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Handbuch der Logistikkompetenzen – Entersite

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<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong><br />

<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik<br />

Medienkompetenz EnterSite by ASFL für SVBL Logisti<br />

Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Schweizerische Logistik Vereinigung für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />

Association Suisse pour la formation professionnelle en logistique Association Suisse pour la formation professionnelle en logistique<br />

Associazione Svizzera per la formazione professionale in logistica Associazione Svizzera per la formazione professionale in logistica<br />

by ASFL SVBL<br />

1


<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL<br />

BiVo 2024<br />

EFZ<br />

EBA<br />

Ausgabe 1. Auflage 2024<br />

Im vorliegenden <strong>Handbuch</strong> wird aus Gründen <strong>der</strong><br />

Vereinfachung die männliche Form verwendet. Dabei ist die<br />

weibliche Form selbst verständlich immer eingeschlossen.<br />

ISBN 978-3-03873-627-1<br />

Autoren<br />

Herausgeber<br />

Basierend auf den Arbeiten des ASFL SVBL Team Schulstoff<br />

Überarbeitung durch Autoren- und Medienteam <strong>der</strong> ASFL SVBL<br />

Dr. Beat Michael Duerler, Delegierter OdA ASFL SVBL<br />

Schweizerische Vereinigung<br />

für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />

Rigistrasse 2, CH-5102 Rupperswil<br />

© ASFL SVBL Alle Rechte vorbehalten<br />

— EDITION —<br />

by ASFL SVBL<br />

Schweizerische Vereinigung<br />

für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />

Rigistrasse 2, CH-5102 Rupperswil<br />

Tel. +41 58 258 36 00 email@svbl.ch<br />

Fax +41 58 258 36 01 www.svbl.ch<br />

Association Suisse<br />

pour la formation professionnelle en logistique<br />

Rte de Fribourg 28, CH-1723 Marly<br />

Tél. +41 58 258 36 40 cfl@asfl.ch<br />

Fax +41 58 258 36 41 www.asfl.ch<br />

Associazione Svizzera<br />

per la formazione professionale in logistica<br />

Via Ferriere 11, CH-6512 Giubiasco<br />

Tel. +41 58 258 36 60 ticino@asfl.ch<br />

Fax +41 58 258 36 61 www.asfl.ch<br />

Suva auditierte<br />

Ausbildungen<br />

gemäss EKAS Richtlinie 6518<br />

Anerkannter CZV Kursanbieter<br />

Fournisseur de cours reconnu OACP<br />

Fornitore di corsi riconosciuto OAut<br />

geprüft certifié certificato certified<br />

swiss education standard association<br />

VSAA<br />

Postfach 656, CH-4010 Base<br />

Tel. 061 228 90 30<br />

Fax 061 228 90 39<br />

info@verbandvsaa.ch<br />

www.verbandvsaa.ch<br />

Geschäftsstelle Handel Schweiz<br />

Güterstrasse 78. Postfach 656, CH-4010 Bas<br />

www.facilityservices-fs.ch<br />

2<br />

Unsere Gönner:<br />

Amstutz Produkte AG<br />

www.amstutz.ch<br />

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Vorwort <strong>der</strong> Herausgeber: SWISS LOGISTICS by ASFL SVBL <strong>–</strong> Edition<br />

Das vorliegende Lehrmittel «<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL» ist ein<br />

Teil <strong>der</strong> Unterlagen für die Berufsbildung Logistiker/-in EBA / EFZ gemäss <strong>der</strong> Bildungsverordnung 2024.<br />

Im Rahmen <strong>der</strong> Totalrevision wurde <strong>der</strong> Orientierung nach Handlungskompetenzen und <strong>der</strong> LOK (Lernortkooperation)<br />

zwischen den drei Lernorten <strong>der</strong> dualen Berufsbildung in <strong>der</strong> Schweiz vermehrt Rechnung<br />

getragen.<br />

Mit <strong>der</strong> virtuellen Firma EnterSite AG wurde eine Basis geschaffen, welche den Lernenden erlaubt, während<br />

den zwei o<strong>der</strong> drei Jahren Ausbildung sämtliche Kompetenzen an allen drei Lernorten zu erarbeiten.<br />

<strong>–</strong> In <strong>der</strong> Berufsschule werden Module <strong>der</strong> Grundkompetenzen und <strong>der</strong> fachrichtungsorientierten<br />

Kompetenzen <strong>–</strong> Distribution o<strong>der</strong> Lagerung <strong>–</strong> vermittelt.<br />

<strong>–</strong> Die betriebliche Ausbildung umfasst auf Stufe EBA und EFZ Praxisaufträge. Diese werden im<br />

Betrieb in Zusammenarbeit mit den betrieblichen Ausbildner/-innen erarbeitet.<br />

<strong>–</strong> Die überbetrieblichen Kurse umfassen die stufengerechte Ausbildung auf den unterschiedlichen<br />

Geräten und die Erarbeitung von Arbeits- und Lern-Situationen.<br />

Neben den digitalen Unterrichtsmitteln im Rahmen <strong>der</strong> Firma EnterSite AG, welche je<strong>der</strong> Lernende in<br />

seinem eigenen e-Portfolio (früher Lerndokumentation) ablegen kann, stehen den Lernenden ab dem<br />

Jahrgang 2024 auch alle Unterlagen für die Berufsbildung Logistiker/-in EBA / EFZ in gedruckter Form zur<br />

Verfügung:<br />

<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL<br />

<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Logistik <strong>–</strong> Fachkompetenzen Distribution und Lager (nur für EFZ)<br />

<strong>–</strong> Logistik ABC <strong>–</strong> mit über 1300 Filmen<br />

<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik <strong>–</strong> Medienkompetenz<br />

<strong>–</strong> Mathematik für die Logistik (nur für EFZ)<br />

<strong>–</strong> Formelsammlung für die Logistik<br />

<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> für das Berufsfeld Logistik <strong>–</strong> Leitfaden zur Lerndokumentation (EBA / EFZ)<br />

Lernende, welche die Berufslehre Logistik im Jahre 2024 beginnen, werden das Qualifikationsverfahren<br />

auf Stufe EBA im Jahre 2026 und auf Stufe EFZ im Jahre 2027 nach neuer BiVo 2024 absolvieren.<br />

Das Berufsfeld Logistik entwickelt sich sehr dynamisch und umfasst die Berufe Logistiker EBA / EFZ mit<br />

den Fachrichtungen Lager und Distribution sowie den neuen Beruf Fachfrau / Fachmann Bahntransport.<br />

Das vorliegende Lehrmittel ist Teil <strong>der</strong> gesamten Unterlagen für das Berufsfeld Logistik. Mit <strong>der</strong> neuen<br />

Bildungsverordnung wird das Konzept BYOD (Bring Your Own Device) <strong>–</strong> eigenes IT-Gerät mitbringen <strong>–</strong> auf<br />

die ganze Schweiz ausgedehnt. Analoge und digitale Lehrmittel konnten dank <strong>der</strong> Mitarbeit zahlreicher<br />

Beteiligten zeitgerecht bereitgestellt werden:<br />

Für das Autorenteam: André Hodler, Markus Ilg, Sarah Mollard, Paola Conte, Armin Nufer, Martin<br />

Gerber und Daniel Kobas<br />

Für das Lektorat:<br />

Rebekka Holzer<br />

Für das Medienteam: Stephanie Ruben, Sara Sarvan, Markus Nobel und Urs Bitzi<br />

l<br />

Wir wünschen den Lernenden viel Lernerfolg mit dem vorliegenden Lehrmittel und danken allen Beteiligten<br />

<strong>der</strong> drei Lernorte für die Unterstützung <strong>der</strong> Lernenden auf dem Weg zum EBA o<strong>der</strong> EFZ-Abschluss.<br />

el<br />

Dr. Beat M. Duerler, Präsident SWISS LOGISTICS<br />

Delegierter OdA Logistik<br />

Nicole Ackermann, Mitglied GL SWISS LOGISTICS<br />

Leitung Bildung und Qualitätsmanagement<br />

3


Inhaltsverzeichnis<br />

1. EnterSite AG 24<br />

1.1 Vorwort 24<br />

1.2 Ziele <strong>der</strong> virtuellen Unternehmung 24<br />

1.3 Vorgeschichte 25<br />

1.4 EnterSite 26<br />

1.4.1 Wer ist die EnterSite 26<br />

1.4.2 Geschäftsfel<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite 27<br />

1.4.3 Strategie <strong>der</strong> EnterSite 28<br />

1.4.4 Standorte <strong>der</strong> EnterSite 29<br />

1.4.5 Organigramm <strong>der</strong> EnterSite 30<br />

1.5 Abteilungen <strong>der</strong> EnterSite 31<br />

1.5.1 Customer Service 31<br />

1.5.2 Procurement Management 32<br />

1.5.3 Logistics 33<br />

1.5.4 Production 34<br />

1.5.5 ICT 35<br />

1.5.6 FI/CO 36<br />

1.5.7 Support and Distribution 37<br />

Modul 101_Geschichte <strong>der</strong> Logistik 38<br />

Ausgangslage 39<br />

Fachartikel Modul 101 40<br />

1. Geschichte <strong>der</strong> Logistik 40<br />

1.1 Logistische Tätigkeiten 40<br />

1.2 Handelsprodukte und Handelswege 42<br />

1.3 Meilensteine <strong>der</strong> Logistik 44<br />

4<br />

Modul 102_Struktur <strong>der</strong> Logistik 46<br />

Ausgangslage 46<br />

Fachartikel Modul 102 47<br />

2. Struktur <strong>der</strong> Logistik 47


2.1 Globalisierung 47<br />

2.2 Logistik 51<br />

2.3 Prozesskette <strong>der</strong> Logistik 53<br />

2.4 Supply Chain Management (SCM) 54<br />

Modul 103_Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 57<br />

Ausgangslage 57<br />

Fachartikel Modul 103 58<br />

3. Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 58<br />

3.1 Definition <strong>der</strong> Logistik 59<br />

3.2 Vereinfachte Darstellung <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 60<br />

Modul 104_Warenfluss 62<br />

Ausgangslage 62<br />

Fachartikel Modul 104 63<br />

4. Warenfluss 63<br />

4.1 Beschaffung 63<br />

4.2 Produktion 64<br />

4.3 Verteilung (Distribution) 65<br />

4.4 Entsorgung 65<br />

4.5 TUL-Prozesse 66<br />

4.6 Der Warenfluss als Dienstleister vers. Produzent 68<br />

4.7 Logistikgrössen 69<br />

Modul 105_Güter 71<br />

Ausgangslage 71<br />

Fachartikel Modul 105 72<br />

5. Güter 72<br />

5.1 Eigenschaften und Handhabung von Gütern 72<br />

5.2 Verarbeitungsgrad 73<br />

5.3 Kriterien für die Lagerfähigkeit von Gütern 75<br />

5.4 Ver<strong>der</strong>blichkeit 76<br />

5.5 Ver<strong>der</strong>blichkeit durch langandauernde Einflüsse 78<br />

5.6 Schutz des Lagergutes 82<br />

5


5.7 Gefährlichkeit 85<br />

Modul 106_Entsorgung CH 91<br />

Ausgangslage 91<br />

Fachartikel Modul 106 92<br />

6. Entsorgung 92<br />

6.1 Was ist Abfall? 92<br />

6.2 Bedeutung und Aufgabe von Abfall 94<br />

6.3 Stoffflüsse in <strong>der</strong> Abfallbewirtschaftung 95<br />

6.4 Entsorgungswege für Abfall in <strong>der</strong> Schweiz 95<br />

6.5 Zielsetzung 2030 <strong>–</strong> die Abfallpyramide 115<br />

6.6 Entsorgung im Logistikunternehmen 116<br />

6.7 Littering 116<br />

Modul 107_Abfallkategorien CH 125<br />

Ausgangslage 125<br />

Fachartikel Modul 107 126<br />

7. Abfallkategorien 126<br />

7.1 Abfälle von A-Z 128<br />

7.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen 136<br />

7.3 Son<strong>der</strong>abfälle 138<br />

7.4 Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall 141<br />

Modul 108_Entsorgung Global 143<br />

Ausgangslage 143<br />

Fachartikel Modul 108 144<br />

8. Globale Entsorgung 144<br />

8.1 Umweltmanagementsysteme (UMS) 144<br />

8.2 Globale Umweltprobleme 147<br />

8.3 Aktuelle Projekte und Ziele <strong>der</strong> Agenda 2030 151<br />

Modul 109_Zutritt- und Datenschutz 155<br />

Ausgangslage 155<br />

Fachartikel Modul 109 156<br />

6


9. Zutritts- und Datenschutz 156<br />

9.1 Zutrittsberechtigung 156<br />

9.2 Schriftgeheimnis 157<br />

9.3 Postgeheimnis 158<br />

9.4 Geschäftsgeheimnis 159<br />

9.5 Datensicherheit 160<br />

Modul 201_Der Kunde 163<br />

Ausgangslage 163<br />

Fachartikel Modul 201 164<br />

1. Der Kunde 164<br />

1.1 Die Bedeutung des Kunden 164<br />

1.2 «Der Kunde ist König» 165<br />

1.3 Der Stammkunde 166<br />

1.4 Unternehmen müssen ihre Kunden kennen 166<br />

Modul 202_Mein Auftreten 167<br />

Ausgangslage 167<br />

Fachartikel Modul 202 168<br />

2. Das eigene Auftreten 168<br />

2.1 Meine Haltung 168<br />

2.2 Meine Kommunikation 168<br />

2.3 Meine Kleidung 169<br />

2.4 Meine Hygiene 169<br />

2.5 Das Unternehmensleitbild 174<br />

Modul 203_Selbstmanagement 179<br />

Ausgangslage 179<br />

Fachartikel Modul 203 180<br />

3. Selbstmanagement 180<br />

3.1 Sich selber kennen <strong>–</strong> das Johari-Fenster 180<br />

3.2 Führungsstile nach Kurt Lewin 184<br />

3.3 Konflikttypen nach Thomas Kilmann 185<br />

3.4 Die sechs Stufen <strong>der</strong> Konfliktbewältigung 186<br />

7


3.5 Die geistige Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt 186<br />

3.6 Die körperliche Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt 188<br />

Modul 204_Der Markt 196<br />

Ausgangslage 196<br />

Fachartikel Modul 204 198<br />

4. Der Markt 198<br />

4.1 Die Marktforschung 199<br />

4.2 Die Marktarten und Marktformen 202<br />

4.3 Die Grösse eines Marktes 206<br />

Modul 205_Marketing 208<br />

Ausgangslage 208<br />

Fachartikel Modul 205 209<br />

5. Marketing 209<br />

5.1 Ziele des Marketings 209<br />

5.2 Beteiligte am Marketing 209<br />

5.3 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage 209<br />

5.4 Die Marketinginstrumente 211<br />

5.5 Die Werbung 212<br />

Modul 206_Kommunikation 217<br />

Ausgangslage 217<br />

Fachartikel Modul 206 218<br />

6. Kommunikation 218<br />

6.1 Kommunikationsmittel 218<br />

6.2 Funktionsweise <strong>der</strong> Kommunikation 218<br />

6.3 Kommunikationsarten 222<br />

6.4 Fragen in <strong>der</strong> Kommunikation 226<br />

6.5 Gespräche führen 227<br />

Modul 207_PreSales service 230<br />

Ausgangslage 230<br />

8


Fachartikel Modul 207 231<br />

7. Pre-Sales 231<br />

7.1 Bedürfnisse 231<br />

7.2 Verkauf 232<br />

7.3 Kaufmotive 232<br />

7.4 Lieferantenbewertungen 232<br />

Modul 208_AtSales service 234<br />

Ausgangslage 234<br />

Fachartikel Modul 208 235<br />

8. At-Sales-Services 235<br />

8.1 Das Kaufverhalten 235<br />

8.2 Verkaufssituationen 238<br />

8.3 Ein Verkaufsgespräch führen 238<br />

8.4 Verkaufsgespräche Face-to-Face 239<br />

8.5 Verkaufsgespräche über Telefon/Konferenz-Call 242<br />

8.6 Verkaufsför<strong>der</strong>ung 243<br />

8.7 Der Kaufvertrag: Rechte und Pflichten 244<br />

8.8 Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) 246<br />

Modul 209_AfterSales service 249<br />

Ausgangslage 249<br />

Fachartikel Modul 209 250<br />

9. After-Sales-Services 250<br />

9.1 Reklamationen 251<br />

9.2 Der Kundendienst 252<br />

9.3 Kulanz 254<br />

9.4 Garantie 255<br />

Modul 301_Beschaffungslogistik 257<br />

Ausgangslage 257<br />

Fachartikel Modul 301 258<br />

1. Die Beschaffungslogistik 258<br />

9


1.1 Die Aufgaben im Einkauf 259<br />

1.2 Make or Buy 260<br />

1.3 Outsourcing 261<br />

1.4 Welche Mengen sollen eingekauft werden? 262<br />

1.5 Wann ist <strong>der</strong> richtige Zeitpunkt für den Einkauf? 263<br />

Modul 302_Warenbeschaffung 264<br />

Ausgangslage 264<br />

Fachartikel Modul 302 264<br />

2. Warenbeschaffung 265<br />

2.1 Wo kaufe ich ein? 265<br />

2.2 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage 269<br />

2.3 Der Bestellprozess 273<br />

Modul 303_Prozess Warenannahme 278<br />

Ausgangslage 278<br />

Fachartikel Modul 303 281<br />

3. Prozess Warenannahme 281<br />

3.1 Annahme von Gütern 281<br />

3.2 Annahme als Käufer einer beweglichen Sache (Fahrniskauf) 282<br />

3.3 Die geplante und die nicht geplante Warenannahme 284<br />

Modul 304_Identifikation <strong>der</strong> Lieferung 288<br />

Ausgangslage 288<br />

Fachartikel Modul 304 289<br />

4. Identifikation <strong>der</strong> Lieferung 289<br />

4.1 Global-Identifikation 289<br />

4.2 Detail-Identifikation 292<br />

4.3 Begleitpapiere für Waren 292<br />

4.4 Die Annahme unter Vorbehalt 300<br />

4.5 Grenzüberschreitende Regelungen und Verträge im internationalen<br />

Güterverkehr 302<br />

10


Modul 305_Güter 305<br />

Ausgangslage 305<br />

Fachartikel Modul 305 306<br />

5. Ablad an <strong>der</strong> Rampe 306<br />

5.1 Baubedingte Gefahren 306<br />

5.2 Arbeitsbedingte Gefahren 310<br />

Modul 306_Gebindekontrolle 330<br />

Ausgangslage 330<br />

Fachartikel Modul 306 331<br />

6. Gebindekontrolle 331<br />

6.1 Was ist ein Gebinde? 331<br />

6.2 Der Ladungsträger 332<br />

6.3 EPAL (European Pallet Association) 338<br />

6.4 Tauschverfahren von EURO-Paletten 339<br />

6.5 Der Ladungsträger nach CHEP 342<br />

6.6 Spezielle Ladungsträger 343<br />

6.7 Ladungsträger auf Rollen 346<br />

6.8 Einweggebinde 347<br />

6.9 Mehrweggebinde 348<br />

Modul 307_Grobkontrolle und Schadenabwicklung 349<br />

Ausgangslage 349<br />

Fachartikel Modul 307 350<br />

7. Grobkontrolle- und Schadenabwicklung 350<br />

7.1 Fehler in <strong>der</strong> Lieferung 350<br />

7.2 Schäden 352<br />

7.3 Der Schadenfall 359<br />

Modul 308_Detailkontrolle 364<br />

Ausgangslage 364<br />

Fachartikel Modul 308 365<br />

8. Detailkontrolle 365<br />

11


8.1 Entstehung einheitlicher Masse 365<br />

8.2 Zähltechnik 367<br />

8.3 Handhabung von Waagen 383<br />

Modul 309_Qualitätskontrolle 386<br />

Ausgangslage 386<br />

Fachartikel Modul 309 387<br />

9. Qualitätskontrolle 387<br />

9.1 Bedeutung <strong>der</strong> Qualität 387<br />

9.2 Definition <strong>der</strong> Qualität 387<br />

9.3 Qualitätskriterien 388<br />

9.4 Qualitätsniveau 390<br />

9.5 Qualitätskontrollen in Unternehmen 391<br />

9.6 Kontrolltechniken 391<br />

9.7 Funktionskontrolle 397<br />

Modul 310_Vorbereitung für die Einlagerung 399<br />

Ausgangslage 399<br />

Fachartikel Modul 310 401<br />

10 Vorbereitung für die Einlagerung 401<br />

10.1 Gründe für neue Verpackung 401<br />

10.2 Einbuchen <strong>der</strong> Ware 404<br />

10.3 Bestandesführung 405<br />

Modul 401_Lageraufgaben 412<br />

Ausgangslage 412<br />

Fachartikel Modul 401 413<br />

1. Lageraufgaben 413<br />

1.1 Das Lager 413<br />

1.2 Übersicht <strong>der</strong> Lageraufgaben 413<br />

Modul 402_Lagerarten 417<br />

Ausgangslage 417<br />

12


Fachartikel Modul 402 418<br />

2. Lagerarten 418<br />

2.1 Unterscheidung nach Gütern 418<br />

2.2 Unterscheidung nach Branchen 419<br />

2.3 Unterscheidung nach Standorten 423<br />

2.4 Zwischenlager 425<br />

2.5 Reifelager 426<br />

Modul 403_Lagereinrichtungen 427<br />

Ausgangslage 427<br />

Fachartikel Modul 403 428<br />

3. Lagereinrichtungen 428<br />

3.1 Bodenlagerungen 428<br />

3.2 Fachbodenregal 430<br />

3.3 Palettenregal 431<br />

3.4 Einfahrregal 434<br />

3.5 Durchfahrregal 434<br />

3.6 Durchlaufregal 435<br />

3.7 Kragarmregal 436<br />

3.8 Wabenregal 437<br />

3.9 Verschieberegal 438<br />

3.10 Umlaufregal 439<br />

3.11 Hängende Lagerung 441<br />

3.12 Mo<strong>der</strong>ne Einrichtungen 441<br />

Modul 404_Technische Voraussetzungen 444<br />

Ausgangslage 444<br />

Fachartikel Modul 404 445<br />

4. Technische Voraussetzungen 445<br />

4.1 Offene, halboffene, geschlossene Lager 445<br />

4.2 Flachlager, mittelhohe Lager, Hochregal 446<br />

4.3. Lageraufbau 447<br />

13


ffModul 405_Güter 452<br />

Ausgangslage 452<br />

Fachartikel Modul 405 453<br />

5. Gefahren im Lager 453<br />

5.1 Unfallgefahr 453<br />

5.2 Brandgefahr 466<br />

5.3 Diebstahlgefahr 469<br />

5.4 Gefährliche Stoffe 470<br />

5.5 Schädlinge 475<br />

Modul 406_Gebindekontrolle 477<br />

Ausgangslage 477<br />

Fachartikel Modul 406 478<br />

6. Lagerprinzipien 478<br />

6.1 Festplatzlagerung 478<br />

6.2 Chaotische (dynamische) Lagerung 479<br />

6.3 First-In, First-Out (FIFO) 480<br />

6.4 Last-In, First-Out (LIFO) 480<br />

6.5 Highest In - First Out (HIFO) 481<br />

Modul 407_För<strong>der</strong>mittel 482<br />

Ausgangslage 482<br />

Fachartikel Modul 407 483<br />

7. För<strong>der</strong>mittel 483<br />

7.1 Grundbegriffe des För<strong>der</strong>ns 483<br />

7.2 För<strong>der</strong>mittel in <strong>der</strong> Logistik 483<br />

7.3 Das Hebelgesetz 491<br />

7.4 Tragkraftdiagramme 494<br />

Modul 501_Produktion 497<br />

Ausgangslage 497<br />

Fachartikel Modul 501 498<br />

1. Produktion 498<br />

14


1.1 Definition Produktion 498<br />

1.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktion 499<br />

1.3 Produktentwicklung 500<br />

1.4 Produktestruktur 504<br />

Modul 502_Produktionslogistik 506<br />

Ausgangslage 506<br />

Fachartikel Modul 502 507<br />

2. Produktionslogistik 507<br />

2.1 Definition Produktionslogistik 507<br />

2.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik 507<br />

2.3 Lagerarten in <strong>der</strong> Produktion 508<br />

2.4 Operative Entsorgungslogistik 511<br />

Modul 503_Organisation <strong>der</strong> Produktion 513<br />

Ausgangslage 513<br />

Fachartikel Modul 503 514<br />

3. Organisation <strong>der</strong> Produktion 514<br />

3.1 Definition Fertigungsarten 514<br />

3.2 Fertigungstypen 514<br />

3.3 Organisation <strong>der</strong> Fertigung 519<br />

3.4 Überblick Fertigungstypen und Organisation <strong>der</strong> Fertigung 523<br />

3.5 Lean Production 524<br />

Modul 504_Der Materialfluss 525<br />

Ausgangslage 525<br />

Fachartikel Modul 504 526<br />

4. Der Materialfluss 526<br />

4.1 Arten des Materialflusses 527<br />

4.2 Kanban 527<br />

4.3 Two Bin 529<br />

4.4 Bestellzeitpunkt durch Markierung 530<br />

4.5 Just in Time (JIT) 530<br />

15


4.6 Just in Sequene (JIS) 533<br />

4.7 Low Cost Automation (LCA) 534<br />

4.8 Jidoka 535<br />

Modul 505_Produktionsplanung und -steuerung 536<br />

Ausgangslage 536<br />

Fachartikel Modul 505 537<br />

5. Produktionsplanung und -steuerung (PPS) 537<br />

5.1 Push/Pull-Produktion 538<br />

5.2 Bulk-Produktion 539<br />

5.3 Stücklisten 540<br />

Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion 545<br />

Ausgangslage 545<br />

Fachartikel Modul 506 546<br />

6. Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion 546<br />

6.1 Qualitätsmanagement (QM) vs. Qualitätssicherung (QS) 546<br />

6.2 QM- und QS-Methoden 547<br />

6.3 Ressourcen und Energieeffizienz 556<br />

6.4 Rückverfolgbarkeit 557<br />

6.5 Verfahrensanweisungen (VA) 560<br />

6.6 Weitere bekannte Methoden in <strong>der</strong> Qualitätssicherung 561<br />

Modul 601_Kommissionieren 564<br />

Ausgangslage 564<br />

Fachartikel Modul 601 565<br />

1. Kommissionieren 565<br />

1.1 Kommissionierstrategien und Kommissionierbegriffe 565<br />

1.2 Kommissioniertechniken 571<br />

1.3 Pick-Pack-Verfahren 572<br />

Modul 602_Versandbereite Pakete erstellen 573<br />

Ausgangslage 573<br />

16


Fachartikel Modul 602 574<br />

2. Versandbereite Pakete erstellen 574<br />

2.1 Verpacken, aber warum? 574<br />

2.2 Fachbegriffe nach dem Deutsches Institut für Normung (DIN) 576<br />

2.3 Was ist die richtige Verpackung? 578<br />

2.4 Beanspruchung einer (Schutz-)Verpackung 583<br />

2.5 Verpackungsnormen 588<br />

Modul 603_Versandbereite Palette erstellen 591<br />

Ausgangslage 591<br />

Fachartikel Modul 603 592<br />

3. Versandbereite Paletten erstellen 592<br />

3.1 Die Wahl des richtigen Bandes 594<br />

3.2 Verschlussarten 596<br />

Modul 604_Distributionsmarkt 599<br />

Ausgangslage 599<br />

Fachartikel Modul 604 600<br />

4. Distributionsmarkt 600<br />

4.1 Absatzkanäle 600<br />

4.2 Distribution (Verteilung <strong>der</strong> Produkte) 600<br />

4.3 Der Postmarkt 608<br />

4.4 Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) 611<br />

4.5 Distributionsbeispiele 612<br />

Modul 605_Versandart Post 615<br />

Ausgangslage 615<br />

Fachartikel Modul 605 616<br />

5. Versandart Post 616<br />

5.1 Adressierung 616<br />

5.2 Versandart Briefe und Pakete 619<br />

5.3 Versand ins Ausland 621<br />

5.4 Verarbeitung in Brief- und Paketzentren 621<br />

17


5.5 Zustellung 623<br />

Modul 606_Strassenverkehr 626<br />

Ausgangslage 626<br />

Fachartikel Modul 606 627<br />

6. Strassenverkehr 627<br />

6.1 Der Strassenverkehr 627<br />

6.2 Die Lastverteilung 631<br />

6.3 Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) 635<br />

Modul 607_Schienenverkehr 638<br />

Ausgangslage 638<br />

Fachartikel Modul 607 639<br />

7. Schienenverkehr 639<br />

7.1 Die wichtigsten Routen 640<br />

7.2 Dynamische Kräfte im Schienenverkehr 643<br />

7.3 Transport gefährlicher Güter 646<br />

7.4 Ein Blick in die Zukunft 647<br />

Modul 608_Luftverkehr 648<br />

Ausgangslage 648<br />

Fachartikel Modul 608 649<br />

8. Luftverkehr 649<br />

8.1. Bedeutung <strong>der</strong> Luftfracht 649<br />

8.2 Anwendungsbereiche <strong>der</strong> Luftfracht 650<br />

8.3 Luftersatzverkehr 651<br />

8.4 Flughäfen in <strong>der</strong> Schweiz 651<br />

8.5 Luftfrachteinheiten, För<strong>der</strong>mittel und Flugzeuge 653<br />

8.6 Zollabwicklung und Kontrollen 658<br />

8.7 Dynamische Kräfte im Luftverkehr 658<br />

8.8 Versand 659<br />

Modul 609_Schiffsverkehr 662<br />

18


Ausgangslage 662<br />

Fachartikel Modul 609 663<br />

9. Schiffsverkehr 663<br />

9.1 Wichtigste Transportrouten 664<br />

9.2 Die wichtigste Häfen 667<br />

9.3 Umschlag 668<br />

9.4 Dynamische Kräfte im Schiffsverkehr 670<br />

9.5 Güter richtig verladen 671<br />

Modul 610_Kombinierte Verkehrsträger 673<br />

Ausgangslage 673<br />

Fachartikel Modul 610 674<br />

10. Kombinierte Verkehrsträger 674<br />

10.1 Die Rollende Autobahn (RA) / Rollende Landstrasse (RoLa) 675<br />

10.2 ISO-Container 676<br />

10.3 An<strong>der</strong>e Wechselsysteme 678<br />

Modul 701_Inventur 682<br />

Ausgangslage 682<br />

Fachartikel Modul 701 683<br />

1. Die Inventur 683<br />

1.1 Die Inventurpflicht 683<br />

1.2 Arten <strong>der</strong> Inventur 683<br />

1.3 Durchführung 684<br />

1.4 Auswertung <strong>der</strong> Inventur 685<br />

1.5 Gründe für Inventurdifferenzen 686<br />

Modul 702_Lagerkosten 687<br />

Ausgangslage 687<br />

Fachartikel Modul 702 688<br />

2. Lagerkosten 688<br />

2.1 Fixe und variable Kosten 688<br />

2.2 Kosten für Lagerräume 689<br />

2.3 Personalkosten 690<br />

19


2.4 Lagerbestand 692<br />

2.5 Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel 693<br />

2.6 Kosten für Verbrauchsmaterialien 694<br />

Modul 703_Personalkosten 695<br />

Ausgangslage 695<br />

Fachartikel Modul 703 696<br />

3. Personalkosten 696<br />

3.1 Die EnterSite AG: direkte und indirekte Personalkosten 697<br />

3.2 Die Mitarbeitenden: das Gehalt 699<br />

3.3 Rechte und Pflichte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber 703<br />

Modul 801_Identifikation Güter 706<br />

Ausgangslage 706<br />

Fachartikel Modul 801 707<br />

1. Identifikation von Gütern 707<br />

1.1 Serial Shipping Container Code (SSCC) 707<br />

1.2 GTIN-8, GTIN-13, ISBN 708<br />

1.3 Aufbau Produkte-Barcode GTIN-13, GTIN-8, ISBN 709<br />

1.4 GTIN-128 710<br />

1.5 QR-Code 711<br />

1.6 Data Matrix-Code 714<br />

1.7 Platzierung von Codes 714<br />

1.8 Radio Frequency Identification (RFID) 716<br />

Modul 802_Transport 719<br />

Ausgangslage 719<br />

Fachartikel Modul 802 720<br />

2. Transport 720<br />

2.1 Transportüberwachung 720<br />

2.2 Track and Trace 722<br />

2.3 Transportplanung 728<br />

20


Modul 803_Betriebssoftware 732<br />

Ausgangslage 732<br />

Fachartikel Modul 803 733<br />

3. Betriebssoftware 733<br />

3.1 ERP (Enterprise Ressource Planning) 733<br />

3.2 Costumer-Relationship-Management (CRM) 733<br />

3.3 Vertrieb/Marketing 734<br />

3.4 Personalwesen 735<br />

3.5 Produktionsplanung und-Steuerung (PPS) 735<br />

3.6 Projektmanagement 737<br />

3.7 Qualitätsmanagement 737<br />

3.8 Finanzbuchhaltung (FIBU) 738<br />

3.9 Materialwirtschaft (MaWi) 738<br />

Modul 804_O365_Grundlagen 741<br />

Fachartikel Modul 804 741<br />

4. Computergrundlagen 741<br />

4.1 Anmeldung 741<br />

4.2 Die Desktop-Oberfläche 742<br />

4.3 Einen Ordner erstellen/benennen 744<br />

4.4 Account öffnen/schliessen o<strong>der</strong> aktivieren 745<br />

4.5 Herunterfahren, Ruhezustand (Energie sparen) o<strong>der</strong> Neustart 745<br />

4.6 Anwendung beenden bei einem Systemabsturz 745<br />

Modul 805_Word 746<br />

Fachartikel Modul 805 746<br />

5. Office 365 <strong>–</strong> Word 746<br />

5.1 Arbeitsfläche <strong>–</strong> Übersicht 746<br />

5.2 Text verfassen 747<br />

5.3 Zeichen hervorheben 750<br />

5.4 Formatieren von Absätzen 751<br />

5.5 Formatvorlagen 755<br />

21


5.6 Inhaltsverzeichnis 756<br />

5.7 Fussnoten 757<br />

5.8 Tabellen 758<br />

5.9 Kopf- / Fusszeile 761<br />

5.10 Bil<strong>der</strong> einfügen 761<br />

5.11 Excel-Kalkulationstabelle in Word einfügen 762<br />

5.12 Layout 763<br />

5.13 Drucken 764<br />

Modul 806_Excel 765<br />

Fachartikel Modul 806 765<br />

6. Office 365 Excel 765<br />

6.1 Excel Microsoft 365 starten und entdecken 765<br />

6.2 Sich in einem Arbeitsblatt bewegen 766<br />

6.3 Einfache Berechnungen 771<br />

6.4 Rechnen mit Funktionen 774<br />

6.5 Standardformatierungen 775<br />

6.6 Bedingte Formatierung 780<br />

6.7 Daten sortieren 780<br />

6.8 Daten filtern 781<br />

6.9 Layout 783<br />

6.10 Eine Grafik erstellen 785<br />

Modul 807_PowerPoint 792<br />

Fachartikel Modul 807 792<br />

7. Office 365 Power Point 792<br />

7.1 Die Grundlagen <strong>der</strong> Präsentation 792<br />

7.2 Eine Präsentation erstellen 794<br />

7.3 Arbeiten mit dem Folienmastermodus 795<br />

7.5 Eine Tabelle einfügen/zeichnen 798<br />

7.4 Präsentation erstellen, nachdem Folienmaske geän<strong>der</strong>t wurde 800<br />

7.6 Grafik einfügen 801<br />

22


7.7 Videodatei einfügen 802<br />

7.8 Organigramm einfügen 804<br />

7.9 Bild einfügen 804<br />

7.10 Folien anpassen 805<br />

7.11 Übergang 807<br />

7.12 Animation 807<br />

7.13 Diashow 809<br />

7.14 Speichern/Drucken 810<br />

7.15 Drucken 811<br />

Modul 808_OneNote 812<br />

Fachartikel Modul 808 812<br />

8. Office 365 <strong>–</strong> OneNote 812<br />

8.1 Allgemeine Informationen zu OneNote 812<br />

8.2 Aufbau von OneNote 813<br />

8.3. OneNote-Schulung 814<br />

8.4 Erste Schritte mit OneNote 814<br />

8.5. Notizen in OneNote machen 816<br />

8.6 Zusammenarbeit und Teilen 816<br />

8.7 Tipps und erweiterte Funktionen 817<br />

8.8 Fortgeschrittene Organisation 818<br />

8.9 Personalisierung und Stil 821<br />

8.10 Deine eigenen Vorlagen speichern 822<br />

8.11 Schlussfolgerung 823<br />

Modul 901_Logistikaufträge planen und auswerten 825<br />

Ausgangslage 825<br />

Fachartikel Modul 901 827<br />

1. Logistikaufträge planen und auswerten 827<br />

1.1 Machbarkeitsstudie 827<br />

1.2 Planung des Auftrags 829<br />

1.3 Durchführung des Auftrags 830<br />

1.4 Auswertung des Auftrags 831<br />

23


1. EnterSite AG<br />

1.1 Vorwort<br />

Das Unternehmen EnterSite AG begleitet die Lernenden in <strong>der</strong> Ausbildung<br />

zum Logistiker EFZ und EBA. Die EnterSite AG verfolgt das Ziel, Theorie und<br />

Praxis zu verknüpfen. Das Lehrmittel bietet eine didaktische Reduktion <strong>der</strong><br />

Kernprozesse im Bereich Supply Chain, ist methodisch aktuell und nach<br />

Lehrplan 21 orientiert aufgebaut. Die EnterSite AG soll in einem mo<strong>der</strong>nen<br />

Design mit gut ausgewählten digitalen Hilfsmitteln ansprechend sein. Eine<br />

virtuelle Unternehmung wird gegründet und bildet die Lernenden in <strong>der</strong><br />

Logistik nach SupplyChain aus. Die EnterSite orientiert sich im Aufbau vom<br />

Lehrmittel <strong>der</strong> AVIVA struktur. Inhaltlich wurden die Arbeitsaufträge nach dem<br />

4K Modell des Lernens erstellt, die integrierten Prüfungen orientieren sich an<br />

<strong>der</strong> Literatur (Didaktik für den Unterrichtsalltag) von Christoph Städeli. 63<br />

identisch aufgebaute Mdoule werden für alle übergreifenden Leistungsziele<br />

und 11 Module für den fachspezifischen Unterricht Lager angewandt. Module<br />

können Vorort o<strong>der</strong> im blended Learning eingesetzt werden.<br />

1.2 Ziele <strong>der</strong> virtuellen Unternehmung<br />

Die virtuelle Unternehmung EnterSite AG hat den Auftrag, die Lernenden aus<br />

einer Hand auszubilden. Entsprechend werden die Aufgaben <strong>der</strong><br />

Berufsfachschule, <strong>der</strong> überbetrieblichen Kurse und <strong>der</strong> Ausbildungsorte<br />

abgestimmt. Generierte Arbeits- und Lernsituationen handeln für die EnterSite<br />

AG. Abschliessend wird sich auch das Qualifikationsverfahren <strong>der</strong> virtuellen<br />

Unternehmung annehmen. Eine Nie<strong>der</strong>lassung wird am aktuellen Standort<br />

vom Qualifikationsverfahren 2026 (EBA) und 2027 (EFZ) aufgestellt. In dieser<br />

Nie<strong>der</strong>lassung werden die Handlungen <strong>der</strong> Lernenden in <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

geprüft.<br />

Die Unternehmung wird eine dynamische Form erhalten. Es werden<br />

verschiedene Module im Angebot sein, welche verschiedene Priorisierungen<br />

aufweisen. In dieser Gestaltung wird berücksichtig, dass es Module für den<br />

EBA und/o<strong>der</strong> EFZ Lehrgang geben wird und wir so, auch die Durchlässigkeit<br />

<strong>der</strong> Lehrgänge wie<strong>der</strong> erreichen können.<br />

Mit <strong>der</strong> Dynamik werden wir die Möglichkeit haben, den Lehrpersonen<br />

individuelle Module einzubauen und doch kommunizieren zu können, welche<br />

Module wir als Priorität interpretieren.<br />

Weiter soll mit dieser Dynamik erreicht werden, dass mögliche Fachrichtungen<br />

sich mit einer «Tochter-Unternehmung» o<strong>der</strong> einer zusätzlichen Abteilung an<br />

<strong>der</strong> EnterSite AG beteiligen können. Dabei wird das Ziel verfolgt, dem<br />

Lernenden alles aus einer Hand anbieten zu können. Schnittstellen zwischen<br />

den Fachrichtungen, den überbetrieblichen Kurse und <strong>der</strong> Berufsfachschule<br />

sollen kompatibel aufgebaut sein.<br />

24 21


1.3 Vorgeschichte<br />

«Reto Künstler» hat die obligatorische Schule in Thun absolviert. Die Schule war<br />

für ihn immer im Bereich des Machbaren. Die Herausfor<strong>der</strong>ungen hat er mehr<br />

o<strong>der</strong> weniger problemlos gelöst. Wenn wir Reto fragen, war die Kollegschaft<br />

und <strong>der</strong> Sportunterricht das Highlight <strong>der</strong> obligatorischen Schule.<br />

Privat hat Reto Künstler seine Leidenschaft im Fussball gefunden. Selber aktiv<br />

trainiert Reto dreimal pro Woche, sein Lebenstraum - Fussballprofi.<br />

Auch Reto wurde ab <strong>der</strong> 7. Klasse mit <strong>der</strong> Berufswahl konfrontiert. Die<br />

beratenden Stellen erkannten sofort, dass Reto ein Teamplayer und logisch<br />

denken<strong>der</strong> Mensch ist, <strong>der</strong> sich gerne auch körperlich betätigt. Nach einigen<br />

Besuchen an verschiedenen Events und besuchten Schnupperwochen,<br />

entdeckte Reto das Inserat zur Ausbildung als Logistiker EFZ bei <strong>der</strong> EnterSite<br />

AG.<br />

Seine Stärken und Interessen deckten sich optimal mit den Anfor<strong>der</strong>ungen<br />

des Berufsbildes. In <strong>der</strong> besuchten Schnupperwoche entdeckte er die Welt<br />

<strong>der</strong> Flurför<strong>der</strong>zeuge, die Welt <strong>der</strong> Teamarbeit und die Welt <strong>der</strong> Bewegung für<br />

die Logistik. Reto hat seinen Beruf entdeckt und hat die Lehrstelle zum<br />

Logistiker EFZ erhalten… Gratulation Reto!<br />

Diese frei erfundene Biografie könnte sich bei einigen Lernenden<br />

Logistiker/Innen EFZ so zugetragen haben. Diese Biografie ist geschrieben. Es<br />

ist Zeit, für ein neues Kapitel...<br />

EnterSite AG<br />

Die Autoren dieser Lernfirma sind ausgebildete und praxiserfahrene<br />

Berufsmenschen und Lehrpersonen. Diese Doppelqualifikation ermöglicht, die<br />

fiktive Lernumgebung zu gründen und die ewige Herausfor<strong>der</strong>ung zwischen<br />

Praxis und Theorie zu verknüpfen.<br />

Nach <strong>der</strong> zwei- o<strong>der</strong> dreijährigen Ausbildung in <strong>der</strong> EnterSite AG sind die<br />

Lernenden als Logistiker EBA o<strong>der</strong> EFZ in verschiedenen Branchen <strong>der</strong> Logistik<br />

einsatzbereit. Sie werden originelle Elemente erfahren sowie die Entwicklung<br />

unseres Berufes erlernen und verstehen können.<br />

Wir wünschen den Lernenden mit <strong>der</strong> EnterSite AG, einem innovativen<br />

Konzept, viel Spass beim Entdecken und Verstehen <strong>der</strong> Supply Chain.<br />

22<br />

25


1.4 EnterSite<br />

1.4.1 Wer ist die EnterSite<br />

Die EnterSite AG wurde 1990 gegründet und zählte schnell zu den<br />

renommiertesten Anbietern <strong>der</strong> Bürokommunikation auf dem Schweizer<br />

Markt. Der Markt, das Büro, hat sich in den vergangenen Jahren stark<br />

verän<strong>der</strong>t und damit auch die EnterSite AG.<br />

Heute sind unsere Kernkompetenzen im Bereich Total Office Solutions zu<br />

finden. Wir bieten neben Beratung (Evaluation) und Verkauf in den Bereichen<br />

Soft- und Hardware ein grosses Sortiment im Verbrauchsmaterial mit eigener<br />

Produktion in <strong>der</strong> Schweiz an sowie Support im Office.<br />

Ihr Partner im Bereich Total Office Solutions = EnterSite AG<br />

26 23


1.4.2 Geschäftsfel<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite<br />

• Beratung (Evaluation)<br />

Die Beratung und Evaluation im Bereich Soft- und Hardware ist eine<br />

grosse Herausfor<strong>der</strong>ung. Eine grosse Auswahl von verschiedener Soft- und<br />

Hardware angeboten bedeutet auch immer eine grosse<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung bei <strong>der</strong> Wahl. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, die<br />

richtigen Entscheidungen für Ihre Bedürfnisse treffen zu können.<br />

• Verkauf<br />

Im Anschluss an die Beratung übernehmen wir die Beschaffung <strong>der</strong><br />

gewählten Produkte. Netzwerke zu bekannten Produzenten ermöglichen<br />

günstige Einkaufsmöglichkeiten. Dem Kunden unterbreiten wir ein All-In-<br />

One Angebote und Verkaufspreis.<br />

• Software<br />

Auch im Bereich Software haben wir grosse Erfahrungen und Netzwerke.<br />

Wir beraten Kunden, damit die richtige Software gewählt werden kann.<br />

Ist die Software gewählt, unterstützen wir unsere Kunden mit unserem<br />

grossen Know-How, unseren Spezialisten, beim Implementieren <strong>der</strong><br />

Software.<br />

• Hardware<br />

Sobald die Software eingerichtet ist, liefern wir die gewählte Hardware.<br />

Installieren die Geräte im (Home-) Office und verbinden diese mit <strong>der</strong><br />

vorhandenen Software. Als Dienstleister sind wir natürlich auch zuständig,<br />

die Verpackungsmaterialien fachgerecht zu entsorgen.<br />

• Verbrauchsmaterial<br />

Unter Total office Solutions verstehen wir, dass wir auch nach <strong>der</strong><br />

Installation für unsere Kunden da sind. Ihre Hardware ist bei uns registriert,<br />

wir haben Kenntnis was Sie benötigen. Mit unserer eigenen Produktion<br />

sind wir fähig, verschiedene Verbrauchsmaterialien zu produzieren,<br />

kostengünstig und in hoher Qualität zu liefern. Durch das Einbinden in das<br />

vorhandene Netzwerk, haben wir die Möglichkeit die Kapazität von<br />

Ihrem Verbrauchsmaterial zu erkennen und wo nötig zu liefern o<strong>der</strong><br />

Supporten bevor Sie den Mangel erkennen können.<br />

• Support<br />

Mit unserem Support Team haben wir die Möglichkeit unsere Service-<br />

Techniker nach Kundenwünschen zu planen. Der Service-Techniker mit<br />

einem Fahrenden Ersatzteillager und <strong>der</strong> Möglichkeit Vorort im 3D Druck<br />

wichtige Ersatzteile anzufertigen gibt uns die Chance, im Notfall, schnell<br />

und effizient reagieren zu können. Durch die Vernetzung mit Ihrer Softund<br />

Hardware, erkennen wir sofort welche Garantieleistungen noch<br />

24<br />

27


vorhanden sind und können so mit unserem Lieferanten o<strong>der</strong> dem<br />

eigenen Support sofort reagieren.<br />

1.4.3 Strategie <strong>der</strong> EnterSite<br />

Wir sind die Nummer Eins in <strong>der</strong> Schweiz im «Total office solutions» Business<br />

Die Strategie steht im Zentrum vom unternehmerischen Denken und Handeln.<br />

Alle Projekte und Tätigkeiten sind auf diese Strategie ausgerichtet und<br />

unterstützen diese.<br />

Über den ganzen Lehrgang sollen deshalb immer wie<strong>der</strong> erzielte Ergebnisse<br />

und ihre Wirkung auf die Strategie thematisiert werden. Damit för<strong>der</strong>n wir<br />

unternehmerisches Denken und Handeln schon auf <strong>der</strong> Grundbildungsstufe.<br />

Best Practice Orientierung im Sinne dieser Strategie soll deshalb bei <strong>der</strong><br />

Lösungsfindung fokussiert werden.<br />

Der Lehrgang führt die Teilnehmer virtuell entlang von SupplyChain (Waren-,<br />

Informations- und Werteflusse), baut Grundwissen und auch vernetztes<br />

Denken Schritt für Schritt auf. Die Komplexität wird mit zunehmen<strong>der</strong> Tiefe<br />

grösser.<br />

Die Lernenden sollen, vertreten durch ihren eigenen, zu Lehrbeginn frei<br />

wählbaren o<strong>der</strong> zugewiesenen Avatar, den Lehrgang in und auch ausserhalb<br />

<strong>der</strong> EnterSite AG durchlaufen. In je<strong>der</strong> Abteilung, in jedem Modul<br />

entsprechenden Wissenszuwachs erhalten und mit passenden Aufgaben<br />

konfrontiert werden, die es ihnen ermöglichen, Theorie und Praxis<br />

verschmelzen zu lassen.<br />

28 25


1.4.4 Standorte <strong>der</strong> EnterSite<br />

Hauptsitz:<br />

Dienstleistung, Produktion, Verkauf, Logistik, technischer Support,<br />

Geschäftsleitung und Administration<br />

Rigistrasse 2, 5102 Rupperswil<br />

Hauptsitz<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Köniz:<br />

Dienstleistung, Technischer Support<br />

Staldenstrasse 32, 3172 Köniz<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Bern<br />

Nie<strong>der</strong>lassung St. Gallen:<br />

Dienstleistung, Technischer Support<br />

Huebstrasse 12, 9011 St. Gallen<br />

Nie<strong>der</strong>lassung St. Gallen<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Tessin:<br />

Dienstleistung, Technischer Support<br />

Via del Passetto 2, 6600 Solduno<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Tessin<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Romandie:<br />

Dienstleistung, Produktion, Verkauf, Logistik, technischer Support,<br />

Administration<br />

Route de Fribourg 28, 1723 Marly<br />

Nie<strong>der</strong>lassung Romandie<br />

26<br />

29


1.4.5 Organigramm <strong>der</strong> EnterSite<br />

30 27


1.5 Abteilungen <strong>der</strong> EnterSite<br />

1.5.1 Customer Service<br />

Die Abteilung Customer Service, in Verbindung mit den Aufgaben aus dem<br />

Marketing, hat in je<strong>der</strong> Unternehmung seinen Platz und ist von zentraler<br />

Bedeutung.<br />

Den Markt zu erkunden und erforschen, so dass ein Produkt richtig positioniert<br />

werden kann, die Erwartungen und Wünsche <strong>der</strong> Kunden in Erfahrung bringen<br />

und diese Kenntnisse in Prozessen (wie<strong>der</strong>kehrende Aufgaben)<br />

gewinnbringend umzusetzen und so Image und Absatz zu stärken, sind die<br />

Ziele dieser Abteilung.<br />

Es handelt sich bei dieser Abteilung <strong>der</strong> EnterSite AG um das Bild, welches<br />

nach aussen präsentiert wird. Das kann das Bild <strong>der</strong> Unternehmenskultur (wie<br />

zeigen und geben wir uns nach aussen und innen) sein aber auch die Art <strong>der</strong><br />

Umsetzung des Marketing Konzepts (wie positioniere ich mein Produkt in den<br />

Themen: Product, Place, Promotion und Price).<br />

Der Lernende wird nach SupplyChain auch den Kontakt zum Kunden<br />

aufnehmen und pflegen. Entsprechend wird <strong>der</strong> Lernende durch die<br />

Abteilung Customer Service & Marketing auch im Bereich Kommunikation und<br />

persönliche Hygiene auf die Aufgaben vorbereitet.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Sarah Nydegger<br />

28<br />

31


1.5.2 Procurement Management<br />

Das Procurement Management ist in unserer EnterSite AG eine weitere<br />

Zentrale Abteilung.<br />

Den Merksatz "den Lagerbestand so tief wie möglich aber so viel wie<br />

notwendig" erfolgreich umzusetzen, erfor<strong>der</strong>t ein starkes miteinan<strong>der</strong> zwischen<br />

dem Einkäufer und dem Logistiker. Nur gemeinsam sind wir in <strong>der</strong> Lage, die<br />

sechs R Definition <strong>der</strong> Logistik erfolgreich anwenden zu können.<br />

Lieferanten (Kreditoren) aus dem Inland, Europa und teilweise globale<br />

Lieferanten for<strong>der</strong>n verschiedene Kompetenzen in dieser Tätigkeit. Das<br />

Beschaffen von Sach-, Gebrauchsgüter aber auch Dienstleistungen erfor<strong>der</strong>t<br />

ein gutes Netzwerk. Berechnen von verschiedenen Offerten und fixieren von<br />

Listenpreisen sowie individuelle Kundenpreise in einer Artikelkarte werden da<br />

sorgfältig umgesetzt.<br />

Der Umgang mit Zahlen, die Kommunikation in verschiedene Kulturen und<br />

Landesprachen sowie die digitale Vernetzung for<strong>der</strong>t diese Abteilung<br />

beson<strong>der</strong>s.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Agnes Zimmermann<br />

32 29


1.5.3 Logistics<br />

Die Logistics, welche wie erwähnt sehr stark mit <strong>der</strong> Abteilung Procurement<br />

Management kommuniziert, wird genauso durch den Merksatz "den<br />

Lagerbestand so tief wie möglich aber so viel wie notwendig" geführt. Nur<br />

gemeinsam sind wir in <strong>der</strong> Lage, die sechs R Definition <strong>der</strong> Logistik erfolgreich<br />

anwenden zu können.<br />

Die Abteilung Logistics wird immer wie<strong>der</strong> von neuen Aufgaben<br />

herausgefor<strong>der</strong>t. Geht es da um die Zulieferung von Halbfabrikaten für die<br />

Produktion, das Verwalten <strong>der</strong> Verbrauchsmaterialien o<strong>der</strong> auch das<br />

Handling mit neuen Druck- und Kopiergeräten welche mit sehr viel Geld<br />

verbunden sind. In einem KMU wie es die EnterSite AG ist, gehört in <strong>der</strong><br />

Abteilung Logistics aber auch die Kommunikation mit dem Kunden dazu.<br />

Kurzfristige Lieferungen, spezielle Kundenwünsche o<strong>der</strong> auch die<br />

Verarbeitung von Warenretouren werden direkt aus <strong>der</strong> Abteilung Logistics<br />

mit dem Kunden vereinbart.<br />

Ein grosses Know-How im Umgang mit den verschiedenen Gütern und damit<br />

verbunden die Wahl <strong>der</strong> richtigen Lagerarten kann da gezeigt werden.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Reto Stierndli<br />

30<br />

33


1.5.4 Production<br />

Die Production ist eine Abteilung, die nicht in jedem KMU vorhanden ist. Die<br />

Wertschöpfung des Produkts vom Rohstoff zum Halbfabrikat o<strong>der</strong> zum<br />

Fertigprodukt o<strong>der</strong> vom Halbfabrikat zum Fertigprodukt in Verwendung von<br />

Energie und Kraft, entspricht <strong>der</strong> Definition in dieser Abteilung.<br />

Die EnterSite AG führt eine solche Produktion. Das Produzieren des eigenen<br />

Labels SwissEnterSite Cartridge und SwissEnterSite Tintenpatrone ist ein<br />

wichtiger Bestandteil <strong>der</strong> EnterSite AG. Die Abteilung Production ist am<br />

Hauptsitz in Rupperswil sowie in <strong>der</strong> Zweigstelle Marly integriert. Es werden<br />

Einzelteile o<strong>der</strong> leere Kartuschen eingekauft und diese neu zusammengestellt<br />

und mit dem richtigen Toner wie<strong>der</strong>aufgearbeitet. Die Herausfor<strong>der</strong>ung, dass<br />

wichtige Bestandteile aus Asien stammen und nicht immer <strong>der</strong> gewünschten<br />

Qualität entsprechen o<strong>der</strong> dass die Konkurrenz aus dem Osten günstiger<br />

produziert, sind Herausfor<strong>der</strong>ungen, welche in dieser Abteilung zu überwinden<br />

sind.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Michael Münster<br />

34 31


1.5.5 ICT<br />

Wie in je<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Unternehmung hat die Informatik in <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

enorm an Bedeutung gewonnen. Es ist für die EnterSite AG in dieser Branche<br />

relevant die heutigen Technologien zu verstehen und richtig einzusetzen. Das<br />

Einbinden von Druckern und Kopierern in ein Netzwerk und daraus zu<br />

erkennen, welches Verbrauchsmaterial welche Kapazität aufweist, damit <strong>der</strong><br />

Beschaffungsprozess rechtzeitig eröffnet werden kann, ist ein Teil davon.<br />

Die Informatik ist aber auch intern ein zentrales Element. Ein ERP mit den<br />

richtigen Stammdaten zu erarbeiten und über alle vorhandenen Abteilungen<br />

zu vernetzen, damit Realtime-Daten ersichtlich sind, ist heute ein Muss.<br />

Schnittstellen zu Debitoren (Kunden) und Kreditoren (Lieferanten) im<br />

Bestellmanagement o<strong>der</strong> Finanzmanagement werden gefor<strong>der</strong>t und<br />

geför<strong>der</strong>t.<br />

Die Informatik hat sich auch in <strong>der</strong> Logistik nie<strong>der</strong>gelassen. Auf <strong>der</strong><br />

Homepage publizierte aktuelle Lagerbestände und Informationen aus Track<br />

and Trace werden vom Kunden verlangt. In <strong>der</strong> Lagerlogistik ist die Informatik<br />

mit Anwendung von mo<strong>der</strong>nen Kommissionier-Techniken aber auch dem<br />

Betreiben von dynamischen Lagerelementen Zuhause.<br />

Spannend in <strong>der</strong> Abteilung Informatics <strong>der</strong> EnterSite AG ist aber nicht nur die<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung auf heutige Technologien, es gehört auch dazu, zukünftige<br />

Entwicklungen richtig zu interpretieren und Vorteile zu nutzen. Demnach sind<br />

bereits heute Projekte/Technologien wie 3D Druck, Verteilung per Drohne,<br />

Seidenstrasse und Cargo sous Terrain Themen, welche die Abteilung<br />

beschäftigen.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Markus Lang<br />

32<br />

35


1.5.6 FI/CO<br />

Für ein KMU wie die EnterSite AG ist es entscheidend, die richtigen<br />

Kalkulationen und Zahlen zu kennen und damit zu wirtschaften. In <strong>der</strong><br />

Abteilung FI/CO werden alle Finanz- und Personalthemen gesammelt und<br />

erfasst.<br />

Lohnbuchhaltung, Liegenschaften, Budget, Erträge und Aufwände sind einige<br />

Begriffe, welche in dieser Abteilung bearbeitet werden. Es ist im Interesse <strong>der</strong><br />

Mitarbeiter, Lieferanten aber auch unseren Kunden, das abgemachte<br />

Beträge auch so verrechnet und ausgeglichen werden.<br />

Für unsere Geschäftsleitung ist diese Abteilung das Herzstück <strong>der</strong> EnterSite AG.<br />

Die Abteilung FI/CO präsentiert jeweils das Ergebnis unseres Tuns.<br />

Weiter sind das Erstellen von Bilanzen, Kontakte mit den Behörden aber auch<br />

Kommunikation mit AHV, IV, EO etc. wichtige Bestandteile dieser Abteilung.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Besim Vuloltevic<br />

36 33


1.5.7 Support and Distribution<br />

Auch in dieser Abteilung hat sich die EnterSite AG entschieden, verwandte<br />

Themen zu verbinden. Das organisierte ausliefern (Distribution) aber auch <strong>der</strong><br />

Support <strong>der</strong> verkauften Drucker und Kopierer haben dazu geführt, dass die<br />

Themen nur zusammen funktionieren können. Die Distribution und Re-<br />

Distribution unterstützt uns in wirtschaftlichen aber auch ökologischen Zielen.<br />

Der Disponent <strong>der</strong> EnterSite AG hat so den spannenden Auftrag, neue<br />

Lieferungen aber auch Reparaturen von bereits gelieferten Geräten beim<br />

Kunden zu verbinden. Zur Verfügung stehen dabei einige Hilfsmittel. Die<br />

Lieferung kann über einen eigenen Techniker, den Lieferdienst o<strong>der</strong> aber über<br />

einen externen Partner (Post, Planzer etc.) ausgeführt werden. Genau diese<br />

Koordination ist das Herzstück dieser Abteilung.<br />

Wurden die Ressourcen (Personen, Fahrzeuge etc.) sowie die Fahrten früher<br />

mit einem "Reissbrett" optisch dargestellt, so haben wir heute ein<br />

Dispoprogramm das und bei dieser Herausfor<strong>der</strong>ung unterstützt. Jedoch, wie<br />

in jedem ERP, das Dispoprogramm disponiert uns die Touren nur so gut, wie<br />

die Stammdaten hinterlegt sind.<br />

Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />

Thomas Holzer<br />

34<br />

37


Logistiker/In EFZ<br />

100_Foundation<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

38


Modul 101_Geschichte <strong>der</strong> Logistik<br />

Ausgangslage<br />

Die Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik von früher sind eng verbunden mit den logistischen<br />

Tätigkeiten von heute. Das Beschaffen von verschiedenen Materialien, das<br />

Deponieren zum richtigen Zeitpunkt, ohne dass das Material an Wert verliert,<br />

<strong>der</strong> Verbrauch <strong>der</strong> Materialien: All das sind einfache Prozessschritte <strong>der</strong><br />

Logistik von früher und <strong>der</strong> Logistik von heute.<br />

?? Merke: Verän<strong>der</strong>t hat sich nicht das Ziel <strong>der</strong> Logistik, son<strong>der</strong>n die Hilfsmittel,<br />

welche heute in grosser Vielfalt zur Verfügung stehen.<br />

39


Fachartikel Modul 101<br />

1. Geschichte <strong>der</strong> Logistik<br />

1.1 Logistische Tätigkeiten<br />

Die Logistik von heute ist eng verbunden mit den logistischen Tätigkeiten von<br />

früher. Das Beschaffen von verschiedenen Materialien, das Deponieren zum<br />

richtigen Zeitpunkt, ohne dass das Material an Wert verliert sowie <strong>der</strong><br />

Verbrauch <strong>der</strong> Materialien sind einfache Prozessschritte <strong>der</strong> Logistik, die aus<br />

<strong>der</strong> Geschichte gewachsen sind.<br />

Vor vielen Jahren hätte <strong>der</strong> logistische Prozess wie folgt abgebildet werden<br />

können:<br />

Jagen <strong>–</strong> Verarbeiten <strong>–</strong> Konsumieren<br />

Die Logistik von heute zeichnet den Prozess folgen<strong>der</strong>massen:<br />

Einkaufen <strong>–</strong> Produzieren <strong>–</strong> Konsumieren o<strong>der</strong> Verkaufen<br />

1.1.1 Die Logistik in <strong>der</strong> Kriegszeit<br />

Erkennt man die einfachen und ursprünglichen Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik,<br />

versteht man, dass Logistik seit jeher eine grosse Bedeutung gehabt hat. In<br />

<strong>der</strong> Geschichte <strong>der</strong> Logistik sind neben den überlebenswichtigen Tätigkeiten<br />

<strong>der</strong> Steinzeitmenschen auch die militärischen Logistik-Tätigkeiten sehr<br />

relevant. Die Geschichte <strong>der</strong> Logistik wurde durch Napoleon Bonaparte stark<br />

geprägt.<br />

40


Napoleon Bonaparte 1769-1821<br />

Wenn es früher einem Heerführer nicht gelang, rechtzeitig Nahrungsmittel für<br />

die Soldaten und Futter für die Tiere heranzuschaffen, zeigten Kriegszüge<br />

wenig Erfolg. Deshalb wurden Viehherden als lebende Fleischvorräte<br />

mitgetrieben, o<strong>der</strong> die Soldaten unternahmen Raubzüge.<br />

Findige Feldherren versuchten den Appetit ihrer Soldaten zu zügeln, indem sie<br />

ihnen einen obligatorischen Tabakkonsum verordneten. Denn sobald die<br />

Soldaten rauchten o<strong>der</strong> Tabak kauten, assen sie weniger. So konnten die<br />

Feldherren erhebliche Mengen an Nahrungsmitteln einsparen, was den<br />

Nachschub und somit die Logistik vereinfachte.<br />

Napoleon Bonaparte entwickelte die militärische Logistik zu einer eigentlichen<br />

Wissenschaft. Nicht nur Nahrung für die Soldaten, auch grosse Mengen an<br />

Kriegsgeräten und Munition mussten herbeigeschafft werden. Die ausgefeilte<br />

Logistik trug wesentlich zur Schlagkraft des napoleonischen Heeres bei.<br />

1.1.2 Die Logistik und <strong>der</strong> Bau <strong>der</strong> Pyramiden<br />

Auch im zivilen Leben ergaben sich logistische Herausfor<strong>der</strong>ungen,<br />

insbeson<strong>der</strong>e dort, wo grosse Bauwerke entstanden sind. Die Logistik und die<br />

damit verbunden Herausfor<strong>der</strong>ungen sind seit jeher ein Thema. Der<br />

Menschheit gelang es jedoch wie<strong>der</strong>holt, unglaubliche logistische Aufgaben<br />

mit bescheidenen Hilfsmitteln zu bewältigen. Eine <strong>der</strong> gewichtigsten<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Logistik war beim Bau <strong>der</strong> Pyramiden zu bewältigen.<br />

Die zum Bau verwendeten Granitblöcke waren nicht nur über 50 Tonnen<br />

schwer, sie wurden zumeist aus Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 800<br />

Kilometer entfernt waren. Damals war es keine Seltenheit, dass für diese Art<br />

von Bauten extra ein Hafen angelegt wurde.<br />

41


Der Bau <strong>der</strong> Pyramiden ist aus heutiger Sicht so beeindruckend, dass lange<br />

keine Erklärung vorhanden war, wie er durchgeführt werden konnte. Erst in<br />

den letzten Jahren fanden Archäologen einige Hinweise, mit welchen die<br />

Bautechnik aufgedeckt werden konnte. Es wird vermutet, dass man die<br />

Pyramiden mit Hilfe von riesigen Rampen errichtet hat. Auf diesen Rampen<br />

wurden die grossen und schweren Granitsteine immer höher, bis zur<br />

Pyramidenspitze hinaufgeschoben bzw. Gezogen. Der Bau <strong>der</strong> Pyramiden ist<br />

eine logistische Meisterleistung von damals, welche noch heute für Staunen<br />

sorgt.<br />

1.2 Handelsprodukte und Handelswege<br />

Früher führten viele Handelswege durch Wüsten. Nachdem es gelungen war,<br />

Kamele zu zähmen, wurden diese wüstengewohnten Tiere zu einem<br />

wichtigen Transportmittel. In <strong>der</strong> Geschichte haben die folgenden zwei<br />

Handelsrouten eine wichtige Rolle eingenommen.<br />

42


1.2.1 Die Seidenstrasse<br />

Die Seidenstrasse<br />

Die alte Seidenstrasse ist eine Bezeichnung für ein Netz von alten<br />

Handelswegen zwischen China, Zentralasien und dem Mittelmeerraum. Der<br />

lange und herausfor<strong>der</strong>nde Weg hat den Ursprung in <strong>der</strong> damaligen<br />

Hauptstadt Luoyang. Durch Wüsten und Gebirge führte <strong>der</strong> Weg bereits vor<br />

über 2000 Jahren nach Zentralasien und weiter nach Europa.<br />

Im von Osten nach Westen verlaufenden Warenstrom war die Seide das<br />

wichtigste Handelsprodukt. Weitere Güter, die gehandelt wurden, sind Tee,<br />

Salz, Gewürze, Zucker und Porzellan.<br />

1.2.2 Die Bernsteinstrasse<br />

Schon früh begannen die Menschen, am Strand Bernstein zu sammeln. So<br />

wurden Bernstein und Bernsteinschmuck zum Handelsgut und Tauschobjekt.<br />

Das führte zur Namensgebung <strong>der</strong> bis heute wichtigsten Nord-Süd-<br />

Verbindung in Europa: <strong>der</strong> Bernsteinstrasse. Bernstein ist goldgelbes, fossiles<br />

Harz. Früher wurde er "Gold des Meeres" o<strong>der</strong> "Tränen <strong>der</strong> Götter genannt.<br />

Die Bernsteinstrasse<br />

43


Die Bernsteinstrasse führte von <strong>der</strong> Ostsee bis zu den Häfen des Mittelmeers<br />

und verbindet bis heute die Kulturen Nord- Mittel- und Südeuropas.<br />

1.3 Meilensteine <strong>der</strong> Logistik<br />

Die Logistik ist geprägt von verschiedenen Meilensteinen, welche zu einer<br />

schnellen Verän<strong>der</strong>ung führten. Einige davon sind:<br />

1804 Die Lokomotive kommt ins Fahren<br />

1875 Der erste Benzinmotor<br />

1896 Der erste LKW beför<strong>der</strong>t Güter<br />

1907 Die Geburtsstunde <strong>der</strong> Paketdienste<br />

1944 Die ersten Holzpaletten und Hubstapler kommen mit <strong>der</strong> Invasion <strong>der</strong><br />

Normandie nach Europa<br />

1948 Der Flughafen Kloten wird eröffnet (CH)<br />

1949 Die Erfindung des Barcodes<br />

1953 "Just-in-Time"-Revolution<br />

1955 Der Begriff "Logistik" wird in den USA erstmals in wirtschaftlichem<br />

Zusammenhang verwendet<br />

1956 Der Container wird definiert<br />

1960 Der Begriff "Logistik" wird im deutschsprachigen Raum verwendet<br />

1980 Der Gotthard-Strassentunnel wird eröffnet (CH)<br />

1992 Abstimmung zum NEAT-Jahrhun<strong>der</strong>tprojekt (endgültige<br />

Inbetriebnahme im Juni 2020)<br />

Diese Meilensteine <strong>der</strong> Logistik könnten noch mit vielen weiteren Ereignissen<br />

ergänzt werden. An einem Begriff gibt es jedoch kein Vorbeikommen: Die<br />

Informatik. Auch diese hat die Logistik komplett verän<strong>der</strong>t. Der Begriff<br />

44


"Informatik" wurde erst in den 1960er-Jahren richtig bekannt. Er besteht aus<br />

folgendem Wortspiel:<br />

Information + Automatik<br />

Seit dem Aufkommen <strong>der</strong> Informatik ist die Logistik dabei, sich neu zu erfinden.<br />

Das Tempo <strong>der</strong> Entwicklung kennt keine Grenzen mehr.<br />

45


Modul 102_Struktur <strong>der</strong> Logistik<br />

Ausgangslage<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen an die Logistik<br />

Aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung haben die Güterströme in den letzten Jahren<br />

und Jahrzehnten zugenommen. Mit den wachsenden Güterströmen hat auch<br />

die Logistik stark an Bedeutung gewonnen. Die Anfor<strong>der</strong>ungen an Leistung,<br />

Qualität und Kosten sind stetig gestiegen. Im Jahr 2020, als die Corona-<br />

Pandemie begann, gab es Engpässe von WC-Papier bei den Grossverteilern.<br />

Dies führte zu grossen Diskussionen über die Lieferketten und zu<br />

Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Aufgaben, <strong>der</strong> Ziele und <strong>der</strong> Definition <strong>der</strong> Logistik.<br />

Das Modul 102 behandelt drei Schlüsselbegriffe bei <strong>der</strong> Ausbildung zum<br />

Logistiker, zur Logistikerin:<br />

• Globalisierung<br />

• Logistik<br />

• Supply Chain Management (SCM)<br />

46


Fachartikel Modul 102<br />

2. Struktur <strong>der</strong> Logistik<br />

2.1 Globalisierung<br />

Das Tempo <strong>der</strong> Entwicklung in <strong>der</strong> Logistik ist atemberaubend. Technologien<br />

verän<strong>der</strong>n sich von Jahr zu Jahr. Ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor in <strong>der</strong> Entwicklung<br />

sind die digitalen Technologien. Im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t ist die Globalisierung eine<br />

Selbstverständlichkeit. Die ständige Vernetzung führt dazu, dass Informationen<br />

sofort und überall verfügbar sind. Der Begriff Globalisierung wird vom Wort<br />

"global" abgeleitet und beschreibt eine weltweite - also globale - Vernetzung.<br />

Am Beispiel <strong>der</strong> Corona-Pandemie, die im Jahr 2020 ausbrach, wird die<br />

heutige Globalisierung gut ersichtlich: Informationen von allen Kontinenten<br />

konnten täglich verarbeitet werden (z. B. Infektionszahlen). Aktuelle<br />

Entwicklungen konnten erkannt und interpretiert werden (z. B. neue<br />

Virusvarianten). Impfstoffe aus Grossbritannien, China o<strong>der</strong> Deutschland<br />

konnten eingekauft und verwendet werden.<br />

Die Globalisierung hat weitere Folgen. Sie führt z. B. dazu, dass im Alltag<br />

Produkte aus aller Welt verfügbar werden. Im Gegensatz zu früher sind heute<br />

Erdbeeren ganzjährig erhältlich. Sie werden aus an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n o<strong>der</strong><br />

Kontinenten importiert.<br />

47


Ferner sorgt die Globalisierung dafür, dass dasselbe Produkt in verschiedenen<br />

Län<strong>der</strong>n vorhanden ist: Unabhängig davon, wie lange <strong>der</strong> Flug in die Ferien<br />

dauert, gibt es am Zielort einen McDonald's o<strong>der</strong> einen Burger King mit<br />

Produkten, die man kennt.<br />

?? Merke: Die Globalisierung vernetzt die Welt. Der Logistik werden alle Türen<br />

geöffnet.<br />

2.1.1 Auswirkungen auf die Unternehmen<br />

Die Globalisierung <strong>der</strong> Wirtschaft ist heute weit fortgeschritten. Güter werden<br />

über immer grössere Entfernungen transportiert, unter an<strong>der</strong>em auch, weil<br />

viele Unternehmen aus Kostengründen nicht mehr nur auf Eigenfertigung<br />

setzen. Ein grosser Teil <strong>der</strong> fremdgefertigten Güter kommt aus Asien, vor allem<br />

aus China und Japan, die weltweit Handel sowohl mit Massen- als auch mit<br />

Hightech-Produkten betreiben. Dieser internationale Handel als Folge <strong>der</strong><br />

Globalisierung wird vor allem über internationale Verträge geregelt. Die<br />

Verträge werden nach Standards <strong>der</strong> World Trade Organisation (WTO)<br />

abgeschlossen. Nicht nur Güter, ganze Unternehmen werden weltweit<br />

gehandelt. Die Besitzer vieler "Schweizer" Unternehmen sind Amerikaner,<br />

Japaner, Australier o<strong>der</strong> Russen. Aber auch Schweizer Bürger und<br />

Unternehmen kaufen weltweit Betriebe auf (o<strong>der</strong> halten zumindest die<br />

Aktienmehrheit). Mit Vorliebe kaufen sie Konkurrenzbetriebe.<br />

2.1.2 Auswirkungen auf die Arbeitsplätze<br />

Die Globalisierung kann in den Industrielän<strong>der</strong>n Arbeitsplätze vernichten. Um<br />

ihre Abhängigkeit von <strong>der</strong> Fremdfertigung zu reduzieren aber auch um Kosten<br />

zu sparen, eröffnen Unternehmen in den sogenannten "Billiglohnlän<strong>der</strong>n" eine<br />

Nie<strong>der</strong>lassung. In diesen Län<strong>der</strong>n ist <strong>der</strong> Lebensstandard tief. Die Menschen<br />

arbeiten nicht nur für weniger Geld, sie leisten auch deutlich mehr<br />

Arbeitsstunden pro Jahr; beides wirkt sich auf den Stückpreis aus. Vor allem<br />

grosse Unternehmen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. In ihren<br />

Nie<strong>der</strong>lassungen können sie ihre Produkte o<strong>der</strong> auch nur Produktbestandteile<br />

viel günstiger herstellen lassen als im Land des Hauptsitzes. Dort können sie die<br />

"teuren" Arbeitsplätze abbauen. Die Globalisierung kann aber auch neue<br />

Arbeitsplätze schaffen. Wenn es einem Unternehmen gelingt, in einem<br />

an<strong>der</strong>en Land Fuss zu fassen, eröffnen sich ihm neue Absatzkanäle. Es kann<br />

seine Produktion steigern und neue Mitarbeitende anstellen.<br />

48


2.1.3 Auswirkungen auf die Logistik<br />

Die Pfeiler <strong>der</strong> Globalisierung sind weltweite Beschaffung und Produktion sowie<br />

weltweiter Absatz. Diese weltweiten Tätigkeiten sind durch mo<strong>der</strong>ne<br />

Transportabläufe und Kommunikation möglich.<br />

Dabei werden die Ansprüche von Industrie und Handel immer höher. Industrie<br />

und Handel suchen schnelle und kundenorientierte Logistikprozesse. Um<br />

diesen hohen Anfor<strong>der</strong>ungen gerecht zu werden, werden internationale<br />

Normen und Systeme eingesetzt. Sinnbild dafür sind die ISO-Container, mit<br />

denen ein wachsen<strong>der</strong> Teil <strong>der</strong> Gütertransporte abgewickelt wird.<br />

2.1.4 Auswirkungen auf die Politik<br />

Nicht nur aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung haben sich die politischen Systeme von<br />

verschiedenen Län<strong>der</strong>n angeglichen. Heutzutage sind viele Län<strong>der</strong><br />

Demokratien und/o<strong>der</strong> haben eine liberalistische Wirtschaftsform.<br />

Entsprechend werden gleiche Ziele verfolgt, was eine günstige Voraussetzung<br />

ist für Freihandel und die Entstehung internationaler Zusammenschlüsse. Durch<br />

den gemeinsamen Handel entstehen unter den Nationen aber auch<br />

Abhängigkeiten. Ausserdem wird die globale Kriminalität ein immer grösseres<br />

Problem, z. B. Drogenhandel o<strong>der</strong> Terrorismus.<br />

2.1.5 Auswirkungen auf die Umwelt<br />

Das Hauptargument gegen die Globalisierung sind ihre ökologischen<br />

Auswirkungen. Die Bevölkerung wächst exponentiell, zudem erhöhen <strong>der</strong><br />

steigende Wohlstand und <strong>der</strong> schnelle Fortschritt in <strong>der</strong> Gesundheitsbranche<br />

die Lebenserwartung <strong>der</strong> Menschen. Um die Bedürfnisse <strong>der</strong> Menschen zu<br />

decken, müssen immer mehr Ressourcen abgebaut, mehr Ware rund um den<br />

49


Globus transportiert werden und mehr Betriebe geschaffen. All dies geschieht<br />

auf Kosten von natürlichen Ressourcen, die ein begrenztes Gut sind.<br />

2.1.6 Auswirkungen Kommunikation<br />

Die Globalisierung hat auch für die Kommunikation Vor- und Nachteile.<br />

Englisch gewinnt als internationale Sprache immer mehr an Bedeutung. Dies<br />

hat zwar den Vorteil, dass man sich mit Menschen von überall auf <strong>der</strong> Welt<br />

unterhalten kann. Es geraten dadurch aber viele alte Sprachen und Akzente<br />

in Vergessenheit. Auch die Digitalisierung, als Teil und Folge <strong>der</strong><br />

Globalisierung, vereinfacht die Kommunikation immens. Durch sie ist die<br />

ganze Welt mit nur einem Mausklick erreichbar. Doch auch dies kann<br />

Nachteile haben. Die berufliche und persönliche Situation sind entscheidende<br />

Faktoren, ob die Globalisierung für jemanden ein Vor- o<strong>der</strong> ein Nachteil ist.<br />

2.1.7 Vor- und Nachteile <strong>der</strong> Globalisierung<br />

Die Globalisierung bestimmt das Leben von uns allen. Sie spielt eine wichtige<br />

Rolle in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sie birgt viele Chancen, aber auch<br />

eine Menge Risiken:<br />

Vorteile<br />

Nachteile<br />

Internationaler Handel und globale<br />

Zusammenarbeit<br />

Schaffung von Arbeitsplätzen<br />

Verteilung des Wohlstands unter den<br />

Län<strong>der</strong>n<br />

Weltwirtschaft wächst stetig<br />

Innovationen sind allen zugänglich<br />

Weites Güterangebot und sinkende<br />

Preise<br />

Bessere Mobilität von Gütern und<br />

Personen<br />

Kommunikation mit Personen auf <strong>der</strong><br />

ganzen Welt<br />

Belastung <strong>der</strong> Umwelt<br />

Ausbeutung von Arbeitskräften (vor<br />

allem in Billiglohnlän<strong>der</strong>n)<br />

Ungerechte Verteilung des<br />

Wohlstandes und Vergrösserung <strong>der</strong><br />

Disparitäten<br />

Konkurrenzkampf um Konzerne<br />

Abhängigkeit von an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n<br />

Umzug von Unternehmen ins Ausland<br />

Verschärfung <strong>der</strong> globalen<br />

Kriminalität<br />

Internationale Probleme und Krisen<br />

50


Kulturen wachsen zusammen<br />

Verlust von Kulturen<br />

2.2 Logistik<br />

Wie in Modul 101 erklärt, wurde <strong>der</strong> Begriff Logistik erstmals im Jahr 1955 in<br />

den USA und im Jahr 1960 im europäischen Raum im wirtschaftlichen Sinne<br />

angewandt. Von da an wurde <strong>der</strong> Begriff "Logistik" für zahlreiche Bereiche<br />

angewendet. In <strong>der</strong> heutigen Zeit beschäftigt man sich mit <strong>der</strong> Frage: Was ist<br />

nicht mehr Logistik?<br />

2.2.1 Der Begriff <strong>der</strong> Logistik<br />

Der Begriff "Logistik" wurde mit den Jahren immer wie<strong>der</strong> neu und<br />

umfassen<strong>der</strong> definiert. Früher verstand man unter dem Begriff:<br />

"Das Verteilen von Gütern"<br />

Eine weitere Definition aus den vergangenen Jahren:<br />

"Die Logistik plant, gestaltet und kontrolliert den Materialfluss von <strong>der</strong><br />

Beschaffung über die Verteilung bis zur Entsorgung von Gütern mit allen<br />

dazu gehörigen Informationen."<br />

Heute wird <strong>der</strong> Begriff Logistik wesentlich umfassen<strong>der</strong> definiert:<br />

"Planen, Ausführen und Kontrolle von Material-, Informations-, Werte-,<br />

Personen- und Energieflüssen. Es gilt eine gewisse Menge in einer<br />

bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort zu schaffen. Teildisziplinen sind z. B.<br />

Beschaffungs-, Lager-, Transport-, Produktions-, Distributions- und<br />

Entsorgungslogistik."<br />

Quelle: www.grin.com<br />

Diese Definition enthält nebst den Bereichen Beschaffung, Produktion,<br />

Lagerung, Transport/Verteilung und Entsorgung auch die Faktoren Zeit und<br />

Effizienz.<br />

51


Lagerlogistik<br />

Die Standortwahl des Lagers, die Gestaltung des idealen Lagersystems, die<br />

Lagertechnik sowie die Lagerorganisation bestehen aus logistischen<br />

Massnahmen, die geplant, durchgeführt und kontrolliert werden müssen. Des<br />

Weiteren gehört auch <strong>der</strong> Betrieb eines Lagers zur Lagerlogistik.<br />

Transportlogistik<br />

Die Transportlogistik umfasst einerseits den physischen Transport von Gütern<br />

via Strasse, Luft und Wasser von einem Ort zum an<strong>der</strong>en. An<strong>der</strong>erseits<br />

gehören dazu auch die mit dem Transport einhergehenden Aufgaben wie<br />

die Bereitstellung von Frachtbriefen, Kalkulation <strong>der</strong> Transportzeit sowie<br />

Planung des Einsatzes von Transportmitteln, Technik und Arbeitskraft.<br />

Intralogistik<br />

Die Intralogistik bildet in <strong>der</strong> Regel die kompletten logistischen Prozesse an<br />

einem bestimmten Standort ab; dabei kann es sich sowohl um ein<br />

produzierendes Unternehmen als auch um ein Distributionszentrum handeln.<br />

Somit umfasst die Intralogistik je nach Kontext die Produktionslogistik, die<br />

Lagerlogistik, die Verpackungslogistik und die Distributionslogistik. Die<br />

gesamten Materialflüsse innerhalb eines Standorts bilden den Kern <strong>der</strong><br />

Intralogistik.<br />

Verpackungslogistik<br />

Die Verpackungslogistik beinhaltet die Verfügbarmachung sowie Entsorgung<br />

des Verpackungsmaterials und die Auswahl desselben in Bezug auf<br />

verschieden Kriterien: Kostenersparnis, Qualitätssicherung des Transportguts,<br />

Aufrechterhaltung einer Kühlkette, Umweltverträglichkeit. Durch die<br />

Einführung von Technologien wie RFID (?? Modul 801) ist <strong>der</strong><br />

Verpackungslogistik eine noch grössere Bedeutung zugekommen. Denn die<br />

neuen Technologien ermöglichen, mit <strong>der</strong> Verpackung nicht nur Waren zu<br />

transportieren, son<strong>der</strong>n auch Informationen zu übermitteln o<strong>der</strong> zu<br />

generieren. Dadurch ergibt sich eine Schnittmenge mit<br />

<strong>der</strong> Informationslogistik.<br />

52


Informationslogistik<br />

Die Logistik ist angewiesen auf Echtzeit-Informationen. Informationen müssen<br />

entsprechend des Materialflusses bzw. des Warentransports zur Verfügung<br />

gestellt werden. Der aktuelle Standort und <strong>der</strong> Zustand <strong>der</strong> Ware sollen zu<br />

je<strong>der</strong> Zeit an die richtige Person übermittelt werden können. Dafür braucht es<br />

auch eine strategische Planung und die Entwicklung aller<br />

Informationssysteme, die für den Austausch von Informationen und für die<br />

Abwicklung von Geschäftsprozessen notwendig sind. Hier kommt<br />

beispielsweise die Blockchain-Technologie zur Anwendung. Die<br />

Blockchain ist eine Technologie, die sichere, nicht manipulierbare<br />

Transaktionen im Netz ermöglicht. Sie wird im Supply Chain Management<br />

eingesetzt und gehört zum Teilbereich <strong>der</strong> Informationslogistik.<br />

Filiallogistik<br />

Unter Filiallogistik versteht man die regelmässige Belieferung von Filialen einer<br />

Handelskette. Insbeson<strong>der</strong>e im Lebensmitteleinzelhandel gibt es Tausende<br />

von schnelldrehenden Artikeln, die speziellen Anfor<strong>der</strong>ungen unterliegen, zum<br />

Beispiel bei <strong>der</strong> Anlieferung, <strong>der</strong> Lagerhaltung, <strong>der</strong> Abstellung von<br />

Mitarbeitern und dem Auffüllen von Regalen.<br />

Letzte-Meile-Logistik<br />

Im Versandhandel und im E-Commerce stellt die "Letzte Meile", also <strong>der</strong> Weg<br />

vom Verteilzentrum des Versanddienstleisters zur Lieferadresse des<br />

Endkunden, den teuersten, aufwändigsten und komplexesten Teil des<br />

gesamten Transportwegs dar. Die Zustellung auf <strong>der</strong> letzten Meile ist einerseits<br />

aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine logistische Herausfor<strong>der</strong>ung.<br />

An<strong>der</strong>erseits gibt es Herausfor<strong>der</strong>ungen aufgrund des erhöhten<br />

Verkehrsaufkommens innerhalb von Ortschaften und in Bezug auf<br />

umweltfreundlichere Lösungen. Z. B. sind mögliche Alternativen für Liefer- und<br />

Lastwagen in <strong>der</strong> Letzte-Meile-Logistik Lastenfahrrä<strong>der</strong>, Paketstationen o<strong>der</strong><br />

Microdepots in Innenstädten.<br />

2.3 Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />

Die Vielfalt <strong>der</strong> Aufgaben innerhalb <strong>der</strong> Logistikkette ist gross. Deshalb haben<br />

sich viele Betriebe auf bestimmte Aufgabengebiete spezialisiert. Die<br />

Mitarbeitenden besitzen für die Ausübung <strong>der</strong> vorgesehenen Funktionen die<br />

53


ichtigen Fähigkeiten. Das Unternehmen verfügt über die geeigneten<br />

Einrichtungen und das organisatorische Know-how. Jedes Unternehmen<br />

besitzt also Kernkompetenzen für bestimmte Aufgaben. Grosse Unternehmen<br />

schliessen sich mit Partnern zusammen, um den Kunden mehrere<br />

Logistikbereiche o<strong>der</strong> logistische Gesamtlösungen anbieten zu können.<br />

Damit die ursprünglichen Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik erreicht werden, ist<br />

eine funktionierende Prozesskette zentral. Die Prozesskette wird wie folgt<br />

aufgezeichnet:<br />

Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />

Jede Schnittstelle zu einem o<strong>der</strong> mehreren Partnern bedeutet eine grosse<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung. Qualität und Kundenorientierung müssen einheitlich<br />

verstanden werden.<br />

?? Merke: Die Prozesskette <strong>der</strong> Logistik kann oft nur in Zusammenarbeit mit<br />

einem Partner ausgeführt werden. Jede Schnittstelle kann auch eine<br />

Fehlerquelle sein.<br />

2.4 Supply Chain Management (SCM)<br />

Heute wird die Logistik in Verbindung gebracht mit dem englischen Begriff<br />

"Supply Chain Management". In <strong>der</strong> deutschen Übersetzung spricht man von<br />

einer Versorgungs-, Liefer- und Wertschöpfungskette. Diese kann wie folgt<br />

definiert werden:<br />

54


"Supply Chain Management (SCM) bzw. Lieferkettenmanagement, auch<br />

Wertschöpfungslehre genannt, bezeichnet die Planung und das<br />

Management (Verwalten) aller Aufgaben bei Lieferantenwahl, Beschaffung<br />

und Umwandlung sowie aller Bereiche <strong>der</strong> Logistik. Insbeson<strong>der</strong>e enthält es<br />

die Koordinierung und Zusammenarbeit <strong>der</strong> beteiligten Partner (Lieferanten,<br />

Händler, Logistikdienstleister, Kunden)."<br />

Der Begriff "Supply Chain Management" lässt sich nicht ohne weiteres vom<br />

Begriff "Logistik" abgrenzen. Der neue, englische Begriff wird aber nicht<br />

verwendet, um den etwas abgedroschenen Begriff "Logistik" zu ersetzen.<br />

Fachleute fassen den Begriff "Supply Chain" weiter und ordnen ihm die<br />

gesamte Wertschöpfungskette zu, nicht nur die Logistik.<br />

Am Anfang <strong>der</strong> Wertschöpfungskette stehen die Verhandlungen mit einem<br />

Lieferanten über den Preis und die Lieferkonditionen. Erst danach beginnt <strong>der</strong><br />

Prozess für die Logistiker, welche die Ware verpacken, transportieren, lagern,<br />

verteilen und irgendwann entsorgen. An<strong>der</strong>s formuliert beinhaltet <strong>der</strong> Begriff<br />

<strong>der</strong> Prozesskette die Aufgaben vom optimalen Güter- und Informationsfluss.<br />

SCM beinhaltet zusätzlich den optimalen Wertefluss und den direkten<br />

Kundenkontakt.<br />

55


Supply Chain Management - grafisch dargestellt<br />

Supply Chain Management<br />

Das Aufgabengebiet hat sich mit dem Supply Chain Management noch<br />

einmal vergrössert. Zur Aufgabe, das Produkt gemäss Anfor<strong>der</strong>ung an den<br />

Güterstrom zu liefern, kommen das Kunden- und Finanzmanagement hinzu.<br />

56


Modul 103_Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />

Ausgangslage<br />

Die Logistik hat sich in den vergangenen Jahren laufend verän<strong>der</strong>t. Die<br />

Digitalisierung und die Globalisierung haben Anpassungen verlangt. Die<br />

Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik sind dennoch sehr ähnlich geblieben, wenn<br />

nicht sogar gleich. Am Ende wird die Logistik durch den Kunden an ganz<br />

einfachen Kriterien gemessen.<br />

Ein Beispiel: Du hast soeben die neueste Spielkonsole bei einem Warenhaus<br />

online bestellt. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit du die Logistik in <strong>der</strong><br />

Lieferung als gut bewertest?<br />

-<br />

-<br />

-<br />

Besprich deine Kriterien mit einer zweiten Person. Ist die Meinung gleich?<br />

57


Fachartikel Modul 103<br />

3. Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />

Wir leben in einer Zeit, in <strong>der</strong> die Geschäftsprozesse effizient organisiert<br />

werden müssen, um dem Marktwachstum und den Kundenbedürfnissen<br />

gerecht zu werden. Entsprechend ist <strong>der</strong> Begriff Logistik sehr populär<br />

geworden. Früher wurden Lieferungen und Einzelhandelskäufe persönlich<br />

o<strong>der</strong> über Kanäle wie Fax, Telefon und Einschreiben getätigt. Die Technologie<br />

und die digitale Welt machen es heutzutage möglich, mit einem einzigen<br />

Mausklick einzukaufen. Die Unternehmen kommunizieren mit Hilfe von<br />

hochentwickelter Software miteinan<strong>der</strong>.<br />

Das Marketing nimmt eine neue Gestalt an. Geschäftsprozesse (betriebliche,<br />

organisatorische, verwaltungstechnische) werden unter strategischen<br />

Gesichtspunkten geplant. Die Strategie zielt darauf ab, die Kommunikation<br />

zwischen den Bereichen innerhalb des Unternehmens zu optimieren o<strong>der</strong><br />

zwischen internen und externen Parteien. Dadurch sollen die Produktion und<br />

<strong>der</strong> Vertrieb verbessert werden. Die Taktik dient dazu, plötzliche<br />

Verän<strong>der</strong>ungen auf dem Markt aufzugreifen, damit das Unternehmen<br />

angemessen darauf reagieren kann.<br />

Die Ressourcen werden optimiert, um die Kosten zu senken und gleichzeitig<br />

die Gewinne zu steigern. Das Unternehmen wird zu einer Organisation von<br />

Vermögenswerten und Kapital. Die Organisation wird bis ins kleinste Detail<br />

verwaltet, um das Geschäft erfolgreich zu machen.<br />

Nach den Grundsätzen <strong>der</strong> Betriebswirtschaftslehre erzielt ein Unternehmen<br />

dann Gewinne, wenn es wirksam und effizient arbeitet:<br />

• Wirksamkeit ist die Fähigkeit einer Einrichtung, die gesetzten Ziele innerhalb<br />

des festgelegten Zeitrahmens zu erreichen,<br />

• Effizienz ist die Erreichung von Zielen ohne Verschwendung von Ressourcen.<br />

Logistik ist die Gesamtheit <strong>der</strong> organisatorischen, verwaltungstechnischen und<br />

strategischen Tätigkeiten, die den Material- und damit zusammenhängenden<br />

Informationsfluss im Unternehmen regeln; vom Ursprung bei den Lieferanten<br />

bis zur Lieferung <strong>der</strong> fertigen Produkte an die Kunden und den Kundendienst.<br />

Mit an<strong>der</strong>en Worten: Die Unternehmenslogistik ist ein spezifischer Teil <strong>der</strong><br />

Lieferkette, dessen Aufgabe es ist, die Aktivitäten des Unternehmens und<br />

58


seine Beziehungen zur Aussenwelt zu optimieren, indem die Ressourcen<br />

optimiert und die Prozesse effektiv und effizient gestaltet werden.<br />

Zielsetzungen <strong>der</strong> Logistik<br />

Zielsetzung <strong>der</strong> Logistik<br />

Die wichtigsten Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik sind die Beschaffung von Material und<br />

Produktionsressourcen einschliesslich Humankapital, die Umwandlung von<br />

Ressourcen in Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen und <strong>der</strong> Vertrieb von Produkten<br />

o<strong>der</strong> Dienstleistungen auf dem Markt.<br />

3.1 Definition <strong>der</strong> Logistik<br />

Auch wenn <strong>der</strong> Begriff <strong>der</strong> Logistik leicht zu interpretieren ist, bietet die Society<br />

Of Logistic Engineers (S.O.L.E.) eine weitere Definition:<br />

"Logistik ist die Kunst und Wissenschaft <strong>der</strong> Organisation, Planung und<br />

technischen Tätigkeit in Bezug auf die Anfor<strong>der</strong>ungen, die Definition, die<br />

59


Versorgung und die Ressourcen, die zur Unterstützung von Zielen, Plänen und<br />

Operationen erfor<strong>der</strong>lich sind."<br />

Quelle: http://www.sole.org/<br />

3.2 Vereinfachte Darstellung <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />

Über die Jahre gab es in <strong>der</strong> Logistik verschiedene Definitionen von Aufgaben<br />

und Zielen, die erreicht werden sollen. Die Definitionen haben sich entwickelt<br />

und wurden immer umfangreicher.<br />

3.2.1 Ziel<br />

Das Ziel <strong>der</strong> Logistik lässt sich aus <strong>der</strong> Begriffsdefinition ableiten:<br />

Das Ziel <strong>der</strong> Logistik ist, den bestmöglichen Güter- und Datenfluss zu<br />

gewährleisten.<br />

3.2.2 Aufgaben<br />

Das anspruchsvolle Ziel kann die Logistik nur mit einer qualitativ hochwertigen<br />

Leistung erreichen, das heisst, sie muss folgende "R-Aufgaben" erfüllen:<br />

6R-Definition nach Prof. Jünemann:<br />

• Richtige Güter<br />

• Richtige Menge<br />

• Richtige Qualität<br />

• Richtige Zeit<br />

• Richtiger Ort<br />

• Richtige Kosten<br />

Zwei weitere "R" sind dazugekommen und gewinnen an Bedeutung:<br />

60


• Richtige Informationen<br />

• Richtige Kunden<br />

In <strong>der</strong> Logistik geht es also darum, Güter verfügbar zu machen. Die 6R zeigen,<br />

welche Aspekte einbezogen werden müssen, damit eine logistische Aufgabe<br />

erfolgreich ausgeführt werden kann.<br />

Die Entwicklung einer Logistik-Definition<br />

Jahrelang lag <strong>der</strong> Fokus <strong>der</strong> Logistik auf 4R, nämlich dem richtigen Produkt in<br />

<strong>der</strong> richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mittlerweile sind die<br />

Menge und die Kosten dazugekommen, um <strong>der</strong> reduzierten Fertigungstiefe<br />

gerecht zu werden (z. B. bei einer Just-in-Time-Produktion, ?? Modul 504). So<br />

haben sich die 6R als Kernelemente <strong>der</strong> Logistik etabliert.<br />

Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Heute wird auch von 7R (6R<br />

plus die richtige Information) o<strong>der</strong> 8R (6R plus die richtige Information und <strong>der</strong><br />

richtige Kunde) gesprochen. Von diesen Erweiterungen ist die Rede, weil die<br />

Steuerung und Bedeutung <strong>der</strong> logistischen Prozesse sowohl in <strong>der</strong> industriellen<br />

Fertigung als auch gesamtgesellschaftlich zunehmen.<br />

61


Modul 104_Warenfluss<br />

Ausgangslage<br />

Der Warenfluss (auch Güterfluss genannt) bezeichnet den Weg, den ein<br />

Produkt geht. Dieser Weg sollte möglichst übersichtlich, einfach und klar sein.<br />

62


Fachartikel Modul 104<br />

4. Warenfluss<br />

Im Modul 102 wurden die Begriffe Logistikprozess und Supply Chain<br />

Management (SCM) vertieft. Die Begriffe sind sich ähnlich und verfolgen eine<br />

ähnliche Zielsetzung. Ziele sind u. a. <strong>der</strong> optimale Warenfluss und die<br />

optimalen Güterströme. Damit diese Zielsetzung erreicht werden kann, muss<br />

<strong>der</strong> Warenfluss bekannt sein und optimal gestaltet werden. Allenfalls braucht<br />

es bei <strong>der</strong> Ausgestaltung eines Warenflusses Unterstützung durch einen<br />

Partner.<br />

Der Warenfluss innerhalb <strong>der</strong> Prozesskette <strong>der</strong> Logistik:<br />

Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />

4.1 Beschaffung<br />

Die Beschaffung von Gütern ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, für welche<br />

die sogenannten Einkäufer zuständig sind. Einkäufer sind ausgebildete<br />

Fachkräfte, die nach den Gütern mit dem bestmöglichen Preis/Leistungs-<br />

Verhältnis suchen und mit den Lieferanten die Lieferbedingungen und -<br />

verträge aushandeln. Einkäufer sind dafür verantwortlich, dass ihren<br />

Unternehmen immer die richtigen Güter in hoher Qualität möglichst<br />

kostengünstig zur Verfügung stehen.<br />

63


Die Globalisierung und die neuen digitalen Möglichkeiten haben die<br />

Beschaffung zu einer grossen Herausfor<strong>der</strong>ung gemacht. Es ist nicht<br />

aussergewöhnlich, dass Lieferanten in an<strong>der</strong>en Zeitzonen o<strong>der</strong><br />

Sprachregionen sind.<br />

4.2 Produktion<br />

Die industrielle Produktion bedingt den Einsatz von Maschinen. Weil <strong>der</strong>en<br />

Anschaffung teuer ist, sollten sie voll ausgelastet werden. Das erfor<strong>der</strong>t eine<br />

genaue Planung und Steuerung des gesamten Produktionsprozesses. Die<br />

Maschinen müssen mit Rohstoffen "gefüttert" werden und das Hergestellte<br />

muss abtransportiert werden.<br />

Für die Produktionslogistik ist es eine grosse Herausfor<strong>der</strong>ung, die richtige<br />

Menge für den Produktionsprozess zu finden. Zu grosse Mengen können zu<br />

64


einer Überproduktion (Verstopfung) führen. Die Produktion von zu kleinen<br />

Mengen ist hingegen finanziell nicht interessant.<br />

4.3 Verteilung (Distribution)<br />

Die Verteilung <strong>der</strong> Güter vom Produzenten zum Endverbraucher nennt man<br />

Distribution. Sie ist auf verschiedene Arten möglich. Zum Beispiel verteilt die<br />

Post die adressierten Sendungen bis zum Adressaten, also bis zum<br />

Endverbraucher. Dies gilt auch für an<strong>der</strong>e Paket- und Service-Unternehmen.<br />

Beim Detailhandel hingegen werden nicht die Kunden direkt beliefert,<br />

son<strong>der</strong>n die Verkaufsstellen. Dort kann sich <strong>der</strong> Kunde die gewünschte Ware<br />

besorgen und diese mit nach Hause nehmen. Die Entwicklung im<br />

Strassentransport führt ständig zu neuen Herausfor<strong>der</strong>ungen.<br />

4.4 Entsorgung<br />

Die Entsorgung von Reststoffen ist <strong>der</strong> letzte Bereich in <strong>der</strong> Logistikkette. Nach<br />

Möglichkeit sollten Reststoffe <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung zugeführt werden, dem<br />

sogenannten Recycling. Die nicht wie<strong>der</strong>verwertbaren Stoffe werden in <strong>der</strong><br />

Regel verbrannt.<br />

65


Logistikbetriebe befassen sich täglich mit <strong>der</strong> fachgerechten Entsorgung von<br />

Reststoffen. Dies sind zum Beispiel Verpackungsmaterialien o<strong>der</strong> verbrauchte<br />

Gegenstände. Ein beson<strong>der</strong>es Augenmerk ist auf die Schadstoffe zu richten,<br />

die bei <strong>der</strong> Entsorgung vieler Produkte des täglichen Bedarfs anfallen.<br />

4.5 TUL-Prozesse<br />

Die unterstützenden Prozesse innerhalb des SCM werden TUL-Prozesse<br />

(Transport-, Umschlags- und Lagerprozesse) genannt. Der Unterschied zu den<br />

vorgängig beschriebenen Prozessen besteht darin, dass die TUL-Prozesse<br />

innerhalb und zwischen den Bereichen eine unterstützende Funktion<br />

wahrnehmen.<br />

4.5.1 TUL - Der Transport<br />

Güter können über verschiedene Verkehrsträger transportiert werden: Strasse,<br />

Schiene, Wasser und Luft. Je nach Verkehrsträger kommen an<strong>der</strong>e<br />

Transportmittel in Frage. Die Wahl des Verkehrsträgers und damit des<br />

Transportmittels erfolgt in <strong>der</strong> Regel nach den Kriterien Preis, Sicherheit,<br />

Geschwindigkeit und Effizienz. Mit <strong>der</strong> massiven Zunahme <strong>der</strong> Gütertransporte<br />

in den letzten Jahren haben zudem die ökologischen Kriterien<br />

(Umweltverträglichkeit) an Bedeutung gewonnen.<br />

66


4.5.2 TUL - Der Umschlag<br />

Wenn Güter entgegengenommen o<strong>der</strong> von einem Verkehrsmittel auf ein<br />

an<strong>der</strong>es umgeladen werden, spricht man von Güterumschlag.<br />

Güterumschlag heisst: Güter werden entladen, zwischengelagert und wie<strong>der</strong><br />

verladen.<br />

4.5.3 TUL - Die Lagerung<br />

Die fachgerechte Lagerung von Gütern ist eine zentrale Aufgabe innerhalb<br />

<strong>der</strong> Logistikkette. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Lagerarten und Systeme.<br />

Jedes Lager hat seinen ganz speziellen Charakter. Lagerform und technische<br />

Einrichtungen richten sich nach den Lagergütern und <strong>der</strong> Lagerdauer.<br />

67


4.6 Der Warenfluss als Dienstleister vers. Produzent<br />

Der Warenfluss kann unterschiedlich aussehen. Die richtige Reihenfolge ergibt<br />

sich aus <strong>der</strong> zu erfüllenden Aufgabe. Die Unterschiede werden ersichtlich,<br />

wenn man einen einfachen Warenfluss eines Dienstleisters und eines<br />

Produzenten vergleicht:<br />

4.6.1 Warenfluss Dienstleister<br />

Der Dienstleister kauft seine Güter ein und verkauft sie wie<strong>der</strong>. Er ist darauf<br />

spezialisiert, die richtigen Güter einzukaufen, sie werthaltend zu lagern und an<br />

den richtigen Kunden zu verkaufen.<br />

68


4.6.2 Warenfluss Produzent<br />

Im Gegensatz zum Dienstleister verän<strong>der</strong>t <strong>der</strong> Produzent das Produkt<br />

innerhalb des Warenflusses. Deshalb gehören zu seinen Aufgabenbereichen<br />

auch das Montieren o<strong>der</strong> das Produzieren. Das Produkt verän<strong>der</strong>t sich von<br />

einem Rohstoff o<strong>der</strong> einem Halbfabrikat im Wareneingang zu einem<br />

Halbfabrikat o<strong>der</strong> einem Fertigprodukt im Warenausgang.<br />

?? Merke: Ein Warenfluss ist sehr unternehmensspezifisch. Entsprechend gibt es eine<br />

grosse Vielfalt an Darstellungen und verwendeten Begriffen.<br />

4.7 Logistikgrössen<br />

Logistik braucht es dann, wenn Lieferanten etwas verkaufen und Kunden<br />

etwas kaufen wollen. Lieferanten sind Unternehmen, die Rohmaterial,<br />

Halbfabrikate o<strong>der</strong> Fertigfabrikate gegen Bezahlung liefern. Kunden sind<br />

Abnehmer dieser Güter, die dafür bezahlen. Selten ist ein Unternehmen nur<br />

Lieferant o<strong>der</strong> nur Kunde; die meisten sind beides. Bei genauer Betrachtung<br />

findet sich überall eine Art <strong>der</strong> Logistik, grosse und kleine, einfache und<br />

komplizierte. Auch ein Privathaushalt ist eigentlich eine Logistik, denn auch<br />

hier muss die Versorgung mit Alltagsgütern und die Entsorgung <strong>der</strong> Abfälle<br />

organisiert werden, und auch hier klappt das nur mit einer funktionierenden<br />

Kommunikation.<br />

69


Für die Einteilung <strong>der</strong> Logistik in verschiedene Grössen gibt es mehrere<br />

Fachbegriffe:<br />

1. Hersteller von Flurför<strong>der</strong>zeugen sprechen von einer Intralogistik. Dabei handelt<br />

es sich um eine interne Logistik vom Wareneingang bis zum Warenausgang.<br />

Diese Grösse <strong>der</strong> Logistik ist auch unter den Begriffen innerbetriebliche Logistik<br />

o<strong>der</strong> Mikrologistik bekannt.<br />

2. Entsteht eine Logistik zwischen mindestens zwei Unternehmen, wird diese<br />

unternehmensübergreifende Logistik o<strong>der</strong> Metalogistik genannt.<br />

3. Die Makrologistik o<strong>der</strong> die weltweite Logistik bezeichnen internationale o<strong>der</strong><br />

auch interkontinentale Güterbewegungen zwischen zwei Unternehmen.<br />

70


Modul 105_Güter<br />

Ausgangslage<br />

Der Warenfluss ist <strong>der</strong> Weg, den die Güter durchlaufen. Er wird beeinflusst vom<br />

Gut resp. dem Gegenstand, <strong>der</strong> transportiert wird. Aufgrund <strong>der</strong> Vielzahl<br />

unterschiedlicher Güter in <strong>der</strong> Logistik gibt es eine Vielzahl von<br />

unterschiedlichen Warenflüssen.<br />

Produkt:<br />

1. Notiere den Namen von einem Produkt aus deinem Lehrbetrieb,<br />

das beson<strong>der</strong>s einfach zu bearbeiten o<strong>der</strong> verarbeiten ist - ein<br />

Gegenstand, bei dem im Handling keine grösseren<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen bestehen. Notiere zudem, weshalb dieser<br />

Gegenstand keine grössere Herausfor<strong>der</strong>ung ist und begründe<br />

deine Wahl.<br />

Begründung:<br />

Produkt:<br />

2. Nicht alle Produkte sind einfach in <strong>der</strong> Handhabung. Oft<br />

werden Gegenstände transportiert, welche Logistiker und<br />

Logistikerinnen herausfor<strong>der</strong>n. Notiere einen Gegenstand aus<br />

deinem Lehrbetrieb, <strong>der</strong> die Logistik herausfor<strong>der</strong>t und<br />

begründe deine Wahl.<br />

Begründung:<br />

Produkt:<br />

3. Sprich dich mit deinem Pultnachbar, deiner Pultnachbarin ab.<br />

Was für Antworten hat er/sie notiert? Notiere das Produkt des<br />

Pultnachbars, <strong>der</strong> Pultnachbarin und schreibe Gründe auf,<br />

weshalb dieses die Logistik vor Herausfor<strong>der</strong>ungen stellt.<br />

Begründung:<br />

71


Fachartikel Modul 105<br />

5. Güter<br />

Der Begriff "Güter" bezeichnet die physischen Gegenstände, mit denen<br />

Logistik betrieben wird. Güter werden auch Artikel, Waren o<strong>der</strong> Produkte<br />

genannt. Der Umgang mit <strong>der</strong> grossen Vielfalt an Gütern ist die grösste<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Logistik. Einige Beispiele für Güter mit speziellen<br />

Eigenschaften:<br />

Mini-Schrauben ab<br />

0.6mm<br />

Traktoren-Pneu 2.32 m<br />

Durchmesser<br />

Unter Druck stehende<br />

Gasflaschen<br />

5.1 Eigenschaften und Handhabung von Gütern<br />

Alle Güter haben spezifische Eigenschaften, die bei <strong>der</strong> Handhabung zu<br />

berücksichtigen sind. Äpfel sind zum Beispiel von Natur aus ver<strong>der</strong>blich, druckund<br />

temperaturempfindlich. Weil Druckstellen ihr Ver<strong>der</strong>ben beschleunigen,<br />

erfor<strong>der</strong>n Äpfel eine beson<strong>der</strong>s schonende Handhabung. Technische<br />

Hilfsmittel, die bei <strong>der</strong> Handhabung von Äpfeln eingesetzt werden, müssen so<br />

konstruiert sein, dass sie ihnen nicht schaden. An<strong>der</strong>e Güter erfor<strong>der</strong>n an<strong>der</strong>e<br />

technische Hilfsmittel.<br />

72


Bei <strong>der</strong> Auswahl <strong>der</strong> Hilfsmittel sind folgende Gütereigenschaften zu<br />

berücksichtigen:<br />

• Abmessung, Volumen<br />

• Dichte (spezifisches Gewicht)<br />

• Aggregatzustand (gasförmig, flüssig, fest)<br />

• Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />

• Zerbrechlichkeit<br />

• Stapelbarkeit<br />

• Wert (diebstahlsichere Lagerung)<br />

Die Anfor<strong>der</strong>ungen an eine sorgfältige Handhabung <strong>der</strong> Güter sind fast so<br />

zahlreich wie die Güter selbst. Jede Branche hat eigene Bestimmungen für<br />

den Umgang mit ihren Gütern.<br />

5.2 Verarbeitungsgrad<br />

Im Verlaufe des Produktionsprozesses durchlaufen die meisten Güter mehrere<br />

Verarbeitungsstufen. Bei je<strong>der</strong> Verarbeitungsstufe können an<strong>der</strong>e<br />

Eigenschaften zu berücksichtigen sein. Je nach Verarbeitungsgrad werden<br />

die Güter in Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate eingeteilt.<br />

5.2.1 Rohstoffe<br />

Rohstoffe sind unbearbeitete Güter. Die sogenannten "Primären Rohstoffe"<br />

stammen direkt aus <strong>der</strong> Natur, wie zum Beispiel die Bodenschätze Eisenerz,<br />

Erdöl und Kohle. Auch Holz, Sand, Wasser usw. können als Rohstoffe genutzt<br />

werden. "Sekundäre Rohstoffe" sind jene Rohstoffe, die man aus Abfällen<br />

(Recycling) wie<strong>der</strong>gewonnen hat.<br />

Sandabbau in Indonesien = Primärer<br />

Rohstoff<br />

PET Recycling = Sekundärer<br />

Rohstoff<br />

73


5.2.2 Halbfabrikate<br />

Halbfabrikate sind Rohstoffe, die soweit bearbeitet worden sind, dass sie<br />

weiterverwendet werden können (z. B. Stahl und Holzbretter). Auch das Mehl<br />

zum Brotbacken ist ein Halbfabrikat, gewonnen aus dem Rohstoff Getreide.<br />

Auch Salz ist im Grunde genommen ein Rohstoff. Das im Brot verwendete<br />

Haushaltsalz ist jedoch ein Halbfabrikat o<strong>der</strong> gar ein Fertigprodukt, denn es<br />

wurde gereinigt, allenfalls mit Fluor versetzt und abgepackt. Auch<br />

elektronische Bauteile sind Halbfabrikate, weil es verschiedene davon<br />

braucht, damit ein funktionierendes Gerät zusammengebaut werden kann.<br />

Bretter aus Fichte<br />

5.2.3 Fertigwaren<br />

Als Fertigwaren werden jene Produkte bezeichnet, die keine weitere<br />

Verarbeitungsstufe mehr benötigen, damit sie dem Endverbraucher dienen<br />

können. Es gibt sie in einer riesigen Auswahl, vom einfachen Brot bis zur<br />

hochkomplizierten Maschine. Heutzutage sind auch viele Güter des täglichen<br />

Bedarfs Fertigprodukte, zum Beispiel die Tiefkühlpizza.<br />

Beispiel eines Fertigproduktes: Der Fernseher<br />

74


5.2.4 Verarbeitungsgrad beurteilen<br />

Je nach Betrachter kann die Wahrnehmung des Verarbeitungsgrads eines<br />

Produktes unterschiedlich sein.<br />

Wenn man das Ziel hat, Apfelsaft zu erstellen, beurteilt man den Apfel als<br />

Rohstoff. Was aber, wenn <strong>der</strong> Apfel direkt vom Baum gepflückt und gegessen<br />

wird? Dann kann das Produkt als Fertigware bezeichnet werden.<br />

Merke: Der Verarbeitungsgrad kann je nach Sicht des Betrachters<br />

unterschiedlich sein.<br />

5.3 Kriterien für die Lagerfähigkeit von Gütern<br />

Die Eigenschaften eines Gutes sind für die Lagerung von grundsätzlicher<br />

Bedeutung. Die Wahl des Lagerortes wird im Wesentlichen von drei Kriterien<br />

bestimmt:<br />

• Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />

• Gefährlichkeit<br />

• Handhabung<br />

Ver<strong>der</strong>blichkeit Gefährlichkeit Handhabung<br />

75


Unter Umständen müssen bei <strong>der</strong> Wahl des Lagerortes mehrere Eigenschaften<br />

gleichzeitig berücksichtigt werden. Gefährliche Güter können zum Beispiel<br />

ebenfalls ver<strong>der</strong>blich sein.<br />

5.4 Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />

Lagergüter können durch eine Vielzahl von Einflüssen ver<strong>der</strong>ben. Äussere<br />

Einflüsse führen zu einer spontanen Schädigung o<strong>der</strong> langsamen Zerstörung<br />

des Lagerguts. Typische spontane Einflüsse sind:<br />

• mechanische Einflüsse (Stoss, Fall, Druck)<br />

• Hitze<br />

• Kälte<br />

• Nässe<br />

• elektrostatische Entladung (ESD)<br />

Spontane Beschädigungen geschehen meistens nicht während <strong>der</strong><br />

Lagerung, son<strong>der</strong>n bei <strong>der</strong> Annahme, <strong>der</strong> Kontrolle, während des<br />

innerbetrieblichen Transportes o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Einlagerung. Durch eine sorgfältige<br />

Arbeitsweise lassen sich viele Schäden vermeiden.<br />

5.4.1 Mechanische Einflüsse (Stoss, Fall, Druck)<br />

Vor allem im Verlauf des Transportes sind Güter mechanischen Belastungen<br />

ausgesetzt. Aufgrund <strong>der</strong> Transportbewegung wirken Kräfte auf das Gut ein:<br />

Es kann anstossen, umstürzen o<strong>der</strong> abstürzen. Durch geeignete<br />

Sicherungsmassnahmen können Schäden vermieden werden. Hochwertige<br />

Güter können bereits durch eine zu grosse Neigung beschädigt o<strong>der</strong> zerstört<br />

werden, z. B. eine empfindliche Maschine. Auch die Beschädigung von<br />

Lagergütern durch harte o<strong>der</strong> spitze Gegenstände gilt als mechanischer<br />

Einfluss. Insbeson<strong>der</strong>e mit den Gabelzinken von Staplern werden immer<br />

wie<strong>der</strong> Schäden angerichtet.<br />

5.4.2 Hitze<br />

Temperaturempfindliche Güter können durch Hitze rasch zerstört werden.<br />

Je<strong>der</strong> und jede kennt es: Das Softeis zerfliesst in <strong>der</strong> sommerlichen Wärme so<br />

rasch, dass man mit dem Verzehr kaum nachkommt. Im Lagerbereich kann<br />

Hitzeeinwirkung gravierende Folgen haben. Wenn gekühlte Güter zu lange<br />

einer zu hohen Temperatur ausgesetzt sind bzw. zu wenig gekühlt werden,<br />

können sie unbrauchbar werden. Beispiele dafür sind Milch- o<strong>der</strong><br />

76


Fleischprodukte. Güter, die durch einen Unterbruch in <strong>der</strong> sogenannten<br />

Kühlkette zu warm angeliefert werden, können gar nicht erst angenommen<br />

werden.<br />

5.4.3 Kälte<br />

Ähnlich wie die Hitze kann auch Kälte Schäden anrichten. Gewisse Gemüse<br />

und Südfrüchte, aber auch Blumen vertragen keine Minustemperaturen.<br />

Auch wenn diese Produkte den Minustemperaturen nur kurz ausgesetzt sind,<br />

können Teile davon gefrieren. Der darauf folgende "Gefrierbrand" macht die<br />

Produkte unbrauchbar. Logistikerinnen und Logistiker achten darauf, dass die<br />

Güter immer in dem für sie idealen Temperaturbereich verbleiben und keinen<br />

schädlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden.<br />

5.4.4 Nässe<br />

Die spontane Einwirkung von Feuchtigkeit und Nässe zerstört Lagergüter<br />

rasch. Sie müssen entwe<strong>der</strong> durch die Verpackung geschützt werden o<strong>der</strong><br />

dürfen <strong>der</strong> Feuchtigkeit und Nässe gar nicht ausgesetzt werden. Regen<br />

zerstört Güter ebenso wie eine unabsichtlich ausgelöste Sprinkleranlage.<br />

Vor nässe schützen<br />

5.4.5 Elektrostatische Entladung (ESD)<br />

Die meisten haben schon in irgendeiner Form mit elektrostatischer Entladung<br />

Erfahrungen gemacht. Vor allem im Winter, wenn im Innern <strong>der</strong> Gebäude die<br />

Luft trocken ist, zucken wir oft beim Berühren einer Türfalle zusammen, weil wir<br />

einen elektrischen Schlag verspüren, o<strong>der</strong> die Haare stellen sich beim<br />

Kämmen auf und knistern. Der Mensch erzeugt dauernd elektrostatische<br />

Aufladung, die sich bei Erdkontakt wie<strong>der</strong> entlädt. Dieses Phänomen ist unter<br />

dem Begriff Electrostatic Discharge (ESD) bekannt. Elektronische Bauteile wie<br />

Mikroprozessoren o<strong>der</strong> Transistoren (sogenannte Halbleiter) können durch ESD<br />

77


zerstört werden. Überall, wo solche Bauteile gelagert, eingebaut o<strong>der</strong><br />

transportiert werden, müssen deshalb Schutzmassnahmen ergriffen werden.<br />

Mitarbeitende, die elektronische Teile anfassen, müssen geerdet sein. Die<br />

wichtigste Regel für den Logistikbereich: Elektronische Bauteile nur wenn nötig<br />

aus <strong>der</strong> Schutzverpackung nehmen.<br />

Vorsicht ESD<br />

5.5 Ver<strong>der</strong>blichkeit durch langandauernde Einflüsse<br />

Während sich die Beschädigung von Gütern durch spontane äussere Einflüsse<br />

mit Sorgfalt verhin<strong>der</strong>n lässt, sind lang andauernde schädliche Einflüsse nicht<br />

immer zu erkennen. Ob eine äussere Einwirkung Schaden anrichtet o<strong>der</strong><br />

nicht, ist von den Eigenschaften des Lagergutes abhängig. Das Wissen um die<br />

Empfindlichkeit <strong>der</strong> Güter bildet deshalb die Grundlage für eine schadenfreie<br />

Lagerung. Schäden können vor allem die folgenden Einflüsse anrichten:<br />

• Stapeldruck<br />

• falsche Lagertemperatur<br />

• unzuträgliche Luftfeuchtigkeit (zu feucht o<strong>der</strong> zu trocken)<br />

• Lichteinfluss<br />

• Alterung<br />

• Schädlinge<br />

• gegenseitige Beeinflussung von Lagergütern<br />

5.5.1 Stapeldruck<br />

Beim Aufeinan<strong>der</strong>stapeln von Gütern entsteht Stapeldruck. In Blöcken dürfen<br />

deshalb nur Waren gelagert werden, die gegen Druck unempfindlich sind.<br />

Güter können durch Stapeldruck beschädigt werden, wenn das Gewicht des<br />

Stapels zu gross ist o<strong>der</strong> durch ungenaue Stapelung Druckstellen entstehen.<br />

78


Spezielle Aufmerksamkeit bei <strong>der</strong> Blockstapelung benötigen Säcke. Diese<br />

können im Extremfall platzen. Aufmerksame Mitarbeitende achten auf<br />

zerdrückte Verpackungen o<strong>der</strong> schiefe Stapel und verhin<strong>der</strong>n Schaden durch<br />

rechtzeitigen Abbau. Gemüse o<strong>der</strong> Früchte dürfen nur in stabilen Behältern<br />

aufeinan<strong>der</strong>gestapelt werden. Diese Behälter dürfen nur so stark gefüllt<br />

werden, dass sie den Inhalt vollständig schützen.<br />

Max. 8 Lagen stapeln<br />

5.5.2 Lagertemperatur<br />

Nicht konservierte Lebensmittel können nur in klimatisierten, gekühlten o<strong>der</strong><br />

tiefgekühlten Lagern aufbewahrt werden. Die Temperatur richtet sich nach<br />

den Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Produkte. Dabei gelten heute folgende Richtwerte:<br />

Fleisch- und Wurstwaren: 0 bis +2° C<br />

Milchprodukte: +2 bis +4° C<br />

Früchte und Gemüse: +4 bis +6° C<br />

Vorräume von Tiefkühllagern: +4 bis +6° C<br />

Tiefkühlprodukte: unter <strong>–</strong>18° C<br />

Was bewirkt die Kühlung?<br />

Organische Stoffe, zu denen auch die Lebensmittel gehören, werden von<br />

Bakterien und Pilzen angegriffen o<strong>der</strong> zersetzt und damit ungeniessbar. Diese<br />

Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) brauchen zur Ausbreitung Wärme und<br />

Feuchtigkeit. Durch Kühlung wird die Vermehrung von Bakterien und Pilzen<br />

stark eingeschränkt. Bei Temperaturen unter <strong>–</strong>18° C kommt die Ausbreitung<br />

völlig zum Stillstand. Die Bakterien o<strong>der</strong> Pilze sterben dabei aber nicht ab,<br />

son<strong>der</strong>n fallen in eine Art Winterschlaf. Sobald die Temperatur steigt,<br />

79


erwachen diese Kleinstlebewesen wie<strong>der</strong>, und die Vermehrung beginnt von<br />

Neuem. Tiefgekühlte Lebensmittel dürfen deshalb nach dem Auftauen nicht<br />

wie<strong>der</strong> eingefroren werden. Es wird unterschieden zwischen Kühlen und<br />

Tiefkühlen:<br />

• Kühlen 0-5 o C<br />

• Tiefkühlen -18 o C<br />

5.5.3 Luftfeuchtigkeit<br />

Mit dem Begriff "Luftfeuchtigkeit" ist <strong>der</strong> Anteil Wasser pro Kubikmeter Luft<br />

gemeint. Die Fachleute sprechen von relativer Luftfeuchtigkeit, weil <strong>der</strong><br />

Wasseranteil nicht konstant, son<strong>der</strong>n von <strong>der</strong> Temperatur abhängig ist.<br />

Konkret: Warme Luft hat die Fähigkeit, wesentlich mehr Wasser aufzunehmen<br />

als kalte. Dadurch entsteht im Winter auch die trockene Luft in <strong>der</strong> Wohnung.<br />

Durch Lüften kann kalte Luft einströmen, <strong>der</strong>en Luftfeuchtigkeit sehr hoch sein<br />

kann, wenn es draussen regnet o<strong>der</strong> schneit. Durch die Erwärmung nimmt die<br />

Fähigkeit <strong>der</strong> Luft erheblich zu, Flüssigkeit zu speichern, also sinkt die relative<br />

Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit zur Temperatur.<br />

Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Feuchtigkeitsempfindliche Produkte nehmen die<br />

Feuchtigkeit aus <strong>der</strong> Luft auf. In <strong>der</strong> Fachsprache reagieren sie<br />

"hygroskopisch". Ein solches Produkt ist z. B. Papier. Durch hygroskopische<br />

Reaktionen können aber auch pulverförmige Stoffe verklumpen (z. B. Zucker).<br />

Den Verpackungen elektronischer Geräte werden oft Beutel mit einem<br />

Trockenmittel beigegeben. Dieses Trockenmittel (in <strong>der</strong> Regel Silica-Gel o<strong>der</strong><br />

Trockenton) kann Feuchtigkeit aufnehmen und schützt so den<br />

Verpackungsinhalt.<br />

Trockenbeutel<br />

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit: Nicht nur durch zu hohe, son<strong>der</strong>n auch durch zu<br />

niedrige Luftfeuchtigkeit können Lagergüter Schaden nehmen. Insbeson<strong>der</strong>e<br />

80


Früchte und Gemüse brauchen eine Luftfeuchtigkeit von etwa 90 Prozent, um<br />

nicht zu schrumpfen. Der Gewichtsverlust durch Schrumpfung muss bei <strong>der</strong><br />

Lagerung beachtet werden. Eine zu starke Schrumpfung macht Lagergüter<br />

unbrauchbar. Holz kann beispielsweise rissig werden.<br />

5.5.4 Licht<br />

Durch Lichteinfluss ver<strong>der</strong>ben insbeson<strong>der</strong>e öl- und fetthaltige Lagergüter.<br />

Schädlich ist vor allem die mit dem Tageslicht einfallende ultraviolette<br />

Strahlung. Zum Beispiel verän<strong>der</strong>t Fett durch den Einfluss von Licht und Luft<br />

den Geschmack - es oxidiert und wird ranzig. Kunststoffe o<strong>der</strong> Gummi können<br />

durch Tageslicht brüchig werden. Durch Lichtabschluss können solche<br />

Lagerschäden verhin<strong>der</strong>t werden.<br />

5.5.5 Alterung<br />

Lagergüter können <strong>–</strong> ohne schädliche Einflüsse <strong>–</strong> auch allein durch Alterung<br />

an Wert verlieren o<strong>der</strong> unbrauchbar werden. Ein Produkt, das zu lange am<br />

Lager liegt, kann unter Umständen nicht mehr verkauft werden, weil es nicht<br />

mehr aktuell ist. Dies gilt vor allem für Trend-Produkte. Es gibt aber auch<br />

Produkte (z. B. Wein, Whisky), die gelagert werden, um zu altern. Erst nach<br />

einigen Jahren richtiger Lagerung erreichen sie ihren vollen Wert.<br />

5.5.6 Schädlinge<br />

Die Einwirkung von Schädlingen ist in jedem Lager ein Thema. Wer glaubt, nur<br />

Lager in unterentwickelten Län<strong>der</strong>n seien betroffen, irrt. Drei Gruppen von<br />

Schädlingen können Lagergüter negativ beeinflussen:<br />

81


• Pilze, Sporen und Bakterien (Schimmel, Fäulnis etc.) = Mikroorganismen<br />

(Kleinstlebewesen)<br />

• Insekten (Käfer, Motten usw.)<br />

• Kleinsäuger (Mäuse, Ratten)<br />

Durch bauliche Massnahmen, gute Hygiene, optimale Lagerbedingungen<br />

und stetige Kontrolle des Lagergutes lässt sich Schädlingsbefall einschränken<br />

aber nie ganz ausschliessen. Pilzsporen und Insektenlarven werden zuweilen<br />

mit dem Lagergut eingeschleppt. Die Larven entwickeln sich zu Insekten,<br />

sobald die Lagerbedingungen für die Vermehrung günstig sind. Die<br />

Vermehrung verläuft manchmal rasend schnell. Die Forschung arbeitet<br />

laufend an neuen Techniken zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen.<br />

So wurde <strong>der</strong> Einsatz von Schlupfwespen (Nützlinge) gegen Larven von<br />

Brotkäfern und Dörrobstmotten in Getreidesilos erfolgreich getestet.<br />

5.5.7 Gegenseitige Beeinflussung von Lagergütern<br />

Organische Lagergüter (z. B. Lebensmittel) können sich bei <strong>der</strong> Lagerung<br />

gegenseitig beeinflussen. Äpfel son<strong>der</strong>n zum Beispiel ein Reifegas ab, das<br />

auch an<strong>der</strong>e Früchte rasch nachreifen lässt. An<strong>der</strong>e Lebensmittel (z. B.<br />

unverpackte Backwaren) nehmen leicht Fremdgerüche an.<br />

5.6 Schutz des Lagergutes<br />

Seit jeher versuchen die Menschen, ihre Lebensmittel länger haltbar zu<br />

machen. Dabei entwickelten unsere Vorfahren Methoden, die sich bis heute<br />

gehalten haben und teilweise wie<strong>der</strong> neu aufgenommen werden.<br />

Herkömmliche Konservierungsmethoden:<br />

5.6.1 Trocknen<br />

Trocknen ist eine <strong>der</strong> ältesten Methoden, um Fleisch, Fisch und Früchte haltbar<br />

zu machen. Dörrfrüchte kennen wir alle als willkommene Zwischenmahlzeit<br />

und Trockenfleisch ist eine Spezialität. Getrockneter Fisch ist bei uns weniger<br />

verbreitet. Im hohen Norden diente jedoch Stockfisch, wie er dort genannt<br />

wird, grossenteils als Wintervorrat und als Reiseproviant auf Schiffen.<br />

82


Trockenfleisch<br />

5.6.2 Pökeln (Salzen)<br />

Das Fleisch wird entwe<strong>der</strong> mit Salz (Trockenpökeln) o<strong>der</strong> mit Salzlake<br />

(Nasspökeln) eingerieben. Wohl das bekannteste Beispiel für gepökeltes<br />

Fleisch ist die Salami (Italienisch : salame = Salzfleisch, Salzwurst).<br />

5.6.3 Räuchern<br />

Fleisch aber auch an<strong>der</strong>e Lebensmittel werden dem Rauch eines Holzfeuers<br />

ausgesetzt. Die im Rauch enthaltenen Substanzen und die Reduktion des<br />

Wasseranteils machen das Räuchergut haltbar. Speck, Schinken o<strong>der</strong> Würste<br />

werden durch das Räuchern nicht nur konserviert, son<strong>der</strong>n erhalten zudem<br />

einen speziellen rauchigen Geschmack.<br />

Industrielle Räucherung von Würsten<br />

5.6.4 Pasteurisieren<br />

Die Pasteurisation wurde vom französischen Wissenschaftler Louis Pasteur<br />

erfunden. Sie wird im Haushalt angewendet, wenn Früchte eingekocht<br />

werden. Das Lagergut wird in einen Behälter eingeschlossen. Die<br />

anschliessende Erhitzung auf etwa 70° C tötet die meisten Mikroorganismen<br />

83


ab. Bis zur Öffnung des Behälters können sich Bakterien nicht mehr vermehren.<br />

Pasteurisiert werden viele Lebensmittel, unter an<strong>der</strong>em Milch, Käse o<strong>der</strong><br />

Fruchtsäfte.<br />

Pasteurisieren von Milch<br />

5.6.5 Sterilisieren<br />

Die zu sterilisierende Gegenstände werden auf bis zu 120° C erhitzt. Bei dieser<br />

Temperatur sterben alle Bakterien ab. Allerdings werden bei Lebensmitteln<br />

dadurch auch die meisten Vitamine zerstört.<br />

Neuzeitliche Konservierungsmethoden:<br />

5.6.6 Kühlen<br />

Wo nicht konservierte Lebensmittel gelagert o<strong>der</strong> verarbeitet werden, sind die<br />

Räume in <strong>der</strong> Regel gekühlt o<strong>der</strong> zumindest klimatisiert. Die Temperatur richtet<br />

sich nach den Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Produkte.<br />

5.6.7 Tiefkühlen<br />

Die mo<strong>der</strong>ne Küche wäre ohne Tiefkühlprodukte kaum mehr denkbar.<br />

Insbeson<strong>der</strong>e Fisch und Fleisch aber auch Gemüse, Früchte und vorgekochte<br />

Menus werden möglichst frisch tiefgefroren. Tiefkühllager entsprechen dem<br />

Bedürfnis <strong>der</strong> heutigen Zeit, verbrauchen aber eine beachtliche Menge<br />

Energie.<br />

5.6.8 Vakuumieren<br />

Vakuum stammt vom lateinischen Begriff "vacuus" ab, was "leer" o<strong>der</strong> "frei"<br />

bedeutet. Beim Vakuumieren wird ein Produkt in einen Kunststoffbeutel<br />

gepackt, aus dem die Luft abgesaugt wird. Das Entziehen <strong>der</strong> Luft sorgt dafür,<br />

dass Mikroorganismen keinen Sauerstoff vorfinden. Mit diesem Verfahren<br />

84


werden beispielsweise Würste o<strong>der</strong> geschnittene Wurstwaren haltbar<br />

gemacht.<br />

5.6.9 Verpacken unter Schutzatmosphäre<br />

Bei Charcuterie wird die Vakuumverpackung zunehmend durch die<br />

Einlagerung unter Schutzatmosphäre ersetzt. Das Produkt wird ebenfalls in<br />

einen Kunststoffbeutel gepackt. Die im Beutel enthaltene Luft wird vor dem<br />

Verschweissen durch ein Schutzgas ersetzt. Als Schutzgas werden sogenannte<br />

Inertgase verwendet. "Inert" bedeutet "unbeteiligt", "inaktiv". Das Inertgas<br />

verhin<strong>der</strong>t also, dass in <strong>der</strong> Verpackung unerwünschte Alterungsprozesse in<br />

Gang kommen. Der Inhalt sieht nicht so "zerdrückt" aus wie in <strong>der</strong> Vakuum-<br />

Verpackung.<br />

5.6.10 CA-Lagerung<br />

Sie wird vor allem für die Lagerung von Früchten angewendet. CA steht für<br />

"Controlled Atmosphere". Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Zusammensetzung<br />

<strong>der</strong> Luft werden auf einem konstanten Wert gehalten. Die Reifungsprozesse<br />

werden verlangsamt, indem <strong>der</strong> Sauerstoffanteil in <strong>der</strong> Luft verringert wird und<br />

<strong>der</strong> Kohlendioxidanteil erhöht. Entwe<strong>der</strong> können die Werte eingestellt werden<br />

- o<strong>der</strong> sie entstehen nach einiger Zeit von selbst in einem gasdichten Raum,<br />

denn bei <strong>der</strong> Reifung <strong>der</strong> Früchte wird Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid<br />

erzeugt.<br />

5.6.11 ULO-Lagerung<br />

ULO steht für "Ultra Low Oxygen". Das ULO-Lager ist eine Weiterentwicklung<br />

des CA-Lagers. Wie <strong>der</strong> Name sagt, wird <strong>der</strong> Sauerstoffgehalt extrem knapp<br />

gehalten, das heisst an <strong>der</strong> für die biologische Reifeaktivität notwendigen<br />

Mindestgrenze. Die Reifung <strong>der</strong> Früchte wird dadurch extrem verlangsamt.<br />

5.7 Gefährlichkeit<br />

Die Anfor<strong>der</strong>ungen an die Lagerung ergeben sich aus <strong>der</strong> Art <strong>der</strong><br />

Gefährdung. Die Lagerung gefährlicher Güter wird in Modul 405 detailliert<br />

behandelt.<br />

85


Die Gefahrensymbole ab 2012<br />

Vorsicht/Gefährlich Hochentzündlich Brandför<strong>der</strong>nd<br />

Kann die Haut irritieren,<br />

Allergien o<strong>der</strong> Ekzeme<br />

auslösen, Schläfrigkeit<br />

verursachen, nach<br />

einmaligem Kontakt<br />

Vergiftungen auslösen,<br />

die Ozonschicht<br />

schädigen.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Geschirrspültabs<br />

• Reinigungsmittel<br />

• Javelwasser<br />

Kann sich durch den<br />

Kontakt mit Flammen und<br />

Funken, durch Schläge,<br />

Reibung, Erhitzung sowie<br />

Luft- o<strong>der</strong> Wasserkontakt<br />

entzünden. Kann sich bei<br />

falscher Lagerung auch<br />

selbst entzünden.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Grillanzün<strong>der</strong><br />

• Lampenöle<br />

• Spraydosen<br />

• Lösungsmittel<br />

Kann Brände<br />

verursachen o<strong>der</strong><br />

beschleunigen. Setzt<br />

beim Brand Sauerstoff<br />

frei, lässt sich nur mit<br />

speziellen Mitteln<br />

löschen. Ein Ersticken<br />

<strong>der</strong> Flammen ist<br />

unmöglich.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Bleichmittel<br />

• Wasserstoffperoxid<br />

Explosiv Gas unter Druck Gewässergefährdend<br />

Kann explodieren<br />

durch Kontakt mit<br />

Flammen o<strong>der</strong> Funken,<br />

nach Schlägen,<br />

Reibung o<strong>der</strong> Erhitzung.<br />

Kann bei falscher<br />

Enthält komprimierte,<br />

verflüssigte o<strong>der</strong> gelöste<br />

Gase. Geruchlose o<strong>der</strong><br />

unsichtbare Gase können<br />

unbemerkt entweichen<br />

und Behälter mit<br />

Kann<br />

Wasserorganismen<br />

(Fische, Wasserinsekten,<br />

Wasserpflanzen) in<br />

geringer Konzentration<br />

akut o<strong>der</strong> durch<br />

86


Lagerung auch ohne<br />

Fremdeinwirkung zu<br />

Explosionen führen.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Sprengstoff<br />

• Nitroglycerin<br />

komprimierten Gasen<br />

durch Hitze o<strong>der</strong><br />

Verformung bersten.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Propan-/Butangasflaschen<br />

• CO2-Flaschen (für<br />

Sodawasser)<br />

Langzeitwirkung<br />

schädigen.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Schimmelentferner<br />

• Insektensprays<br />

• Motorenöle<br />

• Schwimmbadchemikalien<br />

Ätzend Gesundheitsschädigend Hochgiftig<br />

Kann schwere<br />

Hautverätzungen und<br />

Augenschäden<br />

verursachen sowie<br />

bestimmte Materialien<br />

(etwa<br />

Textilien)auflösen. Ist<br />

schädlich für Tiere,<br />

Pflanzen und<br />

organisches Material<br />

je<strong>der</strong> Art.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Backofenreiniger<br />

• Entkalker<br />

• starke<br />

Reinigungsmittel<br />

• Abflussreiniger<br />

Kann bestimmte Organe<br />

schädigen, zu sofortiger<br />

und langfristig<br />

Beeinträchtigung <strong>der</strong><br />

Gesundheit führen, Krebs<br />

erzeugen, das Erbgut, die<br />

Fruchtbarkeit o<strong>der</strong> die<br />

Entwicklung schädigen.<br />

Kann bei Eindringen in die<br />

Atemwege tödlich sein.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Benzin<br />

• Lacke<br />

• Grillanzün<strong>der</strong><br />

• Lampenöle<br />

• gewisse ätherische<br />

Öle<br />

Kann schon in kleinen<br />

Mengen zu schweren<br />

Vergiftungen und zum<br />

Tod führen.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Mäuse<br />

• Rattengift<br />

87


5.7.1 Chemische Produkte sicher nutzen<br />

Einkauf Gebrauch Lagerung<br />

• Gefahrensym<br />

bole<br />

beachten<br />

• Gefahrenhin<br />

weise lesen<br />

• Alternativen<br />

prüfen (Gibt<br />

es<br />

gleichwertig<br />

e/ähnliche<br />

Produkte mit<br />

weniger<br />

Gefahrenpot<br />

enzial ?)<br />

• Nicht mehr<br />

als nötig<br />

kaufen<br />

• Gebrauchsa<br />

nweisung<br />

beachten<br />

• Sicherheitshi<br />

nweise<br />

befolgen<br />

• Angemesse<br />

ne<br />

Schutzausrüs<br />

tung<br />

• Tragen<br />

(Schutzbrille,<br />

Handschuhe<br />

)<br />

• Nicht<br />

achtlos<br />

stehen<br />

lassen<br />

• Sicher und für<br />

Kin<strong>der</strong><br />

unerreichbar<br />

aufbewahre<br />

n<br />

• Nie in<br />

Lebensmittelbehälter<br />

umfüllen<br />

(Verwechslun<br />

gsgefahr)<br />

• Entsorgungshi<br />

nweise<br />

beachten<br />

• Bauliche<br />

Massnahmen<br />

(Bildung von<br />

Brandabschn<br />

itten;<br />

Auffangwan<br />

nen)<br />

• Massnahmen<br />

plan für den<br />

Störfall<br />

(Brandund/o<strong>der</strong><br />

Havarie)<br />

88


5.7.2 Handhabung von Gütern<br />

Die Handhabung von Gütern hängt wesentlich von folgenden Eigenschaften<br />

ab:<br />

Volumen:<br />

Abmessung:<br />

Dichte:<br />

Stapelbarkeit:<br />

Aggregatzustand:<br />

Wert:<br />

gross, mittel, klein<br />

lang/kurz, breit/schmal, sperrig/handlich<br />

leicht, schwer, sehr schwer<br />

stapelbar, nicht stapelbar<br />

fest, flüssig, gasförmig<br />

billig, teuer, wertvoll<br />

Logistiker haben es bei <strong>der</strong> Handhabung mit drei Arten von Gütern zu tun:<br />

Einfach zu handhabende Güter<br />

Als einfach zu handhabende Güter gelten stapelbare Waren mit kleinem<br />

o<strong>der</strong> mittlerem Volumen, <strong>der</strong>en Abmessungen in die Verpackungsnormreihen<br />

passen. Die grösste Länge misst nicht mehr als 1,20 m. Somit passt <strong>der</strong><br />

Gegenstand in jedem Fall auf eine Euro-Palette Typ I und kann in allen<br />

gängigen Palettenregalen eingelagert werden. Kleinvolumige Güter werden<br />

in Kartons o<strong>der</strong> Kunststoffbehältern verstaut, die ihrerseits auf Ladungsträgern<br />

gestapelt werden können.<br />

Sperrige o<strong>der</strong> unförmige Lagergüter<br />

Eine Herausfor<strong>der</strong>ung für Logistiker sind alle sperrigen o<strong>der</strong> unförmigen<br />

Lagergüter. Entwe<strong>der</strong> ist das Volumen für die gängigen Ladungsträger und<br />

Regale zu gross, o<strong>der</strong> die Länge, Breite o<strong>der</strong> Höhe verlangen beson<strong>der</strong>e<br />

89


Lösungen. Die Lagerung solcher Güter ist in <strong>der</strong> Regel individuell und nur mit<br />

einer gewissen Kreativität möglich. Grosse Bedeutung hat immer die sichere<br />

Lagerung.<br />

Wertvolle Lagergüter<br />

Wertvolle Güter werden in beson<strong>der</strong>s gut gesicherten Lagerbereichen<br />

aufbewahrt. Innerhalb von Warenlagern werden oft Abtrennungen aus<br />

Maschendraht eingesetzt. Nicht immer gibt <strong>der</strong> Warenwert den Ausschlag für<br />

die spezielle Sicherung. Es können auch an<strong>der</strong>e, beson<strong>der</strong>s<br />

diebstahlgefährdete Produkte wie Alkohol o<strong>der</strong> Tabakprodukte sein. Im<br />

Pharmabereich müssen Drogen o<strong>der</strong> drogenähnliche Produkte äusserst sicher<br />

aufbewahrt werden. Oft sind es die Kunden, die von Logistikdienstleistern eine<br />

beson<strong>der</strong>e Sicherung ihrer Güter verlangen. Eine ausserordentlich sichere<br />

Lagerung kann auch aus Gründen <strong>der</strong> Geheimhaltung nötig sein.<br />

Geheimhaltung kann zum Beispiel für neue Produkte erfor<strong>der</strong>lich sein, die vor<br />

<strong>der</strong> Konkurrenz geschützt werden müssen. Ideal für die sichere Lagerung von<br />

Gütern sind abschliessbare Räume o<strong>der</strong> Lagersysteme wie Lagerschränke<br />

o<strong>der</strong> Vertikal-Umlaufregale.<br />

90


Modul 106_Entsorgung CH<br />

Ausgangslage<br />

Die Schweiz wird oft als Weltmeister <strong>der</strong> Entsorgung bezeichnet. Wie bekannt<br />

ist dir als angehenden Logistiker/angehende Logistikerin das<br />

Entsorgungskonzept <strong>der</strong> Schweiz? Weisst du, welche Entsorgungswege die<br />

Schweiz aufgebaut hat und wer für die Entsorgung zuständig ist? Die<br />

Entsorgung ist heute sehr professionell organisiert. Es gibt Organisationen,<br />

welche die Entsorgungskonzepte <strong>der</strong> Schweiz ständig weiterentwickeln.<br />

Die Aufgabe von Logistikerinnen und Logistikern ist es, die Organisation und<br />

damit auch die Umwelt möglichst zu unterstützen und die Vorgaben <strong>der</strong><br />

Entsorgung umzusetzen.<br />

91


Fachartikel Modul 106<br />

6. Entsorgung<br />

6.1 Was ist Abfall?<br />

Es kann nicht immer klar bestimmt werden, was Abfall ist. Das Gesetz definiert<br />

Abfall wie folgt:<br />

Umweltschutzgesetz (USG)<br />

Artikel 7 Absatz 6<br />

"Abfälle sind bewegliche Sachen, <strong>der</strong>en sich <strong>der</strong> Inhaber entledigt o<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong>en Entsorgung im öffentlichen Interesse geboten ist."<br />

Ob etwas Abfall ist o<strong>der</strong> nicht, ist also eine Frage des Zeitpunkts. Jedes<br />

Konsumgut hat früher o<strong>der</strong> später einmal ausgedient und wird damit zu<br />

Abfall. Die Natur hingegen kennt keinen Abfall. Denn natürliche Systeme<br />

bestehen aus Kreisläufen, in welchen jede Substanz über einen zyklischen<br />

Weg wie<strong>der</strong> in ihren Ausgangszustand gelangt. Abfall ist somit immer durch<br />

den Menschen verursacht.<br />

Über die Jahrhun<strong>der</strong>te hat sich die weltweite Abfallproduktion stark<br />

verän<strong>der</strong>t. Früher war es möglich, Dinge, die ausgedient haben, im Garten zu<br />

entsorgen. Diese Art von Abfallbeseitigung war aufgrund <strong>der</strong> geringen Menge<br />

und <strong>der</strong> Art des Abfalls nicht problematisch. Denn früher bestanden Abfälle<br />

meist aus organischem Material, wie zum Beispiel Holz, Ton o<strong>der</strong><br />

Nahrungsmittelresten. Aufgrund <strong>der</strong> Industrialisierung und <strong>der</strong> Gründung<br />

grösserer Städte nahm <strong>der</strong> Abfall pro Fläche aber rasch zu. Daher wurde es<br />

notwendig, eine geregelte Entsorgung einzuführen. Dazu kommt, dass die<br />

Konsumprodukte resp. die Abfälle eine zunehmend komplexe<br />

Zusammensetzung aufweisen.<br />

Merke: Die Verbindung unterschiedlicher Materialien erschwert eine<br />

umweltgerechte Entsorgung zusätzlich.<br />

(Quelle: BAFU)<br />

92


Abfall wird in <strong>der</strong> Fachsprache als Reststoff, Abfallstoff o<strong>der</strong> Wertstoff<br />

bezeichnet. Diese Begriffe zeigen auf, dass Abfall nicht immer störend o<strong>der</strong><br />

überflüssig sein muss, son<strong>der</strong>n unter Umständen sinnvoll wie<strong>der</strong>verwendet<br />

werden kann. Die Herausfor<strong>der</strong>ung ist die Vielfalt an Reststoffen:<br />

• Reststoffe können fest, flüssig o<strong>der</strong> gasförmig sein. Sie können eine reine Form<br />

aufweisen o<strong>der</strong> vermischt mit an<strong>der</strong>en Stoffen sein.<br />

• Reststoffe können unbedenklich, gefährlich o<strong>der</strong> giftig sein (o<strong>der</strong> beides).<br />

• Reststoffe können wie<strong>der</strong>verwendbar und verwertbar sein. Es gibt jedoch<br />

auch Abfall, <strong>der</strong> nur noch komprimiert o<strong>der</strong> unschädlich gemacht werden<br />

kann.<br />

Ein Beispiel aus dem Alltag<br />

Auch Wasser wird gewissermassen zu Abfall. Wasser ist global gesehen ein<br />

extrem wertvolles Gut. Es wird jedoch zu Abwasser, sobald es zum Beispiel zur<br />

Spülung <strong>der</strong> Toiletten benutzt wurde. Es ist verschmutzt und gelangt deshalb<br />

über das Kanalisationsnetz in die Kläranlage. Auch <strong>der</strong> Klärschlamm, <strong>der</strong> sich<br />

in <strong>der</strong> Kläranlage aus dem Abwasser absetzt, ist eine Art Abfall. Seit<br />

Klärschlamm in <strong>der</strong> Landwirtschaft nicht mehr als Dünger ausgebracht<br />

werden darf, dient er als Brennmaterial in Kehrichtverbrennungsanlagen<br />

(KVA).<br />

93


Eine mögliche Definition von Abfall könnte sein:<br />

"Das falsche Material zur falschen Zeit, im falschen Zustand, am falschen Ort."<br />

6.2 Bedeutung und Aufgabe von Abfall<br />

Die Entsorgung hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.<br />

Dafür sind folgende Gründe verantwortlich:<br />

• steigendes Umweltbewusstsein in <strong>der</strong> Bevölkerung und in den Unternehmen.<br />

• Konsumentendruck, umweltfreundliche Produkte zu kaufen/verkaufen.<br />

• Umweltschutz wird als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen.<br />

• steigende Kosten <strong>der</strong> Entsorgung.<br />

• zunehmende gesetzliche Regulierung.<br />

Für die Entsorgungslogistik eines Unternehmens bedeutet dies:<br />

• eine positive Einstellung zu einer fachgerechten und zukunftsorientierten<br />

Entsorgung im<br />

Betrieb zu entwickeln.<br />

• wirtschaftliche Lösungen anzustreben.<br />

• Pläne und Erfolge zu kommunizieren.<br />

Die Entsorgungslogistik regelt die Organisation des internen und externen<br />

Materialflusses <strong>der</strong> verschuldeten Abfälle. Die Aufgabe umfasst vor allem<br />

folgende Leistungen:<br />

Kernleistung Zusatzleistung Informationsleistung<br />

• Lagerun<br />

g<br />

• Transport<br />

• Umschla<br />

g<br />

• Sammlung<br />

• Trennung<br />

• Verpackun<br />

g<br />

• Auftragsabwicklun<br />

g<br />

?? Merke: Entsorgung bedeutet: Verwerten, Verwenden o<strong>der</strong> Beseitigen von<br />

Abfällen.<br />

94


6.3 Stoffflüsse in <strong>der</strong> Abfallbewirtschaftung<br />

Das BAFU unterscheidet zwischen folgenden Abfallarten:<br />

Siedlungsabfall • Abfälle, die aus Haushalten stammen<br />

• Abfälle, die aus Unternehmen mit weniger als 250<br />

Vollzeitstellen stammen und <strong>der</strong>en<br />

Zusammensetzung in Hinsicht auf Inhaltsstoffe und<br />

Mengenverhältnisse mit Abfällen aus Haushalten<br />

vergleichbar sind.<br />

Aushubmaterial<br />

und<br />

Ausbruchsmaterial<br />

• Aushubmaterial sind Materialien, die bei<br />

Bauarbeiten unterhalb des belebten Bodens<br />

ausgehoben werden, z. B. Lockergestein, Kies und<br />

Sand.<br />

• Ausbruchmaterial besteht überwiegend aus<br />

gebrochenen Fels- und Gesteinsblöcken, welche<br />

im Rahmen von Bauarbeiten mechanisch o<strong>der</strong><br />

durch Sprengung aus dem Untergrund<br />

herausgebrochen werden.<br />

Pro Jahr entstehen in <strong>der</strong> Schweiz rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall. Der<br />

grösste Anteil entfällt auf unverschmutzte Aushub- und Ausbruchmaterialien<br />

95


sowie Rückbaumaterialien. Aufgrund des hohen Lebensstandards hat die<br />

Schweiz mit 716 kg Abfall pro Person eines <strong>der</strong> höchsten<br />

Siedlungsabfallaufkommen <strong>der</strong> Welt. Davon werden knapp 53 Prozent<br />

rezykliert. Um den hohen Primärrohstoffverbrauch <strong>der</strong> Schweiz zu reduzieren,<br />

will <strong>der</strong> Bund sämtliche Material- und Stoffflüsse entlang <strong>der</strong><br />

Wertschöpfungskette berücksichtigen <strong>–</strong> vom Rohstoffabbau über das<br />

Produktedesign bis zur Abfallbewirtschaftung.<br />

Quelle: BAFU<br />

6.4 Entsorgungswege für Abfall in <strong>der</strong> Schweiz<br />

Die Schweiz hat im Vergleich zu an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n ein mo<strong>der</strong>nes und gut<br />

strukturiertes Abfallsystem. Etabliert haben sich Entsorgungswege wie das<br />

Verbrennen in <strong>der</strong> Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) und das Deponieren<br />

o<strong>der</strong> Recyclen von Produkten. Das Recycling gilt als Königsweg und soll in<br />

Zukunft noch mehr geför<strong>der</strong>t und gestärkt werden.<br />

6.4.1 Deponien<br />

Der Entsorgungsweg "Deponieren" wird oft negativ verstanden. Rückstände<br />

aus <strong>der</strong> Abfallverbrennung o<strong>der</strong> Abfälle, die sich nicht für eine Verwertung<br />

(Verbrennung o<strong>der</strong> Recycling) eignen, werden in bewilligten Deponien<br />

abgelagert. Damit die Abfälle deponiert werden können, müssen sie<br />

bestimmte Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllen. Erfüllen sie diese nicht, werden sie so<br />

lange behandelt, bis <strong>der</strong> gewünschte Zustand erreicht ist. In <strong>der</strong> Schweiz gibt<br />

es fünf Typen von Deponien. Sie werden mit den Buchstaben A bis E<br />

bezeichnet. Diese stehen in aufsteigen<strong>der</strong> Folge für zunehmendes<br />

Gefährdungspotenzial <strong>der</strong> abgelagerten Abfälle (z. B.: Typ A = keine Gefahr,<br />

Typ E = grosses Gefahrenpotenzial). Die Zulassung zur Deponierung wird<br />

anhand von Schadstoffen gemessen, die <strong>der</strong> Gegenstand trägt.<br />

Das Umweltschutzgesetz (USG) schreibt in Artikel 30c Absatz 1 vor:<br />

"Abfälle müssen für die Ablagerung so behandelt werden, dass sie möglichst<br />

wenig organisch gebundenen Kohlenstoff enthalten und möglichst<br />

wasserunlöslich sind."<br />

96


Typ A<br />

Deponien des Typs A sind für Abfälle wie beispielsweise Aushub- und<br />

Ausbruchsmaterial bestimmt. Verdacht auf Verschmutzung können bei<br />

diesem Abfallstoff ausgeschlossen werden. Die Deponie hat keine beson<strong>der</strong>s<br />

grossen Anfor<strong>der</strong>ungen für die Lagerung.<br />

Typ B<br />

In den Deponien des Typs B sind einzelne bezeichnete Abfälle zugelassen<br />

sowie mineralische Abfälle, sofern die Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Schadstoffe erfüllt<br />

werden. Bei diesem Typ von Deponie wird auch von einer Inertstoffdeponie<br />

gesprochen. Das Wort "Inert" hat seine Wurzel im Lateinischen und bedeutet<br />

"unbeteiligt", "untätig" o<strong>der</strong> "träge". Inerte Stoffe reagieren wenig o<strong>der</strong> gar<br />

nicht auf Umwelteinflüsse und geben fast keine Schadstoffe an die Umwelt<br />

ab. Auf Inertstoffdeponien dürfen nur gesteinsähnliche Materialien<br />

abgelagert werden, aus denen sich Schadstoffe nur sehr schwer lösen.<br />

Typ C<br />

Deponien des Typs C sind für die Ablagerung restmetallhaltiger,<br />

anorganischer und schwer löslicher Abfälle vorgesehen. Das bedingt meist<br />

<strong>der</strong>en vorgängige Behandlung, um Belastungen weitgehend zu eliminieren.<br />

Typ D<br />

Verbrennungsrückstände werden als "Schlacke" bezeichnet. "Schlacke"<br />

entsteht auch bei <strong>der</strong> Verbrennung in einer KVA. Dieser Abfall kommt<br />

typischerweise in <strong>der</strong> Deponie Typ D vor.<br />

Typ E<br />

Die Deponie Typ E enthält Abfälle, welche hohe Schadstoffe mitführen. Bei<br />

diesen Produkten ist mit chemischen o<strong>der</strong> biologischen Prozessen zu rechnen.<br />

Die Anfor<strong>der</strong>ungen an diesen Deponietyp sind beson<strong>der</strong>s streng. Standort<br />

und Ausführung, Abgas- und Sickerwasserüberwachung sind strikt<br />

reglementiert.<br />

Deponiebezeichnung<br />

Typ A<br />

Anlagetyp<br />

Aushub- und<br />

Ausbruchsmaterial<br />

Produktbeispiele<br />

Kies, Erde, Sand<br />

Typ B Inertstoff Backsteine, Ziegel, Beton<br />

97


Typ C Reststoff Verschmutztes Erdreich,<br />

Strassenwischgut<br />

Typ D Schlacke Verbrennungsrückstände aus<br />

<strong>der</strong> KVA<br />

Typ E Reaktor Isolationsmaterial,<br />

Asbestrückstände,<br />

Teerhaltiger Ausbauasphalt<br />

6.4.2 Verbrennung - Kehrichtverbrennungsanlage (KVA)<br />

In <strong>der</strong> Schweiz müssen sämtliche brennbaren, nicht verwertbaren Abfälle in<br />

geeigneten Anlagen verbrannt werden. Der grösste Teil dieser Stoffe gelangt<br />

in eine <strong>der</strong> 30 Kehrichtverbrennungsanlagen <strong>der</strong> Schweiz. Deponiert werden<br />

nur die Schlacke und die Filterrückstände.<br />

Das Umweltschutzgesetz (USG) schreibt in Artikel 30c Absatz 2 vor:<br />

"Abfälle dürfen ausserhalb von Anlagen nicht verbrannt werden;<br />

ausgenommen ist das Verbrennen natürlicher Wald-, Feld- und<br />

Gartenabfälle, wenn dadurch keine übermässigen Immissionen entstehen."<br />

Auch in den kommenden Jahren wird das Verbrennen von Abfall ein<br />

wichtiger Entsorgungsweg für die Schweiz bleiben. Durch die Verbrennung<br />

von Abfall werden im Wesentlichen drei Ziele erreicht: Reduktion von<br />

Volumen und Gewicht, Reduktion von Schadstoffemissionen,<br />

Energieerzeugung und Fernwärmenutzung.<br />

Reduktion von Volumen und Gewicht<br />

Durch die Verbrennung wird das Abfallvolumen um 90 Prozent und das<br />

Gewicht um 75 Prozent verringert. Diese Reduktion ist wichtig, um<br />

Deponieplatz einzusparen. Schlacke ist zudem ein homogener Stoff, <strong>der</strong> gut<br />

eingebaut und verdichtet werden kann.<br />

98


Reduktion von Volumen und Gewicht in <strong>der</strong> KVA<br />

Reduktion von Schadstoffemissionen<br />

Brennbarer Abfall, <strong>der</strong> in Deponien verrottet, setzt grosse Mengen<br />

klimaschädlicher Gase frei, insbeson<strong>der</strong>e Methangas und CO2. Die<br />

individuelle Verbrennung in Cheminées o<strong>der</strong> im Garten verursacht zusätzlich<br />

eine hohe Luftverschmutzung durch Feinstaub und weitere schädliche Stoffe.<br />

In den letzten Jahren ist viel Geld in die Verbesserung <strong>der</strong><br />

Kehrichtverbrennungsanlagen investiert worden, beson<strong>der</strong>s in die Ausrüstung<br />

zur Reinigung <strong>der</strong> Rauchgase. Mit Elektrofiltern werden Flugasche und Staub<br />

zurückgehalten. Gasförmige Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Salzsäure<br />

werden weitgehend mittels Rauchgaswaschanlagen entfernt. Seit 2002 sind<br />

überall Rauchgasentstickungsanlagen (DeNOx) in Betrieb. Diese funktionieren<br />

wie Katalysatoren in Autos. Der Anteil <strong>der</strong> KVA an <strong>der</strong> Emission von Stickoxiden<br />

konnte seit 1995 von 3,1 Prozent auf 0,9 Prozent reduziert werden.<br />

Im August 2014 wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, welche zum Ziel hat,<br />

die Emissionen aus <strong>der</strong> Abfallverbrennung zu reduzieren und Anreize für eine<br />

effizientere Energienutzung in Kehrichtverwertungsanlagen zu setzen. Die 30<br />

Kehrichtverbrennungsanlagen in <strong>der</strong> Schweiz produzieren rund 5 Prozent <strong>der</strong><br />

gesamten Treibhausgasemissionen des Landes. Die Vereinbarung sieht eine<br />

weitere Reduktion <strong>der</strong> sogenannten Netto-CO2-Emissionen aus <strong>der</strong><br />

Abfallverbrennung vor.<br />

Die drei Filtertypen zur Reinigung <strong>der</strong> Rauchgase in einer Kehrichtverbrennungsanlage.<br />

Energieerzeugung und Fernwärmenutzung<br />

Eine KVA mit Wärme-Kraft-Kopplung kann rund 25 Prozent <strong>der</strong><br />

Verbrennungsenergie in elektrischen Strom umwandeln. Die restlichen 75<br />

Prozent können als Wärme verwendet werden. Von <strong>der</strong> im Abfall enthaltenen<br />

Energie geht ein Teil über den Kamin o<strong>der</strong> die erwärmte Schlacke und Asche<br />

verloren. Ein weiterer Wärmeverlust entsteht durch Anlagenteile, die nicht<br />

99


hun<strong>der</strong>tprozentig isoliert sind. Durch die Wärmenutzung werden jährlich etwa<br />

215'000 Tonnen an Erdölprodukten eingespart, die vom Ausland importiert<br />

werden müssten.<br />

Sammelstellen<br />

Die KVA ist nicht nur eine Verbrennungsanlage, son<strong>der</strong>n auch zentrale<br />

Sammelstelle für alle Arten von Abfällen in einer Region; sie steht auch<br />

Privatpersonen zur Verfügung. Durch Bürgernähe und entsprechende<br />

Dienstleistungen trägt eine KVA dazu bei, dass weniger Abfälle wild<br />

deponiert, unsachgemäss entsorgt o<strong>der</strong> im Garten verbrannt werden. Die<br />

Kunden werden bei <strong>der</strong> Kategorisierung <strong>der</strong> angelieferten Gegenstände und<br />

Abfallstoffe beraten und bei <strong>der</strong> Wahl des richtigen Abladeortes unterstützt.<br />

6.4.3 Recycling<br />

Der dritte Entsorgungsweg wird als Königsweg <strong>der</strong> Entsorgung gesehen: das<br />

Recycling.<br />

Unter Recycling versteht man den Prozess des Sammelns, Sortierens,<br />

Aufbereitens und<br />

stofflichen Verwertens.<br />

Recycling ist eine Vielfachnutzung <strong>der</strong> Rohstoffe durch geschlossene<br />

Kreislaufführung <strong>der</strong> Wertstoffe. Wird ein Rohstoff aus entsorgtem Material<br />

gewonnen, spricht man von Sekundärrohstoff. Recycling o<strong>der</strong><br />

Wie<strong>der</strong>verwerten bedeutet, einer Sache wie<strong>der</strong> einen Wert zu geben. Wer<br />

Speiseresten verwertet, statt sie wegzuwerfen, stellt daraus etwas her, das<br />

wie<strong>der</strong> einen Wert hat, zum Beispiel eine Suppe. Abfall kann somit den<br />

Rohstoff für Erzeugnisse liefern, die entwe<strong>der</strong> für den ursprünglichen o<strong>der</strong> für<br />

einen an<strong>der</strong>en Zweck aufbereitet werden. Die Idee <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung<br />

von Abfällen ist nicht neu. Bereits im antiken Rom wurden Exkremente<br />

100


eingesammelt und den Bauern im Umland als Dünger verkauft. Später waren<br />

es sogenannte Lumpensammler, die sich um das Einsammeln, Sortieren und<br />

Weiterleiten von textilen Abfällen kümmerten. Auch die Verwertung an<strong>der</strong>er<br />

Abfälle war selbstverständlich. Aus Lebensmittelabfall wurde Haustierfutter<br />

gemacht, aus Knochen und Haaren sonstige nützliche Dinge. Holz- und<br />

Papierabfälle verheizte man, und Metallteile wurden eingeschmolzen o<strong>der</strong><br />

umgeschmiedet. Dieses frühere Verhalten zeigt, dass Recycling nichts Neues<br />

ist. Durch den Einsatz von ökologischen und ökonomischen Anreizen sollen<br />

auch heute wie<strong>der</strong> möglichst viele Produkte rezykliert werden.<br />

Industrialisierung<br />

Mit <strong>der</strong> Industrialisierung verän<strong>der</strong>te sich die Menge und Zusammensetzung<br />

des Abfalls. Die ersten Verbrennungsöfen für Kehricht entstanden in London.<br />

Der erste Verbrennungsofen in <strong>der</strong> Schweiz ging 1904 in Zürich in Betrieb.<br />

Nach den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t nahm <strong>der</strong> Wohlstand <strong>der</strong><br />

Bevölkerung zu. Die Menschen konnten sich Luxusgüter leisten, die in einer<br />

aufwendigen Verpackung verkauft wurden. Die zahlreichen Flaschen,<br />

Alufolien, Frischhaltebeutel und Blechdosen führten zu einem akuten<br />

Müllnotstand.<br />

Ein Haushalt, <strong>der</strong> früher mit etwa 150 Dingen auskam, benötigt heute mehr als<br />

20'000 Gegenstände, von <strong>der</strong> Zahnbürste hin bis zum Haarfestiger, vom<br />

Laptop bis zum Fernseher. Wer etwas nicht wegwirft, vermin<strong>der</strong>t die<br />

Abfallmenge und schont wertvolle Rohstoffe. Die Menge nicht<br />

nachwachsen<strong>der</strong> Rohstoffe ist begrenzt. Sie werden eines Tages<br />

aufgebraucht sein. Die Wie<strong>der</strong>verwertung reduziert nicht nur die<br />

Abfallmenge, sie spart auch Rohstoffe.<br />

"Wenn viele kleine Leute mit vielen kleinen Schritten viele kleine Dinge tun,<br />

dann ist Verän<strong>der</strong>ung möglich."<br />

- chinesisches Sprichwort<br />

101


Bedeutung von Recycling<br />

Recycling vermin<strong>der</strong>t die Abfallmenge, schont knapper werdende Rohstoffe,<br />

reduziert den CO2-Austoss und hilft, Energie einzusparen. "Abfall" ist <strong>der</strong><br />

stofflichen Wie<strong>der</strong>verwertung zurückzuführen, wenn dadurch eine kleinere<br />

Umweltbelastung als aus <strong>der</strong> Beseitigung des Abfalls und <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Neuproduktion entsteht. Zudem soll die Wie<strong>der</strong>verwertung längerfristig<br />

betriebswirtschaftlich gesichert sein. Die Rezyklierung (Wie<strong>der</strong>verwertung)<br />

setzt sich nur durch, wenn sie auch betriebswirtschaftlich rentabel ist (z. B.<br />

Glas). Die bis heute gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass zuverlässige<br />

Rentabilitätsberechnungen äusserst schwierig sind. Weil die Weltmarktpreise<br />

<strong>der</strong> Basisrohstoffe stark schwanken, können Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen sich<br />

schnell än<strong>der</strong>n (die Qualität des Abfalls kann nicht so rasch verän<strong>der</strong>t<br />

werden). Dem Recycling sind technische Grenzen gesetzt, weil viele <strong>der</strong><br />

heute verwendeten Stoffe und Verbundstoffe nicht o<strong>der</strong> nur begrenzt<br />

recycliert werden können. Ebenfalls fällt eine Vielzahl <strong>der</strong> Anwendungen nur<br />

in Kleinstmengen an, was eine Rückgewinnung praktisch unmöglich macht.<br />

1 Tonne rezyklierte...<br />

…Aluminiumverpackungen sparen so viel Umweltbelastung ein wie 30‘500<br />

km Autofahrt generieren <strong>–</strong> das ist 30 Mal die Strecke Zürich-Barcelona.<br />

… Elektro- und Elektronikgeräte (inkl. Leuchtmittel) sparen so viel<br />

Umweltbelastung ein, wie 247'500 km Zugfahrt mit <strong>der</strong> SBB generieren <strong>–</strong> das<br />

ist 48 Mal das gesamte Schweizer Schienennetz.<br />

…Textilien und Schuhe sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 26'400<br />

Flugkilometer o<strong>der</strong> etwa 4 Mal die Flugstrecke Zürich-New York generieren.<br />

…Weiss- / Stahlblech sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 14‘500 WC-<br />

Papierrollen (FSC) generieren.<br />

…Batterien und Akkus sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 2'652 Liter<br />

Heizöl generieren.<br />

…PET-Getränkeflaschen sparen so viel Energie ein, wie eine 12 Watt-<br />

Energiesparlampe während 52 Jahren benötigt.<br />

…Glasverpackungen sparen so viele Umweltbelastungen ein, wie die<br />

durchgehende Nutzung eines Laptops während 1,7 Jahren generiert.<br />

Quelle: swissrecycling.ch<br />

102


Redistribution und Distribution<br />

Die Redistribution befasst sich mit <strong>der</strong> Rückführung von Stoffen, Produkten,<br />

Teilen, Verpackungen und Transportmitteln während und nach <strong>der</strong><br />

Distribution.<br />

Verwertete Siedlungsabfälle aus Haushalt und Gewerbe<br />

Wie gut die Rückführung von Abfällen und Wertstoffen funktioniert, hängt oft<br />

vom Sammelsystem ab. Wenn <strong>der</strong> Verbraucher kilometerweit zur nächsten<br />

Sammelstelle fahren muss, ist die Versuchung gross, für die Entsorgung den<br />

"nächsten" Weg zu wählen. Siedlungsabfälle werden deshalb in<br />

regelmässigen Abständen durch die Kehrichtabfuhr abgeholt. Für Wertstoffe<br />

und umweltbelastende Stoffe stehen in den meisten Gemeinden kommunale<br />

Sammelstellen zur Verfügung.<br />

Kommunale Sammelstelle für Glas<br />

Mit einer Recyclingquote von 53 Prozent gehört die Schweiz in Europa zu den<br />

Spitzenreitern. Dennoch sollten sich die Bürgerinnen und Bürger nicht<br />

zurücklehnen, denn eine korrekte und konsequente Abfalltrennung ist auch in<br />

Zukunft wichtig. Die Wie<strong>der</strong>verwertung von Wertstoffen hat viele wichtige<br />

Funktionen: Es werden Ressourcen geschont, Energie gespart, die CO2-<br />

Belastung reduziert und Sekundär-Rohstoffe geschafft.<br />

Im Jahr 2020 hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) folgende Recycling-<br />

Quoten publiziert:<br />

Menge pro<br />

Einwohner<br />

Menge<br />

Gesamt<br />

Quote<br />

Altpapier (Papier und Karton) 139.9 Kg 1'209'000 t 82 %<br />

in zentralen Anlagen kompostierte<br />

o<strong>der</strong> vergärte biogene Abfälle (ohne<br />

Hauskompost)<br />

162.5 Kg 1'405'000 t -<br />

Altglas 41.2 Kg 356'000 t 94 %<br />

103


davon Glasflaschen 34.1 Kg 295'000 t<br />

Elektrische und elektronische Geräte 15.2 Kg 131'000 t -<br />

Textilien 6.4 Kg 55'400 t -<br />

PET-Getränkeflaschen 4.2 Kg 36'300 t 81 %<br />

Weissblech (Konservendosen +<br />

Deckel)<br />

1.4 Kg 12'400 t -<br />

Aluminiumverpackungen<br />

1.5 Kg<br />

13'300 t<br />

94 %<br />

davon Getränkedosen<br />

1.3 Kg<br />

11'500 t<br />

Batterien 0.4 Kg 3'111 t 64 %<br />

Gesamtmenge rezykliert<br />

(Haushalt und Gewerbe)<br />

372.7 Kg 3'221'511 t 53 %<br />

Berührungspunkte Distribution und Redistribution<br />

Die Distribution und die Redistribution kann man nicht einzeln betrachten.<br />

Wenn ein Verteilbetrieb Ware in die Filialen ausliefert (Distribution), werden auf<br />

<strong>der</strong> Rückfahrt (Redistribution) das Leergebinde und <strong>der</strong> Abfall von den Filialen<br />

in den Verteilbetrieb zurückgenommen. Das steigende Umweltbewusstsein<br />

und die Kosten <strong>der</strong> Entsorgung führen dazu, dass bei <strong>der</strong> Distribution von<br />

Gütern auch die Redistribution mit einbezogen wird.<br />

Ein Beispiel aus dem Detailhandel<br />

Die Verkaufsstellen werden durch einen Verteilbetrieb mit Waren und Gütern<br />

versorgt. Die Verkaufsstelle dient in erster Linie dem Verkauf. In je<strong>der</strong><br />

Verkaufsstelle fallen aber auch Abfälle an, hauptsächlich:<br />

• verdorbene, unbrauchbare o<strong>der</strong> beschädigte Waren<br />

• Verpackungsmaterialien<br />

• Rücknahmen von Kunden (PET-Flaschen, Glasflaschen, Elektrogeräte,<br />

Batterien)<br />

Im Detailhandel ist <strong>der</strong> Verteilbetrieb in <strong>der</strong> Regel die zentrale<br />

Rücknahmestelle für die Verkaufsstellen. Die Abfälle werden nicht nur<br />

zurückgenommen, son<strong>der</strong>n auch getrennt und dem richtigen<br />

Entsorgungsweg zugewiesen. Auch die Kunden entsorgen ihre Abfälle<br />

teilweise über die Verkaufsstellen. Dies betrifft vor allem unbrauchbar<br />

104


gewordene Produkte, die von den Verkaufsstellen zurückgenommen werden<br />

müssen. Der Rest wird entwe<strong>der</strong> über die kommunalen Einrichtungen<br />

entsorgt o<strong>der</strong> (weniger häufig) direkt einer Entsorgungsstelle o<strong>der</strong> dem<br />

Recycling übergeben.<br />

Transportsysteme<br />

Bevor man den Abfall verwerten kann, braucht es ein Transportsystem o<strong>der</strong><br />

Transportkonzept, das den Abfall (Rohstoff) zu den entsprechenden Stellen<br />

transportiert.<br />

a ) Bringsystem<br />

Wenn <strong>der</strong> Kunde selbst für den Transport <strong>der</strong> Rückstände zu den<br />

Sammelstellen sorgt o<strong>der</strong> damit direkt zur Entsorgungsanlage fährt, sprechen<br />

wir von einem Bringsystem. Ab <strong>der</strong> Sammelstelle kommt ein Holsystem zum<br />

Zug. Transportfahrzeuge fahren die Sammelstellen regelmässig an und holen<br />

die vollen Sammelbehälter ab. Sammelstellen funktionieren in <strong>der</strong> Regel nur,<br />

wenn sie überwacht und betreut sind.<br />

b ) Holsystem<br />

105


Das bekannteste Holsystem ist die Müllabfuhr in den Siedlungen. Die jüngste<br />

Erhebung des BAFU zeigt, dass durch die Müllabfuhr jährlich insgesamt 3,12<br />

Millionen Tonnen Abfall entsorgt werden. 3,01 von den 3,12 Millionen Tonnen<br />

werden in Kehrichtverbrennungsanlagen transportiert und verbrannt. Rund<br />

100'000 Tonnen werden in Deponien abgelagert.<br />

Finanzierung von Recycling<br />

Der vorgezogene Entsorgungsbeitrag VEB (Vorgezogener<br />

Recyclingbeitrag,VRB): Einige Produzenten o<strong>der</strong> Importeure verlangen von<br />

den Konsumentinnen und Konsumenten einen Beitrag für die Entsorgung, <strong>der</strong><br />

im Preis des Produkts inbegriffen ist. Das System funktioniert innerhalb des<br />

Marktes, und das Mitmachen ist freiwillig. Das Geld kommt in einen Fonds, <strong>der</strong><br />

von einem Verein verwaltet wird. Dieser ist für Sammlung, Transport und<br />

Recycling <strong>der</strong> gebrauchten Verpackungen o<strong>der</strong> Produkte verantwortlich. Der<br />

Weg vom Konsumenten bis zum Entsorger ist aber je nach Branche<br />

verschieden. Für die Sammlung und den Transport einiger Stoffe müssen<br />

immer noch die Gemeinden aufkommen (Bring- o<strong>der</strong> Holsysteme). Die<br />

Finanzierung erfolgt über die Grundgebühr. Im besten Fall bekommt die<br />

Gemeinde vom Entsorger einen Kostenanteil zurück. Dieser Betrag deckt aber<br />

meistens nur einen Teil <strong>der</strong> entstandenen Kosten. Beispiele dafür sind<br />

Weissblech und PET.<br />

Die vorgezogene Entsorgungebühr VEG (Vorgezogene Recyclinggebühr,<br />

VRG): Artikel 32a Absatz 1 des Umweltschutzgesetzes (USG) besagt, dass die<br />

Hersteller und Importeure von Produkten, die nach Gebrauch als Abfall<br />

anfallen und son<strong>der</strong>behandelt o<strong>der</strong> verwertet werden sollen, dazu gebracht<br />

werden können, einer vom Bund beauftragten und beaufsichtigten privaten<br />

Organisation eine vorgezogene Entsorgungsgebühr zu entrichten. Die Höhe<br />

<strong>der</strong> Gebühr wird vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI)<br />

bestimmt und ist abhängig vom Produkt. Eine private o<strong>der</strong> öffentlichrechtliche<br />

Organisation wird beauftragt, die Entsorgung und Verteilung <strong>der</strong><br />

Mittel zu organisieren. Beim Kauf einer Batterie wird eine Entsorgungsgebühr<br />

bezahlt (durchschnittlich 20 Rappen), die danach in einen Fonds fliesst. Alle<br />

Händler sind verpflichtet, Batterien o<strong>der</strong> Akkumulatoren bis zu einem Gewicht<br />

von 5 kg von den Verbraucherinnen zurückzunehmen. Die im Fonds<br />

gesammelten Gebühren stehen einer privaten Organisation, <strong>der</strong><br />

Batterieentsorgungs-Selbsthilfe-Organisation (Beso), zur Verfügung. Sie<br />

organisiert die Sammlung von Batterien und liefert sie an zwei<br />

106


Entsorgungsfirmen (Batrec AG und Recymet SA). Die Beso ist auch für die<br />

Werbung für die Rückgabepflicht verantwortlich.<br />

Recycling-Organisationen in <strong>der</strong> Schweiz<br />

Kompostierung von Grüngut<br />

Das Kompost Forum Schweiz ist eine Plattform für<br />

interessierte Kompostfreunde, professionelle<br />

Grüngutverwerter und Verantwortliche in<br />

Städten, Gemeinden und Kantonen.<br />

http://www.kompost.ch<br />

Recycling von Aludosen<br />

Die Genossenschaft Igora engagiert sich für das<br />

Sammeln und Recycling von leeren<br />

Aluverpackungen und hat ein Sammel- und<br />

Recyclingkonzept entwickelt.<br />

http://www.igora.ch<br />

PET-Recycling<br />

Der Verein PET-Recycling Schweiz wurde 1990<br />

gegründet und befasst sich seit Inkrafttreten <strong>der</strong><br />

Verordnung über Getränkeverpackungen mit <strong>der</strong><br />

Sammlung von PET-Getränkeflaschen.<br />

http://www.petrecycling.ch<br />

Batterie-Recycling<br />

INOBAT steht für "Interessenorganisation<br />

Batterieentsorgung". Sie ist als Genossenschaft<br />

des privaten Rechts organisiert und zählt rund 140<br />

Mitglie<strong>der</strong> aus Produktion, Import und Handel.<br />

http://www.inobat.ch<br />

Recycling von Papier und Karton<br />

Der "Verein Recycling Papier + Karton" ist ein<br />

Zusammenschluss aus Firmen und Organisationen<br />

<strong>der</strong> Papierkette, die mit Fragen <strong>der</strong> Entsorgung<br />

von gebrauchtem Papier und <strong>der</strong><br />

Entsorgungslogistik konfrontiert sind.<br />

http://www.altpapier.ch<br />

107


Recycling von Weissblech<br />

FERRO Recycling, <strong>der</strong> Verein zur För<strong>der</strong>ung des<br />

Recyclings von Konservendosen aus Stahlblech,<br />

wurde 1987 gegründet.<br />

http://www.ferro.ch<br />

Recycling von Altglas<br />

Vetrorecycling ist eine Abteilung <strong>der</strong> Vetropack,<br />

eines führenden Unternehmens <strong>der</strong><br />

Verpackungsindustrie mit Glas-<br />

Produktionsbetrieben in <strong>der</strong> Schweiz, Österreich,<br />

Tschechien, <strong>der</strong> Slowakei, Kroatien und <strong>der</strong><br />

Ukraine.<br />

http://www.vetrorecycling.ch<br />

Entsorgung und Recycling von Elektrogeräten<br />

Stiftung Entsorgung Schweiz (SENS) ist eine<br />

unabhängige, neutrale, gemeinnützige Stiftung.<br />

Zweck ist die För<strong>der</strong>ung von privatwirtschaftlich<br />

organisierten Entsorgungslösungen.<br />

http://www.sens.ch<br />

Entsorgung und Recycling von Elektronikgeräten<br />

SWICO Recycling ist eine neutrale Kommission. Sie<br />

entsorgt ausrangierte Elektro- und<br />

Elektronikgeräte aus den Bereichen Informatik,<br />

Unterhaltungselektronik, Büro, Telekommunikation,<br />

grafische Industrie sowie Mess- und<br />

Medizinaltechnik.<br />

http://www.swicorecycling.ch<br />

Entsorgung von Leuchtmitteln<br />

Die Schweizer Licht Gesellschaft (SLG) hat für die<br />

fachgerechte Entsorgung von Leuchtmitteln die<br />

Stiftung Licht Recycling Schweiz (SLRS) gegründet.<br />

http://www.slrs.ch<br />

108


Organische Stoffe<br />

Kompostierung<br />

Rund ein Drittel <strong>der</strong> Siedlungsabfälle kann kompostiert werden. Dies<br />

geschieht einerseits dezentral, durch Gartenbesitzer mit eigener<br />

Kompostierung und an<strong>der</strong>erseits durch die öffentliche Grünabfuhr, die das<br />

gesammelte Grüngut an Grosskompostieranlagen liefert. Kompostieranlagen<br />

erzeugen aus Grüngut wertvollen Kompost, <strong>der</strong> als Dünger o<strong>der</strong><br />

Bodenverbesserer genutzt werden kann.<br />

Wie entsteht Kompost? Nach dem Anhäufen verrotten<strong>der</strong> organischer Stoffe<br />

beginnen relaschnell die Abbauvorgänge durch Mikroben. Es ist im Prinzip<br />

eine "Verwesung" ohne Luftzufuhr. In dieser Phase werden übelriechende<br />

Stoffwechselprodukte wie Methan, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und<br />

Buttersäure freigesetzt. Im Innern eines Komposthaufens können<br />

Temperaturen von 50 <strong>–</strong> 70 °C entstehen. Dadurch werden Unkrautsamen,<br />

Keimlinge und Schadorganismen abgetötet. Danach kühlt sich <strong>der</strong> Kompost<br />

ab und wird durch Kleintiere wie Bodenmilben, Tausendfüssler, Asseln und<br />

Kompostwürmer zerkleinert. Er färbt sich zunehmend schwarz. Nach <strong>der</strong><br />

vollständigen Reifung ist <strong>der</strong> Kompost krümelig, erdig und duftet nach<br />

Waldboden.<br />

Erzeugung von Biogas: Eine Biogasanlage dient <strong>der</strong> Erzeugung von Biogas<br />

durch Vergärung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen<br />

werden meist Gülle und Pflanzensilage vergoren. Verschiedene<br />

109


Mikroorganismen wandeln die Biomasse in Methan und Kohlendioxid um. In<br />

den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem<br />

Blockheizkraftwerk zu Wärme, Strom o<strong>der</strong> Bio-Treibstoff umgewandelt.<br />

Biogasanlage in Henniez VD<br />

Papier<br />

Papier war wohl einer <strong>der</strong> ersten Stoffe, <strong>der</strong> systematisch gesammelt wurde.<br />

Ganze Generationen von Menschen haben in ihrer Schulzeit Altpapier<br />

gesammelt. Das Rohmaterial für die Herstellung von Papier ist Holz, also ein<br />

nachwachsen<strong>der</strong> Rohstoff. Die Nutzung von Holz für die Herstellung<br />

hochwertiger Papiere ist durchaus sinnvoll. Für viele Anwendungen ist<br />

Recyclingpapier jedoch zweckmässiger. Papier kann nicht beliebig oft<br />

wie<strong>der</strong>verwertet werden. Die Papierfasern werden immer kürzer. Deshalb<br />

muss im Altpapier immer ein gewisser Anteil hochwertiger Materialien sein. Aus<br />

Recyclingmaterial werden vor allem Zeitungspapier und Karton hergestellt.<br />

Unter dem Namen "Recycling Papier + Karton" dient ein Verein den Firmen<br />

und Organisationen <strong>der</strong> Papierbranche als Forum für den Erfahrungs- und<br />

Gedankenaustausch.<br />

Anorganische Stoffe<br />

Metall<br />

Metalle gehören zu den wertvollsten Rohstoffen. Die Wie<strong>der</strong>verwertung spart<br />

nicht nur Kosten, son<strong>der</strong>n vor allem auch Energie.<br />

a.) Eisenhaltiges Metall<br />

Eisenhaltig sind im Haushalt vor allem die Konservendosen, was mit einem<br />

Magnet einfach nachzuprüfen ist. Wird die Dose angezogen, ist sie aus Stahl<br />

(Eisen). Als Schutz gegen Korrosion ist die Oberfläche von Konservendosen<br />

meistens mit Zinn beschichtet. Der Fachausdruck dafür ist Weissblech. Billige<br />

Blechdosen sind verzinkt. Je nach Inhalt sind die Dosen innen auch mit<br />

110


Kunststoff beschichtet. Das Sammeln von Blechdosen ist in <strong>der</strong> Schweiz weit<br />

verbreitet. In den meisten Gemeinden stehen Sammelbehälter zur Verfügung.<br />

b.) Aluminium<br />

Im Alltag ist Aluminium kaum mehr wegzudenken. Das Pausenbrot wird in<br />

Alufolie eingewickelt, den Senf drückt man aus <strong>der</strong> Alu-Tube und wenn man<br />

Durst hat, öffnet man eine Alu-Getränkedose. In <strong>der</strong> Bevölkerung ist das<br />

Sammeln von Aluminium gut verankert. Aluminium kann eingeschmolzen und<br />

fast ohne Qualitätsverlust zu neuen Produkten verarbeitet werden. Die<br />

Aluminiumherstellung aus Bauxit, dem eigentlichen Rohmaterial, ist<br />

ausserordentlich energieaufwendig. Sie benötigt rund 20 Mal mehr Energie als<br />

das Einschmelzen von Alt-Aluminium. Seit 20 Jahren beschäftigt sich die<br />

IGORA mit dem Sammeln und Recycling von leeren Aluverpackungen.<br />

Gemeinsam mit <strong>der</strong> Getränke- und Aluminiumindustrie erarbeitete die<br />

Genossenschaft ein Sammel- und Recyclingkonzept, das nicht auf Zwang,<br />

son<strong>der</strong>n auf Freiwilligkeit basiert. Die Aluverpackung hat durch Produkte wie<br />

Energiegetränke einen grossen Aufschwung erfahren.<br />

Glas<br />

a.) Sammlung<br />

Altglas wird zum grössten Teil über permanente kommunale Sammelstellen<br />

entsorgt. Insgesamt stehen in <strong>der</strong> Schweiz heute rund 22'000 öffentliche<br />

Glascontainer zur Verfügung. Von dort wird Altglas zuerst in regionale<br />

Zwischenlager und anschliessend in 25-Tonnen-Einheiten per Bahn zu den<br />

Aufbereitungsanlagen transportiert. Um das Sammeln und den Transport zur<br />

Aufbereitung kümmert sich heute ein Netz von 45 Firmen mit <strong>der</strong><br />

erfor<strong>der</strong>lichen Infrastruktur und dem nötigen Know-how. Dabei legt das<br />

Altglas nur rund 25 km auf <strong>der</strong> Strasse zurück <strong>–</strong> von den permanenten<br />

Sammelstellen zum nächsten regionalen Zwischenlager. Der ganze Glas-<br />

Recycling Prozess basiert auf einigen Jahren Erfahrung.<br />

b.) Aufbereitung zu Glasflaschen<br />

Auf dem Sortierför<strong>der</strong>band werden Fehlfarben, Porzellan, Keramik und an<strong>der</strong>e<br />

Fremdkörper manuell aussortiert. Im Glasbrecher erhalten die Scherben eine<br />

für den Schmelzprozess optimale Körnung. In <strong>der</strong> Siebrinne werden weitere<br />

Fremdmaterialien und Überkorngrössen ausgeschieden. Metall- und<br />

111


Keramikteile werden mittels Magnettrommel, Metall- und Keramikabschei<strong>der</strong><br />

aussortiert sowie Papier und an<strong>der</strong>e leichte Materialien durch die<br />

Absauganlage entfernt. Nach einer letzten Kontrolle wird das aufbereitete<br />

Altglas <strong>der</strong> Glasproduktion zugeführt. Neben Altglas, das bis zu 90 Prozent<br />

ausmacht, sind die wichtigsten Rohstoffe für die Glasherstellung Quarzsand,<br />

Kalk und Soda. Bei rund 1600 °C wird die Rohstoffmischung geschmolzen. Von<br />

<strong>der</strong> ständig nachfliessenden Glasschmelze werden über eine Rinne glühende<br />

Glastropfen abgeschnitten und <strong>der</strong> Vorform zugeführt. Die endgültige<br />

Flaschenform erhält <strong>der</strong> Vorformling in <strong>der</strong> Fertigform. Die fertige Flaschenform<br />

wird durch Druckluft und <strong>der</strong> Fertigform erstellt. Die noch rot glühende Flasche<br />

wird im Kühlofen langsam abgekühlt, um die Materialspannungen<br />

auszugleichen. Eine anschliessende Oberflächenbehandlung schützt die<br />

Glasbehälter zusätzlich vor Kratzern und verbessert die Bruchfestigkeit.<br />

Kunststoff<br />

a.) Tiefe Sammelquote bei Kunststoffen<br />

In <strong>der</strong> Schweiz werden lediglich rund 50'000 Tonnen Kunststoffabfälle separat<br />

gesammelt und stofflich verwertet. Dieser im Vergleich zu an<strong>der</strong>en<br />

Werkstoffen <strong>–</strong> z. B. Glas <strong>–</strong> tiefe Anteil <strong>der</strong> stofflichen Verwertung hat mehrere<br />

Ursachen. So fehlt für Kunststoff eine gut eingespielte Verwertungsindustrie mit<br />

entsprechenden Märkten. Ein wichtiger Grund ist auch die Vielzahl<br />

unterschiedlicher Kunststoffsorten. Je nach Verwendungszweck enthalten<br />

112


Kunststoffe verschiedene Additive wie Weichmacher, Stabilisatoren, Pigmente<br />

o<strong>der</strong> Flammschutzmittel. Das erschwert die sortenreine Sammlung.<br />

b.) PET-Flaschen<br />

PET ist die Abkürzung für den Kunststoff namens Polyethylenterephthalat, was<br />

so schwierig auszusprechen ist, dass meist die Abkürzung PET verwendet wird.<br />

Weltweit werden aus diesem Material jährlich 15 Milliarden Getränkeflaschen<br />

hergestellt. Im Jahr 2008 wurden in <strong>der</strong> Schweiz 35'825 Tonnen PET-Flaschen<br />

gesammelt. Der Absatz von Getränkeflaschen auf dem Schweizer Markt<br />

belief sich im gleichen Jahr auf 45'712 Tonnen. Damit erreichte die<br />

Recyclingquote 78 Prozent. 8 von 10 Flaschen werden also zurückgebracht.<br />

Die Rückführung wird mit einem vorgezogenen Recyclingbeitrag auf PET-<br />

Einweg-Getränkeflaschen ohne Pfand finanziert. PET wurde ursprünglich nicht<br />

für die Produktion von Getränkeflaschen entwickelt. Die Entwicklung begann<br />

während des Zweiten Weltkriegs, als ein Ersatzmaterial für japanische Seide zur<br />

Produktion von Fallschirmen gefunden werden musste. Das neu entdeckte<br />

Material erlangte daraufhin für viele Jahre eine grosse Bedeutung in <strong>der</strong><br />

Textilindustrie. In <strong>der</strong> Schweiz kam PET 1984 erstmals in Flaschenform auf den<br />

Markt: Henniez lieferte damals zum ersten Mal 1,6-Deziliter-PET-<br />

Mineralwasserflaschen an die Swissair.<br />

Batterien<br />

Von den etwa 3'500 Tonnen Haushaltbatterien, die jährlich in <strong>der</strong> Schweiz<br />

verkauft werden, landen lei<strong>der</strong> immer noch 30 Prozent im Kehricht. Diese Art<br />

<strong>der</strong> Entsorgung ist nicht nur unerwünscht, sie führt auch zum Verlust wertvoller<br />

Rohstoffe. Aber die Batteriehersteller und Importeure waren mittlerweile mit<br />

ihrem Engagement zur Schadstoff- und Abfallreduktion erfolgreich: Heute sind<br />

95 Prozent <strong>der</strong> hierzulande verkauften Batterien schadstoffarm. Die bis zu<br />

1'000 Mal wie<strong>der</strong>aufladbaren Akkus sowie die meisten Knopfzellen gehören<br />

hingegen zu den schadstoffreichen Batteriesorten.<br />

113


Die Rücknahme von Altbatterien erfolgt durch Batterienverkaufsstellen sowie<br />

kommunale, regionale und an<strong>der</strong>e Sammelstellen. Somit besteht ein Netz von<br />

rund 10'000 Annahmestellen, wobei die Gemeinden einen wichtigen Beitrag<br />

zur Schonung <strong>der</strong> Umwelt leisten. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt<br />

(BAFU) verwaltet eine private Genossenschaft namens INOBAT die<br />

vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG), welche die Konsumentinnen und<br />

Konsumenten mit dem Kaufpreis von Batterien und Akkus entrichten. Das Ziel<br />

<strong>der</strong> INOBAT ist die Erhöhung <strong>der</strong> Sammelquote von gegenwärtig 70,6 Prozent<br />

auf den vom BAFU vorgegebenen Zielwert von 80 Prozent.<br />

Elektronische Geräte<br />

Seit 15 Jahren kümmert sich <strong>der</strong> Wirtschaftsverband Swico um die Entsorgung<br />

und das Recycling von Elektronik-Altgeräten. Im Jahr 2008 wurden 50'754<br />

Tonnen Elektronik-Altgeräte gesammelt. Aus den Geräten werden die<br />

folgenden Stoffe gewonnen:<br />

• 50 Prozent Metalle (Eisen, Aluminium, Kupfer o<strong>der</strong> Chromstahl)<br />

• 25 Prozent Kunststoffe<br />

• 15 Prozent Bildröhrenglas<br />

Leiterplatten sind mengenmässig zwar unbedeutend, enthalten aber<br />

verschiedene Edelmetalle (Gold, Silber, Palladium) und sind deshalb für die<br />

stoffliche Verwertung beson<strong>der</strong>s interessant. Knapp 1 Prozent <strong>der</strong><br />

114


verarbeiteten Menge sind Schadstoffe. Dazu gehören beispielsweise<br />

Batterien, Kondensatoren o<strong>der</strong> quecksilberhaltige Bauteile.<br />

Elektrogeräte und Leuchtmittel<br />

Die Stiftung SENS eRecycling betreibt ein gesamtschweizerisches<br />

Rücknahmesystem für elektrische und elektronische Geräte sowie für<br />

Leuchtmittel. Die Stiftung organisiert die Entsorgung für:<br />

• Haushaltkleingeräte<br />

• Haushaltgrossgeräte<br />

• Bau-, Garten- und Hobbygeräte<br />

• Spielwaren<br />

• Leuchten und Leuchtmittel<br />

6.5 Zielsetzung 2030 <strong>–</strong> die Abfallpyramide<br />

Auf nationaler Ebene gibt es zwei grundlegende Zielsetzungen zur<br />

Abfallverwertung und Abfallreduktion:<br />

• die Entkopplung <strong>der</strong> Abfallproduktion vom Wirtschaftswachstum<br />

• die Vermeidung schädlicher Auswirkungen von Abfall auf Mensch und<br />

Umwelt<br />

Das Bundesamt für Umwelt strebt bis 2030 einen gesamtwirtschaftlichen<br />

Materialkreislauf an, welcher zu 75 Prozent auf Sekundär- und nur noch zu 25<br />

Prozent auf Primärrohstoffen basiert. Die Abfallpyramide zeigt auf, wie diese<br />

Ziele erreicht werden sollen:<br />

115


Vermeiden steht über Vermin<strong>der</strong>n und Vermin<strong>der</strong>n über Verwerten (aus dem<br />

Englischen „Reduce, Reuse, Recycle“). Vermeidung hat für ein effektives<br />

Abfallmanagement somit oberste Priorität. Nur wo Abfall nicht vermieden<br />

werden kann, soll auf die Vermin<strong>der</strong>ung und schliesslich auf die Verwertung<br />

zurückgegriffen werden.<br />

6.6 Entsorgung im Logistikunternehmen<br />

In Logistikabteilungen und Logistikunternehmen fallen fast alle Arten von<br />

Abfällen an, in erster Linie aber Verpackungsmaterialien. In<br />

Produktionsunternehmen wird <strong>der</strong> Abfall aus <strong>der</strong> Produktion in <strong>der</strong> Regel über<br />

die Logistikabteilung entsorgt. Verteilbetriebe sind oft mit <strong>der</strong> Entsorgung von<br />

Rücknahmen ihrer Verkaufsstellen konfrontiert. Der Materialfluss <strong>der</strong> Abfälle<br />

und <strong>der</strong>en Bewirtschaftung richtet sich also nach den Aufgaben des<br />

Betriebes. Für die Entsorgung von Verpackungen werden meistens<br />

Ballenpressen o<strong>der</strong> Schred<strong>der</strong> eingesetzt.<br />

Ein Beispiel zu einem betrieblichen Entsorgungskonzept könnte wie folgt<br />

aussehen:<br />

116


Betriebliche Entsorgungskonzepte sind so vielfältig wie die Betriebe selbst. Das<br />

oben beschriebene Beispiel könnte auf einen mittelgrossen Verteilbetrieb<br />

zutreffen, <strong>der</strong> den Detailhandel beliefert. Nicht im Konzept enthalten ist die<br />

Entsorgung des Kehrichts aus dem eigenen Betrieb (Wischgut, Büroabfälle<br />

usw.). Logistikbetriebe können auch mit professionellen Entsorgungsfirmen<br />

zusammenarbeiten, die Ihre Dienste wie folgt anbieten:<br />

6.6.1 Checkliste als Vollzugshilfe im Entsorgungskonzept<br />

Für die Mitarbeitenden werden Checklisten als Vollzugshilfen erstellt. Die<br />

abgebildete Checkliste zeigt den einzelnen Mitarbeitenden, wie sie mit dem<br />

entsprechenden Abfall verfahren müssen.<br />

117


Aufbau <strong>der</strong> Checkliste:<br />

1 Abfallgruppe nach Bundesamt für Umwelt (BAFU); alphabetische<br />

Einordnung <strong>der</strong> Wertstoffe<br />

1. Abfallgruppe A: Unproblematische Abfälle, z. B. Hausmüll<br />

2. Abfallgruppe B: Abfälle mit Ansteckungsgefahr, z. B. mit Blut o<strong>der</strong><br />

Exkrementen behaftet<br />

3. Abfallgruppe C: Abfälle mit Erregern meldepflichtiger übertragbaren<br />

Krankheiten<br />

4. Abfallgruppe D: Son<strong>der</strong>abfälle; z. B. Altchemikalien, Lacke,<br />

Pflanzenschutzmittel<br />

5. Abfallgruppe E: Medizinische Abfälle mit aus ethischer Sicht<br />

zusätzliche Anfor<strong>der</strong>ungen; z. B. Organabfälle, Blutkonserven<br />

2 Wertstoff<br />

3 Symbol Kehricht<br />

4 Abfallgruppe nach BAFU<br />

5 Entsorgungsbehälter für den Wertstoff<br />

6 Hinweise zum Behälter<br />

7 Hinweise zum Umgang mit dem Wertstoff<br />

8 Sammelstelle <strong>der</strong> Organisationseinheit (z. B. Abteilung)<br />

9 Verantwortliche für den Transport zur Sammelstelle auf dem Areal<br />

10 Sammelstelle auf dem Areal<br />

11 Entsorger<br />

12 Symbol für Recycling<br />

13 Hinweise auf Gefahren<br />

14 Abfallklassierung nach VeVA (Verordnung über den Verkehr mit<br />

Abfällen)<br />

15 Im vorliegenden Beispiel ist es die Klasse 15 :<br />

15 Gefahrgutklasse nach ADR/SDR (ADR: Europäisches<br />

Übereinkommen über die internationale Beför<strong>der</strong>ung, SDR:<br />

Verordnung über die Beför<strong>der</strong>ung gefährlicher Güter auf <strong>der</strong> Strasse)<br />

118


6.7 Littering<br />

Littering bezeichnet das Wegwerfen o<strong>der</strong> Liegenlassen kleiner Mengen<br />

Siedlungsabfall, ohne dass die bereitstehenden Entsorgungsstellen benutzt<br />

119


werden. Knapp drei Viertel <strong>der</strong> Gemeinden erachten Littering als Problem.<br />

Littering ist ein Ärgernis für alle und generiert hohe Kosten. Zu beobachten ist<br />

diese Unsitte vor allem auf Strassen, öffentliche Plätzen, in Parkanlagen und<br />

nach Grossanlässen. Die grössten Verschmutzungsanteile stammen von<br />

Einwegverpackungen und Getränkegebinden aus <strong>der</strong> "fliegenden<br />

Verpflegung" (Getränkeverpackungen und Take-away-Behälter),<br />

Printprodukten (Zeitungen, gedruckte Werbung) und Zigarettenstummel.<br />

Littering wird nicht nur von Jugendlichen verursacht, son<strong>der</strong>n von allen<br />

Altersgruppen. Es ein gesellschaftliches Problem und lässt sich nur mit <strong>der</strong> Hilfe<br />

von allen lösen. Littering-Abfälle sind Siedlungsabfälle. Die Zuständigkeit für<br />

<strong>der</strong>en Entsorgung liegt bei den Kantonen.<br />

6.7.1 Ursachen von Littering<br />

Die Ursachen für Littering sind vielfältig. Der öffentliche Raum und die freie<br />

Natur werden zum mobilen Raum. Viele Aktivitäten werden beson<strong>der</strong>s in den<br />

Sommermonaten aus dem privaten in den öffentlichen Bereich verlagert. Dies<br />

war z. B. während <strong>der</strong> Covid-19-Pandemie verstärkt <strong>der</strong> Fall, woraufhin das<br />

Littering sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt hat. Einen weiteren Grund<br />

findet man in <strong>der</strong> geringen sozialen Kontrolle im öffentlichen Raum.<br />

Anonymität erhöht die Wahrscheinlichkeit, Reste unkontrolliert liegen zu<br />

lassen. Dieses Verhalten kann durch Gruppeneffekte zusätzlich verstärkt<br />

werden, wobei die persönliche Werthaltung einen wesentlichen Einfluss auf<br />

Littering hat.<br />

Merke: Die Ursache von Littering liegt bei <strong>der</strong> persönlichen Wertehaltung<br />

des Menschen.<br />

6.7.2 Auswirkungen<br />

Die Auswirkungen von Littering sind vielfältig, und wir alle sind davon<br />

betroffen. Das BAFU unterteilt die Auswirkungen in drei Gruppen: ästhetische,<br />

ökologische und ökonomische Auswirkungen.<br />

Ästhetische Auswirkungen<br />

Sauberkeit ist ein wesentlicher Bestandteil und wichtiger Aspekt für die<br />

Lebensqualität <strong>der</strong> Bevölkerung und das Image einer Stadt o<strong>der</strong> eines<br />

an<strong>der</strong>en öffentlichen Raumes. Littering ist eine optische Belästigung und<br />

beeinträchtigt somit die Qualität eines Lebensraumes. Touristenstädte sind<br />

120


eson<strong>der</strong>s darauf angewiesen, einen sauberen und freundlichen Eindruck zu<br />

machen.<br />

Touristen Stadt?<br />

Ökologische Auswirkungen<br />

Gelitterte Materialien lassen sich nicht in Stoffkreisläufe zurückführen und<br />

werden somit <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung entzogen. Es müssen neue Ressourcen<br />

mit all den damit einhergehenden Umweltauswirkungen gewonnen und<br />

verarbeitet werden. Littering ist ebenfalls eine Gefährdung für Tiere und<br />

Pflanzen und damit verbunden auch für den Menschen. Ein Schaden entsteht<br />

somit nicht nur in Hinsicht auf den zusätzlichen Produktionsprozess, <strong>der</strong><br />

notwendig wird, son<strong>der</strong>n auch aufgrund <strong>der</strong> Umweltauswirkungen <strong>der</strong><br />

herumliegenden Produkte.<br />

Ökonomische Auswirkungen<br />

Nicht nur ökologische, son<strong>der</strong>n auch ökonomische Gedanken sprechen<br />

gegen Littering. Littering ist teuer. Die Reinigungskosten belaufen sich jährlich<br />

auf rund 200 Millionen Franken. Zusätzlich fallen hohe Kosten für<br />

Präventionsmassnahmen und Aufklärungskampagnen an. Im erweiterten<br />

Sinne entstehen auch Kosten, wenn aufgrund <strong>der</strong> Verschmutzung Touristen<br />

einem Ort fernbleiben.<br />

121


Littering-Reinigungskosten im öffentlichen Verkehr, total: 48 Mio. CHF/Jahr<br />

Zigaretten 5 % 2,4 Mio CHF<br />

Take-away-Verpackungen 26 % 12,5 Mio CHF<br />

Zeitungen und Flyer 24 % 11,4 Mio CHF<br />

Getränkeverpackungen 36 % 17,1 Mio CHF<br />

Diverses 9 % 4,3 Mio CHF<br />

Littering-Reinigungskosten in den Gemeinden, total: 144 Mio. CHF/Jahr<br />

Zigaretten 36 % 52,5 Mio CHF<br />

Take-away-Verpackungen 19 % 26,7 Mio CHF<br />

Zeitungen und Flyer 5 % 7,1 Mio CHF<br />

Getränkeverpackungen 35 % 50,6 Mio CHF<br />

Diverses 5 % 7,3 Mio CHF<br />

Quelle: BAFU<br />

6.7.3 Littering-Typen<br />

Es gibt nicht nur einen Littering-Typen, son<strong>der</strong>n es sind unterschiedliche<br />

Beweggründe, die zu Littering führen. Die Motivation dafür ist abhängig von<br />

verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel, Umfeld, Kultur, Bildung und<br />

Wohlstand. Bisher wurden in einigen wenigen Studien solche Littering-<br />

Typologien erstellt. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Typologie anhand<br />

einer ENCAMS-Studie (Environmental Campaigns), die auf Aussagen von<br />

Jugendlichen zum Thema Littering basiert:<br />

122


Die Vertreter <strong>der</strong> einzelnen Littering-Typen verhalten sich in Gruppen prinzipiell<br />

an<strong>der</strong>s, als wenn sie alleine sind - in Gruppen wird tendenziell mehr gelittert.<br />

6.7.4 Massnahmen<br />

Littering kann nur wirkungsvoll bekämpft werden, wenn verschiedene<br />

Massnahmen kombiniert und gezielt ergriffen werden. Die grösste Wirkung<br />

zeigen Massnahmen, die beim Verhalten des Menschen ansetzen. Die<br />

Erziehung durch vorbildliches Verhalten zeigt die grösste Wirkung. Ausserdem<br />

können folgende drei Massnahmen helfen:<br />

Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung: Dies kann über Werbeplakate,<br />

Inserate, Events, Facebook usw. in den Gemeinden und Quartieren<br />

123


geschehen. Unterstützung in Form von Plakaten o<strong>der</strong> Fachpersonen können<br />

dabei gratis bei <strong>der</strong> Interessengemeinschaft für Umwelt (IGSU) bestellt o<strong>der</strong><br />

gebucht werden.<br />

Information und Bildung: Der Aufbau von umweltbezogenem Wissen und<br />

konkreten Handlungskompetenzen ist vor allem bei jungen Menschen sehr<br />

wichtig. Verschiedene Organisationen bieten umfangreiches<br />

Unterrichtsmaterial o<strong>der</strong> Schulbesuche an, um den Kin<strong>der</strong>n und Jugendlichen<br />

einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu<br />

zeigen. Wie<strong>der</strong>holende Aktivitäten zum Thema zeigen dabei die grössten<br />

Erfolge.<br />

Sanktionen: Sensibilisierungs- und Informationsarbeit ist sinnvoll, zeigt aber<br />

nicht immer und nicht bei allen Bevölkerungsgruppen die gewünschte<br />

Wirkung. Deshalb wurde in einigen Kantonen und Städten die gesetzliche<br />

Grundlage für eine Littering-Busse geschaffen. An<strong>der</strong>e Städte verzichten auf<br />

Bussen, da diese Sanktion in <strong>der</strong> Realität nicht umsetzbar sei.<br />

124


Modul 107_Abfallkategorien CH<br />

Ausgangslage<br />

In Modul 106 wurde aufgezeigt, dass in <strong>der</strong> Schweiz mit drei Entsorgungswegen<br />

gearbeitet wird. Angesichts <strong>der</strong> Vielfalt an Abfallkategorien kann die Zuteilung zum<br />

richtigen Entsorgungsweg eine Herausfor<strong>der</strong>ung darstellen. In diesem Modul geht es<br />

darum, die verschiedenen Abfallkategorien zu erkennen. Zudem wird aufgezeigt,<br />

wie <strong>der</strong> Entsorgungsprozess aussieht, wenn Abfall nicht über den klassischen Weg<br />

entsorgt werden kann. Beson<strong>der</strong>s <strong>der</strong> "Son<strong>der</strong>abfall" weist Schwierigkeiten bei <strong>der</strong><br />

Entsorgung auf. Aus diesen Schwierigkeiten können auch schnell grössere Gefahren<br />

entstehen.<br />

125


Fachartikel Modul 107<br />

7. Abfallkategorien<br />

In Modul 106 wurde aufgezeigt, dass in <strong>der</strong> Schweiz pro Jahr 80 bis 90<br />

Tonnen Abfall generiert werden. Rund zwei Drittel davon sind Aushub- und<br />

Ausbruchsmaterial. Da dieses zu einem grossen Teil direkt wie<strong>der</strong> eingesetzt<br />

werden kann, wird es in einigen Statistiken nicht als Abfall aufgeführt.<br />

Werden das Aushub- und Ausbruchmaterial nicht gerechnet, werden pro<br />

Jahr in <strong>der</strong> Schweiz 24 Millionen Tonnen Abfall produziert. Das sind knapp 2,5<br />

Tonnen pro Einwohner. Die Abfälle werden vom Bundesamt für Umwelt in vier<br />

Kategorien eingeteilt, die jeweils Unterkategorien haben.<br />

Von den 24 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr entfallen rund 65 Prozent auf<br />

Bauabfälle. Die Siedlungsabfälle machen einen wesentlich kleineren Anteil<br />

von rund 5,7 Millionen Tonnen aus. Sie werden in den KVA verbrannt. Die<br />

Menge <strong>der</strong> Siedlungsabfälle hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Die<br />

Son<strong>der</strong>abfälle betragen 2,4 Millionen Tonnen pro Jahr und <strong>der</strong> Klärschlamm<br />

0,2 Millionen Tonnen.<br />

Bauabfälle<br />

126


Bauabfälle<br />

In <strong>der</strong> Schweiz werden grosse Mengen von Bauabfällen in einer Vielzahl von<br />

kleinen, oft wenig zweckmässig gebauten und betriebenen Deponien<br />

abgelagert. Die Bauabfälle werden unterteilt in: Bausperrgut (Sortierung),<br />

Bauschutt, Betriebsabfälle, Industrie- und Gewerbeabfälle. Zu den Industrieund<br />

Gewerbeabfällen zählen alle Abfälle, die bei Produktionsprozessen<br />

anfallen. Dazu gehören Abfälle aus Industrie und Gewerbe, die we<strong>der</strong> als<br />

Son<strong>der</strong>abfälle noch als Siedlungsabfälle gelten, etwa gewisse Schlacken aus<br />

<strong>der</strong> Metallverarbeitung, Giessereisand o<strong>der</strong> Schlämme aus <strong>der</strong> Herstellung<br />

von Papier. Die Industrieabfälle werden auf an<strong>der</strong>en Wegen entsorgt als die<br />

Siedlungsabfälle, vor allem wegen <strong>der</strong> anfallenden Mengen und <strong>der</strong><br />

unterschiedlichen Schädlichkeit.<br />

Siedlungsabfälle<br />

Siedlungsabfälle sind einerseits die aus Haushalten stammenden Abfälle und<br />

an<strong>der</strong>erseits Abfälle mit vergleichbarer Zusammensetzung. Dazu gehören <strong>der</strong><br />

gemischte Kehricht (Hausmüll), Sperrgut und alles, was separat gesammelt<br />

wird. Der Siedlungsabfall wird von Gemeinden und Zweckverbänden<br />

mengenmässig erfasst: kompostierbare Abfälle, Hauskehricht (Sack- und<br />

Containerkehricht/Sperrgut), Glas, Metalle, Kunststoffe usw.<br />

Son<strong>der</strong>abfälle<br />

Die Entsorgung <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle wird nach den Bestimmungen <strong>der</strong><br />

Verordnung über den Verkehr mit Son<strong>der</strong>abfällen (VVS) von den Kantonen<br />

und vom Bund kontrolliert. Das sind alle Abfälle, die im konventionellen<br />

Verfahren nicht umweltverträglich verwertet o<strong>der</strong> behandelt werden können.<br />

Charakteristisch ist die Vielfalt <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle, entsprechend differenziert<br />

müssen die Behandlungs- und Verwertungsmassnahmen ausgestaltet<br />

werden. Der grösste Teil <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle stammt aus Industrie und<br />

Gewerbe. Son<strong>der</strong>abfälle sind z. B. Schlämme mit organischer Belastung,<br />

anorganische Feststoffe, Säuren und Laugen mit Schwermetallen, Batterien<br />

und Akkumulatoren, verunreinigtes Erdreich, Filterhilfsmittel sowie<br />

Chemikalienreste.<br />

127


Klärschlamm<br />

Klärschlamm entsteht bei <strong>der</strong> Abwasserreinigung. Er besteht aus<br />

mineralischen und organischen Feststoffen mit einem Wassergehalt von 90-99<br />

Prozent.<br />

7.1 Abfälle von A-Z<br />

Neben den vier Hauptkategorien gibt es zahlreiche Unterkategorien, denen<br />

Abfälle zugeordnet werden können. Folgend eine umfassende Auswahl:<br />

Altholz<br />

Holzabfälle werden bei <strong>der</strong> Entsorgung durch ihren<br />

Schadstoffgehalt unterschieden. Sie können in die<br />

folgenden Kategorien unterteilt werden:<br />

• naturbelassenes Holz aus dem Wald<br />

• Schleifstaub aus Schreinereien<br />

• lackierte o<strong>der</strong> beschichtete Möbelstücke<br />

• mit Holzschutzmitteln imprägniertes Holz<br />

Für die Verbrennung in offenen Feuern o<strong>der</strong><br />

Feuerungsanlagen ohne Rauchgasfilter eignet sich nur<br />

unbehandeltes, also naturbelassenes Holz. Alle<br />

behandelten Hölzer sollten nur in einer<br />

Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt werden. Dies gilt<br />

auch für alle Arten von Spanplatten. Gewerbliche o<strong>der</strong><br />

industrielle Holzabfälle können direkt den Betreibern von<br />

Lager- o<strong>der</strong> Schred<strong>der</strong>plätzen für Altholz geliefert werden.<br />

Kleinmengen aus Haushaltungen und Kleinbetrieben<br />

werden über die kommunale Sperrgutsammlung entsorgt.<br />

Altreifen<br />

Die separate Sammlung und Verwertung o<strong>der</strong> Entsorgung<br />

von ausgedienten Fahrzeugreifen ist ökologisch sinnvoll.<br />

Qualitativ einwandfreie Altreifen können mit einer neuen<br />

Lauffläche versehen werden (Run<strong>der</strong>neuerung). Dadurch<br />

werden Ressourcen geschont und die Umweltbelastung<br />

bei <strong>der</strong> Herstellung reduziert. Dadurch lassen sich grössere<br />

128


Mengen fossiler Energieträger einsparen. Das Deponieren<br />

ausgedienter Altreifen ist seit dem Jahr 2000 verboten.<br />

Altreifen werden durch Garagisten und regionale<br />

Altautoverwerter über Altreifenhändler den<br />

verschiedenen Verwertungs- o<strong>der</strong> Behandlungskanälen<br />

zugeführt. Das <strong>der</strong>zeit beste Entsorgungsverfahren von<br />

nicht mehr erneuerbaren Altreifen ist das Verbrennen in<br />

Zementwerken. Aber nicht alle Zementwerke verfügen<br />

über ebenso wirksame Rauchgasreinigungsanlagen wie<br />

die KVA.<br />

Aluminiumverpackungen und Getränkedosen<br />

Das Sammeln und Verwerten von<br />

Aluminiumgetränkedosen ist ökologisch sinnvoll. Durch<br />

das Einschmelzen von Alt-Aluminium können gegenüber<br />

<strong>der</strong> Herstellung aus dem Rohstoff Bauxit bis zu 95 % Energie<br />

eingespart werden. Für Aluminiumgetränkedosen stehen<br />

an gut frequentierten Verkaufs- und Konsumstellen und<br />

bei den Gemeindesammelstellen Dosenpressen zur<br />

Verfügung. Die separat gesammelten Aluminiumdosen<br />

haben einen recht hohen Marktwert. Sie werden in<br />

spezialisierten Umschmelzwerken im grenznahen Ausland<br />

ohne Qualitätsverlust für die Herstellung neuer<br />

Getränkedosen aufbereitet.<br />

Aushubmaterial<br />

Aushubmaterial besteht hauptsächlich aus Fels und<br />

Erdreich und fällt beim Bau von Strassen und Gebäuden<br />

an. Auch durch Naturkatastrophen wie Felsstürze, Lawinen<br />

und Erdrutsche können enorme Mengen solcher<br />

Materialien anfallen. Aushubmaterial lässt sich in die zwei<br />

Kategorien unterteilen:<br />

• verschmutztes Aushubmaterial<br />

• unverschmutztes Aushubmaterial<br />

Unverschmutztes Aushubmaterial wird zur<br />

Wie<strong>der</strong>auffüllung von Gruben verwendet. Ein geringer Teil<br />

des unbelasteten Materials wird zu Schotter verarbeitet<br />

129


und auf Baustellen eingesetzt. Der Rest wird in Deponien<br />

abgelagert. Verschmutztes Aushubmaterial wird von<br />

Fachleuten als "kontaminiert" bezeichnet. Die<br />

Behandlung richtet sich nach dem Verschmutzungsgrad.<br />

Der Rückbau <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>mülldeponie Kölliken erfolgt zum<br />

Beispiel im Vollschutzanzug.<br />

Batterien und Akkumulatoren<br />

Die Konsumenten sind verpflichtet, gebrauchte Batterien<br />

und Akkus zu den Verkaufsstellen zurückzubringen o<strong>der</strong> in<br />

speziellen Sammelstellen zu deponieren. Je<strong>der</strong> Händler ist<br />

zur unentgeltlichen Rücknahme <strong>der</strong> Batterien und Akkus<br />

verpflichtet (Ausnahme: Akkus über 5 kg). Der Transport<br />

von den Sammelstellen in die Verwertungsanlage ist<br />

grundsätzlich kostenlos. Mit verschiedenen<br />

Informationsmitteln wird die Bevölkerung auf die<br />

Rückgabepflicht aufmerksam gemacht. Batterien und<br />

Akkus enthalten wertvolle Rohstoffe wie Eisen, Nickel,<br />

Mangan und Zink. Teilweise enthalten sie aber auch die<br />

schädlichen Schwermetalle Cadmium und Blei, früher<br />

auch Quecksilber. Batterien und Akkumulatoren werden<br />

mit einer obligatorischen vorgezogenen<br />

Entsorgungsgebühr verkauft. Diese Gebühr ist im<br />

Verkaufspreis inbegriffen und deckt die Kosten für die<br />

Sammlung, den Transport und die Verwertung.<br />

Biogene Abfälle (Grüngut)<br />

Die Kompostierung o<strong>der</strong> Vergärung <strong>der</strong> biogenen Abfälle<br />

weist gegenüber <strong>der</strong> Verbrennung in einer<br />

Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) deutliche ökologische<br />

Vorteile auf. In <strong>der</strong> Schweiz fallen jährlich rund 1,3<br />

Millionen Tonnen organische Abfälle an. 740'000 Tonnen<br />

werden in den 333 Kompostier- und Vergärungsanlagen<br />

mit mehr als 100 Jahrestonnen Kapazität verarbeitet. Im<br />

eigenen Garten und auf Quartierkompostplätzen dürften<br />

weitere 300'000 Tonnen verwertet werden. Rund 250'000<br />

Tonnen gelangen aber immer noch mit dem normalen<br />

Kehricht in die KVA.<br />

130


Elektrische und elektronische Geräte<br />

Elektrische und elektronische Geräte können bei je<strong>der</strong><br />

Verkaufsstelle gratis zur Entsorgung abgegeben werden.<br />

Diese Geräte enthalten grosse Mengen an verwertbaren<br />

Metallen wie Kupfer und Eisen sowie an Schwermetallen<br />

wie Blei, Zink und Cadmium. Die im Siedlungsabfall<br />

enthaltenen Metalle stammen zu einem grossen Teil von<br />

solchen Geräten. Ein hoher Schwermetallgehalt erschwert<br />

den Betrieb <strong>der</strong> Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA)<br />

sowie die Behandlung und Verwertung <strong>der</strong><br />

Verbrennungsrückstände. Verwertbare Metalle aus den<br />

Geräten gehen beim Verbrennen weitgehend verloren<br />

o<strong>der</strong> können nur mit grossem Aufwand zurückgewonnen<br />

werden. Die separate Sammlung und umweltverträgliche<br />

Entsorgung ausgedienter elektrischer und elektronischer<br />

Geräte entlastet den Siedlungsabfall von Schwermetallen.<br />

Die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und<br />

die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte<br />

(VREG) schreibt vor, dass Händler, Hersteller und<br />

Importeure verpflichtet sind, die Geräte, die sie in ihrem<br />

Sortiment führen, gratis zurückzunehmen, auch wenn <strong>der</strong><br />

Kunde kein neues Gerät kauft.<br />

Glasverpackungen<br />

Das separate Sammeln von Verpackungsglas hat sich in<br />

<strong>der</strong> Bevölkerung etabliert. Üblicherweise wird<br />

Verpackungsglas in öffentlichen Sammelstellen in<br />

Containern gesammelt. Das Altglas wird mehrheitlich in<br />

Form von Bruchglas gesammelt, getrennt nach den<br />

Farben Weiss, Braun und Grün. In einigen Gemeinden<br />

werden intakte Flaschen für die Wie<strong>der</strong>verwendung in<br />

speziellen Behältern gesammelt. Das gesammelte Altglas<br />

wird für die Produktion von neuen Glasbehältern<br />

eingeschmolzen. Das restliche Altglas wird zur Herstellung<br />

von Bau- und Isoliermaterialien verwendet.<br />

131


Klärschlamm<br />

In den kommunalen Abwasserreinigungsanlagen <strong>der</strong><br />

Schweiz fallen jährlich etwa 4 Millionen Tonnen flüssiger<br />

Klärschlamm an. Die Trockensubstanz dieser Menge<br />

beträgt rund 200'000 Tonnen. Der Klärschlamm enthält<br />

zwar Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, aber<br />

auch Schwermetalle, potenzielle Krankheitserreger und<br />

organische Schadstoffe. Der ökologische Wert als Dünger<br />

war trotz des sinnvollen Kreislaufgedankens deshalb immer<br />

wie<strong>der</strong> umstritten. Seit 2003 ist in <strong>der</strong> Schweiz die Düngung<br />

mit Klärschlamm verboten.<br />

Kühlgeräte<br />

Bis 1994 verkaufte Kühlgeräte enthalten in <strong>der</strong> Isolation<br />

und als Kühlmittel Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW).<br />

FCKW beeinträchtigt die Ozonschicht, welche die Erde<br />

vor <strong>der</strong> UV-Strahlung <strong>der</strong> Sonne schützt. Kühlgeräte fallen<br />

unter die Regelungen <strong>der</strong> Verordnung über die<br />

Rückgabe, die Rücknahme und Entsorgung elektrischer<br />

und elektronischer Geräte (VREG). Die Geräte müssen von<br />

den Konsumentinnen und Konsumenten separat<br />

gesammelt werden. Ausgediente Kühlgeräte können<br />

landesweit bei über 500 offiziellen Sammelstellen o<strong>der</strong> bei<br />

allen Verkaufsstellen gratis abgegeben werden. In vielen<br />

Gemeinden nehmen auch die bedienten Sammelstellen<br />

ausgediente Kühlgeräte zurück.<br />

Kunststoffe<br />

Kein an<strong>der</strong>er Werkstoff für Massenprodukte hat sich in den<br />

letzten vier Jahrzehnten so rasant verbreitet wie <strong>der</strong><br />

Kunststoff. Neben <strong>der</strong> Sammlung von PET-<br />

Getränkeflaschen werden immer noch grosse Mengen<br />

von Kunststoff in den KVA verbrannt. Für das<br />

sachgerechte Recycling von Kunststoffen besteht daher<br />

noch grosses Potenzial.<br />

Leuchtstofflampen<br />

Leuchtstofflampen eignen sich nicht für die Entsorgung<br />

mit dem Hauskehricht, da sie Quecksilber und weitere<br />

132


Schwermetalle enthalten. Seit dem 1. August 2005 können<br />

Leuchtstofflampen gratis bei je<strong>der</strong> Verkaufsstelle o<strong>der</strong> bei<br />

den offiziellen Abgabestellen von SENS eRecycling<br />

abgegeben werden. Händler, Hersteller und Importeure<br />

sind verpflichtet, Produkte, die sie in ihrem Sortiment<br />

führen, gratis zurückzunehmen. Als Leuchtstofflampen<br />

gelten Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen und<br />

Leuchten, nicht aber die normalen Glühlampen und<br />

Halogenlampen. Diese enthalten keine Schadstoffe und<br />

können problemlos mit dem Siedlungsabfall entsorgt<br />

werden.<br />

Medizinische Abfälle<br />

Medizinische Abfälle werden in Krematorien o<strong>der</strong> KVA<br />

entsorgt. Die Anlieferung erfolgt in speziellen Behältern, da<br />

die Abfälle infektiös sein können. Eine Verordnung<br />

definiert die medizinischen Son<strong>der</strong>abfälle und <strong>der</strong>en<br />

Entsorgung. Der Stand <strong>der</strong> Technik für den Umgang mit<br />

medizinischen Abfällen wird von <strong>der</strong> Verantwortlichkeit<br />

über die Sammlung, Zwischenlagerung bis zur Behandlung<br />

und Beseitigung beschrieben. Der Anhang enthält<br />

detaillierte Informationen zu den einzelnen Gruppen<br />

medizinischer Son<strong>der</strong>abfälle.<br />

Metalle<br />

Die separate Sammlung und Verwertung von Altmetallen<br />

ist aus ökologischer Sicht sinnvoll. Altmetalle lassen sich<br />

unterscheiden in<br />

• Eisenmetalle (sind magnetisch)<br />

• Nichteisenmetalle (Kupfer, Messing)<br />

• Graumetalle (Blei, Zink, Zinn, Aluminium)<br />

• Edelmetalle (Gold, Silber)<br />

Von den Gemeindesammelstellen werden in <strong>der</strong> Schweiz<br />

jährlich rund 60'000 Tonnen Altmetalle gesammelt. Die<br />

meisten Gemeinden stellen mindestens eine<br />

Altmetallsammelstelle zur Verfügung. Gewerbe und<br />

133


Industrie liefern ihr Altmetall direkt an die regionalen<br />

Altstoffhändler.<br />

Möbel<br />

Die Entsorgung von ausgedienten Möbeln stellt heute kein<br />

vordringliches ökologisches Problem dar. Die meisten<br />

nicht mehr benötigten Möbel werden mit <strong>der</strong><br />

Sperrgutsammlung entsorgt. Oft nehmen die<br />

Möbelgeschäfte die alten Möbel beim Kauf neuer<br />

gleichartiger Möbel zurück. Second-Hand-Geschäfte wie<br />

Tauschzentren, Brockenstuben o<strong>der</strong> Börsen nehmen noch<br />

brauchbare Möbel meist gratis entgegen.<br />

Papier und Karton<br />

Die Sammlung von Altpapier und -karton wird in <strong>der</strong><br />

Schweiz seit Jahrzehnten betrieben und ist den meisten<br />

Einwohnern zur Gewohnheit geworden. Weit verbreitet ist<br />

die Sammlung am Strassenrand. Je nach Verwerter erfolgt<br />

die Sammlung von Altpapier separat o<strong>der</strong> gemeinsam mit<br />

dem Altkarton. Die Sammelware wird entwe<strong>der</strong> direkt an<br />

die Papier- o<strong>der</strong> Kartonfabriken geliefert o<strong>der</strong> in<br />

Sortierbetrieben nach verschiedenen Qualitäten<br />

aufbereitet. Oft entspricht die Qualität <strong>der</strong> Sammelware<br />

den Bedürfnissen <strong>der</strong> inländischen Verwerter aber nicht.<br />

Deshalb wird das Sammelgut oft exportiert und die<br />

benötigten Qualitäten an Altpapier importiert.<br />

PET-Getränkeflaschen<br />

Neuere Ökobilanzen zeigen, dass Einweg-<br />

Getränkeflaschen aus PET, die einen hohen Rücklauf in<br />

die Verwertung aufweisen, die Umwelt nicht wesentlich<br />

stärker belasten als Mehrweg-Glasflaschen. Das<br />

Hauptproblem bei <strong>der</strong> Entsorgung von PET-Flaschen liegt<br />

darin, dass sie noch viel zu häufig im Kehricht landen o<strong>der</strong><br />

einfach auf Strassen und öffentlichen Plätzen<br />

weggeworfen werden. PET-Flaschen müssen sortenrein<br />

gesammelt werden. Milchflaschen aus Polyethylen (PE)<br />

o<strong>der</strong> Essig- und Ölflaschen aus PET verursachen eine<br />

unerwünschte Verunreinigung des Sammelgutes. Diese<br />

134


Flaschen werden mit dem Hauskehricht entsorgt. Das<br />

Sammelstellennetz für PET-Getränkeflaschen umfasst<br />

mittlerweile über 26'000 Stellen mit über 40'000<br />

Sammelbehältern.<br />

Stahlblech, Weissblech<br />

Die separate Sammlung und Verwertung sauberer<br />

Stahlblech und Weissblechverpackungen ist ökologisch<br />

sinnvoll. Weissblech ist Stahlblech, das mit einer<br />

Zinnschicht korrosionsbeständig gemacht wurde. In den<br />

rund 5'000 von den Gemeinden zur Verfügung gestellten<br />

Sammelstellen wurden nach letzten Erhebungen 12'000<br />

Tonnen Stahl- und Weissblech dem Recycling zugeführt.<br />

Dies entspricht einem Rücklauf von 79 Prozent.<br />

Textilien und Schuhe<br />

Die Sammlung von alten Klei<strong>der</strong>n ist aus ökologischer Sicht<br />

sinnvoll. Je<strong>der</strong> Schweizer benötigt pro Jahr etwa 18<br />

Kilogramm Textilien. Davon sind rund 10 kg Klei<strong>der</strong>.<br />

Jährlich werden rund 40 000 Tonnen Altklei<strong>der</strong> und Schuhe<br />

gesammelt und den unterschiedlichen Verwertungsarten<br />

zugeführt. Weitere 40'000 Tonnen Textilien werden mit dem<br />

Hauskehricht entsorgt. Dabei handelt es sich weniger um<br />

tragbare Klei<strong>der</strong> als um Artikel mit komplexen<br />

Fasermischungen. Hilfswerke sammeln in <strong>der</strong> Schweiz<br />

Altklei<strong>der</strong> beinahe flächendeckend.<br />

Verpackungen<br />

Die Schweiz verfolgt seit über 20 Jahren eine Strategie zur<br />

Optimierung von Verpackungen. Sie sollen während des<br />

ganzen Lebenszyklus, von <strong>der</strong> Herstellung über den<br />

Gebrauch bis zur Entsorgung, die Umwelt möglichst wenig<br />

belasten. Dank dieser recht lange bestehenden<br />

Sensibilisierung setzen die Schweizer Grossverteiler für<br />

gebräuchliche Konsumgüter in <strong>der</strong> Regel optimierte<br />

Verpackungen ein. Sie sind leicht und für das Recycling<br />

o<strong>der</strong> die problemlose Entsorgung mit den<br />

Siedlungsabfällen konzipiert.<br />

135


7.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen<br />

Die geordnete Beseitigung des Abfalls ist für jedes Land von zentraler<br />

Bedeutung. Stelle man sich die Auswirkungen vor, wenn hierzulande<br />

je<strong>der</strong>mann seinen Abfall uneingeschränkt und überall hinterlassen könnte,<br />

o<strong>der</strong> wenn die Gemeinden nicht für eine geregelte Beseitigung sorgen<br />

würden: die Folge wäre eine "Riesensauerei". Die Umwelt würde Schaden<br />

nehmen, die Lebensqualität wäre stark beeinträchtigt, die Touristen würden<br />

ausbleiben. Aus diesem Grund hat die Abfallbewirtschaftung in den<br />

Gesetzeswerken einen hohen Stellenwert.<br />

7.2.1 Die Bundesverfassung (BV)<br />

Die Bundesverfassung (BV) steht auf <strong>der</strong> obersten Stufe <strong>der</strong> Schweizer<br />

Rechtsordnung. Sie regelt Grundrechte und erteilt Aufträge an den Bund.<br />

Artikel 74 Bundesverfassung (BV)<br />

"Umweltschutzgesetz":<br />

"Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner<br />

natürlichen Umwelt vor schädlichen o<strong>der</strong> lästigen Einwirkungen."<br />

Bundesgesetze beruhen auf Aufträgen <strong>der</strong> Bundesverfassung und setzen<br />

Rechte und Pflichten in Ziele, Prinzipien und Werte (z. B. Grenzwerte) um.<br />

Verordnungen basieren auf Gesetzen und legen die<br />

Ausführungsbestimmungen fest.<br />

136


7.2.2 Das Umweltschutzgesetz (USG)<br />

1971 nahm das Stimmvolk mit 93 Prozent den Artikel 74 BV als Grundlage einer<br />

Umweltschutzgesetzgebung auf nationaler Ebene an. Die gesetzgebenden<br />

Organe taten sich aufgrund von Interessenskonflikten aber schwer mit <strong>der</strong><br />

Ausgestaltung des Umweltschutzgesetzes. Deshalb wurde es erst 1983<br />

verabschiedet. Im Umweltschutzgesetz wird Folgendes geregelt:<br />

• die Vermeidung und Entsorgung<br />

• die Abfallplanung und Entsorgungspflicht<br />

• die Finanzierung <strong>der</strong> Entsorgung<br />

• die Sanierung belasteter Standorte<br />

Merke: Der Schwerpunkt <strong>der</strong> im USG erlassenen Vorschriften liegt bei <strong>der</strong><br />

Vermeidung <strong>der</strong> Umweltgefährdung durch Abfall.<br />

7.2.3 Verordnungen<br />

Im Wesentlichen regeln drei Verordnungen den Umgang mit Abfall. Sie<br />

basieren auf dem Umweltschutzgesetz (USG) und dem Gewässerschutzgesetz<br />

(GSchG):<br />

Die Technische Verordnung über Abfälle (TVA)<br />

Die TVA enthält Bestimmungen über:<br />

• das Vermin<strong>der</strong>n und Behandeln von Abfällen<br />

• das Deponieren von Abfällen<br />

• die Zwischenlagerung von Abfällen<br />

• Abfallverbrennungsanlagen<br />

• Kompostierungsanlagen<br />

Die Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA)<br />

Die VeVa enthält Bestimmungen über:<br />

• Verkehr mit Abfällen im Inland (Übergabe, Entgegennahme, Transport von<br />

Son<strong>der</strong>abfällen)<br />

137


• Grenzüberschreiten<strong>der</strong> Verkehr mit Abfällen<br />

• Vollzug <strong>der</strong> Verordnung<br />

Die VeVA bezieht sich auf Son<strong>der</strong>abfälle und an<strong>der</strong>e kontrollpflichtige<br />

Abfälle. Die Arbeit im Zusammenhang mit <strong>der</strong> Annahme von Abfall unterliegt<br />

sowohl einzelnen Bestimmungen <strong>der</strong> TVA als auch <strong>der</strong> VeVA.<br />

Die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung<br />

elektrischer und elektronischer Geräte (VREG)<br />

Die VREG regelt die Rückgabe, Rücknahme und Entsorgung elektrischer und<br />

elektronischer Geräte. Dazu gehören:<br />

• Geräte <strong>der</strong> Unterhaltungs-, Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik<br />

• Haushaltgeräte<br />

• Leuchten<br />

• Leuchtmittel<br />

• Elektrowerkzeuge<br />

• Sport- und Freizeitgeräte, Spielzeug<br />

7.3 Son<strong>der</strong>abfälle<br />

7.3.1 Was ist Son<strong>der</strong>abfall?<br />

Als Son<strong>der</strong>abfall wird diejenige Abfallkategorie bezeichnet, die aufgrund ihrer<br />

chemischen o<strong>der</strong> physikalischen Eigenschaften schädliche Auswirkungen auf<br />

die Umwelt o<strong>der</strong> den Menschen hat und daher eine beson<strong>der</strong>e Behandlung<br />

erfor<strong>der</strong>t. Son<strong>der</strong>abfall kann nicht zusammen mit Siedlungsabfällen<br />

gesammelt und entsorgt werden. Son<strong>der</strong>abfälle sind zum Beispiel:<br />

Farben, Klebstoffe, Lösungsmittel, Säuren, Basen, Chemikalien,<br />

Reinigungsmittel, Batterien und Akkumulatoren, Öle und Fette, mit<br />

Schadstoffen getränkte Böden, Rückstände aus <strong>der</strong> Straßenreinigung,<br />

Rückstände aus Kohlenwasserstoffabschei<strong>der</strong>n, gebrauchte Motoröle,<br />

Autobatterien, Dekantier- und Filterrückstände, ölige Emulsionen, Wasser und<br />

Schlamm mit gelösten Metallen.<br />

Son<strong>der</strong>abfall ist weniger bekannt als Siedlungsabfall, da er hauptsächlich<br />

industriell produziert wird. Er macht aber einen bedeutenden Anteil <strong>der</strong><br />

138


ehandelten Abfälle aus; rund 10 Prozent <strong>der</strong> Gesamtabfallmenge (BAFU<br />

2016).<br />

7.3.2 Abfall mit beson<strong>der</strong>er Behandlung<br />

Aufgrund ihrer beson<strong>der</strong>en Eigenschaften erfor<strong>der</strong>n gefährliche Abfälle eine<br />

spezielle und hochprofessionelle Handhabung und Behandlung. Bei<br />

unsachgemässem Umgang (Transport, Lagerung, Behandlung) stellen<br />

gefährliche Abfälle eine Gefahr für die Umwelt und die Bevölkerung dar. Aus<br />

diesem Grund gelten für Son<strong>der</strong>abfälle beson<strong>der</strong>e Vorschriften, in denen die<br />

Merkmale <strong>der</strong> Standorte, Anlagen und Behandlungsverfahren festgelegt sind.<br />

Auf <strong>der</strong> Grundlage dieser Vorschriften dürfen nur diejenigen, die über eine<br />

von den kantonalen Behörden erteilte Genehmigung verfügen,<br />

Son<strong>der</strong>abfälle annehmen. Im Gegensatz zu nicht gefährlichen Abfällen<br />

müssen gefährliche Abfälle vor ihrer Entsorgung vom Labor nach ihrer Toxizität<br />

o<strong>der</strong> Gefährlichkeit eingestuft werden. Anschliessend werden sie sortiert,<br />

verarbeitet, verpackt und zwischengelagert, um die Materialien je nach Art<br />

<strong>der</strong> Verbindungen angemessen für das Recycling o<strong>der</strong> die ordnungsgemässe<br />

Behandlung (energetische o<strong>der</strong> chemisch-physikalische) vorzubereiten.<br />

7.3.3 Gefahrenpotenzial von Son<strong>der</strong>abfall<br />

Schon die Einstufung eines Stoffes als "Son<strong>der</strong>abfall" weist auf seine<br />

Gefährlichkeit hin. Son<strong>der</strong>abfälle stellen bei unsachgemässem Umgang (bei<br />

Transport, Lagerung, Behandlung) eine Gefahr für die Umwelt und die<br />

Bevölkerung dar. Schädliche Stoffe können ins Wasser, in den Boden o<strong>der</strong> in<br />

die Luft gelangen, was unbedingt zu verhin<strong>der</strong>n ist.<br />

139


Die Gefahr, die von den verschiedenen Stoffen ausgeht, ist sehr<br />

unterschiedlich. Wie schon Paracelsus feststellte, ist es in erster Linie die<br />

Menge, die das Gefahrenpotenzial ausmacht:<br />

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein<br />

Ding kein Gift sei. “<br />

Paracelsus (1493-1541)<br />

Einen Einfluss auf das Gefahrenpotenzial eines Stoffs hat auch die Art und<br />

Weise <strong>der</strong> Aufbewahrung. Wenn ein Stoff richtig aufbewahrt wird, kann die<br />

von ihm ausgehende Gefahr stark vermin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> eliminiert werden. Durch<br />

Abwehr <strong>der</strong> äusseren Einflüsse kann die Umweltgefährdung durch<br />

Son<strong>der</strong>abfälle weiter vermin<strong>der</strong>t werden.<br />

Unabhängig von <strong>der</strong> Kategorie ist beim Umgang mit Son<strong>der</strong>abfall immer<br />

Vorsicht und grösste Sorgfalt angezeigt. Fehlende Gefahrenkennzeichnung<br />

heisst nicht, dass ein Stoff ungefährlich ist. Im Zweifelsfall ist ein Stoff als<br />

gefährlich zu betrachten und mit <strong>der</strong> nötigen Vorsicht zu behandeln.<br />

7.3.4 Die sieben elementaren Vorsichtsmassnahmen beim Umgang mit<br />

gefährlichen Stoffen<br />

Handhabung<br />

1. Öffnen von Behältern verboten!<br />

2. Grösstmögliche Sorgfalt bei <strong>der</strong> Handhabung (nicht stürzen, Bruch und Staub<br />

vermeiden)<br />

140


3. Anfassen mit blossen Händen vermeiden. Wenn Anfassen unbedingt nötig, nur<br />

mit Schutzhandschuhen. Nach dem Kontakt mit Behältern Hände waschen.<br />

Wenn Spritzer nicht auszuschliessen sind, Schutzbrille tragen.<br />

Lagerung<br />

4. Schutz vor unbefugtem Zugriff (abschliessbarer Lagerort)<br />

5. Zusammenlagerung unbekannter Stoffe verboten<br />

6. wettergeschützte Lagerung erfor<strong>der</strong>lich<br />

7. Verwendung von Gebinden, die das Auslaufen von Flüssigkeiten verhin<strong>der</strong>n.<br />

7.4 Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall<br />

Die Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall gehört in die Verantwortung von<br />

Spezialisten. Für Private heisst dies: Rückgabe an die Verkaufsstelle. Firmen<br />

wenden sich bezüglich <strong>der</strong> Rückgabe an den Lieferanten. Logistikbetriebe,<br />

die grössere Mengen an Son<strong>der</strong>abfällen zu entsorgen haben, müssen in <strong>der</strong><br />

Datenbank des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) registriert sein. Der Abgeber<br />

darf die Son<strong>der</strong>abfälle nur einem Abnehmer übergeben, <strong>der</strong> zu <strong>der</strong><br />

141


Entgegennahme berechtigt ist. Zur Annahme von Son<strong>der</strong>abfällen berechtigt<br />

ist, wer über eine Bewilligung verfügt. Diese wird durch die Behörden des<br />

Standortkantons ausgestellt. Der Abgeber ist verantwortlich zu überprüfen, ob<br />

<strong>der</strong> Abnehmer über eine Bewilligung verfügt.<br />

Die Liste <strong>der</strong> bewilligten Abfallcodes von Entsorgungsbetrieben kann hier<br />

abgerufen werden.<br />

142


Modul 108_Entsorgung Global<br />

Ausgangslage<br />

Die Entsorgung und die damit verbundene Umweltbelastung sind globale<br />

Themen. Eine Stadt, ein Land o<strong>der</strong> auch ein Kontinent kann viel Gutes tun und<br />

als Vorbild funktionieren. Am Ende ist es aber wichtig, dass sich die ganze<br />

Bevölkerung mit dem Umweltschutz beschäftigt. Die Gründe für das<br />

Artensterben von Tieren o<strong>der</strong> <strong>der</strong> globalen Erwärmung müssen gemeinsam<br />

erkannt werden und korrigierende Massnahmen definiert und umgesetzt.<br />

Lei<strong>der</strong> ist das nicht ganz so einfach. Der Wohlstand und die Gier des<br />

Menschen verhin<strong>der</strong>n oft Massnahmen zum Schutz <strong>der</strong> Umwelt.<br />

143


Fachartikel Modul 108<br />

8. Globale Entsorgung<br />

8.1 Umweltmanagementsysteme (UMS)<br />

Ein Umweltmanagementsystem (UMS) ist Teil des gesamten<br />

Managementsystems einer Organisation. Es befasst sich mit <strong>der</strong><br />

umweltverträglichen Unternehmensführung. Das Bundesamt für Umwelt<br />

(BAFU) unterstützt die Entwicklung von Umwelttechnologien in Unternehmen.<br />

Es arbeitet mit Firmen, Organisationen und Institutionen zusammen, damit<br />

ökologische Anliegen in <strong>der</strong> Wirtschaft vermehrt berücksichtigt werden.<br />

Umweltmanagementsysteme bieten die Chance, die Umweltziele strukturiert<br />

und umfassend in die Unternehmensführung zu integrieren. Sie sind kein Label<br />

für "Umweltfreundlichkeit", son<strong>der</strong>n zeigen auf, dass Umweltfragen in<br />

Prozessen und Strukturen verankert sind und kontinuierlich verbessert werden<br />

sollen. Der Einsatz von UMS ist einer <strong>der</strong> Schlüssel für die nachhaltige<br />

Entwicklung <strong>der</strong> Wirtschaft. Die Umsetzung <strong>der</strong> Systeme erfor<strong>der</strong>t gut<br />

ausgebildete Mitarbeitende auf allen Stufen.<br />

8.1.1 Inhalt eines Umweltmanagementsystems<br />

Mit einem Umweltmanagementsystem (UMS) erfassen Unternehmen die<br />

Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt. Das Unternehmen muss folgende<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllen:<br />

• Es identifiziert sich mit den wichtigsten Umweltbelastungen.<br />

• Es verpflichtet sich zur ständigen Einhaltung <strong>der</strong> Umweltvorschriften.<br />

• Es legt eigene Umweltziele und -programme fest.<br />

• Es bestimmt Struktur und Mittel, um die festgelegten Umweltziele zu erreichen.<br />

• Es führt regelmässig Umweltaudits zur Beurteilung <strong>der</strong> Wirkung des UMS durch.<br />

• Es veröffentlicht einen Umweltbericht und berichtet über den Stand <strong>der</strong><br />

erreichten Umweltleistung.<br />

8.1.2 Vorteile eines Umweltmanagementsystems<br />

Interne Vorteile<br />

• Rationalisierung <strong>der</strong> Produktion, Kostensenkung<br />

• Wahrung <strong>der</strong> Umweltgesetze, Rechtssicherheit<br />

• technologische Innovationen, Verhin<strong>der</strong>ung von Umweltschäden<br />

144


• Motivation <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />

Externe Vorteile<br />

• verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, Konkurrenzvorteil<br />

• besseres Image bei Kunden und in <strong>der</strong> Öffentlichkeit<br />

• besseres Verhältnis zu den Behörden, aktive Zusammenarbeit<br />

• mehr Transparenz gegenüber Aktionären, Banken und Versicherungen<br />

8.1.3 Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen<br />

Für die Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen besteht seit 1996 die<br />

ISO-Norm 14001. Sie definiert weltweit gültige Kriterien an ein<br />

Umweltmanagementsystem (UMS). Wer diese Anfor<strong>der</strong>ungen nachweislich<br />

erfüllt, wird mit einem Zertifikat ausgewiesen. Das Zertifikat schafft bei Kunden,<br />

Lieferanten, Mitarbeitenden, Behörden, Investoren und <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

Vertrauen. Die Firma kann damit darlegen, dass umweltschonendes<br />

Verhalten in die Unternehmensprozesse integriert ist und sie Eigeninitiative und<br />

Selbstverpflichtung hat. Umweltmanagement als Bestandteil des<br />

unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagements hat folgenden Nutzen:<br />

• <strong>der</strong> Umweltschutz im Unternehmen wird systematischer<br />

• Risiken und Umweltbelastung im Unternehmen werden minimiert<br />

• die Umweltrelevanz <strong>der</strong> Unternehmensprozesse rückt ins Bewusstsein <strong>der</strong><br />

Mitarbeitenden<br />

• die Konkurrenzfähigkeit wird gesteigert<br />

• das Image wird verbessert<br />

• das Umweltmanagement kann in einem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbericht<br />

als Teil des<br />

Geschäftsberichtes für je<strong>der</strong>mann sichtbar dargelegt werden<br />

8.1.4 ISO-Norm für Grossanlässe<br />

Die Internationale Normenorganisation (ISO) hat mit ihrer Norm ISO 20121 an<br />

den Olympischen Sommerspielen 2012 in London ihre Feuertaufe bestanden.<br />

Mit einem ergebnisorientierten Ansatz will die ISO anhand von<br />

organisationsbezogenen Kriterien für Grossanlässe aller Art die nachhaltige<br />

145


Entwicklung unterstützen. Dabei geht die Normenorganisation auf die<br />

Bedürfnisse <strong>der</strong> Eventbranche als Ganzes ein, angefangen bei den<br />

Organisatoren über die Besucherinnen und Besucher bis hin zu den<br />

Lieferanten.<br />

Sammelstelle zur einfachen Trennung <strong>der</strong> verschiedenen Abfallkategorien bei einer Grossveranstaltung.<br />

Die neue ISO-Norm ermöglicht es, den Managementprozess zu optimieren<br />

und ist ein wertvolles Arbeitsinstrument für die Eventveranstalter.<br />

Ein Beispiel von den Olympischen Spielen: Klei<strong>der</strong> aus Abfall<br />

Die Klei<strong>der</strong> <strong>der</strong> Helfer an den Olympischen Sommerspielen in London 2012<br />

sehen auf den ersten Blick aus wie ganz normale Sportklei<strong>der</strong> von <strong>der</strong><br />

Stange. Die Farbkombination ist aber schon ein bisschen ungewöhnlich:<br />

violett sind die Jacken, die Kragen und Bündchen knallrot. 70'000 freiwillige<br />

Helfer, die während <strong>der</strong> Olympischen Spiele in London den Besuchern mit<br />

Rat und Tat zur Seite standen, trugen sie. Die ungewöhnliche<br />

Farbkombination sollte sicherstellen, dass man sie auf den ersten Blick<br />

erkennt. Was man den Jacken aber nicht ansieht ist, dass sie aus Abfall<br />

hergestellt wurden. Die Kleidung für die Olympia-Freiwilligen produzierte<br />

Adidas vollständig aus Recycling-Material wie beispielsweise alten PET-<br />

Flaschen.<br />

146


8.2 Globale Umweltprobleme<br />

Lei<strong>der</strong> sind Theorie und Praxis in <strong>der</strong> Entsorgung nicht immer identisch. Auch<br />

wenn wir in <strong>der</strong> Schweiz grosse Investitionen vornehmen, Privatpersonen und<br />

Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegen, werden aufgrund <strong>der</strong><br />

Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Umwelt global gesehen einige Probleme auf uns<br />

zukommen. Es benötigt eine enge und einheitliche Zusammenarbeit, um die<br />

Umwelt in Zukunft besser schützen zu können. Folgende acht Umweltprobleme<br />

kennt unsere Zeit:<br />

8.2.1 Klimawandel<br />

Der Klimawandel wird sehr intensiv diskutiert. Der Begriff "Klimawandel" kann<br />

grundsätzlich eine Abkühlung und eine Erwärmung <strong>der</strong> Erde bezeichnen.<br />

Heutzutage wird <strong>der</strong> Begriff meist in Zusammenhang mit <strong>der</strong> globalen<br />

Erwärmung benutzt. Die Durchschnittstemperatur ist seit den 1980er Jahren<br />

von etwa 0.2° C auf fast 1° C angestiegen. Hitzewellen, Stürme und<br />

Überschwemmungen sind u. a. die Folgen davon. Die globale Erwärmung hat<br />

viele Ursachen:<br />

• Die Abholzung von Regenwäl<strong>der</strong>n hat zur Folge, dass <strong>der</strong> in Blättern, Wurzeln<br />

und Holz gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO2 freigesetzt wird. Das führt<br />

zur Verstärkung des Treibhauseffektes, und die Temperaturen auf <strong>der</strong> Erde<br />

steigen.<br />

• Die Verbrennung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung (wie z. B. Kohle<br />

o<strong>der</strong> Öl) verursacht CO2.<br />

• Landwirtschaftliche Nutztiere wie Kühe produzieren grosse Mengen an<br />

Methan. Dieses hält die Sonnenrückstrahlung zurück und trägt damit zum<br />

Treibhauseffekt bei.<br />

• Aufgrund des Wohlstands ist die menschliche Mobilität gestiegen. Autos,<br />

Schiffe und Flugzeuge haben einen hohen CO2-Ausstoss.<br />

8.2.2 Wasserknappheit<br />

In <strong>der</strong> Schweiz verbraucht je<strong>der</strong> Einwohner ungefähr 120 Liter Wasser am Tag<br />

für Essen, Körperpflege o<strong>der</strong> Reinigungsarbeiten. Dieser Luxus ist nicht für alle<br />

Menschen möglich. Es herrscht Wasserknappheit auf <strong>der</strong> Erde. Ohne Wasser<br />

existiert auf diesem Planeten kein Leben. 97 Prozent des Wassers auf <strong>der</strong> Erde<br />

ist salziges Meerwasser, das nicht trinkbar ist. Weitere 2 Prozent des Wassers<br />

147


sind zu Eis gefroren. Übrig bleibt noch 1 Prozent Wasser aus Flüssen, mit<br />

welchem menschlichen Bedürfnisse gedeckt werden müssen und z. B.<br />

landwirtschaftliche Fel<strong>der</strong> bewässert werden. Ursache für die<br />

Wasserknappheit ist einerseits unsere Art zu leben. An<strong>der</strong>erseits sorgt auch die<br />

zunehmende Vergiftung von Flüssen dafür, dass vielerorts bereits akute<br />

Wasserknappheit herrscht.<br />

8.2.3 Luftverschmutzung<br />

Abgase aus <strong>der</strong> Industrie, von Autos o<strong>der</strong> Flugzeugen sind für eine erhebliche<br />

Verschmutzung <strong>der</strong> Luft verantwortlich. Grossstädte wie Peking, Kuala Lumpur,<br />

Kapstadt sowie München, Berlin und London haben stärker mit<br />

Luftverschmutzung zu kämpfen als kleinere Städte o<strong>der</strong> Orte in ländlichen<br />

Regionen. Die Luftverschmutzung wird beeinflusst von <strong>der</strong> Anzahl Menschen,<br />

die auf einer kleinen Fläche zusammenleben und sich bewegen. Die<br />

Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2012 berechnet, dass rund 8<br />

Millionen Menschen durch die Luftverschmutzung verstorben sind.<br />

8.2.4 Bodenerosion<br />

Auch die Bodenerosion ist auf das menschliche Verhalten zurückzuführen. Der<br />

ökologische Kreislauf <strong>der</strong> Natur ist perfekt durchdacht. Durch Organismen<br />

speichert <strong>der</strong> Boden Nährstoffe und Wasser. Die Böden speichern damit mehr<br />

Kohlenstoff als alle Wäl<strong>der</strong> zusammen. Durch das menschliche Verhalten<br />

werden diese Böden aber immer unfruchtbarer. Nicht abbaubare Produkte,<br />

die <strong>der</strong> Mensch in den Kreislauf einführt, sind von <strong>der</strong> Natur nicht vorgesehen.<br />

Eine aktuelle Berechnung zeigt, dass heutzutage jährlich 1 Prozent <strong>der</strong> Böden<br />

weltweit verlorengeht: Fel<strong>der</strong> werden überbaut o<strong>der</strong> für an<strong>der</strong>e Zwecke<br />

missbraucht. Der Boden muss mitunter als Müllhalde herhalten und wird<br />

entsprechend verschmutzt <strong>–</strong> solche Eingriffe können nicht in kurzer Zeit<br />

korrigiert werden.<br />

8.2.5 Überbevölkerung<br />

Die Überbevölkerung ist kein direktes Umweltproblem. Wenn die menschliche<br />

Bevölkerung zu gross ist, gibt es aber ein Ressourcenproblem. Der Vergleich<br />

1955 zu 2020 zeigt das exponentielle Wachstum <strong>der</strong> Bevölkerung auf:<br />

Jahr Bevölkerung Durchschn. Alter<br />

148


Bevölkerung zu gross ist, gibt es aber ein Ressourcenproblem. Der Vergleich<br />

1955 zu 2020 zeigt das exponentielle Wachstum <strong>der</strong> Bevölkerung auf:<br />

Jahr Bevölkerung Durchschn. Alter<br />

1955 2.773.019.936 23<br />

2020 7.794.798.739 31<br />

Je<strong>der</strong> zusätzliche Bewohner <strong>der</strong> Erde verbraucht Güter, Energie, Wasser und<br />

muss sich ernähren. Um den steigenden Bedarf durch die grösser werdende<br />

Bevölkerung und den steigenden Wohlstand zu decken, wird mehr<br />

Ackerfläche benötigt. Für diese Ackerfläche wird <strong>der</strong> Wald gerodet, wodurch<br />

<strong>der</strong> Klimawandel verstärkt wird.<br />

8.2.6 Abholzung<br />

Die Organisation Global Forest Watch (GFW) hat zum Ziel, das Abholzen <strong>der</strong><br />

Wäl<strong>der</strong> sichtbar zu machen. Interaktive Karten zeigen weltweit das<br />

Stadium <strong>der</strong> Abholzung. Gemäss <strong>der</strong> GFW vernichtet die Menschheit jedes<br />

Jahr auf <strong>der</strong> ganzen Welt etwa 30 Millionen Hektaren Wald. Umweltgesetze<br />

werden weltweit eingeführt, aber lei<strong>der</strong> nicht eingehalten o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong><br />

aufgelöst. Die Folgen <strong>der</strong> Abholzung sind schwerwiegend: Klimawandel,<br />

Artensterben und Bodenerosion. Der menschliche Wohlstand und das<br />

Bevölkerungswachstum führen zu <strong>der</strong> Abholzung von Wäl<strong>der</strong>n. Es ist wichtig,<br />

über die Abholzung zu sprechen und so das Bewusstsein zu för<strong>der</strong>n - in <strong>der</strong><br />

Industrie und bei den Konsumenten. Nur so erfährt <strong>der</strong> Konsument, welche<br />

Produkte wie hergestellt werden (z. B. mit Palmöl, für dessen Anbau oft Wäl<strong>der</strong><br />

abgeholzt werden).<br />

8.2.7 Artensterben<br />

Artensterben ist ein massives Umweltproblem, das durch den Menschen<br />

verursacht wird. Immer mehr Tierarten sind vom Aussterben bedroht.<br />

Entwe<strong>der</strong> werden ihre Lebensräume zu klein o<strong>der</strong> Menschen machen Jagd<br />

auf sie. Folgende bekannte Tiere sind vom Aussterben bedroht: Berggorillas,<br />

Tiger, Panda, Orang-Utan, Karettschildkröten. Die Weltnaturschutz-Union führt<br />

eine Liste mit allen Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Gemäss <strong>der</strong><br />

Weltnaturschutz-Union sind von 90'000 Arten etwa 25'800 vom Aussterben<br />

bedroht. Die Ursache für dieses Aussterben ist in vielen Fällen <strong>der</strong> Mensch,<br />

seine Gier und sein Lebensstil. Die Bodenerosion, die Abholzung wie auch die<br />

Vermüllung <strong>der</strong> Natur nehmen den Tieren ihren Lebensraum.<br />

149


8.2.8 Plastikmüll<br />

Der Mensch ist auch verantwortlich für das Umweltproblem Plastikmüll. Es gibt<br />

Statistiken, die Aufzeigen, dass im Durchschnitt jede Minute auf <strong>der</strong> Erde eine<br />

LKW-Ladung Plastikmüll ins Meer gekippt wird. Geschätzt wird, dass rund 8<br />

Millionen Tonnen Müll pro Jahr direkt im Meer landen. Weitere rund 32<br />

Millionen Tonnen landen als Plastikmüll in <strong>der</strong> Umwelt und über Umwege in<br />

den Ozeanen. Lebewesen in den Meeren und Seen können den Müll nicht als<br />

solchen erkennen und verenden qualvoll daran. Plastik, das durch den<br />

Menschen hergestellt und in die Meere beför<strong>der</strong>t wird, ist nicht abbaubar und<br />

bleibt für Jahrhun<strong>der</strong>te im Wasser. Eine Plastikflasche benötigt etwa 500 Jahre,<br />

bis sie sich zu Mikroplastik zersetzt hat. Je<strong>der</strong> Gegenstand wird somit ein<br />

Bestandteil <strong>der</strong> Meere. Das führt dazu, dass es fünf erkennbare Müllstrudel in<br />

den Ozeanen gibt. Diese bewegen sich in <strong>der</strong> Nähe des Äquators.<br />

Der nordpazifische Müllstrudel (Nr. 1) wird heute auf eine Grösse von 700'000<br />

bis auf mehr als 15'000'000 km 2 geschätzt.<br />

150


8.3 Aktuelle Projekte und Ziele <strong>der</strong> Agenda 2030<br />

Die UN-Generalversammlung hat an ihrer Sitzung vom 25. September 2015 die<br />

Agenda 2030 mit Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die<br />

Agenda 2030 hat 17 Ziele und 169 Unterziele. Sie ist umfassend und<br />

ambitioniert. Ihre Ziele bauen auf den Millenniums-Entwicklungszielen auf und<br />

sollen umsetzen, was diese nicht erreicht haben. Es sind einige Ziele zu finden,<br />

welche zugunsten <strong>der</strong> Umwelt formuliert wurden. Die Ziele sind:<br />

Armut in allen ihren Formen und überall beenden<br />

U.a. bis 2030 die extreme Armut für alle Menschen überall auf<br />

<strong>der</strong> Welt beseitigen. Von extremer Armut betroffen gelten<br />

Menschen, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag<br />

auskommen müssen.<br />

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere<br />

Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft<br />

för<strong>der</strong>n<br />

U.a. bis 2030 den Hunger beenden und sicherstellen, dass<br />

alle Menschen ganzjährig Zugang zu sicheren,<br />

nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben<br />

- insbeson<strong>der</strong>e arme Menschen und Menschen in prekären<br />

Situationen, einschliesslich Kleinkin<strong>der</strong>n.<br />

Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters<br />

gewährleisten und ihr Wohlergehen för<strong>der</strong>n<br />

U.a. bis 2030 die weltweite Müttersterblichkeit auf unter 70 je<br />

100'000 Lebendgeburten senken.<br />

Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung<br />

gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für<br />

alle för<strong>der</strong>n<br />

U.a bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen<br />

gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grundund<br />

Sekundarschulbildung abschliessen, die zu brauchbaren<br />

und effektiven Lernergebnissen führt.<br />

151


Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und<br />

Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen<br />

U.a. alle Formen <strong>der</strong> Diskriminierung von Frauen und<br />

Mädchen überall auf <strong>der</strong> Welt beenden.<br />

Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser<br />

und Sanitärversorgung für alle gewährleisten<br />

U.a. bis 2030 den allgemeinen und gerechten Zugang zu<br />

einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser für alle<br />

erreichen.<br />

Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und<br />

mo<strong>der</strong>ner Energie für alle sichern<br />

U.a. bis 2030 den allgemeinen Zugang zu bezahlbaren,<br />

verlässlichen und mo<strong>der</strong>nen Energiedienstleistungen sichern.<br />

Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges<br />

Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und<br />

menschenwürdige Arbeit für alle för<strong>der</strong>n<br />

U.a. ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum entsprechend den<br />

nationalen Gegebenheiten und insbeson<strong>der</strong>e ein jährliches<br />

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mindestens 7<br />

Prozent in den am wenigsten entwickelten Län<strong>der</strong>n<br />

aufrechterhalten.<br />

Eine wi<strong>der</strong>standsfähige Infrastruktur aufbauen,<br />

breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung för<strong>der</strong>n<br />

und Innovationen unterstützen<br />

U.a. eine hochwertige, verlässliche, nachhaltige und<br />

wi<strong>der</strong>standsfähige Infrastruktur aufbauen, einschließlich<br />

regionaler und grenzüberschreiten<strong>der</strong> Infrastruktur, um die<br />

wirtschaftliche Entwicklung und das menschliche<br />

Wohlergehen zu unterstützen, und dabei den Schwerpunkt<br />

auf einen erschwinglichen und gleichberechtigten Zugang<br />

für alle legen.<br />

152


Ungleichheit in und zwischen Län<strong>der</strong>n verringern<br />

U.a. bis 2030 nach und nach ein über dem nationalen<br />

Durchschnitt liegendes Einkommenswachstum <strong>der</strong> ärmsten<br />

40 Prozent <strong>der</strong> Bevölkerung erreichen und aufrechterhalten.<br />

Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, wi<strong>der</strong>standsfähig und<br />

nachhaltig gestalten<br />

U.a. bis 2030 den Zugang zu angemessenem, sicherem und<br />

bezahlbarem Wohnraum und zur Grundversorgung für alle<br />

sicherstellen und Slums sanieren.<br />

Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen<br />

U.a. den Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige<br />

Konsum- und Produktionsmuster umsetzen, wobei alle Län<strong>der</strong>,<br />

an <strong>der</strong> Spitze die entwickelten Län<strong>der</strong>, Maßnahmen<br />

ergreifen, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands und<br />

<strong>der</strong> Kapazitäten <strong>der</strong> Entwicklungslän<strong>der</strong>.<br />

Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels<br />

und seiner Auswirkungen ergreifen<br />

U.a. die Wi<strong>der</strong>standskraft und die Anpassungsfähigkeit<br />

gegenüber klimabedingten Gefahren und<br />

Naturkatastrophen in allen Län<strong>der</strong>n stärken.<br />

Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger<br />

Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen<br />

U.a. bis 2025 alle Arten <strong>der</strong> Meeresverschmutzung,<br />

insbeson<strong>der</strong>e durch vom Lande ausgehende Tätigkeiten und<br />

namentlich Meeresmüll und Nährstoffbelastung, verhüten<br />

und erheblich verringern.<br />

Landökosysteme schützen, wie<strong>der</strong>herstellen und ihre<br />

nachhaltige Nutzung för<strong>der</strong>n, Wäl<strong>der</strong> nachhaltig<br />

bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen,<br />

Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust<br />

<strong>der</strong> biologischen Vielfalt ein Ende setzen<br />

U.a. bis 2030 die Wüstenbildung bekämpfen, die<br />

geschädigten Flächen und Böden einschliesslich <strong>der</strong> von<br />

Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen betroffenen<br />

153


Flächen sanieren und eine Welt anstreben, in <strong>der</strong> die<br />

Landverödung neutralisiert wird.<br />

Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige<br />

Entwicklung för<strong>der</strong>n, allen Menschen Zugang zur Justiz<br />

ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige<br />

und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen<br />

U.a. alle Formen <strong>der</strong> Gewalt und die gewaltbedingte<br />

Sterblichkeit überall deutlich verringern.<br />

Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für<br />

nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen<br />

U.a. die Mobilisierung einheimischer Ressourcen verstärken,<br />

einschliesslich durch internationale Unterstützung für die<br />

Entwicklungslän<strong>der</strong>, um die nationalen Kapazitäten zur<br />

Erhebung von Steuern und an<strong>der</strong>en Abgaben zu verbessern.<br />

Quelle: UNO<br />

Ob und in welcher Form diese ambitionierten Ziele erreicht werden können, ist<br />

abzuwarten. Entscheidend ist sicher die Zusammenarbeit <strong>der</strong> Staaten: Nur<br />

gemeinsam können solche Ziele auch erreicht werden.<br />

154


Modul 109_Zutritt- und Datenschutz<br />

Ausgangslage<br />

Jedes Unternehmen hat Interesse daran, wichtige Daten verschlossen zu<br />

halten - unabhängig davon, ob es ein KMU o<strong>der</strong> ein Grossbetrieb ist und ob<br />

die Güter 10 Franken o<strong>der</strong> 2'000 Franken kosten. Es gibt verschiedene Gründe,<br />

Informationen zurückzuhalten o<strong>der</strong> Gegenstände wegzusperren. Z. B. will<br />

Apple erst beim Release bekannt geben, wie das neue IPhone aussieht o<strong>der</strong><br />

ein Unternehmen bewahrt einen Goldbarren sicher auf, da er sehr wertvoll ist.<br />

Es muss sich aber nicht immer um <strong>der</strong>art spektakuläre Informationen und<br />

Gegenstände handeln. Auch Mitarbeitende bei <strong>der</strong> schweizerischen Post<br />

werden im Berufsalltag mit verschiedenen Informationen konfrontiert, die<br />

nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Der Zutritts- und Datenschutz hat in<br />

den vergangenen Jahren stark zugenommen, und die Mitarbeitenden<br />

werden mehr und mehr damit konfrontiert. Der Betrieb hat die Aufgabe, zu<br />

kommunizieren, wie sie sich zu verhalten haben. Die Mitarbeitenden haben<br />

ihrerseits die Aufgabe, die Anweisungen zu befolgen.<br />

155


Fachartikel Modul 109<br />

9. Zutritts- und Datenschutz<br />

9.1 Zutrittsberechtigung<br />

Würdest du zulassen, dass ein Frem<strong>der</strong> ungehin<strong>der</strong>ten Zutritt zu deiner<br />

Wohnung hat? Wohl kaum. Deshalb verschliesst du, wie die meisten an<strong>der</strong>en<br />

auch, deine Wohnungstüre. Wer sich ohne Einwilligung des Bewohners in<br />

dessen Wohnung aufhält, begeht Hausfriedensbruch, und wer sich<br />

gewaltsam Zutritt zu einer Wohnung verschafft, verübt einen Einbruch. Auch<br />

ein Betriebsinhaber will keine ungebetenen Gäste in seinem Betrieb. Deshalb<br />

legt er, je nach Funktion seiner Angestellten, das Zutrittsrecht zu den Räumen<br />

fest und händigt ihnen die entsprechenden Schlüssel o<strong>der</strong> Badges (bei<br />

elektronischer Sicherung) aus. Mit jedem Schlüssel o<strong>der</strong> Badge ist eine<br />

beson<strong>der</strong>e Verantwortung verbunden. Zu dieser Verantwortung gehört die<br />

Einhaltung folgen<strong>der</strong> Regeln. Der Schlüssel o<strong>der</strong> Badge:<br />

• darf nie ohne Kontrolle einer an<strong>der</strong>en Person anvertraut werden. Dies gilt für<br />

alle unternehmensfremden Personen, auch für Bekannte und Verwandte.<br />

• muss bei Nichtgebrauch sicher aufbewahrt werden.<br />

• soll nie in Türen steckengelassen werden.<br />

• darf nie unter Türvorlegern o<strong>der</strong> in Briefkästen hinterlegt werden.<br />

• darf aus Sicherheitsgründen keinen Hinweis tragen auf das Unternehmen,<br />

dem sie gehören.<br />

Merke: Der Verlust eines Schlüssels o<strong>der</strong> Badges muss sofort dem Arbeitgeber<br />

gemeldet werden, damit er die nötigen Massnahmen ergreifen kann.<br />

Unter Umständen kann <strong>der</strong> Verlust eines Schlüssels ziemlich teuer werden.<br />

Wenn <strong>der</strong> Betriebsinhaber kein Risiko eingehen will, tauscht er alle Schlösser<br />

aus, die mit dem verlorenen Schlüssel geöffnet werden können.<br />

Bei neueren Schliessanlagen, die mit einem Mikrochip funktionieren, können<br />

die vermissten Schlüssel deaktiviert werden. Ein Austausch <strong>der</strong> Schlösser<br />

entfällt, das Deaktivieren hat allerdings auch Kostenfolgen.<br />

156


9.2 Schriftgeheimnis<br />

Unter dem Titel "Strafbare Handlungen gegen die Ehre und den Geheim- o<strong>der</strong><br />

Privatbereich" finden sich im Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) eine<br />

Reihe von Bestimmungen zum Schutz <strong>der</strong> Privatsphäre einer Person (z. B.<br />

Ehrverletzung und Verleumdung). Die Verletzung des Schriftgeheimnisses wird<br />

mit Artikel 179 unter Strafe gestellt. Das Schriftgeheimnis gilt nicht nur für den<br />

beruflichen, son<strong>der</strong>n auch für den privaten Bereich. Seine Verletzung ist ein<br />

sogenanntes Antragsdelikt, das heisst, nur wenn <strong>der</strong> Geschädigte einen<br />

entsprechenden Antrag stellt, nehmen die Behörden Abklärungen vor (im<br />

Gegensatz zu einem Offizialdelikt, bei dem die Behörden von sich aus<br />

Abklärungen vornehmen müssen, sobald sie von <strong>der</strong> Tat Kenntnis erhalten).<br />

Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)<br />

2.1 Strafbare Handlungen gegen den Geheim- o<strong>der</strong> Privatbereich.<br />

Verletzung des Schriftgeheimnisses<br />

Artikel 179<br />

"Wer, ohne dazu berechtigt zu sein, eine verschlossene Schrift o<strong>der</strong> Sendung<br />

öffnet, um von<br />

ihrem Inhalte Kenntnis zu nehmen, wer Tatsachen, <strong>der</strong>en Kenntnis er durch<br />

Öffnen einer<br />

nicht für ihn bestimmten verschlossenen Schrift o<strong>der</strong> Sendung erlangt hat,<br />

verbreitet o<strong>der</strong><br />

ausnützt, wird, auf Antrag, mit Busse bestraft."<br />

Für Angestellte heisst dies:<br />

• Der Inhalt von Briefen o<strong>der</strong> Paketen, die sie beför<strong>der</strong>n müssen, geht sie nichts<br />

an. Dies gilt nicht nur für die Mitarbeitenden <strong>der</strong> Post, son<strong>der</strong>n auch für jene<br />

eines betriebsinternen Kurierdienstes. Auch Privatpersonen geht die Post <strong>der</strong><br />

157


an<strong>der</strong>en nichts an. Geschädigte können eine Tat anzeigen, müssen aber<br />

Beweise dafür vorlegen.<br />

• Nur wer im Betrieb den Auftrag hat, die eingegangene Post zu öffnen, darf<br />

dies tun. Doch auch mit einem Auftrag darf nur jene Post ohne weiteres<br />

geöffnet werden, die in den Adressfel<strong>der</strong>n keinen persönlichen Namen<br />

enthält. Wenn in <strong>der</strong> Adresse ein persönlicher Name dabei ist, kommt es auf<br />

die Reihenfolge <strong>der</strong> Adressfel<strong>der</strong> an. Nie darf Post geöffnet werden, die den<br />

Vermerk "Persönlich", "Vertraulich" o<strong>der</strong> "Persönlich/Vertraulich" trägt.<br />

Folgende Adressbeispiele zeigen, wann die Post geöffnet werden darf und<br />

wann nicht:<br />

Persönlich/Vertraulich<br />

EnterSite AG<br />

Rigistrasse 2<br />

5102 Rupperswil<br />

EnterSite AG<br />

Z.H. Reto<br />

Gugger<br />

Rigistrasse 2<br />

5102 Rupperswil<br />

Herr Reto Gugger<br />

EnterSite AG<br />

Rigistrasse 2<br />

5102 Rupperswil<br />

Herr Reto Gugger<br />

EnterSite AG<br />

Rigistrasse 2<br />

5102 Rupperswil<br />

✅ Öffnen<br />

✅ Ohne<br />

gegenteilige<br />

Weisung öffnen<br />

❌Nur öffnen,<br />

wenn<br />

von Herrn Gugger<br />

ausdrücklich<br />

gewünscht<br />

❌ Nie öffnen<br />

9.3 Postgeheimnis<br />

Das Postgeheimnis ist im Strafgesetzbuch noch etwas weiter gefasst als das<br />

Schriftgeheimnis. Es schützt nicht nur den Inhalt einer Sendung, son<strong>der</strong>n auch<br />

<strong>der</strong>en Absen<strong>der</strong> und Empfänger in diesen Funktionen. Das heisst zum Beispiel,<br />

dass ein Postbote einem Dritten nicht mitteilen darf, wer von wem Post erhält<br />

und wie oft. Vor allem Informationen, welche die höchstpersönliche Sphäre<br />

einer Person betreffen, dürfen niemals weitergegeben werden. Dazu gehören<br />

beispielsweise Informationen über die Zustellung von Gerichtsurkunden o<strong>der</strong><br />

Zahlungsbefehlen. Gefährlich kann es werden, wenn Logistiker, die im<br />

Zustelldienst arbeiten, abends im Kollegenkreis erzählen, dass am nächsten<br />

Morgen die AHV ausbezahlt wird. Sie gefährden damit sowohl die Zusteller als<br />

auch die Empfänger <strong>der</strong> Rente.<br />

158


Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)<br />

Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses<br />

Artikel 321ter<br />

1"Wer als Beamter, Angestellter o<strong>der</strong> Hilfsperson einer Organisation, die Posto<strong>der</strong><br />

Fernmeldedienste erbringt, einem Dritten Angaben über den Post-,<br />

Zahlungs- o<strong>der</strong> den Fernmeldeverkehr <strong>der</strong> Kundschaft macht, eine<br />

verschlossene Sendung öffnet o<strong>der</strong> ihrem Inhalt nachforscht, o<strong>der</strong> einem<br />

Dritten Gelegenheit gibt, eine solche Handlung zu begehen, wird mit<br />

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren o<strong>der</strong> Geldstrafe bestraft.<br />

2 Ebenso wird bestraft, wer eine nach Absatz 1 zur Geheimhaltung<br />

verpflichtete Person durch Täuschung veranlasst, die Geheimhaltungspflicht<br />

zu verletzen.<br />

3 Die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses ist auch nach<br />

Beendigung des amtlichen o<strong>der</strong> dienstlichen Verhältnisses strafbar.<br />

4 Die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses ist nicht strafbar,<br />

soweit sie zur Ermittlung des Berechtigten o<strong>der</strong> zur Verhin<strong>der</strong>ung von<br />

Schäden erfor<strong>der</strong>lich ist.<br />

5 Vorbehalten bleiben Artikel 179octies sowie die eidgenössischen und<br />

kantonalen Bestimmungen über die Zeugnispflicht und über die<br />

Auskunftspflicht gegenüber einer Behörde."<br />

9.4 Geschäftsgeheimnis<br />

Je<strong>der</strong> Arbeitnehmer ist laut Bestimmungen des Obligationenrechts<br />

verpflichtet, Geschäftsgeheimnisse seines Arbeitgebers zu wahren (Artikel 324<br />

Absatz 4 OR). Wer sich nicht daran hält, kann vom Arbeitgeber verzeigt<br />

werden.<br />

Obligationenrecht (OR)<br />

II. Sorgfalts- und Treuepflicht<br />

Artikel 321 Absatz 4<br />

159


1 "Der Arbeitnehmer hat die ihm übertragene Arbeit sorgfältig auszuführen<br />

und die berechtigten Interessen des Arbeitgebers in guten Treuen zu wahren.<br />

2 Er hat Maschinen, Arbeitsgeräte, technische Einrichtungen und Anlagen<br />

sowie Fahrzeuge des Arbeitgebers fachgerecht zu bedienen und diese<br />

sowie Material, die ihm zur Ausführung <strong>der</strong> Arbeit zur Verfügung gestellt<br />

werden, sorgfältig zu behandeln.<br />

3 Während <strong>der</strong> Dauer des Arbeitsverhältnisses darf <strong>der</strong> Arbeitnehmer keine<br />

Arbeit gegen Entgelt für einen Dritten leisten, soweit er dadurch seine<br />

Treuepflicht verletzt, insbeson<strong>der</strong>e den Arbeitgeber konkurrenziert.<br />

4 Der Arbeitnehmer darf geheim zu haltende Tatsachen, wie namentlich<br />

Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse, von denen er im Dienst des<br />

Arbeitgebers Kenntnis erlangt, während des Arbeitsverhältnisses nicht<br />

verwerten o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en mitteilen; auch nach dessen Beendigung bleibt er<br />

zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit es zur Wahrung <strong>der</strong> berechtigten<br />

Interessen des Arbeitgebers erfor<strong>der</strong>lich ist."<br />

Merke: Ganz allgemein sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gut<br />

beraten, wenn sie mit dem "Plau<strong>der</strong>n" über den eigenen Betrieb sehr<br />

zurückhaltend sind. Insbeson<strong>der</strong>e lauthals und öffentlich geäusserte Kritik<br />

hinterlässt einen negativen Eindruck.<br />

9.5 Datensicherheit<br />

Der Schutz <strong>der</strong> Daten eines Betriebes war immer schon wichtig. Heute, im<br />

Zeitalter <strong>der</strong> elektronischen Datenverarbeitung, kommt ihm eine noch höhere<br />

Bedeutung zu. Das erste "Tor" zum Computersystem eines Betriebes sind in <strong>der</strong><br />

Regel ein Benutzername und ein Passwort. Nur wer das Passwort kennt, kann<br />

sich im System anmelden, in <strong>der</strong> Fachsprache heisst dies "einloggen". Das<br />

System registriert jeden Zugriff mit Datum und Uhrzeit. So kann <strong>der</strong><br />

Systemadministrator je<strong>der</strong>zeit feststellen, ob und wann sich unberechtigte<br />

Benutzer am System zu schaffen machen. Die Zugangsberechtigung zu den<br />

verschiedenen Bereichen des Betriebes entspricht in <strong>der</strong> Regel <strong>der</strong> Funktion<br />

und dem Auftrag <strong>der</strong> Mitarbeitenden. So können alle, auch Lernende, auf<br />

diejenigen Daten zugreifen, die sie zur Ausübung ihrer Arbeit benötigen.<br />

Heutzutage werden das Netzwerk und die Informatikmittel in den meisten<br />

Fällen durch Spezialisten, den Systemadministratoren, eingerichtet und<br />

gepflegt. Trotzdem müssen Mitarbeitende, auch Logistikerinnen und Logistiker,<br />

gewisse Regeln beachten.<br />

160


9.5.1 Passwortschutz<br />

Der Passwortschutz nützt nicht nur den Betrieb, son<strong>der</strong>n auch den<br />

Mitarbeitenden. Ein Passwort kann verhin<strong>der</strong>n, dass Unbefugte sich unter dem<br />

Benutzernamen von Mitarbeitenden ins System einloggen und dort Unfug<br />

treiben. Damit ein Passwort wirksam schützt, darf niemand an<strong>der</strong>s dieses<br />

kennen, es darf nirgends aufgeschrieben und nur schwer herauszufinden sein.<br />

Passwörter wie Geburtsdatum, Wohnort, Übernamen o<strong>der</strong> Namen <strong>der</strong><br />

Freundin lassen sich zwar gut einprägen, aber je<strong>der</strong>, <strong>der</strong> sie herausfinden will,<br />

wird es zuerst mit solchen Angaben versuchen. Niemals darf ein Passwort für<br />

mehrere Zwecke verwendet werden, schon gar nicht das Windowspasswort<br />

für irgendeine beliebige Internetseite.<br />

Merke: Gute Passwörter haben mindestens acht Zeichen und sind<br />

Kombinationen von Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Son<strong>der</strong>zeichen.<br />

Es ist empfehlenswert, das Passwort von Zeit zu Zeit zu wechseln. Die meisten<br />

Betriebssysteme verlangen in regelmässigen Abständen einen<br />

Passwortwechsel. Computerviren, auch Computerwürmer und Trojaner, sind<br />

Programme mit unterschiedlichen Wirkungsweisen. Sie können mehr o<strong>der</strong><br />

weniger gravierende Auswirkungen haben. Weniger schlimm ist es, wenn sie<br />

"nur" ungewollte Effekte beim Ausführen von Anwendungen hervorrufen.<br />

Wenn sie jedoch die Festplatte formatieren und damit alle Daten löschen<br />

o<strong>der</strong> Passwörter zu Bankkonten ausspionieren, kann <strong>der</strong> Schaden sehr gross<br />

sein. Es ist die Unvorsichtigkeit und Sorglosigkeit <strong>der</strong> Nutzer, die auf die Tricks<br />

<strong>der</strong> Hacker hereinfallen und damit Computerviren, Würmern und Trojanern<br />

ermöglichen, sich in Windeseile übers Internet auszubreiten.<br />

Weiterführende Ausführungen zum Thema findest du im Modul 805 .<br />

161


Logistiker/In EFZ<br />

200_CustomerService<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

162


Modul 201_Der Kunde<br />

Ausgangslage<br />

Der Kunde ist eine Person o<strong>der</strong> eine Unternehmung, die von einer an<strong>der</strong>en<br />

Person o<strong>der</strong> Unternehmung Ware kauft o<strong>der</strong> Dienstleistungen in Anspruch<br />

nimmt.<br />

Als Logistiker, als Logistikerin verstehe ich, wer "mein" Kunde (auch Debitor<br />

o<strong>der</strong> Abnehmer genannt) ist und welche Bedeutung <strong>der</strong> Kunde für mein<br />

Unternehmen und mich als Arbeitnehmer, als Arbeitnehmerin hat. Das<br />

Sprichwort "Der Kunde ist König" kann ich richtig interpretieren und<br />

entsprechend handeln.<br />

Was bindet einen Kunden an ein Unternehmen und seine Angebote? Der<br />

Druck aus dem nationalen und internationalen Umfeld wird immer grösser.<br />

Entsprechend erkennt die Wirtschaftswissenschaft immer mehr, dass man sich<br />

nicht nur darauf konzentrieren sollte, Umsatz zu generieren und Neukunden zu<br />

gewinnen. Sinnvoll ist, wenn <strong>der</strong> Erhalt und die Steuerung von bestehenden<br />

Kundenbeziehungen im Mittelpunkt stehen.<br />

163


Fachartikel Modul 201<br />

1. Der Kunde<br />

Der Kunde ist eine Person o<strong>der</strong> eine Unternehmung, die von einer an<strong>der</strong>en<br />

Person o<strong>der</strong> Unternehmung Ware kauft o<strong>der</strong> Dienstleistungen in Anspruch<br />

nimmt. Oft nennt man den Kunden auch "Abnehmer" o<strong>der</strong> "Debitor". Das Wort<br />

"Debitor" wird häufig bei <strong>der</strong> Rechnungsstellung und in <strong>der</strong> Buchhaltung<br />

benutzt.<br />

Die EnterSite AG hat verschiedene Kunden. Einerseits kaufen Privatpersonen<br />

bei ihr ein. Sie bestellen in <strong>der</strong> Regel in kleinen Mengen und lassen die Güter<br />

an ihre Heimadresse liefern o<strong>der</strong> kaufen einzelne Produkte vor Ort im Shop.<br />

An<strong>der</strong>erseits hat die EnterSite AG auch grosse Händler als Kunden. Sie tätigen<br />

regelmässig Bestellungen und beziehen dabei mehrere Artikel. Bei solchen<br />

grösseren Mengen erfolgt die Lieferung per Stückgut.<br />

1.1 Die Bedeutung des Kunden<br />

Die EnterSite AG und ihre Mitarbeitenden haben das Interesse, den Auftrag<br />

von jedem Kunden bestmöglich zu erledigen. Wenn ein Kunde zufrieden ist,<br />

wird er auch mit seinen künftigen Aufträgen zur EnterSite AG kommen.<br />

Deshalb hat je<strong>der</strong> Kundenauftrag eine grosse Bedeutung und sollte von<br />

Auftragsbeginn bis Auftragsende mit hoher Konzentration ausgeführt werden.<br />

Für jeden erledigten Auftrag stellt die EnterSite AG am Schluss eine Rechnung.<br />

Wenn <strong>der</strong> Kunde die Rechnung bezahlt, generiert das einen Umsatz für das<br />

Unternehmen. Aus diesem Umsatz wird <strong>der</strong> Lohn <strong>der</strong> Mitarbeitenden bezahlt.<br />

164


Der Lohn aller Mitarbeitenden stammt also von den Zahlungen <strong>der</strong> Kunden,<br />

die Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen bei <strong>der</strong> EnterSite AG bezogen haben.<br />

Merke: Als Logistiker, als Logistikerin verstehe ich, dass je<strong>der</strong> Kundenauftrag die<br />

Basis für meine Arbeitsstelle und damit für meine Lohnzahlung am Ende des Monats<br />

ist. Dementsprechend verhalte ich mich gegenüber allen Kunden respektvoll und<br />

wertschätzend.<br />

1.2 "Der Kunde ist König"<br />

Das Sprichwort "Der Kunde ist König" wird häufig benutzt, um das Verhältnis<br />

zwischen einem Kunden und einem Unternehmen zu beschreiben. Die<br />

EnterSite AG gibt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Sprichwort als<br />

Grundlage mit. Das Sprichwort muss aber nicht wörtlich genommen werden.<br />

Vielmehr sollten die Mitarbeitenden <strong>der</strong> EnterSite AG anstreben, eine<br />

Beziehung mit dem Kunden aufzubauen. Zwischen dem Kunden und <strong>der</strong><br />

<strong>Entersite</strong> AG soll eine gute Geschäftsbeziehung entstehen. Diese kann<br />

aufgebaut werden, wenn <strong>der</strong> Kunde Werte wie Respekt, Wertschätzung,<br />

Vertrauen und Nachhaltigkeit erfährt. Beide Parteien handeln auf Augenhöhe<br />

und haben das Ziel, ihre Bedürfnisse zu decken. Wird während <strong>der</strong><br />

Zusammenarbeit künstlich o<strong>der</strong> nicht ehrlich kommuniziert, ist die Beziehung<br />

früher o<strong>der</strong> später zum Scheitern verurteilt. Das kann zu Differenzen führen, die<br />

in <strong>der</strong> Folge dem Geschäft schaden können.<br />

Merke: Der Kunde wünscht sich, ernst genommen zu werden, und dass ehrlich mit<br />

ihm kommuniziert wird.<br />

165


1.3 Der Stammkunde<br />

Ein Stammkunde ist ein Kunde, <strong>der</strong> regelmässig bei <strong>der</strong> EnterSite AG Produkte<br />

o<strong>der</strong> Dienstleistungen bezieht. Das bedeutet, dass die Kunden- o<strong>der</strong><br />

Geschäftsbeziehung für beide Seiten stimmig ist. Bei den Stammkunden<br />

besteht die Möglichkeit, Gespräche über vergangene Leistungen o<strong>der</strong><br />

zukünftige Entwicklungen <strong>der</strong> EnterSite AG zu führen. Mittels dieser Gespräche<br />

kann eine Verbesserung und eine Neuorientierung zugunsten <strong>der</strong> Kunden<br />

erzielt werden. Der Austausch mit den Kunden sollte auf den Werten wie<br />

Respekt, Wertschätzung, Vertrauen und Nachhaltigkeit basieren.<br />

1.4 Unternehmen müssen ihre Kunden kennen<br />

Wer Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen erfolgreich verkaufen möchte, muss seine<br />

Kunden möglichst gut kennen. Um die Fragen "Wer sind meine Kunden?" und<br />

"Was erwarten o<strong>der</strong> wünschen meine Kunden?" zu beantworten, wird viel in<br />

die Analyse <strong>der</strong> Kundschaft investiert. Diese wichtige Aufgabe wird dem<br />

Marketing zugeteilt. Das Marketing trägt Informationen über bestehende und<br />

potenzielle Kunden zusammen und stellt sie <strong>der</strong> EnterSite AG zur Verfügung.<br />

Die Informationen sollen helfen, folgende Ziele zu erreichen:<br />

• Die eigenen Produkte und Dienstleistungen verbessern.<br />

• Neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und erfolgreich anbieten.<br />

• Den Kundenservice und interne Prozesse verbessern.<br />

• Neue Kunden und Zielgruppen sowie neue Märkte entdecken und<br />

erschliessen.<br />

Das Thema Marketing wird in Modul 205 vertieft bearbeitet.<br />

166


Modul 202_Mein Auftreten<br />

Ausgangslage<br />

Der Kunde und die damit verbundenen Einnahmen sind für das Unternehmen<br />

und die eigene Arbeitsstelle sehr wichtig. Damit man dem Kunden im Sinne<br />

des Arbeitgebers begegnen kann, muss man sich Gedanken um das eigene<br />

Auftreten machen. Mit dem eigenen Auftreten beeinflusst man, wie man von<br />

aussen wahrgenommen wird. Einige wichtige Faktoren sind:<br />

• die Haltung<br />

• die Kommunikation<br />

• die Hygiene<br />

• die Kleidung<br />

Der Logistiker, die Logistikerin soll ein bewusstes und <strong>der</strong> Situation<br />

angemessenes Auftreten haben.<br />

167


Fachartikel Modul 202<br />

2. Das eigene Auftreten<br />

Das eigene Auftreten hat einen grossen Einfluss darauf, wie man auf an<strong>der</strong>e<br />

Menschen wirkt. Deshalb sollte man sich bewusst Gedanken über sein<br />

Auftreten machen und es je nach Situation anpassen. Ist das möglich?<br />

Welche Faktoren sind zu beachten?<br />

2.1 Meine Haltung<br />

Die eigene Haltung o<strong>der</strong> Gesinnung vermittle ich, indem ich meine Moral und<br />

Werte vorlebe. Werte und Wertvorstellungen, die ich aufgrund meiner<br />

Herkunft o<strong>der</strong> Erziehung als erstrebenswert empfinde, versuche ich vorzuleben<br />

und zu erreichen. Einige mögliche Werte sind z. B.:<br />

• Liebe<br />

• Ehrlichkeit<br />

• Freundschaft<br />

• Treue<br />

• Ordnung<br />

• Pünktlichkeit<br />

Merke: Je<strong>der</strong> Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen, die seine Werte<br />

prägen und die Haltung bestimmen, die er nach aussen trägt. Habe ich z. B.<br />

Pünktlichkeit als Wertvorstellung verinnerlicht, ist es mir wichtig, pünktlich zu<br />

sein. Meine persönliche Wertvorstellung muss für an<strong>der</strong>e aber nicht gültig sein.<br />

2.2 Meine Kommunikation<br />

Kommunikation kann auf verschiedene Arten stattfinden. Gegenüber dem<br />

Kunden passe ich die eigene Sprache <strong>der</strong> Situation an und achte darauf,<br />

ehrlich zu kommunizieren. Dabei verwende ich zum Teil an<strong>der</strong>e Wörter als in<br />

meiner Alltagssprache. Dem Kunden begegne ich an<strong>der</strong>s als meiner Familie<br />

o<strong>der</strong> meinen Freundinnen und Freunden. Ich achte darauf, dass meine<br />

Wortwahl (verbale Kommunikation) und Körperhaltung (nonverbale<br />

Kommunikation) im Austausch mit dem Kunden bewusst gewählt sind.<br />

Die Kommunikation wird in Modul 206 vertieft bearbeitet.<br />

168


2.3 Meine Kleidung<br />

Neben den eigenen Wertvorstellungen und <strong>der</strong> Kommunikation spielen im<br />

Umgang mit dem Kunden weitere Faktoren eine Rolle: Auch die Kleidung<br />

beeinflusst mein Auftreten und das eigene Erscheinungsbild. Meine<br />

Kleidungsstücke sollte ich darum bewusst wählen. Am besten ziehe ich<br />

dezente Kleidung an und achte darauf, we<strong>der</strong> overdressed noch<br />

un<strong>der</strong>dressed zu sein.<br />

dezent = Der Situation angemessen<br />

un<strong>der</strong>dressed = Für die Situation zu wenig gut gekleidet<br />

overdressed = Für die Situation zu gut gekleidet<br />

Im Privatleben soll und darf ich die eigenen Gefühle und Leidenschaften zum<br />

Ausdruck bringen. Im beruflichen Alltag vertrete ich hingegen das<br />

Unternehmen, für das ich tätig bin. Die EnterSite AG erwartet von ihren<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie dezente Kleidung wählen -<br />

beson<strong>der</strong>s wenn sie Kundenkontakt haben. In einigen Abteilungen stellt das<br />

Unternehmen <strong>der</strong> Belegschaft darum einheitliche Berufskleidung zur<br />

Verfügung. Nach <strong>der</strong> Arbeit sollte ich die Arbeitskleidung ablegen und private<br />

Kleidung anziehen.<br />

2.4 Meine Hygiene<br />

Der Begriff <strong>der</strong> Hygiene wird vom Namen <strong>der</strong> Göttin <strong>der</strong> Gesundheitslehre,<br />

Hygieia, abgeleitet. Das Wort hat seinen Ursprung im Griechischen und wird<br />

im heutigen Sprachgebrauch oft mit Gesundheit gleichgesetzt. Die World<br />

Health Organization (WHO) definiert die Gesundheit wie folgt: "Die<br />

Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und<br />

sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheiten o<strong>der</strong><br />

Gebrechen". Die Hygiene befasst sich somit mit <strong>der</strong> Gesundheitslehre.<br />

Bereits im Römischen Reich war die Hygiene verhältnismässig weit entwickelt.<br />

Es war bereits bekannt, dass Krankheiten durch Mikroorganismen<br />

(Kleinstlebewesen wie Bakterien und Viren) hervorgerufen und verbreitet<br />

werden. Jahrhun<strong>der</strong>te später, im Jahr1840, gelang schliesslich <strong>der</strong> Nachweis,<br />

169


dass eine Desinfektion die Übertragung von Krankheiten eindämmen kann.<br />

Zuvor war den Ärzten nicht klar gewesen, dass sie selbst oft Infektionen<br />

übertragen haben. Heute wissen wir um die Wichtigkeit von<br />

Hygienemassnahmen wie reinigen, desinfizieren o<strong>der</strong> sterilisieren.<br />

2.4.1 Die Geschichte <strong>der</strong> Hygiene<br />

Die Hygiene, wie wir sie heute verstehen, hat eine lange Geschichte. Im Laufe<br />

<strong>der</strong> Jahrhun<strong>der</strong>te wurde die Menschheit immer wie<strong>der</strong> von schrecklichen<br />

Epidemien und Krankheiten getroffen. Eine Auswahl:<br />

1348 - Die erste grosse Pestwelle<br />

1348 sind Pestepidemien bereits bekannt. Doch die Pestwelle dieses Jahres<br />

trifft die Menschen so schlimm wie nie zuvor. Es erkranken rund 100 Millionen<br />

Menschen in Europa, Nordafrika und im Nahen Osten an <strong>der</strong> Pest. Ein Drittel<br />

<strong>der</strong> Bevölkerung überlebt die Krankheit nicht. Der Ausbruch <strong>der</strong> Epidemie wird<br />

in Zentralasien verortet.<br />

1892 <strong>–</strong> Cholera-Epidemie in Hamburg<br />

Im Jahr 1892 wird die Hafenstadt Hamburg von <strong>der</strong> Cholera heimgesucht. Der<br />

Grund für den Cholera-Ausbruch ist eine Hitzewelle und in <strong>der</strong> Folge <strong>der</strong> tiefe<br />

Wasserstand <strong>der</strong> Elbe. Mit ihrem auf 22 Grad Celsius erwärmten Wasser bietet<br />

die Elbe in diesem Jahr Bakterien und Viren perfekte Bedingungen zur<br />

Vermehrung. Der erste mit Cholera infizierte Bürger wird am 15. August<br />

registriert. Am 16. August haben sich zwei und am 17. August bereits vier<br />

Menschen mit <strong>der</strong> Cholera angesteckt. Zu diesem Zeitpunkt hätte <strong>der</strong><br />

Ausbruch vielleicht noch verhin<strong>der</strong>t werden können. Doch die Stadtväter<br />

schätzen die Situation falsch ein. Bis zum Ende <strong>der</strong> Epidemie in Hamburg<br />

werden rund 17'000 Infizierte registriert. Die Hälfte davon überlebt die<br />

Krankheit nicht. Weitere Orte werden von <strong>der</strong> Cholera heimgesucht.<br />

1918 - Spanische Grippe<br />

Im Jahr 1918, dem letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, grassiert die Spanische<br />

Grippe und trifft die Menschen hart. Innerhalb weniger Monate hat sich die<br />

Krankheit auf dem Globus ausgebreitet. Bereits im Jahr 1920 sind mehr<br />

Menschen an <strong>der</strong> Spanischen Grippe gestorben als im gesamten Ersten<br />

170


Weltkrieg (ca. 17 Millionen Menschen). Die Spanische Grippe verursacht mehr<br />

Tote als jede an<strong>der</strong>e Krankheit vorher und nachher. Obwohl von <strong>der</strong><br />

"Spanischen" Grippe gesprochen wird, liegt ihr Ursprung nicht in Spanien. Bis<br />

heute ist nicht endgültig geklärt, wo und was <strong>der</strong> Ursprung <strong>der</strong> Grippe war.<br />

Oft wird eine Person aus Kansas, USA, als erste nachgewiesene Infektion<br />

genannt. Roy Grist, ein Militärarzt in Camp Devens, Massachusetts, schreibt<br />

am 29. September 1918 in einem Brief an einen an<strong>der</strong>en Arzt: "Es dauert nur<br />

wenige Stunden, bis <strong>der</strong> Tod kommt. Und es ist ein einziger Kampf um Luft, bis<br />

sie ersticken. Es ist schrecklich."<br />

1920 - Tuberkulose<br />

Die Tuberkulose wird 1920 erstmals nachgewiesen. Die Krankheit grassiert zu<br />

diesem Zeitpunkt aber schon lange und hat vielen Menschen das Leben<br />

gekostet. Ihren traurigen Höhepunkt hat die Krankheit zwischen 1870 und 1885<br />

in Österreich. In <strong>der</strong> Stadt Wien sterben 909 Personen pro 100'000 Einwohner<br />

an Tuberkulose. Daraufhin verbreitet sich die Tuberkulose in ganz Österreich.<br />

1885 werden im ganzen Land 390 Todesfälle auf 100'000 Einwohner gezählt.<br />

Die Krankheit wan<strong>der</strong>t zu diesem Zeitpunkt von Westen nach Osten. Ein Grund<br />

für die Ausbreitung ist die Industrialisierung.<br />

1981 - AIDS<br />

Zu Beginn <strong>der</strong> 1980er-Jahre taucht in <strong>der</strong> westlichen Welt eine neue Krankheit<br />

auf: AIDS. Rasch wird erkannt, dass AIDS eine Krankheit ist, welche durch<br />

sexuelle Handlungen übertragen wird und nicht heilbar ist. In <strong>der</strong> Schweiz<br />

leben heute rund 16'700 Menschen mit dem HI-Virus. Im Jahr 2019 wurden 421<br />

neue Ansteckungen gemeldet. Seit 2008 gehen die Neuinfektionen von Jahr<br />

zu Jahr zurück. Das ist auch den zahlreichen Aufklärungskampagnen zur<br />

Krankheit zu verdanken. Die Aufklärung und Beratung zu AIDS wird so<br />

aufgegleist, dass möglichst grosse Teile <strong>der</strong> Bevölkerung erreicht werden. Die<br />

AIDS-Hilfe Schweiz wurde 1985 gegründet und hat einen grossen Beitrag zum<br />

Rückgang <strong>der</strong> Krankheit geleistet.<br />

2020 <strong>–</strong> Covid-19-Pandemie<br />

Die erste offiziell bestätigte Ansteckung durch das Covid-19-Virus wurde <strong>der</strong><br />

WHO am 31. Dezember 2019 aus Wuhan, China, gemeldet. Bei den ersten<br />

Meldungen wurde das Virus mit 2019-nCoV bezeichnet, später wurde es<br />

171


Covid-19 resp. SARS-CoV-2 genannt. Coronaviren (CoV) bilden grosse<br />

Mengen von Viren. Bei vielen Menschen äussert sich eine Infektion lediglich<br />

durch Erkältungssymptome. Das Virus kann aber auch zu schweren<br />

Krankheitsverläufen führen. Die WHO bezeichnete die Pandemie am 30.<br />

Januar 2020 als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite <strong>–</strong> das<br />

ist die höchste Warnstufe <strong>der</strong> WHO.<br />

2.4.2 Die persönliche Hygiene<br />

Die Hygiene hat in unserer Gesellschaft eine grosse Bedeutung. Mit guten<br />

Hygienestandards können Krankheiten und Pandemien, wie sie im vorherigen<br />

Kapitel genannt wurden, verhin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> eingedämmt werden. Die<br />

persönliche Hygiene bestimmt aber auch, wie man auf an<strong>der</strong>e Menschen<br />

wirkt. Sie hat also Einfluss auf den Eindruck, den man z. B. bei einem Kunden<br />

hinterlässt.<br />

Gesundheit und Anerkennung<br />

Eine gute persönliche Hygiene habe ich z. B., wenn ich regelmässige dusche,<br />

die Haare wasche, Zähne und Ohren putze sowie Finger- und Fussnägel<br />

schneide. Ich trage selbst die Verantwortung dafür, mich zu pflegen und sollte<br />

mir Gedanken darüber machen, wann und wie oft ich das mache. Zudem<br />

sollte ich mir Gedanken darüber machen, welche Nahrungsmittel ich zu mir<br />

nehme. Es ist z. B. nicht ratsam, vor einem wichtigen Termin wie einem<br />

Bewerbungsgespräch Kaffee, Red Bull o<strong>der</strong> geruchintensive Speisen mit viel<br />

Zwiebeln und Knoblauch zu konsumieren.<br />

Ein ungepflegtes Auftreten hat eine starke Wirkung gegen aussen. Nicht<br />

gepflegte Menschen können auf an<strong>der</strong>e abstossend wirken. In <strong>der</strong> Folge<br />

kann es dazu kommen, dass mangelnde Hygiene einem Menschen den<br />

sozialen Zugang o<strong>der</strong> eine erfolgreiche berufliche Karriere verunmöglicht.<br />

Nicht nur das Reinigen und Waschen des eigenen Körpers haben einen<br />

Einfluss darauf, wie an<strong>der</strong>e Menschen meine persönliche Hygiene<br />

wahrnehmen. Ebenso spielt die Pflege <strong>der</strong> Kleidung eine wichtige Rolle. Auch<br />

die Lieblingsklei<strong>der</strong> müssen regelmässig gewaschen werden. Ich versuche<br />

damit zu vermeiden, dass meine Kleidung unangenehm riecht. Ich überlege<br />

mir also, ob meine Kleidung <strong>der</strong> Situation angepasst und in einem gereinigten<br />

Zustand ist.<br />

Merke: Es kann auch negativ auffallen, wenn ich zu viel Deodorant o<strong>der</strong> Parfum<br />

verwende. Beides sollte mit Mass eingesetzt werden.<br />

172


Bakterien und Viren<br />

Mikroorganismen wie Bakterien und Viren sind oft Auslöser von Krankheiten. Es<br />

gibt aber auch gute Bakterien, ohne die <strong>der</strong> Mensch kaum überleben kann.<br />

Sie schützen den Körper z. B. vor Angreifern und verdauen die Nahrung im<br />

Darm. Der Mensch hat natürliche Abwehrmechanismen gegen schädliche<br />

Bakterien und Viren, das sogenannte Immunsystem. Beson<strong>der</strong>s kritisch wird es,<br />

wenn das eigene Immunsystem geschwächt ist und die Mikroorganismen sich<br />

einfach vermehren können. Dass z. B. im Winter Erkältungen häufiger sind,<br />

wird nicht durch die Kälte an sich verursacht. Der Grund liegt vielmehr darin,<br />

dass <strong>der</strong> Körper sich wie<strong>der</strong> aufwärmen muss und dafür viel Körperenergie<br />

braucht. Dadurch bleibt weniger Energie für das Immunsystem übrig, und es<br />

kann sich weniger gut gegen Krankheitserreger wehren.<br />

Übertragungswege<br />

Im Alltag geht schnell vergessen, wie schnell Mikroorganismen wie Viren o<strong>der</strong><br />

Bakterien transportiert werden können: zum Beispiel durch das Anfassen einer<br />

Türklinke, beim Händeschütteln mit einem Bekannten o<strong>der</strong> durch das<br />

Übergeben von einem Gegenstand. Darum ist es wichtig, sich regelmässig die<br />

Hände zu waschen. Ein weiterer Übertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion.<br />

Wenn Menschen sprechen, singen, husten o<strong>der</strong> niesen kann ein Sprühregen<br />

entstehen, bei welchem Tröpfchen bis zu rund einem Meter verschleu<strong>der</strong>t<br />

werden können. Diese Tröpfchen sind Träger von Viren und Bakterien. Die<br />

alljährlich auftretenden Grippewellen verbreiten sich fast ausschliesslich auf<br />

diesem Weg.<br />

Massnahmen zur Vermeidung von Übertragungen<br />

Spätestens mit dem Ausbruch von Covid-19 im Jahr 2020 hat die Gesellschaft<br />

gelernt, mit welchen Massnahmen man die Übertragung von<br />

Krankheitserregern einschränken kann. In vielen Län<strong>der</strong>n wurde zum Beispiel<br />

<strong>der</strong> Lockdown ausgerufen. Das Ziel vom Lockdown war es, durch die<br />

Einschränkung <strong>der</strong> Bewegungsfreiheit <strong>der</strong> Menschen die Ausbreitung des Virus<br />

zu kontrollieren. Während <strong>der</strong> Pandemie gab es zudem viele einfachere<br />

Massnahmen zu befolgen. Diese gelten auch in normalen Zeiten und<br />

schützen vor Krankheiten wie z. B. <strong>der</strong> Grippe:<br />

• Genügend Abstand zu Gesprächspartnern halten<br />

173


• In Taschentuch o<strong>der</strong> Armbeuge husten o<strong>der</strong> niesen (nie in die Richtung von<br />

Mitmenschen)<br />

• Papiertaschentücher nur einmal verwenden<br />

• Hände regelmässig waschen<br />

Merke: Regelmässiges Händewaschen sollte für alle eine<br />

Selbstverständlichkeit sein.<br />

2.5 Das Unternehmensleitbild<br />

Das Leitbild ist eine schriftliche Erklärung des Unternehmens, welche<br />

Grundprinzipien und Werte es nach innen und nach aussen vertritt. Es<br />

formuliert einen Zielzustand. Nach innen soll das Leitbild handlungsleitend und<br />

orientierend sein, sodass es für die Mitarbeitenden einen motivierenden Faktor<br />

aufweist. Nach aussen stellt es klar, für was das Unternehmen einsteht. Es ist<br />

ein Grundpfeiler für die Corporate Identity <strong>der</strong> Firma. Das Leitbild beschreibt<br />

die Vision <strong>der</strong> Organisation und bildet den Rahmen für Strategien, Ziele und<br />

operatives Handeln.<br />

2.5.1 Funktion eines Unternehmensleitbildes<br />

Die erste wichtige Funktion eines Leitbildes ist die Legitimität von<br />

Gestaltungsentscheidungen, die seine Mitarbeiter orientieren.<br />

• "Wofür stehen wir als Unternehmen?" (Vision)<br />

• "Was wollen wir gemeinsam erreichen?" (Mission)<br />

• "Welche Werte und Prinzipien sollen unser Handeln leiten?" (Leitbild)<br />

Die zweite wichtige Funktion des Leitbildes ist seine Wirkung nach aussen: Es<br />

orientiert die Kunden und Stakehol<strong>der</strong> des Unternehmens.<br />

• "Wofür steht dieses Unternehmen?"<br />

"Welches Image will und verfolgt unser Unternehmen?"<br />

174


2.5.2 Das Leitbild <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Grundsätze<br />

• Wir wollen grundsätzlich nur in Märkten tätig sein, in denen wir Leistungen für<br />

unsere Kunden besser als an<strong>der</strong>e erbringen können.<br />

• Wir wollen unseren Mitarbeitenden die Chance zur Entfaltung ihrer Kenntnisse<br />

und Fähigkeiten in möglichst grosser Selbstverantwortung bieten.<br />

• Wir wollen ein erfolgreiches, unabhängiges, dynamisches Unternehmen von<br />

überschaubarer Grösse und Struktur sein.<br />

Unser Leistungsprogramm<br />

• Wir wollen Dienstleistungen anbieten, die einem Bedürfnis unserer Kunden<br />

entsprechen und für <strong>der</strong>en Produktion wir ein hohes Know-how besitzen o<strong>der</strong><br />

erwerben.<br />

• Wir wollen mit Produkten handeln, welche wir von Dritten zukaufen und die zur<br />

Lösung von Kundenproblemen geeignet sind.<br />

• Unsere begleitenden Serviceleistungen sollen einen hohen Standard haben.<br />

175


• Wir halten uns die Möglichkeit offen, unser jetziges Artikelangebot unter den<br />

Gesichtspunkten Rentabilität, Zukunftsaussichten, Know-how und<br />

Kundenbedürfnisse auszuweiten.<br />

Die von uns bearbeiteten Märkte<br />

Wir verkaufen an Industrie- und Privatkunden.<br />

Qualität und Technologie<br />

Unser Qualitätsziel "stets eine Idee besser" soll in allen Bereichen durchgesetzt<br />

werden: in <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> Mitarbeitenden auf allen Stufen, in <strong>der</strong> Qualität<br />

<strong>der</strong> Arbeit in sämtlichen Bereichen sowie in <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> Produkte.<br />

Finanzierung und Rentabilität<br />

Unser oberstes Ziel sind die Erreichung einer angemessenen Rendite und<br />

ausgewogene Bilanzstrukturen.<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

• Wir wollen fähige, motivierte und zufriedene Mitarbeiter.<br />

• Wir bieten allen Mitarbeitenden die bestmögliche Chance zur Entfaltung ihrer<br />

Persönlichkeit durch Mitdenken, Mitentscheiden, weitgehende Information,<br />

grösstmögliche Kompetenzdelegation und Freiheit für die Entfaltung von<br />

Eigeninitiative.<br />

• Unsere Lohnpolitik orientiert sich an <strong>der</strong> Funktion, an <strong>der</strong> Leistung und an den<br />

Marktbedingungen.<br />

• Bei unseren Mitarbeitenden legen wir Wert auf Fachkönnen, Initiative,<br />

Verantwortungsbereitschaft, Wille zur Zusammenarbeit und Erreichung <strong>der</strong><br />

Ziele.<br />

• Von unserem Ka<strong>der</strong> erwarten wir insbeson<strong>der</strong>e persönliche Integrität, Vertrauenswürdigkeit,<br />

Führungseigenschaften, hohe Leistung und gesamtunternehmerisches<br />

Verhalten; wir gewähren grossen Entscheidungsfreiraum.<br />

176


Führung<br />

• Wir pflegen einen leistungsorientierten, partizipativen und situationsgerechten<br />

Führungsstil.<br />

• Der Grundsatz <strong>der</strong> Führung mit Zielen Management by Objectives (MbO)<br />

findet durchgehend Anwendung. Durch die Vereinbarung <strong>der</strong> Ziele zwischen<br />

Vorgesetztem und Mitarbeiter wird auch <strong>der</strong> partizipative Führungsstil<br />

verwirklicht. Die Identifikation des Mitarbeiters mit seiner Aufgabe ermöglicht<br />

ihm selbstverantwortliches Handeln, ausgerichtet auf die Unternehmensziele.<br />

• Führung durch Ziele heisst insgesamt, dass je<strong>der</strong> klar weiss, für was er verantwortlich<br />

und kompetent ist.<br />

• Die Grundsätze des Management by Exception sind zu verwirklichen. Somit<br />

sind alle von <strong>der</strong> Planung, <strong>der</strong> Budgetierung, <strong>der</strong> Zielsetzung o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

normalen Erwartung abweichenden geschäftlichen Ereignisse unverzüglich<br />

<strong>der</strong> betroffenen Stelle, im Normalfall dem Vorgesetzten, zu melden.<br />

• Für alle Weisungen wird <strong>der</strong> sogenannte Dienstweg eingehalten. Für die<br />

Beschaffung von Informationen kann er übersprungen werden. Auch in<br />

Projektgruppen kann die formelle Hierarchie ausser Kraft gesetzt werden.<br />

Kunden und Lieferanten<br />

• Der Dienst am Kunden steht im Mittelpunkt des Denkens und Handelns aller<br />

unserer Mitarbeitenden. Alle Aktivitäten haben schlussendlich das Ziel, die Bedürfnisse<br />

unserer Kunden zu befriedigen.<br />

• Wir wollen gegenüber unseren Lieferanten fair, aber hart und anspruchsvoll<br />

sein.<br />

Öffentlichkeit<br />

• Wir setzen uns für eine freie Marktwirtschaft ein und bejahen eine freiheitliche,<br />

die Eigeninitiative för<strong>der</strong>nde humane und soziale Gesellschaftsordnung.<br />

• Mit staatlichen Institutionen wollen wir loyal zusammenarbeiten.<br />

• In Verbänden wollen wir aktiv mitwirken.<br />

• Wir wollen die Öffentlichkeit laufend objektiv über unsere Firma orientieren.<br />

• Die aktive Beteiligung unserer Betriebsangehörigen in Politik und Militär wird<br />

grundsätzlich positiv beurteilt.<br />

177


Umwelt<br />

• Wir beziehen die ökologischen Gesichtspunkte in unsere Überlegungen ein<br />

und suchen nach bestmöglichen Lösungen. Dies betrifft insbeson<strong>der</strong>e die Bereiche<br />

Produktion, Energie, Abfallbeseitigung, Roh- und Verpackungsmaterialien.<br />

• Wir sind bereit, im Rahmen des Möglichen in diesen Bereichen Massnahmen<br />

zu treffen, die über die gesetzlichen Auflagen hinausgehen, auch wenn dies<br />

zusätzliche Kosten verursacht.<br />

178


Modul 203_Selbstmanagement<br />

Ausgangslage<br />

Herr Reto Gugger muss sich jeden Tag intrinsisch (von innen her) motivieren<br />

und seine Mitarbeitenden extrinsisch (von aussen her) motivieren durch<br />

Zielsetzungen, Planung, Organisation und Zeitmanagement, sodass die<br />

EnterSite AG als Firma auf dem offenen Markt gegen die starke Konkurrenz<br />

bestehen und gesund wachsen kann.<br />

Je<strong>der</strong> Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin <strong>der</strong> EnterSite AG leistet einen Betrag<br />

dazu, dass die Firma profitabel bleibt und für die Mitarbeitenden weiter<br />

bestehen bleibt. Als Anerkennung für die von den Mitarbeitenden geleistete<br />

Arbeit kaufen die Kunden weiter bei <strong>der</strong> EnterSite AG ein, und von Herrn Reto<br />

Gugger erhalten die Mitarbeitenden am Ende des Monats als Gegenleistung<br />

für ihre Arbeit den Lohn auf ihr Bankkonto ausbezahlt.<br />

179


Fachartikel Modul 203<br />

3. Selbstmanagement<br />

Selbstmanagement ist die Kompetenz, sich selber zu managen. Verschiedene<br />

Techniken aus dem Management, <strong>der</strong> Psychologie und <strong>der</strong> persönlichen<br />

Führung helfen dabei, die eigene Motivation (intrinsische) zu erhöhen, eigene<br />

Ziele zu klären und diese besser zu erreichen. Dazu gehören Teilkompetenzen<br />

wie zum Beispiel Motivation, Zielsetzung, Planung, Zeitmanagement,<br />

Organisation, Lernfähigkeit und Erfolgskontrolle durch Feedback.<br />

3.1 Sich selber kennen - das Johari-Fenster<br />

Wie ist meine Selbstwahrnehmung, wie ist meine Fremdwahrnehmung? Wir<br />

laufen in <strong>der</strong> Weltgeschichte umher und denken uns, alle würden uns<br />

verstehen ("Ich kommuniziere ja klar und deutlich!"), und die unsere<br />

Mitmenschen würden wir lesen wie ein offenes Buch. Dem ist nicht so. Je<strong>der</strong><br />

Mensch hat seine Geheimnisse, die er an<strong>der</strong>en Menschen nicht preisgeben<br />

will, sei es aus Scham o<strong>der</strong> Angst. Das Johari-Fenster erlaubt es uns, unser Ich,<br />

die Fremdwahrnehmung, unser unbekanntes Ich und unseren blinden Fleck zu<br />

finden. Mit dieser Erkenntnis können wir im Alltag besser mit Mitmenschen<br />

arbeiten und zusammenleben.<br />

180


1. Quadrat: Öffentliche Person<br />

Das erste Quadrat ist <strong>der</strong> Bereich <strong>der</strong> freien Aktivität, <strong>der</strong> öffentlichen<br />

Sachverhalte und Tatsachen. Verhalten und Motivation sind sowohl für mich,<br />

aber auch für an<strong>der</strong>e wahrnehmbar.<br />

2. Quadrat: Mein Geheimnis<br />

Im zweiten Quadrat geht es um mein bewusstes und bekanntes Verhalten,<br />

dass ich an<strong>der</strong>en aber nicht bekannt gemacht habe o<strong>der</strong> machen will.<br />

Dieser Teil des Verhaltens ist für an<strong>der</strong>e verborgen o<strong>der</strong> versteckt.<br />

3. Quadrat: Blin<strong>der</strong> Fleck<br />

Der blinde Fleck ist die richtige Bezeichnung für das dritte Quadrat. Der blinde<br />

Fleck ist die Selbstwahrnehmung, d. h. <strong>der</strong> Teil des Verhaltens, <strong>der</strong> für an<strong>der</strong>e<br />

sichtbar und erkennbar ist, mir selbst hingegen nicht bewusst. Darunter fallen<br />

Abgewehrtes, Vorbewusstes und nicht mehr bewusste Gewohnheiten.<br />

4. Quadrat: Unbekanntes<br />

Das vierte Quadrat erfasst Vorgänge, die we<strong>der</strong> mir noch an<strong>der</strong>en bekannt<br />

sind und sich in dem Bereich bewegen, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Tiefenpsychologie<br />

unbewusst genannt wird.<br />

181


3.1.1 Die fünf Säulen <strong>der</strong> Identität des Menschen<br />

1. Säule: Leiblichkeit<br />

Die erste Säule umfasst unseren Körper, unseren Geist und unsere Psyche,<br />

welche <strong>der</strong> Ausgangspunkt für unsere Identität ist. Ohne sie würden wir nicht<br />

existieren. Durch Nachfrage zur Gesundheit und Zufriedenheit in einzelnen<br />

Aspekten kann die Stabilität <strong>der</strong> Säule gut erfasst werden. Der Leiblichkeit<br />

kommt daher eine hohe Bedeutung zu.<br />

Merke: Ereignisse wie Krankheiten, Unfälle, seelische Verletzungen o<strong>der</strong><br />

traumatische Erlebnisse gefährden die Stabilität dieser Säule und damit die<br />

Identität des Menschen.<br />

182


2. Säule: Soziale Beziehungen<br />

In <strong>der</strong> zweiten Säule sind die sozialen Kontakte eingeordnet, welche für den<br />

Menschen überlebenswichtig sind. Sie bieten Halt und schenken<br />

Anerkennung. Starke psychische Belastungen und langfristiges Erkranken<br />

können mögliche Folgen von fehlenden sozialen Kontakten sein. Beziehungen<br />

zu an<strong>der</strong>en Menschen und das soziale Netzwerk stärken die Stabilität <strong>der</strong><br />

zweiten Säule.<br />

Merke: Die Trennung einer langjährigen Partnerschaft, unüberbrückbare<br />

Differenzen o<strong>der</strong> gar Tod können diese Säule beispielsweise beeinflussen.<br />

3. Säule: Arbeit und Leistung<br />

Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört, eine sinnvolle Aufgabe zu<br />

haben, seine Fähigkeiten einsetzen zu können und sich zu verwirklichen.<br />

Merke: Der Verlust, das Fehlen einer sinnvollen Aufgabe kann zu negativen<br />

gesundheitlichen Auswirkungen führen.<br />

4. Säule Materielle Sicherheit<br />

In dieser Säule spielen Faktoren wie <strong>der</strong> Lebensstandard, die finanzielle<br />

Situation und die existenzielle Absicherung eine zentrale Rolle. Die<br />

Einschätzung <strong>der</strong> Faktoren hängt zusammen mit Erfahrungen aus <strong>der</strong> Kindheit,<br />

welche die Einstellung zu materieller Sicherheit beeinflussen können.<br />

Merke: Existenzängste können erheblichen Einfluss auf das persönliche<br />

Gleichgewicht haben.<br />

5. Säule: Werte und Ideale<br />

Menschen, die nach ihren Wertvorstellungen leben können, sind mit sich<br />

selbst im Einklang. Reize o<strong>der</strong> gar Konflikte kann es geben, wenn<br />

unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinan<strong>der</strong> treffen. Konflikte mit sich<br />

selbst, aber auch mit dem Gegenüber, müssen ausgestanden werden.<br />

Merke: Das persönliche Wertsystem stärkt einen Menschen und vermag<br />

die Stabilität seiner Identität aufrechtzuerhalten, selbst wenn an<strong>der</strong>e Säulen<br />

Defizite aufweisen.<br />

Quelle:<br />

Hilarion Petzold (Hrsg.): Methoden des therapeutischen Umgangs mit Symbolen und Symbolisierungsprozessen. Überl<br />

egungen zu Kernqualitäten des Menschenwesens [Vortrag auf dem 7. Deutschen Symposium für Kunsttherapie, 27.-<br />

30. November 1988].<br />

183


3.2 Führungsstile nach Kurt Lewin<br />

Je<strong>der</strong> Vorgesetzte steht in verschiedenen Spannungsfel<strong>der</strong>n. Das ist normal. Es<br />

markiert seinen persönlichen Führungsstil, wie er damit zurechtkommt. Der<br />

Führungsstil kann in unterschiedlichen Situationen auch wechseln, und kehrt<br />

nach <strong>der</strong> Klärung o<strong>der</strong> Beruhigung wie<strong>der</strong> zu seiner ursprünglichen Form<br />

zurück.<br />

3.2.1 Autoritärer Führungsstil (Alleinige Entscheidungs- und<br />

Weisungskompetenz)<br />

Vorteile:<br />

• Schnelle Lösung von Problemen, kurzfristig sehr gute Ergebnisse.<br />

• Klare Aufgaben- und Verantwortungszuteilung.<br />

• Handlungsorientierter Stil, handeln statt diskutieren.<br />

Nachteile:<br />

• Kein Konsens in <strong>der</strong> Gruppe kann zu Spannungen führen.<br />

• Schwierigkeiten bei Unvorhergesehenem, wenig Flexibilität.<br />

• Überlastung des Vorgesetzten.<br />

3.2.2 Laissez-faire Führungsstil (Delegieren von Aufgaben)<br />

Vorteile:<br />

• Durch die gewährte Freiheit können die Mitarbeitenden ihr Potential besser<br />

nutzen, ihre Ideen verwirklichen.<br />

• Innovations- und kreativitätsför<strong>der</strong>n<strong>der</strong> Stil, sofern mit <strong>der</strong> anvertrauten Freiheit<br />

umgegangen werden kann.<br />

• Grosse Entlastung für den Vorgesetzten.<br />

Nachteile:<br />

• Oft Ratlosigkeit und Verunsicherung in <strong>der</strong> Gruppe, vor allem bei<br />

Unvorhergesehenem.<br />

• Es trägt niemand die Verantwortung, unangenehme Tätigkeiten werden nicht<br />

erledigt.<br />

• Keine Unitè de doctrine (Einheitlichkeit) im Unternehmen; je<strong>der</strong> „wurstelt“ vor<br />

sich hin, so wie es ihm passt.<br />

184


3.2.3 Kooperativer Führungsstil (Mitbestimmungsrecht <strong>der</strong> Mitarbeitenden)<br />

Vorteile:<br />

• Auf lange Sicht optimale Arbeitsergebnisse bei zufriedenen Mitarbeitenden.<br />

• Mehr Flexibilität bei Unvorgesehenem, weil <strong>der</strong> Sinn <strong>der</strong> Tätigkeit bekannt ist.<br />

• Starkes Wir-Gefühl, da je<strong>der</strong> ein wichtiger Teil <strong>der</strong> Gruppe ist.<br />

Nachteile:<br />

• Mühsame, zeitaufwändige Entscheidungsfindung.<br />

• Kurzfristig oft schlechtere Sachergebnisse, bis sich die Gruppe „gefangen“ und<br />

organisiert hat.<br />

• Hohe Anfor<strong>der</strong>ungen an die Führungspersönlichkeit, insbeson<strong>der</strong>e im<br />

psychologischen Bereich.<br />

3.2.4 Karitativer Führungsstil (Die Bedürfnisse <strong>der</strong> Mitarbeitenden haben<br />

Vorrang)<br />

Vorteile:<br />

• Meist menschlich warmes Klima, in dem sich die Mitarbeitenden wohl fühlen<br />

• Der tragende Rahmen gibt vor allem verunsicherten Mitarbeitenden Halt. Ihr<br />

Potenzial kann genutzt werden.<br />

• Auch kritische Fragen können ohne Angst vor Repressalien angesprochen<br />

werden.<br />

Nachteile:<br />

• Die Fürsorge kann bei Mitarbeitenden als Kontrolle verstanden werden. Sie<br />

fühlen sich eingeengt.<br />

• Schlechte Zielerreichung kann frustrieren. Oft fehlt die Herausfor<strong>der</strong>ung, die<br />

„Motivationsspritze“<br />

• Viele Fehler, Doppelspurigkeiten, Missverständnisse wegen mangeln<strong>der</strong><br />

Ausrichtung auf das Ziel.<br />

3.3 Konflikttypen nach Thomas Kilmann<br />

Wo Menschen jeden Tag zusammenarbeiten, entstehen irgendwann Konflikte<br />

- so auch in <strong>der</strong> EnterSite AG. Verschiedene Parteien haben verschiedene<br />

Ansichten zu einer Situation. Ziel je<strong>der</strong> Partei ist es, aus dieser verzwickten<br />

Situation nicht als Verlierer auszusteigen und dadurch das Gesicht zu verlieren.<br />

185


Das Verhalten <strong>der</strong> beiden Partner in <strong>der</strong> Konfliktsituation wird danach<br />

unterschieden, welche Bedürfnisse (und nicht welche Lösungsvorschläge) in<br />

welchem Masse bei <strong>der</strong> Lösung berücksichtigt werden.<br />

3.4 Die sechs Stufen <strong>der</strong> Konfliktbewältigung<br />

Je<strong>der</strong> Streit sollte einen Anfang und ein Ende haben. Am Anfang jedes<br />

produktiven Streits steht die Suche nach Ziel und Thema <strong>der</strong><br />

Auseinan<strong>der</strong>setzung.<br />

Stufe 1: Mich stört ....<br />

Stufe 2:<br />

Stufe 3:<br />

Stufe 4:<br />

Stufe 5:<br />

Stufe 6:<br />

Mein Ziel ist... (Ich möchte...)<br />

Dein Ziel ist... (Was möchtest Du...)<br />

Gemeinsamkeiten<br />

Lösungen suchen (Ideen suchen, akzeptieren, bewerten)<br />

Vereinbarung (konkret, detailliert und zeitlich befristet)<br />

3.5 Die geistige Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt<br />

"Das Leben ist voller Stress!". Diese o<strong>der</strong> ähnliche Aussagen hören wir nahezu<br />

täglich. Wir und unser Arbeitgeber sollten Massnahmen treffen können, die<br />

uns vor Stress und negativen geistigen wie auch körperlichen Auswirkungen<br />

186


schützen. Stress wird durch innere und äussere Reize erzeugt. Stress ist aber<br />

nicht gleich Stress - es gibt positiven und negativen Stress. Beide wirken sich<br />

an<strong>der</strong>s auf und aus:<br />

3.5.1 Eustress:<br />

Der Begriff Eustress wird verwendet, um Stressfaktoren zu bezeichnen, die<br />

einen positiven Einfluss haben. Der positive Stress erhöht die Aufmerksamkeit<br />

und för<strong>der</strong>t die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers. Der Körper wird<br />

durch diese Stressfaktoren nicht beschädigt. Im Gegenteil: Diese<br />

Stressfaktoren wirken sich positiv auf die psychische und physische<br />

Funktionsfähigkeit unseres Organismus aus.<br />

3.5.2 Disstress:<br />

Der Begriff Disstress wird verwendet, um die negativen Reize, die als<br />

bedrohlich o<strong>der</strong> gar überfor<strong>der</strong>nd empfunden werden, zu beschreiben. Stress<br />

wird negativ wahrgenommen, wenn <strong>der</strong> körperliche Ausgleich fehlt o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Stress häufig auftritt. Es empfiehlt sich, geeignete Strategien zur<br />

Stressbewältigung zu entwickeln.<br />

3.5.3 Reaktionen des Menschen auf Stress<br />

Menschen zeigen in <strong>der</strong> Regel typische Kampf- o<strong>der</strong> Fluchtreaktionen bei<br />

Stress. Das ist ein natürliches, im Laufe <strong>der</strong> Evolution erworbenes<br />

Selbsterhaltungsprogramm. Weitere Reaktionen können sein:<br />

• Aggression<br />

• Flucht<br />

• Akzeptanz<br />

• Verleugnung<br />

• Angst<br />

• Depression<br />

Unser Körper ist nicht auf Dauerstress ausgelegt. Das Herz zeigt das mit<br />

erhöhter Schlagfrequenz. Unsere Muskeln verspannen sich, unsere Atmung<br />

wird schneller, wir spüren eine innere Unruhe und haben<br />

Konzentrationsprobleme o<strong>der</strong> Denkblockaden.<br />

187


Merke: Die Anfor<strong>der</strong>ungen im Berufsleben steigen rasant. Diese erfüllen zu<br />

müssen, führt zu Zeit- und Leistungsdruck.<br />

Wir müssen uns im Klaren sein, dass Entspannung und Stressbewältigung<br />

unabdingbar sind für unseren Körper:<br />

• Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen, Radfahren<br />

• private soziale Kontakte wie Familienfeste, Partys<br />

• betriebliche soziale Kontakte (beruht <strong>der</strong> Stress auf einem Konflikt, kann dieser<br />

allenfalls durch Kommunikation werden)<br />

• Yoga<br />

3.6 Die körperliche Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt<br />

3.6.1 Gefahrenquellen<br />

Gefahren lauern überall - in <strong>der</strong> Wohnung, draussen in <strong>der</strong> Natur, im Verkehr<br />

und am Arbeitsplatz. Sie verursachen Unfälle jeglicher Art: Schnittwunden,<br />

Knochenbrüche, Quetschungen, innere Verletzungen usw. Unvermittelt<br />

auftretende Gefahren werden, wie die kurzfristig auftretenden Krankheiten, in<br />

<strong>der</strong> Fachsprache akut genannt. Zu diesen mehr o<strong>der</strong> weniger offensichtlichen<br />

Gefahren für die menschliche Gesundheit kommen jene, die den Körper<br />

langsam und schleichend schädigen. Es sind kaum spürbare Einwirkungen,<br />

die mit <strong>der</strong> Zeit sehr schmerzhafte, chronische Beschwerden o<strong>der</strong> Krankheiten<br />

verursachen. In vielen Fällen sind es Haltungsschäden.<br />

Wie in den meisten an<strong>der</strong>en Branchen und Berufen bestehen auch im Bereich<br />

<strong>der</strong> Logistik sogenannte berufstypische Gefahren und Risiken. Doch Gefahren,<br />

die man kennt, kann man vermeiden o<strong>der</strong> durch Vorbeugen zumindest<br />

eindämmen. Etwa 80 Prozent aller Unfälle gehen auf gefährliches Verhalten<br />

zurück, sind also selbstverschuldet; 20 Prozent werden durch gefährliche<br />

Zustände (fehlende Schutzvorrichtungen, bauliche Mängel usw.) verursacht.<br />

Folgende Verhaltensweisen werden als gefährlich eingestuft:<br />

• das Nichtbeachten von Regeln o<strong>der</strong> Vorschriften<br />

• Nachlässigkeit<br />

• das Nichtanwenden von Schutzmassnahmen<br />

• das bewusste Eingehen von Risiken<br />

188


3.6.2 Gefahren minimieren<br />

Schutz <strong>der</strong> Füsse<br />

Logistikerinnen und Logistiker<br />

sind bei ihrer Arbeit weniger<br />

gefährdet als beispielsweise<br />

Mitarbeitende auf dem Bau<br />

o<strong>der</strong> in Forstbetrieben. Dennoch<br />

zeigt die Unfallhäufigkeit, dass<br />

die Arbeit im Lager, in <strong>der</strong><br />

Distribution und im Verkehr nicht<br />

ganz ungefährlich ist. Je<strong>der</strong><br />

Bereich hat seine eigenen<br />

Risiken. Bei allen sind<br />

insbeson<strong>der</strong>e folgende<br />

Körperteile gefährdet:<br />

• Kopf<br />

• Rücken<br />

• Hände<br />

• Füsse<br />

Sehr häufig werden die Füsse durch Rä<strong>der</strong> aller Art verletzt. Gefahrenherde<br />

sind in <strong>der</strong> Logistik die verschiedenen Transportmittel mit Rollen und Rä<strong>der</strong>n.<br />

Auf den Rä<strong>der</strong>n von Flurför<strong>der</strong>zeugen lastet ein hoher Raddruck; auf dem<br />

Hinterrad eines Dreiradstaplers sind es zum Beispiel über 20 kN (Gewichtskraft<br />

von 2 Tonnen). Aber auch von Nägeln, die aus Brettern herausragen, geht<br />

eine grosse Gefahr aus.<br />

Merke: Das Tragen von Halbschuhen, Turnschuhen o<strong>der</strong> gar offenen<br />

Sandalen ist in <strong>der</strong> Logistikbranche fahrlässig!<br />

Schutzschuhe können zwar nicht alle, aber doch die meisten Verletzungen<br />

<strong>der</strong> Füsse verhin<strong>der</strong>n. Mo<strong>der</strong>ne Sicherheits- o<strong>der</strong> Schutzschuhe haben mit den<br />

negativen Vorstellungen von Stahlkappenschuhen nichts mehr gemeinsam.<br />

Sie unterscheiden sich äusserlich nicht mehr wesentlich von normalem<br />

Schuhwerk und <strong>der</strong> Tragkomfort ist hervorragend. Schutzschuhe verhin<strong>der</strong>n<br />

189


vor allem Verletzungen <strong>der</strong> Zehen und <strong>der</strong> Fusssohlen. Relativ wenig geschützt<br />

sind jedoch die Fersen.<br />

Auch mit Schutzschuhen gelten folgende<br />

Vorsichtsmassnahmen:<br />

• Füsse nie unter angehobene Lasten halten<br />

• Füsse fernhalten von Rollen und Rä<strong>der</strong>n<br />

• nichts auf dem Boden liegen lassen<br />

• auf Flurför<strong>der</strong>zeugen die Füsse innerhalb des<br />

Fahrzeugprofils halten, dort sind sie am besten<br />

geschützt<br />

Normales Schuhwerk: Vorstehende Nägel können durch die Sohle eindringen.<br />

Die Zehen sind nicht geschützt. Rollen von Flurför<strong>der</strong>zeugen können die Zehen<br />

quetschen.<br />

190


Schutz vor Rückenschäden<br />

Die Wirbelsäule<br />

Unsere Wirbelsäule setzt sich aus 24<br />

beweglichen und zwei<br />

unbeweglichen Wirbelkörpern<br />

zusammen (7 Hals- ,12 Brust- und 5<br />

Lendenwirbel, Kreuz- und Steissbein).<br />

Im Wirbelsäulenkanal liegt das<br />

Rückenmark. Daraus treten zwischen<br />

den Wirbeln die Spiralnerven aus, die<br />

das Gehirn mit den verschiedenen<br />

Köperteilen verbinden. Zwischen den<br />

Wirbeln liegen die Bandscheiben. Sie<br />

sind aus Knorpel und enthalten den<br />

Gallertkern, <strong>der</strong> sich je nach<br />

Bewegung verschiebt. Die<br />

Bandscheiben wirken wie<br />

Stossdämpfer zwischen den Wirbeln.<br />

Wirbel und Bandscheiben werden von<br />

Bän<strong>der</strong>n und Muskeln<br />

zusammengehalten. Das<br />

Zusammenspiel aller Bestandteile <strong>der</strong><br />

Wirbelsäule ermöglicht das Gehen<br />

und Laufen, das Heben und Tragen,<br />

das Stehen und Sitzen, das Drehen<br />

und Beugen und vieles mehr. Damit<br />

die Wirbelsäule belastbar bleibt,<br />

müssen die Muskeln und<br />

Bandscheiben trainiert werden.<br />

Die richtige Körperhaltung<br />

Rückenbelastende Tätigkeiten sind das Umpacken, das Kommissionieren und<br />

das Be- o<strong>der</strong> Entladen von Paletten. Vor allem beim Umladen werden für die<br />

Wirbelsäule gefährliche Beuge- und Drehbewegungen ausgeführt. Um<br />

Rückenbeschwerden, akuten o<strong>der</strong> chronischen, vorzubeugen, ist stets darauf<br />

zu achten, dass Lasten ohne tiefes Bücken aufgenommen werden.<br />

Idealerweise befinden sich die Entnahme- und Ablageebene auf ähnlicher<br />

191


Höhe. Zum Ausgleich unterschiedlicher Niveaus eignen sich<br />

Scherenhubwagen.<br />

Merke: Wo immer möglich ist das Tragen schwerer Lasten zu vermeiden.<br />

Hilfsmittel wie Hubwagen, Plattformwagen o<strong>der</strong> Stechkarren (auch<br />

Sackkarren genannt) benützen.<br />

Die richtige Haltung beim Transportieren von Lasten: Arme gestreckt o<strong>der</strong> die<br />

Last auf die Schultern nehmen.<br />

Merke: Der Rücken bleibt immer gerade. Für schwerere Lasten Hilfsmittel<br />

wie z. B. Traggurten verwenden.<br />

Schutz <strong>der</strong> Hände<br />

Die Verletzungsgefahr für die Hände ist in <strong>der</strong> Logistik kleiner als dies zum<br />

Beispiel in einer Schreinerei o<strong>der</strong> Schlosserei <strong>der</strong> Fall ist. Doch auch in <strong>der</strong><br />

Logistik gibt es Arbeiten, bei denen die Hände mit strapazierfähigen<br />

Arbeitshandschuhen geschützt werden sollten.<br />

192


Bei folgenden Arbeiten sollten die Hände geschützt<br />

werden:<br />

• beim Stapeln von schweren Materialien<br />

• beim Anfassen von Materialien mit rauer<br />

(schürfen<strong>der</strong>) Oberfläche<br />

• beim Sortieren von Paletten<br />

• beim Öffnen von Holzkisten<br />

• beim Aufschneiden von Metallumreifungen<br />

Beim Hantieren mit aggressiven Stoffen sind die Hände mit<br />

Gummihandschuhen zu schützen. Leichte Kunststoffhandschuhe können aus<br />

hygienischen Gründen vorgeschrieben sein. Sie sind auch für Personen mit<br />

beson<strong>der</strong>s empfindlicher Haut geeignet.<br />

Schutz des Kopfes<br />

In Lager- und Logistikbetrieben ist das Tragen von Schutzhelmen in <strong>der</strong> Regel<br />

nicht vorgeschrieben. Wo aber Lasten gekrant werden, kann dies durchaus<br />

<strong>der</strong> Fall sein. Auch bei Stapelarbeiten besteht die Gefahr, durch<br />

herabfallende Gegenstände verletzt zu werden. Die Staplerfahrer selbst sind<br />

durch das Fahrerschutzdach geschützt, nicht aber Herumstehende. Deshalb<br />

darf sich niemand im Stapelbereich aufhalten. Gesetzlich vorgeschrieben ist<br />

das Tragen eines Helms beim Zustelldienst mit Motorrä<strong>der</strong>n. Weil Stürze mit<br />

Motorrä<strong>der</strong>n oft zu schweren Kopfverletzungen führen, verordnet das<br />

Strassenverkehrsgesetz den Motorradfahrern eine Helmtragpflicht.<br />

Auch im Rangierdienst ist die Gefahr einer<br />

Kopfverletzung erheblich. Aus diesem Grund darf<br />

auch das Rangierfeld nur mit Helm betreten<br />

werden. Zudem ist beim Rangieren das Tragen einer<br />

Warnweste obligatorisch.<br />

193


Schutz <strong>der</strong> Augen<br />

In <strong>der</strong> Logistik sind die Augen in <strong>der</strong> Regel nicht gefährdet, weshalb ein<br />

dauern<strong>der</strong> Schutz unnötig ist. Doch bei den wenigen, für die Augen<br />

gefährlichen Arbeiten ist strikt auf Schutz zu achten.<br />

Eine Schutzbrille ist unbedingt zu tragen, wenn:<br />

• mit ätzenden Substanzen gearbeitet wird (z. B.<br />

beim Umfüllen von Säuren, Laugen o<strong>der</strong><br />

Treibstoffen)<br />

• die Gefahr besteht, dass Splitter o<strong>der</strong> Staub in die<br />

Augen geraten können (zum Beispiel Bremsstaub<br />

im Rangierdienst)<br />

• <strong>der</strong> Säurestand in <strong>der</strong> Staplerbatterie kontrolliert<br />

wird.<br />

Ohne Schutzbrille können die Augen bei<br />

unvorsichtigem Umgang mit Säure verätzt werden.<br />

Diese Gefahr ist bei <strong>der</strong> Wartung von<br />

Staplerbatterien gross. Deshalb sollte dort, wo diese<br />

geladen werden, eine Augendusche installiert sein.<br />

Die Augendusche besteht aus einer Flasche mit<br />

einer salzhaltigen Lösung und einer kleinen Maske,<br />

die über das Auge gehalten werden kann. Wenn<br />

Säure in ein Auge gelangt ist, muss dieses sofort<br />

gründlich mit <strong>der</strong> Augendusche ausgewaschen<br />

werden.<br />

Danach ist auf jeden Fall dringend <strong>der</strong> Augenarzt<br />

aufzusuchen<br />

Aufschneiden von Umreifungsbän<strong>der</strong>n<br />

Eine weitere Arbeit, bei <strong>der</strong> die Augen gefährdet sind, ist das Aufschneiden<br />

von Umreifungsbän<strong>der</strong>n. Weil diese gespannt sind, schnellen sie beim<br />

Durchtrennen auf. Damit sie nicht den Körper o<strong>der</strong> das Gesicht treffen<br />

können, muss die Stelle für das Aufschneiden so gewählt werden, dass ein<br />

kurzes und ein langes Ende entsteht. Das kurze Ende kann beim Wegschnellen<br />

194


keinen Schaden anrichten, das lange muss mit einem Holzstück o<strong>der</strong> mit<br />

Handschuhen (nicht mit blossen Händen) festgehalten werden, damit es nicht<br />

wegschnellen kann.<br />

Ergonomie<br />

Die Ergonomie (Wissenschaft über die Gesetzmässigkeit <strong>der</strong> menschlichen<br />

Arbeit) befasst sich mit allem, was einen Bezug zur Arbeit und zum Arbeiten<br />

hat. Ihr Ziel ist, Arbeitsplätze und Arbeitsgeräte benutzerfreundlich zu<br />

gestalten, damit die Arbeitenden nicht vorschnell ermüden und keinen<br />

Schaden an ihrer Gesundheit erleiden. Ergonomisch optimale Arbeitsplätze<br />

sind so eingerichtet, dass sie <strong>der</strong> Aufgabe und den körperlichen Eigenheiten<br />

<strong>der</strong> Arbeitenden angepasst werden können. Sie haben eine positive<br />

Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft <strong>der</strong><br />

Arbeitenden. Frühe Anzeichen nicht angepasster Arbeitsplätze sind unter<br />

an<strong>der</strong>em Verspannungen im Nackenbereich.<br />

195


Modul 204_Der Markt<br />

Ausgangslage<br />

Die EnterSite AG fusst auf dem Pioniergeist des Firmengrün<strong>der</strong>s Jonathan<br />

Gugger. Der gelernte Logistiker und studierte Technische Kaufmann gründete<br />

das Unternehmen im Jahr 1990 unter dem Namen EnterSite AG. Jonathan<br />

Gugger arbeitete nach seinem Studium zum Technischen Kaufmann als Key<br />

Account Manager bei einem Grosshandelsunternehmen, das Büroartikel im<br />

High-Price Segment verkaufte.<br />

Dank <strong>der</strong> Tätigkeit als Key Account Manager war Jonathan Gugger in<br />

ständigem Kontakt mit den Schlüsselkunden. Dadurch bekam er die<br />

Möglichkeit herauszufinden, welches Bedürfnis und welche Nachfrage die<br />

Kunden haben. Im Gespräch mit den Kunden erfuhr er von einem grossen<br />

Bedürfnis nach einem externen Datenverteiler, <strong>der</strong> als zentrales<br />

Speichermedium im Haushalt dient. Dadurch können zum Beispiel ein<br />

Computer, ein Notebook und mehrere Smartphones mit Daten versorgt<br />

werden. Das spart Speicherplatz und macht das Handling grosser<br />

Datenmengen einfacher. Diese Datenverteiler o<strong>der</strong> auch NAS (Network<br />

Attached Storage) genannt, gab es auf dem Schweizer Markt noch nicht.<br />

Einzig in den USA konnte man sie kaufen, jedoch nicht im Einzeleinkauf. Als<br />

Jonathan Gugger das Produkt <strong>der</strong> Geschäftsleitung als neues Geschäftsfeld<br />

vorschlug, stiess er auf taube Ohren. Man vermutete, dass <strong>der</strong> Aufwand und<br />

<strong>der</strong> damit verbundene Ertrag keinen Mehrwert für das Unternehmen bringen<br />

würden.<br />

Daraufhin beschloss Jonathan Gugger, sein eigenes Geschäft zu gründen, um<br />

mit dem Import und dem Verkauf von NAS Servern zu handeln. Er<br />

recherchierte und evaluierte die unterschiedlichen Lieferanten auf dem Markt<br />

und entschied sich für den Lieferanten Qnap, welcher <strong>der</strong> EnterSite AG einen<br />

Exklusivvertriebsvertrag für die ganze Schweiz gewährleistete. Die Nachfrage<br />

auf dem Schweizer Markt hat sich bestätigt, woraufhin das Unternehmen von<br />

Jahr zu Jahr wuchs und in zweiter Generation an Reto Gugger übergeben<br />

wurde.<br />

Heute zählt die EnterSite AG zu den renommiertesten Anbietern <strong>der</strong><br />

Bürokommunikation auf dem Schweizer Markt. Der Markt - das Büro - hat sich<br />

in den vergangenen Jahren stark verän<strong>der</strong>t und damit auch die EnterSite AG.<br />

Heute ist die EnterSite AG im Bereich <strong>der</strong> Total Office Solutions tätig: Die<br />

Kernkompetenzen des Unternehmens umfassen die Beratung (Evaluation)<br />

und den Verkauf in den Bereichen Soft- und Hardware, ein grosses Sortiment<br />

196


an Verbrauchsmaterial mit eigener Produktion in <strong>der</strong> Schweiz und den<br />

Support im Office.<br />

197


Fachartikel Modul 204<br />

4. Der Markt<br />

In <strong>der</strong> Jungsteinzeit begann <strong>der</strong> Mensch, Wildgetreide zu ernten und Vorräte<br />

anzulegen. Aus den Vorräten baute er anschliessend selbst Getreide an.<br />

Einige Menschen spezialisierten sich auf ihre beson<strong>der</strong>en Fähigkeiten wie z. B.<br />

die Töpferei, Werkzeugmacherei o<strong>der</strong> arbeiteten als Steinmetz. Die Produkte,<br />

die sie nicht für sich selbst brauchten, konnten sie mit an<strong>der</strong>en Menschen<br />

gegen Nahrungsmittel tauschen.<br />

In <strong>der</strong> späteren Bronzezeit wurde Ware gegen Ware getauscht. Dabei war ein<br />

gutes Verhandlungsgeschick gefragt, um die eigenen Produkte zum besten<br />

Angebot zu verkaufen. Daraus entwickelten sich Märkte, wo sich <strong>der</strong> Händler<br />

und <strong>der</strong> Käufer trafen und Ware gegen Ware o<strong>der</strong> Ware gegen Geld<br />

tauschten. Bis heute funktionieren unsere Märkte nach diesem Prinzip<br />

(Gemüsemarkt, Fischmarkt, Weihnachtsmarkt).<br />

Damit ein Markt entsteht, braucht es ein sogenanntes Bedürfnis. Ein Bedürfnis<br />

ist das Verlangen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Wunsch, einem empfundenen o<strong>der</strong> tatsächlichen<br />

Mangel Abhilfe zu schaffen. Die Beseitigung des Mangels nennt man<br />

Bedürfnisbefriedigung. Die Bedürfnisse <strong>der</strong> Menschen sind je nach Alter, Land,<br />

Beruf, Ort, Zeit usw. unterschiedlich. Der Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite AG hat zum<br />

Beispiel festgestellt, dass ein Bedürfnis nach externen Speicherfestplatten<br />

(NAS) vorhanden ist. Auf diesem Bedürfnis hat er sein Geschäftsmodell<br />

aufgebaut.<br />

198


4.1 Die Marktforschung<br />

Aus Sicht <strong>der</strong> Betriebswirtschaft hat sich <strong>der</strong> Markt über die Jahre stark<br />

verän<strong>der</strong>t. Früher hat sich ein Unternehmen auf seine gesammelten<br />

Erfahrungen verlassen, wenn es sich im Markt bewegt hat. Damals war das für<br />

ein Unternehmen kein grosses Problem, weil <strong>der</strong> Markt überschaubar war. Im<br />

Laufe <strong>der</strong> Zeit wurde <strong>der</strong> Markt aber immer grösser und dadurch schwierig zu<br />

überblicken. Deshalb mussten die Unternehmen beginnen, den Markt mittels<br />

Marketing-Methoden zu erforschen. Die daraus gewonnenen Informationen<br />

können Unsicherheiten reduzieren und dem Unternehmen helfen, die<br />

richtigen Entscheidungen zu treffen.<br />

4.1.1 Warum ist die Marktforschung nötig geworden?<br />

• Ständig mehr Unternehmen und damit mehr Konkurrenz auf dem Markt führen<br />

zu einem Verdrängungskampf<br />

• Gesättigte Märkte o<strong>der</strong> Substitutionsgüter erfor<strong>der</strong>n Innovation<br />

• Durch die Globalisierung eröffnen sich Unternehmen neue Märkte<br />

• Verteuerung <strong>der</strong> Rohstoffe<br />

• usw.<br />

Der offene Markt ist hart umkämpft. Deshalb ist eine frühzeitige Analyse des<br />

Marktes für ein Unternehmen sehr wichtig. Dabei werden Fragen geklärt wie:<br />

Bieten wir etwas Neues auf dem Markt an? Wollen wir den Umsatz<br />

verbessern? O<strong>der</strong> soll eine neue Kundengruppe angesprochen werden?<br />

Merke: Jede Verän<strong>der</strong>ung auf dem Markt benötigt vorgängig eine<br />

ausführliche Marktforschung.<br />

4.1.2 Was erreicht die Marktforschung?<br />

Der Sinn <strong>der</strong> Marktforschung ist also, Informationen einzuholen, um die<br />

richtigen Entscheidungen treffen zu können. Mit den gesammelten<br />

Informationen werden die Chancen und Gefahren auf dem Markt analysiert.<br />

Das Ziel ist es, mit den Resultaten rechtzeitig handeln zu können. Eine<br />

Marktforschung kann auf Folgendes abzielen:<br />

• Aktuelle Situation auf dem Markt erkennen, wie zum Beispiel bestehende und<br />

potenzielle neue Wettbewerber (Konkurrenz), Marktbeeinflusser usw.<br />

• Neue Trends und Bedürfnisse auf dem Markt erkennen.<br />

199


• Risikominimierung <strong>der</strong> Fehlentscheide<br />

• usw.<br />

4.1.3 Die Markterkundung<br />

Eine einfachere, kostengünstigere und weniger aufwändige Form <strong>der</strong><br />

Marktanalyse ist die sogenannte Markterkundung. Mit dieser Methode<br />

werden <strong>der</strong> Markt beobachtet (z. B. via Internet, Zeitungsartikel), o<strong>der</strong><br />

Gespräche mit den eigenen Kunden und Lieferanten geführt. Im Gegensatz<br />

zur Marktanalyse ist die Markterkundung also nicht eine systematische<br />

Informationsbeschaffung.<br />

Von <strong>der</strong> Marktuntersuchung zur Marketingkonzeption<br />

Bei <strong>der</strong> sogenannten Marktprognose handelt es sich um eine Vorhersage zur<br />

Marktentwicklung auf <strong>der</strong> Grundlage gesammelter Daten <strong>der</strong><br />

Markterkundung bzw. -forschung. Die Marktprognose unterstützt die<br />

Entscheidung über absatzpolitische Aktivitäten des Unternehmens.<br />

200


Merke: Marktforschung ist die systematische, situative Analyse des Marktes nach<br />

wissenschaftlichen Methoden mit dem Ziel <strong>der</strong> Gewinnung von Informationen zum<br />

Markt als Grundlage für die Marketingplanung. Die Markterkundung ist eine<br />

gelegentliche und unsystematische Erhebung von Informationen, die teilweise auch<br />

betriebsintern gewonnen werden.<br />

201


Ein Beispiel aus dem Alltag: Marktforschung bei <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Eine <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Abteilung Customer Service ist das<br />

Marketing, also die Erkundung und die Erforschung des Marktes. Die<br />

Erkenntnisse aus <strong>der</strong> Marktforschung sollen helfen, die Erwartungen und<br />

Wünsche <strong>der</strong> Kunden in Erfahrung zu bringen und damit das Produkt richtig<br />

positionieren zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Prozesse<br />

(wie<strong>der</strong>kehrende Aufgaben) umgesetzt und damit das Image und <strong>der</strong><br />

Absatz gestärkt.<br />

Die EnterSite AG verkauft Produkte im Bereich Soft- und Hardware. Zudem<br />

hat das Unternehmen ein grosses Sortiment an Verbrauchsmaterial. Eine<br />

weitere Kernkompetenz <strong>der</strong> Firma ist die Beratung für Soft- und Hardware-<br />

Lösungen im Bereich aktive und passive Netzwerktechnik sowie<br />

Büroeinrichtungen. In den letzten Jahren haben sich die Verkaufszahlen <strong>der</strong><br />

Netzwerkschränke unvorteilhaft entwickelt. Die EnterSite AG will die<br />

geeigneten Gegenmassnahmen treffen, um die Entwicklung in die<br />

Gegenrichtung zu steuern.<br />

Das Unternehmen stellt sich zunächst die Frage, weshalb die Verkaufszahlen<br />

rückläufig sind. Um dies herauszufinden, führt es eine Marktforschung durch.<br />

Es wird eine Kundenumfrage durchgeführt, einerseits telefonisch und<br />

an<strong>der</strong>erseits durch Key Account Manager mit Schlüsselkunden im<br />

persönlichen Gespräch. Aufgrund <strong>der</strong> erhaltenen Antworten erkennt die<br />

EnterSite AG, dass die Rückläufigkeit vor allem auf die mangelhafte Qualität<br />

zurückzuführen ist. Um den Umsatz zu steigern, entscheidet sich die EnterSite<br />

AG die Produktmanager mit einzubeziehen, um die Netzwerkschränke<br />

qualitativ besser zu konzipieren, natürlich unter Beachtung <strong>der</strong><br />

Wirtschaftlichkeit.<br />

4.2 Die Marktarten und Marktformen<br />

4.2.1 Die Marktarten<br />

Märkte lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen und glie<strong>der</strong>n:<br />

Nach Gegenstand o<strong>der</strong> Dienstleistung:<br />

• Konsumgütermarkt (Warenmarkt): <strong>der</strong> Handel mit Gütern für den<br />

Endverbraucher, wie zum Beispiel Bücher, Nahrungsmittel, Kleidung, Elektronik,<br />

usw.<br />

202


• Arbeitsmarkt: Die menschliche Arbeitskraft wird angeboten und nachgefragt.<br />

• Dienstleistungsmarkt: zum Beispiel Rechtsberatung, Pflege, Unterhaltung, usw.<br />

• Geldmarkt: Das Bereitstellen von kurzfristigen Krediten durch Banken.<br />

• Immobilienmarkt: Der Handel mit Grundstücken und Gebäuden.<br />

• Sonstige Märkte wie Rohstoffmarkt, Kunstmarkt, usw.<br />

203


Nach Funktion:<br />

• <strong>der</strong> Beschaffungsmarkt<br />

• <strong>der</strong> Absatzmarkt<br />

Nach Art <strong>der</strong> Zutrittsmöglichkeit:<br />

• Offene Märkte: Ein offener Markt unterliegt keinen Beschränkungen. Er kann<br />

von Anbietern und Nachfragenden genutzt werden. Im offenen Markt<br />

dominiert <strong>der</strong> Wettbewerb zwischen den einzelnen Teilnehmern. Ein Beispiel<br />

dafür ist <strong>der</strong> Krankenkassenmarkt.<br />

• Geschlossene Märkte: Es besteht ein eingeschränkter Zugang für<br />

Marktteilnehmer. Der Zugang wird z. B. durch wirtschaftliche o<strong>der</strong> rechtliche<br />

Vorschriften eingeschränkt, wie eine Mindestkapitalpflicht o<strong>der</strong> bestimmte<br />

Qualifikationen und Zertifikate. Ein geschlossener Markt findet sich bei den<br />

öffentlichen Dienstleistungen und <strong>der</strong> öffentlichen Infrastruktur. In <strong>der</strong> Schweiz<br />

bezeichnet man diese Gesamtheit aller Dienstleistungen, welche <strong>der</strong> Bund,<br />

die Kantone und die Gemeinden <strong>der</strong> Allgemeinheit gegenüber zu erbringen<br />

haben, als Service Public. Die öffentliche Hand hat die Aufgabe,<br />

die Grundversorgung <strong>der</strong> Bevölkerung mit<br />

standardmässiger Infrastruktur sicherzustellen, z. B. mit <strong>der</strong> Post und den<br />

Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).<br />

• Beschränkte Märkte: Im beschränkten Markt sind bestimmte Sparten<br />

einschränkenden Auflagen unterworfen. Zum Beispiel wird, wenn ein<br />

öffentliches Interesse besteht, die maximale Anzahl <strong>der</strong> Anbieter per Gesetz<br />

festgelegt. Dies ist beim Taxigeschäft <strong>der</strong> Fall. Damit nicht zu viele Taxis in den<br />

Städten herumfahren, beschränkt man <strong>der</strong>en Anzahl mit <strong>der</strong> Vergabe von<br />

Konzessionen. Um einen Markt zu beschränken, bestehen folgende<br />

Möglichkeiten: die Vergabe von Lizenzen, die Vergabe von Konzessionen<br />

o<strong>der</strong> Patenten, die Auflage des Fähigkeitsnachweises, die Auflage des<br />

Kapitalnachweises.<br />

204


4.2.2 Die Marktformen<br />

Märkte können anhand ihrer sogenannten Marktformen unterteilt werden. Die<br />

Marktform beschreibt die Struktur von Angebot und Nachfrage. Beispiele<br />

dafür sind:<br />

• Monopol: Besteht nur ein Anbieter auf dem Markt, spricht man von einem<br />

Monopol. Ein Unternehmen hat in diesem Fall keine Konkurrenz. Die Produktion<br />

und die verlangten Verkaufspreise werden nicht durch einen Wettbewerb.<br />

Beispiele für Monopole sind Gasleitungen, Wasserleitungen, Verkehrsnetz usw.<br />

• Oligopol: Marktform, bei <strong>der</strong> es nur wenige Anbieter in <strong>der</strong> Branche hat. Diese<br />

kleine Anzahl Anbieter kann aber grössere Anfragen bewältigen. Beispiele<br />

dafür sind: Ölmarkt, Strommarkt, Mobilnetz usw.<br />

• Polypol: Marktform, bei <strong>der</strong> auf beiden Seiten (Anbieter und Nachfrager) eine<br />

grosse Auswahl besteht. Der Wettbewerb kann frei stattfinden und hat<br />

entsprechend Einfluss auf das Sortiment und den dazugehörenden Preis. Zum<br />

Beispiel: Wochenmarkt, Wohnungsmarkt usw.<br />

• Monopson: Marktform, bei <strong>der</strong> es viele Anbieter, aber nur einen Nachfrager<br />

gibt. Das Monopson ist das Gegenteil des Monopols. Es kommt aber nur selten<br />

vor. Ein Beispiel dafür ist <strong>der</strong> Arbeitsmarkt, wo es verschiedene Anbieter gibt<br />

(Bewerbende für eine Arbeitsstelle, Arbeitnehmer) jedoch nur einen<br />

Nachfrager (Anbieter <strong>der</strong> offenen Stelle, Arbeitgeber).<br />

205


Nachfrager<br />

Einer Wenige Viele<br />

Anbieter<br />

Einer Bilaterales Monopol Beschränktes<br />

Monopol<br />

Wenige<br />

Beschränktes<br />

Oligopol<br />

Bilaterales<br />

Oligopol<br />

Monopol<br />

Oligopol<br />

Viele Monopson Oligopol Bilaterales<br />

Polypol<br />

4.3 Die Grösse eines Marktes<br />

Die Grösse eines Marktes beeinflusst das Marketing eines Unternehmens<br />

wesentlich. Die Grösse lässt sich unter an<strong>der</strong>em nach <strong>der</strong> geografischen<br />

Ausdehnung des Marktes bestimmen o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> Anzahl <strong>der</strong> möglichen<br />

Kunden.<br />

4.3.1 Geografische Grösse<br />

Nach seiner geografischen Ausdehnung wird ein Markt in eine <strong>der</strong> folgenden<br />

fünf Gruppen eingeteilt:<br />

206


• lokal (z. B. Dorfladen)<br />

• regional (z. B. Wochenmarkt)<br />

• national (z. B. Schweizer Mobilfunkmarkt)<br />

• international (z. B. Markt <strong>der</strong> europäischen Union)<br />

• global (z. B. Finanzmarkt)<br />

207


Modul 205_Marketing<br />

Ausgangslage<br />

Für den Begriff Marketing gibt es unterschiedliche Definitionen. Die kürzeste<br />

heisst:<br />

"Marktgerechte Unternehmenspolitik"<br />

Eine längere:<br />

"Absatzgestaltung unter Berücksichtigung <strong>der</strong> Ergebnisse <strong>der</strong> Marktforschung<br />

mit dem Ziel, ein harmonisches Verhältnis zwischen Produktion und Absatz zu<br />

erreichen".<br />

Etwas verständlicher ausgedrückt: Marketing will herausfinden, welche<br />

Produkte und Dienstleistungen vom Markt, d. h. von den Kunden, gewünscht<br />

werden. Das Ziel ist, das zu produzieren, was die Kunden zu kaufen bereit sind<br />

und zwar in <strong>der</strong> Menge, die sie kaufen werden. Marketing will aber auch<br />

herausfinden, ob und wie sich die Kunden dazu bewegen lassen, ihnen<br />

unbekannte Produkte zu kaufen.<br />

208


Fachartikel Modul 205<br />

5. Marketing<br />

5.1 Ziele des Marketings<br />

Das Marketing <strong>der</strong> EnterSite AG hat zum Ziel, den Absatz ihrer Produkte o<strong>der</strong><br />

Dienstleistungen zu för<strong>der</strong>n. Denn mit dem Absatz steigt <strong>der</strong> Umsatz und damit<br />

(in <strong>der</strong> Regel) auch <strong>der</strong> Gewinn. Gewinn zu generieren ist das Hauptziel <strong>der</strong><br />

EnterSite AG. Deshalb wird im Preis <strong>der</strong> Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen ein<br />

Gewinn einkalkuliert. Der Gewinn <strong>der</strong> EnterSite AG steigt, wenn mehr Produkte<br />

o<strong>der</strong> Dienstleistungen verkauft werden. Um möglichst viel Gewinn zu<br />

erwirtschaften, strebt die EnterSite AG über das Marketing folgende Ziele an:<br />

• die Sicherung respektive Steigerung des Marktanteils.<br />

• die Steigerung des Bekanntheitsgrades.<br />

• das Verankern eines positiven Images im Markt.<br />

5.2 Beteiligte am Marketing<br />

Marketing ist eine Wissenschaft. Um diese systematisch zu betreiben, braucht<br />

es Profis. Innerhalb <strong>der</strong> EnterSite AG sind jedoch fast alle Mitarbeitenden am<br />

Marketing beteiligt - die einen mit und die an<strong>der</strong>en ohne Absicht. Marketing<br />

umfasst alle Ebenen und Bereiche <strong>der</strong> EnterSite AG. Je besser sich die<br />

verschiedenen Ebenen und Bereiche in <strong>der</strong> EnterSite AG ergänzen, desto<br />

erfolgreicher ist das Unternehmen im Markt. Ebenen und Bereiche sind:<br />

• die Geschäftsleitung<br />

• die Verkaufsabteilung<br />

• die Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Produktion<br />

• die Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Administration und Dienstleistung<br />

5.3 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />

5.3.1 Die Wirkung des Angebots<br />

Als "Jahrhun<strong>der</strong>ternte" lobten die Gemüsebauern den erwarteten Ertrag an<br />

Salat. Doch dann liess die ausserordentlich günstige Witterung alle Salate auf<br />

den Fel<strong>der</strong>n gleichzeitig reif werden. Obwohl die Grossverteiler sofort mit<br />

Son<strong>der</strong>angeboten reagierten und Salat so günstig war wie noch nie, mussten<br />

209


die Gemüsebauern einen Teil ihrer Salatproduktion vernichten. Ihre Freude an<br />

<strong>der</strong> "Jahrhun<strong>der</strong>ternte" verflog rasch. Weil das Angebot die Nachfrage<br />

deutlich überstieg, mussten sie Preisabschläge in Kauf nehmen und konnten<br />

den erhofften Gewinn nicht erzielen.<br />

Die umgekehrte Wirkung tritt ein, wenn Frost, Hagel o<strong>der</strong> lang andauern<strong>der</strong><br />

Regen dem Salat zusetzen und zu Ernteausfällen führen. Weil viele Kunden<br />

unbedingt Salat haben wollen, sind sie bereit, einen höheren Preis zu<br />

bezahlen. Deshalb kann bei knappem Angebot <strong>der</strong> Preis steigen. Dieser<br />

Mechanismus spielt allerdings nur noch bedingt, denn infolge <strong>der</strong><br />

Globalisierung besteht die Möglichkeit, Früchte und Gemüse aus an<strong>der</strong>en<br />

Län<strong>der</strong>n einzuführen. Die Konsumenten haben dann die Wahl: Entwe<strong>der</strong><br />

kaufen sie die einheimischen, aber teuren Produkte o<strong>der</strong> die billigere<br />

Importware.<br />

Viele Faktoren können das Angebot beeinflussen, auch die Anbieter selbst.<br />

Zum Beispiel regulieren Ölstaaten das Angebot von Öl: Sie för<strong>der</strong>n mehr Öl,<br />

wenn sie wollen, dass <strong>der</strong> Preis sinkt und drosseln die Produktion, wenn <strong>der</strong><br />

Preis steigen soll.<br />

5.3.2 Die Wirkung <strong>der</strong> Nachfrage<br />

Auch die Nachfrage kann Ursache von steigenden o<strong>der</strong> sinkenden Preisen<br />

sein. Wenn die Nachfrage steigt, ohne dass die Produktion Schritt hält, ist das<br />

Angebot zu klein und die Preise steigen. Manchmal treibt die Nachfrage von<br />

Konsumenten aus dem Ausland den Preis eines Produktes in die Höhe.<br />

So ist es zum Beispiel mit dem Preis von Mais in Mexiko geschehen. Die<br />

Verbrennung von Treibstoff aus Erdöl schadet dem Klima, zudem ist das Ende<br />

des Ölzeitalters absehbar. Forscher aus aller Welt bemühen sich um<br />

Alternativen. Seit sie Bio-Kraftstoffe aus Mais o<strong>der</strong> Zuckerrohr erfunden haben,<br />

ist Biodiesel im Trend und die Nachfrage nach Mais und Zuckerrohr steigt<br />

ständig. Die Folge ist eine weltweite Verknappung dieser Nahrungsmittel in<br />

"armen" Län<strong>der</strong>n - mit verheerenden Folgen. In Mexiko musste die Regierung<br />

zu Notstandsmassnahmen greifen, weil sich <strong>der</strong> Preis für das Nationalgericht<br />

Tortilla (dünner Maisfladen) verdoppelt hat und die Mexikaner es sich nicht<br />

mehr leisten konnten.<br />

Merke: Wenn die angebotene Menge steigt, die Nachfrage jedoch gleich<br />

bleibt, sinkt <strong>der</strong> Preis <strong>der</strong> Ware. Wenn die angebotene Menge sinkt, die<br />

Nachfrage aber gleich bleibt, steigt <strong>der</strong> Preis <strong>der</strong> Ware. Wenn die Nachfrage<br />

210


steigt, das Angebot jedoch gleich bleibt, steigt <strong>der</strong> Preis. Wenn die Nachfrage<br />

sinkt, das Angebot aber gleich bleibt, sinkt <strong>der</strong> Preis.<br />

5.4 Die Marketinginstrumente<br />

Damit die EnterSite AG ihre Marketingstrategie (Verkaufsstrategie) festlegen<br />

kann, muss sie sich Informationen beschaffen über den Markt, in dem sie ihr<br />

Produkt o<strong>der</strong> ihre Dienstleistung absetzen will. Darauf aufbauend kann sie die<br />

Massnahmen festlegen, mit welchen sie sich auf diesem Markt durchsetzen<br />

will. Meistens handelt es sich um eine Kombination von verschieden gearteten<br />

Massnahmen, dem sogenannten Marketing-Mix. Die Beschreibung des<br />

Marketing-Mix mit den vier P stammt aus den USA.<br />

Product (Produkt)<br />

Die Vermarktung eines Produktes hängt primär von seinem Nutzen ab<br />

(niemand kauft ein Produkt, das ihm keinen Nutzen bringt) und von seiner<br />

Qualität (je höher desto besser). Zudem sollte das Produkt in das Sortiment des<br />

Unternehmens passen (kein Kunde kommt zum Beispiel auf die Idee, in einem<br />

Geschäft für Sportartikel nach Kin<strong>der</strong>spielzeug zu suchen). Das Design sollte<br />

gefällig und zeitgemäss sein, um die Aufmerksamkeit <strong>der</strong> Kunden auf das<br />

Produkt zu lenken.<br />

Price (Preis)<br />

Ein wichtiges Kriterium beim Kaufentscheid <strong>der</strong> Kunden ist <strong>der</strong> Preis. Dieser<br />

hängt unter an<strong>der</strong>em von Folgendem ab: <strong>der</strong> Beschaffenheit des Produktes;<br />

den Kosten <strong>der</strong> verwendeten Rohstoffe; dem Personal- und Materialaufwand,<br />

<strong>der</strong> für Herstellung und Vertrieb nötig ist; dem Forschungsaufwand. Jedes<br />

Produkt hat seinen Preis. Es muss nicht billig, aber preiswert sein. Wenn<br />

Konkurrenzangebote existieren, gerät <strong>der</strong> Preis unter Druck. Er gerät auch<br />

unter Druck, wenn <strong>der</strong> Kunde Rabatte verlangt o<strong>der</strong> günstige<br />

Zahlungskonditionen.<br />

Place (Platzierung)<br />

Wenn neues Produkt auf den Markt gebracht werden soll, stellen sich<br />

folgende Fragen: Wer kommt als Käufer in Frage? Wie ist dieser Käufer am<br />

einfachsten zu erreichen, über den Direktvertrieb o<strong>der</strong> über den Handel?<br />

Auch um ein neues Produkt in ein bestehendes Sortiment aufzunehmen, stellt<br />

211


sich die Frage <strong>der</strong> Platzierung: Wo muss das neue Produkt hingestellt werden,<br />

damit die Zielgruppe es kauft?<br />

Promotion (Werbung)<br />

Eine optimale Platzierung und ein akzeptabler Preis garantieren noch keinen<br />

genügenden Absatz. Für ein Produkt muss auch Werbung gemacht werden,<br />

um potenzielle Käufer darauf aufmerksam zu machen. Heutzutage besteht<br />

eine grosse Vielfalt an Werbeträgern. Welcher gewählt wird, ist vor allem vom<br />

Werbebudget abhängig.<br />

5.5 Die Werbung<br />

5.5.1 Aus welchen Elementen bestehen Werbeanzeigen?<br />

• Bildelement (Foto, Grafik…)<br />

• Headline (Überschrift)<br />

• Fliesstext (Informationen zum Produkt)<br />

• Slogan (Motto, Leitsatz)<br />

• Produktname<br />

• Logo (Erkennungszeichen eines Produktes o<strong>der</strong> Unternehmens)<br />

5.5.2 Das AIDA - Konzept <strong>der</strong> Werbeanzeigen<br />

Damit die Werbung auch ihr Ziel erreicht und <strong>der</strong> Kunde das Produkt kauft,<br />

versuchen die Produzenten von Werbeanzeigen nach dem AIDA-Konzept<br />

vorzugehen:<br />

Attention: Aufmerksamkeit des Kunden erregen.<br />

Interest: Interesse wird geweckt.<br />

Desire: Der Wunsch entsteht, das Produkt zu besitzen.<br />

Action: Der Kunde kauft das Produkt.<br />

212


5.5.3 Informative und suggestive Werbung<br />

Werbung kann informativ o<strong>der</strong> suggestiv sein. Informative Werbung ist<br />

sachbezogen, d. h. sie stellt die Eigenschaften eines Produktes in den<br />

Vor<strong>der</strong>grund und will mit diesen den Betrachter zum Kaufen anregen. Bei <strong>der</strong><br />

suggestiven Werbung ist die Information nebensächlich. Sie will im Betrachter<br />

Emotionen wecken, die ihn zum Kaufen anregen, auch mit solchen, die<br />

keinen direkten Zusammenhang zum Produkt haben. Suggestive Werbung<br />

scheidet die Geister. Die einen halten sie für ausgesprochen originell, die<br />

an<strong>der</strong>en für geschmacklos.<br />

Merke: Bei je<strong>der</strong> Werbung, ob informativ o<strong>der</strong> suggestiv, sind die Kosten<br />

ein wichtiger Faktor. Diese müssen wirtschaftlich vertretbar sein, d. h. sie sollten<br />

in einem gesunden Verhältnis zum Umsatz stehen, <strong>der</strong> mit einem Produkt<br />

erzielt werden kann.<br />

5.5.4 Merkmale einer guten Werbung<br />

Werbung sollte eine lange Wirkung haben. Am besten kommt bei den<br />

Kunden Werbung mit Musik und Humor an, weniger gut solche mit<br />

Zeichentricks und Produktdemonstrationen. Gute Werbung weist folgende<br />

Merkmale auf:<br />

• Sie ist originell, aber nicht geschmacklos.<br />

• Sie entspricht <strong>der</strong> Wahrheit, d. h. sie preist nur Eigenschaften an, die das<br />

Produkt wirklich hat.<br />

213


Eine Hamburger Werbeagentur hat gute Werbung folgen<strong>der</strong>massen<br />

beschrieben:<br />

Gute Werbung ist: Auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen.<br />

5.5.5 Online-Werbung<br />

Das Internet hat nicht nur neue Werbeformen gebracht, son<strong>der</strong>n auch die<br />

Möglichkeit, mit <strong>der</strong> Klickrate die Wirkung einer Werbung zu kontrollieren. Mit<br />

<strong>der</strong> Klickrate lassen sich wirksame und unwirksame Werbungen leicht<br />

unterscheiden, weshalb sie beiträgt, Werbekosten gezielt einzusetzen.<br />

Internetwerbung wird oft "Pay per Click" abgerechnet, d. h. die Werbeleute<br />

erhalten ein Erfolgshonorar: Je mehr User die Werbung anklicken, desto höher<br />

ist ihr Einkommen.<br />

E-Mail-Werbung<br />

Bei <strong>der</strong> E-Mail-Werbung wird möglichen Kunden eine E-Mail geschickt, die<br />

einen Link auf die Internetseite des Absen<strong>der</strong>s enthält und sie auffor<strong>der</strong>t,<br />

diesen Link anzuklicken. In <strong>der</strong> Regel funktionieren solche Emails auch mit <strong>der</strong><br />

Klickrate und ermöglichen eine Auswertung <strong>der</strong> erfolgten Kundenkontakte.<br />

Bannerwerbung<br />

Als Bannerwerbung (Banner = Fahne) werden jene Werbebotschaften<br />

bezeichnet, die einer Internetseite angeheftet sind. Meist sind es grafische<br />

Elemente, welche die Aufmerksamkeit <strong>der</strong> Nutzer erregen sollen. Das<br />

beworbene Produkt muss keinen direkten Bezug zum Inhalt <strong>der</strong> Internetseite<br />

haben. Weil diese Art <strong>der</strong> Werbung massiv zugenommen hat, ist bei den<br />

Nutzern ein Gewöhnungseffekt eingetreten, die sogenannte Bannerblindheit.<br />

Um diesen Effekt auszuhebeln, werden die Werbebotschaften immer<br />

auffälliger gestaltet.<br />

214


Beispiel einer Bannerwerbung: Die Banner werden immer auffälliger gestaltet.<br />

Content Ad<br />

Content Ad (zusätzlicher Inhalt) ist Werbung, die im Gegensatz zur<br />

Bannerwerbung möglichst unauffällig mit einer Website verknüpft ist. Werbung<br />

und Webseite lassen sich kaum voneinan<strong>der</strong> unterscheiden. Als Folge davon<br />

merkt <strong>der</strong> eine o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e User erst im Nachhinein, dass er Werbung anstelle<br />

des Inhaltes <strong>der</strong> Website gelesen hat.<br />

Beispiel eines Content Ads: Werbung und Website lassen sich kaum voneinan<strong>der</strong> unterscheiden.<br />

215


Pop-up o<strong>der</strong> Pop-un<strong>der</strong><br />

Auch Pop-up- und Pop-un<strong>der</strong>-Werbung ist mit einer Website verknüpft, jedoch<br />

als separates Browserfenster. Pop-ups öffnen sich gleichzeitig mit <strong>der</strong> Website,<br />

Pop-un<strong>der</strong>s hingegen erst, wenn <strong>der</strong> User die Website schliesst. Die Anzeige<br />

von Pop-ups kann mit einem Pop-up-Blocker unterdrückt werden. Eine neuere<br />

Form <strong>der</strong> Pop-ups sind die sogenannten Hover Ads. Sie werden einer Website<br />

so aufgesetzt, dass sie <strong>der</strong>en Inhalt verdecken und die Aufmerksamkeit des<br />

Users erzwingen. Um zur gewünschten Website zu gelangen, muss das<br />

Werbefenster geschlossen werden.<br />

Das Beispiel eines Hover Ads: Der Inhalt <strong>der</strong> Webseite wird durch die Werbung<br />

verdeckt. Um die Webseite lesen zu können, muss das Hover Ad geschlossen<br />

werden.<br />

216


Modul 206_Kommunikation<br />

Ausgangslage<br />

Die EnterSite AG ist ein renommierter Anbieter von Bürokommunikation. Sie ist<br />

in Rupperswil zuhause und in <strong>der</strong> ganzen Schweiz tätig. Die Mitarbeitenden<br />

erreichen Kunden schweizweit und beraten und unterstützen diese mit Freude<br />

und ganz viel Engagement. Dabei haben sie nur ein Ziel: Resultate, die<br />

begeistern!<br />

Bei steigen<strong>der</strong> Wettbewerbsintensität wird es für die EnterSite AG zunehmend<br />

wichtiger, über eine effektive und effiziente Kommunikationsarbeit<br />

Wettbewerbsvorteile im Markt zu realisieren und dauerhaft zu halten.<br />

217


Fachartikel Modul 206<br />

6. Kommunikation<br />

6.1 Kommunikationsmittel<br />

Kommunikation umfasst alle Arten <strong>der</strong> Übermittlung von Nachrichten von<br />

einem Sen<strong>der</strong> zu einem Empfänger. Dabei spielt es keine Rolle, ob die<br />

Verbindung zielgerichtet o<strong>der</strong> unabsichtlich zustande gekommen ist.<br />

Die Eigenart je<strong>der</strong> Kommunikation ist, dass je<strong>der</strong> Kommunikationspartner<br />

zugleich als Sen<strong>der</strong> und Empfänger wirkt. Selbst wenn nur eine Person spricht<br />

(verbal), wird ihr die an<strong>der</strong>e Person zumindest über körpersprachliche<br />

Ausdrücke (nonverbal) "Antwort" geben.<br />

6.2 Funktionsweise <strong>der</strong> Kommunikation<br />

Damit menschliche Kommunikation gelingen kann, braucht es mindestens<br />

folgende drei Bestandteile:<br />

Der Sen<strong>der</strong> setzt eine Nachricht ab, welche vom Empfänger aufgenommen<br />

wird; eine Rückmeldung erfolgt nicht. So funktionieren Radio und Fernsehen.<br />

Der Nachrichtensprecher hat kein Gegenüber. Er weiss nicht, ob seine<br />

Nachricht beim Empfänger ankommt und was dieser davon hält, denn er<br />

erhält keine direkte Rückmeldung.<br />

Im direkten Kontakt folgt <strong>der</strong> Nachricht eine Rückmeldung, das sogenannte<br />

Feedback. Der Sen<strong>der</strong> übermittelt seine Nachricht und beobachtet<br />

gleichzeitig den Empfänger. Dieser gibt, gewollt o<strong>der</strong> ungewollt, eine<br />

Rückmeldung. Dieses Feedback kann verbal (mit Worten) o<strong>der</strong> nonverbal (mit<br />

218


Gesten) erfolgen. Es wird vom Sen<strong>der</strong> aufgenommen und beeinflusst so den<br />

weiteren Verlauf <strong>der</strong> Kommunikation. Der Sen<strong>der</strong> interpretiert vor allem die<br />

nonverbalen Signale des Empfängers.<br />

Merke: Kommunikation kann verbal wie auch nonverbal erfolgen.<br />

6.2.1 Ein Kommunikationsmodell<br />

Das Sen<strong>der</strong>-Empfänger-Modell<br />

Das Sen<strong>der</strong>-Empfänger-Modell definiert Kommunikation als Übertragung einer<br />

Information von einem Absen<strong>der</strong> zu einem Empfänger. Dabei muss <strong>der</strong><br />

Absen<strong>der</strong> die Nachricht in eine Darstellung umwandeln (Codierung), die<br />

beide Seiten verstehen können. Diese Nachricht wird dann zum Empfänger<br />

transportiert und von diesem interpretiert. Der Empfänger nimmt die Nachricht<br />

individuell wahr. Seine Wahrnehmung entspricht jedoch nicht immer <strong>der</strong><br />

Botschaft, die <strong>der</strong> Sen<strong>der</strong> mitteilen wollten, da es in allen Phasen zu Störungen<br />

kommen kann und beide die gleiche Codierung beziehungsweise<br />

Decodierung verwenden müssen.<br />

Nachdem die Nachricht beim Empfänger angekommen ist, leitet dieser mit<br />

seiner Antwort einen Kommunikationsvorgang in umgekehrter Richtung ein<br />

(Feedback). Erst diese Reaktion, die wie<strong>der</strong>um störungsbehaftet sein kann,<br />

zeigt dem Absen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Nachricht, ob seine erste Botschaft verstanden<br />

worden ist.<br />

219


6.2.2 Verantwortung für das Verstehen<br />

Wer an<strong>der</strong>e Menschen überzeugen will, muss dafür sorgen, dass <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e<br />

seine Ideen so aufnehmen kann, wie sie von ihm als Sen<strong>der</strong> gemeint sind. So<br />

soll erreicht werden, dass die Idee des Sen<strong>der</strong>s und die Vorstellungen des<br />

Empfängers möglichst übereinstimmen.<br />

220


6.2.3 Feedback hilft allen<br />

Feedback (Rückmeldung) bringt zum Ausdruck, wie das Gesagte und <strong>der</strong><br />

Sprecher auf den Feedbackgeber wirken. Feedback kann verbal o<strong>der</strong><br />

nonverbal übermittelt werden.<br />

Da Menschen miteinan<strong>der</strong> sprechen, kommt dem Feedback eine zentrale<br />

Rolle zu. Denn Feedback ist das Äquivalent zum Sprechen des Sen<strong>der</strong>s, und<br />

erst Feedback lässt einen gelungenen Kommunikationsprozess entstehen.<br />

So, wie man selbst gerne Feedback empfängt, sollte man auch Feedback<br />

senden, und das am besten verbal und nonverbal kombiniert. Damit verhilft<br />

man sich und seinem Gegenüber zu einer besseren Kommunikation mit<br />

weniger Missverständnissen.<br />

So kannst du ein sinnvolles Feedback geben:<br />

• Bringe ehrlich zum Ausdruck, wie du die Nachricht verstehst und was du dabei<br />

empfindest.<br />

• Beziehe das Feedback inhaltlich auf die Sache und nicht auf die Person.<br />

• Gib möglichst viel und rasch Feedback (sowohl verbal als auch nonverbal).<br />

6.2.4 Aktives Zuhören<br />

Das Zuhören ist eine Tätigkeit, die vielen Menschen schwerfällt. Deshalb gilt es,<br />

achtsam damit umzugehen. Im Umgang mit an<strong>der</strong>en kann man Folgendes<br />

versuchen:<br />

• eine Zeitlang für die an<strong>der</strong>e Person da sein<br />

• sich für die an<strong>der</strong>e Person echt interessieren<br />

• schweigen können<br />

• sich auf die an<strong>der</strong>e Person einstellen; aufmerksam sein<br />

• die an<strong>der</strong>e Person so annehmen, wie er/sie ist<br />

• sich selbst bleiben, die Probleme <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Person nicht übernehmen<br />

• sich in die Welt <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Person einfühlen<br />

221


Drei Phasen des aktiven Zuhörens<br />

6.3 Kommunikationsarten<br />

6.3.1 Verbale Kommunikation<br />

Die verbale Kommunikation besteht aus dem gesprochenen Wort, genauer<br />

gesagt aus <strong>der</strong> Stimme und dem Inhalt des Gesprochenen. Wenn ich einen<br />

Lieferanten anrufe und ihn frage: "Wann kommt die versprochene Ware<br />

endlich?", erkundige ich mich nicht nur nach dem Liefertermin, ich teile ihm<br />

mit meiner Sprechweise und meiner Stimmlage auch mit, dass ich mich<br />

geärgert habe und dass er Abmachungen einhalten soll. Die so gestellte<br />

Frage ist also Träger einer umfangreichen Botschaft mit vier Aussage-Ebenen:<br />

222


Die Wortwahl hat einen grossen Einfluss darauf, wie die Botschaft vom<br />

Empfänger aufgenommen wird und wie dieser darauf reagiert. Die Aussage<br />

"Wann kommt die Ware endlich..." klingt vorwurfsvoll, und <strong>der</strong><br />

Angesprochene muss sich wohl o<strong>der</strong> übel verteidigen. Es ist eine hohe Kunst,<br />

Sachverhalte deutlich auszusprechen, ohne dabei den Gesprächspartner zu<br />

verletzen. Im Beispiel <strong>der</strong> ausstehenden Ware könnte eine mögliche<br />

Formulierung sein:<br />

"Wir haben die Ware lei<strong>der</strong> noch nicht erhalten, wären aber dringend darauf<br />

angewiesen."<br />

Auch die Art, wie gesprochen wird, beeinflusst den Empfänger, also:<br />

• die Lautstärke (laut, leise)<br />

• die Stimmlage (locker, sachlich, barsch, drohend)<br />

• die Sprechgeschwindigkeit (langsam, schnell, überstürzt)<br />

• die Betonung (gleichförmig, jedes Wort betonend, mit Nachdruck)<br />

?? Merke: Die sogenannte Ausdruckssprache ist oft sogar wichtiger als <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong><br />

Nachricht. Säuglinge zum Beispiel reagieren nur auf die Ausdruckssprache, die Worte<br />

können sie noch gar nicht deuten.<br />

6.3.2 Nonverbale Kommunikation<br />

Als nonverbale Kommunikation bezeichnet man alle Körpersignale, die das<br />

Sprechen begleiten. Die Körpersignale sind schwierig zu steuern, meist ist man<br />

sich ihrer gar nicht bewusst. Nicht immer stimmt die verbale Botschaft mit <strong>der</strong><br />

nonverbalen überein.<br />

223


Verschiedene Wissenschaftler betonen, dass etwa zwei Drittel unserer<br />

Kommunikation ohne Worte stattfindet. Nonverbales Verhalten ist einerseits<br />

"Ausdruck von Gedanken und Gefühlen" und an<strong>der</strong>seits ein "Merkmal von<br />

zwischenmenschlichen Beziehungen". Die folgenden Bil<strong>der</strong> zeigen<br />

verschiedene Ausdrücke mittels Körpersprache:<br />

Signal Signalbeschreibung Bedeutung<br />

Eine lockere<br />

Körperhaltung<br />

einnehmen<br />

Entspanntheit,<br />

Selbstsicherheit<br />

Arme vor <strong>der</strong> Brust<br />

verschränken<br />

Abwehr<br />

Sich abwenden<br />

Desinteresse<br />

Eine steife<br />

Körperhaltung<br />

einnehmen<br />

Angespanntheit<br />

Wippen von einem Fuss<br />

auf den an<strong>der</strong>en o<strong>der</strong><br />

mit den Händen<br />

gestikulieren<br />

Ungeduld<br />

224


Den Kopf stützen<br />

Nachdenklichkeit<br />

o<strong>der</strong> Langeweile<br />

Offener Blick<br />

freundlicher<br />

Gesichtsausdruck<br />

Interesse und<br />

Bereitschaft zum<br />

Dialog<br />

Mit dem Kopf nicken<br />

Verständnis o<strong>der</strong><br />

Einverstanden<br />

Stirn runzeln<br />

Unverständnis,<br />

Unzufriedenheit o<strong>der</strong><br />

Skepsis<br />

Mundwinkel nach<br />

unten ziehen<br />

Unzufriedenheit,<br />

Skepsis<br />

Geht meistens mit<br />

Stirnrunzeln einher<br />

Senken des Kopfes<br />

o<strong>der</strong> auf den Boden<br />

starren<br />

Unsicherheit o<strong>der</strong> Trotz<br />

225


Am Gesprächspartner<br />

vorbeischauen<br />

Desinteresse o<strong>der</strong><br />

Unsicherheit<br />

6.4 Fragen in <strong>der</strong> Kommunikation<br />

Im beruflichen Alltag muss man sich oft Informationen beschaffen. Um diese<br />

zu erhalten, muss man gezielt Fragen stellen. Fragen sind auch im<br />

zwischenmenschlichen Kontakt wichtig: Mit ihnen zeigt man sein Interesse am<br />

Gesprächspartner und dessen Anliegen. Gezielte Fragen zu stellen, ist eine<br />

Kunst. Die gewünschte Antwort erhält man mit gezielt eingesetzten Fragen.<br />

"Wie hoch ist das Porto für<br />

diesen Brief?"<br />

"Wohin führen diese Wege?"<br />

6.4.1 Geschlossene Frage<br />

Die geschlossene Frage zielt auf eine kurze Antwort ab, in <strong>der</strong> Regel auf ein<br />

"Ja" o<strong>der</strong> ein "Nein". Sie beginnt meistens mit einem Verb. Einige Beispiele:<br />

• "Hast du deine Hausaufgaben gemacht?"<br />

• "Gibst du mir auch etwas von deinem Pausenbrot?"<br />

• "Bist du noch lange hier?"<br />

226


6.4.2 Offene Frage<br />

Offene Fragen lassen sich nicht kurz mit "Ja" o<strong>der</strong> "Nein" beantworten, denn<br />

damit beschafft man sich Informationen. Offene Fragen werden so formuliert,<br />

dass <strong>der</strong> Befragte eine ausführliche Antwort geben muss. Sie beginnen oft mit<br />

einem Frage-Pronomen (sogenannte W-Fragen). Einige Beispiele:<br />

• "Was könnte uns in dieser Sache weiterbringen?"<br />

• "Wie geht es Ihnen denn heute?"<br />

• "Wo kann ich Herrn Müller finden?"<br />

Es gibt eine weitere Variante <strong>der</strong> offenen Frage: Man stellt eine geschlossene<br />

Frage, die eher eine Auffor<strong>der</strong>ung zu einer Aussage ist:<br />

• "Können Sie mir bitte den Grund für Ihre Absenz angeben?"<br />

• "Ist es Ihnen möglich, mir den Tathergang zu schil<strong>der</strong>n?"<br />

6.5 Gespräche führen<br />

Du hast vermutlich auch schon festgestellt, dass du mit bestimmten Leuten<br />

lieber redest, ihnen lieber etwas anvertraust als an<strong>der</strong>en, ohne dafür einen<br />

Grund nennen zu können. Man kann seine Sympathien und Antipathien nur<br />

bedingt steuern. Dass dir jemand sympathisch ist, könnte aber auch an <strong>der</strong><br />

Art und Weise liegen, wie diese Person auf deine Äusserungen reagiert.<br />

6.5.1 Gesprächsför<strong>der</strong>er<br />

Gesprächsför<strong>der</strong>er sind alle Stellungnahmen, welche den Gesprächspartner<br />

anregen, weiterzusprechen, mehr zu erzählen. Mit Gesprächsför<strong>der</strong>ern<br />

signalisiert man Verständnis, Mitgefühl, Interesse. In <strong>der</strong> Fachsprache nennt<br />

man das "aktives Zuhören". Folgende Stellungnahmen sind typische<br />

Gesprächsför<strong>der</strong>er:<br />

• "Das klingt interessant!"<br />

• "Das wusste ich nicht."<br />

• "Wie meinst du das?"<br />

• "Davon musst du mehr erzählen."<br />

• "Ich glaube dir, dass..."<br />

227


6.5.2 Gesprächskiller<br />

Im Gegensatz zu den Gesprächsför<strong>der</strong>ern signalisieren die sogenannten<br />

Gesprächskiller Desinteresse an <strong>der</strong> Unterhaltung. Man ignoriert den<br />

Gesprächspartner o<strong>der</strong> gibt ihm mit abwertenden Formulierungen zu<br />

verstehen, dass das Gespräch mit ihm wenig interessant ist. Gesprächskiller<br />

können das Gegenüber verletzen o<strong>der</strong> gar Aggressionen hervorrufen.<br />

Typische Gesprächskiller sind folgende Bemerkungen:<br />

• "Was du nicht sagst, das glaubst du ja selbst nicht!"<br />

• "Das kann je<strong>der</strong> behaupten!"<br />

• "Wer hat dir denn dieses Märchen erzählt?"<br />

• "Mir ist klar, warum das so ist, das kann ja nicht an<strong>der</strong>s sein!"<br />

• "Du musst halt..."<br />

Gesprächskiller <strong>der</strong> wirklich unangenehmen Art sind:<br />

• Gemeinplätze wie: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!"<br />

• einfache Rezepte wie: "Du musst halt mehr lernen!"<br />

• Unterstellungen wie: "Du musst halt noch später ins Bett gehen!"<br />

• Schubladisierungen wie: "In deinem Alter kann man das noch nicht<br />

verstehen!"<br />

• Nur von sich reden: "Also, ich habe das immer so gemacht..."<br />

Es ist nicht möglich, sich immer nur gesprächsför<strong>der</strong>nd zu verhalten. Wenn z. B.<br />

jemand pausenlos drauflos schwatzt, ist ein Gesprächskiller oft die einzige<br />

Möglichkeit, dem Redefluss ein Ende zu setzen. Im Kundendienst dürfen<br />

Gesprächskiller nicht eingesetzt werden. Es ist besser, dem Kunden offen und<br />

ehrlich mitzuteilen, dass man lei<strong>der</strong> keine Zeit mehr hat und die Unterhaltung<br />

mit ihm nicht fortsetzen kann.<br />

228


6.5.3 Gespräche beenden<br />

Die Art, wie das Gespräch mit einem Kunden beendet wird, ist ebenso wichtig<br />

wie das Gespräch selbst. Zu beachten sind dabei folgende Punkte:<br />

• Dem Kunden danken (z. B. für seine wertvollen Anregungen).<br />

• Die Pendenzen und das weitere Vorgehen kurz zusammenfassen.<br />

• Den Kunden möglichst mit seinem Namen verabschieden.<br />

Schwierig kann das Beenden eines Gesprächs mit einem redseligen Kunden<br />

sein. Oft ist man aber aufgrund <strong>der</strong> Arbeitsfülle dazu gezwungen. Mit<br />

folgenden Formulierungen kann das Gespräch beendet werden, ohne dass<br />

<strong>der</strong> Kunde dies persönlich nimmt:<br />

• "Ich würde Ihnen gerne länger zuhören, aber lei<strong>der</strong> zwingen mich meine<br />

Aufgaben, mit <strong>der</strong> Arbeit weiterzumachen."<br />

• "Wir müssen uns unbedingt ein an<strong>der</strong>es Mal weiter unterhalten. Lei<strong>der</strong> kann ich<br />

die an<strong>der</strong>en Kunden nicht länger warten lassen."<br />

• "Dazu gäbe es noch viel Interessantes zu sagen. Vielleicht haben wir morgen<br />

Zeit, wie<strong>der</strong> ein paar Worte zu diesem Thema zu wechseln?"<br />

229


Modul 207_PreSales service<br />

Ausgangslage<br />

Pre-Sales-Services sind Dienstleistungen, die dem Kunden vor dem Kauf angeboten<br />

werden, um den Verkäufer dabei zu unterstützen, Aufträge zu erhalten. Im<br />

Einzelhandel können dies z. B. kostenloses Parken o<strong>der</strong> verlängerte Öffnungszeiten<br />

sein. Im Servicebereich sind es beispielsweise telefonische o<strong>der</strong> internetbasierte<br />

Reservierungen. Bei langlebigen und hochwertigen Sach- und Industriegütern sind z.<br />

B. eine Probenutzung o<strong>der</strong> eine technische Beratung möglich.<br />

230


Fachartikel Modul 207<br />

7. Pre-Sales-Service<br />

7.1 Bedürfnisse<br />

Wer etwas verkaufen will, muss die Bedürfnisse <strong>der</strong> potenziellen Kunden<br />

kennen. Betriebswirtschaftlich kann <strong>der</strong> Begriff "Bedürfnis" folgen<strong>der</strong>massen<br />

umschrieben werden:<br />

Ein Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch,<br />

ihn zu beheben.<br />

7.1.1 Die Bedürfnispyramide<br />

Die Wichtigkeit <strong>der</strong> Bedürfnisse lässt sich mit <strong>der</strong> Bedürfnis-Pyramide darstellen.<br />

Das Fundament bilden die Grundbedürfnisse wie essen, trinken, schlafen. Die<br />

Befriedigung dieser Bedürfnisse ist lebensnotwendig. Erst wenn die Bedürfnisse<br />

auf den unteren Ebenen gestillt sind, können diejenigen <strong>der</strong> höheren Ebenen<br />

befriedigt werden. Dies kann man an sich selbst feststellen: Starker Hunger<br />

und quälen<strong>der</strong> Durst verdrängen alle an<strong>der</strong>en Bedürfnisse.<br />

Es gibt aber auch Situationen, in denen die Grundbedürfnisse weniger wichtig<br />

sind, zum Beispiel wenn man krank ist o<strong>der</strong> wenn man vor einer Prüfung steht.<br />

Wenn man krank ist, verspürt man zwar immer noch Hunger und Durst, hat<br />

aber zudem ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Man möchte wie<strong>der</strong><br />

gesund werden, denn nur gesund fühlt man sich sicher, und deshalb möchte<br />

man gepflegt werden und Medikamente bekommen. Während einer<br />

Krankheit hat man in <strong>der</strong> Regel auch starke soziale Bedürfnisse: Man braucht<br />

Zuwendung und tröstende o<strong>der</strong> aufmunternde Worte. Auch vor Prüfungen<br />

verlieren die Grundbedürfnisse an Bedeutung, dafür nehmen jene <strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>en Ebenen zu.<br />

231


7.2 Verkauf<br />

Damit ein Verkauf zustande kommt, braucht es mindestens zwei Parteien: den<br />

Käufer und den Verkäufer. Die eine Partei will kaufen und die an<strong>der</strong>e will<br />

verkaufen - das sind zwei verschiedene Ausgangslagen. Im<br />

betriebswirtschaftlichen Gesamtzusammenhang besteht die Hauptaufgabe<br />

des Verkaufs darin, für das Unternehmen gewinnbringende Umsätze zu<br />

generieren, um damit dessen Existenz zu sichern.<br />

7.3 Kaufmotive<br />

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, weshalb Menschen ein Produkt o<strong>der</strong><br />

eine Dienstleistung kaufen. Bei jenen mit einem geringen Einkommen geht es<br />

meistens um die Befriedigung <strong>der</strong> Grundbedürfnisse. Besserverdienende<br />

können auch aus an<strong>der</strong>en Motiven kaufen. Einige Beispiele sind:<br />

• Neugier (ein Produkt spricht ihn/sie an, er/sie will etwas Neues ausprobieren)<br />

• Steigerung des Selbstwertgefühls (Kauf von Statussymbolen)<br />

• Liebhaberei (z. B. Kauf von alten Autos o<strong>der</strong> von Kunstgegenständen)<br />

• Kauflust (Kauf von Gegenständen, die gar nicht benötigt werden)<br />

7.4 Lieferantenbewertungen<br />

Um beim Auswahlverfahren den bestmöglichen Lieferanten für das benötigte<br />

Produkt zu finden, wird in <strong>der</strong> Praxis eine Lieferantenbewertung durchgeführt.<br />

Es gibt verschiedene Varianten von Lieferantenbewertungen. Ein bewährtes<br />

Modell ist das Scoring-Modell (siehe Bild). Das Scoring-Modell ist ein Punkt-<br />

232


Bewertungsverfahren, welches Noten, Indizes o<strong>der</strong> Kennzahlen zur Bewertung<br />

<strong>der</strong> Leistungsfähigkeit des Lieferanten nutzt. Für die Bewertung werden<br />

geeignete Kriterien ausgewählt, die dann durch messen o<strong>der</strong> schätzen<br />

beurteilt werden. Die Resultate werden zu einem Gesamtwert<br />

zusammengeführt. Mit einer individuellen Gewichtung können einzelne<br />

Kriterien und Lieferantenleistungen unterschiedlich stark in die<br />

Gesamtbewertung eingehen.<br />

Mögliche Bewertungskriterien, die im Einzelfall vergleichbar und messbar sind:<br />

• Qualität von Funktion, Aussehen, Eigenschaften o<strong>der</strong> Merkmalen <strong>der</strong><br />

gelieferten Produkte, Dienstleistungen und ergänzenden Services<br />

• Lieferkompetenzen bezüglich Liefermenge, Liefertermin, Informationen und<br />

Flexibilität<br />

• Preis <strong>der</strong> eingekauften Produkte und Dienstleistungen<br />

• Risiko eines Lieferantenausfalls<br />

• Vertrauen und Verlässlichkeit bei <strong>der</strong> Zusammenarbeit<br />

• Abhängigkeit des Abnehmers vom Lieferanten<br />

233


Modul 208_AtSales service<br />

Ausgangslage<br />

70 Prozent <strong>der</strong> Kaufentscheidungen fallen erst am Ort des Einkaufs. Daher gilt<br />

es, durch At-Sales-Services die Kaufentscheidung zu bestärken und den<br />

Kaufimpuls auszulösen. Gerade im Konsumgüterbereich wird die Kaufwahl<br />

oftmals spontan vor Ort getroffen, als Reaktion auf kaum bewusst verarbeitete<br />

Reize. Um den Beschaffungsaufwand zu reduzieren, sollte <strong>der</strong> Service am<br />

Endkunden vor allem auf die Erleichterung <strong>der</strong> Kaufabwicklung fokussieren.<br />

234


Fachartikel Modul 208<br />

8. At-Sales-Service<br />

8.1 Das Kaufverhalten<br />

Unter dem Kaufverhalten versteht man das Verhalten des Käufers o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Käuferin in Bezug auf den Einkauf von Waren o<strong>der</strong> Dienstleistungen. Das<br />

Verhalten beim Kauf von Waren o<strong>der</strong> Dienstleistungen hat unterschiedliche<br />

Motive und Aspekte. Zum Beispiel ist das Kaufverhalten von einem<br />

Endkonsumenten ganz an<strong>der</strong>s als das Verhalten eines Einkäufers, <strong>der</strong><br />

ressourcen- und gewinnorientiert für das Unternehmen einkauft. Doch auch<br />

die Endkonsumenten haben oft eigenartige Kaufmotive und höchst<br />

unterschiedliche Verhaltensmuster.<br />

8.1.1 Wie wird <strong>der</strong> Kunde zum Kauf animiert?<br />

Die Verkaufspsychologie erforscht das Kaufverhalten <strong>der</strong> Konsumenten. Die<br />

Ergebnisse ihrer Forschung werden in <strong>der</strong> Gestaltung von Verkaufsläden<br />

umgesetzt, zum Beispiel:<br />

Präsentation auf Augenhöhe<br />

Produkte, die auf Augenhöhe im Gestell liegen,<br />

werden eher gekauft als solche, für die sich die<br />

Kunden strecken o<strong>der</strong> bücken müssen.<br />

Präsentation vor <strong>der</strong> Kasse<br />

Vor den Kassen sind die Kunden oft zum Warten<br />

gezwungen. Das ist eine ideale Gelegenheit für<br />

den Absatz von Kleinartikeln, wie z. B.<br />

Süssigkeiten. Eine <strong>der</strong> Zielgruppen sind Mütter mit<br />

Kin<strong>der</strong>n, weil die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass<br />

die Kin<strong>der</strong> während des Wartens den Kauf <strong>der</strong><br />

Süssigkeiten erbetteln o<strong>der</strong> erzwängeln.<br />

235


Gerüche<br />

Die Hausbäckerei liegt bewusst inmitten <strong>der</strong><br />

Verkaufsfläche. Der Geruch von frisch<br />

Gebacktem animiert nicht nur zum Kaufen von<br />

Brot, son<strong>der</strong>n auch von an<strong>der</strong>en Lebensmitteln.<br />

Wer nicht unnötig Geld ausgeben will, sollte<br />

nicht hungrig auf Einkaufstour gehen: Hungrige<br />

Kunden füllen den Einkaufskorb wesentlich<br />

üppiger als satte.<br />

Kein Produkt im Supermarkt steht rein zufällig an seinem Platz. Marketingexperten berechnen genau,<br />

wann, wo und wie <strong>der</strong> Kunde am ehesten zugreift.<br />

8.1.2 Märkli, Punkte, Coupons: Das Sammeln<br />

Den Sammeltrieb <strong>der</strong> Menschen machen sich die Marketingfachleute mit<br />

Rabattmarken, Punkten und Coupons zunutze. Das Sammeln kann auf zwei<br />

verschiedene Arten erfolgen. Nach traditioneller Art braucht es dazu eine<br />

Sammelkarte, auf welcher <strong>der</strong> Kunde die Punkte o<strong>der</strong> Marken selbst<br />

einkleben kann. Die volle Karte berechtigt ihn dann zu einer Prämie o<strong>der</strong> einer<br />

Vergünstigung auf seinem nächsten Einkauf. Eine Variante dieser Art ist das<br />

Sammeln <strong>der</strong> Kassenzettel bis zu einem bestimmten Einkaufstotal.<br />

Nach neuer Methode werden die Punkte (o<strong>der</strong> Ähnliches) mit einer<br />

Kundenkarte in Form einer Kreditkarte gesammelt.<br />

236


Der Kunde ist nicht mehr selbst verantwortlich für das Sammeln, <strong>der</strong> Verkäufer<br />

kümmert sich an seiner Stelle darum. Dazu erfasst er alle Einkäufe des Kunden<br />

elektronisch und speichert die Daten auf dessen Konto ab. Der Kontostand<br />

wird dem Kunden in einem regelmässigen Intervall mitgeteilt und sein<br />

Guthaben wird ihm in Form von Bons o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Vorteilen zugesandt.<br />

Beim traditionellen Sammeln muss <strong>der</strong> Kunde höchstens seine Adresse auf <strong>der</strong><br />

Sammelkarte notieren. Beim Sammeln mit <strong>der</strong> Kundenkarte gibt er seine<br />

Anonymität auf und hat keinen Einfluss mehr auf die Daten, die über ihn<br />

gesammelt und unter Umständen auch genutzt werden. Deshalb ist oft vom<br />

"gläsernen Kunden" die Rede. Für den Schutz <strong>der</strong> Kunden wurde ein strenges<br />

Datenschutzgesetz erlassen. Die Grossverteiler sind verpflichtet, diese<br />

Bestimmungen einzuhalten.<br />

?? Merke: Beim digitalen Punktesammeln gibt <strong>der</strong> Kunde dem Verkäufer<br />

Daten über sein Kaufverhalten preis. Der Verkäufer nutzt diese Daten, um sein<br />

Sortiment anzupassen, gezielte Aktionen zu machen usw.<br />

8.1.3 Neue Technologien<br />

Das Kaufverhalten <strong>der</strong> Menschen kann auch mit neuesten Technologien wie<br />

<strong>der</strong> Magnetresonanztomografie (MRT) erforscht werden, weil sich damit die<br />

Vorgänge im menschlichen Gehirn bildlich darstellen lassen. Die Reaktionen<br />

<strong>der</strong> Versuchspersonen auf Produkte, Verpackungen usw. sind sofort sichtbar.<br />

Die Erkenntnisse aus den Versuchen fliessen in die Verkaufsstrategien ein. Dass<br />

sich das Kaufverhalten <strong>der</strong> Menschen geän<strong>der</strong>t hat, zeigt sich bei den<br />

Einkaufszentren. Sie wurden im Laufe <strong>der</strong> Jahre immer grösser und<br />

verwandelten sich nach und nach in Erlebnisparks. Heute verknüpfen viele<br />

Kunden das Einkaufen dort mit den diversen Freizeitvergnügen. An<strong>der</strong>e<br />

machen aus dem Einkaufen selbst ein Erlebnis: Vor dem Kaufen wollen sie<br />

ausgiebig aussuchen und Preise vergleichen, weil ihnen das Vergnügen<br />

bereitet.<br />

237


8.2 Verkaufssituationen<br />

Der Alltags-Verkauf, also <strong>der</strong> Verkauf von Produkten des täglichen Bedarfs,<br />

verläuft meistens ohne viel Aufwand für den Verkäufer. Die Beratung ist dort<br />

nebensächlich, und Gefühle spielen eine untergeordnete Rolle. Der Kunde<br />

kauft, weil er das Produkt o<strong>der</strong> die Dienstleistung braucht. Er wünscht sich:<br />

• eine rasche Bedienung<br />

• eine unkomplizierte Abwicklung des Geschäfts<br />

• einen kundenfreundlichen Service<br />

• gute Qualität zu einem angemessenen Preis<br />

• eine gute Leistung<br />

Wenn <strong>der</strong> Kunde hingegen eine umfangreiche Dienstleistung in Anspruch<br />

nehmen o<strong>der</strong> ein kompliziertes o<strong>der</strong> teures Produkt kaufen will, wie zum<br />

Beispiel ein Auto, ist ein beraten<strong>der</strong> Verkauf angezeigt. Der Kunde kann<br />

verunsichert werden durch eine grosse Auswahl an Produkten, durch die<br />

Komplexität <strong>der</strong> Materie o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Dienstleistung o<strong>der</strong> auch durch einen<br />

hohen Preis. Weil eine solche Anschaffung gut überlegt sein will, wünscht sich<br />

<strong>der</strong> Kunde in <strong>der</strong> Regel eine fachmännische Beratung.<br />

8.3 Ein Verkaufsgespräch führen<br />

Ein erfolgreiches Verkaufsgespräch zu führen, erfor<strong>der</strong>t nebst Fachwissen<br />

auch Fingerspitzengefühl und gute Menschenkenntnisse. Meist kennt <strong>der</strong><br />

Verkäufer den Kunden nicht und muss <strong>–</strong> und dies in möglichst kurzer Zeit <strong>–</strong><br />

herausfinden, welche Bedürfnisse und Kaufmotive den Kunden hergeführt<br />

haben. Wenn es dem Verkäufer nicht gelingt, die Erwartungen des Kunden zu<br />

erfüllen und ihm das Richtige zum Kauf anzubieten, ist dieser unzufrieden und<br />

verlässt möglicherweise das Geschäft, ohne etwas zu kaufen.<br />

Ein guter Verkäufer...<br />

• ...kann das Motiv, das den Kunden hergeführt hat, richtig einschätzen<br />

• ...spricht den Kunden persönlich an ("Sie" und nicht "man")<br />

• ...lenkt das Gespräch so, dass immer wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Verkaufsgegenstand<br />

ins Zentrum rückt<br />

• ...ist in <strong>der</strong> Lage, dem Kunden den Nutzen des Produktes o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Dienstleitung aufzuzeigen<br />

238


• ...ist fähig, dem Kunden das richtige Produkt o<strong>der</strong> die passende<br />

Dienstleistung zu verkaufen<br />

Während eines Beratungsgesprächs lassen nicht alle Kunden die Aussagen<br />

eines Verkäufers unwi<strong>der</strong>sprochen stehen. Sachliche, jedoch nicht<br />

gerechtfertigte Einwände können mit Gegenargumenten wi<strong>der</strong>legt werden.<br />

Wenn man keines weiss, sollte man dies zugeben und dem Kunden mitteilen,<br />

man werde sich über den Einwand informieren. Auf keinen Fall darf dem<br />

Kunden irgendeine Unwahrheit aufgetischt werden. Schwieriger wird ein<br />

Verkaufsgespräch, wenn Kunden nicht sachlich, son<strong>der</strong>n provokativ<br />

argumentieren.<br />

Dann sind folgende Verhaltensweisen angesagt:<br />

• ruhig bleiben<br />

• aktiv zuhören<br />

• den Kunden ausreden lassen<br />

• einen betont sachlichen Ton beibehalten<br />

• den Kunden nicht um jeden Preis zu überzeugen versuchen<br />

?? Merke: Die Erfahrung zeigt, dass man einem aufgebrachten<br />

Gesprächspartner den Wind aus den Segeln nehmen kann, wenn man ihm<br />

unerwartet beipflichtet, statt ihm zu wi<strong>der</strong>sprechen.<br />

8.4 Verkaufsgespräche Face-to-Face<br />

Bei einem Face-to-Face-Gespräch erfolgt die Kommunikation persönlich. Man<br />

ist sich gegenüber und spricht von Angesicht zu Angesicht.<br />

Das Ziel des ?? Verkaufsgesprächs zwischen einem Verkäufer und einem<br />

potenziellen o<strong>der</strong> bestehenden Kunden (Käufer) ist <strong>der</strong> Vertragsabschluss<br />

über eine Dienstleistung o<strong>der</strong> ein Produkt. Zum Face-to-Face-<br />

Verkaufsgespräch gehören:<br />

• Akquisition: direktes Ansprechen eines potenziellen neuen Kunden<br />

• Kommunikation: Beratung, Information und Beeinflussung <strong>der</strong> Kunden im Sinne<br />

<strong>der</strong> Unternehmensziele<br />

• Service: Dienstleistungen des Verkäufers, wie zum Beispiel Fehlerbehebung<br />

o<strong>der</strong> Schulung<br />

239


?? Merke: Der persönliche Verkauf ist das wichtigste Instrument des<br />

Verkaufens. Zur effizienten Gestaltung dieses Prozesses wird fachlich<br />

qualifiziertes Personal mit einer offenen und kommunikativen Persönlichkeit<br />

benötigt.<br />

8.4.1 Der persönliche Verkauf<br />

Der persönliche Verkauf bewährt sich insbeson<strong>der</strong>e beim Vertrieb<br />

erklärungsbedürftiger Produkte und beim Verkauf von Dienstleistungen.<br />

Üblicherweise werden folgende arten des persönlichen Verkaufens<br />

unterschieden:<br />

8.4.2 Beispiel eines Face-to-Face Verkaufsgesprächs<br />

Vanesa Maliqi ist 16 Jahre alt. Sie ist im zweiten Lehrjahr und arbeitet in einer<br />

Parfumerie. Das Beraten von Kundinnen und Kunden gehört zu ihren<br />

täglichen Aufgaben. Ein Beispiel für ein Gespräch mit einer Kundin:<br />

Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />

Vanesa begrüsst die Kundin freundlich. Sie fragt nach,<br />

ob sie ihr beim Suchen des gewünschten Produktes<br />

behilflich sein kann.<br />

240


Kundin:<br />

"Guten Tag, ich suche für meine Mutter zum Muttertag<br />

einen langanhaltenden, günstigen Damenduft. Ich<br />

habe gesehen, dass auf den Testern verschiedene<br />

Abkürzungen wie EdT & EdP stehen. Können Sie mir bitte<br />

den Unterschied erklären?"<br />

Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />

"Ich erkläre Ihnen sehr gerne die unterschiedlichen<br />

Abkürzungen und Bedeutungen davon. Die Abkürzung<br />

EdT steht für "Eau de Toilette". Das Eau de Toilette ist die<br />

eher leichtere Form <strong>der</strong> Parfums, mit 6 bis 9 Prozent hat<br />

es einen geringeren Duftkonzentrat-Anteil. Der Duft ist<br />

wesentlich flüchtiger und nicht aufdringlich. Das ist<br />

perfekt für die Sommertage, wenn man nur etwas<br />

Leichtes möchte. EdP steht als Abkürzung für "Eau de<br />

Parfum". Hier ist <strong>der</strong> Anteil an Duftkonzentrat<br />

verhältnismässig hoch, und liegt etwa bei 10 bis 14<br />

Prozent. Beim Eau de Parfum gibt es auch die "Intense<br />

Variation", hier sind es bis zu 20 Prozent Duftkonzentrat-<br />

Anteil. Ein echtes Eau de Parfum kann auch nach Tagen<br />

noch riechbar sein. Da die Konzentration auch hier sehr<br />

hoch ist, sollte man nur wenig verwenden, da <strong>der</strong> Duft<br />

nicht schnell wie<strong>der</strong> verschwindet. Darf ich Sie fragen,<br />

wie alt Ihre Mutter ungefähr ist?"<br />

Kundin:<br />

"Meine Mutter ist 40 Jahre alt und trägt nur zu<br />

beson<strong>der</strong>en Anlässen einen Duft auf, z. B., wenn sie<br />

abends in die Oper o<strong>der</strong> zum Tanztreff geht. Wozu<br />

würden Sie mir raten?"<br />

Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />

"Dann empfehle ich Ihnen ein fruchtiges und leichtes<br />

Eau de Toilette, am besten das Azzaro Mademoiselle. Es<br />

hat einen blumigen, fruchtigen Geruch und würde gut<br />

zu Ihrer Mutter passen."<br />

241


Kundin:<br />

"Vielen herzlichen Dank für die Beratung. Können Sie mir<br />

bitte diesen Duft als Geschenk verpacken?"<br />

8.5 Verkaufsgespräche über Telefon/Konferenz-Call<br />

Der Telefonverkauf, auch Telesales genannt, kann In- o<strong>der</strong> Outbound<br />

(eingehend o<strong>der</strong> ausgehend) betrieben werden. Inbound ist ein passiver<br />

Telefonverkauf, bei welchem <strong>der</strong> Kunde selbst anruft und Waren bestellt. Im<br />

Gegensatz dazu gilt <strong>der</strong> Outbound-Verkauf als aktiver Telefonverkauf, bei<br />

welchem <strong>der</strong> Verkäufer potenzielle Kunden anruft und auf diesem Wege die<br />

Ware zu verkaufen versucht. Der Telefonverkauf gewinnt zunehmend an<br />

Bedeutung, da damit <strong>der</strong> kostenintensive Aussendienst entlastet wird.<br />

Bei einem Verkaufsgespräch über Telefon o<strong>der</strong> über einen Konferenz-Call gilt<br />

es, Folgendes zu berücksichtigen:<br />

242


8.6 Verkaufsför<strong>der</strong>ung<br />

Unter dem Begriff "Verkaufsför<strong>der</strong>ung" werden sämtliche Massnahmen<br />

verstanden, die getroffen werden, um den Absatz von Produkten o<strong>der</strong><br />

Dienstleistungen zu steigern. Ziel sind ein höherer Umsatz und ein höherer<br />

Ertrag.<br />

?? Aktionen<br />

Die häufigste Massnahme zur<br />

Verkaufsför<strong>der</strong>ung ist die Aktion. Sie besteht<br />

in <strong>der</strong> Regel aus einem Preisnachlass. Dieser<br />

kann z. B auch in Form von "drei für zwei"<br />

ausgestaltet sein. Mit einer Aktion können<br />

neue Produkte eingeführt werden: Die<br />

Kunden kaufen das ihnen unbekannte<br />

Produkt, weil es günstig ist. Es können aber<br />

auch Überbestände abgebaut werden -<br />

Son<strong>der</strong>aktionen dienen meistens dazu,<br />

Auslaufmodelle abzusetzen, Lagerbestände<br />

abzubauen o<strong>der</strong> Waren, <strong>der</strong>en<br />

Haltbarkeitsdatum abläuft, an den Mann<br />

o<strong>der</strong> die Frau zu bringen.<br />

?? Demonstrationen und Degustationen<br />

Wenn Muster von Nahrungsmitteln<br />

möglichen Käufern angeboten werden,<br />

spricht man von einer Degustation. Diese Art<br />

<strong>der</strong> Verkaufsför<strong>der</strong>ung wird oft bei neuen<br />

Produkten angewandt. Eine Gratis-<br />

Kostprobe, oft mit Zubereitung vor Ort,<br />

weckt die Neugier. Wird die Kostprobe von<br />

einer sympathischen Person angeboten,<br />

wird auch die Kauflust geweckt. Ein<br />

Paradebeispiel für die Demonstration von<br />

Produkten ist <strong>der</strong> "Billige Jakob" auf dem<br />

Jahrmarkt. Die Produkte werden nicht<br />

einfach nur feilgeboten, son<strong>der</strong>n mit viel<br />

Drumherum und allerlei Sprüchen<br />

angepriesen. Je höher <strong>der</strong><br />

243


Unterhaltungswert des Verkäufers, desto<br />

höher <strong>der</strong> Absatz seiner Produkte.<br />

8.6.1 Zusatzverkauf (Cross-Selling)<br />

Ein Zusatzverkauf ist dann zustande gekommen, wenn ein Kunde nicht, wie<br />

von ihm vorgesehen, nur ein Produkt kauft, son<strong>der</strong>n auch ein zweites, das<br />

einen Zusammenhang mit dem ersten hat. Ein Beispiel: Ein Kunde löst am<br />

Billettschalter eine Bahnfahrkarte nach Zürich. Der Schalterbeamte fragt<br />

freundlich, ob er eventuell auch ein Trambillett benötige. Der Kunde realisiert,<br />

dass ein solches Billett von Vorteil wäre und löst zusätzlich eine Tageskarte für<br />

das Stadtnetz. Mit seiner Frage hat <strong>der</strong> Schalterbeamte den Kunden<br />

veranlasst, einen Zusatzkauf zu tätigen. Zusatzverkäufe empfindet <strong>der</strong> Kunde<br />

dann als kundenfreundlich, wenn sie einen Zusammenhang zum eigentlichen<br />

Kauf haben und nicht aufdringlich o<strong>der</strong> aufgesetzt wirken. Wenn zum Beispiel<br />

als Zusatzkauf zur Digitalkamera Ersatzbatterien angeboten werden o<strong>der</strong> zu<br />

den neuen Schuhen das richtige Pflegemittel, geht <strong>der</strong> Kunde gerne auf das<br />

Angebot ein.<br />

8.7 Der Kaufvertrag: Rechte und Pflichten<br />

Durch den Kaufvertrag verpflichtet sich <strong>der</strong> Verkäufer, dem Käufer den<br />

Kaufgegenstand zu übergeben und ihm das Eigentum daran zu verschaffen.<br />

Der Käufer verpflichtet sich seinerseits, dem Verkäufer den Kaufpreis zu<br />

bezahlen. Somit findet ein Tausch im Sinne von "Zug um Zug" statt:<br />

244


Recht<br />

Pflicht<br />

Käufer • den<br />

Kaufgegenstand<br />

und das Eigentum<br />

daran zu erhalten<br />

• den Kaufpreis zu<br />

bezahlen<br />

• bei einem<br />

Mangel:<br />

Ersatzlieferung,<br />

Min<strong>der</strong>ung o<strong>der</strong><br />

Wandlung<br />

Verkäufer • die Zahlung des<br />

Kaufpreises zu<br />

erhalten<br />

• den<br />

Kaufgegenstand<br />

dem Käufer zu<br />

übergeben und<br />

ihm das Eigentum<br />

daran zu<br />

überlassen<br />

8.7.1 Abschluss eines Kaufvertrags<br />

Ein Kaufvertrag kann mündlich o<strong>der</strong><br />

schriftlich, aber auch stillschweigend<br />

abgeschlossen werden. Im Geschäftsleben<br />

sind eher schriftliche Verträge üblich. Sehr<br />

oft geht dem Kaufvertrag ein Angebot (im<br />

Obligationenrecht "Antrag",<br />

umgangssprachlich "Offerte" genannt) des<br />

Verkäufers voraus. Mit <strong>der</strong> Bestellung<br />

kommt <strong>der</strong> Kaufvertrag zustande.<br />

245


8.7.2 Rücktritt vom Verkaufsvertrag<br />

Die gesetzlichen Grundlagen für den Abschluss und den Rücktritt aus einem<br />

Kaufvertrag sind im Obligationenrecht (OR) geregelt.<br />

Vertragserfüllung<br />

Die Erfüllung <strong>der</strong> vertraglich vereinbarten Leistung ist <strong>der</strong> wichtigste Grund für<br />

die Beendigung des Kaufvertrages.<br />

?? Hier findest du mehr Informationen.<br />

Rücktritt<br />

Der Käufer o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Verkäufer kann nur vom Verkaufsvertrag zurücktreten,<br />

wenn <strong>der</strong> Anwendungsfall im Gesetz vorgesehen ist. Anwendungsfälle sind:<br />

• Rücktrittbefugnis des Gläubigers bei Schuldnerverzug (OR 107 und 109)<br />

• Rücktrittsrecht des Verkäufers bei Zahlungsverzug des Gläubigers (OR<br />

214)/Gläubigerverzug (OR 95)<br />

• Wandlungsrecht des Käufers gemäss OR 205 stellt ein Rücktrittsrecht eigener<br />

Art dar<br />

Erfüllungsunmöglichkeiten<br />

Eine vertraglich vereinbarte Leistung kann unmöglich sein o<strong>der</strong> unmöglich<br />

werden. Die Unterteilung und Rechtsfolgen <strong>der</strong> Unmöglichkeit werden unter<br />

dem Titel ?? "Unmöglichkeit" dargestellt.<br />

8.8 Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)<br />

In <strong>der</strong> Schweiz können die gesetzlichen Grundlagen für den Verkauf von<br />

Gütern o<strong>der</strong> Dienstleistungen über den Vertrag und die Vertragsbedingungen<br />

verän<strong>der</strong>t werden. In <strong>der</strong> Regel fasst ein Händler alle seine<br />

Verkaufsbedingungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB)<br />

zusammen.<br />

?? Merke: Die AGB sollen <strong>der</strong> schnellen Abwicklung von Massenverträgen<br />

dienen.<br />

8.8.1 Was beinhalten die AGB?<br />

Die grosse Freiheit beim Abschliessen eines Kaufvertrages wird von vielen<br />

Unternehmen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausgenutzt.<br />

246


Dort sind oft Regeln festgehalten, welche die Kunden nicht akzeptieren<br />

würden, wenn sie im Kaufvertrag selbst stehen würden. Die AGB werden nur<br />

von einer Vertragspartei erstellt, während es <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Partei obliegt, sie<br />

auf ihre Rechtsgültigkeit zu prüfen und anschliessend den<br />

Bedingungen zuzustimmen o<strong>der</strong> zu wi<strong>der</strong>sprechen. Durch eine Klausel werden<br />

die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum Bestandteil des Kaufvertrages.<br />

Somit akzeptieren die Kunden die AGB mit ihrer Unterschrift unter den<br />

Kaufvertrag.<br />

8.8.2 Unlautere Geschäftsbedingungen<br />

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden umgangssprachlich auch<br />

"das Kleingedruckte" genannt, was bei den meisten wortwörtlich zutrifft.<br />

Dahinter steckt eine Absicht: Man weiss um den Umstand, dass<br />

Kleingedrucktes mühsam zu lesen ist, wenn es noch dazu umfangreich ist, wird<br />

das Lesen unterlassen. So akzeptieren die Kunden zum Teil aus<br />

Bequemlichkeit, zum Teil infolge Nichtwissens für sie nachteilige Bedingungen.<br />

Seit Jahren kämpfen Konsumentenschutzorganisationen dagegen, dass das<br />

mit einem Kauf verbundene Risiko in den AGB auf die Kunden abgewälzt<br />

wird. Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) regelt in<br />

Artikel 8 die Verwendung missbräuchlicher Geschäftsbedingungen.<br />

?? Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG)<br />

Artikel 8<br />

"Unlauter handelt insbeson<strong>der</strong>e, wer allgemeine Geschäftsbedingungen<br />

verwendet, die in Treu und Glauben verletzen<strong>der</strong> Weise zum Nachteil <strong>der</strong><br />

Konsumentinnen und Konsumenten ein erhebliches und ungerechtfertigtes<br />

Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen<br />

Pflichten vorsehen."<br />

247


8.8.3 Allgemeine Geschäftsbedingungen: aktuelle Beispiele<br />

Die Schweizerische Post<br />

AGB Postdienstleistungen für Geschäftskundinnen und Geschäftskunden<br />

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)<br />

AGB für den Erwerb und Nutzung des Halbtax<br />

Die Swisscom<br />

AGB für Geschäftskunden<br />

248


Modul 209_AfterSales service<br />

Ausgangslage<br />

After-Sales-Management entstand aus <strong>der</strong> Erkenntnis, dass die<br />

Kundenbeziehung nicht mit dem Geschäftsabschluss endet, son<strong>der</strong>n über die<br />

gesamte Nutzungsdauer eines Produktes bzw. Artikels o<strong>der</strong> einer<br />

Dienstleistung weiter bestehen bleibt (Grundsatz: „Nach dem Kauf ist vor dem<br />

Kauf“).<br />

Darüber hinaus erhoffen sich Hersteller und Händler durch After-Sales-<br />

Marketing mehr Informationen über Kundenwünsche, Kundenzufriedenheit<br />

und Markttrends. Somit fliessen Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem After-<br />

Sales-Marketing auch in die Planung, Produktion und Vermarktung zukünftiger<br />

Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen.<br />

249


Fachartikel Modul 209<br />

9. After-Sales-Services<br />

Der After-Sales-Service beschreibt die Marketingmassnahmen, die ein<br />

Unternehmen ergreift, um nach dem erfolgreichen Verkauf eines Produktes<br />

die Kunden langfristig an sich zu binden. Darüber hinaus hat <strong>der</strong> After-Sales-<br />

Service das Ziel, die Kunden nachträglich in ihrer Kaufentscheidung zu<br />

bestätigen, sie von weiteren Käufen zu überzeugen und die<br />

Kundenzufriedenheit im Allgemeinen zu steigern. Der After-Sales-Service sollte<br />

daher stets individuell auf den jeweiligen Kunden und die jeweilige Kundin<br />

ausgerichtet sein.<br />

Die After-Sales-Betreuung bietet im Vertrieb häufig Möglichkeiten für das<br />

Zusatzgeschäft. Ein weiteres Ziel eines guten After-Sales-Services ist die<br />

Stärkung <strong>der</strong> nachhaltigen Bindung an das Unternehmen: Je besser und<br />

komfortabler die Erfahrung für die Kunden ist, desto wahrscheinlicher ist es,<br />

dass sie auch in Zukunft zum Unternehmen zurückkehren.<br />

Kunden an das Unternehmen binden<br />

Kunden können auf verschiedene Arten an das Unternehmen gebunden<br />

werden. Ein Beispiel dafür sind technische und/o<strong>der</strong> kaufmännische<br />

Dienstleistungen nach dem Kauf des Produkts, wie Schulungen des<br />

Bedienungspersonals, Wartungs- und Reparaturdienste sowie<br />

Managementleistungen.<br />

250


9.1 Reklamationen<br />

Die Reklamation unterscheidet sich vom Wi<strong>der</strong>rufsrecht o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Garantie.<br />

Eine Reklamation kann getätigt werden, wenn das Produkt einen<br />

Sachmangel vorweist, <strong>der</strong> bereits vor <strong>der</strong> Übergabe des Produkts existiert hat.<br />

Ein Sachmangel liegt vor, wenn die gekaufte Ware nicht <strong>der</strong> Beschaffenheit<br />

entspricht, die im Kaufvertrag vereinbart worden ist. Der Verkäufer ist dazu<br />

verpflichtet, die Ware mangelfrei zu übergeben. Wenn er sich nicht an diese<br />

Verpflichtung hält, dann hat <strong>der</strong> Kunde das Recht auf Gewährleistung. Dieses<br />

ist im Gesetz festgeschrieben. Der Grundgedanke im Gesetz besagt, dass <strong>der</strong><br />

Kaufvertrag weiterhin bestehen bleiben soll. Der Kunde muss sich aber nicht<br />

mit einem defekten Produkt zufriedengeben. Er kann nach einer Reparatur<br />

o<strong>der</strong> einem Umtausch <strong>der</strong> beschädigten Ware verlangen.<br />

9.1.2 Das Reklamationsrecht<br />

Die Frist, während <strong>der</strong> Reklamationen getätigt werden können, ist gesetzlich<br />

vorgegeben. Sie beträgt zwei Jahre. Der Händler darf diese<br />

Gewährleistungsfrist nicht verkürzen. Allerdings ist die Gewährleistungsfrist<br />

keine Haltbarkeitsgarantie: Der Anbieter muss lediglich für Mängel einstehen,<br />

die bereits während dem Kaufzeitpunkt bestanden haben. Nicht nur bei <strong>der</strong><br />

Reklamation gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen. Auch<br />

Rechnungen und Belege unterliegen gewissen Fristen bezüglich <strong>der</strong><br />

Aufbewahrung.<br />

251


Was ist <strong>der</strong> Unterschied zwischen einer Beschwerde und einer Reklamation?<br />

• Eine Reklamation bezieht sich auf ein bestimmtes Produkt o<strong>der</strong> eine<br />

Dienstleistung. Sie beinhaltet den gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung,<br />

wenn das Produkt o<strong>der</strong> die Dienstleistung nicht den Vorgaben entsprechen,<br />

die im Kaufvertrag vereinbart wurden.<br />

• Mit einer Beschwerde äussert <strong>der</strong> Kunde hingegen lediglich seine<br />

Unzufriedenheit.<br />

9.2 Der Kundendienst<br />

Viele Nutzer schrecken auf, wenn sie das Wort "Gewinnspiel" lesen. Doch nicht<br />

immer kann man etwas gewinnen. Betrüger kennen verschiedene Maschen,<br />

mit denen sie nichtsahnende Nutzer um ihre Daten o<strong>der</strong> ihr Geld bringen.<br />

9.2.1 Das Gewinnspiel<br />

Ein Gewinnspiel ist ein Glücksspiel, bei dem einer o<strong>der</strong> mehrere Preise<br />

ausgeschrieben sind. In <strong>der</strong> Regel werden jedoch nur jene Glücksspiele<br />

als Gewinnspiel bezeichnet, die vom Veranstalter zum Zweck <strong>der</strong> Werbung<br />

o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Datensammlung ausgerichtet werden und für die <strong>der</strong> Spieler nicht<br />

bezahlen muss. Nicht um Gewinnspiele handelt es sich, wenn lediglich ein<br />

Gewinnspiel vorgegeben wird, um an<strong>der</strong>e Zwecke zu verfolgen, z. B. einen<br />

Vertrag abzuschliessen (z. B. eine Abofalle).<br />

Es gibt mehrere Arten von Gewinnspielen: Lotterien, Preisausschreibungen<br />

(schriftlich, elektronisch, telefonisch), Rätselspiele, Quiz, Tombola, Wetten usw.<br />

Kommerzieller Zweck<br />

Mit Gewinnspielen verfolgen Unternehmen das Ziel, Werbung zu betreiben<br />

und persönliche Daten von potenziellen Konsumentinnen und Konsumenten<br />

für den Adresshandel im Direktmarketing zu gewinnen. Gewinnspiele werden<br />

auch dazu verwendet, um in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit zu<br />

gewinnen.<br />

Es kommt auch vor, dass Personen eine Gewinnmitteilung<br />

(Gewinnversprechen) erhalten, obwohl sie an keinem Gewinnspiel<br />

teilgenommen haben. Vor einer Gewinnübergabe werden die Opfer dazu<br />

aufgefor<strong>der</strong>t, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel „Gebühren“ zu<br />

252


ezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen o<strong>der</strong> an<br />

Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen min<strong>der</strong>wertige Ware zu<br />

überhöhten Preisen angeboten wird.<br />

9.2.2 Kundenumfragen<br />

Kundenzufriedenheit ist einer <strong>der</strong> wichtigsten Faktoren, die zum Erfolg eines<br />

Unternehmens beitragen. Wenn ein Unternehmen nicht weiss, was <strong>der</strong> Kunde<br />

will o<strong>der</strong> nicht will, kann es als Resultat weniger Umsatz machen. Eine gute<br />

Methode, um Kundenfeedback zu erhalten, ist<br />

die Kundenumfrage (Customer Satisfaction Survey). Mit Hilfe <strong>der</strong><br />

Kundenbefragung werden systematisch Informationen über Zufriedenheit,<br />

Erwartungen und Kaufgewohnheiten von aktuellen o<strong>der</strong> potenziellen Kunden<br />

gewonnen. Professionell durchgeführte Kundenbefragungen för<strong>der</strong>n das<br />

Kundenvertrauen und stärken das Image <strong>der</strong> eigenen Unternehmung. Die<br />

neuen Erkenntnisse helfen, das Potenzial auszuschöpfen und Strategien zur<br />

Verbesserung umzusetzen.<br />

Welche Ziele verfolgt die Durchführung einer Kundenumfrage?<br />

• Kundenbedürfnisse und Kundenwünsche feststellen sowie die Einstellungen<br />

und Erwartungen von Kundinnen und Kunden kennen<br />

• Rechtzeitiges Erkennen von Fehlentwicklungen (Frühwarnsystem)<br />

253


• Die Stärken und Schwächen <strong>der</strong> eigenen Unternehmung erkennen<br />

• Die Grundlage für die Marketing- und Verkaufsstrategien <strong>der</strong> nächsten Jahre<br />

schaffen<br />

• Abwan<strong>der</strong>ung von Kundinnen und Kunden verhin<strong>der</strong>n<br />

• Ein Signal setzen, dass das eigene Unternehmen um die Kunden bemüht ist<br />

• Die Kundenbindung erhöhen und Kundenentwicklung för<strong>der</strong>n („Satisfied -<br />

Loyal - Advocate“: Aus zufriedenen Kunden werden loyale Kunden und aus<br />

loyalen Kunden „begeisterte Botschafter“)<br />

• Steigerung <strong>der</strong> Mitarbeitermotivation durch positive Kundenfeedbacks<br />

Die verschiedenen Befragungsformen<br />

Es ist wichtig, die Art <strong>der</strong> Umfrage an die Zielgruppe und Kundschaft des<br />

Unternehmens anzupassen. Weiter spielen bei einer Umfrage <strong>der</strong> Ort, <strong>der</strong><br />

Umfang, <strong>der</strong> Zeitpunkt und die Methode eine Rolle. Folgende Formen <strong>der</strong><br />

Befragung gibt es:<br />

• Online-Befragung<br />

• Telefonische Befragung<br />

• Persönliche Befragung<br />

Im digitalen Zeitalter ist die Online-Umfrage das geläufigste Mittel zur<br />

Kundenbefragung. Es können vergleichsweise viele Kunden mit geringem<br />

Aufwand erreicht und befragt werden. Ein weiterer Vorteil <strong>der</strong> Online-<br />

Befragung ist die Tatsache, dass <strong>der</strong> Kunde stets selbst den Zeitpunkt <strong>der</strong><br />

Befragung wählen kann.<br />

9.3 Kulanz<br />

In vielen Branchen haben es die Unternehmen nicht einfach: Einerseits hat<br />

sich im Laufe <strong>der</strong> Jahre <strong>der</strong> Lebenszyklus von vielen Produkten deutlich<br />

verkürzt. An<strong>der</strong>erseits müssen die Unternehmen auf die rasch än<strong>der</strong>nden<br />

Konsumtrends reagieren können. In diesem Zusammenhang spielen Faktoren<br />

wie die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung für sie eine wichtige<br />

Rolle. Ein nützliches Instrument, das in diesem Zusammenhang oft vergessen<br />

wird, ist die Kulanz.<br />

254


9.3.1 Was versteht man unter Kulanz?<br />

Unter dem Begriff Kulanz versteht man das einseitige und freiwillige<br />

Entgegenkommen zwischen zwei vertraglichen Parteien. Ein Unternehmen ist<br />

rechtlich nicht verpflichtet, gegenüber einem Kunden kulant zu sein: Es kann<br />

sich kulant zeigen, wenn es das will. Die Kulanz kann nur nach einer<br />

vollständig erfüllten Auftragsabwicklung gewährt werden. Rein rechtlich<br />

gesehen ist die Kulanz ein freiwilliger Entschluss, auf vertraglich feststehende<br />

Rechte zu verzichten. Die Kulanz unterscheidet sich von <strong>der</strong> Garantie, die<br />

gesetzlich geregelt ist.<br />

Quelle: https://sevdesk.ch/lexikon/kulanz/<br />

9.4 Garantie<br />

Es wird unterschieden zwischen <strong>der</strong> Garantie und <strong>der</strong> Herstellergarantie:<br />

• Garantie (Gewährleistung): In <strong>der</strong> Schweiz haben Konsumentinnen und<br />

Konsumenten laut Gesetz zwei Jahre Garantie auf gekaufte Gegenstände.<br />

Das bedeutet, dass <strong>der</strong> Verkäufer seinen Kunden während zwei Jahren<br />

Gewähr dafür bieten muss, dass sein Produkt keine Mängel aufweist. Diese<br />

zweijährige Garantiefrist ist zwingend und darf nicht verkürzt werden. Es ist<br />

jedoch zulässig, in einem Vertrag eine Garantie ganz auszuschliessen. Ist das<br />

<strong>der</strong> Fall, sollten Kunden unbedingt einen Blick in die Herstellergarantie ihres<br />

Gerätes werfen.<br />

• Herstellergarantie: Bei <strong>der</strong> Herstellergarantie bietet <strong>der</strong> Hersteller (und nicht<br />

<strong>der</strong> Verkäufer) Gewähr für ein mangelfreies Produkt. Die Herstellergarantie ist<br />

nicht gesetzlich geregelt. Ein Hersteller kann deshalb den Umfang und auch<br />

die Dauer seiner Garantie selber bestimmen. Meist bieten Hersteller im<br />

Rahmen ihrer Herstellergarantie während ein bis fünf Jahren eine Reparatur<br />

o<strong>der</strong> Ersatzteile im Schadenfall an. Einzelne Hersteller garantieren darüber<br />

hinaus, dass ihr Gerät einwandfrei funktioniert (Garantie Funktionsfähigkeit).<br />

?? Merke: Die Verkäufergarantie und die Herstellergarantie schliessen<br />

einan<strong>der</strong> nicht aus. Oftmals wird in <strong>der</strong> Betriebsanleitung eines Gerätes auf<br />

die Herstellergarantie hingewiesen. Ein Blick in diese Bedingungen lohnt sich,<br />

denn bei manchen Herstellern muss man die Herstellergarantie registrieren<br />

lassen.<br />

255


Logistiker/In EFZ<br />

300_Procurement Management<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

256


Modul 301_Beschaffungslogistik<br />

Ausgangslage<br />

Die Beschaffungslogistik steht ganz am Anfang von jedem Logistikprozess. Der<br />

Begriff Beschaffungslogistik zeigt die Vernetzung <strong>der</strong> Bereiche Beschaffung<br />

und Logistik auf. Das Zusammenspiel <strong>der</strong> beiden Bereiche muss in jedem<br />

Unternehmen harmonieren, damit dessen Ziele erreicht werden können.<br />

257


Fachartikel Modul 301<br />

1. Die Beschaffungslogistik<br />

Die Beschaffungslogistik ist ein Thema, dem wir im Alltag in verschiedenen<br />

Rollen begegnen. Ob eine alleinlebende Person, eine Familie o<strong>der</strong> ein<br />

Unternehmen: Jede und je<strong>der</strong> muss sich mit verschiedenen Produkten<br />

versorgen. Natürlich ist die zu beschaffende Menge in den drei genannten<br />

Situationen nicht die gleiche - die Überlegungen und das Vorgehen sind aber<br />

sehr ähnlich.<br />

Im privaten Alltag kennt man die Anbieter und die Preise <strong>der</strong> Produkte, die in<br />

<strong>der</strong> unmittelbaren Umgebung verkauft werden bestens. Entsprechend ist die<br />

Beschaffung von Produkten als Privatpersonen einfach. Im Unternehmen kann<br />

diese Aufgabe jedoch zu einer grossen Herausfor<strong>der</strong>ung werden.<br />

Die Beschaffung ist eine zentrale Aufgabe von Unternehmen. Entsprechend<br />

werden dafür kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt,<br />

welche als "Einkäufer" bezeichnet werden. Die Einkäufer suchen die Ware mit<br />

dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und verhandeln Lieferbedingungen<br />

sowie Lieferverträge mit den Lieferanten. Ihr Ziel ist es, die richtige Ware und<br />

Qualität zum bestmöglichen Preis zu finden.<br />

Die Beschaffungslogistik ist aufgrund verschiedener Faktoren eine grosse<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung: die grosse Auswahl in einer digital vernetzten Welt,<br />

politische Einflüsse, Einflüsse <strong>der</strong> Natur, finanzielle Aspekte, das Schützen <strong>der</strong><br />

Umwelt und vieles mehr.<br />

258


1.1 Die Aufgaben im Einkauf<br />

Damit die Zielsetzung im Einkauf erreicht werden kann, benötigt es<br />

Fachwissen, Verhandlungsgeschick und eine klare Aufgabenverteilung. Die<br />

Aufgaben werden oft in strategische- und operative Aufgaben aufgeteilt:<br />

Strategische Aufgaben (Aufgaben <strong>der</strong> Verhandlung und Planung):<br />

• Verhandlungen über Preis- und Lieferkonditionen<br />

• Zusammenarbeit bei <strong>der</strong> Entwicklung von Produkten<br />

• Sicherung von Know-how (gewusst wie)<br />

• Optimieren (verbessern) <strong>der</strong> Beschaffungsprozesse<br />

• langfristige Sicherung <strong>der</strong> Lieferquelle<br />

Merke: Strategische Aufgaben werden oft durch die Führungskräfte in <strong>der</strong><br />

Beschaffung ausgeführt.<br />

Operative Aufgaben (ausführende Tätigkeit <strong>der</strong> vereinbarten Bedingungen):<br />

• Aufgeben <strong>der</strong> Bestellung<br />

• Überwachung <strong>der</strong> Termine<br />

• Kontrolle <strong>der</strong> Lieferung<br />

Merke: Operative Aufgaben können auch durch junge und unerfahrene<br />

Einkäufer ausgeführt werden. Der Inhalt <strong>der</strong> Bestellung wird unter<br />

Berücksichtigung <strong>der</strong> Abmachungen in <strong>der</strong> Strategie ausgeführt.<br />

1.1.1 Gegenstand <strong>der</strong> Beschaffung<br />

Nicht nur Einzelpersonen, auch Unternehmen müssen alles beschaffen, was<br />

sie für ihr Funktionieren benötigen. Zum Beispiel:<br />

• Waren<br />

• Informationen<br />

• Dienstleistungen<br />

• Kapital<br />

• Arbeitskräfte<br />

• Lizenzen, Patente<br />

259


Versorgung mit Rohstoffen: Bsp. Kakaobohne<br />

Versorgung mit Arbeitskräften: Bsp. Ernten von<br />

Gemüse<br />

Die zu beschaffenden Güter lassen sich in folgende Hauptgruppen<br />

unterteilen:<br />

Gebrauchsgüter<br />

Investitionsgüter<br />

Dienstleistungen<br />

Produktionsmaterial wie Rohstoffe, Hilfsstoffe o<strong>der</strong><br />

Betriebsstoffe<br />

Fertigungsmaschinen, Büromaschinen, Produktionsund<br />

Lagerhallen.<br />

Reinigung, Hauswartung, Schulung, EDV-Support<br />

1.2 Make or Buy<br />

"Make or Buy" steht für "machen o<strong>der</strong> kaufen". Im Alltag wird man oft mit <strong>der</strong><br />

Frage konfrontiert: Mache ich es o<strong>der</strong> kaufe ich es ein? Eine erste solche<br />

Entscheidung trifft man bereits vor dem Frühstück: Backe ich das Brot selber<br />

o<strong>der</strong> kaufe ich es ein? Die Entscheidung, ob man ein Produkt selber macht<br />

o<strong>der</strong> es kauft, wird von den Faktoren Preis, Qualität und Zeit beeinflusst.<br />

Die Unternehmen stehen vor dem gleichen Entscheid. Sie fragen sich: Wo<br />

generiere ich den höheren Profit; wenn ich das Produkt selbst herstelle o<strong>der</strong><br />

wenn ich es einkaufe? Die "Make or Buy"-Entscheidung des Unternehmens<br />

muss gut überlegt und in <strong>der</strong> Strategie verankert sein. Wie im privaten Bereich<br />

wird die Entscheidung abhängig von den Faktoren Preis, Qualität und Zeit<br />

getroffen. Bei <strong>der</strong> Entscheidung hilft <strong>der</strong> folgende Grundsatz:<br />

260


Wir machen nur das, was wir besser können als an<strong>der</strong>e.<br />

Wenn sich eine Firma für das Selbermachen entscheidet, ist sie überzeugt,<br />

dass sie ein Produkt selbst am besten produzieren kann. Im Unternehmen<br />

spricht man von den eigenen "Kernkompetenzen". Diese Kernkompetenzen<br />

sichern dem Unternehmen seinen Platz in <strong>der</strong> Wirtschaft; sie machen das<br />

Unternehmen aus.<br />

Entscheidet sich ein Unternehmen für das Kaufen, so kommen seine Einkäufer<br />

zum Zug. Sie stehen vor <strong>der</strong> Herausfor<strong>der</strong>ung, den Produzenten zu finden, <strong>der</strong><br />

die Produkte am besten herstellen und liefern kann.<br />

1.3 Outsourcing<br />

Der Begriff Outsourcing steht für das Auslagern von Tätigkeiten.<br />

"out" = aus<br />

"source" = Quelle<br />

261


Outsourcing ist das Übertragen einer Tätigkeit (ganz o<strong>der</strong> teilweise) aus <strong>der</strong><br />

eigenen Organisation (Unternehmen) zu einem externen Partner.<br />

Outsourcing, also das Auslagern von Tätigkeiten, basiert auf Verträgen. Diese<br />

legen die Dauer und den Zweck <strong>der</strong> Leistungen fest. Der Partner muss gut<br />

gewählt werden. Vertrauen und eine offene Kommunikation zwischen den<br />

Vertragspartnern helfen, gemeinsam den gewünschten Erfolg zu erzielen.<br />

Typische Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen, welche ausgelagert werden, sind:<br />

• Reinigungsarbeiten<br />

• EDV-Support<br />

• Distribution<br />

• Buchhaltung<br />

• usw.<br />

Typische Dienstleistung im Outsourcing: Reinigungsarbeiten<br />

1.4 Welche Mengen sollen eingekauft werden?<br />

Eine Kernfrage bei <strong>der</strong> Beschaffung von Gütern ist die Frage <strong>der</strong> Menge. Die<br />

Frage: "Wie viel soll ich einkaufen?" kennt man aus dem privaten Alltag. Z. B.<br />

wenn man für an<strong>der</strong>e kochen will, muss man zuerst wissen, wie viele Personen<br />

kommen werden.<br />

Im Unternehmen verhält es sich gleich. Hier hilft die Bedarfsprognose und -<br />

planung, die richtigen Antworten zu finden und die Einkaufsmenge zu<br />

262


estimmen. Dafür werden Erfahrungswerte und Prognosen beigezogen.<br />

Prognosen sind "Erwartungen" für die nähere Zukunft. Die berechnete Menge<br />

wird mit dem Lieferanten besprochen und die Lieferbedingungen werden<br />

geklärt.<br />

Die Bedarfsprognose und -planung hilft dabei:<br />

• Die zu kaufenden Mengen und die Anzahl Bestellungen pro Jahr<br />

festzulegen.<br />

• Die Lieferkonditionen und Lieferbedingungen mit dem Partner zu<br />

definieren.<br />

Selbstverständlich sind bei <strong>der</strong> Bedarfsprognose und -planung weitere<br />

Aspekte zu berücksichtigen, wie Personalressourcen, Lagerkapazität,<br />

Verbrauch (Absatz) <strong>der</strong> Ware usw. Das erklärt, weshalb jedes Unternehmen<br />

eine individuelle Prognose und -planung erstellen muss.<br />

1.5 Wann ist <strong>der</strong> richtige Zeitpunkt für den Einkauf?<br />

Im Grundsatz wird eingekauft, wenn <strong>der</strong> Bedarf eines Unternehmens<br />

vorhanden ist. Auch bei diesem Grundsatz gibt es in <strong>der</strong> heutigen Zeit aber<br />

einige Ausnahmen, die <strong>der</strong> Einkäufer bedenken muss. Es gibt Produkte, die<br />

nur in einem bestimmten Zeitraum des Jahres (saisonale Produkte) vorhanden<br />

sind. An<strong>der</strong>e Produkte sind abhängig von politischen und wirtschaftlichen<br />

Faktoren, und deshalb verän<strong>der</strong>t sich ihr Einkaufspreis ständig. Bei diesen<br />

Gütern kann es zu einem spekulativen Kauf kommen. Es handelt sich um<br />

einen Kauf mit dem Ziel, einen Preisanstieg und/o<strong>der</strong> eine Preisreduktion<br />

zugunsten des Unternehmens nutzen zu können. Beispiele für Produkte, die<br />

ständig einem Preiswandel ausgesetzt sind, sind Erdöl und Währungen (CHF<br />

vers. EURO).<br />

Spekulation mit Erdöl<br />

Spekulation mit Masken<br />

263


Modul 302_Warenbeschaffung<br />

Ausgangslage<br />

Hat sich das Unternehmen entschieden, ob es ein Produkt selbst herstellen<br />

o<strong>der</strong> kaufen will (wie in Modul 301 aufgezeigt) und kennt man die benötigte<br />

Menge, geht es los mit <strong>der</strong> Warenbeschaffung. In Modul 302 werden<br />

folgende Fragen geklärt:<br />

• Welchen Lieferanten berücksichtige ich?<br />

• Wie funktioniert <strong>der</strong> Bestellprozess?<br />

• Was ist mit dem Gesetz von "Angebot und Nachfrage" gemeint?<br />

Dieses Modul beleuchtet verschiedene Informationen, die dabei helfen, im<br />

Bereich <strong>der</strong> Warenbeschaffung das Richtige zu tun. Es gibt nichts<br />

Ärgerlicheres, als dem Kunden den Grund für Lieferrückstände o<strong>der</strong> schlechte<br />

Qualität des Produkts zu erklären; o<strong>der</strong> noch schlimmer, die Rechtsabteilung<br />

<strong>der</strong> EnterSite AG zu beschäftigen, weil die Rechte und Pflichten von Käufer<br />

o<strong>der</strong> Verkäufer nicht eingehalten wurden.<br />

Was denkst du über folgende Geschichte?<br />

Ein Kind von acht Jahren hat das Privileg, mehrmals pro Woche auf einer<br />

Spielkonsole spielen zu dürfen. Erfolge aus den jeweiligen Spielen werden<br />

auf dem Pausenplatz heftig diskutiert. Das achtjährige Kind bekommt mit,<br />

dass die meisten an<strong>der</strong>en Kin<strong>der</strong> bereits auf <strong>der</strong> neuen Version <strong>der</strong> Konsole<br />

spielen, <strong>der</strong>en Qualität und Spiele viel besser sind. Zurück von <strong>der</strong> Schule,<br />

kann das Kind am Abend wie<strong>der</strong> spielen. An diesem Abend spielt es aber<br />

auf dem Tablet. Und siehe da, die Werbung für die Spielkonsole <strong>der</strong> neusten<br />

Generation flimmert auf dem Bildschirm. Geübt und interessiert wie das Kind<br />

ist, wird die Werbung verfolgt und die neue Spielkonsole landet im<br />

Warenkorb. Dank <strong>der</strong> digitalen Zahlmittel <strong>der</strong> Eltern sind die Kreditkarten-<br />

Daten bereits gespeichert, und das Kind braucht nur noch die Allgemeinen<br />

Geschäftsbedingungen (AGB) zu akzeptieren und zu bestellen.<br />

Wenige Tage später ist das neu erworbene Gerät im Briefkasten. Zwei<br />

leuchtende Augen beim Kind und grosse überraschte Augen bei den Eltern<br />

sind das Resultat. Die Eltern denken sich: Wir schicken das Gerät sofort<br />

zurück und for<strong>der</strong>n das Geld wie<strong>der</strong> ein. Das sollte doch keine Sache sein.<br />

O<strong>der</strong>?<br />

264


Fachartikel Modul 302<br />

2. Warenbeschaffung<br />

Im Modul 301 war von <strong>der</strong> Menge und vom Zeitpunkt <strong>der</strong> Bestellung die<br />

Rede. In diesem Modul nun wird geklärt, wohin und wie man die Bestellung<br />

sendet.<br />

2.1 Wo kaufe ich ein?<br />

Auch das eine weitere Herausfor<strong>der</strong>ung für den Einkauf im privaten aber<br />

auch für den Einkauf im Unternehmen. Hatten wir vor Jahren eine klare<br />

Antwort, dem Handel in meiner Umgebung, habe ich heute nicht nur eine<br />

son<strong>der</strong>n eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten meine Güter zu<br />

beschaffen (Bsp. E-Commerce). Ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor wird im Budget zu<br />

finden sein, das Budget wird eine erste Auswahl von möglichen Anbieter<br />

eingrenzen. Die Verfügbarkeit sowie die Beziehung zum Lieferanten werden<br />

weitere wichtige Argumente für den Kauf sein.<br />

Ein Beispiel aus dem Alltag - Der Computerkauf<br />

Das folgende Beispiel zeigt auf, dass die "Leitfragen" beim Kauf eines Laptops<br />

nahezu identisch sind, egal, ob <strong>der</strong> Kauf von einem Unternehmen (in diesem<br />

Fall die EnterSite AG) getätigt wird o<strong>der</strong> von einer Privatperson.<br />

Ausgangslage:<br />

Ein Lehrling benötigt einen Laptop, damit er seine Ausbildung zum Logistiker<br />

starten kann.<br />

Lehrling = Einkaufsmenge 1 Stk<br />

Die EnterSite AG hat verschiedene Laptops im Sortiment und möchte die<br />

Mitarbeitenden mit einer neuen Version ausstatten.<br />

EnterSite AG = Einkaufsmenge 86 Stk<br />

Bedürfnis erkennen:<br />

Ich benötige einen Laptop. (Lehrling + EnterSite AG)<br />

Budget festlegen:<br />

Was kann ich für das Gerät bezahlen? (Lehrling + EnterSite AG)<br />

265


Anfor<strong>der</strong>ungen festlegen:<br />

Welche Leistung muss das Gerät erbringen können? (Lehrling + EnterSite AG)<br />

Lieferanten suchen:<br />

Internet, gemachte Erfahrungen, Umgebung absuchen o<strong>der</strong> Freunde um<br />

Rat fragen. (Lehrling + EnterSite AG)<br />

Beratung vor Ort:<br />

Sich vor Ort nochmals erkundigen, ob die Erwartungen mit dem Kauf<br />

gedeckt sind (Fachwissen einholen). (Lehrling)<br />

Offerte einholen:<br />

Ein Ausschreibung an mögliche Lieferanten mit Informationen über die<br />

Bedürfnissen. Ziel <strong>der</strong> Ausschreibung ist, den geeignetsten Anbieter in<br />

Bezug auf Qualität und Preis zu finden. (EnterSite AG)<br />

Bewertung vom Angebot:<br />

Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig, sind die Lieferbedingungen und <strong>der</strong><br />

Liefertermin wie gewünscht und das Vertrauen in den Verkäufer da, stimme<br />

ich dem Deal zu. (Lehrling + EnterSite AG)<br />

Kauf:<br />

Ich überweise den offenen Betrag gemäss Vereinbarung und übernehme<br />

das Produkt. (Lehrling + EnterSite AG)<br />

Auswertung:<br />

Ist das Produkt gekauft und im Einsatz, zieht man nach kurzer Zeit eine<br />

persönliche Bilanz zum gemachten Deal. Sind meine Erwartungen erfüllt?<br />

Übertroffen? Entsprechend werden wie<strong>der</strong> Erfahrungen generiert, die mit<br />

dem gewählten Lieferanten gemacht wurden. Diese Erfahrung hat eine<br />

grosse Wichtigkeit. Ist man zufrieden, wird dieser Lieferant auch beim<br />

nächsten Bedarf wie<strong>der</strong> präsent sein und nach aussen wird man das<br />

266


Unternehmen empfehlen. Sind die Erwartungen nicht erfüllt, wird man das<br />

auch merken und den Lieferanten in Zukunft nicht mehr berücksichtigen.<br />

(Lehrling + EnterSite AG)<br />

Auswahl von Lieferanten, die<br />

berücksichtigt werden könnten<br />

Grosshändler und Lieferanten<br />

von verschiedenen Marken<br />

E-Commerce<br />

267


268<br />

2.1.1 Beispiel für einen schematischen Ablauf einer Bestellung


2.2 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />

2.2.1 Die Nachfrage<br />

Die Nachfrage ist die Menge eines Produkts zu einem bestimmten Preis, die<br />

durch den Kunden in Auftrag gegeben wird. Die Nachfrage kann entstehen<br />

durch die Bestellung von einem Kunden, Fabrikbedarf, Nachschub für das<br />

Depot usw. Die Nachfrage ist abhängig vom Preis. Das bedeutet: Je teurer<br />

etwas ist, desto weniger Nachfrage gibt es. Das ist das "Gesetz" <strong>der</strong><br />

Nachfrage.<br />

Ursprünglich führte Antoine Augustin Cournot, ein französischer Mathematiker<br />

und Philosoph, 1838 die Kurve <strong>der</strong> Nachfrage ein. Er führte auch das Konzept<br />

<strong>der</strong> Elastizität ein. In <strong>der</strong> Volkswirtschaft wird mit Elastizitäten untersucht, wie<br />

Angebot und Nachfrage auf einem Markt auf Preis- o<strong>der</strong><br />

Einkommensän<strong>der</strong>ungen reagieren.<br />

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung<br />

Ein Beispiel zur Nachfrage <strong>–</strong> Grafikkarten im Jahr 2020<br />

Im Jahr 2020 wurden Grafikkarten <strong>der</strong> Marken NVIDIA und AMD verwendet<br />

für Playstation 5-Spielkonsolen und Microsoft Xbox X-Konsolen. Die<br />

Grafikkarten wurden aber auch in Desktop-Geräten und Laptops montiert.<br />

Die Nachfrage nach <strong>der</strong> Grafikkarte stieg aufgrund <strong>der</strong> massiven Verkäufe<br />

<strong>der</strong> Geräte. In <strong>der</strong> Konsequenz kam es zu z. B. bei <strong>der</strong> Playstation 5 zu<br />

Lieferverzögerungen von mehreren Monaten. Die Grafikkarten waren<br />

komplett ausverkauft.<br />

Die Ursache? Die Covid-19-Pandemie führte zu Hin<strong>der</strong>ungen o<strong>der</strong> auch<br />

Schliessungen von verschiedenen Montagewerken <strong>der</strong> Grafikkarte in den<br />

USA. In <strong>der</strong> gleichen Zeit ist die Nachfrage von verschiedenen Geräten um<br />

175 Prozent gestiegen. Das Angebot <strong>der</strong> Grafikkarte konnte nicht gedeckt<br />

werden, die Preise <strong>der</strong> noch vorhandenen Grafikkarten haben sich<br />

verdreifacht.<br />

269


2.2.2 Das Angebot<br />

Das Angebot ist die Menge eines Produktes, das vom Verkäufer zu einem<br />

bestimmten Preis angeboten wird. Ein Angebot kann aus verschiedensten<br />

Warengruppen entstehen. Warengruppen sind:<br />

1. Produkte <strong>der</strong> Landwirtschaft: Obst und Gemüse<br />

2. Energiequellen: fossile Energie (Erdöl), regenerative Energie (Sonnenenergie),<br />

Kernenergie<br />

3. Textilindustrie: Bekleidung<br />

4. Papier und Pappe: Verpackungen<br />

5. Le<strong>der</strong>, Gummi und Kunststoffe: Sattel für Pferde, Reifen, Aufbewahrungsboxen<br />

6. Chemische Produkte: pharmazeutische Produkte<br />

7. Steine und Erden: Glas und Baustoffe<br />

8. Metalle: Eisen und Stahl, Metallerzeugnisse<br />

9. Maschinen, Elektronik: Industriemaschinen, Haushaltsgeräte<br />

10. Fahrzeuge: PKW, LKW, Luftfahrzeuge<br />

11. Instrumente, Uhrmacherei: Präzisionsinstrumente, Uhren, Schmuck<br />

12. An<strong>der</strong>e Waren: Möbel, Spielzeuge<br />

13. Edelmetalle: Kunstgegenstände, Gold, Platin<br />

Mehr als hun<strong>der</strong>t Jahre nach <strong>der</strong> Einführung <strong>der</strong> Nachfragekurve führte <strong>der</strong><br />

britische Ökonom Alfred Marshall die Angebotskurve ein.<br />

270


Wie funktioniert das Angebot?<br />

Vertreter <strong>der</strong> EnterSite AG besuchen eine 3D-Druck-Messe. Es gibt vier<br />

Anbieter von 3D-Druck, die das gesuchte Produkt im Sortiment haben. Das<br />

Marktangebot entspricht somit <strong>der</strong> Menge vier. Die Angebotsmenge ist<br />

abhängig vom Preis des Gutes. Je höher <strong>der</strong> Preis ist, desto grösser wird die<br />

angebotene Menge. Kommt es zu einer Preissteigerung, dann würden auch<br />

mehr Verkäufer auf den Markt kommen, weil das Geschäft besser ist.<br />

Dadurch steigt das Marktangebot. Es ist das "Gesetz" des Angebots.<br />

Dieses empirische Prinzip nennt sich: Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />

271


2.2.3 Das Marktgleichgewicht<br />

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage bezieht sich oft auf das<br />

Gleichgewicht auf einem Markt: das Marktgleichgewicht. In einem Markt, bei<br />

dem Marktgleichgewicht herrscht, gelten folgende Regeln:<br />

Wenn die Preise steigen...<br />

• ...nimmt die angebotene Menge nimmt zu. Die Erzeuger werden ermutigt,<br />

mehr Güter anzubieten (zu produzieren), die Inhaber dieser Produkte sind<br />

interessiert, sich von den Produkten zu trennen (zu verkaufen).<br />

• ...sinkt die verlangte Menge. Je höher die Preise, desto weniger Käufer sind<br />

bereit zu kaufen.<br />

Wenn die Preise sinken...<br />

• … sinkt die angebotene Menge. Die Erzeuger haben weniger Anreize, zu<br />

produzieren. Inhaber sind nicht interessiert zu verkaufen.<br />

• … steigt die verlangte Menge. Je tiefer die Preise sind, desto mehr sind die<br />

Käufer bereit zu kaufen.<br />

272


2.3 Der Bestellprozess<br />

Beim Bestellprozess halten die Beteiligten ihre Abmachungen rechtlich fest,<br />

stellen sie dar und kontrollieren sie.<br />

2.3.1 Die Offerte<br />

Damit ein Markt entsteht, benötigt es einen Kauf. Damit es zu einem Kauf<br />

kommen kann, wird oft eine Offerte gemacht.<br />

Der Bestellprozess wird von einem ungedeckten Bedürfnis eines Kunden<br />

angestossen. Der Kunde hat die Möglichkeit, verschiedene Anbieter<br />

auszuwählen und zu kontaktieren. Hat er das Bedürfnis, seine Bestellung bei<br />

mehreren möglichen Lieferanten prüfen zu lassen, so kann er sich für die<br />

Arbeit mit einer Offerte entscheiden. Seine Anfrage sendet er an die Auswahl<br />

von möglichen Lieferanten und bittet sie, eine Offerte zu erstellen. Es ist keine<br />

Pflicht, vor dem Kauf eine Offerte zu erstellen. Hat <strong>der</strong> Kunde seinen<br />

Lieferanten schon gewählt, kann er die Offertphase überspringen und gleich<br />

eine Bestellung auslösen.<br />

Wenn <strong>der</strong> Kunde eine Offerte einholt, muss er in seiner Anfrage die<br />

wichtigsten Erwartungen nennen. Damit <strong>der</strong> Lieferant eine Offerte erstellen<br />

kann, muss in <strong>der</strong> Anfrage mindestens Folgendes kommuniziert werden:<br />

• <strong>der</strong> gewünschte Artikel<br />

• die Menge<br />

• <strong>der</strong> Liefertermin<br />

• die Lieferadresse<br />

Achtung: Die durch den möglichen Lieferanten erstellte Offerte weist ein<br />

Gültigkeitsdatum auf. Bis zu diesem Termin verpflichtet sich <strong>der</strong> mögliche<br />

Lieferant, den Inhalt <strong>der</strong> Offerte zu leisten. Sollten sich die<br />

273


Rahmenbedingungen aufgrund von Anpassungen durch den Kunden<br />

än<strong>der</strong>n, ist die Offerte nicht mehr gültig. Wird die Offerte durch den Kunden<br />

bestätigt, wird <strong>der</strong> festgelegte Inhalt für beide Parteien eingehalten. Im<br />

Bestellprozess folgt durch die Bestätigung die Bestellung.<br />

2.3.2 Die Bestellung<br />

Wenn eine Offertphase stattgefunden hat, basiert die Bestellung auf den<br />

Angaben in <strong>der</strong> Offerte. Hat keine Offertphase stattgefunden, wird in dieser<br />

Phase <strong>der</strong> genaue Inhalt definiert und bestätigt.<br />

Die Bestellung hat einen verbindlichen Charakter. Ist es zu einer Bestellung<br />

gekommen, müssen sich beide Partien an <strong>der</strong>en Inhalt halten.<br />

Recht<br />

Pflicht<br />

Käufer<br />

Den Kaufgegenstand und das<br />

Eigentum daran erhalten<br />

Bei einem Mangel: Eine<br />

Ersatzlieferung, Min<strong>der</strong>ung<br />

o<strong>der</strong> einen Ersatz erhalten<br />

Den Kaufpreis bezahlen<br />

Verkäufer Erhalt des Kaufpreises Den Kaufgegenstand dem<br />

Käufer übergeben und ihm das<br />

Eigentum daran überlassen<br />

Wenn <strong>der</strong> Inhalt einer Bestellung nicht eingehalten wird, sind beide Parteien<br />

gefor<strong>der</strong>t, eine gemeinsame Lösung zu finden. Kann keine Lösung gefunden<br />

werden, werden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) o<strong>der</strong><br />

rechtliche Inhalte gemäss Obligationenrecht (OR) konsultiert.<br />

274


Eine Bestellung beinhaltet mindestens:<br />

• den gewünschten Artikel (Artikelnummer und Beschreibung)<br />

• die Menge<br />

• den Liefertermin<br />

• die Lieferadresse<br />

• den Preis<br />

2.3.3 Die Auftragsbestätigung<br />

Eine Auftragsbestätigung ist in <strong>der</strong> Regel ein schriftliches Dokument, zum<br />

Beispiel ein E-Mail, das die Annahme eines Auftrags bestätigt. Im<br />

Bestellprozess bedeutet das Dokument eine Bestätigung für den Erhalt und<br />

den Inhalt <strong>der</strong> Bestellung.<br />

275


276<br />

Das Beispiel einer Auftragsbestätigung aus <strong>der</strong> EnterSite AG


2.3.4 Die Rechnung<br />

Der Abschluss des Bestellprozesses erfolgt mit <strong>der</strong> Rechnung. Die Ware wurde<br />

gemäss <strong>der</strong> Auftragsbestätigung geliefert und das Eigentum daran<br />

übergeben. Der Kunde bezahlt nach Obligationenrecht zum vereinbarten<br />

Zeitpunkt die vereinbarte Summe.<br />

Gleich wie die Auftragsbestätigung ist die Rechnung an keine einheitliche<br />

Form gebunden. Das Layout und die Darstellung können frei gewählt werden.<br />

Eine Rechnung beinhaltet mindestens:<br />

• Name und Adresse des Lieferanten<br />

• MWST-Nummer des Lieferanten<br />

• Name und Adresse des Empfängers<br />

• Lieferdatum<br />

• genaue Bezeichnung <strong>der</strong> Lieferung o<strong>der</strong> Dienstleistung<br />

• Preis<br />

• angewandter Mehrwegsteuerbetrag<br />

• Signatur<br />

277


Modul 303_Prozess Warenannahme<br />

Ausgangslage<br />

Der Prozess <strong>der</strong> Warenannahme muss zwischen <strong>der</strong> Einkaufsabteilung und<br />

den zuständigen Personen in <strong>der</strong> Warenannahme definiert werden. Eine<br />

Lieferung, welche am Freitagnachmittag kurz vor Feierabend unerwartet<br />

eintrifft, sorgt oft für Unmut und unkonzentriertes Arbeiten. Mitarbeitende<br />

fragen sich vielleicht: Muss diese Lieferung tatsächlich am Freitagnachmittag<br />

eintreffen? Ist es notwendig, die Warenannahme mit dieser Lieferung zu<br />

überraschen?<br />

Der ganze Wareneingangsprozess hat für jedes Unternehmen eine grosse<br />

Wichtigkeit. Alle Tätigkeiten werden so umgesetzt, dass möglichst keine Fehler<br />

entstehen können. Ein schnelles und unkonzentriertes Arbeiten kurz vor dem<br />

Wochenende kann eine mögliche Fehlerquelle sein. Es gilt, Wege zu finden,<br />

um solche Fehlerquellen zu umgehen.<br />

Konzentration ist gefragt<br />

Es ist allgemein bekannt, dass man für eine gute Konzentrationsfähigkeit vor<br />

allem genug Schlaf benötigt, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und sich<br />

am besten in einer angenehmen Arbeitsumgebung aufhalten sollte. Auch<br />

frische Luft hilft dabei, wie<strong>der</strong> zu geistigen Kräften zu kommen. Allerdings läuft<br />

nicht immer alles wie geplant, und es gibt Tage, an denen nicht all diese<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllt sind: Der Arbeitstag war bisher stressig, du bist von einer<br />

Tätigkeit zur an<strong>der</strong>en gegangen, warst ständig unter Druck und hast<br />

nebenbei noch Arbeiten von Kollegen erledigt. Eine dringende<br />

Warenannahme ist noch offen, aber es fehlt an Konzentration.<br />

1. Rückwärts erinnern<br />

Weisst du noch, was du in <strong>der</strong> letzten halben Stunde alles gemacht hast?<br />

Gehe alle Schritte im Kopf durch, aber denke dabei rückwärts. Beginne mit<br />

dem letzten Ereignis und gehe die halbe Stunde Stück für Stück rückwärts<br />

durch. Alternativ kannst du dir auch überlegen, wo du vor drei Mausklicks<br />

warst. Diese Übung bietet sich zum Beispiel an, wenn du eine<br />

Internetrecherche betreibst. Mogeln und in den Verlauf schauen gilt natürlich<br />

nicht. Du wirst merken, es ist gar nicht so leicht. Dafür kommst du zur Ruhe und<br />

deine Konzentration wird angeregt.<br />

278


-<br />

-<br />

-<br />

2. Die Wörter im Wort finden<br />

Suche ein beliebiges Wort aus und überlege, wie viele zusätzliche Begriffe sich<br />

in diesem Wort befinden, indem du die vorhandenen Buchstaben neu<br />

kombinierst. Du wirst überrascht sein, wie viel man findet. Hier ein paar<br />

Beispiele:<br />

• Berufsunfähigkeitsversicherung: heiter, Bär, Heu, Tier, Tee, Fee, rufen<br />

• Altersvorsorge: See, Rose, Ass, Vater, Elster, Reste, Regel<br />

• Konzentrationsübung: gut, Ration, Trotz, nett, Trio, kurz, Büro, Tier<br />

Das gewählte Wort:<br />

Zusätzliche Begriffe:<br />

-<br />

-<br />

-<br />

3. Rückwärts schreiben<br />

Nimm ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand und suche dir ein beliebiges<br />

Wort aus, zum Beispiel Arbeitsplatz. Schreibe dieses Wort einmal in<br />

Druckbuchstaben auf. Versuche nun, dieses Wort rückwärts und mit<br />

gespiegelten Buchstaben aufzuschreiben. Das regt die Konzentration an.<br />

4. Quersumme berechnen<br />

Nimm deine eigene Handynummer und bilde die Quersumme,<br />

selbstverständlich im Kopf. Diese Übung kannst du auch mit einer beliebigen<br />

an<strong>der</strong>en Zahl, zum Beispiel mit <strong>der</strong> Nummer deines Kollegen, deiner Kollegin<br />

279


machen. Werde kreativ! Du kannst diese Übung auch mit Kollegen machen<br />

und so den Kampfgeist in dir wecken.<br />

Bsp. Handynummer 077 208 55 23 = Quersumme = 0 + 7 + 7 + 2 + 0 + 8 + 5 + 5<br />

+ 2 + 3 = 39<br />

5. Massage als Über-Kreuz-Übung<br />

Massiere dein rechtes Ohr mit deiner linken Hand und anschliessend dein<br />

linkes Ohr mit <strong>der</strong> rechten Hand. Knete dein gesamtes Ohr durch, auch deine<br />

Ohrläppchen, bis sich dein Ohr gut durchblutet und warm anfühlt. Die Form<br />

<strong>der</strong> Ohrmuschel ähnelt <strong>der</strong> Form eines Embryos in Kopflage, wobei das<br />

Ohrläppchen den Kopf darstellt. Dementsprechend ist die Ohrmuschel eine<br />

Repräsentation deines Körpers und daher hat die Massage deiner Ohren eine<br />

beson<strong>der</strong>e Wirkung auf den ganzen Körper. Dadurch, dass du diese Übung<br />

über Kreuz durchführst, werden zusätzlich deine Gehirnhälften aktiviert und<br />

deine Intuition und dein Verstand kommen in Einklang.<br />

Und nun, ab in den Prozess <strong>der</strong> Warenannahme!<br />

280


Fachartikel Modul 303<br />

3. Prozess Warenannahme<br />

3.1 Annahme von Gütern<br />

Eine <strong>der</strong> wichtigsten Tätigkeiten in <strong>der</strong> Logistik ist die Annahme <strong>der</strong> Güter. Ist<br />

<strong>der</strong> Prozess <strong>der</strong> Warenbeschaffung ausgelöst, folgt die Entgegennahme <strong>der</strong><br />

Ware.<br />

3.1.1 Die Rechtsgrundlage<br />

Der Eingang von Waren erfolgt aus verschiedenen Gründen. Die folgenden<br />

drei Situationen treten in <strong>der</strong> Logistik häufig auf. Der Gesetzgeber hat sie im<br />

Obligationenrecht (OR) geregelt:<br />

Annahme als Käufer einer beweglichen Sache<br />

Betrifft hauptsächlich die Versorgungslogistik<br />

Sechster Titel: Kauf und Tausch<br />

Artikel 184 - 186 OR: Erster Abschnitt Rechte und Pflichten im Allgemeinen<br />

Artikel 187 - 215 OR: Zweiter Abschnitt Der Fahrniskauf<br />

(Der internationale Güterverkehr unterliegt dem "Wiener Kaufrecht")<br />

Annahme als Frachtführer<br />

Betrifft hauptsächlich die Transportlogistik<br />

Sechzehnter Titel: Der Frachtvertrag<br />

Artikel 440 - 457 OR<br />

Annahme zur Aufbewahrung<br />

Betrifft hauptsächlich die Lagerlogistik<br />

281


Neunzehnter Titel: Der Hinterlegungsvertrag<br />

Artikel 472 - 491 OR<br />

Zum Obligationenrecht (OR)<br />

3.2 Annahme als Käufer einer beweglichen Sache (Fahrniskauf)<br />

Die Bestimmungen zur Annahme als Käufer finden sich in Artikel 184 Absatz 1<br />

und 2 OR. Das Gesetz gibt Folgendes vor:<br />

• Durch den Kaufvertrag verpflichtet sich <strong>der</strong> Verkäufer, dem Käufer den<br />

Kaufgegenstand zu übergeben und <strong>der</strong> Käufer verpflichtet sich, dem<br />

Verkäufer den Kaufpreis zu bezahlen.<br />

• Wenn nichts an<strong>der</strong>es abgemacht wurde, sind Verkäufer und Käufer<br />

verpflichtet, ihre Leistungen (übergeben und zahlen) gleichzeitig zu erfüllen<br />

("Zug um Zug")<br />

• Der Preis ist genügend bestimmt, wenn er nach den Umständen bestimmbar<br />

ist.<br />

Zur Erinnerung aus dem Modul 302:<br />

Recht<br />

Pflicht<br />

Käufer<br />

Den Kaufgegenstand und das<br />

Eigentum daran erhalten<br />

Bei einem Mangel: Eine<br />

Ersatzlieferung, Min<strong>der</strong>ung<br />

o<strong>der</strong> einen Ersatz erhalten<br />

Den Kaufpreis bezahlen<br />

Verkäufer<br />

Erhalt des Kaufpreises<br />

282


Den Kaufgegenstand dem<br />

Käufer übergeben und ihm das<br />

Eigentum daran überlassen<br />

3.2.1 Annahme beim Kauf "Zug um Zug"<br />

"Zug um Zug" bedeutet, dass jede Partei nacheinan<strong>der</strong> ihren Anteil am<br />

Geschäft erfüllt.<br />

1. Zug: Im Laden nehme ich das gewünschte Objekt aus dem Regal.<br />

2. Zug: An <strong>der</strong> Kasse zahle ich den Gegenwert in Geld, bevor ich den Laden<br />

verlasse.<br />

3.2.2 Kauf auf Rechnung<br />

"Zug um Zug" ist eine grundlegende Regel für den Kauf. Das heisst,<br />

grundsätzlich muss <strong>der</strong> Betrag sofort nach Eingang <strong>der</strong> Ware beglichen<br />

werden. Einige Anbieter gewähren jedoch eine Zahlungsfrist von zehn Tagen<br />

o<strong>der</strong> sogar von einem Monat (30 Tage).<br />

Abwicklung eines Kaufs auf Rechnung:<br />

1. Ein Kaufvertrag wird ausgehandelt und unterzeichnet.<br />

2. Der Verkäufer liefert die vom Käufer bestellte Ware ab.<br />

3. Der Käufer bestätigt den Eingang <strong>der</strong> Ware. Diese Ware gilt als<br />

entgegengenommen. Sie befindet sich nun in <strong>der</strong> Obhut des Käufers, aber<br />

noch nicht in seinem Besitz.<br />

4. Der Verkäufer stellt eine Rechnung für die gelieferte Ware.<br />

5. Der Käufer überweist den Betrag innerhalb einer vom Lieferanten<br />

vorgesehenen Zahlungsfrist.<br />

Von nun an gehört die Ware dem Käufer.<br />

283


Schematische Darstellung des Material- und Informationsfluss<br />

Merke: Du kannst eine "Checkliste" erstellen, welche dir hilft,<br />

Entscheidungen zu treffen, die bei <strong>der</strong> Annahme von Waren in bestimmten<br />

Situationen getroffen werden müssen. Alle Abweichungen müssen deinem<br />

Vorgesetzten gemeldet werden.<br />

3.3 Die geplante und die nicht geplante Warenannahme<br />

3.3.1 Geplante Warenannahme<br />

Ist ein Wareneingang in Hinsicht auf Termin, Art und Menge bekannt, spricht<br />

man von einer geplanten Warenannahme. Der Wareneingang kann im<br />

Voraus geplant werden. Folgendes kann vorbereitend getan werden:<br />

284


• Verla<strong>der</strong>ampe reservieren<br />

• Platz in <strong>der</strong> Wareneingangszone reservieren<br />

• notwendige Dokumente vorbereiten<br />

• Hilfsmittel (Leerpaletten, Gabelstapler, Prüfmittel usw.) bereitstellen<br />

• Hilfspersonal organisieren<br />

• Lagerplatz bestimmen<br />

Diese Vorbereitungen führen dazu, dass <strong>der</strong> Wareneingang schnell und<br />

unkompliziert stattfinden kann. Entsprechend können Aufwand und Kosten<br />

klein gehalten werden.<br />

❗ Vorsicht: Wenn <strong>der</strong> LKW-Fahrer vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> für das Entladen<br />

vorgesehenen Zeit eintrifft, kann ihm <strong>der</strong> Zugang verweigert werden. Er muss<br />

sich unbedingt an das ihm zugewiesene Zeitfenster halten. Abweichungen<br />

(Stau, Unfall, Zollverzögerungen, usw.) sollten so früh wie möglich vom<br />

Frachtführer bekannt gegeben werden, damit <strong>der</strong> Wareneigang neu geplant<br />

werden kann.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis - Geplanter Wareneingang in einem Enterprise<br />

Ressource Planning (ERP)<br />

Für eine geplante Warenannahme müssen die Bestellungen im ERP<br />

(Erklärung folgt in Modul 804) erfasst werden, um den Eingangstermin, die<br />

Artikel und die Mengen kontrollieren und bestätigen zu können. Die Daten,<br />

welche im ERP erfasst sind und von <strong>der</strong> Logistik bearbeitet werden, können<br />

jeweils sofort von weiteren Mitarbeitenden eingesehen werden.<br />

285


Eine erfasste Warenannahme in einem ERP könnte wie folgt aussehen:<br />

Für die Wareneingangskontrolle werden folgende Informationen aufgeführt:<br />

• Lieferant<br />

• Buchungsdatum / Art <strong>der</strong> Lieferdokumente<br />

• Artikelnummer<br />

• Artikelbezeichnung<br />

• Bestellte Menge<br />

• Tatsächlich gelieferte Menge (Eingabe durch die kontrollierende Person)<br />

• Lagerort<br />

• Verfügbarkeit (frei verfügbar, Sperrbestand, Qualitätsprüfung etc.)<br />

3.3.2 Nicht geplante Warenannahme<br />

Bei <strong>der</strong> ungeplanten Warenannahme handelt es sich um eine Lieferung, bei<br />

<strong>der</strong> vorgängig we<strong>der</strong> Liefertermin noch die eingetroffene Menge bekannt<br />

waren. Der Termin wurde im Voraus nicht vereinbart o<strong>der</strong> die Meldung über<br />

die Lieferung ist nicht bis zur Warenannahme gelangt.<br />

286


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis <strong>–</strong> Nicht geplante Warenannahme bei <strong>der</strong> Post<br />

Am Postschalter kommen die Kunden unangemeldet mit ihren Waren vorbei.<br />

Kein Kunde meldet seine Ankunft an und teilt <strong>der</strong> Post vorgängig mit, welche<br />

Pakete und Briefe er versenden möchte. Aus Sicht <strong>der</strong> Post handelt es sich<br />

um eine unangemeldete Warenannahme.<br />

Im Lager sind nicht geplante Lieferungen möglichst zu verhin<strong>der</strong>n. In <strong>der</strong><br />

Regel führt eine Bestellung zu einer Lieferung - die Information müsste im<br />

Unternehmen also vorhanden sein. Wurde die Lieferung nicht angekündigt,<br />

ist oft eine fehlende o<strong>der</strong> fehlerhafte Kommunikation zwischen Einkauf und<br />

Logistik <strong>der</strong> Grund für eine ungeplante Warenannahme.<br />

287


Modul 304_Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />

Ausgangslage<br />

Unabhängig davon, wer die Ware bestellt, wann und weshalb sie bestellt<br />

wurde: Die Lieferung liegt physisch in <strong>der</strong> EnterSite AG vor. In diesem Modul<br />

geht es um die Identifikation <strong>der</strong> Lieferung. Bei <strong>der</strong> Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />

ist konzentriertes und genaues Arbeiten die Voraussetzung für gutes Gelingen.<br />

Zudem muss mit dem Frachtführer richtig kommuniziert werden - wenn nötig<br />

muss man auch eine unangenehme Situation aushalten können.<br />

Das eigene Verhalten im Austausch mit dem Frachtführer sollte stets korrekt<br />

sein. Beide Parteien erleben Arbeitstage, an denen es sehr viel zu tun gibt.<br />

Genau in solchen Situationen ist <strong>der</strong> gegenseitige Respekt elementar.<br />

288


Fachartikel Modul 304<br />

4. Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />

Wenn <strong>der</strong> Frachtführer auf dem Gelände <strong>der</strong> EnterSite AG einfährt, ist die<br />

Ware physisch eingetroffen. Unabhängig davon, ob die Lieferung geplant<br />

o<strong>der</strong> ungeplant ist, muss die Ware identifiziert werden:<br />

Identifikation = Etwas o<strong>der</strong> jemanden eindeutig erkennen, wie<strong>der</strong>erkennen<br />

o<strong>der</strong> jemanden mit<br />

etwas o<strong>der</strong> jemanden an<strong>der</strong>en gleichsetzen, in Übereinstimmung<br />

bringen.<br />

4.1 Global-Identifikation<br />

Beim Wareneingang stellt sich als erstes die Frage: Ist die Ware für uns<br />

bestimmt? Dieser erste Schritt wird als "Global-Identifikation" bezeichnet. Der<br />

Frachtführer wird um die Begleitpapiere für die Waren gebeten, damit die<br />

genaue Lieferadresse des Empfängers überprüft werden kann. Es wäre nicht<br />

wirtschaftlich und Zeitverschwendung, die gesamte Lieferung zu entladen<br />

und dann zu erkennen, dass sie überhaupt nicht für die EnterSite AG bestimmt<br />

ist.<br />

Dieser Vorgang findet auch im privaten Bereich statt: Man kontrolliert die<br />

Adresse, bevor man eine Postsendung öffnet.<br />

4.1.1 Öffnen <strong>der</strong> Transportfahrzeuge<br />

Um die genaue Identifizierung vornehmen zu können, müssen die<br />

Transportfahrzeuge geöffnet werden. Bei <strong>der</strong> Öffnung ist es wichtig, auf<br />

Folgendes zu achten:<br />

Öffnen von einem Lastwagen<br />

289


Werden die Güter auf <strong>der</strong> Strasse geliefert, kann <strong>der</strong> Frachtführer das<br />

Fahrzeug nach <strong>der</strong> Global-Identifikation öffnen. Vor <strong>der</strong> Entladung müssen<br />

allerdings immer die Sicherheitsvorschriften des Unternehmens beachtet<br />

werden. Sind alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, kann <strong>der</strong> Ablad<br />

ausgeführt werden.<br />

Öffnen von Bahntransporten, Aufliegern und Containern<br />

Bahntransport Container Auflieger<br />

Bei unbegleiteten Transporten (kein Frachtführer da), wird <strong>der</strong> Bahnwagen,<br />

Container o<strong>der</strong> Auflieger von aussen begutachtet (Zustand). Sind die<br />

notwendigen Lieferdokumente da und die Sicherheitsvorkehrungen getroffen,<br />

kann die Einheit geöffnet werden.<br />

4.1.2 Zollplombe<br />

Stammt die Lieferung aus dem Ausland, wird die Arbeit zusätzlich erschwert.<br />

Zollvorschriften müssen bekannt sein und umgesetzt werden. Ist die<br />

eingetroffene Lieferung mit einer Zollplombe gesichert, ist beson<strong>der</strong>e Vorsicht<br />

angebracht.<br />

Zollplomben an Lastwagen, Sattelanhängern o<strong>der</strong> Containern dürfen auf<br />

keinen Fall verschnitten o<strong>der</strong> gelöst werden. Die versiegelten Behälter müssen<br />

nach den Vorschriften des Unternehmens geöffnet werden. In einigen Fällen<br />

muss ein Spezialist <strong>der</strong> Zollverwaltung o<strong>der</strong> eine vom Unternehmen dafür<br />

ermächtigte Person zur Öffnung herangezogen werden. Das Verfahren muss<br />

auf jeden Fall vorher abgeklärt werden.<br />

290


Zollplomben dürfen nur durchgetrennt o<strong>der</strong> gelöst werden, wenn die notwendigen Papiere vorliegen<br />

o<strong>der</strong> wenn eine<br />

Fachperson <strong>der</strong> Zollbehörde das Einverständnis gegeben hat. In jedem Fall sind die betrieblichen<br />

Anweisungen<br />

einzuhalten.<br />

4.1.3 Erster Eindruck<br />

Nach dem Öffnen <strong>der</strong> Türen ermöglicht ein kurzer Blick in <strong>der</strong> Regel einen<br />

ersten Eindruck über den Zustand <strong>der</strong> eintreffenden Güter. Wurde die Ladung<br />

während des Transports verschoben o<strong>der</strong> sind Paletten-Ladungen umgekippt,<br />

kann man daraus schliessen, dass die Transportbelastung für die Ladung zu<br />

gross war und die Waren während des Transports Schäden erlitten haben.<br />

Das wäre zu wünschen :)<br />

Schon von aussen ist zu erkennen, dass mit<br />

beschädigten Gütern zu rechnen ist.<br />

Es ist bedeutend schwieriger, Schäden im Zusammenhang mit klimatischen<br />

Bedingungen zu erkennen (z. B. Feuchtigkeit o<strong>der</strong> Temperatur), da diese nicht<br />

ohne weiteres erkennbar sind. Waren aus dem internationalen Verkehr<br />

291


müssen beson<strong>der</strong>s sorgfältig geprüft werden. Wenn nötig müssen spezielle<br />

Qualitätskontrollstellen in Anspruch genommen werden.<br />

4.2 Detail-Identifikation<br />

Wenn erfolgreich festgestellt wurde, dass die Lieferung für die EnterSite AG<br />

bestimmt ist, das Fahrzeug, <strong>der</strong> Bahnwagen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Container geöffnet ist<br />

und die Ware einen guten Eindruck macht, wird kontrolliert, ob die richtige<br />

Ware geliefert wurde. Dieser zweite Schritt <strong>der</strong> Identifikation wird Detail-<br />

Identifikation genannt. Es stellen sich die folgenden Fragen:<br />

• Wer ist <strong>der</strong> Lieferant?<br />

• Sind Lieferpapiere vorhanden?<br />

• Ist eine Zollplombe vorhanden, die nicht geöffnet werden darf?<br />

• Bei Waren aus dem Ausland: Sind die Zollpapiere vollständig?<br />

• Stimmen die Artikelnummern o<strong>der</strong> Warenbezeichnungen mit den<br />

Angaben auf dem Lieferschein überein?<br />

• Stimmt die Anzahl <strong>der</strong> gelieferten Pakete o<strong>der</strong> Paletten mit <strong>der</strong><br />

Information auf dem Lieferschein überein?<br />

E_B04_001_Warenannahme - äussere & innere Kontrolle<br />

einfach erklärt - Warenabnahme bei Bestellungen<br />

4.3 Begleitpapiere für Waren<br />

Wie bei <strong>der</strong> Global-Identifikation beschrieben, hat <strong>der</strong> Frachtführer die<br />

Begleitpapiere vorzuweisen. Im Rahmen des grenzüberschreitenden<br />

Güterverkehrs, sei es auf dem Strassen-, Schienen-, Luft- o<strong>der</strong> Seeweg, haben<br />

die Gesetzgeber Verordnungen über die den Transport begleitenden<br />

292


Dokumente erlassen. Diese Begleitpapiere sind auch im Rahmen des<br />

Binnenverkehrs Vorschrift. Demnach gibt es bei <strong>der</strong> Global-Identifikation<br />

folgende Dokumente:<br />

4.3.1 Der Transportschein<br />

Beim Transportschein handelt es sich um den vom Frachtunternehmen<br />

ausgestellten Beför<strong>der</strong>ungsauftrag. Darauf angegeben sind <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong>,<br />

<strong>der</strong> Empfänger, Art und Menge <strong>der</strong> Waren, das Bruttogewicht, die<br />

Liefereinheit und gegebenenfalls <strong>der</strong> Zollwert sowie beson<strong>der</strong>e Anweisungen.<br />

Der Transportschein erlaubt es dem Frachtführer, seinen Lohn von<br />

Transportunternehmen zu verlangen. Dieses Dokument muss nach dem<br />

Transport nicht aufbewahrt werden, ausser es gibt an<strong>der</strong>slautende<br />

betriebliche Bestimmungen. Das Layout kann frei gewählt werden. Der<br />

Transportschein muss mindestens folgende Informationen enthalten:<br />

• Die Anschrift des Absen<strong>der</strong>s<br />

• Die Anschrift des Empfängers<br />

293


4.3.2 Übereinkommen über den Beför<strong>der</strong>ungsvertrag im internationalen<br />

Strassengüterverkehr<br />

(CMR)<br />

Der CMR-Frachtbrief im Strassengüterverkehr<br />

Der sogenannte CMR-Frachtbrief entspricht den Regelungen im<br />

"Übereinkommen über den Beför<strong>der</strong>ungsvertrag im internationalen<br />

Strassengüterverkehr". Der Frachtbrief ist gültig für sämtliche entgeltliche<br />

Beför<strong>der</strong>ungen von Waren und Gütern auf <strong>der</strong> Strasse. Ein CMR deckt vor<br />

allem Lieferungen über Landesgrenzen hinweg in weitere beteiligten Staaten<br />

inner- und ausserhalb <strong>der</strong> EU. Vor dem Transport muss <strong>der</strong> Frachtbrief<br />

ausgefüllt und dem Frachtführer ausgehändigt werden, damit dieser ihn den<br />

berechtigten Instanzen, wie z. B. dem Zoll, vorlegen kann.<br />

294


Ein CMR-Frachtbrief ist nötig, wenn mindestens einer <strong>der</strong> beiden beteiligten<br />

Staaten - entwe<strong>der</strong> jener <strong>der</strong> Beladung o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Entladung - Teil des<br />

Übereinkommens sind. Dazu gehören neben <strong>der</strong> Schweiz auch alle Län<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong> EU sowie Nicht-EU-Staaten wie Russland, die Türkei o<strong>der</strong> Island.<br />

Beson<strong>der</strong>heiten des CMR-Frachtbriefes<br />

Für diese Art von Frachtbrief gemäss CMR gelten einige Beson<strong>der</strong>heiten:<br />

• Der Frachtbrief ist stets in drei Originalausfertigungen mitzuführen und<br />

sowohl vom Absen<strong>der</strong> als auch dem Frachtführer zu unterzeichnen.<br />

• Der CMR-Frachtbrief muss gemäss Artikel 6 CMR geson<strong>der</strong>te Angaben<br />

zur transportierten Ware sowie weitere spezifische Informationen<br />

enthalten.<br />

• Der Frachtbrief besitzt gemäss Artikel 9 CMR eine sogenannte<br />

"Beweiswirkung".<br />

• Der CRM regelt geson<strong>der</strong>te Prüfpflichten für den Frachtführer.<br />

In <strong>der</strong> Praxis äussern sich diese Bestimmungen im Regelfall wie folgt: Die<br />

Waren werden als Tätigkeit <strong>der</strong> Intralogistik als Frachtgut noch im Lager<br />

kommissioniert. Ihr Transport findet anschliessend auf EU-Paletten über den<br />

Warenausgang statt, wo sie in die Extralogistik übergehen. Ist die Ware<br />

verladen, wird <strong>der</strong> Frachtbrief erstellt und von den betreffenden Personen<br />

unterschrieben. In vielen Schweizer Betrieben findet dieser Prozess bereits<br />

vollautomatisch und zu grossen Teilen digitalisiert statt. Der CMR-Frachtbrief ist<br />

in erster Linie wichtig, um die Haftung bei Transportschäden sowie weiteren<br />

Belangen zu regeln.<br />

4.3.3 Die Wagenetikette<br />

Die Wagenetikette wird für den Schienenverkehr verwendet. Diese werden<br />

per E-Mail übermittelt und die Daten auf einem Transpon<strong>der</strong> gesichert. Die<br />

auf dem Transpon<strong>der</strong> gesicherten Daten werden mit dem Beför<strong>der</strong>ungsplan<br />

dem Lokführer als Auftrag übergeben. Die Wagenetikette, <strong>der</strong> Transpon<strong>der</strong>,<br />

gibt Aufschluss über:<br />

• den Absen<strong>der</strong><br />

• den Empfänger<br />

• Anzahl und Bezeichnung <strong>der</strong> Transporteinheiten<br />

295


• das Gewicht <strong>der</strong> Ladung<br />

• Tauschgeräte<br />

<br />

4.3.4 Der Lieferschein<br />

Der Lieferschein informiert über die gelieferten Waren und dient <strong>der</strong> Kontrolle<br />

<strong>der</strong> Lieferung. Die im Lieferschein aufgeführten Waren werden einerseits<br />

kontrolliert um sicherzustellen, dass sie Teil <strong>der</strong> Lieferung sind, und an<strong>der</strong>erseits<br />

um sicherzustellen, dass die Lieferung <strong>der</strong> Bestellung entspricht. Unternehmen,<br />

die im Handelsregister eingetragen sind, müssen die Lieferscheine zehn Jahre<br />

aufbewahren.<br />

296


297


Korrekturen auf dem Lieferschein<br />

Im Idealfall werden die eingetroffenen Waren in Anwesenheit des<br />

Frachtführers kontrolliert, damit dieser gegebenenfalls eine Abweichung o<strong>der</strong><br />

eine Beanstandung gegenzeichnen kann. Die Unterschiede zwischen dem<br />

Lieferschein und <strong>der</strong> gelieferten Ware werden direkt auf dem Lieferschein<br />

eingetragen. Für Korrekturen gibt es keine rechtlichen Vorschriften. Man sollte<br />

jedoch nie Informationen löschen o<strong>der</strong> überdecken (z. B. mit Tipp-Ex). Die<br />

Korrekturen müssen deutlich sichtbar sein. Sowohl <strong>der</strong> Frachtführer als auch<br />

<strong>der</strong> Empfänger müssen die im Lieferschein vorgenommenen Korrekturen<br />

durch ihre Unterschrift bestätigen. Die Beanstandungen und Korrekturen im<br />

Lieferschein werden je nach Unternehmensrichtlinien unterschiedlich<br />

vorgenommen.<br />

Wichtig ist, dass die Korrekturen in schriftlicher Form erstellt werden, damit sie<br />

überprüft werden können. Mündliche Vereinbarungen mit Spediteuren<br />

(Frachtführern) können nicht nachgewiesen werden und sind daher nicht zu<br />

empfehlen. Es ist wichtig, den Lieferanten bei schwerwiegenden<br />

Beanstandungen unverzüglich zu informieren.<br />

298


299


4.4 Die Annahme unter Vorbehalt<br />

Verschiedene Gründe können dazu führen, dass <strong>der</strong> Empfänger keine<br />

gründliche Warenannahme durchführen kann. Dann besteht Möglichkeit,<br />

eine "Warenannahme unter Vorbehalt" zu machen. Dieser Vorbehalt ist auf<br />

dem Lieferschein notiert und gültig. Man muss aber einen Grund haben,<br />

einen Vorbehalt anzubringen. Nur einen "Vorbehalts-Empfang" -Stempel<br />

anzubringen, reicht nicht aus. Es wird beispielsweise ein Vorbehalt gemacht,<br />

wenn die Verpackung <strong>der</strong> gelieferten Waren beschädigt ist. Ergeben sich bei<br />

<strong>der</strong> weiteren Prüfung Mängel, ist <strong>der</strong> Empfänger befugt, innerhalb <strong>der</strong><br />

gesetzlichen Frist eine Beschwerde einzulegen und in schweren Fällen einen<br />

Ersatz zu verlangen o<strong>der</strong> vom Kaufvertrag zurückzutreten.<br />

Waren, die nicht sofort gezählt werden können, dürfen nicht vorbehaltlos<br />

akzeptiert und mit <strong>der</strong> Unterschrift bei <strong>der</strong> Annahme bestätigt werden.<br />

Bedingungen für eine gültige Annahme unter Vorbehalt sind:<br />

• Überschrift: "Annahme unter Vorbehalt" (auch von Hand möglich)<br />

• Grund<br />

• Datum<br />

• Unterschrift<br />

300


Beispiel Stempel für eine Warenannahme unter Vorbehalt:<br />

301


4.5 Grenzüberschreitende Regelungen und Verträge im internationalen<br />

Güterverkehr<br />

Der internationale Transport ist spannend. Gleichzeitig sind die Regelwerke,<br />

welche grenzüberschreitend gültig sind, eine Herausfor<strong>der</strong>ung. Zwei dieser<br />

Regelwerke sind:<br />

4.5.1 Vertrag von Maastricht<br />

Der als Vertrag von Maastricht bezeichnete europäische Vertrag wurde am 7.<br />

Februar 1992 unterzeichnet und trat am 1. . November 1993 in Kraft. Er<br />

strukturiert die Europäische Union in drei Säulen:<br />

• Die Europäische Gemeinschaft<br />

• Die Aussen- und Sicherheitspolitik<br />

• Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen.<br />

302


Für den Transport hat dieser Vertrag neue Weichen gestellt. Bis zu seinem<br />

Abschluss wurden die Verkehrsnetze vornehmlich auf nationaler Ebene<br />

geplant, was zu Inkompatibilitäten zwischen den Verkehrssystemen führte.<br />

Sechsspurige Autobahnen wurden zu einfachen Strassen, sobald die Grenze<br />

überschritten war, Züge konnten auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite <strong>der</strong> Grenze nicht mehr<br />

benutzt werden usw. Die Verkehrsströme waren damals oft zu erheblichen<br />

Umwegen gezwungen. Heute können Lokomotiven, Waggons und rollendes<br />

Personal ihre Aufgaben grenzüberschreitend ausüben.<br />

Einen weiteren Artikel zu diesem Thema findest du hier.<br />

303


4.5.2 Wiener Übereinkommen über den internationalen Warenverkauf<br />

Das Wiener Übereinkommen ist auch bekannt als "Übereinkommen <strong>der</strong><br />

Vereinten Nationen über Verträge über den internationalen Warenhandel"<br />

(CVIM). Der Vertrag wurde am 11. April 1988 in Wien von ursprünglich zehn<br />

Län<strong>der</strong>n unterzeichnet. Heute haben 89 Län<strong>der</strong> das Übereinkommen<br />

unterzeichnet. Die Mitglie<strong>der</strong> des CVIM sind verantwortlich für mehr als drei<br />

Viertel des internationalen Handels.<br />

Ziel des Übereinkommens ist die Entwicklung des internationalen Handels auf<br />

<strong>der</strong> Grundlage <strong>der</strong> Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens. Die<br />

Unterzeichnerstaaten sind damit einverstanden, einheitliche Regeln für<br />

Verträge über den internationalen Warenverkauf zu erlassen, die mit den<br />

verschiedenen Sozial-, Wirtschafts- und Rechtssystemen vereinbar sind. Die<br />

einheitlichen Regeln tragen zur Beseitigung <strong>der</strong> rechtlichen Hin<strong>der</strong>nisse für<br />

den internationalen Handel bei und för<strong>der</strong>n die Entwicklung des<br />

internationalen Handels.<br />

Das Übereinkommen <strong>der</strong> Vereinten Nationen über Verträge über den<br />

internationalen Warenhandel findest du hier.<br />

304


Modul 305_Güter<br />

Ausgangslage<br />

Wird die Anlieferung durch die Global- und Detailidentifikation bestätigt und<br />

angenommen, kommt es zum physischen Entlad. Die Arbeit in <strong>der</strong> Logistik beinhaltet<br />

einige administrative und ganz viele physische Tätigkeiten. Beim Einsatz von<br />

verschiedenen Hilfsmitteln, beim Arbeiten mit grossen und schweren Gütern und bei<br />

Arbeiten auf Rampen, Türen o<strong>der</strong> Toren ist das Thema Arbeitssicherheit zu beachten.<br />

305


Fachartikel Modul 305<br />

5. Ablad an <strong>der</strong> Rampe<br />

Wie in Modul 304 beschrieben, werden die Güter nach <strong>der</strong> Kontrolle <strong>der</strong><br />

Warenbegleitpapiere entladen und kontrolliert. Das Entladen <strong>der</strong> Lieferung an<br />

einer Rampe bringt, wie an<strong>der</strong>e Situationen auch, verschiedene Gefahren mit<br />

sich. Entsprechend wird vorausgesetzt, dass konzentriert gearbeitet wird und<br />

man Kenntnisse im Bereich Arbeitssicherheit hat. Dieses Modul vermittelt das<br />

notwendige Fachwissen zum Thema Arbeitssicherheit beim Be- und Entladen<br />

an einer Rampe. Die Arbeitssicherheit wird in die Bereiche baubedingte<br />

Gefahren und arbeitsbedingte Gefahren aufgeteilt.<br />

5.1 Baubedingte Gefahren<br />

Baubedingte Gefahren betreffen Risiken in Zusammenhang mit<br />

verschiedenen baulichen Gegebenheiten in <strong>der</strong> Logistik, wie z. B. Rampen,<br />

Verkehrsflächen usw. Diese können als Gefahrenstelle bezeichnet werden.<br />

5.1.1 Lager- und Verkehrsflächen<br />

Um Unfälle zu vermeiden, sind Lagerflächen deutlich von Verkehrsflächen zu<br />

trennen. Dies gilt auch, wenn in nicht markierten Räumen Blocklager angelegt<br />

werden. Wenn sie nur zu Fuss benützt werden, müssen Nebenverkehrswege<br />

mindestens 80 cm breit sein, Hauptverkehrswege mindestens 120 cm.<br />

Waren sind immer so zu lagern,<br />

dass sie nicht in die Verkehrswege ragen und zu Stolperfallen werden.<br />

306


Auf den Verkehrsflächen dürfen keine Waren abgestellt werden.<br />

5.1.2 Weitere Gefahrenstellen im Betrieb<br />

Die baubedingten Gefahrenstellen in <strong>der</strong> Logistik beschränken sich nicht auf<br />

Lager- o<strong>der</strong> Verkehrsflächen. Je nach Gebäude sind es noch einige mehr:<br />

1 Podeste Podeste sind erhöhte Bodenflächen. In<br />

Betrieben schützt in <strong>der</strong> Regel ein Gelän<strong>der</strong> vor<br />

dem Absturz. Podeste sind beson<strong>der</strong>s vorsichtig<br />

zu befahren. Muss man mit einem Fahrzeug auf<br />

einem Podest anhalten, muss dies so<br />

307


geschehen, dass das Fahrzeug bei einer<br />

Fehlmanipulation (z. B. mit dem Wechselpedal)<br />

nicht in die Absturzrichtung davonrollen kann.<br />

2 Einbauwaagen Einbauwaagen dürfen mit Flurför<strong>der</strong>zeugen<br />

nicht befahren werden! Nur bei Einbauwaagen<br />

für Strassenfahrzeuge ist dies möglich. An<strong>der</strong>e<br />

Modelle könnten durch das zu hohe Gewicht<br />

Schaden nehmen.<br />

3 Verschmutzungen Schmutz auf Verkehrsflächen sollte so rasch als<br />

möglich beseitigt werden. Beim Fahren ist<br />

Flüssigkeitslachen und herumliegenden<br />

Gegenständen auszuweichen.<br />

4 Tore, Türen Bei Toren, Türen und Durchfahrten sind Höhe<br />

und Übersicht eingeschränkt. Um niemanden<br />

zu gefährden, sollten sie mit Vorsicht (Spiegel<br />

benutzen) und reduziertem Tempo befahren<br />

werden.<br />

5 Verla<strong>der</strong>ampen Absturzgefahr! Keine Waren darauf lagern. Nur<br />

wenn nötig befahren und beim Abdrehen mit<br />

dem Stapler das Ausschwenken des Hecks<br />

einberechnen.<br />

6 Gleise Eingedeckte Industriegleise gemäss Anweisung<br />

im <strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer, langsam und in<br />

einem Winkel von 45° befahren.<br />

7 Hebebühnen Fahrzeuge auf Hebebühnen immer sichern<br />

(Absturzgefahr). Mit genügend Abstand davon<br />

308


parkieren, um beim Heben nicht mitgerissen zu<br />

werden.<br />

8 Gitterroste,<br />

Schachtabdeckungen<br />

Nicht genau aufliegende Gitterroste sind wenig<br />

tragfähig, das Fahrzeug kann einbrechen.<br />

Auch Schachtabdeckungen sind nur<br />

beschränkt belastbar. Zudem können sie beim<br />

Befahren in Schieflage geraten, das Fahrzeug<br />

kann einbrechen. Solch gefährdete Stellen sind<br />

deshalb mit reduzierter Geschwindigkeit zu<br />

befahren.<br />

9 Gefälle Gefälle müssen mit Flurför<strong>der</strong>zeugen äusserst<br />

vorsichtig befahren werden. Das Fahrzeug darf<br />

nie in Schwung geraten und die Last muss<br />

immer bergwärts ausgerichtet sein. Mit dem<br />

leeren Stapler werden Steigungen und Gefälle<br />

gemäss Betriebsanleitung befahren.<br />

Gefahrenstelle: Verla<strong>der</strong>ampe<br />

Eine in <strong>der</strong> Logistik ganz beson<strong>der</strong>e Gefahrenstelle ist die Verla<strong>der</strong>ampe. An<br />

Verla<strong>der</strong>ampen ist eine dauerhafte Abschrankung in <strong>der</strong> Regel nicht möglich,<br />

weil sie von Last- o<strong>der</strong> Bahnwagen aus direkt zugänglich sein müssen. Beim<br />

Befahren von Verla<strong>der</strong>ampen lauert deshalb Absturzgefahr.<br />

Mit folgenden Massnahmen kann die Absturzgefahr vermin<strong>der</strong>t werden:<br />

• Die Rampen müssen genügend breit sein. Für das Befahren mit<br />

Flurför<strong>der</strong>zeugen gilt die Regel: Arbeitsgangbreite (Ast) + 10 %; siehe<br />

auch <strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer.<br />

• Zudem müssen die Absturzkanten gut sichtbar markiert o<strong>der</strong> mit<br />

demontierbaren Balken<br />

Gesichert sein.<br />

• Verla<strong>der</strong>ampen dürfen nicht als Abstellfläche o<strong>der</strong> Zwischenlager<br />

verwendet werden.<br />

• Mitarbeitende müssen die Vorsichtsmassnahmen für Verla<strong>der</strong>ampen<br />

einhalten.<br />

309


• Verla<strong>der</strong>ampen, die für das Befahren mit Staplern zu schmal o<strong>der</strong> aus<br />

an<strong>der</strong>en Gründen dafür ungeeignet sind, müssen mit einem Fahrverbot<br />

belegt werden.<br />

Absturzgefahr<br />

5.2 Arbeitsbedingte Gefahren<br />

Be- und Entladearbeiten sind anspruchsvolle Tätigkeiten, die mit <strong>der</strong><br />

notwendigen Vorsicht durchgeführt werden müssen. Daher sind folgende<br />

Punkte beson<strong>der</strong>s zu beachten:<br />

• Sicherung des zu beladenden o<strong>der</strong> zu entladenden Fahrzeugs<br />

• Wahl des passenden För<strong>der</strong>mittels<br />

310


• Korrekte und sichere Verwendung von Hilfsmitteln (z. B.<br />

Überfahrbrücken und Hebebühnen)<br />

• Innen- und Aussenarbeitsplätze müssen so angeordnet sein, dass<br />

Fussgänger- und Fahrzeugverkehr sicher durchgeführt werden können<br />

(Unfallgefahr).<br />

5.2.1 Sicherung des zu be- o<strong>der</strong> entladenden Fahrzeugs<br />

Beim Transport von Gütern ist die Auswahl an Fahrzeugen in <strong>der</strong> Logistik sehr<br />

gross: Sattelauflieger, LKW, Transporter, Auto, Fahrrad, Flugzeug, Schiff,<br />

Bahnwagen usw. Die Vielfalt <strong>der</strong> angewandten Transportmittel erfor<strong>der</strong>t auch<br />

ein breites Fachwissen beim Sichern von Fahrzeugen während des Entladens<br />

und Beladens.<br />

Das sind die wichtigsten Fahrzeuge und die dazugehörenden<br />

Sicherheitsvorschriften:<br />

Sichern von Fahrzeugen im Strassentransport<br />

Strassenfahrzeuge werden in <strong>der</strong> Regel von hinten o<strong>der</strong> seitlich be- und<br />

entladen. Beim Anfahren von Fahrzeugen an Rampen können Radführungen<br />

beim Andocken helfen.<br />

Radführungen beim be- und entladen<br />

Die Rampen ermöglichen es, die Radführung und damit die Ausrichtung <strong>der</strong><br />

Fahrzeuge zu verbessern und so versehentliche Stösse zu vermeiden. Die<br />

Dockausrüstung und auch das Gebäude selbst können so geschützt werden.<br />

Dank <strong>der</strong> Installation von Radführungen werden LKW leichter bei <strong>der</strong><br />

La<strong>der</strong>ampe positioniert. Sie werden am Boden fixiert und können für eine<br />

bessere Sichtbarkeit abwechselnd gelbe und schwarze Streifen haben.<br />

311


Dockstopps (o<strong>der</strong> Stossfänger) sollen den Aufprall von Lastwagen beim<br />

Andocken abfe<strong>der</strong>n, um sowohl das Gebäude als auch das Fahrzeug bei<br />

niedrigen Geschwindigkeiten zu schützen. Sie können fest o<strong>der</strong> mobil sein.<br />

Dockstopps<br />

Ist das Fahrzeug angedockt, werden die Sicherheitsvorkehrungen getroffen.<br />

Um ein Wegrollen des Fahrzeuges zu vermeiden, ist vor dem Arbeitsbeginn die<br />

Feststellbremse (1) anzuziehen und die Zündung auszuschalten.<br />

Für die Entladung mit Gabelstaplern reicht diese Massnahme jedoch nicht<br />

aus, da erhebliche Schubkräfte auftreten können. Zusätzliche Sicherheit ist<br />

unerlässlich. Die unter den Rä<strong>der</strong>n platzierten Keile (2) sowie die Befestigung<br />

des Fahrzeugs am Dock mittels einer Kette o<strong>der</strong> eines Gurtes (3) sind gängige<br />

Möglichkeiten, um ein Fahrzeug zu sichern.<br />

Dank verschiedenen Hilfsmitteln kann <strong>der</strong> Be- und Entlad heute auch<br />

automatisch ausgeführt werden:<br />

Sattelauflieger werden gleich gesichert wie die an<strong>der</strong>en Fahrzeuge (2 und 3).<br />

Da sie sich nicht nur bewegen, son<strong>der</strong>n auch kippen können, benötigen sie<br />

allerdings zusätzliche Sicherheitsmassnahmen. Um ein Umkippen zu<br />

vermeiden, sind sie mit einer aussetzbaren Stütze (1) ausgestattet. Dies allein<br />

reicht jedoch nicht aus. Eine zusätzliche Massnahme ist, einen einfachen<br />

312


Palettenstapel (4) als Unterlage o<strong>der</strong> eine Kippsicherung (4) zu verwenden,<br />

damit <strong>der</strong> Sattelauflieger nicht kippen kann.<br />

Beispiel zusätzliche Kippsicherung (4)<br />

Sichern im Bahntransport<br />

Nicht nur im Strassentransport gehört das Be- und Entladen zu einer<br />

wie<strong>der</strong>kehrenden Tätigkeit. Eine Vielzahl von Logistikunternehmen haben<br />

eigene Bahnanschlüsse. Entsprechend wird das Be- und Entladen in einem<br />

Bahnwagen vorgenommen. Die Sicherung von Eisenbahnwagen muss durch<br />

qualifiziertes Personal erfolgen. Zur Sicherung dienen ein Hemmschuh und die<br />

Handbremse.<br />

313


Die Handbremse befindet sich entwe<strong>der</strong><br />

an <strong>der</strong> Längsseite des Wagens o<strong>der</strong>...<br />

Handbremse an <strong>der</strong> Längsseite<br />

...auf <strong>der</strong><br />

Plattform<br />

.<br />

Handbremse auf <strong>der</strong> Plattform<br />

Der Hemmschuh ist zwischen Schiene und Rad unterlegt.<br />

Hemmschuh<br />

Hemmschuh<br />

Der Druck des Rades auf die Hemmschuhzunge verhin<strong>der</strong>t ein Wegrollen des<br />

Wagens.<br />

5.2.2 Wahl des passenden Flurför<strong>der</strong>zeug<br />

Die Flurför<strong>der</strong>zeuge (Flur = Boden) sind in <strong>der</strong> Logistik ein wichtiger Bestandteil.<br />

Die Geräte sind häufige Hilfsmittel beim Be- und Entladen, bei <strong>der</strong> Lagerung<br />

314


aber auch in <strong>der</strong> Kommissionierung. Die Flurför<strong>der</strong>zeuge sind in folgende<br />

Kategorien unterteilt:<br />

Gerätekategorien ohne erhebliche Unfallgefahr<br />

Die unten abgebildeten Gerätekategorien gehören nicht zu den mit einer<br />

erheblichen Unfallgefahr verbundenen Transportmittel und dürfen von<br />

jugendlichen Lernenden nach entsprechen<strong>der</strong> Ausbildung bedient werden.<br />

Art <strong>der</strong> Ausbildung: Die Ausbildung hat nach den Angaben des Herstellers zu<br />

erfolgen, muss den Umfang <strong>der</strong> Bedienungsanleitung abdecken und ist mit<br />

betrieblichen Sicherheitsanweisungen zu ergänzen. Sie umfasst einen<br />

theoretischen und einen praktischen Ausbildungsteil. Die Ausbildung ist<br />

schriftlich zu dokumentieren.<br />

Qualifikation <strong>der</strong> Ausbildner: Personen, die im Betrieb Kurse für die genannten<br />

Geräte durchführen, müssen zuvor bei einer Suva-anerkannten<br />

Ausbildungsstätte einen Deichselgerätekurs besucht o<strong>der</strong> zumindest eine<br />

gründliche Instruktion bei <strong>der</strong> Lieferung des Gerätes erhalten haben. Weiter<br />

müssen sie über die Gefahren und <strong>der</strong>en Verhütung genau Bescheid wissen<br />

und die Instruktion richtig durchführen können.<br />

Dauer: Nicht definiert, angepasst an die Komplexität des Gerätes.<br />

Gruppe/<br />

Gerätekategorie<br />

Bezeichnungen<br />

Charakteristik und Einsatz<br />

Schlepper<br />

Bezeichnung nach EKAS 6518 S1<br />

• Schlepper Unter einem Schlepper<br />

versteht man ein Flurför<strong>der</strong>zeug,<br />

das zum Ziehen<br />

antriebsloser Fahr- zeuge<br />

(Anhänger) bestimmt ist.<br />

Schlepper ver- fügen in <strong>der</strong><br />

Regel über einen elektrischen<br />

Antrieb. Schlepper<br />

transportieren nicht, o<strong>der</strong> nur<br />

in sehr geringem Masse,<br />

Lasten.<br />

315


Hubwagen Bezeichnung nach EKAS 6518 S2<br />

• Elektro-Hubwagen<br />

• Elektro-<br />

Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />

Elektro-Deichsel-Gabel-<br />

Hubwagen<br />

• "Ameise"<br />

• Elektro-<br />

Deichselstapler<br />

• Elektro-<br />

Hochhubwagen<br />

• Elektro-Hubwagen<br />

• Elektro-<br />

Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />

• Elektro-Deichsel-<br />

Gabel-Hubwagen<br />

(mit Mitfahrplattform)<br />

• Elektro-<br />

Deichselstapler<br />

• Elektro-<br />

Hochhubwagen<br />

(mit Mitfahrplattform)<br />

Der Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />

verfügt nur über eine<br />

geringe Hubhöhe<br />

(Initialhub).<br />

Deichselgeführtes<br />

Mitgängergerät ohne Mit-<br />

fahrmöglichkeit mit Mast<br />

bis zu einer Hubhöhe von<br />

ca. 5,5 m. Transport auf<br />

kurzen Strecken und<br />

Stapeln von palettierten<br />

Lasten. Verlad von Gütern.<br />

Deichselgeführtes<br />

Mitgängergerät mit<br />

abklapp- barer<br />

Mitfahrplattform. Initial-<br />

und/o<strong>der</strong> Rad- armhub.<br />

Transport von palettierten<br />

Lasten auf kurzen und<br />

mittleren Strecken und<br />

Verlad von Gütern.<br />

Deichselgeführtes<br />

Mitgängergerät mit<br />

abklappbarer<br />

Mitfahrplattform. Mast bis<br />

zu einer Hubhöhe von ca.<br />

5,5 m. Transport auf kurzen<br />

und mittleren Strecken,<br />

sowie Stapeln von<br />

palettierten Lasten und<br />

Verlad von Gütern.<br />

316


Kommissioniergeräte<br />

Bezeichnung nach EKAS 6518 S3<br />

• Kommissionierer<br />

• Horizontalkommissionierer Horizontal-<br />

Kommissionierer<br />

werden für das<br />

Kommissionieren in<br />

Bodennähe (erste<br />

und zweite<br />

Regalebene)<br />

eingesetzt. Die<br />

Stand- plattform des<br />

Bedieners kann, je<br />

nach Bauart des<br />

Geräts, bis auf ca. 1<br />

Meter Höhe angehoben<br />

werden.<br />

Gerätekategorien mit erhebliche Unfallgefahr<br />

Die unten abgebildeten Gerätekategorien gehören zu den mit einer<br />

erheblichen Unfallgefahr verbundenen Transportmitteln. Jugendliche und<br />

Lernende dürfen solche Geräte in <strong>der</strong> Regel nicht bedienen. Nur aufgrund<br />

<strong>der</strong> Ausnahmeregelung in <strong>der</strong> Jugendschutzverordnung (Art. 4 Abs. 4) dürfen<br />

Jugendliche in einer von <strong>der</strong> Suva-anerkannten Ausbildung, dazu gehören<br />

Logistiker, diese Transportmittel führen.<br />

Art <strong>der</strong> Ausbildung / Qualifikation <strong>der</strong> Ausbildner: Innerbetriebliche<br />

Anerkennung: Grundausbildung durch einen anerkannten Staplerfahrer-<br />

Instruktor und innerbetriebliche, ergänzende Ausbildung auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong><br />

Betriebsanleitung.<br />

Überbetriebliche Anerkennung: Grundausbildung durch eine Suvaanerkannte<br />

Ausbildungsstätte und innerbetriebliche, ergänzende Ausbildung<br />

auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong> Betriebsanleitung.<br />

Dauer <strong>der</strong> Grundausbildung für Anfänger: vier Tage. Die Ausbildungsdauer für<br />

Personen mit Erfahrung im Umgang mit Maschinen (z. B. Traktorfahrer,<br />

Baumaschinenführer, LKW-Fahrer) beträgt mindestens zwei Tage. Ergänzende<br />

Ausbildung für jeden weiteren Gerätetyp: ein Tag<br />

317


Gruppe/<br />

Gerätekategorie<br />

Bezeichnungen<br />

Charakteristik und Einsatz<br />

Gegengewichtsstapler<br />

Bezeichnung nach EKAS 6518 R1<br />

• Gegengewichtsstapler<br />

• Elektro-Gabelstapler<br />

• (Dreirad o<strong>der</strong> Vierrad<br />

• mit Frontsitz)<br />

• Gegengewichtsstapler<br />

• Gabelstapler mit<br />

Benzin-,<br />

• Gas- o<strong>der</strong><br />

Dieselantrieb<br />

• (Vierrad mit Frontsitz)<br />

Gabelstapler für<br />

universellen Einsatz im<br />

Innern von Gebäuden.<br />

In <strong>der</strong> Regel als<br />

Dreiradstapler<br />

konzipiert. Hubhöhe<br />

mit Dreifach-Mast bis 7<br />

m. Tragkraft bis ca. 2 t.<br />

Vierrad-Gabelstapler<br />

für universellen Einsatz<br />

im Freigelände. Mit<br />

Diesel-, Benzin o<strong>der</strong><br />

Gasantrieb. Hubhöhe<br />

mit Dreifach-Mast bis 7<br />

m. Tragkraft bis ca. 10<br />

t. Schwerlaststapler bis<br />

40 Tonnen und mehr.<br />

Quersitz- und<br />

Schubmaststapler<br />

Bezeichnung nach EKAS 6518 R2<br />

• Quersitzstapler<br />

• Quersitz-Pratzenstapler<br />

• Quersitz-<br />

Schubmaststapler<br />

Elektrisch<br />

angetriebene<br />

Quersitz-Stapler mit<br />

Radarmen.<br />

Ausgerüstet mit<br />

fixem o<strong>der</strong><br />

vorschiebbarem<br />

Mast. Hubhöhe:<br />

Quersitzstapler bis<br />

318


ca. 5 m,<br />

Schubmaststapler<br />

bis ca. 12 m.<br />

Einsatz: Transport<br />

und Lagerung von<br />

Gütern.<br />

• Hochregalstapler<br />

• Vertikalkommissionierer<br />

• Hochhubkommissionierer<br />

• Mehrwegestapler<br />

• Vierwegestapler<br />

Elektrisch<br />

angetriebene<br />

Fahrzeuge für die<br />

Bedienung von<br />

mittelhohen<br />

Regalanlagen und<br />

die<br />

Kommissionierung.<br />

Hubhöhe bis 15 m.<br />

Diese Fahrzeuge<br />

verfügen in <strong>der</strong><br />

Regel über seitliche<br />

Führungsrollen zur<br />

exakten<br />

Positionierung in<br />

den Gängen.<br />

Elektrisch<br />

angetriebener<br />

Stapler mit<br />

Radarmen und<br />

verschiebbarem<br />

Hubmast. Hubhöhe<br />

bis 9 m. Durch<br />

Drehbarkeit <strong>der</strong><br />

Rä<strong>der</strong> in den<br />

Radarmen kann<br />

<strong>der</strong> Stapler auf<br />

Knopfdruck in<br />

beliebiger Richtung<br />

fahren.<br />

319


Seitenstapler<br />

Bezeichnung nach EKAS<br />

6518<br />

R3<br />

• Seitenstapler Thermisch angetriebenes<br />

Transportfahrzeug mit einem<br />

quer zur Fahrtrichtung<br />

verschiebbaren Mast und<br />

Ladebrücke. Hubhöhe bis<br />

ca. 4 m. Einsatz für<br />

Stapelung und Transport von<br />

Langgut. Haupteinsatzgebiet<br />

sind Sägereien.<br />

Teleskopstapler Bezeichnung nach EKAS 6518 R4<br />

• Teleskopstapler Thermisch angetriebenes<br />

Allzweckfahrzeug für den<br />

Ausseneinsatz. Verfügt<br />

über einen am Heck<br />

angebrachten<br />

Teleskoparm, an dem<br />

verschiedenste<br />

Werkzeuge, u. a. auch<br />

Gabeln für die<br />

Lastaufnahme montiert<br />

werden können.<br />

Vorschriften für den Einsatz von Flurför<strong>der</strong>zeugen<br />

In <strong>der</strong> vom Bundesrat erlassenen ?? "Verordnung über die Verhütung von<br />

Unfällen und Berufskrankheiten (VUV)" werden die Arbeitgeber in den Artikeln<br />

6 und 8 zu Folgendem verpflichtet:<br />

• Sie müssen die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen über die Gefahren<br />

informieren, die bei ihren Tätigkeiten auftreten können, sowie über die<br />

Massnahmen, die zu treffen sind, um diese Gefahren zu vermeiden. Zudem<br />

müssen sie für die Befolgung dieser Massnahmen sorgen.<br />

• Sie dürfen Arbeiten, die mit beson<strong>der</strong>en Gefahren verbunden sind, nur<br />

Angestellten übertragen, die eine entsprechende Ausbildung haben.<br />

320


Die Ausbildung betreffende Verordnungen<br />

Artikel 4 <strong>der</strong> ?? Jugendarbeitsschutzverordnung schreibt vor, dass<br />

Jugendliche keine gefährlichen Arbeiten ausführen dürfen. Als Jugendliche<br />

gelten Personen unter 18 Jahren. Weil das Führen von Flurför<strong>der</strong>zeugen als<br />

gefährlich eingestuft ist, dürfen sie nur von Personen geführt werden, die das<br />

18. Altersjahr vollendet haben.<br />

?? Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel<br />

(Arbeitsgesetz)<br />

Artikel 29<br />

1 Als Jugendliche gelten Arbeitnehmer bei<strong>der</strong> Geschlechter bis zum<br />

vollendeten 18. Altersjahr.<br />

2 Der Arbeitgeber hat auf die Gesundheit <strong>der</strong> Jugendlichen gebührend<br />

Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung <strong>der</strong> Sittlichkeit zu sorgen. Er hat<br />

namentlich darauf zu achten, dass die Jugendlichen nicht überanstrengt<br />

werden und vor schlechten Einflüssen im Betriebe bewahrt bleiben.<br />

[…]<br />

Für Logistikerinnen und Logistiker in <strong>der</strong> beruflichen Grundbildung gilt eine<br />

Ausnahmeregelung für das Staplerfahren. Wenn zur Ausübung eines Berufes<br />

auch gefährliche Tätigkeiten gehören, dann müssen diese während <strong>der</strong><br />

Ausbildung (mit begleitenden Massnahmen für die Arbeitssicherheit und den<br />

Gesundheitsschutz) eingeübt werden; deswegen sind sie ab 15 Jahren<br />

gestattet. So kommt es, dass Lernende in <strong>der</strong> Logistik Stapler bereits ab 15<br />

Jahren führen dürfen.<br />

Güter sicher transportieren<br />

Reger Staplerverkehr an <strong>der</strong> Be- und Entla<strong>der</strong>ampe, eine schlecht organisierte<br />

Rampe, überhöhte Geschwindigkeiten mit Flurför<strong>der</strong>zeugen, Paletten, die an<br />

<strong>der</strong> falschen Stelle gelagert werden, können die Sicht einschränken und zu<br />

Unfällen führen. Fehlende o<strong>der</strong> nicht beachtete Beschil<strong>der</strong>ung kann ebenfalls<br />

ein Unfallrisiko darstellen.<br />

321


Grundlage für die Ausbildung zur Staplerfahrerin o<strong>der</strong> zum Staplerfahrer ist das<br />

<strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer. Dort sind die Regeln für den sicheren,<br />

innerbetrieblichen Transport von Gütern ausführlich beschrieben. Deshalb<br />

werden nachfolgend nur die häufigsten Unfallursachen und wichtigsten<br />

Sicherheitsregeln aufgeführt.<br />

Unfallstatistik<br />

Die in Logistik- und Produktionsbetrieben übliche hohe Anzahl von<br />

För<strong>der</strong>mitteln und Fussgängern auf engem Raum ist eine beson<strong>der</strong>e<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung für die Arbeitssicherheit. Nicht immer lassen sich die<br />

Fahrwege vollständig von den Fusswegen trennen. Dann sind vor allem<br />

Personen, die sich nur temporär im Betrieb aufhalten und deshalb die<br />

Gegebenheiten nicht kennen, beson<strong>der</strong>s unfallgefährdet. Die Unfallstatistik<br />

<strong>der</strong> Schweiz weist über 10 000 Unfälle mit För<strong>der</strong>mitteln aus mit Folgekosten<br />

von rund 100 Millionen Franken. Eine deutsche Statistik zu den schweren<br />

Unfällen mit För<strong>der</strong>mitteln zeigt die Häufigkeit <strong>der</strong> verschiedenen<br />

Unfallursachen wie folgt:<br />

• Anfahrunfall 48,7 Prozent<br />

• Fahrerunfall 20,6 Prozent<br />

• Auf- und Absteigen 4,6 Prozent<br />

• Unfall mit Lastaufnahmemittel 6,5 Prozent<br />

• Ladegutunfall 9,8 Prozent<br />

• Sonstige 9,8 Prozent<br />

Blick immer in Fahrtrichtung<br />

322


Ein Unfallbericht aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Ein Mitarbeiter <strong>der</strong> Packerei transportiert Leerpaletten mit einem 6-t-<br />

Gabelstapler. Zur gleichen Zeit hält sich ein betriebsfrem<strong>der</strong> Kraftfahrer<br />

unberechtigt im Bereich <strong>der</strong> Packerei auf. Der betriebsfremde Kraftfahrer tritt<br />

plötzlich hinter einem Stützpfeiler hervor und läuft direkt zwischen Hubmast<br />

und Vor<strong>der</strong>rä<strong>der</strong> des Staplers. Ohne dass <strong>der</strong> Staplerfahrer reagieren<br />

könnte, wird <strong>der</strong> Fussgänger vom Stapler überrollt und erleidet tödliche<br />

Verletzungen.<br />

Massnahmen gegen Personenunfälle<br />

Fahrtrichtung = Blickrichtung<br />

Es gibt eine einzige, wirksame Massnahme gegen das Anfahren von Personen<br />

mit Flurför<strong>der</strong>zeugen: Dorthin schauen, wo man hinfährt. Das gilt schon für<br />

kurze Fahrten wie beim Ausstapeln und erst recht beim Lastentransport, bei<br />

dem die freie Sicht auf die Fahrbahn stets gewährleistet sein muss.<br />

5.2.3 Korrekte und sichere Verwendung von Hilfsmitteln<br />

Die Wahl <strong>der</strong> einzusetzenden Hilfsmittel hängt von <strong>der</strong> Art <strong>der</strong> zu entladenden<br />

Güter und <strong>der</strong> Art des verwendeten Transportfahrzeugs ab. Geeignete<br />

Hilfsmittel ermöglichen ein qualitatives und wirtschaftliches Entladen mit<br />

grösstmöglicher Sicherheit. Zum Entlad von palettierten Waren können<br />

eingesetzt werden:<br />

323


Überfahrbrücken<br />

Überfahrbrücke<br />

Die Vielfalt <strong>der</strong> LKW-Höhe und Docks macht die Verwendung von<br />

Überfahrbrücken unvermeidlich. Sie reduzieren das Unfallrisiko, indem sie die<br />

Verbindung zwischen Dock und LKW sicherstellen. Noch verfügen nicht alle<br />

Be- und Entladebereiche über feste, verstellbare Rampen, die den LKW mit<br />

dem Lager verbinden. Abnehmbare Verbindungsplatten werden immer noch<br />

häufig verwendet. Lei<strong>der</strong> werden in diesem Bereich noch zu oft ungeeignete<br />

Geräte eingesetzt, die nicht über die erfor<strong>der</strong>lichen Sicherheitsbedingungen<br />

verfügen. Verdrehte und rutschige Rampen sind eine Gefahr.<br />

Überfahrbrücken (Verla<strong>der</strong>ampen) müssen mindestens die folgenden<br />

Bedingungen erfüllen:<br />

• ausreichende Tragfähigkeit (muss angeschrieben sein);<br />

• eine rutschhemmende Oberfläche;<br />

• Sicherung gegen das Verrutschen.<br />

324


Überfahrbrücken müssen die Mindestanfor<strong>der</strong>ungen bezüglich Tragfähigkeit<br />

und Rutschsicherung erfüllen.<br />

Besser sind Modelle, die an <strong>der</strong> Verla<strong>der</strong>ampe eingehängt sind und<br />

heruntergeklappt werden können.<br />

Hebebühnen und verstellbare Rampen<br />

Hebebühnen und verstellbare Rampen bieten hohe Sicherheit, solange sie<br />

sachgerecht eingesetzt werden (Hinweise des Herstellers beachten). Dies ist<br />

<strong>der</strong> Fall, wenn:<br />

• die angegebene Tragfähigkeit nicht überschritten wird<br />

• die Gebrauchsanweisung deutlich sichtbar angebracht ist und<br />

beachtet wird<br />

• die Wartung (Instandhaltung) nur von Spezialisten gemacht wird.<br />

5.2.4 Liftanlagen<br />

Warenlifte sind für eine bestimmte, maximale Belastung ausgelegt. Diese<br />

sogenannte Nutzlast muss im Lift gut sichtbar angeschrieben sein. Bei <strong>der</strong><br />

Beför<strong>der</strong>ung von Waren mit einem Stapler muss vor <strong>der</strong> Einfahrt in einen Lift<br />

das Gesamtgewicht berechnet werden. Deshalb müssen Staplerfahrer das<br />

325


Gewicht ihres Fahrzeugs kennen. Dessen Gewicht, dasjenige <strong>der</strong> Ladung und<br />

das persönliche Gewicht zusammengezählt dürfen die angegebene Nutzlast<br />

nicht überschreiten. Ist das Gewicht höher, darf <strong>der</strong> Lift für diesen Transport<br />

nicht benutzt werden. Der Logistiker tut gut daran, schon vor <strong>der</strong> Einfahrt in<br />

den Lift zu rechnen. Schon verschiedentlich wurden schwerwiegende<br />

Störungen mit erheblichen Folgeschäden verursacht.<br />

Personen- und Warenaufzüge dürfen im Brandfall nie benutzt werden. In den<br />

Aufzugsschächten entsteht <strong>der</strong> gefürchtete Kamineffekt, das heisst, die<br />

heissen Verbrennungsgase steigen im Schacht hoch.<br />

Stapler + Ladung + Führer ≤ Tragkraft<br />

❗ACHTUNG❗<br />

Bei einem Brandausbruch in einem Gebäude nie den Lift benützen - er<br />

könnte zur Todesfalle werden.<br />

5.2.5 Betreten von automatischen Lageranlagen<br />

Eine weitere arbeitsbedingte Gefahrenstelle ist in automatischen<br />

Lageranlagen zu finden. Im Inneren von automatischen Lageranlagen o<strong>der</strong><br />

von an<strong>der</strong>en automatischen Einrichtungen (z. B. von Stapelautomaten)<br />

haben sich Logistiker grundsätzlich nicht aufzuhalten. Die Behebung von<br />

Störungen ist durch speziell ausgebildetes Servicepersonal vorzunehmen. Muss<br />

aus irgendeinem Grund ein automatisches Lager betreten werden, ist die<br />

gesamte Anlage stillzulegen. Das Ausschalten des Hauptschalters genügt<br />

dafür nicht, vielmehr ist dieser zuverlässig gegen das Wie<strong>der</strong>einschalten zu<br />

sichern, am besten mit einem Vorhängeschloss. Nur aufgrund einer Aussage,<br />

z. B. "Die Anlage ist stillgelegt", darf diese nie betreten werden! Die<br />

326


Ausserbetriebsetzung einer Anlage ist in jedem Fall dem zuständigen<br />

Vorgesetzten zu melden o<strong>der</strong> muss durch diesen eigenhändig vorgenommen<br />

werden.<br />

Hauptschalter mit<br />

Vorhängeschloss<br />

5.2.6 Elektrizität<br />

Arbeitsbedingte Gefahren sind auch im Umgang mit Elektrizität zu erkennen.<br />

Unter Hochspannung stehende, elektrische Leitungen sind höchst gefährlich.<br />

Bei einer Fahrleitung <strong>der</strong> Bahn (ein Beispiel aus <strong>der</strong> Fachrichtung Verkehr), in<br />

<strong>der</strong> Strom mit einer Spannung von 15 000 Volt fliesst, ist schon die Annäherung<br />

lebensgefährlich. Im Bereich von elektrischen Leitungen müssen vor allem<br />

beim Arbeiten mit Staplern beson<strong>der</strong>e Vorsichtsmassnahmen getroffen<br />

werden. Offene Bahnwagen dürfen nur bei ausgeschalteten und geerdeten<br />

Leitungen beladen werden.<br />

❗ACHTUNG❗<br />

Auch ausgeschaltete und geerdete Leitungen dürfen nicht berührt<br />

werden.<br />

5.2.7 Kennzeichnung und Zutrittsbeschränkung<br />

Damit die arbeitsbedingten Gefahren möglichst eingeschränkt werden<br />

können, ist das Arbeiten mit Sicherheitskennzeichnungen und<br />

Zutrittsbeschränkungen sehr wichtig. Folgende Zeichen haben sich in <strong>der</strong><br />

Logistik durchgesetzt:<br />

327


Symbol Beschriftung Erklärung<br />

Warnzeichen<br />

Warnzeichen sind immer dreieckig. In<br />

den Betrieben wird in <strong>der</strong> Regel mit<br />

gelb/schwarzen Signalen auf drohende<br />

Gefahren hingewiesen. Im Bereich <strong>der</strong><br />

Verkehrswege werden auch rot/weisse<br />

aus dem Strassenverkehr verwendet.<br />

Warnzeichen werden oft mit<br />

Verbotszeichen kombiniert.<br />

Verbote werden in <strong>der</strong> Regel - wie im<br />

Strassenverkehr - mit runden, rot/weissen<br />

Signalen angezeigt. Verbotszeichen sind<br />

verbindlich, das heisst, sie müssen<br />

unbedingt befolgt werden!<br />

Verbotszeichen<br />

Gebotszeichen<br />

Rettungszeichen<br />

Gebotszeichen sind rund und blau/weiss.<br />

Sie gebieten als Schutz vor drohenden<br />

Gefahren ein bestimmtes Verhalten, wie<br />

zum Beispiel das Überziehen einer<br />

Schutzbrille o<strong>der</strong> eines Helms. Auch<br />

Gebotszeichen sind zu befolgen.<br />

Hinweiszeichen sind nicht durchgehend<br />

einheitlich gestaltet, meistens aber<br />

grün/weiss. Sie zeigen Fluchtwege an<br />

o<strong>der</strong> Einrichtungen und Orte, wo im<br />

Notfall Hilfe möglich ist.<br />

Es besteht in <strong>der</strong> Praxis auch die Möglichkeit, mit Zeichenkombinationen zu<br />

arbeiten:<br />

328


Beispiel 1:<br />

Die Zone eines Betriebes ist explosionsgefährdet, was mit dem Symbol auf<br />

<strong>der</strong> gelb/schwarzen Hinweistafel angezeigt wird. Mit einem Verbotsschild<br />

werden Flurför<strong>der</strong>zeuge von <strong>der</strong> Zone ferngehalten und mit dem<br />

Ausnahmehinweis werden explosionsgeschützte Flurför<strong>der</strong>zeuge zugelassen.<br />

Beispiel 2:<br />

In <strong>der</strong> Montagehalle eines Betriebes werden mit Industriekranen schwere<br />

Lasten beför<strong>der</strong>t. Mit dem Symbol auf <strong>der</strong> gelb/schwarzen Tafel wird auf<br />

diese Gefahr hingewiesen und mit den blauen Signalen wird zum Tragen<br />

eines Kopfschutzes und von Schutzschuhen aufgefor<strong>der</strong>t.<br />

329


Modul 306_Gebindekontrolle<br />

Ausgangslage<br />

Das "Gebinde" ist ein Ausdruck, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Logistik sehr oft angewandt wird<br />

und unterschiedliche Gesichter haben kann. Zum Beispiel: "Ein Gebinde,<br />

welches oft mit hohen Kosten verbunden ist." O<strong>der</strong>: "Ein Gebinde, welches für<br />

die heutige Logistik ein sehr hohe Relevanz hat." Die Logistik ist ohne den<br />

Einsatz von verschiedenen Gebinden unvorstellbar.<br />

Doch was ist eigentlich ein Gebinde?<br />

330


Fachartikel Modul 306<br />

6. Gebindekontrolle<br />

Wie in Modul 304 aufgezeigt, werden mit <strong>der</strong> Detail-Identifikation unter<br />

an<strong>der</strong>em die auszuladenden Güter auf ihre Richtigkeit geprüft. Sehr oft wird in<br />

diesem Zusammenhang während o<strong>der</strong> nach dem Auslad auch die<br />

Gebindekontrolle zum Thema. Die Gebinde können je nach Gegebenheiten<br />

während o<strong>der</strong> nach dem Auslad kontrolliert werden. Wichtig dabei ist, dass<br />

diese Kontrolle konzentriert durchgeführt werden kann. Genug Zeit und Platz<br />

sind also die Voraussetzungen dafür.<br />

6.1 Was ist ein Gebinde?<br />

Der Begriff "Gebinde" ist in <strong>der</strong> Logistik weit verbreitet und kann<br />

unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Der Begriff beschreibt den<br />

Zusammenschluss unterschiedlichster Güter und Materialien in einer neuen<br />

Einheit. Durch das Gebinde können viele einzelne Waren, Materialien o<strong>der</strong><br />

Rohstoffe zu einer Einheit geformt werden, was in <strong>der</strong> Logistik das Handling<br />

vereinfacht. Mit Gebinden können <strong>der</strong> Transport und die Ein- und<br />

Auslagerung <strong>der</strong> Waren erleichtert werden. Auch die Lagerung selbst kann<br />

platzsparen<strong>der</strong> durchgeführt werden. Der Begriff Gebinde kann unter<br />

an<strong>der</strong>em verwendet werden bei:<br />

• palettisierten Einheiten<br />

• Fässern<br />

• Kunststoffbehältern<br />

• Holzkisten<br />

331


Je nach Gebinde können grössere Kosten<br />

entstehen. Im abgebildeten Beispiel betragen<br />

alleine die Kosten für die angelieferten Gebinde<br />

230.50 Franken.<br />

EURO Palette mit Rahmen<br />

Was Menge Kosten pro Stück (Stand<br />

2022)<br />

Kosten Total<br />

Euro Palette 1 CHF 18 CHF 18<br />

Euro Rahmen 3 CHF 65 CHF 195<br />

Euro Deckel 1 CHF 17.50 CHF 17.50<br />

Die aktuellen Kosten findest du hier.<br />

Selbstverständlich besteht eine Lieferung in <strong>der</strong> Logistik oft nicht nur aus einem<br />

Gebinde. Das bedeutet, dass die Kosten bei einer Anlieferung um einiges<br />

höher sind. Die Aufgabe <strong>der</strong> Logistikerinnen und Logistiker ist es, konzentriert zu<br />

arbeiten und keine Verluste im Tauschgeschäft <strong>der</strong> Gebinde zu erzielen.<br />

6.2 Der Ladungsträger<br />

Für die Lagerung o<strong>der</strong> den Transport werden Güter auf Ladungsträgern<br />

gestapelt. In dieser Hinsicht hat sich die Flachpalette weltweit durchgesetzt. Es<br />

gibt bei <strong>der</strong> Flachpalette aber keine global einheitlichen Masse. Die<br />

Palettenwelt ist im Wesentlichen dreigeteilt:<br />

Europa USA Asien<br />

332


Europalette Typ 1<br />

Dimension: Länge 1200 mm, Breite 800 mm,<br />

Höhe 144 mm<br />

Gewicht: 22 kg bis 25 kg<br />

Europalette Typ 2<br />

Dimension: Länge 1200 mm, Breite 1000<br />

mm, Höhe 162 mm<br />

Gewicht: ca. 35 kg<br />

Wird oft als "Textil"-Palette bezeichnet.<br />

Europalette Typ 3<br />

Dimension: Länge 1200 mm, Breite 1200<br />

mm, Höhe 162 mm<br />

Gewicht: ca. 30 kg<br />

Oft als "Chemical" o<strong>der</strong> "Basel" Palette<br />

bezeichnet, weil sie in <strong>der</strong> chemischen<br />

Industrie verwendet wird. Die "EPAL 3"-<br />

Palette ist perfekt für schwerste<br />

Industrielasten geeignet.<br />

Europalette Typ 6<br />

Dimension: Länge 800 mm, Breite 600 mm,<br />

Höhe 144 mm<br />

Gewicht: ca. 18 kg<br />

Wird als "Halbpalette" o<strong>der</strong> "Düsseldorfer<br />

Palette" bezeichnet.<br />

Nordamerika<br />

Palettentyp "USA"<br />

Dimension in Zoll: Länge 48" (1220mm),<br />

Breite 40" (1016mm)<br />

Gewicht: 30 kg<br />

Asien<br />

Palettentyp "Asia"<br />

333


Dimension: Länge 1100 mm, Breite 1100<br />

mm, Höhe 144 mm<br />

Gewicht: 25 kg<br />

Diese Palette eignet sich für den Versand in<br />

Containern (Übersee) mit einer Breite von<br />

2430 mm.<br />

Oft werden kundenspezifische Paletten ohne Beachtung <strong>der</strong> üblichen<br />

Standards<br />

angefertigt.<br />

6.2.1 Der Ladungsträger nach EURO<br />

Der in Europa wohl wichtigste Ladungsträger ist bekannt unter als<br />

"Europalette". Derzeit zirkulieren rund 450 Millionen Europaletten auf <strong>der</strong><br />

ganzen Welt.<br />

Der europäische Palettenpool (EPP)<br />

1952 gründeten die SBB einen schweizerischen Palettenpool. Dies veranlasste<br />

die Deutsche Bundesbahn, 1962 die Gründung des Europäischen<br />

Palettenpools (EPP) an die Hand zu nehmen. Der EPP ist ein Zusammenschluss<br />

europäischer Eisenbahnen zur Vereinfachung nationaler und<br />

län<strong>der</strong>übergreifen<strong>der</strong> Transporte. Die Vereinfachung basiert auf<br />

Tauschpaletten (Flachpaletten), und teilweise auf Tauschrahmen und<br />

Tauschbrettern, die von den Eisenbahnverwaltungen <strong>der</strong> teilnehmenden<br />

Län<strong>der</strong> verwaltet werden.<br />

Die SBB Cargo AG nennt in den Allgemeinen Bedingungen für Tauschgeräte<br />

folgende Gebiete, in denen ein Austausch möglich ist:<br />

• innerhalb <strong>der</strong> Schweiz<br />

• im Ausland mit den Tochterfirmen <strong>der</strong> SBB Cargo<br />

• unter den Län<strong>der</strong>n des europäischen Palettenpools (EPP): Deutschland,<br />

Kroatien, Österreich,<br />

Schweiz, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Ungarn.<br />

334


Europaletten<br />

Der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Ladungsträger ist die Europalette<br />

1 o<strong>der</strong> Flachpalette EUR. Die Paletten können innerhalb <strong>der</strong> Län<strong>der</strong>, die zum<br />

Europäischen Palettenpool gehören, ausgetauscht werden - so auch in und<br />

mit <strong>der</strong> Schweiz.<br />

Euro-Palette Typ I<br />

Die Europalette ist für folgende Lasten ausgelegt:<br />

• 1000 kg, wenn die Last beliebig auf <strong>der</strong> Palettenoberfläche verteilt ist.<br />

• 1500 kg, wenn die Last auf <strong>der</strong> Palettenoberfläche gleichmässig verteilt ist.<br />

• 2000 kg, wenn die Last in kompakter Form vollflächig und gleichförmig auf <strong>der</strong><br />

gesamten<br />

Palettenoberfläche aufliegt.<br />

Tauschkriterien für Europaletten<br />

Für den Tausch <strong>der</strong> Paletten wurden vom europäischen Palettenpool<br />

Tauschkriterien vereinbart. Tauschkriterien sind verbindliche Normen über den<br />

minimalen Zustand einer Palette, die für den Austausch einzuhalten sind.<br />

Paletten, die Schäden aufweisen und dadurch den minimalen<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen nicht entsprechen, müssen für den Austausch nicht akzeptiert<br />

werden.<br />

335


Nicht tauschbar sind Paletten, die den Bau- und Kennzeichnungsvorschriften<br />

für Tauschpaletten nicht entsprechen o<strong>der</strong> die einen o<strong>der</strong> mehrere <strong>der</strong><br />

folgenden Mängel aufweisen:<br />

1 Ein Brett fehlt.<br />

2 Ein Brett ist quer o<strong>der</strong> schräg gebrochen.<br />

3 Ein Boden- o<strong>der</strong> Deckrandbrett ist so abgesplittert, dass mehrere<br />

Nagelköpfe sichtbar sind o<strong>der</strong> mehr als zwei Boden- o<strong>der</strong><br />

Deckrandbretter sind so abgesplittert, dass pro Brett ein Nagelkopf<br />

sichtbar ist.<br />

4 Ein Klotz fehlt o<strong>der</strong> ist so gespalten, dass mehr als ein Nagel sichtbar ist.<br />

5 Das Zeichen <strong>der</strong> EPAL fehlt.<br />

Ebenfalls nicht tauschbar sind Paletten:<br />

• <strong>der</strong>en allgemeiner Zustand schlecht ist.<br />

• <strong>der</strong>en Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist.<br />

• die so stark verschmutzt sind, dass das Ladegut verschmutzt wird.<br />

• an denen mehrere Klötze stark abgesplittert sind.<br />

• bei denen offensichtlich Bauteile verwendet wurden, die den Vorschriften<br />

nicht entsprechen.<br />

336


Tauschkriterien für Tauschrahmen und Tauschbretter<br />

Innerhalb <strong>der</strong> Schweiz können nicht nur Paletten, son<strong>der</strong>n auch Rahmen und<br />

Bretter getauscht werden. Rahmen sind auch mit Österreich tauschbar. Es<br />

gelten die folgenden Tauschkriterien:<br />

Nicht getauscht werden Tauschrahmen:<br />

• die den Kennzeichnungsvorschriften nicht entsprechen.<br />

• bei denen eine Stirn- o<strong>der</strong> Seitenwand eingedrückt ist.<br />

• bei denen eine Stirn- o<strong>der</strong> Seitenwand so abgesplittert ist, dass ein<br />

Schraubenkopf sichtbar wird.<br />

• die stark verschmutzte Innenwände aufweisen.<br />

• bei denen mehrere Wände stark abgesplittert sind.<br />

Ebenfalls nicht getauscht werden Tauschrahmen, <strong>der</strong>en allgemeiner Zustand<br />

schlecht ist.<br />

Nicht getauscht wird ein Tauschbrett, wenn:<br />

• ein Deck- o<strong>der</strong> Querbrett fehlt, zerbrochen o<strong>der</strong> so abgesplittert ist, dass die<br />

Vernagelung sichtbar ist.<br />

• die Aussenkante eines Randbrettes auf mehr als <strong>der</strong> Hälfte <strong>der</strong> Brettlänge<br />

abgebrochen und <strong>der</strong> fehlende Teil stellenweise breiter als 20 mm ist.<br />

• das Kennzeichen einer Bahn fehlt o<strong>der</strong> unleserlich ist.<br />

337


6.3 EPAL (European Pallet Association)<br />

Die European Pallet Association (EPAL) ist <strong>der</strong> Dachverband <strong>der</strong> Hersteller und<br />

Reparateure von EPAL-Ladungsträgern. Die EPAL ist zuständig für den grössten<br />

offenen Palettenpool und ist verantwortlich für die Qualitätssicherung <strong>der</strong><br />

Ladungsträger. Werden also neue Paletten hergestellt o<strong>der</strong> werden Paletten<br />

repariert, ist <strong>der</strong> Auftraggeber die EPAL.<br />

6.3.1 Qualitätsnormen für Tauschpaletten<br />

Damit die EPAL die Qualität ersichtlich machen kann, wurden folgende<br />

Qualitätsmerkmale festgelegt:<br />

1 Brandzeichen <strong>der</strong> European Pallet Association ( EPAL )<br />

2 Brandzeichen einer europäischen Bahngesellschaft<br />

3 Brandzeichen des Europäischen Palettenpools ( EPAL )<br />

4 Genormtes Nagelbild<br />

5 Angefaste Bodenbretter<br />

6 Keine Schimmelbildung<br />

7 Qualitätsprüfklammer mit EPAL-Qualitätszeichen<br />

8 Nach <strong>der</strong> Reparatur: Reparatur-Prüfnagel mit EPAL-Qualitätszeichen<br />

338


6.4 Tauschverfahren von EURO-Paletten<br />

Wie in Kapitel 6.1 ausgeführt, sind Gebinde (z. B. EURO-Palette) mit Kosten<br />

verbunden. Je nach Unternehmen werden täglich mehrere hun<strong>der</strong>t solcher<br />

Paletten angeliefert und müssen wie<strong>der</strong> zurückgegeben werden.<br />

6.4.1 Offener Pool<br />

Das Wort "Pool" ist <strong>der</strong> englische Ausdruck für Gefäss - allgemein bekannt ist<br />

<strong>der</strong> "Swimming-Pool". Auch ein Tauschgerätepool ist eine Art "Gefäss":<br />

Tauschgeräte werden hineingegeben, an<strong>der</strong>e werden entnommen.<br />

Verwendung und Tausch von Poolpaletten haben sich vielerorts durchgesetzt.<br />

Die Mitgliedschaft in einem Tauschgerätepool ist freiwillig. Die Pools<br />

funktionieren nach zwei verschiedenen Prinzipien, entwe<strong>der</strong> sind sie offen<br />

o<strong>der</strong> geschlossen.<br />

Im offenen Pool sind die Tauschgeräte im Besitz <strong>der</strong> Poolteilnehmer. Je<strong>der</strong>, <strong>der</strong><br />

ein Tauschgerät abgibt, bekommt dafür einen gleichwertigen Ersatz. Für den<br />

Austausch gelten Regeln, die in einem Regelwerk enthalten sind. Drei<br />

Tauschvarianten haben sich dort durchgesetzt. Dank diesen Varianten kann<br />

<strong>der</strong> Ladungsträger getauscht werden, und es muss nicht die ganze Ware<br />

abgeladen und auf einen eigenen Ladungsträger wie<strong>der</strong> aufgeladen<br />

werden.<br />

339


6.4.2 Tausch Zug-um-Zug<br />

Das einfachste Tauschverfahren im offenen Palettenpool ist die Variante Zugum-Zug.<br />

Der Frachtführer übergibt in seiner Lieferung 30 Europaletten im<br />

ersten Zug, im zweiten Zug werden ihm 30 leere Euro Paletten zurückgegeben.<br />

Mit dieser Variante sind die Kosten <strong>der</strong> Gebinde wie<strong>der</strong> ausgeglichen. Es muss<br />

darauf geachtet werden, dass gleichwertige Paletten ausgetauscht werden.<br />

Wurden 30 "benutzte" Europaletten erhalten, können auch 30 "benutzte"<br />

zurückgegeben werden.<br />

6.4.3 Tausch gegen Gutschein<br />

Ein Unternehmen, das nicht über die nötigen Reserven an Leerpaletten<br />

verfügt, kann sich mit einem Gutschein behelfen. Die Form des Gutscheins ist<br />

nicht vorgeschrieben. Im Prinzip reicht eine Notiz auf einem Blatt Papier, in <strong>der</strong><br />

die Schuld an Tauschgeräten (Art und Anzahl) gegenüber dem Lieferanten<br />

anerkannt wird. Der Zettel ist rechtsgültig, wenn er mit <strong>der</strong> Unterschrift eines<br />

Mitarbeitenden versehen ist.<br />

340


Palettenschein EnterSite AG<br />

6.4.4 Tausch mit Kontokorrent<br />

Lieferanten und Kunden, die regelmässig miteinan<strong>der</strong> Paletten tauschen,<br />

können ein Tauschgeräte-Kontokorrent führen. Dies ist eine Art<br />

Buchhaltungskonto auf Papier o<strong>der</strong> als elektronisches Dokument, in dem<br />

sämtliche Ein- und Ausgänge <strong>der</strong> Tauschgeräte registriert werden. Die Anzahl<br />

<strong>der</strong> erhaltenen Tauschgeräte wird mit <strong>der</strong> Anzahl <strong>der</strong> abgegebenen<br />

verrechnet. Die Differenz, in <strong>der</strong> Fachsprache Saldo genannt, ist für einen <strong>der</strong><br />

beiden Tauschgerätepartner positiv, für den an<strong>der</strong>en negativ. Der Partner mit<br />

dem positiven Saldo hat Tauschgeräte zugute, <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Partner schuldet<br />

sie ihm. Auf <strong>der</strong> Webseite Palettenportal kann das eigene Kontokorrent<br />

geführt werden. Dort ist <strong>der</strong> aktuelle Saldo je<strong>der</strong>zeit abrufbar. Als Alternative<br />

zum Palettenportal kann auch eine Excel-Mappe als Kontokorrent dienen.<br />

Sind die Formeln richtig eingesetzt, können die Daten eingetragen und gleich<br />

berechnet werden. Die Excel-Mappe kann mit dem Gegenüber zur Einsicht<br />

o<strong>der</strong> zum Mitbearbeiten geteilt werden.<br />

341


Kontokorrent EnterSite AG<br />

6.5 Der Ladungsträger nach CHEP<br />

Als Alternative zu den Euro-Produkten hat sich die Organisation<br />

Commonwealth Handling Equipment Pool (CHEP) durchgesetzt. Die<br />

australische Regierung gründete im Zweiten Weltkrieg das Allied Materials<br />

Handling Standing Committee (AMHSC), um die Versorgung <strong>der</strong><br />

Verteidigungsstellen zu sichern. Nach dem Krieg hat die US-Armee in<br />

Australien eine Fülle von Transport- und Verladegeräte hinterlassen. Aus<br />

diesen Beständen und <strong>der</strong> bereits vorhandenen Infrastruktur entstand <strong>der</strong><br />

CHEP.<br />

6.5.1 Geschlossener Pool<br />

In einem geschlossenen Pool müssen die teilnehmenden Betriebe keine<br />

Tauschgeräte kaufen, damit sie diese mit den an<strong>der</strong>en tauschen können. Ein<br />

342


einziger Betrieb schafft die Geräte an und stellt sie den an<strong>der</strong>en gegen<br />

Entgelt zur Verfügung. Ein solcher geschlossener Pool ist CHEP, <strong>der</strong> unter<br />

an<strong>der</strong>en die "blauen Paletten" verwaltet und dem sich verschiedene Betriebe<br />

in <strong>der</strong> Schweiz, vor allem grössere Handelsbetriebe, angeschlossen haben.<br />

Mittlerweile hat sich CHEP weltweit mit 220 Service-Centern in 35 Län<strong>der</strong>n<br />

etabliert. Neben den üblichen Paletten nach EURO-Norm 0, l und ll führt CHEP<br />

auch Viertelpaletten (400 x 600 mm) und USA Paletten (1020 x 1220 mm) im<br />

Sortiment. Die Unterschiede zum offenen Pool sind:<br />

• Die Ladungsträger werden nicht gekauft, son<strong>der</strong>n gemietet. In <strong>der</strong> Miete sind<br />

die Kosten für das Einsammeln und für Reparaturen enthalten.<br />

• Es findet kein Austausch von Ladungsträgern statt. Betriebe, die Ware auf<br />

Ladungsträgern versenden, informieren den Poolträger (CHEP). Sie melden<br />

diesem die Anzahl und die Art <strong>der</strong> versendeten Ladungsträger sowie die<br />

Adresse des Empfängers.<br />

• Leere Ladungsträger werden an einer Sammelstelle abgegeben, wo sie vom<br />

Poolträger abgeholt werden.<br />

6.6 Spezielle Ladungsträger<br />

Natürlich sind in <strong>der</strong> Logistik nicht nur Produkte aus <strong>der</strong> Euro- o<strong>der</strong> CHEP-Serie<br />

vorhanden. Es gibt eine Vielfalt an Produkten und daher eine grosse Auswahl<br />

an verschiedenen, speziellen Ladungsträgern:<br />

Stahlblechpalette<br />

Tragfähigkeit bis zu 2 t, in den<br />

Standardabmessungen 800x1200,<br />

800x1000 und 1000x1200 mm erhältlich.<br />

343


Kunststoffpaletten<br />

In verschiedensten Farben,<br />

Ausführungen und Massen erhältlich.<br />

Eignen sich für Nasszonen, für die<br />

chemische Industrie und die<br />

Lebensmittelindustrie usw.<br />

Stapelpaletten<br />

Stapelpaletten bieten eine<br />

platzsparende Lagerung. Sie sind als<br />

Einwegpaletten für leichte Güter<br />

geeignet. Sehr kostengünstig und<br />

ökologisch sind solche aus gepressten<br />

Holzspänen.<br />

Fasspalette<br />

Ermöglicht den sicheren Transport von<br />

liegenden Fässern.<br />

Pal-Box<br />

Verpackung und Palette in einem<br />

(Kartonkonstruktion). Können von<br />

Staplern o<strong>der</strong> Hubwagen wie eine<br />

normale Palette aufgenommen<br />

werden. Eignen sich für grossvolumige<br />

und leichte Güter.<br />

Tauschbare Gitterbox<br />

Die abgebildete Gitterbox ist<br />

neuerdings im europäischen<br />

Palettenpool tauschbar, wenn ihr<br />

Zustand den Tauschkriterien entspricht.<br />

344


Metallboxen und Metallboxpaletten<br />

Boxen und Boxpaletten aus Metall<br />

eignen sich für die Aufbewahrung von<br />

Schüttgütern wie Metallspäne o<strong>der</strong><br />

Glasscherben. Häufig werden sie zum<br />

Sammeln von Abfällen o<strong>der</strong> für das<br />

Recycling eingesetzt, wie zum Beispiel<br />

die hier abgebildete Metallboxpalette<br />

I.<br />

Holzboxen<br />

Für Lagerung und Transport von<br />

Früchten und Gemüse werden<br />

unterschiedliche Holzboxen, wie<br />

beispielsweise die Kartoffelbox,<br />

verwendet. Die Wände sind<br />

durchbrochen, damit <strong>der</strong> Inhalt<br />

genügend belüftet wird.<br />

Kartoffelboxen werden saisonal in<br />

grosser Anzahl benötigt. In <strong>der</strong> übrigen<br />

Zeit werden sie in grossen Blöcken<br />

gelagert.<br />

Tankpaletten<br />

Für Lagerung und Transport von<br />

Flüssigkeiten o<strong>der</strong> feinkörnigen<br />

Schüttgütern werden Tankcontainer<br />

o<strong>der</strong> auch Varitainer (Tankpalette)<br />

eingesetzt. Wenn sie richtig ausgerüstet<br />

sind, eignen sie sich auch für die<br />

Beför<strong>der</strong>ung von gefährlichen Gütern.<br />

Tankcontainer sind in den<br />

Grundmassen <strong>der</strong> Palette l o<strong>der</strong> 0, aber<br />

auch in verschiedensten Varianten für<br />

spezielle Zwecke erhältlich.<br />

345


Tankcontainer, Varitainer<br />

Haben ein Fassungsvermögen von 0,8 <strong>–</strong><br />

1,2 m 3 . Eignen sich zum Transport von<br />

Flüssigkeiten. Werden oft in <strong>der</strong><br />

Lebensmittelindustrie eingesetzt.<br />

6.6.1 Zusatzgeräte auf Ladungsträger<br />

Die folgenden Zusatzgeräte passen zur Masse <strong>der</strong> EURO-Palette Typ I, fallen<br />

jedoch nicht unter die Pool-Vereinbarung und können daher nicht getauscht<br />

werden.<br />

Stirnaufstecklinge und Ansteckbügel<br />

Erleichtern die Palettierung von Rollen o<strong>der</strong><br />

Stoffballen.<br />

Klemmbügel als Stapelhilfe<br />

Können an die Palette angeklemmt werden.<br />

6.7 Ladungsträger auf Rollen<br />

Als sehr praktisch haben sich die Ladungsträger auf Rollen erwiesen. Sie<br />

ermöglichen ein einfaches Handling im Lager. Auch beim Umlad o<strong>der</strong> in <strong>der</strong><br />

Zustellung gibt es grosse Vorteile.<br />

346


Rollpaletten<br />

Rollpaletten sind Ladungsträger aus Metall<br />

mit einklappbaren Seitenstützen und Rollen<br />

an einer Breitseite. Wird die Palette auf <strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>en Breitseite leicht angehoben, kann<br />

sie vorwärtsgerollt werden. Dies erleichtert<br />

das Platzieren <strong>der</strong> Ladungen in<br />

Bahnwagen.<br />

Rollbehälter<br />

Rollbehälter werden eingesetzt, um ein<br />

aufwändiges Verpacken zu vermeiden,<br />

wenn unterschiedliche Artikel in kleinen<br />

Mengen über eine kurze Strecke<br />

transportiert werden sollen. Ihr klassisches<br />

Einsatzgebiet ist in <strong>der</strong> Belieferung von<br />

Filialen. Für den Transport in Lastwagen<br />

werden die Rollbehälter mit Stangen<br />

gesichert.<br />

Sammelbehälter<br />

Sammelbehälter <strong>der</strong> Post: Die neu<br />

eingeführten, standardisierten Briefbehälter<br />

haben einen neuen Sammelbehälter<br />

erfor<strong>der</strong>t. Er eignet sich ideal für den<br />

effizienten Transport <strong>der</strong> Briefbehälter.<br />

6.8 Einweggebinde<br />

Wie in Kapitel 6 ausgeführt ist "Gebinde" ein Überbegriff. Ein Gebinde können<br />

Behälter, Kisten o<strong>der</strong> Karton sein. Bei <strong>der</strong> Herstellung von Gebinden wird<br />

unterschieden zwischen einem Einweg- und einem Mehrweggebinde. Wie <strong>der</strong><br />

Name bereits erahnen lässt, wird das Einweggebinde einmal eingesetzt und<br />

347


im Anschluss entsorgt. Solche Gebinde verursachen in <strong>der</strong> Logistik sehr hohe<br />

Abfallkosten und belasten unsere Umwelt. Trotzdem sind Einweggebinde<br />

aktuell nicht vollumfänglich wegzudenken.<br />

Weitere Informationen zu Einweggebinden und Verpackungen findest du<br />

im Modul 602 .<br />

6.9 Mehrweggebinde<br />

Die Alternative zum Einweggebinde ist das Mehrweggebinde. Es handelt sich<br />

dabei um ein Gebinde, welches hergestellt wurde, um mehrmals eingesetzt<br />

zu werden. Jedes Gebinde, das wie<strong>der</strong> eingesetzt werden kann, verursacht<br />

keinen direkten Abfall. Wichtig bei solchen Gebinden ist aber, dass sie den<br />

Kreislauf nicht verlassen und in <strong>der</strong> Natur landen. Oft werden<br />

Mehrweggebinde aus Plastik hergestellt.<br />

Zu Mehrweggebinden, speziell zur Dispo-Box, findest du mehr<br />

Informationen in Modul 602.<br />

348


Modul 307_Grobkontrolle und Schadenabwicklung<br />

Ausgangslage<br />

Sobald die Ware entladen worden ist, die Global- und Detail-Identifikation<br />

durchgeführt und die Gebindekontrolle gemacht ist, muss die Qualität <strong>der</strong><br />

Ware sichergestellt werden. In den folgenden Modulen erfährst du, wie das<br />

geht. Dieses Modul behandelt mögliche Fehler o<strong>der</strong> Schäden und wie man in<br />

<strong>der</strong> Logistik damit umgeht.<br />

Sicher hast auch du bereits Erfahrungen mit Fehlern o<strong>der</strong> Schäden gemacht -<br />

natürlich nicht selber verschuldet :)<br />

Schil<strong>der</strong>ung:<br />

1. Notiere aus deinen eigenen Erfahrungen in <strong>der</strong> Logistik, wo du<br />

bereits einen Fehler o<strong>der</strong> einen Schaden entdeckt o<strong>der</strong><br />

mindestens davon gehört hast.<br />

2. Diskutiere in <strong>der</strong> Klasse o<strong>der</strong> in Gruppen die notierten Fehler<br />

o<strong>der</strong> Schäden. Du kannst die Fehler o<strong>der</strong> Schäden gerne in<br />

Stichworten schriftlich festhalten.<br />

Stichworte Fehler/Schäden aus dem Plenum:<br />

349


Fachartikel Modul 307<br />

7. Grobkontrolle- und Schadenabwicklung<br />

Fehler o<strong>der</strong> Schäden sind in <strong>der</strong> Logistik lei<strong>der</strong> keine Seltenheit. Wichtig ist, sie<br />

zu erkennen, die Ursachen zu analysieren und die Fehlerquote zu verbessern.<br />

7.1 Fehler in <strong>der</strong> Lieferung<br />

Fehler in einer Lieferung sollten nicht sein, können aber vorkommen. Wichtig<br />

ist, dass die Logistikerinnen und Logistiker die Kontrollen konzentriert<br />

durchführen. Bereits die Global- und Detail-Identifikation ( Modul 304)<br />

sollten mögliche Mängel o<strong>der</strong> Fehler aufzeigen. Mögliche Fehler, die bei <strong>der</strong><br />

Global- und Detail-Identifikation festgestellt werden können sind:<br />

7.1.1 Falscher Empfänger<br />

Es ist möglich, dass die EnterSite AG eine Lieferung erhält, welche nicht für sie<br />

bestimmt ist. Mit <strong>der</strong> Global-Identifikation können genau solche Fehler<br />

verhin<strong>der</strong>t werden. Wird <strong>der</strong> Fehler nicht erkannt, werden unnötige Aufwände<br />

generiert, die zeitraubend sind und Kosten verursachen.<br />

Absen<strong>der</strong>, Frachtführer und Empfänger können mit einer klaren<br />

Kommunikation von Adressen und Kontaktpersonen übergreifend und intern<br />

helfen, solche Fehler zu verhin<strong>der</strong>n; dies liegt im Interesse von allen Beteiligten.<br />

Merke: Insbeson<strong>der</strong>e Unternehmen mit verschiedenen Nie<strong>der</strong>lassungen<br />

haben erhöhtes Fehlerpotenzial.<br />

7.1.2 Falsche Güter<br />

Selbst wenn <strong>der</strong> Empfänger stimmt, ist <strong>der</strong> richtige Inhalt noch nicht garantiert.<br />

Dass falsche Güter geliefert werden, gilt es zu vermeiden. Der Absen<strong>der</strong> kann<br />

Fehllieferungen vorbeugen mittels dem Vieraugenprinzip (Doppelkontrolle vor<br />

dem Versand) o<strong>der</strong> durch das Arbeiten mit Scannern, die eine klare<br />

Identifizierung ermöglichen. Der Empfänger kann Fehllieferungen durch<br />

konzentriertes Arbeiten in <strong>der</strong> Detail-Identifikation erkennen.<br />

7.1.3 Falsche Menge<br />

Eine Fehllieferung liegt nicht nur bei <strong>der</strong> Lieferung von falschen Gütern vor,<br />

son<strong>der</strong>n auch, wenn die gelieferte Menge nicht stimmt. In diesem Fall ist <strong>der</strong><br />

Scanner zur Entdeckung <strong>der</strong> Fehler aber nicht die richtige Lösung. Die<br />

350


Lieferung <strong>der</strong> falschen Menge geschieht beson<strong>der</strong>s oft bei kleinen Gütern in<br />

grossen Mengen. Mit welchen Hilfsmitteln <strong>der</strong> Empfänger einen Fehler bei <strong>der</strong><br />

Menge feststellen kann, wird im Modul 308 aufgezeigt.<br />

7.1.4 Qualitative Abweichung<br />

Selbst wenn bei <strong>der</strong> Global- und Detail-Identifikation alles richtig gemacht<br />

worden ist, kann noch eine Fehllieferung vorliegen. Eine Fehllieferung ist auch,<br />

wenn die Ware qualitative Abweichungen aufweist. Eine korrekte Lieferung ist<br />

wertlos, wenn <strong>der</strong> Gegenstand nicht <strong>der</strong> erwarteten Qualität entspricht. Wie<br />

<strong>der</strong> Empfänger die Qualität sicherstellen kann, wird im Modul 309<br />

aufgezeigt.<br />

Merke: Auch beschädigte Verpackungen können als qualitative Abweichung<br />

empfunden werden, da sie einen Verkauf verhin<strong>der</strong>n.<br />

7.1.5 Verspätete Lieferung<br />

In <strong>der</strong> Regel ist eine Bestellung mit einem vereinbarten Liefertermin versehen.<br />

An diesen Liefertermin sind weitere Tätigkeiten gebunden, wie das<br />

Fertigstellen in <strong>der</strong> Produktion o<strong>der</strong> das Weiterleiten an den Kunden. Kann <strong>der</strong><br />

Liefertermin durch den Absen<strong>der</strong> o<strong>der</strong> das Transportunternehmen nicht<br />

eingehalten werden, kann die Vereinbarung und somit auch die Bestellung<br />

storniert werden. Darunter lei<strong>der</strong> das Image des Unternehmens und seine<br />

Aufwände und Kosten steigen.<br />

7.1.6 Fehlerquote und Folgen<br />

In einer Qualitätsvereinbarung zwischen dem Lieferanten und dem Kunden<br />

wird gemeinsam definiert, welche Fehlergrösse toleriert werden kann.<br />

Beispiel definierte Fehlergrösse in einer Qualitätsvereinbarung<br />

Je nach Wert und Wichtigkeit <strong>der</strong> Artikel kann die Vereinbarung<br />

unterschiedlich sein. Sie legt die Folgen bei Nicht-Erreichen für den<br />

Lieferanten fest. Die Folgen können bis zu einer Strafzahlung gehen.<br />

Unabhängig von <strong>der</strong> Anzahl Fehler o<strong>der</strong> den Folgen ist für den Lieferanten<br />

351


je<strong>der</strong> Fehler einer zu viel. Solche Missstände werden in <strong>der</strong> Branche diskutiert<br />

und können weitreichende Folgen haben, wenn das Image des<br />

Unternehmens betroffen ist.<br />

Die Fehlerquote kann berechnet werden und ist in <strong>der</strong> Logistik als<br />

Fehllieferungsgrad bekannt. Diese Kennzahl wird in <strong>der</strong> Fachrichtung Lager<br />

weiter vertieft.<br />

7.2 Schäden<br />

Mit einem kurzen Blick (Global-Identifikation) erhält man meist einen ersten<br />

Eindruck über den Zustand <strong>der</strong> eintreffenden Güter.<br />

Ist die Ladung verschoben o<strong>der</strong> sind Palettenladungen umgestürzt, ist davon<br />

auszugehen, dass die Transportbeanspruchung erheblich war und die Güter<br />

den Transport nicht schadlos überstanden haben. Weniger einfach ist das<br />

Feststellen von Schäden infolge klimatischer Einflüsse (z. B. Feuchtigkeit,<br />

Temperatur), weil sie nicht offensichtlich sind. Insbeson<strong>der</strong>e im internationalen<br />

Verkehr müssen die ankommenden Güter immer kritisch begutachtet werden.<br />

Wenn nötig, sind spezielle Qualitätsprüfstellen beizuziehen.<br />

Eine Transportbeanspruchung ist kaum zu vermeiden. Güter, die direkt für den<br />

Verkauf vorgesehen sind werden für den Transport zusätzlich verpackt. Das<br />

Ziel dieser zusätzlichen Verpackung ist es, die Verkaufsverpackung zu<br />

schützen. Bereits beschädigte Verkaufsverpackungen sind nach heutigem<br />

Standard ein Grund, das Produkt nicht in den Verkaufsstellen zu präsentieren.<br />

352


7.2.1 Verpackungen mit Transportschäden<br />

Beim Feststellen von Schäden muss unterschieden werden zwischen<br />

Umverpackungen und Verkaufsverpackungen. Die Bewertung, ob ein<br />

Schaden vorhanden ist o<strong>der</strong> nicht, kann je nach Aufgabe <strong>der</strong> Verpackung<br />

unterschiedlich sein.<br />

Zerrissene Verpackung<br />

Zerrissene Verpackungen lassen auf einen beschädigten Inhalt schliessen.<br />

Handelt es sich um Verkaufsverpackungen, ist die Ware in <strong>der</strong> Regel nicht<br />

mehr verkäuflich.<br />

Verpackung mit Flecken<br />

Bei einer Verpackung mit Flecken stellt sich die Frage, ob <strong>der</strong> Fleck von<br />

aussen o<strong>der</strong> von innen auf die Verpackung gelangt ist. Eine Verunreinigung<br />

von innen ist auf zerbrochene Ware zurückzuführen. Ist die Ware zerbrochen,<br />

ist sie unbrauchbar. Stammt <strong>der</strong> Fleck von einer äusseren Einwirkung, kann<br />

dies bei einer Umverpackung geduldet werden, nicht aber bei einer<br />

Verkaufsverpackung.<br />

Zerdrückte und verbeulte Verpackung<br />

353


Bei zerdrückten und verbeulten Verpackungen ist zu prüfen, ob <strong>der</strong> Inhalt<br />

Schaden genommen hat. Sind Verkaufsverpackungen betroffen, ist die Ware<br />

zurückzuweisen.<br />

7.2.2 Hilfsmittel zum Anzeigen von Schäden<br />

Es gibt verschiedene Hilfsmittel, um teure o<strong>der</strong> heikle Produkte auch auf<br />

langen Transportrouten zu begleiten und zu überwachen. Die Bedingungen<br />

während des Transports o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Lagerung können die Qualität des<br />

Gutes negativ beeinflussen. Mögliche Schäden sind Bruchschäden durch<br />

Stoss, Herunterfallen o<strong>der</strong> unsanftes Absetzen, Kippschäden, Produktschäden<br />

durch Nichteinhaltung <strong>der</strong> Temperaturkette, Diebstahl usw. Bei manchen<br />

Produkten ist von aussen kein Schaden ersichtlich, selbst wenn ihre<br />

Funktionalität während des Transports beeinträchtigt worden ist. Um eine<br />

Rückerstattung <strong>der</strong> Transportschäden bei <strong>der</strong> Transportversicherung zu<br />

beantragen, braucht es klare Beweise. Die Schäden müssen sichtbar sein<br />

(Fotos), ansonsten braucht es Daten (Indikatoren o<strong>der</strong> Transportdatenlogger),<br />

welche den Schadenfall klar dokumentieren.<br />

Das kann teuer werden: Für das Unternehmen geht es oft nicht nur um das<br />

verlorene Geld im Schadenfall, son<strong>der</strong>n auch um die Wahrnehmung des<br />

Kunden, was noch fast wichtiger ist. Womöglich geht Vertrauen verloren, und<br />

die Reputation des Unternehmen kann beschädigt werden.<br />

Transportüberwachungsindikatoren überwachen kostengünstig und lückenlos<br />

die Einhaltung <strong>der</strong> gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und stellen dadurch sicher,<br />

dass die Sendung so sorgfältig wie verlangt behandelt wird.<br />

Kippindikatoren<br />

Um empfindliche Güter während dem Transport "kontrollieren" zu können,<br />

kann mit einem Kippindikator gearbeitet werden. Wie <strong>der</strong> Name bereits<br />

aussagt, kann dieses Hilfsmittel Neigungen von einem Gegenstand messen.<br />

Verschiedene Kippindikatoren ermöglichen das Messen von<br />

unterschiedlichen Neigungen.<br />

354


Kippindikator mit blauem Quarzsand<br />

Der Quarzsand im Kippindikator wird im neutralen Zustand mit einer<br />

Abtrennung zum Pfeil zurückgehalten. Wird <strong>der</strong> Indikator um 60 o geneigt,<br />

fliesst <strong>der</strong> Sand durch die Abtrennung und haftet im oberen Bereich. In <strong>der</strong><br />

Wareneingangskontrolle ist auf einen Blick erkennbar, dass die Lieferung stark<br />

geneigt wurde.<br />

Kippindikator mit Glaskügelchen<br />

Eine Alternative zum Quarzsand ist <strong>der</strong> Kippindikator mit Glaskügelchen.<br />

Innerhalb <strong>der</strong> "Fingerform" ist ein Glaskügelchen angebracht. Durch Neigung<br />

entfernt sich dieses und bewegt sich je nach Neigungswinkel in die Form. Am<br />

Ende <strong>der</strong> Form bleibt das Glaskügelchen haften. Im Warenausgang kann so<br />

festgestellt werden, dass die Lieferung geneigt wurde.<br />

355


Schockindikatoren<br />

Schockindikatoren<br />

Schockindikatoren gibt es in verschiedenen Grössen und Ausführungen. Ein<br />

oft verwendetes Produkt funktioniert mittels Präzisionsglasröhrchen (siehe<br />

Abbildung). Das Präzisionsglasröhrchen ist mit einer roten Flüssigkeit gefüllt. Die<br />

Flüssigkeit wird durch ihre Oberflächenspannung in einem nicht sichtbaren Teil<br />

des Indikators zurückgehalten. Das Überschreiten einer<br />

definierten Beschleunigung zerreisst die Oberflächenspannung. Die<br />

austretende Flüssigkeit verfärbt den Indikator rot.<br />

Temperaturindikatoren<br />

Die Kühlkette ist für die Logistik ein Begriff mit grosser Bedeutung. Kann die<br />

Kühlkette während dem Transport nicht eingehalten werden, können ganze<br />

Lieferungen ver<strong>der</strong>ben. Optisch ist <strong>der</strong> Schaden im Wareneingang kaum<br />

erkennbar. Umso wichtiger ist <strong>der</strong> Einsatz von Temperaturindikatoren. In <strong>der</strong><br />

Praxis sind verschiedene Modelle bekannt. Auf dem Temperaturindikator in<br />

<strong>der</strong> Abbildung wird mit drei Farbpunkten aufgezeigt, wenn die tatsächliche<br />

Temperatur die erwartete überschreitet, und <strong>der</strong> Punkt färbt sich rot.<br />

356


Temperaturindikaotren<br />

Anwendung von Indikatoren<br />

Indikatoren können Logistikerinnen und Logistikern grossen Ärger und Kosten<br />

ersparen. Dafür müssen sie aber richtig angewendet werden. Bei <strong>der</strong><br />

Anwendung sind die folgenden fünf Schritte zu befolgen:<br />

Die Anwendung von Indikatoren in fünf Schritten:<br />

Schritt 1: Anbringen des Indikators auf <strong>der</strong> Verpackung<br />

Schritt 2: Frachtführer quittiert Unversehrtheit des Indikators bei<br />

Übernahme <strong>der</strong> Ware<br />

357


Schritt 3: Warenannahme überprüft Indikator bei <strong>der</strong> Auslieferung<br />

Schritt 4: Der Spediteur muss bei <strong>der</strong> Anlieferung einen ausgelösten o<strong>der</strong><br />

fehlenden Indikator bestätigen<br />

Schritt 5: Nach eingehen<strong>der</strong> Prüfung des Produktes erfolgt eine Freigabe<br />

o<strong>der</strong> eine Transportschadenbearbeitung<br />

Arbeiten mit Infrarotgeräten<br />

Eine Alternative zu den Indikatoren ist das Arbeiten mit Infrarot.<br />

Infrarotgerät<br />

Infrarotgeräte haben den Vorteil, dass man mit ihnen rasch Temperaturen<br />

von verschiedenen Gütern messen kann. An<strong>der</strong>s als die Indikatoren erkennen<br />

sie nicht Abweichungen, son<strong>der</strong>n können die effektive Temperatur eines<br />

Gegenstands ausweisen. Es gilt zu beachten, dass die Verwendung von<br />

Infrarot eine Momentaufnahme ist. Die Temperaturen während des Transports<br />

können nicht ausgewertet werden.<br />

Digitale Aufzeichnungsgeräte<br />

Am mo<strong>der</strong>nsten und effektivsten können Daten ständig gemessen werden,<br />

wenn man einen Datenlogger einsetzt. Der Datenlogger macht die Lieferkette<br />

von Gütern transparent und nachvollziehbar. Relevante Parameter wie<br />

358


Temperatur, Feuchtigkeit, Neigung und Erschütterung werden durch das<br />

Begleiten <strong>der</strong> Sendung gemessen. Über eine mobile Applikation werden die<br />

gemessenen Daten vom Datenlogger dokumentiert und visualisiert. Durch<br />

das individuelle Festlegen von Grenzwerten für alle Parameter werden<br />

Überschreitungen durch den Datenlogger nachvollziehbar angezeigt und<br />

können den Stationen <strong>der</strong> gesamten Logistikkette klar zugeordnet werden.<br />

Datenlogger werden an Standorten verwendet, die eine hohe<br />

Datengenauigkeit mit anspruchsvollen Zertifizierungsniveaus erfor<strong>der</strong>n<br />

(Museen, Pharma- und Medizinsektor usw.).<br />

Digitale Aufzeichnungsgeräte<br />

7.3 Der Schadenfall<br />

Trotz aller Hilfsmittel und korrektem Arbeiten kann es zu Schäden kommen.<br />

Wenn ein Schaden vorliegt, wird die Beschädigung <strong>der</strong> Ladung unverzüglich<br />

dem zuständigen Vorgesetzten gemeldet. Der Schaden muss nach<br />

betrieblichen Vorgaben dokumentiert werden. Zu diesem Zweck geben viele<br />

Unternehmen ein Formular zur Feststellung von Schäden vor. Das Dokument<br />

muss gemäss Anweisung ausgefüllt werden. Somit wird sichergestellt, dass<br />

keine wichtigen Informationen fehlen. In einem Schadenfall kann man<br />

heutzutage von <strong>der</strong> fortgeschrittenen Technik profitieren und den Schaden<br />

mit dem Smartphone o<strong>der</strong> einer digitalen Kamera fotografieren. Die Bil<strong>der</strong><br />

sollten möglichst aus allen Blickwinkeln aufgenommen werden. Sie sind<br />

wichtige Beweismaterialien und werden dem Schadenprotokoll angehängt.<br />

359


7.3.1 Verhalten im Schadenfall<br />

Schäden beim begleiteten Transport:<br />

Die Lieferung per LKW<br />

Der Schaden wird in Anwesenheit des Fahrers festgestellt. Dieser setzt seine<br />

Unterschrift auf das Formular zur Schadensfeststellung. Das Unternehmen<br />

übermittelt das Dokument an den Lieferanten. Der Fahrer entscheidet selbst,<br />

ob er seinem Unternehmen den Schaden mitteilt.<br />

Die Zustellung per Post<br />

Wenn ein Kurier eine beschädigte o<strong>der</strong> unvollständige Sendung liefert, muss<br />

eine Schadensmeldung erfolgen. Dazu muss das Formular<br />

"Schadensmeldung" verwendet werden. Für jeden Anbieter sind die Frist für<br />

die Einreichung <strong>der</strong> Schadensmeldung und das weitere Vorgehen<br />

unterschiedlich. Die beschädigte Sendung muss jedoch so lange aufbewahrt<br />

werden, bis die Schadensuntersuchung abgeschlossen ist, damit die Waren<br />

und die Verpackung bei Bedarf untersucht werden können.<br />

Schäden beim unbegleiteten Güterverkehr:<br />

Die Lieferung per Bahntransport<br />

Die Schäden an den Ladungen, die in Güterwaggons o<strong>der</strong> Containern<br />

transportiert wurden, werden wie folgt gemeldet: Bei Lieferung in einem<br />

Güterwaggon sind die Informationen an den für die Region zuständigen<br />

Ereignismanager <strong>der</strong> Bahn zu übermitteln, dessen Aufgabe es ist, die Art und<br />

den Umfang <strong>der</strong> Schäden vor Ort zu ermitteln.<br />

Die Lieferung per LKW<br />

Im Falle einer Lieferung per LKW in einem Container müssen die Schäden dem<br />

verantwortlichen Fahrer o<strong>der</strong> Lieferanten <strong>der</strong> Ware gemeldet werden, um<br />

Anweisungen über das weitere Vorgehen zu erhalten. In einigen Fällen muss<br />

die Entladung unterbrochen werden, bis eine Person (vom Lieferanten o<strong>der</strong><br />

Fahrer) beauftragt ist, den Schaden zu begutachten.<br />

360


Defekter ISO Container<br />

Schadenprotokoll<br />

Es ist wichtig, sich bei <strong>der</strong> Feststellung von Schäden richtig zu verhalten. Das<br />

Schadenprotokoll kann helfen, unangenehme Situationen o<strong>der</strong> Streitigkeiten<br />

zu verhin<strong>der</strong>n. Das Layout eines solchen Dokumentes kann frei gewählt<br />

werden. Wichtig ist, dass die richtigen Inhalte und das Visum des Frachtführers<br />

vorhanden sind.<br />

361


362<br />

Schadenprotokoll EnterSite AG


Dem Schadenprotokoll werden die erstellten Fotos und <strong>der</strong> bearbeitete<br />

Transport- o<strong>der</strong> Lieferschein beigefügt.<br />

363


Modul 308_Detailkontrolle<br />

Ausgangslage<br />

Masseinheiten und Zählsysteme sind nicht überall auf Welt gleich. Zum Beispiel<br />

wird die Temperatur in Europa mit Grad Celsius gemessen und über dem<br />

Atlantik mit Fahrenheit. Obwohl die beiden Systeme <strong>der</strong> Temperaturmessung<br />

dienen, haben sie eine an<strong>der</strong>e Berechnungsgrundlage. Auch in <strong>der</strong> Logistik<br />

werden verschiedene Messinstrumente verwendet, um die Mengen- und<br />

Qualitätskontrolle <strong>der</strong> Waren durchzuführen.<br />

364


Fachartikel Modul 308<br />

8. Detailkontrolle<br />

Zählen, Messen und Wägen sind Kontrollfunktionen, die im Güterverkehr<br />

schon immer eine grosse Bedeutung hatten. In Europa hat sich das<br />

Dezimalsystem (Zehnersystem) durchgesetzt. Trotzdem existieren in gewissen<br />

Bereichen noch Zähl- und Masseinheiten, die vom Dezimalsystem abweichen<br />

(zum Beispiel das Dutzend). Weltweit gibt es verschiedene Masse und<br />

Zählsysteme. Die gebräuchlichsten fremden Masseinheiten sind hierzulande<br />

bekannt (z. B. Barrel im Zusammenhang mit dem Erdölpreis), an<strong>der</strong>e lernt man<br />

erst auf Reisen kennen. Wer in England ein Bier trinken will, sollte we<strong>der</strong> eine<br />

Flasche noch einen "Halben" bestellen, son<strong>der</strong>n "a pint" - das entspricht 5,68<br />

dl.<br />

Einige Beispiele:<br />

• Barrel (USA): 158,8 l Erdöl<br />

• Gallon (USA): 3,79 l Flüssigkeiten, Treibstoffe<br />

• Gallon (GB): 4,55 l Flüssigkeiten<br />

• Dutzend: 12 Stück Bleistifte<br />

• Gros = 12 Dutzend: 144 Stück Bleistifte<br />

• Inch (Zoll): 2,54 cm Computer, Paletten, Container<br />

• Karat: 0,2 g Edelsteine<br />

• Paar: zwei Stück Textilien, Schuhe<br />

• Pint (GB): 0,568 l Flüssigkeiten (Bier)<br />

• Twenty-foot Equivalent Unit (TEU): 1 TEU entspricht einer 20-Fuss-<br />

Containereinheit<br />

8.1 Entstehung einheitlicher Masse<br />

Beim Wort "messen" denkt man in <strong>der</strong> Regel an das Abmessen <strong>der</strong> Länge,<br />

Breite (Dicke) o<strong>der</strong> Höhe eines Gegenstandes. Das Längenmass ist tatsächlich<br />

ein viel verwendetes und wichtiges Mass. Im Mittelalter nutzten die Menschen<br />

unter an<strong>der</strong>en die Masse von Körperteilen als Längenmasse. Zum Teil heute<br />

noch gebräuchlich sind Schritt, Fuss o<strong>der</strong> Elle.<br />

365


1 Fuss = 0.3048 m<br />

Auch zum Messen von Volumen und Gewichten gab es eine Vielzahl an<br />

Massen. Diese waren nicht nur von Land zu Land, son<strong>der</strong>n auch von Region<br />

zu Region verschieden. Deshalb war es ein grosser Fortschritt, als die<br />

französische Nationalversammlung 1791 beschloss, einheitliche Masse für das<br />

Land einzuführen. Die Länge des neuen Längenmasses legte sie wie folgt fest:<br />

Es soll dem zehnmillionsten Teil <strong>der</strong> Strecke vom Nordpol zum Äquator<br />

entsprechen.<br />

Den Namen "Meter" erhielt das neue Mass erst später. In Frankreich wurden<br />

die neuen Masse rasch eingeführt. In den an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n brauchte es<br />

Jahrzehnte, bis sie sich durchsetzte. 1875 unterzeichneten 17 Staaten,<br />

darunter auch die Schweiz, die Internationale Meterkonvention<br />

(Metervertrag). Heute hat die Konvention 51 Vollmitglie<strong>der</strong> und 26 assoziierte<br />

Mitgliedstaaten. Der in Frankreich hergestellte "Urmeter" von 1799, ein Stab<br />

aus einer Platin-Iridium-Legierung, kann in Paris besichtigt werden.<br />

366


1795: Der Urmeter wird in Paris festgelegt<br />

Kopien des Urmeters werden in den meisten europäischen Län<strong>der</strong>n<br />

aufbewahrt. Bis in die Mitte des letzten Jahrhun<strong>der</strong>ts wurden Metermasse am<br />

Urmeter geeicht, danach hatte er ausgedient. Mit <strong>der</strong> fortschreitenden<br />

Technik wurden genauere Messmethoden möglich.<br />

8.2 Zähltechnik<br />

Das Zählen verschiedener Grössen erfor<strong>der</strong>t Kompetenzen im Umgang mit<br />

Zahlen. Es gibt Zahlreihenfolgen, die sofort und ohne Rechnungsvorgang<br />

erkannt werden können (z. B. die 10er Reihe), aber auch Berechnungen, die<br />

deutlich komplizierter sind.<br />

Das Aufteilen in Teilmengen erleichtert die Arbeit und verhin<strong>der</strong>t zum Beispiel,<br />

dass eine Warensendung von 1536 Stück in 12er-Kartons so kontrolliert wird,<br />

dass jedes einzelne Stück gezählt wird. Die Teilmengen in diesem Beispiel sind<br />

128 Kartons und 12 Stück (pro Karton). Zu zählen ist also die Menge 128 und<br />

die Menge 12. Das heisst, die Kartons müssen vollständig durchgezählt<br />

werden, die Stückzahl pro Karton jedoch nur mit einer Stichprobe. Der Rest ist<br />

eine einfache Multiplikation, mit <strong>der</strong> nachgewiesen werden kann, dass die<br />

gelieferte Stückzahl korrekt ist. Noch einfacher wird die Zählkontrolle, wenn ihr<br />

drei Teilmengen zugrunde gelegt werden: die Stückzahl in den Kartons (12),<br />

die Anzahl an Kartons in einer Lage (32), die Anzahl an Lagen (4). Eine<br />

Multiplikation aus diesen drei Grössen ergibt die Anzahl Stück.<br />

Ein einfaches Beispiel:<br />

8 Stück pro Lage x 4 Lagen = 32 Stück<br />

367


Ein komplexeres Beispiel:<br />

2 Lagen à 12 Stück, 1 Lage à 27 Stück und 3 Lagen à 4 Verpackungen mit je<br />

21 Stück = 303 Stück<br />

8.2.1 Hilfsmittel für den Zählvorgang<br />

Beim oben aufgezeigten einfachen Beispiel kann das Resultat sofort und ohne<br />

Hilfsmittel berechnet werden. Bei komplexeren Aufgaben müssen Hilfsmittel<br />

eingesetzt werden.<br />

Handzähler<br />

Der Handzähler ist ein einfaches Hilfsmittel zum Erleichtern von<br />

Zählvorgängen. Der Zähler ist mit einer Taste ausgestattet, die bei jedem<br />

"Anklicken" auf <strong>der</strong> Anzeige fortlaufend addiert. Das Hilfsmittel eignet sich, um<br />

grössere Mengen zu erfassen, die über einen längeren Zeitraum gezählt<br />

werden. Er könnte z. B. von einer Person verwendet werden, die beim Eingang<br />

zu einem Event die Besucherzahl kontrolliert. Bei je<strong>der</strong> ankommenden Person<br />

wird "geklickt", und am Ende des Abends erkennt man die genaue Zahl <strong>der</strong><br />

Besucher.<br />

Handzähler<br />

368


8.2.2 Hilfsmittel zum Messen von Längen in Beruf und Alltag<br />

Für das Messen in Beruf und Alltag ist we<strong>der</strong> die Genauigkeit des Urmeters<br />

noch die exakte Definition eines Meters von Bedeutung. In den meisten Fällen<br />

tut ein gewöhnlicher "Meter" seinen Dienst.<br />

Meterzähler<br />

Der Meterzähler hilft beim Abmessen und Ablängen von Schüren, Seilen o<strong>der</strong><br />

Kabeln sowie beim Abmessen von Längen, Breiten und Höhen. Auch beim<br />

Meterzähler hat die Entwicklung nicht Halt gemacht: Vielerorts wurden sie<br />

durch Laser-Technologie ersetzt. Doch es gibt nach wie vor einfache<br />

Meterzähler-Modelle. Sie nehmen das Mass, indem sie manuell über eine<br />

bestimmte Strecke geführt werden.<br />

Meterzähler in analoger Form<br />

Messgerät mit Laser-Technologie<br />

Noch spezieller werden die Hilfsmittel beim Abmessen und Ablängen von<br />

Schnüren, Seilen o<strong>der</strong> Kabel. Das Messgut wird unter einem Messrad<br />

durchgezogen, das mit einem Zählwerk verbunden ist. Mit <strong>der</strong> Übersetzung<br />

kann das anzuwendende Mass bestimmt werden. Das Gerät zählt Zentimeter,<br />

Meter o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Längeneinheiten.<br />

369


Bei den Kabelproduzenten werden die Kabel bei <strong>der</strong> Konfektionierung<br />

vollautomatisch auf das entsprechende Mass abgelängt.<br />

8.2.3 Hilfsmittel zum exakten Messen von Längen<br />

Wenn das Messresultat exakt sein muss, spielt es eine Rolle, was für ein<br />

Metermass benutzt wird. Viele Glie<strong>der</strong>massstäbe o<strong>der</strong> Rollbandmasse sind<br />

nicht ganz genau. Der Vergleich mit einem Qualitäts-Metermass kann<br />

Differenzen von mehreren Millimetern auf einen Meter Länge ergeben. Für<br />

zuverlässige Messresultate müssen deshalb Qualitäts-Messwerkzeuge, bei<br />

denen die Genauigkeitsklasse nach DIN* 866 ( I <strong>–</strong> III ) angegeben ist,<br />

verwendet werden (DIN = Deutsches Institut für Normung).<br />

Angabe <strong>der</strong> Genauigkeitsklasse auf einem Glie<strong>der</strong>massstab.<br />

Die Schieblehre<br />

Mit <strong>der</strong> Schieblehre (auch Messschieber genannt) können die Dicke, <strong>der</strong><br />

Durchmesser und die Tiefe eines Gegenstandes gemessen werden. Es gibt<br />

Geräte, die sowohl für Aussen- als auch Innenmasse geeignet sind. Die<br />

Genauigkeit <strong>der</strong> Messung beträgt 1 /10 mm (<strong>der</strong> 1 /100 mm wird geschätzt).<br />

370


Schieblehre<br />

Der Mikrometer<br />

Mit dem Mikrometer (auch Bügelmessschraube genannt) lassen sich<br />

Messungen mit einer Genauigkeit von 0,01 o<strong>der</strong> 1/100 mm bis 1/1000<br />

durchführen. Dank seiner Struktur kann mit dem Mikrometer unter an<strong>der</strong>em<br />

die Dicke feiner Materialien (Papier, Blätter, Blech) bestimmt werden.<br />

Mikrometer mit digitaler Anzeige<br />

Mikrometer mit einer digitalen o<strong>der</strong> analogen Anzeige sind sehr empfindliche<br />

Messgeräte. Das vorsichtige Arbeiten wird vorausgesetzt.<br />

Mikrometer mit analoger Anzeige<br />

371


Schablonen und Vorlagen<br />

Nicht ganz so spektakulär, aber effizient und einfach im Handling ist das<br />

Arbeiten mit Schablonen o<strong>der</strong> Vorlagen. Sie werden zum Beispiel bei <strong>der</strong> Post<br />

verwendet, wenn die Preiskategorie eines Briefes nicht klar ist o<strong>der</strong> wenn<br />

geprüft werden muss, ob dessen Masse innerhalb <strong>der</strong> Toleranz liegen. Sie<br />

können aber auch als Messhilfe für Schrauben eingesetzt werden (siehe<br />

Abbildung).<br />

Messhilfe für Schrauben<br />

8.2.4 Hilfsmittel zum Messen von Volumen<br />

In <strong>der</strong> Logistik hat auch das Messen von flüssigen Mengen (Volumen)<br />

Bedeutung. Das einfachste Prinzip ist das Messen einer Flüssigkeit mit einem<br />

Schöpfgefäss. Heutzutage sieht man dies jedoch nur noch selten. Früher, als<br />

es das heute oft verwendete Tetra-Pak noch nicht gab, war das Abmessen<br />

von Milch beim Offenverkauf üblich. Tankstellen verfügen nach wie vor über<br />

372


eine mechanische o<strong>der</strong> elektronische Messanlage (Ovalradzähler), die nach<br />

diesem Prinzip funktioniert: Durch Füllen und Leeren eines geeichten<br />

Messgefässes wird die Flüssigkeitsmenge gemessen.<br />

Messen von Flüssigkeiten mit Vorlagen<br />

Diese Methode funktioniert, wenn kleine Mengen von Flüssigkeit gemessen<br />

werden sollen. Es gibt Systeme, die nach diesem Prinzip funktionieren: Die<br />

Menge <strong>der</strong> Flüssigkeit wird durch das Ausfüllen und Entleeren eines gestuften<br />

Behälters gemessen. Bei <strong>der</strong> Messung grosser Mengen greifen die Fachleute<br />

auf leistungsfähigere Messinstrumente zurück.<br />

Messbecher<br />

Die Kolbenpumpe<br />

Die Kolbenpumpe ist ein einfaches Messgerät. Es funktioniert nach dem<br />

folgenden Prinzip: Ein Kolben steigt und sinkt in einen gestuften Zylin<strong>der</strong>, <strong>der</strong><br />

eine bestimmte Flüssigkeitsmenge enthalten kann. Mit <strong>der</strong> aufsteigenden<br />

Bewegung saugt <strong>der</strong> Kolben Flüssigkeit an, während er sie mit <strong>der</strong><br />

absteigenden Bewegung vertreibt. Die aufsteigenden Bewegungen werden<br />

mit einem an <strong>der</strong> Pumpe befestigten Zähler gemessen.<br />

Grundsatz <strong>der</strong> Arbeitsweise:<br />

• Der Kolben steigt. Das Ventil (A) öffnet sich und durch Saugeffekt steigt die<br />

Flüssigkeit in den Zylin<strong>der</strong>. Das Druckventil (B) bleibt geschlossen.<br />

• Der Messzylin<strong>der</strong> ist voll, wenn <strong>der</strong> Kolben den höchsten Punkt seines Laufs<br />

erreicht.<br />

• Der Kolben kommt runter. Der daraus resultierende Druck öffnet das<br />

Druckventil (B) und die Flüssigkeit wird in die Verdrängungsleitung überführt.<br />

373


• Der Zähler zählt die Anzahl <strong>der</strong> vertikalen Bewegungen des Kolbens. Der Inhalt<br />

des Zylin<strong>der</strong>s multipliziert mit <strong>der</strong> Anzahl e vertikale Bewegungen gibt die<br />

gewünschte Menge an.<br />

Kolbenpumpe<br />

Der Durchflussmesser<br />

Ein Durchflussmesser ist ein Gerät zur Messung des Durchflusses von<br />

Flüssigkeiten o<strong>der</strong> Flüssigkeiten in gasförmigem Aggregatszustand. Es gibt<br />

verschiedene Systeme, um den Durchsatz zu messen. Ein System misst die<br />

Menge anhand <strong>der</strong> Dauer, in <strong>der</strong> eine Flüssigkeit in ein Rohr fliesst. Vor <strong>der</strong><br />

Messung ist berechnet worden, wie viel unter stabilen Bedingungen (z. B.<br />

Fliessgeschwindigkeit) für eine Zeiteinheit (z. B. eine Sekunde) durch den<br />

Schlauch fliesst. Die Menge je Zeiteinheit multipliziert mit <strong>der</strong> Gesamtdauer<br />

ergibt die Gesamtmenge. Mo<strong>der</strong>ne Varianten ermöglichen heute das<br />

Messen vom Durchlauf einer Menge via Ultraschall.<br />

Durchlaufmesser<br />

374


Der Volumenscanner<br />

Der Volumenscanner ist ein Hilfsmittel, mit welchem Dimensionen schnell<br />

vermessen werden können. Das Vermessen von Verpackungen, Paletten<br />

Einheiten o<strong>der</strong> Gegenständen kann die Arbeit um einiges erleichtern.<br />

Mögliche Einsatzgebiete sind:<br />

• beim Wareneingang erkennen können, ob es sich um den richtigen Artikel<br />

handelt<br />

• Einheiten messen, um Lagerplätze zu definieren<br />

• Erfassen <strong>der</strong> Daten für die Vorbereitung zum Transport (optimale Ladung im<br />

Flugzeug, Schiff o<strong>der</strong> Strassentransport ermöglichen)<br />

Volumenscanner<br />

8.2.5 Hilfsmittel zum Messen von Gewichten<br />

Die Gewichtskraft eines Gegenstandes entsteht durch die Anziehungskraft <strong>der</strong><br />

Erde. Je<strong>der</strong> Himmelskörper hat eine an<strong>der</strong>e Anziehungskraft. Jene des<br />

Mondes ist zum Beispiel etwa sechs Mal kleiner als jene <strong>der</strong> Erde. Gemessen<br />

wird die Gewichtskraft, wie auch an<strong>der</strong>e Kräfte, in <strong>der</strong> Masseinheit Newton<br />

(N), Umgangssprachlich wird die Masseinheit als "Gewicht" bezeichnet.<br />

Welches Gewicht ein Gegenstand hat, lässt sich zum Beispiel anhand <strong>der</strong><br />

Verformung einer Spiralfe<strong>der</strong> ermitteln, wenn <strong>der</strong> Gegenstand daran hängt<br />

o<strong>der</strong> darauf liegt. Eine Waage ist so gebaut, dass die Verformung <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong><br />

auf einer Skala von Gramm, Kilogramm o<strong>der</strong> Tonnen sichtbar wird. Es gibt<br />

eine Vielzahl an verschiedenen Waagen. Manche eignen sich für geringe<br />

Gewichte, an<strong>der</strong>e für grosse. Sie funktionieren nach den folgenden zwei<br />

Prinzipien:<br />

375


Massenvergleich<br />

Gewichtsbestimmung durch Vergleich mit einer<br />

bekannten Gewichtskraft<br />

Kraftmesser<br />

Gewichtsbestimmung durch direktes Messen <strong>der</strong><br />

Gewichtskraft<br />

Massenvergleichswaage<br />

Das Funktionieren dieser Waagen ist sehr einfach. Das Gewicht eines Objekts<br />

kann berechnet werden, indem es mit einem bekannten Gewicht verglichen<br />

wird.<br />

Balkenwaage<br />

Am einfachsten ist ein Massenvergleich mit <strong>der</strong> Balkenwaage, die nach dem<br />

Hebelprinzip funktioniert. Weil ihr Drehpunkt genau in <strong>der</strong> Mitte liegt und die<br />

beiden Hebelarme genau gleich lang und gleich schwer sind, bleibt sie im<br />

Gleichgewicht, wenn an beiden Hebelarmen dasselbe Gewicht hängt. Um<br />

das Gewicht einer Ware zu ermitteln, wird diese in eine <strong>der</strong> beiden<br />

Waagschalen gelegt. In die an<strong>der</strong>e Waagschale werden normierte Gewichte<br />

eingefüllt, bis die Waage wie<strong>der</strong> im Gleichgewicht ist. Dann entspricht die<br />

Summe <strong>der</strong> normierten Gewichte dem Gewicht <strong>der</strong> Ware. Ausdrücke wie<br />

"etwas aufwiegen" o<strong>der</strong> "in die Waagschale werfen" entstammen dieser<br />

Wiegemethode. Balkenwaagen findet man heute noch auf dem Markt, z. B.<br />

beim Offenverkauf von Früchten und Gemüse. Es ist faszinierend, einem<br />

Händler auf dem Wochenmarkt zuzusehen, <strong>der</strong> geschickt seine Waage ins<br />

Gleichgewicht bringt.<br />

376


Balkenwaage<br />

Laufgewichtswaage<br />

Die Laufgewichtswaage, auch Schnellwaage o<strong>der</strong> römische Waage<br />

genannt, ist eine beson<strong>der</strong>s raffinierte Form <strong>der</strong> Balkenwaage. Bei<br />

Laufgewichtswagen sind die beiden Hebelarme nicht gleich lang. Am<br />

kürzeren Hebelarm hängt eine Schale, in die <strong>der</strong> Gegenstand gelegt wird,<br />

dessen Gewicht zu ermitteln ist. Am längeren Arm hängt das Gegengewicht,<br />

das daran hin und her geschoben werden kann. Je weiter aussen es hängt, je<br />

"schwerer" wird es durch die Hebelwirkung; eine eingravierte Skala zeigt das<br />

jeweilige Gewicht an. Laufgewichtswaagen sieht man heute noch auf<br />

Märkten in südlichen und asiatischen Län<strong>der</strong>n.<br />

Laufgewichtswaage<br />

Kraftmesser<br />

Das Gewicht wird durch direktes Messen <strong>der</strong> Gewichtskraft bestimmt.<br />

377


Zugkraftmessgeräte<br />

Bei Fe<strong>der</strong>waagen wirkt die Gewichtskraft gegen die Kraft einer eingebauten<br />

Fe<strong>der</strong>. Es kann sich um eine Schraubenfe<strong>der</strong> handeln, welche<br />

zusammengedrückt o<strong>der</strong> in die Länge gezogen wird, o<strong>der</strong> um eine<br />

Biegefe<strong>der</strong>, die gegen oben o<strong>der</strong> unten verbogen wird. Fe<strong>der</strong>waagen zeigen<br />

je nach Position auf <strong>der</strong> Erde unterschiedliche Gewichte an, weil die<br />

Erdanziehungskraft nicht überall dieselbe ist. Die Erdanziehungskraft hängt<br />

unter an<strong>der</strong>em vom Abstand zum Erdmittelpunkt ab. Auf einem Berg ist sie<br />

geringer als auf Meereshöhe. Für genaue Messungen sind Fe<strong>der</strong>waagen<br />

deshalb nur geeignet, wenn sie an ihrem Einsatzort kalibriert werden. Ein<br />

Nachteil <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>waagen ist, dass die Fe<strong>der</strong>kraft mit <strong>der</strong> Zeit nachlässt und<br />

sie deshalb zu hohe Gewichte anzeigen.<br />

Fe<strong>der</strong>waagen, welche die Zugkraft messen, werden auch Kranwaagen<br />

genannt. Mit ihnen werden Güter hängend (nicht liegend) gewogen. Die<br />

abgebildeten Geräte eignen sich je nach Ausführung für einen<br />

Gewichtsbereich von 1 <strong>–</strong> 12,5 t. Zugkraftmessgeräte werden in Verbindung mit<br />

Kranen im Transportgewerbe, im Wareneingang, im Versand o<strong>der</strong> im<br />

Anlagenbau eingesetzt.<br />

Digitale Zugkraftmesser<br />

Das Kraftmessgerät berechnet das Gewicht durch direkte Messung <strong>der</strong><br />

Zugkraft. Bei Fe<strong>der</strong>waagen wirkt das Gewicht gegen die Kraft einer<br />

integrierten Fe<strong>der</strong>.<br />

378


Fe<strong>der</strong>waage mit Biegefe<strong>der</strong><br />

Fe<strong>der</strong>waage mit Schraubenfe<strong>der</strong><br />

8.2.6 Waagen für den Berufsalltag<br />

Die Tischwaage<br />

Die Tischwaage ist eine mobile Waage, die zum Wägen von kleinen Gütern<br />

verwendet wird. Auch im privaten Haushalt wird die Tischwaage oft<br />

verwendet, z. B. zum Abmessen von Lebensmitteln beim Kochen.<br />

Tischwaage<br />

Nutzungsorte: Büro, Kleinteillager, Warenausgang, etc.<br />

Die Zählwaage<br />

Die Zählwaage ist eine spezielle Tischwaage, die verwendet wird, um die<br />

Anzahl <strong>der</strong> Stücke mit Hilfe eines Referenzgewichts zu zählen. Die Menge wird<br />

dann abgewogen. Zunächst wird eine Referenzmenge gewogen, zum<br />

Beispiel 10 Stück. Danach wird die Gesamtmenge gewogen. Ein integriertes<br />

Berechnungsprogramm berechnet die Gesamtteilzahl anhand <strong>der</strong><br />

Referenzmenge und des Bezugsgewichts.<br />

Logik: 200 Gramm = 10 Stück<br />

400 Gramm = ?? Stück<br />

379


Zählwaage<br />

Einsatzorte <strong>der</strong> Zählwaage sind: Lagerhallen, in denen sich kleine Teile<br />

befinden, Warenabnahme usw. Die Zählwaagen werden beispielsweise für<br />

die Entnahme kleiner Teile (Schrauben, Nägel, Uhrzeiger) während <strong>der</strong><br />

Inventare verwendet.<br />

Die Wiegeplattform<br />

Die grossen Lasten werden auf Wiegeplattformen gewogen. Einige werden in<br />

den Boden gesteckt, während an<strong>der</strong>e mit einer Rampe ausgestattet sind,<br />

damit die Umschlagwagen einsteigen können. Bei den Wiegeplattformen gilt<br />

es, genau darauf zu achten, dass die Plattform nur die Last zu tragen hat, die<br />

zu wiegen ist.<br />

Wiegeplattform<br />

Wiegeplattform<br />

Einsatzorte <strong>der</strong> Wiegeplattform: Wareneingang, Lager zur Vorbereitung von<br />

Bestellungen, Warenausgang usw.<br />

Merke: Beim Wägen von <strong>der</strong> Waage zurücktreten. Ohne vorheriges<br />

Tarieren <strong>der</strong> Waage das För<strong>der</strong>mittel nach dem Abstellen <strong>der</strong> Last vollständig<br />

von <strong>der</strong> Plattform zurückziehen.<br />

380


Der Wiegebalken<br />

Ähnlich wie Wiegeplattformen werden Wiegebalken zur Wägung grösserer<br />

Lasten eingesetzt. Die Länge und Breite <strong>der</strong> Wiegebalken passt zu Paletten,<br />

sodass diese darauf abgestellt werden können. Weil das För<strong>der</strong>mittel beim<br />

Wägen zwischen den Balken steht, wird es nicht mitgewogen. Wiegebalken<br />

werden auch als feste Wiegeeinrichtungen genutzt, z. B. mit dem Einbau in<br />

Rollenbahnen.<br />

Wiegebalken<br />

Einsatzorte <strong>der</strong> Wiegebalken: Wareneingang, Lager zur Vorbereitung von<br />

Bestellungen, Warenausgang usw.<br />

För<strong>der</strong>mittel mit eingebauten Wiegeeinrichtungen<br />

Sehr praktisch sind die in Flurför<strong>der</strong>zeugen eingebauten Wiegeeinrichtungen.<br />

Bei Handhubwagen, Elektrohubwagen o<strong>der</strong> Staplern, die damit ausgerüstet<br />

sind, kann das Gewicht bequem auf einem Display abgelesen werden. Diese<br />

Technik findet auch in Lastwagen als Bord-Wiegesystem Anwendung.<br />

381


Einsatzorte <strong>der</strong> För<strong>der</strong>mittel mit Wiegeeinrichtungen: Warenannahme,<br />

Einlagerung, Spedition etc.<br />

Brückenwaage (Wägebrücke)<br />

Sehr grosse Lasten (Last- o<strong>der</strong> Bahnwagen) werden auf Brückenwaagen<br />

gewogen. Weil diese in die Fahrbahn eingelassen sind, können Fahrzeuge<br />

darauf abgestellt werden. Um das Gewicht <strong>der</strong> Ladung zu berechnen, muss<br />

das Leergewicht des För<strong>der</strong>zeugs bekannt sein. Das Gesamtgewicht<br />

abzüglich Leergewicht ergibt das Gewicht <strong>der</strong> Ladung. Falls das Leergewicht<br />

des Fahrzeugs nicht bekannt ist, kann dieses nach dem Entladen ermittelt<br />

werden.<br />

Einsatzorte <strong>der</strong> Brückenwaage: KFZ-Service, Zoll, Güterbahnhof,<br />

Umschlaglager, Verbrennungsanlagen usw.<br />

382


8.3 Handhabung von Waagen<br />

Die Handhabung von mo<strong>der</strong>nen Waagen ist einfach. Dennoch lässt sich kein<br />

genaues Messresultat erzielen, wenn nicht folgende Regeln eingehalten<br />

werden:<br />

• Alle Waagen sind Präzisionsinstrumente. Sie müssen sauber gehalten und<br />

regelmässig von einem Fachmann gewartet werden. Laien sollten sich auf<br />

keinen Fall am Wiegemechanismus zu schaffen machen.<br />

• Alle Waagen sind für eine bestimmte Höchstbelastung ausgelegt. Wird diese<br />

Höchstbelastung mit höheren Gewichten überschritten, werden sie<br />

beschädigt. Vorsicht ist vor allem beim Befahren von eingebauten<br />

Brückenwaagen geboten, denn nicht alle können das Gewicht eines<br />

Hubstaplers unbeschadet tragen.<br />

• Bei Waagen kann nicht nur eine Höchst-, son<strong>der</strong>n auch eine Mindestlast<br />

Bedingung sein, damit sie exakte Resultate ergeben. Deshalb ist darauf zu<br />

achten, dass die für den Zweck passende Waage eingesetzt wird. Die<br />

Bedienungsanleitung <strong>der</strong> Waage ist zu lesen und zu befolgen.<br />

• Elektronische Waagen liefern erst nach einer gewissen Anwärmzeit (siehe<br />

Bedienungsanleitung) zuverlässige Messresultate. Damit sie auf<br />

Betriebstemperatur bleiben, sollten sie während eines Arbeitstages nicht<br />

ausgeschaltet werden.<br />

8.3.1 Tarieren und Kalibrieren<br />

Das Tarieren und Kalibrieren sind wichtige Tätigkeiten welche im Umgang mit<br />

Waagen stattfinden.<br />

• Tarieren: Unter dem Begriff Tarieren wird verstanden, das Gewicht <strong>der</strong><br />

Verpackung abzurechnen. "Tara" steht für das Gewicht <strong>der</strong> Verpackung. Beim<br />

Wägen einer grösseren Menge Schrauben, braucht es eine Verpackung, die<br />

die Schrauben auf <strong>der</strong> Waage sammelt und "zusammenhält". Um das<br />

Gewicht <strong>der</strong> Verpackung nicht mitzuwägen, wird sie zuerst leer auf die<br />

Waage gelegt und diese durch die "Tara"-Funktion auf null gesetzt. Nun<br />

können die Schrauben in die Verpackung gelegt und gewogen werden,<br />

ohne dass die Verpackung mitgezählt wird.<br />

Merke: Tarieren: Gewicht <strong>der</strong> Verpackung (Tara) vom Gesamtgewicht<br />

subtrahieren.<br />

383


• Kalibrieren: Es gibt verschiedene Gründe, weshalb eine Waage ohne eine<br />

Auflage bereits eine minimale Abweichung anzeigt. Es ist möglich, dass die<br />

Waage bereits 0,1 o<strong>der</strong> 0,2 kg auf <strong>der</strong> Anzeige hat, ohne dass ein<br />

Gegenstand aufgesetzt wurde. Gründe dafür können sein, dass die Fläche,<br />

auf <strong>der</strong> die Waage steht, nicht ideal ist, dass die Waage selber ein<br />

Ungleichgewicht hat o<strong>der</strong> dass die Wage an einem neuen Ort in Einsatz<br />

kommt (Einfluss <strong>der</strong> Erdanziehungskraft). Um solche Differenzen zu beheben,<br />

müssen Waagen vor dem Einsatz kalibriert, d. h. auf null gesetzt werden. Das<br />

Kalibrieren kann ohne eine amtliche Person ausgeführt werden, da das<br />

gewogene Resultat keine Kostenfolge hat.<br />

Merke: Kalibrieren: Vor dem Wiegen die Waage auf null stellen.<br />

8.3.2 Die Eichpflicht<br />

Die Zuständigkeit für das Messwesen liegt beim Bund:<br />

Artikel 125 <strong>der</strong> Bundesverfassung<br />

"Die Gesetzgebung über das Messwesen ist Sache des Bundes".<br />

Weil <strong>der</strong> Mengenkontrolle im Handel eine grosse Bedeutung zukommt, hat<br />

<strong>der</strong> Bund auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong> Bundesverfassung ein spezielles Gesetz erlassen:<br />

das Bundesgesetz über das Messwesen. Dieses Gesetz gibt vor, dass die<br />

Funktionstüchtigkeit und korrekte Mengenangabe von Messgeräten in<br />

regelmässigen Abständen kontrolliert werden muss. Die Kontrollen werden<br />

vom Eichmeister, von <strong>der</strong> Eichmeisterin vorgenommen. Er/sie ist eine<br />

Amtsperson, die verschiedene Messmittel kontrolliert und Fertigpackungen<br />

überprüft ( Verzeichnis <strong>der</strong> Eichämter und Eichstellen). Die geeichten<br />

Messgeräte erhalten ein Kennzeichen. Im Handel und in <strong>der</strong> Industrie müssen<br />

nicht geeichte Geräte mit <strong>der</strong> Aufschrift "nicht amtlich geprüft" versehen sein.<br />

Merke: Eichpflichtige Messanlagen sind mit Plomben gegen Eingriffe<br />

gesichert. Es ist darauf zu achten, dass diese bei Reinigungs- und<br />

Unterhaltsarbeiten nicht beschädigt werden. Fehlende o<strong>der</strong> beschädigte<br />

384


Plomben sind sofort dem Eichmeister zu melden, und das Gerät muss<br />

umgehend ausser Betrieb gesetzt werden.<br />

Eichpflichtige Messanlagen und Waagen sind z. B.:<br />

• Messanlagen zur Ermittlung von Zollgebühren<br />

• Tanksäulen für den Verkauf von Treibstoffen<br />

Für eichpflichtige Messanlagen (Durchlaufzähler) sind Fehlergrenzen<br />

festgelegt. Zum Beispiel beträgt die zulässige Abweichung für Mengen über 2<br />

Liter 0,5 Prozent.<br />

Nicht eichpflichtig sind:<br />

• Messanlagen für die Betankung betriebseigener Fahrzeuge und Maschinen<br />

• Messgeräte für die Herstellung von Mischungen in Fabrikationsprozessen<br />

• Dosierapparate für das Befüllen von Fertigpackungen<br />

385


Modul 309_Qualitätskontrolle<br />

Ausgangslage<br />

Qualität ist ein Begriff, <strong>der</strong> für jede Person eine Bedeutung hat. Alle sprechen<br />

von Qualität und alle erwarten Qualität. Ist Qualität aber für alle das Gleiche?<br />

Kann nicht z. B. die Qualität von einer Pizza von verschiedenen Menschen<br />

an<strong>der</strong>s verstanden werden? Wenn z. B. jemand eine Pizza mit einem dicken<br />

Boden bevorzugt und ein an<strong>der</strong>er eine Pizza mit dünnem Boden, gibt es<br />

bereits zwei verschiedene Urteile über die Qualität <strong>der</strong> Pizza.<br />

Damit Qualität erreicht werden kann, muss man sich gut überlegen: Was<br />

bedeutet Qualität für mich und was bedeutet Qualität für unseren Kunden?<br />

Nur, wenn Erwartungen und Wünsche ausgesprochen werden, können diese<br />

erfüllt werden.<br />

Bearbeite zum Einstieg in das Modul 309 folgende Aufgabe:<br />

1. Heute wirst du dein Mittagessen im nahegelegenen McDonald's<br />

geniessen. Notiere, was erfüllt sein muss, damit du zufrieden bist.<br />

Antwort:<br />

2. Schaue zum Pultnachbar, zur Pultnachbarin nach links und<br />

besprich mit ihm, mir ihr die Antworten. Habt ihr die gleichen<br />

Erwartungen? Notiere in einem Satz eure Erkenntnis.<br />

Antwort:<br />

386


Fachartikel Modul 309<br />

9. Qualitätskontrolle<br />

9.1 Bedeutung <strong>der</strong> Qualität<br />

Zur Qualitätssicherung zählen alle Massnahmen, die getroffen werden, um<br />

eine gleichbleibende Qualität von Produkten o<strong>der</strong> Dienstleistungen<br />

sicherzustellen. Die Qualitätssicherung hat nicht für alle Betriebe den gleichen<br />

Stellenwert. Sehr wichtig ist sie zum Beispiel für Nahrungsmittel- und<br />

Pharmabetriebe, weil die Gesundheit und das Wohlbefinden <strong>der</strong> Menschen<br />

hohe Güter sind, die nicht gefährdet werden dürfen.<br />

In <strong>der</strong> Flugzeugindustrie geht die Qualitätssicherung z. B. so weit, dass je<strong>der</strong><br />

Bestandteil des Flugzeugs ein Zertifikat trägt, das über seine Herkunft und die<br />

verwendeten Materialien Auskunft gibt. In <strong>der</strong> Qualitätssicherung kann aber<br />

auch geschummelt werden, und es ist schon vorgekommen, dass gefälschte<br />

Zertifikate im Umlauf waren. Dies ist eine zusätzliche Herausfor<strong>der</strong>ung für die<br />

Kontrollpersonen. Die Kontrolle <strong>der</strong> Qualität hat in den meisten Betrieben eine<br />

grosse Bedeutung, vor allem in jenen, <strong>der</strong>en Produktion von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong><br />

(zugekauften) Einzelteile abhängt. Für die Qualitätskontrolle sind in <strong>der</strong> Regel<br />

speziell geschulte Mitarbeitende zuständig. Ihr Arbeitsplatz ist die<br />

Qualitätsprüfstelle o<strong>der</strong> ein eigens dafür eingerichtetes Prüflabor, in dem die<br />

Materialien auf "Herz und Nieren" geprüft werden können.<br />

Ersatzteil mit Zertifikat<br />

9.2 Definition <strong>der</strong> Qualität<br />

Es gibt viele mögliche Definitionen für den Begriff Qualität. Eine kurze aber<br />

auch verständliche Definition könnte sein:<br />

387


"Qualität ist, wenn die Leistung mit <strong>der</strong> Erwartung übereinstimmt."<br />

9.3 Qualitätskriterien<br />

Um die Qualität eines Objekts (Produkt o<strong>der</strong> einer Dienstleistung) festzustellen,<br />

wird es anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Dabei wird unterschieden<br />

zwischen subjektiven und objektiven Kriterien:<br />

Subjektive Kriterien basieren auf <strong>der</strong> persönlichen Auffassung von Qualität<br />

(Meinungen, Gefühle, Emotionen, persönliches Urteilsvermögen). Zum Beispiel:<br />

• Das erste Auto, das du dir kaufst, ist ein Fahrzeug <strong>der</strong> Marke Volkswagen, weil<br />

es für dich ein Garant für die Qualität des Kundendienstes ist.<br />

Objektive Kriterien basieren auf <strong>der</strong> tatsächlichen Messbarkeit <strong>der</strong><br />

Objektqualität (geometrische Messungen, Laboranalysen, interne/externe<br />

Prüfungen, Farbgebung, Kundenbewertungen usw.). Zum Beispiel:<br />

• Der Service an <strong>der</strong> Rezeption eines Hotels ist qualitativ gut, da die Ergebnisse<br />

<strong>der</strong> Kundenbewertung zu 96 Prozent positiv ausfallen.<br />

• Ein Produkt ist von schlechter Qualität, weil die Kontrolle <strong>der</strong> geometrischen<br />

Messungen einen grossen Unterschied bei den Basisproben ergeben hat.<br />

Bei manchen Produkten kann man sehr schnell erkennen, ob die gewünschte<br />

Qualität gegeben ist. Diese Erkenntnis kann aber oftmals nur mit Hilfsmitteln<br />

o<strong>der</strong> grosser Produktekenntnis gewonnen werden. Mögliche Hilfsmittel sind:<br />

Geometrische Kontrolle mit einem<br />

digitalen Hilfsmittel<br />

Kontrolle <strong>der</strong> Beschichtung mit einem<br />

farblichen Messgerät<br />

388


Kontrolle <strong>der</strong> chemischen<br />

Zusammensetzung im Labor<br />

9.3.1 Kontrolle anhand von Mustern<br />

Musterzug<br />

Um Materialeigenschaften wie z. B. die chemische Zusammensetzung eines<br />

Rohstoffes, die Härte, die Farbe o<strong>der</strong> die Dicke (Bsp. Papierstärke ) zu<br />

kontrollieren, werden einer Sendung bei ihrem Eintreffen Muster entnommen.<br />

In <strong>der</strong> Fachsprache heisst diese Tätigkeit "Musterzug". Bei <strong>der</strong> Musterentnahme<br />

müssen die Mitarbeitenden <strong>der</strong> Warenannahme die betriebsinternen<br />

Weisungen genau befolgen. Es ist äusserst wichtig, dass die Beschriftung <strong>der</strong><br />

Muster zuverlässig ist. Mitarbeitende <strong>der</strong> Logistik entnehmen Referenzmuster,<br />

um die Beschaffenheit des Materials (zum Beispiel Farbe, Oberflächenstruktur<br />

o<strong>der</strong> Dicke) mit jener des Originalmusters zu vergleichen (Tätigkeit im Labor).<br />

Bemusterungen, d. h. Musterentnahmen, sind vor allem in <strong>der</strong> chemischen<br />

Industrie und in <strong>der</strong> Nahrungsmittelherstellung üblich. Ein Beispiel sind die<br />

Bemusterungen von Getreide aus Schiffsladungen, mit denen das Getreide<br />

vor dem Entladen auf gentechnisch verän<strong>der</strong>ten Bestandteile untersucht<br />

wird. Es ist zentral, genau zu arbeiten und die einzelnen Schritte zu<br />

dokumentieren.<br />

Entnahme einer Saatgutprobe_SEMAE<br />

389


Der Sperrbestand (AQ- o<strong>der</strong> AQL Bestand)<br />

Waren, <strong>der</strong>en Probe zur Kontrolle entnommen wurde, dürfen nicht<br />

gemeinsam mit verfügbaren Waren gelagert und nicht in die Produktion<br />

übermittelt werden, bevor sie das Ergebnis <strong>der</strong> Kontrolle erhalten. In <strong>der</strong> Regel<br />

werden diese Waren an einem speziell als Quarantänegebiet vorgesehenen<br />

Ort gelagert, um Verwechslungen zu vermeiden. Diese Orte werden oft mit<br />

Qualitätssicherung (QS) o<strong>der</strong> Sperrbestand beschriftet. Zur Sicherheit können<br />

selbstklebende Etiketten an den Gütern angebracht werden.<br />

Aufgaben <strong>der</strong> Logistik<br />

Die Logistik hat oft nicht mit <strong>der</strong> effektiven Kontrolle <strong>der</strong> Güter zu tun. Ihre<br />

Aufgabe ist vielmehr, Güter zu entnehmen, zu beschriften und sie<br />

weiterzuleiten. Gleichzeitig werden die Güter, welche nicht dem Labor<br />

übergeben wurden, zurückgehalten. Nach Erhalt des Resultats können so die<br />

Güter in die richtigen Lieferungen zurückgeführt werden. Je nach Resultat<br />

wird die Lieferung zurück zum Absen<strong>der</strong> gesendet o<strong>der</strong> ins Lager<br />

weitergeleitet.<br />

9.4 Qualitätsniveau<br />

Das Qualitätsniveau eines Objekts kann in drei Kategorien unterteilt werden:<br />

• Unterqualität: Ein Produkt, das nicht den Anfor<strong>der</strong>ungen des Kunden<br />

entspricht, erweist sich aufgrund <strong>der</strong> tiefen Anschaffungskosten kurzfristig oft<br />

als günstiger. Langfristig kommt es aber zu höheren Kosten, z. B. weil das<br />

fehlerhafte Produkt vom Kunden zurückgegeben wird.<br />

• Gute Qualität: Das Produkt entspricht den Anfor<strong>der</strong>ungen des Kunden und<br />

dem Preis, den er bezahlt.<br />

• Überqualität: Das Produkt erfüllt höhere Anfor<strong>der</strong>ungen als <strong>der</strong> Kunde stellt. Ein<br />

solches Produkt ist in <strong>der</strong> Produktion teurer als eines mit einer geringeren<br />

390


Qualität. Es erweist sich oft als zu teuer für den Kunden, <strong>der</strong> nur ein<br />

Grundprodukt erwerben möchte.<br />

9.5 Qualitätskontrollen in Unternehmen<br />

Der Begriff "Qualitätskontrolle" kommt aus dem Englischen, wo man von<br />

"Quality Assurance" spricht. Die Qualitätssicherung umfasst alle Kontrollen, die<br />

angewendet werden, um eine konstante Qualität des Objekts sicherzustellen<br />

(Produkt, Dienstleistung usw.). Es ist heute unerlässlich, die Anfor<strong>der</strong>ungen des<br />

Kunden zu erfüllen und ein qualitativ gutes Produkt herzustellen.<br />

In Modul 506 erfährst du, wie <strong>der</strong> Begriff Qualitätsmanagement zu<br />

verstehen ist und welche möglichen Zertifikate (z. B. ISO) damit erlangt<br />

werden können.<br />

9.6 Kontrolltechniken<br />

Bei den Qualitätskontrollen können je nach Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware,<br />

Zuverlässigkeit <strong>der</strong> Lieferanten und Risikofaktoren für die Produktion<br />

verschiedene Verfahren angewandt werden. Die Logistiker, die<br />

Logistikerinnen müssen über die Methoden informiert und in den für ihren<br />

Bereich geltenden Verfahren geschult werden, damit die Kontrollen nach<br />

den Richtlinien des Unternehmens durchgeführt werden können.<br />

391


Im Qualitätsmanagement wird die Kontrollmethode festgelegt. Zur Auswahl<br />

stehen die Methode <strong>der</strong> Vollkontrolle und die Methode <strong>der</strong><br />

Stichprobenkontrolle gewählt.<br />

9.6.1Vollkontrolle<br />

Eine vollständige Qualitätskontrolle bedeutet, dass die ganze Lieferung<br />

kontrolliert wird. Diese Kontrolltechnik ist sehr aufwändig. Handelt es sich um<br />

Bausätze, kann eine Vollkontrolle bedeuten, dass die gesamte Lieferung<br />

ausgepackt und alle Teile zusammengebaut werden müssen. Solche<br />

Kontrollen sind arbeits- und kostenintensiv. Damit <strong>der</strong> hohe Aufwand und die<br />

hohen Kosten auch gerechtfertigt sind, wird diese Kontrolltechnik<br />

insbeson<strong>der</strong>e in folgenden Fällen angewendet:<br />

• Beim erstmaligen Warenbezug bei einem Lieferanten, <strong>der</strong> seine Seriosität<br />

noch unter Beweis<br />

stellen muss.<br />

• Wenn an früheren Sendungen eines Lieferanten gravierende Mängel<br />

festgestellt wurden. Die<br />

Vollkontrolle soll eine Wie<strong>der</strong>holung verhin<strong>der</strong>n, damit die Kunden ihr<br />

Vertrauen in die Produkte nicht verlieren.<br />

• Wenn die ankommende Lieferung einen schlechten Eindruck macht.<br />

• Wenn die Güter sehr teuer sind und nur verkauft werden können, wenn sie<br />

eine Top-Qualität<br />

haben.<br />

• Wenn von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> eintreffenden Güter für das Unternehmen sehr viel<br />

abhängt.<br />

9.6.2 Stichprobenkontrollen<br />

Sobald die Zuverlässigkeit des Lieferanten festgestellt ist, ist die vollständige<br />

Kontrolle in Hinsicht auf zeitliche und finanzielle Ressourcen nicht mehr sinnvoll<br />

und die Stichprobenkontrollmethode genügt.<br />

392


In bestimmten Fällen und nach Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien<br />

können Qualitätskontrollen vollständig abgeschafft werden. Dies kann z. B.<br />

<strong>der</strong> Fall sein, wenn <strong>der</strong> Lieferant selbst ein Qualitätsmanagementsystem<br />

verwendet, das häufig geprüft und vom Kunden genehmigt wird (z. B. ISO<br />

9001).<br />

Improvisierte Stichprobenkontrollen<br />

In <strong>der</strong> Regel wird die improvisierte (spontane) Stichprobenkontrolle<br />

durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Kontrolle ohne Planung.<br />

Improvisiert bedeutet, die Stichprobenkontrolle wird genau da gemacht, wo<br />

es am einfachsten ist und die Situation es erlaubt. Das Ziel ist, möglichst wenig<br />

und keinen unnötigen Aufwand zu generieren.<br />

Folgende Tätigkeiten gelten als improvisierte Stichprobenkontrolle:<br />

• Das Nachzählen eines Teils <strong>der</strong> Lieferung.<br />

• Das Wegheben <strong>der</strong> obersten Gebinde, um jene darunter zu begutachten.<br />

• Das Wiegen eines Teils <strong>der</strong> Lieferung.<br />

• Das Öffnen einer Liefereinheit, um zu überprüfen, ob <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong><br />

Beschreibung entspricht.<br />

Stichprobenkontrolle nach Plan<br />

Bei einer Stichprobenkontrolle nach Plan sind eine bestimmte Menge von<br />

Kontrollen und eine Technik vorgegeben. Das Qualitätsmanagement<br />

entscheidet, welche Menge an Kontrollen durchzuführen sind und auf welche<br />

Art diese durchgeführt werden sollen. Das Resultat wird in <strong>der</strong> Regel mit dem<br />

Lieferanten besprochen. Aufgrund <strong>der</strong> Ergebnisse werden Verbesserungso<strong>der</strong><br />

Optimierungsmassnahmen getroffen. Die geplante Stichprobenkontrolle<br />

kann als "Einfach-Stichprobenkontrolle" o<strong>der</strong> "Mehrfach-Stichprobenkontrolle"<br />

ausgeführt werden.<br />

393


Einfach-Stichprobenkontrolle<br />

Die "Einfach-Stichprobenkontrolle" wird geplant durchgeführt. Auch hier gibt<br />

es verschiedene Methoden, die sich dazu eignen - o<strong>der</strong> eben nicht. Am<br />

einfachsten ist die Durchführung, wenn klare Aufgaben vorgegeben sind, z.<br />

B.: In je<strong>der</strong> Lieferung werden zwei Einheiten kontrolliert o<strong>der</strong> jede zweite<br />

Lieferung wird kontrolliert. So ist die Aufgabe klar definiert und kann im<br />

vorgegebenen Rhythmus durchgeführt werden.<br />

Etwas mehr Aufwand verursacht das Arbeiten mit Stichprobenplänen.<br />

Stichprobenpläne können sehr individuell dargestellt und umgesetzt werden.<br />

Die Abbildung zeigt ein Beispiel eines Stichprobenplans, <strong>der</strong> in dieser Art in <strong>der</strong><br />

Industrie eingesetzt wird:<br />

394


Losgrösse: Anzahl gelieferte Teile<br />

n: zu prüfende Menge<br />

ac: Fehlertoleranz (Anzahl erlaubter, fehlerhafter Teile)<br />

Qualitätsniveau: 3 Niveaus stehen zur Auswahl. Vom Anspruch an die Qualität<br />

hängt die Wahl des Niveaus ab: Je tiefer die Zahl, desto strenger sind die<br />

Anfor<strong>der</strong>ungen.<br />

Prüfungsniveau: Normale, verschärfte o<strong>der</strong> abgekürzte Prüfung. Mit <strong>der</strong><br />

verschärften Prüfung wird die grösste, mit <strong>der</strong> abgekürzten die kleinste Menge<br />

geprüft.<br />

Mehrfach-Stichprobenkontrolle<br />

Stichproben, die nach einem Mehrfach-Stichprobenplan erfolgen, sind eine<br />

weiteres mögliches Kontrollverfahren. Bei diesem Prozess wird das<br />

395


Kontrollergebnis in einer dreispaltigen Tabelle mit den folgenden<br />

Möglichkeiten ausgewertet:<br />

"Ablehnen"<br />

"Weiter mit <strong>der</strong> Kontrolle"<br />

"Akzeptieren"<br />

Das Ergebnis wird nach und nach erfasst, bis es in einen Entscheidungsbereich<br />

gelangt. Solange das Ergebnis im Bereich "Weiter mit <strong>der</strong> Kontrolle" bleibt,<br />

muss die Kontrolle fortgesetzt werden.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Nach Erhalt einer Lieferung einer Palette mit 980 Schraubenpaketen ist die<br />

Kontrolle nach folgenden Richtlinien durchzuführen:<br />

1. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 1, Fazit: Weiterprüfen<br />

2. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 0, Total Fehler: 1, Fazit: Weiterprüfen<br />

3. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 2, Fazit: Weiterprüfen<br />

4. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 3, Fazit: Weiterprüfen<br />

5. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 0, Total Fehler: 3, Fazit: Annehmen<br />

Total geprüft: 150 Stk. Fehlerhaft: 3<br />

396


9.7 Funktionskontrolle<br />

Die Funktionskontrolle (auch Betriebskontrolle genannt) genannt von Waren<br />

erfolgt nach <strong>der</strong> Methode <strong>der</strong> vollständigen Kontrolle o<strong>der</strong> stichprobenartig.<br />

Die Funktionskontrolle ist nötig, da die Waren sensibel sind und ihr<br />

Funktionieren gewährleistet sein muss. Die Kontrollen sollen verhin<strong>der</strong>n, dass<br />

<strong>der</strong> Kunde fehlerhafte Güter erwirbt. Sie können rudimentär o<strong>der</strong> umfassend<br />

durchgeführt werden. Die Kriterien werden vom Unternehmen und/o<strong>der</strong> vom<br />

gesetzlichen Rahmen vorgegeben.<br />

Eine Nachttischlampe hat nur wenige Kontrollpunkte, anhand welcher ein<br />

reibungsloses Funktionieren geprüft wird. Die Nachttischlampe kann<br />

ausgepackt und eingeschaltet werden, und sofort sieht man das Resultat <strong>der</strong><br />

Funktionskontrolle.<br />

Etwas anspruchsvoller und aufwändiger ist die Funktionskontrolle bei<br />

elektronischen Bauteilen. Es ist möglich, dass das Bauteil zuerst verbaut<br />

werden muss, damit das Funktionieren des Geräts geprüft werden kann.<br />

397


Im Warenverkehr zwischen zertifizierten Unternehmen entfällt die<br />

Funktionsprüfung für den Empfänger oft. Durch schriftliche Abmachungen<br />

werden die Lieferanten verpflichtet, die Funktionsprüfung vor <strong>der</strong> Auslieferung<br />

selbst durchzuführen.<br />

398


Modul 310_Vorbereitung für die Einlagerung<br />

Ausgangslage<br />

Der Beschaffungsprozess endet mit <strong>der</strong> Vorbereitung zur Einlagerung.<br />

So unterschiedlich Güter, Lagerformen und Verpackungen sein können, so<br />

wichtig ist die Aufgabe <strong>der</strong> Vorbereitung zur Einlagerung. Die Einheiten<br />

müssen an die Einrichtung angepasst werden, sodass während des ganzen<br />

Warenflusses keine zusätzlichen Aufwände entstehen.<br />

1. Welche Vorbereitungen werden in deinem Lehrbetrieb<br />

getroffen, damit die Einheit in <strong>der</strong> richtigen Grösse und<br />

Verpackung vorhanden ist, aber auch bereit zum Verkauf ist?<br />

Notiere Tätigkeiten aus deinem Lehrbetrieb, welche zu diesem<br />

Modul passen könnten.<br />

399


Überlegungen:<br />

2. Erkläre dem Pultnachbar rechts von dir deine Notizen. Im<br />

Anschluss schil<strong>der</strong>t dein Pultnachbar dir seine Notizen. Notiere<br />

die Schil<strong>der</strong>ungen des Pultnachbars in einem Satz.<br />

Bsp. Pultnachbar:<br />

400


Fachartikel Modul 310<br />

10. Vorbereitung für die Einlagerung<br />

Die Vorbereitung zur Einlagerung ist <strong>der</strong> letzte Schritt im Prozess <strong>der</strong><br />

Beschaffungslogistik. Er erfolgt, nachdem die Qualität und die Menge <strong>der</strong><br />

Ware kontrolliert worden sind. Es hängt von den Anfor<strong>der</strong>ungen an die<br />

Lagerung, vom Transport und vom Verkauf ab, wie die Vorbereitung <strong>der</strong><br />

Lagerung gestaltet wird. Wenn es keine speziellen Anfor<strong>der</strong>ungen gibt,<br />

können die Güter direkt nach <strong>der</strong> Kontrolle eingelagert werden. Wenn es<br />

beson<strong>der</strong>e Anfor<strong>der</strong>ungen gibt, muss die Ware neu verpackt, umverpackt<br />

(repacking) o<strong>der</strong> speziell ausgezeichnet werden.<br />

10.1 Gründe für neue Verpackung<br />

Wenn die Verpackung <strong>der</strong> eingetroffenen Ware nicht <strong>der</strong> gewünschten<br />

Verkaufsverpackung entspricht, muss <strong>der</strong> Artikel neu verpackt werden.<br />

Folgende Gründe können dazu führen, dass Ware umverpackt o<strong>der</strong> neu<br />

ausgezeichnet werden muss:<br />

Layout<br />

Die Beschriftung, das Logo o<strong>der</strong> die Farbe entsprechen nicht <strong>der</strong><br />

gewünschten Verpackung für den anvisierten Kundenkreis. Die Ware wird<br />

ausgepackt und in die neue Verkaufsverpackung wie<strong>der</strong> verpackt.<br />

Defekte Verpackung<br />

Beim Erhalt <strong>der</strong> Ware kann es unangenehme Überraschungen geben. So<br />

kann z. B. die Paketgrösse unangemessen sein o<strong>der</strong> die Verpackung<br />

beschädigt. Solche Probleme müssen schnell gelöst werden. Die Logistiker<br />

führen eine Umpackung durch. Die neue Verpackung ist perfekt auf den<br />

Artikel und sein Volumen abgestimmt. Die Umpackung wird vorgenommen,<br />

wenn <strong>der</strong> Zustand <strong>der</strong> Verkaufsverpackung keinen Verkauf an den Kunden<br />

ermöglicht (Image) o<strong>der</strong> wenn die Verkaufsverpackung die Schutzfunktion<br />

nicht mehr gewährleisten kann.<br />

401


Auszeichnung von Aktionen auf dem Produkt<br />

Wenn sich ein Unternehmen entscheidet, eine Verkaufsaktion zu machen,<br />

werden <strong>der</strong> Rabatt und <strong>der</strong> neue Preis auf dem Produkt ausgezeichnet.<br />

Neue Verpackungsgrössen<br />

Wenn einzelne Stücke eingekauft werden, es im Verkauf aber verschiedene<br />

Packungsgrössen gibt, müssen allenfalls einzelne Stücke zu einer grösseren<br />

Packung zusammengesetzt werden.<br />

Erstellen von Bundles<br />

Ein Bundle besteht aus verschiedenen Einzelteilen. Die EnterSite AG Verkauft<br />

u. a. verschiedene Tonerkartuschen für Kopiergeräte und Rohstoffe für den<br />

3D-Druck. Im Verkauf hat das Unternehmen die Möglichkeit, die Farben Cyan,<br />

Magenta, Yellow und Black als einzelne Produkte zu verkaufen. Als Alternative<br />

können diese Einzelteile auch als "RainbowKit" verkauft werden. Dazu bündelt<br />

die EnterSite AG die verschiedenen Farben und verkauft sie als neue Einheit.<br />

Handling <strong>der</strong> Ware<br />

Güter werden nicht nur aus optischen Gründen o<strong>der</strong> aus Gründen des<br />

Verkaufs umverpackt o<strong>der</strong> neu verpackt. Eine Umverpackung wird auch<br />

402


gemacht, damit die Aufgaben <strong>der</strong> Logistik möglichst einfach ausgeführt<br />

werden können. Mit einem kleinen Behälter besteht z. B. die Möglichkeit,<br />

hun<strong>der</strong>te Schrauben auf einmal zu transportieren. Müssten sie einzeln von A<br />

nach B gebracht werden, wäre dies sehr umständlich.<br />

Art <strong>der</strong> Lagerung und Kommissionierung<br />

Güter werden mit verschiedenen Hilfsmitteln eingelagert. Wenn das Lager mit<br />

Palettenregalen ausgestattet ist, müssen alle Güter auf Paletten für die<br />

Einlagerung vorbereitet werden. Wenn die Güter für einen Kommissionierplatz<br />

vorgesehen sind, besteht die Möglichkeit, die Güter in Behältern für die<br />

Einlagerung bereitzustellen.<br />

403


Automatisierung<br />

Die Automatisierung hat entscheidenden Einfluss darauf, ob die Güter direkt<br />

eingelagert werden können o<strong>der</strong> noch eine Än<strong>der</strong>ung erfahren. Wenn die<br />

Lagerung in einem automatischen Palettenregal stattfindet, werden die<br />

Paletten möglicherweise mit eigenen Auszeichnungen versehen. Mit den<br />

Informationen auf dieser Auszeichnung kann die Ein- und Auslagerung<br />

stattfinden.<br />

10.2 Einbuchen <strong>der</strong> Ware<br />

Unabhängig davon, ob das Produkt bei <strong>der</strong> Vorbereitung für die Einlagerung<br />

eine Verän<strong>der</strong>ung erfahren hat, wird es am Ende des Einlagerungsprozesses<br />

eingebucht.<br />

404


Ein Beispiel einer Ansicht im ERP:<br />

1. Lieferant 5. Bestellte Menge<br />

2. Buchungsdatum/Art<br />

<strong>der</strong> Lieferdokumente<br />

3. Artikelnummer 7. Lagerort<br />

6. Tatsächliche gelieferte Menge<br />

(Eingabe durch die<br />

kontrollierende Person)<br />

4. Artikelbezeichnung 8. Verfügbarkeit (frei verfügbar,<br />

Sperrbestand, Qualitätsprüfung<br />

usw.)<br />

Wie in Modul 303 ausgeführt, gibt es geplante o<strong>der</strong> ungeplante<br />

Warenannahmen. Ist die Annahme geplant, ist die Bestellung bereits im ERP<br />

des Unternehmens erfasst. Sobald die Güter für die Einlagerung vorbereitet<br />

sind, wird die Buchung ausgeführt, und die Güter werden in die Lagerung<br />

übergeben.<br />

10.3 Bestandesführung<br />

Mit dem Einbuchen <strong>der</strong> eingetroffenen Bestellung ist <strong>der</strong> Artikel in <strong>der</strong><br />

Bestandesführung erfasst.<br />

405


10.3.1 Grundbegriffe <strong>der</strong> Bestandesführung<br />

Die Grundbegriffe <strong>der</strong> Bestandesführung sind Fachausdrücke, die lei<strong>der</strong> nicht<br />

einheitlich geregelt sind. Die verwendeten Begriffe können in <strong>der</strong> Fachliteratur<br />

an<strong>der</strong>s lauten. Auch die folgenden Darstellungen sind in ihrem Aufbau nicht<br />

verbindlich, son<strong>der</strong>n als Beispiele zu verstehen.<br />

Artikel<br />

Ein Artikel ist ein Lagergut, das in allen Teilen identisch ist. Eine Tonerkartusche<br />

kann sich zum Beispiel in <strong>der</strong> Beschaffenheit, <strong>der</strong> Grösse und Farbe<br />

unterscheiden. Also wird jedes Lagergut mit einer abweichenden Eigenschaft<br />

zu einem Artikel.<br />

Einige Beispiele:<br />

• CE410X 305 X Toner BLACK<br />

• CE411A 305 Toner CYAN<br />

• CE412A 305 Toner YELLOW<br />

• CE413A 305 Toner MAGENTA<br />

10.3.2 Kopf <strong>der</strong> Lagerkarte<br />

Der folgende Aufbau einer Lagerkarte könnte auch Teil eines<br />

Lagerverwaltungssystems (LVS) o<strong>der</strong> eines ERP-Systems sein (Enterprise<br />

Resource Planning). Im Kopf <strong>der</strong> Lagerkarte sind alle Angaben zu diesem<br />

Artikel zu finden. Im vorliegenden Beispiel wird zwischen Artikel- und<br />

Bestandesdaten unterschieden.<br />

406


1 Die Artikelnummer gewährleistet eine eindeutige Identifikation des<br />

Artikels.<br />

2 Die Artikelbezeichnung ergänzt die Artikelnummer und ermöglicht die<br />

visuelle Kontrolle des Artikels. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche<br />

Sicherheit gegen Verwechslungen.<br />

3 Die Liefereinheit definiert die minimale Anzahl Stück, die geliefert wird.<br />

Im vorliegenden Fall sind es 5 Stück. In <strong>der</strong> Fachsprache wird die<br />

Liefereinheit abgekürzt mit LE bezeichnet.<br />

4 Die Verkaufseinheit (VE) definiert die minimale Anzahl für den Verkauf.<br />

Eine VE umfasst meistens 1 Stück, kann aber auch 5, 10 o<strong>der</strong> 100 Stück<br />

umfassen.<br />

5 Der Einstandspreis, auch Beschaffungspreis o<strong>der</strong> Bezugspreis genannt,<br />

ist ein kaufmännischer Fachbegriff. Diesen Preis hat <strong>der</strong> Händler für<br />

einen Artikel zu bezahlen. Dem Logistiker dient er zur Bewertung des<br />

Lagerbestandes. Der Einstandspreis wird intern verwendet und ist nicht<br />

für die Öffentlichkeit bestimmt. Verkauft wird <strong>der</strong> Artikel teurer, nämlich<br />

zum Verkaufspreis (VP).<br />

6 Der Lieferant eines Artikels wird auf <strong>der</strong> Lagerkarte vermerkt, um bei<br />

Unregelmässigkeiten schneller reagieren zu können.<br />

7 Der Höchstbestand eines Artikels wird aufgrund des Lagerumschlags<br />

und des verfügbaren Lagerplatzes festgelegt. Die Festlegung eines<br />

407


Höchstbestandes pro Artikel verhin<strong>der</strong>t die Anhäufung unnötig hoher<br />

Lagerbestände.<br />

8 Die Zahl "Meldebestand" zeigt an, bei welchem Lagerbestand die<br />

neue Bestellung ausgelöst werden muss. Lagerverwaltungssysteme<br />

erinnern den Anwen<strong>der</strong> bei Erreichen o<strong>der</strong> Unterschreiten des<br />

Meldebestandes automatisch an die Nachbestellung.<br />

9 Der Sicherheitsbestand, auch Mindestbestand genannt, ist die eiserne<br />

Reserve. Dieser Bestand wird für jeden einzelnen Artikel festgelegt und<br />

sollte nicht unterschritten werden.<br />

10.3.3 Buchungseinträge<br />

10 Verbuchungsdatum: Datum des Eintrags in die Lagerkarte. Bei<br />

computergestützten Systemen wird in <strong>der</strong> Regel das Systemdatum<br />

eingetragen. Meistens wird zusätzlich <strong>–</strong> für den Benutzer unsichtbar <strong>–</strong><br />

die User-ID eingetragen. Dadurch können alle Än<strong>der</strong>ungen einem<br />

Benutzer zugeordnet werden und sind nachvollziehbar.<br />

11 In dieser Spalte werden die Wareneingänge verbucht.<br />

Wareneingänge werden auch als Zugänge o<strong>der</strong> Lagerzugänge<br />

bezeichnet. Wareneingänge erhöhen den Lagerbestand.<br />

408


12 In <strong>der</strong> Spalte "Ausgang" werden Güter verbucht, die dem Lager<br />

entnommen werden. Ausgänge werden auch Warenausgänge o<strong>der</strong><br />

Lagerabgänge genannt. Sie vermin<strong>der</strong>n den Lagerbestand.<br />

13 In <strong>der</strong> Spalte "Reservierter Bestand" werden Reservationen<br />

eingetragen. Als Reservationen gelten Lagerbestände, die für einen<br />

bestimmten Kunden o<strong>der</strong> einen bestimmten Zweck vorgesehen und<br />

reserviert sind. Reservierte Bestände sind physisch vorhanden, aber<br />

nicht mehr frei verfügbar. Deshalb vermin<strong>der</strong>n reservierte Bestände<br />

den verfügbaren Bestand, nicht aber den Gesamtbestand.<br />

14 Als QS-Bestand (Qualitätssicherung) werden Güter verbucht, die vor<br />

<strong>der</strong> definitiven Einlagerung noch geprüft werden müssen. Auch <strong>der</strong><br />

QS-Bestand ist physisch vorhanden, aber nicht verfügbar.<br />

15 Als Sperrbestand werden alle Lagerbestände geführt, die aus<br />

irgendeinem Grund nicht verwendet o<strong>der</strong> ausgeliefert werden dürfen.<br />

Auch Sperrbestände sind physisch vorhanden. Sie werden im<br />

Gesamtbestand berücksichtigt, nicht aber im verfügbaren<br />

Lagerbestand.<br />

16 Der verfügbare Lagerbestand wird auch als frei verfügbarer<br />

Lagerbestand bezeichnet. In dieser Spalte ist abzulesen, wie viele<br />

Einheiten (Stück, Kilogramm, Tonnen) ab Lager sofort ausgeliefert<br />

werden könnten.<br />

17 Der Gesamtbestand zeigt die gesamte Belegung des Lagers mit<br />

einem Artikel. Er umfasst den verfügbaren Lagerbestand, den QS-<br />

Bestand und den Sperrbestand.<br />

10.3.4 Buchungsbeispiele<br />

Verbuchung von Lagerein- und -ausgängen<br />

Am 01.09.20xx beträgt <strong>der</strong> Lagerbestand 10'000 Stück. Am 02.09.20xx werden<br />

2'870, am 03.09.20xx 1'640 Stück und am 04.09.20xx 3'980 Stück ausgeliefert.<br />

Am 05.09.20xx beträgt <strong>der</strong> Zugang 5'000 Stück. Am gleichen Tag werden 2'300<br />

Stück ausgeliefert. Wie verän<strong>der</strong>n sich <strong>der</strong> verfügbare Bestand und <strong>der</strong><br />

Gesamtbestand?<br />

409


Datum<br />

Eingang Ausgang Reservierter<br />

Bestand<br />

QS-<br />

Bestand<br />

Sperrbestand Verfügbarer<br />

Bestand<br />

Gesamtbestand<br />

01.09.20xx 10'000 10'000<br />

02.09.20xx 2'870 7'130 7'130<br />

03.09.20xx 1'640 5'490 5'490<br />

04.09.20xx 3'980 1'510 1'510<br />

05.09.20xx 5'000 6'510 6'510<br />

06.09.20xx 2'300 4'210 4'210<br />

Die Ein- und Ausgänge finden physisch statt. Also verän<strong>der</strong>n sich <strong>der</strong><br />

verfügbare Lagerbestand und <strong>der</strong> Gesamtbestand in gleichem Mass.<br />

410


Logistiker/In EFZ<br />

400_Logistics<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

411


Modul 401_Lageraufgaben<br />

Ausgangslage<br />

Ein Lager ist nicht nur als eine Art Waren- o<strong>der</strong> Güterablage zu verstehen. Es<br />

erfüllt viel mehr Aufgaben, als man meint. Je nach Waren und Aufgaben<br />

muss ein Lager speziell konzipiert und betrieben werden. Dieses Modul<br />

beleuchtet die Arbeiten und Zuständigkeiten des Lagers.<br />

412


Fachartikel Modul 401<br />

1. Lageraufgaben<br />

1.1 Das Lager<br />

Die Lagerhaltung von Waren ist nichts Neues. Bereits unsere Vorfahren haben<br />

"Lager" an Nahrungsmitteln unterhalten. In <strong>der</strong> Schweiz werden vom Bund<br />

noch heute Pflichtlager geführt, welche zur Versorgungssicherheit <strong>der</strong><br />

Bevölkerung in Krisenzeiten dienen. Auch die Welt <strong>der</strong> Tiere kennt die<br />

Vorratshaltung. Das Eichhörnchen vergräbt z. B. vor dem Winter seine Nüsse,<br />

um sich das Überleben zu sichern. Bei Tieren ist es insofern speziell, dass die<br />

Waren irgendwo aufbewahrt werden und dann oftmals nicht mehr o<strong>der</strong> nur<br />

durch Zufall wie<strong>der</strong> gefunden werden. Diese Lagerung könnte man mit <strong>der</strong><br />

chaotischen Lagerung vergleichen.<br />

Die chaotische Lagerung wird in Modul 406 vertieft behandelt.<br />

Wie definiert man das Lager?<br />

Der Begriff Lager beschreibt in <strong>der</strong> EnterSite AG zum einen den Raum, in dem<br />

gelagert wird und zum an<strong>der</strong>n die Güter, die dort aufbewahrt werden.<br />

Merke: Aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, nur so viel Ware<br />

einzukaufen wie benötigt wird. Somit wird das Lager <strong>der</strong> EnterSite AG mit<br />

seinen Aufgaben Bestand haben.<br />

1.2 Übersicht <strong>der</strong> Lageraufgaben<br />

413


1.2.1 Die Sicherungsaufgabe<br />

Die ursprünglichste Form für<br />

die Lagerung ist, Vorräte für<br />

den Notfall zu sichern. Diese<br />

sogenannte<br />

Sicherungsfunktion wird<br />

ebenfalls Puffer- o<strong>der</strong><br />

Ausgleichsfunktion genannt<br />

und hilft <strong>der</strong> Unternehmung,<br />

kritische Situationen zu<br />

überstehen. Die<br />

Sicherungsfunktion kommt in<br />

folgenden Fällen zum Zug:<br />

Pufferlager<br />

• Wenn Lieferengpässe<br />

o<strong>der</strong><br />

Transportschwierigkeiten<br />

auftreten.<br />

• Wenn Schwankungen<br />

beim Verbrauch durch<br />

vermehrte Nachfrage<br />

auftreten.<br />

• Wenn zu wenig o<strong>der</strong><br />

fehlerhafte Ware geliefert<br />

wird.<br />

Merke: In <strong>der</strong> Fachsprache spricht man bei <strong>der</strong> Sicherungsfunktion auch<br />

vom Mindestbestand, dem Sicherheitsbestand o<strong>der</strong> <strong>der</strong> eisernen Reserve.<br />

414


1.2.2 Die Umformungsaufgabe<br />

In Lagern von Handelsbetrieben<br />

werden Waren oft umgefüllt,<br />

gemischt o<strong>der</strong> sortiert. Die<br />

Umformungsaufgabe dient dazu, den<br />

Kunden die Ware in den<br />

gewünschten Mengen (10 Stück, 100<br />

Stück usw.) o<strong>der</strong> als Sets<br />

(Dichtungsset, Reparaturset usw.)<br />

bereitzustellen. Typische<br />

Umformfunktionen sind auch:<br />

• das Umpacken von Gütern<br />

• das Schneiden o<strong>der</strong> Ablängen<br />

von Waren<br />

Umpacken von Schokolade<br />

• das Mischen (Chemikalien,<br />

Farben)<br />

• die Vormontage von Gütern<br />

• das Kommissionieren<br />

(Zusammenstellen von<br />

bestimmten Teilmengen)<br />

1.2.3 Die Kontrollaufgabe<br />

Innerhalb des Warenflusses werden im Lager verschiedene Kontrollaufgaben<br />

erfüllt. Die wichtigsten sind:<br />

• die Identifikation <strong>der</strong> Güter<br />

• die Kontrolle <strong>der</strong> Menge und des Zustands <strong>der</strong> Ware<br />

• die Überwachung <strong>der</strong> Termine<br />

Zur Kontrollfunktion gehört ebenfalls das Aussortieren von Waren: Veraltete,<br />

nicht mehr benötigte o<strong>der</strong> verdorbene Ware wird im Lager aussortiert.<br />

415


1.2.4 Die Spekulationsaufgabe<br />

Sind Preissteigerungen zu erwarten, werden durch einen rechtzeitigen Einkauf<br />

Preisvorteile erzielt. Zur Spekulationsaufgabe gehört, Waren dann einzukaufen,<br />

wenn sie günstig sind (z. B. Heizölkauf im Sommer), um sie danach zu einem<br />

teureren Preis zu verkaufen.<br />

1.2.5 Die Veredelungsaufgabe<br />

Es gibt viele Güter (Käse, Wein, Fleischwaren usw.), die erst durch eine<br />

entsprechende Lagerung ihre optimale Qualität und Reife erhalten. Lager,<br />

die solche Güter enthalten, werden häufig auch Produktivlager genannt.<br />

416


Modul 402_Lagerarten<br />

Ausgangslage<br />

Lager unterscheiden sich nicht nur in Hinsicht auf die verschiedenen Funktionen und<br />

Aufgaben, son<strong>der</strong>n auch in den Lagerarten und Lagerformen. Dabei erfüllt jede<br />

Lagerart einen bestimmten Zweck. Je nachdem ist es sinnvoll, ein zentrales<br />

Vorratslager für den Gesamtbetrieb o<strong>der</strong> ein dezentrales Lager am jeweiligen Ort <strong>der</strong><br />

Verwendung zu führen. Bei <strong>der</strong> Konzipierung von Lagern ist es wichtig, dass diese für<br />

die jeweiligen Betriebe einen Mehrwert ergeben.<br />

417


Fachartikel Modul 402<br />

2. Lagerarten<br />

Lager sind nicht gleich Lager. Verschiedene Faktoren müssen bei <strong>der</strong> Planung<br />

eines neuen Lagers beachtet werden und beeinflussen dessen Konzeption.<br />

Kriterien, die es für das Lager <strong>der</strong> EnterSite AG zu beachten gilt, sind:<br />

• Welche Güter sollen gelagert werden?<br />

• In welcher Branche ist die EnterSite AG tätig?<br />

• Wo befindet sich <strong>der</strong> Standort des jeweiligen Lagers?<br />

• Welche Funktion muss das Lager erfüllen?<br />

2.1 Unterscheidung nach Gütern<br />

Ein wichtiger Faktor für die Planung eines Lagers sind die Güter, die darin<br />

gelagert werden sollen. Wie in Modul 105 beschrieben, gibt es<br />

unterschiedliche Merkmale, aufgrund <strong>der</strong>er die Güter unterschiedlich<br />

gehandhabt und somit auch gelagert werden müssen. Für eine<br />

werterhaltende Lagerung gilt es z. B. folgende Gütereigenschaften zu<br />

berücksichtigen:<br />

• Abmessung und Volumen<br />

• Dichte (Gewicht)<br />

• Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig)<br />

• Lagerbarkeit (ver<strong>der</strong>blich, zerbrechlich, stapelbar)<br />

• Wert (diebstahlsichere Lagerung)<br />

• usw.<br />

2.1.1 Rohstofflager<br />

Als Hauptbestandteil eines herzustellenden Gutes dienen Rohstoffe (Stahl,<br />

Holz, Baumwolle usw.). Je nach Unternehmung kann es sinnvoll sein, ein<br />

Rohstofflager zentral für die gesamte Unternehmung zu führen o<strong>der</strong><br />

dezentrale Lager an <strong>der</strong> Quelle <strong>der</strong> Verwendung zu haben. Das Rohstofflager<br />

<strong>der</strong> EnterSite AG erfüllt in erster Linie die Aufgabe <strong>der</strong> Sicherung, indem es<br />

eine reibungslose Produktionslinie gewährleistet.<br />

418


2.1.2 Handlager<br />

Handlager sind kleine Lager, in denen geringe Mengen häufig benötigter<br />

Güter lagern. Diese Güter sind sehr oft Einkaufsteile (Schrauben,<br />

Unterlegscheiben, Dichtungen, usw.). In Handlagern bedienen sich die<br />

Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Regel selbst und ohne Verbuchung <strong>der</strong> Entnahmen.<br />

Damit die Bestandesführung <strong>der</strong> EnterSite AG trotzdem funktioniert, werden<br />

die Artikel im Handlager von einem Mitarbeiter, von einer Mitarbeiterin<br />

regelmässig kontrolliert, um festzustellen, welche Güter in welchen Mengen<br />

bezogen wurden, und die Bestände anzupassen.<br />

2.1.3 Fertigwarenlager<br />

Wenn hergestellte Güter<br />

(Produkte) nicht sofort<br />

verkauft werden, lagert<br />

man diese zwischenzeitlich<br />

ein. Die Aufgabe eines<br />

Fertigwarenlagers ist somit<br />

hauptsächlich die<br />

Überbrückung zwischen<br />

Produktion und Verkauf. Im<br />

Einzel- o<strong>der</strong> Grosshandel<br />

spricht man vom<br />

Verkaufslager. Der Händler<br />

bezieht die Waren direkt<br />

vom Hersteller und verkauft<br />

diese in kleinen Mengen an<br />

die Endverbraucher. Der<br />

Verkaufsraum, in dem die<br />

Waren den Kunden<br />

angeboten werden, wird<br />

auch als Verkaufslager<br />

bezeichnet.<br />

Fertigwarenlager<br />

2.2 Unterscheidung nach Branchen<br />

Die Anfor<strong>der</strong>ungen an eine sorgfältige Lagerung sind sehr vielfältig. Dabei hat<br />

jede Branche individuelle Bestimmungen für den Umgang mit ihren Gütern.<br />

419


2.2.1 Betriebe <strong>der</strong> Fertigung (Produktion)<br />

Fertigungsbetriebe stellen Güter her. Die EnterSite AG produziert z. B.<br />

Kugelschreiber, Tintenpatronen o<strong>der</strong> Bostitch. Dabei läuft <strong>der</strong> Leistungsprozess<br />

immer gleich ab. Wie auf dem unten abgebildeten Fertigungsprozess<br />

ersichtlich, wird in <strong>der</strong> Fertigung zwischen drei Arten von Lagern<br />

unterschieden.<br />

Vorgelagerte Produktionslager<br />

Das Vorgelagerte Produktionslager hat die Hauptaufgabe, den<br />

Herstellbereich mit Rohstoffen, Halbfabrikaten usw. zu bedienen, um eine<br />

ausgeglichene Produktion und somit die wirtschaftliche Auslastung <strong>der</strong><br />

vorhandenen Betriebsmittel zu gewährleisten.<br />

420


Zwischenlager in <strong>der</strong> Produktion<br />

Durchlaufen Produkte<br />

mehrere Fertigungsstufen (z.<br />

B. Vormontage <strong>–</strong> Fertigung <strong>–</strong><br />

Lackieren <strong>–</strong> Endmontage),<br />

entstehen zwischen den<br />

einzelnen Stufen häufig<br />

Wartezeiten. Deshalb<br />

werden in <strong>der</strong> Fertigung<br />

Zwischenlager benötigt,<br />

welche eine<br />

Überbrückungsaufgabe<br />

übernehmen.<br />

In <strong>der</strong> Pharmabranche wird<br />

dabei von "Bulk" gesprochen.<br />

In diesem Fall werden<br />

pharmazeutische Produkte<br />

nicht in <strong>der</strong><br />

Verkaufsverpackung,<br />

son<strong>der</strong>n in grossen Behältern<br />

gelagert, um sie bei Bedarf<br />

fertig abzupacken und<br />

anschliessend auszuliefern.<br />

Typisches Produktionslager - Lagern von Blechrollen im<br />

Stahlwerk<br />

Nachgelagertes Produktionslager<br />

Das nachgelagerte Produktionslager hat den Zweck:<br />

• <strong>der</strong> gleichmässigen Versorgung von Handel und Verkauf<br />

• <strong>der</strong> Aufnahme von Produktionsüberschüssen<br />

• dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage<br />

2.2.2 Der Distributionsbetrieb<br />

Die Post, Speditionsfirmen und Transportunternehmen sind typische<br />

Distributionsbetriebe, welche Umschlagslager führen.<br />

Das Thema Distributionslogistik wird in<br />

behandelt.<br />

Modul 600 noch genauer<br />

421


Umschlagslager<br />

Das Umschlaglager ist ein Lager ohne Lagerbestände. Die vorhandenen<br />

Güter werden dort aus folgenden Gründen nur zwischengelagert:<br />

• Umlad von einem Transportmittel auf ein an<strong>der</strong>es<br />

• Sortierung von Sendungen<br />

• Bereitstellung von Lieferungen für den Verlad.<br />

Die grossen Umschlagslager<br />

befinden sich oft an<br />

Verkehrsknotenpunkten wie:<br />

• Schiffshäfen<br />

• Güterbahnhöfen<br />

• Flughäfen<br />

• Containerterminals<br />

• Brief- und Paketzentren<br />

Containerlager am Hafen<br />

Die Betreiber von Umschlagslagern sind nicht nur für den reibungslosen<br />

Warenumschlag verantwortlich. Sie sind ebenfalls auf die korrekte Abwicklung<br />

<strong>der</strong> notwendigen administrativen Arbeiten spezialisiert.<br />

Administrative Arbeiten in Umschlagslagern sind:<br />

• Erledigung von Zollformalitäten<br />

• Sicherheitskontrollen<br />

• Ausstellen von Frachtbriefen<br />

• Abrechnen von Frachtspesen<br />

2.2.3 Handelsbetriebe<br />

Handelsbetriebe bewirtschaften oft Lager mit grossen Mengen an Gütern,<br />

welche an den Einzelhandel und Fertigungsbetriebe verkauft werden.<br />

422


Auslieferungslager<br />

Bewirtschaftet ein Handelsbetrieb ein Auslieferungslager, kann er den<br />

Transportweg und somit die Zeit für die Kundenanlieferung verkürzen.<br />

Fertigungsbetriebe können die Vorteile eines Auslieferungslagers ebenfalls<br />

nutzen, indem sie ihre Waren bei einem Speditionsunternehmen lagern. So<br />

kann die Spedition die Ware bei Abruf des Kunden ohne Verzögerung<br />

ausliefern.<br />

Kommissionslager<br />

Das Kommissions- o<strong>der</strong> Konsignationslager ist ein Warenlager eines Lieferanten<br />

o<strong>der</strong> Dienstleisters. Der Lieferant (z. B. Hersteller eines Produktes) stellt seinem<br />

Kunden (Handelsbetrieb) die Waren auf eigene Kosten zur Verfügung. Die<br />

Ware bleibt dabei im Eigentum des Lieferanten, lagert aber beim Kunden. Die<br />

Entnahmen aus dem Lager werden periodisch mit dem Lieferanten<br />

abgerechnet. Für den Kunden bedeutet dies einen gesicherten Warenfluss<br />

trotz verringerter Kapitalbindung.<br />

2.3 Unterscheidung nach Standorten<br />

Die Standortwahl wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst.<br />

Unterschieden wird nach internen und externen Faktoren.<br />

Interne Faktoren:<br />

• Art <strong>der</strong> Güter<br />

• Gewicht<br />

• Volumen<br />

• Haltbarkeit<br />

• Umschlagshäufigkeit<br />

423


Externe Faktoren:<br />

• Bauvorschriften<br />

• Umweltvorschriften<br />

• Massnahmen zum Lärmschutz<br />

• Massnahmen zur Lagerung gefährlicher Güter<br />

• Verkehrstechnische Massnahmen<br />

2.3.1 Zentrale o<strong>der</strong> dezentrale Lager für die Produktion<br />

Um einen kostengünstigen Materialfluss zwischen Lager und Produktion zu<br />

gewährleisten, werden Lager für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in <strong>der</strong> Regel<br />

möglichst in <strong>der</strong> Nähe <strong>der</strong> Produktionsstätten erstellt. Der Betrieb muss sich<br />

dabei zwischen zentraler o<strong>der</strong> dezentraler Lagerung entscheiden.<br />

Wird <strong>der</strong> gesamte Produktionsbereich aus einem zentralen Lager versorgt,<br />

ergeben sich folgende Vorteile:<br />

• Die Vorräte können niedriger gehalten werden.<br />

• Die Beschaffung von Gütern ist einfacher (weniger Bestellungen,<br />

jedoch höhere Mengen = Rabatt).<br />

• effiziente Raumausnutzung<br />

• Die vorhandene Infrastruktur kann optimal genutzt werden.<br />

• Das Personal kann besser geplant werden.<br />

Wird die Distanz zwischen Produktion und Lager zu gross, kann es durchaus<br />

sinnvoll sein, in Produktionsnähe dezentrale Lager zu bewirtschaften. Dies gilt<br />

insbeson<strong>der</strong>e bei schweren und voluminösen Gütern o<strong>der</strong> bei Fertigungen,<br />

welche das Just-in-time-Verfahren anwenden.<br />

Dezentrale Lager bieten folgende Vorteile:<br />

• Informationsfluss läuft schneller<br />

• kürzere Wege<br />

• Spezielle Güter können optimal abgestimmt gelagert werden.<br />

424


2.4 Zwischenlager<br />

Als Zwischenlager werden alle Lager<br />

bezeichnet, <strong>der</strong>en Zweck es ist, Güter<br />

vorübergehend aufzunehmen.<br />

Zwischenlagerung heisst: Aufbewahrung<br />

von Gütern bis zur Abholung o<strong>der</strong> bis zum<br />

Verbrauch.<br />

Typische Zwischenlager sind unter<br />

an<strong>der</strong>em:<br />

• Gepäckaufbewahrungen<br />

Postfachanlage<br />

• Schliessfächer<br />

• Postfächer<br />

Gepäckaufbewahrung<br />

Merke: Zwischenlager nehmen die Güter in <strong>der</strong> Regel für kurze Zeit auf, ein<br />

Schliessfach beispielsweise nur für Stunden.<br />

Keine Regel ohne Ausnahme, dies gilt auch in <strong>der</strong> Logistik. Für radioaktive<br />

Abfälle gibt es in <strong>der</strong> Schweiz ebenfalls Zwischenlager. Weil diese Abfälle in<br />

<strong>der</strong> Schweiz vorläufig noch nicht endgelagert werden können, müssen sie<br />

teilweise über mehrere Jahre zwischengelagert werden.<br />

425


2.5 Reifelager<br />

So, wie die Qualität verschiedener<br />

Nahrungsmittel in <strong>der</strong> Frische liegt,<br />

gibt es Produkte, die eine gewisse<br />

Reife erreichen sollen. Dies sind<br />

zum Beispiel:<br />

• Käse (wird während vier bis<br />

zwölf Monaten gelagert)<br />

• Fleischwaren<br />

• Wein, Bier, Spirituosen<br />

Reifelager von Speck<br />

• Früchte<br />

Während <strong>der</strong> Reifung verän<strong>der</strong>t sich <strong>der</strong> Geschmack. Junger Käse ist in <strong>der</strong><br />

Regel mild. Mit zunehmen<strong>der</strong> Lagerdauer wird er rezenter, das heisst kräftiger<br />

im Geschmack. Bei Reifelagern spielt das Lagerklima unter Umständen eine<br />

entscheidende Rolle für die Qualität des Endprodukts.<br />

Höhlengereifter Käse wird zum Beispiel in Naturhöhlen gelagert und erreicht<br />

dadurch eine beson<strong>der</strong>s gute Qualität. Käse wird im Reifelager nicht nur<br />

gelagert, son<strong>der</strong>n auch intensiv gepflegt. So wird die Oberfläche immer<br />

wie<strong>der</strong> mit einer Salzlösung abgerieben.<br />

Exotische Früchte überstehen den langen Transport aus den Ursprungslän<strong>der</strong>n<br />

oft nur unbeschadet, wenn sie in unreifem Zustand gepflückt und transportiert<br />

werden. Darum werden sie vor dem Verkauf in speziellen Anlagen gereift. Ein<br />

bekanntestes Beispiel sind die Bananenreifereien von Grossverteilern.<br />

426


Modul 403_Lagereinrichtungen<br />

Ausgangslage<br />

Die Auswahl einzusetzen<strong>der</strong> Lagereinrichtungen erfolgt nach unterschiedlichen<br />

Auswahlkriterien. Das wichtigste Kriterium ist hierbei das Lagergut selber. Nicht jede<br />

Einrichtung ist für jedes Lagergut geeignet. Stangenmaterial kann schlecht in einem<br />

Palettenregal gelagert werden o<strong>der</strong> ver<strong>der</strong>bliche Ware eignet sich schlecht um in<br />

einem riesigen Blocklager abgestellt zu werden. Weitere wichtige Kriterien sind unter<br />

an<strong>der</strong>em die Bedienbarkeit, <strong>der</strong> Automatisierungsgrad o<strong>der</strong> die<br />

Umschlagshäufigkeit. Ein wichtiger Punkt, den es ebenfalls zu beachten gilt, sind die<br />

örtlichen Gegebenheiten. Jede Lagereinrichtung hat ihre Vor- und Nachteile, die es<br />

abzuwägen gilt.<br />

427


Fachartikel Modul 403<br />

3. Lagereinrichtungen<br />

3.1 Bodenlagerungen<br />

Bei <strong>der</strong> Bodenlagerung werden alle zu lagernden Güter auf dem Boden<br />

platziert. Diese Lagereinrichtung gilt für Stückgüter als Basisvariante. Die<br />

wesentlichen Vorteile dieser Einrichtung sind <strong>der</strong> geringe organisatorische<br />

Aufwand und <strong>der</strong> geringe Kostenaufwand.<br />

3.1.1 Blockflachlager<br />

Das Blockflachlager besteht aus Lagereinheiten, die nicht gestapelt direkt auf<br />

dem Boden stehen. Arbeitsgänge zwischen je zwei Reihen gewährleisten den<br />

Zugriff auf jede Lagereinheit. Blockflachlager benötigen in Hinsicht auf die<br />

Lagerkapazität eine grosse Lagerfläche. Blockflachlager werden bevorzugt<br />

bei sperrigen o<strong>der</strong> speziellen Gütern sowie bei Autos o<strong>der</strong> Schüttgütern wie z.<br />

B. Kies.<br />

3.1.2 Blockstapellager<br />

Beim Blockstapellager liegen die untersten Lagereinheiten wie beim<br />

Blockflachlager auf dem Boden. Die übrigen Lagergüter werden darauf<br />

gestapelt. Voraussetzung für das aufeinan<strong>der</strong>stapeln ist geeignetes,<br />

druckunempfindliches Lagergut und entsprechende Stapelhilfsmittel. Diese<br />

Lagerform wird für grosse Mengen des gleichen Artikels angewendet, z. B. für<br />

Aktionsware, leere Harassen o<strong>der</strong> leere Paletten. Bei dieser Lagerform ist die<br />

Bodenbelastung pro Quadratmeter zu beachten.<br />

3.1.3 Stapelung von Gütern<br />

Die Stapelung von verschiedenartigen Gütern ist zulässig, wenn das Ladegut<br />

tragfähig ist sowie äussere Einflüsse (Temperatur, Nässe usw.) ein sicheres<br />

Stapeln zulassen. Zudem ist die Stapelhöhe zu beachten und <strong>der</strong> Stapel<br />

regelmässig zu überprüfen. Bei Sackwaren gilt es zudem darauf zu achten,<br />

dass die Säcke nicht beschädigt werden und <strong>der</strong> Stapel in sich stabil ist.<br />

428


3.1.4 Lagerung in Zeilen o<strong>der</strong> Reihen<br />

Bei <strong>der</strong> Lagerung in Zeilen (hintereinan<strong>der</strong>) ist <strong>der</strong> Zugriff auf die jeweils<br />

oberste Lagereinheit einer Zeile möglich. Bei <strong>der</strong> Reihenlagerung<br />

(nebeneinan<strong>der</strong>) ist <strong>der</strong> Zugriff auf jede Lagereinheit möglich. Zwischen je<strong>der</strong><br />

Reihe muss ein Arbeitsgang vorgesehen werden. Die Lagereinheiten können<br />

längs o<strong>der</strong> quer angeordnet sein. Periodisch ist zu überprüfen, ob die Stapel<br />

schief werden. Schiefe Stapel sind sofort abzubauen.<br />

Blocklager in Zeilen<br />

Spielerisch gelöst | Dispo<br />

Merke: Die Bodenlagerung eignet sich zur kostengünstigen Lagerung von Gütern.<br />

Sie eignet sich für Güter, welche in Blöcken o<strong>der</strong> Reihen gelagert werden können und<br />

<strong>der</strong> Zugriff nicht auf jede einzelne Einheit gewährleistet sein muss.<br />

3.1.5 Bodenlagerung von Druckflaschen<br />

Für die Lagerung von Gasen werden Druckflaschen aus Stahl verwendet. Die<br />

Flaschen sind so zu lagern, dass sie nicht umstürzen können. In <strong>der</strong> Regel<br />

werden sie mit einer Kette gesichert. Die fachgerechte Sicherung ist nicht nur<br />

beim Lagern wichtig, son<strong>der</strong>n auch während des innerbetrieblichen<br />

Transports.<br />

Checkliste Gasflaschen<br />

429


3.1.6 Lagerung von Langgut und Platten<br />

Die Lagerung von Langgut ist oft schwierig und verlangt häufig<br />

Einfallsreichtum. Bündel von Rohren o<strong>der</strong> Stangen werden in <strong>der</strong> Regel<br />

horizontal, einzelne Teile stehend, in Rechen gelagert. Durch die Lagerung in<br />

Rechen können die einzelnen Artikel sauber voneinan<strong>der</strong> getrennt werden.<br />

Ein Durchsuchen des Lagerbestandes ist problemlos möglich. Dabei sind<br />

jedoch die seitlichen Stützkräfte beim "Umblättern" stehend gelagerter Platten<br />

nicht zu unterschätzen.<br />

Die Art <strong>der</strong> Bodenlagerung von Langgut hängt sehr stark von <strong>der</strong><br />

Beschaffenheit ab, daher können keine allgemeingültigen Empfehlungen<br />

abgegeben werden. Durch gute Überwachung <strong>der</strong> Güter stellen Logistiker<br />

sicher, dass sich das Lagergut nicht verformt.<br />

Transport von Holz und Kunststoffplatten<br />

3.2 Fachbodenregal<br />

Für alle Stückgüter, die nicht auf Paletten gelagert werden, eignet sich das<br />

Fachbodenregal (auch Fachregal o<strong>der</strong> Tablar-Regal). Die Lagerfächer des<br />

Fachbodenregals sind mit einem Regalbrett ausgestattet, auf dem die<br />

Lagergüter abgelegt werden. Im Gegensatz zum Palettenregal ist für die<br />

Einlagerung also kein Ladungsträger nötig. Fachbodenregale dienen <strong>der</strong><br />

Lagerung von Einzelstücken o<strong>der</strong> von kleinen Mengen sowie kleinvolumigen<br />

Gütern.<br />

Für die Lagerung von Kleinteilen können Fachbodenregale mit Schubladen<br />

und unterschiedlichen Behältern ausgestattet werden. Mit diesen<br />

Zusatzeinrichtungen kann in einem Fachbodenregal eine grosse Anzahl<br />

unterschiedlicher Güter gelagert werden. Diese Regale eignen sich auch<br />

ausgezeichnet für die manuelle Kommissionierung kleinvolumiger Lagergüter.<br />

3.1.6 Lagerung von Langgut und Platten<br />

Die Lagerung von Langgut ist oft schwierig und verlangt häufig<br />

Einfallsreichtum. Bündel von Rohren o<strong>der</strong> Stangen werden in <strong>der</strong> Regel<br />

horizontal, einzelne Teile stehend, in Rechen gelagert. Durch die Lagerung in<br />

Rechen können die einzelnen Artikel sauber voneinan<strong>der</strong> getrennt werden.<br />

Ein Durchsuchen des Lagerbestandes ist problemlos möglich. Dabei sind<br />

jedoch die seitlichen Stützkräfte beim "Umblättern" stehend gelagerter Platten<br />

nicht zu unterschätzen.<br />

430


Zusatzeinrichtungen kann in einem Fachbodenregal eine grosse Anzahl<br />

unterschiedlicher Güter gelagert werden. Diese Regale eignen sich auch<br />

ausgezeichnet für die manuelle Kommissionierung kleinvolumiger Lagergüter.<br />

3.3 Palettenregal<br />

Palettenregale finden sich in fast allen Lagern. Sie bestehen aus Stützrahmen<br />

und Auflageträgern, auf denen Güter auf Ladungsträgern (Paletten) gelagert<br />

werden. Weil die Güter auf Ladungsträgern eingelagert werden, haben die<br />

Fächer im Normalfall keinen Boden. Die Paletten stehen auf den<br />

Auflageträgern, auch Traversen o<strong>der</strong> Holme genannt. Palettenregale können<br />

als Einfachregale o<strong>der</strong> Doppelregale aufgebaut werden. Einfachregale<br />

stehen in <strong>der</strong> Regel an einer Wand und werden an dieser befestigt.<br />

Doppelregale sind von zwei Seiten zugänglich und stehen frei im Raum.<br />

Ausführungen:<br />

Palettenregale sind in verschiedensten Ausführungen erhältlich. Normale<br />

Ausführungen sind für eine Fachlast von 1600 bis 1800 kg ausgelegt.<br />

Sogenannte Schwerlastregale sind massiver gebaut und verfügen über eine<br />

Fachlast von bis zu 4500 kg. Palettenregale gibt es für den Innen- und<br />

Aussengebrauch. Regale, die im Freien aufgestellt werden, müssen rostfrei<br />

ausgeführt sein, daher sind sie in <strong>der</strong> Regel verzinkt.<br />

Auflageträger o<strong>der</strong> Traversen<br />

Die Auflageträger sind aus Blechprofilen gefertigt. Sie werden in den<br />

Stän<strong>der</strong>rahmen mit Sicherungsstiften gegen unbeabsichtigtes Herausheben<br />

durch Gabelstapler gesichert. Die Fachlast (Last auf zwei Traversen zwischen<br />

zwei Stän<strong>der</strong>rahmen) muss immer gekennzeichnet sein. Auflageträger<br />

werden oft durch unvorsichtiges Manövrieren mit dem Stapler beschädigt.<br />

Beschädigte Auflageträger haben eine stark vermin<strong>der</strong>te Tragfähigkeit und<br />

müssen deshalb ausgewechselt werden.<br />

Zubehör zu Palettenregalen<br />

Das wohl wichtigste Zubehör zu Palettenregalen ist <strong>der</strong><br />

Anfahrschutz. Die Aufgabe des Anfahrschutzes ist es,<br />

die Stützrahmen o<strong>der</strong> Stän<strong>der</strong>profile vor Schäden<br />

durch Anfahren mit einem Flurför<strong>der</strong>zeug zu<br />

bewahren. Kommt es zu einer Beschädigung am<br />

Stützrahmen, wird die Tragfähigkeit von<br />

Palettenregalen unter Umständen so stark beschädigt,<br />

dass sie zusammenbrechen.<br />

431<br />

Rammschutz


Aussengebrauch. Regale, die im Freien aufgestellt werden, müssen rostfrei<br />

ausgeführt sein, daher sind sie in <strong>der</strong> Regel verzinkt.<br />

Auflageträger o<strong>der</strong> Traversen<br />

Die Auflageträger sind aus Blechprofilen gefertigt. Sie werden in den<br />

Stän<strong>der</strong>rahmen mit Sicherungsstiften gegen unbeabsichtigtes Herausheben<br />

durch Gabelstapler gesichert. Die Fachlast (Last auf zwei Traversen zwischen<br />

zwei Stän<strong>der</strong>rahmen) muss immer gekennzeichnet sein. Auflageträger<br />

werden oft durch unvorsichtiges Manövrieren mit dem Stapler beschädigt.<br />

Beschädigte Auflageträger haben eine stark vermin<strong>der</strong>te Tragfähigkeit und<br />

müssen deshalb ausgewechselt werden.<br />

Zubehör zu Palettenregalen<br />

Das wohl wichtigste Zubehör zu Palettenregalen ist <strong>der</strong><br />

Anfahrschutz. Die Aufgabe des Anfahrschutzes ist es,<br />

die Stützrahmen o<strong>der</strong> Stän<strong>der</strong>profile vor Schäden<br />

durch Anfahren mit einem Flurför<strong>der</strong>zeug zu<br />

bewahren. Kommt es zu einer Beschädigung am<br />

Stützrahmen, wird die Tragfähigkeit von<br />

Palettenregalen unter Umständen so stark beschädigt,<br />

dass sie zusammenbrechen.<br />

Rammschutz<br />

Rammschutz<br />

Durchschubsicherungen verhin<strong>der</strong>n, dass<br />

Paletten über die Auflage des Fachs<br />

hinausgeschoben werden und abstürzen.<br />

Durchschubsicherung (© SSI<br />

Schäfer)<br />

432<br />

Überall, wo sich hinter Palettenregalen Personen aufhalten können, ist nicht<br />

nur eine Durchschubsicherung anzubringen, son<strong>der</strong>n auch ein Gitter,<br />

welches das Herunterfallen von Ladungsteilen verhin<strong>der</strong>t. Gleiches gilt für


Durchschubsicherung (© SSI<br />

Schäfer)<br />

Überall, wo sich hinter Palettenregalen Personen aufhalten können, ist nicht<br />

nur eine Durchschubsicherung anzubringen, son<strong>der</strong>n auch ein Gitter,<br />

welches das Herunterfallen von Ladungsteilen verhin<strong>der</strong>t. Gleiches gilt für<br />

Fusswege, welche unter einem Regal durchführen. Hier sind die Gitter auf<br />

dem untersten Fach anzubringen.<br />

Palettenlager mit Fallschutzgitter<br />

Die Hersteller<br />

bieten eine<br />

Vielzahl von<br />

Auflagen an, die<br />

auch das<br />

Einlagern nicht<br />

palettierter Güter<br />

in Palettenregalen<br />

ermöglichen.<br />

Palettenregal für nicht paletierte Güter (© SSI Schäfer)<br />

433


3.4 Einfahrregal<br />

Das Einfahrregal, auch Drive-in-Regal<br />

genannt, ist eine Alternative zum<br />

Blocklager. Es besteht aus mehreren<br />

Kanälen nebeneinan<strong>der</strong>, die mittels<br />

durchlaufen<strong>der</strong> Auflageprofile gebildet<br />

werden, welche die Paletten<br />

aufnehmen. Die Kanäle werden mit<br />

palettierten Lagergütern von einer<br />

Seite her "gefüllt". Das Vorgehen<br />

entspricht dem Aufbau eines<br />

Blocklagers. Der Unterschied zum<br />

Blocklager besteht darin, dass die<br />

Lagergüter nicht aufeinan<strong>der</strong>gestapelt<br />

werden, son<strong>der</strong>n auf den seitlichen<br />

Profilen aufliegen. Es können also auch<br />

druckempfindliche Güter gelagert<br />

werden.<br />

Einfahrregal<br />

Wenn ein Einfahrregal gefüllt ist, kann nur noch auf die vor<strong>der</strong>sten Güter<br />

zugegriffen werden. Dieses Lager ist also nur für Güter geeignet, bei denen<br />

<strong>der</strong> Zugriff auf eine konkrete Einzelpalette, gleich wie beim Blocklager, nicht<br />

erfor<strong>der</strong>lich ist. Einfahrregale eignen sich für die Lagerung grosser Mengen<br />

nicht stapelbarer Güter. First-In, First-Out (FIFO) ist selbstverständlich nicht<br />

möglich.<br />

3.5 Durchfahrregal<br />

Das Durchfahrregal hat eine ähnliche<br />

Bauweise wie ein Einfahrregal. Der<br />

Unterschied besteht darin, dass ein<br />

Durchfahrregal beidseitig zugänglich ist.<br />

Von <strong>der</strong> einen Seite her wird<br />

eingelagert, auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite<br />

werden die Güter entnommen.<br />

Dadurch kann First-In, First-Out (FIFO)<br />

gewährleistet werden.<br />

Durchfahrregal (© SSI Schäfer)<br />

434


3.6 Durchlaufregal<br />

Bei einem<br />

Durchlaufregallager<br />

sind die Lagergüter<br />

dynamisch gelagert.<br />

Sie bleiben also nicht<br />

an ihrem Platz, son<strong>der</strong>n<br />

bewegen sich von <strong>der</strong><br />

einen Seite des Regals<br />

auf die an<strong>der</strong>e. Dazu<br />

stehen die Güter auf<br />

einer schiefen, mit<br />

Rollen ausgestatteten<br />

Lagerebene. Auf <strong>der</strong><br />

einen Seite wird das<br />

Lager aufgefüllt, die<br />

Entnahme <strong>der</strong> Güter<br />

erfolgt auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en<br />

Seite des Regals.<br />

Normalerweise<br />

bewegen sich die<br />

Waren durch die<br />

Schwerkraft selbsttätig<br />

vom Aufgabe- zum<br />

Abnahmepunkt.<br />

Durchlaufregal, rechts Beschickung, links Entnahme<br />

435


3.6.1 Einschubregal<br />

Das Einschubregal ist ähnlich aufgebaut<br />

wie das Durchlaufregal. Jedoch ist die<br />

Lagerebene in Richtung <strong>der</strong> Abgabe<br />

geneigt. Dieses Lager funktioniert nach<br />

dem Last-in-First-out-Prinzip: Vorhandene<br />

Lagergüter werden durch das Einlagern<br />

von neuen Lagergütern nach hinten<br />

gestossen. Die Einschubregale eignen sich<br />

vor allem für stossunempfindliche Güter<br />

ohne Haltbarkeitsdatum.<br />

Einschubregal (© SSI Schäfer)<br />

3.7 Kragarmregal<br />

Das Kragarmregal ist die gebräuchlichste<br />

Lagerform für Langgut wie Bretter,<br />

Stangen o<strong>der</strong> Rohre. Das Kragarmregal<br />

verfügt über eine zentrale Stütze, von <strong>der</strong><br />

die Träger wie Äste seitlich herausragen.<br />

Ein Vorteil <strong>der</strong> Kragarmregale ist die gute<br />

Zugänglichkeit zum Lagergut, da keine<br />

Stützen den Zugang versperren.<br />

Kragarmregal<br />

3.7.1 Lagerlift für Langgut (Stapelautomat)<br />

Eine wesentlich teurere Alternative zum Kragarmregal ist die dynamische<br />

Lagerung von Langgut in einem Lagerlift. Das Langgut liegt in Kassetten, die<br />

im hinteren Bereich des Stapelautomaten beweglich übereinan<strong>der</strong> gelagert<br />

sind. Die gewünschte Kassette kann automatisch ausgelagert werden. Die<br />

benötigten Güter werden <strong>der</strong> Kassette entnommen, die anschliessend wie<strong>der</strong><br />

automatisch eingelagert wird.<br />

436


Lagerlift für Langgut<br />

3.8 Wabenregal<br />

Kragarmregale eignen sich für die<br />

Lagerung kleiner bis mittelgrosser<br />

Mengen von Langgut. Für grosse<br />

Mengen (z. B. Stahlprofile) werden<br />

Wabenregale benötigt. Die Lagerfächer<br />

des Wabenregals sind kleinen Tunnels<br />

ähnlich, in die das Langgut geschoben<br />

wird. Die Tiefe ist so bemessen, dass das<br />

Langgut in seiner ganzen Länge<br />

eingelagert werden kann (im<br />

Stahlhandel in <strong>der</strong> Regel auf einer Länge<br />

von 6 Metern). An <strong>der</strong> Frontseite des<br />

Wabenregals (o<strong>der</strong> zwischen zwei<br />

Regalen) befindet sich eine mobile<br />

Arbeitsbühne, mit <strong>der</strong> die einzelnen<br />

Lagerplätze angesteuert werden<br />

können.<br />

Wabenregal von Weinflaschen<br />

Das gewünschte Langgut wird von Hand <strong>–</strong> o<strong>der</strong> bei schweren Gütern mit<br />

einem Greifer aus dem Regal auf die Arbeitsbühne gezogen. Wenn nötig,<br />

kann das Langgut bereits auf <strong>der</strong> Arbeitsbühne abgelängt, also auf die<br />

richtige Länge zugeschnitten werden. Reststücke können gleich nach dem<br />

Beschnitt wie<strong>der</strong> an ihren Lagerplatz zurückgeschoben werden. Im Gegensatz<br />

437


zum Kragarmregal sind im Wabenregal jedoch bereits beschnittene Profile<br />

nicht so einfach zu erkennen.<br />

3.9 Verschieberegal<br />

Verschieberegalanlagen werden dort eingesetzt, wo platzsparend gelagert<br />

werden muss. Mehrere Regalzeilen können lückenlos (ohne Zwischengang)<br />

ineinan<strong>der</strong>geschoben werden (perfekte Platzausnützung ist garantiert).<br />

Geöffnet wird <strong>der</strong> Bedienungsgang nur dort, wo auf die Lagergüter<br />

zugegriffen werden muss. Fachbodenregale, Palettenregale wie auch<br />

Kragarmregale können als Verschieberegale konzipiert werden. Die<br />

Verschiebbarkeit <strong>der</strong> Regale wird durch einen fahrbaren Unterbau auf<br />

Führungsschienen gewährleistet. Verschieberegale können also in einer<br />

Richtung bewegt werden. Für das Verschieben kleinerer Regale reicht<br />

Muskelkraft aus. Grössere Verschieberegale werden durch einen Motor<br />

angetrieben.<br />

Merke: Mit Verschieberegalen kann viel Platz gespart werden, aber, die<br />

Zugriffszeit ist hoch. Verschieberegale eignen sich für mittlere Gütermengen<br />

bei kleinem Lagerumschlag.<br />

3.9.1 Fachbodenverschieberegale<br />

Fachbodenverschieberegal<br />

Fachboden-Verschieberegale sind fast<br />

ausnahmslos in Archiven im Einsatz. Archive<br />

müssen eine grosse Anzahl Artikel bei extrem<br />

geringen Lagerumschlag aufnehmen.<br />

Deshalb hat die optimale Platzausnutzung<br />

erste Priorität.<br />

438


3.9.2 Paletten <strong>–</strong> Verschieberegale<br />

Auch Paletten-Verschieberegale<br />

eignen sich nur für die Lagerung<br />

von Gütern mit geringem<br />

Lagerumschlag. Der Einsatz macht<br />

Sinn, wenn <strong>der</strong> Lagerraum<br />

eingegrenzt ist o<strong>der</strong> das Volumen<br />

beschränkt werden muss. Der<br />

Einsatz von Verschieberegalen<br />

kann zum Beispiel in Kühlräumen<br />

sinnvoll sein, weil je<strong>der</strong> eingesparte<br />

Kubikmeter Lagerraum die<br />

Energiekosten für die Kühlung<br />

reduziert.<br />

Paletten-Verschieberegal (© SSI Schäfer)<br />

3.10 Umlaufregal<br />

3.10.1 Vertikal umlaufende Regale<br />

Vertikal umlaufende Regale sind nicht<br />

nur in Lagern anzutreffen, son<strong>der</strong>n<br />

überall dort, wo viele verschiedene<br />

Artikel bei knappem Platz gelagert<br />

werden müssen. Sie werden in <strong>der</strong><br />

Umgangssprache "Paternoster"<br />

genannt. Dieser Begriff bezeichnete<br />

die früher bekannten<br />

Personenaufzüge mit ständig<br />

umlaufenden offenen<br />

Personenkabinen.<br />

Sogenannte Schaukelwannen, in<br />

denen sich die Lagergüter befinden,<br />

sind beweglich zwischen zwei vertikal<br />

(senkrecht) umlaufenden<br />

Kettensträngen montiert, die durch<br />

einen Elektromotor angetrieben<br />

werden.<br />

Vertikalumlaufregal<br />

439


Das Regalsystem ist meistens<br />

vollständig verkleidet und kann<br />

abgeschlossen werden. So sind die<br />

gelagerten Teile sicher versorgt.<br />

Vertikal-Umlaufregale werden<br />

deshalb oft auch für die Lagerung<br />

wertvoller Güter verwendet.<br />

Da in Tischhöhe, die individuell eingestellt werden kann, ein- und ausgelagert<br />

wird, ist eine ergonomische Arbeitsweise möglich. Das gewünschte Lagerfach<br />

wird über eine Tastatur herangeholt. Das Umlaufregal dreht sich so lange, bis<br />

sich das gewählte Fach vor <strong>der</strong> Öffnung befindet. Meistens werden<br />

Umlaufregale für kleine Mengen aber wertvolle Güter genutzt. Selten werden<br />

solche Konstruktionen für Langgut o<strong>der</strong> schwerere Güter verwendet. Der<br />

Nachteil ist, dass es nicht durch mehrere Personen gleichzeitig bedient<br />

werden kann.<br />

3.10.2 Horizontal umlaufende Regale<br />

Horizontal umlaufende Regale<br />

Das Horizontal-Umlaufregal besteht<br />

aus Fachbodenregalen, die an<br />

Laufwerken aufgehängt sind. Die<br />

Regale sind oben und unten von<br />

Laufschienen geführt. Die Laufwerke<br />

sind mit einer endlosen Kette<br />

verbunden, die von einem Motor<br />

angetrieben wird. Die straffe Führung<br />

verhin<strong>der</strong>t ein Schaukeln <strong>der</strong><br />

Gehänge. Das System arbeitet, wie<br />

das Vertikal-Umlaufregal, nach <strong>der</strong><br />

Methode "Ware zu Mensch". Der<br />

Bediener muss sich also nicht selbst<br />

zur Ware hinbewegen, son<strong>der</strong>n kann<br />

das gewünschte Lagerfach per<br />

Knopfdruck heranholen.<br />

440


3.11 Hängende Lagerung<br />

3.11.1 Statische Hängewarenlager<br />

Statische Hängewarenlager sind Regale mit Klei<strong>der</strong>stangen. Die Textilien<br />

hängen wie im Klei<strong>der</strong>schrank an Bügeln. Sie sind in <strong>der</strong> Regel unter einer<br />

Kunststoffhaube geschützt.<br />

Eine platzsparende Massnahme ist die mehrlagige Lagerung. Ähnlich wie im<br />

mehrgeschossigen Fachbodenregal ist das Lager über Zwischenböden<br />

begehbar. Von einem Zwischenboden kann auf zwei Lagen zugegriffen<br />

werden.<br />

3.11.2 Dynamische Hängewarenlager<br />

Das dynamische Hängewarenlager ist ein horizontal umlaufen<strong>der</strong><br />

Stetigför<strong>der</strong>er. Die Textilien werden, an Bügeln hängend und unter<br />

Plastiksäcken geschützt, in die För<strong>der</strong>strecke eingeklinkt. Die För<strong>der</strong>strecke<br />

besteht aus Schienen, in denen eine Endloskette mit Mitnehmern läuft, in die<br />

sich Trolleys wie bei einer Seilbahn ein- und ausklinken lassen. Statt Klei<strong>der</strong><br />

können auch Behälter (z. B. mit Zubehör) beför<strong>der</strong>t werden.<br />

Mo<strong>der</strong>ne Hängewarenlager werden<br />

computergesteuert bewegt; <strong>der</strong><br />

gewünschte Lagerplatz wird in das System<br />

eingegeben. Das Lager setzt sich in<br />

Bewegung und kommt zum Stillstand,<br />

wenn sich <strong>der</strong> gewünschte Artikel am<br />

Kommissionierplatz befindet. Diese Art<br />

Lager findet sich in <strong>der</strong> Textilindustrie, in<br />

Grossmetzgereien bei Grossverteilern o<strong>der</strong><br />

als Gar<strong>der</strong>oben in grösseren Eventlokals.<br />

Dynamisches Hängewarenlager kann<br />

auch mit Behältern kombiniert werden<br />

3.12 Mo<strong>der</strong>ne Einrichtungen<br />

3.12.1 Shuttle im Lager<br />

Ein Shuttle (auch Kanalfahrzeug o<strong>der</strong> Satellitenfahrzeug) ist ein Fahrzeug,<br />

welches zur automatischen Bedienung von Lagern eingesetzt wird. Mit dem<br />

Shuttle werden Ladeeinheiten ein-, um- und ausgelagert. Es funktioniert<br />

vollständig autonom, entwe<strong>der</strong> mit einer integrierten Batterie o<strong>der</strong> über eine<br />

elektrische Verbindung, welche die Einsatzfähigkeit garantiert. Shuttles sind<br />

vor allem für Kleinteile und Behälter geeignet, die effizient ein- und<br />

441


ausgelagert werden müssen. Der Volumennutzungsgrad kann durch den<br />

Einsatz von Shuttles optimiert werden. Shuttles können auch im Tiefkühllager<br />

bei bis zu minus 30 Grad Celsius eingesetzt werden.<br />

3.12.2 Picking Robots<br />

Die auf Deutsch "Kommissionier-Roboter" genannten vollautomatischen<br />

Roboter übernehmen je nach Funktion selbstständig eine Teilaufgabe o<strong>der</strong><br />

den kompletten Ablauf in <strong>der</strong> Kommissionierung; sei dies z. B. bei <strong>der</strong><br />

Bereitstellung von ganzen Regalen o<strong>der</strong> beim Verteilen von Paketen. Diese<br />

Roboter gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Mobile Roboter-<br />

Picking-Systeme lassen sich in <strong>der</strong> Regel in zwei Kategorien einteilen:<br />

kollaborative Roboter (o<strong>der</strong> "Cobots") und autonome mobile Roboter (AMR).<br />

Cobots begleiten Mitarbeiter beim Gang durch das Lager, indem sie Artikel<br />

für Kundenaufträge kommissionieren. AMR arbeiten als autonome<br />

Lagerroboter, welche die Gänge unabhängig befahren, Gegenstände<br />

abholen und zu einer Kommissionierstation zurückbringen.<br />

3.12.3 Hochregallager<br />

Bei Lagern mit einer Höhe von 15 Metern bis rund 50 Metern spricht man von<br />

Hochregallagern. Die Kapazität eines Hochregallagers reicht von wenigen<br />

tausend Palettenplätzen bis zu mehreren hun<strong>der</strong>ttausend. Diese Art von Lager<br />

bietet eine hohe Raumnutzung, bedingt aber auch hohe Investitionskosten.<br />

Hochregallager werden meist vollelektronisch durch ein<br />

Lagerverwaltungssystem bewirtschaftet. Ein- und ausgelagert werden die<br />

Güter durch Regalbediengeräte (RGB). Diese Geräte sind in kleineren Lagern<br />

oftmals manuell bedienbar, um direkt im Regal zu kommissionieren (statisch,<br />

Mensch zur Ware), o<strong>der</strong> sie werden automatisch gesteuert, wenn sich die<br />

Kommissionierzone in den Regalen befindet (dynamisch, Ware zum Mensch).<br />

3.12.4 Autostore<br />

Autostore ist eine Lagertechnologie aus Norwegen, welche speziell für den<br />

Einsatz in Kleinteilelagern entwickelt wurde. Wird <strong>der</strong> Platz bei steigen<strong>der</strong><br />

Lagerkapazität knapp, bietet das System die Möglichkeit, das Lager auch auf<br />

kleinsten Flächen den betrieblichen Gegebenheiten optimal anzupassen und<br />

somit die Kapazität um ein Vielfaches zu erhöhen.<br />

442


Funktionsweise<br />

Autostore ist ein automatisches Kleinteilelager, bei dem die jeweiligen<br />

Behälter in einer Aluminium-Konstruktion direkt übereinan<strong>der</strong>gestapelt werden<br />

und somit auf die klassischen Regalsysteme verzichtet wird. Die Behälter<br />

werden durch einen Roboter bewegt und lassen sich somit anhand des<br />

Verbrauchs optimal positionieren. Die Schnelldreher lagern dabei im oberen,<br />

die Langsamdreher im unteren Bereich. Obwohl Autostore einem statischen<br />

Lagersystem entspricht, wird durch den gesteuerten Roboter eine je<strong>der</strong>zeitige<br />

Sortierung o<strong>der</strong> Umlagerung von Artikeln gewährleistet.<br />

Hier findest du mehr zu Autostore.<br />

Die Vorteile:<br />

• optimale Ausnutzung <strong>der</strong> vorhandenen Raumdimensionen<br />

• Durch das geschlossene System besteht ein Schutz vor äusseren<br />

Einflüssen (Diebstahl, Verschmutzung)<br />

• hohe Umschlagsleistung<br />

• Durch die Anbindung am Lagerverwaltungssystem lassen sich Behälter<br />

vorterminieren und somit optimal platzieren<br />

• Einsatz rund um die Uhr möglich<br />

• unbegrenzt erweiterbar<br />

Die Nachteile:<br />

• Autostore ist nur für Kleinteile ausgelegt und somit in Volumen und<br />

Gewicht beschränkt<br />

Der Trend hin zur Automatisierung mit dem steigenden Bedarf an Flexibilität<br />

stellt die Logistikanbieter vor die Herausfor<strong>der</strong>ung, die Kapazitäten optimal<br />

anzupassen. Hier bietet das System eine optimale Lösung, indem es ohne<br />

Erweiterung <strong>der</strong> räumlichen Gegebenheiten o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Aufstockung von<br />

Personal auskommt und trotzdem eine wirtschaftliche Lagerung <strong>der</strong> Güter<br />

anbietet.<br />

443


Modul 404_Technische Voraussetzungen<br />

Ausgangslage<br />

Nachdem in Modul 403 die Lagereinrichtungen beleuchtet worden sind, geht es in<br />

diesem Modul nun um die technischen Voraussetzungen <strong>der</strong> verschiedenen Lager.<br />

Die technischen Voraussetzungen des Lagers werden hauptsächlich durch die zu<br />

lagernde Ware bestimmt. Unterschieden werden Lager in Hinsicht auf die eigentliche<br />

Bauweise, z. B. die offene, halboffene und geschlossene Lagerung, sowie in Hinsicht<br />

auf die Bauhöhen. Neben den technischen Voraussetzungen gibt es für die<br />

fachgerechte Lagerung aber auch auf weitere wichtige Punkte zu achten, welche<br />

im Modul 404 vorgestellt werden.<br />

444


Fachartikel Modul 404<br />

4. Technische Voraussetzungen<br />

4.1 Offene, halboffene, geschlossene Lager<br />

4.1.1 Offene Lagerung<br />

In offenen Lagern werden<br />

witterungsunempfindliche Güter<br />

aufbewahrt, die nicht beson<strong>der</strong>s<br />

diebstahlgefährdet sind. Offene<br />

Lager können auf jedem<br />

zugänglichen Grundstück o<strong>der</strong> je<strong>der</strong><br />

zugänglichen Fläche errichtet<br />

werden. Oftmals werden Sie durch<br />

einen Zaun abgegrenzt. Auf diese Art<br />

werden unter an<strong>der</strong>em gelagert:<br />

Offene Lagerung von Betonröhren<br />

• Flüssigkeiten in Tanks<br />

• Schüttgüter wie Kohle, Sand<br />

o<strong>der</strong> Kies<br />

• unverarbeitetes Holz<br />

(Baumstämme)<br />

• Zementwaren<br />

• Container<br />

4.1.2 Halboffene Lagerung<br />

Unter halboffenen Lagern werden<br />

überdachte Lagerflächen verstanden,<br />

die seitlich offen sind. In halboffenen<br />

Lagern können Materialien gelagert<br />

werden, die vor direkter<br />

Sonneneinstrahlung und Regen<br />

geschützt werden müssen, gegenüber<br />

Temperaturschwankungen und<br />

Luftfeuchtigkeit aber unempfindlich und<br />

nicht beson<strong>der</strong>s diebstahlgefährdet<br />

sind. In halboffenen Lagern finden sich<br />

vor allem:<br />

Lager überdacht aber seitlich offen<br />

445


• Fahrzeuge und Baumaschinen<br />

• Stahlwaren (z. B. Rohre)<br />

• Holzbretter (roh gesägt)<br />

• Leerpaletten<br />

• Baumaterialien (Ziegel o<strong>der</strong><br />

Backsteine)<br />

4.1.3 Geschlossene Lager<br />

Geschlossene Lager werden für<br />

witterungsempfindliche o<strong>der</strong><br />

diebstahlgefährdete Waren benötigt. Die<br />

Gebäude sind ein- o<strong>der</strong> mehrgeschossig<br />

gebaut, verfügen über vier o<strong>der</strong> mehr<br />

Seitenwände und ein Dach. Bei<br />

Hochregallagern wird zuerst die<br />

Lagereinrichtung gebaut und dann mit <strong>der</strong><br />

Gebäudehülle verkleidet.<br />

Geschlossenes Lager<br />

4.2 Flachlager, mittelhohe Lager, Hochregal<br />

4.2.1 Flachlager<br />

Flachlager werden in <strong>der</strong> Regel mit konventionellen Flurför<strong>der</strong>zeugen bedient,<br />

die mit Triplex Hubgerüsten ausgestattet sind und die Höhe von 7 Metern<br />

problemlos erreichen. Das Flachlager ist in kleineren und mittelgrossen<br />

Unternehmen (KMU) die häufigste Lagerform. Es ist vergleichsweise<br />

kostengünstig zu realisieren, und die Lagerregale können ohne grossen<br />

Aufwand in bestehenden Räumen aufgebaut werden.<br />

4.2.2 Mittelhohe Lager<br />

Der Aufbau mittelhoher Regalanlagen ist bereits mit erheblichen Investitionen<br />

verbunden. Bestehende Räume sind üblicherweise nicht über 7 Meter hoch,<br />

deshalb sind Lagerneubauten unumgänglich. Für die Bedienung mittelhoher<br />

Regalanlagen reichen normale Stapler nicht mehr aus. Deshalb müssen<br />

Hochregalstapler, Schmalgangstapler, Schubmaststapler mit Höhenvorwahl<br />

o<strong>der</strong> Regalbediengeräte eingesetzt werden.<br />

446


4.2.3 Hochregallager<br />

Hochregallager mit Höhen bis zu 50 Meter (Kirchturmhöhe) sind in <strong>der</strong> Schweiz<br />

selten anzutreffen. Solche Lagergiganten sind mit herkömmlichen, frei<br />

fahrbaren Staplern nicht zu bedienen. Darum sind Hochregallager in <strong>der</strong><br />

Regel in komplexe Lagersysteme integriert.<br />

4.3. Lageraufbau<br />

4.3.1 Mechanisierte Lager<br />

Mechanisierte Lager bestehen aus mittelhohen Regalanlagen o<strong>der</strong><br />

Hochregallagern, die mit führergesteuerten Regalför<strong>der</strong>zeugen ausgerüstet<br />

sind. Ein Führer lenkt das Regalbediengerät (RBG) zum gewünschten<br />

Lagerplatz, entnimmt dort die Ware und steuert den nächsten Platz an. Diese<br />

Technik ist effizient für die Entnahme vieler verschiedener Artikel in kleinen<br />

Mengen. Meistens ist pro Lagergang ein separates RBG im Einsatz. In seltenen<br />

Fällen kann das Regalbediengerät den Gang auf <strong>der</strong> Schiene verlassen und<br />

eine an<strong>der</strong>e ansteuern. Diese Technik wird aber nur dort eingesetzt, wo keine<br />

grosse Effizienz nötig ist.<br />

447


4.3.2 Automatische Lager<br />

Automatisches Lager<br />

Grosse Logistikzentren arbeiten mit<br />

Lagersystemen. Ein komplettes<br />

Lagersystem umfasst die Hardware<br />

(technische Einrichtungen), wie auch<br />

die Software, mit <strong>der</strong> die Abläufe<br />

gesteuert werden können. Auch in<br />

einem Lagersystem braucht es immer<br />

Menschen, die Abläufe koordinieren,<br />

überwachen und bei Störungen<br />

eingreifen. Automatische<br />

Lagersysteme sind gesichert und<br />

dürfen nur bei Störungen o<strong>der</strong> für<br />

Revisionsarbeiten von Menschen<br />

betreten werden. Alles an<strong>der</strong>e ist<br />

lebensgefährlich. Die<br />

computergesteuerten<br />

Regalbediengeräte übernehmen die<br />

Ladungen ab Rollenbahnen und<br />

lagern sie ein. Auch die Auslagerung<br />

funktioniert über den Lagercomputer.<br />

Der Blick in eine solche Anlage ist<br />

imposant. Wie von Geisterhand<br />

bewegt, sausen die Geräte mit den<br />

Lasten durch die dunklen Gänge und<br />

lagern punktgenau ein o<strong>der</strong> aus.<br />

4.3.3 Komplexe Lagersysteme<br />

Ein komplexes Lagersystem besteht aus vielen Komponenten, die<br />

untereinan<strong>der</strong> vernetzt sind:<br />

• Entlade- und Beladeeinrichtungen<br />

• statische Lager<br />

• dynamische Lager<br />

• Stetigför<strong>der</strong>er (För<strong>der</strong>bän<strong>der</strong>, Rollenbahnen)<br />

• Pendelför<strong>der</strong>er (Flurför<strong>der</strong>zeuge, fahrerlose Transportsysteme,<br />

Regalför<strong>der</strong>zeuge, Lifte)<br />

448


• Kommissionierplätze<br />

• Verpackungsanlagen<br />

Die Herausfor<strong>der</strong>ung für die<br />

Ingenieure besteht einerseits<br />

darin, die Leistungsfähigkeit<br />

<strong>der</strong> einzelnen Teile<br />

aufeinan<strong>der</strong> abzustimmen,<br />

an<strong>der</strong>erseits müssen sie<br />

sicherstellen, dass eine<br />

einzelne Störung nicht das<br />

ganze System zum Erliegen<br />

bringt.<br />

Komplexe Logistik<br />

4.4 Voraussetzung für eine fachgerechte Lagerung<br />

Im Grundsatz geht es bei <strong>der</strong> fachgerechten Lagerung um eine geordnete<br />

Aufbewahrung von Waren und Gütern in einem Raum, einem Gebäude o<strong>der</strong><br />

auf einer Fläche. Die meisten Unternehmen folgen gewissen Grundsätzen bei<br />

<strong>der</strong> fachgerechten Lagerung. Diese Grundsätze helfen, die Waren nicht zu<br />

beschädigen, die Mitarbeiter zu schützen und die Betriebsabläufe so effizient<br />

und kostengünstig wie möglich zu halten. Folgende drei Grundsätze sind<br />

dabei immer zu beachten:<br />

4.4.1 Sauberkeit<br />

Um eine ordnungsgemässe Arbeit im Lager zu gewährleisten, gehört die<br />

Sauberkeit zur Grundvoraussetzung. Die Sauberkeit bezieht sich dabei auf<br />

Arbeitsräume, Einrichtungen und Werkzeuge, gelagerte Waren,<br />

Transportwege.<br />

Ein sauberes Lager bringt verschiedene Vorteile mit sich:<br />

• geringe Gefahr von Unfällen o<strong>der</strong> Verletzungen<br />

• längere Haltbarkeit und Lebensdauer von Werkzeug, Einrichtungen und<br />

Maschinen<br />

• Mitarbeiter fühlen sich besser in einem sauberen Lager<br />

• gutes Image bei Kunden, Lieferanten<br />

449


• weniger Ausschuss von Waren, die ver<strong>der</strong>ben<br />

4.4.2 Geräumigkeit<br />

Ein geräumiges und sauberes Lager ist die Voraussetzung für effizientes<br />

Arbeiten. Bei genügend Platz im Lager ist <strong>der</strong> optimale Einsatz von Hilfsmitteln<br />

(z. B. För<strong>der</strong>mittel) gewährleistet, was schnellere Ein- und Auslagerungen<br />

ermöglicht. Unnötiges Suchen o<strong>der</strong> Umlagern entfällt, und durch gute<br />

Platzverhältnisse wird die Unfallgefahr vermin<strong>der</strong>t.<br />

4.4.3 Übersichtlichkeit<br />

Die Übersichtlichkeit eines Lagers kann für die Logistikerin, den Logistiker in<br />

verschiedener Hinsicht hilfreich sein:<br />

Lagerbereiche<br />

Aufgrund <strong>der</strong> verschiedenen logistischen Tätigkeiten kann das Lager in<br />

unterschiedliche Bereiche aufgeteilt werden. Die Waren durchlaufen dabei<br />

die einzelnen Bereiche vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Je nach<br />

Sparte und Unternehmung kommen weitere Bereiche dazu wie in einem<br />

Fertigungsbetrieb (z. B. <strong>der</strong> EnterSite AG) o<strong>der</strong> fallen weg wie in einem<br />

Speditionsunternehmen (z. B. Planzer).<br />

Lagerzonen<br />

Eine Möglichkeit die Übersichtlichkeit zu gewährleisten, ist die Einteilung des<br />

Lagers in Lagerzonen. Die Einteilung kann dabei z. B. unter folgenden<br />

Gesichtspunkten erfolgen: Volumen, Umschlagshäufigkeit, Wert,<br />

Ver<strong>der</strong>blichkeit, Gefährlichkeit.<br />

450


Kennzeichnung<br />

Die Kennzeichnung ist das vielleicht wichtigste Kriterium, um die Übersicht im<br />

Lager nicht zu verlieren.<br />

Artikelnummerierung<br />

Mit einer sauberen Artikelnummerierung werden verschiedene Ziele verfolgt:<br />

Identifikation, Information, Kontrolle, Klassifikation.<br />

Location<br />

Unter Location versteht man, die Güter einem Lagerplatz zuzuordnen. Dabei<br />

wird festgelegt, wo sich <strong>der</strong> Artikel genau befindet. Je nach System erfolgt die<br />

Nummerierung <strong>der</strong> einzelnen Plätze nach unterschiedlichen Gesichtspunkten.<br />

Ein entsprechend korrektes Lagerplatzsystem ist eine Voraussetzung für eine<br />

EDV-unterstütze Lagerverwaltung. Zudem verhin<strong>der</strong>t es langes Suchen o<strong>der</strong><br />

unnötige Leerfahrten im Lager.<br />

451


Modul 405_Güter<br />

Ausgangslage<br />

Beim innerbetrieblichen Lagern und Transportieren von Gütern besteht<br />

je<strong>der</strong>zeit ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Im Lager kommt es nicht selten<br />

zu Unfällen durch fehlende o<strong>der</strong> falsch angewendete Schutzmassnahmen.<br />

Die Einrichtungen und Geräte sollen erstens in einem einwandfreien Zustand<br />

sein und zweitens nur für den Zweck eingesetzt werden, für den sie bestimmt<br />

wurden.<br />

Neben <strong>der</strong> eigentlichen Unfallgefahr ist auch <strong>der</strong> Brandschutz im Lager ein<br />

wichtiger Faktor. Ein korrekter Brandschutz und korrekte Verhaltensweisen im<br />

Ernstfall helfen oft mit, Schlimmeres zu verhin<strong>der</strong>n.<br />

In diesem Modul wird zudem aufgezeigt, wie die Diebstahlgefahr im Lager<br />

minimiert werden kann, wie <strong>der</strong> sichere Umgang mit gefährlichen Stoffen<br />

gewährleistet und Schädlinge im Lager eingedämmt werden können.<br />

452


Fachartikel Modul 405<br />

5. Gefahren im Lager<br />

Ein Lager hat immer auch ein Potenzial für Gefahren. Zu den häufigsten<br />

Gefahren im Lager für Mensch, Güter, Maschinen und Umwelt zählen:<br />

• Unfallgefahr<br />

• Brandgefahr<br />

• Diebstahlgefahr<br />

• gefährliche Stoffe<br />

• Schädlinge<br />

Die Sicherheitskulturen in den verschiedenen Lagern sind so vielfältig wie die<br />

Produkte, die dort gelagert werden. Es gibt tadellose Lager mit neuen<br />

Gebäuden, klar gekennzeichneten Bodenmarkierungen, ausgebildeten<br />

Staplerfahrern und sorgfältig gelagerten Produkten.<br />

Es gibt aber auch Lager, welche zwischen tadellos und gefährlich liegen.<br />

Lager, welche die Gefahren kennen und darüber sprechen, die nötigen<br />

Sicherheitsvorkehrungen jedoch nicht umsetzen.<br />

5.1 Unfallgefahr<br />

Die in Logistik- und Produktionsbetrieben übliche hohe Anzahl an<br />

För<strong>der</strong>mitteln und Fussgängern auf engem Raum ist eine beson<strong>der</strong>e<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung für die Arbeitssicherheit. Nicht immer lassen sich Fahrwege<br />

von Fusswegen trennen. In diesen Fällen sind vor allem Personen, die sich nur<br />

temporär im Betrieb aufhalten und deshalb die Gegebenheiten nicht kennen,<br />

beson<strong>der</strong>s unfallgefährdet. Gerade durch den Einsatz von Flurför<strong>der</strong>zeugen,<br />

LKWs o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Transportmitteln ergeben sich viele Risiken.<br />

Selbstverständlich müssen auch die Regale den aktuellen<br />

sicherheitsrelevanten Anfor<strong>der</strong>ungen entsprechen.<br />

Merke: Das innerbetriebliche Lagern und Transportieren gehört nach wie vor zu<br />

den unfallträchtigsten Tätigkeiten in <strong>der</strong> Logistik.<br />

Güter korrekt Stapeln<br />

Das Errichten von Stapeln erfor<strong>der</strong>t vom Logistiker Umsicht und Sorgfalt.<br />

Folgende Grundsätze gilt es dabei zu beachten:<br />

453


• Stapelaufbau auf ebenen Böden, welche die benötigte Tragfähigkeit<br />

aufweisen<br />

• Stapelplatz fachgerecht vorbereiten (z. B. Unebenheiten ausgleichen)<br />

• Stapel so aufbauen, dass sie in sich stabil sind<br />

• angrenzende Wände dürfen niemals als Stützen dienen<br />

• Abstand zwischen den Stapeln so wählen, dass er gegenüber an<strong>der</strong>en<br />

Arbeitsmitteln genügend gross ist<br />

• Verpackungen vor äusseren Einwirkungen (Nässe, Hitze, aggressive Stoffe)<br />

schützen<br />

• nur geeignete Teile stapeln, um die Gefährdung durch herabfallende o<strong>der</strong><br />

umfallende Gegenstände zu minimieren<br />

• kleine auf grosse und leichte auf schwere Teile stapeln<br />

• Im Verbund stapeln o<strong>der</strong> Zwischenlagen verwenden<br />

Merke: Je höher <strong>der</strong> Stapel wird, je mehr wirken sich die<br />

Bodenunebenheiten aus, denn mit <strong>der</strong> Höhe verschiebt sich <strong>der</strong> Schwerpunkt<br />

eines schiefen Stapels immer weiter von <strong>der</strong> Mitte weg. Das allein kann den<br />

Stapel zum Einsturz bringen; hinzu kommt, dass <strong>der</strong> Druck auf die untersten<br />

Schichten auf <strong>der</strong> Neigeseite zunimmt.<br />

Bodenbelastung<br />

Stapel so errichten, dass sie in sich Stabil sind<br />

Insbeson<strong>der</strong>e bei <strong>der</strong> Blocklagerung von Gütern muss <strong>der</strong> Bodenbelastung<br />

die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im Extremfall kann ein zu stark<br />

belasteter Boden einbrechen o<strong>der</strong> ein ganzes Gebäude einstürzen. Die<br />

maximal zulässige Bodenbelastung muss deshalb bei unterkellerten Böden gut<br />

sichtbar in kg/m2 o<strong>der</strong> N/m2 angeschrieben sein.<br />

454


Die beiden Schreibweisen <strong>der</strong> Bodenbelastung bezeichnen dabei die Masse<br />

(Gewicht), welche auf dem Boden verteilt werden kann. Das Gewicht (kg)<br />

multipliziert mit <strong>der</strong> Erdanziehungskraft ergibt physikalisch die Gewichtskraft<br />

"Newton" (N). Die Erdanziehung wird mit dem Faktor 9,81 angegeben. In <strong>der</strong><br />

Logistik rechnen wir <strong>der</strong> Einfachheit halber jedoch mit dem Faktor 10.<br />

Ein Mensch mit einem Körpergewicht von 75 kg wirkt durch die Multiplikation<br />

mit Faktor 10 also mit einer Gewichtskraft von 750 N auf den Boden (75kg x<br />

Faktor 10).<br />

Detailliertere Angaben zur Bodenbelastung findest du in Modul 408.<br />

Güter in Regalen lagern<br />

Regale für die Lagerung von Gütern gibt es in verschiedenen Ausführungen<br />

und für verschiedene Zwecke. Wichtig ist, dass die Regale das Gewicht <strong>der</strong><br />

einzulagernden Güter tragen können. Daneben gilt es Folgendes zu<br />

beachten:<br />

• die Standsicherheit von Regalen muss gewährleistet sein<br />

• die vom Hersteller angegebene maximale Belastung (Fachlast - Feldlast -<br />

Regallast) darf nicht überschritten werden<br />

Die Feldlast eines Palettenregals ist die Summe aller Fachlasten. Die Summe aller Fachlasten darf die<br />

zulässige Feldlast nicht überschreiten. Fachlasten sind gleichmässig verteilte Lasten.<br />

455


Die Feldlast eines Palettenregals ist die Summe aller Fachlasten. Die Summe<br />

aller Fachlasten darf die zulässige Feldlast nicht überschreiten, Fachlasten sind<br />

gleichmässig verteilte Lasten.<br />

Sicherung <strong>der</strong> Lastträger (Traversen)<br />

Wenn Lastträger nicht verschraubt sind,<br />

müssen sie mit einem Sicherungsstift<br />

gegen das Heraus- o<strong>der</strong> Herabfallen<br />

gesichert sein.<br />

Gesicherter Lastträger<br />

Sicherung gegen das Herabfallen<br />

Regale müssen mit<br />

Durchschubsicherungen o<strong>der</strong> Gittern<br />

gegen das Herabfallen von<br />

Ladeeinheiten und Lagergut<br />

gesichert sein <strong>–</strong> insbeson<strong>der</strong>e dann,<br />

wenn die Regale freistehend sind und<br />

<strong>der</strong> Raum hinter dem Regal<br />

begehbar ist.<br />

Lastschutzgitter<br />

456


Sicherung gegen das Anfahren<br />

Werden Stützen ortsfester Regale<br />

durch För<strong>der</strong>mittel gerammt, kommt<br />

es nicht selten zu Verformungen <strong>der</strong><br />

Stützen. Dies hat zur Folge, dass sich<br />

die Tragfähigkeit vermin<strong>der</strong>t und das<br />

Regal im schlimmsten Fall einstürzt.<br />

Aus diesem Grund müssen<br />

Regalstützen mindestens in den<br />

Eckbereichen durch einen<br />

Anfahrschutz gesichert sein.<br />

Rammschutz<br />

Merke: Palettenregale müssen regelmässig auf Verformungen und<br />

fehlende Sicherungsstifte überprüft werden.<br />

Vertikale Lagerung von Platten<br />

Um auf Platten (Sperrholz-, Span- o<strong>der</strong> Gipsplatten usw.) direkt zugreifen zu<br />

können, bietet sich die vertikale Lagerung an. Regeln zur sicheren Lagerung<br />

sind:<br />

• Das Abstützen ("umblättern")<br />

einzelner Platten durch<br />

Personen ist unbedingt zu<br />

vermeiden, da die<br />

erfor<strong>der</strong>lichen Stützkräfte<br />

durch Personen nicht<br />

aufgebracht werden können,<br />

was schwerste Unfälle zur<br />

Folge haben kann.<br />

• grössere Platten nie<br />

ungesichert anlehnen<br />

• Für die vertikale Lagerung von<br />

Platten müssen geeignete<br />

Einrichtungen zur Verfügung<br />

stehen.<br />

457


• Die erheblichen seitlichen<br />

Stützkräfte und zusätzlichen<br />

Stosskräfte beim Blättern sind<br />

bei <strong>der</strong> Dimensionierung zu<br />

berücksichtigen. Die Fächer<br />

dürfen höchstens 0,5 Meter<br />

breit sein.<br />

Eine ähnliche Gefahr besteht beim<br />

Transport von schmalen hohen<br />

Gütern, wenn diese von einer Person<br />

gesichert werden. Eine kleine<br />

Bodenunebenheit reicht aus, um das<br />

Transportgut aus dem Gleichgewicht<br />

zu bringen, was die Kräfte <strong>der</strong> Person<br />

überfor<strong>der</strong>t. Auch dieses Verhalten<br />

führt schnell zu Sachschaden bis hin zu<br />

schweren Unfällen.<br />

Werden solche Gegenstände<br />

horizontal transportiert, kann die<br />

Gefahr minimiert werden. Da Güter<br />

mit glatter Oberfläche rasch<br />

verrutschen können, bedarf es beim<br />

Transport erhöhter Vorsicht, vor allem<br />

in Kurven. Als Alternative bieten sich<br />

rutschhemmende Zwischenlagen an.<br />

Lagerung in Schubladenschränken<br />

Für die Lagerung von Kleinteilen bieten sich Schubladenschränke an. Auch<br />

von Schubladenschränken geht bei unsachgemässer Handhabung eine<br />

Gefahr aus. Folgende Sicherheitsmassnahmen haben sich bewährt:<br />

• Standsicherheit <strong>der</strong> Schränke gewährleisten, indem sie an Wand o<strong>der</strong> Boden<br />

befestigt werden.<br />

• Einzelschubladensperren verhin<strong>der</strong>n das gleichzeitige Herausziehen mehrerer<br />

Schubladen.<br />

• Schränke immer von unten nach oben befüllen.<br />

458


• Nach Möglichkeit die Schränke mit den schweren Teilen unten und mit den<br />

leichten Teilen oben befüllen.<br />

Bei fehlen<strong>der</strong> Wand- o<strong>der</strong> Bodensicherung besteht bei Schubladenschränken Kippgefahr<br />

Güter sicher Lagern<br />

Egal, ob Waren vertikal gestapelt werden, in Regalen o<strong>der</strong> in Schubladen<br />

gelagert sind: Fluchtwege, Brandlöscheinrichtungen aber auch Verkehrswege<br />

sind immer freizuhalten. Brandschutztüren müssen sich im Brandfall<br />

automatisch schliessen können und dürfen deshalb nicht blockiert werden.<br />

Fluchtwege freihalten<br />

Branschutzeinrichtunge<br />

n freihalten<br />

5.1.1 Massnahmen zur Beseitigung vieler Arbeitsunfälle im Lager<br />

Unfälle sind grundsätzlich immer unnötig, verursachen hohe Kosten und<br />

menschliches Leid. Der einzige Nutzen ist <strong>der</strong> Lerneffekt. Die Massnahmen zur<br />

Beseitigung vieler Arbeitsunfälle können im Lager unterteilt werden in:<br />

• menschliche Massnahmen<br />

459


• technische Massnahmen<br />

• materielle Massnahmen<br />

• betriebliche Massnahmen<br />

• gesetzliche Massnahmen<br />

Am häufigsten - in rund 80 Prozent <strong>der</strong> Fälle - entstehen Unfälle aufgrund von<br />

menschlichem Versagen. Dazu zählen bewusstes Fehlverhalten, mangelnde<br />

Erfahrung, Unachtsamkeit o<strong>der</strong> überschätzte Routine. Die restlichen rund 20<br />

Prozent <strong>der</strong> Unfälle werden durch fehlende Sicherheitseinrichtungen<br />

verursacht.<br />

Hier geht es zur Unfallstatistik <strong>der</strong> Suva<br />

5.1.2 Arbeitszeiten<br />

Nicht selten führt fehlende Konzentration zu gefährlichen Situationen im<br />

Betrieb. Damit dies nicht aufgrund von zu langen Arbeitszeiten geschieht,<br />

herrschen in <strong>der</strong> Schweiz punkto Arbeitszeit klare Regeln.<br />

Merke: In <strong>der</strong> Schweiz wird die Zeit als Arbeitszeit bezeichnet, in <strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Lernende/die Lernende sich zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat.<br />

Die Dauer <strong>der</strong> Arbeitszeit kann grundsätzlich unter den Lehrvertragsparteien<br />

vereinbart werden. Es gelten dabei jedoch die gesetzlichen Vorschriften<br />

(Arbeitsgesetz) und/o<strong>der</strong> die in manchen Berufen üblichen<br />

Gesamtarbeitsverträge (GAV). Die Arbeitszeit von Lernenden darf die<br />

Arbeitszeiten, welche im GAV festgesetzt wurden, nicht überschreiten.<br />

Für Lernende in <strong>der</strong> Logistik beträgt gemäss Artikel 9 des Arbeitsgesetzes eine<br />

Höchstarbeitszeit von 45 Stunden pro Arbeitswoche und somit eine tägliche<br />

Höchstarbeitszeit (Überzeit und Vorholzeit inkl.) von 9 Stunden. Diese<br />

Arbeitszeit muss einschliesslich aller Pausen zwischen 12 Stunden liegen. Diese<br />

12 Stunden liegen innerhalb <strong>der</strong> Grenzen <strong>der</strong> Tagesarbeit - in <strong>der</strong> Regel<br />

zwischen 06.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Arbeitszeiten bis 22.00 Uhr sind nur für<br />

Lernende gestattet, die älter als 16 Jahre sind.<br />

Für Lernende bis zum 18. Lebensjahr beträgt die tägliche Ruhezeit mindestens<br />

12 aufeinan<strong>der</strong> folgende Stunden. Im Grundsatz dürfen Lernende ohne<br />

entsprechende Bewilligung in <strong>der</strong> Nacht und an Sonntagen nicht arbeiten. Es<br />

gibt jedoch auch Berufe, bei denen eine Ausnahme <strong>der</strong> Bewilligungspflicht<br />

besteht. Diese Berufe findest du hier.<br />

460


Für alle an<strong>der</strong>en Berufe gilt als Grundsatz, dass Nacht- o<strong>der</strong> Sonntagsarbeit<br />

nur dann erlaubt ist, wenn diese für die Ausbildung <strong>der</strong> Lernenden<br />

unentbehrlich ist. Die Gesuche muss <strong>der</strong> Ausbildungsbetrieb für bis zu 10<br />

Nächte pro Jahr bei <strong>der</strong> kantonalen Behörde o<strong>der</strong> für dauernde o<strong>der</strong><br />

regelmässige Nachtarbeit beim SECO einreichen.<br />

Der Arbeitgeber muss eine schriftliche Arbeitszeitkontrolle führen. Diese kann<br />

über Kontroll- o<strong>der</strong> Rapportblätter o<strong>der</strong> digitale Zeiterfassungsgeräte erfolgen.<br />

Eine Verpflichtung zur Führung <strong>der</strong> Arbeitszeitkontrolle kann ebenfalls im<br />

Arbeitsvertrag festgelegt werden.<br />

5.1.3 Notfallorganisation - rasche Hilfe kann Leben retten<br />

Obwohl Notfälle in <strong>der</strong> Logistik glücklicherweise eher selten sind, ist eine<br />

betriebliche Notfallorganisation ein wichtiges Instrument. Wichtige Faktoren,<br />

um Leben zu retten und Schaden zu min<strong>der</strong>n sind funktionierende Erste-Hilfe-<br />

Massnahmen und gut instruiertes Personal.<br />

Durch die Notfallorganisation werden wichtige Abläufe im Vorfeld definiert<br />

und regelmässig geübt. Somit kann in einem Notfall rasch und korrekt<br />

gehandelt werden, was das Schadenausmass minimiert.<br />

Notfallorganisation an betriebliche Verhältnisse anpassen<br />

Die Notfallorganisation wird von Faktoren bestimmt, welche von Betrieb zu<br />

Betrieb verschieden sind. Deshalb muss diese für jeden Betrieb individuell<br />

konzipiert werden. Mögliche Faktoren sind:<br />

Gefährdungssituationen<br />

• Mit welchen Gefahren muss gerechnet werden?<br />

• Sind dabei einzelne o<strong>der</strong> viele Mitarbeitende exponiert?<br />

Ausbildung<br />

• Wie viele Betriebssanitäter benötigt <strong>der</strong> Betrieb?<br />

• Welche Ausbildung müssen die Betriebssanitäter erhalten?<br />

Arbeitsplätze<br />

• Bestehen beson<strong>der</strong>s gefährdete Arbeitsplätze im Betrieb?<br />

461


Kommunikation<br />

• Welche Möglichkeiten bestehen zur Kommunikation (Funk, Festnetz,<br />

Mobilfunkt)?<br />

Kennzeichnung<br />

• Welche Kennzeichnung werden benötigt (Notfallnummern, Löschmittel,<br />

Fluchtwege, Sammelplatz usw.)?<br />

Richtiges Verhalten regelmässig üben<br />

Damit das Schadenausmass minimiert und betroffene Personen möglichst<br />

schnell und gut versorgt werden können, bedarf es dem korrekten Verhalten<br />

<strong>der</strong> Mitarbeitenden. Deshalb sollte man Verhaltensregeln für Notfälle<br />

regelmässig üben, um sie dann im Ernstfall richtig anzuwenden. Im Ernstfall<br />

haben sich folgende Verhaltensregeln grundsätzlich bewährt:<br />

1. Schauen • Ruhe bewahren und Überblick verschaffen<br />

2. Denken • Selbstschutz geht vor<br />

• Gefahr erkennen<br />

• Einsatz entsprechend planen und koordinieren<br />

3. Handeln • Beschützen bzw. Retten von Menschen hat oberste<br />

Priorität<br />

• Sicherheitsmassnahmen vornehmen<br />

• Lebensrettende Sofortmassnahmen: ABCD-Regel<br />

• Feuerwehr, Sanität, Polizei alarmieren<br />

• Verletzte überwachen und betreuen<br />

462


Meldeschema<br />

Da <strong>der</strong> zeitliche Faktor unabhängig vom Notfallkonzept immer wichtig ist, gilt<br />

es überlegt und korrekt zu handeln. Für die Alarmierung <strong>der</strong> Rettungskräfte<br />

sind dabei folgende Informationen zentral:<br />

Wer?<br />

Was?<br />

Wann?<br />

Wo?<br />

Wie viele?<br />

Weiteres?<br />

Name, jetziger Standort, Telefon, Alter von Verletzten<br />

Art des Schadens, Bedrohungen usw.<br />

Zeitpunkt des Schadenereignisses<br />

Genaue Bezeichnung des Unfallortes<br />

Anzahl und Art <strong>der</strong> Betroffenen<br />

Weitere drohende Gefahren<br />

Aus Notfällen lernen<br />

Am Ende sollten unerwünschte Schadensereignisse immer wie<strong>der</strong><br />

systematisch abgeklärt werden. Das Ziel solcher Abklärungen ist es, die<br />

betriebliche Organisation zu verbessern und somit ähnliche Fälle zu<br />

vermeiden, damit die Notfallorganisation möglichst selten aktiviert werden<br />

muss.<br />

Das STOP-Prinzip<br />

Das STOP-Prinzip ist keine Auffor<strong>der</strong>ung, nicht mehr zu arbeiten, son<strong>der</strong>n ein<br />

wichtiges Instrument zur Arbeitssicherheit. STOP ist eine Abkürzung, <strong>der</strong>en<br />

Anfangsbuchstaben hierarchisch abgestuft sind:<br />

S<br />

T<br />

O<br />

P<br />

Substitution (ersetzen)<br />

Technische Schutzmassnahmen<br />

Organisatorische Schutzmassnahmen<br />

Persönliche Schutzmassnahmen<br />

Um Schutzmassnahmen bei einer existierenden Gefährdung umzusetzen, gilt<br />

es immer zuerst zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, die Gefahrenquelle zu<br />

ersetzen (Substitution).<br />

463


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Prozess bei einer potenziellen Gefährdung<br />

In <strong>der</strong> EnterSite AG steht seit fünfzehn Jahren ein Palettenverschieberegal.<br />

Eine Ebene des Regals wird für die Kommissionierung (Bodenplätze und 1.<br />

Regalebene) genutzt. In den restlichen drei Regalebenen werden mit dem<br />

Stapler Reservepaletten gelagert. Weil das Regal bereits etwas in die Jahre<br />

gekommen ist, kam es in <strong>der</strong> letzten Zeit mehrmals vor, dass die<br />

Lichtschranken ausfielen. Durch einen solchen Ausfall ist es möglich, den<br />

Regalgang zu schliessen, obwohl sich dort Mitarbeiter aufhalten. So kam es<br />

letzten Monat zu einem Zwischenfall: Ein Staplerfahrer wollte einen<br />

Regalgang schliessen, in dem sich noch Kommissionierer aufhielten. Zum<br />

Glück konnten sich die Mitarbeiter im letzten Moment bemerkbar machen,<br />

sonst hätte dies schlimme Folgen haben können. Während ein Mitarbeiter<br />

unversehrt blieb, brach sich <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e den Mittelfussknochen. Er trug<br />

anstatt <strong>der</strong> Schutzschuhe nur Turnschuhe.<br />

Das STOP-Prinzip würde bei diesem Beispiel wie folgt angewendet:<br />

S<br />

Substitution<br />

Massnahmen<br />

Gibt es an<strong>der</strong>e<br />

Möglichkeiten, die Güter<br />

zu lagern, welche<br />

kommissioniert werden<br />

müssen?<br />

Ansatz / Evaluation<br />

Momentan keine an<strong>der</strong>e<br />

Lagermöglichkeit vorhanden<br />

T<br />

Technische<br />

Massnahmen<br />

Können Lichtschranken<br />

nicht ersetzt werden?<br />

Lieferant war vor Ort. Eine<br />

Reparatur ist nicht möglich.<br />

Die Schranken müssen<br />

ausgewechselt werden.<br />

Aufgrund <strong>der</strong> Lieferengpässe<br />

dauert die Beschaffungszeit<br />

des Ersatzmaterials momentan<br />

mindestens sechs Monate.<br />

464


O<br />

Organisatorische<br />

Massnahmen<br />

Definition <strong>der</strong> sicheren<br />

Arbeitsweise im<br />

Verschieberegal<br />

Arbeitsplan erstellen.<br />

Wenn Kommissioniert<br />

wird, wird nicht mit<br />

Stapler ein- o<strong>der</strong><br />

ausgelagert<br />

Schulung durch Teamleiter<br />

Arbeitsplan wird erstellt durch<br />

Teamleiter<br />

P<br />

Persönliche<br />

Schutzmassnahmen<br />

Instruktion <strong>der</strong><br />

Mitarbeitenden zum<br />

Prozess zur korrekten<br />

Verwendung <strong>der</strong> PSA<br />

Regelmässige Kontrolle<br />

zur Einhaltung <strong>der</strong><br />

Betrieblichen Vorgaben,<br />

Audits<br />

Arbeitsplan wird erstellt,<br />

Sicherheitswesten werden<br />

beschafft, das Tragen <strong>der</strong><br />

Schutzschuhe wird zur Pflicht<br />

Instruktion durch<br />

Sicherheitsbeauftragten mit<br />

Schulungsnachweis<br />

Obwohl es sicherlich Berufe gibt, in welchen die Mitarbeitenden grösseren<br />

Gefahren ausgesetzt sind, können Gefahren minimiert werden, indem man<br />

die am meisten gefährdeten Körperstellen schützt o<strong>der</strong> sich<br />

gesundheitsbewusst verhält. Folgende Körperstellen sind in <strong>der</strong> Logistik<br />

beson<strong>der</strong>s gefährdet, können aber durch einfache Sicherheitsmassnahmen<br />

geschützt werden:<br />

• Kopf (Schutzbrille, Sicherheitshelm)<br />

• Hände (Handschuhe)<br />

• Rücken (korrekte Haltung)<br />

• Füsse (Schutzschuhe)<br />

?? Sicherheit bei Lagerung und Verkehr<br />

?? Danger Zone I_Sichere Lehrzeit<br />

465


5.2 Brandgefahr<br />

Warenlager bergen ein erhebliches Gefahrenpotenzial, unter an<strong>der</strong>em die<br />

Brandgefahr. Auch wenn Betriebe keine eigentlichen Gefahrenstoffe lagern,<br />

gibt es eine Vielzahl an<strong>der</strong>er Materialien, welche in Brand geraten können.<br />

Da solche Materialien in Lagern in <strong>der</strong> Regel in grossen Mengen vorhanden<br />

sind, entwickelt sich dort ein Feuer nicht selten zu einem Grossbrand. Für<br />

Mitarbeitende gelten folgende Regeln zur Brandverhütung:<br />

• absolutes Rauchverbot<br />

• erhöhte Vorsicht und beson<strong>der</strong>e Vorkehrungen bei Reparaturarbeiten<br />

5.2.1 Brandmelde- und Löschanlagen<br />

Warenlager müssen ab einer bestimmten Grösse mit automatischen<br />

Brandmelde- und Löschanlagen ausgerüstet sein. Für die beiden Funktionen<br />

gibt es technisch unterschiedliche Einrichtungen.<br />

Brandmeldeanlagen<br />

Brandmeldeanlagen sind Einrichtungen, welche mögliche Brandherde<br />

möglichst frühzeitig anzeigen. Rauchmel<strong>der</strong> lösen Alarm aus, sobald es in<br />

einem Raum zu einer erhöhten Rauchentwicklung kommt. Wärmemel<strong>der</strong><br />

lösen Alarm aus, sobald im Raum ein vorbestimmter Temperaturbereich (in<br />

<strong>der</strong> Regel 60 Grad Celsius) überschritten wird.<br />

Der Alarm wird während einer gewissen Zeit (z. B. 3 Minuten) nur intern<br />

angezeigt. Dies ermöglicht den Verantwortlichen, den Grund abzuklären und<br />

einen allfälligen Fehlalarm zurückzustellen, bevor die Feuerwehr aufgeboten<br />

wird.<br />

466


Brandmeldeanlage<br />

Automatische Löscheinrichtungen<br />

Sprinkleranlagen können von Gesetzes wegen verlangt werden, wenn die<br />

Grösse zulässiger Brandabschnitte überschritten wird o<strong>der</strong> leicht brennbares<br />

Material o<strong>der</strong> gefährliche Stoffe gelagert werden. Sprinklerköpfe sind in<br />

Räumen regelmässig verteilt. Sie sind an Wasserleitungen angeschlossen, in<br />

denen ein konstanter Wasserdruck herrscht. Sie werden so konstruiert, dass ihr<br />

Verschluss bei einer Temperatur von rund 70 Grad Celsius platzt und das<br />

Wasser hinausspritzt. Durch die spezielle Unterkonstruktion erreicht <strong>der</strong><br />

Sprühregen einen Durchmesser von bis zu 8 Metern. Um ungewollte<br />

Wasserschäden zu vermeiden, ist in Logistikhallen mit Sprinkleranlagen bei <strong>der</strong><br />

Arbeit erhöhte Vorsicht geboten.<br />

«Sprinkler» Löschanlage<br />

«Sprinklerkopf»<br />

467


Als Alternative zu Sprinklern bieten sich<br />

Trockenlöschanlagen an. Diese<br />

Anlagen ersticken das Feuer mit Hilfe<br />

von CO2 (Kohlenstoffdioxid). Der<br />

grösste Vorteil hierbei ist, dass die<br />

Räume nicht verunreinigt werden und<br />

es zu keinen Wasserschäden kommt.<br />

Menschen müssen den Raum aber<br />

innerhalb <strong>der</strong> Vorwarnzeit, in <strong>der</strong> ein<br />

Alarm hörbar ist, verlassen. Das<br />

Einatmen von CO2 würde sonst innert<br />

kurzer Zeit zum Tod durch Ersticken<br />

führen.<br />

Co2 Trockenlöschanlage<br />

5.2.2 Brandklassen<br />

In Räumen ohne entsprechende<br />

Anlagen bietet sich <strong>der</strong> Einsatz von<br />

einfachen Löschgeräten wie<br />

Feuerlöscher, Löschdecken o<strong>der</strong><br />

Wasserlöschposten an. Durch rasches<br />

Handeln lassen sich damit oft<br />

grössere Brände und somit auch<br />

teure Schäden verhin<strong>der</strong>n.<br />

Merke: Nicht jedes Löschmittel ist<br />

für die verschiedenen Brände<br />

geeignet. Falsch eingesetzte<br />

Löschmittel sind wirkungslos o<strong>der</strong><br />

sogar gefährlich.<br />

Unterschiedliche Löschmittel für die jeweilige<br />

Brandklasse<br />

Die unterschiedlichen Brände lassen<br />

sich in Brandklassen einteilen.<br />

Brandklassen sind die wichtigste<br />

Voraussetzung, um Brände effizient<br />

und sicher zu löschen.<br />

468


5.2.3 Verhalten im Brandfall<br />

Das rasche und korrekte Verhalten ist bei einem Brandausbruch entscheidend<br />

und trägt viel zum Schutz von Menschen und Sachwerten bei. Nicht selten<br />

wird die Feuerwehr erst nach einem ersten Löschversuch alarmiert. Dadurch<br />

geht kostbare Zeit für Rettungsmassnahmen und Brandbekämpfung verloren.<br />

Bei Brandausbruch gilt deshalb immer <strong>der</strong> Grundsatz:<br />

Alarmieren <strong>–</strong> Retten <strong>–</strong> Löschen<br />

5.3 Diebstahlgefahr<br />

Überall, wo sich Gelegenheiten ergeben, sich ohne allzu grosse Gefahr<br />

unberechtigt zu bedienen, wird dies lei<strong>der</strong> auch getan. Manche<br />

Mitarbeitende können <strong>der</strong> Versuchung nicht wi<strong>der</strong>stehen und greifen nach<br />

dem Motto, "Gelegenheit macht Diebe" zu. Somit gilt es zunächst, diese<br />

Versuchung zu vermeiden. Bei genauer Betrachtung liegen die<br />

Hauptursachen für einen internen Diebstahl bei:<br />

• unzureichenden internen Kontrollsystemen<br />

• Schnittstellen zwischen interner und externer Logistik<br />

• Nachlässigkeiten in <strong>der</strong> Retourenabwicklung<br />

• organisatorischen Schwächen im Logistikprozess<br />

• mangelnden Unternehmensleitlinien<br />

Daraus ergeben sich recht schnell einfache Massnahmen, welche den<br />

Diebstahl verhin<strong>der</strong>n o<strong>der</strong> zumindest erschweren können:<br />

469


• zuverlässige und zeitnahe Wareneingangs- und Ausgangsprüfungen<br />

• sorgfältiges Retourenmanagement<br />

• Trennung von Mann und Waren<br />

• Einsatz technischer Kontrollmittel<br />

• Verpackungsdesign<br />

• regelmässige Taschen- und Torkontrollen<br />

Es gibt jedoch noch weitere Aspekte, die es zu beachten gilt, insbeson<strong>der</strong>e<br />

bei den unterschiedlichen Schnittstellen zur Logistik.<br />

5.4 Gefährliche Stoffe<br />

5.4.1 Was sind gefährliche Güter?<br />

Gefährliche Güter sind Stoffe, welche bei unsachgemässem Umgang eine<br />

Gefahr für Menschen, Tiere und die Umwelt darstellen können. In zahlreichen<br />

Gesetzen werden die Handhabung, <strong>der</strong> Transport sowie eine sichere<br />

Lagerung von Gefahrenstoffen definiert. Deshalb müssen Lager, bei welchen<br />

mit solchen Materialien gearbeitet wird, sehr viele Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen<br />

erfüllen, welche von den Behörden laufend überprüft werden.<br />

5.4.2 Lagerung von gefährlichen Stoffen<br />

Die Lagerung von Giftstoffen ist immer auch mit einem gewissen Risiko<br />

verbunden. Deshalb gilt bei <strong>der</strong> Beschaffung von "gefährlichen Gütern" <strong>der</strong><br />

Grundsatz: "So viel wie nötig aber so wenig wie möglich". Bei <strong>der</strong> Lagerung<br />

von gefährlichen Stoffen sind folgende Regeln einzuhalten:<br />

• Gifte immer so lagern, dass Unbefugte keinen Zutritt haben (abschliessbar)<br />

• Gebinde immer gut verschlossen lagern (Verdunstung)<br />

• giftige Stoffe niemals in <strong>der</strong> Nähe von Nahrungs-, Futtermitteln und<br />

Medikamente lagern<br />

• giftige Stoffe dürfen in beschränkten Mengen beim Arbeitsplatz belassen<br />

werden, sofern diese laufend benötigt werden und Unbefugten nicht<br />

zugänglich sind<br />

470


5.4.3 Sicherheitsdatenblatt<br />

Im gewerblichen Umfeld benötigt jedes gefährliche chemische Produkt ein<br />

sogenanntes Sicherheitsdatenblatt (SDB). Im SDB stehen Informationen über<br />

mögliche Gefahren des Produktes und Anweisungen zum korrekten Umgang,<br />

zu geeigneten Schutzmassnahmen, zur Lagerung, zum Transport bis hin zur<br />

Entsorgung. Im Weiteren beinhaltet das SDB ebenfalls Angaben über das<br />

Vorgehen im Unglücksfall. Für den korrekten Umgang mit gefährlichen<br />

Produkten ist <strong>der</strong> Arbeitgeber verantwortlich. Der Arbeitgeber setzt dabei<br />

oftmals einen sogenannten Sicherheitsbeauftragten (SIBE) ein, welcher dafür<br />

sorgt, dass die Arbeitnehmenden über den korrekten Umgang mit<br />

chemischen Stoffen angeleitet und informiert sind.<br />

Die Übermittlung eines Sicherheitsdatenblattes für gefährliche Produkte ist<br />

obligatorisch. Verantwortlich für die Erstellung des SDB ist <strong>der</strong> Hersteller. Wird<br />

die Ware aus dem Ausland eingeführt, gilt <strong>der</strong> Importeur als <strong>der</strong><br />

verantwortliche Hersteller. Die SDB werden in ganz Europa angewendet und<br />

sind bis auf die landesspezifischen Angaben (spezielle Grenzwerte,<br />

Einschränkungen wie Jugendschutz usw.) prinzipiell identisch.<br />

Meine Pflichten als Arbeitnehmer im Umgang mit gefährlichen Stoffen:<br />

• Anweisungen <strong>der</strong> Vorgesetzten zum Umgang mit chemischen Produkten<br />

befolgen<br />

• Anweisungen <strong>der</strong> Vorgesetzten zu den Schutzmassnahmen befolgen<br />

• Falls keine Anweisungen existieren, diese bei den Vorgesetzten einfor<strong>der</strong>n<br />

• Im Zweifel Einsicht ins SDB verlangen und dieses mit dem<br />

Sicherheitsbeauftragten besprechen<br />

5.4.4 Kennzeichnung von Gütern<br />

Die Schweiz hat die GHS-Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen aus <strong>der</strong><br />

Europäischen Union übernommen. Sie besteht aus neun Symbolen, die in<br />

Modul 105 ausführlich beschrieben sind:<br />

471


Symbole nach GHS Standard<br />

5.4.5 Kennzeichnung eines Stoffes nach GHS<br />

GHS Kennzeichnung von Benzin<br />

472


Mit dem GHS-Standard werden folgende Ziele verfolgt:<br />

• weltweit einheitliche Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und<br />

Gemischen<br />

• Handelserleichterung im globalen Warenverkehr<br />

• weitere Verbesserung von Arbeitssicherheit, Gesundheits-, Umwelt- und<br />

Verbraucherschutz sowie Transportsicherheit<br />

• Anpassung an das Transportrecht für gefährliche Güter<br />

Quelle: sicherheit.uni-freiburg.de<br />

5.4.6 Kennzeichnung von Gefahrenbereichen<br />

Es ist nicht nur wichtig, die Güter zu<br />

kennzeichnen, son<strong>der</strong>n ebenfalls die Bereiche,<br />

in denen gefährliche Stoffe bearbeitet o<strong>der</strong><br />

gelagert werden. Für die Gestaltung dieser<br />

Warnzeichen o<strong>der</strong> Piktogramme hat die SUVA<br />

Richtlinien erstellt, welche am Zugang zu<br />

Räumen o<strong>der</strong> Schränken, in denen gefährliche<br />

Stoffe gelagert werden, angebracht werden<br />

müssen. Zum Warnzeichen muss <strong>der</strong> Zugang<br />

zusätzlich mit einem Zutrittsverbot<br />

gekennzeichnet werden.<br />

Kennzeichnung gefährlicher Bereich<br />

Kennzeichnung Sicherheitsbereich<br />

473


5.4.7 Risiken bei <strong>der</strong> Lagerung gefährlicher Stoffe<br />

Wie bereits beschrieben, geht von gefährlichen Stoffen immer ein gewisses<br />

Risiko aus:<br />

Im Brandfall:<br />

• Bildung von giftigen Gasen und Dämpfen<br />

• Explosionen<br />

• Verschmutzung von Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer durch<br />

verunreinigtes Löschwasser<br />

Bei Überschwemmungen:<br />

• Umweltverschmutzung durch verunreinigtes Wasser<br />

Leckagen o<strong>der</strong> unsachgemässe Entsorgung:<br />

• Ausbreitung von giftigen und umweltgefährdenden Stoffen<br />

5.4.8 Sicher lagern<br />

Die Betreiber von Lager- und Umschlagslagern für gefährliche Stoffe sind<br />

dafür verantwortlich, dass die notwendigen technischen und<br />

organisatorischen Massnahmen getroffen und je<strong>der</strong>zeit eingehalten werden.<br />

Dabei hat sich die korrekte Lagerung von gefährlichen Stoffen immer an<br />

folgenden Punkten zu orientieren:<br />

Risikominimierung<br />

Lager für gefährliche Stoffe sind so zu planen, zu bauen und zu betreiben,<br />

dass die Risiken für Personen, Umwelt und Sachwerte möglichst klein gehalten<br />

werden können.<br />

Rechtliche Vorschriften<br />

Die gesetzlichen Vorgaben und For<strong>der</strong>ungen müssen in jedem Fall erfüllt sein.<br />

474


Stand <strong>der</strong> Technik<br />

Der Stand <strong>der</strong> Technik bezüglich Arbeitssicherheit, Brandschutz,<br />

Gewässerschutz, Lufthygiene, Störfallvorsorge sowie Sicherung und<br />

Werkschutz ist zu berücksichtigen. Die Mitarbeitenden müssen beim Einlagern<br />

<strong>der</strong> gefährlichen Stoffe beson<strong>der</strong>e Vorsicht walten lassen. Gefährliche Stoffe<br />

dürfen nur so hochgestapelt werden, dass herabfallende Behälter nicht<br />

beschädigt werden können.<br />

?? Weitere Infos findest du unter www.cheminfo.ch<br />

5.5 Schädlinge<br />

Die Einwirkung von Schädlingen ist in jedem Lager ein Thema. Drei Gruppen<br />

von Schädlingen können Lagergüter negativ beeinflussen:<br />

• Pilze und Bakterien (Schimmel, Fäulnis, Gärung)<br />

• Insekten (Käfer, Motten usw.)<br />

• Kleinsäuger (Mäuse, Ratten)<br />

Durch bauliche Massnahmen, gute Hygiene, optimale Lagerbedingungen<br />

und stetige Kontrolle des Lagergutes lässt sich Schädlingsbefall einschränken,<br />

aber nie ganz ausschliessen.<br />

475


Lagerung: Voraussetzung für die Vermeidung von Schädlingsbefall ist ein<br />

trockenes, sauberes, möglichst staubfreies Lager. Temperatur, Feuchtigkeit<br />

und Licht müssen so gesteuert werden, dass potenzielle Schädlinge einen für<br />

sie ungünstigen Lebensraum vorfinden.<br />

Bekämpfung von Schädlingen: Die Bekämpfung erfolgt durch chemische<br />

bzw. giftige Mittel, physikalische Gerätschaft, natürliche Schädlingsfeinde<br />

o<strong>der</strong> schlicht durch menschliche Gewalt.<br />

476


Modul 406_Gebindekontrolle<br />

Ausgangslage<br />

Die Lagerung mit Festplatz o<strong>der</strong> chaotisch wie auch FIFO o<strong>der</strong> LIFO sind<br />

wichtige Lagerprinzipien. Die Wahl, welche Prinzipien im Lager angewendet<br />

werden, wirkt sich auf die jeweiligen Abläufe im Lager aus. Die Prinzipien<br />

bestimmen die jeweilige Regalart sowie die Abläufe, welche für die Ein- und<br />

Auslagerung angewendet werden können.<br />

Welche Vor- bzw. Nachteile bringen die Lagerprinzipien mit sich? Wann wird<br />

welches Prinzip angewendet? Welche Regalarten eignen sich für das<br />

jeweilige Prinzip? Dies sind alles Fragen, welche im folgenden Modul<br />

bearbeitet werden.<br />

477


Fachartikel Modul 406<br />

6. Lagerprinzipien<br />

6.1 Festplatzlagerung<br />

Bei <strong>der</strong> Lagerung nach dem Festplatzprinzip hat je<strong>der</strong> Artikel seinen fest<br />

zugeteilten Lagerplatz. Deshalb wird auch von Festplatzlagerung gesprochen.<br />

Dieses System wird überall dort angewendet, wo ein Artikel stets an <strong>der</strong><br />

gleichen Stelle gesucht wird. Häufig wird diese Form beispielsweise in<br />

Verkaufsregalen <strong>der</strong> Selbstbedienungsläden, in Handlagern o<strong>der</strong> im<br />

Kommissionier-Bereich angewendet. Die Lagerung nach dem<br />

Reservationsprinzip folgt dem ursprünglichen Ordnungsprinzip: "Jedes Ding an<br />

seinem Ort".<br />

Das Prinzip <strong>der</strong> Festplatzlagerung wird in einfachen Lagern angewendet, wo<br />

ohne Unterstützung eines Lagerverwaltungssystems (LVS) gelagert wird. Bei<br />

stark schwankenden Lagerbeständen wird mit <strong>der</strong> Festplatzlagerung aber nur<br />

eine schlechte Ausnutzung des Lagerraums erreicht.<br />

Der Maximale Lagerbestand ist erreicht. Das ist <strong>der</strong> optimale Fall, <strong>der</strong> jedoch<br />

meist nur nach dem Eintreffen einer neuen Lieferung eintrifft.<br />

478


Minimaler Lagerbestand: Auf den leeren Plätzen dürfen keine an<strong>der</strong>en Güter<br />

eingelagert werden. Der Platz bleibt für den grösstmöglichen Lagerbestand<br />

jedes Artikels reserviert.<br />

6.2 Chaotische (dynamische) Lagerung<br />

Das Wort "Chaos" stammt aus dem Griechischen und bedeutet<br />

"Durcheinan<strong>der</strong>", "totale Verwirrung", "Auflösung aller Ordnung". In Bezug auf<br />

die Lagerung heisst chaotisch jedoch nicht unordentlich. Im Gegensatz zur<br />

Festplatzlagerung ermöglicht die chaotische Lagerung die Zuteilung<br />

irgendeines freien Lagerplatzes. Es muss also nicht mehr für die maximale<br />

Menge eines jeden Artikels Platz reserviert werden. Durch chaotische<br />

Lagerung kann <strong>der</strong> vorhandene Lagerplatz wesentlich besser ausgelastet<br />

werden.<br />

Merke: Die chaotische Lagerung kann nur mithilfe einer computerunterstützten<br />

Lagerverwaltung realisiert werden.<br />

479


Bei <strong>der</strong> chaotischen Lagerung werden Güter irgendwo eingelagert.<br />

6.2.1 Bedingungen für die chaotische Lagerung<br />

Bei <strong>der</strong> chaotischen Lagerung müssen die Eigenschaften <strong>der</strong> Lagergüter und<br />

Zusammenlagerungsverbote beachtet werden. Optimierte Systeme können<br />

solche Bedingungen einbeziehen. Weiter wird die Bestell- o<strong>der</strong><br />

Umschlagshäufigkeit berücksichtigt. Die Verteilung <strong>der</strong> Güter auf mehrere<br />

Bereiche verhin<strong>der</strong>t, dass ein Systemausfall die Auslagerung einer ganzen<br />

Produktegruppe verunmöglicht.<br />

6.3 First-In, First-Out (FIFO)<br />

First-In, First-Out, unter Fachleuten "FIFO" genannt, ist in <strong>der</strong> Lagerung ein<br />

anerkanntes Prinzip, mit dem sichergestellt wird, dass die Ware nicht zu lange<br />

im Lager bleibt. "First" heisst auf Englisch "zuerst". Sind mehrere Ladeeinheiten<br />

eines Artikels vorhanden, soll immer die älteste Ladeeinheit dem Lager<br />

entnommen werden. Zuerst eingelagerte Güter werden also auch zuerst<br />

wie<strong>der</strong> ausgelagert. FIFO wird vor allem bei ver<strong>der</strong>blichen Produkten<br />

angewendet. First-In, First-Out wenden wir auch im privaten Bereich an, zum<br />

Beispiel beim Auffüllen des Kühlschranks. Dieses Prinzip wird bei allen Gütern<br />

mit Haltbarkeitsdatum angewendet.<br />

6.3.1 Lagerformen, die FIFO unterstützen<br />

Bei all diesen Lagerformen ist bei sachgemässer Verwendung gewährleistet,<br />

dass die zuerst eingelagerten Güter auch zuerst entnommen werden:<br />

• Durchlaufregal<br />

• Durchfahrregal<br />

• Stapellager mit Entnahme an <strong>der</strong> Basis<br />

6.4 Last-In, First-Out (LIFO)<br />

Das LIFO-Prinzip ist bei <strong>der</strong> Lagerung von Gütern meistens nicht erwünscht. Da<br />

hier die zuletzt eingelagerten Güter zuerst wie<strong>der</strong> entnommen werden,<br />

entstehen bei diesem Prinzip "Ladenhüter". Die folgenden Lagerformen führen<br />

jedoch zwangsläufig zu diesem Prinzip:<br />

• Blocklagerung<br />

480


• Zeilen- o<strong>der</strong> Reihenlagerung, wenn <strong>der</strong> Zugriff nur von einer Seite möglich ist<br />

• Einfahrregale<br />

Die Lagerung in Paletten- o<strong>der</strong> Fachbodenregalen unterstützt<br />

beziehungsweise behin<strong>der</strong>t FIFO nicht. Logistiker müssen bei <strong>der</strong> Ein- und<br />

Auslagerung selbst darauf achten, dass die Güter richtig umgeschlagen<br />

werden und keine "Ladenhüter" entstehen. Hier gilt daher, dass neue Güter<br />

immer hinter den bereits vorhandenen Gütern eingelagert werden.<br />

6.5 Highest In - First Out (HIFO)<br />

HIFO (Highest In - First Out) bezeichnet ein Verfahren zur Lagerbewertung, bei<br />

dem die Ware auf eine bestimmte Art und Weise gelagert wird. Hierbei<br />

werden die Waren preisabhängig gelagert, sodass die teuren Waren zuerst<br />

ausgelagert werden. Der Lagerbestand wird also mit den niedrigen<br />

Einkaufspreisen bewertet. HIFO wird verwendet, um in <strong>der</strong> Bilanz einen hohen<br />

Umsatz darzustellen, wobei <strong>der</strong> Endbestand bei <strong>der</strong> Inventur als niedrig<br />

bewertet wird. Konkret gesagt: Das Verfahren wird verwendet, um das<br />

steuerpflichtige Einkommen für eine bestimmte Zeit zu verringern. Obwohl<br />

HIFO im Ausland weit verbreitet ist, ist das Verfahren zum Beispiel nach<br />

deutschem Handels- und Steuerrecht nicht zulässig. Ein Vorteil ist die<br />

vorsichtige Bewertung, da hier die Vorräte mit niedrigen Preisen angesetzt<br />

werden.<br />

481


Modul 407_För<strong>der</strong>mittel<br />

Ausgangslage<br />

Diese Abteilung hat sich bisher hauptsächlich mit den Voraussetzungen für<br />

eine fachgerechte Lagerung von Gütern beschäftigt. Güter werden jedoch<br />

nicht nur gelagert, son<strong>der</strong>n müssen in einem Lager ebenfalls beför<strong>der</strong>t<br />

werden. Dieses Modul beschäftigt sich daher mit den grundlegenden<br />

Eigenschaften <strong>der</strong> För<strong>der</strong>mittel.<br />

Der Transport von Gütern basiert auf einer <strong>der</strong> revolutionärsten Erfindungen:<br />

dem Rad. Während Jahrtausenden waren die Muskelkraft von Mensch und<br />

Tier die einzige Möglichkeit, Lasten fortzubewegen. Erst gegen Ende des 18.<br />

Jahrhun<strong>der</strong>ts gelang mit <strong>der</strong> Erfindung des Motors ein von <strong>der</strong> Muskelkraft<br />

unabhängiger Antrieb. Eines <strong>der</strong> ersten Antriebsmittel war <strong>der</strong> Wasserdampf,<br />

<strong>der</strong> in einem mitgeführten Heizkessel erzeugt wurde. Wesentlich<br />

platzsparen<strong>der</strong> waren die ersten Benzinmotoren, <strong>der</strong>en Einsatz einen weiteren<br />

grossen Schritt markiert. Mit <strong>der</strong> Eroberung <strong>der</strong> Welt durch das Automobil war<br />

<strong>der</strong> technische Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Die <strong>der</strong> Fortbewegung<br />

dienenden technischen Geräte wurden laufend verbessert und für die<br />

Beför<strong>der</strong>ung von Personen und Gütern eingesetzt.<br />

482


Fachartikel Modul 407<br />

7. För<strong>der</strong>mittel<br />

7.1 Grundbegriffe des För<strong>der</strong>ns<br />

Die Begriffe För<strong>der</strong>n und Transportieren hängen eng zusammen. Im<br />

Zusammenhang mit <strong>der</strong> Logistik wird <strong>der</strong> Begriff "För<strong>der</strong>n" für das Fortbewegen<br />

von Gütern innerhalb des Betriebes verwendet. In <strong>der</strong> Logistik sowie <strong>der</strong><br />

EnterSite AG sind die verschiedensten För<strong>der</strong>mittel zu finden. Es gibt fest<br />

installierte Anlagen wie Rollenbahnen, För<strong>der</strong>bän<strong>der</strong> usw. o<strong>der</strong> För<strong>der</strong>geräte,<br />

welche nicht fest installiert sind und sich darum frei auf dem Flur (Boden)<br />

bewegen können - sogenannte Flurför<strong>der</strong>zeuge wie z. B. <strong>der</strong> Stapler.<br />

Als För<strong>der</strong>n wird in <strong>der</strong> EnterSite AG <strong>der</strong> Transport innerhalb einer örtlich<br />

begrenzten und zusammenhängenden Betriebseinheit (z. B. innerhalb <strong>der</strong><br />

Logistik o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Fertigung) bezeichnet.<br />

7.2 För<strong>der</strong>mittel in <strong>der</strong> Logistik<br />

Mit <strong>der</strong> Herstellung von För<strong>der</strong>mitteln für die Logistik befassen sich heute viele<br />

Unternehmen. Die För<strong>der</strong>einrichtungen reichen von einfachen Geräten bis hin<br />

zu hoch entwickelten und komplexen Systemen. För<strong>der</strong>mittel können dabei<br />

nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden:<br />

483


Strukturbaum För<strong>der</strong>mittel<br />

7.2.1 Unterscheidungsmerkmale<br />

För<strong>der</strong>mittel können nach den folgenden Kriterien unterteilt werden:<br />

Nach <strong>der</strong> Führung:<br />

• schienengeführt, z. B. Regalbediengerät<br />

• gleislos, z. B. fahrerloses Transportsystem<br />

Nach <strong>der</strong> Beweglichkeit:<br />

• För<strong>der</strong>mittel mit flächigem Materialfluss, z. B. Stapler, Kran<br />

• För<strong>der</strong>mittel mit linienförmigem Materialfluss, z. B. Rollenbahnen<br />

Nach dem Antrieb:<br />

• För<strong>der</strong>mittel, die manuell betrieben werden, z. B. Handgabelhubwagen<br />

• För<strong>der</strong>mittel, die maschinell betrieben werden, z. B. Deichselgerät<br />

Nach dem Automatisierungsgrad:<br />

• bediengesteuerte För<strong>der</strong>mittel, z. B. Kommissioniergeräte<br />

484


• computergesteuerte För<strong>der</strong>mittel, z. B. automatisches Regalbediengerät<br />

Nach dem För<strong>der</strong>gut:<br />

• Stückgut, z. B. Paletten<br />

• Schüttgut, z. B. Kies<br />

• Flüssigkeiten, z. B. Öl<br />

7.2.2 Wahl des richtigen För<strong>der</strong>mittels<br />

Werden in <strong>der</strong> EnterSite AG mechanische För<strong>der</strong>mittel gewählt, plant man<br />

anhand folgen<strong>der</strong> Gesichtspunkte:<br />

1. nach <strong>der</strong> Art <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />

2. nach dem Gewicht und den Abmessungen <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />

3. nach <strong>der</strong> Menge <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />

4. nach <strong>der</strong> Richtung und <strong>der</strong> Länge des För<strong>der</strong>weges<br />

5. nach dem gewünschten Rationalisierungseffekt<br />

7.2.3 Manuelle Hebe- o<strong>der</strong> Transportmittel<br />

Die EnterSite AG setzt in <strong>der</strong> Zeit <strong>der</strong> Automatisierung immer noch manuelle<br />

Hebe- und Transportmittel ein, bei welchen "Manpower" gefragt ist. Die<br />

manuelle För<strong>der</strong>ung ist auf kurzen Strecken eine flexible Variante und vor<br />

allem auch eine kostengünstige Lösung.<br />

485


Handgabelhubwagen Handwagen Handkettenzug<br />

7.2.4 Stetigför<strong>der</strong>er<br />

Stetigför<strong>der</strong>er för<strong>der</strong>n die Güter ständig über einen linienförmigen,<br />

gleichbleibenden För<strong>der</strong>weg. Das För<strong>der</strong>gut kann dabei automatisch o<strong>der</strong><br />

manuell aufgegeben bzw. entnommen werden. Stetigför<strong>der</strong>er werden<br />

eingesetzt, wenn grosse Mengen zu för<strong>der</strong>n sind, z. B. in Industriebetrieben,<br />

welche eine Massenfertigung betreiben o<strong>der</strong> auch zur Brief- o<strong>der</strong><br />

Paketverteilung wie bei <strong>der</strong> Post.<br />

Vorteile:<br />

• hohe Automation<br />

• tiefer Personalbedarf<br />

Nachteile:<br />

• hohe Investitionskosten<br />

• Wirtschaftlichkeit nur bei grosser Auslastung<br />

• nicht für jedes För<strong>der</strong>gut geeignet<br />

• bei Ausfall Stillstand des Warenflusses<br />

486


Gurtför<strong>der</strong>er Rollenför<strong>der</strong>er Kettenför<strong>der</strong>er<br />

7.2.5 Krane<br />

Krane gehören zu den flurfreien fahrbaren Hebezeugen. Je nach Ausstattung<br />

ist es möglich, mit Kranen den gesamten Raum, in dem das Gut geför<strong>der</strong>t<br />

wird, zu bedienen (dreidimensional). Dabei eignen sie sich beson<strong>der</strong>s zur<br />

Beför<strong>der</strong>ung schwerer, sperriger Güter. In <strong>der</strong> Logistik werden folgende Kräne<br />

am häufigsten eingesetzt:<br />

Mobiler Portalkran für den innerbetrieblichen Einsatz<br />

487


7.2.6 Flurför<strong>der</strong>zeuge für den innerbetrieblichen Einsatz<br />

Zur Unterstützung <strong>der</strong> Arbeiten stehen in <strong>der</strong> EnterSite AG diverse<br />

Flurför<strong>der</strong>zeuge im Einsatz. Flurför<strong>der</strong>zeuge beför<strong>der</strong>n Güter auf dem Boden.<br />

Sie können manuell o<strong>der</strong> maschinell betrieben werden. Voraussetzung für den<br />

Einsatz ist eine dem Gerät entsprechende Arbeitsgangbreite (AST). Gleislose<br />

Flurför<strong>der</strong>zeuge bieten dabei eine hohe Flexibilität.<br />

Elektronie<strong>der</strong>hubwagen Elektrohochhubwagen Schlepper<br />

488


Vertikalkommissionierer Horizontalkommissionierer<br />

7.2.7 Stapler<br />

In <strong>der</strong> EnterSite AG, wie auch sonst in <strong>der</strong> Logistik, ist <strong>der</strong> Stapler das am<br />

häufigsten eingesetzte Flurför<strong>der</strong>zeug. Stapler gibt es in den<br />

unterschiedlichsten Ausführungen. Die Güter werden mit Gabeln o<strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>en Anbaugeräten aufgenommen, transportiert und gestapelt. Das<br />

hydraulische Hubgerüst bietet dabei eine hohe Flexibilität beim Einsatz. Durch<br />

die Neigbarkeit <strong>der</strong> Gabeln wird das Aufnehmen o<strong>der</strong> das Absetzen<br />

erleichtert. Zudem verhin<strong>der</strong>t die Neigung das Abrutschen <strong>der</strong> Güter beim<br />

Transport. Für die individuellen Lagersysteme wurden die unterschiedlichsten<br />

Arten von Staplern inkl. Zusatzeinrichtungen entwickelt.<br />

Gegengewichtsstapler Schubmastsapler Seitsitzstapler<br />

489


Der Stapler als Datenträger<br />

Immer mehr wird die RFID-Technologie bei Staplern und Flurför<strong>der</strong>zeugen mit<br />

dem Ziel eingesetzt, den Material- und Informationsfluss besser zu vernetzen.<br />

Die RFID-Technologie im Einsatz mit För<strong>der</strong>zeugen bringt viele Vorteile:<br />

• automatische Erfassung <strong>der</strong> Paletten im Wareneingang<br />

• automatische Zuordnung von Lagerplätzen<br />

• Geschwindigkeitsregulierung an Gefahrenstellen o<strong>der</strong> beim Transport von<br />

Gefahrgut<br />

• Optimierung gefahrener Routen durch die Auswertung <strong>der</strong> Fahrstrecke<br />

7.2.8 Regalför<strong>der</strong>zeuge<br />

Regalabhängige Regalför<strong>der</strong>zeuge werden zur<br />

rationellen Ein- und Auslagerung <strong>der</strong> Güter in<br />

den Regalen eingesetzt. Sie sind in<br />

Längsrichtung schienengeführt und deshalb<br />

nicht frei verfahrbar. Verfügt <strong>der</strong> Betrieb über<br />

mehrere Regalgänge, muss er pro Gang ein<br />

Gerät einsetzen. Dies bringt hohe<br />

Investitionskosten, erhöht jedoch die<br />

Umschlagsleistung.<br />

Um Investitionskosten einzusparen, besteht die<br />

Möglichkeit, Regalbediengeräte über Weichen<br />

zwischen den einzelnen Regalen zu verschieben.<br />

Dies verringert jedoch die Umschlagsleistung.<br />

Regalbediengerät<br />

Automatische Regalbediengeräte sind mit einer Teleskopgabel ausgerüstet,<br />

welche das entsprechende Ladehilfsmittel (Palette, Behälter, Tablare) in das<br />

Regal rein- und rausfahren. Als Alternative zu Regalbediengeräten dienen<br />

Hochregalstapler. Dieser Staplertyp wird in den Regalgängen eingesetzt,<br />

seltener zum Transport <strong>der</strong> Güter auf langen Fahrstrecken. Hochregalstapler<br />

benötigen im Gegensatz zum Regalbediengerät eine etwas grössere<br />

Gangbreite. Der Hochregalstapler wird manuell bedient. Der Mitarbeiter kann<br />

das Gerät entwe<strong>der</strong> vom Fahrersitz aus bedienen o<strong>der</strong> er fährt zur Ein- o<strong>der</strong><br />

Auslagerung im Fahrerstand am Hubmast zum jeweiligen Lagerplatz.<br />

490


Regalför<strong>der</strong>zeug Hochregalstapler<br />

7.3 Das Hebelgesetz<br />

Die Fähigkeit des Gegengewichtsstaplers, Lasten zu heben, beruht auf dem<br />

Hebelgesetz. Die Last befindet sich ausserhalb <strong>der</strong> Radbasis (o<strong>der</strong><br />

Standfläche) des Staplers. Der Stapler bildet das Gegengewicht. Das<br />

Vor<strong>der</strong>rad bildet den Drehpunkt bzw. die Drehachse. Das Drehmoment des<br />

Staplers muss also immer grösser sein als dasjenige <strong>der</strong> Last, sonst kippt <strong>der</strong><br />

Stapler. Um die Tragfähigkeit des Staplers zu erhöhen, gibt es drei<br />

Möglichkeiten:<br />

• Erhöhung des Eigengewichts des Staplers<br />

• Verlängerung des Hebelarms des Gegengewichts (Verlängerung des<br />

Heckteils)<br />

• Verkürzung des Hebelarms <strong>der</strong> Last<br />

7.3.1 Der zweiseitige Hebel<br />

Dem Hebelgesetz begegnet man (oft auch unbewusst) sehr häufig im<br />

täglichen Leben. Es bildet die Grundlage zum Verständnis <strong>der</strong> Bauweise von<br />

Gegengewichtsstaplern. Der Gegengewichtsstapler bildet dabei einen<br />

zweiseitigen Hebel.<br />

491


Merke: Ein zweiseitiger Hebel bedeutet, dass sich die beiden Kraftarme r1<br />

und r2 auf verschiedenen Seiten des Drehpunktes befinden.<br />

Begriffe rund um den Hebel<br />

Drehpunkt<br />

Kraft (F1, F2)<br />

Kraftarm (r1, r2)<br />

Drehmoment<br />

Der Punkt, an dem <strong>der</strong> Hebel aufliegt. Beim<br />

Gegengewichtsstapler ist dies die Vor<strong>der</strong>achse.<br />

Die an einem bestimmten Punkt auf den Hebelarm<br />

wirkende Kraft. Beim Gegengewichtsstapler ist dies die Last<br />

und gegenüber dem Gegengewicht.<br />

Distanz zwischen Drehpunkt und Ansatzpunkt <strong>der</strong> Kraft.<br />

Beim Gegengewichtsstapler ist dies die Distanz von <strong>der</strong><br />

Vor<strong>der</strong>achse zur Last bzw. zum Gegengewicht.<br />

Die einwirkende Kraft multipliziert mit <strong>der</strong> Länge des<br />

Kraftarms ergibt das Drehmoment. Dieses wird in Nm<br />

(Newtonmeter) angegeben (Berechnung: Newton x<br />

Meter).<br />

Berechnungsbeispiel I<br />

492


Hebel links: Drehmoment links = 200 N x 0,4 m = 80 Nm<br />

Hebel rechts: Drehmoment rechts = 100 N x 0,8 m = 80 Nm<br />

Der Hebel befindet sich somit im Gleichgewicht.<br />

Berechnungsbeispiel II<br />

Physikalisch betrachtet ist <strong>der</strong> Gegengewichtsstapler ein zweiseitiger Hebel.<br />

In unserem Beispiel wird das linksdrehende Moment durch das<br />

Gegengewicht (F1) und den Hebelarm a1 gebildet. Das rechtsdrehende<br />

Moment setzt sich zusammen aus F2 x a2 (Vorbau) und F3 x a3 (Ladung). Ein<br />

sicherer Einsatz des Staplers ist gewährleistet, solange das linksdrehende<br />

Drehmoment grösser ist als die Summe <strong>der</strong> rechtsdrehenden Drehmomente.<br />

Formel: Ml = F1 x a1 > Mr = (F2 x a2) + (F3 x a3)<br />

493


7.4 Tragkraftdiagramme<br />

Mit <strong>der</strong> Berechnung des Drehmoments bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit wäre die<br />

Logistikerin, <strong>der</strong> Logistiker überfor<strong>der</strong>t. Auf dem Typenschild des Staplers<br />

befindet sich die höchstzulässige Tragkraft. Diese darf auf keinen Fall<br />

überschritten werden. Im Weiteren befindet sich auf jedem Stapler das<br />

dazugehörende Tragkraftdiagramm. Das Diagramm zeigt dem Logistiker, <strong>der</strong><br />

Logistikerin welches Gewicht er/sie in Abhängigkeit vom Lastschwerpunktabstand<br />

und <strong>der</strong> Hubhöhe transportieren und heben kann.<br />

7.4.1 Tragkraftdiagramme lesen<br />

Die Tragkraftdiagramme muss <strong>der</strong> Logistiker, die Logistikerin lesen können, um<br />

somit einen sicheren Einsatz bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit zu gewährleisten. Lei<strong>der</strong><br />

haben die Tragkraftdiagramme kein einheitliches Aussehen.<br />

Beispiel 1: Tragkraftdiagramm ohne Angabe <strong>der</strong> Hubhöhe<br />

Oberhalb des<br />

Lastschwerpunktabstand<br />

s kann das maximal<br />

zulässige Gewicht<br />

abgelesen werden. Diese<br />

Art von Diagrammen ist<br />

bei einfacheren Staplern,<br />

(z. B. Deichselstaplern) zu<br />

finden.<br />

494


Beispiel 2: Tragkraftdiagramm mit Angabe <strong>der</strong> Hubhöhe<br />

Bei diesen Diagrammen<br />

muss beim Ablesen<br />

zusätzlich die Hubhöhe<br />

berücksichtigt werden,<br />

da die Tragkraft mit<br />

zunehmen<strong>der</strong> Hubhöhe<br />

abnimmt. Dies ist <strong>der</strong><br />

einzige Unterschied. Das<br />

Ablesen funktioniert<br />

gleich wie bei Beispiel 1.<br />

Das höchstzulässige<br />

Gewicht wird beim<br />

jeweiligen<br />

Lastschwerpunktabstan<br />

d abgelesen. Detaillierte<br />

Informationen zum<br />

Thema<br />

Tragkraftdiagramme<br />

finden sich im<br />

<strong>Handbuch</strong> für<br />

Staplerfahrer.<br />

495


Logistiker/In EFZ<br />

500_Production<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

496


Modul 501_Produktion<br />

Ausgangslage<br />

Unter dem Begriff "Produzieren" versteht man eine möglichst effiziente<br />

Herstellung von Gütern (Input) o<strong>der</strong> Leistungen. Dabei werden Werkstoffe<br />

durch Arbeitsleistungen, Maschinen und Anlagen verarbeitet (Output). Der<br />

Begriff Produktion steht ebenfalls für das Ergebnis des Produktionsprozesses,<br />

den sogenannten Produktionsertrag. Dieser Prozess wird oft als<br />

Wertschöpfungsprozess bezeichnet. Bevor aber etwas produziert werden<br />

kann, bedarf es einer Idee und <strong>der</strong>en Entwicklung. Die Zusammenarbeit<br />

zwischen Produktentwickler und Produzierenden entscheidet oft über Erfolg<br />

o<strong>der</strong> Misserfolg von neuen Produkteinführungen.<br />

497


Fachartikel Modul 501<br />

1. Produktion<br />

1.1 Definition Produktion<br />

Der Begriff "Produktion" hat seinen Ursprung im Lateinischen: Das Wort<br />

"Producere" bedeutet "hervorführen". Produktion bezeichnet die Herstellung<br />

von Sachgütern, Energien und Dienstleistungen.<br />

• Sachgüter: z. B. Auto, Mobile phone, Brot, Uhren<br />

• Energien: z. B. Strom, Wärme, Benzin<br />

• Dienstleistungen: z. B. Fernsehsendungen, Versicherungen<br />

Produktion ist eine Umwandlung von Inputs (Produktionsfaktoren) mithilfe von<br />

bestimmten Techniken in Outputs.<br />

• Arbeitsleistung: z. B. Mensch, Fachkräfte<br />

• Betriebsmittel: z. B. Fertigungsmaschinen<br />

• Werkstoffe: z. B. Rohstoffe, Rohmaterial<br />

Grundsätzlich ist <strong>der</strong> Produktionsprozess ein Wertschöpfungsprozess, bei dem<br />

durch den Einsatz von Input-Gütern und die Kombination von<br />

Produktionsfaktoren möglichst höherwertige Output-Güter entstehen.<br />

498


Ein Beispiel aus dem Alltag: das Brot<br />

Mehl, Salz, Hefe,<br />

Wasser<br />

Bäcker<br />

Knetmaschine<br />

Ofen<br />

Frisches Brot<br />

1.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktion<br />

"Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht die Männer zusammen,<br />

um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,<br />

son<strong>der</strong>n lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer."<br />

Zitat von Antoine de Saint-Exupéry.<br />

Ein grundsätzliches Ziel <strong>der</strong> Produktion ist es, ein gutes Produkt herzustellen; ein<br />

Produkt, welches die Erwartungen und Wünsche <strong>der</strong> Kunden erfüllt, o<strong>der</strong><br />

noch besser, sogar übertrifft. Dafür versucht die Produktion nachfolgende<br />

Ziele zu erreichen:<br />

• Geringe Kosten: Den Output möglichst günstig produzieren<br />

• Hoher Output: Möglichst viel produzieren können<br />

499


• Hohe Produktqualität: Ein Produkt herstellen, welches den<br />

Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen entspricht. Möglichst keinen Ausschuss (defekte Teile)<br />

produzieren.<br />

• Hohe Termineinhaltung: Termingerecht liefern können (nicht zu spät, aber<br />

auch nicht zu früh)<br />

• Hohe Auslastung <strong>der</strong> Fertigung: Die vorhandenen Mitarbeiter und Maschinen<br />

haben genug zu tun.<br />

• Geringe Durchlaufzeit: Die Produkte in möglichst kurzer Zeit produzieren.<br />

• Hohe Kundenzufriedenheit: Die Erwartungen <strong>der</strong> Kunden erfüllen.<br />

Rohmaterial o<strong>der</strong> unfertige Erzeugnisse werden in einem<br />

Verän<strong>der</strong>ungsprozess (Transformation) vom aktuellen IST-Zustand in einen<br />

angestrebten SOLL-Zustand überführt. Arbeitskräfte (Menschen) benötigen<br />

dafür die Unterstützung von Maschinen, Werkzeugen und Energie.<br />

Merke: Die Produktion leistet eine Transformation.<br />

Metallbearbeitung in <strong>der</strong> Fertigung<br />

1.3 Produktentwicklung<br />

1.3.1 Von <strong>der</strong> Idee zum Produkt<br />

Die Produktentwicklung beinhaltet alle Tätigkeiten, die zu einem verkaufbaren<br />

Produkt führen. Von <strong>der</strong> Vision/Idee bis zur Markteinführung des Produktes.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis: Die Vision von Zeridwen<br />

Am Beispiel von Zeridwen kann <strong>der</strong> Prozess von einer Produktentwicklung bis<br />

zum Funktionsmodell aufgezeigt werden.<br />

500


Zeridwen ist eine Puppe, welche Kin<strong>der</strong>n im Alter von 4 bis 9 Jahren das<br />

Zähneputzen mit einer Handzahnbürste näherbringen soll.<br />

Die Puppe Zeridwen soll das Zähneputzen mit Hilfe von Leuchtioden im<br />

Gebiss vormachen und die Kin<strong>der</strong> mit <strong>der</strong> Zahnbürste die Bewegungen<br />

nachmachen.<br />

Es gibt sehr viele Kin<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Welt, die täglich die Zähne putzen. Das<br />

Marktpotenzial von Zeridwen liegt gemäss einer Untersuchung <strong>der</strong><br />

Hochschule für Wirtschaft Bern bei 11,8 Millionen Stück im EU-Raum.<br />

501


Zunächst werden technische Zeichnungen von Zeridwen (Funktionsmodell)<br />

erstellt. Nach dem Vorbild dieser Zeichnungen wird ein Funktionsmodell<br />

gemacht.<br />

502


Beim Funktionsmodell handelt es sich um eine Puppe, die zwar funktioniert<br />

aber noch nicht verkaufsfähig ist. Das Funktionsmodell wird fertig designt<br />

(gezeichnet) und zu einem Serienmodell weiterbearbeitet.<br />

Dieses Serienmodell wird schliesslich im Markt angeboten und verkauft.<br />

Damit es produziert werden kann, muss die Einkaufsabteilung die richtigen<br />

Lieferanten für das Rohmaterial finden und die Produktionsplanung und<br />

Steuerung (PPS) muss die Teile, welche produziert werden, genau planen<br />

und einen reibungslosen Produktionsprozess vorbereiten.<br />

Am Ende kann dann ein Produkt, welches die Eltern und die Kin<strong>der</strong> im<br />

täglichen Zahnreinigungsprozess unterstützt, auf dem Markt angeboten<br />

werden.<br />

Zeig mir Deine Zähne, Kleines...<br />

In Anlehnung an ein Stück Filmgeschichte: "Schau mir in die Augen, Kleines"<br />

503


Film: Casablanca<br />

Humphrey Bogart<br />

und<br />

Ingrid Bergmann<br />

Juli 1942<br />

1.4 Produktstruktur<br />

Die Produktstruktur glie<strong>der</strong>t ein Produkt nach bestimmten Kriterien. Diese<br />

Struktur wird zur Planung und Steuerung des Fertigungsprozesses (Konstruktion<br />

<strong>–</strong> Einkauf <strong>–</strong> Produktion - Montage) benötigt. Die einzelnen Stellen haben meist<br />

unterschiedliche Sichtweisen zur Produktstruktur:<br />

• Konstruktion: Welche Funktionen muss das Produkt erfüllen?<br />

• Einkauf: Welche Halb-, Fertigfabrikate und Rohmaterialien müssen eingekauft<br />

werden?<br />

• Produktion: Welche Maschinen werden zur Produktion <strong>der</strong> Bauteile benötigt?<br />

• Montage: In welcher Reihenfolge müssen die Bauteile und Baugruppen<br />

montiert werden?<br />

1.4.1 Ziel <strong>der</strong> Produktstruktur<br />

Eine Produktstruktur sollte möglichst einfach und bis in die oberen Ebenen<br />

möglichst kundenneutral (standardisiert) sein. Individuelle Abweichungen<br />

(Kundenwünsche) vom Standardmodell sollten so spät wie möglich im<br />

Fertigungsprozess gemacht werden.<br />

504


Merke: Die Produktstruktur dient <strong>der</strong> vollständigen Dokumentation aus<br />

unterschiedlichen Sichtweisen (z. B. Konstruktion/Fertigung) eines Produktes<br />

o<strong>der</strong> einer Gruppe ähnlicher Produkte.<br />

505


Modul 502_Produktionslogistik<br />

Ausgangslage<br />

Die Produktionslogistik ist in einem Industriebetrieb für die innerbetriebliche Planung,<br />

Steuerung und Kontrolle <strong>der</strong> logistischen Abläufe zuständig. Die Produktion muss mit<br />

Rohmaterialien, Betriebs- und Hilfsstoffen sowie Ersatzteilen beliefert werden. Die<br />

Produktionslogistik koordiniert neben den zusammenhängenden Aktivitäten des<br />

Produktionsablaufs ebenfalls die Entsorgung <strong>der</strong> anfallenden Abfälle in <strong>der</strong><br />

Produktion.<br />

506


Fachartikel Modul 502<br />

2. Produktionslogistik<br />

2.1 Definition Produktionslogistik<br />

Die Produktionslogistik ist ein Prozess in einem Fertigungsunternehmen, <strong>der</strong><br />

zwischen <strong>der</strong> Beschaffungslogistik (Input) und <strong>der</strong> Distributionslogistik (Output)<br />

angesiedelt ist. Die Produktionslogistik plant und steuert den Warenfluss,<br />

indem sie die Produktion mit den für die Fertigung benötigten Gütern<br />

(Rohmaterial, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe usw.) aus den Lagern beliefert. Nach<br />

<strong>der</strong> Fertigung werden die Güter wie<strong>der</strong> abgeführt und im entsprechenden<br />

Lager fachgerecht aufbewahrt. Daneben unterstützt die Produktionslogistik<br />

verschiedene Tätigkeiten <strong>der</strong> Fertigung.<br />

2.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />

Die Hauptaufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik können folgen<strong>der</strong>massen<br />

umschrieben werden:<br />

Unter Produktionslogistik werden sämtliche Massnahmen verstanden, die den<br />

Leistungserstellungsprozess (Wertschöpfung) betreffen, also sämtliche<br />

Massnahmen von <strong>der</strong> Übernahme <strong>der</strong> bereitgestellten<br />

Produktionsfaktoren<br />

bis zur Übergabe <strong>der</strong> Fertigprodukte an die Distribution. Es geht darum, alle<br />

Materialien und Informationen für die Produktion in <strong>der</strong> benötigten Art,<br />

Menge und Qualität sowie zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen.<br />

Vergleiche die "Sechs-R-Regel" von Reinhardt Jünemann<br />

Die Ziele <strong>der</strong> Produktionslogistik sind:<br />

• kurze Durchlaufzeiten<br />

• hohe Termintreue<br />

507


• möglichst niedrige Bestände in den Lagern<br />

• hohes Qualitätsniveau<br />

• optimale Kapazitätsauslastung (Mensch und Maschine)<br />

• optimale Gestaltung <strong>der</strong> Transportwege in <strong>der</strong> Fertigung<br />

Merke: Zusammengefasst strebt man mit den Zielen <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />

möglichst geringe Herstellkosten an.<br />

2.3 Lagerarten in <strong>der</strong> Produktion<br />

Für die Unterstützung des Leistungserstellungsprozesses in <strong>der</strong> Produktion gibt<br />

es unterschiedliche Lagerarten.<br />

2.3.1 Beschaffungs- o<strong>der</strong> Produktionslager<br />

Die Aufgabe dieser Lager ist die Einlagerung von Rohmaterialien,<br />

Halbfabrikaten und Fertigfabrikaten, die für die Produktion benötigt werden.<br />

Das Beschaffungslager dient <strong>der</strong> Aufnahme eingehen<strong>der</strong> (eingekaufter)<br />

Güter, die in <strong>der</strong> Produktion benötigt werden. Meistens sind Produktionslager<br />

im Bereich <strong>der</strong> Produktion angesiedelt, das ermöglicht kurze Transportwege.<br />

In kleineren Unternehmen sind beide Lagerarten oft zusammengelegt. Es wird<br />

unterschieden zwischen vorgelagerten Produktionslagern, Zwischenlagern in<br />

<strong>der</strong> Produktion, nachgelagerten Produktionslagern und Handlagern.<br />

508


Vorgelagerte Produktionslager<br />

Lagerung von Rohstoffen, Halb- und Fertigwaren für den Produktionsprozess.<br />

Rohstofflager in <strong>der</strong> Produktion<br />

Zwischenlager in <strong>der</strong> Produktion<br />

In Zwischenlagern werden halbfertige Waren gelagert, bis sie in einem<br />

nachfolgenden Produktionsschritt weiterverarbeitet werden.<br />

Zwischengelagerte Stahlrollen<br />

509


Nachgelagerte Produktionslager<br />

Halbfertige und fertige Produktionserzeugnisse werden dort gelagert und für<br />

den Transport zur Weiterverarbeitung (z. B. Lackiererei) o<strong>der</strong> für den Markt<br />

(Einzelhandel, Grosshandel) vorbereitet.<br />

Luftbild: Produzierte Autos warten auf den Weitertransport<br />

Handlager<br />

Handlager sind kleine, meist bewegliche Lager, in denen Kleinmaterial<br />

gelagert wird, welches in <strong>der</strong> Produktion verbraucht wird. In <strong>der</strong> Regel<br />

bedienen sich die Mitarbeitenden dort in Selbstbedienung, ohne Verbuchung<br />

im ERP-System. Das für ein Produkt (z. B. Fahrrad) verwendete Kleinmaterial<br />

wird in <strong>der</strong> Regel nicht einzeln, son<strong>der</strong>n als Klein- und<br />

Verbrauchsmaterialposten dem Fertigprodukt angerechnet.<br />

Festes Handlager<br />

Handlager auf Rä<strong>der</strong>n zum verschieben<br />

510


Grafik: Lagerarten in einem Produktionsbetrieb<br />

2.4 Operative Entsorgungslogistik<br />

Die Entsorgungslogistik ist dafür zuständig, Abfälle aller Art zu sammeln, zu<br />

sortieren, zu verpacken, zu lagern und schliesslich abzutransportieren - also für<br />

sämtliche Massnahmen zur Vorbereitung und Durchführung <strong>der</strong><br />

umweltschonenden und kostengünstigen Entsorgung. Grundsätzlich ist zu<br />

beachten, dass die Vermeidung von Abfall vor dem Verwerten steht und das<br />

Verwerten vor dem Entsorgen.<br />

511


2.4.1 Aufgaben <strong>der</strong> Entsorgungslogistik<br />

Die Aufgaben <strong>der</strong> Entsorgungslogistik entsprechen grundsätzlich den<br />

klassischen Aufgaben <strong>der</strong> Logistik.<br />

• Kernleistung: Transport, Umschlag, Lagerung (TUL <strong>–</strong> Prozess)<br />

• Zusatzleistung: Sammlung, Sortierung, Verpackung / Bündelung<br />

• Informationsleistung: Auftragsabwicklung, Nach- und Rückverfolgung<br />

Weitere wichtige Informationen zur Entsorgung findest du in Modul 106.<br />

512


Modul 503_Organisation <strong>der</strong> Produktion<br />

Ausgangslage<br />

Die Planung eines Produktions- o<strong>der</strong> Fertigungsbereichs erfolgt nach<br />

unterschiedlichen Prinzipien. Ein massgeben<strong>der</strong> Faktor ist die Produktestruktur.<br />

Werden Güter in Massen o<strong>der</strong> Serien gefertigt, wird nicht dieselbe Infrastruktur wie<br />

bei einer Einzelfertigung benötigt. Anhand <strong>der</strong> Fertigungstypen wird die räumliche<br />

Anordnung <strong>der</strong> Maschinen, Werkzeuge und Arbeitsplätze festgelegt. Dabei wird<br />

auch bestimmt, wie und in welcher Reihenfolge die Rohstoffe, Einzelteile o<strong>der</strong><br />

einzelne Baugruppen die Fertigung durchlaufen. Diese Reihenfolge bestimmt im<br />

Anschluss den Material- sowie Informationsfluss <strong>der</strong> Aufträge durch die Produktion.<br />

513


Fachartikel Modul 503<br />

3. Organisation <strong>der</strong> Produktion<br />

Wie in den beiden ersten Modulen in <strong>der</strong> Abteilung "Production" dargelegt<br />

wurde, ist die Eigenschaft vom Produkt nicht nur bei <strong>der</strong> Lagerung<br />

massgebend für die Infrastruktur, son<strong>der</strong>n auch bei <strong>der</strong> Produktion. Die<br />

Produktestruktur kann extrem vielfältig sein. Darum gibt es verschiedenste<br />

Möglichkeiten, die Produktion zu organisieren.<br />

3.1 Definition Fertigungsarten<br />

Wenn ein Produkt hergestellt wird, spricht man in <strong>der</strong> Fachsprache oft von<br />

einer Fertigung. Die Fertigung wird von folgenden Kriterien beeinflusst:<br />

• Anzahl <strong>der</strong> Produkte, welche gefertigt werden (Fertigungsmenge)<br />

• Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />

• Ortsabhängigkeit <strong>der</strong> Fertigung<br />

3.2 Fertigungstypen<br />

In jedem Produktions- o<strong>der</strong> Fertigungsprozess wird ein Fertigungstyp gewählt.<br />

Die Art <strong>der</strong> Fertigung kann später wie<strong>der</strong> verän<strong>der</strong>t werden, jedoch ist das mit<br />

viel Aufwand und Kosten verbunden. Die Wahl des Fertigungstyps sollte gut<br />

geplant und initialisiert werden.<br />

514


Folgende Fertigungstypen sind bekannt:<br />

3.2.1 Einzelfertigung<br />

Die Einzelfertigung o<strong>der</strong> Einzelproduktion hat den Auftrag, einmalige<br />

Einzelstücke zu produzieren. Die Infrastruktur aber auch das Personal müssen<br />

vielseitig einsetzbar sein, da <strong>der</strong> Fertigungsauftrag jeweils nur ein Stück<br />

beinhaltet. Umrüsten und neu planen gehören in dieser Fertigungsart zur<br />

Tagesordnung. Keines <strong>der</strong> gefertigten Produkte ist gleich wie das an<strong>der</strong>e, alle<br />

haben ihre speziellen Eigenschaften.<br />

Einzelfertigungen sind z. B. Bil<strong>der</strong> eines Kunstmalers, Wohnungen, Massanzüge<br />

usw.<br />

Vorteile: Kundenwünsche können individuell umgesetzt werden.<br />

Nachteile: Die Fertigungszeit ist in <strong>der</strong> Regel hoch.<br />

515


Typische Einzelfertigung "Malen eines Bildes"<br />

3.2.2 Mehrfachfertigung<br />

Wie <strong>der</strong> Ausdruck es bereits erahnen lässt, geht es bei <strong>der</strong> Mehrfachfertigung<br />

darum, das gleiche Produkt mehrmals herzustellen. Wenn ein Produkt<br />

mehrmals gefertigt werden kann, können die Infrastruktur und das Personal<br />

auf diese bestimmte Fertigung ausgerichtet werden. Der Prozess kann<br />

optimiert werden, da sich die Tätigkeiten bei <strong>der</strong> Erstellung <strong>der</strong> Produkte<br />

wie<strong>der</strong>holen.<br />

3.2.3 Massenfertigung<br />

Die Massenfertigung ist ein Fertigungstyp, <strong>der</strong> das Ziel hat, möglichst viel in<br />

möglichst kurzer Zeit - und doch in guter Qualität - zu fertigen. Beim<br />

Produktionsstart ist keine beschränkte Menge bekannt. Wird eine Masse<br />

gefertigt, so besteht die Möglichkeit, die Prozesse auf das herzustellende<br />

Produkt auszurichten. Ist <strong>der</strong> Prozess einmal optimiert, gibt es kein Halten mehr,<br />

und es wird möglichst viel von einem gleichartigen, homogenen Produkt<br />

gefertigt. Weitere Vorteile, welche durch die Fertigung <strong>der</strong> Masse entstehen,<br />

sind <strong>der</strong> Rationalisierungseffekt (optimierte Prozesse) und tiefstmögliche<br />

Stückkosten. Wie<strong>der</strong>holendes Umrüsten von Maschinen ist nicht notwendig, im<br />

Gegenteil, viele dieser Prozesse können automatisiert werden. Beispiele für die<br />

Massenanfertigung sind die Herstellung von Zement, Gummibärchen,<br />

Münzen, usw.<br />

Vorteile: grosse Mengen = tiefe Herstellungskosten<br />

516


Nachteile: keine Flexibilität im Fertigungsprozess.<br />

Münzherstellung in Massenfertigung<br />

3.2.4 Serienfertigung<br />

Die Serienfertigung ist ein Fertigungstyp, bei dem gleichartige Produkte<br />

hergestellt werden. Die Serienfertigung ist eine weitere Variante zwischen <strong>der</strong><br />

Einzelfertigung und <strong>der</strong> Massenfertigung. Im Unterschied zur Massenfertigung<br />

wird die Produktion auf eine bestimme Anzahl begrenzt. Gleichartige<br />

Produkte werden in einer Fertigungsauflage o<strong>der</strong> Fertigungsserie hergestellt,<br />

wobei sich jede dieser Serien minimal unterscheidet. In Serienanfertigung<br />

werden Autos, Kleidungsstücke, Möbel usw. hergestellt.<br />

Vorteile: Die Produktivität kann gesteigert werden.<br />

Nachteile: Keine Flexibilität und hohe Umrüstkosten.<br />

Automobile werden in Serien Produziert<br />

517


3.2.5 Sortenfertigung<br />

Die Sortenfertigung ist stark verwandt mit <strong>der</strong> Serienfertigung. Es werden<br />

bestimmte Mengen produziert, die jedoch minimale Unterschiede aufweisen.<br />

Klassischerweise wird in <strong>der</strong> Modebranche eine Unterscheidung von Grössen<br />

als Sortenfertigung bezeichnet, da die Produkte eigentlich identisch sind, sich<br />

aber in <strong>der</strong> Grösse unterscheiden. Die Sortenfertigung wird bei Zigaretten, Bier,<br />

Mode, usw. angewandt.<br />

Vorteile: Es werden gleiche o<strong>der</strong> ähnliche Rohstoffe verwendet.<br />

Nachteile: Die Bestimmung <strong>der</strong> optimalen Losgrösse (Fertigungsmenge) ist<br />

herausfor<strong>der</strong>nd.<br />

Unterschiedliche Sorten in <strong>der</strong> Bierproduktion<br />

3.2.6 Chargenfertigung<br />

Bei <strong>der</strong> Chargenfertigung entstehen im Herstellungsprozess Unterschiede.<br />

Produkte, die eigentlich identisch sein sollten, können Unterschiede<br />

aufweisen. Bei <strong>der</strong> Chargenfertigung handelt es sich somit um eine<br />

unfreiwillge Serienfertigung. Eine Charge ist in den meisten Fällen durch eine<br />

Produktionsbegrenzung definiert. Zum Beispiel wird beim Backen zuhause das<br />

Fertigen von einem Butterzopf durch den vorhandenen Behälter und den<br />

Backofen beeinflusst.<br />

Die Chargenfertigung wird in <strong>der</strong> Chemiebranche (Behälter) angewandt,<br />

aber auch die Brotproduktion (Knetschüssel und Backofen) o<strong>der</strong> die<br />

Kartoffelproduktion (Grösse <strong>der</strong> Ackerfläche) sind Beispiele dafür.<br />

Vorteile: Sollte eine Fertigungsserie nicht gelingen, kann diese entsorgt<br />

werden. Im Weiteren kann die Serie nummeriert werden, was die Möglichkeit<br />

<strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit ( Modul 506) garantiert.<br />

518


Nachteile: Der Prozess ist sehr umständlich und wird durch die vorhandene<br />

Infrastruktur immer wie<strong>der</strong> gestoppt.<br />

Typische Chargenproduktion "Backwaren"<br />

3.3 Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />

Wenn <strong>der</strong> ideale Fertigungstyp für die Produktion gewählt ist, beginnt die<br />

Planung. Als erster muss definiert werden, welche Infrastruktur verwendet wird<br />

und in welcher Reihenfolge die Fertigung aufgestellt werden soll. Die<br />

Organisation <strong>der</strong> Fertigung kann zwar in einem späteren Schritt nach Bedarf<br />

optimiert und verän<strong>der</strong>t werden, dies macht aber viel Aufwand und<br />

verursacht hohe Kosten. Folgende Organisationen <strong>der</strong> Fertigung sind<br />

bekannt:<br />

3.3.1 Werkbankfertigung<br />

Bei <strong>der</strong> Werkbankfertigung werden handwerkliche Arbeitsprozesse von<br />

Anfang bis Ende von einer Arbeitsperson o<strong>der</strong> einer Arbeitsgruppe an einer<br />

Bearbeitungsstation ausgeführt. Es gibt daher meist keinen zwangsläufigen<br />

Übergang zu an<strong>der</strong>en Arbeitsplätzen. In einer Werkbankfertigung werden<br />

Einzelstücke o<strong>der</strong> kleine Serien hergestellt. Auch die EnterSite AG produziert<br />

ihre eigenen Produkte in einer solchen Organisation. Die Organisation <strong>der</strong><br />

Werkbankfertigung wird oft beim Fertigungstyp <strong>der</strong> Einzelfertigung<br />

519


angewandt. Produktbeispiele für die Werkbankfertigung sind Schmuck, Bil<strong>der</strong><br />

von Kunstmalenden usw.<br />

Vorteile: In <strong>der</strong> Werkbankfertigung wird ein Produkt oft von einer<br />

Arbeitsperson o<strong>der</strong> einer Arbeitsgruppe erstellt. Entsprechend kann eine hohe<br />

Qualität erwartet werden.<br />

Nachteile: Der Arbeitsprozess ist oftmals einmalig und muss jedes Mal neu<br />

definiert werden. Die Folge ist eine längere und deshalb kostspielige<br />

Fertigung.<br />

Werkbankarbeitsplatz<br />

3.3.2 Werkstattfertigung<br />

Die Betriebsmittel und die Arbeitsplätze mit gleichen o<strong>der</strong> ähnlichen<br />

Verrichtungen werden in einer Werkstatt zusammengefasst. Das Produkt<br />

"wan<strong>der</strong>t" gemäss <strong>der</strong> Ablaufplanung durch die einzelnen Arbeitsplätze, in<br />

denen jede Maschine eine spezielle Verrichtung ausführt. Eine Maschine fräst<br />

die Stücke, die nächste hobelt diese auf die richtige Dicke, eine weitere bohrt<br />

Löcher. Diese Organisation bietet hohe Flexibilität. Die Reihenfolge <strong>der</strong><br />

Tätigkeiten kann je nach Produkt verän<strong>der</strong>t werden. Eine Serie kann auf die<br />

verschiedenen Arbeitsplätze aufgeteilt werden, und je<strong>der</strong> Arbeitsplatz kann<br />

unabhängig <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Arbeitsplätze seine Tätigkeiten am Produkt<br />

durchführen.<br />

Beispiele für die Werkstattfertigung finden sich unter an<strong>der</strong>em in <strong>der</strong> Holz- und<br />

Metallbranche.<br />

Vorteile: Hohe Flexibilität.<br />

520


Nachteile: Längere Durchlaufzeiten.<br />

Werkstattfertigung mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen im selben Raum<br />

3.3.3 Fliessfertigung<br />

Die Fliessfertigung ist so organisiert, dass die verschiedenen Arbeitsplätze -<br />

an<strong>der</strong>s als in <strong>der</strong> Werkstattfertigung - in einer fixen Reihenfolge zum Einsatz<br />

kommen. Die Organisation beinhaltet nicht nur eine fixe Reihenfolge; die<br />

Betriebsmittel und Arbeitsplätze sind auch zeitlich aufeinan<strong>der</strong> abgestimmt.<br />

Die Produkte werden ohne Unterbrechung von einem Arbeitsplatz zum<br />

nächsten transportiert und bearbeitet. Der Transport von einem Arbeitsplatz<br />

zum an<strong>der</strong>en kann manuell o<strong>der</strong> über ein Fliessband erfolgen. Beim Einsatz<br />

eines Fliessbandes ist es wichtig, die richtige Geschwindigkeit zu wählen,<br />

sodass alle Arbeitsplätze in <strong>der</strong> vorgegeben Zeit ihre Arbeit beenden können.<br />

Ein klassisches Beispiel für die Fliessfertigung ist die Herstellung von Autos.<br />

Vorteile: Kurze Durchlaufzeiten.<br />

Nachteile: Hohe Anlagekosten, monotone Aufgaben für die<br />

Mitarbeitenden.<br />

521


Automobile werden in Fliessfertigung gefertigt<br />

3.3.4 Baustellenfertigung<br />

Bei <strong>der</strong> Baustellenfertigung (auch Fertigung nach dem Platzprinzip genannt)<br />

müssen Arbeitskräfte und Produktionsmittel zur Baustelle gebracht werden.<br />

Das Produkt (z. B. ein Haus) erfor<strong>der</strong>t eine ortsgebundene Fertigung. Die<br />

Betriebsmittel werden den Arbeitsvorgängen entsprechend an den Ort<br />

gebracht, wo sie eingesetzt werden. Je nach Grösse werden Teile auch<br />

ausserhalb <strong>der</strong> Baustelle gefertigt und angeliefert. Produktbeispiele für die<br />

Baustellenfertigung sind <strong>der</strong> Hausbau, <strong>der</strong> Tunnelbau usw.<br />

Vorteile: Produktionsfläche wird durch den Auftraggeber zur Verfügung<br />

gestellt<br />

Nachteile: Transportkosten für Arbeitskräfte und Betriebsmittel<br />

522


Bau eines Einfamilienhauses<br />

3.4 Überblick Fertigungstypen und Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />

Fertigungstyp Kurzbeschreibung Vorteile Nachteile<br />

Einzelfertigung<br />

Fertigung von einmaligen<br />

Produkten<br />

Qualität<br />

Kosten<br />

Massenfertigung Fertigung für Endlos-Serien Kosten Qualität<br />

Serienfertigung<br />

Fertigung für grosse Mengen<br />

mit begrenzter Stückzahl<br />

Weiterentwicklung<br />

<strong>der</strong> Produkte<br />

Umrüsten<br />

Sortenfertigung<br />

Fertigung für Produkte mit<br />

minimalen Unterschieden<br />

Einheitliche<br />

Rohstoffe<br />

Umrüsten<br />

Chargenfertigung Fertigung, die durch eine<br />

Produktionsbegrenzung<br />

definiert ist<br />

Rückverfolgbarkeit<br />

Zeit<br />

Organisation <strong>der</strong><br />

Fertigung<br />

Kurzbeschreibung Vorteile Nachteile<br />

Werkbankfertigung Fertigung durch einen<br />

Arbeitsplatz<br />

Qualität<br />

Zeit<br />

523


Werkstattfertigung<br />

Fertigung durch mehrere<br />

Arbeitsplätze<br />

Zeit<br />

Planung<br />

Fliessfertigung<br />

Fertigung durch mehrere<br />

Arbeitsplätze in einer<br />

bestimmten Reihenfolge<br />

Zeit<br />

Kosten für<br />

Maschinen<br />

Baustellenfertigung Fertigung vor Ort<br />

Keine eigene<br />

Produktionsfläche<br />

notwendig<br />

Transportkosten<br />

3.5 Lean Production<br />

"Lean Production" bedeutet zu Deutsch eine "schlanke Produktion". Unter dem<br />

Begriff versteht man den sowohl sparsamen als auch zeiteffizienten Einsatz<br />

von Betriebsmitteln und Personal.<br />

Das Unternehmen hat den Auftrag, aus den Fertigungstypen und den Arten<br />

<strong>der</strong> Organisation die bestmögliche Variante zu wählen. Alle überflüssigen<br />

Tätigkeiten werden gestrichen. Nur das Notwendige wird für die Fertigung<br />

genutzt. Der Fertigungsprozess wird somit optimiert.<br />

So können die Ziele <strong>der</strong> Lean Production umgesetzt werden: geringe<br />

Lagerhaltung, kleine Losgrössen, grosse Flexibilität hinsichtlich <strong>der</strong><br />

Kundenwünsche, kurze Durchlaufzeiten, gute Teamarbeit.<br />

524


Modul 504_Der Materialfluss<br />

Ausgangslage<br />

Wird in <strong>der</strong> Logistik von Materialflusssteuerung gesprochen, geht es um die physische<br />

Abwicklung <strong>der</strong> Warenbewegungen jeglicher Art. Neben <strong>der</strong> Steuerung des<br />

eigentlichen Materialflusses müssen die dazugehörenden Informationen<br />

(Informationsfluss) ebenfalls synchronisiert werden, um die Waren zur richtigen Zeit,<br />

am richtigen Ort, in <strong>der</strong> entsprechenden Menge und Qualität bereitzustellen. Dabei<br />

stehen <strong>der</strong> Logistik unterschiedliche Konzepte zur Verfügung. Die entsprechenden<br />

Konzepte sorgen somit vom Wareneingang über die Kommissionierung zum<br />

Warenausgang für eine bedarfsgerechte Versorgung <strong>der</strong> Logistik.<br />

525


Fachartikel Modul 504<br />

4. Der Materialfluss<br />

In Modul 503 wurden die verschiedenen Fertigungstypen behandelt und<br />

aufgezeigt, wie die Produktion organisiert werden kann. In diesem Modul<br />

geht es nun um die Frage, wie die Rohstoffe o<strong>der</strong> Halbfabrikate<br />

bewirtschaftet werden, damit die Ziele <strong>der</strong> Produktion ( Modul 501) <strong>der</strong><br />

EnterSite AG erreicht werden können.<br />

Selbstverständlich ist auch die Planung des Materialflusses nicht einfach<br />

umzusetzen. Die Eigenschaften und Menge <strong>der</strong> zu produzierenden Güter<br />

haben einen entscheidenden Einfluss auf den Materialfluss.<br />

Eine mögliche Layoutplanung könnte wie folgt aussehen:<br />

Layout mit Materialfluss eines Fertigungsbetriebs<br />

526


4.1 Arten des Materialflusses<br />

Wenn von einem Materialfluss gesprochen wird, wird oft unterschieden<br />

zwischen einem innerbetrieblichen und einem ausserbetrieblichen<br />

Materialfluss.<br />

4.1.1 Ausserbetrieblicher Materialfluss<br />

Der ausserbetriebliche Materialfluss ist in <strong>der</strong> Regel von Logistikdienstleistern<br />

abgedeckt. Der Zulieferer von Rohstoffen und Halbfabrikaten muss gut<br />

gewählt sein. Die Ziele gegenüber <strong>der</strong> Kundschaft werden nur erreicht, wenn<br />

auch <strong>der</strong> ausserbetriebliche Materialfluss in gewünschter Qualität ausgeführt<br />

wird. Die schlanke Produktion ( Modul 503) zielt auf eine ökologische und<br />

kostengünstige Aufstellung <strong>der</strong> Produktion ab. Entsprechend gibt es im<br />

Materialfluss kaum Reserven, um Lieferungen, welche nicht o<strong>der</strong> zu spät<br />

eintreffen, aufzufangen.<br />

4.1.2 Innerbetrieblicher Materialfluss<br />

Der innerbetriebliche Materialfluss liegt im Unterschied zum<br />

ausserbetrieblichen in <strong>der</strong> Verantwortung <strong>der</strong> EnterSite AG selbst. In <strong>der</strong> Regel<br />

beginnt <strong>der</strong> innerbetriebliche Materialfluss mit <strong>der</strong> Anlieferung von Rohstoffen<br />

o<strong>der</strong> Halbfabrikaten. Beendet wird <strong>der</strong> Materialfluss mit <strong>der</strong> Auslieferung von<br />

Halbfabrikaten o<strong>der</strong> Fertigprodukten. Das Ziel ist es, den Materialfluss mit so<br />

wenig Aufwand wie möglich zu realisieren, Prozesse klar zu definieren, die<br />

Aufgaben zuzuordnen und im Sinne von Lean Production den direkten Weg<br />

zu suchen. Für den innerbetrieblichen Materialfluss gibt es verschiedene<br />

Materialflusssteuerungs-Konzepte.<br />

4.2 Kanban<br />

Eines <strong>der</strong> bekanntesten Materialflusssteuerungs-Konzepte ist das Kanban-<br />

Prinzip. Der Grundsatz des Kanban-Systems ist einfach: Es ist eine Methode <strong>der</strong><br />

Produktionsablaufsteuerung nach dem Pull-Prinzip (auch Holprinzip o<strong>der</strong><br />

Zurufprinzip). Es orientiert sich ausschliesslich am Bedarf einer verbrauchenden<br />

Stelle im Fertigungsablauf. Der Begriff Kanban kommt aus dem Japanischen<br />

und heisst "Karte" o<strong>der</strong> "Tafel". Diese Art <strong>der</strong> Produktionssteuerung ist einfach<br />

und flexibel. Das ursprüngliche Kanban-System wurde 1947 von <strong>der</strong><br />

japanischen Firma Toyota entwickelt. Der Grund war die ungenügende<br />

Produktivität des Unternehmens im Vergleich zu den amerikanischen<br />

Konkurrenten. Die gestiegenen Erwartungen <strong>der</strong> Kunden an die<br />

527


Produktionsgeschwindigkeit und Lieferbereitschaft erzeugten zusätzlichen<br />

Druck. Auch die räumlich engen Verhältnisse auf den japanischen Inseln<br />

sowie die kostenintensiven Lagerbestände an Rohmaterial und<br />

Halbfabrikaten erfor<strong>der</strong>ten neue Lösungen.<br />

Bsp. Kanban Karte<br />

4.2.1 So funktioniert Kanban<br />

Wenn <strong>der</strong> Mindeststand an Material unterschritten wird <strong>–</strong> und nur dann -, wird<br />

<strong>der</strong> Zulieferer aufgefor<strong>der</strong>t, neues Material anzuliefern. Der nachgelagerte<br />

528


Arbeitsgang entnimmt bei einem vorgelagerten immer nur das gerade<br />

benötigte Teil in <strong>der</strong> benötigten Menge und zum benötigten Zeitpunkt. Der<br />

Zettel, auf dem diese Auffor<strong>der</strong>ung notiert ist, wird grundsätzlich mit jedem Los<br />

<strong>der</strong> Ware mittransportiert. Er wird erst bei Anbruch des Loses zur neuen<br />

Anlieferung zurückgegeben. Es gelten strenge Regeln für die Fertigung,<br />

beson<strong>der</strong>s <strong>der</strong> Grundsatz, dass nur gefertigt werden darf, wenn ein Auftrag<br />

(Kanban) zur Fertigung vorliegt, und dass nur einwandfreie Teile angeliefert<br />

werden dürfen.<br />

Das Auslösen des Nachschubs wurde ursprünglich durch die Karte/Tafel<br />

verursacht. Die Karte o<strong>der</strong> Tafel hatte entsprechend alle notwendigen<br />

Informationen, damit <strong>der</strong> Nachschub erfolgreich angefor<strong>der</strong>t werden konnte.<br />

Das Auslösen muss heute aber nicht mehr zwingend mittels Karte erfolgen.<br />

Alternativ kann auch ein Behälter als Ersatz <strong>der</strong> Karte o<strong>der</strong> Tafel eingesetzt<br />

werden. Entsprechend sind die notwendigen Informationen am Behälter<br />

angebracht. Auch <strong>der</strong> digitale Kanban-Prozess hat natürlich längstens die<br />

Produktion erreicht. So kann vor Ort als weitere Alternative <strong>der</strong> Barcode o<strong>der</strong><br />

QR-Code des Artikels eingelesen werden. Das ERP o<strong>der</strong> die PPS ( Modul<br />

505) <strong>der</strong> EnterSite AG werden die Daten direkt an den richtigen Zulieferer<br />

übermitteln. Fehler und Zeitverluste können so im digitalen Kanban-Prozess<br />

verhin<strong>der</strong>t werden.<br />

4.3 Two Bin<br />

Ähnlich dem Kanban wird das Two-Bin-Prinzip in <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />

angewandt. Die Nachbestellung wird ausgelöst, wenn <strong>der</strong> erste Behälter leer<br />

ist und <strong>der</strong> zweite "angebrochen" wird. Entsprechend ist <strong>der</strong> Behälter mit allen<br />

notwendigen Informationen ausgerüstet, um den Nachschub zu garantieren.<br />

Die Menge des zweiten Behälters, welcher nach dem Auslösen vom<br />

Nachschub angebrochen wird, muss genau berechnet sein. Um eine<br />

Fertigungsverzögerung zu verhin<strong>der</strong>n, muss die Menge für die<br />

Überbrückungszeit - bis Behälter I wie<strong>der</strong> zurück ist - genügen. Auch hier ist die<br />

grosse Herausfor<strong>der</strong>ung, genügend, aber nicht zu viel Material am Lager<br />

haben. Im Sinne von Lean Production sollte <strong>der</strong> Materialfluss ohne grössere<br />

Reserven funktionieren können.<br />

529


Materialnachschub in zwei Behälter<br />

4.4 Bestellzeitpunkt durch Markierung<br />

Der Materialfluss kann auch durch sehr einfache Hilfsmittel organisiert werden.<br />

Eine Möglichkeit ist Bestellzeitpunkt durch Markierung:<br />

Behälter mit Markierung<br />

Ganz unspektakulär kann dem Mitarbeiter o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Mitarbeiterin durch eine<br />

Markierung aufgezeigt werden, dass <strong>der</strong> Nachschub ausgelöst werden muss.<br />

Das Bestimmen, wann die Markierung erreicht werden soll, ist die weitaus<br />

heiklere Aufgabe, als den Nachschub auszulösen. Es gibt verschiedene<br />

Varianten, wie <strong>der</strong> Nachschub ausgelöst wird, z. B.: ein Bestellschein, <strong>der</strong><br />

bearbeitet werden muss; eine Meldung per E-Mail; das Einlesen von einem<br />

Bar- o<strong>der</strong> QR-Code.<br />

4.5 Just in Time (JIT)<br />

Die Abkürzung JIT steht für "Just in Time", zu Deutsch: "gerade rechtzeitig". JIT ist<br />

ein Bestellverfahren in <strong>der</strong> Produktion, mit welchem die vorgegebenen Ziele<br />

<strong>der</strong> Produktion erreicht werden sollen. JIT hat den Auftrag, die Lagerkosten zu<br />

senken, indem auf Lagerbestände verzichtet wird, und doch soll es<br />

sicherstellen, dass die Fertigung ohne Verzögerung abläuft. Die Rohstoffe<br />

530


o<strong>der</strong> Halbfabrikate werden genau rechtzeitig an den Fertigungsplatz<br />

angeliefert. Damit ein solches Bestellverfahren in <strong>der</strong> Produktion gelingen<br />

kann, braucht es perfekt organisierte ausserbetriebliche und innerbetriebliche<br />

Materialflüsse. Das Zusammenspiel von jedem Zulieferer/Partner in <strong>der</strong> ganzen<br />

Supply Chain (Lieferkette) muss funktionieren.<br />

In <strong>der</strong> Automobilproduktion werden die meisten Teile "Just in Time" angeliefert<br />

Auch das Bestellverfahren JIT hat seinen Ursprung in Japan. Wie<strong>der</strong>um war es<br />

die Automobilindustrie, welche durch mo<strong>der</strong>ne Methoden Kosten in <strong>der</strong><br />

Produktion reduzieren konnte.<br />

JIT <strong>–</strong> ein Beispiel<br />

Die EnterSite AG mit ihrer Produktionsstätte in Rupperswil setzt auf das Prinzip<br />

JIT. Produziert werden eigene Produkte (z. B. SwissEnterSite<br />

Cartridge_Artikelnr. GT10-TN221). Der genannte Artikel besteht aus 18<br />

verschiedenen Einzelteilen, die von verschiedenen Lieferanten aus <strong>der</strong><br />

ganzen Welt bezogen werden. In diesem Beispiel wird die Supply Chain für<br />

diesen Artikel abgebildet.<br />

Die Aufgabe <strong>der</strong> EnterSite AG ist es, den Kundenauftrag im System zu<br />

erfassen. Aus diesem Kundenauftrag ergibt sich <strong>der</strong> Bedarf, also die zu<br />

produzierende Menge. Die 18 verschiedenen Einzelteile (für 1 Endprodukt)<br />

werden bei den Zulieferern bestellt. Jedes dieser Einzelteile wird auf einen<br />

bestimmten Tag terminiert. An diesem Tag müssen neben dem Material<br />

531


auch die Monteure und <strong>der</strong> notwendige Arbeitsplatz bereitstehen. Wird alles<br />

richtig nach JIT geplant, und werden die ausser- und innerbetrieblichen<br />

Materialflüsse korrekt umgesetzt, hat die EnterSite AG die Möglichkeit, Kosten<br />

in <strong>der</strong> Produktion zu senken, da keine Lagerbestände mehr notwendig sind.<br />

4.5.1 Vor- und Nachteile von JIT<br />

Wie jedes an<strong>der</strong>e Modell, hat JIT verschiedene Vor- und Nachteile. Wichtig ist<br />

es, diese richtig zu interpretieren und dadurch zu entscheiden, ob das Modell<br />

passend ist o<strong>der</strong> nicht.<br />

Die Vorteile<br />

• Einsparung in <strong>der</strong> Lagerhaltung (Platz, Versicherung, Strom etc.)<br />

• bedarfsorientierte Beschaffung = keine Kapitalbindung durch Lagerbestände<br />

• Beschleunigung vom Fertigungsprozess<br />

• Vermeidung von "Ladenhütern"<br />

• Vermin<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Personalkosten durch geringen Zeitaufwand in <strong>der</strong><br />

Beschaffung<br />

• kurze Durchlaufzeit in <strong>der</strong> Produktion<br />

Bei <strong>der</strong> Entscheidung, ob JIT das richtige Bestellverfahren ist, müssen folgende<br />

Punkte beachtet werden:<br />

532


Die Nachteile<br />

• Abhängigkeit vom ausserbetrieblichen Materialfluss<br />

• risikoreiche Abhängigkeit von äusseren Einflüssen (Stau, Streik, Wetter etc.)<br />

• Kosten und Image bei "WorstCase" = Produktionsstillstand<br />

Die Vorteile von JIT können nur wirken, wenn jedes Rad dauerhaft und ständig<br />

in das an<strong>der</strong>e greift. Um möglichst viel Sicherheit zu erlangen, werden<br />

Verträge zwischen Kunden und Zulieferern ausgehandelt. Die Verträge sollen<br />

die Qualität definieren und damit verbunden auch mögliche Geldstrafen bei<br />

Nichterreichen <strong>der</strong> Zielsetzung festhalten.<br />

4.6 Just in Sequence (JIS)<br />

JIS - "Just in Sequence" - bedeutet "gerade rechtzeitig und in <strong>der</strong> richtigen<br />

Reihenfolge". Auch JIS ist ein Bestellverfahren, welches in <strong>der</strong> Produktion zum<br />

Einsatz kommt. Das Verfahren ist als Weiterentwicklung des Modells JIT zu<br />

verstehen. Auch hier ist die Automobilindustrie <strong>der</strong> Taktgeber. Weil JIS auch<br />

nach dem Prinzip "gerade rechtzeitig" funktioniert, gelten die gleichen Vorund<br />

Nachteile wie bei JIT. Der Unterschied zwischen JIS und JIT ist in <strong>der</strong><br />

Aufbereitung <strong>der</strong> zugelieferten Ware zu finden.<br />

JIS hat das Ziel, die zugelieferte Ware in <strong>der</strong> richtigen Reihenfolge und bereits<br />

im richtigen Zustand dem Monteur bereitzustellen. Die Ware ist "griffbereit".<br />

Kann die Ware im JIT in einer Transportpackung am Fertigungsplatz sein, so ist<br />

533


in <strong>der</strong> Methode nach JIS die Ware bereits ausgepackt und auf dem<br />

Fertigungsplatz bereitgestellt.<br />

4.7 Low Cost Automation (LCA)<br />

Die Technologie ist nicht nur in <strong>der</strong> Lagerlogistik präsent. Auch die Produktion<br />

wird von verschiedenen Entwicklungen in <strong>der</strong> Technologie ständig verän<strong>der</strong>t.<br />

Jede erfolgreich eingeführte Technologie setzt den Markt weiter unter Druck.<br />

Jedes Unternehmen verfolgt die Entwicklung <strong>der</strong> Technologien interessiert, um<br />

bereit zu sein, wenn sich eine neue durchsetzt.<br />

Mit dem Begriff Low Cost Automation (LCA), auch bekannt unter "Lean<br />

Automation", wird eine Technologie bezeichnet, die bei <strong>der</strong> Automatisierung<br />

von bestehenden Ressourcen wie Arbeitsgeräten, Werkzeugen und<br />

Maschinen sowie dem verfügbaren Personal eingesetzt wird. Alles<br />

Bestehende wird punktuell (so wenig wie nötig) mit Standartkomponenten<br />

aus dem Markt ergänzt.<br />

Die Zielsetzung dieser Technologie ist es, mit dem Vorhandenen einen<br />

möglichst automatisierten Prozess zu generieren; automatisiert in dem Sinne,<br />

dass wie<strong>der</strong>kehrende Prozesse mit weniger Personaleinsatz (= weniger<br />

Personalkosten) erstellt werden können und die Durchlaufzeit von einem<br />

Produkt reduziert werden kann.<br />

534


4.8 Jidoka<br />

Das Automatisieren von wie<strong>der</strong>kehrenden Arbeiten hat sich heute etabliert.<br />

Damit die Kosten von einem gefertigten Produkt auf dem Markt auch<br />

akzeptiert werden, sind Unternehmen gezwungen, möglichst viele (einfache)<br />

Arbeiten mit einer Maschine zu bewältigen. Auch da ist die<br />

Automobilindustrie bereits wie<strong>der</strong> einen Schritt weiter: Sie arbeitet an Jidoka.<br />

Jidoka (autonome Automation) bezeichnet den Betrieb einer Maschine ohne<br />

menschliche Überwachung. Dazu werden in <strong>der</strong> Maschine elektronische<br />

Komponenten (z. B. Prüfsensoren) eingebaut, die Abweichungen vom<br />

Normalbetrieb selbstständig erkennen. Somit kann die Maschine Warnungen<br />

auslösen und den Verarbeitungsprozess stoppen. Die Herstellung von<br />

fehlerhaften Produkten wird damit vermieden, was zur Qualitätssteigerung<br />

beiträgt. Jidoka ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur vollständigen<br />

Automation, bei <strong>der</strong> Maschinen, erkannte Fehler selbstständig beseitigen<br />

können.<br />

535


Modul 505_Produktionsplanung und -steuerung<br />

Ausgangslage<br />

Produktionsunternehmen wie die EnterSite AG können ihre Wettbewerbsfähigkeit nur<br />

sicherstellen, indem sie sich flexibel den externen Rahmenbedingungen anpassen.<br />

Die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) ist ein Instrument, um den Informationsund<br />

Materialfluss zeitlich, mengenmässig o<strong>der</strong> räumlich zu planen, steuern und zu<br />

kontrollieren. Ein funktionierendes PPS unterstützt die Mitarbeitenden in ihrer täglichen<br />

Arbeit, indem es Transparenz schafft und mithilft, die Prozessabläufe optimal den<br />

jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Das Ziel ist, die Produktedurchlaufzeiten<br />

möglichst kurz zu halten.<br />

536


Fachartikel Modul 505<br />

5. Produktionsplanung und -steuerung (PPS)<br />

Eine Aufgabe <strong>der</strong> Verkaufsabteilung ist es, genügend Produkte zu verkaufen,<br />

damit das Unternehmen wachsen kann. Dazu wird ein Verkaufsprogramm<br />

erstellt, das von verschiedenen Stellen für die Planung benötigt wird. Der<br />

Einkauf hat zum Beispiel die Aufgabe, das benötigte Rohmaterial, die Halbund<br />

Fertigfabrikate einzukaufen und zu organisieren. Für die Produkte, die das<br />

Unternehmen selbst fertigt, wird ein sogenanntes Produktionsprogramm<br />

erstellt. Dieses dient <strong>der</strong> Produktionsplanung und -steuerung dazu, eine<br />

Materialbedarfsrechnung zu machen. Damit wird festgestellt, bei welchen<br />

Artikeln <strong>der</strong> Bestand nicht ausreicht, um den aktuellen Bedarf (aus dem<br />

Produktionsprogramm) zu decken. Diese sogenannte Unterdeckung wird mit<br />

einer Termin- und Kapazitätsplanung in die Produktion eingeplant. Sobald die<br />

Aufträge bereit sind, um in die Produktion einzufliessen, übernimmt die<br />

Produktionssteuerung. Die Steuerung überwacht den gesamten<br />

Produktionsprozess von sämtlichen Aufträgen.<br />

537


Erklärungen zu den PPS-Funktionen<br />

• Produktionsprogrammplanung: Hier werden die zu produzierenden Erzeugnisse<br />

nach Art, Menge und Termin festgelegt.<br />

• Materialbewirtschaftung, Mengenplanung: Hier werden die für die Produktion<br />

benötigten Teile und Baugruppen resp. die zu beschaffenden (Einkauf)<br />

Materialien nach Art, Menge und Termin festgelegt.<br />

• Termin- und Kapazitätsplanung: Hier werden die für die Produktion benötigten<br />

Durchlaufzeiten (DLZ) und Kapazitäten (Mensch und Maschine) ermittelt und<br />

die Reihenfolge <strong>der</strong> Produktion festgelegt.<br />

• Auftragsveranlassung: Hier wird die Produktion freigegeben und alle damit<br />

zusammenhängenden Arbeiten und Aufträge verteilt.<br />

• Auftragsüberwachung: Hier werden die Arbeitsfortschritte, die<br />

Kapazitätsentwicklung <strong>der</strong> Mitarbeitenden und Maschinen, die<br />

Lieferantenbestellungen und Wareneingänge kontrolliert.<br />

5.1 Push/Pull-Produktion<br />

In <strong>der</strong> Produktionssteuerung gibt es unterschiedliche Formen; Push und Pull<br />

sind zwei davon.<br />

• Push-Produktion: Die Push-Produktion besitzt eine zentrale Planungs- und<br />

Steuereinheit. Der Informations- und Güterfluss laufen in dieselbe Richtung. Die<br />

Folgen davon sind hohe Lagerbestände, lange Lieferzeiten und hoher<br />

Planungsaufwand.<br />

• Pull-Produktion: Die Pull-Produktion wird vom aktuellen Kundenbedarf<br />

getrieben und meistens dezentral gesteuert. Entsprechend benötigt sie keine<br />

zentrale Planungs- und Steuereinheit. Es wird nach Bedarf produziert. Der<br />

Informationsfluss läuft dem Materialfluss entgegen, da die Informationen vom<br />

Kunden in Richtung Produktionsbeginn fliessen. Niedrige Lagerbestände, kurze<br />

Lieferzeiten, geringer Planungsaufwand und höhere Kundenausrichtung sind<br />

die positiven Folgen des Pull-Prinzips.<br />

538


5.2 Bulk-Produktion<br />

"Bulk" ist Englisch und bedeutet zu Deutsch "Masse" o<strong>der</strong> "Menge". Bulkware ist<br />

also Massengut. Es handelt sich um Güter, die in sehr grossen Liefermengen (z.<br />

B. ganze Schiffsladungen o<strong>der</strong> grössere Teile davon) transportiert werden.<br />

Bulkware geht meistens nicht an den Endverbraucher, son<strong>der</strong>n an Händler<br />

und weiterverarbeitende Unternehmen. Meistens sind Bulkwaren<br />

Halbfabrikate o<strong>der</strong> Produktionsgüter, die in ein Endprodukt einfliessen.<br />

Merke: Bei <strong>der</strong> Bulkproduktion resp. Massenproduktion werden Güter mit<br />

gleichen Eigenschaften in nicht beschränkten Mengen und in ständiger<br />

Wie<strong>der</strong>kehr erzeugt.<br />

Beispiele für Bulkproduktion<br />

539


5.3 Stücklisten<br />

In Modul 501 ist <strong>der</strong> Begriff des Verkaufsprogramms eingeführt worden.<br />

Auch in diesem Kapitel ist er relevant. Die nachfolgende Grafik zeigt den<br />

Einfluss des Verkaufsprogramms auf die Mengenplanung bis hin zur<br />

Mengenoptimierung auf.<br />

540


Das Verkaufsprogramm kann auch als Primärbedarf bezeichnet werden. Der<br />

Primärbedarf ist <strong>der</strong> Bedarf an verkaufsfähigen Produkten (z. B. Autos). Er<br />

besteht in <strong>der</strong> Regel aus mehreren Einzelteilen und/o<strong>der</strong> Baugruppen. Diese<br />

Komponenten werden z. B. in einer Montage zusammengebaut. Die<br />

Komponenten eines Primärbedarfs werden in einer Stückliste<br />

zusammengefasst.<br />

In einer Stückliste (engl: Bill of Materials (BOM)) sind also sämtliche Artikel und<br />

Baugruppen eines Endproduktes aufgeführt. In <strong>der</strong> Betriebswirtschaft spricht<br />

man hier vom sogenannten Sekundärbedarf. Der Sekundärbedarf dient dazu,<br />

den Primärbedarf herzustellen. Damit <strong>der</strong> Einkauf und die Produktionsplanung<br />

wissen, welche Artikel und/o<strong>der</strong> Baugruppen eingekauft resp. gefertigt<br />

werden müssen, wird <strong>der</strong> Sekundärbedarf mit dem aktuellen Lagerbestand<br />

abgeglichen. Daraus resultiert <strong>der</strong> sogenannte Nettosekundärbedarf.<br />

Ein Beispiel<br />

Primärbedarf:<br />

Sekundärbedarf:<br />

Lagerbestand:<br />

Nettosekundärbedarf:<br />

100 Autos<br />

400 Pneus (ohne Reserverad)<br />

100 Pneus<br />

400 <strong>–</strong> 100 = 300 Pneus<br />

5.3.1 Stücklistenarten<br />

Mengenstückliste<br />

Auf <strong>der</strong> Mengenstückliste werden sämtliche Bestandteile eines<br />

Produkts/Erzeugnisses in unstrukturierter Form zusammengestellt. Es wird<br />

zwischen Eigen- und Fremdteilen (Einkaufsteilen) unterschieden.<br />

Artikel Nummer Bezeichnung Art Anzahl<br />

12398 Fe<strong>der</strong> B 2<br />

12374 Welle E 1<br />

12355 Rohr E 3<br />

12363 Bügel F 2<br />

12380 Kugel E 10<br />

B = Baugruppe E = Eigenfertigung F = Fremdteil<br />

Eine Mengenstückliste ist eine einfache, übersichtliche Darstellungsform, aus<br />

<strong>der</strong> die zusammengefassten Mengen eines Produkts/Erzeugnisses direkt<br />

541


abgelesen werden können. Allerdings fehlt eine Strukturierung. Die<br />

Zugehörigkeit von Einzelteilen und Baugruppen ist nicht erkennbar.<br />

Mengenstücklisten sind daher z. B. nicht geeignet für eine Montageabteilung.<br />

Geeignet ist sie aber für den Einkauf o<strong>der</strong> für die Kalkulation, da es dort<br />

normalerweise keiner Zugehörigkeit o<strong>der</strong> Hierarchie bedarf.<br />

Strukturstückliste<br />

Bei <strong>der</strong> Strukturstückliste handelt es sich um eine Zusammenstellung sämtlicher<br />

Bauteile eines Produkts in strukturierter und hierarchischer Form. Es ist<br />

ersichtlich, in welcher Fertigungsstufe welche Einzelteile in welchen Mengen<br />

benötigt werden.<br />

Die Zahl,<br />

welche in <strong>der</strong><br />

Mitte<br />

<strong>der</strong> Pfeile zu<br />

sehen ist,<br />

ist <strong>der</strong> Bedarf<br />

für eine<br />

übergeordnet<br />

e Baugruppe.<br />

Für ein<br />

Erzeugnis A<br />

braucht<br />

es drei<br />

Baugruppen II.<br />

Für zwei<br />

Erzeugnisse A<br />

braucht es<br />

also sechs<br />

Baugruppen II<br />

usw.<br />

Alternativ kann eine Strukturstückliste auch tabellarisch geführt werden.<br />

Allerdings ist die Übersichtlichkeit eingeschränkt.<br />

1 2 3 Stückzahl Artikelnummer Bezeichnung<br />

X 1 A Erzeugnis<br />

X 3 II Baugruppe<br />

X 1 a Teil<br />

X 2 c Teil<br />

X 2 I Baugruppe<br />

542


X 3 a Teil<br />

X 1 b Teil<br />

Baukastenstückliste<br />

Die Baukastenstückliste wird durch die Zerlegung einer Strukturstückliste<br />

gewonnen und zeigt den Zusammenbau einer bestimmten gewünschten<br />

Baugruppe. Im untenstehenden Beispiel sieht man die Baugruppe I und II auf<br />

<strong>der</strong> Fertigungsstufe (FS) 1.<br />

Auch die Baukastenstückliste kann tabellarisch geführt werden.<br />

Pos. Stk. Nr. Bezeichnung Eigene<br />

SL<br />

Pos. Stk. Nr. Bezeichnung<br />

1 1 I Baugruppe X 1 3 a Teil<br />

Pos. Stk. Nr. Bezeichnung Eigene<br />

SL<br />

2 1 b Teil<br />

Pos. Stk. Nr. Bezeichnung<br />

1 1 II Baugruppe X 1 1 a Teil<br />

2 2 c Teil<br />

X 1 b<br />

543


Variantenstückliste<br />

Die Variantenstückliste wird überall dort angewendet, wo das<br />

Endprodukt/Erzeugnis Bestandteile hat, welche geringfügige Abweichungen<br />

haben können.<br />

Ein Beispiel<br />

Fahrrad:<br />

Auto:<br />

Spannung:<br />

Farbe<br />

Automat, handgeschaltet<br />

Nordamerika 120V/Schweiz 230V<br />

All diese Unterschiede machen Varianten aus.<br />

Beispiel einer Variantenstückliste<br />

Stücklisten werden in <strong>der</strong> Produktionsplanung, <strong>der</strong> Materialwirtschaft, <strong>der</strong><br />

Kapazitätsplanung, <strong>der</strong> Zeitwirtschaft, <strong>der</strong> Montage, im Einkauf, für<br />

Kalkulationsaufgaben und für vieles mehr verwendet. Darum spielt die Pflege<br />

zur Erhaltung <strong>der</strong> Stücklistenqualität eine grosse Rolle in einem<br />

Industrieunternehmen. Fehlerhafte Stücklisten stören den gesamten Prozess<br />

und verursachen nicht gewollte Kosten.<br />

Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />

Ausgangslage<br />

Qualitativ gute Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen sind für die EnterSite AG<br />

wichtige Faktoren, um im Wettbewerb mit an<strong>der</strong>en Anbietern zu bestehen.<br />

Somit ist eine systematische Qualitätssicherung ein wichtiger Faktor für den<br />

Erfolg des Unternehmens. Für die EnterSite AG ist es wichtig, ihre<br />

544


Kalkulationsaufgaben und für vieles mehr verwendet. Darum spielt die Pflege<br />

zur Erhaltung <strong>der</strong> Stücklistenqualität eine grosse Rolle in einem<br />

Industrieunternehmen. Fehlerhafte Stücklisten stören den gesamten Prozess<br />

und verursachen nicht gewollte Kosten.<br />

Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />

Ausgangslage<br />

Qualitativ gute Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen sind für die EnterSite AG<br />

wichtige Faktoren, um im Wettbewerb mit an<strong>der</strong>en Anbietern zu bestehen.<br />

Somit ist eine systematische Qualitätssicherung ein wichtiger Faktor für den<br />

Erfolg des Unternehmens. Für die EnterSite AG ist es wichtig, ihre<br />

Fertigungsketten zu reproduzieren und die Rückverfolgbarkeit zu<br />

gewährleisten. Um die Qualität ihrer Produkte zu sichern, setzt die EnterSite AG<br />

auch auf ihre Mitarbeiter, indem Sie diese aktiv in die Prozesse einbezieht und<br />

versucht, <strong>der</strong>en Fachwissen schriftlich für alle verfügbar zu machen.<br />

545


Fachartikel Modul 506<br />

6. Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />

Wie bereits in Modul 501 ausgeführt, ist die Qualität in <strong>der</strong> Produktion eines<br />

<strong>der</strong> wichtigsten Ziele. Um die richtige Qualität zu erreichen, müssen einige<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen gemeistert werden. Zudem ist wichtig, die erreichte<br />

Qualität <strong>der</strong> Produktion zu halten und sie wenn möglich weiter zu verbessern.<br />

6.1 Qualitätsmanagement (QM) vs. Qualitätssicherung (QS)<br />

Wird in <strong>der</strong> Produktion von Qualität gesprochen, sind die Begriffe<br />

Qualitätsmanagement (QM) und Qualitätssicherung (QS) sehr präsent. Um<br />

diese Begriffe richtig anzuwenden, ist es wichtig, die Aufgabenbereiche<br />

abgrenzen zu können.<br />

6.1.1 Qualitätsmanagement (QM)<br />

Wenn ein Unternehmen Qualität als Zielsetzung definiert, bedeutet das, dass<br />

es eine gut strukturierte Produktion benötigt. Beim Qualitätsmanagement wird<br />

genau diese Struktur definiert. Es werden Fragen geklärt wie: Welche<br />

Fertigungsarten sind sinnvoll? Welche Organisationen sollen eingesetzt<br />

werden? Welcher Materialfluss ist geeignet? Die Arbeitsaufgaben werden<br />

erfasst und sind oft in einem Qualitätsmanagement-<strong>Handbuch</strong> festgehalten.<br />

Merke: Mit Qualitätsmanagement wird versucht, in allen Bereichen des<br />

Unternehmens die gewünschte Qualität zu erreichen. Es sind also nicht nur<br />

Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen betroffen, son<strong>der</strong>n alle Prozesse im<br />

Unternehmen, welche die Kundenzufriedenheit beeinflussen.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Bei <strong>der</strong> Produktion des Artikels (Swiss EnterSite Cartridge_Artikelnr. GT10-<br />

TN221) wird im Qualitätsmanagement festgehalten, mit welchen Lieferanten,<br />

mit welchen Rohstoffen, in welcher Fertigungsart und Organisation und mit<br />

welcher Methode im Materialfluss gearbeitet wird. Jede Tätigkeit <strong>der</strong><br />

Mitarbeitenden wird schriftlich festgehalten. Diese Dokumentation leistet<br />

Unterstützung beim Erreichen <strong>der</strong> gewünschten Qualität: Sie dient dazu, den<br />

ganzen Herstellungsprozess abzubilden für alle Mitarbeitenden die Aufgaben<br />

zu definiert.<br />

546


6.1.2 Qualitätssicherung (QS)<br />

Wenn durch das Qualitätsmanagement die gewünschte Qualität erreicht<br />

worden ist, soll sie gesichert o<strong>der</strong> wenn möglich verbessert werden. Die<br />

Qualitätssicherung kommt im Anschluss zum Qualitätsmanagement (QM) zum<br />

Zuge und hat die Aufgabe, mögliche negative Einflüsse auf die Qualität des<br />

Endproduktes frühzeitig zu erkennen und beseitigen. Die Qualitätssicherung<br />

soll sicherstellen, dass die Vorgaben des QM eingehalten und korrekt<br />

umgesetzt werden. Im Gegensatz zur Qualitätskontrolle, welche sich auf die<br />

Qualität von einem Produkt konzentriert, werden bei <strong>der</strong> Qualitätssicherung<br />

alle Tätigkeiten und Abläufe (Prozesse) innerhalb des Unternehmens geprüft.<br />

Wird <strong>der</strong> gewünschte Qualitätsstandard nicht erreicht, werden die<br />

entsprechenden Dienstleistungen o<strong>der</strong> Produkte aus dem Sortiment gezogen<br />

o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Kreislauf wird so lange verbessert, bis das gewünschte Resultat<br />

(Qualität) erreicht ist.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Der Herstellungsprozess vom Produkt (SwissEnterSite Cartridge_Artikelnr. GT10-<br />

TN221) wurde im Qualitätsmanagement definiert und das Produkt danach<br />

produziert. Nach Abschluss <strong>der</strong> Produktion und dem Versand an den Kunden<br />

kann <strong>der</strong> Prozess evaluiert werden: Wurde die gewünschte Qualität und<br />

damit die Kundenzufriedenheit erreicht? Wurden die Produktionskosten<br />

gemäss QM eingehalten? Wenn die Fragen mit Ja beantwortet werden<br />

können, hat die EnterSite AG die Sicherheit, dass ihr QM inklusive <strong>der</strong><br />

Umsetzung das gewünschte Resultat erzielen kann. Wenn dem nicht so ist,<br />

geht <strong>der</strong> Prozess durch den Verbesserungskreislauf, um die entsprechenden<br />

Mängel zu beheben.<br />

6.2 QM- und QS-Methoden<br />

Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind im Produktionsprozess<br />

voneinan<strong>der</strong> abhängig, und <strong>der</strong> Übergang kann auch fliessend sein. Zur<br />

Erreichung, Sicherung o<strong>der</strong> Verbesserung <strong>der</strong> Qualität steht in <strong>der</strong> Produktion<br />

eine grosse Auswahl von verschiedenen Methoden zur Verfügung. Die<br />

Schwierigkeit besteht darin, die richtige Methode für die Produktion zu finden.<br />

Nachfolgend eine nicht abschliessende Auswahl von Methoden, welche in<br />

<strong>der</strong> Produktion zur Anwendung kommen:<br />

547


6.2.1 Kaizen<br />

In <strong>der</strong> heutigen Produktion hat die Methode Kaizen einen hohen Stellenwert<br />

erlangt. Der Begriff "Kaizen" steht für "Kai = Verän<strong>der</strong>ung und "zen" = zum<br />

Besseren". Er hat seinen Ursprung in <strong>der</strong> Automobilindustrie in Japan, wo die<br />

Methode bereits 1980 entwickelt wurde. Sie wurde aber erst viele Jahre später<br />

so richtig in <strong>der</strong> Produktion übernommen und bekannt. Die Methode zielt<br />

darauf hin, Unternehmen täglich durch viele kleine Schritte besser zu machen.<br />

Ein wichtiges Werkzeug, welches bei <strong>der</strong> Methode angewandt wird, ist unter<br />

dem Begriff PDCA-Zyklus bekannt.<br />

6.2.2 Der PDCA-Zyklus<br />

Der PDCA-Zyklus ist ein Modell zur Umsetzung von Verän<strong>der</strong>ung. Das Modell<br />

wurde vom amerikanischen Statistiker und Physiker Walter Shewart kreiert. Wie<br />

bereits erwähnt, wird das Modell heute aber in verschiedenen Methoden (z.<br />

B. Kaizen) integriert und weiterentwickelt. PDCA ist eine einfache, vierstufige<br />

Methode, mit <strong>der</strong> Teams wie<strong>der</strong>kehrende Fehler vermeiden und Prozesse<br />

verbessern können.<br />

PLAN = Planen<br />

Der PDCA-Zyklus beginnt mit PLAN (Planen). Jede Arbeit benötigt eine<br />

Planung. Die Umsetzung kann nur so gut sein, wie die Planung ist. Abhängig<br />

von <strong>der</strong> Grösse des Projektes kann das Planen sehr viel Zeit in Anspruch<br />

548


nehmen. Eine gute Planung erspart dem Unternehmen in den folgenden<br />

Schritten jedoch einige Probleme. Bevor die nächsten Schritte gemacht<br />

werden können, braucht es Antworten auf folgende Fragen:<br />

• Welches Kernproblem muss gelöst werden?<br />

• Welche Ressourcen werden benötigt?<br />

• Welche Ressourcen sind vorhanden?<br />

• Welche Lösung eignet sich am besten, um das Problem mit den verfügbaren<br />

Ressourcen zu beheben?<br />

• Unter welchen Bedingungen hat <strong>der</strong> Plan Erfolg?<br />

• Was sind die Ziele?<br />

Quelle: kanbanize.com<br />

Sind diese Fragen geklärt, kann die nächste Phase in Angriff genommen<br />

werden.<br />

DO = Umsetzen<br />

In dieser Phase des PDCA-Zyklus zeigt sich, ob die Planung aus <strong>der</strong> ersten<br />

Phase auch wirklich genügend ist. In <strong>der</strong> Praxis ist bekannt, dass jede Planung<br />

und Theorie in <strong>der</strong> Umsetzung noch holprig sein kann. Entsprechend muss<br />

einberechnet werden, dass noch unvorhergesehene Probleme auftreten<br />

können. Wichtig dabei ist, dass alle ihre Rollen und Verantwortungsbereiche<br />

kennen und wahrnehmen. Die Kommunikation hat auch in dieser Phase einen<br />

hohen Stellenwert.<br />

CHECK = Prüfen<br />

Man sagt, die Phase CHECK (Prüfen) sei die wichtigste des PDCA-Zyklus. Wenn<br />

man wie<strong>der</strong>kehrende Fehler vermeiden will und eine kontinuierliche<br />

Verbesserung anstrebt, muss man dieser Phase genügend Aufmerksamkeit<br />

widmen. Die Planung muss mit <strong>der</strong> Umsetzung kritisch überprüft werden: Was<br />

hat sich bewährt? Wo gibt es Potenzial und wo gibt es Probleme im Prozess?<br />

Diese Schwachpunkte müssen erkannt und diskutiert werden. Die Ursachen<br />

werden ausfindig gemacht, analysiert und verarbeitet.<br />

ACT = Handeln<br />

Nach viel Arbeit und Zeit kann die letzte Phase umgesetzt werden: ACT<br />

(Handeln). Der in den vorherigen Phasen entwickelte Plan, <strong>der</strong> umgesetzt und<br />

549


überprüft worden ist, muss nun ausgewertet werden. Wenn die gesetzten Ziele<br />

erreicht worden sind, kann <strong>der</strong> Prozess fortgesetzt werden. Die<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben aber auch in Zukunft den Auftrag,<br />

den Zyklus zu hinterfragen, denn die schnelllebende Fertigung kann rasch<br />

Än<strong>der</strong>ungen erfahren.<br />

Merke: Der PCDA-Zyklus wird angewendet, um eine stetige Verbesserung<br />

zu erreichen und kann sich positiv auf Produktivität und Effizienz auswirken.<br />

6.2.3 Kontinuierlicher Verbesserungsprozess<br />

Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) beschreibt die stetige<br />

Verbesserung <strong>der</strong> Produkt-, Prozess- und Servicequalität. Jede Abteilung o<strong>der</strong><br />

Team arbeitet dabei eigenständig laufend an Verbesserungen in den<br />

eigenen Verantwortungsbereichen. Dabei stehen viele kleine<br />

Verbesserungen im Fokus. Aus Unternehmerischer Sicht ist es wichtig, den<br />

kontinuierlichen Verbesserungsprozess in <strong>der</strong> Unternehmenskultur zu<br />

verankern.<br />

Was beinhaltet <strong>der</strong> Prozess?<br />

Der KVP umfasst sämtliche Massnahmen zu einer Verbesserung in den<br />

unterschiedlichen Bereichen. Die Mitarbeitenden sollen motiviert werden,<br />

Verbesserungsmassnahmen in ihren Bereichen ausfindig zu machen. Dabei ist<br />

es wichtig, viele kleine und schnell umzusetzende Massnahmen anzugehen,<br />

anstatt daraus grosse und langandauernde Projekte zu machen. Zur<br />

Vorgehensweise des KVP gehören:<br />

• Aussortieren<br />

• Vermeiden<br />

• Sauberkeit<br />

• Aufräumen<br />

• Ordnung<br />

• Einfachheit<br />

• Standardisierung<br />

550


Um möglichst schnell Abläufe zu verbessern und somit erste Erfolge zu<br />

erreichen, bedarf es bestimmter festgelegter Regeln, die dann auch<br />

eingehalten werden.<br />

Warum KVP?<br />

Ein Unternehmen möchte seine Kunden zufriedenstellen und seine<br />

Berechtigung am Markt festigen. Durch den KVP kann sich die Unternehmung<br />

den sich än<strong>der</strong>nden Verhältnissen im Markt kontinuierlich anpassen. Das<br />

Unternehmen entwickelt sich stetig weiter und kann sich optimal an die<br />

unterschiedlichen Kundenanfor<strong>der</strong>ungen anpassen.<br />

6.2.4 Einsatzgebiete<br />

In einem Unternehmen gibt es viele Prozesse o<strong>der</strong> Tätigkeiten, bei welchen<br />

<strong>der</strong> KVP zum Einsatz kommen kann. Die wichtigsten sind sicherlich in <strong>der</strong><br />

Administration und Produktion.<br />

Büro<br />

KVP beschäftigt sich mit Sauberkeit, Ordnung und Aufräumen. Ein sauberes,<br />

aufgeräumtes Büro soll bewirken, dass Mitarbeitende sich weniger mit Suchen<br />

beschäftigen müssen. Dies minimiert die Fehleranfälligkeit und beschleunigt<br />

die Abläufe.<br />

Fertigung und Logistik<br />

In <strong>der</strong> Fertigung und <strong>der</strong> Logistik geht es darum, die zurückzulegenden Wege<br />

<strong>der</strong> Mitarbeitenden zu verkürzen. Werkstücke und Werkzeuge sollen so<br />

bereitgestellt werden, dass direkter Zugriff besteht und somit den<br />

Mitarbeitenden die Bewegungsabläufe leicht fallen. Um Fehler zu vermeiden<br />

ist auch darauf zu achten, dass die notwendigen Informationen für die Arbeit<br />

perfekt aufeinan<strong>der</strong> abgestimmt werden.<br />

6.2.5 Auswirkungen von KVP<br />

• Durch den Einbezug und das Mitspracherecht <strong>der</strong> Mitarbeitenden kann ihr<br />

Leistungspotenzial aktiviert werden.<br />

• Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wird gesteigert.<br />

• Arbeitsplätzen werden gesichert.<br />

551


Merke: Eine Weiterentwicklung <strong>der</strong> Unternehmenskultur und eine gute<br />

Unternehmensführung sind wesentliche Erfolgsfaktoren des KVP. Dies<br />

wie<strong>der</strong>um stärkt die Erfolgschancen <strong>der</strong> Unternehmung im sich ständig<br />

wandelnden Markt.<br />

6.2.6 Muda<br />

"Muda" ist das japanische Wort für "Verschwendung". Verschwendung wird<br />

von dem althochdeutschen Wort "firswenden" bzw. "firswenten" abgeleitet,<br />

was "verschwinden lassen" bedeutet. Unternehmen, die unnötige und nicht<br />

wertschöpfende Aktivitäten im Wertschöpfungsprozess akzeptieren, lassen<br />

also permanent Geld verschwinden. Oft werden Verschwendungen lei<strong>der</strong><br />

gar nicht mehr wahrgenommen.<br />

Verschwendungen identifizieren<br />

In einem Prozess gibt es dann Verschwendungen, wenn Tätigkeiten keinen<br />

eigentlichen wertschöpfenden Effekt haben. An<strong>der</strong>s ausgedrückt<br />

verschwendet man also wertvolle Arbeitszeit mit unnötigen Tätigkeiten. Durch<br />

solche Tätigkeiten in Produktionsprozessen steigen automatisch die<br />

Herstellkosten des Produkts. Dies hat zur Folge, dass die Kundinnen und<br />

Kunden am Ende <strong>der</strong> Herstellungskette mehr bezahlen müssen. Da Kundinnen<br />

und Kunden aber nicht immer bereit, sind mehr für ein Produkt zu bezahlen,<br />

fällt Verschwendung auf die Unternehmung zurück, indem die Marge<br />

reduziert wird.<br />

Ist-Analyse<br />

Um Verschwendungen ausfindig zu machen, bedarf es einer gründlichen<br />

Analyse. Sehr oft ist es hilfreich, dafür externe Personen beizuziehen; nicht, weil<br />

betriebsinterne Personen dies nicht könnten. Je länger man aber in einem<br />

Betrieb arbeitet, desto mehr besteht die Gefahr einer "Betriebsblindheit". Diese<br />

führt z. B. dazu, dass man gewisse Abläufe einfach hinnimmt, weil es schon<br />

immer so gemacht worden ist und keiner auf den Gedanken kommt, etwas<br />

daran zu än<strong>der</strong>n.<br />

552


Die 7 Verschwendungsarten:<br />

Bestände:<br />

Überproduktion:<br />

Transport:<br />

Wartezeiten:<br />

Ausschuss:<br />

Bewegung:<br />

Herstellungsprozess:<br />

Halbfabrikate stauen sich vor Fertigungsstellen vor <strong>der</strong><br />

Weiterverarbeitung, Lagerbestände, welche viel Platz<br />

benötigen und dadurch Kapital binden.<br />

Es wird zu viel produziert, z. B. weil die Planung nicht<br />

stimmt o<strong>der</strong> als übermässiger Puffer, um Fehler in den<br />

Prozessen aufzufangen.<br />

Lange, unüberlegte Transportwege, die keine<br />

Produktewertschöpfung bringen.<br />

Schlechte Kapazitätsplanung, "Zeitvertrödelung" durch<br />

Warten auf Material.<br />

Aufgrund mangeln<strong>der</strong> Qualität wird zu viel Ausschuss<br />

produziert, <strong>der</strong> ersetzt werden muss o<strong>der</strong><br />

Nacharbeitskosten nach sich zieht.<br />

Arbeitsplätze sind so ausgestattet, dass Werkzeuge<br />

umständlich aufgenommen werden müssen o<strong>der</strong><br />

Anlagen schwer zu bedienen sind. Es gibt grosse<br />

Entfernungen zwischen Montageplätzen.<br />

Komplexe Herstellungsprozesse und aufwändige<br />

Verfahren wie z. B. häufiges Rüsten, Mehrfachkontrollen<br />

usw.<br />

Bewerten<br />

Die Verschwendungsarten sind nun zu bewerten. Dabei ist es wichtig, dass die<br />

Bewertung auf einheitliche Berechnungsgrundlagen gestellt wird (z.B. Stück<br />

pro Tag). Mit <strong>der</strong> Pareto Analyse können nun die 20 Prozent <strong>der</strong><br />

Verschwendungsquellen identifiziert werden, welche für 80 Prozent <strong>der</strong><br />

vorhandenen Verschwendung verantwortlich sind. Diese 20 Prozent sind in<br />

einem nächsten Schritt als erste zu eliminieren.<br />

Gegenmassnahmen<br />

In dieser Phase geht es darum, geeignete Gegenmassnahmen zu den 7<br />

Verschwendungsarten aus <strong>der</strong> Ist-Analyse zur finden.<br />

553


Bewertung<br />

Die Lösungsansätze bzw. Massnahmen müssen nun in einem letzten Schritt<br />

noch priorisiert und bewertet werden, um eine entsprechende<br />

Umsetzungsplanung vorzunehmen. Folgende Aktivitäten helfen,<br />

Verbesserungen strukturiert umzusetzen:<br />

• Massnahmen nach Aufwand, Dauer und Effekt in kurzfristige, mittelfristige und<br />

langfristige Lösungen einteilen.<br />

• Für jede Massnahme müssen Verantwortliche und Zieltermine festgelegt<br />

werden.<br />

• Umgesetzte Massnahmen in regelmässigen Abständen kontrollieren.<br />

Merke: Wie bei jedem Change-Prozess (Verän<strong>der</strong>ungsprozess, ist es auch<br />

bei Muda sehr wichtig, die Mitarbeitenden in ihren jeweiligen zuständigen<br />

Arbeitsprozessen einzubeziehen.<br />

6.2.7 ISO 9001<br />

Eine weitere Methode in den Bereichen QM und QS, welche einen grossen<br />

Stellenwert in <strong>der</strong> Praxis hat, ist das Zertifizieren von einem Qualitätsstandard.<br />

Die Methode hat einen Vorteil gegenüber Kaizen o<strong>der</strong> dem PDCA-Zyklus: Am<br />

Ende erhält <strong>der</strong> Betrieb eine Zertifizierung und damit eine Bestätigung, dass<br />

QM und QS sichergestellt sind. Zuständig für die Zertifizierung ist die<br />

International Organization for Standardization (ISO). Die ISO hat verschiedene<br />

Zahlenreihenfolgen, welche einen bestimmten Bereich auszeichnen. In <strong>der</strong><br />

Logistik bekannt sind die Zertifizierungen:<br />

ISO 9001 = Qualitätsmanagementsysteme Anfor<strong>der</strong>ungen<br />

ISO 14001 = Umweltmanagementsystem<br />

Beispiel einer Zertifizierung:<br />

Internationale Normen erleichtern <strong>der</strong> Wirtschaft den Austausch von Waren<br />

und Dienstleistungen, weil sie einheitliche Anfor<strong>der</strong>ungen für die Produkte<br />

<strong>der</strong> Marktteilnehmenden festlegen. Die wichtigste Anfor<strong>der</strong>ung zum<br />

Qualitätsmanagement und zur Qualitätssicherung trägt in <strong>der</strong> Schweiz die<br />

Bezeichnung SN EN ISO 9001:2015. Das bedeutet:<br />

554


SN = Schweizer Norm<br />

EN = Europäische Norm<br />

ISO = International Organization for Standardization<br />

9001 = Zahlenreihenfolge für die Anfor<strong>der</strong>ungen an<br />

Qualitätasmanagementsysteme<br />

2015 = Publikationsjahr dieser Version<br />

Ganz konkret wird in dieser Zertifizierung Folgendes festgelegt:<br />

• die Organisation des Qualitätsmanagementsystems<br />

• das Management des Personals und <strong>der</strong> Infrastruktur<br />

• die Produkterealisierung<br />

• die Messung, die Analyse und die Verbesserung<br />

Die Zertifizierung resp. die Vorgaben müssen für jedes Unternehmen individuell<br />

festgelegt und umgesetzt werden. Der Aufwand für eine solche Zertifizierung<br />

ist sehr hoch. Darum müssen die Vorteile, die ein Unternehmen daraus zieht,<br />

genug wichtig sein. Die Vorteile <strong>der</strong> Zertifizierung nach ISO9001 sind:<br />

• verbesserte Übereinstimmung von erbrachten Leistungen gegenüber <strong>der</strong><br />

Qualität vom Produkt<br />

• höhere Kundenzufriedenheit<br />

• verbesserte Kundenauffassung<br />

• verbesserte Leistungsfähigkeit und Arbeitsleistung<br />

• Kostenreduktion im Produktionsprozess<br />

• verbesserte Kommunikation (intern und extern)<br />

• höhere Arbeitsmoral und Zufriedenheit <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />

• Image<br />

Internes und externes Audit<br />

Bevor ein Unternehmen eine Zertifizierung erhält, überprüft ein Audit, ob<br />

dessen Prozesse die gefor<strong>der</strong>ten Standards erfüllen. In <strong>der</strong> Regel wird mit<br />

einem internen und einem externen Audit gearbeitet. Beim internen Audit<br />

analysieren ausgebildete Personen im Unternehmen die internen Prozesse<br />

555


und entwickeln diese gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiter. Zum Zweck<br />

<strong>der</strong> Zertifizierung wird zudem während einer bestimmten Zeitspanne ein<br />

externes Audit vorgenommen. Das externe Audit führt eine professionelle<br />

Person von ausserhalb <strong>der</strong> Unternehmung durch. Dabei werden die<br />

Mitarbeitenden zu verschiedenen Arbeitsprozessen befragt, die dann<br />

analysiert und gemeinsam weiterentwickelt werden.<br />

6.3 Ressourcen und Energieeffizienz<br />

In <strong>der</strong> Produktion sind wir auf die begrenzten Ressourcen des Planeten Erde<br />

angewiesen. Durch die Steigerung von Energie- und Recyclingprozessen<br />

können auch wir einen kleinen Beitrag leisten, um die globalen<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen zu bewältigen.<br />

6.3.1 Die Kreislaufwirtschaft<br />

Mit unserer vernetzten und komplexen Lebensweise stehen wir vor einem<br />

grundlegenden Problem. Da <strong>der</strong> Vorrat an Ressourcen auf <strong>der</strong> Erde für unsere<br />

Lebensgewohnheiten in Zukunft immer knapper werden wird, sind wir auf<br />

Alternativen angewiesen. Ein Beispiel ist die Nutzung elektronischer Geräte.<br />

Diese verursachen einen enormen Verbrauch an seltenen Metallen, welche<br />

auf dem Planeten Erde für unsere zukünftigen Generationen nicht unendlich<br />

vorhanden sein werden. Dazu kommt, dass unsere Umwelt unter den<br />

Emissionen leidet, die für die Herstellung und Verwendung solcher Produkte<br />

ausgestossen werden. Solche Beispiele zeigen auf, dass wir in Zukunft unsere<br />

Recyclingkonzepte und auch Materialströme überdenken müssen.<br />

Eine sogenannte Kreislaufwirtschaft sorgt für eine wesentliche Maximierung<br />

<strong>der</strong> Ressourceneffizienz. Unternehmen, die Technologien für<br />

ressourceneffiziente Prozesse und die nachhaltige Produktion unterstützen,<br />

werden in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil haben.<br />

"Urban Mining"<br />

Die Unternehmung Bosch arbeitet z. B. seit geraumer Zeit "an Technologien für<br />

ressourceneffiziente Prozesse, um die nachhaltige Produktion zu unterstützen<br />

und Innovationen schnell auf den Markt zu bringen". "Urban Mining" ist ein<br />

Begriff, <strong>der</strong> in Zusammenhang mit Ressourceneffizienz immer mehr an<br />

Bedeutung gewinnt. Damit gemeint ist die Gewinnung von Rohstoffen in<br />

städtischen Umgebungen. Hierzu werden Geräte, die entsorgt und nicht mehr<br />

556


enötigt werden, in Einzelteile zerlegt, um seltene Metalle o<strong>der</strong> auch<br />

Kunststoffe rückzugewinnen.<br />

Steigerung <strong>der</strong> Ressourcen- und Energieeffizienz<br />

Auf <strong>der</strong> Suche nach Möglichkeiten, um <strong>der</strong> Ressourcen- und<br />

Energieknappheit entgegenzuwirken, stellt die Kreislaufwirtschaft eine<br />

potenzielle Lösung dar. Bei <strong>der</strong> Kreislaufwirtschaft wird versucht, Ressourcen<br />

wie<strong>der</strong> in das System einzuschleusen. Zudem sollen möglichst viel Abfall,<br />

Emissionen und Energieverlust durch Verengung und Verlangsamung <strong>der</strong><br />

Energie- und Materialkreisläufe vermieden werden.<br />

Im Idealfall gibt es keinen Abfall mehr, da die Stoffe wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Wirtschaft<br />

zugeführt werden können, wo sie in an<strong>der</strong>e Produkte, Materialien o<strong>der</strong><br />

Komponenten umgewandelt werden. Hierzu bedarf es jedoch auch <strong>der</strong><br />

Anstrengungen <strong>der</strong> Politik, indem für alle einheitliche und verbindliche<br />

Bestimmungen vorgegeben werden.<br />

Merke: Abfallvermeidung, Recycling und längere Lebenszyklen <strong>der</strong><br />

Produkte durch Wie<strong>der</strong>verwendung o<strong>der</strong> Umbau in an<strong>der</strong>e Produkte sind<br />

Möglichkeiten für einen schonenden Umgang <strong>der</strong> Ressourcen und die<br />

Verbesserung <strong>der</strong> Energieeffizienz.<br />

6.4 Rückverfolgbarkeit<br />

Rückverfolgbarkeit ist die Fähigkeit, alle Prozesse in Zusammenhang mit einem<br />

Produkt verfolgen zu können: von <strong>der</strong> Rohstoffbeschaffung über die<br />

Produktion bis zum Endverbraucher und <strong>der</strong> Entsorgung. Alle bereits<br />

behandelten Qualitätsmanagement- und Qualitätssicherungs-Methoden<br />

beinhalten die Thematik <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit. Die Rückverfolgbarkeit hat in<br />

den letzten Jahren aufgrund <strong>der</strong> Qualitäts- und Sicherheitsansprüche enorm<br />

an Bedeutung gewonnen. In verschiedensten Bereichen wie <strong>der</strong><br />

Automobilindustrie, Elektronik, Lebensmittel und Pharmazeutik ist die<br />

Rückverfolgbarkeit nicht mehr wegzudenken. Entsprechend wird sie in einigen<br />

Methoden gefor<strong>der</strong>t (z. B. ISO9001).<br />

Zur Sicherstellung <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit müssen Informationen wie die<br />

Namen <strong>der</strong> Hersteller, Lieferanten und Zwischenhändlern dokumentiert<br />

werden. So können Informationen über alle einzelnen Prozessschritte<br />

nachverfolgt werden: von <strong>der</strong> Beschaffung von Rohstoffen o<strong>der</strong><br />

Halbfabrikate bis hin zu <strong>der</strong>en maschinellen Bearbeitung, Montage, Vertrieb<br />

und Verkauf. Die gesamte Produkthistorie bleibt so nachverfolgbar.<br />

557


6.4.1 Warum ist die Rückverfolgbarkeit so wichtig?<br />

Sollte ein Problem in <strong>der</strong> Produktqualität erkannt werden, muss <strong>der</strong> Hersteller<br />

sofort reagieren können und wirksame Massnahmen zur Behebung des<br />

Problems ergreifen. Ein Produkt wird oft aus mehreren hun<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> sogar<br />

tausend Bestandteilen gefertigt. Die Dokumentation von jedem einzelnen<br />

dieser Bestandteile ist eine grosse Herausfor<strong>der</strong>ung und mit viel Aufwand<br />

verbunden. Sollte aber bei einem Produkt ein Problem auftreten, muss erkannt<br />

werden können, welcher Bestandteil die Ursache ist, welcher Lieferant diesen<br />

Bestandteil geliefert hat und in welchen weiteren Produkten <strong>der</strong> Bestandteil<br />

verbaut worden ist.<br />

Merke: Mit <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit wird die Qualität des Produkts gesichert und<br />

die Sicherheit des Produkts gewährleistet.<br />

Beispiel 1: Rückverfolgbarkeit zum Erreichen o<strong>der</strong> Sichern von Qualität<br />

In <strong>der</strong> Automobilindustrie wird heutzutage ein Reifendruckmesser<br />

standardmässig in die neuen Autos eingebaut. Der Reifendruckmesser soll<br />

erkennen, wenn <strong>der</strong> Reifendruck zu niedrig ist und diese Information auf dem<br />

558


Display des Autos anzeigen. Aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung steigt <strong>der</strong><br />

Preisdruck auf die technischen Bestandteile des Reifendruckmessers.<br />

Deshalb ergreifen Produzenten Massnahmen, um diese noch günstiger zu<br />

produzieren. Wenn ein Unternehmen eine solche günstige Serie mit<br />

schlechter Qualität einkauft und verbaut, erhalten die Autobesitzerinnen und<br />

Autobesitzer ständig den Hinweis, dass <strong>der</strong> Reifendruck zu niedrig ist. Nach<br />

mehrmaligem Aufsuchen <strong>der</strong> Garage müssen sie den Sensor wechseln<br />

lassen. Der Preis des damit verbundenen Aufwands und des Imageverlusts für<br />

das Unternehmen ist höher als die Ersparnis durch den günstigen<br />

Einkaufspreis.<br />

Fazit: Das Unternehmen hat für einen günstigen Einkaufspreis einen<br />

Qualitätsverlust in Kauf genommen, die Kundinnen und Kunden verärgert<br />

und einen Mehraufwand für sich selbst und die Kundschaft verursacht.<br />

Wichtig ist nun, zu erkennen, welcher Zulieferer und welche Serie betroffen<br />

sind. Zukünftig wird dieser Zulieferer womöglich nicht mehr berücksichtigt.<br />

Beispiel 2: Rückverfolgbarkeit in Bezug auf Sicherheit<br />

Die Rückverfolgbarkeit dient auch dazu, die Sicherheit eines Produkts<br />

gewährleisten zu können. Denn nicht nur die Reifendruckmesser, son<strong>der</strong>n<br />

auch die Bremsbeläge sind dem Preisdruck infolge <strong>der</strong> Globalisierung<br />

ausgesetzt. Bremsbeläge (auch Bremssteine genannt) werden an eine<br />

559


Trommel o<strong>der</strong> Bremsscheibe gedrückt, und <strong>der</strong> entstehende Druck<br />

verursacht das Abbremsen des Fahrzeuges. Wird eine qualitativ mangelhafte<br />

Serie von Bremsbelägen eingekauft, die bei zu hoher Belastung wegbrechen<br />

können, ist die Sicherheit <strong>der</strong> Fahrerin o<strong>der</strong> des Fahrers gefährdet. Wenn sich<br />

ein solcher Mangel zeigt, muss rasch gehandelt werden können. Dank <strong>der</strong><br />

Rückverfolgbarkeit kann <strong>der</strong> Produzent erkennen, bei welchem Zulieferer die<br />

Serie eingekauft worden ist und in welchen Fahrzeugen die Bremsbeläge<br />

verbaut worden sind. Somit können die Fahrzeughalterinnen und<br />

Fahrzeughalter ausfindig gemacht und aufgefor<strong>der</strong>t werden, die<br />

Bremsbeläge sofort in <strong>der</strong> nächsten Garage austauschen zu lassen.<br />

6.5 Verfahrensanweisungen (VA)<br />

Die Verfahrensanweisungen (VA) geben vor, wann, in welcher Situation,<br />

durch wen und in welcher Art und Weise vorzugehen ist. Die<br />

Verfahrensanweisung ist ein Instrument zur Qualitätssicherung und<br />

Qualitätsverbesserung, welches in verschiedensten Methoden in <strong>der</strong><br />

Produktion eingesetzt wird. Entscheidend ist dabei, dass die Anleitungen im<br />

Unternehmen ernst genommen und im Arbeitsalltag auch wirklich<br />

angewendet werden. Die Verfahrensanweisung wird schematisch dargestellt<br />

und mit den zuständigen Personen o<strong>der</strong> Abteilungen sowie den Hilfsmitteln,<br />

die zur Verfügung stehen ergänzt.<br />

560


Die in <strong>der</strong> Grafik aufgezeigte Verfahrensanweisung wird bei einer Zertifizierung<br />

nach ISO9001 bei allen Tätigkeiten im Unternehmen vorausgesetzt und in<br />

einem Audit geprüft.<br />

6.6 Weitere bekannte Methoden in <strong>der</strong> Qualitätssicherung<br />

Es gibt weitere bekannte Methoden o<strong>der</strong> Instrumente, die zur Erreichung und<br />

Sicherung von Qualität eingesetzt werden. Da weltweit produziert wird, wird<br />

viel Zeit darauf verwendet, nach neuen Methoden zu suchen o<strong>der</strong><br />

bestehende Methoden weiterzuentwickeln.<br />

561


562


Logistiker/In EFZ<br />

600_Support and Distribution<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

563


Modul 601_Kommissionieren<br />

Ausgangslage<br />

Für Logistiker ist das Kommissionieren eine <strong>der</strong> Haupttätigkeiten.<br />

Kommissionieren ist oft noch mit viel Handarbeit verbunden. Da die Güter oft<br />

sehr unterschiedliche Kriterien <strong>der</strong> Handhabung (Volumen, Abmessung,<br />

Dichte, Wert, Stapelbarkeit, Aggregatzustand) besitzen, ist eine<br />

Vollautomatisierung oft nicht möglich. Zum Teil wird mit Kommissionierrobotern<br />

o<strong>der</strong> mit Sortern gearbeitet. Jedoch wird <strong>der</strong> Mensch immer mehr mit<br />

mo<strong>der</strong>nen Kommissioniertechniken (Pick by Voice, Pick by Light, Pick by Scan<br />

etc.) unterstützt, um so das Kommissionieren effizienter zu gestalten.<br />

564


Fachartikel Modul 601<br />

1. Kommissionieren<br />

Kommissionieren ist das Zusammenstellen von Artikeln aus einem Sortiment<br />

(Lager) aufgrund von Kundenaufträgen. Kommissionieren wird<br />

umgangssprachlich auch "rüsten" genannt. Die englische Bezeichnung ist "to<br />

pick".<br />

1.1 Kommissionierstrategien und Kommissionierbegriffe<br />

1.1.1 Art <strong>der</strong> Bereitstellung<br />

Statische Bereitstellung (Mensch zur Ware)<br />

Die Ware lagert unbeweglich, also statisch im Regal. Der Kommissionierer<br />

bewegt sich zu Fuss o<strong>der</strong> mit einem Kommissionierfahrzeug zur Ware hin und<br />

entnimmt die benötigten Artikel. Deshalb wird diese Art auch als "Mensch-zur-<br />

Ware-Kommissionierung" (MzW) bezeichnet.<br />

Dynamische Bereitstellung (Ware zum Menschen)<br />

Die Ware lagert in einem Lagersystem, das die Ware auf Anfor<strong>der</strong>ung selbst<br />

aus dem Regal holt und an einen Kommissionierplatz beför<strong>der</strong>t (dynamisch).<br />

Die Person, welche die Ware bestellt hat, entnimmt dort die benötigten<br />

Artikel. Das System lagert die restliche Ware wie<strong>der</strong> am richtigen Ort ein. Diese<br />

Art wird auch als "Ware-zum-Menschen-Kommissionierung" (WzM) bezeichnet.<br />

?? Merke: Automatisierte Lager haben oft eine dynamische Bereitstellung.<br />

Solche Lager haben zwar hohe Investitionskosten, aber durch die<br />

Automatisierung lassen sich die Personalkosten reduzieren.<br />

1.1.2 Art <strong>der</strong> Fortbewegung<br />

Eindimensional<br />

Die Bewegung für das Kommissionieren <strong>der</strong> Ware erfolgt nur in horizontaler<br />

(o<strong>der</strong> nur in vertikaler) Richtung. Die Ladungsträger mit den zu<br />

kommissionierenden Gütern lagern auf Bodenplätzen o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> ersten<br />

Regalebene. In <strong>der</strong> Regel werden Horizontal-Kommissionierer o<strong>der</strong><br />

Handwagen eingesetzt.<br />

Die Fortbewegung ist schneller als bei <strong>der</strong> mehrdimensionalen<br />

Kommissionierung, doch es braucht pro Artikel einen Bodenplatz. Ausserdem<br />

565


aucht es eine zusätzliche Umlagerung (Nachschub), sobald <strong>der</strong><br />

Kommissionierplatz aufgebraucht ist.<br />

Mehrdimensional (zweidimensional)<br />

Bei <strong>der</strong> zweidimensionalen Kommissionierung bewegt sich <strong>der</strong> Kommissionierer<br />

nicht nur horizontal, son<strong>der</strong>n auch vertikal, um in den verschiedenen<br />

Bereitstellungsebenen Zugriff auf die Ware zu erhalten. Es können Vertikal-<br />

Kommissionierer eingesetzt werden. Diese Fortbewegungsart gibt es auch in<br />

halbautomatischen Lagern mit Regalbediengeräten.<br />

?? Merke: Wenn in <strong>der</strong> Höhe kommissioniert wird, spricht man von einer<br />

zweidimensionalen Kommissionierung. Durch die zweidimensionale<br />

Kommissionierung erhöhen sich zwar die Zugriffzeiten, dafür braucht es aber<br />

keine Umlagerung aus den Reserveplätzen.<br />

1.1.3 Entnahme <strong>der</strong> Ware<br />

Manuell<br />

Die Artikel werden von den Kommissionierern entnommen und in den Kommissionierbehälter<br />

gelegt. Selbst bei vielen automatischen Lagern müssen die<br />

Güter auch weiterhin "manuell" entnommen werden.<br />

Automatisch<br />

Die Artikel gelangen automatisch in den Kommissionierbehälter,<br />

beispielsweise beim Einsatz von Sortern o<strong>der</strong> Kommissionierrobotern.<br />

?? Merke: Eine automatische Entnahme <strong>der</strong> Ware kommt höchst selten vor.<br />

1.1.4 Abgabe <strong>der</strong> Ware<br />

Zentral<br />

Die kommissionierten Güter werden an einem zentralen Ort (Warenausgang)<br />

zur Verpackung und Bereitstellung übergeben.<br />

566


Dezentral<br />

Wenn das Kommissioniergut nach <strong>der</strong> Kommissionierung am Ende des<br />

Ganges an eine För<strong>der</strong>einrichtung abgegeben wird, ist die Abgabe<br />

dezentral. Die dezentral abgegebenen Einheiten werden an einen zentralen<br />

Ort transportiert, wo sie zu Versandeinheiten zusammengestellt werden. Ein<br />

wesentlicher Vorteil <strong>der</strong> dezentralen Abgabe ist die Wegeinsparung. Die<br />

vollen Kommissionierbehälter werden von verschiedenen Orten <strong>der</strong><br />

Sammelstelle zugeführt. Die dezentrale Abgabe ist üblich bei<br />

Parallelkommissionierung mit Regalför<strong>der</strong>zeugen in Hochregallagern.<br />

1.1.5 Einzonige o<strong>der</strong> mehrzonige Güterbereitstellung<br />

Einzonig<br />

Wenn die Kommissionierung in einer einzigen Zone resp. in einem einzigen<br />

Kommissionierbereich abgewickelt wird, spricht man von einzoniger<br />

Kommissionierung.<br />

Mehrzonig<br />

Die Abwicklung <strong>der</strong> Kommissionierung erfolgt in mehreren Zonen. Das<br />

Kommissioniergut wird in verschiedenen Bereichen gesammelt.<br />

1.1.6 Entnahme für einen o<strong>der</strong> mehrere Aufträge<br />

Einstufige Entnahme für einen Auftrag (auftragsorientiert)<br />

Bei <strong>der</strong> einstufigen Kommissionierung werden Waren für denselben Auftrag<br />

kommissioniert (auftragsorientiert). Allenfalls müssen aber teilkommissionierte<br />

Waren aus verschiedenen Zonen zu einer Versandeinheit zusammengestellt<br />

werden.<br />

Zweistufige Entnahme für mehrere Aufträge (artikelorientiert)<br />

Bei <strong>der</strong> zweistufigen Kommissionierung werden Waren gleichzeitig für<br />

verschiedene Aufträge kommissioniert (artikelorientiert). Die kommissionierten<br />

Güter müssen anschliessend in einem zweiten Schritt wie<strong>der</strong> auf die<br />

verschiedenen Kundenaufträge aufgeteilt werden. Die zweistufige Entnahme<br />

macht Sinn, wenn es lange Kommissionierwege gibt.<br />

567


1.1.7 Serieller o<strong>der</strong> paralleler Auftragsdurchlauf<br />

Seriell<br />

Bei <strong>der</strong> seriellen (hintereinan<strong>der</strong>geschalteten) Kommissionierung werden die<br />

Aufträge o<strong>der</strong> Teilaufträge in den verschiedenen Kommissionierzonen<br />

nacheinan<strong>der</strong> abgearbeitet. Sie kann einzonig o<strong>der</strong> mehrzonig ausgeführt<br />

werden. Bei grösseren Aufträgen mit vielen Positionen werden die<br />

Auftragsdurchlaufzeiten bei <strong>der</strong> seriellen Kommissionierung sehr lang.<br />

Parallel<br />

Bei <strong>der</strong> parallelen Kommissionierung werden die Aufträge in mehrere<br />

Teilaufträge aufgeteilt und in den verschiedenen Kommissionierzonen<br />

nebeneinan<strong>der</strong> (gleichzeitig) bearbeitet. Für grössere Aufträge mit vielen<br />

Positionen können die Auftragsdurchlaufzeiten durch paralleles<br />

Kommissionieren minimiert werden.<br />

Stichgangkommissionierung<br />

Um die Wegzeit in <strong>der</strong> seriellen Kommissionierung zu verbessern und den<br />

Auftrag trotzdem nicht in verschiedene Kommissionierzonen aufteilen zu<br />

müssen (parallelle Kommissionierung), besteht die Möglichkeit einer<br />

568


Stichgangkommissionierung. Müssen alle Lagerplätze "angefahren" werden,<br />

hat die serielle Kommissionierung lange Kommissionierwege zur Folge. Als<br />

Alternative bietet sich die Stichgangkommissionierung an. Der Zugang zu den<br />

Gängen erfolgt nur von einer Seite. Voraussetzung für eine erfolgreiche<br />

Optimierung mittels Stichgangstrategie ist eine ABC-Analyse ( Modul 408)<br />

nach Bestellhäufigkeit. Die Artikel werden so gelagert, dass alle A-Artikel<br />

(Schnelldreher) auf möglichst kurzem Weg erreichbar sind.<br />

1.1.8 Aufbereiten<br />

Batch (Stapelverarbeitung)<br />

Die Auftragsinformationen werden für eine Kommissionierungsperiode<br />

gesammelt und stapelweise abgearbeitet. Die Batch-Aufbereitung ist üblich<br />

bei Kommissionieranlagen ohne hohe Anfor<strong>der</strong>ungen an den Datenfluss (z. B.:<br />

Kommissionieren mit Papier). Bei <strong>der</strong> Batch-Aufbereitung sind die Daten nie<br />

ganz aktuell. Für genaue Bestandesaufnahmen braucht es einen Unterbruch<br />

in <strong>der</strong> Verarbeitung <strong>der</strong> Aufträge, ansonsten kann es zu falschen<br />

Lagerdifferenzen führen.<br />

Real-Time (Echtzeit)<br />

Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniersysteme arbeiten in <strong>der</strong> Regel in Echtzeit, also in "Real<br />

Time". Die eingehenden Daten werden direkt an den Computer <strong>der</strong><br />

Kommissionierer übermittelt. So können Bestellungen bis unmittelbar vor dem<br />

Zugriff übermittelt und verän<strong>der</strong>t werden. Ebenfalls laufend aktualisiert<br />

569


werden die Bestände im Kommissionierlager. Der Nachschub für die<br />

Kommissionierplätze wird dadurch automatisch ausgelöst.<br />

?? Merke: Real-Time verkürzt die Auftragsdurchlaufzeiten und erhöht die<br />

Warenverfügbarkeit. Bestandesaufnahmen können je<strong>der</strong>zeit vollzogen werden.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />

Art <strong>der</strong> Bereitstellung<br />

In <strong>der</strong> EnterSite wird statisch kommissioniert. Der Kommissionierer bewegt sich<br />

auf die Ware zu und holt die Ware ab. Die Ware liegt statisch im Regal.<br />

Fortbewegung<br />

Die Fortbewegung findet zweidimensional mit einem Vertikalkommissionierer<br />

statt. Dadurch entfallen Nachschubaufträge. Hingegen braucht die<br />

Fortbewegung beim Kommissionieren mehr Zeit.<br />

Entnahme <strong>der</strong> Ware<br />

Die Entnahme <strong>der</strong> Ware ist manuell. Der Mensch entnimmt die richtige<br />

Anzahl aus dem Behälter.<br />

Abgabe <strong>der</strong> Ware<br />

Die Abgabe <strong>der</strong> Ware ist zentral im Warenausgang. Dies bedeutet, <strong>der</strong><br />

Kommissionierer muss mit seiner Ware selbst dorthin fahren und diese<br />

verpacken. Dadurch hat er längere Kommissionierwege.<br />

Einzonige o<strong>der</strong> mehrzonige Güterbereitstellung<br />

In <strong>der</strong> EnterSite AG gibt es drei Lagerzonen: eine für Toner, eine weitere für<br />

die Hardware und eine dritte im Keller für sogenannte C<strong>–</strong>Produkte.<br />

Einstufige o<strong>der</strong> mehrstufige Kommissionierung<br />

Grundsätzlich wird in <strong>der</strong> EnterSite AG einstufig (auftragsorientiert)<br />

kommissioniert, sprich ein Auftrag wird von Anfang bis Ende abgearbeitet.<br />

Die Produkte im Keller werden jedoch zweistufig (artikelorientiert)<br />

kommissioniert. Somit muss nur eine Person alle Artikel für den jeweiligen Tag<br />

im Keller holen und verteilt diese anschliessend auf die verschiedenen<br />

Aufträge. Dies erspart viel Zeit, weil nicht je<strong>der</strong> selbst in den Keller gehen<br />

muss.<br />

Serielle o<strong>der</strong> parallele Auftragsweise<br />

570


Die Aufträge werden von einer Person alleine seriell (nacheinan<strong>der</strong>)<br />

abgearbeitet.<br />

Aufbereiten<br />

In <strong>der</strong> EnterSite AG wird mit Scannern gearbeitet. Da diese MDE-Geräte<br />

(mobile Datenerfassungsgeräte) via WLAN mit dem Computer/Server<br />

verbunden sind, werden die Bestände in Real Time, also in Echtzeit,<br />

abgebucht. Eine Bestandesaufnahme kann je<strong>der</strong>zeit durchgeführt werden.<br />

1.2 Kommissioniertechniken<br />

Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniertechniken sind EDV-unterstützt und beleglos. Das Ziel<br />

ist eine schnellere Datenübermittlung, eine kürzere Reaktionszeit und die<br />

Minimierung <strong>der</strong> Fehlerquote. Neue Techniken basieren auf mobiler<br />

Datenerfassung (MDE).<br />

Pick-<br />

by-<br />

Scan<br />

Pick-by-Scan ist die weitverbreitetste papierlose<br />

Kommissionierung. Dabei hat <strong>der</strong> Kommissionierer<br />

einen Scanner dabei, welcher die entsprechenden<br />

Auftragsinformationen anzeigt. In den meisten<br />

Fällen hat <strong>der</strong> Kommissionierer dadurch die Hände<br />

nicht frei.<br />

Pick-<br />

by-<br />

Voice<br />

Pick-by-Voice steht für sprachgesteuerte<br />

Kommissionierung. Die Steuerung des<br />

Kommissioniervorgangs und <strong>der</strong> Dialog mit dem<br />

Lagerverwaltungssystem erfolgt mittels Mikrofon und<br />

Kopfhörer (Headset). Weil Tasteneingaben nicht<br />

mehr nötig sind, verfügt <strong>der</strong> Kommissionierer über<br />

höhere Bewegungsfreiheit. Der<br />

Kommissioniervorgang wird dadurch beschleunigt<br />

und qualitativ verbessert.<br />

Pickby-Light<br />

Auch die Pick-by-Light-Kommissionierung ist<br />

beleglos. Leuchtdioden (LED) zeigen, an welchen<br />

Kommissionierplätzen wie viele Artikel entnommen<br />

werden müssen. Nach <strong>der</strong> Entnahme wird <strong>der</strong><br />

Kommissioniervorgang durch Drücken einer Taste<br />

571


estätigt. In einem Bereich kann jedoch nur ein<br />

Auftrag gleichzeitig angezeigt werden, dadurch<br />

müssen die Kommissionierbereiche eingezont<br />

werden.<br />

Pick-<br />

by-<br />

Vision<br />

Pick-by-Vision ist ein neuartiges Verfahren mit einer<br />

Datenbrille als Anzeigegerät. Der Anwen<strong>der</strong>, die<br />

Anwen<strong>der</strong>in hat im Display alle wichtigen<br />

Informationen, wie beispielsweise Lagerplatz,<br />

Menge o<strong>der</strong> Materialnummer, stets im Blick. Der<br />

Lagerarbeiter, die Lagerarbeiterin wird visuell durch<br />

das Lager geführt und hat beide Hände frei. Das<br />

minimiert Fehler und erleichtert den Mitarbeitenden<br />

die Arbeit wesentlich. Alle Informationen kommen<br />

direkt aus dem Lagerverwaltungssystem. Nach <strong>der</strong><br />

Warenentnahme verbucht das System in Echtzeit.<br />

So bleiben alle Lagerbestände aktualisiert.<br />

?? Merke: Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniertechniken helfen bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit. Sie<br />

haben jedoch hohe Investitionskosten zur Folge.<br />

1.3 Pick-Pack-Verfahren<br />

Die Kommissionierung und die Vorverpackung erfolgen in einem Arbeitsgang.<br />

Der entnommene Artikel wird unmittelbar nach <strong>der</strong> Entnahme durch den<br />

Kommissionierer in eine versandfertige Verpackung gelegt, die nur noch<br />

verschlossen werden muss. Eine eigentliche Verpackungsstelle entfällt. Die<br />

abschliessende Identifikations- und Mengenkontrolle wird entwe<strong>der</strong> durch<br />

den Kommissionierer selbst o<strong>der</strong> eine Kontrollperson durchgeführt. Dieses<br />

Verfahren ist nur möglich, wenn:<br />

• die Produkte bereits versandfertig vorverpackt sind.<br />

• die Packmittel weitgehend genormt sind.<br />

• keine aufwändigen Packarbeiten notwendig sind (z. B. durch vorgeschäumte<br />

Innenverpackungen).<br />

572


Modul 602_Versandbereite Pakete erstellen<br />

Ausgangslage<br />

Wir verpacken Güter, aber warum eigentlich?<br />

Die Verpackung dient einerseits dem Schutz <strong>der</strong> Güter, an<strong>der</strong>erseits<br />

übernimmt sie aber auch logistische und Informationsaufgaben. Diese<br />

Informationen tragen dazu bei, dass die Güter zur richtigen Zeit am richtigen<br />

Ort sind. Verpackungen unterliegen einem stetigen Wandel. Dabei gewinnt<br />

die Nachhaltigkeit mehr und mehr an Bedeutung.<br />

573


Fachartikel Modul 602<br />

2. Versandbereite Pakete erstellen<br />

2.1 Verpacken, aber warum?<br />

Schutzaufgabe<br />

Die Verpackung schützt die Ware vor äusseren Einflüssen wie Nässe, Licht,<br />

Kälte, Wärme, Fall, Stoss, Verkratzen, Verschmutzung, Korrosion, Diebstahl o<strong>der</strong><br />

Mikroorganismen (Bakterien, Schimmel, Pilze). Umgekehrt wird durch die<br />

Verpackung die Umwelt vor dem Inhalt geschützt (z. B. im Fall von<br />

Gefahrengut, welches in die Natur auslaufen könnte).<br />

Logistische Aufgabe<br />

Neben <strong>der</strong> Schutzaufgabe hat die Verpackung auch eine logistische<br />

Aufgabe. Mit <strong>der</strong> Verpackung kann eine bestimmte Anzahl loser<br />

Gegenstände für die Lagerung und den Transport zusammengefasst werden.<br />

Unter Umständen ist eine Stapelung bestimmter Gegenstände nur mit Hilfe <strong>der</strong><br />

Verpackung möglich (z. B. Getränkeharassen). Durch die verbesserte<br />

Stapelbarkeit wird eine bessere Ausnützung des Lager- und La<strong>der</strong>aums<br />

ermöglicht. Ausserdem wird dadurch das Be- und Entladen von Transportfahrzeugen<br />

beschleunigt. Auch <strong>der</strong> Transport mit Stetigför<strong>der</strong>ern erfor<strong>der</strong>t<br />

normierte Verpackungen.<br />

Informationsaufgabe<br />

Die Verpackung kann ebenfalls die Aufgabe haben, Informationen zu<br />

übermitteln. Die Verpackung kann zum Beispiel als Preis-, Versandetikette<br />

o<strong>der</strong> auch als Werbung genutzt werden. Vor allem die<br />

Verkaufsverpackungen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Die<br />

Verkaufsför<strong>der</strong>ung über die Verpackung ist zu einem wichtigen<br />

Marketinginstrument geworden.<br />

?? Merke: Güter werden heute nicht mehr nur verpackt, um sie zu schützen.<br />

Logistikerinnen und Logistiker könnten nicht mehr ohne gute Verpackungen<br />

auskommen!<br />

574


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Nr. Beschreibung Basiseinheitencode Einkaufspreis<br />

CHF<br />

2580913 ACER Predator X35 35 Zoll 2K UltraWide QHD Gaming Monitor (2 ms<br />

Reaktionszeit, 200 Hz )<br />

STK CHF 2’399.00<br />

Der ACER-Bildschirm wird in <strong>der</strong> EnterSite AG in eine Kartonschachtel<br />

eingepackt, die mit Styroporverkleidung ausgekleidet ist.<br />

Schutzaufgabe: Durch die Verpackung ist <strong>der</strong> Bildschirm gegen äussere<br />

Einflüsse geschützt, z. B., wenn er herunterfällt.<br />

Logistische Aufgabe: Durch die Verpackung wird <strong>der</strong> Bildschirm stapelbar.<br />

Informationsaufgabe: Der Bildschirm soll vor allem "Gamer" ansprechen. Mit<br />

Bil<strong>der</strong>n von Spielen auf <strong>der</strong> Verpackung sollen die Gamer zum Kauf motiviert<br />

werden. Ebenfalls sind technische Informationen und Preisetiketten auf <strong>der</strong><br />

Verpackung zu finden.<br />

575


2.2 Fachbegriffe nach dem Deutsches Institut für Normung (DIN)<br />

In <strong>der</strong> deutschen Sprache wurden die Fachbegriffe des Verpackungswesens<br />

nach DIN 55405 folgen<strong>der</strong>massen definiert:<br />

Packstoff<br />

Packgut<br />

Werkstoff, aus dem eine Verpackung hergestellt ist.<br />

Das kann z. B. Papier, Karton, Holz, Metall, Glas o<strong>der</strong><br />

Kunststoff sein.<br />

Der Gegenstand, <strong>der</strong> verpackt wird, d. h. <strong>der</strong> Inhalt<br />

einer Verpackung.<br />

Packmittel<br />

Das Erzeugnis aus Packstoff, das dazu bestimmt ist,<br />

das Packgut zu umschliessen, damit dieses lagero<strong>der</strong><br />

transportfähig wird. Packmittel können sein:<br />

Schachteln, Kisten, Flaschen, Tuben, Paletten usw.<br />

Packhilfsmittel<br />

Hilfsmittel, die zusammen mit dem Packmittel die<br />

Verpackung ausmachen. Packhilfsmittel können<br />

sein: Klebstoff, Klebeband, Schnur, Kunststoffband<br />

o<strong>der</strong> Polstermaterial.<br />

Verpackung<br />

Packmittel und Packhilfsmittel zusammen.<br />

576


Packung<br />

Packgut (Inhalt <strong>der</strong> Verpackung) und Verpackung<br />

zusammen.<br />

Packstück<br />

Packung, die versandbereit o<strong>der</strong> lagerfähig ist.<br />

Einwegverpackung<br />

Mehrwegverpackung<br />

Packmittel, das zum einmaligen Gebrauch<br />

bestimmt ist. Die Einwegverpackung wird nach<br />

Gebrauch rezykliert o<strong>der</strong> in den Abfall geworfen.<br />

Packmittel, das wie<strong>der</strong>verwendbar ist.<br />

Mehrwegverpackungen werden auch Umlauf- o<strong>der</strong><br />

Leihverpackung genannt.<br />

577


2.2.1 Weitere inoffizielle Fachbegriffe (nicht nach DIN)<br />

Verkaufsverpackung<br />

Mogelpackung<br />

Umverpackung<br />

Endverpackung<br />

Verpackung, in <strong>der</strong> eine Ware im Verkaufslokal dem<br />

Kunden präsentiert wird. Die Verkaufsverpackung ist in<br />

<strong>der</strong> Regel mit einem Werbeaufdruck versehen. Sie muss<br />

bestimmte Informationen über das enthaltene Produkt<br />

aufweisen.<br />

Verkaufsverpackung, die dem Kunden mehr Inhalt<br />

vortäuscht als tatsächlich enthalten ist.<br />

Lager- o<strong>der</strong> Versandverpackung, welche die<br />

Verkaufsverpackung während <strong>der</strong> Lagerung und des<br />

Transports schützt.<br />

Verpackung einer Ware für den Transport. Als<br />

Endverpackung gilt auch das Stretchen o<strong>der</strong> Schrumpfen<br />

einer Palettenladung ( Fachartikel Modul 603)<br />

2.3 Was ist die richtige Verpackung?<br />

Eine Vielzahl von Faktoren wirkt sich auf die Wahl einer geeigneten<br />

Verpackung aus:<br />

• Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware<br />

• Transportart (Lastwagen, Bahn, Post usw.)<br />

• Transportstrecke, Transportdauer und Distanz (Inland, Ausland, Übersee)<br />

• Beson<strong>der</strong>e Transportvorschriften<br />

• Lagerart<br />

• Kundenwünsche<br />

• Nachhaltigkeit<br />

• Portionierung<br />

• Werbeeffekt<br />

• Gewicht und Preis <strong>der</strong> Verpackung<br />

578


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Nr. Beschreibung Basiseinheitencode Einkaufspreis<br />

CHF<br />

CC364X<br />

HP CC364X 64X P4015<br />

Toner BLACK<br />

STK CHF 65.00<br />

Die Verpackungsanfor<strong>der</strong>ungen dieses Toners können sehr unterschiedlich<br />

sein, je nachdem, wohin er geschickt wird. Es macht einen Unterschied, ob<br />

<strong>der</strong> Artikel zu einem Kunden in Südafrika geschickt werden muss o<strong>der</strong> an die<br />

Nie<strong>der</strong>lassung in Köniz.<br />

2.3.1 Die Wahl geeigneter Packmittel<br />

Viele unserer Verpackungen bestehen heutzutage aus nicht<br />

wie<strong>der</strong>verwendbaren Materialien. Diese sogenannten Einwegverpackungen<br />

werden nach dem Gebrauch entwe<strong>der</strong> verbrannt o<strong>der</strong> recycelt. Aus<br />

ökonomischer und ökologischer Sicht machen Mehrwegverpackungen Sinn.<br />

Mehrwegverpackungen können in einem offenen o<strong>der</strong> geschlossenen<br />

Tauschpool getauscht werden. Dispoboxen und IFCO-Kisten werden in einem<br />

geschlossenen Tauschpool gehandelt.<br />

Dispobox<br />

Die Dispobox ist ein Kunststoffbehälter, <strong>der</strong> bei geringem Eigengewicht eine<br />

hohe Stabilität garantiert. Dispoboxen gibt es in sieben verschiedenen<br />

579


Grössen. Darin können verschiedenste Güter versandt werden. Dispoboxen<br />

können mit Plomben gesichert werden, was den Transport sicher macht.<br />

Hier gibt es weitere Informationen zu den Dispoboxen.<br />

IFCO<br />

IFCO steht für "Internal Fish Container" und wurde 1985 in Frankreich<br />

entwickelt. Heutzutage wird in IFCO-Mehrweggebinden viel mehr transportiert<br />

als Fische. Vor allem für Gemüse und Früchte werden die Gebinde<br />

verwendet. Die Kisten sind zusammenlegbar und werden nach dem Einsatz<br />

gereinigt.<br />

Hier gibt es weitere Informationen zu den IFCO-Kisten.<br />

Stapelbehälter<br />

Es gibt eine Vielzahl von Kunststoffkisten in einer riesigen Vielfalt von<br />

Ausführungen. Im Verhältnis zu ihrem Gewicht verfügen Stapelbehälter aus<br />

Kunststoff dank <strong>der</strong> Rippenbauweise über eine hohe Stabilität. Sie bewähren<br />

sich überall dort, wo grosse Belastungen und Feuchtigkeit Kartons als<br />

580


Transportbehälter nicht zulassen. Die bekanntesten Stapelbehälter sind<br />

Getränkeharassen.<br />

Stapelbehälter gibt es mit durchgehenden Wänden, mit und ohne Griffloch,<br />

mit und ohne Deckel o<strong>der</strong> als Harassen (Wände und Boden durchbrochen).<br />

Je nach Verwendung haben die Behälter auch verschiedene Böden: flach<br />

(horizontale För<strong>der</strong>ung auf Rollen möglich); verstärkt (für schwere Güter);<br />

gerippt (für bessere Stabilität beim Stapeln); Gitterboden geschlossen und<br />

durchbrochen (für den Lebensmittelbereich).<br />

Unterschiedliche Bodenbeschaffenheit bei Stapelbehältern:<br />

Stierenkopfboden Flachboden Gitterboden<br />

Einschränkungen bei <strong>der</strong> Verwendung von Kunststoffbehältern:<br />

• Behälter mit Stierenkopfboden können nicht auf Rollenbahnen<br />

eingesetzt werden, sie verkanten sich oft und bleiben somit hängen.<br />

• Behälter, die für die Lagerung von Lebensmitteln eingesetzt werden,<br />

müssen gemäss EU-Richtlinien auf Lebensmittelechtheit geprüft sein und<br />

das entsprechende Zeichen tragen.<br />

• Die meisten Lebensmittel dürfen nicht in geschlossenen Kunststoffbehältern<br />

gelagert werden. Bei Frischprodukten führen fehlende Luft o<strong>der</strong><br />

Staunässe zu Schimmel und Fäulnis.<br />

• Rückfluss <strong>der</strong> Behälter bei Versand an an<strong>der</strong>e Betriebe o<strong>der</strong> Private:<br />

Stapelbehälter eignen sich ausgezeichnet für private Zwecke. Mit<br />

strengen Kontrollen können übermässige Verluste <strong>der</strong> kostbaren<br />

Gebinde vermieden werden. Klare Regeln für den Austausch und eine<br />

rigorose Kontrolle sind zu empfehlen.<br />

581


2.3.2 Die Wahl <strong>der</strong> Packhilfsmittel (Stopfmaterial)<br />

Auch das Stopfmaterial sollte nach dem Prinzip "so wenig wie möglich, so viel<br />

wie nötig" eingesetzt werden, um einen bestmöglichen Schutz zu gewähren<br />

und gleichzeitig möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden. Eine<br />

Durchmischung von verschiedenen Stopfmaterialien (z. B. Papier und<br />

Luftpolsterfolie) kann beim Kunden einen unprofessionellen Eindruck<br />

hinterlassen.<br />

Wenn mit Rüttelbewegungen gerechnet werden muss, wählt man ein<br />

stossabsorbierendes und zugleich festes Füllmaterial. Eine lose Aufschüttung<br />

<strong>der</strong> Hohlräume mit Kunststoff-Chips eignet sich nicht; das Packgut kann sich<br />

durch die Rüttelbewegung nach unten in <strong>der</strong> Verpackung bewegen und<br />

bietet so keinen genügenden Schutz mehr.<br />

Für sehr lange Transportwege (z. B. nach Übersee) wird kostbare Fracht in <strong>der</strong><br />

Verpackung eingeschäumt. Dazu wird das Packgut mit Folie geschützt und<br />

<strong>der</strong> Schaum in flüssiger Form eingespritzt. Dieser vergrössert sein Volumen<br />

während <strong>der</strong> Aushärtung und füllt so alle Hohlräume aus. Eine <strong>der</strong>massen<br />

"massgeschnei<strong>der</strong>te" Verpackung schützt das Transportgut optimal, ist aber<br />

nicht sehr umweltfreundlich.<br />

1 Beim Verpacken reicht die Polsterung nach allen Seiten noch aus.<br />

2 Durch die Rüttelbewegung bewegt sich das Packgut durch die Chips.<br />

Nach einer gewissenn Zeit ist die Polsterung unten und rechts gleich<br />

null.<br />

3 Gegenmassnahme: Das Durchrütteln wird durch Kartoneinlagen und<br />

gutes Verdichten <strong>der</strong> Chips verhin<strong>der</strong>t.<br />

582


2.3.3 Nachhaltigkeit<br />

Die Zeiten, in denen Güter ohne nachzudenken eingepackt wurden, sind<br />

endgültig vorbei. Plastikverpackungen stellen einen immer grösseren Treiber<br />

von Siedlungsabfällen dar. Deshalb gilt es, diese zu reduzieren. Ausgeklügelte<br />

Verpackungen reduzieren den Anteil an Plastik. Natural Branding ist ein neues<br />

Verfahren, bei dem die Labels direkt auf die Schale <strong>der</strong> Früchte und Gemüse<br />

mit einem Laser eingebrannt werden.<br />

?? Merke: Nachhaltigkeit ist in <strong>der</strong> heutigen Zeit sehr wichtig. Wo möglich<br />

sollten Verpackungen eingespart werden und wann immer möglich auf<br />

Mehrweggebinde umgestellt werden.<br />

2.4 Beanspruchung einer (Schutz-)Verpackung<br />

Schutzverpackungen müssen verschiedenen Beanspruchungen standhalten<br />

können:<br />

Beanspruchung durch Kräfte: • Fall<br />

• Schub o<strong>der</strong> Stoss<br />

• Druck o<strong>der</strong> Schlag<br />

• Erschütterung (Rütteln)<br />

Beanspruchung durch Klima: • witterungsbedingt<br />

Beanspruchung durch Lebewesen: • Schimmelpilzbefall<br />

• Frass durch Schädlinge<br />

Beanspruchung durch<br />

Diebstahlgefahr:<br />

• Entwendung von<br />

Transportgütern<br />

2.4.1 Beanspruchung durch Kräfte<br />

Auf das Packgut wirken oft verschiedene Kräfte ein, die zu Beschädigungen<br />

führen können. Dabei spricht man auch von mechanischen<br />

Beanspruchungen. Die Verpackung (Umhüllung und Polsterung) bildet die<br />

Knautschzone. Sie wird bei einem Aufprall verformt, wodurch die einwirkende<br />

Energie aufgenommen und das Packgut geschützt wird. Die Verpackung hat<br />

ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie die Aufprallenergie soweit aufnehmen kann,<br />

dass das Packgut nicht beschädigt wird. Verpackungen unterliegen den<br />

folgenden mechanischen Beanspruchungen:<br />

583


Fall<br />

Die Krafteinwirkung tritt auf, sobald ein Gegenstand nach einer gewissen Zeit<br />

des freien Falls auf einen festen Untergrund trifft.<br />

Schub o<strong>der</strong> Stoss<br />

Durch Schub o<strong>der</strong> Stösse können Packstücke o<strong>der</strong> ganze Ladungen<br />

verrutschen, umkippen o<strong>der</strong> herabfallen. Das Packgut kann die Verpackung<br />

beschädigen (ausbeulen) o<strong>der</strong> gar durchstossen.<br />

Druck o<strong>der</strong> Schlag<br />

Einer Druckbeanspruchung sind Packstücke im Lager und beim Transport<br />

ausgesetzt, wenn sie gestapelt werden. Zu grosser Druck kann dazu führen,<br />

dass das Packgut gequetscht o<strong>der</strong> gestaucht wird. Je nach Beschaffenheit<br />

kann dies zur Verformung o<strong>der</strong> zum Bruch des Packgutes führen. Um den<br />

Schutz vor <strong>der</strong>artigen Schäden zu gewährleisten, muss die Verpackung die<br />

nötige Festigkeit aufweisen. Schäden können vermieden werden durch das<br />

Verwenden von Zwischenlagen (Deckel), das Verwenden von Regalen und<br />

das Platzieren <strong>der</strong> schweren Ware unten im Stapel.<br />

Erschütterung (Rütteln)<br />

Bei fast jedem Transport ist das Transportgut Rüttelbewegungen o<strong>der</strong><br />

Erschütterungen ausgesetzt. Die Rüttelbewegung kann dazu führen, dass das<br />

Transportgut den Kontakt zur Standfläche verliert und sich verschiebt o<strong>der</strong><br />

dass sich das Packgut durch das Füllmaterial hindurch rüttelt.<br />

Ursachen für Rüttelbewegungen können sein:<br />

• Fahrten auf unebenen Strassen (Kopfsteinpflaster, Rillen, Erhebungen)<br />

• Bahnfahrt über Weichen<br />

• Seegang bei Fahrten auf dem Wasser<br />

• Luftturbulenzen bei Lufttransporten.<br />

2.4.2 Klimatische Beanspruchung<br />

Die klimatische Beanspruchung einer Verpackung hängt von den<br />

Klimazonen, <strong>der</strong> Jahreszeit und den Wetterbedingungen während des<br />

584


Transports ab. Zu den klimatischen Beanspruchungen zählen unter an<strong>der</strong>em<br />

Lufttemperatur, Luftdruck, Wind, Luftfeuchtigkeit und Nie<strong>der</strong>schlag. Je<br />

nachdem, wohin die Produkte versendet werden, herrschen unterschiedliche<br />

Klimazonen. Dies sollte beim Verpacken von Gütern unbedingt berücksichtigt<br />

werden.<br />

Auch während des Transports können sich die klimatischen Beanspruchungen<br />

laufend verän<strong>der</strong>n. Zum Beispiel verän<strong>der</strong>n sich die Temperaturen und <strong>der</strong><br />

Luftdruck in einem Frachtflugzeug abhängig davon, wie hoch dieses fliegt.<br />

Temperaturunterschiede und Luftdruck wie<strong>der</strong>um beeinflussen die<br />

Kondensationsbildung. Wenn warme und kalte Luft aufeinan<strong>der</strong>treffen, kann<br />

es zu Kondensationstropfen führen: Öffnet man im Winter die Fenster,<br />

beschlagen diese; nimmt man an einem heissen Sommertag ein erfrischendes<br />

Getränk aus dem Kühlschrank, wird dieses plötzlich auf <strong>der</strong> Aussenseite nass.<br />

Überall, wo Luft existiert (auch innerhalb einer Verpackung) gibt es<br />

Luftfeuchtigkeit. Diese Wasserbildung kann Produkte zerstören (z. B.<br />

elektronische Produkte) o<strong>der</strong> zu unschönen Flecken führen (z. B. auf<br />

Le<strong>der</strong>schuhen).<br />

Massnahmen bei <strong>der</strong> Verpackung<br />

Um klimatischer Beanspruchung vorzubeugen, ist je nach Art <strong>der</strong> Ware eine<br />

spezielle Verpackung notwendig. Im Folgenden einige Beispiele:<br />

585


Styropor isoliert sehr gut und ist daher die<br />

ideale Verpackung für<br />

temperaturempfindliche Güter. Lei<strong>der</strong><br />

können Styropor-Verpackungen oft nur<br />

einmal verwendet werden.<br />

Trockenbeutel, auch Silica-Beutel genannt,<br />

entziehen <strong>der</strong> umgebenden Luft die<br />

Feuchtigkeit. Dies verhin<strong>der</strong>t die<br />

Kondensationsbildung innerhalb einer<br />

Verpackung.<br />

Beim Vakuumieren entzieht man <strong>der</strong><br />

Verpackung die Luft und somit auch die<br />

Luftfeuchtigkeit. Es kommt nicht mehr zur<br />

Kondensationsbildung.<br />

Gegen Rost wird das VCI-Verfahren<br />

(Volatile Corrosion Inhibitor, zu Deutsch:<br />

flüchtiger Korrosionsschutz) eingesetzt. Ein<br />

chemischer Stoff setzt ein Gas frei, das die<br />

geschützten Güter einhüllt und so gegen<br />

Korrosion schützt. Häufig wird auch ein<br />

beschichtetes Papier verwendet. In <strong>der</strong><br />

Lager-Umgangssprache wird dieses Papier<br />

"Gaspapier" genannt. VCI wird aber auch in<br />

Form von Pulver, Chips, Filz o<strong>der</strong><br />

Lösungsmitteln eingesetzt. Neben dem VCI-<br />

Verfahren werden immer noch Öl-,<br />

Pergamin-o<strong>der</strong> Bitumenpapier verwendet.<br />

586


2.4.3 Beanspruchung durch Lebewesen<br />

Auf langen Transporten kann das Transportgut durch Schädlinge o<strong>der</strong><br />

Pilzbefall beschädigt werden. Mit <strong>der</strong> zunehmenden Globalisierung haben<br />

Schädlinge zudem die Möglichkeit, sich weltweit zu verbreiten.<br />

Schädlinge versuchen nur in eine Verpackung einzudringen, wenn sie durch<br />

den Geruch des Packguts angelockt werden. Normaler Wellkarton bietet<br />

Schädlingen wenig Wi<strong>der</strong>stand und ist deshalb für längere Transporte von<br />

anfälliger Ware ungeeignet. Die wichtigste Schutzmassnahme ist eine<br />

aromadichte (geruchsdichte) Innenverpackung. Das kann zum Beispiel eine<br />

verschweisste Kunststofffolie sein. Nicht alle Kunststofffolien sind gegen<br />

Beissangriffe von Insekten resistent. Gute Resultate erzielt man mit Hart-PVC<br />

o<strong>der</strong> dickeren Polyethylen-Folien. Die Entwicklung insektenresistenter<br />

Verpackungen ist die Aufgabe von Spezialisten.<br />

Zum Schutz <strong>der</strong> einheimischen Waldbestände gegen die Einschleppung von<br />

Holzschädlingen haben viele Län<strong>der</strong> Quarantänebestimmungen erlassen. Zur<br />

Vereinheitlichung <strong>der</strong> Einfuhrvorschriften hat die International Plant Protection<br />

Convention (IPPC) für den internationalen Versand von Verpackungen aus<br />

Vollholz die ISPM-15-Richtlinien (International Standards for Phytosanitary<br />

Measures) erlassen.<br />

Nicht unter die ISPM-15-Auflagen fallen Verpackungen o<strong>der</strong><br />

Verpackungsmaterialien aus Holzwerkstoffen, die während <strong>der</strong> Verarbeitung<br />

geleimt, erhitzt o<strong>der</strong> gepresst werden. Dazu gehören Spanplatten, Sperrholz,<br />

Furniere und Materialien, die aus Holzwolle o<strong>der</strong> Sägemehl gefertigt sind.<br />

Auch sehr dünn geschnittenes Rohholz (< 6 mm) fällt nicht unter die<br />

Bestimmungen.<br />

Zum Schutz vor Schädlingen werden Gebinde und ganze Container begast.<br />

Dies darf nur von Fachleuten durchgeführt werden. In jedem Fall ist auf einen<br />

rückstandsfreien Abbau <strong>der</strong> Pestizide zu achten.<br />

587


2.4.4 Diebstahl<br />

Ein erhebliches Problem in <strong>der</strong> Logistik ist <strong>der</strong> Diebstahl von Gütern durch<br />

externe Personen o<strong>der</strong> Mitarbeitende. Dagegen werden die verschiedensten<br />

Massnahmen ergriffen. Palettenladungen werden beispielsweise mit undurchsichtiger<br />

Sicherheitsfolie umwickelt. Beson<strong>der</strong>s wertvolle o<strong>der</strong> begehrte Güter<br />

(z. B. Unterhaltungselektronik) werden nicht beschriftet. Im internationalen<br />

Verkehr werden die Güter für den Versand in einzelne, als Einzelteile<br />

unbrauchbare Komponenten zerlegt. Kartons werden gegen Angriffe mit<br />

scharfen Gegenständen auf <strong>der</strong> Innenseite mit Spanplatten ausgelegt.<br />

?? Merke: Es wirkt nicht nur das Wetter auf ein Packstück/Packgut ein.<br />

2.5 Verpackungsnormen<br />

Länge, Breite und Höhe von Transportverpackungen sind nach einer ISO-<br />

Norm standardisiert und passen perfekt zu <strong>der</strong> Europalette. Die Normierung<br />

<strong>der</strong> Länge und Breite ermöglicht die optimale Flächennutzung auf den Ladungsträgern.<br />

Die Normierung <strong>der</strong> Höhe ermöglicht die optimale<br />

Raumnutzung auf den Ladungsträgern.<br />

588


2.5.1 Verbundstapelung<br />

Um eine verbesserte Stabilität zu erreichen, ist eine Verbundstapelung<br />

unbedingt <strong>der</strong> Turmstapelung (siehe Grafik) vorzuziehen. Je nach Grösse <strong>der</strong><br />

Verpackung ist dies jedoch nicht immer umsetzbar. Die einzelnen Lagen sind<br />

so angeordnet, dass die Stösse zwischen den Verpackungen nicht<br />

übereinan<strong>der</strong> zu liegen kommen.<br />

Verbundstapelung<br />

Turmstapelung<br />

589


?? Merke: Eine Verbundstapelung sollte gegenüber <strong>der</strong> Turmstapelung<br />

unbedingt bevorzugt werden, um eine bessere Stabilität zu erreichen.<br />

2.5.2 Verpackungskennzeichen<br />

Auf Verpackungen wird mit Symbolen auf die Empfindlichkeit des Inhalts<br />

hingewiesen. Die Symbole sind nach DIN 55402 (Deutsches Institut für<br />

Normung) und ISO R 780 (International Standardizing Organisation) genormt.<br />

590


Modul 603_Versandbereite Palette erstellen<br />

Ausgangslage<br />

Palettisierte Ladungen ermöglichen ein effizientes Auf- und Abladen sowie<br />

eine bessere Auslastung des Lade- und Lagerraums. Eine Palette<br />

transportgerecht zu sichern, zählt darum zu den täglichen arbeiten vieler<br />

Logistiker. Dabei gilt es eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen:<br />

• Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware<br />

• Transportart (Lastwagen, Bahn, Schiff usw.)<br />

• Transportstrecke, Transportdauer und Distanz (Inland, Ausland, Übersee)<br />

• Beson<strong>der</strong>e Transportvorschriften<br />

• Lagerart<br />

• Kundenwünsche<br />

• Nachhaltigkeit<br />

• Gewünschte Portionierung<br />

• Gewicht und Preis <strong>der</strong> Verpackung<br />

?? Merke: In Hinsicht auf die den Materialverbrauch für die Sicherung von<br />

Paletten gilt das Prinzip "so wenig wie möglich, so viel wie nötig".<br />

591


Fachartikel Modul 603<br />

3. Versandbereite Paletten erstellen<br />

Um eine Palettenladung richtig zu sichern, gibt es folgende Möglichkeiten:<br />

Umwickeln Einschrumpfen Umreifung<br />

Umwickeln<br />

Das Umwickeln von Ladungseinheiten mit einer Dehnfolie nennt man in <strong>der</strong><br />

Lager-Umgangssprache "stretchen". Es ist eine <strong>der</strong> einfachsten Methoden zur<br />

Ladungssicherung. Die Ladung wird mit einem Handabroller o<strong>der</strong> einem<br />

Wickelautomaten umwickelt. Beim Umwickeln gilt es Folgendes zu beachten:<br />

• Die Folie muss während <strong>der</strong> Wicklung gedehnt werden. Die Stabilität erhält <strong>der</strong><br />

Stapel durch die Rückdehnung <strong>der</strong> Folie. Die richtige Dehnung stellt man ein,<br />

indem man die Schraube oben anzieht und diese je nach Situation wie<strong>der</strong><br />

löst.<br />

• Transporteinheiten sind für optimale Stabilität so zu umwickeln, dass die<br />

Palette in die Wicklung mit einbezogen wird. Dies gilt aber nicht für<br />

Lagereinheiten, die vor <strong>der</strong> Einlagerung automatische Profilkontrollen<br />

durchlaufen. Wicklungen, welche die Palette mit einbeziehen, erkennt das<br />

System als defekte Paletten.<br />

• Die Ladungssicherung durch Umwickeln eignet sich in erster Linie für<br />

homogene (gleichförmige) Ladungen. Weit vorstehende Kanten o<strong>der</strong> Ecken<br />

können die Folie durchstossen. Ladungen mit schweren Ladungsteilen müssen<br />

zusätzlich zur Umwicklung mit einem Band umreift werden. Dadurch erhält die<br />

Ladung die notwendige Stabilität.<br />

592


Einschrumpfen<br />

Beim Schrumpfen wird die Ladung mit einer Kunststoffhaube überzogen, die<br />

anschliessend erwärmt wird. Die Folie zieht sich durch die Erwärmung<br />

zusammen und umschliesst die Ladung satt. Erwärmt wird die Folie mit einem<br />

Heissluftgebläse o<strong>der</strong> in gewissen Fällen mit einer offenen Flamme. Es gilt zu<br />

beachten, dass die gleiche Stelle nicht zu lang erhitzt wird, ansonsten gibt es<br />

Löcher in die Folie. Wo grössere Gütermengen eingeschrumpft werden,<br />

stehen spezielle Schrumpföfen im Einsatz. Eingeschrumpfte Güter sind gut<br />

gegen Witterungseinflüsse (Regen, Schnee usw.), Staub und Diebstahl geschützt.<br />

Schrumpfhauben sind aus verhältnismässig dickem Kunststoff (PVC)<br />

hergestellt und gelten deshalb als wenig umweltfreundlich.<br />

Im Gegensatz zur Stretchfolie ist eine Rückdehnung <strong>der</strong> geschrumpften<br />

Haube nicht möglich. Ist sie durch mechanische Beanspruchung einmal<br />

"ausgebeult", wird die Ladung nur noch ungenügend geschützt.<br />

593


?? Merke: Umgangssprachlich spricht man vom "schrumpfen", damit gemeint<br />

ist jedoch das Umwickeln von Paletten. Schrumpfen bedeutet, mit einer<br />

Hitzequelle die PVC-Folie an <strong>der</strong> Palette anzupassen.<br />

Umreifung<br />

Ladungen aus grösseren Packstücken werden oft durch Umreifung mit einem<br />

Band gesichert. In den meisten Fällen ist die vertikale (senkrechte) Umreifung<br />

einer Ladung die beste Lösung, weil damit die Palette mit <strong>der</strong> Ladung<br />

verbunden wird. Die horizontale (waagrechte) Umreifung wird nicht oft<br />

angewendet, kann aber bei speziellen Gütern, z. B. bei Fässern, sinnvoll sein.<br />

Sehr unstabile Stapel können vertikal und horizontal, also kombiniert umreift<br />

werden. Allerdings ist zu prüfen, ob die Ladung nicht besser zusätzlich mit<br />

Dehnfolie umwickelt wird, statt sie horizontal zu umreifen.<br />

3.1 Die Wahl des richtigen Bandes<br />

Die Wahl des richtigen Bandes für die Umreifung hängt von verschiedenen<br />

Faktoren ab. Zu berücksichtigen sind die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit und<br />

die Rückspannfähigkeit - doch auch <strong>der</strong> Preis und die Umweltfreundlichkeit<br />

spielen eine Rolle.<br />

Material<br />

PP o<strong>der</strong> PET<br />

Kunstoffband<br />

Textil o<strong>der</strong><br />

Polyesterband<br />

Stahlband<br />

Zugfestigkeit in N/mm 2 330 <strong>–</strong> 400 470 - 570 700 - 1100<br />

Dehnbarkeit 16 <strong>–</strong> 22 % 11 <strong>–</strong> 16 % 6 <strong>–</strong> 12 %<br />

Rückspannfähigkeit Sehr gross gross Klein<br />

Preis Günstig Teuer Sehr teuer<br />

Umweltfreundlichkeit PET ist rezyklierbar. Nicht rezyklierbar Rezyklierbar<br />

3.1.1 Zugfestigkeit<br />

Die Hersteller von Umreifungsbän<strong>der</strong>n machen oft mit <strong>der</strong> Zugfestigkeit<br />

Werbung. Die Zugfestigkeit wird in Newton pro mm2 angegeben. Das ist die<br />

Kraft, die nötig ist, um ein Band mit einem Querschnitt von 1 mm 2 zu zerreissen.<br />

Die Bän<strong>der</strong> sind jedoch alle unterschiedlich breit und dick, und daher sollte<br />

man nicht die Zugfestigkeit <strong>der</strong> Bän<strong>der</strong> vergleichen, son<strong>der</strong>n vielmehr die<br />

Reisskraft. Die Reisskraft gibt darüber Auskunft, wie viel Gewicht das Band<br />

tragen kann, bevor es reisst. Die Reisskraft wird berechnet, indem die<br />

594


Zugfestigkeit mit dem Querschnitt multipliziert wird. Der Querschnitt wird<br />

berechnet, indem die Breite mit <strong>der</strong> Dicke multipliziert wird.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Im Lager hat es eine Palette mit Toner, die umreift werden muss. Das<br />

Gewicht <strong>der</strong> Ladung beträgt 600 kg. Die Ladung soll zweimal umreift<br />

werden. Folglich muss die Reisskraft jedes Bandes mindestens 300 kg<br />

betragen. Zur Verfügung stehen ein Stahlband und ein Kunststoffband:<br />

Angaben Kunststoffband:<br />

Breite: 20 mm<br />

Dicke: 0,4 mm<br />

Querschnitt: 20 mm x 0,4 mm = 8 mm 2<br />

Zugfestigkeit wird mit 400 N/mm 2 angegeben.<br />

Reisskraft = Querschnitt x Zugfestigkeit = 8 mm 2 x 400 N/mm 2 = 3200 N = 320<br />

kg.<br />

Angaben Stahlband:<br />

Breite: 15 mm<br />

Dicke: 0,6 mm<br />

Querschnitt: 15 mm x 0.6 mm = 9 mm 2<br />

Zugfestigkeit wird mit 1200 N/mm 2 angegeben.<br />

Reisskraft = Querschnitt x Zugfestigkeit = 9 mm 2 x 1200 N/mm 2 = 10’800 N =<br />

1’080 kg.<br />

Die Berechnungen zeigen, dass die Reisskraft bei<strong>der</strong> Bän<strong>der</strong> ausreicht. Somit<br />

werden weitere Faktoren in die Wahl des richtigen Bandes mit einbezogen.<br />

3.1.2 Dehnung<br />

Mit <strong>der</strong> Dehnung ist die Dehnbarkeit von Bän<strong>der</strong>n gemeint. Der Begriff<br />

Bruchdehnung gibt an, um wie viele Prozent ein Band auseinan<strong>der</strong>gezogen<br />

werden kann, bis es reisst. Am dehnbarsten sind Bän<strong>der</strong> aus Polypropylen.<br />

595


3.1.3 Rückspannfähigkeit<br />

Mit <strong>der</strong> Rückspannfähigkeit ist die Fähigkeit eines Bandes gemeint, sich nach<br />

<strong>der</strong> Dehnung wie<strong>der</strong> zusammenzuziehen. Diese Fähigkeit ist dann wichtig,<br />

wenn ein Ladegut schrumpft. Kunststoffbän<strong>der</strong> haben eine wesentlich höhere<br />

Rückspannfähigkeit als Stahlbän<strong>der</strong>. Ein bereits gedehntes Stahlband zieht<br />

sich im Gegensatz zu einem Kunststoffband kaum mehr zusammen. Falls mit<br />

einer Schrumpfung des Ladeguts gerechnet werden muss, verwendet man<br />

besser Kunststoffbän<strong>der</strong>.<br />

?? Merke: Kunststoffbän<strong>der</strong> haben eine wesentlich höhere<br />

Rückspannfähigkeit als Stahlbän<strong>der</strong>.<br />

3.2 Verschlussarten<br />

Die Umreifung des Ladeguts erfor<strong>der</strong>t einen Verschluss, <strong>der</strong> die Spannung des<br />

Bandes aushält. Je nach Wahl des Umreifungsbandes eignen sich<br />

unterschiedliche Verschlussarten. Es wird unterschieden zwischen drei<br />

Verschlussarten: mit Schnalle, mit Plombe und plombenlos (Verschweissung,<br />

Stanzung o<strong>der</strong> Verklinkung).<br />

3.2.1 Verschluss mit Schnalle<br />

Schnallen sind sehr kostengünstig, eignen sich aber in <strong>der</strong> Regel nur für den<br />

Verschluss von Bän<strong>der</strong>n aus Polyesterfäden, Textil- o<strong>der</strong> PP-Kunststoffbän<strong>der</strong>n.<br />

Die Schnalle hat den Vorteil, dass <strong>der</strong> Verschluss wie<strong>der</strong> geöffnet o<strong>der</strong><br />

nachgespannt werden kann. Diese Art <strong>der</strong> Umreifung findet man vorwiegend<br />

in <strong>der</strong> Holz- und Möbelindustrie o<strong>der</strong> im innerbetrieblichen Warentransport zur<br />

temporären Sicherung von Ladungen.<br />

596


3.2.2 Plombe<br />

Vor dem Verschliessen muss das Band mit Hilfe eines Spanngerätes<br />

vorgespannt werden. Die Plombe wird über die Enden des gespannten<br />

Bandes gestülpt und mit einer speziellen Zange gequetscht, resp. gestanzt.<br />

Dadurch werden die Enden des Bandes festgehalten. Plomben können zum<br />

Verschliessen von Kunststoff- und Metallbän<strong>der</strong>n verwendet werden. Erhältlich<br />

sind auch Geräte, die in einem Arbeitsgang das Band spannen, die Plomben<br />

anbringen und quetschen.<br />

3.2.3 Plombenlos verschliessen<br />

Der plombenlose Verschluss von Umreifungsbän<strong>der</strong>n ist das rationellste<br />

Verfahren. Bän<strong>der</strong> werden verschweisst o<strong>der</strong> mit einer Stanzzange ineinan<strong>der</strong><br />

verklinkt. Die Enden des Bandes werden also durch gemeinsame Verformung<br />

ineinan<strong>der</strong> verzahnt.<br />

Kunststoffbän<strong>der</strong> werden häufig mit sogenannten Vibro-Schweissgeräten<br />

verbunden. Dabei wird die erfor<strong>der</strong>liche Wärme für die Verschweissung <strong>der</strong><br />

Bandflächen durch Reibung mit einer Frequenz von 200<strong>–</strong>300 Hertz<br />

(Bewegungen pro Sekunde) erreicht. Wesentlich seltener ist die Ultraschall-<br />

Schweissung. Diese Technik wird in <strong>der</strong> Regel nur in Hochleistungs-<br />

Umreifungsautomaten eingesetzt.<br />

597


Vibro-Schweissgerät<br />

Verklinkung (ohne Plombe)<br />

3.2.4 Umreifung mit Schnur<br />

In <strong>der</strong> Getränkeindustrie werden die Getränkeharassen oft nur mit einer<br />

Schnur gesichert. Die Schnüre sind dabei auf die richtige Länge<br />

vorkonfektioniert. Diese Technik erspart Zeit und Kosten und wird nun auch<br />

von an<strong>der</strong>en Branchen (siehe Video) entdeckt.<br />

598


Modul 604_Distributionsmarkt<br />

Ausgangslage<br />

Dieses Kapitel handelt vom Bereich Warenausgang. Das Ziel des<br />

Warenausgangs ist es, die Waren gemäss <strong>der</strong> Kundenbestellungen<br />

bereitzustellen. Weitere Aufgaben sind, die Artikel versandbereit zu machen<br />

und anschliessend dem geeignetsten Transporteur zu übergeben. Dieser stellt<br />

dann die Waren ordnungsgemäss dem Kunden zu.<br />

Wenn es um die Verteilung <strong>der</strong> eigenen Produkte geht, müssen sich<br />

Unternehmen folgende Fragen stellen: Wie erreichen meine Produkte optimal<br />

den Kunden? Wie können die Produkte im Markt ausgeliefert (abgesetzt)<br />

werden?<br />

599


Fachartikel Modul 604<br />

4. Distributionsmarkt<br />

4.1 Absatzkanäle<br />

4.1.1 Direkter Absatz<br />

Die einfachste Form, seine Ware zu verkaufen, ist <strong>der</strong> direkte Absatz. Hier<br />

werden die Produkte entwe<strong>der</strong> direkt an den Kunden/Endverbraucher<br />

(Business to Consumer) geliefert o<strong>der</strong> dieser kommt zum Produzenten und holt<br />

sie ab. Da <strong>der</strong> Zwischenhandel entfällt, können die Produkte so meistens<br />

günstiger abgegeben werden. Dafür muss <strong>der</strong> Selbstabholer unter<br />

Umständen längere Wege in Kauf nehmen.<br />

4.1.2 Indirekter Absatz<br />

Beim indirekten Absatz werden die Güter vom Produzenten an einen<br />

Zwischenhändler (z. B. Coop o<strong>der</strong> Migros usw.) verkauft. Dieser verkauft dann<br />

die Waren entwe<strong>der</strong> an einen an<strong>der</strong>en Händler o<strong>der</strong> direkt an den Kunden<br />

weiter. Zwischen dem Hersteller und dem Endkunden stehen also Händler,<br />

deshalb wird es "indirekter Absatz" genannt (Business to Business).<br />

4.2 Distribution (Verteilung <strong>der</strong> Produkte)<br />

Genauso, wie <strong>der</strong> Absatz von Waren direkt o<strong>der</strong> indirekt erfolgen kann,<br />

unterscheidet man bei <strong>der</strong> Distribution zwischen <strong>der</strong> einstufigen und <strong>der</strong><br />

mehrstufigen Distribution.<br />

600


4.2.1 Einstufige Distribution<br />

Bei <strong>der</strong> einstufigen Distribution sind mehrere Formen möglich. Entwe<strong>der</strong> holt<br />

<strong>der</strong> Kunde die Waren direkt beim Produzenten ab o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Produzent bietet<br />

sie dem Kunden an einem Verkaufsstand an. Zum Beispiel kann ein Bauer sein<br />

Gemüse direkt ab Hof verkaufen o<strong>der</strong> es auf dem Wochenmarkt anbieten.<br />

Unternehmen bieten in <strong>der</strong> Regel den Verkauf in einem Fabrikladen o<strong>der</strong><br />

einem Outlet-Store an.<br />

4.2.2 Mehrstufige Distribution<br />

Bei <strong>der</strong> mehrstufigen Distribution gelangen Waren nicht direkt, son<strong>der</strong>n über<br />

einen Zwischenhändler o<strong>der</strong> zusätzlich über ein Auslieferungslager eines<br />

Grossverteilers zum Kunden.<br />

601


Zentrale vs. Dezentrale Distributionskonzepte<br />

Der Kunde erwartet die Lieferung "seiner" Güter innerhalb nützlicher Frist. Dies<br />

führt zu mehrstufigen Distributionskonzepten. Grundsätzlich ist eine zusätzliche<br />

Stufe in einem Verteilkonzept gerechtfertigt, wenn die Lagerkosten nicht<br />

höher sind als die Einsparungen, die beim Transport erzielt werden können.<br />

Eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur verstärkt den Trend zu zentralen<br />

Lösungen. Für den Entscheid spielen die folgenden Überlegungen eine Rolle:<br />

• Bedeutung des Gebietes als Markt für das Unternehmen<br />

• Art <strong>der</strong> Güter (Sind sie haltbar o<strong>der</strong> ver<strong>der</strong>blich?)<br />

• Kundenstruktur (Wer? Wohnort? Kaufkraft?)<br />

• Ist die Kundennähe gewährleistet?<br />

• Ökologie (Wie umweltverträglich ist die Lösung?)<br />

• Standorte (Produktion, Zentrallager, Regionallager, Auslieferungslager).<br />

Grossverteiler: Klassisches Verteilkonzept<br />

Grossverteiler sind Handelsunternehmen, die den Kunden über ihre Läden<br />

o<strong>der</strong> Ladenketten grosse Mengen von Konsumgütern des täglichen Bedarfs<br />

602


anbieten. Sie betreiben eine mehrstufige Distribution. Diese Unternehmen<br />

verfügen über ein landesweites o<strong>der</strong> internationales Netz von Einkaufszentren<br />

und Verkaufsläden. Die Artikelvielfalt ermöglicht dem Konsumenten, fast alles<br />

unter einem Dach einzukaufen. Die Versorgung <strong>der</strong> Läden ist eine enorme<br />

logistische Aufgabe. In <strong>der</strong> Folge werden zwei Distributionsmodelle von<br />

Schweizer Grossverteilern vereinfacht dargestellt.<br />

Klassisches Verteilkonzept<br />

603


604


Grossverteiler: Dezentrales Verteilkonzept<br />

Neue Verteilkonzepte verzichten weitgehend auf die hierarchische Struktur<br />

klassischer Lösungen. Zentrale Verteilbetriebe (Zentrallager) sind auf ein<br />

Artikelsortiment (z. B. Non-Food, Do-it-Yourself o<strong>der</strong> Lebens- und Genussmittel<br />

(sogenannte Kolonialwaren) spezialisiert. Die Bestellungen werden direkt von<br />

den Verkaufsstellen entgegengenommen. Die Güter werden bereits fertig für<br />

die Auslieferung an die Verkaufsstellen kommissioniert. Fachleute sprechen<br />

von Filialkommissionierung. Diese Güter werden in den regionalen Betrieben<br />

(Regionallager) nicht eingelagert, son<strong>der</strong>n als Transitware behandelt. Sie<br />

werden ausgeladen und mit an<strong>der</strong>en, ebenfalls bereits fertig<br />

kommissionierten Gütern zu neuen Liefereinheiten zusammengestellt und<br />

umgeladen. Der Fachbegriff für diese Tätigkeit ist Crossdocking.<br />

Auch in an<strong>der</strong>en Bereichen hält Crossdocking immer mehr Einzug. Beim<br />

Crossdocking wird die Ware vom Lieferanten für die Kunden bereits<br />

vorkommissioniert. Wenn die Ware beim Unternehmen angeliefert wird, wird<br />

diese nicht an Lager gelegt, son<strong>der</strong>n kommt in den "Crossdocking"-Bereich.<br />

Von dort aus wird sie innerhalb weniger Tage an die Kunden ausgeliefert.<br />

Dadurch verlagert sich die Arbeit <strong>der</strong> Kommissionierung auf den Lieferanten.<br />

Voraussetzung für Crossdocking ist, dass bereits Bestellungen von Kunden<br />

vorhanden sind und dass die Lieferanten kurze Lieferfristen haben <strong>–</strong> sonst kann<br />

das Unternehmen <strong>der</strong> Erwartung des Kunden nicht entsprechen, das Produkt<br />

innerhalb kurzer Frist geliefert zu bekommen.<br />

Merke: Crossdocking hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.<br />

Das Ziel ist, nicht (o<strong>der</strong> möglichst wenig) zu lagern, und die Ware möglichst<br />

schnell an den Kunden weiterzusenden. Dadurch können die<br />

Lagerhaltungskosten gesenkt werden.<br />

Regionallager werden zu Frischeplattformen. Diese sind auf ver<strong>der</strong>bliche<br />

Güter spezialisiert. Die Frischwaren werden entwe<strong>der</strong> von regionalen<br />

Produzenten o<strong>der</strong> Produktionsbetrieben, die oft den Grossverteilern gehören<br />

(z. B. Grossbäckereien o<strong>der</strong> Grossmetzgereien), angeliefert. Grössere<br />

Verkaufsstellen werden von den Produktionsbetrieben o<strong>der</strong> den zentralen<br />

Verteilbetrieben direkt beliefert. Dies führt zu einem komplexen Verteilnetz.<br />

605


606<br />

Dezentrales Verteilkonzept


Ein mo<strong>der</strong>nes Verteilkonzept mit filialkommissionierten Gütern und<br />

Frischeplattformen<br />

Versandhandel<br />

Viele Kunden bestellen sich heute Produkte des täglichen Bedarfs im Internet.<br />

Über Online-Plattformen können heutzutage beinahe alle Produkte bestellt<br />

und nach Hause geliefert werden. Dazu steht eine Vielzahl von Anbietern zur<br />

Verfügung. In den letzten Jahren konnte Digitec/Galaxus in diesem Bereich<br />

stark an Marktanteile gewinnen. Aber auch Detailhändler wie Coop und<br />

Migros schlafen nicht und bieten ihre Artikel über Webshops an.<br />

Hier sind einige Beispiele: Galaxus, Coop Migros Lindt<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />

Auch die EnterSite AG betreibt einen eigenen Webshop.<br />

Besuche uns online!<br />

EnterSite AG<br />

607


4.3 Der Postmarkt<br />

Längst ist die Post nicht mehr das einzige Unternehmen, bei dem Privatkunden<br />

Sendungen aufgeben können. Durch die Öffnung des Postmarktes gibt es<br />

viele verschiedene Unternehmen, welche diese Dienstleistung anbieten.<br />

Allerdings ist die Schweizerische Post AG das einzige Unternehmen, das die<br />

gesetzliche Verpflichtung hat, überall in <strong>der</strong> Schweiz Briefe und Pakete bis zu<br />

einem Gewicht von 20 Kilogramm zu gleichen und günstigen Preisen zu<br />

beför<strong>der</strong>n. Man spricht hier vom Service Public (Dienst an <strong>der</strong> Öffentlichkeit).<br />

Alle an<strong>der</strong>en Unternehmen in diesem Bereich kennen diese Pflicht nicht.<br />

4.3.1 Reservierter Dienst, nicht reservierter Dienst, Wettbewerbsdienst<br />

Die Post bietet in Hinsicht auf die Brief- und Paketzustellung eine gewisse<br />

Grundversorgung an. Dies verursacht auch Kosten. Um die Grundversorgung<br />

zu finanzieren, hat die Post vom Bund das Monopol (Alleinrecht) erhalten,<br />

Sendungen bis zu einem Gewicht von 50 Gramm zu beför<strong>der</strong>n. Bei diesem<br />

sogenannten "reservierten Dienst" steht die Post nicht in Konkurrenz mit<br />

an<strong>der</strong>en Unternehmen: An<strong>der</strong>e Unternehmen dürfen solche Sendungen nicht<br />

zur Beför<strong>der</strong>ung entgegennehmen, es sei denn, es handle sich um<br />

Sendungen mit Bestimmungsort im Ausland.<br />

Briefe über 50 Gramm und Pakete gehören zum "nicht reservierten Dienst", d.<br />

h. die Post muss diese Dienste in Konkurrenz mit privaten Anbietern erbringen.<br />

Die Wettbewerbsdienste umfassen Dienstleistungen, welche die Post<br />

erbringen kann, aber nicht muss. Ein Beispiel dafür sind Express-Sendungen.<br />

Welche Leistungen muss die Post erbringen, welche nicht?<br />

Die folgende Darstellung zeigt auf, bei welchen Dienstleistungen die Post das<br />

Recht auf Alleinhandel hat und welche Dienste auch von Mitbewerbern<br />

angeboten werden können.<br />

608


?? Merke: Die Post muss noch immer einen "Service Public" erfüllen. Dafür<br />

erhält sie den reservierten Dienst, Briefe unter 50 Gramm zu versenden.<br />

4.3.2 Sendungsbeför<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> schweizerischen Post<br />

Grundsätzlich werden Sendungen (Briefe und Pakete), die durch den Kunden<br />

bei <strong>der</strong> Post aufgegeben werden, am Aufgabeort abgeholt und mit dem<br />

Lastkraftwagen (LKW) zum nächstgelegenen Brief- o<strong>der</strong> Paketzentrum<br />

transportiert.<br />

609


Im Brief- o<strong>der</strong> Paketzentrum werden die Sendungen erfasst und sortiert. Liegt<br />

<strong>der</strong> Bestimmungsort <strong>der</strong> Sendung im Einzugsgebiet des Zentrums, wird sie<br />

direkt auf den Zustellbezirk sortiert. Liegt <strong>der</strong> Bestimmungsort ausserhalb des<br />

Einzugsgebiets, wird die Sendung per Bahn an das entsprechende Zentrum<br />

weitergeleitet und dort feinverteilt.<br />

Die Verteilung <strong>der</strong> Sendungen aus den Zentren erfolgt dann bis zu den<br />

Briefzustellregionen (Brief) o<strong>der</strong> Paketbasen wie<strong>der</strong> mit dem LKW. Dort<br />

übernimmt <strong>der</strong> Zusteller die Sendungen und stellt sie entwe<strong>der</strong> mit dem<br />

Dreiradroller (DXP), dem Auto o<strong>der</strong> dem Lieferwagen dem Empfänger zu.<br />

610


Möchtest du den Weg einer Postsendung virtuell miterleben? Dann klicke<br />

hier.<br />

4.4 Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP)<br />

4.4.1 KEP-Anbieter<br />

Neben <strong>der</strong> Schweizerischen Post gibt es eine grosse Anzahl von Firmen, die<br />

Briefe und Pakete von Privat- o<strong>der</strong> Geschäftskunden im In- und Ausland<br />

beför<strong>der</strong>n. Die drei grössten sind die Schweizerische Post, DPD und DHL. Sie<br />

teilen sich den Schweizer Markt.<br />

Neben den drei grössten Anbietern können Unternehmen aber auch unter<br />

einer Vielzahl von Kurierunternehmen auswählen, welche Sendungen in<br />

unterschiedlichen Geschwindigkeiten zum Kunden transportieren. In den<br />

Städten sind vor allem die Velokuriere beliebt, da diese im ständig<br />

wachsenden Verkehr schneller vorwärtskommen.<br />

Eine Vielzahl <strong>der</strong> Anbieter findest du hier.<br />

611


4.5 Distributionsbeispiele<br />

4.5.1 Stückgutverkehr<br />

In <strong>der</strong> Regel werden Pakete, die über 30 Kilogramm schwer sind, auf einer<br />

Palette versendet. Man nennt dies dann Stückgutverkehr.<br />

Für diese Art von Transport bieten sich verschiedene Transportunternehmen<br />

an. Sie holen die Paletten beim Lieferanten ab und bringen sie zu einer<br />

firmeneigenen Umschlagsplattform. Dort werden die Sendungen nach<br />

Regionen zu neuen Wagenladungen sortiert und anschliessend mit dem LKW<br />

direkt zum Empfänger geliefert.<br />

?? Merke: Eine geeignete Distributionsstrategie zu finden, ist für den<br />

Unternehmenserfolg wichtig.<br />

4.5.2 Warenversand ins Ausland<br />

Beim Versand von Waren an Kunden im Ausland muss neben den speziellen<br />

Verpackungsvorschriften auch auf die Verzollung und teilweise auf die Art <strong>der</strong><br />

Versicherung geachtet werden. Da beinahe jedes Land über spezielle<br />

Bestimmungen verfügt, wird für den internationalen Versand meistens ein<br />

Spezialist beigezogen. In <strong>der</strong> Regel sind das sogenannte Speditionen; das sind<br />

Dienstleistungsunternehmen, die den Transport von Waren organisieren.<br />

612


Die Incoterms<br />

Um den Handel über die Landesgrenzen hinaus zu vereinfachen, wurden<br />

international gültige Lieferkonditionen geschaffen, die sogenannten<br />

International Commercial Terms (Incoterms). Die Incoterms regeln folgende<br />

Vertragsbestandteile zwischen Verkäufern und Käufern bzw. zwischen<br />

Importeuren und Exporteuren:<br />

• Aufteilung <strong>der</strong> Kosten <strong>der</strong> Verpackung, Fracht- und<br />

Transportversicherungen<br />

• Beschaffung <strong>der</strong> notwendigen Ein- und Ausfuhrdokumente<br />

• Bezahlung von Zöllen und Steuern<br />

• Übergang <strong>der</strong> Gefahr vom Verkäufer auf den Käufer (Risiko/Haftung)<br />

Folgende Übersicht zeigt, wie weit <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong> das Risiko und die Kosten<br />

trägt:<br />

613


Pflichten des Käufers und Verkäufers nach INCOTERMS 2023<br />

Jedes<br />

Transportmittel<br />

Seefracht und<br />

Binnenschiffsfahrt<br />

Jedes Transportmittel<br />

EXW FCA FAS FOB CFR CIF CPT CIP DAP DPU DPP<br />

Verpackung<br />

Ladegebühren<br />

Transport zum<br />

Export-Standort<br />

Ausfuhrzölle,<br />

Steuern und<br />

Zollabfertigung<br />

Terminalkosten<br />

Herkunftsort<br />

Verladung auf<br />

den Transport<br />

Transportkosten<br />

Versicherung<br />

Terminalkosten<br />

Bestimmungsort<br />

Transport und<br />

Zielort<br />

Entladung am<br />

Bestimmungsort<br />

Einfuhrzölle,<br />

Steuern und<br />

Zollabfertigung<br />

614


Modul 605_Versandart Post<br />

Ausgangslage<br />

Kleine Güter werden mit Kurier-, Express- und Paketdienst (KEP)-Anbietern<br />

versendet. In <strong>der</strong> Schweiz ist <strong>der</strong> grösste KEP-Anbieter die Schweizerische Post AG.<br />

Dieses Kapitel handelt von den Angeboten des "gelben Riesen".<br />

615


Fachartikel Modul 605<br />

5. Versandart Post<br />

5.1 Adressierung<br />

Die korrekte Adressierung ist die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf<br />

von <strong>der</strong> Aufgabe bis zur Zustellung einer Postsendung. Die Adressierung hat im<br />

Verlauf <strong>der</strong> Zeit einige Anpassungen erlebt. Als es noch keine Städte gab und<br />

eine Mehrheit <strong>der</strong> Bewohner auf dem Land in Höfen wohnte, genügten<br />

solche Adressierungen:<br />

Das Wissen, wo und auf welchen Höfen wer wohnt, war in den Köpfen <strong>der</strong><br />

Briefboten. Eine Weitergabe dieses Wissens beschränkte sich auf eine kleine<br />

Anzahl von Personen, die während Jahren die Post täglich auf <strong>der</strong> gleichen<br />

Tour auslieferten.<br />

Im heutigen digitalen Zeitalter muss die Adressierung <strong>der</strong> Briefe und Pakete<br />

genauen Vorgaben entsprechen, damit die Sortiermaschinen fehlerfrei und<br />

lückenlos täglich bis zu 18 Millionen Briefe verarbeiten können.<br />

Die wichtigsten Eckpunkte einer korrekten Adressierung sind:<br />

• linksbündiger Aufbau<br />

• drei bis maximal sechs Zeilen, keine Leerzeilen<br />

• ausgeschriebener Firmenname, Name und Vorname<br />

• vollständiger Strassenname und korrekte Hausnummer<br />

• korrekte Postfachnummer bei Postfachadressen<br />

• korrekte Postleitzahl und vollständiger Ortsname<br />

• keine Unterstreichungen o<strong>der</strong> Sperrungen<br />

616


Die Adresse kann links o<strong>der</strong> rechts platziert werden. Ist sie rechts platziert,<br />

steht mehr Platz für Absen<strong>der</strong>angaben o<strong>der</strong> Werbeaufdrucke zur Verfügung.<br />

Auch bei Paketen sind vordefinierte Fel<strong>der</strong> und Abstände zu berücksichtigen,<br />

damit alles genormt erfasst werden kann.<br />

617


Wie adressiere ich mein Paket korrekt?<br />

Schrift: Schreibe maschinelle Adressen ohne Zierschriften. Wähle eine<br />

Schriftgrösse von mindestens 3 mm, maximal 4 mm (12- bis 16-Punkt-Schrift).<br />

Verwende einen Laser- o<strong>der</strong> Tintenstrahldrucker.<br />

Empfängeradresse: Eine korrekte Empfängeradresse besteht aus einer<br />

Empfängerbezeichnung (Person und/o<strong>der</strong> Firma), Strasse und Hausnummer<br />

o<strong>der</strong> Postfach und Postfachnummer, Postleitzahl und Ort.<br />

Absen<strong>der</strong>adresse: Die Absen<strong>der</strong>adresse sollte vorzugsweise vertikal<br />

geschrieben werden. Die Absen<strong>der</strong>adresse muss links von <strong>der</strong><br />

Empfängeradresse angebracht werden (Abstand zwischen Absen<strong>der</strong>- und<br />

Empfängerblock mindestens 10 mm).<br />

Sendungsbarcode: Jedes Paket ist mit einem Sendungsbarcode versehen.<br />

Dieser enthält Angaben zum Absen<strong>der</strong> sowie die Sendungsnummer und dient<br />

<strong>der</strong> Identifikation <strong>der</strong> Sendung.<br />

Basis- und Zusatzleistungsbarcodes: Für einzelne Basis- und für alle<br />

Zusatzleistungen, wie zum Beispiel PostPac Priority o<strong>der</strong> Signature Post, sind<br />

Kennzeichnungen erfor<strong>der</strong>lich. Sie werden jeweils rechts o<strong>der</strong> oberhalb des<br />

Sendungsbarcodes angebracht.<br />

618


Merke: Einen Brief o<strong>der</strong> ein Paket richtig zu beschriften, sollte für alle eine<br />

Selbstverständlichkeit sein, um die Arbeit <strong>der</strong> Post zu vereinfachen und<br />

dadurch zukünftige Preiserhöhungen zu vermeiden.<br />

5.2 Versandart Briefe und Pakete<br />

Heutzutage kann <strong>der</strong> Kunde aus einer Vielzahl von Basis- und Zusatzleistungen<br />

auswählen.<br />

5.2.1 Basis- Zusatzleistungen bei Briefen<br />

A-Post<br />

B-Post<br />

Einschreiben<br />

Recommandé<br />

(R)<br />

Belegloser<br />

Nachnahme<br />

(BLN)<br />

Wird am nächsten Werktag (inkl. Samstag) zugestellt.<br />

Ist kostengünstiger als A-Post. Eine B-Post-Sendung erreicht<br />

den Empfänger spätestens am dritten Werktag nach<br />

Aufgabe (ohne Samstag)<br />

Der Empfänger erhält die eingeschriebene Sendung nur<br />

gegen Unterschrift. Dadurch kann die Zustellung<br />

rechtskräftig nachgewiesen werden. Die Sendung ist bei<br />

Verlust o<strong>der</strong> Beschädigung bis max. 500 Franken versichert.<br />

Der Postbote händigt die Sendung nur gegen Barzahlung<br />

des Nachnahmebetrags aus. Dieser Betrag wird dem<br />

Absen<strong>der</strong> auf sein Postkonto gutgeschrieben.<br />

Swiss- Express<br />

Mond<br />

Bis vor Schalterschluss aufgegebene Briefe werden am<br />

Folgetag bis 9.00 Uhr zugestellt.<br />

Kurier SameDay Die Kurierangebote kosten mehr, jedoch werden die<br />

Sendungen noch am gleichen Tag zugestellt.<br />

5.2.2 Basis- Zusatzleistungen bei Paketen<br />

PostPac Priority<br />

(PRI)<br />

Wird am nächsten Werktag (ohne Samstag) zugestellt.<br />

619


PostPac<br />

Economy<br />

Sperrgut (SP)<br />

Ist kostengünstiger als PostPac Priority. Die Sendung erreicht<br />

den Empfänger spätestens am zweiten Werktag nach<br />

Aufgabe (ohne Samstag).<br />

Grosse o<strong>der</strong> unverpackte Sendungen gelten als Sperrgut.<br />

Siehe auch: Sperrgut Post<br />

Signature (SI)<br />

Belegloser<br />

Nachnahme<br />

(BLN)<br />

Eigenhändig<br />

(RMP)<br />

Die Sendungen werden dem Empfänger nur gegen<br />

Unterschrift ausgehändigt. Die Post haftet für Schäden aus<br />

Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 1'500 Franken.<br />

Der Postbote händigt die Sendung nur gegen Barzahlung<br />

des Nachnahmebetrags aus. Dieser Betrag wird dem<br />

Absen<strong>der</strong> auf sein Postkonto gutgeschrieben.<br />

Der Paketbote liefert das Paket persönlich und gegen<br />

Unterschrift nur an diejenige Person, die in <strong>der</strong> Adresse<br />

genannt wird (nur für Geschäftskunden <strong>der</strong> Post).<br />

Assurance (AS) Gleich wie bei Signature wird das Paket nur gegen<br />

Unterschrift ausgehändigt. Das Paket ist aber für Schäden<br />

aus Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 5'000 Franken<br />

versichert.<br />

Fragile (FRA)<br />

Swiss- Express<br />

Mond<br />

Das Paket mit empfindlichem Inhalt wird beson<strong>der</strong>s<br />

schonend behandelt und ist für Schäden aus<br />

Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 5'000 Franken versichert.<br />

Bis vor Schalterschluss aufgegebene Pakete werden am<br />

Folgetag bis 9.00 Uhr zugestellt.<br />

Kurier SameDay Die Kurierangebote kosten mehr, jedoch werden die<br />

Sendungen noch am gleichen Tag zugestellt.<br />

Diese Listen sind nicht abschliessend. Die verschiedenen Basis- und<br />

Zusatzleistungen lassen sich zum Teil auch kombinieren.<br />

?? Merke: Beim Versand eines Briefes o<strong>der</strong> eines Pakets kann aus einer<br />

Vielzahl von Basis- und Zusatzleistungen ausgewählt werden.<br />

Weitere Zusatzleistungen sowie die entsprechenden Gebühren finden sich<br />

hier (Briefe) und hier (Pakete).<br />

Weitere Angebote von an<strong>der</strong>en Kurier-Express-Paket-Anbietern (KEP-<br />

Anbietern) finden sich hier.<br />

620


5.3 Versand ins Ausland<br />

Täglich beför<strong>der</strong>t die Post Tausende von Sendungen über die Schweizer<br />

Grenze ins Ausland. Ob es sich um ein kleines Geschenkpaket o<strong>der</strong> um eine<br />

grosse Warenlieferung handelt - alle Pakete werden von den Zollbehörden im<br />

Herkunfts- und im Bestimmungsland überprüft. Damit die Sendungen von den<br />

Zollbehörden rasch verarbeitet und weitergeleitet werden können, müssen<br />

die verlangten Unterlagen und Formulare vollständig vorliegen und richtig<br />

ausgefüllt sein.<br />

Dieses Video beantwortet die häufigsten Fragen zu den Begleitpapieren für<br />

den internationalen Warenversand:<br />

Briefe und Pakete werden an unterschiedlichen Orten für den Versand ins<br />

Ausland aufbereitet. Pakete ab 2 kg gelangen für den Export nach Urdorf<br />

o<strong>der</strong> nach Zürich Flughafen. Sie werden von dort aus mit dem LKW (Urdorf)<br />

o<strong>der</strong> dem Flugzeug (Zürich Flughafen) ins Ausland transportiert. Briefe bis 2 kg<br />

gelangen für den Export ins Briefzentrum ZH-Mülligen (Hub), von dort aus geht<br />

es weiter ins Ausland (Pakete bis 2 kg gelten im internationalen Postversand<br />

als Dokument).<br />

Nicht nur die Post, auch an<strong>der</strong>e bekannte internationale KEP-Anbieter sind<br />

auf dem Markt tätig und versenden täglich Millionen Sendungen rund um die<br />

Welt.<br />

Hier findest du mehr Informationen <strong>der</strong> Post zu ausländischen Sendungen<br />

für Briefe o<strong>der</strong> Pakete.<br />

5.4 Verarbeitung in Brief- und Paketzentren<br />

Aufgegebene Briefe und Pakete werden in den Brief- o<strong>der</strong> Paketzentren<br />

zunächst nach Versandart (A- und B-Post) und nach ihren Formaten sortiert.<br />

5.4.1 Verarbeitung von Briefen<br />

Jedes <strong>der</strong> drei grossen Briefzentren <strong>der</strong> Schweiz hat sein Einzugsgebiet für die<br />

Erstaufgabe und Stempelung. Die Briefbehälter werden vom Postpersonal<br />

entleert und für die Stempelung vorbereitet.<br />

621


Die Anlage stempelt die Briefsendungen und erkennt innerhalb eines<br />

Bruchteiles einer Sekunde die Strasse und die Postleitzahl.<br />

Erkennt die Anlage Strasse und Postleizahl nicht, so wird <strong>der</strong> Brief aussortiert<br />

und auf eine Umlaufschlaufe abgeleitet. Dabei wird ein Bild gemacht. Dieses<br />

Sendungsbild wird nach Chur gesendet, wo ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin<br />

<strong>der</strong> Post die Adresse manuell im System eintippt.<br />

Es wird dem Brief in <strong>der</strong> Codierzone einen postinterne Zuordnung aufgedruckt.<br />

Dieser Aufdruck ist <strong>der</strong> Auftrag für die Sortiermaschine.<br />

Die Sortiermaschine sortiert nach: Zustellstelle, Zustellbezirk, Strasse,<br />

Hausnummer.<br />

Ebenfalls wird die richtige Reihenfolge <strong>der</strong> Briefkastenanlage berücksichtigt.<br />

Diese Sortierung nennt sich Gangfolgesortierung. Der Zusteller erhält am<br />

Folgetag einen Briefbehälter (BB), <strong>der</strong> bereits für die Zustellung vorsortiert<br />

wurde.<br />

5.4.2 Verarbeitung von Paketen<br />

Bei den Paketen wird eine Triage vorgenommen. Die Pakete werden in<br />

grossen Rollbehältern (RX) transportiert. Die Sortierung erfolgt nach Priority und<br />

Economy sowie Sperrgut und Paketen.<br />

Die Pakete werden analog <strong>der</strong> Briefe nach Einzugsgebiet (abhängig von <strong>der</strong><br />

Postleizahl) in den verschiedenen Paketzentren entladen und<br />

weiterverarbeitet. Die Pakete werden den Zustellbasen per Bahn o<strong>der</strong> LKW<br />

zugeführt, wo sie dann auf die verschiedenen Zustellbezirke verteilt werden.<br />

5.4.3 Gesundheit bei <strong>der</strong> Verarbeitung<br />

Das Exoskelett<br />

Wie in Modul 405 beschrieben, gehören Rückenverletzungen zu den<br />

häufigsten Verletzungen bei Logistikersinnen und Logistikern. Das Exoskelett<br />

622


kann helfen, diese zu vermeiden. Es ist eine äussere Struktur, um den<br />

menschlichen Körper zu unterstützen. Das Ziel ist, mit Hilfe eines tragbaren<br />

Roboters den menschlichen Körper zu schonen und ergonomisches Arbeiten<br />

zu ermöglichen. Bei richtiger Anwendungen werden Krankheits- Unfalltage<br />

<strong>der</strong> Mitarbeitenden deutlich reduziert.<br />

Das Exoskelett hält in vielen Schweizer Unternehmen Einzug. Auch die<br />

Schweizerische Post testet in Paketzentren verschiedene Modelle von<br />

Exoskeletten.<br />

Hier findest du mehr Informationen, wie die Schweizerische Post das<br />

Exoskelett anwendet.<br />

Wo immer möglich ist das Tragen schwerer Lasten zu vermeiden. Benütze<br />

Hilfsmittel wie Hubwagen, Plattformwagen, Scherenhubtische, Vakuumheber,<br />

Traggurte o<strong>der</strong> Stechkarren (auch Sackkarren genannt).<br />

Die SUVA beschäftigt sich seit längerem mit <strong>der</strong> Schulung des richtigen<br />

"Hebens", um Arbeitsausfälle möglichst zu verhin<strong>der</strong>n.<br />

Hier geht es zu den wichtigsten Sicherheitsregeln und Tipps <strong>der</strong> SUVA.<br />

5.5 Zustellung<br />

In städtischen Gebieten erfolgt die Zustellung von Briefen, Paketen und<br />

Expresspost getrennt, während auf dem Land diese Aufgaben vom selben<br />

Boten übernommen werden. Mit <strong>der</strong> Reorganisation <strong>der</strong> Post wurden PostMail<br />

(Briefe) und PostLogistics (Pakete) zusammengeführt. Der neue Bereich<br />

"Logistik Services" sieht eine Durchmischung vor.<br />

Je nach Wirtschaftlichkeit, Leistungsangebot und örtlichen Verhältnissen wird<br />

zu Fuss, mit dem Velo, Elektro-Roller, Elektro-Dreiradfahrzeug (DXP), Auto o<strong>der</strong><br />

mit dem Lieferwagen zugestellt. Der Service Public verlangt eine<br />

flächendeckende Grundversorgung mit Postdienstleistungen. Die<br />

Zustelltouren können deshalb sehr unterschiedlich aussehen. In städtischen<br />

Verhältnissen stellt ein Bote täglich über 2'000 Briefe zu. Auf dem Land sind es<br />

bedeutend weniger Sendungen, dafür sind dort Wegstrecken von über 50 km<br />

keine Seltenheit.<br />

Für die Zustellung benötigt <strong>der</strong> Bote einen Handscanner. Dieser erkennt<br />

Barcodes und lädt alle Daten <strong>der</strong> Kunden (z. B. alle Bewohner eines<br />

Haushalts). Zieht ein neuer Kunde in eine freistehende Wohnung ein, erfasst<br />

<strong>der</strong> Zusteller diese Daten im Adressmanagement <strong>der</strong> Post (AMP). Die AMP-<br />

623


Daten werden täglich von allen Postboten in <strong>der</strong> Schweiz gepflegt. Mit<br />

korrekten Adressen reduzieren sich Fehllieferungen.<br />

Identitätsnachweis<br />

Die Übergabe von Sendungen an Personen, die wir nicht persönlich kennen,<br />

zum Beispiel bei einer Zustellung einer "RMP <strong>–</strong> Eigenhändig" Sendung (?? siehe<br />

Kapitel 5.2.2), erfor<strong>der</strong>t eine Überprüfung <strong>der</strong> Identität. Die eindeutige<br />

Identifikation einer Person ist nur mit Hilfe eines amtlich ausgestellten<br />

Dokumentes möglich, das ein Foto und die Unterschrift des Inhabers enthält.<br />

Die gängigsten amtlichen Identifikationspapiere sind:<br />

• Identitätskarte<br />

• Reisepass<br />

• Schweizerischer Führerausweis für Motorfahrzeuge<br />

• Auslän<strong>der</strong>ausweis<br />

• Personalausweis Post<br />

5.5.1 PickPost<br />

Die Post bietet an über 2'400 PickPost-Stellen den flexiblen Versand und<br />

Empfang von Paketen und eingeschriebenen Briefen an. Eine PickPost-Stelle<br />

kann z. B. ein SBB-Schalter o<strong>der</strong> eine Tankstelle sein. Mit <strong>der</strong> alternativen<br />

Zustellmöglichkeit PickPost können Privatkunden selber entscheiden, wo sie<br />

624


ihre Sendungen abholen möchten. Für Absen<strong>der</strong> und Empfänger entstehen<br />

keine zusätzlichen Kosten. Sie lassen ihre Sendung an die Adresse <strong>der</strong> Pick<br />

Post-Stelle adressieren. Die Avisierung des Kunden wird durch den Boten via<br />

Scanner ausgelöst. Der Sendungsempfänger erhält ein SMS o<strong>der</strong> eine E-Mail,<br />

dass er die Sendung dort abholen kann.<br />

5.5.2 My Post 24-Automaten<br />

My Post 24 ist eine Dienstleistung, die den Kunden rund um die Uhr (24/7) zur<br />

Verfügung steht. Der Automat als Servicepunkt erfüllt das Bedürfnis nach<br />

örtlicher und zeitlicher Flexibilität und ist dabei einfach bedienbar und sicher.<br />

Sendungen können abgeholt o<strong>der</strong> aufgegeben werden. Ausserdem kann<br />

<strong>der</strong> Kunde auch eine alternative Zustelladresse angeben o<strong>der</strong> kostenlos eine<br />

zweite Zustellung verlangen. Private KEP-Anbieter haben ähnliche Produkte<br />

und Dienstleistungen, die auf ihrer Homepage ersichtlich sind.<br />

625


Modul 606_Strassenverkehr<br />

Ausgangslage<br />

Die Strasse ist als Verkehrsträger flexibel und günstig und deshalb beson<strong>der</strong>s geeignet<br />

für die Feinverteilung von Gütern. Egal ob mit Lastwagen o<strong>der</strong> Elektroroller, die<br />

Verteilung über die Strasse erfolgt zu individuell gewählten Zeiten.<br />

626


Fachartikel Modul 606<br />

6. Strassenverkehr<br />

6.1 Der Strassenverkehr<br />

Obwohl in <strong>der</strong> Schweiz seit dem Jahr 2001 eine leistungsabhängige<br />

Schwerverkehrsabgabe (LSVA) (??siehe Kapitel 6.2.5) erhoben wird, bleibt<br />

<strong>der</strong> Strassenverkehrstransport sehr günstig. Er überzeugt mit einer enormen<br />

Flexibilität und Gestaltungsfreiheit, egal welche Produkte wann und wohin<br />

geliefert werden müssen.<br />

Der Strassentransport ist <strong>der</strong> perfekte Partner in <strong>der</strong> Feinverteilung von Gütern.<br />

Lei<strong>der</strong> führt die enorme Popularität des Strassentransports zu immer mehr<br />

Staus. Ausserdem wird in <strong>der</strong> Schweiz <strong>der</strong> Strassentransport stark reglementiert<br />

und gesetzlich geregelt, z. B. durch Nachtfahrverbote, Sonn- und<br />

Feiertagsverbote, Lenkzeitregulierungen usw.<br />

Der Personen- und Güterverkehr in <strong>der</strong> Schweiz ist im Mittelland sehr dicht. Die<br />

Verkehrsdichte nimmt ständig zu und führt an Engpässen regelmässig zu<br />

Staus. Ein kontinuierlicher Ausbau soll Abhilfe bringen. Die wichtigste<br />

Verbindung von Norden nach Süden ist via Gotthardstrassentunnel und wird<br />

täglich von vielen Fahrzeugen befahren.<br />

627


?? Weitere Informationen zum Güterverkehr findest du hier.<br />

Die inländischen schweren Güterfahrzeuge transportieren grösstenteils Waren,<br />

welche für die Versorgung <strong>der</strong> Bevölkerung wichtig sind. Im Jahr 2019 stand<br />

<strong>der</strong> Transport von Nahrungsmitteln an erster Stelle.<br />

628


6.1.1 Dynamische Kräfte im Strassenverkehr<br />

Im Zusammenhang mit Bewegung treten dynamische Kräfte auf. Gemessen<br />

werden Beschleunigungen und Verzögerungen in m/s 2 (Meter pro Sekunde im<br />

Quadrat, auch Newton genannt). Die Erdbeschleunigung beträgt ungefähr<br />

10 m/s 2 . Eine Masse von einem Kilogramm wird also mit einer Kraft von 10<br />

Newton auf <strong>der</strong> Erde festgehalten. Die Beschleunigung von 10 m/s 2 (genau<br />

9,81) heisst deshalb 1 g (Gravitation).<br />

Beschleunigungskraft<br />

Verzögerungskraft<br />

Fliehkraft<br />

Vertikal wirkende Kräfte (Vibration)<br />

Beschleunigungskraft<br />

Jede Bewegung einer Masse braucht Kraft, also auch die Beschleunigung. Je<br />

stärker die Beschleunigung und je schwerer die Masse, desto mehr Kraft ist im<br />

Spiel. Fachleute sprechen von Beschleunigungskraft. Wer sein Auto in zehn<br />

Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt, wird mit einer Kraft von etwa 28<br />

Prozent seines Körpergewichts gegen die Rückenlehne des Sitzes gedrückt.<br />

629


Beschleunigungskräfte wirken entgegen <strong>der</strong> Fahrtrichtung, also gegen hinten.<br />

Deren Stärke hängt von <strong>der</strong> Antriebskraft des Fahrzeugs ab.<br />

Verzögerungskraft<br />

Nicht nur die Beschleunigung einer Masse braucht Kraft. Um eine in<br />

Bewegung geratene Masse abzubremsen, braucht es dieselbe Kraft, die zur<br />

Beschleunigung nötig war. In <strong>der</strong> Fachsprache ist dies die Verzögerungskraft.<br />

Sie basiert auf <strong>der</strong> Trägheit einer Masse. Einfach ausgedrückt: Jede Masse<br />

"wehrt" sich gegen Än<strong>der</strong>ungen ihres Bewegungszustands. Diese Trägheit<br />

verspürt man auch beim Abbremsen. Verzögerungskräfte von bis zu 1 g sind<br />

nicht selten. Eine 80 kg schwere Person wird bei dieser Verzögerung mit 800 N<br />

nach vorne gedrückt. Sie empfindet dies so, als ob 80 Kilo auf ihr lasten<br />

würden. Da die Bremskraft von Fahrzeugen in <strong>der</strong> Regel grösser ist als <strong>der</strong>en<br />

Antriebskraft, ist die auftretende Verzögerungskraft wesentlich grösser als die<br />

Beschleunigungskraft.<br />

Fliehkraft<br />

Beim Kurvenfahren wird eine Kraft spürbar, die nach aussen zieht: die<br />

Fliehkraft. Diese Bezeichnung beschreibt treffend, dass eine Masse bei<br />

Kurvenfahrt aus <strong>der</strong> Kurve "fliehen" will. Die Stärke dieser Fliehkraft ist vom<br />

Radius <strong>der</strong> Kurve und von <strong>der</strong> Geschwindigkeit des Fahrzeugs abhängig. Der<br />

Einfluss <strong>der</strong> Geschwindigkeit wird oft unterschätzt. Dies passiert beson<strong>der</strong>s<br />

häufig, wenn sich Fahrer an die Geschwindigkeit gewöhnt haben, zum<br />

Beispiel nach einer Fahrt auf <strong>der</strong> Autobahn. Im Verhältnis zur Geschwindigkeit<br />

nehmen Kräfte im Quadrat zu. Dies gilt auch für die Fliehkraft. Eine<br />

Verdoppelung <strong>der</strong> gefahrenen Geschwindigkeit in einer Kurve hat also eine<br />

Vervierfachung <strong>der</strong> Fliehkraft zur Folge. Neigt sich die Ladefläche infolge <strong>der</strong><br />

Fe<strong>der</strong>ung, wird die Wirkung verstärkt. Wenn sich die Ladung seitlich<br />

verschieben kann, kann das Fahrzeug sogar kippen.<br />

Vertikal wirkende Kräfte (Vibration)<br />

Bei <strong>der</strong> Fahrt auf <strong>der</strong> Strasse wirken auch vertikale Kräfte, vor allem in Form<br />

von Stössen, Schwingungen und Vibrationen. Diese zusätzlichen vertikalen<br />

Kräfte reichen zwar nicht aus, um die Ladung von <strong>der</strong> Ladefläche<br />

abzuheben, aber sie verringern die Reibung bzw. die Haftung. Durch<br />

Vibration kann eine Ladung förmlich die Bodenhaftung verlieren und<br />

verrutschen. Eine Ladung ohne ausreichende Bodenhaftung stellt deshalb<br />

630


eine Gefahr dar. Vertikalen Kräften wirkt man durch Nie<strong>der</strong>zurren <strong>der</strong> Ladung<br />

entgegen.<br />

?? Merke: Die dynamischen Kräfte helfen zu verstehen, wie man eine Ladung<br />

sichern muss.<br />

6.1.2 Fahrzeug sichern<br />

Bevor mit dem Verladen von Gütern begonnen wird, müssen die Fahrzeuge<br />

richtig gesichert werden.<br />

Mehr zur Fahrzeugsicherung findest du hier .<br />

6.2 Die Lastverteilung<br />

6.2.1 Gesetzliche Grundlagen<br />

Die Lastverteilung und die Lastsicherung <strong>der</strong> Güter sind im Gesetz geregelt.<br />

Dieses besagt, dass die Ladungen auf einem Fahrzeug so platziert werden<br />

müssen, dass auf den jeweiligen Achsen nicht zu viel o<strong>der</strong> zu wenig Gewicht<br />

liegt.<br />

Das Gesetz schreibt vor, dass die Ladung auf einem Fahrzeug so positioniert<br />

werden muss, dass:<br />

• auf <strong>der</strong> Lenkachse mindestens 20 Prozent des Betriebsgewichtes liegen<br />

• auf <strong>der</strong> Antriebsachse mindestens 25 Prozent des Betriebsgewichtes liegen<br />

• die maximalen Achslasten nicht überschritten werden<br />

631


• das Gesamtgewicht des Fahrzeuges eingehalten wird.<br />

In einem Fahrzeugausweis sind unter an<strong>der</strong>em folgende Daten ersichtlich, die<br />

für die Ladungsaufnahme und die Lastverteilung wichtig sind:<br />

• maximale Achsbelastungen<br />

• das Nettogewicht<br />

• die Nutzlast<br />

• das Gesamtgewicht<br />

Das heisst, die Lastverteilung wird so durchgeführt, dass das jeweilige<br />

Fahrzeug in je<strong>der</strong> Verkehrssituation ohne Einschränkungen lenkbar ist.<br />

Dadurch werden Unfälle vermieden.<br />

6.2.2 Verladung und Sicherung<br />

Die Ladung kann folgen<strong>der</strong>massen auf ein Fahrzeug verladen und gesichert<br />

werden:<br />

Formschlüssig<br />

Formschlüssig ist dann passend, wenn die<br />

Güter auf allen Seiten an die<br />

La<strong>der</strong>aumbegrenzungen anliegen (Stirnwand,<br />

632


Seitenwand rechts und links und Rückwand).<br />

Dadurch kann die Ladung nicht verrutschen.<br />

Kraftschlüssig<br />

Kraftschlüssig ist dann gegeben, wenn die<br />

Güter frei auf <strong>der</strong> Ladebrücke positioniert<br />

werden. Die Ladung liegt nicht an <strong>der</strong><br />

La<strong>der</strong>aumbegrenzung an und könnte ohne<br />

Sicherung verrutschen. Bei dieser Variante ist<br />

<strong>der</strong> Anspruch an die Ladungssicherung sehr<br />

hoch.<br />

Mit Nutzlastverteilplan<br />

Mit einem Nutzlastverteilplan kann bestimmt<br />

werden, ob die komplette Ladung an die<br />

Stirnwand positioniert werden kann.<br />

6.2.3 Die Beladung<br />

Die Ladungen (Paletten) können quer, längs o<strong>der</strong> gemischt (quer und längs)<br />

auf das Fahrzeug geladen werden. Ist eine bestimmte Abla<strong>der</strong>oute<br />

vorgesehen, muss bei <strong>der</strong> Lastverteilung die Routenplanung mit einbezogen<br />

werden. Bei <strong>der</strong> Routenplanung wird die Ladung nach dem Prinzip LIFO (Last<br />

in, First out) verladen.<br />

633


Vorgehensweise <strong>der</strong> Lastverteilung<br />

1. Ladung als Ladeblock festlegen<br />

(längs, quer o<strong>der</strong> gemischt) und<br />

den Schwerpunkt <strong>der</strong> Ladung<br />

ermitteln (sollte in <strong>der</strong> Mitte des<br />

Ladeblockes sein).<br />

2. Länge des definierten<br />

Ladeblockes berechnen (Länge,<br />

Breite <strong>der</strong> Paletten).<br />

3. Ladung in die Mitte <strong>der</strong><br />

Ladefläche platzieren (nach LIFO-<br />

Prinzip gemäss dem Routenplan<br />

verladen). Die Paletten nach den<br />

Gewichten gleichmässig um den<br />

Schwerpunkt des Ladeblockes<br />

verteilen.<br />

4. Das Vorgehen bei <strong>der</strong> Beladung<br />

mit einem Nutzlastverteilplan ist<br />

dasselbe. Jedoch muss geschaut<br />

werden, ob <strong>der</strong><br />

Lastschwerpunktabstand innerhalb<br />

des "grünen Bereichs" liegt.<br />

Ansonsten darf die Ladung nicht<br />

direkt an die Stirnwand verladen<br />

werden.<br />

634


6.2.4 Die Lastsicherung<br />

Neben <strong>der</strong> Lastverteilung ist auch das Sichern <strong>der</strong> Ladung gegen das<br />

Verrutschen während <strong>der</strong> Fahrt sehr wichtig. Gemäss Gesetz muss die Ladung<br />

auf einem Fahrzeug gegen alle dynamischen Kräfte gesichert werden. Die<br />

Güter können mit verschiedenen Lastsicherungshilfsmittel auf dem Fahrzeug<br />

gesichert werden.<br />

Zurrgurte Zurrketten Sicherungsnetz<br />

Antirutschmatten<br />

Horizontale und vertikale<br />

Sperrbalken<br />

Luftkissen (aufblasbar)<br />

6.3 Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)<br />

Seit Anfang 2005 sind in <strong>der</strong> Schweiz Anhängerzüge und<br />

Sattelmotorfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht bis zu 40 Tonnen zugelassen.<br />

Dieses Gesamtgewicht gilt in <strong>der</strong> EU bereits länger. In bilateralen Abkommen<br />

(Verträge zwischen <strong>der</strong> EU und <strong>der</strong> Schweiz) wurde diese neue Gewichtslimite<br />

635


vereinbart. Die Schweiz möchte aber einen möglichst grossen Teil des alpenquerenden<br />

Transitverkehrs auf die Schienen verlagern. Das Schweizer<br />

Stimmvolk hat im September 1998 bei einer Volksabstimmung mit deutlicher<br />

Mehrheit <strong>der</strong> leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA)<br />

zugestimmt. Diese wurde Anfang 2001 eingeführt. Die Abgabe gilt mit einigen<br />

Ausnahmen für alle Motorfahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht.<br />

Um die Transportunternehmer zur Anschaffung abgasarmer Fahrzeuge zu<br />

ermuntern, wird die LSVA aufgrund <strong>der</strong> Emissionen (Abgaswerte) <strong>der</strong><br />

Fahrzeuge erhoben. Fahrzeuge mit guten Abgaswerten werden weniger<br />

besteuert als solche, die höhere Messwerte aufweisen. Die Fahrleistung wird<br />

bei Schweizer Fahrzeugen mit einem fest eingebauten elektronischen<br />

Erfassungsgerät ermittelt. Dieses ist mit dem Fahrtenschreiber (Tachograf)<br />

gekoppelt und zeichnet die Fahrleistung automatisch auf. Eine GPS-Antenne<br />

(GPS = Global Positioning System) dient dazu, die Fahrleistung zu kontrollieren.<br />

Ausländische Fahrzeuge lassen entwe<strong>der</strong> das Erfassungsgerät einbauen o<strong>der</strong><br />

bezahlen am Zoll die Gebühren mit einer CHIP-Karte.<br />

Ziele <strong>der</strong> LSVA sind:<br />

• Das Wachstum des Strassenschwerverkehrs begrenzen.<br />

• Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene för<strong>der</strong>n.<br />

• Die Umwelt entlasten.<br />

Verwendung <strong>der</strong> LSVA<br />

Ein Drittel <strong>der</strong> Nettoeinnahmen aus <strong>der</strong> LSVA gehen an die Kantone, zwei<br />

Drittel gehen an den Bund. Die Kantone verwenden ihren Anteil zum<br />

Ausgleich <strong>der</strong> ungedeckten Kosten im Strassenverkehr. Der Bund verwendet<br />

seine Einnahmen hauptsächlich zur För<strong>der</strong>ung von Bahnprojekten und<br />

Lärmsanierungen (NEAT, Bahn 2000, Anschluss ans europäische<br />

Hochgeschwindigkeitsnetz).<br />

Die Daten <strong>der</strong> Fahrzeuge werden monatlich an die Zollverwaltung übermittelt.<br />

Diese erstellt eine Rechnung pro Fahrzeug.<br />

?? Merke: Die Kosten für die LSVA sind für ein Transportunternehmen hoch.<br />

Dadurch lohnt es sich, mo<strong>der</strong>ne Fahrzeuge zu beschaffen und so die Natur zu<br />

schützen.<br />

636


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />

Ein Lastwagen fährt vom Hauptsitz Rupperswil in die Nie<strong>der</strong>lassung in Marly.<br />

Dabei legt er 122 km zurück.<br />

Da wir einen älteren Lastwagen fahren (EURO 5) und dieser für 26 Tonnen<br />

zugelassen ist, müssen wir alleine für die LSVA Steuern insgesamt 98.35<br />

Franken bezahlen. Bei einem neueren Lastwagen (EURO 6) wäre dieser<br />

Betrag jedoch nur noch 72.30 Franken.<br />

Hier geht es zum LSVA Rechner<br />

637


Modul 607_Schienenverkehr<br />

Ausgangslage<br />

Der Verkehrsträger Schiene ist günstig, umweltschonend und beson<strong>der</strong>s<br />

geeignet für den Transport von grossen Mengen schwerer Güter.<br />

638


Fachartikel Modul 607<br />

7. Schienenverkehr<br />

Der Schienengüterverkehr ist eine kostengünstige und umweltschonende<br />

Variante, grosse Warenmengen zu transportieren. In <strong>der</strong> Schweiz hat <strong>der</strong><br />

Schienenverkehr einen hohen Stellenwert. Für die Logistikbetriebe ist enorm<br />

wichtig, dass so das Nachtfahrverbot für Lastwagen umgangen werden kann.<br />

Typischerweise werden die überregionalen und schweizweiten Transporte mit<br />

<strong>der</strong> Bahn bewältigt. Die Abholungen bei den Kunden und die Zustellungen<br />

erfolgen dagegen auf <strong>der</strong> Strasse.<br />

In Europa sind Bahnverbindungen ebenfalls wichtig. Vor allem für den Nord-<br />

Süd-Verkehr hat die Schweiz eine zentrale Bedeutung. Auch beim Verkehr<br />

von Asien nach Europa gewinnt <strong>der</strong> Schienenweg an Bedeutung und wird<br />

vermehrt dem Schiffsverkehr vorgezogen. Dies ist möglich dank massiven<br />

Investitionen in das Schienennetz. Die "Neue Seidenstrasse" (?? siehe Kapitel<br />

7.1.3) trägt stark zu dieser Entwicklung bei.<br />

Jährlich transportiert die SBB Cargo AG rund 29,8 Millionen Tonnen Güter<br />

netto im Wagenladungs-, Ganzzugs- und im kombinierten Verkehr innerhalb<br />

<strong>der</strong> Schweiz. Dies entspricht knapp 10’000 Lastwagenfahrten pro Tag.<br />

Der Güterverkehr per Bahn hat einige Vorteile gegenüber den an<strong>der</strong>en<br />

Verkehrsträgern:<br />

• schneller als <strong>der</strong> Schiffsverkehr<br />

• günstiger als <strong>der</strong> Flugverkehr<br />

• wesentlich umweltschonen<strong>der</strong> als die Verkehrsträger Luft, Wasser und Strasse<br />

Beispiel Rheinhäfen<br />

Die Schweizerischen Rheinhäfen in <strong>der</strong> Region Basel haben das Ziel, 50<br />

Prozent <strong>der</strong> Container auf die Schiene zu verlagern. Somit würden pro Jahr<br />

über 100’000 LKW-Fahrten auf die Schiene verlagert und damit die Strassen in<br />

<strong>der</strong> Nordwestschweiz stark entlastet. Zum Vergleich: Aufgrund mangeln<strong>der</strong><br />

Effizienz in den Rheinhäfen verlassen heute 90 Prozent <strong>der</strong> Container die<br />

Hafenterminals per LKW und nur 10 Prozent per Bahn.<br />

Für diese Zielerreichung ist <strong>der</strong> Bau eines neuen Hafenbeckens in Basel<br />

zentral. Der "Gateway Basel Nord" wird die drei Verkehrsträger Schiene,<br />

Strasse, Wasser noch besser verknüpfen und zur Steigerung des Bahnverkehrs<br />

beitragen.<br />

639


7.1 Die wichtigsten Routen<br />

7.1.1 Schweiz<br />

Seit jeher ist die Nord-Süd-Route durch die Schweiz wichtig für ganz Europa.<br />

Bereits 1882 wurde <strong>der</strong> Gotthard-Tunnel eröffnet, ein erster enormer<br />

Meilenstein in <strong>der</strong> Geschichte des Schienenverkehrs durch die Schweiz. Dem<br />

NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) ist in diesem Kapitel ein eigener<br />

Abschnitt gewidmet. Für die Schweiz wirtschaftlich sehr wichtig ist ebenso die<br />

West-Ost-Route von Genf via Bern und Zürich in die Ostschweiz.<br />

7.1.2 Europa<br />

Auf dieser Karte von SBB Cargo sieht man deutlich die Wichtigkeit <strong>der</strong> Nord-<br />

Süd-Verbindungen für Europa. Seit dem Vertrag von Maastricht (7. Februar<br />

1992) dürfen europäische Bahnunternehmen das gesamte Streckennetz in<br />

Europa län<strong>der</strong>übergreifend nutzen.<br />

640


7.1.3 Global<br />

Nicht überall hat <strong>der</strong> Schienenverkehr die gleiche Bedeutung. Vor allem im<br />

Verkehr von Asien nach Europa wird das Schienennetz massiv erneuert. Hier<br />

hat bisher China eine Vormachtstellung und investiert stark, sowohl in den<br />

Seeweg als auch immer stärker in den Schienenweg. Die "Neue Seidenstrasse"<br />

- "Belt and Road Initiative" (BRI) - entsteht.<br />

641


7.1.4 Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT)<br />

Die Lötschberg- und die Gotthard-Route sind die wichtigsten Nord-Süd-<br />

Verbindungen durch die Schweiz. Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale<br />

(NEAT) ist ein Jahrhun<strong>der</strong>twerk, von dem die ganze Schweiz profitiert. Mit drei<br />

neuen Basistunneln durch die Alpen und dem Ausbau <strong>der</strong> Zufahrtsstrecken<br />

bringt sie den Norden und Süden <strong>der</strong> Schweiz und Europa enger zusammen.<br />

Der Lötschberg- Basistunntel ist 34,7 Kilomter lang und seit 2007 in Betrieb. Der<br />

Gotthard-Basistunnel wurde 2016 in Betrieb genommen und ist mit 57<br />

Kilometern <strong>der</strong> längste Eisenbahntunnel <strong>der</strong> Welt. 2020 wurde die NEAT mit <strong>der</strong><br />

Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels vollendet. Im Güterverkehr stärkt die<br />

Flachbahn den umweltschonenden Schienentransport.<br />

Die Vorteile <strong>der</strong> NEAT<br />

Mehr Kapazität Dem Güterverkehr stehen auf <strong>der</strong> Transitachse täglich 210<br />

Trassen zur Verfügung. Aufgrund noch laufen<strong>der</strong><br />

Abschlussarbeiten im Gotthard-Basistunnel kann die volle<br />

Kapazität von 260 Trassen erst per Ende 2022 angeboten<br />

werden.<br />

Zeitgewinn<br />

Längere,<br />

schwerere und<br />

schnellere Züge<br />

Die Fahrzeit von Rotterdam nach Mailand verkürzt sich um<br />

rund zwei Stunden.<br />

Seit Dezember 2020 können Güterzüge mit einer Länge<br />

von bis zu 750 Metern und einem Gewicht von bis zu 2’100<br />

Tonnen in Fahrrichtung Nord<strong>–</strong>Süd bzw. bis zu 2’000 Tonnen<br />

in Fahrrichtung Süd<strong>–</strong>Nord auf <strong>der</strong> Achse verkehren. Die<br />

642


Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge beträgt in <strong>der</strong> Regel<br />

100 km/h.<br />

Nachhaltigere<br />

Transporte<br />

Nach einer Aufbauphase wird ab Ende 2022 die tägliche<br />

Kapazität auf mehr als 3'000 Stellplätze für Sattelauflieger<br />

erhöht. Mit jedem per Bahn transportierten Sattelauflieger<br />

spart SBB Cargo 0,3 Tonnen CO2 ein. Das entspricht rund<br />

60'000 mit CO2 gefüllten Luftballons. Bei voller Auslastung<br />

<strong>der</strong> Kapazitäten können täglich 890 Tonnen CO2<br />

eingespart werden.<br />

?? Merke: Die Gesamtkosten <strong>der</strong> NEAT belaufen sich auf 17,76 Milliarden<br />

Franken.<br />

7.2 Dynamische Kräfte im Schienenverkehr<br />

Im Bahnverkehr wirken beim Überfahren von Weichen o<strong>der</strong> beim Rangieren<br />

zum Teil grosse Belastungen auf das beför<strong>der</strong>te Gut.<br />

Verzögerungskraft<br />

An einem Rangierbahnhof muss das Ladegut, z. B. in einem von einem<br />

Ablaufberg rollenden Güterwagen, beim Aufprall auf einen bereitstehenden<br />

Güterzug bis zu 4 g aushalten.<br />

Vibration (vertikal wirkende Kräfte) und Fliehkraft<br />

Weniger heftig sind die Vibrationen von ca. 0,3 g beim Überfahren von<br />

Weichen und bei Kurvenfahrten.<br />

643


7.2.1 Bahnwagen sichern<br />

Bevor mit dem Verladen von Gütern begonnen wird, müssen die Fahrzeuge<br />

richtig gesichert werden.<br />

Mehr zur Fahrzeugsicherung findest du hier .<br />

7.2.2 Güter richtig verladen<br />

Pflichten des Verla<strong>der</strong>s/des Kunden<br />

Der Verla<strong>der</strong>/Kunde haftet gemäss Artikel 13 Absatz 2 CIM (?? Einheitliche<br />

Rechtsvorschriften für den Vertrag über die internationale<br />

Eisenbahnbeför<strong>der</strong>ung von Gütern) für alle Folgen <strong>der</strong> mangelhaften<br />

Verladung. Der Kunde ist gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen<br />

(AGB) von SBB Cargo für die Einhaltung <strong>der</strong> Verla<strong>der</strong>ichtlinien und<br />

Lastgrenzen sowie für die korrekte Gewichtsangabe im Frachtbrief<br />

verantwortlich.<br />

Je<strong>der</strong> Über- und Falschverlad kostet Zeit und Geld. Folgende<br />

Vorsichtsmassnahmen helfen sicherzustellen, dass die Ware pünktlich und<br />

sicher am Ziel ankommt:<br />

• Ladegut gemäss Verla<strong>der</strong>ichtlinie verladen und sichern<br />

• Ladegut gleichmässig im Wagen verteilen<br />

644


• Vermeidung <strong>der</strong> Beladung bis zur höchstzulässigen Lastgrenze bei Gütern, die<br />

witterungsabhängig Feuchtigkeit aufnehmen können (Stammholz,<br />

Holzhackschnitzel, Sand, Kies, usw.)<br />

• Vorhandene Wiegeeinrichtungen nutzen (Gleis-, Bagger-, Band-,<br />

Kranwaagen, usw.)<br />

Sehr wichtig ist die korrekte Gewichtsverteilung. Das Hauptgewicht sollte auf<br />

den Achsen lasten. Generell muss das Gewicht gleichmässig verteilt sein.<br />

Trennwände o<strong>der</strong> Luftkissen (Druckgarnituren) können zur kompakteren<br />

Ladung verwendet werden.<br />

Beispiele zur Lastverteilung<br />

Ladungssicherung mit Luftkissen in <strong>der</strong> Mitte des Bahnwagens:<br />

Ladungssicherung mit Trennwänden:<br />

Zerbrechliche Waren nie direkt an die Stirnwände laden!<br />

Achsbelastung max. im Verhältnis 1:2<br />

645


(Beispiel: linke Achse 5 t = rechte Achse max. 10 t)<br />

Drehgestellbelastung max. im Verhältnis 1:3<br />

(Beispiel: linkes Drehgestell 7 t = rechtes Drehgestell max. 21 t)<br />

Ein Beispiel für die ideale Lastverteilung in Querrichtung: Das Ladegewicht<br />

auf einer Seite darf die gegenüberliegende Seite um maximal 25 Prozent,<br />

o<strong>der</strong> den Faktor 1.25 übertreffen, siehe Rechnungsbeispiel:<br />

?? Merke: Eine gute Verladung <strong>der</strong> Bahnwagen verhin<strong>der</strong>t Schäden o<strong>der</strong><br />

sogar Unfälle.<br />

7.3 Transport gefährlicher Güter<br />

646


Güterwagen, welche gefährliche Stoffe und Güter transportieren, müssen mit<br />

<strong>der</strong> Gefahrenklasse und <strong>der</strong> UN-Nummer gekennzeichnet werden.<br />

Beispiel:<br />

Gefahrennummer<br />

33*<br />

UN-Nummer 1203**<br />

*Gefahrnummer 33 bedeutet 3 =<br />

entzündliche o<strong>der</strong><br />

selbsterhitzungsgefährdete<br />

Flüssigkeiten o<strong>der</strong> Dämpfe.<br />

Die Doppelnennung 33 zeigt die<br />

beson<strong>der</strong>e Gefährdung auf.<br />

**UN-Nummer 1203 = Benzin<br />

7.4 Ein Blick in die Zukunft<br />

Im Schienenverkehr in <strong>der</strong> Schweiz und Europa sind weitere Grossprojekte<br />

geplant, um eine Verlagerung des Güterverkehrs von <strong>der</strong> Strasse auf die<br />

Schiene zu beschleunigen. Mit Cargo Sous Terrain (CST) werden sich in Zukunft<br />

Möglichkeiten ergeben, einen Teil des Güterverkehrs von <strong>der</strong> Strasse und von<br />

<strong>der</strong> Schiene weg in den Untergrund zu verlagern. CST wird in ?? Modul 610<br />

näher beschrieben. Auch im Personenverkehr werden sich neue<br />

Möglichkeiten eröffnen. Während auf <strong>der</strong> Strasse elektrische und<br />

selbstfahrende Autos vermehrt zum Thema werden, testen innovative<br />

Unternehmen schnelle Röhrensysteme (z. B. mit <strong>der</strong> Hyperloop), welche im<br />

Schienenverkehr in ferner Zukunft die Hochgeschwindigkeitszüge<br />

konkurrenzieren könnten.<br />

647


Modul 608_Luftverkehr<br />

Ausgangslage<br />

Der Verkehrsträger Luft ist teuer aber schnell. Er ist beson<strong>der</strong>s geeignet für den<br />

internationalen Transport von leichten, teuren und schnell ver<strong>der</strong>blichen<br />

Gütern.<br />

648


Fachartikel Modul 608<br />

8. Luftverkehr<br />

8.1. Bedeutung <strong>der</strong> Luftfracht<br />

Der Flugverkehr ist ein wichtiges Instrument im internationalen Handel. Der<br />

Hauptvorteil ist die hohe Geschwindigkeit, die bei bodengebundenen<br />

Transportarten unerreicht bleiben. Die Luftfracht ist für die Schweiz <strong>der</strong> Eintritt<br />

in globale Absatzmärkte. Der Wirtschaftsstandort Schweiz profitiert von einer<br />

guten Luftverkehrsanbindung. Mit <strong>der</strong> zunehmenden Bedeutung <strong>der</strong><br />

Überseemärkte Asien und Nordamerika ist die Luftfracht systemrelevant für die<br />

wirtschaftliche Entwicklung und trägt entscheidend zur Sicherung von<br />

Wohlstand und Arbeitsplätzen bei.<br />

312 Milliarden Franken: Produkte zu diesem Warenwert hat die Schweizer<br />

Industrie 2019 exportiert. Davon wurden Güter im Wert von 157 Milliarden<br />

Franken über Schweizer Flughäfen abgefertigt und per Luftfracht transportiert.<br />

Mit einem Exportanteil von rund 50 Prozent stellt die Luftfracht (gemessen am<br />

Wert <strong>der</strong> Sendungen) den wichtigsten Transportträger für die Schweiz dar. In<br />

<strong>der</strong> Corona-Krise im Jahr 2020 zeigte sich deutlich, warum die Schweiz eine<br />

leistungsfähige Luftfahrtinfrastruktur braucht. Als es zu Grenzschliessungen<br />

kam, wurden mit sogenannten Repatriierungsflügen Schweizer Bürgerinnen<br />

und Bürger aus dem Ausland in die Schweiz zurückgeführt. Zudem wird mittels<br />

Luftverkehr auch die Versorgung mit dringend benötigten Waren<br />

sichergestellt.<br />

?? Merke: Luftverkehr ist <strong>der</strong> global schnellste Verkehrsträger.<br />

Vergleich Luftfracht und Seefracht im Interkontinentaltransport nach Verkehrsträger im Jahr<br />

2019, ohne Gold und Edelmetalle (Quelle: Luftfrachtlogistik-Studie Schweiz 2020)<br />

649


8.2 Anwendungsbereiche <strong>der</strong> Luftfracht<br />

Für die folgenden Güter bietet sich <strong>der</strong> Transport per Luftfracht beson<strong>der</strong>s an:<br />

• lebende Tiere, Blumen, exotische Früchte, Zeitungen, Filme<br />

• Mode und saisonabhängige Waren<br />

• dringende Ersatzteile<br />

• Arzneimittel und medizinische Produkte<br />

• Terminsendungen<br />

• Luftpost<br />

• beson<strong>der</strong>s hochwertige, transportempfindliche o<strong>der</strong> diebstahlgefährdete<br />

Güter<br />

• Hilfsgüter in Katastrophenfällen<br />

• Dokumente<br />

• menschliche Organe und sterbliche Überreste<br />

650


8.3 Luftersatzverkehr<br />

Zur Erreichung einer optimalen Auslastung <strong>der</strong> Luftfracht-Kapazitäten werden<br />

län<strong>der</strong>übergreifend Waren per LKW verschoben. So kommt es, dass Güter aus<br />

Luxemburg zuerst nach Zürich gefahren werden und an<strong>der</strong>e Güter die<br />

Schweiz per LKW verlassen, um anschliessend z. B. von Frankfurt per Luftfracht<br />

nach Asien geflogen zu werden. Unterstützt wird dieser Trend durch die<br />

Konkurrenz, die unter den verschiedenen Luftfrachtanbietern besteht.<br />

Bild: Anlieferung einer Luftfrachtsendung per LKW aus dem Ausland. Der Auflieger ist mit einem<br />

Rollboden ausgestattet.<br />

8.4 Flughäfen in <strong>der</strong> Schweiz<br />

Für den Versand von Luftfrachtsendungen dienen in <strong>der</strong> Schweiz die drei<br />

Landesflughäfen in Zürich, Basel und Genf.<br />

651


Quelle: Luftfrachtlogistik-Studie Schweiz 2020<br />

8.4.1 Zürich Airport<br />

Der Flughafen Zürich ist <strong>der</strong> grösste Schweizer Landesflughafen und<br />

bearbeitet 70 Prozent des Schweizer Luftfrachtmarktes. Er hat die Funktion<br />

eines Hubs (Hub = Drehkreuz/Umsteigeflughafen). Passagiere und Fracht von<br />

kleineren Flughäfen werden nach Zürich transportiert, wo sie auf<br />

interkontinentale Flüge umsteigen.<br />

Mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent ist das Unternehmen Swiss World<br />

Cargo <strong>der</strong> wichtigste Anbieter im Schweizer Luftfrachtmarkt. Der allergrösste<br />

Teil <strong>der</strong> Luftfracht wird in Passierflugzeugen beigeladen. Mit 70 Prozent Anteil<br />

ist die Transferfracht am Flughafen Zürich sehr hoch. Pro Tag werden über<br />

1'200 Tonnen Luftfracht durch rund 1'400 Mitarbeitende umgeschlagen. Das<br />

Frachthandling wird durch die beiden Abfertigungsfirmen Cargologic und<br />

Dnata durchgeführt. Rund 120 Speditionen sind im Umfeld des Flughafens<br />

vertreten. Der Flughafen Zürich bietet Abfertigungsmöglichkeiten für alle<br />

Güter, die per Luftfracht beför<strong>der</strong>t werden können. Sämtliche Anlagen und<br />

Spezialinfrastrukturen sind vorhanden. Alle für die Abfertigung notwendigen<br />

relevanten Ämter sind vor Ort.<br />

8.4.2 Genève Aéroport<br />

Der Flughafen Genf ist für die Wirtschaft eine Drehscheibe von regionaler und<br />

nationaler Bedeutung. In den letzten zehn Jahren hat <strong>der</strong> Warenverkehr<br />

652


zwischen dem Flughafen Genf und dem Rest <strong>der</strong> Welt stetig zugenommen.<br />

Beson<strong>der</strong>e Merkmale des Flughafens Genf sind seine geografische Lage<br />

zwischen <strong>der</strong> Schweiz und Frankreich sowie die Beför<strong>der</strong>ung von Produkten<br />

mit hohem Mehrwert, beispielsweise von chemischen Erzeugnissen o<strong>der</strong><br />

Uhren.<br />

8.4.3 EuroAirport Basel-Mulhouse<br />

Der Flughafen Basel-Mulhouse ist <strong>der</strong> einzige binationale Flughafen <strong>der</strong> Welt,<br />

<strong>der</strong> auch den Bedürfnissen einer trinationalen Region dient. Seine Lage ist<br />

einzigartig: Er ist nur 5 km von Deutschland entfernt und liegt direkt an <strong>der</strong><br />

Grenze zwischen <strong>der</strong> Schweiz und Frankreich. Somit können Güter für die<br />

Schweiz sowie den EU-Raum importiert und exportiert werden. Dank guten<br />

Strassenanbindungen an die Autobahnen in <strong>der</strong> Schweiz, Frankreich und<br />

Deutschland können die Güter schnell und zuverlässig von und zu den<br />

Kunden gelangen.<br />

Ein mo<strong>der</strong>ner Neubau garantiert effiziente Anlieferungs- und<br />

Umschlagprozesse, speziell für die pharmazeutische Industrie.<br />

?? Merke: Die Schweiz hat drei Landesflughäfen: Zürich, Genf und Basel.<br />

8.5 Luftfrachteinheiten, För<strong>der</strong>mittel und Flugzeuge<br />

8.5.1 Luftfrachteinheiten<br />

BUP (Bulk Unitization Programm) sind vorgebaute Transporteinheiten. Als<br />

Untergrund dient eine Aluminiumplatte, die mit Zurrschiene und Netz<br />

ausgestattet ist.<br />

Ladungsträger Aluminiumplatte mit Netz auf Transportwagen<br />

653


Transporteinheit BUP auf Transportwagen<br />

ULD (Unit Load Devices) sind Luftfrachtcontainer, welche für die Beladung von<br />

Gepäck, Frachtgut und Post auf Flugzeugen verwendet werden. Ihre<br />

Benutzung führt dazu, dass weniger Einheiten geladen werden müssen. ULD<br />

sparen den Abfertigungsunternehmen somit Bodenpersonal, Zeit und<br />

Aufwand.<br />

Luftfrachtcontainer ULD<br />

654


8.5.2 För<strong>der</strong>mittel<br />

Die ULD werden auf Transportwagen mit einem Schlepper o<strong>der</strong> direkt mit<br />

einem Containertransporter von und zum Flugzeug transportiert. Für den Beund<br />

Entlad <strong>der</strong> Flugzeuge werden mobile Hebebühnen mit Rollenför<strong>der</strong>er<br />

eingesetzt.<br />

Transportwagen mit Schlepper<br />

Containertransporter<br />

655


Hebebühne für Be- und Entlad <strong>der</strong> Flugzeuge<br />

8.5.3 Flugzeuge<br />

Reine Frachtflugzeuge gibt es wesentlich weniger als Passagierflugzeuge. Sie<br />

fallen auch weniger auf, da sie auf den Flughäfen meistens abseits stehen.<br />

Frachtflugzeug Airbus A330-200F <strong>der</strong> TURKISH CARGO vor dem Abflug in<br />

Zürich<br />

Belly Fracht (Fracht in Passagierflugzeugen)<br />

Passagierflugzeuge können neben Passagieren und <strong>der</strong>en Gepäck auch<br />

Fracht transportieren. Die La<strong>der</strong>äume sind so eingerichtet, dass ganze<br />

Container und Paletten geladen werden können. Die Fracht ist unter <strong>der</strong><br />

Passagierkabine verstaut, im sogenannten Unterflurbereich. Experten sind sich<br />

656


einig: Der Unterhalt eines Langstrecken-Flugnetzes ist nur rentabel, wenn<br />

zusätzlich zu den Passagieren auch Fracht beför<strong>der</strong>t werden kann.<br />

Frachtraum eines Airbus Flugzeugs leer<br />

Frachtraum beladen und am Boden gesichert<br />

657


8.6 Zollabwicklung und Kontrollen<br />

Alle Güter, die von <strong>der</strong> Schweiz importiert o<strong>der</strong> exportiert werden,<br />

durchlaufen den Zoll. An den Flughäfen sind die Zollbehörden vor Ort und<br />

entscheiden, welche Lieferungen einer genaueren Kontrolle unterzogen<br />

werden und stellen sicher, dass die gesetzlich vorgegebenen Abgaben und<br />

Gebühren erhoben werden.<br />

In Zukunft können Waren beim Schweizer Zoll vollständig digital angemeldet<br />

werden. Dabei werden die Informationen zu Waren und Transportmitteln<br />

digital übermittelt. Im Flugverkehr kann die AirWayBill-Nummer dafür<br />

verwendet werden.<br />

Eine spezielle Aufgabe hat <strong>der</strong> Grenztierärztliche Dienst, welcher Kontrollen<br />

zur Vermeidung <strong>der</strong> Einschleppung von Tierseuchen in die Schweiz o<strong>der</strong> die<br />

EU vornimmt. Er leistet einen Beitrag zum Schutz <strong>der</strong> Konsumentinnen und<br />

Konsumenten vor <strong>der</strong> Einfuhr unhygienisch produzierter Lebensmittel und zum<br />

Erhalt von bedrohten Tierarten.<br />

Auch <strong>der</strong> Eidgenössische Pflanzenschutzdienst achtet auf die Verhin<strong>der</strong>ung<br />

<strong>der</strong> Einschleppung von gefährlichen Pflanzenkrankheiten und Schädlingen<br />

und macht dazu die notwendigen Kontrollen an pflanzlichen Produkten.<br />

8.7 Dynamische Kräfte im Luftverkehr<br />

Beim Starten und Landen wirken enorme Kräfte auf die Güter. Für den<br />

Verkehrsträger Flugzeug gelten folgende Beanspruchungen:<br />

Beim Umschlag entstehen Beanspruchungen bis 1,0 g. Ruckartiges Anheben<br />

und Absetzen können diesen Wert noch erhöhen.<br />

658


8.8 Versand<br />

8.8.1 Verpacken<br />

Die Güter müssen bereits durch den Versen<strong>der</strong> vorschriftsgemäss verpackt<br />

werden. In <strong>der</strong> Regel sind dies die allgemeinen Anfor<strong>der</strong>ungen an eine<br />

Verpackung. Dennoch gibt es einige Spezialfälle, z. B. gefährliche Güter,<br />

die hier umschrieben sind.<br />

8.8.2 Verladen auf Luftfrachttransporteinheit o<strong>der</strong> in Luftfrachtcontainer<br />

Der Verlad <strong>der</strong> verpackten Güter als Bulk Unitization Programm (BIP) o<strong>der</strong> in<br />

Luftfrachtcontainer, genannt Unit Load Devices (ULD), wird nach den<br />

Richtlinien <strong>der</strong> International Air Transport Association (IATA) erbracht. Die IATA<br />

ist ein Zusammenschluss von internationalen Fluggesellschaften mit dem Ziel<br />

<strong>der</strong> Vereinheitlichung aller Abfertigungsschritte im Luftfahrtbereich. Der Verlad<br />

erfolgt nach ähnlichen Prinzipien wie beim Strassentransport, dennoch ist die<br />

verantwortliche Fachperson verpflichtet, eine IATA Cargo-Schulung zu<br />

absolvieren, bevor sie diese Arbeit ausführen darf.<br />

Erstellung Luftfrachttransporteinheit vor dem Verschluss mit Folie und <strong>der</strong><br />

Fixierung mit dem Netz.<br />

8.8.3 Gefährliche Stoffe<br />

Die "Dangerous Goods Regulations" (DGR) geben vor, welche Gefahrengüter<br />

im Luftverkehr versendet werden dürfen und welche Nettomenge pro<br />

Versandstück nicht überschritten werden darf. Die Verpackung <strong>der</strong> Güter<br />

muss ausserdem nach beson<strong>der</strong>en Richtlinien vorgenommen werden.<br />

Bestimmte Stoffe dürfen nicht zusammen in einem Versandstück versendet<br />

werden. Des Weiteren ist zu beachten, dass einige Güter nur per<br />

Frachtflugzeug (Cargo Aircraft Only) und nicht per Passagierflugzeug<br />

659


versendet werden dürfen <strong>–</strong> für beide Flugzeugarten gibt es meistens<br />

unterschiedliche Maximalmengen <strong>der</strong> Gefahrgüter.<br />

Versandstücke müssen zudem mit Gefahrsymbolen und sonstigen<br />

Markierungen gekennzeichnet werden. Der Versen<strong>der</strong> muss eine<br />

Versen<strong>der</strong>erklärung (Shipper’s Declaration) ausfüllen. Informationen darauf<br />

sind eine <strong>der</strong> UN-Nummer ähnliche Nummer, Nettomenge, Gefahrenklasse,<br />

Verpackungsgruppe und die Verpackungsanweisung. In einigen Fällen muss<br />

eine 24h-Notfallnummer des Versen<strong>der</strong>s auf <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong>erklärung<br />

angegeben werden.<br />

Um all diesen Anfor<strong>der</strong>ungen gerecht zu werden, gibt es spezialisierte<br />

Luftfracht-Firmen, welche die ganze Abwicklung solcher Sendungen<br />

übernehmen.<br />

8.8.4 Der Luftfrachtbrief: Air Waybill<br />

Wie bei jedem Transport wird auch bei <strong>der</strong> Luftfracht zwischen dem<br />

Versen<strong>der</strong> (Shipper) und <strong>der</strong> Luftverkehrsgesellschaft (Carrier) ein Vertrag<br />

abgeschlossen, <strong>der</strong> durch den Luftfrachtbrief dokumentiert wird. Wie viele<br />

Fachausdrücke in <strong>der</strong> Fliegersprache bezeichnet man das Dokument in<br />

Englisch als AWB. Für das ausgeschriebene Wort findet man verschiedene<br />

Schreibweisen. Nach Duden ist es <strong>der</strong> Air Waybill. Es gibt keinen einheitlichen<br />

Luftfrachtbrief. Je nach Luftverkehrsgesellschaft (Carrier) und Destination wird<br />

<strong>der</strong> AWB unterschiedlich dargestellt. Im Gegensatz zum Bill of Lading im<br />

Schiffsverkehr ist <strong>der</strong> Luftfrachtbrief nicht handelsfähig. Er kann also nicht<br />

verkauft o<strong>der</strong> verpfändet werden, während sich die Ware auf dem Transport<br />

befindet.<br />

660


Der Luftfrachtbrief...<br />

• ist die Empfangsbestätigung <strong>der</strong> Fluggesellschaft für die Übernahme <strong>der</strong><br />

Güter;<br />

• enthält Instruktionen des Absen<strong>der</strong>s für die Behandlung, den Leitweg und die<br />

Auslieferung <strong>der</strong> transportierten Güter;<br />

• dient als Versicherungsnachweis;<br />

• bestimmt die Haftungshöhe <strong>der</strong> Fluggesellschaft für Verlust o<strong>der</strong><br />

Beschädigung des Transportgutes;<br />

• kann als Zolldeklaration dienen;<br />

• ist die Grundlage für die Verrechnung <strong>der</strong> Frachtkosten.<br />

Weiterführende Links zur Luftfracht findest du hier: Luftfrachtlogistik-Studie<br />

Schweiz 2020 und Anbieter (Cargo Logic).<br />

661


Modul 609_Schiffsverkehr<br />

Ausgangslage<br />

Der Verkehrsträger Wasser ist langsam aber günstig. Er ist geeignet für den<br />

internationalen Seetransport von praktisch allen Gütern.<br />

662


Fachartikel Modul 609<br />

9. Schiffsverkehr<br />

Die Menschen benutzen die Schifffahrt seit über 8'000 Jahren um Fische zu<br />

fangen, neue Gebiete zu erkunden, Kriege zu führen und Handel zu<br />

betreiben. Die Schifffahrt war <strong>der</strong> eigentliche Grundstein für die<br />

Globalisierung, die Vernetzung <strong>der</strong> Welt. Viele grosse Weltstädte sind ans<br />

Wasser gebaut. Dies hat den Menschen ermöglicht, einen guten Handel zu<br />

betreiben und so die lokale und regionale Wirtschaft zu beflügeln.<br />

Auch heute noch ist die Schifffahrt ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor für eine<br />

gesunde Wirtschaft. Im Vergleich zu den an<strong>der</strong>en Verkehrsträgern werden die<br />

Güter jedoch relativ langsam transportiert (Hongkong<strong>–</strong>Hamburg ca. 25-30<br />

Tage). Dafür kann man mit wenig Energie viel Gewicht günstig transportieren.<br />

?? Merke: Mit Schiffen werden grosse Mengen an Gütern günstig in die<br />

ganze Welt transportiert.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Wasserstrassen eignen sich für den kostengünstigen Transport grosser<br />

Gütermengen. Ein Tankschiff auf dem Rhein kann zum Beispiel 2'800 Tonnen<br />

Ladung transportieren. Für die Strecke Rotterdam<strong>–</strong>Basel<strong>–</strong>Rotterdam braucht<br />

es jedoch (mit dem Löschen/Ablad <strong>der</strong> Ladung) 6 Tage à 24 Stunden.<br />

Dies entspricht 35 Kesselwagen (Bahnwagen) o<strong>der</strong> 147 Tanklastwagen. Die<br />

Transportkosten von Rotterdam nach Basel betragen somit pro Liter Öl 1,1<br />

Rappen.<br />

663


9.1 Wichtigste Transportrouten<br />

9.1.1 Schweiz<br />

In <strong>der</strong> Schweiz haben die Binnen-Wasserstrassen eine geringe Bedeutung für<br />

den Gütertransport. Auf vielen Seen verkehren Nauen (Frachtschiffe für<br />

Schüttgüter). Sie transportieren vor allem Sand und Kies. Von den Schweizer<br />

Flüssen kann einzig <strong>der</strong> Rhein mit Frachtschiffen befahren werden.<br />

664


Der Rhein als Tor zur Welt<br />

Der Rhein ist mit einer Länge von 1238,8 Kilometern die wichtigste<br />

Binnenwasserstrasse Europas: 10-12 Prozent aller Schweizer Importe und ein<br />

Viertel bis ein Drittel aller Mineralölimporte kommen über den Rhein in die<br />

Schweiz.<br />

Die Grundlage für den freien Zugang <strong>der</strong> Schweiz zum Meer bildet die<br />

sogenannte Mannheimer Akte von 1868. Sie gewährt <strong>der</strong> Schweiz im ganzen<br />

Rheinstromgebiet und teilweise darüber hinaus volle Verkehrsrechte. So gilt<br />

<strong>der</strong> Rhein bis zur Mittleren Brücke in Basel als internationales Gewässer.<br />

Der Rhein ist eine <strong>der</strong> wichtigsten Lebensa<strong>der</strong>n für die Schweiz. Der grösste Teil<br />

<strong>der</strong> Rohstoffe wird über diese Wasserstrasse importiert. Im Vergleich zu<br />

Hochsee-Frachtschiffen sind Rheinschiffe Winzlinge. Mit einem<br />

Fassungsvermögen von 300 bis 3000 Tonnen übertreffen die Rheinschiffe die<br />

Kapazität an<strong>der</strong>er Transportmittel jedoch bei Weitem. Die grössten Rheinschiffe<br />

transportieren bis zu 3000 Tonnen Güter. Der Schiffsverkehr auf dem<br />

Rhein ist jedoch vom Wasserstand abhängig. Bei extremem Hoch- o<strong>der</strong><br />

Niedrigwasser muss <strong>der</strong> Verkehr eingeschränkt o<strong>der</strong> gar ganz eingestellt<br />

werden.<br />

9.1.2 Weltmeere<br />

Auf ihrem Weg von Kontinent zu Kontinent legen Hochseeschiffe Tausende<br />

von Seemeilen zurück. Die Strecke von <strong>der</strong> Südspitze Südamerikas (Kap<br />

Hoorn) bis nach Rotterdam misst über 12'000 km o<strong>der</strong> 6'500 Seemeilen.<br />

Hochseeschiffe sind wochenlang, manchmal sogar monatelang unterwegs.<br />

665


9.1.3 Künstliche Seestrassen<br />

Künstliche Seewege bilden den Lebensnerv für die heutige Schifffahrt.<br />

Unterbrechungen und Unfälle führen zu Staus und zu riesigen wirtschaftlichen<br />

Schäden.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Das Containerschiff "Ever Given" ist am 23. März 2021 im Suezkanal während<br />

eines Sandsturms auf Grund gelaufen und hat so den Kanal für sechs Tage<br />

blockiert. Die wirtschaftlichen Schäden waren immens.<br />

E_E9_001_Unfall im Suezkanal<br />

Drei <strong>der</strong> bekanntesten Künstlichen Seewege<br />

Der Suezkanal<br />

19'000 Schiffe pro Jahr<br />

1200 Mio. Tonnen<br />

Fracht<br />

pro Jahr<br />

Der Panamakanal<br />

13'000 Schiffe pro Jahr<br />

255 Mio. Tonnen Fracht<br />

pro Jahr<br />

Der Nord-Ostsee-<br />

Kanal<br />

28'000 Schiffe<br />

84 Mio. Tonnen Fracht<br />

pro Jahr<br />

666


Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Durch die Klimaverän<strong>der</strong>ungen werden in <strong>der</strong> Arktis neue Seewege frei. Die<br />

sogenannte Nordostpassage verkürzt die Strecke Shanghai nach Rotterdam<br />

um ungefähr 3'800 km (o<strong>der</strong> 2'400 Seemeilen). Erste Frachtschiffe können<br />

nun während <strong>der</strong> Sommermonate ohne Begleitung eines Eisbrechers durch<br />

die Arktis fahren.<br />

E_E9_002_Neue Schiffsrouten durch die Arktis<br />

?? Merke: Die Weltwirtschaft ist auf gut funktionierende Routen angewiesen.<br />

9.2 Die wichtigste Häfen<br />

9.2.1 Der Rheinhafen in Basel<br />

Zahlreiche Firmen haben sich rund um die Rheinhäfen angesiedelt und bieten<br />

eine Vielzahl von Logistikdienstleistungen an. In solchen Umschlagslagern<br />

werden Güter nicht nur umgeladen, son<strong>der</strong>n auch zwischengelagert, verzollt,<br />

ausgeliefert und weiterverarbeitet. Rund um die Hafenanlagen stehen grosse<br />

Lagerhäuser und riesige Tank- und Siloanlagen.<br />

9.2.2 Die grössten Häfen <strong>der</strong> Welt<br />

Wenn man die Liste <strong>der</strong> grössten Containerhäfen anschaut, fällt sofort auf,<br />

dass die grössten Häfen in China liegen. Dies zeigt auf, dass China die<br />

Produktionsstätte <strong>der</strong> Welt geworden ist. Der Import von Rohstoffen und Export<br />

von Halb- und Fertigwaren ist trotz weltweiter Pandemie ungebremst.<br />

Die grössten Containerhäfen <strong>der</strong> Welt<br />

667


Shanghai ist mit über 40 Millionen umgeschlagenen Containern <strong>der</strong> grösste<br />

Hafen <strong>der</strong> Welt. Da ist Rotterdam (grösster europäischer Hafen) mit 14<br />

Millionen Containern doch bedeutend kleiner.<br />

TEU = Twenty-foot Equivalent Unit (international standardisierte Einheit zur<br />

Zählung von ISO-Containern). Die Einheit dient zur Beschreibung <strong>der</strong><br />

Ladekapazität von Containerschiffen und des Umschlags in<br />

Containerterminals. Ein 20-Fuss-ISO-Container entspricht 1 TEU, ein 40-Fuss-ISO-<br />

Container entspricht 2 TEU.<br />

9.3 Umschlag<br />

9.3.1 För<strong>der</strong>mittel<br />

Für den Umschlag von Containern kommen hauptsächlich drei verschiedene<br />

För<strong>der</strong>mittel zum Einsatz:<br />

Kräne<br />

Schwerlaststapler mit<br />

einer Tragfähigkeit von<br />

bis zu 50 t<br />

668


Container-Carrier<br />

9.3.2 Sprea<strong>der</strong><br />

Für die Aufnahme <strong>der</strong> Container sind die Hebezeuge mit Sprea<strong>der</strong>n<br />

ausgerüstet. Sprea<strong>der</strong> werden mittels Teleskopvorrichtung <strong>der</strong><br />

Containergrösse angepasst und an den vier oberen Eckpunkten des<br />

Containers eingeklinkt.<br />

669


9.3.3 Ladungssicherung auf dem Containerschiff<br />

Schiffe werden mit Containern nach dem System "Last-in - First-out" beladen.<br />

Container, die im La<strong>der</strong>aum des Schiffs gestaut werden, sind in Führungen<br />

sicher festgemacht. Die auf dem Schiffsdeck gestapelten Behälter müssen für<br />

den Transport sehr gut gesichert werden. Als Stapelsicherung werden viele<br />

verschiedene Sicherungsmittel wie Brückenglie<strong>der</strong> (Bridge Fittings, Twistlocks<br />

und Laschstangen) verwendet.<br />

9.4 Dynamische Kräfte im Schiffsverkehr<br />

Die auf Schiffen auftretenden dynamischen Kräfte werden durch Wellen<br />

verursacht. Bei einer Windstärke von 10 o<strong>der</strong> 11 Beaufort (Windstärke) und 15<br />

Meter hohen Wellen beginnen selbst grosse Frachtschiffe, zu stampfen, zu<br />

rollen und zu schlingern.<br />

670


Seereisen werden unter ganz unterschiedlichen Wetterbedingungen<br />

durchgeführt, daher wirken oft gleichzeitig starke und in verschiedene<br />

Richtungen ziehende Kräfte längere Zeit auf das Schiff und seine Ladung ein.<br />

Diese Kräfte können ihren Ursprung im Stampfen, Rollen, Ein- und Auftauchen,<br />

Gleiten in Längsrichtung, Schlingern o<strong>der</strong> Gleiten in Querrichtung des Schiffes<br />

haben o<strong>der</strong> im Zusammenwirken zweier o<strong>der</strong> mehrerer dieser Arten von<br />

Schiffsbewegungen. Nie darf davon ausgegangen werden, auf <strong>der</strong> Reise<br />

werde ruhiges Wetter herrschen und die See werde glatt sein, o<strong>der</strong> dass<br />

Sicherungsmethoden, die bei einer Beför<strong>der</strong>ung über Land angewandt<br />

werden, auf See immer ausreichen.<br />

9.5 Güter richtig verladen<br />

Beim Verlad von Containern werden oft keine Paletten verwendet. Die<br />

daraus erfolgte Einsparung in <strong>der</strong> Raumausnützung überwiegt oft den<br />

zusätzlichen Arbeitsaufwand beim Auf- und Ablad. Ausserdem müssen an die<br />

Grösse des Containers angepasste Paletten verwendet werden. EUR Paletten<br />

Typ 1 sind für den Transport im Container nicht geeignet.<br />

Es gibt für den Container verschiedene Rückhaltesysteme, um die Ware an<br />

den Wänden zu befestigen. Formschlüssige (lückenlose) Beladung von<br />

Containern ist allerdings <strong>der</strong> Schlüssel für einen schadensfreien Transport. Um<br />

Leerräume aufzufüllen, können sogenannte Luftkissen verwendet werden.<br />

671


672<br />

?? Merke: Gute Ladungssicherung im Container verhin<strong>der</strong>t Schäden an <strong>der</strong><br />

Ware.


Modul 610_Kombinierte Verkehrsträger<br />

Ausgangslage<br />

Kombinierter Verkehr ist schnell, flexibel und umweltschonend. Er verbindet<br />

die positiven Eigenschaften aller Verkehrsträger. Am kombinierten Verkehr<br />

sind mehrere Verkehrsträger beteiligt. Die Fahrzeuge, Sattelauflieger,<br />

Wechselbehälter o<strong>der</strong> Container werden von einem Verkehrsträger (z. B.<br />

Strasse) auf den an<strong>der</strong>en (z. B. Schiene) umgeladen.<br />

673


Fachartikel Modul 610<br />

10. Kombinierte Verkehrsträger<br />

Am kombinierten Verkehr sind mehrere Verkehrsträger beteiligt. Die<br />

Fahrzeuge, Sattelauflieger, Wechselbehälter o<strong>der</strong> Container können ohne<br />

grossen Aufwand von einem Verkehrsträger auf den an<strong>der</strong>en umgeladen<br />

werden. Überall, wo Güter von einem Verkehrsträger zu einem an<strong>der</strong>en<br />

wechseln, gibt es sogenannte Schnittstellen. An diesen Schnittstellen werden<br />

die Güter von einem Transportmittel auf ein an<strong>der</strong>es umgeladen. Typische<br />

Schnittstellen in <strong>der</strong> Logistik sind:<br />

• Güterbahnhöfe (Schiene/Strasse)<br />

• Containerterminals (Schiene/Strasse)<br />

• Brief- und Paketzentren (Schiene/Strasse)<br />

• Hafenanlagen (Wasser/Schiene/Strasse)<br />

• Flughäfen (Luft/Strasse/Bahn)<br />

An den Schnittstellen werden Umschlagslager ( Modul 402) errichtet. Diese<br />

dienen nicht nur dem Umlad; die Güter werden auch umgepackt, sortiert,<br />

zwischengelagert, vielfach auch kontrolliert und verzollt.<br />

?? Merke: Durch das Kombinieren von verschiedenen Verkehrsträgern<br />

können <strong>der</strong>en jeweiligen Vorteile genutzt werden und die Nachteile<br />

umgangen werden. Das Ziel ist also, die optimale Kombination zu finden.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />

Am Flughafen Zürich treffen drei Verkehrsträger aufeinan<strong>der</strong>.<br />

674


10.1 Die Rollende Autobahn (RA) / Rollende Landstrasse (RoLa)<br />

Der Begriff "rollende Autobahn" bezeichnet den begleiteten Huckepack-<br />

Verkehr. Der Lastwagen rollt an einem Huckepack-Terminal auf einen<br />

Nie<strong>der</strong>flurwagen <strong>der</strong> Bahn. Der Lastwagenführer setzt sich in den<br />

Begleitwagen mit Schlafmöglichkeit, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Zugskomposition mitgeführt<br />

wird. Dort kann er sich während <strong>der</strong> ganzen Transitfahrt ausruhen. Am<br />

Zielbahnhof übernimmt er sein Fahrzeug und rollt wie<strong>der</strong> auf die Strasse. Die<br />

erste Rollende Landstrasse (RoLa) durchquerte die Schweiz schon 1968. Die<br />

Firma Hupac, die heutige Betreiberin, baut das Verkehrsnetz kontinuierlich<br />

aus. Auf dem Hupac-Netz verkehren täglich 100 Züge zwischen den grossen<br />

europäischen Wirtschaftsräumen. Im Jahr 2011 betrug das Verkehrsvolumen<br />

724'000 Strassensendungen.<br />

10.1.1 Unbegleiteter Huckepack Verkehr<br />

Sattelschlepper lassen den Sattelanhänger (o<strong>der</strong> Sattelauflieger) im<br />

Huckepack- Terminal stehen und erledigen mit dem Zugfahrzeug an<strong>der</strong>e<br />

Aufgaben. Der Auflieger wird verladen und reist mit dem Zug an den Zielort.<br />

Dort kann er von einem Zugfahrzeug aufgenommen und an den Entladeort<br />

gefahren werden. Diese Variante bedingt, dass am Zielort ein Chauffeur mit<br />

einem Zugfahrzeug bereitsteht, um die Ladung zu übernehmen.<br />

675


10.2 ISO-Container<br />

ISO-Container passen dank ihrer genormten Masse auf die verschiedenen<br />

Transportmittel. Das erspart innerhalb <strong>der</strong> Logistikkette zeitraubende und teure<br />

Umladearbeiten. Die vom Versen<strong>der</strong> in den Container geladene Ware wird<br />

erst am Bestimmungsort wie<strong>der</strong> entladen. Der Warenverkehr in Containern<br />

bietet neben dem rationellen Umschlag auch grössere Sicherheit: Container<br />

können verschlossen und versiegelt werden.<br />

Bereits 1956 wurde <strong>der</strong> erste Grosscontainer mit Hilfe von Lastwagen und<br />

Schiffen in Amerika transportiert. Daher ist <strong>der</strong> heutige ISO-Container auch auf<br />

die Fuss-Masse ausgelegt: 1 Fuss ist 30.48 cm lang.<br />

Der grösste Teil des weltweiten Warenverkehrs wird in Containern<br />

abgewickelt. Die gebräuchlichsten Grosscontainer nach ISO-Bauart sind 40<br />

o<strong>der</strong> 20 Fuss lang. Die 40-Fuss-Container werden auch als Gross- o<strong>der</strong><br />

Seecontainer bezeichnet. Durch die Normung sind sie weltweit auf<br />

Strassenfahrzeugen, Bahnwagen und Schiffen einsetzbar. ISO-Container sind<br />

in den verschiedensten Ausführungen erhältlich.<br />

676


Technische Daten <strong>der</strong> ISO-Container<br />

Länge<br />

Fuss<br />

Aussenlänge<br />

Aussenbreite<br />

Aussenhöhe<br />

Volumen Innenlänge<br />

Innenbreite<br />

Leergewicht Zuladung Gesamt<br />

20 6.058 m 2.438 m 2.591 m 33.2 m3 5.898 m 2.352 m 2250 kg 21 750 kg 24 000 kg<br />

40 12.192 m 2.438 m 2.591 m 67.7 m3 12.032 m 2.352 m 3780 kg 26 700 kg 30 480 kg<br />

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen ISO-Containern, um bestens auf die<br />

Kundenwünsche eingehen zu können. Der am häufigsten verwendete<br />

Container-Typ ist <strong>der</strong> geschlossene Container. Da Container auf dem<br />

Oberdeck von Überseeschiffen gestapelt werden, müssen sie wasserdicht sein<br />

resp. müssen die enthaltenen Güter ausreichend gegen Feuchtigkeit<br />

geschützt sein.<br />

?? Merke: ISO-Container sind in <strong>der</strong> globalisierten Welt nicht mehr<br />

wegzudenken!<br />

Weitere Typen von Containern<br />

• mit Stirnwandtür<br />

• mit Seitentür<br />

• als Kühlcontainer<br />

• mit demontierbaren Wänden<br />

• als High-Cube-Container<br />

• als Open-Top Container<br />

• als Tankcontainer<br />

677


10.3 An<strong>der</strong>e Wechselsysteme<br />

10.3.1 Abroll- Container- Transportsystem (ACTS)<br />

Der Container hat sich im kombinierten Verkehr hervorragend bewährt. Ein<br />

Problem stellt <strong>der</strong> Umschlag von grossen und schweren Transporteinheiten<br />

dar. Die Umschlageinrichtungen (Krane, Stapler) sind relativ teuer. Deren<br />

Anschaffung lohnt sich nur bei hohen Umschlagsleistungen. Deshalb wurde<br />

1988 die Abroll-Container-Transport-Service AG (ACTS) gegründet. Im<br />

Gegensatz zum normalen ISO-Container ist ein ACTS-Container auf einer Seite<br />

mit Rollen und auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en mit einem Haken ausgerüstet. Von<br />

entsprechend ausgerüsteten Lastwagen können ACTS-Container überall<br />

ebenerdig abgesetzt werden. ACTS-Container können nicht nur abgesetzt,<br />

son<strong>der</strong>n auch gekippt werden. Abrollcontainer werden vorwiegend für den<br />

Transport von Papierbündeln, Bauschutt o<strong>der</strong> Abfällen eingesetzt.<br />

678


ACTS in <strong>der</strong> Praxis: Ein auf dem Bahnwagen montiertes Drehgestell nimmt die<br />

an <strong>der</strong> Unterseite montierten Rollen des Containers auf. Sobald <strong>der</strong> Container<br />

in <strong>der</strong> ganzen Länge auf dem Rahmen ruht, wird das Drehgestell in die<br />

Längsrichtung des Wagens gedreht und verriegelt. Der Bahnwagen ist fahrbereit.<br />

Am Zielort wird <strong>der</strong> Container mit dem Drehgestell ausgeschwenkt und<br />

auf den bereitstehenden Lastwagen gezogen. Vom Lastwagen kann <strong>der</strong><br />

Behälter ebenerdig deponiert und wie<strong>der</strong> aufgenommen werden.<br />

10.3.2 Wechselbrücken und Wechselbehälter<br />

Ähnlich wie ISO-Container sind Wechselbrücken und Wechselbehälter<br />

konstruiert und normiert. Im Gegensatz zu den Containern stehen Wechselbrücken<br />

während des Verladevorgangs auf abklappbaren Stützen.<br />

Wechselbrücken und -behälter in <strong>der</strong> Praxis: Der Lastwagen unterfährt die<br />

Wechselbrücke. Wenn sie eingerastet ist, wird sie so weit angehoben, dass die<br />

Stützen eingeklappt werden können. Beim Verladen auf die Bahn werden die<br />

Wechselbrücken mit einem Kran vom Lastwagen abgehoben und auf den<br />

Bahnwagen abgesenkt.<br />

10.3.3 Cargo Domino<br />

Auch das System Cargo Domino funktioniert mit Wechselbrücken und<br />

Wechselbehältern. Es ist eine Ergänzung zu den bekannten Systemen im<br />

kombinierten Verkehr und basiert ebenfalls auf einer Kombination<br />

Strasse/Schiene. Es werden Wechselbehälter eingesetzt, die sowohl auf<br />

Lastwagen als auch auf Tragwagen <strong>der</strong> Bahn passen. Die Behälter sind mit<br />

einem Querkanal ausgerüstet. Im Gegensatz zu den ACTS-Containern muss<br />

<strong>der</strong> Wechselbehälter beim Verladen auf den Bahnwagen nicht gedreht<br />

679


werden. Der Lastwagen fährt seitlich neben den Bahnwagen, dann wird <strong>der</strong><br />

Wechselbehälter quer zur Fahrtrichtung auf den Bahnwagen geschoben.<br />

10.3.4 Kombination Strasse - Schiene<br />

Schweizer Transportunternehmen bieten heutzutage den Transport von<br />

Stückgut in alle Landesteile an. Dabei kombinieren die grossen Unternehmen<br />

geschickt die beiden Verkehrsträger Strasse und Schiene. Über die Bahn<br />

werden die Regionen über Nacht beliefert. In den Regionen findet ein<br />

Umschlag auf die Lastwagen statt, <strong>der</strong> dann die Feinverteilung vornimmt.<br />

Gleichzeitig werden wie<strong>der</strong> Paletten eingesammelt, die am Abend für den<br />

Überregionalen Versand auf die Bahn verladen werden.<br />

10.3.5 Cargo Sous Terrain<br />

Cargo Sous Terrain ist ein innovatives System, welches mit Hilfe von<br />

verschiedenen Verkehrsträgern eine gesamtheitliche Lösung bieten soll. Mit<br />

einem unterirdischen Tunnelsystem werden die Strassen entlastet, indem<br />

Fahrzeuge mit gleichbleiben<strong>der</strong> Geschwindigkeit (von 30 km/h) die Städte<br />

miteinan<strong>der</strong> verbinden. Die erste Teilstrecke (Härkingen-Nie<strong>der</strong>bipp bis Zürich)<br />

soll im Jahr 2031 eröffnet werden.<br />

Mehr Informationen zu Cargo Sous Terrain findest du hier.<br />

680


Logistiker/In EFZ<br />

700_FICO<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

681


Modul 701_Inventur<br />

Ausgangslage<br />

Fehlbestände aufgrund von Buchungs- o<strong>der</strong> Zählfehlern kommen in den<br />

besten Lagern vor. Bestände müssen regelmässig überprüft und die<br />

Lagerbestände (IST) mit den Buchbeständen (SOLL) abgeglichen werden.<br />

Solche Inventuren sind vom Gesetz vorgeschrieben und geben<br />

Planungssicherheit.<br />

682


Fachartikel Modul 701<br />

1. Die Inventur<br />

1.1 Die Inventurpflicht<br />

Jedes Unternehmen, welches im Handelsregister eingetragen ist, wird<br />

verpflichtet, einmal pro Jahr eine Bilanz zu erstellen. Ein Bestandteil <strong>der</strong> Bilanz<br />

sind die Vermögenswerte, z. B. die Lagerbestände. Um das Inventar in <strong>der</strong><br />

Bilanz zu kontrollieren, ist das Unternehmen verpflichtet, diese Buchwerte<br />

(Soll-Werte) mittels einer Inventur mit den physischen Werten (Ist-Werte) zu<br />

überprüfen. Es findet ein sogenannter Soll-Ist-Abgleich statt. Die Unterlagen<br />

<strong>der</strong> Inventur müssen zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Inventurpflicht ist<br />

gesetzlich vorgeschrieben:<br />

?? Obligationenrecht (OR)<br />

Artikel 958c Absatz 2 OR:<br />

"Der Bestand <strong>der</strong> einzelnen Positionen in <strong>der</strong> Bilanz und im Anhang ist durch<br />

ein Inventar o<strong>der</strong> auf an<strong>der</strong>e Art nachzuweisen."<br />

Inventar = Bestand<br />

Inventur = Bestandesaufnahme<br />

?? Merke: Man muss eine Inventur einmal pro Jahr durchführen. Die<br />

Unterlagen müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.<br />

1.2 Arten <strong>der</strong> Inventur<br />

Für die Inventur <strong>der</strong> Lagerbestände werden drei Verfahren angewendet: die<br />

Stichtagsinventur, die permanente Inventur und die Stichprobeninventur.<br />

1.2.1 Stichtagsinventur<br />

Für die Stichtagsinventur wird ein bestimmter Tag festgelegt. Dieser wird<br />

Stichtag o<strong>der</strong> Bilanzstichtag genannt. Die Zählung findet an diesem Tag statt.<br />

Mit einer Stichtagsinventur können die Bestände sehr genau ermittelt<br />

683


werden. Die Stichtagsinventur wird räumlich getrennt durchgeführt. Dafür<br />

sollten die Inventurlisten nach Sektor o<strong>der</strong> Bereich geglie<strong>der</strong>t werden.<br />

Ausgewählte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen o<strong>der</strong> sogar die ganze<br />

Belegschaft schwirren mit Kugelschreiber und Inventurlisten in Teams durch<br />

die Gänge. Die Teams zählen die Waren in ihrem Bereich und halten diese<br />

auf den Inventurlisten fest. Handscanner (MDE-Geräte) sorgen für eine<br />

präzise Zählung von etikettierten Waren. An einer Stichtagsinventur finden<br />

nach Möglichkeit keine Zu- o<strong>der</strong> Abgänge <strong>der</strong> Lagerbestände statt.<br />

1.2.2 Permanente (rollende) Inventur<br />

Im Gegensatz zur Stichtagsinventur wird die rollende Inventur nicht zu einem<br />

bestimmten Zeitpunkt vorgenommen, son<strong>der</strong>n kann je<strong>der</strong>zeit, über das<br />

ganze Jahr verteilt, pro Artikel durchgeführt werden.<br />

Lagerverwaltungssysteme geben nach dem Zufallsprinzip vor, welche Artikel<br />

zu welcher Zeit gezählt werden müssen. Es muss jedoch sichergestellt und<br />

protokolliert werden, dass je<strong>der</strong> Artikel einmal pro Jahr gezählt wird.<br />

Idealerweise findet diese Inventurart mit einer "Realtime <strong>–</strong><br />

Bestandesaufnahme" (MDE-Geräte) statt, damit während dem Vorgang<br />

auch weiterhin Zu- o<strong>der</strong> Abgänge verbucht werden können.<br />

1.2.3 Stichprobeninventur<br />

Wenn eine Vollinventur nicht durchführbar o<strong>der</strong> zu aufwendig ist, kann in<br />

Absprache mit den Steuerbehörden eine Stichprobeninventur durchgeführt<br />

werden. Stichprobe bedeutet, es werden nicht alle Artikel gezählt. Eine<br />

repräsentative Anzahl Artikel wird gezählt und das Ergebnis <strong>der</strong> Zählung wird<br />

auf die nicht gezählten Artikel übertragen. Die Stichprobeninventur wird<br />

häufig bei preiswerten Artikeln angewendet, während bei wertvollen Artikeln<br />

eine Vollinventur durchgeführt wird.<br />

1.3 Durchführung<br />

Für eine Stichtagsinventur wird oft das gesamte Personal aufgeboten.<br />

Darunter befinden sich gelegentlich auch Personen, die mit <strong>der</strong><br />

Lagerhaltung nicht vertraut sind. Deshalb wird ein Vorgehen festgelegt und<br />

in einer Inventuranweisung festgehalten, die alle Informationen für die an <strong>der</strong><br />

Inventur beteiligten Mitarbeitenden enthält.<br />

684


Die Inventuranweisung unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Sie ist<br />

genau nach den betrieblichen Verhältnissen zu verfassen und ist für alle an<br />

<strong>der</strong> Inventur beteiligten Personen verbindlich.<br />

Mögliche Hin<strong>der</strong>nisse/Fehlerquellen bei <strong>der</strong> Durchführung:<br />

• Mitarbeitende verzählen sich<br />

• unklare Mengeneinheiten<br />

• technische Probleme mit den mobilen Datenerfassungs-Geräten (MDE-<br />

Geräte)<br />

• Anwendungsfehler bei den MDE-Geräten<br />

• Um diese Fehlerquellen zu minimieren, ist eine gute Vorbereitung sehr<br />

wichtig.<br />

Eine gute Vorbereitung <strong>der</strong> Inventur ist sinnvoll:<br />

• Inventuranweisung/Inventurplan erstellen.<br />

• gute Absprache mit den Mitarbeitenden.<br />

• Sicherstellung einer guten Abgrenzung (ungeplante Warenein- Ausgänge)<br />

• Unnötige Verpackungsmaterialien und leere Paletten entfernen.<br />

• Sicherstellen, dass alle Lagergestelle richtig und sauber beschriftet sind.<br />

• Vorsortierung von gängigen Zähleinheiten.<br />

Die Bestandesaufnahme erfolgt durch:<br />

• Messen: Werden die Güter in Meterware verkauft, müssen sie abgemessen<br />

werden.<br />

• Wiegen: Güter, die nach Gewicht gekauft o<strong>der</strong> verkauft werden, werden<br />

gewogen.<br />

• Zählen: Güter, die pro Stück gekauft o<strong>der</strong> verkauft werden, werden einzeln<br />

gezählt.<br />

1.4 Auswertung <strong>der</strong> Inventur<br />

Bei <strong>der</strong> Auswertung <strong>der</strong> Inventur wird <strong>der</strong> Soll-Wert (Buchbestand) mit dem<br />

Ist-Wert (physischer Bestand) verglichen. Abweichende Positionen, die einen<br />

685


definierten Wert (Frankenbetrag o<strong>der</strong> Stückzahl) überschreiten, werden<br />

nochmals nachgezählt. Bestätigt sich <strong>der</strong> gezählte Wert, werden die<br />

Abweichungen als Inventurdifferenz festgehalten.<br />

Die Inventurdifferenzen werden in Differenzlisten erfasst und bewertet. In <strong>der</strong><br />

Regel handelt es sich bei Inventurdifferenzen um Verluste. Sie werden<br />

deshalb in <strong>der</strong> Erfolgsrechnung des Unternehmens als Aufwand verbucht.<br />

?? Merke: Die Abklärung von Inventurdifferenzen liefern einem Unternehmen<br />

wichtige Grundlagen und Hinweise für die nötigen Korrekturen o<strong>der</strong><br />

Verbesserungen in den Arbeitsprozessen.<br />

1.5 Gründe für Inventurdifferenzen<br />

Fehlmengen beim physischen Bestand (Ist-Wert) können verschiedene<br />

Ursachen haben:<br />

• Wareneingangs- o<strong>der</strong> Einlagerungsfehler<br />

• nicht erkannte Lieferdifferenzen<br />

• substanzbedingte Verluste (Schwund, Zerfall, Verdunstung)<br />

• Ablauf von Verfalldaten<br />

• Bruch<br />

• Diebstahl.<br />

Auch Buchbestände (Soll-Wert) können fehlerhaft sein. Mögliche Ursachen<br />

dafür sind:<br />

• Eingänge/Ausgänge werden nicht korrekt erfasst<br />

• Lagerbewegungen wurden nicht erfasst<br />

• Lagerbewegungen wurden doppelt erfasst<br />

• Artikel wurde falsch erfasst.<br />

686


Modul 702_Lagerkosten<br />

Ausgangslage<br />

"Lagerkosten können gewaltig sein!" - Ja, diese Aussage stimmt. Deshalb ist es<br />

eine <strong>der</strong> Aufgaben von Logistikerinnen und Logistikern, die Lagerkosten zu<br />

überblicken und zu optimieren. Dazu werden alle Kosten, die eine<br />

Lagerhaltung generiert, gesammelt und in fünf Kategorien eingeteilt.<br />

Die Höhe <strong>der</strong> Lagerkosten ist von vielen Faktoren abhängig. Deshalb ist es<br />

schwer, zwischen verschiedenen Unternehmen - d. h.<br />

unternehmensübergreifend - zu vergleichen. Es ist aber nicht selten, dass die<br />

Lagerkosten etwa 20 Prozent <strong>der</strong> Gesamtkosten ausmachen.<br />

Damit die Lagerkosten überblickt und optimiert werden können, braucht es in<br />

allen Abteilungen, die zur Logistik beitragen, ein grosses Know-how. Wenn<br />

Lagerkosten reduziert werden, muss gut darauf geachtet werden, dass die<br />

Reduktion nicht auf Kosten <strong>der</strong> Qualität gemacht wird.<br />

687


Fachartikel Modul 702<br />

2. Lagerkosten<br />

In Modul 102 wurden die Begriffe Logistik und Supply Chain Management<br />

erläutert. Dass unter den beiden Begriffen etwas an<strong>der</strong>es verstanden wird,<br />

wi<strong>der</strong>spiegelt sich auch in den Lagerkosten. Was und welche Art von Kosten<br />

<strong>der</strong> Lagerung zugeordnet werden, ist je nach Unternehmen unterschiedlich.<br />

Die EnterSite AG unterteilt die Lagerkosten in folgende Kategorien:<br />

• Kosten für Lagerräume<br />

• Personalkosten<br />

• Lagerbestand<br />

• Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel<br />

• Kosten für Verbrauchsmaterialien<br />

Um eine Übersicht über die Lagerkosten zu erhalten, braucht es ein<br />

Zusammenspiel von verschiedenen Abteilungen. Die Verantwortung kann<br />

nicht nur <strong>der</strong> Abteilung Finance and Controlling (FICO) zugeordnet werden.<br />

Es braucht eine abteilungsübergreifende Kommunikation; nur so können die<br />

Lagerkosten möglichst tief gehalten werden. Die Zielsetzung ist, wirtschaftlich<br />

zu arbeiten. Das bedeutet:<br />

Benötigte Güter sollen mit möglichst geringen Kosten bereitgestellt werden.<br />

2.1 Fixe und variable Kosten<br />

Die oben genannten Kategorien, welche Kosten in <strong>der</strong> Lagerung<br />

verursachen, werden weiter unterteilt in fixe und variable Kosten.<br />

688


2.1.1 Fixe Kosten<br />

Fixe Kosten sind unverän<strong>der</strong>liche Kosten, <strong>der</strong>en Höhe unabhängig von <strong>der</strong><br />

Produktionsmenge ist. Im Unterschied zu den variablen Kosten steigen und<br />

sinken die Fixkosten nicht in Abhängigkeit <strong>der</strong> Produktionsmenge.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Die EnterSite AG produzierte im Jahr 2019 den Artikel ST10-TB135BK,<br />

SwissEnterSite Cartrdige Brother Toner BLACK in <strong>der</strong> Menge von 80 Stück.<br />

Dabei betrugen die fixen Kosten für Miete, Gehälter und Abschreibungen für<br />

Maschinen insgesamt 480 Franken.<br />

Im Jahr 2020 konnte die Produktionszahl aufgrund <strong>der</strong> hohen Nachfrage auf<br />

120 Stück erhöht werden. Die Fixkosten bleiben aber beständig und werden<br />

auch in diesem Jahr in <strong>der</strong> Höhe von 480 Franken kalkuliert.<br />

Merke: Natürlich können auch fixe Kosten, beispielsweise Mietpreise, steigen und<br />

fallen. Da diese Schwankungen aber nicht mit <strong>der</strong> Produktionsmenge in<br />

Zusammenhang stehen, zählen sie trotzdem zu den Fixkosten.<br />

2.1.2 Variable Kosten<br />

Variable Kosten sind das Gegenteil <strong>der</strong> fixen Kosten. Die fixen Kosten werden<br />

unabhängig von <strong>der</strong> Produktionsmenge berechnet. Die variablen Kosten<br />

werden abhängig von <strong>der</strong> Produktionsmenge berechnet. Variable Kosten<br />

können auch als verän<strong>der</strong>liche Kosten bezeichnet werden. Beispiele für<br />

variable Kosten in <strong>der</strong> EnterSite AG sind Rohstoffe, Strom, Wasser usw.<br />

Die Menge <strong>der</strong> Rohstoffe ist abhängig von <strong>der</strong> benötigen Menge in <strong>der</strong><br />

Produktion. Wird <strong>der</strong> Artikel ST10-TN135BK im Jahr 2019 zu 80 und im Jahr 2020<br />

zu 120 Stück verkauft, so ist auch <strong>der</strong> Bedarf <strong>der</strong> Rohstoffe höher. Der höhere<br />

Bedarf wie<strong>der</strong>um führt zu höheren Kosten.<br />

2.2 Kosten für Lagerräume<br />

Für Bereiche wie Wareneingang, Warenausgang, Kommissionierung und<br />

Lagerräume werden grosse Flächen benötigt. Diese Flächen müssen je nach<br />

Verwendung und je nach gelagerten Gütern geschlossen, halboffen o<strong>der</strong><br />

offen sein. Entsprechend beeinflussen die Fläche und die Art <strong>der</strong> Güter die<br />

Kosten für Lagerräume. Konkret sind es folgende Faktoren:<br />

689


• Strom<br />

• Miete<br />

• Zinsen<br />

• Abschreibungen<br />

• Instandhaltungskosten<br />

• Heizung, Licht und Wasser<br />

• Reinigungskosten<br />

• Versicherungskosten<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Die EnterSite AG hat eine Nie<strong>der</strong>lassung direkt am Hauptbahnhof in Basel.<br />

Dieser Standort generiert im Vergleich zum Hauptsitz in Rupperswil deutlich<br />

mehr Kosten. Die Nähe zum öffentlichen Verkehr, <strong>der</strong> Anschluss an eine<br />

Autobahn, usw. sind Kriterien, welche die Kosten für die Fläche massgebend<br />

beeinflussen.<br />

2.3 Personalkosten<br />

Die Personalkosten sind in <strong>der</strong> Logistik einer <strong>der</strong> grössten Kostentreiber. Sie<br />

setzen sich wie folgt zusammen:<br />

• Löhne und Gehälter für das Lagerpersonal<br />

• Sozialleistungen für das Lagerpersonal (Sozialversicherungen)<br />

• Son<strong>der</strong>leistungen (Weiterbildungen, Spesen, Gratifikation etc.)<br />

• Administrationskosten (Personaladministration)<br />

Diese Faktoren beeinflussen die Kosten massgebend. Die Personalkosten<br />

werden in<br />

Modul 703 vertieft behandelt.<br />

690


691


2.4 Lagerbestand<br />

Nicht nur in <strong>der</strong> EnterSite AG ist es eine Hauptaufgabe <strong>der</strong> Logistikerinnen und<br />

<strong>der</strong> Logistiker, die Kontrolle <strong>der</strong> Lagerbestände und somit die Kosten zu<br />

kontrollieren. Es gilt das Prinzip:<br />

"So wenig wie möglich, so viel wie nötig."<br />

Eigentlich ist dieses Prinzip ganz simpel, und doch sehr wichtig und schwierig<br />

umzusetzen. Es ist ein extrem "schmaler Grat", die Lagerbestände so tief wie<br />

möglich zu halten, die Kosten zu reduzieren und dennoch die Verfügbarkeit<br />

von Produkten für den Kunden zu gewährleisten. Folgende Kosten werden<br />

durch den Lagerbestand generiert:<br />

• Verzinsung des in den Lagerbeständen investierten Kapitals<br />

• Ver<strong>der</strong>b, technische Alterung o<strong>der</strong> Schwund<br />

• Ausschuss aufgrund von mechanischen Einflüssen<br />

• Diebstahl<br />

• Versicherungsprämien<br />

2.4.1 Kapitalbindung<br />

In gelagerten Gütern ist Kapital gebunden (= Kapitalbindung). Das<br />

gebundene Kapital kann so nicht an<strong>der</strong>weitig verwendet werden. Die Höhe<br />

<strong>der</strong> Kapitalbindung wird durch den Lagerbestand und den Einkaufspreis des<br />

Artikels bestimmt.<br />

Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

Der Artikel ST10-TN135BK hat einen minimalen Lagerbestand von 4 Stück, <strong>der</strong><br />

Einkaufspreis ist mit 65 Franken hinterlegt. Ist <strong>der</strong> minimale Lagerbestand bei<br />

diesem Artikel an Lager, wird ein Lagerwert von: 4 Stück x 65 Franken = 260<br />

Franken generiert. Die Summe von 260 Franken entspricht dem gebundenen<br />

Kapital im Lagerbestand.<br />

Scheint <strong>der</strong> Wert im obenstehenden Beispiel noch nicht so hoch zu sein, kann<br />

diese Rechnung auf dem ganzen Sortiment angewendet werden. So erkennt<br />

man, dass <strong>der</strong> Warenwert in <strong>der</strong> Logistik oft sehr hohe Summen generiert.<br />

692


Damit die Summe bezahlt werden kann, benötigen Unternehmen oftmals<br />

einen Kredit von einer Bank. Das ausgeliehene Kapital wurde vor einigen<br />

Jahren noch mit einem erheblichen Zins in Rechnung gestellt. Die Rechnung<br />

konnte demnach so aussehen:<br />

Gebundenes Kapitel = 100'000 Franken<br />

Zinssatz = 2 %<br />

Jahreszins = 2'000 Franken<br />

Zins pro Tag = 5.80 Franken (CHF 2'000/365)<br />

Im Jahr 2022 ist <strong>der</strong> Leitzins <strong>der</strong> schweizerischen Nationalbank jedoch auf<br />

einem Rekordtief. Man rechnet sogar mit einem Negativzins. Das bedeutet<br />

dass es sich lohnt, Schulden zu haben. Mit steigen<strong>der</strong> Inflation ist jedoch<br />

davon auszugehen, dass die Zinsen wie<strong>der</strong> steigen werden und sich das<br />

gebundene Kapital wie<strong>der</strong> zu einem Kostenfaktor für die Unternehmen<br />

entwickeln wird.<br />

2.5 Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel<br />

Weitere grosse Kostenfaktoren sind die Anschaffung und <strong>der</strong> Unterhalt von<br />

För<strong>der</strong>mitteln sowie <strong>der</strong> Unterhalt <strong>der</strong> Informatik. Diese Kosten werden<br />

beeinflusst von den Eigenschaften des Produkts sowie vom<br />

Automatisierungsgrad <strong>der</strong> Logistik. Konkret sind es folgende Kosten:<br />

• Anschaffung von För<strong>der</strong>mitteln<br />

• Anschaffung und Inbetriebnahme <strong>der</strong> notwendigen Informatik<br />

• Abschreibung für den Wertverlust von För<strong>der</strong>mitteln<br />

• Wartungskosten, Service-, Miet- o<strong>der</strong> Leasingkosten<br />

• Reparaturkosten<br />

• Betriebskosten (Öl, Gas, Diesel und Strom)<br />

• Versicherungsprämien für die För<strong>der</strong>mittel<br />

Diese fixen Kosten sind in <strong>der</strong> heutigen Logistik kaum tief zu halten. Informatik<br />

und För<strong>der</strong>mittel sind nicht nur in den grossen Logistikunternehmen, son<strong>der</strong>n<br />

auch in KMU vorhanden.<br />

693


2.6 Kosten für Verbrauchsmaterialien<br />

Im Vergleich zu den oben genannten Kostenfaktoren in <strong>der</strong> Logistik sind die<br />

Kosten für Verbrauchsmaterialien deutlich kleiner. Konkret sind es folgende<br />

Kosten:<br />

• Verpackungsmaterialien<br />

• Büromaterialien (z. B. Kopierpapier, Schreibmaterial, Druckerpatronen usw.)<br />

Merke: Den Kosten und <strong>der</strong> Umwelt zuliebe sollte Verbrauchsmaterial<br />

sparsam eingesetzt werden.<br />

694


Modul 703_Personalkosten<br />

Ausgangslage<br />

Die Mitarbeitenden sind die Grundpfeiler eines jeden Unternehmens. Sie kosten aber<br />

auch Geld. Ihr Lohn ist ein grosser Faktor in den Personalkosten, aber nicht <strong>der</strong><br />

einzige. Dieses Modul beleuchtet alle Ausgaben bei den Personalkosten.<br />

695


Fachartikel Modul 703<br />

3. Personalkosten<br />

In Unternehmen werden gute Mitarbeitende benötigt, um auf dem Markt<br />

erfolgreich bestehen zu können. Diese Aussage trifft auch auf die EnterSite AG<br />

zu. Deshalb hängt in <strong>der</strong> EnterSite AG folgendes Plakat:<br />

Doch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kosten auch Geld - sie generieren<br />

Personalkosten. Diese zählen zur wichtigsten Kostenart im Unternehmen. Wie<br />

in Modul 702 bereits ausgeführt, werden die Personalkosten unter<br />

an<strong>der</strong>em in folgende Kategorien unterteilt:<br />

• Löhne und Gehälter für das Lagerpersonal<br />

• Sozialleistungen für das Lagerpersonal (Sozialversicherungen)<br />

• Son<strong>der</strong>leistungen (Weiterbildungen, Spesen, Gratifikationen, usw.)<br />

• Administrationskosten (Personaladministration)<br />

696


Dieses Modul beleuchtet die Personalkosten einerseits aus <strong>der</strong> Perspektive <strong>der</strong><br />

EnterSite AG und an<strong>der</strong>erseits aus <strong>der</strong> Perspektive des Mitarbeiters o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Mitarbeiterin.<br />

3.1 Die EnterSite AG: direkte und indirekte Personalkosten<br />

Die EnterSite AG unterteilt die Personalkosten in direkte und indirekte Kosten.<br />

Unter direkten Personalkosten werden die Gehälter bzw. Lohnkosten<br />

(Bruttolohn) <strong>der</strong> Angestellten verstanden. Indirekte Personalkosten sind<br />

Gel<strong>der</strong>, die zusätzlich zum Bruttolohn ausbezahlt werden.<br />

Direkte Personalkosten<br />

Bruttogehalt o<strong>der</strong> Bruttolohn für den<br />

Arbeitnehmer<br />

Beiträge für Rentenversicherung,<br />

Krankenversicherung,<br />

Arbeitslosenversicherung und<br />

Pflegeversicherung<br />

Indirekte Personalkosten<br />

Kosten für Ausstattung des<br />

Arbeitsplatzes<br />

Kosten zur Rekrutierung von neuen<br />

Mitarbeitenden<br />

Urlaubs- und Weihnachtsgeld<br />

Gratifikationen<br />

Reisekosten<br />

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall<br />

3.1.1 Lohn versus Gehalt<br />

Die grössten Kosten werden durch den Lohn o<strong>der</strong> das Gehalt verursacht. Was<br />

ist eigentlich <strong>der</strong> Unterschied zwischen Lohn und Gehalt?<br />

• Der Lohn wird für eine tatsächlich geleistete Arbeit ausbezahlt. Der Lohn kann<br />

von Monat zu Monat unterschiedlich sein. Die geleistete Arbeit kann nach den<br />

Faktoren Arbeitsstunden, Akkordarbeit aber auch nach Stückzahlen<br />

berechnet werden.<br />

• Das Gehalt ist auf eine feste Summe vereinbart. Geleistete Überstunden<br />

werden in <strong>der</strong> Regel nicht direkt ausbezahlt, son<strong>der</strong>n erfasst und zu einem<br />

697


späteren Zeitpunkt wie<strong>der</strong> bezogen (kompensiert). Im Unterschied zum Lohn<br />

wird das Gehalt unabhängig <strong>der</strong> geleisteten Menge ausbezahlt. Auch wenn<br />

sich Mitarbeitende in den Ferien befinden und nicht arbeiten, erhalten sie ihr<br />

Gehalt.<br />

3.1.2 Personalkosten sparen<br />

Die Personalkosten können je nach Branche bis zu 80 Prozent <strong>der</strong><br />

Gesamtkosten eines Unternehmens betragen. Entsprechend wird das<br />

Einsparen dieser Kosten immer wie<strong>der</strong> diskutiert und geprüft. Personalkosten<br />

können wie folgt gespart werden:<br />

• Rücklagen bilden für schlechtere Zeiten: Vor allem Unternehmen mit grossen<br />

saisonalen Schwankungen generieren unterschiedliche Einnahmen.<br />

Entsprechend ist es wichtig, in wirtschaftlich guten Phasen Rücklagen zu<br />

bilden. Somit kann in etwas schwächeren Phasen von diesen Rücklagen<br />

profitiert und die Kasse wie<strong>der</strong> ausgeglichen werden.<br />

• Überstunden abbauen: Die EnterSite AG bezahlt die Überstunden nicht aus.<br />

Sie werden durch die Mitarbeitenden bezogen (kompensiert). Damit werden<br />

keine zusätzlichen Kosten generiert.<br />

• Minimierung von Fehlzeiten: Sind die Mitarbeitenden oft krank und nicht<br />

anwesend, werden die Personalkosten erhöht. Die Führung <strong>der</strong> EnterSite AG<br />

hat den Auftrag, Gründe für die Ausfälle zu suchen und sie zu korrigieren.<br />

• Outsourcing: Es kann auch über ein Outsourcing ( Modul 301)<br />

nachgedacht werden. Das Auslagern von Tätigkeiten kann zum Einsparen von<br />

Personalkosten führen. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die<br />

Qualität nicht darunter leidet.<br />

3.1.3 Mitarbeitende im Monatslohn o<strong>der</strong> Mitarbeitende im Stundenlohn?<br />

Die EnterSite AG muss entscheiden, ob sie ihre Mitarbeitenden im Monatso<strong>der</strong><br />

im Stundenlohn unter Vertrag nimmt.<br />

Bei einer Anstellung zum Monatslohn erhält ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin<br />

ein monatlich fixes Gehalt. Im Gegensatz dazu hängt <strong>der</strong> Lohn bei einer<br />

Anstellung zum Stundenlohn von den effektiv gearbeiteten Stunden ab. In<br />

beiden Gehältern sind die Ferien und verschiedene Abzüge einberechnet.<br />

Eine Probezeit mit anschliessen<strong>der</strong> Kündigungsfrist von drei Monaten ist die<br />

Regel.<br />

698


Wenn nur vorübergehend Unterstützung benötigt wird, es aber eine<br />

Fachperson braucht, besteht die Möglichkeit, über ein Temporärbüro eine<br />

Person für eine bestimmte Zeit zu "mieten" o<strong>der</strong> einen Freelancer zu<br />

engagieren. Der Freelancer kümmert sich selbstständig um seine Steuer- und<br />

Sozialabgaben. Wird ein Temporärbüro beigezogen, so kümmert sich die<br />

Organisation um die Administration <strong>der</strong> Mitarbeitenden.<br />

Fazit<br />

Als verantwortungsvoller Arbeitgeber hat die EnterSite AG das Ziel, ihren<br />

Mitarbeitenden auf längere Sicht einen Arbeitsplatz zu bieten - selbst dann,<br />

wenn das Geschäft nicht so gut läuft. Deshalb ist es wichtig, die<br />

Personalkosten ständig im Blick zu haben und zu überprüfen. Diese<br />

Betrachtung wird nicht nur kurzfristig, son<strong>der</strong>n auch mittel- bis langfristig<br />

gemacht.<br />

3.2 Die Mitarbeitenden: das Gehalt<br />

Beim Gehalt <strong>der</strong> Mitarbeitenden wird von einem Monats- o<strong>der</strong> Jahreslohn<br />

sowie von einem Brutto- o<strong>der</strong> Nettolohn gesprochen. Der Bruttolohn ist <strong>der</strong><br />

Lohn vor den gesetzlich vorgeschriebenen Abzügen. Der Nettolohn entspricht<br />

dem Betrag, <strong>der</strong> den Mitarbeitenden tatsächlich ausbezahlt wird.<br />

699


3.2.1 Das 3-Säulen-Prinzip<br />

Einige Abzüge auf dem Bruttogehalt sind auf das schweizerische 3-Säulen-<br />

Prinzip zurückzuführen. Die abgebildeten drei Säulen entsprechen <strong>der</strong><br />

staatlichen, beruflichen und privaten Vorsorge.<br />

Säule 1 - Staatliche Vorsorge<br />

Diese Säule soll die finanzielle Sicherung <strong>der</strong> Existenz im Alter sicherstellen,<br />

schützt im Invaliditätsfall und sichert Hinterbliebene im Todesfall mit dem<br />

Existenzminimum ab. Die obligatorischen Abzüge für diese Säule sind:<br />

• Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)<br />

• Invalidenversicherung (IV)<br />

• Ergänzungsleistungen (EL)<br />

• Arbeitslosenversicherung (ALV)<br />

• Erwerbsersatzordnung (EO): Entschädigung während des Militärdienstes,<br />

Mutterschaftsurlaub, Vaterschaftsurlaub<br />

Die AHV ist ein Umlageverfahren. Dies bedeutet, dass die Beiträge <strong>der</strong> aktuell<br />

arbeitenden Personen die Renten <strong>der</strong> bereits pensionierten Personen - <strong>der</strong><br />

AHV-Bezügerinnen und -Bezüger - finanzieren. Die AHV-Beitragspflicht beginnt<br />

für Erwerbstätige ab dem 18. Lebensjahr.<br />

700


Säule 2 - Berufliche Vorsorge<br />

Die gesetzlichen Pensionskassen decken zusammen mit <strong>der</strong> 1. Säule rund 60<br />

bis 70 Prozent des zuletzt bezogenen Lohnes ab. Die Fortsetzung des<br />

gewohnten Lebensstandards soll so in angemessener Weise ermöglicht<br />

werden. Die 2. Säule umfasst:<br />

• Obligatorische berufliche Vorsorge/Pensionskasse (BVG)<br />

• Obligatorische Unfallversicherung (UVG)<br />

• Freizügigkeitsleistungen bei Austritt aus <strong>der</strong> Vorsorgeeinrichtung (FZG)<br />

• Überobligatorische Versicherung zum BVG und zum UVG<br />

Säule 3 - Private Vorsorge<br />

Die 3. Säule ist eine freiwillige Selbstvorsorge. Mit ihr kann die persönliche<br />

Vorsorgesituation aktiv verbessert werden. In <strong>der</strong> Bundesverfassung ist die<br />

private Vorsorge verankert und wird mit steuerlichen Massnahmen vom Bund<br />

und den Kantonen geför<strong>der</strong>t. In <strong>der</strong> 3. Säule wird die Vorsorge in zwei<br />

Angebote unterteilt:<br />

• Die Säule 3a dient grundsätzlich <strong>der</strong> Altersvorsorge. In gewissen Fällen kann<br />

<strong>der</strong> einbezahlte Betrag auch für einen Kauf von Wohneigentum vorbezogen<br />

werden. Zudem lassen sich die einbezahlten Prämien o<strong>der</strong> Beiträge vom<br />

steuerbaren Einkommen abziehen.<br />

• Die Säule 3b hilft beim Ausbauen von einem finanziellen Polster für Ziele und<br />

Wünsche nach <strong>der</strong> Pensionierung. Auch die finanziellen Risiken bei Invalidität<br />

o<strong>der</strong> im Todesfall können bedürfnisgerecht abgesichert werden. Dabei stehen<br />

verschiedene Spar- und Anlagelösungen sowie Versicherungslösungen zur<br />

Verfügung.<br />

701


3.2.2 Abzüge<br />

Folgende Abzüge sind auf <strong>der</strong> Lohnabrechnung zu erkennen (alle Angaben<br />

entsprechen den obligatorischen Abzügen aus dem Jahr 2021):<br />

Vermerk Bedeutung Abgabe<br />

EnterSite AG<br />

AHV<br />

Alters- und<br />

Hinterlassenversicherung<br />

Abgabe<br />

Mitarbeiter/in<br />

4.35 % 4.35 %<br />

IV Invalidenversicherung 0.7 % 0.7 %<br />

EO Erwerbsersatzordnung 0.25 % 0.25 %<br />

NBUV Nicht Berufsunfallversicherung 0.75 % 0.75 %<br />

ALV Arbeitslosenversicherung 1.1 % 1.1 %<br />

?? Hinweis: Die Abzüge än<strong>der</strong>n sich von Jahr zu Jahr und werden unter dem<br />

folgenden Link laufend aktualisiert.<br />

Des Weiteren wird eine Abgabe BVG (Pensionskasse) obligatorisch, sofern<br />

Arbeitnehmende in <strong>der</strong> ersten Säule versichert sind und das Einkommen<br />

21'510 Franken pro Jahr übersteigt.<br />

Ein Beispiel:<br />

Brutto-Jahreslohn 100 % CHF 52'000<br />

Abzug AHV 4.35 % CHF 2'262<br />

Abzug IV 0.7 % CHF 364<br />

Abzug EO 0.25 % CHF 130<br />

Abzug NBUV 0.75 % CHF 390<br />

Abzug ALV 1.1 % CHF 572<br />

Netto-Jahreslohn 92.85 % CHF 48'282<br />

Total Abzug 7.15 % CHF 3'718<br />

?? Merke: Personalkosten sind nicht nur Gehaltskosten, son<strong>der</strong>n es kommen<br />

auch die Sozialleistungen dazu.<br />

702


3.3 Rechte und Pflichte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber<br />

Neben den Kosten ist es für beide Parteien wichtig, Ihre Rechte und Pflichte<br />

für die Zusammenarbeit verstehen zu können. Folgende Rechte und Pflichte<br />

sind gemäss Obligationenrecht einzuhalten:<br />

Rechte<br />

Pflichte<br />

Arbeitgeber<br />

… auf vollständige<br />

Leistungserfüllung<br />

… Treue und Solidarität<br />

… Wahrheitsgemässe<br />

Antworten<br />

… Direktions- und<br />

Weisungsrecht<br />

… Fürsorgepflicht<br />

… Persönlichkeits- und<br />

Datenschutz<br />

… Gleichstellung Mann und<br />

Frau<br />

… Vermögensschutz<br />

… Arbeitszeugnis<br />

Arbeitnehmer<br />

… Erhalt von Einkommen bei<br />

erbrachter Leistung<br />

… Recht auf Beschäftigung<br />

… Recht auf freie<br />

Meinungsäusserung<br />

… Recht auf<br />

Gleichbehandlung<br />

… persönliche Arbeitspflicht<br />

… Sorgfalts- und Treuepflicht<br />

… Rechenschafts- und<br />

Herausgabepflicht<br />

… Überstundenarbeit<br />

… Befolgung von<br />

Anordnungen und<br />

Weisungen<br />

3.3.1 Rechte und Pflichte zum Schutz <strong>der</strong> Gesundheit<br />

Nicht nur die Rechte und Pflichten zur Zusammenarbeit müssen von beiden<br />

Parteien eingehalten werden, auch die Rechte und Pflichten zum Schutz <strong>der</strong><br />

Gesundheit hat seine Gültigkeit. So wird im Unfallversicherungsgesetz (UVG)<br />

im Artikel 2. Abschnitt: Pflichten <strong>der</strong> Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter dem<br />

Artikel 82: Allgemeines folgendes festgehalten:<br />

1 Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zur Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten<br />

alle Massnahmen zu treffen, die nach <strong>der</strong> Erfahrung notwendig,<br />

nach dem Stand <strong>der</strong> Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen<br />

angemessen sind.<br />

2 Der Arbeitgeber hat die Arbeitnehmer bei <strong>der</strong> Verhütung von Berufsunfällen<br />

und Berufskrankheiten zur Mitwirkung heranzuziehen.<br />

3 Die Arbeitnehmer sind verpflichtet, den Arbeitgeber in <strong>der</strong> Durchführung <strong>der</strong><br />

Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten zu<br />

unterstützen. Sie müssen insbeson<strong>der</strong>e persönliche Schutzausrüstungen<br />

703


enützen, die Sicherheitseinrichtungen richtig gebrauchen und dürfen diese<br />

ohne Erlaubnis des Arbeitgebers we<strong>der</strong> entfernen noch än<strong>der</strong>n.<br />

Werden arbeiten mit beson<strong>der</strong>en Gefahren ausgeführt, kann <strong>der</strong> Bundesrat<br />

auch einen Ausbildungsnachweis einfor<strong>der</strong>n.<br />

704


Logistiker/In EFZ<br />

800_ICT<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

705


Modul 801_Identifikation Güter<br />

Ausgangslage<br />

Die EnterSite AG erwartet von ihrer Lieferkette, dass <strong>der</strong> EAN-13 Barcode als<br />

Produktebezeichnung genutzt wird. Wo dies aus Platzgründen nicht möglich<br />

ist, soll <strong>der</strong> EAN-8 Barcode verwendet werden. Waren bzw. Rohstoffe,<br />

Zwischenprodukte, Halbfabrikate und Endprodukte sind über die<br />

Produktbezeichnung sowie über weitere Zusatzinformationen möglichst<br />

eindeutig zu identifizieren.<br />

Für die gelieferten Transporteinheiten ist mit den Lieferanten <strong>der</strong> Serial<br />

Shipping Container Co<strong>der</strong> (SSCC) als Standard definiert worden. Weitere<br />

Neuerungen in Richtung Nutzung von RFID gelten als mittelfristiges<br />

strategisches Ziel.<br />

706


Fachartikel Modul 801<br />

1. Identifikation von Gütern<br />

Bei den Grossverteilern sind sämtliche Artikel mit <strong>der</strong> GTIN (Global Trade Item<br />

Number) ausgestattet. Die Erfassung mittels GTIN erleichtert die Arbeit beim<br />

Einkassieren. Der Artikel wird an <strong>der</strong> Kasse über ein Laser-Lesegerät (Scanner)<br />

geführt. Dieses decodiert aus den schwarzen Balken und hellen<br />

Zwischenräumen die Nummer des Artikels. Sie enthält alle nötigen<br />

Informationen des Produkts (Artikelbezeichnung, Preis). Die Informationen<br />

werden aus dem Zentralrechner abgerufen. Eine Nummer ist ohne Zugriff auf<br />

die Liste im zentralen System wertlos.<br />

Durch diese Methode entfällt das manuelle Eintippen an <strong>der</strong> Kasse, und <strong>der</strong><br />

Kunde erhält einen detaillierten Kassenzettel. Preisän<strong>der</strong>ungen (z. B.<br />

Aktionspreise) müssen nicht mehr auf allen Artikeln ausgezeichnet werden <strong>–</strong><br />

eine Regalpreisanschrift genügt.<br />

1.1 Serial Shipping Container Code (SSCC)<br />

Der Serial Shipping Container Code (SSCC) ist eine Nummernfolge für die<br />

Beschriftung von Paletten. Mit dem SSCC können insgesamt 128 Zeichen<br />

dargestellt werden. Er ist alphanumerisch aufgebaut, kann also Zahlen und<br />

707


Buchstaben enthalten. Die Transporteinheiten dürfen nicht nur mit dem<br />

maschinenlesbaren Strichcode allein bezeichnet sein. Die im Code<br />

enthaltenen Daten müssen auch in lesbarer Form auf <strong>der</strong> Etikette<br />

ausgedruckt sein. Mit dem SSCC bezeichnete Gütereinheiten können auf<br />

ihrem Transportweg verfolgt werden (Track and Trace). Die Voraussetzung für<br />

die lückenlose Verfolgung ist das regelmässige Einlesen an allen Schnittstellen<br />

auf dem Transportweg. In Deutschland wird <strong>der</strong> SSCC auch NVE (Nummer <strong>der</strong><br />

Versandeinheit) genannt.<br />

1.2 GTIN-8, GTIN-13, ISBN<br />

1.2.1 Global Trade Item Number (GTIN)<br />

Der Barcode (auch Balkencode, Strichcode o<strong>der</strong> einfach "Striche" genannt)<br />

findet sich auf jedem Produkt, das in Läden erhältlich ist. Es handelt sich um<br />

einen Strichcode vom Typ GTIN (Global Trade Item Number). Der Code ist<br />

eindimensional (1-D). Er dient grundsätzlich dazu, Artikel an <strong>der</strong> Kasse (durch<br />

Ablesen mit Laserstrahl) zu unterscheiden und den entsprechenden Preis aus<br />

dem Kassensystem (Datenbank des jeweiligen Ladens) auszulesen und<br />

708


anzuzeigen. Das Code-System ist so eingerichtet, dass jede Nummer weltweit<br />

nur einmal vergeben wird. Wenn zwei unterschiedliche Produkte dieselbe<br />

Nummer hätten, wäre das Kassensystem nicht in <strong>der</strong> Lage, diese zu<br />

unterscheiden. Die Nummern-Registrierstellen sorgen dafür, dass eine<br />

Nummer nicht doppelt vergeben wird. Die Registrierstelle für Produkte mit<br />

GTIN-Codes in <strong>der</strong> Schweiz ist die "GS1 Schweiz". Für die Bücher mit ISBN-<br />

Nummern ist es die "ISBN Agentur Schweiz".<br />

?? Merke: GTIN bedeutet (Global Trade Item Number)". Die Zahl 13 gibt die<br />

Ziffernstellen an. GTIN-13 ist <strong>der</strong> in Europa verbreitete Standard. Es gibt jedoch<br />

noch weitere Zahlen- und Barcode-Systeme. Der in den USA übliche UPC<br />

(Universal Product Code) ist mit dem GTIN-System kompatibel.<br />

1.3 Aufbau Produkte-Barcode GTIN-13, GTIN-8, ISBN<br />

Die GTIN-Nummern sind im Normalfall 13-stellig. Da <strong>der</strong> Produktebarcode nur<br />

12 Stellen hat, ergänzt man vorne mit einer 0 (Null), und daraus ergibt sich ein<br />

GTIN-13. Es gibt jedoch auch Kurznummern, z. B. den GTIN-8. Die ersten Ziffern<br />

geben das Land o<strong>der</strong> die Produktegruppe an:<br />

400 - 440 = Deutschland<br />

76 = Schweiz und Liechtenstein<br />

90 - 91 = Österreich 00-13 = -13 USA<br />

977 = Zeitschriften (weltweit)<br />

978 - 979 = Bücher (weltweit)<br />

Die allerletzte Ziffer ist die Prüfziffer:<br />

709


1.3.1 Wie unterscheiden sich ISBN und GTIN-13?<br />

ISBN steht für "Internationale Standardisierte Buch-Nummer". Dieser Code war<br />

früher 10-stellig (sogenannte ISBN-10), wurde aber 2007 ins GTIN-13-System<br />

integriert, d. h. mit <strong>der</strong> "Vorwahl" 978 (bzw. 979) ergänzt.<br />

978 = Buch<br />

3 = Län<strong>der</strong>-/Sprachcode<br />

7657 = Verlag<br />

1111 = Nummer innerhalb des Verlags<br />

4 = Prüfziffer<br />

Der davon abgeleitete GTIN-13 sieht genau gleich aus, jedoch ohne<br />

Bindestriche: 9783765711114.<br />

1.4 GTIN-128<br />

1.4.1 Aufbau Transport-Barcode GTIN-128 (GS1-128)<br />

Für zeitgemässe Warenverfolgungs- und Warensteuerungssysteme mit<br />

Wareneingangs- und Warenausgangs-Scanning sowie für<br />

schnittstellenübergreifende Qualitätssicherungssysteme ist die Kennzeichnung<br />

von Bestell-, Liefer- und Transporteinheiten mit Strichcode (Barcode)<br />

erfor<strong>der</strong>lich. Neben <strong>der</strong> Anwendung auf einem Transportetikett<br />

(Palettenlabel) findet <strong>der</strong> GTIN-128 (GS1-128) zunehmend Verbreitung in<br />

710


Produktbereichen, wo die Sicherheit eine grosse Rolle spielt (z. B.<br />

Gesundheitswesen, Chemie, Lebensmittel).<br />

Der GTIN-128 (GS1-128)-Barcode wird also auf Paletten, Kartons, Standard-<br />

Lieferpackungen, Displays usw. eingesetzt. Durch die Ergänzung mit dem<br />

SSCC ist es möglich, den ganzen Transportweg nachzuvollziehen (Track and<br />

Trace). Der Serial Shipping Container Code wird als weltweit eindeutige<br />

Referenznummer für die Identifikation einer Transporteinheit verwendet. In <strong>der</strong><br />

Logistik geben Tracking (Verfolgung) und Tracing (Rückverfolgung) Auskunft<br />

darüber, wo sich die Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt befinden.<br />

1.5 QR-Code<br />

"QR" steht für "Quick Response", das bedeutet zu Deutsch "schnelle Antwort".<br />

Die japanische Firma Denso Wave hat im Jahr 1994 den zweidimensionalen<br />

QR-Code entwickelt. Er wurde zur Markierung von Baugruppen und<br />

Komponenten für die Logistik in <strong>der</strong> Automobilproduktion des Toyota-Konzerns<br />

entwickelt. Weiter entwickelte die Firma Denso Wave auch<br />

Identifikationssysteme und Geräte zur mobilen Datenerfassung.<br />

Der QR-Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus weissen und<br />

schwarzen Punkten, die die codierten Daten binär darstellen. In drei <strong>der</strong> vier<br />

Ecken des Quadrats ist eine Markierung, die die Orientierung vor gibt. Die<br />

Daten im QR-Code sind durch einen fehlerkorrigierenden Code geschützt,<br />

wodurch <strong>der</strong> Verlust von bis zu 30 Prozent des Codes toleriert wird.<br />

Mobiltelefone verfügen über eine eingebaute Kamera und eine Software, die<br />

das Interpretieren von QR-Codes ermöglichen. Der als Mobile-Tagging<br />

bezeichnete Prozess ist in Japan äusserst populär. Er verbreitet sich seit 2007<br />

auch in Europa.<br />

711


Der QR-Code wird heute in vielen Bereichen verwendet, beispielsweise in<br />

Ausstellungen, in Museen, auf Erlebnispfaden o<strong>der</strong> bei Denkmälern (siehe<br />

Bild).<br />

1.5.1 Ein Anwendungsbeispiel in <strong>der</strong> Logistik (Lagerung, Distribution)<br />

Der QR-Code wird verwendet als Artikel-Etikette für Produkte mit Verfalldatum<br />

und Batch-, Los- o<strong>der</strong> Chargennummern (auf Englisch: "Lot Number"). Die<br />

Etikette trägt dazu noch den Barcode GTIN-128. In zertifizierten Betrieben muss<br />

ein Produkt mit Hilfe seiner Losnummer auch nach Auslieferung und Verkauf<br />

an den Kunden eindeutig zugeordnet werden können. Dank dieser<br />

Zuordnung zu einem Los ist es möglich, bei <strong>der</strong> Feststellung eines<br />

Produktionsfehlers ein Lebensmittel zielgerichtet vom Markt zurückzurufen. Es<br />

müssen lediglich jene Einheiten des Lebensmittels zurückgerufen werden,<br />

<strong>der</strong>en Nummern den beanstandeten Losen entsprechen.<br />

712


1.5.2 Ein Anwendungsbeispiel in <strong>der</strong> Logistik (Distribution)<br />

Die Adresse auf einer Zeitschrift wird mit dem Data Matrix-Code erfasst. Zum<br />

Lesen wird beim 2-D-Code eine digitale Kamera verwendet. Das Code-Bild<br />

muss im Kamerafenster erkannt werden. Dadurch kann <strong>der</strong> Data Matrix-Code<br />

ohne Bewegung von Gerät o<strong>der</strong> Optik automatisch abgebildet werden. Die<br />

Kamera erfasst die Information zweidimensional, und die Software wertet das<br />

Bild aus.<br />

Der QR-Code kann bis zu 4'000 Zeichen aufnehmen und wird vorwiegend für<br />

Zeitschriften verwendet. Da <strong>der</strong> QR-Code gegenüber dem Data Matrix-Code<br />

kleiner und platzsparen<strong>der</strong> ist, hat er sich in <strong>der</strong> Industrie etabliert.<br />

Der DataMatrix-Code wird u.a. in <strong>der</strong><br />

Dienstleistung Massenversand eingesetzt<br />

und hilft, Sendungen zu identifizieren,<br />

steuern und verfolgen.<br />

Retoursendung (Post Mail)<br />

713


1.6 Data Matrix-Code<br />

Der Data Matrix-Code ist heute einer <strong>der</strong> bekanntesten Typen von 2-D-Codes.<br />

Er wird für dauerhafte Direktbeschriftungen verwendet, z. B. in <strong>der</strong> Produktion<br />

mittels Laser (z. B. Leiterplatten), im Automobilbau mittels Nadelprägung, bei<br />

Analysegeräten und Instrumenten (Chemie, Medizin) sowie zunehmend auch<br />

als gedrucktes Code-Bild im Dokumentenhandling (Tickets, Adressierung beim<br />

Postversand).<br />

Der Data Matrix-Code ist durch die ISO (Internationale Organisation für<br />

Normung) genormt (ISO/IEC 16022:2000). Mit dem Data Matrix-Code lassen<br />

sich bis zu 3'116 Ziffern o<strong>der</strong> 2'335 ASCII-Zeichen codieren. Der ?? ASCII<br />

(American Standard Code for Information Interchange) beinhaltet 128<br />

Zeichen. In einer quadratischen o<strong>der</strong> rechteckigen Fläche sind im Data<br />

Matrix-Code die Informationen sehr kompakt als Muster von Punkten kodiert.<br />

Die Punkte sind schwarze o<strong>der</strong> weisse Kästchen, die aneinan<strong>der</strong> anschliessen,<br />

o<strong>der</strong> runde Punkte mit Lücken dazwischen. Allein diese einheitliche<br />

Symbolgrösse und <strong>der</strong> feste Symbolabstand machen das Lesen des Bildes und<br />

das Decodieren <strong>der</strong> Information deutlich sicherer und den Code in <strong>der</strong><br />

Ausdehnung erheblich kompakter. Da <strong>der</strong> Data Matrix-Code zudem ein<br />

Verfahren <strong>der</strong> Fehlerkorrektur bietet, verdrängt er in vielen Anwendungen<br />

den Barcode, <strong>der</strong> meist nur die Erkennung eines einzelnen Fehlers unterstützt.<br />

1.7 Platzierung von Codes<br />

1.7.1 Palettenladungen<br />

Paletten werden mindestens auf zwei Seiten über die Ecke gekennzeichnet.<br />

Etiketten werden so angebracht, dass sich das unterste Symbol 45 cm<br />

(Toleranz ± 5 cm) ab Boden (Standfläche <strong>der</strong> Palette) befindet. Der Abstand<br />

von <strong>der</strong> Aussenkante darf 5 cm nicht unterschreiten.<br />

714


Kartons auf mindestens zwei Seiten<br />

kennzeichnen. Die Kennzeichnung unten<br />

rechts anbringen. Die Abstände zu den<br />

Kanten 34 mm nach rechts (Toleranz: +0 /<strong>–</strong><br />

23 mm) und 32 mm nach unten sind<br />

einzuhalten.<br />

Markierung eines Kartons mit<br />

einer Übereck-Etikette.<br />

715


Langgut ab 20 mm Durchmesser o<strong>der</strong><br />

einer minimalen Querschnittskante von 30<br />

mm kann mit einer Selbstklebeetikette<br />

ausgezeichnet werden. Werden diese<br />

Querschnitte unterschritten, ist die<br />

Auszeichnung mit einer Anhängeetikette<br />

vorzunehmen.<br />

Wird die Kennzeichnung bei<br />

zylin<strong>der</strong>- förmigen<br />

Gegenständen radial angebracht,<br />

darf die Länge des<br />

Strichcodesymbols ein Sechstel<br />

des Umfangs nicht<br />

überschreiten.<br />

1.8 Radio Frequency Identification (RFID)<br />

RFID steht für Radio Frequency Identification, zu Deutsch "Identifikation per<br />

Funk". Die Logistik-Branche soll durch den Einsatz von RFID massiv profitieren <strong>–</strong><br />

man spricht sogar von einer möglichen Revolution in <strong>der</strong> Logistik.<br />

Insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Handel hat diesen Vorteil für die Logistik bereits erkannt und<br />

nutzt die RFID-Technologie, um Paletten und Kartons über die Lieferkette zu<br />

verfolgen. Dabei stehen die Vermeidung von Fehlbeständen im Lager, die<br />

verbesserte Fehlerkontrolle und die Senkung <strong>der</strong> Personalkosten im<br />

Vor<strong>der</strong>grund. RFID ermöglicht eine automatische Identifikation und<br />

Lokalisierung von Objekten.<br />

Ein RFID-System besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten:<br />

1.8.1 RFID-Rea<strong>der</strong> (Schreib- und Lesegerät)<br />

Der RFID-Tag besteht aus einem Chip und einer Antenne. Er wird an dem zu<br />

identifizierenden Objekt entwe<strong>der</strong> aussen o<strong>der</strong> innen angebracht, oft<br />

funktioniert <strong>der</strong> Tag als Klebetikette. Das Auslesen bzw. Modifizieren <strong>der</strong> Daten<br />

übernimmt das Schreib- und Lesegerät. Das Auslesen kann ohne Sichtkontakt<br />

und berührungslos durchgeführt werden. Je nach Frequenzbereich,<br />

Sendeleistung und Umwelteinflüssen kann <strong>der</strong> Vorgang passiv o<strong>der</strong> aktiv<br />

ausgeführt werden. Die Entfernung zum Rea<strong>der</strong> kann zwischen wenigen<br />

Zentimetern und mehr als einem Kilometer liegen.<br />

716


RFID-Tag/Transpon<strong>der</strong> (o<strong>der</strong> auch: Smart Label, RFID-Chip, RFID-Etikett,<br />

Funketikett)<br />

1.8.2 Anwendungsbeispiele <strong>der</strong> RFID-Technologie<br />

717


Das einfachste Anwendungsbeispiel <strong>der</strong> RFID-Technologie ist breit bekannt:<br />

die Diebstahlsicherung in Warenhäusern. An<strong>der</strong>e Anwendungen sind zum<br />

Beispiel Zutrittskontrollen in Gebäuden o<strong>der</strong> an Skiliften, Registrierung von<br />

Waren (Fertigung, Transport, Lagerung), Identifizierung von Kleidungsstücken<br />

in Wäschereien, Registrierung von Büchern in Bibliotheken o<strong>der</strong> die<br />

Identifikation von Haustieren. Eine Zukunftsvision ist <strong>der</strong> Einsatz von RFID für die<br />

ganze Warenbewirtschaftung in Supermärkten und Warenhäusern, inklusive<br />

Abrechnung an <strong>der</strong> Kasse. Es bestehen auch Pläne, mit Hilfe von RFID<br />

Menschen zu identifizieren. Dazu sollen Transpon<strong>der</strong> etwa in Reisepässe<br />

integriert o<strong>der</strong> als Notfallausweis für medizinische Zwecke unter die Haut<br />

implantiert werden. Bürger, Juristinnen und Behörden befürchten jedoch<br />

Missbräuche, da die Daten unbemerkt gelesen werden können.<br />

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wie eine Kindesentführung durch RFID verhin<strong>der</strong>t<br />

wurde<br />

Im US-Bundesstaat North Carolina konnte durch RFID-Technik eine<br />

Kindesentführung verhin<strong>der</strong>t werden. Das System löste Alarm aus, als auf <strong>der</strong><br />

siebten Etage eines Krankenhauses ein Baby aus <strong>der</strong> Säuglingsabteilung<br />

entfernt wurde. Das Personal informierte daraufhin den Sicherheitsdienst, <strong>der</strong><br />

die Entführung verhin<strong>der</strong>te. Der Alarm, <strong>der</strong> sogenannte Code Pink, wird<br />

jeweils ausgelöst, wenn ein RFID-Chip, <strong>der</strong> den Babys mit einer Arm- o<strong>der</strong><br />

Fussschlaufe in einem Band umgebunden wird, an einer an den Ausgängen<br />

befindlichen Auslesestation vorbeigeführt wird, die den Signalcode des<br />

Chips empfängt und mit einer Datenbank vergleicht.<br />

Ein Beispiel aus dem Alltag: Zeitmessung bei Sportveranstaltungen<br />

RFID-Transpon<strong>der</strong> werden zur Zeitmessung bei vielen Sportveranstaltungen<br />

eingesetzt, u. a. auch beim Boston Marathon und bei Ironman-<br />

Wettkämpfen. Am Fahrrad o<strong>der</strong> Schuh befestigt, ermöglicht <strong>der</strong> Chip eine<br />

präzise vollautomatische Zeitmessung. Immer mehr Veranstalter bieten jetzt<br />

auch Live-Zwischenzeiten als Information für Teilnehmer o<strong>der</strong> Fans an. Die<br />

Informationen werden in Echtzeit ins Internet, auf Handys o<strong>der</strong> an<br />

Anzeigetafeln übertragen.<br />

718


Modul 802_Transport<br />

Ausgangslage<br />

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" Immer zu wissen, wo und in welchem Zustand<br />

sich die eigene Ware befindet - wer will das nicht? Die Qualitätskontrolle muss nicht<br />

enden, wenn die Ware das Betriebsgelände verlässt. Überwachungsindikatoren o<strong>der</strong><br />

elektronische Datenlogger können die Einhaltung <strong>der</strong> vom Unternehmen<br />

gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und dem Handling von A bis Z lückenlos sicherstellen.<br />

719


Fachartikel Modul 802<br />

2. Transport<br />

2.1 Transportüberwachung<br />

2.1.1 Was ist Transportüberwachung und wieso ist sie nötig?<br />

Eine lückenlose Überwachung <strong>der</strong> Transportbedingungen durch spezielle<br />

Indikatoren und Datenlogger gewährleistet einen schadlosen Transport <strong>der</strong><br />

Versandware bis zum Eintreffen beim Kunden. Transportsünden können damit<br />

aufgedeckt werden.<br />

Jede Qualitätskontrolle endet, sobald die Güter den Weg zu den Kunden<br />

antreten. Während des Transports o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Lagerung können verschiedenste<br />

Einflüsse die Qualität des Gutes negativ beeinflussen. Dazu gehören<br />

Bruchschäden durch Stoss, Herunterfallen o<strong>der</strong> unsanftes Absetzen,<br />

Kippschäden, Produktschäden durch Nichteinhaltung <strong>der</strong> Temperaturkette,<br />

Diebstahl usw.<br />

Das kann teuer werden: Ein Unternehmen verliert dann nicht nur Geld und<br />

das Vertrauen des Kunden, son<strong>der</strong>n auch den guten Ruf. Damit <strong>der</strong><br />

entstandene finanzielle Schaden gedeckt werden kann, ist es gut, wenn eine<br />

Transportversicherung abgeschlossen wurde. Die Versicherung korrigiert aber<br />

nicht das den Imageschaden und greift auch nur dann, wenn <strong>der</strong><br />

entstandene Schaden nachgewiesen werden kann.<br />

Transportüberwachungsindikatoren überwachen kostengünstig und lückenlos<br />

die Einhaltung <strong>der</strong> gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und stellen dadurch sicher,<br />

dass die Sendung so sorgfältig wie verlangt behandelt wird.<br />

720


Vorteile von Transportüberwachungsindikatoren<br />

• Kontrollierbare Einhaltung <strong>der</strong> Handling-Vorschriften von <strong>der</strong> Herstellung bis<br />

zum Endkunden<br />

• Feststellen von Zeit, Ort und Verantwortlichen bei Transportschäden<br />

• Reduzierung von Transportschäden<br />

• Rechtzeitiges Erkennen verdeckter Transportschäden<br />

• Weniger Beanstandungen, Kostenersparnis<br />

Einsatzbereiche von Transportüberwachungsindikatoren<br />

• Paketdienste<br />

• Post-, Luft-, Seetransporte<br />

• Spediteure<br />

• Transporteure<br />

• interner Güterumschlag<br />

2.1.2 Indikatoren<br />

Die Art und <strong>der</strong> Einsatzbereich von Indikatoren sind in<br />

beschrieben.<br />

Modul 307 detailliert<br />

Transportdatenlogger<br />

Transportdatenlogger messen Transport- und Lagerbedingungen von <strong>der</strong><br />

Produktion <strong>der</strong> Ware bis zur endgültigen Verwendung bei den Kunden (und<br />

darüber hinaus). Sie messen lückenlos und sind unbestechlich.<br />

Transportbelastungen aller Art werden gemäss ihrer Programmierung<br />

zeitgenau nach Datum und Uhrzeit abgespeichert und sind über eine<br />

Datenverbindung mit einem PC auslesbar.<br />

Der Transportdatenlogger misst<br />

elektronisch Stösse, Vibrationen,<br />

Temperatur- und Luftfeuchtigkeit,<br />

Luftdruck sowie Neigungswinkel<br />

während des Transports und <strong>der</strong><br />

Lagerung. Mit <strong>der</strong> Software können<br />

721


die gewonnenen Daten statistisch<br />

und grafisch ausgewertet werden.<br />

Weitere Informationen dazu findest du im Bericht "Daten sammeln für<br />

sichere Transporte".<br />

2.2 Track and Trace<br />

Track and Trace ist die Kurzbezeichnung für die Technik zur Verfolgung von<br />

Sendungen auf ihrem Weg vom Versen<strong>der</strong> zum Empfänger. Die<br />

Sendungsverfolgung (engl: Track and Trace o<strong>der</strong> Tracking and Tracing =<br />

Verfolgung und Rückverfolgung) ist ein mo<strong>der</strong>nes System, mit dem <strong>der</strong> Status<br />

einer Lieferung sowohl vor als auch nach <strong>der</strong> Zustellung überwacht und<br />

überprüft werden kann.<br />

Die Track and Trace-Technik<br />

kommt oft bei <strong>der</strong><br />

Verfolgung von Frachtgut<br />

zum Einsatz. Die<br />

Sendungsverfolgung mit<br />

dem Track and Trace-System<br />

erleichtert auch die<br />

Überwachung und<br />

Verbesserung des<br />

Versandbetriebs und die<br />

Bearbeitung von<br />

Nachforschungsaufträgen<br />

bei nicht angekommenen<br />

Sendungen. Mo<strong>der</strong>ne<br />

Transportplanungssystem<br />

bieten solche Lösungen<br />

standardmässig an.<br />

Das normale Track and Trace beruht auf einem Barcode, <strong>der</strong> die Sendung<br />

eindeutig identifiziert. Dieser wird auf dem Weg zum Empfänger an allen<br />

wichtigen Stationen gescannt. Über ein zentrales System kann dann <strong>der</strong><br />

Status abgerufen werden. Ein möglicher Status ist zum Beispiel: "Sortiert für die<br />

Zustellung". Konkret heisst dies, dass die Sendung die Sortieranlage in einem<br />

722


Paketzentrum durchlaufen hat und vor dem Weg an den Zustellort gescannt<br />

wurde. Das Advanced Track and Trace verzichtet auf die manuelle Erfassung<br />

<strong>der</strong> Codes. Die Artikel werden mit Hilfe <strong>der</strong> RFID-Technologie an bestimmten<br />

Stationen automatisch erfasst.<br />

2.2.1 Verfolgung eines Postpakets<br />

Avisierung<br />

Die Betreiber von professionellen<br />

Online-Stores (z. B. Zalando)<br />

informieren den Kunden/die<br />

Kundin im Anschluss an die<br />

Bestellung via E-Mail über den<br />

voraussichtlichen Liefertermin.<br />

Sendungsverfolgung<br />

Wie die meisten Paketdienste<br />

bietet die Schweizer Post AG auf<br />

ihrer Website die Möglichkeit, den<br />

Status des Pakets zu überprüfen.<br />

Mit Eingabe <strong>der</strong> Sendungsnummer<br />

erhält <strong>der</strong> Kunde/die Kundin<br />

Auskunft über den Sendungsverlauf<br />

sowie den aktuellen<br />

Sendungsstatus. Die Daten, die<br />

während <strong>der</strong> Aufgabe, <strong>der</strong><br />

Verarbeitung und <strong>der</strong> Zustellung<br />

erfassten werden, sind während<br />

180 Tagen abrufbar.<br />

Mit <strong>der</strong> Sendungsnummer kann nun<br />

das Paket im Internet verfolgt<br />

werden. Solange das Paket noch<br />

nicht ausgeliefert ist, kann die<br />

Zustellung mit zusätzlichen<br />

723


Dienstleistungen etwas gesteuert<br />

resp. terminiert werden.<br />

Track and Trace finden Postkunden<br />

unter:<br />

https://www.post.ch/de/paketeversenden/.<br />

Empfang<br />

Das Paket wird am 26. Juni 2021<br />

beim Kunden ausgeliefert. Die<br />

Sendungshistorie kann mit <strong>der</strong><br />

Sendungsnummer<br />

nachvollzogen werden.<br />

724


Rücksendung<br />

Das Paket wird online zur<br />

Rücksendung angemeldet.<br />

Der Versandhändler ist nun<br />

informiert, welche Artikel in<br />

seinem Wareneingang<br />

erwartet werden.<br />

Aufgabe<br />

Das Paket wird am 30. Juni 2021<br />

am Postschalter o<strong>der</strong> einer<br />

Postagentur aufgegeben.<br />

Falls <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong> keine<br />

Rücksendeetikette erstellt hat,<br />

erhält das Paket bei <strong>der</strong> Aufgabe<br />

einen Barcode mit integrierter<br />

Nummer, <strong>der</strong> aufgeklebt wird.<br />

Damit ist das Paket eindeutig<br />

gekennzeichnet.<br />

725


Quittung<br />

Der Kunde erhält mit <strong>der</strong> Quittung<br />

eine Bestätigung, auf <strong>der</strong> die<br />

Barcode-Nummer aufgedruckt ist.<br />

Die Quittung dient als Nachweis für<br />

die Aufgabe eines Pakets und ist die<br />

Grundlage für die Haftung bei<br />

Verlust und Beschädigung.<br />

Sendungsverfolgung<br />

Die Auslieferung kann<br />

wie<strong>der</strong>um mit<br />

Sendungsnummer im<br />

Internet verfolgt resp.<br />

gesteuert werden.<br />

Der Versen<strong>der</strong> kann sich via<br />

E-Mail über den aktuellen<br />

Stand <strong>der</strong> Sendung<br />

informieren lassen.<br />

726


2.2.2 Der Status einer Sendung<br />

Die Verfolgung einer Sendung beschränkt sich nicht auf die Identifikation<br />

allein. Durch Zusatzinformationen, ebenfalls in Form eines Barcodes, kann <strong>der</strong><br />

momentane Status erfasst werden. Diese Erfassung erfolgt mit Hilfe eines<br />

Scanners. Der Ablesevorgang erfolgt in zwei Stufen: Zuerst wird <strong>der</strong> Status<br />

erfasst und danach <strong>der</strong> Identifikationscode.<br />

Welche Sendungen kann man mit Track & Trace verfolgen?<br />

Sendungstyp<br />

Express-<br />

Sendungen<br />

Pakete<br />

Briefe<br />

Sendungen<br />

SameDay Nachmittag und SameDay Abend, Swiss Express<br />

Mond<br />

PostPac Priority, PostPac Economy, Sperrgut Economy und<br />

Sperrgut Priority, PostPac Promo, Vinolog, beleglose<br />

Nachnahmen (BLN)<br />

Einschreiben (R), Gerichtsurkunden, A-Post Plus, Dispomail<br />

mit Track & Trace, eingeschriebene Betreibungsurkunden,<br />

beleglose Nachnahmen (BLN)<br />

727


Internationale<br />

Sendungen<br />

URGENT-Sendungen (weltweit), PRIORITY Plus, PostPac<br />

International PRIORITY und ECONOMY sowie Briefe<br />

"Einschreiben". Details siehe Track & Trace für internationale<br />

Sendungen<br />

2.3 Transportplanung<br />

Die Transportplanung ist eine Planungsaufgabe, die darauf abzielt,<br />

Liefertouren dahingehend vorzubereiten, dass die Fahrzeuge gut ausgelastet<br />

auf einer optimalen Route zwischen den einzelnen Abladeorten verkehren<br />

können.<br />

Angesichts steigen<strong>der</strong> Energiepreise und <strong>der</strong> Verknappung von Frachträumen<br />

verfolgt das Transportplanung primär das Ziel, anfallende Transportkosten zu<br />

optimieren. Selbstverständlich wird durch das Erreichen dieser Ziele auch <strong>der</strong><br />

ökologische Gedanken umgesetzt. Die durch eine systematische Gestaltung<br />

von Transportnetzen und <strong>der</strong>en Steuerung generierten Kosteneinsparungen<br />

dürfen jedoch nicht zu Lasten unternehmensstrategischer Faktoren gehen <strong>–</strong><br />

wie etwa Termintreue und Lieferqualität.<br />

Merke: Sämtliche dieser Aspekte zu koordinieren und in zielsichere Bahnen<br />

zu lenken, ist die zentrale Aufgabe <strong>der</strong> Transport- und Tourenplanung.<br />

2.3.1 Das Prinzip <strong>der</strong> Tourenplanung<br />

Für die Feinverteilung müssen Güter nach einem Tourenplan verladen<br />

werden. Das Prinzip <strong>der</strong> Tourenplanung ist relativ einfach. Aufgrund <strong>der</strong><br />

Abladeorte wird die Fahrtroute festgelegt. Die Disposition einer Tour fällt in das<br />

Spezialgebiet von Transportdisponenten.<br />

Last-In, First-Out (LIFO)<br />

Die einzelnen Ladeeinheiten werden nach dem Prinzip LIFO (Last-In, First-Out)<br />

auf das Fahrzeug verladen. Güter, die zuerst abgeladen werden müssen,<br />

werden also zuletzt aufgeladen und umgekehrt. Wenn dieser Grundsatz<br />

eingehalten wird, kann <strong>der</strong> Lastwagenführer seine Ladung rationell verteilen.<br />

Die Tourenplanung ist in <strong>der</strong> Regel nicht so einfach wie im dargestellten<br />

Beispiel.<br />

728


Eine effiziente Planung wird durch verschiedene Einflussfaktoren mitbestimmt.<br />

Diese sind unter an<strong>der</strong>em:<br />

• aktuelle Verkehrslage, Strassenzustand, Baustellen, Umleitungen)<br />

• Anzahl Sendungen (Volumen, Gewicht, Gefahrengut)<br />

• Anzahl Abladestellen<br />

• Fahrzeugkapazität (Eingesetzte Fahrzeuge)<br />

• Prioritäten und Wünsche <strong>der</strong> Kunden (Dringlichkeit <strong>der</strong> Lieferung, Zeitfenster für<br />

die Anlieferung)<br />

• zur Verfügung stehende Hilfsmittel (z. B. Stapler) für den Entlad <strong>der</strong> Güter<br />

• Einsatz <strong>der</strong> Lastwagenführer (z. B. Arbeits- und Ruhezeiten)<br />

Bereitstellung<br />

In Betrieben, in denen <strong>der</strong> Lastwagenführer seine Tour eigenhändig verlädt,<br />

umfasst die Vorbereitung des Transports in <strong>der</strong> Regel die fachgerechte<br />

Vorbereitung <strong>der</strong> Versandeinheiten und die Bereitstellung nach Abladeort in<br />

einer dafür vorgesehenen Zone. So kann <strong>der</strong> Lastwagenführer die<br />

Ladeeinheiten nach <strong>der</strong> Fahrtroute selbst zusammenstellen.<br />

2.3.2 Die Tourenplanung<br />

Die Tourenplanung ist ein Planungsvorgang, bei dem (Transport-)Aufträge zu<br />

Touren gruppiert und in eine Reihenfolge gebracht werden. Dabei wird in <strong>der</strong><br />

Regel eine Tour von einer Person o<strong>der</strong> einem Fahrzeug durchgeführt. Dieser<br />

Planungsprozess ist in allen Bereichen bedeutend, in denen eine Vielzahl von<br />

729


Aufträgen und Touren geplant werden müssen. Beispiele sind die Belieferung<br />

von Filialen eines Händlers, die Abholung von Post, die Mülleinsammlung, die<br />

Personenbeför<strong>der</strong>ung und <strong>der</strong> Einsatz von Servicepersonal. Bei regelmässigen<br />

Strecken wie im Kurier-Express-Paket-Dienst bilden sich so<br />

Transportnetzstrukturen. Bei den (Transport-) Aufträge wird zwischen Stückgut<br />

(z. B. Palettentransport), Schüttgut (z. B. Sand) und Personentransport<br />

unterschieden.<br />

Manuelle Transportplanung<br />

Die Transportdisponenten in kleineren Betrieben führen die Tourenplanung<br />

manuell durch. Die einzelnen Touren werden auf <strong>der</strong> Landkarte zu einem<br />

sinnvollen Tourenplan zusammengesetzt, ohne dass die Kosten optimiert<br />

werden können.<br />

Computergestützte Transportoptimierung<br />

Es ist schwierig, komplexe Transport- und Tourenplanung manuell zu<br />

optimieren. Deshalb werden mit mathematischen Modellen Programme<br />

realisiert, die die Disponenten unterstützen. Computergestützte Transport- und<br />

Tourenplanung bezeichnet man als "Transportoptimierung". Sie umfasst vier<br />

Schwerpunkte:<br />

• Planung einer optimalen Fahrstrecke zur rationellen Güterverteilung<br />

• möglichst rationeller (kostengünstiger) Einsatz <strong>der</strong> Fahrzeuge<br />

• vorschriftsgemässe und optimale Beladung <strong>der</strong> Fahrzeuge<br />

• automatische Weitergabe <strong>der</strong> notwendigen Daten (papierloser Transport)<br />

Die Optimierungssoftware kann in <strong>der</strong> Regel nicht einfach "von <strong>der</strong> Stange"<br />

beschafft werden. Diese Programme arbeiten dann optimal, wenn sie für den<br />

Einsatz auf einen ganz bestimmten Betrieb abgestimmt sind. Die Software<br />

muss parametriert sein. Das heisst, dass sämtliche Einsatzbedingungen<br />

(sogenannte Parameter) zuerst erfasst und eingegeben werden müssen.<br />

730


Das Bild zeigt in <strong>der</strong> Mitte drei verplante Fahrzeuge. Im rechten Teil und im<br />

unteren Bild sind Details zu einer Tour ersichtlich. Der Kartenausschnitt zeigt<br />

<strong>der</strong>en Verlauf. Von den einzelnen Touren können auch weitere<br />

Planungsdetails aufgezeigt werden; das obere rechte Fenster zeigt<br />

beispielsweise das Belastungsdiagramm des Fahrzeugs.<br />

731


Modul 803_Betriebssoftware<br />

Ausgangslage<br />

Vom Einzelunternehmen bis hin zum Grossbetrieb: Im schnelllebigen, digitalen<br />

Zeitalter ist es in jedem Unternehmen wichtig, die Arbeitszeit bestmöglich zu nutzen.<br />

Nur jene Unternehmen, die ihre Daten im Griff haben, können das Optimum erzielen -<br />

und zwar zu je<strong>der</strong> Zeit, an jedem Ort, angepasst an die individuellen Bedingungen<br />

<strong>der</strong> <strong>Entersite</strong> AG, ihrer Lieferanten und Kunden.<br />

732


Fachartikel Modul 803<br />

3. Betriebssoftware<br />

3.1 ERP (Enterprise Ressource Planning)<br />

Ein ERP-System ist eine komplexe Anwendung. Es handelt sich um eine Vielzahl<br />

miteinan<strong>der</strong> kommunizieren<strong>der</strong> Anwendungssoftwares bzw. IT-Systeme,<br />

die als Ganzes zur Unterstützung <strong>der</strong> Ressourcenplanung des Unternehmens<br />

eingesetzt werden. Komplexe ERP-Systeme werden häufig in Teilsysteme<br />

(Anwendungsmodule) aufgeteilt, die je nach Unternehmensbedarf<br />

miteinan<strong>der</strong> kombiniert und auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten<br />

eingesetzt werden können.<br />

3.2 Costumer-Relationship-Management (CRM)<br />

Ein grosses und bekanntes Element ist das Customer-Relationship-<br />

Management (CRM). CRM heisst auf Deutsch<br />

Kundenbeziehungsmanagement und umschreibt die Ausrichtung eines<br />

Unternehmens auf seine Kunden. Die grundlegenden Ziele sind die<br />

Kundengewinnung und Kundenbindung. CRM befasst sich damit,<br />

Geschäftsprozesse rund um bestehende und potenzielle Kunden zu gestalten<br />

und zu optimieren.<br />

733


Das Marketing kann sich durch die Erfassung aller relevanten Daten mit einer<br />

?? CRM-Software genau auf die Bedürfnisse von Kunden ausrichten und wird<br />

demzufolge Beziehungsmarketing genannt. Dieses Managementkonzept<br />

ermöglicht die Steigerung des Unternehmenserfolges.<br />

Wenn von CRM gesprochen wird, ist für gewöhnlich einer <strong>der</strong> folgenden drei<br />

Punkte gemeint:<br />

• CRM als Software: Sie bietet die technologische Grundlage für die Erfassung,<br />

Analyse und Darstellung unternehmerischer Interaktionen mit Kunden o<strong>der</strong><br />

an<strong>der</strong>en Beziehungen.<br />

• CRM als Strategie: Hier ist die bewusste Ausrichtung unternehmerischer<br />

Prozesse auf den Kunden bzw. eine optimale Kundenerfahrung gemeint.<br />

• CRM als Prozess: Damit sind die umfangreichen Prozesse zur<br />

Kundenausrichtung gemeint. Diese umfassen nicht nur die technologischen,<br />

son<strong>der</strong>n auch strategischen und systematischen Vorgehensweisen eines<br />

Unternehmens.<br />

3.3 Vertrieb/Marketing<br />

Vertrieb (auch Absatz o<strong>der</strong> Sales) bezeichnet den gesamten Verkaufsprozess<br />

eines Produktes o<strong>der</strong> einer Dienstleistung. Der Vertrieb beinhaltet die<br />

Identifikation von ?? Zielgruppe(n) sowie das Ansprechen und<br />

die Akquise von Interessenten. Er umfasst den eigentlichen Verkauf bis hin<br />

zur Lieferung des Produktes an den Kunden. In den letzten Jahren zählt man<br />

verstärkt auch die anschliessende Betreuung zum Vertrieb, da hieraus<br />

ebenfalls neue Verkäufe generiert werden können.<br />

Marketing hat die Aufgabe, herauszufinden, welche Produkte und Dienstleistungen<br />

vom Markt, das heisst von den Kunden, gewünscht werden. Das Ziel<br />

ist, das zu produzieren, was die Kunden zu kaufen bereit sind und zwar in <strong>der</strong><br />

Menge, die sie auch kaufen werden. Marketing will aber auch herausfinden,<br />

ob und wie sich die Kunden beeinflussen lassen, ihnen unbekannte Produkte<br />

zu kaufen.<br />

734


3.4 Personalwesen<br />

Ziele des Personalwesens sind:<br />

• die Sicherung von Effizienz und Produktivität<br />

• die Sicherung <strong>der</strong> Arbeitsplätze<br />

• die Sicherung <strong>der</strong> Arbeitsfähigkeit und -motivation<br />

• das Gewinnen und Halten geeigneter Mitarbeiten<strong>der</strong> zu vertretbaren Kosten<br />

• die Gestaltung und Verbesserung des Arbeitsklimas und <strong>der</strong> Führungskultur<br />

• die Bündelung aller Kräfte auf das Unternehmensziel.<br />

3.5 Produktionsplanung und-Steuerung (PPS)<br />

Die Produktionsplanung und -steuerung, kurz PPS, ist ein Grenzgebiet zwischen<br />

Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik. Unter <strong>der</strong><br />

Produktionsplanung und -steuerung versteht man die Planung, Veranlassung<br />

und Überwachung <strong>der</strong> Fertigung bezüglich <strong>der</strong> Menge und <strong>der</strong> Termine. Die<br />

PPS erstreckt sich nicht allein auf die Fertigung, son<strong>der</strong>n umfasst auch die<br />

vorgelagerten Bereiche (Beschaffungslogistik) und nachgelagerten<br />

Tätigkeiten (Distributionslogistik). Eine grosse Rolle spielt dabei die<br />

Materialwirtschaft.<br />

735


3.5.1 Aufgaben <strong>der</strong> PPS<br />

Die Aufgaben <strong>der</strong> Produktionsplanung und -steuerung umfassen im<br />

Wesentlichen Folgendes:<br />

• Arbeitsplanung, Planung <strong>der</strong> Durchlaufzeiten<br />

• Materialwirtschaft (Koordination <strong>der</strong> Beschaffung und Lagerung)<br />

• Festlegen <strong>der</strong> Fertigungsart und Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />

• Versand (Distributionslogistik)<br />

Durchlaufzeit optimieren<br />

Einer <strong>der</strong> wichtigsten Faktoren für die Produktionsplanung ist die Durchlaufzeit.<br />

Die Durchlaufzeit ist die Zeit, die ein Produkt benötigt, um alle<br />

Produktionsschritte zu durchlaufen. Erst wenn die Durchlaufzeit bekannt ist,<br />

kann die Auslastung <strong>der</strong> Maschinen berechnet werden. Die PPS muss die<br />

Planung täglich (o<strong>der</strong> öfter) überprüfen und neu berechnen. Störungen an<br />

Maschinen o<strong>der</strong> fehlendes Material wirken sich sofort auf alle Arbeitsprozesse<br />

aus.<br />

Die folgenden Massnahmen unterstützen die Optimierung <strong>der</strong><br />

Produktionsprozesse:<br />

• Verwendung eines PPS-Systems, das die Reduktion <strong>der</strong> Durchlaufzeiten<br />

unterstützt<br />

• Reduktion <strong>der</strong> Losgrösse, damit das System nicht "verstopft"<br />

• Reduktion <strong>der</strong> Umrüstzeiten<br />

• Vermeidung von langen Transportwegen, Warte- und Liegezeiten<br />

• Reduktion <strong>der</strong> Lagerbestände<br />

Lagerbestände sind aus verschiedenen Gründen nötig:<br />

• Erhaltung <strong>der</strong> Lieferbereitschaft<br />

• Ausgleich von Wie<strong>der</strong>beschaffungsfristen<br />

• Ausgleich von Bedarfsschwankungen<br />

• Produktion wirtschaftlicher Seriengrössen<br />

736


Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen <strong>der</strong> Reduktion <strong>der</strong><br />

Durchlaufzeiten und <strong>der</strong> Senkung <strong>der</strong> Lagerbestände. Die PPS strebt zusätzlich<br />

zur Reduktion <strong>der</strong> Durchlaufzeiten auch die Senkung <strong>der</strong> Lagerbestände an.<br />

3.6 Projektmanagement<br />

Projekte begegnen uns überall; sei es ein Hausputz, ein Umzug o<strong>der</strong> eine<br />

Hochzeit. Abhängig von <strong>der</strong> Komplexität des Projekts müssen wir mal mehr,<br />

mal weniger organisieren und koordinieren (=managen). Der Umfang eines<br />

Projektes kann somit variieren. Der Begriff Projektmanagement steht dafür,<br />

das Projekt unabhängig <strong>der</strong> Grösse zu managen.<br />

• Festlegung <strong>der</strong> Ziele <strong>der</strong> Organisation<br />

• Entwicklung einer Strategie zur Zielerreichung<br />

• Organisation und Koordination <strong>der</strong> Produktionsfaktoren<br />

• Führung <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />

3.7 Qualitätsmanagement<br />

Zur Qualitätssicherung zählen alle Massnahmen, die getroffen werden, um<br />

eine gleichbleibende Qualität von Produkten o<strong>der</strong> Dienstleistungen<br />

sicherzustellen. Die Qualitätssicherung hat nicht für alle Betriebe den gleichen<br />

Stellenwert. Sehr wichtig ist sie zum Beispiel für Nahrungsmittel- und<br />

Pharmabetriebe, weil die Gesundheit und das Wohlbefinden <strong>der</strong> Menschen<br />

ein hohes Gut sind, das nicht gefährdet werden darf. In <strong>der</strong> Flugzeugindustrie<br />

geht die Qualitätssicherung z. B. so weit, dass jedes Teil ein Zertifikat trägt, das<br />

über Herkunft und verwendete Materialien Auskunft gibt. Wie an<strong>der</strong>swo wird<br />

lei<strong>der</strong> auch in <strong>der</strong> Qualitätssicherung geschummelt und es kam schon vor,<br />

dass gefälschte Zertifikate im Umlauf waren. Dies ist eine zusätzliche<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung für die Kontrollpersonen.<br />

Die Kontrolle <strong>der</strong> Qualität hat in den meisten Betrieben eine grosse<br />

Bedeutung, vor allem in jenen, <strong>der</strong>en Produktion von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong><br />

(zugekauften) Einzelteile abhängt. Für die Qualitätskontrolle sind in <strong>der</strong> Regel<br />

speziell geschulte Mitarbeitende zuständig. Ihr Arbeitsplatz ist die Qualitätsprüf-<br />

stelle o<strong>der</strong> ein eigens dafür eingerichtetes Prüflabor, in dem die<br />

Materialien auf "Herz und Nieren" geprüft werden können.<br />

737


3.8 Finanzbuchhaltung (FIBU)<br />

Ein weiterer Begriff in <strong>der</strong> Unternehmenssoftware ist die Finanzbuchhaltung<br />

(FIBU). Das Ziel <strong>der</strong> Finanzbuchhaltung besteht darin, das Gesamtergebnis<br />

eines Unternehmens zu ermitteln, um die Vermögensverhältnisse und<br />

Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Bestände zu dokumentieren. Die Dokumentation zeigt<br />

dem Unternehmen auf, wie viel Gewinn o<strong>der</strong> Verlust in <strong>der</strong> Rechnungsperiode<br />

gemacht wurde. Informationen darüber sind nicht nur für das eigene<br />

Unternehmen wichtig, son<strong>der</strong>n auch für Anteilseigner o<strong>der</strong> Gläubiger. Durch<br />

die Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung sowie einer Bilanz lässt sich<br />

eine Aussage darüber machen, wie gut es einem Unternehmen geht.<br />

3.8.1 Rechnungswesen<br />

In grossen Unternehmen wird die Finanzbuchhaltung in Kreditoren- und die<br />

Debitorenbuchhaltung aufgeteilt.<br />

• Die ?? Kreditorenbuchhaltung umfasst die Zahlungsverpflichtungen des<br />

Unternehmens. Sie ist also für die Eingangsrechnungen verantwortlich (Kreditor<br />

= Lieferant).<br />

• Die ?? Debitorenbuchhaltung beinhaltet die Aussenstände, also die<br />

For<strong>der</strong>ungen des Unternehmens. Hier werden die Ausgangsrechnungen<br />

verwaltet (Debitor = Kunde).<br />

3.8.2 Controlling<br />

Controlling gehört zum betrieblichen Rechnungswesen. Das Controlling hat<br />

die Aufgabe, alle Geschäftsvorgänge in einem Unternehmen zu kontrollieren.<br />

Aus diesen Daten werden Analysen erstellt, die einen genauen Überblick<br />

geben, wie das Unternehmen in Sachen Rentabilität, Gewinn und Wert<br />

aufgestellt ist.<br />

3.9 Materialwirtschaft (MaWi)<br />

Die beiden Wörter, aus denen sich <strong>der</strong> Begriff "Materialwirtschaft"<br />

zusammensetzt, umschreiben das Tätigkeitsgebiet dieser Disziplin treffend. Das<br />

Wort "Material" kann auch durch "Waren" o<strong>der</strong> "Güter" ersetzt werden. Mit<br />

"Materialwirtschaft" ist also die Bewirtschaftung von Waren o<strong>der</strong> Gütern<br />

gemeint.<br />

738


International tätige Unternehmen verwenden oft den Begriff<br />

"Materialmanagement", eine direkte Übersetzung des englischen Begriffs<br />

"materials management". Mit welchem Begriff die Materialwirtschaft auch<br />

immer bezeichnet wird: Sie beschäftigt sich mit <strong>der</strong> Verwaltung, Planung und<br />

Steuerung von Materialbewegungen. In Produktionsbetrieben steht die<br />

Versorgung <strong>der</strong> Produktion mit den notwendigen Gütern im Zentrum.<br />

Materialwirtschaft ist also eng mit <strong>der</strong> PPS verbunden.<br />

3.9.1 Einkauf<br />

Der Einkauf ist die Summe aller operativen und strategischen Tätigkeiten (<br />

Modul 301) eines privaten o<strong>der</strong> öffentlichen Unternehmens, die im Rahmen<br />

<strong>der</strong> Beschaffung von Werkstoffen, Waren, Betriebsmitteln und Dienstleistungen<br />

durchzuführen sind. Der Begriff Einkauf wird häufig enger verstanden als <strong>der</strong><br />

Begriff Beschaffung, da sich die Beschaffung zusätzlich mit Tätigkeiten <strong>der</strong><br />

Beschaffungslogistik beschäftigt. Zielsetzung des Einkaufs ist die<br />

Sicherstellung <strong>der</strong> Versorgung (Ort, Termin, Menge, Qualität) und die<br />

Optimierung des Preis-Leistungsverhältnisses <strong>der</strong> Beschaffungsobjekte.<br />

Festlegung <strong>der</strong> Einkaufspolitik, die Beschaffungsmarktforschung, die<br />

Abwicklung des Beschaffungsprozesses und das Einkaufscontrolling sind<br />

Tätigkeiten im Einkauf. Der Einkauf übernimmt inzwischen oftmals auch die<br />

Aufgaben des Lieferantenbeziehungsmanagements.<br />

3.9.2 E-Commerce<br />

Digitale Technologien bilden die Basis des Electronic Commerce. Anbieter<br />

und Abnehmer tauschen im Rahmen des E-Commerce Daten auf digitalem<br />

Weg aus. Dabei können sehr unterschiedliche Technologien beteiligt sein: Die<br />

Bandbreite reicht von einfacher Funktechnologie (z. B. Bluetooth) bis hin zu<br />

hochkomplexen, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Systemen. Neben<br />

Kommunikationstechnologien wie Internet und Telefonie kommen auch<br />

elektronische Datenbanken und Textverarbeitungssoftware zum Einsatz,<br />

dienen Social Media o<strong>der</strong> Fernsehen als Werbekanal, wird <strong>der</strong><br />

Zahlungsverkehr via Onlinebanking abgewickelt und übernehmen Chatbots<br />

den Kundenservice. Auf diese Weise entsteht eine weitverzweigte digitale<br />

Infrastruktur aus drahtlosen o<strong>der</strong> drahtgebundenen Netzwerken. Den<br />

gemeinsamen Nenner bildet die Tatsache, dass räumliche Distanzen überwunden<br />

werden. Mitunter ersetzt dies den physischen Kontakt komplett. E-<br />

739


Commerce erübrigt Konsumenten den Gang in ein stationäres Geschäft o<strong>der</strong><br />

die Beratung von Angesicht zu Angesicht.<br />

740


Fachartikel Modul 804<br />

4. Computergrundlagen<br />

Nach dem Einschalten wird die Firmware automatisch ausgeführt (bootet).<br />

Die angeschlossenen Geräte werden überprüft, und anschliessend wird das<br />

Betriebssystem geladen. Das Anmeldefenster und die Benutzeroberfläche<br />

werden angezeigt.<br />

Warte immer bis zum Ende des Startvorgangs, bevor du externe<br />

Speichermedien wie USB-Sticks o<strong>der</strong> SSDs anschliesst, welche persönliche<br />

Daten enthalten.<br />

4.1 Anmeldung<br />

In Unternehmen, Schulen und an<strong>der</strong>en Einrichtungen arbeitet man in einer<br />

vernetzten Umgebung. Bei einem Computer mit mehreren<br />

Benutzern/Accounts gibt es "gemeinsame" sowie "eigene Bereiche", auf die<br />

zugegriffen werden kann.<br />

Um deinen Computer bei einer Domain anzumelden, benötigst du einen<br />

Benutzernamen und ein Kennwort. Je nach Hardware kannst du dich mit<br />

einer PIN, einem Bildcode (Face ID), per Fingerabdruck- o<strong>der</strong> Iriserkennung<br />

anmelden.<br />

Dies sichert deine Zugriffsrechte und verhin<strong>der</strong>t, dass an<strong>der</strong>e Nutzer deine<br />

Dateien einsehen können.<br />

In <strong>der</strong> Regel haben die Nutzer eingeschränkte Zugriffsrechte.<br />

Uneingeschränkte Rechte hat in <strong>der</strong> Regel nur <strong>der</strong> Administrator.<br />

Wenn du deinen Computer gestartet hast, erscheint ein Anmeldefenster, bei<br />

dem du deinen Benutzernamen und das Passwort eingeben musst (dies<br />

erhältst du von deinem Administrator).<br />

741


4.2 Die Desktop-Oberfläche<br />

Nachdem du deinen Benutzernamen und dein Passwort eingegeben und auf<br />

die Schaltfläche Enter geklickt hast, erscheint die Desktop-Oberfläche =<br />

Schreibtisch.<br />

5<br />

Papierkorb<br />

Zugriff auf Ordner und Dateien<br />

Desktop<br />

Suche<br />

Internet<br />

Lautsprecher<br />

Akku<br />

Datei-Explorer<br />

Taskleiste<br />

Startmenu<br />

Startmenu<br />

Das Startmenü ist das wichtigste Element, auf das du<br />

zugreifen musst, um eine Anwendung zu starten.<br />

Klicke auf die Start-Schaltfläche und aktiviere Alle Apps, um<br />

die vollständige Liste <strong>der</strong> unterschiedlichen Anwendungen<br />

anzuzeigen.<br />

Datei-<br />

Explorer<br />

Du kannst den Datei-Explorer aufrufen, indem du die<br />

entsprechende Schaltfläche auswählst. Für jeden Benutzer<br />

erstellt Windows 11 einen persönlichen Ordner, in dem alle<br />

Dateien (Post, Tabellenkalkulationen, Fotos, Musik usw.)<br />

gespeichert werden können.<br />

Windows 11 hat in diesem persönlichen Ordner die<br />

Unterordner vorgesehen: Kontakte, Büro, Dokumente,<br />

Downloads, Favoriten, Links, Musik, Bil<strong>der</strong>, Gespeicherte<br />

Partien, Suchen, OneDrive, Videos. Persönliche Ordner, die<br />

auf dem Computer gespeichert sind, werden unter dem<br />

"Benutzer" gespeichert, <strong>der</strong> sich im Stammverzeichnis des<br />

Laufwerks C: befindet. Standardmässig verfügst du nicht<br />

über die erfor<strong>der</strong>lichen Berechtigungen, um auf die<br />

persönlichen Ordner an<strong>der</strong>er Nutzer zuzugreifen. Windows 11<br />

742


esitzt einen öffentlichen Ordner für Dateien, welche mit<br />

weiteren Computerbenutzern geteilt werden können.<br />

Suchen<br />

Mit <strong>der</strong> Schaltfläche Suchen, die in <strong>der</strong> Taskleiste ersichtlich<br />

ist, kannst du nach Dateien, Anwendungen und Webseiten<br />

suchen.<br />

Papierkorb<br />

Taskleiste<br />

Das Symbol des Papierkorbs verän<strong>der</strong>t sich, wenn er leer ist<br />

o<strong>der</strong> Dateien enthält.<br />

• Dateien anzeigen: Öffne den Papierkorb mit einem<br />

Doppelklick.<br />

• Datei wie<strong>der</strong>herstellen: Wähle die Datei aus, die du<br />

wie<strong>der</strong>herstellen möchtest, und aktiviere dann die<br />

Option Wie<strong>der</strong>herstellen.<br />

• Dateien löschen: Wähle die Datei im Papierkorb aus<br />

und klicke dann auf die Schaltfläche Löschen.<br />

Um auf die Einstellungen <strong>der</strong> Taskleiste zuzugreifen, rufe das<br />

Kontextmenü (rechte Maustaste) <strong>der</strong> Taskleiste auf und<br />

aktiviere die Option Einstellungen <strong>der</strong> Taskleiste. Das Fenster<br />

mit den Personalisierungseinstellungen wird geöffnet, und du<br />

kannst die gewünschten Än<strong>der</strong>ungen vornehmen.<br />

Aktivieren einer Anwendung in <strong>der</strong> Taskleiste:<br />

Um eine Anwendung in <strong>der</strong> Taskleiste zu platzieren, rufst du<br />

ebenfalls das Kontextmenü (rechte Maustaste) <strong>der</strong><br />

Anwendung auf. Klicke auf An Taskleiste anheften.<br />

Internet<br />

Einstellungen für Internet und Wifi kannst du mit dem Symbol<br />

aufrufen.<br />

Lautsprecher<br />

Dieses Symbol zeigt an, ob <strong>der</strong> Lautsprecher ein- o<strong>der</strong><br />

ausgeschaltet ist.<br />

Akkus<br />

Dieses Symbol visualisiert den Akkustand.<br />

Desktop /<br />

Hintergrund<br />

anpassen<br />

• Rufe das Kontextmenü des Desktops auf (Rechtsklick<br />

mit <strong>der</strong> Maus).<br />

• Wähle die Option Anpassen.<br />

• Aktiviere die Kategorie Hintergründe unter<br />

Personalisierung.<br />

743


Wähle das gewünschte Bild als Hintergrund sowie eine <strong>der</strong><br />

folgenden Optionen aus dem Dropdown-Menü<br />

Anpassungen:<br />

• Ausfüllen: Der komplette Hintergrund wird mit dem Bild<br />

befüllt (Bild kann verpixeln).<br />

• Anpassen: Bild wird vergrössert, bis zwei Seiten an den<br />

Desktoprand kommen.<br />

• Dehnen: Bild wird verzerrt, bis <strong>der</strong> komplette Desktop<br />

ausgefüllt ist.<br />

• Kachel: Wie<strong>der</strong>holt das Bild so, dass es den<br />

Hintergrund des Desktops ausfüllt.<br />

• Zentrieren: Rahmt das Bild in <strong>der</strong> Mitte des Desktops in<br />

<strong>der</strong> Originalgrösse ein.<br />

• Strecken: Bild wird auf die Grösse des Desktops<br />

gestreckt, bis <strong>der</strong> Bildrand oben/unten an den<br />

Bildschirmrand kommt.<br />

Du kannst selbst ein Hintergrundbild auswählen, indem du<br />

beim Bereich Hintergrund auf den Button Durchsuchen<br />

klickst.<br />

?? Merke: Der Desktop = Schreibtisch ist <strong>der</strong> Ort, von dem aus du deine<br />

Handlungen steuern wirst.<br />

4.3 Einen Ordner erstellen/benennen<br />

• Öffne den Datei-Explorer in <strong>der</strong> Taskleiste.<br />

• Aktiviere den Ordner, in dem du deine Ordner und Unterordner erstellen<br />

möchtest (in <strong>der</strong> Regel verwendest du den Ordner Dokumente).<br />

Um einen Ordner zu erstellen, aktiviere das Werkzeug Neu in <strong>der</strong> Symbolleiste<br />

und dann Ordner (Rechtsklick mit <strong>der</strong> Maus o<strong>der</strong> Tastaturkürzel: Ctrl+Shift+N).<br />

• Du kannst deinen Ordner benennen und dann mittels <strong>der</strong> Eingabetaste<br />

(Enter) bestätigen.<br />

• Du kannst deinen Ordner umbenennen, indem du diesen auswählst,<br />

rechte Maustaste betätigst und den Abschnitt Umbenennen wählst.<br />

• Nach dem Öffnen des neu erstellten Ordners kannst du auf die gleiche<br />

Weise Unterordner erstellen. Mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl+C und<br />

Ctrl+V kannst du deinen Ordner kopieren und an einer von dir<br />

ausgewählten Stelle einfügen.<br />

744


4.4 Account öffnen/schliessen o<strong>der</strong> aktivieren.<br />

Ein Laptop kann über mehrere Benutzer-Oberflächen (Accounts) verfügen.<br />

Bei einem Benutzerwechsel gibt es zwei An-/Abmeldemöglichkeiten.<br />

Aktiviere die Schaltfläche und dann das Benutzersymbol<br />

am unteren Rand des Fensters.<br />

• Um einen Benutzer anzumelden und die aktuelle Sitzung<br />

zu schliessen, aktiviere die Option Abmelden und melde<br />

anschliessend das gewünschte Benutzerkonto an.<br />

• Um einen Benutzer anzumelden, ohne den aktuellen<br />

Benutzer zu schliessen, melde den Namen des Benutzers<br />

an, den du öffnen möchtest (wenn <strong>der</strong> Account bereits<br />

geöffnet ist, bleibt dies im Hintergrund "ausstehend").<br />

• Um den Account zu schliessen, klicke auf Abmelden. Das<br />

Abmelden bewirkt, dass alle von diesem Benutzer<br />

geöffneten Dateien und Anwendungen geschlossen werden.<br />

Speichere gegebenenfalls alle Än<strong>der</strong>ungen, die du an den geöffneten<br />

Dateien vorgenommen hast.<br />

4.5 Herunterfahren, Ruhezustand (Energie sparen) o<strong>der</strong> Neustart<br />

Du kannst auswählen, ob <strong>der</strong> Computer heruntergefahren, in den<br />

Ruhezustand (Energie<br />

sparen) versetzt o<strong>der</strong> neu gestartet werden<br />

soll, indem du die<br />

Schaltfläche und dann das Symbol Ein/Aus<br />

aktivierst.<br />

Im Modus Energie sparen bleibt <strong>der</strong> Computer eingeschaltet, verbraucht<br />

aber weniger Energie. Die Anwendungen bleiben geöffnet, sodass du nach<br />

dem Beenden des Standby-Modus dort weitermachen kannst, wo du<br />

aufgehört hast.<br />

4.6 Anwendung beenden bei einem Systemabsturz<br />

Wenn ein Programm nicht mehr reagiert und <strong>der</strong> Computer blockiert ist, musst<br />

du das Programm über den Task-Manager beenden.<br />

• Starte den Task-Manager mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl+Alt+Entf.<br />

• Klicke auf Task-Manager.<br />

• Wähle die Anwendung, die du zum Beenden zwingen möchtest, und<br />

klicke auf die<br />

Schaltfläche.<br />

• Es kann vorkommen, dass du mehrmals auf die Schaltfläche Task<br />

beenden klicken musst.<br />

745


Fachartikel Modul 805<br />

5. Office 365 Word<br />

Um ein neues Dokument zu öffnen, wähle Datei <strong>–</strong> NEU. Um ein neues<br />

Dokument mit einer Vorlage zu erstellen, wähle den Link Weitere Vorlagen,<br />

um anschliessend auf die Miniaturansicht <strong>der</strong> Vorlagen zu gelangen.<br />

Auf <strong>der</strong> Startseite von Word haben wir die Möglichkeit, kürzlich geschlossene<br />

Dateien zuletzt verwendet direkt zu öffnen.<br />

WICHTIG: Wenn die Datei gelöscht o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Speicherort verän<strong>der</strong>t wurde,<br />

lässt sich diese nicht mehr über diesen Weg öffnen.<br />

5.1 Arbeitsfläche <strong>–</strong> Übersicht<br />

Das Menüband <strong>–</strong><br />

Multifunktionsleiste<br />

Anzeigeeinstellungen<br />

und Zoom<br />

Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle<br />

<strong>der</strong> Anwendung. Die unterschiedlichen Befehle sind<br />

in Gruppen zusammengefasst, wobei jede dieser<br />

Gruppen durch eine Registerkarte dargestellt wird<br />

(Datei, Start, Einfügen usw.). Jede Registerkarte<br />

enthält mehrere Gruppen von Befehlen, in denen<br />

die Schaltflächen angeordnet sind.<br />

Verwende den Befehl Seitenmodus auf <strong>der</strong> rechten<br />

Seite <strong>der</strong> Statusleiste, um den Anzeigemodus zu<br />

än<strong>der</strong>n. Mit <strong>der</strong> Zoom-Funktion kann das angezeigte<br />

Bild vergrössert / verkleinert werden.<br />

746


5.2 Text verfassen<br />

Alles anzeigen<br />

Dokument<br />

Zeichen, Wörter<br />

o<strong>der</strong> Absätze<br />

löschen<br />

Grossbuchstaben in<br />

Kleinbuchstaben<br />

umwandeln und<br />

umgekehrt<br />

Rückgängig<br />

machen o<strong>der</strong><br />

wie<strong>der</strong>herstellen<br />

Seitenumbruch<br />

einfügen<br />

Aktiviere die Schaltfläche Alle<br />

anzeigen (Ctrl+Shift +*), um nicht<br />

druckbare Zeichen anzuzeigen.<br />

Schreibe den Text im Dokument. Wenn die<br />

Einfügemarke das Ende einer Zeile erreicht, setzt Word<br />

sie automatisch an den Anfang <strong>der</strong> nächsten Zeile<br />

zurück. Verwende die Taste Zeilenschaltung (Enter)<br />

nur, wenn du zwischen Absätzen wechseln musst. Mit<br />

<strong>der</strong> Taste Shift (Umschalt)+Enter kannst du den Text in<br />

die Zeile zwingen, während du im Absatz bleibst. Mit<br />

<strong>der</strong> Umschalttaste (Shift) kannst du das Zeichen in<br />

Grossbuchstaben eingeben.<br />

Drücke die Taste Delete, um das nächste Zeichen zu<br />

löschen, und die Backspace-Taste, um das vorherige<br />

Zeichen zu löschen. Um ein ganzes Wort zu löschen,<br />

wähle dieses mit einem Doppelklick aus und drücke<br />

eine <strong>der</strong> Löschtasten.<br />

Zum Umwandeln von Grossbuchstaben in<br />

Kleinbuchstaben und umgekehrt, verwendest<br />

du das Werkzeug Gross-/Kleinschreibung<br />

än<strong>der</strong>n auf <strong>der</strong> Registerkarte Start.<br />

Um einen Vorgang rückgängig zu machen o<strong>der</strong><br />

wie<strong>der</strong>herzustellen, klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Start auf den Rückgängig-Pfeil o<strong>der</strong> den<br />

Wie<strong>der</strong>herstellen-Pfeil.<br />

Um einen Seitenumbruch innerhalb einer Seite<br />

einzufügen, drücke die Tastenkombination Ctrl + Enter<br />

o<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen -> Seitenumbruch<br />

einfügen.<br />

747


5.2.1 Sich im Text bewegen<br />

Mit den folgenden Tastenkombinationen solltest du schneller sein als mit <strong>der</strong><br />

Maus.<br />

Um dich im Text Buchstabe für Buchstabe zu<br />

bewegen, entwe<strong>der</strong> mit dem Pfeil nach links /<br />

o<strong>der</strong> nach rechts.<br />

Um dich im Text Wort für Wort zu bewegen,<br />

entwe<strong>der</strong> mit dem Pfeil nach links / o<strong>der</strong> nach<br />

rechts.<br />

Um dich im Text von Zeile zu Zeile zu bewegen,<br />

entwe<strong>der</strong> mit dem Aufwärtspfeil o<strong>der</strong> mit dem<br />

Abwärtspfeil.<br />

Um dich im Text von Absatz zu Absatz zu<br />

bewegen, entwe<strong>der</strong> mit dem Aufwärtspfeil o<strong>der</strong><br />

mit dem Abwärtspfeil.<br />

Setze den Cursor an den Anfang <strong>der</strong> Zeile.<br />

Setze den Cursor an das Ende <strong>der</strong> Zeile.<br />

Setze den Cursor an den Anfang des Dokuments.<br />

Setze den Cursor an das Ende des Dokuments.<br />

5.2.2 Textfeld erstellen<br />

Mit einem Textfeld kannst du Text an einer beliebigen Stelle auf <strong>der</strong> Seite<br />

positionieren. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die<br />

Schaltfläche Textfeld und dann auf das Icon Textfeld.<br />

Der Mauszeiger verwandelt sich in eine +.<br />

Ziehe das Textfeld durch Klicken und Ziehen nach und füge dann deinen Text<br />

ein.<br />

748


5.2.3 WordArt-Objekt<br />

Um Spezialeffekte anzuwenden, gehe wie folgt vor:<br />

• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> du das WordArt-<br />

Objekt einfügen möchtest.<br />

• Auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen klickst du auf die<br />

Schaltfläche<br />

• Klicke auf die gewünschte Textformatierung (Texteffekte). Das Word Art-<br />

Objekt erscheint im Dokument und die kontextsensitive Registerkarte<br />

Formformat ist in <strong>der</strong> Multifunktionsleiste ausgewählt.<br />

• Füge deinen Text ein und än<strong>der</strong>e dann die Form mit <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Formatieren.<br />

5.2.4 Datum und Uhrzeit<br />

Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Datum eingefügt<br />

werden soll. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche<br />

Datum und Uhrzeit. Wähle das verfügbare Format, die Sprache und eventuell<br />

automatisch aktualisieren.<br />

5.2.5 Symbole<br />

Mit dieser Technik kannst du Zeichen einfügen, die auf deiner Tastatur nicht<br />

vorkommen. Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Symbol<br />

erscheinen soll. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die<br />

Schaltfläche Symbol.<br />

Wenn dir eines <strong>der</strong> vorgeschlagenen Symbole gefällt, klicke darauf, um es<br />

einzufügen. An<strong>der</strong>nfalls klicke auf Weitere Symbole. Wähle in <strong>der</strong> Liste von<br />

Schriftart die gewünschte Einstellung aus, die das einzufügende Symbol<br />

enthält, z.B.:<br />

Normaler Text<br />

749


• um ein klassisches Zeichen wie ein Währungssymbol o<strong>der</strong> ein Zeichen<br />

aus einer Fremdsprache einzufügen<br />

Symbol<br />

• um griechische o<strong>der</strong> mathematische Zeichen einzufügen<br />

Wingdings, Wingdings 2, Wingdings 3;<br />

• um ein grafisches Symbol einzufügen.<br />

5.3 Zeichen hervorheben<br />

Markiere den Text, wenn er bereits eingegeben wurde. Je nachdem, welche<br />

Hervorhebung du anwenden möchtest, klickst du auf ein o<strong>der</strong> mehrere<br />

Werkzeuge aus <strong>der</strong> Gruppe Schriftart, welche im Register Start zu finden sind.<br />

Schriftart / Grösse anpassen<br />

Text in fett, kursiv o<strong>der</strong> doppelt unterstrichen darstellen<br />

Farbe des Texts anpassen<br />

Text / Zahl Hoch- o<strong>der</strong> Tiefstellen<br />

750


Um die Schriftgrösse zu erhöhen o<strong>der</strong> zu verringern<br />

Kompletten Text (o<strong>der</strong> Wörter) in Gross- o<strong>der</strong> Kleinbuchstaben<br />

än<strong>der</strong>n<br />

Löscht alle Formatierungen<br />

5.4 Formatieren von Absätzen<br />

5.4.1 Ausrichtung<br />

Mit den Werkzeugen, die du auf <strong>der</strong> Registerkarte Start findest, kannst du den<br />

Text des Absatzes wie folgt än<strong>der</strong>n: linksbündig, zentriert, rechtsbündig o<strong>der</strong><br />

Blocksatz ausrichten.<br />

5.4.2 Einzug<br />

Mit diesem Werkzeug kannst du die Absatzeinrückung verringern o<strong>der</strong><br />

erhöhen.<br />

Um einen linksbündigen Einzug zu erhalten, muss die rechte<br />

Einzugsmarke (in <strong>der</strong> Linealanzeige) nach links gezogen werden.<br />

Entsprechend muss für einen rechtsbündigen Einzug die linke<br />

Einzugsmarke nach rechts gezogen werden.<br />

5.4.3 Abstand<br />

Um den Abstand zwischen Absätzen zu verän<strong>der</strong>n, wählst du die<br />

Registerkarte Layout. Unter Absatz kann <strong>der</strong> „Abstand“ verän<strong>der</strong>t<br />

werden.<br />

5.4.4 Zeilenabstand än<strong>der</strong>n<br />

Der Zeilenabstand bestimmt den Abstand zwischen den Zeilen eines<br />

Absatzes. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start auf das Werkzeug <strong>der</strong><br />

Absatzgruppe und wähle den Zeilenabstand.<br />

751


5.4.5 Tabstopps<br />

Durch das Setzen von Tabstopps wird <strong>der</strong> Text bei <strong>der</strong> Verwendung <strong>der</strong> Taste<br />

genau ausgerichtet.<br />

linksbündig<br />

zentriert<br />

rechtsbündig<br />

an Dezimaltrennung ausrichten<br />

Um einen <strong>der</strong> Tabstopps auszuwählen, klickst du auf die<br />

Schaltfläche, welche sich in <strong>der</strong> Ecke (links oben) <strong>der</strong> Lineale befindet. Um<br />

den Tabstopp zu än<strong>der</strong>n, klickst du erneut auf das Icon, bis <strong>der</strong> Gewünschte<br />

(links, rechts, zentriert) ausgewählt ist.<br />

Alternativ kann <strong>der</strong> Tabstopp in <strong>der</strong> Gruppe Absatz unter Absatzeinstellungen<br />

aufgerufen und eingestellt werden.<br />

5.4.6 Absätze<br />

Wenn du auf die Schaltfläche Enter drückst, wird <strong>der</strong> Text in eine<br />

neue Zeile umgebrochen und ein neuer Absatz erstellt. Um einen<br />

Zeilenumbruch vorzunehmen und dabei im Absatz zu bleiben, musst du<br />

Shift + verwenden.<br />

752


5.4.7 Rahmen und Schattierung<br />

Du kannst einen Absatz mit einem Rahmen umschliessen, um diesen<br />

hervorzuheben. Zusätzlich kann dieser mit einer Schattierung<br />

(Hintergrundfarbe) abgebildet werden.<br />

• Wähle den o<strong>der</strong> die Absätze einschliesslich <strong>der</strong><br />

Absatzmarke aus<br />

• Öffne auf <strong>der</strong> Registerkarte Start die Schaltfläche Rahmen,<br />

welche sich unter Registerkarte Start - Absatz befindet. Wähle die<br />

Option Rahmen und Schattierung.<br />

Um Absätze einzurahmen, klickst du im<br />

Feld Einstellungen auf die gewünschte<br />

Ausführung.<br />

Unter dem Register Schattierung kannst<br />

du die Hintergrundfarbe einstellen.<br />

Mit den Optionen Formatvorlage, Farbe<br />

und Breite kannst du die Linien individuell<br />

anpassen.<br />

5.4.8 Aufzählungszeichen und Nummerierung<br />

Wähle die betreffenden Absätze aus, welche ein Aufzählungszeichen o<strong>der</strong><br />

eine Nummerierung erhalten sollen. Unter <strong>der</strong> Registerkarte Start <strong>–</strong> Absatz<br />

findest du die notwendigen Einstellungen:<br />

Um Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummerierungen zu entfernen, markiere die<br />

betreffenden Absätze, klicke auf das Werkzeug<br />

Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummerierung und wähle „keine“.<br />

5.4.9 Mehrstufige Liste<br />

Wähle die Absätze aus, aus denen die Liste bestehen soll, öffne dann auf <strong>der</strong><br />

Registerkarte Start die Liste mit dem Werkzeug<br />

Mehrstufige Liste und<br />

wähle in <strong>der</strong> Bibliothek die gewünschte Liste aus.<br />

Um die Stufe zu än<strong>der</strong>n, setze die Einfügemarke zwischen Nummerierung und<br />

Absatzbeginn und klicke auf das Werkzeug Einzug erhöhen o<strong>der</strong><br />

verkleinern.<br />

Solltest du später ein Inhaltsverzeichnis erstellen, wähle dann die Ebenen Titel<br />

1, Titel 2 usw. aus.<br />

753


5.4.10 Text in mehreren Spalten präsentieren<br />

Markiere die betreffenden Absätze bis zur Absatzmarkierung des letzten<br />

Absatzes, <strong>der</strong> in eine Spalte gesetzt werden soll.<br />

Stelle sicher, dass eine Absatzmarke auf die zuletzt Markierte folgt.<br />

Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start - Layout auf das Werkzeug Spalten und dann<br />

auf mehr Spalten. Das untenstehende Dialogfenster erscheint, klicke dann auf<br />

die gewünschten Optionen.<br />

Hinweis: Bevorzuge beim Erstellen von Spalten die Ausrichtung<br />

Zentrieren sowie zusätzlich die<br />

automatische<br />

Silbentrennung auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout.<br />

5.4.11 Format übertragen<br />

Wenn dir das Aussehen einer bestimmten Auswahl gefällt, kannst du es auf<br />

eine an<strong>der</strong>e Auswahl im Dokument übertragen.<br />

1. Wähle den Inhalt mit <strong>der</strong> gewünschten Formatierung aus<br />

2. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start auf Format<br />

übertragen<br />

3. Wähle einen an<strong>der</strong>en Inhalt aus, um die Formatierung automatisch<br />

anzuwenden<br />

Um die Formatierung an mehreren Stellen anzuwenden, doppelklicke auf das<br />

Symbol Format übertragen und wie<strong>der</strong>hole dann Schritt 3.<br />

754


5.5 Formatvorlagen<br />

Eine Formatvorlage enthält Merkmale zur Hervorhebung von Zeichen o<strong>der</strong><br />

Absätzen. Durch das Erstellen eines Stils kannst du diese Formatierungen<br />

speichern, um sie auf beliebigen Text anzuwenden.<br />

5.5.1 Formatvorlagen anwenden<br />

Verwende die Stile Überschrift, Überschrift 1, Überschrift 2 usw., wenn du ein<br />

Inhaltsverzeichnis erstellen möchtest.<br />

Klicke in den betreffenden Absatz und dann auf <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong><br />

Gruppe Formatvorlage auf die<br />

Schaltfläche weitere.<br />

Klicke auf den Stil, den du anwenden möchtest.<br />

5.5.2 Formatvorlage än<strong>der</strong>n<br />

Klicke in den entsprechenden Absatz, anschliessend auf die Schaltfläche<br />

weitere in <strong>der</strong> Gruppe Formatvorlagen. Wähle die zu bearbeitende<br />

Überschrift aus, um sie anzupassen.<br />

755


Das untenstehende Fenster erscheint, und du kannst das Format än<strong>der</strong>n.<br />

5.6 Inhaltsverzeichnis<br />

Das Inhaltsverzeichnis eines Dokuments enthält Texte, auf die du eine<br />

vordefinierte Formatvorlage angewendet hast.<br />

Falls noch nicht erledigt, wende die Formatvorlage vom Typ Überschrift 1,<br />

Überschrift 2 usw. auf die Absätze an, die du dem Inhaltsverzeichnis<br />

hinzufügen möchtest, indem du die Galerie <strong>der</strong> Gruppe Formatvorlage auf<br />

<strong>der</strong> Registerkarte Start verwendest.<br />

Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Inhaltsverzeichnis<br />

eingefügt werden soll.<br />

Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Referenzen auf die Schaltfläche<br />

Inhaltsverzeichnisse, die in <strong>der</strong> Gruppe Inhaltsverzeichnis sichtbar ist.<br />

Klicke dann auf das gewünschte, vordefinierte Inhaltsverzeichnis.<br />

Je nachdem, welches Inhaltsverzeichnis du gewählt hast, wird dieses auf<br />

einer neuen Seite eingefügt.<br />

756


5.6.1 Inhaltsverzeichnis aktualisieren<br />

Diese Funktion ist nützlich, um das Inhaltsverzeichnis zu aktualisieren, nachdem<br />

du Än<strong>der</strong>ungen am Text vorgenommen hast. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Referenzen auf die Option Tabelle aktualisieren.<br />

5.6.2 Links im Inhaltsverzeichnis<br />

Das Inhaltsverzeichnis enthält Links zu den Seiten des Dokuments. Um zu einem<br />

bestimmten Kapitel zu navigieren, klicke im Inhaltsverzeichnis mit gedrückter<br />

Ctrl-Taste auf das entsprechende Kapitel. Die Einfügemarke wird im<br />

Dokument am Anfang des ausgewählten Absatzes positioniert.<br />

5.7 Fussnoten<br />

Fussnoten und Endnoten dienen dazu, ein Wort o<strong>der</strong> eine Wortgruppe zu<br />

erklären, zu kommentieren o<strong>der</strong> Hinweise zu geben.<br />

• Positioniere die Einfügemarke direkt nach dem Ausdruck o<strong>der</strong> dem<br />

Wort, mit dem die Note verknüpft werden soll.<br />

• Klicke auf die Registerkarte Referenzen.<br />

• Um eine Fussnote hinzuzufügen, klicke auf die Schaltfläche Fussnote<br />

einfügen o<strong>der</strong> Endnote einfügen, die in <strong>der</strong> Gruppe Fussnoten<br />

ersichtlich ist.<br />

Unterschied:<br />

Die Fussnote wird in <strong>der</strong> Regel im unteren Seitenbereich angezeigt <strong>–</strong> die<br />

Endnote am Ende eines Dokuments o<strong>der</strong> Abschnitts, welcher aktuell<br />

angezeigt wird.<br />

757


5.8 Tabellen<br />

Du kannst Tabellen erstellen, indem du auf das Werkzeug Tabelle klickst, das<br />

sich in <strong>der</strong> Gruppe Tabelle auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen befindet.<br />

5.8.1 Eine Tabelle einfügen<br />

• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> die<br />

Tabelle eingefügt werden soll.<br />

• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche<br />

Tabelle, die in <strong>der</strong> Gruppe Tabellen sichtbar ist, und klicke<br />

dann auf die Option Tabelle einfügen.<br />

• Gib die Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Zeilen in den<br />

Eingabefel<strong>der</strong>n Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Anzahl <strong>der</strong> Zeilen<br />

an.<br />

Klicke im Bereich Einstellungen für optimale Breite auf eine <strong>der</strong> drei Optionen.<br />

• Feste Spaltenbreite:<br />

• Optimale Breite <strong>–</strong><br />

Inhalt:<br />

• Optimale Breite <strong>–</strong><br />

Fenster:<br />

Die Spaltenbreite än<strong>der</strong>t sich beim Tippen<br />

nicht automatisch.<br />

Die Tabelle wird mit minimalen Spaltenbreiten<br />

in dein Dokument eingefügt. Beim Tippen wird<br />

die Spaltenbreite automatisch an den Inhalt<br />

angepasst.<br />

In deinem Dokument wird die Tabelle<br />

entsprechend <strong>der</strong> Fensterbreite angepasst.<br />

Klicke auf die Schaltfläche OK. Eine Tabelle wird eingefügt. Zusätzlich<br />

erscheint im Multifunktionsband eine weitere Registerkarte: Tabellenentwurf.<br />

Dieser Tab zeigt Optionen für die Formatierungsmöglichkeiten <strong>der</strong><br />

eingefügten Tabelle.<br />

5.8.2 Auswählen in einer Tabelle<br />

Zelle auswählen:<br />

Positioniere die Maus über die Zelle, die du<br />

auswählen willst, und klicke in diesen Bereich.<br />

Spalte auswählen:<br />

Zeile auswählen:<br />

Positioniere die Maus über <strong>der</strong> ersten,<br />

horizontalen Linie <strong>der</strong> Spalte (sie nimmt die<br />

Form eines schwarzen, nach unten<br />

gerichtetem Pfeil an) und wähle diese an.<br />

Positioniere die Maus links ausserhalb <strong>der</strong><br />

ersten Zelle <strong>der</strong> Zeile (sie nimmt die Form eines<br />

758


weissen, nach oben und rechts gerichteten<br />

Pfeils an) und wähle diese an.<br />

Komplette Tabelle<br />

auswählen:<br />

Führe den Mauszeiger in die linke obere<br />

Ecke <strong>der</strong> Tabelle und klicke auf das<br />

angezeigte Symbol.<br />

5.8.3 Spalte / Zeile einfügen<br />

Setze die Einfügemarke in die Zelle, vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> du eine<br />

Spalte / Zeile hinzufügen möchtest, und anschliessend auf die<br />

zusätzliche Registerkarte Layout.<br />

5.8.4 Spalte / Zeile löschen<br />

Wähle die Spalte / Zeile aus, die du löschen möchtest, und wähle das Icon<br />

„Tabelle löschen“.<br />

5.8.5 Tabelle teilen<br />

Positioniere die Einfügemarke in <strong>der</strong> Zeile, die du aufteilen möchtest, und<br />

wähle das Icon „Tabelle teilen“.<br />

5.8.6 Zellen verbinden<br />

Wähle die Spalte / Zeile aus, die du verbinden möchtest, und wähle das Icon<br />

„Zellen verbinden“.<br />

5.8.7 Tabelle sortieren<br />

Markiere die erste Zelle <strong>der</strong> Spalte, die du sortieren möchtest, und wähle<br />

das Icon „Sortieren“.<br />

759


5.8.8 Text in eine Tabelle umwandeln<br />

Mit Hilfe von Semikolons / Kommas o<strong>der</strong> auch Tabstopps<br />

kannst du bei einem Text „Trennung“ vornehmen, damit<br />

beim Umwandeln in eine Tabelle die Spalten erkannt<br />

werden. Markiere dazu die entsprechende Passage und<br />

wähle das Icon „Text in Tabelle umwandeln“.<br />

5.9 Kopf- / Fusszeile<br />

Kopf- und Fusszeilen sind Elemente, die am oberen bzw.<br />

unteren Seitenrand des Dokuments erscheinen. Die<br />

vordefinierten Kopf- und Fusszeilen gelten für alle Seiten<br />

des Dokuments.<br />

5.9.1 Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile einfügen<br />

Klicke auf die Registerkarte Einfügen.<br />

Wähle die Schaltfläche Kopfzeile o<strong>der</strong> Fusszeile, die in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Kopf- und Fusszeile ersichtlich ist.<br />

Scrolle bei Bedarf in <strong>der</strong> Liste nach unten und wähle die<br />

gewünschte vordefinierte Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile.<br />

Bei Bedarf kannst du die Inhalte <strong>der</strong> Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile<br />

mittels Fusszeile bearbeiten individuell anpassen.<br />

5.9.2 Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile für die erste Seite<br />

Mit dieser Funktion kannst du die Informationen aus <strong>der</strong><br />

Kopf- und Fusszeile auf <strong>der</strong> ersten Seite des Dokuments<br />

ausblenden.<br />

Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Kopfzeile bzw.<br />

Fusszeile, die in <strong>der</strong> Gruppe Kopf- und Fusszeile sichtbar ist, und wähle die<br />

Option Kopfzeile bearbeiten o<strong>der</strong> Fusszeile bearbeiten.<br />

Aktiviere auf <strong>der</strong> Registerkarte Kopf- und Fusszeile die<br />

Option „Erste Seite“ an<strong>der</strong>s in <strong>der</strong> Gruppe Optionen.<br />

5.9.3 Gerade und ungerade Seiten unterschiedlich<br />

Diese Funktion ermöglicht es dir, beim beidseitigen Drucken die Seitenzahlen<br />

auf <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>seite rechts und auf <strong>der</strong> Rückseite links zu drucken.<br />

Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile<br />

und wähle die Option Kopfzeile bearbeiten o<strong>der</strong> Fusszeile bearbeiten.<br />

760


Aktiviere auf <strong>der</strong> Registerkarte Kopf- und Fusszeile die<br />

Option Verschiedene gerade und ungerade Seiten in <strong>der</strong><br />

Gruppe Optionen.<br />

5.9.4 Seitenzahl einfügen<br />

Word stellt eine Liste mit vordefinierten<br />

Seitenzahl-Stilen zur Verfügung. Du hast die<br />

Möglichkeit, die Seitenzahlen in den Kopfo<strong>der</strong><br />

Fusszeilenbereich einzufügen.<br />

Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen sowie<br />

anschliessend auf die Schaltfläche Seitenzahl. Wähle die entsprechende<br />

Option, die du einfügen möchtest.<br />

5.9.5 Schliesse die Kopf- und Fusszeile<br />

Klicke auf die Schaltfläche Kopf- und Fusszeilen schliessen o<strong>der</strong><br />

doppelklicke im Dokument ausserhalb des Kopf- o<strong>der</strong><br />

Fusszeilenbereichs.<br />

5.10 Bil<strong>der</strong> einfügen<br />

Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Bild in das<br />

Dokument eingefügt werden soll.<br />

Aktiviere die Registerkarte Einfügen und öffne die Liste <strong>der</strong><br />

Schaltfläche Bil<strong>der</strong>. Für das Beispiel unten klicke auf Onlinebil<strong>der</strong><br />

und wähle ein Flugzeug aus.<br />

5.10.1 Bildgrösse, Zuschneiden<br />

Wenn du in das Bild klickst, erscheint in <strong>der</strong><br />

Multifunktionsleiste die Registerkarte Bildformat.<br />

In <strong>der</strong> Gruppe Grösse dieses Tabs kannst du Höhe<br />

und Breite des Bildes anpassen.<br />

Mit dem Tab Zuschneiden kann das Bild mithilfe <strong>der</strong><br />

Beschneidungsgriffe, welche um das Bild<br />

erscheinen, auf den gewünschten Ausschnitt angepasst werden.<br />

761


5.10.2 Bild drehen<br />

Diese Aktion ist von <strong>der</strong> Gruppe Anordnen aus möglich.<br />

5.10.3 Bildanpassungen<br />

Die unterschiedlichen Aktionen können über die Gruppe Anpassen auf <strong>der</strong><br />

Registerkarte Bildformat ausgeführt werden. Hier besteht die Möglichkeit, das<br />

Bild freizustellen, die Farbe anzupassen, dem Bild Transparenz hinzuzufügen<br />

o<strong>der</strong> einen künstlerischen Effekt anzuwenden.<br />

5.10.4 Textumbruch<br />

Der Textumbruch beinhaltet die Funktion, wie <strong>der</strong> Text um das Bild<br />

herum verteilt werden soll.<br />

• Wähle das Bild aus.<br />

• Klicke in <strong>der</strong> Gruppe Anordnen <strong>der</strong> Registerkarte Bildformat<br />

auf das Symbol Textumbruch.<br />

• Gib an, wie <strong>der</strong> Text um das Bild herum verteilt werden soll,<br />

indem du eine <strong>der</strong> Optionen aktivierst.<br />

5.10.5 Bild-Position<br />

Ein Bild kann in einem Absatz positioniert bzw. verankert werden. Willst du den<br />

Absatz später verschieben o<strong>der</strong> löschen, wird das Bild ebenfalls verschoben<br />

o<strong>der</strong> gelöscht.<br />

Klicke in das Bild, nachdem du es eingefügt hast.<br />

Ein<br />

Anker erscheint am Anfang eines Absatzes. Du kannst ihn per<br />

Drag & Drop an den Anfang des betreffenden Absatzes verschieben. Klicke<br />

anschliessend auf die Schaltfläche Position in <strong>der</strong> Gruppe Anordnen auf <strong>der</strong><br />

Registerkarte Bildformat. Wenn du auf Weitere Layoutoptionen klickst, öffnet<br />

sich ein Fenster, in dem du Verankern auswählen kannst.<br />

5.11 Excel-Kalkulationstabelle in Word einfügen<br />

Word bietet die Möglichkeit, eine Excel-Arbeitsmappe in das bestehende<br />

Dokument einzufügen.<br />

• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> die Excel-<br />

Kalkulationstabelle eingefügt werden soll.<br />

• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Tabelle sowie<br />

anschliessend auf die Option Excel-Kalkulationstabelle. Das Arbeitsblatt<br />

erscheint in einem Rahmen, dessen Rand schraffiert ist. Die<br />

762


Multifunktionsleiste von Word wird durch die Multifunktionsleiste von<br />

Excel ersetzt.<br />

• Än<strong>der</strong>e bei Bedarf die Grösse des Arbeitsblattes, indem du einen <strong>der</strong><br />

sichtbaren schwarzen Griffe am schraffierten Rand ziehst.<br />

• Um die Tabelle zu bearbeiten, öffne sie mittels<br />

Doppelklicks innerhalb des Word-Dokuments.<br />

• Um das Excel innerhalb Word zu verlassen, klicke<br />

ausserhalb <strong>der</strong> Excel-Tabelle in das Dokument<br />

5.12 Layout<br />

5.12.1 Seiten-Umbrüche<br />

Mit den Seitenformatierungsoptionen kannst du Seiten- o<strong>der</strong><br />

Spaltenumbrüche innerhalb eines einzelnen Absatzes o<strong>der</strong> zwischen Absätzen<br />

einstellen.<br />

• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout auf die Schaltfläche<br />

Umbrüche<br />

• Wähle anschliessend den gewünschten Umbruch<br />

5.12.2 Seiten-Ausrichtung<br />

Standardmässig werden die Seiten im Hochformat (21 x 29,7 cm bei A4)<br />

angezeigt.<br />

• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout<br />

• Wähle den Tab Ausrichtung<br />

• Wähle die gewünschte Ausrichtung aus.<br />

763


5.12.3 Seitenrän<strong>der</strong><br />

• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Seitenlayout<br />

• Wähle die Schaltfläche<br />

in <strong>der</strong> Gruppe Seitenlayout<br />

• Wähle unter Rän<strong>der</strong> die gewünschten<br />

Abmessungen aus.<br />

5.13 Drucken<br />

5.13.1 Druckvorschau<br />

Klicke auf die Registerkarte Datei und dann auf die Option Drucken.<br />

Das verkleinerte Bild des Dokuments, wie Word es ausdrucken wird, erscheint<br />

auf <strong>der</strong> rechten Seite als Druckvorschau.<br />

Wähle die Einstellungen und den Drucker, bevor du das Dokument<br />

ausdruckst.<br />

Um den Druckmodus zu verlassen, klicke<br />

oberen Ecke <strong>der</strong> Seite.<br />

auf das Symbol in <strong>der</strong> linken<br />

764


Fachartikel Modul 806<br />

6. Office 365 Excel<br />

6.1 Excel Microsoft 365 starten und entdecken<br />

Die Dateien, die du in Microsoft 365 Excel erstellst, werden als Arbeitsmappen<br />

bezeichnet.<br />

Um eine neue, leere Arbeitsmappe zu erstellen, wählst du Neue<br />

Arbeitsmappe. Um eine neue Arbeitsmappe auf Basis einer Vorlage zu<br />

erstellen, kannst du den Link Weitere Vorlagen verwenden und dann eine<br />

Vorlage aus <strong>der</strong> Miniaturansicht auswählen. Eine zuletzt verwendete<br />

Arbeitsmappe öffnest du, indem du das Register Datei wählst. Danach kannst<br />

du entwe<strong>der</strong> durch die Liste Zuletzt verwendet scrollen o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> linken<br />

Spalte auf Öffnen klicken.<br />

6.1.1 Der Arbeitsbildschirm<br />

Das Band:<br />

Ansichten von<br />

Dokumenten und<br />

Zoom:<br />

Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle <strong>der</strong><br />

Anwendung. Diese Befehle sind in Gruppen<br />

zusammengefasst, wobei jede dieser Gruppen durch<br />

eine Registerkarte dargestellt wird (Datei, Start,<br />

Einfügen, Seitenlayout, Formeln, Daten, Revision, usw.).<br />

Jede Registerkarte enthält mehrere Gruppen von<br />

Befehlen, in denen Schaltflächen visualisiert werden,<br />

mit denen die meisten Manipulationen durchgeführt<br />

werden können.<br />

Mit den Befehlen Normal, Seite o<strong>der</strong><br />

Seitenumbruchvorschau rechts neben <strong>der</strong> Statusleiste<br />

wird <strong>der</strong> Anzeigemodus geän<strong>der</strong>t. Mit Zoom kann die<br />

Anzeige entwe<strong>der</strong> vergrössert o<strong>der</strong> verkleinert<br />

werden.<br />

765


6.2 Sich in einem Arbeitsblatt bewegen<br />

Mit den unten aufgeführten Tastenkombinationen bist du schneller als mit <strong>der</strong><br />

Maus.<br />

Um dich in die rechte o<strong>der</strong> linke Zelle zu<br />

bewegen, verwende entwe<strong>der</strong> den Links- o<strong>der</strong><br />

Rechtspfeil.<br />

Um den Cursor ganz rechts o<strong>der</strong> links in <strong>der</strong><br />

Tabelle zu positionieren, betätige mit gedrückter<br />

Ctrl-Taste den Links- o<strong>der</strong> Rechtspfeil.<br />

Um dich in <strong>der</strong> oberen o<strong>der</strong> unteren Zelle zu<br />

bewegen, drücke entwe<strong>der</strong> den Aufwärts- o<strong>der</strong><br />

Abwärtspfeil.<br />

Um den Cursor ganz oben o<strong>der</strong> ganz unten in <strong>der</strong><br />

Tabelle zu positionieren, betätige mit gedrückter<br />

Ctrl-Taste entwe<strong>der</strong> den Aufwärts- o<strong>der</strong><br />

Abwärtspfeil.<br />

Mit Ctrl und Home wird <strong>der</strong> Cursor in die erste<br />

eingegebene Zelle des Arbeitsblatts bewegt.<br />

Mit Ctrl und End wird <strong>der</strong> Cursor in die zuletzt<br />

eingefüllte Zelle des Arbeitsblatts bewegt.<br />

6.2.1 Eine bestimmte Zelle erreichen<br />

Klicke in das Feld Name (links neben <strong>der</strong> Formelleiste, das<br />

den Verweis auf die aktive Zelle anzeigt), gib den Bezug<br />

<strong>der</strong> anzusprechenden Zelle ein (z.B., B2) und wähle die<br />

Enter-Taste, um eine gewünschte Zelle zu erreichen.<br />

6.2.2 Das Arbeitsblatt<br />

Ein Blatt aktivieren<br />

Jede Arbeitsmappe besteht aus sogenannten Arbeitsblättern, die als<br />

Registerkarten am unteren Bildschirmrand angezeigt werden.<br />

Mithilfe <strong>der</strong> Schaltflächen zum Blättern kannst du auf die weiteren Register<br />

zugreifen. Damit das jeweilige Blatt angezeigt wird, musst du auf das Register<br />

klicken.<br />

766


Ein Blatt umbenennen<br />

Via Doppelklick auf die Registerkarte kann diese umbenannt werden. Die<br />

Registerkarte kann ebenfalls mit dem rechten Mausklick umbenannt werden.<br />

Blätter auswählen<br />

• Um ein Blatt zu aktivieren, musst du auf dessen Registerkarte klicken.<br />

• Wenn mehrere benachbarte Blätter ausgewählt werden sollen, wähle<br />

das erste Register aus und klicke mit gedrückter Umschalttaste (Shift)<br />

auf das letzte Register.<br />

• Mit gedrückter Ctrl-Taste können mehrere nicht benachbarte Register<br />

ausgewählt werden. Wähle dazu das erste Register aus und halte dann<br />

die Taste gedrückt, während du die weiteren anklickst.<br />

• Per rechtem Mausklick auf eines <strong>der</strong> Register kannst du unter Alle Blätter<br />

jedes Blatt markieren.<br />

Ein Blatt anzeigen o<strong>der</strong> ausblenden<br />

• Um ein Blatt o<strong>der</strong> mehrere Blätter auszublenden, wähle dieses o<strong>der</strong> die<br />

entsprechenden Blätter aus und wähle per rechtem Mausklick die<br />

Option Ausblenden.<br />

• Um dieses Blatt wie<strong>der</strong> anzuzeigen, wähle ein beliebiges Blatt aus, öffne<br />

per rechtem Mausklick das Kontextmenü und wähle die Option<br />

Anzeigen.<br />

Verschieben o<strong>der</strong> Kopieren eines o<strong>der</strong> mehrerer Blätter<br />

• Markiere das Blatt o<strong>der</strong> die Blätter, die verschoben werden sollen.<br />

Durch Klicken kannst du sie an die neue Position ziehen. Die neue<br />

Position wird durch ein kleines schwarzes Dreieck symbolisiert.<br />

• Mit gedrückter Ctrl-Taste und gleicher Aktion wird das Blatt kopiert.<br />

Eine Tabelle einfügen o<strong>der</strong> hinzufügen<br />

Um eine neue Tabelle hinzuzufügen, klicke auf das entsprechende Werkzeug<br />

in <strong>der</strong> Tabulatorleiste.<br />

767


Ein Blatt löschen<br />

Um ein Blatt zu löschen, wähle es mit <strong>der</strong> rechten Maustaste aus und wähle<br />

die Option Löschen.<br />

5.2.3 Zeilen, Spalten, Zellen<br />

Zeilen o<strong>der</strong> Spalten einfügen<br />

• Um vor einer bestimmten Zeile o<strong>der</strong> Spalte eine neue Reihe einzufügen,<br />

wähle diese aus und wähle entwe<strong>der</strong> im Menüregister Start > Einfügen<br />

> Blattzeilen/Blattspalten einfügen o<strong>der</strong> füge via Rechtsklick eine neue<br />

Zelle ein.<br />

• Wenn mehrere Zeilen o<strong>der</strong> Spalten eingefügt werden sollen, markiere<br />

entsprechend viele und füge sie analog oben ein.<br />

• Es ist nicht möglich, gleichzeitig Zeilen und Spalten einzufügen.<br />

Zeilen o<strong>der</strong> Spalten löschen<br />

• Wähle die betroffenen Zeilen o<strong>der</strong> Spalten aus und lösche sie im<br />

Kontextmenü (via Rechtsklick) durch Auswahl <strong>der</strong> Option Löschen.<br />

Die Breite einer Spalte o<strong>der</strong> die Höhe einer Zeile än<strong>der</strong>n<br />

• Wähle jede Spalte o<strong>der</strong> jede betroffene Zeile mit <strong>der</strong> gleichen Breite<br />

o<strong>der</strong> Höhe aus. Fahre mit <strong>der</strong> Maus über die vertikale (bei Spalten) o<strong>der</strong><br />

horizontale (bei Zeilen) Linie. Sobald sich das Mauszeiger-Aussehen<br />

än<strong>der</strong>t, klicke und ziehe. Sobald die gewünschte Breite o<strong>der</strong> Höhe<br />

erreicht ist, lasse die Maustaste los.<br />

Anpassen einer Spaltenbreite o<strong>der</strong> einer Zeilenhöhe<br />

• Wähle die betroffene Zeile o<strong>der</strong> Spalte aus und fahre mit <strong>der</strong> Maus über<br />

die horizontale bzw. vertikale Linie. Aktiviere sie mit einem Doppelklick.<br />

Die Zeilenhöhen passen sich automatisch an den Eintrag <strong>der</strong> höchsten<br />

Zelle in <strong>der</strong> Zeile an, die Spaltenbreite an den Eintrag des längsten<br />

Eintrags in <strong>der</strong> Spalte.<br />

Leere Zellen einfügen<br />

• Wähle die Anzahl <strong>der</strong> Zellen aus, die eingefügt werden sollen.<br />

• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste und wähle die Option Zellen einfügen.<br />

• Wähle eine <strong>der</strong> oberen beiden Optionen, um zu definieren, wo die<br />

Zellen eingefügt werden sollen.<br />

• Bestätige mit <strong>der</strong> Schaltfläche OK.<br />

768


Zellen löschen<br />

• Wähle die Anzahl <strong>der</strong> Zellen aus, die<br />

gelöscht werden sollen.<br />

• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste und wähle<br />

die Option Zellen löschen.<br />

• Wähle eine <strong>der</strong> oberen beiden Optionen,<br />

um zu definieren, wie die Zellen verschoben<br />

werden sollen.<br />

• Bestätige mit <strong>der</strong> Schaltfläche OK.<br />

Verschieben von Zellen<br />

Die Zellen (Zeilen und/o<strong>der</strong> Spalten) werden verschoben und an <strong>der</strong><br />

ausgewählten Stelle eingefügt.<br />

• Wähle die Zellen aus, die verschoben werden sollen.<br />

• Fahre mit dem Mauszeiger über die Auswahl, bis er die Form eines<br />

vierköpfigen Pfeils annimmt.<br />

• Ziehe die Auswahl mit gedrückter Umschalttaste (Shift) an die<br />

gewünschte Stelle und lasse sie los.<br />

6.2.4 Daten eingeben<br />

Sobald das erste Zeichen eingegeben wird, erscheinen in <strong>der</strong><br />

Formelleiste zwei Symbole:<br />

• Das Kreuz steht für das Abbrechen <strong>der</strong> Eingabe (entspricht <strong>der</strong> ESC-<br />

Taste).<br />

• Das Häkchen steht für die Annahme <strong>der</strong> Eingabe (entspricht <strong>der</strong> Enter-<br />

Taste).<br />

• Wähle die Zelle aus, in <strong>der</strong> die Daten erscheinen sollen, und gib die<br />

Daten ein.<br />

• Nach <strong>der</strong> Bestätigung werden Daten vom Typ Text linksbündig in den<br />

Zellen ausgerichtet.<br />

• Nach <strong>der</strong> Bestätigung werden Daten vom Typ Datum o<strong>der</strong> Numerisch<br />

linksbündig in <strong>der</strong> Zelle ausgerichtet.<br />

Bemerkungen:<br />

• Bei numerischen Werten darauf achten, dass 0 (Nullen) und nicht O<br />

(den Buchstaben o) eingegeben werden.<br />

• Um einen negativen Wert einzugeben, füge vor <strong>der</strong> Eingabe ein<br />

Minuszeichen (-) hinzu.<br />

769


• Um einen Prozentsatz einzugeben, tippe das %-Zeichen direkt nach <strong>der</strong><br />

Zahl ein.<br />

• Um Dezimalstellen einzugeben, verwende das Komma o<strong>der</strong> den Punkt<br />

(je nach Windows-Konfiguration).<br />

Eingabe abbrechen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>herstellen<br />

Um einen Vorgang rückgängig zu machen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>herzustellen,<br />

klicke in <strong>der</strong> Registerkarte Start auf den Rückgängig-Pfeil o<strong>der</strong> den<br />

Wie<strong>der</strong>herstellen-Pfeil.<br />

Son<strong>der</strong>zeichen einfügen<br />

Mit dieser Technik können Symbole eingefügt werden, die auf <strong>der</strong> Tastatur<br />

nicht vorkommen.<br />

Ein Son<strong>der</strong>zeichen kann bei <strong>der</strong> Eingabe in eine leere Zelle o<strong>der</strong> innerhalb<br />

eines Textes eingefügt werden.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Einfügen und klicke auf die Schaltfläche<br />

Symbole in <strong>der</strong> Gruppe Symbole.<br />

Das Dialogfenster Son<strong>der</strong>zeichen wird angezeigt; die Registerkarte Symbole ist<br />

aktiv.<br />

In <strong>der</strong> Liste Schriftart wähle die Schriftart aus, die das einzufügende Zeichen<br />

enthält. Folgende Auswahlmöglichkeiten stehen zur Verfügung:<br />

• Normaler Text: Um herkömmliche Zeichen einzufügen (z.B., akzentuierte<br />

Grossbuchstaben, Brüche).<br />

• Symbol: Zum Einfügen von griechischen o<strong>der</strong> mathematischen Zeichen.<br />

• Webdings, Wingdings, Wingdings 2 und Wingdings 3: Zum Einfügen von<br />

illustrierten Symbolen.<br />

Wähle das Zeichen durch Anklicken aus. Wähle die Schaltfläche Einfügen.<br />

Schliesse das Dialogfenster durch Klicken auf schliessen.<br />

770


Datum und/o<strong>der</strong> Uhrzeit des Systems einfügen<br />

Das Datum und die Uhrzeit des Systems werden von Windows verwaltet.<br />

Aktiviere die Zelle, in <strong>der</strong> das Datum und/o<strong>der</strong> die Uhrzeit des Systems<br />

erscheinen sollen, und gib folgende Formel ein:<br />

• =HEUTE(): um das aktuelle Datum einzufügen.<br />

• =JETZT(): um das aktuelle Datum und die Uhrzeit einzufügen.<br />

Mehrzeiligen Text in die Zelle eingeben<br />

Einen mehrzeiligen Text in einer Zelle kannst du mittels folgen<strong>der</strong><br />

Tastenkombination tätigen: Alt + Tabulator und am Schluss durch Drücken <strong>der</strong><br />

Enter-Taste bestätigen.<br />

• Wenn du gerade eine Eingabe machst o<strong>der</strong> bearbeitest, kannst du mit<br />

<strong>der</strong><br />

Tastenkombination deinen Zeilenumbruch an<br />

<strong>der</strong> gewünschten Stelle erzwingen.<br />

• Bestätige mit <strong>der</strong> Enter-Taste.<br />

Erstellen einer Datenreihe<br />

Den ersten Wert <strong>der</strong> Datenreihe ins gewünschte Feld eingeben: Es kann sich<br />

um ein Datum, einen Monat, einen Wochentag o<strong>der</strong> ein Quartal handeln.<br />

Den Kopiergriff (1) <strong>der</strong> entsprechenden Zelle bis zum gewünschten Zielwert (2)<br />

ziehen.<br />

6.3 Einfache Berechnungen<br />

6.3.1 Das Prinzip von Berechnungsformeln kennenlernen<br />

Du kannst Berechnungsformeln verwenden, um Berechnungen mit den<br />

Werten in einem Arbeitsblatt durchzuführen.<br />

• Eine Formel beginnt mit dem Zeichen (=) und kann verschiedene<br />

Elemente enthalten:<br />

Mathematische Operatoren<br />

+ Für die Rechnung / Für die Division o<strong>der</strong><br />

Unterteilung<br />

- Für die Subtraktion * Für die Multiplikation<br />

771


% Zur Berechnung des<br />

Prozentsatzes<br />

Bsp.: =5% ergibt das Ergebnis<br />

von 0.05<br />

^<br />

Für die Potenzsteigerung<br />

Ex: =2^3 ergibt das Ergebnis<br />

von 8<br />

Vergleichsoperatoren, das Ergebnis ist ein logischer Wert: WAHR o<strong>der</strong><br />

FALSCH<br />

= Gleichheit<br />

Bsp.: =30=40 ergibt das<br />

Ergebnis FALSCH<br />

Für Ungleichheit<br />

< Kleiner als<br />

Bsp.: =28 Für Grösser als<br />

= Für Grösser o<strong>der</strong> gleich als<br />

Die Referenzoperatoren<br />

: B1:C4 steht für die Zellen von<br />

B1 bis C4<br />

; B1;C4 steht für die Zelle B1 und<br />

die Zelle C4<br />

Rechenfunktionen<br />

Die Funktion MITTELWERT berechnet den Durchschnitt einer Reihe von Zellen.<br />

6.3.2 Einfache Statistikfunktionen verwenden<br />

• Um Statistikfunktionen zu verwenden, aktiviere die Zelle, in <strong>der</strong> das<br />

statistische Ergebnis angezeigt werden soll.<br />

• Wähle in <strong>der</strong> Registerkarte Start, im Untermenu die gewünschte<br />

Funktion aus:<br />

• Gewünschte Funktion auswählen.<br />

Bemerkung: Excel zeigt die Funktion an, welche <strong>der</strong> Auswahl entspricht<br />

und wählt eine Gruppe benachbarter Zellen aus.<br />

• Wenn die Auswahl <strong>der</strong> Zellen nicht zufriedenstellend ist, kannst du diese<br />

än<strong>der</strong>n, indem du einen an<strong>der</strong>en Zellenbereich auswählst.<br />

• Bestätige die Berechnungsformel mittels Eingabetaste Enter.<br />

Summe<br />

Durchschnitt<br />

Nb<br />

Max<br />

Min<br />

Berechnet die Summe <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />

Berechnet den Durchschnitt <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />

Berechnet die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die numerische Werte<br />

enthalten<br />

Extrahiert den Maximalwert <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />

Extrahiert den Minimalwert <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />

772


6.3.3 Eine einfache Berechnungsformel erstellen<br />

Es geht darum, eine Berechnung zu erstellen, die Zellbezüge,<br />

Rechenoperatoren und/o<strong>der</strong> Konstanten einbindet.<br />

• Wähle die Zelle aus, in <strong>der</strong> das Ergebnis angezeigt werden soll<br />

• Gib "=" ein<br />

• Konstruiere nun die gewünschte Formel<br />

• Bestätige die Formel mit <strong>der</strong> Eingabetaste Enter<br />

Bemerkung:<br />

Bei mehreren Operatoren können die Prioritäten mithilfe von Klammern<br />

gruppiert werden,<br />

Bsp. 1: 2*3+4=6+4=10<br />

Bsp. 2: 2*(3+4)=2*7=14<br />

6.3.4 Einen Zellbezug in einer Formel absolut setzen<br />

Mit dieser Technik wird <strong>der</strong> Bezug einer Zelle in einer Formel so festgelegt, dass<br />

sich dieser Bezug beim erneuten Kopieren <strong>der</strong> Formel nicht än<strong>der</strong>t.<br />

Um einen Zellbezug in einer Formel absolut zu setzen, wähle die Zelle aus, in<br />

<strong>der</strong>, <strong>der</strong> absolute Bezug benötigt wird, und drücke die Taste F4.<br />

Der Zellbezug wird nun mit $-Zeichen vor dem Spaltenbuchstaben und <strong>der</strong><br />

Zeilennummer dargestellt ($B$1).<br />

773


6.4 Rechnen mit Funktionen<br />

• Zelle wählen, welche eine Funktion erhalten soll.<br />

• "=" wählen und den o<strong>der</strong> die ersten Buchstaben <strong>der</strong> Funktion eingeben<br />

(1).<br />

• Es erscheint eine Liste, in <strong>der</strong> die entsprechende Funktion ausgewählt<br />

werden kann (2). Via Doppelklick auf die Schaltfläche (korrekte Formel)<br />

kann das Dialogfenster geöffnet werden (3).<br />

• Hier (4) werden die Argumente <strong>der</strong> Funktion ergänzt.<br />

Funktionen<br />

=RUNDEN<br />

=ABRUNDEN<br />

=AUFRUNDEN<br />

=ZÄHLENWENN;<br />

ZÄHLENWENNS<br />

=WENN<br />

=ANZAHL2<br />

=ANZAHL<br />

Erklärung<br />

Die Funktion RUNDEN, rundet eine Zahl auf eine<br />

angegebene Anzahl von Stellen ab<br />

Auf die nächsten Dezimalstellen abrunden<br />

Auf die nächsten Dezimalstellen aufrunden<br />

Zählt die Anzahl Zellen eines Bereiches, welche mit<br />

einem o<strong>der</strong> mehreren Kriterien übereinstimmt<br />

Überprüft eine Bedingung und gibt bei WAHR o<strong>der</strong><br />

FALSCH einen Wert zurück<br />

Bestimmt die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die nicht leer sind<br />

Bestimmt die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die Zahlen<br />

enthalten<br />

6.4.1 Formeln anstelle von Ergebnissen anzeigen<br />

Mit folgen<strong>der</strong> Tastenkombination können die Formeln im Arbeitsblatt ein- und<br />

ausgeblendet werden: Ctrl + Umschalttaste + `.<br />

6.4.2 Vorgeschichte anzeigen<br />

Hier geht es darum, mithilfe von Audit-Pfeilen die Zellen zu markieren, die an<br />

einer Formel beteiligt sind.<br />

• Zelle mit Formel wählen.<br />

• Registerkarte Formeln aktivieren und in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Formelüberprüfungen auf das Werkzeug Vorgänger aufspüren klicken.<br />

774


• Um die blauen Pfeile auszublenden, in <strong>der</strong>selben Liste des Werkzeugs<br />

Pfeile entfernen und die Option Pfeile entfernen wählen.<br />

6.4.3 Abhängigkeiten anzeigen<br />

Hier geht es darum, mithilfe von Audit-Pfeilen die Zellen zu finden, die eine<br />

Formel enthalten, die auf die ausgewählte Zelle verweist.<br />

• Betroffene Zeile aktivieren.<br />

• Registerkarte Formeln aktivieren und in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Formelüberprüfungen auf das Werkzeug Vorgänger aufspüren klicken.<br />

• Um die Pfeile von Abhängigen auszublenden, in <strong>der</strong>selben<br />

Registerkarte unter Formelüberwachung das Werkzeug Pfeile entfernen<br />

wählen.<br />

6.5 Standardformatierungen<br />

6.5.1 Zeichen hervorheben<br />

Betroffene Zellen o<strong>der</strong> Zeichen wählen.<br />

Je nachdem, welche Hervorhebung angewendet werden soll, wird ein o<strong>der</strong><br />

mehrere Werkzeuge aus <strong>der</strong> Gruppe Schrift auf <strong>der</strong> Registerkarte Start<br />

benötigt.<br />

Einstellen von Schriftart und Grösse des Textes.<br />

Formatieren <strong>der</strong> Zeichen in fett, kursiv und/o<strong>der</strong><br />

unterstrichen.<br />

Schriftfarbe än<strong>der</strong>n.<br />

Vergrössern o<strong>der</strong> verkleinern <strong>der</strong> Zeichen.<br />

775


6.5.2 An<strong>der</strong>e Attribute anwenden<br />

Hier geht es darum, die Hervorhebungen durchgestrichen, hochgestellt,<br />

tiefgestellt o<strong>der</strong> auch an<strong>der</strong>e Unterstreichungsstile zu wählen.<br />

• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Schriftart, die Erweiterung<br />

öffnen (1).<br />

• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />

• Gewünschte Hervorhebung anwenden.<br />

• Mit OK bestätigen (3).<br />

6.5.3 Zahlenformat anwenden<br />

• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl, die Erweiterung öffnen<br />

(1).<br />

• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />

• Im Menüpunkt Zahl kann die Anzahl Dezimalstellen angepasst werden.<br />

Ebenfalls kann bei Bedarf <strong>der</strong> Tausen<strong>der</strong>trennstrich aktiviert werden.<br />

• Mit OK bestätigen (3).<br />

776


6.5.4 Prozentformat anwenden<br />

• Betroffene Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl auf "%"<br />

klicken.<br />

→ Die betreffenden Zahlen werden mit 100 multipliziert, um in Prozent<br />

umgerechnet zu werden, also multipliziere die Division nicht mit 100 in<br />

<strong>der</strong> Zelle.<br />

6.5.5 Erhöhen und Verringern <strong>der</strong> Anzahl Dezimalstellen<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• Anzahl Dezimalstellen können mit folgendem Zeichen erhöht<br />

werden.<br />

• Anzahl Dezimalstellen können mit folgendem Zeichen verkleinert<br />

werden.<br />

6.5.6 Buchhaltungsformat anwenden<br />

• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl, die Erweiterung öffnen<br />

(1).<br />

• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />

• Klicke in <strong>der</strong> Kategorie Buchhaltung.<br />

• Wähle unter Symbol das gewünschte Währungssymbol aus (3).<br />

777


6.5.7 Ausrichtung des Zellinhalts än<strong>der</strong>n<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe<br />

Ausrichtung das Werkzeug Ausrichtung öffnen.<br />

• Gewünschte Ausrichtung auswählen.<br />

• Unter <strong>der</strong> Option Zellenformat, kann ein<br />

benutzerdefinierter Rotationswinkel gewählt<br />

werden.<br />

6.5.8 Zellinhalt ausrichten<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung einer<br />

gewünschte Ausrichtungsoptionen wählen.<br />

• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong><br />

Registerkarte Ausrichtung zu finden.<br />

6.5.9 Inhalt einer Zelle automatisch an die Zeile zurückgeben<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />

Schaltfläche Textumbruch (siehe Grafik rechts) klicken.<br />

• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Ausrichtung im Menüpunkt Textsteuerung zu finden.<br />

778


6.5.10 Einzug auf Zellinhalte anwenden<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />

Schaltfläche Einzug verringern o<strong>der</strong> Einzug erhöhen (siehe<br />

Grafik rechts) klicken.<br />

• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Ausrichtung im Menüpunkt Textausrichtung zu finden.<br />

6.5.11 Zellen zusammenführen<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />

Schaltfläche Zusammenführen und zentrieren (siehe Grafik rechts)<br />

klicken.<br />

• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />

Ausrichtung im Menüpunkt Textsteuerung zu finden.<br />

6.5.12 Rahmen auf Zellen anwenden<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart das Werkzeug Alle<br />

Rahmenlinien wählen.<br />

• Den gewünschten Rahmen (Auswahl mehrerer<br />

Arten möglich) auswählen.<br />

• Weitere Möglichkeiten sind im untersten Menüpunkt<br />

weitere Rahmenlinien auffindbar.<br />

5.5.13 Zellen mit Füllfarbe einfärben<br />

• Betroffene Zellen auswählen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart das<br />

Werkzeug Füllfarbe wählen.<br />

• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong><br />

Registerkarte Ausfüllen zu finden.<br />

6.6 Bedingte Formatierung<br />

Mit bedingter Formatierung kannst du Zellen, die numerische<br />

Werte, Daten, Uhrzeiten o<strong>der</strong> Text enthalten, hervorheben. Dabei werden in<br />

den Zellen Datenbalken, Farben und Symbole angezeigt, die je nach<br />

enthaltenem Wert unterschiedliche Formen annehmen. Das Erscheinungsbild<br />

<strong>der</strong> Zellen än<strong>der</strong>t sich abhängig von einer von Excel verwalteten Bedingung.<br />

779


Dazu markierst du die Zellen und wendest dann die bedingte Formatierung<br />

an.<br />

6.6.1Datenbalken<br />

Mit Datenbalken kannst du Werte in ausgewählten Zellen vergleichen, um<br />

schnell die höchsten und niedrigsten Werte zu erkennen. Die Länge des<br />

Datenbalkens repräsentiert den Wert in<br />

<strong>der</strong> Zelle: Je länger <strong>der</strong> Balken, desto<br />

höher <strong>der</strong> Wert.<br />

6.6.2 Farbskalen<br />

Farbskalen helfen dabei, die Verteilung<br />

und Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Werte zu<br />

verstehen. Eine Skala kann zwei o<strong>der</strong><br />

drei Farben umfassen, wobei <strong>der</strong><br />

Farbton für hohe, mittlere und niedrige<br />

Werte steht.<br />

6.6.3 Symbolsätze<br />

Symbolsätze ermöglichen die<br />

Kommentierung und Klassifizierung von<br />

Daten in drei bis fünf Kategorien, die<br />

durch einen Schwellenwert getrennt<br />

sind. Jedes Symbol repräsentiert einen<br />

Bereich von Werten.<br />

6.6.4 Eine neue Regel erstellen<br />

Hier kannst du eigene Bedingungen erstellen, um eine vordefinierte bedingte<br />

Formatierung anzuwenden o<strong>der</strong> eine angepasste Formatierung zu erstellen.<br />

6.7 Daten sortieren<br />

Mit Excel Microsoft 365 kannst du eine Tabelle schnell nach den Werten in<br />

einer Spalte sortieren.<br />

780


6.7.1 Sortieren von A bis Z o<strong>der</strong> 0 bis 9<br />

• Wähle den gewünschten Bereich o<strong>der</strong> die<br />

gesamte Tabelle aus, die sortiert werden soll. Du<br />

kannst auch nur eine Spalte sortieren.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten,<br />

wähle die Schaltfläche Sortieren und Filtern.<br />

• Wähle entwe<strong>der</strong> Von A bis Z sortieren für<br />

aufsteigende Reihenfolge o<strong>der</strong> Von Z bis A<br />

sortieren für absteigende Reihenfolge.<br />

6.7.2 Nach Farbe o<strong>der</strong> auf mehreren Ebenen sortieren<br />

• Wähle bei Bedarf die Zellen aus, die sortiert werden sollen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten, wähle die Schaltfläche<br />

Sortieren und Filtern und verwende die Option Benutzerdefiniertes<br />

Sortieren.<br />

• Treffe die entsprechende Auswahl.<br />

6.8 Daten filtern<br />

6.8.1 Aktivieren und/o<strong>der</strong> deaktivieren <strong>der</strong> automatischen Filterung<br />

Mit <strong>der</strong> automatischen Filterung kannst du Daten in einer Tabelle so filtern,<br />

dass nur die Zeilen angezeigt werden, die den<br />

angegebenen Kriterien entsprechen. Die automatische<br />

Filterung ermöglicht das Filtern nach Zellinhalt, Füllfarbe,<br />

Schriftfarbe o<strong>der</strong> bedingter Formatierung durch<br />

Symbolsätze.<br />

• Wähle eine Zelle in <strong>der</strong> Tabelle aus.<br />

• Wähle die Schaltfläche Sortieren und Filtern in <strong>der</strong><br />

Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten.<br />

• Wähle die Option Filtern. Es erscheint ein<br />

Dropdown-Feld in den Spalten.<br />

Um die Filtrierung zu deaktivieren, wähle erneut die Schaltfläche Filtern.<br />

6.8.2 Nach bestimmten Werten in <strong>der</strong> Spalte filtern<br />

• Aktiviere die automatische Filtrierung.<br />

• Öffne die Dropdown-Liste, die mit <strong>der</strong> Spalte verknüpft ist, und die die<br />

Werte enthält, nach denen gefiltert werden soll.<br />

• Um bestimmte Werte auszublenden, hebe die Markierung <strong>der</strong><br />

entsprechenden Kontrollkästchen auf.<br />

781


• Um einzelne Werte anzuzeigen,<br />

deaktiviere die Option Alle auswählen<br />

und markiere dann die gewünschten<br />

Werte.<br />

6.8.3 Nach einer Zellfarbe, Schriftart o<strong>der</strong> einem<br />

Satz von Symbolen filtern<br />

• Aktiviere die automatische Filterung.<br />

• Öffne die Dropdown-Liste, die mit <strong>der</strong> Spalte<br />

verknüpft ist, und die die Werte enthält,<br />

nach denen gefiltert werden soll.<br />

• Aktiviere die Option Nach Farbe filtern.<br />

• Triff die gewünschte Auswahl.<br />

6.8.4 Nach einem benutzerdefinierten Kriterium filtern<br />

Je nach Datentyp <strong>der</strong> Spalte bietet Excel drei Arten<br />

von Filtern an: Numerische Filter für numerische<br />

Daten, Chronologische Filter für Datumsdaten und<br />

Textfilter für alphanumerische Daten.<br />

• Aktiviere die automatische Filterung.<br />

• Öffne die Dropdown-Liste <strong>der</strong> Spalte, die die<br />

Werte enthält, nach denen gefiltert werden<br />

soll.<br />

• Aktiviere die Option Textfilter und wähle dann Benutzerdefinierter Filter.<br />

• Triff die gewünschte Auswahl.<br />

• Bestätige mit OK.<br />

782


6.9 Layout<br />

• Aktiviere das aktuelle Arbeitsblatt, indem du auf<br />

eine Zelle in <strong>der</strong> Tabelle klickst.<br />

• Mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl + P öffnet sich das<br />

Druckfenster.<br />

6.9.1 Ausrichtung des Blattes<br />

Mit <strong>der</strong> Schaltfläche Hochformat-Ausrichtung kannst du<br />

zwischen Hoch- und Querformat-Ausrichtung wählen.<br />

6.9.2 Skalierung<br />

• Wähle die Schaltfläche Keine Skalierung.<br />

• Wähle bevorzugte Skalierung, z.B. Blatt an<br />

eine Seite anpassen. Die Schriftgrösse<br />

passt sich automatisch an.<br />

Unter <strong>der</strong> Schaltfläche Seite Einrichten öffnen sich weitere Optionen. Im<br />

Register Papierformat kann ebenfalls die Ausrichtung gewählt werden, und im<br />

Punkt Skalierung kann die Grösse individuell angepasst werden.<br />

6.9.3 Auf dem Blatt zentrieren<br />

• Wähle das Register Seitenrän<strong>der</strong>.<br />

• Hier können die Rän<strong>der</strong> individuell<br />

angepasst werden.<br />

• Bei Bedarf kann beim Punkt Auf <strong>der</strong> Seite<br />

zentrieren die Option horizontal o<strong>der</strong> vertikal<br />

aktiviert werden.<br />

783


6.9.4 Wie<strong>der</strong>holung von Zeilen/Spalten auf je<strong>der</strong> gedruckten Seite<br />

• Wähle das Register Blatt.<br />

• Hier können Zeilen definiert werden, die auf je<strong>der</strong> Seite mitgedruckt<br />

werden sollen (z.B. Überschriftszeilen).<br />

• Dafür das Icon hinter <strong>der</strong> Zeile Wie<strong>der</strong>holungszeilen oben/unten<br />

wählen.<br />

• Entsprechende Zeile/n o<strong>der</strong> Spalte/n auswählen, die wie<strong>der</strong>holt<br />

werden sollen.<br />

6.9.5 Erstellen und Verwalten von Kopf- und Fusszeilen<br />

Der Inhalt <strong>der</strong> Kopfzeile wird oben auf je<strong>der</strong> Seite gedruckt, während <strong>der</strong><br />

Inhalt <strong>der</strong> Fusszeile unten auf je<strong>der</strong> Seite gedruckt wird.<br />

Für jede Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile stehen dir drei Textfel<strong>der</strong> zur Verfügung: links,<br />

mittig und rechts.<br />

• Klicke auf die Schaltfläche Seitenlayout.<br />

• Wähle die Registerkarte Kopf-/Fusszeile.<br />

Um die Kopf- und/o<strong>der</strong> Fusszeile anzupassen, wähle die Schaltfläche<br />

Benutzerdefinierte Kopfzeile o<strong>der</strong> Benutzerdefinierte Fusszeile. Folgende<br />

Optionen stehen zur Verfügung:<br />

• Text formatieren<br />

• Eine Seitenzahl einfügen<br />

• Anzahl <strong>der</strong> Seiten einfügen<br />

• Datum einfügen<br />

• Uhrzeit einfügen<br />

• Dateipfad einfügen<br />

• Dateiname einfügen<br />

• Füge den Namen des Blattes ein<br />

• Ein Bild einfügen.<br />

784


6.9.6 Kopf-/Fusszeilenoptionen festlegen<br />

• Unter dem Eingabefeld <strong>der</strong> Fusszeile kann zwischen zwei Optionen<br />

gewählt werden.<br />

• Markiere die gewünschte/n Option/en.<br />

o Unterschiedliche erste Seite:<br />

Um die Kopf- und Fusszeile <strong>der</strong> ersten zu<br />

druckenden Seite zu unterscheiden.<br />

o Unterschiedliche gerade und ungerade<br />

Seiten:<br />

Um auf geraden und ungeraden Seiten eine<br />

unterschiedliche Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile einzufügen.<br />

6.9.7 Eine Arbeitsmappe, ein Blatt, eine Auswahl drucken<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Datei die Option Drucken<br />

wählen.<br />

• Alternativ kann die Tastenkombination Ctrl + P<br />

verwendet werden<br />

• Gewünschte Druckoption wählen.<br />

6.10 Eine Grafik erstellen<br />

6.10.1 Arten von Grafiken<br />

Die wichtigsten Diagrammtypen sind:<br />

• Histogramm o<strong>der</strong> Liniendiagramm: Zur Veranschaulichung<br />

von Daten mit einer zeitlichen Entwicklung.<br />

• Kreisdiagramm: Zur Darstellung von %-Werten einer einzelnen<br />

Reihe.<br />

• Säulendiagramm: zur Veranschaulichung von Vergleichsdaten.<br />

785


6.10.2 Erstellen einer empfohlenen Grafik<br />

• Wähle die Daten aus, die grafisch dargestellt werden sollen.<br />

• Wenn die betreffenden Zellen nebeneinan<strong>der</strong> liegen, können diese<br />

durch Klicken und Ziehen ausgewählt werden.<br />

• Wenn die betreffenden Zellen nicht nebeneinan<strong>der</strong> liegen, können<br />

diese durch Klicken (und ziehen) mit gedrückter „Ctrl“-Taste<br />

ausgewählt werden.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Einfügen.<br />

• In <strong>der</strong> Gruppe Diagramm, aktiviere die Schaltfläche Empfohlene<br />

Diagramme, damit Excel einige Diagramme vorschlagen kann, die sich<br />

beson<strong>der</strong>s gut für die ausgewählten Daten eignen.<br />

• Im Fensterbereich klicke auf eines <strong>der</strong> empfohlenen Diagramme.<br />

6.10.3 Die Position eines Diagramms än<strong>der</strong>n<br />

Sobald die Grafik erstellt ist, sollte diese am besten auf ein neues Blatt<br />

verschoben werden. Wenn das Diagramm erstellt wurde, erscheint die<br />

Registerkarte Diagrammentwurf.<br />

• Öffne die Registerkarte Diagrammentwurf<br />

und wähle die Option Diagramm<br />

verschieben (1).<br />

• Aktiviere die Option Neues Blatt (2).<br />

• Benenne das neue Blatt entsprechend.<br />

• Bestätige mittels Klick auf OK.<br />

6.10.4 Die zu erstellende Grafik wählen<br />

• Treffe eine Auswahl <strong>der</strong> Daten, die grafisch<br />

dargestellt werden sollen, und aktiviere die<br />

Registerkarte Einfügen.<br />

• In <strong>der</strong> Gruppe Diagramme öffne die Liste <strong>der</strong><br />

Erweiterungen in <strong>der</strong> unteren Rechten Ecke.<br />

• Unter alle Diagramme wird nun eine Liste mit<br />

entsprechen<strong>der</strong> Vorlage angezeigt.<br />

• Wähle das passende Diagramm aus.<br />

• Verschiebe das Diagramm auf ein an<strong>der</strong>es<br />

Blatt.<br />

786


6.10.5 Sekundäre vertikale Achse hinzufügen<br />

Diese Technik ermöglicht es, Daten, die sich in ihrem Massstab und/o<strong>der</strong> ihrer<br />

Einheit völlig unterscheiden, in einem einzigen Diagramm darzustellen. Das<br />

Prinzip besteht darin, einen Graphen in einen kombinierten Graphen<br />

umzuwandeln.<br />

• Klicke in das Diagramm, das in ein kombiniertes Diagramm<br />

umgewandelt werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Diagrammentwurf.<br />

• Unter <strong>der</strong> Gruppe Typ klicke auf Diagrammtyp än<strong>der</strong>n.<br />

• Im neuen Fenster öffne nun die Registerkarte alle Grafiken (1).<br />

• In <strong>der</strong> linken Spalte wähle den Diagrammtyp Kombi (2).<br />

• Klicke auf die Unterkategorie Gruppierte Säulen/Linien auf <strong>der</strong><br />

Sekundärachse (3).<br />

• Im unteren Bereich des Fensters bestimme die entsprechenden<br />

Diagrammtypen und Achsen für die Datenreihen. Aktiviere auch die<br />

Option Sekundäre Achse für alle Achsen, die auf <strong>der</strong> sekundären Achse<br />

gezeichnet werden sollen (4).<br />

• Bei <strong>der</strong> entsprechenden Datenreihe definiere den Diagrammtyp als<br />

Linie.<br />

• Bei den restlichen Datenreihen sollte <strong>der</strong> Diagrammtyp auf Gruppierte<br />

Säulen stehen.<br />

787


6.10.6 Än<strong>der</strong>e die Optionen für die x-Achse.<br />

Die Abszissenachse wird auch als X-Achse o<strong>der</strong> Kategorienachse bezeichnet.<br />

Wenn die Achse angepasst werden soll, kann durch Doppelklick auf die X-<br />

Achse das Bearbeitungsfenster geöffnet werden. Der Office-Bereich Achse<br />

formatieren wird auf <strong>der</strong> rechten Seite des Fensters angezeigt.<br />

Der Bereich ist in zwei Themenbereiche aufgeteilt <strong>–</strong> Achsenoptionen und<br />

Textoptionen.<br />

• Achsenoptionen:<br />

o Füllung und Linie<br />

o Effekte<br />

o Grösse und Eigenschaften<br />

o Achsenoptionen<br />

• Die Achsenoptionen sind wie<strong>der</strong>um in Listen<br />

aufgeteilt:<br />

o Achsenoptionen <strong>–</strong> automatische<br />

Zuordnung <strong>der</strong> Achse o<strong>der</strong> Umwandlung<br />

in Text- o<strong>der</strong> Datumsachse<br />

o Teilstriche <strong>–</strong> um die Markierungen auf <strong>der</strong><br />

Achse zu än<strong>der</strong>n<br />

o Beschriftungen <strong>–</strong> um die Position des<br />

Textes in Bezug auf die Achse<br />

anzuzeigen/anzupassen<br />

o Zahl <strong>–</strong> Anpassung des Zahlenformats möglich (z. B. Prozentual,<br />

Währung, etc.)<br />

• Text-Optionen:<br />

o Textfüllung und -kontur<br />

o Texteffekte<br />

o Textfeld.<br />

6.10.7 Än<strong>der</strong>e die Optionen für die Y-Achse.<br />

Die Ordinatenachse wird auch als vertikale Achse, Y-Achse o<strong>der</strong> Wertachse<br />

bezeichnet.<br />

Wenn die Achse angepasst werden soll, kann durch Doppelklick auf die<br />

entsprechende Achse das Bearbeitungsfenster geöffnet werden. Der Office-<br />

Bereich Achse formatieren wird auf <strong>der</strong> rechten Seite des Fensters angezeigt.<br />

788


Der Bereich ist in zwei Themenbereiche aufgeteilt <strong>–</strong> Achsenoptionen und<br />

Textoptionen. Die Textoptionen sind dieselben wie bei <strong>der</strong> X-Achse.<br />

• Achsenoptionen:<br />

o Die Achsenoptionen unter dem<br />

gleichnamigen Themenbereich<br />

ermöglichen es, die Minimal- und<br />

Maximalgrenzen sowie die<br />

Haupteinheiten <strong>der</strong> Achse <strong>der</strong><br />

Skalierung festzulegen.<br />

6.10.8 Datenbeschriftung bearbeiten<br />

Hier geht es darum, die Anzeige <strong>der</strong> Werte zu än<strong>der</strong>n, die den Daten in je<strong>der</strong><br />

Reihe entsprechen.<br />

• Aktiviere das Diagramm (1).<br />

• Unter Diagrammelement die Datenbeschriftung aktivieren (2).<br />

• Wähle weitere Optionen unter Datenbeschriftungen (3).<br />

Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Office-<br />

Bereich.<br />

• Die Beschriftungsoptionen können nun folgenden<br />

drei Kategorien angepasst werden:<br />

o Beschriftungsoptionen<br />

o Beschriftungsposition<br />

o Zahl (Anpassung des Zahlenformats möglich<br />

(z. B. Prozentual, Währung, etc.)<br />

789


6.10.9 Schnelllayout<br />

Die Gruppe Schnelllayout dient einer raschen Än<strong>der</strong>ung des<br />

Diagramms.<br />

• Aktiviere das Diagramm.<br />

• Wähle das Werkzeug Schnelllayout im Register<br />

Diagrammentwurf.<br />

• Verschiedene Varianten werden angezeigt.<br />

• Wähle das gewünschte Layout aus.<br />

6.10.10 Elemente des Diagramms anzeigen/ausblenden<br />

• Es geht um das Ein- und<br />

Ausblenden von…<br />

o Diagrammtitel<br />

o Achsen<br />

o Achsentitel<br />

o Legenden<br />

o Datenbeschriftungen<br />

o Datentabelle<br />

o Gitternetzlinie<br />

• Aktiviere das Diagramm.<br />

• Wähle das Diagrammelement-<br />

Werkzeug (rechts neben dem Diagramm).<br />

• Markiere die gewünschten Elemente.<br />

6.10.11 Ein Kreisdiagramm bearbeiten (Kreis in Kreis o<strong>der</strong> Balken aus Kreis<br />

Diagramm)<br />

Diese Unterart des Kreisdiagramms trennt die kleinsten Sektoren vom<br />

Hauptdiagramm ab und zeigt sie in einem zusätzlichen Kreisdiagramm o<strong>der</strong><br />

gestapelten Balkendiagramm an.<br />

Um die Grafik zu erstellen:<br />

• Aktiviere das Diagramm.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Diagrammentwurf in <strong>der</strong> Gruppe Typ wähle<br />

Diagrammtyp än<strong>der</strong>n.<br />

• Wähle entwe<strong>der</strong> die Option Kreis<br />

in Kreis-Diagramm (1) o<strong>der</strong> Balken<br />

aus Kreis-Diagramm (2).<br />

790


6.10.12 Trendlinie zu Diagramm hinzufügen<br />

Die mit einer Datenreihe verbundene Trendkurve ermöglicht es, Trends in<br />

bestehenden Daten o<strong>der</strong> Prognosen für zukünftige Daten zu<br />

veranschaulichen. Mit diesem Tool kann eine Regressionsanalyse<br />

durchgeführt werden, welche zur Erstellung von Prognosen verwendet wird.<br />

Je nach gewünschter Analyseart kann z. B. eine Trendkurve in einem<br />

Diagramm über die vorhandenen Daten hinausschauen.<br />

• Aktiviere das Diagramm.<br />

• Wähle die Datenreihe aus, <strong>der</strong> eine<br />

Trendkurve hinzugefügt werden soll.<br />

• Über das Werkzeug<br />

Diagrammelemente aktiviere das<br />

Feld Trendlinie.<br />

791


Fachartikel Modul 807<br />

7. Office 356 PowerPoint<br />

7.1 Die Grundlagen <strong>der</strong> Präsentation<br />

Mit PowerPoint kannst du elektronische Präsentationen erstellen, die auf<br />

einem Bildschirm projiziert, auf einer Website hinterlegt, bei einem<br />

Vorstellungsgespräch o<strong>der</strong> in einem Kurs verwendet o<strong>der</strong> bei je<strong>der</strong> Art von<br />

Sitzung präsentiert werden können.<br />

Eine PowerPoint-Präsentation kann ausgedruckt werden, damit du und deine<br />

Zuhörer/Teilnehmer sich Notizen machen können.<br />

Du kannst den Ablauf <strong>der</strong> Präsentation automatisch gestalten, den Text- und<br />

Bildobjekten Bewegungen hinzufügen, Töne, Videos und Hyperlinks einfügen.<br />

PowerPoint ist nur ein Präsentationsmedium. Die Präsentationstechniken musst<br />

du separat lernen.<br />

7.1.1 Der Arbeitsbildschirm<br />

• PowerPoint starten.<br />

• Die Startseite wird angezeigt, auf Leere Präsentation klicken. Folgendes<br />

Bild wird sich zeigen.<br />

Das Menüband <strong>–</strong><br />

Multifunktionsleiste<br />

(1)<br />

Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle <strong>der</strong><br />

Anwendung. Diese Befehle sind in Gruppen<br />

zusammengefasst, wobei jede Gruppe durch eine<br />

Registerkarte repräsentiert wird (Datei, Start, Einfügen,<br />

Kreationen, Übergänge usw.). Jede Registerkarte<br />

enthält mehrere Gruppen von Befehlen, in denen du<br />

792


Anzeigemodus (2)<br />

Zoom (3)<br />

Schaltflächen sehen wirst, mit denen du die meisten<br />

Anpassungen durchführen kannst.<br />

Hier kannst du zwischen verschiedenen Anzeigemodi<br />

wechseln:<br />

• Normal<br />

• Foliensortierung<br />

• Leseansicht<br />

• Präsentationsmodus<br />

Hier wird die Grösse <strong>der</strong> Folien angepasst.<br />

Werkzeuge in <strong>der</strong> Symbolleiste anzeigen/ausblenden<br />

Wenn die Symbolleiste für den Schnellzugriff ((4) oben im Arbeitsbildschirm)<br />

nicht über o<strong>der</strong> unter <strong>der</strong> Multifunktionsleiste sichtbar ist, musst du diese in den<br />

Optionen auswählen.<br />

• Registerkarte Datei aufrufen und darin Optionen wählen.<br />

• Kategorie Symbolleiste für den Schnellzugriff aufrufen. Das<br />

untenstehende Fenster erscheint.<br />

• In <strong>der</strong> linken Tabelle kannst du alle Befehle/Werkzeuge finden, die nicht<br />

in <strong>der</strong> Symbolleiste sind, und mit dem Feld Hinzufügen neu einfügen.<br />

• Folgende Tools werden empfohlen:<br />

o Von Beginn an<br />

o Speichern<br />

o Rückgängig<br />

o Wie<strong>der</strong>holen<br />

• Bestätige mit einem Klick auf OK.<br />

• Die Leiste müsste nun angepasst sein.<br />

793


Die Symbolleiste ist unter <strong>der</strong> Multifunktionsleiste sichtbar<br />

• In Symbolleiste markiertes Feld wählen und die Ansicht auf Über dem<br />

Menüband anzeigen anpassen.<br />

In diesem Menü können auch die Werkzeuge aktiviert und deaktiviert<br />

werden, die in <strong>der</strong> Symbolleiste angezeigt werden sollen.<br />

7.1.2 Letzte Än<strong>der</strong>ung rückgängig machen/wie<strong>der</strong>holen<br />

• Nachstehende Symbole können eine Aktion rückgängig<br />

machen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>holen.<br />

7.1.3 Lineal/Linien anzeigen<br />

Lineale und Linien können die Ausrichtung von<br />

Objekten auf <strong>der</strong> Folie erleichtern.<br />

• Register Ansicht aktivieren. In <strong>der</strong> Gruppe<br />

Anzeigen die gewünschte Option wählen.<br />

• Um die Lineale und Linien auszublenden, die<br />

Option/das Kontrollkästchen deaktivieren.<br />

7.2 Eine Präsentation erstellen<br />

Eine Präsentation ist die Hauptdatei, die mit PowerPoint 365 erstellt wird.<br />

7.2.1 Präsentation basierend auf einer Vorlage erstellen<br />

Hier geht es darum, eine Präsentation aus einer bereits existierenden Vorlage<br />

zu erstellen. Eine Vorlage kann aus mehreren Folien bestehen und bereits<br />

Texte o<strong>der</strong> Objekte enthalten.<br />

• Registerkarte Datei aktivieren und Neu wählen.<br />

• Im unteren Bereich des Fensters erscheinen nun Themen und Vorlagen.<br />

• Auf Miniaturansicht einer passenden Vorlage klicken.<br />

794


7.2.2 Erstellen einer Präsentation aus einer bestehenden Präsentation<br />

• Registerkarte Datei aktivieren und Öffnen wählen.<br />

• Wenn die zu verwendende Präsentation vor kurzem geöffnet wurde, ist<br />

diese unter Präsentation im Bereich Zuletzt geöffnet sichtbar und kann<br />

mittels Kopie öffnen geöffnet werden.<br />

• Wenn die Präsentation nicht in <strong>der</strong> Liste sichtbar ist, kann diese über die<br />

Schaltfläche Durchsuchen im mittleren Fensterbereich gefunden<br />

werden. Dazu zum Ordner navigieren, in dem die Präsentation<br />

abgespeichert ist, und wie<strong>der</strong>um mit Kopie öffnen, öffnen.<br />

• Alle notwendigen Än<strong>der</strong>ungen ausführen und die Präsentation als neue<br />

Präsentation abspeichern.<br />

7.3 Arbeiten mit dem Folienmastermodus<br />

Im Folienmastermodus kannst du das Raster <strong>der</strong> Folien än<strong>der</strong>n. Hier werden<br />

zwei Arten von Elementen angezeigt: die Folienmaske und die damit<br />

verbundenen Layouts.<br />

• Du kannst den Folienmaster im Register Ansicht in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Masteransichten aktivieren.<br />

795


Folienmaster (1)<br />

Der Folienmaster ist eine bestimmte Folie, die<br />

Informationen über die angewandte Designvorlage<br />

(Thema, Schriftstil, Grösse und Position von<br />

Platzhaltern, etc.) speichert. Er umfasst eine Reihe von<br />

Layouts, die Informationen über die Position <strong>der</strong><br />

Platzhalter auf den Folien enthalten. Alles, was in<br />

dieser Folie angepasst wird, überträgt sich<br />

automatisch auf die untergeordneten Folien.<br />

7.3.1 Titelstil im Folienmaster än<strong>der</strong>n<br />

Schriftart und Schriftgrösse än<strong>der</strong>n<br />

• Markiere den Titel auf <strong>der</strong> Folie, <strong>der</strong><br />

angepasst werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Start und nimm<br />

die gewünschten Anpassungen in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart vor.<br />

Zeichen hervorheben<br />

• Markiere den Titel auf <strong>der</strong> Folie, <strong>der</strong> angepasst werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Schriftart.<br />

• Verwende folgende Werkzeuge, um den Text/Titel hervorzuheben:<br />

o F für Fettdruck<br />

o K für kursive Schrift<br />

o U für Unterstreichungen<br />

o Leuchtstiftsymbol für Hervorhebungen<br />

o «A» mit roter Unterstreichung für die Zeichenfarbe<br />

Der Effekt des Werkzeugs wird direkt auf den ausgewählten Text angewendet.<br />

796


Aufzählungszeichen zu Absätzen än<strong>der</strong>n<br />

• Markiere auf <strong>der</strong> entsprechenden<br />

Folie in <strong>der</strong> Masteransicht die<br />

Aufzählung, die angepasst werden<br />

soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Absatz.<br />

• Es sind folgende Än<strong>der</strong>ungen im Absatz möglich:<br />

o Erstellen einer Liste mit Aufzählungszeichen<br />

o Erstellen einer nummerierten Liste<br />

o Verringern o<strong>der</strong> Erhöhen <strong>der</strong> Listenebene<br />

Absatzaufzählungen anpassen<br />

• Markiere auf <strong>der</strong> entsprechenden Folie in <strong>der</strong> Masteransicht die<br />

Aufzählung, die angepasst werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Absatz.<br />

• Wähle das Werkzeug Aufzählungszeichen, die Option Nummerierung<br />

und Aufzählungszeichen (1) und danach Anpassen (2).<br />

• Unter Anpassen öffnet sich ein weiteres Fenster mit dem Titel Symbol (3).<br />

• Betätige das Dropdown-Feld Schriftart (4) und wähle eine Schriftart, die<br />

das gesuchte Symbol enthält.<br />

→ Die Schriftarten Webdings, Wingdings, Wingdings 2 und 3 bieten<br />

Symbole an.<br />

• Dieser Vorgang kann für die zweite, dritte und weitere Ebenen<br />

wie<strong>der</strong>holt werden.<br />

•<br />

797


Ein Bild/Logo in die Folienmaske einfügen<br />

• Öffne die Masterfolie und aktiviere sie durch<br />

einen Klick.<br />

• Wechsle zur Registerkarte Einfügen und öffne die<br />

Gruppe sowie das Werkzeug Bil<strong>der</strong>.<br />

• Wähle den Speicherort, an dem das Bild o<strong>der</strong><br />

Logo gespeichert ist.<br />

• Füge die gewünschte Datei ein.<br />

• Nach erfolgreichem Einfügen kann das Bild via<br />

Rechtsklick und <strong>der</strong> Option Grafik formatieren weiterbearbeitet werden,<br />

z. B. Grösse und Position.<br />

→ Vorgenommene Än<strong>der</strong>ungen des Bildes werden auf alle Folien<br />

übernommen.<br />

Sobald alle Än<strong>der</strong>ungen abgeschlossen sind, kannst du den Folienmaster im<br />

Register Folienmaster Schliessen.<br />

7.4 Präsentation erstellen, nachdem Folienmaske geän<strong>der</strong>t wurde<br />

Nach dem Schliessen des Folienmasters erscheint <strong>der</strong> Arbeitsbildschirm<br />

analog<br />

Kapitel 1.<br />

Anmerkung zu nachfolgenden Punkten: Das Textformat (Schriftart, Grösse<br />

usw.) hält sich an das Format, welches im Folienmaster definiert wurde.<br />

7.4.1 Folien hinzufügen<br />

• Aktiviere das Werkzeug Neue Folie in <strong>der</strong> Gruppe Folien in <strong>der</strong><br />

Registerkarte Start.<br />

• Wähle die gewünschte Folie aus.<br />

7.4.2 Folienlayout än<strong>der</strong>n<br />

• Öffne die Registerkarte Start und aktiviere das Werkzeug Layout in <strong>der</strong><br />

Gruppe Folien.<br />

798


• Wähle die gewünschte Office Vorlage aus:<br />

o Titelfolie:<br />

Ermöglicht das Schreiben eines Titels und<br />

eines Untertitels.<br />

o Titel und Inhalt:<br />

Wahrscheinlich die nützlichste Anordnung.<br />

Sie dient hauptsächlich dazu, Text mit<br />

Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummern, eine<br />

Tabelle, eine Grafik o<strong>der</strong> ein Video<br />

einzufügen.<br />

o Zwei Inhalte:<br />

Diese Anordnung ist sehr nützlich, wenn du ein<br />

Bild auf <strong>der</strong> linken Seite <strong>der</strong> Folie und einen<br />

erläuternden Text auf <strong>der</strong> rechten Seite <strong>der</strong> Folie<br />

präsentieren möchtest.<br />

7.4.3 Titel und Untertitel in Titelfolie eingeben<br />

• Nachdem die passende Office-Vorlage <strong>der</strong> Titelfolie gewählt wurde,<br />

klicke in den Platzhalter.<br />

• Gebe den gewünschten Text ein. Mit Enter kann ein weiterer Absatz<br />

erstellt werden. Um lediglich einen Zeilenumbruch vorzunehmen,<br />

verwende die Tastenkombination Shift + Enter.<br />

• Verwende das gleiche Verfahren für den Platzhalter <strong>der</strong><br />

Unterüberschrift.<br />

7.4.4 Text mit Aufzählungszeichen eingeben<br />

• Über die Registerkarte Start und die Gruppe Neue Folie füge die Folie<br />

Text und Inhalt ein.<br />

• Klicke in den Platzhalter, um einen Text hinzuzufügen.<br />

• Folgende Ansatzpunkte können bei <strong>der</strong> Eingabe unterstützen:<br />

o Text eingeben, ohne die Zeilenenden zu beachten<br />

o Mit Enter einen neuen Absatz erstellen<br />

7.4.5 Einzug von Absätzen o<strong>der</strong> Aufzählungen vergrössern bzw. verkleinern<br />

• Wähle die entsprechende Aufzählung/Absatz und aktiviere<br />

das entsprechende Werkzeug in <strong>der</strong> Gruppe Absatz <strong>der</strong><br />

Registerkarte Start.<br />

799


7.5 Eine Tabelle einfügen/zeichnen<br />

• Mit dem Werkzeug Neue Folie fügst du eine<br />

Folie mit Titel und Inhalt hinzu.<br />

• Klicke auf das Symbol für Tabelle im<br />

Platzhalter für den Inhalt.<br />

• Ergänze die Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Zeilen.<br />

• Bestätige mit einem Klick auf die Schaltfläche OK.<br />

• Die Tabelle wird als grafisches Objekt auf <strong>der</strong> Folie eingefügt.<br />

• Die Registerkarten Tabellenentwurf sowie Layout werden in <strong>der</strong> Liste<br />

angezeigt.<br />

• Der aktive Tab Tabellenentwurf zeigt Optionen für die Formatierung <strong>der</strong><br />

Tabelle an.<br />

• Ergänze den Tabelleninhalt. Mit <strong>der</strong> Tabulator-Taste kann in die nächste<br />

Zelle gesprungen werden.<br />

7.5.1 Auswahl in Tabelle tätigen<br />

• Um eine Zelle zu aktivieren, positioniere die Maus links innerhalb einer<br />

Zelle (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem schwarzen, nach oben gerichteten<br />

Pfeil) und klicke.<br />

• Um eine Spalte zu aktivieren, positioniere die Maus über <strong>der</strong> ersten<br />

horizontalen Linie <strong>der</strong> Spalte (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem schwarzen,<br />

nach unten gerichteten Pfeil) und klicke.<br />

• Um eine Zeile zu aktivieren, positioniere die Maus ausserhalb <strong>der</strong> ersten<br />

Zelle einer Zeile (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem weissen nach oben rechts<br />

gerichteten Pfeil) und klicke.<br />

• Um eine Tabelle zu aktivieren, navigiere die Maus zur linken oberen<br />

Ecke <strong>der</strong> Tabelle und klicke auf das Symbol <strong>der</strong> überkreuzten Pfeile.<br />

7.5.2 Spalte/Zeile einfügen<br />

• Setze die Maus vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> Zelle ein, in<br />

welcher eine Spalte o<strong>der</strong> Zeile eingefügt werden<br />

soll.<br />

• Wähle die Registerkarte Layout und die Gruppe<br />

Zeilen und Spalten.<br />

• Wähle die gewünschte Einfüge-Position aus.<br />

7.5.3 Spalte/Zeile löschen<br />

• Wähle die Spalte o<strong>der</strong> Zeile aus, die gelöscht werden soll.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zeilen und Spalten wähle<br />

die Option Löschen.<br />

800


7.5.4 Tabelle aufteilen<br />

• Positioniere die Einfügemarke vor <strong>der</strong> Zeile, die "abgeteilt"<br />

werden soll.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zusammenführen<br />

wähle die Option Zellen teilen.<br />

7.5.5 Zellen zusammenführen<br />

• Markiere die Zellen, die zusammengeführt werden sollen.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zusammenführen<br />

wähle die Option Zellen verbinden.<br />

7.6 Grafik einfügen<br />

Mit einem Diagramm können Daten dargestellt werden, die in eine Tabelle<br />

auf einem Arbeitsblatt eingegeben wurden.<br />

7.6.1 Von einer Datei aus<br />

• Das Diagramm besteht bereits in einer Excel-Datei.<br />

• Über die Registerkarte Start, Gruppe Folien fügst du eine neue Folie nur<br />

Titel ein.<br />

• Wechsle zur Registerkarte Einfügen. Wähle das Werkzeug Objekt in <strong>der</strong><br />

Gruppe Text.<br />

• Im neuen Fenster Objekt einfügen aktiviere die Option Aus Datei<br />

erstellen.<br />

• Wähle die Exceldatei mit dem Diagramm via Durchsuchen aus und<br />

bestätige mit OK.<br />

→ Wenn vor <strong>der</strong> Bestätigung die Option Verknüpfung aktiviert wird,<br />

werden Än<strong>der</strong>ungen im Excel und damit verbundene im Diagramm<br />

automatisch in die PowerPoint übernommen.<br />

• Das Diagramm erscheint auf <strong>der</strong> Folie.<br />

801


7.6.2 Aus <strong>der</strong> Anordnung "Titel und Inhalt"<br />

• Über die Registerkarte Start und<br />

die Gruppe Neue Folie füge die<br />

Folie Titel und Inhalt ein.<br />

• Wähle das Symbol für das<br />

Diagramm (1).<br />

• Das Fenster Diagramm einfügen<br />

öffnet sich.<br />

• Auf <strong>der</strong> linken Seite sind alle<br />

verfügbaren Diagrammtypen<br />

zusammengefasst, im oberen<br />

rechten Teil werden die<br />

Untertypen für die ausgewählte Kategorie angezeigt.<br />

• Wähle auf <strong>der</strong> linken Seite die gewünschte Kategorie aus.<br />

• Suche den Subtyp des Diagramms aus.<br />

• Bestätige mit OK.<br />

• Das Diagramm erscheint auf <strong>der</strong> Folie zusammen mit einem<br />

Arbeitsblatt, das fiktive Daten enthält.<br />

• Es erscheinen zwei neue Tabs, Diagrammentwurf und Format (2).<br />

• Mit einem Klick auf das markierte Symbol (3) können die Daten direkt in<br />

einem Excel-Arbeitsblatt bearbeitet werden.<br />

→ Das weitere Vorgehen wird im Modul 806 unter 6.10 beschrieben.<br />

7.7 Videodatei einfügen<br />

Du kannst in PowerPoint Videodateien aus verschiedenen Formaten wie mp3,<br />

mp4, mov usw. einfügen.<br />

802


7.7.1 Eine Videodatei einfügen<br />

• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> die Videodatei erscheinen soll.<br />

• Wähle das Symbol für eine SmartArt-Grafik auf <strong>der</strong> Folie.<br />

• Öffne den Ordner, in dem das Video gespeichert ist.<br />

• Doppelklicke auf den Dateinamen.<br />

• Die Videodatei erscheint nun als Objekt auf <strong>der</strong> Folie.<br />

• Die Registerkarten Videoformat und Wie<strong>der</strong>gabe werden angezeigt.<br />

7.7.2 Video aus dem Internet, z. B. YouTube, einfügen<br />

Ein Vorteil dieser Methode ist, dass das Video über eine externe Website<br />

zugänglich ist und die Präsentation nicht überladen wird.<br />

• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> das Video eingefügt werden<br />

soll. Die Folie sollte das Layout Titel und Inhalt o<strong>der</strong> leer<br />

haben.<br />

• Öffne die Registerkarte Einfügen und wähle über die<br />

Schaltfläche Medien die Option Video, Onlinevideos.<br />

• Füge die Webadresse/Link des Videos ein und wähle<br />

Einfügen, um es auf <strong>der</strong> Folie zu integrieren.<br />

7.7.3 Video schneiden<br />

Mit dieser Technik kannst du Teile (am Anfang und/o<strong>der</strong> am Ende) entfernen,<br />

sodass nur ein Ausschnitt bleibt.<br />

• Wähle das Video aus.<br />

• Wechsle zur Registerkarte<br />

Wie<strong>der</strong>gabe.<br />

• Öffne das Werkzeug Video kürzen<br />

über die Schaltfläche Bearbeiten.<br />

• Definiere im neuen Fenster Video kürzen eine neue Start- und/o<strong>der</strong><br />

Endzeit.<br />

7.7.4 Ein Video abspielen<br />

Mit dieser Technik kann das Video direkt auf <strong>der</strong> Folie abgespielt werden,<br />

ohne die Diashow zu starten.<br />

• Wähle das Video aus.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Wie<strong>der</strong>gabe wähle das Werkzeug Vorschau.<br />

• Um die Wie<strong>der</strong>gabe zu beenden, klicke nun an <strong>der</strong>selben Stelle auf<br />

Anhalten.<br />

803


7.7.5 Vollbildmodus, Helligkeitsregelung<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Wie<strong>der</strong>gabe und <strong>der</strong> Schaltfläche Videooptionen<br />

aktiviere die Option Im Vollbildmodus wie<strong>der</strong>geben.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Videoformat kannst du unter <strong>der</strong> Schaltfläche<br />

Korrekturen die Helligkeit und den Kontrast anpassen.<br />

7.8 Organigramm einfügen<br />

• Füge mit dem Werkzeug Neue Folie eine Folie mit Titel und Inhalt hinzu.<br />

• Klicke auf das Symbol für SmartArt-Grafik im Platzhalter für den Inhalt.<br />

• Wähle im Fenster SmartArt-Grafik<br />

auswählen auf <strong>der</strong> linken Seite die Option<br />

Hierarchie.<br />

• Wähle die gewünschte Grafik aus und<br />

führe<br />

beliebige Än<strong>der</strong>ungen durch.<br />

7.9 Bild einfügen<br />

Bil<strong>der</strong> und Grafiken können in <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen eingefügt werden.<br />

7.9.1 Auf <strong>der</strong> Folienmaske<br />

Siehe Kapitel 7.4<br />

7.9.2 Auf einer Folie<br />

• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> das Bild eingefügt werden soll.<br />

• Öffne die Registerkarte Einfügen und aktiviere die<br />

Schaltfläche Bil<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Gruppe Bil<strong>der</strong>.<br />

• Wähle die gewünschte Bildquelle aus und füge das Bild ein.<br />

• Das Bild erscheint nun auf <strong>der</strong> Folie.<br />

• Wenn das Bild aktiviert wird, erscheint die Registerkarte<br />

Bildformat. Hier kannst du verschiedene Än<strong>der</strong>ungen am Bild<br />

vornehmen (Grösse, Helligkeit, Position, etc.).<br />

7.9.3 Mehrere Bil<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Folie positionieren<br />

• Du kannst mehrere Bil<strong>der</strong> auf einer Folie positionieren.<br />

• Wähle die entsprechenden Bil<strong>der</strong> aus.<br />

804


• Aktiviere die Registerkarte Bildformat und nehme in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Anordnen die Ausrichtung o<strong>der</strong> Gruppierung vor.<br />

7.10 Folien anpassen<br />

7.10.1 Foliengrösse<br />

Seit <strong>der</strong> Version 2013 von PowerPoint wurde die standardmässig angewandte<br />

Foliengrösse an grosse Bildschirme angepasst; die Grösse 16:9 hat also die<br />

Grösse 4:3 abgelöst.<br />

Die Breitbild 16:9 wird empfohlen, wenn die Diashow auf einem grossen<br />

Bildschirm gezeigt wird.<br />

Foliengrösse än<strong>der</strong>n<br />

• Aktiviere die Registerkarte Entwurf.<br />

• Wähle in <strong>der</strong> Gruppe Anpassen die<br />

Schaltfläche Foliengrösse.<br />

• Hier kannst du die Grösse Standard,<br />

Breitbild o<strong>der</strong> eine benutzerdefinierte<br />

Grösse wählen.<br />

7.10.2 Grafiken im Hintergrund ausblenden<br />

Bil<strong>der</strong>/Objekte, die in <strong>der</strong> Folienmaske eingefügt werden, können<br />

ausgeblendet werden.<br />

• Wähle die Folie aus, auf <strong>der</strong> das Bild<br />

ausgeblendet werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Entwurf.<br />

• Wähle das Werkzeug Hintergrund<br />

formatieren in <strong>der</strong> Gruppe Anpassen.<br />

• Klicke auf Hintergrundgrafiken ausblenden.<br />

Das Bild erscheint nicht mehr auf <strong>der</strong> Folie.<br />

805


7.10.3 Fusszeile, Nummerierung, Text, Datum<br />

Mit dieser Technik können Fusszeilen für den Druck erstellt werden.<br />

• Wähle eine Folie aus.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen in <strong>der</strong><br />

Gruppe Text wähle das Werkzeug<br />

Kopf- und Fusszeile.<br />

• Das untenstehende Fenster erscheint.<br />

• Aktiviere das Kontrollfeld Datum und<br />

Uhrzeit, um ein Datumsfeld auf den<br />

Folien einzufügen.<br />

• Um eine Foliennummer einzufügen,<br />

aktiviere das Kontrollfeld Foliennummer.<br />

• Mit dem Kontrollfeld Fusszeile kann ein<br />

beliebiger Text eingefügt werden.<br />

• Schliesse alle Anpassungen mit einem Klick<br />

auf Für alle übernehmen ab.<br />

7.10.4 Ein Audioelement einfügen<br />

Eine Audiodatei einfügen<br />

• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> die Audiodatei eingefügt werden soll.<br />

• Öffne die Registerkarte Einfügen und aktiviere in <strong>der</strong> Gruppe Medien<br />

die Schaltfläche Audio.<br />

• Wähle die Option Audio von meinem Computer.<br />

• Navigiere zum Ordner mit <strong>der</strong> Audiodatei.<br />

• Doppelklicke auf die Datei, um sie in PowerPoint einzufügen.<br />

• Die Audiodatei wird durch das Symbol eines Lautsprechers dargestellt.<br />

Einen Ton aufnehmen<br />

Mit einem Mikrofon können selbstständig Kommentare zu den Folien<br />

aufgenommen werden.<br />

• Aktiviere die Folie, zu welcher das<br />

Audio aufgezeichnet werden soll.<br />

• Öffne die Registerkarte Einfügen<br />

und aktiviere in <strong>der</strong> Gruppe<br />

Medien die Schaltfläche Audio.<br />

• Wähle die Option Audio<br />

aufzeichnen.<br />

• Das Dialogfenster Sound<br />

aufzeichnen öffnet sich.<br />

• Unter Name kann <strong>der</strong> Datei bereits ein Titel zugeordnet werden.<br />

• Erklärung <strong>der</strong> Tasten:<br />

806


o Aufnahme starten (1)<br />

o Aufnahme beenden (2)<br />

o Aufnahme abspielen (3)<br />

• Mit einem Klick auf die Schaltfläche OK<br />

wird die Aufnahme auf <strong>der</strong> Folie eingefügt.<br />

7.11 Übergang<br />

Ein visueller Übergangseffekt ist die Art und Weise, wie ein Dia während deiner<br />

Diashow auf dem Bildschirm erscheint.<br />

• Wähle die Folie aus, auf <strong>der</strong> ein visueller Übergangseffekt angewendet<br />

werden soll.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Übergänge.<br />

• Öffne die Erweiterungsoption für das Fenster Übergang zu dieser Folie<br />

(1).<br />

• Wähle den gewünschten Effekt aus.<br />

→ Du kannst auch eine Vorschau von jedem Effekt anzeigen (2), indem<br />

du in <strong>der</strong> Gruppe Vorschau das gleichnamige Werkzeug auswählst.<br />

• Klicke auf die Schaltfläche Effektoptionen (3), um den Effekt<br />

anzupassen o<strong>der</strong> die Optionen anzuzeigen. Diese können je nach<br />

Effekt variieren.<br />

• Die Übergangsdauer kann in <strong>der</strong> Gruppe Anzeigedauer im Feld Dauer<br />

o<strong>der</strong> mittels Einblendezeit <strong>der</strong> nächsten Folie definiert werden. Aktiviere<br />

dazu das Feld Nach unter nächste Folie und gib den entsprechenden<br />

Zeitcode an (4).<br />

• Mit einem Klick auf Auf alle anwenden wird <strong>der</strong> Übergangseffekt auf<br />

alle Folien übernommen.<br />

• Bei Folien mit einem Übergangseffekt erscheint ein Stern in <strong>der</strong> linken<br />

Spalte <strong>der</strong> Folienübersicht.<br />

7.12 Animation<br />

PowerPoint bietet dir die Möglichkeit, vordefinierte visuelle Effekte auf Objekte<br />

auf einer Folie anzuwenden. Diese Animationseffekte werden während <strong>der</strong><br />

Diashow angezeigt. Es gibt vier Arten von Animationseffekten.<br />

Je nach gewähltem Typ kann die Animation ausgelöst werden:<br />

• Eingang: Einblendung <strong>der</strong> Objekte auf <strong>der</strong> neu aufgeschalteten Folie<br />

• Ausgang: Verschwinden <strong>der</strong> Objekte<br />

• Animationspfade: Flugbahn des Objektes<br />

• Hervorhebung: kurze Hervorhebung eines Objektes auf <strong>der</strong> Folie<br />

807


7.12.1 Animationseffekte anwenden<br />

• Wähle ein o<strong>der</strong> mehrere betroffene Objekte aus.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Animationen.<br />

• Wähle den gewünschten Effekt aus <strong>der</strong> Liste Animationseffekte <strong>der</strong><br />

Gruppe Animation aus.<br />

7.12.2 Effektoption wählen<br />

Bei vielen Effekten kann die Animation im Nachgang noch angepasst<br />

werden.<br />

• Öffne in <strong>der</strong> Registerkarte Animationen in <strong>der</strong> Gruppe Animation die<br />

Schaltfläche Effektoptionen.<br />

• Je nach Effekt ist <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong> Liste unterschiedlich.<br />

7.12.3 Reihenfolge <strong>der</strong> Animationseffekte än<strong>der</strong>n<br />

Wenn mehrere Animationseffekte auf <strong>der</strong> Folie vorhanden sind, erscheinen<br />

diese im Bereich Animation von oben nach unten sortiert.<br />

• Aktiviere die Folie, um diesen Bereich zu öffnen.<br />

• Klicke in <strong>der</strong> Registerkarte Animationen und <strong>der</strong> Gruppe Erweiterte<br />

Animation auf die Schaltfläche Animationsbereich.<br />

• Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich das Office-Fenster Animationsbereich.<br />

• Wenn ein Effekt ausgewählt ist, kann dieser mit den Pfeiltasten oben<br />

rechts im Fenster nach oben o<strong>der</strong> unten verschoben werden.<br />

7.12.4 Den Start <strong>der</strong> Animation än<strong>der</strong>n<br />

Standardmässig wird ein Animationseffekt durch einen Mausklick ausgelöst.<br />

Dieser Auslöser kann automatisiert werden.<br />

• Aktiviere die Registerkarte Animationen.<br />

• Öffne aus <strong>der</strong> Gruppe Anzeigedauer das<br />

Dropdown-Menu unter Start und wähle<br />

die gewünschte Option.<br />

• Wähle dann im Dropdown-Menü rechts von Start<br />

in <strong>der</strong> Gruppe Timer die gewünschte Option aus.<br />

7.12.5 Animationseffekte zeitlich festlegen<br />

Mit einer zeitlichen Angabe kann <strong>der</strong> Beginn sowie die Dauer einer Animation<br />

festgelegt werden.<br />

• Wähle den Animationseffekt, <strong>der</strong> zeitlich festgelegt werden soll.<br />

808


• Gib Dauer und Verzögerung in den entsprechenden Fel<strong>der</strong>n in <strong>der</strong><br />

Gruppe Anzeigedauer (siehe Ausschnitt oben) an.<br />

7.12.6 Ton mit Animationseffekt verknüpfen<br />

Einer Animation kann ebenfalls ein Ton hinzugefügt werden.<br />

• Wähle im Register Animationen einen Effekt im Animationsbereich aus.<br />

• Öffne im Dropdown-Menu neben dem Effekt die Option Effektoptionen.<br />

• Das Fenster Wachsen und Bewegen öffnet sich.<br />

• Füge unter Sound den gewünschten Ton hinzu.<br />

7.13 Diashow<br />

Die Diashow ist die Projektion deiner Präsentation auf den Bildschirm.<br />

7.13.1 Bildschirmpräsentation einrichten<br />

• Aktiviere das Register Bildschirmpräsentation und öffne die Schaltfläche<br />

Bildschirmpräsentation einrichten.<br />

• Das Fenster Bildschirmpräsentation einrichten öffnet sich.<br />

• Unter Art <strong>der</strong> Präsentation kann die Grösse eingerichtet werden:<br />

o Präsentation durch einen Redner<br />

(Vollbild): Präsentation wird vor<br />

einem Live-Publikum auf voller<br />

Bildschirmgrösse präsentiert. Diese<br />

Option ist standardmässig aktiviert.<br />

o Ansicht an einem Kiosk (Vollbild):<br />

Die Präsentation wird in einer<br />

Endlosschleife abgespielt. Diese Art wird in <strong>der</strong> Regel auf<br />

Messeständen verwendet. Bei dieser Option wird die Auswahl<br />

kontinuierlich abgespielt, bis die ESC-Taste<br />

getätigt wird.<br />

7.13.2 Benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation<br />

• Öffne das Register<br />

Bildschirmpräsentation und wähle die<br />

Schaltfläche Benutzerdefinierte<br />

Bildschirmpräsentation aus.<br />

• Wie<strong>der</strong>hole folgenden Vorgang bei je<strong>der</strong> individuellen Präsentation:<br />

o Wähle die Schaltfläche Neu.<br />

o Gib im ersten Feld Name <strong>der</strong> Bildschirmpräsentation einen Titel<br />

ein.<br />

809


o De-/aktiviere die Folien, die in <strong>der</strong> Präsentation eingefügt werden<br />

sollen.<br />

o Wähle die Schaltfläche Hinzufügen, um die Folien in die<br />

zielgruppenorientierte Präsentation einzufügen.<br />

o Die Folien können mit den Schaltflächen Nach oben, Nach unten<br />

und Entfernen verschoben o<strong>der</strong> gelöscht werden.<br />

o Um die zielgruppenorientierte Präsentation zu präsentieren, öffne<br />

das Register Bildschirmpräsentation und aktiviere die Schaltfläche<br />

Benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation.<br />

o Im Dropdown werden nun auch die vorgefertigten<br />

Präsentationen angezeigt, aus denen die gewünschte<br />

ausgewählt werden kann.<br />

7.13.3 Präsentator-Modus entdecken<br />

Dieser Modus ermöglicht es, die Präsentation auf zwei Bildschirmen<br />

gleichzeitig zu starten.<br />

• Öffne die zu projizierende Präsentation.<br />

• In <strong>der</strong> Registerkarte Bildschirmpräsentation und <strong>der</strong> Gruppe Bildschirme<br />

ggf. die Option Referentenansicht verwenden.<br />

• In <strong>der</strong> Liste Bildschirm wähle die Option Hauptmonitor o<strong>der</strong><br />

Automatisch.<br />

• Starte die Präsentation.<br />

7.14 Speichern/Drucken<br />

7.14.1 Präsentation im pptx<strong>–</strong>Format speichern<br />

Beim Speichern deiner Diashow wird die Datei im .pptx-Format mit ihren<br />

Übergangs- und Animationseffekten gespeichert. Diese Datei kann z.B. per E-<br />

Mail übermittelt werden und ermöglicht den direkten Start <strong>der</strong> Präsentation,<br />

wobei <strong>der</strong> Rechner über einen kompatiblen Viewer verfügen muss.<br />

7.14.2 Die Diashow als Video speichern<br />

Mit dieser Funktion können die Folien einer PowerPoint-Präsentation im<br />

Videoformat (wmv) gespeichert werden, wobei die Animations- und<br />

Übergangseffekte sowie das Timing erhalten bleiben. Die Videodatei wird<br />

nach <strong>der</strong> Aufnahme als Video ausgeführt, sodass sie per E-Mail versendet<br />

o<strong>der</strong> auf einer Website veröffentlicht werden kann.<br />

• Öffne die Präsentation.<br />

• Speichere die Präsentation, indem du auf die Schaltfläche Speichern in<br />

<strong>der</strong> Symbolleiste klickst.<br />

• Öffne das Register Datei und wähle die Option Exportieren.<br />

810


• Wähle auf <strong>der</strong> linken Seite Video erstellen.<br />

• Bestimme die entsprechende Auflösung und Zeitabläufe.<br />

• Wähle die Schaltfläche Video erstellen.<br />

• Definiere einen Dateinamen und den Aufnahmeordner für die Ablage<br />

und bestätige mit Speichern.<br />

7.15 Drucken<br />

• Wähle das Register Datei und die Option Drucken. Alternativ kannst du<br />

auch die Tastenkombination Ctrl + P verwenden.<br />

• Gib im Feld Kopien die Anzahl <strong>der</strong> zu druckende Exemplare an.<br />

• Wähle in <strong>der</strong> Liste Drucker den gewünschten Drucker aus.<br />

• Bestimme die Einstellungen über den zu druckenden Teil:<br />

o Alle Folien<br />

o Auswahl<br />

o Aktive Folien<br />

• Definiere das Drucklayout und die Anzahl <strong>der</strong> Folien pro Seite.<br />

o Drucklayout<br />

o Handzettel<br />

• Wähle ein- o<strong>der</strong> zweiseitigen Druck (zweiseitiger Druck <strong>–</strong> Seiten an <strong>der</strong><br />

kurzen Seite umdrehen o<strong>der</strong> zweiseitiger Druck <strong>–</strong> Seiten an <strong>der</strong> langen<br />

Seite umdrehen).<br />

811


Fachartikel Modul 808<br />

8. Office 365 OneNote<br />

Die OneNote-Software von Microsoft Office ist ein sehr leistungsstarkes Tool,<br />

das es dir ermöglicht, alle Dokumente, Ressourcen und handschriftlichen<br />

Notizen eines Kurses o<strong>der</strong> Projekts an einem Ort zu zentralisieren. So kannst du<br />

von deinem Papiernotizblock wegkommen und ein virtuelles Notizbuch<br />

entwerfen, in dem du die Informationen, die du auf verschiedenen Medien<br />

und Plattformen (PowerPoint, Word, Websites, Screenshots usw.) gesammelt<br />

hast, hinzufügen, zu organisieren und Notizen machst.<br />

8.1 Allgemeine Informationen zu OneNote<br />

OneNote hat sich im Laufe <strong>der</strong> Zeit weiterentwickelt. Es wird immer noch in 3<br />

verschiedenen Versionen verwendet, nämlich:<br />

• OneNote 2016<br />

• OneNote für Windows<br />

• OneNote 365<br />

Das Prinzip bleibt immer gleich; es ist ein Notizbuch, in das du verschiedene<br />

Computerdateien, aber auch deine persönlichen Notizen integrieren kannst.<br />

Was die drei Versionen unterscheidet, ist, dass die erste lokal auf deinem<br />

Computer ist und die beiden an<strong>der</strong>en online sind, wobei die Informationen<br />

auf OneDrive gespeichert werden.<br />

8.1.1 OneNote 2016<br />

Die OneNote-Desktopanwendung für Windows ist Teil von Office 2019 und<br />

Microsoft 365, kann aber auch als eigenständige Anwendung<br />

heruntergeladen und unabhängig auf jedem PC verwendet werden. Sie läuft<br />

auf je<strong>der</strong> <strong>der</strong>zeit unterstützten Version von Windows, einschliesslich aller<br />

Editionen von Windows 10 und Windows 11.<br />

In den letzten Jahren wurde diese Anwendung als "OneNote 2016"<br />

bezeichnet (in früheren Jahren als "OneNote 2013"). Nun wird sie einfach<br />

"OneNote" genannt.<br />

Die OneNote-Desktopanwendung verfügt über eine vollständige Office-<br />

Bandoberfläche, die dauerhaft ein- o<strong>der</strong> ausgeblendet werden kann, bis sie<br />

benötigt wird. Die farbigen Abschnittsregisterkarten des aktuellen Notizbuchs<br />

werden horizontal auf dem Bildschirm angezeigt, und die Navigation<br />

zwischen den verschiedenen Notizbüchern wird auf <strong>der</strong> linken Seite des<br />

Bildschirms angezeigt.<br />

Dies ist die einzige Version von OneNote, die neben dem Cloud-Speicher<br />

auch die lokale Speicherung von Notizbüchern auf <strong>der</strong> Festplatte deines PCs<br />

812


unterstützt. Es ist ausserdem die Version von OneNote, die die meisten<br />

Anpassungsoptionen enthält (klicke in <strong>der</strong> Anwendung auf Datei > Optionen).<br />

8.1.2 OneNote für Windows<br />

Die OneNote-App für Windows ist bereits vorinstalliert und kann auf allen<br />

Windows-Editionen verwendet werden.<br />

OneNote für Windows verfügt über eine kleinere, einzeilige Ribbon-<br />

Oberfläche am oberen Bildschirmrand, die dauerhaft ein- o<strong>der</strong> ausgeblendet<br />

werden kann, bis sie benötigt wird. Wenn <strong>der</strong> Navigationsbereich<br />

eingeblendet ist, zeigt dieser die Abschnittsregisterkarten <strong>der</strong> farbigen<br />

Notizbücher vertikal auf <strong>der</strong> linken Seite des Bildschirms an. Die Liste <strong>der</strong><br />

Seitenregisterkarten wird unmittelbar rechts neben den<br />

Abschnittsregisterkarten angezeigt.<br />

Wenn du dich mit einem kompatiblen Office 2019- o<strong>der</strong> Microsoft 365-<br />

Abonnement bei OneNote für Windows anmeldest, erhältst du zusätzliche<br />

Premium-Funktionen, darunter das Korrekturlesen handschriftlicher Eingaben,<br />

den Sucher und den Mathematik-Assistenten.<br />

8.1.3 OneNote 365<br />

Diese Version von OneNote entspricht OneNote für Windows, wird aber mit<br />

dem Microsoft 365-Paket ausgeliefert. Alle Daten werden direkt auf OneDrive<br />

gespeichert.<br />

Grundsätzlich kann man sagen, dass man sich, wenn man eine Version von<br />

OneNote gut kennt, auch in einer an<strong>der</strong>en sehr schnell zurechtfindet. Die<br />

Funktionen sind grösstenteils identisch, und auch die Symbolik ist gleich.<br />

Manche Schaltflächen befinden sich an einer ungewohnten Stelle, aber<br />

ansonsten gewöhnt man sich in <strong>der</strong> Regel schnell daran.<br />

8.2 Aufbau von OneNote<br />

Ähnlich wie bei Notizblöcken o<strong>der</strong> Ordnern kannst du in OneNote deine<br />

Informationen in Notizbüchern organisieren, die Seiten und Abschnitte<br />

enthalten. Du kannst Seiten, Abschnitte und an<strong>der</strong>e Notizbücher hinzufügen,<br />

wann und wo immer du sie benötigst, und du kannst sie sogar umbenennen,<br />

verschieben o<strong>der</strong> löschen.<br />

Ein klassisches OneNote-Notizbuch besteht aus einem o<strong>der</strong> mehreren<br />

Notizbuchabschnitten. Innerhalb jedes Abschnitts befinden sich einzelne<br />

Seiten und Unterseiten, auf denen du Notizen machen kannst. OneNote ist<br />

nicht auf eine bestimmte Organisationsform beschränkt. Du kannst deine<br />

Notizen so organisieren, wie du es für richtig hältst, und wenn du deine<br />

Meinung än<strong>der</strong>st, ist es einfach, sie neu zu organisieren.<br />

813


8.3 OneNote-Schulung<br />

Um dich zu schulen und die richtigen Funktionen zu finden, findest du Hilfe<br />

unter folgen<strong>der</strong> Adresse:<br />

https://support.microsoft.com/fr-fr/office/vid%C3%A9o-de-formationonenote-1c983b65-42f6-42c1-ab61-235aae5d0115<br />

Auf dieser Internetseite findest du alle Funktionen von OneNote, sie wird<br />

regelmässig aktualisiert.<br />

8.4 Erste Schritte mit OneNote<br />

8.4.1 Erstelle dein erstes Notizbuch<br />

Wenn du OneNote startest, wirst du<br />

von einem sauberen und<br />

organisierten Arbeitsbereich<br />

begrüsst.<br />

• Erstelle zunächst dein erstes<br />

Notizbuch, indem du in <strong>der</strong><br />

oberen linken Ecke Datei<br />

auswählst, und anschliessend auf Neu klickst.<br />

814


• Wähle einen Speicherort (z. B. OneDrive), gib ihm<br />

einen Namen und klicke auf Erstellen.<br />

• Du hast die Möglichkeit, dein Notizbuch bei <strong>der</strong><br />

Erstellung o<strong>der</strong> zu einem späteren Zeitpunkt zu<br />

teilen o<strong>der</strong> nicht. (Siehe Abschnitt 8.6)<br />

8.4.2 Abschnitte und Seiten erkunden<br />

Ein Notizbuch besteht aus Abschnitten, und je<strong>der</strong> Abschnitt kann mehrere<br />

Seiten enthalten. Stelle dir dein Notizbuch wie einen physischen Aktenordner<br />

vor.<br />

• Du kannst einen neuen Abschnitt hinzufügen, indem<br />

du auf die Schaltfläche + Neuer Abschnitt auf <strong>der</strong><br />

linken Seite klickst.<br />

• Nachdem du den neuen Abschnitt<br />

erstellt hast, kannst du ihn<br />

umbenennen, indem du mit <strong>der</strong><br />

rechten Maustaste auf den Abschnitt<br />

klickst und auf Umbenennen klickst.<br />

• Innerhalb jedes Abschnitts kannst du Seiten erstellen, indem du auf<br />

Seite hinzufügen (1) klickst.<br />

• Nachdem du die neue Seite erstellt hast, kannst du ihr einen Namen<br />

geben, indem du oben auf <strong>der</strong> erstellten Seite (2) klickst.<br />

• Gib deinen Abschnitten und Seiten aussagekräftige Namen, um sie<br />

optimal zu organisieren.<br />

815


8.5 Notizen in OneNote machen<br />

8.5.1 Text eingeben<br />

Die Grundfunktionalität von OneNote ist die Texteingabe. Klicke einfach<br />

irgendwo auf eine Seite und beginne zu tippen. Du kannst die Schriftart, die<br />

Grösse und die Farbe des Textes än<strong>der</strong>n, um deinen Notizen eine persönliche<br />

Note zu verleihen.<br />

8.5.2 Freihandzeichnen<br />

Für kreative Köpfe bietet OneNote Zeichenwerkzeuge. Wähle den Reiter<br />

Zeichnen und verwende den digitalen Stift, die Maus o<strong>der</strong> deinen Finger, um<br />

Ideen zu skizzieren, Diagramme zu erstellen o<strong>der</strong> einfach nur zu zeichnen.<br />

Der Zeichenbereich bietet dir eine Vielzahl von Zeichenwerkzeugen, darunter:<br />

• Formen: Mithilfe von Formen kannst du einfache o<strong>der</strong> komplexe<br />

geometrische Formen erstellen.<br />

• Stifte: Mit Stiften kannst du freie Linien und Formen erstellen.<br />

• Textmarker: Mit Textmarkern kannst du Text- o<strong>der</strong> Zeichenbereiche<br />

hervorheben.<br />

• Pinsel: Mit Pinseln kannst du kunstvollere Zeichnungen erstellen.<br />

8.6 Zusammenarbeit und Teilen<br />

OneNote glänzt wirklich, wenn du mit an<strong>der</strong>en Benutzern zusammenarbeitest.<br />

Ein Notizbuch zu teilen, kann in mehreren Fällen nützlich sein.<br />

• Um mit an<strong>der</strong>en Personen zusammenzuarbeiten. Wenn du möchtest,<br />

dass an<strong>der</strong>e Personen deine Notizen sehen und bearbeiten können,<br />

kannst du sie schon beim Erstellen des Notizbuchs mit ihnen teilen. So<br />

könnt ihr gemeinsam an einem Projekt arbeiten o<strong>der</strong> wichtige<br />

Informationen weitergeben.<br />

• Um das Überarbeiten zu erleichtern. Wenn du möchtest, dass jemand<br />

an<strong>der</strong>es deine Notizen überarbeitet, kannst du sie schon beim Erstellen<br />

816


des Notizblocks für diese Person freigeben. So kannst du schnell und<br />

einfach Feedback erhalten.<br />

• So behältst du einen Än<strong>der</strong>ungsverlauf. Wenn du eine Historie <strong>der</strong><br />

Än<strong>der</strong>ungen an deinen Notizen behalten möchtest, kannst du diese für<br />

dich selbst freigeben. So kannst du bei Bedarf zu einer früheren Version<br />

deiner Notizen zurückkehren.<br />

8.6.1 Dein Notizbuch teilen<br />

• Klicke oben rechts auf Datei.<br />

• Danach wählst du Teilen.<br />

• Gib die E-Mail-Adresse (1) deines Mitarbeiters<br />

ein und lege die Berechtigungen (2) fest. Du<br />

kannst auch eine Nachricht (3) für den/die<br />

Empfänger einfügen und dann auf Senden<br />

klicken. Fertig, ihr arbeitet in Echtzeit<br />

zusammen.<br />

• Du kannst beliebig oft zu dieser Freigabe<br />

zurückkehren, um Personen hinzuzufügen o<strong>der</strong><br />

zu entfernen.<br />

8.7 Tipps und erweiterte Funktionen<br />

8.7.1 Intelligente Suche<br />

• Gehe auf die Registerkarte Überprüfen (1).<br />

• Markiere ein o<strong>der</strong> mehrere Wörter (2) in deinen Notizen und klicke auf<br />

Intelligente Suche (3).<br />

817


• Die Suchleiste (4), welche sich auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnete,<br />

durchsuchte nun das Internet direkt mit den in deinen Notizen<br />

ausgewähltem Begriff.<br />

• Du kannst die Suche auch verwenden, um nach an<strong>der</strong>en Wörtern als<br />

denen in deinen Notizen zu suchen.<br />

8.7.2 Audio-Aufnahme<br />

• Öffne die OneNote-Seite, auf <strong>der</strong> du das Audio aufnehmen möchtest.<br />

• Klicke auf Einfügen und dann auf Audio aufnehmen.<br />

• Die Aufnahme wird nun gestartet. Mach deine Audioaufnahme und<br />

klicke auf Stopp, um die Aufnahme zu beenden.<br />

• Auf <strong>der</strong> Seite mit den Notizen ist eine Audioaufnahmedatei<br />

aufgetaucht.<br />

• Du kannst so viele hinzufügen, wie du möchtest.<br />

• Um die Audiodatei<br />

umzubenennen, klicke mit <strong>der</strong><br />

rechten Maustaste auf die<br />

Audiodatei und dann auf<br />

Umbenennen.<br />

• Du kannst eine Aufnahme<br />

abspielen, indem du auf die<br />

Aufnahme klickst, die du<br />

abspielen möchtest, und dann auf Abspielen.<br />

8.8 Fortgeschrittene Organisation<br />

8.8.1 Verwendung von Kategorien<br />

Es ist möglich, deine Notizen unterschiedlich zu Kategorisieren.<br />

Hier ein Beispiel für zwei unterschiedliche Kategorien.<br />

818


• Eine Kategorie Aufgabe, die man<br />

"Abhäkeln" kann und die auch den<br />

Text rot einfärbt.<br />

• Eine Markierung in Form eines<br />

Hauses, die zur Angabe einer<br />

Adresse verwendet wird.<br />

• Es gibt eine Vielzahl von Kategorien<br />

und es ist auch möglich, eigene<br />

Kategorien zu erstellen.<br />

• Um deine eigenen Kategorien zu erstellen,<br />

öffne unter Kategorien alle Kategorien<br />

und klicke auf Kategorie anpassen.<br />

• Du kannst entwe<strong>der</strong> eine vorhandene<br />

Kategorie bearbeiten o<strong>der</strong> eine neue<br />

Kategorie erstellen.<br />

• Klicke auf Neue Kategorie (1).<br />

• Gib im neuen Fenster den gewünschten<br />

Namen (2) für die neue Kategorie an,<br />

wähle das Symbol (3) für deine Kategorie,<br />

die Farbe (4) des Textes, wenn diese<br />

Kategorie verwendet wird, sowie eine<br />

Farbe für die Hervorhebung (5) des Textes.<br />

• Du erhältst eine Vorschau (6) deiner neuen<br />

Kategorie bei je<strong>der</strong> Än<strong>der</strong>ung, die du an <strong>der</strong><br />

Kategorie vornimmst.<br />

• Klicke schliesslich auf OK.<br />

8.8.2 Farbe än<strong>der</strong>n<br />

Passe das Aussehen deiner Notizbücher, Abschnitte o<strong>der</strong> Seiten an, indem du<br />

ihnen eigene Farben zuweist. Das erleichtert die Navigation und verleiht<br />

deiner Organisation eine visuelle Dimension.<br />

819


Das Notizbuch<br />

• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste auf das Notizbuch, dessen Farbe du<br />

än<strong>der</strong>n möchtest, und klicke dann auf Eigenschaften (1).<br />

• Lass die verschiedenen Farben erscheinen, indem du auf den<br />

Farbwähler (2) klickst, wähle dann die Farbe aus (3), die du zuweisen<br />

möchtest, und klicke schliesslich auf OK.<br />

Der Abschnitt<br />

• Ähnlich wie beim Notizbuch klickst du mit <strong>der</strong><br />

rechten Maustaste auf den Abschnitt, dessen<br />

Farbe du än<strong>der</strong>n möchtest, und ziehst die Maus<br />

auf Abschnittsfarbe.<br />

• Wähle dann die gewünschte Farbe aus.<br />

Die Seite<br />

• Um die Farbe deiner Seiten zu än<strong>der</strong>n, wähle die Seite aus, <strong>der</strong>en Farbe<br />

du än<strong>der</strong>n möchtest, und klicke dann auf den Reiter Ansicht.<br />

• Wähle Seitenfarbe (1) um die Seitenfarbe zu än<strong>der</strong>n.<br />

• Unter Hilfslinien (2) kannst du Hilfs- o<strong>der</strong> Gitternetzlinien einblenden<br />

lassen.<br />

820


• Willst du deine Notizbuchseiten begrenzen, wählst du Papierformat (3).<br />

• Unter Hintergrund wechseln (4), kannst du die Seite im Black-Modus<br />

anzeigen lassen.<br />

8.9 Personalisierung und Stil<br />

8.9.1 Seitenvorlagen<br />

OneNote bietet vordefinierte Seitenvorlagen für verschiedene Anlässe. Wähle<br />

eine Vorlage, die zu deinem Inhalt passt, um Zeit zu sparen und eine<br />

einheitliche Darstellung zu gewährleisten.<br />

• Klicke dazu auf die Registerkarte Einfügen und dann auf<br />

Seitenvorlagen.<br />

• Wähle Seitenvorlagen.<br />

• Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich ein Feld<br />

mit "Vorlagen", in dem sich die<br />

verschiedenen, gespeicherten Vorlagen<br />

befinden. Du findest diese<br />

verschiedenen Kategorien:<br />

o Studium<br />

o Diverse<br />

o Business<br />

o Dekorativ<br />

o Aufgabenlisten<br />

• In diesen Kategorien findest du verschiedene Vorlagen, die du<br />

verwenden kannst. Vergrössere dazu die gewünschte Kategorie, indem<br />

du auf den Pfeil klickst.<br />

• Klicke auf die gewünschte Vorlage und automatisch wird eine neue<br />

Seite erstellt, in <strong>der</strong> bereits verschiedene Elemente enthalten sind.<br />

821


• Beispiel: Auswahl <strong>der</strong> Vorlage<br />

Detaillierte Notizen zum Kurs.<br />

• Wie du sehen kannst, wird eine neue<br />

Seite (Titel) mit <strong>der</strong> Überschrift Titel<br />

erstellt und diese Seite ist bereits mit<br />

verschiedenen Elementen gefüllt.<br />

8.10 Deine eigenen Vorlagen speichern<br />

• Du hast auch die Möglichkeit,<br />

eigene Vorlagen zu erstellen<br />

und diese dann zu speichern,<br />

damit du sie in verschiedenen<br />

Notizblöcken und Abschnitten<br />

wie<strong>der</strong>verwenden kannst.<br />

• Klicke dazu auf die Seite, die du<br />

als Vorlage verwenden<br />

möchtest, klicke wie zuvor auf<br />

die Registerkarte Einfügen,<br />

Seitenvorlagen und dann ganz<br />

unten auf <strong>der</strong> rechten Klappe<br />

auf Aktive Seite als Vorlage speichern (1).<br />

• Im sich öffnenden Fenster gibst du deiner Vorlage einen Namen (2) und<br />

du hast die Möglichkeit, diese Vorlage als<br />

Standardvorlage (3) bei <strong>der</strong> Erstellung einer<br />

neuen Seite des aktiven Abschnitts festzulegen und dann auf Speichern<br />

zu Klicken.<br />

• Nun ist die neue Vorlage über das rechte Menüband in <strong>der</strong> Kategorie<br />

Meine Vorlagen erreichbar.<br />

822


8.10.1 Aufnahme von handschriftlichen Notizen<br />

Wenn du ein stiftfähiges Gerät verwendest, kannst du mit OneNote deine<br />

handschriftlichen Notizen aufzeichnen. Dies kann bei Besprechungen<br />

praktisch sein, bei denen die Eingabe mit <strong>der</strong> Hand natürlicher ist.<br />

• Über das Register Zeichnen (1),<br />

Markierst du eine handschriftliche<br />

Notiz mit Lasso-Auswahl (2).<br />

• Anschliessend wählst du<br />

Handschriftliche Eingabe in Text (3),<br />

um diese Notiz in getippten Text<br />

umzuwandeln.<br />

8.11 Schlussfolgerung<br />

Microsoft 365 OneNote ist ein vielseitiges Werkzeug, das sich an viele<br />

verschiedene Arbeitsstile anpassen lässt. Wenn du diese erweiterten<br />

Funktionen erkundest, kannst du deine OneNote-Erfahrung individuell<br />

gestalten und an deine speziellen Bedürfnisse anpassen. Probiere ruhig<br />

verschiedene Funktionen aus, um herauszufinden, welche am besten zu<br />

deinem Arbeitsstil passen.<br />

823


Logistiker/In EFZ<br />

900_Integrate<br />

<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />

824


Modul 901_Logistikaufträge planen und auswerten<br />

Ausgangslage<br />

Das Ziel jedes Unternehmens ist es, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.<br />

Der Gewinn ist aber nicht zu verwechseln mit dem Umsatz:<br />

Umsatz: Der Umsatz ist die Summe <strong>der</strong> verkauften Dienstleistungen o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

verkauften Produkte während einer bestimmten Zeit (z. B. Umsatz pro Tag,<br />

Monat o<strong>der</strong> Jahr)<br />

Der Gewinn kann unabhängig vom Umsatz erzielt werden. Es ist möglich,<br />

einen hohen Umsatz aber keinen Gewinn zu machen. Ein Gewinn kann erzielt<br />

werden, wenn ein Ertrag generiert wird:<br />

Ertrag: Der Ertrag sind die Einnahmen, welche ein Unternehmen durch den<br />

Verkauf eines Produkts o<strong>der</strong> einer Dienstleistung macht.<br />

Damit eine Firma einen Ertrag generieren kann und somit die Chance auf<br />

einen Gewinn hat, muss sie etwas leisten. Sie kann z. B. eine Dienstleistung<br />

erbringen o<strong>der</strong> ein Produkt verkaufen. Dazu muss sie einen Aufwand<br />

betreiben:<br />

Aufwand: Zum Aufwand gehören die Kosten für den Einkauf eines Produkts,<br />

für das Gebäude o<strong>der</strong> die Infrastruktur sowie für das Personal (Lohnkosten).<br />

Am besten ist es, wenn Aufwand und Ertrag unkompliziert berechnet werden,<br />

also wenn Abweichungen, Än<strong>der</strong>ungen und Überraschungen ausgeschlossen<br />

werden können o<strong>der</strong> wenn die Kosten im Anschluss an die<br />

Leistungserbringung mit einer Marge dem Kunden verrechnet werden<br />

können.<br />

Marge: Die Marge ist die Differenz, die zwischen Aufwand und Ertrag<br />

eingerechnet wird. Die Marge bleibt nach Ausführung des Auftrags als<br />

Gewinn übrig.<br />

825


Beispiel I<br />

Aufwand CHF<br />

Ertrag CHF<br />

Warenaufwand 1'075'000 Warenertrag 1'211'000<br />

Personalaufwand 405'000 Zinsertrag 8'000<br />

Mietaufwand 12'000 Sonstiges 3'000<br />

Abschreibungen 2'500<br />

Sonstiges 1'800<br />

SALDO<br />

SALDO<br />

Beispiel II<br />

Aufwand CHF<br />

Ertrag CHF<br />

Warenaufwand 2'500 Warenertrag 5'200<br />

Personalaufwand 1'500 Zinsertrag 1'200<br />

Mietaufwand 500 Sonstiges 200<br />

Abschreibungen 200<br />

Sonstiges 150<br />

SALDO<br />

SALDO<br />

Welchen Auftrag möchtest du ausführen?<br />

826


Fachartikel Modul 901<br />

1. Logistikaufträge planen und auswerten<br />

Selbstverständlich sind alle Firmen auf <strong>der</strong> Suche nach neuen Kunden und<br />

neuen Aufträgen. Mit einem funktionierenden Marketing wollen sie genau das<br />

erreichen. Denn nur mit genügend Kunden und Aufträgen kann ein<br />

finanzstarkes Unternehmen geführt werden. Die Aufgabe von Logistikerinnen<br />

und Logistikern ist es, die Aufträge richtig zu interpretieren. Nicht je<strong>der</strong> Auftrag<br />

erzielt das gewünschte Resultat. Es wäre wünschenswert, eine Checkliste als<br />

Vorlage zu haben, mit welcher mögliche Aufträge sofort eingeordnet werden<br />

können. Lei<strong>der</strong> sind die Zusammenhänge und Faktoren aber zu komplex, um<br />

sie auf einer Checkliste darzustellen. Oft werden Aufträge in einer<br />

Machbarkeitsstudie geprüft. Diese erlaubt es, eine breite Auslegeordnung von<br />

allen Faktoren zu machen, die den Auftrag beeinflussen.<br />

Folgendes Vorgehen hat sich bei Logistikaufträgen in <strong>der</strong> Praxis bewährt:<br />

1. Machbarkeitsstudie<br />

2. Planung des Auftrags<br />

3. Durchführung des Auftrags<br />

4. Auswertung des Auftrags<br />

Die Reihenfolge erinnert an den PDCA Zyklus, welcher in ?? Modul 506<br />

vorgestellt wurde.<br />

1.1 Machbarkeitsstudie<br />

Eine Machbarkeitsstudie (in Englisch: Feasibility Study) überprüft mögliche<br />

Lösungsansätze für ein Projekt hinsichtlich seiner Durchführbarkeit. Im Rahmen<br />

einer Machbarkeitsstudie werden die Lösungsansätze analysiert, Risiken<br />

identifiziert und Erfolgsaussichten abgeschätzt. Je komplexer <strong>der</strong> Auftrag,<br />

desto komplexer die Studie.<br />

827


Mittels <strong>der</strong> Machbarkeitsstudie wird überprüft, ob mit den jeweiligen<br />

Lösungsansätzen die vereinbarten Projektergebnisse (z. B Logistik,<br />

Dienstleistungen, Produktion) unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen<br />

erzielt werden können. Die wirtschaftliche Beurteilung, ob die<br />

Projektergebnisse den erhofften Nutzen für den Auftraggeber bringen, muss<br />

nicht zwingend Teil <strong>der</strong> Machbarkeitsstudie sein. Oft wird dazu eine Kosten-<br />

Nutzen-Analyse durchgeführt.<br />

Zweck einer Machbarkeitsstudie:<br />

• Verhin<strong>der</strong>n von Fehlinvestitionen<br />

• Sicherstellung <strong>der</strong> Qualität<br />

• Identifizierung des optimalen Lösungswegs<br />

• Identifizierung von Risiken<br />

Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie:<br />

• Analysen und Bewertungen verschiedener Lösungswege<br />

• Entscheidungsmöglichkeiten mit dokumentierten Chancen und Risiken<br />

• Empfehlung für eine Entscheidung<br />

Wenn die Anfor<strong>der</strong>ung lautet, mit wenig Ressourcen in kurzer Zeit eine Lösung<br />

zu finden, können Aufträge auch ohne Studien auf ihre Machbarkeit beurteilt<br />

werden. Wenn <strong>der</strong> Auftrag grosse Herausfor<strong>der</strong>ungen mit sich bringt und über<br />

eine längere Zeit Ressourcen beansprucht, werden mit <strong>der</strong><br />

Machbarkeitsstudie folgende Faktoren geprüft:<br />

• Technische Machbarkeit: Die Realisierbarkeit eines Lösungsansatzes aus<br />

technischer Sicht. Hierbei spielen Kriterien wie z. B. Materialeigenschaften eine<br />

ausschlaggebende Rolle.<br />

828


• Wirtschaftliche Machbarkeit: Die Bereitschaft des Investors, die benötigten<br />

Finanzmittel zur Durchführung zur Verfügung zu stellen. In <strong>der</strong> Regel muss zuerst<br />

investiert werden, bevor <strong>der</strong> Zahlungseingang durch den Kunden erfolgt. Der<br />

Zahlungseingang vom Kunden soll am Ende die entstandenen Kosten und die<br />

berechnete Marge decken.<br />

• Politische Machbarkeit: Die Akzeptanz des Vorhabens o<strong>der</strong> des Lösungswegs<br />

durch die Stakehol<strong>der</strong> (z. B. Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden).<br />

Ausschlaggebend sind hier kulturelle, ethische und gesellschaftspolitische<br />

Überlegungen.<br />

• Juristische Machbarkeit: Die Zulässigkeit eines Vorhabens o<strong>der</strong> Lösungswegs<br />

innerhalb des jeweils gültigen Rechtssystems.<br />

• Organisatorische Machbarkeit: Die Durchführung eines Projektes erfor<strong>der</strong>t<br />

eine Organisation, die in <strong>der</strong> Lage ist, das Projekt im erfor<strong>der</strong>lichen Masse zu<br />

planen, zu überwachen und steuern.<br />

• Ressourcenbezogene Machbarkeit: Die Verfügbarkeit <strong>der</strong> für das Vorhaben<br />

erfor<strong>der</strong>lichen Ressourcen. Zu prüfen ist, ob Personal, Material, Maschinen,<br />

Know-how usw. in dem für das Vorhaben erfor<strong>der</strong>lichen Umfang zur<br />

Verfügung stehen. Die ressourcenbezogene Machbarkeit steht in engem<br />

Zusammenhang mit <strong>der</strong> finanziellen und organisatorischen Machbarkeit.<br />

1.2 Planung des Auftrags<br />

Hat die Machbarkeitsstudie ergeben, dass <strong>der</strong> eingegangene Auftrag<br />

"machbar" ist, so kann mit <strong>der</strong> Planung des Logistikauftrags gestartet werden.<br />

Die Planung erfor<strong>der</strong>t bereits einiges an Aufwand, entsprechend sie erst dann<br />

eröffnet, wenn <strong>der</strong> Auftrag zwischen dem Auftraggeber und dem<br />

Auftragnehmer schriftlich vereinbart wurde.<br />

In <strong>der</strong> Planung werden die vorhandenen Ressourcen auf einer Zeitachse<br />

eingeplant. Die Planung muss aufzeigen, wer, wann und in welcher Zeit mit<br />

welchen Materialien zu arbeiten hat. Eine Aufgabe, welche eine hohe<br />

Konzentration und Übersicht verlangt.<br />

829


Der vorliegende Zeitplan sollte einfach und für alle lesbar und damit<br />

übersichtlich gestaltet sein. Wenn möglich, wird mindestens ein<br />

Sicherheitselement eingeplant. Die "Sicherheit" kann in Form von einem Lager<br />

mit einer Sicherheitsfunktion o<strong>der</strong> einem Zeitfenster, welches als "Puffer"<br />

eingeplant wird, ergänzt werden. Die Praxis zeigt, dass eine gute Planung oft<br />

<strong>der</strong> Schlüssel zum Erfolg ist.<br />

"Erwarte das Unerwartete, und nichts kann dich je überraschen"<br />

1.3 Durchführung des Auftrags<br />

Ist <strong>der</strong> Start zur Umsetzung erfolgt, gewinnt die Kommunikation an Bedeutung.<br />

Involvierte Mitarbeitende sind nun die wichtigsten Ressourcen. Regelmässiger<br />

Austausch und Nachfragen zum Stand <strong>der</strong> Umsetzung soll nicht negativ<br />

("Kontrollfreak"), son<strong>der</strong>n als Unterstützung ("arbeiten im Team") empfunden<br />

werden. Probleme o<strong>der</strong> Abweichungen von <strong>der</strong> Planung sollen möglichst früh<br />

erkannt und gemeinsam korrigiert werden. Der Weg dazu soll dem Team<br />

bekannt sein und das Ziel gemeinsam angestrebt werden.<br />

Die verantwortliche Person des Auftrages soll die Aktivitäten möglichst<br />

dokumentieren. Dadurch entsteht bei <strong>der</strong> Auswertung auch die Möglichkeit,<br />

allfällige Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken o<strong>der</strong> bei einem<br />

nächsten, ähnlichen Auftrag von den Erfahrungen zu profitieren.<br />

830


1.4 Auswertung des Auftrags<br />

Wenn <strong>der</strong> Auftrag abgeschlossen ist, muss zwingend eine Soll-Ist-Auswertung<br />

erstellt werden. Die Machbarkeitsstudie zeigt die "Soll"-Daten bereits auf. Diese<br />

werden nun analysiert und dem "Ist" gegenübergestellt. Die Auswertung ist<br />

sehr wichtig für das Unternehmen. Es geht nicht unbedingt darum, gemachte<br />

Fehler im Auftrag rückwirkend zu korrigieren, son<strong>der</strong>n allfällige Differenzen zu<br />

erkennen und bei einem nächsten Auftrag die richtigen Erkenntnisse<br />

übernehmen zu können.<br />

Eine solche Auswertung wird in Zusammenarbeit mit <strong>der</strong> Finanzabteilung FICO<br />

ausgeführt und dem Vorgesetzen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Geschäftsleitung als Abschluss<br />

präsentiert. Selbstverständlich ist es einfacher, <strong>der</strong> Geschäftsleitung<br />

bestätigen zu können, dass die Planung mit dem Ergebnis übereinstimmt o<strong>der</strong><br />

womöglich sogar ein besseres Resultat als geplant präsentieren zu können.<br />

831


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swiss-logistics.ch<br />

<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik<br />

Medienkompetenz für Logistiker/-innen

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