Fortschrittsbericht 2023
Fortschrittsbericht 2023 zur Entwicklung des Nationalparks Unteres Odertal
Fortschrittsbericht 2023 zur Entwicklung des Nationalparks Unteres Odertal
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Blick in die Zukunft | 2<br />
<strong>Fortschrittsbericht</strong> <strong>2023</strong><br />
ZUR ENTWICKLUNG DES NATIONALPARKS UNTERES ODERTAL<br />
GEMÄß § 7 ABS. 2 NATIONALPARKGESETZ UNTERES ODERTAL
Inhalt<br />
1 Einleitung .................................................................................................................. 3<br />
2 Personal und Ausstattung ........................................................................................... 3<br />
3 Besondere Ereignisse und Entwicklungen <strong>2023</strong> ............................................................. 4<br />
3.1 ASP-Zaun ........................................................................................................... 4<br />
3.2 Oderausbau ........................................................................................................ 5<br />
3.3 Oder – Katastrophe ............................................................................................. 8<br />
4 Unternehmensflurbereinigungsverfahren ...................................................................... 9<br />
4.1 Verfahrensteilgebiet Nord .................................................................................... 9<br />
4.2 Verfahrensteilgebiet Süd II .................................................................................. 9<br />
4.3 Verfahrensteilgebiet Süd I .................................................................................... 9<br />
4.4 Vorzeitige Ausführungsanordnung ...................................................................... 10<br />
4.5 Ortslageverfahren ............................................................................................. 10<br />
5 Management ........................................................................................................... 11<br />
5.1 Evaluierung des Nationalparks ............................................................................ 11<br />
5.2 Fortschreibung Nationalparkplan ........................................................................ 12<br />
5.3 Wildnisentwicklung ............................................................................................ 15<br />
5.4 Artenschutzmaßnahmen .................................................................................... 18<br />
5.4.1 Entwicklung der Wolfsvorkommen in der Nationalparkregion ............................... 18<br />
5.4.2 Wiederansiedlung des Störs ............................................................................. 18<br />
5.4.3 Fischerei ......................................................................................................... 18<br />
5.5 Dynamisches Schöpfwerksmanagement Polder A/B - Arbeit des Staubeirates ......... 19<br />
5.6 Anbindung der Tieflanke an die Hohensaaten Friedrichthaler Wasserstraße<br />
(HOFRIWA) ................................................................................................................ 22<br />
5.7 A+E Maßnahmen Radwegebau Mescherin Staffelde – Entsiegelungen im Nationalpark<br />
23<br />
5.8 Management zur Umsetzung des Schutzzweckes ................................................. 25<br />
5.8.1 Landwirtschaftliche Nutzung allgemein .............................................................. 25<br />
5.8.2 Dynamisches Grünlandmanagement.................................................................. 27<br />
5.8.3 Trockenrasenpflege ......................................................................................... 28<br />
5.9 Verkehrssicherung an Wegen und Straßen im Nationalpark ................................... 28<br />
5.10 Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Ver- und Gebote ................................... 28<br />
6 Forschung und Monitoring ........................................................................................ 29<br />
6.1 Ökoystemare Umweltbeobachtung (ÖUB) .......................................................... 29<br />
1
6.2 Untersuchung der koprophagen Blatthornkäfer auf ausgewählten Flächen des<br />
Nationalparks Unteres Odertal ...................................................................................... 29<br />
6.3 Beteiligung am BMUV-Projekt Belassen von Wildtierkadavern in der Landschaft ...... 30<br />
6.4 Operatives Monitoring zur Gewässerentwicklung nach der Umweltkatastrophe........ 31<br />
6.4.1 Erfassung der Konzentration der Goldalge Prymnesium parvum ........................... 31<br />
6.4.2 Erfassung von Großmuscheln in der Stromoder .................................................. 34<br />
6.5 Rehwildprojekt ................................................................................................... 35<br />
6.6 Betreute Graduierungsarbeiten und Praktikanten .................................................. 36<br />
7 Umweltbildung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Besucherinformation .... 36<br />
7.1 Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit der NLP Verwaltung .................................... 36<br />
7.1.1 „Der Nationalpark vor deiner Haustür“ .............................................................. 36<br />
7.1.2 Führungen und Vorträge .................................................................................. 39<br />
7.2 Bildungsarbeit der Naturwacht: .......................................................................... 40<br />
7.2.1 Betreuung der Junior Ranger - Gruppe „Kiebitze“ ............................................... 40<br />
7.2.2 Projekttage mit Schulen .................................................................................. 41<br />
7.3 Besucherinformation im Nationalparkhaus .......................................................... 41<br />
8 Regionalentwicklung und Tourismus .......................................................................... 42<br />
8.1 Nationalpark-Laden .......................................................................................... 42<br />
8.2 Maßnahmen zur Entwicklung des Tourismus im Nationalpark ............................... 42<br />
8.3 Vorwegweiser-Leitsystem Nationalpark Unteres Odertal ....................................... 42<br />
8.4 Touristische Infrastruktur .................................................................................. 43<br />
9 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ............................................................................... 44<br />
9.1 Veranstaltungen ................................................................................................ 44<br />
9.2 Pressearbeit am Beispiel des Besuchs der Bundesumweltministerin Steffi Lemke ..... 44<br />
10 Kooperation und Partner ....................................................................................... 44<br />
10.1 Netzwerk „Partnerinitiative Nationale Naturlandschaften Uckermark“ ...................... 44<br />
11 Internationale Zusammenarbeit ........................................................................... 45<br />
11.1 Projekte ............................................................................................................. 45<br />
11.2 Wassertourismus INT 55 ...................................................................................... 46<br />
11.3 Zusammenarbeit mit dem Banhine-Nationalpark, Mosambik ................................... 47<br />
12 Ausblick 2024 ....................................................................................................... 48<br />
12.1 Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit in diesem Jahr ............................................... 48<br />
12.2 Hoffnungsschimmer ............................................................................................. 48<br />
2
1 Einleitung<br />
<strong>2023</strong> stand erneut ganz im Zeichen negativer, durch die Nationalparkverwaltung nicht zu<br />
beeinflussender, Rahmenbedingungen: Auswirkungen der Oderkatastrophe, der laufende<br />
Ausbau der Oder und ein hoher Zerschneidungseffekt durch Zäunungen zur Abwehr der<br />
Afrikanischen Schweinepest.<br />
Der Odernationalpark stand im Fokus des politischen Interesses: Eine Vielzahl an Bundestagsund<br />
Landtagsabgeordneten sowie Abgeordneten des Europäischen Parlamentes informierten<br />
sich vor Ort über den Zustand der Oder. Der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages<br />
kam ins untere Odertal und Bundesumweltministerin Steffi Lemke thematisierte die zahlreichen<br />
Probleme bei zwei persönlichen Besuchen. Das mediale Interesse war entsprechend hoch.<br />
Auch das Kuratorium des Nationalparks hat sich intensiv mit den Geschehnissen beschäftigt. Es<br />
gab eine Sondersitzung zum Thema Oderausbau. Mit großer Mehrheit beauftragte das<br />
Kuratorium seinen Vorstand aktiv zu werden und den Bundesverkehrsminister zu fragen, warum<br />
denn der bereits im Bundesverkehrswegeplan verankerte Ausbau der Oder-Havel Wasserstraße<br />
im Bereich des Nationalparks nicht für eine Verbesserung der Schiffbarkeit vollkommen<br />
ausreicht – zumal die Oder lediglich als Nebenwasserstraße mit touristischer Bedeutung<br />
angesehen wird. Für das ins Feld geführte Argument des Hochwasserschutzes – die<br />
Gewährleistung des Einsatzes von Eisbrechern – ist der Bund gar nicht zuständig, sondern das<br />
Land Brandenburg. Hier möchte das Kuratorium Auskunft erhalten, wie die Notwendigkeit eines<br />
Ausbaus für den Einsatz der Eisbrecherflotte seitens des zuständigen brandenburgischen<br />
Umweltministeriums gesehen wird.<br />
Vor dem Hintergrund der hohen Salzfrachten in der Oder und einer drohenden erneuten<br />
Massenvermehrung der Goldalge ist <strong>2023</strong> die Öffnung der Flutungspolder im Nationalpark um<br />
einen Monat verlängert worden. Diese Maßnahme ist auch bereits im Nationalparkplan<br />
verbindlich vorgesehen. Trotz anfänglicher erheblicher Skepsis der im Nationalpark<br />
wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebe im Hinblick auf die Einschränkungen der Nutzbarkeit<br />
der Grünlandflächen, zeigte sich, dass oftmals sogar ein höherer Biomasseertrag erzielt werden<br />
konnte. Naturschutzfachlich ist sofort ein durchschlagender Erfolg zu verzeichnen gewesen: Eine<br />
Vielzahl an gefährdeten Vogelarten wie Rothalstaucher, Tüpfelsumpfhuhn oder Kiebitz fanden<br />
ideale Brutbedingungen und konnten auch erfolgreich ihre Jungen großziehen. Ab 2024 soll das<br />
nationalparkgerechte Poldermanagement auch regulär fortgesetzt werden.<br />
2 Personal und Ausstattung<br />
Die bei der Entwicklung von Deutschlands einzigem Auennationalpark im <strong>Fortschrittsbericht</strong> für<br />
<strong>2023</strong> aufgezeigten Ergebnisse, Erfolge und Fortschritte sind zunächst dem Team des<br />
Nationalparks zu verdanken. Dieses besteht aktuell aus 15 Planstellen bei der<br />
Nationalparkverwaltung und 10 Vollzeitstellen bei der Naturwacht des Nationalparks<br />
(NaturSchutzFonds Brandenburg). Im Jahr <strong>2023</strong> ist das Team wieder durch eine Mitarbeiterin<br />
im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und einen Mitarbeiter im BundesFreiwilligenDienst (BFD)<br />
verstärkt worden.<br />
3
Ebenso gab es große Unterstützung vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und<br />
Klimaschutz (MLUK) und dem Landesamt für Umwelt (LfU). Dem für die Durchführung des<br />
Unternehmens-flurbereinigungsverfahrens Unteres Odertal verantwortlichen Landesamt für<br />
Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) sind die im Jahr <strong>2023</strong><br />
erzielten, wichtigen Verfahrensfortschritte zu verdanken.<br />
Nicht zuletzt haben sich auch im letzten Jahr wieder ganz viele Menschen aus der Region für<br />
ihren Nationalpark eingesetzt: Die Ehrenamtlichen im Naturschutz, die im Nationalpark tätigen<br />
Landwirte, Fischer und Jäger, die Mitglieder des Nationalparkkuratoriums, die in der<br />
Partnerinitiative des Nationalparks aktiven touristischen Unternehmen, die Uckermärkische<br />
Verkehrsgesellschaft, die Mitglieder des Fördervereins Nationalpark und viele andere.<br />
3 Besondere Ereignisse und Entwicklungen <strong>2023</strong><br />
3.1 ASP-Zaun<br />
Die Zahl der positiven ASP-Fälle in der Nationalparkregion ist im Jahr <strong>2023</strong> rückläufig, das<br />
Kerngebiet bei Blumenhagen wurde durch den Landkreis Uckermark aufgehoben. Die Trassen<br />
der ASP-Zäune, die den Nationalpark durchschneiden, sind im Vergleich zur Situation 2022<br />
unverändert geblieben. Im Jahr <strong>2023</strong> kamen im direkten Umfeld des Nationalparks weitere<br />
Zauntrassen hinzu. Der Schöneberger Wald wurde beispielweise nun auch westlich, entlang der<br />
L284, vollständig umzäunt. Der Rückbau eines ersten Zaunabschnitts, der durch das o.g.<br />
Waldgebiet führt, wurde durch den Landkreis Uckermark in Aussicht gestellt, bisher jedoch noch<br />
nicht umgesetzt.<br />
Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Jahr <strong>2023</strong> insgesamt weniger Fallwildfunde entlang der<br />
Zauntrassen dokumentiert bzw. durch Externe gemeldet. Eine genaue Bilanzierung des<br />
tatsächlichen Ausmaßes ist jedoch nicht möglich, da vermutlich nicht alle Funde direkt der<br />
Nationalparkverwaltung gemeldet werden. Weiterhin am stärksten betroffen ist das Rehwild, es<br />
wurden jedoch auch geschützte Arten wie der Graukranich tot am ASP-Zaun aufgefunden. Um<br />
mögliche negative Auswirkungen auf das Natura 2000-Gebiet „Unteres Odertal“ durch die<br />
bereits realisierten ASP-Zäune zu identifizieren und zu bewerten, ist im Auftrag des Landkreises<br />
Uckermark nachträglich eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt worden. An wenigen<br />
ausgewählten Standorten wurden bodennahe Durchlässe in den Zaun eingebaut, über den<br />
genauen Erfolg dieser Maßnahmen ist der Nationalparkverwaltung nichts bekannt.<br />
4
Abbildung 1: Die Trassenführung der ASP-Zäune im Überblick. Bild: Landkreis Uckermark<br />
3.2 Oderausbau<br />
Polen verfolgt und realisiert unter Berufung auf ein deutsch - polnisches Abkommen weiterhin<br />
den Ausbau der Grenzoder auf polnischem Territorium, um das Flussbett zu vertiefen. Von der<br />
Nationalparkverwaltung wurden ebenso wie seitens des MLUK und zahlreicher NGO’s erhebliche<br />
Bedenken bezüglich irreversibler Natur- und Umweltschäden in Fluss und Aue geäußert und<br />
unzureichende Untersuchungsgrundlagen beanstandet. Eine Vereinbarkeit der Planungen mit<br />
europäischen Umweltrichtlinien ist nach hiesiger Überzeugung nicht gegeben.<br />
Am 18.3.2020 hatte der Regionaldirektor für Umweltschutz in Szczecin den Umweltbescheid für<br />
den Oderausbau erlassen, der die Genehmigung der geplanten Flussbaumaßnahmen darstellt.<br />
Die sofortige Vollziehbarkeit des Bescheides wurde angeordnet. Darin betrachtet die polnische<br />
Seite die Eingriffe in den Naturhaushalt unverändert als temporär, marginal und ausgleichbar<br />
und sieht keinen Konflikt mit europäischen Umweltrichtlinien.<br />
5
Abbildung 2: Ablagerung von Baumaterial zur Buhnenerneuerung und dadurch versuchte Sperrung des<br />
Wasserzugangs von Wasserwanderrastplätzen (Foto: NLP Verwaltung)<br />
Abbildung 3: Vorbereitung eines ehemals naturnahen Uferabschnittes für Ausbaumaßnahmen (Foto:<br />
NLP Verwaltung)<br />
6
Abbildung 4: Baggerarbeiten am polnischen Ufer der Oder (Foto: M. Tautenhahn)<br />
Am 13.8.2020 hatte das MLUK frist- und formgerecht Widerspruch gegen den Umweltbescheid<br />
eingelegt. Der Widerspruch wurde nach sechs (!) Fristverlängerungen dann unter dem Eindruck<br />
der Oder – Katastrophe am 16.8.2022 in allen wesentlichen Punkten abgewiesen. Dagegen hat<br />
das MLUK auf Grundlage einer fachlichen Stellungnahme der Nationalparkverwaltung, ebenso<br />
wie zuvor die NGOs, vor dem Verwaltungsgericht in Warschau im November 2022 Klage<br />
erhoben. Im Dezember 2022 urteilte das angerufene Gericht im Sinne der klagenden NGOs und<br />
erklärte den strittigen Umweltbescheid bis zur Entscheidung in der Hauptsache für unwirksam.<br />
Ungeachtet der anhängigen Widerspruchsverfahren hat die Staatsholding RZGW Szczecin als<br />
Auftraggeber ab März 2022 mit dem Oderausbau begonnen und diesen zügig vorangetrieben.<br />
Inzwischen ist die Etappe I bis auf wenige Restarbeiten auf illegale Weise im Jahr <strong>2023</strong> vollendet<br />
worden.<br />
Die deutsch-polnische Expertengruppe zur Abstimmung des Monitorings der Auswirkungen des<br />
Oderausbaus in Polen traf sich einmal. Es konnte kein Monitoringprogramm vereinbart werden,<br />
da die fachlichen Ansichten unvereinbar sind. Der polnische Investor sieht als fachliche<br />
Grundlage des Monitorings allein die Festlegungen aus dem beklagten und rechtlich<br />
unwirksamen Umweltbescheid und erklärt, dass diese keinen Verhandlungs- oder<br />
Änderungsspielraum geben. Den deutschen Experten aus dem MLUK, dem LfU und der<br />
Nationalparkverwaltung sind die vorgegebenen Monitoringmaßnahmen fachlich bei weitem nicht<br />
ausreichend. Da der Nullzustand (vor Beginn des Ausbaus) nur in wenigen Parametern und in<br />
7
nicht repräsentative Umfang erhoben wurde, ist ein Monitoring der Baumaßnahmen auch nicht<br />
mehr möglich.<br />
Die Planungen der polnischen Regierung für den weiteren Ausbau der Oder als Wasserstraße<br />
der Kategorie V mittels zahlreicher Staustufen und dem verkehrstechnischen Ausbau der<br />
Grenzoder bestehen weiter fort und wurden in dem „Polnischen Nationalen<br />
Schifffahrtsprogramm 2030“ festgeschrieben. Dazu wurde Deutschland eine strategische<br />
grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung zur Stellungnahme übergeben. Die<br />
deutsche Seite (BMDV, BMUV, Land Brandenburg, Land Mecklenburg-Vorpommern und<br />
Nationalparkverwaltung Unteres Odertal) hat der von Polen festgestellten Umweltverträglichkeit<br />
im Rahmen einer Konsultation widersprochen. Der Dissens wurde protokolliert und zu den Akten<br />
genommen; das Programm wurde nicht geändert.<br />
Im Jahr <strong>2023</strong> verabschiedete die polnische Regierung das „Gesetz zur Wiederherstellung der<br />
Oder - besserer Schutz der Wasserumwelt im Falle einer Umweltkatastrophe“. Wesentlicher<br />
Bestandteil dieses Gesetzes ist die vordringliche Errichtung von Staudämmen in der Oder.<br />
Auf deutscher Seite hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im Geschäftsbereich<br />
des BMDV die Planung des Oderausbaus auf Grundlage des deutsch – polnischen Abkommens<br />
intensiviert und am 1.12.2022 dafür eine „Strategiegruppe Oder“ und eine „Bund / Land - AG<br />
Oder“ gegründet. In letzterer ist die Nationalparkverwaltung vertreten und bringt ihre Belange<br />
in die Beratungen ein. Es fanden mehrere Sitzungen statt, in denen vor allem Fachinformationen<br />
der Wasserstraßenverwaltung präsentiert wurden. Konkrete Festlegungen zum Oderausbau in<br />
Deutschland wurden bisher nicht getroffen.<br />
Die von der WSV beauftragte strategische Umweltverträglichkeitsprüfung des auch in<br />
Deutschland geplanten Oderausbaus nach dem Stromregelungskonzept konnte auch <strong>2023</strong> noch<br />
nicht vorgelegt werden. Ein vor dem Hintergrund der Oder-Katastrophe vom BMUV gefordertes<br />
Moratorium der Umsetzung des deutsch-polnischen Abkommens zum Oderausbau und eine<br />
Neuverhandlung des Abkommens mit Polen wurde vom BMDV strikt abgelehnt.<br />
3.3 Oder – Katastrophe<br />
Nach den Erfahrungen aus der Oder-Katastrophe 2022 sind schwerwiegende Auswirkungen auf<br />
den Nationalpark, insbesondere auf Arten, Lebensräume, Biodiversität, Fischerei und Tourismus<br />
weiterhin zu befürchten, da die Ursachen der Katastrophe, insbesondere die exzessive Einleitung<br />
von Kochsalz nicht beseitigt wurden. Auch <strong>2023</strong> traten Fischsterben mit hohen Fischverlusten<br />
im Gleiwitzer Kanal und einem Staubecken in Schlesien auf, die sich in diesem Jahr allerdings<br />
nicht oderabwärts bis nach Deutschland ausbreiteten.<br />
Die Absterberaten der Großmuscheln lagen 2022 nachweislich zwischen 39 und 84 % und<br />
betrafen das gesamte Spektrum der vorkommenden Arten. Eine deutliche Veränderung der<br />
Wasserqualität auf Grund der verringerten Filterfunktion durch Großmuscheln konnte<br />
beobachtet werden. Das Wasser der Oder war ständig mit einer hohen Schwebstofffracht,<br />
insbesondere durch größere Partikel belastet. Auf den Festsubstraten bildeten sich gewaltige<br />
Massen an Süßwasserschwämmen und Moostierchenkolonien, die offenbar die<br />
8
Partikelfraktionen anstatt der abgestorbenen Großmuscheln nutzten. Die Auswirkungen der<br />
Verschiebungen im Artenspektrum können noch nicht abgeschätzt werden.<br />
4 Unternehmensflurbereinigungsverfahren<br />
Im Zentrum der Arbeit an der Unternehmensflurbereinigung Unteres Odertal stand die<br />
Zielstellung, die Verfahrensteilgebiete Nord, Süd I und Süd II zügig bis zum Erlass der<br />
Ausführungsanordnung bzw. vorzeitigen Ausführungsanordnung voranzubringen. Dieser<br />
Verfahrensstand ist für die Weiterentwicklung des Nationalparks Unteres Odertal von<br />
grundlegender Bedeutung. Er muss wegen der erheblichen Tauschbeziehungen zwischen den<br />
drei Verfahrensteilgebieten zeitgleich für diese Verfahrensteilgebiete mit insgesamt knapp<br />
19.600 ha erreicht werden. Dazu war zunächst die Bekanntgabe der Flurbereinigungspläne in<br />
den Verfahrensteilgebieten zu erreichen und Rechtsbehelfe gegen die zwischenzeitlich<br />
bekanntgegebenen Flurbereinigungspläne waren zu bearbeiten. Mit der anstehenden Erstellung<br />
der Nachträge zum Flurbereinigungsplan werden neben Neuregelungen zur Abhilfe berechtigter<br />
Widersprüche auch die zuvor im Interesse einer zügigen Planbekanntgabe eingeführten<br />
Regelungsvorbehalte abgearbeitet.<br />
4.1 Verfahrensteilgebiet Nord<br />
Der Flurbereinigungsplan wurde 11-12/<strong>2023</strong> nach erfolgter Genehmigung in 09/<strong>2023</strong><br />
bekanntgegeben. Vorliegende Rechtsbehelfe unterlagen der Prüfung und Bearbeitung. Mit der<br />
derzeit laufenden Erstellung des Nachtrages kann fünf der sechs verbliebenen Rechtsbehelfe<br />
gegen den Flurbereinigungsplan abgeholfen werden. Zudem erfolgt mit dem Nachtrag die<br />
Erledigung von drei der bestehenden vier Regelungsvorbehalte. Mit dem Nachtrag werden auch<br />
alle seit der Plangenehmigung eingetretenen Rechtsänderungen in den Flurbereinigungsplan<br />
eingearbeitet.<br />
Die Vorlage des Nachtrages wird im II. Quartal 2024 erwartet.<br />
4.2 Verfahrensteilgebiet Süd II<br />
Der Flurbereinigungsplan wurde 05-06/<strong>2023</strong> nach erfolgter Genehmigung in 03/<strong>2023</strong><br />
bekanntgegeben. Vorliegende Rechtsbehelfe unterlagen der Prüfung und Überarbeitung. Mit<br />
der derzeit laufenden Erstellung des Nachtrages wird einem der vier verbliebenen Widersprüche<br />
abgeholfen. Zudem erfolgt mit dem Nachtrag die Erledigung von zwei der bestehenden drei<br />
Regelungsvorbehalte. Mit dem Nachtrag werden auch alle seit der Plangenehmigung<br />
eingetretenen Rechtsänderungen in den Flurbereinigungsplan eingearbeitet.<br />
Die Vorlage des Nachtrages wird ebenfalls im II. Quartal 2024 erwartet.<br />
4.3 Verfahrensteilgebiet Süd I<br />
Gegen den in 12/2022 bekanntgegebenen 1. Nachtrag zum Flurbereinigungsplan sind keine<br />
Widersprüche anhängig. Vorliegende zwei Rechtsbehelfe richten sich gegen den<br />
Flurbereinigungsplan in seiner Fassung aus 2020.<br />
Mit der derzeit laufenden Erstellung des 2.Nachtrages erfolgt die Erledigung von drei der<br />
bestehenden vier Regelungsvorbehalte. Mit dem Nachtrag werden auch alle seit der<br />
Plangenehmigung eingetretenen Rechtsänderungen in den Flurbereinigungsplan eingearbeitet.<br />
9
Durch den größeren Zeitraum seit der Genehmigung des 1. Nachtrages ist der<br />
Aktualisierungsaufwand der Planunterlagen etwas umfangreicher als bei den<br />
Verfahrensteilgebieten Süd II und Nord.<br />
4.4 Vorzeitige Ausführungsanordnung<br />
Der Erlass der vorzeitigen Ausführungsanordnung wird durch Aufbereitung der<br />
Widerspruchsakten zur Entscheidung durch die Spruchstelle für Flurbereinigung vorbereitet:<br />
Verfahrensgebiet Nord: Abgabe nur eines Widerspruchs, der gleichermaßen die<br />
Verfahrensteilgebiete Süd I und Süd II betrifft.<br />
Verfahrensgebiet Süd I: Abgabe von zwei Widersprüchen, von denen ein Widerspruch<br />
gleichermaßen die Verfahrensteilgebiete Süd II und Nord betrifft.<br />
Verfahrensgebiet Süd II: Abgabe von drei Widersprüchen, von denen ein Widerspruch<br />
gleichermaßen die Verfahrensteilgebiete Süd I und Nord betrifft.<br />
Zudem bedarf es für alle drei Teilgebiete der Aufstellung, Genehmigung und Bekanntgabe der<br />
Nachträge zu den Flurbereinigungsplänen, mit denen berechtigten Widersprüchen gegen die<br />
Flurbereinigungspläne abgeholfen wird.<br />
In allen drei Teilgebieten wird parallel an der Qualifizierung der Daten für die der vorzeitigen<br />
Ausführungsanordnung folgende Berichtigung des Liegenschaftskatasters gearbeitet. Aufgrund<br />
von Fachkräftemangel (insbesondere auf dem Gebiet der IT-Fachanwendungen) kann die<br />
Abarbeitung für die Verfahrensteilgebiete nur nacheinander erfolgen.<br />
4.5 Ortslageverfahren<br />
Die Bearbeitung der Ortslageverfahren erfolgt nachrangig nach den Verfahrensteilgebieten<br />
Nord, Süd I und Süd II.<br />
Für einzelne Ortslagen wurde anstelle des ursprünglich beauftragten Planungsbüros nun der<br />
Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung (vlf) eingebunden. Dadurch konnte die Arbeit<br />
an den Ortslageverfahren Neuhof, Crussow und Stolpe forciert werden.<br />
Für die Ortslage Gellmersdorf wurde das Kataster berichtigt und die Berichtigung des<br />
Grundbuches beantragt und überwiegend vollzogen.<br />
Für das Verfahrensteilgebiet Ortslage Neuhof wurde zwischenzeitlich der neue Rechtszustand<br />
mit Erlass der Ausführungsanordnung in 05/<strong>2023</strong> eingeführt. Die Berichtigung des Katasters<br />
wurde vollzogen und die Berichtigung des Grundbuches in <strong>2023</strong> beantragt.<br />
Nach bereits erfolgter Umstellung auf eine neue Programmlösung (LEFIS) ist die Aufstellung<br />
des Flurbereinigungsplanes für die Ortslagen Crussow in <strong>2023</strong> erfolgt und dem LELF in 12/<strong>2023</strong><br />
zur Prüfung vorgelegt worden.<br />
− Felchow in 03/<strong>2023</strong><br />
− Criewen in 08/<strong>2023</strong><br />
− Stützkow in 01/2024<br />
− Schöneberg in 12/<strong>2023</strong><br />
10
− Neu Galow in 09/<strong>2023</strong><br />
− Alt Galow in 09/<strong>2023</strong><br />
− Neu Galower Weg in 08/<strong>2023</strong><br />
Die Planerstellung und –vorlage für die Ortslage Stolpe ist für IV. Quartal 2024 angekündigt.<br />
Prüfaufgaben an den vorliegenden Planentwürfen wurden teilweise innerhalb des LELF gestreut,<br />
um der hohen Konzentration an Aufgaben Rechnung zu tragen.<br />
5 Management<br />
5.1 Evaluierung des Nationalparks<br />
In den Jahren <strong>2023</strong>/24 wird der Nationalpark Unteres Odertal zum zweiten Mal gemäß den von<br />
der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA)<br />
verabschiedeten Qualitätskriterien und –standards evaluiert. Das wesentliche Ziel der<br />
Evaluierung ist die Identifizierung von Stärken und Schwächen sowie deren Ursachen in 8<br />
definierten Handlungsfeldern.<br />
1. Rahmenbedingungen<br />
2. Organisation<br />
3. Schutz der natürlichen biologischen Vielfalt und Dynamik<br />
4. Management<br />
5. Kooperationen und nachhaltige Regionalentwicklung<br />
6. Externe Kommunikation<br />
7. Bildung und Naturerleben<br />
8. Forschung und Monitoring<br />
Die sich daraus ableitenden Empfehlungen sollen zur langfristigen Erhaltung und wo erforderlich<br />
Verbesserung der Qualität des Nationalparkmanagements beitragen. Gleichzeitig leistet die<br />
Evaluierung einen Beitrag zur Erfüllung der Pflichten und Verpflichtungen der Bundesrepublik<br />
aus Vereinbarungen im Rahmen des internationalen Übereinkommens über die Biologische<br />
Vielfalt (CBD), einschließlich der Umsetzung des „Arbeitsprogramms für Schutzgebiete“. Das<br />
Evaluierungskomitee wird von der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz,<br />
Landschaftspflege und Erholung (LANA) berufen und setzt sich aus Mitgliedern aus Bundes- und<br />
Landesbehörden, Nichtregierungsorganisationen sowie Nationalparkleitern und<br />
Wissenschaftlern zusammen.<br />
Bis September <strong>2023</strong> war eine umfangreiche Selbstauskunft und –einschätzung durch die NLP<br />
Verwaltung in eine Datenbank einzugeben. Auf dieser Grundlage wurde ein Vorbericht für das<br />
Evaluierungskomitee erstellt. Dieser setzt sich zusammen aus den Daten/Informationen der<br />
NLPV und einem Vergleich zur ersten Evaluierung. Das Evaluierungskomitee hat sich im Januar<br />
2024 bei einer Exkursion durch den Nationalpark sowie einem intensiven Austausch mit den<br />
Mitarbeitenden des Nationalparks wie auch regionalen Stakeholdern selbst einen umfänglichen<br />
11
Eindruck vor Ort gemacht. Der finale Bericht des Evaluierungskomitees wird voraussichtlich im<br />
3. Quartal des Jahres 2024 vorliegen.<br />
Für die Nationalparkverwaltung ist die externe Evaluierung ein wichtiger Baustein für das eigene<br />
Qualitätsmanagement. Empfehlungen des Komitees werden berücksichtigt.<br />
5.2 Fortschreibung Nationalparkplan<br />
Die Fortschreibung des Nationalparkplans ist über mehrere Jahre angelegt und wird mit<br />
Haushaltsmitteln durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK)<br />
finanziert. Mit der Konzeptionierung und Erarbeitung der strategischen und inhaltlichen Ziele<br />
wurde Ende 2021 begonnen. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe innerhalb der<br />
Nationalparkverwaltung gebildet, die die Erarbeitung koordiniert.<br />
Zu den Zielen und Aufgaben des Nationalparkplans wird auf die ausführliche Darstellung im<br />
<strong>Fortschrittsbericht</strong> 2022 verwiesen. Hier wird die Fortführung in <strong>2023</strong> dargestellt. Aufgetretene<br />
geringfügige Veränderungen im Zeitplan wurden angepasst (siehe Abbildung 5).<br />
Der Entwurf des Leitbildes (Band 1) liegt in der Rohfassung vor, soll jedoch im Jahr 2024 in<br />
einem zunächst internen Prozess noch einmal überarbeitet werden. Die Erfassung der<br />
Grundlagen wurde fortgeführt. Die Bearbeitung der Themenbereiche Landnutzung,<br />
Tourismus/Regionalentwicklung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung erfolgt in 2024.<br />
12
Abbildung 5: Zeitplan für die Fortschreibung des Nationalparkplanes<br />
In <strong>2023</strong> wurden im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung wichtige<br />
Grundlagenerfassungen erfolgreich vergeben:<br />
- Bestandserfassung zu Biotoptypen und FFH-Lebensraumtypen mit einer Flächenkulisse<br />
ausschließlich in Schutzzone 2 (Pflegezone) in der Aue (Los 2),<br />
- Erfassung und Bewertung von ausgewählten FFH-Arten der Amphibien und Reptilien<br />
(FFH Anhang II, IV: Rotbauchunke (Bombina bombina), Kammmolch (Triturus<br />
cristatus); FFH Anhang IV: Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea), Zauneidechse<br />
(Lacerta agilis)) für die Gesamtfläche des Nationalparks Unteres Odertal (Los 3),<br />
- Erfassung und Bewertung von ausgewählten FFH-Arten der Libellen und Tagfalter (FFH<br />
Anhang II, IV: Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), Große Moosjungfer<br />
(Leucorrhinia pectoralis), Östliche Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons), Zierliche<br />
Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis); FFH Anhang IV: Asiatische Keiljungfer (Gomphus<br />
flavipes), Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis)) für die Gesamtfläche des Nationalparks<br />
Unteres Odertal,<br />
- SPA-Kartierung im Nationalpark Unteres Odertal (Lose 5-7)<br />
Der Fokus liegt dabei auf den besonders geschützten Arten entsprechend der Einstufung in den<br />
Anhängen der FFH-Richtlinie. Für die Amphibien und Reptilien liegt bereits ein Abschlussbericht<br />
13
vor. Der überwiegende Anteil der untersuchten Vorkommen auentypischer Arten wie Laubfrosch<br />
und Rotbauunke weist noch günstige Erhaltungszustände auf. Es zeigt sich jedoch, dass auch<br />
in der tendenziell feuchten Oder-Aue und den Randgebieten einige Gewässertypen unter<br />
Wassermangel leiden und so ihre Funktion als Reproduktionsstätte verlieren können. Dem<br />
Wasserrückhalt gebührt dementsprechend eine hohe Bedeutung zum Schutz dieser allgemein<br />
stark gefährdeten Artengruppe. So wird in dem Fachgutachten beispielweise eine Reduktion des<br />
Schöpfens im Trockenpolder vorgeschlagen. Zum dritten Mal wurde die Erfassung und<br />
Bewertung von Vogelarten nach dem<br />
Anhang I der Vogelschutzrichtlinie für den gesamten Nationalpark beauftragt (SPA-Kartierung).<br />
Die Kartierungen werden im Jahr 2024 fortgeführt und dabei auf das gesamte Vogelschutzgebiet<br />
Unteres Odertal, welches auch Flächen außerhalb des Nationalparks wie z.B. den Felchowsee<br />
einschließt, ausgedehnt. Umfassende Ergebnisse werden nach Abschluss dieser Erfassungen<br />
vorliegen.<br />
Für die in <strong>2023</strong> kartierten NNE-Flächen (ca. 1000 ha, vor allem Grünland), konnte<br />
erfreulicherweise eine Zunahme der Fläche der FFH-Lebensraumtypen zwischen 2009 und <strong>2023</strong><br />
festgestellt werden. Waren 2009 noch 53,9 % der Fläche bzw. 609 ha mit Lebensraumtypen<br />
besiedelt, wurden im Jahr <strong>2023</strong> 61,4 % der Fläche bzw. 694 ha als LRT erfasst. Damit zeigt sich<br />
im Gebiet eine Ausbreitung der Lebensraumtypen um 85 ha, was einem Anstieg von 7,5 %<br />
entspricht.<br />
Den größten Zuwachs zeigen die Brenndolden-Auenwiesen (LRT 6440) mit einem Anstieg von<br />
6,8 % bzw. 76,9 ha (siehe Abbildung 6). Vermutlich ist dies auf den Erfolg des Pflegekonzepts<br />
dieser Flächen zurückzuführen. Dies belegt auch der Anstieg der Fläche trotz der Verschärfung<br />
der Erfassungskriterien für diesen LRT. Weiterhin haben die Gewässer des Lebensraumtyps<br />
3150 leicht zugenommen um 1,6 % bzw. 18,4 ha. Wie oben schon ausgeführt, liegt die Ursache<br />
dessen in der randlichen Ausbreitung der zum Lebensraumtyp gehörenden Schilfröhrichte in die<br />
Grünlandflächen hinein.<br />
Minimale Veränderungen zeigen die Wald-Lebensraumtypen 91E0 und 91F0. Beim LRT 91E0 ist<br />
der geringfügige Zuwachs z.T. auf Sukzession in angrenzenden Bereichen zurückzuführen und<br />
das Zusammenwachsen bisher getrennter Bestände des LRT.<br />
14
Abbildung 6: FFH-LRT der Kartierung <strong>2023</strong> im westlichen Polder A<br />
Zum dritten Mal wurde die Erfassung und Bewertung von Vogelarten nach dem Anhang I der<br />
Vogelschutzrichtlinie für den gesamten Nationalpark beauftragt (SPA-Kartierung), diese<br />
Kartierungen finden turnusmäßig alle sechs Jahre statt. Durch die verlängerten Öffnungszeiten<br />
der Flutungspolder bis Mitte Mai konnten typische Vogelarten der Flussaue und Feuchtwiesen<br />
verbesserte Brutbedingungen vorfinden. Anhand der jeweils ausgewiesenen Revieranzahl kann<br />
der positive Einfluss verbesserter Wasserstände zwischen den Erfassungsjahren nachvollzogen<br />
werden (siehe Tabelle 1). Damit ein Revierpaar auch möglichst einen Bruterfolg erzielen kann,<br />
sind anhaltend gute Wasserstände über die Brut- und Aufzuchtzeit zwingend notwendig.<br />
Tabelle 1: Kartierte Reviere ausgewählter Arten im Flutungspolder A/B bei Schwedt/Oder<br />
Art<br />
SPA-Kartierung<br />
2017<br />
SPA-Kartierung<br />
<strong>2023</strong><br />
Bekassine 32 29<br />
Kiebitz 29 49<br />
Rothalstaucher 1 13<br />
Tüpfelsumpfhuhn 7 24<br />
5.3 Wildnisentwicklung<br />
Hauptziel eines Nationalparks ist die Entwicklung von Wildnis („Natur Natur sein lassen“).<br />
Entsprechend dem Nationalparkgesetz soll dies im Nationalpark Unteres Odertal auf 50,1 % der<br />
Fläche umgesetzt werden. Gemäß § 5 Absatz 2 bleibt die Schutzzone Ib uneingeschränkt der<br />
natürlichen Entwicklung überlassen, sobald die Eigentümer und die land-, forst- oder<br />
fischereiwirtschaftlich Nutzungsberechtigten durch Bereitstellung angemessener Tauschflächen<br />
oder in Geld im Rahmen des Unternehmensflurbereinigungsverfahrens Unteres Odertal (UFBV<br />
UO) auf Grundlage der Ausführungsanordnung des Flurbereinigungsplans gemäß § 61 des<br />
Flurbereinigungsgesetzes, von Anordnungen gemäß § 88 Nr. 3 in Verbindung mit § 36 des<br />
Flurbereinigungsgesetzes, eines freiwilligen Landtausches gemäß § 103a des<br />
Flurbereinigungsgesetzes, oder eine andere Maßnahme entschädigt worden sind. Aus diesem<br />
Grund ist der erfolgreiche Abschluss des UFBV UO auch so wichtig für den Nationalpark.<br />
Bereits 2013 erfolgte im Unternehmensflurbereinigungsverfahren die sogenannte vorläufige<br />
Besitzeinweisung. Die vom Nationalpark betroffenen Grundeigentümer sind hier bereits in den<br />
Besitz ihrer Austauschflächen eingewiesen worden. Diese Flächenneuzuordnung galt auch für<br />
die land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Pachtverhältnisse, das heißt auch die<br />
Landwirtschaftsbetriebe erhielten zu diesem Zeitpunkt bereits andere Flächen zur Nutzung. Dem<br />
15
Tauschvorgang lag ein ausgeklügeltes, zwischen NLPV (Nationalparkverwaltung), dem LELF<br />
(Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung) und den<br />
Landwirtschaftsbetrieben abgestimmtes Konzept zur Flächenausstattung (für die<br />
landwirtschaftlichen Nutzflächen innerhalb des Nationalparks und die Austauschflächen<br />
außerhalb) zu Grunde, um betriebliche Existenzgefährdungen auf Grund eines<br />
nationalparkbedingten Flächenentzuges auszuschließen.<br />
Die Nationalparkverwaltung hat 2014 die Verpachtung der Landesnaturschutzflächen auf<br />
Grundlage dieses Konzeptes neu geordnet. Seit diesem Zeitpunkt sind fortlaufend in der SZ Ib<br />
gelegene landwirtschaftliche Nutzflächen mit einem hohen naturschutzfachlichen<br />
Konfliktpotential von einer Verpachtung ausgenommen worden, soweit dies einvernehmlich mit<br />
dem betroffenen Landwirtschaftsbetrieb vereinbart werden konnte. Vor allem deshalb konnte<br />
der Anteil nutzungsfreier Flächen im Nationalpark seit 2014 von 2.259 ha (21,7 %) auf aktuell<br />
3.900 ha (37,4 %) deutlich erhöht werden, ohne die Agrarstruktur zu gefährden.<br />
In <strong>2023</strong> sind insgesamt noch 1.320 ha an Landwirtschaftsflächen in der Schutzzone Ib<br />
verpachtet worden. Davon entfallen 1.078 ha auf den „Verein der Freunde des Deutsch-<br />
Polnischen Europanationalparks Unteres Odertal“ und lediglich 242 ha auf das Land<br />
Brandenburg. Hier wird die Nutzung dann gemäß § 5 Abs. 2 NatPUOG spätestens mit der<br />
Beendigung des Unternehmensflurbereinigungsverfahrens eingestellt.<br />
16
Abbildung 7: Nutzungsfreie Flächen in der Schutzzone Ib des Nationalparks<br />
17
5.4 Artenschutzmaßnahmen<br />
Entsprechend des Schutzzwecks werden neben der Festlegung der Nutzungstermine als<br />
flächenbezogene Artschutzmaßnahmen für Wiesenbrüter (dynamisches Grünlandmanagement)<br />
nur ausgewählte direkte Artenschutzmaßnahmen im Nationalpark umgesetzt. Im Jahr <strong>2023</strong><br />
waren Restaurationsarbeiten an einem wichtigen Fledermaus-Winterquartier notwendig, die im<br />
Auftrag der Nationalparkverwaltung durch eine Fachfirma umgesetzt und durch einen<br />
ehrenamtlichen Fledermauskundler betreut wurden. Der Zugang wurde einbruchssicher<br />
umgebaut und zusätzliche Versteckmöglichkeiten wurden innerhalb des Quartiers angebracht.<br />
Im Zuge des Monitorings wurden in diesem Quartier Fransen- und Wasserfledermäuse sowie<br />
das Braune Langohr festgestellt. Von 18 Fledermausarten, die in Brandenburg vorkommen, sind<br />
in der Nationalparkregion 17 Arten nachgewiesen. 2022 wurden im Rahmen eines Interreg-<br />
Projektes zwei Nisthilfen für Fischadler installiert, diese wurden im darauffolgenden Frühjahr<br />
jedoch noch nicht angenommen.<br />
5.4.1 Entwicklung der Wolfsvorkommen in der Nationalparkregion<br />
Seit einigen Jahren ist die permanente Anwesenheit des Wolfes in der Nationalparkregion<br />
unstrittig, was sich unter anderem durch eine zunehmende Dokumentation direkter und<br />
indirekter Nachweise belegen lässt. Im Jahr <strong>2023</strong> wurden 135 solcher Meldungen durch die<br />
Naturwacht registriert. Unklar war bisher, ob es bereits eine erfolgreiche Reproduktion abseits<br />
der ausgewiesenen Wolfsrudel bei Parstein / Oderberg gegeben hat. Im Sommer <strong>2023</strong> konnte<br />
dieser erste Reproduktionsnachweis für den Nationalpark Unteres Odertal nun durch eine<br />
Fotofallenaufnahme erbracht werden. Das Foto, aufgenommen Mitte Juli im südlichen Teil des<br />
Nationalparks, zeigte insgesamt neun Wolfswelpen. Im Herbst / Winter <strong>2023</strong> nahmen auch die<br />
Risse an Schafen deutlich zu. Die örtlichen Schäfer bemühen sich die empfohlenen<br />
Herdenschutzmaßnahmen umzusetzen, was unter den speziellen geografischen Bedingungen<br />
entlang der Deiche oder auch auf Trockenrasen z.T. nur erschwert möglich ist.<br />
5.4.2 Wiederansiedlung des Störs<br />
Das Projekt zur Wiederansiedlung des ehemals ausgestorbenen Baltischen Störs, das in enger<br />
Abstimmung mit den Projektpartnern, unter denen vor allem die Gesellschaft zur Rettung des<br />
Störs e.V., das IGB Berlin, der Nationalparkfischer Lutz Zimmermann und die<br />
Fischereigenossenschaft Regalica in Gryfino (Polen) zu nennen sind, wurde mit dem Besatz von<br />
Jungstören in die Oder fortgesetzt und von der Nationalparkverwaltung vor Ort betreut. Die<br />
Aufzuchtcontainer in Friedrichsthal und Widuchowa (Marienhof) wurden wegen der drohenden<br />
Wiederholung der Oder-Vergiftung vorsorglich nicht mit Jungstören zur weiteren Aufzucht<br />
besetzt. Am Aufzuchtcontainer in Friedrichsthal sollen zuvor technische Umbauten durchgeführt<br />
werden, die im Havariefall ein Überleben der wertvollen Störe sichern sollen. Diese Arbeiten<br />
konnten jedoch mangels finanzieller Förderung noch nicht durchgeführt werden. Die<br />
Wiederaufnahme der Störaufzucht im Nationalpark ist für die nächste Saison 2024 vorgesehen.<br />
5.4.3 Fischerei<br />
Im Jahr <strong>2023</strong> hat ein weiterer Nationalparkfischer das gesetzliche Rentenalter erreicht. Damit<br />
laufen zum Ende des Jahres weitere Pachtverträge in der Schutzzone I aus, die nicht mehr<br />
verlängert werden – ein wichtiger Schritt zur sozialverträglichen Nutzungseinstellung in der<br />
Prozessschutzzone des Nationalparks.<br />
18
Nach der Oder-Katastrophe (Vergiftung, Fischsterben) im August 2022 hat sich die Fischerei in<br />
der Oder noch nicht wieder erholt. Der Absatz von Fisch und Fischwaren und der Verkauf von<br />
Angelkarten liegt immer noch am Boden. Die Fänge bei Probefischungen sind gering. Es fehlen<br />
die marktfähigen großen Fische im Fang. Die Berufsfischer haben die Fischerei in der Oder<br />
weitgehend eingestellt, um die wenigen verbliebenen Laichfische für die Reproduktion und den<br />
Bestandsaufbau in den Folgejahren zu schonen. Die Angelfischerei in der Oder findet im<br />
mittleren und südlichen Bereich des Nationalparks nur noch vereinzelt statt. Etwas besser sieht<br />
es im nördlichen Bereich der Westoder aus. Hier sind offenbar Fische, die bei der Katastrophe<br />
Richtung Mündung fliehen konnten, zurückgekehrt. Neben dem monetär schwer fassbaren<br />
Verlust der Erholungs- und Umweltbildungsfunktion ist auch bei den regionalen<br />
Angelgerätehändlern nach wie vor ein Umsatzverlust zu verzeichnen.<br />
Die Hilfsangebote vom Förderverein Nationalpark Unteres Odertal e.V. und vom Landkreis<br />
Uckermark zur Kompensation der Einkommensverluste in der Berufsfischerei bestehen weiter<br />
fort. Die beiden erstgenannten Hilfsangebote umfassten Aufträge zum Monitoring der<br />
Fischbestände und der Wasserqualität nach Vorgaben der Nationalparkverwaltung und wurden<br />
bereitwillig angenommen.<br />
5.5 Dynamisches Schöpfwerksmanagement Polder A/B - Arbeit des<br />
Staubeirates<br />
Insgesamt fanden <strong>2023</strong> sechs Staubeiratssitzungen statt. Die Naturwacht stellte, wie in den<br />
vergangenen Jahren, die Pegelablesungen der Schöpfwerke und Hilfspegel als<br />
Entscheidungsgrundlage zur Verfügung (siehe Abbildung Tabelle 2). Die reguläre<br />
Polderschließung Mitte April wurde um einen Monat verschoben, um die Gefahr eines erneuten<br />
Fischsterbens durch zu hohe Salzeinleitungen auf der polnischen Seite zu verringern. Auf die<br />
Bitte des Umweltministeriums, wenigstens kurzzeitig die Salzkonzentration des Oderwassers vor<br />
der Polderschließung zu reduzieren; hat es leider keine Reaktion von polnischer Seite gegeben.<br />
Die Salzgehalte wurden das ganze Jahr über weiterhin beobachtet, denn die Salzbelastungen in<br />
der Oder waren im gesamten Jahresverlauf nachweislich sehr hoch. Die verlängerte Öffnung<br />
der Flutungspolder in <strong>2023</strong> war eine völlig neue hydrologische Situation, die es bisher so noch<br />
nicht gegeben hat, ausgenommen der letzten Sommerhochwasserereignisse von 1997 und<br />
2010. Im Nationalparkplan ist diese Änderung des Poldermanagements seit 2014 eine<br />
verbindliche Zielfestlegung.<br />
Für das Öffnen und Schließen der Polder hat der Staubeirat kein Mandat. Der Staubeirat<br />
entscheidet nur über die Bedienung der Schöpfwerke. Die verlängerte Öffnung der Polder ist<br />
von den im Nationalpark wirtschaftenden Landwirten kritisiert worden, da sie<br />
Nutzungseinschränkungen befürchteten.<br />
Im Zeitraum vom 12. bis 15.05.23 wurden alle Bauwerke geschlossen. Unter den Landwirten<br />
bestand große Sorge, den eigenen Rinderbestand noch ernähren zu können, und vor der<br />
Ausbreitung von Parasiten und Klauenkrankheiten. Im Nachgang der landwirtschaftlichen Saison<br />
hat sich dies relativiert, zum Teil sind sogar deutlich höhere Biomasseerträge erzielt worden.<br />
Auf den tief liegenden Flächen haben sich seltene Vogelarten angesiedelt, die sonst aus der<br />
Kulturlandschaft weitgehend verschwunden sind. Hier haben auentypische Arten der<br />
19
Flachwasserzonen, Sümpfe und Nass- und Feuchtwiesen einen Rückzugsraum gefunden. Zu<br />
nennen sind z. B. Weißbartseeschwalbe, Bekassine, Rothalstaucher, Kiebitz oder Tüpfelralle.<br />
Diese Arten sind in Kategorien nach den Roten Listen Deutschlands und Brandenburgs<br />
eingestuft und stehen unter Naturschutz. Im Frühjahr <strong>2023</strong> waren an wertgebenden<br />
Brutvogelarten im Polder A/B 24 Tüpfelsumpfhühner, ein Paar Kleines Sumpfhuhn, 29 Reviere<br />
der Bekassine und 49 Reviere der Kiebitze sowie 13 Reviere Rothalstaucher (Quelle: SPA-<br />
Kartierung Nationalpark <strong>2023</strong>) vertreten. Den hohen avifaunistischen Wert belegen die<br />
Vorkommen von je einem Paar der Großen Rohrdommel und Zwergdommel.<br />
Die Bedienung der beiden Staue am Eichwerder Dammgraben und am Wehr Roter Kolk haben<br />
sich für einen Wasserrückhalt innerhalb des Flutungspolders bewährt. Bei Bedarf können die<br />
Wasserstände im Polder A und Polder B über den Stau Eichwerder Dammgraben gut getrennt<br />
voneinander eingestellt werden. Die verlängerte Öffnung des Polders ist keine neue Planung,<br />
sondern seit 2014 im Nationalparkplan festgeschrieben und war zuvor Gegenstand intensiver<br />
öffentlicher Diskussion und Abstimmung. Es wird angestrebt die Schließung des Polders A/B und<br />
Polder 10 zum 15.05. auch 2024 umzusetzen. Der Betrieb der Schöpfwerke wird dann zwischen<br />
Mitte Mai und Ende Juni insbesondere an den naturschutzfachlichen Erfordernissen<br />
ausgerichtet. Die Regeneration des Wasserregimes ist ein wesentlicher Schutzzweck im<br />
Auennationalpark (§ 3 Abs. 2 Nr. 2 NatPUOG). Aus diesen Grundlagen ergibt sich ein klarer<br />
Entwicklungsauftrag zur Verlängerung der Öffnungszeiten.<br />
Abbildung 8: Überstaute Gerichtswiesen mit besten Bedingungen für Wiesenbrüter, Sumpfvögel und<br />
Jungfische im Polder A, Foto: M. Voigt, 17.05.<strong>2023</strong><br />
Das für die Unterhaltung der Deichanlagen zuständige Wasserwirtschaftsamt konnte seine<br />
Unterhaltungsaufgaben trotz länger anhaltender Überflutungen erfüllen. Die<br />
Unterhaltungskosten waren allerdings auf Grund des engeren Zeitfensters und größerer<br />
technischer Anforderungen höher.<br />
20
Die Nationalparkverwaltung überprüfte auf Wunsch der Landwirte die Tränkgewässer auf ihre<br />
Sauerstoffgehalte und Temperaturen.<br />
Folgende Gewässer wurden am 16.06.<strong>2023</strong> zwischen 8:00 und 9:00 Uhr gemessen:<br />
1. Graben südlich Faule Oder (nahe Crieort): 1,62 mg/l, 18,3 °C<br />
2. Grabenbrücke Sandsee (südwestlich Landgrabenbrücke): 1,11 mg/l, 18,3 °C<br />
3. Verbindung Raduhner Graben – Damnitz: 1,15 mg/l, 17,7 °C<br />
4. Meglitze (Drei-Bänke-Brücke): 2,48 mg/l, 20,2 °C<br />
5. Dewin (nordöstlich Großer Rathsee): 2,80 mg/l, 19,3 °C<br />
Die Untersuchung ergab durchweg niedrige Sauerstoffgehalte, jedoch waren keine<br />
Ausstickungen zu beobachten. Schwefelwasserstoff (Faulgase) konnte ebenfalls nicht<br />
festgestellt werden. Das bedeutet, dass die Sauerstoffsituation in den kleineren Gräben<br />
angespannt, aber noch nicht toxisch (sauerstofffrei, Schwefelwasserstoff) war. Im Tagesgang<br />
ist mit einem deutlichen Anstieg der Sauerstoffgehalte zu rechnen. Dies gilt jedoch unter dichten<br />
Pflanzendecken und bei Windstille nur eingeschränkt. Bei der Tränkwasserentnahme wurde<br />
empfohlen, möglichst keine bodennahe Entnahme durchzuführen und sehr kleine Gewässer<br />
(Gräben) mit starker Pflanzendecke zu meiden. Es entstanden flach überstaute<br />
Sumpfnasswiesen mit wertvollen Lebensräumen und guten Brutbedingungen für<br />
bestandsgefährdete Wiesenbrüter und Sumpfvögel.<br />
21
Tabelle 2: Pegelablesungen der Naturwacht im Polder A/B <strong>2023</strong> mit den höchsten Pegelständen seit<br />
Gründung des Staubeirates<br />
5.6 Anbindung der Tieflanke an die Hohensaaten Friedrichthaler<br />
Wasserstraße (HOFRIWA)<br />
Im Zusammenhang mit der Oderdeichsanierung im Polder 10, Baulos 63 wurde als<br />
Ausgleichsmaßnahme die Neuanlage eines 5 bis 6 m breiten Stichgrabens am südlichen Ende<br />
der Tieflanke sowie der Rückbau des alten Siels und die Aufweitung des Mündungsbereiches<br />
am nördlichen Auslauf in die HOFRIWA geplant. Die unterwasserseitige Anbindung zur<br />
HOFRIWA bei Friedrichsthal wurde bereits 2020 während der Deichbaumaßnahmen umgesetzt,<br />
um den neuen Deich hier nicht durch spätere Bauarbeiten am Altarm zu beschädigen. Hier<br />
wurde eine alte Spundwand mit Siel entfernt und der Anschluss zur Wasserstraße hergestellt.<br />
Aufgrund von hohen Kampfmittelbelastungen waren hier intensive Kampfmittelberäumungen<br />
notwendig.<br />
Mit der Förderung der ungehinderten Durchströmung der Altgewässer wird mit der<br />
vorgesehenen Maßnahme die dauerhafte Öffnung des Polders 4 zur HOFRIWA wesentlich<br />
verbessert.<br />
22
Das Ziel ist die Herstellung einer natürlichen Auendynamik an der Tieflanke und den<br />
angrenzenden Feuchtgebieten im Polder 4 und damit verbunden die Aufwertung der Flächen<br />
als Lebensraum für Tierarten der Auen. Im Vordergrund steht die direkte offene Anbindung der<br />
Tieflanke, welche einen Altarm der Westoder darstellt, an die hydraulischen Verhältnisse der<br />
HOFRIWA. Zur Ufersicherung und Beschattung des Altarms sind Auwaldpflanzungen am<br />
Durchstich vorgesehen. Zusätzlich sind Schwimmbarrieren an Ein- und Auslauf des Altarms<br />
geplant damit eine Befahrung durch Motorboote und andere Wasserfahrzeuge unterbunden<br />
wird. Die Umsetzung der Maßnahme soll bis Februar 2024 abgeschlossen sein. In unmittelbarer<br />
Nachbarschaft plant die Nationalparkverwaltung den Anschluss des Altgewässers Welsensee.<br />
Abbildung 9: Altarmanbindung Tieflanke an der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße –<br />
Herstellung des südlichen Durchstichs mittels Schwimmbagger, M. Voigt, 18.12.<strong>2023</strong><br />
5.7 A+E Maßnahmen Radwegebau Mescherin Staffelde – Entsiegelungen im<br />
Nationalpark<br />
Innerhalb des Nationalparks wurden <strong>2023</strong> zwei Entsiegelungsmaßnahmen als Ausgleich für den<br />
Radwegebau des Oder-Neiße-Radweges (Lückenschluss ca. 1,7 km) zwischen Mescherin und<br />
Staffelde umgesetzt. Zusätzlich erfolgten Ersatzpflanzungen von neuen Baumreihen und<br />
23
Erstaufforstungen vorrangig mit Laubgehölzen und Gebüschen außerhalb des Nationalparks<br />
innerhalb der Gemarkung Mescherin.<br />
1. Entsiegelung an Stallanlage bei Schöneberg im Trockenpolder Lunow-Stolpe (Abbildung 10)<br />
Die versiegelnd wirkende Oberflächenbefestigung, Betonplatten sowie Mauerreste nördlich und<br />
südlich des Melkstalls Schöneberg wurde auf zirka 1.644 m² Fläche zurückgebaut. Das<br />
ungenutzte Gebäude des Melkstandes bleibt als Fledermaushabitat und Vogelbrutstätte<br />
erhalten.<br />
2. Entsiegelung des Plattenweges im Polder 10, Weg Nr. 19 (Abbildung 11)<br />
Der im Wege- und Gewässerplan des Nationalparkplans, für den Rückbau vorgesehene<br />
Spurplattenweg Nr. 19 im Polder 10, wurde auf 2.176 m² (ca. 1.080 m Länge) zurückgebaut.<br />
Der Weg wurde in Vorkopfbauweise entsiegelt und der anstehende Boden auf ca. 3.264 m²<br />
aufgelockert für eine natürliche Vegetationsentwicklung.<br />
Abbildung 10: Entsiegelungsarbeiten von Betonflächen am alten Melkstand Schöneberg, Foto: M. Voigt<br />
24
Abbildung 11: Rückbau des alten Spurplattenweges Nr. 19 im Polder 10 auf 1.080 m Länge nach der<br />
Entsiegelung, Drohnenaufnahme M. Voigt 07.11.<strong>2023</strong><br />
5.8 Management zur Umsetzung des Schutzzweckes<br />
5.8.1 Landwirtschaftliche Nutzung allgemein<br />
Im Nationalpark Unteres Odertal werden noch ca. 4.500 ha landwirtschaftlich genutzt, davon<br />
werden 41 % von konventionellen und 59 % von ökologisch wirtschaftenden Betrieben<br />
bewirtschaftet. Insgesamt wirtschaften 33 Betriebe im Nationalpark. Mit der Beendigung des<br />
UFBV werden noch ca. 1.300 ha als Wildnisgebiet aus der landwirtschaftlichen Nutzung<br />
entlassen.<br />
Neben den geplanten Wildnisgebieten wurden auch stark vernässte Flächen am Schöpfwerk<br />
Schwedt 1 und mit Auwald bestockte Flächen am Fittesee aus der landwirtschaftlichen Nutzung<br />
genommen.<br />
Die erstmalige verlängerte Polderöffnung hat anfänglich für Unmut unter den Landwirten<br />
gesorgt. In vielen Gesprächen wurde nach individuellen Lösungsmöglichkeiten, vor allem was<br />
die Beweidung betraf, gesucht. Im Juni freigegebene Flächen konnten teilweise erst vier<br />
Wochen später durch Mahd genutzt werden. Die verlängerte Polderöffnung und der Verzicht auf<br />
das Abpumpen in den Polder A/B gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, um die Schutzziele<br />
im Nationalpark erreichen zu können.<br />
25
Die Förderprogramme zum Moorbodenschutz bzw. dem Wasserrückhalt haben eine besondere<br />
Bedeutung im Nationalpark, um die Schutzziele erreichen zu können. Diese Programme wurden<br />
<strong>2023</strong> auf 2.561 ha beantragt. Nach umfänglicher Prüfung wurden davon 1.345 ha als förderfähig<br />
festgestellt. Die speziellen Bedingungen im Nationalpark erfordern auch zukünftig eine<br />
praxisorientierte Förderung damit die Akzeptanz für die Maßnahmen des Nationalparkplans<br />
bestehen bleibt und weiter erhöht werden kann.<br />
Die neuen Förderprogramme zur Teilmahd (53 ha) und zur Verwendung von<br />
Doppelmessermähwerken (87 ha) wurde von zwei Betrieben im LSTP gewählt.<br />
Das Kennartenprogramm (Ökoregelung 4) wurde von den meisten Betrieben mit insgesamt<br />
3.762 ha beantragt, mit Unterstützung der Nationalparkverwaltung gelang die Kartierung von<br />
ca. 1.300 ha. Die Förderhöhe von 240,- €/ha honoriert die bisherige nachhaltige<br />
Grünlandbewirtschaftung im Nationalpark. Es gab nur sehr wenige (extrem feuchte) Flächen,<br />
auf denen nicht 4 Kennarten gefunden werden konnten.<br />
Wie bereits im Vorjahr wurden im Nationalpark Grünlandaufwüchse für die Biogasherstellung<br />
genutzt.<br />
Für die Biogasanlage in Schwedt wurden wieder hauptsächlich Flächen mit Nutzungstermin nach<br />
dem 15.08. genutzt. Somit fand eine Wertschöpfung von ansonsten zu Futterzwecken wertlosen<br />
Aufwüchsen statt. Im Zeitraum vom 22.08. bis 07.09. wurden von 350 ha Spätnutzungsflächen<br />
insgesamt 3.700 t Frischmasse für die Biogasproduktion, welche direkt ins Erdgasnetz<br />
eingespeist wird, bereitgestellt.<br />
Die Biomasseernte für eine Biogasanlage in Wriezen fand im Zeitraum vom 17.07. bis 19.07.<br />
und als Zweitnutzung im September statt. Die Ernte wurde mit Dienstleister durchgeführt, der<br />
alle Flächen in wenigen Stunden gemäht, geschwadet, gehäckselt und beräumt hat. Die Flächen<br />
lagen zusammenhängend in der Langen Rehne bzw. im Polder B, insgesamt wurden 225 ha<br />
genutzt. Bei der Zweitnutzung wurden 140 ha für die Biogasproduktion gemäht. Es wurden zwar<br />
Schutzstreifen stehen gelassen, jedoch ist diese Form der flächigen, zeitgleichen<br />
Grünlandnutzung naturschutzfachlich problematisch und nicht nationalparkkonform. Sie führt<br />
u.a. zu einer Verarmung der Insektenfauna, weil sich diese hauptsächlich auf den Schwaden<br />
aufhalten und mit gehäckselt werden. Habitatstrukturen werden großflächig egalisiert. Ein Teil<br />
der Flächen waren stark mit Wasserkreuzkraut belastet. Hier ist abzuwarten, ob diese<br />
Maßnahme zu einer Reduzierung dieser Giftpflanze führen kann.<br />
Für die Biogasanlagen wurden insgesamt ca. 25 % aller Mahdflächen im Nationalpark <strong>2023</strong><br />
genutzt.<br />
Im Herbst kam es zu vermehrten Wolfsübergriffen auf Schafe im Nationalpark. Dabei wurden<br />
auch den Herdenschutzanforderungen entsprechende Einzäunungen von den Wölfen<br />
überwunden. Einzelne Wölfe haben das Überspringen der Schafsnetze gelernt und stellen somit<br />
ein ernstzunehmendes Problem da. Im Nationalpark kam es zu mindestens 18 Übergriffen mit<br />
65 toten und 26 verletzten Tieren. (Ergänzung MILGETA) Eine Deichbeweidung mit Schafen<br />
26
wird unter der starken Präsenz von Wölfen zukünftig eher schwierig sein, da Herdenschutzhunde<br />
auf Grund des direkt anliegenden Oder-Neiße-Radweges nicht eingesetzt werden können. Eine<br />
Schäferin hat nach 7 Übergriffen in Folge ihre Schafe aus dem Nationalparkgebiet entfernt.<br />
Die Nationalparkverwaltung stellt den Landwirten bei Bedarf einen Rappazaun zur Verfügung.<br />
Desweiteren wurden 1,40 m hohe Glasfieberpfähle beschafft, um die Schafsnetze aufzurüsten<br />
und ein Überspringen zu vermeiden.<br />
5.8.2 Dynamisches Grünlandmanagement<br />
Das Dynamische Grünlandmanagement (DGLM) wurde im Rahmen der Erarbeitung des<br />
Nationalparkplanes entwickelt und wird seit 2015 in die Praxis umgesetzt. Es dient in erster Linie<br />
dazu, die unterschiedlichen Nutzungsinteressen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft<br />
möglichst in Einklang zu bringen. Dieses wird durch ein flexibles Nutzungsmanagement mit<br />
Erstnutzungsterminen in einer Zeitspanne vom 01.06. bis 15.08. unter Berücksichtigung der<br />
tatsächlich vorkommenden zu schützenden Arten und Lebensräume realisiert. Das DGLM<br />
garantiert den landwirtschaftlichen Betrieben einen Mindestanteil zu nutzender Flächen zu den<br />
einzelnen Nutzungsterminen, somit erhalten die Betriebe Planungssicherheit für die Versorgung<br />
ihrer Tierbestände. Dabei wurden auch die Belange und Probleme der Landwirte berücksichtigt,<br />
was die Akzeptanz für dieses Management weiter erhöhte. Das Jahr <strong>2023</strong> war von der<br />
verlängerten Polderöffnung geprägt, eine kleine Flutwelle sorgte für höhere Wasserstände bei<br />
schon vorhandenen Aufwüchsen. Die Erstnutzung im Juni verzögerte sich aufgrund der<br />
schlechten Befahrbarkeit/Trittfestigkeit wegen der hohen Wasserstände.<br />
Als NATURA 2000 Gebiet hat der Nationalpark Unteres Odertal die Erhaltungsverpflichtung<br />
gegenüber bestimmten Arten wie dem Wachtelkönig auf der einen Seite und speziellen<br />
Lebensraumtypen wie der Brenndoldenwiese auf der anderen Seite zu gewährleisten. Seit 2019<br />
werden spezielle Maßnahmen für den Erhalt dieses Lebensraumtyps über Vertragsnaturschutz<br />
gefördert. Leider konnte <strong>2023</strong> keine Brenndoldenflächenfrühmahd bzw. zweimalige Mahd<br />
gefördert werden.<br />
Seit 1994 werden zwei Synchronzählungen für Wachtelkönige durchgeführt, erstmalig war eine<br />
Zählung im Mai in den Poldern A/B nicht möglich.<br />
Bei der 2. Zählung konnten 53 rufende Wachtelkönige akustisch festgestellt werden, bei der<br />
Beringung gelang es den Ornithologen 32 Wachtelkönige zu fangen. Zusätzliche Tag- und<br />
Nachtzählungen wurden bei der Terminfestlegung herangezogen, um alle bekanntgewordenen<br />
Rufplätze und potentielle Brutplätze durch Spätnutzung zu schützen. Insgesamt wurden im<br />
Nationalpark 24 Vertragsnaturschutzverträge mit Landwirten und einem Fördervolumen von<br />
72.468,09 € (2022 178.639,06 €) abgeschlossen. Die neue GAP-Förderperiode und die<br />
Kappungsgrenze beim VNS führten, dazu, dass einige Maßnahmen nicht gefördert werden<br />
konnten. Neben der Durchführung einer einheitlichen Nutzungskartierung zu allen relevanten<br />
Terminen, ermöglicht die Mahdbegleitung mit Erstellung eines Protokolls eine Dokumentation<br />
der Mahd und speziell der Umsetzung der naturschutzfachlichen Vorgaben zu einer<br />
faunafreundlichen Mahd. Mit speziellen Verträgen konnte auf 900 ha Auengrünland die Mahd<br />
mit einer begrenzten Arbeitsbreite von 3 m gefördert werden (2022 380 ha). Diese Maßnahme<br />
dient nicht nur dem Wiesenbrüterschutz, sondern ermöglicht Säugetieren und Insekten eine<br />
27
Flucht vor der nahenden Mähmaschine. Späte Nutzungstermine nach dem 15.07. konnten auf<br />
ca. 550 ha vereinbart werden.<br />
Insgesamt wurden auf 1.269 ha Schutzstreifen bei der Mahd angelegt, dabei wurde unabhängig<br />
von einer Förderung ein wichtiger Beitrag von den Landwirten zur faunaschonenden Mahd im<br />
Nationalpark geleistet. Viele Schutzstreifen verbleiben über die Wintermonate und werden somit<br />
im Frühjahr Erstbesiedlungsbereiche bieten. Über die neue Ökoregelung Altgrasstreifen wurden<br />
33 ha im LSTP beantragt. Das DGLM hat sich auch bei den schwierigen Witterungsbedingungen<br />
bewährt und führte dazu, dass jeder bekannt gewordene potentielle Wachtelkönig-Brutplatz<br />
geschützt werden konnte.<br />
5.8.3 Trockenrasenpflege<br />
Mit der neuen GAP-Förderperiode konnten alle Trockenrasengebiete über das Förderprogramm<br />
Naturschutzorientierte Beweidung mit Schafen/Equiden bzw. mit Rindern beantragt werden. Die<br />
Beweidung der Trockenrasen durch Schafe wird mit 258,- €/ha und durch Rinder mit 111,- €/ha<br />
honoriert.<br />
Mit der Ökoregelung 5, dem Kennartenprogramm und der Einkommensgrundstützung können<br />
somit ca. 650,- €/ha erzielt werden, die eine Trockenrasennutzung wirtschaftlich aufwertet.<br />
Über VNS werden nur noch gezielte Entbuschungsmaßnahmen gefördert, auf Flächen auf denen<br />
sich Schlehe oder andere Gehölze ausbreiten konnten. Mit einem Freiwilligeneinsatz des<br />
Fördervereins Nationalpark Unteres Odertal sind wertvolle Trockenrasenbereiche in den<br />
Schäferbergen bei Gartz entbuscht worden. Hier waren insbesondere viele Beschäftigte der<br />
beiden Industriebetriebe LEIPA und PCK im Einsatz. Beide Unternehmen engagieren sich<br />
intensiv im Förderverein des Nationalparks.<br />
Ausdruck des guten Beweidungserfolges sind die durch die Evaluierung einiger<br />
Trockenrasenflächen dokumentierten guten bis sehr guten Erhaltungszustände.<br />
Mit den Schäfern/innen wurden vor und zum Abschluss der Weidesaison gemeinsam<br />
Begehungen durchgeführt, in welchen die speziellen Bedingungen festgelegt wurden, die im<br />
jährlichen Beweidungsplan festgehalten werden. Dieses Instrument hat sich für beide Seiten<br />
bewährt, da man flexibel auf Veränderungen reagieren kann.<br />
5.9 Verkehrssicherung an Wegen und Straßen im Nationalpark<br />
Jeweils einmal im Winter- und Sommerhalbjahr <strong>2023</strong> sind die markierten Wald-Wanderwege<br />
und Waldbereiche an öffentlichen Straßen im Nationalpark durch die Naturwacht kontrolliert<br />
worden (Verkehrssicherungspflicht). Dies ist zwar sehr aufwändig, aber im Hinblick auf den<br />
Nationalpark Grundsatz „Natur Natur sein lassen“ sehr wichtig. Nur so können Gefahren<br />
rechtzeitig erkannt und beseitigt werden.<br />
5.10 Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Ver- und Gebote<br />
Die Naturwacht führte etwa 780 Gespräche mit Besuchern im Rahmen der Gebietskontrolle.<br />
Laut Dokumentation wurden 10-mal Müllablagerungen im Gebiet festgestellt und entsorgt,<br />
dabei handelte es sich vorwiegend um Haus- und Sperrmüll, aber auch Sondermüll und<br />
Bauschutt. Auch gab es 6 Fälle von Beschädigungen und Diebstählen, beispielsweise von<br />
28
Nationalparkschildern und Aufstellern. Außerdem wurden 12 Wegegebotsmissachtungen, 146<br />
Störungen durch freilaufende Hunde, 2 Vorfälle von unerlaubtem Zelten, 5 unerlaubte<br />
Feuerstellen, 3 Landnutzungs- und 2 Angelverstöße aufgenommen. Insgesamt handelte es sich<br />
um 186 Fälle von Überschreitungen gesetzlicher Regelungen, von denen 160 einvernehmlich<br />
gelöst und 11 bei den für den Verwaltungsvollzug zuständigen Landkreisen Uckermark bzw.<br />
Barnim zur Anzeige gebracht wurden.<br />
6 Forschung und Monitoring<br />
6.1 Ökoystemare Umweltbeobachtung (ÖUB)<br />
Im Jahre <strong>2023</strong> wurde wie in den Jahren zuvor das Brutvogelmonitoring auf ausgewählten<br />
Transekten durchgeführt. Es fanden 6 Begehungen statt. Die Daten und Auswertungen liegen<br />
vor. Weitere Erfassungen fanden im Jahr <strong>2023</strong> nicht statt. Die ÖUB wird im Jahre 2024 mit den<br />
turnusgemäßen Untersuchungen fortgeführt.<br />
6.2 Untersuchung der koprophagen Blatthornkäfer auf ausgewählten Flächen des<br />
Nationalparks Unteres Odertal<br />
Koprophage, also kotfressende Insekten spielen in terrestrischen Ökosystemen eine wichtige<br />
Rolle. Sie nutzen – in Abhängigkeit von der jeweiligen Art und in unterschiedlichen Phasen ihrer<br />
Entwicklung – Kot als Nahrungsquelle. In der Fauna Mitteleuropas wird in überwiegender Weise<br />
der Kot großer pflanzenfressender Säugetiere genutzt. Der Kot kleinerer Arten, der von<br />
Omnivoren und Karnivoren, sowie der Kot von Vögeln spielt eine eher untergeordnete Rolle. Auf<br />
repräsentativen als Grünland genutzten Flächen im Lunow-Stolper-Trockenpolder und im Polder<br />
A/B wurde diese Insektengruppe hinsichtlich der vorkommenden Arten und ihrer Abundanzen<br />
erfasst.<br />
Abbildung 12: links: Zwei bemerkenswerte Arten der Dungkäferfauna im Nationalpark Unteres Odertal:<br />
Onthophagus medius, rechts: Stier-Dungkäfer (Onthophagus taurus) (Fotos: Jens Esser)<br />
29
Die Zusammensetzung der Koprophagen-Fauna wechselt mit der Jahreszeit und zeigt deutliche<br />
Bezüge zu Biotoptypen und der Art des Kotproduzenten. Bislang konnten 21 Arten (1 Art<br />
Geotrupidae, 20 Arten Scarabaeidae: 6 Arten Onthophagus, 14 Arten Aphodiinae [zur<br />
ehemaligen Großgattung Aphodius gehörende Arten]) nachgewiesen werden. Bemerkenswert<br />
sind die Vorkommen von Onthophagus medius (Kugelann, 1792) (siehe Abbildung 12, links)<br />
und Onthophagus taurus (Schreber, 1759) (siehe Abbildung 12, rechts). Onthophagus medius<br />
wurde im Odertal nach derzeitigem Stand zuletzt 1996 bei Lebus nachgewiesen (BARNDT 2005).<br />
Weitere aktuelle Funde aus Brandenburg liegen sonst nur aus der Prignitz und dort meist aus<br />
dem Elbtal vor. Onthophagus taurus wurde in jüngerer Zeit v.a. in der Osthälfte Brandenburgs<br />
nachgewiesen, ist aber insgesamt nur lokal nachgewiesen. Die übrigen 19 nachgewiesenen<br />
Arten gehören in den Bereich der erwartbaren, verbreiteten und häufigeren Arten.<br />
6.3 Beteiligung am BMUV-Projekt Belassen von Wildtierkadavern in der<br />
Landschaft<br />
Der Nationalpark Unteres Odertal beteiligt sich an einem Verbundprojekt der deutschen<br />
Nationalparke zur Erfassung der Biodiversität an Aas. Projektträger ist die Universität<br />
Würzburg, Projektkoordinator der NLP Bayrischer Wald. Es nehmen fast alle Nationalparke<br />
deutschlandweit teil<br />
Seit November 2022 erfolgt die Auslegung von monatlich einem Rehkadaver auf ausgewählten<br />
(für Besucher*innen unzugänglichen Flächen in der Aue. Im Juli/August <strong>2023</strong> erfolgte die<br />
Kadaverauslegung nach dem sogenannten Blockdesign. Hierbei wurde auf drei<br />
Untersuchungsarealen nach demselben Schema vorgegangen und jeweils 2 Kadaver (1 x Reh,<br />
1 anderes typisches Tier, z.B. Biber) ausgelegt sowie eine leere Vergleichsfläche eingerichtet.<br />
Die Probenahme erfolgte nach einem standardisierten Design und war sehr aufwendig (siehe<br />
Abbildungen 13 und 14). Die wissenschaftliche Begleitung verfolgt das Ziel mittels einer<br />
biostatistischen Analyse die Biodiversität und Teilglieder der Nahrungskette an Tierkadavern zu<br />
erfassen und anschließend gebietsübergreifend mit anderen Nationalparks zu vergleichen.<br />
Abbildung 13: Übersicht über die Auslegungsplätze der Kadaver (links), Ausschnitt aus dem<br />
Aufgabentagebuch (rechts)<br />
30
Abbildung 14: Impressionen aus dem Winter (links) und Sommer (rechts)<br />
6.4 Operatives Monitoring zur Gewässerentwicklung nach der<br />
Umweltkatastrophe<br />
6.4.1 Erfassung der Konzentration der Goldalge Prymnesium parvum<br />
Im August 2022 war die Oder von einem Fisch- und Muschelsterben betroffen, welches durch<br />
die Massenvermehrung und Freisetzung von Toxinen der Goldalge Prymnesium parvum<br />
verursacht wurde. P. parvum trat innerhalb kurzer Zeit auch in den angrenzenden<br />
Poldergewässern auf. Im November 2022 wurde erneut eine starke Vermehrung in einem<br />
Poldergewässer festgestellt. Die dauerhafte Etablierung von P. parvum in der Oder und in den<br />
Poldergewässern birgt bei anhaltend hohen Leitfähigkeiten bei steigenden Temperaturen<br />
und/oder Niedrigwasserphasen ein nicht auszuschließendes Risiko einer erneuten<br />
Massenvermehrung.<br />
Zur Überwachung der Gewässergüte und der Algenkonzentrationen wurden in 11 ausgewählten<br />
Poldergewässern regelmäßig vor-Ort-Messungen der Parameter pH-Wert, elektrische<br />
Leitfähigkeit, Sauerstoffkonzentration sowie Wassertemperatur durch die NLP-Verwaltung<br />
vorgenommen<br />
(Abbildung 15).<br />
31
Abbildung 15: Wasserprobennahmen und Vor-Ort-Messungen (Foto: K. Jüttner)<br />
Der sommerliche Verlauf dieser Parameter ist in der Abbildung 16 dargestellt. Die elektrische<br />
Leitfähigkeit lag auch in den Poldergewässern mit Mittelwerten zwischen 1000 und 1200 µS/cm<br />
(Maximalwerte bis 1500 µS/cm) deutlich über dem natürlichen Hintergrundwert von ca. 700<br />
µS/cm. Die Sauerstoffsättigung weist mit einem Maximum von 120 % im Juli auf eine mögliche<br />
Algenblüte hin, diese wurde jedoch nachweislich nicht durch die toxische Goldalge Prymnesium<br />
parvum verursacht (siehe dazu Tabelle 3).<br />
Im Sinne einer Frühwarnung fand eine kontinuierliche Überwachung des Auftretens von<br />
Prymnesium parvum statt.<br />
Dazu wurden 2 Methoden gewählt: qPCR-Tests (in Kooperation mit dem IGB) sowie eine<br />
vollquantitative monatliche Planktonanalyse über den Zeitraum Mai-Oktober. Auswahl der<br />
Probestellen, Probenahme sowie Erfassung der Vor-Ort-Parameter erfolgte durch die<br />
Nationalparkverwaltung unterstützt durch die Naturwacht. Die qPCR-Tests wurden durch das<br />
IGB durchgeführt, die Phytoplanktonanalysen (siehe Abbildung 17) erfolgten im Rahmen einer<br />
Auftragsvergabe durch das Speziallabor Aquaecology (Oldenburg). Alle Ergebnisse lagen in der<br />
Regel 2 Tage nach der Probennahme vor.<br />
32
Abbildung 16: Saisonaler Verlauf der Gewässerparameter<br />
Abbildung 17: Zelle der Goldalge im Mikroskop<br />
Die Konzentrationen von Prymnesium parvum blieben durchgängig sehr gering. Bei der<br />
manuellen Phytoplanktonauszählung lagen die Zahlen unter der Nachweisgrenze (siehe Tabelle<br />
3), bei den sehr sensitiven qPCR-Tests wurden nur sehr geringe Konzentrationen (siehe Tabelle<br />
4) nachgewiesen. Die befürchtete Massenentwicklung (zum Vergleich: Zellzahlen aus dem<br />
August 2022 zwischen 37.000 und 97.000 Zellen/ml) blieb also aus.<br />
33
Tabelle 3: Konzentrationen der Goldalge (Prymnesium parvum) in den Poldergewässern (Methode:<br />
Phytoplanktonauszählung)<br />
Tabelle 4: Konzentrationen der Goldalge (Prymnesium parvum) in den Poldergewässern (Methode:<br />
qPCR-Test)<br />
6.4.2 Erfassung von Großmuscheln in der Stromoder<br />
Das Fischsterben im August 2022 wirkte sich erheblich auf kiemenatmende Wasserorganismen<br />
aus. Dies waren neben der Fischfauna die Muscheln und Schnecken. Die Nationalparkverwaltung<br />
veranlasste zeitnah eine Folgeuntersuchung an den gleichen Stellen und mit der gleichen<br />
Methodik.<br />
Wie sich zeigte, waren vor allem ältere und der ganz junge Jahrgang der Großmuscheln von<br />
einer hohen Sterberate (bis 86 %) betroffen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf das<br />
Ökosystem, da Muscheln das Wasser für ihre Nahrungsaufnahme filtrieren, dabei planktische<br />
Organismen aus dem Wasser entfernen und damit eine große Bedeutung für die Wasserqualität<br />
haben. Auf Grund des Ausfalls ganzer Jahrgänge ist zu erwarten, dass sich das Ökosystem der<br />
34
Oder sehr langsam erholt. Im Rahmen eines fortlaufenden Monitorings wurden auch im Jahr<br />
<strong>2023</strong> die Großmuscheln in den Buhnenfeldern bei Stolpe untersucht. Dies ist auch von Interesse,<br />
um frühzeitig Arten zu identifizieren, die sich in der entstandenen ökologischen Nische<br />
etablieren.<br />
Die Untersuchungen wurden an denselben Stellen wie in 2022 durchgeführt, es wurden von<br />
allen Arten Exemplare gefunden, jedoch nur wenige, die 2jährigen fehlten fast komplett. In den<br />
Buhnenfeldern haben sich mehrere dm mächtige Felder aus Schalen toter Muscheln und<br />
Schnecken angesammelt, die unter Umständen das Substrat für Jungmuscheln überlagern. Dies<br />
wir im Folgejahr 2024 weiterhin erfasst. Darüber hinaus konnte die Massenentwicklung eines<br />
Süßwasserorganismus festgestellt werden, der offensichtlich die Nische der Muscheln besetzt.<br />
Es handelt sich dabei um ein Moostierchen (Bryozoe), auch deren weitere Entwicklung wird<br />
beobachtet.<br />
Abbildung 18: Großmuscheln, Mollusken und andere Organismen in der Oder, links<br />
Massenansammlungen von Schalen toter Muscheln als Folge der Umweltkatastrophe 2022, Foto 2-4:<br />
Moostierchen<br />
6.5 Rehwildprojekt<br />
Um die Auswirkungen der ASP-Zäune auf das Raum-Zeit-Verhalten von Rehwild im Nationalpark<br />
Unteres Odertal näher zu untersuchen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut für<br />
Waldökosysteme Eberswalde und dem Landesbetrieb Forst Brandenburg eine<br />
Forschungsvereinbarung geschlossen. Im Februar und März <strong>2023</strong> konnten die ersten Rehe mit<br />
GPS Sendern ausgestattet werden. Drei dieser Rehe senden bereits seit fast einem Jahr<br />
durchgängig Positionsdaten aus dem nördlichen Bereich des Nationalparks. Dabei konnte<br />
festgestellt werden, dass die drei Sendertiere den nahegelegenen ASP-Zaun bisher zu keinem<br />
Zeitpunkt überwunden haben. Im Januar 2024 konnten auch in den Flutungspoldern weitere<br />
35
Tiere besendert werden, um zu einem späteren Zeitpunkt und bei entsprechender Datenlage<br />
Aussagen zum Verhalten in Kombination mit der Polderflutung treffen zu können.<br />
6.6 Betreute Graduierungsarbeiten und Praktikanten<br />
Geißler, Radka (<strong>2023</strong>): Ist-Zustandsanalyse eines Waldmoores im Gartzer Schrey im<br />
Nationalpark Unteres Odertal. Bachelorarbeit im Studiengang Landschaftsnutzung und<br />
Naturschutz, HNEE.<br />
Daniela von Jerin (<strong>2023</strong>): Erfassung der Grünlandvegetation im Polder A. Bachelorarbeit im<br />
Studiengang Landwirtschaftswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.<br />
Carlotta Priese (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf), Praktikum im Rahmen des<br />
Bachelorstudiums Umweltsicherung, 1.5.-31.7.<strong>2023</strong><br />
Ronja Voigt (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde), Praktikum im Rahmen des<br />
Bachelorstudiums Landschaftsnutzung und Naturschutz, 1.9.-15.12.<strong>2023</strong><br />
7 Umweltbildung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)<br />
und Besucherinformation<br />
7.1 Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit der NLP Verwaltung<br />
7.1.1 „Der Nationalpark vor deiner Haustür“<br />
In <strong>2023</strong> wurde das 2021 gestartete Kooperationsprojekt sehr erfolgreich fortgeführt. Das<br />
Angebot unserer BNE-Bildungsprogramme „Lebensraum Wald“, „Lebensraum Aue“ und „Die<br />
Wildnis vor deiner Haustür“ wurde mit „Wasserwelten“ noch um das immer relevanter werdende<br />
Thema Wasser ergänzt. Neben erneuten Anmeldungen von uns bereits bekannten<br />
Einrichtungen und Lehrern kamen auch einige neue hinzu. Hierbei spielte Mundpropaganda der<br />
Lehrerinnen und Lehrer untereinander eine wichtige Rolle, was ein schönes Feedback zur<br />
Qualität und Attraktivität unserer Programme ist.<br />
An 33 Terminen konnten insgesamt 665 Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und<br />
Studenten während Halbtagesprogrammen im Nationalpark und / oder dem Besucherzentrum<br />
die Inhalte des Nationalparks im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung<br />
nähergebracht werden.<br />
36
Abbildung 19: Ranger mit Kindern bei BNE-Arbeit, hier beim Aussetzen von kleinen Stören<br />
Abbildung 20: Ranger mit Kindern bei der Umweltbildungsarbeit mit Kindern<br />
Nach wie vor ist der kostenfreie und unkomplizierte Bustransport in den Nationalpark ein<br />
wichtiger Anreiz für Schulen im ländlichen Raum, sich für einen Besuch zu entscheiden. Der<br />
Förderverein Nationalpark Unteres Odertal e.V. übernahm hier auch im Jahr <strong>2023</strong> die Kosten<br />
für die Bustransfers. An 5 Terminen konnten wir insgesamt 7 Schulklassen (mit insgesamt 147<br />
Schülerinnen und Schüler) nur dank dieses finanzierten Bustransfers ein Programm im<br />
Nationalpark anbieten.<br />
37
Auch <strong>2023</strong> beteiligte sich der Nationalpark wieder am Ferienprogramm „Agenda-Diplom“ der<br />
Städte Schwedt und Angermünde. Es wurden drei Halbtagsprogramme für Grundschülerinnen<br />
und Grundschüler zum Thema „Nachts im Nationalpark“, „Spurensuche“ und „Insektensommer“<br />
angeboten. Alle Termine waren ausgebucht. Insgesamt nahmen 47 Grundschüler teil.<br />
Der Nationalpark Unteres Odertal war in diesem Jahr auf acht Veranstaltungen mit Ständen<br />
vertreten. Neben der Internationalen Grünen Woche und dem Tag der offenen Tür des BMUV<br />
in Berlin waren dies regionale Veranstaltungen wie Schul- und Stadtfeste in Schwedt, Gartz,<br />
Mescherin und Angermünde. Thematisch griffen die Stände Wildnisentwicklung als<br />
Nationalpark-Kernthema auf, nahmen aber auch Bezug zur Biodiversitätskrise. Durch praktische<br />
Mitmachaktionen wie Insektenhotelbasteln wurden dabei praktische Möglichkeiten aufgezeigt,<br />
den Bedürfnissen heimischer Insekten im eigenen Garten entgegenzukommen, um diese zu<br />
fördern. Insgesamt wurden bei diesen Veranstaltungen etwa 650 Menschen betreut.<br />
Der Nationalpark Unteres Odertal hat drei Partner-Kitas in Schwedt und Criewen, deren<br />
Vorschulkinder mindestens 2x den Nationalpark zu jahreszeitlich passenden Themen besucht<br />
haben sollen. Die Kooperation lief <strong>2023</strong> sehr gut und mit allen drei Kitas konnten die geplanten<br />
Programme durchgeführt werden. Besonders intensiv war dabei die Zusammenarbeit mit der<br />
Kita Adebar in Criewen. Die Einrichtung zieht Anfang 2024 in ein neu gebautes Gebäude am<br />
Nationalparkzentrum um und soll künftig als Kita „Kleine Wildhüter“ die erste zertifizierte<br />
Nationalpark-Kita sein. Dafür bietet das Umweltbildungsteam des Nationalparks der Kita<br />
monatliche Veranstaltungen mit ihrer Vorschul- oder Hortgruppe an.<br />
Abbildung 21: Das Logo der Nationalpark-Kita<br />
38
Abbildung 22: Kita „Kleine Wildhüter“ - Planung<br />
Abbildung 23: Kita „Kleine Wildhüter“<br />
Die 2020 begonnene Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Zeichenwettbewerb<br />
„Flow“ und dem Nationalpark wurde auch in diesem Jahr weitergeführt, indem ein<br />
Nationalparkpreis im Rahmen des Zeichenwettbewerbs ausgelobt wurde und das<br />
Preisträgertreffen des Zeichenwettbewerbs mit inhaltlicher und personeller Unterstützung des<br />
Nationalparkteams durchgeführt wurde. Sicherlich ein Höhepunkt dabei war die geführte<br />
Kanutour im Nationalpark, bei der sich junge Menschen aus aller Welt auf künstlerische Weise<br />
mit der Auenwildnis an der Oder auseinandersetzen konnten.<br />
7.1.2 Führungen und Vorträge<br />
Zum Bildungsauftrag der Naturwacht gehört das Angebot von kostenfreien RangerTouren.<br />
Dabei reichen die Formate von dreistündigen Themenexkursionen bis hin zu<br />
Ganztagesprogrammen mit Shuttleservice in ansonsten unzugängliche Bereiche des<br />
Nationalparks. Im Jahr <strong>2023</strong> wurden 16 Rangertouren angeboten, die von insgesamt 190 Gästen<br />
besucht wurden. Besonders gut angenommen wurden dabei (spät-)abendliche Veranstaltungen<br />
wie die Bat-Night sowie Veranstaltungen zum Vogelzug im Frühjahr und Herbst.<br />
39
Zusätzlich bot die Nationalparkverwaltung in diesem Jahr eine vierteilige Veranstaltungsreihe<br />
zum Thema Wildnis an. Im Frühjahr und Frühsommer konnten dazu Exkursionen mit<br />
verschiedenen Nationalparkmitarbeitenden zu Themen wie Wildnisentwicklung in den<br />
Hauptlebensräumen Aue und Wald besucht werden. Ziel dieses Formats sollte es sein,<br />
besonders die örtliche Bevölkerung anzusprechen und die Bedeutung der<br />
Naturschutzbemühungen des Nationalparks in der Region zu kommunizieren.<br />
<strong>2023</strong> fanden nach der Corona-Pandemie erstmals wieder die Singschwantage statt. An drei<br />
Tagen kamen ca. 900 Besucherinnen und Besucher in das Nationalparkzentrum nach Criewen.<br />
Neben Führungen und Vorträgen zu den Singschwänen hatten regionale Unternehmen und<br />
Gastronomen die Möglichkeit, sich zu präsentieren und so ein umfassendes Angebot für<br />
Besuchende zu schaffen. Bei der Veranstaltung wurden ebenfalls die örtlichen Dorfvereine<br />
intensiv mit eingebunden.<br />
Die Kranichwoche in Gartz als altbewährte Großveranstaltung mit zahlreichen touristischen<br />
Angeboten fand traditionell Anfang Oktober statt. Die Naturwacht führte insgesamt 16<br />
Exkursionen mit 170 Teilnehmern durch. Im Rahmen der Kranichwoche organisierte der<br />
Dorfverein Mescherin, in Eigenregie, einen sehr erfolgreichen und bunten Kranichtag. Für dieses<br />
Engagement wurde der Verein im Dezember <strong>2023</strong> mit dem Preis des Fördervereins des<br />
Nationalparks „Aktiv für den Nationalpark“ geehrt. Ein positives Beispiel für die Zusammenarbeit<br />
zwischen dem Nationalpark und der lokalen Bevölkerung.<br />
37 Veranstaltungen mit Kitas, Schulen, Hochschulen und NGOs wurden auf Anfrage<br />
durchgeführt. Dabei wurden 738 Personen, vor allem Schülerinnen und Schüler sowie<br />
Vorschulkinder, mit den besonderen Zielen eines Nationalparks vertraut gemacht.<br />
Die 2022 eingeführte Wanderausstellung „Menschen am Fluss“ konnte im Jahr <strong>2023</strong> sowohl<br />
deutschen, als auch polnischen Besucherinnen und Besuchern präsentiert werden. So stand sie<br />
zum Beispiel bei der Oderkonferenz des Bundesministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz<br />
in Schwedt/Oder sowie in Stettin in der Verwaltung der Landschaftschutzparks der<br />
Woiwodschaft Westpommern zum Tag der offenen Tür.<br />
7.2 Bildungsarbeit der Naturwacht:<br />
7.2.1 Betreuung der Junior Ranger - Gruppe „Kiebitze“<br />
Im Jahr <strong>2023</strong> nahmen 17 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren am Junior-<br />
Ranger-Programm teil. Insgesamt wurden im Lauf des Jahres 24 Veranstaltungen angeboten,<br />
Höhepunkte waren dabei insgesamt drei Junior-Ranger-Camps von Frühsommer bis Spätherbst,<br />
sowie das Apfelfest im Oktober.<br />
40
Abbildung 24: Arbeit mit Junior-Rangern<br />
Als Neuerung teilten wir unsere Gruppe, aufgrund der hohen Nachfrage und wachsender<br />
Altersdifferenz, zum Beginn des neuen Schuljahres auf. Neben der jüngeren Junior-Ranger-<br />
Gruppe (1.-6. Klasse) besteht nun noch eine Volunteer-Ranger-Gruppe für Jugendliche (6.-12.<br />
Klasse). Die neue Gruppe soll die Jugendlichen einerseits durch einen Fokus auf<br />
Naturschutzarbeit mehr fordern, anderseits sich durch flexiblere Termingestaltung ihren<br />
verändernden Bedürfnissen anpassen. So hoffen wir ein Angebot entwickeln zu können, dass<br />
für diese Altersklasse bis zum Ende ihrer Schulzeit und darüber hinaus interessant bleibt.<br />
7.2.2 Projekttage mit Schulen<br />
In diesem Jahr war die Naturwacht in vier Projekttage und eine Projektwoche eingebunden.<br />
Neben dem bewährten „Sommerhöhepunkt“ der Naturkita Schwedt war die Naturwacht zu Gast<br />
bei verschiedenen Schulen in Schwedt und betreute eine Radtour des Gauß-Gymnasiums durch<br />
den Nationalpark. Während der Projektwoche des Kulturvereins Gartz in den Sommerferien<br />
gestaltete die Naturwacht das Programm für drei Tage zu den Hauptlebensräumen des<br />
Nationalparks, Aue, Wald und Trockenrasen. An den Angeboten nahmen insgesamt 92 Kinder<br />
teil.<br />
7.3 Besucherinformation im Nationalparkhaus<br />
Das Nationalparkhaus Criewen war in diesem Jahr erstmalig seit der Corona-Pandemie wieder<br />
ganzjährig geöffnet und durch die Naturwacht besetzt. Während der Sommersaison (April –<br />
Oktober) steht das Besucherzentrum Gästen täglich für einen Besuch sowie fundierte Auskünfte<br />
zum Nationalpark offen. Im Winter (November – März) beschränkt sich die Öffnungszeit auf<br />
Freitag bis Sonntag sowie täglich während der Schulferien des Landes Brandenburg. Im Jahr<br />
<strong>2023</strong> haben etwa 10.000 Gäste das Nationalparkhaus besucht.<br />
Die Nationalparkverwaltung plant eine Erneuerung der mittlerweile über 20 Jahre alten<br />
Ausstellung. Dazu wurde <strong>2023</strong> in Zusammenarbeit mit einer Agentur eine Vorkonzeption<br />
inklusive einer Kostenschätzung für eine neue Dauerausstellung erstellt. Der Fokus liegt dabei<br />
41
auf der Wildnisentwicklung im Nationalpark sowie den zahlreichen Arten und Lebensräumen.<br />
Im kommenden Jahr soll ein Förderantrag für die Realisierung der Ausstellung gestellt werden.<br />
Das Nationalparkhaus soll auch in Zukunft ein Besuchermagnet für Touristen und Besucherinnen<br />
und Besucher aus der Region sein und auch an Regentagen zum Verweilen einladen.<br />
8 Regionalentwicklung und Tourismus<br />
8.1 Nationalpark-Laden<br />
Anfang <strong>2023</strong> entschied sich der langjährige Betreiber des Nationalpark-Ladens (MomentUM e.V.<br />
- Tourismusverein der Stadt Schwedt/Oder), den Betrieb des Ladens mit sofortiger Wirkung<br />
einzustellen. Für die Nationalparkverwaltung kam diese kurzfristige Entscheidung überraschend<br />
und für die Besucherinnen und Besucher des Nationalparks fehlt seither ein wichtiges<br />
touristisches Angebotssegment. Aktuell gibt es im Nationalparkzentrum Criewen keine<br />
Möglichkeit, regionale und nationalparkspezifische Produkte zu erwerben. Die<br />
Nationalparkverwaltung plant ein Interessenbekundungsverfahren in der ersten Jahreshälfte<br />
2024, um möglichst bald wieder einen Betreiber für den Laden zu finden.<br />
8.2 Maßnahmen zur Entwicklung des Tourismus im Nationalpark<br />
Seit Anfang Juli verstärkt ein Kollege den zuständigen Teamleiter im Bereich Tourismus.<br />
Aufgaben, die zuvor aus Kapazitätsgründen nur wenig Beachtung erlangten, wie etwa die<br />
Partnerinitiative des Nationalparks, können jetzt wieder intensiver bearbeitet bzw. betreut<br />
werden. Dank der Erweiterung der personellen Kapazitäten sind auch die Verbindungen zu<br />
regionalen und überregionalen Institutionen und Verbänden im Bereich Tourismus intensiviert<br />
worden.<br />
Seit April <strong>2023</strong> ist der Nationalpark Unteres Odertal neben dem MomentUM e.V.<br />
(Tourismusverein der Stadt Schwedt/Oder) auch Mitglied im Tourismusverein Angermünde.<br />
Dadurch ergibt sich eine größere und intensivere Vermarktung des Nationalparks, denn der TV<br />
Angermünde bietet sehr viel Expertise und ein sehr großes Netzwerk insbesondere mit Bezug<br />
zu den Metropolregionen Berlin und Stettin.<br />
Die Stadt Schwedt/Oder hat im Dezember <strong>2023</strong> ein neues Tourismuskonzept verabschiedet. An<br />
diesem Konzept hat die Nationalparkverwaltung intensiv mitgewirkt. So ist es gelungen, die<br />
gesamte Nationalparkregion als Einheit zu betrachten und Stadt- und Landkreisgrenzen außer<br />
Acht zu lassen. Als nächsten Schritt plant die Stadt Schwedt/Oder eine neue Organisationsform<br />
für den bestehenden Tourismusverein, sodass das neue Tourismuskonzept möglichst bald auch<br />
in die Umsetzung gehen kann.<br />
8.3 Vorwegweiser-Leitsystem Nationalpark Unteres Odertal<br />
Im Rahmen eines „Stadt-Umland-Wettbewerbes (SUW)“ wurde bereits im Jahr 2022 ein<br />
umfangreiches Verkehrslenkungssystem für den Nationalpark umgesetzt. Dafür wurden an<br />
zahlreichen Bundes- und Landesstraßen in der gesamten Nationalparkregion touristische<br />
Vorwegweiser angebracht. 3 Standorte konnten nicht im Rahmen des Projektes umgesetzt<br />
werden, da sie außerhalb des Fördergebiets liegen. Diese drei Standorte wurden in <strong>2023</strong> separat<br />
beantragt. Der Standort in Penkun (MV) wurde recht zügig angeordnet und aufgestellt. Für den<br />
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Standort Joachimsthal (LK BAR) liegt die Anordnung vor und der dritte Standort in Gramzow<br />
(LK UM) ist noch in der Bearbeitung. 2024 soll das Leitsystem dann komplett sein.<br />
Abbildung 25: Das neue Vorwegweiser-Leitsystem zu den Eingängen des Nationalparks (Foto: NLP<br />
Verwaltung)<br />
8.4 Touristische Infrastruktur<br />
Mit Hilfe der Naturwacht wird die komplette touristische Infrastruktur regelmäßig kontrolliert<br />
und ggf. repariert. Wanderwege und Kanurastplätze werden freigeschnitten und Schilder<br />
erneuert und ergänzt.<br />
Zusätzlich zu den regelmäßigen Kontrollen der Besuchereinrichtungen ist <strong>2023</strong> das Projekt zur<br />
Digitalisierung der Nationalpark-Infrastruktur fortgesetzt worden. Sukzessive sollen die<br />
Koordinaten und der Zustand aller Schilder, Bänke, Wanderwege, Markierungen, Fahrradständer<br />
etc. aufgenommen werden, um eine digitale Karte zu erstellen und damit die turnusmäßige<br />
Pflege der Besuchereinrichtungen zu erleichtern.<br />
Im September <strong>2023</strong> erfolgte die regelmäßige Prüfung der Standsicherheit der beiden großen<br />
Beobachtungstürme in Mescherin und Stützkow. Daraus ergaben sich kleinere<br />
Reparaturarbeiten, die zum Teil bereits behoben wurden. Restliche Arbeiten erfolgen im<br />
kommenden Frühjahr, sodass die Türme zum touristischen Saisonbeginn wieder in einem<br />
makellosen Zustand sind.<br />
Für die Instandsetzung des Quellerlebnispfades und des Knüppeldammes in den Densenbergen<br />
bei Criewen wurden über die Richtlinie natürliches Erbe Fördergelder eingeworben. Leider<br />
gestaltete sich die Suche nach geeigneten und interessierten Firmen äußerst schwierig. Die<br />
erste Vergaberunde im Sommer <strong>2023</strong> blieb erfolglos. In der zweiten Runde bewarb sich eine<br />
Firma, die im Dezember <strong>2023</strong> den Zuschlag für die Instandsetzung beider Pfade erhielt. Im<br />
Januar 2024 haben die Bauarbeiten begonnen.<br />
43
Die Pfade sollen in erster Linie der Umweltbildung dienen. Am Quellpfad werden Informationen<br />
zum Thema Hangquellen vermittelt und am Knüppeldamm wird das Thema Wolf aufgegriffen.<br />
Neben Infotafeln und Erlebnisstationen wird es eine begleitende App geben, die die<br />
Vermittlungsformen um ein digitales Format ergänzen wird.<br />
9 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit<br />
9.1 Veranstaltungen<br />
Die <strong>2023</strong>, nach dreijähriger Pause, wieder stattgefundenen Singschwantage im unteren Odertal<br />
waren ein Highlight in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Neben der umfangreichen<br />
Berichterstattung zahlreicher Medien wie Tagesspiegel, SZ, ARD, Antenne Brandenburg und rbb<br />
war das Interesse der Öffentlichkeit groß. Es kamen nicht nur Gäste aus der unmittelbaren<br />
Region, sondern auch aus Berlin, Potsdam und weiter her. Die gute Berichterstattung sorgte<br />
dafür, dass an dem Februarwochenende rund 1000 Besucherinnen und Besucher das<br />
Nationalparkzentrum in Criewen besuchten.<br />
Der Nationalpark war <strong>2023</strong> zu Gast beim Tag der offenen Tür des Bundesumweltministeriums<br />
in Berlin. An einem Wochenende im August kamen über 1500 Menschen, um das Programm zu<br />
genießen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung und Naturwacht boten allen ein<br />
interaktives Angebot. So konnten Besuchende Spuren im Sand entdecken und selber machen<br />
oder Instektenhotels bauen. Das Interesse und der Austausch waren groß, da sich viele<br />
Berlinerinnen und Berliner der Nähe des Nationalparks nicht bewusst waren.<br />
Auch <strong>2023</strong> war die vorrangige Pressearbeit von der Oderkatastrophe aus dem Vorjahr sowie<br />
dem aktuell bevorstehenden Oderausbau geprägt. Es fanden zahlreiche Interviews und<br />
Pressetermine vor Ort mit regionalen, nationalen und europäischen Journalistinnen und<br />
Journalisten statt, um auf die Lage der Oder und der Natur drum herum aufmerksam zu machen.<br />
Inhaltlich ging es dabei vorrangig um die Rolle der Oder für die Natur, aber auch um die<br />
Auswirkungen des Oderausbaus auf den Nationalpark. In den Sommermonaten stand weiterhin<br />
die Oderkatastrophe aus 2022 im Mittelpunkt der Pressearbeit, da eine Wiederholung nicht<br />
auszuschließen war.<br />
9.2 Pressearbeit am Beispiel des Besuchs der Bundesumweltministerin Steffi<br />
Lemke<br />
Auch <strong>2023</strong> war Bundesumweltministerin Steffi Lemke mehrmals zu Gast im Nationalpark. Nicht<br />
nur im Rahmen ihrer sommerlichen Pressereise im August kam sie ins Gebiet. Auch im Vorfeld<br />
der Oderkonferenz in Schwedt besuchte Sie zusammen mit dem Umweltminister Mecklenburg-<br />
Vorpommerns, Till Backhaus, und dem brandenburgischen Umweltminister Axel Vogel den<br />
Nationalpark, um auf die angespannte Situation aufmerksam zu machen und sich über die<br />
Folgen des Oderausbaus für den Nationalpark zu informieren.<br />
10 Kooperation und Partner<br />
10.1 Netzwerk „Partnerinitiative Nationale Naturlandschaften Uckermark“<br />
Die Zusammenarbeit zwischen dem Nationalpark Unteres Odertal und seinen Partner-Betrieben<br />
stand ebenfalls im Fokus, um gemeinsam Maßnahmen zur Stärkung der Region und des<br />
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Naturschutzes zu entwickeln. Zwei bedeutende Partnertreffen fanden im Laufe des Jahres statt,<br />
in denen Akteure aus den Partner-Betrieben zusammenkamen, um ihre Perspektiven und Ideen<br />
einzubringen.<br />
Die Treffen dienten nicht nur dem Austausch von Erfahrungen, sondern auch der Diskussion<br />
über zukünftige Projekte und Initiativen zur Stärkung der Initiative. Die Partner-Initiative des<br />
Nationalparks Unteres Odertal fördert eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung der<br />
Region. Eine Exkursion in den Müritz-Nationalpark förderte zudem den Austausch zwischen den<br />
Partnern und Regionen und gab neue Anregungen für die weitere Entwicklung der Initiative.<br />
Am Nationalparkpartnerprogramm nehmen aktuell 23 Partner*innen teil, davon 10 Natur- und<br />
Landschaftsführer*innen, 9 Partner*innen aus dem Bereich Beherbergung und Gastronomie,<br />
sowie 4 Partner*innen aus dem Bereich Freizeit und Erholung.<br />
Ein zentraler Bestandteil der Partner-Initiative ist der Vergaberat, der nach längerer Inaktivität<br />
nun mit neuen Mitgliedern wieder aktiviert worden ist. In diesem Zusammenhang sollen die<br />
Partner-Unternehmen erneut zertifiziert werden und weitere Partner in das gemeinsame<br />
Netzwerk aufgenommen werden. Der Vergaberat setzt sich aus Vertretern verschiedener<br />
Organisationen und Gremien zusammen und hat die Aufgabe, über die Aufnahme neuer Partner<br />
bzw. die Erfüllung der Standards für eine Re-Zertifizierung zu entscheiden. Dabei stehen die<br />
Förderung von Naturschutzmaßnahmen, die nachhaltige Regionalentwicklung und die Stärkung<br />
des Tourismus im Vordergrund.<br />
Die Partner-Initiative des Nationalparks Unteres Odertal ist bestrebt, die Zusammenarbeit<br />
zwischen lokalen Akteuren zu intensivieren und Synergien zu schaffen, um die Region langfristig<br />
zu stärken. Durch die Beteiligung unterschiedlicher Partner wird sichergestellt, dass die<br />
Interessen verschiedener Gruppen berücksichtigt werden und gemeinsame Ziele erfolgreich<br />
umgesetzt werden können. Auch in Zukunft wird die Stärkung der gemeinsamen<br />
Zusammenarbeit mit den Partner-Betrieben und Weiterentwicklung der Partner-Initiative im<br />
Fokus stehen.<br />
Insgesamt spiegelt die Partner-Initiative die engagierte Zusammenarbeit zwischen dem<br />
Nationalpark Unteres Odertal und seinen Partnern wider, um gemeinsam die Herausforderungen<br />
der aktuellen Zeit anzugehen und die Region nachhaltig zu entwickeln.<br />
11. Internationale Zusammenarbeit<br />
11.1 Projekte<br />
Mit dem Ende der INTERREG V A-Förderperiode und dem Abschluss der Projekte „Natur ohne<br />
Grenzen“ (INT135) zum Jahresende 2022 und „Nachhaltiger Wassertourismus im Einzigartigen<br />
Unteren Odertal“ (INT55) im Laufe des Jahres <strong>2023</strong>, widmet sich der Nationalpark der<br />
Vorbereitung neuer grenzüberschreitender Vorhaben in der Euroregion Pomerania. Gemeinsam<br />
mit polnischen Partnern werden Projektideen, die dem Schutzzweck des Nationalparks dienen<br />
und im Besonderen auf die Vermittlung von Wissen, auf die grenzüberschreitende<br />
Weiterentwicklung der Region und auf die Verbesserung der touristischen Infrastruktur abzielen,<br />
entwickelt. Für das Nationalparkhaus in Criewen wurde ein neues Ausstellungskonzept<br />
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erarbeitet, das über die RL Natürliches Erbe umgesetzt werden soll. Ziel ist es, den Gästen des<br />
Hauses den grenzübergreifenden Naturraum erleb- und erfahrbar zu machen und so ein<br />
Bewusstsein für den naturschutzfachlichen Wert der Region zu schaffen und für einen<br />
nachhaltigen, bewussteren Umgang mit dem Schutzgut Natur zu sensibilisieren. Seit Herbst<br />
<strong>2023</strong> liegt eine erste Entwurfsplanung mit Kostenschätzung für die neue Ausstellung im<br />
Nationalpark als Grundlage für den Förderantrag vor, der im Mai 2024 gestellt werden soll.<br />
11.2 Wassertourismus INT 55<br />
Das INTERREG V A-Projekt „Nachhaltiger Wassertourismus im Einzigartigen Unteren Odertal“<br />
verfolgt das Ziel, die Natur entlang der Oder einer breiteren Öffentlichkeit auf nachhaltige Weise<br />
vom Wasser aus zugänglich zu machen und so die Erlebbarkeit des gemeinsamen Natur- und<br />
Kulturerbes zu steigern. Leadpartner ist die Stadt Schwedt/Oder; Partner sind der Nationalpark<br />
Unteres Odertal – Verwaltung und der Verbund der Landschaftsschutzparks der Wojewodschaft<br />
Westpommern (Republik Polen).<br />
Der im Jahr 2022 begonnene Bau der Naturrastplätze wurde in der ersten Jahreshälfte 23<br />
abgeschlossen und die Rastplätze zur Nutzung an die Gemeinden übergeben. An drei Standorten<br />
in Gartz(Oder), Gatow und Stolpe wurden baugleiche Sitzraufen mit Tischen und Bänken, jeweils<br />
eine Feuerstelle mit Sitzbänken sowie je eine Trockentoilette und eine Informationstafel<br />
errichtet. In Gatow und in Stolpe erfolgten aufwändige wasserbauliche Maßnahmen zur<br />
Errichtung von Kanuausstiegstellen. Am Standort Criewen wurde die vorhandene Ausstiegsstelle<br />
mit Sitzbänken ausgestattet.<br />
Die entstandenen Naturrastplätze auf der deutschen Seite bilden zusammen mit den sieben im<br />
gemeinsamen Projekt errichteten Rastplätzen auf der polnischen Seite ein Netz für<br />
Wasserwanderer im unteren Odertal. Neue Angebote im Stroam Camp Schwedt/Oder, eine<br />
Beobachtungsplattform in Widuchowa, Informationstafeln und digitale Angebote sind weitere<br />
wesentliche Bausteine des Projekts, die dazu beitragen die Zielgruppe der „Wasserwanderer“<br />
für die Region rechts und links der Oder zu begeistern. Begleitend wurden zum Saisonstart <strong>2023</strong><br />
außerdem drei neue Publikationen für Touristen und Interessierte zur Verfügung gestellt: eine<br />
touristische Karte für Wasserwanderer (polnischer Partner), ein Faltblatt zum Wassertourismus<br />
im Unteren Odertal (Stadt Schwedt/Oder) und das Buch „Natura 2000 im unteren Odertal“ mit<br />
Ergänzungen zum Thema Wassertourismus, die der Nationalpark als Projektpartner in den<br />
Sprachen Deutsch, Polnisch und Englisch in einer Neuauflage herausgegeben hat.<br />
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Abbildung 26: fertiggestellter Wasserwanderrastplatz in Gatow<br />
11.3 Zusammenarbeit mit dem Banhine-Nationalpark, Mosambik<br />
Am 11. September <strong>2023</strong> war Frau Dr. Franziska Steinbruch (Gesellschaft für internationale<br />
Zusammenarbeit) zu Gast im Nationalpark und stellte in einem Vortrag die derzeitige Situation<br />
und die politische Lage sowie die momentan laufenden Projekte in Mosambik und insbesondere<br />
in den dortigen Nationalparks vor. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der<br />
Nationalparkverwaltung und der Naturwacht verfolgten die Ausführungen aufmerksam und<br />
kamen im Anschluss mit der Referentin ins Gespräch. Es wurden u.a. mögliche<br />
Forschungsthemen und Kooperationen diskutiert. Ziel ist es, die seit 2015 bestehende<br />
Kooperation zwischen dem Land Brandenburg als Träger des Nationalparks Unteres Odertal und<br />
der ANAC als Träger des Banhine Nationalparks wieder aufleben zu lassen. Es ist ein erneuter<br />
Austauschbesuch zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beider Nationalparks und weiterer<br />
Ehrenamtlicher geplant. Während der Zeit der Corona-Pandemie ruhte die Kooperation<br />
zwischenzeitig.<br />
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12 Ausblick 2024<br />
12.1 Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit in diesem Jahr<br />
Die Fortschreibung des Nationalparkplanes wird fortgeführt. Zielstellung ist es, das Leitbild für<br />
den Nationalpark (Band 1) fertigzustellen und bis Jahresende mit allen Gremien und der Region<br />
abgestimmt zu haben. Die noch fehlenden Inhalte und Themenbereiche für die Inventarisierung<br />
und Beschreibung des Nationalparks (Band 2) sollen ebenfalls im Laufe des Jahres abschließend<br />
erarbeitet werden, so dass dann Ende 2024 die Bände 1 und 2 des Nationalparkplanes vorliegen.<br />
Ab 2025 wird dann intensiv an der weiteren Entwicklung und Maßnahmenplanung für<br />
Brandenburgs Nationalpark (Band 3) gearbeitet, hierfür bilden die beiden ersten Bände die<br />
Grundlage.<br />
In der zweiten Jahreshälfte ist dann mit dem Vorliegen des Abschlussberichtes des<br />
Evaluierungskomitees zu rechnen. Die Analyse der Stärken und insbesondere der Schwächen<br />
im Nationalparkmanagement und die Berücksichtigung der gegebenen Handlungsempfehlungen<br />
seitens des Landes Brandenburg und des Bundes werden essentiell sein für die weitere<br />
Optimierung der Arbeit der Nationalparkverwaltung. Bereits bei seinem vor Ort Besuch zeigte<br />
sich das Komitee besorgt ob der vielfältigen Gefährdungen und Beeinträchtigungen des<br />
Schutzzweckes und der nicht vorhandenen hoheitlichen Verwaltungsvollzugskompetenzen der<br />
Nationalparkverwaltung.<br />
Die Nationalparkverwaltung wird auch in diesem Jahr wieder versuchen, für die Erfüllung ihrer<br />
Aufgaben möglichst viele Drittmittel einzuwerben. Im Mittelpunkt stehen dabei die<br />
grundlegende Erneuerung der Ausstellung im Nationalparkhaus und die Erneuerung wichtiger<br />
touristischer Infrastruktureinrichtungen wie die Willkommensschilder im Eingangsbereich oder<br />
der Aufstieg zum Seeberg in Mescherin. Das von der Nationalparkverwaltung erworbene, im<br />
Nationalpark gelegene und denkmalgeschützte Wohnhaus des Schöpfwerkes Stolpe soll zu einer<br />
deutsch-polnischen Forschungs- und Freiwilligenstation umgebaut werden.<br />
12.2 Hoffnungsschimmer<br />
Nach dem Regierungswechsel in Polen ist die Einrichtung eines Nationalparks („Park Narodowy“)<br />
im polnischen Zwischenoderland im Bereich des heutigen Landschaftsschutzparks „Dolina Dolnej<br />
Odry“ in greifbare Nähe gerückt. Das polnische Umweltministerium hat für die Vorbereitung der<br />
Parkgründung eine Task-Force eingerichtet und der Wojewode und der Marschall<br />
Westpommerns haben sich klar für einen Nationalpark ausgesprochen. Nach polnischem Recht<br />
bedarf es bei der Errichtung eines Nationalparks der Zustimmung der betroffenen Kommunen.<br />
Von dem geplanten Park Narodowy Dolina Dolnej Odry sind die Kommunen Kolbaskowo, Gryfino<br />
und Widuchowa betroffen. Kolbaskowo hat seine Zustimmung bereits erklärt.<br />
Auch im Hinblick auf den Ausbau der Oder besteht die Hoffnung, dass es seitens der neuen<br />
polnischen Regierung vielleicht zu einer Neubewertung des Vorhabens kommen wird. Die<br />
Etappe I des Ausbaus ist zwar fast abgeschlossen, aber mit der, den Nationalpark unmittelbar<br />
betreffenden, Etappe II zwischen Hohensaaten und Radun ist bisher noch nicht begonnen<br />
worden.<br />
48
1 | Kurze Beschreibung<br />
Herausgeber:<br />
Ministerium für Landwirtschaft,<br />
Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg<br />
Redaktion: Nationalpark Unteres Odertal – Verwaltung,<br />
Park 2, 16303 Schwedt<br />
Tel. 03332-26770<br />
E-Mail: nationalpark-unteres-odertal@nlpvuo.brandenburg.de<br />
www.nationalpark-unteres-odertal.eu, www.natur-brandenburg.de<br />
Der Nationalpark Unteres Odertal ist Teil der Nationalen<br />
Naturlandschaften (NNL), dem Bündnis der deutschen Nationalparke,<br />
Naturparke, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete. Gemeinsam mit<br />
den Menschen bewahren die NNL auf rund einem Drittel der Fläche<br />
Deutschlands faszinierende Natur, vermitteln Freude beim Erleben der<br />
Natur und gestalten die Zukunft mit Zuversicht nachhaltig.<br />
www.nationale-naturlandschaften.de