01.08.2025 Aufrufe

Schwachhauser I Magazin für Bremen I Ausgabe 98

Liebe Leserinnen, liebe Leser, waren Sie schon einmal in New York? Bei mir ist das so lange her, dass ich gar nicht mehr weiß, wann es genau war. Wahrscheinlich in den 90er Jahren. Paula Modersohn-Becker hat es auf jeden Fall weit vor mir geschafft. Nicht persönlich, aber der Gründungsdirektor des Museum of Modern Art (MoMA) Alfred Barr Jr. hatte den besonderen Stellenwert von Paula Modersohn-Becker schon früh erkannt und nahm sie bereits 1931 als einzige Malerin in die Überblicksausstellung »German Painting and Sculpture« auf. Aktuell wirbt das MoMA sogar mit Paula, denn dort kann bis September eine große Ausstellung mit 50 Bildern und 15 Zeichnungen bewundert werden. 20 Werke sind aus Bremer Sammlungen. Vielleicht für Sie ein Anreiz, um nach New York zu reisen? Mein Lieblingsbild von Paula Modersohn-Becker ziert diesmal den Titel dieser 98. Ausgabe. Es ist auch mitgereist und wird nach einem Zwischenstopp in Chicago (ausgestellt dort im "The Art Institute of Chicago") Ende Januar wieder in der Kunsthalle Bremen hängen. Diese Ausgabe ist außerdem wieder sehr musikalisch. Das Musikfest Bremen steht in den Startlöchern, Musik und Licht am Hollersee wird uns auch in diesem Jahr wieder lieb gewohnt begeistern! Shakespeare im Park dürfen wir auch nicht verpassen, und im Magazin entdecken Sie noch vieles Schöne und Interessante mehr. Viel Freude beim Lesen und bleiben Sie zuversichtlich! Ihre Susanne Lolk (Herausgeberin)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

waren Sie schon einmal in New York? Bei mir ist das so lange her, dass ich gar nicht mehr weiß, wann es genau war. Wahrscheinlich in den 90er Jahren. Paula Modersohn-Becker hat es auf jeden Fall weit vor mir geschafft. Nicht persönlich, aber der Gründungsdirektor des Museum of Modern Art (MoMA) Alfred Barr Jr. hatte den besonderen Stellenwert von Paula Modersohn-Becker schon früh erkannt und nahm sie bereits 1931 als einzige Malerin in die Überblicksausstellung »German Painting and Sculpture« auf. Aktuell wirbt das MoMA sogar mit Paula, denn dort kann bis September eine große Ausstellung mit 50 Bildern und 15 Zeichnungen bewundert werden. 20 Werke sind aus Bremer Sammlungen. Vielleicht für Sie ein Anreiz, um nach New York zu reisen?

Mein Lieblingsbild von Paula Modersohn-Becker ziert diesmal den Titel dieser 98. Ausgabe. Es ist auch mitgereist und wird nach einem Zwischenstopp in Chicago (ausgestellt dort im "The Art Institute of Chicago") Ende Januar wieder in der Kunsthalle Bremen hängen.

Diese Ausgabe ist außerdem wieder sehr musikalisch. Das Musikfest Bremen steht in den Startlöchern, Musik und Licht am Hollersee wird uns auch in diesem Jahr wieder lieb gewohnt begeistern! Shakespeare im Park dürfen wir auch nicht verpassen, und im Magazin entdecken Sie noch vieles Schöne und Interessante mehr.

Viel Freude beim Lesen
und bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Susanne Lolk
(Herausgeberin)

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KULTUR

Theater

Konzerte

Ausstellungen

KUNST

Anette Venzlaff

PLAUDEREI

Guido Gärtner

ARCHITEKTUR

Ernst Becker

MUSIK

Musikfest Bremen

98

August / September 2024

4,50 €

1


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Fr 06. Sept 2024 / 19.30 Uhr

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im Pressehaus / 0421.33 66 99 und 36 36 36

gefördert durch


Editorial

Liebe Leserin,

lieber Leser,

waren Sie schon einmal in

New York? Bei mir ist das so

lange her, dass ich gar nicht

mehr weiß, wann es genau

war. Wahrscheinlich in den 90er

Jahren. Paula Modersohn-Becker hat es auf

jeden Fall weit vor mir geschafft. Nicht persönlich,

aber der Gründungsdirektor des Museum

of Modern Art (MoMA) Alfred Barr Jr. hatte den

besonderen Stellenwert von Paula Modersohn-

Becker schon früh erkannt und nahm sie bereits

1931 als einzige Malerin in die Überblicksausstellung

»German Painting and Sculpture« auf.

Aktuell wirbt das MoMA sogar mit Paula, denn

dort kann bis September eine große Ausstellung

mit 50 Bildern und 15 Zeichnungen bewundert

werden. 20 Werke sind aus Bremer Sammlungen.

Vielleicht für Sie ein Anreiz, um nach New

York zu reisen?

Mein Lieblingsbild von Paula Modersohn-Becker

ziert diesmal den Titel dieser 98. Ausgabe. Es ist

auch mitgereist und wird nach einem Zwischenstopp

in Chicago (ausgestellt dort im "The Art

Institute of Chicago") Ende Januar wieder in der

Kunsthalle Bremen hängen.

Diese Ausgabe ist außerdem wieder sehr musikalisch.

Das Musikfest Bremen steht in den Startlöchern,

Musik und Licht am Hollersee wird uns

auch in diesem Jahr wieder lieb gewohnt begeistern!

Shakespeare im Park dürfen wir auch nicht

verpassen, und im Magazin entdecken Sie noch

vieles Schöne und Interessante mehr.

Viel Freude beim Lesen

und bleiben Sie zuversichtlich!

Susanne Lolk

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3


Inhalt

98

06

KUNST

Anette Venzlaff

40

OPEN-AIR

Musik und Licht

am Hollersee

42

KONZERTE

Musikfest Bremen

48

KULTUR

Musik

Theater

4


Immobilienverkauf?

Dafür hab ich

jemanden!

16

PLAUDEREI

Guido Gärtner

28

ARCHITEKTUR

Ernst Becker

62

AUSSTELLUNGEN

Bremen

Syke

Worpswede

70

UNTERHALTUNG

Buchbesprechung

Cartoon

Kreuzworträtsel

Melanie Kritzer,

Haus & Grund-Mitglied seit 2013

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5


„Kopf schweigt, Hand spricht“

Anette Venzlaff

von Karla Wagner

KUNST

von oben

6


warum rosa

Anette Venzlaff, geboren 1952 in Soltau, wuchs in

Lübeck in einer großen Familie mit sechs Geschwistern

auf. Zu ihrer Sozialisierung sagt die Künstlerin,

dass einer ihrer Brüder, Freunde und Freundinnen

aus der Nachbarschaft für sie sehr wichtig waren.

Gemeinsam hatten sie Spaß am Theaterspielen,

Verkleiden, Vorlesen und am Geschichtenausdenken.

So sei auch der Kunstunterricht das einzige Fach

gewesen, das sie in ihrer schulischen Laufbahn wirklich

interessiert habe. Im Spiel mit ihren Freundinnen

wurden für Puppen Kleider genäht und fotografiert,

Kasperletheaterstücke für die Nachbarskinder aufgeführt,

viel gemalt und gezeichnet. Nach vorgelesenen

Wegschauen ist

keine Lösung

Gute-Nacht-Geschichten war der Kopf voller Bilder.

Und immer waren Kinderbücher treue und inspirierende

Begleiter - Ottfried Preußler, Astrid Lindgren und

Michael Ende waren die Favoriten. Anette Venzlaff

belegte das Studienfach Kommunikation/Ästhetik

von 1976 bis 1981 an der Universität Bremen, um

anschließend als freischaffende Künstlerin zu arbeiten.

Wichtige Stationen waren ein Stipendium der

Barkenhoff-Stiftung, Worpswede von 1992 bis 1993,

eine Einladung des Berufsverbands Bildender Künstler

(BBK)- Bremen zu einer Ausstellung in der Bremer

Landesvertretung in New York 1994, gemeinsam mit

Dolf Bissinger und Karl-Heinrich Greune sowie die

Alle Frauen von 50 bis 75 Jahren können

kostenfrei am Mammographie Screening

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7


8

Aliens


langjährige Mitgliedschaft in der Galerie Gruppe Grün

von 1995 bis 2001. Diese Produzentengalerie, ein

gemeinnütziger und eingetragener Verein bürgerlichen

Rechts, hatte ein sehr freies ästhetisches und

stilistisches Programm. Der Anlass der Gründung war

einfach und fundamental: die Arbeiten, vorwiegend

von Bremer Künstlerinnen und Künstlern, sollten

gezeigt werden, eine Plattform zur Diskussion bieten,

unabhängig von den Bedingungen einer kommerziell

arbeitenden Galerie und möglicher Verkäuflichkeit.

Ateliergemeinschaften und das Arbeiten in Künstlergruppen

waren für Anette Venzlaff wichtige Grundlage

für inhaltlichen Austausch und Inspiration. Die Ausstellung

„Alte Meister, Neue Geister“ mit Barbara Rosengarth,

Gotthard Kuppel, Rosa Jaisli und anderen im

Atelierhaus Friesenstraße, Bremen, und in der Galerie

Marstall, Ahrensburg, war der Beginn einer ganzen

Reihe von folgenden Gemeinschaftsausstellungen.

Anette Venzlaff

Mit Werner Henkel, Dolf Bissinger und bildenden

Künstlern, wie Benjamin Beßlich, Gloria del Mazo und

dem Worpsweder Keramiker Steffen Bockstaller realisierte

und realisiert sie unterschiedliche künstlerische

Projekte, die im Atelierhaus Friesenstraße in Bremen

präsentiert wurden und werden. Bisher waren dies

die Ausstellungen „Süden“, „Norden“, „Stille“ und

„Trinken und Essen“. Anette Venzlaff sieht in der

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Künstlerinnen

die Möglichkeit in einen produktiven Austausch

zu kommen, Themen gemeinsam zu erarbeiten, sich

gegenseitig anregen zu können. Die Auseinandersetzung

mit den Kolleginnen und Kollegen bewirke eine

willkommene Ergänzung zum selbstreferenziellen

Arbeiten im eigenen Atelier. Und sie sei zugleich

eine Herausforderung sich eines zuvor unbekannten

Themas zu stellen. 2008/09 begann eine Kooperation

von Bremer und Tschechischen Künstlerinnen

9


10

Rock


und Künstlern auf Initiative von Tilman Rothermel. Eine Gruppe von

Bremer Künstlerinnen und Künstlern reiste für die Ausstellung „Bremen

WoDu“ in der Städtischen Galerie Pilsen nach Tschechien. Dort gab es

einen mehrtägigen Austausch vor Ort – Atelierbesuche, gemeinsame

kulturelle Exkursionen im Land und viele persönliche Begegnungen.

Laden 37

Mode...

Im folgenden Jahr kamen die tschechischen Künstlerinnen und Künstler

nach Bremen, um gemeinsam die Ausstellung in der Städtischen

Galerie Bremen mit dem Titel „Böhmen liegt am Meer“ zu organisieren.

Aus dieser Begegnung ergab sich die nächste große, gemeinsame

Wanderausstellung „Man spricht vom Krieg“ in Bremen, in der Bremer

Landesvertretung Berlin und im tschechischen Zentrum in Wien.

2014/15 wurde Anette Venzlaff von der Kulturkirche St. Stephani in Bremen

eingeladen, sich mit sieben weiteren Künstlerinnen und Künstlern an

der Blindbögenbemalung zum Thema „Krieg und Frieden“ zu beteiligen.

Ein Bezug zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 sollte bildnerisch

dargestellt werden. Im Prozess entstanden acht Bögen unterschiedlicher

Herangehensweisen an das Thema. Das Gesamtbild zeigte einen sehr

differenzierten, teils beklemmenden Eindruck von Furcht, Verzweiflung

und dem Wunsch nach ‚Nie wieder Krieg…’ Diese gemeinsamen Erfahrungen

mit Künstlerinnen und Künstlern anderer Sparten, anderer Länder,

mit anderen Ausdrucksweisen, anderen Techniken und Sujets sind

ein wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit von Anette Venzlaff. Daneben

gab es mehrere Kunstinstallationen im öffentlichen Raum Bremens. Eine

Beteiligung an dem Thema „Metamorphosen“ mit sieben weiteren Künstlerinnen

und Künstlern, organisiert vom Senator für Kunst und Wissenschaft

Bremen wie auch eine Installation Anette Venzlaffs an der Weserpromenade

mit 17 Wandarbeiten zum Titel „Zug der Wale und Planeten“,

finanziell unterstützt durch den Senat der Stadt Bremen. In den ersten

Jahren ihres künstlerischen Wirkens arbeitete Anette Venzlaff hauptsächlich

mit Ölkreiden, oftmals in wässrigen Acrylfarbflächen eingesetzt.

Nach 15 Jahren verabschiedete die Künstlerin sich von dieser Technik

und arbeitet seither mit Ölfarben, Pigmenten, Leinöl und Terpentin auf

Leinwänden, aber auch mit Stiften und Kreiden auf Papier. Schon beim

Betreten des Ateliers werden die Besucher und Besucherinnen von dem

„Kunstesprit und -aroma“ des Terpentingeruchs empfangen. Anette

Venzlaff ist Beobachterin von Alltagssituationen, entwickelt immer wieder

von Neuem Narrative; die Bilder entstehen im „Machen“. Schicht um

Schicht bauen sie sich auf, bilden den Untergrund für das Nächste, kein

Motiv boykottiert das andere. Die dargestellten Erzählungen wirken nie

abgeschlossen, können von den Betrachterinnen und Betrachtern fortgesetzt

und weitergesponnen werden, quasi wie ein ‚storyboard‘, ein

Drehbuchentwurf ohne Anfang und Ende.

Dr. Hans-Joachim Manske (1944 bis 2022), ehemaliger Direktor der

Städtischen Galerie, sagte einmal in seiner Einführungsrede zu einer

Ausstellung von Anette Venzlaff, dass nicht nur die Bilder, sondern

auch die Leerräume zwischen den Bildern wichtig seien und die ganze

Geschichte erzählen. Es geht Anette Venzlaff nicht um eine Botschaft

oder eine philosophische, die Wirklichkeit umschreibende Abhandlung.

„Ich erzähle mir selber Geschichten und überrasche mich mit den so

entstandenen Bildern“. Grundlegende Gefühle wie Glück, Humor und

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Leid werden in den Arbeiten der Künstlerin sichtbar.

Die Bilder seien selbsterklärend, sollen nicht

mahnen, keinen erhobenen Zeigefinger beinhalten.

Und wenn doch, dann versteckt, subkutan mit

einem Zwinkern und Humor – „Ja, schon gut!“

Wichtig sei für sie, dass ihre Bilder eine authentische

Aussage träfen – manchmal mit, manchmal

ohne Schnörkel. Die Betrachtung der Welt, Situationen,

Menschen, Pflanzen, Tiere, die Natur in

ihrer Mannigfaltigkeit und Perfektion spiegeln sich

durchgängig in ihren Werken wider. Sie beobachte

gerne Alltagssitutionen – kleine und große ‚Dramolettchen’.

So entstehen manchmal humorige

Bilder, die aber auch ins Unheimliche umschlagen

können. Und sie habe ein Herz für Verlierer, die

sich einen Moment lang präsentieren als seien sie

Gewinner. Häufig sind es kindlich wirkende Wesen,

groß im Mittelpunkt des Bildes in Szene gesetzt.

Mit diesen einfachen Figuren, für die Betrachterinnen

und Betrachter schnell nachzuvollziehenden

Motiven gelingt es der Künstlerin, Gefühle zu erzeugen.

Malen definiert Anette Venzlaff als kreative

Ausdrucksform wie das Schreiben, es beinhalte auch

das Lernen von Niederlagen, sei große Schule, dass

eben nicht alles funktioniere. Menschen sind für

sie facettenreich, stammen aus unterschiedlichen

Kontexten, Kulturen. Jeder einzelne Mensch, jedes

Tier, jede Pflanze, jedes Ding erzählt eine eigene

Geschichte, die Protagonistinnen und Protagonisten

erzählen aus dem eigenen alltäglichen Leben und

Erleben – gut oder schlecht. Sie eint, dass sie alle

gleichsam Leid, Glück, Schmerz, eben die ganze

Bandbreite des Seins empfinden und präsentieren.

Landschaftsbilder, gehören neben den akzentuiert

gesetzten Figuren ebenfalls zum Schaffen der

Künstlerin. Anette Venzlaff gestaltet sie detailliert und

eher klein. Dabei zeigt sie Mut zur Idylle. Viele dieser

Landschaften positioniert sie auf den Innenseiten

aufgeklappter Zigarrenkisten oder in Holzkästen.

Naturtableaus im Kleinformat, oder wie eine Kuratorin

einmal sagte „kleine Reisealtäre zum Aufklappen“.

Oftmals wird dabei die Landschaft zum Hintergrund

eines Theaterstückes, in das die Künstlerin Figuren

platziert, aus Wachs geschnitzt und bemalt.

Über das künstlerische Arbeiten spricht Anette

Venzlaff nicht nur in positiven Bildern. Die Arbeit

sei auch eine große Schule des Scheiterns- nicht

alles gelingt, vieles muss aufgeben werden, die

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Iß mich nicht

künstlerische Tätigkeit sei nicht nur entspanntes und

beschwingtes Arbeiten. In den Phasen, in denen

nichts gelingt, fühle sie sich leer und unglücklich;

wichtig sei für sie jedoch, sich nicht zu sehr in die

Gefühle eines Verlusts zu vertiefen. Sie habe gelernt,

es auszuhalten, dass alles misslingen kann. Es gehe

vorbei und neue Bilder entstehen - Ende und Neubeginn.

Anette Venzlaff kann am besten malen, wenn

sie Hörbücher einschaltet- zum Beispiel Texte von

Hakan Nesser, Josef von Eichendorff oder auch von

Thomas Mann. So sei der Kopf beschäftigt und störe

nicht mit seinen Einwürfen, Korrekturvorschlägen

und Bedenken die Arbeit der malenden Hände.

Anders als viele Künstler und Künstlerinnen höre sie

wenig Musik, Hörbücher seien für sie ideal. Sie tricksen

ihren Kopf als Regulativ sozusagen aus, indem

sie ihn anderweitig unterhalte. Er korrigiert nicht und

muss nicht korrigiert werden, darf erst wieder beim

Betrachten des Resultates zum Einsatz kommen und

entscheiden, ob das Ergebnis zufriedenstellend ist.

Nach ihren Lieblingsmalern in der Kunstgeschichte

befragt, nennt Anette Venzlaff den französischen Impressionisten

Claude Monet (1840 bis 1926) und den

Romantiker Caspar David Friedrich (1774 bis 1840).

Monets Motive und die Differenziertheit der Farben

bewundere sie sehr. Seine Malerei sei berührend, still,

einfach und nachhaltig wirkend. Und Caspar David

Friedrich ist für Anette Venzlaff einer der Größten. Seine

Werke beeindrucken die Künstlerin vor allem wegen

der unnachahmlichen Fähigkeit, Pathos und grenzenlose

Stille zutiefst berührend in seinen Bildern den

Betrachterinnen und Betrachtern nahe zu bringen.

14


KUNST

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16

Foto: Konstantin Zigmann


Bremer Persönlichkeiten

Plauderei mit Guido Gärtner,

Intendant der Bremer Philharmoniker

Von Karla Götz

SERIE

Schwungvoll springt Guido Gärtner von seinem Rad. Wir treffen uns

mit dem neuen Intendanten der Bremer Philharmoniker. Seit März ist

er in dieser Position aktiv. Was er in den ersten 100 Tagen erlebt hat

und wie sich sein Aufgabenfeld zusammensetzt, fasst er so zusammen:

„Sehr komplex.“ Dabei strahlt der sympathische 45-Jährige aus blauen

Augen und im passenden hellblauen Hemd in die Bremer Welt. Eine

geballte Ladung Frische. „Sehr komplex“ kann man nämlich so oder so

sagen. Guido Gärtner sagt es voll gespannter Zukunftserwartung. Ganz

klar, er freut sich, hat viel vor und ist ein offener Mensch. Schon mal ein

guter Auftakt für unsere Plauderei.

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Karla Götz im Gespräch mit Guido Gärtner, Intendant der Bremer Philhamoniker, Foto: Konstantin Zigmann

Geiger oder Violinist?

Seit 2008 war er Mitglied des Bayerischen Staatsorchesters.

Als Geiger. Uups, darf man denn überhaupt

Geiger sagen? Klingt das nicht abwertend?

Wäre Violinist nicht um vieles fachmännischer, gar

eleganter? Da lacht Guido Gärtner aber wirklich herzlich.

Ein Standardsachbuch in dieser Angelegenheit

heißt „Große Geiger unseres Jahrhunderts“. Und der

Künstler, der weiterhin Kammermusik im Praetorius

Quartett mit Solisten des Bayerischen Staatsorchesters

betreibt, sagt: „Ich würde mich immer als Geiger

bezeichnen.“ Bisschen verklausuliert, um niemanden

zu kritisieren, kommt schließlich raus: „Violinist sagen

nur Leute, die es nicht so genau wissen.“ Aha. Und er

erkenne einen echten Geiger bereits daran, wie der

den Geigenkoffer trage. Mein Gesprächspartner hat

mir damit eine sprachliche Nuss zu knacken gegeben.

Und ich weiß jetzt auch, warum ich vor dem Wort Geiger

scheute. Weil, schließlich gibt es ein sprachliches

Label für einen Misserfolg. „Das habe ich vergeigt.“

Expertise künstlerisch und administrativ.

Soviel ist mal klar, das kann in unserem Fall nicht

passieren. Mit welcher Wärme Guido Gärtner von den

Philharmonikern spricht, wie er die vom Interimsintendanten

Dr. Wolfgang Fink, seinem Vorgänger, analysierte

„Luft nach oben“ interpretiert und wie er immer

das Publikum als Zielgruppe im Auge behält, Bremen

als „bunte, liberale Stadt“ lobt, das Tabakquartier als

Riesenchance sieht und und und… Das ist bemerkenswert

und geradezu schwärmerisch. Und natürlich

seine Expertise. Denn Guido Gärtner war nicht nur

Mitglied im Bayerischen Staatsorchester, sondern

auch Geschäftsführer der Bayerischen Staatsorchester

Konzert GmbH. In dieser Funktion verantwortete

er in mehr als zehn Jahren Orchestertourneen, die

weltweit in Musikmetropolen führten. Im Auftrag der

Bayerischen Staatsoper gründete er darüber hinaus

2021 das Musiklabel Bayerische Staatsoper Recordings.

Und er hat seinen Executive Master in Arts Administration

an der Universität Zürich abgeschlossen.

Interessenten können gern mal im Netz nachschauen.

Da ist praktisch alles, was im kulturellen Leben auf die

Akteurinnen und Akteure zurollt, mitbedacht. Von der

Spielplangestaltung in einer sich verändernden Gesellschaft

über die Chance auf kulturelle Teilhabe, die

Position der Kultur im digitalen Wandel bis hin zum

klugen Umgang mit wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Zusammengefasst: Guido Gärtner hat Erfahrungen

sowohl im administrativen als auch im künstlerischen

Bereich. Da dürfen wir uns hier wirklich freuen.

Viele Ideen im Ärmel

Dem neuen Intendanten konkrete Vorhaben zu ent-

18


Guido Gärtner an seinem Arbeitsplatz Halle 1 im Tabakquartier

Foto: Konstantin Zigmann

locken, das wird ein bisschen schwierig. Er hat viele

Ideen im Ärmel, ganz klar, verrät aber nur wenig. Den

Jubiläumsspielplan zum 200. Geburtstag der Philharmoniker

haben andere gemacht. „Die Spielzeit

2025/ 2026 ist meine Triebfeder, da wird viel passieren.“

Seine Aufgabe, die „komplexe“, besteht in der

kaufmännischen Arbeit, dem Umgang mit Verträgen,

Sponsoren, Kooperationen, künstlerisch-strategischen

Fragen und zuallererst in der Programmgestaltung.

Marko Letonja, den Generalmusikdirektor, schätzt er

als „kollegial, zugewandt, offen.“ Sie werden sich gut

ergänzen. „Ich komme nicht an die Weser, um zu

verwalten, sondern um zu gestalten.“ Das ist nun ein

griffiger Satz.

Profil schärfen, Marke entwickeln

Gestalten. In einigen Interviews hat er gesagt, dass

die Philharmoniker viel stärker eine Marke werden

sollen. Was verbirgt sich dahinter? Wie kann man das

verstehen? „Wir werden unser Profil schärfen. Was

wird gespielt, welches Repertoire, welche Solisten treten

auf, warum machen wir, was wir tun“, sagt unser

Gesprächspartner. Eine Marke müsse hoch emotional

sein. „Das Logo muss nicht angerührt werden, dem

Beispiel entsprechend: Es kommt ein neuer Chef,

Logo ist nicht mehr eckig, sondern rund, plötzlich gelb

statt grün“, frotzelt er. Nein, es ginge um etwas ganz

19


anderes. „Für mich ist eine Marke ein Bündel an positiven

Gefühlen und Assoziationen.“ Ein Konzertbesuch

bei den Philharmonikern müsse ein Erlebnis sein. Von

dem Moment an, wo die Zuhörerinnen und Zuhörer

ihr Haus verlassen, bis hin zu dem Moment, in dem

sie wieder nach Hause kommen. „Da muss alles stimmen,

das Programm, das Orchester, die Gastronomie,

die Gespräche“, nennt unser Gegenüber Beispiele.

Intendant zum Anfassen

Er selbst will so häufig wie möglich präsent sein. „Ich

bin ein Intendant zum Anfassen. Ich werde in den

Pausen mit dem Publikum sprechen, Fragen beantworten,

Anregungen aufnehmen.“ Marke, das bedeutet

für ihn, mal zugespitzt formuliert: „Egal, was

die Philharmoniker machen, es ist immer gut.“ Damit

kommt Guido Gärtner zur Quintessenz: „Eine Marke ist

ein stets funktionierendes Versprechen.“ In der Stadtgesellschaft,

die an der Weser „bunt, liberal, offen

aber zugleich mit sozialer Ambivalenz versehen ist,

kann ein Orchester verbindend wirken.“ Die drei Spielstätten

Glocke, Theater und Tabakquartier sieht der

in Münster Aufgewachsene als interessantes Spannungsdreieck

für diese Aufgabe. Den Platz ganz oben

hat für ihn die ehemalige Brinkmannsche Zigarettenfabrik,

die Lord Extra und Peer Export erfolgreich auf

den Markt geworfen hat. „Wir haben hier eine neue

Heimat gefunden, es ist unser Zuhause“, sagt Guido

Gärtner über den Konzertsaal, der Studioqualität hat.

Was ihn daran so fasziniert, ist die Unmittelbarkeit.

„In der ersten Reihe sitzen die Gäste fast direkt vor

dem Orchester. „Da übertragen sich Spannung und

Energie.“ Den Raum zwischen Zuhörern und Spielern

nennt er „Reaktionsraum“. Da kann möglicherweise

etwas ganz Neues entstehen, mehr Intimität, eine Art

Miteinander zwischen Künstlern und Rezipienten.

„Meine Playlist“ mit Promis

Zwar verrät der agile junge Mann noch nicht, was er

2025 beginnen will, aber eine kleine „Duftmarke“ hat

er schon gesetzt. „Ich konnte im Jubiläumsprogramm,

das quasi schon fertig war, noch eine Idee unterbringen.“

Meine Playlist heißt die Plauderei mit jeweils einer

Bremer Persönlichkeit, die am 28. September dieses

Jahres startet, und dann später in Serie gehen soll.

Die Idee ist äußerst reizvoll. Der Gast wählt fünf seiner

absoluten Lieblingsmelodien, die eng mit der Biografie

verbunden sind, Klassik, Pop, egal. Die Philharmoniker

spielen sie dann jeweils mit großem Orchesterfuror.

Moderiert wird der Plausch von dem einzigartigen Axel

Brüggemann, Musikjournalist und Publizist, geboren

in Bremen, eloquent und charmant. Na, das kann was

werden. Tipp: Rechtzeitig Karten sichern! Dazu Guido

Gärtner: „370 Plätze sind schnell besetzt.“

Gute Vorraussetzung für Guido Gärtner, Foto: Konstantin Zigmann

20


Zielgruppe im Blick

Zurück zur „Marke“ Bremer Philharmoniker. Dazu gehört

die Berücksichtigung der Zielgruppe. „Wir haben,

zugeschnitten auf die Spielorte, eine Segmentierung

des Publikums“, sagt der Intendant und findet das

gerade gut. „Ins Tabakquartier kommen andere Besucher

als in die Glocke oder ins Theater. Wir dürfen nie

vergessen, dass wir auch das Orchester des Theaters

sind.“ Die Philharmoniker hätten viele verschiedene

Anspruchsgruppen. Sie seien „ein Paradebeispiel für

Multi Stakeholder“. Wow, da glitzert das Zürcher Spezialwissen

durch. Die Sache selbst ist jedoch plausibel:

Viele verschiedene Interessenten eint die Freude am

Konzertieren der Bremer Philharmoniker, egal in welcher

Spielstätte sie auftreten.

Publikum ist nicht zu alt

Stichwort Publikum. Da möchte unser Gesprächspartner

doch noch einmal verweilen. „Ich will eine Lanze

brechen für die sogenannten Alten“, betont Guido

Gärtner. „Konzertbesucher waren immer alt.“ Zur klassischen

Musik fände man oftmals Zugang durch Lebenserfahrung.

„Man hat Zeit, ein bisschen mehr Geld

und Muße.“ Junge Familien würden ihr Geld anders

ausgeben. Sie hätten viel zu organisieren in Bezug auf

Haushalt und Kinderbetreuung. Kurzum, die Unkenrufe

über zu altes Publikum akzeptiert er nicht.

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Gute Laune bei den Bremer Philharmonikern, Foto: Caspar Sessler

21


Halle 1 bei Nacht, Foto: Rudolf Lörinc

Spagat zwischen Weser und Isar

Einen räumlichen Spagat wird der

neue Intendant in den nächsten

Jahren wohl bewältigen müssen. Die

Familie an der Isar, er an der Weser.

Sofort ist ein Handy zur Hand, und

er blendet seine Kinder, vier und

sechs Jahre alt, Junge und Mädchen,

ein. „Die Große läuft mit einem

Werder Trikot in München rum“,

feixt er. Seine Werder-Liebe ist hinlänglich

bekannt und bereits durch

die Medien gegangen. Die echten

Philharmoniker-Fans bezeichnet er

im Fußballjargon als „unsere Ultras“.

Guido Gärtners Frau, die in England

geborene Alexandra Scott, ist an der

Münchner Hochschule für Musik und

Theater Professorin für Kontrabass.

Somit sind zahlreiche Zugfahrten

programmiert. Die verlockende Aufgabe

bleibt für ihn, „die Philharmoniker

zum Strahlen zu bringen“ und

unterstützend dafür zu sorgen, „dass

sich immer mehr Bremerinnen und

Bremer mit diesem ausgezeichneten

Orchester identifizieren.“ Wir wünschen

Guido Gärtner viel Erfolg!

Zur Person

Guido Gärtner ist in Berlin geboren und in Münster aufgewachsen. Er sang gerne und erlernte das

Geigenspiel. Guido Gärtner studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin Violine bei

Stephan Picard und Kammermusik bei Eberhard Feltz. Als Stipendiat der Deutsch-Amerikanischen

Fulbright-Kommission und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) absolvierte er

nach dem Diplom ein zweijähriges Zusatzstudium an der Indiana University (USA) bei Mauricio Fuks.

Seit 2008 war er Mitglied im Bayerischen Staatsorchester.

2012 wurde er zudem zum Geschäftsführer der Bayerisches Staatsorchester Konzert GmbH bestellt.

Im Rahmen eines weiterbildenden Studiums im Kulturmanagement schloss er 2016 den Executive

Master in Arts Administration der Universität Zürich ab. Seit 2020 leitete er das hauseigene Label der

Staatsoper in München, Bayerische Staatsoper Recordings. Am 1. März dieses Jahres wurde er zum

Intendanten der Bremer Philharmoniker ernannt. Guido Gärtner ist mit Alexandra Scott, Professorin für

Kontrabass, verheiratet und hat zwei Kinder, vier und sechs Jahre alt.

22


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DAS DIGITALE BAD:

DIE ZUKUNFT DES BADE-

ZIMMERS BEI ELEMENTS

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Dafür ist ELEMENTS wie gemacht. Im

einladenden Ambiente arbeiten Fachhandwerker

und Badverkäufer Hand

in Hand mit viel Herz und Leidenschaft,

von der ersten Planungsidee bis zur

finalen Badübergabe. Wer sich vorab

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VERÄNDERUNG

Text: Susanne Lolk

Neues aus dem

Der großzügige Restaurantbereich im „Greens“

Golf-Club Oberneuland

Sportliche Herausforderungen, ein lebendiges

Clubleben und nur 15 Minuten vom Stadtzentrum

entfernt, so stellt sich der Golf-Club Oberneuland

mit der drittgrößten Parkanlage Bremens auf einem

18-Loch-Platz selbst im Internet vor. Das stimmt

natürlich, und seit Januar ist noch ein Highlight dazugekommen.

werden verwendet. Fisch, Fleisch, vegetarisch, vegan,

jeder Gast findet für sich das lukullisch Passende.

Das Clubhaus Restaurant ist auch ein schöner Ort

für Feiern oder Events, auch dafür müssen Sie nicht

Mitglied im GCO sein. Firmen- und Geburtstagsfeiern

sind drinnen wie draußen möglich. Spargeltouren und

Schöner Ausblick: Bar und Restaurant „Greens“ direkt am Green

Köstlich essen im „Greens“

Das Greens, ein Restaurant nicht nur für Golfer

Die neuen Gastronomen im Clubhaus Restaurant

sind Nicole und Herwig Renkwitz. Im schönen und

modernen Ambiente des Greens mit dem herrlichen

Blick ins Grüne bietet das Ehepaar eine qualitativ sehr

hochwertige Küche an. Nur frische, regionale Zutaten

Kohltouren sind willkommen, bietet sich doch ein Spaziergang

gerade in Oberneuland an.

Bei Nichtgolfern hat sich dies schon herumgesprochen

und eine Reservierung ist empfehlenswert. Gerade

jetzt lädt die Terrasse, direkt am Putting Green,

24


zum Speisen und entspannt Verweilen ein. Am besten

schauen Sie bald mal rein, ins Greens am Heinrich-

Baden-Weg 23. Das Team der Familie Renkwitz freut

sich auf Ihren Besuch!

Ein Genuss ist nicht nur das Essen im

Greens, auch das Golfspielen selbst ist es.

Spielt man doch über das ganze Jahr

hinweg mit dem Blick auf die Schönheit

des im Stile eines Landschaftsparks

angelegten Geländes. Seit der Erweiterung

auf 18 Loch vor 25 Jahren ist

es tatsächlich auch die drittgrößte

Grünanlage der Stadt. Aber nicht nur

das, sondern der Golfplatz ist auch eine

der einzigartigsten Parkanlagen in

Europa. Das Arboretum ist der ganze

Stolz des GCO. Die Bedeutung des

Begriffs „Arboretum“ leitet sich vom

lateinischen „arbor“ für „Baum“ ab und

bezeichnet eine Sammlung unterschiedlichster, oft

exotischer Gehölze.

„Bärchi“

das GCO-Maskottchen

auf Bahn 10

Der größte Teil dieses Arboretums liegt auf dem Gelände

des Golfparks Oberneuland. Gegenüber dem

Verpächter Justin Iken und seiner Familie hat sich

der Golf-Club Oberneuland e.V. zur weiteren Anlage

und Pflege verpflichtet. Zusätzlich zu dem Altbestand

von ca. 1000 Gehölzen, die zumeist über 100 Jahre

alt sind, pflanzte der Golf-Club noch 800 exotische

Bäume und ca. 2000 Sträucher nach den Pflanzlisten

von Justin Iken. Dieser wählte von jeder Art nur

ein Exemplar für das Arboretum aus und bestimmte

auch die Pflanzorte. Sie können am 20. Oktober 2024

einen geführten Rundgang mitgehen, um die

aus verschiedenen Kontinenten stammenden

Arboreten genauer zu bestaunen

und kennenzulernen.

Das Greens mit den neuen Betreibern

ist nicht das einzig Neue im Golf-Club

Oberneuland. Seit Mai hat er auch

einen neuen Präsidenten und einen

neuen Manager. Der 73- jährigen Rainer

Kriwald ist nun gemeinsam mit dem

30-jährigen Manager Jan Gulich die neue

Führungsspitze des Vereins. Der studierte

Sportmanager und gebürtige Wolfsburger

Jan Gulich hat selbst früh angefangen Golf

zu spielen, heute mit Handicap 0,1 hat er

seine Leidenschaft zum Beruf machen können. Er

ist von der Mitgliedschaft im Golfclub herzlich aufgenommen

worden und freut sich, an der weiteren

Natur entdecken während des Golfspiels, Schilder führen durch das

Iken-Aboretum, die Bäume sind ebenfalls mit Namen ausgezeichnet

Ideengeber und Begründer des Oberneulander Arboretums

war Justin Iken, der zu seinen Lebzeiten eine

Vielzahl seltener Exemplare aus aller Welt sorgsam

ausgewählt und für die Sammlung zusammengestellt

hat. Er folgte damit einer schönen Tradition Bremer

Kaufleute, die früher von ihren Geschäftsreisen nach

Übersee exotische Pflanzen auf Segelschiffen nach

Oberneuland für ihre Privatparks mitbrachten und dort

zur Schau stellten.

Jan Gulich, neuer Manager des GCO, und Rainer Kriwald, der neue

Präsident

Entwicklung einer der größten Sportvereine Bremens

mitzuwirken. Oberneuland hat viele junge Familien,

die zukünftig das moderne Clubleben genießen

möchten, davon sind Jan Gulich und Rainer Kriwald

überzeugt. Alle weiteren Informationen finden Sie auf

der Homepage des Clubs, die auch bald mit neuem,

modernen Design online stehen wird.

Greens Clubhaus Restaurant

Heinrich-Baden-Weg 23

T 0421 24 36 66 11

info@greensbremen.de

Golf Club Oberneuland

Heinrich-Baden-Weg 23

T 0421 20 52 91 99

gc-oberneuland.de

25


Club zur Vahr

Der Familienclub

SPORT

Der Golfplatz in der Garlstedter Heide zählt deutschlandweit zu

einem der schönsten und anspruchsvollsten 18-Loch-Plätze.

Wenn man den Namen „Club zur Vahr“ hört, so

denkt man nicht zwangsläufig nur an Golf, sondern

auch an Hockey. In Deutschland gehört

der Club zu einem der ältesten und bekanntesten.

Aber in der hiesigen Golfszene nimmt der

Club zur Vahr tatsächlich ein stückweit eine

Sonder-stellung ein. Er betreibt nämlich gleich

zwei Golfanlagen – in Bremen-Vahr und in Garlstedt.

Beide haben ihren ganz speziellen Reiz.

Neben Golf, Hockey und Tennis hat der Club zur

Vahr in den letzten Jahren sein Angebot sukzessive

erweitert und bietet heute für Familien und Sportler

jeden Alters ein großflächiges Areal mit einem clubeigenen

Schwimmbad (Öffnungszeiten von Mai bis

Oktober), einem Fitnessstudio und sogar einem neu

gebauten Padel-Court. Hier in der Bürgermeister-

Spitta-Allee trifft man sich gerne nach der Schule oder

auch schon vor der Arbeit, um gemeinsam Sport zu

treiben, gesellig beisammenzusitzen oder einfach nur

zum Essen oder Chillen. Für die kleinsten Clubmit-

Der FitnessClub zur Vahr mit Gerätefläche und Kursraum feierte 2020 Eröffnung.

glieder lädt ein schön angelegter Kinderspielplatz zum

Toben und Spielen ein.

Die Historie des Club zur Vahr, der sich als traditioneller

Country-Club nach britischem Vorbild versteht, ist

mittlerweile fast 120 Jahre alt und weit über die Stadtgrenzen

Bremens hinaus bekannt. Gegründet wurde

er 1905 als Polo-, Golf-, Hockey-, und Tennis-Club.

Hinzu kamen weitere, teils exotische Sportarten wie

Tontaubenschießen, Leichtathletik, sowie kurzzeitig

26


auch Rugby und Cricket (nach der Besatzung durch

die Amerikaner). Bereits im Gründungsjahr wurde

ein 6-Loch-Kurs eröffnet und später um drei weitere

Greens auf eine stattliche Länge von knapp sechs

Kilometern erweitert. Heute gilt gerade der 9-Loch-

Platz als eine grüne Oase im Herzen Bremens mit

seinem alten Baumbestand, seinen perfekt gepflegten

Bahnen, etlichen Bunkern und dem naturbelassenen

Fleet. Einfach ist der Platz nicht zu spielen, sondern

präzises Spiel und lange Schlagdistanzen sind hier

das A und O für gute Ergebnisnotierungen auf der

Scorecard.

Reinthalerstraße 17A . D-28213 Bremen

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der Heidelberger Ballschule (einem ganzheitlichen

Athletiktraining), der Abnahme von Schwimmabzeichen

bis zur gezielten Kinder- und Jugendförderung

in den Abteilungen Golf, Hockey und Tennis, die die

Kinder bis ins erwachsene Alter begleitet. Der Club zur

Vahr versteht sich als Club für die ganze Familie. Und

das sieht und fühlt man, wenn man sich auf der Anlage

aufhält.

Tenniskindergarten, Bambini Akademie, Punktspielbetrieb –

Kinder finden im Club beste Trainingsvoraussetzungen.

Im Gegensatz zum kleinen Bruder in der

Hansestadt ist der Platz in der Garlstedter

Heide alles andere als ebenerdig. Seine

Bahnen sind perfekt in die hügelige

Landschaft eingepasst und dabei in weiten

Teilen von Nadelwald flankiert. Häufig

steht der Spieler vor der Entscheidung,

entweder den risikoreicheren oder

den längeren Weg zu spielen. Bunker,

Wasserhindernisse und Baumbewuchs erschweren

ihm das Leben außerdem nachhaltig. Wer weite und

vor allem gerade Abschläge beherrscht, ist hier eindeutig

im Vorteil. Golf-Schnupperkurse und Platzreifekurse

für Neulinge werden auch für Gäste angeboten.

Nähere Informationen erhalten Interessenten über die

Homepage.

Um wieder einen Schwenk zurück vom Golfplatz zu

den Mitgliedern zu machen: Gerade die Nachwuchsförderung

wird im Club zur Vahr großgeschrieben. Ein

besonders vielfältiges Sportangebot für Kinder schon

ab 18 Monaten soll die Motorik, Beweglichkeit und

das Ballgefühl von klein auf fördern. Angefangen von

Bram Lomans, ehem. Natrionalspieler und Olympiagewinner der

Niederlande, trainiert als Gasttrainer die Hokeyjugend des CZV

Das Thema Leistungssport kommt bei all den Breitensport-Angeboten

nicht zu kurz. Im Golfbereich wird

2024 im Damen-, sowie Herrenteam der Aufstieg in

die 2. Bundesliga angepeilt. Die 1. Tennis-Damen und

die Herrenmannschaft spielen derzeit erfolgreich in

der Nordliga mit dem mittelfristigen Ziel wieder in der

Regionalliga mitzumischen. Und auch Im Hockeybereich

ist der Club zur Vahr immer ein ernst zu nehmender

Gegner mit viel Potenzial aus den unteren

Jahrgängen.

Club zur Vahr e.V.

Bürgermeister-Spitta-Allee 34, 28329 Bremen

T 0421 204480 I club-zur-vahr.de

27


ARCHITEKTUR

Ausgebremst

von Guenther G. Rodewald

Man kann nur spekulieren, welch weiteren zukunftsweisenden

Fortschritt die Bauten des Bremer Architekten Ernst Becker genommen

hätten, als er im recht jungen Alter von gerade mal 32

Jahren und in voller beruflicher Aktivität durch die Machtergreifung

der Nationalsozialisten vom 30. Januar 1933 in seiner Entwicklung

ausgebremst wurde.

Ernst Becker-Sassenhof (1900-1968)

Foto: Heiko Becker-Sassenhof

28


Das Stadttheater Vegesack · Postkarte, Foto: Heimatmuseum Schloss Schönebeck

Bereits in der Mitte der 20er Jahre des vergangenen

Jahrhunderts war Ernst Becker (1900-1968) in

Vegesack mit seinen Entwürfen und seinem Verständnis

neuzeitlicher Stadtplanung aufgefallen.

Damals war Vegesack noch eine autonome Stadt

im preußisch-hannoverschen Landkreis Osterholz,

die dann aber am 1. Dezember 1939 zusammen mit

den bis dahin ebenfalls selbstständigen preußischen

Gemeinden Grohn, Schönebeck, Aumund, Hammersbeck,

Fähr und Lobbendorf in die Stadt Bremen eingemeindet

wurden.

Das Heimatmuseum Schloss Schönebeck widmet

seit dem 1. Mai bis zum 1. September neben Daten

und Dokumente seiner Biographie dem in Essen geborenen

Architekten eine Ausstellung mit dem Titel

Bauhaus-Architektur in Vegesack · Ernst Becker

Sassenhof, die sich vor allem mit dessen in Bremen-

Nord entstandenen, zum Teil noch bestehenden Bauten

auseinandersetzt.

Becker, der seinen Familiennamen 1947 in Becker-

Sassenhof änderte, um nicht mit einem seinerzeit in

Bremen lebenden Namensvetter verwechselt zu werden,

studierte Architektur und Hochbau an den Technischen

Hochschulen in München und Hannover, wo

er 1923 sein Staatsexamen ablegte. Danach arbeitete

er in der Bauabteilung der Kohlenbergwerke Minden

GmbH. Nach der Heirat 1924 mit der Vegesackerin

Elfriede Juhl ließ er sich im gleichen Jahr in deren

Heimatstadt als selbständiger Architekt nieder.

Sein erster Auftrag wurde dort gleich die Umgestaltung

der Tonhalle Vegesack ins Stadttheater in der

Familie Tielitz

und Mitarbeiter

in 5. Generation

Laura und Henrick Tielitz

Friedhofstraße 19

28213 Bremen

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29


Vegesacker Strand mit Strandstraße (links: Wohnhaus Becker; rechts: Ruderhaus), Postkarte, Quelle: Peter Strotmann

Gerhard-Rohlfs-Straße 67, das seitdem ebenfalls als

Kinosaal diente. Vorher, seit 1911, war das Gebäude

eine vielbesuchte Gaststätte, 1961 wurde das Theater

abgerissen und beherbergt heute ein Billigkaufhaus

der Woolworth-Kette.

Sein Schwiegervater, Kapitän Otto Theodor Wilhelm

Juhl, lebte mit seiner Familie in der Weserstraße, eine

von Kapitänen

und Reedern bevorzugte

Wohnstraße

Vegesacks,

deren westliche

Bebauung auf

dem hoch an der

Weser gelegenen

Geestrücken

die attraktivere

Seite bildete. Deren

Grundstücke

reichten sämtlich

die Steilküste

hinunter bis ans

Flussufer. An dieser

privilegierten

Seite der Straße lebten in der Nummer 90 die Juhls,

und so errichtete Becker auf dem unteren Teil des

Terrains für sich und seine Frau im Jahre 1926 sein

privates Wohnhaus im Würfelstil, außen wie im Innenausbau

bereits in eindeutiger Referenz zum Dessauer

Bauhaus-Stil.

Bis dahin gab es unten an der Weser noch keine befestigte

Straße, die

wurde aber nun

geschaffen, hieß

dann Strandstraße

und die Nummer

2 wurde der

Beckersche Bau.

Damals schützte

diese Promenade

noch keine

Spundwand wie

heute, sondern ein

Sandstrand war

das Ufer, das auch

viel und gerne als

Strandbad genutzt

wurde. Dort unten

Das Beckersche Wohnhaus in der Strandstraße, Foto: Heimatmuseum Schloss Schönebeck

30


gab es auch die Strandlust mit ihrem Sommergarten.

Ebenso betrieb das Hotel Bellevue in der Weserstraße

82 unten an der Weser eine gern und viel besuchte

Außengastronomie mit Blick auf die Weser, sogar eine

eigene Anlegestelle für Ausflugsdampfer hatten sie.

Aber infolge der ungeschützten Lage waren die Gebäude

dort unten den bei starkem Nordweststurm

regelmäßig aufs Festland steigenden Sturmfluten

ausgesetzt. So stand auch im Erdgeschoss von Beckers

Haus in solchen Momenten das Weserwasser,

so dass sich die Familie ebenso oft in die erste Etage

zurückziehen musste. Leider wurde auch dieses

Gebäude irgendwann abgerissen – ich vermute Anfang

der 70er Jahre, im Zuge der Umgestaltung der

Weserpromenade, auf jeden Fall, bevor Bremens

Denkmalpfleger seine schützenden Hände auf dieses

erhaltenswerte architektonische Kleinod legen konnte.

Am Ende wohnte der Direktor der Gerhard-Rohlfs-

Schule in dem Haus.

Gleich im Jahr darauf, 1927, bekam Becker den Auftrag,

neben seinem eigenen Haus ein neues Klubhaus

für den im Jahre 1900 gegründeten Vegesacker

Ruderverein (VRV) zu planen und errichten zu lassen.

Mit noch klarerer Hand hinterließ Becker bei diesem

Projekt seine Handschrift: hier prägt das Bauhaus so

deutlich Beckers Stil, dass man es noch heute als einen

der Klassiker jener innovativen Epoche der Neuen

Sachlichkeit zitieren könnte, ja, wenn es sich heute

nicht in einem so bedauerlichen Zustand befände.

Obwohl es seit 1994 theoretisch unter dem Schutz

des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege steht,

modert und gammelt es vor sich hin, wird hin- und

hergeschoben zwischen den senatorischen Behörden

und den Interessen und Ambitionen verschiedener

Bürgervereine, alle mit auffällig hohem Altersdurchschnitten

ihrer Mitglieder. Und vor allem, ohne sich

einigen zu können, welchen Zweck das Bauwerk

erfüllen könnte. Ach, was könnte man sich an dem

reizvollen Ort unter einem so originellen Dach alles

einfallen lassen…

Gerade vor diesem speziellen Hintergrund kann die

Ausstellung im Schönebecker Schloss unter Umständen

dieses kostbare Juwel der modernen Architektur

des 20. Jahrhunderts ein erneutes Mal in das öffentliche

Bewusstsein der Stadt und Vegesacker Bürger,

vor allem auch des Senats, rücken.

Am Beispiel des Ruderhauses wundert man sich heute,

welch kurze Dauer damals zwischen Auftrag und

Fertigstellung nötig war, um ein solches Bauwerk zu

vollenden. So schrieb die Norddeutsche Volkszeitung

31


Das Bootshaus des Vegesacker Rudervereins (erbaut 1927), Foto: Privat

seit 1888

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am 28. August 1927: „Etwa 4 Monate Bauzeit, 4 Monate tatkräftigen

Handanlegens, und nun ist es fertig, kann bezogen und morgen offiziell

eingeweiht werden. Bis zur letzten Stunde sind Mitglieder des Vereins dabei

gewesen, haben geschleppt, zugerichtet, geschrubbert und in uneigennütziger

Weise ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. Nun können sie mit

Stolz auf ihren Besitz schauen. Ein stolzer Bau ist es auch, errichtet nach

den neuesten Erfahrungen für den Sport und für die Geselligkeit zugleich.“

Beckers Schaffen kannte keine Pause, und man wurde auch außerhalb

Vegesacks und Bremens auf ihn aufmerksam. 1929 soll es sogar eine Anfrage

des Architekten und Bauhaus-Begründers Walter Gropius (1883-

1968) gegeben haben, der Becker in seinem Büro beschäftigen wollte. Es

heißt, Becker habe dieses Angebot ausgeschlagen, weil er unabhängig

bleiben wollte.

Förderlich für Beckers Freiheiten, über die der Architekt in den zwanziger

Jahren und frühen 30er Jahren in seinem Heimatort verfügte, begründet

sich in der engen Freundschaft mit Werner Wittgenstein (1882-1965),

seit 1915 Stadtdirektor bzw. Bürgermeister Vegesacks, gleichzeitig Baudezernent

der Stadt, bis er im Juni 1933 von der NSDAP-Kreisleitung

aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in

den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Bereits im März hatte man ihn

beurlaubt, weil er im Februar 1919 mit dem Arbeiterrat der Bremer Rätepublik

kooperiert hatte. Er zog anschließend nach Berlin-Wannsee und überstand

die Zeit des Nationalsozialismus in seinem Beruf als Rechtsanwalt.

32


Becker und Wittgenstein waren beide Mitglieder

der Vereinigung Castellum Visurgis von Bremen-

Vegesack, dem Männerbund Schlaraffia zuzurechnen.

Durch diese Beziehung konnte Becker mit weitreichenden

Verantwortlichkeiten und Kompetenzen

ausgestattet im Bild und der Struktur der Stadt seine

Spuren hinterlassen. Manche seiner Bauten fallen

heute noch auf, wenn auch an den meisten von ihnen

sichtbare bis schmerzhafte Veränderungen vorgenommen

wurden.

Wie schon erwähnt, bezieht sich die Ausstellung im

Schönebecker Schloss nahezu unilateral auf das Wirken

Beckers in Vegesack, einhergehend mit der Ausrichtung

des Museums auf die lokale Geschichte der

Bremen-Norder Stadtteile und -bezirke. Auf 20 Stelltafeln

hat der Ausstellungskurator, der 1. Vorsitzende

des Heimatvereins Schloss Schnebeck Klaus Gawelczyk,

Beckers Geschichte und die wichtigsten seiner

Bauten in Bremen-Nord zusammengestellt. Da erfährt

man viel über solche Bauten, die auch heute noch zu

entdecken sind, wenn auch manche davon leicht bis

stark verändert wurden. Andere gibt es gar nicht mehr.

Heimatmuseum Schloss Schönebeck, Foto: Heimatmuseum

Sagerstrasse 26 heute (denkmalgeschützt), Foto: Privat

Becker war in den 20er und 30er Jahren sehr aktiv,

wenn er auch sehr bald stilistisch von dem zweifelhaften

Ästhetikverständnis des Nationalsozialismus

und dessen Ablehnung und Verfolgung innovativer

oder gar avantgardistischer Tendenzen in der Kunst

und damit natürlich ebenso in der Architektur eingeschränkt

wurde. Hinzu kam entscheidend in lokaler

Beziehung, dass sich durch die veränderten politischen

Verhältnisse auch die Administration Vegesacks

drastisch veränderte. Seit März regierte im dortigen

Rathaus der SA-Sturmführer Lothar Westphal, der

dann sogar den verführerischen Titel eines Staatsrats

tragen durfte.

Nur zwei öffentliche Projekte wurden dort in dieser

Zeit realisiert, ein Umbau des Rathauses Vegesack

in 1938/39 und der Um- und Erweiterungsbau der

Ausstellung im Heimatmuseum

Schloss Schönbeck

Anfahrt mit dem PKW

• A 270, Abfahrt 6

Grohn / St. Magnus / Schönebeck

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

• NordWestBahn S1, Haltestelle „Schönebeck“

• BSAG Buslinien 90, 91, 92, bis „Bahnhof Schönebeck“

Fußweg jeweils ca. 1 km

Öffnungszeiten

• Di, Mi, Sa 15-17 Uhr, So 10.30-17 Uhr

museum-schloss-schoenebeck.de

Die Umgebung des Schlosses lädt zu Spaziergängen

im Auetal ein: komoot.com/de-de/smarttour/2841078

33


Sparkasse in Bremen-Vegesack (1964-1965). Der

letzte Auftrag, den er bearbeitete, war die Filiale der

Sparkasse in Bremen-Lesum. Ernst Becker-Sassenhof

starb am 26.11.1968.

Haus Grohne, Friedrich-Mißler-Straße 35

Foto: Heimatmuseum Schloss Schönebeck

Gerhard-Rohlfs-Schule, der in der Bremer Zeitung,

von 1933 bis 1945 das Bremer Organ der NSDAP

und ebenso das offizielle Amtsblatts des Senats, groß

gefeiert wurde. „Tatsächlich war Beckers Wirken

während des Zweiten Weltkriegs auch politisch. Seine

Entwurfsarbeit wurde von den Machthabern als

derart wichtig erachtet, dass er als 40jähriger gesunder

Mann bis zuletzt nicht an die Front musste.“ So

schreibt Janina Schulte in einem Beitrag mit dem Titel

Ernst Becker im besetzten Polen in einer Biographie

über Ernst Becker (s.u.). Im Winter 1939/40 war er

nach Posen (heute: Poznan) beordert worden, wo er

aber als freier Architekt tätig war.

Mit der Schönebecker Ausstellung ist längst nicht das

gesamte Schaffen Beckers dargestellt, denn über seine

Spuren in Bremen-Nord hinaus hat Becker auch

viele Bauten in anderen Stadtteilen Bremens, manche

davon auch in Schwachhausen geschaffen. Eines

steht beispielsweise nach wie vor, glücklicherweise

denkmalgeschützt. Es ist ein auffälliges Haus in der

Friedrich- Mißler-Straße 35 im besten Stil der Neuen

Sachlichkeit. Es wurde in den Jahren 1927 bis 1928

für Ernst Grohne errichtet, von 1924 bis 1953 Direktor

des Focke-Museums. Weitere Bauwerke entstanden in

Bremerhaven und in anderen Orten Norddeutschlands.

Viele von Beckers Projekten in Bildern, mit Daten ihrer

Entstehung und technischen Details und einigen Bauzeichnungen

sind in einer Monographie dokumentiert,

mit dem Titel Einfaches Bauen · Ernst Becker · Leben

und Werk eines Architekten, erschienen 1999 im Delmenhorster

Aschenbeck & Holstein Verlag, die leider

vergriffen ist. Vielleicht kann die Schönebecker Werkschau

dazu beitragen, eine neue, dann überarbeitete

und aktualisierte Ausgabe anzustoßen.

Beckers Sohn Heiko (1928 – 2015) konnte Ende 1944

bei Freunden in Thüringen untergebracht werden, seine

Frau Elfriede konnte Anfang 1945 fliehen, ebenso

Becker selbst ein paar Wochen später. Er erkrankte auf

der Flucht schwer an einer Lungenentzündung, konnte

aber am Ende wieder mit der ganzen Familie nach

Vegesack zurückkehren, wo diese zunächst im Hause

des Schwiegervaters Otto Juhl unterkam, der mittlerweile

verstorben war. Beckers eigenes Haus unten an

der Weser war vermietet, aber etwas später konnte

man dort wieder einziehen. 1953 starb Beckers Frau.

1956/57 baute er sich ein neues Haus, inzwischen

wieder neu mit Margit Busch verheiratet, in Bremen-

Lesum in der Spielleutestraße, das auch nach wie vor

existiert. Sein Büro hatte er seitdem in Bremens Innenstadt,

Am Wall 118.

Neben dem Bau von vielen Einfamilienhäusern plante

und vollzog Becker-Sassenhof mehrere größere Projekte

wie z.B. die Kirche in Bremen-Rönnebeck (1954-

1955), ein Büro- und Wohnhaus in Fäh- Lobbendorf

bei Bremen (1958-1959), das Hallenbad in Bremen-

Vegesack und einen Erweiterungsbau der Filiale der

Ernst Becker · Einfaches Bauen, Aschenbeck & Holstein,

Delmenhorst 1999 (Leider vergriffen)

Der Besuch der Ausstellung im Schloss Schönebeck

lohnt sich wirklich. Es wurde Zeit, dass man an das

Schaffen dieses für Bremen wichtigen Architekten

erinnert, dem ansonsten in unserer Stadt noch nicht

einmal eine Straße oder ein Platz gewidmet ist. Verdient

hätte er das mindestens.

34


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Bremen verbunden,

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Seit dem 15. Juni ist in der wunderschönen Kaufmannsvilla an der Schwachhauser Heerstraße 57

eine Beratungspraxis für weltweit führende Augenlaser- und Linsenbehandlungen eingezogen.

Smarteye ist ein Zusammenschluss vieler Kompetenzen,

die Ihnen helfen können, ihr Sehvermögen zu

verbessern. Dahinter steht der Gründer, Privatdozent

Dr. med. Christian Ahlers, zusammen mit seiner Frau,

Dr. med. Sina Ahlers. Sie haben die Idee entwickelt,

mit verschiedenen Instituten und Herstellern für

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Das Vorgespräch dafür findet ab sofort für Bremen in

der Schwachhauser Heerstraße 57 statt. Alles fängt

mit einem kostenlosen Beratungsgespräch an. Gerade

das Auge ist für viele ein sensibles Thema und mit

Ängsten verbunden. Dabei lassen sich Kurzsichtigkeit,

Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmungen mittlerweile

schnell, sicher und schmerzfrei korrigieren. Bei

dem Smile Pro- Laserverfahren beispielsweise können

Kurzsichtigkeit bis -10 Dioptrien und Hornhautverkrümmung

bis 5 Dioptrien schon in zehn Sekunden

pro Auge behoben werden. Auch die Korrektur von

Altersweitsichtigkeit ist heute kein Thema mehr. Gleitsichtbrille

ade, dies hört sich doch gut an, oder?

Bei dem Laserverfahren Presbyond wird ein Auge

für die Nähe und das andere Auge mehr für die Ferne

optimiert. Durch ein individuelles Laserprofil wird

zusätzlich die Tiefenschärfe der Augen so angepasst,

dass es zu einer deutlichen Überschneidung beider

Bildeindrücke kommt. So können Patienten mit beiden

Augen besser in Nähe und Ferne sehen. Bestehende

Sehfehler werden mit ausgeglichen. Nach der Behandlung

können Patienten ihren Alltag ohne Leseoder

Gleitsichtbrille bestreiten.

Ab Mitte 50 wird eher ein Linsentausch empfohlen,

da dann schon häufig die natürliche Linsentrübung

einsetzt oder sich die Werte des Auges weiter verschlechtern.

Diese Behandlung wird auch bei Patienten

mit Grauem Star durchgeführt, sie ist gut erprobt

und sicher. Bei diesem Verfahren werden die natürlichen

Linsen durch Kunstlinsen ersetzt. Dabei setzt

Smarteye auf höchste Präzision und Sicherheit durch

weltweit führende Lasertechnologie zum sicheren

Einsetzen der Linsen und Qualitätsprodukte von Premiumanbietern.

36


Smarteye hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beste

und minimalinvasivste Methode für jeden Patienten

zu finden, um für jeden Einzelnen stets das individuell

bestmögliche Sehen zu erreichen – häufig sogar

noch besser als vorab mit Brille oder Kontaktlinsen.

Grundgedanke war es, mit Smarteye einen inhabergeführten

Qualitätsanbieter zu schaffen, um herstellerunabhängig

arbeiten zu können. Deshalb wird in die

weltweit besten Lasergeräte und Linsen unterschiedlicher

Hersteller investiert. Der 46-jährige Gründer,

Privatdozent Dr. med. Christian Ahlers, Facharzt für

Augenheilkunde und Augenchirurg, ist selbst gelasert

und möchte seinen Patienten ebenso ein komfortables

Sehen in allen Distanzen ermöglichen.

Das smarteye-Team freut sich auf Ihren Besuch, Foto: K. Zigmann

Smarteye ist als refraktives Tochterunternehmen aus

dem Ärzteverbund „Die Augenpartner“ entstanden,

der seit über 30 Jahren Augenmedizin in Niedersachsen

betreibt. Seit 2020 bietet Smarteye bereits Laserund

Linsenbehandlungen in Walsrode und Verden an,

mit Bremen kommt nun ein weiterer Standort hinzu.

Lassen Sie sich in den neuen Räumlichkeiten in der

Schwachhauser Heerstraße 57 ganz in Ruhe beraten.

Termine können individuell vereinbart werden.

Telefonisch unter 04231 97 06 007.

Weitere Infos finden Sie auf smarteye.de

Die Smarteye Methoden im Überblick

WOW!

Endlich brillenfrei

Augenlasern in 10 Sekunden

Jetzt auch in Bremen Schwachhausen!

Smarteye

Augenärzte Augenlaserzentrum

Schwachhauser Heerstraße 57

www.smarteye.de

37


UMBAU

Harald Knigge hinter seinem neuen Tresen

Der neu gestaltete Eingangsbereich

der Konditorei in der Sögestraße,

Tradition und Moderne

Offen, freundlich und einladend, bietet die Familie Knigge seit

über 130 Jahren Köstliches aus der Kuchen- und Kaffeewelt an.

Text: Susanne Lolk, Fotos: Konstantin Zigmann

Wir Bremerinnen und Bremer

sitzen viel zu wenig in unseren eigenen

Kaffeehäusern, oder doch nicht? Wann saßen

Sie zuletzt im Café Knigge an der Sögestraße? Haben

Sie schon die Umbauten entdeckt?

Im Juni, während des laufenden Betriebes, wurde im

Eingangs- und Verkaufsbereich ein neuer Fußboden

mit Frischgrätmuster gelegt. Damit begann die neue

räumliche Aufteilung im Eingangsbereich. Die Verkaufsfläche

links, Stollen und Kekse und vieles mehr,

ist auf der selben Seite weiter nach hinten gewandert

und erstrahlt dort mit neuer Beleuchtung. Die nun frei

gewordene Fläche ist mit Tischen und weich gepolsterten

Stühlen aufgefüllt worden, mit warmen blauen

Samtbezügen. Hier finden jetzt über 25 Gäste eine

bequeme Sitzfläche und haben dabei den freien Blick

auf die Sögestraße und den großen, jetzt stylischen

Kuchentresen. Bei schönem Wetter kann auch die

Glaswand verschoben werden, man sitzt gefühlt draußen.

Der blaue Stoff der Stühle ist an den Wänden

wiederzufinden und rundet die neue Kombination ab.

Mit der großen Auswahl an verschiedenen, handwerklich

perfekten Kuchen ist und bleibt Knigge eines

der besten Cafés in der Stadt. Dies gilt natürlich auch

für das Café am Gräfin Emma Platz in Schwachhausen.

Viel Freude beim Entdecken des „neuen“ Cafés

Knigge und beim Blick auf die Fußgängerzone in der

Sögestraße.

Konditorei Knigge knigge-shop.de

Sögestraße 42/44 I T 0421 1 30 60

Gevekothstr. 14 I T 0421 21 64 18

Der umgestaltete Pralinenbereich

Leckerer Kuchen, jetzt dreistöckig präsentiert

38


Bremen leuchtet -

im Glanz der Weihnacht

Text: Susanne Lolk

VORFREUDE

Wenn man sich wie Herr Nils Huschke sehr wohl in

einer Stadt fühlt, sogar Lokalpatriot ist, dann möchte

man seine Stadt am liebsten verschenken.

Wie kann man das?

Auf vielen Weihnachtsmärkten werden die sorgfältig

im Erzgebirge hergestellten, weihnachtlichen Motive

angeboten. Ein Stadtmotiv hat er in Lübeck entdeckt.

Warum nicht auch für Bremen? Natürlich kann man

Bremen so nicht fotorealistisch darstellen, der Kompromiss

ist eher eine abstrahierende Darstellung, des

Wichtigsten, das Bremen wiederkennen lässt. So ist

die Ansicht der Stadt mit den Kirchtürmen von heute

und damals entstanden. Der Bezug zur Weser mit den

Häusern an der Schlachte sind dem vorgelagert.

Als Vorlagen diente der Panorama-Fries im Lesesaal

des Staatsarchivs, aber u.a. auch der Deckel einer Kaffeedose

der Firma Ibero, die heute nur noch wenige

kennen. Bei genauer Ansicht entdecken Liebhaber die

kleinen aber feinen Charakteristika unserer Stadt.

Dieser Lichterbogen ist in einer begrenzten Auflage

und auch nur in Bremen erhältlich, zudem muss er

vorbestellt werden, da er nach Auftragseingang in

einer spezialisierten Manufaktur im Erzgebirge hergestellt

wird. Ein wunderbares Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk.

Ein Exemplar können Sie bei D.F.

Rabe&Co. Am Wall 153 ansehen, um sich ein Bild des

großen (80cm breiten und 40cm hohen), beleuchteten

Lichterbogens zu machen.

Der Lichterbogen muss allerdings schon bis Ende September

bei D.F. Rabe&Co. persönlich bestellt werden,

wenn Sie ihn in der Adventszeit verschenken oder

aufstellen möchten. Bestellungen können Sie natürlich

auch per Mail oder telefonisch aufgeben. Ein Teil des

Kaufpreises von €235 geht an den Verein Anschari e.V.

D.F. Rabe & Co.

T 0421 32 50 79

Am Wall 153-156

rabe-am-wall.de

39


„Der Mond ist aufgegangen,

die goldnen Sternlein prangen …“

Fotos: Konstantin Zigmann

MUSIK & LICHT

​Nicht nur goldene Sterne, sondern auch hunderte von Fackeln tauchen

den Bremer Bürgerpark rund um den Hollersee am Parkhotel jedes Jahr

im Spätsommer in ein goldenes Lichtermeer und sorgen gemeinsam mit

stimmungsvoller Musik tausendfach für „Gänsehautmomente“.

Für viele Bremerinnen und Bremer stellt das Open

Air Konzert „Musik und Licht am Hollersee“ bereits

eine liebgewonnene Tradition dar. Mit Picknickdecken

und Campingstühlen strömen schon am Nachmittag

Zuschauer an den See, um die besten Plätze zu

ergattern. Die gesamte Belegschaft des Bürgerparks

hat in liebevoller Detailarbeit die Umgebung perfekt

vorbereitet, so dass jeder aus dem Publikum zufrieden

seinen Lieblingsplatz einnehmen kann.

Auch für das Jugendsinfonieorchester Bremen (JSO)

ist es immer wieder ein ganz besonderer Moment,

nach vielen Proben endlich die wunderbar beleuchtete

Bühne zu betreten und auf die zauberhafte Abendstimmung

des Hollersees zu schauen. Die Jugendlichen

legen alle diese Emotionen schon in die Anfangstakte

der Eröffnungsmusik, im vollen Bewusst-

sein des ganz besonderen Privilegs, dieses Konzert

mitgestalten zu dürfen. Denn jeder dieser Abende am

Hollersee trägt auch eine große Bedeutung im Leben

der Orchestermitglieder. Nicht wenige haben einmal

mit dem Erlernen eines Instruments begonnen, weil

sie als Kind diesem Konzert beigewohnt haben und

sich dadurch motiviert fühlten. Das große Ziel, hier

einmal mit auf der Bühne dabei zu sein, begleitet die

jungen Musikerinnen und Musiker dann oft über Jahre.

Wenn der Weg bis ins JSO geschafft ist, spannt

sich der Bogen der gesamten Orchestermitgliedschaft

um dieses Konzert.

Neben Klassikern wie dem Strauß’schen „Kaiserwalzer“

oder dem „Walzer Nr. 2“ aus der Jazz-Suite von

Schostakowitsch stellt besonders Händels „Feuerwerksmusik“

einen Höhepunkt des Abends dar. Denn

40

Schöne Momente am Hollersee: Picknick im Fackelschein bei klassischer

Musik am Hollersee genießen

Viele ehrenamtliche Helfer verkaufen den gesamten Abend Fackeln


diese Musik untermalt alljährlich ein vom Publikum mit

großer Spannung erwartetes wundervolles Barock-

Feuerwerk, das nicht nur den Himmel, sondern auch

das Publikum stets aufs Neue vollständig verzaubert.

Alle gemeinsam beenden den Abend traditionell mit

dem Singen und Spielen von „Der Mond ist aufgegangen“.

Das Verklingen der letzten Strophe ist ein

krönender Abschluss des Orchesterjahres.

Beeindruckendes Feuerwerk zur „Feuerwerksmusik“

Veranstaltet wird dieses größte Open-Air Klassik-

Konzert Bremens vom Bürgerparkverein Bremen in

Zusammenarbeit mit dem Jugendsinfonieorchester

Bremen-Mitte der Musikschule Bremen – und das seit

1989! Das Konzert wird unterstützt und ermöglicht

durch viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, das

Parkhotel, viele Sponsoren und durch den Fackelverkauf.

Der Verkauf vor Ort erzeugt nicht nur ein wunderschönes

Lichtermeer, sondern ist eine unverzichtbare

finanzielle Voraussetzung für das Stattfinden

dieses Konzerts.

Informationen und Programm: musikundlicht.org

Musik und Licht am Hollersee

Sonntag 08.09.2024, 20 Uhr

mit dem Jugendsinfonieorchester Bremen

der Musikschule Bremen

41


Musikfest Bremen, Marktplatz, Foto: fotoetage

Abschluss, der Bauarbeiten, die Bremer Philharmoniker in ihren neuen Räumlichkeiten im Tabak-Quartier, Foto: xxxx

Aug/Sep

2024

35. Musikfest Bremen

17. August bis 7. September 2024

42


Julia Lezhneva, Foto: Emil Matveev

Philippe Jaroussky, Foto: Marco Borggreve

Shelea, Foto: Patric Leo

Vorhang auf für das 35. Musikfest Bremen! Vollendete Darbietungen unterschiedlichster

Couleur stellen Meisterwerke wie Raritäten aus vielen Jahrhunderten neu zur Diskussion.

Vom 17. August bis zum 7. September stehen durch die Kraft der Musik unvergleichliche

Live- Konzerterlebnisse an, die inspirieren, vitalisieren, aufrütteln, stärken oder trösten. In

46 Konzerten entführen renommierte Stars wie herausragende junge Talente in fesselnde

Klangwelten zum Aufhorchen wie zum Träumen – in Bremen, Bremerhaven und ausgewählten

Spielstätten im Nordwesten.

Beolab 8

Natural Aluminium, Grey Mélange

Fabric Cover, Table Stand

ab 2.499 Euro pro Stück

Einzelstücke und Restposten zu Sonderpreisen

43


Eröffnung in der Glocke, Foto: fotoetage

Erlebnisse voll verführerischer Klänge

Die Eröffnung „Eine große Nachtmusik“ rund um den

Marktplatz bündelt diese Vielfalt exemplarisch gleich

am ersten Abend. 18 Konzerte à 45 Minuten in neun

Spielstätten bieten verlockende Streifzüge durch verschiedene

Epochen, Gattungen und Kontinente. Als

Gäste eingeladen sind Le Cercle de l‘Harmonie, Yulianna

Avdeeva und Jérémie Rhorer, das Bach Collegium

Japan, Il Pomo d‘Oro, das Ensemble Irini, die Compagnia

di Punto, Ulrich Matthes & Olena Kushpler, Sarah

Willis & Sarahbanda und die Lehmanns Brothers.

Das West-Eastern Divan Orchestra feiert seinen

25-jährigen Geburtstag bereits in einem Sonderkonzert

vorab, am Pult steht Daniel Barenboim, Solistin

ist Anne-Sophie Mutter (7.8., Glocke). Nicht weniger

hochkarätig und vielfältig präsentiert sich das Angebot

in den regulären drei Festival-Wochen. Im Bereich der

Orchesterkonzerte stehen beim Originalklangensemble

Il Pomo d‘Oro und Maxim Emelyanychev die Zeichen

auf „Mozart pur!“ (19. August, Glocke), Anton Mejias

und Tarmo Peltokoski kombinieren mit der Deutschen

Kammerphilharmonie Bremen Beethoven mit Sibelius

(21.8., Oldenburgisches Staatstheater), während

die Bremer Philharmoniker für eine Puccini-Gala den

chilenisch-amerikanischen Tenor Jonathan Tetelman

begrüßen (28.8., Glocke). Gesichter der neuen Generation

sind beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin

mit der Cellistin Anastasia Kobekina und dem Dirigenten

Nicolò Foron, Förderpreisträger Deutschlandfunk

2023, genauso zu erleben (30.8., Glocke) wie beim

Bundesjugendorchester und dem World Youth Choir,

die Beethovens Neunte aus einer zukunftsweisenden

Perspektive neu beleuchten (1.9., Glocke).

Jonathan Tetelman, Foto: Ben Wolf

Anastasia Kobekina, Foto: Julia Altukhova

44


Metropole Orkest, Foto: Reinout Bos

METROPOL THEATER BREMEN

16.09.24 - 20:00h

20.09.24 - 20:00h 05.10.24 - 20:00h

22.09.24 - 14:00h

12.10.24 - 14:00h

18.08.2024 - 19:00h

Siegfried & Joy

28.09.2024

Tag der offenen Tür

19.10.2024 - 20:00h

Max Osswald – Freude

25. - 26.10.2024

Atze Schröder

03.11.2024 - 19:30h

Timon Krause

30.08. & 25.09.2024

Mehr Nutten, mehr Koks

29.09.2024 - 18:00h

Bettina Pilster and friends

20.10.2024 - 20:00h

Cem Adrian

27.10.2024 - 17:00h

Tabaluga und Lilli

06.11.2024 - 19:30h

Chris de Burgh

12. - 15.09.2024

Flashdance

03.10.2024 - 20:00h

Philipp Poisel

22.10.2024 - 19:00h

Alice Spektakuläre Zirkusshow

28.10.2024 - 20:00h

Laura Larsson

07.11.2024 - 19:00h

Dornröschen – Ballett

21.09.2024 - 20:00h

Twelve.30 Flight

24.09.2024 - 20:00h

Postmodern Jukebox

10. - 11.10.2024

The Addams Family

12.10.2024 - 22:30h

JuniorSenior Party

23.10.2024 - 19:30h

Rock The Circus

24.10.2024 - 20:00h

Till Reiners

29.10.2024 - 20:00h

Forever Young

01.11.2024 - 20:00h

The Dark Tenor

08.11.2024 - 20:00h

Boléro

09.11.2024 - 20:00h

Philipp Fleiter

27.09.2024 - 20:00h

Masud Akbarzadeh

17.10.2024 - 20:00h

Gianna Bacio

25.10.2024 - 20:00h

Kinan Al

02.11.2024 - 20:00h

Tim Fischer

und viele mehr ...

Tickets versandkostenfrei unter: metropol-theater-bremen.de

45


Konzert auf dem Marktplatz, Foto: fotoetage

Konzertkarten

Nordwest-Ticket und Vorverkaufsstellen

T 0421 36 36 36 · nordwest-ticket.de

Ticket-Service in der Glocke,

T 0421 33 66 99

Mo-Fr 12-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr

Bus-Shuttle

Das Musikfest bietet zu den Konzerten außerhalb

Bremens einen Bus-Shuttle ab Glocke an,

Buchung möglich beim Ticket-Service in der

Glocke, T 0421 33 66 99.

Für junge Menschen

Bis 18-Ticket (nach Verfügbarkeit):

Kinder und Jugendliche bis einschließlich

18 Jahre zahlen für jede Veranstaltung 6 Euro.

Last Minute (nach Verfügbarkeit)

Schüler, Studierende, Freiwilligendienstleistende

und Auszubildende bis 30 Jahre erhalten

ab 30 Minuten vor Konzertbeginn an

der Abendkasse Tickets zum Preis von 12 Euro.

Veranstaltungsplan und Informationen

musikfest-bremen.de

Le Concert de la Loge und Julien Chauvin erweitern

wiederum mit Tänzer*innen in einer Choreografie von

Mourad Merzouki Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ um eine

neue Dimension (2.9., Glocke). Das Arp-Schnitger-

Festival bietet erneut nicht nur Orgel-Solokonzerte

(21.8./Bockhorn, 22.8./Wiefelstede und 23.8./Dedesdorf),

sondern Bachs Goldberg-Variationen in einer

Quartettfassung (20.8./Golzwarden), ein vokal-instrumentales

Programm rund um Bach (24.8., Grasberg)

sowie Beispiele großer deutscher Kirchenmusik von

Schütz, Weckmann und Bach (25.8., Ganderkesee).

Gesangskunst auf höchstem Niveau verspricht Lea

Desandre mit englischen Lautenliedern (19.8., Lilienthal)

ebenso wie Julia Lezhneva mit Perlen der

Barockoper (20.8., Bremerhaven). Das Vokalensemble

Tenebrae versammelt ikonische Chorwerke aus dem

19. Jahrhundert bis zur Gegenwart (21.8., Kulturkirche

St. Stephani), Georg Nigl richtet seine Musikalischen

Salons entlang von Bach und Mozart aus (22.8., Rathaus)

und das Concerto Romano lässt Musik des 17.

Jahrhunderts aus der Ewigen Stadt neu aufleben

(22.8., Rhede).

Während Philippe Jaroussky auf den Spuren von

Farinelli wandelt (23.8., Glocke), erinnert Le Concert

Spirituel mit Händel an Glanz und Gloria des British

Empire (29.8., Barßel), wohingegen Vox Luminis die

spanische Vokalpracht des 16. Jahrhunderts feiert

Julien Chauvin und Tänzer*innen, Foto: Agathe Poupeney

46


St. Florianer Sängerknaben, Foto: Michael Emprechtiger

(1.9., Osterholz-Scharmbeck). Die St. Florianer Sängerknaben

bringen ihre allseits gerühmten Vorzüge

in einem geistlich-weltlichen Programm rund um

ihren Jubilar Anton Bruckner zur Geltung (3.9., Kirche

Unser Lieben Frauen, 4.9. Essen/Oldb). Mit Haydns

„Schöpfung“ und Beethovens Missa Solemnis erklingen

beim Concert de la Loge (3.9., Garrel) und beim

B’Rock Orchestra (5.9., Verden) zwei der wichtigsten

sakralen Werke der Wiener Klassik. Les Musiciens du

Louvre wiederum widmen sich anlässlich des 150.

Geburtstags der wohl bekanntesten Wiener Operette,

der „Fledermaus“ (6.9., Glocke).

Darüber hinaus finden zwei Musikfest-Ateliers als

einwöchige Werkstätten unter der Leitung angesehener

Dozent*innen statt. Während Alfredo Bernardini

und Alessandro Quarta mit jungen Musiker*innen aus

aller Welt Händels Kantate „Clori, Tirsi e Fileno“ einstudieren

(18.8., Jever), lenkt Lionel Meunier in „Wege

zu Bach III“ den Blick auf die legendären Abendmusiken

von Franz Tunder und Dieterich Buxtehude in

Lübeck (6.9., Ganderkesee). Zum großen Musikfest-

Finale steht dann beim kostenlosen Open Air mit dem

Metropole Orkest und Cory Henry das Schaffen der

Soul-Legende Stevie Wonder im Mittelpunkt (7.9.,

Marktplatz).

der schuh.

Fedelhören 87c · 28203 Bremen

Mo-Fr 11-18 Uhr · Sa 11-15 Uhr

Tel. 0421 32 30 36

derschuh-bremen.de

Marc Minkowski, Foto: Franck Ferville

47


10 Jahre

Konsonanz

Die Gruppe weltoffener Streichinstrumentalist:innen blickt im

Zentrum für Kunst auf ihr erstes Jahrzehnt seit der Ensemble-

Gründung zurück.

MUSIK

Grund zum Feiern: Seit 10 Jahren begegnet das Kammerensemble

Konsonanz seinem Publikum an unkonventionellen Orten in Bremen

und umzu, spielt aber auch in Konzerthäusern wie der Glocke Bremen

und der Philharmonie Berlin. Foto: Claudia Beißwanger

Die sechs Gründungsmitglieder des Kammerensemble

Konsonanz sind stolz, dass sie in ihren Projekten

ihre Persönlichkeiten wieder finden. Konzerte

über den Klimawandel oder Genderdiskriminierung,

um nur wenige zu nennen, sind ihre Herzensangelegenheit.

Deren innovative und transdisziplinäre

Umsetzung wurde mehrfach ausgezeichnet, z.B.

mit dem Frauenkulturförderpreis (2. Preis) des Bremer

Senators für Kultur und mit einem Platz auf der

Shortlist des „Preis Innovation“ der Deutschen Orchester

Stiftung.

Die Verbundenheit von Konsonanz zu Bremen spiegelt

sich in Projekten wie den „LauschOrten“, einem

musikalisch-literarischen Audio-Walk durch die Stadt,

oder Fahrradkonzerten durchs Blockland („Musik im

Grünen“) wieder.

Bei aller musikalischer Professionalität ist es Konsonanz

wichtig, dem Publikum auf Augenhöhe zu

begegnen. Mit der Gründung der Netzwerks „Inklusik“

setzt es sich für mehr inklusive Konzerte ein. Ein solches

Inklusik-Konzert gibt das Kammerensemble Konsonanz

auch am 7.9. im Zentrum für Kunst. An diesem

Tag feiert das Ensemble 10 Jahre erfolgreicher Kooperationen,

Freundschaften und die Kraft der Musik.

Anmeldungen zum Inklusik-Konzert am 7.9. um 15:30-16:15 Uhr im Zentrum

für Kunst (Tabakquartier) an: g.alf@inklusik.de oder T 0151 44 37 54 04.

Die Besucherzahl ist begrenzt, der Eintritt ist frei (Spenden willkommen).

Im Anschluss gibt es bei Kaffee und Kuchen eine Ausstellung über die

Geschichte des Ensembles und Raum für Gespräche. konsonanz.com

48


Bremer Stadtmusik

Open Air Oper im Herzen Bremens

Große Oper für alle mitten auf dem Bremer

Marktplatz: Unser Marktplatz wird so förmlich

zur „Arena di Brema“.

An vier Mittwochabenden um 17.30 Uhr erklingen

Opern- Querschnitte: La Traviata (7.8.), Lucia di Lammermoor

(14.8.), Carmen (21.8.) und Rigoletto (4.9.).

Ohne das Originalwerk und seine Besonderheiten zu

verraten, entsteht durch kreative Herangehensweise

etwas Neues. Große Form in kleinem Format - mit

minimaler Bühnenausstattung und in kammermusikalischer

Besetzung begegnen die KünstlerInnen den

ZuhörerInnen auf Augenhöhe.

„Bremer Stadtmusik“ tritt direkt in die Fußstapfen der

Bremer Stadtmusikanten. Auch sie nutzten die Musik

für eine bessere Zukunft und sicherlich auch, um ihre

Mitmenschen mit Musik zu erfreuen. Vor allem aber

schafften sie mit ihrer Initiative, ihrer Courage und

ihrem Zusammenhalt etwas, das zuvor unmöglich

schien. Oper im Sinne der Bremer Stadtmusikanten

bedeutet, dass keine Eintrittsgelder erhoben werden.

Auch in diesem Jahr gibt es zahlreiche Überraschungen,

z.B. legen die Künstler einigen Freiwilligen bei

„Carmen“ auf der Bühne die Karten und tanzen auch

mal mit ein paar Leuten aus dem Publikum. Mit ihren

Opern-Veranstaltungen will die “Arena di Brema” aktiv

dazu beitragen, dass Hemmschwellen gegenüber der

Oper abgebaut werden.

Julia Bachmann sagt dazu: “Wir können es kaum erwarten,

in diesem Jahr wieder Oper für alle erklingen

zu lassen. Und es sind von Jahr zu Jahr mehr Kinder

im Publikum. Viele Menschen bringen sich ja inzwischen

schon Klappstühle mit und sind früh genug vor

Ort, um einen guten Platz zu bekommen.”

Mehr Informationen: bremer-stadtmusik.de

Authentisch bleiben –

bis zuletzt.

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49


Die Bremer

Philharmoniker

August / September 2024

Hommage an den großen Klang

1. Philharmonisches Konzert

Die Glocke

So, 22.9.2024 11 Uhr

Mo, 23.9.2024 19:30 Uhr

Frei nach Hermann Hesse wohnt jedem Anfang ein

Zauber inne. Zum Auftakt der neuen Konzertsaison

trifft dies für die Bremer Philharmoniker in besonderem

Maße zu, denn das Orchester feiert mit seiner

200. Spielzeit ein ganz besonderes Jubiläum. Und es

gibt noch einen weiteren Jubilar: Vor ebenfalls 200

Jahren wurde Anton Bruckner geboren. Grund genug

also, eines seiner ergreifendsten Werke aufzuführen,

Bremer Philharmoniker, Foto: Caspar Sessler

Eine gute Stunde Musik und Moderation, ohne Pause,

kurzweilig, zwanglos, auf höchstem Niveau - die

Afterwork-Konzerte der Bremer Philharmoniker in

der Glocke bieten großes Orchester, interessante Gädie

neunte Symphonie - ein sehr bewegendes Werk

mit großer Besetzung in allen Registern, ähnlich wie

die Vier letzten Lieder von Richard Strauss.

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

König Stephan. Ouvertüre op. 117

Richard Strauss (1864-1949)

Vier letzte Lieder

Anton Bruckner (1824-1896)

Symphonie Nr. 9 d-Moll

Dirigat: Marko Letonja

Sopran: Sarah-Jane Brandon

200 Jahre Smetana

5nachsechs – Das Afterwork-Konzert

Die Glocke

Mi, 25.9.2024 18:05 Uhr

ste und ein abwechslungsreiches Programm – zum

Auftakt der 200. Spielzeit mit einem weiteren Jubilar:

Bedřich Smetana

Bedřich Smetana (1824-1884)

Die Moldau und weitere Auszüge

aus Smetanas beliebtesten Werk

Dirigat und Moderation: Marko Letonja

Musikalischer Spaziergang

Bürgerpark Bremen

So, 18.8.2024 15-17 Uhr

Partie im Bürgerpark, Foto: Michael Bahlo

Die Bremer Philharmoniker erfüllen zum Saisonstart 2024/2025 den Bremer

Bürgerpark mit klassischer Musik. An verschiedenen idyllischen Plätzen

verteilen sich Kammerensembles sowie Solistinnen und Solisten über

den Park und laden zum Entdecken und Verweilen ein. Mit dabei ist auch

die Musikwerkstatt mit einem interaktiven Familienkonzert. An allen Stationen

spielen die Musikerinnen und Musiker mit kleinen Pausen zwischen

den Werken durchgängig.

50


Ein Fest für alle

Halle 1 im Tabakquartier

Sa, 24.8.2024

12-19 Uhr

Halle 1 im Tabakquartier, Foto: Rudolf Lörinc

Zum Auftakt der 200. Spielzeit präsentieren sich die Bremer Philharmoniker

in Festtagsstimmung und laden zum „Fest für alle“. Die Gäste dürfen

sich auf ein Kaleidoskop der Vielfalt klassischer Musik freuen. Generalmusikdirektor

Marko Letonja und die Bremer Philharmoniker schenken mit

verschiedenen Konzertformaten faszinierende Einblicke in den unendlichen

Klangkosmos eines Orchesters. Viel zu entdecken gibt es auch in

der Musikwerkstatt: klassische Orchesterinstrumente zum Ausprobieren,

Mischpulte für Klangexperimente – und versprochen: jede Menge Spaß.

Viva Puccini

Die Glocke

Mi, 28.8.2024

20 Uhr

Jonathan Tetelman, Foto: BenWolf

Ob »Tosca«, »La bohème«, »Madame Butterfly« oder »Turandot«, sie sind

Synonyme für die italienische Oper schlechthin! Zu Ehren des Komponisten

Giacomo Puccini, dessen Todestag sich am 29. November zum 100.

Mal jährt, feiert das Musikfest eine Gala – mit Jonathan Tetelman! Der

chilenisch-amerikanische Tenor gilt als einer der großen Verismo-Tenöre.

Generalmusikdirektor Marko Letonja und die Bremer Philharmoniker werden

gemeinsam mit ihm die mächtigen Kräfte der Liebe, der Sehnsucht

und des Dramas heraufbeschwören – Gänsehautgarantie!

Symphonic Mob

Weserpark / Lichthof

Sa. 14.9.2024

12 Uhr

Die Bremer Philharmoniker verwandlen den Bremer

Weserpark in einen Konzertsaal. Beim Symphonic

Mob finden sich unter dem Dirigat von Florian Ludwig

Profis und Hobbymusiker:innen, Senioren und Kinder,

Studierende und Lehrende, Anfänger:innen und Fortgeschrittene

zu einem großen Orchester zusammen.

Auf dem Programm stehen u.a. Sergei Prokofjevs

Tanz der Ritter aus dem Ballett Romeo und Julia und

Ungarische Tänze, Nr. 1 von Johannes Brahms.

Meine Playlist

Halle 1 im Tabakquartier

Sa. 28.9.2024

19 Uhr

Marko Letonja, Foto: Caspar SesslerI

Ein ganzes Orchester, ein Gast, ein Sofa und ein Moderator! „Meine Playlist“

ist ein Gesprächskonzert und bietet ein vollkommen neues Talk-Format,

in dem das Publikum prominente Bremerinnen und Bremer anhand

ihrer Lieblingsmusik kennenlernt.

Moderator Axel Brüggemann lauscht dem Überraschungsgast im entspannten

Wohnzimmer-Ambiente die Geschichten zur persönlichen

Wunschliste ab und bietet so neue Einblicke in ihr Leben und Denken.

Moderation: Axel Brüggemann

Dirigat: Marko Letonja

Karten unter:

bremerphilharmoniker.de

Ticket-Service in der Glocke

Domsheide 6-8 I 28195 Bremen

T 0421 33 66 99

Nordwest-Ticket in allen angeschlossenen

Vorverkaufsstellen

T 0421 36 36 36

51


KONZERT

Eröffnungskonzert 2023

Foto: Kerstin Rolfes

21.

Von Freitag, 2. August, bis einschließlich Freitag, 30.

August, veranstaltet der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen

e.V. das 21. GartenKultur-Musikfestival.

Von Großenkneten im Westen bis Ottersberg

im Osten und von Hambergen im Norden bis Asendorf

im Süden finden in 21 Städten und Gemeinden insgesamt

38 Konzerte in privaten sowie öffentlichen Gärten

und Parks statt, darunter 9 Konzerte in Bremen.

Von Pop und Swing über Rock, Reggae und Jazz bis

zu klassischer Musik, von Funk und Blues über internationale

Folkmusik, Country und Indie bis zu Musical

und Kaffeehausmusik: Auch in diesem Jahr bietet

das GartenKultur-Musikfestival wieder eine große

Bandbreite an Musikrichtungen für jeden Geschmack.

Parks, Burgen, Mühlen, Museen, Höfe, Privatgärten,

Schlösser und Stadtgärten öffnen ihre Pforten und

bieten dem Publikum vielfältige Musik regionaler und

überregionaler Künstler:innen im Grünen.

Unter dem Motto „Mit dem Rad zum Konzert“ werden

zudem drei begleitete Radtouren zu Konzertorten angeboten,

die diesmal speziell über Strecken des vom

Kommunalverbund entwickelten „Grüner Ring Region

Bremen“ führen. Das Eröffnungskonzert findet am

Freitag, 2. August, um 19 Uhr im Garten des Amtshofs

in Harpstedt statt. Das Peter Dahm Quartett, das neben

dem Namensgeber aus Jan-Olaf Rodt, Michael

Bohn und Christian Klein besteht, läutet dort gemeinsam

mit der Viola da Gamba-Musikerin Hille Perl das

GartenKultur-Musikfestival 2024 mit grenzübergreifender

Musik von Südafrika über Osteuropa bis zum

Modern Jazz ein.

Zur Einstimmung auf das Eröffnungskonzert wird

auch in diesem Jahr ein Kulturspaziergang angeboten,

für den Tickets bei Nordwest Ticket erworben werden

können. Die Harpstedter Gästeführer:innen Angela

Willms, Heinz-Jürgen Greszik und Anke Rüdebusch

52


Alle Veranstaltungen hat der Kommunalverbund wieder

in einem übersichtlichen Programmheft zusammengefasst,

in dem alle teilnehmenden Künstler:innen

und Gärten sowie das Begleitprogramm mit Fahrradtouren

vorgestellt werden. Das Programmheft liegt ab

sofort in den Rathäusern der Mitgliedskommunen des

Kommunalverbunds sowie an vielen weiteren öffentlichen

Stellen aus und ist auch digital auf gartenkulturmusikfestival.de

verfügbar. Die Hälfte der Konzerte ist

kostenlos, Karten für kostenpflichtige Konzerte können

bei den jeweiligen Veranstaltenden und teilweise bei

Nordwest Ticket erworben werden.

Eröffnung des 20. GartenKultur-Musikfestivals, Foto: Kerstin Rolfes

führen die Teilnehmenden über Pfade von Natur und

Kultur und bringen ihnen die Harpstedter Geschichte

näher.

Das GartenKultur-Musikfestival ist ein Gemeinschaftsprojekt

verschiedener Kulturschaffender

aus Städten und Gemeinden unter dem Dach des

Kommunalverbunds. Zudem wirken auch private

Gartenbesitzende und Vereine sowie Fördernde

und Sponsernde am Festival mit. Bereits seit 2003

organisiert der Kommunalverbund das GartenKultur-

Musikfestival. Dank der Kombination aus vielfältigen

Musikrichtungen sowie unterschiedlichen Parks und

Gärten ist der vierwöchige Event immer wieder ein

großer Erfolg.

TERMIN

21. GartenKultur-Musikfestival

38 Konzerte

02. August bis 30. August 2024

21 Städten und Gemeinden

in der Region Bremen und umzu

gartenkultur-musikfestival.de

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53


MUJERES, Foto: Erol Gum

sendesaal bremen

VERANSTALTUNGEN SEPTEMBER 24

14.9. 20.00 Uhr

TÜREN AUF im Sendesaal!

Die große Saison-Präsentation mit vielen kurzen Auftritten

von Bands und Ensembles, die bis zum Sommer

2025 im Sendesaal auftreten werden und im heutigen

Festkonzert eine Kostprobe ihres Könnens geben.

Die Künstlerische Leiterin Elisabeth Champollion führt

durchs bunte Programm. Im Anschluss große Foyerparty

– alle sind eingeladen!

Mit: Ola Onabulé und Streichquartett Konsonanz, Lisa

Wulff Quartett, Cuarteto Rotterdam, Elbipolis Barockorchester

Hamburg, Tigran Tatevosyan Trio, Tanja Tetzlaff

und Kiveli Dörken, Simin Tander.

15.9. 20.00 Uhr

Elbipolis: Vivaldi!

VIVALDI – ein klingender Name und ein wirklich leidenschaftliches

Ensemble aus historischen Instrumenten

tauchen den Sendesaal in barocken Glanz.

Nach seinem ausverkauften Orchester-Debüt im Sendesaal

2022 mit einem reinen Bach-Programm hat

das Hamburger Barockorchester Elbipolis diesmal ein

Feuerwerk italienischer Virtuosität im Gepäck: Concerti

für eine, zwei, drei oder gleich vier Solo-Violinen aus

der berühmten Sammlung des venezianischen Meisters

Antonio Vivaldi, „L’Estro Armonico” – mit rasanter Spielfreude

und großer Liebe zum italienischen Barock.

17.9. 20.00 Uhr

MUJERES – FRAUEN

Ein Trio in barocker Besetzung mit Traversflöte, Gambe

und Barockgitarre: klingt wie ein Kammermusikensemble,

ist aber eine Explosion an Klängen, Sinnlichkeit

und Ausdruckskraft. Das Thema ist die Weiblichkeit:

Schriftstellerinnen, Komponistinnen, Träumerinnen,

Mütter – und die Musik zu diesen Schicksalen. Die Stimmen

der Frauen sind der rote Faden des Programms,

das einen Bogen spannt von der Jungfrau Maria bis zur

Verehrung von Mutter Erde.

54


19.9. 20.00 Uhr

Ina Forsman mit Band

Zwischen Soul, Jazz und Blues lässt sie Emotionen so

lebendig werden, dass man sie mit den Händen anfassen

kann. Auf ihrem neuesten Album „All there is” versieht

Ina Forsman, die 2019 von Helsinki nach Berlin zog,

ihre Musik mit einer ordentlichen Portion Retro-Soul.

Die charismatische finnische Sängerin ist genauso, wie

eine herausragende Frontfrau sein sollte: geheimnisvoll,

ehrlich, leidenschaftlich und faszinierend.

21.9. 20.00 Uhr

Daisy Chapman mit Trio

„Watch this woman, she’ll go far” – schreibt die BBC über

diese besondere Künstlerin. Bis nach Bremen ist sie oft

gekommen, ein äußerst gern gesehener Gast im Sendesaal:

Daisy Chapman präsentiert in ihrem nunmehr

zehnten Auftritt gemeinsam mit ihren Mitstreiter:innen

an Violine und Schlagzeug die wunderschönen Lieder

ihrer letzten Veröffentlichungen, unter anderen aus

„She Took Flight” von 2023, aber auch viele ihrer älteren

Werke.

24.9. 20.00 Uhr

Odessa Classics I

Odessa Classics ist ein vom ukrainischen Pianisten Alexey

Botvinov gegründetes internationales Musikfestival,

das seit 2015 bis zum Überfall Russlands auf die

Ukraine jährlich in der Musikstadt Odessa stattfand. Seit

Kriegsbeginn fand es in verschiedenen europäischen

Ländern eine neue Heimat. 2024 feiert Odessa Classics

sein zehnjähriges Jubiläum. Wir hören Edvard Grieg:

Suite „Aus Holbergs Zeit”, Zoltan Almási: ReFaReFa für

Streicher, Victoria Vita Polevá: „Metta” für Violine und

Streicher und Philip Glass: Tirol-Konzert für Klavier und

Orchester

26.9. 20.00 Uhr

Odessa Classics II

Rezital für Violine und Klavier

Werke von Johannes Brahms, Valentin Silvestrov, Francis

Poulenc und César Franck.

Janucz Wawrowski gilt als der führende polnische Geiger

unserer Zeit. Alexey Botvinov ist einer der renommiertesten

ukrainischen Pianisten, er ist „Volkskünstler

der Ukraine“. Sie präsentieren neben klassischem

Repertoire zeitgenössische Werke aus ihrem eigenen

polnischen und ukrainischen Kulturkreis und geben auf

diese Weise dem europäischen Gedanken eine künstlerische

Gestalt.

27.9. 20.00 Uhr

triosence:

25 Jahre Jubiläumstour!

Eins der erfolgreichsten Pianotrios Deutschlands feiert

sein erstes Vierteljahrhundert. Zu hören sind zahlreiche

triosence-Klassiker, gleichzeitig gibt die Band mit vielen

brandneuen Songs schon einen Ausblick auf das zehnte

Album. Ihre Konzerte sind ein Feuerwerk aus mitreißender

Spielfreude und hochvirtuosem Spiel. Musikalischen

Reichtum und kompositorische Komplexität ganz einfach

und eingängig klingen zu lassen – das ist ihr Markenzeichen.

Triosence, Foto: privat

28.&29.9. jeweils 18.00

Camerata Instrumentale:

ein orchestrales Fest französischer Musik!

Das Orchester der Musikschule Bremen lädt die Geigerin

Beate Weis (bekannt aus der Deutschen Kammerphilharmonie

Bremen) zum Violinkonzert. Und auch die

Orchestersuiten, beide aus französischer Feder, sind

beim klangvollen Ensemble unter der charismatischen

Leitung von Jörg Assmann gut aufgehoben. Der Eintritt

ist frei. Um Spenden wird gebeten. Eine Anmeldung

für das jeweilige Konzert ist erforderlich per Email an

schoenert@camerata-instrumentale.de

Sendesaal Bremen

Bürgermeister-Spitta-Allee 45

28329 Bremen

Alle Veranstaltungen und

Online-Ticketverkauf auf:

sendesaal-bremen.de

55


SPEKTRUM, Young-Won Song, Foto: Joerg Landsberg

PREMIEREN

AUGUST / SEPTEMBER 2024

SPEKTRUM / RAUM

Eröffnung: Fr 30. August um 18 Uhr in der Kunsthalle Bremen

Nur zu sehen vom 30. August bis 15. September! Alle Termine unter www.theaterbremen.de

Tanz

von Máté Mészáros /

Unusual Symptoms

Am Theater Bremen erforschten der ungarische Choreograf Máté

Mészáros und das Videokunst-Kollektiv Urbanscreen gemeinsam

mit den Tänzer:innen von Unusual Symptoms 2019 in „Spektrum“

das Wechselspiel zwischen Körpern, Raum und Licht. Nun übertragen

sie ihre Arbeit von der Bühne in die Kunsthalle Bremen. Raumfüllende Projektionen geben leeren

Ausstellungsräumen eine überraschend neue Gestalt, während die Choreografie im Dialog mit verschiedenen

Orten des Museums in ihrer skulpturalen Qualität erfahrbar wird. Das Publikum entscheidet dabei

selbst, welche Perspektive es einnimmt. So erhält nicht nur die Choreografie einen neuen Kontext. In der

Verschränkung von Museum und Tanz entstehen auch neue Perspektiven auf die Architektur des Museums

und die darin ausgestellten Kunstwerke.

Ein Projekt des Förderkreises für Gegenwartskunst im Kunstverein Bremen. Eine Kooperation mit der

Kunsthalle Bremen und Urbanscreen.

Choreografie: Máté Mészáros

56


LOHENGRIN

Premiere: So 15. September um 16 Uhr

Weitere Termine: So 29. September, Do 3. Oktober, So 13. Oktober, jeweils um 16 Uhr

im Theater am Goetheplatz

Musiktheater

Romantische Oper in drei Akten

Musik und Text von Richard Wagner

In deutscher Sprache

mit deutschem Übertext

In einer Zeit der Verunsicherung und Perspektivlosigkeit taucht

im Staat Brabant ein faszinierender Fremder auf. In kürzester Zeit

gewinnt er das Vertrauen der Massen und das von Elsa, die wegen

Brudermordes angeklagt ist. Der Unbekannte sprengt den Gerichtsprozess,

befreit Elsa von allen Vorwürfen und wird zum Idol einer

neuen Bewegung. Doch als Elsa nach seinem Namen fragt, verschwindet

er schlagartig und hinterlässt Brabant im Chaos. Richard Wagners Werk, komponiert zwischen

1845 und 1848, also in direkter historischer Nachbarschaft zur Märzrevolution, gilt gemeinhin als Höhepunkt

der romantischen Oper. Zwischen Pathos, großem Gefühl und teutonischer Weltenrettung ist das

Zauberstück jedoch nicht nur eine sagenumwobene Liebesgeschichte, sondern auch eine Parabel über

die Suche nach gesellschaftlicher Utopie und ihr Scheitern am Menschen selbst.

Musikalische Leitung: Stefan Klingele

Regie: Frank Hilbrich

ANTIGONE

Premiere: Sa 28. September um 19 Uhr

Öffentliche Probe: Sa 21. September, 18 Uhr im Rahmen der „1. Langen Nacht der Bühnen Bremen“

im Theater am Goetheplatz

Schauspiel

Deutschsprachige Erstaufführung

von Anne Carson nach Sophokles

aus dem Englischen von

Maria Milisavljević

Ein Programm zwischen Mensch und Natur, mit weißen Haien,

sterbenden Arten und dem richtigen Soundtrack für den Sommer:

Bereits zum vierten Mal gibt Common Ground den Auftakt in die

warme Jahreszeit am Theater Bremen. Viel Musik, Begegnungen

und Performances bringen ab dem 19. Mai wieder Leben auf den

Goetheplatz. Mit Sommerbrise in den Haaren und Aperol in der

Hand lädt gute Unterhaltung an lauen Sommerabenden zum Zusammenkommen

ein.

Regie: Elsa-Sophie Jach

Theater Bremen

Goetheplatz 1-3

28203 Bremen

T 0421 3653 0

Kartenverkauf

Kartenbüro Theater Bremen

Goetheplatz 1-3

T 0421 3653333

Geschäftszeiten:

Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr

Spielplan und Kartenverkauf

theaterbremen.de

Über die Vorstellung im

Spielplan erreichen Sie das

online Buchungsportal.

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»Die Welt zwischen den Nachrichten«, Foto: Alice Bleistein

bremer shakespeare company

August / September 2024

Nicht nur in England, auch in Deutschland hat man Brisanz des Themas „Einsamkeit“ entdeckt.

Dabei gibt es unzählige Apps, Social Media Plattformen oder Chatgruppen, auf denen oder mithilfe

derer man in Kontakt treten kann - natürlich digital. Ist die Digitalisierung womöglich schuld an der

Einsamkeit? Sicher ist: beim Besuch eines analogen Theaters ist man weniger einsam!

PREMIERE

DIE WELT ZWISCHEN DEN NACHRICHTEN

Theaterabend für vier Schauspielerinnen und zwei Schauspieler

von der bremer shakespeare company und dem Stadttheater Bremerhaven

Kurz vor Silvester hat sich Radiomoderator Gerlach

gut auf seine Nachtsendung vorbereitet. „In England

bekommen depressiv Erkrankte Bücher auf Rezept,

denn Lesen verändert die Gefühlslage und kann erschütternde

oder beglückende Reaktionen hervorrufen.

Shakespeares Gedichte z.B. sind etwas, mit dem wir

den Leerstellen und Ungewissheiten im eigenen Leben

begegnen können“, kündigt er seine Sendung an, bevor

er die Telefonleitung freischaltet. „Shakespeares Sonette

und ich werden Sie begleiten. Auch, wenn Sie kein

einziges Sonett kennen, rufen Sie JETZT an, denn das

Sonett kennt Sie! Es wird Sie überraschen und Vers für

Vers trösten.“ In dieser Nacht rufen vier Menschen aus

dem JETZT an, Menschen wie du und ich. Aber auch

eine Dark Lady aus dem Jenseits meldet sich.

TERMINE: Öffentliche Probe: 5.9. / Premiere: 26.9. /

Vorstellungen: 13.10. / 26.10.

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SHAKESPEARE IM PARK

14.- 25. August im Bremer Bürgerpark

Das Aufführungsprogramm von »Shakespeare im Park« zeigt

wieder einen bunten Reigen von Komödien und Tragödien

William Shakespeares und anderer Autoren, der die Bandbreite

der Company widerspiegelt. Ein Höhepunkt ist die Geburtstagsfeier

am 16. August mit der Premiere eines Kurzfilms über

die Company mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern. Aber

auch live gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Akteuren,

die in kurzen Szenen noch einmal die Erinnerung an

einige der schönsten Inszenierungen wiederaufleben lassen.

TERMINE: alle Infos und Termine unter:

www.shakespeare-company.com

»Shakespeare im Park«, Foto: Marianne Menke

VIEL LÄRM UM NICHTS

Am 1. September im Park Gut Hodenberg

Das intime, lauschige Ambiente des Gartens beim Gut Hodenberg

wird bei dieser Aufführung zu Messina, wo Herzog Leonato

seine aus dem Krieg heimkehrenden und hochdekorierten

Freunde empfängt. Seine Tochter Hero und Nichte Beatrice

werfen auch ihre Augen auf die Helden, doch die Wege,

auf denen die Paare zueinander finden sind verschlungen:

Heiratspläne werden durchkreuzt, unwillige Paare verkuppelt,

Intriganten entlarvt. Die criss-cross-Besetzung reflektiert die

Fragwürdigkeit der klassischen Mann-Frau-Rollenverteilung

in der Liebe.

TERMIN: 1.9. um 16.00 Uhr

Park des Guts Hodenberg, Bremen Oberneuland

»Viel Lärm um Nichts«, Foto: Marianne Menke

DER KAMPF UM ENTSCHÄDIGUNG

Jüdische Menschen aus Bremen in Südamerika

»Der Kampf um Entschädigung«, Foto: Marianne Menke

Auch nach Südamerika, meist nach Argentinien, Chile und

Uruguay flüchteten jüdische Menschen vor den Nazis, aus

Bremen rund 100. Zuerst bekannte Rechtsanwälte, später

auch Viehhändler, Baumwollklassierer, Verkäuferinnen, u.v.a.

Anhand einiger Biographien wird exemplarisch aufgezeigt,

wie das Landesamt für Wiedergutmachung nach dem Krieg

mit ihnen umging. Die Ausgaben für Wiedergutmachung

wurden z.B. von Bundesfinanzminister Fritz Schäffer (CSU)

kritisiert, dagegen setzte sich Gerhard van Heukelum (1948-

59 Senator für Arbeit in Bremen) für Entschädigungen ein.

TERMIN: 2.9. um 19.30 Uhr

Theater am Leibnizplatz

bremer shakespeare company

Theater am Leibnizplatz

Schulstr. 26

28199 Bremen

Tickets

Vorverkauf: Stadtbibliothek am Wall

Di-Fr 15-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr

T 0421 500 333 | Mo-Fr 15-18 Uhr

Spielplan

und Online-Kartenverkauf

shakespeare-company.com

59


Lebenslinien

Improviasationstanztheater

für Menschen ab 12 Jahren

THEATER

Mit der neuen Produktion „Lebenslinien“ bringt

das Theater 11 ein Improvisationstanztheater für

Menschen ab 12 Jahren zur Uraufführung. Regisseurin

Varvara Kuporova und Choreografin Natalie

Baron haben in den vergangenen Jahren bereits

mehrere erfolgreiche Produktionen unterschiedlicher

Genres auf die Bühne des integrativen Theaters

gebracht.

„Lebenslinien“ ist ein Stück über Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft und stellt Fragen wie

„Glauben wir an unser eigenes Schicksal oder ist

im Leben alles vorbestimmt? Zeichnen wir Linien

auf unserer Handfläche oder sind es die Linien die

unsere Zukunft zeichnen?“

Professionelle Tänzer, Profi- und Laienschauspieler

haben gemeinsam die Linien auf ihren Handflächen

studiert und zeigen dem Publikum ihre

Geschichten.

Das Genre der plastischen Improvisation gibt

Künstlern mehr Freiheit. Bei jeder Aufführung

können sie neue Linien, neue Ereignisse und neue

Gefühle kreieren.

Viele der Darsteller und Darstellerinnen im Alter

zwischen 13 und 31 Jahren sind vor dem Krieg aus

der Ukraine nach Bremen geflüchtet und werden

vom Verein Integration durch Kunst, zu dem das

Theater 11 gehört, bei der Integration unterstützt.

Karten zum Preis von 20 Euro (ermäßigt 15 Euro)

gibt es auf www.theater11.de oder per E-Mail an

tickets@theater11.de.

TERMINE

Lebenslinien

Improviasationstanztheater

24. und 25. August 2024, 18 Uhr

Theater 11

Faulenstraße 44-46, 28195 Bremen

theater11.de

60


Kosten

los.

Kunsthalle

Bremen

Übersee-

Museum*

Universum ®

Bremen*

Focke-Museum

Hafenmuseum

botanika*

kek

Kindermuseum*

Museen

Böttcherstraße

Weserburg

Atlantis

Filmtheater*

Wilhelm

Wagenfeld Haus

An diesen Kulturorten ermög lichen

wir allen unter 18 Jahren

den KOSTENLOSEN Besuch.

Mehr Infos und Bedingungen ( * ) unter:

www.sparkasse-bremen.de/vorteile

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61


AUSSTELLUNG

Jan-Hendrik Brinkmann, Installationsansicht Syker Vorwerk, 2024, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Tobias Hübel

KÜHE UND ZIGARETTEN

Jan-Hendrik Brinkmann

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Die Ausstellung, eine eindrucksvolle Reise durch die

Herkunft und Entwicklung des Künstlers sowie eine

tiefgründige Auseinandersetzung mit dem ländlichen

Raum und dessen Eigenheiten, findet vom 16. Juni

bis zum 29. September 2024 statt. Die Malereien

von Brinkmann werden im Syker Vorwerk im Obergeschoss

ausgestellt. Hier wird den Besucher:innen

eine umfangreiche und vielschichtige Sammlung von

Werken präsentiert, die nicht nur das ländliche Leben,

sondern auch die persönliche Entwicklung des

Künstlers widerspiegeln.

Jan-Hendrik Brinkmann, Installationsansicht Syker Vorwerk, 2024

© VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Tobias Hübel


Neben der Ausstellung im Syker Vorwerk wird „Kühe

und Zigaretten“ auch auf dem Außengelände des

Kreismuseums Syke präsent sein, wo drei gedruckte

Banner des Künstlers zu sehen sein werden. Diese

Erweiterung ermöglicht es einem breiteren Publikum,

Brinkmanns einzigartige Perspektive zu erleben. Die

Verbindung vom kulturwissenschaftlichen Kreismuseum,

dass über den Alltag der Menschen in der Region

berichtet, zum Zentrum für Kunst ist auch inhaltlich

folgerichtig.

und Schnapstrinken. Brinkmann hinterfragt in seinen

Arbeiten verschiedene Stereotypen des Dorflebens

– für ihn Bilder des kulturellen Gedächtnisses von Generationen.

Die Stärke der Bilder besteht darin, dass sie nicht

werten. Mögliche Wertungen entstehen beim Lesen

der Bilder. Dabei kommt es sehr darauf an,

welche eigenen Erfahrungen und Erinnerungen die

Betrachter:innen mitbringen. Einzig in den Titeln gibt

Jan-Hendrik Brinkmann, Installationsansicht Syker Vorwerk, 2024, © VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Tobias Hübel

Jan-Hendrik Brinkmann, geboren 1990 in Achim und

aufgewachsen in Syke, präsentiert einen facettenreichen

Blick auf eine vordigitale Welt und die Reflektion

eines Millennials über das Vergangene und das Heute.

Die Ausstellung changiert dabei geschickt zwischen

Nostalgie und Sarkasmus, jedoch stets ohne Boshaftigkeit.

Die Werke von Jan-Hendrik Brinkmann laden dazu

ein, die Realitäten, die er abbildet, auf verschiedenen

Ebenen zu erforschen und zu verstehen. Wie Jochen

Overbeck treffend bemerkt: „Das Abstrakte ist dabei

nie Mittel zum Zweck, jedes Farbmuster auf jedem

Bild besitzt einen Ursprung.“ Brinkmanns Kunst, die

von authentischem Fotomaterial ausgeht, ist fragmentarisch

angelegt, erlaubt Brüche und Leerstellen,

die die Betrachter:innen dazu einladen, diese Leerstellen

mit eigenen Interpretationen zu füllen.

Die Begriffe Heimat und Tradition werden augenscheinlich

vor den Motiven der gedeckten Kaffeetafel

auf Häkelspitze oder Spielmannszug, Schützenfest

Jan-Hendrik Brinkmann gelegentlich einen Hinweis

auf von ihm intendierte Lesarten.

Die Ausstellung „Kühe und Zigaretten“ zeigt nicht nur

eine retrospektive Betrachtung des Vergangenen,

sondern stellt auch eine Einladung dar, das Dargestellte

zu hinterfragen, zu interpretieren und neu zu

besetzen. In der heutigen Zeit, geprägt von rascher

Veränderung und digitaler Innovation, erinnert uns

Brinkmanns Werk daran, dass die Vergangenheit

immer noch präsent ist und ihre Wurzeln in unserem

gegenwärtigen Leben hat.

TERMIN

KÜHE UND ZIGARETTEN

Jan-Hendrik Brinkmann

16. Juni bis 29. September 2024

SYKER VORWERK

Waldstraße 76 I 28857 Syke

syker-vorwerk.de

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Hanswerner Kirschmann, o. T. (Detail),

2019, Tischvitrine, Unterkonstruktion,

Spanplatte, Eisen, Fundstücke

AUSSTELLUNG

Hanswerner Kirschmann.

Plattengrammatik

Hanswerner Kirschmanns Arbeiten sind keine »Schau

mal hier, wie schön ich bin«-Kunst. In mehr als 25

Jahren künstlerischen Schaffens entwickelte der

Bildhauer eine ganz eigene, abstrakt-persönliche, reduzierte

und leise Bildsprache. Er kreiert Werke aus

Spanplatten und Sperrholz, die zwischen Zeichnung

und Bildhauerei changieren. Aus seiner Arbeitspraxis

heraus und einer das ganze Œuvre durchziehenden

Logik (Grammatik) erfindet er räumliche Gebilde, die

an das erinnern, was man kennt, ohne es zu sein. Er

betreibt permanente Grundlagenforschung und untersucht,

wie das Verhältnis zwischen Fläche und Volumen,

zwischen Volumen und Raum und zwischen

Raum und Betrachter*in ist.

TERMIN

Hanswerner Kirschmann

Plattengrammatik

01. September bis 17. November 2024

Gerhard-Marcks-Haus

Am Wall 208, 28195 Bremen

marcks.de

64

Hanswerner Kirschmann o. T., 2002/07, Sperrholz, Lack

Fotos: Hanswerner Kirschmann


Erika Plamann. Die phrygische Mütze

»Ein Gartenzwerg darf nicht größer als 68 cm sein,

muss eine rote, hohe Zipfelmütze tragen, bärtig

sowie männlich und vorwiegend aus Plastik sein«,

nachzulesen in den Statuten einer internationalen

Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge.

Die neuste Arbeit der Künstlerin Erika Plamann setzt

sich genau mit diesem Objekt, einer weitverbreiteten

nostalgischen Kitschfigur auseinander. Eigens für den

Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses baut sie eine

Installation mit Zwergenfiguren aus Wachs und Pigmenten,

die in kleinen Gruppen, aber auch einzeln

zu entdecken sind. Allen gemeinsam ist eine vereinfachte

Form der Zipfelmütze, auch als phrygische

Mütze bekannt.

Erika Plamann, Der Faule, 2023, Wachs, Pigmente

(Ausschnitt aus »Die phrygische Mütze«)

Margaret Kelley. »Raketenzimmer«

Das Gesamtwerk von Margaret Kelley ist gewaltig

und komplex: ein eigenes Universum. Im Gerhard-

Marcks-Haus zeigt die Malerin ihre unbekannten

bildhauerischen Arbeiten: Das »Raketenzimmer«.

Sie entdeckte die Form einer Rakete in ihren Gemälden

und machte sie zum eigenen Thema. Es entstanden

Raketen, die versuchten, sich als etwas anderes

zu tarnen. In ihrem Loft in Los Angeles sind die Raketen

dann 1990 gestorben. In der »Funeral Procession

of the Holy Rockets« liegt eine Rakete auf einem Bett

aus getrockneten Rosenblättern in einem Sarg auf

Rädern und wird von seinen Zeitgenossen in einem

Leichenzug begleitet, der den ausgelassenen Beerdigungen

in New Orleans nachempfunden ist.

Margaret Kelley, Raketenzimmer, 1987, Acryl, Collage, Holz

Mit der Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus wird

diese eigenartige Werkgruppe wieder ins Licht der

Öffentlichkeit gerückt.

TERMINE

Erika Plamann

Die phrygische Mütze

01. September bis 17. November 2024

Gerhard-Marcks-Haus

Am Wall 208, 28195 Bremen

marcks.de

Margaret Kelley

»Raketenzimmer«

01. September bis 17. November 2024

Gerhard-Marcks-Haus

Am Wall 208, 28195 Bremen

marcks.de

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Paula Modersohn-Becker

goes America

AUSSTELLUNG

Große Paula Modersohn-Becker

Retrospektive in den USA

Seit dem 6. Juni 2024 läuft in New York die erste Retrospektive Paula Modersohn-

Beckers in einem US-amerikanischen Museum, die anschließend in Chicago gezeigt

wird. Unter dem Titel »Ich bin ich / I Am Me« präsentiert die Neue Galerie New York

gut 50 Gemälde sowie 15 Zeichnungen der Künstlerin, darunter mehr als 20 Werke

aus Bremer Sammlungen. Auftakt und Mittelpunkt der Ausstellung bildet das Selbstbildnis

am 6. Hochzeitstag aus dem Paula Modersohn-Becker Museum.

66

Neue Galerie, New York, Fifth Avenue Ecke East 86th Street

Foto: Paula Modersohn-Becker Museum Bremen


Insgesamt fünf Meisterwerke aus

dem Bremer Paula Modersohn-Becker

Museum sind in die USA gereist um

diese wichtige Präsentation zu bereichern:

Neben dem ikonischen Selbstbildnis

am 6. Hochzeitstag sind die

Liegende Mutter mit Kind II, das Flöte

blasende Mädchen im Birkenwald,

Birkenstamm vor Landschaft sowie

die Zeichnung eines Kindes hochkarätige

Gäste in der Neuen Galerie

in New York und dem Art Institute

of Chicago. „Die Bilder zählen zu den bedeutendsten

Werken unserer Sammlung. Insbesondere das Selbstbildnis

am 6. Hochzeitstag wird von unseren Besucherinnen

und Besuchern derzeit schmerzlich vermisst…

Dass wir trotzdem bis Januar 2025 auf die Bilder

verzichten, hängt auch mit dem Ziel zusammen, dem

Publikum in den USA einen breiten und nachhaltigen

Einblick in die Kunst Paula Modersohn-Beckers zu

ermöglichen“, erklärt Dr. Frank Schmidt, Direktor des

Paula Modersohn-Becker Museums.

Das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag wird

verpackt für die lange Reise

Heute befinden sich rund 15 Bilder

sowie zahlreiche Zeichnungen von

Paula Modersohn-Becker in USamerikanischen

Museen. 2017 erst

wurde das Selbstbildnis mit zwei

Blumen in der erhobenen linken

Hand aus dem Jahr 1907 für die

Sammlungen des MoMA und der

Neuen Galerie angekauft: Es ist nicht

nur das einzige Selbstbildnis von

Paula Modersohn-Becker in den

USA, sondern auch das früheste von

einer Frau gemalte Bild in der Dauerausstellung des

MoMA. Die Einzelausstellung »Ich bin Ich / I Am Me«,

die ab dem 6. Juni in New York und anschließend in

Chicago zu sehen sein wird, ist nun das neueste Kapitel

der Erfolgsgeschichte der Kunst Paula Modersohn-

Beckers in den USA.

Ein Besuch des Paula Modersohn-Becker Museums

in Bremen lohnt sich während dieser Zeit dennoch:

Am 22.6.2024 startete die neue Ausstellungsreihe

Blick in die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker: Ich bin Ich / I Am Me“ in der Neuen Galerie New York.

Foto: Annie Schlechter, courtesy Neue Galerie New York

Der Gründungsdirektor des Museum of Modern Art

(MoMA) Alfred Barr Jr. hatte den besonderen Stellenwert

von Paula Modersohn-Becker schon früh erkannt

und nahm sie bereits 1931 als einzige Malerin

in die Überblicksausstellung »German Painting and

Sculpture« auf. In nur sechs Wochen kamen mehr als

27.000 Besucherinnen und Besucher, um u. a. zwei

ihrer Selbstbildnisse aus der damaligen Sammlung des

Museum Folkwang in Essen zu sehen. Im Katalog stellte

Barr Modersohn-Becker als Malerin vor, die „Jahre

vor Matisse, Picasso oder Derain“ mit ihrer Kunst an

Cézanne, van Gogh und Gauguin angeschlossen und

dabei ihren eigenen Stil entwickelt habe.

»Short Stories«, die mit thematischen Sammlungspräsentationen

dazu einlädt, sich in einzelne Momente

aus Leben, Werk und Rezeption Paula Modersohn-

Beckers zu vertiefen. Zudem werden in der Sonderausstellung

»Vivian Greven | Paula Modersohn-Becker«

(22.6.-15.9.24) ausgewählte Arbeiten von Paula

Modersohn-Becker denen der Düsseldorfer Malerin

Vivian Greven (*1985) gegenübergestellt.

Paula Modersohn-Becker Museum

Böttcherstraße 6, 28195 Bremen

museen-boettcherstrasse.de

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Licht und Schatten

Ausstellung und Film zum

Ausnahmekünstler Bernhard Hoetger

Plakat zum Hoetger Film

Drei Worpsweder Museen widmen dem einst

gefeierten und heute umstrittenen Bildhauer; Architekten

und Maler Bernhard Hoetger zum 150.

Geburtstag eine große gemeinsame Ausstellung.

Sie trägt den Titel ›Bernhard Hoetger. Zwischen

den Welten‹ und ist noch bis zum 3. November

zu sehen. Aktuell läuft unter dem gleichen Titel

ein Film in den Kinos, der Hoetgers Lebensweg in

Spielszenen und dokumentarischen Aufnahmen

nachzeichnet. Der Film ist mit namhaften Schauspielern

und Schauspielerinnen wie Moritz Führmann,

Florian Lukas und Katharina Stark besetzt

und wurde unter anderem in Worpswede gedreht.

Die Münchener Regisseurin Gabriele Rose schrieb

das Drehbuch auf der Grundlage intensiver Recherchen

und führte Regie.

In diesem Jahr wäre der Bildhauer, Kunsthandwerker,

Maler und Architekt Bernhard Hoetger

(1874 – 1949) 150 Jahre alt geworden. Anfang

des 20. Jahrhunderts zählte er zur Avantgarde der

modernen Kunst. Sein Vorbild war Auguste Rodin, mit

Paula Modersohn-Becker war er eng befreundet. Sie

war es auch, die ihn für das Künstlerdorf Worpswede

begeisterte, an dessen Weiterentwicklung er ab 1914

bedeutenden Anteil hatte. Bis heute prägen seine exzentrischen

architektonischen Schöpfungen das Bild

des Künstlerdorfes ebenso wie das der Böttcherstraße

in Bremen.

Der zu Lebzeiten gefeierte und später wegen seiner

Nähe zu den Nationalsozialisten umstrittene Künstler

war ein Wanderer zwischen Welten und Kulturen. Die

große, dreiteilige Ausstellung in den Worpsweder Museen

beleuchtet bis zum 3. November Hoetgers vielschichtiges

Leben und Wirken: ›Licht und Schatten‹ in

der Großen Kunstschau bildet den zentralen Einstieg

in sein plastisch-bildnerisches Werk; ›Hoetger und

Vogeler‹ zeigt zwei Künstlerpersönlichkeiten mit ihren

Gemeinsamkeiten und Gegensätzen; ›Impulsgeber

Hoetger?‹ in der Worpsweder Kunsthalle stellt Hoetger

als Maler vor.

68


Blick in die Ausstellung im Barkenhoff

Foto: Worpsweder Museumsverbund/Joerg Sarbach

In der Schau geht es auch um die aktuelle Relevanz

von Hoetgers Werk, um die Frage, was dieser Künstler

uns angesichts der politischen und gesellschaftlichen

Entwicklungen heute zu sagen hat. Die 1988 geborene

Künstlerin Julia Kiehlmann nähert sich Hoetger in der

Großen Kunstschau aus genau dieser Perspektive. Ihre

Arbeiten entstanden während eines dreimonatigen

Aufenthalts in den Ateliers der Künstlerhäuser Worpswede,

der von den Künstlerhäusern und den Worpsweder

Museen gemeinsam ausgelobt worden war.

Parallel zu der Ausstellung läuft zurzeit in den Kinos

der gleichnamige Film von Gabriele Rose mit Moritz

Blick in die Ausstellung in der Großen Kunstschau Worpswede

Foto: Worpsweder Museumsverbund/Joerg Sarbach

Führmann als Bernhard Hoetger, Florian Lukas als

Heinrich Vogeler und Katharina Stark als Paula Modersohn-Becker.

Produziert wurde der Film von der

Bremer Produktionsfirma Kinescope Film, die in der

Böttcherstraße ihren Sitz hat. Der Film lädt dazu ein,

Bernhard Hoetger und seinem Werk an den originalen

Schauplätzen in Worpswede und in der Böttcherstraße

zu begegnen, ihn aber auch als Menschen besser

kennenzulernen.

Im Anschluss an die Kino-Tour ist der Film von Mitte

August bis zum 3. November in der Jubiläumsausstellung

im Worpsweder Barkenhoff zu sehen.

Die Filmregisseurin Gabriele Rose

über Bernhard Hoetger

»Bernhard Hoetger war ein Ausnahmekünstler.

Seine Skulpturen haben

eine immense Intensität, seine Bauten

sind einzigartig. Sein Werk machte es

mir aber zunächst schwer, ihn zu fassen: zu

wechselhaft war seine künstlerische Ausdruckform, zu

vielseitig seine Tätigkeit. Umso intensiver ich mich jedoch

mit ihm beschäftigte, umso mehr erkannte ich in

seinen Arbeiten eine Neugier auf die Welt. Für seine

Vorstellungen wollte er die jeweils beste Ausdrucksform

finden. Um seinen Weg als Künstler zu gehen,

scheute er weder Armut noch Ablehnung, Er war ein

Suchender, der nach Weiterentwicklung, nach Spiritualität

strebte. Dabei folgte er seinem eigenen Kompass,

der ihn 1934 zu den Nationalsozialisten brachte.

Zu Hoetgers völligem Unverständnis galt seine Kunst

dem NS-Regime jedoch als unerwünscht. Trotz oder

gerade wegen aller Widersprüche gehört das facettenreiche

Werk von Bernhard Hoetger für mich zum

Eigenwilligsten und Spannendsten, was die deutsche

Moderne hervorgebracht hat.«

Dr. Stefan Borchardt, Kurator der Großen

Kunstschau Worpswede, zu der Ausstellung

»›Licht und Schatten‹ ist der Titel der

Ausstellungssektion in der Großen

Kunstschau. Er ist Hoetgers Zyklus

›Licht- und Schattenseiten‹ entlehnt,

und dieser Titel kann wie ein Motto über

das Leben und Werk von Hoetger gestellt werden.

Heute stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen

wie die Menschen in Hoetgers Zeit. Daher geht es

in unserer Ausstellung um die doppelte Frage: »Wie

gehen wir mit Hoetgers Licht- und Schattenseiten

um?« – und gleichzeitig: »Was hat das mit unserer

eigenen Wirklichkeit, mit den Konflikten in unserer

Gesellschaft und mit unseren eigenen hellen und

dunklen Seiten zu tun?«

worpswede-museen.de

69


MÜHLENSOMMER

Eine Buchbesprechung von Gretel Sattler

BUCHEMPFEHLUNG

Endlich Wochenende! Maria, leidenschaftliche und

erfolgreiche Werbegrafikerin, hatte gerade noch einen

stressigen Vormittag in der Werbeagentur und kann

sich nun auf den anstehenden Ausflug freuen. Ihre

Töchter, beide im Teenager-Alter und sie unternehmen

nach langer Zeit endlich einmal wieder etwas

gemeinsam, zusammen mit Freunden.

Gerade am Ziel ankommen, erhält Maria eine Nachricht

von ihrer Mutter, dass der Vater verletzt im Krankenhaus

liegt und Maria müsse kommen, um sie zu

unterstützen. So bricht Maria wieder auf, die Kinder

bleiben bei den Freunden, und macht sich auf den

Weg zur Birkenmühle, dem elterlichen Bauernhof

inklusive einer Mühle. Dort trifft sie als erstes auf die

demente Großmutter, die haufenweise Äpfel schält

und ganz allein ist. Denn ihre Mutter ist schon zum

Vater ins Krankenhaus gefahren und hat ihr nur eine

Nachricht mit Anweisungen hinterlassen.

Fast vergessene Gerüche, das Versorgen der Tiere

und ihr altes Kinderzimmer versetzen Maria schnell

in ihre Kinder- und Jugendzeit zurück. So als wären

nicht schon viele Jahre vergangen seit ihrem Aufbruch

in die Stadt und in ihr eigenes Leben.

Martina Bogdahn schreibt warmherzig, humorvoll

und anschaulich. Sie lässt uns teilhaben an Marias

guten und schlechten Kindheitserinnerungen. Wir

spüren schon beim Lesen z. B. die kindliche Freude

beim Anblick des ersten Schnees oder teilen mit ihr

die schreckliche Erinnerung, dass die nicht gewollten

Kätzchen von der Großmutter im Brunnen ertränkt

wurden. Sie zeigt uns, was es zu Marias Zeit für Kinder

hieß, auf einem Bauernhof groß zu werden. Wo

jede Hand gebraucht wurde und auch Kinder ganz

selbstverständlich mit anpacken mussten. So gehörte

die Hopfenernte in Marias Erinnerung zu der anstrengendsten

Arbeit im Jahr.

Den Freunden wird es mit den beiden Mädchen zu viel,

und sie bringen sie zu Maria auf den Hof. Ihre Töchter

leben sich schnell ein und genießen den Aufenthalt.

Auch Maria findet ihren Rhythmus und erledigt die anfallenden

Aufgaben völlig routiniert. Als dann ihr Bruder

und ihre Schwägerin aus Sorge um den Vater auftauchen,

ist es allerdings mit ihrer inneren Ruhe vorbei.

Denn über das Zerwürfnis der Geschwister wurde bis

heute in der Familie geschwiegen....

Ein wunderschöner Familienroman, der zeigt, dass

man manchmal erst weggehen muss um wieder anzukommen.

Martina Bogdahn

MÜHLENSOMMER

Kiepenheuer & Witsch

Geb. Ausgabe 23,00 €

Buchhandlung Sattler

Schwachhauser Heerstr. 13

28203 Bremen

T 0421 72228

buchhandlungsattler.de

Weizenfeld, Foto: Giuseppe Russo, pexels.com

70


Cartoon von Til Mette

71


Ortsamt Schwachhausen/Vahr

Wilhelm-Leuschner-Str. 27 A, Block D, 28329 Bremen

(Straßenbahn Linie 1 Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Str.)

T 0421 361-3063 oder -3064 oder -18039

office@oaschwachhausen.bremen.de

ORTSAMTSLEITER: Ralf Möller

ÖFFNUNGSZEITEN:

Mo-Do von 09:00 – 15:00 Uhr, Fr. von 09:00 - 13:30 Uhr

nur nach vorheriger Terminvereinbarung unter Tel. 361-3063

Für Pass-,Ausweis-, Meldeangelegenheiten u. ä. wenden Sie sich bitte an das Bürger-

ServiceCenter, Stresemannstr. 48, oder an das BürgerServiceCenter Mitte, Pelzerstr. 40

MITGLIEDER DES BEIRATES SCHWACHHAUSEN:

Beiratssprecherin: Gudrun Eickelberg, GRÜNE

Stellv. Beiratssprecher: Jörn H. Linnertz (CDU)

Dr. Christine Börner, CDU

Lukas Dietzel, CDU

Jörg Findeisen, CDU

Yvonne Funke, CDU

Jörn H. Linnertz; Fraktionssprecher, CDU

Robert Lippardt, CDU

Inga Dominke, Grüne

Gudrun Eickelberg, Grüne

Dr. Vera Helling, Grüne

Marek Helsner; Fraktionssprecher, Grüne

Klaus-Peter Land, Grüne

Jan Brockmann, SPD

Dr. Dagmar Burgdorf, SPD

Jörg Henschen; Fraktionssprecher, SPD

Ingeborg Mehser, SPD

Malte Lier, DIE LINKE

André Walther; Fraktionssprecher, DIE LINKE

Jan Hannemann; Fraktionssprecher, FDP

Frank Köhler; Fraktionssprecher, BD

Der Beirat Schwachhausen tagt im August und September: Am Donnerstag, 22.08.2024

und am Donnerstag, 26.09.2024 jeweils um 19:30 Uhr, Sitzungsort Bauernhaus im Areal

des Focke-Museums.

Focke-Museum, Schwachhauser Heerstrasse 240, 28213 Bremen.

Impressum 98

Herausgeberin und Chefredakteurin

Verlag Susanne Lolk I T 0421 25 75 747

Schwachhauser Heerstraße 47

28211 Bremen

Online

schwachhauser.de

facebook.com/schwachhauser.de/

instagram.com/schwachhauser/

Redaktionelle Mitarbeiter

Karla Götz

Susanne Lolk

Guenter G. Rodewald

Karla Wagner

Layout /Art Direction

Konstantin Zigmann

PR- und Anzeigenberatung

Susanne Lolk I T 0421 2575747

lolk@schwachhauser.de

Erscheinungsweise

Zweimonatlich

Ausgabe 99

Oktober / November 2024

Anzeigenschluss: 10. September 2024

Erhältlich und zu lesen

Erhältlich im Zeitschriftenhandel sowie

bei Anzeigenkunden und zu lesen an

über 2000 Auslegestellen in Arztpraxen,

bei Friseuren, in der Gastronomie und

in Vereinen und Institutionen.

Vertrieb

Lesezirkel Leserkreis Daheim,

Haferwende 29/a1, 28357 Bremen

Titelbild

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis

vor grünem Hintergrund und mit blauer

Iris, 1900-1907, Kunsthalle Bremen –

Der Kunstverein in Bremen

72


ital.

Komponist

(Luigi)

† 1990

Org. der

Erdöl export.

Länder

(Abk.)

abschließende

Behandlung

Lastendes

Bestandteil

der

Milch

ostgot.

Königsgeschlecht

ägyptischer

Sonnengott

engl.:

Besitzer

Glättung

von

Papier

(frz.)

weit

weg gelegene

Gegend

Papagei

Süd- und

Mittelamerikas

alban.

Währungseinheit

Pferdelaufleine

Insel Dänemarks

Sohn

Jakobs

Südseeinselstaat

Gegner

Luthers

† 1543

Beinabschnitt

Patientenverzeichnis

erster

Großfürst

der

Magyaren

franz.

Revolutionär

† 1793

14

12

veraltet:

Lebemann

(franz.)

19

österr.:

Streupulver

veraltet:

Straftat

Erbfaktor

Sippenverband

Etsch-Zufluss

(ital. Name)

11

Fluss in

Oberösterreich

Blutader

weibl.

Vorname

8

20

13

österr.

Stadt

an der

Donau

Bergstämme

in Nordostindien

Genitiv

7

früher:

türk.

Feldmarschall

Spannholz

dänische

Insel südlich

von

Fünen

Trinkbares

Kf.: Elektrokardiogramm

niederl.

Freiheitskämpfer

schweiz.

Alpenmassiv

festgesetzter

Zeitpunkt

10

engl.:

Kleidergröße

keltischer

Name

Irlands

21

franz.

Politiker

(Léon)

† 1950

lat.:

Tag

1

24

5

Milz

(Med.)

23

engl.

Limerick-

Dichter

(Edward) †

Gingellikraut,

Nigersaat

erdachtes

Land

Musik:

schnell

einer

der

Apostel

plötzlich

auftretend

Vorname

der

„La

Douce“

russ.

Pfannkuchen

(Mz.)

Gebirgsstock

in Griechenland

9

17

moralischer

Begriff in

der Poesie

16

zum

Munde

gehörig

(Med.)

König

von

Israel

und Juda

15

engl. Krimiautorin

† 1957

japanischer

Porzellanstil

Rachenorgan

22

Name

vieler

engl.

Flüsse

18

Gemahlin

des

Zeus

konserv.

Verband

bei

Frakturen

ja, zu

Befehl

(seem.,

engl.)

zu d. Ohren

gehörend

frz. Poet

(Victor) †

4

Stadt

im Südlibanon

(Tyros)

2

veraltet:

Einigung

niedersächs.

Stadt

am Harz

Gleichgewicht

südspan.

Stadt

Gewürz,

Heilpflanze

Lichtbündler

ugs.:

scharf

lat.:

Würfel

Kern

von

Paris

3

Vorname

Trenkers

† 1990

6

Titel

von

Beamtinnen

Felsenpython

Entspannung

zw. Staaten

(frz.)

Stadt

an der

Garonne

®

svd1719-0424

Foto: GOP

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73


Vom Rost

oder aus der Pfanne?

von Guenter G. Rodewald

GEDÄCHTNISÜBUNGEN

Das war immer die gleiche Frage, erinnere ich mich von

früh auf, die einem gestellt wurde, wenn man in einem

der in den 60er Jahren noch zahlreich in Bremen vertretenen

Kiefert-Imbisse die Bitte in knappem Bremer Idiom äußerte:

„Eine Brat bitte!“. Worauf man aber erst einmal vor die

Pflicht gestellt wurde, sich zu entscheiden zwischen einer

in reichlichem Fett in der rechteckigen, mit Gas befeuerten

Pfanne gegarten Bratwurst oder einer Thüringer, die auf einem

Grill gebräunt wurde. Aus der Pfanne oder vom Rost

- das war fast Ausdruck eines ideologisch-gastronomischen

Dogmas.

So war es noch bis vor kurzem. Bis im vergangenen Monat

Mai der nun allerletzte, architektonisch gesehen attraktivste

Imbiss des Bremer Familienbetriebes Kiefert in der Bahnhofstraße/Ecke

Philosophenweg seine Rollläden für immer

herunterließ. Dieses ins Auge springende Oval mit seiner

glänzend schwarz-silber-metallenen Verkleidung und seiner

runden Glasfassade wurde 2020 vom Bremer Architekten

Prof. Hartmut Stechow geschaffen, in eindeutiger Anlehnung,

geradezu als Hommage an die Architektur des

allerersten Kiefertkiosks der Stadt vor dem Bremer Hauptbahnhof.

Dieser Pavillon war 1931 nach Plänen des Bremer

Architekten Eberhard Gildemeister (1897-1978) entstanden.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde er nach Kriegsende

wieder aufgebaut. In der Rekonstruktion von Lore Krajewski

(1921-2019) – einer Gildemeister-Schülerin und der erste

Frau in Bremen mit eigenem Architekturbüro. Seit 1949

wurden dort wieder Bratwürste gebraten.

Lore Krajewski entwarf übrigens auch den 1951 am Herdentorsteinweg

errichteten rundum generös verglasten Hapag-Lloyd-Verkehrspavillon,

ein Architekturjuwel der 50er

Jahre mit klarem Bezug auf die durch die Nazis als entartet

diskriminierte und geächtete Dessauer Bauhaus-Ästhetik.

Leider fiel dieser Bau 1979 der Erweiterung der Wallanlagen

und den damaligen modisch-architektonischen Tendenzen

zum Opfer und wurde abgerissen.

Wer in Bremen aufwuchs, wurde mit den Kiefert-Würsten

groß: kaum eine „Reise“ meiner Kindheit mit der Linie 4

aus Huckelriede in die Bremer Innenstadt – ich spreche von

den 50er und 60er Jahren – verlief ohne einen Besuch am

Wurstpavillon am Liebfrauenkirchhof. Später war es Tradition,

dass jemand während der alljährlichen Inventur im Januar,

an der ich – inzwischen größer geworden - teilnahm,

aus der Pelzerstraße, in der mein Vater seine Buchhandlung

betrieb, um die Ecke, in die damals mittlerweile in der Sögestraße

existierende Kiefert-Filiale geschickt wurde, um für

alle Helfer und Helferinnen Verpflegung zu holen. Das waren

natürlich Bratwürste, und zwar die aus der Pfanne! Und

dann auch – bitte sehr! – mit Kartoffelsalat, dem normalen,

nicht dem Hausmacher!

Selbst manche Dezennien später, als ich schon in Spanien

lebte, immer wenn ich für einen Heimaturlaub oder Abstecher

nach der Frankfurter Buchmesse nach Bremen kam,

gehörte mindestens ein Besuch bei Kiefert dazu. Geradezu

ein Pflichtritus für Heimkehrer in jenen prä-veganen Zeiten.

Das Kiefert-„Imperium“ weitete sich in den langen Jahren

seiner Existenz über die gesamte Innenstadt aus, in seinen

besten Zeiten zählte es insgesamt 11 Filialen. 1937 war der

Verkaufsraum im alten Küsterhaus der Kirche Unser Lieben

Frauen dazugekommen, der Ende 2022 aus brandtechnischen

Gründen ebenfalls geschlossen werden musste. Ab

1938 gab es eine Filiale am Brill, die 1968 in den Untergrund

des Brilltunnels umziehen musste, der 2011 wieder geschlossen

wurde. Die Unterführung existiert dort unten immer

noch, über ihn donnern die Bahnen der BSAG hinweg, irgendwo

gibt es noch eine schmale Eisentür, durch die man

die Gewölbe betreten kann.

Der Kiefertsche Wurstpavillon am Bahnhof wurde 1999 infolge

des kompletten Umbaus des Platzes von seinem ursprünglichen

Standort entfernt und an leicht veränderter Position

durch einen Neubau ersetzt. Das ausrangierte Objekt

trat dann eine Odyssee durch die Stadt an. Erst irgendwo in

der Neustadt abgestellt, gelangte es auf das Betriebsgelände

der BSAG am Flughafendamm, um am Ende dem Focke-

Museum geschenkt zu werden. Das lieh das gute Stück an

die Markthalle Acht am Domshof aus, wo es dann dort irgendwann

in Ungrade fiel und wieder zurück ins Museum

geschickt wurde.

Dort steht es nun in Wartestellung und hofft, nach dem Generalumbau

des Museums in die neue Ausstellung integriert

zu werden. Auf Nachfrage durch den Kolumnisten, ob das

weiterhin so geplant sei, antwortete man diesem: »Wir gehen

immer noch davon aus, dass der Pavillon nach der Wiedereröffnung

bei uns im Park stehen wird.«

Man kann nur hoffen, das Museum hält Wort. Und wäre es

nicht eine gute Idee, den nunmehr ebenfalls herrenlos gewordenen

Pavillon vom Philosophenweg der Wurstbude an

die Seite zu stellen? Vielleicht als Büchershop, das stünde

einer City of Literature doch gut zu Gesicht, oder?

74


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