Liebe Freundinnen und Freunde - Cartell Rupert Mayer

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Liebe Freundinnen und Freunde - Cartell Rupert Mayer

Mitteilungen

Dezember 2009


Unterwegs Cartell

RUPERT

MAYER

Blick zurück nach vorn

Liebe Freundinnen und Freunde,

das gerade ergangene Urteil des Bundesverfassungsgerichts

über den vom Grundgesetz

gebotenen Schutz der Sonntagsruhe ist

sicher Balsam für die Seele jedes engagierten

Christen. Das gilt vor allem für die Aussage,

dass rein ökonomische Interessen, wie

sie der Berliner Senat für die Zulässigkeit der

Ladenöffnung an allen Adventssonntagen

angeführt hatte, nicht ausreichen, das für

den Zusammenhalt und das Wohlbefinden

der Gesellschaft so wichtige Schutzgut regelmäßiger

und verlässlicher Tage allgemeiner

Arbeitsruhe beiseite zu schieben.

Aber seien wir ehrlich: Gemessen an dem

Ziel, christliche Werte wieder stärker in der Gesellschaft

zu verwirklichen, ist das ein bescheidener

Weg. Es scheint sogar, dass europaweit

die Tendenz auf dem Vormarsch ist, das

Christentum, ja die Religion überhaupt, aus

dem öffentlichen Raum zu verdrängen und

als individuelle Privatangelegenheit zu deklarieren.

Der Verzicht auf jeden Gottesbezug

Bitte vormerken:

Termine, Termine...

Cartellversammlung 2010: 4.–6. Juni

Lambertus-Gilde Düsseldorf

Herbstkapitel 2010: 19.–20. November

Gordian-Kreis Leipzig

Cartellversammlung 2011: 2.–3. Juni

CL Thomas-Gilde Hamburg

Hans-Jürgen van Schewick

im europäischen Verfassungsvertrag ist hierfür

ein deutliches Signal. Jüngst hat der Europäische

Gerichtshof für Menschenrechte

das Aufhängen von Kreuzen in italienischen

Schulen als Menschenrechtsverstoß bezeichnet,

weil es die negative Religionsfreiheit

nichtchristlicher Schüler beeinträchtige. Das

durch den – gelegentlichen – Anblick eines

Kreuzes hervorgerufene Unbehagen einzelner

reicht also aus, die positive Religionsfreiheit

all derjenigen zu verdrängen, die im Kreuz das

wichtigste Symbol ihres Glaubens sehen, ganz

abgesehen davon, dass die Kultur Europas

durch das im Kreuz repräsentierte Christentum

ihre entscheidende Prägung erhalten hat. Letztlich

ist auch das vor wenigen Wochen erfolgreiche

Plebiszit der Schweizer Bevölkerung,

beim Bau von Moscheen keine Minarette

mehr zuzulassen, ein Versuch, sichtbare Religiosität

aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

Unterwegs Cartell

RUPERT

MAYER

Angesichts dieses Befundes kann jedenfalls

keine Rede davon sein, dass das Cartell

Rupert Mayer sich sechzig Jahre nach seiner

Gründung im Juli 1949 überlebt habe, dass

sein Ziel, durch den Zusammenhalt und die

gegenseitige Stärkung engagierter Katholikinnen

und Katholiken die Gesellschaft

nach christlichen Grundsätzen zu gestalten,

erreicht sei. Es ist deshalb gut und wichtig,

dass das Cartell das Jubiläumsjahr dazu

genutzt hat, seine ursprünglich in den

Hauzensteiner Beschlüssen formulierten

Grundsätze und Ziele in der „Frankfurter Erklärung”

neu zur Sprache zu bringen.

Angestoßen von der von-Ketteler-Gilde

Frankfurt ist aus den intensiven Diskussionen

auf der Kapitelsitzung in Frankfurt, fundierten

Stellungnahmen einer ganzen Reihe von

Freundeskreisen und einer fruchtbaren Debatte

des Kapitels auf Schloss Hauzenstein bei

Regensburg ein Text entstanden, der in Treue

zum ursprünglichen Anliegen den seither eingetretenen

Veränderungen in Kirche und Gesellschaft

Rechnung trägt. Ich hoffe, dass diese

Erklärung das Profil des Cartells schärft, den

Zusammenhalt festigt und den Freundeskreisen

Impulse für ihr weiteres Wirken gibt.

So wünsche ich am Ende dieses ereignisreichen

und häufig aufregenden Jahres

2009 Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest

und ein glückliches Jahr 2010.

Möge der Herr Sie und Ihre Lieben schützen

und begleiten auf Ihren Wegen und bei Ihnen

sein in frohen wie in dunklen Stunden.

Ihr

Hans-Jürgen van Schewick

Kapitelvorsitzer

Inhalt

Unterwegs:

Blick zurück nach vorn ............................... 2

Herbstkapitel in Regensburg:

Am Ort der Reichstage ............................... 4

Brücken bauen ............................................ 8

Kultur der Verantwortung .......................... 11

Frankfurter Erklärung ................................. 12

Das Geschehen in den Gilden:

Berlin: Club Berlin

Wir trauern um Freund Franz-Stephan Fritsch 14

Impressum .................................................... 15

Bremen: Ansgar-Gilde

Wir trauern um Freund Hans Paul Erling ...... 16

Dortmund: Michael-Gilde/

Paderborn: Meinwerk-Gilde

Dortmunder Besuch in Paderborn ............... 16

Düsseldorf: Lambertus-Gilde

Vorschau auf Cartellversammlung 2010 ........ 17

Frankfurt: von-Ketteler-Gilde

60 Jahre von-Ketteler-Gilde .......................... 19

Gründung der Freundeskreise ...................... 24

Heilbronn: Club Cornelia

Christen sollen sich einmischen .................... 25

Nürnberg: Gesellschaft St. Sebald

Kirche heute: Aufbruch im Umbruch ............ 26

St. Sebald begrüßt drei neue Mitglieder........ 33

Wichtig für Handybesitzer: Nummer............. 33

Paderborn: Meinwerk-Gilde

Ehrung für Freund Joseph Vögele ................. 34

Recklinghausen: Petrus-Gilde

Bericht 2009 ................................................. 34

Sonstiges:

Hohes Spendenaufkommen trotz Krise ..... 38

Einladung zur Rom-Reise ........................... 39

Herbstkapitel in Regensburg ..................... 40

Titelseite:

Festgottesdienst in der Stiftsbasilika

Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle.

Zelebrant: Freund Bischof Franz Eder.

Herbstkapitel 2011: 14.–15. Nov.

Kaiser-Heinrich-Gilde

Bamberg

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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Rede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich des 60-jährigen Bestehens des

Cartells Rupert Mayer am 24. Oktober 2009 im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses

Am Ort der Reichstage

Regensburgs Geschichte und Gegenwart bietet uns mannigfaltige Zeugnisse von

Menschen und Ereignissen, die vom Ringen um religiöse Standpunkte in bewegten

Zeiten künden, denn Gesellschaft und Politik unseres Kulturkreises sind ohne den

Fixpunkt Religion und ihre ethische Kraft nicht zu denken.

Die Stadt Regensburg und dieser

Reichssaal sind bis zum Ende des Immerwährenden

Reichstags 1806 oft genug

glanzvolle Bühne dafür gewesen.

Der Reichstag, der ab 1663 als Gesandtenkongress

bis zum Ende des alten

Reiches 1806 permanent in Regensburg

getagt hat, war ja so etwas wie ein

erstes europäisches Parlament.

Dabei wird geflissentlich vergessen,

dass der Reichstag das höchst komplizierte

Geflecht der im Westfälischen

Frieden 1648 ausgehandelten Machtbalance

in der Mitte Europas mit Leben

erfüllt und den Menschen über lange

Zeit einigermaßen friedliche Verhältnisse

beschert hat.

Toleranz musste damals geübt werden

in der evangelischen Reichsstadt

Regensburg. Dazu verpflichtete schon

die starke Stellung der katholischen Elemente

mit Bischof und Klöstern innerhalb

der Stadtmauern.

Kurfürstenkollegium, Reichsfürstenrat

und Reichsstädtekollegium tagten getrennt.

Für ein Reichsgesetz aber waren

übereinstimmende Beschlüsse notwendig.

Nur in Religionsfragen galt ein abweichendes

Verfahren. Man trennte sich

über die Stände hinweg in einen Corpus

evangelicorum und einen Corpus catholicorum.

Sie können sich vorstellen, dass es

bei den oft widerstreitenden Interessen

Zeit und viel Geduld gekostet hat, bis ein

Reichsgesetz über Steuern, Heerzüge

oder territoriale Abgrenzungen unter

Dach und Fach war.

Hier in diesem Saal wurde auch am

25. Februar 1803 der Reichsdeputationshauptschluss

verkündet, mit dem das

Reich kurz vor seinem Ende territorial,

staats- und kirchenrechtlich neu gestaltet

worden ist. Eine schwierige Geburt,

oft genug unter erheblichen Schmerzen.

Fast alle geistlichen Fürstentümer

wurden dabei aufgelöst. Unter den ganz

Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

wenigen Ausnahmen, denen dieses

Schicksal erspart blieb, war auch Regensburg.

Hier herrschte der Kurerzkanzler

Carl von Dalberg, der auch das Erzbischofsamt

inne hatte. Dalberg war es

auch, der mit der Unterzeichnung der

Rheinbundakte 1806 dem Reich den

Todesstoß versetzt und so den Kaiser

zum Abdanken genötigt hat.

Ich erwähne diese historischen Ereignisse

mit ihren handelnden Personen,

um auf das religiöse Moment im

Auf und Ab der Geschichte zu verweisen.

Wie stellte doch Romano Guardini

in seinen Rundfunkansprachen in den

50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts

unter dem Motto „Der Glaube in

unserer Zeit” fest – und zwar gültig für

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:

„Der Schöpfer hat den Menschen

seine Welt in die Hände gegeben, dass

er in ihr lebe, sein Werk vollbringe und

das Reich Gottes baue.”

Guardini spricht damit die Verantwortung

eines jeden von uns an. Genau

das ist auch das zentrale Anliegen Ihres

Cartells Pater Rupert Mayer. Man muss

die Gegebenheiten, die wir vorfinden,

annehmen und sich bemühen, etwas

Besseres daraus zu machen.

Beispielhaft nennt der Regensburger

Kirchenhistoriker Karl Hausberger

die vom Reichsdeputationshauptschluss

1803 ausgelöste Säkularisation nicht nur

als Ursprung großer materieller Probleme

für die Kirchen und Klöster. Diese

spezifische „Entweltlichung” sei auf lange

Sicht auch ein Gewinn für die

katholische Kirche gewesen. Fruchtbare

Kräfte für eine grundlegende Erneuerung

aus religiös-kirchlichen Wurzeln

seien freigesetzt worden.

Hier darf natürlich eine Regensburger

Persönlichkeit nicht unerwähnt

bleiben, die wie kaum eine zweite den

Auftrag der Religion erfüllt hat, sich in

die Angelegenheit der Welt einzumischen.

Es ist der Regensburger Bischof

Johann Michael Sailer.

Der Jesuitenzögling empfing 1822

im Regensburger Dom die Bischofsweihe.

Als Lehrer des Kronprinzen Ludwig

in Landshut hatte Sailer großen

Einfluss auf den späteren bayerischen

König Ludwig I. Sailer hat über den

König wesentlichen Anteil daran, dass

Bayern wieder ein christkatholisches

Land werden konnte und nach den Exzessen

eines Montgelas wieder Klöster

in Bayern gegründet beziehungsweise

revitalisiert wurden.

Als einer der Protagonisten des religiösen

Wiedererwachens in Bayern gelangte

Sailer gar in den Ruf eines bayerischen

„Kirchenvaters”.

Am Ende des 19. und zu Beginn des

20. Jahrhunderts waren es verdiente

Regensburger Bürger wie die Verleger

Josef Habbel, Heinrich Held und Friedrich

Pustet, die sich als Christen ihrer

Zeit in das politische und soziale Leben

einmischten und dem politischen Katholizismus

in Bayern charakteristische

Züge verliehen haben.


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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Christliches Zeugnis abzulegen in

der Welt, welcher Name wäre da eher

zu nennen als der Pater Rupert Mayers.

Mayer hat nach dem Ersten Weltkrieg

zur gesellschaftlichen Erneuerung

aufgerufen und schon früh vor der

braunen Gefahr gewarnt. Er erklärte

noch nach der Machtübernahme Hitlers,

dass ein Katholik kein Nationalsozialist

sein könne. Pater Rupert

Mayer büßte mit Gefängnis und KZ-

Haft für seine aufrechte Haltung.

Christlichen Werten in der Gesellschaft

mehr Geltung verschaffen: In diesem

Sinn verpflichten Sie sich in Ihrem

Cartell dem Beispiel Pater Rupert Mayers.

Sie wollen ein klares Bekenntnis zu

Ihrem Glauben ablegen und katholische

Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik sichtbar werden lassen. Sie

wollen damit aber nicht im Widerspruch

zu einer demokratisch verfassten

Gesellschaft stehen. Im Gegenteil,

denn wir brauchen christliche Haltun-

Aufmerksame Zuhörer

im historischem Umfeld

bei der Rede des

Oberbürgermeisters

Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

gen, um den Herausforderungen unserer

Zeit begegnen und damit die Demokratie

erhalten zu können.

Denn auch wir haben uns zu bewähren.

Das Neue in der Problemstellung,

der wir uns gegenüber sehen, ist

freilich, dass wir nicht nur für unser unmittelbares

Umfeld in Stadt und Land

Zukunftsperspektiven eröffnen müssen.

Wir stehen auch vor Schwierigkeiten im

globalen Maßstab. Kompetenz, Zuversicht

und Tatkraft sind ohne Zweifel

vonnöten, um diesen Schwierigkeiten

begegnen zu können. Doch etwas darf

dabei nicht fehlen: Der Glaube.

„Alles wanket, wo der Glaube fehlt”,

hat Friedrich von Schiller einmal festgestellt.

Ihr Jahresmotto lautet: „Du führst

uns hinaus in die Welt.” Und dort draußen

in der Welt benötigen wir einen

vom Glauben gefestigten Weltethos, den

der Theologe Hans Küng schon vor zwei

Jahrzehnten angemahnt hat.

Küng stellt klar: „Der Mensch kann

nicht durch immer mehr Gesetze und

Vorschriften verbessert werden. Reglementierungen

sind noch keine Orientierungen.

Gesetze sind noch keine Sitten.

Auch das Recht braucht ein moralisches

Fundament. Die ethische Akzeptanz der

Gesetze ist Voraussetzung jeglicher Kultur.”

In diesem Sinn haben wir Ihre Arbeit,

die Sie im Cartell Rupert Mayer

leisten, nötig.

Engagieren Sie sich weiter in Ihren

Kirchengemeinden, in Ihren Städten und

überall dort, wo Menschen benötigt wer-

Hans Schaidinger,

Oberbürgermeister von Regensburg

den, um der öffentlichen Sache zum

Erfolg zu verhelfen. Ich wünsche Ihnen,

ich wünsche dem Cartell Rupert Mayer

alles Gute.

Wir sind Ihnen auch dankbar, dass

Sie Ihr Herbstkapitel in Regensburg abhalten.

Sie bereichern uns damit. Und

Regensburg ist unbestritten erste Wahl

für dieses Herbstkapitel, weil das Cartell

Rupert Mayer im Jahr 1949 ganz in

der Nähe unserer Stadt, auf Schloss

Hauzenstein, gegründet worden ist.

Dass Sie sich in diesem Wintersemester

besonders um junge Menschen

kümmern werden, ist ein Segen für jede

Stadt und ihre Menschen – also auch

für uns hier in Regensburg.

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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Brücken bauen

Bericht über das Herbstkapitel 2009 Regensburg/Hauzenstein

Brücken bauen – das Motto des

Herbstkapitels , wie es in der Einladung

hieß, „in der Stadt mit einer der ältesten

Steinbrücken Europas”. Ebenso galt

auch das für eine große zeitliche

„Brücke” zwischen 1949 und 2009: vor

genau 60 Jahren wurde das Cartell

Rupert Mayer auf Schloss Hauzenstein

nahe Regensburg gegründet

An eben dieser Stätte fand am 24.

Oktober 2009 die Stellvertreter- und

Kapitelsitzung statt. Eingangs gedachten

die Kapitel-Teilnehmer der seit der

letzten Kapitelsizung verstorbenen Mitglieder.

P. Rainer Klostermann OP. bezog

die vor 60 Jahren an der Gründung des

Cartells beteiligten Mitglieder in das Gedenken

ein.

Kapitelvorsitzer Hans-Jürgen van

Schewick dankte eingangs besonders der

Hausherrin, Cartellfreundin Gräfin von

Walderdorff, für ihre Gastfreundschaft

am historischen Ort der Cartellgründung.

Eine besondere Bedeutung gewann die

Zusammenkunft in Hauzenstein durch

die beabsichtigte Verabschiedung der

Erklärung über Ziele und Grundsätze

des Cartells – die „Frankfurter Erkärung”

(s. dazu auch Seite 12 dieses Hefts). Das

Protokoll der Cartellversammlung in

Frankfurt wurde ebenso akzeptiert wie

die vorgeschlagene Tagesordnung von

Hauzenstein.

Freund Franz-Josef Mosblech hatte

zum Herbstkapitel keine neue Mitgliederstatistik

vorgelegt – erfahrungsgemäß

gibt es im Spätherbst vor allem dank

der Dezember-Neuaufnahmen noch viele

Änderungen, so dass die Zahlen sich bis

zum Jahresende noch verändern.

Erfreuliches gab es über die Zusammenarbeit

vieler Gilden zu berichten, die

sich mit gegenseitiger Übersendung der

Einladungen unterstützen. So wird die

Information über interessante Themen

und die dafür verantwortlichen Referentinnen

und Referenten zum Nutzen

aller verbreitet. Ebenso hat sich bewährt,

mögliche Aufnahmekandidaten als Referenten

einzuladen. Die von Freund Claus

E. Blach initiierte Arbeitsgruppe zum

Thema ”Gewinnung neuer – insbesondere

jüngerer – Mitglieder” hat sich bewährt

und wird sich nach dem allgemeinem

Ende des Herbstkapitels in Regensburg

zusammensetzen. Große Beachtung

in der Öffentlichkeit findet

auch der Internet-Auftritt des Cartells.

Freund Arnd Brechmann erhält regelmäßig

Anfragen von Interessenten, die

er an den jeweiligen Freundeskreise

weiterleitet.

Freund Christian Hartmann, an der

Teilnahme verhindert, hatte einen

schriftlichen Bericht über die Vermögenssituation

vorgelegt. Ihm ist zu →

Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Die Cartellversammlung bot Gelegenheit zu vielen Gesprächen (oben) –

die „Frankfurter Erkärung” wird einstimmig verabschiedet (unten)

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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Auch Detailfragen des Cartells werden geklärt

entnehmen, dass das Vermögen bis

zum Jahresende 2009 gegenüber dem

31.12.2008 eine moderate Steigerung

erfährt. Vorsorglich werden für die Rupert-Mayer-Lectures

und die Herstellung

des nächsten Migliederverzeichnisses

entsprechende Rückstellungen erforderlich.

Bis auf einen Freundeskreis haben

alle ihren Beitrag geleistet, auch eine

Gilde, die schon seit längerem im Rückstand

war.

Freund Klemens Martin wies darauf

hin, dass es Unklarheiten über die Kosten

gibt, die durch die Teilnahme von

Kindern und Jugendlichen an Cartellversammlungen

und Herbstkapiteln

entstehen. Auf Vorschlag von Freund

Horst-Dieter Mennigmann wurde einstimmig

beschlossen, ab sofort für Kinder

und Jugendliche keine Beiträge mehr

zu erheben. Die Kosten trägt das Cartell.

Freund Eberhard Hennecke berichtete

über das geplante Programm der

Cartellversammlung in Düsseldorf vom

4. bis 6. Juni 2010, die unter dem Motto

„Der Geist weht, wo Gott es will” stehen.

Der Kapitelvorsitzer bat die Organisatoren,

genügend Zeit für die Kapitelsitzung

einzuplanen. Näheres zur Cartellversammlung

gibt es auf Seite 17

dieser CRM Mitteilungen. Das Herbstkapitel

2010 findet vom 19. bis 20. November

statt. Gastgeber wird dieses Mal

der Gordian-Kreis Leipzig sein, wo der

Vorsitzende, Freund Jan Weiß, sich schon

erste Gedanken zum Ablauf macht.

Die Cartellversammlung 2011 wird

in Hamburg stattfinden – mit Beginn

am 2. Juni und Schwerpunkt am Freitag,

3. Juni. Sowohl die Zelebranten als

auch die nötigen Räume sind bereits

auf den genannten Termin hin gesichert.

In diesem Zusammenhang wurde innerhalb

der Versammlung auch eine mögliche

Verlegung zukünftiger Cartellversammlungen

auf die Zeit von Freitagnachmittag

bis Sonntag diskutiert, ohne

dass es zu einem Beschluss kam. Freund

Josef Däullary von der Thomas-Gilde

stellte die Pläne für das Treffen vor.

Freund Claus E. Blach führte in den

aktuellen Stand der Erörterungen zur

„Frankfurter Erklärung” ein. Nach ausgiebiger

Diskussion wird die endgültige

Fassung durch einstimmigen Beschluss

verabschiedet.

Die Themen „Entwicklung der Freundeskreise”

und „gruppenübergreifende

Aktivitäten” (Forum Internet, Rupert

Mayer Lectures) wurden aus Zeitgründen

nicht mehr behandelt.

UvS/e.h

Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

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MAYER

Kultur der Verantwortung

Alois Glück, Landtagspräsident a.D., hielt

im Historischen Reichssaal eine engagierte und

in die Zukunft weisende Festrede. Glück betonte,

dass den Menschen in den letzten 60

Jahren, seit der Gründung der Bundesrepublik

Deutschland, viel zugewachsen ist an Möglichkeiten,

aber auch besondere Herausforderungen

entstanden sind: Die Auflösung der

Aufteilung der Welt in die Blöcke Ost und

West, der Kulturschock des 11. September, der

Siegeszug der Informationstechnologie, die

Finanzkrise mit ihren globalen Wechselwirkungen.

Insbesondere mit Letzterem war – so

Glück – der Zusammenbruch der Vorstellung

verbunden, dass Markt und Wettbewerb aus

sich selbst heraus gerechte Ordnungen schaf- Alois Glück, Landtagspräsident a.D.

fen. Vielmehr „werden wir die richtigen Entscheidungen

nur treffen, wenn wir nach den tieferen Wurzeln dieser krisenhaften Entwicklung

bohren und nach den Wertvorstellungen fragen, die hierzu geführt haben”.

Eine wesentliche Ursache sieht Glück in der „Entkoppelung von Freiheit und

Verantwortung”. Die notwendigen Veränderungen könne man nicht leisten nur

mit technischen Maßnahmen, sondern nur im Sinne einer Lebenskultur einer ganz

anderen Dimension der Verantwortlichkeit. Es bedürfe vielmehr einer „zukunftsfähigen

Kultur”, deren Ankerpunkte die Würde des Menschen, die Verantwortung

des Einzelnen für sich, aber auch die Mitverantwortlichkeit für das Gemeinwesen,

sowie ein gesellschaftspolitisches Leitbild einer solidarischen Leistungsgesellschaft

sind. Religion habe hierbei, nicht erst seit der Finanzkrise einen neuen Stellenwert.

Notwendig sei ein zeitgemäßer christlicher Lebensstil, eine Sozialkultur im Sinne

eines Miteinanders, die weit mehr sei als der organisierte Sozialstaat. Es bedarf

„Menschen, die mit diesen Überzeugungen bereit sind, sich in einer offenen Gesellschaft

mit allen damit verbundenen Facetten, Konflikten und Anstrengungen

in dieses Engagement zu begeben”.

Gerd Lederer

P.S.: Es ist geplant, die vollständige Rede im März-Heft der „Mitteilungen” zu veröffentlichen.

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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

Frankfurter Erklärung verabschiedet

Auf der Herbst-Kapitelsitzung im Oktober 2009 in Regensburg/Schloss Hauzenstein wurde die sogenannte

Frankfurter Erklärung verabschiedet.


Der Entwurf dieser Erklärung, der auf der Cartellversammlung im Mai 2009 in Frankfurt am Main

erstmals präsentiert wurde und der die Ziele und Grundsätze des Cartells Rupert Mayer neu zum Ausdruck

bringt, wurde intensiv in vielen Freundeskreisen vor der endgültigen Verabschiedung diskutiert.

Diese Grundsätze sind der Leitfaden für unser Wirken in den Freundeskreisen und im Cartell und es

wird empfohlen sich mit ihnen in den einzelnen Gruppen des Cartells kritisch auseinander zu setzen.

Frankfurter Erklärung des Cartells Rupert Mayer

Das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit verbunden das Ende der Herrschaft

des Nationalsozialismus war nicht nur ein Zusammenbruch, sondern vielmehr ein

Neuanfang in Staat und Gesellschaft. Im Jahr 1949 wurde das Grundgesetz der

Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Wie kaum eine andere Verfassung auf

der Welt schreibt sie christliche Grundwerte als unverbrüchliche Grundlage unserer

Gesellschaft fest.

Im gleichen Jahr 1949, also vor 60 Jahren, schlossen sich 4 Freundeskreise engagierter

katholischer Persönlichkeiten aus Frankfurt am Main (von-Ketteler Gilde),

Regensburg (CL Albertus Magnus), Hamburg (Thomas-Gilde) und München (CL Rupert

Mayer) zu einem Verband zusammen, der seit 1954 den Namen „Cartell Rupert

Mayer” trägt. Das Cartell, das heute 34 Freundeskreise aus Deutschland und der

Schweiz umfasst, trägt den Namen des im Jahr 1987 an seinem Wirkungsort

München seliggesprochenen Jesuitenpaters Rupert Mayer (1876 – 1945), der in der

Zeit des Nationalsozialismus in beispielhafter Weise christlichen Geist gelebt und in

der Öffentlichkeit vertreten hat.

Anlässlich dieser Jubiläen und der in diesem Jahr (2009) in Frankfurt am Main

und Regensburg stattfindenden festlichen Versammlungen bekräftigen die Freundeskreise

im Cartell Rupert Mayer ihre Ziele und Grundsätze:

Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

MAYER

1. Bewusste Gestaltung des eigenen Lebens aus dem Glauben

der katholischen Kirche

2. Glauben gemeinsam leben und gegenseitige Stärkung

durch Gebet und Feier der Eucharistie

3. Glaubensinhalte für unsere Zeit erschließen

4. Stärkere Betonung christlicher Werte in unserer Gesellschaft

und Verdeutlichung ihrer positiven Wirkkraft für die Welt

5. Qualifizierte Leistung in Beruf und Gesellschaft

6. Pflege der Freundschaft untereinander

7. Förderung sozialer und caritativer Aktivitäten

aus christlicher Verantwortung

8. Auseinandersetzung mit aktuellen politischen, kirchlichen,

sozialen und ökologischen Themen

9. Bemühen um Überwindung der konfessionellen Spaltung

und Kennenlernen anderer Religionen

10. Respekt vor der Würde eines jeden Menschen und

seinem Leben in allen Phasen


Wir wollen uns mit unseren christlichen Wertvorstellungen bei der geistigen Ausrichtung

unserer pluralistischen Gesellschaft aktiv einbringen. Zur Unterstützung sind

Führungskräfte und Verantwortliche gesellschaftlicher Gruppen aus unterschiedlichen

Berufen zur Mitgliedschaft eingeladen.

Frankfurt am Main, 21. Mai 2009

Regensburg/Schloss Hauzenstein, 24. Oktober 2009

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

Das Geschehen in den Gilden

Berlin: Club Berlin

Wir trauern um Freund Franz-Stephan Fritsch (1931 – 2009)

Unser lieber Freund Franz-Stephan Fritsch ist tot. Er starb 78-jährig völlig unerwartet

am 29. Oktober in Tabarz im Eichsfeld. Noch am 21. Oktober hatte er eine

Veranstaltung unseres Clubs besucht, kritisch diskutierend wie immer. Er war dann

ins Altmühltal gefahren, wo er sein Ferienhaus winterfest gemacht hatte, und auf

dem Heimweg nach Berlin besuchte er seinen alten priesterlichen Freund in

Tabarz. Dieser berichtete in seiner Predigt beim Requiem, sie hätten sich – im

wörtlichsten Sinne – über Gott und die Welt unterhalten. Es ging um die Probleme

von Schuld und Gnade, um die Verantwortung der Menchen vor Gott, für die Mitmenschen

und für sich selbst, und unmittelbar darauf ist unser Freund zusammengebrochen

und gestorben ...

Stephan Fritsch war ein gebürtiger Berliner mit schlesischen Wurzeln. Einen

Teil seiner Schulzeit verbrachte er des Bombenkriegs wegen im Eichsfeld, wo er

auch das Abitur machte. Er studierte in Berlin und München, wo er auch seine

Frau Maria kennenlernte, Chemie, Biologie und Erdkunde.

Seine berufliche Laufbahn begann Stephan am Berliner Jesuitengymnasium,

dem Canisius-Kolleg. Dort habe ich ihn 1962 als junger Referendar kennengelernt,

und damals begann unsere Freundschaft.

Was war Stephan Fritsch für ein Mensch? Schwerpunkte seines Denkens und

seines Handelns waren sein Glauben und sein Beruf, und natürlich seine Familie.

So vertrat er mehr als 20 Jahre die Kirche von Berlin im Landesschulbeirat und

gehörte dem Diözesanrat an. Nach mehreren Jahren am Canisius-Kolleg, wo er

maßgeblich die naturwissenschaftlichen Sammlungen aufbaute, wechselte er an

das Lilienthal-Gymnasium, wo er bald Fachbereichsleiter und als Studiendirektor

stellvertretender Schulleiter wurde. In seinen letzten Berufsjahren leitete er kommissarisch

seine Schule. Kollegen und Schüler schätzten seine Fachkompetenz,

sein Pflichtgefühl und seine Fürsorglichkeit, wo immer sie notwendig war. Er

strahlte Verlässlichkeit und Autorität aus – nicht nur wegen seiner Größe.

Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

Aber Stephan Fritsch war viel mehr als

ein flüchtiger, anerkannter Schulmann. Er

war, lange vor grünen Moden, ein konsequenter

Naturfreund. Ein dreivierteljähriges

Forstpraktikum vor dem Beginn seines

Studiums bestärkten seine Liebe zu Wald

und Flur. Schon als Junge sang er im

Knabenchor der St. Hedwigskathedrale

unter dem legendären Karl Forster, trat

sogar in kleinen Rollen in der deutschen

Staatsoper auf und wirkte dann, aus Thüringen

nach Berlin zurückgekehrt, mit seinem

starken Bass über drei Jahrzehnte im

Kathedralchor mit. Konzertreisen führten

ihn in viele Länder, mit den Berliner Philharmonikern

sogar zweimal nach Japan.

Neben diesem vielfältigen Engagement

fand er noch Zeit für ganz andere Aktivitäten:

er war Mitglied der DLRG, erwarb

das Goldene Tanzsportabzeichen und mehrfach

das Goldene Sportabzeichen.

Aber all das hat ihm zuallererst seine

Frau Maria ermöglicht, sie hielt ihm immer

„den Rücken frei”. Ihr Tod vor einem

Jahr hat ihn sehr hart getroffen. War sie

doch die Seele eines überaus gastfreundlichen

Hauses und der Mittelpunkt der

Familie: drei Töchter und sieben Enkel

waren beider Freude.

Wir im Club Berlin haben allen Grund

unserem toten Freund Franz-Stephan

Fritsch ein ehrendes christliches Gedenken

zu widmen. Er möge ruhen in Frieden, und

das ewige Licht leuchte ihm.

Peter Fahrun

Impressum Cartell

RUPERT

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Herausgeber der CRM Mitteilungen:

Eduard Helldörfer

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Gerd Lederer:

Titel, Seiten 7, 9, 10, 11, 27, 40

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Die CRM Mitteilungen erscheinen viermal

jährlich. Der Bezugspreis des Hefts ist im

Mitgliedsbeitrag enthalten.

Redaktionsschluss für die

März-Ausgabe 2010:

Freitag, 19. Februar 2010

Herstellung:

Druckerei Hans Ott, Plauen

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Aus den Gilden Cartell

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Bremen: Ansgar-Gilde

Wir trauern um Freund Hans Paul Erling

Mitte Juli erreichte die Ansgar-Gilde Bremen die traurige Nachricht, dass ihr

langjähriger Freund Hans P. Erling am 14. Juli 2009 zum ewigen Vater heimgeholt

wurde.

Freund Erling gehörte mit zur ersten Generation der Ansgar-Gilde. Er erwarb

sich in Bremen als bekennender Katholik große Verdienste, vor allem durch seinen

Einsatz im Verein für das St.-Joseph-Stift, dem er mit seinem Bruder, beide

Besitzer der Roland-Mühle, jahrzehntelang angehörte und wo er den Umbau des

Stifts zu einer modernen Klinik begleitete. Vor allem aber sprang er immer wieder

in der Katholischen Gemeinde zu Bremen als Sponsor ein, wie sein Vater und

seine Mutter es ihm vorgemacht hatten.

So sorgte er beispielsweise in der St.-Josef-Kirche für die Kreuzigungsgruppe

hinter dem Altar, in St. Ursula für die Heilige Ursula und sein Haus, Gut Hohenkamp,

beherbergte jahrzehntelang eine Kapelle als Filiale der St.-Josef-Gemeinde.

Er ruhe in Frieden! Er selbst war ein Freund des Lateins und der Alten Liturgie.

Die Ansgar-Gilde wird ihn in guter Erinnerung behalten.

Wilhelm Tacke

Dortmund: Michael-Gilde

Paderborn: Meinwerk-Gilde

Dortmunder Besuch in Paderborn

Bischof Meinwerk, Namensgeber der Paderborner Gilde, war von großer Bedeutung

für das Erzbistum. Er ist im Jahr 1009 zum Bischof ernannt worden und hat mit

seinem Wirken die Stadt geprägt. Anlässlich der tausendsten Wiederkehr dieses Ereignisses

ist eine beachtliche Ausstellung zum Leben dieses Mannes in Paderborn eingerichtet

worden. Ende Oktober sind Damen und Freunde der Michael-Gilde aus Dortmund

angereist, um gemeinsam mit den Paderborner Damen und Freunden diese

Ausstellung zu besuchen. Der Leiter des Diözesanmuseums, Prof. Stiegemann, hat

Aus den Gilden Cartell

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MAYER

persönlich die Gruppe geführt. Abgeschlossen wurde der Tag mit einem gemeinsamen

Abendessen im Liborianum. Einige Unverdrossene krönten den Tag mit einer

Runde im Ratskeller.

Martin Henn

Düsseldorf: Lambertus-Gilde

Vorschau auf die Cartellversammlung 2010

in Düsseldorf

Rheinblick mit Kirche St. Lambertus,

Schloßturm und Turm der Maxkirche.

Die Cartellversammlung findet in der Zeit von Freitag, dem 4. 6. 2010

bis Sonntag, dem 6. 6. 2010 in Düsseldorf statt.

Die Vorbereitungen befinden sich auf gutem Weg. Die Veranstaltungsorte sind

gebucht und müssen mit Leben erfüllt werden. Die Cartellversammlung soll in

Anlehnung an das Pfingstfest unter dem Motto stehen:

„Der Geist weht, wo er will”.

Nach diesem Geist fragen auch heute viele Menschen, ja heute erst recht, vor

allem in Glaubens- und Lebenskrisen. Wir wollen uns öffnen für die Kraft der

Erneuerung, unabhängig von unserem Alter.


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Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

Die Cartellversammlung beginnt am Freitag um 18 Uhr mit einer Vesper in der

St. Lambertuskirche in der Altstadt. Zelebrant ist Stadtdechant Monsignore Freund

Steinhäuser. Nach der Vesper treffen wir uns 100 m weiter zum Begrüßungsabend

in der Traditionsgaststätte „Goldener Ring” am Burgplatz.

Der Samstag beginnt um 9 Uhr mit dem Morgenlob in der barocken Maxkirche.

Zelebrant wird Freund Prälat Dr. Vogt, Leiter des katholischen Büros, sein.

Um 10 Uhr ist ein Empfang im historischen Rathaus der Stadt mit OB Elbers

vorgesehen. Danach können alle Teilnehmer über die Zeit bis zum Mittagessen frei

verfügen.

Ab 13 Uhr gibt es ein Mittagessen im

Maxhaus (Klosterhof), dem neuen Begegnungszentrum

der katholischen Kirche in

Düsseldorf. Zeitgleich mit den Führungen

beginnt die Kapitelsitzung für Delegierte im

Maxhaus.

Ab 14.30 Uhr beginnen die Führungen

in der Altstadt, im Medienhafen und den

Museen.

Um 19 Uhr ist der Festabend in der

Rheinterrasse, einem der schönsten Plätze

in Düsseldorf.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit dem Gottesdienst in der Maxkirche. Zelebrant

ist wieder Freund Steinhäuser. Der Maxchor singt die missa brevis solemnis.

Er wird begleitet von den Düsseldorfer Symphonikern.

Um 11.30 Uhr ist der Vortrag im Maxhaus. Als Festredner vorgesehen ist Dr.

Stefan Kiechle SJ. Das Thema muss noch besprochen werden. Freund Dr. Haupt

will „Macht und Christentum” vorschlagen.

Liebe Freunde, wir laden herzlich zur Cartellversammlung nach

Düsseldorf ein.

Düsseldorf ist nicht nur eine moderne Stadt, sondern auch eine liebenswerte

alte Residenzstadt. Nach allen Untersuchungen bekommt die Landeshauptstadt

beim Städteranking beste Noten. Die Veranstaltungsorte liegen in der Nähe der

Rheinpromenade und sind zu Fuß erreichbar.

Ich hoffe, dass auch die Cartellversammlung ein Erlebnis besonderer Art wird.

Eberhard Hennecke

Innenansicht der Kirche St. Lambertus

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RUPERT

MAYER

Frankfurt: von-Ketteler-Gilde

60 Jahre von-Ketteler-Gilde

Der Anfang im Rückblick und ein Überblick

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

sehr geehrte Jubiläumsgesellschaft,

die heutige „von-Ketteler-Gilde” wurde am 10. Sept. 1949 unter dem Namen „Christliche

Loge von Ketteler” gegründet – zu einer Zeit also, die weitaus verschieden war von

der heutigen, in der aber auch bereits unser Grundgesetz formuliert werden und in Kraft

treten konnte. Ich möchte Ihnen daher heute, ziemlich genau 60 Jahre nach der Gründung,

mit einigen wenigen Fakten und Gedanken die damalige Situation vor Augen

führen, aus der heraus es zur Gründung unseres Freundeskreises kam. In der Zeit unmittelbar

nach dem 2. Weltkrieg war die Befindlichkeit der Menschen in unserem Lande

geprägt, um nur einige Stichworte zu nennen, von materieller und geistiger Not, von

Hunger und Obdachlosigkeit, von Trauer um verlorene und bange Frage nach vermissten

Familienangehörigen.

Zu einer solchen Aufzählung gehört aber auch die Sorge sicherlich vieler, dass in

dem vorherrschenden geistigen und politischen Vakuum Bestrebungen erleichtert Platz

greifen könnten, die, um zielstrebig auf den Kern dieses Rückblicks zu kommen, aus

katholischer Sicht nicht wünschenswert gewesen wären – unter anderem „Linkslastigkeit”

und, über die Besatzungsmächte, die Ideen der Freimaurerlogen. Mit anderen Worten:

man hatte, geschult durch bittere Erfahrungen in jener unseligen Zeit neuester

deutscher Geschichte – und dem geistigen Vakuum und dem Chaos der Ruinenwelt in den

ersten Jahren danach – einzusehen gelernt, dass es um mehr ging als um den Wiederaufbau

eines verwüsteten Landes und die Errichtung persönlicher und beruflicher Existenz

– nämlich um die geistige und religiös-moralische Erneuerung und Festigung einer

orientierungslos gewordenen Gesellschaft nach den Wertmaßstäben des Christentums.

Und man war der Überzeugung, dass es nach dem Terror des „Dritten Reiches” um

einer menschenwürdigen Zukunft willen unabdingbar war, dass sich Kirche, zumal über

ihre Mitglieder, auf dem Hintergrund katholischer Soziallehre in Fragen der Gestaltung

von Gesellschaft und Politik einmischen muss. Dazu gehörte auch und nicht zuletzt,

Menschen mit den Grundlagen und Anforderungen einer demokratischen Gesellschaft

vertraut zu machen.


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Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

Das erforderte im Bereich unserer Kirche unter anderem den Einsatz von überzeugten

Persönlichkeiten, die – außer ihrem guten Willen – auch über angemessene Qualitäten

verfügten: seien es geistige Fähigkeiten, berufliche Stellung, gesellschaftlicher

Einfluss, materielle Möglichkeiten. Solches aber konnte nicht die Aufgabe von „Einzelkämpfern”

sein; Gemeinschaft, deren Grundlage das persönliche Vertrauen ihrer Mitglieder

zueinander ist, war gefragt. Anders gesagt: Das Ziel konnte nur in der Gemeinschaft

– aber als Aufgabe des Einzelnen, der sich ihm aus religiöser Überzeugung verpflichtet

wusste – verfolgt werden.

Und so war es denn Leo Benz in München, der eine Reihe solcher Gleichgesinnter

um sich sammelte – Männer, die in Zusammenarbeit Hilfe beim Aufbau im weitesten

Sinne leisten wollten. Diese sahen sehr bald, dass das, was sie tun wollten – nämlich

sich mit dem hohen Anspruch der Kirche zu identifizieren, gemäß Rerum novarum

„Lebensprinzip der menschlichen Gesellschaft” zu sein – der Gesinnung in mittelalterlichen

Dombauhütten oder „Logen” ähnlich war. Deren Mitglieder, die Bauleute, pflegten

eine Gesinnung, die ihrem Werk, nämlich die Errichtung des „Zeltes Gottes unter

den Menschen”, entsprach. Aus ihr schöpften sie die Kraft zu höchster fachlicher

Leistung, und als christliche Bauleute waren sie um den Geist harmonischer

Zusammenarbeit bis hin zu brüderlicher Hilfe untereinander bemüht.

Das Modell der Logen, zeitgerecht verstanden und gestaltet, schien nach Geist und

Form einen gangbaren Weg in und aus schwerer Zeit zu weisen. So gab es sich, dass die

erste Gruppierung den Namen 'Christliche Loge' annahm. Ihre Gründung mit anfänglich

16 Mitgliedern fand bereits 1946 (an Mariae Himmelfahrt) in München statt. In dem bei

dieser Gelegenheit verabschiedeten „Gründungs-Statut” heißt es im ersten Absatz: „Die

Christliche Loge hat zum Ziel, die Ordnung, die sich aus dem Naturrecht ergibt, und die

Forderungen, die aus der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition folgen, in der

Wirtschaft und im sozialen Gefüge der Menschheit überhaupt durchzuführen. Diese

Grundsätze sind insbesondere in der Enzyklika Leos XIII. 'Rerum novarum' und der

Enzyklika Pius XI. 'Quadragesimo anno' niedergelegt.” Leider haben sich bereits zu einer

Zeit noch vor der Gründung die bis dahin beteiligten evangelischen Christen aus dem

Vorhaben zurückgezogen, weil ihnen Formulierungen in den geplanten Statuten zu sehr

vom Geist eben jener päpstlichen Enzykliken geprägt zu sein schienen.

Dass es so bald nach dem Krieg trotz, oder, wie gleich zu sehen sein wird, wegen der

Entscheidungsbefugnis der Besatzungsmächte über die Gründung von Vereinen, Parteien

und Medien zu einer solchen Gründung kommen konnte, ist zwei glücklichen

„Umständen” zu verdanken: zum einen war Leo Benz Schweizer und engagiert gewesen

im Widerstand und damit „unverdächtig”; zum anderen war eine „Loge” der Besatzungsmacht,

nämlich den Amerikanern in München, natürlich ebenfalls „unverdächtig”.

So konnte die Lizenz ohne besondere Schwierigkeiten erteilt werden.

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

Ortswechsel nach Frankfurt. Hier leitete ab demselben Jahr, nämlich 1946, Pater

Ludger Born SJ den Wiederaufbau der Hochschule St. Georgen. Während dieser Zeit

konnte Pater Born zu zwei Personen folgenreiche Kontakte knüpfen, nämlich über Pater

v. Nell-Breuning SJ zu Herrn v. Engelberg, Vorstandsvorsitzender der Dyckerhoff AG,

Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie etc. und über Pater Rupert

Mayer SJ zu dessen Weggefährten im Widerstand, dem bereits erwähnten Leo Benz. So

nimmt es denn letztlich nicht weiter Wunder, dass die Idee einer „Christlichen Loge”

auch nach Frankfurt getragen wurde – eine Idee, die von Herrn v. Engelberg sogleich

aufgegriffen und weitergetragen wurde.

Zu einem ersten mit Datum belegten Treffen, das mit dem Ziel der Gründung einer

„Christlichen Loge” in Frankfurt befasst war, kam es am 5. Nov. 1948. Beteiligt waren

die Herren v. Engelberg (Wiesbaden), Geißler (Aschaffenburg), Jacobs, Stenger und Weil

(alle Frankfurt) und Pater Born, den man bat, die Leitung zu übernehmen. Und man traf

sich nunmehr regelmäßig jeden zweiten und vierten Dienstag eines Monats – was in

Frankfurt Tradition bis auf den heutigen Tag geblieben ist mit der kleinen Abänderung

„letzter Dienstag” im Monat. Bei diesen Treffen wurden Referate gehalten zu damals,

wie natürlich auch heute noch, 'brennenden Themen': die soziale Lage in Deutschland,

soziale Enzykliken, Steuermoral, Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, Wohnungsbau

etc. Dass man aber auch die praktische Seite einer „Loge” – im mittelalterlichen Sinne

– nicht unbeachtet gelassen hatte, möge an nur einem Beispiel aufgezeigt sein: die

Initiative zum Bau eines Kindergartens in der Goldstein-Siedlung und dessen fast vollständige

Finanzierung.

Noch im selben Jahr, und zwar am 16. Dez. 1948 kam es zu einem direkten Gespräch

mit Leo Benz, der sich mit dem Plan trug, seine Lizenz auf die gesamte US-Zone auszudehnen.

Daher wurden die Frankfurter Herren einfachheitshalber zunächst Mitglieder

der CL in München. Es wurde auch ein finanzieller Beitrag vorgesehen, der, wie es heißt,

absichtlich nicht zu niedrig gewählt wurde: 25,- Mark.

Ähnliche Entwicklungen wie in München und Frankfurt gab es noch in Hamburg

und Regensburg. So wie solcher örtliche Zusammenschluss die Intensionen des Einzelnen

stärke, so sagte man sich, sollte ein Überörtlicher zu darüber hinausgehender Stärkung

führen, und so schlossen sich die vier Gruppen bei einem Treffen ihrer Bevollmächtigten

vom 8.-10. Juli 1949 auf dem dem Reichsgrafen Walderdorf gehörenden

Schloß Hauzenstein nahe Regensburg zum „Cartell der Christlichen Logen Deutschlands”

zusammen (1954 wurde der Name geändert in „Cartell Rupert Mayer”). Die

Absichten, die zu dem Treffen geführt haben, sind in den sogenannten „Notizen über

den I. Konvent der Christlichen Logen Deutschlands” und die Ergebnisse in den sogenannten

„Hauzensteiner Beschlüssen” festgehalten. Beide zu lesen ist ob der darin zum

Ausdruck kommenden Weitsichtigkeit und Klugheit und des prägend gewesenen und

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

auch gebliebenen Charakters ein Genuss. Die erste Kapitelsitzung fand am 24. und 25.

Nov. 1949 in Regensburg statt. Die formalrechtliche Gründung der faktisch bestehenden

Christlichen Loge in Frankfurt, mit einer Hl. Messe in St. Ignatius und einer Sitzung im

„Haus der Länder” in Königstein, fand am 10. Sept. 1949 statt; die Zahl der Mitglieder

betrug bereits mehr als 30!

Damals war es üblich, bei der Namensgebung auf bedeutsame Persönlichkeiten zurückzugreifen,

die in der jeweiligen Gegend tätig waren; so gab man sich den Namen „C.

L. von Ketteler”. So programmatisch anfänglich die Bezeichnung „Loge” gemeint war

und eigentlich auch heute noch den Kern der Idee widerspiegelt – später wurde sie von

vielen als Belastung empfunden, weil sie insbesondere bei Außenstehende Assoziationen

mit Geheimbündelei und ähnlichem hervorrief, woran möglicherweise auch die eine oder

andere Neuaufnahme gescheitert ist. Daher wurde 1997 der Name geändert in „von-

Ketteler-Gilde”.

Von den etlichen zweifelsfrei bedeutsamen Frankfurter „Männern der ersten Stunde”

seien außer den bereits genannten wegen ihrer Hinwendung zu St. Georgen zwei weitere

Namen erwähnt: die Herren Hamacher und Schindling. Herr Hamacher war Geschäftsführer

der Trümmerverwertungsgesellschaft Frankfurt, in welcher Eigenschaft es ihm

möglich war, für den Aufbau der Hochschule St. Georgen bevorzugt Steine zur Verfügung

zu stellen. Und: Auf Veranlassung von Herrn Schindling (VDO), der selbst einen

namhaften Betrag zum Aufbau von St. Georgen hinzugegeben hatte, wurde der Hochschule

von der CL in Frankfurt ein Kreuz gespendet, das symbolisch dargestellt hat

Christus als „Herr zwischen Himmel und Erde”. Außerdem war Herr Schindling einflussreicher

Förderer der „Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft”,

und auf sein Verlangen hin fanden (im schwarzen Anzug!) die Veranstaltungen der CL

dort statt und tun es noch heute.

An dieser Stelle ein Wort zu den Veranstaltungen überhaupt. Ihre Zahl für die 60

Jahre des Bestehens beläuft sich auf weit über 1000. Bei etwa einem Viertel von diesen

handelt es sich um andere als Vortragsveranstaltungen wie z. B. Reisen, Museumsbesuche,

Adventsbesinnungen, Einkehrtage, Gesellschaftsabende usw. Und von den

Vortragsveranstaltungen sind etwa ein Viertel aus den eigenen Reihen bestritten worden.

Die Ausstrahlungen der Frankfurter CL bereits in den ersten Jahren in Form von

Gründungen anderer Institutionen sollen nur noch stichwortartig dokumentiert werden:

„Frankfurter Sozialschule”, eine Arbeitsgemeinschaft der Bistümer Fulda, Limburg und

Speyer. Sie wurde 1950 gegründet als Nachfolgerin der „Sozialen Arbeitsgemeinschaft

der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen”, und sie existiert noch heute.

Einem Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, dass bereits 1955 10 Lehrgänge in Frankfurt,

3 in Heppenheim und 2 in Fulda stattfanden mit insgesamt 375 Teilnehmern.

Aus den Gilden Cartell

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„Christliche Gesellschaft für Kultur”. Sie existierte bis 1970. „Kultur- und Theatergemeinde”,

die sogar Einfluss auf den Spielplan nehmen konnte.

„Bauorden”. Pater Wehrenfried trat ehedem an die CL in Frankfurt und an die Kapitelsitzung

in Kloster Eberbach heran, in Deutschland eine Gruppe zu initiieren. Es kam

schließlich zur Gründung der Gemeinnützigen Bauorden GmbH; Geschäftsführer wurde

Freund Kröger, dem Aufsichtsrat gehörten die Freunde Grabowski (Buderus Wetzlar) und

RA Schmitt, Fulda an.

Außerdem wurden, auch bereits in frühen Jahren, von Frankfurt aus weitere gleichgesinnte

Gruppen gegründet, wobei hier nicht unterschieden werden soll, inwieweit eine

Gründung dem Engagement eines einzelnen Freundes oder mehrerer zu verdanken ist:

• Michael-Gilde in Dortmund 1950;

• Club Union in Mannheim/Ludwigshafen 1951;

• Club Fulda in Fulda 1952 (1987 aufgelöst);

• CL Petrus Canisius in Mainz/Wiesbaden 1952 (von dieser wurde die CL Rhabanus

Maurus im Rheingau 1953 gegründet; später wurden beide unter dem Namen

letzterer zusammengelegt);

• Lambertus-Gilde in Düsseldorf 1953;

• Gilde St. Johann in Saarbrücken 1960;

• Dahlberg-Kreis in Erfurt 1994 (Ende 2007 aufgelöst).

Wenngleich auch nicht allen diesen auf Frankfurter Initiative hin gegründeten

Freundeskreise auf Dauer Bestand beschieden war, so sind damit zunächst doch von

Frankfurt aus die meisten Neugründungen eingeleitet worden.

Um diesen Rückblick mit zwei kühnen Bögen bis in die Jetztzeit zu beenden, seien

letztlich aufgeführt die Vorsitzenden, nämlich Pater Born SJ, v. Engelberg, Jacobs,

Hamacher, Stenzel, Barz, Vogel, Matschke, Rieger, Ley, Beckermann, Ratjen, Beckermann,

der, dem Sie die Ehre gaben, aufmerksam zuzuhören, Blach und schließlich

Ganowsky; und als Geistliche Beiräte die Jesuiten-Patres Born, Determann, Hirschmann,

Schmitz, Kunz und nunmehr Schuster.

Soweit dieser Rückblick. Das Material dafür aus eigenem Vermögen zusammenzutragen,

wäre mir kaum möglich gewesen. Glücklicherweise aber konnte ich auf detaillierte

Aufzeichnungen von Freund Vogel sen. zurückgreifen, die er mir mündlich durch

zahlreiche Kommentare angereichert hat. Ihm sei dafür auch an dieser Stelle sehr herzlich

gedankt.

Prof. Dr. Horst-Dieter Mennigmann

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

Gründung der Freundeskreise

Paten Datum Gründung

# 21. 12. 1921 Berlin [16. 11. 1951]

Berlin 16. 04. 1926 Münster [Anfang 1950er Jahre]

# 15. 08. 1946 München

# 07. 03. 1949 Hamburg

# 10. 09. 1949 Frankfurt

München 01. 07. 1949 Regensburg

München xx. xx. 1949 Nürnberg [Anfang 1950er Jahre]

Frankfurt 20. 11. 1950 Dortmund

München 13. 01. 1951 Bamberg

Hamburg 01. 07. 1951 Lübeck

Frankfurt 05. 07. 1951 Mannheim/Ludwigshafen

??? 15. 11. 1951 Bonn

Frankfurt 01. 08. 1952 Mainz/Wiesbaden (– 30. 09. 1994)

Frankfurt xx. xx. 1952 Fulda (– 01. 07. 1987)

Frankfurt 20. 04. 1953 Düsseldorf

Bonn 14. 09. 1953 Köln

Dortmund 13. 04. 1953 Essen

Mainz/Wiesbaden 18. 10. 1953 Rheingau/Mainz

Hamburg 28. 09. 1953 Bremen

Dortmund 02. 04. 1954 Duisburg

Dortmund 13. 12. 1955 Recklinghausen

Mannheim/Ludw. 18. 11. 1959 Heilbronn

Frankfurt 21. 03. 1960 Saarbrücken

Nürnberg 18. 12. 1961 Würzburg

Hamburg 18. 03. 1962 Osnabrück

Dortmund 08. 04. 1964 Bochum

Bochum 16. 10. 1979 Gelsenkirchen

Heilbronn 11. 05. 1980 Stuttgart

Regensburg 16. 03. 1981 Passau

Stuttgart 22. 10. 1983 Basel

Regensburg 15. 04. 1991 Weimar

Frankfurt 13. 01. 1994 Erfurt (– 31. 12. 2007)

Köln 15. 05. 1996 Aachen

Mannheim/Ludw. 24. 08. 1996 Dresden

Dortmund 12. 12. 1997 Paderborn

Rheingau 01. 09. 2000 Mainz/Wiesbaden

Berlin+Regensburg 17. 04. 2002 Leipzig

Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

Unter dem Begriff „Paten” sind die Namen von Orten genannt, in denen der jeweilige Freundeskreis

angesiedelt ist, der Pate gestanden hat für die Gründung eines neuen Freundeskreises. In manchen

Fällen ist diese Gründung jedoch fast ausschließlich dem Engagement einer Einzelperson aus dem

genannten Kreis zu verdanken; in anderen geht die Gründung auf eine Aufteilung eines bestehenden

Kreises zurück. Der Übersichtlichkeit dienend wurden diese Unterscheidungen in der Tabelle nicht vermerkt.

– In eckiger Klammer Datum des Beitritts zum Cartell. – # markiert die Gründer des Cartells.

Horst-Dieter Mennigmann

Heilbronn: Club Cornelia

Christen sollen sich einmischen

Mit einem Festakt und einem Vortrag von Bundesverfassungsrichter Ferdinand

Kirchhof feierte dieser Tage der Heilbronner Club Cornelia im Cartell Rupert Mayer

sein 50-jähriges Bestehen im Katholischen Bildungszentrum St. Kilian.

1959 hatte sich der Club engagierter katholischer Laien in enger Verbindung

zum Kloster Bad Wimpfen gegründet. Einer der Gründerväter des Clubs, der sich

nach der im 2. Jahrhundert in der Gegend stationierten römischen Kohorte Cornelia

benannte, war der damalige Abt des Benediktinerklosters Grüssau Dr. Albert Schmitt,

wie Vorsitzender Reinhold Stahl in seiner Begrüßung erläuterte. Stahl und Erste

Bürgermeisterin Margarete Krug als Vertreterin der Stadt wiesen in ihren Grußworten

darauf hin, dass angesichts einer globalisierten und zunehmend technologisierten

Welt, die Ziele des Clubs, sich mit christlichen Wertvorstellungen in den öffentlichen

Diskurs einzubringen, heute so aktuell wie vor 50 Jahren seien, zumal

Christen nicht darauf verzichten könnten, sich in die Politik einzumischen, wie Krug

Papst Johannes Paul II zitierte. Cartellvorsitzer Hans-Jürgen van Schewick, ehemaliger

Bundesverwaltungsrichter, überbrachte die Glückwünsche der 33 bundesdeutschen

Gilden und Clubs des Cartells, benannt nach dem Jesuitenpater Rupert Mayer.

Auf Vermittlung seines Studienfreundes, des Heilbronner Rechtsanwalts

Dr. Steffen Vollmar, zeigte Bundesverfassungsrichter Professor Dr. Ferdinand

Kirchhof „Wege und Irrwege aus der Finanzkrise”.

Vier Hauptursachen der Krise machte der renommierte Finanz- und Steuerrechtler

aus. Zum einen die Globalisierung der Finanzwelt mit der Problematik,

dass nicht jeder Handelspartner den selben Regeln, etwa denen des ehrbaren Kaufmanns,

verpflichtet ist. Zum anderen die Elektronisierung und Anonymisierung →

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

der Finanztransaktionen, die im Falle der KfW-Bank für die Überweisung von

Millionen an die bereits bankrotten Lehmann Brothers mitverantwortlich war. Als

dritte Ursache die personelle Trennung von Eigentum und Leitung von Unternehmen,

denn „ein Eigentümer ist auf langfristigen Erfolg” aus, während ein in der Regel befristeter

Manager ohne eigenes Kapitalrisiko ausschließlich kurzfristig erfolgreich

sein wolle. Den vierten Krisengrund sah Kirchhof in der Abkoppelung von Finanzgeschäften

von der Realwirtschaft, die zu ungehemmter Zockerei geführt habe.

Während sich weder die Uhr der Globalisierung noch die der Elektronisierung

der Finanzwelt zurückdrehen lasse, sei die Zeit des Parlaments jetzt gekommen:

„Die Stunde der Exekutive ist vorbei, jetzt brauchen wir mutige Entscheidungen

des Parlaments”, sagte Kirchhof, da es gelte nach dem Flächenbrand nun die „großen

Löschwasserschäden zu beseitigen.” Das solle schnell geschehen, denn wie

Bundespräsident Horst Köhler gesagt habe, „das schlechte Gewissen der Banker

geht schnell vorbei.”

Umrahmt wurde die Jubiläumsfeier von Carmen Ehlert am Klavier und Megan

Williams an der Sopranflöte.

Dr. Anton-Philipp Knittel

Nürnberg: Gesellschaft St. Sebald

Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz aus Konstanz ist Mitglied des ZdK, Prorektor der Katholischen Fachhochschule

Freiburg und Privatdozent für Soziologie an der Universität Konstanz. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt

liegt in der Religionssoziologie.

Nach seiner Meinung befindet sich die katholische Kirche Deutschlands in einer Umbruchphase. Einer

stetig sinkenden Zahl von Priestern steht eine immer höhere Zahl von Kirchenaustritten gegenüber. Wird

es der katholischen Kirche Deutschlands gelingen, aus der Krise gestärkt hervorzugehen?

Kirche heute: Aufbruch im Umbruch

Folgt man den Angaben des Päpstlichen Jahrbuchs von 2008, dann ist die Zahl

der Katholikinnen und Katholiken zwischen 2005 und 2006 weltweit um 1,4 Prozent

auf 1,13 Milliarden gewachsen. Demnach leben fast die Hälfte von ihnen in

Nord- und Südamerika, gut 10 Prozent in Asien und etwa ein Viertel in Europa.

Die 25 684 890 Mitglieder der römisch-katholischen Kirche in Deutschland (2006),

von der im Folgenden die Rede ist, stellen demnach 2,3 Prozent der Katholiken in

Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

aller Welt. Die deutschen Katholiken,

deren Repräsentanten sich manchmal –

und nicht erst seitdem einer der ihren als

Benedikt XVI. Papst wurde – für den Nabel

der römisch-katholischen Weltkirche

halten, sind für diese in vielerlei Hinsicht

nicht typisch, und auch das – auch auf

dem Hintergrund eines bestimmten Staats-

Kirche-Verhältnisses – von ihnen unterhaltene

Gefüge von Organisationen und

Einrichtungen hat im Vergleich mit den

Formen kirchlicher Präsenz in anderen

europäischen Ländern seine Eigentümlichkeiten.

Eine schrumpfende Kirche

Im Unterschied zum weltweiten Wachstum

derer, die sich der römisch-katholi- Prof. Dr. Dr. Ebertz

schen Kirche zurechnen (lassen), ist die

Anzahl der Katholiken in Deutschland – ähnlich wie in Europa insgesamt – in den

letzten Jahren gesunken. Die Kirchenaustrittszahlen waren zwar seit 2004 wieder

rückläufig und unter das Spitzenniveau sogar der 1980er Jahre gefallen, doch sind

sie inzwischen (2008) wieder nach oben geschnellt. Inzwischen hat sich die

Gesamtzahl der katholischen Kirchenmitglieder seit Beginn der 1990er Jahre von

28 252 Mio. um 2,7 Mio. verringert. Das ist immerhin ein Schwund von gut 9

Prozent und entspricht der mehr als fünffachen Einwohnerzahl von Nürnberg.

Noch drastischer lässt sich sagen: Innerhalb von gut 15 Jahren hat die katholische

Kirche in Deutschland eine Schrumpfung erfahren, welche die Mitgliedergröße

des Erzbistums Köln (2,2 Mio.) oder des Erzbistums Freiburg (2,1 Mio.) übersteigt,

also der beiden größten der 27 Diözesen in Deutschland. Immer mehr

Katholiken werden bestattet als durch Taufe in die Kirche aufgenommen, obwohl

– trotz einer gewissen Neigung zum Taufaufschub (über des 6. Lebensjahr hinaus)

– eine nennenswerte Rückentwicklung der Bereitschaft der Eltern, ihr Kind zur

Taufe zu bringen, dann nicht zu beobachten ist, wenn wenigstens ein Elternteil

katholisch ist. Neben diesem demographischen Faktor gehen die meisten ‚Abschmelzungen’

damit auf Mitgliedschaftsentscheidungen zurück, d. h. es treten

mehr Menschen aus der Kirche aus, als durch Eintritte aus anderen religiösen

Gemeinschaften oder durch Wiederaufnahme von ehemals ausgetretenen Personen

hinzukommen. Da unter den aus der Kirche Austretenden vermehrt junge Er- →

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Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

wachsene sind, die Zahl der Geburten zurück geht und mehr Kirchenmitglieder

sterben als durch Taufe hinzugewonnen werden, kann auf eine wachsende „Überalterung

des Mitgliederbestands” und darüber auf eine „Beschleunigung des Mitgliederschwunds”

geschlossen werden, der freilich auch für die evangelischen

Kirchen gilt. 1 Je weiter man in den Norden und Osten der Bundesrepublik Deutschland

gelangt, umso unwahrscheinlicher wird es, einem Katholiken zu begegnen,

und umso wahrscheinlicher wird es, einen Konfessionslosen zu treffen.

Eine Kirche in fremder Umwelt

In Deutschland zu leben, heißt deshalb, in einer Gesellschaft zu leben, in der die

religiöse Teilung schroffer ist als die Teilung Europas und damit alltäglich erlebbar

wird, dass die Integration der Gesellschaft auch ohne Gemeinsamkeit religiöser

Überzeugungen möglich ist. 2 Für den deutschen Katholiken, dessen offizielle

Kirche ja recht klare sozialethische Gestaltungsvorstellungen hat, bedeutet dies,

erst recht, je weiter er im Norden und Osten des Landes lebt, permanent wahrnehmen

zu müssen, dass Gesellschaft auch ohne seine Konfession funktionieren

kann und muss. Trotz dieser wachsenden Einsicht auch in die Säkularität moderner

gesellschaftlicher Strukturen mutet ihm die deutsche Gesellschaft keineswegs

zu, seine Religion in dem Sinne als Privatsache zu behandeln, als sei es ihm bzw.

ihr verwehrt, öffentlich sichtbar in Erscheinung zu treten, am öffentlichen Diskurs

teilzunehmen oder mit den öffentlichen Institutionen des Staates zu kooperieren,

gar von ihnen unterstützt zu werden. Privatsache ist seine Religion nur insofern,

als angesichts des inzwischen deutlich erkennbaren „Fehlens eines plausiblen und

allgemein verpflichtenden sozialen Modells für die bleibenden, universalen

menschlichen Transzendenzerfahrungen und für die Suche nach einem sinnvollen

Leben” 3 auch dem Katholiken wie jedem anderen ‚Gläubigen’ ein individuelles

Entscheiden in Sachen Religion zugemutet wird.

Eine erodierende Ritualgemeinschaft

In Deutschland zu leben heißt für einen Katholiken aber auch zu erleben, dass

Kirche selbst, zugespitzt gesagt, ohne Gemeinsamkeit religiöser Überzeugungen

und Praxis möglich ist. Besonders in Westdeutschland, dort, wo auch die Mehrheit

der Katholiken lebt, zeigt sich ein von Schüben durchsetzter, alles in allem jedoch

relativ kontinuierlich ablaufender normativer lntegrationsschwund der kirchlich

verfassten Religion. Zunehmend wird die kirchenrechtlich vorgesehene normative

Integration durch eine soziale Integration überlagert, wenn nicht abgelöst. So gehen

2006 etwa 3,6 Mio. katholische Kirchenmitglieder zum sonntäglichen Gottesdienst,

das sind etwa zwei Mio. weniger als 1992, fast vier Mio. weniger als 1981, vier Mio.

weniger als 1971 und acht Mio. weniger als 1966. Immer mehr Katholiken versto-

Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

ßen damit hierzulande Sonntag für Sonntag gegen ein zentrales Kirchengebot, das

sie selbst subjektiv möglicherweise gar nicht mehr als eine Norm interpretieren,

obwohl ihre Gültigkeit sogar kirchenrechtlich verankert ist. Damit verliert diese

Norm an faktischer Geltung, an verbindlicher Verbindlichkeit unter den deutschen

Katholiken, und viele katholische Kirchenmitglieder folgen einer ganz eigenen, kirchenunabhängigen

Sonntagsdramaturgie. Tendenziell geriet damit jede kirchliche

Maßnahme zu einem ‚Angebot’ – ein Bezeichnung, die auch heute in einigen

innerkirchlichen Kreisen noch nicht akzeptiert ist. Faktisch hat die Mehrheit der

Kirchenmitglieder ihre Einstellung in puncto Sonntagsgottesdienst schon längst

von einer norm- und einer überzeugungsbezogenen Grammatik auf eine „erfahrungsund

erlebnisbezogene ‚Plausibilität’” (Hanns-Werner Eichelberger) umgestellt.

Allerdings ist für die deutschen Katholiken auch belegt, dass nur 12% von

ihnen angeben, nie in die Kirche zu gehen. 4 Dieser Anteil an sogenannten ‚nominellen

Kirchenmitgliedern’ ist geringer als etwa in Frankreich und stellt die eindeutige

Minderheit unter den deutschen Katholiken dar. Ihr stehen eine Mehrheit

von sogen. ‚Randmitgliedern’, die nur selten im Jahr zum Gottesdienst gehen

(54%), und ein doch immerhin – auch im Vergleich zu den deutschen Protestanten

– beachtliches Drittel von ‚Kernmitgliedern’ gegenüber, die mindestens ein bis

dreimal im Monat am Sonntagsgottesdienst teilnehmen. Auch für die Katholiken

gilt zunehmend, dass sie, wie gesagt, „vermehrt ereignisorientiert statt habituell

und normorientiert und somit wahlweise am Gottesdienst teilnehmen”. 5 Mit anderen

Worten: Eine situative Integration der Kirchenmitglieder hat die normative

abgelöst. Hierfür spricht auch, dass die Teilnahme an der Ohrenbeichte regelrecht

kollabiert ist und selbst an den Beichtstühlen an Wallfahrtsorten rückläufige

Frequentierungen zu verzeichnen sein sollen. Indem sie die mit der Kirchenmitgliedschaft

verbundenen Normanweisungen unterläuft, zeigt die deutliche Mehrheit

der katholischen Kirchenmitglieder, dass sie immer weniger bereit oder in der

Lage ist, sich eine bestimmte Rolle im Beziehungsgeflecht der Kirche zuweisen zu

lassen und das für ‚Sünde‘ zu halten, was in ihr als Sünde deklariert wird.

Eine schrumpfende Überzeugungsgemeinschaft

Beobachtbar ist tatsächlich nicht nur ein Wachstum an ritueller ‚Devianz‘ der

katholischen Kirchenmitglieder hinsichtlich als zentral definierter Glaubenshandlungen,

welche die Heilsgüter betreffen. Zu nimmt auch die Abweichung im Hinblick

auf kirchlich definierte Heilswahrheiten. Folgt man den jüngsten Ergebnissen des

Religionsmonitors, glauben 20 Prozent der deutschen Katholiken „gar nicht” oder

„wenig” daran, dass es Gott gibt. 6 Der Anteil solcher ‚Agnostiker’ ist freilich unter den

deutschen Protestanten (27%) und z. B. unter den französischen Katholiken (24%)

noch höher. Unter den Letzteren finden sich auch keine Mehrheiten mehr, die an- →

28 29


Aus den Gilden Cartell

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MAYER

geben, „ziemlich” oder „sehr” an die Existenz Gottes zu glauben (ev. D: 42%; kath.

F: 46%). Dies ist (noch) anders bei den deutschen Katholiken, von denen immerhin

knapp zwei Drittel (61%) einen solchen Glauben an die Existenz Gottes habe.

Schaut man genauer hin, wird man allerdings feststellen, dass ihre Gottesvorstellungen

immer weniger eine christliche – etwa personale bzw. theistische – Prägung

haben. Doch unverkennbarer Erosionstendenzen ist das Gottesbild der deutschen

Katholiken weitaus theistischer formatiert als das der französischen Kirchenmitglieder.

Dennoch wird man immer weniger davon ausgehen können, dass die katholische

Kirche in Deutschland durch gemeinsame Glaubensüberzeugungen ihrer Mitglieder

und die Befolgung der Ritualnormen charakterisierbar ist. Weder rituelle

Einheit noch Einheit im Glaubensbekenntnis sind die integrierenden Handlungsund

Orientierungsgrundlagen des Sozialgebildes der Kirche. Die Antwort auf die

Sinnfrage suchen und finden deutsche Katholiken nicht unbedingt in der Kirche.

Sie suchen weitaus eher Rat in persönlichen Gesprächen mit der Familie, mit

Freunden, Bekannten und in Büchern als in kirchlichen Kontakten. 7 Beinahe jeder

dritte deutsche Katholik fühlt sich als Christ, ohne dass ihm die Kirche viel bedeutet,

wenn er sich nicht sogar als religiös definiert, ohne sich als Christ zu fühlen. 8

Was die Katholiken mit den Protestanten, ja mit den Konfessionslosen in Westwie

Ost-Deutschland beinahe bis auf den Prozentpunkt (90 bzw. 89%) verbindet

ist der Konsens in einer autozentrischen, wenn nicht existentialistischen Haltung,

dass das „Leben nur dann einen Sinn hat, wenn man ihm selber einen Sinn gibt”. 9

Eine Kirche mit halb geschlossenem eschatologischen Büro

Dagegen trennen sich die Wege wieder, wenn es um die eschatologische Ausrichtung

des Lebens geht, dass es nämlich „einen Sinn (hat), weil es nach dem Tod noch

etwas gibt”. Diese Aussage wird von mehr als jedem zweiten deutschen Katholiken

(54%), aber nur von jedem dritten deutschen Protestanten (35%) mit Zustimmung

versehen. Dass man diese Aussage nicht ausschließlich eschatologisch interpretieren

muss, zeigt sich bereits darin, dass diese Mehrheit auch unter den befragten

Katholiken in Deutschland abschmilzt, wenn präziser der Glaube an ein Leben

nach dem Tode abgefragt wird. Es ist nicht einmal mehr die Hälfte von ihnen, die

„ziemlich” oder „sehr” an ein Leben nach dem Tode glaubt (48%). Aber auch in

dieser eschatologischen Frage sind die deutschen Katholiken noch ‚glaubensstärker’

als die protestantischen Kirchenmitglieder in Deutschland (31%) oder die

französischen Katholiken (37%). Wenn die Unterscheidung von Immanenz und

Transzendenz, der Glaube an Gott und an ein Weiterleben nach dem Tode das –

zumal von der katholischen Kirche selbst betonte – substantiale religiöse Thema

schlechthin markieren, dann wird man sagen können, dass es auch unter den

katholischen Kirchenmitgliedern in Deutschland einen bemerkenswerten Anteil

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von Menschen gibt, die sich nicht mehr als ‚religiös’ bezeichnen lassen. Und die

Hinweise wachsen, dass die Einschläge ins eschatologische Büro der Kirche gerade

von der älteren Generationen ausgehen 10 – übrigens auch von den Repräsentanten

der Kirche selbst, wenn man ihre Predigtinhalte analysiert. 11 Immer mehr –

auch und gerade ältere – Katholiken in Deutschland folgen einem immanenten

Weltbild. Auffällig ist nämlich nicht nur die hohe Zustimmung zu autozentrischen

bzw. existentialistischen Aussagen (s. oben). Viel auffälliger ist, dass in Deutschland

auch naturalistische Deutungen des Lebenssinns nicht nur von Konfessionslosen

und Protestanten, sondern mit mehrheitlichen Anteilen auch von Katholiken

Akzeptanz erfahren. So stimmen drei Viertel der deutschen Katholiken (74%) dem

Satz („voll und ganz” und „eher”) zu, dass „unser Leben letzten Endes bestimmt

(wird) durch die Gesetze der Natur”, und für immerhin zwei Drittel von ihnen

(65%) ist das Leben auch „nur ein Teil der Entwicklung der Natur”. Noch höher

fällt freilich auch hier die Zustimmung zu diesen Indikatoren naturalistischer Einstellungen

seitens der deutschen Protestanten (80% bzw. 71%) und der deutschen

Konfessionslosen (84% bzw. 81%) aus. Die französischen Katholiken haben ebenfalls

Zustimmungswerte, die an die Zweidrittelmehrheit (64% bzw. 68%) gehen.

Keine missionarische Kirche

Noch stärker als die deutschen Protestanten (66%), aber ähnlich wie die französischen

Katholiken (78%) relativieren die deutschen Katholiken (74%) ihre eigene

Religion, indem sie mehrheitlich davon ausgehen, dass „jede Religion einen wahren

Kern” hat, obwohl sie (22%) – ähnlich wie die deutschen Protestanten (23%)

– weniger synkretismusfreudig zu sein scheinen als die französischen Katholiken.

Letztere sagen nämlich beinahe doppelt so häufig (42%) aus, für sich „selbst auf

Lehren verschiedener religiöser Traditionen zurück” zu greifen. Die Bereitschaft,

„möglichst viele Menschen für meine Religion zu gewinnen”, ist deshalb in beiden

Konfessionen (13 bzw. 12%) nur mäßig, 12 gleichwohl etwas stärker ausgeprägt als

in Frankreich (4%), wo die Aversion gegen ein missionarisches Engagement kaum

mehr zu überbieten ist. Dem entspricht auch der Befund, dass unter den Katholiken

in Frankreich (73%) wie in Deutschland (67%) die Überzeugung, „dass in religiösen

Fragen vor allem meine eigene Religion Recht hat und andere Religionen eher

Unrecht haben”, auf hohe Ablehnung („stimme überhaupt nicht” und „stimme eher

nicht zu”) stößt – eine Einschätzung, die sie mit der Mehrheit der deutschen Protestanten

(71%) weitgehend teilen. So findet auch die heilsexklusivistische Position,

„dass vor allem die Mitglieder meiner eigenen Religion zum Heil gelangen”,

unter katholischen Kirchenmitgliedern in Deutschland (17%) wie in Frankreich

(8%) – ähnlich wie unter den deutschen Protestanten (9%) – kaum Zustimmung.

Dass die Kirche einen Wahrheitsanspruch, die Heilswahrheit schlechthin zu

verkünden hat, hat unter den deutschen Katholiken immer weniger Plausibi- →

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Aus den Gilden Cartell

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MAYER

lität, Resonanz und Rückhalt. Ihnen „fehlt” es an jenen „Gewissheiten, die kein

Wissen bereitzustellen vermag”, was inzwischen auch unter den – vergleichsweise

wenigen – Atheisten in Deutschland Irritationen auslöst und zum Anlass der

Klage wird. 13

Immer größer scheint die Kluft zu werden zwischen dem, was die offiziellen Vertreter

der Kirche für – normativ – gültig halten, und dem, was faktisch gilt, was die

Kirchenmitglieder faktisch glauben und leben. Obwohl eine überdeutliche Mehrheit

der Bevölkerung in Deutschland (73%) – 77% in Westdeutschland und sogar 54%

in Ostdeutschland – die Aussage ablehnt, dass „Kirche und Religion für mich keine

Bedeutung haben”, 14 macht sich eine neue Unbekümmertheit im Umgang mit der

Kirche breit, ohne dass sich deshalb die Mehrheit völlig von ihr abwendet.

Möglicherweise hat die Kirche ihren Mitgliedern doch noch mehr zu bieten als es

sich in Umfragen erfassen lässt.

Prof. Michael N. Ebertz

1 Wolf, Christof: Keine Anzeichen für ein Wiedererstarken der Religion, in: Informationsdienst Soziale Indikatoren

37/Januar (2007), S. 7-11, hier S. 8.

2 Meulemann, Heiner: Religiosität: Die Persistenz eines Sonderfalls, in: Deth, Jan van (Hg.): Deutschland in Europa.

Ergebnisse des European Social Survey 2002-2003, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2004, S. 55-76,

hier S. 61.

3 Luckmann, Thomas: Veränderungen von Religion und Moral im modernen Europa, in: Berliner Journal für

Soziologie 12 (2002), S. 285-293, hier 287.

4 Bertelsmann Stiftung (Hg.): Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2007, Tabellenband S. 26.

5 Institut für Kirchliche Sozialforschung des Bistums Essen (IKSE): Institut für Kirchliche Sozialforschung des Bistums

Essen (IKSE): Gottesdienstteilnahme in Oberhausen 2004. Ergebnisse der „differenzierten” Zählung 2004 im

Längsschnittvergleich, Essen 2005, S. 20.

6 Bertelsmann Stiftung (Hg.): Religionsmonitor, Gütersloh 2008, Tabellenband.

7 MDG – Mediendienstleistungsgesellschaft (Hg.): Trendmonitor religiöse Kommunikation, München 2003, S. 120f.

8 Schulz, Rüdiger: Religiosität und religiöse Praxis von Katholiken in Deutschland. Aktuelle Allensbach-Daten, in:

Damberg, Wilhelm/Liedhegener, Antonius (Hg.): Katholiken in den USA und Deutschland. Kirche, Gesellschaft

und Politik, Münster 2006, S. 296-320, hier S. 314, auf des Basis von Daten des Jahres 2002.

9 Vgl. auch Meulemann, Heiner: Existentialismus, Naturalismus und Christentum. Religiöse Weltbilder in

Deutschland 1982-2007, in: Bertelsmann Stiftung (Hg.): Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2007, S. 104-112,

besonders S. 109f.

10 Vgl. Ebertz, Michael N.: Je älter, desto frömmer? Befunde zur Religiosität der älteren Generation, in: Bertelsmann

Stiftung (Hg.): Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2007, S. 54-63.

11 Vgl. Ebertz, Michael N.: Die Zivilisierung Gottes. Der Wandel von Jenseitsvorstellungen in Theologie und

Verkündigung, Ostfildern 2004.

12 Vgl. Piel, Edgar: Die Kirchenkrise in soziologischer Sicht, in: Breid, Franz (Hg.): Die Kirchenkrise, Steyr: Ennsthaler

Verlag, 1996, S. 9-51, hier S. 46.

13 Schnädelbach, Herbert: Der fromme Atheist, in: Neue Rundschau 118/2 (2007), S. 112-119, hier S. 118f.

14 Vgl. Ebertz, Michael N.: Kirche und Öffentlichkeit – Chancen und Grenzen, in: Ziebertz, Hans-Georg (Hg.): Erosion

des christlichen Glaubens? Umfragen, Hintergründe und Stellungsnahmen zum ‚Kulturverlust des Religiösen’,

Münster: Lit, 2004, S. 15-27, hier S. 15, auf der Basis von: Konrad-Adenauer-Stiftung (Hg.): Religion und Politik,

Bonn: unveröffentlichter Tabellenband, 2002.

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Aus den Gilden Cartell

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Neue Mitglieder der Gesellschaft St. Sebald

Im Jahr 2009 wurden neu aufgenommen:

Philipp Lederer LL.M., Präses P. Peter Linster SJ, Dipl.Ing. Piet Suwita

Auf dem Foto ist von den „Neuen” allerdings nur Pater Linster SJ als Zweiter von rechts zu sehen

(seine Aufnahme fand aus Termingründen schon früher statt), flankiert von den beiden Vorsitzenden

Gerd Lederer (Erster von links) und Dr. Gerhard Lugert (Erster von rechts) sowie Eduard Helldörfer

Wichtig für Handybesitzer: Nummer drauf!

Ein vielleicht lebensrettender Hinweis vom Roten Kreuz und

den Rettungsorganisationen.

Bei einem Verkehrsunfall stellt sich immer wieder heraus, dass die meisten Verletzten ein

Mobil-Telefon bei sich haben. Falls diese Personen aber nicht ansprechbar sind, wissen die

Einsatzkräfte nicht, mit wem sie im Notfall einen Kontakt aufnehmen können.

Ideal wäre, wenn jede(r) in seinem/ihrem Handy-Adressbuch eine oder mehrere Notfall-

Adressen eingibt. Dazu schlagen die Einsatzkräfte vor, mit dem international üblichen „Pseudo”

ICE („In Case of Emergency”) die Rufnummer der Person(en) einzutragen, die im Notfall zu

informieren sind. Bei mehr als einer Person empfiehlt es sich, ICE 1, ICE 2 usw. zu speichern und

kenntlich zu machen.

Stefan Scherer

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Aus den Gilden Cartell

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Paderborn: Meinwerk-Gilde

Ehrenring der Stadt Paderborn für Freund Joseph Vögele

Die Meinwerk-Gilde Paderborn hat eine

besondere Ehre zu vermelden, die ihrem

Vorsitzenden Joseph Vögele zuteil geworden

ist: ihm wurde während einer Feierstunde

im Audienzsaal des ehemaligen

Fürstbischöflichen Schlosses der nur selten

verliehene Ehrenring der Stadt Paderborn

überreicht. Gewürdigt wurden damit seine

Verdienste um die Stadt, nämlich 40 Jahre

Kommunalpolitiker, 14 Jahre stellvertretender

Bürgermeister, viele Jahre Vorsitzender

des Kulturausschusses.

Elmar Sieben

Bericht 2009

Recklinghausen: Petrus-Gilde

v. l.: Laudator Altbürgermeister Willi Lüke,

Bürgermeister Heinz Paus und Joseph Vögele

Jedes Jahr im November zur Jahreshauptversammlung verfasst der Schriftführer

der Petrus-Gilde den Jahresbericht – dieses Jahr zum dreißigsten Mal. Aus der

Periode 2008 – 2009 wurden drei Vorträge ausgewählt, um einen Einblick in das

Geschehen in Recklinghausen zu geben.

Der evangelische Pfarrer, Herr Dr. theol. Manfred Keller, war im Juli mit dem

Thema „Aufbruch statt Abbruch – Erweiterte Nutzung von Kirchen” bei uns zu

Gast. In einem fundierten, mit vielen Aspekten angereicherten Vortrag hat Herr Dr.

Keller Beobachtungen und Überlegungen zur Zukunft bedrohter Kirchengebäude

vorgetragen. In drei großen Teilen wurde die aktuelle Lage beschrieben, und zwar:

• Die gegenwärtige Situation der Kirchen im Blick auf die Mitgliederentwicklung

und Entwicklung kirchlicher Einnahmen;

• Die Besonderheit von Kirchengebäuden an zwei wesentlichen Merkmalen –

nämlich dem Identitätswert und ihrem Symbolwert – zu verdeutlichen und

Aus den Gilden Cartell

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• Im 3. Teil hat er an konkreten Beispielen aufgezeigt, dass die erweiterte

Nutzung von Kirchen ein Modell mit Zukunft sein kann.

Sehr gründlich hat Herr Dr. Keller die aktuelle Situation und die Möglichkeiten

für den Erhalt von Kirchen, die für Städte, Ortsteile und kleinere Orte ein bedeutendes

Identitätszeichen sind, vorgestellt.

Die Haushaltslage vieler Landeskirchen und Diözesen ist besorgniserregend.

Niemand wird die Konflikte in kirchlichen Leitungsgremien unterschätzen, die sich

ergeben aus der Abwägung zwischen Verantwortung für die inhaltliche Arbeit –

auch aus der Situation der Abnahme von kirchlichem Personal – und für die Erhaltung

des Baubestandes. Kirchen besitzen einen Symbolwert als Orte der Begegnung

mit Gott und einem Identitätswert als Bestandteil der Geschichte.

Im September referierte Frau OStD’ e. D. Annemarie Ostermann-Fette vom Mariengymnasium

in Arnsberg zu „Warum leistet sich die katholische Kirche Schulen?

– Eine „reflektion engagée” aus der schulpädagogischen Praxis und Theorie. Katholische

Schulen sehen ihre Aufgabe darin, einen Lebensraum zu schaffen, in dem

der GEIST der FREIHEIT und der LIEBE des Evangeliums lebendig ist. (Text aus

Vatikanischem Konzil). In der Erziehungsenzyklika von 1929 ist dieser Grundsatz

festgelegt.

Grundsätzlich steht das gesamte Schulwesen in Deutschland unter Aufsicht des

Staates. Allerdings räumt das Grundgesetz in Art.7 Abs.4 freien Trägern „das Recht

zur Errichtung von privaten Schulen” ein. Diese Schulen haben in der Regel den Status

von „Ersatzschulen”. Ersatzschulen sind gegenüber staatlichen Schulen gleichwertig,

aber nicht gleichartig. Katholische Schulen bilden die größte Gruppe unter

den Schulen in freier Trägerschaft. Diözesen sind die größten Träger, gefolgt von

einer Vielzahl kath. Ordensgemeinschaften, Gemeindeverbänden, Caritasverbänden,

Elterinitiativen und anderen. In Deutschland gibt es 960 kath. Schulen in freier

Trägerschaft.

Frau Ostermann-Fette hat über „ihre Schule”, das Mariengymnasium Arnsberg

– staatlich genehmigtes Gymnasium in der Trägerschaft des Erzbistums Paderborn

gesprochen. Das Qualitätsbild der Katholischen Schule ist vorgegeben durch die

von der Deutschen Bischofskonferenz formulierten Kriterien. Es sind Schulen

eigener Prägung: die Kirche engagiert sich, um Glaubens-Grundsätze und -Zeugnis

lebendig werden zu lassen. Die Erziehungs- und Bildungsarbeit zielt ab auf die

Förderung einer Gemeinschaft von Schülern, Eltern und Lehrern zur ganzheitlichen

Bildung in seiner sozialen Verantwortung. Eltern bringen sich mit ein in

Gottesdiensten und im Religionsunterricht.


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Aus den Gilden Cartell

RUPERT

MAYER

Das Kollegium der Schule möchte eine erzieherische Gemeinschaft bilden, in

deren Mittelpunkt das christliche Menschenbild steht. In 16 Punkten ist das Leitbild

für die Erziehungs- und Bildungsarbeit festgehalten. In einem für uns interessanten

Film von der Schule über SchülerInnen, die Art des Unterrichtes, das

Engagement, die vielseitigen Möglichkeiten der Vermittlung, die offene Ganztagsbetreuung,

Arbeitsgemeinschaften und Projekte etc. konnten wir uns ein sehr anschauliches

Bild von den durchdachten Bildungsanstrengungen machen.

Warum wird man Priester war das Gespräch im Oktober. Zu Beginn stellten sich

die beiden Priesteramtskandidaten: Werner Knoor (*1964 in Kevelaer) und Holger

Ungruhe (*1983 in Ahaus) vor und berichteten authentisch ihre Entwicklung und

die Beweggründe, warum sie sich dazu entschlossen haben, die in ihrem Innern

gefühlte Berufung zum Priester anzunehmen.

Herr Ungruhe hat uns geschildert, dass er in einem katholischen Elternhaus

aufgewachsen ist, Messdiener wurde, in der Jugendgruppe aktiv war und eine

Freundin hatte, dass es dann aber auch eine Phase gab, wo er sich vom kirchlichen

Leben zurückzog, was im katholisch geprägten Ahaus nach außen hin nur eingeschränkt

sichtbar wurde, da er weiterhin z. B. die Kirchzeitung austrug. Dann kristallisierte

sich aber immer mehr der Wunsch heraus, Priester zu werden. Weil Gott,

Kirche und Glaube ihn immer schon fasziniert hatten, weil die Idee zu dieser

Berufung ihn einfach nicht loslies, weil ihm Menschen begegneten, die ihn

bestärkt und gefördert haben. Inzwischen hat er das Gemeindejahr begonnen, um

danach zum Priester geweiht zu werden.

Herr Knoor ist in einer mehr liberalen Familie aufgewachsen. In Kevelaer, dem

bekannten Wallfahrtsort, nimmt man kirchliche Bräuche, katholisches Leben fast

zwangsläufig wahr. Aber man leitet daraus normalerweise nicht den Wunsch ab,

eine kirchlich geprägte Aufgabe zu übernehmen. Nach dem Abitur wurde er Industriekaufmann,

danach Wirtschaftsinformatiker und später nach einer Ausbildung zum

Programmierer, setzte er den Schwerpunkt auf das Schreiben von SAP-Programmen.

Herr Knoor hatte seinen Wohnsitz schon seit längerem nach Köln verlegt und

war auf die romanische Kirche St. Andreas – ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs

– aufmerksam geworden. Schon bald besuchte er sonntags immer häufiger diese

Kirche, in der anspruchsvolle Gottesdienste gefeiert wurden, auch das regelmäßige

Chorgebet und die Bereitschaft zu geistlichen Gesprächen und aktuellen, interessanten

Vorträgen empfand er als Gewinn. Durch einen Ordensgeistlichen war er für

einige Zeit nach Brasilien gekommen. Dieser Priester engagierte sich dort mit hohem

Einsatz, um den in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Menschen

neue Chancen und geistige, religiöse Perspektiven aufzuzeigen. Diese Begegnung

und der Kontakt zu den Dominikanern in Köln hat dazugeführt, dass die Ausein-

Aus den Gilden Cartell

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andersetzung mit Glaubensfragen und die Idee Priester zu werden, sich bei Herrn

Knoor immer mehr festigte. In 2005 trat er in das interdiözesane Studienhaus

St. Lambert in Lantershofen bei Neuenahr-Ahrweiler ein. Es ist das größte r.-k.

Priesterseminar in Deutschland für Spätberufene. Nach Abschluss im Juli 2009 ist

er jetzt pastoraler Mitarbeiter an St. Peter in RE.

Freund Propst Jürgen Quante (*1948 in Münster) konnte nach mehr als 30 Jahren

als Priester über einen differenzierten Lebenslauf berichten. Er ist mit 4 Brüdern

in einer christlich liberalen Familie aufgewachsen. Schon während seiner Gymnasialzeit

hatte er die Idee, Priester zu werden. In einer Kirche in Münster, wo Franz Kamphaus

und andere „wesensverwandte” Geistliche predigten, bekam er neue, anregende

Glaubensvorstellungen. Nach dem Abitur hat er sich im Borromäum angemeldet,

um sich intensiver mit dem Gedanken auseinander zu setzen, ob die Berufung, die

er zu spüren glaubte, wirklich für sein Leben tragend sein würde. Um Klarheit zu

bekommen für die eigene Berufung brauchte es Zeit, Reflexion, Gebet und das

Hören auf Gott. Als das übliche Freisemester anstand, hat er sich entschlossen,

eine „Auszeit” zu nehmen und Biologie zu studieren. Für die „Oberen im Seminar”

kam dieser Entschluss überraschend. Nachdem er dieses Studium vollendet hatte,

stand für ihn fest, dass er sicher war: „Ich werde Priester”. Die Priesterweihe fand

1978 statt. Die erste Stelle als Kaplan verbrachte er in Ahlen. Es fiel ihm zunächst

schwer, zu predigen, auf Leute zuzugehen, Kontakte zu knüpfen. Dann kam eine

neue Aufgabe und er wurde Spiritual im Kolleg Augustinianum in Goch, das bischöfliche

Internat „Gaesdonck”. Danach folgten 12 Jahre als Diözesanpräses der KfD

und Pfarrverwalter in Greven-Gimpte. Anschließend übernahm er in Ahaus die Gemeinde

St. Maria Himmelfahrt, wo er von einem großen Team in den vielseitigen

Aktivitäten unterstützt wurde. 11 Jahre wirkte er dort gerne und erfolgreich.

2008 wurde er auf eigenen Wunsch noch einmal mit einer neuen Aufgabe betraut:

er wurde Propst und Kreisdechant in der Propstei St. Peter in Recklinghausen.

Bei seiner Einführung in RE hat Propst Quante mitgeteilt, dass er gerne Pfarrer ist.

„Es ist ein schöner Beruf, man lernt Menschen aus allen Generationen kennen und

arbeitet mit ihnen zusammen. Das persönliche Gespräch und das behutsame Herantasten

eröffnen neue Räume, um religiöses Leben sichtbar zu machen.” Sein Ziel

ist es, dass man uns Christen den Glauben glauben kann. Anknüpfungspunkte

sind die Katechese zur Taufe, zur Erstkommunion und zur Firmung. Eine weitere

Chance ergibt sich durch die sonn- und werktägliche Verkündigung.

Die 28 Teilnehmer an diesem Abend haben intensiv und konzentriert zugehört und

waren angeregt von diesem besonderen Abend. Es folgte eine lebhafte Diskussion.

Werner Thüsing

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Sonstiges Cartell

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Hohes Spendenaufkommen

trotz Krise

Studie der GfK Panel Services Deutschland im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. zur „Bilanz des Helfens”

Die Spendenbereitschaft der Deutschen behauptet ihr hohes Niveau auch in der

Wirtschaftskrise. Im vergangenen Jahr 2008 ist das Spendenaufkommen sogar um 82

Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist das Ergebnis der „Bilanz des

Helfens”, einer vom Deutschen Spendenrat e.V. bei der GfK Panel Services Deutschland

in Auftrag gegebenen Studie, die regelmäßig den Spendenmarkt analysiert.

Das Spendenaufkommen für gemeinnützige Organisationen, Hilfsorganisationen

und Kirchen hat sich im Jahr 2008 durchaus positiv entwickelt. Die privaten Geldspenden

haben sich von 2,08 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf rund 2,16 Milliarden

Euro im vergangenen Jahr gesteigert. Das bedeutet ein Plus von 3,9 Prozent.

Im ersten Halbjahr 2009 spendeten die Deutschen insgesamt 847 Millionen

Euro. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres gingen noch 903 Millionen Euro an

Spenden bei den Hilfsorganisationen ein. Im Jahr 2008 war jedoch in den Monaten

Mai und Juni das Spendenaufkommen aufgrund einer großen Flutkatastrophe

in Pakistan, China, Indien und Bangladesch außergewöhnlich hoch. Zudem haben

die Spendenorganisationen weniger Geld für die Aussendung adressierter Spendenbriefe

aufgewendet. Diese Zurückhaltung hat zwar Spendengelder geschont,

bei den Einnahmen in diesem Jahr allerdings auch ein Minus provoziert. Der

adressierte Spendenaufruf ist der größte Auslöser für eine Spende.

Vor allem Menschen über 60 Jahre spenden

Im Gegensatz zu den Vorjahren hat sich die Anzahl der Spender kaum verringert.

Vielmehr blieb die Spenderquote zu Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise

weitgehend konstant. Die zusätzlichen Einnahmen resultieren in erster Linie daraus,

dass die Organisationen spendenbereite Bürger zu mehrmaligem Spenden

motivieren können. Mehr als die Hälfte der Spenden tätigen Menschen über 60

Jahre. Sie sind von Ereignissen wie Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Lohnkürzungen

nicht oder nur in geringem Maße betroffen. Insgesamt ist die Bereitschaft

zu spenden – trotz der Wirtschaftskrise – sogar gestiegen. Dies bestätigt besonders

die Entwicklung im Dezember 2008. Allein der Weihnachtsmonat verzeichnete ein

Plus von 70 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresmonat.

Sonstiges Cartell

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MAYER

Zur Studie

Die „Bilanz des Helfens” ist ein Teilergebnis der Studie GfK Charity*Scope, die

auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen basiert, die teils online und teils

offline bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Panelteilnehmern durchgeführt

werden. Mit GfK Charity*Scope ermittelt die GfK Panel Services Deutschland

im Auftrag des Deutschen Spendenrats e.V. fortlaufend Daten zum Spendenverhalten

von privaten Verbrauchern in Deutschland. Unter anderem werden

Spendenvolumen (Menge und Wert), Spendenhöhe (auch nach Regionen) und bevorzugte

Tätigkeitsbereiche abgefragt. Als Spende zählen die von deutschen

Privatpersonen freiwillig getätigten Geld-, Sach- und Zeitspenden an gemeinnützige

Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen. Ausgeschlossen

sind Spenden an politische Parteien sowie Spenden, die gerichtlich

angeordnet werden.

Zum Deutschen Spendenrat

Der Deutsche Spendenrat e.V. ist ein Dachverband von 64 Spenden sammelnden,

gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre

Hilfe, Umwelt und Tierschutz. Er vertritt diese gegenüber der Öffentlichkeit sowie

staatlichen, politischen und privaten Gremien. Die Mitglieder verpflichten sich auf

einen gemeinsamen Standard in Handeln und Transparenz durch Anerkennung

einer einheitlichen Selbstverpflichtungserklärung.

Einladung

nach Rom

Das neue Jahr rückt näher und damit auch der

65. Todestag von Pater Rupert Mayer am 1. November 2010.

Auf die erste Einladung in der Juni-Ausgabe der „Mitteilungen” hin

haben sich bereits die ersten Interessenten gemeldet, die sich aus diesem

Anlass zuerst nach München begeben wollen, ehe sie nach Rom weiterfliegen.

Wer noch an der Teilnahme interessiert ist, sollte bald ein Signal senden. In Münchens

Bürgersaal-Oberkirche wird ein Gottesdienst stattfinden, „vor Ort” in der Ewigen Stadt

warten dieses Mal neben der Audienz bei Papst Benedikt XVI. noch weitere Anlässe auf

den Besuch, darunter auch eine wiederentdeckte Besonderheit in der Jesuitenkirche

„Il Gesu”. Durchführen würde die Reise wieder das Bayerische Pilgerbüro.

Vorläufige Anmeldungen bitte an: Eduard Helldörfer, Nürnberger Straße 116, 90762 Fürth

bzw. eduard.helldoerfer.fuerth@t-online.de

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Herbstkapitel 2009 in Regensburg Cartell

RUPERT

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v. links: Dr. Klemens Martin, Oberbürgermeister Hans Schaidinger, Landtagspräsident a.D. Alois Glück,

Sidonie Gräfin von Walderdorff, Hans-Jürgen van Schewick

Prachtvoller Rahmen für das Herbstkapitel – der Historische Reichssaal von Regensburg

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