Programmheft zum Download als pdf - Kreuzkirche Bonn

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Programmheft zum Download als pdf - Kreuzkirche Bonn

Sonntag, 28. Oktober 2012, 19 Uhr

Kreuzkirche Bonn

Ludwig Meinardus

Luther in Worms

Romantisches Oratorium in zwei Teilen für Solisten, Doppelchor,

Kinderchor und Sinfonie-Orchester

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Stadtkirche zu Jever

Samstag, 03. November 2012

um 20.00 Uhr

Ludwig Meinardus (1827-1896):

„Luther in Worms“

Oratorium in zwei Teilen für Soli,

Chor und Orchester

Solisten

Sopran: Sigrùn Pàlmadottir

Alt: Elisabeth Graf

Tenor: Mirko Roschkowski und Christoph Behrens-Watin

Bariton: Thomas Laske

Bass: Robert Fendl und Christian Palm

Kantorei und Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche Bonn,

Kinder- und Jugendchöre der Ev. Kirche Bonn-Holzlar

Leitung: KMD Karin Freist-Wissing

Mit einem Einführungsvortrag von Karin Freist-Wissing

Stadtkirche zu Jever, Am Kirchplatz

Beginn: 19.30 Uhr

Einlass: 18.30 Uhr

Vorverkauf:

Buchhandlung Am Kirchplatz und Tourist-Information Jever

Eintritt € 15,- (ermäßigt € 10,-)

Freie Platzwahl

Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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Luther in Worms

Sigrún Pálmadóttir Sopran (Katarina)

Elisabeth Graf Alt (Marta)

Mirko Roschkowski Tenor (Justus Jonas)

Christoph Behrens-Watin Tenor (Kaiser)

Thomas Laske Bariton (Luther)

Erik Sohn Bass (Glapio, Aufführung Bonn)

Robert Fendl Bass (Glapio, Aufführung Jever)

Christian Palm Bass (Kurfürst, Frundsberg,

Kantorei der Kreuzkirche Bonn

ein Pilger, Hutten)

Kantorei der Ev. Johanniskirchengemeinde Bonn-Duisdorf

(Einstudierung: Lea Lohmeyer)

Kantorei der Thomaskirche und Jesus-Christus-Kantorei Witterschlick

(Einstudierung: Anke Lehmann)

Kantorei der Friedenskirche (Einstudierung: Katharina Wulzinger)

Kantorei der Auferstehungskirche (Einstudierung: Stephan Pridik)

Kinder- und Jugendchöre der Ev. Kirche Bonn-Holzlar:

Sunday Morning, Sunrise, Moonlight

(Einstudierung: Caroline Roth, Tono Wissing)

Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche Bonn

Leitung: Karin Freist-Wissing

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Luther in Worms – Ludwig Meinardus

oratorische Würdigung Luthers als

Deutschen Nationalheld

„Ich habe mich schon öfters gewundert, daß Ihr protestantischen

Komponisten einen so prachtvollen Vorwurf wie Martin Luther für ein

großartiges lebensfähiges Tonwerk so lange ungenutzt liegen ließet“.

Diese Feststellung soll der 62jährige Franz Liszt 1873 nach einem ersten

Durchspielen der Partitur des Oratoriums „Luther in Worms“ gegenüber

Ludwig Meinardus geäußert haben. Tatsächlich hatte sich in

der reichen Zahl des abendländischen Oratoriumsschaffens bis dato

noch niemand an die Vertonung von Stationen aus dem Leben des

Wittenberger Reformators herangewagt. Auch wenn den Katholiken

Liszt dies wunderte, ist dies aus evangelischer Perspektive nicht so

verwunderlich.

Nicht verwunderlich

Während in der katholischen Tradition die Wertschätzung und Verehrung

einzelner Heiliger aus der Kirchengeschichte fester Bestandteil

der Frömmigkeit ist, war und ist den Evangelischen – und an erster

Stelle Martin Luther selbst! – eine außerbiblische Heiligenverehrung

stets suspekt.

Die Verehrung des dreieinigen Gottes und die Bibel sind das Zentrum

des Glaubens, nicht die Huldigung einzelner Persönlichkeiten.

Dementsprechend gestaltet sich auch die protestantische Kirchenmusik

und orientiert ihre Oratoriumspraxis an den Stoffen der Bibel. Die

Vertonung von Lebensstationen außerbiblischer Persönlichkeiten zu

erbaulichen Zwecken lag protestantischen Komponisten gänzlich

fern. Das war – wenn überhaupt – katholische Domäne. Aber welcher

katholische Komponist sollte schon auf die Idee kommen, ausgerechnet

ein Opus über das Leben des aus ihrer Sicht „Spalter des Abend-

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landes“ zu schreiben? Auch wenn es hierzu schon einmal Pläne von

Robert Schumann gab – ein erstes vollendetes Werk legte erst Ludwig

Meinardus vor.

Komponist und Musikschriftsteller

Ludwig Siegfried Meinardus wird am 17. September 1827 im ostfriesischen

Hoogsiel geboren. Im benachbarten Jever aufgewachsen fördert

sein evangelisches Elternhaus ganz im Sinne des kulturprotestantischen

Fortschrittsglaubens die musische und literarische Bildung.

Ab 1847 nimmt er – ermutigt durch Robert Schumann und erste

Begegnungen mit Franz Liszt – Kompositionsunterricht u. a. in

Leipzig und Berlin bei Ferdinand Riccius und Adolf Bernhard Marx.

1853 tritt er eine erste Stelle als Leiter der Singakademie und des

Symphonievereins in Glogau an, einem kleinen Ort in Schlesien. Hier

heiratet er 1861 Amalie von Conrady, deren pietistische Frömmigkeit

zeitlebens großen Einfluss auf Meinardus ausübt. Aus dieser Zeit

stammen neben zahlreichen Liedkompositionen auch seine anderen

großen Oratorien „Simon Petrus“ (1858), „Gideon“ (1862) und „König

Salomo“ (1862/63). Ab 1865 wirkt er u. a. als Privatdozent am

Konservatorium in Dresden. Neben dem Komponieren setzt auch eine

rege musikschriftstellerische Tätigkeit ein. In seinem 1872 erschienenen

Buch „Des einigen Deutschen Reiches Musikzustände“ positioniert

er sich im Streit um die „Zukunftsmusik“ gegen Wagner und

Liszt. Von 1874 an arbeitet Meinardus als Rezensent beim „Hamburgischen

Correspondent“ und verfasst u. a. 1883 eine vielbeachtete

Mozart-Biographie. Von Friedrich von Bodelschwingh 1887 nach Bielefeld/Bethel

berufen, ist die Stellung als Chorleiter an der Zionskirche

seine letzte berufliche Station. Meinardus stirbt am 10. Juli 1896

und liegt in Bielefeld begraben. Sein größter Erfolg zu Lebzeiten und

über seinen Tod hinaus sollte das Oratorium „Luther in Worms“ bleiben.

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1871/72 – Eine Zeit voller Nationalpathos

Die Entstehung des Oratoriums „Luther in Worms“ op. 36 fällt in die

Jahre 1871/72. Dies ist für die deutsche Geschichte eine hochinteressante

Zeit. 1871 endete der deutsch-französische Krieg mit der

Gründung des Deutschen Reiches und dem Zusammenschluss des

Norddeutschen Bundes mit den süddeutschen Staaten Bayern, Hessen-Darmstadt,

Baden und Württemberg. Der Sieg Preußens ermöglichte

eine Einheit, die als politische, geistige und soziale Vision

schon Jahrzehnte vorhanden war, sich aber politisch bis dahin nicht

hatte verwirklichen lassen. Nach vielen Jahren der Kleinstaaterei und

zahlreichen politischen wie territorialen Verschiebungen gab es nun

einen Kaiser und ein Reich. Dies löste eine große nationale Begeisterungswelle

aus. Allein schon die Verwendung von Begriffen wie „Kaiser“

und „Reich“ – die im Oratorium zahlreich vorkommen – euphorisierte

viele und sollte nicht zuletzt eine einheitsstiftende Wirkung

auf alle Deutschen haben.

Die allgemeine Reichseuphorie konnte allerdings nicht die tief verwurzelten

gegensätzlichen geistigen Haltungen zwischen Katholiken

und Protestanten überdecken, gerade auch im Verständnis von Kaiser

und Reich. Das katholische Verständnis eines Kaisertums orientierte

sich am Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das als Untersystem

einer größeren gottgegebenen Weltordnung angehört. Die

protestantische lutherische Definition von „Kaiser und Reich“ orientierte

sich dagegen an der sogenannten „Zwei-Reiche-Lehre“, in der

das göttlich-geistliche und das weltliche Reich gleichberechtigt nebeneinander

stehen. Dadurch entwickelte sich im Protestantismus

ein anderes Verständnis im Verhältnis zur Obrigkeit und gerade im

19. Jahrhundert ein enges Bündnis von „Thron und Altar“. Dies bewirkte

aber eben auch eine zunehmende Vermischung von Protestantismus

und Nationalismus. Die katholisch geprägten Landesteile und

politischen Kräfte gerieten dabei in diesen Jahren stärker in die Defensive,

was in den großen Spannungen des Kulturkampfes gipfelte

und diese auch verständlich macht. Beide Seiten hatten in diesen

Zeiten ihre Symbolfiguren. Von protestantischer Seite war eine dieser

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Symbolfiguren der Wittenberger Reformator selbst, dessen Wirken für

die 1871 eingetretenen Ereignisse als vorauslaufend gedeutet wurde.

Luther, der „Deutsche Nationalheld“

Ausgehend von dem 1817 gefeierten 300jährigen Jubiläum des Thesenanschlages

wurde Luther im 19. Jahrhundert zunehmend zu einem

deutschen Nationalheld stilisiert. Im Zuge einer romantisierenden

Heroenverehrung wird sein Wirken weniger unter theologischen

Aspekten als vielmehr unter nationalen Vorzeichen gewürdigt: Luther

wird gerade im Bürgertum als eine für Deutschland und das Abendland

entscheidende Retter-Figur gesehen. Sein Kampf gegen die

„Fremdherrschaft des Romanischen“, seine Bibelübersetzung ins

Deutsche und sein standhafter Protest – kurzum seine Kraft, sein Mut

und seine Unbeugsamkeit – gelten als vorbildhaft und einheitsstiftend.

Die zunehmende Mystifizierung der Person Luthers als nationaler

Volksheld drückt sich denn auch in der Errichtung zahlreicher prunkvoller

Lutherdenkmäler aus. Das entspricht der allgemeinen Stimmung,

große Denkmäler nicht nur für Herrscher, sondern auch für

verdiente und verehrte Bürger zu bauen. Zu nennen ist hier im Vorfeld

der Entstehung des Oratoriums insbesondere das 1868 in Worms

eingeweihte Lutherdenkmal.

Eine weitere Facette der Lutherverehrung lässt sich in der blühenden

Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts nachlesen. Luther wird in zahlreichen

Romanen mit Originalzitaten wiedergegeben und die Rollen

seiner Weggefährten (Katharina von Bora, Ulrich von Hutten etc.) romanhaft

ausgeschmückt. Luthers theologische Lehren werden dabei

ignoriert, verkürzt oder aber romantisierend umgedeutet, die katholische

Kirche wird als Feindbild dargestellt. Auch in diesem Genre lässt

sich eine Vermischung von Deutschtum und dem Freiheitsbestreben

der Reformation ablesen.

Ludwig Meinardus übernimmt nun dieses national verklärte und idealisierende

Lutherbild. Als textliche Grundlage dient ihm dazu ein Li-

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etto, das 1867 von Wilhelm Rossmann (1832-1885) verfasst wurde.

Rossmann, Sohn eines evangelischen Pfarrers und studierter Theologe

und Historiker, hatte sich auf Reformationsgeschichte spezialisiert.

Als Privatdozent an der Universität in Jena für Reformationsgeschichte

und damit einem wissenschaftlichen und geschichtskundigen

Umfeld verbunden, bleibt er mit seinem Libretto nah an den historischen

Geschehnissen. Dennoch ist in seinem als Opernlibretto

konzipierten Text deutlich die allgemeine heroisierende Zeitströmung

erkennbar. Mit dieser Vorlage als Basis komponiert Ludwig Meinardus

seinen „Luther in Worms“ als ein – wie er es selbst nennt – „Ideelles

Drama“. Luther widersteht als charakterfester Held allen Anfeindungen

und Widrigkeiten. Er wird damit nicht nur zu einer Symbolfigur

des Glaubens, sondern strahlt wie ein Leuchtturm in nebligen Zeiten

das Licht des reformatorischen Gedankengutes für alle sichtbar bis in

den letzten Winkel des Reiches. Für heutige Ohren klingt die verwendete

Poesie pathetisch überhöht und zuweilen auch kitschig; und

auch die übertrieben nationalen Töne wecken zu Recht Widerspruch.

Für damalige Hörer spiegeln Text und Pathos allerdings ein weitgehend

selbstverständliches Empfinden wider: Dem äußeren Feind

(Frankreich) und den inneren katholischen Widersachern in den Auseinandersetzungen

des „Kulturkampfes“ wird mutig die Stirn geboten!

All dies macht das Oratorium – auch losgelöst von seinen musikalischen

Qualitäten – zu einem interessanten Zeitdokument.

Umjubelt im Jubiläumsjahr 1883

Ausgerechnet Franz Liszt, der die niederen katholischen Weihen empfangen

hatte, der sich in dieser Zeit äußerlich als Abbé kleidete und

gegen dessen Musik sich Meinardus 1872 publizistisch gewandt hatte,

zeigt sich von “Luther in Worms“ beeindruckt! Er setzt sich –

Meinardus seine Meinung über seine Musik nicht verübelnd und ihm

zeitlebens stets väterlich zugewandt – für das Werk ein und ermöglicht

im Juni 1874 die Uraufführung in der Stadtkirche zu Weimar.

Als Erfolg aufgenommen wird das Oratorium in den Folgejahren weitere

Male aufgeführt. 1883 – im Jahr des 400. Geburtstages Martin

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Luthers – wird es zu dem herausragenden musikalischen Ereignis! In

etwa 50 Städten kommt es im Jubiläumsjahr zu Gehör. Am 14. November

1883 gibt es in Frankfurt eine Aufführung mit 450 Chorsängern

unter der Leitung des 1. Kapellmeisters der Frankfurter Oper,

dem Dirigenten Felix Otto Dessoff (1835-1892), der aus dem direkten

Umfeld von Johannes Brahms kam. Insgesamt über 300 Mal wird „Luther

in Worms“ in den nächsten Jahren unter großem Jubel aufgeführt,

nicht nur in Deutschland, sondern u. a. auch in Ungarn, in der

Schweiz und in den USA. Ende des 19. Jahrhunderts wird es jedoch

stiller um dieses Werk. Nicht nur der Modegeschmack, sondern auch

die zeitgeschichtlichen Gegebenheiten ändern sich. Das Werk erklingt

noch einmal 1921 in Worms anlässlich der Vierhundertjahrfeier des

Reichstages zu Worms und 1983 anlässlich des 500. Geburtstages des

Reformators in Göttingen.

Mit Blick auf die anstehenden Jubiläums-Feierlichkeiten 2017 wächst

auch das Interesse an Meinardus' oratorischer Würdigung des Reformators

wieder. Aus musikalischer Sicht ist dies ein allemal lohnenswertes

Unterfangen, dazu mehr im nächsten Artikel. Aus inhaltlicher

Sicht mag das Werk Anstoß geben, neben der Erinnerung an die hier

theatralisch ausgeschmückten historischen Begebenheiten von

Worms sich die Wirkungsgeschichte der Reformation im Allgemeinen

und Luthers Rolle im Besonderen vor Augen und Ohren zu führen.

Denn das Erbe der Reformation wirkt weiter und will für jede Epoche

stets neu interpretiert und kritisch hinterfragt sein. Und da darf man

sich beim Hören dieses zeitgeschichtlichen Werkes dann auch schon

mal freuen, dass es heutzutage dank eines ökumenischen Bewusstseins

gottlob zwischen den Konfessionen längst nicht mehr so dramatisch

zugeht!

Dr. Detlev Prößdorf

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Luther in Worms – Zur Musik von Ludwig

Meinardus und den Herausforderungen

einer heutigen Interpretation

Das Selbstverständnis von Ludwig Meinardus als Musiker und Komponist

wurzelt in den Traditionen des 17. und 18. Jahrhunderts. Er

steht damit bewusst in deutlichem Gegensatz zu der Idee seiner Zeit,

dass ein Kunstwerk aus sich selbst heraus Bedeutung hat und sein

Schöpfer ein individueller „Genius“ ist. Meinardus empfand sich im

Sinne Händels und Bachs als „Werkzeug Gottes“, der durch seine Musik

allein Gott zu Ehren und zur Festigung des Glaubens der Menschen

tätig wird. Er vertrat damit eine an Mendelssohn, Bach und

Händel anknüpfende Auffassung von Kirchenmusik, die sich zeitgenössischen

Strömungen wie ein Fels in der Brandung entgegenstellen

wollte. In diesem Sinne bearbeitete er gemeinsam mit dem Textdichter

Wilhelm Rossmann das Libretto, das mehr Allgemeingültigkeit

und weniger „Zeitgeist“ beinhalten sollte. Auch kompositorisch sah

er sich in der Tradition der Polyphonie und Fugenkunst, die er allerdings

mit romantischer Tonsprache verknüpfte.

Durch die Entstehung zahlreicher, für unsere Verhältnisse riesiger

Singvereine in nahezu allen deutschen Städten, erfuhren Oratorien

im 19. Jahrhundert eine große Verbreitung. Durch diese Vereine mit

bis zu 450 Sängern konnten mehr Menschen kulturell teilhaben, als

es in der Oper möglich war. So war gerade die Gattung des Oratoriums

ein wichtiger Faktor, moralische und/oder religiöse Inhalte und

Auffassungen zu transportieren. Das Singen in einer Singgemeinschaft

und die Auseinandersetzung mit Neukompositionen dieser Zeit

war somit auch eine Möglichkeit, sich in Zeiten restriktiver politischer

Verhältnisse unbemerkter gesellschaftlich zu engagieren und zu

organisieren. Dies war insofern bedeutsam, weil die Religion als verbindliche

Lebensform im Zuge der Aufklärung immer mehr an Bedeutung

verlor und das Oratorium in Konzertsäle abwanderte und zu einem

Mittelding zwischen Oper und Kirche wurde.

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Für Meinardus war die Komposition des „Luther in Worms“ somit die

Möglichkeit, seine Auffassung von Kirchenmusik zu verwirklichen und

zwar entgegen dem herrschenden Zeitgeist. Und es war die Möglichkeit,

unter Verwendung eines zeitgenössischen Librettos seine Auffassung

von Luther als nationalem Helden und die darin für diese

Zeit typische Vermischung von Deutschtum und Protestantismus zum

Ausdruck zu bringen.

Die Musik

Ludwig Meinardus komponierte „Luther in Worms“ in seiner Dresdner

Zeit. Diese Jahre waren die einzigen wirklich sorglosen Jahre für ihn,

in denen er sich ohne alle äußeren Zwänge voll auf seine schöpferische

Arbeit konzentrieren konnte. Seine Frau verdiente mit ihrer Privatpension

den Lebensunterhalt des Ehepaares und so war Meinardus

frei von allen ungeliebten und ihn belastenden Arbeiten wie Unterrichten,

Chorleiten, Orchesterleiten etc.

Meinardus gelingt in diesem Werk eine höchst eindrucksvolle Symbiose

überlieferter Kompositionstechniken und -formen (Fugen, Polyphonie,

Coro spezzato u. a.) mit der modernen Tonsprache der Romantik,

die stark von Richard Wagner geprägt ist. Er beherrscht hervorragend

die Fugentechnik, wie es in den beiden großartigen Doppelchören

im Finale Nr. 14 zu hören ist. In dem ersten Doppelchor, in

dem die Anhänger Roms in großer aggressiver Gestik „Nieder in

Staub“, und die Anhänger Luthers in bewegtem Tanzrhythmus „Traue

dem Herrn du erwählter Prophet“ singen, entwickelt Meinardus eine

großartige Doppelfuge beider Chöre. Im zweiten Doppelchor stellt er

höchste technische und dramatische Anforderungen an die Sänger

und steigert die Wirkung noch mit dem eingefügten Choral „Vom

Himmel hoch“, den ein Kinderchor singt.

Besonderes Merkmal seiner Musik ist das „psychologische Erinnerungsmotiv“

(Begriff von Karl Wörner), das Meinardus auf der Grundlage

der „Idee fixe“ von Berlioz einsetzt. Die auftretenden Figuren

haben ein bestimmtes musikalisches Motiv, das sich durch alle Szenen

hindurch zieht, in denen die bestimmte Person auftritt. Je nach

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Stimmungslage variiert dieses Motiv und schafft so eine zweite instrumentale

Deutungsebene. So erklingt beim ersten Auftritt Luthers

– fast nicht zu erkennen – in dunklem f-Moll sein „Motiv“, ein Versatzstück

des Chorales „Ein feste Burg“. Der mehrfach auftretende

Pilgerchor hat ebenfalls ein eigenes Motiv. In der Komposition dieser

„Erinnerungsmotive“ beweist Meinardus eine unerschöpfliche Kreativität

und Originalität.

Auch die Orchesterbehandlung ist bemerkenswert. Meinardus setzt

den Schwerpunkt nicht auf die Begleitung von Solisten und Chor,

sondern auf eine eigenständige Interpretation und Intensivierung

der Szenen. So erklingt beispielsweise im Orchester schon vor Erscheinen

bestimmter Personen oder Personengruppen die entsprechende

Musik, so dass sich die Szenen auf verschiedenen Verständnisebenen

miteinander verschränken. Er nutzt das Orchester auch,

um im wahrsten Sinne des Wortes unterschwellige Informationen zu

liefern. Den Auftritt des Glapio, dem Beichtvater des Kaisers, der auf

hinterlistige Art und Weise versucht gegen Luther zu wirken, begleiten

Orchestermotive, die seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche

(Gregorianik), aber auch sein „schlangenhaftes Wesen“ verdeutlichen.

Seinen Hang zum pompösen Pathos, den er in der Nr. 11, dem Huldigungschor

des Volkes für den Kaiser, musikalisch auslebt, verbindet

er geschickt mit kompositionstechnischen Raffinessen in der Chorführung.

Er lässt hohe und tiefe Stimmen jeweils in Oktaven und

Terzparallelen laufen und erreicht damit einen ganz besonderen satten,

grundtönigen Klang. Der Text dieses Satzes, den Meinardus

selbst eingefügt hat, zeigt am deutlichsten die Nähe zum zeitgenössischen

protestantischen Deutschtum des 19. Jahrhunderts, und das

mit einer Sprache, die uns heute nur schwer über die Lippen kommt.

Die Musik jedoch weist auf den klangvollen Charakter „Händel'scher

Gloriachöre“. Die Verwendung der Königs-Tonart D-Dur und die Art

und Weise der Behandlung der Blechbläser und Pauken weisen

Meinardus als Kenner der barocken Kompositionspraktiken aus.

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Ebenfalls eine große Rolle spielt in dem Oratorium die Verwendung

des Chorals. Meinardus verwendet den Choral auf vielfache Weise:

1. als vierstimmigen a cappella-Choral

2. als Oberstimme in den großen achtstimmigen Doppelchören

3. als wiederkehrende Motive verschiedener Chorsätze

4. als Fugenthema

5. als Themenpool für Leitmotive

Meinardus erhebt gerade mit der vielfältigen Verwendung alter Choralmelodien

den schon erwähnten Allgemeingültigkeitsanspruch über

den Geist seiner Zeit hinaus. Mit der modernen und auch originellen

Verwendung des Chorales in zeitgenössischen Kompositionstechniken

und -gattungen verbindet er die tradierten Inhalte und Bedeutungen

der Kirchenmusik mit seiner „Moderne“, in der sich die kirchlichen

Strukturen, auch in der Musik, mehr und mehr auflösten. Er zeigt damit

seine tiefe Verbundenheit mit Johann Sebastian Bach, dem „Vater

evangelischer Kirchenmusik“, ohne auf diesem Standpunkt zu verharren.

Grandios ist der große Schlusssatz des zweiten Finales, den der Bariton

(Luther) einstimmig mit der Choralmelodie „Ein feste Burg“ beginnt.

Darüber entfaltet Meinardus eine vielfältige Choralfantasie,

die das Solistenensemble dem Tuttichor gegenüberstellt, beide miteinander

verbindet und durch das Hinzufügen des Chorales in der alten

rhythmischen Form durch einen Kinderchor zu einem polyphonen

Meisterwerk macht. Diese Vielstimmigkeit mündet in die letzte Strophe

des Liedes „Das Wort sie sollen lassen stahn“ in blockartigem

fünfstimmigem homophonem Chorsatz mit zum Teil überraschender

Harmonik. Dieser Chorsatz wird mit immer wieder neuen rhythmischen

Figuren der Streicher aufgelockert, während die Bläser zunächst

mit Akkordeinwürfen, später mit gehaltenen Tönen quasi ein

„Raster“ bilden. In den Choralzeilenpausen erhöhen aufsteigende

Tonleiter-Triolen der Bläser und Streicher die Spannung, bis der

Schluss in sechs Takten mit „Pauken und Trompeten“ das Werk beendet.

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Reaktionen auf das Werk

Mit diesem Oratorium wurde Meinardus in seiner Zeit sehr berühmt.

Besonders gerühmt wurden die meisterhaften großen Chorsätze, hervorgehoben

auch der hohe musikalische Anspruch des Werkes. Es gab

natürlich auch kritische Stimmen, die dem Komponisten Konservativismus

vorwarfen, die Vermischung von Oper und Oratorium kritisch

anmerkten oder auch die Partie des Luther zu „lyrisch und weiblich“

fanden. Die Grundstimmung war insgesamt aber von Musik-Kritikern,

Musikern und Konzertpublikum positiv bis hellauf begeistert.

Einige Kritiker setzten sich auch mit der Symbiose von Text und Musik

auseinander und beanstandeten, dass das Oratorium den Menschen

Luther nicht genug als den deutschen Helden darstellt, den

das Volk in dieser Zeit in ihm sah und sehen wollte. Meinardus' Haltung

wird deutlich in der Vertonung der zentralen Worte „Hier steh'

ich und ich kann nicht anders, so wahr mir Gott helfe, Amen“. Sie

werden nicht bombastisch, selbstsicher und triumphal vertont.

Meinardus begleitet die lyrisch gehaltenen Worte Luthers mit Flöten,

Oboen und Klarinetten, also hohen Instrumenten ohne Bass. Das erinnert

an die Vertonung der „Stimme Gottes“ im Paulus, die Mendelssohn

mit Frauenchor besetzt.

Um sich und seine Auffassung zu erklären, veröffentlicht Meinardus

in der Neuen Zeitschrift für Musik (NZfM) im Dezember 1883 folgende

Anzeige:

„(....) Mir ist das, einem deutschen Musiker, der seine Neigung vorzugsweise

auf dem ungangbaren Gebiet des geistlichen Concertdramas

und Oratoriums zu bethätigen versucht, selten gegönnte Glück zuteil

geworden, durch eine ganz unglaubliche Menge wärmster Zustimmungsäußerungen

aus allen Theilen des Deutschen Reiches ... ermutigt

zu werden. Die freundlichen Einsender kommen unisono darin überein,

dass die Aufführung des Oratoriums „Luther in Worms“ einen Baustein

zur erbaulichen Feier des nunmehr abgeschlossenen Erinnerungsfestes

beigetragen habe (...)

Es gibt einen Luther der geschichtlichen Wirklichkeit und einen zweiten

der fantasievollen Einbildungskraft des Volkes, welches sich um Quel-

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lenforschung nicht viel oder gar nicht kümmert. - Dass es mir bei der

Conception des Tonwerks (1871) ausschließlich auf eine thatsächliche

beglaubigte musikalische Individualisierung des Luthers der Geschichte

ankommen musste, wenn mein Oratorium kein totgeborenes Kind sein

sollte, ist wohl erklärlich genug. Wie sehr ich mich aber auch mit dem

Luther der Tradition in Widerspruch zu setzen hatte, wenn ich ihn als

den demüthigen Wittenberger Mönch charakterisiere, der er zeitlebens

geblieben ist, sofern er seine „eigene Sach“ und „Kraft“ für nichts achtete:

die geschichtliche Treue durfte deshalb nicht Noth leiden. - So

entstand ein musikalisches Charakterbild, das allerdings den trotzigen

„Kraftmeier“ epischer Volksdichtung nicht gleicht. - Wie fern lag zu

Worms ihm zumal der Gedanke, ein großer Reformator zu sein!“

Nach und nach geriet das Oratorium – wie so viele Werke vergangener

Epochen – jedoch in Vergessenheit. Die sich ändernde Lutherbetrachtung

aufgrund einer fortschreitenden wissenschaftlichen Quellen-Forschung

und auch der Wandel des Zeitgeistes zu Beginn des

20. Jahrhunderts ließen vor allem den Text des Oratoriums in keiner

Weise mehr zeitgemäß erscheinen. Die Glorifizierung Luthers entsprach

nicht mehr dem Selbstverständnis der Zeit, die einheitsstiftende

Begrifflichkeit des nationalen Protestantismus wollte man

überwinden und hinter sich lassen. Dies erklärt die nur spärlichen

Aufführungen des Oratoriums im 20. Jahrhundert.

Wie nähern wir uns heute diesem

Oratorium?

Wir leben in einer Zeit, in der das Interesse an unentdeckten Werken

groß ist, denn ihrer gibt es nicht mehr viele. Musiker wie beispielsweise

Hermann Max (Köln) haben sich verdient gemacht, indem sie

zahlreiche vergessene oder nie gedruckte Werke der Bachfamilie dem

Konzertpublikum zugänglich gemacht haben. In vielen privaten oder

öffentlichen Archiven (z. B. von Rundfunkanstalten) schlummern ungehörte

Werke, die neugierige Musiker auffinden und aufführen.

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Als Kirchenmusikerin finde ich es hochinteressant, nicht nur Werke

aufzuführen, die viele Male auf CD aufgenommen wurden und jedes

Jahr zahlreich in Kirchen und Konzertsälen zu hören sind, sondern

mich neuer wie alter unbekannter Literatur zuzuwenden. Es ist spannend,

jenseits der schriftlichen überlieferten Texte durch die Musik,

die ihre ganz eigene Sprache hat, etwas über Menschen und deren

Glauben und Leben aus anderen Zeiten zu erfahren. Ein Oratorium

über die Person Martin Luther gibt es meines Wissens nur in diesem

vorliegenden Werk. Eine Annäherung ist aus historischem Interesse

eine große Motivation, sowohl die Musik als auch die Texte betreffend

(siehe Ausführungen oben), also beispielsweise in den Fragen:

Wie haben Menschen der unterschiedlichen Jahrhunderte Martin Luther

gesehen, wie haben sie seine Lehren beurteilt, wie hat sich das

im Zeitgeist niedergeschlagen, wo gab es Auswüchse, Rückbesinnungen,

Verwerfungen und einen Aufbau neuer Welt- und Glaubensbilder?!

Aus musikalischer Sicht ist eine Auseinandersetzung ebenfalls sehr

lohnend. Dieses Oratorium bietet alles, was eine Choraufführung interessant

und gewinnbringend macht: vielfältige, hoch anspruchsvolle

Chorsätze mit höchst unterschiedlichen Charakteren vom a-cappella-Choral

bis zur großen romantischen Doppelfuge. Besonders spannend

finde ich die Anlage des Werkes als „geistliche Oper“. Es fordert

die Musiker in ganz besonderer Weise. Eine gute (Opern-) Geschichte

lebt von den gegensätzlichen Charakteren ihrer Helden, von einer

dramatischen Handlung, von lyrischen anrührenden Szenen und von

einem aktiven, stringenten Handlungsfaden. Alles das bietet dieses

Werk in hohem Maße. Die Ausstrahlung eines Chores muss eine ganz

andere sein, wenn er Teil der Handlung ist und nicht nur eine betrachtende,

analysierende Aufgabe hat.

Gibt es aber neben diesem historischen Interesse noch weitere Essenzen,

die wir aus der Beschäftigung mit „Luther in Worms“ ziehen

können? Diese Frage wird jeder für sich selbst beantworten und die

Antworten werden wohl so individuell ausfallen, wie Menschen und

ihre Sichtweisen sind. Ich selbst kann diese Frage mit „Ja“ beantworten.

Beschäftigt man sich intensiv mit diesem Werk, mit seiner Ent-

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stehungsgeschichte und den politischen, gesellschaftlichen, geistigen

und geistlichen Strömungen seiner Zeit, dann entdeckt man mit

Hilfe der Musik hinter dem Gewand der Sprache dieser national-protestantisch

geprägten Jahre des deutsch-französischen Krieges

durchaus inhaltliche Anregungen und anrührende Gedanken, die auch

uns heute betreffen können.

In besonderem Maße trifft das meines Erachtens auf den Dialog von

Justus Jonas und Katharina (Nr. 4) und der anschließenden Sopran-

Arie mit Frauenchor (Nr. 5) zu. Katharina, die Nonne, berichtet von

einem Leben unter dem düsteren Glaubensverständnis des Mittelalters,

das den Menschen erzählt, das Leben müsse ein Jammertal sein.

Die Praxis des Ablasses schnürte ihnen den Atem ab. In diese Trostlosigkeit

hinein singt Justus Jonas von der Gnade Gottes, die ohne

vorherige (finanzielle) Leistung jedem Menschen zugute komme, egal

welchen Standes er sei. Meinardus kleidet in seiner Vertonung diesen

Dialog und seine Gefühlswelten in ein zeitloses sehr emotionales Gewand.

Die Worte von Justus Jonas werden durch die Streicher von einer

solchen musikalisch ausgedrückten Lebensfreude begleitet, dass

man sich ihrer Wirkung kaum entziehen kann ... eine Anregung zum

Weiterdenken. Und in der anschließenden Arie singt Katharina, unterstützt

von einem dreistimmigen Frauenchor, „Meine Seele verlanget

zu hören“ in so eindringlicher Weise, dass wir auch heute in der

Musik für uns eine große Sehnsucht nach Spiritualität und innerer

Freiheit heraushören und auf emotionaler Ebene nachempfinden können.

Ein musikalischer Schatz

Trotz aller berechtigten kritischen Annäherung an dieses Werk sowohl

von musikalischer als vor allem auch von inhaltlicher Seite aus, halte

ich dieses Oratorium für einen wertvollen musikalischen Schatz, ein

schwergewichtiges, kritisch zu betrachtendes Zeitzeugnis gerade

auch der evangelischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Das Oratorium

„Luther in Worms“ ist eine große Herausforderung für Chöre und

es macht große Freude, diese musikalisch so fantasievoll und aus-

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drucksstark angelegte geistliche Oper einzustudieren. Das Werk eröffnet

einen erfrischend neuen historischen Klang in unseren Konzertprogrammen

und gibt nicht zuletzt Anstoß zu angeregten und anregenden

Diskussionen zwischen Musikern, Wissenschaftlern, Musikbegeisterten

und Hörern.

Karin Freist-Wissing

Verwendete und weiterführende Literatur:

18

1. Blume, Friedrich: Geschichte der evangelischen Kirchenmusik,

hrsg. unter der Mitarbeit von L. Finscher, A. Adrio und W. Blankenburg,

2. Aufl. Kassel 1965.

2. Lohse, Bernhard: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben

und sein Werk, 3. Aufl. München 1997.

3. Kleinschmidt, Christa: Ludwig Meinardus (1827-1896). Ein Beitrag

zur Geschichte der ausgehenden musikalischen Romantik,

Wilhelmshaven u. a. 1985.

4. Nolden, Dieter: Ludwig Meinardus (1827-1996). Komponist, Musikschriftsteller,

Chorleiter. Lebensstationen – Begegnungen

mit Franz Liszt – Bielefelder Zeit, Bielefeld 2007.

5. Wittenberg, Frederik: Ludwig Meinardus und sein Oratorium

„Luther in Worms“, Hausarbeit zur Erlangung des Grades eines

Mag. art., Münster 2008.

6. Martin Luther und die Reformation in Deutschland, Ausstellzum

500. Geburtstag Martin Luthers, hrsg. vom Germanischen Museum

Nürnberg u. a., Frankfurt 1983.


1. Teil: Die Fahrt nach Worms

Nr. 1: Einleitender Chor

Höret zu, ihr Könige,

merket auf, ihr Völker,

alle, die leben

in dieser Zeit,

denn es ist böse Zeit.

Die Toren sprachen,

es ist kein Gott!

Sie schäumen aus

ihre eigene Schande,

wie wilde Wellen des Meeres.

Das Wort vom Heil

ist sehr verachtet,

zu Spott und Schmach

ist worden,

darauf wir uns verließen.

Warum hast du, o Mensch,

warum hast du der Zeugnisse des

Herrn so gar vergessen?

Warum?

Mache dich auf!

Mache dich auf zur Tat in Kraft,

dass Gott, der Herr,

sich dein erbarm!

Nr. 2: Pilgerlied

Justus Jonas, Marta, eine Pilgerin,

Pilgerinnen und Pilger

Wir fahren hin in Gottes Hut,

sein Arm hält uns umfangen.

Er dämpft der Feinde Übermut,

er wehrt der alten Schlangen.

Er führet mich auf grünen Au'n,

er lässt uns seine Wunder schaun,

er stärkt uns, wenn wir bangen.

Zeuch uns voran, Herr Jesu Christ,

die Schlacht mit uns zu schlagen;

der Böse will mit arger List

dein heilig Erbe plagen.

Erschrecke sie mit deinem Zorn;

zerstoße ihrer Stärke Horn;

wir müssten sonst verzagen.

Ihr Freunde, richtet empor den

Mut,

das Ziel ist nah!

Das ist die Stätte; das ist Worms!

Wir sind am Ziel!

Dort wird der Herr

durch seines Knechtes Mund

bezeugen seines Wortes lauter

Wahrheit.

Du aber, Herr, lass blitzen

und zerstreue sie,

schieß deine Strahlen

und schrecke sie!

Errette uns von der Hand der

Fremden,

welcher Lehre ist kein nütze!

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Choral mit Chor

Marta, Justus Jonas

Wo Gott, der Herr,

nicht bei uns hält,

wenn unsre Feinde toben;

wo er nicht unsrer Sach zufällt,

im Himmel hoch da droben,

wo er nicht unser Schützen ist,

und selber bricht der Feinde List,

so ist's mit uns verloren.

Die Feind sind all in deiner Hand,

dazu all ihr Gedanken.

Ihr Anschlag ist dir wohl bekannt;

hilf nur, dass wir nicht wanken!

Wie Meereswellen hoch hergehn,

nach Leib und Leben sie uns

stehn.

Des wird sich Gott erbarmen.

Nr. 3: Chor

Nonnen, Pilger

Miserere nobis,

Deus, secundum magnam

misericordiam tuam.

Miserere, Domine,

et dona nobis pacem.

Horch!

Klagelaut ertönt aus jenen

Klostermauern.

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Nr. 4: Rezitativ und Chor

Katarina, Marta, Justus Jonas,

Nonnen und Pilger

Ihr Fremdlinge, was führt euch

her zu dieser Stätte der

Schmerzen?

Des Lebens Freude sucht ihr hier

vergebens.

Warum verlasst ihr nicht

die düstern Mauern

und dienet Gott

eine Jegliche mit der Gabe,

so sie von ihm empfangen hat?

Uns ist gesagt:

Wer da suchet Heiligkeit und

christliche Vollkommenheit,

der entsage der Welt

und wähle das Klosterleben,

dass er für seine sündge Seele

Frieden fände.

Ihr werdet nicht gerecht durch

diesen oder jenen Stand,

sondern allein durch Christi

Verdienst und durch den Glauben

an ihn.

Der Herr ist's,

der da machet gerecht alle,

so an ihn glauben

von ganzem Herzen.

O Wort des Trostes,

o Wort des Heils!

Woher kam euch so göttliche

Weisheit?

Wer hat euch so gewiss gemacht?


Doktor Martinus,

der Held des Herrn,

den Gott seinem Volke zu

Wittenberg erweckte,

dass er verbinde,

die zerbrochnen Herzens sind,

und predige den Gefangenen eine

Erledigung, den Gebundenen eine

Erlösung.

Sehet ihr dort

in dem Schatten des Waldes,

wie im Gebet

er sich rüstet zum Streit

gegen die Widersacher der

Wahrheit.

Nr. 5. Arie mit Frauenchor

Katarina und Nonnen

Meine Seele verlanget zu hören

die Worte des Heiles,

so der Mann Gottes verkündigen

wird.

Meine Knie sind schwach vom

Fasten,

ich fahre dahin wie ein Schatten.

Nacht und Tag schrei ich zu Gott,

doch der Herr verbirgt sich vor

mir.

Nr. 6 Rezitativ und Choral

Justus Jonas, Nonnen und Pilger

Wohlauf!

So gehet mit uns hinab gen

Worms

zum Zeugnis, dass des Herrn Wort

in seines Knechtes Mund ist

Wahrheit.

Ach, Herr Gott,

wie reich tröstest du,

die gänzlich sind verlassen!

Die Gnadentür steht nimmer zu,

Vernunft kann das nicht fassen.

Sie spricht: Es ist nun alls verlorn,

da doch das Kreuz hat neu

geborn,

die deiner Hilf erwarten.

Nr. 7: Arie

Luther

Allmächtiger, ew'ger Gott!

Mir ist so schwach das Fleisch

und so geschäftig der Teufel!

Wie sieht allein man an,

was groß und mächtig ist

und was ein Anseh'n hat!

Wenn ich dahin soll richten

meine Augen,

so ist es aus mit mir.

Dann ist die Glocke schon

gegossen,

mein Urteil schon gefällt.

Ach Gott! O du mein Gott!

Steh du mir bei wider der Welt

Vernunft in Weisheit!

Herr, du musst es tun,

und du, Herr, ganz alleine!

Steh du mir bei!

Dein ist die Sache, Herr,

die gerecht und ewig ist.

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Ich traue keinem Menschen.

So walte es, o Gott,

um deines lieben Sohnes willen;

der ist mein Schirm und Schutz,

ja, meine feste Burg,

durch Kraft und Stärkung des

Heiligen Geistes.

So muss die Welt in meinem

Gewissen

mich noch unbezwungen lassen,

und wenn sie voller Teufel wär.

Und sollte auch der Leib, der doch

dein Werk ist und Geschöpf,

zu Grund und Trümmern gehn,

so bleibt die Seele doch dein

und soll dein ewig bleiben.

Gott helfe mir! Amen!

Nr. 8a Chor und Rezitativ

Nonnen, Pilger, Katarina, Justus

Jonas

Amen! Hilf, o Gott, du deinem

Knechte,

der allein auf dich vertraut.

Herr, erfreue seine Seele,

die nach dir allein verlangt.

Denn du bist von großer Güte,

du bist gnädig allen,

die dich anrufen in der Not.

Siehe, ein Fremdling tritt heran

zu Doktor Martino.

Was mag er ihm entbieten?

Weh! Es ist Glapio,

der Beichtiger des Kaisers.

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Nr. 8b Arie

Marta

Vertrauet auf den Herrn

und nicht auf Menschen.

Fürchtet euch nicht.

Stehet fest und sehet,

welch ein Heil der Herr heute an

euch tun wird:

Der Herr wird für euch streiten,

und ihr werdet stille sein.

Nr. 9

Luther, Glapio

Karolus, mein gnädiger Kaiser und

Herr,

entbeut't dir Gruß und Gnade,

so du dich nahest als ein Mann

des Friedens und der Demut.

Den Kaiser ehr' ich,

wie mir Gott gebeut.

Auch bin nicht ich es,

der den Frieden stört.

Wohl dir! Wohl dir, so du dich

unterwerfen kommst dem heiligen

Vater in der Kirche.

Die Kirche, unsre heil'ge Mutter,

verzeihet allen ihren Söhnen, so

sich bekehren vom falschen Wege,

auch dir Martine, wird sie

verzeihn,

wiewohl du schwer gefrevelt wider

sie, wiewohl du einbrachst in den

Weinberg des Herrn.


Halt ein! Nicht ich, nein ihr,

ihr habt an Gottes Thron

gestoßen;

ihr habt den Herrn zum andern

Male gemartert und gekreuziget

durch Trug und Menschensatzung.

Denn Gottes Wort allein soll

stellen Artikel des Glaubens und

keiner mehr, selbst auch kein

Engel!

So lass uns prüfen nun zu Worms,

ob da bestehen möge der

Menschen Wort oder Gottes Wort.

Sei klug, Martine, kehre um;

so du's willst treiben in der Stille,

so wird die Kirche dich erhöhen.

Nicht weiter!

Versucher, hebe dich weg!

Du bist mir ärgerlich, hebe dich

weg, hinweg, fort, fort!

Sei klug, Martine, kehre um, so

wird man dir wohl gar den

Bischofsstab verleihn;

zu weiden wird man dir geben viel

Volks.

Du lästerst das heilige Amt des

Herrn. Fort, hinweg!

Heb dich von hinnen.

Nr. 10: Finale I

Katarina, Marta, Justus Jonas,

Pilger

Der Böse weicht zurück!

Nonnen und Pilger

Gelobet sei Gott,

der mein Gebet nicht verwirft!

Pilgerlied

Reich uns das Schwert,

o heilger Geist,

zu stehn der bösen Rotte;

den Schild des Glaubens

allermeist

dem gift'gen Pfeil zum Spotte;

den Panzer der Gerechtigkeit,

auf dass zu Schanden werd

im Streit der Feind vor unserm

Gotte.

Luther

Was deuten diese kriegerischen

Klänge,

Drommetengetön und

Paukenschall?

Katarina, Luther, Marta, Justus

Jonas

Sieh! Eine Ritterschar hoch zu

Rosse.

Herrn Huldrich von Hutten erblick

ich dort.

Er reitet den Reisigen stolz voran.

Die Ritter nahen sich uns.

Gruß und Stärke von Gott euch,

edle Herrn!

Reichsritter und Reisige

Heil! Heil dir, Doktor Martinus,

Heil!

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Luther und Freiheit!

Luther und Sieg!

Freiheit und Sieg!

Ulrich von Hutten

Kehr um! Kehr um, Martine,

sei gewarnt: Die Feinde trachten,

wie sie dich verderben,

dazu dein mutig Werk.

Sie wollen schleudern wider dich

die Reichsacht,

so geht die Rede von Mund zu

Munde.

Doch willst du es in Gottes Namen

wagen,

sei unverzagt,

auch ich hab' es gewagt,

ich hab's gewagt und will des

End's erwarten.

Des Reiches Ritter sind dir

beizustehn bereit,

um mit gewappneter Hand zu

erhöhen der Freiheit Panier

in allen Gauen des Reiches.

Ich weiß noch, viel' woll'n auch

ins Spiel,

und sollten sie drüber sterben.

Auf, Landknecht gut und

Rittermut,

um die Freiheit lasst uns werben!

Reichsritter und Reisige

Freiheit!

Luther und Freiheit!

Luther und Sieg!

Lass dich nicht betören,

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du christlicher Kämpe gut;

von Gottes Wort tu nicht kehren,

du hast eines Helden Mut.

Luther und Freiheit!

Luther und Sieg!

Nicht magst du der Hülf entraten;

führ uns zum Kampfe, du Held!

Mit dir, so tun wir Tate schlagen

die Feind' aus dem Feld;

erhöhen das Reich der deutschen

Nation,

als der Wahrheit Hort,

als der Freiheit Kron'.

Luther, Ulrich von Hutten

Nicht also, edle Ritter, liebe

Herrn!

Greift nicht in Gottes Regiment.

Er will's nicht leiden,

dass wir fahren

mit unsrer eignen Kunst und

Macht,

ob aller Welt Gewalt gleich unser

wär.

So er wollte lassen dreinschlagen,

so stünden ihm bereit Legionen

Engel.

Das Schwert lasst ruhn;

das Wort soll's tun!

Gedenk an Huss,

den sie verbrannt um der

Wahrheit willen.

Und machten sie ein Feu'r

bis an den Himmel von

Wittenberg bis Worms,

von Worms bis Wittenberg,


ich müsste dennoch hindurch.

Und hielten auf mich gleich so

viel Teufel als Ziegel auf den

Dächern sind, ich wollte dennoch

mitten unter sie springen mit

Freuden.

So wickle sich nun keiner in

weltliche Dinge, der göttlicher

Ritterschaft warten soll.

Wahrlich! Wahrlich, der Geist

Gottes ist's, der Geist Gottes, der

auf ihm ruhet.

Katarina, Marta, Justus Jonas,

Ulrich von Hutten, Luther

Gottes Wort soll oben schweben,

daran woll'n wir uns erheben.

So fahren wir unverzagt;

so sei's nun frisch gewagt!

Der Türmer Ruf erschallt.

So kommet nun mit mir hinab.

Wo ich mein Leben um Gottes

Wort schon setzen muss in

Gefahr,

ist wenig dran gelegen.

So kommt, dass wir Gott die Ehre

geben.

Luther, Nonnen, Pilger, Ritter

Die rechte Kriegswaffe

ist Gottes Wort,

dadurch den Teufel wir schlagen

und siegen müssen.

Pilgerlied

In Gottes Namen fahren wir,

er macht uns Bahn und Stege.

Es führt das Sturm- und

Siegspanier

Herr Christus aller Wege.

Gib, Heilige Dreifaltigkeit,

dass uns zur ew'gen Seligkeit

kein Feind den Weg verlege.

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2. Teil: Vor Kaiser und Reich

Nr. 11: Chor und Tenorsolo

Kaiser Karl V., Reichstag und Volk

Heil dir, du kaiserlich Haupt!

Heil dem Gesalbten des Höchsten,

Heil dir, Heil, du Erwählter des

Reichs!

Mehre das Reich, vereine die

Glieder,

wehre dem Frevel, beschütze das

Recht.

Voll Dank zu Gott besteig ich

diesen Thron,

gekrönt mit König Karls geweihter

Krone.

Das Reich der Ahnen will ich

auferbaun;

von Glanz und Gloria sei es neu

umstrahlt;

vor allen Namen glänze hell der

Deutsche!

Der Christenheit erhalt ich ihren

Frieden,

und die Zerstörer treffe meine

Hand!

Heil uns!

Heil dem Gesalbten des Höchsten,

Heil dir, Heil! Du Erwählter des

Reichs!

Mehre das Reich; vereine die

Glieder;

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wehre dem Frevel; beschütze das

Recht.

Nr. 12: Soli und Chor

Glapio, Kaiser, Anhänger Roms,

Anhänger Luthers

Zuerst begehrt die Kirche deines

Arms.

Du bist ihr Schirmvogt, schütze

sie.

Ein deutscher Mönch verwirrt die

Christenheit,

er höhnet frech der Väter heil'ge

Satzung.

So rotte ihn nun aus,

rott' ihn aus von unserer Herde!

Rott' ihn aus von unserm

Angesicht!

Der Stuhl von Rom hat ihn

verdammet.

Gott wende alle Trübsal schwer

zu unserm Heil und seiner Ehr;

Bewahr in Gnad sein's Knechtes

Seel'

vor allem Leid und Ungefäll.

Ich gab dem Mönch Geleit und

Wort.

So führt ihn her, dass wir ihn

hören.


Nr. 13 Intermezzo, Soli und

Chor

Georg von Fundsberg, Luther und

Anhänger

Mönchlein, Mönchlein, die Stunde

ist nun da,

dass du sollst stehn vor Kaiser

und vor Reich.

Du tust heut einen schweren

Gang,

so ich und mancher

Kriegsoberster nie getan,

selbst nicht in heißer Schlacht.

Doch bist du rechter Meinung

und deines Werks gewiss,

fahr zu in Gottes Namen und

tröste dich auf ihn.

Er wird dich nicht verlassen.

Auf dich so will ich's wagen,

mein lieber Jesu Christ;

auf dir steht Leben, Seel und

Leib.

Was hab ich sonst zu trotzen!

Du wirst mich nach dir ziehen.

Wo du bist, bleib ich auch. Amen!

Was unter Gottes Schirm gebaut,

wen des Allmächt'gen Flügel

decken,

der weiß, auf welchen er vertraut;

des Bösen Dräu'n kann ihn nicht

schrecken.

Ja, Gottes Treu' ist Schild und

Schutz;

er bietet allen Feinden Trutz;

er wird dich nicht verlassen.

Nr. 14 Finale II

Kaiser

Dich, Martin Luther, klagt die

Kirche falscher Lehre an.

So gib nun Antwort: Willst du

dem Papst

und der Conzilien Satzung dich

unterwerfen?

Willst du widerrufen, was du

geschrieben und gelehrt?

Bedenk das Ende! Kehr um! Kehr

um,

eh' du verdirbst auf ewig!

So gib nun kurze, schlichte

Antwort.

Doppelchor

Anhänger Roms

Nieder in Staub, abtrünn'ger

Mann,

nieder in Staub!

Verfluch deinen Wahn, den der

Teufel ersann!

Anhänger Luthers

Traue dem Herrn, du erwählter

Prophet!

Sieh die Gemeinde, so zu dir

steht!

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Kaiser, Luther

Wohl an, Mönch,

gib uns nun kurze, schlichte

Antwort!

Großmächt'ger Kaiser, hohe

Herrn!

Wer bin ich,

dass ich sollte trotzen vor Kaiser

und Reich

auf meine eigene Sach' und

Macht?

Dieser Mönch wird mich nie zum

Ketzer machen.

Doch weil ihr von mir begehret

eine kurze schlichte Antwort,

wohl, so will ich geben, die weder

Hörner hat noch Zähne;

und antworte also:

Des Herren Wort über Menschen

Wort:

also hab ich gelehret.

Hab ich nun übel dran getan,

so wart' ich auf Zeugnis wider

mich.

Es sei denn, ihr überwindet mich

durch Heil'ge Schrift,

durch die Schrift und helle, klare

Gründe,

so widerruf ich nicht; weil nicht

geraten ist

zu handeln wider das Gewissen.

Des Herren Wort über

Menschenwort:

also hab ich gelehret.

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Hier steh' ich; ich kann nicht

anders!

Gott helfe mir! Amen!

Doppelchor

Anhänger Roms

Zum Tode! Erhöht ihm den

Holzstoß!

Im Feuer ersticke das frevelnde

Wort!

Anhänger Luthers

Der römisch Götz ist ausgetan,

den rechten Papst wir nehmen an.

Das ist Gott-Sohn, der Fels und

Christ,

der unser Trost und Zuflucht ist.

Sein Kirch' er durch sein Wort

regiert,

Gott Vater selbst ihn investiert.

Er ist das Haupt der Christenheit.

Dem sei Lobpreis in Ewigkeit!

Kurfürst Friedrich der Weise

So dieses Werk aus Menschen ist,

so geht es unter.

Doch ist's aus Gott, wollt ihr es

dämpfen?

Begebt euch denn des Streites

wider den Herrn

und lasset diesen Menschen

fahren.

Mein Kaiser, dem das Schwert

gegeben,

du jugendlich Blut,


im Namen Gottes bitt' ich dich

also:

Katarina, Marta, Luther, Kurfürst

Steh ab von Rom! Gib frei das

Evangelium

unter deutscher Nation.

Sei unser Hort, sei unser Schirm,

führ uns zur Freiheit vom

Römerjoch!

Kaiser

Des Stuhls von Rom bin ich der

Schirmherr;

ihn will ich schützen und die

heil'ge Satzung.

Du aber wisse, Mönch: Du lebest

oder sterbest deines Glaubens,

so überantwort' ich dich dem,

dess' Regiment auf der Gewissen

waltet:

Gott möge richten uns und dir.

Mein kaiserlich Geleit und Wort,

ich gab es dir und will es halten.

Glapio, Anhänger Roms

Dem Ketzer hält man nicht Geleit

und Wort!

Lass den Vermaledeiten brennen.

Kaiser

Ich gab dir mein Geleit und Wort,

mein kaiserliches Wort, ich gab's

und will es halten.

Doch weil du dich geweigert zu

entsagen

der öffentlichen Predigt deiner

Lehre,

dadurch die Geister du verwirrst

und heil'ge Ordnungen

erschütterst,

so fällst du heim dem weltlichen

Gericht.

Zum Schutz gemeinen Wohls

schreib ich

als Vogt des Rechts kraft meines

kaiserlichen Amts,

dich, Martin Luther, in des

Reiches Acht!

Glapio, Anhänger Roms

Fluch seiner Seele, Fluch!

Fluch seinem Heil!

Fluch dem, der ihn nähret!

Fluch dem, der ihn nähret und

tränket!

Seine Zunge verdorre;

sein Leben lösch aus;

Fluch ihm! Er fahre dahin ins

Verderben!

Fluch seiner Seele, Fluch!

Fluch seinem Leib! Fluch ihm!

Katarina

Siehe! Welch ein Wunder begibt

sich!

Welch ein Wunder!

Der Zeuge Gottes steht

ungezwungen und aufrecht da!

Von seinem Antlitz strahlt die

Glorie des Herrn!

Er, den sie geächtet,

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er richtet sich auf zum Gericht

über sie.

Luther

So höret nun mein Wort,

das euch zu ächten geht:

Geächtet sei die Satzung,

so da tötet den Glauben;

geächtet sei der Buchstab',

so da dämpfet den Geist;

geächtet sei die Formel,

so da würget das Leben.

Im Namen des Höchsten

verkünd' ich euch solches Gericht!

Marta

Selig der Schoß, der dich

getragen!

Selig die Brust, die dich genährt!

Selig wir, die den Propheten

schauten!

Danket dem Herrn

von ganzem Herzen;

er sendet Erlösung,

Erlösung seinem Volke.

Die Rechte des Herrn

behält den Sieg!

Glapio

Feindschaft sei fortan zwischen

uns und euch!

So ziehet nun hin, auf ewig, auf

ewig verflucht!

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Luther

Ihr, ihr habt euch dieses Tages

selbst gerichtet,

zerfällt des Papstes Stuhl,

zerstückt das Röm'sche Reich.

Wir aber haben heute einen Baum

gepflanzet,

in dessen Schatten singen Kind

und Kindeskind

dem Herrn und Heiland fromme

süße Lieder,

so lange ihn die deutsche Zunge

preist.

Gott kann auch stolze, abtrünnige

Kinder

von ihrem Ungehorsam heilen.

Ja, er wird es tun zu seiner Zeit;

da werden alle seine Stimme

hören

und wird ein Hirte sein,

ein Hirt' und eine Herde.

Gott fürchtet, nicht der Feinde

Dräu'n;

der Herr wird seine Sache selber

richten.

Schlusschoral, Tutti

Ein feste Burg ist unser Gott,

ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not,

die uns jetzt hat betroffen.

Der altböse Feind,

mit Ernst er's jetzt meint.

Groß Macht und viel List

sein grausam Rüstung ist.


Auf Erd' ist nicht sein's Gleichen.

Und wenn die Welt voll Teufel wär

und wollt uns gar verschlingen:

so fürchten wir uns nicht so sehr,

es soll uns doch gelingen.

Der Fürst dieser Welt,

wie sau'r er sich stellt,

tut er uns doch nicht;

das macht, er ist gericht't!

Ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn

und kein' Dank dazu haben.

Er ist bei uns wohl auf dem Plan

mit seinem Geist und Gaben.

Nehm'n sie uns den Leib,

Gut, Ehr', Kind und Weib:

lass fahren dahin,

sie haben's kein' Gewinn.

Das Reich muss uns doch bleiben.

Amen!

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Sigrún Pálmadóttir

(Sopran)

Die gebürtige Isländerin erhielt schon

früh Klavierunterricht. Ihre Gesangsausbildung

absolvierte sie zunächst drei

Jahre in Reykjavík, wechselte dann an

die Opernschule der Hochschule für Musik

und Darstellende Kunst in Stuttgart,

wo sie ihre Ausbildung abschloss. Sie

studierte u. a. bei Prof. Dunja Vejzovic und Prof. Richter. Meisterkurse

bei Emma Kirkby/Anthony Rooley, Andrée Orlowitz und Matrin

Isepp vervollkommneten ihre Stimmtechnik weiter, ebenso wie ein

Meisterkurs für Liedgesang mit Mitsuko Shirai und Hartmut Höll.

Sigrún Pálmadóttir war von 2001-2010 Ensemblemitglied an der Oper

Bonn, singt aber häufig auf anderen Opernbühnen (u. a. Dresden,

Wiesbaden, Koblenz, Darmstadt, Duisburg, Köln). Zu ihren gefeierten

Partien als Koloratursopran gehören die Königin der Nacht (Zauberflöte,

Mozarts), Olympia (Hoffmanns Erzählungen, Offenbach), Zerbinetta

in (Ariadne auf Naxos, R. Strauß), Lucia (Lucia di Lammermoor,

Donizetti), Violetta (La Traviata, Verdi) und Gilda (Rigoletto, Verdi).

Daneben gibt sie auch regelmäßig Konzerte, z. B. in den USA, Island

und Skandinavien, sowie eine Europauraufführung von Heinz Werner

Zimmermanns PSALM 150 für zwei Chöre, Koloratursopran und Orchester

in der Kreuzkirche Bonn.

Im November 2004 erhielt sie den Förderpreis der Opernfreunde

Bonn.

Frau Pálmadóttir ist Stipendiatin des Richard Wagner-Verbandes

NRW.

Außerdem war sie 2008 Sängerin des Jahres in Island.

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Elisabeth Graf (Alt)

Elisabeth Graf gehört zu den wenigen Sängerinnen

ihres Fachs, die von Natur aus über

eine tiefe Altstimme verfügen und sowohl in

der alten als auch in der romantischen und

zeitgenössischen Musik zu Hause sind.

In Singen/Hohentwiel in Baden-Württemberg

geboren, studierte sie nach dem Abitur zunächst

Schulmusik an der Musikhochschule in

Freiburg/Breisgau mit den Schwerpunkten Gesang (Beata Heuer-

Christen) und Chorleitung (Herbert Froitzheim). Nach ihrem Staatsexamen

1981 folgte ein Aufbaustudium Gesang an der Musikhochschule

Frankfurt/Main bei Arleen Augér. Elisabeth Graf schloss es 1984 mit

der künstlerischen Reifeprüfung ab.

In den Jahren ihres Studiums war sie Mitglied der Gächinger Kantorei

unter Helmuth Rilling. Es folgte ein Engagement im Kölner Rundfunkchor,

wo sie auch zahlreiche solistische Aufgaben übernahm. Bereits

in dieser Zeit begann sie mit einer umfangreichen Konzerttätigkeit.

Seit 1990 ist Elisabeth Graf freiberuflich im In- und Ausland tätig

(Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Portugal, Israel und Südamerika).

Sie arbeitete u. a. mit den Dirigenten Rafael Frühbeck de

Burgos, Michel Corboz, Helmuth Rilling, Volker Hempfling, Hans Drewanz,

Georg Christoph Biller, Heinz Hennig, Christoph Schoener, Bruno

Weil und Trevor Pinnock, sowie u. a. mit dem Orchestre de la

Suisse Romande (Genf), dem Noord Nederlands Orkest, dem Gulbenkian-Sinfonie-Orchester

(Lissabon), dem Israel Chamber Orchestra, den

Moskauer Virtuosen und den Orchestern des Westdeutschen und des

Hessischen Rundfunks zusammen. Im Bereich der Alten Musik gehören

Musica Antiqua, The English Concert, die Hannoversche Hofkapelle

und die Johann-Christian-Bach-Akademie zu den musikalischen

Partnern.

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Das Repertoire von Elisabeth Graf reicht von der Alten Musik – auch

in historischer Aufführungspraxis – über die Romantik bis zu zeitgenössischen

Werken, vom Klavierlied bis zu den "großen" Orchesterwerken

und Oratorien; Solo-Programme mit Orgel, Liederabende,

Rundfunk- und CD-Produktionen sowie gelegentliche Opernengagements

ergänzen die künstlerische Arbeit dieser vielseitigen Sängerin.

Ihre musikhistorischen und theologischen Interessen dokumentierte

sie durch die Konzeption des "Choralbuchs für Johann Sebastian" in

der Gesamtaufnahme der Bachschen Werke innerhalb der "Edition

Bachakademie".

Elisabeth Graf nahm von 1999 bis 2008 an der Hochschule für Musik

und Theater Hannover einen Lehrauftrag wahr; seit der Saison

2008/2009 ist sie wieder festes Mitglied des WDR Rundfunkchors in

Köln.

Mirko Roschkowski (Tenor)

Der lyrische Tenor Mirko Roschkowski stammt aus

Dortmund und studierte Gesang bei Lothar Trawny

in Gelsenkirchen. In Meisterkursen bei Deon

van der Walt, Christoph Prégardien, Raúl Giménez,

Horst Laubenthal und Edda Moser erweiterte

er seine Ausbildung.

Erste Engagements verbanden ihn mit dem Landestheater

Detmold, dem Stadttheater Bremerhaven

sowie dem Hans-Otto Theater Potsdam, wo er in den großen Mozart

Fachpartien wie Tamino, Don Ottavio, Ferrando und Idomeneo,

aber auch als Rossinis Graf Almaviva (Der Barbier von Sevilla) und

Gounods Faust auf der Bühne stand.

Ab der Spielzeit 2006/2007 war Mirko Roschkowski Ensemblemitglied

der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, wo er u. a.

als Don Ottavio (Don Giovanni, Mozart), Tamino (Die Zauberflöte,

Mozart), Belfiore (La finta giardiniera, Mozart), Chateauneuf (Zar und

Zimmermann, Lortzing) und Sandor Barinkay (Der Zigeunerbaron, Jo-

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hann Strauss) zu erleben war. Darüber hinaus stand er als Gast u. a.

auf den Bühnen in Bremen, Dortmund, Braunschweig und Nürnberg.

An der Staatsoper Stuttgart gastierte der Tenor 2008 in der Titelpartie

von Mozarts Oper Lucio Silla sowie als Iopas (Les Troyens, Berlioz),

2009 zudem als Lenski (Eugen Onegin, Tschaikowsky). Das

Staatstheater am Gärtnerplatz München lud ihn 2007 als Idomeneo

ein. Als Tamino gastierte er 2009 an den Opern in Köln und Bonn,

2010 zudem an der Semperoper Dresden und der Volksoper Wien. An

der Oper Bonn stand er 2009 auch als Belmonte (Die Entführung aus

dem Serail, Mozart), Walther von der Vogelweide (Tannhäuser, Wagner)und

Prinz (Die Liebe zu den drei Orangen, Prokofjew), 2010 auch

als Nemorino auf der Bühne. In der Saison 2010/2011 folgten die

Debüts als Don José in „Carmen“ und Prinz in „Rusalka“. Mit der Kölner

Oper gastierte er zur Weltausstellung 2010 in Shanghai und Peking

als Don Ottavio (Don Giovanni, Mozart) und Froh (Das Rheingold,

Wagner). In den Folgejahren war er an der Oper Köln wieder als

Belmonte, Don Ottavio und im Jahr 2012 als Telemaco in „Il ritorno

d‘Ulisse in patria“ zu erleben.

Nach einer CD-Neuaufnahme des Zigeunerbarons mit dem WDR Köln

als Barinkay (Der Zigeunerbaron, Strauss) folgte 2009 eine Einspielung

der Strauß-Operette Wiener Blut, wo er als Graf Zedlau auch in

einer konzertanten Aufführung in der Kölner Philharmonie zu erleben

war.

Eine rege Konzerttätigkeit führte Roschkowski auf zahlreiche Konzertpodien

im In- und Ausland, darunter die Tonhalle Zürich, die

Tonhalle Düsseldorf, das Konzerthaus Dortmund und das Concertgebouw

in Amsterdam. Er interpretierte Werke von Monteverdis Marienvesper

über Bachs Passionen, Mozarts Messen, Berlioz' Requiem,

Dvoraks Stabat Mater bis Brittens Canticle III. Im Oktober 2010 war

er bei den Herbstlichen Musiktagen in Bad Urach u. a. in einer Aufführung

von Beethovens Symphonie Nr.9 zu erleben. Mit seinen Liedpartnern

brachte er zahlreiche Programme zur Aufführung, wie Schuberts

„Die schöne Müllerin“, Schumanns „Dichterliebe“ und die Petrarca-Sonette

von Liszt.

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Christoph Behrens-

Watin (Tenor)

Der Tenor Christoph Behrens-Watin erhielt

seine musikalische Ausbildung an

der Musikhochschule Köln und am Conservatoire

National Supérieur de Musique

et de Danse de Paris.

Während seiner Studien (Schulmusik,

Hauptfach Klavier) entdeckte er seine Leidenschaft für den Gesang.

Seine Lehrer waren hierbei Henner Leyhe und Jens Lauterbach, wichtige

Impulse erhielt er durch Arthur Janzen, Philip Langshaw und

Anne Grappotte.

Als Mitglied des LandesJugendChores NRW, des Kammerchors der Musikhochschule

Köln, des Kölner Kammerchors und des Kammerchors

der Kreuzkirche Bonn „VOX BONA“erhielt er künstlerische Einblicke in

unterschiedlichste Stilistiken.

Mit Dirigenten wie Peter Neumann, Marcus Creed, Hans-Christoph Radermann,

Yakov Kreizberg, Peter Eötvös und Karin Freist-Wissing verbindet

er zahlreiche Erfahrungen auf nationalen wie internationalen

Konzertbühnen.

Christoph Behrens-Watin vertieft seine gesangliche Ausbildung durch

Studien und Meisterkurse bei Werner Compes.

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Thomas Laske (Bass)

Thomas Laske wurde in Stuttgart geboren und

studierte in Düsseldorf Gesang bei Brigitte Dürrler.

Außerdem wurde er von Andreas Schmidt

und Otto Edelmann unterrichtet.

Erste Preise gewann Thomas Laske u. a. beim Richard-Strauss-Wettbewerb

1997 in München.

Im Konzertfach arbeitet der Bariton regelmäßig

mit namhaften Dirigenten und Ensembles zusammen

wie Karl-Friedrich Beringer, Georg Christoph Biller, Riccardo

Chailly, Mariss Jansons, Peter Neumann, Krzysztof Penderecki, Helmuth

Rilling, Wolfgang Sawallisch, dem Symphonieorchester des

Bayerischen Rundfunks, dem Deutschen Symphonieorchester Berlin,

dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Sinfonischen Orchester Mailand

Giuseppe Verdi, den St. Petersburger Philharmonikern, dem Thomanerchor

Leipzig und dem Windsbacher Knabenchor. Darüber hinaus

gilt seine Leidenschaft dem Liedgesang.

Als letzte CD-Produktion hat er für Sony Classical Werke von Schubert

und Mozart mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin und dem

Windsbacher Knabenchor unter Karl-Friedrich Beringer aufgenommen,

die im Oktober 2009 erschienen.

In den letzten Jahren sang er neben seinem Engagement an den

Wuppertaler Bühnen u. a. an der Deutschen Oper Berlin, der (Düsseldorf/Duisburg),

der Oper Frankfurt/Main und der Bayerischen Staatsoper

München. Seine bevorzugten Partien sind dabei Barbier (Barbier

von Sevilla, Rossini), Don Giovanni (Don Giovanni, Mozart), Figaro

und Graf Almaviva (Die Hochzeit des Figaro, Mozart), Guglielmo (Così

fan tutte, Mozart), Eugen Onegin (Eugen Onegin, Tschaikowsky) und

Valentin (Faust (Margarethe), Gounod). In der Saison 2009/2010 war

er u. a. an der Kölner Oper als Escamillo (Carmen, Bizet) und Marcello

(La Bohème, Puccini) engagiert.

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Erik Sohn (Bariton)

Erik Sohn, aufgewachsen in Friedrichshafen

am Bodensee, studierte in Köln Musik und

Germanistik. Nach dem Staatsexamen nahm er

ein Gesangsstudium in Dortmund bei Prof.

Berthold Schmid auf; weiterführende Studien

absolvierte er bei Barbara Schlick, Michael

Volle, Norman Shetler und Karl-Peter Kammerlander.

Seine rege Tätigkeit als Konzertsänger führte ihn zu Engagements in

Deutschland, im europäischen Ausland sowie in Israel, Korea und in

den USA.

Im Bereich der Neuen Musik konzertierte er mit dem Ensemble Modern

Frankfurt, dem ensemble recherche aus Freiburg sowie dem

KlangForum Heidelberg.

Mit einem Repertoire von klassischer, romantischer und zeitgenössischer

Literatur bis hin zum Jazz ist der Liedgesang ein weiterer

Schwerpunkt.

Als Coach der A-Cappella-Band Wise Guys ist Erik Sohn für Gesangsensembles

bundesweit als Ensemblecoach mit Schwerpunkt auf

Populärer Musik gefragt. In diesem Bereich ist er seit 2006 Dozent

und seit 2011 Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln

und dort Initiator des Festivals für Populäre Vokalmusik.

39


Christian Palm

(Bass)

Christian Palm erhielt in seiner

Heimatstadt Leipzig eine grundlegende

musikalische Erziehung als

Mitglied des Thomanerchores. Er

absolvierte zunächst das Musiktheater-Studium

an der Folkwang-Hochschule in Essen, wo er bereits

wesentliche Impulse durch Prof. Ulf Bästlein (Graz) erfuhr und sein

Studium mit Auszeichnung beendete. Wertvolle künstlerische Impulse

erhielt Christian Palm durch Meisterkurse u. a. bei Prof. Edith Wiens,

Prof. Thomas Quasthoff und Prof. Charles Spencer, weiterhin durch

Michael Volle, Ingeborg Danz und Gemma Visser in Holland.

Solistische Engagements führten ihn an an die Kammeroper Köln,

weiterhin an die Städtischen Bühnen in Wuppertal, Münster, Mönchengladbach/Krefeld

und an das Nationaltheater Mannheim.

Christian Palm machte sich bisher aber vor allem einen Namen im

Oratorien- und Konzertgesang. So führten ihn solistische Auftritte u.

a. in die Philharmonie Essen, an die Glocke in Bremen, Aalto-Theater

Essen, in die Thomaskirche Leipzig, den Dom zu Meißen, das Freiburger

Münster, die Liederhalle Stuttgart, in Philharmonie und Gürzenich

in Köln, nach Litauen, Russland, Portugal, Spanien und Frankreich.

Er konzertierte u. a. mit dem Gewandhausorchester Leipzig,

der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der Neuen Philharmonie

Westfalen, den Bochumer Symphonikern, den Bergischen Symphonikern

und diversen Barockorchestern wie der Kölner Akademie, dem

Johann-Rosenmüller-Ensemble, Pratum Integrum aus Russland, Brabantsch

Muzyk Collegie in Holland und dem Kölner Barockorchester.

Zuletzt fand seine Darstellung des Pilatus in einer szenischen Umsetzung

der Johannespassion in der Kreuzkirche Bonn viel Beachtung.

Zudem tritt er immer häufiger in zeitgenössischen Opern- und Oratorienprojekten

auf, wie zum Beispiel in Lucia Ronchettis „Prosopo-

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peia“ in Kassel (in der Titelpartie als „Schütz“) oder der Oper „Herzland“

von Sarah Nemtsov im Jüdischen Zentrum München. In Liederabenden

trat er z. B. bei den Ludwigsburger Festspielen, beim Speyerer

Liedersommer, beim Festival „Moments Musicaux“ in der Normandie

und bei dem renommierten International Ch. Frenkel Villa Summer

Festival in Siauliai (Litauen) in der Jascha Heifetz Hall auf. Er

gewann den 1. Preis beim Liedwettbewerb „Kulturpreis der Stadt

Unna“.

Robert Wilhelm Fendl

2001 bis 2005 Ausbildung zum bühnenreifen

Schauspieler am „Zentrum für Bewegung, Schauspiel

und Tanz“ in Köln;

Herbst 2005 Beginn des Gesangstudiums an der

Musikhochschule Köln bei Prof. Phillip Langshaw

(Bassbariton).

2007 Mitwirkung bei Mozarts c-moll-Messe im Konzerthaus

Dortmund

Meisterkurs bei Prof. Monica Pick-Hieronimi in Montepulciano

2008 Meisterkurs bei Prof. Edda Moser in Salzburg

Zahlreiche Hochschulprojekte (u.a. „Macheath“ in der „Beggars Opera“)

und mehrmals bei der Kölner Theaternacht (Gesang und Schauspieltexte).

Mitarbeit an einer Operettenaufnahme bei WDR.

2009 Mitwirkung als Bass in der Aufführung von Schönbergs „Moses

und Aron“ bei der Ruhrtriennale unter der Regie von Willy Decker

2010 Chorbass in Boris Godunow (Städtische Bühnen Münster)

Erfolgreicher Diplomabschluss an der Musikhochschule Köln am

17.2.2011.

2011 zu erleben bei der seltenen Aufführung der romantischen Oper

„Das Unmöglichste von Allem“ von Anton Urspruch im Forum Leverkusen

und WDR3 (Rolle „Roberto“).

41


2012 in Menottis Kinderoper „Die Globolinks“ bei den Städtischen

Bühnen Münster (Rolle „Dr. Turtlespit“).

Kantorei der

Kreuzkirche Bonn

Die Kreuzkirchenkantorei hat heute etwa

100 aktive Mitglieder und gehört unter

der Leitung von Karin Freist-Wissing zu

den Bonner Spitzenensembles.

Die musikalische Arbeit bewegt sich bewusst

in dem Spannungsfeld von traditionellen

Aufführungen aller wichtigen Oratorien unserer Kirchenmusikkultur

und der Erarbeitung moderner, zeitgenössischer, auch experimenteller

Musikliteratur. Auch im A-cappella-Bereich kann die Kantorei

auf musikalische Erfolge verweisen, so z. B. auf den 1. Preis

beim Landes-Chorwettbewerb NRW 2001 in Hamm.

Interdisziplinäre Projekte sind ein wichtiger Teil des musikalischen

Lebens der Kantorei: Lange Musiknächte, Themenkonzerte, Themenreihen

etc., Verbindung von Musik, Schauspiel, Literatur und Kunst.

Die Kantorei arbeitet regelmäßig mit Berufsorchestern wie BonnBarock,

der Johann-Christian-Bach-Akademie (jetzt: Concerto con Anima),

dem Philharmonischen Orchester Köln, Mitgliedern des Orchesters

der Beethovenhalle Bonn und dem Kongressorchester St. Petersburg,

pflegt aber auch eine intensive musikalische Zusammenarbeit

mit dem Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche.

Professionelle Stimmbildner betreuen wöchentlich die einzelnen

Stimmgruppen, um optimale Förderung der Chorstimmen zu erreichen,

und damit die Grundlage für die Entwicklung eines jeweils stilbezogenen

herausragenden Chorklanges zu legen.

Konzertreisen im In-und Ausland bereichern den musikalischen Erfahrungsschatz

(St. Petersburg, Stockholm, Berlin; München u. v. m.).

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Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche Bonn

Eine Besonderheit des kirchenmusikalischen Lebens an der Kreuzkirche

ist das Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche. Schon bald nach der

Wiederaufnahme des musikalischen Lebens nach dem zweiten Weltkrieg

gründete KMD Hans Geffert gemeinsam mit dem Bonner Geiger

Heinrich Schiffer ein Streichorchester, das die Kantorei bei Kantaten

und Oratorienaufführungen begleitete.

1993 gründete Karin Freist-Wissing, die seit September 1990 Kantorin

der Kreuzkirche ist, das heutige Sinfonie-Orchester, zunächst als

Projektorchester mit ausgesuchten Laien- und Profimusikern. Schon

bald entstand der Wunsch, regelmäßig zu proben, so dass seit 1994

eine kontinuierliche Arbeit möglich ist. Neben der Begleitung von

Kantorei oder Kammerchor bei Oratorien und Kantaten nimmt die reine

Orchesterliteratur einen wichtigen Platz in der Konzerttätigkeit

des Orchesters ein.

Besondere inhaltliche Konzepte, die die sinfonische Orchestermusik

mit christlichen Werten und Idealen in Beziehung setzen, liegen vielen

Konzerten zugrunde. Sie lassen bekannte Werke, wie z. B. die

„Pastorale“ von Beethoven, die 4. Sinfonie von Brahms, oder die

„Unvollendete“ von Schubert in neuem Licht erscheinen. Es ist in

Bonn eine Besonderheit, dass Orchesterwerke in einem Kirchenraum

aufgeführt werden. Die Grenzen zwischen weltlich und geistlich werden

dadurch fließend, es kommt Einiges in Bewegung, Gewohntes

muss neu überdacht und Ungewohntes offen aufgenommen werden.

Das Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche möchte den Kirchenraum zu

einem Ort der musikalischen Grenzgänge und der Begegnung machen.

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Ein weiterer Schwerpunkt des Sinfonie-Orchesters sind die Kammermusik

und das Solokonzert. In unterschiedlichen Formationen, die

vom großbesetzten Bläserensemble bis hin zu kleiner barocker Kantaten-

oder Triosonatenbesetzung reichen, treten die MusikerInnen des

Kreuzkirchenorchesters in Konzerten und musikalischen Gottesdiensten

auf. So ist jedes Orchestermitglied auch als Solist und Kammermusiker

gefordert und gefördert.

Die spezielle Arbeit mit dem Bläserensemble wird von Thomas Ludes

geleitet, der Solo-Fagottist im Bonner Beethovenorchester ist, und

an der Essener Musikhochschule eine Bläserkammermusik-Klasse leitet.

Stefan Horz

Stefan Horz wurde als Sohn eines Musikerehepaares

geboren und fand schon

früh über die Improvisation Zugang zur

Musik. Er studierte Kirchenmusik an der

Musikhochschule Köln (A-Examen) und

schloss an der Hochschule für Musik und

darstellende Kunst in Hamburg ein Orgelaufbaustudium

bei Prof. Wolfgang Zerer

an. Stefan Horz studierte Cembalo in Köln und beendete sein Studium

auf diesem Instrument nach der Reifeprüfung ("mit Auszeichnung")

mit dem Konzertexamen in der Klasse von Prof. Ketil Haugsand.

Wichtige Anregungen für seine künstlerische Entwicklung erhielt

er bei Meisterkursen mit Bob van Asperen, Glenn Wilson, Harald

Vogel und Michael Radulescu.

Stefan Horz konzertierte mit verschiedenen Orchestern der alten Musik

– z.B. Concerto Köln oder der Neuen Düsseldorfer Hofmusik – und

darüber hinaus als Solist und Kammermusiker mit eigenen Ensembles

u. a. bei den Göttinger Händel-Festspielen, dem styriarte-Festival in

Graz, dem Rheingau-Festival und in der Alten Oper Frankfurt.

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1998 wurde Stefan Horz als Nachfolger von Johannes Geffert zum Organisten

an der traditionsreichen Kreuzkirche in Bonn berufen.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Aufführung der zyklischen

Werke J. S. Bachs in einem Konzert, so z. B. aller Suiten und Partiten,

das Wohltemperierte Clavier, der Sonaten für Cembalo und Soloinstrumente

oder des Dritten Theils der Clavierübung. Neben dem

Konzertrepertoire für Orgel und Orchester (Rheinberger und Poulenc)

stehen besonders Transkriptionen aus Wagner-Opern (Parsifal, Tristan

und Isolde) im Zentrum seiner Arbeit.

Karin Freist-Wissing

(KMD)

studierte an der staatl. Hochschule für

Musik in Detmold Kirchenmusik (A-Examen)

und Orchesterdirigieren.

Seit 1990 leitet sie die Chor- und Orchesterarbeit

an der Bonner Kreuzkirche, der

größten evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Ensembles Kantorei, Kammerchor VOX BONA und Sinfonieorchester

entwickelten sich unter ihrer musikalischen Führung zu Spitzenensembles

der Region Köln/Bonn, was sich in zahlreichen Preisen

musikalischer Wettbewerbe, CD- und Rundfunkaufnahmen, sowie

Konzertreisen im In- und Ausland dokumentiert.

Sie führt regelmäßig große Oratorien aller Epochen auf, leitet sinfonische

Orchesterkonzerte und musiziert mit dem Kammerchor VOX

BONA A-cappella-Musik auf professionellem Niveau.

Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf außergewöhnlichen interdisziplinären

musikalischen Projekten in Zusammenarbeit mit Kunst,

Theater, Tanz, Schauspiel.

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Für das Jahr 2000 erhielt Karin Freist-Wissing ein Stipendium des

Deutschen Musikrates, 2001 gewann sie einen Dirigentenpreis beim

Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb in Wernigerode. Von

2003-2005 unterrichtete sie im Rahmen eines Lehrauftrages Chorleitung

an der Hochschule für Musik in Detmold.

Eine Auswahl der Projekte und Auszeichnungen der letzten 3 Jahre:

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• 2009 „das Glück der Mendelssohns“ ein musikalisches Jahr an

der Kreuzkirche

• 2009 1. Preis Landeschorwettbewerb NRW mit Weiterleitung

zum 8. Deutschen Chorwettbewerb 2010 in Dortmund

• 2010 Organisation und Durchführung des Vokalfestivals CANTA-

BOnn

• 2010 2. Preis beim Deutschen Chorwettbewerb auf Bundesebene

und Verleihung des Sonderpreises für das innovativste und

spannendste Wettbewerbsprogramm.

• 2011 5 Aufführungen der Johannespassion von J. S. Bach als

modernes Musik-Tanz-Theater mit einem umfangreichen künstlerischen,

wissenschaftlichen und pädagogischen Rahmenprogramm.

• 2012 jeweils 1. Preis im XII. Concorso Corale Internazionale

Riva del Garda in den Kategorien "Gemischte Chöre mit Pflichtstück"

und "Sakrale Musik" sowie "Gran Premio" (1. Preis der

Kategoriesieger), ebenso Publikumspreis.


Konzertvorschau

Mittwoch, 7. November 2012, 19 Uhr

Kreuzkirche | Orgelempore

… mairidh gaol is ceòl

Gälische Lieder und Musik des schottischen

Hochlandes

Musik vom keltisch-sprachigen Rande Europas - in der einmaligen Besetzung

Gesang, Harfe und Orgel. Arrangements: Stefan Horz

Gesang: Michael Klevenhaus

Harfe: Konstanze Jarczyk

Arrangements und Orgel: Stefan Horz

10 (7) Euro

Dienstag, 18. Dezember 2012 und Mittwoch, 19. Dezember 2012,

jeweils um 20 Uhr | Kreuzkirche

Weihnachtsoratorium

Teile 1-3 und 6

Meike Leluschko (Sopran), Ingeborg Danz (Alt),

Markus Schäfer (Tenor), Erik Sohn (Bass)

Kantorei und Orchester der Kreuzkirche Bonn

Leitung: Karin Freist-Wissing

20 (15) Euro

15 (10) Euro

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