INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2024
INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2024
INDUSTRIELLE AUTOMATION 4/2024
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19239<br />
SMARTE LÖSUNGEN FÜR DIE INDUSTRIE<br />
04<br />
Juni <strong>2024</strong><br />
€ 13,00<br />
TITEL<br />
Die Verbindungstechnik<br />
36 der Zukunft<br />
22 Industriekommunikation<br />
mit OPC UA<br />
SPECIAL Pharma & Food<br />
40 Trends und Lösungen<br />
industrielle-automation.net
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Carmen Müller-Nawrath<br />
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Telefon: 0049/6131/992-245<br />
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EDITORIAL<br />
WIR MÜSSEN<br />
NEU DENKEN!<br />
Wie sieht die Industrie in der Zukunft aus? Schon heute stehen<br />
Unternehmen durch die digitale Transformation vor grundlegenden<br />
Veränderungen – und großen Herausforderungen. Denn durch die<br />
zunehmende Vernetzung von Werkstücken, Maschinen und Systemen<br />
über das Internet ergeben sich nicht nur Vorteile. An welcher Stelle<br />
ist eine Digitalisierung sinnvoll, an welcher Stelle nicht und wann<br />
lohnt sich eine Investition? Fragen, die sich nicht einfach beantworten<br />
lassen. Dennoch: Wir müssen<br />
DIE DIGITALISIERUNG<br />
BLEIBT EIN KRAFTAKT<br />
uns dem Arbeitskräftemangel,<br />
der Produkt vielfalt und Variantenanzahl,<br />
der zunehmenden<br />
Komplexität von Bauteilen sowie<br />
den Supply-Chain-Hindernissen stellen. Der einfachste Ansatz dem zu<br />
begegnen, ist die automatisierte Fertigung. Dem entgegen steht jedoch<br />
der wirtschaftliche Aspekt. Wir müssen also neu denken und uns neue<br />
Konzepte überlegen, die verschiedene Faktoren in Einklang bringen.<br />
So könnte die Lösung darin liegen, die robotische Automatisierung um<br />
menschliche Fähigkeiten zu erweitern. Und die gibt es sogar schon,<br />
wie die Entwicklung von taktilen, räumlich sehenden, sich flexibel<br />
und überwiegend selbst konfigurierenden Robotern zeigt (Seite 26).<br />
Voraussetzung dafür ist nicht nur eine intelligente Software. Auch die<br />
Verbindungstechnik muss darauf adaptierbar sein. Welche Lösungen<br />
wir in Zukunft benötigen, erfahren Sie in unserer Titelstory. Dabei geht<br />
es nicht nur um Robotik, sondern auch um die sichere und schnelle<br />
Übertragung gigantischer Datenmengen und neue Konzepte wie Fibreto-the-Machine.<br />
In unserer aktuellen Ausgabe finden Sie zahlreiche neue Konzepte, die<br />
auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen einzahlen.<br />
Mehr Präzision.<br />
Hochpräzise Wegund<br />
Dickenmessung<br />
für alle Oberflächen<br />
confocalDT<br />
• Konfokal-chromatische Sensoren zur<br />
Weg- & Abstandsmessung von matten<br />
& glänzenden Oberflächen<br />
• Dickenmessung von Glas und<br />
transparenten Objekten<br />
• Extrem kleiner Messfleck zur<br />
Erfassung kleinster Teile<br />
• Integrierte Feldbus-Schnittstellen<br />
Neue<br />
Sensorgeneration<br />
• Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: ideal<br />
für Maschinenbau & Automatisierung<br />
Eine inspirierende Lektüre<br />
wünscht Ihnen<br />
Nicole Steinicke<br />
Chefredakteurin<br />
<strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong><br />
Feinstrukturen<br />
Glasdicke<br />
Zweiseitige Dickenmessung<br />
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Applikationsingenieure:<br />
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28<br />
EDITORIAL<br />
03 Wir müssen neu denken!<br />
SZENE<br />
06 News und Trends<br />
08 DENKANSTOSS<br />
Industrieautomatisierung 2023:<br />
Wohin fließen die Investitionen?<br />
10 IM DIALOG<br />
Vom Glasthermometer zur Industrie 4.0<br />
– ein Interview über die Erfolgsgeschichte<br />
des Hightech-Unternehmens Jumo<br />
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
14 Kompakte Sensorelektronik für eine robuste<br />
Winkelmessung<br />
16 Kundenspezifische Sensorlösungen<br />
mit Mehrwert<br />
18 Kleine Lasersensoren mit hoher Leistung<br />
21 Update: Produkte, Technologien, Trends<br />
22 Mit OPC UA zum strukturierten und<br />
sicheren Datenaustausch bis in die Cloud<br />
TITEL<br />
36<br />
Alexander Hack,<br />
Projektleiter und<br />
Strategic Portfolio<br />
Manager bei<br />
SEW-Eurodrive<br />
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
24 Wie Stanzbiegemaschinen ihren Teil zur<br />
Elektromobilität beitragen<br />
26 Wie Automatisierung die steigende Produkt- und<br />
Variantenvielfalt, die Komplexität von Bauteilen<br />
und den Fachkräftemangel meistert<br />
28 Energieeffiziente Automatisierungslösung<br />
für zukunftsweisendes Packaging mit SEW-Eurodrive<br />
31 Update: Produkte, Technologien, Trends<br />
Anzeige: U.I. Lapp GmbH, 70565 Stuttgart<br />
10<br />
<br />
Lesen Sie, welche Trends als Wegweiser für die<br />
Verbindungstechnik von morgen zählen<br />
4 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
<strong>INDUSTRIELLE</strong> KOMMUNIKATION<br />
32 Intelligente Switches sind die<br />
neuen „Watchdogs“ im Netzwerk<br />
34 Serie zu Cybersicherheit – Teil 1/3<br />
Der Cyber Resiliance Act: Was er bedeutet und<br />
welche Aufgaben damit verbunden sind<br />
35 Update: Produkte, Technologien, Trends<br />
KOMPONENTEN UND SOFTWARE<br />
36 TITELSTORY<br />
6 THESEN... über die Verbindungstechnik<br />
der Zukunft, von Single Pair Ethernet über<br />
Gleichstrom bis hin zu kollaborativen Robotern<br />
38 5G-Connectivity: Geeignete Technik und neue<br />
Kommunikationsstandards für Ex-Bereiche<br />
39 Update: Produkte, Technologien, Trends<br />
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
40 INNENTITEL<br />
Hygienisch einwandfreies Kabelmanagement<br />
für automatisierte Prozesse<br />
44 Maschinensicherheit in der Pharma- und<br />
Lebensmittelindustrie: Worauf es ankommt<br />
und welche Lösungen es gibt<br />
47 Update: Produkte, Technologien, Trends<br />
48 Prozesssicherheit in der Tubenproduktion bei<br />
gleichzeitig flexiblen Prozessen<br />
50 Impressum<br />
51 Vorschau 05/<strong>2024</strong><br />
SPECIAL<br />
Anzeige: Pflitsch GmbH & Co. KG, 42499 Hückeswagen<br />
40
NEWS & TRENDS<br />
Personalien<br />
HÉCTOR MARTIN<br />
Als Vertriebsexperte und<br />
Kenner des spanischen<br />
Marktes übernimmt Héctor<br />
Martin die Leitung der<br />
neuen Icotek-Niederlassung<br />
in Spanien. Diese wird<br />
das volle Sortiment der<br />
Produkte anbieten, darunter Kabeleinführungen,<br />
Kabeldurchführungsplatten, EMV-Lösungen,<br />
Systemleuchten und Zubehör.<br />
www.icotek.de<br />
KÜRZUNGEN BREMSEN ENERGIEWENDE<br />
Das Jahr <strong>2024</strong> ist durch eine substanzielle Reduktion<br />
der Fördermittel des Bundes für die Projektforschung<br />
gekennzeichnet, davon ist auch die Energieforschung<br />
betroffen. Der Verbund „Energietechnologien und<br />
Klimaschutz“ der Fraunhofer-Gesellschaft warnt vor<br />
diesem Hintergrund vor einem massiven Rückgang der<br />
Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie bei<br />
Technologien für<br />
die Energiewende.<br />
Die Forschungsförderung<br />
ist für<br />
die schnelle und<br />
erfolgreiche<br />
Umsetzung der<br />
Energiewende<br />
essenziell. Sie ist<br />
Grundlage für die Zusammenarbeit von Unternehmen<br />
und Forschungseinrichtungen bei der Entwicklung und<br />
Markteinführung neuer Technologien. Durch die<br />
Kürzungen ist davon auszugehen, dass wichtige<br />
Innovationen ausbleiben, die Deutschland dringend<br />
benötigt, um die Klimaziele zu erreichen und um seine<br />
Position als führender Standort im Bereich wichtiger<br />
Zukunftstechnologien zu erhalten und auszubauen.<br />
www.ise.fraunhofer.de<br />
IO-LINK COMMUNITY BLICKT AUF<br />
WACHSTUM UND INNOVATIONSSTÄRKE<br />
Die IO-Link Mitgliederversammlung im Juni stand ganz<br />
im Zeichen lebhafter Diskussionen und bedeutender<br />
Fortschritte. In verschiedenen Workshops wurden viele<br />
innovative Ideen eingebracht, die das Potenzial haben,<br />
die Zukunft von IO-Link als Technologie des PI-Portfolios<br />
entscheidend mitzugestalten. Trotz der globalen<br />
Herausforderungen verzeichnet IO-Link ein stetiges<br />
Wachstum auf mittlerweile 485 Community-Mitglieder.<br />
IO-Link ist ein weltweit etablierter Standard für die<br />
industrielle Kommunikation, der die Effizienz und<br />
Flexibilität in der Fertigungstechnik revolutioniert.<br />
www.profibus.com<br />
YOUTUBE-SERIE GEHT AN DEN START<br />
Komplexe Themen, Sachverhalte und Fachbegriffe rund<br />
um die funktionale Sicherheit verständlich, eingängig<br />
und vor allem unterhaltsam erklären – das ist das Ziel<br />
des Projekts „Sicherheitstechnik by Sascha“, das Bernstein<br />
ins Leben gerufen hat. Die Serie auf dem YouTube-<br />
Kanal des Unternehmens richtet sich an Fachkräfte von<br />
heute und morgen sowie an alle,<br />
die sich für Sicherheitstechnik<br />
interessieren. Dabei geht es nicht<br />
nur um fundiertes Wissen,<br />
sondern auch darum, die Inhalte<br />
mit Humor und verständlichen<br />
Worten zu vermitteln.<br />
www.bernstein.eu<br />
GENERATIVE KI EBNET DEN WEG FÜR ANALYTISCHE KI-LÖSUNGEN<br />
Mit generativer KI erlebt „Right Brain AI“, also eine KI, die<br />
kreative Fähigkeiten der rechten menschlichen Gehirnhälfte<br />
nachahmt, einen rasanten Aufstieg. Dieser öffnet aber auch<br />
die Tür für einen breiteren Einsatz von eher analytischer „Left<br />
Brain AI“. Das zeigt eine aktuelle Studie von Pegasystems.<br />
95 Prozent der weltweiten Befragten gab an, dass die<br />
zunehmende Verbreitung von generativer KI bei ihnen<br />
unmittelbar für die Einführung anderer Arten von KI mit -<br />
verantwortlich war. Für rund ein Drittel spielte sie dabei<br />
sogar eine entscheidende Rolle. Außerdem zeigt die Studie,<br />
dass generative KI in globalen Unternehmen die vorherrschende<br />
Art künstlicher Intelligenz ist. Mehr dazu unter:<br />
www.pega.com/de<br />
6 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
NICHT VERPASSEN: VISION <strong>2024</strong><br />
Vom 8. bis 10. Oktober <strong>2024</strong> öffnet die VISION, Weltleitmesse<br />
für Bildverarbeitung, mit rund 400 Ausstellern<br />
ihre Tore. Ein Must-have für alle Technik-Enthusiasten.<br />
Denn Bildverarbeitung ist kein Trend mehr, sondern aus<br />
dem Fabrikumfeld und unserem Alltag nicht mehr weg <br />
zudenken. Mit dem Aufkommen neuer KI-Technologien<br />
und praxistauglichen KI-Ansätzen nimmt das Marktpotenzial für die Bildverarbeitungstechnologie<br />
weiter zu. Auf der Kameraseite geht der Trend zu mehr<br />
Megapixeln und höheren Bandbreiten, einschließlich Lösungen zur Bewältigung<br />
hoher Rechenlasten. Auf der Softwareseite geht es um benutzerfreundlichere<br />
Bildanalysetools. Hinzu kommen neue Entwicklungen rund um Embedded<br />
Vision, Hyperspectral Imaging, Deep Learning, Objektive und vieles andere mehr.<br />
www.messe-stuttgart.de/vision<br />
„Wir erwarten von der Bundesregierung, dass<br />
sie im Interesse des größten europäischen<br />
Industrielands eine klare Agenda für Europa<br />
einfordert – einen Wachstumsplan, der auf<br />
industrielle Leistungskraft, auf Innovation,<br />
auf weniger Bürokratie und auf mehr<br />
Handlungsfreiheit für Unternehmen setzt.“<br />
Siegfried Russwurm, Präsident, BDI e.V., Berlin<br />
Kundenspezifische<br />
M8 Rundsteckverbinder<br />
∞ M8-Leitungslängen nach<br />
exaktem Kundenwunsch<br />
∞ 2. Leitungsende<br />
konfektioniert<br />
∞ A-kodiertes Steckgesicht<br />
der 3- und 4-poligen<br />
Rundsteckverbinder<br />
GESCHÄFTSFÜHRERWECHSEL BEI PHOENIX CONTACT<br />
Ende Dezember <strong>2024</strong> wird Frank<br />
Stührenberg, Vorsitzender der<br />
Geschäftsführung von Phoenix<br />
Contact und CEO, nach 33 Jahren<br />
im Unternehmen in den Ruhestand<br />
treten. Seine Nachfolge übernimmt<br />
Dirk Görlitzer, seit 2020 Geschäftsführer<br />
und Chief Operating Officer<br />
(COO). Für einen reibungslosen Übergang teilen sich beide seit dem 1. Juli den<br />
Vorsitz der Geschäftsführung. Stührenberg wird der Phoenix Contact-Gruppe<br />
künftig als Aufsichtsratsvorsitzender der neu gegründeten Phoenix Contact<br />
E-Mobility Holding SE verbunden bleiben. Im Bild zu sehen sind Dr. Dipl.-Ing.<br />
Eberhard Veit, Dirk Görlitzer, Frank Stührenberg und Dr. Frank Eisert (v.r.n.l.).<br />
www.phoenixcontact.com.de<br />
GREAT PLACE TO WORK<br />
Schmersal hat nach erstmaliger<br />
Teilnahme am Zertifizierungsprogramm<br />
die begehrte „Great Place<br />
to Work“-Zertifizierung erhalten. Das<br />
Forschungs- und Beratungsinstitut<br />
Great Place to Work verleiht sein<br />
Qualitätssiegel an Unternehmen, die<br />
sich für eine mitarbeiterorientierte<br />
Unternehmenskultur engagieren und besonders attraktive Arbeitsbedingungen<br />
bieten. Bestandteile des Zertifizierungsprogramms sind ein unabhängiges,<br />
anonymes Feedback der Mitarbeitenden und die Analyse von Maßnahmen und<br />
Programmen der Personalarbeit. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team!<br />
www.schmersal.com<br />
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www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 7
DENKANSTOSS<br />
INDUSTRIEAUTOMATISIERUNG 2023:<br />
WOHIN FLIESSEN DIE INVESTITIONEN?<br />
Die internationale Automatisierungsbranche befindet sich<br />
im harten Preiswettkampf. Denn, auch wenn die Nachfrage<br />
nach Automatisierungsprodukten und -lösungen<br />
steigt, sehen sich die Unternehmen zunehmender Konkurrenz<br />
aus Asien gegenüber. Nun gilt es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit<br />
zu verbessern und die Stellhebel mit dem größten<br />
Einfluss auf Umsatz und Profitabilität zu identifizieren.<br />
Erkenntnisse bringt hier die aktuelle Horváth-Studie „Future of<br />
Industrial Automation 2030“, für die Automatisierungsunternehmen<br />
aus Deutschland, Europa und Nordamerika mit mindestens<br />
100 Millionen Euro Jahresumsatz im Jahr 2022 befragt wurden.<br />
Gefragt nach geplanten Investitionen zeigt sich: Automatisierungsunternehmen<br />
konzentrieren ihre Investitionen auf neue<br />
Produktionsanlagen in der Nähe ihres Hauptsitzes. Beim Ländervergleich<br />
fällt auf: In Nordamerika ansässige Firmen haben zusätzlich<br />
Mittel- und Südamerika sowie Westeuropa im Fokus.<br />
Süd- und Osteuropa spielen dagegen keine Rolle. Europäische<br />
Unternehmen investieren zu 63 Prozent in Westeuropa, in den<br />
USA und Kanada (49 Prozent) und Osteuropa (33 Prozent).<br />
INDIEN GEWINNT AN BEDEUTUNG,<br />
CHINA VERLIERT AN RELEVANZ<br />
Überraschend: In Indien und China wollen die Europäer ebenfalls<br />
zu jeweils 33 Prozent investieren – nordamerikanische Player<br />
sind bei Investitionen (19 Prozent) in China zurückhaltender<br />
als europäische und etwas mutiger, was Indien angeht (37 Prozent).<br />
In der Gesamtschau liegt Indien dann mit 35 Prozent vor<br />
China (27 Prozent). „Indien gilt als vielversprechender Wachstumsmarkt,<br />
sowohl als Absatzmarkt als auch als Investitionsstandort.<br />
Das Land hat als Produktionsstandort im Vergleich zu<br />
China deutlich an Bedeutung gewonnen. Unternehmen sollten<br />
ihre Ausrichtung auf China kritisch hinterfragen<br />
und neu bewerten“, sagt Automatisierungsexperte Daniel<br />
Kittelberger.<br />
Ein deutlich gestiegenes Margenziel sichert die Finanzierungsmöglichkeiten<br />
für zukünftiges Wachstum und<br />
soll die Umgestaltung des Geschäfts weiter vorantreiben.<br />
Aktiengesellschaften im Besitz von privatem Beteiligungskapital<br />
haben hier mit bis zu 18,2 Prozent<br />
deutlich ehrgeizigere Ziele als Unternehmen im Privatbesitz<br />
(12,4 Prozent). Familienunternehmen<br />
agieren konservativer und konzentrieren sich auf<br />
eine bessere langfristige Widerstandsfähigkeit.<br />
Prozesseffizienz und Automatisierung werden von<br />
den meisten Automatisierungsunternehmen als die<br />
wichtigsten Stellschrauben erachtet, um die Rentabilität<br />
zu verbessern.<br />
Die Stärkung des Dienstleistungsportfolios ist mit<br />
85 Prozent der wichtigste Umsatzhebel für künftigen<br />
Erfolg, gefolgt von kontinuierlicher Produktinnovation<br />
(80 Prozent) und der Entwicklung neuer Branchenanwendungen<br />
(78 Prozent). Letzteres ist besonders für<br />
Unternehmen der Antriebstechnik und der elektrischen<br />
Komponenten relevant. Fast zwei Drittel (62 Prozent)<br />
8 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net<br />
der Befragten denken beim Umsatzwachstum aber zunehmend<br />
auch an Unternehmens zukäufe.<br />
Qualität und Zuverlässigkeit gelten als entscheidende Kriterien,<br />
die den Mehrwert gegenüber dem Kundenkreis vermitteln, und<br />
die häufig verfolgte Hochpreisstrategie stützen. Während technische<br />
Produktmerkmale als Preistreiber weiterhin von hoher Relevanz<br />
sind, hat das insgesamt wahrgenommene Kundenerlebnis<br />
diesen Faktor überholt, selbst im technikverliebten B2B-Markt.<br />
95 Prozent der Unternehmen investieren bereits in Künstliche<br />
Intelligenz. Getrieben von Industrie 4.0 ist die Produktion bei<br />
weitem der führende Investitionsbereich, gefolgt von Vertriebsund<br />
Serviceaktivitäten. „Wer bis jetzt noch nicht in KI investiert<br />
hat, wird morgen keine Rolle mehr am Markt spielen. Top-Manager<br />
müssen hier einen Fokus setzen, die vielen Einsatzmöglichkeiten<br />
im Blick haben und dann auch umsetzen“, sagt Daniel<br />
Kittelberger.<br />
Über die Studie: Im Rahmen der Studie „Future of Industrial Automation 2030“<br />
befragte die Managementberatung Horváth 60 Top-Level-Führungskräfte<br />
führender Automations-Unternehmen aus Europa und Nordamerika zwischen<br />
Oktober und November 2023.<br />
Bilder: Horváth<br />
www.horvath-partners.com<br />
DANIEL KITTELBERGER, Principal bei<br />
Horváth und verantwortlich für die Branchen<br />
Automation, Drives und Electrical Engineering
NEWS & TRENDS<br />
PILZ SETZT ERFOLGSKURS KONSEQUENT FORT<br />
Pilz konnte seinen Umsatz um 7,3 Prozent steigern, was einen Höchstwert in<br />
der 75-jährigen Unternehmensgeschichte markiert. Das Wachstum wurde in<br />
wichtigen Industrieländern, neben Deutschland, in Italien, Korea, Schweiz,<br />
Österreich, UK und der Türkei erzielt. Den höchsten prozentualen Zuwachs<br />
verzeichnete das Unternehmen in Indien. Mit Blick auf das Produkt- und<br />
Lösungsangebot erarbeitete sich Pilz in nahezu allen Bereichen ein homogenes<br />
Wachstum. Besonders stark entwickelten sich die Segmente der sicheren<br />
Kleinsteuerungen Pnozmulti, der Sensorik und der Dienstleistungen, die<br />
kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Dazu zählt unter anderem der Bereich<br />
Industrial Security mit dem Dienstleistungsangebot ISCS – Industrial Security Consulting Service. Damit möchte Pilz seine Kunden<br />
besonders dabei unterstützen, die Vorgaben der neuen Maschinenverordnung sowie der kommenden EU-Richtlinie NIS 2 zu<br />
erfüllen. Insgesamt blickt die Geschäftsführung zuversichtlich in die Zukunft, getragen durch innovative Produkte und Services.<br />
www.pilz.de<br />
FRABA-GRUPPE<br />
WÄCHST WEITER<br />
Die Fraba-Gruppe, spezialisiert<br />
auf industrielle Bewegungssensoren,<br />
konnte im Jahr 2023<br />
ein Wachstum von 16 Prozent<br />
und damit auf 46 Millionen<br />
Euro im Gesamtgeschäft<br />
verzeichnen. Zudem eröffnete<br />
die Gruppe ein neues Büro<br />
sowie ein F&E-Zentrum in Cluj,<br />
Rumänien. „Die Wahl unseres<br />
neuen Standorts in einer Stadt<br />
mit einer renommierten<br />
technischen Universität ist ein<br />
wichtiger Bestandteil unserer<br />
Strategie, um talentierte<br />
Mitarbeiter zu gewinnen“,<br />
kommentiert Christian Leeser,<br />
CEO und Mehrheitsaktionär<br />
von Fraba. Das Jahr brachte<br />
ebenfalls bedeutende Fortschritte<br />
bei der Einführung<br />
neuer Produkte in den<br />
Geschäftseinheiten Posital<br />
und Ubito. Obwohl Fraba 2023<br />
ein solides Wachstum erlebte,<br />
gibt es derzeit wirtschaftlichen<br />
Gegenwind. Leeser bleibt<br />
zuversichtlich, dass der Mix<br />
aus einer hochreaktiven Unter -<br />
nehmenskultur und fortschritt -<br />
lichen Produkten langfristigen<br />
Erfolg bringen wird.<br />
www.posital.de<br />
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Nürnberg<br />
Halle 7, Stand 7-707
IM DIALOG<br />
Chefredakteurin<br />
Nicole Steinicke<br />
im Gespräch mit<br />
Dr. Steffen Hoßfeld,<br />
Chief Operating Officer<br />
bei Jumo in Fulda<br />
VOM GLASTHERMOMETER ZUR INDUSTRIE 4.0<br />
„WIR SCHAFFEN MEHRWERTE – FÜR<br />
DIE REGION UND FÜR DIE INDUSTRIE“<br />
Das Unternehmen Jumo zählt zweifelsohne zu den gefragten Playern, wenn es um<br />
Mess-, Regel und Automatisierungstechnik geht. Das Fuldaer Familienunternehmen<br />
ist Weltmarktführer im Bereich der industriellen Temperaturfühler und setzt in<br />
seiner Erfolgsgeschichte auf Innovation, Tradition und Unternehmenskultur.<br />
Und davon kann man lernen. Wir sprechen mit Dr. Steffen Hoßfeld und werfen<br />
einen Blick in die Zukunft eines Familienunternehmens, das mehr kann als „sensors<br />
and automation“ und auf der ganzen Welt zu Hause ist.<br />
10 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
IM DIALOG<br />
und Branchenmanagement, das globale Marketing und die<br />
globale Entwicklung sowie für das globale Personal. Ich verantworte<br />
die Organisation mit den Bereichen globale Produktion,<br />
globale Finanzen und globale IT, die Stabsstellen Managementsysteme,<br />
FM und Recht. Wir haben eine sehr klare Aufteilung,<br />
aber auch das Gemeinsame ist für uns wichtig. So gestalten wir<br />
kooperativ das „Veränderungsprogramm Aufbruch“, um noch<br />
nachhaltiger und effizienter zu werden und um unseren Kunden<br />
einen sogenannten Jumo-Nutzen liefern zu können.<br />
NICOLE STEINICKE: Jumo hat rund 2.600 Mitarbeitende<br />
weltweit. Mit rund 1.500 Beschäftigten zählt Jumo zu einem<br />
der größten Arbeitgeber in der Region Fulda. Welche Verantwortung<br />
bringt dies mit sich?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Hier in Fulda sind wir sogar der<br />
größte industrielle Arbeitgeber, das heißt, wir sprechen über gut<br />
1.500 Familien. Manche Kollegin oder mancher Kollege arbeitet<br />
bereits in der dritten Generation bei uns. Wir wollen gemeinsam<br />
die Erfolgsgeschichte des Unternehmens fortschreiben und in<br />
schweren Zeiten zusammenstehen. So wie Konzerne ihre<br />
Mitarbeitenden als Full Time Equivalent (FTE) managen, also<br />
nach der Arbeitszeit, arbeiten wir nicht. Denn hinter jedem<br />
Arbeitsplatz steht eine Familie mit einer Geschichte, die ihren<br />
Beitrag in realen Werten leistet.<br />
NICOLE STEINICKE: Welche Pläne hat Jumo für die Zukunft?<br />
NICOLE STEINICKE: Eine tragfähige Unternehmenskultur ist<br />
heute wichtiger denn je. Was zeichnet Jumo als Familienunternehmen<br />
aus, welche Werte charakterisieren die DNA?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Das Wichtigste in einer Familie ist<br />
Vertrauen. Wir vertrauen auf die Kompetenz unserer Mitarbeiter<br />
und unsere Mitarbeiter vertrauen uns, die strategisch richtigen<br />
Entscheidungen für die Jumo-Familie zu treffen. Darüber<br />
hinaus sind Offenheit und Transparenz für eine qualitativ hochwertige<br />
Kommunikation essenziell, denn die Herausforderungen<br />
liegen im Markt, nicht in der Organisation. Wesentlich ist<br />
noch Partnerschaft, denn meine Rolle als Geschäftsführer ist<br />
genauso wichtig wie die Rolle des Facharbeiters oder eines<br />
Sachbearbeiters. Flexibilität zählt ebenfalls dazu, um unsere<br />
Kunden passgenau zu bedienen. Hier müssen wir auf sich verändernde<br />
Marktanforderungen reagieren. Das sind die Werte,<br />
die unsere DNA ausmachen.<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Wir positionieren uns künftig stärker<br />
als System- und Lösungsanbieter, der die komplette Automatisierungspyramide<br />
abdeckt. Technologien wie „Sensor to Cloud“<br />
werden immer wichtiger. Der Kunde benötigt Daten, die er auswerten<br />
und mit denen er seinen unternehmerischen Erfolg steuern<br />
kann, nicht nur einfach einen Sensor. Wir richten unseren<br />
Fokus dabei klar auf die Branchen, um eben diese Systemlösung<br />
für Kunden applikationsspezifisch anbieten zu können. Wichtig<br />
ist uns dabei, dass alles aus einer Hand bezogen werden kann.<br />
Denn damit lässt sich sicherstellen, dass die Geräte bestmöglich<br />
miteinander kommunizieren.<br />
Darüber hinaus reagieren wir mit unserem noch im Bau befindlichen<br />
neuen Werk „Sensilo“ auf die Nachfrage in den Wachstumsmärkten.<br />
Mit rund 50 Millionen Euro nehmen wir hier sehr<br />
viel Geld in die Hand und es ist die größte Investition in der<br />
Unternehmensgeschichte Jumos. Wir haben Ende 2013 das<br />
rund 100.000 m² große Grundstück erworben. In der neuen<br />
Fertigungsstätte werden wir neben der Temperatursensorproduktion<br />
auch den Produktionsbereich für Druckmesstechnik<br />
sowie die dazugehörige Logistik unterbringen. So stellen wir uns<br />
sicher und wettbewerbsfähig für die Zukunft auf.<br />
NICOLE STEINICKE: Gemeinsam mit Dimitrios Charisiadis<br />
lenken Sie das Unternehmen in die Zukunft. Welche Rolle<br />
übernehmen Sie hierbei?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Dimitrios Charisiadis ist zuständig<br />
für die Marktseite, den globalen Vertrieb, das globale Produkt-<br />
01 Die Baumaßnahmen am neuen Werk Sensilo im Technologiepark<br />
Fulda-West schreiten zügig voran<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 11
02 Jumo-Projektleiter Stefan Reith,<br />
Nicole Steinicke, Vereinigte Fachverlage<br />
und Michael Klose, Corporate<br />
Communication bei Jumo (v. l.), freuen<br />
sich über den Baufortschritt des<br />
neuen Werks, bei dem Digitalisierung,<br />
Materialfluss optimierung und<br />
Effizienzgewinne im Vordergrund stehen<br />
NICOLE STEINICKE: Viele Firmen investieren zunehmend im<br />
Ausland. Jumo bekennt sich zum Standort Deutschland. Was<br />
hat Sie zu dieser Entscheidung bewegt?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Wir sind traditionell sehr mit der<br />
Region Fulda verbunden und sehen uns als wichtiger Arbeitgeber.<br />
Darüber hinaus sehen wir das Marktpotenzial und setzen<br />
auf unsere Expertise, die wir vor allem in Deutschland haben.<br />
Bei dem Neubau haben wir zudem die Möglichkeit, in moderne<br />
Technologien zu investieren, weiter zu digitalisieren, den<br />
Materialfluss zu optimieren und Kostenstrukturen zu reduzieren.<br />
All das führt zu Effizienzgewinnen, um im globalen Wettbewerb<br />
bestehen zu können. Und davon profitieren auch unsere Kunden.<br />
NICOLE STEINICKE: Anfang März hat der AMA Fachverband<br />
für Sensorik und Messtechnik die aktuellen Zahlen der Branche<br />
veröffentlicht und dabei zeigen sich die meisten Mitglieder<br />
nur verhalten optimistisch mit einem zu erwartenden Umsatzwachstum<br />
von zwei Prozent. Wie wird sich diese Marksituation<br />
aus Ihrer Sicht entwickeln?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Da bin ich zurückhaltend. Die zwei<br />
Prozent spiegeln ja eher die Preiserhöhung aufgrund der Inflation<br />
wieder. Wir spüren in den letzten Monaten national und europäisch<br />
eine zunehmende Verunsicherung in den Märkten, die<br />
sich auch auf unseren Auftragseingang auswirkt; Asien und<br />
Amerika wachsen weiterhin. In unserer Branche der Elektro<br />
ZUKUNFT DURCH MORDERNSTE TECHNOLOGIEN UND NACHHALTIGKEIT<br />
Mit 48 Millionen Euro ist der Neubau im Technologiepark Fulda West die größte Investition in<br />
der Jumo-Geschichte. Die Weichen stehen damit klar in Richtung Zukunft. Schließlich werden<br />
künftig rund 13.000 m² Produktionsfläche für die Fertigung von Temperatur- und Drucksensoren<br />
verfügbar sein. Auch in punkto Energiegewinnung setzt Jumo auf zukunfts fähige Konzepte.<br />
Nach aktueller Planung wird im neuen Werk komplett auf fossile Energie träger verzichtet. Zur<br />
Heizungsunterstützung soll eine Geothermieanlage eingesetzt werden, die die Spitzenlast<br />
abdecken soll. Die Grundlast wird komplett durch Wärmerück gewinnung aus den Produktionsprozessen<br />
gedeckt. Die Kühl- und Lüftungsanlagen werden überwiegend mit selbst erzeugtem<br />
Strom aus einer Photovoltaikanlage betrieben. Dieses Beispiel zeigt, dass sich eine leistungsfähige<br />
Fertigung und Energieeffizienz bestens miteinander vereinen lassen. Werfen Sie einen<br />
Blick hinter die Kulissen der Fabrik der Zukunft: bit.ly/SensiloJumo. Es lohnt sich!<br />
12 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
IM DIALOG<br />
industrie ist das Bild uneinheitlich. Während es zum Beispiel<br />
in der Digitalindustrie zuletzt Tendenzen zu einer leichten<br />
Erholung gegeben hat, schwächt sich das Wachstum in der<br />
Prozessautomation – einem unserer Kerngebiete – weiter ab.<br />
Positiv entwickelt sich die Chipindustrie in Asien und damit<br />
verzeichnen wir dort eine hohe Nachfrage.<br />
NICOLE STEINICKE: Worin sehen Sie derzeit die größten<br />
Herausforderungen eines Industrieunternehmens, wenn wir<br />
an den fehlenden Nachwuchs denken, an die Auftragslage, die<br />
angespannte globale Situation oder gibt es andere Sorgen?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Wir benötigen einen klaren Fokus,<br />
für unsere Kunden und unsere Mitarbeitenden. Die Zeiten<br />
bleiben spannend und wir müssen einfach das Vorhandensein<br />
von Krisen akzeptieren. Denn das ist die Aufgabe der heutigen<br />
Manager: in stürmischer See das Schiff auf Kurs zu halten. Die<br />
unwegsamen Gegebenheiten zerfallen wieder mehr in einzelne<br />
Wirtschaftsblöcke, die wir erobern wollen, hierzu bedarf es<br />
neuer Ideen. Indien ist ein gutes Beispiel.<br />
NICOLE STEINICKE: Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen,<br />
beispielsweise im Hinblick auf die rückläufige<br />
Entwicklung der Studierenden in den MINT-Berufen?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Diese Entwicklung muss man im<br />
Auge haben; und unsere Personalabteilung steuert auch mit<br />
Blick auf den Nachwuchs dagegen. Wir müssen uns als<br />
attraktiver Arbeitgeber auch in Zukunft positionieren und unsere<br />
Anstrengungen weiterhin hochhalten. So haben wir uns kürzlich<br />
an einem Samstag bei einer „TechTour“, an der rund 100 junge<br />
Leute teilnahmen, präsentiert, gleichzeitig auch unseren „Tag<br />
der Ausbildung“ veranstaltet sowie den Girls and Boys Day.<br />
Im vergangenen Sommer haben 51 junge Frauen und Männer<br />
bei Jumo eine Ausbildung, ein Jahrespraktikum oder ein duales<br />
Studium begonnen – so viele wie nie zuvor in der 75-jährigen<br />
Unternehmensgeschichte, im Jahr <strong>2024</strong> werden es 62.<br />
NICOLE STEINICKE: Nicht nur die Industrie steht vor<br />
Herausforderungen, auch die Region Fulda muss sich dem<br />
demografischen Wandel, dem klimaneutralen Umbau unserer<br />
Gesellschaft und der Digitalisierung stellen. Sie sind als<br />
Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer<br />
Fulda gewählt worden. Herzlichen Glückwunsch!<br />
Wie begleiten Sie die Region in die Zukunft?<br />
DR. STEFFEN HOSSFELD: Die Wahl als Mitglied der Vollversammlung<br />
der Industrie- und Handelskammer Fulda ist für<br />
mich persönlich wichtig, da ich so Jumo hier im Kammerbezirk,<br />
also auch in der Region, voranbringen kann. Mir ist dies eine<br />
Herzensangelegenheit, da ich Fuldaer Wurzeln habe, ich die<br />
Region schätze und liebe. Der Menschenschlag in Osthessen ist<br />
schon besonders, mit einer spröden Herzlichkeit. Aber die Verlässlichkeit<br />
der Menschen ist besonders und unvergleichlich in<br />
der Welt, so etwas kenne ich nur noch aus der Schweiz.<br />
Mir ist aber besonders wichtig, dass wir über unsere Gremien<br />
mit der Politik ins Gespräch kommen, da sich meiner Meinung<br />
nach Politik vom realen Leben etwas entfernt hat und in ihrer<br />
„Berliner Blase“ lebt. Wir müssen uns unserer Stärken besinnen<br />
und über erfolgreiches Agieren den Wirtschaftsstandort stärken.<br />
Nur wenn Wirtschaftspolitik im Zentrum der Regierung steht,<br />
dann wird Wohlstand für alle geschaffen und nicht durch Umverteilung<br />
des derzeitigen Vermögens. Diese Rechnung wird am<br />
langen Ende nicht aufgehen. Wie dies funktionieren kann, habe<br />
ich im Frühjahr im Süden Indiens gesehen.<br />
Generell ist unser Ziel, Jumo als kompetenten<br />
System- und Lösungsanbieter zu positionieren<br />
und noch erfolgreicher zu machen. Denn<br />
hiermit schaffen und liefern wir unseren<br />
Kunden einen einmaligen Mehrwert.<br />
Dr. Steffen Hoßfeld, Geschäftsführer bei Jumo<br />
«Sprechen wir mit China, bekommen wir einen Flughafen;<br />
sprechen wir mit Deutschland, bekommen wir eine Vorlesung»,<br />
sagte die Chefin der Welthandelsorganisation, die nigerianischamerikanische<br />
Ökonomin Ngozi Okonjo-Iweala.<br />
NICOLE STEINICKE: Das sind gerade in dieser turbulenten Zeit<br />
optimistisch stimmende Ausblicke in die Zukunft. Ich bedanke<br />
mich für dieses interessante Gespräch und wünsche Ihnen,<br />
dem Unternehmen Jumo und der Region Fulda die richtigen<br />
Weichen für das zukünftige Wachstum!<br />
DAS INTERVIEW FÜHRTE DIPL.-ING. NICOLE STEINICKE,<br />
CHEFREDAKTEURIN <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong><br />
Bilder: Jumo<br />
www.jumo.net<br />
UNTERNEHMEN<br />
JUMO GmbH & Co. KG<br />
Moritz-Juchheim-Straße 1, 36039 Fulda<br />
Tel. 0661 6003-0<br />
AUTORIN<br />
Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke,<br />
Chefredakteurin Industrielle Automation<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 13
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
Der neue<br />
Front-End-Chip<br />
iC-GI22 verfügt über<br />
zwei Sensorkanäle<br />
zur Demodulation<br />
induktiver<br />
Encodersignale<br />
KOMPAKTE SENSORELEKTRONIK FÜR EINE ROBUSTE WINKELMESSUNG<br />
ZWEIKANALIGER FRONT-END-CHIP<br />
FÜR INDUKTIVGEBER<br />
Motorfeedback und Positionsregelung verlangen immer präzisere<br />
Messergebnisse, beispielsweise in der Automatisierung. Gleichzeitig<br />
soll sich die Messtechnik platzsparend in Maschinen integrieren<br />
lassen. Dabei stellen herausfordernde Betriebsbedingungen die<br />
Geberelektronik auf die Probe. Lesen Sie, wie sich die neue Generation<br />
induktiver Positionssensorik dieser Herausforderung stellt.<br />
Insbesondere in Bereichen der Fertigungstechnik, Automatisierung<br />
und Robotik werden an Motorfeedback und Positionsregelung<br />
immer höhere messtechnische Anforderungen gestellt.<br />
Gleichzeitig soll Messtechnik kompakt designt sein, sodass sie<br />
sich flexibel in individuelle und enge Einbauverhältnisse der<br />
Maschinen integrieren lässt. Diesem anspruchsvollen Anforderungsprofil<br />
begegnet iC-Haus nun auch mit robuster induktiver<br />
Encodertechnik und setzt mit dem neuen iC-GI22 auf ein zweikanaliges<br />
Front-End, das dem Anwender als System-on-Chip ein<br />
einfaches und kompaktes Design-in ermöglicht. Umwelteinflüsse<br />
wie Verschmutzung oder Feuchte sowie mechanische Toleranzen<br />
oder gar Spiel sind in hohem Maße tolerierbar bei stets zuverlässiger<br />
Messgenauigkeit.<br />
HOHE FREIHEITSGRADE IM ENCODER-DESIGN<br />
Das von Erregerspulen erzeugte hochfrequente Wechselfeld wird<br />
von einer mit der Motorwelle verbundenen metallischen Maßverkörperung<br />
ortsabhängig moduliert. Zur Erkennung der Rotorlage<br />
kommen speziell angeordnete Empfängerspulen zum Einsatz,<br />
die differenzielle Sinus- und Cosinus-Signale generieren,<br />
welche sich gut zur Winkelberechnung eignen. Der iC-GI22 demoduliert<br />
vier dieser amplitudenmodulierten Empfangssignale<br />
und erzeugt daraus niederfrequente Ausgabesignale. Auf diese<br />
Weise können etablierte Zweispur-Encoder-Architekturen mit<br />
nur einem kompakten Front-End-Chip realisiert werden. Das<br />
vereinfacht die Geberelektronik und besticht dank optimal aufeinander<br />
abgestimmter Sensorkanäle auch in puncto Performance.<br />
Die absolute Positionsinformation kann durch die Werteeindeutigkeit<br />
einer einzelnen Sinus- und Cosinus-Periode über den<br />
Vollkreis ermittelt werden. Die Positionsauflösung wird durch<br />
Einspeisen eines zweiten vielperiodischen Signals erhöht. Der<br />
platzsparende Baustein im 5 mm ´ 5 mm QFN-Gehäuse eignet<br />
sich ebenso gut als Front-End für zweispurige Nonius-Encoder-<br />
Systeme, bei denen die Absolutposition durch den Vergleich<br />
gegeneinander versetzter Teilskalen gebildet wird. Die entsprechenden<br />
Spulendesigns können individuell entwickelt und<br />
preiswert als PCB gefertigt werden und erlauben dank des holistischen<br />
Sensorprinzips hohe Aufbautoleranzen und Arbeitsabstände<br />
bis zu 3 mm.<br />
CLEVERE VORVERARBEITUNG VEREINFACHT<br />
DIE WINKELAUSWERTUNG<br />
Die Signalerzeugung wird eigens vom iC-GI22 initiiert. Der im<br />
Chip integrierte Anregungs-Oszillator liefert die Energie für die<br />
Erregerspulen und ist im Sendestrom einstellbar. Im Slave-Kanal<br />
wird aus der Amplitudenmodulation eine Winkelinformation extrahiert<br />
und mittels Analog/Digital-Wandler direkt in ein für die<br />
digitale Weiterverarbeitung kompatibles SSI-Datenwort gewan-<br />
14 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
XM3<br />
XM2<br />
XM1<br />
XM0<br />
XS3<br />
XS2<br />
XS1<br />
XS0<br />
VCCL<br />
MASTER<br />
SIGNAL<br />
CONDITIONING<br />
SLAVE<br />
A<br />
D<br />
iC-GI22<br />
ANALOG<br />
OUTPUT<br />
TXP<br />
TXN<br />
OSC<br />
STATUS I2C<br />
GNDL NRES NERR SDA SCL<br />
PSINM<br />
NSINM<br />
PCOSM<br />
NCOSM<br />
PSINS<br />
NSINS<br />
PCOSS<br />
NCOSS<br />
VCCIO<br />
Blockschaltbild des iC-GI22: Die amplitudenmodulierten Eingangssignale stehen als aufbereitete<br />
Analog-Signale oder als SSI-Datenwort im Slave-Kanal zur Weiterverarbeitung zur Verfügung<br />
REF<br />
VCC<br />
ADI<br />
GND<br />
ACL<br />
ADA<br />
Bedienen<br />
Beobachten<br />
Beraten, zeichnen, diskutieren,<br />
verändern, anpassen –<br />
für Ihre beste und individuelle<br />
Bedienplatz-Lösung.<br />
delt. Damit kann der Startwinkel eines Encoder-Prozessors<br />
(z. B. iC-TW29) einfach initialisiert<br />
werden. Der Master-Kanal des iC-GI22<br />
kann bis zu 64 Signalperioden pro mechanischer<br />
Umdrehung demodulieren und so die<br />
Winkelauflösung erheblich erhöhen. Die auf<br />
Amplitude und Offset abgeglichenen Analogsignale<br />
können entweder mit 1 Vss über Kabel<br />
übertragen werden oder eine im Embedded-<br />
System nachgeschaltete Auswerteelektronik<br />
voll aussteuern. Ein wählbarer Referenzpegel<br />
passt den Signalpfad an die Spannungs domäne<br />
von 3,3 oder 5 V an. Die dynamische Verstärkungsautomatik<br />
kann im Betrieb aktiviert werden,<br />
um Amplitudenfehler auszugleichen, die<br />
etwa durch Axialspiel oder Höhenschlag der<br />
Welle entstehen können. Die Weiterverarbeitung<br />
profitiert so von Signalen höchster Qualität,<br />
auch unter anspruchsvollen Bedingungen<br />
und in rauen Umgebungen.<br />
GEBERAUFLÖSUNG ERHÖHEN,<br />
SYSTEMZUSTÄNDE ÜBERWACHEN<br />
Auch bei Induktivgebern ist die Digitalisierung<br />
der analogen Sensorsignale ein entscheidender<br />
Prozess für die Absolutgenauigkeit innerhalb<br />
der Messkette und spielt damit eine Schlüsselrolle<br />
für die erreichbare Regelgüte und Positioniergenauigkeit<br />
der Maschine. Die vom iC-<br />
GI22 im Master-Kanal aufbereiteten differentiellen<br />
Ausgangssignale sind prädestiniert, den<br />
nachgeschalteten Encoder-Prozessor iC-TW29<br />
anzusteuern. Die anliegende Signalperiode<br />
wird über die vom Slave-Kanal ermittelte grobe<br />
Absolutposition innerhalb des Vollkreises lokalisiert.<br />
Die serielle Absolutdatenschnittstelle<br />
des iC-TW29 lädt und synchronisiert das Positionswort<br />
beim Aufstarten automatisch. Im laufenden<br />
Betrieb prüft der Prozessor die mitgezählte<br />
Feinposition zyklisch gegen die grobe<br />
Absolutposition auf Plausibilität und wertet die<br />
vom Front-End gelieferten Statusbits aus. Das<br />
gesamte Sensorsystem wird durchgehend<br />
überwacht, unter anderem durch individuelle<br />
Schwellwerte für diverse Systemparameter. Die<br />
Gefahr eines Ausfalls von Geber oder Motor,<br />
zum Beispiel durch Lagerschäden, und damit<br />
verbundene unnötige Stillstandszeiten können<br />
vermieden und die Verfügbarkeit einer ganzen<br />
Anlage erhöht werden.<br />
ROBUST UND DENNOCH GENAU<br />
Die smarte Schaltungstechnik des Interpolatorbausteins<br />
iC-TW29 adaptiert die analogen Eingangssignale<br />
bestmöglich für eine hochgenaue<br />
Umsetzung bei Vollaussteuerung und generiert<br />
aus einer beliebigen Anzahl von Eingangsperioden<br />
alle 20 ns einen 26-Bit Winkelwert. Etwaige<br />
Pegeldifferenzen, Signaloffsets oder die Phase<br />
der Sinus- und Cosinus-Signale wird dabei<br />
automatisch korrigiert. Das Korrekturverfahren<br />
kann auf Knopfdruck einmalig statisch oder im<br />
laufenden Betrieb kontinuierlich dynamisch<br />
ausgeführt werden. Dank der in iC-Haus Produkten<br />
etablierten FlexCount-Engine passt<br />
sich der Interpolator jeder Sensorauflösung an.<br />
Eine beliebige Eingangsteilung lässt sich in die<br />
benötigte Ausgabeauflösung umsetzen und<br />
steht dem Anwender per ABZ-, UVW-, BiSSoder<br />
SPI-Schnittstelle mit einer Latenz von unter<br />
5 µm zur Verfügung. Selbst relativ grobe induktive<br />
Systeme mit einer Basisauflösung von 4<br />
Signalperioden auf der Master-Spur erreichen<br />
aufgrund der mit dem iC-GI22 erzielten Signalgüte<br />
mühelos eine Winkelgenauigkeit von besser<br />
+/-0,05 Winkelgrad und liegen damit im Bereich<br />
klassenbester magnetischer Encoder bei<br />
vergleichbarer Baugröße.<br />
Bilder: Einklinker metamorworks – stock.adobe.com,<br />
sonstige iC-Haus<br />
www.ichaus.de<br />
UNTERNEHMEN<br />
iC-Haus GmbH, Am Kuemmerling 18,<br />
55294 Bodenheim, info@ichaus.de<br />
AUTOR<br />
Silvan Ettle, Vertrieb und Applikation<br />
für Encodersysteme, iC-Haus GmbH<br />
Hier geht´s zu einem<br />
Kunden-Beispiel:<br />
www.bernstein.eu
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
KUNDENSPEZIFISCHE SENSORLÖSUNGEN VON IPF<br />
SEHR SPEZIELL STATT STANDARD<br />
Technologievielfalt und Spezialisierung schließen sich nicht zwangsläufig aus.<br />
Als Sensoranbieter hat sich IPF aus Altena vor allem durch die Entwicklung<br />
von kunden spezifischen Sensoren im Markt positioniert. Das breitgefächerte<br />
Geräte portfolio führt wiederum zu vielfältigen Applikationserfahrungen, die<br />
beim Engineering von einzigartigen Lösungen eine wertvolle Basis bilden.<br />
Wenn besonders zuverlässige Abfragen unter teilweise<br />
extremen Umgebungsbedingungen erforderlich<br />
sind, haben sich vor allem die Eigenschaften der<br />
induktiven Sensoren von IPF für Sonderlösungen<br />
bewährt, wie einige Beispiele belegen.<br />
SPANPLATTENPRESSE: SICHERER,<br />
KONTINUIERLICHER PROZESS<br />
In einer Anlage wird eine Art Brei aus Holzspänen und Leim bzw.<br />
Bindemittel auf einem Band aufgetragen und unter Druck sowie<br />
hohen Temperaturen zu Spanplatten als Endlosbahn gepresst.<br />
Um einen sicheren Prozess beim Transport der Platten während<br />
der Verdichtung des Holzbreis in der Anlage zu gewährleisten,<br />
sollen sogenannte Rollstäbe an einem Kettenförderer überwacht<br />
werden. Die Sensorik muss besonders robust sein, denn in der<br />
kontinuierlich arbeitenden Presse herrschen hohe Temperaturen<br />
von bis zu 200 °C und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit durch die<br />
Ausgasungen der Holzharze und Bindemittel.<br />
Das von IPF entwickelte zweiteilige induktive Sensorsystem<br />
besteht aus dem Sensorkopf IN32E332-S in IP67, ausgelegt für<br />
Temperaturen bis 230 °C, und dem Anschlussverstärker IV991196.<br />
Während der robuste Sensorkopf unmittelbar den rauen Bedingungen<br />
in der Anlage ausgesetzt ist, kann der Verstärker in einem<br />
thermisch unkritischen Bereich auf einer Hutschiene in einem<br />
Schaltschrank installiert werden. Weitere Besonderheit: Für<br />
einen einfachen Austausch gibt die Form des Sensorkopfes die<br />
korrekte Einbausituation wieder, damit die aktive Fläche des Gerätes<br />
bei der Montage stets den richtigen Schaltabstand für eine<br />
sichere Detektion der Rollstäbe hat. Darüber hinaus hat der<br />
IN32E332-S einen steckbaren Anschluss für die Teflonleitung,<br />
deren Länge variabel ist. Um eine stets reproduzierbare Sensorpositionierung<br />
geht es auch im nachfolgenden Beispiel, das<br />
einmal mehr unterstreicht, wie vielschichtige die Einsatzmöglichkeiten<br />
von Sonderentwicklungen sein können.<br />
ERNTEVORSÄTZE: NIE WIEDER FALSCH<br />
JUSTIERTE SENSOREN<br />
In Erntevorsätzen u. a. für Mähdrescher werden die Bänder für<br />
das Mähmesser über einen hydraulischen Motor angetrieben,<br />
dessen Drehzahlüberwachung ein induktiver Sensor der Bauform<br />
M8 am Getriebeflansch mit einem vordefinierten Schaltabstand<br />
übernimmt. Somit schaltet das Schneidwerk erst nach Erreichen<br />
der benötigten Messerdrehzahl die Bänder ein und im<br />
Fehlerfall sofort wieder aus.<br />
Der Einbau des Sensors beim Hersteller der Erntevorsätze ist<br />
aufgrund der beengten Einbauverhältnisse schwierig und auch<br />
beim Austausch während des Ernteeinsatzes auf einem Feld<br />
kann es durch fehlerhafte Justierungen zu Störungen kommen,<br />
16 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
ANZEIGE<br />
01 Einfacher Austausch: Zur Montage in eine hierfür vorgesehene<br />
Metallplatte wird der nicht bündig einbaubare Sensorkopf bis zum<br />
Gewinde eingeführt und festgedreht; die aktive Fläche des Sensorkopfes<br />
hat somit immer den korrekten Schaltabstand<br />
02 Das Sensorgehäuse gibt die Einbauposition im Getriebeflansch<br />
vor, sodass fehlerhafte Justierungen ausgeschlossen sind<br />
sodass der Sensor kein Signal liefert oder beschädigt wird. Mit<br />
dem IB08E286 entwickelte IPF eine Lösung, die durch ein Sondergehäuse<br />
stets die korrekte Einbaulage des Sensors vorgibt und<br />
daher eine einfache und stets fehlerfreie Gerätepositionierung<br />
durch den Endkunden oder einem Servicetechniker ermöglicht.<br />
Der Sensor wird ohne Justageaufwand einfach bis zum Anschlag<br />
in das hierfür vorgesehene Gewinde eingeschraubt und ist damit<br />
optimal positioniert.<br />
Doch nicht immer können in Applikationen die klassischen zylindrischen<br />
Sensorbauformen als Vorlage für Sonderlösungen<br />
dienen, wie das nachfolgende Beispiel demonstriert.<br />
01<br />
02<br />
TELESKOPLADER: PLATZSPAREND MIT<br />
KUNDENSPEZIFISCHEM STECKER<br />
Teleskoplader bewähren sich mit ihren ausfahrbaren Masten und<br />
somit veränderlicher Reichweite als zuverlässige mobile Arbeitsmaschinen<br />
in vielen Einsatzfeldern. Bei Teleskopladern eines<br />
Herstellers soll die Endlage des Innenrohrs eines Mastens bzw.<br />
Teleskopausschubs überwacht werden, wenn dieses vollständig<br />
eingefahren ist. Eine ideale Aufgabe für einen induktiven Näherungsschalter.<br />
Allerdings sind die Einbauverhältnisse sehr beengt.<br />
Hinzu kommt, dass nur Steckverbinder der Firma Deutsch verwendet<br />
werden dürfen, da sie sich selbst bei starken Vibrationen<br />
und Stößen nicht lösen können und somit bei mobilen Arbeitsmaschinen<br />
quasi Standard sind. Für die optimale Installation sollte<br />
die Anschlussleitung zudem über eine definierte Länge verfügen.<br />
WENN STANDARD ALS LÖSUNG<br />
NICHT PASST, IST KUNDEN<br />
SPEZIFISCHE SENSORIK GEFRAGT<br />
Das Design des von IPF entwickelten induktiven Sensors<br />
IB25C819 ist aufgrund des Flachgehäuses mit seitlicher Sensorfläche<br />
besonders auffällig und ermöglicht trotz der knapp bemessenen<br />
Einbausituation die einfache Integration in den Teleskopmasten.<br />
Der Sensor (maximaler Schaltabstand 6 mm) hat eine<br />
fest angeschlossene, ölbeständige Leitung (Länge: 1,14 m) mit einem<br />
angeschlagenen Steckverbinder von Deutsch.<br />
Im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Teleskoplader<br />
wurde der bisherige induktive Sensor durch den IB98F001 ersetzt,<br />
der nun über einen Norm-Schaltabstand von 10 mm verfügt. Auf<br />
Kundenwunsch erhielt der Sensor außerdem eine antivalente<br />
Schaltfunktion. Hierzu musste auch der bisherige Anschlussstecker<br />
durch einen vierpoligen Steckverbinder von Deutsch ausgetauscht<br />
werden.<br />
Sehr hoher Strahlungswärme und zudem einer extremen<br />
Schmutzbelastung sind die kundenspezifischen Sensoren im abschließenden<br />
Beispiel ausgesetzt.<br />
DREHOFEN: MESSUNG VON<br />
GESCHWINDIGKEIT UND SCHLUPF<br />
In Drehöfen eines weltweit führenden Anbieters für die Bergbauund<br />
Zementindustrie wird entweder Zement gebrannt oder<br />
Roheisen zu Pellets für die Herstellung von Stahl verarbeitet. Im<br />
Inneren der rund 40 m langen Öfen (Durchmesser ca. 5 m) herrschen<br />
Temperaturen von 1.300 °C bis 1.500 °C. Sensoren sollen<br />
die Drehgeschwindigkeit der Öfen kontrollieren und außerdem<br />
einen Referenzimpuls liefern, um den Schlupf des für den Antrieb<br />
verwendeten Ofenrings zu messen. Aufgrund der hohen Temperaturen<br />
und überdies Schmutzbelastung am Einsatzort kommen<br />
Standardgeräte für den Kunden nicht in Frage. Die Lösung: Ein<br />
induktiver Sensor IN50F001 für Umgebungstemperaturen bis<br />
230 °C, der als All-in-Lösung den Verstärker im Anschlusskabel<br />
integriert.<br />
In der konkreten Applikation wurden vier kundenspezifische<br />
Sensoren zur Erfassung der Drehgeschwindigkeit und Messung<br />
des Schlupfs in einem Abstand von rund 100 mm zur Ofenwandung<br />
installiert. Die Strahlungswärme direkt am Ofenmantel beträgt<br />
rund 400 °C, nimmt im Bereich der Geräteinstallation zwar<br />
deutlich ab, ist aber immer noch relativ hoch. Für die Abfrage der<br />
Drehgeschwindigkeit wurde ein Eisenstück unter Berücksichtigung<br />
des maximal möglichen Schaltabstands von 25 mm auf die<br />
Ofenwandung geschweißt, während am Ofenring mithilfe mehrerer<br />
aufgebrachter Eisenstücke der Schlupf mit weiteren Näherungsschaltern<br />
gemessen wird. Die robusten Lösungen haben<br />
sich bewährt und sind seit langem in Drehöfen des Unternehmens<br />
rund um den Globus im Einsatz.<br />
Bilder: ipf electronic<br />
www.ipf.de<br />
UNTERNEHMEN<br />
ipf electronic GmbH<br />
Rosmarter Allee 14, 58762 Altena<br />
Telefon 02351 9365-0<br />
E-Mail: info@ipf.de<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 17
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
KLEINE LASERSENSOREN MIT HOHER LEISTUNG<br />
DESIGNED FÜR ADVANCED<br />
<strong>AUTOMATION</strong><br />
Laser-Triangulationssensoren bilden eine Schlüsseltechnologie in der<br />
fortschrittlichen Automatisierung. Sie sind unverzichtbar, wenn es um exakte<br />
Abstandsmessungen in Maschinen, Anlagen und Prüfständen geht. Wir stellen<br />
Ihnen drei kompakte, leistungsstarke und präzise Baureihen vor, die sowohl in<br />
einfachen Installationen als auch in Serienanwendungen überzeugen.<br />
Die Lasersensoren von Micro-Epsilon basieren auf dem<br />
Messprinzip der optischen Triangulation. Ein Laserstrahl<br />
wird auf ein Objekt gerichtet, ein Detektor erfasst<br />
das reflektierte Licht. Die Distanz zwischen Sensor und<br />
Objekt lässt sich nun anhand des Winkels, in dem das reflektierte<br />
Licht auf dem Detektor auftrifft, präzise berechnen. Dies geschieht<br />
über eine Dreiecksbeziehung zwischen Laserdiode, Messpunkt auf<br />
dem Objekt und Abbild auf der CMOS-Zeile. Die Messauflösung erreicht<br />
dabei den Bruchteil eines Mikrometers. Mit den Sensoren<br />
OptoNCDT 1220, 1320 und 1420 präsentiert das Unternehmen drei<br />
neue Baureihen für die präzise Abstandsmessung.<br />
HOHE PERFORMANCE IM KOMPAKTEN GEHÄUSE<br />
Das Flaggschiff der neuen Sensoren bildet der OptoNCDT 1420.<br />
Durch gezielte Optimierungen wurden diese Sensoren auf ein<br />
neues Level gehoben. Mit verdoppelter Messrate von nun 8 kHz,<br />
einer 16 Bit Digital/Analog-Wandlung und der Schutzart IP67 sind<br />
sie nicht nur die schnellsten Lasersensoren ihrer Klasse, sondern<br />
punkten auch dank der überragenden Genauigkeit. Daher sind die<br />
Sensoren ideal für Serienanwendungen in der Automatisierung<br />
und im Maschinenbau geeignet.<br />
Die kompakte Bauform des Sensors OptoNCDT 1420 bei gleichzeitig<br />
geringem Gewicht eröffnet neue Anwendungsgebiete. Die<br />
Signalaufbereitung ist komplett im Sensorgehäuse untergebracht.<br />
Dadurch ist kein externes Steuergerät erforderlich, was den Platzbedarf<br />
bei der Installation auf ein Minimum reduziert. Eingesetzt<br />
werden die Lasersensoren des Typs OptoNCDT 1420 für präzise<br />
Weg- und Abstandsmessungen bei Messbereichen von<br />
10 bis 500 mm. Die neuen Modelle bieten hohe Leistung in jeder<br />
Umgebung und zeichnen sich durch eine Temperaturstabilität<br />
von ± 0,015 % d. M. / K und eine Fremdlichtbeständigkeit von bis<br />
18 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
01<br />
02<br />
01 Die Lasersensoren basieren auf dem Messprinzip der optischen<br />
Triangulation<br />
02 Bei der Qualitätskontrolle von Leiterplatten kommen Lasersensoren<br />
zum Einsatz; über eine Verfahranlage werden sie über die PCBs<br />
und die hochintegrierten Bauteile geführt<br />
zu 50.000 Lux aus. Ein hochperformanter D/A-Wandler ermöglicht<br />
am Analogausgang eine 16 Bit Auflösung.<br />
Die Einsatzmöglichkeiten der neuen Lasersensoren sind vielfältig.<br />
Sie messen auf nahezu allen Oberflächen und arbeiten mit<br />
einer intelligenten Belichtungsregelung, die Hell-Dunkel- und<br />
Matt-Glänzend-Wechsel schnell und zuverlässig kompensiert. So<br />
stellen schnelle Übergänge von glänzendem Lötzinn auf dunklen<br />
Kunststoff, wie sie bei der Abstandsmessung auf Leiterplatten<br />
auftreten, kein Problem dar. Dank kleinem Lichtfleck lassen sich<br />
zudem kleinste Details hochgenau erfassen, wie beispielsweise<br />
IC-Pins, die ebenfalls auf Leiterplatten geprüft werden.<br />
Das robuste Aluminiumgehäuse mit Schutzart IP67 schützt<br />
den Sensor vor äußeren Einflüssen und sorgt für Vibrationsbeständigkeit.<br />
Darüber hinaus können die Sensoren mit schleppkettentauglichen<br />
Kabeln und auch robotertauglichen Kabeln<br />
ausgestattet werden. Die Handhabung ist für Einsteiger wie auch<br />
Experten gleichermaßen einfach. Die Möglichkeiten reichen von<br />
analog bis digital, von der Plug&Play-Lösung über Webinterface<br />
bis hin zu ASCII-Programmierbefehlen.<br />
EINFACHE INTEGRATION IN BEENGTE<br />
BAURÄUME<br />
Der OptoNCDT 1320 ist ein neuartiger Laser-Triangulationssensor<br />
in Kompaktbauweise zur Erfassung von Weg, Abstand und<br />
Position. Dank der kompakten Bauform mit integriertem Controller<br />
kann der Sensor auch in beengte Bauräume integriert<br />
werden – er eignet sich aufgrund des geringen Gewichts auch<br />
hervorragend für Anwendungen, bei denen hohe Beschleunigungen<br />
wirken, wie am Roboterarm oder in Bestückungsautomaten.<br />
Der Lasersensor bietet eine hohe Messgenauigkeit und eine<br />
einstellbare Messrate von bis zu 4 kHz. Die Active Surface Compensation<br />
(ASC) sorgt für eine stabile Ausregelung des Abstandssignals,<br />
unabhängig von der Farbe und Helligkeit des Messobjekts.<br />
Dank des kleinen Messflecks können auch kleinste Objekte<br />
zuverlässig detektiert werden.<br />
Die Modelle der Baureihe ermöglichen eine Sofortinbetriebnahme<br />
mit nur wenigen Klicks der Multifunktionstaste am Sensor.<br />
Erweiterte Sensoreinstellungen erfolgen über das intuitive Webinterface.<br />
Darüber können die gängigsten Oberflächentypen einfach<br />
über Presets gewählt werden, wodurch Filter, Messrate und<br />
Belichtung automatisch angepasst werden. Über den Quality-<br />
Slider können voreingestellte Settings für statische oder dynamische<br />
Prozesse gewählt werden.<br />
LASERSENSOREN FÜR SERIENANWENDUNGEN<br />
MIT HOHER LEISTUNGSFÄHIGKEIT<br />
Klein, präzise und schnell präsentieren sich die kompakten Lasersensoren<br />
OptoNCDT 1220. Die Ausführung ist mit einem Sensorgewicht<br />
von nur 60 g und Maßen von 46×30×20 mm äußerst<br />
kompakt. Die Sensoren eignen sich daher ideal zur Integration in<br />
beengte Bauräume. Mit einer Messrate bis 2 KHz messen die<br />
Sensoren Bereiche bis 500 mm äußerst schnell. Dank der 16 Bit<br />
Digital-/Analog-Wandlung, dem IP67-Gehäuse und der hohen<br />
Schock- und Vibrationsbeständigkeit sind sie für Serienanwendungen<br />
in der Automatisierung und im Maschinenbau<br />
konzipiert. Eingesetzt werden die Sensoren daher in allen Bereichen<br />
der Automatisierungstechnik, dem Maschinenbau, in 3D-<br />
Druckern oder Verfahranlagen.<br />
VIELFÄLTIGE ANWENDUNGSGEBIETE<br />
Die OptoNCDT Laser-Triangulationssensoren werden bevorzugt<br />
zur präzisen Messung von Weg, Abstand und Position eingesetzt.<br />
Ihre Präzision und Zuverlässigkeit machen sie zu einem unverzichtbaren<br />
Werkzeug in der Qualitätskontrolle, wo sie dazu beitragen,<br />
die Einhaltung von Spezifikationen sicherzustellen und<br />
Ausschuss zu reduzieren. Ebenso sind sie in der Robotik und in<br />
automatisierten Montageprozessen von großer Bedeutung, wo<br />
sie zur genauen Positionierung von Werkzeugen, Werkstücken<br />
sowie zur Steuerung von Bewegungsabläufen eingesetzt werden.<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 19
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
03 Lasersensoren werden auch zur Feinpositionierung des<br />
Druckkopfes bei industriellen Druckprozessen eingesetzt<br />
LASERSENSOREN ALS TASTER-ERSATZ<br />
Laser-Triangulationssensoren OptoNCDT 1220 werden beispielsweise<br />
bei der geometrischen Vermessung von Bauteilen in Prüfvorrichtungen<br />
eingesetzt. Sie überwachen unter anderem Bauteiltoleranzen<br />
von seriengefertigten Kunststoff- und Aludruckgussteilen.<br />
Zudem werden sie für die Wareneingangskontrolle<br />
und damit die Qualitätssicherung eingesetzt. Im Gegensatz zu<br />
den früher verwendeten taktilen Prüfstationen erfolgt aufgrund<br />
der berührungslosen Laser-Messung keine Einwirkung auf das<br />
PRÄZISION, FLEXIBILITÄT UND<br />
EFFIZIENZ MACHEN DIE LASER-<br />
SENSOREN IN VIELEN PROZESSEN<br />
ZUM ALLROUNDTALENT<br />
Messobjekt. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, die Sensoren<br />
aufgrund ihrer verschiedenen Messbereiche und großer Grundabstände<br />
sehr flexibel einzusetzen. Dies ist auch in kritischen Industrieumgebungen<br />
möglich. Die Lösung mit Lasersensoren ist<br />
darüber hinaus wirtschaftlich, erfolgt schnell und mit hoher Präzision<br />
sowie mit reduziertem mechanischem Aufwand im Vergleich<br />
zur taktilen Messung. Die Integration der Sensoren und<br />
die nachfolgende Auswertung der Messergebnisse sind schnell<br />
und auf einfache Weise umsetzbar.<br />
DRUCKKOPFPOSITIONIERUNG UND<br />
FOKUSREGELUNG<br />
Bei industriellen Druckprozessen ist die exakte Höhenpositionierung<br />
des Druckkopfes entscheidend für die Qualität des Endprodukts.<br />
Die schnelle Erfassung des Abstands gegen unterschiedliche<br />
Materialoberflächen und die Kantenerfassung ermöglicht die<br />
schnelle Nachregelung und Positionierung des Druckkopfes. Beispielsweise<br />
ist bei Druck-, Löt- und Bestückungsprozessen von<br />
Leiterplatten die exakte Höhenpositionierung des Druckkopfes<br />
entscheidend für die fehlerfreie Ausführung. Lasersensoren der<br />
Serie OptoNCDT werden hier oftmals zur Feinpositionierung des<br />
Druckkopfes eingesetzt und liefern unabhängig von der Oberflächenreflexion<br />
präzise Messergebnisse, die zur Höhennachführung<br />
und auch zur Kantenerfassung herangezogen werden.<br />
POSITIONIERUNG AUTONOMER<br />
TRANSPORTSYSTEME<br />
Um fahrerlose Transportsysteme und autonome mobile Roboter<br />
kollisionsfrei zu positionieren, kommen Lasersensoren der Reihe<br />
OptoNCDT 1220 zum Einsatz. Die Sensoren messen den Abstand<br />
zu einem Codeband, was eine exakte Positionierung des autonomen<br />
Fahrzeugs ermöglicht. Die Sensoren der Reihe unterstützen<br />
die kollisionsfreie Positionierung von fahrerlosen Transportsystemen<br />
(FTS) sowie von autonomen mobilen Robotern (AMR) mit<br />
Mecanum-Rädern.<br />
Die kompakten Lasersensoren mit 500 mm Messbereich werden<br />
am FTS/AMR montiert. Sie messen präzise den Abstand des<br />
Fahrzeugs auf ein metrisches Codeband, welches anschließend<br />
von einer PGV-Kamera ausgewertet wird. Durch den ermittelten<br />
Abstandswert der Lasersensoren kann die PGV-Kamera das<br />
Codeband zuverlässig lesen und die genaue Position des FTS/<br />
AMR entschlüsseln. Dies ermöglicht wiederum ein kollisionsfreies,<br />
seitliches Andocken der autonomen Fahrzeuge.<br />
QUALITÄTSKONTROLLE IN DER<br />
ELEKTRONIKFERTIGUNG<br />
Lasersensoren der Modellreihe OptoNCDT 1420 kommen auch<br />
bei der Qualitätskontrolle von Leiterplatten zum Einsatz. Über eine<br />
Verfahranlage werden sie über die PCBs und die hochintegrierten<br />
Bauteile geführt. Mit einer Messrate von bis zu 8 kHz<br />
prüfen die Sensoren die Position und Anwesenheit von kleinen<br />
Bauteilen auf der Leiterplatte. Die kompakte Sensorbauform mit<br />
gerade einmal 46 × 30 mm und der integrierte Controller ermöglichen<br />
die Einbindung des Sensors auch bei wenig Platz. Durch<br />
den kleinen Lichtfleckdurchmesser werden präzise Messungen<br />
auch auf die kleine IC-Pins ermöglicht, da der Lichtpunkt dort<br />
scharf abgebildet werden kann.<br />
FAZIT<br />
Zusammenfassend bieten die Laser-Triangulationssensoren in<br />
der fortschrittlichen Automatisierung entscheidende Vorteile<br />
durch ihre hohe Präzision, Flexibilität und Effizienz. Ihre Fähigkeit,<br />
schnelle und zuverlässige Messungen durchzuführen, ohne<br />
mit dem Messobjekt in Kontakt zu kommen, macht sie zu einem<br />
unverzichtbaren Bestandteil moderner Fertigungs- und Produktionsprozesse.<br />
Mit ihrer Hilfe können Unternehmen die Qualität<br />
ihrer Produkte steigern, Produktionskosten und Materialverbrauch<br />
senken sowie die Effizienz ihrer Prozesse optimieren.<br />
Bilder: Micro-Epsilon<br />
www.micro-epsilon.de<br />
UNTERNEHMEN<br />
Micro-Epsilon Messtechnik<br />
GmbH & Co. KG<br />
Königbacher Str. 15, 94496 Ortenburg<br />
Tel. 08542 1680<br />
E-Mail: info@micro-epsilon.de<br />
AUTOR<br />
Erich Winkler, Produktmanager Sensorik,<br />
Micro-Epsilon Messtechnik<br />
GmbH & Co. KG, Ortenburg<br />
20 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
PURISTISCH UND VIELSEITIG: DESIGN<br />
AWARD <strong>2024</strong> FÜR DRUCKSENSOR<br />
Der Drucksensor PQ<br />
Cube für pneumatische<br />
Anwendungen<br />
von ifm wurde mit<br />
dem Red Dot Design<br />
Award <strong>2024</strong> ausgezeichnet.<br />
Herzstück<br />
ist die Messzelle, die<br />
bereits in früheren PQ-Generationen ihre hohe<br />
Widerstandsfähigkeit gegen Schmutz und Staub<br />
bewiesen hat. Ein vollgrafisches 1-Zoll-TFT-Display<br />
zeigt Prozesswerte in verschiedenen Layouts,<br />
Schaltpunkte werden über LEDs signalisiert. Die<br />
Inbetriebnahme erfolgt über den mitgelieferten<br />
Installations-Wizard, der in neun Sprachen durch<br />
den Prozess führt. Sollte nachträglich einmal etwas<br />
angepasst werden müssen, dann ist die Änderung<br />
über IO-Link oder direkt am Gerät flexibel möglich.<br />
Der PQ Cube wird unter anderem in der Druckluftaufbereitung,<br />
der Überwachung und Messung des<br />
Systemdrucks und in Vakuum- und Greifapplikationen<br />
verwendet. Überzeugt haben die Jury das<br />
puristische Design, die intuitive Bedienung und das<br />
vielseitige Zubehör.<br />
www.ifm.com<br />
NEIGUNGSWINKELSENSOREN MIT<br />
ANALOGAUSGANG<br />
Turck erweitert sein Portfolio<br />
an QR20-Neigungswinkelsensoren<br />
mit IO-Link oder<br />
Schaltausgang um neue<br />
Geräte mit Analogausgang.<br />
Die neuen Sensoren sind als<br />
einachsige Geräte für<br />
statische (B1N) oder bewegte Applikationen (B1NF)<br />
sowie als zweiachsige Sensoren für statische (B2N)<br />
oder bewegte Applikationen (B2NF) erhältlich. Die<br />
QR20-Inklinometer generieren ihr Signal aus der<br />
Fusion zweier Messprinzipien: einem Gyroskopsignal<br />
und einer MEMS-Beschleunigungsmessung (Micro-<br />
Electro-Mechanical Systems). Durch die Kombination<br />
blenden sie Stöße und Vibrationen deutlich effektiver<br />
aus als Geräte mit herkömmlichen Signalfiltern.<br />
Die Geräte liefern eine sehr hohe Dynamik für<br />
bewegte Applikationen oder vibrierende Maschinen.<br />
Der Analogausgang ist auf unterschiedlichen Wegen<br />
konfigurierbar: Neben den klassischen Varianten mit<br />
0 bis10 V oder 4 bis 20 mA können die Signalbereiche<br />
0 bis 20 mA, 0,1 bis 4,9 V; 0 bis 5 V oder 0,5 bis<br />
4,5 V per IODD-Konfigurator eingestellt werden.<br />
Alternativ lassen sich die Messbereiche pro Achse<br />
entweder durch Texteingabe des Winkelwerts oder<br />
durch Übernahme der jeweiligen Winkelposition einstellen.<br />
Zudem können die Sensoren über Pin 5 oder<br />
einen Easy-Teach-Adapter eingelernt werden.<br />
www.turck.com<br />
ZERTIFIZIERTER DRUCKTRANSMITTER<br />
MEISTERT WASSERSTOFFANWENDUNGEN<br />
Amsys bietet mit dem AST2000 und AST4000 zwei Varianten<br />
eines speziell für Anwendungen mit Wasserstoff zertifizierten<br />
Drucktransmitters an. Mit dem EC79-Zertfikat sind diese<br />
Drucksensoren für die Anwendung in Brennstoffzellen, Wasserstoffspeichern<br />
und -tankstellen geeignet. Dabei messen sie<br />
Relativdrücke zwischen 0 und 448 bar mit einer Genauigkeit von<br />
±0,25 Prozent. Die Transmitter<br />
sind nach IP66 geschützt,<br />
stoßfest, vibrationsfest und<br />
EMV-verträglich. Ihr Vorteil ist<br />
die Konformität mit der<br />
EU-Verordnung EC79 zur<br />
Verwendung in wasserstoffbetriebenen<br />
Kraftfahrzeugen.<br />
Die Druckmembran wird samt<br />
Gewindeaufnahme komplett aus einem Stück Edelstahl<br />
AISI 316L gedreht. Mit einem Berstdruck von mehr als 2.200 bar<br />
wird durch diese Bauweise auf Schweißnähte verzichtet, die eine<br />
potenzielle Schwachstelle und ein mögliches Leck darstellen.<br />
www.amsys-sensor.com<br />
PERFEKTES DUO: MESSRAD UND DREHGEBER<br />
Mit neuen Messrädern und dem passenden Zubehör erweitert<br />
Posital das Spektrum für präzise Linearmessungen. Die Kombination<br />
aus Messrad und Drehgeber ermöglicht eine direkte<br />
Erfassung von Geschwindigkeit und Position auf bewegten Oberflächen<br />
und verhindert Fehler, die durch Spiel oder Hysterese<br />
entstehen könnten, wenn die Drehgeber direkt mit Antriebselementen<br />
verbunden sind. Besonders bei der präzisen Längenbestimmung<br />
von Materialien wie Textilien, Metallfolien oder<br />
Papier kann dieses System die Genauigkeit steigern und Material -<br />
verschwendung verringern. Verfügbar sind die Messräder in den<br />
Umfängen 200 und 500 mm, 12 Zoll und mit vier verschiedenen<br />
Oberflächenbehandlungen. Darüber hinaus bietet Posital eine<br />
Reihe von federbelasteten Montagelösungen und schwenkbaren<br />
Armen an, die für eine konstante<br />
Andruckkraft sorgen. Kernelement<br />
dieser Systeme sind die frei<br />
programmierbaren Ixarc<br />
Inkrementaldrehgeber.<br />
www.posital.de<br />
Industrie PCs und IIoT Lösungen<br />
für die Produktion<br />
Bedienen<br />
Beobachten<br />
Visualisieren<br />
Fernwarten<br />
Mehr unter<br />
www.ads-tec-iit.com/produkte
MIT OPC UA ZUM STRUKTURIERTEN UND<br />
SICHEREN DATENAUSTAUSCH BIS IN DIE CLOUD<br />
SCHNITTSTELLEN-BOOSTER<br />
Der offene Standard OPC UA macht die industrielle Kommunikation<br />
noch einfacher. Er ermöglicht den sicheren und zuverlässigen Herstellerund<br />
Plattform-unabhängigen Datenaustausch. Und das von der Sensorund<br />
Feldebene bis hin zum Leitsystem und in die Cloud. Davon profitiert<br />
auch die Messdatenerfassung.<br />
Um die Anforderungen der Industrie von morgen zu erfüllen,<br />
sind durchgängige und gesicherte Netzwerke gefragt.<br />
Ein wichtiger Baustein dafür ist der Ethernet-basierte<br />
Kommunikationsstandard OPC UA. Er erlaubt<br />
den standardisierten Zugriff auf Maschinen, Geräte und andere<br />
Systeme im industriellen Umfeld und ermöglicht den gleichartigen<br />
und herstellerunabhängigen Datenaustausch. Das UA in<br />
OPC UA steht dabei für „Unified Architecture“ und bezeichnet<br />
die neueste Spezifikation des Standards.<br />
OPC UA ist unabhängig von Herstellern oder Systemlieferanten.<br />
Die Kommunikation ist unabhängig von der Programmiersprache,<br />
in der die jeweilige Software programmiert wurde. Es ist<br />
ein offener Standard ohne irgendeine Abhängigkeit oder Bindung<br />
zu proprietären Technologien oder einzelnen Herstellern.<br />
Der VDMA hebt hervor, dass OPC UA kein weiterer Kommunikationsstandard<br />
für die Echtzeitkommunikation in der Automation<br />
ist, sondern einen zusätzlichen Kommunikationskanal<br />
zwischen bislang getrennten Welten schafft. Wo sich<br />
unterschied liche Feldbusse bisher nur über Gateways austauschen<br />
konnten, die mehr oder weniger aufwendig zu konfigurieren<br />
sind, ermöglicht OPC UA den offenen Austausch auf<br />
Feldebene und ist durch die serviceorientierte Architektur für<br />
die Anforderungen der Industrie 4.0 gerüstet. Für die durchgehende<br />
Vernetzung im Anwendungsbereich Industrie 4.0 und<br />
Industrial Internet of Things (IIoT) wird neben der Datenkommunikation<br />
auch die Datenpräsentation sowie die Semantik<br />
standardisiert. Für diese Herausforderungen bietet OPC UA einen<br />
idealen Werkzeug kasten.<br />
SMARTE MESSTECHNIK FÜR DAS IOT<br />
Die Datenerfassung ist eine der Kernaufgaben einer vernetzen Industrie, von der Elektrotechnik über den Maschinenbau bis<br />
hin zur Energietechnik und Chemie- und Pharmaindustrie. Um zuverlässig Informationen zu generieren, braucht es<br />
Automatisierungstechnik, Datenlogger mit SPS-Funktionalität, Schwingungsmessgeräte und die passende Software. Als<br />
Experte auf diesem Gebiet zählt Delphin Technology zu einem der führenden deutschen Hersteller von Hardware und<br />
Software. Einen Teil sehen Sie in Bild 01: n ProfiMessage D ist ein Messgerät für die flexible Messdatenerfassung. Es ist mit<br />
einer Profibus-Schnittstelle ausgestattet und kann über OPC UA Server/Client mit Fremdsystemen kommunizieren (links).<br />
n Das Gerät Expert Vibro fasst Schwingungsmessung und Vibrationsanalyse in einem kompakten Gerät zusammen (Mitte).<br />
n Die Loggito-Serie setzt mit ihren kleinsten Datenloggern auf eine skalierbare Lösung für die lückenlose Datenerfassung.<br />
22 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK<br />
KOMMUNIKATION VIA OPC UA<br />
Durch die Verfügbarkeit des offenen Standards<br />
OPC UA profitieren Anwendungen<br />
bei der Kommunikation zwischen Maschinen<br />
(M2M), innerhalb eines Standorts<br />
und über den Standort hinaus. Er<br />
vereinfacht die Vernetzung auch in der<br />
Prozessautomatisierung und den Datenaustausch<br />
beispielsweise zur Anlagenüberwachung<br />
und Störungsanalyse.<br />
Typische Anwendungen sind Condition<br />
Monitoring oder Predictive Maintenance.<br />
Sensordaten können erfasst, zum Leitsystem<br />
oder in die Cloud übertragen und<br />
analysiert werden. Das OPC UA-Interface<br />
eignet sich somit auch zum Datenaustausch<br />
mit der SPS oder zur Verbindung<br />
mit Prozessleitsystemen.<br />
01<br />
DURCHGÄNGIGE<br />
OPC UA-KOMPATIBILITÄT<br />
Bei Delphin ist die komplette OPC UA-<br />
Durchgängigkeit, sowohl bei den Datenloggern,<br />
als auch bei der Messtechnik-<br />
Software gegeben und jede nur denkbare<br />
Architektur lässt sich problemlos realisieren.<br />
Dies ist eine wichtige Grundlage für<br />
das Gelingen der digitalen Transformation,<br />
bzw. der IT-OT-Integration zum Beispiel<br />
im Maschinenbau.<br />
Die zentrale Messdatenmanagementsoftware<br />
von Delphin verfügt sowohl über<br />
eine OPC UA Client- und Server-Schnittstelle<br />
zur hoch performanten Übertragung<br />
von Live-Messdaten, als auch über<br />
eine OPC UA HA Server-Schnittstelle, mit<br />
der historische Messdaten komfortabel<br />
übertragen werden können. Sowohl für<br />
Live-Messdaten, als auch für historische<br />
Messdaten ermöglicht eine von Delphin<br />
entwickelte binäre Messdatenbank außergewöhnlich<br />
hohe Datenübertragungsraten<br />
von bis zu 500.000 Datenpunkten pro<br />
Sekunde. So können selbst Rohdaten aus<br />
Schwingungsmessungen komfortabel<br />
über OPC UA übertragen werden.<br />
VON DER SOFTWARE BIS ZUM DATENLOGGER<br />
Die ganz auf Performance ausgelegte Messdatenbank ermöglicht<br />
außerdem Anwendungen mit bis zu 20.000 OPC UA-Nodes. Um<br />
diese Anzahl an Kanälen komfortabel nutzen zu können, verfügt<br />
die Software über eine intuitiv bedienbare Browse-Funktion.<br />
Auch die Datenlogger von Delphin können direkt über OPC UA<br />
kommunizieren. Sie sind sowohl als OPC UA Client, als auch als<br />
OPC UA Server und als OPC UA HA Server konfigurierbar. Dank<br />
einer besonders großen Schnittstellenvielfalt sind die Datenlogger<br />
und die Messtechnik-Software von Delphin generell sowohl<br />
für die Kommunikation auf Feldebene, als auch in alle anderen<br />
Unternehmensebenen und in die Cloud bestens gerüstet.<br />
Bilder: Aufmacher Sashkin – stock.adobe.com, sonstige Delphin<br />
www.delphin.de<br />
02<br />
01 Das Messdatenerfassungskonzept, bestehend aus intelligenten<br />
Erfassungsgeräten und passender Software für alle Endgeräte, macht<br />
Anwender fit für die Zukunft<br />
02 Um den Zustand von Anlagen und Maschinen auch über weite<br />
Entfernungen im Blick zu behalten, kommen Systeme für die<br />
dezentrale Datenerfassung und autarke Überwachung von verteilten<br />
Messstellen zum Einsatz<br />
UNTERNEHMEN<br />
Delphin Technology AG<br />
Lustheide 81, 51427 Bergisch Gladbach<br />
Telefon 02204 97685-0<br />
E-Mail info@delphin.de<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 23
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
WIE STANZBIEGEMASCHINEN IHREN TEIL ZUR ELEKTROMOBILITÄT BEITRAGEN<br />
BIHLER HAT DEN BOGEN RAUS<br />
Das Servo-Produktionssystem<br />
BM-HP 3000<br />
kombiniert mehrere<br />
Prozessschritte und<br />
eröffnet neue Perspektiven<br />
in der industriellen<br />
Massenfertigung, wie das<br />
Beispiel von Hairpins für<br />
einen Stator zeigt<br />
Der Stanzbiegemaschinenhersteller Bihler hat ein innovatives Servo-<br />
Produktionssystem für die Massenherstellung von Hairpins entwickelt.<br />
Die Anlage bietet automatische Variantenwechsel bei kurzen Taktzeiten<br />
und produziert die Kupferbiegeteile damit besonders effizient. Bei der<br />
Automatisierungs- und Antriebstechnik setzt Bihler fast ausschließlich<br />
auf Lösungen von B&R.<br />
Um Bauteile für die Elektromobilität vollautomatisiert,<br />
flexibel und materialeffizient zu fertigen, setzen viele<br />
Automobilhersteller und Zulieferer auf Lösungen der<br />
Otto Bihler Maschinenfabrik. Insbesondere bei der Herstellung<br />
sogenannter Hairpins kann Bihler auf mehr als 40 Jahre<br />
Erfahrung zurückgreifen. Die haarnadelförmigen Spulensegmente<br />
werden in großen Stückzahlen in die Statoren von Elektromotoren<br />
eingebaut. Sie ermöglichen kompaktere Antriebsstränge<br />
mit höherer Leistungsdichte in Elektrofahrzeugen.<br />
Für die Serienfertigung von Hairpins bei einem namhaften<br />
Auto mobilzulieferer hat Bihler das Servo-Produktionssystem<br />
BM-HP 3000 entwickelt. Nicht weniger als acht Maschinen fertigen<br />
dort verschiedene Hairpin-Varianten mit hoher Effizienz. In<br />
der Anlage sind alle Prozessschritte modular aufgebaut und in<br />
Fließfertigung aufeinander abgestimmt, sodass hohe Taktzahlen<br />
erreicht werden können. „Das reicht von der Zuführung des Kupferlackdrahtes<br />
bis zur sortenreinen Bereitstellung der fertigen<br />
Hairpins“, erklärt Martin Lehman, verantwortlicher Key Account<br />
Manager E-Mobility bei Bihler.<br />
DREIFACHE TAKTLEISTUNG TROTZ<br />
UMSTELLUNG ON-THE-FLY<br />
„Die BM-HP 3000 ermöglicht eine Ausbringung von 60 bis<br />
120 Hairpins pro Minute, je nach Drahtquerschnitt und Schenkellänge.<br />
Das ist die dreifache Taktleistung gegenüber sequenziellen<br />
Systemen.“ Zur hohen Produktivität der Anlage tragen auch die<br />
schnellen Variantenwechsel bei. Die Umstellung von Kopfgeometrie<br />
und Schenkellänge von einer Variante auf die andere ist<br />
on-the-fly möglich. Das heißt, die Maschine stellt sich vollautomatisch<br />
auf das neue Produkt ein, ohne die Maschinentaktung zu<br />
verändern. Über die zentrale Steuerung VariControl werden lediglich<br />
die neuen Daten aufgerufen.<br />
Einen wichtigen Beitrag zur hohen Flexibilität und zum hohen<br />
Durchsatz der BM-HP 3000 leistet die eingesetzte Technik von<br />
B&R. Richard Wagner, Leiter Steuerungstechnik der Otto Bihler<br />
Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, nennt ein Beispiel: „Auf den<br />
Servoantrieben von B&R lassen sich derzeit bis zu 14 elektronische<br />
Kurvenscheiben hinterlegen, zwischen denen wir pro-<br />
24 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
Annahme<br />
Marktübliche Maschine mit 30 Pins/min (sequenzielles Biegen)<br />
Variante1: 84 x 420 Pins/min. 14 Maschinen<br />
Variante2: 60 x 30 Pins/min. 1 Maschine<br />
Variante3: 6 x 15 Pins/min.<br />
+ 1 Maschine<br />
Variante4: 6 x 15 Pins/min.<br />
16<br />
Maschinen<br />
01<br />
02<br />
Bihler Hairpin-Maschine BM-HP mit 100 Pins/min (getaktetes Biegen)<br />
Variante1:<br />
Variante2 + 3 + 4:<br />
5 Bihler- Maschinen<br />
1 Bihler- Maschine<br />
6<br />
Maschinen<br />
01 Bei modernen Elektromotoren wird der Stator nicht mehr<br />
konventionell gewickelt, sondern mithilfe von Hairpins realisiert, die<br />
erst gesteckt und dann verschweißt werden: Der rechteckige<br />
Drahtquerschnitt der Hairpins ermöglicht höhere Leistungsdichten<br />
02 Die getaktete Hairpin-Produktionsmaschine erreicht durch<br />
leistungsfähige Automatisierungstechnik deutlich kürzere Taktzeiten<br />
als bisher eingesetzte konventionelle Maschinenlösungen<br />
grammgesteuert und rückwirkungsfrei wechseln können. So können<br />
die beteiligten NC-Achsen ohne Nachladen von Kurvenscheiben<br />
im laufenden Betrieb an wechselnde Hairpin-Formate und<br />
unterschiedliche Draht- und Lackmaterialien angepasst werden.“<br />
Die Möglichkeit, Kurvenscheiben auf dem Servoantrieb zu<br />
speichern, entlastet gleichzeitig den Kommunikationsbus im laufenden<br />
Maschinenbetrieb. „Das ist ein entscheidender Faktor,<br />
der bei der Gesamtbewertung einer Automatisierungslösung<br />
nicht unterschätzt werden darf“, ergänzt Wagner. „Ein Kommunikationsbus<br />
kann eine sehr geringe Zykluszeit haben und<br />
trotzdem am Ende zu höheren Zykluszeiten führen. Es kommt<br />
vielmehr darauf an, wie effizient wir ein Übertragungsmedium<br />
nutzen können. Und hier erreichen wir mit Powerlink durch die<br />
Möglichkeit, Kurvenscheiben auf den Servoantrieben abzulegen,<br />
attraktive Zykluszeiten.“<br />
60 BIS 120 HAIRPINS PRO MINUTE<br />
Die erste Maschine der Serie BM-HP 3000 bei dem Automobilzulieferer<br />
ist mit insgesamt 70 Servoantrieben von B&R ausgestattet.<br />
Sie produziert 80 Hairpins in sechs verschiedenen Varianten pro<br />
Minute. Ausgelegt ist das Maschinenkonzept derzeit für bis zu<br />
zehn unterschiedliche Hairpin-Varianten. Dass dieser hohe Ausstoß<br />
erreicht wird, hängt auch mit den eingesetzten Prozessen<br />
zusammen: So bremst kein sequenzieller Ablauf mit Freiformen<br />
der Hairpins die gesamte Maschine aus. Auch das in vier Einzelschritten<br />
aufgeteilte mechanische Abisolieren ist durch die Parallelisierung<br />
deutlich schneller als das in vielen konventionellen<br />
Hairpin-Produktionsanlagen häufig genutzte Abisolieren mittels<br />
Laser. Im Ergebnis erreicht die BM-HP 3000 einen etwa dreimal<br />
höheren Ausstoß als die konventionellen Anlagen. Darüber hinaus<br />
kann der Anwender aus unterschiedlichen Servo-Prozessmodulen<br />
für Fertigungs-, Montage- und Bearbeitungsaufgaben wählen.<br />
Damit lässt sich die Maschine auch nach Auslieferung und<br />
Inbetriebnahme an spätere individuelle Anforderungen anpassen.<br />
ANPASSUNGSFÄHIG UND SKALIERBAR<br />
Bihler hat auf Basis von B&R Automation Runtime die Maschinensteuerung<br />
VariControl in der Programmiersprache C++ ent-<br />
wickelt und konnte deshalb die Software konsequent modularisieren.<br />
Dies ermöglicht es, Applikationen einfach und schnell direkt<br />
zu programmieren oder zu parametrieren. „Dass dafür kein<br />
separates Programmiergerät erforderlich ist, war für uns schon<br />
zu Beginn der partnerschaftlichen Zusammenarbeit einer der<br />
Hauptgründe, warum wir uns für B&R entschieden haben“, erinnert<br />
sich Wagner.<br />
Hier kommt ein weiterer Aspekt ins Spiel, der die B&R-Technologie<br />
für Maschinenbauer wie Bihler so attraktiv macht: Bei jedem<br />
Neustart der Maschine scannt das System das Maschinennetzwerk<br />
und erkennt neu angeschlossene B&R-Geräte, die<br />
dann direkt über die Steuerung eingebunden werden können.<br />
„Die Möglichkeiten der B&R-Technologie eröffnen uns und<br />
unseren Anwendern zahlreiche und immer neue Möglichkeiten,<br />
eine Maschine zu gestalten oder zu erweitern“, betont Wagner.<br />
„Beispiel Servoantriebe: Hier deckt das B&R-Programm das komplette<br />
Spektrum von 1,8 bis 200 A ab. Das Portfolio wird ständig<br />
in alle Richtungen erweitert, sodass wir die Zahl der benötigten<br />
Lieferanten im Laufe der Zeit immer weiter reduzieren konnten.“<br />
RESÜMEE<br />
So baute der Maschinenbauer die Automatisierungslösung der<br />
BM-HP Serie fast ausschließlich mit Produkten aus der B&R-Welt<br />
auf. Angefangen bei der Sicherheitstechnik über die Kommunikationstechnik<br />
inklusive dezentraler I/O-Module bis hin zu<br />
Industrie-PCs als Hardwareplattform für die Steuerungs- und<br />
Visualisierungsapplikationen sowie Panels für die Bedienerschnittstelle.<br />
Unter dem Strich erhalten OEMs und Zulieferer<br />
eine Maschinenlösung, mit der sie dank erprobter Prozesse,<br />
Skalierbarkeit sowie der hohen Flexibilität Hairpins in großen<br />
Stückzahlen besonders effizient, wirtschaftlich und zugleich zuverlässig<br />
produzieren können.<br />
Bilder: B&R<br />
www.br-automation.com<br />
UNTERNEHMEN<br />
B&R Industrie-Elektronik GmbH<br />
Grüner Weg 6, 61169 Friedberg<br />
AUTOR<br />
Dipl.-Ing. Franz Rossmann,<br />
Technikjournalist aus Gauting bei München<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 25
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
DATENGETRIEBENE PROGRAMMIERUNG TAKTILER ROBOTER<br />
DIE ZUKUNFT DER<br />
PRODUKTION<br />
Die produzierende Industrie befindet sich derzeit in einem<br />
hochdynamischen Umfeld. Aktuell prägen vier wesentliche<br />
Trends die Automatisierung und setzen die produzierende<br />
Industrie unter erheblichen Transformationsdruck. Die Antwort<br />
auf diese Herausforderungen liegt in der Integration taktiler<br />
Roboter und ihrer datengetriebenen Programmierung.<br />
Von der zunehmenden Automatisierung und den komplexen<br />
Anforderungen an flexible Produktionssysteme<br />
bis hin zu kürzeren Lieferzeiten trotz größerer Supply-<br />
Chain-Hindernisse: es gibt vier entscheidende Trends,<br />
die die Automatisierung aktuell prägen und die zentrale Herausforderung<br />
für Produktionsverantwortliche und Automatisierungsexperten<br />
in den nächsten Jahren darstellen werden. Wie<br />
können Unternehmen diesen begegnen und effektiv auf Schlüsselthemen<br />
wie den Arbeitskräftemangel, die steigende Produktund<br />
Variantenvielfalt, die Komplexität von Bauteilen und die<br />
sich verändernden Anforderungen in der Lieferkette reagieren?<br />
VIER AUTOMATISIERUNGSTRENDS<br />
UND IHRE FOLGEN<br />
Trend 1: Arbeitskräftemangel<br />
Überall in Europa kämpfen Unternehmen damit, Arbeitskräfte<br />
für einfache, manuelle Tätigkeiten zu finden und nach der Einlernphase<br />
auch zu halten. Demografische und kulturelle Veränderungen<br />
führen zunehmend dazu, dass Arbeitskräfte immer<br />
weniger bereit sind, manuelle Tätigkeiten oder eintönige Aufgaben<br />
auszuführen. Die Zeit der Handarbeit neigt sich zügig dem<br />
Ende entgegen.<br />
Trend 2: Variantenvielfalt<br />
Allen Standardisierungsansätzen wie Baukästen, Modulgruppen<br />
und ähnlichen zum Trotz steigt die Produktvielfalt und Variantenanzahl<br />
immer weiter an. Dies stellt besonders die Automatisierung<br />
vor enorme Herausforderungen und erschwert es, Produktionsabläufe<br />
oder einzelne Teilprozesse zu vereinfachen. Die<br />
Produktion muss sich flexibel auf die Eigenheiten jeder einzelnen<br />
Variante einstellen können und so aufgestellt sein, dass<br />
auch kleine Chargen wirtschaftlich hergestellt werden können.<br />
01<br />
Trend 3: Komplexere Bauteile<br />
Komplexität wird nicht allein über Variantenvielfalt getrieben.<br />
Auch die elektronische Integration in mechatronischen Produkten<br />
und Subsystemen nimmt immer weiter zu. Bauteile werden<br />
immer häufiger mit Sensorik, Netzwerk- und Computerkomponenten<br />
ausgestattet. Dadurch steigt der Anspruch an den Gesamtproduktionsprozess,<br />
da in immer mehr Teilschritten nun<br />
sehr empfindliche Bauteile hochpräzise gefertigt und montiert<br />
werden müssen. Ungenauigkeiten und zu grobe Handlingvorgänge<br />
können schnell zum Bauteildefekt führen, wenn einzelne<br />
elektrische Komponenten beschädigt werden.<br />
01 Demografische und kulturelle Veränderungen führen dazu, dass<br />
manuelle Tätigkeiten in der Produktion immer unbeliebter werden<br />
02<br />
02 Kern adaptiver Robotik ist intelligente Software, die eine<br />
vereinfachte Integration taktiler, räumlich sehender Roboter in<br />
datengetriebene Automatisierungsprozesse ermöglicht<br />
26 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
unverzichtbarer Ansatz, der einheitlich angegangen werden kann.<br />
Komplexe Software muss nur einmal programmiert werden und<br />
kann auf verschiedene Prozesse angewandt werden. Im besten<br />
Fall können die Prozesse durch Sensordaten automatisch angepasst,<br />
also datengetrieben optimiert werden. Das eröffnet Optimierungspotenziale,<br />
die selbst durch menschliche Experten nicht<br />
erreichbar sind. Die Herausforderung ist es, eine Art der Roboterprogrammierung<br />
zu ermöglichen, mit der bestehende Prozesse<br />
und Prozess-Entwicklungsmethoden möglichst leicht adaptiert<br />
werden können.<br />
Trend 4: Kürzere Lieferzeiten im Konflikt mit größeren<br />
Supply-Chain-Hindernissen<br />
Kürzere Produktlebenszyklen, Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Anforderungen,<br />
höherer Wettbewerbsdruck und vieles<br />
mehr zwingen Produzenten zu kürzeren und präzise planbaren<br />
Lieferzeiten. Gleichzeitig sorgen eine überlastete Logistik, geopolitische<br />
Instabilitäten, starke Preisschwankungen und vieles<br />
mehr für größere Supply Chain Hindernisse. Die zeitlichen und<br />
organisatorischen Anforderungen an die Produktion sind dadurch<br />
zuletzt massiv angestiegen. Sie muss resilienter gegenüber<br />
nicht vorhersehbaren Veränderungen in der Lieferkette werden.<br />
WIE KANN MAN DIESEN TRENDS BEGEGNEN?<br />
Der einfachste Ansatz, dem Rückgang verfügbarer Arbeitskräfte<br />
zu begegnen, ist wohl die automatisierte Fertigung, die gleichzeitig<br />
weitere Vorteile wie Qualitätsgewinn und -sicherung sowie<br />
Produktivitätssteigerung mit sich bringen kann. Dem entgegen<br />
stehen allerdings die drei anderen aktuellen Trends, die eine wirtschaftliche<br />
Automatisierung bei klassischer Herangehensweise<br />
oft verhindern. Es müssen also neue Konzepte gedacht, integriert<br />
und umgesetzt werden. Als Lösung kommen nur Verfahren infrage,<br />
die für eine Kombination des Besten aus beiden Welten stehen:<br />
Die robotische Automatisierung muss um die Flexibilität der<br />
menschlichen Fähigkeiten erweitert werden. Eine aussichtsreiche<br />
Lösung sind taktile, räumlich sehende, sich flexibel und überwiegend<br />
selbst konfigurierende Roboter, die vielseitig einsetzbar sind.<br />
Mit der Möglichkeit, sich selbstständig zu orientieren und neu<br />
einzurichten, können Herausforderungen wie Variantenvielfalt,<br />
komplexe Bauteile sowie die hohen zeitlichen Anforderungen<br />
adressiert werden, ohne in jedem Schritt auf die Flexibilität eines<br />
Menschen zurückgreifen zu müssen.<br />
Die grundlegende Hardware, das heißt Roboter und Sensorik,<br />
ist bereits ausreichend verfügbar. Die große Herausforderung ist<br />
es, die Komponenten so zu kombinieren, dass ein Mehrwert für<br />
den jeweiligen Produktionsprozess entsteht. Und das, ohne die<br />
Wirtschaftlichkeit für den Anlagenbetreiber negativ zu beinträchtigen.<br />
Da die Prozesse immer komplexer werden, wird auch die<br />
Programmierung der Anlagen anspruchsvoller. Die Anzahl der<br />
einzustellenden Parameter und deren Zusammenhänge können<br />
schnell so umfangreich werden, dass sie für einen Prozessentwickler<br />
nicht mehr in angemessener Zeit lösbar sind.<br />
Andererseits sind die Fähigkeiten des Sehens und Fühlens und<br />
deren Integration in klassischen Industrierobotern ein zukünftig<br />
FLEXIBLE DURCH SOFTWARE GETRIEBENE<br />
ROBOTIK<br />
Der essenzielle Kern adaptiver Robotik ist also intelligente Software:<br />
Sowohl die Programme, die auf der Robotersteuerung ausgeführt<br />
werden, als auch die Werkzeuge für ihre zielgerichtete<br />
Implementierung und Wartung müssen datengetrieben sein. Da<br />
auch hier Trend eins – der Fachkräftemangel – relevante Auswirkungen<br />
zeigt, kommt neben der Automatisierung der Produktion<br />
auch die Automatisierung der Entwicklung von Produktionsprozessen,<br />
zum Beispiel durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz<br />
(KI), ins Spiel. Die Märkte von Morgen stehen den produzierenden<br />
Unternehmen offen, die die Chancen softwaregetriebener<br />
Robotik am schnellsten und konsequentesten zu nutzen wissen.<br />
Um die Unternehmen dabei zu unterstützen, neuen und wechselnden<br />
Anforderungen gerecht zu werden, hat sich Artiminds<br />
Robotics auf die Entwicklung von Softwarelösungen spezialisiert,<br />
DER ESSENZIELLE KERN<br />
ADAPTIVER ROBOTIK IST ALSO<br />
INTELLIGENTE SOFTWARE<br />
die das automatische Generieren von adaptiven, flexiblen und robusten<br />
Produktionsprozessen ermöglichen. Die Stärken der Softwarelösungen<br />
liegen in der vereinfachten Integration taktiler,<br />
räumlich sehender Roboter in datengetriebene Prozessautomatisierung<br />
sowie in der schrittweisen Integration modernster Technologien<br />
wie KI. Und das unter Berücksichtigung von Robustheit,<br />
Nachvollziehbarkeit und Kompatibilität mit bestehenden Gegebenheiten.<br />
Schrittweise kann der Automatisierungsgrad einzelner<br />
Produktionsschritte erhöht werden. Darüber hinaus ermöglichen<br />
sie eine verlässliche, datengetriebene, automatisierte Entwicklung<br />
und Optimierung von Roboterprogrammen. Die Unterstützung<br />
durch Software von Artiminds reduziert den Aufwand manueller<br />
Roboterprogrammierung und erlaubt produzierenden<br />
Unternehmen eine schnellere und flexiblere Anpassung an zukünftige<br />
Trends.<br />
Bilder: Aufmacher Pete Linforth/Pixabay, 01 RAEng Publications/Pixabay,<br />
02 Artiminds Robotics<br />
www.artiminds.com<br />
UNTERNEHMEN<br />
Artiminds Robotics GmbH<br />
Albert-Nestler-Straße 11<br />
76131 Karlsruhe<br />
Telefon 0721 5099980<br />
E-Mail: contact@artiminds.com<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 27
ENERGIEEFFIZIENTE AUTOMATISIERUNGSLÖSUNG<br />
FÜR ZUKUNFTSWEISENDES PACKAGING<br />
INNOVATION TRIFFT NACHHALTIGKEIT<br />
Anlagenplanung unter Aspekten der Nachhaltigkeit ist heute unumgänglich.<br />
So haben SEW-Eurodrive und Hugo Beck mit einer horizontalen Schlauchbeutelmaschine<br />
eine Automatisierungslösung geschaffen, die durch einen<br />
deutlich geringeren Energiebedarf den CO 2<br />
-Fußabdruck reduziert, ausfallsicher<br />
und zukunftsfähig ist. Moderne Antriebs- und Steuerungskomponenten<br />
spielen dabei eine wesentliche Rolle.<br />
Gerade im Maschinenbau, wo Energieverbrauch und Effizienz<br />
den ökologischen Fußabdruck maßgeblich beeinflussen,<br />
steht das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Hier<br />
sind innovative Lösungen gefragt, die Wirtschaftlichkeit<br />
mit Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit verbinden. Die<br />
Umstellung auf modernere Prozesse, Technologien und neue<br />
Denkweisen ist unabdingbar, um die Effizienz zu steigern, den<br />
Energieverbrauch zu senken – und somit die Wettbewerbsfähigkeit<br />
von Firmen zu verbessern. Der gezielte Austausch und die<br />
Bündelung von Wissen über Unternehmensgrenzen hinweg<br />
schaffen hier neue Perspektiven und Raum für Innovationen.<br />
GEMEINSAM LÖSUNGEN ENTWICKELN<br />
Ein anschauliches Beispiel für Innovationskraft und nachhaltiges<br />
Denken im Maschinenbau ist die Partnerschaft der beiden Famili-<br />
enunternehmen SEW-Eurodrive und Hugo Beck. Der Verpackungsmaschinenhersteller<br />
Hugo Beck in Dettingen an der Ems<br />
schafft durch gezielten Austausch und Kooperationen mit Partnern<br />
neue Perspektiven. „Mit SEW-Eurodrive haben wir einen<br />
verlässlichen Partner an unserer Seite, der unsere Vision von zukunftsfähigen<br />
Maschinen mit uns teilt“, so Curt-Jürgen Raiser,<br />
Geschäftsführer von Hugo Beck. Und auch bei SEW-Eurodrive ist<br />
man sich der Verantwortung bewusst, neue Lösungen für eine umweltbewusstere<br />
Zukunft zu kreieren: „Wir haben einen Partner gesucht,<br />
mit dem wir eine von Grund auf nachhaltige und gleichzeitig<br />
effiziente Maschine entwickeln können“, sagt Alexander Hack,<br />
Projektleiter und Strategic Portfolio Manager bei SEW-Eurodrive.<br />
„Mit Hugo Beck haben wir diese Vision zum Leben erweckt und<br />
konnten gemeinsam eine wegweisende Lösung in Form einer horizontalen<br />
Schlauchbeutelmaschine für die Verpackungsindustrie<br />
entwickeln – die druckluftfrei und energieeffizient arbeitet.“<br />
28 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
01 Das Starterset 616 ist das Grundpaket für die vollständige<br />
Automatisierung einer horizontalen Schlauchbeutelmaschine,<br />
individuell und flexibel erweiterbar<br />
23 PROZENT GERINGERER ENERGIEBEDARF<br />
Ziel der Zusammenarbeit war es, den Energieverbrauch und<br />
damit den CO 2<br />
-Fußabdruck einer horizontalen Schlauchbeutelmaschine<br />
zu reduzieren. Das Ergebnis ist die Verpackungsmaschine<br />
Flowpack X (Aufmacher), ausgestattet mit Antriebs- und<br />
Steuerungskomponenten von SEW-Eurodrive. Die horizontale<br />
Schlauchbeutelmaschine zeigt, dass ein nachhaltiger Ansatz in<br />
der Verpackungstechnik auch große wirtschaftliche Vorteile mit<br />
sich bringt – und dass es sich lohnt umzudenken. Diese außergewöhnliche<br />
Lösung entstand durch den intensiven Austausch<br />
zwischen SEW-Eurodrive und Hugo Beck und ist ein gelungenes<br />
Beispiel für die organische Verbindung von Innovation und<br />
Nachhaltigkeit. Beide Familienunternehmen brachten dabei<br />
nicht nur ihre jahrzehntelange Erfahrung ein, sondern auch eine<br />
gemeinsame Vision: den CO 2<br />
-Fußabdruck zu reduzieren und den<br />
Status quo zu hinterfragen.<br />
Das Ziel des Projekts war, traditionelle Pneumatik durch modernste<br />
elektromechanische Antriebstechnik zu ersetzen – und<br />
damit Energie und Kosten zu sparen. Mit dem Starterset 616 und<br />
den passgenauen Erweiterungen von SEW-Eurodrive konnte<br />
nicht nur die Pneumatik der horizontalen Schlauchbeutelmaschine<br />
substituiert, sondern auch der Gesamtenergiebedarf um<br />
ENERGIESPARBAUKASTEN<br />
Power and Energy Solutions von SEW-Eurodrive setzen<br />
neue Maßstäbe im Energiemanagement. Sie reduzieren<br />
Lastspitzen und ermöglichen Kosteneinsparungen bei der<br />
Anschlussverkabelung und im Schaltschrank. Sie helfen,<br />
die Oberwellenbelastung im Versorgungsnetz zu verringern<br />
und einen optimalen Leistungsfaktor zu erzielen.<br />
Darüber hinaus sorgen sie für einen unterbrechungsfreien<br />
Betrieb bei kurzzeitigem Netzausfall. Hierfür nutzen<br />
sie die Rotationsenergie des Motors als auch einen<br />
Kondensatorspeicher im Umrichter-Zwischenkreis.<br />
Ziel des Projekts war, traditionelle Pneumatik<br />
durch modernste elektromechanische<br />
Antriebstechnik zu ersetzen – und damit<br />
Energie und Kosten zu sparen. Und das ist uns<br />
im Rahmen einer Technologiepartnerschaft<br />
mit dem Ergebnis einer zukunftsfähigen<br />
Packaging-Lösung gelungen.<br />
Alexander Hack, Projektleiter und Strategic Portfolio<br />
Manager bei SEW-Eurodrive<br />
23 Prozent reduziert werden. Zudem sanken die Wartungskosten<br />
und der CO 2<br />
-Fußabdruck deutlich.<br />
FLEXIBLER AUTOMATISIERUNGSBAUKASTEN<br />
Ein Blick auf die technologische Seite verdeutlicht: Vom Servomotor<br />
über Getriebe, Umrichter, Steuerungstechnik, Speichertechnik<br />
bis hin zum Stepper konnte die gesamte Technik der<br />
Maschine aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C von<br />
SEW-Eurodrive umgesetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht<br />
das Starterset 616 eine modulare Lösung. Dieses Automatisierungsgrundpaket<br />
legt mit seinen enthaltenen Komponenten und<br />
den maschinentypspezifischen Movi-C-Softwaremodulen die<br />
Basis für die Maschinenautomatisierung. Für den vollständigen<br />
Verzicht auf Druckluft wurden alle pneumatischen Komponenten<br />
durch effiziente elektrische Aktuatoren ersetzt.<br />
Erweiterungen zum Starterset 616 waren die Power and Energy<br />
Solutions sowie Sicherheitstechnik von SEW-Eurodrive. „Das Ergebnis<br />
ist ein deutlich gesenkter Energieeinsatz. Zudem lässt sich<br />
die Verpackungsmaschine Flowpack X sowohl für papierbasierte<br />
Packstoffe als auch für Folienverpackungen einsetzen und erfüllt<br />
damit flexibel unterschiedliche Kundenanforderungen“, betont<br />
Alexander Hack. Das ist ein wichtiger Punkt für Hugo Beck in einem<br />
schnelllebigen Markt wie der Verpackungsindustrie und den<br />
sich ständig ändernden Marktanforderungen.<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 29
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
02<br />
03 04<br />
02 Vom Servomotor über Getriebe, Umrichter, Steuerungstechnik,<br />
Speichertechnik bis hin zum Stepper konnte die gesamte Technik der<br />
Maschine aus dem Automatisierungsbaukasten umgesetzt werden<br />
03 Der Energiesparbaukasten Power and Energy Solutions enthält<br />
Hard- und Softwarekomponenten für die Kontrolle und Reduzierung<br />
des Energiebedarfs, im Bild das Versorgungsmodul MDP<br />
04 Der Movi-C Controller steuert die komplexen Bewegungen in der<br />
Schlauchbeutelmaschine<br />
SPEICHERSYSTEM STABILISIERT<br />
ENERGIEVERSORGUNG<br />
Das neue und smarte Energiemanagementsystem, das das Starterset<br />
ergänzt, ermöglicht die vollständige Energiekontrolle und<br />
-steuerung. Dieses System vermeidet Lastspitzen, stabilisiert die<br />
Energieversorgung und reduziert die Anschlussleistung der Maschine.<br />
Zu den herausragenden Vorteilen dieser Technologie gehört<br />
die Möglichkeit, die horizontale Schlauchbeutelmaschine<br />
„Wir waren wirklich sehr positiv überrascht, wie schnell das<br />
Projekt umgesetzt wurde und mit welchem Einsatz wir von SEW-<br />
Eurodrive unterstützt wurden“, resümiert Curt-Jürgen Raiser. „Ich<br />
habe bislang keinen Tag bereut, mit SEW-Eurodrive zusammenzuarbeiten.“<br />
DAS BESTE AUS ZWEI WELTEN<br />
Die Technologiepartnerschaft zwischen SEW-Eurodrive und<br />
Hugo Beck ist ein gutes Beispiel für das Potenzial, das in der<br />
Kombination aus Zusammenarbeit, Vision und Engagement<br />
steckt. Die horizontale Schlauchbeutelmaschine Flowpack X ist<br />
das Ergebnis dieser fruchtbaren Kooperation und zeigt, wie Kompetenz,<br />
Verantwortung und Innovationsgeist zu einer zukunftsfähigen<br />
Lösung führen können. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit<br />
legte den Grundstein für eine effizientere Verpackungstechnik<br />
und weist den Weg in eine ressourcenschonende Zukunft.<br />
Bilder: Schmuckbild Andreas Prott – stock.adobe.com, sonstige SEW-Eurodrive<br />
www.sew-eurodrive.de<br />
WIRTSCHAFTLICHKEIT UND<br />
NACHHALTIGKEIT GEHEN BEI<br />
DIESEM PROJEKT HAND IN HAND<br />
netz- und spannungsunabhängig zu betreiben und selbst Netzausfälle<br />
bis 9,5 Sekunden zu überbrücken. Bei längerem Stromausfall<br />
wird die horizontale Schlauchbeutelmaschine durch<br />
einen kontrollierten Halt gestoppt, was die Maschine zusätzlich<br />
schützt.<br />
Statt Pneumatik kommen jetzt mit einer Starterset-Erweiterung<br />
Schrittmotoren zum Einsatz, die über die neue Busklemme<br />
aus dem Movi-PLC-I/O-System C von SEW-Eurodrive angesteuert<br />
werden. Die Umstellung führt zu einer erheblichen Reduzierung<br />
der Wartungskosten und des CO 2 -Fußabdrucks. Sie ermöglicht<br />
eine flexiblere Integration der Maschine in den Produktionsprozess<br />
durch Wegfall der Druckluft. Diese Vorteile und Weiter-<br />
entwicklungen machen die Maschine zukunftssicher und<br />
ermöglichen im täglichen Betrieb signifikante Kosten- und Zeiteinsparungen.<br />
UNTERNEHMEN<br />
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG<br />
Ernst-Blickle-Str. 42, 76646 Bruchsal<br />
Telefon 07251 - 75-2526<br />
AUTOR<br />
Hans-Joachim Müller, Marktmanager für<br />
Antriebselektronik bei SEW-EURODRIVE<br />
ZUSATZINHALTE IM NETZ<br />
Nähere Informationen zum Starterset<br />
bit.ly/startersetSEW<br />
30 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
STEUERN UND ANTREIBEN<br />
TEMPERATURREGLER VERBESSERT<br />
ANALYSE DES MASCHINENSTATUS<br />
Der neue Temperaturregler NX-HTC von Omron bietet<br />
eine Funktion zur Digitalisierung von Temperaturkurven,<br />
die es Anwendern ermöglicht, Temperaturentwicklungen<br />
genau zu erfassen und zu analysieren. Das<br />
erleichtert eine intelligentere Wartungsplanung, da<br />
sich Anzeichen für ungewöhnliche Gerätezustände<br />
frühzeitig erkennen lassen. Mit einer Auflösung von<br />
0,01 °C ermöglicht die Komponente auch in Hochtemperaturszenarien<br />
eine präzise Temperaturregelung.<br />
Darüber hinaus bietet der Regler umfassende Funktionen<br />
für die Heiz- und Kühlregelung sowie die Unterstützung<br />
von Heater-Burnout-Alarmen. Zudem ist der<br />
NX-HTC mit einer Pre-Boost-Funktion ausgestattet, die<br />
Kompensationszeiten um bis zu 80 Prozent reduziert.<br />
Diese Funktion reagiert sofort auf Maschinenstopps<br />
und gleicht Temperaturabfälle<br />
in Synchronisation mit der<br />
Maschinenbewegung aus und<br />
maximiert so die Produktionseffizienz.<br />
Der NX-HTC ist in<br />
Ausführungen mit vier und<br />
acht Regelkreisen erhältlich<br />
und ermöglicht Mehrpunktregelung<br />
bei einer kompakten<br />
Breite von 30 mm.<br />
www.omron.com<br />
ONLINE-RECHNER IDENTIFIZIERT<br />
ENERGIEEINSPARUNGEN<br />
Unternehmen stehen<br />
weltweit vor der Herausforderung,<br />
ihren Einsatz<br />
bei der Energieeffizienz<br />
bis 2030 zu verdoppeln,<br />
um die Emissionsziele der<br />
COP28 zu erreichen und<br />
die Kosten zu senken. Mit<br />
dem Online-Rechner von<br />
ABB können Unternehmen die potenziellen Vorteile von mehr<br />
Energieeffizienz ihrer Niederspannungsmotoren in Pumpenund<br />
Lüfteranwendungen abschätzen. Der Online-Rechner<br />
bietet einen einfachen Zugriff auf Daten – basierend auf der<br />
Energieeffizienz motorbetriebener Systeme. Durch die<br />
Eingabe von Informationen zu verbauten Motoren, den<br />
Betriebsstunden und der durchschnittlichen Betriebsleistung<br />
kann der Anwender Energie- und Emissionseinsparungen<br />
sowie die Amortisationszeit abschätzen. Der Online-Rechner<br />
ist eine Light-Version des Energieeffizienz-Audits durch<br />
ABB-Experten und basiert auf demselben Algorithmus. Der<br />
Rechner berücksichtigt Niederspannungsmotoren der<br />
Effizienzklasse IE3 und kleiner und beziffert die Energieeinsparungen,<br />
die durch ein Upgrade auf die neueste Motor- und<br />
Antriebstechnologie – das IE5-SynRM-Paket – für optimale<br />
Energieeffizienzsteigerungen erzielt werden könnten.<br />
www.abb.de<br />
Erleben Sie innovative Technologien<br />
wie Künstliche Intelligenz, Embedded Vision und die enge Verzahnung von<br />
Bildverarbeitung und Automation – für die Smart Factory von morgen und<br />
für stetig wachsende nichtindustrielle Anwendungen.<br />
08. – 10. Oktober <strong>2024</strong><br />
Messe Stuttgart<br />
www.vision-messe.de
Die Analyse-Software<br />
Promanage bündelt die<br />
Daten aller managed<br />
Switches, visualisiert<br />
die Fehlerursachen im<br />
Netzwerk einfach<br />
verständlich und alarmiert<br />
bei Anomalien<br />
INTELLIGENTE SWITCHES SIND DIE<br />
NEUEN „WATCHDOGS“ IM NETZWERK<br />
BESSERER OUTPUT<br />
Automatisierte Industrieanlagen sollen zuverlässig Qualität produzieren und<br />
dabei möglichst effizient sein. Deshalb ist nach jahrelangem Einsatz in vielen<br />
Anlagen ein Update unumgänglich. Dazu zählt auch, das Kommunikationsnetzwerk<br />
leistungstechnisch anzugleichen. Ein großer Glaswollehersteller zeigt<br />
gemeinsam mit HMR Automatisierung und Indu-Sol, wie das gelingen kann.<br />
Die HMR Automatisierung und Prozesstechnik GmbH ist<br />
spezialisiert auf die Durchführung und Implementierung<br />
von Automatisierungsprojekten in den verschiedensten<br />
Branchen von der Automobil-, über die Nahrungsmittelindustrie<br />
bis hin zur Fertigung medizintechnischer<br />
Geräte. Indu-Sol ist Spezialist für industrielle Kommunikation<br />
und Netzwerktechnologie. Beide Unternehmen waren Ende 2023<br />
gemeinsam daran beteiligt, das Kommunikationsnetzwerk eines<br />
Dämmstoffherstellers zu überarbeiten.<br />
AUSFALLURSACHEN AUF DER SPUR<br />
Die Netzwerkstruktur der Anlage bestand aus drei Ringen. Im<br />
Notaus-Kreis kam es vor dem Retrofit immer wieder zu Problemen.<br />
Dino Kovacic ist Leiter der IT bei HMR. Aufgabe seines<br />
Teams ist neben der Betreuung der internen IT, bei Kunden die<br />
Netzwerke für die Automatisierungsebene zu planen und in Betrieb<br />
zu nehmen. Er berichtet: „Bis die Anlage zur Dämmstoff-<br />
Herstellung aus dem Stillstand wieder angefahren werden kann,<br />
vergeht einige Zeit. In dieser Anlaufphase entsteht keine verkaufsfähige<br />
Ware, sondern nur Ausschuss. Daher ist es für den<br />
Hersteller wichtig, den Produktionsprozess zu stabilisieren.”<br />
Bereits vor dem Retrofit war deshalb die Thüringer Indu-Sol<br />
GmbH für Messungen vor Ort, um die Gründe für den Ausfall zu<br />
ermitteln. Da die Fehlerursache allerdings nicht permanent auftrat,<br />
war sie auf die Schnelle nicht zu lokalisieren und hätte eine<br />
längere Überwachungsperiode notwendig gemacht. Ziel der<br />
Netzwerkmodernisierung war es deshalb, mögliche Fehlerursachen<br />
für Anlagenausfälle frühzeitig zu erkennen und in einfache<br />
Instandhaltungstätigkeiten umzuwandeln. Der Anlagenbetreiber<br />
forderte daher den Einsatz der Diagnose-Switches von Indu-Sol.<br />
Im Zusammenspiel mit der Maintenance-Analyse-Software Promanage<br />
sollten anhand der millisekundengenauen Aufzeichnung<br />
der Netzwerkkommunikation Rückschlüsse auf Ausfallursachen<br />
gezogen werden. Informationen darüber, ob beispielsweise<br />
Paketlaufzeiten zu lang sind, es Fehler an der Leitung gibt,<br />
Pakete verloren gehen oder ähnliches, sollen künftig helfen, das<br />
Netzwerk stabiler zu betreiben.<br />
Dino Kovacic hat in den vergangenen Jahren viele Netzwerke<br />
geplant und realisiert. In der aktuellen Anwendung hat er zum<br />
ersten Mal mit Indu-Sol Switches gearbeitet und freut sich: „Die<br />
Diagnose-Features, die Promesh Swichtes liefern, sind aus meiner<br />
Sicht konkurrenzlos auf dem Markt. Alternative Lösungen<br />
bieten weder eine Ableitstrom- oder Leitungsqualitäts-Messung<br />
noch sonstige Diagnosefeatures.“<br />
GEMEINSAM ZUM BESTEN ERGEBNIS<br />
Schon vor dem Projekt in der Dämmstoff-Produktion erhielten<br />
die Mitarbeiter von HMR Workshops zu Messgeräten. „Das lief<br />
alles auf Augenhöhe ab und das gleiche erlebten wir auch wieder<br />
im aktuellen Projekt“, erinnert sich Dino Kovacic. Zur Inbetriebnahme<br />
der Anlage bat er darum, von einem der Netzwerkexperten<br />
begleitet zu werden. Weil es für ihn der erste Einsatz der Switches<br />
war, fehlten ihm noch Erfahrungswerte zur Definition von<br />
Schwellwerten. Nach einer vierwöchigen Laufzeit wurden gemeinsam<br />
die Protokolle ausgewertet. Im Vorfeld unterstütze<br />
Indu-Sol auch bei der Implementierung der Remote-Zugriffe.<br />
32 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
<strong>INDUSTRIELLE</strong> KOMMUNIKATION<br />
Hier gab es technische Herausforderungen beim kundenseitig<br />
eingesetzten OPC Server, die MNP-Files sauber auszulesen.<br />
INBETRIEBNAHME DANK NETZWERKANALYSE<br />
LEICHT GEMACHT<br />
Ebenso wichtig wie die Switches ist die eingesetzte Software Promanage<br />
NT. Dank der intuitiven Bedienbarkeit fanden sich die<br />
Automatisierer schnell zurecht und waren dankbar für die übersichtliche<br />
Darstellung der Diagnosedaten. Dino Kovacic erläutert:<br />
„Häufig kann man lediglich einen Port auf den anderen spiegeln<br />
und dann z.B. per Wireshark-Software die Pakete anschauen.<br />
Deren Analyse ist aber sehr kompliziert und nicht unser Tagesgeschäft<br />
und übersteigt unsere Kompetenzen. Wir wissen natürlich,<br />
dass die Kollegen von Indu-Sol das für uns interpretieren können.<br />
Einfacher ist es aber, wenn eine Software die relevanten Daten<br />
verständlich und übersichtlich darstellt und wir diese Arbeit<br />
selbst durchführen können.“<br />
Auch der Retrofit der Anlage hat von der einfach verständlichen<br />
Darstellung profitiert: Während der Wieder-Inbetriebnahme<br />
wurde damit sehr schnell ein erster Fehler gefunden, der zu<br />
einem Anlagenausfall hätte führen können. Es handelte sich um<br />
eine Leitung, deren Leitungsqualität unter 30 Prozent lag.<br />
Erkannt hat das der Promesh Switch, visualisiert und gewarnt<br />
wurde durch die Software Promanage.<br />
ZERTIFIZIERTE SWITCHES FÜR ETHERNET IP<br />
UND PROFINET<br />
Als externer Dienstleister muss HMR meist die Komponenten<br />
einsetzen, die das Lastenheft oder die „Freigabelisten“ vorgeben.<br />
Dino Kovacic berichtet: „Alle Kollegen bei uns im Haus, die bisher<br />
mit den PROmesh Switches gearbeitet haben, sind begeistert.<br />
Die Switches der Promesh P-Serie erfassen die Zustandsdaten<br />
vom Netzwerk und machen die physische Qualität und damit<br />
den Verschleiß der Datenleitung sichtbar<br />
Aus unserer Sicht halten die Switches mehr als sie versprechen.<br />
Die Produkte bringen ein Vielfaches der sonst üblichen Leistung,<br />
was sich aber nicht im Preis niederschlägt.“ Er empfiehlt daher<br />
den Einsatz der Switches, weil ihn die Anwendung überzeugt hat,<br />
aber auch weil er bei anderen Kunden gesehen hat, wie zufrieden<br />
sie damit sind. Ein Automobil-Kunde beispielsweise setzt auf die<br />
Geräte. Dino Kovacic sagt: „Dort sind die Taktzeiten ja extrem<br />
kurz und die Anforderung an die Zuverlässigkeit immens. Auch<br />
das ist ein Argument, das wir in Gesprächen mit Kunden anführen.“<br />
Vorteilhaft ist zudem die Zertifizierung der Switches für<br />
Ethernet IP und Profinet. Das erleichtert den internationalen Einsatz.<br />
Für die Zukunft wünscht sich Dino Kovacic, dass die Switches<br />
Industrial Real Time (IRT) unterstützen und eine Firewall.<br />
An beiden Themen arbeitet Indu-Sol bereits. Man darf also<br />
gespannt sein, wie sich das schon jetzt sehr umfangreiche Produktportfolio<br />
in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.<br />
Bilder: 01 Indu-Sol / aicandy - stock.adobe.com, 02 + 03 Indu-Sol,<br />
Statement HMI<br />
www.indu-sol.com<br />
www.hmr.info<br />
Vor dem Retrofit kam es immer wieder<br />
zu sporadischen Problemen im Notaus-<br />
Kommunikations-Ring. Durch den Einsatz<br />
intelligenter Switches, die die Netzwerkkommunikation<br />
millisekundengenau<br />
überwachen, lassen sich zuverlässig<br />
Rückschlüsse auf Ausfallursachen ziehen.<br />
Dino Kovacic leitet die IT bei HMR in Weinheim<br />
UNTERNEHMEN<br />
Indu-Sol GmbH<br />
Blumenstr. 3, 04626 Schmölln<br />
E-Mail: info@indu-sol.com<br />
AUTORIN<br />
Denise Fritzsche, Marketing, Indu-Sol,<br />
Dipl.-Ing. (FH) Nora Crocoll,<br />
Redaktionsbüro Stutensee<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 33
<strong>INDUSTRIELLE</strong> KOMMUNIKATION<br />
ANZEIGE<br />
SERIE ZU CYBERSICHERHEIT – TEIL 1/3<br />
BEREIT FÜR DEN CYBER RESILIENCE ACT?<br />
Die Vernetzung von IT und OT – vom Field Level bis in die<br />
Cloud – birgt ebenso große Vorteile wie auch Gefahren für<br />
die Sicherheit von automatisierten Produktionsanlagen. So<br />
registriert das BSI täglich etwa 70 neue Schwachstellen. Doch<br />
wie steht es um nationale und internationale Gesetzgebungen<br />
und Normen, die die Sicherheit künftig strukturell erhöhen<br />
sollen? Worauf Unternehmen achten müssen, erläutert der<br />
Artikel des Industriekommunikationsspezialisten Hilscher.<br />
Um die Cybersicherheit in Europa strategisch zu stärken<br />
und strukturell zu verankern, schlug die EU-Kommission<br />
im Jahr 2022 mit dem Cyber Resilience Act (CRA)<br />
eine Verordnung zur Verbesserung der Cybersicherheit<br />
und Cyber-Resilienz in der Europäischen Union vor. Sie umfasst<br />
Sicherheitsstandards für Soft- und Hardware-Produkte mit digitalen<br />
Elementen. Das europaweite Inkrafttreten wird für Juli <strong>2024</strong><br />
erwartet. Damit beginnen auch die bis zu dreijährigen Umsetzungsfristen,<br />
die für viele Unternehmen zu einer großen Herausforderung<br />
werden können.<br />
CYBER RESILIENCE ACT UND IEC 62443<br />
Von hoher Relevanz für die Erfüllung des CRA ist die Normenreihe<br />
IEC 62443, „Industrielle Kommunikationsnetze – IT-Sicherheit<br />
für Netze und Systeme“, welche bereits einen Großteil der<br />
CRA-Anforderungen abdeckt. Die vier Teilbereiche der Norm beschreiben<br />
alle relevanten Sicherheitsaspekte von Steuerungsund<br />
Automatisierungssystemen – von der Entwicklung, über den<br />
Betrieb bis zur Instandhaltung durch Updates.<br />
NIS-2 UND ISO 27001<br />
Eine weitere relevante Norm stellt die international gültige<br />
ISO 27001 dar, die Anforderungen an Informationssicherheitsmanagementsysteme<br />
(ISMS) definiert, damit sich Unternehmen<br />
ganzheitlich und strukturell mit dem Thema Informationssicherheit<br />
befassen und nicht nur punktuelle Maßnahmen ergreifen.<br />
Die ISO 27001 ist in Teilen sowohl für den CRA relevant sowie<br />
in großem Maße für die Erfüllung der NIS-2 Direktive, welche die<br />
Cyber- und Informationssicherheit von Unternehmen und Institutionen<br />
regelt. Im Gegensatz zum CRA muss NIS-2 jedoch erst<br />
bis Oktober <strong>2024</strong> von den EU-Mitgliedsstaaten in nationales<br />
Recht überführt werden, was in Deutschland das vom Bundesamt<br />
für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erarbeitete<br />
NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungs gesetz (NIS-<br />
2UmsuCG) wird.<br />
Die Anwendung neuer Normen auf bestehende Produkte sowie<br />
Prozesse kann für Unternehmen sehr komplex sein. Erschwert<br />
ein besonders sensibles Thema wie Cybersicherheit den<br />
Sachverhalt noch zusätzlich, wird es schnell kritisch. Als führender<br />
Hersteller von Hard- und Software-Lösungen im Bereich der<br />
industriellen Kommunikation nimmt die Hilscher Gesellschaft<br />
für Systemautomation mbH eine entscheidende Position in der<br />
Industrieautomation ein. Robuste Cybersecurity und die Einhaltung<br />
regulatorischer Vorgaben spielen daher für den Spezialisten<br />
der Industriekommunikation aus Hattersheim bei Frankfurt am<br />
Main eine tragende Rolle.<br />
SIND IHRE PRODUKTE UND LÖSUNGEN<br />
VOM CRA BETROFFEN?<br />
Gemeinsam mit dem TÜV Rheinland als Zertifizierer und dem<br />
Consultant TÜV iSec Rheinland befindet sich Hilscher mitten in<br />
der Umsetzung des CRA und verfügt bereits über umfassendes<br />
Know-how bezüglich der zeitlichen Herausforderungen und<br />
praktischen Auswirkungen von relevanten Zertifizierungsprozessen.<br />
Und Anwender aus der Industrie können davon profitieren.<br />
Nehmen Sie jetzt Kontakt mit dem Automatisierungsexperten<br />
Hilscher auf, für weitere Informationen und Support.<br />
Bilder: Hilscher /Starcom – stock.adobe.com<br />
www.hilscher.com<br />
UNTERNEHMEN<br />
Hilscher Gesellschaft für<br />
Systemautomation mbH<br />
Rheinstraße 15<br />
65795 Hattersheim (Frankfurt)<br />
Tel. 06190 99 07-0<br />
E-Mail: compliance@hilscher.com<br />
AUTOR<br />
Frank Behnke, Head of Product and<br />
Information Security/Product & Cyber Security<br />
34 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
<strong>INDUSTRIELLE</strong> KOMMUNIKATION<br />
ASI-5 SAFETY MODULE IN IP20 UND IP67<br />
Ergänzend zum ASi-5 Safety Muting Modul BWU4411 können zwölf Varianten an<br />
ASi-5 Safety Eingangsmodulen perspektivisch dank der Kombination von sicheren<br />
Signalen und Standardsignalen in einem Modul nahezu alle industrierelevanten<br />
Integrations- und Einsatzszenarien abdecken. Neben den aktuell bereits verfügbaren<br />
ASi-5 Safety Eingangsmodulen in IP67 und IP20 mit je zwölf Standardsignalen sowie<br />
zwei sicheren Eingängen für potentialfreie Kontakte, für OSSDs oder für die Kombination<br />
potentialfreier Kontakt/OSSD arbeitet Bihl+Wiedemann an vergleichbaren<br />
Lösungen für den platzsparenden Einbau als Leiterplattenmodule, etwa in ein<br />
Maschinenbedienpanel. Geplant sind zudem kompaktere Feldmodulen mit vier<br />
Standardsignalen in IP67. Ebenfalls in Vorbereitung sind weitere ASi-5 Safety Module.<br />
www.bihl-wiedemann.de<br />
CYBERSICHERHEIT FÜR DIE<br />
<strong>INDUSTRIELLE</strong> TRANSFORMATION<br />
Der Security-Spezialist Wibu-Systems präsentiert<br />
Neuigkeiten rund um seine CodeMeter-Technologie<br />
zum Schutz geistigen Eigentums von Herstellern<br />
intelligenter Geräte. So bringt AxProtector Python die<br />
Verschlüsselungs- und<br />
Schutzfunktionen von<br />
CodeMeter in die<br />
Python-Welt, speziell<br />
in den Bereich des<br />
maschinellen Lernens.<br />
Als präventives<br />
Gegenmittel gegen<br />
Bedrohungen und<br />
Risiken adressiert AxProtector Python weiterhin<br />
Unternehmen, die mit NVIDIA Jetson und anderen<br />
GPUs arbeiten. Für CodeMeter-Sicherheit auf zertifizierten,<br />
portablen Massenspeichermedien sorgt die<br />
neue CmReady-Technologie, die zusammen mit Data-<br />
Protection-Karten im SD- und microSD-Formfaktor<br />
eingeführt wird. Außerdem ermöglicht CodeMeter<br />
sichere Lizenzierung in containerisierten Umgebungen,<br />
speziell bei Docker- und Podman-Containern. Die<br />
Unter stützung von Docker ist ein Grund, warum der<br />
Auto matisierungsexperte Hilscher die Technologie<br />
für die Integration in den Flagship Store der Open<br />
Industry 4.0 (OI4) Community ausgewählt hat.<br />
www.wibu.com<br />
LED-STREIFEN MIT IO-LINK-CONTROLLER<br />
Signalleuchten und Maschinenampeln geben Aufschluss über<br />
Betriebszustände oder Füllstände. Die meisten Leuchten sind<br />
auf eine oder wenige Farben und Segmente beschränkt.<br />
Dadurch lassen sich komplexe, vielschichtige Prozesse nicht<br />
optimal abbilden. Eine Lösung für diese Herausforderung<br />
bieten LED-Leuchten und -Streifen von Item. Das Unternehmen<br />
entwickelte einen speziellen IO-Link-Controller für<br />
LED-Streifen. Über den IO-Link-Master ist dieser mit der<br />
Maschinensteuerung verbunden. Als bidirektionale Point-to-<br />
Point-Verbindung liefert das Kommunikationssystem periodische<br />
Updates über die Zustände<br />
der verbundenen Devices:<br />
Falls also eines davon überhitzt<br />
oder kurz vor dem Ende seiner<br />
maximalen Betriebsdauer<br />
steht, sendet der IO-Link-Master<br />
ein Signal an die Maschinensteuerung.<br />
Darüber hinaus<br />
kann er die Parametrierungsdaten<br />
der angeschlossenen Geräte speichern, was die Anschlusszeit<br />
bei einer Neumontage deutlich verkürzt. Teil des<br />
neuen Produktportfolios im Bereich Signalisierungslösungen<br />
ist der Multi-Segment RGB-LED-Streifen, der in einer Länge<br />
von bis zu 6 m verfügbar ist. Das Besondere: Der Streifen ist<br />
nach jeder einzelnen LED kürzbar. Er wird durch ein aufklappbares<br />
Mantelprofil geschützt, das sich ebenfalls mit einer<br />
Allzweckschere auf die benötigte Länge kürzen lässt.<br />
www.item24.com<br />
ERFASSUNG, VORVERARBEITUNG UND BEREITSTELLUNG VON DATEN<br />
Von OT zu IT – mit seinem neuen Asset Data Provider (ADP) ermöglicht Balluff die<br />
unkomplizierte Erfassung, Vorverarbeitung und Bereitstellung von Daten an<br />
IIoT-Anwendungen. Anwender können mit der intelligenten Software-as-a-Service-Lösung<br />
Digitalisierungsprojekte beschleunigen. Drag-and-Drop-Funktionen,<br />
eine Low-Code-Entwicklung und eine große Auswahl vordefinierter Module<br />
bieten dabei auch Anwendern ohne Programmierkenntnisse eine unkomplizierte<br />
und agile Entwicklung und Nutzung. Weil die Daten nicht in der Cloud, sondern in<br />
den verteilten ADP-Edge-Nodes gespeichert und verarbeitet werden, ist eine hohe Datensicherheit gewährleistet. Anwender<br />
sparen zudem Zeit und Kosten: Das sogenannte One-Click-Deployment ermöglicht, Proof-of-Concepts weltweit auszurollen,<br />
zu aktualisieren und anzupassen. Die ADP-Cloud vereinfacht diese oft noch manuell durchgeführten Arbeitsschritte – und<br />
damit das gesamte Software-Lebenszyklus-Management. Des Weiteren gestattet der Asset Data Provider eine herstellerübergreifende<br />
und zentrale Inbetriebnahme, Konfiguration und Parametrierung von IO-Link Master und Devices.<br />
www.balluff.com<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 35
6THESEN ...<br />
… über die Verbindungstechnik<br />
der Zukunft<br />
Wer im internationalen Wettbewerb<br />
mithalten möchte, muss seine<br />
Produkte, Prozesse und Dienstleistungen<br />
ständig auf den Prüfstand<br />
stellen. Stillstand ist Rückschritt. Das<br />
gilt auch für die Verbindungstechnik.<br />
Die Technologieexperten bei Lapp<br />
stellen dazu sechs Zukunftsthesen auf.<br />
01 WANDLUNGSVERLUSTE<br />
VERMEIDEN<br />
Die Gleichstromtechnik (DC) wird einen wichtigen<br />
Beitrag zum Gelingen der Energiewende und zur mehr<br />
Nachhaltigkeit leisten. Denn Experten haben festgestellt,<br />
dass die Verwendung von DC-Netzen den<br />
Energieverbrauch in existierenden Anlagen durch die<br />
Vermeidung von Wandlungsstufen deutlich senkt. Auch<br />
der Bedarf an Kupfer für die nur drei-/vieradrigen<br />
Gleichstromkabel und AC-DC-Wandlergeräte wird<br />
reduziert. DC Netze in Fabriken tragen auch zu einer<br />
geringeren Peak-Leistung am Versorgungsanschluss in<br />
Richtung Netz bei und entlasten hier. Daher geht Lapp<br />
bei der Entwicklung von Kabeln und Leitungen für<br />
Niederspannungs-Gleichstromnetze für industrielle<br />
Anwendungen als Pionier voran und verfügt bereits<br />
heute über ein großes Portfolio an Verbindungslösungen<br />
für industrielle DC Netze 1 . Lapp ist seit Herbst<br />
2022 eins der Gründungsmitglieder der Open Direct<br />
Current Alliance (ODCA). Dabei handelt es sich um ein<br />
Bündnis von Unternehmen, Forschungseinrichtungen<br />
und des ZVEI mit dem Ziel der DC-Technologie den Weg<br />
aus der Forschung in die industrielle Praxis zu ebnen.<br />
Darüber hinaus vernetzt sich Lapp weltweit mit<br />
weiteren DC-Initiativen, zum Beispiel in Österreich, in<br />
den Niederlanden sowie in den USA. Bei DC geht Lapp<br />
mit gutem Beispiel voran und zeigt, wie die ersten<br />
Schritte aus sehen könnten: Die Kooperation mit dem<br />
Fraunhofer IPA führte zur Entwicklung eines skalierbaren<br />
DC-Netzkonzepts für eine Produktionsstandorterweiterung<br />
in Frankreich. Dies steigert die Effizienz und<br />
ermöglicht die Integration von PV-Anlagen für nachhaltige<br />
Netzkonzepte. Diese Konzeptarbeit unterstützt<br />
die Transformation der Fabrikstromversorgung in<br />
Richtung Gleichstrom und fördert gleichzeitig Effizienz.<br />
Hubertus Breier,<br />
Vorstand<br />
Technik und<br />
Innovation<br />
bei Lapp<br />
02 DIGITALISIERUNG NIMMT IMMER<br />
MEHR ZU<br />
Einhunderteinundachtzig Zettabyte oder anschaulicher<br />
ausgedrückt die Zahl 181, gefolgt von 21 Nullen – das ist die<br />
Prognose für die weltweit generierte digitale Datenmenge für<br />
das Jahr 2025. Wie kann diese gigantische Datenmenge stabil<br />
und schnell übertragen werden? Kupferleitungen allein können<br />
das nicht bewältigen. Die Lösung: Licht, genauer gesagt<br />
Lichtwellenleiter. Daher ist eine zukunftssichere Kommunikationsinfrastruktur<br />
in der Fabrik mit Glasfaserkabeln unverzichtbar.<br />
Stand heute gibt es bereits Realisierungen wie Fibre-to-the-<br />
Curb, bei der quasi der Glasfaseranschluss an den Verteilerkasten<br />
vor dem Wohnhaus oder der Fabrik gelegt wird. Fibre-tothe-Machine<br />
ist der nächste logische Schritt, um auch die stark<br />
vernetzten Maschinen in der Fabrik mit ausreichend Datenübertragungsleistung<br />
zu vernetzen. Lapp verfügt bereits heute über<br />
ein breites Angebot an Glasfaserkabeln und Steckverbindern für<br />
nahezu jede Branche und Anwendung. Neu im Portfolio sind die<br />
feldkonfektionierbaren Epic Data FFC-LC-Steckverbinder sowie<br />
Epic Data FFC-SC Steckverbinder für GOF-Lichtwellenleiter. Sie<br />
vereinfachen die Herstellung einer steckbaren Glasfaserverbindung<br />
und bieten ein hohes Maß an Flexibilität.<br />
36 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
03 LÖSUNGEN FÜR KLEINE ROBOTER<br />
Der Trend zur Miniaturisierung in vielen Bereichen der<br />
Industrie setzt sich weiter fort. Die Anwendungen werden<br />
kompakter, Bauräume kleiner und immer mehr Daten -und<br />
Energieverbindungen müssen auf kleinstem Raum gesteckt<br />
werden. Mit den Epic Power M12 Steckverbindern wurde<br />
auf diese Marktanforderungen eingegangen. Zum Einsatz<br />
kommen sie beispielsweise in kollaborierenden Mensch-<br />
Roboter-Lösungen, sogenannte „Cobots“, die gemeinsam<br />
mit dem Menschen in der Fertigung oder im Lager agieren.<br />
Schon in der Entwicklung wurden die technischen Eigenschaften<br />
der Steckverbinder anhand von virtuellen Modellen<br />
simuliert und auf Herz und Nieren geprüft, noch bevor das<br />
erste 3D-Druck-Modell erstellt wurde.<br />
3<br />
1<br />
2<br />
04 SCHNELLER INFORMATIONS-<br />
AUSTAUSCH MIT SINGLE PAIR ETHERNET<br />
Natürlich ist die kupferbasierte Datenübertragung nach wie<br />
vor die dominante Lösung in der Industrie. Lapp ist seit dem<br />
Jahr 2019 Mitglied im SPE Industrial Partner Network e.V.<br />
Der Zusammenschluss aus namhaften Unternehmen ist<br />
eine zentrale Informations- und Austauschplattform zu<br />
Single Pair Ethernet (SPE) und verhilft der Technologie<br />
gemeinsam zum Durchbruch. Einfach übersetzt geht es um<br />
eine Anbindung der Feldebene (z. B. Sensorik oder Aktuatorik)<br />
an die Cloud über das Ethernet-Protokoll. Bisherige<br />
Feldbussysteme sollen damit ersetzt werden und den Weg<br />
zum IIoT ebnen. Um den Anforderungen des Marktes<br />
frühzeitig gerecht zu werden, erweitert Lapp sein Portfolio<br />
um innovative SPE-Lösungen. Die Etherline T1 FD ist für den<br />
dauerbewegten Einsatz in der Schleppkette geeignet.<br />
Speziell für anspruchsvolle Anwendungen in der Prozessindustrie<br />
wurde Ethernet Advanced Physical Layer (Ethernet-<br />
APL) entwickelt, welches teilweise auf SPE basiert. Die<br />
Technik ermöglicht die sichere Datenübertragung bis zur<br />
Feldebene in explosionsgefährdeten Umgebungen. Dafür<br />
sorgt die Zündschutzart „Eigensicherheit“. Ethernet-APL<br />
überbrückt zudem große Distanzen bis zu 1.000 m.<br />
05 IN GENERATIONEN DENKEN<br />
Auch bei Kabeln sind zunehmend umweltschonende und<br />
06 SICHER ABSCHIRMEN<br />
In der Smart Factory werden Maschinen und Anlagen<br />
zunehmend vernetzt. Dadurch gewinnt auch das Thema<br />
elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) immer mehr an<br />
Bedeutung. Vor allem in Industrieanlagen, in denen<br />
Frequenz umrichter-gesteuerte Motoren eingesetzt werden,<br />
kann es vermehrt zu unerwünschten Strömen auf den<br />
Potentialausgleichsleitungen (PA) oder Schutzerdleitungen<br />
(PE) kommen. Diese Ströme können benachbarte Datenleitungen<br />
und deren Datenqualität bei der Übertragung beein -<br />
trächtigen oder sogar zu erhöhten Verrostungseffekten in<br />
Gebäudestrukturen führen. Ein neues, innovatives Kabeldesign<br />
vermindert zuverlässig Ableitströme und liefert einen<br />
energieeffiziente Verbindungslösungen gefragt. Mit der<br />
entscheidenden Beitrag zu verbesserter EMV in Maschinen<br />
Etherline FD P Cat. 5e 3 hat Lapp bereits eine Leitung mit<br />
und Anlagen. Die Motorleitung Ölflex FD Servo zeroCM 2<br />
einem Mantel aus einem teilweise biobasierten TPU-<br />
Mantel material im Sortiment. Nun folgt mit der Ölflex<br />
Classic FD 810 der Prototyp einer Leitung mit nachhaltigem<br />
wurde durch ein spezielles Verseilverfahren ableitstromoptimiert<br />
und leistet einen wichtigen Beitrag zur EMV<br />
Optimierung von frequenzgesteuerten Antriebssystemen.<br />
PVC-Mantel. Aktuell untersucht Lapp erste Ansätze zum<br />
Einsatz von Recyclingmaterial, sowohl im Produktionskreislauf<br />
als auch der Einsatz von „Kabelschrott“. Neben den<br />
produktbezogenen Nachhaltigkeitsansätzen sind die Trans -<br />
parenz und die Dokumentation des Product Carbon Footprint<br />
Bilder: Schmuckbild chanidapa – adobe.stock.com, sonstige Lapp<br />
wichtig, ebenso die Bilanzierung des Scope 1 und<br />
2.<br />
www.lapp.com<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 37
KOMPONENTEN UND SOFTWARE<br />
MOBILE 5G-CONNECTIVITY<br />
Gefahrenbereiche in industriellen Umgebungen stellen besondere<br />
Anforderungen an die Technik, die eingesetzt wird. Das betrifft auch<br />
mobile Endgeräte. Eine neue Generation Tablets erfüllt die modernsten<br />
Kommunikationsstandards wie 5G und bewegt sich sicher in Ex-Bereichen.<br />
Als Pionier auf dem Gebiet mobiler Geräte für Gefahrenbereiche<br />
adressiert Pepperl+Fuchs den Bedarf der Industrie<br />
in der jüngsten Erweiterung seiner explosionsgeschützten<br />
Tablets. Die 10 Zoll Serie Tab-Ex 04 Pro<br />
DZ2/D2 kommuniziert unter anderem via 5G und Wi-Fi 6E und<br />
ist mit einer leistungsstarken Hardware ausgestattet. Es ist für Zone<br />
2/22, Div. 2 zertifiziert und verfügt je nach Modell über bis zu<br />
6 GB RAM. Vor allem komplexe Augmented-Reality-Anwendungen<br />
profitieren von dieser leistungsstarken Hardware. Diese sorgen<br />
für mehr Transparenz und helfen dabei, Prozesse von der<br />
Planung über den Betrieb bis hin zur Wartung schneller und sicherer<br />
zu machen. Die Software liefert alle zugrundeliegenden,<br />
vorhandenen Daten direkt und in Echtzeit an den Nutzer und<br />
macht sie gleichzeitig im Unternehmensnetzwerk teilbar.<br />
KOMFORT UND KONNEKTIVITÄT VEREINT<br />
5G und Wi-Fi 6E ermöglichen den Echtzeit-Zugriff auch auf umfangreiche<br />
Datensätze, etwa detaillierte Stamm- und Reparaturdaten.<br />
Dank dieser Konnektivität können Nutzer außerdem reibungslos<br />
in Echtzeit mit Kollegen, Experten, Teams und Projektgruppen<br />
kollaborieren. Das Tab-Ex 04 Pro DZ2/D2 sorgt für einen<br />
reibungslosen Datenaustausch mit Scada/DCS-Systemen,<br />
ERP-Systemen, Projektmanagementsystemen und computergestützter<br />
Anlagenplanung. Die Vielzahl an Schnittstellen macht es<br />
prädestiniert für ein breites Spektrum von IIoT-Anwendungen.<br />
Es ist außerdem mit den Netzen von vielfältigen internationalen<br />
Mobilfunkanbietern getestet und kompatibel.<br />
STETS EINE GUTE FIGUR<br />
Der unterstützte Samsung DeX-Modus eröffnet für Mobile Worker<br />
die Flexibilität und den Komfort, überall mit einem einzigen<br />
Device zu arbeiten. Über einen Multiport-Anschluss lässt sich<br />
das Tablet im Handumdrehen mit einem Monitor und Netzwerk<br />
verbinden und steht so einem Desktop-PC in nichts nach. So<br />
können Mitarbeitende die Ergebnisse ihrer Einsätze, andere<br />
Dokumente, Videos und Grafiken auf einem größeren Monitor<br />
und schnittstellenlos im Büro betrachten. Da keine stationären<br />
Rechner mehr benötigt werden und deren Verwaltung und<br />
Support entfallen, lassen sich dadurch auch Kosten signifikant<br />
reduzieren.<br />
Ob in der Öl- und Gasindustrie, in Raffinerien, Chemiewerken,<br />
in der pharmazeutischen Industrie oder entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette<br />
– den Einsatzmöglichkeiten des Tablets<br />
sind dank seiner robusten, explosionsgeschützten Bauweise keine<br />
Grenzen gesetzt. Es ist nach Schutzart IP68 staub- und wasserdicht.<br />
Stoß- und Vibrationsfestigkeit sind ebenso gegeben wie die<br />
Erfüllung des Standards MIL-STD-810H.<br />
GUT ZU WISSEN<br />
Das Tab-Ex 04 Pro DZ2/D2 wurde in Zusammenarbeit mit<br />
Samsung entwickelt. Durch die gemeinsame Entwicklung sind<br />
ein langer Produktlebenszyklus, moderne Technologie, Zuverlässigkeit<br />
und Sicherheit dank Samsung Knox gewährleistet.<br />
Pepperl+Fuchs hat 2023 zudem seine weltweiten Beratungsund<br />
Supportleistungen mit dem Silver-Partnerschaftsstatus im<br />
Android Enterprise Partner Program bestätigt. Kunden und Anwender<br />
haben damit die Gewissheit, dass nicht nur Geräte von<br />
Pepperl+Fuchs die hohe Zertifizierung Android Enterprise Recommended<br />
erhalten haben, sondern auch die Mitarbeiter umfassend<br />
geschult und zertifiziert sind. Somit erfüllen die Geräte<br />
die höchsten Anforderungen von Google für den Einsatz in den<br />
Bereichen Industrie und Enter prise.<br />
Bilder: Pepperl+Fuchs<br />
www.pepperl-fuchs.com<br />
www.ecom-ex.com<br />
38 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
KOMPONENTEN UND SOFTWARE<br />
CO 2<br />
-REDUZIERTE STECKVERBINDER-KOMPONENTEN<br />
Die Harting-Technologiegruppe bringt mit der GreenLine die ersten<br />
CO 2<br />
-reduzierten Kontakteinsätze auf den Markt. Dafür ersetzt sie zum<br />
Beispiel mineralische Rohstoffe für die Steckverbinder durch Bio-Polymere.<br />
Als erstes hat Harting Monoblöcke der Serie Han E in den Baugrößen 6B bis<br />
24B entsprechend gefertigt. Das neue Bio-Polymer wird nach dem Prinzip<br />
der Massenbilanzierung unter Nutzung erneuerbarer statt rein fossiler<br />
Rohstoffe produziert. Es erfüllt die Kriterien der internationalen Nachhaltigkeits-<br />
und Kohlenstoffzertifizierung ISCC+ und bietet eine CO 2<br />
-Reduzierung<br />
von bis zu 70 Prozent – bezogen auf zertifiziertes, biobasiertes Polycarbonat. Die Verwendung der GreenLine wirkt sich<br />
für Anwender positiv auf die Umweltbilanz des Herstellungsprozesses eines Geräts oder einer Maschine beziehungsweise<br />
Anlage aus. Die Zertifizierung nach ISCC+ ermöglicht eine vollständige Rückverfolgbarkeit der verwendeten Materialien<br />
entlang der gesamten Lieferkette. Anwender können so ihre CO 2<br />
-Bilanz verbessern.<br />
www.harting.com<br />
NEUE MODULARE<br />
COOLING-LÖSUNG<br />
Rittal hat eine neue Kühllösung<br />
vorgestellt, die den<br />
Weg für Künstliche Intelligenz<br />
(KI) ebnet. Denn der Bedarf an<br />
Rechenleistung wächst so<br />
stark, dass ein völlig neues<br />
Level bei Skalierung, Kühlung,<br />
Stromverteilung und Energieeffizienz<br />
gefragt ist. Die in<br />
enger Abstimmung mit mehreren Hyperscalern<br />
entwickelt modulare Cooling-Lösung erbringt mit<br />
direkter Wasserkühlung eine Kühlleistung von mehr als<br />
1 MW. Rittal nutzt dafür Coolant-Distribution-Units für<br />
einphasige direkte Flüssigkeitskühlung mit Wasser, die<br />
auf besonders einfache Servicierbarkeit ausgelegt sind.<br />
Wie das funktioniert? Mit Modularisierung und den<br />
Design-Vorteilen des Open Rack V3. Nach dem Vorbild<br />
der Stromversorgung wird der Server im Rack mit<br />
standardisierten Anschlüssen an die zentralen Zuund<br />
Abläufe des Wasserkreislaufs gekoppelt.<br />
Funktions einheiten wie die zentrale Controller-Unit<br />
und mehrere Kühlmittel-Fördereinheiten je nach<br />
Leistungsanforderung sind vollständig modular und<br />
werden unkompliziert ins Rack geschoben.<br />
www.rittal.de<br />
VERBIEGEN LEICHT GEMACHT<br />
Mit dem neuen Flanschwinkel von<br />
Icotek lassen sich Leitungen im<br />
90°-Winkel über einen sehr großen<br />
Biegeradius einführen. Die neue<br />
KEL-FW B eignet sich für Leitungen<br />
mit Stecker mit einem Durchmesser<br />
bis 35 mm. Ebenso möglich sind<br />
starre Leitungen mit größerem<br />
Durchmesser, kleinere Leitungen, die<br />
einen großen Mindestbiegeradius<br />
benötigen, sowie LWL-Kabel. Zur<br />
Montage wird die Komponente vorab<br />
an den beiden hinteren Bohrlöchern am Gehäuse verschraubt<br />
und mit den gewünschten Kabeltüllen bestückt. Anschließend<br />
wird der Deckel heruntergeklappt, arretiert und an den beiden<br />
vorderen Bohrlöchern mit dem Gehäuse verschraubt. Der<br />
aufklappbare Deckel des Flanschwinkels ist fest durch ein<br />
Scharnier mit dem Anbaugehäuse verbunden und somit<br />
unverlierbar. Das System lässt sich so einfach und schnell<br />
montieren. Der Flanschwinkel erreicht mit der integrierten<br />
Dichtung die Schutzart IP65, verfügt über eine hohe Stabilität<br />
und ist vibrationssicher. Die Zugentlastung erfolgt gemäß<br />
DIN EN 62444. Die Komponente besteht aus Polyamid, ist<br />
silikon- und halogenfrei und dank Brandklasse UL94-V0<br />
selbstverlöschend.<br />
www.icotek.com<br />
SKALIERUNG GENERATIVER KI<br />
Siemens präsentiert sein erstes generatives Künstliche-Intelligenz-Produkt (KI) für<br />
Engineering im industriellen Umfeld: Der Siemens Industrial Copilot, ein generativer<br />
KI-gestützter Assistent, ist nahtlos mit dem Totally Integrated Automation (TIA)<br />
Portal verbunden. Automatisierer finden so schneller Antworten auf ihre Fragen,<br />
können eine grundlegende Visualisierung generieren und schneller Code für<br />
speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) entwickeln. Dadurch reduziert sich<br />
ihr Arbeitsaufwand, Routineaufgaben können an den Siemens Industrial Copilot<br />
ausgelagert werden und das Engineering komplexer Aufgaben ist weniger fehleranfällig.<br />
Bei langfristig steigender Qualität und Produktivität sollen Entwicklungszeiten<br />
deutlich kürzer werden. Der Siemens Industrial Copilot beinhaltet die Automatisierungs- und Prozesssimulationstechnologie<br />
von Siemensʼ digitaler Businessplattform Siemens Xcelerator. Die Sprachmodelle von Microsoft Azure OpenAI Service<br />
erweitern ihn, um z. B. die Erstellung und Optimierung von Software-Code für die Fabrikautomatisierung zu ermöglichen.<br />
www.siemens.com<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 39
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
HYGIENISCH EINWANDFREIES KABELMANAGEMENT<br />
FÜR AUTOMATISIERTE PROZESSE<br />
CLEAN UND SAFE<br />
Die Beachtung von Hygienic Design-Prinzipien<br />
bei der Planung und dem Bau von Maschinen und<br />
Produktionsanlagen im Bereich Pharma & Food<br />
stellt an die Kabelführung besondere Anforderungen.<br />
Worauf Maschinen- und Anlagenbauer achten sollten<br />
und welche Lösungen für hygienesensible Bereiche in<br />
der Industrie prädestiniert sind, lesen Sie hier.<br />
1<br />
2
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
In den automatisierten<br />
Prozessen der Lebensmittelund<br />
Pharmaindustrie erfordern<br />
die drei Bereiche Produktkontaktzone<br />
(1), Spritzzone (2)<br />
und produktfreie Zone (3)<br />
unterschiedliche<br />
Hygiene-Maßnahmen<br />
Der Grad der Hygieneanforderungen an Nahrungsmittel-<br />
Produktionsanlagen gemäß DIN EN 1672-2 hängt von<br />
der Kontaktmöglichkeit zu den Lebensmitteln ab. Daraus<br />
ergeben sich beispielsweise in der Lebensmittelindustrie<br />
verschiedene Produktionszonen: In dem Lebensmittelbereich<br />
(1) können Lebensmittel mit Anlagenteilen in Berührung<br />
kommen und anschließend in den Verarbeitungsprozess zurückgelangen.<br />
Hier sind hohe Reinigungsintervalle erforderlich, was<br />
wiederum für die Anlagen und die darin verbauten Komponenten<br />
bedeutet, dass diese über eine hohe Chemikalienresistenz<br />
verfügen und so konstruiert sein müssen, dass eine rückstandslose<br />
Reinigung möglich ist. In der Konsequenz ist der Einsatz von<br />
Komponenten nach dem Hygienic Design Prinzip zwingend erforderlich.<br />
In dem Spritzbereich (2) können Lebensmittel mit<br />
Bauteilen der Anlage in Berührung kommen und sich festsetzen.<br />
Die Bauteile müssen daher entweder geschützt werden, sollten<br />
jedoch auch trotzdem eine entsprechend glatte Oberflächen-<br />
HYGIENIC DESIGN STEHT FÜR<br />
DIE REINIGUNGSGERECHTE<br />
GESTALTUNG VON BAUTEILEN<br />
beschaffenheit aufweisen. Auch in die diesen Zonen sollten<br />
Komponenten, die nach dem Hygienic Design Prinzip zertifiziert<br />
worden sind, eingesetzt werden. In dem Nicht-Lebensmittelbereich<br />
(3) – abseits des eigentlichen Produktionsprozesses – sind<br />
die Anforderungen vergleichbar mit dem klassischen Industrieumfeld.<br />
Die Gefahr einer Kontamination der Lebensmittel ist<br />
tendenziell gering. Jedoch kann es auch hier sinnvoll sein, auf<br />
Hygienic Design-Lösungen zu setzen.<br />
3<br />
NEUE KABELVERSCHRAUBUNGEN<br />
FÜR HÖCHSTE HYGIENEANSPRÜCHE<br />
In den automatisierten Produktionsanlagen der Lebensmittel-,<br />
Pharma- und Chemie-Branche gibt es eine Menge an Kabel und<br />
Leitungen, die Gehäuse mit der Peripherie verbinden – eine besondere<br />
Herausforderung für die Kabeleinführung. Denn Hohlräume,<br />
Spalte und offene Gewindegänge wie bei herkömmlichen<br />
Kabelverschraubungen sind in Hygiene-Anwendungen tabu. Um<br />
die immer strengeren EHEDG-Vorgaben zu erfüllen, ist Pflitsch<br />
bei der aktuellen Cleanplus neue Wege gegangen und konnte sie<br />
daher als erste und aktuelle am Markt einzige Komplettverschraubung<br />
zertifizieren lassen.<br />
Für den Verschraubungskörper wird der hochwertige Edelstahl<br />
1.4404/AISI 316L verwendet, den Pflitsch so fertigt, dass sehr glatte<br />
Oberfläche (Rauheit Ra < 0,8 μm) entstehen und gerundete<br />
Schlüsselflächen Anhaftungsmöglichkeiten minimieren. Bei der<br />
Montage werden Spalten und offene Gewindegänge vermieden.<br />
Die aktuell von der EHEDG geforderten maximalen Spaltmaße<br />
von +/-0,2 mm werden eingehalten. Das stellt sicher, dass Anhaftungen<br />
von Schmutzpartikeln vermieden werden und eine perfekte<br />
Reinigung möglich ist. Für Dichteinsätze verwendet Pflitsch<br />
ein Silikon-Material entsprechend der FDA 21 CFR §177.2600,<br />
das für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen ist.<br />
Die Materialbeständigkeitstests von Ecolab bestätigen die Eignung<br />
des Materials. Die Cleanplus ist damit bestens geeignet für<br />
den Lebensmittelbereich.<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 41
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
01<br />
02<br />
Bereichen der Lebensmittel-, Getränke- und Pharma-Produktion<br />
gegeben ist. Technische Features sind die hohen Schutzarten IP<br />
68 und IP 69, die kabelschonende Abdichtung durch den großen<br />
Dichteinsatz und die hohe Zugentlastung, die ein Herausrutschen<br />
des Kabels aus der Kabelverschraubung verhindert.<br />
WIRTSCHAFTLICH: POLYAMID-LÖSUNG<br />
BRINGT HYGIENE<br />
Edelstahl ist vielfach immer noch der Premium-Werkstoff in der<br />
Lebensmittel- und Prozesstechnik, wenn es um Hygienic Design<br />
geht. Doch mittlerweile verdrängen Kunststoffe mit ähnlich guten<br />
Eigenschaften die teure Lösung. Die blueglobe Clean Plus ist<br />
die erste Hygienic-Design-Kabelverschraubung aus lebensmittelechtem<br />
Kunststoff. Sie wurde vom Fraunhofer-Institut mit dem<br />
Reiner-Preis ausgezeichnet, überzeugt durch wirtschaftliche<br />
GEEIGNETE KUNSTSTOFFE<br />
BIETEN EIN ATTRAKTIVES<br />
KOSTEN-NUTZEN-VERHÄLTNIS<br />
BELASTBAR IN JEDER HINSICHT<br />
Zum Produktstart gibt es die Cleanplus (Bild 01) in den gängigen<br />
fünf Größen M12 bis M32. Damit lassen sich Kabeldurchmesser<br />
von 3,5 bis 23,0 mm zuverlässig abdichten. Die Dichteinsätze aus<br />
HTS-Silikon verfügen über einen Verdrehschutz, sodass beim<br />
Anziehen der Druckschraube das Kabel sicher in Position bleibt.<br />
Die Cleanplus punktet außerdem mit einem weiten Temperaturbereich<br />
von -55 bis +180 °C, so dass die Einsatzfähigkeit in allen<br />
Konditionen und ermöglichte eine gewichtsreduzierte Kabelinstallation.<br />
Diese Polyamid-Variante aus FDA-konformen Material<br />
gibt es aktuell in den Größen M16 bis M32 für Kabeldurchmesser<br />
von 7,0 mm bis 23,0 mm.<br />
Im Vergleich zu anderen Hygiene-Kabelverschraubungen ist<br />
die blueglobe Clean Plus sehr kompakt. Technische Features –<br />
wie bei Pflitsch üblich – sind die hohen Schutzarten IP 68 und IP<br />
69, die kabelschonende Abdichtung durch den großen Dichteinsatz<br />
und die überdurchschnittlich hohe Zugentlastung, die ein<br />
Herausrutschen des Kabels aus der Kabelverschraubung verhindert.<br />
Sie wird beispielweise eingesetzt, um eine hygienisch einwandfreie<br />
Kabeleinführung an Steckern zu realisieren. Gerade<br />
die Gewichtsersparnis, die hohen Schutzarten und die überdurchschnittliche<br />
Zugentlastung sind Pluspunkte beispielsweise<br />
von solchen Steckverbindern wie der T-Type der Hygienic-Serie<br />
von Ilme (Bild 02).<br />
42 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
03<br />
01 Die neue Cleanplus Kabelverschraubung für den Einsatz<br />
in der Produktkontaktzone 1 entspricht den aktuell verschärften<br />
Vorgaben der EHEDG<br />
02 Mit der ersten zertifizierten Hygiene-Kabelverschraubung<br />
blueglobe Clean Plus aus FDA-konformem Kunststoff bietet Pflitsch<br />
eine bestens zu reinigende Lösung zu wirtschaftlichen Konditionen<br />
03 Für die hygienegerechte Kabelführung durch Pharma- und<br />
Food-Produktionsanlagen kommen in der Zone 2 offene Gitter-Kanäle<br />
aus Edelstahl zum Einsatz<br />
AUCH DIE HYGIENEGERECHTE<br />
KABELFÜHRUNG IST REALISIERBAR<br />
In der automatisierten Lebensmittel-Herstellung werden jede<br />
Menge Kabel installiert, um die einzelnen Module, Antriebe und<br />
Sensoren an die Steuerung anzubinden. Der offene und stabile<br />
Gitter-Kanal von Pflitsch bietet dazu die optimale Kabelführungslösung<br />
für Zone 2 und 3. Er ist verfügbar in Größen von<br />
53 mm ´ 46 mm bis 620 mm ´ 110 mm in den Bauhöhen 30,<br />
60 mm und 110 mm sowie als Mini-Kanal ab 40 mm ´ 20 mm in<br />
U-, C- G- und L-Form und als Flachgitter. Mit dem Z-Kanal sind<br />
auch vertikale Installationen möglich, da die Z-förmige Konstruktionsform<br />
das Herausfallen der Kabel verhindert. Dachförmige<br />
oder flache, aufgeclipste Deckel – auch als Vollschutzvariante<br />
mit Seitenabdeckungen – schützen die Kabel vor herabtropfenden<br />
Flüssigkeiten. Für Anwendungen, bei denen es auf gute Reinigung<br />
ankommt, hat Pflitsch besondere Befestigungskonsolen<br />
entwickelt, um den Kabelkanal hygienisch-sauber zu montieren.<br />
So ist der Gitter-Kanal einfach zu installieren und leicht zu reinigen.<br />
KANAL-BAUGRUPPEN MIT BIS ZU<br />
20 % EINSPARPOTENZIAL<br />
Statt Kanalverläufe mühevoll von Hand an die Umgebung anzupassen,<br />
nutzen immer mehr Maschinenbauer den Pflitsch Baugruppenservice:<br />
Per CAD geplant, werden die benötigten Kanalteile<br />
unter gleichbleibenden Bedingungen produziert und zu<br />
einbaufertigen Baugruppen vormontiert, die in Transportbehältern,<br />
Kartons oder auf Paletten termingerecht beim Kunden samt<br />
Befestigungstechnik angeliefert werden. Kantenschutz, Trennstege<br />
und andere Ausstattungsdetails werden auf Wunsch vorinstalliert.<br />
Selbst Sonderbauteile für eine Anbindung des Kanals an<br />
den Schaltschrank werden wirtschaftlich realisiert. Das reduziert<br />
beim Kunden Planung, Disposition, Personaleinsatz und Dokumentation.<br />
Auch die Fertigung beim Kunden läuft sehr sauber ab,<br />
da die Kanalteile nicht mehr vor Ort bearbeitet werden müssen.<br />
Mit diesem Baugruppenservice erreicht der Maschinenbauer<br />
in jedem Fall eine optimale, hochwertige Kanalführung durch<br />
seine Maschine und Anlage, ganz gleich, ob bei großen oder kleinen<br />
Installationen. Projekterfahrungen zeigen, dass sich bei Kun-<br />
den die Durchlaufzeiten für die Kabelkanalrealisierung auf die<br />
Hälfte verkürzen. Die Kosten werden insgesamt um bis zu 20 %<br />
reduziert. Gleichzeitig ergibt sich ein besseres Montageergebnis<br />
als bei der Handarbeit.<br />
LÖSUNGEN FÜR SPEZIELLE BRANCHEN<br />
Pflitsch ist weltweit führend, wenn es um das Kabelmanagement<br />
in unterschiedlichsten Ausprägungen geht. Dabei kennt der Experte<br />
die branchentypischen Anforderungen und geht auf die individuellen<br />
Bedürfnisse seiner Kunden ein. Die Anwendungsfelder<br />
reichen vom allgemeinen Anlagen- und Maschinenbau über<br />
die Bahnindustrie bis hin zur Elektromobilität sowie der Lebensmittel-<br />
und Pharmaindustrie. Für jede dieser Branchen gibt es ein<br />
eigenes Programm an hochentwickelten Lösungen, das ganzheitlich<br />
aufgebaut ist und das komplette Kabelmanagement inklusive<br />
Kabeleinführung, Kabelführung und Kabelschutz umfasst.<br />
Bilder: Pflitsch, Schmuckbild add - stock.adobe.com<br />
www.pflitsch.de<br />
UNTERNEHMEN<br />
PFLITSCH GmbH & Co. KG<br />
Ernst-Pflitsch-Str. 1, 42499 Hückeswagen<br />
Tel. 02192 911-0<br />
AUTOR<br />
Dipl.-Ing. Walter Lutz, freier Fachjournalist,<br />
PRservice, 35708 Haiger<br />
ZUSATZINHALTE IM NETZ<br />
Neue Hygienic Design-Lösungen für sichere<br />
Prozesse: bit.ly/PflitschLebensmittel<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 43
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
MASCHINENSICHERHEIT IN DER PHARMA- UND LEBENSMITTELINDUSTRIE<br />
GEFRIERGUT SCHNEIDEN –<br />
ABER SICHER<br />
Weltweit nutzen Lebensmittelhersteller die Gefrierschneider<br />
von Magurit. Das Unternehmen setzt Standards bei Qualität,<br />
Produktivität und auch bei der Maschinensicherheit. Es ist<br />
daher selbstverständlich, dass auch die verbauten<br />
Komponenten wie Sicherheitsschaltgeräte den hohen<br />
Standards gerecht werden müssen. Hinzu kommen<br />
Anforderungen wie Manipulationssicherheit und<br />
Hygienic Design. Im folgenden Beitrag erfahren Sie,<br />
worauf es dabei ankommt und welche Lösungen es gibt.<br />
44 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
01 Entwickelt für Maschinen in der Lebensmittelindustrie: die<br />
hygienegerechten Bedien- und Befehlsgeräte des N-Programms<br />
SICHERHEITSSTEUERUNG NACH<br />
DEM PRINZIP ONE-FOR-ALL – EIN<br />
STANDARD BIETET FLEXIBILITÄT<br />
Scheiben, Streifen, Würfel, Stücke: In welcher Form auch<br />
immer der Hersteller von Lebensmitteln seine (gefrorenen<br />
oder auch frischen) Vor- und Endprodukte, zum Beispiel<br />
Fleisch, Fisch oder auch Fruchtkonzentrate, schneiden<br />
möchte – die Magurit Gefrierschneider GmbH liefert die Maschinen<br />
dafür.<br />
Das östlich von Köln in Hückeswagen ansässige Unternehmen<br />
ist in mancher Hinsicht typisch für den deutschen Maschinenbau.<br />
Es kann auf eine lange Tradition (gegründet 1859) zurückblicken<br />
und auf Kontinuität (familiengeführt in der fünften<br />
Generation). Und als weltweit einziges Unternehmen ist Magurit<br />
spezialisiert auf die Herstellung von Maschinen zum Schneiden<br />
gefrorener Rohstoffe in der Lebensmittelindustrie. So erklärt sich<br />
der Exportanteil des „Hidden Champion“ von rund 80 %. Zugleich<br />
aber erschließt sich Magurit auch immer wieder neue Anwendungs-<br />
und Technologiefelder. Das wohl markanteste Beispiel<br />
ist die Entwicklung und Produktion von Gefrierschneidern<br />
für die Pharmaindustrie, genauer gesagt für gefrorenes Blutplasma,<br />
das als wertvolle Grundlage vieler Medikamente dient. Hier<br />
projektiert und baut Magurit anspruchsvolle Sonderanlagen, für<br />
die das komplexe Regelwerk der Pharmaproduktion und nochmals<br />
strengere Hygienevorschriften als in der Lebensmittelverarbeitung<br />
gelten.<br />
MASCHINENSICHERHEIT: LANG BEWÄHRTE<br />
KONTINUITÄT UND INNOVATION<br />
Auch in Sachen Maschinensicherheit setzt das Unternehmen auf<br />
die Kombination von Kontinuität und Innovation. Kontinuität gilt<br />
für die Zusammenarbeit mit Schmersal, die nun schon mehrere<br />
Jahrzehnte andauert. Und Innovation ist die Devise bei der Auswahl<br />
der Sicherheitsschaltgeräte und der Signalauswertung. Das<br />
zeigt sich unter anderem daran, dass baureihenübergreifend die<br />
Sicherheitskompaktsteuerung Protect Select OEM aus dem<br />
Schmersal-Programm zum Einsatz kommt.<br />
KUNDENSPEZIFISCH UND KOMPAKT:<br />
DIE SICHERHEITSSTEUERUNG<br />
Mit der Protect Select-Serie hat Schmersal die Lücke zwischen den<br />
marktüblichen Sicherheitsbausteinen und einer „ausgewachsenen“<br />
Sicherheitssteuerung geschlossen. Entwickelt wurde sie für<br />
überschaubare Anwendungen, d. h. für bis zu fünf Sicherheitsfunktionen,<br />
und der Anwender muss keinen Programmier aufwand<br />
betreiben. Stattdessen wählt er eines von mehreren vorkonfigurierten<br />
Applikationsprogrammen aus und legt die gewünschten<br />
Parameter (Belegung der Eingänge, Entprell- und Abfallverzögerungszeiten…)<br />
per Menüführung und Klartextanzeige fest.<br />
Schon bei den Sicherheitsbausteinen bezog Magurit rund<br />
25 Jahre lang eine kundenspezifische Variante und behält diese<br />
Strategie auch bei der Sicherheitskompaktsteuerung bei. Mit der<br />
Protect Select OEM bietet Schmersal den Kunden die Möglichkeit,<br />
die gewünschten Funktionen festzulegen. Geliefert wird<br />
dann eine fertig programmierte Steuerung. Die Vorteile, die dieses<br />
Konzept der sicherheitsgerichteten Signalauswertung bietet,<br />
02 Je nach Anwendung – hier an einer Anlage für die<br />
Pharmaproduktion – werden auch nicht verdeckt montierte,<br />
codierte Sicherheitssensoren verwendet<br />
sind vielfältig. Dipl.-Ing. Dino Vieth, Geschäftsführer von Magurit:<br />
„Wir setzen jetzt nach dem Prinzip ‚One for all‘ über die Baureihen<br />
hinweg eine Standard-Sicherheitssteuerung ein, bei der<br />
wir die jeweils benötigten Funktionen freischalten können. Diese<br />
Steuerung ist validiert und wir wählen einfach aus, welche Eigenschaften<br />
benötigt werden. Das ist einfacher als wie bisher jeweils<br />
verschiedene Kombinationen von Sicherheitsbausteinen zu verwenden.“<br />
Und flexibel bleibt man auch: Aktuell wird die Programmauswahl<br />
noch um eine Stopp-1-Funktion ergänzt.<br />
Die Umstellung von den Relaisbausteinen auf die kundenspezifische<br />
Sicherheitskompaktsteuerung verlief, so Dino Vieth, problemlos:<br />
„Die Safety-Experten von Schmersal haben uns gut unterstützt<br />
und sich in unsere Anforderungen hineingedacht. Auch<br />
mit dem Büro Stollenwerk als Schmersal-Vertretung arbeiten wir<br />
seit vielen Jahren gut zusammen.“<br />
Zu den technischen Vorteilen gesellt sich ein kommerzieller<br />
Nutzen. Dipl.-Ing. Uwe Stollenwerk, Technisches Büro Stollenwerk<br />
GmbH: „Wenn eine Protect Select zwei oder mehr Relaisbausteine<br />
ersetzt – und das ist bei den Maschinen von Magurit<br />
häufig der Fall – spart der Anwender auch Kosten.“<br />
SICHERHEITSSENSOREN: DIE KUNST<br />
DES „VERSTECKTEN EINBAUS“<br />
Auch bei der Stellungsüberwachung der Schutztüren und -hauben,<br />
die den Gefahrenbereich der Schneideinheit absichern,<br />
kommt eine rundum durchdachte Lösung zur Anwendung. Da<br />
die Hygieneanforderungen beim Gefrierschneiden sehr hoch<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 45
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
03 Anlage für das Schneiden<br />
von gefrorenem Blutplasma<br />
02 Beim Gespräch in der Magurit-Fertigung: Anton Ivanov,<br />
Schmersal-Branchenmanager Lebensmittel und Verpackung, Dipl.-Ing.<br />
Uwe Stollenwerk vom Schmersal-Vertriebspartner Büro Stollenwerk<br />
und Dipl.-Ing. Dino Vieth, Geschäftsführer von Magurit (v.l.n.r.).<br />
sind, verwendet Magurit berührungslos wirkende Sicherheitsmagnetsensoren.<br />
Diese Sensoren sind verdeckt hinter einer<br />
Edelstahlabdeckung montiert und die zugehörigen uncodierten<br />
Betätigermagnete sind versteckt im Anschlagpuffer der Schutzhaube<br />
untergebracht. Das beugt in der Praxis wirksam dem Risiko<br />
von Manipulation vor (mit dem Ziel, die Schutzeinrichtung zu<br />
umgehen bzw. unwirksam zu machen).<br />
Uncodierte Magnete kommen hier zum Einsatz, weil Sicherheitssensoren<br />
mit codierten Magneten einen so geringen Schaltabstand<br />
aufweisen, dass es bei starken Erschütterungen – die<br />
beim Gefrierschneiden nicht zu vermeiden sind – zum Abschalten<br />
der Maschine kommen kann. Wenn sich dieses Risiko ausschließen<br />
lässt, setzt Magurit auch offen montierte Sicherheitssensoren<br />
mit codierten Magneten ein.<br />
BEDIENELEMENTE MIT HOHEM<br />
HYGIENESTANDARD<br />
Auch an der Mensch-Maschine-Schnittstelle der Gefrierschneider<br />
gelten hohe Hygieneanforderungen. Erfüllen lassen sie sich<br />
mit dem N-Programm von Schmersal. Diese Befehls- und Be<br />
diengeräte sind nach den Grundsätzen des „Hygienic Design“<br />
konstruiert. Sie sind bestens abgedichtet, lassen sich gut reinigen<br />
und sind auch frei von Totzonen, in denen sich Produktreste oder<br />
Flüssigkeiten absetzen könnten. Und das Programm ist so groß,<br />
dass sich alle Bedienfunktionen gut und hygienegerecht abbilden<br />
lassen. Dino Vieth: „Wir nutzen dieses Programm bei den einfacheren<br />
Maschinen, die kein Touch Panel benötigen, oder auch<br />
als Ergänzung zum Touch Panel – und natürlich für den obligatorischen<br />
Not-Aus-Taster.“<br />
Hier steht eine Umstellung kurz bevor: Schmersal hat mit dem<br />
H-Programm eine ganz neue Serie von Bedien- und Befehlsgeräten<br />
vorgestellt, die nach mehr als 25 Jahren das N-Programm<br />
ablöst und die Magurit künftig einsetzen wird. Der Vorteil der<br />
neuen H-Baureihe: Sie entspricht den Anforderungen der<br />
DIN EN ISO 14159 und der Neufassung der EN 1672-2 sowie der<br />
neuen Verordnung 10/2011/EU. Zudem ist die H-Baureihe modular<br />
aufgebaut und damit sehr flexibel.<br />
Bilder: 1-2 Magurit Gefrierschneider, 3-6 Schmersal<br />
www.schmersal.com<br />
MULTIFUNKTIONAL<br />
Vielseitiger und flexibler als<br />
Sicherheitsbausteine: die<br />
parametrierbare Sicherheitskompaktsteuerung<br />
Protect<br />
Select in einer OEM-Version. Sie<br />
kommt bei Magurit-Baureihenübergreifend<br />
zum Einsatz und<br />
erlaubt mit ihren zahlreichen<br />
Programmauswahlfunktionen<br />
flexible Anpassungen je nach<br />
Anwendungsfall.<br />
UNTERNEHMEN<br />
K.A. Schmersal GmbH & Co. KG<br />
Möddinghofe 30, 42279 Wuppertal<br />
SAFETY SERVICES<br />
Die Spezialisten des tec.nicum bieten allen<br />
Maschinenherstellern und -betreibern eine<br />
herstellerneutrale Beratung zu allen gesetz -<br />
lichen Vorschriften und unterstützen bei der<br />
sicheren Gestaltung der Maschinen und<br />
Arbeitsplätze. Mehr: www.tecnicum.com<br />
46 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
EFFIZIENTE PROZESSE IN DER<br />
PHARMAINDUSTRIE<br />
Die Integration von Maschinen und Automatisierungssystemen<br />
in pharmazeutische oder biotechnologische<br />
Produktionsumgebungen ist eine Voraussetzung für<br />
die Umsetzung vieler Industrie 4.0-Lösungen. Möglich<br />
ist dies mit der Software PAS-X MSI Plug & Produce.<br />
Körber vergibt das<br />
„PAS-X-MSI-Plug-&-<br />
Produce-Ready“-Zertifikat<br />
nun an Syntegon,<br />
Hersteller pharmazeutischer<br />
Prozess- und<br />
Verpackungstechnik.<br />
Die Kooperation<br />
zwischen Körber und Syntegon zielt darauf ab, eine<br />
nahtlose Integration von PAS-X MES, einem Manufacturing<br />
Execution System, und den Anlagen von<br />
Syntegon zu ermöglichen. Dies ist besonders relevant<br />
für gemeinsame Kunden in der Pharma-, Biotechsowie<br />
Zell- und Gentherapie-Industrie. Die PAS-X-MSI-<br />
Plug-&-Produce-Schnittstelle von Körber spielt dabei<br />
eine entscheidende Rolle, da sie eine effiziente<br />
Integration der beiden Systeme mit stark reduziertem<br />
Konfigurationsaufwand ermöglicht. Durch die Bereitstellung<br />
integrierbarer Lösungen unterstützt Körber<br />
den Anwender bei ihrer digitalen Transformation.<br />
www.koerber-pharma.com<br />
ENTWICKLUNG NEUER FELDGERÄTE<br />
MIT SINGLE PAIR ETHERNET<br />
Endress+Hauser tritt<br />
der Single Pair<br />
Ethernet (SPE) System<br />
Alliance bei. Diese<br />
strategische Allianz<br />
unterstreicht das<br />
Engagement des<br />
Unternehmens, die<br />
Digitalisierungsanforderungen<br />
seiner Kunden zu vereinfachen und in die Zukunft<br />
der Automatisierung zu investieren. Mit dem Beitritt zeigt das<br />
Unternehmen sein Vertrauen in die Mitglieder, die kooperieren,<br />
um die Zukunft der Automatisierungstechnik gemeinsam<br />
zu gestalten. Anwender profitieren von der Interoperabilität,<br />
die ihnen das Angebot der Mitglieder der SPE System Alliance<br />
bietet. Bereits fast 75 Mitglieder bilden das große Ökosystem<br />
von SPE-Produkten und schaffen damit Wahlfreiheit für<br />
Kunden. Der Beitritt von Endress+Hauser zu dieser Partnerschaft<br />
öffnet die Tür für den Austausch von Wissen und<br />
Erfahrung, um optimale Lösungen zu liefern. Um Anwendern<br />
die Möglichkeit zu bieten, bei der Digitalisierung weiter zu<br />
wachsen und alle Vorteile von SPE zu nutzen, arbeitet das<br />
Unternehmen nun an einem Portfolio von Feldgeräten mit<br />
SPE. Ziel ist es, einen harmonisierten Ansatz zu schaffen,<br />
vergleichbar mit den Ethernet-APL-Geräten des Herstellers.<br />
www.endress.com<br />
Built to protect<br />
Unsere Hygienic Design Lösungen<br />
· Schnelle, effiziente und sichere Reinigung<br />
· Direkte Prozesseinbindung: CIP- / SIP-fähig<br />
· Schutzklasse IP69X (max. 30 bar)<br />
· Totraumfreie Gehäusekonstruktion<br />
Weitere Informationen finden Sie unter:<br />
www.wittenstein.de/hygiene-design<br />
alpha<br />
WITTENSTEIN alpha – intelligente Antriebssysteme<br />
www.wittenstein-alpha.de
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
PROZESSSICHERHEIT IN DER TUBENPRODUKTION<br />
FLEXIBEL BLEIBEN<br />
Tuben finden als kosmetische und pharmazeutische Verpackungen in<br />
unterschiedlichsten Größen und Formaten ihre Anwendung. Dementsprechend<br />
flexibel müssen die Herstellungsprozesse sein. PackSys hat sich darauf spezialisiert<br />
und setzt bei seinen Tubenrohrschweißmaschinen auf eine überwachte<br />
Formatverstellungslösung. Damit lassen sich unterschiedliche Tubenformate<br />
automatisiert im Handumdrehen einstellen.<br />
Maschinen, auf denen die Verpackungen für Zahnpasta<br />
oder Kosmetikprodukte gefertigt werden, kommen<br />
von der PackSys Global AG aus Rüti in der<br />
Schweiz. Das Unternehmen achtet für seine Kunden<br />
auf effiziente Prozesse, einen hohen Output und einfache Bedienbarkeit.<br />
Dafür sorgen wachsende Digitalisierung und Automatisierung<br />
sowie Verschlankung der Prozessschritte. Ein wichtiger<br />
Aspekt mit großem Einfluss auf die Prozesssicherheit ist die<br />
korrekte Formatverstellung der Maschinen, d. h. die Anpassung<br />
der Einstellungen auf unterschiedliche Tubenformate. Um den<br />
Bedienkomfort ihrer Tubenrohrschweißmaschinen zu erhöhen<br />
und die sichere Einstellung der verschiedenen Aggregate zu gewährleisten,<br />
hat PackSys eine überwachte Formatverstellungslösung<br />
des Spezialisten für Sensoren und Positioniersysteme, der<br />
Siko GmbH aus Deutschland, integriert.<br />
Kerngeschäft der PackSys Global AG, die zur Brückner Gruppe<br />
gehört, sind Anlagen zur Herstellung von Kunststofftuben.<br />
Da rüber hinaus liefert PackSys Global Heißprägemaschinen zur<br />
Applizierung von dekorativen metallisierten Beschichtungen,<br />
Rollschneide- und Faltmaschinen für Kunststoffverschlüsse<br />
sowie Verpackungsmaschinen für Dosen, Tuben und Verschlüsse,<br />
um diese vom Hersteller zum Abfüller zu transportieren.<br />
ÜBERWACHTE FORMATVERSTELLUNG IN<br />
NEUER TUBENROHRSCHWEISSMASCHINE<br />
In vielen Maschinen des Unternehmens müssen regelmäßig Formatverstellungen<br />
vorgenommen werden. Die gängigste Methode<br />
ist die Verstellung über mechanische Positionsanzeigen, die händisch<br />
auf einen in der Dokumentation hinterlegten Positionswert<br />
eingestellt werden. Dies birgt hohes Fehlerpotenzial, wenn Werte<br />
falsch abgelesen und entsprechend falsch eingestellt werden.<br />
Insbesondere bei häufigen Verstellungen für verschiedene<br />
Tubenvarianten an mehreren Positionen lohnt es sich, als Alternative<br />
digitale Positionsanzeigen für eine überwachte Formatverstellung<br />
zu integrieren. Bei der Entwicklung einer neuen Tubenrohrschweißmaschine,<br />
des FlexSeamer, wurde die Umstellung<br />
auf digitale Positionsanzeigen erprobt (Aufmacherbild).<br />
Die Wahl fiel auf die digitale AP05-Positionsanzeige mit IO-<br />
Link-Schnittstelle von Siko, die aus mehreren Gründen überzeugte:<br />
aufgrund ihrer Kompaktheit, ihrer universellen Einsatzbarkeit<br />
unabhängig davon, ob die Achse vertikal oder horizontal<br />
verläuft, sowie der intuitiven Ablesbarkeit mittels zweier LED-<br />
Leuchten. An ca. zehn Positionen der Anlage kommen die Anzeigen<br />
zum Einsatz, z. B. um Einstellungen wie die Dicke oder Länge<br />
48 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
Die Positionsanzeigen AP05 (links) sowie die AP10S (rechts)<br />
garantieren stets sichere Maschineneinstellungen zur<br />
Fertigung unterschiedlichster Tubenvarianten<br />
der Kunststofflaminate oder ein variierendes Druckbild zu<br />
überprüfen. Eine weitere Positionsanzeige, die AP10S,<br />
wird für die Überwachung bei linearen Bewegungen<br />
eingesetzt.<br />
VOM LAMINAT ZUR TUBE<br />
Beim FlexSeamer wird ein Flachbandmaterial, ein<br />
Kunststofflaminat, von einer großen Rolle abgewickelt. Die<br />
verarbeiteten Kunststoffe sind meist Werkstoffmischungen –<br />
je nach Produktanforderung –, die gute Barriere-Eigenschaften<br />
aufweisen müssen, sodass möglichst wenig Sauerstoff an das innen<br />
befindliche Produkt gelangen kann und nur wenige Aromastoffe<br />
aus der Tube diffundieren können.<br />
Die Kunststoffbahn wird längs gefaltet, zu einem Rohr geformt<br />
und mit einer Längsschweißnaht versehen, sodass aus dem<br />
Flachmaterial ein Endlosschlauch entsteht. Ein Rotationsmesser<br />
zerschneidet den Kunststoffschlauch in einzelne Rohrstücke.<br />
Dies ist der eigentliche Tubenkörper, in den später Kosmetika,<br />
Zahnpasten oder Pharmaprodukte eingefüllt werden. Auf einer<br />
der beiden Seiten wird in einer Folgemaschine, dem Header &<br />
Capper, eine sogenannte Schulter mit dem Gewinde sowie dem<br />
Verschluss aufgesetzt. Die andere Seite verbleibt offen, damit<br />
beim Abfüller in diese Öffnung die Inhalte eingebracht und eine<br />
finale Querschweißnaht angefügt werden kann.<br />
Unsere Prozessautomatisierung hat den<br />
Vorteil, dass Formate zügig auf einen Blick<br />
verstellt werden können. Da für jede Variante<br />
die jeweiligen Maße als Rezeptur hinterlegt<br />
sind, lässt sich jedes Produkt jederzeit mit den<br />
exakt gleichen Einstellungen reproduzieren.<br />
Aitor Henao, Head of Marketing & Communications<br />
bei PackSys Global<br />
HOHE GESCHWINDIGKEIT UND<br />
PROZESSSICHERE BEDIENUNG<br />
Was die neue Schweißmaschine auszeichnet, ist ihre hohe Geschwindigkeit<br />
mit 250 Tuben pro Minute, lange Heiz- und Kühlstrecken,<br />
die auf moderne Laminattypen ausgelegt sind, und<br />
dank der digitalen Erfassung der meisten Einstellungen eine intuitive,<br />
schnelle und prozesssichere Bedienbarkeit. Während mechanische<br />
Positionsanzeigen nur den Ist-Wert einer Position ausgeben,<br />
zeigen digitale Positionsindikatoren auch den Soll-Wert<br />
einer Einstellung an, d. h. die Maße für eine bestimmte Tubenvariante<br />
sind als Rezeptur in der Maschinensteuerung hinterlegt<br />
und werden via IO-Link auf die jeweiligen Anzeigen übertragen.<br />
Ein Bediener muss die Einstellung dann so vornehmen, dass Istund<br />
Soll-Wert übereinstimmen. Nur dann lässt sich der Produktionsvorgang<br />
fortsetzen. Zuverlässige Indikatoren sind hier die<br />
beiden LED-Leuchten, die nur bei Übereinstimmung der Werte<br />
grün leuchten. Solange an der Anlage ein rotes Lämpchen aufleuchtet,<br />
ist der Vorgang gestoppt und es muss an der jeweiligen<br />
Stelle nachjustiert werden.<br />
Für Aitor Henao, Head of Marketing & Communications bei<br />
PackSys Global, liegen die Vorteile einer solchen Lösung auf der<br />
Hand: „Formate können zügig auf einen Blick verstellt werden.<br />
Da für jede Variante die jeweiligen Maße als Rezeptur hinterlegt<br />
sind, kann jedes Produkt jederzeit mit den exakt gleichen Einstellungen<br />
reproduziert werden. Das bedeutet eine gleichbleibend<br />
hohe Qualität, da die Prozesse immer stabil und sicher laufen.“<br />
Emanuel Heusser, Gruppenleiter Automation Engineering im<br />
R&D, betont einen weiteren Aspekt, der für die Qualität relevant<br />
ist: „Die Auswirkungen einer Fehleinstellung werden oft erst<br />
dann deutlich, wenn Produkte stichprobenartig zerstörend geprüft<br />
werden – was einen großen Aufwand bedeutet. Wenn jedoch<br />
dank der digitalen Positionsindikatoren stets während des<br />
Produktionsvorgangs gewährleistet werden kann, dass immer die<br />
gleichen Einstellungen vorgenommen werden, sind nachgelagerte<br />
Qualitätsprüfungen überflüssig – ein Riesenmehrwert der<br />
überwachten Formatverstellung.<br />
INVEST IN DIGITALE ÜBERWACHUNG<br />
LOHNT SICH<br />
Auch in Zeiten des Fachkräftemangels sind zunehmend digitalisierte<br />
Lösungen eine Unterstützung, findet Aitor Henao: „Gab es<br />
vor Jahren noch den einen Facharbeiter, der seit 20 bis 30 Jahren<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 49
SPECIAL PHARMA & FOOD<br />
im Unternehmen mit seiner Erfahrung genau wusste, wo er nachjustieren<br />
musste, wenn eine Einstellung nicht mehr zu hundert<br />
Prozent funktionierte, haben wir heute einen sehr flexiblen Arbeitsmarkt,<br />
auf dem Fachkräfte rar sind. Intuitive Bedienbarkeit,<br />
die prozesssichere Einstellungen auch ohne tiefere Kenntnis der<br />
Maschine ermöglicht, erleichtert es Unternehmen, dem Fachkräftemangel<br />
zu begegnen.“<br />
Die Entscheidung für eine überwachte Formatverstellung ist<br />
eine Abwägung verschiedener Faktoren. Positionen mit häufigen<br />
Verstellungen auf verschiedenste Varianten bieten sich für einen<br />
solchen Invest in digitale Überwachung an. Ein weiteres Argument<br />
können teure Stillstandszeiten sein, wenn die Formate<br />
verstellt werden, sodass eine Beschleunigung der Rüstzeiten entscheidend<br />
sein kann. Für seltene Verstellungen oder solche, bei<br />
denen Fehleinstellungen sofort offensichtlich sind, nutzt PackSys<br />
Global weiterhin mechanische Positionsanzeigen von Siko, mit<br />
denen sich diese Positionswerte gut in den Griff bekommen lassen.<br />
Eine weitere Option sind kompakte, vollautomatisierte Positionierantriebe.<br />
Diese ermöglichen die Verstellung von Formaten<br />
auf Knopfdruck und lassen sich auch in schwer zugänglichen Bereichen<br />
einer Maschine problemlos einsetzen.<br />
KOMFORTABLE INTEGRATION DER<br />
POSITIONSANZEIGEN<br />
Für Emanuel Heusser war die universelle Einsatzbarkeit der AP05<br />
sowohl an vertikalen als auch an horizontalen Achsen ein großer<br />
Pluspunkt: „Das Display ist im 45-Grad-Winkel angewinkelt und<br />
kann über die Software konfiguriert werden, wie es angeordnet<br />
sein soll. Dies vereinfacht uns auch die Lagerhaltung, wenn nicht<br />
unterschiedliche Produkte für vertikale und horizontale Achsen<br />
vorgehalten werden müssen. Die eigentliche Integration war<br />
problemlos, sowohl von der mechanischen Konstruktion her als<br />
auch von der elektronischen Einbindung.“ Positiv bewertet<br />
Heusser auch die Zusammenarbeit mit Siko: „Das Entgegenkommen<br />
war immer groß. Siko versucht Wünsche und Anregungen<br />
möglich zu machen, z. B. wurde die AP05 anlässlich unseres<br />
FlexSeamer-Projekts mit IO-Link ausgelegt.“<br />
Für die Zukunft sieht Aitor Henao klar eine weiter steigende<br />
Digitalisierungs- und Automatisierungstendenz von Anlagen,<br />
insbesondere auch, was die Formatverstellung anbelangt: „Diese<br />
kleinen Details, wie die LED-Anzeige, machen den Unterschied.<br />
Sie erhöhen die Qualität unserer Maschinen und Services und<br />
helfen den Kundenunternehmen, sich auf ihre Kernbereiche zu<br />
konzentrieren.“<br />
Bildquelle: Aufmacher, 01, Statement PackSys Global, 02 Siko / Istock.com,<br />
Schmuckbild Ruslan Gilmanshin – stock.adobe.com<br />
www.siko-global.com<br />
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50 <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 www.industrielle-automation.net
VORSCHAU<br />
IM NÄCHSTEN HEFT: 05/<strong>2024</strong><br />
ERSCHEINUNGSTERMIN: 24.09. <strong>2024</strong> • ANZEIGENSCHLUSS: 09. 09. <strong>2024</strong><br />
01<br />
02<br />
04<br />
03<br />
01 VISION <strong>2024</strong>: Neueste Produkte, Technologien und<br />
Trendthemen der industriellen Bildverarbeitung<br />
Bild: Messe Stuttgart<br />
02 Der Cyber Resilience Act: Worauf Unternehmen<br />
achten müssen und wie Hilscher unterstützen kann – ein<br />
Interview mit Experten bringt Licht in die Cybersecurity<br />
Bild: Starcom – stock.adobe.com<br />
03 Digitale Security im Wandel: Die Zukunft von<br />
Lizenzierung und Schutz von Apps in der Industrie<br />
Bild: Rüdiger Kügler (li.), Wibu-Systems und Nicole Steinicke,<br />
Industrielle Automation, im Gespräch<br />
DER DIREKTE WEG<br />
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E-Paper:<br />
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Redaktion:<br />
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04 Lineargeführte Transportsysteme bringen<br />
autonome Skids und Shuttles zuverlässig in Position<br />
Bild: Pepperl+Fuchs<br />
(Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten)<br />
www.industrielle-automation.net <strong>INDUSTRIELLE</strong> <strong>AUTOMATION</strong> <strong>2024</strong>/04 51
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