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Fremd im eigenen Land

Untersuchung der Rückkehr von Arbeitsemigrant:innen von Deutschland nach Spanien, im Anhang Interviews auf Spanisch (nicht von Tandem Fundazioa)

Untersuchung der Rückkehr von Arbeitsemigrant:innen von Deutschland nach Spanien, im Anhang Interviews auf Spanisch (nicht von Tandem Fundazioa)

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E srunros soBRE<br />

R erlffiscRAcroN DE<br />

M IGRANTES<br />

FRElU|D<br />

IM EIGENEN LAND<br />

MATERIALIEN UNO II'¡TER\/IEWS<br />

ZUR<br />

RUCKKEHR SPANISCHER MIGRANTEN<br />

Madrid 1979


-3<br />

]NHALTSANGABE<br />

tt<br />

0.1.<br />

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-5<br />

Ve rwertung_erworbener Qual i f ikationen<br />

Verteiluñg-der-Emigránten auf die BeschHftigungssektoren<br />

in der BRD<br />

Qualifikationsstruktur in der BRD<br />

ri<br />

Aufstieg (shemmnisse)<br />

Ori-entierung und Interessen, Haltung zuT beruflichen Weiterbild.ung<br />

Eingangsbedingungen der Berufsfortbildung in der BRD<br />

Kurse (Methoden, TrHger)<br />

" (Berufe, 0rte, Teilnehmerzahlen)<br />

GewUhnung añ die industrielle Mentalitet a1s ein Effekt<br />

Kategorisierung des tatsHchlichen Verlaufs der Rückkehr<br />

Hemmnisse bei der Wiederei-ngliederung<br />

Verschiebung der BeschHftigung, Tendenz zum tertiHren Sek'<br />

tor<br />

Qualifikationsniveau nach der Rückkehr<br />

Ve rwe rtung_ange e i gne te r §prachkenntni<br />

s q e<br />

Metfroden-dés Déutschlernens, Kurse in der BRD<br />

Prob 1 eme<br />

Niveau<br />

Grenzen der Verwertbarkeit<br />

Exkurs: Betriebsdolmetscher in der BRD<br />

Aktivitát deutscher Institutionen j-n Spanien zur 'Nachb<br />

e t reuungr<br />

Kritik der Reintegrationsmassnahmen<br />

zur Kritft-¿árlárürr iErrán Fortb il dune<br />

Vorschláge zuT Terbesserung des Sprachunterrichts<br />

Forderungen der rückkehrenden Migranten<br />

Interviews mit Betroffenen und anderen Experten<br />

rl i ñw e i §e -z [r I e t ñ-o di I- 7uk-Un t t i g e r Un t e r s uc h un g e n<br />

Situation in der Region Extremadura<br />

Interess ante Etnze lbeobachtungen<br />

Auszüge mit Kommentar<br />

Interview mit Sozialarbeite-rinnenr-an die sich-die-Rückkeñrer-oEt<br />

wánden - -<br />

_ _ I _ _ qi! eiñem Uilitanten_der_A.N. E.R.r_Programq<br />

Schlussfolgerungen, Bemerkungen zum VerhHltnis 4eutscher<br />

und spanischer Stellen<br />

BiIanz<br />

Emigration a1s <strong>Land</strong>-Stadt-Bewegung<br />

Zttr Funktion der AuslHnderbeschHftigung i-n der BRD<br />

Bilanz der Migrationseffekte für Aufnahme- und Abgabe-<br />

1 Hnde r<br />

Konfliktpunkte_zwischen Spanien unq BRq<br />

Vertragl iche Regelungen<br />

Einige Verhandlungen zwischen beiden Staaten a1s Beispiel<br />

für zugrundeliegende InteressengegensHtze<br />

Spa,:ische Reaktionen auf Forderungen der BRD<br />

Politische lnterpretation der systembedingten Grenzen in<br />

der internationalen Zusammenarbeit<br />

Persgekt:-ven<br />

Anforderungen an die Auswahl der Migranten und andere Vorkehrungen,<br />

die die Reintegration erleichtern würden<br />

Die Kapitalexportstrategie und die Funktion der Rückkehrer<br />

in ihrem Rahmen<br />

Das Sub<strong>im</strong>peri a1 ismus -Mode11<br />

Voraussetzungen für die Realisierung verschiedener Entwicklungsmodelle<br />

Ergebnisse in_Thesen<br />

Li teratur


-6<br />

VORBEMERKUNG<br />

Die Materialsammlung für diese Untersuchung wurde <strong>im</strong> wesentlichen<br />

<strong>im</strong> Oktober 1978 abgeschlossen.<br />

Ein Vorabdruck mit Ergebnissen daratls und Auszügen aus<br />

den Interviews ist <strong>im</strong> Sommer 1979 in der Zeitschrift<br />

pHd-extra Sozialarbeit erschienen.<br />

Die gesamte Arbeit wáre ohne die Beitráge und Bemühungen<br />

zahTreicher zurückgekehrter Emigranten, Sozialarbeiterinnen<br />

und Bibliothekarinnen nicht mUglich gewesen. SelbstverstHndlich<br />

darf diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit<br />

nicht a1s vUllige Ubereinst<strong>im</strong>mung mit unseren Schlussfolgerungen<br />

missverstanden werden.<br />

Ganz besonders gilt unser Dank Herrn Haro Cagigas von der<br />

Asociación Nacional de Emigrantes Retornados, der uns neben<br />

zahLreichen Hinweisen das Interview unter 4.3. gab.<br />

Damit die Ergebnisse unter denjenigen, die in und nit der<br />

spanischen Kolonie in der BRD arbeiten, weite Verbreitung<br />

finden, kann jeder Leser bis z1r 5 Seiten nachdrucken, sofern<br />

er uns 2 Belegexemplare zuschickt und die Que11e und<br />

die untenstehenden Bezugsbedingungen nitabdruckt.<br />

Wir bitten um Verstándnis für die Herausgabe in Loseblatt<br />

form, die unvermeidlich war, um trotz der niedrigen Auflage<br />

einen annehmbaren Preis zu halten. Eine genaue Abrechnung<br />

schicken wir auf Anforderung zu.<br />

BE ZUGSBED I NGUNGEN<br />

DN{ 9,oo auf das Konto rAG Migrationsforschung'<br />

Nr. 505 662<br />

Kreissparkasse Marburg<br />

Bankleitzahl- 533 501 10<br />

einzahlen, Kopie des Belegs arr<br />

G.E.R.M.<br />

Ap. 16.150<br />

E Madrid<br />

oder<br />

DM 9,oo in Briefmarken schicken.<br />

Ebenfalls haben wir die spanischen 0riginale der unter<br />

4.2. und 4.3. abgedruckten Interviews zur unbegrenzten<br />

VervielfHltigung und Verbreitung unter der<br />

spanischen Kolonie vorrHtig. Preis: DM 3,oo; Zahlungs<br />

formen wie oben.<br />

Bedingungen für Sammelbestellungen auf Anfrage.<br />

o v.i.S.d.P.<br />

Grupo de Estudios sobre Reintegración<br />

de Migrantes (G.E. R.M.)<br />

Apartado +ffi<br />

E },ladrid


'7<br />

EINLEITUNG: REINTEGRATION UND ROTATION<br />

0.1 . Fragestellung<br />

IndenTetztenJahrenistdieRückkehrderauslándischen<br />

Arbeiter in ¿er-gRo in ihre He<strong>im</strong>atlánder von einem theoretischen<br />

problem zu einer Tatsache geworden. schon am Ende<br />

der massiven Anwerbung ,,ria" auf áie entwicklungspolitischen<br />

lr{Ugliiiif."it"n hilgewiesen: "Die jewgilige Ausbildung<br />

in einem-iioifr""twické1ten Industrieland kann einen<br />

Beitrag dies"r--iárr¿"s zur ;fniricLlungshilf e' darstellen ' "<br />

(66 - 302)<br />

Inzwischen ist dieses Argument von den verteidigern.der<br />

Rotation aufg;s;i;f;; ;;;á;;; findet sich auch in den<br />

""+<br />

VorschlHge.r aái- Bund/l,HnderlKommission zur Fortentwicklung<br />

einer r*iursenden ronz"ptio, der Auslánderbescháftigungspolitik:<br />

,,FragenderRückkehrauslándischerArbeitnehmerinihre<br />

Hlilün¡tslHnder haben an Gewicht gewonnen.<br />

Die Furderung-á"i Rückkehr-""ire"áischer Arbeitnehmer so11-<br />

te ein wesentlicher g"rturr¿i;i1 einer künftigen AuslHnderpoli-tik<br />

sein.-Hiáilu, spricht nicht nur die gegenwártige<br />

Arbeitsmarktraeé,-"o, uif"m--i* Hinblick auf die stark steigende<br />

inlendiiEhá Erwerbsb"rÚit"rrrr,g. Prosramme der Rückkehrfurderuns<br />

dienen auch á;;-i;sr!ittlgé+ wirtschaftlichen<br />

und sozialen Interessen der He<strong>im</strong>atlánder ' sie tragen<br />

dazu bei, ¿urr-ái" berufliihen und ausserberuflichen Kenntnisse<br />

und Erfahrungen der á"iie"¿ischen Arbeitnehmer und<br />

die in der B";á;;;p"urik Deutschland anges-aTT"lten Ersparnisse<br />

in stárkerem Umfang iüi die wirtscñaftliche und soz,aTe<br />

Entwicki""g- ¿ái H"íruirunder nutzbar ge*lc11l werden'<br />

Dies wird von diésen auch ,un"tm"nd erkannt' RückkehrfUrderung<br />

kann a"irruru einen ri.rrtigen entwicklungspolitischen<br />

Beitrág leisten. " (24 -36)<br />

Dort werden<br />

"i"" neitre kónkreter P1áne daraus abgeleitet:<br />

"1. Grundsátze<br />

- ffilTen-fm náhmen konkreter-Progranme .<br />

7iái=áa'=nü3tráirriiil?;; sorrle-e§ sein, soweit .muglich<br />

zur beruf lichen Wiedereingliederung *"' aus-1á1{i¡1hen<br />

Arbeitnehmer beizutrag"r. "Di" Rückkehrprogrammg .to11ten<br />

sowohl Hilfen zrtT Erlangung eines-vorhándenen Arbeitsplatzes<br />

afs-áucfr Hilfen"zui Schaffung neuer Arbeitsplátze<br />

umfassen.<br />

- Fre iqill r gle1t-del-R{clkehf<br />

Proglamné kulnenler§oñen erf assen'<br />

die-ohnehin gehen wo1len, -.<br />

die den Rückkehrwilten háb"n, sich fY' den Zeitpunkt<br />

der nuckkeñi- áU"' noch <strong>im</strong> Unklaren sind'<br />

dienochrrrrt.frfUttigsind,aber-durchangeboteneProgramme<br />

voraussichtlich ztt Rückkehrentschluss veranlasst<br />

werden kUnnen. "irá*<br />

- Keine Festlegung-agf-best<strong>im</strong>mte PersoLeggtygpgt ,, -<br />

iiüák¡"furOráeirmñe Euñnen=uñd-solften-s owohr rachkrHf te<br />

a1s auch Ungelernte ertassen'<br />

- Die v"runtr8itg"g quf 4ie \üskkehrer-ble1br b-er deL He<strong>im</strong>at1Enóeln<br />

ii;á-E;Íiá" sollten so ansesetz! yld.gestal-t-et t:11' dass<br />

die grunds átzLiche Veranirortlichkeii der He<strong>im</strong>atlHnder


B-<br />

erhalten und klar herausgestellt bleibt. Sie haben lediglich<br />

unterstitzenden charakter. Ein steuernder und beeiñflussender<br />

Beitrag der Bundesrepublik Deutschland so11 so<br />

wenig wie mUglich in Erscheinung treten.<br />

gi g gr ggr amrne s o!_1 -<br />

en:ig 4b : t1rymun g_uqd_m i t_B e t e i 1 i gun g_d e r<br />

He<strong>im</strong>atlánder durchseführl weiden-<br />

Die Hirfen werd-eñ <strong>im</strong>-srnñeler-Zielsetzung in besonderer<br />

weise wirksam, wenn sie bestmuglich mit der wirtschaftsund<br />

Entwicklungsplanung <strong>im</strong> He<strong>im</strong>atland abgest<strong>im</strong>mt sind und<br />

den Besonderheiten des He<strong>im</strong>atlandes entsprechen.<br />

Durch die Beteiligung wurde zugleich die verantwortung der<br />

He<strong>im</strong>atlHnder deutlich gemacht und eine wirksame Abst<strong>im</strong>mung<br />

mit den heinischen wirtschaftszielen sichergestellt. Durcñ<br />

enges Zusammenwirken so11 das verstándnis für die zieLsetzungen,<br />

Belange und Interessen der jeweils anderen seite<br />

entwickelt und verbessert werden.<br />

Die ProgfagTg_ng!1lgq rn_besqndere[ Masse die FUrderqng<br />

von Selbsthilfeinitiativen auslHldlscher RFbei[nefrmer vorsenen<br />

Dem Grundsat z der Freiwilligkeit wird insbesondere Rechnung<br />

getragen, wenn unmittelbar bei den <strong>eigenen</strong> rnitiativen der<br />

auslándischen Arbeitnehmer angesetzt wird. Die FUrderung<br />

geeigneter Selbsthilfeeinrichtungen 1ásst mehr Bereitscñaft<br />

erwarten. Auf diese weise kann die Kapitalbildung von aus-<br />

1ándischen Arbeitnehmern miteinbezogeñ werden. Dás Einbinden<br />

von Ersparnissen der Rückkehrer furdert das Interesse<br />

der He<strong>im</strong>atlánder an den Rückkehrprogrammen.<br />

- Pi" geEellsrchaftlich relevanten KrHfte in der Bundesrepublik<br />

Dest§cEru"4 gE LT_I,§tmalránd lorrten 4ie [ulasrEng tr"f Er_<br />

lgfchterutg der Wiedáreiñgli§d§r[n[ qtttra§el - - -<br />

Diese KrHfEe-si-nd §eeignete InFormátloñs - ünd-- lvtotivat ions -<br />

trHger; sie kunnen helfen, die Bedeutung und die chance der<br />

Rückkehr für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung<br />

der He<strong>im</strong>atlHnder für breite schichten bewusst zu machenl<br />

Die gesellschaftlich relevanten KrHfte des He<strong>im</strong>atlandes kUnnen<br />

- soweit erforderlich - auch dazu beitragen, eine positive<br />

Einstellung der He<strong>im</strong>atlH.nder zr erreichén.<br />

Aus der Zusammenarbeit der relevanten Gruppen in der Bundes -<br />

republik Deutschland und <strong>im</strong> He<strong>im</strong>atland siná positive Auswirkungen<br />

auf die Programme zú erwarten.<br />

- Dig {b§lr.raqf.r9|_uqd_llogramue_so11ten_so gestaltet sein, 4ass<br />

sre in Vereinbargngen mit inEernátloñaTeg qagr_supiañaTioñáten<br />

Qr§an-r§aliEn-en1ño-f nst:irulionen:eIn:münden-kFnñeñ--<br />

2. Instrumente<br />

EéI-Aerittc-kkehrfUrderung ist <strong>im</strong> wesentlichen von den drei<br />

folgenden Konstellationen auszugehen :<br />

(a) Im He<strong>im</strong>atland besteht ein Bédarf an best<strong>im</strong>mten Arbeitskráften,<br />

die in der Bundesrepublik Deutschland vorhanden<br />

sind;<br />

(b) <strong>im</strong> He<strong>im</strong>atland besteht ein Bedarf an best<strong>im</strong>mten Arbeitskráften,<br />

die in der Bundesrepublik Deutschland nicht<br />

oder in nicht ausreichender zahl und Qualifikation vorhanden<br />

sind;<br />

(c) in He<strong>im</strong>atland müssen erst zusátzliche Arbeitsplátze für<br />

und durch rückkehrende Arbeitnehmer geschaffeñ werden.<br />

Entsprechend den daraus sich ergebenden zielsetzungen kommen<br />

folgende Hilfen bzw. Instrumente in Betracht:


-9<br />

- Hilfen zum Aufbau einer wirksamen Arbeitsverwaltung, i-nsbesondere<br />

Arbeitsmarktbeobachtutrg, Arbeitsvermittlung und<br />

Arbe its 1os envers icherung<br />

- Aus- und Fortbildungsmassnahmen für eine qualifizierte THtigkeit<br />

<strong>im</strong> Heirnatland<br />

- Einsatz von Kapitalhilfe und technischer Hilfe zur Unterstützung<br />

von Programmen der RückkehrfUrderung<br />

- FUrderung von Investitionen deutscher Firmen bzw. von<br />

joint-ventures deutscher nit auslándischen Firmen<br />

- Sonstige KooperationsmUglichkeiten mit deutschen Unternehmen/Unternehmensverbánden<br />

bzw. Gewerkschaften<br />

- FUrderung von rückkehrbezogenen wirtschaftlichen Selbsthilfeinitiativen<br />

auslándischer Arbeitnehmer in Form von<br />

Betriebsgründungen und -erweiterungen in den He<strong>im</strong>atlándern<br />

- Hilfen zur Schaffung von Arbeitsplátzen durch Einkauf oder<br />

Beteiligung an einem Fonds<br />

3. Flankierende Massnahmen<br />

a) operationen deutscher und auslándischer<br />

Banken<br />

b)Hilfen <strong>im</strong> Bereich des Bau- und Prárniensparens<br />

c)Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen und Schulzeugnissen<br />

d) Sonstige Hilfen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft<br />

des He<strong>im</strong>atlandes für die Arbeitnehmer und ihre Fami-1ien<br />

e)Hilfen zur FUrderung der Arbeitsaufnahme nach Par. 55 ArbeitsfUrderungsgesetz<br />

(AFG) und der Anordnung des Verwaltungsrates<br />

der Bundesanstalt für Arbeit zur FUrderung der<br />

Arbeitsaufnahme in Einzelfá11en<br />

4 . RückkehrfUr<br />

Ñach d-en bestehenden Abkommen kUnnen auslándische Arbeitnehmer,<br />

die nach einer BeschHftigung in der Bundesrepublik<br />

Deutschland arbeitslos in ihr He<strong>im</strong>atland zurückkehren, die<br />

Leistungen der dortigen Arbeitslosenversicherung erhalten,<br />

die bis zu einer Hüchstdauer von sechs Monaten von der<br />

Bundesanstalt für Arbeit erstattet werden. Die Regelungen<br />

sind nicht geeignet, die Rückkehr ausl-ándischer Arbeitnehmer<br />

in ihr He<strong>im</strong>atland zLt fUrdern und die auslHndischen Arbeitsverwaltungen<br />

zu veranlassen, zurückgekehrte Arbeiter<br />

in Arbeit zu vermitteln.<br />

Die geltenden und etwaige künftige Abkommen sollten deshalb<br />

zu Instrumenten der Arbeitsmarktpolitik und RückkehrfUrderung<br />

ausgebaut und finanzielle Hilfen ggf. auch für den<br />

Fa11 vorgesehen werden, dass der arbeitslose Rückkehrer <strong>im</strong><br />

Heinatland in eine Dauerbescháftigung vermittelt wird oder<br />

an einer betriebsbezogenen Bildungsmassnahme teiln<strong>im</strong>mt, die<br />

in eine Dauerbescháftigung einmündet." (24-36+37+38)<br />

Dazu kommt, dass durch die EWG-Erweiterung nach einer Anpassungszeit<br />

von 5 bis 1 0 Jahren die MUglichkeit zum Wiederaufleben<br />

der ArbeitskrHftewanderung gegeben ist (E1 País , 10.12.<br />

1978) und damit das Emigrations- und Remigrationsproblem<br />

neue Aktualitát bekommt.<br />

Gleichzeitig liegt es nahe, den rFa11 Spanienf als Mode11<br />

für den zu erwartenden Verlauf der Rückkehrbewegung bei 'jüngeren'<br />

Emigrantenlándern, wie der Türkei und Jugoslawien, zD<br />

nehmen und daraus <strong>im</strong> Rahrnen des MUglichen Voraussagen abzuleiten.<br />

Die oben aufgeführten und andere verwaltungsmássige und aus-


10<br />

lHnderpol-izeilichen Massnahmen erfassen auch die schon AnsHssigen<br />

und es ist schwer zv sagen, ob man angesichts davon<br />

noch von 'Freiwilligkeit der Rückkehr' sprechen kann<br />

(75-181). Eher scheint uns die folgende Befürchtung zúzr1-<br />

treffen: "Die mUgliche massenhafte Rückkehr der spanischen<br />

Arbeiter aus dem Ausland wird <strong>im</strong>mer mehr zu einer Erinnerung<br />

an ihre Vertreibung aus Spanien, a1s sie den wirtschaftlichen<br />

Interessen des <strong>Land</strong>es <strong>im</strong> Wege standen." (6-49) Dann<br />

wird k1ar, dass der Begriff 'Rückkehr' in den Worten eines<br />

Betroffenen einen ganz anderen Klang bekommt als in denen<br />

der Bund/LHnder-Kommission: "90% von uns wünschen die Rückkehr<br />

und fürchten die Rückkehr." (102-58)<br />

0.2. Eingrenzung des Themas<br />

Bei unserer Untersuchung werden wir uns auf die mit der<br />

Rückkehr der Erwachsenen zusammenhHngenden Fragen beziehen<br />

und die Schwierigkeiten der Jugendlichen und Kinder vU111g<br />

ausklammern. Diese Trennung ist teilweise künst1ich, wird<br />

aber von unseren ArbeitsmUglichkeiten erzhrungen. Ausserdem<br />

scheint uns der Informationsmangel in Bezug auf die Lage<br />

der Kinder und Jugendlichen nicht so gross zu sein, vielleicht,<br />

weil sie unter direkter staatlicher Verantwortung<br />

stehen und die rzustándigen Stellen' daher zumindest den<br />

Anschein erwecken müssen, sich Gedanken über sie zu machen.<br />

0 . 5 . Gedankengang , G 1 i ede rung , ' Gebrauchs anwe i sung '<br />

Wir haben das Inhaltsverzeichnis sehr ausführlich gehalten,<br />

um den Uberblick über den Gedankengang zu erleichtern.<br />

Nach dieser Einführung (0) stehen einige Anmerkungen zur<br />

Zuverlássigkeit der Angaben, die man derzeit über die Wanderungsbewegungen<br />

erhalten kann, sowie die verfügbaren Daten<br />

(1). Dann begleiten wir sozusagen die Emigranten auf<br />

ihrem W"g, von der Lage vor der Ausreise (2) bis zu der<br />

nach der Rückkehr (5).Der Schwerpunkt liegt dabei auf der<br />

Lage bei und nach der Rückkehr. Die Situation in der BRD<br />

behandeln wir fast nicht, weil dazu genug Material von<br />

deutscher Seite vorliegt und das nicht Aufgabe einer in<br />

Spanien arbeitenden Gruppe sein kann. In beiden Abschnitten<br />

wird auf die Gesichtspunkte 'Qualifikation' und 'Spracher<br />

sowie die beteiligten Einrichtungen eingegangen und<br />

eine Kritik ihrer AktivitHten versucht.<br />

Genausowenig wie man sich über die Zustánde in einem Gefángnis<br />

ausschliesslich aus den Verlautbarungen der Verwaltung<br />

unterrichten kann, wird man a11ein durch das Studium offizieller<br />

VerUffentlichungen zu einem vollstHndigen Bild von<br />

den Problemen der Rückkehrer gelangen. Daher haben wir Interviews<br />

(4) mit ehemaligen 'Gastarbeitern', mit ihnen arbeitenden<br />

Sozialarbeiterinnen und einem der aktivsten Mitglieder<br />

der Rückkehrerorganisation !Asociación Nacional de<br />

Emigrantes Retornados' (A.N.E. R. ) gemacht. Besonders die<br />

Interviews 4.2. und 4.3. sind dafür gedacht, innerhalb der<br />

spanischen Kolonie verbreitet zu werden, und daher hat jeder<br />

Leser die MUglichkeit, bei uns die spanischen 0riginale anzufordern<br />

und so oft wie er will nachzudrucken oder zu kopieren,<br />

um sie in den spanischen Zentren, auf Veranstaltungen oder wo<br />

ihm seine Fantasie zeigen so11te, einer grUsseren Zahl zugHnglich<br />

zu machen. (Die genaueren Bedingungen stehen am Anfang.)


11<br />

Dann ziehen wir eine kurze Bilanz, inwieweit die Emigration<br />

den Betroffenen und dem Abgabeland Spanien genutzt<br />

hat (5). Abschliessend gehen wir der Frage nach, wieweit<br />

die aufgezeigten Mángel und Schwierigkeiten tPannen'<br />

sind, die behoben werden kUnnen, und wieweit hinter ihnen<br />

gesellschaftliche Interessen und Strukturen stehen.<br />

Vor d-iesem Hintergrund stellen wir die Frage, unter we1-<br />

chen Voraussetzungen und in welchem Umfang eine Neuorientierung<br />

der l<strong>im</strong>igrations- und Rückkehrpolitik mUglich und<br />

wahrscheinlich ist. Die Arbeit wird auch darauf eingehen,<br />

unter welchen Bedingungen es zu einer Ubereinst<strong>im</strong>mung der<br />

Interessen der BRD an Begrenzung der ZahL der fest ansássigen<br />

AuslHnder und Spaniens aL seiner <strong>eigenen</strong> Entwicklung<br />

kommen kann.<br />

Die zusanmengefassten Ergebnisse in Thesen (6) sind bei<br />

Wiedergabe der Que11e mit Bezugsadresse und Ubersendung<br />

eines Belegexemplars ebenfalls zum Abdruck freigegeben.<br />

Das kommentierte Literaturverzeichnis (7) dient gleichzeitig<br />

als Quellennachweis, die erste Ziffer in den Klammern<br />

nach Zttaten oder vor Tabellen bezieht sich auf die<br />

Ordnungszahl <strong>im</strong> Literaturyerzeichnis, die folgende(n)<br />

auf die Seiten.<br />

Aus fínanziellen Gründen musste die Ausdehnung dieses Berichtes<br />

so knapp wie rnUglich gehalten werden. Wir sind<br />

daher - unter fast vo11stándigem Verzícht auf literarische<br />

Ansprüche - in weiten Teilen vom zusammenhángenden<br />

Text abgegangen und haben uns auf Tabellen und Strichaufzáhlungen<br />

beschrHnkt, was teilweise abrupte UbergHnge unvermeidlich<br />

macht<br />

0.4. AuslUser von Migrationsbewegungen<br />

Wenn man Erscheinungen wie das Exil von Teilen der demokratischen<br />

Opposition wHhrend des Franco-Reg<strong>im</strong>es ausser<br />

Betracht 1á"sst, sind die Ursachen der letzten spanischen<br />

Emigrationsbewegung nach Europa klar: ". . . das Angebot<br />

und die Nachfrage nach Arbeitskraft sind die best<strong>im</strong>menden<br />

Faktoren der jüngsten spanischen Emigration und diese<br />

hángen daher hauptsHchlich von der Wirtschaftsentwicklung<br />

der AufnahmelHnder ab." (73-83)<br />

Logischerweise sind die Herkunftsregionen die Gebiete,<br />

wo das rAngebot an Arbeitskraft', d.h. das durch Arbeitslosigkeit<br />

verursachte E1end, áfl grUssten ist (32-16):<br />

Andalusien (besonders Sevil1a, Granada)<br />

Galizien (besonders Orense, Pontevedra)<br />

Extremadura (besonders Badajoz)<br />

Um die ehemaligen Bewohner dieser Gebiete geht es, wenn<br />

Forscher die spanische Kolonie in der BRD in einen rstabilen'<br />

und einen 'unstabilen' Tei1, der die Rückkehrer<br />

(oft nach einem Scheitern) ste11t, unterteilen (68-259).<br />

Von eben diesen Menschen spricht die Bund/Lánder-Kommission,<br />

wenn sie sagt: "Die Rückkehrbereitschaft und die<br />

Rückkehrfáhigkeit der in der BRD lebenden auslándischen<br />

Arbeitnehmer und ihrer Familien so11te verstHrkt h¡erden."<br />

(24 - 24)<br />

0.5. Interessen der Beteiligten<br />

(BRD/Spanien)<br />

Allerdings geht es dabei nicht nur um 'das Wohl der Menwenn<br />

die schen', sondern um Interessen. Auch staatstTa-


- 11 IL<br />

genden Parteien in der BRD die offene Zwangsrotation ablehnen<br />

(64-37), so lassen doch andere Erklárungen einiges<br />

erahnen: "Wir kUnnen zwar die bei uns bescháftigten<br />

Áuslánder nicht wie Sklaven behandeln, die man heute einkauft<br />

und morgen wieder wegschickt. Aber wir werden dafür<br />

sorgen, dass unsere deutschen Arbeitnehmer zuerst Arbeit<br />

erhálten,..." (*) Für das, was hier von einem sozialdemokratischen<br />

Minister als Verteidigung der Interessen der<br />

deutschen Arbeiter ausgegeben wird, trifft wohl die fo1-<br />

gende Aussage zv; "Wenn das Anfangsstadium der AuslánderbeschHftigung<br />

in der BRD gleichsam a1s goldenes Zeitalter<br />

heraus§este11t wird, werden damit Massstábe gesetzt, die<br />

ganz deutlich die Kennzeichen der Ausbeutung tragen."<br />

(7s-1e0)<br />

Dabei dürfte wohl nicht so sehr kurzsichtiger Nationalismus,<br />

sondern eher nüchterne Kalkulation Pate gestanden<br />

haben: lagen die Rekrutierungskosten pro Spanier früher<br />

etwas über DM 60.- (92-91) und war ihr Aufenthalt meistens<br />

so kurz, dass langfristige Investitionen in sie weder<br />

rentabel noch notwendig waren (92-90), so hat sich inzwischen<br />

der Arbeitsnarkt verengt, aber die Auslánderzahl<br />

steigt an, wobei der Anteil an Arbeitern absinkt und der<br />

an uñproduktiven Familienmitgliedern sich dem fr der deutschen<br />

BevUlkerung annáhrt. Was tun ?<br />

Im Bezug auf die Rückkehr hochqualifizierter Südamerikaner<br />

in ihre Herkunftslánder gibt ein Ministerialrat <strong>im</strong><br />

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit fo1-<br />

gende Antwort: "Im Gegenteil, Deutschland a1s Gastland<br />

ermutigt die Rückkehr ins Herkunftsland aktiv und erleichtert<br />

uñd fUrdert die Wiedereingliederung. Wie wird das<br />

gemacht ? An erster Stel1e, wie schon erwáhnt, sagen wir<br />

nicht einfach: 'Geh jetzt nachhaus I rrr (110-3) Auch die<br />

Aussagen <strong>im</strong> vom Bundesministeriun für Arbeit und Sozialordnuñg<br />

herausgegebenen 0rientierungsheft (Guía) für die<br />

auslHnáischen Arbeiter klingen vielversprechend: "VerstHrkung<br />

der Rückkehrbereitschaft - Die Bundesregierung<br />

nUchte keinen AuslHnder durch Verwaltungsmassnahmen z:uT<br />

endgültigen Rückkehr in seine He<strong>im</strong>at zwingen. Dagegen unterstützt<br />

sie die auf eine FUrderung der Bereitschaft zvT<br />

freiwilligen Rückkehr gerichteten Massnahmen. Aus diesem<br />

Grund hat die Regierung in Bonn Kontakt zrl einigen Regierungen<br />

der Herkunftslánder der Immigranten aufgenommen,<br />

um Programme zu unterstützen, die die gesellschaftliche<br />

und berufliche Wiedereingliederung der in ihre He<strong>im</strong>at Zurückgekehrten<br />

erleichtern sollen. Die Bundesregierung<br />

lehnt die sogenannten RückkehrprHmien ab." (4-23) Wie<br />

stark die offiziellen Uberlegungen zur Rückkehr auch bei<br />

Ablehnung der Zwangsrotation von wirtschaftlichen Interessen<br />

und ErwHgungen geprágt sind, zeigen u.a. die 'Siebzehn<br />

Thesen zur Auslánderpolitik', ein Entwurf einer Interministeriellen<br />

Kommission unter Federführung des Bundeskanzleramtes,<br />

worin sich Sá.tze finden wie: "Ferner<br />

ist zu prüfen, ob der Familiennachzug in überlastete Siedlungsgebiete<br />

unterbunden wird, ufl eine weitere Belastung<br />

der sozialen Infrastruktur zu vermeiden." (64-22)<br />

Die Vorschláge zur Rotation sind dementsprechend Versuche,<br />

die Eingliederungsschwierigkeiten und -aufwendungen<br />

in den Aufnahmelándern zu verringern, wobei die Wj-edereingliederungsprobleme<br />

in den Herkunftslándern verviel-


- 15<br />

facht werden. Um so seltsamer wirkt €s, wenn von den Befürwortern<br />

der Rotation dabei das Argument vorgebracht<br />

wird, sie diene auch der Entwicklung der Herkunftslánder.<br />

0.6. Der Begriff der 'flying Mediterraneansr<br />

Opel-Direktor (Amerikaner) auf die Forderung, es sollten<br />

'nur die Auslánderr entlassen werden:<br />

"Für mich sind hier a1le Auslánder."<br />

So wie die Ernigration eine ll.iesenreise war, die Personen,<br />

die sonst meistens nur die Strecke zur Provinzhauptstadt<br />

zurücklegten, plUtz:.ich ins Ausland versetzte, so ist die<br />

Rückkehr unter die <strong>Land</strong>sleute, die die ehemaligen Emigranten<br />

oft mit dem Namen 'alemánr (Deutscher) als <strong>Fremd</strong>e<br />

kennzeichnen, ein neues Wagnis. Die Schwierigkeiten bei<br />

der Wiedereinführung lasten zuallererst auf den Schultern<br />

der Rückkehrer, deren Situation zwischen dem Industrie-<br />

1and, das sie verliessen, und der ehemaligen Heirnat, die<br />

sie nicht mehr aufn<strong>im</strong>mt und über kurz oder lang wieder in<br />

die Ernigration schickt oder zur Arbeitslosigkeit verdammt,<br />

in den Begriff rflying Mediterraneans' gefasst wird<br />

(e7-56):<br />

"Die Wirtschaft des Dorfes oder der náchsten Stadt ist<br />

nicht in der Lage, ihn zu ernáhren unverándert wie<br />

das Dorf ist, wird er es nie mehr genauso betrachten, wie<br />

er es sah, bevor er es verliess. Er wird anders angesehen<br />

und er hat andere Ansichten... Einen sicheren Platz flJr<br />

ihn gibt es <strong>im</strong> Dorf nicht mehr... He<strong>im</strong>atlos sein heisst<br />

namenlos sein. Er. Die Existenz eines Wanderarbeiters."<br />

(1 2 - 22e)


14<br />

PROBLE},{E DER DATENBESCHAFFUNG UND STATISTISCHE<br />

ANGABEN<br />

Uberblick über die offizieLlen und anderen Anwerbekaná1e<br />

In den Aufnahmelándern gibt es keine Statistiken nach einheitlichen<br />

Kriterien über die benutzten Einreisewege. Die<br />

eigentliche klandestine'schwarze' Immigration ohne Pass<br />

in die BRD war bei Spaniern selten, verbreiteter war die<br />

'grauer : legale Einreise mit Pass a1s Tourist und dann<br />

VerlHngerung des Aufenthalts, unterstlltzt durch Anlaufpunkte<br />

(31 -32) , in vielen FáI1en durch schon ausgereiste<br />

Familienmitglieder (74-68). An offiziellen Wegen gab es<br />

zwei:<br />

über das Instituto Español de Emigración, etwa 2/3<br />

- über die Deutsche Anwerbekommission in Spanien, die<br />

eine Aufenthaltserlaubnis/Visum erteilte; etwa 1 /3,<br />

das auf diese Weise ohne Betreuung durch spanische<br />

Stellen 'vermarktet' wurde (98 - 1 2)<br />

Andere Quellen (74-71) nehmen &n, dass ab 1963 der Prozentsatz<br />

derjenigen, die ohne Einwirkung des IEE (a1so schwarz,<br />

grau oder durch die deutsche Anwerbekommission) über die<br />

Grenze gingen, bei 60 % 1iegt.<br />

Einen gewissen Aufschluss geben auch die Befragungen derjenigen,<br />

die wieder nach Spanien gebracht wurden, weil<br />

sie sich nicht aus Notlagen helfen konnten (rrepatriaciónr<br />

40/197 4-35, 40/1975-35, 40/197 6-35) :<br />

Ausreiseform der rrepatriados' eo<br />

in<br />

Jahr<br />

797+<br />

197 5<br />

197 6<br />

Dabei muss eine best<strong>im</strong>m<br />

tigt werden, da es sich<br />

in Notlagen gerieten.<br />

Die Verschárfung der Au<br />

Zahlen der an der Grenz<br />

rnit Vertrag<br />

46 ,4<br />

39,6<br />

26,2<br />

qhne_Verlrag<br />

21 ,4<br />

25 ,1<br />

28 rz<br />

k.A.<br />

T¡-t<br />

58,0<br />

45 r6<br />

te Verzerrung der Daten berücksichja<br />

gerade um Personen handelt, di-e<br />

s1ánderpolitik spiegelt sich in den<br />

e zurückgewiesenen Auslánder wieder<br />

(43lNovember 1 975 - 50 Ta<br />

1974 178.000<br />

1975, erste 9 Monate 139.215<br />

ut 'Región' vom 19.11.1975):<br />

1 .2. Lage der klandestinen Migranten<br />

Lange Zeit galt das Problem als nicht vorhanden. So erklárte<br />

der damalige Direktor des IEE noch <strong>im</strong> September 1975 in<br />

einem Interview der Zeitung 'Proar in Le6n, es gebe keine<br />

klandestinen Emigranten aus Spanien (45lSeptember 1975-56) .<br />

Demgegenüber gibt die Internationale Arbeitsorganisation<br />

als Faustregel, dass sie normalerweise 1 0 qo a1-J.er auslHndischen<br />

Arbeiter stellen (43/Juni 1976-28+29) und 1974 wurde<br />

die Gesamtzah\ der i11egal in der BRD bescháftigten<br />

Auslánder al1er Nationalitáten auf 250.000 geschátzt (43/<br />

Juni 1 975-5) .<br />

Dabei ist zu bedenken, dass die Aufnahmelánder wesentlich


1s<br />

bessere KontrollmUglichkeiten besitzen a1s die AusreiselHnder<br />

(43/Januar 1976-8) ; MUglichkeiten, die interessanterweise<br />

erst ausgeschupft wurden, a1s die i1lega1e Anwesenheit<br />

von Tausenden von Auslándern in der BRD als<br />

ein Problem von Bedeutung für die 'Innere Sicherheit' angesehen<br />

wurde (64-23).<br />

Úber die Lage der I11egalen gibt es einige anschauliche<br />

Schilderungén (74-188); sie leben unter dauernder Verfolgung,<br />

zi háufigem Wohnungswechsel gezwungen, ohne<br />

Schütz-vor Krankheit und bei UnfH11en, unter dem Druck,<br />

vor der sicheren Ausweisung mUglichst viel verdient zu<br />

haben, abhHngig von vermittlern, die sie oft ausbeuten.<br />

Und doch hat-es beispielhafte Beweise von Solidaritát<br />

gegeben, Streiks oder Drohungen, die die Unternehmer zwaÍg"ñ,<br />

z.B. bei schweren Unfál1en eines I1legalen die Krankñeitskosten<br />

zu übernehmen; und die Betreuungsinstitutionen<br />

irren, hlenn sie glauben, man kUnnte il1ega1e Arbeiter<br />

nicht beraten: auch sie haben ihre Anlaufpunkte und<br />

Infornationskaná1e, über die man sie indirekt erreichen<br />

kann.<br />

1 .3. Begrenztheit der Informationsquellen über Migratión,<br />

Unterschied zwischen offiziellen Angaben<br />

und I{irkli-chkeit, Rückkehrmethoden und ihre Erfassung<br />

a1s Problen<br />

Die erste Voraussetzung für staatliche Planung in Bezug<br />

auf díe Rückkehrer sind genaue Angaben (98-115).<br />

'Rückkehr' wird dabei verstanden al§ vor mehr als 6 Monaten<br />

durch eigene Kraft mit der Absicht,, sie sgi endgültig,<br />

durchgeführte Rückkehr nach einem Auslandsaufenthalt<br />

voñ mehr aÍs 6 Monaten (43/? 197 4-24)und(98-1 1 0) .<br />

Zur Gewinnung von Angaben über die Rückkehrer gibt es zwei<br />

Wege:<br />

Befragung einer nach Unterlagen der DGS (Polizeídtrektión)<br />

-oder des Wáhlerverzeichnisses ausgew5hlten<br />

St ichprob e<br />

- indirékte Auswertung nach den Unterlagen der Konsulate,<br />

Arbeitsánter, deutschen Auslanderpolt-zer, Deutschen<br />

Anwerbekommissi-on oder der Arbeitsministerien.<br />

Spanische Angaben zum Verhá1tnis'offizielle/wirkliche<br />

Emigration' iinden sich in (41),(52) und (71), dort gibt<br />

es auch Daten zu 'Ausgereiste/Rückkehrer'<br />

Es wurden auch VorschlHge für eine bessere Kanalisierung<br />

des Informationsflusses gemacht (107), sie sehen folgende<br />

Stationen vor:<br />

- 2 Monate vor seiner Abreise n<strong>im</strong>mt der zukünftige<br />

Rückkehrer Kontakt zur Sozialabteilung der Botschaft<br />

auf<br />

- diese sendet ihm einen Fragebogen für Rückkehrer zu<br />

- nach dessen Ausfüllung erhált er eine Karte zur vorstellung<br />

be<strong>im</strong> IEE seiner zukünftigen He<strong>im</strong>atprovinz<br />

- der Fragebogen wird von der Sozialabteilung der Botschaft<br />

Uber-die ZentraLe des IEE und die Provinzdelegationen<br />

des IEE an die Arbeitsvermittlungs- und<br />

Beratungsstellen weitergeleitet.<br />

Uber die Verwirklichung dieses Projekts ist uns nichts bekannt.


16<br />

In diesen Zusammenhang gehUrt auch die Idee, zukünftigen<br />

Rückkehrern von den spanischen Arbeitsámtern einen Fragebogen<br />

zD ihren Qualifikati-onen zuzuschicken (5ó).<br />

Trotz dieser scheinbar reichhaltigen Quellen gehen die vorliegenden<br />

Daten weit auseinander:<br />

- von 1 960 bis 1967 vom IEE vermittelt:<br />

'136.859<br />

nach Angaben der dt. Arbeitsámter<br />

bescháftigte Spanier:<br />

362.038<br />

(1oo-46)<br />

- zu einem best<strong>im</strong>mten Zeitpunkt (100-47 ) werden von der<br />

Dt. Anwerbekommission 1.262 mehr Arbeiter angeworben,<br />

als das spanische Arbeitsministerium \rerzeichnet<br />

- manchmal differieren die Zahlen der insgesamt Ausgereisten<br />

in selben Buch von Seite zD Seite (92-Tab. 1.4./<br />

4 .14 .)<br />

Ab 1967 lHsst sich fast kein Unterschied zwíschen der Zahl<br />

der Ausgereisten und der vom IEE Vermittelten feststellen,<br />

woraus der Schluss gezogen wird, dass die 'graue' Migration<br />

abgenommen hat (54-886) .<br />

Wie erklHren sich diese beachtlichen Ungenauigkeiten ?<br />

- Nach Livi-Bacci (zrt. in 67-14 und 68-255) leiden vie-<br />

1e Untersuchungen unter ungenauer Definition und geringer<br />

Anzahl der Befragten, Mangel an ReprásentativitHt.<br />

Daher kUnnen die folgenden Fragen nicht gelUst werden:<br />

Dauer, Regelmássigkeit und Wiederholung der Emigration,<br />

Mobilitát und neue berufliche Qualifikation, geografische<br />

0rientierung nach der Rückkehr, Verwendung der<br />

Qualifikation und der Ersparnisse.<br />

- Bei al1en Befragungen über 'endgültiger Rückkehrabsichten<br />

durch Vertreter des He<strong>im</strong>atlandes spielt die Tendenz<br />

mit hinein, so zu antworten, wie es 'national erwünschtr<br />

ist.<br />

- Der rotatlonsáhnliche Charakter vieler Migrationsbewegungen<br />

erschwert allgemeingü1tige Feststellungen, oft<br />

kehren Pers.onen rendgü1tig' zurück und nach einer Wei-<br />

1e emigrieren sie wieder ( 1 0) und (68 - 1 1 +253) . 'Endgü1 -<br />

tig' in Spanien bleiben nur die Gescheiterten, die anderen<br />

pendeln über Jahre hinweg zwischen beiden Lándern<br />

(68-11). Oft bedeutet die 'Ausreise' aus einem<br />

Aufnahmeland auch nur die fEinreiser in ein anderes,<br />

aber keine 'Rückkehr' .<br />

- Aus Karteien der Arbeitsámter, des IEE oder der Agregadurías<br />

Laborales (Sozialabteilungen) der Botschaften<br />

gewonnene Angaben sind <strong>im</strong>mer sehr begrenzt, es werden<br />

weder Selbstándige noch FamilienangehUrige noch Personen,<br />

die sich bei der Rückkehr schon selbst einen Arbeitsplatz<br />

gesucht hatten, erfasst (36).<br />

- Andere Emigranten wiederum sind offiziell nie ausgereist<br />

(97) und werden <strong>im</strong> Einwohnerverzeichnis des He<strong>im</strong>atdorfes<br />

weitergeführt. Sie meiden den Weg zu BehUrden<br />

aus naheliegenden Gründen.<br />

- Oft werden Rückkehrer auch nicht erfasst, weil sie sich<br />

aus Misstrauen oder weil sie sich nicht den Weg zur<br />

náchsten Emigration verbauen wo11en, nicht an die spanischen<br />

BehUrden wenden (24-77). Diese melden sich<br />

oft auch bei den Konsulaten nicht ab (43/Februar 1975-<br />

21). Manche scheuen den Weg zur BehUrde, ufl nicht a1s<br />

'Gestrandete I ztJ gelten.


- 17<br />

1.5.<br />

Die Rückkehr wird meist selbst organisiert (92-150),<br />

verláuft am Rand der Konsulate, oft nutzt der Rückkehrwillige<br />

den Urlaub zur Stellensuche aus, wáhrend<br />

der deutsche Arbeitsvertrag noch gi1t. Findet er etwas,<br />

kehrt er gar nicht mehr in die BRD zurück und<br />

über1ásst den rPapierkrieg' dem Konsulat (72). Daher<br />

rührt auch die Idee, den Urlaub, den die Emigranten<br />

in Spanien verbringen, zt)T Information und Rückkehrberatung<br />

zu nutzen (44).<br />

Das Verháltnis eines nicht unbedeutenden Teils der<br />

spanischen Emigranten zú Konsulaten und offiziellen<br />

Stellen (zumindest) wHhrend des Franco-Reg<strong>im</strong>es wird<br />

folgendermassen am besten umschrieben: "Zum Konsulat<br />

bin ich nur zum Steinewerfen gegangen."<br />

Angaben zur Ausreise aus Spanien/Einreise in die<br />

BRD<br />

s<br />

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18<br />

1.6.<br />

Jahr<br />

954<br />

955<br />

9s6<br />

957<br />

958<br />

959<br />

960<br />

e61 (30.6. )<br />

962<br />

963<br />

964<br />

965<br />

966<br />

967<br />

968<br />

969<br />

970<br />

971<br />

972<br />

973<br />

e74 (50.6.)<br />

97s<br />

s76 (30.6.)<br />

(50. e. )<br />

(50.12. )<br />

s77 (30.3.)<br />

(30.6. )<br />

(30 .12 .)<br />

Angaben zum Aufenthalt in der<br />

So z ialvers icherungspfl ich -<br />

tig bescháftigte Spanier<br />

in der BRD<br />

411<br />

486<br />

698<br />

967<br />

1.494<br />

2 .1s0<br />

9.4s4<br />

s0.976<br />

85.915<br />

112 .1s7<br />

1 58.578<br />

171.542<br />

17s.190<br />

1 26 .984<br />

112.592<br />

134.987<br />

1 6Z .909<br />

179.69s<br />

181.102<br />

1 58.936<br />

'l<br />

29.',l 05<br />

11'l .006<br />

107.518<br />

1 04.003<br />

10.1 .493<br />

100.311<br />

94 .67 4<br />

(21)<br />

(20) (1e-683)<br />

(18-5+8)<br />

BRD<br />

In der BRD ansás -<br />

sige Spanier<br />

175.000<br />

206.895<br />

245 .400<br />

27 0 .400<br />

267.248<br />

287.021<br />

272.676<br />

247 .447<br />

219.427<br />

201 .400<br />

(int. Dok.<br />

4)<br />

Die Tabelle zergt dreierlei:<br />

- die plUtzliche Zunahme durch die organisierte Emigration<br />

ab 1 961<br />

- das vorübergehende Absinken in den Jahren 1967/68<br />

und endgültig ab 1973<br />

- den Anstieg des Anteils der nicht-arbeitenden Fanilienmitglieder,<br />

der sich in der zunehmenden Differenz<br />

zwischen der Zahl der BeschHftigten und der<br />

Ansássigen widerspiegelt .<br />

Die Spanier in der BRD bilden eine<br />

Kolonie, das zeigen die Daten über<br />

jenigen, die sich in der BRD ohne<br />

durch Urlaubsreisen) aufhalten:<br />

Einreiseiahr der<br />

Langans ás s igen<br />

1 960 und früher<br />

1 961<br />

1 962<br />

1 963<br />

1 964<br />

196s<br />

1 966<br />

relativ langansássige<br />

das Einreisejahr der-<br />

Unterbrechung (ausser<br />

69o<br />

7<br />

7<br />

6<br />

10<br />

7<br />

5


19<br />

)s<br />

13<br />

15<br />

)lo<br />

(16-34)<br />

Derselbe Sachverhalt wird in den Angaben über die Aufenthaltsdauer<br />

der Ansássigen ausgedrückt (Angaben wahrscheinlich<br />

nach Auslánderzentralregister) :<br />

@6)?':<br />

Aufentha 1 t sdauer<br />

1967<br />

1 968<br />

1969<br />

197 0<br />

197 1<br />

197 2<br />

,)<br />

L-<br />

3-<br />

4-<br />

6-<br />

8 -1<br />

mehr<br />

Am 30.12.197 6 waren 63,7<br />

ansássig.<br />

Nach Angaben des IEE vom<br />

waren 7 2 ,6<br />

und 38,3<br />

ansássig.<br />

1 Jahr 2 ,2<br />

eo<br />

Z Jahre 5,0<br />

3 4,7<br />

4 8,4<br />

6 18,0<br />

8 20,2<br />

0 8,0<br />

a1s 1 0 55,5<br />

% mehr als 6 Jahre in der BRD<br />

Oktober 1 978<br />

% mehr als 6 Jahre<br />

% mehr a1s 1 0 Jahre in der BRD<br />

Dieses Bild wird durch die Angaben des Auslánderzentralregi-sters<br />

vom 50.9 .1977 untermauert:<br />

Aufenthaltsj ahre Einreisefahr in_1 .000<br />

weniger a1s 1 1977 3,7<br />

1 - Z 1976 4,9<br />

2 - 3 1975 5,8<br />

3 - 4 1974 8,8<br />

4 - 6 1973/2 30,8<br />

6 - 8 1971/0 38,7<br />

8 -10 1969/8 28,9<br />

mehr a1s 10 vor '67 75,6<br />

Es gilt also nieht mehr, dass die 0-Aufenthaltsdauer so<br />

kurz ist, dass Investitionen nicht lohnen (92-90). "Mit<br />

zunehmender Aufenthaltsdauer werden bei <strong>im</strong>mer mehr der<br />

verbliebenen auslándischen Arbeiter die anfánglich recht<br />

grosse Unschlüssigkeit über die voraussichtliche Dauer<br />

des Aufenthalts in der BRD sowie ursprüngliche kurzfristige<br />

Verweilabsichten durch den Wunsch verdrángt, langfristig<br />

oder für dauernd hier zu bleiben." (16-36) 1972 planten<br />

48 % der befragten auslándischen Arbeiter(innen),<br />

lHnger als ein Jahr, aber nicht endgü1tig in der BRD zt)<br />

bleiben (16-55). Die Grenze für das weitgehende Verschwinden<br />

des Rückkehrwunsches wird von den meisten Autoren bei<br />

5 Jahren Auslandsaufenthalt angesetzt (5¡+(76). Viele<br />

Spanier in der BRD sind daher 'für die Rückkehr verlorenr<br />

und interessieren sich wahrschei-n1ich mehr für Probleme<br />

wie die Familienzusammenführung und die Schule.<br />

Das Vorhandensein einer solchen langansássigen Kolonie<br />

kann für das Aufnahmeland den Vorteil haben, Anlernkosten<br />

und Integrationskonflikte zu verringern, kann aber auch<br />

zu einem gewissen Selbstbewusstsein und den entsprechenden<br />

Forderungen führen. (1 1 -90)


-20<br />

1.7 .<br />

Angaben zur Rückkehr nach Spanien<br />

al<br />

úl<br />

Él<br />

Él<br />

..r<br />

I<br />

ol<br />

rol<br />

'rr<br />

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21<br />

) VOR DER AUSREISE<br />

2.1 . Beteiligte Institutionen<br />

2.1 .1. Rekrutierungsphasen und -mechanismen<br />

Es werden folgende Phasen unterschieden (55):<br />

- Anwerbung (reclutamiento)<br />

- Einteilung (encuadramiento)<br />

- Vorauswahl (preselección)<br />

- Verwaltungsmássige Erfassung (documentación)<br />

- Auswahl (selección)<br />

- Abfahrt (salida)<br />

- Transport (traslado)<br />

Dem IEE oblag die Organisation der Zllge und der Vorbereitungskurse<br />

(fa11s es welche gab),sowie die medizinische<br />

Untersuchung. Die Syndikatsorganisation wáhlte nach der<br />

Meinung der Dorfautoritáten und der Arbeitslosenziffer<br />

die Anwerberegionen aus. Man konnte sich bei den Delegationen<br />

des IEE in den Provinzhauptstádten oder bei dem<br />

Vertreter der Organizaci1n Sindical <strong>im</strong> Dorf einschreiben<br />

('apuntarse'). Dabei ist wohl nicht <strong>im</strong>mer a11es mit rechten<br />

Dingen zugegangen, besonders in der Endphase, als man<br />

Beziehungen ('enchufe') brauchte: "Wer in Olvera zeitwei-<br />

1ig ins Ausland gehen wo11te, musste bei Mancio, dem Funktionár<br />

des vertikalen Syndikats, der die Vertragszuteilung<br />

in der Hand hatte, ein Transistorradio kaufen." (Cal1e 1,<br />

S.32 vom 28.3.1 978)<br />

Darauf folgte eine medi-zinische Untersuchung erst durch<br />

spanische, dann durch deutsche Arzte (bis auf die ZHhne)<br />

und in der BRD noch eine durch die Betriebsárzte, die teilweise<br />

Arbeiter zurückschickten.<br />

Dj-e besonders G1ücklichen hatten das Vergnügen, auf dem<br />

Abfahrtbahnhof ein paar trUstende Worte eines deutschen<br />

Anwerbers zu hUren, und ab gingts.<br />

2.1 .1. Ausreisewege und Kontaktpunkte<br />

Das Emigrationsgesetz vom 21.7 .1971 verweist die Abwicklung<br />

der mit der Emigration zusammenhángenden Fragen in<br />

die gemeinsame Zustándigkeit von<br />

Instituto Españo1 de Emigración<br />

- Dirección General de Promoción Social (Generaldirektion<br />

für Soziale FUrderung)<br />

- 0rg anización Sind j-ca1<br />

wobei die Auswahl und verwal<br />

O.S. zugetei-1t wurde (8-B).<br />

(8-7),<br />

tungsmássige Erfassung der<br />

Darüberhinaus glbt es einige Kontaktpunkte, über die man<br />

a1le (legalen) Emigranten erreichen kann:<br />

- GesundheitsbehUrden<br />

- ZolL<br />

- Banken<br />

- Botschaft (36-2).<br />

Mindestens so wirksam wie die staatlichen und sonstigen<br />

Stellen ist die eigene Ethnie als Integrationsbrücke (vg1.<br />

International Migration Review XV-2/5-84 ff), aber eine zu<br />

weitgehende Stárkung dieses Kontaktpunktes kann zu politischen<br />

Problemen führen.


aa<br />

2.1.3. Aufgaben des Instituto Españo1 de Emigración<br />

,,In Bezug auf den Emigranten hat der staat die Aufgabe,<br />

ihm eine vollstHndige-Information über das Best<strong>im</strong>mungsland<br />

zu verschaffenl ihm arbeitsbezogenen und kulturel-<br />

1en Beistand an seiner neuen ste11e zÚ geben und seine<br />

Fanilie zu untárstützen und zu schützerL, egal, -I9 :1e<br />

sich befindet.,,<br />

(95_g)<br />

unter die Aufgaben des 'consejo Escol_at -para<br />

1a-Extensión<br />

Educativa a f6s Emigrantes españoles' , der für die schulische<br />

versorgung der"Kinder <strong>im</strong> Ausland mit zustándig ist,<br />

iefft auch áie"Hebung des Bildungsniveaus der Emigranten<br />

mithilfe des einhe<strong>im</strong>lschen oder áes spanischen Erziehungswesens<br />

(82-78).<br />

Bei einer Befiagung über ihre Erwartung an die Arbeit<br />

staatlicher Steíleñ <strong>im</strong> Ausland werden an erster Ste1le genannt:<br />

Zg,6lgoschaffungeinesspanischen'Ambientel<br />

2s.,gsgoBerufsbildungund.Sprachlernzentren<br />

Eine zentrale Stellung bei dér Erfü11ung dieser Aufgaben<br />

n<strong>im</strong>mt das IEE ein. Es"wurde am 17.7.1956 gegründet' Im Dekret<br />

1582 vom 1g.4.1974 werden seine Aufgaben erweitert<br />

und die Struktur daran angepasst (7 -41) . Ausserdem werden<br />

die Wiederei-ngiiederung aüsárUcklich erwHhnt und konkrete<br />

Massnahmen genannt:<br />

- Hilfen zum Kauf von Einrichtungsgegenstánden und<br />

Werkzeug vor der Rückkehr<br />

- Kredite für Kooperativenbildung und individuelle Niederlassung<br />

a1s Selbstándiger<br />

- WiedereingewUhnungskurse<br />

-beruflicheorientierungundVervollkommnungiT4"fnahmeland<br />

(7 _44) .<br />

Für die Kurse zur vorbereitung auf die neue umgebung- und<br />

z17T beruflichen Fortbildung wérden stipendien, Reisekosten<br />

und Lehrnittelzuschüsse g"ñehrt (85/1 916-52) .Das-Arbeitsministerium<br />

weist in den-Berichten des Fondo de Protección<br />

aL Trabaj o folgende summen für die Emigration aus:<br />

197 6 1 .01 6. ooo. ooo Ptas<br />

1977 1.415.ooo.ooo Ptas (8s-e)<br />

2.1.4. Struktur des IEE<br />

Das formelle Leitungsorgan des IEE ist der Nationale Emi-<br />

!iátiá"rrut (a;;re¡6 uaéiglr1 de Emigración). Nach Par. 4z<br />

á", Emigrationsgerétr"r (8) besteht er aus folgenden Mitgliedern:<br />

- Prásident (vom Arbeitsministerium ernannt)<br />

- VizeprHsi¿ent (mit dem Rang eines Unterstaatssekretárs<br />

<strong>im</strong> Aussenminister iurn)<br />

- 1 0 Beamten<br />

- 5 Vertreternder Organi zací6n Sindical<br />

- 1B Vertretern v"rréhiedener Mi-nisterien und<br />

tungen<br />

- 6 vó., der 0. S. ausgewáhlten Vertretern des<br />

TransPortwesens<br />

- 5 Emigranten<br />

- 2 veráienten PersUnlichkeiten'<br />

E inr ich -<br />

Bank- und


23<br />

Entsprechend der geHnderten politischen Situation wurde<br />

<strong>im</strong> MHrz 1978 ein Dekretentwurf für die Umbildung des Consejo<br />

Nacional de Emigración vorgestellt (Cartas de España,<br />

Márz 1978-59):<br />

- 18 Vertreter der Verwaltung, die für die in IEE bestehenden<br />

Sachgebiete zustHndig ist, wie Wohnung,<br />

BeschHftigung, Erziehung, Soziale Sicherheit<br />

- 16 Vertreter der europáischen Emigration, aus Zentren,<br />

Vereinigungen und Emigrantengewerkschaften<br />

- 3 vom Arbeitsministerium best<strong>im</strong>mte Vertreter der<br />

südamerikanischen Emigrat ion<br />

- sowie Berater ohne Stinme der Sozialversicherung,<br />

Eisenbahn usvrr.<br />

In Par. 43 wird der Stándige Ausschuss aus 6 Personen erwHhnt,<br />

dessen Schlüsselfigur der Generaldirektor (Par.<br />

45 ,14) ist.<br />

Die Ausgaben des IEE werden durch staatliche Zuschüsse,<br />

besonders vom Arbeitsministerium, durch die 1leo-ige Abgabe<br />

a11er Transportunternehmen auf die von ihnen an Emigranten<br />

verkauften Fat'r/Flugkarten und aus Bussgeldern<br />

(u.a. bei klandestiner Emigration) gedeckt (Par.47).<br />

Das Dekret 1582 vom 19.4.1974 geht <strong>im</strong> Artikel 10 - 15<br />

auf den Aufbau des 'Departamento Acción Social' ein, das<br />

für uns wichtig ist<br />

1. Acción Social<br />

2. Acción Social<br />

3. Asistencia aL<br />

4 . Acción Educativa:<br />

Interior: Hilfe vor der Ausreise, Zusammenarbeit<br />

mit der Sozialvers<br />

icherung<br />

Exterior: Betreuung <strong>im</strong> Aufnahneland<br />

Retornado: Information über Wiedereingliederung,<br />

Beratung bei der<br />

Arbeitssuche (unterteilt in<br />

die 5'Negociadosr = Gescháftsbereiche<br />

: Información,Retorno,<br />

Repatriación; Colocación;<br />

Promoción, Gestión)<br />

<strong>im</strong> Kontakt mit dem rConsejo<br />

Escolar para la Extensión<br />

Educativa'<br />

5. Formación Profesional: Kurse vor und nach der Emigration,<br />

BerufsfUrderungsmassnahmen<br />

<strong>im</strong> Ausland.<br />

Am 6.7.1972 wurden die 4. und die 5. Abteilung zu selbststHndigen<br />

Einheiten gemacht (8-96). In der BerufsfUrderung<br />

ist die Dirección General de Pronoción Social (eine<br />

den IEE gleichrangige Institution des Arbeitsministeriums)<br />

<strong>im</strong> Rahmen des BerufsfUrderungsprogrammes Programa de Promoción<br />

Profesional Obrera (PPO-SEAF) zustHndig, das IEE<br />

wird zu den die Emigranten betreffenden Massnahmen geh6rt,<br />

die Direktoren der Ausbildungszentren werden auf Vorschlag<br />

des IEE von der D.G.P.S. ernannt. Die Provinzkomitees der<br />

DGPS sollen auch jáhrlich über die Entwicklung der Emigration<br />

und der Wiedereingliederung berichten.<br />

Für jeden, der Informationsquellen über die spanische Migrationspolitik<br />

sucht, ist ausserdem das Centro de Documentación<br />

CEDOC wichtig, das 1973 durch Zusammenfassung<br />

abteilungsspezifischer Teileinheiten entstand (1 04-1 5) .<br />

Zur Unterstützung der Emigranten <strong>im</strong> Ausland und zur Beobachtung<br />

ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen dienen die<br />

Arbeitsinspektoren und die Agregadurías Laborales (=Arbeitsattaché-ste11en)<br />

bei den Botschaften (1aut dem Ley


_24<br />

de 0rdenación de la Emigración, 3.5.1962, in 8-357 + 43/<br />

1976-1/ss).<br />

Von der ZéntraLe bei der Botschaft hángen die Beratungsbüros<br />

(Qficinas Laborales) in den wichtigsten Arbeitsgebieten<br />

der Spanier in der BRD áb, die eng mit den von der Caritas<br />

untbrhaltenen und vom IEE unterstütztert Sozialarbeiter<br />

(inne) n zusammenarbeiten.<br />

Das Personal der Agregaduría Laboral wird vom IEE ausgewáhlt<br />

und vorbereiletl erhált von ihm seine Anweisungen und<br />

berichtet ihm, gleichzeitig besitzt es diplornatischen Status<br />

und ist bei-den Konsuláten (also beirn Aussenministerium)<br />

angestellt.<br />

Eiñe Hhnliche Konstruktion findet sich bei der Agregaduría<br />

Cultural in Bonn, die gleichzeitig vom IEE und damit dem<br />

Arbeitsministerium, dem Erziehungsministerium und vom Aussenministerium<br />

(diplomatischer Status) Anweisungen erhá1t.<br />

Die <strong>im</strong> Ausland iUtigen Lehrer werden vom IEE entsandt, die<br />

entsprechende Abteilung 'Acción Educativa' wird von einem<br />

Inspéktor des Erziehungs- und Wissenschaftsministerium geleitet.<br />

Daneben gibt eé noch eine Gruppe Lehrer, die individuell<br />

ins Auslánd gegangen sind und sich von dort aus<br />

bei deutschen oder spanischen Stellen anstellen liessen.<br />

A11e diese Einrichtuñgen waren natür1ich von der Otganización<br />

Sindical und den anderen Organisationen des Franco-<br />

Reg<strong>im</strong>es rnitgeprágt, und so Verr^/undert es nicht, dass der<br />

Veitrauensrlsi zt,ischen ihnen und den Emigranten <strong>im</strong>mer breiter<br />

wurde und ihre Neubesetzung bei Mitbest<strong>im</strong>mung der Emigranten<br />

und der Gewerkschaften verlalgl wird (EI País, 1 5.<br />

é.lgll) Auf den vom ZS. bis 26.9.1977 in Madrid durchgeführten<br />

Studientagen wurde u. a. gefordert:<br />

- Staatssekretáriat für Enigration anstelle des IEE<br />

- Umformung des Consejo Nacional in eine Vertretung der<br />

Emigranten, Gewerkschafter und Verwaltung'<br />

Die Bildung der 'Juntas Consulares' bei den einzelnen Konsulaten,<br />

dle auch die von IEE als 'kollektive Zuschüssel<br />

gezahltén Gelder mitvelteilen, sowie die Ergánzung {"t Con-<br />

Iejo Escolar durch regionale Beratergremien weisen in diese<br />

Richtung.<br />

Reste des ñerrschenden Misstrauens zeigen sich in folgenden<br />

zitat: t'. . . die grosse ubereinst<strong>im</strong>mung der_ verwaltung,<br />

vertreten durch den-gegenwHrtigen Generaldirektor der Emigration,<br />

Francisco Cónáomines, und die Vertreter der Mini-<br />

Iterien für Arbeit, dessen Minister, Herr Jímenez de Par-<br />

EZ, <strong>im</strong> Laufe der Studientage anwese-nd war, und_für Wohnungs-<br />

6ar.r, das in Thema Enigration betroffen ist, und uns. Wir<br />

sind auf vUlliges VerstHndnis und Unterstützung gestossen<br />

und es scheint uns sogar, a1les ist zu gut gegangen "'"<br />

(E1 País , 27 .9 .1977)<br />

2.1.5. Informationsquellen für Emigranten und ihre Reichwe<br />

ite<br />

Eine der wichtigsten Quellen sind die Berichte der Verwandten<br />

und Bekanntén, die schon in Ausland sind. Obwohl diese<br />

Berichte auch best<strong>im</strong>mten Verformungen unterliegen, gelten<br />

sie a1s glaubwürdiger, als die der staatlichen Stellen, denen<br />

gegeñUber die Emigranten zumindest zuT Franco-Zeit misstraulséh<br />

oder oppositlonell eingestellt waren (13/1976-Márz<br />

-11).


2s<br />

Bei einer Befragung zur Bewertung der Vorbereitung auf<br />

die Emigration in Spanien (25-84), bei der eine Skala von<br />

0 - rnicht' bis 2 - rgründlichr zugrundel^g, war der spanische<br />

Wert fr 0,42 gegenüber einem A aller Nationen von<br />

0,70. Aufschlussreich auch die Tabe11e, wer gibt die<br />

beste Beratung am Arbeitsort in der BRD<br />

(25-90) deut. and. Beh. Verw. dt. nie-<br />

BehUr- dt. Be- aus + Freun- mand<br />

den rater He<strong>im</strong>. Freunde de !<br />

Spanier 19 eo 6 13 19 19 25<br />

a1le Nat. 19 14 28 Z0 11 7<br />

Von 1967 stammen die folgenden Angaben:<br />

Besassen Sie vor der Ausreise Information ?<br />

m f<br />

Ja<br />

Nein<br />

Keine Ang.<br />

50 ,7<br />

eo<br />

33 ,1<br />

16 ,2<br />

54 ,4<br />

¿5, /<br />

')) o<br />

(78)<br />

St<strong>im</strong>mten die Informationen nit der Wirklichkeit überein ?<br />

Ja 56r3 qo 47,05<br />

Auf welchen Wegen erhielten Sie sie ? (Mehrfachnennungen)<br />

durch<br />

Flugblátter 34 ,7 7 e,<br />

münd1 ich 71,44<br />

Kurse 4,56<br />

Zum selben Problem:<br />

18,75<br />

77,50<br />

11 ,25<br />

Informationsquellen der Spanier vor der Ausreise<br />

(79-49,Tab. 29+30)<br />

m<br />

f<br />

Verwandte, Freunde<br />

Z e i tungen<br />

73<br />

eo<br />

10<br />

Radio, Fernsehen 2<br />

Spanische Stellen 12<br />

Dt. Anwerbekommiss. 5<br />

Sonstige 1<br />

Keine Angaben 14<br />

Sehr interessant eine Aufschlüsselung der<br />

nach Themen:<br />

75<br />

4<br />

5<br />

9<br />

3<br />

2<br />

ZO<br />

Vorinformat ion<br />

Keine Information 42<br />

E"qig lnlolmatfoñ über :<br />

ArbeitsmUglichkeiten 6<br />

al1g. gute Arb.beding. 9<br />

gute VerdienstmUgl. 26<br />

gute Sozialleistungen 1<br />

harte, unpersunl. Arb. 0<br />

{rbeitsbeding. IOTAL 42<br />

gute Lebensbedingungen 12<br />

Kl<strong>im</strong>a, Ernáhrung 1<br />

Unterkunf t, IVohn. prob . 0<br />

Mentalitát der Dt. 7<br />

al1g. hartes Leben 0<br />

hohe Lebenshalt. kosten 0<br />

Vorurteile, Angst 0<br />

56<br />

7<br />

3<br />

1s<br />

2<br />

0<br />

25<br />

9<br />

1<br />

1<br />

4<br />

0<br />

0<br />

0


26<br />

Lebensbedlng. TOTAL<br />

m<br />

20<br />

eo<br />

Sonstige 2<br />

Keine qpez. Angaben 14<br />

Wenig Information IOLAL 78<br />

gequg lnlormation 5<br />

viel Information 1<br />

E"l"e [n[a[en - 0<br />

Diese Tabelle (79-46+47, Tab. 29+30) verdient eine genaue<br />

Beachtung a11er Einzelergebnisse. Sie zeigt, dass die Spanier<br />

zu diesem Zeitpunkt (bis auf eine winzige Minderheit)<br />

keine oder wenig Vorinformationen besassen und es bei einigen<br />

speziellen Themen zu schweren Enttáuschungen kommen muss<br />

te.<br />

??<br />

2.2.1<br />

Qualifikation vor der Ausreise<br />

Schulabschlüsse<br />

Eindeutig und übereinst<strong>im</strong>mend sind die Angaben zum<br />

schulischen Niveau der Emigranten<br />

o'o<br />

Grundschule abgeschlossen<br />

64,02<br />

" abgebrochen 22,94<br />

Lehre abgeschlossen 1,42<br />

Industriemeister 0,57<br />

etwa Mittlere Reife (bachiller e1em.) 6,80<br />

etwa Abltur (bachiller superior) 2,55<br />

andere 1 ,7 0 (1 00 -227 )<br />

eo<br />

Grundschule<br />

95,3<br />

Weiterführende Schule<br />

3 r4<br />

Berufsbildende Schule<br />

1 ,1<br />

HUhere Bildung (akademische ?)<br />

0rz (100)<br />

Anzahl der Scbqljglre<br />

bis 4 4 5 6 7 8 9 10 und mehr<br />

m 6eo 24 812 1023 6 10<br />

f 17 14 12 27 12<br />

(16-28)<br />

Bei all diesen Daten muss man bedenken, dass die Nicht-<br />

Lese- und Schreibfáhigen Bewerber von vorneherein ausgeschlossen<br />

wurden (16-27) und ausserdem 1968 15 eo der Kandidaten <strong>im</strong><br />

ersten Examen durch die Anwerbekommission für ungeeignet er- -<br />

klHrt wurden (68 - 1 2B) .<br />

2.2.2. Berufliche Herkunft<br />

Die Statistiken zur beruflichen Herkunft müssen wegen des<br />

unterschiedlichen Berufsbegriffes mit Vorsicht behandelt<br />

werden. Gab der Leiter der deutschen Anwerbekommission 3r,<br />

(11-92), von den Spaniern besássen 14 % eine Berufsausbildung,<br />

So gaben von diesen selbst 46 eo alt, sie hátten einen<br />

Beruf erlernt.<br />

Die folgenden Angaben für ganz Europa, nicht speziell für<br />

die BRD.<br />

Die Verteilung nach Wirtschaftsbereichen von 1 946 - 1 963<br />

Bauern und <strong>Land</strong>arbeiter<br />

Industrie- und Facharbeiter<br />

Bergbau<br />

15<br />

5<br />

15<br />

60<br />

7<br />

Z<br />

0<br />

59 ,49<br />

eo<br />

55,88<br />

Z ,34<br />

(74-2e)


"von 1962 bis 1971<br />

Bauern und <strong>Land</strong>arbeiter<br />

Industrie- und Facharbeiter<br />

" von 1962 bis 1973<br />

Handwerker, Industrie-,<br />

26 ,49<br />

eo<br />

50,08<br />

f<br />

total<br />

Hilf sarbeiter<br />

eo<br />

68,0 16 ,7 56,3<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft 25,6 017 18,5<br />

Dienstleistungen<br />

2 rS 212 213<br />

andere 5 r 0 0r6 4<br />

ohne Beruf, Kinder,<br />

11<br />

Hausfrauen 1,1 79 r8 18,6<br />

(59-51,Tab. 3.2.8.)<br />

Qgalifikation der Antragsteller, die niclrt ausreisten<br />

197 7<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft<br />

Bergbau<br />

Transporte<br />

Text i1 /Leder<br />

Stahl /ttletat]-<br />

E1 ektro<br />

Z <strong>im</strong>mermann<br />

Bauarb e it er<br />

Nahrungs ind .<br />

Chemie<br />

Gaststátten/Dienstleist .<br />

Andere<br />

Hilfsarbe iter<br />

In absoluten Zahlen 1963<br />

963<br />

964<br />

96s<br />

966<br />

1966:<br />

eo<br />

22 r0<br />

0r5<br />

116<br />

0rz<br />

L? ,<br />

112<br />

'"<br />

213<br />

22 13<br />

012<br />

0rz<br />

11,0<br />

3 r4<br />

30,5<br />

<strong>Land</strong>wirtsch., Fischerei,<br />

Forst, Jagd<br />

s.'l 10<br />

6 .223<br />

1 0 .697<br />

7 .215<br />

(42-7 8,Tab.5)<br />

Handwerk, fnd.<br />

Hilfsarbel ter<br />

19.565<br />

29 .532<br />

20.378<br />

10.868<br />

(2-e8)<br />

Das genaue verhHltnis <strong>Land</strong>wirtschaft/rndustrie dürfte<br />

sich wohl <strong>im</strong> Lauf der zeit verschoben haben, so sprechen<br />

andere Quellen (10s-4) von einem Anteil von 50 % án Bauern<br />

und <strong>Land</strong>arbeitern.<br />

1 962 1973:<br />

<strong>Land</strong>w., Fischerei<br />

Handw. , Ind. +Hilfsarb.<br />

berufslose Frauen<br />

1973 - 1975:<br />

m<br />

252 .47 1<br />

517.377<br />

197 3<br />

m/ f<br />

f<br />

21 .464<br />

48.862<br />

86.293<br />

197 4<br />

total<br />

27 3 .935<br />

566.239<br />

(s7-10)<br />

1975<br />

/f m / f<br />

Freie Berufe, Techn . S0 ZZ 27 26 1 g<br />

7<br />

Büroangestellte 91 ZZ 1 5 11 1T 12<br />

VerkHufer 57 4 21 4 12 _<br />

Fischer, <strong>Land</strong>wirte T .965 169 S. SE SS I . S-01 Sl<br />

Transporte 547 S ZST 6 1 95 1<br />

Handw . / Ind. /Hilfsarb .<br />

56. s87 Goss<br />

Dienstleistungen<br />

989<br />

826 461 509<br />

18.146<br />

4 6'E- z 4s<br />

260 422 266


_28<br />

(40 / 197 4 - 4,1 975 -5, 1 976- 5)<br />

Von den Auslándern, die <strong>im</strong> Herkunftsland einen Beruf erlernt<br />

hatten, übten ihn bei den Mánnern 56 % und bei den<br />

Frauen 45 % auch in Aufnahmeland aus (16-46). Als Gründe<br />

Gründe für Tátigkeitswechsel m f<br />

HUherer Verdienst 44 eo 31<br />

Fehlende Sprachkenntnisse 13 26<br />

Mangelnde Qualifikation 7 B<br />

Nichts angeboten bekommen 8 5<br />

Andere (Umzug, Verwandte in ca.30 ca. 30<br />

der NHhe haben wo11en) (16-46)<br />

Wenn man die einzelnen Berufsgruppen nach der MobilitHt<br />

untersucht, ergibt sich folgendes Bild:<br />

Mobilitátsrichtung der Berufsgruppen<br />

Büroangestellte ;i:;ifi:?:i:;;"" u. a.<br />

Verkáufer<br />

Verkáufer geblieben<br />

Fabrikarbeiter<br />

Dienstle is tungen<br />

Bauern+ <strong>Land</strong>arb e it er<br />

Industriearbeiter<br />

Dienstleistungen<br />

sonstige<br />

50 eo e_uf gleicher Qual . ebene<br />

F abr ikarbe i t er<br />

Dienstleistungen<br />

überwiegend geblieben<br />

wenige Dienstleistungen<br />

Dienstleistungen geblieben<br />

Indus tr i e<br />

Industrie<br />

Dienstleistungen<br />

(100-239,Tab.66)<br />

Vergleicht man die erste und die folgenden Arbeitsstellen<br />

<strong>im</strong> Aufenthaltsland, ergibt sich ein Trend zur Industriearbeit<br />

(100-240,Tab. 67). Dabei übernehmen Bauhandwerk und<br />

-industrie eine Ro11e a1s 'Durchlauferhitzer' be<strong>im</strong> Ubergang<br />

der aus der <strong>Land</strong>wirtschaft kommenden in die Fabrikarbeit<br />

(68-168);die Arbeit a1s Bauhilfsarbeiter wirkt a1s Sprungbrett<br />

(35). Man kann sogar eine 'Aufstiegsleiter' aufstel-<br />

1en (68-222):<br />

Mechaniker, Elektromonteur<br />

Metallarbeiter<br />

Textil-, Chemiearbeiter<br />

Bauarbe i t er<br />

Werft-, Forst-, <strong>Land</strong>arbeiter<br />

Diese Verschiebung scheint auch den Rückkehrwunsch zu beeinflussen,<br />

bei einer Befragung gaben 1.887 Personen &r,<br />

in welchem Bereich sie nach der Rückkehr arbeiten wollten


Z9<br />

Geplanter Arbeitsbereich nach der Rückkehr<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft<br />

203<br />

Industrie<br />

1 .017<br />

Handel<br />

17 6<br />

Sons t i ge<br />

297<br />

Keine Angaben<br />

198<br />

2.2.3. Qualifikationsniveau in Spanien<br />

Fast wichtiger als der Wirtschaftsbereich ist die darin<br />

erreichte Qualifikationsstufe bzw. Stellung <strong>im</strong> Produktionsprozess,<br />

denn nur wenn man sie kennt, kan man rAufstieg'<br />

oder tAbstiegt erfassen.<br />

Wie <strong>im</strong>mer stossen wir zunHchst auf eine terminologische<br />

Schwierigkeit: die spanischen Angaben unterscheiden oft<br />

nicht zwischen'angelernten' und rFacharbeitern', sondern<br />

fassen sie unter dem Begriff 'spezialisierter Arbeiterl<br />

(obrero especializado) zusammen (100-242, Tab. 68), sodass<br />

man auf 40 164 eo kommen kann, die sich a1s tspezialisierte<br />

Arbeiter' bezeichnen. Die BfA dagegen spricht <strong>im</strong><br />

Oktober 1 968 von 38 % Ungelernten und 44 % Angelernten<br />

(31-170).<br />

Die Daten über die Facharbeiterausbildung sind dementsprechend<br />

widersprüchlich: die BfA gibt ár, von den in der BRD<br />

a1s Facharbeiter(innen) Bescháftigten besassen 31 % in<br />

Spanien eine solche Ausbildung (16 -73). An anderer Stel1e<br />

gibt sie eine drei- und mehrjáhrige betriebliche Ausbildung<br />

bei 43 % der Mánner und 27 % der Frauen an (16-46),<br />

wobei nur bei den MHnnern der Ausbildungsabschluss belegt<br />

zu sein scheint. Eine nicht reprásentative Befragung ergibt<br />

folgendes Bild:<br />

Qual ifikat ion<br />

Vorarbe iter<br />

1?' (etwa<br />

rof<br />

'oficial<br />

icial Z&' iacharbei-ter)<br />

spezialisierter Hilfsarbeiter<br />

Hilfsarbeiter<br />

Lehrl ing<br />

Selbstándiger<br />

[46 - 14)<br />

Nicht wesentlich aufschlussreicher sind die folgenden Angaben<br />

über die<br />

Qualifikationsstufe andalusischer Arbeiter vor und nach<br />

der Ausreise in die BRD<br />

qual :-fiz iert<br />

halbqual tfiz iert<br />

unqual ifiziert<br />

0r6<br />

eo<br />

4rg<br />

15,9<br />

5r5<br />

63 ,9<br />

112<br />

812<br />

lilanien<br />

11<br />

11<br />

77<br />

(46 - 4e)<br />

!.Rq<br />

% 1s<br />

51<br />

33 (74-86)<br />

Die darin angedeutete Tendenz zum rhalbqualifiziertenr<br />

Arbeiter (der wohl dem Angelernten entspricht) bestátigen<br />

andere Daten über die<br />

Entwicklung <strong>im</strong> Vergleich Stellung in Spanien/<strong>im</strong> Ausland<br />

§panien<br />

nicht spezial.<br />

spezialisiert<br />

1 0S<br />

Verwaltung allg. 1 0<br />

1Zs<br />

Aus 1 and<br />

nicht spez<br />

113<br />

37<br />

7<br />

(1 00-242,Tab.68)<br />

spez. Vorarb. Verwalt.<br />

92<br />

66<br />

1-2


- 50<br />

Diesen Vergleich werden wir bei der Untersuchung der Frage<br />

nach dem Aufstieg durch Emigration in 2.2.5. und 2.2.6.<br />

noch genauer ausführen.<br />

Auch wenn das Gros der Emigranten die untersten Stufen<br />

der Arbeitsplatzskala besetzen so11te, so ist das westdeutsche<br />

Kapital doch <strong>im</strong>mer auf der Suche nach qualifizierten<br />

KrHften, deren Ausbildung andere bezahlt haben.<br />

Nachdem die Ausnutzung des Flüchtlingsstorms aus der DDR<br />

durch den Mauerbau erschwert worden war und bevor die<br />

Kampagne für die Ubersiedlung der in Polen lebenden Deutschen<br />

in Sicht war, begann man, die Lánder des Itlittelmeerraums<br />

zu 'durchkHmmenf. Allerdings scheint es mit der Anwerbung<br />

von Facharbeitern aus Spanien weniger Erfolg als<br />

z.B. mit denen aus Jugoslawien gegeben zu haben, wie die<br />

Daten zeigen:<br />

Anteil der Facharbeiter an der Gesamtzahl der Vertráge<br />

eo<br />

0r5<br />

197 1<br />

197 2<br />

197 3<br />

a') J t-<br />

0r1<br />

(32-1e)<br />

Anscheinend ist ab einem gewissen Qualifikationsniveau<br />

und Ausbildungsstand der Anreiz, ins Ausland zú gehen,<br />

nicht mehr so stark (68-169).<br />

2.2.4. BerufsfUrderungskurse in Spanien<br />

In der Vorbereitung der Emigranten kann zumindest ein<br />

Interessenkonflikt zwischen Abgabe- und Aufnahmeland auftreten:<br />

das Aufnahmeland will die Arbeitsplátze so schnell<br />

wie nUglich besetzen, dadurch wird eine larigfristige Vorbereitung<br />

irn Abgabeland erschwert (108-11). Die Tatsache,<br />

dass mehr als 50 eo der VertrHge der rcontratación j-nnominada'<br />

angehUren, die nach PersonenzahL ohne Beachtung des<br />

Berufs erfolgt (59-57), verringert die MUglichkeiten ztl<br />

einer sorgfáltigen Auswahl der Emigranten unter Berücksichtigung<br />

der Bedürfnisse der Entsenderegion weiter.<br />

Vor diesem Hintergrund müssen die BerufsfUrderungsmassnahmen<br />

vor der Ausreise gesehen werden. Ihre Organisation<br />

war Aufgabe des Negoci-ado de Formación Profesional (y Anbiental)<br />

des IEE (47), die Auswahl der Teilnehmer lag in<br />

den IIH.nden des BerufsfUrderungsdienstes PPO und der 0rganizaci1n<br />

Sindical. Voraussetzungen für die Teilnahne waren:<br />

Lese- und Schreibfertigkeit, Beherrschung der vier<br />

Grundrechenarten, keine Vorstrafen (Teilnahme an Streiks<br />

war zu jener Zeit verboten und konnte also Grund für eine<br />

Vorstrafe sein).<br />

Die Kurse dauerten zwischen 20 und 30 Tagen mit 75 Unterrichtsstunden,<br />

die der Berufsbildung (forrnación profesionaI)<br />

und der Vorbereitung auf die neue Umgebung und Anfángersprachunterricht<br />

(preparación ambiental-1inguística)<br />

gewidrnet waren . Zum Ausgleichen des erwarteten Teilnehmerschwundes<br />

wurden 20 % mehr Teilnehmer zugelassen, a1s<br />

die Kurse nominell umfassten.<br />

In Orense (Santa María de Europa) und Vigo (Casa de América)<br />

gab es Zentren, die in Internatform ausbildeten,<br />

daneben unterhielt die PPO auch bewegliche Unterrichtseinheiten<br />

(59-122). An anderer Ste11e (104-352) werden<br />

an Kursorten gerrannt:


31<br />

Barc e 1 ona<br />

Buenavista de1 Norte - Teneri-f e<br />

Cádíz<br />

Carballeño - Orense<br />

Córdoba<br />

Huelva (7 Orte aufgezHh1-t)<br />

Irún (Grenzübergang)<br />

Lugo<br />

Macoreta - Salamanca<br />

Madrid<br />

Nlanzanares - Ciudad Real<br />

Marbella - MáLaga<br />

Monforte de Lemos - Lugo<br />

0rense<br />

Paracuellos de Jaráma - Madrid<br />

Ronda - Málaga<br />

Salamanca<br />

Santa Cruz de Tenerife<br />

Los Sauces - La Palma<br />

Sevil 1a<br />

Vigo<br />

Im Jahr 1972 wurden mit Zielort in der BRD durchgeführt:<br />

5 Berufsbildungskurse Kosten 1 .966.038 Ptas<br />

12 P.A.S.E. -Sprachkurse Kosten 1.002.392 Ptas<br />

(se-123)<br />

Andere Quellen geben folgende Zahlen für die insgesamt<br />

abgehaltenen Kurse:<br />

Formación profesional y ambiental<br />

197 0<br />

197 1<br />

197 2<br />

197 s<br />

197 4<br />

Gesamtkosten Ptas.<br />

28 Kurse<br />

17<br />

14<br />

Z3<br />

26<br />

TOE-<br />

69.715.111,80<br />

(s1-64)<br />

Von 1967 bis Juni 1976 wurden 413 FP-Kurse mit 9.141 Teilnehmern<br />

mit einem Kostenaufwand von Ptas. 236.767.619<br />

durchgeführt (60,Tab.8), dabei waren sie 1975 nur für die<br />

Niederlande best<strong>im</strong>mt (43/1976 Jan.-58). Wir kUnnen also<br />

annehmen, dass die ZahT der in FP-Kursen auf ihren BRD-<br />

Aufenthalt vorbereiteten Spanier die 8.000 keinesfalls<br />

übersteigt.<br />

Für das Jahr 1973 verfügen wir über eine Aufstellung der<br />

mit Zielort in der BRD durchgeführten Kurse:<br />

Beruf Ort Teiln. Ziel Kosten_Ptas<br />

Koch Marbella 24 I.H.A. 332.332<br />

Koch Irún 30 I.H.A. 1 .'l 89.679<br />

FrHser Córdoba ZZ Flurth 7 48.362,25<br />

Dreher Salamanca 23 Hurth 856.527<br />

Elektriker Salamanca 1Z Henninger 402.054<br />

Schleifer Sevilla 12 Jaeger 373.663<br />

Schleifer Córdoba 15 Hurth 285.850<br />

Schweisser Orense 24 Steinmüller 761.081<br />

Einrichter Córdoba 15 Hurth 755.777<br />

Einr. /Monteure ParacuelTosZS John Deere 1 .145.795<br />

Dreher Sevilla 10 DEIUAG 565.050<br />

Einrichter Sevilla<br />

'l<br />

0 DEMAG 445 .459<br />

Elektromonteure Orense 1 2 Hartmann 558.256


-32<br />

Blechschlo s s er<br />

Dreher<br />

0rens e 1<br />

i<br />

0<br />

Hartmann 569.806<br />

Buderus 477 .613<br />

Buderus 392.624<br />

John Deere 942.563<br />

r.H.A. 539.815<br />

r.H.A. 55s.882<br />

John Deere 507 .324<br />

John Deere 438.088<br />

Einrichter/Mechan. "<br />

Maschineneinrichter<br />

Koch<br />

t'<br />

Z7<br />

rr<br />

10<br />

Ke 11ner<br />

tr<br />

13<br />

?r<br />

Ma s chinene inr icht er 13<br />

Schweisser<br />

rt<br />

10<br />

(59-265,Tab. 6.2.)<br />

Die BfA scheint Vorbereitungskurse <strong>im</strong> Abgabeland, die<br />

wie die obengenannten in Wirklichkeit Anlernkurse für best<strong>im</strong>mte<br />

Firmen waren, bezuschusst zu haben (86-795). Mit<br />

anderen Worten wurden die Ausbildungskosten für deutsche<br />

Firmen teilweise aus spanischen und deutschen Steuermitteln<br />

aufgebracht.<br />

2.2.5. Aufstieg und Absti-eg durch die Einreise in die<br />

BRD<br />

Eines der am háufigsten angeführten, aber selten belegten<br />

Argumente für die Segnungen der Emigration war, dadurch<br />

hHtten die Arbeiter in den Mittelmeerlándern eine<br />

MUglichkeit, über die in ihren HerkunftslHndern übliche<br />

'learning by doing'-Ausbildung (101-29) hinaus etwas zu<br />

lernen. Wir kUnnen diese Behauptung in drei Schritten<br />

überprüfen:<br />

1. Bedeutet die Ausreise von Spanien in d<br />

Auf stieg (2.2.3. ,2.2.5. ,2.2.6.) 7<br />

2. Vollzieht sich in der BRD ein Aufstieg<br />

3. Bringt die Rückkehr nach Spanien einen<br />

sich (3.3.12) ?<br />

ie BRD einen<br />

(5.3.5. )<br />

Aufstieg<br />

Zur ersten Frage die folgende Tabe1le, in der wir Aufstieg<br />

durch t+r und Abstieg durch<br />

r - I gekennzeichnet haben:<br />

Aufstiee/Abstieg vom Herkunftsland zur BRD<br />

<strong>im</strong>_Herk. laqd<br />

ungelernt<br />

ange 1 ernt<br />

qualif.(l rnl<br />

Angest.+Beamte -2<br />

SelbstHndige -2<br />

<strong>Land</strong>wirte -5<br />

1n_der_B\D<br />

ung. ang. qua1. Angest. Selbst. <strong>Land</strong>w<br />

6<br />

-3<br />

1 +35 +'l<br />

163+3<br />

6 -18 75<br />

1 -36 -10<br />

8 -55 -15<br />

3 -?42 3<br />

+2<br />

+1<br />

33<br />

-z 1<br />

?<br />

mit<br />

(79-81,Tab. 51)<br />

Bei den Arbeitern 1ásst sich keine eindeutige Aufstiegstendenz<br />

erkennen, die Mittelschichten sind abgesunken,<br />

gleichzeitig hat eine Bewegung von der <strong>Land</strong>wirtschaft zur<br />

Industriearbeit stattgefunden. Nach einer anderen Untersuchung<br />

schien es bei Spaniern schwache Hinweise auf eine<br />

StabilitBt der schon mit Berufsausbildung ausgereisten zú<br />

geben: "Bei Griechen und Spaniern bestHtigt sich unsere<br />

allgemei-ne Hypothese: eine Beruf sausbildung in der He<strong>im</strong>at<br />

vergrussert die chance, auch in Deutschland qual ifizierte<br />

Arbeit leisten zu kUnnen. Diese Beziehung ist bei den Spaniern<br />

nur unter EinschrHnkungen gü1tig, sie ist innerhalb<br />

unserer Grenzen nicht signi-fikant. " (1 1 -95) .<br />

And.<br />

1<br />

2<br />

.l<br />

1<br />

1


33<br />

HHtten sich selnerzeit die Forderungen der staatstragenden<br />

Parteien der BRD, die Anwerbung auf Auslánder mit<br />

sprachlicher und beruflicher Vorbildung zu beschránken,<br />

(64-43) durchgesetzt, so wáre die AufstiegsmUglichkeit<br />

für Ungelernte oder <strong>Land</strong>arbeiter endgü1tig verbaut gewesen.<br />

2.2.6. Der Aufstiegsmythos<br />

Theoretisch wHre der Weg klar gewesen, wie man durch die<br />

Emigration gleichzeitig die Entwicklung der AbgabelHnder<br />

und damit den Aufstieg der Rückkehrer hátte fUrdern kUnnen<br />

(37) z<br />

1. Berufsbildender Vorbereitungskurs vor der Ausreise<br />

2. Ausbildung in der BRD in und neben der Arbeit<br />

3. Anpassungskurs nach der Rückkehr<br />

Die spárlichen Daten <strong>im</strong> Abschnitt 2.2.5. dagegen führen<br />

zum Schluss, dass dieser Weg nicht beschritten worden ist<br />

und es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Ausreise aus<br />

Spanien in die BRD einen Aufstieg mit sich gebracht hat.<br />

Abgesehen davon, dass viele Abschlüsse aus dem einen <strong>Land</strong><br />

<strong>im</strong> anderen nicht anerkannt werden (31-215), machte in der<br />

Frühphase der Emigration die Kurzfristigkeit der Bleibeabsicht<br />

1ángerfristige BerufsfUrderungsmassnahmen unmUg-<br />

1ich, wie folgende Angaben zeigen:<br />

Geplante Aufenthaltsdauer<br />

eo<br />

l Jahr<br />

61,0<br />

2 Jahre 20,9<br />

3 Z ,1<br />

4 4,3<br />

5 und mehr 6,7<br />

(46-17, nicht reprásentative Stichprobe)<br />

Zur Kritik an den Verwirklichungsaussichten des Aufstiegsmythos<br />

kommt die Kritik am ZteT a1s solchem (2S-58): "Die<br />

Fortbildungsprogramme a1s letzte Zuflucht der Macht der<br />

Institutionen ?... A1s ob die Arbeiter die letzten 'braven<br />

schü1err <strong>im</strong> unruhigen Meer der studentenrevolte wáren,<br />

wei-1 sie noch glaubten, dass rdie Schule auf das Leben<br />

vorbereitet' und dass ein Scheitern in der Schule ein unzerstUrbares<br />

Zeichen wáre, das sie für das ganze Leben<br />

brandmarken würde. "<br />

2.3. Sprachkenntnisse vor der Ausreise<br />

2.3.1. Sprachkenntnisse vor der Ausreise<br />

Für Personen mit Muttersprache Castellano (='Spanisch',<br />

eigentlich Kastilisch) ist das Deutsche objektiv schwer<br />

zu erlernen und es hat auch diesen Ruf. Wir kUnnen daher<br />

annehmen, dass die Sprachkenntnisse der meisten Emigranten<br />

sich auf anekdotischem Niveau bewegten (2.8. Gleichungen<br />

wie<br />

Herr Ober = Joroba (F1uch)<br />

Speisekarte = Espasa Calpe (Verlag)<br />

Auf Wiedersehn = 0lvidense (Vergessen Sie's)


34<br />

Im Vergleich mit anderen Nationen schneiden die Spanier<br />

dementsprechend schlecht ab:<br />

Deutschkenntnisse vor der Einreise<br />

m f total<br />

Spanier<br />

0eo1 0<br />

a1le Nationen 10 11 10 (7 9 - 37 ,T ab .21)<br />

und es verwundert nicht, dass unter den EingewUhnungsschwierigkeiten<br />

die Sprachschwierigkeiten eine besondere<br />

Stellung einnehmen:<br />

(79-58,Tab.35+56+37) 81 eo 78 80 der Spanier<br />

hatten Sprachprobleme, damit ist das ihr meistgenanntes<br />

Problem und sie hatten mehr Schwierigkeiten als alle anderen<br />

Nationen.<br />

Uberlegungen, u.d. die Goethe-Institute <strong>im</strong> Ausland in<br />

die Vorbereitung der Auslánder auf ihren BRD-Aufenthalt<br />

einzubeziehen (25-13), und damit ihre Aufgabe a1s Zulieferinstitute<br />

der deutschen Firmen <strong>im</strong> Ausland, Kontaktstel1e<br />

mit einhe<strong>im</strong>ischen rEli-ten' und Schaufenster der<br />

BRD un die Vermittlung eines rBasic-Germanr zu ergánzen<br />

(25-15), scheinen nicht in die Praxis umgesetzt worden<br />

zu sein. Es wurde lediglich der von ihn entwickelte Sprachlehrfilm<br />

rGuten Tagt eingesetzt. Umso interessanter, dass<br />

inzwischen versucht wird, durch Verknüpfung von Aufenthaltserlaubnis<br />

und Sprachkenntnisnachwei s (24'-7) den<br />

Sprachverband, der den Deutschunterricht für Auslánder<br />

in der BRD koordiniert, eine Rolle a1s Gutachter der Aus-<br />

1ánderpolizei zuzuschieben<br />

2.3.2. Vorbereitungskurse P.A.S.E.<br />

Da von Seiten der BRD <strong>im</strong> Ausland keine Hilfe zvr sprachlichen<br />

Vorbereitung zu erwarten war und Spanien zú jener<br />

Zeit auch ni-cht an die vom Europarat unterst1dtzten Kurse<br />

angeschlossen war (82-7), wurden die Kurse 'Preparación<br />

Ambiental y Social de Emigrantesr ins Leben gerufen, die<br />

wir <strong>im</strong> folgenden in Einzelheiten unter Verwendung des Lehrerhandbuchs<br />

(50) beschreiben.<br />

Allgemeines Ziel<br />

Einführung in Sprache und Lebensgewohnhei-ten in der BRD<br />

Organisation<br />

Pro Kurs 20 Teilnehner und 5 als Ersatz flJr Schwund, Dauer<br />

75 Stunden 1 10 ,o, davon 54 Std. 10 Min. Sprachunterricht,<br />

16 Std. 10 Min. Information, keine Abschlussprüfung,<br />

alle Teilnehmer vom P.P.0. bezahlt, Abst<strong>im</strong>mung mit<br />

den Urtlichen renlaces' des Syndikats.<br />

Themen der Informationsstunden<br />

T - lfe-BünilelrepüUfil-<br />

1 Die Reise<br />

3 Deutschland (Ubergewicht von Geografie und Lebensgewohnhe<br />

i t sbe s chre ibung)<br />

1<br />

1<br />

3<br />

1<br />

3<br />

1<br />

1<br />

1<br />

7<br />

Lebensbed ingungen<br />

Besprechung eines Informationsblattes<br />

Praktische Ratschláge<br />

Pap i ere (Arbe i t svertrag , Emi grant en1 eg i t <strong>im</strong>at ionskart e )<br />

Der Rhein<br />

Rentenvers icherung<br />

Krankenvers icherung<br />

FamilienzuschlHge (Kindergeld)<br />

Durchsprechen der Orientierungshilfe 'Guia de1 Em.r


35<br />

Lexi s<br />

7SO WUrter der gebrHuchlichsten, Bevorzugung der arbeitsbezogenen<br />

Begriffe<br />

Fonetik u.a. methodische FLagen<br />

Kei-ne Peffektion-derlüsspra-che angestrebt, nur Vermeidung<br />

von Sinnentstellung, bringen spanische Umschreibungen<br />

für die deutsche Aussprachemit zalnlreichen Fehlern<br />

bei den <strong>im</strong> Spanischen nicht vorhandenen Lauten; gehen<br />

davon aus, dass jedem spanischen ein deutsches Wort entspricht<br />

und lassen in beide Richtungen übersetzen.<br />

Hinweise für den Lehrer<br />

Áh-Añfan§ §off-eIn-S-chock durch die neue Sprache vermieden<br />

werden. Spáter kUnnen die EntwicklungsmUglichkeiten<br />

ausgeschUpft werden. Keine Hausaufgaben oder Hausarbeit.<br />

Funktion<br />

Án§e§i-chts der geringen Teilnehmerzahlen entspricht es<br />

den Tatsachen, wenn di-e Teilnehmer darauf hingewiesen<br />

werden sol1en, dass sie sich in einer 'bevorzugten Lage'<br />

befinden. rDisziplin, Pünktlichkeit und Ernsthaftigkeitr<br />

so1len gleichzeitig a1s Vorbereitung auf den zukünftigen<br />

Arbeitsplatz eingeübt werden. Wie schwarzer Humor mutet<br />

die Aufforderung an die Schü1er an (50-Unterrichtseinheit<br />

8.5):" Versuchen Sie, so bald wie nUglich Deutsch zu 1ernen.<br />

Die Kenntnisse der deutschen Sprache sind für Sie<br />

sowohl privat als auch für Ihre berufliche Laufbahn von<br />

grossem Interesse. "<br />

I deol ogi sche_Inhalte<br />

Es folgt eine Zusammenstellung interessanter Aussagen:<br />

- das 'Grossdeutsche Reich' (UE 4.3)<br />

- der Traum der Deutschen von der Wiedervereinigung<br />

(uE 4 .4)<br />

- Fotos der Grundindustrien ohne Angaben zu den Arbeitsbedingungen<br />

(UE 4. 5+6+7+8)<br />

- über die VW-Arbeiter am Fliessband: "Jeder Arbeiter,<br />

der an einem Glied dieser Kette steht, hat seine besondere<br />

Aufgabe zu erfül1en, jede einzelne Maschine,<br />

unter oder neben der sie (=die Autos, d.U.) vorbei<br />

müssen, verrichtet genauso die ihrige . . . " "Teuer<br />

oder bi11ig, sie a1le (=die Autos, d.U.) bezeugen<br />

die hohe technische Qualifikation ihrer Herste1ler."<br />

(UE 4.8+9)<br />

- gleiche Arbeitsbedingungen für Deutsche und Auslánder<br />

(UE 7.2)<br />

- Erwáhnung von Betriebsrat und Gewerkschaft ohne ErklHrung<br />

der Unterschiede zum spanischen Zwangssystem<br />

(UE 8.4)<br />

- empfohlene Kontaktpunkte: Vorarbeiter, Unternehmer,<br />

Sozialarbeiter, Betriebsrat, Gewerkschaft, Arbeitsamt<br />

(UE 9.2)<br />

- Akkordsystem a1s objektiv (UE 9.5)<br />

- Rechenbeispiele nur auf Stundenlohnbasis, keine Beispiele<br />

für die Kontrolle von Akkordabrechnungen<br />

(uE e.7)<br />

- Betriebsdolmetscher a1s neutrale oder hilfreiche Figur<br />

(UE 9.7)<br />

- "fn jedem Fall hüten Sie sich vor überstürzten Handlungen.<br />

Das bezieht sich gafiz besonders auf das Verlassen<br />

des Arbeitsplatzes in einem nicht genehrnigten<br />

Streik gemeinsam mit <strong>Land</strong>sleuten, die <strong>im</strong> selben Unternehmen<br />

arbeiten." (UE g.7)


36<br />

- "Anfangs ist der Deutsche <strong>im</strong> Umgang mit Auslándern<br />

etwas zurückhaltend. Trotzdem ist er <strong>im</strong>mer verbindlich<br />

und versucht, den Auslánder zu verstehen. Aber<br />

er schHtzt besonders den AuslHnder, der arbeitsam<br />

und pünktlich ist und sorgfáltig arbeitet. Das ist<br />

die wichtigste Grundlz1a, um die freundschaftlichen<br />

Beziehungen zu einem Deutschen zu festigen." (U811.6)<br />

- "Da ein Vorgesetzter normalerweise viel zu tun hat,<br />

kann er nicht jeden Einzelnen viel Zeit zuwenden. Das<br />

wissen die deutschen Arbeltef und erwaqten niehts Anderes<br />

von i-hm." (UE 11.6)<br />

- Die Arbeit, die <strong>im</strong> Vertrag steht, ist auch die einzige,<br />

die spHter ausgeführt wird (UE 12.3) .<br />

Die vorliegenden Angaben über<br />

Kurse und Teilnehmerzahlen (P.A. S.E.)<br />

Für Emigranten in a1le<br />

gramms 1 963 bis<br />

675 Kurse mit 38.042<br />

Aufgeschlüsse1t :<br />

970<br />

971<br />

972<br />

973<br />

974<br />

Für die ERD:<br />

Jahr<br />

963<br />

964<br />

96s<br />

966<br />

is 31 .7.1966<br />

970<br />

971<br />

972<br />

973<br />

s74/s/6<br />

se)<br />

lunf T<br />

Kurse<br />

10<br />

LHnder seit dern Beginn des Proe76-<br />

- (60 -rab. 8)<br />

Teilnehmern,Kosten 101 .7 44.039 Ptas<br />

(s1-64)<br />

6<br />

0<br />

2<br />

8<br />

12<br />

-68- Kosten 5 . 963 .712 Ptas<br />

Teilnehmer<br />

1.250<br />

6.880<br />

8.500<br />

4.500<br />

-71-J 30-<br />

210<br />

ca.100<br />

254<br />

Qrte<br />

Madrid,Orense<br />

Orense, Zamora<br />

(27 )<br />

Cáceres , Huelva,<br />

Jaén, Madrid,<br />

Tenerife, Vigo<br />

Auch die Quellen (43/MHrz 1977 -50) und (43/Jan. 197 6-58)<br />

belegen, dass 1975 und 1976 keine Kurse für Emigranten<br />

in die BRD nehr durchgeführt wurden, wie es angesichts<br />

des Anwerbestopps logisch ist.<br />

Angaben zu den Jahren 1967 bis 1969 fehlen. Rechnet man<br />

unter Berücksichtigung der Wirtschaftskrise 1967/68 mit<br />

hUchstens 10.000 Teilnehmern, so dürfte die Gesamtzahl<br />

der Spanier, die mit einer Vorbereitung durch P.A.S.E.-<br />

Kurse in die BRD kamen, 32.000 nicht überschreiten. Selbst<br />

wenn man einen hohen Multiplikatoreffekt ann<strong>im</strong>mt, wird<br />

be<strong>im</strong> Vergleich dieser Ziffern mit den Statistiken in 1.5.<br />

k1ar, wie unzureichend diese Vorbereitung gewesen ist.


_37<br />

2 .4 . Kritik der Vorbereitung<br />

2.4.1. MHngel der geleisteten Hilfe<br />

"unsere Emi-granten wo1len wirklich wenig: sie wünschen<br />

nur verstándnis und Zuneigung, und unseie pflicht ist es,<br />

uns dieser gemeinsamen Aufgabe anzuschliessen." (10g-11)<br />

Mit der Kritik an der offi zierlen Hilfe kunnte man Bánde<br />

fü11en:<br />

- solange man den zukünftigen Arbeitsplatz und den<br />

dortigen Nettolohn nicht-verbindlich kennt, ist Beratung<br />

vor der Ausreise unmUglich (74-1OZ)<br />

- die Gelder für die Agregadurlas Laborales in d.er<br />

BRD kommen zwar vom IEE, laufen aber über andere<br />

stellen und treffen oft unregehnássig oder verspátet<br />

ein; 70 eo der an der AL BeschHftigten sind Án_<br />

gestellte ohne Aussicht auf Festanstellung a1s Beamte<br />

(E1 País, 11.5.19T8)<br />

- wo ungerechtigkeiten durch deutsche Gesetze abgedeckt<br />

sind, sind dem IEE und den AL die HHnde §"_<br />

bunden (31 -220)<br />

- "Die Politik ist bisher aus stücken und Háppchen gemacht<br />

worden, aus ad-hoc-Massnahmen, und sié geht<br />

von verschiedenartigen Organismen aus ..." (S7_15)<br />

- Pardo von der rG Metall kritisiert Tendenzen <strong>im</strong> IÉE,<br />

die die Trennung der Familien unterstiltzten, danit<br />

weiterhin Devisen an die in spanien verbliebenen<br />

Yilglieder überwiesen würden<br />

- bei<br />

ú<br />

der subventionierung der spanierzentren q-0g)<br />

irn Ausland<br />

sind vom rEE politische Másss;tHbe angewandt<br />

worden (6-51 )<br />

Neben konkreten vorwürfen wie diesen wird darauf hingewiesen,<br />

dass die rein caritative, kurzfri-sti-g auf deñ<br />

Missstand bezogene Hilfe der beste Dienst an d.en rnteres-<br />

:en ist, durch die das Problem hervorgerufen worden ist<br />

(KIee in 6-49). Das heisst, dass eine wirksame unterstutzung<br />

der spanier in der BRD sich nicht auf sozialbetreuung<br />

beschránken dürfte, sondern die ursachen für die<br />

Diskr<strong>im</strong>inierung insgesamt gleichzeitig angreifen müsste.<br />

2.4.2. Kritik der angebotenen schriftlichen rnformation<br />

Am Beispi-el der P.A.s.E. -Kurse hat sich schon gezeigt,<br />

in welcher weise ein Teil der Emigranten desorlentiért<br />

wurde. Neben diesen Ratschlágen gáb es (104-29g):<br />

- RatschlHge für in der BRD bescháftigte spanische<br />

Arbeiter, eine Gemeinschaftsausgabe-der ^nfR und des<br />

IEE, Macirid 1963, (span. : Conse j os para trabaj adores<br />

españo1es empleados en La RFA)<br />

- Leitfaden dgr Emigranten in Deutschland (span.:<br />

Guía de1 emigrante en Alemania), IEE Uadiiá<br />

9i" 'Br,trchláger liegen nicht mehr vor. Der Leitf aden<br />

der nicht an a1le Emigranten verteilt word"n-r"<br />

scheint,<br />

;;i;'^<br />

g_1bt einen A6riss der Lebensgewohnheiten und<br />

für die Arbeit wichtigel Dinge,<br />

-gibt fontaktadressen spanischer<br />

stellen in dei gR¡ uñd-dér volkshochschulen sowie<br />

von Fortbildungsmuglichkeiten. rm Anhang finden<br />

situationen sich nach<br />

geordnete wortbrocken. Alleidings fehl-en auch<br />

nichf zitate wie das folgende: "wenn sie ecÉte Lust ,uÁ-<br />

Arbeiten haben, wird rhnen Deutschland zahlreiche MUglich


- 58<br />

keiten anbieten und Ihnen ernsthaft gefa11en." (58-24)<br />

Wie Jahre spáter ein IEE-Beamter feststellt, ist einem E-<br />

migranten wenig mit einem abstrakten Lebenshaltungskostenindex<br />

gedient, eher so11te man ihm die Preise best<strong>im</strong>mter<br />

Waren sagen und, dass man in Deutschland mit Margarine<br />

brát (104-342).<br />

Bei Konflikten wird der folgende Weg vorgeschlagen:<br />

1. den Unternehmer <strong>im</strong> 'freundschaftlichen GesprHcht die<br />

Vorschláge erkláren<br />

2. Gang zur Betriebsschlichtungskommission<br />

3. Beratung durch Agregaduría Laboral oder deutsche Gewerkschaft<br />

4. Benachrichtigung des Arbeitsamtes bei Vertragsaufl6-<br />

sung durch den Unternehmer<br />

5. Vertretung durch Agregaduría Laboral vor den Arbeitsgericht<br />

(58 -55) .<br />

Die Informationen über das Streikrecht (58-54) sind so gehalten,<br />

dass eine Gleichsetzung mit den damaligen spanischen<br />

VerhHltnissen naheli-egt.<br />

Ahnliche Lücken in der Information aus politischen Gründen<br />

zeigen sich übrigens auch <strong>im</strong> bundesrepublikanischen<br />

Gegenstück, dem vom Arbeitsministerium herausgegebenen Kalender<br />

'Arbeitsplatz Deutschland' (4), der sehr ausführlich<br />

auf das Schwerpunktthena Unfallverhütung eingeht, aber<br />

nichts dazu sagen kann, wi-e man es durchsetzt, dass Unfa11-<br />

ursachen, die durch Interessen des Kapitals entstehen, beseitigt<br />

werden.<br />

Daher ist zu empfehlen, bei jeder von einem Unternehmer<br />

gegebenen Information gleichzeitig eine Stellungnahme des<br />

für den Bereich zustH.ndigen Sozialarbeiters einzuholen,<br />

wie der obengenannte Spanier rH.t (104-341).<br />

Nach einer Durchsicht des vom spanischen Staat zur Orientierung<br />

seinen in die BRD emigrierten Bürgern in die Hand<br />

gegebenen Informationsmaterials kann man nur demselben Autor<br />

zust<strong>im</strong>men, werrn er sagt : 'rsogar die Leitf áden für Eni -<br />

granten, die ohne Zweifel in fast a1len Fá11en die bestausgeführten<br />

Arbeiten sind, beschránken sich auf zu knappe<br />

Angaben, die die Emigranten zwingen, sich an andere Stell<br />

len zu wenden, \{as sie nicht <strong>im</strong>mer tun kUnnen." "Die<br />

offiziellen rnformationen selbst sind <strong>im</strong>mer eher bereit,<br />

die vorteile des angebotenen Arbeitsplatzes herauszusteÍ-<br />

1en, als andere praktische Angaben, die den Arbeiter mit<br />

grUsserer Klarheit in seine Zukunft sehen lassen würden.<br />

Die Informationen vor der Abfahrt sind in jedem Fa1l unverzichtbar,<br />

aber logischerweise sind sie nicht detail-<br />

1iert, sie sind eher allgemein und daher fehlt es ihnen<br />

an Genauigkeit. " (1 04-538)<br />

2.4.3. Forderungen der Emigranten zur Vorbereitung auf<br />

die Ausreise<br />

Zur Zeit der Emigration gab es in Spanien keine wirksame<br />

und 1ega1e MUglichkeit, Forderungen oder Kritik an die tzustándigen<br />

staatlichen stellenr zu richten. Daher stammen<br />

die folgenden Angaben aus in der BRD durchgeführten Befragungen,<br />

die übrigen sind mit Einschránkungén zu bewerten;<br />

bei einer 1 969 in Spanien durchgefültrten Befragung wurden<br />

hauptsáchlícli ku1tuie11e, spracñIiche und béruIriérr" vorbereitung<br />

auf die Emigration verlangt (100-53S,Tab.89).


-39<br />

1971 erhoben in der BRD Spanier folgende<br />

Forderungen nach Hilfen vor Arbeitsantritt<br />

(79-128,Tab. 97, Mehrfachnennungen)<br />

Mehr Information vor Arbeitsantritt<br />

Betriebl iche Anlernkurse<br />

Fortbildungskurse<br />

BeschHftigung entsprechend der Vorbildung<br />

Mehr Deutsch-Kurse<br />

Bessere Wohnungen<br />

AuslHnder in den Betriebsrat<br />

Anderung der MentalitH.t der Deutschen<br />

Sons t ige<br />

Keine Angaben<br />

11<br />

10<br />

16<br />

0<br />

31<br />

5<br />

3<br />

19<br />

36<br />

3


-40<br />

3. DIE RUCKKEHR<br />

3.1 . Rückkehrmotive<br />

3.1 .1 . Definition der Rückkehr<br />

In 1 .3. hatten wir bereits belegt, dass die Definitionen<br />

der Rückkehr als 'mindestens seit 6 Monaten <strong>im</strong> He<strong>im</strong>atland<br />

nach einem Auslandsaufenthalt von mindestens 6 Monaten' in<br />

der Praxis schwer anzuwenden sind. Das muss bei den fo1-<br />

genden Uberlegungen mitbedacht werden.<br />

3.1 .2. Vergleich: individuelle und kollektive Emi-grations<br />

- und Rückkehrmotive<br />

In GesprHchen mit ehemaligen Emigranten kann man Motive<br />

für die Ausreise hUren wie: Freiheitsstreben; das GefühI,<br />

in Dorf überf1üssig zu sein; Geld verdienen, um sich ein<br />

rpiso' (Wohnung) kaufen zv kUnnen, zu heiraten und ein<br />

Stück <strong>Land</strong> zu kaufen.<br />

Bei einer in der BRD durchgeführten Befragung traten in<br />

den Antworten interessante Unterschiede zu den anderen<br />

Nationen zutage (25-85) :<br />

Ausreisemotive<br />

Spanier 0 a1le_Nationen<br />

Verwandte<br />

' Deutschland schHtzen'<br />

besser leben<br />

39o<br />

6<br />

15<br />

bessere Ausbildung für Kinder 9<br />

Beruf lernen<br />

21<br />

mehr Geld<br />

15<br />

andere<br />

30<br />

Bei den Rückkehrmotiven so11 nicht unerwáhnt bleiben, dass<br />

die HerkunftslH.nder ein Interesse daran haben, die Rückkehrhoffnung<br />

<strong>im</strong>mer wach zu halten, um gespartes Geld anzúlocken<br />

(77).<br />

Weitere Angaben zu<br />

Rückkehrmotiven von Spaniern aus der BRD<br />

( 1 00 - 303 , Tab. 84)<br />

eo<br />

Krankheit<br />

4 ,09<br />

zú geringer Verdienst<br />

26,53<br />

He<strong>im</strong>weh<br />

14 ,29<br />

schlechte Behandlung<br />

3 r06<br />

genug verdient<br />

20,41<br />

andere<br />

31 ,63<br />

und (1 00-504)<br />

He inweh<br />

40,66<br />

Krankheit<br />

10,00<br />

Arbeitslosigkeit<br />

9,00<br />

zr] geringer Verdienst<br />

9,00<br />

genug verdient<br />

9,00<br />

und (92-148, 90 Personen, nicht reprásentativ)<br />

schlechte Bedingungen<br />

etwas negative Erfahrung<br />

aus eigenem I{i11en<br />

Hoffnung auf Verbesserung in Span. 7<br />

8<br />

9<br />

15<br />

3<br />

15<br />

36<br />

14<br />

46 P.<br />

¿J<br />

23, davon 1 1 Ziele erf.


-41<br />

Die Uneinheitlichkeit der Ergebnisse deutet daraufhin<br />

dass Motivationen nichts unwéttunabhangi;;; ;;;;";;á").s.<br />

die Veránderung der wirtschaftlichen Lágé in sie einfliesst.<br />

Zun vergleich Zahlen für italienische Arbeiter aus der<br />

BRD (68-260,Tab. xvl), die in der wirtschaftskrise 1967/<br />

68 zurückkehrten:<br />

Rückkehrmotive Italiener<br />

Auslaufen<br />

Arbeit in<br />

FamiliHre<br />

Gesundhe it<br />

Begl e iter<br />

Andere<br />

Bei Türken<br />

des Vertrags<br />

Italien gefunden<br />

Gründe<br />

liche Gründe<br />

für andere<br />

all e<br />

36<br />

1Z<br />

19<br />

22<br />

6<br />

0<br />

,7<br />

,2<br />

,6<br />

,4<br />

,8<br />

,2<br />

-26<br />

die, die nach dem<br />

1. Aufenthalt zurügkgitgen<br />

25 r3<br />

17 ,4<br />

26 ,4<br />

25,4<br />

412<br />

113<br />

wurde festgestellt (68 1):<br />

Negative_Gründe : Anpassungsschwierigkeiten an Industriearbeit<br />

allgemein oder Arbeitsplatz,<br />

fehlende Qualifikation, He<strong>im</strong>weh, Trennung<br />

der Familie, Schwierigkeiten der<br />

Kinder<br />

Positive_Gründe: Neuer Optinismus, Erweiterung eines Unternehmens<br />

in der Türkei, Ausnutzung von<br />

an Rückkehrer gegebenen Vorteilen, Investitionsabsicht<br />

zum Neuaufbau<br />

3.1.3. Unsicherheit des aufenthaltsrechtlichen Status<br />

Die Rückkehr- und Bleibeabsichten werden durch einen entscheidenden<br />

Faktor rnitgeprHgt: "An der MUglichkeit bzw.<br />

UnmUglichkeit, ihren Aufenthalt in der BRD langfristig<br />

selbst best<strong>im</strong>men zu kunnen, hángt die Gesamtsiiuation-der<br />

auslándischen Familie. Die unbest<strong>im</strong>nte Aufenthaltsdauer<br />

in der BRD ist das entscheidende Merkmal ihrer Familienpolitik.<br />

Erzwingt sie doch <strong>im</strong>mer wieder sehr kurzfristige<br />

Entscheidungen über die finanzielle planung, die Ausbildung,<br />

die persUnliche Ausrichtung und inneifamiliáren<br />

Probleme, die dann auch von der Familie in zwei Richtungen<br />

zu sehen ist, nHmlich einmal in der Bedeutung für die<br />

Rückkehr ins Heinatland und zweitens in der Bedeutung für<br />

den lángerfristigen Aufenthalt in der Bundesrepublik:. .<br />

So spiegelt sich dann auch in den Antworten aui die Frage,<br />

wann und ob sie in ihr He<strong>im</strong>atland zurückkehren wo11-<br />

ten, die gesamte Ratlosigkeit der auslándischen Familie<br />

wieder. " (63-283)<br />

Ein praktisches Beispiel: "c. NichtverlHngerung von Aufenthaltsberechtigungen<br />

: r.,regen allerkleinster Vergehen<br />

weigern sich die deutschen Behurden, die Aufentñaltsberechtigung<br />

für spanier zu verlángern, selbst wenn diese<br />

sie schon endgü1tig beanspruchen kUnnen, weil sie mehr<br />

a1s 1 0 Jahre in der BRD leben. Die unbeschránkt gültige<br />

Aufenthaltsberechtigung ist praktisch unerreichbár, wéil<br />

die deutschen Behurden kein Dokument ausstellen, wórin<br />

diese Berechtigung niedergelegt ist, sondern es erneuert<br />

werden muss, daher muss der Bétreffende auf der polizei<br />

erscheinen, damit sie es ihm wieder in den neuen pass<br />

stempelt und bei dieser Gelegenheit macht sie dann oft


A)<br />

Schwierigkeiten oder geht sogar so weit, es zu verweigern.<br />

'r (2)<br />

3.1 .4. Rückkehrpláne<br />

"GegenwHrtig werden der Rückkehrstrom (oder die tatsáchliche<br />

Bleibeabsicht) durch die Veránderungsabsicht, die<br />

man bei den Migranten und/oder den gesetzlichen Best<strong>im</strong>mungen<br />

der Aufnahmelánder erfHhrt, best<strong>im</strong>mt." (15/MHrz<br />

1976-g). Die Kenntnis dieser VerHnderungsabsichten ist<br />

für die Abgabelánder von zentraler Bedeutung, denn dort<br />

liegt der einzige Ansatzpunkt für sie, die Rückkehrer<br />

zu beeinflussen. Nicht nur die Emigration, sondern auch<br />

die Re-migration ist ein Wagnis, um es auf sich zu nehmen,<br />

muss ein Motiv aufgebaut werden (101-208). (Für<br />

die- AbgabelHnder kann eine massenhafte Rückkehrbewegung<br />

auch zu einem Wagnis werden, denn sie bedeutet den Áe<strong>im</strong>port<br />

von Massen von Arbeitslosen, die ausserdem dem<br />

<strong>Land</strong> mehr oder weniger entfremdet worden sind.)<br />

Einer der ohne Zweifel wichtigsten Faktoren ist die Aus -<br />

bildung der Kinder; etwa die Há1fte der Befragten gibt<br />

spontan und 55% auf Nachfragen tt, dass die pláne mit<br />

der Ausbildung der Kinder Einfluss auf die Rückkehr haben<br />

(1 01 - 202) .<br />

Gegenüber der Herkunftsregion und dem Tátigkeitsbereich<br />

hat es wHhrend des Auslandsaufenthalts einé verschiebung<br />

gegeben:<br />

Geplanter Rückkehrbereich<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft<br />

Dienstleistungen<br />

Indus trie<br />

Geplante THtigkeit nach Rückkehr<br />

Weiss nicht<br />

Antwort verweigert<br />

Arbeiter<br />

Angestellte<br />

Selbstándige<br />

<strong>Land</strong>wi rt s chaft<br />

Rentner<br />

Nichts (besonders Frauen)<br />

16<br />

eo<br />

27<br />

48<br />

0 alle_Nat.<br />

25<br />

eo<br />

(68-288)<br />

Es ist bekannt, dass berufliche Fortbildungsmassnahmen<br />

eine gewisse Mindestaufenthaltszeit voraussetzen (siehe<br />

5.3.5. ) . In unserem Zusammenhang ist es wichtig, zu wis -<br />

sen, inwieweit sich die Rückkehrabsichten <strong>im</strong> Lauf des<br />

Aufenthalts verándern. Dazu die Tabelle (63-284,Tab.46)<br />

Rückkehrabsicht al1er Nationen<br />

Aufenthaltsj ahre<br />

mit konkreter ZieTperspekt<br />

ive<br />

wenn best<strong>im</strong>mte Bedingungen<br />

erfül1t<br />

unbes t <strong>im</strong>nt<br />

in BRD bleiben<br />

0-2<br />

19 ,1<br />

eo<br />

2r1<br />

68,1<br />

8r5<br />

s-6<br />

12 ,5<br />

2 11<br />

7 5 ,0<br />

10 ,4<br />

6<br />

)'7<br />

4<br />

1s<br />

10<br />

2<br />

12<br />

1r2<br />

57,1<br />

18,4<br />

(7s-237)<br />

§panler<br />

40<br />

20<br />

wen. a1s 10<br />

B-10 total<br />

12,2 14,6<br />

5r6<br />

66 ,7<br />

12 ,5


-43<br />

Die konkretesten PlHne finden sich bei denen, die S-6 in<br />

der BRD leben (63-Z84,Tab. 47):<br />

Konkrete P1áne<br />

Aufenthaltsj ahre<br />

0-2 5-6 8-10 total<br />

Wohnung kaufen 25,5 eo 66 16 49 ,0 47 ,2<br />

Sparkonto in He<strong>im</strong>at<br />

erUffnet<br />

36 ,2 54 ,2 42 ,g 44 ,4<br />

Kind so11 in He<strong>im</strong>at<br />

zur Schule<br />

4rZ 14 ,6 6<br />

Arbeitsplatz<br />

11 8r3<br />

in H. 211 4r2 211<br />

218<br />

Familienplanung 2r1 4r2 211<br />

Z,B<br />

Intensive Kontakte<br />

mit He<strong>im</strong>atland 17 ,0 2g,Z 14,3 20,1<br />

So verwundert es ni_cht, wenn 1972 1g eo der befragten Spanier<br />

die Absicht áusserten, für <strong>im</strong>mer in der BRD zu bléiben<br />

(16'37). Die gleichen Ergebnisse liegen für Griechenland<br />

vor (68-262), mit dem lHngeren Auslandsaufenthalt<br />

geht eine umorientierung einher, die Rückkehrmuglichkeiten<br />

werden <strong>im</strong>mer negativer beurteilt.<br />

verfolgt man diese Tendenz nach Qualifikationsstufen, so<br />

zeigt sich, dass mit der huheren Qualifikation eine huhere<br />

Neigung zum dauernden in der BRD-Bleiben zusammenfál11<br />

(16-39); ein logisches Ergebnis, wenn man berücksichtigt,<br />

dass das Erwerben einer huheren Qualifikation einen 1áñgeren<br />

Aufenthalt voraussetzt, der ja auch die Bleibeneigung<br />

verstárkt.<br />

Bleibeabsicht<br />

(16-5e)<br />

mehr als<br />

weiss nicht<br />

Angestellte --T+--- ---so<br />

Facharbe iter,Vorarbeiter,<br />

Meister 28 41<br />

Angelernt e 29 50<br />

Ungelernte 31 52<br />

Auf die Bedeutung dieses Ergebnisses für den<br />

beiter in der BRD zt] qualtfizieren und nach<br />

in das Herkunftsland zu dessen Entwicklung<br />

lassenrwerden wir noch eingehen müssen.<br />

3.1 .5 . Zielort<br />

1 J. dauernd<br />

-sg--<br />

28<br />

17<br />

13<br />

Versuch, Arder<br />

Rückkehr<br />

beitragen zu<br />

Hand in Hand mit der verschiebung von der <strong>Land</strong>wirtschaft<br />

zu Industrie geht ein Zug vom <strong>Land</strong> in die grossen stádte<br />

einher (3), über 50 % der Emigranten kehren aus der BRD<br />

in eine Grossstadt zurück. Hier war also die Emigration<br />

Ausland gleichzeitig<br />

-ins<br />

eine innerspanische Wanáerung.<br />

Das mag seinen Grund mit darin haben, dass sich die wirt<br />

schaftliche Lage auf den DUrfern wáhrend der Abwesenheit<br />

der _Emigranten nicht gebessert zu haben pflegt, von daher<br />

würden die Gründe, die sie zur Emigration zwangen, weiter-<br />

bestehen und bringen sie erneut zul Emigration (74-169).<br />

Man kann drei Tendenzen unterscheiden (97):<br />

'l<br />

. Junge Unverheiratete, die nicht gescheitert sind,<br />

gehen in die GrossstHdte oder an die Mittelmeerküst<br />

2 - Junge Ehepaare kaufen ihre wohnung in der stadt ode<br />

an der Küste<br />

3- verheiratete über S0jHhrige kehren ins Dorf zurück.<br />

e<br />

r


44<br />

3.1 .6. Kategorien von Rückkehrprojekten<br />

2. Konservative:<br />

3. Rentner:<br />

4. Neuerer:<br />

Auch für die Einteilung der typischen Emigrations- und<br />

Rückkehrabláufe gibt es Kategorisierungsschemata. Cerase<br />

unterscheidet in einer Untersuchung über Süditalien die<br />

folgenden Typen (43/ Jan.197 6-4) :<br />

1 . Gescheiterte: meistens ehemalige Bauern, die<br />

sich nicht an den Statusverlust<br />

durch unselbstándige Arbeit anpassen<br />

kUnnen<br />

Uffnen mit dem gesparten Geld<br />

einen kleinen Dienstleistungsbetrieb<br />

kehren in Alter zurück, leben<br />

von der Rente<br />

die eigentlich interessante Grupp€,<br />

die sich neue Qualifikationen<br />

angeeignet hat und eine andere<br />

0rientierung bekommen hat.<br />

Umstri-tten ist, ob diese Neuerer, die die etwas dazugelernt<br />

haben, die etwas machen wol1en, die nicht gescheitert<br />

sind, besonders gern oder besonders selten zurückkehren.<br />

(92-162) n<strong>im</strong>mt &r, bei Leuten, die beruflich vorwártskommen,<br />

gibt es einen hUheren Anteil an freiwilligen Rückkehrern;<br />

bei den nicht aus eigenem Entschluss oder gezwungenermassen<br />

Zurückgekehrten haben 52 bzw. 61 % ihre PlHne<br />

nicht verwirklicht (92-149). Dagegen steht die Aussage in<br />

(68-264), die Personen, die endgültig zurückkehren, seien<br />

meistens gescheitert<br />

3.2. Aktivitát der in 2.1<br />

zur Reintegrati-on<br />

3.2.1. Gesetzliche Best<strong>im</strong>mungen<br />

genannten Einrichtungen<br />

"Die Emigration ist erst mit der Rückkehr des Emigranten<br />

abgeschlossen. Das Vaterland darf ihn daher nicht seinem<br />

Schicksal überlassen, solange er draussen ist, und muss<br />

<strong>im</strong>mer einen Platz fllr den Moment bereithalten, wann er<br />

zurückkehrt, ihm helfen, damit er zurückkehrt, und in ihm<br />

die Flamme der Erinnerung, das Bewusstsein der kulturel-<br />

1en und geschichtlichen Verwurzelung seines Lebens wachhalten.<br />

" (85-9)<br />

Wir beschránken uns hier auf die freiwillige Rückkehr<br />

und klammern die 'repatriación', d.h. die staatliche Rückführung<br />

von in Not geratenen, kranken usw. Emigranten<br />

aus.<br />

Das Emigrationsgesetz (8, Erster Tite1, Allgemeine Best<strong>im</strong>mungen<br />

, Einziges Kapitel, S.Absatz) begründet die Pflicht<br />

des Staates zur Hilfe bei der Wiedereingliederung des E-<br />

migranten und legt die ZustHndigkeit der Syndikatsorganisation<br />

und des IEE fest (Z.Tite1). Ausserdem (5.Tite1,Kapitel<br />

3, Artikel 17) verpflichtet es das IEE, ein jáhrliches<br />

Programm für die Erziehungsnotwendigkeiten der E-<br />

migranten aufzustellen und sieht für die Berufsbildungsund<br />

Vorbereitungsmassnahmen die Zusammenarbeit zwischen<br />

IEE und Dirección General de Promoción Social vor (5.Tite1,<br />

Kap.3, Art.1 8) .


45<br />

Ergánzend d?zu der Ministerialerlass vom 30.2.1975 [98),<br />

der ein Recht auf Leistungen aus dem Nationalen Arbditsschutzfonds<br />

begründet, wenn die sozialversicherung nichts<br />

zahlt. Dazu muss frühestens 2 wochen und spátesteñs z lvlonate<br />

nach der Rückkehr der Antrag gestellt werden.<br />

3.2.2. Zustándigkeitsverteilung<br />

Die Beziehungen zwischen verwaltung und Rückkehrern waren<br />

auch wáhrend des Franco-Reg<strong>im</strong>es nicht eitel sonnenschein,<br />

ryie einige Klagen eines Beamten der Agre gaduria<br />

Laboral (64-1s!l-1n Boñ4 [ber die tJnzufriedenñeiI, GeriñgschHtzung<br />

von Althergebrachtem und verworreneé preiheitsstreben<br />

zeigen. und wenn er auch meint, "unsere verwaltung,<br />

trotz aLler bestehenden schwierigkeiten in stándiger<br />

Berührung mit der Wirklichkeit ...,''(64-157), scheinen<br />

ihn einige Verbesserungen unausweichlich: "Uns erscheint<br />

die schaffung von Diensten auf provinzebene in<br />

spanien grundlegend, die eine sorgfá1tige und auf den EinzelfaTl<br />

eingehende Behandlung gegenüber dem Rückkehrer<br />

e-r1auben, da dieser in Allgemeinen gegenüber seiner 0ffentlichen<br />

verwaltung sehr anspruchivórL zu sein pflegt,<br />

zumindest in den ersten Monaten des Aufenthalts iñ seinem<br />

<strong>Land</strong> ..." (64-141). Die Frage liegt nahe, ob er nach<br />

einigen Monaten des tKommen sie morgen wieder' und 'wir<br />

sind da nicht zustándig' seine Anspiuche wieder resigniert<br />

herunter setzt.<br />

schon am 7.12.1965 war durch Erlass (B-14s+146) eine für<br />

die Mi-gration zustándige Abteilung in der Dirección Naciona1<br />

de Previsi-ón (sozialversicherungsleitung) gebildet<br />

worden. Den Arbeitsinspektoren war es auch Zur-Aufgabe gemacht<br />

worden, die Rückkehrbewegungen und -bedingunfen zu<br />

beobachten (8-255).<br />

Mit betrHchtlicher verspHtung gegenüber der ersten bedeutenden<br />

Rückkehrwelle 1 967 / 68-wuráen diese Massnahmen<br />

durch die Bildung einer Abteilung tsección de Asistencia<br />

a1 Retornador durch den Ministerialerlass vom 14.10.1974<br />

(9al ergánzt, der die folgenden Tátigkeitsbereiche vorsah:<br />

a) Information über Rückkehr<br />

b) rt I' vorhandene Arbeitspl átze<br />

c) Einzelfallhilfe<br />

d) Unterstützung bei Wohnungserwerb, Kreditgewáhrung,<br />

Kooperat ivenb i ldung<br />

Die Hilfen zur beruflichen wiedereingliederung wurden in<br />

die Ausbildungszentren 'sta. María dé Europa' in 0rense<br />

und 'casa de América' in vigo gelegt und mit der Dirección<br />

General de Promoción Social und der ppo abgest<strong>im</strong>mt.<br />

sehen wir uns die THtigkeitsbereiche der Réirre nach an.<br />

3.2.3. Information und Beratung<br />

Es gibt detaillierte P1áne, die die Einbindung eines Beratungssystems<br />

in eine nationale Rückkehrerpolitik behande1n.<br />

Einer davon ist der folgende (4s/1976 MH.rz-1} ff .<br />

-<br />

)<br />

Information über freie für Rückkehrer geeignete ArbeitsplHtze<br />

:<br />

- eigener nationaler vermittlungsdienst für arbeitssuchende<br />

Rückkehrer, FUrderung von Kooperativenbildung<br />

und Selbstándigmachung


-46<br />

Berufsbildungskurse <strong>im</strong> Ausland und nach der Rückkehr<br />

- Versuch, die Ersparnisse in produktive Bereiche zu<br />

lenken, eventuell in Anlehnung an das Modell der türkischen'Arbei-tnehmergesellschaften'<br />

unter besonderer<br />

Regierungskontrolle, Bildung eines Investitionsfonds<br />

- Versuch, die auslHndischen Investitionen zur Unterstützung<br />

in dieselben Bereiche zu lenken.<br />

Natür1ich wáre dafür ein internationales Informationsnetz<br />

nUtig, das eine Zusammenarbeit oder zumindest einen Datenaustausch<br />

zwischen den Aufnahme- und AbgabelHndern voraussetzt<br />

(104-403).<br />

Andere Bausteine für ein solches System r^raren die Anlauf -<br />

punkte, die in der Urlaubszeit an den Grenzübergángen Behobia<br />

(Baskenland), Irún (Baskenland), Port Bou (Katalonien)<br />

, La Junquera (Katalonien), auf dem Bahnhof Chamartín<br />

(Madrid) und den Flugháfen Barajas (Madrid) und Santiago<br />

de Conpostela (Galizien) eingerichtet wurden (104-<br />

3s5).<br />

Dagegen gibt es auch Anzeichen, die auf eine Umstrukturierung<br />

der Information der Emigranten hindeuten, die man a7-<br />

lerdings noch nicht in ihrer gesamten Tragweite einschátzen<br />

kann (E1 País 4.8.1 977) , wie z.B. die Schliessung der<br />

Zeitung t<br />

7 fechasr , die Gerüchte über die Unformung der<br />

Zeitschrift rCartas de España' und die Herausgabe einer<br />

Reihe von InformationsblHttern 'Hojas informativas de1<br />

IEEI.<br />

Die Hauptlast der direkten Beratung tragen nach der Rückkehr<br />

die Sozialarbeiterinnen in der Sección de Asistencia<br />

a1 Retornado, die 1976 beispielsweise BZ7 schriftliche und<br />

1.765 persUnliche Anfragen von Rückkehrern zu bearbeiten<br />

hatten (43/Má,rz 1977 -51) .<br />

3.2.4. Arbeitsvermittlung und Arbeitslosengeld<br />

Gradezu verdáchti-g ist es, dass man über Jahre hinweg in<br />

den VerUffentlichungen für Ernigranten nichts Konkretes<br />

über die Arbeitssuche und -vermittlung finden konnte, dagegen<br />

ausführliche Uberlegungen über die Kanalisierung<br />

der Ersparnisse. Das gilt sogar für Organismen, die angeblich<br />

die Interessen der Emigranten vertraten, wie den Nationalen<br />

Emigrationskongress wHhrend des Francosystems<br />

(5s).<br />

Es darf aber nicht als Beleg verstanden werden, dass es<br />

in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten gab. Bei einer<br />

Umfrage unter Rückkehrern in Barcelona 1969, lange vor der<br />

Verschárfung der Wirtschaftskrise (92-157), ergab sich:<br />

Schwierigkeiten bei d.er Arbeitssuche<br />

Von 90 hatten 27 bei der Rückkehr ej-nen Arbeitsplatz<br />

62 verneinten die Frage. Von diesen bezeichneten<br />

37 die Arbeitssuche als 'leicht' und<br />

ZZ alsrschwierig'.<br />

Ausserden gibt es Klagen von Rückkehrern über Benachteiligung<br />

oder Nichtberücksichtigung bei der Stellensuche (gg),<br />

deren Berechtigung wir nicht überprüfen kunnen, die aber ihre<br />

ursache in der Furcht von unternehmern vor Anstellung von<br />

Arbeitern, die die Gewerkschaften und das streikrecht kénnen<br />

und gebrauchen gelernt hatten, haben mag.


-47<br />

Auf dem HUhepunkt der Rückkehrbewegung wurden die Leistungen<br />

für die Arbeitslosen verbessert (Zirkular S/1gTS,<br />

in 43/\lírz 1975-39):<br />

r,{er aus der Arbeitlosenversicherung des Industrielandes<br />

keine Leistungen bezieht und 2 Monate nach der Rückkehr<br />

<strong>im</strong>mer noch keinen Arbeitsplatz gefunden hat, erhá1 t 7 S<br />

des rSalario Mín<strong>im</strong>o Interprofesional' (der so<br />

Ende 1978 etwa<br />

600 Ptas. tHglich betrug) , vorausgesetzt:<br />

er ist auf off:-ziellen Wegen ausgereist<br />

- er hatte einen Vertrag von mehr als einem Jahr Ge1-<br />

tungsdauer<br />

- seine Rückkehr steht <strong>im</strong> Zusammenhang mit restriktiven<br />

Massnahmen des Industrielandes<br />

er ist á1ter als 40 Jahre<br />

- er hat keine Ansprüche an andere Stellen.<br />

Wie man sieht, 'ninguna 1ey sin trampa' (kein Gesetz ohne<br />

Fallstrick).<br />

Nach anderen Angaben (85) sind diese Leistungen auf 6 Monate<br />

begrenzt; allerdings scheint es inzwischen einige<br />

VerlHngerungen gegeben zu haben. Ausserdem werden die Sozialversicherungsbeitráge<br />

vom IEE übernommen. Zur genauen<br />

Information über die Leistungen, auf die díe Emigranten<br />

jetzt Anspruch haben, und die dabei einzuhaltenden<br />

Fristen siehe 4.2.<br />

Von der Einführung dieser Massnahme 1975 bis zúm S0.11.<br />

1975 wurden 1.119 Antráge geste11t, daraufhin wurden<br />

520 Hilfen bewilligt, die zusammen<br />

6,5 Millionen Ptas kosteten, neben fast<br />

4 Millionen für SozialversicherungsbeitrHge,<br />

wHhrend für das gesamte Programm theoretisch ein Haushalts -<br />

ansatz voÍt 500 Millionen Ptas. zur verfügung stand (43/Jan.<br />

1976-59). In diesem Zusammenhang ist es auch sehr interessant,<br />

dass ein ehemaliger Emigrant, der in der BRD Beitráge<br />

zur Arbeitslosenversicherung bezahlt hat, nach der<br />

Rückkehr seine Arbeitslosenunterstützung/geld (gemáss dem<br />

vértrag über die Gegensertrgkert der nr¡eltslosénversicherung<br />

von 1976) nach spanischen Sátzen bekommt, mit der<br />

entsprechenden Schlechterstellung .<br />

Neben der finanziellen unterstützur.g verweist das rEE die<br />

Arbeitssuchenden weiter (98-114 + 43/Jan.1976-s9 + 4s/NlHrz<br />

1s77 -51):<br />

197 s<br />

1.250 Arbeitssuchende<br />

534 an die ArbeitsHmter<br />

1 00 direkt an Unternehmen<br />

197 6<br />

668 Anfragen<br />

204 an die Arbeitsámter<br />

3.2.5. Fortbildungskurse in Spanien zur Erleichterung<br />

der Wiedereingliederung<br />

An anderer Ste11e haben wir das Mode11 des Verbunds von<br />

Vorbereitungskursen in Spanien, Ausbildung in der BRD und<br />

Wiederanpassung nach der Rückkehr erwáhnt. Zwar finden<br />

sich áhnliche Vorstellungen in Expertenempfehlungen (S0),<br />

doch scheinen sie bis zum untersuchungszeitpunkt-nicht in<br />

die Praxis umgesetzt worden zu sein. Eine dér dafür zu<br />

lusenden Fragen ist die Anerkennung von Bescheinigungen<br />

aus dem Ausland und die gegenseitige Abst<strong>im</strong>mung añeiñander<br />

anschliessender Kurse (Si).<br />

Die Kurse, die durchgeführt worden sind, bestehen also


- 48<br />

entweder aus der Vermittlung einer Berufsausbildung an<br />

Unqual,"fizierte a1s Vorbereitung auf die Vermittlung qualifizierter<br />

KrHfte an deutsche Firmen (behandelt in Z:2.4)<br />

oder aus Kursen, die unqualifizierten spanischen Arbeitern<br />

ohne Vorbereitung von Spanien aus in der BRD eine Qualifikation<br />

vermitteln (behandelt in 3.3.5/6/7) oder aus Kursen,<br />

die unqualifiziert zurückgekehrten spanischen Arbeitern<br />

wieder in Spanien eine Ausbildung geben, die wir <strong>im</strong><br />

folgenden behandeln werden.<br />

von einer Koordination oder einem Aufeinanderaufbauen der<br />

Ausbildung vor der Ausreise, in der BRD oder nach der<br />

Rückkehr kann also bisher unseres wissens keine Rede sein.<br />

Die ZustHndigkeit für diese Aufgabe lag <strong>im</strong> Rahmen des IEE<br />

be<strong>im</strong>,Negociado de Formación Profesional y Ambiental (47),<br />

den dafür die zwei genannten Berufsbildungszentren zur<br />

Verfügung standen.<br />

Die zusammengefassten Angaben zu den durchgeführten Kursen<br />

sind sehr verstreut und leiden daran, dass nicht <strong>im</strong>mer<br />

ausdrücklich zwischen Ausreisevorbereitungs- und Rückkehrereingliederungskursen<br />

unterschieden wird. Wir geben<br />

sie hier wieder, ohne ihnen a11zuviel Aussagekraft beizumessen.<br />

Rückkehrerkurse<br />

197 4<br />

fsT-o+)<br />

197 s<br />

l+3/aug. 1e7s-1)<br />

197 4<br />

TgTs<br />

T4S/¡an. 197ó-s9)<br />

Juni 1975 bis September 1976<br />

Kurse üoñ 4 T/7 fronateñ Daüer ss8 Teilnehmer<br />

(48)<br />

197 6<br />

17 Kurse<br />

50<br />

(46/Mu,r21977-s1)<br />

vom Begign_1 974 bis Juni<br />

11 347 'r<br />

15 442 ',<br />

197 6<br />

-3r0 2 .134<br />

432<br />

537<br />

1.012<br />

1.370<br />

1 .593<br />

261 Tei<br />

306<br />

386<br />

Kosten 6.244.310 Ptas<br />

lneh4er<br />

" in Orense<br />

" in Vigo<br />

Kost<br />

in Orense<br />

in Vigo<br />

en fast 40 Mi11.<br />

86.521 .650 Ptas<br />

(60-rab. 8)<br />

lVesentlich inhaltsreicher und zuverlássiger erscheinen<br />

uns die Statistiken, die wir <strong>im</strong> Anschluss an dieses Kapitel<br />

wiedergeben.<br />

Neben diesen Kursen gibt das IEE Stipendien für die Teilnahme<br />

an Kursen von Fernlehrinstituten wie dem CCC und<br />

dem CEAC, bei denen der Teilnehmer 1/3 der Kosten selbst<br />

tragen muss (92-117). Die für das CEAC vorliegenden IEE-<br />

Stipendiatenzahlen sind leider sehr veraltet:<br />

964<br />

965<br />

966<br />

967<br />

968<br />

sie beziehen sich grusstenteils auf Kurse <strong>im</strong> Bereich Bauwesen,<br />

Mechaniker, Elektriker und Technischer Zeichner.<br />

Ubrigens bereiteten sich 1975/1926 in garrz Europa 1.751


-49<br />

Personen mit IEE-Unterstützung auf die Mittlere Reife/<br />

Abitur per Fernunterricht vor, und 5.806 Erwachsene nahmen<br />

an Kursen über Sprache, Geografie und Geschichte Spaniens<br />

teil (82,139) .<br />

Das IEE bezuschusste für sinnvoll erachtete Kurse auch <strong>im</strong><br />

Ausland (36), allerdings liegen darüber keine genauen Angaben<br />

vor (siehe auch 8.5.6.). Einen anderen Geist zeígt<br />

die Meinung der Bund-Lánder-Kommission: "An dem Grundsatz,<br />

dass auslHndische TrHger keine Betreuungsmittel erhalten,<br />

so11te festgehalten werden." (24-8)<br />

Anqerkgngen ¿u_den_f o lgendenJabe 1 1 en<br />

Quellen:<br />

alle (43), davon (/1975):<br />

(/ 1e7 6) :<br />

(/1e77):<br />

Februar - 53,Már z - 44,Mai - 44, Okto -<br />

ber - 35<br />

Februar - 49,Már z- 34,Apr iL - 28+29,<br />

Oktober - 4 2, November - 43+ 4 4,De -<br />

zember-41<br />

Januar - 42,MH,r z - 7 4, Oktober - 49,<br />

November-38+59)<br />

0rtsbezeichnungen:<br />

0 = Orense<br />

V = Vigo<br />

* Wir bitten um Nachsicht für die nicht <strong>im</strong>mer g1ückliche<br />

Ubersetzung der Berufsbezeichnungen. Aufgrund der Verschiedenheit<br />

und mangelnden Abgrenzung der Berufsbilder<br />

ist die Gleichwertigkeit von deutschen und spanischen<br />

Berufen nicht <strong>im</strong>mer gewáhrleistet.<br />

** Wir haben allgemein die 'So11'-Zahlen angegeben. Wo<br />

Angaben vorlagen, dass die tatsáchlichen ZahLen sie ü-<br />

berschritten, haben wir letztere genannt.<br />

Nach den wenigen verfügbaren Angaben liegt die ZahL<br />

der bestandenen Abschlussprüfungen um 5 e, unter der<br />

So11 zahl .<br />

Es folgen Tabellen über «Lie Fgrtbil4ungskurse in Spanien<br />

zur Erleichterung der Wiedereingliederung


- 50<br />

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55<br />

3.2.6. Kooperativenbildung<br />

Obwohl die Bildung von Genossenschaften eines der Vorzeige-Steckenpferde<br />

der Syndikatsorganisation unter dem Franco-Reg<strong>im</strong>e<br />

war, findet man so gut wie keine konkreten Angaben<br />

darüber, wie zurückgekehrte Emigranten mit ihren Ersparnissen<br />

und Kenntnissen eine Kooperative bilden kUnnten<br />

(107). Lediglich für 1976 wird von 10 Antrágen auf<br />

KreditgewHhrung zur Bildung einer Genossenschaft aus Rückkehrern<br />

neben 12 AntrHgen auf unterstützung bei der Eruffnung<br />

eines selbstHndigen Klej_nunternehmens berichtet (98)<br />

und (43 /MHt2197 7 - 51 ) .<br />

J.¿./<br />

WohnungsbaufUrderung<br />

Im offiziellen Leitfaden für Emigranten finden sich einige<br />

unklare Aussagen zur WohnungsbaufUrderung (58-57). Angesichts<br />

der lácherlich geringen staatlichen Planungsziffern<br />

auf dem Gebiet kUnnen Cie Aussagen auch nur unklar<br />

sein: <strong>im</strong> Programm des l{inisterio de Obras Públicas vom<br />

2.5.1974 waren garrze 200 Wohnungen für Emigranten mit Sparkonten<br />

vcrgesehen (43/Aug.1975 -1 1 8+1 1 9) .<br />

Wie folgt entwickelte sich die Anzahl der Antráge und Zuteilungen<br />

r^.sl¡err:wo-sgl<br />

AntrHge<br />

974 585<br />

97s 732<br />

976 766<br />

Dass die Emigranten<br />

(worden) sind, ist<br />

die Angaben zur<br />

davon Madrid<br />

---?---<br />

503<br />

184<br />

zugeteilt<br />

?<br />

52<br />

?<br />

Ein schwacher Trost ist es, dass seit einem Ministerialerlass<br />

vom 15.7.1976 die Rückkehrer die htichste Punktzahl<br />

bei der Berechnung des Anspruchs auf eine liohnung zúgesprochen<br />

bekommen.<br />

3.3. Verwertung erworbener Qualifikationen<br />

3.3.1. Verteilung der Emigranten auf die Bescháftigungssektoren<br />

in der BRD<br />

in best<strong>im</strong>mten Bereichen konzentriert<br />

allgemein bekannt und wird belegt durch<br />

Verteilung der Spapier auf:_Bescháftigungssektoren<br />

(16-s1+52) 197 2<br />

mf<br />

Fertigung rffg"rein<br />

80 qo<br />

74<br />

Metall-erzeug. + -bearbeittrng 19 0<br />

Schlosser, Mechaniker 80<br />

It{ontage, Metallhilfsarbeiter 14 13<br />

Bauwirtschaft<br />

90<br />

Chenie, Kunststoff<br />

70<br />

Text i 1<br />

0 1s<br />

ErnHhrung<br />

15 11<br />

Dienstleistungen allgemein 15 2s<br />

Verkehr, Lager, Transport 10 0<br />

Re inigung<br />

0 14


- 56<br />

(51 -39) {aquar_1?71 m f total<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft 114 % 0,5 1,1<br />

Bergbau, Energie 3r1 0rZ 2rZ<br />

Stahl - + Metallerzeug . /veratb.44 ,1 32 ,2 40 ,4<br />

Sonstige Industrie 26 o0 39,7 30,2<br />

Bauwirtschaft 10,0 0,4 7 ,7<br />

Handel 4,0 6,8 4,9<br />

Dienstleistungen 2r4 9r1 4r5<br />

Transport 5r8 1,4 4r5<br />

0ffentlicher Dienst 2rZ 9,6 4,5<br />

(19-7 55,Tab . 1 /23) 30.9.1 976<br />

<strong>Land</strong>wirtschaf t/Forstr. /f ischere i<br />

1 ,2<br />

eo<br />

Bergbau/Energie 0,7<br />

Verarbeitende Industrie 67 19<br />

Bauwirtschaft 5,2<br />

Handel 5,3<br />

Verkehr/Nachrichtenwesen-- 7 ,0<br />

Kreditwesen/Versicherungen 0,5<br />

Dienstleistungen 9,9<br />

Organisationen, Haushalte 0,7<br />

GebietskUrperschaften, Sozialversicherungen 1,7<br />

Trotz aller Unterschiede in den Begriffen ist eine Konzentration<br />

in der Industrie, besonders der metallerzeubenden<br />

und -verarbeitenden, unübersehbar. Bei Berücksichtigung<br />

der Angaben aus 2.2.2. kann man also einen weitgehenden<br />

Wechsel des Bescháftigungsbereichs annehmen, der<br />

sich auch in den folgenden Tabellen niederschlágt:<br />

Zusammenhang von erlerntem und. ausgeübtem Beru:E bei Sp.<br />

(11 -98,Tab.FI+J)<br />

In oer In Spanien erlernter Beruf<br />

-ÚKU aus- - -<br />

geübter Beruf Tech- Dienst L<br />

Bau Selb- Kaufm. Sonniker<br />

lei- stán- Beruf stiu.<br />

a. stung diger ge<br />

+Hánd<br />

1er<br />

Techni s che<br />

Berufe 63 eo 0 27 0 33 40<br />

Sons t ige<br />

Handwerker009007<br />

Hándler 0 0 0 0 11 7<br />

Bau 25 0 18 0 17 20<br />

Dienstleist. 12 1 00 46 1 00 33 20<br />

Kaufm. Berufe,<br />

Verwa1tung000007<br />

Im Kommentar zu dieser Tabelle vermuten Bingemer/Meistermann-Seeger:<br />

"Eine Auffangfunktion haben offenbar die<br />

Dienstleistungsberufe. " (1 1 -98) .<br />

Es ist mUglich, dass durch die zunehmende Dauer der Bescháftigung<br />

in den letzten Jahren eine weitere Verschiebung<br />

eingetreten ist und inzwischen Türken in die niedriger<br />

qualifizierten und anstrengenderen Tátigkeiten eingetreten<br />

sind.


-57<br />

Bei Portugiesen in der Region Rhdne-Loire wurde festgeste11t:<br />

Verschiebun der Bescháftigun seit der Ankunft<br />

(68 -223)<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft, Forsten<br />

Bergbau, Werften<br />

Tiefbau, Strassenbau<br />

Bau<br />

Meta11 und Mechanik<br />

Andere<br />

Ankunft<br />

18<br />

eo<br />

11<br />

22<br />

ZO<br />

7<br />

ZZ<br />

j etzt<br />

Bei der Behandlung der Branchenverteilung fe11t noch ins<br />

Gewicht, dass die Wirtschaftstruktur in Spanien und in<br />

der BRD verschieden ist. Daher kann es vorkommen, dass<br />

jemand sich durch die Enigrati-on in eine Branche _eingeiUf,.tt,<br />

in der er nach der-Rückkehr keine Arbeit findet,<br />

woraui wir in 3.3.11. noch eingehen werden (86-791) '<br />

3.3.2. Qualifikationsstruktur in der BRD<br />

Für unsere Fragestellung fast noch wichtiggr ?1s dig<br />

Branchenverteiiung ist ái"e Frage nach der Stellung <strong>im</strong><br />

Betrieb bzw. der Qualifikation, auf die wir in 2.2.5. be<br />

reits etwas eingegangen sind- Dazu einige Daten:<br />

Ste1l'.ing der Sparrier <strong>im</strong> Betrieb<br />

(69-Erfahrungsbericht der BfA)<br />

mf<br />

Ungelernte<br />

Angelernte<br />

Facharbeiter rVorarb .,Meister<br />

Angestellte<br />

Lehrl inge<br />

alifikationsstruktur<br />

(1oz-116)<br />

0pe1 Rüsselshe<strong>im</strong><br />

Karmann Osnabrück<br />

Siemens München<br />

VW Hannover<br />

Farbwerke Hoechst<br />

Dunlop Hanau<br />

BBC l{annhe in<br />

MAN Nürnberg<br />

38<br />

44<br />

15<br />

0<br />

0<br />

59<br />

34<br />

0<br />

0<br />

^U<br />

3<br />

2<br />

3<br />

34<br />

40<br />

1B<br />

in einigen dt. Fabriken um 1970<br />

Sp. insges. técnicost<br />

z ,602<br />

2.000<br />

443<br />

685<br />

958<br />

66s<br />

343<br />

252<br />

andere<br />

'cua1ificados<br />

Einstufung spanischer Arbeiter <strong>im</strong> Betrieb gegen 1971<br />

(79-79,Tab. 48+80,Tab. 49+50)<br />

m f total<br />

eo<br />

Unge lernte<br />

32 49<br />

Ange 1 ernt e<br />

40 44<br />

Qual ifizierte (f Facharb. ) 24<br />

3<br />

Angestellte<br />

3<br />

3<br />

Sons t ige<br />

1<br />

1<br />

0<br />

0<br />

1s<br />

0<br />

4<br />

0<br />

1<br />

Z<br />

0<br />

180<br />

30<br />

0<br />

19<br />

0<br />

162<br />

112<br />

58<br />

41<br />

18<br />

3<br />

0?


- 58<br />

Spanier am Fliessband<br />

Mánner:<br />

eo<br />

990 Frauen: 13<br />

Spanier in Akkord<br />

qo<br />

eo<br />

Mánner: 29 30<br />

Berufliche Stellun der spanischen Arbe it er<br />

(16-68)<br />

m f<br />

Unge 1 ernt e<br />

Angelernte<br />

Facharbe i ter<br />

Dieselbe Statistik erscheint übrigens in einer<br />

Mitteilung des IEE, wobei man Rückschlüsse auf<br />

griffswahl ziehen kann:<br />

Ungelernte No cualificados<br />

Angelernte = Cualifi_cados y semi-cualificados<br />

Faéharbeiter = Especialistás y técnicos<br />

mUgl ich<br />

unmUgl ich<br />

keine Meinung<br />

35<br />

51<br />

14<br />

50<br />

46<br />

4<br />

(79-88,Tab.58)<br />

(79-88,Tab.58)<br />

in der BRD 1972<br />

total<br />

40<br />

50<br />

10<br />

internen<br />

die Be-<br />

N<strong>im</strong>mt man diese Ergebnisse mit den Angaben aus Z.Z.S. zusammen,<br />

So steht fest, dass die überwiegende Mehrzahl der<br />

spanischen Arbeiter(innen) in der BRD a1s ungelernte oder<br />

Angelernte tátig sind. Aussagen, wonach sich die situation<br />

a1lmáh1ich verbessert, lassen sich aufgrund dieser Daten<br />

nicht belegen, teilweise auch wegen der unterschiedlichen<br />

Begriffe, die zugrundegelegt werden.<br />

Angesichts dieser Lage ist das nachgestellte zítat aus dem<br />

Leitfaden für Emigranten zwar geeignet, die Ausschussraten<br />

zu senken, aber ansonsten nur a1s schwarzer Humor zu begreifen:<br />

"... in al1en unternehmen ist die Arbeit sehr anspruchsvoll<br />

und man muss sie mit perfektion machen. Der<br />

Deutsche ist in seinem ungang mit anderen sehr korrekt. "<br />

(s8-27)<br />

3.3.3. Aufstieg(shenmnisse)<br />

"Wir haben jedoch in unseren Einrichtungen für auslándische<br />

Arbeitnehmer festgestellt, dass<br />

1. die FUrderung \¡on grosser sozialer Bedeutung ist,<br />

weil sie zur Qualifizierung führt;<br />

2. hier wirkllch Grundlagen für einen weiteren beruflichen<br />

Aufstieg geschaffen werden, zumal die einmal geweckte<br />

Initiative zum Lernen weitere Bildungswünscñe<br />

auslUst;<br />

3. die berufliche FUrderung auch <strong>im</strong> Hinblick auf die<br />

Rückkehr der Auslánder in ihre He<strong>im</strong>at st5ndig an Bedeutung<br />

gewinnt." (65/5-5)<br />

Nicht sehr günstig sehen die Spanier selbst ihre Aufstiegschancen<br />

(79 -9 4 ,Tab. 64+65)<br />

Einschátzung der AufstiegsmUglichkeiten<br />

m<br />

58 eo<br />

38<br />

24<br />

f<br />

27<br />

41<br />

32


- s9<br />

Der grUsste Opt<strong>im</strong>ismus findet sich bej- Auslándern, die<br />

einen Beruf <strong>im</strong> Herkunftsland erlernt hatten und dort als<br />

qualifizierte Arbeiter oder Angestellte eingestellt waren<br />

und bereits mit Deutschkenntnissen einreisten.<br />

Bedenkt man, dass die durchschnittliche Anlerndauer bei<br />

spanischen Mánnern auf 5 r 0 und bei Frauen auf 4 ,4 Tage<br />

beziffert wird (101-28,Tab.2.2.), so erscheint Skepsis<br />

angebracht.<br />

Manche Autoren (101 -29) schátzen die AufstiegsrnUglichkeiten<br />

positiv ein und sprechen von 1 /3 Aufgestiegenen und<br />

1/3 Personen, die auf gleichem Niveau geblieben sind. A1s<br />

Belege verweisen sie auf das Unterkommen in Lebensnittelhandlungen<br />

der spanischen Kolonie, Ubernehmen der Hilfe<br />

bei BehUrden für andere, Tátigkeit a1s GewerkschaftsfunktionHr,<br />

Sozialarbeiter, Lehrer, Gastwirt und Reparaturschneider.<br />

Doch auch wenn man annáhme, dass alle diese<br />

Berufe genug Platz bUten, ufl einem Drittel zum Aufstieg<br />

zu verhelfeno fragt sich, was nit dem Letzten Drittel der<br />

obigen Rechnung geschah, das weder aufgestiegen ist noch<br />

stabil geblieben ist.<br />

Doch sehen wir uns die verfügbaren Angaben an:<br />

eine Untersuchung, die sich auf a1le Auslánder bezieht,<br />

kommt zu einer beruflichen Verbesserung bei 30 % der Mánner<br />

und 20 eo der Frauen, meist von Ungelernten zu Angelernten<br />

(86-789).<br />

Für 1 966 gibt es die folgenden Zah1-en:<br />

Von 1 00 eingestellten Emigranten bleiben 46 Ungelernte<br />

werden 51 Angelernte<br />

werden 5 Facharbeiter,<br />

das Bild kann sich seitdem aber sehr stark verschoben haben.<br />

Bei einer Rückkehrerbefragung i-n Barcelona stellten sich<br />

keine grossen Qualifikationsveránderungen heraus, einige<br />

'especialistasr waren zu Hilfsarbeitern herabgestuft worden,<br />

einige Hilfsarbeiter zu respecialistas' gemacht worden,<br />

ei-nige waren zutoficialest (etwa Facharbeiter) aufgestiegen,<br />

andere roficiales' dagegen abgestiegen. Die<br />

genauen Zah1-en (92 -1 1 3) :<br />

Berufliche Veránderung Spanien/letzte Afbeitsstelle in<br />

Gleichbleibend<br />

geringer Aufstieg (Hilfsarb+Bauer - Ange1.)<br />

grosser A. (Hilfsarb+Bauer+Ang - 'of ici-al ')<br />

Abstieg (vorw. roficial' - Angelernter)<br />

nicht klassifizierbar<br />

Zum selben Problem (100-Z45,Tab. 69):<br />

Vergleich vom 1. Arbeitsplatz und gegenwártigen Arbeitsplatz<br />

von Spaniern in der BRD 1 969<br />

erste A._a1s<br />

yetzige 4._als<br />

nicht spez. spez. Vorarb. Verwalt<br />

nicht spez. Arb. 211 170 344<br />

3<br />

spezialis. Arb. 79<br />

6 72 1<br />

0<br />

Verwaltungsang. Z<br />

1 00<br />

1<br />

44<br />

14<br />

4<br />

8<br />

20


- 60<br />

wir finden hier eine deutliche Aufstiegstendenz <strong>im</strong> Laufe<br />

der zeít bei den anfánglich unspe zialiíierten Arbeitern<br />

und eine leichte Abstigg:tendeñz bei den anfangi<br />

alisierten<br />

,pári-<br />

Arbeitern und-den verwaltungsangesteilten.<br />

Aussagekraft Die<br />

dieser Begriffe wird ¿urcñ ¿i6 schwammigkeit<br />

d"T Begrlffe'spezialiiierter Arbeiter, stark vermináert,<br />

und wir müssen ánnehmen, dass unter ihm sowohl angeierrrte<br />

als auch Facharbeiter zusammengefasst sind<br />

1971 r,\rar das Bild so (79-96,Ta6.67):<br />

Verbesserun des Arbeitsplatzes seit Ersteinstellun<br />

)a<br />

nein<br />

keine Angaben<br />

Spanier<br />

mf<br />

59 qo 42<br />

40 s8<br />

11<br />

A a1le Nat<br />

mf<br />

3s 26<br />

63 70<br />

24<br />

rm vergleich der Nationen ist dieses Ergebnis sehr posi-<br />

_t-iv-, allerdings sagen die Angaben nicht§ uber die Ait der<br />

Verbesserung aus.<br />

1972 differenzierte die Reprásentativuntersuchung der BfA<br />

(1 6-6s) die<br />

Aufstiegsarten für Spanier alle Nationen<br />

Aufs tieg<br />

ql to ta1 m f total<br />

Ungelernt Angelernt 38 34 37 eo 31 39 33<br />

Ungelernt Facharb. 00 3?50<br />

2<br />

Angelernt - Facharb. 00 2?30<br />

Gesamt: Aufstieg<br />

44 37 42 37 40 5B<br />

Auch hier wieder ein relativ positives Bild bei den spaniern.<br />

Diese untersuchung n<strong>im</strong>mt aber 3ñ, dass die auslándischen<br />

Facharbeiter selten durch a1lmáhiichen Aufstieg i; áá,<br />

BR! |ury geworden sind, sondern bei der Ankunf[ schon a1s<br />

soiche dazu eingestuft wurden.<br />

Pi" .Flgge liegt nahe, welche Faktoren den Aufstieg durch<br />

Fortbildung über einfache Anlernung hinaus hemmenl Dazu<br />

sagen Spanier: -<br />

( 79 _g5<br />

,Tab.66)<br />

Aufstiegshenmende Faktoren<br />

(1 1 9 Befragte)<br />

Sprache<br />

50<br />

It{angelnde berufliche Vorbildung 17<br />

keine MUglichkeit zu learning ay<br />

do ing<br />

1<br />

keine Fortbi_ldungsmUglichkeit in<br />

der NHhe<br />

s<br />

Diskrininierung, Vorurteile<br />

kein Interesse, baldige Rückkehr<br />

persUnliche und sonstige Motive 1<br />

Keine Angaben<br />

g<br />

s<br />

Hier erscheinen die mangelnden sprachkenntnisse<br />

wichtigste<br />

a1s der<br />

Hemmschuh.<br />

Andere Faktoren nennt eine in Lyon durchgeführte<br />

- keine<br />

studie:<br />

klare Definition der Emigratiónsziel-e, keine<br />

Angaben über berufliche Ziete<br />

- grusseres rnteresse an hohem verdienst a1s an Berufsausbildung.bei<br />

den Emigranten selbst,<br />

sichere da<br />

rnvestitionen mii c"r¿<br />

fur muglich gehaltán werden,<br />

Geringschátzung von Titeln, órientl"r.rrrg an direkt<br />

Zz<br />

s


-61<br />

wahrnehmbaren Vorte ilen<br />

mangelndes Interesse der Unternehmen<br />

- keine Ubereinst<strong>im</strong>mung der Arbeitsinhalte mit den Berufsbezeichnung€n,<br />

die in den Arbeitsvertrágen erwáhnt<br />

sind, ein gleicher Titel kann in den beiden<br />

Lándern vUl1ig verschiedene Arbeiten und Techniken<br />

benennen<br />

- für die berufliche Fortbildung aufgewandte Zeit ist<br />

Zeit und Ge1d, die den direkten sozialen Aufstiegsbestrebungen<br />

(durch hUlieren Verdienst) entzogen<br />

wird (68-219).<br />

Die Hierarchie am Arbeitsplatz erleichtert zwar die anfHngliche<br />

Eingliederung in vorgefundene Strukturen, erschwert<br />

aber MobilitHt und Fortbildung (1).<br />

weitere Hindernisse sind Ermüdung durch schichtarbeit<br />

und Uberstunden, oft auch die langen Anfahrtswege zu den<br />

weit auseinanderliegenden Ausbildungszentren, die bis zt)<br />

3 Stunden Zeitverlust verursachen kUnnen (65/S-16).<br />

Auch die Familienzusammenführung kann hier mithineinspie-<br />

1en, hrenn sie einen zusH,tzlichen Zwang zum Verdienen<br />

schafft (1 6-84) .<br />

Bei Arbeitslosigkeit setzen andere Mechanismen ein: da<br />

es keinen vollkommenen Berufsschutz mehr gibt, wirkt die<br />

Tendenz eher zur Annahme einer geringer qual ifizierten<br />

THt igke it .<br />

Nachdem wir nun gesehen haben, welche Einflüsse den Aufstieg<br />

erschweren, ist es interessant, zu erforschen, we1-<br />

che Voraussetzungen ein AuslHnder mitbringen muss, um<br />

trotzdem vorwártszukommen. Dazu stellt die Reprásentativuntersuchung<br />

fest: "Je besser die auslá,ndischen Arbeitnehmer<br />

die deutsche Sprache beherrschen, desto grUsser<br />

sind ihre Chancen, <strong>im</strong> Bundesgebiet beruflich aufzusteigen<br />

oder von Anfang an eine entsprechende Stellung <strong>im</strong> Betrieb<br />

übertragen zu bekommen." (16-75)<br />

Der Aufstieg vom Ungelernten zum Angelernten erfolgt normalerweise<br />

in den ersten 5 Einarbeitungsjahren (16-77).<br />

"Ihre berufliche Qualifikation vollzieht sich fast ausschliesslich<br />

über eine Anlernung <strong>im</strong> Verlauf einer technisch-industriellen<br />

Anpassung an die Anforderungen des<br />

Betriebes und kaum über eine formelle Aus- und Fortbilduqg."<br />

(Zieris in Sonderbeilage rDer Arbeitgeber' , in:<br />

6s/3-6).<br />

Hat einer dieser Angelernten Gelegenheit, an einem Kurs<br />

teilzunehmen, kann folgendes geschehen: "In praxis und<br />

Theorie erschliesst sich für sie eine neue We1t, auch<br />

solche, die jahrelang in einem metallverarbeitenden Betrieb<br />

in der BRD tátig waren, erhalten oft erstmalig <strong>im</strong><br />

Kurs eine Feile in die Hand"" (65/3-14)<br />

Einen 'Aufstiegt zl<strong>im</strong> Facharbeiter erreichen mei.st nur die,<br />

die in Spanien schon vorqualifiziert waren (79-97). "Eine<br />

Einstufung a1s Facharbeiter erreichen die auslándischen<br />

Arbeiter - wie bereits erwáhnt - weniger über den r{eg des<br />

beruflichen Aufstiegs <strong>im</strong> Bundesgebiet a1s vielmehr aurgrund<br />

ihrer beruflichen vorbildung oder entsprechender<br />

Berufserfahrung in der He<strong>im</strong>at." (16-66)<br />

Die Situation wird von Dr. Herbst zusammengefasst:


62<br />

- Wer ungelernter Arbeiter<br />

liche Fortbildung.<br />

- Wer zum Angelernten wird ,<br />

Monaten und 3 Jahren dazu.<br />

aber nur in Industrien m<br />

verwenden.<br />

- Bis zúT Facharbeiterprüf<br />

braucht man mindestens 3<br />

ist fast unerreichbar, e<br />

und Vorbildung. (92- 1 1 8)<br />

Hier sind noch weitere Faktor<br />

Bessere Schulbildung korrelie<br />

keit (11-93,Tab.C):<br />

Arbe it<br />

unqual ifiziert<br />

qual if ízj-ert<br />

it<br />

un<br />

S<br />

o<br />

en<br />

rt<br />

bleibt, braucht keine berufbraucht<br />

meist zwischen 2<br />

Er kann seine Kenntnisse<br />

áhn1 ichen VerhHltnissen<br />

g mit anerkanntem Titel<br />

der 4 Jahre; dieses ZieL<br />

verlangt langen Aufenthalt<br />

von Bedeutung:<br />

mit qualifizierter<br />

Schulbildung<br />

hoch niedrig<br />

29 % 58<br />

71 42<br />

mf<br />

24 25<br />

22 20<br />

16 15<br />

9 12<br />

Tátig-<br />

!i" BetriebsgrUsse spielt mit. In Kleinbetrieben, besonders<br />

des Handwerks, ist der Facharbeiteranteil an der Belegschaft<br />

huher, daher wáren theoretisch die MUglichkeiten<br />

zum Aufstieg grUsser (16-21+22). Er setzt aber lange<br />

Betriebszugehurigkeit voraus, und ausserdem nehmen Kleinbetriebe<br />

seltener an den Anwerbekampagnen tei1. Daher vermuten<br />

andere Autoren grussere Aufstiegschancen in grossen<br />

Industriebetrieben (92-1 12) .<br />

offensichtlich spielt die ununterbrochene BetriebszugehUrigkeit<br />

auch eine Rol1e. Dazu liegen für die Spanier Daten<br />

von 1972 vor (16-60):<br />

Betr iebs zugehUr igke it<br />

unter 1 Jahr<br />

1-2<br />

2-3<br />

3-4<br />

4-6<br />

70<br />

6 -10<br />

17 5<br />

mehr a1s 10 Jahre<br />

50<br />

Dieses Bild dürfte sich inzwischen verschoben haben.<br />

Wir hatten schon erwáhnt, Cass die Emigranten die mangelnden<br />

sprachkenntnisse a1s ein Fortbildungshindernis<br />

ansehen. Es verwundert nicht, tatsáchlich eine Korrelation<br />

von Qualifikation und sprachkenntnissen vorzufinden:<br />

(16-7 6, FA=Facharbeiter, A=Angelernter, U=Ungelernter)<br />

Deutschkenntnisse und Qualifikation<br />

m<br />

FAsehr<br />

gut 47 -A-<br />

eo 41<br />

einigermassen 26 49<br />

schlecht 12 48<br />

keine Kenntnisse 12 34<br />

q<br />

12<br />

25<br />

40<br />

s4<br />

__LA_<br />

0<br />

0<br />

0<br />

0<br />

f<br />

_A_U_<br />

s7 31<br />

56 41<br />

49 50<br />

39 60<br />

total<br />

lA_ _A_ u<br />

40 44 16<br />

z0 51 29<br />

9 4843<br />

8 56 56<br />

Abschliessend noch ein Bericht, der deutlich macht, wo<br />

oft nicht zu unterschátzende Hindernisse für die Fortbildung<br />

der auslándischen Arbeiter liegen/sitzen: "Es<br />

hat aussichtsvolle Fortbildungsplanungén, in namhaften<br />

Grossbetrieben auf Direktionsebene veieinbart, gegeben,<br />

die dann aus nicht náher umschriebenen 'innerÉelrlebli-


-63<br />

chen Gründen' abgesagt wurden. - In anderen Fá11en wird<br />

das Berufsfurderungsprogramm von Auslándern in Anspruch<br />

genommen, die <strong>im</strong> Betrieb als Facharbeiter angelernt und<br />

bescháftigt sind, aber a1s Hilfsarbeiter bezáhlt bleiben;<br />

die Betroffenen suchen <strong>im</strong> Kurs einen formellen und a11gemeinen<br />

Ausbildungsabschluss, zu dem es in Ergánzung ihier<br />

betrieblichen Praxis des dort nicht geboteneñ theoletischen<br />

Ausbildungsstoffes bedarf. Ein keineswegs geringer<br />

Rest von Betri_eben reagiert mit schlichtem neiinteresse,<br />

sogar mit Ablehnung - man hat Hilfsarbeiter angeworben,<br />

die man braucht und auch a1s solche behalten wlrt. Aus -<br />

und Fortbildung der Auslánder 1ásst schl<strong>im</strong>mes befürchten:<br />

Fluktuation durch Betriebswechsel oder a1s Folge der erworbenen<br />

Qualifikation Rückkehr in die He<strong>im</strong>at.; (6sls-1g)<br />

3-3-4. 0rientierung und Interessen, Haltung zur beruflichen<br />

Weiterbildung<br />

"Der auslándische Arbeitnehmer so11te seinen Aufenthalt<br />

in der Bundesrepublik zur beruflichen Aus- und Fortbil-<br />

{y"g nutzen. Dies liegt vor allem in seinem rnteresse,<br />

dient aber ai;ch uns und seinem <strong>Land</strong>." (satz 6 der Grundsá.tze<br />

zur Eingliederung auslándischer Arbeitnehmer des<br />

Koordinierungskreises <strong>im</strong> Bundesarbeitsministerium, Feb.<br />

197A, in: 65/3-4)<br />

An anderer ste11e haben wir schon erwáhnt, dass manchmal<br />

die vorwiegend auf kurzfristige wirtschatitiche vorteile<br />

ausgerichtete Einstellung der Emigranten a1s ein Hindernis<br />

für die Fortbildung angesehen wird (gz-16). Diese<br />

Ansicht muss zumindest für spanier relativiert werden,<br />

ihr widersprechen die folgenden Ergebnisse, die a11er-<br />

4irg: bei einem nicht repiesentativen sampie gewonnen wurden<br />

(2s-93):<br />

Teilnahme an Weiterbildun smassnahmen <strong>im</strong> Lauf des AufenttS<br />

Spanier A a1le Nationen<br />

Ja, davon<br />

eo<br />

66 33<br />

sprachl ich<br />

79<br />

72<br />

schulisch<br />

7<br />

9<br />

berufl . Ausbildung<br />

0<br />

5<br />

berufl . Fortb ildung<br />

7<br />

12<br />

Anderes<br />

Ne in<br />

Hier zergt sich eine aussergewuhnlich hohe Teilnahme an<br />

weiterbildungsmassnahmen, die zu einem auffHllig geringen<br />

Prozentsatz auf Massnahmen der beruflichen poitbildung<br />

entfál1t.<br />

Drückt man diesen sachverhalt in der zahl der durchschnittlich<br />

besuchten weiterbildungskurse aus, ergibt sich für<br />

{ig spanier mit 0,74 der húchste wert'al1ér Nationen (der<br />

A ist 0,38) (25-94).<br />

Die zufriedenheit mit diesen Kursen erreicht bei den spaniern<br />

auf einer skala von I (=gar nicht zufrieden) bis 4<br />

(=sehr zufrieden) den I4Iert<br />

-.2,62 (Q a11er Nationón: z,9z) .<br />

Einige Daten untérstützen die-Annáhne, dass die eiwáñnte<br />

niedrige Teilnahme an beruflichen roribildungsmassnahmen<br />

7<br />

33<br />

2<br />

66


-64<br />

nicht auf mangelndes Interesse, sondern auf fehlende MUglichkeiten<br />

zurllckzuführen ist :<br />

- bei einer (nicht reprHsentativen) Befragung (92-'1 15+<br />

116) gaben von 90 Personen 52 &t» weder Gelegenheit<br />

zum Erlernen eines Berufes noch zur Perfektionierung<br />

schon vorhandener Kenntnisse geboten bekommen zu haberr;<br />

- b'ei einer anderen (ebenfalls nicht reprásentativen)<br />

Untersuchung über die Motive der Ausübung des gegenwártigen<br />

Berufes, bei deren Bewertung man allerdings<br />

wegen der hineinspielenden Rationalisierungsbemühungen<br />

vorsichtig sein muss, ergab sich (25-90):<br />

Be ruf s au sübungsmo t ive<br />

Gefallen an THtigkeit<br />

Nichts anderes gefunden<br />

Lernen für zuhause<br />

Vermittlung durch Verwandte<br />

Wegen des Geldes<br />

Andcre Motive<br />

A a1le Nationen<br />

- auf die Frage nach den grUssten Problemen wird dabei<br />

von 34 eo der Spanier die 'Bildung, Ausbildung, Fortbildung'<br />

an 5 . Ste11e genannt (ZS -1 1 1) ;<br />

- bei den Spaniern scheint ein Nachholbedarf an beruflicher<br />

Weiterbildung zu bestehen: (25-96)<br />

Gewünschte ltre iterb ildungsangebote<br />

Sprachl ich<br />

Schulisch<br />

Berufsausbildung<br />

Berufliche Fortbildung<br />

Andere<br />

A alle Nationen<br />

Werfen wir nun einen kurzen Blick auf die dahinterstehenden<br />

Motive.<br />

Bei denen, die schon Teilnehmer sind, vermutet man folgende<br />

Ziele:<br />

- Statusverbesserung (nicht nur materiell)<br />

- Geltung vor Kollegen<br />

- Berufsabschluss<br />

Spanier<br />

47<br />

eo<br />

29<br />

1Z<br />

0<br />

0<br />

12<br />

Spanier<br />

53<br />

eo<br />

Zusammenhang zur Absicht, lHnger zu bleiben<br />

- Zusammenhang zur Rückkehrabsicht<br />

(6s/3-14)<br />

Auch bei einem Teil der Noch-nie-Teilnehmer besteht ein<br />

Interesse:<br />

(16-86)<br />

Interesse an Weiterbildung bei den Personen, die noch nie<br />

eo<br />

teilgenommen<br />

eo<br />

haben: N,fánner 36 Frauen 21<br />

doch sie nennen a1s<br />

Gegengründe<br />

Fehlende Sprachkenntnisse<br />

Keine Information<br />

Wegfall der MUglichkeit zt)<br />

Uberstunden und Schichtarbeit<br />

Kein Angebot am Ort<br />

Familiáre Bindungen<br />

Sonstiges<br />

0<br />

12<br />

24<br />

1Z<br />

m<br />

35<br />

eo<br />

1B<br />

19<br />

8<br />

5<br />

15<br />

f<br />

34<br />

17<br />

12<br />

7<br />

17<br />

13<br />

51<br />

24<br />

5<br />

Z<br />

10<br />

9<br />

51<br />

9<br />

18<br />

17<br />

5<br />

[16-86)


- 6s<br />

In einer anderen Befragung zum selben Thema:<br />

(92-99,Tab . 70, Ivlehrfachnennungen, a1le Nationen)<br />

Gegengründe<br />

m f total<br />

Schon genug<br />

19<br />

eo<br />

Nichts am Ort 8<br />

Schichtarbeit 1 0<br />

Uberstunden 7<br />

Keine Zeit 27<br />

i'Íüdigkeit 23<br />

Langerr'e i 1e 4<br />

Titel werden nicht anerkannt 0<br />

Geld 4<br />

Nur kurzer Aufenthalt geplant?Z<br />

Sonstige 20<br />

Keine Angaben 6<br />

41s weiterer Grund wird vermutet, dass die in der Fabrik<br />

blockierten Aufstiegsmuglichkeiten auch durch einen neuen<br />

Titel nicht grusser werden (s1-215). Fiier muss man a1-<br />

lerdings nach der Art der erworbenen Titel unterscheiden.<br />

wir hatten schon darauf hingewiesen, dass diese rnteressenstrukturen<br />

nichts unveránderbares sind, sondern sich<br />

<strong>im</strong> Laufe des Aufenthalts verschieben (gZ-119). So hat<br />

auch die neue situation ihre Auswirkungen: "Die auslándischen<br />

Arbeitnehmer sind nicht mehr béreit, sich auf<br />

Ausbildungsgánge einzustellen, die über einen übersehbaren<br />

Zeitraum hinausgehen, wobei unter rübersehbar' 1 bis<br />

2 Jahre verstanden werden. Gletchzeitig rückt ein Abschluss<br />

in den vordergrund, der sowohl.für das He<strong>im</strong>atland<br />

wie auch für die Bundesr:epublik Geltung hat." (6sl5-5)<br />

rn diesem Zusammenhang mag der Hinweis-interessant sein,<br />

dass seit den 7.7.1975 auch die MUglichkeit besteht, den<br />

'graduado escolar' (=Hauptschulabschluss) an den Konsulaten<br />

<strong>im</strong> Ausland abzulegen (8/1977-91). Für die schulische<br />

Betreuung <strong>im</strong> Ausland ist der ehemalige consejo Escolar<br />

para 1a Enseñ,anza a Emigrantes Españoles zustándig, der<br />

inzwischen umbenannt und umstrukturiert worden ist. rn<br />

Fragen der Besoldung und Lehrerausbildung wirkt das IEE<br />

mit (8/1978-83).<br />

5.5.5<br />

Eingangsbedingungen der Berufsfortbildung in der<br />

BRD<br />

Die meisten Ausbildungsgánge für Erwachsene, die zu einem<br />

allgenein anerkannten Abschluss führen, dauern so lange,<br />

dass sie ohen finanzielle Absicherung nicht zu beschréiten<br />

sind. Danit ste11t sich die Frage nach den Mdglichkeiten<br />

für AuslHnder, eine solche Fúrderung zu erñalten.<br />

Dazu sagt die rAnordnung des verwaltungsraies der Bundesanstalt<br />

für Arbeit über die individuelle FUrderung der<br />

beruflichen Fortbildung und umschulung, vom zs.Mulz 1976:<br />

in Paragraf 1: "Die Teilnahme an einei Bildungsmassnahme<br />

ist zweckmHssig, rvenn durch sie die berufliche<br />

Situation für den Antragsteller in<br />

Ubereinst<strong>im</strong>mung mit den Bedürfnissen des<br />

Arbeitsmarktes gesichert oder verbessert<br />

wi-rd<br />

tt<br />

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4<br />

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1<br />

3<br />

24<br />

20<br />

6


- 66<br />

in Paragraf 8.1 . : "Personen, die nicht Deutsche <strong>im</strong> Sinne<br />

des Grundgesetzes sind, werden nur gefUrdert,<br />

wenn sie in den letzten drei<br />

Jahren vor dem Eintritt in die Massnahme<br />

mindestens zwei Jahre <strong>im</strong> Geltungsbereich<br />

des ArbeitsfUrderungsgesetzes erlaubt<br />

tHtig waren."<br />

ln Paragraf 7.1.: "Personen, die sich beruflich fortbilden<br />

oder beruflich umschulen wo11en,<br />

werden nur gefUrdert, wenn sie beabsichtigen,<br />

innerhalb von vier Jahren nach<br />

Abschluss der Massnahme mindestens drei<br />

Jahre lang eine die Beitragspflicht begründende<br />

Bescháftigung auszuüben. personen,<br />

bei denen nach den persUnlichen<br />

Umstánden und der Art der Bildungsmassnahme<br />

zweifelhaft ist, ob sie die Voraussetzungen<br />

des Satzes 1 erfü11en,<br />

werden nur gefUrdert, wenn sie sich<br />

schriftlich verpflichten, innerhalb von<br />

vier Jahren nach Abschluss der Massnahme<br />

mindestens drei Jahre lang eine die Beitragspflicht<br />

begründende Bescháftigung<br />

auszuüben und diese Verpflichtung glaubhaft<br />

ist. " (1 9)<br />

Einen zwingenden Rechtsanspruch auf Bildungsmassnahmen<br />

haben Auslánder laut Par. 40 Arbeitsfurderungsgesetz ohnehin<br />

nicht (27/1972-5), und eine kurze Rechñuñg (Mindestbeitragszel_t<br />

vor Beginn + Dauer der N{assnahme +-verpflichlyrg<br />

danach) zeígt, dass es für die meisten Auslándér, die<br />

ihre Aufenthaltserlaubnis jáhrlich neu beantragen müssen,<br />

nicht muglich ist, in den henuss einer solchen Bildunosmassnahmé<br />

zu kommén, sofern nicht eine offi rr"ti;-§i;ii"<br />

die schützende Hand über sie há1t.<br />

zwar so11en naqh einigen Quellen die Massstábe in der praxis<br />

nicht so streng sein (27 /197s-4+5) , wo nur 1 Jahr BRD-<br />

Aufenthalt, gute Deutschkenntnisse und Kosten von weniger<br />

als 1.000.- DM monatlich genannt werden. Andererseits sagte<br />

der Agregado Laboral der spanischen Botschaft in einei<br />

Konferenz <strong>im</strong> september 1977, dass bei best<strong>im</strong>mten Kursen<br />

der ArbeitsHmter, die nicht genauer bezeichnet werden, die<br />

Aufnahmevoraussetzungen '6 ;áhre Arbeit, davon 5 in der<br />

BRD' s,ind; damit werden die 1g-2sjáhrigen aus der Erwachsenenfurderung<br />

ausgeschlossen und- von áer für Jugendliche<br />

nicht mehr erfasst.<br />

Jedenfalls setzt eine vollzeitfurderung, die notwendig ist,<br />

um in überschaubarer zeit einen anerkannten Abschluss zu<br />

bekommen, gemHss der spanischen ubersetzung der<br />

nien über Berufsfurderung<br />

'Richtli-<br />

an Auslánder' dei BfA vom zo.s.<br />

197 4 gine abgeschlossene Berufsausbildung voraus (17) , und<br />

auch die wiedergegebenen Paragrafen der Ánordnung von.1976<br />

werden dazu beitragen, dass die Qualifikation sréh weitgehend<br />

schon vorher Qual ifizierte richtet (56) .<br />

Rein zahlenmássig kunnen die angebotenen FUrderungsprogramme<br />

auf europáischer Ebene 4 - s eo al1er Emigránien<br />

aufnehmen (1 -42) .<br />

]ltg"samt scheint die Lage <strong>im</strong> folgenden pess<strong>im</strong>istischen<br />

zitat.richtig erfasst ztt sein: "Die Zeitipanne der Emigration<br />

ist also ziemlich kurz, in vielen Fái1en ungenugeñd,<br />

um eine grosse Erfahrung in der modernen Industrle aür-


-b7<br />

grund von einfacher Arbeit zu gewinnen, oder damit von<br />

deutscher Seite aus eine Berufsausbildung durch die Fina:;rzierung<br />

von Kursen rentabel wáre." (92-91) Eine andere<br />

Kritik sagt:<br />

- die MUglichkeiten sind zahTenmássig sehr begrenzt<br />

- es herrscht nationale Diskr<strong>im</strong>inierung durch Bevorzugung<br />

der 'verwandten VUlkerr<br />

- aus Mangel an gesetzlichen Regelungen kommt es zu<br />

AbhHngigkeit vom rguten Wi1lenr. (68 -222)<br />

Eine MUglichkeit, von deutscher Seite eine berufliche<br />

Fortbildung zú erhalten, so11 noch erwáhnt werden: die<br />

Teilnahme an einem Vorbereitungskurs einer deutschen Firma<br />

<strong>im</strong> Ausland (1). Uber diese Kurse liegen wenig Informationen<br />

vor, es ist unklar, ob es sich dabei um die in<br />

2.2.4. genannten handelt. Jedenfalls waren sie an den<br />

Bedürfnissen der Firmen ausgerichtet und dürften nicht<br />

unbedingt zu einem allgemein anerkannten Abschluss geführt<br />

haben. In anderen Herkunftslándern wurden solche<br />

Kurse von der BfA und dem Bund Deutscher Arbeitgeberverbánde<br />

in Zusammenarbeit mit der Deutschen Anwerbekommission<br />

von Stellen des He<strong>im</strong>atlandes durchgefüh¡t. Diese<br />

bekamen die Kosten dafür zur HHlfte bei Arbeitsantritt<br />

des Ausgebildeten und zur Há1fte 6 Monate danach erstattet,<br />

bei Vertragsabbruch durch den Ausgebildeten dagegen<br />

nicht.<br />

3.3.6. Kurse (Methoden, Tráger)<br />

Die wichtigsten Trágerorganisationen von beruflichen Fortbildungskursen<br />

in der BRD sind in Zusammenarbeit mit den<br />

ArbeitsHmtern:<br />

das Jugendsozialwerk<br />

die Industrie- und Handelskammern<br />

die Handwerkskammern<br />

- die Volkshochschulen (vorw. Sprachkurse) (51 -21 5)<br />

Schliesst man die Jugendlichen ein, so verteilten sich<br />

1972 die in der BRD in irgendeiner Ausbildung befindlichen<br />

AuslHnder wie folgt: (16-86)<br />

AyslHnder in Ausbildung 1 972<br />

mf<br />

Lehre/Anlernen <strong>im</strong> Betrieb<br />

Berufsbildende Schule<br />

Andere betriebliche Kurse<br />

Arbe it geber/ Gewe rkschaf tsk .<br />

44 o6 -.<br />

1g / t<br />

21 ?o LJ<br />

17<br />

Wenn wir <strong>im</strong> folgenden die THtigkeit einiger dieser Einrichtungen<br />

kritisch untersuchen, so darf das keinesfalls<br />

a1s Angriff auf die darin Bescháftigten missverstanden<br />

werden.<br />

A1s Beispiel wáh1en wir das Jugendsozialwerk (65/1+Z+3+4+<br />

s) .<br />

Das Jugendsozialwerk e.V. - Internationaler Bund für Sozialarbeit<br />

ist eine dem Deutschen Roten Kreuz angeschlos-<br />

:9ne Organisation (Münchner Strasse 58, 6000 Frankfur¡ 1 ) I<br />

die eine Abteilung 'Berufliche Bildung' unterhált.


- 68<br />

0rganisation<br />

Koordinierungsstelle in Frankfurt<br />

18 Regionalbüros in Kie1, Hambur,g, Hannover, Berlin, Bie-<br />

1efe1d, Dortmund, Düsseldorf, KU1n, Frankfurt, Wiesbaden,<br />

Matr,z, Ludwigshafen, Mannhe<strong>im</strong>, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg,<br />

München<br />

3 Berufsbildungszentren in KUln, Stuttgart, Herne<br />

7 BerufsbildungsstHtten<br />

Aufgabe<br />

u.a. <strong>im</strong> Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung<br />

Fortbildungs- und Umschulungsmassnahmen als<br />

Abend-, Wochenend- und VolLzeitkurse an auslándische Arbe<br />

iter<br />

Pers ona 1<br />

Koord-iñation und Anregung der Kurse durch hauptantliche<br />

Tutoren, dazu etwa 500 Meister, Ausbilder, LehrkrHfte,<br />

Sprachlehrer (haupt- und nebenamtlich)<br />

Finanz ielung<br />

widersprüchliche Angaben :<br />

laut (65/3-1) Personalkosten aus Uffentlichen Mittein,<br />

Lehrerhoncrare und Sachkosten aus Teilnehmerbeitrágen<br />

(Grundstufe 40.- bis 160.- DM, Oberstufe einschliesslich<br />

Prüfungsgebühr bis 600.- DM), die bei erfolgreichen Abschluss<br />

vom Arbeitsamt übernommen werden<br />

laut (65/6-7) nur bis Abschluss der Grundstufe Uffentliche<br />

Zuschüsse, danach al1es aus BeitrHgen der Teilnehmer,<br />

die ihrerseits Mittel nach dem AFG beantragen kUnnen<br />

Fi-nanzielle Unterstützung durch<br />

seit<br />

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 1 969<br />

Sozialministerien der Lánder 1972<br />

Sozialfonds Europáische Gemeinschaft 1975<br />

Kursdauer<br />

p-'ro Stüfe 2 Tr<strong>im</strong>ester in der ersten Jahreshá1fte, 1 nach<br />

Urlaubs zeit<br />

StundenzahT pro Tr<strong>im</strong>ester : Grundstufe 60 - 72<br />

Mittelstufe 72 - 96<br />

Oberstufe 1 0B<br />

Kursaufbau<br />

Tn-den-añfHnglichen Kursen ging man vom Dreischritt<br />

1- Allgemeine Kultur, Deutsch<br />

2- Metallgrundkurs<br />

3- Spezialisierung<br />

aus (27/1968-Z), der auch von anderen Veranstaltern zugrundegelegt<br />

wurde (27 /1 969-5)*(27 /1968-2)<br />

Inzwischen hat sich ein konpltzierterer und umfassenderer<br />

Aufbau herausgebildet, den wir auf der náchsten Seite<br />

schematisch darstellen.<br />

Dabei kUnnen die Bewerber, die eine einschlágige Arbeitserfahrung<br />

von mehr a1s Z mal soviel wie die Ausbildungszeit<br />

nachweisen, die Vor/Grund- und gegebenenfalls die<br />

Mittelstufe überspringen.<br />

Aus motivationspsychologischen Gründen wird nach jedem<br />

Tr<strong>im</strong>ester eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.


- 69<br />

Kursaufbau Jugen ds ozialwerk<br />

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70<br />

Die Kurse finden in Kontakt zu den Ausbildungsabteilungen<br />

der Fabriken statt, aber nicht auf l{erksgelHnde (39-<br />

54 ff.) Zumindest zeitweilig wurden die Deutichkurse bis<br />

zum Abschluss rHilfsdolmetscherr fortgeführt (Sg-S4 ff.).<br />

Ebenfalls wurden Autogen- und Elektroschweisserkurse angeboten,<br />

die grossen Zuspruch fanden.<br />

Auch vom IEE werden in Zusammenarbeit mit den deutschen<br />

ArbeitsHmtern in der BRD Kurse durchgeführt (4s/Feb. 1976-<br />

48). vormittags hHlt ein deutscher Léhrer den theoretischen<br />

und praktischen unterricht, nachmittags wird in zusatzkursen<br />

mit einem spanischen Leiter wiedérho1t. Dabei<br />

sind llnterricht, Material und Kleidung umsonst, es werden<br />

80 % des letzten Nettolohns gezahlt uñd die sozialversicherung<br />

láuft weiter , dazu gibt das IEE auf Antrag z0o " -<br />

DM monatliqh, die an die Teilnahme am zusatzunteriicht gebunden<br />

sind. Verheiratete erhalten einen Zuschlag, bei<br />

langen Kursen gibt es einen Monat bezahlten Urlau¡.<br />

Darüberhinaus bezuschusste das rEE auch andere Kurse in<br />

der,BRD (28/1969-4) und ersetzt den Teilnehmern, die Kurse<br />

des JSW bestanden haben, über die Botschaft 50 % der<br />

{osten (65/3-11). Seit dem 1.12.1972 versucht das IEE,<br />

die Kurse mit spanischen Teilnehmern durch die Agregadurías<br />

Laborales der Botschaften koordinieren zu-lafsen<br />

(s8-ss).<br />

3.3.7. Kurse (Berufe, Orte, Teilnehmerzahlen)<br />

Die Teilnahme an Berufsfortbildungskursen ist aus den<br />

früher aufgefühiten Gründen eine Minderheitserscheinung.<br />

Der Prozentsatz der spanier, die irgendwann einmal einen<br />

solchen Kurs besucht (nicht bestandén oder bis zu Ende<br />

teilgenommen :) hatten, war<br />

eo<br />

1971 bei den MHnnern 10<br />

und bei den Frauen 8 qo (79-g8,Tab. 68+69) , \,voraus man<br />

nicht auf mangelnde Bereitschaft schliessen darf:<br />

Te i lnahmebere it s chaf t<br />

)a<br />

nein<br />

unentschlossen<br />

m<br />

57<br />

eo<br />

23<br />

20<br />

Es folgen die verfügbaren Zah\en, die wie üblich sehr<br />

verstreut sind und oft den N{assnahmentráger nicht erkennen<br />

lassen. Doppelnennungen sind daher wáhrscheinlich.<br />

Jugendsozialwerk<br />

Teilnehmerzahlen<br />

bis 31.12.1969 10.506 Teilnehmer in 629 Kursen<br />

Dezember 1 969 wird der 500. Facharbeiterbrief an einen<br />

Auslánder ausgehándigt (OS/ S-Z)<br />

Spanier <strong>im</strong> BerufsfUrderungsprogramm (65/Z)<br />

1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1s77<br />

362 611 s6B 995 1157 1 030 980 677 s88 7 49<br />

insgesamt: 7 .717<br />

f<br />

37<br />

40<br />

23


71<br />

Kursinhalte<br />

(6s/1-12)<br />

1. Deutsch/Technisches Deutsch<br />

2. Vorbereitung für technische Berufe<br />

3. Grundkurs: MetalL/Kfz-Mechaniker/glektro<br />

4. Mittelstufe: ,, ,, /techn.Zeich.<br />

5. Oberstufe: " / r, / ,, ,?<br />

/<br />

- Prüfungsvorbereitung für Facharbeiter<br />

x schweissen: Einführung und Aufbau Autogen/Elektro<br />

- Sonstige Einzelkurse:<br />

Fahr s chul e<br />

Abitur für Spanier<br />

Náhkurs<br />

Ko sne t ik<br />

Fri s eus e<br />

Baugruppenhe 1 fe r<br />

Schwesternhelferin<br />

Schreibmaschinenkurs<br />

Umschulung und -svorbereitung<br />

Bestandene Prüfungen vom 1 .1 .1 968 - s1 ,12,197s (6s/1 -13)<br />

Zertifikat Deutsch/Technisches Deutsch<br />

Prüfungen Dt. Verband für Schweisstechnik<br />

Zwischenprüfung Meta11, Kfz, Elektro<br />

(etwa vergleichbar der Stufe ' -werkerr)<br />

Führerschein- , Maschinenschreib - u. a. -kurse<br />

Facharbe iter / Gesellenprüfungen<br />

(Die ZahTen beziehen sich aut a1le Nationen)<br />

Interessant sind einige Angaben über die<br />

Massnahmen in Mannhe<strong>im</strong><br />

Alter<br />

bi.s 'l 8 J. 31<br />

18-21 81<br />

22-2s 79<br />

mehr als ZS 54<br />

Aufenthaltsdauer<br />

bis 1 J.<br />

1-2<br />

5-5<br />

1s.671<br />

10.004<br />

4 .37 2<br />

80s<br />

3ñ .§42<br />

1 .060<br />

Teilnehner der<br />

(6sls-s+4)<br />

1<br />

11<br />

155<br />

64<br />

mehr a1s 6<br />

rn Zusammenarbeit mit der spanischen Botschaft wurde <strong>im</strong><br />

November 1977 eine 2Smonatige umschulung, die a1s furderungswürdig<br />

anerkannt ist und zur Gesellenprüfung für<br />

11 Gas- und Wasserinstallateure<br />

18 Elektro<br />

führen so11, ,,<br />

begonnen (65/S-4).<br />

IEE<br />

rn einer tabellarischen ubersicht (54) führt das IEE die<br />

folgenden in der BRD laufenden Kurse auf:<br />

Qrte<br />

Dortmund<br />

KU 1n<br />

Regensburg<br />

Stut tgart<br />

Anfang<br />

frühester Kurs:<br />

1.4.1976<br />

spátester Kurs:<br />

1 .9 .197 7<br />

Be tr i ebe A,f i tveraqs ta 1 t er<br />

TEW,BFW,Bergbau AG<br />

Berufsbildungszentrum, Innung<br />

S i emens<br />

ohne Angaben<br />

lnde<br />

1.1.1977<br />

21 .1 .1980


7)<br />

Dauer<br />

Berufe<br />

Dreher<br />

E inr icht er<br />

E lektriker<br />

15/21 Monate<br />

E1 ektro ins ta1 lateur<br />

Feinmechaniker<br />

Ferns ehtechniker<br />

Informat i ker /E 1 ektron iker<br />

Ins tal lateur<br />

Mascirinenbauer<br />

Mechaniker<br />

Radio- und Fernsehtechniker<br />

Technischer Zeichner<br />

ins ges amt<br />

Teilnehmg-rzahl<br />

An anderer Stel1e (43/Feb.1976-48) werden in:<br />

KUln<br />

Dortmund<br />

Hannover<br />

Regensburg<br />

Kurse für die Berufe:<br />

Informat ions e1 ektriker<br />

Sani t,?ran1 agenins t a1 1 at eur<br />

Mechaniker<br />

Feinmechaniker<br />

Schlosser<br />

Dreher<br />

E 1 ektroanlagenins ta1 lateur<br />

Schweisser<br />

Technischer Zeichner<br />

erwHhnt, die durch die Arbeitsámter in Zusammenarbeit<br />

mit den IEE durchgeführt werden. wahrscheinlich decken<br />

sigh weitgehend mit den obengenannten.<br />

Für<br />

:_ie<br />

1975 werden insgesamt 18 Kuise mit sss Teilnehmern<br />

197 6 26 349<br />

angegeben (43/Jan.1 976-5S) + (45/Uerz1976-41) .<br />

Die folgende Aufstellung nach Berufen wiederÍro1t sicher<br />

zum- grussten rgll Angaben, die schon zusammengefasst gemacht<br />

worden sind (a11e aus 45/, und zwar<br />

1975 Mai-45, Oktober-S2<br />

1976 Februar-48, MHrz-35, Juni-49, oktober -40+41 , November-<br />

4 5<br />

1977 Januar-45, Februar-51, ApriL-zs, oktober-47, November-47)<br />

14<br />

21<br />

14<br />

98<br />

?<br />

7<br />

5<br />

4<br />

3<br />

LJ<br />

I<br />

29<br />

248


73<br />

Vom IEE in der BRD gefUrderte Kurse<br />

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74<br />

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J4J< OJ


- 75<br />

(Fortsetzung)<br />

Anfang Ende Beruf Teilnehmer 0rt<br />

01.09.<br />

05.09.<br />

05.09.<br />

19.09.<br />

03.10.<br />

2<br />

0<br />

ins ge s amt<br />

1.08.79<br />

3.12.78<br />

6.07.79<br />

9.05.79<br />

5.04.79<br />

Fe inmechaniker<br />

Dreher<br />

Feinmechaniker<br />

Elektroinstall.<br />

Elektroinstall.<br />

Z<br />

7<br />

3<br />

29<br />

9<br />

905<br />

Stuttgart<br />

Stuttgart<br />

Regensburg<br />

Stuttgart<br />

KUln<br />

3.5.8. Gewuhnung an die industrielle }4entalitát a1s<br />

ein Effekt<br />

Schon á1tere Statistiken (76) zeigen, dass die Emigranten<br />

UUáiri"g""¿ aus Agrargebieten kommen, bei ihrer Rückkehr<br />

aber meñrheitlich nicht mehr in die HerkunftsdUrfer gehen.<br />

Wáhrend ihrer Abwesenheit haben sie sÍch rndustrÍe11e<br />

crundfertigkeiten und die der modernen Grossindustrie entiprechendeñ<br />

Verhaltens- und Denkweisen angeeignet (86-798)<br />

Dieser Prozess ist oft von vielen ZusammenstUssen zwischen<br />

áeutschen und auslándischen Arbeitern auf Betriebsebene<br />

b;giáltet ("Akkordbrecher", Uberstunden, Sams!ag-sarbeit) .<br />

DiE nassenhafte Umwandlung von Bauern und <strong>Land</strong>arbeitern<br />

wird manchmal a1s etwas Vórteilhaftes angesehen (73-7 B+79)<br />

""¿ entspricht gewisSermaSsen dem rBauernlegen' des ausgehenden<br />

Mittelalters.<br />

fiieweit sie für die Betroffenen eine unmittel-bare Verbesi"r""g<br />

bedeutet, sei dahingestellt-. Dazu (sinngemHss) eine<br />

Meinuñg eines Emigranten: úEs war keine grosse Umstellung<br />

vom Lañd zur Fabrlk. Auf dem Feld musst du hart arbeiten,<br />

und am Band auch."<br />

3.3.g.<br />

Kategorisierung des tatsHchlichen verlaufs der<br />

Rückkehr<br />

Aufgrund von Untersuchungen bei Portugiesen (wiedergegeben<br />

j_n 6s-226) kommt Poiñard zum schema des rnuglichen<br />

Verlaufs:<br />

- ein Unqualifizierter, der beruflich nicht vorankommt<br />

und nur für die Rückkehr sPart<br />

- ein Unqualifizíerter, der beruflich vorankommt, die<br />

Familie nachholt und nicht rnehr an die Rückkehr<br />

denkt<br />

- ein Qual ifízierter findet keine seiner Ausbildung<br />

entsprechende Tát igkeit , wi 11 die .<br />

Dequal i_f iz ierung<br />

nicht akzeptieren únd kehrt bald in das Herkunftsland<br />

zurück<br />

- ein Qualtfizierter findet gute Arbeitsbedingungen,<br />

holt die Familie nach und bleibt <strong>im</strong> <strong>Land</strong>'<br />

Dieses Schema kUnnte man erweitern um:<br />

- ein Qualifizierter, der eine unqualifizierte Arbeit<br />

ann<strong>im</strong>mt und bei dei Rückkehr beruflich praktisch<br />

gescheitert ist.<br />

Noch Ei.r:-g" Einzelergebnisse, die diesem Schema teilwei -<br />

se widersprechen:


76<br />

viele kehrten 'endgültigr zurück, ufl nach ein paar<br />

Jahren doch wieder auszureisen (68-261) + (92-148)<br />

die Tendenz zúT erneuten Emigration ist bei denen<br />

geringer, die inzwischen ihre Qualifikation und damit<br />

ihren Durchschnittsverdienst so verbessert haben,<br />

dass eine Emigration in ihren Augen nicht mehr<br />

rlóhnt' (68-128)<br />

wer ein zweitesmal emigriert, bleibt meistens ímmer<br />

<strong>im</strong> Ausland (92-149)<br />

umstritten ist, wer am ehesterr ins Herkunftsland<br />

zurückkehrt: die, die beruflich vorwártskamen (92-<br />

162) oder die Gescheiterten (92-264), wobei die<br />

HUherqualifizierten eine geringere Rückkehrneigung<br />

hátten (86-794)<br />

3.5.1 0. Hemmnisse bei der Wiedereingliederung<br />

Interview mit einem spanischen Teilnehmer eines BerufsfUrderungskurs<br />

es :<br />

"Wie schátzen Sie die MUglichkeiten ein, bei Rückkchr<br />

in Ihr He<strong>im</strong>atland in Ihrem jetzigen Beruf eine Arbeitsstelle<br />

zu finden ?"<br />

"Ich bin nun seit 10 -rahren aus der He<strong>im</strong>at, aber ich<br />

bin sicher, dass ich in meinem jetzigen Beruf eine gute<br />

Chance habe, einen Arbeitsplatz z\i finden." (65/1-17)<br />

Interviev¡ mit dem damaligen Generaldirektor des IIIE:<br />

". . . mit dem entsprechenden Problem bei der beruflichen<br />

Wiederanpassung, erst einmal zuhause ... ?"<br />

"Keinesfa11s. Es ist ein verbreiteter Irrtum , zu glauben,<br />

der zurückkehrende Arbeiter hHtte sich noch nicht<br />

seinen <strong>eigenen</strong> Arbeitsplatz geschaffen. Sie pflegen dieses<br />

Problem vor dem Kommen zu 1Usen." (43/Okt.1975-28)<br />

Machen wi-r uns an die vorliegenden Angaben. Schon in<br />

1 .3. hatten wir darauf hingewiesen, dass wir es dabei<br />

oft mit Scheindaten Ln tun haben, weil viele Personen<br />

ein Interesse daran haben, ihre Emigration zu verdecken<br />

(e2-1s2).<br />

Bei einer Befragung von 1969 waren die Ergebnisse:<br />

(100-311,Tab. 85)<br />

eo<br />

Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche hatten 25<br />

Vor der Rückkehr hatten 31,2 % einen Arbeitsplatz<br />

Bei denen, die suchten, war die Dauer Cer Arbcitssuche<br />

bis<br />

Ange<br />

be it<br />

1 Monat<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

s ichts<br />

65 ,12<br />

eo<br />

19,77<br />

9,30<br />

1,16<br />

4,65<br />

der gegenwártigen Lage auf dem<br />

spanischen Ardas<br />

Bild we-<br />

smarkt kann man sicher annehmen, dass<br />

sent lich ungünstiger ist, zumal manche Rückkehrer inzwi -<br />

schen über 1 Jahr arbeitslos sind.<br />

Viel e Faktoren kUnnen die Wiedereingliede rung erschweren:<br />

die RUckkehr von Industriearbeitern in Agrargebiete<br />

setzt grosse Investitionen in die Indus tr ia1 i s ierung<br />

voraus<br />

hiede (93);<br />

, daneben bestehen Lohnuntersc


77<br />

- die Konkurrenz zum schon vorhandenen Heer an Arbeitslosen<br />

und unterbescháfti-gten auf dem <strong>Land</strong> verschárft<br />

si.ch (s);<br />

- teilweise sind inzwischen auch in spanien Arbeitspl-H.tze<br />

für die Einhe<strong>im</strong>ischen verlorengegangen, weil<br />

si-e mit Nordafrikanern besetzt we-rden-(gl -1Oli<br />

- die Bemühungen, die vermittlung durch d.as Rusfurten<br />

von Fragebugen für die Arbeitsámter vor der Rückkehr<br />

zu erleichtern, scheitern daran, dass die unternehmen<br />

meistens kurzfristig Arbeitskráfte brauchen,<br />

wáhrend solche Formalitáten lange dauern (S6);<br />

- oft hatten unternehmer Angst voi der geweiksóhaftlichen<br />

Erfahrung der Rückkehrer (gz-1sz), die Erfahrung,<br />

dass Rückkehrer ungern eingestelrt werden, wird<br />

andernorts bestátigt (ZO--145)<br />

-<br />

;<br />

ein Zusammenhang zwischen schnelligkeit des Arbeitfindens<br />

und spezialisierung <strong>im</strong> AusÍand lásst sich zumindest<br />

aufgrund des uns vórliegenden Materials nicht<br />

nachweisen (1-00:s1z); _um,wegen éiner erworbenen<br />

lifikation Arbeit zu finden, Qua-<br />

muss man in die Náhe<br />

von rndustriestandorten (meistens die grossen stádte)<br />

ziehen (68-127); auch der <strong>Land</strong>kauf ist meist<br />

kein Ausweg, weil das <strong>Land</strong> schon fest verteilt ist,<br />

so bleibt nur die MUglichkeit, einen kleinen Handwerks-,<br />

Transport- oder sonstigen Dienstleistungsbetrieb<br />

zu erUffnen (68-127).<br />

Zusammengefasst<br />

I'Es<br />

:<br />

ist sehr wahrscheinlich, dass die Emigranten, die<br />

ihr<br />

in<br />

He<strong>im</strong>atland zurückkehren, unqual:_fizielte Arbáiter<br />

sind, denn die Arbelter, die eine gute Ausbildung erhalten<br />

haben und qualifiziert sind, bÍeiben freiwillig <strong>im</strong><br />

Aufnahmeland. rn Hinsicht auf die Qualifikation isI die<br />

struktur-4"rlenigen, die ausreisen, <strong>im</strong> allgemeinen besser<br />

a1s die derjenigen, die zurückkehren.<br />

selbst wenn sie eine Qualifikation und eine gewisse Ausbildung<br />

<strong>im</strong> Ausland erhalten haben, ste11t si-étr hHufig<br />

heraus, dass diese <strong>im</strong> Emigrationsland kaum von Nutzen<br />

;ind: rn_allgemeinen Begriffen kann man sagen, dass die<br />

Art der Entwicklung des Emigratiorrslandes üon"der des Aufnahmelandes<br />

und daher auch von den Bedürfnissen in Bezug<br />

auf die Arbeitskraft zuweit entfernt ist, um sicherzustellen,<br />

dass die <strong>im</strong> Ausland erhaltene Qualiflkation und Ausbildung<br />

in opt<strong>im</strong>aler Weise genutzt werden.<br />

Aus diesen Gründen erfordert ale wiedereinglied.erung der<br />

wanderarbeiter in das sozioukonomische syétem ihrel <strong>Land</strong>es<br />

die Durchführgrg_ voq Bildungs- und wibderanpassungskursen.<br />

Man kann Ausbildungsbedárf nur <strong>im</strong> Gesam^tzusammen-<br />

Iturg der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des<br />

<strong>Land</strong>es best<strong>im</strong>men." (S7-punkt ZO)<br />

"Aber keine Regierung scheint in der Lage gehresen zu<br />

seln, diese Gelegenheit zu begreifen, eine-aktive politik<br />

zür 'wiedergewinnungt zu 6etreiben; die Arbeitsvermittlungsdienste<br />

beschránken sich darauf , auf den i,iangel<br />

31_yon Emigranten eingehenden Anfragen hinzuweisen.,' ioa -<br />

305)<br />

Das Einzige, dessen rl{iedergewinnungt von grusserem Interesse<br />

gewesen zu sein scheint, waien die Erspai.nisse,<br />

dazu wurden die Einrichtungen zur Kanalisierung der-girrkommen<br />

der Emigranten aus áen armen Regionen in die industrialisierten<br />

Gebiete spaniens .r"rlróilkommnet Cá-iz) .


78<br />

3.3.11 . Verschiebung der Bescháftigung, Tendenz zum<br />

tertiáren Sektor<br />

Oft kann man in DUrfern mit einem hohen Anteil an aus der<br />

BRD zurückgekehrten Bewohnern eine Erscheinung beobachten,<br />

die die Dahe<strong>im</strong>gebliebenen ironisch a1s tcentro Alemán'<br />

bezeichnen (97). Es geht um die Investitionen von<br />

Rückkehrern, die den individuellen Ausweg aus der Lohnsklaverei<br />

in rtrabajo por su cuentar (Arbeit auf eigene<br />

Rechnung) gesucht haben. Nur manche arbeiten in denselben<br />

Bereichen wie in der: BRD, auch viele Facharbeiter<br />

wechseln in Spanien die THtigkeit (97).<br />

Dieser Fluss von Arbeitskraft und Ersparnissen strdmt zum<br />

grUssten Teil in unproduktive Wirtschaftsbereiche (37)<br />

wie viele Dienstleistungsbetriebe oder in die ErUffnung<br />

kleiner Handwerksbetriebe (68-1 76) . Andere Re-nigranten<br />

treten von neuem in das Heer der Arbeitslosen und Unterbescháftigten<br />

ein (68-171) .<br />

Man kann diese Neigung zum Ausweichen in eine unabhángige<br />

Randstellung, zrtr Selbstmarginalisierung, mit Prestige-<br />

und UnabhHngigkeitssucht erkláren. Dafür spricht, dass<br />

sie am stárksten bei ehenaligen Bauern und <strong>Land</strong>arbeitern<br />

auftritt (92-164), was allerdings auch durch das Fehlen<br />

von Alternativen auf dem <strong>Land</strong> hervorgerufen sein kann.<br />

Jedoch spielt auch mit hinein, dass die schl-echten Arbeitsbedingungen<br />

und relativ niedrigen LUhne in der Industrie<br />

oder a1s <strong>Land</strong>arbeiter nach der Rückkehr wahrscheinlich<br />

stárker negativ empfunden werden (92-151).<br />

Die ehemaligen Emigranten, die in Spanien in die Industrie<br />

gehen wo11en und Arbeit finden, sind meistens qualífizierte<br />

Personen, di-e schon vorher einen Beruf hatten oder<br />

schon vor der Ausreise die <strong>Land</strong>wirtschaft verlassen hatten<br />

(92-153). Diese HUherqualifizierten neigen auch eher dazu,<br />

be<strong>im</strong> Sich-selbstándig machen innerhalb der <strong>eigenen</strong> Branche<br />

zu b1eibelr, indem sie z.B. eine Werkstatt aufmachen (92-154)<br />

3.3.12. Qualifikationsniveau nach der Rückkehr<br />

"... dass die Emigration ins Ausland keine dauerhafte Verbesserung<br />

des Erfolgs des Emigranten bei der Rückkehr bewirkt;<br />

soweit es sich nicht um die Veránderung seiner gesellschaftlichen<br />

Stellung dreht, nlJtzt die erhaltene Ausbildung<br />

<strong>im</strong> Allgemeinen niemandem." (68-129)<br />

Sehen wir uns die mUglichen Aufstiege einzeln daraufhin<br />

dt, was sie für die Rückkehr bringen.<br />

lum Angelernten<br />

Die hUhere Kapitalintensitát, d.h. der hUhere Mechanisierungsgrad<br />

in der BRD führt zu einer stHrkeren Spezialisierung<br />

und Arbeitszerstücke1ung, die an einem Arbeitsplatz<br />

erworbenen Fertigkeiten sind meistens nicht übertragbar<br />

(36 und 94)<br />

Zum Facharbeiter<br />

Welt§eñ-eñ¿ verállgemeinerbare Kenntnisse<br />

in Spanien verwendbar<br />

Zum Vorarbeiter<br />

G:-ft nñ-nf :-cfres wie be<strong>im</strong> Angelernten, der<br />

fügt meistens über spezielle Kenntnisse,<br />

hángt vom Betrieb ab und ist nicht durch<br />

kannte Zeugnisse belegbar (94).<br />

, nach Anpassung<br />

Vorarbeiter verseine<br />

Stellung<br />

allgemein aner-


- 79<br />

Versuchen wir nun, die Frage, die einer unserer Ausgangspunkte<br />

gewesen ist, zu beantworten: Hat die Enigration<br />

zur Anhebung des Qualifikationsniveaus beigetragen ?<br />

Eine allgemeine Antwort gab schon der vorige Abs atz, hier<br />

nun ein<br />

veTgleich der stellung am Arbeitsplatz vor der Emigration<br />

(90 Befragte)<br />

Abgesunken<br />

z<br />

kleine negative Veránderung<br />

1 o<br />

keine Veránderung 45<br />

vom Hilfsarbeiter/Bauern zum Angelernten 1Z<br />

Aufstieg um 1 Stufe (2.8. Ange1. - Facharb.) 9<br />

Aufstieg um 2 Stufen (2.8. Hilfsarb. - FA) 6<br />

Gruppe<br />

(1)<br />

(2)<br />

(3)<br />

(4)<br />

(s)<br />

(6)<br />

Die Há1fte hat also keine Veránderung erfahren, betrachtet<br />

man die vierte Gruppe aIs Umwandlung ohne Aufstieg,<br />

sogar die Mehrheit. Auf- und Abstieg halten sich die Waage,<br />

wobei allerdings die GrUsse des Abstiegs nicht genau<br />

erfasst wir-d. Einen vorwertbaren Aufstieg haben lediglich<br />

einige der in den Letzten beiden Gruppen zusammengefassten<br />

Personen vollzogen, also etwa 10 - 15 von 90.<br />

Teilweise mag das Ergebnis mit der schon erwáhnten Neigung<br />

der unternehmen, nicht-betriebseigene Ausbildungsabschlüs -<br />

se nicht anzuerkennen, zttsammenhángen.<br />

Für die einzelnen Gruppen sind best<strong>im</strong>mte Kennzeichen typisch:<br />

5+4 bestehen weitgehend aus jungen Ledigen, die vor den<br />

Erreichen des 55. Lebensjahres emigrierten und mehr<br />

als zwei Jahre in der BRD blieben;' es besteht ein<br />

schwacher Zusammenhang zum vorher In-einer-Grossstadt-gelebt-haben;<br />

hier finden sich relativ wenig<br />

Arbeiter, die in Werksbaracken gewohnt haben; sie<br />

haben oft schon vor der Ausreise in Spanien in derselben<br />

Branche gearbeitet<br />

5 Personen, die vor der Ausreise schon hochqualifiziert<br />

waren, werden auch in der Gruppe rkeine Veránderung'<br />

erfasst, fa1ls sie diese Stellung nach der Rückkehi<br />

wieder einnehmen<br />

Z+1 hier gibt es überdurchschnittlich viele Beamten und<br />

andere Personen ohne Industrieerfahrung vor der Abfahrt.<br />

( 92-161+162)<br />

Weitere Ergebnisse:<br />

- nur 1/3 arbeitet <strong>im</strong> Ausland auf Plátzen, die Qualifikationen<br />

vermitteln kUnnten, 2/3 bekommen nicht<br />

mehr a1s eine Einführung in die Grundlagen der Industriearbeit;<br />

- es tritt eine Spezialisierung auf best<strong>im</strong>mte Branchen,<br />

Betriebe oder Arbeitsplátze ein;<br />

- es gibt auch 'negative MobilitHt' (Absinken) durch<br />

das Vergessen und Verlernen früherer Qualifikationen.<br />

(43/Jan. 1976-6)<br />

Davon abgesehen kehren oft gerade die Qual ifizierten nicht<br />

zurück, sóndern bleiben da, wo sie gut untergekommen sind,<br />

d.h. <strong>im</strong> Ausland.<br />

Dieselbe Bilanz kurzgefasst:<br />

Bauern werden an die rndustrie gewuhnt, Hilfsarbeiter an<br />

Routinetátigkeiten und Facharbeiter lernen dazu oder vergessen,<br />

was sie konnten (92-150).


BO<br />

So ist es,Jurchaus m6glich, dass die Qualifikationsstruktur<br />

der Gesamtheit voi der Ausreise hUher war als nach<br />

der Rückkehr (37).<br />

Sehr arsgerogen erscheint uns hier das Urteil von BUhning<br />

US7\tár;1976-4). Er greift zunáchst die bekannte<br />

Ubeiregung auf, die <strong>im</strong> Aué1and geschaffenen Fáhigkeiten<br />

und Feiti[t


B1<br />

Ebenfalls muss berücksichtigt werden, dass die Prüfungszentralen<br />

des Deutschen Volkshochschulverbandes, die das<br />

Zertifikat 'Deutsch a1s <strong>Fremd</strong>sprache' vergeben, keine<br />

sozialen Daten der Spanier erheben, die an der prüfung<br />

teilnehmen. Daher ist es mUglich, dass ein Grossteil der<br />

Spanier, die diese Prüfung abgelegt haben, aus Sozialarbeitern<br />

und Schü1ern besteht, sodass verlHssliche Angaben<br />

zu den Deutschkenntnissen der Spanier aufgrund dieser<br />

Quelle nicht mUglich sind.<br />

3.4.2. Probleme<br />

Frage an einen Auslánder: "Aber Sie kUnnen mit Deutschkenntnissen<br />

doch sicher mehr verdienen, besser bezahrte<br />

Stellen erreichen ?"<br />

Antwort: "Im Gegenteil: ein Akkordarbeiter verdient mehr<br />

a1s ein vorarbeiter, ein vorarbeiter mehr a1s ein Dolmetscher.<br />

Aber bei Akkordarbeitern gilt: je weniger man redet,<br />

um so schneller arbeitet und verdient man."<br />

(aus: DL 2/1976-32, aus dem Dt. Hrzteblatt)<br />

Best<strong>im</strong>mte Faktoren erleichtern oder erschweren das Deutschlernen.<br />

Positiven Einfluss haben:<br />

ffiin<br />

der Frei zeit, besond.ers mit deutschem<br />

Partner<br />

niedriges Einreisealter<br />

- viel Kontakt mit Deutschen am Arbeitsplatz, besonders<br />

Ausführung mehrerer Arbeitsgánge<br />

Kooperation und Absprache<br />

Dienstleistungsbetriebe<br />

wenig Lárm<br />

* multinationales Ambiente<br />

x Position<br />

n<br />

als Vorarbeiter oder a1s rDolmetscher'<br />

Qualifizierung <strong>im</strong> He<strong>im</strong>atland<br />

x langer Schulbesuch i. H (38 -3 07 . .328)<br />

Entgegen manchen Erwartungen ist die uberschreitung einer<br />

Aufenthaltsdauer von 3 Jahren ohne grosse Bedeutung, es<br />

zeigt sich eine Tendenz zur tversteinerung' der Keñntnisse<br />

auf der Ebene, die sie nach z bis 3 Jahren erreicht haben.<br />

A1s Probleme be<strong>im</strong> Lernen werden genannt:<br />

- keine Kurse in der Náhe<br />

- Schichteinteilung<br />

- Uberstunden<br />

- keine Zeít zur Vorbereitung<br />

- zu müde<br />

- zu schwierig<br />

- z1i langweilig<br />

- Geld<br />

- Lehrer spricht Muttersprache<br />

- Sonstiges<br />

- keine Probleme<br />

An anderer Ste11e<br />

- wenig GesprHche am Arbe itsplatz<br />

- LHrm<br />

- Mangel an Angebot<br />

- wenig Informationen darüber<br />

- Zeitmangel<br />

- Ausgelaugt sein.<br />

(79-102,T.75<br />

25 % Mehrfachn. )<br />

21<br />

6<br />

28<br />

31<br />

-- LJ<br />

7<br />

6<br />

nicht 5<br />

13<br />

7 (= 172)<br />

(DL 4/1s76-8)


-82<br />

3.4.3. Niveau<br />

Es ste11t sich die Frage, welche Ebene der Sprachbeherrschung<br />

unter diesen Bedingungen erreicht wird.<br />

Die Angaben dazu leiden darunter, dass sie nur in wenigen<br />

Fá11en von <strong>im</strong> Sprachunterricht tHtigen Einrichtungen erhoben<br />

worden sind und dementsprechend mit nicht genauer erklHrten<br />

oder begründeten Bewertungsmasstáben arbeiten.<br />

Einige davon:<br />

Deutsche Sprachkenntnisse Spanier in der BRD<br />

Nach der BfA 1 969<br />

(6e-127)<br />

F1i-essend<br />

Gebrochen<br />

Ke ine<br />

Speziell bei den Verheirateten<br />

Mittel (=pasable)<br />

Sehr dürftig(=muy deficiente)<br />

Keine (=nulo)<br />

Für 1971 gelten die folgenden Angaberr:<br />

eln wenlg<br />

recht gut<br />

gut<br />

sehr gut<br />

total mit Kenntnissen<br />

ke ine<br />

Kritisch erscheint hier der<br />

recht opt<strong>im</strong>istischer Weise<br />

nissen zusammeligefasst wird<br />

17 e, 12<br />

61 67<br />

22 21<br />

(3s-175)<br />

eo<br />

14<br />

70<br />

16<br />

(79-100+101,Tab.<br />

71+72+73)<br />

m f total<br />

63<br />

eo<br />

5<br />

1s<br />

')<br />

Für 1972 gelten die folgenden Angaben:<br />

sehr gut<br />

11<br />

e inige rmas s en<br />

5¿<br />

schl echt<br />

59<br />

gar keine<br />

18<br />

Geht man auch auf die Verwertbarkeit<br />

Sehr gut, Konversation,<br />

Verstehen der Massenmedien<br />

Sich verstándlich machen und<br />

vers tehen<br />

Mangelha.fte Kenntnisse<br />

Gar keine<br />

65<br />

5<br />

14<br />

70<br />

5<br />

12<br />

)<br />

2<br />

85 89 r 86<br />

1-5 11 14<br />

Begriff 'ein wenig' , der in<br />

mit den besseren Sprachkennt-<br />

10<br />

34<br />

40<br />

16<br />

ein,<br />

(16-2e)<br />

11<br />

33<br />

59<br />

17<br />

ergibt sich<br />

(82 - ez)<br />

)') o.<br />

Nun lernt der AuslHnder Deutsch meist vom 'HUrensagen",<br />

um es in der He<strong>im</strong>at verwerten zu kUnnen, braucht er aber<br />

meistens die Fáhigkeit, es korrekt zu lesen und vor a1-<br />

1em zu schreiben. Dazu<br />

Lesen<br />

Schre iben<br />

+<br />

3A- eo<br />

17<br />

- K.A.<br />

65 T-<br />

85 0<br />

35<br />

31<br />

12<br />

(7 9 -101 ,T .7 4)


B5<br />

Vollkommen aus dem Rahmen fallen die Ergebnisse einer<br />

Studie in Duisburg 1977: (63/I -258)<br />

eo<br />

gering<br />

25,4<br />

mittel (2.8. nur für Arbeit) 10,9<br />

hoch 63,6<br />

Dabei ist unklar, ob sich das Ergebnis durch die seit den<br />

ersten Untersuchungen vergangene Zeit oder durch die Auswahl<br />

der Befragten erklHren 1Hsst. Allerdings wáre es ein<br />

Irrtum, anzunehmen, das Kenntnisprofil der Spanier würde<br />

sich mit der Zah1- der Aufenthaltsjahre linear weiterentwickeln.<br />

Nach 2 oder 3 Jahren pflegt eine Versteinerung<br />

des Kenntnisstandes einzutreterr, die nur durch bewusste<br />

Sprachlernmassnahmen, die in der BRD nur eine Minderheit<br />

umfassen, aufgebrochen werden kann.<br />

In diesem Zusammenhang mag der Hinweis auf die Forschungen<br />

zum rPidgin-Deutsch' interessant sein (38), die über<br />

die einfache Einteilung der Sprachkenntnisse j-n<br />

tel/schlecht' 'gut/nit-<br />

hinausführen und zeigen, wie sich be<strong>im</strong><br />

Sprachlernen syntaktische und morfologische Varianten der<br />

Zielsprache herausbilden, die sich ihr nach und nach annHhern.<br />

Dabei kann man verschieriene Entwicklungsstufen<br />

nachweisen (38-197+198+277+278) . Einen Uberblick über<br />

die wjchtigsten Forschungen auf dem Gebiet gibt (DL 4/fg)<br />

3 .4.4. Grenzen der Verwertbarkeit<br />

"Bedenken Sie, dass sich Ihnen eine ausgezeichnete Gelegenheit<br />

anbietet, eine Sprache zu lernen, die Ihnen für<br />

Ihre Zukunft sehr nlJtzlich sein kann. Wenn Sie nach Spanien<br />

zurückkehren und sie perfekt beherrschen, kUnnen<br />

Sie sicher Ihre Stellung verbessern und die f.inanzielle<br />

Vergütung erhUhen." (58-27)<br />

Diese Entwicklungsstufen und das Fehlen von Teilfertigkeiten<br />

wie Schreiben schránken üie Verwertbarkeit der<br />

Deutschkenntnisse nach der Rückkehr ein. A1s Ubersetzer<br />

kommt nicht in Frage, wer nicht zu den 58 S gehUrt, die<br />

deutsche Schriften lesen kUnnen (laut 101-94). Wer sich<br />

einem Deutschen zwar verstándlich machen kann, aber dabei<br />

eine Viel zatl1. grammatischer Regeln verl eizt, ha+keine<br />

Aussicht auf einen <strong>Fremd</strong>sprachenberuf.<br />

Was das konkret bedeutet, zeigt das folgende Zitat über<br />

die Syntaxentwicklung bei Italienern und Spaniern:<br />

"Zunáchst bestehen SHtze aus unerweiterten oder ger:ingfüg:-g<br />

er\.^/eiterten Nominalen und Adverbialen. Dann werden<br />

in zunehmendem Masse Verben angewandt, die Sátze und<br />

Subjekte gebildet und Pronominalisierungen vorgenommen.<br />

Para1le1 hierzu werden einfache Konstruktionen komplexer:<br />

das Verb wird durch Nominale und Adverbiale, die Noninalphrase<br />

durch verschiedene Attribute in wachsender KomplexitHt<br />

erweitert. Adverbielle PrHpositionalphrasen ersetzet<br />

in steigendem Masse ungrammatische Nominalphrasen in<br />

adverbieller Funktion. Adverbialsá.tze, die Kopula, Modalverben,<br />

pronominale PrHpositionalphrasen in adverbieller<br />

Funktion und nominale Prápositionalptrrasen in attributiver<br />

Funktion werden relativ spát, d.h. <strong>im</strong> Zwischenstadiun,<br />

entwickelt. SpHt bzw. séhr spát erst gelangen Regeln<br />

zur Bildung von Auxiliaren sowie zur Erweitérung von<br />

verben bzw. der Kopula um Modalverben und Auxiliare i:ur<br />

Anwendung, ebenfalls spát bzw. sehr spHt wird die Bildung


-84<br />

von Nominal- und Attributivsátzen sowie der restlichen<br />

PrHpositionalphrasen (...) gelernt. Verbsystem, Subordination<br />

und PrHpositionalphrasen werden somit differenziert<br />

erst spHt irn Lernprozess ausgebildet." (58-1gEJ-<br />

Verstándlicherweise ist das Interesse, diese Fehler zu beseiti-gen,<br />

bei denen am grUssten, die 1ánger in der BRD<br />

bleiben wo11en: "... dass hauptsáchlich die Arbeitsemigranten<br />

motiviert sind, einen Sprachkurs zu besuchen, die in<br />

der BRD schon relativ gut sozial integriert sind." (58-358)<br />

Für die, die nit ungrammatischen Sprachkenntnissen nach<br />

Spanien zurückkehren, dürfte ausser dem Bekleiden von Verbindungsfunktionen<br />

in deutschen Firmen nur noch die Tátigkeit<br />

in der <strong>Fremd</strong>enverkehrssaison in Frage kommen, so wurden<br />

ehemalige Emigranten a1s Touristenführer <strong>im</strong> Inland<br />

oder in den Touristeninformationsbüros an der Küste getroffen<br />

(97). Zah\enangaben dazu lassen sich nicht machen, zumindest<br />

ist kein FaIl beka.nnt, in dem deutsche Firmen die<br />

Rückkehr 'ihrer' spanischen Arbeiter an die spanischen<br />

Niederlassungcn systematisch fUrdern oder lenken.<br />

Etwas hoffnungsvoller kann das Bild bei einigen Kindern<br />

von Emigranten sein, die nach der Rückkehr in Tátigkeiten<br />

als <strong>Fremd</strong>sprachensekretárin oder sonst in Ar-issenhandel<br />

eintreten kUnnten, sofern sie bruchlos zweisprachig aufwachsen<br />

und in beiden Sprachen die Schule besucht haben.<br />

Diese Bedingungen dürften allerdings auch nur bei einer<br />

Minderheit erfüllt sein.<br />

5.4.5 Exkurs: Betriebsdolmetscher in der BRD<br />

Dieser Abschnitt wHre unvollstHndig, würde,nicht kurz eine<br />

Gruppe Menschen erwHhnt, aus der viele die sprachliche<br />

Notlage der Spanier und der anderen Nationen <strong>im</strong> Interesse<br />

der Firmen ausgenützt haben. Uber einen von ihnen wird gesagt:<br />

"Dieser Fa11 ist keine Ausnahme gegenüber der in<br />

Deutschland gef"undenen allgemeinen Lage, wo diese traurige<br />

Rolle, zu der sich Spanier hergeben, von a1len verab-<br />

,sclreut wird, denen ihre in vielen Fál1en ekelhafte Tátigkeit<br />

a1s Spitzel und Schnüffler auffá11t." (31-200)<br />

3.4.6. AktivitHt deutscher Institutionen in Spanien zur<br />

rNachbetreuungr<br />

"Ein vorrangiges Ziel der Auslánderpolitik der: Bundesregierung<br />

ist €s, dass die Rückkehr ausl-Hndischer Arbeitnehmer<br />

in ihre He<strong>im</strong>atlHnder auch von den Rückkehrern selbst<br />

a1s Chance für sie und für die wirtschaftliche und soziale<br />

Entwicklung ihrer Heirnatlánder verstanden wird.. Diese Chance<br />

besteht in der planvollen Nutzung ihrer in der Bundesrepublik<br />

Deutschland erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten.<br />

Die Bundesregierung misst der beruflichen und sozialen<br />

wiedereingliederung rückkehrwilliger und zurückgekehrter<br />

Arbeitnehner grosse Bedeutung bei und weist seit Jahren<br />

auf die entwicklingspolitischen Nutzungsmuglichkeiten der<br />

Rückwanderurrg hin. sie wird hierzu, wie schon in der vergangenheit,<br />

Kontakte mit den HerkunftslHndern pflegen,<br />

DenkanstUsse geben und Modelle entwickeln." (64-Z4j


- 85<br />

Deutsche Bildungseinrichtungen in Spanien (nicht vo11-<br />

§EEnATsI--<br />

Deutsche Schulen in Barcelona<br />

B ilbao<br />

Madrid<br />

Las Palmas de Gran Canaria<br />

Santa Cruz de Tenerife<br />

San Sebastl-án<br />

Valencia<br />

Vigo<br />

Sevilla<br />

Goethe-Institute in Barcelona<br />

Granada<br />

Madrid.<br />

Die Schulen füh1en sich logischerweise für die zurüc.kgekehrten<br />

Erwachsenen unzustándig. Die Institute sind bereit,<br />

mit den deutschen Unternehmen Sonderregelungen für<br />

den Deutschuntei richt an deren spanische Führungskráfte<br />

zu treffen. Aber für die Emigranten beantragt keine Stelle<br />

besondere Kurse, und in den allgemeinen Kursen bringt<br />

sie der auf Studenten und Akademiker abgest<strong>im</strong>mte Lernstil<br />

balC zum Aufgeben.<br />

I{enn das Problem der Kinder hier auch ausgeklammert wird,<br />

mUchten wir doch die Ausserungen des Studienleiters des<br />

Goethe-fnstitutes in Madrid (E1 País 2.2.1978, aus den<br />

Span. übersetzt) wiedergeben, die etwas über die Perspektive<br />

aussagen, mit der die Probleme der zurückgekehrtell<br />

Jugendlichen betrachtet werden: "Spanien kann sich nicht<br />

den Luxus leisten, diese Quel1e an Sprachkundigen zu verschwenden;<br />

andererseits besitzt die Mehrheit dieser Jugendlichen<br />

keine andere Ausbildung a1s ihre Sprache. Wir<br />

haben beobachtet, dass die Emigrantenkinder bei der Rückkehr<br />

nach Spanien die Spra.che vergessen,die sie wáhrend<br />

ihres Auslandsaufenthaltes erlernten. Das kUnnte man einfach<br />

vermeiden, wenn sie bei ihrer Rückkehr über spezialisierte<br />

Zentren verfügten, die zu ihrem und zu Spaniens<br />

Nutzen diesen Strom an Fáhigkeiten nützen kUnnten." "Von<br />

unseren schü1ern erreicht nur eine Minderheit das Deutsche<br />

Sprachdiplom. Wir füh1en uns,wie jemand, der Goldperlen in<br />

einem grossen sandhaufen sucht, wáhrend wir vorrr vorhandensei,n<br />

einer grossen Mine von reinem Gold wissen: all diese<br />

Kin


- 8b<br />

3.5. Kritik der Reintegrationsmassnahmen<br />

3.5.1 . Zur Kritik der beruflichen Fortbildung<br />

Eine Kriti-k der Vorgehensweisen bei den WiederanpassungsmUglich,<br />

da keine Berichte<br />

kurse¡i in Spai-rien ist uns nicht<br />

darüber vorliegen.<br />

Drei Bemerkungen erscheinen uns angebracht:<br />

der Hinweis auf das zahlenmássige Missverháltnis zwischen<br />

den KursplHtzen (3.2.5.) und der ZahT der Rückkehrer;<br />

die Feststellung, dass eine Teilnahme am Kurs bei der gegenwHrtigen<br />

Arbeitsmarktlage keine Garantie auf Wiedereingliederung<br />

bedeutet;<br />

und die Frage, wori-rr sich diese Kurse von gewUhnlichen beruflichen<br />

Wiedereingliederungskursen unterscheiden, da sie<br />

in keine Gesamtplanung der Phasen Enigration/Auslandsaufenthalt/Rückkehr<br />

eingebettet zú sein scheinen.<br />

Die berufliche Bildung in der BRD wird klar in den Dienst<br />

der jeweiligen AuslHnderpolitik gestellt: "Die berufliche<br />

Bildung sollte so ausgerichtet werden, dass dadurch die<br />

Rückkehrbereitschaft der AuslHnder gefUrdert wird.'t "Auslándischen<br />

Jugendlichen so11te die MUglichkeit erUffnet<br />

werden, eine berufliche Bildung in jenen Wirtschaftsbereichen<br />

aufzunehmen, die in besonderem Masse auf die Bescháftigung<br />

von Auslándern angewiesen sind." (24-8)<br />

Lange Zeit gab es kein besonderes Problembewusstsein <strong>im</strong> Bezug<br />

auf die berufliche Bildung bei den mit Auslándern befassten<br />

Institutionen und dementsprechend wenig Daten<br />

(63/7-128). AllmHhlich scheint sich dieses Bild zu wandeln,<br />

bei einer Befragung von Betreuungsorganisationen wurden<br />

die Themen 'Sprachliche und Berufliche Bildungr am meisten<br />

angesprochen (25-113). Bezeichnend ist, dass a1le befragten<br />

Stellen ausser den WohlfahrtsverbHnden und den Gewerkschaften<br />

die Weiterbilelung a1s Mittel zur Durchsetzung von<br />

Interessen an 1 . oder Z. Ste11e setzen (25-112) .<br />

Trotz des Mangels an Daten lassen sich einige kritische Anmerkungen<br />

machen:<br />

die Weiterbildungsentscheidung ist eine Reaktion auf die<br />

Lage bei der Ausreise, die sich nach einigen Jahren tiefgehend<br />

verH.ndert haben kann (25-137) . Oft wird sie als individueller<br />

Ausweg wegen des Mangels an kollektiven Strukturen<br />

zur Vorbereitung der Rückkehr getroffen (28-137).<br />

Meistens sind die Teiliiehner langansássige oder <strong>im</strong> Ausland<br />

geborene Kinder mit abgebrochener Schulbildung (9); Weiterbildung<br />

nlJtzt hier nicht nach der Rückkehr, weil es keine<br />

Rückkehr geben wird.<br />

Auch sind einige Bemerkungen zur gesellschaftlichen Funktion<br />

der Weiterbildungsmassnahmen angebracht:<br />

wieweit handelt es sich bei den Teilnehmern um eine reprásentative<br />

Auswahl aus den Auslándern, und wieweit um die<br />

'suradaptéesr (= Uber-angepasste) , die die Werte des Aufnahmelandes<br />

verinnerlicht haben, auch hrenn sie für sie ohne<br />

konkreten Nutzen sind ? (28-137)<br />

Was ist dazu za sagen, dass bei den Wenigen, die al1es erfolgreich<br />

durchlaufen haben, die danach <strong>im</strong>mer noch erlebte<br />

Diskr<strong>im</strong>inierung um so stárker erlebt wird ? (101-205)<br />

3.5.2. VorschlHge zur Verbesserung des Sprachunterrichts<br />

Die Erkenntnis, dass die formale Gleichberechtigung nicht


- 87<br />

ausreicht, uil eine hUhere Teilnahme der AuslHnder an<br />

Sprachkursen zu erreichen, setzt sich allmHhlich durch<br />

(63/II-61); und in den einschlHgigen Fachzeitschriften<br />

wird zunehmend darüber diskutiert, wie die Bedürfnisse<br />

dieser Zielgruppe sind, auf die die Kurse abgest<strong>im</strong>nt<br />

werden müssen, wenn man den bisher üblichen Teilnehmerschwund<br />

vermeiden wi11.<br />

Auch die staatlichen Absichtserklárungen (2.8. die Vorschláge<br />

der Bund-LHnder-Kommission, in 24-27+28) sprechen<br />

von Verbesserung des Sprachunterrichts, der Schaffung eines<br />

inhaltlich und regional ausgeglichenen Kursangebots,<br />

pHdagogischer Ausbildung der Lehrkráfte und MotivationsfUrderung.<br />

WohltUnende Verlautbarungen ándern a11er-dings wenig an<br />

der Tatsache, dass Ausl.Hnderpolitik weitgehend Arbeitsmarktpolitik<br />

i5f rrnd sein muss. Die geringe Sprachfáhigkeit<br />

der AuslHnder in der BRD erklárt sich grossenteils<br />

aus ihrer Stellung auf der untersten Stufe der Arbeitsplatzverteilung<br />

und ihrer Isolierung von der deutschen<br />

BevUlkerüng, die sie teilweise als Bedrohung oder Konkurrenz<br />

ansieht. Ein Sprachunterricht, der mithelfen wi11,<br />

mit der Vermittlung von Kenntnissen zugleich die Ursachen<br />

der Sprachlosigkeit anzugreifen und die AuslHnder aus ihrer<br />

Rolle als stumme Reservearmee herauszub'ringen, führt<br />

zu politischen Konflikten und würde das deutsche Lehrpersonal<br />

in Widerspruch zu seinem Dienstherrn bringen. In<br />

dieser t{insicht kann man noch auf einiges gespannt sein.<br />

Abgesehen davon wird jede Art von nicht unmittelbar verwertbarer<br />

Bildung für Arbeiter a1s überf1üssige Investition<br />

angesehen, die mUglichst gering gehalten werden so11.<br />

Diese Tendenz drückt sich in der lácherlich geringen Zahl<br />

der angebotenen PlHtze aus.<br />

Wir halten es nicht für angebracht, hier weiter auf die<br />

Diskussion einzugehen, wie Sprachunterricht für Arbeitsmigranten<br />

aussehen so11te, und verweisen stattdessen auf<br />

die Zeitschriften<br />

+ AGG-Materialien<br />

Rheinweg 34<br />

55oo Bonn<br />

+ Deutsch lernen<br />

Ra<strong>im</strong>undistr". 2<br />

ó5oo Matr.z<br />

+ Journal G<br />

Sperlingsstr. 14 F<br />

Tooo Stuttgart 1<br />

sowie das Kapitel'Sprachunterricht für Arbeitsinmigrafiten<br />

gleich Deutsch für Auslánder' in (84-305bis350).<br />

3.5.3. Forderungen der rückkehrenden Migranten<br />

"Es schei-nt, die in der Emigrati-on so verbreitete Politik<br />

des 'laissez-faire' hat ihn bis zur Rückkehr begleitet.<br />

Der Emigrant, der zurückkehrt, wird seinem Schicksal überlassen<br />

..." (43/1974-24)<br />

Bei einer Umfrage 1 969 wurden a1s Reintegrationshilfen<br />

verlangt:<br />

(1 00 -539,Tab.91


- BB<br />

1. Hilfe bei der Suche nach dem Arbeitsplatz<br />

von 50,98 % (82,69 eo davon gaben das a1s erste<br />

Antwort)<br />

2. Bessere LUhne und soziale Gerechtigkeit<br />

von 15 ,20 e"<br />

Auf dem IV. Weltkongress der Emigration des offizielien<br />

Syndikats 1971 hiess es in der Entschliessung zu 'repatriaciónr<br />

und Rückkehr:<br />

'rUntersuchung der Probleme <strong>im</strong> Arbeitsninisterium, besse -<br />

re Koordination zwischen den Ministerien, Einrichtung<br />

von beruf lichen Wiederanpassungski;rsen, Schaf fr.rng eines<br />

Arbeitsnachweises und einer 5% -Reserve für heirnkehrende<br />

Migranten, Bildung von Kooperativen r.rnd neuen Unternehmen,<br />

Bereitstell-ung einer Wohnungsreserve, Information vorher<br />

und nachher." (55)<br />

Ein Autorenteam des IEE schlug 1975 vor:<br />

- Zahlung des 'Salario Mín<strong>im</strong>o Interprofesional' wHhrend<br />

der Arbeitssuche (der zu diesem Zeitpunkt nur<br />

an die über 40-jáhrigen gezah1-t wurde, die sich innerhalb<br />

von 2 Monaten nach der Rückkehr gemeldet<br />

hatten)<br />

- Gewáhrung von Krediten zur SelbstHndigmachung<br />

- Bevorzugte <strong>Land</strong>zuteilung durch das Agrarrefcrminstitut<br />

IRYDA<br />

- Mehr Berufsanpassungskui'se. (43/Aug.1975-1)<br />

Der Emigrantenkongress in Kassel 1973 verlangte:<br />

- Ubertragung des deutschen Arbeitslosengeldes wHhrend<br />

der Arbeitssuche nach Spanien<br />

- Bildung einer Abteilung eigens für Rückkehrer in der<br />

Sozialversicherung INP<br />

- Rückkehrkredite und verlorene Zuschüsse<br />

- Entwicklungsplan für Rückkehrer. (El País 8.1 1 . 1977)<br />

In der genannten Studie wurden noch andere Massnahmen erwogen:<br />

- Einschránkung der Arbeit von Auslándern in Spanien<br />

- Keine Uberstunden<br />

- Verlangsamung der Abwanderung aus der <strong>Land</strong>wirtschaft<br />

durch Entwicklung ihres Potentials<br />

- Hemmung der Industriekonkurrerrz des Auslandes<br />

- Verwertung der Ersparnisse<br />

- FUrderung arbeitsintensiver Industrieen (73-104).<br />

In den letzten Jahren hat das zunehmende Bewusstsein in<br />

den Herkunftsregionen der Emigranten zúT Bildung neuer 0rganisationsformen<br />

geführt, so z.B. auch zum 1. Extremenischen<br />

Emigrantenkongress <strong>im</strong> August 1978 (Diario 16, 28.8.<br />

1e78)<br />

Die Forderungen der Rückkehrerorganisation A.N.E.R. geben<br />

wi-r in 4.3. wieder. Daneben verweisen wir auf die<br />

zahTreichen Organisationen, wie die Gruppen, die den Congreso<br />

Democrático de l,a Emigración vorbereiten, die E1-<br />

tern- und Lehrervereinigungen.


- 89<br />

4.<br />

INTERVIEWS MIT BETROFFENEN UND ANDEREN EXPERTEN<br />

4.1 .<br />

4.1 .1 .<br />

Interviews mit Rückkehrern<br />

Hinweise zur Methodik zukünftiger Untersuchungen<br />

Die Befragung zurückgekehrter Emigranten aus der BRD in<br />

Extremadura, aus der wir in 4.1.4. Auszllge bringen, wurde<br />

in Form freier GesprHche anhand eines vorher auswendig<br />

gelernten Leitfadens gemacht, die offen auf Kassettenrekorder<br />

aufgenommen wurden. Die Auswahl de, Bef,ragten<br />

erfoigte durch Ansprechen auf Uffentlichen Plátzen<br />

oder durch Befragte, die ihrerseits wieder Bekannte ansprachen.<br />

Deshalb und wegen der geringen Zali,l ist sie<br />

nicht reprásentativ.<br />

Die Beschránkung auf Extremadura ist zugleich eine Beschránkung<br />

auf die Emigranten, die wieder in j-hr Herkunftsgebiet<br />

zurückgekehrt sind, also werden die vorwiegend<br />

Jungen, die nach der Rückkehr in die Industriestádte<br />

gezogen sind, nicht erfasst.<br />

Im allgemeinen kann man diese Befragung nur a1s einen exper<strong>im</strong>entellen<br />

Vortest betrachten, nicht aber a1s eine<br />

ausgere ifte Untersuchung.<br />

Eine der Hauptschwierigkeiten war, dass die Mehrheit der<br />

Befragten nicht bereit war, eine <strong>im</strong> informellen GesprHch<br />

geHusserte Meinung auf Band zu sprechen.<br />

Dabei spielten folgende Mechanismen mit hinein:<br />

- a1-lgemein A.ngst vor der unbekannten Technik bei á1-<br />

teren Personen<br />

- Angst, das Gesicht kUnnte<br />

den (umso bemerkenswerter<br />

frager eine Kamera trug)<br />

- EinschHtzung der Befrager als Reporter<br />

- Angst, irgendwie namentlich identifiziert zu werden,<br />

obwohl rricht danach gefragt wurde<br />

- Vergleich zDT Prüfungssituation, in der man auf eine<br />

Frage keine Antwort weiss<br />

- eine allgemeine Unlust, sich in irgendetwas verwikkeln<br />

zu lassen (tno querer meterse en 1íos')<br />

Typisch für die Situati-on in diesen <strong>Land</strong>gegenden auch nach<br />

den Ende des Franco-Reg<strong>im</strong>es ist eine Begebenheit:<br />

Ein Interviewer hatte eine Aufnahme von einem Vater und<br />

seinem Sohn zt Pferd an der Tránke gemacht und fragte, ob<br />

sie etwas gegen die VerUffentlichung des Bildes hátten.<br />

Der Vater hatte nichts einzuwenden: "Was macht mir das,<br />

das ist mir doch ega1." A1s der Fotogi'af ihm daraufhin zu<br />

erklHren versuchte, dass er gefragt hátte, weil man kein<br />

Foto ohne Einverstándnis des Abgebildeten verUffentlichen<br />

Cürftc, erwachte das Misstrauen: "Was hab ich damit zu tun,<br />

ich werde mich in nichts hineinziehen 1-assen, nehmen sie<br />

die Pferde ohne uns auf. "<br />

Ahnliche Beweggründe werden auch die Antworten derj enigen<br />

beeinflusst haben, die dann doch zu einem Interview bereit<br />

hralen:<br />

- die Gastfreundschaft verbietet harte Kritiken angesichts<br />

des deutschen Befragers (vg1. auch 38-'l 01+102)<br />

- Deutsche, die Zeit und Geld für solche Reisen haben,<br />

werden einer best<strong>im</strong>mten sozialen Stellung zugeordnet,<br />

und den Personen gegenüber, die diese einnehnen, pfle<strong>im</strong><br />

Fernsehen gezeigt wer-<br />

, a1s dabei keiner der Begen<br />

Arbeiter nicht offen zu reden


- 90<br />

- die Aussage "Mir hat es in Deutschland gut gefaIlen"<br />

heisst oft nur: "Für mich war unter den-UmstHnden<br />

nichts Besseres mUglich"<br />

- oft trifft man auf ein sehr schnell geHussertes<br />

ging's gut",<br />

"Mir<br />

das a1s Distanzierung von a11en Kritike-rn<br />

aufgefasst werden kann, ufl keine verfolgungsmassnahmen<br />

auf sich zu ziehen, wie man sie <strong>im</strong> Auéfañd<br />

vielleicht miterlebt hat.<br />

4.1 .2. Situation in der Region Extremadura<br />

um die Bedeutung einschátzen zu kunnen, die die Emigration<br />

für Extremadura gehabt hat, einige Zahien:<br />

Betreute Ausreise nach Europa 1 964 - 1 975 (s1-1s)<br />

aus der Provinz Badajoz<br />

28.909<br />

aus der Provinz Cáceres<br />

24.969<br />

1971 Badajoz<br />

2.329<br />

Cáceres<br />

3.313<br />

1972 Badajoz<br />

2 .648<br />

(5§=+ z,T ab . s . z .) cáceies<br />

von a11en zwischen 1 960 und 1967 in die BRD eingereisten<br />

Emigranten kamen<br />

30,19 % aus Andalusien<br />

1 8 ,05 Galizien<br />

15,17 Neukastilien<br />

8,26 Extremadura<br />

Von 1962 - 197 3 re i s ten aus der provinz Bad,aj oz<br />

19.727 in die BRD<br />

Betreute Ausrelse in die BRD 1962 - 1g7S<br />

Badajoz<br />

Cáceres<br />

Gesamtausre is ez iffer e inschl iesslich Kinder in die BRD<br />

Jahr q<br />

total<br />

Badaj oz<br />

197 4 13<br />

197s 1<br />

1976 0<br />

Cáceres 197 4 4<br />

1975 1<br />

1976 0<br />

(40/1974-2) (40-'t e7s-2) (40 /1976-2)<br />

I<br />

1'l<br />

4<br />

0<br />

Verteilung nach BeschHftigungsherkunft (50)<br />

<strong>Land</strong>wirtschaft, Jagd, Fischfang<br />

Handwerk, Industrie, Hilfsarbeiter<br />

Anteil der Extremeños an den Enigranten<br />

Extremadura/Le6n<br />

Provinz Badajoz<br />

Provinz Cáceres<br />

197 3<br />

3r7<br />

313<br />

3<br />

1<br />

0<br />

3 .187<br />

(100-51,T.3)<br />

(s7 -12)<br />

(s1-17)<br />

19.7s1<br />

9 .668<br />

29.419<br />

24<br />

5<br />

0<br />

7<br />

2<br />

0<br />

16,9<br />

78,6<br />

(s0)<br />

197 4<br />

12 ,7<br />

312<br />

317


91<br />

Anteil der Emigranten an der ErwerbsbevUlkerun 1 964<br />

_<br />

9 12 eo, das ist der hUchste Prozentsatz in Spanien,<br />

uehr als in Andalusien und Galizien<br />

Von den von 1 960 - 1 967 emigrierten Extremeños gingen<br />

18.615, das sind 51,5 % in die BRD (100-SS).<br />

Zusammengefasst 1ásst sich sagen, dass die Emigration aus<br />

der Extremadura <strong>im</strong> Rahmen der Gesamtemigration zahlenmHssig<br />

keine grosse Rol1e gespielt hat. Da§egen hat aber das<br />

Fánomen Emigration für die Entwicklung der Region grosse<br />

Bedeutung gehabt und tiefe spuren hinierlasseñ und-die<br />

Emigration in die BRD ist überdurchschnittlich stark vertreten<br />

gewesen.<br />

4.1.3. Interessante Einzelbeobachtungen<br />

In folgenden einige Bemerkungen oder Beobachtungen, die<br />

nicht auf Band genommen wurden, aber interessanté Einblikke<br />

in die verschiedenheit der Betrachtungsweisen erlauben:<br />

+ Die EinschHtzui-rgen des BRD-Aufenthaltes bewegten sich<br />

zwischen den Extrempunkten:<br />

"Lieber vor Hunger sterben, als nochmal zurück nach<br />

Deutschland" eines Arbeitei's, der an einem Arbeitspla!z<br />

unter der zugesagten Kategorie bescháftigt<br />

worden war und die Unterdrückung eines AuslánCérstreiks<br />

miterlebt hatte,<br />

und "Ich verdanke Deutschland a11es" eines Alteren,<br />

der von den Ersparnissen eine kleine Fahrschule aufgebaut<br />

hatte<br />

+ Die deutschen MalLorca-Urlauber wurden a1s rreich'<br />

bezeichnet, eine Ansicht, die eher zu begreifen ist,<br />

wenn man gesehen hat, wie ein kaputter Plastike<strong>im</strong>er<br />

wieder zusammengenHht und weiterbenutzt wird.<br />

+ In den DUrfern, in denen die ,Plazat noch ein echter<br />

allabendlicher Versammlungsort ist, muss Cie Beobachtung<br />

der strikteren SfHreñabgrenzung zwischen Deutschen<br />

Aufsehen erregen, sei es die Seltenheit, mit<br />

der sie jemanden einladen, oder, dass Arbeitskollegen<br />

bis zu 20 Jahren nebeneinander arbeiten kUnnen,<br />

ohne vom 'Sie' zúm t clu' überzugehen.<br />

+ I.4it demselben UnverstHndnis wird berichtet, dass vie-<br />

1e Deutsche a1s Fussgánger eine rote Ampel beachten,<br />

auch wenn kein Auto in Sicht ist. Dagegen dürfte es<br />

für viele ordnungs- und sauberkeitsliebende Deutsche<br />

eine interessante Erfahrung sein, wenn sie einmal<br />

sehen, wie die Frauen in den DUrfern die Bürgersteige<br />

mit Seifenwasser vom Staub befreien.<br />

+ Die Unfáhigkeit, sich auf Deutsch verstándlich zv machen,<br />

wurde oft als etwas beschrieben, was echtes<br />

seelisches Leiden und Leid verursacht hat.<br />

+ Das \rerháltnis zu den Frauen und die Lage der Frauen<br />

in der Emigration verdiente eine eigene Untersuchung<br />

(die allerdings auch von Frauen durchgeführt werden<br />

müsste). So sagte ein Mann, der fliessend Deutsch<br />

sprach r er hHtte t sei-ner Frau nicht i n Sprachkurse<br />

gehen lassen, damit sie keine Gelegenheit hHtte, 3rdere<br />

MHnner kennenzulernen oder deñ Mann zu konirol-<br />

1 ieren .


92<br />

Háufig sind Berichte über die unfreundlichkeit deutscher<br />

Frauen und MissvelstHndnisse, besonders nachts.<br />

Der Ruf der ziáringlichkeit, der Auslándern anhaftet,<br />

wird erklárbar (niéht entschuldbar) , wenn man we1ss,<br />

dass in di_esen Gegenden eine Frau <strong>im</strong>mer die 'spruder<br />

,ü-ipiáfen hai, aüch wenn der Ann5herungsversuch eines<br />

i,lurrt"s ihr zusagt; dementsprechend lernen die<br />

üH;";; die Ablehnuñg durch eine Frau nicht als ernst<br />

und ehrlich gemeint zu nehmen'<br />

Á"ifeffig isI das Auftauchen der typischen P-rojektio""",<br />

wié sie von rückstándigen Deutschen oft über<br />

Auslánder geáussert werden. §o wurde berichtet, ldie<br />

Italiener' seien Messerstecher und nehmen einem die<br />

Frauen weg. Nicht gafiz so unbegründet erscheint die<br />

Meinung , áLt Ausleñder dürfe mán Deutschen nicht widerspréchen,<br />

sie kUnnten einen umbringgn'<br />

Es wird k1ar, dass einige Probleme in der BRD vor<br />

den Erfahrungshintergruñd der Extremadura schwer o-<br />

á;; ;;, rri.tri verstáñdlich sind, wie z-'-B ' stadtsanie -<br />

iurrg"od"r Umweltverschmutzung. Am treffendsten wird<br />

die"Lage durch diesen Dialog gekennzeichnet:<br />

Ei; i;E"ndlicher sagt zu eiñem Freund über einen emieii"rtE"<br />

Oritián, dér_ ab und zu aus der Grossstadt<br />

Zu gesuch kommt: "Er kommt, ufl zlt sehen, I'rie's <strong>im</strong><br />

Dorf aussieht . . . " worauf ihm dieser entgegnet:<br />

'rWie sol1r s denn aussehen ?'. Wie <strong>im</strong>mer !"<br />

Die spanische Fassung dg,<br />

uns zür Verbreitung in der<br />

bezogen werden.<br />

Die genaueren Bedingungen<br />

folgenden Interviews kann bei<br />

spánischen Kolonie in der BRD<br />

stehen am Anfang dieses Berichtes '<br />

4.l.4.AuszlügeausInterviewsmitRückkehrern<br />

(Das folgende Interview wurde mit einem Familienvater<br />

iuf genornñ"n, der vor zettig zurückkehrte ' )<br />

?<br />

+<br />

?<br />

?<br />

+<br />

Dieser Herr war Gescháftspartner der witwe von den<br />

Mercedes-Lkw-werken in Muñich oder Minchen, ich weiss<br />

nicht, wie sie sagen.<br />

München.<br />

trlunch. In der Fabrik bauten sie Lkw's für die deutsche<br />

Armee.<br />

In welchem Teil der Fabrik arbeitetest du, was machtest<br />

du ?<br />

Ich arbeitete als 'especialista' ( =Angelernter) bei<br />

den Sitzen, be<strong>im</strong> Zuschneiden der Sitze'<br />

Die Arbeit hast du da gelernt ?<br />

Ich kam dahin zum Arbelten und hatte keine Ahnung.<br />

In den 15 Tagen Einarbeitungszeit, die wir hatten,<br />

brachte ich és zum 'especialista' und nach den 15<br />

irg".t probe arbeitete ich schon <strong>im</strong> Akkord. Das ist<br />

'destaj o' , nicht walrr ?<br />

Ja, 'dástá¡oi , Rkkoid, das i_st dasselbe. Bliebst du<br />

diá galze |eit in Deutschland in dieser Fabrik ?


- 95<br />

+<br />

?<br />

+<br />

?<br />

+<br />

?<br />

?<br />

+<br />

?<br />

+<br />

Ja,ja,da. Viereinhalb Monate. Und ich kam zurück,<br />

,.ii ích nir kein Essen machen konnte. Ich habe nie<br />

gekocht. Ich bin gewohnt, dass das meine Frau macht,<br />

ind als ich in diése Baracken kam, sah ich, dass ich<br />

abnahrn; und der Chef von hier rief mich an, 1ch !o11-<br />

te herÍ


- 94<br />

?<br />

Mensch', und ich ging ins Kino und kam umsonst<br />

rein.<br />

Ich glaube, hier <strong>im</strong> Dorf gibt es einige Sachen, die<br />

sich vom Leben da unterscheiden<br />

Das Essen ist ganz anders. Denn wir waren gewohnt,<br />

viel Brot (=Weissbrot Hhnlich den frz. 'ba§uettes;)<br />

zuessen, und da isst man wenig, denn das Biot war<br />

ganz anders, und da wir tagsüber zur Arbeit in die<br />

Fabrik gingen, mussten wir zum Essen ins Hotel gehen<br />

und es war es gefiel uns nicht. . . Die Kartoffel<br />

gefiel mir am besten, die ist sehr gqt.<br />

Du sagst, dass du ein paar Sachen gelernt hast,<br />

zum Beispiel "danket', t'bitte", 'rGuten Tagr'. Lerntest<br />

du das durch ZuhUren auf der Arbeit oder wie ?<br />

trch irUrte es bei der Arbeit. Und dann das Material<br />

und a11es das. Die Deutschen fragten nich:<br />

heisst die "Wie<br />

Farbe ?" - "A1so dier- 'rojor.t' - "Und<br />

die ?" - "Negro. "<br />

Deine Kollegen kamen und fragten<br />

diese Farbe ?", das heisst, sie<br />

sie auf Spanisch hiess ?<br />

Ich sagte ihnen das Materia<br />

t<br />

amarillot , das fnegrot und<br />

riefen sie mich und sagten<br />

dich: "Wie heisst<br />

fragten dich, wie<br />

2<br />

+<br />

?<br />

+<br />

?<br />

1: "Das ist Irojor, das<br />

das tverder." Und dann<br />

zu mir: "Sag mal rrott<br />

'rotI" und zeigten<br />

,<br />

auf die Sachen.<br />

t<br />

"tschwarz, ,<br />

schwarz<br />

? Also lvarst t tt.<br />

du der Spanischlehrer für die Deutschen,<br />

beinahe ?<br />

Ich wurde es, aber nein, ich war nur viereinhalb Mol?te<br />

da, nicht mehr. Ich ging schon Brot holen, und<br />

die Mádchen forderten inich zum Tanzen auf, und so.<br />

Lebtest du in einer Umgebung, wo es nur Deutsche<br />

Eab, oder gab es mehr ÁuslHñder in dem Viertel ?<br />

Wir waren sieben Spanier.<br />

War es eine Fabrikunterkunft oder cin Haus ?<br />

Am Ortsausgtng auf dem Feld stellten sie ein paar<br />

Baracken auf, und a1s wir aus dem Zug stiegen, sagte<br />

der Dolmetscher zu uns: "Wi11kommén die-ersten<br />

sieben Spanier, die dieses Gebiet betreten.,'Vorher<br />

waren nie Spanier dagewesen. Aber sie behandelten<br />

uns sehr, sehr gut. Die Chefs, al1e. Zu rnir, jr-, zrt<br />

ntir rvaren sie sehr gut. Ega1, worum es ging. Weíf<br />

ich Katholike bin und in der Gegend da lst-alles<br />

sehr katholisch, war ich sehr gut angesehen. Dann<br />

wusch mir die Schwester einer Nonne die Wásche, sie<br />

:agtg "au weia'f a1s sie mich sah, ich weiss nicht,<br />

ich konnte nicht nein sagen, sie nahm die Wásche<br />

nit un'i, wusch sie.<br />

Flatte der Pfarrer oder die caritas etwas vorbereitet,<br />

um euch zu helfen, oder lief das mehr oder weniger<br />

auf der persUnlichen Ebene ?<br />

Uns da helfen, nein, jeder an seine Arbeit, aber<br />

der Pfarrer sagte mir', wenn ich iig""áéiru, brauchte,<br />

so11te ich es ihm sagen.<br />

Gab es noch welche von dén Deutschen, die Spanisch<br />

konnten, oder nur sie ?<br />

Die Italiener, die sind schl<strong>im</strong>mer a1s die Deut<br />

als die Spanier. Sie hatten da ein paar Italiener,


95<br />

die sich uns _gegenüber ganz schUn was rausgenommen<br />

haben. Dass die Deutschen <strong>im</strong>mer mit uns zusammen<br />

wHren, mit den Spaniern und den dcutschen Mádchen,<br />

und sie waren dabei, und die Italiener sind sehr<br />

- neidisch, sogar Messer und so, und sie zogen sie<br />

? Also die Probleme zwischen den Auslándern selbst<br />

waren grUsser. Gab es ausser den Italienern<br />

Nein, die anderen waren Deutsche. Das Dorf ná"gt<br />

gafiz von der Fabrik ab.<br />

? Dann ist es ein sehr kleines Dorf ?<br />

+ Ja, sehr klein und hHngt von der Fabrik ab und es<br />

gab noch ein paar kleine Fabriken.<br />

? Und seid ihr zum Tanz in andere DUrfer gefahren<br />

oder habt ihr mehr oder weniger da gelebt ?<br />

Wir wohnten in ein paar Baracken mit Doppelbetten.<br />

A1le Z<strong>im</strong>mer hatten vier Betten. rn den Báracken war<br />

ein Z<strong>im</strong>mer, da gab es zwei Betten, eins oben und<br />

eins unten. und auf der linken seite noch einmal zwei<br />

Betten. Aber es war gut belüftet, und die sauberkeit<br />

auch. Sie stellten die BettwHsche, das ja, viel Sauberkeit,<br />

das ja. Es ging aufs Feld und ñaite ein<br />

grosses Fenster und nan hatte gute Luft und dann gab<br />

es gute Be1üftung.<br />

? Gab es eine Küche oder sowas ?<br />

+ Eine Küche, fa1ls wir uns was machen wo11ten, und<br />

auch eine Waschmaschine.<br />

? Hast du noch andere Wege mitbekommen, die Sprache<br />

zu lernen, ausser, die Arbeitskollegen zu fragen ?<br />

In Deutschland gibt es nHmlich Volkshochschulén, die<br />

Deutschunterricht geben<br />

Dahin kam ein Priester, ufl Deutschunterricht zu geben.<br />

Aber weil ich zurückkehren wollte, nahm ich<br />

nicht daran tei1, das fing 3D, als ich schon zurück<br />

wo11te, 15 Tage vor der Abfahrt. Wir hatten hier<br />

schon eine wohnung beantragt. Doch ja, vúenn sie wo11-<br />

ten, gaben sie die ganze woche Deutschunterricht umsonst.<br />

? wie machten sie das ? Brachten sie auch ein Tonband.<br />

mit oder mit Büchern ?<br />

Nein, áD einer Tafel. Sie versammelten sich <strong>im</strong> Aufenthaltsraum<br />

und begannen zu erkláren: d.as heisst<br />

das und das heisst das,und fingen mit den Einfachsten<br />

an.<br />

?<br />

+<br />

?<br />

?<br />

+<br />

!i" anderen, die lHnger blieben, gingen hin ?<br />

Ja, die anderen blieben die ganze Zelt dabei. Solang<br />

der unterricht 1ief. Ich weiis nicht, es waren zwe<strong>im</strong>al<br />

pro Woche, scheint mir.<br />

Ging das von der Firma aus, hatte der Betrieb den<br />

Priester beauftragt ?<br />

Jd, ich glaube, von der Fi,rma aus.<br />

Die Art, wie du beha.ndelt worden bist , sagst du,<br />

lvar s ehi' gut ?<br />

Sehr ?9hr. gyt. J&, die Deutschen r,,'aren sehr gut zu<br />

mir. A1s ich zur'ückkam, war ich sehr mit j-hnén zu-<br />

frieden.<br />

Es tat dir ein bisschen 1eid, zurückzugehen<br />

Wenn ich wie die anderen gewusst hHtte, wie ? ich mir


-s6<br />

Essen und das mache, wHre ich nicht gekommen. Aber<br />

ich nahm ab, prrd ich ¡agte zu mir: "ñein. Ich sage:<br />

wenn ich sterbe, stirbt der Grdsste meiner FamilIe,<br />

sage ich, r.\regen dem Essen. "<br />

Die Leute, mi-t denen du in Deutschland Freund.schaf t<br />

geschlossen hast, kanntest du die von der Arbeit,<br />

{ur heisst, waren es Arbeitskollegen ?<br />

J?, Sut, sehr ggt zu mir, ja. Der Chef der gesamten<br />

APtgilung behandelte mich auch sehr gut. Weñn er<br />

nich in einer Bar sah, 1ud er mich eln. Die Deutschen<br />

behandelten uns al-1e, die gekommen waren, sehr<br />

gut. rn der Gegend. oder vielreiéht, dass wir áie ersten<br />

Spanier waren<br />

Ha-st du was von anderen gehurt, dass sie schlecht behandelt<br />

worden sind ? Es-gibt námlich Spanier, die<br />

sagen, dass sie schlecht aufgenommen wolden sind.<br />

Dass sie schlecht aufgenommen wcrdcn sind dann<br />

so11en sie nach Spanien kommen, da werden sie sie<br />

schlecht aufnehmen. Das ist unmuglich, denn man verdient<br />

viel Geld da, spáter geht és ihnen hier schlecht.<br />

viele sind MillionHre geworden.<br />

rch glaube, die beziehen sich nicht so sehr: aufs Geldnatür1ich<br />

verdient man da Ge1d, aber die Behandlung,<br />

auf menschlicher Ebene.<br />

rch weiss nicht. wir verti'ugen uns gut mit ihnen. rch<br />

habe ja schon gesagt, wenn és streil oder Diskussiolen<br />

g?b, war das mit den Italienern, S0 oder 40, die<br />

da arbeiteten und denen es nicht gefiet, dass díe<br />

Spanier kamen.<br />

?<br />

Gab es auch Streit um so Sachen wie, dass die Akkord -<br />

státze zu hoch wHren.<br />

Wegen der Arbeit und solchen Sachen, aber mit den lta-<br />

1 ienern .<br />

Zwischen den Spaniern gab es das nie ?<br />

Nein, und unter den Deutschen auch nicht. Mir sagten<br />

sie: "Cansa." (=wohl deformierte Form von<br />

erinnert<br />

'1angsárr,<br />

an rdescansat=f ruh dich aus') . Das isI, mr.á<br />

so11<br />

-<br />

langsam machen. "Du gehst nach Ispani zu-r=Uék. ",<br />

a1s das mit dem neuen sitz rauskam, eiñ kleines l{erústück,<br />

da kommt nHmlich der rngenieur mit uhren da-<br />

!"r, und stoppt áb, wielange mán braucht, den Teil<br />

da anzusetzen, und ¡ie sagten: "Cansa :" un,j. ich sag_<br />

t": "Nein, das ist Betrug." Ich machte es ganz norma1,<br />

denn ich machte es gemüt1ich und wusste, wie ich<br />

es machen musste.<br />

Kamen die Ingenieure, um zu sehen, wie schnell od.er<br />

yi. langsam man normalerweise arbeitete, und die<br />

Deutschen wollten es drücken, damit es hiess, das<br />

wHre normal ?<br />

Ja. Die Gewitztesten waren Junge, die waren ausgekocht,<br />

sie sagten: "Du retour ñach Spanien, und wir<br />

spáter ?" Je nach dem was man für Zeit an einem Stück<br />

brauc_hte, musste dann das Entsprechende für acht stunden<br />

für alle stücke vorgegeben werden, und ich machte<br />

es nit einer aussergewuhnlichen Handfertigkeit.<br />

ll" hatten Angst, dass-du die Stückzah1, die"sie pro<br />

Stunde schaffen mussten, hochtreiben wüidest ?<br />

Die Arbeit, die sie mir gaben, machte ich in einer<br />

halben stunde, und dann liess ich die letzten Teile<br />

liegen und auf und davon. Nicht wahr, "Ich bin auf


-97<br />

der Toilette oder dem lVC", setzte mich, paffte<br />

eine Kippe und nach einer Weile wieder zurück<br />

und <strong>im</strong>mer so weiter, bis die acht Stunden um waren.<br />

? Du wolltest lieber blitzschnell arbeiten und dann<br />

nichts tun. Aber haben sie dir das nie vorgeworfen,<br />

haben sie nie gesagt:"Mensch, warum machst du so<br />

+<br />

2<br />

schnell ?"<br />

I'le, d.as nicht<br />

Hast du irg"náwann ma1 was von «ien Italienern geseheí,<br />

dass sie was weiss ich. sich weigerten, bei<br />

der Geschwindigkeit ztt arbeiten oCer so oder waren<br />

das nur Srreiter-eien, nichts weiter ?<br />

Es ging darum, dass es ihnen nicht passte, und wenn<br />

wir gerade rnit einer Deutschen sprechen wol1ten,<br />

mischten sie sich ein und sagten uns, den Spaniern,<br />

wir sollten abhauen, und zogen sofort die Messer,<br />

und ich erinnere mich daran, dass ich einmal zu einem<br />

Italiener gesagt habe: "A1so wenn du dich noch<br />

einmal mit dem Spanier hier anlegst . . . ", denn der<br />

waÍ ein grundanstándiger Ker1, der ihn zv einem Bier<br />

eingeladen hatte. Das war um die Fastnachtszeit, da<br />

in Deutschland wird das ja sehr gefeiert, mit den<br />

Karren und so, i¡nd er 1ud ihn al-so ein und der Italiener<br />

ging wohl mit dem Mádchen, also das ist eine<br />

Dummhe it<br />

Ja, das muss ein grosses Problem gewesen sein, mit<br />

sovielcn Mánnern Monate und Monate da, ohne Frauen<br />

aus ihrem <strong>Land</strong> kennenzulernen.<br />

Aber der Spanier hat 'ambiente' (=gute St<strong>im</strong>mung,<br />

nicht so gefühlsgeladen wie die deutsche rGemütlicirkeit),<br />

er spricht vielleicht mit Ihnen unC auch wenn<br />

er Sie nicht kennt, bietet er Ihnen al1es mUgliche<br />

an. Es reicht, dass Sie hier fremd sind, und er erleichtert<br />

Ihnen a11es.<br />

? Slehst du hier, wer weggeht, und wann und in we1-<br />

chem Alter ?<br />

+ Vcn hier gehen jetzt nicht mehr so viele.<br />

? Und in den anderen DUrfern in der Gegend ?<br />

+ Also ich war sehr kurze Zeit weg, viereinhalb Monate,<br />

hin und her aber es gibt hier viele, die<br />

lange dagcblieben sind und euch ein Ehepaar, die da<br />

geheiratet haben und jetzt hier sind.<br />

? Hattest du da einen Einjahresvertrag ?<br />

+ Ja, von einem Jahr. Und spáter bekam ich einen Brief<br />

ob ich nochmal wiederkommen wo1lte, ich bekáme den<br />

selben Arbeitsplatz und a11es, wegen meiner guten<br />

Führung.<br />

(Das folgende Interview wurde mit einer Gruppe extremenj-scher<br />

Jugendlj-cher aufgenommen, die in der Autonomiebewegung<br />

der Extremadura aktiv sind. Die Sprecirer sind<br />

mit t¿t rrbr und tct gekennzeichnet.)<br />

? Gibt es in dieser Region viel Emi-gration ?<br />

a<br />

Also es gibt eine riesige Emigration, schon seit<br />

Jahren, a1s die Industrialisierung Spaniens begann,<br />

hat man Leute vom La.nd geholt und klar, dieser <strong>Land</strong>strich,<br />

der vollkonmen landwirtschaftlich ist, ist<br />

einer gewesen, der am meisten Emigration erlitten<br />

hat und noch erleidet.<br />

? KUnnt ihr schátzen, wieviel Prozent der jungen Leute<br />

aus diesem Dorf emigriert sind ?


9B<br />

?<br />

b<br />

?<br />

b<br />

Seit etwa 12 oder 15 Jahren, a1s die stárkere Emigration<br />

nach Mallorca anfing, etwa 50 oder 40 % der jungen<br />

Leute oder vielleicht mehr, glaiibe ich. Und dann<br />

von den Leuten, die Familie haben, von den Arbeiterehepaaren,<br />

weniger Prozent, aber es müssen auch Z0<br />

oder 15 % sein.<br />

Ich glaube mehr.<br />

Das sieht man gaflz k1ar, weil fast der HHlfte der<br />

Strassen des Dorfes ihre Bewohner fehlen, das heisst,<br />

die HHuser sind fast a1le leer, die Sommerferien ausgenommen,<br />

wenn die meisten Emigranten herkommen, ufl<br />

den sommerlichen Urlaub zu verbringen.<br />

Wisst ihr irgendetwas von Deutschland, oder durch<br />

das, was die zurückgekehrten Emigranten berichten ?<br />

Ich weiss nichts durch sie direkt. Das Wenige, was<br />

ich weiss, kommt aus den Massenmedien.<br />

Ja, ich habe mit einem tDeutschen' gesprochen, das<br />

heisst, einem spanischen Emigranten, der in Deutschland<br />

ist, und er hat von Deutschland gesagt, dass<br />

man Geld verdient, aber - es ist so, die Spanier behandelt<br />

man wie - man betrachtet sie nicht als Personen,<br />

man erkennt ihre Person nicht so an wie bei<br />

einem Deutschen. Besonders ihre Kinder haben viele<br />

Schwierigkeiten gehabt, uil sich in die deutsche Schu-<br />

1e einzugliedern, ufl sich eine Bildung anzueignen,<br />

und dafür kHmpft man da, die spanische und die deutsche<br />

Regierung haben Kontakte áufgenommen, um das in<br />

Ordnung zu bringen.<br />

Ausserdem scheint rnir die Information, die wir über<br />

das Leben der Emigranten dort haben, ziemTich verfHlscht;<br />

in den Massenmedien hat man <strong>im</strong>mer versucht,<br />

uns zu sagen, die Lage wáre nicht so schlecht, wie<br />

sie war. Bei den Wahlen liess man sie sogar nicht<br />

wHhlen. In den Massenmedien wird das etwas verfHlscht.<br />

Das Ehepaar, das ich da habe, ist lange da geh¡esen<br />

und hat mir gesagt, es geht ihnen ziemlich schlecht.<br />

Hat dieses Ehepaar irgendwas Konkreteres erzdhlt,<br />

wie man sie behandelt oder wie sie leben ?<br />

Sie mussten ein ziemlich enthaltsames Leben führen,<br />

manchmal konnten sie nicht einmal ein Bier trinken,<br />

weil einige bis jetzt nicht einmal das Geld hatten,<br />

um die gafize Familie nachzuholen. Und sie hatten finanzielle<br />

Probleme, ufl zurllckzukehren. Allgemein habe<br />

ich von den Ernigranten, die da 1eben, gehUrt,<br />

dass sie ein ziemlich aufopferungsvolles und eingeschrHnktes<br />

Leben führen, weil sie bein Geldumtausch<br />

ziemlich viel verdienen kUnnen und das ist es, was<br />

sie beabsichtigen, das Min<strong>im</strong>um an Zeit da zu sein,<br />

um das Max<strong>im</strong>um zu verdienen. Daher pflegen sie wenig<br />

für das Essen und al1es auszugeben, uil soviel wie<br />

mUglich zu sparen.<br />

Ist die Lage in Deutschland schlecht oder nicht, wenn<br />

du sie mit dem Leben vergleichst, das ein Emigrant<br />

vorher <strong>im</strong> Dorf geführt hat ?<br />

Meiner Ansicht nach ist es der einzige Ausweg, den<br />

sie haben. Denn die wirtschaftLiche iage hiei oder<br />

arrch in Andalusien ist ziemlich Jd, es geht ihnen<br />

ziemlich schlecht, sie sind da ziemlich fremd,<br />

aber wenigstens l,erdienen sie.


99<br />

?<br />

a<br />

Ich glaube , da geht es ihnen schlechter als hier,<br />

denn durch die Tatsache, in einer Region geboren zu<br />

sein, liebt man sie ziemlich, und besonders die Spanier,<br />

die ihr Vaterland sehr lieben, und noch mehr<br />

ihre Region. Ich glaube, sie füh1en sich deshalb da<br />

sehr fehl am Platz und wünschen sich, so bald wie<br />

mUglich zurückzukehren.<br />

Jd, sie si-nd fehl am Platz <strong>im</strong> Bezug auf die Lebensform,<br />

es ist eine andere Lebensweise. Aber unter firlanziellen<br />

Gesichtspunkten geht es ihnen besser;<br />

hier gab es keinen echten Ausweg, es gab viel Arbeitslosigkeit.<br />

Wenn sie dich von der Regierung aus schicken, weisst<br />

du, niachten sie ein paar VertrHge, die an Orte ging€tr,<br />

die in jeder Hinsicht mangelhaft waren, die Leute<br />

hatten nicht al1es, was sie brauchten, um schlafen<br />

zu kUnnen, und mit vielen MHngeln ln der Hi,giene.<br />

Seht ihr die Emigration <strong>im</strong> Allgemeinen a1s eine positive<br />

Erfahrung oder etwas Negatives an ?<br />

Ich halte sie für vollkommen negativ, denn eine der<br />

Forderungen hier in Extremadura ist, dass man Autonomie<br />

verlangt, gerade um die Emigration zu vermeiden,<br />

um zv erreichen, dass es hier Industrie gibt,<br />

dass das <strong>Land</strong> seine Leute ernáhren kann.<br />

Damit j eder Spanier oder zumindest j eder Extremeño<br />

in seinem <strong>Land</strong> Arbeit hat und bei seiner Familie<br />

und seinen Leuten und da, r^ro er geboren -ist, leben<br />

kann.<br />

Es ist logisch, dass eine Person sich übei'all- nic -<br />

derlassen kann, wo es ihr gefállt. Aber die Sache<br />

mit der Enigration ist etwas Erzwungenes. Und das<br />

noch mehr bei jemandem, der in einem kleinen DUrfchen<br />

mit einer Lebensart wohnt, die sich vUllig von<br />

einem grossen 0rt unterscheidet. Diese Leute leiden<br />

dann ziemlich. Personen in jugendlichem Alter wie<br />

wir gewUhnen sich schnell daran, in der Grossstadt<br />

würden die Leute von h j-er nicht \'regziehen,<br />

dest eine grosse Mehrheit.<br />

Zum Beispiel heute morgen war ich mit jemandem zusammen,<br />

dessen Familie schon seit zwanzíg Jahren in<br />

Madrid arbeitet. Und jetzt geht er in Pension und<br />

hat Madrid vollkommen verlassen und n<strong>im</strong>mt sich a1le<br />

MUbel mit, die sie haben; er hat seine (=Eigentuns-)<br />

wohnung verkauft und ist hergekommen, um sein altes<br />

Haus wieder instandzusetzen, das er hier hat, und<br />

er richtet es wieder vollkommen her, ufl hierzubleiben,<br />

na gut, um hier zu sterben, praktisch, und lebt<br />

s e i t 20 Jahr en in l{adr id .<br />

Das ist eti,.,'as, was oft vorkommt, die Fanilien nehmen<br />

die Kinder und a1les dahin mit, und dann haben sie<br />

hier ein Haus, und bringen es in Ordnung, wenn die<br />

Kinder sich schon verheiraten und er zu arbeiten aufhUrt,<br />

dann kommen sie hierher.<br />

Wir hatten schon gesagt, dass die Emigration sozusagen<br />

gewaltsam erzwungen ist; eine Familie, die mehr<br />

oder wenige;' vereint sein kUnnte , )etzt gera


- 100<br />

rer Bruder in Cáceres, und mein Vater ist hier.<br />

Gartz einfach ma1 zu einem Fest herkommen ist unmUg-<br />

1ich, wir schaffen es nicht, uns einmal zu treffen,<br />

weder an einem Tag noch zu einem Fest.<br />

Wo seht ihr die Ursachen dafür, dass es gerade in<br />

Andalusien und in Extremadura soviele Enigranten<br />

gibt ?<br />

Nach dem, was man hUrt oder was ich in den Zeitungen<br />

über die EntwicklungsplHne für die Industrialisierung<br />

Spaniens gelesen habe, abgesehen davon, dass man<br />

sich von privater Seite wenig dafür interessiert hat,<br />

scheint mir, dass die Regierung ziemliche Steine in<br />

den Weg gelegi hat. Den Kapitalismr.is interessiert die<br />

Konzentration der Industrie, eine Fabrik braucht vie.-<br />

1e andere Zulieferfabriken, für viele Dinge muss die<br />

Fabrik sich anderer bedienen. Wenn dann eine Fabrik<br />

an einem Ort ist, wo sie diese anderen nicht hat,<br />

kommt ihr die Produktion teurer zu stehen. Nicht a1-<br />

lein die Rohstoffe, denn hier in Ext-remadura gibt es<br />

genug Wo11e und Baumwolle und es gibt keine Industrie.<br />

Extremadura wurde <strong>im</strong>mer als ein armes Gebiet betrachtet,<br />

ein werrig entwickelter <strong>Land</strong>strich; und sogar das<br />

Atomkraftwerk, das sie in Valdecaballeros (= in Extremadura<br />

in einem Siedlungsgebiet mit künstlicher<br />

BewH.sserung) bauen wo11en, ist an andgren 0rten schon<br />

abgelehnt worden; da werden sie sich wohl gedacht haben:<br />

Wir bauen es in Extremadura, vielleicht protestieren<br />

sie nicht, weil sie ei-n paar HinterwHldler<br />

sind, wir bauen sie da, und wenn sie stUrt, so1l sie<br />

halt stUren<br />

Es gibt noch etwas, was sie gemacht haben; wir haben<br />

hier einen Stausee, den sie angelegt haben, der ziemlich<br />

viel Energie erzeugt, und die Hálfte der Zeit<br />

lHuft <strong>im</strong> Dorf der Kühlschrank nicht, oder der Fernseher<br />

geht nicht, weil kein Strom da ist, oder du<br />

hast die Spannung bei 90 Volt oder so, wenn du 1Zs<br />

oder 127 haben müsstest<br />

Gibt es noch irgendeine Einzelheit, die ihr hinzufügen<br />

wo1lt, weil ihr sie für wichtig haltet, um die<br />

Ernigration in dieser Gegend zu verstehen ?<br />

Besonders in Barcelona, Valencia, Bilbao, sogar Madrid,<br />

den am weitesten industrialisierten Stádten<br />

Spaniens , abgesehen davon, dass sie die industriekonzentration<br />

interessierte, wo1.1ten sie, wie man <strong>im</strong><br />

Volksmund sagt , t zwei Fliegen mit einer Klappe treffen',<br />

besonders <strong>im</strong> Baskenland, in Katalonien, und sogar<br />

in Valencia. Dort gibt es eine sehr starke Oppositionsbewegung,<br />

fast für die Unabhángigkeit. Eine<br />

grosse iuienge Leute sind dahingezogen. 'Jnd jetzt also,<br />

wenn ich in einem Sta¿tteil wohne, und die Mehrheit<br />

der Leute von une sind keine Katalanen, dann verschwindet<br />

das UnabhHngigkeitsproblem, das es gegeben<br />

hHtte, schon durch die Leute selbst.<br />

Die Frauen, die hier bei den Kindern bleiben, wenn<br />

die Mánner ins Ausland gehen, tun sie das, weil sie<br />

hier bleiben wo11en oder weil sie keine Arbeit <strong>im</strong><br />

derselben Stadt wie der Mann finden ?<br />

Ich glaube, das Hierbleiben kommt, weil der Umzug<br />

der gesamten Familie schwierig ist, denn in Deutschland<br />

oder übera11, wohin ein Emigrant geht, ziehen


- 101<br />

b<br />

sie den Mann allein vor und nicht die ganze Familie,<br />

weil sie wirklich eine Belastung für das <strong>Land</strong> ist,<br />

und sie produziert nichts. Im Ausland bevorzugen sie<br />

Arbeitskraft und keine Belastung. Ich kenne Familien,<br />

das heisst, die Familienváter sind in Deutschland,<br />

aber die Familie ist nicht nachgekommen, weil sie<br />

keine Arbeit gefunden haben und weil die Lebenshaltungskosten<br />

für die Familie und die Kinder selbst<br />

ziemlich hoch sind, das ist für sie teurer als wenn<br />

der Vater geht und in Urlaub kommt, wenn es ihrn am<br />

besten passt.<br />

Sie wo11en soviel wie irgend mUglich verdienen. Es<br />

ist klar, hrenn der Mann allein da ist, sie führen<br />

fast ein MUnchsleben, den Lohn bringen sie fast ganz<br />

mit, die Familie dazuhaben wáre eine zusHtzliche Ausgabe,<br />

ausserdem ist es ein Abenteuer Es wáre eine<br />

zienlich unsichere Angelegenheit, und ausserdem teu-<br />

Es ist praktisch ein Abenteuer, denn diese Familien<br />

fahren praktisch ohne Geld 1os, und wenn sie keinen<br />

festen Vertrag mit auf den Weg bekommen, dass sie<br />

am nHchsten Tag nach d.er Ankunft ztt arbeiten anfang€tr,<br />

stehen sie vor einer ziemlich grossen Schwierigkeit,<br />

denn die Unterkunft ist sehr teuer, das Essen<br />

auch <strong>im</strong> Vergleich mit Spanien. Daher ist das<br />

Geld sof ort zuende , und s ie s inri zum Beispiel ge -<br />

zwungen, in Telefonzellen za schlafen, und praktisch<br />

nichts zr7 essen, vier oder fünf Tage nur Brct oder<br />

was sie gerade mithaben, sie kaufen nicirt ein, weil<br />

das Geld sofort aufgebraucht ist.,Das heisst, bis<br />

sie zu arbeiten anfangen, machen sie eine Menge<br />

durch.<br />

Das ist das, was hier in Spanien passiert, a1s Leute<br />

aus hUher a1s Spanien entwickelten LHndern kamen,<br />

die behandelt man sehr gut, sogar besser als die Spanier<br />

selbst. Aber als Leute aus Portugal kamen (und<br />

Portugal ging es unter Caetano schlechter als uns),<br />

behandeltc man sie oder sah sie á[, als wárcn sie<br />

Zigeuner. Das hángt vom wirtschaftlichen Niveau ab.<br />

Das ist eine Frage des kulturellen oder wirtschaftlichen<br />

Entwicklungsstandes der LHnder, wie man die<br />

Leute behandelt.<br />

4.2. Interview mit Sozialarbeiterinnen, an die sich<br />

die Rückkehrer oft wenden<br />

(Sie werden aIs '1 ' und | 2' gekennzeichnet. )<br />

? KUnnt ihr uns ein bisschen erklHren, in weichen Angelegenheiten<br />

die Emigranten hier ins Institut kommen<br />

und in welcher Foi:m ihr sie lUst oder zu welchen<br />

Einrichtungen ihr sie schickt ?<br />

1 Die Probleme, die bei der Rückkehr der Emigranten in<br />

di-e He<strong>im</strong>at auftreten - sind in Wirklichkeit<br />

gr:und.sH,tzlictr Probleme, weil sie einen Arbeitsplatz,<br />

eine Wohnung, eine Information brauchen, weif sie<br />

sich in ihrem Vaterland etwas fremd vorkommen. Dann<br />

müssen sie zi einer Reihe von Stelien gehen, zuerst


102<br />

den Personalausweisausstellungsbüros, dann zum Einwohnermeldeamt,<br />

damit sie schon als in Spanien ansHssig<br />

auftreten kUnnen, a1-s drittes zur Arbeitsvermittlung,<br />

damit sie ihnen einen Arbeitsplatz besorgen<br />

und schliesslich zur Delegation des Nationalen<br />

Wohnungsinstituts, wo sie eine Wohnung beantragen<br />

kUnnen, die man ihnen zuspricht oder nicht, das ist<br />

Sache des Wohnungsministeriums.<br />

2 Es wáre auch interessant, das Schulproblem anzusprechen,<br />

das Problem, das die Kinder der Emigranten bedeuten<br />

kUnnen. Meiner Ansicht nach ist das Wiederanpassungsproblem<br />

das Schwerwiegendste, also nicht<br />

so sehr, eine Schule finden, wo das Kind in die ihm<br />

entsprechende Klasse gehen kann. Viele Eltern wo11en<br />

einen Schulplatz für ihr Kind, der den Bedürfnissen<br />

ihrer Kinder entspricht, das bedeutet: wenn das Kind<br />

nur zur deutschen Schule gegangen ist, weiss es Logischerweise<br />

nichts von Erdkunde, Geschichte oder<br />

Gramnatik. Dieses Kind brHuchte eine besondere Schu-<br />

1e, einen Wiederanpassungskurs, ufl sich in seine<br />

normale Klassenstufe eingliedern zu kUnnen.<br />

'l Kurse , die es nicht gibt.<br />

2 Deshalb j-st e s sehr wichtig, dass die Kinder am<br />

Wohnort der Eltern (=in der BRD) eine Ergánzungsschule<br />

besuchen, die zwar kein Wundermittel ist,<br />

das heisst, sie wird seine Schwierigkeit mit dem<br />

Unterricht nicht so wie bei einem Kind in Spanien<br />

lUsen, aber <strong>im</strong> Gegensatz dazu wird es es ein bisschen<br />

auf den Weg bringetr, sich an all das anzupassen.<br />

Ich neine, sie wenden sich auch pn das IEE,<br />

damit wir ihnen Sachen erledigen, die mit den Papieren<br />

zusammenhHngen, genauer gesagt, weil sie endgü1tig<br />

in Spanien geblieben sind, wenn sie <strong>im</strong> Urlaub<br />

oder ltlegen Krankheit gekommen sind und dann entscheiden,<br />

nicht wieder zurückzufahren, und dann kommen<br />

sie oft, danit das IEE die Arbeitspapiere anfordert,<br />

die Bezüge, die das Unternehmen ihnerr <strong>im</strong>mer<br />

noch schuldet, und z.B. damit man ihnen die Frage<br />

der polizeilichen Abmeldung 1Us*" odcr die Uberführung<br />

der Haushaltseinrichtung, die sie gleichzeitig<br />

mit dem Antrag auf Abmeldung <strong>im</strong> Konsulat herbringen<br />

dürfen, und ebenfalls den Lohnsteuerjahresausgleich,<br />

den sie bei endgüitiger Rückkehr innerhalb<br />

desselben Jahres beantragen kUnnen; sonst kUnnen<br />

sie erst <strong>im</strong> Januar des folgenden Jahres bis zum<br />

Mai kommen. Es ist auch hHufig, dass sie nach einer<br />

gewissen Zeit - wenn nicht direkt nach der Rückkeirr<br />

kommen, damit wir die Beitragsbelege der Sozialversicherung<br />

für sie anfordern. Das ist der Nachweis,<br />

der zu gegebener Zeit belegt, dass sie soundsolange<br />

BeitrHge zur deutschen Sozialversicherung bezahLt<br />

haben unC das ihnen dann hier das Recht auf eine<br />

Rente geben wird, weil ein gegenseitiger Vertrag besteht.<br />

(Es folgen Angaben zu den einzuhaltenden Fristen, über<br />

die man sich besser bei der ANER erkundigt, die für Einzelprobleme<br />

Auskunft geben kann.)<br />

? KUnnte nan also sagen, das IEE ist nach der Rückkehr<br />

so etwas wie eine 'Oficina de gestión' (= in<br />

einem <strong>Land</strong> mit Analfabetismus wie Spanien verbrei-


105<br />

tete Agenturen, die rPapierkrieg' erledigen) oder<br />

eine Feuerwehr ?<br />

Ein bisschen der Laufbursche für alle. Wenn du so<br />

wi11st, das echte Informationsbüro, ufl zu vermeiden,<br />

das der zurückkehrende Emigrant <strong>im</strong> Dunkeln tappt,<br />

das heisst, auf der selben Stel1e in Kreis herum-<br />

1áuft, ohne zu wissen, wohin er sich wenden so11.<br />

In Wirklichkeit ist es die Hauptaufgabe des IEE,<br />

den Enigranten zu informieren und gleichzeitig die<br />

Schritte zu tun, die er braucht.<br />

Wenn ihr euch die Unterlagen oder die Entwicklung<br />

der Leute anseht, die zurückkehren, kann man sagen,<br />

es sind Leute, die zurückkehren, weil a1le ihre Pláne<br />

gescheitert sind oder sind es Leute, die zurückkehren,<br />

weil sie etwas vorhaben und jetzt irgendeine<br />

Information brauchen, üfl dieses Vorhaben zu verwirklichen<br />

?<br />

Ich würde sagen, der Ernigrant kehrt in der Mehrzah1-<br />

dieser Fá1le zurück, weil ihm nichts anderes übrigbleibt,<br />

weil er sich zur Rückkehr gezwungen sieht.<br />

Es ist nUglich, dass für viele Emigranten die Enigration<br />

nur das ZíeI hattc, ihren Kindern eine Ausbildung<br />

zu geben. In di-esem Fa11 kehren sie zurück,<br />

weil ihre Kinder das ZíeL erreicht haben, wofür sie<br />

emigriert sind. Andere kommen wieder, weil sie genug<br />

verdient haben, ufl jenes Vorhaben durchzuführen,<br />

woran sje gedacht haben. Das kann der Kauf einer Eigentumswohnung<br />

sein, die Rückzahlung einer Schuld,<br />

das Aufmachen eines kleinen Handels wie einer Bar<br />

oder eines Ladens usw. oder auf a,nderer Ebene die<br />

Erziehung ihrer Kinder, nicht so sehr in der engen<br />

Bedeutung einer schulischen Ar,rsbildung, sondern darin,<br />

dass ihre Kinder in ein Alter komnen, worin sie<br />

schon anfangen, auf <strong>eigenen</strong> Füssen zu steherr. Das<br />

sind ein bisschen die Ursachen, die die Rückkehr<br />

am meisten hervorrufen. Eine andere, derzcit sehr<br />

wichti.ge kann sein, dass sie ihm gekündigt haben, das<br />

heisst, dass ihm keine andere Wahl bleibt, a1s zurückzukehren.<br />

Oder wegen Krankheit.<br />

Man müsste unterscheiden zwischen dem, der freiwil-<br />

1ig zurückkehrt und dem, der es tut, weil ihm keine<br />

andere MUglichkeit bleibt, weil sie ihn entlassen<br />

haben, weil er krank ist, oder weil er familiáre<br />

Gründe hat oder solche, die mit irgendeinem r','irtschaftlichen<br />

Gesichtspunkt ztt tun haben, z.B. dass<br />

er seine Wohnung verliert, wenn er nicht zurückkehrt,<br />

weil er sie in den und den Bedingungen verliess,<br />

weil er sie vermietet hat und die Mieter wegziehen<br />

oder weil die Mieter drinbleiben, wenn er nieht zúrückkehrt<br />

und er dann in Zukunft nicht mehr einziehen<br />

kann, das heisst, es gibt vielfHltige Ursachen. Aber<br />

ich glaube, <strong>im</strong> Grunde ist es jetzt entweder, weil<br />

sie dieses Ziel erfüllt haben, wofür si-e enigriert<br />

sind, oder weil sie sich durch Krankheit oder durch<br />

Kündigung und die Arbeitslosigkeit in Aufnahneland<br />

dazu gezwungen sehen.<br />

Unbestreitbar gibt es vie1e, die freiwillig zurückkehren,<br />

weil sie denken, gerade jetzt wird sich die<br />

politische Struktur Spaniens verHndern, sie beabsich-


104<br />

tigen, zurückzukommen, weil sie glauben, Spanien<br />

wáre schon etwas Anderes, es gábe schon eine Demokratie,<br />

dann wHre a1les viel einfacher.<br />

Ich glaube, hier muss man die Emigranten auf einen<br />

wichtigen Punkt aufmerksam machen: man so11 nicht<br />

zr.lrückkehren, weil das <strong>Land</strong> sein politisches System<br />

verBndert hat, denn das reicht nicht aus, damit diese<br />

Person sich in das Wirtschaftsleben in Spanien<br />

eingliedern kann; das heisst: Vcrsicht I Die Leute<br />

so11en nicht zurückkehren, r,uei1 sich die politische<br />

Lage verándert hat. Wahrscheinlich werden sie eine<br />

Uberraschung vorfinden. Die politische \rerHnderung<br />

ist mit der l^¡irtschaftlichen VerHnderung zusammengetroffen,<br />

aber in umgekehrter Richtung, das heisst,<br />

wenn v.,ir politisch vorangekommen sind, sind wir<br />

wirtschaftlich rückwHrts gegangen - Spanien macht<br />

derzeit eine wirtschaftliche Situation durch, in<br />

der es nicht genug Arbeitsplátze gibt Logischerweise<br />

wird der Ernigránt auf mehr Schwierigkeiten<br />

stossen. Erstens, weil er hUhere Ansprüche a1s vor<br />

der Ausreise haben wird und nicht verstehen wird,<br />

wieso er sich jetzt anpassen so11. Zweitens, weil<br />

es tatsHchlich Arbeitslosigkeit gibt und wenn das<br />

so ist, wird man demjenigen Arbeit geben, der gegenüber<br />

dem Unternehmer mehr Einfluss hat oder der<br />

einen schon eingestellten Bekannten hat, der ihn<br />

Bescheid sagt, wenn eine Ste11e frei i,st, und der<br />

Emigrant ist in diesem Sinne isolierter. Machen<br />

wir uns nichts vor, dass die Arbeitsvermittlungsstellen<br />

als solche nicht funktionieren, denn wenq<br />

sie keine Angebote haben, kUnnen >ie keine vergeben.<br />

Und wenn sie Angebote haben, geben sie sie unbestrej.tbar<br />

den Arbeitern, die seit 15 Jahren in Spanien<br />

arbeiten und ihre Arbeit verloren haben, weil<br />

das Unternehm.en zugemacht hat, und dann gibt die Arbeitsvermittlungsstelle<br />

- mit einer meiner Ansicht<br />

nach vollkommen falschen Betrachtungsweise - es eher<br />

einem - wie sie ebenfalls sehr unglücklich sagen<br />

'einhe<strong>im</strong>ischenr Arbeiter als einem zurückgekehrten<br />

Emigranten.<br />

Damit steigen wir vo11<br />

Beschránkungen eure Hi1<br />

in die Frage ein, auf welche<br />

fe oder die THtigkeit des<br />

IEE stUsst.<br />

Ganz k1ar. Es sind enorme BeschrHnkungen, zuerst,<br />

weil es eine grauenhafte Arbeitslosenziffer gibt.<br />

Es gibt keine Arbeit.<br />

Es ist auch wichtig, zu wissen, dass das IEE keinesfalls<br />

Arbeit verschafft. Das IEE kann Information<br />

Orientierung, irgendeine Art von Hilfe in einem sehr<br />

konkreten Fa11 anbieten, aber es vermittelt niemals<br />

Arbeit, obwohl es Nachrichten in der Hinsicht gegeben<br />

hat, die Wirkllchkeit ist nicht so.<br />

Das Institut kann keine Arbeitsvermittlung untei'-<br />

halten, weil die Arbeitsvermittlungsstellen alle<br />

Stellengesuche und -angebote kanalisieren.<br />

Ausserdem gibt das Institut weder Arbeit noch Wohnungen<br />

noch Schulplátze für die Kinder. Ich weiss<br />

nicht, ich habe die Information, die unsere Generaldirektoren<br />

oder Konsulate oder Sozialabteilungen der<br />

Botschaften gegeben haben, nicht vor mir liegen.


105<br />

Aber ich weiss sicher, dass das Institut in keinem<br />

F;ii ái" eerriÁr


106<br />

?<br />

1<br />

handele sich um einen neuen rSklavenhandelr . Es mag<br />

ein neuer Sklavenhandel sein, aber in einem anderen<br />

Sinn, nicht weil die deutsche Regierung der spanischen<br />

Regierung etwas zahlte oder weil dem IEE pro<br />

Emigrant etwas gezahlt würde, was nicht so ist.<br />

Wenn wir vom Prozentsatz der Leute sprechen, die<br />

hier vorbeikomnen, hHngt das mit der Frage zusammen:<br />

wie kann man garantieren, dass eure Informationen<br />

tatsáchlich a11en Spaniern in der BRD zur Verfügung<br />

stehen ?<br />

Wir haben Mitteilungswege, die wirksam sein kUnnen,<br />

das ist die Presse. Es gibt die 'Carta de España',<br />

herausgegeben vom IEE, es gibt die 'Región', eine<br />

Zeitung,die viele Emigranten kaufen, ich glaube,<br />

sie erscheint a1le z,¡íai Tage, mit deren Hilfe man<br />

auch informieren kann, und dann durch all die offizieTlen<br />

Einrichtungen <strong>im</strong> Ausland, die sich urn die<br />

Emigranten kümmern, wie Konsultate, Sozialabteilungetr,<br />

Emigrationspfarreien, Stellenvermittlungen oder<br />

das Arbeitsamt. Z.B. kUnnte man eine Anzeige auf<br />

Spanisch in die Büros der Sozialbetreuer für Spanier<br />

des Caritas-Verbandes hángen, wohin sie gehen, ufl<br />

ihre Probleme zu 1Usen, das wáre ein anderer Weg.<br />

Wir haben keine offiziellen oder ausseroffiziellen<br />

Angaben über die Zatr1_ der tatsHchlich zurückgekehrten<br />

Emigranten. Es wáre interessant, wenn wir irgendwie<br />

erfehren kUnnten, welche Leute zurückkehren und<br />

wohin, und das kUnnte man mithilfe der Abmeldung machen.<br />

Ich weiss nicht, wie man es einrichten kUnnte,<br />

dass eine Kopre dieser Abmeldung an einen best<strong>im</strong>mten<br />

Punkt gelangte . Z .8. bekommen wir dur'ch die Bundes -<br />

anstalt für Arbeit hier Informationen, sie schicken<br />

ein paar Heftchen, worin von der Lage der auslándischen<br />

Arbeitskráfte gesprochen wird, Spanien eingeschlossen.<br />

Man kUnnte das auf dieselbe Art machen,<br />

da sind a1le erfasst, die arbeiten, und man kUnnte<br />

a1le erfassen, die zurückkehren. Obwohl, das ist<br />

klar, <strong>im</strong>mer diejenigen ausgenommen sein werden, die<br />

die Papiere verlangen, weil sie es beschlossen haben,<br />

a1s sie schon in Spanien waren, aber das wird<br />

<strong>im</strong>mer die MinderzahL sein.<br />

Eine andere Form, uil zu wissen, wer sich in Deutschland<br />

abmeldet, ist die Zusammenarbeit mit den spanischen<br />

Konsulaten, die die in Deutschland ansHssigen<br />

Spanier einschreiben und abrnelden. Das kUnnte<br />

áuch éine Form der Zusammenarbeit sein, wobei marr<br />

natür1ich <strong>im</strong>mer mit dem Aussenministerium rechnen<br />

müsste.<br />

Ist das schon angeregt wordcn ?<br />

Diese Angelegenheit war unter den Gedanken des letzten<br />

Direktors, den wir hatten, der Diplonat war.<br />

Aber da sie sie uns alle drei l'Íonate auswechseln,<br />

ist es auch dabei geblieben.<br />

l{enn wir konkret auf das Thema Deutschland eingehen,<br />

gibt es einige spezielle Schwierigkeiten, die mit<br />

Deutschland auftreten, bei der Rückkehr Cer Emigranten<br />

aus Deutschland ?<br />

J&, das grUsste Problem ist die schreiende Ungerechtigkeit<br />

<strong>im</strong> Zusammenhang mit der Arbeitslosenunterstützung,<br />

die das zweiseitige spanisch-deutsche Ab-


- 107 -<br />

?<br />

kommen vorsieht. Für mich ist es nicht gerecht, dass<br />

ein Ernigrant, der in Deutschland bleibt, 1 2 Monate<br />

Unterstützung beziehen kann und al1ein wegen der Tatsache,<br />

nach Spanien zurückzukehren, stehen ihm nur 6<br />

Monate zu und ausserdem nicht dem entsprechend, was<br />

er da an Beitrágen gezahlt hat, sondern entsprechend<br />

75 % des SMI in Spanien. Wir selbst haben uns viele<br />

Male die Frage gestellt, r{Ier das Geld behá1t, ist es<br />

das Arbeitsamt oder das INP. Die Sache ist doch, dass<br />

es nicht gerecht ist, dass man einem Emigranten, der<br />

für rxr Beitrag gezahlt hat, <strong>im</strong> Endeffekt weniger bezah7t.<br />

Deswegen bekommen wir Berge von Protesten,<br />

aber haufenweise.<br />

Um den deutschen Lesern eine genauere Vorstellung zu<br />

geben, kannst du erklHren, was der SMI ist ?<br />

In barer Münze sind es etwa 'l 5.000 Peseten (ca. 375.-<br />

DM derzeit) pro Monat. Der SMI ist der Lohn eines<br />

Hilfsarbeiters , des schlichten einfachen Arbeiters<br />

ohne irgendwelche Fachkenntnisse. Aber es sind nicht<br />

100 % dieses Mindestlohns, es sind 75 % davon.<br />

Anscheinend haben alle Regierungen eine Mindestmenge<br />

festgelegt, unterhalb von der kein Unternehmer seine<br />

Leute bezahTen kann, sei es je nach Arbeitsleistung<br />

oder nach Stunden wie in Deutschland oder nach Wochen<br />

oder nach Monaten wie in Spanien. Der SI{I ist in Spanien<br />

der monatliche Betrag, gest[tzt auf einen Stundenlohn,<br />

in Monate umgesetzt.<br />

Was hat man <strong>im</strong> lnstitut und ausserhalb, in den Ministerien,<br />

unternommen, um aufzuklH,ren, wo diese Dif -<br />

ferenz bleibt, von der wir gesprochen haben ?<br />

Wir haben Versammlungen mit den Direktoren, genauer<br />

gesagt, mit dem letzten, den wir hatten, gemacht,<br />

viele Male haben wir ihm gesa9t, dass wir es nicht<br />

verstünden, er schaffte es auch nie, es zu verstehen,<br />

dann haben wir mit dem Direktor der Generaldirektion<br />

für Bescháftigung <strong>im</strong> Arbeitsministerium gesprochen,<br />

aber diese Fragen sind <strong>im</strong>mer ohne echte LUsung geblieben.<br />

Sie haben uns nie eine Antwort darauf gegeben.<br />

Das ist eine Angelegenheit, die wir wirklich gern<br />

einmal, wenn mUglich mit dem Direktor des Nationalen<br />

Vorsorgeinstitutes, behandeln würden, was das ist,<br />

warum das so ist. Wir si.nd richtiggehend beunruhigt<br />

und besorgt. Bescrgt, weil es einen dicken Nachteil<br />

für den zurückkehrenden Emigranten ausmacht, konkret<br />

aus Deutschland, dem einzigen <strong>Land</strong>, mit dem ein Abkommen<br />

auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung<br />

besteht.<br />

Abgesehen von diesem verschwundenen Ge1d, gibt es<br />

noch andere Schwierigkeiten speziell bei der Rückkehr<br />

aus Deutschland ?<br />

Was mir wichtig erscheint, weil es ein Problem für<br />

die Leute ist, die in Deutschland arbeiten, ist die<br />

Situation, die sie vorfinden, wenn sie gekündigt oder<br />

in der Uriaubszeit nach Spanien kommen, aber hier<br />

krank werden und die Firma sie entlásst. Normalerweise<br />

teilt sie ihnen mit, sie kann diesen Arbeitsplatz<br />

nicht lHnger freihaiten und sieht sich gezhrungen,<br />

eine andere Person einzustellen, und daher ist er ab<br />

dem soundsovielten entlassen. Das Problem, das sich


- 108 -<br />

dann dem Emigranten stellt, ist nocht so sehr das<br />

Ge1d, denn er wird von der Krankenkasse genau dasselbe<br />

bekommen, sondern, was passiert, wenn die<br />

Krankmeldung abgelaufen ist, wenn sie ihn wieder gesundschreiben,<br />

wenn sie ihn für arbeitsfHhig halten.<br />

Dann kann er keirre Arbeitslosenhilfe/geld in Deutschland<br />

beantragen, weil er sich in Spanien aufhHlt. Da<br />

er nicht genug informiert ist, 1áuft normalerweise<br />

die Frist von einem Monat ab, um es durcii die Vertretung<br />

d.es INP hier zu machen, fal-1-s es die Vertretung<br />

tun wilI, denn oft ist sie nicht bereit dazu. Also<br />

befindet sich dieser Emigrant in einer schlechteren<br />

Lage a1s jeder andere Emigrant, der sich in derselben<br />

Situation in Deutschland aufhált, denn jener da<br />

weiss sicher, dass er in den Augenbl-ick, wo sie ihn<br />

gesundschreiben, znm Arbeitsamt geht und sie ihm da<br />

Unterstützufig geben werden. Ausserdem, wenn er hier<br />

die 75 % vorn SMI bekommt, wird es <strong>im</strong>mer weniger sein<br />

a1s die tausend Mark, die er da beziehen kann. Jedenfa11s<br />

schafft die Firma ein schweres finanzielles<br />

Problem, wenn eine Person krank in Spanien ist und<br />

sie sie entlásst.<br />

Um das denen zv ersparen, die noch in der Bundesrepublik<br />

sind, kUnnt ihr dieses Interview selbst ausnutzen,<br />

um ihnen einige RatschlHge zukommen zú lassen,<br />

welche Dinge sie erledigen müssen, bevor sie<br />

endgültig nach Spanien zurückgehen ?<br />

Sich über die Arbeitsnarktwirklichkeit in Spanien informieren.<br />

Oam<br />

issen, dass sie<br />

nicht leicht Arbeit finden werden. Ich würde al1en E-<br />

migranten raten, sich in einer Urlaubszeit eine Arbeitsstelle<br />

für sofort oder bald darauf zu besorgen,<br />

aber dass sie selbst auf eigene Faust bei einem Unternehmen,<br />

das sie kennen, oder durch ein Familienmitglied<br />

oder einen Freund eine Arbeit suchen. Denn mit<br />

leeren HHnden zurückzukehren ist sehr schmerzhaft.<br />

Das ist eine Frage.<br />

Eine anciere ist das mit der Wohnung, dass sie wissen,<br />

dass man ihnen hier keine Wohnung gibt, bloss weil<br />

sie Emigranten sind. Und wenn man ihnen eine zuteilt,<br />

dauern die Formalitáten, uil es zú erreichen, 1ange.<br />

Und ausserdem ist es auf Basis von Krediten und sie<br />

geben ihnen die Wohnung nicht, ausser wenn es eine<br />

Sozialwohnung ist.<br />

Dann das Schulproble¡n der Kinder, dass sie es 1Usen,<br />

sie solle<br />

lagen über die Klassen,<br />

die die Kinder da schon besucht haben, besorgen,<br />

danit sie es schnell anerkennen lassen oder sogar<br />

den Schulbesuch ihrer-Klnder anerkennen lassen, bevor<br />

sie kommen. Sie müssen die Unterlagen direkt in<br />

der Schule verlangen, und wenn irgendeine übersetzt<br />

werden muss, kUnnen sie es direkt in den Konsulaten<br />

machen lassen und sie da vor dem Kommen beglaubigen<br />

lassen. Sofort nach der Rückkehr sich mit dem Ministeriun<br />

für Erziehung und l{issenschaft oder dessen<br />

Delegation in ihrer Provinz in Verbindung setzen,<br />

un die Anerkennung durchzuführen.


- 109 -<br />

Arbeitsu4!§¡lgg§n: viele Leute kehren zurück, ohne<br />

@eiskarten<br />

der deutschen Sozialversicherung<br />

mitzubringen. Abgesehen davon eine Arbeitsbestátigüng.<br />

Jeder Árbeiter so11te eine ArbeitsbestHtiguñg<br />

ierlangen. I\renn sie vom Unternehmen entlassen<br />

wórdén srnd,-fundamental : die Kündigungsbescheinigung.<br />

Nicht nur, un die Arbeitslosenunterstützurrg<br />

geñesé dem Abkommen zu beziehen, denn,danit gHbg es<br />

feine Probleme, wenn a1le mit dem AV Span 1 in der<br />

Hand kHrnen.<br />

Etwas anderes die polizeiliche Abneldung, und die<br />

Abneldung <strong>im</strong> Konsulat (. . .)<br />

Eine weitere Sache, die ich wichtig finde, ist, dass<br />

<strong>im</strong> auf die Rückkehr folgenden Jahr der zurückgekehrte<br />

Emigrant Anrecht auf-Schulbesuchsbeihilfen für seine<br />

Kináer <strong>im</strong> lbe -<br />

suchsbeihilfen slnd nicht sehr hoch, aber sie sind<br />

eine Hi1fe. Man muss sie in der vorgeschri-ebenen<br />

Frist vom l.Januar zvm 1.Mai <strong>im</strong> entsprechenden Konsulat<br />

beantragen, wenn man vorhat, zurückzukehren,<br />

oder <strong>im</strong> IEE béi áer Rückkehr; dabei ist die Einschreibung<br />

als arbeitsloser Rückkehrer, dlt heisst, die<br />

Einéchreibung a1s Arbeitsloser bei der Nationalen<br />

Stellenvermj-ttlung vorzulegen.<br />

wenn ihr euch dieses garLze Panorama mit den Problemen,<br />

die d,ie Leute bei der Rückkehr haben, und 4"t<br />

Grenzen eurer Hilfe, anseht, wetche Gedanken und Einfa1le<br />

habt ihr dann über das, was in der Betreuung<br />

der Rückkehrer verándert werden muss ?<br />

Zuerst einmal glaube ich, auf der Ebene des IEE<br />

eine grussere zusammenarbeit nit den stellen für wohnungsárgelegenheiten,<br />

ufl wirklich eine echte Hilfe<br />

voránrulreiben, das heisst, nicht nu1' die Antragsunterlagen<br />

erhalten und sie da gestapelt zu ha-ben, sondern<br />

ñirtfich eine viel aktivere Arbeit machen. Das<br />

ist natür1ich schon ein Problem der ganzen Einrichtung<br />

an sich und der gesamten Verwaltung, -aber<br />

man<br />

k6nñte etwas tun, sogár Fristen setzen und von den<br />

zustándigen s-uelien tusungen cder doch zumindest Aktivitát<br />

verl-angen.<br />

Ich würde auch-in irgendeiner weise die Ersparnisse,<br />

die die Emigranten mitgebracht haben, und die Vorschláge,<br />

dié sie bringén, aussch6pfen.und vielleicht<br />

in deñ úerschiedenen éebieten - denn in },{adrid ist<br />

das ein bisschen schwierig, aber in Galizien oder in<br />

Andalusien - alle diese menschlichen und wirtschaftlichen<br />

Elemente ausnützen, um ein Unternehmen auf.zubauen,<br />

das ihnen Arbeit gibt und ihre Arbeit's- und<br />

wirtschaftssituation lust. Mit Kooperativen gibt es<br />

schon einige Erfahrungen<br />

Wie sind gégenwHrtig die konkreten MUglichkeiten,<br />

Kooperativeñ nit den Ersparnissen zurückgekehrter<br />

Fmigranten aufzubauen ?<br />

Es lst a1les rnUglich, was feh1t, ist 0rganisation.<br />

MUglichkeiten zun Aufbau einer Kooperative gibt es<br />

in-a11en Bereichen, denn ich glaube, das Genossenschaftswesen<br />

ist in Spanien auf a1len Ebenen ziemlich<br />

entwickelt, das heisst, von einer Konsumkooperative<br />

bis zu einer Wohnungsbaugenossenschaft, es


- 110<br />

4.3.<br />

?<br />

gibt Produktionskooperativen. Mir scheint, dieser<br />

Typ von Kooperativen kUnnte nicht nur der Ort sein,<br />

wo sie ihre Ersparnisse investieren kUnnten, sondern<br />

ausserdem, wo sie arbeiten kUnnten, sodass sie selbst<br />

die Arbeiter der Kooperative wáren.<br />

Es f ehlt eine Organisat j-on, eine Einrichtung, die<br />

wirklich zusammenfasst und berát . Z.B. eine Gruppe<br />

Emigranten, die ein paar Ersparnisse hat und gemeinsam<br />

eine Art Unternehmen aufbauen wo11en, wer berát<br />

sie ? Wenn es Personen sind, die <strong>im</strong>mer abhángig gearbeitet<br />

haben und sich in einer gemeinschaftlichen<br />

oder genossenschaftlichen Art niederlassen wol1en,<br />

wHre es logisch, dass sie eine Beratung bekámen oder<br />

sogar ein paar Vorbereitungskurse. Das wáre ein<br />

Punkt,den man ma1 auf der Ebene des IEE anschneiden<br />

müsste.<br />

Es gibt Kurse für die Rückkehrer in Orense und in<br />

Vigo. Wofür sind sie gut ?<br />

Diese Kurse sind für die Rückkehrer, die keine Anstellung<br />

haben und voi:wártskommen wo11en. Ihr Vorteil<br />

liegt auf zwei Ebenen: einerseits gibt es ihnen<br />

etwas zu tun, eine Bescháftigung und geringe<br />

Einkünfte für gewisse Zeit, andererseits einen Beruf.<br />

Jetzt ist es aber ein Tisch mit zwei Beinen,<br />

tlenn wenn diese Leute den Kurs abschliessen, bekommen<br />

sie keine Ste11e. Also benutzen viele den Kurs,<br />

um eine Zeit lang Sozialversicherung und gewi_sse<br />

Einnahmen zu haben, aber nicht, weil sie wirklich<br />

vorwHrtskommen wo11en. Obwohl es ihnen sehr gut tut.<br />

A1s man das eini:ichtete, war es wohl,zu einer anderen<br />

Zeit, a1s es Nachfrage nach ArbeitskrHften gab.<br />

Aber jetzt gibt es keine uiid die Kurse werden weiter<br />

durchgeführt, aber die Leute finden keine Stel-<br />

1e, bloss weil sie einen Kurs gemacht haben. Denn<br />

wenn jemand FrHser wird, in der Firma X nehmen sie<br />

lieber einen Fráser mit Erfahrung als einen, der<br />

einen 6-Wochen-Kurs gemacht hat. Ich mUchte niemanden<br />

entmutigeir, aber man muss die RealitHt sehen.<br />

Interview mit einem Militanten der 'Asociación<br />

Nacional de Emigrantes Retornados'<br />

KUnnen Sie uns beschreiben, was Sie persUnlich und<br />

über Ihre Freunde und <strong>Land</strong>sleute wissen, wie diese<br />

vor der Ausreise aus Spanien in die Emigration, genauer<br />

gesagt, in die Bundesrepublik, vorbereitet<br />

worden sind, und worin die Betreuung bestand, d,ie<br />

man ihnen auf der Reise gab ?<br />

Diese Frage kUnnte ich den BehUrden stel1en, die es<br />

übernahmen, die ArbeitsvertrHge abzuschliessen: diese<br />

Leute si-nd überhaupt nicht darauf vorbereitet<br />

worden; denn zuallererst hHtten sie ein paar Unterrichtsstunden<br />

in den Grundlagen der Sprache jenes<br />

<strong>Land</strong>es bekommen müssen, und auch ein paar Stunden<br />

über die Lebensweise: aber sie sagten uns nur, das<br />

Kl<strong>im</strong>a wHre kalt - <strong>im</strong> Winter wáren es 1 5 Grad unter<br />

0 - aber um das Ubrige haben sie sich überhaupt<br />

nicht gekünmert, sie haben uns allerhUchstens gesagt,<br />

wieviel da ein Kilo Fleisch oder ein Dutzend<br />

Eier kosten.


- 111<br />

?<br />

+<br />

Wie verlief die Betreuung auf der Reise selbst ?<br />

Sehr mangelhaft; zuwenig GetrHnke und Lebensmittel,<br />

einige sind von hier bis nach Deutschland gefahren,<br />

ohne mehr als ein belegtes BrUtchen auf der Reise<br />

zu essen, anderen hat man den Zug vom Transport, in<br />

den sie mi-tfuhren, abgehHngt, sodass einer oder ein<br />

paar Wagen ohne Vorankündigung abgehángt blieben;<br />

und dann fanden sie sich, wie sie mit i-hrem GepHck,<br />

Koffern und Kisten über die Bahnsteige und gefáhrlichen<br />

Stellen rannten und dabei ihr Leben auf's<br />

Spiel setztei-r; weil sie sich nicht mit den Leuten<br />

verstHndigen konnten, uffi sie zt fragen, wo sie Anschluss<br />

hátten, wo der Emigrantentransport wáre undsoweiter.<br />

Sie konnten sich nicht ausdrücken und sie<br />

standen da ohne irgendeine Hilfe wie die Zigeuner,<br />

mit dem Rucksack, mit dem Holzkoffer quer über die<br />

Bahnsteige<br />

das war etwas Erschütterndes, das tat<br />

weh.<br />

Vor der Erscheinung der Migrationen haben die Emigrationstheoretiker<br />

sehr darauf bestanden, dass das eine<br />

Gelegenheit sein kUnnte, damit die Leute aus den MittelmeerlHndern<br />

ausgebildet würden und sie in ihre<br />

He<strong>im</strong>at nit einer Ausbildung, die sie für einen Beruf<br />

erhalten hHtten, bereichert zurückkehren würden. Wie<br />

war die Wirklichkeit ? Welche Hindernisse und Schranken<br />

haben sie daran gehindert, eine Berufsausbilclung<br />

in cler BRD zu machen, und wie sind Ihre Erfahrungen<br />

rnit der Anzahl der Personen, die sie erwerben konnten<br />

?<br />

Zuerst geht die Frage von einer falschen Voraussetzung<br />

aus. Denn die Regierungen der Mittelmeerlánder<br />

(konkret die spanische) haben 'bis jetztt in überhaupt<br />

keiner Weise geholfen, damit diese Leute sich<br />

<strong>im</strong> Ausland eine Ausbildung aneignen kUnnten. Und<br />

wenn sie sich auf eigene Faust und unter <strong>eigenen</strong> 0pfern<br />

weitergebildet haben, ist ihnen der in Deutschland<br />

gelernte Beruf oder Titel nach der Rückkehr nach<br />

Spanien nicht anerkannt worden: das erst einmal. Das<br />

Zweite ist, dass einer eine Menge Hindernisse überwinden<br />

muss, ufl eine Ausbildung in Deutschland zu bekommen,<br />

wie zum Beispiel die Gewohnheiten, die Gesetza,<br />

die Sprache usw., und vor a11em muss einer eine<br />

Bildungsgrundlage haben; ich mUchte damit sagen , er<br />

müsste eine Bildung in der Muttersprache haben, die<br />

ihm a1s Startblock Cient, und das ist bei einem Emigranten<br />

sehr schwierig.<br />

Bei der Anwerbung der auslándischen Arbeitskraft<br />

wurde nicht an die geistigen Fáhigkeiten j edes Einzelnen<br />

gedacht, sondern daran, dass sie gesund und<br />

kráftig wHren, ufl die Arbeiten (schmutzig und hart)<br />

zu machen, die die Einhe<strong>im</strong>ischen nicht machen wollten.<br />

Kennen Sie konkrete Situationen oder Einrichtungen<br />

der beruflichen Weiterbildung, wie sie funktionieren<br />

und wie sie sich gegenüber der Berufsbildung der spanischen<br />

Emigranten verhalten haben ?<br />

Abgesehen von den rein staatlichen war eine der wichtigsten<br />

das Jugendsozialwerk, das sich mit der beschleunigten<br />

Berufsausbildung der Spanier und der


- 112<br />

?<br />

?<br />

?<br />

Auslánder allgemein beschHftigte. Aber das war auch<br />

ein Mythos: sámtliche Kosten für diese 'Kurser bezahlte<br />

das deutsche Arbeitsninisterium (ArbeitsfUrderungsfond)<br />

, wobei 'fast a1le Kurse vo11 berechnet<br />

wurden', obwohl sie in Wirklichkeit sofort aufhUrten,<br />

daran teilzunehmen: die Ausbildung, die sie da bekamen,<br />

war sehr mangelhaft, und den Satz derjenigen,<br />

die überhaupt keinen Abschluss erreichten, kann man<br />

sehr hoch schátzen. Einschreiben taten sich viele,<br />

aber wie ich vorher gesagt habe, blieben sie bald<br />

weg, weil sie dem Unterricht nicht folgen konnten<br />

oder es ihnen sehr schwer fiel, und diejenigen, die<br />

mit einer angemessenen Ausbildung hervorgingen, w&-<br />

ren sehr wenige.<br />

Wer die Kurse abgeschlossen hatte, bekam den Nachwei-s<br />

über die Beschleunigte Berufsbildung, den die<br />

Firmen anerkannten und ihnen natür1ich weitere Anreize<br />

gaben. Von ihnen machten fast alle die entsprechenden<br />

Kurse in den Berufsbildungsschulen weiter,<br />

bis sie den offizie1-len Titel erhielten, mit<br />

der Praxis abgestinmt, aber ich habe schon gesagt,<br />

diese überschritten nicht die 5 eo, was zu wenig ist.<br />

5 eo von a11en Spaniern, die es in Deutschland gab,<br />

oder von den Spaniern, die sich einschrieben ?<br />

Von a1len Spaniern, die teilnahmen, denn einschreiben<br />

taten sich vie1e. Von denen, die am Kurs teilnahmen,<br />

schlossen ZS - 30 % ab und erreichten etwa<br />

5 eo einen beruf lichen Titel.<br />

Welche Voraussetzungen musste man erfü11en, um sich<br />

einschreiben zu kUnnen ?<br />

Bei der Einschreibung gab es praktisch keine Hindernisse;<br />

oft gab es Probleme mit den Zeiten, die<br />

Schichten, die sie hatten, paSSten nicht mit den Unterrichtszeiten<br />

zusammen, aber das bedeutete kein<br />

grosses Hindernis, da die Angestellten des Jugendsozialwerks<br />

und die Sozialbetreuer sich tiarum kümmerten,<br />

das mit den Firmen zu lUsen, und da es kostenlos<br />

war, hatte auch der Ar"beiter Interesse daran,<br />

es mit den zustHndigen Meistern zu regeln.<br />

Dauerten diese Kurse 5 Monate oder waren sie, um<br />

einen ganzen Beruf zu erlernen ?<br />

Es war eine beschleunigte Ausbildung, die 3 Monate<br />

dauerte; aber diese 5 Monate konnte man um weitere<br />

5 Monate verlángern und auf eine Berufsschule, wenn<br />

der fragliche Schüler die notwendigen Voraussetzungen<br />

erfüllte; aber das h¡aren nicht mehr a1s 1 ,5 % oder<br />

so, schon mit einer entsprechenden beruflichen Kategorie.<br />

In diesem Zusammenhang ste1lt sich die Frage, ob<br />

der Aufenthalt in Deutschland noch zu irgendetwas<br />

Anderem gut war, als ein bisschen zu sparen ? Hat<br />

man etwas wirklich Fruchtbares bei der P.ückkehr<br />

mitbringen kUnnen ?<br />

Trotz allem kann man von vielen positiven Aspekten<br />

sprechen, nicht gerade <strong>im</strong> Finanziellen, denn ein<br />

Spanier, der da 3,415 oder 6 Kinder hatte die<br />

Lebenshaltungskosten waren auch ziemlich hoch und<br />

in Tetzter Zeit war es fast unmUglich, etwas zu<br />

sparen. Aber es hat eine Anreicherung mit Denkweise,<br />

mit Gewohnheiten, mit Einteilung, mit Pünkt-


- 113<br />

?<br />

lichkeit bei den Dingen geschaffen, die uns ohne<br />

Zweifel viel genützt hHtte, wenn wir <strong>im</strong> Herkunftsland<br />

andere, ernsthaftere Perspektiven gefunden hetten.<br />

Diese Leute haben ein Verantwortungsbewusstsein<br />

<strong>im</strong> tHglichen Leben und bei der Arbeit erworben, das<br />

für uns in a1len Gesichtspunkten sehr hilfreich gehresen<br />

wHre, denn der Deutsche - trot z aller seinér<br />

Fehler wie jedes menschliche Wesen - ist meiner Ansicht<br />

nach ziemlich ernsthaft und erfü11t seine<br />

Pflicht genau; aber nach unserer Rückkehr hat man<br />

uns vUl1ig <strong>im</strong> Stich gelassen; sowohl in Bezug auf<br />

Rechte a1s auch auf Pflichten und man muss iñ die<br />

herrschende Spitzbüberei und Untátigkeit eintreten.<br />

Also beziehen Sie sich mehr auf die Denkweise, auf<br />

die MentalitHtsverHnderung ?<br />

Die VerHnderung der Mentalitát ist ziemlich positiv,<br />

aber das wird sich mit der Zeit verlieren, hier kommt<br />

es zu einer Art von 'Anarchie' , wo die sieben l{orte<br />

von Dante am Eingang stehen: "Die ihr ei-ntretet,<br />

lasst eure Hoffnung fahren." Wenn Sie an der Ampel<br />

anhalten, weil sie rot ist, wird jenand, der gewOhnt<br />

ist, durchzufahren, wenn sie zwei Farben oder rot<br />

zeigt, Sie anschnauzen oder gar hinten auffahren;<br />

wenn Sie ein auslHndisches Kennzeichen haben, kUnnen<br />

sie sich schon von der versicherungsprHmie verabschieden.<br />

Von dieser l.{entalitHtsverHnderung abgesehen, kann<br />

lal sagen, dass viele Emigranten irgendeine Fertigkeit<br />

erlernt haben, die jetzt der spanischen Indul<br />

strie zugutekommen kUnnte ?<br />

Ja, sie kUnnten nlltzen und zwar sehr vie1, aber ich<br />

sagte Ihnen ja schon, man achtet nicht darauf, man<br />

benachteiligt sie sogar gegenüber den anderen. Es<br />

tritt die widersprüchliche Situation auf, dass viele<br />

Leute, die vom Feld kamen, sich schnell eingefügt<br />

haben. Bei sowas passen sich die Spanier bald añ und<br />

gliedern sich in das industrielle Leben ein. Natürlich<br />

haben die Sozialbetreuer, die sich die Mühe machen<br />

wo11ten, mit diesen Leuten viel Arbeit gehabt,<br />

weil einige psychologisch rammdUsig wurden, sie fingen<br />

genauso an wie <strong>im</strong> Filn tModerne Zeiten'. Wenn<br />

sie mit einem sprachen, wusste man, dass sie dabei<br />

an die Arbeit dachten. K1ar, hrenn man sie schnell<br />

anpasste, sie an ein Fliessband steckte, r,\raren die -<br />

se Leute schliesslich die ersten 3 r4,6 Monate und<br />

bis zu einem Jahr fix und fertig. Aber wenn Sie sich<br />

ein bisschen um sie kümmerten (=er spricht hier aus<br />

seiner Erfahrung a1s Sozialbetreuer) und Kontakt zum<br />

zus-tándigen Arzt aufnahmen und ihn über die Symptome<br />

aufklH.ren konnten, dass es für diesen I.dann vielleicht<br />

ratsam wHre, vier Wochen zur Erholung krankgeschrieben<br />

zu werden, bis er wieder neue fráft geséhUpft<br />

hHtte; und tatsHchlich, nach einem Jahr war er eine<br />

Person, die in Qualitát und Quantitát genau wie ihr<br />

deutscher Arbeitskollege nebenan produZiert. Darin<br />

liegt etwas sehr Positives. Aber dann kamen sie hierher<br />

und es gibt keine A::beit für diese Leute und es<br />

wird ihnen keine der Arbeiten anerkannt, die sie<br />

dort ausgeführt haben, und schliesslich ist der Mann<br />

genausoweit wie bei seiner Ausreise.


114<br />

?<br />

Das veranlasst uns, Ihnen die Frage zu stellen' ob<br />

diese Leute , ,r"." ái" zurückkehren<br />

' es geplant tnachen,<br />

wenn sie-iánon einen ÁrbertspTatz haben, oder<br />

spontan ocler gezwungenermassen' ohñe einen Arbeitspiat<br />

z zü haben ?<br />

In einercponiur,"n Art kommen sehr wenig' Ich glaube,<br />

die, die tpo"tt"-""¿ ohne es zu überlegen' kommen,<br />

sind i "i.ñi""i;"í<br />

eo ' und fast a1le von ihnen'<br />

etwa B0 bis 90 eo, sind Leute ohne familiHre Bindun-<br />

;;;; i;';-árrá sin¿ ledig ' Die haben dann ein paar<br />

Ersparnrsse, fruU",' acht- , oder flhtfzehntausend<br />

Mark und ,rg"t,-iW" gehi mich 'éf"t- das a11es an" ''r Sie<br />

z iehen hier ,.rro,, áie"schrauben dL ¡ ma1- sehen<br />

' ob<br />

wir ihn raustáir"", weil die Arbeitsnarktlage<br />

schlecht", ,irál-""4 dann verlangen sie-auch da mehr<br />

Produktion von ihm, bessere Qualitet andere Arbeltsnormen,<br />

ái"'^i" oáutschrind <strong>im</strong> amerikanischen "i9<br />

s;ii";;;;;;;al-r"iá"". Die verheirateten überlesen<br />

es sich sehr, sehr gut' Bgi den Verheirateten kommen<br />

nur welche i'"g"i-r'untr'eit oder diejenigen''*1"<br />

vom Wohnungsrninirf"'iun aui eine Wohnung zugeteilt<br />

bekommen hrb";';-;;á^áá"" diohen die BehÚrden, die<br />

so ein biss.r,"i-t ,iá"rsinnig sind, ihnen <strong>im</strong>mer: "Wenn<br />

sie die woirnui[ ;i;hi-uá' iEit"" nehmen. wir sie rhnen<br />

'<br />

ab." Und k1ar, die Perso" ftát úi"rleicht drei- oder<br />

vier- oder ruirrl-áa"i- i"crri- oder achttausend Mark<br />

für die MUbei-und die Einrichtung ausgegeben' (das<br />

waren praktiicft alle ihre Ersparñisse) und wie er<br />

sieht, dast ;á; ti" ihm abnehmen wird' kommt er znrück<br />

und sagt: "A1so gut, ich verliere meine Arbeit'<br />

aber was ich wi11, ist, meine Wohnung -béhalten ''rDas<br />

ist eine der Vorsorgemassnahmen' di" dl" Regierung<br />

treffen müsste, erstens g"gé"uUé' {9n !evisen' die<br />

dieser Anigránt e j'nbri"gl ,"und zweltgn.s gggenüber<br />

dresem mUgli.rr",'áii"'i¡áitslosen Rückkehrer' Damit<br />

steigen ;;;-;;ii in die problematik des Emigranten<br />

ein, der titf'-'"' Rückkehr gezwungen sieht' ufl<br />

seine Wohnung nicht nacñdem er Jahre<br />

ausserhalb ,Eirr", <strong>Land</strong>es "-r '"i1iereñ' verbracht hat '<br />

und eine<br />

Ruine für rilfr'-""a-ei" .,c''záitig eine..B:lastung -füI<br />

die Nation vorfindet' Je ipátel er rückkehrt' desto<br />

schwierig", i,iiá ihm die lviederelngliederung bei<br />

der Rückkehr fá1f"" (sofern die Soiialpolitik in<br />

Spanien sich ,,i,.t,t viel ,áiar¿"rt hat); er war in<br />

die Gesellschaft, wo er tá'i"f" Jahre mit mehr oder<br />

weniger sequárnrióntei'ten gelebt lut I llt"griert '<br />

und wird sich in seinem <strong>Land</strong> ausgeschlossen<br />

vorkommen.<br />

"Ig"n",<br />

tr{as sind dann die Sc}rwierigkeiten', uYI die er nach<br />

á;; Rückkehi stUsst, und welche Schritte muss er<br />

erledigen ?<br />

Das ist es gerade ' Hier wird er prakti'sch des inf or -<br />

miert. Es iit nicht so, dass er -keine Inf ormation<br />

hátte , ,orr¿áir,--ei--rird' f ;h1inf ormiert . wenn er s ich<br />

an die offirlátten ginrichtungen' 4i" ihn zu b^?:'-<br />

ten und zu informieren hátten' wendet' sagen sle<br />

ihn nur, ,,wii^riii"" nichts. wi, führen Vorschrif -<br />

ten aus. Wir wissen von nichts'"<br />

KUnnten Sie uns-ein konkretes Beispiel geben'^we1-<br />

che Schritte -{ie áurchfuhren mussten und wie Sie<br />

behandelt worden sind ?


- 115<br />

Ein konkretes Beispiel habe ich in meiner Frau. Sie<br />

ist aus Gesundheitsgründen vor drei Jahren zurückgekehrt,<br />

nachdem sie 12 Jahre in der BRD gearbeitet<br />

hatte. Sie erscheint <strong>im</strong> Vorsorgeinstitut (=Sozialversicherung)<br />

mit al1en Papieren in Ordnung und nach<br />

vielen Fragen gelangt sie an den Schalter für Vertráge<br />

und Arbeitslosenunterstützung und sagt: "Sehen<br />

Si-e, ich habe hier eine Fotokopie von dem, \.\ras <strong>im</strong><br />

StaatsaÍzeiger Nr. X bestinnt ist. Nach dem Gesetz<br />

stehen mir 6 Monate zu, sagen Sie mir bitte, r^ras ich<br />

tun muss." Und da sagen sie ihr: "Nein, Si-e haben in<br />

Deutschland schon fünfeinhalb l,lonate bezogen, daher<br />

steht lhnen nicht mehr als ein halber Monat zlt.tl<br />

"Sehen Sie ma1, das ist eine Sache, die Sie gemacht<br />

haben." "A1so davon wissen wir nichts." Und áie Angestellten<br />

fragen sich untereinander: "Weisst du was<br />

davon ?" "Nein." "KUnnten Sie uns das Blatt lassen,<br />

damit wir eine Fotokopie machen ?,, "Ja natür1ich,<br />

machen Sie sie." "Gut, wir werden Ihnen Bescheid geben.<br />

Und Sie kUnnen jetzt die 5.000 Peseten mitneñmen,<br />

auf die Sie unseres lVissens Anspruch haben."<br />

"Nein, ich will nicht die 5.000, ich will das von<br />

Ihnen bezah1-t bekommen, was mir gesetzlich zusteht.','<br />

worauf sie antworteten, sie würden sie benachrichtigen<br />

- bis heute. Sie musste die 5.000 annehmen und<br />

dann einen neuen Antrag in der Provinzdelegation des<br />

Emigr:ationsinstitutes und den Arbeitsamt stellen und<br />

dabei nachweisen, dass sie 12 Jahre in Deutschland<br />

gearbeitet hat. Nein, sie sagten ihr: "Wir werden Ihnen<br />

schon antwortenr" und bis heute Spáter, a1s<br />

ich kam, wollten sie mit mir dasselbe machen. Aber<br />

ich habe nnich an die hUchste Autoritát <strong>im</strong> Staat (=<br />

den KUnig) gewendet und darauf antwortete nir durch<br />

die Presidencia de Gobierno (=etwa Kanzleramt) das<br />

Arbeitsministerium und die zustándigen Stellen: "Bezugnehmend<br />

auf Ihr an Seine Majestát den KUnig gerichtetes<br />

Schreiben vom soundsovielten, teilen wir<br />

Ihnen mit, dass Sie sich an wenden müssen., Sie<br />

fingen &n, die Angelegenheit auf den Weg zu leiten,<br />

über den sie vorher hátten informieren müssen. Aber<br />

zu mir sagten sie: "Nei_n, nein, es ist abgelaufen.<br />

Sie haben die 6 Monate ausgeschUpft, die <strong>im</strong> Vertrag<br />

mit Deutschland festgelegt sind. " "Aber es gi-bt jeÍzt<br />

eine andere Best<strong>im</strong>mung." "Wir haben kein Geld :"<br />

Nachdem ich von Pontius zu Pilatius gelaufen war,<br />

hatte ich offiziel-l ein Anrecht: i-ch ste11e den Antrag<br />

für meine Frau, rechtzeitig, aber sie antworten<br />

mir negativ: "Er ist nach Ablauf der Frist gestellt:"<br />

Noch mehr, sie sagen: "Entsprechend dem Schreiben<br />

vom . . ." und es gibt kein solches Schreiben. trtiir<br />

sind Auslánder in Deutschland und AuslHnder in unserem<br />

<strong>eigenen</strong> <strong>Land</strong> nach der Rückkehr, denn diese schmutzigen<br />

Spiele machen sie mit uns da auch bei der Aufenthaltserlaubnis,<br />

und das ist sehr schl<strong>im</strong>m, aber<br />

sagen Sie ma1, was das in unserem <strong>eigenen</strong> <strong>Land</strong> bedeutet.<br />

Denn wenn Sie - zum Beispiel - krankgeschrieben<br />

waren oder übereilt ausreisen mussten odei einen<br />

Zeitraum lang die Sozialversicherung nicht bezahlt<br />

haben, weil Sie ausreisen mussten, weil die Familie<br />

in Spanien krank war, ist die Frist für die Verlángerung<br />

der Erlaubnis bei der Rückkehr abgelaufen.


- 116<br />

Und dann fragen sie Sie: "Wo waren Sie in der Zeit ?"<br />

"Ich war in Spanien, weil meine Familie usw. usw. . . rr<br />

Aber schon habe ich eine Aufstellung neben meiner Akte,<br />

eine Bemerkung. "Wir wollen nicht ..." und sie<br />

verweigern Ihnen die Aufenthaltserlaubnis und nach<br />

langem Hin und Her sagen sie: "Gut, wir geben Ihnen<br />

jetzt einen l4onat, und dann werden wir mal sehen."<br />

Wenn Sie <strong>im</strong> nHchsten Monat wiederkommen, geben Sie<br />

Ihnen noch einen Monat. l-lnd wenn Sie <strong>im</strong> darauffolgenden<br />

nochmal kommen, geben sie Ihnen wieder einen Monat<br />

und kassieren die zwanzig Mark, die einem ganzen<br />

Jahr entsprechen. Das garze ist eine Erpressung und<br />

eine Odyssee. Aber da sind wir Auslánder. Es ist viel<br />

schl<strong>im</strong>mer, dass man uns als Spanier in unserem <strong>eigenen</strong><br />

<strong>Land</strong> mit sowas betrügen wi11. Doch es ist noch<br />

viel trauriger, wenn Sie irgendwohingehen, uil etwas<br />

anzumahnen, oder eine Erklárung zu verlangen und man<br />

fragt Sie, etwas seltsam berührt: "Und wer hat das<br />

gesagt, das ist unmUglich ?: KUnnen Sie das schriftlich<br />

belegen 7" "Wenn Sie mir nichts Schriftliches<br />

geschickt haben, womit ich beweisen kann, dass Sie<br />

es mir ablehnen, und warum ..." Denn wenn in Deutschland<br />

die Frist von der Aufenthaltserlaubnis ablief,<br />

schicken sie einem <strong>im</strong>mer noch eine Karte von der<br />

Auslánderpo1LzeL, di-e sagt: "Seien Sie bitte so<br />

freundlich, mit Ihrer Aufenthaltserlaubnis und Ihrem<br />

Pass hier vorzusprechen." Hier schreiben sie nicht<br />

einmal, und sagen weder, wenn sie es ablehnen, noch<br />

warum, und fertig. Aber sie sagen es Ihnen münd1ich,<br />

damit Sie still sind, und spHter, wenq sie es schriftlich<br />

beantragen, sagen sie: "Nein, das ist gelogen.<br />

Beweisen Sie nir mit Unterlagen . . . " Sie haben <strong>im</strong>mer<br />

recht. Es ist wie David und Goliath, denn wenn man<br />

anstHndig an die Sache rangeht, auch wenn man ann<strong>im</strong>mt<br />

dass der B.etroffene eine NachlHssigkeit begangen hat,<br />

wird er doch nicht beabsichtigt haben, keine Leistungen<br />

mehr zu beziehen ?: Es ist ja auch kein Vergehen :<br />

Also so11te man es ihm zahlen I Oder will man ihn etwa<br />

bestrafen ?<br />

Gibt es, abgesehen von dieser Arbeitslosenunterstützung,<br />

andere Probleme in anderen Bereichen und Gebieten,<br />

mit denen der Rückkehrer hier zu kHmpfen hat ?<br />

Das ist ein grosses Durcheinander. Denn wHhrend wir<br />

von keiner Sozialversicherung versorgt werden, gibt<br />

es viele Leute, die schon in Deutschland oder der<br />

Schweiz oder irgendeinem Cieser Lánder in árztlicher<br />

Behandlung waren und hergekommen sind, weil ihnen<br />

das Kl<strong>im</strong>a nicht guttat; und eine von diesen Frauen<br />

sagte auf der Letzten Versammlung: "A1so, was so11<br />

ich machen ? Ich bin seit 5 oder 4ltlonaten bei einem<br />

Facharzt in Behandlung und muss die Medikamente<br />

selbst bezahlen, weil sie mir in der Sozialversicherung<br />

gesagt haben, ich hHtte keinen Anspruch." Hier<br />

ist es ni-cht wie in Deutschland, Sie gehen zu einem<br />

praktischen Arzt oder einem Facharzt, es sind 40<br />

oder 50 Kranke da, die er in 1 oder 2 Stunden besucht,<br />

es gibt viele Klassen von Fachárzten. Die guten<br />

Fachárzte sind für Leute da, die Geld haben.<br />

Wenn j emand 1 0.000 oder 1 2.000 Mark mitgebracht hat,<br />

schluckt das der Facharzt in drei oder vier Monaten.<br />

Sehr viele Schwierigkeiten. Beispielsweise verabschie-


- 117<br />

deten sie ein paar Gesetze, wodurch wir teilweise<br />

von den EinfuhrzUllen ausgenommen wurden, bei den<br />

Einrichtungsgegenstánden, <strong>im</strong> Haushalt; und bein<br />

Fahrzeug machten sie einen Nachlass pro Jahr des Gebrauchs,<br />

aber dieser Nachlass ist normal für a11e,<br />

nicht nur für die Emigranten, ausser für die be<strong>im</strong><br />

Staat Bescháftigten, die überhaupt nichts bezahlen.<br />

Aber der Witz vorr dern, was sie da mit dem Abzug von<br />

der Luxussteuer für das Fahrzeug machen, ist: wenn<br />

Sie a1le FormalitHten erledigt haben, <strong>im</strong> Handelsministerium,<br />

<strong>im</strong> Industrieministerium, a11es erledigt<br />

wie es sein so11te, dann reichen Sie es be<strong>im</strong> Zoll<br />

ein. Aber be<strong>im</strong> ZoIL empfangen sie Sie nicht, es muss<br />

ein Agent sein von diesem Trust, den sie gebildet<br />

haben, damit ihnen niemand entwischt. Sie sagen sich:<br />

"'Was wir am einen Ende verloren haben, das werden<br />

wir am anderen doppelt kassieren." Der Herr sitzt in<br />

einer Cafeteria, und Sie gehen hin, es ist genauso<br />

wie zúT Zeit des Sklavenhandels, und Sie müssen abwarten,<br />

bis Sie an die Reihe kommen, und hoffen,<br />

dass der Herr nicht árgerlich ist, denn sonst 1ásst<br />

er sie am náchsten Tag wiederkommen, wie nir das ergangen<br />

ist. Ich bin, ich weiss nicht, mindestens<br />

1 0 oder 1Z mal mit a11en Papieren hingegangen.<br />

Die trfiedereingliederung in die neue Umgebung ist<br />

noch ein anderes Problem, denn inzwischen sind ihm<br />

alle Nachbarn unbekannt, dj-e sich durch Ihre Anwesenheit<br />

gestUrt füh1en und Sie fast wie ein tr{esen<br />

von einem anderen Stern aufnehmen, wie jemand, der<br />

herkommt, ufl zu stUren, der aus eí'nem anderen <strong>Land</strong><br />

hierherkommt, wo er es sich gutgehen 1iess, wáhrend<br />

sie hier die Stirn geboten haben. Es gibt sehr wenig<br />

Spanier, die wissen, dass wir die zweite Einnahmequelle<br />

der Volkswirtschaft gewesen sind und manchma1<br />

sogar die erste, vor den Touri-sten. Jedoch als<br />

die Vereinigung der Sparkassen gegründet wurde, die<br />

gerade mit dem ZieT gebildet wurde, ArbeitspT1tze<br />

und Unternehmen mit Blick auf die Rückkehr der Enigranten<br />

zu schaffen, und zwar mit den Einkünften<br />

aus ihren Devisen, hat man dieses Geld in andere<br />

Dinge gesteckt, die nichts mit den Arbeitsplá.tzen<br />

für die Emigranten zu tun haben, man hat der Industrie<br />

Kredj-te gegeben, um den Spaniern Arbeit und<br />

lVohl stand zu ver schaf f en, die s ich nicht zur Emigra -<br />

tion gezwungen sahen. l{an hat beispielsweise zur Unterstützung<br />

der amerikanischen It'lultinationalen investiert,<br />

die uns die <strong>Land</strong>wirtschaft ruinieren, wei-1<br />

sie sich vom Ei bis zum Huhn und vom Iluhn bis zum<br />

l,lanager a11es mitbringen<br />

Wáhrend wir Emigranten<br />

ins Ausland gehen müssen, um zv sehen, ob sie uns<br />

ein Almosen geben, und wenn wir zurückkehren, behandelt<br />

man uns wie Marsmenschen.<br />

Gehen Sie nicht zu einer offiziellen Ste11e und bitten<br />

Sie, dass sie Ihnen aus Barmherzigkeit ein paar<br />

Ratschláge geben; sie behandeln Sie mit llerrschsucht<br />

und Geringschátzúng, si-e sagen Ihnen sofort:<br />

"Davon wissen wir nichts. !Vir bekommen Anweisungen.<br />

Gehen Sie zu einem Anwalt." Klar, die Anwá1te kassieren<br />

wie Revolverhelden und ziehen die Sache in<br />

die LHnge. Wenn Sie in Ihre HHnde fa1len, Sie Armer<br />

:" Sozialbetreuer taucht kein einziger auf.


- 118<br />

Selbst <strong>im</strong> GefHngnis von Carabanchel gibt es, ich<br />

weiss nicht, 5 oder 4 soziarbetreuer-und 1.900 Háftlinge,<br />

vor einem Jahr.<br />

Man kann nicht von einer best<strong>im</strong>mten sache reden. Das<br />

ist etwas, ufl ein Buch mit nehreren BHnden zu schreiben.<br />

sie kunnen mich nicht fragen: "Antworten sie mir<br />

auf die Frage.'j wenn diese Fra§e einen Rosenkranz von<br />

Problemen mit sich zieht, die sich jede <strong>im</strong>mer weiter<br />

verzweigt. sie kunnen mit einer Frage ein ganzes Buch<br />

schreiben. Das kommt darauf otr, wie man es macht.<br />

fvenn rnan j etzt gir-" umfrage <strong>im</strong> spanischen stil macht,<br />

ist es sehr einfach, denn-sie stéllen die Frage und<br />

formulieren die Antwort. Dann ist a11es prechlig, das<br />

hier ist das beste <strong>Land</strong> der welt, es ist ein paiádies.<br />

llagen Sie die, die es durchmachen müssen, und fragen<br />

Sie jene, die am Eingang des IEE mit Tránen in den<br />

Augen stehen; ein llann, 2 m gross, der nichts zu essen<br />

hat; sie fragen sich, ob man ihm die Türe<br />

schliesst, wHhrend die Angestellten weiter lachen<br />

und sich lustig machen: "Íst er endlich weg ?,, Es<br />

geht darum, ihn loszuwerden und weiterhin áuf Kosten<br />

dieser Leute zu 1eben, die nichts für ihre Lage kUnnen.<br />

rn diesen Monaten ist in Madrid die Nationale vereinigung<br />

zurückgekehrter Emigranten gegründet worden,<br />

und diese Vereinigung hat einen foidérungskatalog<br />

ausgearbeitet, den wir <strong>im</strong> Anschluss an dieses rnlerview<br />

wiedergeben. Ich wo11te Sie fragen, ob Sie uns<br />

abgesehen davon noch einige Dinge, die verlangt werden,<br />

oder allgemeine Bemeikungeñ zur Rückkehr angeben<br />

wollen ?<br />

Es ist eine Nationale Vereinigung zurückgekehrter<br />

Emigranten gebildet worden, eé iét die gésamte Sat-<br />

,yrg geschrieben worden, den Cortes (=pártament) ist<br />

ein Gesetzentwurf eingereicht worden, damit er gründlich<br />

behandelt wird, und dieser Gesetzentwurf músste<br />

schon 1ángst beraten worden sein I Aber dieses Sechelchen<br />

mit der Verfassung hat es ziemlich verzUgert.<br />

Es Slbt viel zu tun, und man hat angefangen,<br />

indem man die Lage untersucht, die ANER léga1 éinschreibt<br />

(=ins Vereinsregister), sich an dIe zustá.ndigen<br />

Stellen in der Verwaltung wendet und ihre Unterstützung<br />

verlangt, da sie sich anscheinend sehr<br />

interessiert gezergt hatten: besonders die politischen<br />

Parteien der Linken kümmern sich seit geraumer<br />

Zeit um uns. Immer erhebt sich irgendwo elne<br />

St<strong>im</strong>me: "Ma1 sehn, was mit den Emigrañten passiert,<br />

und sie so11en Wahlrecht haben : " Áber sie^ haben sooft wiederholt, dass ich zuviel davon bekam. Ich"é<br />

sagte: "Aber mehr a1s das Recht zu w[hlen haben wir<br />

nicht ?" Si_e wissen schon, die Tiere, besonders die<br />

Es91, pflegt man zum Lastentragen zu nehmen. Dann<br />

sollten wir Lastesel einer Ricñtung, einer partei,<br />

einiger Politiker sein: ich und eiñ paar and,ere wáren<br />

damit nicht einverstanden. Geradé darum gab man<br />

der sache einen unpolitischen charakter. I{ir"verlangen<br />

Sachen und ma1 sehen, ob wir es nach und nach<br />

erreichen, d"t übrigen spaniern gleichgestellt zt)<br />

werden. Denn diese Regierung, dié jetz[ an der Macht<br />

ist, hat andere Bestrebungeñ, und Zwar, uns mit der<br />

EuropHischen Gemeinschaft auf eine stufe zu ste11en.


- 119<br />

Aber ich glaube, wir haben einen langen l{eg vor uns,<br />

bis wir uns untereinander auf eine Stufe stellen<br />

kUnnen. Es ist beklagenswert, aber es ist so. Also<br />

werden wir sehen, ob wir uns allmHhlich an die Rechte<br />

angleichen, die die übrigen natürlichen Personen<br />

in der EuropHischen Gemeinschaft haben. Wieviele<br />

Lichtjahre ist das noch entfernt ? Also ich weiss es<br />

nicht, ich kann es nicht sagen.<br />

Unsere Rechte so11en denen der übrigen Spanier entsprechen,<br />

denn es ist traurig, sich vorzustellen,<br />

dass Sie nach 20 oder mehr Jahren <strong>im</strong> Ausland in Ihre<br />

He<strong>im</strong>at zurückkehren und erst einmal kein Recht darauf<br />

haben, dass sie Sie mit einem Arbeitsplatz oder einer<br />

Arbeitslosenunterstützung wieder in die Gesel1-<br />

schaft eingliedern und dann, wenn Sie ins Rentenalter<br />

kommen, haben Sie auch auf nichts Anspruch. trVenn<br />

Sie <strong>im</strong> Ausland jahrelang einen Beruf ausgeübt haben<br />

(der Ihnen da <strong>im</strong>mer und in jeder Situation anerkannt<br />

worden ist) und Sie kehren hierher zurück und stellen<br />

sich in der entsprechenden Arbeitsvermittlungsstelle<br />

vor, wird Ihnen nichts davon, was Sie in den Papieren<br />

haben, anerkannt; sowohl für die Berufsklasse als<br />

auch für die Berechnung der kleinen Unterstützung,<br />

die sie Ihnen geben (für den Zeitraum eines Jahres),<br />

betrachten sie Sie a1s Hilfsarbeiter 'interprofesiona1'<br />

(= interprofesional heisst: <strong>im</strong> fl aller Berufe;<br />

Salario Mín<strong>im</strong>o Interprofesional = l4indestlohn, der<br />

offi ziell in keinem Beruf unterschritten werden darf)<br />

l{ir sind Hilfsarbeiter dieser Hilfsarbeiter, denn<br />

sie zahlen uns 75 % dieses Mindestlohnes rinterprofesional'.<br />

Was wir wollen, ist nur, dass sie uns als<br />

Spanier anerkennen, nicht,dass eine politische Partei<br />

sagt: "Auch ..." wie uns die Deutschen sagten:<br />

"Die Auslánder sind auch Menschen ." Das reicht nicht,<br />

denn wenn sie <strong>im</strong> Ausland zu uns sagten: "Die Auslánder<br />

sind auch l.4enschen. ", bezahlten sie uns entsprechend<br />

dem, was wir verdient hatten, und erkannten<br />

uns in diesem Sinn an. Anscheinend achteten sie von<br />

der Regierung von oben her darauf, dass das erfü1lt<br />

wurde. Aber hier bemühen sie sich darum, dass es<br />

nicht eingehalten wird, scheint es. Denn wenn sie<br />

Sie a1s 'interprofesional' behandeln, obwohl Sie ein<br />

Fachmann sind, wenn Sie 1 5 oder 25 Jahre in einem<br />

Bereich gearbeitet haben, sind Sie doch wohl ein<br />

Fachnann darin, denn wenn ich mich in Deutschland um<br />

eine Arbeit bewarb und die Papiere vorlegte, dass<br />

i-ch 2,3r 4,5 Jahre darin gearbeitet hatte, erkannten<br />

Sie mir ár, dass ich ein Fachmann darin war,<br />

aber hier nicht; wir wo1len, dass uns dieselben<br />

Rechte zugestanden werden wie den übrigen Spaniern,<br />

wir haben weder den Pass noch den Personalausweis<br />

verloren noch unser Vaterland aufgegeben. Sie haben<br />

es den aus politischen Gründen Exilierten anerkannt<br />

und haben ihnen bezahTt, wir sind auch Exilierte,<br />

aber aus wirtschaftlichen Gründen. Exilierte aus<br />

wirtschaftlichen Gründen, die zugepackt haben, uil<br />

die Wirtschaft dj-eses <strong>Land</strong>es hochzubringen.<br />

(Er liest aus einem Text der ANER:) Ich meine, es<br />

war <strong>im</strong>mer leichter, Gesetze ausser Kraft zr) setzen,<br />

a1s Denkweisen zu verHndern. Die VUlker oder ihre


- 120'<br />

Lebensbedingungen kUnnen sich nicht durch einfache<br />

VerHnderungen in den Gesetzbüchern ándern, sondern<br />

durch die Umformung der Betrachtungsweisen, der Gewohnheiten<br />

und des Verhaltens der Führenden gegenüber<br />

ihren AnhHngern. trVir meinen, dass die von den<br />

Emigranten angehH.uf ten Devisen die Sicherheit bie -<br />

ten müssen, dass sie denjenigen dienen, denen sie<br />

zu dienen haben, und nicht den Schmarotzerfi an der<br />

Gesellschaft, die sie <strong>im</strong> Treibhaus des Schweigens<br />

und des Unrechts irreführen wo1len, indem sie David<br />

und Goliath mit ihnen spielen. Vor ein paar Tagen<br />

habe ich in einer Zeitung gelesen, dass- jetzt,-wo<br />

Spanien sich als demokratisch bezeichnet, die Sachen<br />

offizieLl und Uffentlich so sind und unter der<br />

Hand genau andersherum, durch die neuen verfeinerten<br />

Methoden der Erpressung auf a11en Ebenen. Die<br />

ANER ist gegen jedes ltlanUver, die Früchte der Arbeit<br />

der Emigranten zum Vorteil von Parteien auszunützerr,<br />

und dagegen, dass wir wie Wesen von einem anderen<br />

Stern behandelt werden. Niemand so11 oder darf meinen,<br />

er kUnnte von den Früchten der Arbeit anderer<br />

1eben. Wenn wir schon von einem Rechtsstaat sprechen,<br />

müssen die ehemaligen und derzeitigen Emigranten<br />

recht haben, wenn sie verlangen, dass die Früchte<br />

ihrer Opfer in ihre FIHnde gelangen und wie der<br />

Zigeuner-Deputierte Juan Ramírez Heredia in einer<br />

Ansprache zur Verteidigung der Rechte der Zigeuner<br />

sagte: rrtrllir verlangen keine Barmherzigkeit, sondern<br />

wir fordern Gerechtigkeit in einem Rechtsstaat. "<br />

Ohne die Zigeuner abzuwerten, die mein'en vollen Respekt<br />

haben, glaube ich, dass wir etwas mehr züT<br />

Volkswirtschaft beigetragen haben, a1s die Zigeuner.<br />

Wir suchen keine Schuldigen, wir machen keine Hexenjagd,<br />

wir wo11en nur gegenüber den zustándigen<br />

BehiJrden Sprecher über all die Ungerechtigkeiten<br />

sein, die in diesem <strong>Land</strong>e gegen diese zu Aussenseitern<br />

gemachte Klasse begangen werden, die die Emigranten<br />

und vor a11em die in ihre He<strong>im</strong>at Zurückgekehrten<br />

sind. Wir mUchten, dass unsere Skandale aufgeklHrt<br />

werden, dass die gehe<strong>im</strong>en Interessen und Manipulationen<br />

ans Licht kommen, &t das Licht, das sie<br />

durch Erpressung auszulUschen versuchen; das ist ein<br />

einfacher Wunsch, wenn man anstándig an die Sache<br />

herangeht. Im Bezug auf die Forderungen sind einige<br />

Fortschritte gemacht worden. Man kann Teilfortschritte<br />

verbuchen. lfir haben a1les gemacht, was wir konnten,<br />

oder besser gesagt, was sie uns erlaubt haben.<br />

Aber die Herausforderung gegen das Unrecht, das den<br />

am meisten ins Abseits gedrángten Bereich der gegenwártigen<br />

Gesellschaft <strong>im</strong>mer noch trifft, bleibt<br />

bestehen.<br />

In naher Zukunft, glaube ich, werden wir die 1.000<br />

X{itglieder überschreiten. Wir rcchnen auch mit den<br />

Emigranten, die noch nicht zurückgekehrt sind, aber<br />

in naher Zukunft an die Rückkehr denken. Das ist<br />

eine Aufgabe für a1le und wir brauchen Mitarbeiter,<br />

Personen, die sich anschliessen, um rnitzuarbeiten,<br />

um in naher Zukunft unsere Vertreter in Senat und<br />

Kongress zu wHhlen.<br />

tr{ie sie schon sagten, bleiben in Deutschland Tausen-


121<br />

de von Spaniern, und ein grosser Teil von ihnen wird<br />

zurückkehren. KUnnen Sie ihnen von hier aus einige<br />

Tips geben, einige Ratschláge für diese zukünftigen<br />

Rückkehrer ? Was so11en Sie nach Ihrer Erfahrung vermeiden,<br />

was so11en Sie beachten ?<br />

Es ist sehr schwierig, ihnen zu sagen, was tun, denn<br />

sie werden in einem Meer von Verwirrung untergehen;<br />

denn welche Papiere sie brauchen, das AV Span 1,<br />

das wissen schon a11e. Aber wenn sie dann herkommen,<br />

dann haben sie das Durcheinander. Diesen Personen<br />

würde ich sagen, wenn sie herkommen, sollen sie sich<br />

mit uns in Verbindung setzen, um ihnen zv sagen:<br />

"Sehen Sie, wenn Sie das zweiseitige Sozial -<br />

abkommen vor den Gesetz von 1975 ausgeschUpft haben,<br />

müssen Sie einen neuen Antrag bei der Provinzverwaltung<br />

des IEE und der entsprechenden Arbeitsvermittlungsstelle<br />

ste11en. Und das muss ins Vorsorgeinstitut<br />

gehen, das zu zahTen hat. Aber dann gibt es noch<br />

eine Frist, die jetzt am 13. April 1978 herausgekonmen<br />

ist, von noch einmal 6 lr{onaten, und Sie müssen<br />

nocheinmal von vorn anfangen und haben eine HUchstfrist<br />

von 4 Wochen, bevor der erste ausláuft, müssen<br />

sie wieder einreichen. Darum sage ich: wenn Sie<br />

herkommen, mit dem Haus, den MUbeln, dem Auto, was<br />

weiss ich noch, si-ch anmelden , zt)m Einwohnerverzeichnis<br />

gehen, wo man 18ma1 hin muss, ist es besser, Sie<br />

setzen sich mit uns in Verbindung, und wir sagen Ihnen:<br />

"Jetzt machen Sie es so. Dann der náchste<br />

Schritt." Dann der náchste Schritt. Dann der nHchste,<br />

bis er a11ein geht. Denn wenn er den Nachbarn fragt,<br />

der weiss gar nichts. Der weiss nicht einmal, dass<br />

es Leute in der Emigration gibt. Diese Person, dieser<br />

Emigrant, ist weggegang€n, weil er desertiert<br />

ist, mir haben sehr viele von ihnen gesagt: "Yüir<br />

sind hier geblieben und haben die Stirn geboten."<br />

Und die Stirn bieten hiess, sich direkt oder indirekt<br />

an diesem Geldstrom zu bereichern, der irgendwoher<br />

kam, wo sie nicht wussten, woher, und es ihnen<br />

auch niemand gesagt hatte. Niemand, ausser denen,<br />

die einen Verwandten in der Emigration haben. Ausserdem<br />

sind wir solche Quijotes, wenn wir zum Urlaub<br />

kommen, sagen wir den Verwandten nicht, was wir da<br />

durchmachen. Denn wenn Spanier in der Zeit in der<br />

Emigration gewesen wáren, in der wir da waren, und<br />

die EinschrHnkungen durchgemacht hátten, die wir<br />

über uns ergehen liessen K1ar, der, der <strong>im</strong> Urlaub<br />

kam, dieses schwarze Schaf, das sich gezwungen<br />

gesehen hatte, zu gehen, sagt, dannit er nicht weniger<br />

gilt: "Ich bin Generaldirektor in Deutschland.'j<br />

und zieht ein Bünde1 Geldscheine aus der Tasche, wobei<br />

er die ganze Zeit da nichts ausser Kartoffeln<br />

gegessen hat, und sie sagen: "A1so er muss mindestens<br />

Generaldirektor sein." Und der, der hiergeblieben<br />

ist, denkt: "Und wir hier leiden."<br />

Zusammenfassung der<br />

Asociación Nacional<br />

Forderungsplattform der<br />

de Emigrantes Retornados<br />

Die<br />

+<br />

erworbenen Rechte bewahren<br />

fF soflen-zweise iti§e n6tornmen mit den Aufnahmelán-


- 122<br />

E ine<br />

+<br />

+<br />

dern der spanischen Emigration geschlossen werden,<br />

damit die Rückkehrer <strong>im</strong> auf die Rückkehr folgenden<br />

Jahr mit a11en ihren Rechten ins Aufnahmeland zurückgehen<br />

kUnnen.<br />

Die in der Emigration erworbenen Zeugnisse, Titel<br />

und Diplome ebenso wie die beruflichen, technischen,<br />

wissenschaftlichen oder akademischen Einstufungen<br />

oder Grade so11en automatisch anerkannt und übert.ragen<br />

werden.<br />

Automatische Ubertragung der <strong>im</strong> Ausland erworbenen<br />

Renten (Arbeits - , Witwen- , lVaise D- , Krankheits - usw)<br />

Einberechnung der Arbeitszeit in Spanien für die<br />

Gesamtberechnung der Rente<br />

Vorschuss auf die Rente bei VerzUgerungen in der Abwicklung<br />

der Formalitáten<br />

Automatische Ubertragung der von Deutschland an Spanier<br />

in anderen europHischen Lándern wegen Verfolgung<br />

durch den Nationalsozialismus gezahlten Renten<br />

Abschluss zweiseitiger Abkommen mit den sozialistischen<br />

Lándern für die Ubertragung der von den Rückkehrern<br />

aus diesen Lándern erreichten Pensionen<br />

nach Spanien<br />

Rechtliche Anerkennung der in der Emigration erfolgten<br />

Scheidungen und eingegangenen Z:_vtlehen<br />

Beibehaltung der Prozentsátze von Behinderung, die<br />

von den Aufnahmelándern bei Kindern festgestellt<br />

wurden, und der entsprechenden Bezüge.<br />

staatl iche Unterstützungspolitik<br />

-s c rrárFuñgnon nll e iTsfltlti en<br />

Obligatorische Investitionen von Kapital (Devisen<br />

eingeschlossen) in den traditionellen Emigrationsregionen<br />

durch Banken und Sparkassen, Demokratisierung<br />

der Sparkassen mit Vertretung der Sparer und<br />

parlamentarischer Kontrolle der Investitionen<br />

Arbeitslosenunterstützung und Sozialversicherung<br />

zu denselben Bedingungen wie die übrigen Spanier<br />

vom ersten Tag der Rückkehr ab<br />

Befreiung der zurückgekehrten Jugendlichen vom lr,lilitHrdienst,<br />

soweit sie seit mehr a1s 2 Jahren in<br />

der Klasse B (=Zurückstellung vom aktiven Dienst)<br />

s ind<br />

<strong>Land</strong>verteilung mit landwirtschaftlichen Krediten<br />

an die zurückgekehrten Bauern, die nachweisen,<br />

lHnger als zwei Jahre <strong>im</strong> Beruf gearbeitet zu haben<br />

Aufnahme der Kinder der Rückkehrer in der Schule,<br />

die am náchsten an ihrer lVohnung liegt<br />

Das IEE so11 Berufsfortbildungskurse für die Emigranten<br />

organi sieren.<br />

Es so11cn tatsáchliche und wirksame Zuteilungen von<br />

Sozialwohnungen an die Rückkehrer, die keine haben,<br />

eingerichtet werden.<br />

Schutz der Ersparnisse der Emigranten: die Sparkonten<br />

so11en unbegrenzt i-n auslándischer WHhrung ge -<br />

führt werden.<br />

Kredite für tr{ohnungen und Einrichtung von Gescháften<br />

und Genossenschaften<br />

Bildung einer besonderen Abteilung für Rückkehrer<br />

<strong>im</strong> INP und <strong>im</strong> IEE, um die Formalitáten der Rückkehrer<br />

wirksam zu bearbeiten


123<br />

+ Der Rückkehrer so11 von der Sozialversicherung medizinisch<br />

untersucht werden, uil seinen allgemeinen<br />

Gesundheitszustand zu überprüfen.<br />

Eürger- und politische_Rechte<br />

+ Aufnahme ins Einwohnerverzeichnis und automatische<br />

Einschreibung des Rückkehrers in die l{áhlerverzeichnisse,<br />

ohne die sechs Monate Stillegung bis zur<br />

Volleinschreibung am Niederlassungsort abzuwarten<br />

+ Entprivatisierung der Uberführung von Leichnamen von<br />

Emigranten nach Spanien (derzeit Monopol der Versicherungsgesellschaft<br />

CHASYR), staatliche Subvention<br />

für die Uberführung<br />

+ Abschluss eines Ubergangsabkommens zwischen Spanien<br />

und der EWG, der den schon in den Mitgliedslándern<br />

ansHssigen spanischen Emi-granten dieselben Rechte<br />

verleiht, die die Arbeiter des Gemeinsamen Marktes<br />

geniessen<br />

+ Die Emigranten gegen die Pressionen, damit sie nach<br />

Spanien zurückkehren verteidigen (Beispiele: Prámie<br />

von 10.000 Franc in Frankreich, 5.000 Florint in<br />

Ho 1 1 and)<br />

Vorherige Information<br />

+ Herausgabe einer Informationsschrift rnit ihren Rechten<br />

und Pflichten bei der Rückkehr nach Spanien, die<br />

von den Sozialabteilungen und den Sozialbetreuern<br />

unter den Emigranten verteilt werden so11<br />

+ Einschreibung a1s Arbeitssuchende in den spani-schen<br />

Arbeitsvermittlungsstellen vom Aufenthaltsland <strong>im</strong><br />

Ausland aus<br />

Zollbefreiung und Reisebeihilfe<br />

+ Totale Zollbefreiung durch das Konsulat für die mit<br />

der Rückkehr zusammenhángenden Besorgungen<br />

+ Aufnahme eines Familienwagens - nach mindestens zwei<br />

Jahren Besitz - in die Liste der von ImportzoTLabgaben<br />

befreiten Güter<br />

+ Unterstützung für die Reise und die Uberführung von<br />

MUbeln (Prozentsátze noch festzulegen) mit rückwirkendem<br />

Charakter<br />

Kontakt mit der A.N.E.R.:<br />

(spanisch oder deutsch schreiben)<br />

E<br />

1d?


124<br />

5"1.<br />

SCHLUSSFOLGERUNGEN + BEI\,IERKUNGEN ZUM VERHALTNIS<br />

DEUTSCHER UND SPANISCFIER STELLEN<br />

Bilanz<br />

5.1 .1 . Emigration a1s <strong>Land</strong>-Stadt-Bewegung<br />

Die Emigration ist oft a1s eine Bewegung von der <strong>Land</strong>wirtschaft<br />

über die Bauwirtschaft in die Industrie beschrieben<br />

worden (95). In unserem konkreten Fa11 führt<br />

der Weg aus den unterentwickelten Regionen Spaniens in<br />

die Industriegebiete der BRD und von da zurück in diejenigen<br />

Spaniens (36), wo ein grosser Teil in den tertiáren<br />

Sektor abwandert. Der Aufenthalt in der BRD übern<strong>im</strong>mt<br />

die GewUhnung an die moderne Industrie und die<br />

Entfremdung vom <strong>Land</strong>, es überlagern sich mehrere Prozes-<br />

SE:<br />

vom <strong>Land</strong> zur Stadt<br />

+ vom Süden Spaniens in die Zentren (Baskenland, Kaeistungssektor.<br />

talonien, l,ladrid)<br />

+ von der <strong>Land</strong>wirtschaft zum Dienstl<br />

5.1.2. Zur Funktion der AuslánderbeschHftigung in der<br />

BRD<br />

"Die AuslHnder bilden auch in Zukunft aufgrund ihrer regionalen<br />

und beruflichen I'{obilitát ein unentbehrliches<br />

Element für die Erhaltung unserer Produktiv,itHt und da -<br />

mit eine notwendige Voraussetzvrrg für die Sicherung eines<br />

angemessenen Wirtschaftswachstums. "<br />

(Hans Itlartin Schleyer 197 4, in: Das soziale }4ode11 , S.<br />

331, zit. in (106) )<br />

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof zur Ablehnung des<br />

Nachzugs eines alleinstehenden Vaters aus Spanien:<br />

"Der K1áger hat in der Familie seiner Tochter keine echte<br />

Aufgabe zü erfü11en. Er ist aufgrund seines Alters und<br />

seiner Gebrechlichkeit nicht in der Lage, tatkráftig zum<br />

lVohlbefinden der Tochter in der BRD beizutragen. Wie der<br />

K1áger selbst vortragen 1Hsst, bedarf er vielmehr ihres<br />

Beistandes, der ihm zwangsláufig nur ausserhalb der Arbeitszeit<br />

zutel_L werden kann. Der Aufenthalt der Tochter<br />

wird dad.urch nicht erleichtert, sondern ihre Arbeitskraft<br />

zusátzlich auch wHhrend ihrer Freize:-t in Anspruch<br />

genommen. Das liegt aber nicht <strong>im</strong> Sinne der deutsch-spanischen<br />

Anwerbevereinbarung. "<br />

(Urteil vom 3.3.1970,88 VIII 69, zit. in (106))<br />

Die Zttate veranschaulichen, weshalb ein italienischer<br />

Gewerkschaftler die Emigranten a1s 'Ziehharmonika der<br />

multinationalen Unternehmen' bezeichnete (24-77) .<br />

Die Aufgabe der auslándischen Arbeiter war bisher:<br />

- 9"rkung des Gesamtlohnniveaus durch Verringerung<br />

der Knappheit an ArbeitskrHften<br />

- Einsparung der Ausbildungskosten, die <strong>im</strong> Ausland<br />

aufgebracht worden waren<br />

- niedrigere Kosten für soziale Versorgung und Zuwendungen<br />

der Sozialversicherung<br />

- teilweise offene Lohndiskr<strong>im</strong>inierung. (61 ) + (1 4)


- 125 -<br />

Dabei spielt mit:<br />

- die Arbeitsintensitát der AuslHnder ist durchschnittl<br />

ich hUher (1 4 -35 ,T ab .2) ;<br />

- die ErwerbstHtigkeitsquote ist nach wie vor hUher,<br />

die soziale Infrastruktur wird geringer belastet,<br />

beispielsweise werden weder Universitáten noch A1-<br />

tershe<strong>im</strong>e in Anspruch genommen, die Sozialversicherung<br />

muss erst in Jahren Ausgaben für Renten übernehmen<br />

(24-75).<br />

I{it der langanhaltenden wirtschaftskrise entsteht eine<br />

Reservearmee aus deutschen Arbeitslosen und die Auslánderbescháftigung<br />

verliert einen Teil ihrer Bedeutung.<br />

Durch den Familiennachzug verschwindet ein Teil der-Vortei1e.<br />

Auf diese Situation reagiert der Einreisestop und<br />

die neue AuslHnderporitik. Obwohl Ende Dezember 1971 noch<br />

AntrHge auf Ausreise in die BRD von 1.020 Mánnern und<br />

40 Frauen anhángig waren, wurden keine Angebote mehr abgegeben<br />

(42-27,Tab. 4) :<br />

Der multinationale Arbeiter, der bisher eine 'Restgrusse',<br />

ein rLückenbüsser' wsr, erlebt jetzt Tendenzen zur 'p1afondierutrg',<br />

zum Aufbau eines unverzi-chtbaren Sockels an<br />

Auslándern und der Integration derjenigen, in die man<br />

Qualifizierungsmassnahmen investiert hat (89-1 7) . Gleichzeitig<br />

schlHgt das Pendel <strong>im</strong>mer wieder zur alten RestgrUssenpolitik<br />

zurück, jedoch ist es wahrscheinlich,<br />

dass diese Funktion jetzt nicht so sehr rmmigranten übernehmen,<br />

sondern schon <strong>im</strong> <strong>Land</strong> befindliche Teile der Aus-<br />

1ánderkolonie, die nach Bedarf ins Erwerbsleben eingegliedert<br />

oder zur UntHtigkeit verdammt werden, wie z.B. junge<br />

Frauen (42/Jan.1978-7) . Ahnliches gi1t,für die Jugenálichen,<br />

dle manchmal als Qualifikationsreserve und manchmal<br />

als nicht vorhanden betrachtet werden.<br />

5.1.3. Bilanz der Ivligrationseffekte für Aufnahme- und<br />

Abgabelánder<br />

Frage an einen Direktor des IEE:<br />

"welche vorteile für unsere Emigranten werden aus unserer<br />

zukünftigen Integration in Europa entstehen ?,,<br />

Antwort:<br />

"Der vertrag über die Freizügigkeit der Arbeitskraft wird<br />

unsere EmigrantenbevUlkerung begünstigen, indem er die<br />

freiwillige Entscheidung, in welchem <strong>Land</strong> der Gemeinschaft<br />

er arbeiten wi11, entwickelt. Der grUsste Nutzen kann in<br />

der erhofften MUglichkeit liegen, wirtschaftliche ungleichgewichte<br />

zu beseitigen, die die echte und grundlegende Ursache<br />

für den Emigrationsdruck sind. Auf diese lveise wird<br />

er zum verschwinden der Emigration a1s erzwungene Notwendigkeit<br />

beitragen, was ein gesellschaftliches ztel erster<br />

Ordnung ist. "<br />

(43/Jun:-1976-s4)<br />

"rst das nicht der Zeitpunkt, den lr{ythos von der Rückkehr<br />

zu zersturen und in klaren Begriffen die Probleme der Eingliederung<br />

der Arbeiter <strong>im</strong> Ausland (Immigrationsland) und<br />

der selbstH.ndigen Entwicklung (Emigratioñsland) aufzuwerfen<br />

?"<br />

(68 -S04)<br />

AllmHhlich hat sich auch in den leitenden Ebenen des IEE<br />

die Ernüchterung über die Kosten-Nutzen-verháltnisse der<br />

Emigration breitgemacht. Es ist klargeworden, dass die<br />

Rücküberweisungen der Emigranten selten für Investitionen<br />

und meist für Konsumausgaben verwendet werden (75-80+81),


- 126 -<br />

oft gerade für solche, die aus der BRD kommen und damit<br />

deren Industrie Nachfrage schaffen (14-28). "Geblendet<br />

vom Strom harter Devisen in die Entwicklung befindlichen<br />

Lánder haben diese ihr Potential erweitert, <strong>im</strong> Vertrauen<br />

auf die Effekte der rautomatischen Entwicklung'. Sobald<br />

der Geldstrom versiegt, werden die in Entwicklung befindlichen<br />

Lánder wenig gewonnen haben, aber eine grosse Anzahl<br />

befáhigter Personen verloren haben (die wahrscheinlich<br />

eher <strong>im</strong> Ausland bleiben werden, a1s die weniger bef<br />

Hhigten Itligranten) . " (14 -ZB) .<br />

zwar kann die Abwanderung einen ArbeitskrHfteüberschuss<br />

abbauen, doch kann sie bei Fehlen jeder Koordination<br />

auch zu EngpHssen in manchen Bereiéhen führen (66-S00).<br />

Und die Emigration von Personen, die nicht arbeitslos<br />

waren, führt oft sogar in der Folge zur Vernichtung anderer<br />

Arbeitsplá.tze (56) .<br />

Ausserdem kostete die Ausbildung der spHteren Emigranten<br />

etwas, diese Investition des Abgabelandes müsste man auf<br />

die 'Benutzungszeit' <strong>im</strong> Ausland umrechnen (100-S6g). Rechnet<br />

man die Kosten der Schulausbildung der Emigranten <strong>im</strong><br />

Abgabeland anteilig gegen die Kosten der <strong>im</strong> Aufnahmeland<br />

gegebenen beruflichen Fortbildung auf, ergibt sich wahrscheinlich<br />

ein Verlust für das Abgabeland (1 07) . Dieses<br />

Bild kann sich allerdings langfristig bei Berücksichtigung<br />

der <strong>im</strong> Ausland aufwachsenden Kinder verschieben.<br />

+11 die aufgezáhlten Tatbestánde mUgen dazu beigetragen<br />

haben, dass die spanischen stellen wieder zu dei Einichátzung<br />

zurückkehren, die die Dirección General de Empleo<br />

schon 1956 abgegeben hatte: "Beruflich gesehen besitzt<br />

die Emigration keine positiven Effekte und die MobilitHt<br />

ist praktisch Nu11." (92-118)<br />

In einer zusammengefassten Bilanz:<br />

Tatsáchliche Kosten der Emigration<br />

- - Veriiñgerun§ del Ár6efllklaFtreserven, Hemmung der<br />

Wi rtschaf t§ entwicklung<br />

- Negative Auslese, da die Kráftigsten und Fantasievollsten<br />

ins Ausland gingen<br />

- Uberalterung der <strong>Land</strong>bevUlkerung durch Wegziehen<br />

der Jungbauern<br />

Verschárfung des regionalen Ungleichgewichtes<br />

- Qualifikationslücke führt zu LohnerhUhungen und Kosteninflation<br />

in best<strong>im</strong>mten Berufen. (61)<br />

In derselben Bilanz wird auch eine<br />

Aufgl i ederung<br />

durchgeführt:<br />

Konsum:<br />

Ersparnisse:<br />

Rückübe rwe i sungen :<br />

Mehrwert:<br />

des Geldes_der_Eqigranten nach Verwendung<br />

in der BRD<br />

in der BRD; nach der Rückkehr<br />

nach Spanien in Spanien<br />

nach Spanien<br />

in der BRD<br />

Die Rücküberweisungen tragen nicht dazu bei, die strukturprobleme<br />

zu lusen, da sie von den sparkassen und Banken<br />

weitgehend in unproduktive Bereiché (rmrnobiliensektor)<br />

oder in die schon industrialisierten <strong>Land</strong>esteile<br />

kanalisiert wurden. Damit trugen sie zur Zunahme der Inflation<br />

und zur verringerung áer wáhrungsstabilitát bei.<br />

A1s _einzige pgsltive Folge wird der zunéhmende Export<br />

von <strong>Land</strong>esprodukten zur versorgung der Kolonie <strong>im</strong>^ Ausland<br />

genannt.


127<br />

Andere 'Bilanzen' weisen in dieselbe Richtung:<br />

"Die Enigration ist kein Heilrnittel, um wirtschaftliche<br />

Ungle j-chkeiten zr,¡ischen Regionen und LHndern auszuglei -<br />

chen, sondern verfestigt und vergrUssert sie, inden sie<br />

Arbeitslosigkeit und Unterentwicklung in den Herkunfts -<br />

gebieten verstHrkt. " (ó -49)<br />

"Es ist kein gesellschaftlicher Nutzen spürbar geworden,<br />

wie er einfá1tig und scheinheilig erhofft worden ist.<br />

Die Arbeiter, die zwecks beruflicher Quall_f.izierung dazugekommen<br />

sind, haben sie nicht gefunden, und die Industrialisierung<br />

der unterentwickelten Lánder wurde teilweise<br />

durch die qualitative Mangelhaftigkeit des Arbeitsmarktes<br />

blockiert. Die <strong>im</strong> Ausland gemachten Ersparnisse<br />

kehren nicht zurück, oder dienen nur für unproduktive<br />

Ausgaben." (68-12)<br />

"Weder bei der Verwendung der <strong>im</strong> Ausland gemachten Ersparnisse,<br />

die schnell in den Konsumkreislauf eintreten,<br />

noch bei der Verwirklichung der erworbenen Erfahrung,<br />

haben die Emigranten die Hoffnungen erfü11t, die die Gesellschaf<br />

t in sie gesetzt haben kUnnte. " (43 /.1an.197 6-Z)<br />

"1.Die EmigrationslHnder haben in sich selbst nicht die<br />

nUtige Grundlage gefunden, um die Abstánde zu verkleinern,<br />

die sie von den industrialisierten Lándern trennen.<br />

2.Gegenüber dem, was man annahm, war der Beitrag der Wanderungen<br />

sehr verschieden, denn was sie taten, war,<br />

die ImmigrationslHnder mit Arbeitskraft für best<strong>im</strong>mte<br />

spezielle Aufgaben zu versorgen und a1s soziopolitischer<br />

Ausgleich (=descompensador) in den Herkunftsl<br />

Hndern zu w j-rken . " (43 / J an .1 97 6'2)<br />

Dieses Zitat steht unter der bezeichnenden Uberschri-ft:<br />

"Der l{ythos, dass die Rückkehr der Emigranten zur wirtschaftlichen<br />

Entwicklung ihrer Herkunftslánder beitrHgt."<br />

Aus alledem kann man folgern, "dass die von den Industri-e-<br />

1ándern angeregte Migration ei-n Faktor gewesen ist, der<br />

dazu beigetragen hat, den Unterschied zu vergrUssern,<br />

der sie von den LHndern trennt, die die Entwicklung zur<br />

Verfügung ste11en." (14-29)<br />

Doch damit nicht genug, denn die interne VJanderung nach<br />

der Rückkehr verstárkt das Ungleichgewicht: das Kapital<br />

der Rückkehrer wird von den Industrien in den entwickelten<br />

Regionen aufgesogen, die in den unterentwickelten<br />

ihre Rohstoffe bil1ig aufkaufen und die fertigen Erzeugnisse<br />

zu hohen Preisen <strong>im</strong> ganzen Territorium verkaufen,<br />

in dem es natür1ich keine Schutzzól-le für die unterentwickelten<br />

Gebiete gibt (3) .<br />

5.2. Konfliktpunkte zwischen Spanien und der BRD<br />

5.2.1. Vertragliche Regelungen<br />

Der deutsch-spanische Vertrag über die Anwerbung, auf<br />

dessen Grundlage dann die Deutsche Kommission in l,ladrid<br />

arbeitete, wurde 1960 abgeschlossen (82-137). Daneben ist<br />

der Niederlassungsvertrag zwischen der BRD und Spanien<br />

von grundlegender Bedeutung, zu dessen Ausführung regelmássig<br />

Expertentreffen stattfinden (verUff. <strong>im</strong> Bundes-<br />

Gesetz-BLatt Teil II Nr. 57 S. 1041 ff vom 12.9.1972,<br />

i-n Kraft seit dem 26.11.1972).<br />

Die gemeinsamen Schlussprotokolle dieser GesprHche deu-


- 128 -<br />

ten an, wo die Probleme und strittigen Punkte bei der<br />

Anwendung des Vertrages liegen (98, Anhang V, vom 29.+<br />

50.Apri1 1975). So legte beispielsweise die spanische<br />

Seite grossen Wert auf die Erleichterung der Selbstándigmachung<br />

von Spaniern in der BRD, wHhrend die deutsche<br />

grosses Interesse an der Erleichterung des <strong>Land</strong>kaufs,<br />

der Genehmigung hUherer Prozentsátze deutscher Kapitalbeteiligungen<br />

in Spanien und der Begünstigung deutscher<br />

Firmen durch spanische I(redite zeigte.<br />

Der Kommentar des IEE zur Ausführung des Niederlassungsvertrags<br />

durch die deutsche Seite ist relativ kritisch:<br />

in der Praxis werden keine Erleichterungen für die Niederlassung<br />

und den Aufbau eines selbstándigen Betriebes<br />

gewHhrt. Trotz des nach 5 Jahren bestehenden Rechtsanspruches<br />

auf unbegrenzte Arbeitserlaubnis wird sie verweigert;<br />

bei Ausreise für mehr a1s 3 Monate wird sie<br />

wieder annulliert, obwohl laut Vertrag ein vorübergehender<br />

Auslandsaufenthaltkeine Unterbrechung der Aufenthaltserlaubnis<br />

mit sich bringt. (98, Anhang IV)<br />

5.2.2. Einige Verhandlungen zwíschen beiden Staaten<br />

a1s Beispiel für zugrundeliegende InteressengegensHt<br />

z e<br />

Spanien a1s Herkunftsland hatte das Interesse, die Rückkehrbereitschaft<br />

und -fHhigkeit seiner Emigranten aufrechtzuerhalten,<br />

ohne aber plUtzlich dj-e Arbeitslosigkeit<br />

wieder <strong>im</strong>portieren zu müssen, eine eigene industrie11e<br />

Entwickling zu beginnen und die Devisenüberweisungen<br />

am Fliessen zu erhalten (24-73). Die BBD dagegen<br />

war bestrebt, die HerkunftslHnder auch a1s potentielle<br />

Auffangbecken bei Auslánderüberschus s zur Verfügung zv<br />

haben und gleichzeitig auf sowenig Schranken wie mUglich<br />

bei ihrer wirtschaftlichen Expansion zu stossen(68-503) .<br />

Dementsprechend bestand auf einer Sitzung der deutschspanischen<br />

Gemischten Kornmission die deutsche Sei-te auf<br />

dem Ermessensspielraum der AuslánderpoTizei zur Entscheidung<br />

über die Familienzusammenführung und dem Vorrang<br />

deutscher Gesetze gegenüber den entsprechenden Konventionen<br />

der 0IT (98-1 1+12).<br />

Ebenfalls zeigt sich eine Neigung, die Emigration mithilfe<br />

von verwaltungstechnischen l{assnahmen zu steuern,<br />

sowohl in der Warnung des Bundesgrenzschutzes Weihnachten<br />

1973, dass Unkorrektheiten in den Papieren die Verweigerung<br />

der tr{iedereinreise zur Folge haben kUnnen,<br />

als auch in den Verboten, sich in best<strong>im</strong>mten Gebieten<br />

der BRD niederzulassen (98 - 1 4) .<br />

fIm Austausch' bzw. als Voraussetzung für die Anwendung<br />

der internationalen Vertráge auf die spanische Immigration<br />

in der BRD verlangten die deutschen Vertreter<br />

wiederholt die Erlaubnis auslHndischer Mehrheitsbeteiligungen<br />

aL spanischen Firmen ohne Genehmigungsverfahren<br />

und die Einbeziehung der deutschen Firmen in die mittelund<br />

langfristige KreditgewHhrung. (98-45)<br />

Für die spanische Haltung zur Durchsetzung dieser VertrHge<br />

galt lange Zett folgende beschUnigende Formulierung:<br />

"Dazu muss man eine gewisse Apathie bei der Forderung<br />

nach Anwendung der unterschriebenen Vertráge<br />

selbst hinzufügen." (Carta de España, Márz 1978-32)


- 129 -<br />

Die spanische Forderung, die WidersprUche gegen Entscheidungen<br />

der AuslánderbehUrde (wie Versagung der Aufenthaltserlaubnis<br />

oder Abschiebung) sollten aufschiebende<br />

tr{irkung haben, wird abgelehnt und auf die IVUglichkeit der<br />

Vertretung durch Botschaft und Konsulate hingewiesen;<br />

gleichzeitig lehnten es die deutschen Vertreter ab, so1-<br />

che Ablehnungsbescheide dem spanischen Konsulat/Botschaft<br />

mitzuteilen (98 -45) .<br />

A1s Gegenzug zur restriktiven Auslánderpolitik ist eine<br />

Anweisung des IEE an die Konsulate (62) zu verstehen, die<br />

Spanier in der BRD sollten vor ihrer Rückkehr solange wie<br />

mUglich die ihnen zustehenden Sozialleistungen in Anspruch<br />

nehmen.<br />

5.2.3. Spani-sche Reaktionen auf Forderungen der BRD<br />

Die restriktive Orientierung der Auslánderpolitik der BRD<br />

hat in letzter Zett zu Reaktlonen geführt, die die Ebene<br />

von Expertengespráchen und internen Anweisungen verlassen<br />

haben, wie z.B. die Protestnote der spanischen Regierung<br />

am 11.Oktober bei der EWG (E1 País 19.10.1977), die die<br />

Erschwerung der Familienzusammenführung a1s einen Verstoss<br />

gegen die Menschenrechtserklárung der UNO und die bisherige<br />

Politik des Europarats bezeichnet, sowie eine Protestnote<br />

gegen die Nichtanwendung des Niederlassungsvertrages<br />

in der BRD (Carta de España, Márz 1978-32).<br />

Para11e1 dazu ánderte sich die spanische Haltung gegenüber<br />

den in Spanien bescháftigten Auslándern: "Die unglaubliche<br />

Freigiebigkeit, die der spanische Staat bei<br />

der Erteilung von Arbeitserlaubnissen an AuslHnder an<br />

den Tag 1egt, steht angesichts der gegenwártigen Lage<br />

auf unserem Arbeitsmarkt und der Einschránkungetr, denen<br />

unsere Emigration unterworfen wird, in Widerspruch zu dem<br />

in Artikel 'l 1 und 12 des Dekrets 1870 vom 27 .Junt 'l 968<br />

l'lj-edergelegten. " (Nota 3-4)<br />

Dieses Dekret verfügte, dass keine Arbeitserlaubnisse an<br />

Auslánder erteilt werden, wenn in einem Beruf Mangel an<br />

Arbeit herrscht oder <strong>im</strong> Herkunftsland keine Gleichbehandlung<br />

garantiert ist.<br />

Das IEE stellte fest, dass "der LUsung dieser Widersprüchlichkeit<br />

Vorrang eingerHumt werden muss" und fand GehUr.<br />

Nach Anhang II dieser Nota waren<br />

1974 1975 1976 1977<br />

7251 6886 6941 7287 Deutsche in Spani-en <strong>im</strong> Besitz<br />

von Arbeitserlaubnissen.<br />

Aus der Tatsache, dass 1976 nur 24,9 eo dieser Deutschen<br />

zu den Berufsklassen'Leitungskraft, Ingenieur, Flochschulabsolvent,<br />

SachverstHndigerr gehUrten (Anhang IV,V), wird<br />

gefolgert, dass die überwiegende Mehrheit durch Spanier<br />

ersetzt werden kUnnte.<br />

Folge aus dieser Lage und gleichzeitig aus der zunehmenden<br />

Einwanderung von Südamerikanern aus den diktatorisch<br />

beherrschten Lándern nach Spanien war das Dekret Nr.<br />

1874/1gZ 8 vom 2.Juni, das die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis<br />

aneinander koppelt und die Arbeitsaufnahme von<br />

der vorherigen Beantragung eines besonderen Visums <strong>im</strong><br />

Konsulat <strong>im</strong> Herkunftsland abhángig rnacht (wo si-e derzeit<br />

meistens archiviert wird, hUrt man gerüchteweise).


- 130 -<br />

Damit erleiden die meisten Deutschen in Spanien eine restriktive<br />

Auslánderpolitik, die sie nicht mitverschuldet<br />

haben, wáhrend diejenigen, die sie zu vertreten haben,<br />

weiterhi-n ungestUrt <strong>im</strong> Schutz von Diplomatenpássen und<br />

Sondergenehmigungen reisen.<br />

5.2.4. Politische Interpretation der systembedingten<br />

Grenzen in der internationalen Zusammenarbeit<br />

Es fragt sich, ob die kaltschnduzige Haltung der deutschen<br />

Delegationen sj-ch einfach aus deren Mentalitát erkláren<br />

1ásst, ob es Zufall ist, dass die Beziehungen zwischen<br />

spanien und der BRD sich anders gestalten a1s z.B. zwischen<br />

dem Abgabeland Finnland und den Aufnahmeland schweden, die<br />

ein nicht so stark unterschiedliches Industrialisierungsniveau<br />

aufweisen ? Mit anderen Worten, handelt es sich bei<br />

der Art, mit der Emigranten hin- und hergeschoben werden,<br />

vielleicht um ein Desinteresse an ihren Lebensbedingungen,<br />

das klassenmássig bedingt ist ? Die Arbeiterklasse bliéb<br />

<strong>im</strong>mer schon 'dem stummen Zwang der Ukonomischen Verháltnisse'<br />

überlassen, hier eben dem Zwaig zur Emigration und zur<br />

Rückkehr.<br />

Sehen wir uns dr, in Geflecht welcher EntscheidungstrHger<br />

die Emigration 1iegt.<br />

Der <strong>Fremd</strong>arbeitermarkt ist a1s Teil des Arbeitsmarktes<br />

Objekt nationaler Arbeitsmarktpolitik (90-12) . Durch die<br />

rnternationalisierung der Produktionsbedingungen durch die<br />

AktivitH.t der die nationalen Grenzen überspannenden Konzerne<br />

wird die nationalstaatliche Planung zunehmend ungenügend<br />

(87-6) und es verstHrkt sich die Tendenz zur internationalen<br />

Zusammenarbeit der verwaltungen zuú Ausgleich des<br />

IVanderungsdrucks, wie sie auch das Aktionsprogramm der EG<br />

vorsieht (90-24).<br />

Der in Europa am ehesten dafür geeignete organisatorische<br />

Rahmen ist die 0rganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />

und Entwicklung OECD, deren Mitglieder wir in zwei<br />

Gruppen unterteilen kUnnen:<br />

Em i gr ant enau{nahme 1 Hnde r :<br />

BRD, Belgien, DHnemark, Frankreich, Grossbritannien, Niederlande,<br />

Schweiz<br />

Emi grant enabgab e 1 Hnder :<br />

Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Türkei (Jugoslawien<br />

beteiligt sich an einzelnen Projekten)<br />

Und an eben dieser Trennlinie, die mit der zwischen industrialisierten<br />

und halbindustrialisierten, zwischen reichen<br />

und armen Lándern übereinst<strong>im</strong>mt, brechen die Konflikte<br />

und Interessengegensátze auf, die <strong>im</strong> folgenden Zitat<br />

aus einem Bericht über eine Reise des damali_gen Generaldirektors<br />

des IEE schamhaft bemánte1t werden ( 43/Márz<br />

1977-22):"Der Herr Muñoz beantwortete a1le Fragen, die<br />

ihm gestellt wurden, und unterstrich dabei, dais zwischen<br />

Deutschland und spanien übereinst<strong>im</strong>mende sichtweisen <strong>im</strong><br />

Hinblick auf die allgemeinen Prinzipien der Emigration<br />

bestünden, sowie eine gegenseitige Áchtung vor áen Arbeitenden,<br />

aber ab und zu und bei der verwirktichung dieser<br />

Prinzipien pflegten schwierigkeiten in der konkréten problematik<br />

des Alltags aufzutreten . . . "


- 131<br />

Allerdings kUnnten die Abgabelánder aufgrund ihrer wirtschaftlichen<br />

Schwáche und politischer Gegebenheiten gegenüber<br />

den Aufnahmelándern ihre Interessen schwer durchsetzen<br />

und bleiben bei Andeutungen wie der folgenden stehen:<br />

"Tatsáchlich sind sich die Emigrationslánder der Ausbildungsziele<br />

und der speziellen Bedürfnisse wesentlich<br />

besser bewusst. Die AufnahmelHnder sollten diesen konkreten<br />

Bedürfnissen Rechnung tragen ; . ." (37 - 1 0)<br />

5.3.<br />

5.5.1.<br />

Perspekt iven<br />

Anforderungen an die<br />

andere Vorkehrungen,<br />

leichtern würden<br />

An Vorschlágen, wie man die Em<br />

nicht nur des Aufnahmelandes,<br />

Auswahl der Migranten und<br />

die die Reintegration erigration<br />

für die Entwicklung<br />

sondern auch des Flerkunfts -<br />

, mangelt es nicht. Dazu<br />

vor der Ausreise anfangen.<br />

landes fruchtbar machen kUnnte<br />

muss die Rückkehrpolitik schon<br />

BUhning erwHhnt:<br />

Ausschluss der Bewerber aus Gebieten oder Berufen,<br />

in denen es an Arbeitskráften mangelt, von der Ausreise<br />

+ Auswahl derjenigen, die eher zur Rückkehr bereit<br />

s j-nd (wobei die Frage ist, ob und wie man das so<br />

lange vorher herausfinden kann)<br />

+ 0rientierung auf ArbeitspLátze, an denen eine Chance<br />

zur Qual ifizierung besteht<br />

+ Kontakt wHhrend des Auslandsaufenthaltes nicht abreissen<br />

lassen<br />

+ Verbesserung des Informationssystems und Schaffung<br />

eines Netzes zur Information über Bewerber und offene<br />

Stel1en, das sich auf Aufna-hme- und Abgabeland<br />

bezieht und sich gleichermassen an Ausreise- und<br />

Rückkehrwill ige richtet (13-12+13+14).<br />

Die Emigratj-on würde damit zu einem langfristigen Qualifizierungsprogramm<br />

ausgenutzt. Dabei müsste man aber vom<br />

zukünftigen Arbeitsplatz nach der Rückkehr ausgehen, und<br />

der ist nicht leicht zu best<strong>im</strong>men (109-7).<br />

Auf dieselben und andere, noch grUssere Schwierigkeiten<br />

stUsst die Forderung: "Die tr{anderungspolitik müsste<br />

eine Lenkung der auslánCischen Arbeitnehmer in solche<br />

Bereiche der Wirtschaft der Aufnahmelánder durchsetzen,<br />

die für die Anderung der Produktionsstruktur in den FIerkunftslándern<br />

lmmer notwendiger werden." (66-501 ) Bedenkt<br />

man die Reaktionen des bundesrepublikanischen Kapitals<br />

angesichts von Eingriffen, die es als seinen Interessen<br />

schád1ich ansieht (Berufsbildungs gesetz, },{itbest<strong>im</strong>mung),<br />

so erscheint es unwahrscheinlich, dass es eine solche<br />

Lenkung der AuslHnder akzeptieren wird.<br />

Auf weniger Hindernisse stUsst dagegen die Meinung, die<br />

Emigrationskontrolle sol1te auf regionaler Ebene durchgeführt<br />

werden (68-172), und sie ist in Spanien teilweise<br />

durch die Delegationen des IEE in den betroffenen Provinzen<br />

verwirklicht.<br />

Wir hatten festgestellt, dass gegenwártig die Emigration<br />

einem Kreislauf '<strong>Land</strong> in Spanien - Industrie in der BRD<br />

Industrie in Spanien' gleichkommt. Dagegen wird folgender<br />

Weg vorgeschlagen:<br />

Im Inland sollten die Wanderungen ausschliesslich vom<br />

<strong>Land</strong> in die Stadt stattfinden, die Arbeiter aus den


132<br />

IndustriestHdten, die schon Industrieerfahrung besitzen,<br />

sollten PrHferenz für die Ausreise haben. Damit wáre sichergestellt,<br />

dass die ins Ausland gingen, die am ehesten,<br />

aufbauend auf ihren schon erworbenen Grundfertigkeiten,<br />

Weiterbi-ldungsmUglichkeiten ausnützen kUnnten. Ein Problem<br />

dabei ist die vorausgesetzte Beschleunigung der 'Umschichtung'<br />

der Arbeiter in der spanischen Industrie durch<br />

die vom <strong>Land</strong> einstrUmenden unqualifizierten Arbeiter. Ein<br />

weiteres, schwerwiegendes Gegenargument ist die Tatsache,<br />

dass die Emigrantenanwerbung gerade deshalb in den <strong>Land</strong>gebieten<br />

durchgeführt wird, weil die dort herrschende Arbeitslosigkeit<br />

die Leute eher dazu bringt, für einen best<strong>im</strong>mten<br />

Lohn die Emigration auf sich zu nehmen, wáhrend<br />

man einem in einem spanischen Betriebe Bescháftigten einen<br />

hUheren ltiindestlohn anbieten müsste, damit der Anreiz<br />

stark genug wHre. Das widersprHche aber gerade dem Interesse<br />

der deutschen Industrie, das hinter der Anwerbung<br />

steht, nám1ich, Lohnkosten zu senken.<br />

Es ist bekannt, dass die Rückkehrabsicht auch von der sozioUkonomischen<br />

Entwicklung <strong>im</strong> Herkunftsland best<strong>im</strong>mt<br />

wird (68-304), die von den Emigranten solange aufmerksam<br />

verfolgt wird, solange sie sich nicht endgültig <strong>im</strong> Ausland<br />

niederlassen wo11en. Un diese Entwicklung zu beeinflussen,<br />

werden von Kaiser folgende l'{assnahmen erwogen:<br />

Erweiterung des inneren Marktes<br />

+ Einrichtung von Schutzz5l.]-en für die nat ionale Inin<br />

den<br />

dustrie<br />

bi-s-<br />

+ Ansiedlung arbeitsintensiver Industrien<br />

her unterentwickelten Gebieten<br />

+ Schaffung der entsprechenden infrastrukturellen Voraussetzungen<br />

+ Bevorzugung nicht standortgebundener Industrien.<br />

(66-304)<br />

Es wird k1ar, dass diese Massnahmen weitreichende politische<br />

Folgen haben kUnnen und ein starkes Eingreifen des<br />

Staates verlangen.<br />

Die Ro1le des Staates wird in einer Studie von Wagner ziemlich<br />

wichtig und positiv beurteilt (109-5). Er ste11t fest,<br />

dass dj-e Entscheidung zur Rückkehr keine einfache und rein<br />

individuelle ist und oft sehr lange bis zur Umwandlung in<br />

einen konkreten Entschluss braucht.<br />

Die Ro11e des Abgabestaates beschrHnkt sich derzeit meistens<br />

auf die Aushandlung der Bedingungen und einige Bemühungen<br />

zur Erleichterung der Lebensverháltnisse. Demgegenüber<br />

sieht er die MUglichkeit, dass der Abgabestaat<br />

sich auch in den zukünftigen Arbeitgeber der zurückgekehrten<br />

li,ligranten verwandelt. Dem Aufnahmestaat spricht er<br />

eine Ro11e als 'Garant des Gemeinwohls' zu, die notwendig<br />

wird, da die einzelnen Unternehmensinteressen nur selten<br />

nit denen der EntsendelHnder übereinst<strong>im</strong>men: "Vorsichtig<br />

und a1s Anreger der gemeinsamen Interessen kann er über<br />

die partiellen Gesichtspunkte hinauswachsen, die hHufig<br />

die Verwirklichung einer Wanderungspolitik best<strong>im</strong>mt haben.<br />

Ihm kommt die Aufgabe zú, diesen internationalen<br />

Markt, der die tr{igration ist, in Ordnung zu bringen."10g-7)<br />

Hierbei wird vUllig übersehen, dass der Staat eher der<br />

Vertreter der Interessen des Kapitals als der des Gemeinwohls<br />

ist und es sehr wohl Widersprüche zu den Interessen<br />

des Entsendelandes geben kann, wie wir in 5.2.2. gesehen<br />

haben. Sehen wir nun, inwieweit die Schaffung der aufge-


- IJJ<br />

záhlten Bedingungen <strong>im</strong> Interesse des Kapitals der Aufnahme1ánder<br />

1iegt.<br />

5.3.2. Die Kapitalexportstrategie und die Funktion der<br />

Rückwanderer in ihrem Rahmen<br />

"Ich frage mich zum Beispiel, ist es richtig, die Arbeiter<br />

zu den Maschinen zu transportieren, oder ist es nicht k1üger,<br />

die Maschinen zu den Arbeitern zu bringen. Es ist sicher<br />

besser, Fabriken in Griechenland oder Spanien zu bauer,<br />

bevor wir Hunderttausende von Gastarbeitern ho1en."<br />

(in: Spiegel 29/1971, in: 86-770)<br />

Sicher ist die Schaffung von Arbeitsplátzen in Spanien<br />

langfristig für Spanien interessanter a1s die Emigrati-on.<br />

Aucñ den zustHndigen spanischen Stellen ist klar geworden,<br />

dass es logischer ist, etwas <strong>im</strong> <strong>eigenen</strong> <strong>Land</strong> herzustellen,<br />

als es von spanischen Arbeitern <strong>im</strong> Ausland herstellen zu<br />

lassen und es dann teuer einzuführen (61 -21) . Das Problem<br />

liegt darin, dass die MUglichkeiten zur Schaffung von Arbeiisplátzen<br />

wei-tgehend durch die Stellung der LHnder in<br />

der iñternationalen Arbeitsteilung best<strong>im</strong>mt werden (37) .<br />

Bei der gegenwHrtigen Arbeitsmarktsituation der Aufnahme-<br />

1ánder kánñ es dabei zu einer Interessendeckung mit den<br />

EntsendelHndern kommen, denn die wirtschaftliche Entwicklung<br />

des Mittelmeerraumes kann langfristig rentabler sein<br />

als die Belastung der lnfrastruktur durch die Auslánderfamilien<br />

(wobei diese 'Belastung' weit unter der durch<br />

deutsche Familien liegt), und hat den Vorteil , dass damit<br />

die Emigranten für <strong>im</strong>mer wegbleiben. In diesem Zusammenhang<br />

siná die PlH.ne eines neuen 'Marshallplans für Südeuropat<br />

zt) verstehen (43/Okt.1977-54) .<br />

In eine áhnliche Richtung zte1-t die Beratung von Modellen<br />

wie den türkischen rArbeitnehmergesellschaften' (32) oder<br />

die Ausbildung für Meisterposten in Betrj-eben <strong>im</strong> Herkunfts-<br />

1and. Darüberhinaus haben sie weitere Aufgaben:<br />

+ Aufbau eines Vertriebs- und Wartungsnetzes für die<br />

Erzeugnisse der Exportindustrie des Industrielandes<br />

+ Schaffung zukünftiger Zulieferer, die a1s Konkurrenz<br />

ungefáhrlich sind<br />

+ Gewinnung von 'enlaces' (Kontaktpersonen) in einhe<strong>im</strong>ischen<br />

Management. (86-773+779)<br />

Ebenfalls gibt es das Mode11 des deutschen Betriebes, der<br />

unter seinen auslHndischen Arbeitern eine Stammmannschaft<br />

heranbildet und mit diesen die Schlüsselpositionen eines<br />

Tochterunternehmens in Spanien besetzt, wobei di-e Spitzen<br />

des Managements Deutschen vorbehalten bleiben. Das setzt<br />

voraus, dass die Anwerbung einer grossen Gruppe in einer<br />

Region erfolgte, die für die Industrieansiedlung infragekommt.<br />

Dabei wirken die in der BRD ausgebildeten Arbeiter<br />

als Multiplikatoren und Ausbilder (109-25).<br />

Beabsichtigt die deutsche Firna nicht die Gründung einer<br />

Tochtergesellschaft, so kann es doch zu einer Zusammenarbeit<br />

mit einhe<strong>im</strong>ischen Unternehmen kommen, wie es von<br />

Frankreich beschrieben wird: "Allerdings kann man gewisse<br />

bevorzugte Situationen finden, in denen die Interessen eines<br />

franzUsischen Unternehmers, der auslándische ArbeitskrHfte<br />

gebraucht, mit denen eines Unternehmers <strong>im</strong> Herkunftsland<br />

übereinst<strong>im</strong>men. " (1 09-8)<br />

Daneben kann die RückkehrfUrderung auch ein trVeg sein,<br />

ZolTschranken und andere Investitionshemmnisse zu umgehen,


- 134<br />

inden man die Rückkehrer gewissermassen a1s Strohmánner<br />

benutzt (24-20) und so ausserdem Kredite einspart, weil<br />

sie einen Teil ihrer Ersparnisse beitragen.<br />

Bisher wird das Fánomen der von Rückkehrern gebildeten<br />

Genossenschaften a1s von geringer gesamtwirtschaftlicher<br />

Bedeutung eingeschátzt (13-5) . Zahlreiche weitere Faktoren<br />

erschweren die Verwirklichung der genannten l{odel1e:<br />

+ sie verlangt eine neue Sozial- und Planungspolitik<br />

der AbgabelHnder, die zum ZieL der Rückkehrerinvestitionen<br />

werden<br />

+ sie setzt eine enge Zusammenarbeit und Koordination<br />

zwischen Industrie- und weniger entwickelten Lándern<br />

voraus<br />

+ nicht <strong>im</strong>mer ist eine Firma, die Arbeitskráfte <strong>im</strong>portiert,<br />

gleichzeitig am Kapitalexport interessiert<br />

+ nicht a1le EmigrationslHnder sind für Kapitalinport<br />

geeignet (vg1. die Lage in Jugoslawien oder die Reste<br />

von Protektionismus aus der autarkistischen Fase in<br />

Spanien)<br />

+ die Emigration ist eine wechselhafte Erscheinung,<br />

der Kapitalexport ist nicht so flexibel<br />

+ oft fehl-t es an den infrastrukturellen Voraussetzungen<br />

oder die Transportkosten sind zu hoch.(43/Jan.76-10)<br />

5.5.3. Das Sub<strong>im</strong>perialismus-Mode11<br />

In vorhergehenden Abschnitten haben wir schon auf die unterschiedliche<br />

Industrialisi-erungsentwicklung Spaniens und der<br />

BRD und die damit verbundenen InteressengegensHtze verwiesen.<br />

In diesen Abschnitt wo11en wir genauer, auf den Hintergrund<br />

der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Mittelmeerraum<br />

und der BRD eingehen. Dabei werden wir uns weitgehend aÍr<br />

das von Nikolinakos auf die Migrationsproblematik übertragene<br />

Sub<strong>im</strong>perialismusmodell anlehnen (87, 88, 89, 90, 91).<br />

"Andernfalls kUnnen die internationale Zusammenarbeit und<br />

SolidaritHt bedauerlicherweise Worte, leere Worte bleiben,<br />

a1s Folge von kapitalistischen Vorstellungen, die eher<br />

von der Gewinnwirtschaft und einer materialistischen Sicht<br />

des lt{arktes (die sogar die Arbeitskraft als Ware behandelt)<br />

geleitet werden, a1s von der Gerechtigkeit und der Wertschát<br />

zurrg des lvlenschen. "<br />

Licinio de 1a Fuente, Arbeitsminister des Franco-Reg<strong>im</strong>es<br />

(85-16)<br />

"Zweitens ist es in diesem Zusammenhang ega1, ob 1e Massif<br />

Central, die Normandie, Nordirland oder die Ustlichen Gebiete<br />

in der BRD verwelken, und stattdessen Spanien, Tunesien<br />

oder Marokko einen Antrieb durch Kapitalexport erhalten<br />

und sich in ihnen ein verstHrkter Industrialisierungsprozess<br />

anbahnt. " (87 -7)<br />

Die Migrationen in Europa sind ein klares Beispiel für die<br />

Internationalisierung eines Arbeitsmarktes, der nach wie<br />

vor von nationalen Instanzen gesteuert wird (89-2). Der Nationalstaat<br />

übern<strong>im</strong>mt dabei mit der Steuerung des Zustroms<br />

auslándischer Arbeiter gleichzeitig die Aufgabe der Spaltung<br />

der <strong>im</strong> <strong>Land</strong> befindlichen Arbeiter in zwei Teile mit<br />

verschiedener Rechtsstellung, die in Krisensituationen gegeneinander<br />

ausgespielt werden kUnnen.<br />

Dabei handelt der Staat ni-cht nach Gutdünken, sondern reagiert<br />

auf vom Kapital geschaffene Bedingungen mit dem


- 135 -<br />

ZieL, das Gesamtsystem zu<br />

licher Notwendigkeit kann<br />

AuslHnderpolitik wie eine<br />

werden.<br />

erhalten (89-23). Aus wirtschaftdabei<br />

sowohl eine restriktive<br />

Integrationspolitik verfolgt<br />

Die gegenwHrtige Tendenz zur Ermutigung der Verlagerung<br />

von ArbeitsplH"tzen ins Ausland (Kapitalexport) kann teilweise<br />

a1s eine Reaktion auf die zunehmenden Anforderungen<br />

der AuslHnder an die soziale rnfrastruktur interpretiert<br />

werden, die den Arbeitskraft<strong>im</strong>port zu einem gesamtwirtschaftlich<br />

weniger rentablen GeschHft machen. so wie die<br />

Kapitalverwertung die Emigration anregte, so kunnen auch<br />

entgegengesetzte Entwicklungen auftreten (89-7). In keinem<br />

Fa11 handelt es sich dabei aber um Entscheidungen,<br />

die ihre Hauptursache <strong>im</strong> Rassismus von politikern ilnden.<br />

Daneben spielt sich gegenwártig eine Auseinandersetzung<br />

zwischen den USA und der EWG um die Neuverteilung des<br />

Einf lusses <strong>im</strong> lt{ittelmeerraum ab (87 - 1 s) . rn ihrem Rahmen<br />

kommt mUglicherweise Spanien eine Aufgabe Zü, die als<br />

' Sub<strong>im</strong>perialismus ' bezeichnet wird (8 7 - 1 4) . Es handelt<br />

sich dabei um eine Vorherrschaft in einem best<strong>im</strong>mten<br />

Raum, die einem <strong>Land</strong> einen wirtschaftlichen Aufschwung<br />

erlaubt, gleichzeitig aber von einem mHchtigeren <strong>Land</strong><br />

'geborgtr ist und abhHngig bleibt. Beispiele sind Brasilien<br />

in Südamerika, der Iran oder Israel <strong>im</strong> Nahen Osten<br />

(wi-e man sieht, kann sich so etwas schneller Hndern, a1s<br />

man denkt). In solchen LHndern findet eine innere Kolonisierung<br />

durch das auslHndische Kapital und eine 'Lumpen-EuropHisierungr<br />

statt (87 - 1 5) .<br />

Di9 Frage, wieweit spanien eine solche stellung beispiersweise<br />

gegenüber Nordafrika oder aufgrund seiner traditione11en<br />

Beziehungen zu südamerika übernehmen kunnte, kann<br />

nuf b9i genauer Auswertung der Daten zur Verflechtung<br />

zwischen Spanien und der EIVG beantwortet werden (g1 -25+<br />

24+26+28+29) .<br />

Die deutschen Investitionen in Spanien erreichten<br />

1977 fast 200.000 Millionen Peseta, das sind<br />

2,48 % mehr a1s in 1976 (1aut E1 País, 21.4.1978).<br />

Damit J,iegt die Zuwachsrate weit unter dem entsprechenden<br />

Index für Investitionen in den hochindustriálisierten<br />

LHndern (+ 70 ,,) und für die Dritte lVelt (+ j0 ,o) .<br />

Es liegt der schluss nahe, dass die rnfrastrukturbedingungen<br />

und das Ausbildungsniveau ungünstig sind, aber<br />

das Lohnniveau nicht so niedrig ist, sódass áie nUiigen<br />

Investitionen durch die <strong>im</strong> vergleich zur Dritten trvelt<br />

zu erzielenden Gewinne nicht aufgewogen werden.<br />

In unserem Zusammenhang interessiert uns die Frage, ob<br />

eine solche abhángige Industrialisierung, bei dei für<br />

die Beherrschung der Gesamtwirtschaft sirategisch wichtige<br />

Branchen (AKWrs, Datenverarbeitung) entwickelt<br />

werden oder in der Metropole nicht mehr rentable Zweige<br />

?usgelag_ert werden (87 - 1 1) , einen Beitrag zur LUsung<br />

des Rückkehrerproblems liefern kann.<br />

Dabei muss berücksichtigt werden, dass bei der AnnHherung<br />

der MittelmeerlHnder an die EWG ihre Arbeitsteilung auf<br />

d1" EryG abgestinmt wird, wobei kein Zusammenhang uñtereinander<br />

entstehen muss (91-z). Das heisst aussérdem:<br />

"Der Technologie-Transfer erfolgt somit seitens der multinationalen<br />

Konzerne und steht unter den Bedingungen<br />

der weltweiten Kapitalverwertung. Da diese Techñológie


- 136<br />

kapitalintensiv ist, sind d<br />

den Lándern der Dritten Wel<br />

für Spanien gelten dürfte.<br />

ie Bescháftigungseffekte in<br />

t gering." (91 -15e+f), was auch<br />

Der Vergleich von Wertzuwachsrate und BeschHftigungseffekt<br />

in Spanien von 1958 - 1969 zeigt, dass die Mechanisierungsrate<br />

dem BeschHftigungseffekt davonláuft (91 -31) :<br />

Branche<br />

Nahrungsmittel<br />

Getránke<br />

Tabak<br />

Text i 1<br />

Bekle idung<br />

Holz<br />

l{Ub e 1<br />

Pap i er<br />

Druck<br />

Leder<br />

Gummi<br />

Chemie<br />

o1<br />

N E Metalle<br />

Bas ismetalle<br />

Metal lprodukte<br />

Nichtelektrische Maschinen<br />

Elektrische Maschinen<br />

Transport aus rüs tungen<br />

Vers chiedene<br />

* :ll:i:<br />

We rt zuwachs Bescháftigungs -<br />

Daher müssen wir vermuten, dass eine von den deutschen<br />

Multinationalen durchgeführte abhángige Industrialisierung<br />

Spaniens, fa11s sie stattfindet, <strong>im</strong> Normalfall keinen<br />

wesentlichen Beitrag zur Bescháftigung der Rückkehrer<br />

in den Zweigen der Grundstoffindustrie leisten wird,<br />

in denen diese Arbeiter von-ihrer Vorbildung her unterkommen<br />

kUnnten. Dazu kommt das pess<strong>im</strong>istische Urteil<br />

über die wirtschaftliche Bedeutung der Rückkehrerkooperativen,<br />

die sich <strong>im</strong> Umkreis dieser Firmen ansiedeln kUnnen<br />

( 1 3 - 5) . Nikolinakos kommt zur Gesamteinschát zürrg,<br />

das s<br />

+ die strukturelle Armut jetzt über die technologische<br />

AbhHngigke it weiterbesteht<br />

+ die Akkumulation nicht autonom und an den Bedürfnissen<br />

des <strong>Land</strong>es orientiert durchgeführt wird<br />

+ der Bescháftigungseffekt gering ist und eine hohe<br />

Arbeitslosigkeit weiterbesteht<br />

+ die Produktion <strong>im</strong> Vergleich zur Aufnahmefáhigkeit<br />

des inneren Marktes zu stark ausgeweitet wird und<br />

eine hohe Exportquote erzielt wj-rd<br />

+ die Kleinbauern a1s unterbescháftigte Puffer aufrechterhalten<br />

werden. (88-17+18+19)<br />

5.3.4. Voraussetzungen für die Verwirklichung verschiedener<br />

Entwicklungsmodelle<br />

"Insgesamt scheinen die Folgen der innereuropáischen Wanderung<br />

in den untersuchten andalusischen DUrfern ein Fa11<br />

von rkosmetischerf wirtschaftlicher Entwicklung zu sein:<br />

eine oberflHchliche GesichtsverschUnerung bei Fehlen ei-<br />

7,<br />

2,<br />

6,<br />

4,<br />

B,<br />

4,<br />

B,<br />

o Jt<br />

o Jt<br />

6,<br />

4,<br />

3,<br />

2,<br />

3,<br />

3,<br />

1,<br />

4,<br />

2,<br />

8,<br />

5<br />

0<br />

2<br />

5<br />

4<br />

5<br />

7<br />

9<br />

5<br />

9<br />

8<br />

9<br />

4<br />

0<br />

Z<br />

6<br />

o Jt<br />

5<br />

0r2<br />

4ro<br />

216<br />

1rg<br />

211<br />

0r5<br />

112<br />

4 11<br />

3r0<br />

0r7<br />

4 15<br />

0r1<br />

411<br />

217<br />

2r7<br />

211<br />

613<br />

7 ,0<br />

313<br />

9r5


- l5/ -<br />

nes grundlegenden Wande 1s der gesellschaftlichen und wirt<br />

schaftlichen Strukturen . " (97 -34)<br />

rn diesem abschliessenden Absatz werden wir zunáchst die<br />

IVleinungen anderer Autoren zu den verwirklichungsaussichten<br />

von NIodellen zur verbesserung der wiedereiñgliederung<br />

von Migranten wiedergeben und dann die in S. S.1 .<br />

aufgezeigten Wege daraufhin untersuchen.<br />

Experten des rEE beurteilen die MUglichkeiten, rndustrie<br />

in die unterentwickelten Gebiete spaniens zu lenken oder<br />

zu zwingen, negativ, solange diese Verlagerung nicht in<br />

einen nationalen Entwicklungsplan eingebéttet ist (zg).<br />

Eine 0ECD-studie zum Thema verweist ebenfalls darauf,<br />

dass eine Industrieansiedlung eine entsprechende Infrastruktur<br />

voraus setzt und entwickelt Kriterien dafür:<br />

+ man soll sich nicht ausschliesslich auf die Industrieentwicklung<br />

konzentrieren<br />

+ es sollen keine rKathedralen in der lVüste, ohne positive<br />

Folgen für die náhere Umgebung gebaut weráen<br />

+ die Planung muss <strong>im</strong> Kontakt mlt den staatlichen<br />

Stellen erfolgen<br />

+ Berufsbildungs- und Rückkehrereingliederungsprogramme<br />

müssen verschmo1-zen werden. (45/Jan.197 6-51)<br />

Es liegt auf der Hand, dass die MUglichkeit zur Wiedereingliederung<br />

in einer vom Aufschwung gekennzeichneten<br />

tr'/irtschaft grUsser ist (1 09-1 6) .<br />

Wir hatten schon angegeben, dass die Zunahme der deutschen<br />

Investi-tionen nicht so gross ist, dass sie dazu<br />

einen bedeutenden Beitrag leisten kUnnte (E1 país 21 .4.<br />

1976). Allerdings gibt es Anzeichen für ein zunehmendes<br />

Interesse des westdeutschen Kapitals an Spanien:<br />

1978 war die BRD mit 5.615 Millionen Pta. in der ersten<br />

Jahreshálfte der zweitgrusste auslHndische Investor (E1<br />

País 30.8.1978). sehr interessant ist dabei das programm<br />

für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den dreiZehn<br />

am weitesten entwickelten (halbindustrialisierten) Nichtrndustrie-LHndern<br />

unter den Handelspartnern der niln, darunter<br />

spanien (81 País 18.8.79). Es handelt sich dabei<br />

nicht um ein traditionelles Entwicklungshilfeprogramm<br />

auf Antrag der Regierungen der betroffénen LHñdei, sondern<br />

eine 'Unterstützu!g' bei der rationellen Ausbeutung<br />

der Rohstoffe. Die stellungnahme des Bundesministers<br />

für wirtschaftliche Zusammenarbeit 1ásst an Deut(sch)-<br />

lichkeit nichts zu wünschen übrig: "Wir nehmen uns vor,<br />

diese LHnder zu entwickeln, obwohl wir wissen, dass das<br />

heisst, Konkurrenten zu fUrdern. Jedoch wird dieser<br />

Wettbewerb für uns nicht sehr schl<strong>im</strong>m sein, da wir unseren<br />

Platz an der spitze des technischen Fortschritts<br />

nicht aufgeben." (E1 País 'l 8.8.1979) Damit fasst er<br />

das zieL der schaffung von sub<strong>im</strong>perialisti-schen LHndern<br />

(siehe 5.3.5. ) in Worte.<br />

Interessant ist, dass auf einer Konferenz vort Bewegungen<br />

der Dritten welt und fortschrittlichen parteien Euiopas<br />

in Bremen die Forderung erhoben wurde, zu untersucheñ,<br />

wieweit die wachsende Abhángigkeit des Mittelmeerraums<br />

von der EWG Neokolonialismus gleichkommt (E1 paÍs 17.6.<br />

1e78)<br />

4^g"sichts dieses Bestrebens, den platz an der Spitze<br />

des technischen Fortschritts zu be]nal_ten, ist es k1ar,


- 138<br />

dass die<br />

Auslándj-schen Investitionen l.n Spanien 1960 - 19fu<br />

zt)<br />

fo r s chung s int ens iv<br />

weni g forschungsintensiv<br />

trad it ione 1 1<br />

50,2<br />

eo<br />

27 ,0<br />

22,8<br />

waren (87 -34,Tab. XII) .<br />

Die Untersuchung der Branchenverteilung der auslándischen<br />

Investitionen 1960 - 1971 zeigt eine Konzentration auf<br />

Chemie, ErdUl<br />

56, B<br />

eo<br />

Nahrung 16 ,7<br />

Transportmaterial 8,7<br />

wobei in Chenischen Produkten 23,6<br />

Maschinenbau 1 6 ,8<br />

der Gesamtinvestitlonen aus dem Ausland kommen (87 -33,<br />

Tab. XI+IX) .<br />

In 5.3.3. hatten wir bereits den min<strong>im</strong>alen BeschHftigungseffekt<br />

der Investitionen <strong>im</strong> Chemiebereich gezeigt.<br />

Von den grossen Konzernen, die finanziell in der Lage wáren,<br />

Ausbildungsprogramme zu organisieren, ist also kein<br />

positiver Beitrag zú erwarten.<br />

Interessanter für solche Programme sind kleinere und mittlere<br />

Handwerksbetriebe, die in der BRD mehr Facharbeiter<br />

brauchen und in Spanien arbeitsintensiv wáren, aber diese<br />

kUnnen mit <strong>eigenen</strong> KrHften meistens keine lHnderübergreifenden<br />

Vorhaben planen und finanzieren (16-81). Es müssten<br />

also Projekte der Handwerkskammmern mi-t staatlicher<br />

Unterstützung entwickelt werden.<br />

Davon abgesehen gibt es auch in Spanien eine Tendenz zur<br />

VerdrHngung des autonomen Kleinkapitals, dem die Rückkehrerbetriebe<br />

ja zuzurechnen sind. Sie kUnnten sich nur <strong>im</strong><br />

Windschatten der Grossen als Zulieferer und Reparaturbetrlebe<br />

halten (87-1 1 )<br />

Die Frage der Rückkehrer .<br />

ist noch unter einem anderen Gesichtspunkt<br />

interessant: dem der Regionalpolitik, dem Ausgleich<br />

von Entwicklungsunterschieden in Herkunftsland.<br />

"Interessanterweise vollzieht sich der Industrialisierungsprozess<br />

in den Mittelmeerlándern ohne Aufhebung der Regionalunterschiede<br />

. " (B 7 - 1 6) Das findet seine ErklHrung :<br />

"Drittens j.st somit die Regionalpolitik in der EG ein Wi -<br />

derspruch per se. Ein Widerspruch,,ler aus dem Gegensatz<br />

zwischen internationalisierter Kapitalakkumulation einerseits<br />

und dem Selbstverstándnis des traditionellen bürgerlichen<br />

Staates andererseits hervorgeht Denn mit der<br />

Regionalpolitik handelt der Staat trotz der Begünstigung<br />

der Investitionen in ármere Gebiete, gegen die Interessen<br />

des Kapitals se1bst." (87-7) Das heisst, dass eine verstHrkte<br />

Industrialisierung Spaniens sich eher um Barcelorá,<br />

<strong>im</strong> Baskenland und um Madrid abspielen wird a1s in<br />

Galizien oder Extremadura oder Andalusien.<br />

Wenden wir uns nun den Vorschlágen in 5 .5 . 1 . zt].<br />

+ Verbesserungen der Informations- und Vermittlungssysteme<br />

sind mUglich. Sobald sie die Zusammenarbeit<br />

von Stellen der BRD verlangen, sind sie nur praktikabe1,<br />

sof ern sie deren Interessen n j-cht zuwiederlaufen.<br />

Abgesehen davon pflegen staatliche Bemühungen<br />

meistens schwerfá11iger aIs die Wirtschaftsentwicklung<br />

zu sein.<br />

+ Der Kreislauf 'spanisches <strong>Land</strong> - spanische Industriedeutsche<br />

Industrie - Rückkehr in Entwicklungspole in


- 139<br />

den spanischen <strong>Land</strong>gebietenr würde erhebliche rnfrastrukturinvestitionen<br />

und materielle Anreize für<br />

die Unternehmen verlangen, ur in den bisher vom<br />

huheren Lohnniveau gekénnzeichneten stád.ten anzuwerben.<br />

+ Eine Lenkung von Emigranten auf best<strong>im</strong>mte qualifizierte<br />

ArbeitsplHtie in der BRD ist nur bei Interesse<br />

von deutschen Betrieben muglich. Dieses rnteresse<br />

kann bei Branchen des Handwerks mit Facharbeitermangel<br />

auftreten, dann wHre der Ausgebildete aber<br />

für spanien verloren. Ebenfalls kann ei bei Grossbetrieben,<br />

die eine Niederlassung in spanien oder<br />

eine Zusammenarbeit mit einem spánischén Betrieb vorbereiten,<br />

vorhanden sein. Dann ist der Arbeitsplatzschaffungseffekt<br />

aber erfahrungsgemáss niedrig.<br />

+ sHmtliche langfristigen Ausbiláuñgsprogramme setzen<br />

ausserdem Zuschüsse voraus, die dén- entstehend.en<br />

Lohnausfall ausgleichen und slnd weitgehend sinn-<br />

1os, wenn keine Arbeitsptd,tze danach<br />

+<br />

Éereitstehen.<br />

Eine selbstHndige Entwiékluflg, wie sie teilweise<br />

von Algerien unter Einbezíehung der Rückkehrer aus<br />

Frankreich und der DDR durchgeiührt wurde, die mehr<br />

a1s nur oberfláchliche Korrekturen erreicht, ist<br />

bei den gegenwHrtigen politischen Bedingungén in<br />

_ Spqnien nicht zu err,,rarten ( 1 0g - 1 6) .<br />

Daraus folgt:<br />

+ Ein grosser Teil der Teilnehmer an Berufsfurderungsmassnahmen<br />

in der BRD ist für spaniens Entwicklung<br />

verloren und bildet für die BRDI eine Einsparung séhulischer<br />

Ausbildungskosten ;<br />

+ wahrscheinlich weiden weiterhin die meisten Rückkehrer<br />

wieder in das unterbescháftigten-und Arbeitslosenheer<br />

eintreten, eine Arbeit áufnehmen, die nichts<br />

mit ihrer Qualifikation zu tun hat oder unprod,uktiv<br />

<strong>im</strong> tertiHren Sektor investieren;<br />

+ bei einer starken Zunahme der deutschen rnvestitionen,<br />

die muglich, aber nicht sicher ist, kann ein<br />

Teil der Rückkehrer a1s stamm Arbeit fiáden. In ihrem<br />

umkreis kann eine Reihe kleiner Betriebe entstehen;<br />

+ a1le weitergehenden veránderungen (<strong>Land</strong>reform,<br />

gesellschaftung<br />

ver-<br />

der auslándiscñen Firmen, oriéntie-<br />

Tung auf den luittelmeerraum anstatt auf d,ie EWG)würden<br />

den von den gegenwártigen l\,rachtverháltnisseí<br />

gesteckten Rahmen sprengen.<br />

uns, die wir 9i"rql Lage gegenüber nicht untátig bteiben.wo11"t,<br />

gilt die «iitir, die jeder sozialar6"ti gemacht<br />

wird:<br />

echte Hilfe beschránkt sich nicht auf die unterstützung<br />

der.'Bedürftiggn' (in diesem Zusammenhang der nückkehrér),<br />

sondern sieht hinter dem Leid die ursachén, die es hervorrufen,<br />

und.unterstlitzt (auch <strong>im</strong> <strong>eigenen</strong> rnteresse)<br />

dgr.Organisationsprozess, der diese slrukturen<br />

wird.<br />

beseitigen


140<br />

ERGEBNISSE IN THESEN<br />

Die Auseinandersetzung um Rotation oder Integration<br />

der auslándischen Arbeiter in der BRD ist um die<br />

Diskussion über die RückkehrfUrderung ergánzt worden.<br />

Das Interesse der zustándigen Stellen in der<br />

BRD erklHrt sich aus dem Zusammentreffen von Verengung<br />

des Arbeitsmarktes, Abnahme der 'Infrastrukturbescheidenheit'<br />

der auslHndischen Familien, Bedürfnissen<br />

der EIVG-Politik und Expansionsinteressen <strong>im</strong><br />

Mittelmeerraum.<br />

2. A11e Angaben<br />

aufgrund der<br />

zu bewerten.<br />

áusserst fra<br />

+ die Rate<br />

eo<br />

über 7 0<br />

+ es hat in<br />

6.<br />

+ die derze<br />

überwiege<br />

ansHssig;<br />

Rückkehra<br />

zu Ausreise- und Rückkehrziffern sind<br />

Beschránktheit der Quellen mit Vorsicht<br />

Der Begriff 'endgü1tige Rückkehr' ist<br />

gwürdig. Dennoch kann man annehmen:<br />

der vom IEE betreuten Emigranten lag nie<br />

den Jahren 1966/1967 und 1971 - 1975<br />

mas s ive Rückkehrbewegungen gegeben, die noch nicht<br />

abge s ch1 o ssen slnd<br />

itige spanische Kolonie in der BRD ist<br />

nd mehr a1s 6 und oft mehr a1s 1 0 Jahre<br />

daher wird ein hoher Prozentsatz keine<br />

bsicht mehr haben.<br />

Die Lenkung der Emigration in die BRD war eine Massnahme,<br />

die der BRD u.a. Ausbildungs- und Lohnkosten<br />

einsparte und vom spanischen Reglme aufgrund kurzfristiger<br />

materieller Interessen und, a1s soziales<br />

Ventil akzeptiert wurde.<br />

Das IEE hat praktisch eine Zulieferfunktion für die<br />

westdeutsche Industrie übernommen. Sprachliche oder<br />

berufliche Vorbereitung auf die Ernigration gab es<br />

so gut wie keine, die gegebenen Informationen klammerten<br />

aus ideologischen Rücksichten die wichtigsten<br />

Gesichtspunkte aus.<br />