architecture - Alsecco

alsecco.de

architecture - Alsecco

aface

Magazin alsecco aface

alsecco GmbH

www.alsecco.de

Schutzgebühr 3 €

DAS alsecco MAGAZIN ÜBER ARCHITEKTUR UND FASSADEN 022010

charakter SCHWARZER

METEORIT Neue Uni-Bibliothek Potsdam

SOZIAL AUFGEWERTET Der Architekt Kofi Adomako

MITTEN IM LEBEN Die Kölner Wohnungsgenossenschaft

IN GROSSEN DIMENSIONEN Benthem Crouwel

ZUHAUSE IM KIEZ Der FC St. Pauli wieder erstklassig


INNEN UND AUSSEN

AUF DEN ERSTEN BLICK lassen sich Zwillinge zumeist

kaum unterscheiden. Doch bei näherem Hinsehen offenbaren

sich erste Unterschiede. Und oft genug verbergen sich

hinter der ähnlichen Physiognomie völlig andere Charaktere.

Auch in der Architektur gibt es dieses Phänomen, wie

die neue Uni-Bibliothek in Potsdam zeigt. Denn hinter der

tief schwarzen, optisch weitgehend geschlossenen Außenhülle

aus Naturstein und Glas verbirgt sich hier ein überraschend

heller und luftiger Innenraum. Trotz dieser gelungenen

optischen Täuschung fungiert die hochwertig gestaltete

Fassade andererseits als sichtbarer Beleg für den

hohen Anspruch der Architekten bei der Umsetzung des

Projekts. Und verrät damit ganz viel von dessen Charakter.

Auch bei unseren Beiträgen über den „letzten Stadtteilclub“,

den FC St. Pauli, sowie über die als „Göttin“ verehrte

DS von Citroën dreht sich alles um die Themen „Charakter“

und „Innere Werte“. Um Phänomene also, die deutlich aus

der Reihe fallen und wohl gerade deswegen eine beinahe

IMPRESSUM

Herausgeber alsecco GmbH

Adresse Kupferstraße 50, D-36208 Wildeck

Telefon 03 69 22 / 88-252

Fax 03 69 22 / 88-214

Verantwortlich Jörg Lamprecht, joerg.lamprecht@alsecco.com

Realisation Seligmann Unternehmens-Kommunikation, Oldenburg

Redaktion Kathrin Marie Arlt, Ingo Seligmann, Robert Uhde

Design filos editorial design & communication, Braunschweig

Art Direction Pia Löfstedt, Silke Borchert

Titelbild Magnus Fond /plainpicture

Lektorat Jens Flachmann, Tanja Moreno Avilés, Bielefeld

Anzeigen Reinhilde Schwarz, reinhilde.schwarz@alsecco.com

Produktion agentur mp 2

Druck Grafisches Centrum Cuno, Calbe

Erscheinungsweise April, Oktober

Auflage 10.000 Exemplare

foto Hanno Keppel

mythenhafte Faszination auf viele Menschen ausüben.

Typen mit Ecken und Kanten sind auch der Paderborner

Architekt Kofi Adomako, der voller Leidenschaft zeigt, dass

sich auch im Sozialen Wohnungsbau hochwertige Lösungen

realisieren lassen, und Willi Hullmann, der Vorsitzende

der Kölner Wohnungsgenossenschaft, der sich rund um

die Uhr für seine Mieter einsetzt. Menschen mit solchem

Engagement braucht unsere Gesellschaft!

Wer nach dem Ungewöhnlichen sucht, der sollte also

einfach mal einen Blick hinter die Fassaden wagen. Eine

gute Gelegenheit dazu bietet auch die BAU 2011, die vom

17. bis zum 22. Januar in München stattfindet. Wir freuen

uns darauf, Sie dort auf unserem neu gestalteten Messestand

begrüßen zu dürfen, und wünschen bis dahin viel

Spaß beim Lesen!

JÖRG LAMPRECHT

EDITORIAL

alsecco aface 03


INTRO

EINMALIG

EIN ÖNOLOGE MEINT, wenn er vom Charakter eines Weines spricht,

sämtliche Geruchs- und Geschmackseigenschaften. In der Musik ist ein

Charakterstück ein Genrestück, das eine ganz bestimmte Stimmung wiedergibt.

Farben wird ein eigener Charakter zugeschrieben. Selbst Zahlen.

Und natürlich uns Menschen. Der Charakter des Homo sapiens spiegelt

sich gemeinhin in seinen Eigenschaften, der Persönlichkeit. Nur zu gerne

wird er erkundet, analysiert, gedeutet und pauschalisiert. „Ein fieser Charakter“,

„ein schwacher Charakter“, „charakterstark“ – die Kategorisierung

folgt einem Eindruck, den wir von unserem Gegenüber haben. Ähnlich wie

04 alsecco aface

foto Magnus Fond/plainpicture

beim Genuss eines Weins oder eines Musikstücks. Und so wie beim Wein

die Bodenbeschaffenheit und die Sonne für die Ausbildung des Charakters

verantwortlich sind, wird auch der Charakter eined Menschen von äußeren

Einflüssen geprägt. Eine Chance für Individualität und Entwicklung. Denn

selbst dann, wenn sich zwei Menschen gleichen wie ein Ei dem anderen,

weil sie über eine weitestgehend identische Gensequenz verfügen – es

gibt keine zwei gleichen Menschen auf der Welt. Somit ist der Charakter ein

ganz fabelhaftes Merkmal, das einen Menschen von einem anderen zu

unterscheiden vermag. ✱


32

04 INTRO

Charakter.

06 SHORT CUT

Auf einen Blick.

12 ALSECCO TOP 1

Loop5 in Weiterstadt.

25 ALSECCO TOP 2

DHL-Hauptsitz in Bonn.

31 STRAIGHT ANSWER

bei alsecco, über die hohe

Widerstandsfähigkeit des

Fassadensystems Alprotect

Carbon.

37 ALSECCO TOP 3

Elefantenhaus in

Heidelberg.

38 BAU 2011

Auf der BAU 2011 in

München ist alsecco mit

einem neuen Stand

vertreten.

40 DIARY

Sechs Monate alsecco –

Ereignisse, Entwicklungen,

Neuheiten.

CONTENT

08 SCHWARZER METEORIT

Interview mit Projektarchitekt Per Pedersen vom Büro Staab Architekten über den Neubau

der Uni-Bibliothek in Potsdam.

13 AUF DEN SPUREN DER GÖTTIN

Mit seinem futuristischen Design und seiner innovativen Technik ist der Citroën DS bis heute

eine Legende.

16 IN GROSSEN DIMENSIONEN

Die Amsterdamer Architekten Benthem Crouwel realisieren derzeit vier Großbahnhöfe in den

Niederlanden.

20 AUFGEWERTET

Der Paderborner Architekt Kofi Adomako realisiert hochwertige Lösungen im Sozialen

Wohnungsbau.

26 FEINE ADRESSE

Feine Adresse: Im Göbels Schlosshotel in Friedewald verwöhnt Küchenchef José Esteves

seine Gäste.

28 CHARAKTER MIT GROSSEM HERZ

Interview mit Willi Hullmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Kölner Wohnungsgenossenschaft.

32 WELTPOKALSIEGERBESIEGER

Der FC St. Pauli als letzter Stadtteilclub in Deutschland.

36 AUS GANZER FRUCHT

Blick über die Schultern des „Marmeladenkochers“ Wolfgang Buck aus Wunstorf.

foto Hanno Keppel

08

16

20

alsecco aface 05

zeichnung Staab Architekten

foto Gerhard Hagen

foto Hanno Keppel


SHORT CUT

Ökodesign

Phyto-Purification Bathroom

www.junyasumoto.com

Hotel

Amsterdam Zaandam

www.inntelhotels.nl

Buch

Hollywood in den 30er Jahren

Autoren: Robert Nippoldt und

Daniel Kothenschulte

160 Seiten

Gerstenberg Verlag

ISBN 978-3-8369-2628-7

www.gerstenberg-verlag.de

06 alsecco aface

AUF DEM DACH

DER WELT

Foto Jun Yasumoto

Eine dreidimensionale Collage? Ein fragiles Kunstwerk?

Eine Stadt auf einem fliegenden Teppich? Nein, nichts

von alldem, sondern das neue Inntel Hotel „Amsterdam

Zaandam“ in Zaandam. Der 40 Meter hohe Hotelturm

setzt sich zusammen aus 70 einzelnen Häusern und beherbergt

neben 160 Zimmern auch noch einen großen

Wellnessbereich mit Pools, Dampfbad, Sauna und Fitnessmöglichkeiten.

Bei der Planung des 4-Sterne-Hotels

ließ sich der Delfter Architekt Wilfried van Winden (WAM

Architecten) von den Spitzdächern und Giebeln alter

niederländischer Häuser und Windmühlen inspirieren.

Ein Muss für alle Fantasy-Liebhaber.

GRÜNER DUSCHEN

GLAMOUR DER 30ER JAHRE

Ein kleines Ökosystem im heimischen Badezimmer –

das ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber die des

japanischen Designers Jun Yasumoto. Er hat, gemeinsam

mit Alban Le Henry, Olivier Pigasse und Vincent

Vandenbrouck, eine Dusche entworfen, inklusive

Wasserpflanzenlandschaft. „Phyto-Purification

Bathroom“ nennt Jun Yasumoto seine grüne Dusche.

Und „grün“ ist sie in doppeltem Sinn, denn das Duschwasser

wird zur Wiederverwendung neu aufbereitet.

Dabei dient Sand als natürlicher Filter für die gröbsten

Partikel, Schilf siebt die Schwermetalle aus, Wasserlinse,

Wasserhyazinthe, Schilf und Binsengewächs

sorgen gemeinsam mit einem integrierten Carbonfilter

für klares H2O. Ein naturnahes Duscherlebnis – mit

einer Eins-a-Ökobilanz.

Ein Rendezvous mit Charlie Chaplin, Fred Astaire, King Kong und Marlene Dietrich: Mit ihrem

Band „Hollywood in den 30er Jahren“ lassen der Illustrator Robert Nippoldt und der Autor

Daniel Kothenschulte den Glamour der 30er Jahre auf wunderbare Weise wieder lebendig

werden. Robert Nippoldt hat bereits das legendäre Spiel „Gangster. Die Bosse von Chicago“

und den preisgekrönten Band „Jazz im New York der wilden Zwanziger“ illustriert. Daniel

Kothenschulte schreibt als Filmkritiker für die Frankfurter Rundschau und arbeitet außerdem

als Stummfilmpianist. Eine wunderbare Hommage an ein wunderbares Stück Kinogeschichte.

Foto Roel Backaert © ontwerp: Molenaar & Van Winden architecten/

WAM architecten


URSPRUNG

DES RAUMES

Der Schweizer Bildhauer und Maler Alberto

Giacometti gehört zu den bedeutendsten Künstlern

des 20. Jahrhunderts. Mit seiner völlig neuartigen

Auffassung der menschlichen Figur im Verhältnis zu

Raum und Zeit hat er die klassische Moderne entscheidend

mitgeprägt. Das Kunstmuseum Wolfsburg

zeigt nun erstmals seit 13 Jahren in Deutschland

Giacomettis späteres Werk in einem größeren

Rahmen. Rund 70 Skulpturen sowie 30 Gemälde

und einige Zeichnungen geben dabei einen vielschichtigen

Einblick in das faszinierende Werk des

1966 verstorbenen Künstlers.

La Cage, 1950, Bronze, 175,6 x 37 x 39,6 cm.

Sammlung Fondation Giacometti, Paris (Inv. 1994-0177)

Homme qui marche I, 1960, Bronze,180,5 x 27 x 97 cm.

Sammlung Fondation Giacometti, Paris (Inv. 1994-0186)

PAOLO NUTINI

LOUIS ARMSTRONG IN DER DDR

Außergewöhnliches Songwriting, eine markante Stimme und ein

Charisma, das einen selbst über das kalte Medium eines Tonträgers

in den Bann zieht – dafür steht Paolo Nutini. Der gerade mal

23-Jährige hat mit seinem zweiten. Album „Sunny Side Up“

bewiesen, dass der Debüterfolg „These Streets“ keineswegs eine

Eintagsfliege war. Der Schotte italienischer Herkunft gilt zu Recht

als Ausnahmetalent. Werden seine Stimme, sein Timbre beschrieben,

fallen Namen wie Marvin Gaye und Rod Stewart. Allerdings

verleiht der Singer-Songwriter seiner Musik eine ganz eigene Note:

mal melancholisch-melodiös, mal leichtfüßiger Reggae, gerne Soul,

keine Scheu vor Pop und nie banal. Sensibel, wunderschön und

ungewöhnlich – für einen so jungen Kerl. Mit „Sunny Side Up“

präsentiert Paolo Nutini den perfekten Soundtrack für den Herbst.

Ein Stück wie aus einer anderen Welt: Mitten im Kalten Krieg brach die US-amerikanische

Jazzlegende Louis Armstrong im Frühjahr 1965 zu einer ausgedehnten Konzertreise hinter

v

den „Eisernen Vorhang“ auf. Auf dem Programm standen die CSSR, Bulgarien, Rumänien,

Jugoslawien und die DDR, wo er allein 17 Konzerte gab. Organisiert wurde die Tournee von

der staatlichen Künstleragentur, die Armstrong als „Künstler gegen den Rassismus“ eingeladen

hatte. Der Autor Stephan Schulz, Journalist des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR),

hat zwei Jahre lang recherchiert, Zeitzeugen befragt und in unzähligen Archiven gestöbert.

Herausgekommen ist das Buch „What A Wonderful World – als Louis Armstrong durch den

Osten tourte“.

Foto Stephan Schulz / Verlag Neues Leben Foto Jean-Pierre Lagiewski© ADAGP/FAAG, Paris/VG Bild-Kunst, Bonn 2010

SHORT CUT

Ausstellung

20. November 2010

bis 6. März 2011

Alberto Giacometti

Kunstmuseum Wolfsburg

www.

kunstmuseum-wolfsburg.de

CD

„Sunny Side Up“

Paolo Nutini

Warner Music Group

www.paolonutini.com

Buch

What a Wonderful World

Autor: Stephan Schulz

256 Seiten, gebunden

Verlag Neues Leben

ISBN-10: 3355017728

www.

eulenspiegel-verlag.de

alsecco aface 07


ARCHITECTURE

»BEI DUNKELHEIT

WIRD DER NEUBAU

ZUM DYNAMISCHEN

LICHTKÖRPER.«

PER PEDERSEN

SCHWARZER METEORIT

ANFANG APRIL 2011 WIRD DIE NEUE BIBLIOTHEK DER UNIVERSITÄT POTSDAM-GOLM FERTIG-

GESTELLT. DER CHARAKTERVOLLE NEUBAU DER BERLINER STAAB ARCHITEKTEN SCHAFFT

MIT SEINER WEITGEHEND GESCHLOSSENEN FASSADE AUS BEDRUCKTEM GLAS UND

SCHWARZEM NATURSTEIN EIN DEUTLICH SICHTBARES ZENTRUM AUF DEM CAMPUS. KURZ

VOR DER FERTIGSTELLUNG HABEN WIR MIT DEM ARCHITEKTEN PER PEDERSEN ÜBER

DAS PROJEKT GESPROCHEN.

foto Hanno Keppel

SEIT DER WENDE hat sich der Standort Potsdam-Golm

nach und nach zum bedeutendsten Forschungsstandort in

Brandenburg entwickelt. Als vorläufig letzter Baustein auf

dem Campus wird Anfang April das neue Informations-, Kommunikations-

und Medienzentrum IKMZ fertiggestellt. Im

Inneren des Neubaus wurden 450 Lesearbeitsplätze sowie

rund 29 Kilometer Regale für mehr als eine Million Bücher

integriert.

8 alsecco aface

AFACE: Mit seiner markanten Fassade aus bedrucktem

Glas und dunklem Naturstein hebt sich der Neubau deutlich

von seiner Umgebung ab. Fast wirkt es, als sei ein

riesiger Meteorit gelandet!

PER PEDERSEN: Wir wollten hier am Eingang des Campus

ein deutlich sichtbares Zeichen schaffen, um die städtebauliche

und funktionale Bedeutung der Bibliothek für

die Universität zu betonen. Aufgrund der heterogenen


Materialwahl der vorhandenen Gebäude am Standort haben

wir uns dabei für eine auf sich bezogene Fassadengestaltung

entschieden.

AFACE: Bis auf einige wenige große Fenster im Bereich

der Leseplätze erscheint die Fassade als weitgehend geschlossene

schwarze Hülle. Dennoch ist es im Inneren der

Bibliothek überraschend hell. Wie haben sie diesen verblüffenden

Eindruck erreicht?

PER PEDERSEN: Wir haben nach einer Lösung gesucht,

um die Anforderungen hinsichtlich Tageslichteinfall, Sonnenschutz

und Transparenz miteinander zu verbinden und

gleichzeitig eine homogene Außenhaut mit möglichst

01

02

ARCHITECTURE

»WIR WOLLTEN EINEN

MÖGLICHST FLIESSENDEN

ÜBERGANG ZWISCHEN STEIN

UND GLAS ERREICHEN.«

03

PER PEDERSEN

zeichnung Staab Architekten

01

Bei der Planung des Neubaus

hat Projektarchitekt

Per Pedersen Wert auf

einen differenzierten

Fassadeneindruck

gelegt.

02

Der helle Innenraum

steht in deutlichem

Kontrast zur schwarzen

Außenhülle.

03

Markantes Zeichen:

Ansicht der neuen

Bibliothek vom Bahnhof

Golm aus.

alsecco aface 9


ARCHITECTURE

Objekt

Informations-, Kommunikationsund

Medienzentrum IKMZ der

Universität Potsdam-Golm

Planung

Staab Architekten, Berlin

Nutzfläche

6.800 m²

Fertigstellung

April 2011

Kosten

26 Mio. Euro

04

Von einem der künftigen

Lesebereiche aus bietet

sich ein wunderbarer

Panorama-Blick in Richtung

Nordwesten.

05

Im Schnitt wird die vielschichtigeGrundrissaufteilung

mit dem zentralen

Lesesaal deutlich.

06

In den Freihandbereichen

dominiert eine zurückhaltende,

materialbetonte

Gestaltung.

05

04

»BEI STREIFLICHT LÖST SICH DER UNTERSCHIED

ZWISCHEN DEN MATERIALIEN FAST AUF.«

wenigen, präzise gesetzten Öffnungen zu realisieren. Ausgehend

von der inneren räumlichen Struktur des Neubaus

und den sich daraus ergebenden Fassadenöffnungen ist die

Idee einer scheinbar geschlossenen Hülle mit mosaikartig

aneinandergefügten Elementen aus bedrucktem Glas und

Naturstein entstanden, bei der die einzelnen Öffnungen von

außen nicht sichtbar sind. Die auf die Gläser aufgedruckten

Steinstrukturen fungieren einerseits als wirksamer Blend-

PER PEDERSEN

schutz und bieten dennoch ausreichend Transparenz. Gleichzeitig

war es durch die Bedruckung möglich, die Glasflächen

optisch den Natursteintafeln anzunähern. Auf einer anderen

Ebene ermöglichen die verschiedenen vertikalen Elemente

außerdem einen assoziativen Bezug zu den im Innenraum

aufbewahrten Büchern.

AFACE: Der Unterschied zwischen beiden Materialien ist

erst zu erkennen, wenn man direkt vor der Fassade steht.


zeichnung Staab Architekten

PER PEDERSEN: Ja, bei Streiflicht ist der Effekt noch stärker,

dann löst sich der Unterschied fast auf. Um einen differenzierten

und gleichzeitig möglichst fließenden Übergang

von Glas und Stein zu erreichen, haben wir insgesamt vier

verschiedene Oberflächen verwendet – neben poliertem

Granit sowie Granit in satinierter Leder-Optik kamen bedrucktes

transparentes Glas sowie bedrucktes satiniertes

Glas zum Einsatz.

AFACE: Von innen wirken die bedruckten Glasflächen beinahe

wie dünner schwarzer Stoff.

PER PEDERSEN: Ein ganz anderer Eindruck ergibt sich

allerdings bei Dunkelheit. Denn dann dringt die künstliche

Beleuchtung aus dem Inneren nach außen und lässt den

Bau als dynamischen Lichtkörper erscheinen.

AFACE: Die Größe und Anordnung der Platten wirkt auf

den ersten Blick eher zufällig. Nach welchen Kriterien wurden

die einzelnen Formate ausgewählt?

PER PEDERSEN: Um einen spielerischen, aber letztlich homogenen

Gesamteindruck der Fassade zu erzielen, haben

wir drei unterschiedliche Breiten sowie eine begrenzte Anzahl

unterschiedlicher Längen verwendet. Dennoch erforderte

die Anordnung der verschiedenen Elemente einen

gewaltigen Planungsaufwand. Die exakte Anordnung orientiert

sich dabei in erster Linie am Tageslichtbedarf in den

dahinterliegenden Räumen. Auf der Baustelle wurden die

Tafeln dann alle mit einer eigenen Nummer entsprechend

dem vorliegenden Fassadenraster angeliefert. Eine Besonderheit

ist dabei die Verwaltungsebene im ersten Obergeschoss,

das wir zur Optimierung des Sonnenschutzes als

beinahe durchgehendes horizontales Band aus bedruckten,

drehbaren Glaslamellen gestaltet haben.

AFACE: In den beiden Freihandbereichen im zweiten und

dritten Obergeschoss haben Sie dagegen eine streng rhythmische

Reihe schmaler vertikaler Öffnungen integriert.

PER PEDERSEN: Mit diesen regelmäßigen Öffnungen zwischen

den einzelnen Regalen sowie einer regelmäßigen

Positionierung des Kunstlichts wollten wir in den Freihandbereichen

die aufbewahrten Bücher hervortreten lassen.

FASSADENAUFBAU

Für die Fassade des Neubaus griffen die Planer auf die

Leichtbaufassade Airtec Stone zurück. Die anhand des vorliegenden

Fassadenrasters in unterschiedlichen Formaten

geschnittenen Natursteintafeln (Breite: 400 bis 700 Millimeter,

Höhe: 1500 bis 2700 Millimeter) bestehen aus einer acht

bis zehn Millimeter starken Deckschicht aus schwarzem

Granit vom Typ Angola Black Moonlight, die auf einer 19 Millimeter

dicken Leichtbetonträgerplatte verklebt wurden. Für

einen differenzierten Fassadeneindruck wurden wechselweise

polierte Oberflächen sowie Oberflächen in satinierter Leder-

Optik eingesetzt. Für die zusätzlich montierten Glastafeln

06

Dazu passt auch die materialbetonte Gestaltung mit roh

belassenen Sichtbetonwänden und Estrichböden.

AFACE: Durch die zahlreichen Öffnungen ergeben sich

dort vielfältigste Sichtbeziehungen zu den angrenzenden

Räumen.

PER PEDERSEN: Dieser offene Charakter des zentralen

Lesesaals war uns wichtig. Den gleichen Anspruch erfüllen

auch die beiden Lichthöfe sowie die beiden kaskadenartig

aufsteigenden Treppen, die auf Anhieb eine leichte Orientierung

im gesamten Gebäude schaffen. Gleichzeitig haben

wir bei der Gestaltung der Innenräume darauf geachtet, den

Studenten möglichst unterschiedliche Räumlichkeiten anzubieten,

so dass sie individuell wählen können, wo sie am

besten arbeiten können. Räume mit Ausblick auf den Campus

wechseln dabei fließend mit innenliegenden, eher introvertierten

Leseplätzen, die über ein Oberlicht mit Tageslicht

versorgt werden. Im dritten Obergeschoss haben wir zusätzlich

auch eine begehbare Dachterrasse integriert. Bei

schönem Wetter können die Studenten hier auch draußen

lesen und arbeiten.

AFACE: Das klingt nach wunderbaren Aussichten für die

Studenten! Herr Pedersen, wir bedanken uns für das Gespräch.


wurde satiniertes bzw. klares Sonnenschutzglas vom Typ

Pasol grau verwendet. Mit Hilfe der rückseitig aufgeklebten

Aluminiumrahmen lassen sich die einzelnen Glas- und Natursteinelemente

problemlos in die fest auf der Fassade montierte

Unterkonstruktion einhängen und anschließend feinjustieren.

Als besonders raffinierte konstruktive Lösung erwies

sich das einheitliche Befestigungssystem für die Materialien

Naturstein und Glas. Für einen durchgehend schwarzen

Fassadeneindruck ohne helle Fugen wurden die Kanten der

einzelnen Platten sowie die innenseitig aufgebrachte 12 Centimeter

starke Dämmung schwarz kaschiert.

STAAB ARCHITEKTEN

zeichnung Staab Architekten

Staab Architekten mit Sitz

in Berlin gehören zu den renommiertestenPlanungsbüros

in Deutschland. Das

Büro wurde 1990 von

Volker Staab gegründet und

wird aktuell von den vier Geschäftsführern

Volker Staab,

Alfred Nieuwenhuizen, Per

Pedersen und Hans Ziegler

geleitet. Zu den bislang wichtigsten

Projekten der Architekten

zählen die Entwürfe für

das Neue Museum Nürnberg

(1999), das Museum Georg

Schäfer in Schweinfurt (2000),

und das Service-Zentrum auf

der Münchener Theresienwiese

(2005) sowie der hochwassersichere

Umbau des Albertinums

in Dresden (2010).

alsecco aface 11


ALSECCO TOP

01

12 alsecco aface

IM SÜDHESSISCHEN Weiterstadt

wurde vor kurzem

das Einkaufszentrum

LOOP5 eröffnet. Die direkt

an der Bundesautobahn 5

sowie in unmittelbarer Nähe

zum Frankfurter Flughafen

gelegene, nach Plänen von

HPP International aus

Düsseldorf entwickelte

Shopping-Mall bietet auf

vier Geschossen eine Verkaufsfläche

von rund

60.0000 Quadrat-metern.

Eine architekto-nische

Besonderheit ist die Ausführung

fast aller Innenwände

mit einem Sicht-

mauerwerk aus Kalksandstein.

Die Außenfassade

wurde überwiegend mit

einer geschlossenen

Fassade versehen, deren

Lamellenstruktur unmittelbar

an Flugzeugtechnik

denken lässt. ✱

Objekt

Einkaufszentrum LOOP5,

Weiterstadt

Planung

HPP International, Düsseldorf

Fassade

Alprotect Aero

foto Hanno Keppel


01

01

Elegante Linien: Mit ihrem

stromlinienförmigen Design

läutete die DS eine neue

Ära des Automobilbaus ein.

DESIGN

LA DÉESSE

DIE GÖTTIN

KAUM EIN ANDERES AUTOMOBIL HAT BEI SEINEM ERSCHEINEN MEHR

AUFSEHEN ERREGT ALS DER 1955 VORGESTELLTE CITROËN DS. MIT IHREM

STROMLINIENFÖRMIGEN DESIGN UND IHRER SEINERZEIT VÖLLIG NEU-

ARTIGEN HYDROPNEUMATISCHEN FEDERUNG WIRKT DIE „GÖTTIN“ AUCH

HEUTE NOCH RADIKAL MODERN. KEIN WUNDER DAHER, DASS SIE VON

KÜNSTLERN, ARCHITEKTEN UND ANDEREN KREATIVEN HEISS BEGEHRT WIRD.

text Robert Uhde foto Citroën Communication

alsecco aface 13


DESIGN

02

Gute Figur: Seit 1961

wurden rund 1.500

Cabriolets, sogenannte

„Usines“, gefertigt.

14 alsecco aface

EIN ANBLICK wie von einem anderen Stern: Dass die DS

kein gewöhnliches Automobil ist, war schon im Oktober

1955 bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zu erleben. Die

Begeisterung der anwesenden Besucher und der Fachwelt

über die technische und ästhetische Revolution, die dort auf

dem Pariser Autosalon vor ihren Augen enthüllt wurde, war

derartig groß, dass noch am gleichen Tag 12.000 Bestellungen

für das Fahrzeug eingingen. Bis zum Ende der Messe

waren es schon 80.000. Und als die Produktion rund 20 Jahre

später im Mai 1975 eingestellt wurde, waren insgesamt

fast 1,5 Millionen Exemplare vom Band gelaufen.

»DIE ’ DÉESSE‘ IST DEUTLICH

SICHTBAR EINE PREISUNG DER

SCHEIBEN, DAS BLECH LIEFERT

DAFÜR NUR DIE PARTITUR.«

ROLAND BARTHES

02 03

Dem atemberaubenden Design, das eher an ein Ufo als

an andere Autos der 1950er-Jahre erinnert, entsprach beim

Citroën DS ein gleichermaßen futuristisches Innenleben. Im

Blickpunkt stand dabei die einzigartige hydropneumatische,

mit komprimierbarem Gas betriebene Federung, mit deren

Hilfe sich die Bodenfreiheit des Autos für eine optimale

Anpassung an das Ladegewicht automatisch von 9 bis 28

Zentimeter variieren ließ. Ein besonderes Erlebnis war der

Start, wenn die Hydropneumatik den Wagen sanft um einige

Zentimeter anhob. Wurde die DS geparkt, dann senkte sie

sich durch den nachlassenden Druck in der Hydropneumatik

langsam wieder ab. Dazwischen schien das Auto wie

auf einem Luftkissen zu schweben. Kein Wunder daher,

dass schnell der Beiname „Göttin“ gefunden wurde – eine

Bezeichnung, die das Auto neben seinen ästhetischen und

fahrtechnischen Eigenschaften insbesondere der Aussprache

der Typenbezeichnung „DS“ als „Déesse“, also

„Göttin“, verdankt.

Das Design der Autolegende wurde von dem Ingenieur

André Lefèvre und dem Bildhauer und Designer Flaminio

Bertoni entwickelt, die beide 20 Jahre zuvor bereits den Vorläufer

der DS, den Citroën Traction Avant, entworfen hatten.

Neben dem kühlerlosen aerodynamischen Design und


03

Musikalisch: Die hydropneumatische

Federung

der DS ermöglichte sogar

perfekten Single-Klang.

04

„Unkaputtbar“: Endgültig

zur Legende wurde die

DS nach dem erfolglosen

Attentatversuch auf

Charles de Gaulle im

Sommer 1962.

05

Ein weiteres Sondermodell

der DS war der

Kombi „Break“, der sich

auch für den Einsatz als

Krankenwagen eignete.

der radikalmodernen Hydropneumatik integrierten sie weitere

Neuerungen wie Servobremse und Servolenkung. Seit

1968 wartete die DS zusätzlich mit Schwenkscheinwerfern

auf. Revolutionär war außerdem der verstärkte Einsatz von

Kunststoff und Aluminium zur Gewichtsreduzierung. Neben

der klassischen Limousinen wurden mehrere Sondermodelle

entwickelt, darunter ein Cabriolet und ein Krankenwagen.

Zu den begeisterten Anhängern der Göttin zählte auch der

französische Philosoph Roland Barthes. In seinem 1957

erschienenen Band „Mythologies“ schwärmt er: „In der DS

steckt der Anfang einer neuen Phänomenologie der Zusammenpassung,

als ob man von einer Welt der verschweißten

Elemente zu einer solchen von nebeneinandergesetzten

Elementen überginge, die allein durch die Kraft ihrer wunderbaren

Form zusammenhalten, was die Vorstellung von einer

weniger schwierig zu beherrschenden Natur erwecken

soll.“

Endgültig zum Mythos wurde die DS am 12. August

1962, als sie bei einem versuchten Attentat auf General de

Gaulle ihre übersinnlichen Kräfte nachhaltig unter Beweis

stellen konnte: Der Präsident war gerade auf dem Weg zum

Militärflughafen südwestlich von Paris, als er plötzlich mit

Maschinengewehren beschossen wurde. Die Karosserie

und einer der Hinterreifen des Autos wurden dabei gleich

mehrfach durchbohrt, der Wagen konnte aber dennoch

weiterfahren. Und der Präsident blieb wie durch ein Wunder

völlig unversehrt. Nicht zuletzt auch dank der hydraulischen

Federung natürlich, durch die die Göttin auch auf drei

Rädern weiterfahren konnte.

Bei solchen Qualitäten verwundert es kaum, dass die DS

immer wieder auch im Kino zu sehen war. So etwa in der

1997 mit Richard Gere und Bruce Willis gedrehten Verfilmung

des Romans „Der Schakal“ von Frederick Forsyth, in

DESIGN

der das Attentat auf General de Gaulle nachgestellt wurde.

Ebenso taucht der Wagen als Requisit in vielen Science-

Fiction-Produktionen und in zahllosen Streifen des Film noir

auf, zum Beispiel in Jean-Pierre Melvilles „Der eiskalte

Engel“ aus dem Jahr 1967 mit Alain Delon.

Und auch 55 Jahre nach ihrem ersten Auftritt hat die Göttin

nichts von ihrer ursprünglichen Faszination verloren. Statt

Liebhaber moderner Technik zieht sie inzwischen jedoch

eher Künstler, Architekturstudenten und andere Kreative in

ihren Bann. Das futuristische Hightech-Design von einst

wird dabei kurzerhand zum nonkonformen Retro-Look

umgedeutet. So zeigt sich die Göttin erneut ganz avantgardistisch

am Puls der Zeit. ✱

»DI»ES IST NICHT DAS AUTO VON MORGEN. ES IST

VON HEUTE. DIE ANDEREN SIND VON GESTERN.«

05

04

ALEXANDER SPOERL

alsecco aface 15


ARCHITECTURE

IN GROSSEN DIMENSIONEN

MIT IHREN UMFANGREICHEN MEGAPLANUNGEN FÜR DEN UMBAU DER BAHNHÖFE IN

DEN HAAG, ROTTERDAM, AMSTERDAM UND UTRECHT GEHÖREN BENTHEM CROUWEL

SEIT JAHREN ZU DEN GEFRAGTESTEN ARCHITEKTURBÜROS IN DEN NIEDERLANDEN. IN

DEUTSCHLAND HABEN DIE PLANER ZULETZT MIT DEM PASSIVHAUS-BÜROGEBÄUDE

„ETRIUM“ IN KÖLN UND DEM ALS „SCHWARZEN DIAMANTEN“ GESTALTETEN BERG-

BAUMUSEUM IN BOCHUM FÜR AUFSEHEN GESORGT.

text Robert Uhde

01

16 alsecco aface


foto Benthem Crouwel

02 03

»WIR SUCHEN NICHT NACH EXTRAVAGANZ, SONDERN

NACH DEM KERN DER JEWEILIGEN BAUAUFGABE.«

JAN BENTHEM

LANGE ZEIT war das 1979 durch Jan Benthem und Mels

Crouwel gegründete Architekturbüro Benthem Crouwel vor

allem als Supervisor für den Flughafen Amsterdam Schiphol

bekannt. Im Verlauf von mehr als zwei Jahrzehnten haben

die Planer dort unterschiedlichste Projekte wie die Airport

City, den Terminal West, die Schiphol Plaza und das Cargo

Building realisiert. Mit Erfolg: Denn immer wieder wurde

der Airport aufgrund seiner hohen Aufenthaltsqualität als

einer der besten Flughäfen der Welt prämiert.

Aufbauend auf den Erfahrungen bei der Erweiterung des

Flughafens Schiphol haben sich Benthem Crouwel in den

vergangenen Jahren zunehmend zu Spezialisten für hochfrequentierte

Großprojekte entwickelt. Aktuell stehen dabei

vor allem die Planungen des Büros für den Neu- bzw. den

Umbau der landesweit größten Bahnhöfe in Amsterdam,

Den Haag, Utrecht und Rotterdam im Blickpunkt. Die Fertigstellung

der Projekte in Amsterdam und Utrecht wird sich

noch einige Jahre hinziehen. Relativ weit fortgeschritten

sind die Arbeiten dagegen in Rotterdam, wo bis Ende 2011

ein hochmoderner Verkehrspunkt mit einem expressiv

gestalteten Dach aus Glas und Holz in Betrieb genommen

werden soll.

„Gute Architektur beginnt mit klarem Denken“, beschreiben

Jan Benthem und Mels Crouwel die Basis ihrer Arbeit.

Statt mit einem vorgefertigten Repertoire und einem festen

Formenkanon zu agieren, gehen sie bei ihren Planungen

eher tastend vor und suchen bei jedem Projekt offen und

unvoreingenommen nach der besten Lösung. „Wirklich

überzeugende Ergebnisse entstehen nämlich erst dann,

foto Jannes Linders

foto Jannes Linders, Esther Tulodetzki

wenn man sich intensiv mit den jeweiligen Anforderungen

und den spezifischen Rahmenbedingungen vor Ort auseinandersetzt“,

so die Architekten.

Die gleiche Strategie verfolgten die Architekten auch bei

ihren Planungen für das Amsterdamer Messe- und Kongresszentrum

RAI, für das sie seit Jahren als Supervisor

tätig sind. Um die städtebauliche und funktionale Qualität

des bislang eher zufällig gewachsenen Areals zu verbessern,

stellten die Planer Ende 2009 unter anderem das neue

Tagungszentrum „Elicium“ fertig. Der Neubau verbindet

einen flachen, auf schlanken Stützen aufgeständerten Pavillon

mit einem siebengeschossigen Büroturm zu einem

organisch geschwungenen Ganzen und fungiert dabei nicht

nur als neuer Mittelpunkt, sondern auch als einprägsames

architektonisches Logo der Messe.

Den großen Infrastrukturprojekten von Benthem Crouwel

stehen auf der anderen Seite zahlreiche Museumsprojekte

unterschiedlicher Größe entgegen. Neben dem 1999 fertiggestellten

Umbau einer ehemaligen Textilfabrik in Tilburg

ARCHITECTURE

01

Der neue Bahnhof von

Rotterdam soll ab 2011

einen hochmodernen

Verkehrsknotenpunkt

zwischen Amsterdam

und Brüssel bieten.

Mit seinen organisch

abgerundeten Formen

schafft das „Elicium“ ein

einprägsames Logo für

das Amsterdamer

Messezentrum RAI.

Großzügig geöffnet: Bei

der Erweiterung des

Stedelijk-Museums in

Amsterdam greifen die

Architekten auf Kunststoff

zurück.

Die sechs Partner von Benthem Crouwel: Markus Sporer, Marten Wassmann, Jan Benthem, Mels Crouwel, Joost Vos,

Marcel Blom (von links nach rechts).

02

03

alsecco aface 17

foto Benthem Crouwel


ARCHITECTURE

04 foto

04

Harmonisch eingefügt:

Das 1999 erweiterte Anne-

Frank-Haus gehört zu den

bekanntesten Gebäuden

in Amsterdam.

05

18 alsecco aface

Jannes Linders

»WIR KÖNNEN STUNDENLANG ÜBER UNSERE

ARBEIT REDEN. ABER WAS ANDERE DARÜBER

SAGEN, IST LETZTLICH AUSSAGEKRÄFTIGER.«

JAN BENTHEM

05

Der Erschließungsstrang

zieht sich wie ein Stollen

durch den Erweiterungsbau

des Bergbaumuseums

in Bochum.

06

Das in Passivhausbauweise

errichtete „Etrium“

in Köln wurde mit dem

Fassadendämmsystem

Alprotect Spar Dash

gedämmt.

foto Gerhard Hagen

zum Kunstmuseum „De Pont“ und der fast zeitgleich abgeschlossenen

Renovierung und Erweiterung des Amsterdamer

Anne-Frank-Hauses sorgt dabei aktuell vor allem der

Erweiterungsumbau des Stedelijk-Museums in Amsterdam

für öffentliche Aufmerksamkeit. Um die Ausstellungsfläche

zu vergrößern und das 1895 im Neorenaissance-Stil

errichtete Gebäude zum angrenzenden Museumsplatz zu

öffnen, wird das Haus gegenwärtig durch eine organisch

geformte neue Eingangshalle aus glasfaserverstärktem

Kunststoff erweitert. Die moderne, expressive Architektursprache

des Anbaus schafft dabei einen gelungen Kontrast

zu den historischen Backsteinmauern des Bestandes.

Rund 25 Jahre lang haben Jan Benthem und Mels Crouwel

sämtliche gestalterischen und administrativen Entscheidungen

ausschließlich zu zweit getroffen. In den vergangenen

Jahren ist das Büro jedoch Schritt für Schritt um

die vier Partner Marcel Blom, Markus Sporer, Joost Vos und

Marten Wassmann erweitert worden, um das eigene Profil

zu schärfen und die Verantwortung auf mehrere Schultern

zu verteilen.

Parallel dazu haben Benthem Crouwel 2005 eine Niederlassung

in Aachen gegründet, um so auch auf dem deutschen

Markt Fuß zu fassen. Kurz darauf konnten sie bereits den

Wettbewerb für den inzwischen eröffneten Erweiterungs-

06

foto Hanno Keppel


08

»GUTE ARCHITEKTUR BEGINNT MIT KLAREM

DENKEN, BESSERE LÖSUNGEN ENTSTEHEN,

WENN MAN INTENSIV DANACH SUCHT.«

MELS CROUWEL

bau des Deutschen Bergbaumuseums gewinnen. Markanter

Blickfang des dreigeschossigen Quaders ist die

schwarze, mit Graphiteinstreuungen gestaltete Putzfassade,

die dem Bau schnell den Beinamen „Schwarzer Diamant“

eingebracht hat. Der Innenraum des Museums wird in deutlichem

Kontrast dazu von einem melonengelb gestalteten,

nach außen hin verglasten Erschließungsstrang zugänglich

gemacht, der sich wie ein Stollen durch den massiven Körper

schlängelt. Die Verbindung zu dem 1935 durch Fritz

Schupp errichteten Altbau, in dessen Innenhof ein 60 Meter

hoher Förderturm erhalten geblieben ist, erfolgt über zwei

freitragende Stege.

Zuletzt haben Benthem Crouwel außerdem das Passivhaus-Bürogebäude

„Etrium“ in Köln realisiert. Der mit einer

rotorangeschillerndenPutzfassadegestalteteNeubauwurde

als eines der ersten Projekte mit dem DGNB-Gütesiegel in

Gold zertifiziert. Die kompakte Gebäudeform, eine hochdämmende

Gebäudehülle, Luftdichtheit, eine mechanische

Lüftungsanlage sowie die mit einem effektiven Wärmedämmverbundsystem

gestaltete Fassade sorgen dafür,

dass der Neubau mit einem Heizwärmebedarf von weniger

als 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr auskommt.

Ein weiteres Projekt der vergangenen Jahre ist die Sanierung

und Umnutzung des denkmalgeschützten Rotterdamer

Hafengebäudes „Las Palmas“. Der 1953 nach Plänen

von Van den Broek & Bakema im Stil des Neuen Bauens

errichtete viergeschossige Bau beherbergt jetzt unter anderem

das Niederländische Fotomuseum. Zusätzliche Nutzfläche

stellt dabei der Erweiterungsbau „Penthouse Las

Palmas“ zur Verfügung. Die organisch gerundeten Formen

des auf dem Dach des Altbaus aufgeständerten Neubauvolumens

schaffen nicht nur einen sinnfälligen Bezug zu den

Wellen der vorbeiziehenden Maas, sondern bieten gleichzeitig

auch einen gelungenen Verweis auf die Architektur

der 1960-er Jahre. Als der Hafen noch ganz Hafen war und

das Hafengebäude noch ganz Hafengebäude sein durfte. ✱

ARCHITECTURE

07 foto

07

Das Rotterdamer „Las

Palmas“-Hafengebäude

beherbergt nach dem

Sanierungsumbau das

Niederländische

Fotomuseum.

08

Auf dem Dach des

Gebäudes bietet das

„Penthouse Las Palmas“

eine attraktive Bürofläche.

alsecco aface 19

foto Jannes Linders

Jannes Linders


ONE HOUR

Attraktiver sozialer Wohnungsbau: Hochwertige Klinker und markante

grüne Putzflächen prägen das unverwechselbare Erscheinungsbild

dieses modernen Mehrfamilienhauses. Das Objekt wurde auf einem

961 Quadratmeter großen Grundstück errichtet und bietet insgesamt

eine Wohnfläche von 851 Quadratmetern.

LEBEN UND LEBEN LASSEN

WENN VON SOZIALEM WOHNUNGSBAU DIE REDE IST, DANN SIND OFT SCHLECHT

GEDÄMMTE UND MIT BILLIGEN MATERIALIEN ERRICHTETE MASSENSIEDLUNGEN

GEMEINT. DASS ES AUCH ANDERS GEHT, BEWEIST DER ARCHITEKT KOFI ADOMAKO

MIT EINEM MODERNEN MEHRFAMILIENHAUS IN BIELEFELD.

foto Hanno Keppel

AFACE: Herr Adomako, soeben haben wir uns Ihr Mehrfamilienhaus

in Bielefeld angesehen und waren ehrlich gesagt

ziemlich überrascht. Das Gebäude entspricht nicht

dem, was wir beim Stichwort „Sozialer Wohnungsbau“

erwartet haben.

KOFI ADOMAKO: Schön, das freut mich. Das genau war

meine Absicht! Ich wollte zeigen, dass im sozialen Wohnungsbau

hochwertige architektonische Lösungen realisierbar

sind.

AFACE: Das Gebäude bietet auf drei Ebenen neun Wohneinheiten

mit insgesamt 851 Quadratmetern Wohnfläche.

Je nach Bedarf stehen Drei-, Vier- oder Fünfzimmerwohnungen

zur Verfügung. Statt kostengünstiger 08/15-Lösungen

haben Sie dabei hochwertige Klinker für die Außenfassade,

Schiefer im Treppenhaus und Feinsteinzeug für die

20 alsecco aface

Bödeneingesetzt.WeitereDetailssinddiemarkantengrünen

Putzflächen der Fassade, die kreisrunden Bullaugenfenster

in den Küchen und die hochwertigen Balkonverkleidungen

aus pulverbeschichtetem Stahl. Und die großflächige Dachterrasse

ist sicher ein Novum im sozialen Wohnungsbau.

Jetzt sind Sie aber ja nicht nur Architekt, sondern auch Bauherr

des Gebäudes. Rechnet sich eine solche Vorgehensweise

denn überhaupt?

KOFI ADOMAKO: Statt bei der Planung ausschließlich

auf die Kosten zu achten, habe ich versucht, ein individuelles

Lebensumfeld für die Bewohner zu schaffen, in dem

sie gerne wohnen. Dabei habe ich ganz bewusst perspektivisch

gedacht und innen wie außen edle und robuste, aber

gleichzeitig auch strapazierfähige und schlagfeste Materialien

eingesetzt. So hält alles viel länger und die Bewohner

01

Mutig und konsequent:

Der Architekt Kofi

Adomako plädiert für

mehr Kreativität im

Sozialen Wohnungsbau.


01

NAME

Kofi Adomako

WAS MIR WICHTIG IST

Gesundheit – mein Glaube

an Gott – meine Familie

BUCH FÜR DIE INSEL

David Baldacci: Das Labyrinth

MUSIK

Salsa, Jazz, High Life, Soul

GRÖSSTER WUNSCH

Frühstück mit Barack Obama

MOTTO

„Verschiebe auf morgen, was du

heute nicht kannst besorgen“

DA KLICK ICH HIN

www.ghanaweb.com

ONE HOUR

alsecco aface 21


ONE HOUR

»WAS NÜTZT ES MIR, WENN ICH JETZT KOSTEN SPARE, ABER

NACH WENIGEN JAHREN VIEL GELD FÜR DIE SANIERUNG IN

DIE HAND NEHMEN MUSS?«

22 alsecco aface

gehen ganz anders damit um. Denn was nützt es mir, wenn

ich jetzt bei der Ausstattung Kosten spare, aber schon nach

wenigen Jahren viel Geld für Sanierungs- oder Instandsetzungsmaßnahmen

in die Hand nehmen muss. Bestes Beispiel

dafür ist das Hochhaus aus den 1970er-Jahren, das

vorher hier auf dem Grundstück stand und das jetzt so

baufällig war, dass es abgerissen werden musste. Die Anlage

hatte sich im Laufe der Jahre zu einem sozialen Brennpunkt

entwickelt und sie hatte dementsprechend ein schlechtes

Image in der Stadt. Mit einer sorgfältigen Planung lässt sich

eine solche negative Entwicklung verhindern.

AFACE: Das klingt gut, aber sind die Mieteinnahmen für

das Objekt denn hoch genug, um die Investitionskosten von

insgesamt 1,3 Millionen Euro wieder einzuspielen?

KOFI ADOMAKO: Alles in allem erhalten wir einen festgelegten

Mietpreis von 4,63 Euro je Quadratmeter. Das ist

natürlich nicht viel. Gewisse Rahmenbedingungen wie die

Dreigeschossigkeit des Gebäudes, das Flachdach und die

vertikale Stapelung gleicher Grundrisse waren daher zwingend

vorgegeben, sonst wäre das Projekt nicht als sozialer

Wohnungsbau zu realisieren gewesen. Darüber hinaus haben

wir aber versucht, möglichst kreative Lösungen und

Kompromisse zu entwickeln – trotz des begrenzten Budgets.

Ein Beispiel dafür ist die Klinkerfassade: Um das Fassadenbild

optisch interessanter zu gestalten, haben wir zusammen

mit dem Hersteller einen speziellen Stein entwickelt,

der genau unseren Vorstellungen entsprach. Außerdem

haben wir auch die weniger glatten Rückseiten der

Steine genutzt und einzelne Steine leicht aus der übrigen Fassade

hervortreten lassen. Durch den zusätzlichen Kontrast

der Steine mit den grünen Putzflächen wirkt die Fassade so

deutlich interessanter und hochwertiger.


AFACE: Der Neubau überzeugt aber nicht nur durch seine

individuelle Optik, sondern entspricht mit der Einhaltung des

KfW-40-Standards auch energetisch höchsten Ansprüchen.

KOFI ADOMAKO: Ja, um den KfW-40-Standard zu erreichen,

haben wir in sämtlichen Wohnungen eine kontrollierte

02

Be- und Entlüftung eingebaut. Das ermöglicht nicht nur

niedrige Heizkosten, sondern schafft auch frische Luft und

vermeidet Schimmelbildung. Darüber hinaus haben wir

großen Wert auf eine optimierte Dämmung gelegt, eine

Fußbodenheizung in allen Wohnungen integriert und eine

ONE HOUR

02

Die grüne Putzfläche im

Eingangsbereich schafft

einen gelungenen

Kontrast zur angrenzenden

Klinkerfassade.

alsecco aface 23


ONE HOUR

03

Wertbeständige Ausführung:

Die Böden im

Treppenhaus wurden mit

hochwertigem Feinsteinzeug

gestaltet.

04

An den Wänden im

Treppenhaus kam

Schiefer zum Einsatz.

05

Das Gebäude bietet auf

drei Ebenen neun Wohneinheiten

mit einer

Wohnfläche von insgesamt

851 Quadratmetern.

24 alsecco aface

Solarthermieanlage auf dem Dach zur Warmwasserbereitung

installiert. Hinter dem Aufzug haben wir außerdem

einen großen Schacht frei gelassen, um nachträglich Technologien

wie Erdwärme integrieren zu können. Die Hälfte

der für den KfW-40-Standard zusätzlich angefallenen Kosten

dürfen wir auf die Miete umlegen.

AFACE: Außerdem haben Sie einen Brunnen gebohrt, um

Grundwasser für die Waschmaschine zu nutzen.

KOFI ADOMAKO: Ja, aber das wäre zu kompliziert geworden,

weil wir dann separate Zähler benötigt hätten. Deshalb

kann das Brunnenwasser jetzt nur für die Außenanlagen

genutzt werden. Stattdessen haben wir aber eine

Wasserbelebungsanlage eingebaut, um die Qualität des

Trinkwassers zu optimieren.

AFACE: Alles Maßnahmen, die Sie letztlich aus eigener

Tasche bezahlen, oder?

KOFI ADOMAKO: Ja, aber für den langfristigen Erhalt der

Anlage war es mir wie gesagt wichtig, dass die Bewohner

gerne hier leben und sich mit ihren Wohnungen identifizieren.

Kosten haben wir an anderer Stelle gespart. So haben

wir im Außenbereich zum Beispiel nur einen Steingarten

angelegt, um so auf einen Hausmeister verzichten zu können.

Außerdem haben die Bewohner bei der Ausstattung

der Wohnungen selbst mit angepackt und dafür im Gegenzug

Farben und Materialien mit auswählen können. Das eingesparte

Geld stand dann an anderer Stelle zur Verfügung.

So haben wir zum Beispiel großen Wert auf einen guten

Schallschutz im Treppenhaus gelegt. Außerdem haben wir

sämtliche Wohnungen entsprechend den Auflagen für sozialen

Wohnungsbau komplett barrierefrei geplant und vor

allen Fenstern Fliegengitter und elektrische Jalousien eingebaut.

AFACE: Um die Kriterien des sozialen Wohnungsbaus zu

erfüllen und Förderungen sowie zinsgünstige Kredite der

KfW zu erhalten, müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt

sein. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt dann ausschließlich

an Menschen, die einen Wohnberechtigungsschein

vorweisen können. Gibt es in diesem Bereich regionale

Unterschiede?

KOFI ADOMAKO: Ja, in Bielefeld konnte ich zum Beispiel

anders als in vielen anderen Kommunen entscheiden, wer

hier einzieht. Deshalb habe ich die Interessenten vorher zu

Hause besucht und dabei darauf geachtet, dass sie gut

zusammenpassen. Das hat sicher dazu beigetragen, dass

es vor Ort keine Probleme gibt und Menschen aus unterschiedlichsten

Nationen hier gut miteinander auskommen.

AFACE: Das klingt sehr positiv. Wäre es denkbar, auf ähnliche

Weise einen ganzen Stadtteil zu bauen, um so die bestehende

Ghettoisierung in vielen Vierteln aufzubrechen?

KOFI ADOMAKO: Ja natürlich, für größere Wohnungsbaugesellschaften

wäre das kein Problem. Auf diese Weise

ließe sich auch das oftmals schlechte Image des sozialen

Wohnungsbaus deutlich verbessern. Letztlich muss aber ja

nicht alles genau so umgesetzt werden wie hier in Bielefeld.

Je nach Standort ließe sich das Konzept auch anpassen und

standardisieren. Entscheidend ist auf jeden Fall, den Menschen

das Gefühl zu geben, dass sie dazugehören und nicht

nur geduldet sind. Dann rechnet sich ein solches Projekt

von ganz allein. ✱

www.adomako.com

»FÜR DEN LANGFRISTIGEN ERHALT DER ANLAGE WAR ES

MIR WICHTIG, DASS DIE LEUTE GERNE HIER LEBEN.«

Objekt

Wohngebäude in der

Sprungbachstraße, Bielefeld

Architekt und Bauherr

Kofi Adomako

Grundstück

961 m2 Wohnfläche

851 m2 03 04 05


IN BONN WURDE in den

vergangenen Jahren der

neue Hauptsitz für die Deutsche

Post DHL fertiggestellt.

An exponierter Stelle

des weitläufigen Areals

entstand dieser kontrastreich

detaillierte Gebäuderiegel

entlang der Winston-

Churchill-Straße. Der

schmale siebengeschossige

Neubau setzt sich zusammen

aus einem schwarz verputzten

dreigeschossigen

Sockelbereich und einem

strahlend weiß verputzten,

an der Stirnseite deutlich

auskragenden oberen Gebäudeteil.

Für die weiße

Putzfassade der oberen

Geschosse kam das Fassadendämmsystem

Alprotect

Aero zum Einsatz. Der dreigeschossige

dunkle Sockelbereich

(Hellbezugswert 9)

wurde mit Alprotect Nova

gedämmt. ✱

Objekt

Neubau für die Deutsche Post

DHL, Bonn

Bauherr

Deutsche Post AG

Planung

Elmar Manstein, Aachen

Fassade

Weiß: Alprotect Aero

Schwarz: Alprotect Nova

ALSECCO TOP

02

alsecco aface 25

foto Hanno Keppel


FRIENDS

01

26 alsecco aface

02

MONSIEUR ESTEVES

WENN ES MUCKSMÄUSCHENSTILL IST IN DER KÜCHE DES SCHLOSS-

HOTELS, DANN IST DAS NICHT EIN ZEICHEN FÜR ABWESENHEIT, SONDERN

FÜR HOCH KONZENTRIERTE ANWESENHEIT. DANN NÄMLICH HABEN

KÜCHENCHEF JOSÉ ESTEVES UND SEIN TEAM ALLE HÄNDE VOLL ZU TUN.

„HALLO, MONSIEUR“, schallt es aus der „7-Grad Bar“.

Im Vorbeigehen erwidert der Küchenchef den freundlichen

Gruß. Kaum einer im 5-Sterne-Haus Göbels Schlosshotel

„Prinz von Hessen“ nennt den Franzosen, der seine Wurzeln

in Spanien hat, „Herr Esteves“. Monsieur nimmt es

gelassen und lächelt.

Das Lächeln begleitet ihn auch, wenn er in der Küche das

Regiment führt. Streng – dann zieht er auch schon mal die

linke Augenbraue etwas hoch –, aber mit viel Gespür für

jeden Einzelnen. „Eine Küche zu führen, das ist eine Gabe.

Die hat man – oder nicht“, sagt der 44-Jährige selbstbewusst.

Managementqualitäten sind hier gefordert, das Wissen

um die Fähigkeiten und die Belastbarkeit der Mitarbeiter,

kommunikative Kompetenz, überdurchschnittlich hoher

Einsatz und die Bereitschaft, ein Vorbild zu sein.

Was ihn motiviert, ist seine Leidenschaft für gutes Essen.

NAME José Esteves

WAS MIR WICHTIG IST

Ehrlichkeit

WORAUF ICH VERZICHTEN

KÖNNTE

Einen Fernseher

GRÖSSTER WUNSCH

Dass es auf der Welt keinen

Hunger und keine

Ungerechtigkeit mehr gibt

MOTTO

Der Morgenspecht fängt den

Wurm

ERSTES LIEBLINGSGERICHT

Andalusischer Kichererbseneintopf

– von meiner Mutter

zubereitet

LIEBLINGSGERICHT HEUTE

Stockfisch mit Reis und Kartoffeln

WEM ICH GERNE MAL IN DIE

TÖPFE SCHAUEN WÜRDE

Dem Sternekoch Hans Haas

in München

FÜR WEN ICH GERNE MAL

KOCHEN WÜRDE

Bei mir ist jeder willkommen

text Kathrin-Marie Arlt foto Hanno Keppel

Ah, die mediterrane Küche? Esteves winkt ab. „Was heißt

schon mediterrane Küche? Die steht für leichtes, gesundes

Essen. Jedes Essen kann gesund sein, wenn man sich dem

Klima anpasst, saisonale und regionale Produkten verwendet.

Und die Region hat viel zu bieten.“ Obwohl sich in seiner

Gourmetküche auch gefüllte Wachtelkeulchen mit

Gänsestopfleber, Lauchkompott und Trüffelsauce finden,

weiß Küchenchef Esteves ein schlicht zubereitetes Huhn –

aber bitte vom Bio-Bauern – mit Kürbis-Chutney oder Quitte

zu schätzen. „Das Einfache ist oft das Schöne“, erklärt er.

Souverän schwenkt Esteves die Eisenpfanne mit dem

Olivenöl. Die Gnocchi lassen sich gefügig hin und her wenden,

bevor Monsieur sie mit leichter Hand auf dem Teller

arrangiert, zwischen roten Paprikarauten und blanchierten

Mangoldblättern. Ob zwei oder 200 Gäste – er nimmt es

routiniert gelassen. „Unruhig werde ich nur, wenn etwas


03

»EINE KÜCHE ZU FÜHREN,

DAS IST EINE GABE. DIE

HAT MAN – ODER NICHT.«

nicht läuft, wenn ich merke, dass jemand nicht bei der

Sache ist.“ Da war sie wieder, die hochgezogene Augenbraue.

In seiner Küche muss alles wie am Schnürchen laufen.

Die Bestellungen müssen in der richtigen Reihenfolge abgearbeitet

werden, jedes Arrangement muss perfekt aussehen.

Esteves stellt eben hohe Ansprüche – an sein Team, an

das Essen und an sich selbst. Das beginnt bei der Organisation

und endet mit einer qualitativ hochwertigen Mahlzeit.

Dem Hobbygärtner, der sich für den Hausgebrauch Hasen

hält, kämevermutlich kein Convenience Food auf den Teller.

Er weiß es zu schätzen, wenn ein Fisch auch als solcher zu

erkennen ist, wenn die Zutaten aus einer vertrauten Quelle

stammen und die Zusammenstellung geschmackvoll kreativ

ist.

Das Göbels Schlosshotel „Prinz von Hessen“ in Friedewald

hat sich mittlerweile mit seiner Küche einen sehr guten

Ruf erworben. „Das ist das Verdienst von José Esteves“.

Hotelchef Markus Göbel ist sichtlich stolz auf seinen

Küchenchef. Nicht, dass er ihm jeden Wunsch von den

Augen ablesen würde, aber er lässt ihm vertrauensvoll freie

Hand. Und der ein oder andere Wunsch wird auch erfüllt. So

beispielsweise der großzügige Küchengarten mit vielen

Kräutern, Beeren und Blumen im Schatten des Schlosses.

Für Esteves, der mit seiner Leidenschaft für frische Zutaten

nicht hinterm Berg hält, ein kleines Paradies. Zwischen

dekorativen Buchsbaumhecken finden sich unter anderem

vier verschiedene Arten Thymian. Für den Laien kaum erkennbar.

Monsieur allerdings weiß sehr wohl um die Unterschiede.

Und seine Gäste wissen das zu schätzen. ✱

www.goebels-schlosshotel.de

01

Bonjour, Monsieur,

Küchenchef Josè Estevez

in seiner „Welt“.

02

Malerisch: Zum

Schlosshotel gehört

auch die alte Wasserburg.

03

Umgeben von einer

dichten Buchsbaumhecke

finden sich

feinste Kräuter für

die Küche.

LAMMRÜCKEN UND ZUNGE

AUF PAPRIKAMANGOLD IN PFEFERMINZ-SALBEI-

SAUCE MIT PARMESANGNOCCHI

Zutaten für 4 Personen

LAMMRÜCKEN UND ZUNGE

4 Lammcarrés

2 Lammzungen

1 Zwiebel

1 Lorbeerblatt

5 Pfefferkörner

Salz, Thymian

10 Blätter Pfefferminze

12 Blätter Salbei

20 g Butter (weich)

2 Essl. Olivenöl

1 Knoblauchzehe

Pfefferminz, Salbei, Butter,

Olivenöl und Knoblauchzehe

fein kuttern

GEMÜSE

1 Paprika

350 g Mangold

1 Schalotte

1 Knoblauchzehe

Butter

GNOCCHI

400 g Kartoffeln

80 g Hartweizengrieß

50 g Kartoffelstärke

30 g Parmesan, gerieben

Salz, Pfeffer, Muskat

1 Eigelb

Zubereitung

Lammzunge in Salzwasser ca. eineinhalb Stunden kochen

und anschließend mit Thymian, Lorbeerblatt, Knoblauch,

Zwiebeln und Pfeffer würzen.

Kartoffeln mit der Schale kochen (ca. 25 mm). Die heißen

Kartoffeln pellen und gleich durch die Presse drücken. Ein

Eigelb dazugeben, durchkneten und anschließend den

Grieß, den Parmesan und die Stärke dazugeben und abschmecken.

Wichtig: Die Masse muss heiß verarbeitet

werden. Aus der Masse kleine Klößchen formen und anschließend

kurz blanchieren. Sobald die Klößchen oben

schwimmen, herausnehmen und kalt stellen.

Die Lammcarrés sauber putzen, anbraten und mit Salz

und Pfeffer würzen. Nun etwas von der Pfefferminz-Salbei-

Butter einschmieren und ca. 20 Minuten im vorgeheizten

Ofen bei 80 °C garen.

In der Zeit, in der das Lamm gart, den Mangold blanchieren

und mit den Paprikawürfeln, den Schalottenwürfeln

und einer Knoblauchzehe (gedrückt) in etwas Butter anschwitzen

und ca. 2 Minuten lang garen lassen.

Eine große Pfanne mit Butter und Olivenöl erhitzen und

Gnocchi vorsichtig goldgelb anschwenken, anschließend

mit Salz und Pfeffer würzen.

Das fertige Lamm tranchieren, anrichten und mit der

restlichen Pfefferminz-Salbei-Butter servieren. Je nach

Wunsch kann etwas Portweinsauce dazu gereicht werden

„je nach Wunsch“.

alsecco aface 27


INSIDE

NAME Willi Hullmann

WAS MIR WICHTIG IST

Gesundheit, Familie, Freunde,

Beruf, Harmonie

MUSIK R ’n‘ B, Pop, Soul

BUCH FÜR DIE INSEL

Ein kreatives Kochbuch

FILM Der Pate

GRÖSSTER WUNSCH

Eine gute Fee

DA KLICK ICH HIN

www.koelnerwohnungsgenossenschaft.de

MOTTO Carpe diem – und:

Ein Tag ohne Lachen ist ein

verlorener Tag

»UNSERE AUFGABE IST ES,

DEN MENSCHEN LEBENSWERTE

WOHNUNGEN ZU BEZAHLBAREN

MIETEN ANZUBIETEN.«


Stilsicher: individuell entwickeltes Farbkonzept des Farbplaners Christian Brandstädter.

VON MENSCH ZU MENSCH

SEITJAHRZEHNTEN ist die Kölner Wohnungsgenossenschaft

ein fester Bestandteil des Wohnungsmarktes der

Domstadt. Zum Bestand des 1920 gegründeten Unternehmens

zählen rund 2.700 Wohnungen im Stadtgebiet. Der

Schwerpunkt liegt dabei im Kölner Norden, insbesondere in

Weidenpesch, wo auch die Geschäftsstelle angesiedelt ist.

2008 hatte das Unternehmen entschieden, seine bisherige

Firmierung „GWG Köln-Nord Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft

Köln-Nord eG“ durch den deutlich

schlichteren und einprägsameren Namen „Kölner Wohnungsgenossenschaft

eG“ zu ersetzen: „Der alte Name

war noch aus dem früheren Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz

abgeleitet, das im Jahre 1990 aufgehoben wurde“,

so Vorstandsvorsitzender Willi Hullmann, der das Unternehmen

mit großer Leidenschaft und mit viel persönlichem

Engagement gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen

Heino Thoms erfolgreich führt. „Nach der Umbenennung

sind wir jetzt deutlich klarer erkennbar. Parallel dazu haben

wir unser Logo grundlegend modernisiert und dabei insbesondere

unsere Verbundenheit mit der Stadt Köln hervorgehoben.

Im Herzen des eigenen Wohnungsbestandes entstand

zudem ein modernes Verwaltungsgebäude, das die

Auszeichnung ’ Vorbildliche Bauten in Nordrhein-Westfalen

2010’ erhielt.“

Die grundlegenden Ziele der Kölner Wohnungsgenossenschaft

haben sich nach der Umfirmierung nicht verändert:

„Wir wollen den Menschen lebenswerte und modern ausgestattete

Wohnungen zu bezahlbaren Mieten anbieten

und rund um die Uhr menschlich, wirtschaftlich und technisch

für sie bereitstehen“, fasst Willi Hullmann die Philosophie

des Unternehmens zusammen. Die Basis dazu ist ein

enger persönlicher Kontakt zu den Bewohnern: „Von unseren

2.700 Wohnungsmietern kenne ich eine Vielzahl. So

erfahre ich direkt aus erster Hand, was anliegt, und kann

dann auch selbst mit anpacken und die Dinge in die richtigen

Bahnen lenken.“ Das beginnt mit der sensiblen Auswahl

der Mieter und der Zusammensetzung der jeweiligen

Mieterstruktur und reicht bis zur konkreten Unterstützung

bei privaten Problemen. Um diese Hilfe noch weiter auszubauen,

plant die Kölner Wohnungsgenossenschaft in naher

Zukunft zusätzlich auch eine sozialkaritative Einrichtung zu

gründen, die Mietern und Mitgliedern der Genossenschaft

in Notsituationen zur Seite steht oder auch spezielle Einzelprojekte

im Rahmen des wohnungsgenossenschaftlichen

Miteinanders fördert.

Neben Wohnanlagen, die überwiegend von jüngeren

Mietern bewohnt werden, zählt die Kölner Wohnungsgenossenschaft

auch mehrere gewachsene Seniorenwohnanlagen

zum Bestand. Statt ihren Mietern dabei exklusive

Gebäude und teure, in einigen Jahren kaum noch bezahlbare

Konzepte zum betreuten Wohnen anzubieten, verfolgt

die Kölner Wohnungsgenossenschaft hier eher das Ziel,

INSIDE

PERSÖNLICHES ENGAGEMENT UND DER DIREKTE KONTAKT ZU SEINEN MIETERN SIND

FÜR WILLI HULLMANN EIN ABSOLUTES MUSS. HELFEN UND MANAGEN – DER VORSTANDS-

VORSITZENDE DER KÖLNER WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT MACHT BEIDES. DESHALB

MÖGEN IHN DIE MIETER. UND ER MAG SIE.

text Ingo Seligmann, Robert Uhde foto Hanno Keppel

Objekt

Wohnsiedlung Palmenweg

in Köln-Heimersdorf

Fachplanung und Bauleitung

Architekturbüro Cziongalla +

Glauch, Köln

Farbplanung

Christian Brandstädter,

Wiesbaden

01

01

Grünes Haus in der Stadt:

das neue Logo der Kölner

Wohnungsgenossenschaft.

alsecco aface 29


INSIDE

»WIR WOLLEN GUTES

TUN UND DER

GESELLSCHAFT ETWAS

ZURÜCKGEBEN.«

barrierearme Wohnungen zu bezahlbaren Preisen in einem

lebenswerten Wohnumfeld zu schaffen. „Dabei setzen wir

insbesondere auf nachbarschaftlich organisierte Lösungen

und auf ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten“, so Willi

Hullmann. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt in diesem

Zusammenhang das Thema Mehrgenerationenwohnen:

„Solch ein Wohnkonzept muss aber wachsen, das kann

man nicht von oben herab organisieren. Wenn es dann funktioniert,

dann ist es natürlich wunderbar, wenn sich die Älteren

um die Kinder kümmern, die Jüngeren andererseits die

Älteren im Blick haben.“

Der größte Teil des Wohnungsbestandes der Kölner

Wohnungsgenossenschaft stammt noch aus den 1950er

und 1960er-Jahren. Aus einer Zeit also, in der das Unternehmen

maßgeblich am Wiederaufbau der kriegszerstörten

Stadt beteiligt war. „In dieser Zeit, in der eine sehr große

Nachfrage nach Neubauwohnungen zu verzeichnen war,

entstand ein Sanierungs- und Instandhaltungsstau der bauälteren

Liegenschaften. Diese konnten, bedingt durch den

Nachfragemarkt, in dieser Zeit relativ preiswert und ohne

Investitionen bei Mieterwechsel weitervermietet werden.

Diese Marktsituation hat sich jedoch grundlegend geändert.

Inzwischen stehen die Unternehmen in der Pflicht, die

Wohnungen energetisch aufzuwerten und somit attraktiv

zu halten. Wir haben das frühzeitig erkannt und schon vor 20

Jahren damit begonnen, unseren Bestand nach und nach zu

sanieren und energetisch zu modernisieren“, erklärt Willi

Hullmann.

30 alsecco aface

Ein aktuelles Beispiel für eine solche Runderneuerung ist

die vor wenigen Wochen abgeschlossene Sanierung und

Modernisierung von insgesamt 19 Mehrfamilienhäusern

aus den 1960er-Jahren im Palmenweg in Köln-Heimersdorf.

Sämtliche Gebäude mit insgesamt 122 Wohneinheiten

haben eine hochwertige Wärmedämmung an Dächern,

Fassaden und Kellerdecken sowie neue, isolierverglaste

Kunststoff-Fenster erhalten. „Als weitere Maßnahme haben

wir die vorhandenen kleinen Loggien durch große moderne

Anbaubalkone ersetzt“, so Hullmann. Parallel dazu sind

sämtliche Bäder kernsaniert und sämtliche Be- und Entwässerungsleitungen

in allen Gebäuden erneuert worden. Die

Fachplanung und Bauleitung der Gesamtmaßnahme wurde

durch das vor Ort ansässige Architekturbüro Cziongalla +

Glauch realisiert. Besonderes Augenmerk legten die Architekten

in Absprache mit der Kölner Wohnungsgenossenschaft

auf die Bewahrung und Neuinterpretation der städtebaulichen

und gestalterischen Besonderheiten der 1960er-

Jahre. Ein markanter Blickfang sind dabei die Balkonbrüstungen

in unterschiedlichen Grün- und Blautönen. Die Farbauswahl

basiert auf einem ungewöhnlichen Konzept des

Farbplaners Christian Brandstädter. „Eine solch umfangreiche

Sanierung sorgt natürlich für erhebliche Unruhe bei

den Mietern“, beschreibt Willi Hullmann die Stimmung

unter den Mietern vor und während der Maßnahme. „Deshalb

haben wir schon frühzeitig eine entsprechende Betreuung

vor Ort eingerichtet und während der Sanierung im

Innenraum jeweils Ausweichwohnungen für die Bewohner

bereitgestellt.“ Doch die Strapazen haben sich gelohnt:

„Nach Fertigstellung der Maßnahme genießen die Bewohner

nicht nur deutlich mehr Wohnkomfort, sondern haben

gleichzeitig auch spürbar reduzierte Energiekosten“, so

Hullmann. „Die Kaltmieten bleiben dagegen erst einmal

unverändert. Die Investitionskosten wollen wir stattdessen

durch ansteigende Mieten im Rahmen von Mieterwechseln

sowie durch eine langfristig angelegte, verträgliche

Mietenstruktur refinanzieren. So profitieren letztlich alle von

dieser Maßnahme.“ ✱

04

02

Neugestaltete Eingangsbereiche

im Palmenweg.

03

Ausschnitt aus einem

Geschirrdekor der 1960er-

Jahre als Wandmotiv.

04

Wohnanlage in

Kölner Palmenweg:

Balkonbrüstungen in

unterschiedlichen

Farbtönen.

02

03


01

Herr Stark, mit der Entwicklung

des hoch widerstandsfähigenFassadendämmsystems

Alprotect

Carbon auf Basis der patentierten

Carbontechnologie

ist alsecco in den vergangenen

Jahren ein wichtiger

Innovationsschub im

Bereich Bautechnik gelungen.

Für welche Anwendungsbereiche

ist das

System vorrangig entwickelt

worden?

HEIKO STARK

Alprotect Carbon eignet sich

vor allem für hoch frequentierte

öffentliche Gebäude

wie Schulen, Universitäten

oder Kindergärten, wo

neben planmäßigen Belastungen

der Fassade durch

Wind, Regen oder Hagel

regelmäßig auch unplanmäßige

mechanische Einwirkungen

durch Unachtsamkeit

oder Vandalismus

hinzukommen. Neben Belastungen

durch abgestellte

Fahrräder oder aufprallende

Bälle ist die Fassadenoberfläche

in diesen Bereichen

häufig auch mutwilligen

Beschädigungen ausgesetzt.

Mit Alprotect Carbon

lässt sich hier eine deutlich

erhöhte Widerstandsfähigkeit

erzielen. So braucht

nicht schon nach kurzer Zeit

über eine Sanierung der

Fassade nachgedacht zu

werden.

02

Lässt sich diese erhöhte

Widerstandsfähigkeit von

Alprotect Carbon auch im

Test nachweisen?

HEIKO STARK

Ja, die Belastbarkeit von

Alprotect Carbon wurde

inzwischen auch durch

Fachleute im Rahmen zahlreicher

Kugelschlagtests auf

die Probe gestellt. Dabei

wurde nachgewiesen, dass

das System bereits bei einer

lediglich drei Millimeter dünnen

Armierungsschicht eine

Widerstandsfähigkeit von

20 Joule aufweist. Bei

einem entsprechend verstärkten

Aufbau können die

Oberflächen sogar eine

Stoßbeanspruchung von bis

zu 70 Joule unbeschadet

überstehen. Als erstes

WDVS ermöglicht Alprotect

Carbon dem Verarbeiter

daher eine geprüfte Ballwurfsicherheit

nach DIN

18032-3. Das Zusammenwirken

der speziellen Armierung

mit dem elastischen

Siliconharz-Leichtputz

bewirkt zudem eine sichere

und zuverlässige Rissüberbrückung.

03

Was bedeutet diese

erhöhte Widerstandsfähigkeit

in der Praxis?

HEIKO STARK

Die erhöhte Widerstandsfähigkeit

von Alprotect

Carbon sorgt nicht nur für

ein besseres Erscheinungsbild

der Fassade, sondern

ermöglicht auch deutlich

verlängerte Renovierungszyklen.

Dabei sollte bedacht

werden, dass Schäden an

der Fassade auf lange Sicht

nicht nur die Fassade, sondern

auch die bauliche Substanz

des gesamten Gebäudes

beeinträchtigen und

dann teure Instandhaltungsmaßnahmen

nach sich ziehen

können. Zudem ermöglicht

Alprotect Carbon eine

deutliche Vereinfachung bei

der Planung. Denn statt in

den überproportional belasteten

Sockelbereichen alternativ

Systeme mit speziellen

Sockelschutzplatten einzusetzen,

kann der Planer die

gesamte Fassade einheitlich

mit dem gleichen Fassadensystem

ausbilden. Eine

äußerst wirksame und auch

wirtschaftliche Lösung für

den Schutz der besonders

belasteten Sockel- und Eingangsbereiche.

STRAIGHT ANSWER

HEIKO STARK,

Leiter Produktmanagement bei alsecco,

über die Perspektiven innovativer

Carbontechnologie für die Fassade.

04

Nach einer Studie der

Universität Karlsruhe ist

es seit 1986 zu einer deutlichen

Zunahme von Schäden

durch Hagel gekommen.

Wie schneidet das

System Alprotect Carbon

in diesem Bereich ab?

HEIKO STARK

Ja, insbesondere in Süddeutschland

spielen Schäden

durch Hagel eine immer

größere Rolle. In der Schweiz

verlangen die Versicherungsgesellschaften

daher

bereits einen Nachweis des

Hagelwiderstands der Gebäudehülle

bei der Einstufung

in die verschiedenen

Gebäudeversicherungsklassen.

Deshalb haben wir auch

hier die Widerstandsfähigkeit

des Systems in speziellen

Tests untersucht. Danach

erreicht Alprotect

Carbon aufgrund seiner

speziellen Carbontechnologie

als erstes Fassadendämmsystem

mit Putzoberfläche

die höchste

Hagelwiderstandsklasse

HW5. Und das sogar problemlos

bei einem lediglich

drei Millimeter starken

Armierungsschicht! Bei

einem entsprechend stärkeren

Aufbau lassen sich

bei Bedarf entsprechend

höhere Werte erzielen.

05

Welche weiteren Vorteile

bietet das System

Alprotect Carbon?

HEIKO STARK

Eine freie Auswahl bei der

Farbgestaltung bis zum Hellbezugswert

12. So lassen

sich auch extrem dunkle

Fassaden systemsicher realisieren.

Weitere Vorteile

des Systems Alprotect

Carbon sind die einfache

und schnelle Verarbeitung

sowie ein geringer Verbrauch

bei Verwendung des

organischen Leichtputzes

Alsilite Sc Carbon. Für noch

mehr Flexibilität haben wir

außerdem das Produkt

Alprotect Nova entwickelt,

das die bekannten Vorteile

von Alprotect Carbon mit

einem optimierten Brandverhalten

verbindet. Damit

kommt Carbontechnologie

jetzt auch bei Hochhausprojekten

zum Einsatz! Als

erstes Fassadendämmsystem

mit pastösen Systemkomponenten

ist Alprotect

Nova in die Brandschutzklasse

A2-s1,d0 nach DIN EN

13501-1 und als nicht brennbar

nach den deutschen

Landesbauordnungen eingestuft.

Und in puncto Farbe

ermöglicht es sogar die

Gestaltung extrem dunkler

Putzfassaden bis zum Hellbezugswert

5.

alsecco aface 31


SPORTS

01

32 alsecco aface


ZUHAUSE IM KIEZ

GROSSE POKALE ODER MEISTERTITEL? FEHLANZEIGE. AUFGRUND SEINER FESTEN

VERWURZELUNG IM ALTERNATIVEN MILIEU UND IM KIEZ RINGS UM DIE REEPERBAHN

ZÄHLT DER FC ST. PAULI DENNOCH ZU DEN BELIEBTESTEN CLUBS IN DEUTSCHLAND.

NACH JAHREN DER SPORTLICHEN BEDEUTUNGSLOSIGKEIT HAT SICH DER VEREIN

INZWISCHEN WIEDER IN DIE 1. BUNDESLIGA GESPIELT.

text Robert Uhde foto Susanne Katzenberg

WER ZUM ERSTEN MAL die recht martialisch daherkommenden

Totenkopffahnen der St.-Pauli-Fans erblickt,

dem kann schnell mulmig werden. Doch keine Angst! Das

seit den 1980er-Jahren zum zweiten Wappen des Vereins

avancierte Symbol steht nicht für pöbelnde Gewaltbereitschaft

aggressiver Hooligans, sondern verweist eher auf die

heldenhaften Taten des legendären Hamburger Piraten

Klaus Störtebeker, der im 14. Jahrhundert den Reichen das

Geld wegnahm, um es an die Armen zu verteilen. Und auf

die Rolle des Vereins als rebellischer Underdog und „letzter

Stadtteilclub Deutschlands“, der sich mutig und mit überschaubarem

Etat den Etablierten der Liga in den Weg stellt.

So wie beim legendären 2:1 vom 6. Februar 2002, als die

Kiez-Kicker dem damaligen Weltpokalsieger Bayern München

nach Toren von Meggle und Patschinski keine Chance

ließen. Seit diesem Tag feiern die schillerndsten und buntesten

Fans der Liga ihren mittlerweile 100 Jahre alten Club

stolz als „Weltpokalsiegerbesieger“.

Ein nicht alltäglicher Club war der FC St. Pauli auch schon

davor. Allein schon die räumliche Nähe des Millerntor-Stadions

auf dem Hamburger Heiligengeistfeld zur direkt angrenzenden

Reeperbahn bot Anlass zu zahllosen halbseidenen

Geschichten und Legenden. Als Torprämie soll zum Beispiel

so manches Mal ein Puffbesuch ausgesetzt worden

sein. Geholfen hat das freilich wenig. Denn rein sportlich

machte der Club bis auf einige Endrundenteilnahmen um

die Deutsche Meisterschaft gegen Ende der 1940er-Jahre

lange Zeit nur wenig von sich reden. Bis zum 7. Mai 1977,

als das legendäre 1:0 des dänischen Nationalspielers Niels

Tune-Hansen beim SC Herford dem FC St. Pauli erstmals

das Tor zur Bundesliga öffnete.

Dem kurzzeitigen Höhenflug folgte jedoch der sofortige

Wiederabstieg und später der zeitweilige Sturz bis in die

Amateur-Oberliga Nord. Dennoch entwickelte sich der Verein

gegen Mitte der 1980er-Jahre immer mehr zum Kultclub.

Anlass dafür waren jedoch weniger die sportlichen Leistungen

auf dem grünen Rasen, sondern eher die Verbrüderung

des Clubs und seiner Fans mit den Hausbesetzern in

der nur wenige hundert Meter entfernten Hafenstraße. Mittendrin

im Geschehen stand seinerzeit der damalige Torwart

Volker Ippig, der eine Zeit lang sogar zu den Bewohnern

in der Hafenstraße gehörte. Irgendwann in dieser Zeit

tauchte dann auch die Piratenflagge auf und setzte sich

schließlich als Symbol des „etwas anderen Vereins“ fest.

Und wie durch ein Wunder kam kurz darauf auch der sportliche

Erfolg zurück: Mit dem 1:0 von Dirk Zander beim SSV

Ulm im Mai 1988 stieg der Club erneut in die Bundesliga auf

und konnte sich dieses Mal sogar für drei Spielzeiten in der

obersten Klasse halten.

Zwei weitere kurze Ausflüge in die 1. Bundesliga gelangen

dem Club in den Jahren 1995/96 bis 1996/97 sowie in der

Saison 2001/2002. Dem Abstieg im Sommer 2002 folgte

01

SPORTS

Martialisch: die Fahne

mit dem Totenkopf als

zweites Vereinswappen.

alsecco aface 33


SPORTS

»WAS HIER ABGEHT,

IST IN DEUTSCHLAND

EINMALIG.«

GERALD ASAMOAH

dann jedoch der sofortige tiefe Fall in die Regionalliga Nord.

Und auch finanziell stand der Verein zwischenzeitlich fast

vor dem Aus. Eine Kehrtwende gelang erst, als Corny Littmann,

der bis heute einzige bekennende Homosexuelle im

Profifußball, 2003 neuer Präsident des FC St. Pauli wurde.

Der Entertainer und erfolgreiche Besitzer zweier Reeperbahn-Theater

führte den Verein mit unkonventionellen

Methoden und einem harten Sanierungskurs aus der

Finanzkrise. Dabei gelang es dem Verein, innerhalb weniger

Monate durch spektakuläre Spendenaktionen wie den Verkauf

von über 140.000 „Retter“-T-Shirts durch die St. Pauli

Merchandising und ein Benefizspiel gegen den FC Bayern

München fast zwei Millionen Euro aufzutreiben.

Und auch sportlich ging es zuletzt wieder aufwärts mit

dem FC St. Pauli. Noch als Regionalligist gelang zunächst

der Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. Vier Jahre später

ist der inzwischen durch Trainer Holger Stanislawski trainierte

Verein passend zum 100-jährigen Vereinsjubiläum wieder in

der 1. Bundesliga gelandet. Und das nicht mit rustikaler

Spielweise, die die Teams des FC St. Pauli früher so häufig

auszeichnete, sondern mit attraktivem Kombinationsspiel

und dem besten Sturm der letzten Zweitligasaison! Ob der

Aufenthalt in der obersten deutschen Spielklasse dieses

Mal von Dauer ist oder erneut nur ein kurzzeitiges Intermezzo

sein wird, bleibt abzuwarten. Immerhin gelang es bereits,

die beiden neu verpflichteten Spieler Gerald Asamoah und

Moritz Volz in die erfolgreiche Aufstiegsmannschaft zu integrieren.

Die Basis ist also gelegt.

Parallel zu diesem sportlichen Erfolg konnte das Stadion

am Millerntor in den vergangenen Jahren durch eine neu

03 04

34 alsecco aface

02

errichtete Haupttribüne und eine neue Südtribüne modernisiert

und erweitert werden. Inzwischen gibt es im Stadion

am Millerntor sogar einen VIP-Bereich mit Ledersitzen –

eine ganz spezielle Art von Revolution, die längst nicht von

allen Fans des Vereins begrüßt wird. Die Plätze dort werden

schlicht „Séparées“ genannt. Wie sollte es auf St. Pauli

auch anders sein? ✱

Fotoprojekt „Herz von St. Pauli“

Im Zuge des Umbaus des Millerntor-Stadius arbeitet die Fotografin Susanne

Katzenberg seit vier Jahren an einem Projekt, das den Altbestand des Stadions

fotografisch sichern soll. Die Fotografien sind in einer Dauerausstellung im

Neubau in der Südtribüne und im Clubheim ausgestellt und in den Sanitärbereichen

auf Fotofliesen zu sehen. Seit der Eröffnung der neuen Haupttribüne

im September sind dort auch die aktuellen Arbeiten der Fotografin

zu sehen.

www.katzenberg-fotografie.de

WEITERLESEN

FC ST. PAULI. DAS BUCH.

Der Verein und sein Viertel

Christoph Nagel und Michael Pahl

Verlag Hoffmann und Campe

416 vierfarbige Seiten,

rund 1.000 Abbildungen,

39,95 Euro

www.fcstpauli.com/dasbuch

02

Mit großem Stolz: Seit

dem Sieg über den FC

Bayern München am

6. Februar 2002 feiern sich

die Fans als „Weltpokalsiegerbesieger“.

03

Moderne Zeiten: das

Clubheim des FC St.

Pauli vor der Tribünenbaustelle.

04

Heimatkulisse: Hinter

der steilen Treppe wartet

der Tresen.


Heiß begehrt: die neuen Sitzplätze im Stadion am Millerntor.

NEUES WOHNZIMMER

STADION AM MILLERNTOR

Wer in den Genuss kommt, eine der begehrten Karten für ein

Heimspiel des FC St. Pauli zu erhalten, den erwartet eine ganz

besondere Atmosphäre. Unverwechselbar ist zum Beispiel,

dass beim Auflaufen der Spieler der AC/DC-Song „Hells Bells“

aus den Stadion-Lautsprechern schallt. Um dem stark gestiegenen

Zuschauerandrang entgegenzukommen, wird das in

den 1960er-Jahren erbaute Stadion am Millerntor seit 2006

in vier Bauabschnitten sukzessive modernisiert und erweitert.

Im ersten Bauabschnitt wurde 2008 die nach Plänen von agn

Niederberghaus & Partner GmbH aus Ibbenbüren errichtete

Südtribüne fertiggestellt. Zur aktuellen Saison folgte die neue,

von Scheffler Helbich Architekten GmbH aus Dortmund entworfene

Haupttribüne, die neben 4.800 neuen Sitzplätzen

auch einen Businessbereich sowie Logen („Séparées“)

integriert. Bis 2014 sollen auch die beiden anderen Tribünen

neu errichtet sein. Statt ehemals 19.400 Zuschauern soll die

Arena dann Platz für 27.500 Zuschauer bieten. ✱

SPORTS

alsecco aface 35

foto Hanno Keppel

foto Hanno Keppel


DELIGHT

BEERENSTARK

SCHMÄRSEL, KONFITÜRE, SCHLECKSL, GELEE – ALL DAS WIRD GEMEINHIN UNTER MARMELADE

ZUSAMMENGEFASST. WOLFGANG K. BUCK ERWEITERT DIESE FRUCHTIGE VIELFALT NOCH.

KREATIV, GESCHMACKVOLL – ÜBERRASCHEND.

text Kathrin Marie Arlt

HERBER

ZWETSCHGENTRAUM

Zutaten

500 g Zwetschgen

300 g Orangenfruchtfleisch

150 ml Orangensaft

50 g Kumquats

Ein Schuss Cointreau

500 g Gelierzucker

Zwetschgen entsteinen und

in kleine Würfel schneiden

oder besser mit einem

Fleischwolf (10-mm-Scheibe)

wolfen. Orangenfruchtfleisch

fein würfeln, Kumquats in

dünne Scheibchen schneiden.

Das Obst im Orangensaft

kurz (2 Min) ankochen,

Gelierzucker hinzufügen und

nach Packungsvorschrift

4 Min sprudelnd kochen. Vor

dem Abfüllen den Orangenlikör

einrühren. In heiß ausgespülte

Twist-Off-gläser

abfüllen. Nicht auf den Kopf

stellen. Abkühlen lassen und

dann einfach nur genießen.

36 alsecco aface

ALS SOLISTEN WANDERN Himbeeren, Kiwi oder

Josta-Beeren in die Töpfe und Gläser des Marmeladenkochers.

Fruchtaufstrich nennt er das Ergebnis. Oder auch mal

süßen Brotaufstrich. Marmeladeur nennt er sich selbst.

„Das ist ein Phantasiename, aber er gefällt mir recht gut“,

erzählt er lächelnd.

Nicht Bucks einzige Kreation. Pikant schreitet er bei der

Spargelspitzen-Apfel-Marmelade „Bacchus“ zur Tat, die

sacht in Kaiserstühler Ruländer geköchelt wird. Oder auch

bei der Spargelspitzen-Marmelade „Orientalisch“ mit Apfel,

schwarzen Feigen, Cumin, Bockshornklee und Senfmehl.

Gelee von Wildrosen und Edelkaffee finden sich ebenso in

der Buck´schen Kollektion wie Duftveilchen-Prosecco-Gelee.

„Die Natur bietet doch alles. Ich bringe es nur zusammen“,

sagt der 65-Jährige.

Geradezu unersättlich scheint er zu sein, wenn es darum

geht, sich auf die Suche nach neuen Ingredienzien zu begeben

– im heimischen Garten, in der Region Hannover oder

auch in fernen Ländern, im Urlaub. Und sorgfältig ist er. Erdbeeren

beispielsweise, die bezieht er nur von einem einzigen

Bauern. „Die sehen noch aus wie Erdbeeren, duften

nach Erdbeeren und sind köstlich aromatisch.“

„Eigentlich kann man doch aus allen Früchten oder Gemüsen

etwas machen. Man muss nur wissen, wie.“

Der gelernte Koch und Hotelbetriebswirt war über 30 Jahre

bei Langnese-Iglo den Trends auf der Spur. Und heute?

Der einstige Produktionslogistiker in einem international

»DIE NATUR BIETET

DOCH ALLES.

ICH BRINGE ES NUR

ZUSAMMEN.«

agierenden Traditionsunternehmen steht morgens allein in

seiner Marmeladenküche und kocht zusammen, was landläufig

erst einmal nicht zusammenzugehören scheint. Zig

Sorten sind so entstanden. „Bei 300 habe ich einfach aufgehört

zu zählen. Eigentlich kann man doch aus allen Früchten

oder Gemüsen etwas machen. Man muss nur wissen,

wie.“ Und schmecken muss es ihm. Darauf legt er großen

Wert: „Das mag etwas spleenig klingen, aber ich probiere

bei jeder Sorte ganz genau: Was schmecke ich vordergründig,

was im Abgang.“

Seine Manufaktur: eine kleine Küche. Die Töpfe, in die

Ingwer, Pomeranzenschale, Kräuter, selbst gebraute Säfte

oder auch die bescheidene Himbeere wandern, fassen

maximal 15 Liter. Die Beschriftung der Etiketten erledigt er

am heimischen Schreibtisch. In Handarbeit. Eben. ✱

www.dermarmeladenkocher.de

WEITERLESEN

Marmeladenträume

Beste Rezepte vom

Marmeladeur Wolfgang K. Buck

und Kerstin Hohendorf

Hinstorff 2007

ISBN-13: 978-3356012095

Ein 2. Band soll im Sommer

2011 zweiter erscheinen.

foto o-zero/photocase.com


foto Werner Dreblow/fotolia

Objekt

Elefantenhaus in Heidelberg

Bauherr

Tiergarten Heidelberg

Planung

Rasbach Architekten,

Oberhausen

Bauleitung

ap88 Architektenpartnerschaft

Bellm Löffel Lubs Trager,

Heidelberg

Ausführung

Werner Ney & Söhne GmbH,

Mörstadt

Fassade

Alprotect Carbon

DICKHÄUTERGERECHTE

LÖSUNG DURCH

CARBONTECHNOLOGIE:

Der Heidelberger Zoo hat

seit diesem Sommer eine

neue Attraktion zu bieten.

Mitte Juni wurde dort das

neue Elefantenhaus fertiggestellt.

Das neue Zuhause

für drei junge asiatische

Elefanten bietet einen

500 Quadratmeter großen

„Wohnbereich“, einen

Innenpool, eine große Halle

mit Sandboden sowie individuelle

Bereiche für jedes

Tier. Als besondere Herausforderung

erwies sich die

Ausbildung der Fassaden im

Innenbereich der großen

Halle. Um eine extrem

widerstandsfähige, „dickhäutergerechte“

Lösung

zu erzielen, die auch dem

Scheuern der Tiere an der

Fassade standhält, wurde

das schlag- und abriebfeste

Fassadendämmsystem

Alprotect Carbon verwendet.

So bleiben die Fassaden

frei von Schäden und

müssen nicht schon nach

kurzer Zeit überarbeitet

werden. ✱

03

ALSECCO TOP

foto Hanno Keppel


BAU 2011

Der alsecco Messestand auf der BAU 2011: Nähertreten ist ausdrücklich erwünscht, ebenso

das „Begreifen“. Verschiedene Materialien mit unterschiedlicher Haptik werden vorgestellt und

lassen in ihrer Vielfalt ein eindrucksvolles Bild der variantenreichen Gestaltungsmöglichkeiten

für die Fassade entstehen.

BLACK BOX

ALSECCO PRÄSENTIERT SEIN UMFANGREICHES SYSTEM- UND SERVICEPROGRAMM

AUF DER FACHMESSE BAU 2011 IM JANUAR IN MÜNCHEN. DAS AUSSERGEWÖHN-

LICHE STANDKONZEPT ENTWICKELTEN DIE DESIGNER DES FRANKFURTER BÜROS

TSP TALLEDO SCHLEGEL & PARTNER.

text Kathrin Arlt

DIE BAU 2011, Weltleitmesse für Architektur, Materialien

und Systeme, findet vom 17. bis 22. Januar 2011 auf

dem Gelände der Neuen Messe München statt. Erwartet

werden mehr als 1.900 Aussteller aus über 40 Ländern und

mehr als 200.000 Besucher. Auch alsecco nutzt den internationalen

Branchentreff für die Präsentation seines umfangreichen

System- und Serviceprogramms rund um die

Fassade. Gestalterisch elegant und sehr offen ist der außergewöhnliche

Messestand, auf dem alsecco den Dialog mit

38 alsecco aface

den internationalen Fachbesuchern sucht. Das von TSP

Talledo Schlegel & Partner (Frankfurt am Main) entwickelte

Konzept setzt konsequent auf die Bedeutung und Wirkung

von Farbe, Struktur und Raum und das markante Design

korrespondiert ideal mit dem Anspruch von alsecco, sich

durch die Entwicklung innovativer, eigenständiger und

wertbeständiger Lösungen unverwechselbar im Markt zu

positionieren. ✱


Tiefschwarz – so die erste Anmutung des Messestandes

und zugleich ein deutlicher Hinweis an

Architekten und Planer auf die Kompetenz des Unternehmens

bei der Realisierung extrem dunkler Putzfassaden.

Die Vielfalt entpuppt sich auf den zweiten

Blick. Ein ästhetisches Erlebnis: inspirierend, überraschend

– und damit ein gelungener Rahmen für

die Präsentation der vielfältigen gestalterischen und

technischen Lösungen.

Ein breites Spektrum hochwertiger Systeme für die

Gestaltung der Fassade stellt alsecco in München

vor. Im Blickpunkt stehen die ersten Fassadendämmsysteme

mit innovativer Carbontechnologie,

Alprotect Carbon und Alprotect Nova, neue Oberflächen,

raffinierte technische Detaillösungen

sowie elegante vorgehängte, hinterlüftete Fassaden

aus den Materialie Naturstein und Glas.

Offenheit und Transparenz

sind Programm:

Nach dieser Maxime

entwickelte Professor

Markus Schlegel mit

seinem Team das

Konzept mit klarem

architektonischem Profil.

Die verschachtelten

Oberflächen fügen sich

elegant zusammen und

erinnern in der Formgebung

und Komplexität an

ein Origami-Modell.

Die BAU gilt als die Weltleitmesse

für Architektur, Materialien und

Systeme. Ingenieure, Architekten

und Projektentwickler werden dort

ebenso zu Gast sein wie Bauhandwerker,

Baustoffhändler, Bauunternehmer

und Vertreter der Immobilienwirtschaft.

BAU 2011

alsecco aface 39


DIARY

APRIL

01

MAI

02

EXTREM SCHLAGFEST

Die Belastbarkeit des Fassadendämmsystems Alprotect Carbon stellten

Fachleute im Rahmen zahlreicher Kugelfalltests erneut auf harte Proben

und kamen zu einem beeindruckenden Ergebnis. Mit einer speziell ausgeführten

Armierung können die Oberflächen von Alprotect Carbon eine

Stoßbeanspruchung von bis zu 70 Joule unbeschadet überstehen.Damit

eignet sich Alprotect Carbon auch ideal für die Gestaltung der mechanisch

besonders beanspruchten Sockelbereiche.

03

DESIGNER OUTLET

VILLAGE BERLIN

Der zweite Bauabschnitt des Design-Outlet Centers Berlin wurde fertiggestellt.

Die Eröffnung des neuen Shopping Dorfes war ein großer Erfolg.

Zahlreiche Besucher bummelten durch die Einkaufspassagen und stöberten

in den zahlreichen Markenshops. Vielfalt bestimmt auch das Bild der

Fassaden die überwiegend in einem historisierenden Stil mit alsecco

Fassadendämmsystemen gestaltet wurden.

JUNI

04

40 alsecco aface

01

EINZIGARTIG

Mit Alprotect Nova kommt Carbontechnologie jetzt auch im Hochhausbereich

zum Einsatz. Als weltweit erstes Fassadendämmsystem mit pastösen Systemkomponenten

ist Alprotect Nova in die Brandschutzklasse A2-s1,d0 nach DIN EN

13501-1 und als nicht brennbar nach den deutschen Landesbauordnungen eingestuft.

Die einzigartige Verbindung von silikatischen und organischen Bestandteilen

ist verantwortlich für das verbesserte Brandverhalten. Zugleich sind die

Oberflächen enorm stoßfest und das System ermöglicht die Gestaltung extrem

dunkler Putzfassaden bis zum Hellbezugswert 5.

02

03

04

GESTALTUNGSFALT

Herausragende Projekte aus den Bereichen Wohn-, Verwaltungs- und Gewerbebau

präsentiert die neue Broschüre „alsecco Referenzobjekte“. Auf 32 Seiten

können sich Architekten und Planer einen umfassenden Überblick über die vielfältigen

Gestaltungsmöglichkeiten mit den hochwertigen alsecco Fassadendämmsystemen

und vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden verschaffen. Für

unterschiedlichste bauliche Anforderungen bietet alsecco passende Lösungen

mit hohem gestalterischem Anspruch.


05

HAGELSICHER

Als erstes Fassadendämmsystem mit Putzoberfläche erzielt Alprotect Carbon

die höchste Hagelwiderstandsklasse HW5. Das Wärmedämm-Verbundsystem

mit Carbontechnologie erreichte die Hagelwiderstandsklasse mit einem

speziell ausgeführten Systemaufbau problemlos. Sogar größere Reserven

konnten nachgewiesen werden. Damit bietet Alprotect Carbon einen sehr

hohen Schutz vor Beschädigungen der Fassade durch Hagelschlag.

06

ERWEITERTES GEISSBOCKHEIM

Die Farben des 1. FC Köln bestimmen den Erweiterungsbau des Geißbockheimes

nach einem Entwurf des Kölner Büros Römer Partner. Punktuelle rote

Aluminiumflächen, schwarze Fensterrahmen und das weiße Lochfassadenraster

ergeben zusammen einen Farbdreiklang, der sich auch innen fortsetzt.

Für die Dämmung der Fassade wählten die Planer das System Alprotect

Carbon.

07

08

KLASSISCH UND MODERN

Auf einen Blick informiert die neue Broschüre „alsecco Faceboard-Fassadenprofile“

über die vielfältigen Möglichkeiten der Fassadengestaltung mit Dekorprofilen.

Vorgestellt werden zahlreiche Referenzobjekte und das komplette

Produktprogramm – von Rahmen-, Fensterbank- und Gesimsprofilen bis hin zu

Konsolen-, Bogen- und Schlusssteinprofilen. Die alsecco Fassadenprofile eignen

sich sowohl für Neubauten als auch für stilgerechte Sanierungen im Bestand.

05

05

07

PASINGER HOFGÄRTEN

DIARY

JULI

AUGUST

Mehr als 114 000 Quadratmeter Geschäfts-, Büro- und Wohnfläche

stehen in den Pasinger Hofgärten zur Verfügung. Besonders elegant ist

die Fassade – eine Kombination aus Klinker und Putz. Auf einer Fläche

von insgesamt 8.000 Quadratmetern wurde ein hochwertiges WDVS

verarbeitet. Davon wurden 4.000 Quadratmeter verputzt und weitere

4.000 Quadratmeter mit lasierten Klinkerriemchen gestaltet.

08

06

SEPTEMBER

alsecco aface 41


NEXT

FARBE BEKENNEN

DIE NÄCHSTE AUSGABE VON „AFACE“ ERSCHEINT IM

APRIL 2011. SCHWERPUNKTTHEMA: FARBE.

SCHWARZMALEREI, rotsehen, grün vor Neid werden – einige Redensarten neigen

dazu, Farben einen negativen Anstrich zu geben. Andererseits: In ihrer Gesamtheit werden

sie hochgeschätzt. Im Sonnenlicht beispielsweise, das an sich ja „weißes“ Licht ist, sind

sonderbarerweise alle Farbkomponenten enthalten. Wir können es bunt treiben oder

unser Leben farbenfroh gestalten. Bravo. Lassen wir uns auf letztere Varianten

ein. Diese geben auch den Ton an, wenn es an den Entwurf der nächsten Ausgabe von

aface geht. Der rote Faden: Wir wollen Ideen, Konzepte und Menschen jeglicher Couleur

skizzieren, in vielen Schattierungen – und vor allem jenseits aller Schwarz-Weiß-Malerei.

Wir bekennen Farbe – in der April-Ausgabe von aface. ✱

42 alsecco aface

ZU SPÄT! DIESE KARTE IST BEREITS UNTERWEGS. ABER KEIN PROBLEM: WENN

AUCH SIE IN ZUKUNFT DAS MAGAZIN aface ERHALTEN MÖCHTEN, SENDEN SIE

UNS EINFACH EINE KURZE MAIL MIT IHRER ANSCHRIFT. STICHWORT: alsecco aface.

E-MAIL kontakt@alsecco.com

foto kshishtof/fotolia.com

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