gefüllt.<br />
Eine Reihe an Neuerungen hatte<br />
Advansa auf die Hei<strong>mt</strong>extil mitgebracht.<br />
Zu diesen zählten weitere<br />
Füllwarenprodukte, die auf natürlichen<br />
und nachhaltigen Rohstoffen<br />
beruhen. So gab die neue Füllfaser<br />
„Suprelle & Hanf“ ihr Debüt, die in<br />
Bettwaren dank der beruhigenden<br />
Wirkung von Hanf für ein optimales<br />
Schlafklima sorgen soll. Die neue<br />
Füllfaser ist eine Mischfaser aus<br />
Polyester mit 20 Prozent Hanf aus<br />
nachhaltigem Anbau. Laut Hersteller<br />
soll sie atmungsaktiv sein und<br />
Feuchtigkeit absorbieren. Bei der<br />
Füllfaser „DACRON Mint-Protect“<br />
wird der Wirkstoff aus der Pfefferminze<br />
in die Faser eingebunden,<br />
was auf natürliche Weise Hausstaubmilben<br />
abwehren und antibakteriell<br />
wirken soll. Auf der vergangenen<br />
Hei<strong>mt</strong>extil hatte die<br />
Firma Advansa bereits Füllfasern<br />
vorgestellt, die auf recycelten Rohstoffen<br />
basieren, und diesen<br />
Bereich weiter ausgebaut. So gibt<br />
es zu den „Aerelle Blue“-Füllfasern,<br />
bei denen recycelte Plastikflaschen<br />
aus den Weltmeeren verarbeitet<br />
werden, nun auch die entsprechenden<br />
Stoffe. Bei „DACRON RE-Comfort“<br />
wiederum handelt es sich um<br />
eine Füllfaser, die zu 50 Prozent aus<br />
Textilabfällen (Pre-Consumer) und<br />
zu 50 Prozent aus recycelten Flakes<br />
von PET-Flaschen besteht.<br />
Die Firma Lenzing zeigte auf der<br />
Hei<strong>mt</strong>extil am Beispiel eines Kinderzimmers<br />
die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten<br />
seiner Lyocell-<br />
Zellulosefaser, die aus Holz aus<br />
nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt<br />
wird und biologisch abbaubar<br />
ist. Ebenfalls zu sehen waren<br />
Bezugsstoffe, bei denen die Faser<br />
in Kombination mit anderen Fasern<br />
wie etwa Leinen, Polyester oder<br />
Viskose eingesetzt wurde.<br />
Richard Barth<br />
More comfort and sustainability for upholstery<br />
covers<br />
With 2,838 exhibitors, this year’s Hei<strong>mt</strong>extil (9–12 January 2024) had 25<br />
per cent more companies than last year’s event and thus achieved<br />
almost the same number of participants as before the pandemic. This<br />
was not the case for visitor numbers, as the rail strike and farmers’ demonstrations<br />
put paid to Messe Frankfurt’s plans as organiser. With 46,000<br />
visitors, the previous year’s result was exceeded slightly, but the trade<br />
fair counted significantly fewer visitors than before the pandemic, when<br />
more than 60,000 visitors travelled to Frankfurt. According to the trade<br />
fair management, however, the proportion of German visitors increased,<br />
which may have been due to the new “Carpet & Rugs” product area,<br />
which presented around 100 global suppliers concentrated in one hall for<br />
the first time. In future, the trade fair wants to attract even more visitors<br />
in addition to the annual trend show, which this time presented the<br />
home textile trends for 2024/25. For the next edition (14–17 January<br />
2025), it plans to collaborate with the renowned Italian design studio<br />
Urquiola. A pioneering installation is planned to emphasise the joint commitment<br />
to innovation, sustainability and design throughout the entire<br />
textile industry. With more than 300 exhibitors, this year’s edition offered<br />
a broader range of upholstery materials, as a number of exhibitors came<br />
back on board and were joined by additional suppliers of high-quality<br />
upholstery fabrics. Plain-coloured, textured upholstery fabrics played the<br />
starring role on the trade fair’s big screen. Bouclés dominated the range,<br />
even though some exhibitors reported an increased demand for chenille<br />
fabrics. Fabrics with an extremely soft touch or fluffy feel could be found<br />
on numerous stands. Cream and beige were the predominant colours,<br />
while shades of grey were less common than in previous years. Various<br />
suppliers expect dark shades of blue to set the tone in the coming year.<br />
Functional properties and new uses for cover materials played an important<br />
role and the spotlight was also on the topic of sustainability. Numerous<br />
upholstery and decorative fabrics made from recycled polyester<br />
fibres were presented. Other functional properties of home textiles<br />
were seen in bedding, where temperature-regulating materials as well<br />
as bed fillings based on natural and sustainable raw materials were presented.<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24 49
Produkte & Konzepte<br />
Vielfältig nachhaltig<br />
Seit Jahrzehnten steht Trevira CS für schwer entflammbare<br />
Möbel- und Dekostoffe im Hei<strong>mt</strong>extil- und Objektmarkt.<br />
Zu den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der<br />
Fasern und Filamente sind in den vergangenen Jahren<br />
unterschiedliche Ansätze hinzugekommen, die den mit<br />
der Markenfaser gewebten Artikeln eine gute Nachhaltigkeitsbilanz<br />
und Wiederverwertungsmöglichkeiten<br />
verschaffen.<br />
Der Trevira CS Stoff von Gabriel A/S ist aus<br />
chemisch recyceltem Rohstoff hergestellt.<br />
The Trevira CS fabric from Gabriel A/S is made<br />
of chemically recycled raw material.<br />
Photos: Indorama Ventures<br />
Die Besucher der diesjährigen<br />
Hei<strong>mt</strong>extil konnten sich auf einem<br />
Gemeinschaftsstand der Marke<br />
Trevira CS bei den 17 Top-Kunden<br />
und Partnern nicht nur über die<br />
neuesten schwer entflammbaren<br />
Produkte und neuen Kollektionen<br />
informieren, sondern erhielten<br />
auch einen Überblick über die weiteren<br />
Fortschritten auf dem Gebiet<br />
der Nachhaltigkeit.<br />
Im Rahmen der Sonderschau<br />
„#treviracsCore“ sahen die Verarbeiter<br />
der Markenfaser sowie die<br />
Innenarchitekten, was ihnen aktuell<br />
in puncto Design, Optik und<br />
Haptik an textilen Artikeln zur<br />
Gestaltung von Räumen geboten<br />
wird.<br />
Als eine der vier Rauminszenierungen<br />
auf dem Trevira CS-Areal lud<br />
die „Sustainability Lounge“ sie<br />
nicht nur zum Verweilen ein, sondern<br />
präsentierte auch die neuesten<br />
„Trevira CS eco“-Textilien<br />
sowie erste flammhemmende<br />
Stoffe aus chemisch recyceltem<br />
Rohstoff.<br />
Stoffe mit Recyclinganteil<br />
Zur diesjährigen Hei<strong>mt</strong>extil zeigten<br />
die internationalen Trevira-CS-<br />
Weber eine Fülle an Textilien in<br />
„Trevira CS eco“-Qualität. Die<br />
neuen Artikel bestehen aus Faserund<br />
Filamentgarnen, die in unterschiedlichen<br />
Recyclingprozessen<br />
gewonnen werden.<br />
Um das Qualitätslabel zu erhalten,<br />
muss jedoch ein Recyclinganteil<br />
von mindestens 50 Prozent erzielt<br />
werden. Dieser lässt sich durch<br />
verschiedene Verfahren erreichen:<br />
Filamentgarne werden unter Nutzung<br />
von recycelten PET-Flaschen<br />
hergestellt. Sie enthalten einen<br />
Anteil von 50 Prozent Post-Consumer<br />
Recyclingmaterial.<br />
Recycelte Fasern werden unter<br />
Nutzung einer Agglomerationsanlage<br />
und in weiteren Prozessschritten<br />
aus wiederverwertbaren<br />
Wertstoffen aus der Produktion<br />
gewonnen und bestehen zu 100<br />
Prozent aus Recyclingmaterial<br />
(Pre-Consumer-Recycling).<br />
Die hierbei verwendeten flammhemmenden,<br />
recycelten Trevira-<br />
Produkte sind GRS (Global Recycelt<br />
Standard) zertifiziert.<br />
Zurück ins neue Leben<br />
Ein weiterer Baustein zum Thema<br />
Nachhaltigkeit besteht in dem „Trevira<br />
CS“-Rücknahmeprogramm.<br />
Hier können entsprechende Stoffe<br />
aus dem Pre-Consumer-Bereich,<br />
wie nicht verkaufte Reststoffe,<br />
Tekso Kadife Kumas<br />
hat mit „Bergama“<br />
einen Velours in<br />
„Trevira CS eco“-Qualität<br />
aus recycelten<br />
Garnen kreiert.<br />
With “Bergama”, Tekso<br />
Kadife Kumas has<br />
created a velour in<br />
“Trevira CS eco”<br />
quality.<br />
Auslaufposten, Verschnitt, fehlerhafte<br />
Ware etc. sowie auch Textilien<br />
aus der Markenfaser, die das<br />
Ende ihrer Nutzungsphase erreicht<br />
haben (Post-Consumer), zurückgegeben<br />
werden. Diese Stoffe werden<br />
bei dem Recyclingunternehmen<br />
Altex zu Vliesen bzw. Nonwovens<br />
aufgearbeitet, die wiederum<br />
zur Isolierung und Dämmung eingesetzt<br />
werden.<br />
Die nächste Generation<br />
Neben den beiden genannten<br />
Möglichkeiten nutzt Trevira CS das<br />
chemische Recycling. Hierbei werden<br />
die Polymerketten der Faser<br />
wieder in ihre ursprünglichen<br />
Bestandteile, die Monomere, zerlegt.<br />
Der so gewonnene Rohstoff<br />
ist mit dem Ursprungsmaterial vergleichbar<br />
und kann wieder für die<br />
Sustainable in many ways<br />
Herstellung von flammhemmenden<br />
Fasern bzw. Filamentgarnen<br />
verwendet werden. Die Produkte<br />
bestehen dann zu 100 Prozent aus<br />
Recyclingmaterial.<br />
Bislang wird für die Herstellung<br />
dieser Fasern PET-Material aus der<br />
Verpackungsindustrie verwendet,<br />
das nicht für die Wiederverwendung<br />
zur Herstellung von Flaschen/Verpackungsmaterial<br />
geeignet<br />
ist. Grundsätzlich lassen sich<br />
aber auch andere PET-Abfälle in<br />
diesem Verfahren nutzen.<br />
In Zukunft können aus Textilabfällen<br />
mit Hilfe des zuvor beschriebenen<br />
chemischen Recyclings<br />
möglicherweise Rohstoffe für<br />
neue Textilien gewonnen und<br />
somit der Weg zu einer Kreislaufwirtschaft<br />
beschritten werden.<br />
ba<br />
For decades, Trevira CS has been synonymous with flame-retardant<br />
upholstery and decorative fabrics in the home textiles and contract market.<br />
In recent years, various approaches have been added to the wide<br />
range of possible applications for the fibers and filaments, giving Trevira<br />
CS articles sustainable benefits and a take-back option. Today, users can<br />
choose from “Trevira CS eco” textiles and the first flame-retardant fabrics<br />
made of chemically recycled raw materials. The Trevira CS take-back<br />
programe is another of the company’s sustainability initiatives, offering<br />
the option to return relevant fabrics from the pre-consumer sector as<br />
well as those, that have reached the end of their useful life (post-consumer).<br />
These fabrics are then recycled into nonwovens and used for<br />
insulation and soundproofing.<br />
50<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24
innovation<br />
needsprint<br />
Oberflächen<br />
Beschläge<br />
Textilien<br />
Werkzeuge<br />
Schichtstoffe<br />
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Lacke<br />
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Personen<br />
52<br />
Dr. Werner Pankoke verstorben<br />
Der langjährige geschäftsführende Gesellschafter und<br />
Eigentümer von Hymmen, Dr. Werner Pankoke, ist am<br />
9. Dezember letzten Jahresim Alter von 85 Jahren verstorben.<br />
Schon mit dem Studienbeginn zog es ihn nach<br />
München an die Technische Universität, wo er mit seinem<br />
Maschinenbaustudium eher den Ingenieursinteressen<br />
seines Großvaters Theodor Hymmen nachging.<br />
Nach erfolgreichem Abschluss als Dipl.-Ing. und Promotion<br />
in Betriebswirtschaftslehre übernahm Dr. Werner Pankoke im Jahre 1967<br />
die Leitung des Familienunternehmens Hymmen, das 1892 von seinem Großvater<br />
in Bielefeld gegründet worden war. Für seine unternehmerische Tätigkeit erhielt er<br />
u. a. die Auszeichnung als „Hidden Champion“ von Prof. Hermann Simon und<br />
gewann auch den „Challengers Award“ der International Woodworking Fair in<br />
Atlanta, USA. Mit Übergabe der Geschäftsführung an seinen Sohn Dr. René Pankoke<br />
zog er sich im Jahre 2002 zurück. <br />
Photo: Hymmen<br />
Interprint mit neuem Verkaufsleiter<br />
Nino Speranza, der seit April 2023 im Vertrieb tätig ist, hat beim<br />
Dekordrucker Interprint zu Jahresbeginn als Head of Sales die vertriebliche<br />
Gesa<strong>mt</strong>verantwortung für Deutschland übernommen. In<br />
seiner neuen Funktion berichtet Speranza auch weiterhin an Dirk<br />
Fischer, Director Sales Interprint Deutschland. Photo: Interprint<br />
Neuffer Nachfolger von Heeger<br />
Claus Neuffer (Photo) verantwortet seit Anfang Januar als Vorstand<br />
die Bereiche Technik und Nachhaltigkeit beim Oberflächenspezialisten<br />
Schattdecor. Er folgt damit auf Roland Heeger, der zuvor 18<br />
Jahre lang für die weltweiten Geschicke im Bereich Technik verantwortlich<br />
war. Neuffer ist seit 2000 bei Schattdecor und bringt jahrzehntelange<br />
Erfahrung in die neue Position ein. Seinen Karriereweg<br />
zeichnen langjährige Auslandsaufenthalte an Schattdecor-Standorten<br />
wie Brasilien, wo er von 2004 bis 2<strong>01</strong>0 die Geschäftsführung inne hatte. Er war neben<br />
Brasilien auch mitverantwortlich für den Bau anderer Standorte in Russland, China und<br />
Polen. Zuletzt zeichnete er in seiner Funktion als Bereichsleiter Technik verantwortlich. In der<br />
neuen Position soll Neuffer vor allem die Schwerpunkte Technologie und Nachhaltigkeit in der<br />
Gruppe ausbauen und mit einer entsprechenden strategischen Vision vorantreiben. Der<br />
Bereich IT wird dagegen künftig unter der Leitung von Dr. Derick Beitel, Vorstand Finanzen,<br />
stehen. <br />
Photo: Schattdecor<br />
Wijnbergen folgt auf Brettenthaler<br />
Ende Januar hat Martin Brettenthaler (Photo), der mehr als sieben<br />
Jahre lang CEO der Swiss Krono Group war, das Unternehmen<br />
verlassen. Brettenthaler hatte im September 2023 entschieden,<br />
sich beruflich neu zu orientieren. Auf Wunsch der Eigentümerin<br />
Ines Kaindl hat er jedoch die Geschäfte der Gruppe bis heute weitergeführt,<br />
damit die Nachfolge geregelt werden konnte. Anfang<br />
Februar hat nun Peter Wijnbergen (61) die Führung der Gruppe<br />
übernommen. Der neue CEO ist seit 2022 Mitglied des Verwaltungsrates<br />
der Swiss Krono Holding AG und blickt auf eine langjährige Karriere in der Holzwerkstoffindustrie,<br />
zuletzt als CEO von Norbord, zurück.<br />
Photo: Swiss Krono<br />
material+technik möbel <strong>01</strong>|24<br />
Igel neuer CSO<br />
Beim Dekordrucker Interprint hat zum Jahresbeginn Holger Dzeia,<br />
der seit Juli 2004 als Chief Sales Officer (CSO) der Gruppe tätig<br />
war, seine Position an Stephan Igel übergeben. Dieser hatte 2022<br />
nach fast 30 Jahren in der Dekorpapierindustrie die Aufgabe als<br />
Chief Business Development Officer der Gruppe übernommen.<br />
Dzeia wird sich auch weiterhin in seiner neuen Funktion als Director<br />
Strategic Customer Relations um wichtige vertriebliche Belange<br />
von Interprint kümmern. Photo: Interprint<br />
Bertl Widmer<br />
verstorben<br />
Bertl Widmer, der<br />
langjährige Geschäftsführer<br />
von Blum, ist<br />
in der Nacht zum 15.<br />
Januar im Alter von<br />
94 Jahren verstorben.<br />
Er war von<br />
1958 bis 2002 bei Blum tätig und gestaltete<br />
das Unternehmen in dieser Zeit maßgeblich<br />
mit. So hat Widmer als Geschäftsführer bei<br />
Blum den internationalen Vertrieb aufgebaut<br />
und war konsequenter Antreiber der Innovationsstrategie.<br />
Neben dem wirtschaftlichen<br />
Erfolg von Blum waren Bertl die Werte und<br />
soziales Handeln immer ein Herzensanliegen.<br />
Photo: Blum<br />
Dr Werner Pankoke has passed away – The longstanding<br />
Managing Partner and owner of Hymmen<br />
has passed away at the age of 85. He had retired in<br />
2002, when he handed over the management of the<br />
company to his son, Dr René Pankoke.<br />
Mourning for Bertl Widmer – The long-standing<br />
Managing Director of Blum passed away overnight at<br />
the age of 94. He worked at Blum from 1958 to 2002<br />
and, as Managing Director, built up the company´s<br />
international sales, among other things.<br />
Igel new CSO – At the decor printer Interprint, Holger<br />
Dzeia handed over his position as Chief Sales Officer<br />
(CSO) to Stephan Igel at the beginning of the year. In<br />
his new role as Director Strategic Customer Relations,<br />
Dzeia will continue to take care of important<br />
sales matters at Interprint.<br />
New Head of Sales – Nino Speranza, who has been<br />
working in sales at Interprint since April 2023, took<br />
over overall sales responsibility for Germany as Head<br />
of Sales at the beginning of the year. In his new role,<br />
Speranza will continue to report to Dirk Fischer, Director<br />
Sales Interprint Germany.<br />
Successor to Heeger – Claus Neuffer, who has been<br />
with Schattdecor since 2000, has been responsible<br />
for the areas of technology and sustainability as a<br />
member of the Management Board since the beginning<br />
of January. He succeeded Roland Heeger, who<br />
had been responsible for the technology division for<br />
18 years.<br />
Wijnbergen succeeds Brettenthaler – At the end of<br />
January, Martin Brettenthaler, who was CEO of the<br />
Swiss Krono Group for more than seven years, left the<br />
company to pursue a new career direction. Peter<br />
Wijnbergen (61) has since succeeded him. He has<br />
been a member of the Board of Directors of Swiss<br />
Krono Holding AG since 2022.