fGOE_2024_02_KOMPLETT_BLÄTTERAUSGABE
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www.faktor-erfolgsgeschichten.de 75. Jubiläumsausgabe 20. Jahrgang Frühjahr Sommer <strong>2<strong>02</strong>4</strong> 8 Euro<br />
› MEHR ALS EIN MAGAZIN<br />
› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN<br />
Erfolgsgeschichte Die Mit Göttingerin seinem unkonventionelle Berliner Jennifer Unternehmen Macherin Crowder Eva hat investiert Kienle ihre Ziele hat der ihren Ex-Göttinger und die Platz Olympischen im Filip KWS-Vorstand Dames Spiele in in Startups gefunden Paris fest wie im Auto1 88 Blick. und Flixbus. 22<br />
20
Unsere Steuerberaterinnen ...<br />
Kanzleileitung<br />
Miriam Engel Dipl.-Kffr.<br />
Steuerberaterin<br />
... stehen für Frauenpower<br />
Das beste Mittel gegen Standardlösungen sind viele verschiedene<br />
Sichtweisen. Und die größten Erfolge für unsere Mandanten erzielen<br />
wir oft, wenn wir in gemischten Teams aus Frauen und Männern<br />
arbeiten. Deshalb verfolgt Quattek & Partner das Ziel, mehr<br />
Frauen in verantwortliche Positionen zu bringen.<br />
Dass wir uns dafür als Unternehmen verändern und weiterentwickeln<br />
müssen, liegt auf der Hand. Homeoffice und zahlreiche Teilzeitmodelle<br />
sind heute schon Standard.<br />
Wir arbeiten daran, das Selbstverständliche zu ermöglichen. So<br />
gehört es bei Quattek & Partner zur täglichen Praxis, Mitarbeiterinnen<br />
und Mitarbeitern die gleichen Chancen zu bieten. Nicht um<br />
eine Quote zu erfüllen. Sondern um Potenziale auszuschöpfen.<br />
Und im Ergebnis noch besser zu werden.<br />
Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.<br />
Steuerberater / ausgeschieden am 31.12.23<br />
Roland Haever Dipl.-Kfm.<br />
Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />
Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.<br />
Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />
Johann-Karl Vietor Dipl.-Kfm.<br />
Steuerberater<br />
Thorsten Kumpe Dipl.-Kfm.<br />
Wirtschaftsprüfer · Steuerberater<br />
Miriam Engel Dipl.-Kffr.<br />
Steuerberaterin<br />
Lutz Becker<br />
Rechtsanwalt<br />
Jan Förster Dipl.-Finw. (FH)<br />
Steuerberater<br />
In Kooperation mit<br />
Quattek & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB · Nikolausberger Weg 49 · 37073 Göttingen · Tel. (05 51) 49 70 1-0 · www.quattek.de
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Vom Büro- zum<br />
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Ich lebe meinen Traum. Auch nach 75 faktor-Ausgaben bin ich sehr dankbar, immer<br />
wieder spannende Menschen und interessante Storys zu entdecken und diese Erfolgsgeschichten<br />
hier im Magazin zu erzählen.<br />
So sind wir durch eine doppelte Empfehlung aus dem regionalen Netzwerk auf den<br />
Hotelier Clemens Ritter von Kempski in Stolberg/Südharz aufmerksam geworden.<br />
Der 61-Jährige machte erst Karriere als Notfallmediziner, um dann als Berater<br />
durchzustarten. Nun möchte er mit seinen zwei Häusern die Hotellerie neu erfinden.<br />
Da wir das Gespräch so spannend fanden, haben wir Baron Kempski auch gleich für<br />
den faktor-Podcast onfire interviewt.<br />
Interviewt haben wir auch die Göttinger Basketballerin Jennifer Crowder, die auf dem<br />
Cover zu sehen ist. Die ehrgeizige Kapitänin der BG-74-Damen und deutsche Nationalspielerin<br />
hat große Chancen, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Da ich auch<br />
ihre Geschichte inspirierend finde, war sie bereits bei unserem faktor-Frühstück zu<br />
Gast, bei dem wir einmal im Monat in einem exklusiven Kreis zusammenkommen.<br />
Jenny Crowder berichtete von ihrem Weg vom ersten Training bis zu der Frage, ob<br />
sie im Sommer <strong>2<strong>02</strong>4</strong> nach Paris reist oder Urlaub machen kann.<br />
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Office.<br />
Die nächste Geschichte können Sie im Heft lesen, weil wir eine sympathische E-Mail<br />
von einer Mitarbeiterin der Katlenburger Kellerei bekamen, die ihre Chefin beim Thema<br />
Top-Frauen vorschlug. Und sie hatte nicht zu viel versprochen. Alexandra Demuth<br />
hat das Traditionsunternehmen in vierter Generation übernommen und ist somit die<br />
erste Frau in der Geschäftsführung. Die 38-Jährige hat sich gegen das Agenturleben in<br />
Hamburg oder New York und für mutige Ideen in der Provinz entschieden.<br />
Besuchen Sie unsere Ausstellung!<br />
JAHRE<br />
COVER & EDITORIAL: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Falls auch Sie Lust haben, nicht nur über Menschen zu lesen, sondern diese live<br />
zu treffen, melden sie sich gern bei mir. Wir schauen dann gemeinsam, ob der<br />
faktor-Club zu Ihnen passt.<br />
Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen beim Lesen dieser Ausgabe und beim Entdecken<br />
der regionalen Erfolgsgeschichten.<br />
Ihr Marco Böhme<br />
Herausgeber<br />
boehme@faktor-magazin.de<br />
P<br />
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Wir denken Büro neu.<br />
an unserem Ausstellungszentrum stehen<br />
ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.<br />
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2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 3
inhalt<br />
32 Die Überzeugungstäterin<br />
Die oberste Polizistin. Tanja Wulff-<br />
Bruhn ist seit mehr als einem Jahr<br />
Polizeipräsidentin in Göttingen. Im<br />
Interview spricht sie darüber, Frauen für<br />
Führungsverantwortung zu motivieren,<br />
und warum sie auch heute noch gern auf<br />
Verbrecherjagd geht.<br />
4 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
service<br />
3 Editorial<br />
8 Momentaufnahmen<br />
Besondere Augenblicke<br />
vergangener Tage<br />
14 Aktuelles<br />
Neues aus der faktor-Redaktion<br />
18 Nachlese<br />
Die 41. faktor-Business-Lounge<br />
114 Impressum<br />
leben<br />
22 Alle Hände voll zu tun<br />
BG-Basketballerin Jennifer<br />
Crowder hat die Chance, mit dem<br />
Nationalteam zu den Olympischen<br />
Spielen nach Paris zu fahren<br />
38 Ein Lied für die Freundschaft<br />
Vor 60 Jahren belebte Barbaras<br />
,Göttingen‘ die deutsch-französische<br />
Freundschaft<br />
48 Head of Fruchtwein<br />
Alexandra Demuth leitet in vierter<br />
Generation und als erste Frau das<br />
Familienunternehmen in Katlenburg<br />
unternehmen<br />
58 Shortlist<br />
Aktuelle Nachrichten aus der<br />
regionalen Wirtschaft<br />
60 125 Jahre Kassebeer<br />
faktor-Partner Kassebeer aus<br />
Northeim feiert in diesem Jahr<br />
Jubiläum und zeigt, wie die Zukunft<br />
aussieht<br />
64 Matsch macht glücklich<br />
faktor blickt hinter die Kulissen des<br />
,Obstacle City Run‘ im August in<br />
Göttingen<br />
FOTO: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
mensch<br />
wissen<br />
faktor erinnert!<br />
60 Jahre ist es her,<br />
dass die französische<br />
Künstlerin Barbara<br />
nach Göttingen kam.<br />
Dabei wollte sie<br />
erst gar nicht. Am<br />
Ende schrieb sie ihren<br />
berühmten Chanson,<br />
der die Freundschaft<br />
beider Länder<br />
nachhaltig beeinflusste<br />
80 Eigene Geschichte schreiben<br />
Mitten im Südharz verwirklicht<br />
Clemens Ritter von Kempski<br />
seine Vision einer modernen<br />
Hotellerie<br />
88 All in<br />
Vom Fußballer zum Deutschen<br />
Meister über 800 Meter:<br />
Luis Oberbeck will zu den<br />
Olympischen Spielen nach<br />
Paris – die Geschichte eines<br />
Durchstarters<br />
106 Fördern und fordern<br />
Ein Förderverein für das ,Forum<br />
Wissen‘ sammelt nicht nur Spenden,<br />
sondern will im Sinne des Hauses<br />
Menschen vernetzen<br />
112 Veranstaltungskalender<br />
Empfehlungen aus der faktor-<br />
Redaktion zu bevorstehenden Events<br />
in der Region
FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA I LUKA GORJUP<br />
80 Der Ritter<br />
48 Bunt und lecker<br />
Die Katlenburger Kellerei feiert im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag. In seiner<br />
jüngeren Geschichte hat das Unternehmen mit bunten Fruchtweinen und süßen Bowlen<br />
für Aufmerksamkeit in den Regalen gesorgt und dabei das Marketing aufgefrischt. Zu<br />
verdanken ist das Alexandra Demuth, die in vierter Generation und als erste Frau die<br />
Geschäftsführung des Familienunternehmens übernommen hat. Sie haben wir getroffen.<br />
Arzt und Hotelier. Clemens Ritter<br />
von Kempski will im Südharz nicht<br />
weniger schaffen, als die Hotellerie zu<br />
revolutionieren. Das wäre aber nicht sein<br />
erster Erfolg.<br />
88 All in<br />
64 Matsch macht glücklich<br />
Hindernisse überwinden. Der ,Great Barrier Run‘ heißt jetzt zwar ,Obstacle City Run‘, doch<br />
das Ziel ist immer noch dasselbe: gemeinsam und sportlich Hindernisse überwinden. Wir<br />
haben mit den Machern hinter der Göttinger Großveranstaltung gesprochen. Sie erzählen uns<br />
von schwarzen Zahlen und davon, woher die Ideen für die (gemeinen) Hindernisse kommen.<br />
Dauerläufer. Luis Oberbeck war<br />
eigentlich Fußballer und gewann<br />
2<strong>02</strong>3 überraschend die Deutschen<br />
Meisterschaften im 800-Meter-Lauf.<br />
Nun bereitet sich der Göttinger auf eine<br />
Teilnahme an den Olympischen Spielen<br />
vor. Uns erzählt er von seinem harten<br />
Training und der Hoffnung auf Paris.<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 5
Magazin<br />
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momentaufnahmen<br />
Momentaufnahmen<br />
faktor lässt besondere Ereignisse in der Region mit<br />
ausgewählten Impressionen Revue passieren.<br />
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Erfolg als Tradition<br />
Die ,Tour de Energie‘ lockte auch in diesem Jahr wieder Tausende Zuschauer und Radfahrer an und auf die<br />
Göttinger Straßen. Zwischen dem Start an der Jahnstraße bis zum Ziel auf der Bürgerstraße erleben die Teilnehmer<br />
die Schönheit des Landkreises – und die Süße des Erfolgs bei der Zieleinfahrt. Die Tour hat mittlerweile<br />
Tradition: Im kommenen Jahr gibt es das Sportevent auf zwei Rädern seit 20 Jahren – das Rennen entstand<br />
2005 als Teil der Niedersachsenrundfahrt.<br />
8 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
momentaufnahmen<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 9
momentaufnahmen<br />
Händel. Pompös.<br />
Auch im Jahr <strong>2<strong>02</strong>4</strong> sind das Werk Händels und seine besondere Wirkung kaum von der<br />
Hand zu weisen. In diesem Jahr präsentierten die Internationalen Händelfestspiele in Göttingen<br />
,Ein junges Weib, dessen Augen das Licht nicht zu empfangen, sondern auszustrahlen<br />
schienen‘. Das Stück – nicht ganz Oper, nicht ganz Kino – das übrigens am 6. September<br />
noch einmal kostenfrei im Freibad am Brauweg auf der Leinwand zu sehen ist, heißt ,Sarrasin‘<br />
und feierte im Mai im Deutschen Theater große Premiere.<br />
10 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
momentaufnahmen<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 11
momentaufnahmen<br />
Göttingen jazzt wieder<br />
Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im<br />
Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den<br />
Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik<br />
und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das<br />
große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.<br />
Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit<br />
DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.<br />
Festspiele für die ganze Familie<br />
Die Gandersheimer Domfestspiele vor der Stiftskirche in der Kurstadt Bad Gandersheim<br />
nehmen gerade erst richtig Fahrt auf. Eine neue Interpretation für Kind und Kegel gibt es<br />
in diesem Jahr mit ,Alice im Wunderland‘ von Sarah Speiser und Jennifer Traum frei nach<br />
Lewis Carroll mit Musik von Ferdinand von Seebach. Gespielt wird bunt, hektisch,<br />
witzig und noch bis zum 11. August.<br />
12 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
momentaufnahmen<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 13
aktuelles<br />
Alexanderpreis für Anna Schlenker und ihren faktor-Artikel<br />
Nachwuchspreis für Beitrag über das Wirken Robert Oppenheimers in Göttingen<br />
Die Autorin Anna Schlenker wurde jetzt mit dem ,Alex<br />
Junior‘, dem neu ausgelobten Nachwuchs-Preis der<br />
Alexanderstiftung ausgezeichnet. Gewonnen hat sie mit<br />
ihrem in der faktor-Winterausgabe 2<strong>02</strong>3/<strong>2<strong>02</strong>4</strong> veröffentlichten<br />
Artikel , Die Spuren Robert Oppenheimers in Göttingen<br />
– damals und heute‘.<br />
Die 24-Jährige ist Masterstudentin an der Universität Göttingen<br />
und studiert ,History of Global Markets‘. Mit dem<br />
,Alex Junior‘ sollen junge und angehende Journalisten ausgezeichnet<br />
werden. Die Bewerber müssen bei der Veröffentlichung<br />
des Beitrags jünger als 25 Jahre alt sein.<br />
Zu den weiteren Preisträgern gehören die Journalisten<br />
Michael Brakemeier, Ulrich Drees, Tammo Kohlwes und<br />
Markus Riese. Die Reihenfolge der Preise wird während der<br />
Preisverleihung am Samstag, den 7. September, um 11 Uhr im<br />
Apex in Göttingen bekannt gegeben.<br />
Herz und Zukunft<br />
Zwei weitere Lounges mit Wolfram-Hubertus<br />
Zimmermann und Gerdum Enders<br />
Die nächste faktor-Business-Lounge findet am Donnerstag,<br />
den 5. September, in Kooperation mit der Georg-August-<br />
Universität Göttingen im neuen Gebäude der GWDG am<br />
Nord-Campus in Göttingen statt. Gast der 42. faktor-<br />
Business-Lounge ist Wolfram-Hubertus Zimmermann.<br />
Professor Zimmermann hat am Universitätsklinikum<br />
Göttingen zusammen mit seinem Team ein Herzmuskel zell-<br />
Pflaster aus Stammzellen entwickelt, das Menschen mit<br />
Herzschwäche im Endstadium helfen soll. Er wird in seinem<br />
Vortrag darüber berichten, wie er aus seinen wissenschaftlichen<br />
Erkenntnissen mit dem Startup Repairon durchstarten und Menschen<br />
helfen möchte.<br />
Und auch den Termin zur 43. faktor-Business-Lounge können Sie<br />
sich bereits vormerken. Am Donnerstag, den 21. November <strong>2<strong>02</strong>4</strong>,<br />
findet sie in Kooperation mit bueroboss/kassebeer in Northeim<br />
statt. Prof. Dr. Gerdum Enders ist ein Experte für Zukunftsstrategien<br />
und wird erzählen, wie Erneuerung in Unternehmen gelingen<br />
kann, und verrät Geheimnisse aus seinem Berateralltag zu der Frage,<br />
wie der Wandel gelingen kann.<br />
Jetzt anmelden unter:<br />
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14 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
aktuelles<br />
Nachfolger gesucht –<br />
Coworking mit faktor ab 16. Juli<br />
Das faktor-Büro in der Berliner Straße 10 in Göttingen ist der perfekte<br />
Arbeitsplatz. Wir sind in einem repräsentativen Gebäude –<br />
auch Arkaden am Gericht genannt – zentral am Bahnhof und nah an<br />
der Innenstadt.<br />
DA WIR NOCH PLATZ HABEN, suchen wir nun kommunikative Untermieter,<br />
die Lust auf Coworking haben. Solche Untermieter hatten<br />
wir mit Oliver Bornemann und Matthias Walter, die den Raum nicht<br />
mehr benötigen. Nun suchen wir Nachfolger! Das Bücherregal mit<br />
Inhalt vermieten wir übrigens mit.<br />
Das Büro eignet sich besonders für Coaches, Kreative und für alle<br />
Einzelkämpfer, die nicht mehr allein arbeiten wollen. Es können sich<br />
auch zwei Personen zusammentun. Der Raum ist 31,12 m² groß und<br />
komplett mit hochwertigen Möbeln wie Schreibtischen, Stühlen und<br />
Sideboard ausgestattet. Zudem teilen wir Gemeinschaftsräume wie<br />
die kleine Küche mit Kaffeemaschine, Kühlschrank und Mikrowelle<br />
sowie den Wartebereich im Eingang und die Toiletten.<br />
Die Brutto-Miete beträgt monatlich 625,00 Euro, los geht es ab<br />
dem 16. Juli <strong>2<strong>02</strong>4</strong>. Falls Sie Interesse an Coworking mit faktor haben,<br />
melden Sie sich unter herausgeber@faktor-magazin.de<br />
Das Bücherregal im faktor-Büro wird direkt mitvermietet. Neben einem<br />
großen Schreibtisch direkt am Fenster bietet der Raum viel Platz<br />
für Besprechungen, Austausch und Ruhe.<br />
Neuer Ansprechpartner<br />
THORSTEN SAWADA verstärkt zum 1. Juli das faktor-Team. Der<br />
56-jährige Göttinger ist im Vertriebsinnendienst für die Bestandskundenbetreuung<br />
und -pflege, die Beratung von Interessenten und<br />
Kunden zu geeigneten Anzeigenformaten und den Anzeigenverkauf<br />
sowie die Terminverfolgung und Auftragsabwicklung zuständig.<br />
Nach seiner Ausbildung als Industriekaufmann bei Carl Zeiss<br />
in Göttingen studierte er in seiner Heimatstadt Betriebswirtschaftslehre<br />
an der Georg-August-Universität. Nach erfolgreichem<br />
Studium war er zunächst schwerpunktmäßig 14 Jahre als<br />
selbstständiger Berater im Finanzdienstleistungsbereich tätig. In<br />
den vergangenen zehn Jahren bekleidete er unterschiedliche Positionen<br />
im Dentalhandel und Gesundheitswesen. Bei faktor freut<br />
sich Thorsten Sawada auf den Kontakt mit den Kunden und darauf,<br />
diese dabei zu unterstützen, in Südniedersachsen regional<br />
bekannter zu werden.<br />
KONTAKT 05513098390<br />
sawada@faktor-magazin.de<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 15
aktuelles<br />
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
faktor-Frühstücksclub<br />
Inspiration zum Sonnenaufgang<br />
Im Frühjahr startete mit dem faktor-Frühstück die erste exklusive<br />
Netzwerkveranstaltung für faktor-Clubmitglieder. Infos zur Mitgliedschaft<br />
finden Sie auf Seite 4. Gäste in den Räumen der Mannamia-<br />
Filiale der Feinbäckerei Ruch in Rosdorf waren unter anderem<br />
Thorsten Ruch, Sebastian Junge vom Athleticum und Basketballerin<br />
Jennifer Crowder.<br />
In kurzen Impulsvorträgen haben sie uns erzählt, wie man Brot verkostet,<br />
was kalte Duschen bewirken und wie die Zukunft des Damen-Basketballs<br />
in Deutschland aussehen kann. Im Anschluss wurde bei einem<br />
gemeinsamen Frühstück genetzwerkt und Erfahrungen wurden ausgetauscht.<br />
Das exklusive faktor-Frühstück für Clubmitglieder findet immer<br />
am ersten Mittwoch des Monats statt.<br />
faktor-Mittagsclub<br />
Der faktor-Mittagsclub findet seit einigen Wochen in neuer<br />
Location statt. Gastgeber ist das Kredo am Göttinger Kiessee.<br />
Neben dem Netzwerken und einem leckerem<br />
Mittagessen stehen kurze Impulsvorträge im Fokus.<br />
So erzählte zuletzt Lutz Reiprich über das Förderprojekt<br />
INQA, das bei der Transformation helfen soll und von dem<br />
auch faktor aktuell profitiert. Schon nach kurzer Zeit ergaben<br />
sich spannende Diskussion dazu, wie herausfordernd es für<br />
die anwesenden Unternehmer derzeit ist, Führung zu übernehmen<br />
und Mitarbeiter mitzunehmen.<br />
Im Mai war Dr. Marko Weinrich von faktor-Partner<br />
Arineo zu Gast und erzählte von seinem Großprojekt der<br />
Employee Owned Company (EOC). Dabei sprach er über die<br />
Idee, wie sie entstand und warum sie gar nichts mit<br />
,Alle sind gleich‘ zu tun hat. Die Teilnehmer fühlten sich<br />
inspiriert und tauschten sich im Netzwerk aus.<br />
Der faktor-Mittagsclub findet immer am letzten<br />
Mittwoch eines Monats statt.<br />
Sie wollen auch dabei sein?<br />
Hier geht es zum faktor-Mittagsclub:<br />
herausgeber@faktor-magazin.de<br />
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
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16 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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Modelle und vollelektrische Modelle. Aktion nur gültig bei Zulassung bis 20.<strong>02</strong>.2<strong>02</strong>5. Eine Verlängerung der Aktion bleibt ausdrücklich vorbehalten.<br />
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Zum Zeitpunkt der Leasingbestellung muss der Kunde der berechtigten Zielgruppe angehören und unter der genannten Tätigkeit aktiv sein.<br />
Zur berechtigten Zielgruppe zählen: Gewerbetreibende Einzelkunden inkl. Handelsvertreter und Handelsmakler nach § 84 HGB bzw. § 93<br />
HGB, selbstständige Freiberufler / Land- und Forstwirte, eingetragene Vereine / Genossenschaften / Verbände / Stiftungen (ohne deren Mitglieder<br />
und Organe). Wenn und soweit der Kunde sein(e) Fahrzeug(e) über einen gültigen Konzern-Großkundenvertrag bestellt, ist er im<br />
Rahmen des Angebots für Audi Businesskunden nicht berechtigt.<br />
Abgebildete Sonderausstattungen sind im Angebot nicht unbedingt berücksichtigt. Alle Angaben basieren auf den Merkmalen des deutschen<br />
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aktuelles<br />
Zalando-Mitgründer Filip Dames inspiriert Gründer und erfahrene Unternehmer<br />
,Homecoming‘ zur 41. faktor-Business-Lounge<br />
Die 41. faktor-Business-Lounge wurde zur großen Homecoming-Party<br />
im Hotel Freizeit In in Göttingen. Als Redner<br />
begrüßten faktor-Herausgeber Marco Böhme und Gast geber<br />
Olaf Feuerstein den ehemaligen Göttinger und Zalando-<br />
Mitgründer Filip Dames. Der 40-Jährige investiert heute mit<br />
seinem Unternehmen ,Cherry Ventures‘ in aufstrebende Startups<br />
wie FlixBus oder Auto1. Seine Erfolgsgeschichte ist in<br />
der f aktor-Frühjahrsausgabe <strong>2<strong>02</strong>4</strong> nachzulesen.<br />
Zurück in seiner Heimat erzählte der ehemalige Sänger<br />
des Göttinger Knabenchors den rund 60 Besuchern von<br />
seinem Optimismus, dass Start-ups mit guten Ideen Europa<br />
voranbringen können, da Deutschland selbst bei Themen<br />
wie Innovation – insbesondere im Bereich Software<br />
und Künstliche Intelligenz – aber nach wie vor hinten ansteht.<br />
Er verriet außerdem, dass er ein gutes Gründerteam<br />
jeder guten Geschäftsidee vorzieht. Dabei berichtete Dames<br />
von den Methoden seines Unternehmens und gewährte<br />
auch Einblicke, wie sein Team selbst investi tions würdige<br />
Startups auswählt.<br />
Im Anschluss hatten drei Gründerteams aus der Region<br />
die Gelegenheit, sich in einem kurzen Pitch von zwei<br />
Minuten vorzustellen. Koiotech, Digity und Lomavis stellten<br />
sich anschließend der Wahl des Publikums. Koiotech<br />
entwickelt KI für die Logistik, Digity bereitet Exoskelette<br />
vor, und Lomavis spezialisiert sich auf das Social-Media-<br />
Marketing.<br />
Filip Dames spricht bei der 41. faktor-Business-Lounge leidenschaftlich über<br />
die Kraft der Innovation – und ihre Folgen. Denn wer nicht mitmacht, bleibt<br />
auf der Strecke.<br />
Das Ergebnis: Gleichstand an der Spitze! Für Claudio<br />
Garcia von Digity und Massoud Koshan von Koiotech<br />
gab es von Olaf Feuerstein dafür einen Gutschein für einen<br />
Tag mit vollem Programm im Freizeit In. Vor allem<br />
aber gab es spannende Gespräche mit anderen Gründerteams,<br />
Unternehmern – und die Telefonnummer von Filip<br />
Dames.<br />
Pitchen sich zum Erfolg. Massoud Koshan von Koiotech (Mitte) und Claudio<br />
Garcia von Digity (2. v. r.) teilen sich den Publikumspreis. Filip Dames (links)<br />
ist begeistert, Olaf Feuerstein (2. v. l.) und Marco Böhme (rechts) sind die<br />
Gastgeber der 41. faktor-Business-Lounge.<br />
18 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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In Groß Ellershausen sind 20 exklusive Eigentumswohnungen verfügbar.<br />
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nsere Wohnungen sind für Menschen,<br />
die ihre Zukunft gesichert wissen möchten“,<br />
betont Frank Psotta von CUBORG2. Deshalb<br />
eint die 20 Wohnungen zwischen 65 und<br />
135 m² Größe, dass Eigentümer auf langfristig<br />
geringe Nebenkosten und Barrierefreiheit vertrauen<br />
können.<br />
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in dem von den CUBORG2-Architekten geplanten<br />
und mit der Kreissparkasse Northeim<br />
entwickelten Objekt in Göttingen/Groß<br />
Ellershausen bieten einen KfW-40-Standard-<br />
Dämmschutz und berücksichtigen viele<br />
Aspekte des Qualitätssiegels Nachhaltiges<br />
Gebäude (QNG). Dank einer guten Trockenbau-Planung<br />
ist eine individuelle Raumgestaltung<br />
insbesondere im Vorfeld kein Problem.<br />
Auch in Sachen Lärmschutz haben Frank<br />
Psotta und sein Team keine Kompromisse<br />
gemacht. Gekapselte Treppenhäuser<br />
und eine zusätzliche Schalldämmung<br />
für den Aufzug sind nur<br />
einige der Aspekte. Die Tiefgarage<br />
ist durchgängig für E-Mobilität ausgestattet.<br />
„Das in der Praxis bewährte Schrägdach“,<br />
führt Frank Psotta aus, „wird von modernen<br />
Elementen, wie z. B. den in Göttingen eher<br />
seltenen Schiebeläden, ergänzt.“ An Details<br />
wie diesen ist den Architektenhäusern anzumerken,<br />
dass sie eher auf Qualitäts- als auf<br />
Kostenoptimierung ausgelegt sind. „Um die<br />
Verwaltung des Gebäudes einfach zu halten“,<br />
so Psotta, „wird es drei Eigentümergruppen<br />
geben.“<br />
Entstanden ist eine attraktive Adresse im<br />
Westen Göttingens, geeignet für Familien und<br />
ältere Menschen mit Sinn für zukunftsorientierte<br />
Lebensqualität. TEXT: ULRICH DREES/CHARAKTER<br />
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faktor-Podcast<br />
Alle zwei Wochen ein inspirierendes Gespräch<br />
faktor Onfire ist der Podcast für Erfolgsgeschichten. Alle zwei Wochen<br />
sprechen Herausgeber Marco Böhme und Redaktionsleiter Christian<br />
Vogelbein mit inspirierenden Menschen aus der Region.<br />
Kornelius Thimm führt in dritter Generation eines der<br />
größten Unternehmen der Region. Neu an der Spitze<br />
der Thimm Holding GmbH + Co. KG schafft er es<br />
zur Amtsübernahme zu Recht auf die Titelseite des<br />
faktor- Magazins im Winter 2<strong>02</strong>2. Damals sprach er mit<br />
uns über die Transformation, vor welcher der Markt<br />
der Ver packungsmittel steht, und darüber, wie die eigene<br />
nachhaltige Zukunft aussieht. Heute fragen wir im<br />
Podcast nach und wollen wissen, wie viel Kornelius<br />
nach Walter und Klaus Thimm mittlerweile im Northeimer<br />
Traditionsunternehmen steckt.<br />
Alica Jacobi ist erfolgreiche Triathletin und heute professionelle Triathlon-Trainerin. Sie berichtet von Reisen als<br />
Jugendliche nach Indien und Südamerika und erklärt, warum sich Menschen der Belastung des Triathlons mit so<br />
großer Leidenschaft aussetzen. Wir erfahren, wie Alica ihre Athleten betreut, Trainingslager organisiert und Sportlern<br />
dabei hilft, ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Außerdem sprachen wir über die Emotionen am Ziel, die Bedeutung<br />
von Körper und Geist im Sport sowie Alicas eigene Reiseerfahrungen und darüber, wie diese sie geprägt haben.<br />
Marc Kerger erzählt im faktor-Podcast, wie er nach der bitteren Niederlage am letzten Spieltag der<br />
Saison 2<strong>02</strong>2/23 geweint hat, als Borussia Dortmund noch die sicher geglaubte Meisterschaft aus<br />
den Händen gegeben hat. Der 52-Jährige ist neuer Vorstand der Einbecker Brauhaus AG und hat die<br />
Nach folge von Martin Deutsch angetreten. Als Führungskraft beim Spirituosenhersteller Hardenberg-<br />
Wilthen AG und beim Traditionsunternehmen Jägermeister kennt sich der gebürtige Dortmunder mit<br />
flüssigen Produkten aus, die eine Geschichte besitzen.<br />
Baron Kempski ist Hotelier und Arzt. Wir haben ihn im Südharz getroffen – die Geschichte dazu<br />
finden Sie auf Seite 80. Im Podcast erzählt er ausführlich von seiner Geschichte vom Arzt zum<br />
Unternehmer. Dabei spricht er offen über die schwierige Beziehung zu seinem Vater und die Werte,<br />
die er heute seinen Kindern mitgeben möchte. Und von seinem ambitionierten Ziel, eine einzigartige<br />
Hotelgeschichte im Südharz zu schreiben.<br />
20 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Verpassen Sie keine neue Folge.<br />
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leben<br />
22 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
leben<br />
Alle Hände<br />
voll zu tun<br />
Seit ihrem ersten Training im Jahr 2005 hat<br />
die Göttingerin Jennifer Crowder eine beeindruckende<br />
Basketballkarriere hingelegt. Mit<br />
der Leidenschaft und dem Ehrgeiz, den sie<br />
von ihrer Großmutter geerbt hat, möchte sie<br />
ihren Traum von den Olympi schen Spielen in<br />
Paris verwirklichen. Abseits des Courts<br />
arbeitet sie an einer Karriere als Anwältin –<br />
und für mehr Aufmerksamkeit für den<br />
Frauenbasketball.<br />
TEXT MATTHIAS BRUNNERT<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 23
leben<br />
ennifer Crowder kann sich noch genau an<br />
den Tag erinnern, an dem sie zum ersten<br />
Mal zu einem Basketballtraining ging. „Das<br />
war am 5. April 2005.“ Ihre inzwischen verstorbene<br />
Großmutter Helga Steinert, die selbst erfolgreich<br />
Basketball gespielt hatte, begleitete sie damals<br />
zum ersten Training. „Das begann um 16 Uhr 15“, sagt<br />
Crowder und muss über die Genauigkeit der Zeit angabe<br />
selbst lächeln. „Mein Zahlengedächtnis ist ziemlich<br />
gut“, sagt die heute 28-Jährige. Dieses erste Training vor<br />
fast 20 Jahren sei ihr vor allem deswegen in Erinnerung<br />
geblieben, weil sie als Neuling von der Trainerin gleich<br />
eine besondere Aufgabe bekam: „Zum Trainingsschluss<br />
musste ich die rituellen Abschiedsworte rufen“, sagt<br />
Crowder. Das durfte damals immer das Kind machen,<br />
das als nächstes Geburtstag hatte. Und das war an diesem<br />
Tag sie. Denn wenige Tage später, am 10. April,<br />
wurde Jenny neun Jahre alt.<br />
SCHON ZWEI MONATE NACH DEM START hatte die<br />
sportliche Karriere der Jungbasketballerin ein erstes<br />
Highlight: Ihr Team nahm am traditionellen Miniturnier<br />
24 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
leben<br />
Eine Führungspersönlichkeit ist Jennifer<br />
Crowder auf und neben dem Platz. Für<br />
die Damenmannschaft der BG Göttingen<br />
übernimmt sie Verantwortung und<br />
etabliert sich als Führungsspielerin auf<br />
und neben dem Platz.<br />
» Das ist die Nummer, mit der<br />
meine Oma jahrelang gespielt hat. «<br />
der BG 74 teil. Welche Trikotnummer sie damals trug,<br />
weiß Crowder heute nicht mehr. „Ich habe mir irgendein<br />
Hemd aus der großen Tüte der Trainerin gegriffen.“<br />
Doch bei der anfänglichen Beliebigkeit der Trikotnummer<br />
blieb es nicht: Schon bald entdeckte Jenny die Nummer<br />
7 für sich. „Das ist die Nummer, mit der meine Oma<br />
jahrelang gespielt hat“, sagt Crowder. Mit der ,7‘ spielt<br />
sie bis heute. Hinzu kam, „dass die älteren Jungen mir<br />
den Ball nie zugepasst haben“. Basketball habe sie deswegen<br />
schnell wieder aufgegeben. Mittlerweile, meint<br />
Crowder, können Kinder aber durchaus mit sechs oder<br />
sieben Jahren beginnen, Basketball zu spielen. Denn<br />
heute könne man in fast allen Hallen die Körbe herunterkurbeln.<br />
„Und es gibt auch kleinere, leichtere Bälle<br />
als früher.“<br />
An diese allerersten, eher unschönen Basketballerlebnisse<br />
denkt Crowder aber nur noch selten. Beim<br />
Thema Basketball geht ihr derzeit eher Erfreuliches<br />
durch den Kopf: die Olympischen Spiele, die Ende Juli in<br />
Paris beginnen. Crowder hofft nämlich, dass sie als<br />
Aktive dabei sein kann. Ob es tatsächlich so weit kommt,<br />
sei aber noch offen.<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 25
leben<br />
» Für mich ist es irgendwie normal, als<br />
Aufbauspielerin die Chefin auf dem Feld zu sein. «<br />
FEST STEHT: CROWDER GEHÖRT ZUM KADER der<br />
Spielerinnen, die Ende Juni mit dem gemeinsamen<br />
Training für die Olympischen Spiiele beginnen werden.<br />
Dieser 20-köpfige Kader werde dann schrittweise verkleinert,<br />
sagt die Aufbauspielerin. Am Ende bleiben<br />
zwölf Frauen übrig. Die Chance, dabei zu sein, beziffert<br />
Crowder mit etwa 50 Prozent. Sie sei jedenfalls körperlich<br />
fit und mental gut auf das Turnier vorbereitet. Und:<br />
Sie will in der Vorbereitungszeit 100 Prozent geben, um<br />
in Paris für Deutschland aufzulaufen. „Für mich ist es<br />
immer toll, Teil der Nationalmannschaft zu sein.“<br />
Falls es mit der Olympiateilnahme nichts werden sollte,<br />
wäre das für Crowder zwar eine Enttäuschung, aber<br />
nichts, was sie aus der Bahn werfen würde. „Entweder<br />
ich fahre nach Paris, oder ich mache Urlaub.“<br />
Trotz der Vorliebe für Basketball möge sie auch andere<br />
Sportarten, sagt Crowder. So habe sie vor einiger<br />
Zeit das Bouldern für sich entdeckt. Die Kletterei mache<br />
ihr viel Spaß und fache ihren Ehrgeiz an. Mit viel Einsatz<br />
spiele sie auch regelmäßig Tischtennis gegen ihren Vater<br />
Richard. Ihr Ehrgeiz bekomme dabei aber genauso regelmäßig<br />
einen Dämpfer: „Denn obwohl er eigentlich<br />
von Haus aus Fußballer ist, spielt er viel besser Tischtennis<br />
als ich.“<br />
Sich selbst charakterisiert sich Crowder als „superehrgeizig“.<br />
Sie gebe „immer Vollgas“. Dabei fühle sie<br />
sich aber auch verantwortlich für das Team. Das liege<br />
nicht zuletzt an ihrer Rolle als Aufbauspielerin. Dabei<br />
stehe sie stets in engem Austausch mit BG-Trainerin Ruzica<br />
Dzankic, für die Crowder nur lobende Worte findet.<br />
„Wir tauschen uns aus, was den Trainingsaufbau und die<br />
Taktik angeht. Das klappt gut.“ Dzankic mache einen<br />
Superjob. Sie sei innerhalb kürzester Zeit aus der Rolle<br />
als Spielerin der BG in die Rolle der verantwortlichen<br />
Trainerin hineingewachsen.<br />
SIE FÜHLE SICH IN IHRER ROLLE SEHR WOHL, sagt<br />
Crowder. „Für mich ist es irgendwie normal, als Aufbauspielerin<br />
die Chefin auf dem Feld zu sein.“ Es liege ihr,<br />
ein Team zu führen. „Ich glaube, dass mein Charakter<br />
das hergibt.“ Und: „Point Guards müssen sagen, wo es<br />
langgeht.“ Diese Rolle, die viel Verantwortung mit sich<br />
bringt, nehme sie gerne an.<br />
Wichtig ist es Crowder aber auch zu betonen, welch<br />
bedeutende Rolle die vielen ehrenamtlichen Helferinnen<br />
und Helfer, Trainerinnen und Trainer für die Nachwuchs-<br />
und Jugendarbeit der BG spielen. Auch sie versuche<br />
an dieser Stelle, etwas beizutragen. Sie kümmere sich,<br />
soweit dies zeitlich möglich ist, um das zweite Frauenteam,<br />
in dem junge Talente entwickelt werden sollen.<br />
„Vor allem beim Individualtraining versuche ich, so viel<br />
mitzuwirken, wie es geht“, sagt Crowder.<br />
TROTZ DER WICHTIGEN ROLLE, die Basketball für sie<br />
spiele, sei der Sport aber nicht alles im Leben der 28-Jährigen,<br />
die einen Hochschulabschluss in Philosophie besitzt<br />
und ein Jurastudium abgeschlossen hat. Als wissenschaftliche<br />
Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl der juristischen<br />
Fakultät arbeitet sie derzeit an ihrer Promotion<br />
zum Thema ,Regulierung institutioneller Investoren seit<br />
der Finanzkrise‘. Zahlen bleiben also ihr Ding. Mittelfristig<br />
strebt sie eine Karriere als Rechtsanwältin an.<br />
26 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
Ihre Karrieren bringt Jennifer Crowder gut unter einen Hut. Die Göttingerin ist Führungsspielerin bei der BG und in der Basketballerinnen-<br />
Nationalmannschaft. Gleichzeitig promoviert sie in Rechtswissenschaften und bereitet sich so auf ein Leben nach dem Sport vor.<br />
Es sei zwar bisweilen schwierig, Leistungssport, Ausbildung<br />
und Beruf unter einen Hut zu bringen, sagt<br />
Crowder, „aber es ist möglich, jedenfalls in Göttingen.“<br />
Die Spielerinnen der BG haben montags frei, von Dienstag<br />
bis Freitag trainieren sie nur abends, dazu am Samstagvormittag.<br />
Die Spiele finden zumeist am Sonntag statt.<br />
„Wenn ich bei einem Team wäre, das auch europäisch<br />
spielt und man dann unter der Woche reisen muss, wäre<br />
das mit der beruflichen Karriere kaum zu vereinbaren“,<br />
sagt Crowder. Ihr sei es jedenfalls grundsätzlich wichtig,<br />
nicht nur im Sport, sondern auch im Beruf voranzukommen.<br />
Hintergrund: „Im deutschen Frauenbasketball gibt<br />
es zwar einige Vereine, die so viel zahlen, dass die Spielerinnen<br />
ihren aktuellen Lebensunterhalt davon bestreiten<br />
können“, üblich seien in der Frauen-Bundesliga allerdings<br />
nur Saisonverträge über acht Monate. Auf den ersten<br />
Blick könnten diese 3.000 Euro netto pro Monat als<br />
„ganz komfortabel“ erscheinen. „Aber was macht man<br />
ohne Ausbildung dann mit 35 Jahren, wenn die Karriere<br />
beendet ist?“ Und ohnehin: „In Göttingen wird deutlich<br />
weniger gezahlt als bei den meisten anderen Clubs.“ Für<br />
sie sei es jedenfalls richtig, Basketball und Beruf zu kombinieren.<br />
Das sei umso wichtiger, als Basketball eine sehr verletzungsträchtige<br />
Sportart sei, sagt Crowder. Sie selbst<br />
habe schon mehrere schwere Fuß- und Knieverletzungen<br />
erlitten. „Linker Fuß und rechtes Knie sind wohl dauerhaft<br />
beeinträchtigt.“ Mehrere Nasenbeinbrüche erwähnt<br />
sie nur am Rande. Überhaupt sei Basketball in<br />
den vergangenen Jahren immer härter geworden, sagt<br />
Crowder.<br />
3X3 MACHT BASKETBALLER POPULÄRER<br />
Hart zur Sache geht es bisweilen auch bei den in jüngster<br />
Zeit immer beliebteren Turnieren im ,Drei-gegen- drei-<br />
Basketball‘, an denen sie in den vergangenen Jahren außerhalb<br />
der eigentlichen Bundesligasaison wiederholt<br />
teilgenommen hat. „Drei gegen drei auf einen Korb<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 27
leben<br />
» Ich liebe das Spiel als<br />
Wettkampfsport im Team.<br />
Es ist cool, Teil einer<br />
Mannschaft zu sein. «<br />
macht viel Spaß. Es ist ein rasantes Spiel.“ Man müsse<br />
viel schneller Entscheidungen treffen als im herkömmlichen<br />
Basketball. „Das macht viel Spaß.“ Zudem könnte<br />
es helfen, den Sport populärer zu machen. „Ich habe<br />
schon gesehen, dass ein solches Feld am Berg und auf<br />
dem Wasser aufgebaut wird“, sagt Crowder, die gerade<br />
erst ein Turnier in Thailand gespielt hat.<br />
DEUTLICH WENIGER FREUDE hat Crowder, wenn es<br />
um die öffentliche Beachtung des Frauenbasketballs in<br />
Deutschland geht. „Im Fernsehen findet er so gut wie<br />
nicht statt“, kritisiert die 28-Jährige. Und selbst in einer<br />
Basketball-Stadt wie Göttingen fänden die Männer<br />
deutlich mehr Beachtung als die Frauen. In anderen Ländern,<br />
etwa in Spanien, sei das anders. Sie würde sich jedenfalls<br />
freuen, wenn Sportfans, die noch nie beim<br />
Frauen basketball waren, mal zu einem Bundesligaspiel<br />
ihres Teams in die FKG-Halle kämen, um sich persönlich<br />
ein Bild zu machen. Dafür möchte sie einstehen und<br />
vorneweg gehen. Unabhängig von einer möglichen<br />
Olympiateilnahme werde der Basketball einen hohen<br />
Stellenwert in ihrem Leben behalten. Denn: „Ich liebe<br />
das Spiel als Wettkampfsport im Team. Es ist cool, Teil<br />
einer Mannschaft zu sein.“ ƒ<br />
ZUR PERSON<br />
Jennifer Crowder (Jahrgang 1996), spielt<br />
seit dem Jahr 2005 Basketball, davon die<br />
meiste Zeit bei der BG 74 Göttingen. Als<br />
Jugendspielerin wurde sie im Team des<br />
Trainerpaares Sonja und Hans Schoen in<br />
der Altersklasse U15 deutsche Meisterin.<br />
Bereits als 15-Jährige schaffte sie den<br />
Sprung in das BG Damenteam (damals<br />
2. Bundesliga). Nach dem Abitur im Jahr<br />
2014 verließ sie Göttingen Richtung<br />
Hessen, wo sie beim Bundesligisten BC<br />
Marburg und mit Doppellizenz beim<br />
Zweit ligateam Bender Baskets Grünberg<br />
aktiv war. 2015 kehrte sie nach Göttingen<br />
zurück. Seither ist sie Spielmacherin des<br />
BG-Teams (heute Medical Instinct Veilchen),<br />
das in der abgelaufenen Saison<br />
trotz eines der niedrigsten Etats der Liga<br />
den Klassenerhalt in der Bundesliga<br />
schaffte. Neben dem Sport studierte<br />
Crowder Philosophie und Rechtswissenschaften<br />
an der Universität Marburg.<br />
Nach den bestandenen Examina erhielt<br />
sie am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht,<br />
Kartellrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht<br />
eine Stelle als wissenschaftliche<br />
Mitarbeiterin. Voraussichtlich im kommenden<br />
Jahr wird sie ihre Promotion abschließen.<br />
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Gleichberechtigung als Standard<br />
Bei HSP STEUER in Göttingen steht der partnerschaftliche Teamgeist im Vordergrund. Zu den Grundlagen des<br />
29-köpfigen Teams gehören optimale Arbeitsbedingungen, offene Kommunikation und hohe Motivation.<br />
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eine fortschrittliche und zukunftsorientierte<br />
Unternehmenskultur, die<br />
sich in der Chancengleichheit und im fairen<br />
Umgang mit allen Mitarbeitenden widerspiegelt.<br />
Trotz einer Branche, die oft noch von<br />
traditionellen Strukturen geprägt ist, ist es für<br />
unsere Kanzlei selbstverständlich, Talente unabhängig<br />
vom Geschlecht zu fördern.<br />
MIT DREI PARTNERN AN DER SPITZE, darunter<br />
Andrea Hungerland als Geschäftsführerin,<br />
demonstriert die Kanzlei, wie Diversität<br />
in Führungspositionen erfolgreich umgesetzt<br />
wird. Die Ernennung von Simone Klare und<br />
Laureen Albers zu Prokuristinnen ist ein Beleg<br />
für unser Bestreben, die besten Talente zu<br />
erkennen und zu entwickeln. Weiter beeindruckend<br />
sind zwei Kolleginnen, die aktuell den<br />
Weg zum Steuerberaterexamen beschreiten.<br />
Die persönliche und berufliche Entwicklung<br />
aller Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt<br />
unseres Handelns. Dies umfasst die Förderung<br />
von Weiterbildungen und die Integration<br />
modernster Technologien wie der Künstlichen<br />
Intelligenz. Flexible Arbeitsmodelle unterstützen<br />
dabei alle Mitarbeitenden, unabhängig<br />
von ihren individuellen Lebensumständen,<br />
und tragen zu einer ausgewogenen Work-Life<br />
Balance bei. Unser Kanzleileitbild, geprägt<br />
vom Leitsatz ,Herz | Stärke | Partnerschaft‘,<br />
wird regelmäßig in Besprechungen thematisiert<br />
und gelebt.<br />
DIE ERFOLGSGESCHICHTEN unserer Mitarbeitenden,<br />
wie jene von Andrea Hungerland,<br />
die sich von der Steuerfachangestellten<br />
zur Geschäftsführerin entwickelt hat, oder<br />
Laureen Albers, die sich zur Steuerberaterin<br />
weiterbildete und zur Prokuristin benannt<br />
wurde, sind Beispiele für die umfassenden<br />
Entwicklungsmöglichkeiten bei HSP STEUER<br />
Göttingen. Wir legen auf Spezialisierung und<br />
kontinuierliche Weiterbildung, etwa in digitaler<br />
Fachassistenz, großen Wert.<br />
Ein weiteres Highlight unserer Personalentwicklung<br />
ist das HSP.PLUS-Programm, das<br />
monatliche Webinare zu Themen wie Kommunikation,<br />
Konfliktmanagement, Zusammenarbeit,<br />
Resilienz und Zeitmanagement bietet.<br />
Diese Angebote sind für alle Mitarbeitenden<br />
offen und werden im Rahmen unserer ganzheitlichen<br />
Personalentwicklung geschätzt.<br />
Die HSP STEUER Göttingen ist nicht nur<br />
ein ausgezeichneter Arbeitsplatz, sondern<br />
auch ein Beispiel dafür, wie echte Gleichberechtigung<br />
in der Praxis gelebt wird. Unsere<br />
Bemühungen bestätigen, dass wir in der Gestaltung<br />
einer inklusiven und zukunftsorientierten<br />
Arbeitswelt eine Schlüsselrolle spielen.<br />
KONTAKT<br />
HSP STEUER Göttingen GmbH<br />
Steuerberatungsgesellschaft<br />
Nicole Bockler<br />
Stresemannstraße 28C<br />
37079 Göttingen<br />
Tel. 0551 820807-33<br />
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Das ICH sind WIR<br />
– nicht nur bei Refratechnik<br />
Personalleiterin Louisa Wetschera setzt Impulse für eine sich ständig<br />
verbessernde Unternehmenskultur bei Refratechnik Cement GmbH.<br />
PROFIL<br />
Sie löscht nicht nur Brände, wenn irgendetwas<br />
in Flammen steht, sie kühlt auch<br />
erhitzte Gemüter runter. Louisa Wetschera<br />
ist Gruppenführerin und aktives Mit <br />
glied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Adeleb<br />
sen. Seit 2<strong>02</strong>2 ist sie Personalleiterin der<br />
Refra technik Cement in Göttingen. Dass es<br />
den 460 Mitarbeitern gut geht, ist für sie<br />
selbstverständlich.<br />
MIT REICHLICH EMPATHIE macht sie viele<br />
Dinge für die Beschäftigten möglich. Am Herzen<br />
liegt Frau Wetschera, dass das Personal<br />
seine Arbeit an die sich ändernden Lebensumstände<br />
anpassen kann und entwickelt<br />
gerade deshalb ein neues, maximalflexibles<br />
Schichtsystem. Nicht zuletzt, weil sie es selbst<br />
praktiziert und davon überzeugt ist, versucht<br />
sie die Wünsche der Belegschaft nach einer<br />
besseren Verbindung von urbaner Arbeitswelt<br />
und Wohnen im ländlichen Raum möglich zu<br />
machen.<br />
GEMEINSAM MIT IHREM MANN fährt sie<br />
leidenschaftlich gern Mountainbike, ist sehr<br />
sportlich und auch die Gesundheit der Mitarbeiter<br />
ist ihr unter anderem ein Bedürfnis.<br />
Sicherlich auch deshalb hat Frau Wetschera<br />
zahlreiche Benefits wie beispielsweise die<br />
subventionierte Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio<br />
eingeführt, die begeistert aufgenommen<br />
wurde.<br />
Louisa Wetschera<br />
KONTAKT<br />
Refratechnik Cement GmbH<br />
Rudolf-Winkel-Str. 1<br />
37079 Göttingen<br />
Tel. 0551-6941-0<br />
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FOTO: CAROLIN LUDWIG FOTOGRAFIE<br />
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leben<br />
Tanja Wulff-Bruhn ,ermittelte‘ ihren ersten<br />
Straftäter schon im Alter von sechs Jahren.<br />
Heute ist sie Polizeipräsidentin in Göttingen<br />
und Vorgesetzte von mehr als 3.000 Mitarbeitern.<br />
Warum sie auch in dieser Funktion noch<br />
Bösewichte im Zug dingfest macht und Frauen<br />
ermutigt, Führungsverantwortung zu übernehmen,<br />
erzählt sie uns nach ihrem ersten Jahr<br />
als oberste Polizistin Göttingens.<br />
Die Überzeugungstä<br />
TEXT MATTHIAS BRUNNERT<br />
FOTOGRAFIE LUKA GORJUP<br />
32 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Tanja Wulff-Bruhn war gerade sechs Jahre<br />
alt, da habe sie ihr erstes Schlüsselerlebnis<br />
mit der Polizei gehabt. „Das war während<br />
eines Urlaubs mit meinen Eltern und<br />
meiner Schwester in Bad Lauterberg im<br />
Harz.“ Zusammen mit ihrem Vater habe sie damals einen<br />
Autoaufbrecher auf frischer Tat beobachtet. „Weil ich mir<br />
das Kennzeichen gemerkt habe, konnte die Polizei den<br />
Täter wenig später festnehmen“, erzählt Wulff-Bruhn.<br />
Zur Belohnung habe sie von den Beamten einen Polizei-Teddybären<br />
bekommen. „Das war damals ganz toll<br />
für mich.“ Wohl auch deshalb habe der Gedanke, später<br />
einmal Polizistin zu werden, sie seit dieser Zeit nicht mehr<br />
losgelassen.<br />
Dabei stamme sie nicht aus einer Polizeifamilie, sagt<br />
Wulff-Bruhn. Im Übrigen hätte es auch näher gelegen,<br />
sich einen Beruf im Rettungswesen zu suchen. „Ich bin<br />
praktisch in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft<br />
groß geworden“, sagt Wulff-Bruhn. Mit ihren<br />
Eltern habe sie sehr früh den Rettungs-Wachdienst der<br />
Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-<br />
Gesellschaft (DLRG) kennengelernt, „und zwar an der<br />
Weser in Vlotho und an zwei großen Badeseen. Sie habe<br />
dort gerne geholfen.<br />
ÜBER UMWEGE ZUR POLIZEI<br />
Der Wunsch, Polizistin zu werden, sei auf Dauer aber<br />
stärker gewesen. Trotzdem wäre aus dem Vorhaben
leben<br />
terin<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 33
leben<br />
beinahe nichts geworden. Denn als Wulff-Bruhn sich<br />
nach dem Abitur für den Polizeidienst in ihrem Heimatbundesland<br />
Nordrhein-Westfalen bewarb, verlief der<br />
Einstellungstest nicht so, wie es sich die junge Bewerberin<br />
vorgestellt hatte: Ihr wurde nach dem Test offenbart,<br />
dass sie – anders als erhofft – nicht für den gehobenen,<br />
sondern ,nur‘ für den mittleren Dienst eingestellt werden<br />
könne.<br />
Die ehrgeizige junge Frau ließ aber nicht locker, fand<br />
für sich eine Lösung. Auch wenn diese einen Umweg bedeutete.<br />
Sie absolvierte eine Ausbildung zur Industriekauffrau<br />
und bewarb sich bei der Polizei in Niedersachsen.<br />
Dort lief es besser: Sie schloss das im Jahr 1997<br />
begonnene Diplomstudium an der damaligen Fachhochschule<br />
der Polizei in Hann. Münden erfolgreich ab.<br />
„Ich habe die Polizeiarbeit – wie man so schön sagt<br />
– von der Pike auf gelernt.“ Sie durchlief zahlreiche Stationen,<br />
bekleidete verschiedene Posten und merkte dabei<br />
immer deutlicher, „dass ich den für mich richtigen Beruf<br />
ergriffen hatte“.<br />
In diesen ersten Jahren habe sie „nicht im Traum daran<br />
gedacht“, welch steilen Karriereweg sie einmal einschlagen<br />
würde. Denn Bereitschaftspolizei und Streifendienst<br />
erfüllten sie vollkommen, das habe sie „sehr, sehr<br />
gerne“ gemacht. Dort wollte sie bleiben. Ein Masterstudium<br />
an der Deutschen Hochschule der Polizei in<br />
Münster-Hiltrup später war der Startpunkt für die Reise<br />
auf der Karriereleiter Stationen bei der Polizei und im Innenministerium<br />
in Hannover führten sie im April 2<strong>02</strong>3<br />
ins Amt der Präsidentin der Polizeidirektion in Göttingen.<br />
Dort ist sie für sechs große Inspektionen und Tausende<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich.<br />
HANNOVER BLEIBT DIE HEIMAT<br />
Nach Göttingen gezogen ist sie allerdings nicht, sagt<br />
Wulff-Bruhn. Vor allem ihren neun und zwölf Jahre alten<br />
Kindern zuliebe habe sie den Wohnsitz südlich von<br />
Hannover behalten. Aber auch sie selbst fühle sich dort<br />
integriert und zu Hause, reist regelmäßig mit dem Zug<br />
dorthin, wo sie gebraucht wird. „Das klappt relativ gut,<br />
wenn bei der Bahn nicht gerade gestreikt wird“, sagt<br />
Wulff-Bruhn. Von Vorteil sei, dass sie unterwegs am Laptop<br />
viel Arbeit erledigen könne. Hinzu komme, dass auch<br />
Kolleginnen und Kollegen dieselben Züge nutzen. „Da<br />
können wir schon mal berufliche Dinge während der<br />
Fahrt besprechen.“<br />
Bisweilen komme es während der Fahrt auch zu Polizeieinsätzen:<br />
„Wenn die Zugbegleiterinnen oder Zugbegleiter<br />
Fahrgäste erwischen, die ohne Fahrschein unterwegs<br />
sind und die Personalienfeststellung verweigern,<br />
fragen sie über Lautsprecher nach, ob jemand von der<br />
Bundes- oder Landespolizei an Bord ist. Wenn nötig,<br />
springe ich dann auch selbst mal ein“, sagt die Polizeipräsidentin,<br />
die – obwohl sie das in ihrer Funktion<br />
nicht müsste – sehr gerne Uniform trägt. „Das zeigt, dass<br />
ich Polizeivollzugsbeamtin bin.“ Ihre Position bringe allerdings<br />
vor allem Verwaltungsaufgaben mit sich, sagt<br />
Wulff-Bruhn. „Ich leite eine große Behörde mit allen Facetten.“<br />
Als Vorgesetzte von fast 2.600 Vollzugsbeamtinnen<br />
und -beamten sowie rund 500 Verwaltungskräften<br />
gehöre nicht nur die ,operative Polizeiarbeit‘ zu ihren<br />
Aufgaben, sondern auch die Personalwirtschaft, die<br />
Bewirtschaftung der Liegenschaften, der Finanzhaushalt<br />
und die strategische Ausrichtung.<br />
Es hilft, „viele Führungsfunktionen in unterschiedlichen<br />
Bereichen der Polizei kennengelernt und dabei die<br />
Mitarbeitendenführung gelernt“ zu haben, sagt Wulff-<br />
Bruhn. „Im Übrigen darf man sich die Arbeit einer Polizeipräsidentin<br />
nicht so vorstellen, als ob ich die gut<br />
3.000 Kolleginnen und Kollegen unmittelbar lenke und<br />
leite. Das wäre eine Nummer zu groß. Wir sind eine breit<br />
aufgestellte Organisation mit vielen Führungskräften.<br />
Aber es ist mir wichtig, dass ich die Impulse gebe.“<br />
VERANTWORTUNG FÜR FRAUEN ATTRAKTIV MACHEN<br />
Wesentlich sei ihr dabei unter anderem das Thema<br />
,Gleichstellung von Mann und Frau bei der Polizei‘.<br />
„Wir beschäftigen uns viel mit dem Thema Frauen in<br />
Führungsfunktionen, aber auch mit Themen wie Führen<br />
in Teilzeit, Organisationskultur und Fehlerkultur.“ Es<br />
gehe dabei vor allem um die Frage: „Führen wir hier mit<br />
Vertrauen oder mit Befehl und Gehorsam? Letzteres<br />
eben nicht!“<br />
„Wir müssen dabei nicht bei Null anfangen“, sagt<br />
Wulff-Bruhn. Die Führungskräfte der Polizeidirektion<br />
Göttingen hätten bereits vor ihrem Amtsantritt den Weg<br />
hin zu einer modernen Organisation beschritten und<br />
zum Beispiel im Themenfeld Gleichstellung viel vorangebracht.<br />
„Da kann ich anknüpfen“, sagt die Präsidentin.<br />
„Fakt ist: Die Kolleginnen und Kollegen, die vor mir an<br />
der Spitze der Polizeidirektion standen, haben für Frauen<br />
in Führungspositionen viel bewegt.“<br />
Dennoch sei in dieser Hinsicht noch manches zu tun.<br />
„Es passiert nicht von allein, dass Männer und Frauen<br />
gleichermaßen in Führungsfunktionen vertreten sind.<br />
Das hat uns die Vergangenheit gelehrt. Deshalb haben<br />
wir uns selbst einen anspruchsvollen und zielstrebigen<br />
Gleichstellungsplan als strategische Zielformulierung erstellt,<br />
um bei der Polizeidirektion Göttingen noch mehr<br />
Kolleginnen in Führungspositionen zu kriegen.“<br />
EIN GROSSES NETZWERK<br />
Die vielfältige und bisweilen auch zeitintensive Aufgabe<br />
der Polizeipräsidentin mit ihren Aufgaben als alleinerziehende<br />
Mutter zu koordinieren, sei bisweilen sehr anspruchsvoll,<br />
sagt Wulff-Bruhn. Sie habe allerdings viel<br />
Unterstützung durch Familie, Freundinnen und Nachbarn.<br />
„Es ist ein großes Netzwerk. Das funktioniert gut.“<br />
Auch sie selbst versuche, sich so weit wie irgend möglich<br />
einzubringen, nicht nur im Freundeskreis, sondern auch<br />
34 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
leben<br />
» Führen wir hier mit Vertrauen oder mit Befehl<br />
und Gehorsam? Letzteres eben nicht! «<br />
beim Sport. Als ehemalige Leistungsschwimmerin engagiere<br />
sie sich für ihren Sport, trainiere regelmäßig Kinder<br />
und Jugendliche und begleite sie am Wochenende zu<br />
Wettkämpfen.<br />
„Manchmal schwimme ich auch selbst noch“, sagt<br />
Wulff-Bruhn. Zudem spiele sie Tennis. „Und ich laufe<br />
auch gerne.“ Erst kürzlich sei sie Mitglied einer Marathonstaffel<br />
gewesen. Und in Göttingen hat die Polizeipräsidentin<br />
im vergangenen Sommer am ,Great Barrier Run‘<br />
teilgenommen, der inzwischen in ,Obstacle City Run‘ umbenannt<br />
wurde. „Ich hatte viel Spaß dabei, aber es ist irgendwie<br />
auch eine Quälerei.“<br />
Ob sie in diesem Jahr wieder an der Veranstaltung teilnehmen<br />
wird, lässt Wulff-Bruhn offen. Fest steht für sie:<br />
„Ich mache meine Arbeit bei der Polizei, die nicht nur ein<br />
Job für mich ist, sondern gewählte Berufung, sehr, sehr<br />
gerne. Ich gehe jeden Tag mit Motivation zum Dienst und<br />
kann mir beruflich nichts anderes vorstellen.“ Damit<br />
möchte sie auch andere Männer und Frauen ermutigen<br />
und inspirieren. ƒ<br />
ZUR PERSON<br />
Tanja Wulff-Bruhn stammt aus Nordrhein-Westfalen.<br />
Nach dem Abitur<br />
machte sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau.<br />
1997 wurde sie in den<br />
niedersächsischen Polizeidienst aufgenommen.<br />
Sie absolvierte ihr Studium<br />
an der Fachhochschule in Hann. Münden.<br />
Anschließend durchlief sie zahlreiche<br />
berufliche Stationen: Bei der<br />
Bereitschaftspolizei, im Einsatz- und<br />
Streifendienst, im Ermittlungsdienst<br />
sowie als Sachbearbeiterin im Behördenstab<br />
der Polizeidirektion Hannover.<br />
Es folgten verschiedene Führungsfunktionen<br />
im gehobenen Dienst,<br />
darunter als Dienstschichtleiterin im<br />
Einsatz- und Streifendienst.<br />
Von 2008 bis 2010 absolvierte<br />
Wulff-Bruhn ein Masterstudium<br />
an der Deutschen Hochschule der<br />
Polizei in Münster-Hiltrup. Danach<br />
übernahm sie die Leitung des Technik-Dezernats<br />
der Polizeidirektion<br />
Osnabrück. Nach der Rückkehr zur<br />
Polizeidirektion Hannover leitete sie<br />
Teile des Einsatzdezernats.<br />
Weitere Stationen waren die Leitung<br />
einer Kriminal-Fachinspektion<br />
in Hanno ver, die Leitung des Polizeikommissariats<br />
Hannover-Lahe sowie<br />
die Leitung der Bereitschaftspolizei-<br />
Hundertschaften in Niedersachsen.<br />
Nach einer Station im Innenministerium<br />
als Leiterin des Referats Einsatz<br />
und Verkehr wurde sie zum 1. April<br />
vergangenen Jahres Chefin der Polizeidirektion<br />
Göttingen.<br />
Wulff-Bruhn wohnt in der Region<br />
Hannover. Sie ist alleinerziehende<br />
Mutter zweier schulpflichtiger Kinder.<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 35
PROFIL<br />
GSPublisherVersion 0.93.100.98<br />
/Volumes/Daten/1 Projekte/A laufende Projekte/GÖ-GLS Groner Landstraße/3 Entwurf/3 CAD/1 aktuelle Version/221130_GÖ-GLS Entwurf.pln • Visualisierungen<br />
GÖ-GLS •<br />
Neubau eines B<br />
ANZEIGE<br />
GÖ-GLS • Groner Landstraße<br />
Neubau eines Büro- und Wohngebäudes<br />
+ 147,90 m ü.NN<br />
1.00 cm<br />
LIEGENSCHAFT<br />
FLURSTÜCK NR.<br />
Groner Landstraße 37, 37081 Göttingen 2069, 2095<br />
BAUHERR<br />
ARCHITEKTEN<br />
FACHSPARTE<br />
Architektur<br />
PLANINHALT<br />
PLANNUMMER<br />
Marion Talmeier<br />
& Dr. Markus Thiele<br />
Leinestraße 37<br />
37073 Göttingen<br />
Tel 055179755351<br />
Baufrösche<br />
Architekten und Stadtplaner GmbH<br />
Lange Straße 90<br />
34131 Kassel<br />
Tel 0561 93799-0<br />
PHASE<br />
Entwurf<br />
DATUM<br />
09.12.2<strong>02</strong>2<br />
UNTERSCHRIFT BAUHERR<br />
UNTERSCHRIFT ARCHITEKT<br />
Die Bauzeichnungen zeigen bereits die Vision. Hier entsteht das Wohn- und Geschäftshaus an der Groner Landstraße<br />
Perspektive 01 - Straßenseite<br />
GÖ-GLS A3 - 9VI_01<br />
/Volumes/Daten/1 Projekte/A laufende Projekte/GÖ-GLS<br />
Stadtvilla<br />
Groner Landstraße/3 Entwurf/3 CAD/1 aktuelle Version/221130_GÖ-GLS Entwurf.pln • Visualisierungen<br />
an der Leine<br />
DIN A 3<br />
.93.100.98<br />
– mehr als nur eine Adresse<br />
MASSSTAB<br />
VISUALISIERUNGEN: BAUFRÖSCHE<br />
LIEGENSCHAFT<br />
Groner Landstraße<br />
BAUHERR<br />
ARCHITEKTEN<br />
FACHSPARTE<br />
Architektur<br />
PLANINHALT<br />
PLANNUMMER<br />
M<br />
&<br />
Le<br />
37<br />
Te<br />
B<br />
Ar<br />
La<br />
34<br />
Te<br />
PH<br />
En<br />
Perspektive<br />
GÖ-GLS A3<br />
In diesem Jahr feiert ImmoRentabel sein fünfzehnjähriges Bestehen. Marion Talmeier, die<br />
Inha berin, hat sich für dieses Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht – den Neubau<br />
eines Wohn- und Geschäftshauses an der Groner Landstraße!<br />
„<br />
Ich bin gespannt auf die Menschen, die<br />
mit uns in der GLS 37 wohnen und arbeiten<br />
werden“, sagt Marion Talmeier.<br />
,GLS 37‘ steht für ein modernes Bauprojekt<br />
an der Leine – für eine Stadtvilla in der<br />
Groner Land straße 37. Bahnhofs- und zentrumsnah<br />
und doch im Grünen, dazu mit gehobenem<br />
Ausbau standard: Das ist die Kombination,<br />
für die sich Talmeier entschieden hat.<br />
Das Wohn- und Geschäftshaus wird für seine<br />
Bewohner mehr als nur ein Mietobjekt sein.<br />
„Es soll ein echtes Zuhause werden“, sagt Talmeier,<br />
„ein Ort zum Arbeiten und Wohlfühlen,<br />
an dem Menschen zu einer Community<br />
zusammenwachsen, die mehr verbindet als<br />
nur eine gemeinsame Adresse.“ 2018 kam die<br />
Idee dazu, erste Entwürfe entstanden. Inzwischen<br />
ist der Rohbau nahezu fertiggestellt.<br />
Talmeier ist öffentlich bestellte und vereidigte<br />
Sachverständige für Grundstücksbewertungen<br />
und Auktionatorin – sie kennt den Immobilienmarkt<br />
und weiß, worauf es ankommt:<br />
„Lebensqualität steht und fällt mit einer guten<br />
Umgebung, im Privaten wie im Beruflichen –<br />
und da setze ich an.“<br />
GEWERBLICHE FLÄCHEN SUCHEN MIETER<br />
Insgesamt stehen in der GLS 37 vier Gewerbeeinheiten<br />
mit dreimal rund 40 und einmal<br />
etwa 25 Quadratmetern zur Verfügung. „Soll-
ANZEIGE<br />
PROFIL<br />
Marion Talmeier ist öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige<br />
für Grundstücksbewertungen und Auktionatorin.<br />
FOTO: MIRIAM MERKEL<br />
» Ich fühle mich bei Marion Talmeier in guten<br />
Händen, und das ist wichtig für mich! «<br />
Stimme einer Kundin<br />
te eine Fläche nicht ausreichen, kann sie mit<br />
anderen kombiniert werden“, sagt Talmeier.<br />
Sie betrachtet nicht nur die Unternehmer aus<br />
der Region als ihre Zielgruppe: „Mit der verkehrsgünstigen<br />
Lage sind die Einheiten ideal<br />
für Gastprofessoren oder Mitarbeiter hiesiger<br />
Unternehmen, die temporär in der Stadt sind.<br />
Die Fläche im Erdgeschoss mit kleiner Terrasse<br />
eignet sich für ein Geschäft oder ein kleines<br />
Café, und im Dachgeschoss könnte ich mir<br />
ein Start-up vorstellen.“<br />
Mit dem Erstbezug profitieren Gewerbewie<br />
Wohnungsmieter von der erstklassigen<br />
technischen Ausstattung und der allen energetischen<br />
Vorgaben entsprechenden Bauweise.<br />
Das voll unterkellerte Projekt bietet einen<br />
ausgewogenen Wohnungsmix: ein bis drei<br />
Zimmer, Wohnflächen von ca. 35 bis 120 Quadratmetern.<br />
Alle Einheiten sind barrierefrei<br />
zu erreichen – zur zeitgenössischen Ausstattung<br />
gehören zudem bodentiefe Fenster, eine<br />
Fußbodenheizung und ein Balkon. In der Erdgeschosswohnung<br />
werden die neuen Mieter<br />
ihren eigenen Garten mit Ausrichtung zur Leine<br />
genießen können. Ebenerdige Fahrradstellplätze<br />
in dem von außen erreichbaren Keller<br />
und jeweils ein Stellplatz in der begrünten Carportanlage<br />
vervollständigen das Mietangebot.<br />
15 JAHRE IMMORENTABEL –<br />
EMOTIONEN, TRÄUME, WÜNSCHE<br />
„Ich bin durchaus ein wenig stolz, seit 15 Jahren<br />
mit meinem Unternehmen als ‚One- Woman-<br />
Show‘ auf dem Markt aktiv und erfolgreich zu<br />
sein.“ Mehr als 450 Mietverträge hat sie seither<br />
in ganz Deutschland für ihre Auftraggeber<br />
unter Dach und Fach gebracht und ist selbst<br />
Vermieterin. „Aus den Erfahrungen der vergangenen<br />
Jahre weiß ich, welche Bedürfnisse<br />
Mieter haben. Diese Bedürfnisse versuche ich<br />
zu erfüllen“, fügt sie hinzu.<br />
Die gebürtige Bochumerin ist inzwischen<br />
zur überzeugten Göttingerin geworden: „Die<br />
Stadt ist mir einfach ans Herz gewachsen,<br />
ihre Menschen, die Stimmung, einfach alles.<br />
Und mein Job macht mir großen Spaß. Ich<br />
blicke hinter so viele Fassaden, und die bestehen<br />
aus viel mehr als nur Steinen. Es sind<br />
Emotionen, Träume und Wünsche, die sich<br />
dahinter vereinen.“<br />
Bei der individuellen Beratung helfen der<br />
ImmoRentabel-Inhaberin auch ihre eigenen<br />
Lebenserfahrungen, um Kundenwünsche umzusetzen:<br />
„Das Leben ist manchmal intensiv.<br />
Das habe ich 2014 nach meinem fünfjährigen<br />
Geschäftsjubiläum selbst erfahren müssen.“<br />
Deshalb hat sie als Sachverständige viel Verständnis<br />
für ihre Kunden, wenn eine Immobilie<br />
etwa im Zusammenhang mit einem Todesfall<br />
oder einer Trennung bewertet werden<br />
muss.<br />
MIT DEM STADTVILLA-PROJEKT fügt sich<br />
für Talmeier beruflich alles zusammen: Projektentwicklung,<br />
Finanzierung, Bauvertragsgestaltung,<br />
steuerliche Optimierung und die<br />
Aufgabe, etwas komplett Neues zu schaffen.<br />
„Ich habe bei der Entwicklung unseres Projekts<br />
unter anderem Mikro-Apartments in den<br />
größeren Metropolen vor Augen gehabt oder<br />
auch an den Büroalltag gedacht, in dem nie<br />
alle Schreibtische besetzt sind.“ Daraus hat<br />
sie ein Konzept entwickelt, das nicht auf immer<br />
mehr Quadratmeter setzt, sondern auf<br />
moderne und nachhaltige Flächen, die durch<br />
geschickte Möblierung vielfältig und den<br />
Situationen entsprechend genutzt werden<br />
können. Als Beispiel nennt sie ein Akademiegebäude<br />
in Freiburg, dessen Erdgeschossbereich<br />
tagsüber als Seminarfläche und abends<br />
als Tanzschule dient.<br />
FÜR TALMEIER GEHT MIT der Realisierung<br />
der Stadtvilla an der Leine ein kleiner Traum<br />
in Erfüllung. „Ich freue mich sehr über das<br />
Projekt und bin sicher, dass sich die künftigen<br />
Mieter wohl fühlen werden.“<br />
Weitere Details werden ab dem 1. Juli <strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
auf www.immorentabel.de veröffentlicht, Anfragen<br />
sind ab dann auch per E-Mail möglich.<br />
KONTAKT<br />
ImmoRentabel<br />
Marion Talmeier<br />
Leinestraße 37<br />
37073 Göttingen<br />
Tel. 0551 79755351<br />
info@immorentabel.de<br />
www.immorentabel.de
mensch leben<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
Die Sängerin Barbara folgte der Einladung nach Göttingen nur widerwillig. Am Ende fühlte sie sich jedoch so inspiriert, dass sie ihr berühmtes Chanson<br />
,Göttingen‘ schrieb und damit maßgeblich die deutsch-französische Freundschaft beeinflusste.<br />
38 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen leben<br />
Barbaras ,Göttingen‘ –<br />
die Hymne der deutschfranzösischen<br />
Freundschaft<br />
Vor 60 Jahren folgte die französische Sängerin Barbara einer Einladung nach<br />
Göttingen nur widerwillig. Trotz anfänglicher Vorbehalte entwickelte sich<br />
ihr Besuch dennoch zu einem bewegenden Erlebnis, das sie dazu inspirierte,<br />
das Chanson ,Göttingen‘ zu schreiben. Das Lied wurde zu einem Symbol der<br />
deutsch- französischen Freundschaft und trug zur Versöhnung der Nationen bei.<br />
TEXT ANNA SCHLENKER<br />
1964folgte die Künstlerin Barbara der Einladung<br />
Gunther Kleins, des Leiters des Jungen Theaters<br />
in Göttingen, nicht nur äußerst widerwillig, sondern<br />
auch mit einigen Vorbehalten und einer heute noch bekannten<br />
Bedingung. Die bekannte Sängerin, die als<br />
Monique Andrée Serf 1930 in Paris geboren wurde, verlangte<br />
für ihren Auftritt in Göttingen die Bereitstellung<br />
eines schwarzen Salonflügels. Erfreut, die erfolgreiche<br />
französische Sängerin von einem Auftritt in Südniedersachsen<br />
überzeugt zu haben, willigte Klein ein. Wie ausgemacht<br />
traf Barbara im Juli desselben Jahres in der<br />
Universitätsstadt ein, bereit, einen Abend lang für das<br />
Göttinger Publikum aufzutreten. Als Klein ihr vor ihrem<br />
Auftritt anbot, ihr die Stadt zu zeigen, lehnte sie jedoch<br />
vehement ab – sie wollte nichts davon sehen. Sie schien<br />
sich sichtlich unwohl zu fühlen – und das besserte sich<br />
auch nicht, als sie sah, was man für sie auf der Bühne<br />
bereitgestellt hatte.<br />
ANSTELLE DES VERLANGTEN FLÜGELS thronte auf der<br />
Bühne ein mächtiges Klavier, welches es der Sängerin unmöglich<br />
machte, ihr Publikum zu sehen – oder von ihm<br />
gesehen zu werden. Barbara weigerte sich, unter diesen<br />
Umständen zu singen, der Flügel sei eine Bedingung für<br />
ihren Auftritt gewesen. Auch die Bitten und Entschuldigungen<br />
des Theaterleiters können sie nicht umstimmen.<br />
In ihren Memoiren beschreibt sie ihr eigenes damaliges<br />
Verhalten nicht als Laune, sondern als eine „absolute<br />
Unmöglichkeit“. Mit zunehmender Verzweiflung erklärte<br />
Gunther Klein ihr die Situation: Aufgrund eines kurzfristigen<br />
Streiks der Klaviertransporteure sei es leider<br />
unmöglich gewesen, den gewünschten Flügel herbeizuschaffen.<br />
Als der Abend weiter voranschritt und sich keine<br />
Lösung abzeichnete, boten sich zehn Göttinger Studenten<br />
an, den Flügel einer alten Dame herbeizubringen. Barbara<br />
schien damit zufrieden. Auch die Tatsache, dass das<br />
Publikum nach wie vor auf seinen Plätzen wartete, schien<br />
sie zu beeindrucken. Gesagt, getan, unter großen Mühen<br />
wurde der versprochene Flügel herbeigeschafft, und die<br />
Sängerin sah sich nun in der Lage aufzutreten. Nach dem<br />
tosenden Applaus, der ihrer Darbietung zu Ehren wurde,<br />
veränderte sich die Haltung der Künstlerin zu Göttingen.<br />
SIE VERLÄNGERTE IHREN AUFENTHALT in der Stadt an<br />
der Leine, besuchte das Haus der Brüder Grimm, deren<br />
Märchensammlung sie aus ihrer eigenen Kindheit kannte,<br />
und verfasste am letzten Tag das berühmte Chanson<br />
,Göttingen‘, welches sie ebenfalls unter großem Beifall<br />
im Jungen Theater vortrug. Aufgenommen wurde es<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 39
leben<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
Der schwarze Flügel war Voraussetzung, damit Barbara (links) überhaupt nach Göttingen kommt. Göttinger Sudenten liehen ihn<br />
von einer älteren Dame aus und besänftigten so die französische Künstlerin.<br />
Die Wirkung dieses Chansons hatten damals wahrscheinlich weder<br />
Barbara noch Gunther Klein erahnt.<br />
40 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
leben<br />
An der Weender Straße pulsierte in den 1960er-Jahren das<br />
Göttinger Musikherz, und auch Barbara verliebte sich in die<br />
Unistadt – und in Deutschland.<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
später in ihrer Heimat in Frankreich. Die Wirkung dieses<br />
Chansons hatten damals wahrscheinlich weder Barbara<br />
noch Gunther Klein erahnt.<br />
In Deutschland mag dieses Lied – außerhalb von Göttingen<br />
– heute nur wenigen bekannt sein. In Frankreich<br />
hingegen feierte Barbara damit einen riesigen Erfolg.<br />
,Göttingen‘ wurde zu einem der wichtigsten Werke ihrer<br />
Karriere und leistete einen wesentlichen Beitrag zur<br />
Völkerverständigung und Aussöhnung von Deutschland<br />
und Frankreich nach 1945. Anlässlich des 40. Jahrestages<br />
des Élysée-Vertrages von 1963 zitierte der damals amtierende<br />
deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder während<br />
einer gemeinsamen Sitzung des Deutschen Bundestages<br />
und der französischen Assemblée Natio nale in Versailles<br />
aus diesem Stück. Damit verknüpfte Schröder zwei<br />
Dimensionen der Aussöhnung zwischen Deutschland und<br />
Frankreich. Einmal die Aussöhnung auf politischer Ebene<br />
und einmal die auf der menschlichen Ebene, welche von<br />
Barbara durch ihr Lied maßgeblich unterstützt wurde.<br />
Durch das Werk von Barbara nahm die Bekanntheit<br />
der Universitätsstadt in Frankreich zu. Tatsächlich aber<br />
waren dies in Göttingens Stadtgeschichte nicht die ersten<br />
Berührungspunkte mit Frankreich.<br />
ANFANG DES 19. JAHRHUNDERTS, als ganz Europa<br />
von den Folgen der Französischen Revolution erschüttert<br />
wurde, erreichten deren Auswirkungen auch die<br />
Stadt an der Leine. Napoleon Bonaparte und seine Feldzüge<br />
hatten unter anderem das Ende des Heiligen Römischen<br />
Reiches Deutscher Nation zur Folge, welchem<br />
auch die Stadt Göttingen als Teil des Kurfürstentums<br />
Hannover angehört hatte – an dessen Stelle trat das<br />
1806 neu gegründete Königreich Westphalen mit der<br />
Hauptstadt Kassel. Die Stadt Göttingen wurde zur<br />
Hauptstadt des Leine-Departements. Westphalen unterstand<br />
damit der Herrschaft von Napoleons Bruder, Jérôme<br />
Bonaparte, der sich mehrmals in Göttingen aufhielt.<br />
Allerdings erfreute sich der neue König keiner großen<br />
Beliebtheit, und die Zeremonien, die seinem Besuch zu<br />
Ehren abgehalten wurden, werden eher als „leidenschaftslose<br />
Pflichtbeflissenheit“ beschrieben.<br />
Fast wäre unter dem französischen System auch die<br />
Georgia Augusta verändert worden, was ihren bis dato<br />
etablierten Organismus praktisch zerstört hätte. Dem<br />
konnte vermutlich auch dadurch entgegengewirkt werden,<br />
dass der dafür zuständige Beamte in Kassel ein ehemaliger<br />
Göttinger Student war.<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 41
leben<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
Im Jungen Theater in Göttingen trat Barbara (4. v. l.) auf.<br />
Indes fiel die Anzahl der Studierenden bis 1809 auf<br />
einen ersten Tiefstand, u. a. weil der Widerstand gegen<br />
die französischen Besatzer vor allem in den akademischen<br />
Kreisen stattfand – wenn meist wohl hinter vorgehaltener<br />
Hand.<br />
Die Besatzungszeit sollte nicht von langer Dauer sein.<br />
Napoleons Herrschaft über Europa endete mit dem verheerenden<br />
Russlandfeldzug, und 1813 wurden auch die<br />
letzten französischen Soldaten aus Göttingen abgezogen.<br />
Das Königreich Westphalen brach zusammen und das<br />
ehemalige Kurfürstentum Hannover, zu dem vor Napoleons<br />
Einmarsch auch Göttingen gehört hatte, wurde<br />
1814 auf dem Wiener Kongress zum Königreich erhoben.<br />
IM JAHR 1914 WURDE IN GÖTTINGEN, wie in vielen anderen<br />
Teilen Deutschlands, der Erste Weltkrieg vorwiegend<br />
begeistert begrüßt, besonders ein Gros der Professorenschaft<br />
hatte sich vom Nationalismus mitreißen<br />
lassen. Doch in der Stadt an der Leine kehrte bald<br />
Ernüchterung ein. Mangel und Hunger wurden immer<br />
häufiger, die Todes- und Vermisstenmeldungen nahmen<br />
zu. Die Spuren des Krieges ließen sich bald auch in Göttingen<br />
ablesen: Im Lönsweg, im heutigen Ebertal, wurde<br />
ein Kriegsgefangenenlager für insgesamt 10.000 Personen<br />
errichtet, die Gefangenen waren größtenteils französische,<br />
belgische und englische Soldaten. 1917 wurden<br />
die französischen Kriegsgefangenen unter anderem als<br />
Zwangsarbeiter für den Bau der Lokhalle eingesetzt.<br />
Das Ende des Krieges, welches nach den Materialschlachten<br />
und dem Steckrübenwinter auch viele Göttinger<br />
Bürger herbeigesehnt hatten, wurde von vielen<br />
Professoren der Georgia Augusta kritisiert. Noch wenige<br />
Tage vor der Kapitula tion hatten Rektor und Senat ein<br />
Telegramm mit Durchhalteparolen an die Reichsregierung<br />
gesandt. Und auch nach 1918 fiel es den Deutschen<br />
sichtlich schwer, die Niederlage des Weltkrieges zu<br />
akzeptieren. Das galt insbesondere für die Professoren<br />
und Studierenden der Georg-August-Universität. Hier<br />
wurde die Demokratie der Weimarer Republik und der<br />
,Schandvertrag‘ von Versailles abgelehnt und kritisiert.<br />
Früh verschob sich in Göttingen das politische Spektrum<br />
nach rechts. Der Hass auf den sogenannten Erbfeind<br />
Frankreich war stärker denn je zu spüren. Die Schmähdemonstra<br />
tionen von 1929 – anlässlich des zehnten Jahrestags<br />
des Friedensvertrags von Versailles – waren nur<br />
ein Beispiel dafür.<br />
National und völkisch gerichtete Organisationen hatten<br />
in Göttingen schon in den frühen 1920er-Jahren viel<br />
Anklang gefunden – 1922 wurde die SA in Göttingen<br />
ge gründet. Daher hatte die NSDAP nach der Ernennung<br />
Hitlers zum Reichskanzler in der Universitätsstadt wenig<br />
Mühe, die während der Weimarer Republik auf gebauten<br />
Machtstrukturen zu zerschlagen. Schnell machten sich in<br />
Göttingen Terror, Verfolgung und Diskriminierung breit,<br />
wie auch eher links gerichtete oder jüdische Angehörige<br />
und Professoren der Universität am eigenen Leib erfahren<br />
mussten. Die NS-Diktatur endete erst 1945 nach<br />
dem verlorenen Zweiten Weltkrieg.<br />
ES WAR DAS LEID, welches die Deutschen über Frankreich<br />
und insbesondere ihre eigene Familie brachten, das<br />
Barbara vor ihrem Auftritt in Göttingen Unbehagen<br />
42 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
leben<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
Die erste Platte mit dem berühmten Chanson erreicht Göttingen 1967.<br />
Im Jahre 1967 kehrte sie noch einmal in die kleine Stadt an der Leine zurück<br />
und trat nun in der ausverkauften Stadthalle auf.<br />
machte. Sie und ihre Familie hatten den Zweiten Weltkrieg<br />
miterlebt, sind vor der Wehrmacht und den drohenden<br />
Deportationen quer durchs Land geflohen. Ihre<br />
Familie wurde dabei mehrfach getrennt, stets mussten<br />
sie Denunzierungen fürchten. Denn Monique Andrée<br />
Serf, die sich erst zum Andenken an ihre Großmutter<br />
Barbara nannte, wurde in eine ukrainischstämmige, jüdische<br />
Familie geboren. Wenn man diesen Umstand bedenkt,<br />
erklärt sich im Nachhinein ihre zunächst ablehnende<br />
Haltung bezüglich Kleins Einladung, in Deutschland<br />
aufzutreten. Weshalb sie letztlich doch zusagte, hat<br />
sie in ihren Memoiren nicht festgehalten. Wahrscheinlich<br />
hat niemand, am wenigsten Barbara selbst, mit dem<br />
Fortgang ihres Aufenthalts, dessen Verlängerung und des<br />
dabei entstehenden Chansons gerechnet.<br />
,Göttingen‘ ist von Barbara als Liebeslied an die Stadt<br />
und deren Bewohner verfasst und gewann in Frankreich<br />
schnell an Bekanntheit. Im Jahr 1967 kehrte die Sängerin<br />
noch einmal in die kleine Stadt an der Leine zurück<br />
und trat nun in der ausverkauften Stadthalle auf. Dieser<br />
Auftritt wurde sogar von dem Radiosender France Inter<br />
live übertragen. 20<strong>02</strong> ließ der damalige franzö sische<br />
Staatssekretär Xavier Darcos das Lied sogar in das offizielle<br />
Schulprogramm der Vor- und Grundschule<br />
aufnehmen, ein wichtiger Grund, weshalb Barbaras<br />
Göttingen-Lied in Frankreich noch heute unter den Jüngeren<br />
bekannt ist.<br />
DIE BESONDERE VERBINDUNG zwischen Göttingen und<br />
Frankreich lässt sich auch in den Städtepartnerschaften<br />
der Stadt Göttingen wiederfinden. Seit 1983 verbindet<br />
Göttingen eine Partnerschaft mit dem französischen Pau,<br />
die noch heute einigen Jugendlichen, insbesondere<br />
Sportlern, einen häufig prägenden Austausch ermöglicht.<br />
Im Jahr 2017 waren beispielsweise junge Radsportler<br />
aus Göttingen in Pau – im Gegenzug besuchten 2018<br />
junge Kanufahrer aus Pau ihre deutsche Partnerstadt<br />
und paddelten auf der Leine.<br />
Umgesetzt wurde dieser Austausch vom Stadtsportbund.<br />
Doch auch die Jugend abteilung der Freiwilli-<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 43
leben<br />
FOTOS: STÄDTISCHES MUSEUM GÖTTINGEN<br />
ZUR PERSON<br />
Barbara, geboren als Monique Andrée<br />
Serf, war eine der bedeutendsten französischen<br />
Chanson-Sängerinnen des<br />
20. Jahrhunderts. Ihre Karriere begann<br />
in den 1950er-Jahren in Pariser Kabaretts,<br />
wo sie schnell durch ihre tief<br />
emotionale und ausdrucksstarke Stimme<br />
bekannt wurde. Ein entscheidender<br />
Moment ihrer Karriere war ihr Auftritt<br />
im Jahr 1964 im Jungen Theater in<br />
Göttingen, bei dem sie das berühmte<br />
Chanson ,Göttingen‘ schrieb. Dieses<br />
Lied wurde ein Symbol der Versöhnung<br />
zwischen Deutschland und<br />
Frankreich und verhalf Barbara zu internationaler<br />
Anerkennung. Barbara<br />
starb am 24. November 1997 in<br />
Neuilly-sur-Seine, Frankreich.<br />
gen Feuerwehr Weende pflegt regelmäßigen Kontakt zu<br />
ihrem Pendant in Pau, und auch viele Schulen sowie die<br />
Georg-August-Universität bieten Austauschprogramme<br />
in die Partnerstadt an. Die Uni unterstützt sowohl deutsche<br />
als auch französische Studierende im Rahmen eines<br />
deutsch-französischen Doppelmasterprogramms.<br />
BARBARA SPIELT AUCH HEUTE NOCH in Göttingen<br />
eine Rolle, so werden beispielsweise Stadtführungen<br />
,Auf den Spuren der französischen Sängerin Barbara‘ angeboten.<br />
Außerdem bietet der Göttinger Tourismusverband<br />
am Tag der deutsch-französischen Freundschaft,<br />
dem 22. Januar, eine Stadtführung auf Französisch an.<br />
Die ,Journée de l'amitié franco-allemande‘ besucht dabei<br />
die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Des Weiteren findet<br />
sich in Göttingen eine Deutsch-Französische Gesellschaft,<br />
die anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des<br />
Élysée-Vertrages eine Ausstellung in der VHS Göttingen<br />
anbot. Die Gesellschaft ist auch auf verschiedenen<br />
sozialen Netzwerken aktiv und informiert und diskutiert<br />
in Lesungen, veranstaltet Ausflüge oder Chanson abende.<br />
Hieran lässt sich gut erkennen, welche besondere Rolle<br />
die deutsch-französische Freundschaft, die eben nicht<br />
zuletzt von der Sängerin Barbara durch ihren Auftritt in<br />
Göttingen vorangetrieben wurde, noch heute spielt.<br />
SICHERLICH WAR ES NICHT Barbaras Absicht, einen<br />
Teil zur Völkerverständigung der beiden schon so lange<br />
verfeindeten Nationen beizutragen. Aber vielleicht war<br />
gerade dies der ausschlaggebende Punkt, weshalb das<br />
Chanson sowohl in Frankreich als auch in Göttingen so<br />
begeistert aufgenommen wurde. Nie sollte es die Vergangenheit<br />
vergessen machen, ganz im Gegenteil. Das<br />
Lied sollte stets daran erinnern, einander vergeben und<br />
in Zukunft ohne Krieg und Verfolgung miteinander in<br />
Europa leben zu können. ƒ<br />
44 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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Wenn weniger Tageslicht<br />
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Die Lichtblick Sonnenschutzsys teme<br />
GmbH aus Heiligenstadt ist<br />
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von Blend- und Sonnenschutzsystemen.<br />
Gefertigt werden<br />
Plissees, Rollos und Jalousien in<br />
der eigenen Produktionsstätte oder<br />
bei ausgesuchten Partnerunternehmen.<br />
,Schlüsselfertig montiert‘<br />
werden alle Produkte von den Spezialisten<br />
des eigenen Montageteams.<br />
faktor: Herr Willig, was hat Lichtblick für Sie<br />
so spannend gemacht?<br />
Jörg Willig: Zuallererst sind es die Menschen,<br />
die Kolleginnen und Kollegen voller Motivation,<br />
Erfahrung, Tatendrang sowie lösungsorientierter<br />
Kreativität. Außerdem mag ich es,<br />
ganzheitlich mit Licht und Schatten zu arbeiten,<br />
innen wie außen, für Gewerbe, Praxis, Hotel<br />
und private Kunden. Neben den genannten<br />
Systemlösungen für Innenräume berate ich<br />
gerne auch für außenliegenden Sonnenschutz<br />
wie Mar kisen, Fenstermarkisen und Sonnensegel.<br />
Außerdem fertigen wir unterschiedliche<br />
Insektenschutzelemente auf Maß.<br />
faktor: Ist Sicht- und Blendschutz im gewerblichen<br />
Bereich ein vernachlässigtes Thema?<br />
Jörg Willig: Ja leider, dieses Thema läuft oft nur<br />
nebenher, dabei hängen die Arbeitsatmosphäre<br />
und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden<br />
auch davon ab. Gesetzliche Vorgaben dazu<br />
sind z. B. in der Arbeitsstättenverordnung geregelt.<br />
Oft werden technisch und gestalterisch<br />
ungeeignete Systeme eingesetzt.<br />
faktor: Was umfasst ein Raumkonzept alles?<br />
Jörg Willig: Wir betrachten den Raum als<br />
Ganzes. Jedes Gebäude, jede Nutzung und<br />
die Bedürfnisse der Mitarbeitenden sind<br />
unterschiedlich. Unsere Schritt-für-Schritt<br />
Analyse klärt unter anderem Thematiken wie<br />
Blendung, Diskretion, Raumklima, Ambiente<br />
und Energieeffizienz. Deswegen stellen wir<br />
viele Fragen, aus denen sich ergibt, welche Lö
PROFIL<br />
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Jörg Willig ist seit rund einem Jahr bei<br />
Lichtblick als Mitarbeiter für die Beratung<br />
und den Vertrieb tätig. Das Thema<br />
Gestaltung und Beratung begleitet ihn<br />
seit der Ausbildung zum Kaufmann.<br />
Nach verschiedenen beruflichen Stationen<br />
war er zuletzt als Geschäftsführer<br />
der Pro Office GmbH - Göttingen tätig.<br />
Die Lichtbblick Firmenzentrale in Heiligenstadt<br />
„Wir betrachten den Raum als Ganzes (...). Deswegen stellen wir viele Fragen,<br />
aus denen sich ergibt, welche Lösungen geeignet sind.“<br />
sungen geeignet sind. Lichtblick bietet neben<br />
Systemlösungen auch Sonderlösungen an,<br />
um für jede Anforderung eine Lösung zu bieten.<br />
Das kann eine Verdunkelungsanlage im<br />
Hotel oder in den Seminarräumen der Universität,<br />
einer Schule oder bei einem Großkunden<br />
der Industrie sein. Auch Laserschutzvorhänge<br />
für die Forschung oder Stoffe mit antibakterieller<br />
Ausstattung für Kliniken ergänzen unser<br />
Portfolio.<br />
faktor: Wie sieht es bei Neubauprojekten aus?<br />
Spielt da das Thema Licht/Schatten eine Rolle?<br />
Sprich, nimmt die Sensibilität für das Thema<br />
zu?<br />
Jörg Willig: Es ist der Normalfall, dass Sonnenschutz<br />
an Fassaden eingeplant wird. Aufgrund<br />
der klimatischen Veränderungen und öffentlichen<br />
Diskussionen findet das Thema zunehmend<br />
stärkere Beachtung. Im Innenbereich<br />
ist dies seltener der Fall. Wir meinen, dass<br />
außen- und auch innenliegender Sonnen<br />
schutz zwingend notwendig ist und frühzeitig<br />
geplant werden soll. Ähnlich wie dies bei<br />
Beleuchtungskonzepten heute schon der Fall<br />
ist. Unsere Beratungsdienstleistung sollte<br />
bestenfalls bereits in der Entwurfsplanung der<br />
Architekten und Bauträger beginnen.<br />
faktor: Wo wollen Sie hin?<br />
Jörg Willig: Wir werden unsere Produktionsanlagen<br />
weiter ausbauen und digitalisieren.<br />
Bestehende Kontakte zu Architekten, Bauträgern,<br />
gewerblichen Kunden wollen wir<br />
pflegen und weiter ausbauen. Private Kunden<br />
wollen wir u. a. durch das Anlegen unseres<br />
Lichtblick Gartens für uns interessieren.<br />
Gerne beraten und informieren wir alle<br />
Interessenten in un serem Showroom zu den<br />
Themen innenliegender und außenliegender<br />
Sonnenschutz. Für den ,Lichtblick-Garten‘ benötigen<br />
wir noch etwas regenfreie Zeit – es<br />
bleibt spannend, und wir werden Sie weiter<br />
auf dem Laufenden halten.<br />
KONTAKT<br />
Lichtblick<br />
Sonnenschutzsysteme GmbH<br />
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unternehmen<br />
Head of<br />
Fruchtwein<br />
Alexandra Demuth übernimmt in vierter Generation und als erste Frau<br />
die Geschäftsführung der traditionsreichen Katlenburger Kellerei. Die<br />
38-Jährige hat sich gegen das Agenturleben in Hamburg oder New York<br />
und für mutige Ideen in der Provinz entschieden. Auch weil die Familie<br />
sie überzeugte. Heute beflügelt sogar ihre sechsjährige Tochter das Unternehmen<br />
mit eigenen Rezepten.<br />
48 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 49
unternehmen<br />
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Auf dem Hof der Katlenburger Kellerei<br />
tanzen Gabelstapler um Lastwagen –<br />
laden, schieben, tragen. Flaschen klirren,<br />
rote, gelbe, grüne Flüssigkeiten<br />
fließen in langhalsige Glasflaschen.<br />
Alexandra Demuth, im weißen Kittel<br />
und mit Haarnetz, schaut ihnen konzentriert<br />
und gleichzeitig etwas verträumt hinterher. Seit<br />
Anfang des Jahres ist die 38-Jährige alleinige Geschäftsführerin<br />
der Katlen burger Kellerei. Das Unternehmen<br />
aus dem Rhumetal ist für fruchtweinbasierte Schaum-,<br />
Honig- und Perlweine, Bowlen, Cocktails in Flaschen<br />
und ausgefallene Mischgetränke bekannt. Seit 2018 arbeitet<br />
die Marketingspezialistin als ,Head of Marketing‘<br />
im Unternehmen – und im kommenden Jahr feiert die<br />
Kellerei ihren 100. Geburtstag, Alexandra Demuth steht<br />
in vierter Generation und erste Frau in der alleinigen<br />
Verantwortung. Auch deshalb klingt das Klirren und<br />
Füllen der Flaschen für ihr Unternehmerinnenherz wie<br />
Musik. „Vor allem aber ist es laut“, sagt sie – und lacht.<br />
BISHER FÜHRTE SIE DAS UNTERNEHMEN gemeinsam<br />
mit ihrem Onkel Klaus Demuth und leitete die Marketingabteilung.<br />
Dort hinterließ sie Spuren und setzte einen<br />
Veränderungsprozess in Gang, der den Fruchtwein<br />
zu einer bunten Marke erhob und junge Zielgruppen<br />
ansprechen soll. „Wir wollen dabei unsere Geschichte<br />
nicht vergessen“, sagt die 38-Jährige, „vor allem aber<br />
auch für Innovation stehen. Und das verbinden wir<br />
jetzt.“ Dabei basiert der Erfolg der Katlenburger schon<br />
immer auf neuen Ideen und Innovationen. Aus einem<br />
ungeplant vergorenen Fass Apfelsaft entstand der erste<br />
Katlenburger Apfel-Schaumwein. Da das auch mit<br />
50 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
In langhalsigen Flaschen finden die Fruchtweine aus Katlenburg ihre Kunden auf der ganzen Welt.<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 51
unternehmen<br />
Bunt, süß, lecker. Mit Fruchtweinen, Sekt und Mischgetränken wie Bowlen machen sich die ,Fruchtweinmacher‘ in der Branche einen Namen.<br />
Wichtig: Farbenfroh muss es sein. Und lecker.<br />
Erdbeeren funktionierte, produzierte das Unternehmen<br />
jahrzehntelang Erdbeer-Sekt. Die Kellerei war die erste,<br />
die Bowlen, Fruchtweine und Cocktails in Flaschen abfüllten.<br />
Heute bedeutet Innovation vor allem Auffallen:<br />
Cocktails nach Rezepturen einer Künstlichen Intelligenz,<br />
mutige Mischungen für jeden Lebensstil und eine Markendarstellung<br />
in sozialen Medien. ,Start-up since 1925‘,<br />
quasi.<br />
DABEI HATTE ALEXANDRA DEMUTH eigentlich gar<br />
nicht vor, jemals das Familienunternehmen zu leiten<br />
oder dort Verantwortung zu übernehmen. „Es war anfangs<br />
nicht Teil meiner Planung, operativ ins Unternehmen<br />
einzusteigen“, sagt sie offen. Ihr Herz schlug für<br />
Marken und Marketing, sie lernte von den mutigsten<br />
und kreativsten Köpfen in Agenturen in Hamburg und<br />
New York. Das Image des Familienunternehmens wirkte<br />
auf sie von außen kaum zeitgemäß. Doch genau darin<br />
erkannte sie auch eine Chance, sich zu verwirklichen<br />
und das Markenbild des Familienunternehmens auf<br />
neue Beine zu stellen. „Als ich das verstanden habe, kam<br />
auch die Leidenschaft“, sagt Alexandra Demuth.<br />
Sie fühlt sich mit ihrem Namen verpflichtet. Und es<br />
fühle sich „gut an“, wenn das Unternehmen weiterhin<br />
von der Familie geführt wird. Dabei blickt sie auf die<br />
Produkte und ihre Präsentation – und holt sinnbildlich<br />
den Besen und einen großen Farbeimer heraus. „Einige<br />
Mitarbeiter wunderten sich, dass wir plötzlich ganz anders<br />
nach außen kommunizieren“, erzählt Alexandra<br />
Demuth. Das sorgte vereinzelt für Verunsicherung, setzte<br />
aber auch Energie frei. „Wir setzen auf unsere Einzigartigkeit.<br />
Davon war ich von Anfang an überzeugt.“ Gegenwind<br />
ob der jungen Frau mit frischen Ideen und dem<br />
Familiennamen spürt sie zu keinem Zeitpunkt. Auch<br />
weil sie auf flache Hierarchien und klare Kommunikation<br />
setzt und Verantwortung dort gedeihen lässt, wo sie<br />
entsteht. Sie fordert aktive Verantwortung ein und<br />
schafft so auch Raum für Kreativität an jedem Arbeitsplatz.<br />
„Die Mitarbeitenden sind die Experten. Darauf<br />
vertraue ich.“<br />
DAS ERGEBNIS, DAS TÄGLICH DIE LAGER UND HALLEN<br />
in Katlenburg verlässt und vom Großlager in Nörten-<br />
Hardenberg aus in ganz Deutschland und der Welt verteilt<br />
wird, ist vor allem ein emotionales Produkt. Ein<br />
Genussmittel. Ein Lebensbegleiter. „Wir schaffen ein<br />
wertiges Konsumerlebnis“, erklärt Alexandra Demuth<br />
den Wert ihrer Produkte. Zu finden sind die Fruchtweine<br />
und Kreationen mittlerweile nicht nur im Getränkefachhandel,<br />
sondern bunt und groß in den Regalen<br />
52 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
Immer der höchsten Qualität auf der Spur. In einem eigenen Labor wird die Produktion des Tages überprüft und<br />
neue Rezepte werden ausprobiert.<br />
» Die Mitarbeitenden sind die Experten. Darauf vertraue ich. «<br />
Moderne Abfüllanlagen. Die Kellerei in Katlenburg ist seit Anfang an Heimat der ,Fruchtweinmacher‘. Hier werden Flaschen abgefüllt und<br />
für den Versand ins Lager oder direkt zu den Kunden bundes- und weltweit vorbereitet.<br />
4|2<strong>02</strong>3 2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 29 53
unternehmen<br />
In der Kellerei in Katlenburg werden die Flaschen abgefüllt. Viele Aufgaben erledigen Maschinen,<br />
das menschliche Auge kontrolliert.<br />
der Supermärkte. Im Fokus stehen dabei nicht mehr nur<br />
der Alkoholkonsum oder die Abendveranstaltung.<br />
Katlenburger produziert Szenegetränke für eine konsumbewusste<br />
Generation. Schmecken soll es. „Wir leben<br />
immer in der Zukunft“, sagt Demuth und beschreibt damit<br />
den Kreativprozess. Logos und Etiketten werden<br />
überarbeitet, neue Produkte geschaffen, alte aus den Regalen<br />
genommen. Statt Flyer zu bedrucken, werden Influencer<br />
mit ins Boot geholt. Ein von Künstlicher Intelligenz<br />
geplanter Cocktail schafft es prominent auf einige<br />
Titelseiten. Kooperationen mit bekannten Marken machen<br />
das Unternehmen aus dem kleinen Ort mit rund<br />
2.000 Einwohnern bekannt.<br />
DER EINFLUSS WIRKT. Der staubige Charme der Barkultur<br />
der 1970er-Jahre weicht einem bunten, jungen<br />
und alltagsnahen Aussehen. Nicht aber ohne die Tradition<br />
zu ignorieren. Die Herkunft. Das Grundgerüst.<br />
„Unser Anspruch ist es, Tradition und Trend miteinander<br />
zu verbinden“, sagt Demuth. Und die Familie. Alle ehelichen<br />
Nachfolger des Gründers Willy Demuth sind berechtigt,<br />
auch Gesellschafter zu werden. „Wir sind<br />
14 Gesellschafter“, erklärt Demuth. Ein Beirat unter<br />
Familienvorsitz hat immer einen Blick auf Zahlen, Daten<br />
und Fakten. Ganz in der Tradition der Familie mischt<br />
auch die jüngste Tochter von Alexandra Demuth, sechs<br />
Jahre alt, schon im Unternehmen mit. Im Büro des Produktionsleiters<br />
hängt ein Bild, das die Tochter gemalt hat<br />
– mit einem eigenen Rezeptvorschlag. Doch das letzte<br />
Wort und die Verantwortung liegt am Ende dann doch<br />
bei ihrer Mutter. Ein weiterer Familienbeirat kümmert<br />
sich um die privaten Angelegenheiten. Bei Familienfeiern<br />
sind beim Genuss die Fruchtweine Thema Nummer eins.<br />
An der langen Tafel werden die neuesten Produkte getestet,<br />
probiert und kritisiert. Auch Klaus Demuth sei<br />
nach wie vor ansprechbar, wenngleich er sich inzwischen<br />
aus Katlenburg zurückgezogen hat und Verantwortung<br />
beim Northeimer Schwesterunternehmen ,Dr. Demuth<br />
Lackfarben‘ übernimmt. Den gemeinsamen Übergang<br />
und die Neuausrichtung der Marken hat er noch begleitet.<br />
Notwendig waren diese Veränderungen nicht nur, um<br />
den Fruchtweinmachern eine neue Richtung zu geben.<br />
Die Übergabe der Verantwortung an die nächste Generation<br />
geschah auch zu einem Zeitpunkt, als die ganze<br />
Welt, wie Alexandra Demuth es sagt, lieber in der Zukunft<br />
leben würde. Pandemie, Krieg in der Ukraine,<br />
Konflikte rund um die Welt. Die Effekte kamen auch in<br />
Katlenburg an. Im Falle der Pandemie aber überraschend<br />
positiv für die Unternehmensbilanz. Denn Corona war<br />
zumindest für den Einzelhandel kein Problem, und der<br />
ist das Kerngeschäft der selbst ernannten ,Fruchtweinmacher‘.<br />
Die Umsätze stiegen, auch weil die Menschen<br />
das Genießen nach Hause verlagerten.<br />
DIE GROSSEN HERAUSFORDERUNGEN folgten erst im<br />
Anschluss. Die weltlichen Konflikte ließen die Rohstoffpreise<br />
steigen. Zwar steigt der Umsatz in Katlenburg,<br />
doch auch die Flaschenpreise und die Kosten für die Zutaten.<br />
Damit das die Kunden kaum spüren, braucht es<br />
unternehmerisches Geschick und Selbst bewusstsein.<br />
„Wir wachsen“, sagt Alexandra Demuth. Denn der Wandel<br />
in der Außendarstellung und das moderne Portfolio<br />
hat auch einen positiven Einfluss auf die Wahrneh-<br />
54 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
» Unser Anspruch ist es, Tradition und Trend miteinander zu verbinden. «<br />
Bunte Labels, bunte Marken finden sich im Regal der Katlenburger Kellerei. Fruchtweine und Mischgetränke finden sich so auch in den Regalen der Märkte.<br />
4|2<strong>02</strong>3 2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 29 55
unternehmen<br />
Marken-Kommunikation auch auf der Straße Die eigenen Lastwagen der Kellerei pendeln<br />
zwischen Abfüllung in Katlenburg und Lager in Nörten-Hardenberg.<br />
» Wir verkaufen vor allem ein Lebensgefühl. «<br />
ZUR PERSON<br />
Alexandra Demuth wurde am 2. Februar 1986 in Kassel<br />
geboren und lebt dort heute mit ihrer Tochter. Nach<br />
dem Abschluss an der freien Waldorfschule in Kassel<br />
und dem Studium in Paderborn bereiste sie die Welt.<br />
Stationen in London, Ecuador, New York und Buenos<br />
Aires führten sie über Hamburg zurück nach Katlenburg.<br />
Seit Anfang <strong>2<strong>02</strong>4</strong> trägt sie Verantwortung in vierter<br />
Generation und als erste Frau in 100 Jahren für die<br />
Katlenburger Kellerei.<br />
mung des Unternehmens auf junge Fachkräfte und<br />
angehende Auszubildende. „Wir bekommen viele Initiativbewerbungen.<br />
Vor allem, weil die jungen Menschen<br />
im Internet sehen, wer wir sind und was wir<br />
machen.“ Viele Bewerbungen kommen aus der Region,<br />
Mitarbeiter empfehlen den Arbeitgeber weiter.<br />
Alexandra Demuths Lebensmittelpunkt ist mit ihrem<br />
Kind in Kassel, wo sie auch aufgewachsen ist.<br />
Zweimal in der Woche arbeitet sie im Homeoffice.<br />
Viel Freizeit bleibt da nicht. Spaziergänge mit der Familie<br />
sind die Ausnahme. „Ich finde es trotzdem wichtig,<br />
dass man sich regelmäßig Zeit für sich selbst<br />
nimmt“, sagt Demuth.<br />
DER VOLLE FOKUS LIEGT AUF DER ZUKUNFT. Diese<br />
ist ähnlich wie bei anderen Getränkeherstellern durchaus<br />
auch alkoholfrei. „Ich finde es falsch zu sagen, es<br />
wird immer Alkohol geben“, sagt Alexandra Demuth.<br />
Die Nachfrage vor allem bei jungen Menschen nach<br />
hochprozentigen Getränken lasse nach. Im Sortiment der<br />
Katlenburger Kellerei finden sich inzwischen viele Produkte<br />
mit wenig oder ganz ohne Alkohol. „Wir verkaufen<br />
vor allem ein Lebensgefühl.“ Dabei kooperiert die<br />
Kellerei inzwischen auch mit anderen bekannten Marken<br />
wie Valensina oder Almdudler, füllen für diese und<br />
andere Marken die Flaschen ab und kümmern sich um<br />
die Logistik. Inzwischen machen alle mit. Verlust gab es<br />
keinen. „Am Ende sind wir alle überzeugt von unserem<br />
Weg“, sagt Alexandra Demuth. ƒ<br />
ZUM UNTERNEHMEN<br />
Die Katlenburger Kellerei GmbH & Co. KG ist ein seit<br />
der Gründung im Jahr 1925 familiengeführtes Unternehmen<br />
mit Sitz in Katlenburg am Harz. Willy Demuth<br />
gründete ursprünglich einen Fruchtsaftbetrieb, der die<br />
Früchte von den familieneigenen Obstplantagen verwertete.<br />
Mitte der 1960er-Jahre übernahm Günter Demuth<br />
das Unternehmen und vergrößerte die Abfüllkapazitäten.<br />
Es wurden leichtere Weine mit weniger Alkoholgehalt<br />
produziert. Mit der Modernisierung der Produktion<br />
begann der Betrieb mit der Abfüllung von Cocktails<br />
aus eigenen Fruchtweinen. Seit 2<strong>02</strong>1 ist neben Klaus<br />
Demuth auch die Urenkelin des Gründers, Alexandra<br />
Demuth, als erste weibliche Geschäftsführerin im Unternehmen<br />
tätig. Seit <strong>2<strong>02</strong>4</strong> führt sie das Unternehmen allein.<br />
Mit Stand <strong>2<strong>02</strong>4</strong> beschäftigt das Unternehmen rund<br />
110 Mitarbeitende und setzt im Jahr 30 Millionen Euro<br />
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St. Martini Krankenhaus Duderstadt<br />
Gesundheitsminister überreicht den<br />
Förderbescheid für den zweiten Bauabschnitt<br />
Messe in Osterode<br />
Meine Zukunft<br />
bin ich!<br />
DIE MESSE ,FRAU UND BERUF‘ in<br />
Osterode ist ein guter Anlaufpunkt,<br />
um wertvolle Informationen zu erhalten<br />
und Kontakte für die eigene<br />
berufliche Zukunft zu knüpfen. Am<br />
28. August <strong>2<strong>02</strong>4</strong> findet die Messe<br />
von 9 bis 13 Uhr in der Stadthalle<br />
Osterode in der Dörgestraße 28 statt.<br />
Frau und Beruf<br />
Weiblich, erfolgreich und sichtbar - meine Zukunft bin ich!<br />
Meine Zukunft bin ich!<br />
„WIR BAUEN AN unserer Zukunft,<br />
an der Zukunft von St. Martini<br />
Duderstadt als Gesundheitszentrum<br />
für unsere Heimatregion“, sagt<br />
Markus Kohlstedde. Zu dieser Zukunft<br />
gehört für den Geschäftsführer<br />
des Krankenhauses die Eröffnung<br />
erster Bauteile des ersten Bauabschnittes.<br />
Im ersten Quartal 2<strong>02</strong>5<br />
werden die interdisziplinäre Notaufnahme,<br />
der zentralisierte Funktionsund<br />
Diagnostikbereich und zwei<br />
Stationen in Betrieb gehen.<br />
Für den folgenden zweiten Bauabschnitt<br />
überreichte Niedersachsens<br />
Gesundheitsminister Andreas Philip<br />
pi im April den zwei Millionen<br />
Euro umfassenden Förderbescheid.<br />
Das Geld wird für einen leistungsfähigen<br />
Operationsbereich mit drei<br />
OP-Sälen, ein neues Herzkatheterlabor<br />
und eine neue Zentralsterilisation<br />
eingesetzt. „Damit sind wir bes-<br />
58 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
tens aufgestellt, um die Gesundheitsversorgung<br />
der Menschen im Eichsfeld<br />
langfristig zu sichern“, sagt<br />
Kohlstedde.<br />
Das St. Martini Krankenhaus<br />
gehört zum Elisabeth-Vinzenz-Verbund<br />
(EVV). In Duderstadt werden<br />
jährlich mehr als 7.000 stationäre<br />
und ungefähr 17.700 ambulante Patientinnen<br />
und Patienten versorgt.<br />
Diese Versorgung möchte der Minister<br />
mit der Förderung auch für die<br />
Zukunft ermöglichen: „Mit der Investition<br />
wollen wir sicherstellen,<br />
dass die Krankenhäuser nicht nur<br />
heute, sondern auch morgen für die<br />
Bedarfe der Patientinnen und Patienten<br />
ausgestattet sind. Bei den Umbaumaßnahmen<br />
werden nicht nur<br />
notwendige Modernisierungen bedacht,<br />
es wurde auch die Frage gestellt,<br />
wie effizienteres Arbeiten<br />
möglich ist.“<br />
Sie bietet Wissenswertes zu Themen<br />
wie Weiterbildung, Qualifizierung,<br />
beruflicher (Wieder-)Einstieg und finanzielle<br />
Familienleistungen. Experten<br />
stehen für individuelle Fragen<br />
zur Verfügung, und es besteht die<br />
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Möglichkeit, direkt mit regionalen<br />
Stadthalle Osterode, Dörgestraße 28, 37520 Osterode<br />
Betrieben<br />
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Kontakt<br />
Finanzielle Hilfen<br />
zu<br />
für Familien<br />
treten.<br />
Ab 9.30 10:00 Uhr Uhr │ Betriebe finden aus der Region Vorträge im Gespräch statt:<br />
Zu Beginn geht es um finanzielle<br />
zugewanderten Frauen<br />
Hilfen für Familien, um 10 Uhr stellen<br />
sich sollte Betriebe hätte würde aus könnte der Region M A C H vor, E N!!<br />
und um 11.30 Uhr folgt der Vortrag<br />
,Neue Wege – neue Chancen‘ zur beruflichen<br />
Integration von zugewanderten<br />
Frauen. Der Zugang zur<br />
Messe ist barrierefrei, eine Kinderbetreuung<br />
wird angeboten.<br />
Bundesagentur für Arbeit<br />
Agentur für Arbeit Göttingen<br />
Messe Frau und Beruf am 28.08.<strong>2<strong>02</strong>4</strong> in Osterode<br />
Lassen Sie sich zu den Themen Weiterbildung und Qualifizierung, beruflicher (Wieder-)<br />
Einstieg und finanzielle Familienleistungen von unseren Expertinnen und Experten<br />
beraten.<br />
Zudem haben Sie die Möglichkeit direkt mit Betrieben aus der Region in Kontakt zu<br />
kommen.<br />
Der Zugang ist barrierefrei und für Kinderbetreuung ist gesorgt.<br />
Datum: Mittwoch, 28.08.<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Zeit:<br />
Ort:<br />
Vorträge:<br />
11:30 Uhr │ Neue Wege - neue Chancen. Berufliche Integration von
unternehmen<br />
Der Stammsitz des Hann. Mündener Familienunternehmens<br />
wächst weiter<br />
Knüppel nimmt neue Logistikhalle in Betrieb<br />
Bioventure bekennt sich<br />
zum Standort Göttingen<br />
Expansion in der<br />
Life Science City<br />
NACH KNAPP einjähriger Bauzeit<br />
hat Knüppel Verpackung im Mai<br />
eine neue Logistikhalle im Industriegebiet<br />
Volkmarshausen in Betrieb<br />
genommen. Der Neubau vergrößert<br />
die bisherige Lagerfläche von circa<br />
10.000 Quadratmetern um 3.750<br />
Quadratmeter und steigert die Lagerkapazität<br />
von derzeit 7.500 auf<br />
jetzt gut 9.500 Palettenstellplätze.<br />
Die Knüppel-Geschäftsführer Gerhard<br />
und Ernst Hahn führten zwei<br />
prominente Gäste aus der Kommunalpolitik<br />
durch die neue Logistikhalle:<br />
Marcel Riethig, Landrat des<br />
Landkreises Göttingen, und Tobias<br />
Dannenberg, Bürgermeister der<br />
Stadt Hann. Münden, nahmen die<br />
Halle in Augenschein und freuten<br />
sich über das klare Standortbekenntnis<br />
des Traditionsunternehmens.<br />
„Diese zukunftsichernde Kapazitätsausweitung<br />
war nur möglich,<br />
weil wir vor einigen Jahren hier<br />
an unserem Stammsitz das Gelände<br />
des ehemaligen Veranstaltungsorts<br />
Guckucksnest erwerben konnten“,<br />
so Ernst Hahn. Riethig zeigte sich<br />
von den Dimensionen beeindruckt:<br />
Vor der neuen Halle (v. l.): Marketingleiter<br />
Björn Kniza, Gerhard Hahn, Marcel<br />
Riethig, Tobias Dannenberg, Ernst Hahn,<br />
Logistikleiter Jens Rabe, Marc Diederich,<br />
Geschäftsführer WRG, und Tobias Vogeley,<br />
Wirtschaftsförderung Hann. Münden<br />
„Firmen wie Knüppel Verpackung,<br />
die vor Ort in die Zukunft ihres Unternehmens<br />
investieren und sich damit<br />
klar zum Standort bekennen,<br />
sind ein Motor für unsere Region.“<br />
Dannenberg ergänzte: „Für die Stadt<br />
Hann. Münden ist ein Arbeitgeber<br />
wie Knüppel, der Arbeitsplätze nicht<br />
abbaut, sondern sichert, von großer<br />
Bedeutung.“<br />
Der Neubau erlaubt Knüppel, verschiedene<br />
Außenlager aufzulösen,<br />
die im Zuge des Umsatzwachstums<br />
nötig waren. Dies führt zu erheblichen<br />
Rationalisierungs effekten bei<br />
den Arbeitsabläufen. Auf der neuen<br />
Halle erzeugt eine Photovoltaikanlage<br />
mit 707 Modulen Strom. Die<br />
Kosten für die Anlage beliefen sich<br />
auf rund zehn Prozent der gesamten<br />
Bau summe, die im mittleren siebenstelligen<br />
Bereich liegt. Die technische<br />
Planung und Umsetzung der<br />
PV-Anlage erfolgte durch die Hann.<br />
Mündener Versorgungsbetriebe.<br />
MIT BIOVENTURE bekennt sich ein<br />
führendes Biotechnologie-Unternehmen<br />
zur Life Science City Göttingen.<br />
„Angesichts der ausgezeichneten<br />
Prognosen drängt die Zeit. Wir<br />
möchten auch unser weiteres Wachstum<br />
am Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort<br />
Göttingen im Herzen<br />
Deutschlands fortführen“, so<br />
Geschäftsführer Erik Hoppe. Die<br />
Entscheidung unterstreicht Göttingens<br />
Anspruch, zu den bedeutendsten<br />
Lebenswissenschaftsstandorten<br />
bundesweit zu zählen.<br />
Die Zusammenarbeit mit der<br />
Georg-August-Universität Göttingen<br />
und dem Max-Planck-Institut spielt<br />
eine zentrale Rolle für Bioventure<br />
und andere hier ansässige Firmen<br />
der Branche. Das Unternehmen beteiligt<br />
sich als Investmentgeber an<br />
Biotech- Firmen, die zum Beispiel an<br />
der Heilung von HIV arbeiten, die<br />
Sterblichkeit bei Lungenentzündung<br />
reduzieren oder eine orale Alternative<br />
zur Abnehmspritze entwickeln.<br />
Die Oberbürgermeisterin Petra<br />
Broistedt unterstrich bei einem Besuch<br />
bei Bioventure, dass die Life<br />
Sciences für Göttingen wie kein anderer<br />
Wirtschaftsbereich prägend<br />
seien. Ein Viertel aller Arbeitsplätze<br />
seien in dieser Branche angesiedelt,<br />
die stets für innovative Forschung<br />
und Neugründungen stehe.<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 59
PROFIL<br />
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Office<br />
geht auch anders!<br />
FOTOS: SPIEKER FOTOGRAFIE<br />
125 Jahre am Markt ... – für die Northeimer Firma Kassebeer ein Grund zu feiern, aber auch ein wichtiger Meilenstein,<br />
denn pünktlich zum Jubiläumsjahr greift ein umfassender Erneuerungsprozess, initiiert vom Leitungsteam rund um<br />
die beiden Geschäftsführer Ines und Mark Berke: das Unternehmen für Büroerfolg präsentiert sich selbstbewusst,<br />
beschwingt und unkonventionell wie nie zuvor: „Sieht nicht nur so aus ...“, sagen die beiden, „sondern fühlt sich auch<br />
so an! Großartig!“
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Lachen und Quatschen bei gemeinsamer Brotzeit Nur ein<br />
starkes, vertrautes Team kann Veränderung gestalten, tragen<br />
und weiterentwickeln.<br />
PROFIL<br />
125 Jahre Firmenjubiläum Ines und Mark Berke führen<br />
das Familienunternehmen Kassebeer in mittlerweile<br />
fünfter Generation.<br />
Was als Erstes ins Auge fällt? Natürlich<br />
der neue, extrem farbenfrohe<br />
und lebendige Auftritt.<br />
„Bei uns hat sich so viel getan<br />
– wir wollten, dass das bemerkt wird!“, kommentiert<br />
Ines Berke. „Mission voll erfüllt!“, ergänzt<br />
Ehemann Mark Berke lachend. „In ganz<br />
Südniedersachen machen die Kunden große<br />
Augen, wenn unsere knallbunten Firmenwagen<br />
bei ihnen vorfahren!“ Dem äußeren Relaunch<br />
sei ein großer, innerer Prozess vorgeschaltet<br />
gewesen, der darin sichtbar werden<br />
soll. Mit dem Auftritt beweise sich Kassebeer<br />
den eigenen Mut ... – nämlich etwas ‚anders‘<br />
zu sein, Dinge freier anzugehen und neu zu<br />
denken.<br />
BACK TO THE ROOTS<br />
Um Herausforderungen künftig derart frisch,<br />
fit und beweglich begegnen zu können, hat das<br />
gesamte, derzeit 35-köpfige Team hart an sich<br />
gearbeitet: Seit zwei Jahren lässt sich Kassebeer<br />
professionell von einem Business-Coach<br />
begleiten. „Wir haben in dieser Zeit unseren<br />
eigentlichen Unternehmens-Code herausgemeißelt.<br />
Unser über die Jahre immer verzweigteres<br />
Leistungsspektrum neu geschärft.<br />
Und wir haben unsere gesamte Organisation
PROFIL<br />
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FOTOS: KASSEBEER<br />
Stets in Bewegung Von der Northeimer Zentrale aus werden mehr als 8.000 gewerb liche<br />
Druckersysteme in ganz Südniedersachen betreut.<br />
Seit 2<strong>02</strong>2 Teil der Kassebeer-Family Das Göttinger<br />
Unternehmen Weitemeyer<br />
» Der persönliche Kontakt ist unsere Super-Power. Hier nochmal<br />
aufstocken zu können, freut uns besonders. «<br />
– nach innen und außen – kritisch hinterfragt,<br />
entrümpelt und verschlankt.“<br />
SCHAFF PLATZ IM KOPF, UM NEU ZU<br />
DENKEN!<br />
„Eine solche Fokussierung“, erzählt Mark<br />
Berke, „erfordert Sorgfalt und auch eine gewisse<br />
Courage – alteingesessene, an Tradition<br />
und persönlicher Identifikation reiche Mittelstands<br />
betriebe wissen vermutlich, wovon ich<br />
spreche ... Aber letztlich war es auch ungemein<br />
befreiend!“ Sich auf das Wesentliche zu<br />
konzentrieren, alte Zöpfe abzuschneiden und<br />
lose Enden zu vertäuen, schaffe Klarheit und<br />
wieder Platz in den Köpfen. Die Optimierung<br />
energieraubender Routinen habe im Team<br />
außerdem große Kräfte freigesetzt, die der<br />
Kundenbetreuung und dem Service zugutekommen.<br />
„Der persönliche Kontakt ist unsere<br />
Super-Power. Hier nochmal aufstocken zu<br />
können, freut uns besonders!“<br />
MACH’S EINFACH! MODERNES BÜRO<br />
ERLEBEN<br />
Kunden können und sollen von den Kassebeer<br />
Erfahrungen profitieren: Das Unternehmen<br />
teilt seine Erkenntnisse und lässt sich beim<br />
Arbeiten künftig live über die Schulter schauen.<br />
„Wir erläutern, wie unser Vorher/Nachher<br />
aussieht. Was macht für uns eine moderne,<br />
leistungsstarke Bürokultur aus? Wie lässt sich<br />
Veränderung am besten ins Team tragen und<br />
etablieren? Kurz: Welche Fragen haben wir<br />
uns in den vergangenen Jahren gestellt – und<br />
bei welchen Antworten sind wir schließlich<br />
gelandet?“<br />
Für das Jubiläumsjahr sind Maßnahmen<br />
und Events geplant, die effiziente Entwicklungsprozesse<br />
rund ums moderne Office weiter<br />
thematisieren – beispielsweise bei der faktor-Business-Lounge<br />
am 21.11.<strong>2<strong>02</strong>4</strong>. Wer nicht<br />
so lange warten möchte: „Einfach mal unverbindlich<br />
bei uns vorbeikommen – auf einen<br />
Kaffee und etwas Inspiration!“<br />
EIN ECHTER TEAMPLAYER<br />
Ob in den 1980er-Jahren als Mitglied der<br />
Einkaufsgenossenschaft büro actuell (jetzt<br />
Soennecken), in den 1990ern als treibender<br />
Akteur bei der Gründung von Bürologistik<br />
und ab den frühen Nullerjahren als Mit initiator<br />
der bundesweiten Dachmarke bueroboss.de<br />
– Kassebeer hat Erfahrung darin, mit anderen<br />
Unternehmen erfolgreich an einem
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» Für uns passt die Fusion menschlich<br />
und inhaltlich wirklich gut – beide<br />
Teams profitieren voneinander. Das<br />
Back-up bei den Personalressourcen<br />
bedeutet für unsere Kunden einen noch<br />
besseren und schnelleren Service. «<br />
Jens Eisenmann, Team Weitemeyer<br />
PROFIL<br />
1899 gegründet von Wilhelm F. Kassebeer:<br />
Druckerei und Bürobedarf anno dazumal<br />
in Northeim ‚Am Münster‘.<br />
Strang zu ziehen. Kein Wunder also, dass<br />
man auch heute in allen Leistungssparten<br />
auf starke Partner setzt: auf ,bueroboss.de‘<br />
beim Bürobedarf, auf ,Kaffeemeister‘ bei der<br />
Team verpflegung und seit Kurzem auf ,Weitemeyer‘<br />
im Bereich Druck & Workflow.<br />
FRISCHER FAMILIENZUWACHS<br />
Seit 2<strong>02</strong>2 ist das Göttinger Unternehmen<br />
Weitemeyer Teil der Kassebeer-Family und<br />
baut zusammen mit der Northeimer Mannschaft<br />
die Service-Marktführerschaft in<br />
Südniedersachen weiter aus. Für optimale<br />
Synergieeffekte in der Kundenbetreuung<br />
arbeiten die beiden Teams seit Anfang des<br />
Jahres nun auch räumlich eng zusammen<br />
– Weitemeyer ist in das Kassebeer Firmengebäude<br />
im Northeimer Industrie gebiet<br />
eingezogen. „Telefonate und Videoschalten<br />
sind das eine, der persönliche, regelmäßige<br />
Kontakt und Austausch unter Kollegen<br />
aber etwas ganz anderes. Unser WIR hat<br />
sich richtig toll entwickelt!“, freuen sich die<br />
Berkes.<br />
‚VERÄNDERUNG‘ TEIL DER FIRMEN-DNA<br />
Wer sich die Chronik des heute in 5. Genera-<br />
tion geführten Familienunternehmens genauer<br />
ansieht, wird feststellen: Der rote Faden des<br />
Erfolgs ist bei Kassebeer die Innovation. Von<br />
der Druckerei zum Papeterie-Fachgeschäft,<br />
von der Schreibmaschinen-Generalvertretung<br />
zum gewerblichen Vollsortimenter, IT-Dienstleister,<br />
Versandhandel, Verbundpartner ... –<br />
die Neuausrichtung gehört in der sich schnell<br />
drehenden Arbeitswelt seit 1899 fest zum Geschäft.<br />
„Bleib in Bewegung und probier aus!“<br />
– mit dieser Prägung, erläutert Ines Berke, sei<br />
sie in der Unternehmerfamilie groß geworden.<br />
Was sie und Mark Berke an „Tradition“ aus 125<br />
Jahren Kassebeer für das eigene Wirken mitnehmen<br />
möchten, ist darum kein Slogan oder<br />
eine bestimmte Errungenschaft, sondern „die<br />
Entschlossenheit, der Zukunft offen zu begegnen<br />
und Veränderung zuzulassen.“ Man darf<br />
gespannt sein.<br />
Unbedingt vormerken!<br />
Die faktor-Business-Lounge am 21.11.<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
wird diesmal von Kassebeer gehostet:<br />
Prof. Dr. Gerdum Enders, CODE LAB Kassel,<br />
präsentiert das Thema ‚Erneuerung als<br />
Erfolgsstrategie – praktische Geheimnisse,<br />
wie Wandel gelingt‘.<br />
KASSEBEER<br />
125 Jahre – und so fit wie nie zuvor!<br />
Für die Region ein Impulsgeber, für die<br />
Kunden ein ehrlicher Sparringspartner in<br />
Sachen Büroerfolg: Das Northeimer Familienunternehmen<br />
schätzt den engagierten<br />
persönlichen Austausch und langjährige,<br />
partnerschaftliche Kundenbeziehungen.<br />
Team- und Kompetenzbereiche<br />
• Druck & digitaler Workflow<br />
– Drucker, Kopierer, Multifunktionssysteme<br />
und Software-Lösungen<br />
– Beratung, Umsetzung, Service &<br />
Support<br />
• Bürobedarf<br />
– Optimierter Beschaffungsprozess mit<br />
24-Stunden-Lieferservice<br />
• Teamverpflegung<br />
– Moderne Kaffee-Systeme und Wasserspender<br />
KONTAKT<br />
Wilh. F. Kassebeer GmbH & Co. KG<br />
Geschäftsführer Ines und Mark Berke<br />
Matthias-Grünewald-Straße 42<br />
37154 Northeim<br />
Tel. 05551 9630<br />
hallo@kassebeer.de<br />
www.kassebeer.de
unternehmen<br />
Matsch<br />
64 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
macht glücklich<br />
Seit 2015 gibt es in Göttingen jährlich ein ganz besonderes sportliches Großereignis,<br />
das an Beliebtheit weiter zunimmt: den – wie er inzwischen heißt – ,Obstacle<br />
City Run‘. Bei diesem speziellen Hindernislauf werden am 31. August mehr als 5.500<br />
Kinder, Frauen und Männer ausgefallene Prüfungen bestehen. Das ist ein neuer Rekord.<br />
Ein Blick hinter die Kulissen verrät, mit wie viel Leidenschaft die Macher das Event<br />
vorbereiten.<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 65
unternehmen<br />
TEXT MATTHIAS BRUNNERT<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
S<br />
Stephan Karasch kann sich noch gut erinnern:<br />
„Wir saßen irgendwann im<br />
Jahr 2014 nach dem Basketballtraining<br />
mit Verantwortlichen des Hochschulsports<br />
zusammen beim Bier.“ Dabei sei<br />
dann der Gedanke aufgetaucht: „Wir<br />
könnten in Göttingen doch mal ein ungewöhnliches<br />
Sport-Event aufziehen“,<br />
sagt der heute 43-Jährige, der zusammen mit seinem<br />
Zwillingsbruder Nicolas im Jahr 2010 die ,TeamEins-<br />
Null GmbH‘ gegründet hat, eine Agentur für Sportvermarktung<br />
und Medien. „Unsere tägliche Arbeit ist es,<br />
Kunden aus der Wirtschaft zu beraten“, sagt Nicolas<br />
Karasch. „Dabei geht es unter anderem darum, wie Unternehmen<br />
ein Sportsponsoring gestalten und wie sie ins<br />
Fernsehen kommen und dabei die gewünschte Reichweite<br />
erzielen können.“<br />
„Damit haben wir zwar eigentlich genug zu tun“, sagt<br />
Stephan. Aber der Gedanke, in Göttingen einen außergewöhnlichen<br />
Hindernislauf zu organisieren und zu etablieren,<br />
ließ die Brüder nicht mehr los. „Die Erfahrung<br />
im Eventbereich war groß, aber einen Hindernislauf zu<br />
organisieren war für uns eine neue Erfahrung“, sagt<br />
Stephan Karasch.<br />
Zusammen mit Lukas Dannenberg, der in der Agentur<br />
für das Projekt ,Obstacle City Run‘ mitverantwortlich<br />
ist, machten sie sich ans Werk. „Uns war damals schnell<br />
klar, dass wir keine normale Laufveranstaltung organisieren<br />
wollten, sondern etwas mit Hindernissen, mit<br />
Matsch und Wasser“, sagt Nicolas Karasch. „Unser Ziel<br />
war es, möglichst viele Menschen in Bewegung zu bringen,<br />
auch solche, die Ausdauersportveranstaltungen<br />
sonst eher nicht auf dem Radar haben.“<br />
Das Überwinden von Hindernissen ist<br />
eine Teamaufgabe. Egal, ob sich die<br />
Teilnehmer kennen oder nicht. Am Ende<br />
kommen alle gemeinsam ins Ziel.<br />
66 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
» Wir saßen irgendwann nach dem Basketballtraining im Jahr 2014 mit Verantwortlichen<br />
des Hochschulsports zusammen beim Bier. Dabei tauchte dann der<br />
Gedanke auf: Wir könnten in Göttingen doch mal ein ungewöhnliches Sport-<br />
Event aufziehen. «<br />
21|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 67 51
unternehmen<br />
HINDERNISSE MÜSSEN ÜBERWUNDEN WERDEN<br />
„Wir wollten auch diejenigen ansprechen, die keine Lust<br />
haben, nur einfach kilometerweit zu laufen“, sagt sein<br />
Bruder Stephan. „Unsere Veranstaltungen sind deshalb<br />
anders. Das Laufen wird durch Hindernisse unterbrochen,<br />
die überwunden werden müssen, durch Wasser,<br />
durch Matsch.“<br />
Dazu hat das Team zusammen mit Fachleuten zahlreiche<br />
Hindernisse selbst entworfen, die so schöne Namen<br />
tragen wie ,Stairway to Heaven‘, ,Miami<br />
Beach‘, ,New York Hanging Heroes‘ oder ,Deep Diver‘.<br />
Gemeinsam mit Experten wurden die Hindernisse dann<br />
eigenhändig gebaut: Es gibt zwar auch reine Spaßelemente,<br />
doch die Überwindung der meisten anderen<br />
Hindernisse erfordert Kraft, Geschick, Kletterkünste<br />
und bisweilen auch Selbstüberwindung, zum Beispiel<br />
wenn es gilt, durch knietiefen Matsch zu robben. Wichtig<br />
ist den Machern dabei, dass die Hindernisse allesamt<br />
wiederverwendbar sind, sagt Stephan Karasch. „Man<br />
kann alles auseinandernehmen, in Container verstauen<br />
und beim nächsten Mal wieder aufbauen.“<br />
„Die erste Veranstaltung im Jahr 2015 war noch recht<br />
übersichtlich“, erzält Mit-Organisator Lukas Dannenberg.<br />
„Damals hatten wir gerade einmal gut 400 Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer – nur einen Bruchteil von<br />
heute. Wir erwarten diesmal rund 5.000 Starterinnen<br />
und Starter. Das wäre ein neuer Rekord.“ Dabei dürfte<br />
vor allem die Zahl der teilnehmenden Kinder, für<br />
die ein drei Kilometer langer Parcours mit<br />
zehn Hindernissen aufgebaut wird, so<br />
hoch sein wie nie zuvor.<br />
Dass nicht in erster Linie das<br />
Laufen, sondern die Überwindung<br />
der Hindernisse im<br />
Mittelpunkt der Veranstaltung<br />
stehe, werde auch<br />
durch den neuen Namen<br />
des Events ,Obstacle‘<br />
(Hindernis) verdeutlicht,<br />
sagt Dannenberg. „Den<br />
Teamgedanken dabei wollen<br />
wir im Übrigen noch<br />
weiter in den Mittelpunkt rücken“,<br />
sagt Stephan Karasch.<br />
„Umso schöner finden wir es deshalb,<br />
dass sich so viele Teams angemeldet<br />
haben und dass sich die Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer der Göttinger<br />
Werkstätten und des Christophorushauses zu den<br />
Stammgästen des ,Obstacle City Run‘ zählen.“<br />
68 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
» Die Überwindung der meisten Hindernisse erfordert Kraft, Geschick,<br />
Kletterkünste und bisweilen auch Selbstüberwindung. «<br />
Die Kaffeebohnen kommen aus Afrika, Mittel- und Südamerika.<br />
Mehr als 100 Tonnen Kaffee werden jährlich bei Contigo geröstet und zubereitet. Die dann angebotenen Kaffeesorten stammen allesamt aus<br />
bioligischem und einem auf Mischkulturen basierenden Anbau.<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 4|2<strong>02</strong>3 69 29
unternehmen<br />
» Wir wollen etwas für Göttingen und die ganze Region machen. «<br />
Das Team hinter dem Event Nicolas und Stephan Karasch sowie Lukas Dannenberg (Mitte).<br />
SO ENTSTEHEN TEAMS<br />
Auch eine wachsende Zahl von Unternehmen nutze das<br />
Event mittlerweile als Maßnahme zum Teambuilding,<br />
sagt Lukas Dannenberg. „Das führt auch dazu, dass immer<br />
mehr Entscheider und Geschäftsführer mitlaufen.“<br />
Welchen Spaß es den Beteiligten macht, kann man auf<br />
vielen Fotos früherer Veranstaltungen sehen. „Matsch<br />
macht glücklich“, sagt Stephan Karasch.<br />
Alle Erwachsenen können übrigens wählen: entweder<br />
eine sechs Kilometer lange Strecke mit 21 oder einen<br />
Parcours über zwölf Kilometer mit 31 Hindernissen.<br />
„Damit die riesige Zahl an Läuferinnen und Läufern ausnahmslos<br />
bei Tageslicht unterwegs sein kann, fangen wir<br />
diesmal schon um 8.30 Uhr an“, sagt Dannenberg.<br />
Um das bei vielen anderen Großveranstaltungen beim<br />
Start entstehende Gedränge der Massen und die damit<br />
verbundenen Verzögerungen zu vermeiden, werden die<br />
Teilnehmer beim ,Obstacle City Run‘ in kleineren Gruppen<br />
von 60 bis 80 Personen im Fünf-Minuten-Takt auf<br />
die Hindernisstrecke geschickt.<br />
ALLE HELFEN MIT<br />
Damit die Veranstaltung reibungslos ablaufen kann, haben<br />
die Organisatoren auch in diesem Jahr wieder ein<br />
Team von mehr als 200 Helferinnen und Helfer angeheuert.<br />
Das Team, welches eigentlich wie in früheren<br />
Jahren gerne auch selbst an den Start gehen würden,<br />
müssen darauf verzichten. „Dazu haben wir keine Zeit“,<br />
sagt Stephan. „Es ist zu viel zu tun.“ Etwa zwei Wochen<br />
vor der eigentlichen Veranstaltung rückt das Team an,<br />
um das Sportgelände der Universität zu verwandeln. Gelagert<br />
werden die ,Zutaten‘ für die Hindernisse in<br />
15 Überseecontainern und einer Lagerhalle. Vor Ort<br />
wird dann montiert, gehämmert und gesägt, vorzugsweise<br />
unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Es kommen<br />
auch immer wieder Anfragen von TV-Sendern, die den<br />
Aufbau zeigen wollen“, sagt Nicolas Karasch. „Die versuchen<br />
wir dann, ganz zum Ende einzuladen, damit der<br />
Ablauf nicht gestört wird.“ Das zeige allerdings auch das<br />
wachsende Interesse der breiteren Öffentlichkeit an dem<br />
nicht ganz gewöhnlichen Event.<br />
70 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
unternehmen<br />
Die Sportanlage der Uni ist seit Anfang an Austragungsort des ,Great Barrier Run‘ und nun des<br />
,Obstacle City Run‘ in Göttingen.<br />
EINE ZUKUNFT MIT SCHWARZER NULL<br />
„Gewinn machen wir mit der Veranstaltung allerdings<br />
noch nicht“, sagt Nicolas Karasch. Obwohl die Teilnehmer<br />
je nach Alter und Strecke zwischen 12,50 und<br />
99 Euro Startgeld auf den Tisch legen müssen und der<br />
wachsende Kreis der Sponsoren vorwiegend aus der regionalen<br />
Wirtschaft stamme, sei der Run finanziell bisher<br />
ein Zuschussgeschäft, sagt Stephan Karasch. „Wir<br />
arbeiten aber daran, dass wir künftig zumindest eine<br />
Schwarze Null schreiben.“ Ganz konkret könnte das<br />
schon im kommenden Jahr so weit sein.<br />
Das Geld stehe allerdings nach wie vor nicht im Mittelpunkt,<br />
sagt Nicolas Karasch. „Unsere Hauptmotivation<br />
– damals zu Beginn des Ganzen ebenso wie heute –<br />
ist eine andere: Wir wollen etwas für Göttingen und die<br />
ganze Region machen.“ Sein Bruder Stephan sieht es<br />
ebenso: „Wir freuen uns jedes Jahr wieder darüber, dass<br />
aus unserer Idee eine so große, coole Sache geworden<br />
ist.“ Dass es mit dem Obstacle City Run weitergeht, stehe<br />
fest, sagt Stephan Karasch: „Wir sind jedenfalls schon<br />
jetzt dabei, die Veranstaltung für die kommenden Jahre<br />
zu planen.“ Und genau das macht offenbar den Erfolg<br />
des Events währenddessen und in der Organisation aus:<br />
Weitermachen! ƒ<br />
DAS EVENT<br />
Den ,Obstacle City Run, (Hindernis-Stadt-Lauf)<br />
in Göttingen gibt es<br />
seit dem Jahr 2015. Seither findet das<br />
Event, das zunächst unter dem Namen<br />
, Great Barrier Run‘ bekannt wurde,<br />
einmal pro Jahr statt und zwar auf<br />
dem Gelände des Sportinstituts der<br />
Georg-August-Universität in der Gutenbergstraße.<br />
Organisiert wird die<br />
Großveranstaltung am 31.August von<br />
Karaschs Firma ,TeamEinsNull<br />
GmbH‘. Das Ganze geschieht nach<br />
Angaben der Brüder „neben der eigentlichen<br />
Arbeit“ in ihrer Sportmarketing-Agentur.<br />
Diese kooperiert mit<br />
Sportveranstaltern, Vereinen und<br />
Events. Die ,TeamEinsNull GmbH‘ ist<br />
beispielsweise in der Fußball Bundesliga<br />
tätig, im internationalen Handball<br />
sowie bei diversen TV-Formaten. Die<br />
Kunden kommen vorwiegend aus<br />
Deutschland, aber auch aus anderen<br />
europäischen Ländern. Seit dem Jahr<br />
2<strong>02</strong>2 organisiert die ,TeamEinsNull<br />
GmbH‘ einen ,Obstacle City Run‘<br />
auch in Berlin. Er findet in diesem Jahr<br />
am 28. September auf dem Olympiagelände<br />
statt.<br />
Das Interview gibt es auch im<br />
faktor-Podcast ,onfire‘ nachzuhören.<br />
Folgen Sie dazu einfach diesem Link:<br />
www.faktor-magazin.de/onfire-podcast/<br />
KONTAKT<br />
TeamEinsNull GmbH<br />
Weender Landstraße 88<br />
37075 Göttingen<br />
Tel. 0551 3827-174<br />
Fax 0551 3827-175<br />
welcome@obstacle-city-run.de<br />
Ansprechpartner: Nicolas Karasch<br />
Tel. 0176 64083922<br />
www.obstacle-city-run.de<br />
4|2<strong>02</strong>3 2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 29 71
PROFIL<br />
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Ein Faible<br />
für Höhenlandschaften<br />
Natur und Landschaft gehören zusammen befinden die Experten (v. l.) Henning Gödecke, Wolfgang Wette und Ulrich Küneke.<br />
Die Landschaftsarchitekturbüros Wette + Gödecke und Wette + Küneke (WGK) aus Göttingen<br />
haben sich weit überregional einen Namen gemacht – unter anderem mit innovativen ökologischen<br />
Ansätzen, die mehr Grün ans Gebäude bringen. Und das nicht nur horizontal.<br />
Schönheit in der Gestaltung reicht<br />
heute nicht mehr aus, Ökologie<br />
und Ästhetik sind kein Widerspruch“,<br />
sagt Wolfgang Wette,<br />
der sich 1993 selbstständig machte und<br />
in der Folge die beiden oben genannten<br />
Büros gründete. Er beschreibt damit<br />
eine Entwicklung, für die sich Wette gemeinsam<br />
mit Henning Gö decke und<br />
Ulrich Küneke, den anderen beiden Mitinhabern,<br />
schon seit Langem einsetzt und<br />
die nun endlich auch in der Praxis im<br />
größeren Stil Einzug hält. Gemeint ist<br />
Nachhaltigkeit bei der Gestaltung der<br />
Grünflächen in Bauprojekten, und das bedeutet<br />
insbesondere eine hohe Biodiversität.<br />
„WIR HABEN UNS AUS EIGENEM Anspruch<br />
und Überzeugung heraus schon immer bei<br />
jedem Projekt Gedanken darüber gemacht,<br />
wie wir es im Rahmen des Budgets nachhaltiger<br />
umsetzen können“, so Küneke.<br />
Einfaches Beispiel ist der Umgang mit Niederschlagswasser<br />
– lässt sich das vor Ort<br />
versickern und kann entsprechend weniger<br />
versiegelte Fläche mehr sein? Was der gesunde<br />
Menschenverstand nahelegt und bereits<br />
seit Jahrzehnten diskutiert wird, hat nun<br />
auch in die Köpfe der Planungsbehörden<br />
und Investoren Einzug gehalten. „Wir erleben<br />
ein Umdenken. Das sehen wir daran,<br />
dass es zunehmend mehr Anfragen von Bauherren<br />
und Projektentwicklern gibt, wie wir
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Die Norderweiterung bei Sartorius profitiert von einer grünen Lunge in direkter Blickweite.<br />
» Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass das Interesse an der Erhöhung von Biodiversität<br />
da ist und man Leute damit begeistern kann. «<br />
in unseren Planungen Nachhaltigkeitsaspekte<br />
berücksichtigen.“<br />
Insektensterben, Klimawandel, Ressourcenschonung<br />
sind Stichworte, die den Diskurs<br />
prägen. Dieser Mentalitätswandel wirkt sich<br />
auf viele Bereiche aus. Regenversickerung<br />
ist einer, andere sind biodiverse Anpflanzungen<br />
sowie Fassaden- und Dachbegrünungen.<br />
„Wir werden oft schon im Vorfeld<br />
bei der Ausgestaltung von Bebauungsplänen,<br />
die diese allgemeinen Rahmenbedingungen<br />
festlegen, miteinbezogen“, so Gödecke.<br />
„Früher war das ein hoffnungsloser Kampf,<br />
so etwas wie Dachbegrünungen dort hineinzuschreiben<br />
– zu teuer.“ Versucht haben es<br />
die Architekten und Ingenieure von WGK<br />
trotzdem immer wieder und sich so langsam<br />
über wegweisende Projekte ein Know-how<br />
und ein sehr gutes Renommee für nachhaltige<br />
Landschaftsgestaltung aufbauen können.<br />
HEUTE SIND DIE GÖTTINGER mit ihrem<br />
zwölfköpfigen Team aus zum Teil langjährigen<br />
Mitarbeitenden verschiedener Disziplinen<br />
von Hamburg bis Frankfurt in der<br />
Republik unterwegs und als ein fachlich<br />
kompetenter Partner in der Landschaftsgestaltung<br />
geschätzt – seien es Parks, Friedhöfe,<br />
Schulen und Kindergärten, gewerbliche<br />
Projekte oder historische Anlagen, sei<br />
es bei der Erstellung von Umweltgutachten,<br />
Bebauungsplänen oder der Gestaltung und<br />
Umsetzung von Projekten. Gemeinsam mit<br />
ihrem Team decken Wette als Landschaftsarchitekt,<br />
Gödecke als Biologe und Küneke<br />
als Agraringenieur ein sehr breites Spektrum<br />
ab und ergänzen sich gut.<br />
„Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass<br />
das Interesse an der Erhöhung von Biodiversität<br />
da ist und man Leute damit begeistern<br />
kann“, so Küneke. „Beides ist nötig, denn<br />
zum Nulltarif gibt es das leider nicht.“ Drei<br />
aktuelle Göttinger WGK-Referenzprojekte<br />
zeigen in beispielhafter Weise, was möglich<br />
ist, wenn der Auftraggeber diese Begeisterung<br />
teilt und die Mittel dafür zur Verfügung<br />
stellt. Dann lässt sich auch mit innovativen<br />
Methoden vertikal in die Höhe gärtnern.
PROFIL<br />
ANZEIGE<br />
FOTOS: KASSEBEER<br />
Stets in Bewegung Von der Northeimer Zentrale aus werden mehr als 8.000 gewerb liche Druckersysteme in ganz Südniedersachen betreut.<br />
Am Amedes-Kompetenzzentrum atmet die Fassade aus einer grünen Lunge.<br />
NORDERWEITERUNG DES SARTORIUS-<br />
CAMPUS (FERTIGSTELLUNG 2<strong>02</strong>3)<br />
Im Gewerbegebiet Grone hat Sartorius<br />
sein Werk nach Norden hin erweitert.<br />
WGK war hier von Anfang bis<br />
Fertigstellung eingebunden. Angefangen<br />
mit der Feldhams ter suche für das Umweltgutachten<br />
für den Bebauungs plan<br />
bis zur Realisierung der Grünflächen. Die<br />
umfangreichen landschaft lichen Anlagen,<br />
die dort realisiert wurden, stellen eine<br />
Besonderheit dar, denn die Vorgaben von<br />
Sartorius orientierten sich nicht an Mindeststandards,<br />
sondern legten Wert auf<br />
hohe ökologische Sinnhaftigkeit.<br />
Nach der Umverlegung des Elliehäuser<br />
Bachs wurde dieser naturnah gestaltet mit<br />
dem Ziel, eine möglichst hohe Biodiversität<br />
zu erreichen und vor allem auch zu erhalten.<br />
Dieser hohe Anspruch einer hohen<br />
Artenvielfalt gilt auch für die begrünten Dachflächen,<br />
selbst wenn sie keiner sieht: Statt einer<br />
sonst üblichen niedrigen Bepflanzung mit<br />
mehr oder weniger stark sukkulen ten Dickblattgewächsen<br />
wurden hier zusätz lich kleine<br />
temporäre Wasserflächen, Sandlinsen, Steinund<br />
Totholzhaufen, biodiverse Staudenpflanzungen<br />
sowie naturnahe Wiesenflächen mit<br />
Bewässerung angelegt, um für vielfältige Insektengruppen<br />
Ansiedlungsmöglichkeiten zu<br />
schaffen. Zusätzlich wurden Teilbereiche der<br />
oberen Fassaden mit Hopfen und Clematis<br />
begrünt. Für WGK war das Sartorius-Projekt<br />
in den Worten von Henning Gödecke „ein<br />
echter Leckerbissen“.<br />
AMEDES KOMPETENZZENTRUM (FERTIG-<br />
STELLUNG <strong>2<strong>02</strong>4</strong>)<br />
Das von der EBR Projektentwicklung GmbH<br />
entwickelte InnovationsQuartier Herbert
ANZEIGE<br />
» Anders als bei den meisten Fassadenbegrünungen wurzeln die Pflanzen nicht im Boden<br />
und ranken hoch, sondern sind über die komplette Höhe in der Wand verwurzelt, sodass die<br />
Konstruktion nicht zu erkennen ist. «<br />
PROFIL<br />
Quandt-Straße in Göttingen ist ein Leuchtturmprojekt<br />
für nachhaltiges Bauen und<br />
urbane Ökologie. Es zeigt, wie Funktionalität,<br />
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung<br />
miteinander verbunden werden können.<br />
Bereits in der Vorplanung zeichnete WGK<br />
für die Grünanlagen des Neubaus von Amedes<br />
verantwortlich. Was die Anlagen jedoch so<br />
besonders macht, ist die Fassadenbegrü nung.<br />
Die bereits im Konzept der EBR Projektentwicklung<br />
GmbH entwickelte Fassaden begrünung<br />
hat WGK auf 400 Quadratmetern<br />
geplant: eine vertikale Wand, die der eigentlichen<br />
Fassade vorgelagert frei hängt und über<br />
bis zu vier Geschosse und die ganze Fläche<br />
geht – eine aufwändige Lösung, die am gewerblichen<br />
Bau sehr selten ist. Anders als<br />
bei den meisten Fassadenbegrünungen wurzeln<br />
die Pflanzen nicht im Boden und ranken<br />
hoch, sondern sind über die komplette Höhe<br />
in der Wand verwurzelt, sodass die Konstruktion<br />
nicht zu erkennen ist.<br />
Rund 35 verschiedene Pflanzenarten wurden<br />
sorgsam aufeinander abgestimmt und<br />
ermöglichen ein Höchstmaß an Biodiversität.<br />
Ebenso war eine ausgiebige Technik recherche<br />
notwendig, um das ideale System für diese<br />
Lösung zu finden. Die Überwachung sowohl<br />
der Nährlösung als auch des Wasserflusses,<br />
der die Pflanzen versorgt, erfolgt digital.<br />
Die Grünfassade hat auch kleinklimatische<br />
Effekte, indem Auskühlung im Winter und<br />
Erhitzung im Sommer abgemildert werden.<br />
„Technisch haben wir hier das beste System<br />
verbaut, das es auf dem Markt gibt. Das ist<br />
High-End-Vertikalbegrünung“, so Wolfgang<br />
Wette.<br />
BIODIVERSUM, MAX-PLANCK-INSTITUT<br />
FÜR MULTIDISZIPLINÄRE NATURWISSEN-<br />
SCHAFTEN (FERTIGSTELLUNG 2<strong>02</strong>2)<br />
Auch das Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre<br />
Naturwissenschaften am Fassberg<br />
handelte aus Überzeugung, als es WGK<br />
damit beauftragte, den Großteil der Freiflächen<br />
mit dem Leitgedanken der Biodiversitätserhöhung<br />
umzugestalten und den<br />
Landschaftsarchitekten dabei sehr viele<br />
Freiräume ließ. Unter anderen gehörte die<br />
herausfordernde Anlage eines Teiches in<br />
Hanglage dazu. Der Umfang der neu entstandenen<br />
Habi tate macht das Projekt an<br />
sich schon bemerkenswert, doch beim MPI<br />
kommt noch hinzu, dass die Entwicklung<br />
der umgestalteten Flächen auch wissenschaftlich<br />
begleitet wird. Im Rahmen eines<br />
mehrjährigen Monitorings wird exemplarisch<br />
an Wildbienen, Großinsekten, Fledermäusen<br />
und Vögeln untersucht, ob sich die<br />
Artenanzahl und Individuendichte tatsächlich<br />
positiv beeinflussen lässt. Ob also die<br />
ökologisch gut klingenden Ansätze auch<br />
in der Praxis das erreichen, was man sich<br />
davon verspricht. Wie sich inzwischen sehr<br />
überzeugend zeigt, ist dies tatsächlich auch<br />
der Fall.<br />
WGK begleitet das Projekt weiterhin intensiv,<br />
denn auch die Pflege muss entstehende<br />
Veränderungen berücksichtigen. Da<br />
die Art und Weise der Pflege einen erheblichen<br />
Einfluss auf die Vegetationsbestände<br />
und damit die Artenvielfalt hat, gilt es diese<br />
immer wieder zu bewerten und gegebenenfalls<br />
zu optimieren, um eine möglichst<br />
große Artenvielfalt zu erhalten. „Die Anlage<br />
des BioDiversums beim MPI ist ein echter<br />
Glücksfall, weil wir mit engagierten Menschen<br />
zusammenarbeiten und sich uns die<br />
Möglichkeit bot, ein Mosaik verschiedener<br />
Habitate herzustellen und deren Entwicklung<br />
zu begleiten“, sagt Ulrich Küneke.<br />
KONTAKT<br />
WETTE + KÜNEKE GbR<br />
Landschaftsarchitektur<br />
WETTE + GÖDECKE GbR<br />
Landschaftsplanung<br />
Windausweg 10<br />
37073 Göttingen<br />
Telefon (0551) 789 563 - 60<br />
www.wgk-planung.de
PROFIL<br />
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Am 15. Februar fand das erste TOPAS-Netzwerktreffen <strong>2<strong>02</strong>4</strong> zum Thema „Aktuelle Trends der Arbeitswelt“ statt.<br />
Echter Be<br />
Benefit<br />
oder Hygienefaktor?<br />
TOPAS-Projektleiterin Tara Brune erklärt, was heute neben Fahrradleasing und Obstkorb<br />
möglich und nötig ist.<br />
Mit Mitarbeitenden-Benefits oder<br />
auch Corporate-Benefits sind<br />
Zusatzleistungen sowie Angebote<br />
von Arbeitgebern an die<br />
Angestellten gemeint, die nicht im Arbeitsvertrag<br />
auftauchen. Sie sind ein Zeichen der<br />
Wertschätzung. Unternehmen können eine<br />
breite Palette von Benefits anbieten, um die<br />
Mitarbeiterbindung zu stärken, die Zufrieden<br />
heit zu steigern und talentierte Fachkräfte<br />
anzulocken. Diese Benefits variieren je nach<br />
Unternehmen, Branche, Standort und Unternehmenskultur.<br />
Allen gemein ist der Wunsch,<br />
mehr als Gehalt und gute Arbeitsatmosphäre<br />
zu bieten, um sich so im Wettbewerb um<br />
gute Arbeitskräfte vor anderen zu positionieren.<br />
Der Fachkräftemangel führt dazu, dass<br />
Unternehmen zusätzliche Anreize bieten<br />
müssen, um Menschen zu finden und langfristig<br />
zu binden. Manchen Unternehmen<br />
geht das Ausweiten von Benefits zu weit und<br />
sie fürchten weniger Fokus auf die Arbeitszeit.<br />
Studien und Umfragen zeigen jedoch, dass<br />
durch gute Benefits die Loyalität und Produktivität<br />
der Mitarbeitenden durchschnittlich<br />
steigt und einen starken Wettbewerbsvorteil<br />
im Arbeit gebermarketing darstellt.<br />
DOCH WAS TUN, WENN HOMEOFFICE,<br />
flexible Arbeitszeiten und kostenfreie Getränke<br />
mittlerweile zum Standard zählen oder<br />
Angebote wie die „bewegte Pause“ kaum
ANZEIGE<br />
» Hier sind Fingerspitzengefühl und<br />
gute Kommunikation gefragt! «<br />
PROFIL<br />
oder immer von<br />
den gleichen Personen<br />
genutzt werden? Es gilt: Benefits müssen<br />
zur Firma, dem eigenen Branding und den<br />
Mitarbeitenden passen. Um verschiedene Interessengruppen<br />
abzuholen, macht es Sinn,<br />
verschiedene Mitarbeiterangebote zu kombinieren.<br />
Hier gilt es, sehr passgenau auf die<br />
eigenen Zielgruppen im Unternehmen zu<br />
schauen und auch kritisch mit bestehenden<br />
Benefits umzugehen. Unternehmen sollten<br />
sich nicht davor scheuen, wenig genutzte Angebote<br />
einzustellen.<br />
ES LÄSST SICH ZUDEM folgender Trend<br />
beob achten: Die zunehmende Individualisierung<br />
führt dazu, dass Mitarbeitende Benefits<br />
schätzen, die zu ihren Lebensumständen passen<br />
und ihnen den Freiraum bieten, das für sie<br />
Passende auszusuchen. Die Zeiten, in denen<br />
Benefits nur während der Arbeitszeit genutzt<br />
werden, scheinen zu enden, nicht zuletzt<br />
durch den hohen Anteil an Arbeitenden im<br />
Homeoffice. Spannend werden Benefits, die<br />
individuell genutzt werden können. Und sie<br />
müssen nicht kompliziert sein, manchmal reichen<br />
niedrigschwellige Angebote ohne großen<br />
Organisationsaufwand, wie zum Beispiel ein<br />
zusätzlicher, bezahlter Urlaubstag am Geburtstag,<br />
ein Spotify-Abo für Auszubildende oder die<br />
Familien-Jahreskarten für den Zoo für Eltern.<br />
Zunehmend nutzen Unternehmen eigenverantwortliche<br />
Budgets oder Gutscheine.<br />
Auch sinnstiftende Benefits werden immer<br />
beliebter. Bezahlte Zeiten für (gemeinsames)<br />
ehrenamtliches Engagement oder Maßnahmen<br />
zur Förderung der mentalen Gesundheit<br />
sind auf dem Vormarsch. Im Zweifel gilt es,<br />
die Mitarbeitenden bei der Auswahl der Benefits<br />
mitgestalten zu lassen. Das erhöht die<br />
Chance der Passgenauigkeit und der Annahme<br />
der Benefits.<br />
IM ZUGE VON ANGEBOTEN für die Mitarbeitenden<br />
ist es darüber hinaus sehr wichtig,<br />
die Ziele der jeweiligen Angebote klar zu<br />
definieren und das „Warum“ zu formulieren.<br />
Dabei ist relevant, so viele Mitarbeitende wie<br />
möglich mit den Angeboten zu erreichen. Benefits,<br />
die einseitig bestimmte Zielgruppen<br />
begünstigen und andere vergessen, gefährden<br />
den Zusammenhalt und vergiften womöglich<br />
die Unternehmenskultur. Homeoffice ist nicht<br />
allen möglich – was könnte man Mitarbeitenden<br />
in der Produktion alternativ dazu anbieten?<br />
Mitarbeitende im Homeoffice haben<br />
wiederum nichts von Sportangeboten vor Ort<br />
oder hochwertig eingerichteten Arbeitsplätzen<br />
in der Zentrale. Hier sind Fingerspitzengefühl<br />
und gute Kommunikation gefragt!<br />
AKTUELLES AUS TOPAS<br />
Bei der Initiative TOP Arbeitgeber Südniedersachsen<br />
(TOPAS) beginnt jedes Frühjahr die<br />
neue Qualifizierungsphase von Unternehmen,<br />
um die Weiterentwicklung der hiesigen Arbeitgeber<br />
voranzutreiben. Derzeit durchlaufen<br />
mit FRÖTEK-Kunststofftechnik, den kommunalen<br />
Diensten Göttingen, ONEJOON, der<br />
Stadt Osterode am Harz und der Universitätsmedizin<br />
Göttingen fünf spannende Arbeitgeber<br />
der Region eine modular aufgebaute<br />
Workshopreihe, in der Wissen rund um das<br />
Thema Arbeitgebermarketing vermittelt und<br />
der gemeinsame Austausch gefördert werden.<br />
Der Prozess mündet im Herbst in einem Audit<br />
und in der Festlegung auf individuelle Ziele<br />
für die kommenden zwei Jahre.<br />
AM 15. FEBRUAR FAND ZUDEM das erste<br />
TOPAS-Netzwerktreffen <strong>2<strong>02</strong>4</strong> zum Thema<br />
„Aktuelle Trends der Arbeitswelt“ statt. Einmal<br />
im Quartal treffen sich Vertreter:innen der<br />
TOPAS-Unternehmen zu solchen gemeinsamen<br />
Austauschen, erhalten einen Fachinput<br />
zu aktuellen Themen des Arbeitgebermarketings<br />
und haben anschließend Zeit zum Netzwerken.<br />
Ein Ergebnis war, dass Arbeitgeber<br />
der Region den Wandel der Arbeitswelt bereits<br />
stark spüren und aktiv versuchen, diesen<br />
mitzugestalten. Insbesondere der Fachkräftemangel<br />
macht zu schaffen und erfordert gemeinsame<br />
Anstrengungen, die mittels TOPAS<br />
vorangebracht werden sollen.<br />
AUF DEM GÖTTINGER Berufsinformationstag<br />
(GöBit) am 24. Februar präsentierte TO-<br />
PAS den Besucher:innen in der Lokhalle den<br />
neuen Ausbildungsflyer. Damit stellt TOPAS<br />
jedes Jahr die Möglichkeiten für eine ausgezeichnete<br />
Ausbildung und ein duales Studium<br />
bei regionalen Unternehmen und Organisationen<br />
vor – ein übersichtliches Format, das<br />
in Südniedersachsen einzigartig ist.<br />
Am 11. Juni <strong>2<strong>02</strong>4</strong> vollzog sich mit der ersten<br />
Veranstaltung die Gründung des „BGM-Forum<br />
Südniedersachsen“. Gemeinsam mit<br />
der Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen,<br />
der IHK Geschäftsstelle Göttingen,<br />
den Wirtschaftsförderungsgesellschaften von<br />
Stadt (GWG) und Landkreis (WRG) sowie regionalen<br />
Unternehmen soll ein regelmäßiger<br />
Austausch zu betrieblichen Gesundheitsthemen<br />
stattfinden. Geplant ist eine jährliche<br />
Veranstaltungsreihe.<br />
Mehr Informationen zu TOPAS unter<br />
www.topas-sns.de<br />
KONTAKT<br />
SüdniedersachsenStiftung<br />
Maschmühlenweg 105<br />
37081 Göttingen<br />
Telefon +49 551 270713-30<br />
info@suedniedersachsenstiftung.de<br />
www.suedniedersachsenstiftung.de<br />
Ansprechpartnerin: Tara Brune<br />
Projektleitung TOPAS<br />
Telefon +49 51 270713-329<br />
tara.brune@suedniedersachsenstiftung.de
mensch<br />
-shortlist<br />
Neuer Chefarzt im Weender Krankenhaus<br />
Max Reinshagen leitet ab sofort die Innere<br />
Medizin und die Gastroenterologie<br />
Auf der Überholspur<br />
Katharina Stein leitet<br />
Porsche Zentrum<br />
DER BRAUNSCHWEIGER Professor<br />
Max Reinshagen ist seit dem<br />
1. April <strong>2<strong>02</strong>4</strong> neuer Chefarzt der<br />
Abteilung Gastroenterologie und<br />
Allgemeine Innere Medizin im Evangelischen<br />
Krankenhaus Göttingen-<br />
Weende (EKW). Er arbeitete zuvor<br />
als Chefarzt der Gastroenterologie<br />
und Diabetologie im Städtischen<br />
Klinikum Braunschweig. Damit tritt<br />
er die Nachfolge von Michael<br />
Karaus an, der im Weender Krankenhaus<br />
weiterhin die Position als<br />
Medizinischer Geschäftsführer behält.<br />
Reinshagen ist international anerkannter<br />
Experte auf dem Gebiet<br />
der Gastroenterologie, Endoskopie<br />
und Diabetologie. Er ist Vorsitzender<br />
der Norddeutschen Gesellschaft<br />
für Gastroenterologie und zweiter<br />
Vorsitzender von CED Nord (Chro-<br />
nisch Entzündliche Darmerkrankungen).<br />
Nach dem Studium der<br />
Human medizin in Marburg promovierte<br />
der Mediziner zum Thema<br />
„Untersuchung zur Feedbackregulation<br />
der exokrinen Pankreasfunktion<br />
des Menschen“.<br />
2006 wurde Professor Reinshagen<br />
zum außerplanmäßigen Professor<br />
der Medizinischen Fakultät der<br />
Universität Ulm ernannt und 2010<br />
zur Medizinischen Hochschule<br />
Hannover (MHH) umhabilitiert.<br />
Der Facharzt für Innere Medizin mit<br />
den Zusatzbezeichnungen Gastroenterologie<br />
und Diabetologie hatte<br />
seit 2004 die Position des Chefarztes<br />
der Medizinischen Klinik 1 im Klinikum<br />
Braunschweig inne.<br />
Prof. Dr. Max Reinshagen war bereits<br />
im Beirat der Deutschen Gesellschaft<br />
für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten,<br />
stellvertretender<br />
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft<br />
leitender gastroenterologischer<br />
Krankenhausärzte und Vorsitzender<br />
des Bundesverbandes Gastroenterologie<br />
Deutschland. Reinshagen<br />
ist seit mehreren Jahren in der renommierten<br />
FOCUS-Liste der besten<br />
Ärzte Deutschlands vertreten.<br />
KATHARINA STEIN übernimmt ab<br />
1. Juli die Geschäftsführung vom<br />
Porsche Zentrum Göttingen. Die bisherige<br />
Center- und Verkaufsleiterin<br />
bei Emil Frey folgt damit auf Swen<br />
Riediger. Stein war seit 2014 für die<br />
Marke Mercedes Benz in Göttingen<br />
verantwortlich. Swen Riediger wechselt<br />
die Branche und übernimmt die<br />
Geschäftsführung der Timberjacks<br />
Betreibergesellschaft.<br />
78 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
Industrie- und Handelskammer Hannover<br />
Alexandra Gerhardy und Michael Zimbal<br />
sind die neuen Vizepräsidenten<br />
Höchste Auszeichnung<br />
Hasenfuß erhält<br />
DGIM-Medaille<br />
DIE NEU GEWÄHLTE Vizepräsidentin Alexandra Gerhardy (Göttingen) und der neu gewählte<br />
Vizepräsident Michael Zimbal (Northeim) der IHK Hannover<br />
AUF IHRER konstituierenden Sitzung<br />
hat die Vollversammlung der<br />
Industrie- und Handelskammer<br />
Hannover die Göttingerin Alexandra<br />
Gerhardy und den Northeimer<br />
Michael Zimbal zu IHK-Vizepräsidenten<br />
für vier Jahre bis zum Jahr<br />
2<strong>02</strong>8 gewählt.<br />
„Als Familienunternehmerin möchte<br />
ich insbesondere die Interessen der<br />
vielen kleinen- und mittelständischen<br />
Betriebe vertreten und ihnen eine<br />
Stimme geben.“, begründet Gerhardy<br />
ihr Engagement. Die 49-Jährige<br />
ist geschäftsführende Gesellschafterin<br />
der Göttinger Farbfilter GmbH.<br />
Sie war schon im Außenwirtschaftsausschuss<br />
der DIHK aktiv und ist<br />
Mitglied des Deutschen Strategieforums<br />
für Standardisierung des<br />
Bundesministeriums für Wirtschaft<br />
und Klimaschutz.<br />
Michael Zimbal ist geschäftsführender<br />
Gesellschafter der Hermann<br />
GmbH in Northeim. Der 61-Jährige<br />
ist bereits in der dritten Wahlperiode<br />
in der Vollversammlung. „Besonders<br />
freut mich, dass ich als Northeimer<br />
sowohl die Interessen unseres<br />
Landkreises in die Region als auch<br />
nach Hannover tragen darf“, sagt<br />
Michael Zimbal. In den zuletzt vergangenen<br />
Wahl perioden kam keiner<br />
der Vizeprä sidenten aus dem Landkreis<br />
Northeim. „Für die Entwicklung<br />
unserer Region ist es wichtig,<br />
dass die wirtschaftlichen Belange<br />
bei gesellschaftlichen Entwicklungen<br />
mit berücksichtigt werden“, sagt<br />
Zimbal.<br />
Damit sind im zehnköpfigen Präsidium<br />
des wiedergewählten Präsidenten<br />
Gerhard Oppermann zwei<br />
Vertreter aus Südniedersachsen. In<br />
der abgelaufenen Wahlperiode war<br />
die Göttinger Unternehmerin Birgitt<br />
Witter-Wirsam die IHK-Vizepräsidentin<br />
der Region. Sie hatte nicht<br />
wieder für die Vollversammlung<br />
kandidiert.<br />
GERD HASENFUSS erhielt die höchste<br />
Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft<br />
für Innere Medizin<br />
(DGIM): Mit der Leopold-Lichtwitz-Medaille<br />
würdigt die Fachgesellschaft<br />
sein Lebenswerk und seine<br />
großen Verdienste um die Innere<br />
Medizin. Hasenfuß ist seit 1998<br />
Direktor der Klinik für Kardiologie<br />
und Pneumologie und Universitätsprofessor<br />
für Innere Medizin an der<br />
UMG. Er ist Mitbegründer und seit<br />
2001 Vorsitzender des Herzzentrums,<br />
dem interdisziplinären Schwerpunktzentrum<br />
der UMG für Erkrankungen<br />
des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge,<br />
Gefäße und Nieren. Unter seiner<br />
Leitung entwickelte sich das Herzzentrum<br />
laut US-Wochenzeitung<br />
,Newsweek‘ 2<strong>02</strong>1 zu einem der besten<br />
Spezialzentren der Welt.<br />
Für seine Leistungen wurde der<br />
Kardiologe mit zahlreichen Preisen<br />
ausgezeichnet, darunter mit dem<br />
Theodor-Frerichs- Preis der DGIM<br />
für die beste klinisch-experimentelle<br />
Arbeit auf dem Gebiet der Inneren<br />
Medizin. 2019 wurde Hasenfuß als<br />
Mitglied der Nationalen Akademie<br />
der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen.<br />
2|<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 79
mensch<br />
Dr. Clemens Ritter von Kempski ist Arzt, Betriebswirt<br />
und Hotelier. Im Südharz fühlt er sich<br />
zu Hause und betreibt dort zwei besondere<br />
Hotels. Als Arzt rettete er einst Menschenleben<br />
in Südafrika und notärztlich unter anderem auf<br />
deutschen Landstraßen. Seine Leidenschaft für<br />
Natur und Porzellan treibt ihn an, den Tourismus<br />
in der ländlichen Region von Sachsen-Anhalt<br />
zu entwickeln. Im Gespräch stellt sich heraus:<br />
Seine neuen Ziele sind mehr als nur ambitioniert,<br />
angetrieben von Werten und Menschen.<br />
Die eigene<br />
Geschichte<br />
schreiben<br />
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Ritter von Kempski nimmt uns gedanklich mit<br />
in ein Krankenhaus in Kapstadt, Südafrika. In<br />
der Notaufnahme steht ein junger Mann, ein<br />
Verband um die Brust und ein feuchter Fleck<br />
auf der Hose – und wird plötzlich nervös. „In der Notfallmedizin<br />
geht es sehr schnell um Leben und Tod und<br />
Sie müssen in wenigen Minuten entscheiden“, beschreibt<br />
der Mediziner die Situa tion. Aus wenigen Informationen<br />
formt er sich ein Bild, eine Meinung und dann eine Entscheidung.<br />
Nach einem winzigen Stich ins Herz droht der<br />
junge Mann zu sterben. Diagnose Herzbeuteltamponade.<br />
Das Ärzteteam öffnet ihm den Brustkorb, entlastet mit einem<br />
weiteren Schnitt den Herzbeutel und rettet ihm –vorerst<br />
– das Leben. „Sonst hätte sich das pumpende Herz<br />
selbst abgedrückt.“ Schnelle Entscheidungen und klare<br />
Kommunikation – das liebt Kempski an der Notfallmedizin.<br />
Jahrzehnte nach diesen Fällen und einigen Umwegen<br />
ist der 61-jährige Unternehmer im Südharz angekommen<br />
und will nicht weniger als ein Hotelkonzept erschaffen,<br />
80 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 81
mensch<br />
„dass es weltweit noch nicht gibt“. Gelingen will ihm das,<br />
indem er auf Produkte der ,Staatlichen Porzellanmanufaktur<br />
Meissen‘, den Naturraum im Süden von Sachsen-<br />
Anhalt und seine Mitarbeiter setzt.<br />
EIN BLICK INS NATURRESORT & SPA SCHINDELBRUCH<br />
Vor der Saison ist es auf den Gängen des Naturresort &<br />
Spa Schindelbruch bei Stolberg im Südharz noch ruhig.<br />
Anfang Mai scheint die Sonne steil durch die großen<br />
Fenster und lässt die Marmorböden und Porzellanfiguren<br />
im Foyer glänzen. Neben dem ,Hotel & Spa Suiten<br />
FreiWerk‘ ist es eins von zwei der ,Ritter von Kempski<br />
Privathotels & Resorts‘. Ihr Inhaber und Namensgeber ist<br />
Clemens Ritter von Kempski: Arzt, Katholik, Jäger. Der<br />
Händedruck ist fest, das braune Jackett aufgebügelt und<br />
das Lächeln so ansteckend wie der neugierige Blick. Die<br />
Ansprache ist adelig, Baron Kempski lebt zwei Karrieren,<br />
zusammengehalten von einer – wie er es nennt – kernfesten<br />
Wertestruktur. Beide Leben sind untrennbar voneinander<br />
zu bewerten, wenn es darum geht, den Menschen<br />
Kempski zu beschreiben.<br />
BLAULICHT UND EIN STICH INS HERZ<br />
Das erste: Arzt. „Seit ich klein war, wollte ich Mediziner<br />
werden“, sagt Ritter von Kempski. „Ich habe nie an<br />
etwas anderes gedacht.“ Mit 16 Jahren steigt er in den<br />
Rettungsdienst ein und studiert nach dem Abitur Medizin<br />
an der Universität Wien, der ,Harvard Medical School<br />
‘in Boston und am ,King’s College‘ in London. Kempski<br />
wählt zuerst die internistische Ausbildung an der Uniklinik<br />
Zürich, bevor es ihn für die Chirurgie ans ,Groote<br />
Schuur Hospital‘ der University of Cape Town befördert.<br />
In Kapstadt sammelt er die wesentlichen Erfahrungen und<br />
ist täglich in der Notfallmedizin unterwegs. Ein Vorbild in<br />
der Familie, die lückenlos bis ins 14. Jahrhundert nachweisbar<br />
ist, gibt es nicht. Mediziner sind nicht bekannt.<br />
Der Vater, geborener Ungar, und die Mutter aus Schlesien<br />
waren Flüchtlinge, er selbst kam in Düsseldorf zur Welt.<br />
Als Mediziner habilitiert er dann doch nicht in Hamburg,<br />
sondern wählt einen für einen Arzt untypischen<br />
Weg. Zunächst als Berater bei der ,The Boston Consulting<br />
Group‘ bekommt er das Stipendiat für einen Master<br />
of Business Administration in der Schweiz, sanierte später<br />
die insolvente ,EuromedClinic‘ und gründete dabei<br />
das ,Euromed Allgemeine Krankenhaus‘ in Fürth.<br />
Doch die Notfallmedizin lässt ihn nie los. „Man ist<br />
echt dicht dran“, beschreibt er seine Faszination für die<br />
Notfallmedizin. „Sie kommen irgendwo rein und müssen<br />
innerhalb von wenigen Minuten existenzielle Entscheidungen<br />
treffen.“ Und die schonungslose Schule: Im<br />
,Groote Schuur Hospital‘ in Kapstadt wurden den Ärzten<br />
in der chirurgischen Notfallaufnahme alle zwei Wochen<br />
,ihre‘ Toten aufgezeigt. „,Witchhunt‘, Hexenjagd,<br />
haben sie es genannt“, erzählt der Arzt Kempski. Zu diesem<br />
Zeitpunkt hatte die Pathologie geklärt, woran die<br />
Patienten wirklich gestorben waren – und wie die Diagnose<br />
richtig lautete. „Das war nie böse gemeint, sondern<br />
nur um zu lernen. Denn als Notfallmediziner macht man<br />
Fehler, schätzt Situationen falsch ein.“<br />
Nach dem Umzug Anfang des Jahrtausends von<br />
Düsseldorf in den Südharz engagiert sich der gläubige<br />
Katholik bei den Maltesern. Ihr Leitspruch bedeutet ihm<br />
viel: ,Weil Nähe zählt.‘ In der Notfallmedizin sei das genau<br />
der Fall: Das Individuum stehe im Mittelpunkt.<br />
„Diese Besonderheit finde ich in der Hospitality-Branche<br />
wieder“, sagt Kempski und sieht darin seine eigene Entwicklung.<br />
„Es ist auch eine Dienstleistung – und zum<br />
Schluss geht es darum, dem einzelnen Gast ein bestmögliches<br />
Erlebnis zu bieten.“<br />
EIN STICH – MITTEN INS HERZ<br />
Durch die Enteignung seiner Familie mütterlichseits in<br />
der DDR erhielt der Baron nach der Wende Kaufrecht<br />
für Forstflächen und realisierte diese bei Stolberg im<br />
Südharz. Nach dem Erwerb wurde ihm schnell klar: „So<br />
ein Wald ist doch mehr als nur Holzproduktion und ein<br />
bisschen Jagd.“ Das Unternehmer-Gen leuchtete auf.<br />
Den Anfang machten kleine Jagdhäuser für Jäger mit<br />
Pirschbezirken fürs Wochenende. Auf dem Einkaufszettel<br />
stand außerdem ein ehemaliges Kinderferienlager<br />
nahe Stolberg. „Das wollte keiner haben. So konnte ich<br />
es Mitte der 1990er- Jahre für eine kleine Mark kaufen<br />
und mit der Treuhand zusammen sanieren“, erzählt er.<br />
Bis zu 1.500 Kinder erlebten dort einst vormilitärische<br />
Ausbildung. Eine der Waschhallen baute er in einen Festsaal<br />
um, die erste Feier darin war seine eigene standesamtliche<br />
Hochzeit im Oktober 2001. In der Folge rückte<br />
das nahe gelegene ,Harzhotel im Schindelbruch‘ in seine<br />
Aufmerksamkeit. Der Ritter stieg ein, verifizierte tiefrote<br />
Zahlen, erkannte aber das Potenzial und erwarb das Hotel<br />
aus der Insolvenz heraus.<br />
Während sich seine Ehefrau zu diesem Zeitpunkt noch<br />
über den Arzt, der nun Hotelier wird, wunderte – ihm<br />
aber vertraute –, war sein Vater kritischer. „Er hat mich<br />
einfach enterbt. Mit der Begründung: Warum sollte ein<br />
Chirurg nun Hotels führen?“ Damals, im Jahr 2009,<br />
eine unerwartete Enttäuschung und ein Tiefschlag für<br />
ihn. Heute sieht er das anders. „Retrospektiv war das die<br />
zweitbeste Entscheidung meines Lebens“, sagt der Ritter.<br />
Die beste Entscheidung: die Hochzeit mit seiner Frau.<br />
Aber der Bruch mit dem Vater die zweitbeste Entscheidung?<br />
„Ja, weil es meinen eigenen Weg bahnte. Dieser<br />
Weg hat etwas mit Glauben und Vertrauen zu tun.“ Er<br />
habe gelernt, an das zu glauben, was man selbst tut.<br />
„Meine Mittel waren beschränkt, ich hatte und habe<br />
noch nie etwas geerbt oder geschenkt bekommen, auf<br />
das ich hätte Steuern zahlen müssen. Du musst dann Risiken<br />
eingehen und an das glauben, was du tust“, sagt<br />
Kempski. „Auch gegen Widerstände – eben auch aus der<br />
eigenen Familie.“<br />
82 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
Clemens Ritter von Kempski entwickelte seine Leidenschaft für das Meissen-Porzellan erst, als er es aus dem<br />
Erbe seines Vaters übernahm. Heute macht er die Figuren zum Alleinstellungsmerkmal seiner Hotels.<br />
ZUR PERSON<br />
Clemens Ritter von Kempski wurde am<br />
8. Oktober 1962 in Düsseldorf geboren<br />
und lebt heute in Stolberg im Südharz.<br />
Er ist verheiratet und hat vier Kinder.<br />
Seit 2003 betreibt er die ,Ritter von<br />
Kempski‘ Privathotels, das Wellnesshotel<br />
,Naturresort & Spa Schindelbruch‘<br />
und das ,Hotel & Spa Suiten<br />
FreiWerk‘. Nach dem Abitur studierte er<br />
Medizin an der Universität Wien, der<br />
,Harvard Medical School‘ in Boston<br />
und am ,King’s College‘ in London.<br />
Kempski wird an der Uniklinik Zürich<br />
internistisch ausgebildet und wechselte<br />
in die Chirurgie ans ,Groote Schuur‘ an<br />
der University of Cape Town. Zudem arbeitete<br />
er ab 1993 für ,The Boston<br />
Consulting Group‘ in München, wurde<br />
Stipendiat und machte den ,Master of<br />
Business Administration‘. Im Jahr 1980<br />
wurde er Rettungssanitäter und ist seit<br />
2012 beim Malteser Hilfsdienst aktiv.<br />
2<strong>02</strong>2 wurde Clemens Ritter von<br />
Kempski für sein Engagement mit dem<br />
Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.<br />
Gleichzeitig – und fast gegenteilig – hat er für sich mitgenommen,<br />
den eigenen Kindern von Anfang an zu vertrauen.<br />
Darauf, dass sie ihren eigenen Weg gehen und<br />
mit dem nötigen Wertesystem ausgerüstet sind, um eigene<br />
Entscheidungen zu treffen und durchzuhalten. „Das<br />
ist etwas, auf das die Baronin und ich stolz sind. Wir<br />
haben ein endlos großes Vertrauen in unsere Kinder. Das<br />
wird gespürt und deshalb gehen sie ihre eigenen Wege –<br />
alle vier“, sagt Kempski. „Für diesen Weg muss man den<br />
Kindern eben nicht erst einmal das Vertrauen entziehen.“<br />
KRISEN ALS CHANCE<br />
Im Umgang mit seinen Kindern kann Ritter von Kempski<br />
also der Entscheidung seines Vaters etwas Positives abgewinnen.<br />
Denn nur aufgrund dieses Bruchs konnte er<br />
seinen nun eigenen Erfolg erleben und ihn mit seinen<br />
Kindern teilen. Der Rat: „Analysiere sehr genau und kritisch,<br />
habe eine eigene Strategie, komme dann aus dieser<br />
Strategie – und arbeite hart an der Erreichung der operativen<br />
Exzellenz.“ Denn die Entscheidung seines Vaters<br />
bedeutet für ihn: „Jetzt gibt es kein Zurück.“ Kempski<br />
war gezwungen, seinen Weg durchzuziehen. Davor<br />
musste er sich aber noch auf einen Deal mit seinem Vater<br />
einlassen: Den Einblick in das neue Vermächtnis be-<br />
kommt er nur unter der Bedingung, danach nie wieder<br />
Kontakt zu ihm zu haben. „Sie merken, das Verhältnis<br />
war zerstört.“<br />
Ein Jahr später war es dann allerdings der Vater, der<br />
sich nicht mehr an diese Vorgabe hielt. Er rief kurz vor<br />
Ostern 2010 den Sohn aus dem Ferienhaus in Portugal<br />
an, war erkrankt und bat um Hilfe. „Du bist der Einzige,<br />
der mir jetzt helfen kann“, sagte er am Telefon. „In der<br />
Ferndiagnose wurde mir klar: Er stirbt, weil grobe Fehler<br />
gemacht wurden. Aber er wollte unbedingt zurück nach<br />
Düsseldorf“, erzählt Baron Kempski über den Abschied<br />
von seinem Vater, der kurz darauf mit dem von ihm organisierten<br />
Flugzeug in Düsseldorf landete, in dem<br />
durchorganisierten Krankenhaus seiner Wahl eintraf<br />
und wenige Tage später ohne Gruß verstarb. „Das Leben<br />
geht sehr eigene Wege.“<br />
Ritter von Kempski beruft sich auf seinen festen<br />
Werte korridor, um die Wege meistern zu können und „in<br />
solchen Chaosmomenten nicht verlorenzugehen“. Ausgerüstet<br />
mit diesen Strukturen sei ihm auch der Wandel<br />
vom passionierten Mediziner zum – wie er heute sagt –<br />
„leidenschaftlichen Hotelier“ gelungen. Dabei befindet er,<br />
dass diese beiden Professionen durchaus verwandt sind.<br />
„Beide brauchen Infrastruktur, Organisation und Qua-<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 83
mensch<br />
Detaillreiche Figuren aus hochwertigem Porzellan sind überall im Hotel Schindelbruch wie kleine Schätze zu entdecken.<br />
» Das Kunstkonzept ist unser Aushängeschild «<br />
litätsparameter, um die Erwartungshaltungen – ob Gast<br />
oder Patient – zu erfüllen.“ Nach seinem Wechsel aus der<br />
Medizin ins Hotel hat ihn beispielhaft das Zusammenspiel<br />
von Küche und Service interessiert. Dabei ist die<br />
Küche der OP – jedoch viel komplizierter. Im Kern finden<br />
sich laut Kempski aber ähnliche Chancen. „Der Unternehmenserfolg<br />
ist von drei Dingen abhängig: zu 70<br />
Prozent von der strategischen Positionierung, zu 25 Prozent<br />
von der operativen Exzellenz und nur zu fünf Prozent<br />
vom dispositiven Geschick.“ Was ist die Basis dieser<br />
Erkenntnis? “, „Eine sehr gute Studie“, sagt Kempski,<br />
„leider von McKinsey" – dem Wettbewerber der ,Boston<br />
Consulting Group‘.<br />
DER SÜDHARZ UND EINE PANDEMIE<br />
Ritter von Kempski engagiert sich in der Region Südharz<br />
politisch im Gemeinderat, bringt touristische Projekte<br />
auf den Weg und fühlt sich mit seinem unternehmerischen<br />
Handeln für den Südharz verantwortlich. „Tourismus<br />
ist in der Kommunalverfassung eine freiwillige Aufgabe.<br />
Das ist grundfalsch!“, sagt er mit kräftiger Stimme.<br />
„Es müsste Pflichtaufgabe werden, weil der Tourismus<br />
den ländlichen Raum attraktiv macht. Sonst kommen<br />
keine Fachkräfte für Industrie und Handwerk, die Jungen<br />
ziehen weg, und die Region verwaist zuerst, dann<br />
radikalisiert sie sich“, sagt der Baron, der in seinem beruflichen<br />
Leben durch die halbe Welt gekommen ist.<br />
„Was derzeit in verschiedenen Regionen von Deutschland<br />
passiert, halte ich für hochgefährlich. Mein Herz<br />
schlägt für den Tourismus und den Südharz.“ Dafür bekam<br />
er 2<strong>02</strong>2 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.<br />
Dass sich alle und vor allem auch seine Hotels derzeit<br />
in einem großen Wandel befinden und vieles hinterfragt<br />
wird, ist insbesondere der Corona-Pandemie zu<br />
verdanken. Die Folgen für die Arbeitswelt – insbesondere<br />
im Bereich der Tourismus- und Hospitality-Branche –<br />
verglich Ritter von Kempski damals mit einem ,Berufsverbot‘.<br />
Von einem Tag auf den anderen musste der<br />
Betrieb geschlossen werden, Mitarbeiter wurden in die<br />
Ungewissheit nach Hause geschickt. Viele von ihnen sind<br />
zum Ende der Pandemie nicht mehr in ihren alten Beruf<br />
zurückgekehrt.<br />
Laut Kempski trifft das vor allem die Mitte der Hotels,<br />
während Low-Budget und die Top-Häuser durchgekommen.<br />
„Viele Mitarbeiter haben sich hinterfragt und die<br />
Sinnfrage gestellt: Was mache ich hier eigentlich?“ Im<br />
Fall der Ritter-von-Kempski-Hotels sei die Stammmannschaft<br />
aber geblieben. Verluste, sagt der Chef, gab es auf<br />
der Management-Ebene. „Vorteil: So konnte die Mannschaft<br />
– fast befreit – besonders zusammenwachsen. Mit<br />
ihr gestalten wir nun die Zukunft“, sagt der Unternehmer.<br />
Denn Kempski hat sich und sein Gewerk hinterfragt,<br />
als er im Jahr 2<strong>02</strong>0 – in der Krise – die Häuser<br />
auch operativ übernahm: „Unsere Hotels hatten nicht<br />
die Qualität, von der ich glaubte, diese zu haben“, sagt<br />
er selbstkritisch.<br />
84 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
ZERBRECHLICHE ZUKUNFT<br />
Nach der Corona-Krise stellt er ein Team aus nur eigenen<br />
Mitarbeitern und ohne Berater zusammen, um das<br />
Grundkonzept komplett auf neue Beine zu stellen. Das<br />
ehrgeizige Ziel: „Wir erfinden uns neu!“ Die Basis bildet<br />
dabei das Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter,<br />
ein Personalmanagement mit Weitblick, ein modernes<br />
Sales- und Marketing-Team sowie die Übernahme<br />
sozialer Verantwortung im Rahmen des umfangreichen<br />
Nachhaltigkeitskonzepts. Und der Mut, auch mal<br />
etwas auszuprobieren.<br />
Noch während der Pandemie entwickelt der Arzt mit<br />
seinem Team ein Konzept zum ,sicheren touristischen<br />
Reisen in der Pandemie‘, investiert in Technik und Organisation<br />
und baut ein eigenes PCR-Diagnostik-Labor im<br />
Hotel auf. Als erstes Privathotel Deutschlands durfte er<br />
Dank Rückendeckung durch die Landesregierung wieder<br />
öffnen. Für wenige Tage: „Dann hat die Bundeskanzlerin<br />
als Physikerin entschieden, dass bei einer Inzidenz<br />
von über 100 auch die Pilotprojekte zu schließen<br />
sind“, sagt Kempski. „Was für eine wissenschaftlich-fundamentale<br />
Fehleinschätzung.“ Dennoch sorgte das Vorzeigeprojekt<br />
für Schlagzeilen.<br />
Nach der Pandemie wurde das Ziel ausgegeben, wieder<br />
eines der nachhaltigsten Hotels zu werden – denn seit<br />
dem Jahr 2009 ist der Schindelbruch das erste Wellness-Hotel<br />
mit ausgeglichener CO2-Bilanz in Deutschland.<br />
Energiemanagement, Warenmanagement, Abfallmanagement<br />
– alle Details kamen auf den Prüfstand,<br />
wurden hinterfragt. Es folgen Preise, Auszeichnungen<br />
und Anerkennung. „Wir mussten aber auch erkennen,<br />
dass dies für den Gast kein Buchungsgrund ist“, sagt von<br />
Kempski. „Klimaneutral“ war auch kein guter Begriff.<br />
Trotzdem verfolgt der Schindelbruch das Ziel weiter und<br />
erfüllt die immer strenger werdenden eigenen Vorgaben.<br />
2<strong>02</strong>3 wird der Schindelbruch zum führenden Hotel für<br />
sein Nachhaltigkeitskonzept in Deutschland ausgezeichnet,<br />
und vom Busche-Fachverlag wird Ritter von Kempski<br />
im Mai <strong>2<strong>02</strong>4</strong> unter die Top50 Hoteliers von Deutschland<br />
gewählt. Im selben Monat rezertifiziert der Schindelbruch<br />
mit ,GreenSign‘ auf dem höchsten ,Level 5‘.<br />
BEI DER ENTWICKLUNG seiner ,Privathotels & Resorts‘<br />
hilft Clemens Ritter von Kempski auch eine private Leidenschaft.<br />
Aus dem Erbe seines Vaters erwarb er eine<br />
Sammlung von Meissener Porzellanen. Er arbeitet sich<br />
in die Themen ein und entwickelt ein eigenes Konzept,<br />
das es bis dato nicht gab: Fast zwei Quadratmeter große<br />
Wandabwicklungen aus Porzellan mit neu entwickelten<br />
Skizzen bekannter Motive der berühmten Kaendler’schen<br />
Großfiguren schmücken nun die Wände des Hotels. „Das<br />
Kunstkonzept ist unser Aushängeschild“, sagt der Baron.<br />
Er arbeitet eng mit der ,Staatlichen Porzellanmanufaktur<br />
Meissen‘ zusammen und ist gewählter Vorstand im Freundeskreis<br />
der Porzellansammlung im Zwinger (Staatliche<br />
Kunstsammlung Dresden). Ideen und Projekte wie etwa<br />
Meissen-Spa-Suiten sind in der Vorbereitung, inzwischen<br />
gibt es eine ,Tisch & Tafel-Kollektion‘ im neuen Gourmetrestaurant<br />
,Silberstreif‘ unter dem eigenen Namen<br />
,Ritter von Kempski Collection‘.<br />
Aus Leidenschaft für das edle Porzellan ein Alleinstellungsmerkmal<br />
für seine Hotels zu schaffen, sei Teil der<br />
Zukunftsvision. Gleichwohl werden alle weiteren Hotelprozesse<br />
analysiert und hinterfragt, neue Ideen umgesetzt,<br />
ausprobiert und im Zweifel auch wieder verworfen. „Das<br />
kostet Geld, und manchmal tut es weh. Aber wir arbeiten<br />
eben strategisch und wollen am Ende unseren Gästen das<br />
besondere Erlebnis bieten und ein verlässlicher Arbeitgeber<br />
sowie ein stabiles Unternehmen sein“, sagt der Ritter.<br />
Dabei leitet er einen roten Faden aus seinen Anfängen ab,<br />
als er durch den Wald ging und die ersten unternehmerischen<br />
Ideen entwickelte. „Der Forst denkt in Generationen.<br />
Und das wollen wir auch in der Hospitality.“ Ob das<br />
auch bedeutet, dass seine Kinder einmal alles weiterführen?<br />
Diese Entscheidung legt er in ihre Hände. „Da sind<br />
die frei. Die Basis anzubieten, ist allerdings meine Verantwortung!“<br />
Die Begeisterung dafür, da sei er sich sicher, ist da: „Wir<br />
wollen kein Konzern werden, keine internationale Kette.<br />
Wir werden unsere eigene Geschichte schreiben“, sagt<br />
Baron Kempski. „Wir haben noch einen langen Weg zu<br />
gehen, aber hier sind so viel Qualität, so viele Chancen<br />
und so viel Aufbruch zu spüren.“ Bis 2<strong>02</strong>6 soll dieser sehr<br />
eigene Zukunftsprozess mit den neuen Entwicklungen in<br />
der Hospitality-Branche auch international sichtbar werden.<br />
Kempski hat Lust darauf und fühlt sich auf diesem<br />
Weg nicht allein. „Danke für das Glück, es selbst versucht<br />
haben zu dürfen – und dafür, dass jemand die Hand über<br />
mich gehalten hat.“ ƒ<br />
Clemens Ritter von Kempski erzählt<br />
seine Lebensgeschichte ausführlich in<br />
der aktuellen Ausgabe des faktor-Podcasts<br />
,onfire‘<br />
www.faktor-magazin.de/onfire-podcast/<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 85
PROFIL<br />
PROFIL<br />
Katrin Benken arbeitet im Hospiz an der Lutter und leitet die ,Letzte-Hilfe‘ Kurse.<br />
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Den Sterbenden zuwenden<br />
Das Hospiz an der Lutter bietet mit ,Letzte-Hilfe-Kursus‘ Orientierung für die Sterbebegleitung.<br />
Druckverband, stabile Seitenlage.<br />
Auto fahrer kennen die Erste- Hilfe-<br />
Kurse sehr gut und erinnern sich im<br />
Idealfall auch noch an ihre Ausbildung. Die<br />
Grundlage ist einfach: in schwierigen Situationen<br />
handeln können. Nach dem gleichen<br />
Prinzip funktioniert die ,Letzte Hilfe‘. In diesem<br />
Kursus, der vom Hospiz an der Lutter in<br />
Göttingen angeboten wird, werden Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer darauf vorbereitet,<br />
Schwerkranke und sterbende Menschen auf<br />
dem letzten Weg zu begleiten. Das kann sowohl<br />
im privaten Alltag oder im Umfeld einer<br />
Betreuung nützlich sein.<br />
„STERBEN IST EIN TEIL DES LEBENS“, sagt<br />
Katrin Benken vom Hospiz an der Lutter. Der<br />
Kursus, den sie gemeinsam mit einer Kollegin<br />
in eigenen Räumen und bei Firmenanfragen<br />
auch vor Ort anbietet, dauert rund vier Stunden<br />
und ist in mehrere Module unterteilt. Im<br />
Kern steht dabei das Individuum. „Das ist das,<br />
was wir in diesem Kursus vermitteln wollen:<br />
den ganzheitlichen Gedankenansatz.“ Benken<br />
selbst arbeitet aktiv im Hospiz und kann<br />
im Kursus auch ihre Erfahrung mit dem Tod<br />
und sterbenden Menschen weitergeben. Und<br />
genau danach fragen auch die Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer. Denn ähnlich wie in der<br />
Ersten Hilfe werden die Menschen mit Situationen<br />
konfrontiert, für die sie ein seelisches<br />
und praktisches Rüstzeug benötigen.<br />
AUCH DESHALB BESTEHEN die Module aus<br />
wesentlichen Themen wie dem Sterbeprozess<br />
und wie dieser ein Teil des Lebens ist sowie<br />
der richtigen Vorsorge und den Möglichkeiten,<br />
Leiden zu lindern und Abschied zu nehmen.<br />
Dabei werden rechtliche Fragen beleuchtet,<br />
vor allem aber praktische Beispiele erklärt.<br />
„Wie gehe ich denn damit um, wenn jemand<br />
starke Schmerzen oder Atemnot hat? Diese<br />
Fragen werden gestellt und dann kann ich aus<br />
dem Alltag erzählen“, sagt Benken. Gleichwohl<br />
werden Symptome fachlich erläutert und<br />
ganz praktische Tipps gegeben.<br />
So vermittelt der Letzte-Hilfe-Kursus Basiswissen<br />
und Orientierung mit praktischen<br />
Handgriffen in der Sterbebegleitung. „Wir<br />
möchten Grundwissen an die Hand geben<br />
und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden“,<br />
sagt Katrin Benken. „Die Sorge, etwas<br />
falsch zu machen, ist unberechtigt. Man kann<br />
nichts falsch machen“, sagt Benken.<br />
Für die aktuellen Kurse gibt es feste Termine<br />
im Jahr. Zusatztermine, Anmeldung und<br />
nähere Informationen im Ambulanten Hospiz<br />
gibt es per E-Mail an<br />
ambulantes-hospiz@hospiz-goettingen.de<br />
oder telefonisch unter 0551 270726-20 .<br />
KONTAKT<br />
TEXT: CHRISTIAN VOGELBEIN<br />
Hospiz an der Lutter<br />
Humboldtallee 10 ·<br />
37073 Göttingen<br />
Tel. 0551 270726-10<br />
ambulantes-hospiz@hospiz-goettingen.de<br />
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Blackbit
mensch<br />
All In<br />
Luis Oberbeck – vom Nobody zum Olympiateilnehmer?<br />
Wie aus einem Außenstürmer beim Fußball einer der<br />
talentiertesten 800-Meter-Läufer Deutschlands wurde<br />
– und warum kaum jemand den Deutschen Meister aus<br />
Göttingen kennt.<br />
TEXT STEFAN LIEBIG<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
88 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 89
mensch<br />
L<br />
Luis Oberbeck zieht bei sommerlichen Temperaturen<br />
im Göttinger Jahnstadion seine Runden.<br />
Gerne fällt in diesem Zusammenhang das<br />
Wort ,einsam‘, doch er ist alles andere als das:<br />
Eine Rentnergruppe mit Walkingstöcken belegt die Innenbahnen,<br />
vor der Tribüne bewegen sich weitere Sportler<br />
– vielleicht eine Betriebssportgruppe? – hin und her,<br />
und an der Sprunganlage erklärt ein Vater seiner Tochter<br />
die Geheimnisse des Weitsprungs. Ganz schön was los<br />
also auf der Sportanlage – trotz des mit rot-weißem Flatterband<br />
abgesperrten Eingangstors.<br />
Unter den offensichtlich ambitionierteren Trainierenden<br />
befinden sich auch Oberbecks Freundin und einige<br />
andere sichtbar motivierte Athleten. So können sich die<br />
Aktiven gegenseitig pushen, und ein zusätzlicher Kick<br />
kann ja nicht schaden. Schließlich hat sich der 24-Jährige<br />
eines der höchsten Ziele gesetzt, die es für einen Leichtathleten<br />
überhaupt gibt: Er möchte zu den Olym pischen<br />
Spielen <strong>2<strong>02</strong>4</strong> nach Paris. Die Spiele finden in diesem<br />
Sommer vom 26. Juli bis zum 11. August statt. Ab dem<br />
7. August steigen die Qualifikations-, Hoffnungs- und<br />
Halbfinalläufe, das 800-Meter-Finale startet dann am<br />
10. August. Traditionell finden die wichtigen<br />
Leichtathletikentscheidungen erst kurz vor der Schlussfeier<br />
statt.<br />
JETZT FRAGT SICH DER EINE ODER ANDERE nicht zu<br />
den absoluten Experten gehörende Leichtathletikinteressierte,<br />
wer dieser Luis Oberbeck ist. Aber immerhin<br />
wurde er doch 2<strong>02</strong>3 über die Doppelstadionrunde in<br />
Kassel Deutscher Meister. Wie kommt es, dass nicht alle<br />
den Deutschen Meister kennen?<br />
Es hört sich ein bisschen wie die Story eines amerikanischen<br />
Sportfilms an, wenn Oberbeck erzählt: „Ich bin<br />
vor dreieinhalb Jahren vom Fußball zur Leichtathletik<br />
gewechselt.“ Ein Freund habe ihn dazu überredet, bei<br />
einem Rennen mitzulaufen. Dabei qualifizierte er sich<br />
auf Anhieb für die Niedersächsische und die Norddeutsche<br />
Meisterschaft. Damals, auf der Alfelder Sportanlage,<br />
startete er neben dem Hochsprung noch für den<br />
400-Meter-Lauf. Ohne Vorbereitung – abgesehen von<br />
seinem Fußballtraining – gewann er den Lauf und erreichte<br />
auf der Sprunganlage eine respektable Höhe von<br />
1,85 Meter, was aber nicht für die vorderen Plätze reichte.<br />
„Am 1.500-Meter-Lauf konnte ich dann nicht mehr<br />
teilnehmen, weil ich zum Flughafen musste. Wir flogen<br />
mit dem Fußballteam nach Bulgarien“, erinnert er sich.<br />
Mit dem MTV Almstedt spielte er nämlich in der Landesliga.<br />
Auf der Außenbahn ließ er so manchen Verteidiger<br />
weit hinter sich.<br />
ER LIEBTE DEN FUSSBALL und hatte von klein auf davon<br />
geträumt, als Fußballprofi Weltmeister zu werden.<br />
Seine Mannschaft wollte er dafür aber nicht verlassen.<br />
Die Vereinstreue ging so weit, dass er beim Kreisauswahltraining<br />
absichtlich schlecht spielte, was wohl der<br />
Anfang vom Ende einer großen Kickerkarriere bedeutete.<br />
Diese Heimatliebe hat ihren Grund in der „tollen<br />
Kindheit, die ich hier hatte“, sagt Oberbeck. Er wuchs in<br />
Neuhof bei Lamspringe auf, einem Dorf mit gerade einmal<br />
rund 450 Einwohnern. Seine Freunde und seine<br />
ebenfalls kickende eineinhalb Jahre jüngere Schwester<br />
hielten sich, wann immer es nur ging, unter freiem Himmel<br />
auf. Noch im Kindergartenalter meldeten ihn seine<br />
sportbegeisterten Eltern in der Jugendsportgemeinschaft<br />
mehrerer Dörfer ihrer Heimatgegend an. „Das hatte<br />
noch nicht viel mit Fußball zu tun, aber ich habe es<br />
trotzdem geliebt“, sagt er zurückblickend.<br />
Heute räumt er selbst ein, am Ball nicht der Geschickteste<br />
gewesen zu sein. So ging es dann im Anschluss an<br />
die Reise mit dem Fußballverein nach Bulgarien zweigleisig<br />
weiter, denn es eröffneten sich durch die Premiere<br />
in der neuen Sportart plötzlich neue Perspektiven. Der<br />
Erfolg in der ,Fremdsportart‘ Leichtathletik etwa eineinhalb<br />
Jahrzehnte nach seinen ersten Kicks im Fußballklub,<br />
machte ihm Lust auf mehr. In seiner letzten<br />
Fußballsaison startete er schon quasi ,nebenbei‘ mit<br />
intensivem Lauftraining. Doch so reibungslos, wie erhofft,<br />
lief es anfangs nicht: Denn die Landesmeisterschaft,<br />
für die er sich so überraschend qualifiziert hatte,<br />
verpasste er. Ein Magen-Darm-Virus verhinderte den<br />
Start. Dafür fuhr er zum nächsthöheren Wettbewerb, der<br />
Norddeutschen Meisterschaft: „Ohne großes Training<br />
und mit den Spikes vom Abi wurde ich Achter über die<br />
400 Meter.“<br />
DAS SORGTE DURCHAUS FÜR AUFSEHEN in Läuferkreisen,<br />
und ein Bekannter vermittelte ihm ein Privattraining<br />
bei Rolf Geese in Göttingen, seines Zeichens<br />
Sportwissenschaftler a. D. und mehrfacher Seniorenweltrekordhalter<br />
und -weltmeister. Oberbeck wohnte inzwischen<br />
in der Unistadt und studierte Betriebswirtschaftslehre.<br />
„Rolf ist ein echtes Vorbild für mich und viele<br />
andere“, sagt Oberbeck, der fortan neben dem Fußball<br />
90 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
mensch<br />
» Ich bereue den späten Einstieg nicht – ich habe viele andere schöne<br />
Erfahrungen gesammelt. «<br />
training und den Spielen auch ein- bis zweimal wöchentlich<br />
mit der Sportlegende trainierte. Geeses geschulte<br />
Augen wiederum erkannten das Talent des Laufneulings.<br />
Doch dem weiteren Training und dem erhofften steilen<br />
Aufstieg grätschte die Pandemie dazwischen. Oberbeck<br />
aber nutzte die Zeit: Zurück in der alten Heimat Neuhof<br />
trainierte er mit seiner Freundin. Ausdauer und Bergsprints<br />
standen immer wieder auf dem Plan. Nachdem er<br />
„ohne allzu intensives Training“, wie er immer wieder<br />
sagt, schnell die Norm zur Deutschen Meisterschaft über<br />
400 Meter anpeilte, reifte in ihm eine Entscheidung:<br />
„Ich entschloss mich schweren Herzens, mich von den<br />
Mannschaftskollegen beim Fußball zu verabschieden.“<br />
Böse waren sie ihm nicht: „Sie bedauerten es, hatten<br />
aber Verständnis.“ Leicht gemacht hat er sich diesen<br />
Schritt aber keineswegs, und das wussten auch seine<br />
Freunde. „Ich hatte einige schlaflose Nächte. Bis dahin<br />
galt für mich: 100 Prozent Fußball.“<br />
LUIS OBERBECK SETZTE ALSO ALLES AUF EINE KARTE:<br />
Ab 2<strong>02</strong>1 trainierte er mit dem 400-Meter-Bundestrainer<br />
Edgar Eisenkolb einmal pro Woche in der Landeshauptstadt<br />
Hannover. Den Rest des Trainings – oft bis zu<br />
sechs Einheiten wöchentlich – absolvierte er auf den<br />
Göttinger Hochschulsportanlagen. „Das war viel zu viel.<br />
Ich war dauernd verletzt“, sagt er heute. Den Grund für<br />
diese Fehlplanung sieht er heute in seiner mangelnden<br />
Erfahrung: „Andere Läufer sind mit der Disziplin groß<br />
geworden. Sie haben von klein auf systematisch und<br />
kontrolliert trainiert.“ Oberbeck musste schmerzhafte<br />
Rückschläge hinnehmen und immer wieder verletzungsbedingt<br />
auf Starts verzichten. „Aber ich bereue den späten<br />
Einstieg nicht – ich habe viele andere schöne Erfahrungen<br />
gesammelt“, sagt er. Seine erste komplette Saison<br />
brachte den Newcomer direkt bis zur U23-Europameisterschaft<br />
in Estlands Hauptstadt Tallinn. „Ich war total<br />
stolz, das National trikot tragen zu dürfen“, sagt Ober<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 91
mensch<br />
Sein Zuhause ist das Jahnstadion. In Göttingen studiert und trainiert Luis Oberbeck<br />
täglich, der ASC hält dem Talent mit Meistertitel den Rücken frei.<br />
» Ich wollte eigentlich nur ein<br />
bisschen mitlaufen und habe<br />
dann das Rennen gewonnen. «<br />
beck – wenn auch mit Wehmut, denn er war Ersatzläufer<br />
der 4 x 400-Meter Staffel und kam nicht zum Einsatz.<br />
Doppelt schwer: Er sah von der Tribüne aus, wie sein<br />
Team die Bronze medaille überreicht bekam. „Das spornte<br />
mich an, das nächste Mal richtig dabei zu sein“, sagt<br />
er und zeigt<br />
seine ehrgeizige Seite. Aus solchen Rückschlägen lernt er<br />
und nimmt die Motivation mit ins nächste Training. ,Immer<br />
100 Prozent‘ lautete sein Motto beim Fußball – und<br />
so lautet es bis heute bei jedem Training und jedem<br />
Wettkampf.<br />
IN DER FOLGE GENOSS ER DIE STIMMUNG in großen<br />
Stadien wie Braunschweig oder auch die Auftritte bei<br />
etablierten Sportfesten in kleineren Sportanlagen. Gemeinsam<br />
mit dem Göttinger Trainerurgestein Thomas<br />
Schmalz, mit dem er seit März 2<strong>02</strong>2 zusammenarbeitet,<br />
sollte die Saison 2<strong>02</strong>1/22 die erste durchgeplante und<br />
hoffentlich verletzungsfreie werden. Seine Statur – er ist<br />
1,93 Meter groß – und sein Laufstil führten zum Umstieg<br />
auf die 800-Meter-Distanz. Er erinnert sich an seine<br />
heimlich gelaufene Premiere über die neue Strecke:<br />
„Ich bin losgelaufen wie ein Verrückter und legte Weltrekordtempo<br />
vor. Nach 550 Meter war dann aber<br />
Schluss – ich war körperlich völlig am Ende!“<br />
Moralisch am Ende war er kurze Zeit später: Diagnose<br />
Hüftimpingement. Das bedeutete, die verengte Hüftgelenksspalte<br />
musste operiert werden. „Mein Körper<br />
war anscheinend immer noch nicht für die neuen Belastungen<br />
bereit", sagt Oberbeck. „Aber ich glaubte weiter<br />
an meine Ziele. Denn inzwischen hatte ich schon viel<br />
investiert.“ In erster Linie meint er damit die Zeit und<br />
das eher auf Sparflamme vorangetriebene Studium.<br />
Finan ziell unterstützten ihn in dieser Zeit seine Eltern.<br />
Mit Schmalz trainierte er nun individueller, nicht nach<br />
,Schema F‘, und sehr gezielt auf seinen ersten Freiluftwettkampf<br />
über 800 Meter hin. Ergebnis: Er wurde niedersächsischer<br />
Landesmeister. Danach trat er in Pfungstadt<br />
gegen die deutsche Spitze an. „Ich wollte eigentlich<br />
nur ein bisschen mitlaufen und habe dann das Rennen<br />
gewonnen“, erzählt er zufrieden und kann sich mit<br />
1:48,65 auch an die respektable Siegerzeit erinnern.<br />
IN DER FOLGENDEN SAISON gab es viel zu lernen, und<br />
er gesteht ein, dass er bei den folgenden, teilweise dennoch<br />
erfolgreichen Rennen viele taktische Fehler machte.<br />
„Aber aus Niederlagen und Fehlern und der Videoanalyse<br />
mit dem Trainer lernt man viel mehr als aus guten<br />
Rennen.“ Wie zum Beweis gewann er im Sommer 2<strong>02</strong>3<br />
in Kassel tatsächlich die Deutsche Meisterschaft über<br />
800 Meter. Dort ging auch sein inzwischen zum Freund<br />
und Trainingspartner gewordener Konkurrent Emil<br />
Meggle an den Start, konnte Oberbeck aber lediglich anspornen<br />
– nicht besiegen. Was für ein Moment: Das<br />
Smartphone wollte gar nicht mehr zur Ruhe kommen.<br />
Plötzlich häuften sich die Presseanfragen. Und von jetzt<br />
auf gleich hatten ihn auch die Konkurrenz und die Funktionäre<br />
auf dem Zettel. Zum Saisonabschluss folgte<br />
noch die Universiade im chinesischen Chengdu. Die<br />
fasst er ernüchtert zusammen: „Das war eine sehr wilde<br />
Erfahrung: 30 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit.<br />
Drei Rennen in drei Tagen – ich war im Finale völlig<br />
92 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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mensch<br />
kraftlos. Es ging nichts. Hinterher stellte sich heraus,<br />
dass ich wohl coronainfiziert war.“ Die Saison war also<br />
vorbei und es war klar, dass die nächste die Olympiasaison<br />
sein würde. Olympia! Erstmals formuliert er sein<br />
großes Ziel: „Ich möchte in Paris dabei sein!“ Unfassbar<br />
als ,Quasineuling‘ in der Sportart. Und schon wieder<br />
sollte ihm die Gesundheit einen Streich spielen. Eine heftige<br />
Coronainfektion mit anschließender Herzmuskelentzündung<br />
setzte ihm zu. Was für ein Rückschlag.<br />
DOCH DANK MEHRERER TRAININGSLAGER in Portugal<br />
und Südafrika erholte er sich gut. Nun gab es mental<br />
einiges zu verarbeiten. Dabei hilft ihm inzwischen eine<br />
Sportpsychologin. Auch unterstützt ihn der ASC Göttingen<br />
intensiv, und er hat dank des Meistertitels auch einige<br />
Sponsoren, mit Puma sogar einen Ausrüster. Förderung<br />
vom Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) erhält<br />
er allerdings kaum und quittiert dies mit absolutem<br />
Unverständnis. Ende Mai verpasst er die Qualifikation<br />
für die Europameisterschaft „trotz persönlicher Bestleistung<br />
in einem Rennen, dessen Tempo die anderen Läufer<br />
zu Beginn zu sehr verschleppt haben“, wie Oberbeck<br />
sagt, nur knapp um acht Hundertstel. Auch hier gibt es<br />
keine Unterstützung vom DLV, denn der entscheidet sich<br />
gegen eine mögliche Nachnominierung. Derzeit bereitet<br />
er sich weiter intensiv vor, gibt in jedem Training 100<br />
Prozent. „Ich schöpfe Kraft aus der Erinnerung an die<br />
gefilmten Szenen meiner Familie, als ich Deutscher<br />
Meister wurde und alle mitfieberten“, spricht er über<br />
seine Motivation. Er hört jetzt mehr auf seinen Körper,<br />
stärkt den Rücken, der bei großen Menschen immer anfällig<br />
ist und ernährt sich fleischarm.<br />
ZWEI WEGE GIBT ES FÜR IHN, seinen großen Traum in<br />
Paris zu erleben: Entweder schafft er die Olympianorm<br />
von 1:44,70, oder er qualifiziert sich über die Weltrangliste<br />
für die noch freien Startplätze. Beides ist möglich. Luis<br />
Oberbeck hofft, die Norm zu erreichen und sammelt<br />
gleichzeitig Punkte für die Weltrangliste. Neben der Deutschen<br />
Meisterschaft plant er, noch an ein bis zwei weiteren<br />
Rennen an den Start zu gehen [Anm. der Red.: Alle<br />
Entscheidungen fielen/fallen nach Redaktionsschluss bzw.<br />
nach Veröffentlichung dieser Ausgabe]. „Wenn man die<br />
Chance hat, muss man alles reinlegen“, sagt er und versprüht<br />
trotz der unheimlich hohen Hürden einen ansteckenden<br />
Optimismus: „Ich traue es mir zu – in Paris<br />
dabei zu sein, wäre das Allergrößte!“ Ob er mit dieser<br />
Geschichte tatsächlich zum Film helden würde, bleibt offen.<br />
Aber vielleicht werden sich die Senioren mit den<br />
Walkingstöcken an den schnellen jungen Mann im Jahnstadion<br />
erinnern, wenn sie ihn im Fernsehen auf der Tartanbahn<br />
im Stade de France laufen sehen. ƒ<br />
ZUR PERSON<br />
Luis Oberbeck, geboren am 4. Juni 1999<br />
in Neuhof bei Lamspringe, ist ein aufstrebender<br />
deutscher 800-Meter-Läufer.<br />
Ursprünglich als Außenstürmer für den<br />
MTV Almstedt in der Landesliga aktiv,<br />
wechselte er erst vor dreieinhalb Jahren<br />
zur Leichtathletik. Ein Freund überzeugte<br />
ihn, an einem Lauf teilzunehmen, und<br />
schnell zeigte sich sein Talent.<br />
Seine sportliche Karriere begann früh:<br />
Schon als Kind war er in der Jugendsport<br />
gemeinschaft der Region aktiv.<br />
Trotz seiner Liebe zum Fußball entschied<br />
er 2<strong>02</strong>0, sich voll und ganz der Leichtathletik<br />
zu widmen. 2<strong>02</strong>1 spezialisierte<br />
sich der 1,93 Meter große Athlet auf die<br />
800-Meter-Distanz. Mit Trainer Thomas<br />
Schmalz erzielte er rasche Fortschritte<br />
und wurde 2<strong>02</strong>3 Deutscher Meister über<br />
diese Strecke. Mit Blick auf die Olympischen<br />
Spiele <strong>2<strong>02</strong>4</strong> in Paris trainiert er<br />
hart, um entweder die Olympianorm von<br />
1:44,70 zu erreichen oder sich über die<br />
Weltrangliste zu qualifizieren.<br />
94 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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25 Jahre in der Region<br />
Vom Bauunternehmen zum Technologieunternehmen: GOLDBECK<br />
PROFIL<br />
Building Excellence, so lautet der Anspruch<br />
von GOLDBECK. Das Unternehmen<br />
verwirklicht Immobilien<br />
schnell, effizient, flexibel und nachhaltig<br />
– bei passgenauer Funktionalität. Bei<br />
GOLDBECK wird der gesamte Lebenszyklus<br />
von Gebäuden betrachtet. So erhalten Immobilien<br />
eine nachhaltige Zukunft, langfristige<br />
Wertmaximierung und den Grundstein für Ihren<br />
Erfolg.<br />
Obwohl Goldbeck Bürogebäude und Schulen<br />
baut, Logistik- sowie Produktionshallen fertigt<br />
und reihenweise Parkhäuser auf den Markt<br />
bringt, sieht sich das Unternehmen weniger<br />
als klassisches Bauunternehmen, sondern<br />
mehr als Tech-Experte in der Baubranche.<br />
GOLDBECK ist seit jeher technologisch geprägt,<br />
weil es Bauprojekte nicht in konventioneller<br />
Bauweise realisiert, sondern im System.<br />
„Unsere Entwicklung zum Tech-Unternehmen<br />
sehen wir als evolutionär und weniger als revolutionär“,<br />
beschreibt Kai-Oliver Becker, Niederlassungsleiter<br />
von GOLDBECK Kassel.<br />
Inspiration für digitale Innovationen in der<br />
Baubranche holt sich GOLDBECK derzeit aus<br />
dem Silicon Valley – vor bereits fünf Jahren<br />
schickte das Unternehmen Mitarbeiter in das<br />
Tech-Eldorado. Sie sollen Zukunftstrends aufspüren<br />
und ihre Erfahrung nach Deutschland<br />
bringen. Damit wollen sie sich die Rolle des<br />
Digitalpioniers in der Baubranche langfristig<br />
sichern.<br />
» Wir bei GOLDBECK haben als erstes deutsches Unternehmen der Branche<br />
einen Tech & Innovation Hub im Silicon Valley gegründet. «<br />
… erzählt Becker stolz.<br />
Wir bauen mit Verantwortung.<br />
JAHRE<br />
IN DER<br />
25 REGION<br />
Nachhaltigkeit ist das<br />
Fundament unseres Handelns.<br />
Nachhaltigkeit bedeutet für uns, zukunftsfähige<br />
Gebäude zu bauen und zu betreiben, uns für<br />
gemeinsame Werte zu engagieren und dabei<br />
die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren –<br />
auch für alle kommenden Generationen.<br />
goldbeck.de
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PROFIL<br />
Des Hauses Kern<br />
Gehen Immobilien in den Verkauf, wie gegenwärtig häufig ältere, wird in der Regel immer eine Kernsanierung fällig –<br />
für den Kunden oft eine Kostenfalle. Die Huntgeburth Sanierungs GmbH ist ein Experte für solche Kernsanierungen und<br />
entsprechende Kostenvoranschläge.<br />
Schönes Wohnen nach der Sanierung<br />
einer Altimmobilie ermöglicht<br />
Huntgeburth Sanierungen.<br />
Das Worst Case Szenario beim Immobilienerwerb<br />
ist, dass man ohne<br />
es zu merken eine Bruchbude kauft,<br />
die hohe Kosten bei der Sanierung mit sich<br />
bringt“, sagt Nick Huntgeburth, Meister für<br />
Betonstein- & Terrazzoherstellung sowie der<br />
Betonindustrie, Projektentwickler im Immobilienbereich<br />
und seit 2<strong>02</strong>1 Inhaber der Huntgeburth<br />
Sanierungs GmbH in Obernjesa. Für<br />
den nicht-Fachmann sind diese Kosten nur<br />
schwer einzuschätzen. „Deswegen werden<br />
wir von vielen Kunden bereits im Vorfeld beim<br />
Hauskauf mit eingebunden, damit wir eine<br />
Kostenschätzung für den Kunden oder auch<br />
die Bank machen können und ich dann sagen<br />
kann, was bei einem gegebenen Budget machbar<br />
ist.“ Wird Huntgeburth dann auch mit der<br />
Sanierung beauftragt, ist die Schätzung ein<br />
kostenloser Service.<br />
SCHWER ZU ENTDECKENDE Sanierungs<br />
-Stolpersteine gibt es einige, insbesondere bei<br />
älteren Immobilien: Das kann der Asbest-Kleber<br />
unter dem PVC-Belag sein oder Schadstoffe<br />
in der Mineralfaser aus der Dachisolierung.<br />
„Das erkennt man als Laie nicht, bekommt<br />
man nur schwer ausgebaut und ist teuer in der<br />
Entsorgung“, so Huntgeburth. „Dafür brauche<br />
ich zudem fähige Mitarbeiter.“ Auch das Einhalten<br />
gesetzlicher Auflagen zu energetischen<br />
Standards, etwa bei Dämmung oder dem Heizungstausch,<br />
kann schnell teuer werden.<br />
KERNSANIERUNGEN SIND ein umfangreiches<br />
Geschäft, viele Gewerke kommen zusammen<br />
– das meiste kann die Huntgeburth<br />
Sanierungs GmbH selbst anbieten – Bodenbelagsarbeiten<br />
mit Parket und Fliesen, Natursteinarbeiten<br />
und seit der Übernahme des<br />
Göttinger Malerbetriebs Wolter & Sohn auch<br />
sämtliche Malerarbeiten. Für Experten, die<br />
unter Umständen auch benötigt werden, wie<br />
Dachdecker, Elektriker oder Installateur, hat<br />
Huntgeburth ein enges Netzwerk zu anderen<br />
Handwerksbetrieben aufgebaut und kann<br />
damit die komplette Kernsanierung aus einer<br />
Hand anbieten. Für den Kunden ergeben sich<br />
daraus zwei Vorteile: Zum einen in der Regel<br />
deutlich schnellere Termine und zum anderen<br />
ohne Mehrkosten eine einfache Organisation,<br />
da die komplette Bauleitung und -überwachung<br />
bei Huntgeburth liegt.<br />
DIE NACHFRAGE nach Kernsanierungen ist<br />
hoch und steigt, was zum einen daran liegt,<br />
dass zurzeit viele Altimmobilien verkauft werden.<br />
Aber der Käufer packt heute auch weniger<br />
selbst an, weil die Kenntnisse fehlen. Deswegen<br />
kam auch die Übernahme von Wolter &<br />
Sohn zustande, weil die Huntgeburth Sanierung<br />
deutlich wächst. Und Nick Huntgeburth<br />
ist auch weiterhin auf der Suche nach anderen<br />
Betrieben, die gut zu ihm passen.<br />
KONTAKT<br />
Huntgeburth Sanierungs GmbH<br />
Auf dem Rode 2<br />
37124 Obernjesa<br />
Tel. 05509 9428332<br />
info@huntgeburth-sanierungen.de<br />
www.huntgeburth-sanierungen.de
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Das ist unsere Mission. Jeden Tag aufs Neue.<br />
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PROFIL<br />
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Der Parcours für Rollstuhl- und Prothesensimulation vor der Halle bietet neben dem 4 vs. 4 Match Rollstuhlbasketball in der Halle spannende Einblicke.<br />
Gemeinsam Barrieren überwinden<br />
Mit Felix Neumann, Geschäftsführer des Sanitätshauses o | r | t, haben wir über das Engagement zum Thema Inklusion<br />
durch ein Sanitätshaus gesprochen.<br />
Letzten Monat haben Sie gemeinsam mit<br />
der BG Göttingen einen Inklusionstag<br />
veranstaltet. Basketball und ein Sanitätshaus<br />
– wie passt das zusammen?<br />
Die Zusammenarbeit zum Thema Inklusion entstand<br />
vor vielen Jahren durch die Einführung der<br />
,Rollilounge‘, eines Podests, von welchem aus<br />
Rollstuhlfahrer barrierefrei das Spiel schauen<br />
können. Im Mai haben wir dann unser erstes gemeinsames<br />
Spieltagsponsoring als Inklu sions-<br />
Partner mit der BG Göttingen veranstaltet. Um<br />
den Zuschauern das Thema Inklusion näherzubringen,<br />
hat es vor der Sparkassen- Arena<br />
einen interaktiven Rollstuhl parcours u. a. mit<br />
Prothesen simulation gegeben. Zusätzlich konnten<br />
sich die Zuschauer an Informationsständen<br />
weiterer Partner zum Thema Inklusion und zu<br />
inklusiven Angeboten im Sport informieren und<br />
in der Halbzeitpause ein spannendes Match<br />
der Rollstuhlfahrer des ASC Göttingen und der<br />
Heinrich-Böll-Schule verfolgen.<br />
Gibt es spezielle Initiativen, die o|r|t als Sanitätshaus<br />
unterstützt, um die soziale Integration<br />
und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen<br />
zu begünstigen?<br />
Ja – dieses Vorhaben spiegelt sich auch in unserem<br />
Sponsoringkonzept wider. Neben Projekten<br />
zur Nachhaltigkeit und Mitarbeiterbindung<br />
stützen wir dieses insbesondere auf die<br />
Säule Inklusion. Hierbei legen wir den Fokus<br />
auf Vereine, welche soziale Integration und<br />
Inklusion von Menschen mit Behinderung –<br />
zum Beispiel im und durch den Sport – unterstützen,<br />
oder auch auf solche, die noch nicht<br />
aktiv sind, sich aber gemeinsam mit uns dem<br />
Thema öffnen wollen. Gleichzeitig fördern wir<br />
Sportler der Region über direkte Maßnahmen<br />
einer Zusammenarbeit. Dazu gehören unter<br />
anderem home of tennis (h. o. t.), die Tischtennisabteilung<br />
des SCW Göttingen sowie die<br />
Paraskiläuferin Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg.<br />
Viele Vereine und Institutionen sind<br />
(noch) nicht barrierefrei aufgestellt, da häufig<br />
der Bezug, die Sensibilisierung oder die finanziellen<br />
Mittel fehlen.<br />
Wer ist die Zielgruppe der ,Inklusions-Säule‘?<br />
Inklusion betrifft uns alle und es wichtig,<br />
dass das auch jeder versteht. Unser Ziel ist<br />
es, gehandicapte Personen zu unterstützen<br />
und Barrieren abzubauen, die Menschen zu<br />
sensibilisieren und eine Gemeinschaft zu<br />
schaffen, in der jeder willkommen ist und<br />
sein volles Potenzial entfalten kann. Inklusion<br />
ist ein fortlaufender Prozess, der kontinuierliches<br />
Engagement und gemeinsame Anstrengung<br />
erfordert. Daher haben wir es uns<br />
zur Aufgabe gemacht, Maßnahmen gezielt<br />
einzusetzen und tollen Projekten und Vorhaben<br />
eine Bühne zu bieten mit dem Ziel: Gemeinsam<br />
Barrieren überwinden!<br />
KONTAKT<br />
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125 JAHRE<br />
Mark & Ines Berke,<br />
Geschäftsführer<br />
in 5. Generation
wissen<br />
-shortlist<br />
Europäischer Innovationsrat fördert Entwicklung des<br />
optischen Cochlea-Implantats mit 2,5 Millionen Euro<br />
Hören mit Licht<br />
MPS-Projekt Sunrise III<br />
Ready for take off<br />
Tobias Moser (l.) und Daniel Keppeler können sich über Zuschüsse zur Entwicklung des<br />
neuartigen optischen Cochlea-Implantats freuen.<br />
UNTERSTÜTZUNG FÜR EIN internationales<br />
Kooperationsprojekt:<br />
Wissen schaftler der Universitätsmedizin<br />
Göttingen (UMG) erhalten 2,5<br />
Millionen Euro für ihre Forschung.<br />
Ebenfalls profitieren die im Jahr 2019<br />
aus der UMG aus gegründeten Opto<br />
GenTech GmbH, das Fraunhofer-<br />
Instituts für Elek tronische Nanosysteme<br />
ENAS in Chemnitz, das finnische<br />
Unternehmens Modulight und der<br />
französi schen Firma SCT Ceramics.<br />
Sie arbeiten unter dem Arbeitstitel<br />
,OptoWavePro‘ gemeisam an der Entwicklung<br />
eines optischen Cochlea-Implantats<br />
zur Wiederherstellung des<br />
Hörens beim Menschen.<br />
Das Projekt ,OptoWavePro‘ wird<br />
von Tobias Moser, dem Direktor des<br />
Instituts für Auditorische Neurowissenschaften<br />
der UMG und Mitgründer<br />
von OptoGenTech, koordiniert<br />
und baut auf dessen vorherigen<br />
Arbeiten auf. Ziel ist es, eintreffende<br />
Schallinformationen in Lichtsignale<br />
zu übersetzen, die wiederum die<br />
Nervenzellen in der Hörschnecke<br />
von tauben und schwerhörigen<br />
Patienten gezielt aktivieren.<br />
100 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Da sich Licht besser fokussieren<br />
lässt als elektrische Signale, wie es in<br />
herkömmlichen Cochlea-Implan taten<br />
der Fall ist, verspricht das<br />
,Hören mit Licht‘ eine bessere Hörqualität.<br />
„Mit der Expertise dieses<br />
Forschungskonsortiums kommen<br />
wir der klinischen Anwendung des<br />
optischen Cochlea-Implantats einen<br />
deutlichen Schritt näher “, so Moser.<br />
Daniel Keppeler, Geschäftsführer<br />
und Mitgründer von OptoGenTech<br />
ergänzt: „Diese Förderung ermöglicht<br />
uns, neben der Tech nologie<br />
auch unser noch junges Start-up<br />
wirtschaftlich weiterzuentwickeln“.<br />
Die Mittel für das dreijährige<br />
,OptoWavePro‘-Projekt stammen<br />
aus dem Förderprogramm ,EIC<br />
Transition‘ des Europäischen Innovationsrates<br />
(European Innovation<br />
Council, EIC). Die EIC-Transition<br />
Förderung unterstützt speziell kleine<br />
und mittelständische Unternehmen,<br />
Start-ups und Organisationen, um<br />
Projekte von der Grundlagenforschung<br />
in marktfähige Produkte zu<br />
überführen.<br />
Sunrise III: letzte Tests bei bestem Wetter<br />
STRATOSPHÄRENWINDE und Wetterlage<br />
bestimmen den Termin des<br />
aus Göttingen gesteuerten Forschungsflugs.<br />
Sunrise III heißt die<br />
Mission des Max-Planck-Instituts<br />
für Sonnensystemforschung (MPS).<br />
Das ballongetragene Sonnenobservatorium<br />
blickt per Ein-Meter-Teleskop<br />
und Bildstabilisierungssystem<br />
aus der Stratosphäre auf die<br />
Sonne. Im Mai hatte Sunrise III die<br />
Tests vor dem Start auf der Ballonund<br />
Raketenbasis Esrange Space<br />
Center nahe des Polarkreises absolviert:<br />
Alle Instrumente und Systeme<br />
funktionieren. Vom Kranfahrzeug<br />
getragen, hatte das sieben Meter<br />
hohe Observatorium bei überraschend<br />
gutem Wetter erstmals die<br />
Halle verlassen. Aus einer Höhe von<br />
mehr als 35 Kilometern soll Sunrise<br />
III auf die Sonne schauen und so<br />
einzigar tige Messdaten einfangen.
ClusterAkademie<br />
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14./15. Aug. Excel – Sattelfest | Aufbauseminar für Fortgeschrittene<br />
15. Aug. Wissen kompakt „Feedback geben und annehmen“<br />
19. Aug. Vom Mitarbeiter zur Führungskraft – Teil 1<br />
20. Aug. Vom Mitarbeiter zur Führungskraft – Teil 2<br />
23. Aug. Wissen kompakt „Talent Boost:<br />
Sofortmaßnahmen gegen den Fachkräftemangel“<br />
26. Aug. Rollentausch im Recruiting?<br />
29. Aug. Effiziente Verhandlungsführung für Einkäufer<br />
und Verkäufer – Modul 1<br />
30. Aug. Effiziente Verhandlungsführung für Einkäufer<br />
und Verkäufer – Modul 2<br />
September<br />
06. Sep. Durch aktives Telefonieren die Auftragsquote erhöhen<br />
06. Sep. Wissen kompakt „Meeting Mastery: Kurzseminar<br />
für effektive Moderation”<br />
09. Sep. Professionell und souverän auftreten<br />
13. Sep. Jahresgespräche einführen & motivierend führen<br />
20. Sep. Feedback-Kultur im Team<br />
23. Sep. Azubi Business-Knigge & Telefontraining<br />
Oktober<br />
23. Okt. Wissen kompakt „Wie kommuniziere ich?“<br />
23./24. Okt. Erfolgsfaktoren Projektmanagement<br />
29. Okt. Konflikte meistern “Professionelles<br />
Konfliktmanagement im Tagesgeschäft”<br />
30. Okt. Wissen kompakt „Einblick in Transformation<br />
und Change Management“<br />
November<br />
13. Nov. Excel – Matrixfunktionen | Aufbauseminar<br />
27./28. Nov. Excel – Sicher nutzen | Grundlagen für Einsteiger<br />
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FOTOS: SPIEKER FOTOGRAFIE<br />
Sind neu im Team (von links nach rechts): Sarah Reinelt, Nadia Meiser, Fabienne Nothdurft (vordere Reihe); Martin Wolf, Martin Faßhauer,<br />
Vera Barthoff (hintere Reihe)<br />
Teamverjüngung an der Basis<br />
Die Praxis am Göttinger Bahnhof verstärkt sich mit jungen Kolleg:innen.<br />
Inzwischen ist es mehr als 21 Jahre her,<br />
seitdem die beiden Geschäftsführer<br />
Friedemann Baum und Uwe Fischer am<br />
1. Mai 2003 das Diagnostische Brustzentrum<br />
am Göttinger Bahnhof ins Leben gerufen<br />
haben. Einzelne Stimmen bezweifelten<br />
damals zwar, dass ein solches Konzept in<br />
Göttingen Bestand haben würde, doch<br />
im Rückblick könne mit bestem Wissen<br />
festgehalten werden, dass sich das Zentrum<br />
zu einem Erfolgsmodell entwickelt<br />
hat. Starteten Fischer und Baum damals<br />
mit einem MRT, je einem Mammographie-<br />
und Ultraschallsystem sowie fünf<br />
Mitarbeiter:innen, so stehen heute am Göttinger<br />
Bahnhof zwei MRT (1,5 T, 3,0 T),<br />
eine Mammographie-Einheit inklusive<br />
Tomosynthese und KM-Mammographie,<br />
ein CT und drei Ultraschallsysteme sowie<br />
zwei Biopsievorrichtungen. Jede dieser<br />
Maschinen wurde im Laufe der Zeit<br />
mindestens einmal ausgetauscht, um stets<br />
auf dem aktuellen technischen Stand zu sein.<br />
Mit der Installation neuer Geräte wurde auch
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Dr. Vera-Maria Barthoff kam aus der Brustsprechstunde der<br />
Universitätsmedizin Göttingen. Sie verstärkt den<br />
mamma diagnostischen Bereich inklusive aller Biopsieoptionen<br />
und ist in der allgemeinen MRT-Diagnostik erfahren.<br />
PROFIL<br />
Dr. Martin Fasshauer war vorher ebenfalls in der Universitätsklinik<br />
Göttingen tätig. Sein Spezialgebiet ist in besonderem<br />
Maße die MRT einschließlich der KI-gestützten Verfahren.<br />
Unabhängig hiervon ist er allgemeinradiologisch ausgebildet<br />
und damit in allen anderen Bereichen einsetzbar.<br />
Sarah Reinelt, MTR und zertifizierte Fachkraft für Mammadiagnostik,<br />
hat seit vielen Jahren Praxiserfahrung in der Radiologie<br />
und im Umgang mit Patient:innen in einer Praxis im Raum<br />
Kassel. Sie ist die jüngste, also das „Küken“ im Team.<br />
Martin Wolf ist Physiotherapeut, MTR und zertifizierte Fachkraft für<br />
Mammadiagnostik. Er verfügt über mehrjährige Erfahrung im Umgang<br />
mit Patient:innen im Rahmen seiner physiotherapeutischen<br />
Tätigkeit. Sein besonderes Interesse gilt der MRT.<br />
Nadia Meiser kam aus der Brustsprechstunde<br />
der Universitätsklinik Aachen. Sie<br />
verstärkt den mammadiagnostischen<br />
Bereich und zusätzlich den MRT-Bereich<br />
mit besonderer Expertise<br />
auf dem Gebiet der KI-gestützten<br />
Prostata-MRT.<br />
Fabienne Notdurft, MTR und zertifizierte<br />
Fachkraft für Mammadiagnostik,<br />
hat viele Jahre Berufserfahrung<br />
und Umgang mit Patientinnen im<br />
Rahmen ihrer vorherigen Tätigkeit<br />
in einer Göttinger Praxis. Sie ist<br />
schon einige Jahre im Team und hier<br />
inzwischen bestens integriert.<br />
das Spektrum der angebotenen Untersuchungen<br />
erweitert und modernisiert. So<br />
bietet das Team am Göttinger Bahnhof<br />
heute neben den üblichen MRT- und CT-Untersuchungen<br />
zum Beispiel KI-gestützte MR-<br />
Unter suchun gen von Prostata und Kopf an –<br />
High- End-Diagnostik auf modernstem Level.<br />
UND DIE MITARBEITER:INNEN? Ihre Anzahl<br />
erhöhte sich inzwischen auf 20. Und<br />
damit ist es natürlich, dass einzelne Mitarbeiter:innen<br />
in den nächsten Jahren in den<br />
Ruhestand wechseln. Grund genug, über<br />
neue Kolleg:innen nachzudenken, die dann<br />
die Nachfolge antreten können. „Es liegt<br />
in der Philosophie der Praxis, dass wir für<br />
ausscheidende Kolleg:innen etwa ein Jahr<br />
vorher Nachfolger:innen einstellen. Dies<br />
ermöglicht den neuen Mitarbeiter:innen,<br />
sich stressfrei und in aller Ruhe an die Betriebsabläufe<br />
der Praxis zu gewöhnen“,<br />
sagt Fischer. Baum ergänzt: „In diesem Zusammenhang<br />
haben wir entschieden, neue<br />
Kolleg:innen in der Altersgruppe zwischen<br />
30 und 40 Jahren einzustellen. Sie können<br />
noch möglichst lange in dieser Praxis tätig<br />
sein. Sozusagen eine Teamverjüngung von<br />
der Basis her.“<br />
UMGESETZT HAT DAS TEAM DER PRA-<br />
XIS dies in den vergangenen Jahren durch<br />
die Einstellung von fünf neuen „jüngeren“<br />
Mitarbeiter:innen im Bereich des medizinisch-technischen<br />
Personals wie auch im<br />
ärztlichen Sektor: „In der jetzigen personellen<br />
Konstellation sind wir bestens für die<br />
zukünftigen Aufgaben dieser Praxis gerüstet“,<br />
sagt Fischer. „Die jungen Leute fügen<br />
sich bestens in das bestehende Team ein.“<br />
Und Baum fügt an: „Die jungen Kolleg:innen<br />
profitieren einerseits von den Erfahrenen<br />
und bringen andererseits auch frischen<br />
Wind in das Team. Eine Win-win-Situation,<br />
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Diagnostisches Brustzentrum Göttingen<br />
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PROFIL<br />
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Jugend forscht Jungforscher präsentieren die beeindruckenden Ergebnisse ihrer spannenden Forschungsprojekte.<br />
FOTOS: SPIEKER FOTOGRAFIE<br />
Jung, innovativ …<br />
voll neuer Ideen!<br />
KWS und PS.SPEICHER holten erneut den Landeswettbewerb ,Jugend forscht – Schüler experimentieren‘<br />
nach Einbeck. Neugier und Begeisterung waren bei den Jungforschern spürbar!<br />
H<br />
Höhepunkt des diesjährigen niedersächsischen<br />
Lan deswettbewerbs<br />
„Jugend forscht – Schüler experimentieren“<br />
war die spannende<br />
Feierstunde am 13. April. Nach zwei intensiven<br />
Tagen, in denen die 74 jungen Forschenden<br />
ihre insgesamt 44 naturwissenschaftlichen<br />
Pro jekte mehrfach den Mitgliedern einer interdisziplinär<br />
besetzten Jury vorgestellt und erläutert<br />
hatten, wurden die Gewinner verkündet.<br />
In sieben Fachgebieten (Arbeitswelt, Chemie,<br />
Biologie, Geo- und Raumwissenschaften,<br />
Mathematik/Informatik, Physik und Technik)<br />
wurden erste, zweite und dritte Preise und außerdem<br />
zahlreiche Sonderpreise verliehen.<br />
ALS GASTREDNER KAM IN DIESEM JAHR<br />
Prof. Metin Tolan, Präsident der Georg<br />
August-Universität Göttingen, auf die Bühne<br />
in der Einbecker PS.Halle. Er berichtete davon,<br />
wie seine eigene Faszination für die Wissenschaft<br />
geweckt wurde und wie er sich bereits<br />
als Kind für physikalische Fragen begeisterte,<br />
die ihm seine Lehrer lange nicht beantworten<br />
konnten. Damit betonte er, wie wichtig<br />
es ist, Kinder in ihrer Neugier und ihrem<br />
Wissensdurst zu begleiten und zu bestärken.<br />
Damit wertschätze er sowohl den Wettbewerb<br />
als solches als auch die spannenden Projekte<br />
der Mädchen und Jungen im Alter von neun<br />
bis 14 Jahren.
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Beim Wettbewerb<br />
zeigen die Nachwuchswissenschaftler,<br />
was sie drauf haben.<br />
PROFIL<br />
» ,Jugend forscht‘ ist ein Wettbewerb, der am<br />
Anfang vieler Karrieren von Forschenden stand.<br />
Daran sieht man, wie wichtig es ist, junge<br />
Menschen für die Wissenschaft zu begeistern. «<br />
Prof. Metin Tolan, Präsident der Georg-August-Universität Göttingen<br />
Für die Teilnahme am Landeswettbewerb in<br />
Einbeck mussten sich die Jungforschenden<br />
vorab auf einem der acht Regionalwettbewerbe<br />
in ganz Niedersachsen mit 234 Projekten<br />
in der Altersgruppe „Schüler experimentieren“<br />
durchsetzen!<br />
ENTSPRECHEND VIELSEITIG waren die vorgestellten<br />
Projekte. Nicht nur die Jury war von<br />
dem Ideenreichtum beeindruckt: Vor der Feierstunde<br />
konnte die Öffentlichkeit die Projekte<br />
bestaunen, und am zweiten Wettbewerbstag<br />
waren 250 interessierte Schülerinnen und<br />
Schüler der umliegenden Schulen zu Besuch.<br />
Ein Raketenauto, Kunstleder aus Kaffeesatz,<br />
fremde Himmelskörper oder eine KI zur Erkennung<br />
von Wölfen motivierten die kleinen<br />
Forscher zum Experimentieren. Ein Projekt fiel<br />
dabei besonders auf: „Unser Boden – unsere<br />
Zukunft“. Tom (9), Annika (9) und Lotta (10)<br />
aus Bad Zwischenahn untersuchten darin<br />
verschiedene Bodenproben auf ihre Beschaffenheit<br />
und Merkmale wie pH-Werte, Wasseraufnahme<br />
und Tierarten. So wollten die drei<br />
ermitteln, wie die Bodenqualität das Wachstum<br />
von Pflanzen beeinflusst.<br />
EIN INNOVATIVES PROJEKT, fand auch die<br />
Jury und verlieh dafür den Landessieg für das<br />
beste interdisziplinäre Projekt: „Das Team<br />
von der Grundschule Ofen konnte uns als Jury<br />
mit ihrer Begeisterung für das Thema sowie<br />
der kreativen Herangehensweise an ihre erste<br />
Forschungsarbeit überzeugen.”<br />
KWS und der PS.SPEICHER sind Patenunternehmen<br />
der Veranstaltung und verstehen<br />
Forschergeist und Offenheit als wichtigen<br />
Antrieb für Innovationen, weshalb sie beides<br />
über die Unternehmensgrenze hinaus fördern<br />
möchten. Stephan Krings, Head of Global<br />
Marketing & Communications bei KWS,<br />
und Lothar Meyer-Mertel, Geschäftsführer<br />
des PS.SPEICHER, unterstrichen dieses Engagement<br />
in ihrer gemeinsamen Ansprache.<br />
Der PS.SPEICHER präsentiert im größten<br />
Oldtimer-Museum Europas die Geschichte<br />
der Mobilität. Auch dort waren es oft heute<br />
vielleicht klein anmutende Problemstellungen,<br />
aus denen Lösungen mit großer Wirkung entstanden<br />
sind: Wie zum Beispiel würde eine<br />
Autofahrt ohne Scheibenwischer heute aussehen?<br />
Bei KWS als forschungsintensivem Unternehmen<br />
spielen Entdeckergeist, Kreativität<br />
und Offeneheit per se eine wichtige Rolle.<br />
„DIE BEITRÄGE, DIE WIR HIER GESEHEN<br />
HABEN, sind ein Spiegel der Themen, die<br />
die ganze Welt aktuell und drängend beschäftigen:<br />
Natur, Umwelt, Klimaschutz, gesunde<br />
Ernährung, Energie, Mobilität – um nur einige<br />
zu nennen“, sagte Lothar Meyer-Mertel. „Die<br />
Lösungsvorschläge der jungen Wissenschaftler,<br />
ihre Neugierde und Visionskraft machten<br />
viel Mut für die Zukunft.“ Und Stephan Krings<br />
ergänzte: „Vor diesem Hintergrund sind wir<br />
sehr zuversichtlich, dass eure Generation die<br />
vielen Herausforderungen, die auf uns zukommen,<br />
meistern wird.“<br />
Der Wettbewerb fand nun schon zum dritten<br />
Mal in Einbeck statt und hat sich fest in<br />
der Region etabliert. Vielleicht begeistern sich<br />
die Jungforscher auch für die Region und finden<br />
später den Weg in eines der Unternehmen<br />
in unserer Life-Science-Region. Deshalb<br />
ist es schön zu sehen, dass auch weitere Unternehmen<br />
in der Region unterstützen. Sartorius<br />
ist von Beginn an als Unterstützer dabei.<br />
In diesem Jahr engagierten sich auch weitere<br />
Unternehmen wie u. a. Continental in Northeim<br />
sowie Symrise in Einbeck.<br />
In diesem Jahr hat es noch kein Projekt<br />
aus der Region bis zum Landeswettbewerb<br />
geschafft, vielleicht sehen wir aber eines im<br />
nächsten Jahr!<br />
Mehr spannende Projekte sowie Hintergrundinformationen<br />
zum Wettbewerb in Einbeck sind<br />
auf Instagram zu finden:<br />
@jugendforschteinbeck<br />
KONTAKT<br />
KWS SAAT SE & Co. KGaA<br />
Grimsehlstr. 31<br />
Postfach 1463<br />
37555 Einbeck, Germany<br />
Tel. +49 5561 311-0<br />
Fax: +49 5561 311-322<br />
webmaster@kws.com<br />
https://www.kws.com
wissen<br />
Die sich für ,unser‘<br />
Haus engagieren<br />
Das Göttinger Wissensmuseum ,Forum Wissen‘ ist seit zwei Jahren für die Öffentlichkeit<br />
zugänglich. Die ersten Erfahrungen sind positiv, die Vollendung des Gesamtensembles<br />
schreitet voran, und Weiterentwicklungen sind geplant. Um die Öffentlichkeit bei diesem<br />
Prozess mitzunehmen, engagiert sich ein prominent besetzter Förderkreis.<br />
TEXT SVEN GRÜNEWALD<br />
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
Das Museum der Universität Göttingen<br />
Forum Wissen ist mit seinem Konzept in<br />
Deutschland einmalig und europaweit neben<br />
Gent und Uppsala eines von insgesamt<br />
nur drei gleichartigen Wissensmuseen. Zwar stehen im<br />
Kern des Museums Exponate der rund 40 Sammlungen<br />
der Universität, doch geht es hier nicht nur darum, hübsche<br />
Sachen anzuschauen. Das Forum Wissen hat sich<br />
auf die Fahne geschrieben, einer breiten Öffentlichkeit<br />
zu vermitteln, wie eigentlich Wissen entsteht und dass<br />
Wissensschaffung kein geradliniger Prozess ist. Ein ambitioniertes<br />
Ziel.<br />
Denn im Grunde soll sich Wissenschaft damit dem<br />
Dialog mit der Öffentlichkeit stellen – und ein Stück<br />
weit Bescheidenheit an den Tag legen, dass Wissensschaffung<br />
nicht Unfehlbarkeit bedeutet. In regelmäßig<br />
wechselnden Sonderausstellungen illustrieren verschiedene<br />
Themen diesen Prozesscharakter von Wissenschaft.<br />
FÜR GÖTTINGEN STELLT DAS FORUM WISSEN ein<br />
veritables Großprojekt dar. Rund 25 Mio. Euro hat der<br />
Bund in den Aufbau des Museums gesteckt – was zu einem<br />
wichtigen Teil dem Einsatz des 2<strong>02</strong>0 verstorbenen<br />
SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann zu<br />
verdanken ist. Bereits als das erste Konzept für das<br />
Museum 2012 im Rahmen der Exzellenzinitiative begutachtet<br />
wurde, wurde dessen wegweisender Vorbildcharakter<br />
betont.<br />
Doch dieses Leuchtturmprojekt soll eben nicht nur ein<br />
abgehobenes Universitätsprojekt für die üblichen Verdächtigen<br />
aus dem Göttinger Bildungsbürgertum sein. Das ist<br />
quasi Teil der DNA des Konzepts, sich dem Dialog mit<br />
der Öffentlichkeit zu stellen, und das ist auch die Motivation<br />
des 2017 gegründeten ,Förderkreises Forum Wissen<br />
Göttingen e. V.‘, der hinter den Kulissen an der Gestaltung<br />
des Forum Wissen mitwirkt, indem Fördergelder eingeworben<br />
und besondere Projekte damit finanziert werden.<br />
„WIR HABEN UNS DAMALS GEGRÜNDET“, so Sigrid<br />
Lüttge, Gründungsmitglied des Vereins und zurzeit stellvertretende<br />
Vorsitzende, „um deutlich zu machen, dass<br />
das Projekt eben nicht nur ein Uni-Thema ist, sondern<br />
auch von Bürgern aus der Region getragen wird. Wir laden<br />
deshalb aktiv Bürger dazu ein, mitzuwirken und das<br />
Forum Wissen als ,unser aller Haus‘ zu betrachten.“<br />
Und Ursula Haufe, die ehemalige Leiterin der Göttinger<br />
Wirtschaftsförderung und inzwischen Vorsitzende des<br />
Vereins, ergänzt: „Wir wollen dazu beitragen, dass ein<br />
gemeinsamer Spirit entsteht, das Forum Wissen voranzubringen.“<br />
Denn das Museum soll sich etablieren und<br />
ein dauerhafter Magnet werden – das braucht ein kontinuierliches<br />
Engagement. „Wir haben viel erreicht, aber<br />
wir stehen auch erst am Beginn des Weges“, verdeutlicht<br />
Haufe.<br />
Gestartet ist der Verein vor sieben Jahren mit 24 Gründungsmitgliedern,<br />
die andere von der Idee begeistern<br />
konnten. „So sind wir schnell bei knapp 200 Mitglie-<br />
106 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
wissen<br />
Förderer des Forum Wissen Christoph Bleidorn, Ursula Haufe, Ramin Yahyapour und Sigrid Lüttge<br />
dern gewesen“, sagt Lüttge. Da steht der Verein auch<br />
heute noch. Auch die Spendensammeltätigkeit kann sich<br />
sehen lassen: Rund 200.000 Euro konnte der Verein bislang<br />
für das Forum Wissen einsammeln. Eine Namensplakette,<br />
die Förderwand, hängt im Eingangsbereich des<br />
Forums, Großspender können auch eine Raumpatenschaft<br />
übernehmen. Manche ziehen es jedoch auch vor,<br />
anonym zu bleiben.<br />
FÜR DEN AUFBAU UND BETRIEB des Forum Wissen<br />
gibt es öffentliche Gelder, doch ob die langfristig ausreichen,<br />
ist offen. Beispielsweise sind noch nicht alle Bauabschnitte<br />
realisiert: Das Biodiversitätsmuseum ist gerade<br />
in der konkreten Planung, für das Thomas-Oppermann-Kulturforum<br />
im Nordflügel, das große Veranstaltungsflächen<br />
enthalten soll, läuft zurzeit die Bauplanung.<br />
Die Gelder dafür wurden jedoch vor drei Jahren zugesagt<br />
und es kann sein, dass aufgrund der Inflation und<br />
gestiegener Baukosten die Pläne angepasst werden müssen.<br />
Dann sind die Stadt, die Universität und eben auch<br />
die Bürgerschaft gefragt. „Es wird immer Bedarfe geben,<br />
die wir nicht mit öffentlichen Mitteln abdecken können<br />
und die daher aktive Unterstützer brauchen“, sagt Ramin<br />
Yahyapour, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises<br />
und Leiter der GWDG, des Rechenzentrums<br />
der Universität. „Häufig kommen aber auch einfach sehr<br />
gute Ideen, die auf der Strecke bleiben würden, wenn es<br />
nicht dieses freiwillige Engagement gäbe.“<br />
DARÜBER HAT DER FÖRDERKREIS bereits seine Spuren<br />
hinterlassen: Der große rote, weithin sichtbare Schriftzug<br />
,FORUM WISSEN‘ auf dem Dach wurde durch den<br />
Förderkreis finanziert, ebenso das Aufhängen des Wals<br />
im Café im Atrium – das Highlight des alten Zoologischen<br />
Museums. Für den Umbau wurde das Skelett<br />
entfernt und zwischengelagert, dabei stellte sich heraus,<br />
dass es aufwendig saniert werden musste. Einen Großteil<br />
der Kosten dafür und für das logistisch sehr anspruchsvolle<br />
Aufhängen übernahm der Förderkreis. Und noch<br />
ein anderes Projekt, an dem der Förderkreis beteiligt<br />
2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong> 107
wissen<br />
Die Förderer des Forum Wissen engagieren sich für viele verschiedene Themenblöcke, unter anderem Mitgliederwerbung, Spendensammlung und Vernetzung.<br />
Dabei soll auch ein nicht-akademisches Publikum angesprochen werden.<br />
» Kinder sind Multiplikatoren. So erreichen wir Menschen, die wir auf<br />
normalem Weg eher nicht mit dem Museum ansprechen. «<br />
war, zeigt sehr schön, wie die ganz unterschiedlichen<br />
Player für den Erfolg des Museums zusammen arbeiten:<br />
der Malwettbewerb für Kinder. Als der Wal, ins Forum<br />
Wissen zurückkehrte, wurden die Grundschulen der<br />
Stadt zu einem Wettbewerb aufgerufen, eben diesen<br />
Pottwal zu malen. Die Ergebnisse wurden dann ausgestellt,<br />
und es erschienen zahlreiche Kinder mit ihren<br />
Eltern. „Kinder sind Multiplikatoren“, macht Professor<br />
Christoph Bleidorn, wissenschaftlicher Leiter des Forum<br />
Wissen, deutlich. „So erreichen wir Menschen, die wir<br />
auf normalem Weg eher nicht mit dem Museum ansprechen.“<br />
Doch genau die will das Forum Wissen ja<br />
erreichen – Menschen aus bildungsfernen Gruppen. Deswegen<br />
sind Schulklassen auch eine besondere Fokusgruppe<br />
der Museumsdidaktik.<br />
DOCH DAMIT HÖRT DIE INTERDISZIPLINÄRE Zusammenarbeit,<br />
das Ineinandergreifen der vielen Player im<br />
Forum Wissen rund um das Beispiel Wal, noch nicht auf.<br />
Ein Seminar zur Wissenschaftskommunikation an der<br />
Fakultät für Biologie und Psychologie hat mit den Bildern<br />
des Wettbewerbs ein Kinderbuch gestaltet und dafür<br />
ergänzende Texte geschrieben und dies zusammen<br />
mit dem Uni-Verlag herausgegeben. Ein Mitglied des<br />
Förderkreises wiederum hat ein großes Bild, das von einer<br />
ganzen Schulklasse der Albanischule gemalt wurde,<br />
gekauft und der Klasse zurückgeschenkt.<br />
Dieses Engagement schafft auch positive Aufmerksamkeit<br />
bei der lokalen Politik, mit der der Förderkreis<br />
in einem engen Austausch steht, um das Museum stärker<br />
in der Öffentlichkeit zu verankern und eine bessere Finanzierungsgrundlage<br />
zu erreichen. So engagiert sich der<br />
Förderkreis weiter für vielen Themen: Mitgliederwerbung,<br />
Spendensammeln, Vernetzung. Auch wurde damit begonnen,<br />
Reisen zu anderen Museen zu organisieren, um sich<br />
vor Ort neue Impulse zu holen und mit anderen Förderkreisen<br />
zu vernetzen.<br />
Auch das Forum-Wissen-Team um Christoph Bleidorn<br />
bleibt nicht stehen: Da sind natürlich die baulichen Erweiterungen,<br />
aber auch in Sachen Marketing soll sich<br />
noch einiges tun – dabei geht es etwa um eine verbesserte<br />
Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und darum,<br />
eben auch noch stärker ein nicht-akademisches Publikum<br />
anzusprechen.<br />
AUF EINER ANDEREN EBENE lässt sich aber schon ein<br />
Erfolg verbuchen, denn das Forum Wissen war auch<br />
dazu gedacht, dass es von der Universität selbst zu Zwecken<br />
der Forschung und Lehre genutzt wird. „Wir sehen<br />
klar die immer höhere Bekanntheit des Museums auf<br />
dem Campus“, so Bleidorn. „Das Forum wird für Lehrveranstaltungen<br />
und Forschungsprojekte genutzt. Die<br />
Salondebatten, die wir inzwischen hier abhalten, gehen<br />
auf Impulse aus dem Campus zurück.“ In den zwei Jahren<br />
seit Eröffnung konnte das Museum mehr als 110.000<br />
Besucher anziehen, etwas über die Hälfte kommt aus einem<br />
engen regionalen Umkreis von 20 Kilometern, der<br />
Rest stammt aus einem überregio nalen Einzugsgebiet.<br />
Und auch international wird man bereits gut sichtbar.<br />
Obwohl erst zwei Jahre alt, hat es das Forum Wissen<br />
gleich bei zwei renommierten europäischen Museumspreisen<br />
geschafft, für einen Preis nominiert zu werden:<br />
dem European Museum of the Year Award <strong>2<strong>02</strong>4</strong> und<br />
dem DASA-Award für museale Vermittlung. ƒ<br />
108 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
Eine Auszeit auf der<br />
Alm oder lieber am Strand?!<br />
Oder doch lieber mit dem Rucksack die Welt bereisen? Es gibt vielfältige<br />
Wünsche für ein Sabbatical, eine Weile in Teilzeit zu arbeiten oder früher in<br />
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PROFIL<br />
PROFIL<br />
Die Göttinger Start-up-Szene erhält eine neue Basis<br />
Das StartupSpace Göttingen<br />
Die GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH und die Universität Göttingen<br />
intensivieren ihre Zusammenarbeit im Bereich der Gründungsunterstützung und entwickeln dabei ihre Beratungsangebote<br />
für Startups weiter. Mit der offiziellen Eröffnung am 24. April <strong>2<strong>02</strong>4</strong> wurde der nächste Meilenstein erreicht.<br />
Nach einer erfolgreichen Planungsphase<br />
haben die Startup-Beratungsteams<br />
vom Transfer & Startup Hub<br />
Universität Göttingen sowie des SNIC Life<br />
Science Inkubators der GWG Ende vergangenen<br />
Jahres ihre Arbeit in den Räumen der Historischen<br />
Sternwarte aufgenommen.<br />
NACH DEN BEGRÜSSUNGSREDEN durch<br />
Uni- Präsident Prof. Dr. Metin Tolan, Göttingens<br />
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, GWG-Geschäftsführer<br />
Jens Düwel und Uni-Vizepräsident<br />
Prof. Dr. Bernhard Brümmer konnten die rund<br />
120 Teilnehmenden in einer Talkrunde einige Einblicke<br />
in die Göttinger Gründerszene gewinnen.<br />
Mit dabei waren Molly Suh, Digity und Inkster.<br />
Anschließend gab es beim Innomatch-Speeddating<br />
von Niedersachsen.next die Möglichkeit,<br />
mit Institutionen, Investoren und weiteren<br />
Gründer:innen ins Gespräch zu kommen. „Wir<br />
danken allen Gästen, Beteiligten, Partner:innen,<br />
Startups und Förderer:innen für Ihre Teilnahme<br />
und Unterstützung. Es war ein wirklich<br />
tolles Event!“<br />
Die Räume im StartupSpace sind Teil des<br />
EFRE-Projekts ,Gründungsräume des Transfer<br />
& Startup Hub Universität Göttingen‘, mit<br />
den Schwerpunkten Internationalisierung und<br />
Female Entrepreneurship. Das Projekt wird<br />
durch die Europäische Union und das Land<br />
Niedersachsen kofinanziert.<br />
IN DEN NEU BELEBTEN RÄUMEN finden<br />
regelmäßig Veranstaltungsformate wie Work -<br />
shops, Coachings und Meet-ups zu Gründungsthemen<br />
statt. Der regionalen Startup-Szene<br />
wird – unter anderem mit dem<br />
Startup-After-Work – an jedem dritten Mittwoch<br />
alle zwei Monate eine regelmäßige Plattform<br />
für das Austauschen von Erfahrungen<br />
angeboten und soll zur Besprechung von<br />
Problemen und zur Vernetzung untereinander<br />
dienen. Dies schafft für neue Geschäftsideen<br />
einen idealen Nährboden.<br />
DIE NÄCHSTEN TERMINE sind am 17. Juli, 18.<br />
September und 20. November. Teil des neuen<br />
Angebots für Startups und Gründer:innen ist<br />
es, zu deren Unterstützung neben der Beratung<br />
auch Einzelbüros und Coworking-Plätze<br />
zu lukrativen Konditionen anzubieten und<br />
somit das StartupSpace Göttingen zu einem<br />
Ausgangspunkt für erfolgreiche Gründungen<br />
in Göttingen und der Region werden zu lassen.<br />
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GWG Gesellschaft für<br />
Wirtschaftsförderung<br />
und Stadtentwicklung Göttingen mbH<br />
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37081 Göttingen<br />
Tel. 0551 – 547430<br />
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Domfestspiele Bad Gandersheim<br />
DIE 65. DOMFESTSPIELE vor der alten Stiftskirche in Bad<br />
Gandersheim locken auch in diesem Jahr wieder Tausende Zuschauer<br />
in die Kurstadt im Kreis Northeim. In diesem Jahr bekommen<br />
sie Highlights wie ,Alice im Wunderland, ,Dancing<br />
Queen‘, ,Mord im Orientexpress‘, ,Bonny & Clyde‘ und Orwells<br />
,1984‘ zu sehen. Unter dem Motto ,Irgendwas ist immer‘<br />
findet das Freiluft-Theater noch bis zum 11. August statt.<br />
Den kompletten Spielplan und Tickets gibt es unter<br />
www.gandersheimer-domfestspiele.de<br />
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA<br />
31. August <strong>2<strong>02</strong>4</strong> – Obstacle City Run<br />
DER ,OBSTACLE CITY RUN‘ IN GÖTTINGEN (Hintergrund<br />
auf Seite 64) findet in diesem Jahr am 31. August auf dem<br />
Sport gelände der Universität statt. Tausende Zuschauer<br />
feuern die Teams und Einzelkämpfer an, wenn sie<br />
über Lauf distanzen von sechs und zwölf Kilometer<br />
Hindernisse überwinden müssen.<br />
Tickets gibt es unter: www.obstacle-city-run.de<br />
Anmeldeschluss ist der 19. August.<br />
29. bis 31. August <strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Musik bei Kaiser Wilhelm<br />
DAS KWP-FESTIVAL bringt von Donnerstag bis Samstag,<br />
29. bis 31. August <strong>2<strong>02</strong>4</strong>, internationale Bands,<br />
spannende Neuentdeckungen und Talente aus<br />
der Göttinger Musikszene auf die Bühne im<br />
Kaiser- Wilhelm-Park im Göttinger<br />
Stadtwald. Tickets für das Open-<br />
Air-Event gibt es ab sofort bei<br />
allen bekannten Vorverkaufsstellen<br />
und online unter<br />
www.reservix.de. Am Freitag,<br />
29. August, spielen die<br />
Göttinger ,Honig und<br />
Hafermilch‘ sowie<br />
Gabriel von Berlepsch<br />
und Daniel Mühe als<br />
DJ-Team Golden Boys<br />
Do Cry. Headliner am<br />
30. August ist die<br />
Indie-Pop-Band Von<br />
Wegen Lisbeth. Am<br />
31. August folgt Di-Rect<br />
mit ihrer Mischung aus<br />
Rock, Soul, Pop und Indie.<br />
Wallis Bird beeindruckt mit<br />
Irish Folk, Rock, Pop und Soul.<br />
FOTO: TOBIAS ORTMANN<br />
112 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong><br />
Wallis Bird bringt ihre irische<br />
Folkstimme mit nach Göttingen
leben<br />
Rock und Pop mit Vogel und Hase<br />
DIE WALDBÜHNE NORTHEIM hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einem Hotspot bekannter<br />
Musiker etabliert. Nach einem Dornröschenschlaf traten zuletzt Künstler wie Rea Garvey,<br />
Álvaro Soler und Johannes Oerding vor mehr als 8.000 Zuschauern auf. In diesem Jahr waren bereits<br />
Altrocker Alice Cooper und Max Giesinger auf der Bühne im Northeimer Wieterwald neben<br />
dem Freigeist- Hotel zu erleben. Sarah Connor (24. August) rundet das Programm für <strong>2<strong>02</strong>4</strong> ab. Für<br />
2<strong>02</strong>5 hat sich erneut Johannes Oerding angekündigt. Hinter dem Aufleben steckt die Hannoversche<br />
Agentur ,Living Concerts‘. Infos und Termine unter www.livingconcerts.de<br />
FOTO: CHRISITAN VOGELBEIN<br />
DIE AUSSTELLUNG ,HERZ & HIRN – GEMEIN-<br />
SAM VERSTEHEN‘ im Forum Wissen beleuchtet<br />
Fragen wie die Funktionsweise eines Herzpflasters,<br />
das Hören mit Licht und den Weg von Forschung zu<br />
Therapie. Sie zeigt modernste Mikroskopietechniken,<br />
mit denen Forschende Zellen und Gewebe untersuchen.<br />
Besucher können Filme, interaktive Anwendungen<br />
und Tastmodelle erleben und die interdisziplinäre<br />
Forschung des Exzellenzclusters<br />
,Multiscale Bioimaging‘ der Universität Göttingen<br />
entdecken, die Herz- und Gehirnerkrankungen mit<br />
neuesten bildgebenden Verfahren untersucht.<br />
Im Fokus stehen die Gemeinsamkeiten von Herzmuskel-<br />
und Nervenzellen, deren Erforschung neue<br />
Diagnose- und Therapieansätze ermöglicht. Die<br />
Ausstellung verdeutlicht die Entstehung wissenschaftlicher<br />
Erkenntnisse und ihre gesellschaftliche<br />
Bedeutung. Die Sonderausstellung ist noch bis zum<br />
20. Oktober im Forum Wissen zu sehen.<br />
Bis zum 20. Oktober<br />
Ausstellung im Forum Wissen<br />
Die Sonderausstellung lässt beeindruckende Einblicke zu.<br />
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impressum<br />
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faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen<br />
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37073 Göttingen<br />
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(boehme@faktor-magazin.de)<br />
Redaktionsleitung<br />
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(vogelbein@faktor-magazin.de)<br />
Autoren<br />
Matthias Brunnert, Sven Grünewald,<br />
Stefan Liebig, Anna Schlenker<br />
Art-Direction & Entwicklung<br />
Michael Ndarurinze<br />
Fotografie<br />
Alciro Theodoro da Silva, Luka Gorjup<br />
Lektorat<br />
CoLibris - Lektoratsbüro Dr. Barbara Welzel<br />
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Christiane Wiese-Brahimi, Anastasia Riesling (Assistenz)<br />
Geschäftsführender Gesellschafter<br />
Marco Böhme<br />
Auflage<br />
11.200<br />
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Redaktions- und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe<br />
ist der 22. August <strong>2<strong>02</strong>4</strong>.<br />
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Ines Dietze, Prof. Dr. Uwe Fischer, Jan Förster, Rainer Giese, Fritz<br />
Güntzler, Jürgen Jenauer, JUDr. Hans-Hermann Lampe, Markus<br />
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114 2 |<strong>2<strong>02</strong>4</strong>
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