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Passauer Wolf - Wolfsspur

Egal, ob Sie an Rehabilitations- oder Präventionsmaßnahmen teilnehmen möchten, in den Häusern der Passauer Wolf Gruppe finden Sie sicher das passende Haus.

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Frühling / Sommer 2025

DAS MAGAZIN DES PASSAUER WOLF

JACQUELINE LARUELLE

Die Kraft des Lächelns

UNSER GEHIRN

Schaltzentrale des Lebens

BLICKWECHSEL

Alles, außer gewöhnlich


S. 22

ZURÜCK IN DEN ALLTAG

Die Phasen der neurologischen Rehabilitation

S. 4

FRAGEN AN DIE NATUR

Selbstmedikation in der Tierwelt

S. 8

GRÜNES GOLD

Was Spinat so besonders macht

Wolfsspirit

04 FRAGEN AN DIE NATUR

Gibt es einen inneren Arzt?

06 ANTWORTEN ZUM LEBEN

Im Moment sein − mit uns und der

Natur

Wildling

08 KRAFTPROTZ IM GEMÜSEBEET

Gesundheitswunder Spinat

12 BURG STOCKENFELS

Zur Ruhe kommen

Weitergehen

14 MEHR ALS EIN DENKSALON

Unser Gehirn: die Schaltzentrale

16 SCHLAGANFALL

Vom Experten erklärt

22 ZURÜCK IN DEN ALLTAG

Die Ingolstädter Neurologie wächst

25 THEATERPÄDAGOGIK

Wie sie Parkinson-Patienten hilft

26 GANGTHERAPIE

Technische Multitalente

Mutmachen

28 DER WERT DES

AUSSERGEWÖHNLICHEN

30 PATIENTENGESCHICHTE

Jacqueline Laruelle behält ihr

Lächeln

36 LEBENSLÄUFE OHNE LINEAL

Mitarbeiter:innen erzählen von

ungewöhnlichen Wegen

42 VOLL DES LOBES

Auszeichnungen für das Passauer

Wolf Team

Freidenken

44 AUF DER SUCHE NACH

FREIHEIT UND IDENTITÄT

Künstler Denis Lang im Portrait

48 DAS KLEINE WÄHLTWUNDER

Stefan Wählt und überbewertete

Erfolge

Zusammenkommen

49 IN DEN RHYTHMUS FINDEN

Trommeln. Testen. Teilen.

50 AUF DER WOLFSSPUR

& IMPRESSUM


Wolfsspirit / Faszination Feuer / Grillgemeinschaft / Vom Ankommen / Positive Psychologie

Frühling / Sommer 2025

XX

S. 25

VORHANG AUF

Theaterpädagogik für Parkinson-Patienten

S. 36

UNGEWÖHNLICHE WEGE

Mitarbeiter:innen im Portrait

S. 44

LEIDENSCHAFT,

HERAUSFORDERUNGEN

UND ZIELE

Denis Lang spricht über seine Kunst.

Wolfsspur 2025

DAS MAGAZIN DES PASSAUER WOLF

JACQUELINE LARUELLE

Die Kraft des Lächelns

UNSER GEHIRN

Schaltzentrale des Lebens

BLICKWECHSEL

Alles, außer gewöhnlich

Was sehen Sie?

Oft stellt ein Schicksalsschlag alles auf

den Kopf. Gerade dann ist es wichtig,

neue Blickwinkel zuzulassen, die Dinge

anders zu sehen, alles zu drehen und zu

wenden. Wir denken Vieles eindeutig

anders, beispielsweise Therapiemethoden

und gehen so − gemeinsam mit unseren

Gästen − Genesungswege, die zu einer

gesunden Veränderung führen.

»Anders« klingt gut

Wenn man ungewöhnlichen Ideen eine Chance lässt und den

Mut aufbringt sie umzusetzen, können außergewöhnlich gute

Dinge entstehen, wie die Theaterpädagogik für Parkinson-Patienten oder

»Drums for Life« – eine Trommelgruppe im Rahmen der Sporttherapie im

Passauer Wolf. Was sonst noch nicht »ganz normal« ist bei uns? In Zeiten,

in denen die Kliniklandschaft in Deutschland schrumpft, sind wir dankbar,

dass wir weiter wachsen dürfen. Wo und wie lesen Sie in dieser Ausgabe. Und

warum es sich auch im Berufsleben mal lohnt anders als gewöhnlich abzubiegen,

erfahren wir von unseren Mitarbeiter:innen.

Noch eine schöne Nachricht: Die Wolfsspur erscheint wieder zweimal pro

Jahr. Dafür gibt es zwei sehr gute Gründe. Es ist der ausdrückliche Wunsch

unserer Leser:innen und auch wir haben einfach so viel mehr zu erzählen.

Neues, Gutes und Außergewöhnliches – das braucht Platz.

Viel Freude auf der Wolfsspur!

3


WOLFSSPIRIT

FRAGEN

AN DIE NATUR ...

4


WOLFSSPIRIT XX

Keine Reizüberflutung, kein Handy, kein Zeitdiktat.

Wer durch Wälder und Moore, über Auen

oder Wiesen streift, spürt es: Die Umklammerung

durch den Druck des Alltags, durch berufliche oder

soziale Anspannung löst sich, Blutdruck und Pulsfrequenz

sinken, Ruhe und Wohlbefinden stellen sich ein.

Dann spüren wir das Moos unter den Sohlen, den sanften

Wind, riechen das Harz der Bäume. Wir kommen

wieder »zu Sinnen«, zu uns, beobachten den Flug der

Schwalben, das Krabbeln zu unseren Füßen. Womöglich

sehen wir Ameisen, die einem Artgenossen verletzte

Gliedmaßen abbeißen, sprich: amputieren und die

Wunde lecken und säubern, um das Überleben des Tiers

zu sichern. Das Ameisensekret wirkt dabei wie ein Antibiotikum

und verringert die Sterblichkeit verletzter

Artgenossen um 90 %, fand eine Expertengruppe um

den Würzburger Verhaltensforscher Erik Frank heraus.

Könnte das Ameisensekret auch Menschen helfen?

Die meisten Hundebesitzer:innen wissen, dass ihre vierbeinigen

Freunde bei Unwohlsein bestimmte Gräser

verschlingen, um sie kurz darauf zu erbrechen oder

unverdaut auszuscheiden, damit es ihnen wieder besser

geht. Unverdautes Gras findet sich auch im Kot von

Wölfen oder Füchsen. Woher haben die wilden Hundeartigen

das Wissen ihrer domestizierten Verwandten?

Auch Schafe zeigen einen ausgeprägten Sinn für die

Wirkstoffe bestimmter Pflanzen. Sind sie von Parasiten

befallen, fressen sie Pflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt,

wie Salbei oder Odermennig. »Ohne Würmer haben

sie diese Vorliebe nicht«, sagt Dr. Juan Villalba von der

Utah State University. Haben Tiere einen »inneren Arzt«?

Stoßen kranke oder verletzte Tiere durch die Einnahme

von Pflanzen, Erden oder durch die Anwendung körpereigener

Sekrete ihren Heilungsprozess an, sprechen wir

von Selbstmedikation oder Zoopharmakognosie. Die

wissenschaftliche Erforschung dieses Fachgebietes ist

noch sehr jung und steckt voller Hoffnungen: Pflanzen,

die Tiere als Medizin nutzen, könnten auch für Menschen

wirksame Heilsubstanzen enthalten.

5


XX WOLFSSPIRIT

... ANTWORTEN

ZUM LEBEN

Von den Kräften, die in uns wohnen. Und wie wir sie aktivieren können.

Vom achtsamen Umgang mit der Natur. Und mit uns selbst.

6


WOLFSSPIRIT XX

»Narren hasten, Kluge warten,

Weise gehen in den Garten.«

Rabindranath Tagore

In Zeiten, die die Auswirkungen des

Klimawandels für jede und jeden

erlebbar machen, wird die Natur zu

einem Sehnsuchtsort für immer mehr

Menschen. Sie ist ein Gegenpol zum oft

aufreibenden Alltag. Natur schenkt uns

nicht nur Ruhe und Entspannung, sie

nährt uns, zeigt uns Wirkstoffe, die wir

zur Heilung von Krankheiten brauchen.

Bäume filtern mit ihren grünen Blättern

und Nadeln Schadstoffe aus der Luft. Sie

verdunsten Wasser im Sommer und spenden

Kühle und Schatten. Natur inspiriert

uns. Wir erfahren sie mit allen Sinnen,

mit den Händen, mit dem Kopf, mit dem

Herzen. Wir fühlen uns ganz. Ein Spaziergang

in der Natur bringt uns immer

wieder auch zu uns selbst zurück.

ANGRIFF AUF UNSER

WOHLBEFINDEN

Die Natur lehrt uns den achtsamen

Umgang mit allem, was lebt – auch mit

uns selbst. Wir lernen, ungünstige Einflüsse

auf unser Wohlbefinden wahrzunehmen

und tückischen Angreifern, etwa

Stress, entgegenzuwirken. Denn dauerhafter

Stress kann uns erheblich schaden.

Er beschleunigt den Herzschlag, lässt den

Blutdruck steigen, stört das Immunsystem,

beeinträchtigt den Stoffwechsel,

kann zu Diabetes, Asthma, chronischer

Erschöpfung bis hin zum Burn-out-

Syndrom führen. Dauerhafter Stress

schwächt unsere Selbstheilungskräfte.

Die aber brauchen wir, um langfristig

gesund, aktiv und glücklich zu leben.

BITTE EINE ATEMPAUSE

Die Natur lädt uns ein, unsere Selbstheilungskräfte

wieder aufzuladen. Um Alltagsstress

abzubauen, könnten Sie sich bei

einem Spaziergang einfach unter einen

Baum oder auf eine Bank setzen und auf

Ihren Atem achten. Ruhige, tiefe Atemzüge

signalisieren dem Unterbewusstsein:

Alles ist gut! Hier droht keine Gefahr!

Ruhiges Ein- und Ausatmen löst Spannungen

auf, lässt negative Gedanken verblassen.

Sauerstoff und neue Energie

füllen die Lungen. Genießen Sie dieses

Bei-sich-Sein. Und bauen Sie kleine

Atempausen in Ihren Alltag ein.

DEN AUGENBLICK

AUSKOSTEN

Gedanken können umherschweifen. Sie

locken uns in die Vergangenheit (»Hätte

ich damals doch ...«) oder führen uns in

die Zukunft (»Und wenn er dann ‚nein‘

sagt?«) und schon dreht sich das Gedankenkarussell.

Das stresst und bringt

nichts. Denn: Was vorbei ist, ist vorbei,

und was die Zukunft bringen mag, ist

noch nicht eingetreten. Wenden Sie Ihre

Aufmerksamkeit der Gegenwart zu, dem

»Hier und Jetzt«. Was tun Sie gerade, wie

tun Sie es? Wenn Sie essen, dann schmecken,

kauen, riechen Sie bewusst. Wie

fühlt sich die Erdbeere auf der Zunge, am

Gaumen, beim Schlucken an? Wie würden

Sie ihren Geschmack beschreiben? Nutzen

Sie Alltagsaufgaben als Achtsamkeitsübung.

Wer seine Gedanken auf die

Kartoffel konzentriert, die er schält, übt

sich in Meditation und tauscht Stress

gegen Gelassenheit.

GEMEINSAM GEHT'S

LEICHTER

Wer seine Selbstheilungskräfte am liebsten

gemeinsam mit anderen stärken will,

holt sich mit den Präventionsangeboten

des Passauer Wolf in Bad Griesbach und

Ingolstadt mehr Energie, Gelassenheit

und Lebensfreude in den Alltag. Unsere

Kurse stellen die Themen Bewegung, Entspannung

und Ernährung in den Mittelpunkt

und werden teilweise von den

Krankenkassen bezuschusst. Kosten für

RV Fit, ein Präventionsprogramm der

Deutschen Rentenversicherung, werden

übernommen.

Mehr Informationen finden Sie unter

pwlebensart.de/praevention

7


XX WILDLING

Spinat ist in nur sechs bis

acht Wochen erntereif

und kann bis zu viermal

im Jahr geerntet werden.

Das macht ihn zu

einem der produktivsten

Blattgemüse überhaupt.

8


WILDLING XX

Spinat gilt längst als

heimisches Gemüse.

Dabei stammt die Pflanze

Expert:innen zufolge

aus Persien, von wo aus

sie in die ganze Welt

verbreitet wurde.

KRAFTPROTZ

IM GEMÜSEBEET

Er ist grün und wirkt auf den ersten Blick recht unscheinbar: Spinat.

Doch hinter seinen unauffälligen Blättern verbirgt sich ein wahres Gesundheitswunder.

Spinat – das Gemüse, das schon

dem Seefahrer Popeye seine übermenschliche

Stärke verlieh – ist

nicht nur das Lieblingsessen einer

Comic-Legende, sondern hat sich mittlerweile

als beliebtes Superfood etabliert.

Viele von uns erinnern sich bestimmt

noch an die Tage in unserer Kindheit, an

denen Spinat ein wenig willkommener

Anblick auf unseren Tellern war. Doch so

wenig geschätzt das grüne Blattgemüse

in Kindertagen auch war, so klar fällt das

Urteil heute aus: Spinat hat nicht nur

geschmacklich viel zu bieten, sondern ist

noch dazu ein echtes Kraftpaket.

GRÜNE ENERGIE

Reich an Vitaminen, Mineralstoffen und

Antioxidantien, steckt Spinat bis in die

Blattspitzen voller Nährstoffe, die unserem

Körper zugutekommen. Besonders

sein hoher Gehalt an Eisen und Kalzium

trägt zu starken Knochen und einer

gesunden Blutbildung bei. Zudem liefert

Spinat große Mengen an Vitamin A, das

die Sehkraft, Hautgesundheit und das

Immunsystem unterstützt. Das enthaltene

Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte.

Doch das ist längst nicht alles: Das grüne

Multitalent unterstützt die Verdauung,

wirkt entzündungshemmend und schützt

dank seines hohen Gehalts an Ballaststoffen

das Herz-Kreislauf-System. Das im

Spinat enthaltene Ecdysteron wirkt sich

positiv auf das Muskelwachstum aus und

verleiht jede Menge Energie. Kein Wunder

also, dass Popeye sofort zur Dose

griff, wenn er einen Kraftschub brauchte.

WANDELBARER GENUSS

Nicht nur die hohe Nährstoffdichte

macht Spinat zu einem außergewöhnlichen

Wundermittel der Natur. Auch seine

Vielseitigkeit beim Kochen ist bemerkenswert.

Ob roh im Salat, gedünstet als

Beilage oder kreativ in Smoothies und

Soßen: Die grünen Blätter lassen sich in

unzähligen Variationen und mit verschiedensten

Zutaten kombinieren. Dabei findet

Spinat nicht nur in deutschen Gerichten,

sondern auf der ganzen Welt

Verwendung – von der mediterranen

Küche bis nach Indien und in den arabischen

Raum. In einer Sache ist man sich

einig: Hinter seinen unscheinbaren Blättern

hat Spinat außergewöhnlich viel zu

bieten.

9


XX WILDLING

GRÜN, GESUND UND

VOLLER GESCHMACK

Unsere Rezepte für den grünen Genuss. Schnell und einfach zubereitet.

GRÜNER SMOOTHIE

MIT SPINAT

• 2 Handvoll frischen Spinat

• 1 reife Banane

• 1 reife Mango

• ½ Avocado

• 1 TL Honig/Ahornsirup

• 200 ml Mandelmilch

• ½ TL Vanilleextrakt

• ½ TL Zimt (optional)

• Eiswürfel (optional)

Den Spinat gründlich waschen und

zusammen mit der Banane, Mango,

Avocado und der Mandelmilch in den

Mixer geben. Vanilleextrakt, Honig/

Ahornsirup und, falls gewünscht, den

Zimt hinzufügen. Alles gut mixen bis

eine cremige und glatte Konsistenz entsteht.

10


WILDLING XX

SPINAT-PESTO

• 250 g Spinat

• 50 g Pinienkerne

• 80 g geriebener Parmesan

• 100 ml Olivenöl

• 2 Knoblauchzehen

• Salz und Pfeffer

Für das Pesto den Spinat gründlich waschen und

abtropfen lassen. Die Pinienkerne in einer heißen

Pfanne ohne Fett anrösten, bis sie anfangen zu bräunen.

Aus der Pfanne nehmen und abkühlen lassen.

Parmesan reiben und Knoblauch fein hacken. Spinat,

Parmesan und Knoblauch zusammen mit den abgekühlten

Pinienkernen mit einem Stabmixer fein

pürieren. Olivenöl hinzugeben und alles gründlich

vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das

Spinat-Pesto ist im Kühlschrank bis zu fünf Tage

haltbar.

LACHS-SPINAT-ROLLE

• 125 g TK-Blattspinat

• 4 Eier

• 50 g geriebener Käse

• 250 g Räucherlachs

• 200 g Kräuterfrischkäse

• Salz und Pfeffer

• Parmesan

Spinat auftauen lassen und klein schneiden. Eier

schaumig schlagen. Spinat, Salz, Pfeffer und geriebenen

Käse mit der Eiermasse mischen.

Das Backblech mit Backpapier auslegen und mit

Parmesan bestreuen. Dann die Spinat-Masse darauf

verteilen. 10 Minuten bei 200°C backen. Danach

abkühlen lassen und umdrehen, sodass die Käseseite

nach oben zeigt. Mit Kräuterfrischkäse bestreichen,

dann den Lachs darauf verteilen. Fest zusammenrollen,

mit Klarsichtfolie umwickeln und ein paar Stunden

in den Kühlschrank legen. Dann in Scheiben

schneiden und servieren.

11


XX WILDLING

BURG

STOCKENFELS

Zur Ruhe kommen

12


WILDLING XX

Inmitten des Oberpfälzer Waldes nahe Nittenau

erhebt sich Burg Stockenfels auf einer

einsamen Bergkuppe, beinahe verschluckt von

einem dichten Blätterdach. Märchen und Sagen

ranken sich um ihre uralten Steinmauern und

erinnern noch heute an längst vergangene Tage.

Turbulent ist die Geschichte von Stockenfels.

Doch in der Stille des Waldes hat die Burg heute

Frieden gefunden.

Etwa ein Drittel der um 1338 erbauten Anlage ist

heute noch erhalten, darunter der Brunnen im

Burghof, der Wohnturm und ein Verlies im Keller.

Ursprünglich war Stockenfels im Besitz der

Wittelsbacher, bevor sich im Laufe der darauffolgenden

Jahre unterschiedlichste Besitzer:innen

die Klinke in die Hand gaben. Später fiel die

Burg in die Hände von Raubrittern und wurde

zum berüchtigten Schauplatz von Raubzügen,

Entführungen und Erpressungen. Heute ist der

Ort in eine besondere Stimmung gehüllt, die er

mitunter seiner einsamen Lage hoch über dem

Fluss Regen verdankt. Es ist ruhig geworden auf

Burg Stockenfels. Auch nach turbulenten Zeiten

kann schließlich Frieden einkehren.

Sie möchten den Zauber von Burg Stockenfels

erleben? Wer Lust auf eine kleine Wanderung hat,

gelangt auf einem schmalen Pfad durch die

schöne Natur des Oberpfälzer Waldes zu der

Steinruine. Beim »Tag des offenen Burgtores«

können Besucherinnen und Besucher im Schatten

der kühlen Steinmauern in die besondere Atmosphäre

eintauchen. Der Burg-Kastellan bietet

darüber hinaus ganzjährig Führungen an.

Haben auch Sie einen Kraft- oder Lieblingsort?

Wir freuen uns, wenn Sie diesen über Facebook

oder Instagram @PassauerWolf mit uns teilen.

13


XX WEITERGEHEN

14


WEITERGEHEN XX

DAS GEHIRN

Schaltzentrale des Lebens

Was nicht sonderlich attraktiv aussieht, ist ein Wunder an Komplexität:

Unser Gehirn wirkt als Schaltzentrale, Steuerorgan, Denksalon,

Bedeutungs- und Erinnerungsspeicher, agiert als Koordinator, Netzwerker,

Botschafter, Informations- und Emotionsverwerter, ist Kombinierer,

Kontrolleur, Ideen- und Impulsgeber. Alles, was wir

wahrnehmen, denken, empfinden oder tun, geht vom Gehirn aus.

DAS GEHIRN: EIN VERNETZTES SYSTEM

Unser Gehirn besteht aus unzähligen miteinander verknüpften

Gehirnzellen, die über die Hirnnerven und die im Rückenmark

auf- und absteigenden Nervenbahnen mit dem gesamten Organismus

verbunden sind. Auf diesen Nervenbahnen gelangen

Signale vom Gehirn, zu Organen, Muskeln und Drüsen – und

umgekehrt. Für verschiedene Aufgaben (und hier ist nur ein Teil

aufgeführt) sind unterschiedliche Gehirnareale zuständig.

GROSSHIRN

Der jüngste Gehirnteil der menschlichen Entwicklung ist u. a.

für die sogenannten »höheren« Hirnfunktionen zuständig, etwa

das Denken, Erinnern, Sprechen, Lernen und Verstehen. Das

Großhirn besteht aus einer rechten und einer linken Gehirnhälfte,

die durch ein Bündel aus Nervenfasern, den sogenan n ten

Balken, miteinander verbunden sind. Die rechte Gehirnhälfte

steuert die linke Körperseite, während die linke Gehirnhälfte

für die rechte Körperseite zuständig ist. Diese Überkreuzung

kann bei einer Schädigung der linken Gehirnhälfte zu Lähmungserscheinungen

auf der rechten Körperseite führen und

umgekehrt.

ZWISCHENHIRN

Im Zwischenhirn mit Thalamus, Hypothalamus und Hypophyse

werden lebenswichtige Funktionen gesteuert, unser Schlaf etwa

oder Hunger und Durst. Zudem ist das Zwischenhirn an der

Verarbeitung von Sinneseindrücken beteiligt.

KLEINHIRN

Das Kleinhirn ist für die flüssige Koordination von Bewegungen

zuständig, reguliert die Muskelspannung und das Gleichgewicht.

URSACHENFORSCHUNG — EINE KOMPLEXE

DETEKTIVARBEIT

Weil das Nervensystem so viele verschiedene Körperfunktionen

steuert, können Symptome, die durch die Störung eines Teils

oder des gesamten Nervensystems verursacht werden, äußerst

unterschiedlich sein – von Schmerzen über die Beeinträchtigung

der Muskelfunktion, des Gleichgewichts, der Empfindung und

aller Sinne bis hin zu Bewusstseins-, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen.

Um die Ursachen von Störungen erkennen zu

können, braucht es das Wissen erfahrener Neurolog:innen, eine

sensible Gesprächsführung und innovative, auch bildgebende

Technik.

ZWISCHENHIRN

Thalamus

Hypothalamus

Hypophyse

GROSSHIRN

HIRNSTAMM

Der älteste Teil des Gehirns mit Mittelhirn, Brücke und Nachhirn

verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. Der Hirnstamm

reguliert Reflexe und lebensnotwendige Funktionen wie

Atmung, Herzschlag und Blutdruck.

HIRNSTAMM

Mittelhirn

Brücke

Nachhirn

KLEINHIRN

15


XX WEITERGEHEN

JEDE SEKUNDE ZÄHLT

Sprechen wir über den Schlaganfall

Gemäß der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erleiden in Deutschland 200.000 Menschen pro Jahr

erstmalig einen Schlaganfall. Dazu kommen 70.000 wiederholte Schlaganfälle.

Woran lässt sich ein Schlaganfall erkennen? Kann man sich gegen einen Schlaganfall wappnen?

Im Passauer Wolf Reha-Zentrum Ingolstadt nimmt sich der Ärztliche Direktor und Chefarzt

der Neurologie, Dr. med. Rainer Dabitz, Zeit für unsere Fragen. Er ist ausgewiesener Experte

im Bereich der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Schlaganfall-Erkrankungen und

Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.

16


WEITERGEHEN XX

Rückenmark

Peripheres

Nervensystem

Nerven

Gehirn

Zentrales

Nervensystem

Spinales

Nervensystem

WAS UMFASST DIE NEUROLOGIE?

Die Neurologie beschäftigt sich mit dem Aufbau,

der Funktion und den Erkrankungen des Nervensystems.

Das Nervensystem besteht einerseits aus

dem zentralen Nervensystem (ZNS), zu dem auch

das Gehirn und das Rückenmark gehören, und andererseits

aus dem peripheren Nervensystem (PNS),

das die peripheren Nerven, Nervenwurzeln und Nervengeflechte

umfasst. Dazu gehört das vegetative

Nervensystem, das die inneren Organe und unbewussten

Körperfunktionen reguliert. Auch die

Muskeln fallen zu einem Teil in das Fachgebiet der

Neurologie, denn Muskeln und Nerven bilden eine

untrennbare Einheit.

Worin besteht für Sie die besondere Faszination der Neurologie?

Dr. med. Rainer Dabitz: Das Nervensystem ist das vielleicht komplexeste und

faszinierendste Organ des Menschen. In Kenntnis der Beziehungen zwischen

kleinsten und größeren Strukturen und Funktionen des Gehirns und

der Nerven, ermöglicht bereits die sorgfältige Befragung und körperliche

Untersuchung von Betroffenen die Eingrenzung möglicher Diagnosen.

Daneben ist die Neurologie eine relativ junge Disziplin mit rasantem

Zugewinn an diagnostischen Verfahren und Möglichkeiten der Behandlung.

Bei der Auflösung der manchmal sehr komplexen Zusammenhänge steht

sie in engem Kontakt mit den hochspezialisierten Disziplinen der Neuroimmunologie,

der Neuroonkologie, der Neurochirurgie, der Neuroradiologie,

aber auch der Gefäßchirurgie und der Inneren Medizin. Insbesondere

in der neurovaskulären Medizin, der Erforschung von Erkrankungen der

Blutgefäße von Gehirn und Rückenmark, waren die Fortschritte in den

Behandlungsoptionen so bahnbrechend, dass das vor 25 Jahren oft noch

schlimme Schicksal von Schlaganfall-Patient:innen in der Prognose entscheidend

verbessert werden konnte. Ich schätze mich sehr glücklich, dass

ich diese Entwicklung während meiner Zeit in der Akutneurologie miterleben

und sogar mit voran treiben konnte.

Dr. med. Rainer Dabitz,

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologie

im Passauer Wolf Reha-Zentrum Ingolstadt

17


XX WEITERGEHEN

Was passiert bei einem Schlaganfall?

Dr. med. Rainer Dabitz: Das Wort Schlaganfall ist eigentlich ein umgangssprachlicher

Begriff und fasst mehrere Erkrankungen zusammen. Allen

gemeinsam ist, dass es plötzlich und häufig ohne jede Vorwarnung zum

Ausfall körperlicher Funktionen kommt, wie »ein Blitz aus heiterem

Himmel«. Daraus leitet sich das Wort Schlaganfall ab.

Klinisch neurologisch stellt man plötzlich Störungen in der Funktion des

Gehirns fest. Die Art der Ausfälle lässt zwar häufig auf den Ort der Schädigung

schließen, nicht aber auf die Ursache. Mehr als zwei Drittel aller

Schlag anfälle entstehen durch eine Mangeldurchblutung. Dabei wird ein

hirnversorgendes Gefäß durch ein Blutgerinnsel verschlossen und das

abhängige Areal des Gehirns nicht mehr durchblutet. Diese Gerinnsel

können lokal ent stehen oder aber mit dem Blutstrom fortgeleitet worden

sein. Weniger häufig, aber in der Auswirkung auch sehr beeinträchtigend,

sind Ein blutungen in das Gehirn, unter oder zwischen die Hirnhäute wie

z. B. bei Einrissen in Gefäß-Aussackungen.

AUSLÖSER FÜR DEN SCHLAGANFALL

Verstopfungen behindern den Blutfluss

Arteriosklerose-

Schlaganfall

z. B. Cholesterin-

Plaques

Blutverlust

Schlaganfall durch

Blutung

Schlaganfall durch

Mangeldurchblutung

Durch innere

oder äußere

Verletzungen

Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr

z. B. durch ein

Blutgerinnsel

Woran kann ein Laie einen Schlaganfall erkennen?

Dr. med. Rainer Dabitz: Typische Symptome eines Schlaganfalls

können sein:

• plötzliche Gefühlsstörungen oder Lähmungen

• plötzlich aufgetretene Störungen der Sprache oder

des Verstehens

• plötzlich aufgetretene Doppelbilder, Blindheit

auf einem Auge oder halbseitige Störungen des

Gesichtsfelds

• plötzlich aufgetretene halbseitige Ungeschicklichkeit,

Schwindel mit Stand- und Gangunsicherheit

• plötzlich aufgetretene lallende Sprache und

Schluckstörungen

• rasende, bisher nicht bekannte Kopfschmerzen

• plötzliche Bewusstlosigkeit, häufig mit vollständiger

Fehlstellung der Augen

18


WEITERGEHEN XX

Warum ist der Faktor Zeit so entscheidend?

Dr. med. Rainer Dabitz: Unser Gehirn hat kaum Möglichkeiten,

Nährstoffe und Sauerstoff zu speichern, und ist deshalb auf eine

stetige Versorgung mit Blut angewiesen. Sinkt die Durchblutung

unter ein kritisches Maß, entstehen sehr rasch Funktionsausfälle.

Dauert dieser Zustand länger an, gehen mehr und mehr Gehirnanteile

zugrunde. Eine Minute bedeutet dabei den Untergang

von 1,9 Millionen Neuronen, 14 Milliarden Synapsen und 12 km

Nervenfasern (Stroke 2006; 37:263-266).

Je früher die Behandlung einsetzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit,

die Schädigungen gering zu halten. Im Zeitraum

von bis zu 4,5 Stunden nach Beginn der Symptome können

Gerinnsel-auflösende Medikamente eingesetzt werden. Gerade

in den letzten Jahren haben sich aber die bildgebenden Verfahren

so verbessert, dass die Gerinnselauflösung auch in verlängerten

Zeiträumen relativ sicher angewendet werden kann.

Daneben ist es zu einem Paradigmenwechsel gekommen. Heute

wird häufig die intravenöse Behandlung mit einem Manöver

kombiniert, das über einen in die Blutbahn eingebrachten Katheter

das Blutgerinnsel mechanisch entfernt. Die Weiterentwicklung

solcher Katheter und die Verbesserung der bildgebenden

Verfahren machen es möglich, dass auch relativ dünne Gefäße

erreichbar geworden sind.

Dennoch bleibt ein Schlaganfall ein medizinischer Notfall. Dazu

zählen auch flüchtige Symptome, die sich rasch zurückbilden.

Denn auch diese sogenannten ischämischen Attacken könnten

Vorboten eines Schlaganfalls sein, und gerade dann besteht die

Möglichkeit, es gar nicht erst dazu kommen zu lassen.

19


XX WEITERGEHEN

Im ländlichen Raum sind spezialisierte Kliniken nicht unbedingt

schnell erreichbar. Wie schafft man es, eine flächendeckende

Versorgung von Betroffenen sicherzustellen? Welche Verbindung

gibt es zu Netzwerken aktuell?

Dr. med. Rainer Dabitz: Nahezu alle bayrischen Regionen sind

mittlerweile durch Schlaganfall-Netzwerke abgedeckt. Allen

gemeinsam ist, dass Schlaganfall-Zentren, die alle Möglichkeiten

zur Diagnostik und Therapie 24 Stunden rund um die Uhr

vorhalten, Kliniken betreuen, die diese Möglichkeit nicht haben.

Dennoch kann gerade der Faktor Zeit durch eine Verlegung in

eines dieser Krankenhäuser im ländlichen Raum deutlich reduziert

werden. Die Patient:innen erhalten vor Ort die primäre

Diagnostik und können sich durch die Schlaganfall-Zentren

beraten lassen. Dort sehen Expert:innen die Bilder, können eine

klinische Untersuchung über telemedizinische Kamerasysteme

durchführen und beraten, welche Behandlung der Patient oder

die Patientin erfahren soll. So kann z. B. beim Verschluss eines

großen Blutgefäßes die intravenöse Gerinnsel-auflösende

Behandlung dort begonnen werden und Betroffene unter

laufender Therapie in das Schlaganfall-Zentrum verlegt werden.

Dort besteht dann auch die Möglichkeit, etwa eine notwendige

Operation durchzuführen. Netzwerke wie z. B. NEVAS schaffen

günstige Voraussetzungen.

NEVAS ist die Abkürzung für neurovaskuläres Versorgungs-Netzwerk

Südwestbayern. Die drei Schlaganfall-Zentren

München Großhadern, Günzburg und Ingolstadt betreuen

dabei insgesamt 19 Kliniken im Südwesten Bayerns von Garmisch-Partenkirchen

bis Weißenburg. Die Besonderheit dieses

Netzwerks besteht darin, dass jedes Schlaganfall-Zentrum einige

Kliniken im Einzugsbereich telemedizinisch versorgt. Die

Betreuung geht aber auch darüber hinaus – bis hin zu gemeinsamen

Vor-Ort-Visiten. Der Vorteil dieser Regionalität besteht

darin, dass häufig die Ansprechpartner:innen vor Ort und die

Kapazitäten zur Übernahme bekannt sind. Sollte eines der

Zentren tatsächlich ausgelastet sein, wird ein anderes die

Behandlung übernehmen. Ich selbst bin heute nicht mehr akut

telemedi zinisch tätig. Ich sehe heute meine Aufgabe eher darin,

die Häuser im NEVAS-Netzwerk durch eine sehr rasche Übernahme

der Patient:innen in die Rehabilitation zu unterstützen.

20


»Ein Schlaganfall trifft nicht nur

Betroffene, sondern auch die Angehörigen.«

WEITERGEHEN XX

Lässt sich ein Schlaganfall-Risiko minimieren?

Dr. med. Rainer Dabitz: Das Schlaganfall-Risiko lässt sich deutlich

reduzieren. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung,

der Verzicht aufs Rauchen und auf zu viel Alkohol tragen

wesentlich dazu bei. Eine konsequente Untersuchung und

Behandlung der Gefäß-Risikofaktoren, die auch für andere

Gefäßerkrankungen verantwortlich sind, hilft sehr, das Risiko

zu reduzieren. Die Einstellung eines Diabetes mellitus, einer

arteriellen Hypertonie, einer Fettstoffwechselstörung und die

Untersuchung auf das Vorliegen einer Herzrhythmusstörung

sind unabdingbare Maßnahmen.

Leider bleibt das Risiko erhöht, nach einem Schlaganfall, einen

nächsten zu erleiden. Deshalb ist dann eine noch konsequentere

Einstellung der Gefäß-Risikofaktoren erforderlich, ebenso wie

die konsequente Einnahme der Medikamente zur Sekundärprävention.

So helfen beispielsweise moderne Medikamente zur

Blutverdünnung bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, das

Risiko um 60 Prozent zu reduzieren. Es gibt sonst kaum eine

Behandlung oder Maßnahme in der Medizin, die diese Risikoreduktion

auch nur annähernd erreicht.

Wenn täglich zehn Minuten in die Schlaganfall-Prävention investiert

würden, was würden Sie raten, in diesen zehn Minuten

zu tun?

Dr. med. Rainer Dabitz: Die Weltgesundheitsbehörde (WHO)

empfiehlt pro Woche mindestens 150 Minuten moderate Bewegung.

So lasse sich das persönliche Schlaganfall-Risiko um

50 Prozent senken. Dazu zählen auch Spaziergänge oder Fahrradfahren.

Ein Tipp, den Sie Betroffenen und ihren Angehörigen mit auf

den Weg geben möchten?

Dr. med. Rainer Dabitz: Jeder Schlaganfall ist ein Notfall und muss

sofort behandelt werden. Zögern Sie deshalb nicht, die Notrufnummer

112 anzurufen. Ein Schlaganfall, der dennoch schwere

Funktionseinschränkungen hinterlässt, ist natürlich eine extreme

Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen – ein

Schlaganfall trifft immer mindestens zwei Personen. Betroffenen

und ihren Angehörigen möchte ich mit auf den Weg geben: Es

ist nichts unmöglich, auch wenn es initial so erscheint. Man darf

nie aufgeben, auch nicht, wenn sich der Fortschritt nicht so

schnell einstellt wie gewünscht. Durch intensive Behandlung und

Betreuung lassen sich sehr, sehr viele Verbesserungen er reichen.

Wir danken Dr. med. Rainer Dabitz für das tiefgreifende

Gespräch. Den kompletten Inhalt können Sie nachlesen unter

passauerwolf.de/wolfsspur.

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XX WEITERGEHEN

ZURÜCK IN DEN ALLTAG

Die Phasen der neurologischen Rehabilitation

Nach einem Schlaganfall helfen Reha-Maßnahmen,

schnell zu einem Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung

zurückzufinden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft

für Rehabilitation e. V. (BAR) hat für den Genesungsweg

ein Phasenmodell entwickelt. Welcher Phase Betroffene zugeordnet

werden, hängt von der Schwere ihrer Beeinträchtigung

ab. Bei zunehmender Selbstständigkeit wechseln Patientinnen

und Patienten in die nächste Reha-Phase. Werden rasch Fortschritte

erzielt, ist auch das Überspringen einer Phase möglich.

Ebenso kann – bei einer Verschlechterung des Befindens – der

Wechsel in eine frühere Phase sinnvoll sein. So werden die

Reha-Maßnahmen dem individuellen Fortschritt der Betroffenen

angepasst. Der Passauer Wolf begleitet im Anschluss an

die Akutversorgung durch alle Phasen der Genesung.

PHASE B — NEUROLOGISCHE FRÜHREHABILITATION

Nach der Akutversorgung sind Betroffene in der Regel intensiv

auf ärztliche, therapeutische und pflegerische Behandlung angewiesen.

Beim Passauer Wolf arbeiten spezialisierte Teams aus

Mediziner:innen, Therapeut:innen, Neurolog:innen und Pflegefachkräften

Hand in Hand, um den Zustand der Patientinnen

und Patienten zu stabilisieren, mit der Frühmobilisierung und

dem Wiederaufbau der Alltagsfähigkeiten zu beginnen. Die

Neurologische Frührehabilitation bietet der Passauer Wolf in

Bad Griesbach und Nittenau an.

PHASE C — WEITERFÜHRENDE REHABILITATION

Während der weiterführenden Rehabilitation können sich

Betroffene selbstständig aufrichten, nehmen aktiv an der Therapie

teil und führen kleine Alltagsverrichtungen ohne Hilfe aus.

Jetzt besteht keine Gefahr mehr für lebensbedrohliche Komplikationen.

In dieser Phase stehen die Wiederherstellung der

Selbstständigkeit, die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit

und der Aufbau von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleist

ungen im Fokus. Die weiterführende Rehabilitation bietet der

Passauer Wolf in Bad Griesbach, Nittenau, Bad Gögging und

Ingolstadt an.

PHASE D — ANSCHLUSSREHABILITATION

Die Anschlussrehabilitation richtet sich auf die Reduzierung

eventuell noch bestehender Behinderungen und Einschränkungen.

Das können etwa motorische oder kommunikative Störungen

oder Schluckprobleme sein. Darüber hinaus gilt es, sich

einen gesunden Lebensstil anzugewöhnen und auch mit möglichen

Beeinträchtigungen gut leben zu lernen. Die Anschlussrehabilitation

bietet der Passauer Wolf in Bad Griesbach, Nittenau,

Bad Gögging und Ingolstadt an. Bei Bedarf stehen

Betroffenen auch die Nachsorgeprogramme des Passauer Wolf

offen.

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WEITERGEHEN XX

MEHR RAUM FÜR

DIE NEUROLOGISCHE

REHABILITATION

im Passauer Wolf Reha-Zentrum Ingolstadt

20 Jahre nach Gründung erweitert der Passauer Wolf Ingolstadt seine Kapazitäten

erheblich — auf 72 Plätze. In der neurologischen Rehabilitation entsteht auf zwei

Etagen mehr Raum für die regionale Versorgung, für exzellente medizinischtherapeutische

neurologische Rehabilitation, für die aufmerksame Begleitung

betroffener Menschen auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Unsere direkte Verbindung zum Klinikum Ingolstadt, mit

dem wir schon seit Jahren eng kooperieren, stellt dabei

einen besonderen Wert für unsere Patient:innen und uns

dar. Der hausübergreifende Austausch, gerade bei neurologischen

Herausforderungen, schafft zusätzliche Sicherheit und

vergrößert bei betreuten Patient:innen das Verständnis für ihre

individuellen Bedürfnisse und Besonder heiten.

ANSPRECHEND GESTALTETE RÄUME

Ein aufmerksames Ambiente und ein herzlicher Umgang haben

für den Passauer Wolf große Bedeutung in jeder Genesungsphase.

Denn sie tragen wesentlich dazu bei, dass sich Patient:innen

bei uns willkommen und geborgen fühlen. Gerade in

be lastenden Situationen, etwa nach einem Schlaganfall, helfen

eine wertschätzende Umgebung und persönliche Zuwendung,

Stress und Ängste abzubauen. Das tut Körper und Seele gut und

fördert die Genesung. Ebenso wie die Kräfte der Natur, die wir

gerade für bewegungseingeschränkte Gäste gern nach innen

holen: Das Grün der Pflanzen und natürliche Materialien wie

Holz wirken entspannend und unterstützen die Erholung.

REGIONALE AKZENTE

Solche Gedanken sind auch in unsere Erweiterung am Klinikum

Ingolstadt eingeflossen. Zudem finden sich regionale Anknüpfungen

auf den neuen Etagen: So widmet sich eine Ebene der

schönen, blauen Donau, eine weitere der Schanz, den schützenden

Befestigungsmauern Ingolstadts, die weit ins Mittelalter

zurückweisen. Ganz aus der Gegenwart strahlen zwölf farbenfrohe

Bilder des Ingolstädter Künstlers Denis Lang. Sie verströmen

Vitalität und Optimismus. Wer Näheres über den Künstler

Denis Lang erfahren will, der blättert zur Seite 44.

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XX WEITERGEHEN

WENN DIE WORTE FEHLEN

Aphasie und fit!

Sich gegenseitig stärken: Im Passauer Wolf Bad Griesbach fand eine Seminarwoche

des Aphasie Landesverbands Bayern für Betroffene statt ―

mit Vorträgen, Trainings, Ausflügen und Austausch. Und jeder Menge gute Laune!

Nach einer Hirnschädigung, etwa durch einen Unfall,

Tumor oder entzündlichen Prozess, kann es zu einer

Aphasie, einer Störung des Sprachvermögens, kommen.

Häufigste Ursache ist ein Schlaganfall, bei dem die linke

Gehirnhälfte betroffen ist. Die Aphasie kann sich auf alle

sprachlichen Fähigkeiten auswirken – aufs Sprechen und Verstehen,

Schreiben und Lesen.

RAUS AUS DER ISOLATION

Eine Störung der Sprachfähigkeit, unserem wichtigsten Kommunikationsinstrument,

ist nur schwer zu verkraften. Häufig

ziehen sich Betroffene zurück, meiden Begegnungen, werden

depressiv. Da setzt das Seminarprogramm des Aphasie Landesverbands

Bayern im Passauer Wolf Bad Griesbach einen wichtigen

Kontrapunkt.

INSPIRATION ZUM MITNEHMEN

Expert:innen aus dem Aphasie-Verband und dem Passauer Wolf

luden in der Seminarwoche zum Mitmachen, Ausprobieren

und »Über-sich-selbst-Hinauswachsen« ein. Thomas Loch,

1. Vorsitzender des Aphasie Landesverbands Bayern und Judotrainer,

verhalf den Teilnehmenden mit einer Sporteinheit zu

einer wertvollen Erfahrung: »Das stärkt das Selbstbewusstsein.

Man fühlt sich stärker, mutiger, präsenter.« Die Möglichkeiten

einer VR-Brille stellte Marie-Claire Heyne, Ergotherapeutin im

Passauer Wolf Bad Griesbach, vor. Dazu anregende, sprachtherapeutische

Übungen mit der Logopädin Stefanie Rinder,

ein Motivationstraining mit der Therapeutin Sabine Link und

ein Thermenbesuch mit ihr, der sogar Ängstlichen Lust aufs

Wasser machte. Sein Expertenwissen zum Schlaganfall teilte

Dr. med. Oliver Meier, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der

Neurologie und Geriatrie im Passauer Wolf Bad Griesbach. Beim

Wandern, einer vergnügten Schifffahrt oder beim abendlichen

Zusammensitzen fiel der Austausch zwischen den Betroffenen

und mit den Fachkräften leicht. Intensive Gespräche mit Thomas

Loch drehten sich immer wieder um die gemeinsame Frage:

»Wie können wir Betroffene im Alltag unterstützen, wenn der

Mut zur Sprache verloren geht?« Begegnen sich verschiedene

Erfahrungen, Professionen und Perspektiven, tun sich oft Türen

auf, die man vorher nicht sah. Der Passauer Wolf freut sich auf

den weiteren Austausch mit dem Aphasie Landesverband Bayern

und heißt auch gerne andere Gruppen zu Seminaren oder Tagungen

in seinen Räumen willkommen.


WEITERGEHEN XX

VORHANG AUF FÜR

PARKINSON-BETROFFENE!

Theaterpädagogik in der Parkinson-Therapie

Inspirierende Fortbildung: In Bad Gögging bietet der Passauer Wolf

allen Mitarbeiter:innen, die mit Parkinson-Patientinnen und -Patienten arbeiten,

ein Seminar an, das theaterpädagogische Übungen speziell für

die Einzel- oder Gruppentherapie von Parkinson-Betroffenen zuschneidet.

Morbus Parkinson ist eine der häufigsten Erkrankungen

des zentralen Nervensystems. In einem bestimmten

Hirnareal, der Substantia nigra, sterben dabei dopaminhaltige

Nervenzellen unwiederbringlich ab. Der Dopaminmangel

verhindert zunehmend natürliche Bewegungen. Sie

verlangsamen sich, werden unsicher, es kommt zu Versteifungen

oder Zittern. Die Handschrift wird kleiner, unleserlicher,

die Stimme leiser und monotoner.

MULTIPROFESSIONELL, INDIVIDUELL

UND ZERTIFIZIERT

Als eine von der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V. zertifizierte

Fachklinik bietet der Passauer Wolf Bad Gögging eine auf

die spezifischen Bedürfnisse von Parkinson-Patientinnen und

Patienten abgestimmte Behandlung – Physiotherapie, Physikalische

Therapie, Ergotherapie, Sporttherapie, Logopädie, Neuropsychologie

und Sozialberatung kommen ebenso zum Einsatz

wie Therapien, die bei uns speziell für Menschen mit Parkinson

etabliert wurden, etwa das Lee Silverman Voice Training

(LSVT®). Dazu kommen Übungen, die sich als besonders wirksam

erwiesen haben und Betroffenen meist viel Freude bereiten

wie Taiji oder wie die Schäffler zu tanzen. Mit den theaterpädagogischen

Übungen erweitern wir den Radius unserer Behandlungsmöglichkeiten

um einen weiteren, ganzheit lichen Aspekt.

EINE WICHTIGE ROLLE SPIELEN

Warum profitieren Parkinson-Betroffene von theaterpädagogischen

Übungen? Für sie ist es so wichtig, die eigene Kreativität

zuzulassen, sich auf ungewohnte Sichtweisen einzulassen, die

Rollen zu tauschen, der Mimik, Gestik, der Stimme spielend

Ausdruck zu verleihen, Zugang zu finden zu den eigenen Gefühlen

und zu den Emotionen anderer Menschen. Theaterpädagogische

Übungen unterstützen den ganzen Bewegungsapparat,

stärken die Stimme, verbessern die Orientierung im Raum.

Sie ermutigen, stabilisieren und kräftigen. Gerade Parkinson-

Betroffene finden zu neuem Selbstvertrauen und Mut. Gründe

genug, findet der Passauer Wolf.

25


XX WEITERGEHEN

LYRA, SENSO, TIGO

Technische Multitalente in der Gangtherapie

Nach einem Unfall oder etwa einem Schlaganfall wünschen sich

Betroffene oft nichts sehnlicher, als ihr Leben wieder selbstbestimmt zu gestalten.

Auf diesem Weg ist einer der wichtigsten Schritte,

die Gehfähigkeit wiederzuerlangen oder wesentlich zu verbessern.

Ein neugestalteter Therapieraum namens »Gangkontinuum«

im Passauer Wolf Reha-Zentrum Bad Griesbach

bietet Betroffenen mehrere hochmoderne THERA-

Trainer, die speziell für die Gangtherapie entwickelt wurden.

Sie verbessern die Mobilität der Patient:innen nachhaltig und

damit auch ihre Lebensqualität.

LYRA — EFFIZIENTER FORTSCHRITTMACHER

Der Gangtrainer Lyra hilft Patient:innen dabei, ihre Gehfähigkeit

wiederzuerlangen, indem er durch natürliche Laufbewegungen

das Muskelgedächtnis stimuliert und damit das Wiedererlernen

des Laufens unterstützt. Nach und nach wird mehr

Körpergewicht auf die Beine verlagert und so Mobilität, Kraft

und Sicherheit aufgebaut. Die Therapeut:innen haben jederzeit

Zugriff auf alle Trainingsdaten und können diese auch mit dem

interdisziplinären Behandlungsteam teilen. Ein Gewinn für die

Zusammenarbeit.

SENSO — KOGNITIVES UND MOTORISCHES TRAINING

Krankheit, Unfall oder der Alterungsprozess können das komplexe

Zusammenspiel zwischen sensorischen Reizen und motorischer

Ausführung empfindlich stören. Dann ist die Kombination

aus kognitiven und motorischen Übungen dem rein

körperlichen Training weit überlegen. Genau das macht das

interaktive Trainingsgerät Senso hocheffektiv. Es verbessert die

geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und reduziert das

Sturzrisiko deutlich.

AKTIV MIT DEM CYCLING-TRAINER TIGO

Wie ein Fahrrad-Training stärkt Tigo die Muskelkraft im Oberkörper

und in den Beinen, trainiert die Beweglichkeit und baut

Kondition auf. Je nach den Möglichkeiten des Betroffenen

kann das Training aktiv mit eigener Muskelkraft, assistiert oder

passiv mit motorischer Unterstützung erfolgen. Das Training

gelingt einfach und sicher – selbst vom Rollstuhl aus.

Innovative Technik, die den Menschen unterstützt, macht Trainingserfolge

schneller sichtbar, motiviert, aktiviert – oft auch

spielerisch. Im Passauer Wolf Reha-Zentrum Bad Griesbach

freut man sich darüber, dass sich nun das neugestaltete »Gangkontinuum«

mit Leben füllt.

26


WEITERGEHEN XX

DA SPIELT DIE MUSIK

Trommeln fürs Leben

Eine Besonderheit im Passauer Wolf Bad Gögging: In die Therapiearbeit binden

wir auch geeignete Bestandteile aus den Hobbys unserer Patient:innen ein.

Patient:innen können beispielsweise beim Schäfflertanz

gut gelaunt ihre motorischen Fähigkeiten und das

Herz-Kreislauf-System verbessern. Das Freizeitangebot

»Tischtennis für Parkinson-Patient:innen« schult die Beweglichkeit,

trainiert die Auge-Hand-Koordination und fördert

ein positives Miteinander. Unser jüngstes Angebot verwirklicht

die Trommelgruppe »Drums for Life« im Rahmen der Sporttherapie.

LAUTER GUTE GRÜNDE

»Beim Trommeln schüttet das Gehirn sogenannte Glückshormone

aus, etwa Dopamin und Serotonin. Das hellt die Stimmung

auf und kurbelt die Selbstheilungskräfte an«, erzählt

Robert el Fahem Krummradt, Therapieleiter im Passauer Wolf

Bad Gögging. Und die Teamleiterin der Sporttherapie Hanka

Osterkamp ergänzt: »Dazu kommt die Verbesserung der Koordination,

der Konzentration, der Feinmotorik. Das Rhythmusgefühl

wird gestärkt, das Körper- und Selbstbewusstsein nimmt

zu. Gleichzeitig wird das Schmerzempfinden gedämpft und

Stress abgebaut. Selbst zu musizieren fordert das Zusammenspiel

vieler verschiedener Fähigkeiten: den Hör- und Sehsinn,

den Tastsinn, die Feinmotorik. Das führt auch dazu, dass sich

Nervenzellen im Gehirn neu vernetzen und sich das Zusammenspiel

der linken und rechten Gehirnhälfte verbessert.«

»Die größten Menschen

sind jene, die anderen Hoffnung

geben können.«

Jean Jaurès

TROMMELN MACHT GLÜCKLICH

Trommeln kann wirklich jede und jeder. Zwei Kochlöffel und

einen Gymnastikball – mehr braucht es nicht für den oder die

»Drums for Life«-Trommler:in. Und dann geht’s los. Schon ein

einfacher Rhythmus zum »Warmwerden« zaubert den Teilnehmenden

ein Lächeln ins Gesicht. Mit anderen im Rhythmus, im

Einklang zu sein, das verbindet und befriedigt ungemein. Aber

auch im Alleingang kann man von den positiven Effekten des

Trommelns profitieren. Wer keinen Gymnastikball zu Hause

hat, trommelt einfach auf einen Eimer oder eine Schüssel – siehe

auch Seite 49.

27


XX MUTMACHEN

28


MUTMACHEN XX

»Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand,

das Außergewöhnliche ihren Wert.«

Oscar Wilde

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XX MUTMACHEN

»Die Wassergymnastik hat

mir besonders geholfen. Das

habe ich auch mitgenommen

für zu Hause. Wie gut das

wirklich für mich ist, war mir

anfangs gar nicht so bewusst.«

− Jacqueline Laruelle findet

im Wasser Leichtigkeit.

30


MUTMACHEN XX

Jacqueline Laruelle

DAS LÄCHELN

BEWAHREN

Jacqueline Laruelle hat es in ihrem Leben nicht immer einfach gehabt. Eine

angeborene Spastik und ein langer OP-Marathon haben ihr in den letzten Jahren viel

abverlangt. Trotzdem hat sie eines nie verloren: ihre positive Einstellung zum Leben.

Warme Sonnenstrahlen durchfluten das Schwimmbad

im Passauer Wolf Reha-Zentrum Bad Gögging. Ein

sanftes Plätschern hallt von den Wänden. Die Luft

ist feucht und warm. Es ist 11:30 Uhr: Zeit für Wassergymnastik.

Mühelos bewegt sich Jacqueline Laruelle durch das Wasser.

Kleine Wellen kräuseln sich und schwappen über den Rand.

Mit einem breiten Lächeln im Gesicht setzt sie einen Fuß vor

den anderen und dreht Runde um Runde im Becken. Was auf

den ersten Blick so unbeschwert wirkt, war nicht immer selbstverständlich.

Denn noch vor einigen Jahren stand sie kurz vor

einem Leben im Rollstuhl.

NEUN OPERATIONEN IN ZEHN JAHREN

Jacqueline Laruelle wird mit einer Spastik geboren, die sie auf

Zehenspitzen und mit nach innen gerichteten Knien laufen lässt.

Lange Zeit kommt sie gut damit zurecht. Doch während sie als

Kind aktiv ist, sich viel bewegt und die Spastik so im Griff hat,

verändert sich das im Erwachsenenalter. Die Bewegungsmöglichkeiten

werden weniger, der orthopädische Verschleiß jedoch

immer mehr. Schließlich beginnt sie sich 2015 über mögliche

Behandlungsoptionen zu informieren. Die darauffolgenden

Jahre werden zum OP-Marathon: Sie unterzieht sich insgesamt

neun Eingriffen, von Muskel- sowie Sehnenoperationen und

Knochenkorrekturen bis hin zu Anpassungen von Oberschenkeln

und Füßen. Nach jedem der Eingriffe darf sie sechs bis

zwölf Wochen nicht laufen. Eine Herausforderung, die Geduld

und Durchhaltevermögen verlangt. Trotzdem kämpft sich die

37-Jährige immer wieder auf die Beine und zurück ins Leben.

DIE KRAFT DER GEMEINSCHAFT

Ein Ort, an den sie in diesen Jahren immer wieder zurückkehrt,

ist der Passauer Wolf Bad Gögging. Insgesamt sieben Reha-Aufenthalte

verbringt sie hier. Der Grund, warum sie stets gerne

zurückkommt, sind die Menschen. »Es ist jedes Mal ein großes

Wiedersehen und wie eine kleine Familie hier. Das Personal

kennt mich gut. Es geht gleich da weiter, wo ich zuletzt aufgehört

habe. Die Reha ist kein Pflichtprogramm für mich. Stattdessen

ist es spannend zu sehen, wie weit man gehen kann«,

31


XX MUTMACHEN

Im Passauer Wolf

Reha-Zentrum Bad

Gögging begleiten

Jacqueline Laruelle

abwechslungsreiche

Trainingsmöglichkeiten

durch den Reha-Alltag.

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MUTMACHEN XX

Mehr als nur ein starkes Team:

Sporttherapeutin Manuela

Knorz mit Jacqueline Laruelle

erzählt sie. Mittlerweile sind sogar richtige Freundschaften

entstanden. So auch mit Manuela Knorz. Sie ist Sporttherapeutin

im Passauer Wolf Bad Gögging und begleitet Jacqueline

Laruelle bereits seit sechs Jahren auf ihrem Weg. »Viele lassen

sich sehr von ihrer Krankheit einschränken«, stellt die Sporttherapeutin

fest. »Jacqueline ist da anders. Sie ist ein lebensfroher

Mensch, lässt sich nicht unterkriegen und versucht immer,

ihr eigenes Ding durchzuziehen. Natürlich gab es auch mal

Rückschläge, aber aus denen hat sie sich immer wieder herausgekämpft.

Das bewundere ich sehr an ihr.«

THERAPIE UND FORTSCHRITT

Nach jeder Operation gilt es neue Herausforderungen zu meistern.

Die Muskulatur muss wieder gestärkt und die normalen

Gehbewegungen neu trainiert werden. »Der Kopf will zurück

ins alte Muster. Deshalb musste ich wie ein kleines Kind immer

wieder neu laufen lernen«, erklärt die 37-Jährige. Eine große

Hilfe dabei ist der Gangroboter »Lyra« im Passauer Wolf Bad

Gögging. »Die Patient:innen werden in eine Gurthalterung

eingespannt und können so die natürlichen Laufbewegungen

üben. Dadurch wird das Muskelgedächtnis stimuliert und der

Körper erinnert sich an die normale Gangfolge«, erklärt Manuela

Knorz. Darüber hinaus bietet auch die Wassergymnastik im

hauseigenen Schwimmbad optimale Voraussetzungen, um die

Gehfähigkeit – gestützt durch das Wasser – zu trainieren. Eine

positive Überraschung war für Jacqueline Laruelle zudem das

Training an den Geräten. »Anfangs dachte ich, mit einer Behinderung

ist das schwierig. Da komme ich nicht mit oder das kann

ich nicht. Im Passauer Wolf Bad Gögging habe ich gelernt, dass

es geht. Seitdem trainiere ich auch zu Hause zwei bis drei Mal

pro Woche im Fitnessstudio.« Heute ist sie stolz auf ihre Fortschritte:

»Es gibt immer wieder diese Aha-Momente. Situationen,

in denen ich merke: Wow, das konnte ich früher aber

nicht.«

»Geht nicht gibt’s nicht.

Ich mache einfach immer weiter.«

WEG MIT DEN KRÜCKEN

Von diesen Aha-Momenten – großen und kleinen Meilensteinen

– hat Jacqueline Laruelle auf ihrem Weg viele erlebt. Ein ganz

besonderes Ereignis verblüfft die 37-Jährige bis heute: In einer

Phase, in der sie ohne Krücken nicht laufen konnte, sprang sie

plötzlich Seil. »Ich habe meine Krücken neben mich gelegt und

bin einfach Seil gesprungen. Und als ich aufgehört habe, musste

33


XX MUTMACHEN

ich meine Krücken wieder nehmen«, erinnert sie sich. »Da habe

ich gemerkt, dass ich eine Blockade im Kopf habe. Ich habe dann

angefangen, mich mehr mit der Neurologie zu beschäftigen.

Schließlich haben wir herausgefunden, dass sich mein Körper

wohl an die Bewegung aus meiner Kindheit erinnert. Daher

kennt er diesen Ablauf bereits«, erklärt sie. Heute, einige Jahre

später, denkt sie noch immer gerne an dieses einmalige Erlebnis

zurück. Die Erinnerung gibt ihr Kraft und den Mut, erneut daran

anknüpfen zu wollen. Daher hat sie sich für die Zukunft fest

vorgenommen, diese kindliche Freude an der Bewegung erneut

zu erreichen. »Das haben wir uns für dieses Jahr als Ziel gesetzt

und werden langsam wieder darauf hinarbeiten.«

Ein weiteres Highlight der letzten Jahre war zudem die Korrektur

ihrer Oberschenkel. »Das hat allein von der Ästhetik viel

ausgemacht, weil einfach dieser Behindertenfaktor wegfällt.

Dieses nach innen laufen und hinken auf Zehenspitzen hat viele

Menschen sehr abgeschreckt. Jetzt sieht man mich theoretisch

nur noch als jemanden, der sich verletzt hat. Ich muss mir nur

noch eine Geschichte ausdenken, wo. Vielleicht beim Skifahren«,

scherzt die 37-Jährige und lacht. Es ist diese leichte, fröhliche

Art, mit der Jacqueline Laruelle ihre Krankheitsgeschichte

annimmt und die sie sich trotz ihres beschwerlichen Weges stets

bewahrt hat. Ganz nach ihrem Lebensmotto: »Keep smiling«.

MIT OPTIMISMUS ANS ZIEL

Jacqueline Laruelle ist eine Kämpferin. Doch der lange OP-Marathon

und die gesundheitlichen Herausforderungen holen auch

die sonst so positiv gestimmte Frohnatur manchmal ein. Besonders

das freie Laufen ist für sie über die Jahre hinweg ein ständiges

Auf und Ab. Mal funktionierte es gut, dann wieder nicht.

»Natürlich gibt es auch Situationen, in denen mich alles nervt

und ich trotzig reagiere. Zum Beispiel, wenn ich die tausendste

Thrombosespritze bekomme. Da habe ich dann auch keine Lust

mehr und sage: Jetzt reicht es. Mein Bauch ist blau«, erzählt sie

offen. In solchen Momenten sei es wichtig, durch kleine Erfolge

neue Motivation zu schöpfen. Außerdem findet sie Kraft und

Unterstützung bei ihrer Familie. »Keep smiling. Soll ich mich

verkriechen? Nein, ich bleibe lieber positiv. Ich will einfach diese

Lebensfreude haben. So eine Einstellung bringt einen viel weiter.«

Auch die Geschichten anderer Patient:innen im Passauer

Wolf Bad Gögging inspirieren sie in Zeiten von Rückschlägen.

»Es gibt Menschen hier, die mich sehr beeindrucken. Wo ich

sage: Hut ab. Wo man merkt, es gibt noch viel schlimmere

Schicksalsschläge. Und das nehme ich dann auch mit nach

Hause. Da kann man dann schon ein bisschen weniger jammern.«

»Bad Gögging bietet die perfekte

Umgebung, um zur Ruhe zu kommen

und neue Kraft zu schöpfen.«

Nur wenige Schritte vom Passauer Wolf

Reha-Zentrum Bad Gögging entfernt: Der

Kurpark bietet Erholung im Grünen.

34


MUTMACHEN XX

ZWISCHEN JOB UND GESUNDHEIT

Auch jenseits der Reha-Aufenthalte dreht sich bei der 37-Jährigen

alles um Therapie und Training. Die Balance zwischen

einer vollen Arbeitswoche mit 40 Stunden und den notwendigen

Therapieeinheiten ist eine ständige Herausforderung. Zweimal

pro Woche steht Physiotherapie auf dem Programm, ergänzt

durch zweimal Krankengymnastik am Gerät und zwei bis drei

Trainingseinheiten im Fitnessstudio – alles abends von Montag

bis Samstag, manchmal sogar am Sonntag. »Eigentlich baue ich

die Arbeit um meine Therapie. Ich setze mich jeden Sonntag

hin und überlege, wie ich das alles hinkriege. Ein Plan ist da

ganz wichtig«, erzählt sie. Darüber hinaus helfen ihr tägliche

Bewegungseinheiten – wie der Weg in die Arbeit mit dem

Fahrrad – dabei, ihre Mobilität zu erhalten und die Spastik

bestmöglich im Griff zu haben.

NEUE ZIELE UND ALTE TRÄUME

Nach den beschwerlichen letzten Jahren blickt Jacqueline

Laruelle positiv in die Zukunft. Während das freie Laufen lange

ihr Fokus war, haben sich ihre Ziele heute verändert. »Für mich

wäre es einfach wichtig, dass ich mit Stöcken laufen kann. Also

ein bisschen mehr Flexibilität beim Gehen zu haben und relativ

»Lebensqualität ist für mich,

dass ich noch alles selber machen

kann. Das ist mir wichtig.«

gut mobil zu sein. Wenn ich irgendwann wieder ohne Hilfsmittel

laufen kann, wäre das schön. Aber das ist nicht mehr mein

oberstes Ziel. Ich möchte mir da den Druck nehmen«, erklärt

die 37-Jährige. Ein großer Wunsch für die Zukunft ist auch,

wieder mehr von der Welt zu sehen und die Zeit mit ihren

Liebsten zu genießen. Ob Reisen zu ihren Freund:innen nach

Frankreich und Irland oder ein Urlaub in Barcelona – all das ist

in den letzten Jahren zu kurz gekommen. »Und natürlich Seil

springen«, fügt Jacqueline Laruelle lachend hinzu. Denn schließlich

ist es wichtig, sich die Freuden im Leben zu bewahren, die

einem das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit schenken.

35


XX MUTMACHEN

Geradeaus ist langweilig

LEBENSLÄUFE

OHNE LINEAL

Die Arbeitswelt wird zunehmend dynamischer. Im Durchschnitt erlernt ein Mensch im Laufe

seines Lebens ungefähr fünf bis sieben verschiedene Berufe. Egal, ob die persönliche oder

fachliche Entwicklung durch eine Beförderung, einen Jobwechsel oder einen Quereinstieg

vorangeht: Klar ist, wo Mut zur Veränderung besteht, treffen vielfältige Erfahrungen und

Perspektiven aufeinander. Eine wertvolle Bereicherung wie wir finden. Vier Mitarbeiter:innen des

Passauer Wolf lassen uns in ihre Lebensläufe blicken. Sie erzählen uns davon, wie ungewöhnliche

Entwicklungen Außergewöhnliches hervorbringen und dass auch Umwege zum Ziel führen.

Und nicht zu vergessen: Wie wertvoll die Bereitschaft ist, Neues zu wagen und zu lernen.

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MUTMACHEN XX

ESRA BADAK, ASSISTENZ NEUROPSYCHOLO-

GIE PASSAUER WOLF BAD GÖGGING

Der Passauer Wolf war Esra Badak schon seit ihrer Kindheit

vertraut, denn ihre Mutter arbeitet hier bereits seit 32 Jahren.

Sie kannte das Haus also von klein auf, hätte aber nie gedacht,

dass sie eines Tages selbst hier tätig sein würde. Sie machte eine

Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und 2021 ergab

sich dann die Gelegenheit, als Mitarbeiterin am Empfang einzusteigen.

»Es war spannend, die Abläufe und den Alltag aus

dieser Perspektive kennenzulernen und es war eine entscheidende

Station auf meinem beruflichen Weg«, blickt Esra Badak

auf ihre Anfänge zurück. Mit der Zeit wurde ihr klar, dass sie

mehr wollte – tiefer in die Arbeit mit Menschen eintauchen,

und zwar auf einer anderen Ebene. Psychologie und Gesundheitsthemen

haben Esra Badak schon immer fasziniert und sie

verspürte den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen.

Sie entschied sich für ein Studium. Doch für Esra Badak blieb

die Frage: »Wie könnte ich meine Arbeit mit einem Studium in

diesem Bereich kombinieren, sodass beides sinnvoll ineinandergreift?«

Denn die Vorstellung nur im Hörsaal zu sitzen und

sich mit theoretischen Inhalten zu befassen, fand sie nicht

besonders spannend. Dann kam der Moment, der alles veränderte.

»Im Passauer Wolf wurde die Stelle als psychologische

Assistenz in der Neuropsychologie ausgeschrieben – und ich

wusste sofort: Das ist meine Chance. Diese Tätigkeit würde es

mir ermöglichen, Theorie und Praxis zu verbinden. Es war der

perfekte Moment, um den nächsten Schritt zu wagen. Ich bewarb

mich und sprach mit der Teamleitung über mein Vorhaben. Und

es hat geklappt. Ich begann berufsbegleitend mein Studium in

Gesundheitspsychologie und Medizinpädagogik und bekam

die Stelle. Ich bin bis heute sehr froh und dankbar für das mir

entgegengebrachte Vertrauen. Natürlich war es ein großer

Sprung – vom Empfang in die Neuropsychologie – und es hat

mich viel Mut gekostet. Aber meine Begeisterung, näher an den

Menschen zu arbeiten und tiefer in die menschliche Psyche

einzutauchen, überwog. Rückblickend war es die beste Entscheidung,

diesen Weg zu gehen. Es hätte sich schlichtweg falsch

angefühlt, es nicht zu tun«, resümiert Esra Badak ihren bisherigen

außergewöhnlichen Werdegang, den sie im Passauer Wolf

schon zurückgelegt hat.

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XX MUTMACHEN

38


MUTMACHEN XX

Plan A

Plan B

Realität

OLIVER WEITHMANN, LEITUNG PERSONAL

PASSAUER WOLF BAD GRIESBACH

Was passiert, wenn man beruflich die Richtung ändert, hat sich

auch Oliver Weithmann getraut auszuprobieren. Ursprünglich

ist er Physiotherapeut. Zwei Praktika, in denen er die Arbeit mit

Kindern mit Krankheiten oder körperlichen Behinderungen

kennen und schätzen lernen durfte, haben ihn auf diesen Weg

geführt. Fasziniert hat ihn vor allem, direkt zu sehen, wie die

Unterstützung bei den Menschen ankommt und wie man helfen

kann, Grenzen zu verschieben. 2012 kam er ins Team des Passauer

Wolf Bad Griesbach und behandelte überwiegend schwerbrandverletzte

und orthopädische Patient:innen. Doch er merkte

schnell, dass er sich breiter aufstellen wollte, um perspektivisch

vielleicht auch eine Führungsrolle übernehmen zu können. Und

so absolvierte er ausbildungs- und berufsbegleitend ein Bachelorstudium

im Bereich Physiotherapie. Er begleitete als Ausbilder

Praktikant:innen und wurde in den Betriebsrat gewählt. Als

ihm die Stelle als Assistent der Geschäftsleitung angeboten

wurde, überlegte er nicht lange. Durch seine Arbeit im Betriebsrat

wusste er schon, dass ihm die Arbeit »hinter den Kulissen«

im Bereich der Verwaltung gefällt. Über die Themen Recruiting,

Bewerbermanagement und Mitarbeiter:innen-Betreuung hat

sich sein Aufgabenschwerpunkt in Richtung Personal verschoben.

Mit dieser Erfahrung im Gepäck übernahm Oliver Weithmann

die Leitung der Personalabteilung 2019. »Zu Beginn weckt

das Unbekannte oftmals Zweifel und Unsicherheiten. Der Wechsel

von der Therapie in die Assistenzstelle und danach in die

Personalabteilung waren für mich als Quereinsteiger schon echt

herausfordernd. Aber bereut habe ich es nie. Viele Fortbildungen

und das Lernen an alltäglichen Aufgabenstellungen haben

mir geholfen. Um meine Kenntnisse weiter zu vertiefen, mache

ich gerade eine Weiterbildung zum Personalfachkaufmann«,

erklärt uns Oliver Weithmann. Auf die Frage, ob er den »Umweg«

über die Therapie nochmal wählen würde, kriegen wir ein klares

»Ja« als Antwort. Als Kind hatte Oliver Weithmann den Wunsch

»Richter« zu werden, was für ihn jemand war, der Dinge repariert

und richtet. Auch wenn er diesen Traum nicht direkt verfolgt

hat, ist er zufrieden mit seiner Position als Personalleiter:

»Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich durch meine Arbeit dazu

beitragen kann, Lösungen zu finden und Konflikte zu klären

oder Mitarbeitende eine faire Lösung für ihr Anliegen finden.

In diesem Sinne habe ich meinen kindlichen Wunsch, Dinge zu

richten, auf eine neue, spannende Art und Weise erfüllt.« Für

Außenstehende mag es zunächst so aussehen, als gäbe es in

Oliver Weithmanns Lebenslauf ziemliche Richtungswechsel. Für

ihn jedoch hat es sich nie so angefühlt. Ein Schritt ergab den

nächsten – auch durch seine Bereitschaft immer weiter zu lernen

und sich auf Neues einzulassen.

39


XX MUTMACHEN

ELENA POLINSKI, PFLEGE

PASSAUER WOLF BAD GÖGGING

Elena Polinski träumte schon als Kind davon, Erzieherin oder

Krankenschwester zu werden. 1992 kam sie mit 16 Jahren von

Kasachstan nach Deutschland, belegte einen Sprachkurs in

Landshut und begann dort – ganz dem Kindheitstraum entsprechend

– eine Ausbildung zur Krankenschwester. Doch

persönliche Gründe und die sprachliche Unsicherheit führten

dazu, dass sie die Ausbildung abbrach. Sie wurde arbeitslos. Es

folgte eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme in der Sozialpflege,

ein Kurs zur Pflegehelferin und ein Praktikum in der

Altenpflege. 1997 führte sie ihr Weg in den Passauer Wolf, wo

sie bis heute eine große Stütze im Team ist. »Anderen zu helfen,

das Gefühl ein Teil von etwas Größerem zu sein und einen

sinnvollen Beitrag zu leisten, gefällt mir. Die Wertschätzung,

die man von den Menschen erhält, denen man hilft, ist eine

starke Motivation«, erklärt Elena Polinski, was sie an ihrer Arbeit

schätzt. Vor kurzem hat sie nun doch noch einmal den Schritt

gewagt und die Ausbildung zur Pflegefachkraft ein zweites Mal

angepackt: »Das war so schwer für mich. Ich überlegte lange,

ob ich das schaffen kann. Doch ich habe es gewagt und lernte

erst mal wieder zu lernen.« Beim Durchhalten hilft ihr der

Austausch mit anderen Auszubildenden und die Unterstützung

der Familie, Kolleg:innen und Vorgesetzten. Und dass sie ein

klares – inzwischen greifbares – Ziel hat, sich einen Kindheitswunsch

damit erfüllt. »Natürlich ist es anstrengend, aber ich

weiß auch, dass es ein vorübergehender Abschnitt ist, der mir

viele Türen öffnet, wenn ich ihn erfolgreich beende«, beschreibt

sie ihre Motivation. Rückblickend betrachtet würde sie ihren

Weg wieder so gehen, da die Zeit damals einfach noch nicht reif

dafür war. Gut zwei Jahrzehnte später ist sie das und der große

Erfahrungsschatz, den sie zwischenzeitlich gesammelt hat, hilft

Elena Polinski heute, in stressigen und emotionalen Situationen

ruhig und einfühlsam zu bleiben.

»Ich überlegte lange, ob ich

das schaffen kann.«

40


MUTMACHEN XX

ELISABETH HANDSCHUH, REHA-ASSISTENZ

PASSAUER WOLF BAD GÖGGING

Dass man über die Logistik- und Einkaufsabteilung für Versuchswerkzeuge

eines Automobilherstellers in die Funktion der

Reha-Assistenz in die Neurologie gelangen kann, zeigt der

ungewöhnliche Weg von Elisabeth Handschuh. »Nach meiner

Elternzeit konnte ich nur noch in Teilzeit arbeiten. Der lange

Anfahrtsweg und die Öffnungszeiten des Kindergartens machten

eine Weiterbeschäftigung bei meinem früheren Arbeitgeber

unmöglich. Ich musste schweren Herzens kündigen. Aber so

führte mich mein Weg in den Passauer Wolf Bad Gögging«,

erzählt Elisabeth Handschuh. Aufgrund der Nähe ließ sich die

Arbeit dort sehr viel besser mit dem Familienalltag vereinbaren.

Sie begann im Lager als Urlaubs- und Krankheitsvertretung.

»Die Umstellung von einem großen Konzern in den Mittelstand

war riesig. Aber ich empfand es als sehr positiv. Da die Abteilung

krankheitsbedingt schlecht besetzt war, musste ich sehr schnell

alles lernen – aber es wurde mir auch zugetraut. Das motiviert

ungemein«, erklärt sie diese Phase.

»... es wurde mir auch zugetraut.

Das motiviert ungemein.«

Nach einigen Jahren im Lager führte sie ihr Weg in die Medizinische

Leitstelle. Das Aufgabengebiet vergrößerte sich, aber mit

der Herausforderung wuchsen auch die Kenntnisse von Elisabeth

Handschuh. »Meine Motivation hat mir dabei geholfen«, erzählt

sie uns. »Durch die Tätigkeit hatte ich viel Kontakt zu den

Kolleg:innen am Servicepunkt der Neurologie. Das Team dort

fand ich von Anfang an total nett. Und auch die Arbeit mit

Menschen interessierte mich immer mehr. Als dort eine Stelle

frei wurde, bewarb ich mich und wurde genommen. Heute

möchte ich den täglichen Umgang mit unseren Patient:innen

nicht mehr missen. Ich mag es einfach, wenn ich ihnen weiterhelfen

kann, ihnen die Auskunft geben kann, die sie gerade

brauchen. Das macht zufrieden.« Ein wirklich außergewöhnlicher

Weg, der zu Beginn eher ein »Plan B« war, hat sich für

Elisabeth Handschuh zu einem Beruf entwickelt, der ihr Freude

bereitet – weil sie Herausforderungen mutig anpackt.

41


XX MUTMACHEN

MAN DARF AUCH

MAL STOLZ SEIN.

Sie sind das »Herzstück«, ohne die in der

Patientenversorgung gar nichts geht:

die Mitarbeiter:innen im Passauer Wolf.

Schon lange setzt man im Passauer Wolf viele Hebel in

Bewegung, um das Team zu stärken. Intensives Recruiting

geeigneter Fachkräfte und die Nachwuchsförderung

durch eine breit aufgestellte Ausbildungspalette sind zwei wichtige

Säulen. Aber vor allem zählt: Die Mitarbeiter:innen sollen

auch bei uns bleiben wollen, sich wohlfühlen und sich ihren

Fähigkeiten und Wünschen entsprechend weiterentwickeln

dürfen. Denn das kommt auch bei unseren Patienten und Patientinnen

an. Im Gesundheitswesen ist die zwischenmenschliche

Beziehung von zentraler Bedeutung. Die Fähigkeit, Empathie

und Mitgefühl zu zeigen, kann den Unterschied in der

Patientenversorgung ausmachen. Mitarbeiter:innen, die gut

ausgebildet und motiviert sind, können eine Atmosphäre schaffen,

in der sich Patient:innen sicher und verstanden fühlen, was

ihre Heilungschancen erheblich verbessern kann. Um die Ent-

42


MUTMACHEN XX

BESTES

TEAM

Passauer Wolf

»Herzstück«

Es zeichnet Mitarbeiter:innen aus, wenn

der Arbeitgeber eine Auszeichnung erhält.

wicklung zu fördern, setzen wir uns beispielsweise dafür ein,

dass Weiterbildung berufsbegleitend möglich wird. Damit,

trotz aller Fürsorge für andere, auch die eigene Gesundheit im

Blick behalten werden kann, liefert das Team für Betriebliches

Gesundheitsmanagement wertvolle und alltagstaugliche

Impulse. Und das sind nur zwei von vielen Benefits, die stetig

erweitert werden.

Wir sind stolz, dass unsere Bemühungen nun Früchte tragen.

Der Passauer Wolf ist inzwischen zahlreich ausgezeichnet als

Arbeitgeber, insbesondere für sein Engagement in der Ausbildung

und Integration von Auszubildenden. Seit Mai 2021 sind

wir Teil des Projekts »Integration@Work« und zertifiziert als

»engagierter Ausbildungsbetrieb«. Von der Wirtschaftswoche

sind wir als »wertvoller Arbeitgeber« gekürt und tragen seit

Jahren das Kununu Top Company-Siegel. In der stern-Liste sind

wir als »ausgezeichneter Arbeitgeber Pflege« gelistet. Das Magazin

Focus bescheinigt hervorragende Karriere-Chancen mit einer

Bewertung von 100 Punkten. Zudem gingen uns Auszeichnungen

für moderne Arbeitsbedingungen, TOP-Gehaltszufriedenheit

und hohe Mitarbeiterentwicklung zu. In mehreren Studien sind

wir Branchensieger in der Ausbildung. Zudem wird uns eine

Vorbildfunktion in Vielfalt und Diversity zugeschrieben und wir

könnten diese Liste noch weiterführen.

Wir sind überzeugt, dass es Mitarbeiter:innen auszeichnet, wenn

der Arbeitgeber sich über so viele Auszeichnungen freuen darf

und verleihen allen Mitgestalter:innen im Passauer Wolf unsere

ganz eigene Auszeichnung: »Bestes Team«.

43


XX FREIDENKEN

Denis Lang, Künstler aus Ingolstadt, nutzt die Kunst,

um seinen inneren Dialog zu ordnen, während er als

kreativer Perfektionist immer auf der Suche nach

neuen Möglichkeiten ist, sich weiterzuentwickeln.

44


FREIDENKEN XX

AUF DER SUCHE

NACH FREIHEIT UND

IDENTITÄT

Denis Lang kämpft

mit seinem Chaos im

Kopf. Gedanken, Ideen

und Gefühle wirbeln herum. Sie

drehen sich um die Kunst, die

Balance zwischen Arbeit und dem

Hobby, das eine Leidenschaft ist, um die

Familie, Geld und Zukunft. Der Ingolstädter

nutzt ein Werkzeug, um den inneren Dialog zu ordnen und

sich selbst besser kennenzulernen: das Malen. Dabei hat der

Russlanddeutsche zwei verschiedene Richtungen – zum einen

sind seine Werke realitätsnah und detailliert, zum anderen

abstrakt. »Besonders im Abstrakten entdecke ich immer Neues

von mir selbst«, sagt der 39-Jährige. Die Gänge des neu renovierten

und erweiterten Passauer Wolf Reha-Zentrum Ingolstadt

tragen nun Denis Langs Handschrift. Insgesamt zwölf

Bilder schmücken die drei Ebenen der neurologischen Rehabilitation,

die einen Bezug zur Region haben, zur Natur, zu

Ingolstadt. Mit seinen farbenfrohen Bildern möchte er den

Patient:innen Freude bereiten und ihnen Positives mit auf den

Weg geben.

VON DER SPIEL-

SUCHT ZUR MALEREI

Bereits als Kind malte Denis

Lang gerne mit Bunt- und Bleistiften.

Als er 1999, mit 13 Jahren,

sein Heimatland mit seinen Eltern

verließ und nach Deutschland kam,

machte er eine Pause mit der Kunst.

»Ich war in der Integrationsphase und fing eine Ausbildung als

Werkzeugmacher an, was für mich durch meine schlechten

Deutschkenntnisse sehr herausfordernd war. Da blieb erstmal

keine Zeit für das Malen.« Durch ein düsteres Kapitel in seinem

Leben entdeckte er die Leidenschaft zur Kunst wieder. Er erinnert

sich: »2008 bin ich spielsüchtig geworden und habe an

einem Tag 800 Euro verzockt. Am nächsten Tag besuchte mich

meine Mutter und meinte, ich solle mir für meinen Geburtstag

einen Laptop aussuchen. Da wir nur wenig Geld hatten, bekam

ich sofort ein schlechtes Gewissen und sagte, sie solle mir lieber

ein Künstlerset kaufen, was sie letztendlich dann auch getan

hat.« Sein erstes Bild zu dieser Zeit war eine Rose mit Ölfarben.

Weitere Bilder zeigte Denis Lang seinem Chef in der Firma, in

45


XX FREIDENKEN

der er immer noch als Werkzeugmacher arbeitet. Daraufhin

beauftragte dieser ihn, etwas für ihn zu malen. »Ihm habe ich

es zu verdanken, dass ich immer mehr gemalt habe«, sagt der

Familienvater, der sich in seiner Wohnung ein kleines Atelier

eingerichtet hat.

STÄNDIGE NEUANFÄNGE

Seinen ganz eigenen Stil hat er dabei noch nicht gefunden, dafür

experimentiert er einfach zu gerne und probiert immer wieder

Neues aus. »Ich möchte mich immer weiterentwickeln. Die

vielen Ideen in meinem Kopf machen mich verrückt«, lacht er.

Auch mit Möbeln habe er bereits experimentiert. »Demnächst

will ich vielleicht etwas mit Kleidung machen«, sagt Denis Lang,

der zwischenzeitlich sogar eine Ausbildung zum Mediengestalter

absolvierte, nun aber wieder als Werkzeugmacher arbeitet.

Er ist wie ein kreativer Wirbelwind, der noch nicht wirklich

angekommen zu sein scheint. Er selbst beschreibt sich als rastlosen

Perfektionisten, der unbedingt den Erwartungen seiner

Kundinnen und Kunden gerecht werden will. Dabei ist ihm aber,

trotz Perfektionismus, eines wichtig: Er möchte frei sein, in dem

was er malt. »Ich nehme ungerne Auftragsarbeiten an. Ich spüre

dann Grenzen und Rahmen«, sagt Denis Lang und ergänzt:

»Wenn ich meine Ideen umsetzen darf, dann bin ich wie entfesselt.«

Er braucht die Möglichkeit, zu scheitern, zu zweifeln, neu

anzufangen. Wichtig ist es ihm, etwas Einzigartiges

zu schaffen und dies in die Welt

zu tragen. Sein Name »Unikay Art« leitet sich

daher auch vom englischen Wort »unique«, zu

Deutsch »einzigartig« ab.

ÜBER DIE KUNST IN DIE WELT

Um seine Werke zu vermarkten, nutzt Denis Lang seine inzwischen

große Reichweite in den sozialen Netzwerken. Seine

mittlerweile knapp 34.000 Follower:innen auf Instagram lässt

er regelmäßig mit Videos an seinem Malprozess teilhaben. Vor

allem begeistern seine kleinen, abstrakten Bilder mit der Spachtel-Technik.

»Bei einem Bild hatte ich 700.000 Aufrufe, das

habe ich dann auch an einen Kunden aus Hongkong verschickt«,

erzählt Denis Lang, der seine Bilder bereits weltweit verkauft.

Mit regionalen Kunstprojekten, wie einem Kalender, Ausstellungen,

designten Flaschen-Etiketten, Shirts für Tourist:innen

Denis Lang präsentiert

seinen Ingolstadt-Kalender

in seinem Atelier − ein

Spiegel seiner kreativen

Vision und Verbundenheit

zur Region.

46


FREIDENKEN XX

oder Trikot-Designs für den ERCI will er sich einen Namen

machen. »Das ist hier gar nicht so einfach, weil die Ingolstädter

wenig an Kunst interessiert sind«, findet der Russlanddeutsche.

Jedes Projekt ist für Denis Lang ein weiteres Puzzle-Stück auf

dem Weg zu seiner Identität. Von der Kunst kann der Ingolstädter

derzeit aber noch nicht leben. »Ich bin Alleinverdiener, meine

Frau hat gerade erst eine Ausbildung angefangen. Dafür reicht

es leider noch nicht«, ist Denis Lang ehrlich.

DER WUNSCH NACH FINANZIELLER FREIHEIT

Deshalb ist sein größter Wunsch für die Zukunft finanzielle

Freiheit. »Ich möchte schon langfristig von der Kunst leben

können«, sagt Denis Lang. Ein großes Atelier außerhalb seiner

Wohnung – das wärs für ihn. »Ich möchte das tun, was mir Spaß

macht. Egal, ob es Bilder sind, die Näherei, Klamotten oder

Designs. Ihr werdet auf jeden Fall weiter von mir hören«, lacht

der 39-Jährige. Die Frage nach Identität und der Drang, sich

selbst neu zu erfinden, ziehen sich nicht nur durch seine Arbeit,

sondern auch durch sein Leben.

Was Kreativität mit

uns macht

Kreativität hat bedeutende Auswirkungen auf unser

Denken, unsere Emotionen und unser Wohlbefinden.

Sie ermöglicht, neue Ideen zu entwickeln, Probleme

zu lösen und innovative Lösungen zu finden.

Studien zeigen, dass kreative Tätigkeiten Stress

reduzieren, die Stimmung heben und das Wohlbefinden

verbessern können.

Die Rolle der Gehirnhälften in der Kreativität ist

komplexer als angenommen. Lange galt die Vorstellung,

dass die rechte Gehirnhälfte die »kreative

Seite« ist, während die linke eher analytisch arbeitet.

Heute weiß man, dass Kreativität kein ausschließlich

rechtsseitiger Prozess ist. Beide Gehirnhälften

arbeiten zusammen und übernehmen unterschiedliche

Aufgaben im kreativen Prozess. Die linke

Hemisphäre ist für Struktur und Analyse verantwortlich,

was hilft, Gedanken zu organisieren, während

die rechte mit intuitivem und räumlichem

Denken in Verbindung steht und neue Ideen und

Assoziationen schafft. Kreativität entsteht durch die

Zusammenarbeit beider Hemisphären und ist das

Ergebnis eines Zusammenspiels zwischen analytischem

und intuitivem Denken.

Mihaly Csikszentmihalyi ist bekannt für seine Forschung

zum Konzept des »Flow-Zustands«. Der

Psychologe definierte »Flow« als einen mentalen

Zustand völliger Vertiefung, in dem Menschen so

in eine Tätigkeit eintauchen, dass sie das Gefühl für

Zeit und äußere Ablenkungen verlieren. Dieser

Zustand führt oft zu maximaler Kreativität, Produktivität

und Zufriedenheit.

47


XX FREIDENKEN

Das kleine Wähltwunder

LANGSAMER, TIEFER,

KÜRZER!

Wenn ich die Auswahl zwischen den zwei olympischen

Mottos »Schneller, höher, weiter!« oder »Dabei sein

ist alles« für mein eigenes Erdendasein hätte, müsste

ich eigentlich nicht lange überlegen. Die einfache

Grabinschrift »Hat am Leben teilgenommen« würde

mir eines Tages eigentlich genügen. Da müssten nicht

einmal Zusätze wie »in allerbester Erfüllung unserer

Erwartungen« oder »mit großem Erfolg« dabeistehen.

Dabei begleitet mich der Tatbestand des allwährenden

Wettbewerbs und des ständigen Verglichenwerdens

seit ich denken kann. Ich kann mich nur düster erinnern,

aber ich glaube bereits ein kurzes »Viel Erfolg!«

meiner Hebamme gehört zu haben, als ich mich durch

den Geburtskanal mühevoll an die frische Luft zwängte.

Bis heute stelle ich mir die Frage, ob sie dabei meine

Mutter meinte, oder mich.

Seitdem ist mein ganzes Leben von der Notwendigkeit

bestimmt, erfolgreich zu sein. Ständig werde ich

benotet, eingestuft, verhaltensbeurteilt, obwohl ich

glaubte, die härtesten Prüfungen meines Lebens längst

bestanden zu haben: Schulabschluss, Führerschein,

paarweises Zusammenleben.

Dabei werden nach meinem Gefühl Erfolge viel zu

wenig belohnt, Misserfolge dagegen grundsätzlich zu

sehr bestraft. Wenn ich beispielsweise ein ganzes Jahr

lang erfolgreich mein Gewicht halte, kräht im Universum

kein Hahn auch nur einen Ton, um meiner zu

huldigen. Aber kaum, dass ich meine Triumphspur an

Weihnachten für ein paar gebratene Gänse und zufällig

herumliegende Vanillekipferl verlasse, muss ich

mir im Januar meine komplette Herrenkollektion eine

Konfektionseinheit größer kaufen. Ich bin jedesmal

froh, wenn mir wenigstens die Schuhe noch passen.

Fahre ich auf der Landstraße an einem Tag zu schnell,

will man sofort Geld von mir oder gar meinen Führerschein.

Warum bekomme ich im Gegenzug dazu,

wenn ich mich ein Jahr lang erfolgreich an die Geschwindigkeitsvorschriften

gehalten habe, nicht wenigstens

einen Gutschein für dreimal Parken im absoluten

Halteverbot? Selbst das erfolgreiche Überstehen

einer Männergrippe wird nicht mit einem dreitägigen

Grillfest belohnt, sondern damit, dass ich am nächsten

Tag wieder in die Arbeit gehen muss.

Ich glaube, Erfolge sind überbewertet. Daher habe ich

mich jetzt mit mir geeinigt, ein neues, persönliches

olympisches Motto für mich aufzurufen: »Langsamer,

tiefer, kürzer!« Als miserabler Schwimmer habe ich

mit allen drei Zielvorgaben bereits beste Erfahrungen

gemacht und bis heute trotzdem überlebt. Und zwar

erfolgreich.

Ihr Stefan Wählt

48


ZUSAMMENKOMMEN XX

SINNE, SOUND UND

STOLZ

Mal ausprobieren? Was unsere Gäste während der Reha lernen, kann Ihnen auch

guttun. Nehmen Sie beherzt etwas zur Hand, mit dem es sich trommeln lässt,

wie Kochlöffel oder Bleistifte, und legen Sie los.

Die Neurowissenschaft zweifelt den Effekt der

Musik auf Stimmung, Feinmotorik, Perzeption

und Koordination längst nicht mehr an.

Musik ist Therapie. Rhythmus nehmen wir nicht nur

in unserem Körper wahr, über das Herz beispielsweise,

das gleichmäßig schlägt, sondern auch im

Außen über den Lebensrhythmus oder den Wechsel

der Jahreszeiten. Alles unterliegt einer fließenden

Abfolge. Rhythmus betrifft unseren Körper und

auch unser mentales Wohlbefinden. So sprechen wir

davon »aus dem Takt« geraten zu sein, wenn etwas

durcheinandergerät. Mit einfachen Übungen stellt

sich harmonischer Gleichklang ein, der viele unserer

Sinne anspricht. Fangen Sie einfach an, ohne darüber

nachzudenken und finden Sie Ihren ganz eigenen

Rhythmus.

Jetzt mitmachen!

Spaß steht über Perfektion

Teilen Sie Ihren Sound mit uns und werden Sie

kreativ. Mit was lässt es sich auf was trommeln?

Mit Holz auf Edelstahl? Mit den Händen auf

den Oberschenkeln? Laden Sie Ihr Video auf

Facebook oder Instagram hoch und verlinken Sie

uns unter @PassauerWolf.

Was löst das Üben von rhythmischen Abfolgen

in Ihnen aus? Freude? Glücksgefühle?

49


XX

Auf der Wolfsspur

Wenn wir uns trauen, unbekanntes Terrain zu betreten,

eröffnen sich neue Möglichkeiten und Wege zum Erfolg,

die für Andere unsichtbar bleiben. Erfolge, die aus diesem

Mut entstehen, sind ein Resultat des Glaubens an

die eigene Vision. Das Ergebnis kann nicht nur persönlich

bereichern, sondern auch Andere dazu inspirieren,

ihren eigenen Weg zu finden – abseits der Konformität

und egal wie »verrückt« es erst einmal klingen mag.

Mit dem Erfolg verwandeln wir »Ungewöhnliches« in

»Außergewöhnliches« und erkennen das Potenzial der

Andersartigkeit. Und wenn es mal schief geht? Dann hat

man immer noch die Möglichkeit daraus zu lernen. Also,

lassen Sie uns gemeinsam über den Tellerrand blicken!

IMPRESSUM

Wolfsspur — Das Magazin des Passauer Wolf

Reha-Zentren Passauer Wolf GmbH

Bürgermeister-Hartl-Platz 1

94086 Bad Griesbach-Therme

Telefon: +49 8532 27-4801

E-Mail: wolfsspur@passauerwolf.de

passauerwolf.de

HERAUSGEBER Stefan Scharl

PROJEKTLEITUNG Jenny Reinbold, Isabel Vijoglavic-Boßert

ERSCHEINUNGSWEISE zweimal jährlich

AUFLAGE

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REDAKTION, TEXT, GESTALTUNG

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