Mediengolfer Magazin 2024
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MEDIENGOLFER · AUSGABE 2024 MEDIENGOLFER · AUSGABE 2024
Jahr auf den Fairways und Grüns gespielt, 30 bis 35 Turniere gehen
pro Jahr über die Bühne. Dazu zählen die Finalrunden bekannter
Wettspiel-Serien, zum Beispiel von T-Mobile.
Eine Golfschule betreut den Nachwuchs. „An vier Tagen pro Woche
wird trainiert“, erläutert Hlouskova. Im Winter gibt es Indoor-Angebote.
Apropos Nachwuchs: Wie sieht es mit der Golfnachfrage in
Tschechien aus? „Unser Sport erreicht hier generell kaum Zuwächse“,
bedauert die Marketing-Spezialistin. Bis vor fünf Jahren sei es
bergauf gegangen, seither weise der Trend in die andere Richtung.
Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe für Stagnation gesorgt.
Vor allem kleinere Anlagen täten sich schwer. „Zum Glück haben wir
in Karlsbad einige potente Partner aus der Wirtschaft“, so Hlouskova.
Pils mit Aussicht
West-Böhmen – eine Reise Wert
Die bekannte tschechische Destination Karlsbad wartet mit
zahlreichen Attraktionen auf. Zu diesen Highlights gehört das
mondäne Grandhotel Pupp, eines der renommiertesten Häuser
der Stadt. Das langgezogene Gebäude mit der markante
Zuckerbäcker-Fassade blickt auf eine lange Geschichte zurück.
Einige Gäste kennen das Pupp vor allem aus einem spektakulären
Bond-Streifen, dem Film Casino Royale.
Sterne, wohin das Auge reicht
Wer vor dem Fünfsterne-Hotel (www.pupp.cz/de) flaniert,
fühlt sich mitunter an den Walk of Fame in Hollywood erinnert.
Wie auf den Straßen der amerikanischen Traumfabrik haben
sich in der Nähe des Eingangs zahlreiche Prominente verewigt –
mit einem Stern im Boden. Sie alle besuchten die bemerkenswerte
Herberge, manche schon vor über 200 Jahren! Die Musik-Genies
Ludwig van Beethoven (1812) und Richard Wagner (1835) sind
ebenso darunter wie die Leinwand-Heroen Henry Fonda (1969),
Michael Douglas (1998) sowie John Travolta (2000). Schauspieler
Daniel Craig (2006) kam 2006 im Rahmen der 007-Dreharbeiten
hinzu.
Und das Beste…
Mitten in der Stadt entstand 1904 Tschechiens älteste Golfanlage.
Der Originalkurs umfasste neun Bahnen. 30 Jahre später, 1934,
mussten die Fairways und Grüns weichen. Vor den Toren der
Kurstadt, in einer waldreichen Umgebung, wurden 18 neue Löcher
gebaut (www.golfresort.cz).
Heute zeugt der mächtige alte Baumbestand davon, dass die Bahnen
vor rund 90 Jahren angelegt wurden. Die attraktive Anlage wartet
mit terrassenartig angelegten Abschlägen und vielen Wasserhindernissen
auf. „Die Szenerie eröffnet immer wieder großartige
Ausblicke in die Landschaft“, bringt es der erfahrene englische Golfjournalist
Steve Jackson auf den Punkt. Nach neun Bahnen ist der
Spieler weiterhin im Wald unterwegs, er kehrt nicht zum Clubhaus
zurück. Erwartet wird er (oder sie) von einem kleinen Halfway-Haus,
wo man sich bei Snacks und Getränken stärken kann.
Das Beste kommt zum Schluss – so sagt es der Volksmund.
Der Karlsbader Kurs bestätigt diese Aussage. Die Back Nine präsentieren
sich deutlich spektakulärer als die Löcher 1 bis 9. Ebene
Flächen gibt es selten, es geht hinauf und hinunter. Als Signature
Hole gilt Bahn 17. „Sie ist grandios gestaltet“, lobt Jackson und fügt
hinzu: „Es macht Spaß, diesen Platz zu spielen.“
Bahn 18 tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Das lange Par 4 schlängelt
sich elegant bergan auf das Clubhaus zu. Es markiert das Finale
eines insgesamt fairen Platzes, der kaum blinde Löcher enthält,
moderate Längen aufweist und große, top-gepflegte Grüns bietet.
Insbesondere die Par-3-Bahnen warten mit kreativem Design auf.
Charmant ursprünglich
Die traditionsreiche Anlage unterscheidet sich wohltuend von manchen
modernen Zielen, die dem Motto „Größer, länger weiter“ zu
folgen scheinen. „Wir versuchen, soweit wie möglich den ursprünglichen
Charme zu erhalten“, betont Lucie Hlouskova, die sich um
die Marketing-Aktivitäten der Destination kümmert.
Nach ihren Worten teen vor allem Tschechen, Deutsche, Briten
und Spanier in Karlsbad auf. Mehr als 20.000 Runden werden pro
Etwas über eine Stunde per Pkw von Karlsbad entfernt finden die
Freunde des kleinen weißen Balles einen weiteren landschaftlich
reizvoll gelegenen Platz. Der Fluss Klabava und der Ejpovicer See
rahmen die vom deutschen Architekten Christoph Städler gestaltete
Greensgate-Anlage (www.greensgate.cz) ein. Für Fans eines kühlen
Blonden dürfte das Ziel ohnehin kaum zu verfehlen sein, liegt es
doch unweit der Bier-Metropole Pilsen.
„Auf 6.244 Meter Länge bringen es unsere 18 Bahnen vom Champions-Tee
aus“, erläutert Resort-Managerin Martina Lesova. Sie betreut
einen Woodland-Course, Wälder prägen die Szenerie. Den Driver
benötigt der Aktive nur selten auf den Abschlägen von Greensgate
– wenn überhaupt, dann an den letzten Löchern. Umso häufiger ist
das Holz 3 gefragt. Keine Frage, hier geht das exakte Spiel eindeutig
vor großen Längen.
Drei Jahre gastierte die European Tour auf der Anlage. „Unser
Platz zählt aus meiner Sicht zu den besten zehn Destinationen im
Land“, zeigt sich Präsident Jan Hlavacek stolz auf seine Fairways
und Grüns. Der Platz befindet sich auf der Asche eines ehemaligen
Grubengeländes. Das Signature-Hole ist Bahn 16. Nicht alle Gäste
stimmen der Wahl zu, mancher Besucher favorisiert Loch 11. Zum
Finale der Runde, auf den Bahnen 17 und 18, nimmt der Golfer
benachbarte Industriegebäude wahr. Es handelt sich um Anlagen,
in denen Blech unter anderem für Dosen hergestellt werden, die
Lebensmittelfirmen als Verpackungsmittel nutzen.
Der kräftige Mann vom Platz
Das Greenkeeping-Team leitet Jiry Dvorak. Der kräftige Mann kennt
große Namen und Ziele der Golfwelt. Das kommt nicht von ungefähr.
Unter anderem war er in St. Andrews tätig. „Dort habe ich gearbeitet
und am College Greenkeeping sowie Golfplatz-Management studiert“,
berichtet er in nahezu akzentfreiem Deutsch. Das kann nicht
verwundern, erblickte Dvorak doch als Sohn tschechischer Eltern
in Deutschland das Licht der Welt.
Nach seiner Zeit in Schottland wechselte der Head-Greenkeeper
ins Rheinland. Zwölf Jahre engagierte er sich im Club Köln-Refrath.
2007 kehrte er nach Tschechien zurück und betreute zwei Anlagen,
bevor er 2019 ins Greensgate-Resort eintrat. „Wer in Westböhmen
ist, sollte unbedingt unsere Anlage kennenlernen und eine Runde
spielen“, wirbt Dvorak für seine Destination. Recht hat er, zumal
sich die 18 Bahnen immer mit einem wohlgezapften Abstecher zur
traditionsreichen Brauerei verbinden lassen!
Rainer Lomen
Im Spiegel des Wassers VVom Fluss Klabava und dem
Ejpovi-cer See eingerahmt, präsentiert sich das Greensgate-
Resort. Hier richtet sich der Blick auf ein Inselgrün der Anlage,
die der deutsche Architekt Christoph Städler gestaltet hat.
Fotos: Czech Tourism / nh
Parkland-Course par excellence Der mächtige alte Baumbestand
zeugt davon, dass die Bahnen in Karlsbad vor rund
90 Jahren angelegt wurden. Die abwechslungsreiche Szenerie
bietet grandiose Ausblicke in die Landschaft.
Rainer Lomen
Journalist · Bernecker-Verlag
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