Handbuch der Logistikkompetenzen – Entersite
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<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong><br />
<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik<br />
Medienkompetenz EnterSite by ASFL für SVBL Logisti<br />
Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Schweizerische Logistik Vereinigung für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />
Association Suisse pour la formation professionnelle en logistique Association Suisse pour la formation professionnelle en logistique<br />
Associazione Svizzera per la formazione professionale in logistica Associazione Svizzera per la formazione professionale in logistica<br />
by ASFL SVBL<br />
1
<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL<br />
BiVo 2024<br />
EFZ<br />
EBA<br />
Ausgabe 1. Auflage 2024<br />
Im vorliegenden <strong>Handbuch</strong> wird aus Gründen <strong>der</strong><br />
Vereinfachung die männliche Form verwendet. Dabei ist die<br />
weibliche Form selbst verständlich immer eingeschlossen.<br />
ISBN 978-3-03873-627-1<br />
Autoren<br />
Herausgeber<br />
Basierend auf den Arbeiten des ASFL SVBL Team Schulstoff<br />
Überarbeitung durch Autoren- und Medienteam <strong>der</strong> ASFL SVBL<br />
Dr. Beat Michael Duerler, Delegierter OdA ASFL SVBL<br />
Schweizerische Vereinigung<br />
für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />
Rigistrasse 2, CH-5102 Rupperswil<br />
© ASFL SVBL Alle Rechte vorbehalten<br />
— EDITION —<br />
by ASFL SVBL<br />
Schweizerische Vereinigung<br />
für die Berufsbildung in <strong>der</strong> Logistik<br />
Rigistrasse 2, CH-5102 Rupperswil<br />
Tel. +41 58 258 36 00 email@svbl.ch<br />
Fax +41 58 258 36 01 www.svbl.ch<br />
Association Suisse<br />
pour la formation professionnelle en logistique<br />
Rte de Fribourg 28, CH-1723 Marly<br />
Tél. +41 58 258 36 40 cfl@asfl.ch<br />
Fax +41 58 258 36 41 www.asfl.ch<br />
Associazione Svizzera<br />
per la formazione professionale in logistica<br />
Via Ferriere 11, CH-6512 Giubiasco<br />
Tel. +41 58 258 36 60 ticino@asfl.ch<br />
Fax +41 58 258 36 61 www.asfl.ch<br />
Suva auditierte<br />
Ausbildungen<br />
gemäss EKAS Richtlinie 6518<br />
Anerkannter CZV Kursanbieter<br />
Fournisseur de cours reconnu OACP<br />
Fornitore di corsi riconosciuto OAut<br />
geprüft certifié certificato certified<br />
swiss education standard association<br />
VSAA<br />
Postfach 656, CH-4010 Base<br />
Tel. 061 228 90 30<br />
Fax 061 228 90 39<br />
info@verbandvsaa.ch<br />
www.verbandvsaa.ch<br />
Geschäftsstelle Handel Schweiz<br />
Güterstrasse 78. Postfach 656, CH-4010 Bas<br />
www.facilityservices-fs.ch<br />
2<br />
Unsere Gönner:<br />
Amstutz Produkte AG<br />
www.amstutz.ch<br />
www.bannerbatterien.com
Vorwort <strong>der</strong> Herausgeber: SWISS LOGISTICS by ASFL SVBL <strong>–</strong> Edition<br />
Das vorliegende Lehrmittel «<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL» ist ein<br />
Teil <strong>der</strong> Unterlagen für die Berufsbildung Logistiker/-in EBA / EFZ gemäss <strong>der</strong> Bildungsverordnung 2024.<br />
Im Rahmen <strong>der</strong> Totalrevision wurde <strong>der</strong> Orientierung nach Handlungskompetenzen und <strong>der</strong> LOK (Lernortkooperation)<br />
zwischen den drei Lernorten <strong>der</strong> dualen Berufsbildung in <strong>der</strong> Schweiz vermehrt Rechnung<br />
getragen.<br />
Mit <strong>der</strong> virtuellen Firma EnterSite AG wurde eine Basis geschaffen, welche den Lernenden erlaubt, während<br />
den zwei o<strong>der</strong> drei Jahren Ausbildung sämtliche Kompetenzen an allen drei Lernorten zu erarbeiten.<br />
<strong>–</strong> In <strong>der</strong> Berufsschule werden Module <strong>der</strong> Grundkompetenzen und <strong>der</strong> fachrichtungsorientierten<br />
Kompetenzen <strong>–</strong> Distribution o<strong>der</strong> Lagerung <strong>–</strong> vermittelt.<br />
<strong>–</strong> Die betriebliche Ausbildung umfasst auf Stufe EBA und EFZ Praxisaufträge. Diese werden im<br />
Betrieb in Zusammenarbeit mit den betrieblichen Ausbildner/-innen erarbeitet.<br />
<strong>–</strong> Die überbetrieblichen Kurse umfassen die stufengerechte Ausbildung auf den unterschiedlichen<br />
Geräten und die Erarbeitung von Arbeits- und Lern-Situationen.<br />
Neben den digitalen Unterrichtsmitteln im Rahmen <strong>der</strong> Firma EnterSite AG, welche je<strong>der</strong> Lernende in<br />
seinem eigenen e-Portfolio (früher Lerndokumentation) ablegen kann, stehen den Lernenden ab dem<br />
Jahrgang 2024 auch alle Unterlagen für die Berufsbildung Logistiker/-in EBA / EFZ in gedruckter Form zur<br />
Verfügung:<br />
<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> <strong>Logistikkompetenzen</strong> <strong>–</strong> EnterSite by ASFL SVBL<br />
<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Logistik <strong>–</strong> Fachkompetenzen Distribution und Lager (nur für EFZ)<br />
<strong>–</strong> Logistik ABC <strong>–</strong> mit über 1300 Filmen<br />
<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik <strong>–</strong> Medienkompetenz<br />
<strong>–</strong> Mathematik für die Logistik (nur für EFZ)<br />
<strong>–</strong> Formelsammlung für die Logistik<br />
<strong>–</strong> <strong>Handbuch</strong> für das Berufsfeld Logistik <strong>–</strong> Leitfaden zur Lerndokumentation (EBA / EFZ)<br />
Lernende, welche die Berufslehre Logistik im Jahre 2024 beginnen, werden das Qualifikationsverfahren<br />
auf Stufe EBA im Jahre 2026 und auf Stufe EFZ im Jahre 2027 nach neuer BiVo 2024 absolvieren.<br />
Das Berufsfeld Logistik entwickelt sich sehr dynamisch und umfasst die Berufe Logistiker EBA / EFZ mit<br />
den Fachrichtungen Lager und Distribution sowie den neuen Beruf Fachfrau / Fachmann Bahntransport.<br />
Das vorliegende Lehrmittel ist Teil <strong>der</strong> gesamten Unterlagen für das Berufsfeld Logistik. Mit <strong>der</strong> neuen<br />
Bildungsverordnung wird das Konzept BYOD (Bring Your Own Device) <strong>–</strong> eigenes IT-Gerät mitbringen <strong>–</strong> auf<br />
die ganze Schweiz ausgedehnt. Analoge und digitale Lehrmittel konnten dank <strong>der</strong> Mitarbeit zahlreicher<br />
Beteiligten zeitgerecht bereitgestellt werden:<br />
Für das Autorenteam: André Hodler, Markus Ilg, Sarah Mollard, Paola Conte, Armin Nufer, Martin<br />
Gerber und Daniel Kobas<br />
Für das Lektorat:<br />
Rebekka Holzer<br />
Für das Medienteam: Stephanie Ruben, Sara Sarvan, Markus Nobel und Urs Bitzi<br />
l<br />
Wir wünschen den Lernenden viel Lernerfolg mit dem vorliegenden Lehrmittel und danken allen Beteiligten<br />
<strong>der</strong> drei Lernorte für die Unterstützung <strong>der</strong> Lernenden auf dem Weg zum EBA o<strong>der</strong> EFZ-Abschluss.<br />
el<br />
Dr. Beat M. Duerler, Präsident SWISS LOGISTICS<br />
Delegierter OdA Logistik<br />
Nicole Ackermann, Mitglied GL SWISS LOGISTICS<br />
Leitung Bildung und Qualitätsmanagement<br />
3
Inhaltsverzeichnis<br />
1. EnterSite AG 24<br />
1.1 Vorwort 24<br />
1.2 Ziele <strong>der</strong> virtuellen Unternehmung 24<br />
1.3 Vorgeschichte 25<br />
1.4 EnterSite 26<br />
1.4.1 Wer ist die EnterSite 26<br />
1.4.2 Geschäftsfel<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite 27<br />
1.4.3 Strategie <strong>der</strong> EnterSite 28<br />
1.4.4 Standorte <strong>der</strong> EnterSite 29<br />
1.4.5 Organigramm <strong>der</strong> EnterSite 30<br />
1.5 Abteilungen <strong>der</strong> EnterSite 31<br />
1.5.1 Customer Service 31<br />
1.5.2 Procurement Management 32<br />
1.5.3 Logistics 33<br />
1.5.4 Production 34<br />
1.5.5 ICT 35<br />
1.5.6 FI/CO 36<br />
1.5.7 Support and Distribution 37<br />
Modul 101_Geschichte <strong>der</strong> Logistik 38<br />
Ausgangslage 39<br />
Fachartikel Modul 101 40<br />
1. Geschichte <strong>der</strong> Logistik 40<br />
1.1 Logistische Tätigkeiten 40<br />
1.2 Handelsprodukte und Handelswege 42<br />
1.3 Meilensteine <strong>der</strong> Logistik 44<br />
4<br />
Modul 102_Struktur <strong>der</strong> Logistik 46<br />
Ausgangslage 46<br />
Fachartikel Modul 102 47<br />
2. Struktur <strong>der</strong> Logistik 47
2.1 Globalisierung 47<br />
2.2 Logistik 51<br />
2.3 Prozesskette <strong>der</strong> Logistik 53<br />
2.4 Supply Chain Management (SCM) 54<br />
Modul 103_Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 57<br />
Ausgangslage 57<br />
Fachartikel Modul 103 58<br />
3. Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 58<br />
3.1 Definition <strong>der</strong> Logistik 59<br />
3.2 Vereinfachte Darstellung <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik 60<br />
Modul 104_Warenfluss 62<br />
Ausgangslage 62<br />
Fachartikel Modul 104 63<br />
4. Warenfluss 63<br />
4.1 Beschaffung 63<br />
4.2 Produktion 64<br />
4.3 Verteilung (Distribution) 65<br />
4.4 Entsorgung 65<br />
4.5 TUL-Prozesse 66<br />
4.6 Der Warenfluss als Dienstleister vers. Produzent 68<br />
4.7 Logistikgrössen 69<br />
Modul 105_Güter 71<br />
Ausgangslage 71<br />
Fachartikel Modul 105 72<br />
5. Güter 72<br />
5.1 Eigenschaften und Handhabung von Gütern 72<br />
5.2 Verarbeitungsgrad 73<br />
5.3 Kriterien für die Lagerfähigkeit von Gütern 75<br />
5.4 Ver<strong>der</strong>blichkeit 76<br />
5.5 Ver<strong>der</strong>blichkeit durch langandauernde Einflüsse 78<br />
5.6 Schutz des Lagergutes 82<br />
5
5.7 Gefährlichkeit 85<br />
Modul 106_Entsorgung CH 91<br />
Ausgangslage 91<br />
Fachartikel Modul 106 92<br />
6. Entsorgung 92<br />
6.1 Was ist Abfall? 92<br />
6.2 Bedeutung und Aufgabe von Abfall 94<br />
6.3 Stoffflüsse in <strong>der</strong> Abfallbewirtschaftung 95<br />
6.4 Entsorgungswege für Abfall in <strong>der</strong> Schweiz 95<br />
6.5 Zielsetzung 2030 <strong>–</strong> die Abfallpyramide 115<br />
6.6 Entsorgung im Logistikunternehmen 116<br />
6.7 Littering 116<br />
Modul 107_Abfallkategorien CH 125<br />
Ausgangslage 125<br />
Fachartikel Modul 107 126<br />
7. Abfallkategorien 126<br />
7.1 Abfälle von A-Z 128<br />
7.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen 136<br />
7.3 Son<strong>der</strong>abfälle 138<br />
7.4 Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall 141<br />
Modul 108_Entsorgung Global 143<br />
Ausgangslage 143<br />
Fachartikel Modul 108 144<br />
8. Globale Entsorgung 144<br />
8.1 Umweltmanagementsysteme (UMS) 144<br />
8.2 Globale Umweltprobleme 147<br />
8.3 Aktuelle Projekte und Ziele <strong>der</strong> Agenda 2030 151<br />
Modul 109_Zutritt- und Datenschutz 155<br />
Ausgangslage 155<br />
Fachartikel Modul 109 156<br />
6
9. Zutritts- und Datenschutz 156<br />
9.1 Zutrittsberechtigung 156<br />
9.2 Schriftgeheimnis 157<br />
9.3 Postgeheimnis 158<br />
9.4 Geschäftsgeheimnis 159<br />
9.5 Datensicherheit 160<br />
Modul 201_Der Kunde 163<br />
Ausgangslage 163<br />
Fachartikel Modul 201 164<br />
1. Der Kunde 164<br />
1.1 Die Bedeutung des Kunden 164<br />
1.2 «Der Kunde ist König» 165<br />
1.3 Der Stammkunde 166<br />
1.4 Unternehmen müssen ihre Kunden kennen 166<br />
Modul 202_Mein Auftreten 167<br />
Ausgangslage 167<br />
Fachartikel Modul 202 168<br />
2. Das eigene Auftreten 168<br />
2.1 Meine Haltung 168<br />
2.2 Meine Kommunikation 168<br />
2.3 Meine Kleidung 169<br />
2.4 Meine Hygiene 169<br />
2.5 Das Unternehmensleitbild 174<br />
Modul 203_Selbstmanagement 179<br />
Ausgangslage 179<br />
Fachartikel Modul 203 180<br />
3. Selbstmanagement 180<br />
3.1 Sich selber kennen <strong>–</strong> das Johari-Fenster 180<br />
3.2 Führungsstile nach Kurt Lewin 184<br />
3.3 Konflikttypen nach Thomas Kilmann 185<br />
3.4 Die sechs Stufen <strong>der</strong> Konfliktbewältigung 186<br />
7
3.5 Die geistige Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt 186<br />
3.6 Die körperliche Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt 188<br />
Modul 204_Der Markt 196<br />
Ausgangslage 196<br />
Fachartikel Modul 204 198<br />
4. Der Markt 198<br />
4.1 Die Marktforschung 199<br />
4.2 Die Marktarten und Marktformen 202<br />
4.3 Die Grösse eines Marktes 206<br />
Modul 205_Marketing 208<br />
Ausgangslage 208<br />
Fachartikel Modul 205 209<br />
5. Marketing 209<br />
5.1 Ziele des Marketings 209<br />
5.2 Beteiligte am Marketing 209<br />
5.3 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage 209<br />
5.4 Die Marketinginstrumente 211<br />
5.5 Die Werbung 212<br />
Modul 206_Kommunikation 217<br />
Ausgangslage 217<br />
Fachartikel Modul 206 218<br />
6. Kommunikation 218<br />
6.1 Kommunikationsmittel 218<br />
6.2 Funktionsweise <strong>der</strong> Kommunikation 218<br />
6.3 Kommunikationsarten 222<br />
6.4 Fragen in <strong>der</strong> Kommunikation 226<br />
6.5 Gespräche führen 227<br />
Modul 207_PreSales service 230<br />
Ausgangslage 230<br />
8
Fachartikel Modul 207 231<br />
7. Pre-Sales 231<br />
7.1 Bedürfnisse 231<br />
7.2 Verkauf 232<br />
7.3 Kaufmotive 232<br />
7.4 Lieferantenbewertungen 232<br />
Modul 208_AtSales service 234<br />
Ausgangslage 234<br />
Fachartikel Modul 208 235<br />
8. At-Sales-Services 235<br />
8.1 Das Kaufverhalten 235<br />
8.2 Verkaufssituationen 238<br />
8.3 Ein Verkaufsgespräch führen 238<br />
8.4 Verkaufsgespräche Face-to-Face 239<br />
8.5 Verkaufsgespräche über Telefon/Konferenz-Call 242<br />
8.6 Verkaufsför<strong>der</strong>ung 243<br />
8.7 Der Kaufvertrag: Rechte und Pflichten 244<br />
8.8 Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) 246<br />
Modul 209_AfterSales service 249<br />
Ausgangslage 249<br />
Fachartikel Modul 209 250<br />
9. After-Sales-Services 250<br />
9.1 Reklamationen 251<br />
9.2 Der Kundendienst 252<br />
9.3 Kulanz 254<br />
9.4 Garantie 255<br />
Modul 301_Beschaffungslogistik 257<br />
Ausgangslage 257<br />
Fachartikel Modul 301 258<br />
1. Die Beschaffungslogistik 258<br />
9
1.1 Die Aufgaben im Einkauf 259<br />
1.2 Make or Buy 260<br />
1.3 Outsourcing 261<br />
1.4 Welche Mengen sollen eingekauft werden? 262<br />
1.5 Wann ist <strong>der</strong> richtige Zeitpunkt für den Einkauf? 263<br />
Modul 302_Warenbeschaffung 264<br />
Ausgangslage 264<br />
Fachartikel Modul 302 264<br />
2. Warenbeschaffung 265<br />
2.1 Wo kaufe ich ein? 265<br />
2.2 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage 269<br />
2.3 Der Bestellprozess 273<br />
Modul 303_Prozess Warenannahme 278<br />
Ausgangslage 278<br />
Fachartikel Modul 303 281<br />
3. Prozess Warenannahme 281<br />
3.1 Annahme von Gütern 281<br />
3.2 Annahme als Käufer einer beweglichen Sache (Fahrniskauf) 282<br />
3.3 Die geplante und die nicht geplante Warenannahme 284<br />
Modul 304_Identifikation <strong>der</strong> Lieferung 288<br />
Ausgangslage 288<br />
Fachartikel Modul 304 289<br />
4. Identifikation <strong>der</strong> Lieferung 289<br />
4.1 Global-Identifikation 289<br />
4.2 Detail-Identifikation 292<br />
4.3 Begleitpapiere für Waren 292<br />
4.4 Die Annahme unter Vorbehalt 300<br />
4.5 Grenzüberschreitende Regelungen und Verträge im internationalen<br />
Güterverkehr 302<br />
10
Modul 305_Güter 305<br />
Ausgangslage 305<br />
Fachartikel Modul 305 306<br />
5. Ablad an <strong>der</strong> Rampe 306<br />
5.1 Baubedingte Gefahren 306<br />
5.2 Arbeitsbedingte Gefahren 310<br />
Modul 306_Gebindekontrolle 330<br />
Ausgangslage 330<br />
Fachartikel Modul 306 331<br />
6. Gebindekontrolle 331<br />
6.1 Was ist ein Gebinde? 331<br />
6.2 Der Ladungsträger 332<br />
6.3 EPAL (European Pallet Association) 338<br />
6.4 Tauschverfahren von EURO-Paletten 339<br />
6.5 Der Ladungsträger nach CHEP 342<br />
6.6 Spezielle Ladungsträger 343<br />
6.7 Ladungsträger auf Rollen 346<br />
6.8 Einweggebinde 347<br />
6.9 Mehrweggebinde 348<br />
Modul 307_Grobkontrolle und Schadenabwicklung 349<br />
Ausgangslage 349<br />
Fachartikel Modul 307 350<br />
7. Grobkontrolle- und Schadenabwicklung 350<br />
7.1 Fehler in <strong>der</strong> Lieferung 350<br />
7.2 Schäden 352<br />
7.3 Der Schadenfall 359<br />
Modul 308_Detailkontrolle 364<br />
Ausgangslage 364<br />
Fachartikel Modul 308 365<br />
8. Detailkontrolle 365<br />
11
8.1 Entstehung einheitlicher Masse 365<br />
8.2 Zähltechnik 367<br />
8.3 Handhabung von Waagen 383<br />
Modul 309_Qualitätskontrolle 386<br />
Ausgangslage 386<br />
Fachartikel Modul 309 387<br />
9. Qualitätskontrolle 387<br />
9.1 Bedeutung <strong>der</strong> Qualität 387<br />
9.2 Definition <strong>der</strong> Qualität 387<br />
9.3 Qualitätskriterien 388<br />
9.4 Qualitätsniveau 390<br />
9.5 Qualitätskontrollen in Unternehmen 391<br />
9.6 Kontrolltechniken 391<br />
9.7 Funktionskontrolle 397<br />
Modul 310_Vorbereitung für die Einlagerung 399<br />
Ausgangslage 399<br />
Fachartikel Modul 310 401<br />
10 Vorbereitung für die Einlagerung 401<br />
10.1 Gründe für neue Verpackung 401<br />
10.2 Einbuchen <strong>der</strong> Ware 404<br />
10.3 Bestandesführung 405<br />
Modul 401_Lageraufgaben 412<br />
Ausgangslage 412<br />
Fachartikel Modul 401 413<br />
1. Lageraufgaben 413<br />
1.1 Das Lager 413<br />
1.2 Übersicht <strong>der</strong> Lageraufgaben 413<br />
Modul 402_Lagerarten 417<br />
Ausgangslage 417<br />
12
Fachartikel Modul 402 418<br />
2. Lagerarten 418<br />
2.1 Unterscheidung nach Gütern 418<br />
2.2 Unterscheidung nach Branchen 419<br />
2.3 Unterscheidung nach Standorten 423<br />
2.4 Zwischenlager 425<br />
2.5 Reifelager 426<br />
Modul 403_Lagereinrichtungen 427<br />
Ausgangslage 427<br />
Fachartikel Modul 403 428<br />
3. Lagereinrichtungen 428<br />
3.1 Bodenlagerungen 428<br />
3.2 Fachbodenregal 430<br />
3.3 Palettenregal 431<br />
3.4 Einfahrregal 434<br />
3.5 Durchfahrregal 434<br />
3.6 Durchlaufregal 435<br />
3.7 Kragarmregal 436<br />
3.8 Wabenregal 437<br />
3.9 Verschieberegal 438<br />
3.10 Umlaufregal 439<br />
3.11 Hängende Lagerung 441<br />
3.12 Mo<strong>der</strong>ne Einrichtungen 441<br />
Modul 404_Technische Voraussetzungen 444<br />
Ausgangslage 444<br />
Fachartikel Modul 404 445<br />
4. Technische Voraussetzungen 445<br />
4.1 Offene, halboffene, geschlossene Lager 445<br />
4.2 Flachlager, mittelhohe Lager, Hochregal 446<br />
4.3. Lageraufbau 447<br />
13
ffModul 405_Güter 452<br />
Ausgangslage 452<br />
Fachartikel Modul 405 453<br />
5. Gefahren im Lager 453<br />
5.1 Unfallgefahr 453<br />
5.2 Brandgefahr 466<br />
5.3 Diebstahlgefahr 469<br />
5.4 Gefährliche Stoffe 470<br />
5.5 Schädlinge 475<br />
Modul 406_Gebindekontrolle 477<br />
Ausgangslage 477<br />
Fachartikel Modul 406 478<br />
6. Lagerprinzipien 478<br />
6.1 Festplatzlagerung 478<br />
6.2 Chaotische (dynamische) Lagerung 479<br />
6.3 First-In, First-Out (FIFO) 480<br />
6.4 Last-In, First-Out (LIFO) 480<br />
6.5 Highest In - First Out (HIFO) 481<br />
Modul 407_För<strong>der</strong>mittel 482<br />
Ausgangslage 482<br />
Fachartikel Modul 407 483<br />
7. För<strong>der</strong>mittel 483<br />
7.1 Grundbegriffe des För<strong>der</strong>ns 483<br />
7.2 För<strong>der</strong>mittel in <strong>der</strong> Logistik 483<br />
7.3 Das Hebelgesetz 491<br />
7.4 Tragkraftdiagramme 494<br />
Modul 501_Produktion 497<br />
Ausgangslage 497<br />
Fachartikel Modul 501 498<br />
1. Produktion 498<br />
14
1.1 Definition Produktion 498<br />
1.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktion 499<br />
1.3 Produktentwicklung 500<br />
1.4 Produktestruktur 504<br />
Modul 502_Produktionslogistik 506<br />
Ausgangslage 506<br />
Fachartikel Modul 502 507<br />
2. Produktionslogistik 507<br />
2.1 Definition Produktionslogistik 507<br />
2.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik 507<br />
2.3 Lagerarten in <strong>der</strong> Produktion 508<br />
2.4 Operative Entsorgungslogistik 511<br />
Modul 503_Organisation <strong>der</strong> Produktion 513<br />
Ausgangslage 513<br />
Fachartikel Modul 503 514<br />
3. Organisation <strong>der</strong> Produktion 514<br />
3.1 Definition Fertigungsarten 514<br />
3.2 Fertigungstypen 514<br />
3.3 Organisation <strong>der</strong> Fertigung 519<br />
3.4 Überblick Fertigungstypen und Organisation <strong>der</strong> Fertigung 523<br />
3.5 Lean Production 524<br />
Modul 504_Der Materialfluss 525<br />
Ausgangslage 525<br />
Fachartikel Modul 504 526<br />
4. Der Materialfluss 526<br />
4.1 Arten des Materialflusses 527<br />
4.2 Kanban 527<br />
4.3 Two Bin 529<br />
4.4 Bestellzeitpunkt durch Markierung 530<br />
4.5 Just in Time (JIT) 530<br />
15
4.6 Just in Sequene (JIS) 533<br />
4.7 Low Cost Automation (LCA) 534<br />
4.8 Jidoka 535<br />
Modul 505_Produktionsplanung und -steuerung 536<br />
Ausgangslage 536<br />
Fachartikel Modul 505 537<br />
5. Produktionsplanung und -steuerung (PPS) 537<br />
5.1 Push/Pull-Produktion 538<br />
5.2 Bulk-Produktion 539<br />
5.3 Stücklisten 540<br />
Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion 545<br />
Ausgangslage 545<br />
Fachartikel Modul 506 546<br />
6. Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion 546<br />
6.1 Qualitätsmanagement (QM) vs. Qualitätssicherung (QS) 546<br />
6.2 QM- und QS-Methoden 547<br />
6.3 Ressourcen und Energieeffizienz 556<br />
6.4 Rückverfolgbarkeit 557<br />
6.5 Verfahrensanweisungen (VA) 560<br />
6.6 Weitere bekannte Methoden in <strong>der</strong> Qualitätssicherung 561<br />
Modul 601_Kommissionieren 564<br />
Ausgangslage 564<br />
Fachartikel Modul 601 565<br />
1. Kommissionieren 565<br />
1.1 Kommissionierstrategien und Kommissionierbegriffe 565<br />
1.2 Kommissioniertechniken 571<br />
1.3 Pick-Pack-Verfahren 572<br />
Modul 602_Versandbereite Pakete erstellen 573<br />
Ausgangslage 573<br />
16
Fachartikel Modul 602 574<br />
2. Versandbereite Pakete erstellen 574<br />
2.1 Verpacken, aber warum? 574<br />
2.2 Fachbegriffe nach dem Deutsches Institut für Normung (DIN) 576<br />
2.3 Was ist die richtige Verpackung? 578<br />
2.4 Beanspruchung einer (Schutz-)Verpackung 583<br />
2.5 Verpackungsnormen 588<br />
Modul 603_Versandbereite Palette erstellen 591<br />
Ausgangslage 591<br />
Fachartikel Modul 603 592<br />
3. Versandbereite Paletten erstellen 592<br />
3.1 Die Wahl des richtigen Bandes 594<br />
3.2 Verschlussarten 596<br />
Modul 604_Distributionsmarkt 599<br />
Ausgangslage 599<br />
Fachartikel Modul 604 600<br />
4. Distributionsmarkt 600<br />
4.1 Absatzkanäle 600<br />
4.2 Distribution (Verteilung <strong>der</strong> Produkte) 600<br />
4.3 Der Postmarkt 608<br />
4.4 Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) 611<br />
4.5 Distributionsbeispiele 612<br />
Modul 605_Versandart Post 615<br />
Ausgangslage 615<br />
Fachartikel Modul 605 616<br />
5. Versandart Post 616<br />
5.1 Adressierung 616<br />
5.2 Versandart Briefe und Pakete 619<br />
5.3 Versand ins Ausland 621<br />
5.4 Verarbeitung in Brief- und Paketzentren 621<br />
17
5.5 Zustellung 623<br />
Modul 606_Strassenverkehr 626<br />
Ausgangslage 626<br />
Fachartikel Modul 606 627<br />
6. Strassenverkehr 627<br />
6.1 Der Strassenverkehr 627<br />
6.2 Die Lastverteilung 631<br />
6.3 Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) 635<br />
Modul 607_Schienenverkehr 638<br />
Ausgangslage 638<br />
Fachartikel Modul 607 639<br />
7. Schienenverkehr 639<br />
7.1 Die wichtigsten Routen 640<br />
7.2 Dynamische Kräfte im Schienenverkehr 643<br />
7.3 Transport gefährlicher Güter 646<br />
7.4 Ein Blick in die Zukunft 647<br />
Modul 608_Luftverkehr 648<br />
Ausgangslage 648<br />
Fachartikel Modul 608 649<br />
8. Luftverkehr 649<br />
8.1. Bedeutung <strong>der</strong> Luftfracht 649<br />
8.2 Anwendungsbereiche <strong>der</strong> Luftfracht 650<br />
8.3 Luftersatzverkehr 651<br />
8.4 Flughäfen in <strong>der</strong> Schweiz 651<br />
8.5 Luftfrachteinheiten, För<strong>der</strong>mittel und Flugzeuge 653<br />
8.6 Zollabwicklung und Kontrollen 658<br />
8.7 Dynamische Kräfte im Luftverkehr 658<br />
8.8 Versand 659<br />
Modul 609_Schiffsverkehr 662<br />
18
Ausgangslage 662<br />
Fachartikel Modul 609 663<br />
9. Schiffsverkehr 663<br />
9.1 Wichtigste Transportrouten 664<br />
9.2 Die wichtigste Häfen 667<br />
9.3 Umschlag 668<br />
9.4 Dynamische Kräfte im Schiffsverkehr 670<br />
9.5 Güter richtig verladen 671<br />
Modul 610_Kombinierte Verkehrsträger 673<br />
Ausgangslage 673<br />
Fachartikel Modul 610 674<br />
10. Kombinierte Verkehrsträger 674<br />
10.1 Die Rollende Autobahn (RA) / Rollende Landstrasse (RoLa) 675<br />
10.2 ISO-Container 676<br />
10.3 An<strong>der</strong>e Wechselsysteme 678<br />
Modul 701_Inventur 682<br />
Ausgangslage 682<br />
Fachartikel Modul 701 683<br />
1. Die Inventur 683<br />
1.1 Die Inventurpflicht 683<br />
1.2 Arten <strong>der</strong> Inventur 683<br />
1.3 Durchführung 684<br />
1.4 Auswertung <strong>der</strong> Inventur 685<br />
1.5 Gründe für Inventurdifferenzen 686<br />
Modul 702_Lagerkosten 687<br />
Ausgangslage 687<br />
Fachartikel Modul 702 688<br />
2. Lagerkosten 688<br />
2.1 Fixe und variable Kosten 688<br />
2.2 Kosten für Lagerräume 689<br />
2.3 Personalkosten 690<br />
19
2.4 Lagerbestand 692<br />
2.5 Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel 693<br />
2.6 Kosten für Verbrauchsmaterialien 694<br />
Modul 703_Personalkosten 695<br />
Ausgangslage 695<br />
Fachartikel Modul 703 696<br />
3. Personalkosten 696<br />
3.1 Die EnterSite AG: direkte und indirekte Personalkosten 697<br />
3.2 Die Mitarbeitenden: das Gehalt 699<br />
3.3 Rechte und Pflichte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber 703<br />
Modul 801_Identifikation Güter 706<br />
Ausgangslage 706<br />
Fachartikel Modul 801 707<br />
1. Identifikation von Gütern 707<br />
1.1 Serial Shipping Container Code (SSCC) 707<br />
1.2 GTIN-8, GTIN-13, ISBN 708<br />
1.3 Aufbau Produkte-Barcode GTIN-13, GTIN-8, ISBN 709<br />
1.4 GTIN-128 710<br />
1.5 QR-Code 711<br />
1.6 Data Matrix-Code 714<br />
1.7 Platzierung von Codes 714<br />
1.8 Radio Frequency Identification (RFID) 716<br />
Modul 802_Transport 719<br />
Ausgangslage 719<br />
Fachartikel Modul 802 720<br />
2. Transport 720<br />
2.1 Transportüberwachung 720<br />
2.2 Track and Trace 722<br />
2.3 Transportplanung 728<br />
20
Modul 803_Betriebssoftware 732<br />
Ausgangslage 732<br />
Fachartikel Modul 803 733<br />
3. Betriebssoftware 733<br />
3.1 ERP (Enterprise Ressource Planning) 733<br />
3.2 Costumer-Relationship-Management (CRM) 733<br />
3.3 Vertrieb/Marketing 734<br />
3.4 Personalwesen 735<br />
3.5 Produktionsplanung und-Steuerung (PPS) 735<br />
3.6 Projektmanagement 737<br />
3.7 Qualitätsmanagement 737<br />
3.8 Finanzbuchhaltung (FIBU) 738<br />
3.9 Materialwirtschaft (MaWi) 738<br />
Modul 804_O365_Grundlagen 741<br />
Fachartikel Modul 804 741<br />
4. Computergrundlagen 741<br />
4.1 Anmeldung 741<br />
4.2 Die Desktop-Oberfläche 742<br />
4.3 Einen Ordner erstellen/benennen 744<br />
4.4 Account öffnen/schliessen o<strong>der</strong> aktivieren 745<br />
4.5 Herunterfahren, Ruhezustand (Energie sparen) o<strong>der</strong> Neustart 745<br />
4.6 Anwendung beenden bei einem Systemabsturz 745<br />
Modul 805_Word 746<br />
Fachartikel Modul 805 746<br />
5. Office 365 <strong>–</strong> Word 746<br />
5.1 Arbeitsfläche <strong>–</strong> Übersicht 746<br />
5.2 Text verfassen 747<br />
5.3 Zeichen hervorheben 750<br />
5.4 Formatieren von Absätzen 751<br />
5.5 Formatvorlagen 755<br />
21
5.6 Inhaltsverzeichnis 756<br />
5.7 Fussnoten 757<br />
5.8 Tabellen 758<br />
5.9 Kopf- / Fusszeile 761<br />
5.10 Bil<strong>der</strong> einfügen 761<br />
5.11 Excel-Kalkulationstabelle in Word einfügen 762<br />
5.12 Layout 763<br />
5.13 Drucken 764<br />
Modul 806_Excel 765<br />
Fachartikel Modul 806 765<br />
6. Office 365 Excel 765<br />
6.1 Excel Microsoft 365 starten und entdecken 765<br />
6.2 Sich in einem Arbeitsblatt bewegen 766<br />
6.3 Einfache Berechnungen 771<br />
6.4 Rechnen mit Funktionen 774<br />
6.5 Standardformatierungen 775<br />
6.6 Bedingte Formatierung 780<br />
6.7 Daten sortieren 780<br />
6.8 Daten filtern 781<br />
6.9 Layout 783<br />
6.10 Eine Grafik erstellen 785<br />
Modul 807_PowerPoint 792<br />
Fachartikel Modul 807 792<br />
7. Office 365 Power Point 792<br />
7.1 Die Grundlagen <strong>der</strong> Präsentation 792<br />
7.2 Eine Präsentation erstellen 794<br />
7.3 Arbeiten mit dem Folienmastermodus 795<br />
7.5 Eine Tabelle einfügen/zeichnen 798<br />
7.4 Präsentation erstellen, nachdem Folienmaske geän<strong>der</strong>t wurde 800<br />
7.6 Grafik einfügen 801<br />
22
7.7 Videodatei einfügen 802<br />
7.8 Organigramm einfügen 804<br />
7.9 Bild einfügen 804<br />
7.10 Folien anpassen 805<br />
7.11 Übergang 807<br />
7.12 Animation 807<br />
7.13 Diashow 809<br />
7.14 Speichern/Drucken 810<br />
7.15 Drucken 811<br />
Modul 808_OneNote 812<br />
Fachartikel Modul 808 812<br />
8. Office 365 <strong>–</strong> OneNote 812<br />
8.1 Allgemeine Informationen zu OneNote 812<br />
8.2 Aufbau von OneNote 813<br />
8.3. OneNote-Schulung 814<br />
8.4 Erste Schritte mit OneNote 814<br />
8.5. Notizen in OneNote machen 816<br />
8.6 Zusammenarbeit und Teilen 816<br />
8.7 Tipps und erweiterte Funktionen 817<br />
8.8 Fortgeschrittene Organisation 818<br />
8.9 Personalisierung und Stil 821<br />
8.10 Deine eigenen Vorlagen speichern 822<br />
8.11 Schlussfolgerung 823<br />
Modul 901_Logistikaufträge planen und auswerten 825<br />
Ausgangslage 825<br />
Fachartikel Modul 901 827<br />
1. Logistikaufträge planen und auswerten 827<br />
1.1 Machbarkeitsstudie 827<br />
1.2 Planung des Auftrags 829<br />
1.3 Durchführung des Auftrags 830<br />
1.4 Auswertung des Auftrags 831<br />
23
1. EnterSite AG<br />
1.1 Vorwort<br />
Das Unternehmen EnterSite AG begleitet die Lernenden in <strong>der</strong> Ausbildung<br />
zum Logistiker EFZ und EBA. Die EnterSite AG verfolgt das Ziel, Theorie und<br />
Praxis zu verknüpfen. Das Lehrmittel bietet eine didaktische Reduktion <strong>der</strong><br />
Kernprozesse im Bereich Supply Chain, ist methodisch aktuell und nach<br />
Lehrplan 21 orientiert aufgebaut. Die EnterSite AG soll in einem mo<strong>der</strong>nen<br />
Design mit gut ausgewählten digitalen Hilfsmitteln ansprechend sein. Eine<br />
virtuelle Unternehmung wird gegründet und bildet die Lernenden in <strong>der</strong><br />
Logistik nach SupplyChain aus. Die EnterSite orientiert sich im Aufbau vom<br />
Lehrmittel <strong>der</strong> AVIVA struktur. Inhaltlich wurden die Arbeitsaufträge nach dem<br />
4K Modell des Lernens erstellt, die integrierten Prüfungen orientieren sich an<br />
<strong>der</strong> Literatur (Didaktik für den Unterrichtsalltag) von Christoph Städeli. 63<br />
identisch aufgebaute Mdoule werden für alle übergreifenden Leistungsziele<br />
und 11 Module für den fachspezifischen Unterricht Lager angewandt. Module<br />
können Vorort o<strong>der</strong> im blended Learning eingesetzt werden.<br />
1.2 Ziele <strong>der</strong> virtuellen Unternehmung<br />
Die virtuelle Unternehmung EnterSite AG hat den Auftrag, die Lernenden aus<br />
einer Hand auszubilden. Entsprechend werden die Aufgaben <strong>der</strong><br />
Berufsfachschule, <strong>der</strong> überbetrieblichen Kurse und <strong>der</strong> Ausbildungsorte<br />
abgestimmt. Generierte Arbeits- und Lernsituationen handeln für die EnterSite<br />
AG. Abschliessend wird sich auch das Qualifikationsverfahren <strong>der</strong> virtuellen<br />
Unternehmung annehmen. Eine Nie<strong>der</strong>lassung wird am aktuellen Standort<br />
vom Qualifikationsverfahren 2026 (EBA) und 2027 (EFZ) aufgestellt. In dieser<br />
Nie<strong>der</strong>lassung werden die Handlungen <strong>der</strong> Lernenden in <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
geprüft.<br />
Die Unternehmung wird eine dynamische Form erhalten. Es werden<br />
verschiedene Module im Angebot sein, welche verschiedene Priorisierungen<br />
aufweisen. In dieser Gestaltung wird berücksichtig, dass es Module für den<br />
EBA und/o<strong>der</strong> EFZ Lehrgang geben wird und wir so, auch die Durchlässigkeit<br />
<strong>der</strong> Lehrgänge wie<strong>der</strong> erreichen können.<br />
Mit <strong>der</strong> Dynamik werden wir die Möglichkeit haben, den Lehrpersonen<br />
individuelle Module einzubauen und doch kommunizieren zu können, welche<br />
Module wir als Priorität interpretieren.<br />
Weiter soll mit dieser Dynamik erreicht werden, dass mögliche Fachrichtungen<br />
sich mit einer «Tochter-Unternehmung» o<strong>der</strong> einer zusätzlichen Abteilung an<br />
<strong>der</strong> EnterSite AG beteiligen können. Dabei wird das Ziel verfolgt, dem<br />
Lernenden alles aus einer Hand anbieten zu können. Schnittstellen zwischen<br />
den Fachrichtungen, den überbetrieblichen Kurse und <strong>der</strong> Berufsfachschule<br />
sollen kompatibel aufgebaut sein.<br />
24 21
1.3 Vorgeschichte<br />
«Reto Künstler» hat die obligatorische Schule in Thun absolviert. Die Schule war<br />
für ihn immer im Bereich des Machbaren. Die Herausfor<strong>der</strong>ungen hat er mehr<br />
o<strong>der</strong> weniger problemlos gelöst. Wenn wir Reto fragen, war die Kollegschaft<br />
und <strong>der</strong> Sportunterricht das Highlight <strong>der</strong> obligatorischen Schule.<br />
Privat hat Reto Künstler seine Leidenschaft im Fussball gefunden. Selber aktiv<br />
trainiert Reto dreimal pro Woche, sein Lebenstraum - Fussballprofi.<br />
Auch Reto wurde ab <strong>der</strong> 7. Klasse mit <strong>der</strong> Berufswahl konfrontiert. Die<br />
beratenden Stellen erkannten sofort, dass Reto ein Teamplayer und logisch<br />
denken<strong>der</strong> Mensch ist, <strong>der</strong> sich gerne auch körperlich betätigt. Nach einigen<br />
Besuchen an verschiedenen Events und besuchten Schnupperwochen,<br />
entdeckte Reto das Inserat zur Ausbildung als Logistiker EFZ bei <strong>der</strong> EnterSite<br />
AG.<br />
Seine Stärken und Interessen deckten sich optimal mit den Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
des Berufsbildes. In <strong>der</strong> besuchten Schnupperwoche entdeckte er die Welt<br />
<strong>der</strong> Flurför<strong>der</strong>zeuge, die Welt <strong>der</strong> Teamarbeit und die Welt <strong>der</strong> Bewegung für<br />
die Logistik. Reto hat seinen Beruf entdeckt und hat die Lehrstelle zum<br />
Logistiker EFZ erhalten… Gratulation Reto!<br />
Diese frei erfundene Biografie könnte sich bei einigen Lernenden<br />
Logistiker/Innen EFZ so zugetragen haben. Diese Biografie ist geschrieben. Es<br />
ist Zeit, für ein neues Kapitel...<br />
EnterSite AG<br />
Die Autoren dieser Lernfirma sind ausgebildete und praxiserfahrene<br />
Berufsmenschen und Lehrpersonen. Diese Doppelqualifikation ermöglicht, die<br />
fiktive Lernumgebung zu gründen und die ewige Herausfor<strong>der</strong>ung zwischen<br />
Praxis und Theorie zu verknüpfen.<br />
Nach <strong>der</strong> zwei- o<strong>der</strong> dreijährigen Ausbildung in <strong>der</strong> EnterSite AG sind die<br />
Lernenden als Logistiker EBA o<strong>der</strong> EFZ in verschiedenen Branchen <strong>der</strong> Logistik<br />
einsatzbereit. Sie werden originelle Elemente erfahren sowie die Entwicklung<br />
unseres Berufes erlernen und verstehen können.<br />
Wir wünschen den Lernenden mit <strong>der</strong> EnterSite AG, einem innovativen<br />
Konzept, viel Spass beim Entdecken und Verstehen <strong>der</strong> Supply Chain.<br />
22<br />
25
1.4 EnterSite<br />
1.4.1 Wer ist die EnterSite<br />
Die EnterSite AG wurde 1990 gegründet und zählte schnell zu den<br />
renommiertesten Anbietern <strong>der</strong> Bürokommunikation auf dem Schweizer<br />
Markt. Der Markt, das Büro, hat sich in den vergangenen Jahren stark<br />
verän<strong>der</strong>t und damit auch die EnterSite AG.<br />
Heute sind unsere Kernkompetenzen im Bereich Total Office Solutions zu<br />
finden. Wir bieten neben Beratung (Evaluation) und Verkauf in den Bereichen<br />
Soft- und Hardware ein grosses Sortiment im Verbrauchsmaterial mit eigener<br />
Produktion in <strong>der</strong> Schweiz an sowie Support im Office.<br />
Ihr Partner im Bereich Total Office Solutions = EnterSite AG<br />
26 23
1.4.2 Geschäftsfel<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite<br />
• Beratung (Evaluation)<br />
Die Beratung und Evaluation im Bereich Soft- und Hardware ist eine<br />
grosse Herausfor<strong>der</strong>ung. Eine grosse Auswahl von verschiedener Soft- und<br />
Hardware angeboten bedeutet auch immer eine grosse<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung bei <strong>der</strong> Wahl. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, die<br />
richtigen Entscheidungen für Ihre Bedürfnisse treffen zu können.<br />
• Verkauf<br />
Im Anschluss an die Beratung übernehmen wir die Beschaffung <strong>der</strong><br />
gewählten Produkte. Netzwerke zu bekannten Produzenten ermöglichen<br />
günstige Einkaufsmöglichkeiten. Dem Kunden unterbreiten wir ein All-In-<br />
One Angebote und Verkaufspreis.<br />
• Software<br />
Auch im Bereich Software haben wir grosse Erfahrungen und Netzwerke.<br />
Wir beraten Kunden, damit die richtige Software gewählt werden kann.<br />
Ist die Software gewählt, unterstützen wir unsere Kunden mit unserem<br />
grossen Know-How, unseren Spezialisten, beim Implementieren <strong>der</strong><br />
Software.<br />
• Hardware<br />
Sobald die Software eingerichtet ist, liefern wir die gewählte Hardware.<br />
Installieren die Geräte im (Home-) Office und verbinden diese mit <strong>der</strong><br />
vorhandenen Software. Als Dienstleister sind wir natürlich auch zuständig,<br />
die Verpackungsmaterialien fachgerecht zu entsorgen.<br />
• Verbrauchsmaterial<br />
Unter Total office Solutions verstehen wir, dass wir auch nach <strong>der</strong><br />
Installation für unsere Kunden da sind. Ihre Hardware ist bei uns registriert,<br />
wir haben Kenntnis was Sie benötigen. Mit unserer eigenen Produktion<br />
sind wir fähig, verschiedene Verbrauchsmaterialien zu produzieren,<br />
kostengünstig und in hoher Qualität zu liefern. Durch das Einbinden in das<br />
vorhandene Netzwerk, haben wir die Möglichkeit die Kapazität von<br />
Ihrem Verbrauchsmaterial zu erkennen und wo nötig zu liefern o<strong>der</strong><br />
Supporten bevor Sie den Mangel erkennen können.<br />
• Support<br />
Mit unserem Support Team haben wir die Möglichkeit unsere Service-<br />
Techniker nach Kundenwünschen zu planen. Der Service-Techniker mit<br />
einem Fahrenden Ersatzteillager und <strong>der</strong> Möglichkeit Vorort im 3D Druck<br />
wichtige Ersatzteile anzufertigen gibt uns die Chance, im Notfall, schnell<br />
und effizient reagieren zu können. Durch die Vernetzung mit Ihrer Softund<br />
Hardware, erkennen wir sofort welche Garantieleistungen noch<br />
24<br />
27
vorhanden sind und können so mit unserem Lieferanten o<strong>der</strong> dem<br />
eigenen Support sofort reagieren.<br />
1.4.3 Strategie <strong>der</strong> EnterSite<br />
Wir sind die Nummer Eins in <strong>der</strong> Schweiz im «Total office solutions» Business<br />
Die Strategie steht im Zentrum vom unternehmerischen Denken und Handeln.<br />
Alle Projekte und Tätigkeiten sind auf diese Strategie ausgerichtet und<br />
unterstützen diese.<br />
Über den ganzen Lehrgang sollen deshalb immer wie<strong>der</strong> erzielte Ergebnisse<br />
und ihre Wirkung auf die Strategie thematisiert werden. Damit för<strong>der</strong>n wir<br />
unternehmerisches Denken und Handeln schon auf <strong>der</strong> Grundbildungsstufe.<br />
Best Practice Orientierung im Sinne dieser Strategie soll deshalb bei <strong>der</strong><br />
Lösungsfindung fokussiert werden.<br />
Der Lehrgang führt die Teilnehmer virtuell entlang von SupplyChain (Waren-,<br />
Informations- und Werteflusse), baut Grundwissen und auch vernetztes<br />
Denken Schritt für Schritt auf. Die Komplexität wird mit zunehmen<strong>der</strong> Tiefe<br />
grösser.<br />
Die Lernenden sollen, vertreten durch ihren eigenen, zu Lehrbeginn frei<br />
wählbaren o<strong>der</strong> zugewiesenen Avatar, den Lehrgang in und auch ausserhalb<br />
<strong>der</strong> EnterSite AG durchlaufen. In je<strong>der</strong> Abteilung, in jedem Modul<br />
entsprechenden Wissenszuwachs erhalten und mit passenden Aufgaben<br />
konfrontiert werden, die es ihnen ermöglichen, Theorie und Praxis<br />
verschmelzen zu lassen.<br />
28 25
1.4.4 Standorte <strong>der</strong> EnterSite<br />
Hauptsitz:<br />
Dienstleistung, Produktion, Verkauf, Logistik, technischer Support,<br />
Geschäftsleitung und Administration<br />
Rigistrasse 2, 5102 Rupperswil<br />
Hauptsitz<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Köniz:<br />
Dienstleistung, Technischer Support<br />
Staldenstrasse 32, 3172 Köniz<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Bern<br />
Nie<strong>der</strong>lassung St. Gallen:<br />
Dienstleistung, Technischer Support<br />
Huebstrasse 12, 9011 St. Gallen<br />
Nie<strong>der</strong>lassung St. Gallen<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Tessin:<br />
Dienstleistung, Technischer Support<br />
Via del Passetto 2, 6600 Solduno<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Tessin<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Romandie:<br />
Dienstleistung, Produktion, Verkauf, Logistik, technischer Support,<br />
Administration<br />
Route de Fribourg 28, 1723 Marly<br />
Nie<strong>der</strong>lassung Romandie<br />
26<br />
29
1.4.5 Organigramm <strong>der</strong> EnterSite<br />
30 27
1.5 Abteilungen <strong>der</strong> EnterSite<br />
1.5.1 Customer Service<br />
Die Abteilung Customer Service, in Verbindung mit den Aufgaben aus dem<br />
Marketing, hat in je<strong>der</strong> Unternehmung seinen Platz und ist von zentraler<br />
Bedeutung.<br />
Den Markt zu erkunden und erforschen, so dass ein Produkt richtig positioniert<br />
werden kann, die Erwartungen und Wünsche <strong>der</strong> Kunden in Erfahrung bringen<br />
und diese Kenntnisse in Prozessen (wie<strong>der</strong>kehrende Aufgaben)<br />
gewinnbringend umzusetzen und so Image und Absatz zu stärken, sind die<br />
Ziele dieser Abteilung.<br />
Es handelt sich bei dieser Abteilung <strong>der</strong> EnterSite AG um das Bild, welches<br />
nach aussen präsentiert wird. Das kann das Bild <strong>der</strong> Unternehmenskultur (wie<br />
zeigen und geben wir uns nach aussen und innen) sein aber auch die Art <strong>der</strong><br />
Umsetzung des Marketing Konzepts (wie positioniere ich mein Produkt in den<br />
Themen: Product, Place, Promotion und Price).<br />
Der Lernende wird nach SupplyChain auch den Kontakt zum Kunden<br />
aufnehmen und pflegen. Entsprechend wird <strong>der</strong> Lernende durch die<br />
Abteilung Customer Service & Marketing auch im Bereich Kommunikation und<br />
persönliche Hygiene auf die Aufgaben vorbereitet.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Sarah Nydegger<br />
28<br />
31
1.5.2 Procurement Management<br />
Das Procurement Management ist in unserer EnterSite AG eine weitere<br />
Zentrale Abteilung.<br />
Den Merksatz "den Lagerbestand so tief wie möglich aber so viel wie<br />
notwendig" erfolgreich umzusetzen, erfor<strong>der</strong>t ein starkes miteinan<strong>der</strong> zwischen<br />
dem Einkäufer und dem Logistiker. Nur gemeinsam sind wir in <strong>der</strong> Lage, die<br />
sechs R Definition <strong>der</strong> Logistik erfolgreich anwenden zu können.<br />
Lieferanten (Kreditoren) aus dem Inland, Europa und teilweise globale<br />
Lieferanten for<strong>der</strong>n verschiedene Kompetenzen in dieser Tätigkeit. Das<br />
Beschaffen von Sach-, Gebrauchsgüter aber auch Dienstleistungen erfor<strong>der</strong>t<br />
ein gutes Netzwerk. Berechnen von verschiedenen Offerten und fixieren von<br />
Listenpreisen sowie individuelle Kundenpreise in einer Artikelkarte werden da<br />
sorgfältig umgesetzt.<br />
Der Umgang mit Zahlen, die Kommunikation in verschiedene Kulturen und<br />
Landesprachen sowie die digitale Vernetzung for<strong>der</strong>t diese Abteilung<br />
beson<strong>der</strong>s.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Agnes Zimmermann<br />
32 29
1.5.3 Logistics<br />
Die Logistics, welche wie erwähnt sehr stark mit <strong>der</strong> Abteilung Procurement<br />
Management kommuniziert, wird genauso durch den Merksatz "den<br />
Lagerbestand so tief wie möglich aber so viel wie notwendig" geführt. Nur<br />
gemeinsam sind wir in <strong>der</strong> Lage, die sechs R Definition <strong>der</strong> Logistik erfolgreich<br />
anwenden zu können.<br />
Die Abteilung Logistics wird immer wie<strong>der</strong> von neuen Aufgaben<br />
herausgefor<strong>der</strong>t. Geht es da um die Zulieferung von Halbfabrikaten für die<br />
Produktion, das Verwalten <strong>der</strong> Verbrauchsmaterialien o<strong>der</strong> auch das<br />
Handling mit neuen Druck- und Kopiergeräten welche mit sehr viel Geld<br />
verbunden sind. In einem KMU wie es die EnterSite AG ist, gehört in <strong>der</strong><br />
Abteilung Logistics aber auch die Kommunikation mit dem Kunden dazu.<br />
Kurzfristige Lieferungen, spezielle Kundenwünsche o<strong>der</strong> auch die<br />
Verarbeitung von Warenretouren werden direkt aus <strong>der</strong> Abteilung Logistics<br />
mit dem Kunden vereinbart.<br />
Ein grosses Know-How im Umgang mit den verschiedenen Gütern und damit<br />
verbunden die Wahl <strong>der</strong> richtigen Lagerarten kann da gezeigt werden.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Reto Stierndli<br />
30<br />
33
1.5.4 Production<br />
Die Production ist eine Abteilung, die nicht in jedem KMU vorhanden ist. Die<br />
Wertschöpfung des Produkts vom Rohstoff zum Halbfabrikat o<strong>der</strong> zum<br />
Fertigprodukt o<strong>der</strong> vom Halbfabrikat zum Fertigprodukt in Verwendung von<br />
Energie und Kraft, entspricht <strong>der</strong> Definition in dieser Abteilung.<br />
Die EnterSite AG führt eine solche Produktion. Das Produzieren des eigenen<br />
Labels SwissEnterSite Cartridge und SwissEnterSite Tintenpatrone ist ein<br />
wichtiger Bestandteil <strong>der</strong> EnterSite AG. Die Abteilung Production ist am<br />
Hauptsitz in Rupperswil sowie in <strong>der</strong> Zweigstelle Marly integriert. Es werden<br />
Einzelteile o<strong>der</strong> leere Kartuschen eingekauft und diese neu zusammengestellt<br />
und mit dem richtigen Toner wie<strong>der</strong>aufgearbeitet. Die Herausfor<strong>der</strong>ung, dass<br />
wichtige Bestandteile aus Asien stammen und nicht immer <strong>der</strong> gewünschten<br />
Qualität entsprechen o<strong>der</strong> dass die Konkurrenz aus dem Osten günstiger<br />
produziert, sind Herausfor<strong>der</strong>ungen, welche in dieser Abteilung zu überwinden<br />
sind.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Michael Münster<br />
34 31
1.5.5 ICT<br />
Wie in je<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Unternehmung hat die Informatik in <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
enorm an Bedeutung gewonnen. Es ist für die EnterSite AG in dieser Branche<br />
relevant die heutigen Technologien zu verstehen und richtig einzusetzen. Das<br />
Einbinden von Druckern und Kopierern in ein Netzwerk und daraus zu<br />
erkennen, welches Verbrauchsmaterial welche Kapazität aufweist, damit <strong>der</strong><br />
Beschaffungsprozess rechtzeitig eröffnet werden kann, ist ein Teil davon.<br />
Die Informatik ist aber auch intern ein zentrales Element. Ein ERP mit den<br />
richtigen Stammdaten zu erarbeiten und über alle vorhandenen Abteilungen<br />
zu vernetzen, damit Realtime-Daten ersichtlich sind, ist heute ein Muss.<br />
Schnittstellen zu Debitoren (Kunden) und Kreditoren (Lieferanten) im<br />
Bestellmanagement o<strong>der</strong> Finanzmanagement werden gefor<strong>der</strong>t und<br />
geför<strong>der</strong>t.<br />
Die Informatik hat sich auch in <strong>der</strong> Logistik nie<strong>der</strong>gelassen. Auf <strong>der</strong><br />
Homepage publizierte aktuelle Lagerbestände und Informationen aus Track<br />
and Trace werden vom Kunden verlangt. In <strong>der</strong> Lagerlogistik ist die Informatik<br />
mit Anwendung von mo<strong>der</strong>nen Kommissionier-Techniken aber auch dem<br />
Betreiben von dynamischen Lagerelementen Zuhause.<br />
Spannend in <strong>der</strong> Abteilung Informatics <strong>der</strong> EnterSite AG ist aber nicht nur die<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung auf heutige Technologien, es gehört auch dazu, zukünftige<br />
Entwicklungen richtig zu interpretieren und Vorteile zu nutzen. Demnach sind<br />
bereits heute Projekte/Technologien wie 3D Druck, Verteilung per Drohne,<br />
Seidenstrasse und Cargo sous Terrain Themen, welche die Abteilung<br />
beschäftigen.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Markus Lang<br />
32<br />
35
1.5.6 FI/CO<br />
Für ein KMU wie die EnterSite AG ist es entscheidend, die richtigen<br />
Kalkulationen und Zahlen zu kennen und damit zu wirtschaften. In <strong>der</strong><br />
Abteilung FI/CO werden alle Finanz- und Personalthemen gesammelt und<br />
erfasst.<br />
Lohnbuchhaltung, Liegenschaften, Budget, Erträge und Aufwände sind einige<br />
Begriffe, welche in dieser Abteilung bearbeitet werden. Es ist im Interesse <strong>der</strong><br />
Mitarbeiter, Lieferanten aber auch unseren Kunden, das abgemachte<br />
Beträge auch so verrechnet und ausgeglichen werden.<br />
Für unsere Geschäftsleitung ist diese Abteilung das Herzstück <strong>der</strong> EnterSite AG.<br />
Die Abteilung FI/CO präsentiert jeweils das Ergebnis unseres Tuns.<br />
Weiter sind das Erstellen von Bilanzen, Kontakte mit den Behörden aber auch<br />
Kommunikation mit AHV, IV, EO etc. wichtige Bestandteile dieser Abteilung.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Besim Vuloltevic<br />
36 33
1.5.7 Support and Distribution<br />
Auch in dieser Abteilung hat sich die EnterSite AG entschieden, verwandte<br />
Themen zu verbinden. Das organisierte ausliefern (Distribution) aber auch <strong>der</strong><br />
Support <strong>der</strong> verkauften Drucker und Kopierer haben dazu geführt, dass die<br />
Themen nur zusammen funktionieren können. Die Distribution und Re-<br />
Distribution unterstützt uns in wirtschaftlichen aber auch ökologischen Zielen.<br />
Der Disponent <strong>der</strong> EnterSite AG hat so den spannenden Auftrag, neue<br />
Lieferungen aber auch Reparaturen von bereits gelieferten Geräten beim<br />
Kunden zu verbinden. Zur Verfügung stehen dabei einige Hilfsmittel. Die<br />
Lieferung kann über einen eigenen Techniker, den Lieferdienst o<strong>der</strong> aber über<br />
einen externen Partner (Post, Planzer etc.) ausgeführt werden. Genau diese<br />
Koordination ist das Herzstück dieser Abteilung.<br />
Wurden die Ressourcen (Personen, Fahrzeuge etc.) sowie die Fahrten früher<br />
mit einem "Reissbrett" optisch dargestellt, so haben wir heute ein<br />
Dispoprogramm das und bei dieser Herausfor<strong>der</strong>ung unterstützt. Jedoch, wie<br />
in jedem ERP, das Dispoprogramm disponiert uns die Touren nur so gut, wie<br />
die Stammdaten hinterlegt sind.<br />
Die Abteilung wird operativ geführt durch:<br />
Thomas Holzer<br />
34<br />
37
Logistiker/In EFZ<br />
100_Foundation<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
38
Modul 101_Geschichte <strong>der</strong> Logistik<br />
Ausgangslage<br />
Die Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik von früher sind eng verbunden mit den logistischen<br />
Tätigkeiten von heute. Das Beschaffen von verschiedenen Materialien, das<br />
Deponieren zum richtigen Zeitpunkt, ohne dass das Material an Wert verliert,<br />
<strong>der</strong> Verbrauch <strong>der</strong> Materialien: All das sind einfache Prozessschritte <strong>der</strong><br />
Logistik von früher und <strong>der</strong> Logistik von heute.<br />
?? Merke: Verän<strong>der</strong>t hat sich nicht das Ziel <strong>der</strong> Logistik, son<strong>der</strong>n die Hilfsmittel,<br />
welche heute in grosser Vielfalt zur Verfügung stehen.<br />
39
Fachartikel Modul 101<br />
1. Geschichte <strong>der</strong> Logistik<br />
1.1 Logistische Tätigkeiten<br />
Die Logistik von heute ist eng verbunden mit den logistischen Tätigkeiten von<br />
früher. Das Beschaffen von verschiedenen Materialien, das Deponieren zum<br />
richtigen Zeitpunkt, ohne dass das Material an Wert verliert sowie <strong>der</strong><br />
Verbrauch <strong>der</strong> Materialien sind einfache Prozessschritte <strong>der</strong> Logistik, die aus<br />
<strong>der</strong> Geschichte gewachsen sind.<br />
Vor vielen Jahren hätte <strong>der</strong> logistische Prozess wie folgt abgebildet werden<br />
können:<br />
Jagen <strong>–</strong> Verarbeiten <strong>–</strong> Konsumieren<br />
Die Logistik von heute zeichnet den Prozess folgen<strong>der</strong>massen:<br />
Einkaufen <strong>–</strong> Produzieren <strong>–</strong> Konsumieren o<strong>der</strong> Verkaufen<br />
1.1.1 Die Logistik in <strong>der</strong> Kriegszeit<br />
Erkennt man die einfachen und ursprünglichen Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik,<br />
versteht man, dass Logistik seit jeher eine grosse Bedeutung gehabt hat. In<br />
<strong>der</strong> Geschichte <strong>der</strong> Logistik sind neben den überlebenswichtigen Tätigkeiten<br />
<strong>der</strong> Steinzeitmenschen auch die militärischen Logistik-Tätigkeiten sehr<br />
relevant. Die Geschichte <strong>der</strong> Logistik wurde durch Napoleon Bonaparte stark<br />
geprägt.<br />
40
Napoleon Bonaparte 1769-1821<br />
Wenn es früher einem Heerführer nicht gelang, rechtzeitig Nahrungsmittel für<br />
die Soldaten und Futter für die Tiere heranzuschaffen, zeigten Kriegszüge<br />
wenig Erfolg. Deshalb wurden Viehherden als lebende Fleischvorräte<br />
mitgetrieben, o<strong>der</strong> die Soldaten unternahmen Raubzüge.<br />
Findige Feldherren versuchten den Appetit ihrer Soldaten zu zügeln, indem sie<br />
ihnen einen obligatorischen Tabakkonsum verordneten. Denn sobald die<br />
Soldaten rauchten o<strong>der</strong> Tabak kauten, assen sie weniger. So konnten die<br />
Feldherren erhebliche Mengen an Nahrungsmitteln einsparen, was den<br />
Nachschub und somit die Logistik vereinfachte.<br />
Napoleon Bonaparte entwickelte die militärische Logistik zu einer eigentlichen<br />
Wissenschaft. Nicht nur Nahrung für die Soldaten, auch grosse Mengen an<br />
Kriegsgeräten und Munition mussten herbeigeschafft werden. Die ausgefeilte<br />
Logistik trug wesentlich zur Schlagkraft des napoleonischen Heeres bei.<br />
1.1.2 Die Logistik und <strong>der</strong> Bau <strong>der</strong> Pyramiden<br />
Auch im zivilen Leben ergaben sich logistische Herausfor<strong>der</strong>ungen,<br />
insbeson<strong>der</strong>e dort, wo grosse Bauwerke entstanden sind. Die Logistik und die<br />
damit verbunden Herausfor<strong>der</strong>ungen sind seit jeher ein Thema. Der<br />
Menschheit gelang es jedoch wie<strong>der</strong>holt, unglaubliche logistische Aufgaben<br />
mit bescheidenen Hilfsmitteln zu bewältigen. Eine <strong>der</strong> gewichtigsten<br />
Herausfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Logistik war beim Bau <strong>der</strong> Pyramiden zu bewältigen.<br />
Die zum Bau verwendeten Granitblöcke waren nicht nur über 50 Tonnen<br />
schwer, sie wurden zumeist aus Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 800<br />
Kilometer entfernt waren. Damals war es keine Seltenheit, dass für diese Art<br />
von Bauten extra ein Hafen angelegt wurde.<br />
41
Der Bau <strong>der</strong> Pyramiden ist aus heutiger Sicht so beeindruckend, dass lange<br />
keine Erklärung vorhanden war, wie er durchgeführt werden konnte. Erst in<br />
den letzten Jahren fanden Archäologen einige Hinweise, mit welchen die<br />
Bautechnik aufgedeckt werden konnte. Es wird vermutet, dass man die<br />
Pyramiden mit Hilfe von riesigen Rampen errichtet hat. Auf diesen Rampen<br />
wurden die grossen und schweren Granitsteine immer höher, bis zur<br />
Pyramidenspitze hinaufgeschoben bzw. Gezogen. Der Bau <strong>der</strong> Pyramiden ist<br />
eine logistische Meisterleistung von damals, welche noch heute für Staunen<br />
sorgt.<br />
1.2 Handelsprodukte und Handelswege<br />
Früher führten viele Handelswege durch Wüsten. Nachdem es gelungen war,<br />
Kamele zu zähmen, wurden diese wüstengewohnten Tiere zu einem<br />
wichtigen Transportmittel. In <strong>der</strong> Geschichte haben die folgenden zwei<br />
Handelsrouten eine wichtige Rolle eingenommen.<br />
42
1.2.1 Die Seidenstrasse<br />
Die Seidenstrasse<br />
Die alte Seidenstrasse ist eine Bezeichnung für ein Netz von alten<br />
Handelswegen zwischen China, Zentralasien und dem Mittelmeerraum. Der<br />
lange und herausfor<strong>der</strong>nde Weg hat den Ursprung in <strong>der</strong> damaligen<br />
Hauptstadt Luoyang. Durch Wüsten und Gebirge führte <strong>der</strong> Weg bereits vor<br />
über 2000 Jahren nach Zentralasien und weiter nach Europa.<br />
Im von Osten nach Westen verlaufenden Warenstrom war die Seide das<br />
wichtigste Handelsprodukt. Weitere Güter, die gehandelt wurden, sind Tee,<br />
Salz, Gewürze, Zucker und Porzellan.<br />
1.2.2 Die Bernsteinstrasse<br />
Schon früh begannen die Menschen, am Strand Bernstein zu sammeln. So<br />
wurden Bernstein und Bernsteinschmuck zum Handelsgut und Tauschobjekt.<br />
Das führte zur Namensgebung <strong>der</strong> bis heute wichtigsten Nord-Süd-<br />
Verbindung in Europa: <strong>der</strong> Bernsteinstrasse. Bernstein ist goldgelbes, fossiles<br />
Harz. Früher wurde er "Gold des Meeres" o<strong>der</strong> "Tränen <strong>der</strong> Götter genannt.<br />
Die Bernsteinstrasse<br />
43
Die Bernsteinstrasse führte von <strong>der</strong> Ostsee bis zu den Häfen des Mittelmeers<br />
und verbindet bis heute die Kulturen Nord- Mittel- und Südeuropas.<br />
1.3 Meilensteine <strong>der</strong> Logistik<br />
Die Logistik ist geprägt von verschiedenen Meilensteinen, welche zu einer<br />
schnellen Verän<strong>der</strong>ung führten. Einige davon sind:<br />
1804 Die Lokomotive kommt ins Fahren<br />
1875 Der erste Benzinmotor<br />
1896 Der erste LKW beför<strong>der</strong>t Güter<br />
1907 Die Geburtsstunde <strong>der</strong> Paketdienste<br />
1944 Die ersten Holzpaletten und Hubstapler kommen mit <strong>der</strong> Invasion <strong>der</strong><br />
Normandie nach Europa<br />
1948 Der Flughafen Kloten wird eröffnet (CH)<br />
1949 Die Erfindung des Barcodes<br />
1953 "Just-in-Time"-Revolution<br />
1955 Der Begriff "Logistik" wird in den USA erstmals in wirtschaftlichem<br />
Zusammenhang verwendet<br />
1956 Der Container wird definiert<br />
1960 Der Begriff "Logistik" wird im deutschsprachigen Raum verwendet<br />
1980 Der Gotthard-Strassentunnel wird eröffnet (CH)<br />
1992 Abstimmung zum NEAT-Jahrhun<strong>der</strong>tprojekt (endgültige<br />
Inbetriebnahme im Juni 2020)<br />
Diese Meilensteine <strong>der</strong> Logistik könnten noch mit vielen weiteren Ereignissen<br />
ergänzt werden. An einem Begriff gibt es jedoch kein Vorbeikommen: Die<br />
Informatik. Auch diese hat die Logistik komplett verän<strong>der</strong>t. Der Begriff<br />
44
"Informatik" wurde erst in den 1960er-Jahren richtig bekannt. Er besteht aus<br />
folgendem Wortspiel:<br />
Information + Automatik<br />
Seit dem Aufkommen <strong>der</strong> Informatik ist die Logistik dabei, sich neu zu erfinden.<br />
Das Tempo <strong>der</strong> Entwicklung kennt keine Grenzen mehr.<br />
45
Modul 102_Struktur <strong>der</strong> Logistik<br />
Ausgangslage<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen an die Logistik<br />
Aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung haben die Güterströme in den letzten Jahren<br />
und Jahrzehnten zugenommen. Mit den wachsenden Güterströmen hat auch<br />
die Logistik stark an Bedeutung gewonnen. Die Anfor<strong>der</strong>ungen an Leistung,<br />
Qualität und Kosten sind stetig gestiegen. Im Jahr 2020, als die Corona-<br />
Pandemie begann, gab es Engpässe von WC-Papier bei den Grossverteilern.<br />
Dies führte zu grossen Diskussionen über die Lieferketten und zu<br />
Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Aufgaben, <strong>der</strong> Ziele und <strong>der</strong> Definition <strong>der</strong> Logistik.<br />
Das Modul 102 behandelt drei Schlüsselbegriffe bei <strong>der</strong> Ausbildung zum<br />
Logistiker, zur Logistikerin:<br />
• Globalisierung<br />
• Logistik<br />
• Supply Chain Management (SCM)<br />
46
Fachartikel Modul 102<br />
2. Struktur <strong>der</strong> Logistik<br />
2.1 Globalisierung<br />
Das Tempo <strong>der</strong> Entwicklung in <strong>der</strong> Logistik ist atemberaubend. Technologien<br />
verän<strong>der</strong>n sich von Jahr zu Jahr. Ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor in <strong>der</strong> Entwicklung<br />
sind die digitalen Technologien. Im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t ist die Globalisierung eine<br />
Selbstverständlichkeit. Die ständige Vernetzung führt dazu, dass Informationen<br />
sofort und überall verfügbar sind. Der Begriff Globalisierung wird vom Wort<br />
"global" abgeleitet und beschreibt eine weltweite - also globale - Vernetzung.<br />
Am Beispiel <strong>der</strong> Corona-Pandemie, die im Jahr 2020 ausbrach, wird die<br />
heutige Globalisierung gut ersichtlich: Informationen von allen Kontinenten<br />
konnten täglich verarbeitet werden (z. B. Infektionszahlen). Aktuelle<br />
Entwicklungen konnten erkannt und interpretiert werden (z. B. neue<br />
Virusvarianten). Impfstoffe aus Grossbritannien, China o<strong>der</strong> Deutschland<br />
konnten eingekauft und verwendet werden.<br />
Die Globalisierung hat weitere Folgen. Sie führt z. B. dazu, dass im Alltag<br />
Produkte aus aller Welt verfügbar werden. Im Gegensatz zu früher sind heute<br />
Erdbeeren ganzjährig erhältlich. Sie werden aus an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n o<strong>der</strong><br />
Kontinenten importiert.<br />
47
Ferner sorgt die Globalisierung dafür, dass dasselbe Produkt in verschiedenen<br />
Län<strong>der</strong>n vorhanden ist: Unabhängig davon, wie lange <strong>der</strong> Flug in die Ferien<br />
dauert, gibt es am Zielort einen McDonald's o<strong>der</strong> einen Burger King mit<br />
Produkten, die man kennt.<br />
?? Merke: Die Globalisierung vernetzt die Welt. Der Logistik werden alle Türen<br />
geöffnet.<br />
2.1.1 Auswirkungen auf die Unternehmen<br />
Die Globalisierung <strong>der</strong> Wirtschaft ist heute weit fortgeschritten. Güter werden<br />
über immer grössere Entfernungen transportiert, unter an<strong>der</strong>em auch, weil<br />
viele Unternehmen aus Kostengründen nicht mehr nur auf Eigenfertigung<br />
setzen. Ein grosser Teil <strong>der</strong> fremdgefertigten Güter kommt aus Asien, vor allem<br />
aus China und Japan, die weltweit Handel sowohl mit Massen- als auch mit<br />
Hightech-Produkten betreiben. Dieser internationale Handel als Folge <strong>der</strong><br />
Globalisierung wird vor allem über internationale Verträge geregelt. Die<br />
Verträge werden nach Standards <strong>der</strong> World Trade Organisation (WTO)<br />
abgeschlossen. Nicht nur Güter, ganze Unternehmen werden weltweit<br />
gehandelt. Die Besitzer vieler "Schweizer" Unternehmen sind Amerikaner,<br />
Japaner, Australier o<strong>der</strong> Russen. Aber auch Schweizer Bürger und<br />
Unternehmen kaufen weltweit Betriebe auf (o<strong>der</strong> halten zumindest die<br />
Aktienmehrheit). Mit Vorliebe kaufen sie Konkurrenzbetriebe.<br />
2.1.2 Auswirkungen auf die Arbeitsplätze<br />
Die Globalisierung kann in den Industrielän<strong>der</strong>n Arbeitsplätze vernichten. Um<br />
ihre Abhängigkeit von <strong>der</strong> Fremdfertigung zu reduzieren aber auch um Kosten<br />
zu sparen, eröffnen Unternehmen in den sogenannten "Billiglohnlän<strong>der</strong>n" eine<br />
Nie<strong>der</strong>lassung. In diesen Län<strong>der</strong>n ist <strong>der</strong> Lebensstandard tief. Die Menschen<br />
arbeiten nicht nur für weniger Geld, sie leisten auch deutlich mehr<br />
Arbeitsstunden pro Jahr; beides wirkt sich auf den Stückpreis aus. Vor allem<br />
grosse Unternehmen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. In ihren<br />
Nie<strong>der</strong>lassungen können sie ihre Produkte o<strong>der</strong> auch nur Produktbestandteile<br />
viel günstiger herstellen lassen als im Land des Hauptsitzes. Dort können sie die<br />
"teuren" Arbeitsplätze abbauen. Die Globalisierung kann aber auch neue<br />
Arbeitsplätze schaffen. Wenn es einem Unternehmen gelingt, in einem<br />
an<strong>der</strong>en Land Fuss zu fassen, eröffnen sich ihm neue Absatzkanäle. Es kann<br />
seine Produktion steigern und neue Mitarbeitende anstellen.<br />
48
2.1.3 Auswirkungen auf die Logistik<br />
Die Pfeiler <strong>der</strong> Globalisierung sind weltweite Beschaffung und Produktion sowie<br />
weltweiter Absatz. Diese weltweiten Tätigkeiten sind durch mo<strong>der</strong>ne<br />
Transportabläufe und Kommunikation möglich.<br />
Dabei werden die Ansprüche von Industrie und Handel immer höher. Industrie<br />
und Handel suchen schnelle und kundenorientierte Logistikprozesse. Um<br />
diesen hohen Anfor<strong>der</strong>ungen gerecht zu werden, werden internationale<br />
Normen und Systeme eingesetzt. Sinnbild dafür sind die ISO-Container, mit<br />
denen ein wachsen<strong>der</strong> Teil <strong>der</strong> Gütertransporte abgewickelt wird.<br />
2.1.4 Auswirkungen auf die Politik<br />
Nicht nur aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung haben sich die politischen Systeme von<br />
verschiedenen Län<strong>der</strong>n angeglichen. Heutzutage sind viele Län<strong>der</strong><br />
Demokratien und/o<strong>der</strong> haben eine liberalistische Wirtschaftsform.<br />
Entsprechend werden gleiche Ziele verfolgt, was eine günstige Voraussetzung<br />
ist für Freihandel und die Entstehung internationaler Zusammenschlüsse. Durch<br />
den gemeinsamen Handel entstehen unter den Nationen aber auch<br />
Abhängigkeiten. Ausserdem wird die globale Kriminalität ein immer grösseres<br />
Problem, z. B. Drogenhandel o<strong>der</strong> Terrorismus.<br />
2.1.5 Auswirkungen auf die Umwelt<br />
Das Hauptargument gegen die Globalisierung sind ihre ökologischen<br />
Auswirkungen. Die Bevölkerung wächst exponentiell, zudem erhöhen <strong>der</strong><br />
steigende Wohlstand und <strong>der</strong> schnelle Fortschritt in <strong>der</strong> Gesundheitsbranche<br />
die Lebenserwartung <strong>der</strong> Menschen. Um die Bedürfnisse <strong>der</strong> Menschen zu<br />
decken, müssen immer mehr Ressourcen abgebaut, mehr Ware rund um den<br />
49
Globus transportiert werden und mehr Betriebe geschaffen. All dies geschieht<br />
auf Kosten von natürlichen Ressourcen, die ein begrenztes Gut sind.<br />
2.1.6 Auswirkungen Kommunikation<br />
Die Globalisierung hat auch für die Kommunikation Vor- und Nachteile.<br />
Englisch gewinnt als internationale Sprache immer mehr an Bedeutung. Dies<br />
hat zwar den Vorteil, dass man sich mit Menschen von überall auf <strong>der</strong> Welt<br />
unterhalten kann. Es geraten dadurch aber viele alte Sprachen und Akzente<br />
in Vergessenheit. Auch die Digitalisierung, als Teil und Folge <strong>der</strong><br />
Globalisierung, vereinfacht die Kommunikation immens. Durch sie ist die<br />
ganze Welt mit nur einem Mausklick erreichbar. Doch auch dies kann<br />
Nachteile haben. Die berufliche und persönliche Situation sind entscheidende<br />
Faktoren, ob die Globalisierung für jemanden ein Vor- o<strong>der</strong> ein Nachteil ist.<br />
2.1.7 Vor- und Nachteile <strong>der</strong> Globalisierung<br />
Die Globalisierung bestimmt das Leben von uns allen. Sie spielt eine wichtige<br />
Rolle in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sie birgt viele Chancen, aber auch<br />
eine Menge Risiken:<br />
Vorteile<br />
Nachteile<br />
Internationaler Handel und globale<br />
Zusammenarbeit<br />
Schaffung von Arbeitsplätzen<br />
Verteilung des Wohlstands unter den<br />
Län<strong>der</strong>n<br />
Weltwirtschaft wächst stetig<br />
Innovationen sind allen zugänglich<br />
Weites Güterangebot und sinkende<br />
Preise<br />
Bessere Mobilität von Gütern und<br />
Personen<br />
Kommunikation mit Personen auf <strong>der</strong><br />
ganzen Welt<br />
Belastung <strong>der</strong> Umwelt<br />
Ausbeutung von Arbeitskräften (vor<br />
allem in Billiglohnlän<strong>der</strong>n)<br />
Ungerechte Verteilung des<br />
Wohlstandes und Vergrösserung <strong>der</strong><br />
Disparitäten<br />
Konkurrenzkampf um Konzerne<br />
Abhängigkeit von an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n<br />
Umzug von Unternehmen ins Ausland<br />
Verschärfung <strong>der</strong> globalen<br />
Kriminalität<br />
Internationale Probleme und Krisen<br />
50
Kulturen wachsen zusammen<br />
Verlust von Kulturen<br />
2.2 Logistik<br />
Wie in Modul 101 erklärt, wurde <strong>der</strong> Begriff Logistik erstmals im Jahr 1955 in<br />
den USA und im Jahr 1960 im europäischen Raum im wirtschaftlichen Sinne<br />
angewandt. Von da an wurde <strong>der</strong> Begriff "Logistik" für zahlreiche Bereiche<br />
angewendet. In <strong>der</strong> heutigen Zeit beschäftigt man sich mit <strong>der</strong> Frage: Was ist<br />
nicht mehr Logistik?<br />
2.2.1 Der Begriff <strong>der</strong> Logistik<br />
Der Begriff "Logistik" wurde mit den Jahren immer wie<strong>der</strong> neu und<br />
umfassen<strong>der</strong> definiert. Früher verstand man unter dem Begriff:<br />
"Das Verteilen von Gütern"<br />
Eine weitere Definition aus den vergangenen Jahren:<br />
"Die Logistik plant, gestaltet und kontrolliert den Materialfluss von <strong>der</strong><br />
Beschaffung über die Verteilung bis zur Entsorgung von Gütern mit allen<br />
dazu gehörigen Informationen."<br />
Heute wird <strong>der</strong> Begriff Logistik wesentlich umfassen<strong>der</strong> definiert:<br />
"Planen, Ausführen und Kontrolle von Material-, Informations-, Werte-,<br />
Personen- und Energieflüssen. Es gilt eine gewisse Menge in einer<br />
bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort zu schaffen. Teildisziplinen sind z. B.<br />
Beschaffungs-, Lager-, Transport-, Produktions-, Distributions- und<br />
Entsorgungslogistik."<br />
Quelle: www.grin.com<br />
Diese Definition enthält nebst den Bereichen Beschaffung, Produktion,<br />
Lagerung, Transport/Verteilung und Entsorgung auch die Faktoren Zeit und<br />
Effizienz.<br />
51
Lagerlogistik<br />
Die Standortwahl des Lagers, die Gestaltung des idealen Lagersystems, die<br />
Lagertechnik sowie die Lagerorganisation bestehen aus logistischen<br />
Massnahmen, die geplant, durchgeführt und kontrolliert werden müssen. Des<br />
Weiteren gehört auch <strong>der</strong> Betrieb eines Lagers zur Lagerlogistik.<br />
Transportlogistik<br />
Die Transportlogistik umfasst einerseits den physischen Transport von Gütern<br />
via Strasse, Luft und Wasser von einem Ort zum an<strong>der</strong>en. An<strong>der</strong>erseits<br />
gehören dazu auch die mit dem Transport einhergehenden Aufgaben wie<br />
die Bereitstellung von Frachtbriefen, Kalkulation <strong>der</strong> Transportzeit sowie<br />
Planung des Einsatzes von Transportmitteln, Technik und Arbeitskraft.<br />
Intralogistik<br />
Die Intralogistik bildet in <strong>der</strong> Regel die kompletten logistischen Prozesse an<br />
einem bestimmten Standort ab; dabei kann es sich sowohl um ein<br />
produzierendes Unternehmen als auch um ein Distributionszentrum handeln.<br />
Somit umfasst die Intralogistik je nach Kontext die Produktionslogistik, die<br />
Lagerlogistik, die Verpackungslogistik und die Distributionslogistik. Die<br />
gesamten Materialflüsse innerhalb eines Standorts bilden den Kern <strong>der</strong><br />
Intralogistik.<br />
Verpackungslogistik<br />
Die Verpackungslogistik beinhaltet die Verfügbarmachung sowie Entsorgung<br />
des Verpackungsmaterials und die Auswahl desselben in Bezug auf<br />
verschieden Kriterien: Kostenersparnis, Qualitätssicherung des Transportguts,<br />
Aufrechterhaltung einer Kühlkette, Umweltverträglichkeit. Durch die<br />
Einführung von Technologien wie RFID (?? Modul 801) ist <strong>der</strong><br />
Verpackungslogistik eine noch grössere Bedeutung zugekommen. Denn die<br />
neuen Technologien ermöglichen, mit <strong>der</strong> Verpackung nicht nur Waren zu<br />
transportieren, son<strong>der</strong>n auch Informationen zu übermitteln o<strong>der</strong> zu<br />
generieren. Dadurch ergibt sich eine Schnittmenge mit<br />
<strong>der</strong> Informationslogistik.<br />
52
Informationslogistik<br />
Die Logistik ist angewiesen auf Echtzeit-Informationen. Informationen müssen<br />
entsprechend des Materialflusses bzw. des Warentransports zur Verfügung<br />
gestellt werden. Der aktuelle Standort und <strong>der</strong> Zustand <strong>der</strong> Ware sollen zu<br />
je<strong>der</strong> Zeit an die richtige Person übermittelt werden können. Dafür braucht es<br />
auch eine strategische Planung und die Entwicklung aller<br />
Informationssysteme, die für den Austausch von Informationen und für die<br />
Abwicklung von Geschäftsprozessen notwendig sind. Hier kommt<br />
beispielsweise die Blockchain-Technologie zur Anwendung. Die<br />
Blockchain ist eine Technologie, die sichere, nicht manipulierbare<br />
Transaktionen im Netz ermöglicht. Sie wird im Supply Chain Management<br />
eingesetzt und gehört zum Teilbereich <strong>der</strong> Informationslogistik.<br />
Filiallogistik<br />
Unter Filiallogistik versteht man die regelmässige Belieferung von Filialen einer<br />
Handelskette. Insbeson<strong>der</strong>e im Lebensmitteleinzelhandel gibt es Tausende<br />
von schnelldrehenden Artikeln, die speziellen Anfor<strong>der</strong>ungen unterliegen, zum<br />
Beispiel bei <strong>der</strong> Anlieferung, <strong>der</strong> Lagerhaltung, <strong>der</strong> Abstellung von<br />
Mitarbeitern und dem Auffüllen von Regalen.<br />
Letzte-Meile-Logistik<br />
Im Versandhandel und im E-Commerce stellt die "Letzte Meile", also <strong>der</strong> Weg<br />
vom Verteilzentrum des Versanddienstleisters zur Lieferadresse des<br />
Endkunden, den teuersten, aufwändigsten und komplexesten Teil des<br />
gesamten Transportwegs dar. Die Zustellung auf <strong>der</strong> letzten Meile ist einerseits<br />
aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine logistische Herausfor<strong>der</strong>ung.<br />
An<strong>der</strong>erseits gibt es Herausfor<strong>der</strong>ungen aufgrund des erhöhten<br />
Verkehrsaufkommens innerhalb von Ortschaften und in Bezug auf<br />
umweltfreundlichere Lösungen. Z. B. sind mögliche Alternativen für Liefer- und<br />
Lastwagen in <strong>der</strong> Letzte-Meile-Logistik Lastenfahrrä<strong>der</strong>, Paketstationen o<strong>der</strong><br />
Microdepots in Innenstädten.<br />
2.3 Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />
Die Vielfalt <strong>der</strong> Aufgaben innerhalb <strong>der</strong> Logistikkette ist gross. Deshalb haben<br />
sich viele Betriebe auf bestimmte Aufgabengebiete spezialisiert. Die<br />
Mitarbeitenden besitzen für die Ausübung <strong>der</strong> vorgesehenen Funktionen die<br />
53
ichtigen Fähigkeiten. Das Unternehmen verfügt über die geeigneten<br />
Einrichtungen und das organisatorische Know-how. Jedes Unternehmen<br />
besitzt also Kernkompetenzen für bestimmte Aufgaben. Grosse Unternehmen<br />
schliessen sich mit Partnern zusammen, um den Kunden mehrere<br />
Logistikbereiche o<strong>der</strong> logistische Gesamtlösungen anbieten zu können.<br />
Damit die ursprünglichen Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik erreicht werden, ist<br />
eine funktionierende Prozesskette zentral. Die Prozesskette wird wie folgt<br />
aufgezeichnet:<br />
Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />
Jede Schnittstelle zu einem o<strong>der</strong> mehreren Partnern bedeutet eine grosse<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung. Qualität und Kundenorientierung müssen einheitlich<br />
verstanden werden.<br />
?? Merke: Die Prozesskette <strong>der</strong> Logistik kann oft nur in Zusammenarbeit mit<br />
einem Partner ausgeführt werden. Jede Schnittstelle kann auch eine<br />
Fehlerquelle sein.<br />
2.4 Supply Chain Management (SCM)<br />
Heute wird die Logistik in Verbindung gebracht mit dem englischen Begriff<br />
"Supply Chain Management". In <strong>der</strong> deutschen Übersetzung spricht man von<br />
einer Versorgungs-, Liefer- und Wertschöpfungskette. Diese kann wie folgt<br />
definiert werden:<br />
54
"Supply Chain Management (SCM) bzw. Lieferkettenmanagement, auch<br />
Wertschöpfungslehre genannt, bezeichnet die Planung und das<br />
Management (Verwalten) aller Aufgaben bei Lieferantenwahl, Beschaffung<br />
und Umwandlung sowie aller Bereiche <strong>der</strong> Logistik. Insbeson<strong>der</strong>e enthält es<br />
die Koordinierung und Zusammenarbeit <strong>der</strong> beteiligten Partner (Lieferanten,<br />
Händler, Logistikdienstleister, Kunden)."<br />
Der Begriff "Supply Chain Management" lässt sich nicht ohne weiteres vom<br />
Begriff "Logistik" abgrenzen. Der neue, englische Begriff wird aber nicht<br />
verwendet, um den etwas abgedroschenen Begriff "Logistik" zu ersetzen.<br />
Fachleute fassen den Begriff "Supply Chain" weiter und ordnen ihm die<br />
gesamte Wertschöpfungskette zu, nicht nur die Logistik.<br />
Am Anfang <strong>der</strong> Wertschöpfungskette stehen die Verhandlungen mit einem<br />
Lieferanten über den Preis und die Lieferkonditionen. Erst danach beginnt <strong>der</strong><br />
Prozess für die Logistiker, welche die Ware verpacken, transportieren, lagern,<br />
verteilen und irgendwann entsorgen. An<strong>der</strong>s formuliert beinhaltet <strong>der</strong> Begriff<br />
<strong>der</strong> Prozesskette die Aufgaben vom optimalen Güter- und Informationsfluss.<br />
SCM beinhaltet zusätzlich den optimalen Wertefluss und den direkten<br />
Kundenkontakt.<br />
55
Supply Chain Management - grafisch dargestellt<br />
Supply Chain Management<br />
Das Aufgabengebiet hat sich mit dem Supply Chain Management noch<br />
einmal vergrössert. Zur Aufgabe, das Produkt gemäss Anfor<strong>der</strong>ung an den<br />
Güterstrom zu liefern, kommen das Kunden- und Finanzmanagement hinzu.<br />
56
Modul 103_Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />
Ausgangslage<br />
Die Logistik hat sich in den vergangenen Jahren laufend verän<strong>der</strong>t. Die<br />
Digitalisierung und die Globalisierung haben Anpassungen verlangt. Die<br />
Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik sind dennoch sehr ähnlich geblieben, wenn<br />
nicht sogar gleich. Am Ende wird die Logistik durch den Kunden an ganz<br />
einfachen Kriterien gemessen.<br />
Ein Beispiel: Du hast soeben die neueste Spielkonsole bei einem Warenhaus<br />
online bestellt. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit du die Logistik in <strong>der</strong><br />
Lieferung als gut bewertest?<br />
-<br />
-<br />
-<br />
Besprich deine Kriterien mit einer zweiten Person. Ist die Meinung gleich?<br />
57
Fachartikel Modul 103<br />
3. Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />
Wir leben in einer Zeit, in <strong>der</strong> die Geschäftsprozesse effizient organisiert<br />
werden müssen, um dem Marktwachstum und den Kundenbedürfnissen<br />
gerecht zu werden. Entsprechend ist <strong>der</strong> Begriff Logistik sehr populär<br />
geworden. Früher wurden Lieferungen und Einzelhandelskäufe persönlich<br />
o<strong>der</strong> über Kanäle wie Fax, Telefon und Einschreiben getätigt. Die Technologie<br />
und die digitale Welt machen es heutzutage möglich, mit einem einzigen<br />
Mausklick einzukaufen. Die Unternehmen kommunizieren mit Hilfe von<br />
hochentwickelter Software miteinan<strong>der</strong>.<br />
Das Marketing nimmt eine neue Gestalt an. Geschäftsprozesse (betriebliche,<br />
organisatorische, verwaltungstechnische) werden unter strategischen<br />
Gesichtspunkten geplant. Die Strategie zielt darauf ab, die Kommunikation<br />
zwischen den Bereichen innerhalb des Unternehmens zu optimieren o<strong>der</strong><br />
zwischen internen und externen Parteien. Dadurch sollen die Produktion und<br />
<strong>der</strong> Vertrieb verbessert werden. Die Taktik dient dazu, plötzliche<br />
Verän<strong>der</strong>ungen auf dem Markt aufzugreifen, damit das Unternehmen<br />
angemessen darauf reagieren kann.<br />
Die Ressourcen werden optimiert, um die Kosten zu senken und gleichzeitig<br />
die Gewinne zu steigern. Das Unternehmen wird zu einer Organisation von<br />
Vermögenswerten und Kapital. Die Organisation wird bis ins kleinste Detail<br />
verwaltet, um das Geschäft erfolgreich zu machen.<br />
Nach den Grundsätzen <strong>der</strong> Betriebswirtschaftslehre erzielt ein Unternehmen<br />
dann Gewinne, wenn es wirksam und effizient arbeitet:<br />
• Wirksamkeit ist die Fähigkeit einer Einrichtung, die gesetzten Ziele innerhalb<br />
des festgelegten Zeitrahmens zu erreichen,<br />
• Effizienz ist die Erreichung von Zielen ohne Verschwendung von Ressourcen.<br />
Logistik ist die Gesamtheit <strong>der</strong> organisatorischen, verwaltungstechnischen und<br />
strategischen Tätigkeiten, die den Material- und damit zusammenhängenden<br />
Informationsfluss im Unternehmen regeln; vom Ursprung bei den Lieferanten<br />
bis zur Lieferung <strong>der</strong> fertigen Produkte an die Kunden und den Kundendienst.<br />
Mit an<strong>der</strong>en Worten: Die Unternehmenslogistik ist ein spezifischer Teil <strong>der</strong><br />
Lieferkette, dessen Aufgabe es ist, die Aktivitäten des Unternehmens und<br />
58
seine Beziehungen zur Aussenwelt zu optimieren, indem die Ressourcen<br />
optimiert und die Prozesse effektiv und effizient gestaltet werden.<br />
Zielsetzungen <strong>der</strong> Logistik<br />
Zielsetzung <strong>der</strong> Logistik<br />
Die wichtigsten Tätigkeiten <strong>der</strong> Logistik sind die Beschaffung von Material und<br />
Produktionsressourcen einschliesslich Humankapital, die Umwandlung von<br />
Ressourcen in Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen und <strong>der</strong> Vertrieb von Produkten<br />
o<strong>der</strong> Dienstleistungen auf dem Markt.<br />
3.1 Definition <strong>der</strong> Logistik<br />
Auch wenn <strong>der</strong> Begriff <strong>der</strong> Logistik leicht zu interpretieren ist, bietet die Society<br />
Of Logistic Engineers (S.O.L.E.) eine weitere Definition:<br />
"Logistik ist die Kunst und Wissenschaft <strong>der</strong> Organisation, Planung und<br />
technischen Tätigkeit in Bezug auf die Anfor<strong>der</strong>ungen, die Definition, die<br />
59
Versorgung und die Ressourcen, die zur Unterstützung von Zielen, Plänen und<br />
Operationen erfor<strong>der</strong>lich sind."<br />
Quelle: http://www.sole.org/<br />
3.2 Vereinfachte Darstellung <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Logistik<br />
Über die Jahre gab es in <strong>der</strong> Logistik verschiedene Definitionen von Aufgaben<br />
und Zielen, die erreicht werden sollen. Die Definitionen haben sich entwickelt<br />
und wurden immer umfangreicher.<br />
3.2.1 Ziel<br />
Das Ziel <strong>der</strong> Logistik lässt sich aus <strong>der</strong> Begriffsdefinition ableiten:<br />
Das Ziel <strong>der</strong> Logistik ist, den bestmöglichen Güter- und Datenfluss zu<br />
gewährleisten.<br />
3.2.2 Aufgaben<br />
Das anspruchsvolle Ziel kann die Logistik nur mit einer qualitativ hochwertigen<br />
Leistung erreichen, das heisst, sie muss folgende "R-Aufgaben" erfüllen:<br />
6R-Definition nach Prof. Jünemann:<br />
• Richtige Güter<br />
• Richtige Menge<br />
• Richtige Qualität<br />
• Richtige Zeit<br />
• Richtiger Ort<br />
• Richtige Kosten<br />
Zwei weitere "R" sind dazugekommen und gewinnen an Bedeutung:<br />
60
• Richtige Informationen<br />
• Richtige Kunden<br />
In <strong>der</strong> Logistik geht es also darum, Güter verfügbar zu machen. Die 6R zeigen,<br />
welche Aspekte einbezogen werden müssen, damit eine logistische Aufgabe<br />
erfolgreich ausgeführt werden kann.<br />
Die Entwicklung einer Logistik-Definition<br />
Jahrelang lag <strong>der</strong> Fokus <strong>der</strong> Logistik auf 4R, nämlich dem richtigen Produkt in<br />
<strong>der</strong> richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mittlerweile sind die<br />
Menge und die Kosten dazugekommen, um <strong>der</strong> reduzierten Fertigungstiefe<br />
gerecht zu werden (z. B. bei einer Just-in-Time-Produktion, ?? Modul 504). So<br />
haben sich die 6R als Kernelemente <strong>der</strong> Logistik etabliert.<br />
Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Heute wird auch von 7R (6R<br />
plus die richtige Information) o<strong>der</strong> 8R (6R plus die richtige Information und <strong>der</strong><br />
richtige Kunde) gesprochen. Von diesen Erweiterungen ist die Rede, weil die<br />
Steuerung und Bedeutung <strong>der</strong> logistischen Prozesse sowohl in <strong>der</strong> industriellen<br />
Fertigung als auch gesamtgesellschaftlich zunehmen.<br />
61
Modul 104_Warenfluss<br />
Ausgangslage<br />
Der Warenfluss (auch Güterfluss genannt) bezeichnet den Weg, den ein<br />
Produkt geht. Dieser Weg sollte möglichst übersichtlich, einfach und klar sein.<br />
62
Fachartikel Modul 104<br />
4. Warenfluss<br />
Im Modul 102 wurden die Begriffe Logistikprozess und Supply Chain<br />
Management (SCM) vertieft. Die Begriffe sind sich ähnlich und verfolgen eine<br />
ähnliche Zielsetzung. Ziele sind u. a. <strong>der</strong> optimale Warenfluss und die<br />
optimalen Güterströme. Damit diese Zielsetzung erreicht werden kann, muss<br />
<strong>der</strong> Warenfluss bekannt sein und optimal gestaltet werden. Allenfalls braucht<br />
es bei <strong>der</strong> Ausgestaltung eines Warenflusses Unterstützung durch einen<br />
Partner.<br />
Der Warenfluss innerhalb <strong>der</strong> Prozesskette <strong>der</strong> Logistik:<br />
Prozesskette <strong>der</strong> Logistik<br />
4.1 Beschaffung<br />
Die Beschaffung von Gütern ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, für welche<br />
die sogenannten Einkäufer zuständig sind. Einkäufer sind ausgebildete<br />
Fachkräfte, die nach den Gütern mit dem bestmöglichen Preis/Leistungs-<br />
Verhältnis suchen und mit den Lieferanten die Lieferbedingungen und -<br />
verträge aushandeln. Einkäufer sind dafür verantwortlich, dass ihren<br />
Unternehmen immer die richtigen Güter in hoher Qualität möglichst<br />
kostengünstig zur Verfügung stehen.<br />
63
Die Globalisierung und die neuen digitalen Möglichkeiten haben die<br />
Beschaffung zu einer grossen Herausfor<strong>der</strong>ung gemacht. Es ist nicht<br />
aussergewöhnlich, dass Lieferanten in an<strong>der</strong>en Zeitzonen o<strong>der</strong><br />
Sprachregionen sind.<br />
4.2 Produktion<br />
Die industrielle Produktion bedingt den Einsatz von Maschinen. Weil <strong>der</strong>en<br />
Anschaffung teuer ist, sollten sie voll ausgelastet werden. Das erfor<strong>der</strong>t eine<br />
genaue Planung und Steuerung des gesamten Produktionsprozesses. Die<br />
Maschinen müssen mit Rohstoffen "gefüttert" werden und das Hergestellte<br />
muss abtransportiert werden.<br />
Für die Produktionslogistik ist es eine grosse Herausfor<strong>der</strong>ung, die richtige<br />
Menge für den Produktionsprozess zu finden. Zu grosse Mengen können zu<br />
64
einer Überproduktion (Verstopfung) führen. Die Produktion von zu kleinen<br />
Mengen ist hingegen finanziell nicht interessant.<br />
4.3 Verteilung (Distribution)<br />
Die Verteilung <strong>der</strong> Güter vom Produzenten zum Endverbraucher nennt man<br />
Distribution. Sie ist auf verschiedene Arten möglich. Zum Beispiel verteilt die<br />
Post die adressierten Sendungen bis zum Adressaten, also bis zum<br />
Endverbraucher. Dies gilt auch für an<strong>der</strong>e Paket- und Service-Unternehmen.<br />
Beim Detailhandel hingegen werden nicht die Kunden direkt beliefert,<br />
son<strong>der</strong>n die Verkaufsstellen. Dort kann sich <strong>der</strong> Kunde die gewünschte Ware<br />
besorgen und diese mit nach Hause nehmen. Die Entwicklung im<br />
Strassentransport führt ständig zu neuen Herausfor<strong>der</strong>ungen.<br />
4.4 Entsorgung<br />
Die Entsorgung von Reststoffen ist <strong>der</strong> letzte Bereich in <strong>der</strong> Logistikkette. Nach<br />
Möglichkeit sollten Reststoffe <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung zugeführt werden, dem<br />
sogenannten Recycling. Die nicht wie<strong>der</strong>verwertbaren Stoffe werden in <strong>der</strong><br />
Regel verbrannt.<br />
65
Logistikbetriebe befassen sich täglich mit <strong>der</strong> fachgerechten Entsorgung von<br />
Reststoffen. Dies sind zum Beispiel Verpackungsmaterialien o<strong>der</strong> verbrauchte<br />
Gegenstände. Ein beson<strong>der</strong>es Augenmerk ist auf die Schadstoffe zu richten,<br />
die bei <strong>der</strong> Entsorgung vieler Produkte des täglichen Bedarfs anfallen.<br />
4.5 TUL-Prozesse<br />
Die unterstützenden Prozesse innerhalb des SCM werden TUL-Prozesse<br />
(Transport-, Umschlags- und Lagerprozesse) genannt. Der Unterschied zu den<br />
vorgängig beschriebenen Prozessen besteht darin, dass die TUL-Prozesse<br />
innerhalb und zwischen den Bereichen eine unterstützende Funktion<br />
wahrnehmen.<br />
4.5.1 TUL - Der Transport<br />
Güter können über verschiedene Verkehrsträger transportiert werden: Strasse,<br />
Schiene, Wasser und Luft. Je nach Verkehrsträger kommen an<strong>der</strong>e<br />
Transportmittel in Frage. Die Wahl des Verkehrsträgers und damit des<br />
Transportmittels erfolgt in <strong>der</strong> Regel nach den Kriterien Preis, Sicherheit,<br />
Geschwindigkeit und Effizienz. Mit <strong>der</strong> massiven Zunahme <strong>der</strong> Gütertransporte<br />
in den letzten Jahren haben zudem die ökologischen Kriterien<br />
(Umweltverträglichkeit) an Bedeutung gewonnen.<br />
66
4.5.2 TUL - Der Umschlag<br />
Wenn Güter entgegengenommen o<strong>der</strong> von einem Verkehrsmittel auf ein<br />
an<strong>der</strong>es umgeladen werden, spricht man von Güterumschlag.<br />
Güterumschlag heisst: Güter werden entladen, zwischengelagert und wie<strong>der</strong><br />
verladen.<br />
4.5.3 TUL - Die Lagerung<br />
Die fachgerechte Lagerung von Gütern ist eine zentrale Aufgabe innerhalb<br />
<strong>der</strong> Logistikkette. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Lagerarten und Systeme.<br />
Jedes Lager hat seinen ganz speziellen Charakter. Lagerform und technische<br />
Einrichtungen richten sich nach den Lagergütern und <strong>der</strong> Lagerdauer.<br />
67
4.6 Der Warenfluss als Dienstleister vers. Produzent<br />
Der Warenfluss kann unterschiedlich aussehen. Die richtige Reihenfolge ergibt<br />
sich aus <strong>der</strong> zu erfüllenden Aufgabe. Die Unterschiede werden ersichtlich,<br />
wenn man einen einfachen Warenfluss eines Dienstleisters und eines<br />
Produzenten vergleicht:<br />
4.6.1 Warenfluss Dienstleister<br />
Der Dienstleister kauft seine Güter ein und verkauft sie wie<strong>der</strong>. Er ist darauf<br />
spezialisiert, die richtigen Güter einzukaufen, sie werthaltend zu lagern und an<br />
den richtigen Kunden zu verkaufen.<br />
68
4.6.2 Warenfluss Produzent<br />
Im Gegensatz zum Dienstleister verän<strong>der</strong>t <strong>der</strong> Produzent das Produkt<br />
innerhalb des Warenflusses. Deshalb gehören zu seinen Aufgabenbereichen<br />
auch das Montieren o<strong>der</strong> das Produzieren. Das Produkt verän<strong>der</strong>t sich von<br />
einem Rohstoff o<strong>der</strong> einem Halbfabrikat im Wareneingang zu einem<br />
Halbfabrikat o<strong>der</strong> einem Fertigprodukt im Warenausgang.<br />
?? Merke: Ein Warenfluss ist sehr unternehmensspezifisch. Entsprechend gibt es eine<br />
grosse Vielfalt an Darstellungen und verwendeten Begriffen.<br />
4.7 Logistikgrössen<br />
Logistik braucht es dann, wenn Lieferanten etwas verkaufen und Kunden<br />
etwas kaufen wollen. Lieferanten sind Unternehmen, die Rohmaterial,<br />
Halbfabrikate o<strong>der</strong> Fertigfabrikate gegen Bezahlung liefern. Kunden sind<br />
Abnehmer dieser Güter, die dafür bezahlen. Selten ist ein Unternehmen nur<br />
Lieferant o<strong>der</strong> nur Kunde; die meisten sind beides. Bei genauer Betrachtung<br />
findet sich überall eine Art <strong>der</strong> Logistik, grosse und kleine, einfache und<br />
komplizierte. Auch ein Privathaushalt ist eigentlich eine Logistik, denn auch<br />
hier muss die Versorgung mit Alltagsgütern und die Entsorgung <strong>der</strong> Abfälle<br />
organisiert werden, und auch hier klappt das nur mit einer funktionierenden<br />
Kommunikation.<br />
69
Für die Einteilung <strong>der</strong> Logistik in verschiedene Grössen gibt es mehrere<br />
Fachbegriffe:<br />
1. Hersteller von Flurför<strong>der</strong>zeugen sprechen von einer Intralogistik. Dabei handelt<br />
es sich um eine interne Logistik vom Wareneingang bis zum Warenausgang.<br />
Diese Grösse <strong>der</strong> Logistik ist auch unter den Begriffen innerbetriebliche Logistik<br />
o<strong>der</strong> Mikrologistik bekannt.<br />
2. Entsteht eine Logistik zwischen mindestens zwei Unternehmen, wird diese<br />
unternehmensübergreifende Logistik o<strong>der</strong> Metalogistik genannt.<br />
3. Die Makrologistik o<strong>der</strong> die weltweite Logistik bezeichnen internationale o<strong>der</strong><br />
auch interkontinentale Güterbewegungen zwischen zwei Unternehmen.<br />
70
Modul 105_Güter<br />
Ausgangslage<br />
Der Warenfluss ist <strong>der</strong> Weg, den die Güter durchlaufen. Er wird beeinflusst vom<br />
Gut resp. dem Gegenstand, <strong>der</strong> transportiert wird. Aufgrund <strong>der</strong> Vielzahl<br />
unterschiedlicher Güter in <strong>der</strong> Logistik gibt es eine Vielzahl von<br />
unterschiedlichen Warenflüssen.<br />
Produkt:<br />
1. Notiere den Namen von einem Produkt aus deinem Lehrbetrieb,<br />
das beson<strong>der</strong>s einfach zu bearbeiten o<strong>der</strong> verarbeiten ist - ein<br />
Gegenstand, bei dem im Handling keine grösseren<br />
Herausfor<strong>der</strong>ungen bestehen. Notiere zudem, weshalb dieser<br />
Gegenstand keine grössere Herausfor<strong>der</strong>ung ist und begründe<br />
deine Wahl.<br />
Begründung:<br />
Produkt:<br />
2. Nicht alle Produkte sind einfach in <strong>der</strong> Handhabung. Oft<br />
werden Gegenstände transportiert, welche Logistiker und<br />
Logistikerinnen herausfor<strong>der</strong>n. Notiere einen Gegenstand aus<br />
deinem Lehrbetrieb, <strong>der</strong> die Logistik herausfor<strong>der</strong>t und<br />
begründe deine Wahl.<br />
Begründung:<br />
Produkt:<br />
3. Sprich dich mit deinem Pultnachbar, deiner Pultnachbarin ab.<br />
Was für Antworten hat er/sie notiert? Notiere das Produkt des<br />
Pultnachbars, <strong>der</strong> Pultnachbarin und schreibe Gründe auf,<br />
weshalb dieses die Logistik vor Herausfor<strong>der</strong>ungen stellt.<br />
Begründung:<br />
71
Fachartikel Modul 105<br />
5. Güter<br />
Der Begriff "Güter" bezeichnet die physischen Gegenstände, mit denen<br />
Logistik betrieben wird. Güter werden auch Artikel, Waren o<strong>der</strong> Produkte<br />
genannt. Der Umgang mit <strong>der</strong> grossen Vielfalt an Gütern ist die grösste<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Logistik. Einige Beispiele für Güter mit speziellen<br />
Eigenschaften:<br />
Mini-Schrauben ab<br />
0.6mm<br />
Traktoren-Pneu 2.32 m<br />
Durchmesser<br />
Unter Druck stehende<br />
Gasflaschen<br />
5.1 Eigenschaften und Handhabung von Gütern<br />
Alle Güter haben spezifische Eigenschaften, die bei <strong>der</strong> Handhabung zu<br />
berücksichtigen sind. Äpfel sind zum Beispiel von Natur aus ver<strong>der</strong>blich, druckund<br />
temperaturempfindlich. Weil Druckstellen ihr Ver<strong>der</strong>ben beschleunigen,<br />
erfor<strong>der</strong>n Äpfel eine beson<strong>der</strong>s schonende Handhabung. Technische<br />
Hilfsmittel, die bei <strong>der</strong> Handhabung von Äpfeln eingesetzt werden, müssen so<br />
konstruiert sein, dass sie ihnen nicht schaden. An<strong>der</strong>e Güter erfor<strong>der</strong>n an<strong>der</strong>e<br />
technische Hilfsmittel.<br />
72
Bei <strong>der</strong> Auswahl <strong>der</strong> Hilfsmittel sind folgende Gütereigenschaften zu<br />
berücksichtigen:<br />
• Abmessung, Volumen<br />
• Dichte (spezifisches Gewicht)<br />
• Aggregatzustand (gasförmig, flüssig, fest)<br />
• Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />
• Zerbrechlichkeit<br />
• Stapelbarkeit<br />
• Wert (diebstahlsichere Lagerung)<br />
Die Anfor<strong>der</strong>ungen an eine sorgfältige Handhabung <strong>der</strong> Güter sind fast so<br />
zahlreich wie die Güter selbst. Jede Branche hat eigene Bestimmungen für<br />
den Umgang mit ihren Gütern.<br />
5.2 Verarbeitungsgrad<br />
Im Verlaufe des Produktionsprozesses durchlaufen die meisten Güter mehrere<br />
Verarbeitungsstufen. Bei je<strong>der</strong> Verarbeitungsstufe können an<strong>der</strong>e<br />
Eigenschaften zu berücksichtigen sein. Je nach Verarbeitungsgrad werden<br />
die Güter in Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate eingeteilt.<br />
5.2.1 Rohstoffe<br />
Rohstoffe sind unbearbeitete Güter. Die sogenannten "Primären Rohstoffe"<br />
stammen direkt aus <strong>der</strong> Natur, wie zum Beispiel die Bodenschätze Eisenerz,<br />
Erdöl und Kohle. Auch Holz, Sand, Wasser usw. können als Rohstoffe genutzt<br />
werden. "Sekundäre Rohstoffe" sind jene Rohstoffe, die man aus Abfällen<br />
(Recycling) wie<strong>der</strong>gewonnen hat.<br />
Sandabbau in Indonesien = Primärer<br />
Rohstoff<br />
PET Recycling = Sekundärer<br />
Rohstoff<br />
73
5.2.2 Halbfabrikate<br />
Halbfabrikate sind Rohstoffe, die soweit bearbeitet worden sind, dass sie<br />
weiterverwendet werden können (z. B. Stahl und Holzbretter). Auch das Mehl<br />
zum Brotbacken ist ein Halbfabrikat, gewonnen aus dem Rohstoff Getreide.<br />
Auch Salz ist im Grunde genommen ein Rohstoff. Das im Brot verwendete<br />
Haushaltsalz ist jedoch ein Halbfabrikat o<strong>der</strong> gar ein Fertigprodukt, denn es<br />
wurde gereinigt, allenfalls mit Fluor versetzt und abgepackt. Auch<br />
elektronische Bauteile sind Halbfabrikate, weil es verschiedene davon<br />
braucht, damit ein funktionierendes Gerät zusammengebaut werden kann.<br />
Bretter aus Fichte<br />
5.2.3 Fertigwaren<br />
Als Fertigwaren werden jene Produkte bezeichnet, die keine weitere<br />
Verarbeitungsstufe mehr benötigen, damit sie dem Endverbraucher dienen<br />
können. Es gibt sie in einer riesigen Auswahl, vom einfachen Brot bis zur<br />
hochkomplizierten Maschine. Heutzutage sind auch viele Güter des täglichen<br />
Bedarfs Fertigprodukte, zum Beispiel die Tiefkühlpizza.<br />
Beispiel eines Fertigproduktes: Der Fernseher<br />
74
5.2.4 Verarbeitungsgrad beurteilen<br />
Je nach Betrachter kann die Wahrnehmung des Verarbeitungsgrads eines<br />
Produktes unterschiedlich sein.<br />
Wenn man das Ziel hat, Apfelsaft zu erstellen, beurteilt man den Apfel als<br />
Rohstoff. Was aber, wenn <strong>der</strong> Apfel direkt vom Baum gepflückt und gegessen<br />
wird? Dann kann das Produkt als Fertigware bezeichnet werden.<br />
Merke: Der Verarbeitungsgrad kann je nach Sicht des Betrachters<br />
unterschiedlich sein.<br />
5.3 Kriterien für die Lagerfähigkeit von Gütern<br />
Die Eigenschaften eines Gutes sind für die Lagerung von grundsätzlicher<br />
Bedeutung. Die Wahl des Lagerortes wird im Wesentlichen von drei Kriterien<br />
bestimmt:<br />
• Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />
• Gefährlichkeit<br />
• Handhabung<br />
Ver<strong>der</strong>blichkeit Gefährlichkeit Handhabung<br />
75
Unter Umständen müssen bei <strong>der</strong> Wahl des Lagerortes mehrere Eigenschaften<br />
gleichzeitig berücksichtigt werden. Gefährliche Güter können zum Beispiel<br />
ebenfalls ver<strong>der</strong>blich sein.<br />
5.4 Ver<strong>der</strong>blichkeit<br />
Lagergüter können durch eine Vielzahl von Einflüssen ver<strong>der</strong>ben. Äussere<br />
Einflüsse führen zu einer spontanen Schädigung o<strong>der</strong> langsamen Zerstörung<br />
des Lagerguts. Typische spontane Einflüsse sind:<br />
• mechanische Einflüsse (Stoss, Fall, Druck)<br />
• Hitze<br />
• Kälte<br />
• Nässe<br />
• elektrostatische Entladung (ESD)<br />
Spontane Beschädigungen geschehen meistens nicht während <strong>der</strong><br />
Lagerung, son<strong>der</strong>n bei <strong>der</strong> Annahme, <strong>der</strong> Kontrolle, während des<br />
innerbetrieblichen Transportes o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Einlagerung. Durch eine sorgfältige<br />
Arbeitsweise lassen sich viele Schäden vermeiden.<br />
5.4.1 Mechanische Einflüsse (Stoss, Fall, Druck)<br />
Vor allem im Verlauf des Transportes sind Güter mechanischen Belastungen<br />
ausgesetzt. Aufgrund <strong>der</strong> Transportbewegung wirken Kräfte auf das Gut ein:<br />
Es kann anstossen, umstürzen o<strong>der</strong> abstürzen. Durch geeignete<br />
Sicherungsmassnahmen können Schäden vermieden werden. Hochwertige<br />
Güter können bereits durch eine zu grosse Neigung beschädigt o<strong>der</strong> zerstört<br />
werden, z. B. eine empfindliche Maschine. Auch die Beschädigung von<br />
Lagergütern durch harte o<strong>der</strong> spitze Gegenstände gilt als mechanischer<br />
Einfluss. Insbeson<strong>der</strong>e mit den Gabelzinken von Staplern werden immer<br />
wie<strong>der</strong> Schäden angerichtet.<br />
5.4.2 Hitze<br />
Temperaturempfindliche Güter können durch Hitze rasch zerstört werden.<br />
Je<strong>der</strong> und jede kennt es: Das Softeis zerfliesst in <strong>der</strong> sommerlichen Wärme so<br />
rasch, dass man mit dem Verzehr kaum nachkommt. Im Lagerbereich kann<br />
Hitzeeinwirkung gravierende Folgen haben. Wenn gekühlte Güter zu lange<br />
einer zu hohen Temperatur ausgesetzt sind bzw. zu wenig gekühlt werden,<br />
können sie unbrauchbar werden. Beispiele dafür sind Milch- o<strong>der</strong><br />
76
Fleischprodukte. Güter, die durch einen Unterbruch in <strong>der</strong> sogenannten<br />
Kühlkette zu warm angeliefert werden, können gar nicht erst angenommen<br />
werden.<br />
5.4.3 Kälte<br />
Ähnlich wie die Hitze kann auch Kälte Schäden anrichten. Gewisse Gemüse<br />
und Südfrüchte, aber auch Blumen vertragen keine Minustemperaturen.<br />
Auch wenn diese Produkte den Minustemperaturen nur kurz ausgesetzt sind,<br />
können Teile davon gefrieren. Der darauf folgende "Gefrierbrand" macht die<br />
Produkte unbrauchbar. Logistikerinnen und Logistiker achten darauf, dass die<br />
Güter immer in dem für sie idealen Temperaturbereich verbleiben und keinen<br />
schädlichen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden.<br />
5.4.4 Nässe<br />
Die spontane Einwirkung von Feuchtigkeit und Nässe zerstört Lagergüter<br />
rasch. Sie müssen entwe<strong>der</strong> durch die Verpackung geschützt werden o<strong>der</strong><br />
dürfen <strong>der</strong> Feuchtigkeit und Nässe gar nicht ausgesetzt werden. Regen<br />
zerstört Güter ebenso wie eine unabsichtlich ausgelöste Sprinkleranlage.<br />
Vor nässe schützen<br />
5.4.5 Elektrostatische Entladung (ESD)<br />
Die meisten haben schon in irgendeiner Form mit elektrostatischer Entladung<br />
Erfahrungen gemacht. Vor allem im Winter, wenn im Innern <strong>der</strong> Gebäude die<br />
Luft trocken ist, zucken wir oft beim Berühren einer Türfalle zusammen, weil wir<br />
einen elektrischen Schlag verspüren, o<strong>der</strong> die Haare stellen sich beim<br />
Kämmen auf und knistern. Der Mensch erzeugt dauernd elektrostatische<br />
Aufladung, die sich bei Erdkontakt wie<strong>der</strong> entlädt. Dieses Phänomen ist unter<br />
dem Begriff Electrostatic Discharge (ESD) bekannt. Elektronische Bauteile wie<br />
Mikroprozessoren o<strong>der</strong> Transistoren (sogenannte Halbleiter) können durch ESD<br />
77
zerstört werden. Überall, wo solche Bauteile gelagert, eingebaut o<strong>der</strong><br />
transportiert werden, müssen deshalb Schutzmassnahmen ergriffen werden.<br />
Mitarbeitende, die elektronische Teile anfassen, müssen geerdet sein. Die<br />
wichtigste Regel für den Logistikbereich: Elektronische Bauteile nur wenn nötig<br />
aus <strong>der</strong> Schutzverpackung nehmen.<br />
Vorsicht ESD<br />
5.5 Ver<strong>der</strong>blichkeit durch langandauernde Einflüsse<br />
Während sich die Beschädigung von Gütern durch spontane äussere Einflüsse<br />
mit Sorgfalt verhin<strong>der</strong>n lässt, sind lang andauernde schädliche Einflüsse nicht<br />
immer zu erkennen. Ob eine äussere Einwirkung Schaden anrichtet o<strong>der</strong><br />
nicht, ist von den Eigenschaften des Lagergutes abhängig. Das Wissen um die<br />
Empfindlichkeit <strong>der</strong> Güter bildet deshalb die Grundlage für eine schadenfreie<br />
Lagerung. Schäden können vor allem die folgenden Einflüsse anrichten:<br />
• Stapeldruck<br />
• falsche Lagertemperatur<br />
• unzuträgliche Luftfeuchtigkeit (zu feucht o<strong>der</strong> zu trocken)<br />
• Lichteinfluss<br />
• Alterung<br />
• Schädlinge<br />
• gegenseitige Beeinflussung von Lagergütern<br />
5.5.1 Stapeldruck<br />
Beim Aufeinan<strong>der</strong>stapeln von Gütern entsteht Stapeldruck. In Blöcken dürfen<br />
deshalb nur Waren gelagert werden, die gegen Druck unempfindlich sind.<br />
Güter können durch Stapeldruck beschädigt werden, wenn das Gewicht des<br />
Stapels zu gross ist o<strong>der</strong> durch ungenaue Stapelung Druckstellen entstehen.<br />
78
Spezielle Aufmerksamkeit bei <strong>der</strong> Blockstapelung benötigen Säcke. Diese<br />
können im Extremfall platzen. Aufmerksame Mitarbeitende achten auf<br />
zerdrückte Verpackungen o<strong>der</strong> schiefe Stapel und verhin<strong>der</strong>n Schaden durch<br />
rechtzeitigen Abbau. Gemüse o<strong>der</strong> Früchte dürfen nur in stabilen Behältern<br />
aufeinan<strong>der</strong>gestapelt werden. Diese Behälter dürfen nur so stark gefüllt<br />
werden, dass sie den Inhalt vollständig schützen.<br />
Max. 8 Lagen stapeln<br />
5.5.2 Lagertemperatur<br />
Nicht konservierte Lebensmittel können nur in klimatisierten, gekühlten o<strong>der</strong><br />
tiefgekühlten Lagern aufbewahrt werden. Die Temperatur richtet sich nach<br />
den Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Produkte. Dabei gelten heute folgende Richtwerte:<br />
Fleisch- und Wurstwaren: 0 bis +2° C<br />
Milchprodukte: +2 bis +4° C<br />
Früchte und Gemüse: +4 bis +6° C<br />
Vorräume von Tiefkühllagern: +4 bis +6° C<br />
Tiefkühlprodukte: unter <strong>–</strong>18° C<br />
Was bewirkt die Kühlung?<br />
Organische Stoffe, zu denen auch die Lebensmittel gehören, werden von<br />
Bakterien und Pilzen angegriffen o<strong>der</strong> zersetzt und damit ungeniessbar. Diese<br />
Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) brauchen zur Ausbreitung Wärme und<br />
Feuchtigkeit. Durch Kühlung wird die Vermehrung von Bakterien und Pilzen<br />
stark eingeschränkt. Bei Temperaturen unter <strong>–</strong>18° C kommt die Ausbreitung<br />
völlig zum Stillstand. Die Bakterien o<strong>der</strong> Pilze sterben dabei aber nicht ab,<br />
son<strong>der</strong>n fallen in eine Art Winterschlaf. Sobald die Temperatur steigt,<br />
79
erwachen diese Kleinstlebewesen wie<strong>der</strong>, und die Vermehrung beginnt von<br />
Neuem. Tiefgekühlte Lebensmittel dürfen deshalb nach dem Auftauen nicht<br />
wie<strong>der</strong> eingefroren werden. Es wird unterschieden zwischen Kühlen und<br />
Tiefkühlen:<br />
• Kühlen 0-5 o C<br />
• Tiefkühlen -18 o C<br />
5.5.3 Luftfeuchtigkeit<br />
Mit dem Begriff "Luftfeuchtigkeit" ist <strong>der</strong> Anteil Wasser pro Kubikmeter Luft<br />
gemeint. Die Fachleute sprechen von relativer Luftfeuchtigkeit, weil <strong>der</strong><br />
Wasseranteil nicht konstant, son<strong>der</strong>n von <strong>der</strong> Temperatur abhängig ist.<br />
Konkret: Warme Luft hat die Fähigkeit, wesentlich mehr Wasser aufzunehmen<br />
als kalte. Dadurch entsteht im Winter auch die trockene Luft in <strong>der</strong> Wohnung.<br />
Durch Lüften kann kalte Luft einströmen, <strong>der</strong>en Luftfeuchtigkeit sehr hoch sein<br />
kann, wenn es draussen regnet o<strong>der</strong> schneit. Durch die Erwärmung nimmt die<br />
Fähigkeit <strong>der</strong> Luft erheblich zu, Flüssigkeit zu speichern, also sinkt die relative<br />
Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit zur Temperatur.<br />
Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Feuchtigkeitsempfindliche Produkte nehmen die<br />
Feuchtigkeit aus <strong>der</strong> Luft auf. In <strong>der</strong> Fachsprache reagieren sie<br />
"hygroskopisch". Ein solches Produkt ist z. B. Papier. Durch hygroskopische<br />
Reaktionen können aber auch pulverförmige Stoffe verklumpen (z. B. Zucker).<br />
Den Verpackungen elektronischer Geräte werden oft Beutel mit einem<br />
Trockenmittel beigegeben. Dieses Trockenmittel (in <strong>der</strong> Regel Silica-Gel o<strong>der</strong><br />
Trockenton) kann Feuchtigkeit aufnehmen und schützt so den<br />
Verpackungsinhalt.<br />
Trockenbeutel<br />
Zu niedrige Luftfeuchtigkeit: Nicht nur durch zu hohe, son<strong>der</strong>n auch durch zu<br />
niedrige Luftfeuchtigkeit können Lagergüter Schaden nehmen. Insbeson<strong>der</strong>e<br />
80
Früchte und Gemüse brauchen eine Luftfeuchtigkeit von etwa 90 Prozent, um<br />
nicht zu schrumpfen. Der Gewichtsverlust durch Schrumpfung muss bei <strong>der</strong><br />
Lagerung beachtet werden. Eine zu starke Schrumpfung macht Lagergüter<br />
unbrauchbar. Holz kann beispielsweise rissig werden.<br />
5.5.4 Licht<br />
Durch Lichteinfluss ver<strong>der</strong>ben insbeson<strong>der</strong>e öl- und fetthaltige Lagergüter.<br />
Schädlich ist vor allem die mit dem Tageslicht einfallende ultraviolette<br />
Strahlung. Zum Beispiel verän<strong>der</strong>t Fett durch den Einfluss von Licht und Luft<br />
den Geschmack - es oxidiert und wird ranzig. Kunststoffe o<strong>der</strong> Gummi können<br />
durch Tageslicht brüchig werden. Durch Lichtabschluss können solche<br />
Lagerschäden verhin<strong>der</strong>t werden.<br />
5.5.5 Alterung<br />
Lagergüter können <strong>–</strong> ohne schädliche Einflüsse <strong>–</strong> auch allein durch Alterung<br />
an Wert verlieren o<strong>der</strong> unbrauchbar werden. Ein Produkt, das zu lange am<br />
Lager liegt, kann unter Umständen nicht mehr verkauft werden, weil es nicht<br />
mehr aktuell ist. Dies gilt vor allem für Trend-Produkte. Es gibt aber auch<br />
Produkte (z. B. Wein, Whisky), die gelagert werden, um zu altern. Erst nach<br />
einigen Jahren richtiger Lagerung erreichen sie ihren vollen Wert.<br />
5.5.6 Schädlinge<br />
Die Einwirkung von Schädlingen ist in jedem Lager ein Thema. Wer glaubt, nur<br />
Lager in unterentwickelten Län<strong>der</strong>n seien betroffen, irrt. Drei Gruppen von<br />
Schädlingen können Lagergüter negativ beeinflussen:<br />
81
• Pilze, Sporen und Bakterien (Schimmel, Fäulnis etc.) = Mikroorganismen<br />
(Kleinstlebewesen)<br />
• Insekten (Käfer, Motten usw.)<br />
• Kleinsäuger (Mäuse, Ratten)<br />
Durch bauliche Massnahmen, gute Hygiene, optimale Lagerbedingungen<br />
und stetige Kontrolle des Lagergutes lässt sich Schädlingsbefall einschränken<br />
aber nie ganz ausschliessen. Pilzsporen und Insektenlarven werden zuweilen<br />
mit dem Lagergut eingeschleppt. Die Larven entwickeln sich zu Insekten,<br />
sobald die Lagerbedingungen für die Vermehrung günstig sind. Die<br />
Vermehrung verläuft manchmal rasend schnell. Die Forschung arbeitet<br />
laufend an neuen Techniken zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen.<br />
So wurde <strong>der</strong> Einsatz von Schlupfwespen (Nützlinge) gegen Larven von<br />
Brotkäfern und Dörrobstmotten in Getreidesilos erfolgreich getestet.<br />
5.5.7 Gegenseitige Beeinflussung von Lagergütern<br />
Organische Lagergüter (z. B. Lebensmittel) können sich bei <strong>der</strong> Lagerung<br />
gegenseitig beeinflussen. Äpfel son<strong>der</strong>n zum Beispiel ein Reifegas ab, das<br />
auch an<strong>der</strong>e Früchte rasch nachreifen lässt. An<strong>der</strong>e Lebensmittel (z. B.<br />
unverpackte Backwaren) nehmen leicht Fremdgerüche an.<br />
5.6 Schutz des Lagergutes<br />
Seit jeher versuchen die Menschen, ihre Lebensmittel länger haltbar zu<br />
machen. Dabei entwickelten unsere Vorfahren Methoden, die sich bis heute<br />
gehalten haben und teilweise wie<strong>der</strong> neu aufgenommen werden.<br />
Herkömmliche Konservierungsmethoden:<br />
5.6.1 Trocknen<br />
Trocknen ist eine <strong>der</strong> ältesten Methoden, um Fleisch, Fisch und Früchte haltbar<br />
zu machen. Dörrfrüchte kennen wir alle als willkommene Zwischenmahlzeit<br />
und Trockenfleisch ist eine Spezialität. Getrockneter Fisch ist bei uns weniger<br />
verbreitet. Im hohen Norden diente jedoch Stockfisch, wie er dort genannt<br />
wird, grossenteils als Wintervorrat und als Reiseproviant auf Schiffen.<br />
82
Trockenfleisch<br />
5.6.2 Pökeln (Salzen)<br />
Das Fleisch wird entwe<strong>der</strong> mit Salz (Trockenpökeln) o<strong>der</strong> mit Salzlake<br />
(Nasspökeln) eingerieben. Wohl das bekannteste Beispiel für gepökeltes<br />
Fleisch ist die Salami (Italienisch : salame = Salzfleisch, Salzwurst).<br />
5.6.3 Räuchern<br />
Fleisch aber auch an<strong>der</strong>e Lebensmittel werden dem Rauch eines Holzfeuers<br />
ausgesetzt. Die im Rauch enthaltenen Substanzen und die Reduktion des<br />
Wasseranteils machen das Räuchergut haltbar. Speck, Schinken o<strong>der</strong> Würste<br />
werden durch das Räuchern nicht nur konserviert, son<strong>der</strong>n erhalten zudem<br />
einen speziellen rauchigen Geschmack.<br />
Industrielle Räucherung von Würsten<br />
5.6.4 Pasteurisieren<br />
Die Pasteurisation wurde vom französischen Wissenschaftler Louis Pasteur<br />
erfunden. Sie wird im Haushalt angewendet, wenn Früchte eingekocht<br />
werden. Das Lagergut wird in einen Behälter eingeschlossen. Die<br />
anschliessende Erhitzung auf etwa 70° C tötet die meisten Mikroorganismen<br />
83
ab. Bis zur Öffnung des Behälters können sich Bakterien nicht mehr vermehren.<br />
Pasteurisiert werden viele Lebensmittel, unter an<strong>der</strong>em Milch, Käse o<strong>der</strong><br />
Fruchtsäfte.<br />
Pasteurisieren von Milch<br />
5.6.5 Sterilisieren<br />
Die zu sterilisierende Gegenstände werden auf bis zu 120° C erhitzt. Bei dieser<br />
Temperatur sterben alle Bakterien ab. Allerdings werden bei Lebensmitteln<br />
dadurch auch die meisten Vitamine zerstört.<br />
Neuzeitliche Konservierungsmethoden:<br />
5.6.6 Kühlen<br />
Wo nicht konservierte Lebensmittel gelagert o<strong>der</strong> verarbeitet werden, sind die<br />
Räume in <strong>der</strong> Regel gekühlt o<strong>der</strong> zumindest klimatisiert. Die Temperatur richtet<br />
sich nach den Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Produkte.<br />
5.6.7 Tiefkühlen<br />
Die mo<strong>der</strong>ne Küche wäre ohne Tiefkühlprodukte kaum mehr denkbar.<br />
Insbeson<strong>der</strong>e Fisch und Fleisch aber auch Gemüse, Früchte und vorgekochte<br />
Menus werden möglichst frisch tiefgefroren. Tiefkühllager entsprechen dem<br />
Bedürfnis <strong>der</strong> heutigen Zeit, verbrauchen aber eine beachtliche Menge<br />
Energie.<br />
5.6.8 Vakuumieren<br />
Vakuum stammt vom lateinischen Begriff "vacuus" ab, was "leer" o<strong>der</strong> "frei"<br />
bedeutet. Beim Vakuumieren wird ein Produkt in einen Kunststoffbeutel<br />
gepackt, aus dem die Luft abgesaugt wird. Das Entziehen <strong>der</strong> Luft sorgt dafür,<br />
dass Mikroorganismen keinen Sauerstoff vorfinden. Mit diesem Verfahren<br />
84
werden beispielsweise Würste o<strong>der</strong> geschnittene Wurstwaren haltbar<br />
gemacht.<br />
5.6.9 Verpacken unter Schutzatmosphäre<br />
Bei Charcuterie wird die Vakuumverpackung zunehmend durch die<br />
Einlagerung unter Schutzatmosphäre ersetzt. Das Produkt wird ebenfalls in<br />
einen Kunststoffbeutel gepackt. Die im Beutel enthaltene Luft wird vor dem<br />
Verschweissen durch ein Schutzgas ersetzt. Als Schutzgas werden sogenannte<br />
Inertgase verwendet. "Inert" bedeutet "unbeteiligt", "inaktiv". Das Inertgas<br />
verhin<strong>der</strong>t also, dass in <strong>der</strong> Verpackung unerwünschte Alterungsprozesse in<br />
Gang kommen. Der Inhalt sieht nicht so "zerdrückt" aus wie in <strong>der</strong> Vakuum-<br />
Verpackung.<br />
5.6.10 CA-Lagerung<br />
Sie wird vor allem für die Lagerung von Früchten angewendet. CA steht für<br />
"Controlled Atmosphere". Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Zusammensetzung<br />
<strong>der</strong> Luft werden auf einem konstanten Wert gehalten. Die Reifungsprozesse<br />
werden verlangsamt, indem <strong>der</strong> Sauerstoffanteil in <strong>der</strong> Luft verringert wird und<br />
<strong>der</strong> Kohlendioxidanteil erhöht. Entwe<strong>der</strong> können die Werte eingestellt werden<br />
- o<strong>der</strong> sie entstehen nach einiger Zeit von selbst in einem gasdichten Raum,<br />
denn bei <strong>der</strong> Reifung <strong>der</strong> Früchte wird Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid<br />
erzeugt.<br />
5.6.11 ULO-Lagerung<br />
ULO steht für "Ultra Low Oxygen". Das ULO-Lager ist eine Weiterentwicklung<br />
des CA-Lagers. Wie <strong>der</strong> Name sagt, wird <strong>der</strong> Sauerstoffgehalt extrem knapp<br />
gehalten, das heisst an <strong>der</strong> für die biologische Reifeaktivität notwendigen<br />
Mindestgrenze. Die Reifung <strong>der</strong> Früchte wird dadurch extrem verlangsamt.<br />
5.7 Gefährlichkeit<br />
Die Anfor<strong>der</strong>ungen an die Lagerung ergeben sich aus <strong>der</strong> Art <strong>der</strong><br />
Gefährdung. Die Lagerung gefährlicher Güter wird in Modul 405 detailliert<br />
behandelt.<br />
85
Die Gefahrensymbole ab 2012<br />
Vorsicht/Gefährlich Hochentzündlich Brandför<strong>der</strong>nd<br />
Kann die Haut irritieren,<br />
Allergien o<strong>der</strong> Ekzeme<br />
auslösen, Schläfrigkeit<br />
verursachen, nach<br />
einmaligem Kontakt<br />
Vergiftungen auslösen,<br />
die Ozonschicht<br />
schädigen.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Geschirrspültabs<br />
• Reinigungsmittel<br />
• Javelwasser<br />
Kann sich durch den<br />
Kontakt mit Flammen und<br />
Funken, durch Schläge,<br />
Reibung, Erhitzung sowie<br />
Luft- o<strong>der</strong> Wasserkontakt<br />
entzünden. Kann sich bei<br />
falscher Lagerung auch<br />
selbst entzünden.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Grillanzün<strong>der</strong><br />
• Lampenöle<br />
• Spraydosen<br />
• Lösungsmittel<br />
Kann Brände<br />
verursachen o<strong>der</strong><br />
beschleunigen. Setzt<br />
beim Brand Sauerstoff<br />
frei, lässt sich nur mit<br />
speziellen Mitteln<br />
löschen. Ein Ersticken<br />
<strong>der</strong> Flammen ist<br />
unmöglich.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Bleichmittel<br />
• Wasserstoffperoxid<br />
Explosiv Gas unter Druck Gewässergefährdend<br />
Kann explodieren<br />
durch Kontakt mit<br />
Flammen o<strong>der</strong> Funken,<br />
nach Schlägen,<br />
Reibung o<strong>der</strong> Erhitzung.<br />
Kann bei falscher<br />
Enthält komprimierte,<br />
verflüssigte o<strong>der</strong> gelöste<br />
Gase. Geruchlose o<strong>der</strong><br />
unsichtbare Gase können<br />
unbemerkt entweichen<br />
und Behälter mit<br />
Kann<br />
Wasserorganismen<br />
(Fische, Wasserinsekten,<br />
Wasserpflanzen) in<br />
geringer Konzentration<br />
akut o<strong>der</strong> durch<br />
86
Lagerung auch ohne<br />
Fremdeinwirkung zu<br />
Explosionen führen.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Sprengstoff<br />
• Nitroglycerin<br />
komprimierten Gasen<br />
durch Hitze o<strong>der</strong><br />
Verformung bersten.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Propan-/Butangasflaschen<br />
• CO2-Flaschen (für<br />
Sodawasser)<br />
Langzeitwirkung<br />
schädigen.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Schimmelentferner<br />
• Insektensprays<br />
• Motorenöle<br />
• Schwimmbadchemikalien<br />
Ätzend Gesundheitsschädigend Hochgiftig<br />
Kann schwere<br />
Hautverätzungen und<br />
Augenschäden<br />
verursachen sowie<br />
bestimmte Materialien<br />
(etwa<br />
Textilien)auflösen. Ist<br />
schädlich für Tiere,<br />
Pflanzen und<br />
organisches Material<br />
je<strong>der</strong> Art.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Backofenreiniger<br />
• Entkalker<br />
• starke<br />
Reinigungsmittel<br />
• Abflussreiniger<br />
Kann bestimmte Organe<br />
schädigen, zu sofortiger<br />
und langfristig<br />
Beeinträchtigung <strong>der</strong><br />
Gesundheit führen, Krebs<br />
erzeugen, das Erbgut, die<br />
Fruchtbarkeit o<strong>der</strong> die<br />
Entwicklung schädigen.<br />
Kann bei Eindringen in die<br />
Atemwege tödlich sein.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Benzin<br />
• Lacke<br />
• Grillanzün<strong>der</strong><br />
• Lampenöle<br />
• gewisse ätherische<br />
Öle<br />
Kann schon in kleinen<br />
Mengen zu schweren<br />
Vergiftungen und zum<br />
Tod führen.<br />
Zum Beispiel:<br />
• Mäuse<br />
• Rattengift<br />
87
5.7.1 Chemische Produkte sicher nutzen<br />
Einkauf Gebrauch Lagerung<br />
• Gefahrensym<br />
bole<br />
beachten<br />
• Gefahrenhin<br />
weise lesen<br />
• Alternativen<br />
prüfen (Gibt<br />
es<br />
gleichwertig<br />
e/ähnliche<br />
Produkte mit<br />
weniger<br />
Gefahrenpot<br />
enzial ?)<br />
• Nicht mehr<br />
als nötig<br />
kaufen<br />
• Gebrauchsa<br />
nweisung<br />
beachten<br />
• Sicherheitshi<br />
nweise<br />
befolgen<br />
• Angemesse<br />
ne<br />
Schutzausrüs<br />
tung<br />
• Tragen<br />
(Schutzbrille,<br />
Handschuhe<br />
)<br />
• Nicht<br />
achtlos<br />
stehen<br />
lassen<br />
• Sicher und für<br />
Kin<strong>der</strong><br />
unerreichbar<br />
aufbewahre<br />
n<br />
• Nie in<br />
Lebensmittelbehälter<br />
umfüllen<br />
(Verwechslun<br />
gsgefahr)<br />
• Entsorgungshi<br />
nweise<br />
beachten<br />
• Bauliche<br />
Massnahmen<br />
(Bildung von<br />
Brandabschn<br />
itten;<br />
Auffangwan<br />
nen)<br />
• Massnahmen<br />
plan für den<br />
Störfall<br />
(Brandund/o<strong>der</strong><br />
Havarie)<br />
88
5.7.2 Handhabung von Gütern<br />
Die Handhabung von Gütern hängt wesentlich von folgenden Eigenschaften<br />
ab:<br />
Volumen:<br />
Abmessung:<br />
Dichte:<br />
Stapelbarkeit:<br />
Aggregatzustand:<br />
Wert:<br />
gross, mittel, klein<br />
lang/kurz, breit/schmal, sperrig/handlich<br />
leicht, schwer, sehr schwer<br />
stapelbar, nicht stapelbar<br />
fest, flüssig, gasförmig<br />
billig, teuer, wertvoll<br />
Logistiker haben es bei <strong>der</strong> Handhabung mit drei Arten von Gütern zu tun:<br />
Einfach zu handhabende Güter<br />
Als einfach zu handhabende Güter gelten stapelbare Waren mit kleinem<br />
o<strong>der</strong> mittlerem Volumen, <strong>der</strong>en Abmessungen in die Verpackungsnormreihen<br />
passen. Die grösste Länge misst nicht mehr als 1,20 m. Somit passt <strong>der</strong><br />
Gegenstand in jedem Fall auf eine Euro-Palette Typ I und kann in allen<br />
gängigen Palettenregalen eingelagert werden. Kleinvolumige Güter werden<br />
in Kartons o<strong>der</strong> Kunststoffbehältern verstaut, die ihrerseits auf Ladungsträgern<br />
gestapelt werden können.<br />
Sperrige o<strong>der</strong> unförmige Lagergüter<br />
Eine Herausfor<strong>der</strong>ung für Logistiker sind alle sperrigen o<strong>der</strong> unförmigen<br />
Lagergüter. Entwe<strong>der</strong> ist das Volumen für die gängigen Ladungsträger und<br />
Regale zu gross, o<strong>der</strong> die Länge, Breite o<strong>der</strong> Höhe verlangen beson<strong>der</strong>e<br />
89
Lösungen. Die Lagerung solcher Güter ist in <strong>der</strong> Regel individuell und nur mit<br />
einer gewissen Kreativität möglich. Grosse Bedeutung hat immer die sichere<br />
Lagerung.<br />
Wertvolle Lagergüter<br />
Wertvolle Güter werden in beson<strong>der</strong>s gut gesicherten Lagerbereichen<br />
aufbewahrt. Innerhalb von Warenlagern werden oft Abtrennungen aus<br />
Maschendraht eingesetzt. Nicht immer gibt <strong>der</strong> Warenwert den Ausschlag für<br />
die spezielle Sicherung. Es können auch an<strong>der</strong>e, beson<strong>der</strong>s<br />
diebstahlgefährdete Produkte wie Alkohol o<strong>der</strong> Tabakprodukte sein. Im<br />
Pharmabereich müssen Drogen o<strong>der</strong> drogenähnliche Produkte äusserst sicher<br />
aufbewahrt werden. Oft sind es die Kunden, die von Logistikdienstleistern eine<br />
beson<strong>der</strong>e Sicherung ihrer Güter verlangen. Eine ausserordentlich sichere<br />
Lagerung kann auch aus Gründen <strong>der</strong> Geheimhaltung nötig sein.<br />
Geheimhaltung kann zum Beispiel für neue Produkte erfor<strong>der</strong>lich sein, die vor<br />
<strong>der</strong> Konkurrenz geschützt werden müssen. Ideal für die sichere Lagerung von<br />
Gütern sind abschliessbare Räume o<strong>der</strong> Lagersysteme wie Lagerschränke<br />
o<strong>der</strong> Vertikal-Umlaufregale.<br />
90
Modul 106_Entsorgung CH<br />
Ausgangslage<br />
Die Schweiz wird oft als Weltmeister <strong>der</strong> Entsorgung bezeichnet. Wie bekannt<br />
ist dir als angehenden Logistiker/angehende Logistikerin das<br />
Entsorgungskonzept <strong>der</strong> Schweiz? Weisst du, welche Entsorgungswege die<br />
Schweiz aufgebaut hat und wer für die Entsorgung zuständig ist? Die<br />
Entsorgung ist heute sehr professionell organisiert. Es gibt Organisationen,<br />
welche die Entsorgungskonzepte <strong>der</strong> Schweiz ständig weiterentwickeln.<br />
Die Aufgabe von Logistikerinnen und Logistikern ist es, die Organisation und<br />
damit auch die Umwelt möglichst zu unterstützen und die Vorgaben <strong>der</strong><br />
Entsorgung umzusetzen.<br />
91
Fachartikel Modul 106<br />
6. Entsorgung<br />
6.1 Was ist Abfall?<br />
Es kann nicht immer klar bestimmt werden, was Abfall ist. Das Gesetz definiert<br />
Abfall wie folgt:<br />
Umweltschutzgesetz (USG)<br />
Artikel 7 Absatz 6<br />
"Abfälle sind bewegliche Sachen, <strong>der</strong>en sich <strong>der</strong> Inhaber entledigt o<strong>der</strong><br />
<strong>der</strong>en Entsorgung im öffentlichen Interesse geboten ist."<br />
Ob etwas Abfall ist o<strong>der</strong> nicht, ist also eine Frage des Zeitpunkts. Jedes<br />
Konsumgut hat früher o<strong>der</strong> später einmal ausgedient und wird damit zu<br />
Abfall. Die Natur hingegen kennt keinen Abfall. Denn natürliche Systeme<br />
bestehen aus Kreisläufen, in welchen jede Substanz über einen zyklischen<br />
Weg wie<strong>der</strong> in ihren Ausgangszustand gelangt. Abfall ist somit immer durch<br />
den Menschen verursacht.<br />
Über die Jahrhun<strong>der</strong>te hat sich die weltweite Abfallproduktion stark<br />
verän<strong>der</strong>t. Früher war es möglich, Dinge, die ausgedient haben, im Garten zu<br />
entsorgen. Diese Art von Abfallbeseitigung war aufgrund <strong>der</strong> geringen Menge<br />
und <strong>der</strong> Art des Abfalls nicht problematisch. Denn früher bestanden Abfälle<br />
meist aus organischem Material, wie zum Beispiel Holz, Ton o<strong>der</strong><br />
Nahrungsmittelresten. Aufgrund <strong>der</strong> Industrialisierung und <strong>der</strong> Gründung<br />
grösserer Städte nahm <strong>der</strong> Abfall pro Fläche aber rasch zu. Daher wurde es<br />
notwendig, eine geregelte Entsorgung einzuführen. Dazu kommt, dass die<br />
Konsumprodukte resp. die Abfälle eine zunehmend komplexe<br />
Zusammensetzung aufweisen.<br />
Merke: Die Verbindung unterschiedlicher Materialien erschwert eine<br />
umweltgerechte Entsorgung zusätzlich.<br />
(Quelle: BAFU)<br />
92
Abfall wird in <strong>der</strong> Fachsprache als Reststoff, Abfallstoff o<strong>der</strong> Wertstoff<br />
bezeichnet. Diese Begriffe zeigen auf, dass Abfall nicht immer störend o<strong>der</strong><br />
überflüssig sein muss, son<strong>der</strong>n unter Umständen sinnvoll wie<strong>der</strong>verwendet<br />
werden kann. Die Herausfor<strong>der</strong>ung ist die Vielfalt an Reststoffen:<br />
• Reststoffe können fest, flüssig o<strong>der</strong> gasförmig sein. Sie können eine reine Form<br />
aufweisen o<strong>der</strong> vermischt mit an<strong>der</strong>en Stoffen sein.<br />
• Reststoffe können unbedenklich, gefährlich o<strong>der</strong> giftig sein (o<strong>der</strong> beides).<br />
• Reststoffe können wie<strong>der</strong>verwendbar und verwertbar sein. Es gibt jedoch<br />
auch Abfall, <strong>der</strong> nur noch komprimiert o<strong>der</strong> unschädlich gemacht werden<br />
kann.<br />
Ein Beispiel aus dem Alltag<br />
Auch Wasser wird gewissermassen zu Abfall. Wasser ist global gesehen ein<br />
extrem wertvolles Gut. Es wird jedoch zu Abwasser, sobald es zum Beispiel zur<br />
Spülung <strong>der</strong> Toiletten benutzt wurde. Es ist verschmutzt und gelangt deshalb<br />
über das Kanalisationsnetz in die Kläranlage. Auch <strong>der</strong> Klärschlamm, <strong>der</strong> sich<br />
in <strong>der</strong> Kläranlage aus dem Abwasser absetzt, ist eine Art Abfall. Seit<br />
Klärschlamm in <strong>der</strong> Landwirtschaft nicht mehr als Dünger ausgebracht<br />
werden darf, dient er als Brennmaterial in Kehrichtverbrennungsanlagen<br />
(KVA).<br />
93
Eine mögliche Definition von Abfall könnte sein:<br />
"Das falsche Material zur falschen Zeit, im falschen Zustand, am falschen Ort."<br />
6.2 Bedeutung und Aufgabe von Abfall<br />
Die Entsorgung hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.<br />
Dafür sind folgende Gründe verantwortlich:<br />
• steigendes Umweltbewusstsein in <strong>der</strong> Bevölkerung und in den Unternehmen.<br />
• Konsumentendruck, umweltfreundliche Produkte zu kaufen/verkaufen.<br />
• Umweltschutz wird als Wettbewerbsfaktor wahrgenommen.<br />
• steigende Kosten <strong>der</strong> Entsorgung.<br />
• zunehmende gesetzliche Regulierung.<br />
Für die Entsorgungslogistik eines Unternehmens bedeutet dies:<br />
• eine positive Einstellung zu einer fachgerechten und zukunftsorientierten<br />
Entsorgung im<br />
Betrieb zu entwickeln.<br />
• wirtschaftliche Lösungen anzustreben.<br />
• Pläne und Erfolge zu kommunizieren.<br />
Die Entsorgungslogistik regelt die Organisation des internen und externen<br />
Materialflusses <strong>der</strong> verschuldeten Abfälle. Die Aufgabe umfasst vor allem<br />
folgende Leistungen:<br />
Kernleistung Zusatzleistung Informationsleistung<br />
• Lagerun<br />
g<br />
• Transport<br />
• Umschla<br />
g<br />
• Sammlung<br />
• Trennung<br />
• Verpackun<br />
g<br />
• Auftragsabwicklun<br />
g<br />
?? Merke: Entsorgung bedeutet: Verwerten, Verwenden o<strong>der</strong> Beseitigen von<br />
Abfällen.<br />
94
6.3 Stoffflüsse in <strong>der</strong> Abfallbewirtschaftung<br />
Das BAFU unterscheidet zwischen folgenden Abfallarten:<br />
Siedlungsabfall • Abfälle, die aus Haushalten stammen<br />
• Abfälle, die aus Unternehmen mit weniger als 250<br />
Vollzeitstellen stammen und <strong>der</strong>en<br />
Zusammensetzung in Hinsicht auf Inhaltsstoffe und<br />
Mengenverhältnisse mit Abfällen aus Haushalten<br />
vergleichbar sind.<br />
Aushubmaterial<br />
und<br />
Ausbruchsmaterial<br />
• Aushubmaterial sind Materialien, die bei<br />
Bauarbeiten unterhalb des belebten Bodens<br />
ausgehoben werden, z. B. Lockergestein, Kies und<br />
Sand.<br />
• Ausbruchmaterial besteht überwiegend aus<br />
gebrochenen Fels- und Gesteinsblöcken, welche<br />
im Rahmen von Bauarbeiten mechanisch o<strong>der</strong><br />
durch Sprengung aus dem Untergrund<br />
herausgebrochen werden.<br />
Pro Jahr entstehen in <strong>der</strong> Schweiz rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall. Der<br />
grösste Anteil entfällt auf unverschmutzte Aushub- und Ausbruchmaterialien<br />
95
sowie Rückbaumaterialien. Aufgrund des hohen Lebensstandards hat die<br />
Schweiz mit 716 kg Abfall pro Person eines <strong>der</strong> höchsten<br />
Siedlungsabfallaufkommen <strong>der</strong> Welt. Davon werden knapp 53 Prozent<br />
rezykliert. Um den hohen Primärrohstoffverbrauch <strong>der</strong> Schweiz zu reduzieren,<br />
will <strong>der</strong> Bund sämtliche Material- und Stoffflüsse entlang <strong>der</strong><br />
Wertschöpfungskette berücksichtigen <strong>–</strong> vom Rohstoffabbau über das<br />
Produktedesign bis zur Abfallbewirtschaftung.<br />
Quelle: BAFU<br />
6.4 Entsorgungswege für Abfall in <strong>der</strong> Schweiz<br />
Die Schweiz hat im Vergleich zu an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n ein mo<strong>der</strong>nes und gut<br />
strukturiertes Abfallsystem. Etabliert haben sich Entsorgungswege wie das<br />
Verbrennen in <strong>der</strong> Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) und das Deponieren<br />
o<strong>der</strong> Recyclen von Produkten. Das Recycling gilt als Königsweg und soll in<br />
Zukunft noch mehr geför<strong>der</strong>t und gestärkt werden.<br />
6.4.1 Deponien<br />
Der Entsorgungsweg "Deponieren" wird oft negativ verstanden. Rückstände<br />
aus <strong>der</strong> Abfallverbrennung o<strong>der</strong> Abfälle, die sich nicht für eine Verwertung<br />
(Verbrennung o<strong>der</strong> Recycling) eignen, werden in bewilligten Deponien<br />
abgelagert. Damit die Abfälle deponiert werden können, müssen sie<br />
bestimmte Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllen. Erfüllen sie diese nicht, werden sie so<br />
lange behandelt, bis <strong>der</strong> gewünschte Zustand erreicht ist. In <strong>der</strong> Schweiz gibt<br />
es fünf Typen von Deponien. Sie werden mit den Buchstaben A bis E<br />
bezeichnet. Diese stehen in aufsteigen<strong>der</strong> Folge für zunehmendes<br />
Gefährdungspotenzial <strong>der</strong> abgelagerten Abfälle (z. B.: Typ A = keine Gefahr,<br />
Typ E = grosses Gefahrenpotenzial). Die Zulassung zur Deponierung wird<br />
anhand von Schadstoffen gemessen, die <strong>der</strong> Gegenstand trägt.<br />
Das Umweltschutzgesetz (USG) schreibt in Artikel 30c Absatz 1 vor:<br />
"Abfälle müssen für die Ablagerung so behandelt werden, dass sie möglichst<br />
wenig organisch gebundenen Kohlenstoff enthalten und möglichst<br />
wasserunlöslich sind."<br />
96
Typ A<br />
Deponien des Typs A sind für Abfälle wie beispielsweise Aushub- und<br />
Ausbruchsmaterial bestimmt. Verdacht auf Verschmutzung können bei<br />
diesem Abfallstoff ausgeschlossen werden. Die Deponie hat keine beson<strong>der</strong>s<br />
grossen Anfor<strong>der</strong>ungen für die Lagerung.<br />
Typ B<br />
In den Deponien des Typs B sind einzelne bezeichnete Abfälle zugelassen<br />
sowie mineralische Abfälle, sofern die Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Schadstoffe erfüllt<br />
werden. Bei diesem Typ von Deponie wird auch von einer Inertstoffdeponie<br />
gesprochen. Das Wort "Inert" hat seine Wurzel im Lateinischen und bedeutet<br />
"unbeteiligt", "untätig" o<strong>der</strong> "träge". Inerte Stoffe reagieren wenig o<strong>der</strong> gar<br />
nicht auf Umwelteinflüsse und geben fast keine Schadstoffe an die Umwelt<br />
ab. Auf Inertstoffdeponien dürfen nur gesteinsähnliche Materialien<br />
abgelagert werden, aus denen sich Schadstoffe nur sehr schwer lösen.<br />
Typ C<br />
Deponien des Typs C sind für die Ablagerung restmetallhaltiger,<br />
anorganischer und schwer löslicher Abfälle vorgesehen. Das bedingt meist<br />
<strong>der</strong>en vorgängige Behandlung, um Belastungen weitgehend zu eliminieren.<br />
Typ D<br />
Verbrennungsrückstände werden als "Schlacke" bezeichnet. "Schlacke"<br />
entsteht auch bei <strong>der</strong> Verbrennung in einer KVA. Dieser Abfall kommt<br />
typischerweise in <strong>der</strong> Deponie Typ D vor.<br />
Typ E<br />
Die Deponie Typ E enthält Abfälle, welche hohe Schadstoffe mitführen. Bei<br />
diesen Produkten ist mit chemischen o<strong>der</strong> biologischen Prozessen zu rechnen.<br />
Die Anfor<strong>der</strong>ungen an diesen Deponietyp sind beson<strong>der</strong>s streng. Standort<br />
und Ausführung, Abgas- und Sickerwasserüberwachung sind strikt<br />
reglementiert.<br />
Deponiebezeichnung<br />
Typ A<br />
Anlagetyp<br />
Aushub- und<br />
Ausbruchsmaterial<br />
Produktbeispiele<br />
Kies, Erde, Sand<br />
Typ B Inertstoff Backsteine, Ziegel, Beton<br />
97
Typ C Reststoff Verschmutztes Erdreich,<br />
Strassenwischgut<br />
Typ D Schlacke Verbrennungsrückstände aus<br />
<strong>der</strong> KVA<br />
Typ E Reaktor Isolationsmaterial,<br />
Asbestrückstände,<br />
Teerhaltiger Ausbauasphalt<br />
6.4.2 Verbrennung - Kehrichtverbrennungsanlage (KVA)<br />
In <strong>der</strong> Schweiz müssen sämtliche brennbaren, nicht verwertbaren Abfälle in<br />
geeigneten Anlagen verbrannt werden. Der grösste Teil dieser Stoffe gelangt<br />
in eine <strong>der</strong> 30 Kehrichtverbrennungsanlagen <strong>der</strong> Schweiz. Deponiert werden<br />
nur die Schlacke und die Filterrückstände.<br />
Das Umweltschutzgesetz (USG) schreibt in Artikel 30c Absatz 2 vor:<br />
"Abfälle dürfen ausserhalb von Anlagen nicht verbrannt werden;<br />
ausgenommen ist das Verbrennen natürlicher Wald-, Feld- und<br />
Gartenabfälle, wenn dadurch keine übermässigen Immissionen entstehen."<br />
Auch in den kommenden Jahren wird das Verbrennen von Abfall ein<br />
wichtiger Entsorgungsweg für die Schweiz bleiben. Durch die Verbrennung<br />
von Abfall werden im Wesentlichen drei Ziele erreicht: Reduktion von<br />
Volumen und Gewicht, Reduktion von Schadstoffemissionen,<br />
Energieerzeugung und Fernwärmenutzung.<br />
Reduktion von Volumen und Gewicht<br />
Durch die Verbrennung wird das Abfallvolumen um 90 Prozent und das<br />
Gewicht um 75 Prozent verringert. Diese Reduktion ist wichtig, um<br />
Deponieplatz einzusparen. Schlacke ist zudem ein homogener Stoff, <strong>der</strong> gut<br />
eingebaut und verdichtet werden kann.<br />
98
Reduktion von Volumen und Gewicht in <strong>der</strong> KVA<br />
Reduktion von Schadstoffemissionen<br />
Brennbarer Abfall, <strong>der</strong> in Deponien verrottet, setzt grosse Mengen<br />
klimaschädlicher Gase frei, insbeson<strong>der</strong>e Methangas und CO2. Die<br />
individuelle Verbrennung in Cheminées o<strong>der</strong> im Garten verursacht zusätzlich<br />
eine hohe Luftverschmutzung durch Feinstaub und weitere schädliche Stoffe.<br />
In den letzten Jahren ist viel Geld in die Verbesserung <strong>der</strong><br />
Kehrichtverbrennungsanlagen investiert worden, beson<strong>der</strong>s in die Ausrüstung<br />
zur Reinigung <strong>der</strong> Rauchgase. Mit Elektrofiltern werden Flugasche und Staub<br />
zurückgehalten. Gasförmige Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Salzsäure<br />
werden weitgehend mittels Rauchgaswaschanlagen entfernt. Seit 2002 sind<br />
überall Rauchgasentstickungsanlagen (DeNOx) in Betrieb. Diese funktionieren<br />
wie Katalysatoren in Autos. Der Anteil <strong>der</strong> KVA an <strong>der</strong> Emission von Stickoxiden<br />
konnte seit 1995 von 3,1 Prozent auf 0,9 Prozent reduziert werden.<br />
Im August 2014 wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, welche zum Ziel hat,<br />
die Emissionen aus <strong>der</strong> Abfallverbrennung zu reduzieren und Anreize für eine<br />
effizientere Energienutzung in Kehrichtverwertungsanlagen zu setzen. Die 30<br />
Kehrichtverbrennungsanlagen in <strong>der</strong> Schweiz produzieren rund 5 Prozent <strong>der</strong><br />
gesamten Treibhausgasemissionen des Landes. Die Vereinbarung sieht eine<br />
weitere Reduktion <strong>der</strong> sogenannten Netto-CO2-Emissionen aus <strong>der</strong><br />
Abfallverbrennung vor.<br />
Die drei Filtertypen zur Reinigung <strong>der</strong> Rauchgase in einer Kehrichtverbrennungsanlage.<br />
Energieerzeugung und Fernwärmenutzung<br />
Eine KVA mit Wärme-Kraft-Kopplung kann rund 25 Prozent <strong>der</strong><br />
Verbrennungsenergie in elektrischen Strom umwandeln. Die restlichen 75<br />
Prozent können als Wärme verwendet werden. Von <strong>der</strong> im Abfall enthaltenen<br />
Energie geht ein Teil über den Kamin o<strong>der</strong> die erwärmte Schlacke und Asche<br />
verloren. Ein weiterer Wärmeverlust entsteht durch Anlagenteile, die nicht<br />
99
hun<strong>der</strong>tprozentig isoliert sind. Durch die Wärmenutzung werden jährlich etwa<br />
215'000 Tonnen an Erdölprodukten eingespart, die vom Ausland importiert<br />
werden müssten.<br />
Sammelstellen<br />
Die KVA ist nicht nur eine Verbrennungsanlage, son<strong>der</strong>n auch zentrale<br />
Sammelstelle für alle Arten von Abfällen in einer Region; sie steht auch<br />
Privatpersonen zur Verfügung. Durch Bürgernähe und entsprechende<br />
Dienstleistungen trägt eine KVA dazu bei, dass weniger Abfälle wild<br />
deponiert, unsachgemäss entsorgt o<strong>der</strong> im Garten verbrannt werden. Die<br />
Kunden werden bei <strong>der</strong> Kategorisierung <strong>der</strong> angelieferten Gegenstände und<br />
Abfallstoffe beraten und bei <strong>der</strong> Wahl des richtigen Abladeortes unterstützt.<br />
6.4.3 Recycling<br />
Der dritte Entsorgungsweg wird als Königsweg <strong>der</strong> Entsorgung gesehen: das<br />
Recycling.<br />
Unter Recycling versteht man den Prozess des Sammelns, Sortierens,<br />
Aufbereitens und<br />
stofflichen Verwertens.<br />
Recycling ist eine Vielfachnutzung <strong>der</strong> Rohstoffe durch geschlossene<br />
Kreislaufführung <strong>der</strong> Wertstoffe. Wird ein Rohstoff aus entsorgtem Material<br />
gewonnen, spricht man von Sekundärrohstoff. Recycling o<strong>der</strong><br />
Wie<strong>der</strong>verwerten bedeutet, einer Sache wie<strong>der</strong> einen Wert zu geben. Wer<br />
Speiseresten verwertet, statt sie wegzuwerfen, stellt daraus etwas her, das<br />
wie<strong>der</strong> einen Wert hat, zum Beispiel eine Suppe. Abfall kann somit den<br />
Rohstoff für Erzeugnisse liefern, die entwe<strong>der</strong> für den ursprünglichen o<strong>der</strong> für<br />
einen an<strong>der</strong>en Zweck aufbereitet werden. Die Idee <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung<br />
von Abfällen ist nicht neu. Bereits im antiken Rom wurden Exkremente<br />
100
eingesammelt und den Bauern im Umland als Dünger verkauft. Später waren<br />
es sogenannte Lumpensammler, die sich um das Einsammeln, Sortieren und<br />
Weiterleiten von textilen Abfällen kümmerten. Auch die Verwertung an<strong>der</strong>er<br />
Abfälle war selbstverständlich. Aus Lebensmittelabfall wurde Haustierfutter<br />
gemacht, aus Knochen und Haaren sonstige nützliche Dinge. Holz- und<br />
Papierabfälle verheizte man, und Metallteile wurden eingeschmolzen o<strong>der</strong><br />
umgeschmiedet. Dieses frühere Verhalten zeigt, dass Recycling nichts Neues<br />
ist. Durch den Einsatz von ökologischen und ökonomischen Anreizen sollen<br />
auch heute wie<strong>der</strong> möglichst viele Produkte rezykliert werden.<br />
Industrialisierung<br />
Mit <strong>der</strong> Industrialisierung verän<strong>der</strong>te sich die Menge und Zusammensetzung<br />
des Abfalls. Die ersten Verbrennungsöfen für Kehricht entstanden in London.<br />
Der erste Verbrennungsofen in <strong>der</strong> Schweiz ging 1904 in Zürich in Betrieb.<br />
Nach den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhun<strong>der</strong>t nahm <strong>der</strong> Wohlstand <strong>der</strong><br />
Bevölkerung zu. Die Menschen konnten sich Luxusgüter leisten, die in einer<br />
aufwendigen Verpackung verkauft wurden. Die zahlreichen Flaschen,<br />
Alufolien, Frischhaltebeutel und Blechdosen führten zu einem akuten<br />
Müllnotstand.<br />
Ein Haushalt, <strong>der</strong> früher mit etwa 150 Dingen auskam, benötigt heute mehr als<br />
20'000 Gegenstände, von <strong>der</strong> Zahnbürste hin bis zum Haarfestiger, vom<br />
Laptop bis zum Fernseher. Wer etwas nicht wegwirft, vermin<strong>der</strong>t die<br />
Abfallmenge und schont wertvolle Rohstoffe. Die Menge nicht<br />
nachwachsen<strong>der</strong> Rohstoffe ist begrenzt. Sie werden eines Tages<br />
aufgebraucht sein. Die Wie<strong>der</strong>verwertung reduziert nicht nur die<br />
Abfallmenge, sie spart auch Rohstoffe.<br />
"Wenn viele kleine Leute mit vielen kleinen Schritten viele kleine Dinge tun,<br />
dann ist Verän<strong>der</strong>ung möglich."<br />
- chinesisches Sprichwort<br />
101
Bedeutung von Recycling<br />
Recycling vermin<strong>der</strong>t die Abfallmenge, schont knapper werdende Rohstoffe,<br />
reduziert den CO2-Austoss und hilft, Energie einzusparen. "Abfall" ist <strong>der</strong><br />
stofflichen Wie<strong>der</strong>verwertung zurückzuführen, wenn dadurch eine kleinere<br />
Umweltbelastung als aus <strong>der</strong> Beseitigung des Abfalls und <strong>der</strong> entsprechenden<br />
Neuproduktion entsteht. Zudem soll die Wie<strong>der</strong>verwertung längerfristig<br />
betriebswirtschaftlich gesichert sein. Die Rezyklierung (Wie<strong>der</strong>verwertung)<br />
setzt sich nur durch, wenn sie auch betriebswirtschaftlich rentabel ist (z. B.<br />
Glas). Die bis heute gewonnenen Erfahrungen zeigen, dass zuverlässige<br />
Rentabilitätsberechnungen äusserst schwierig sind. Weil die Weltmarktpreise<br />
<strong>der</strong> Basisrohstoffe stark schwanken, können Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen sich<br />
schnell än<strong>der</strong>n (die Qualität des Abfalls kann nicht so rasch verän<strong>der</strong>t<br />
werden). Dem Recycling sind technische Grenzen gesetzt, weil viele <strong>der</strong><br />
heute verwendeten Stoffe und Verbundstoffe nicht o<strong>der</strong> nur begrenzt<br />
recycliert werden können. Ebenfalls fällt eine Vielzahl <strong>der</strong> Anwendungen nur<br />
in Kleinstmengen an, was eine Rückgewinnung praktisch unmöglich macht.<br />
1 Tonne rezyklierte...<br />
…Aluminiumverpackungen sparen so viel Umweltbelastung ein wie 30‘500<br />
km Autofahrt generieren <strong>–</strong> das ist 30 Mal die Strecke Zürich-Barcelona.<br />
… Elektro- und Elektronikgeräte (inkl. Leuchtmittel) sparen so viel<br />
Umweltbelastung ein, wie 247'500 km Zugfahrt mit <strong>der</strong> SBB generieren <strong>–</strong> das<br />
ist 48 Mal das gesamte Schweizer Schienennetz.<br />
…Textilien und Schuhe sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 26'400<br />
Flugkilometer o<strong>der</strong> etwa 4 Mal die Flugstrecke Zürich-New York generieren.<br />
…Weiss- / Stahlblech sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 14‘500 WC-<br />
Papierrollen (FSC) generieren.<br />
…Batterien und Akkus sparen so viel Umweltbelastung ein, wie 2'652 Liter<br />
Heizöl generieren.<br />
…PET-Getränkeflaschen sparen so viel Energie ein, wie eine 12 Watt-<br />
Energiesparlampe während 52 Jahren benötigt.<br />
…Glasverpackungen sparen so viele Umweltbelastungen ein, wie die<br />
durchgehende Nutzung eines Laptops während 1,7 Jahren generiert.<br />
Quelle: swissrecycling.ch<br />
102
Redistribution und Distribution<br />
Die Redistribution befasst sich mit <strong>der</strong> Rückführung von Stoffen, Produkten,<br />
Teilen, Verpackungen und Transportmitteln während und nach <strong>der</strong><br />
Distribution.<br />
Verwertete Siedlungsabfälle aus Haushalt und Gewerbe<br />
Wie gut die Rückführung von Abfällen und Wertstoffen funktioniert, hängt oft<br />
vom Sammelsystem ab. Wenn <strong>der</strong> Verbraucher kilometerweit zur nächsten<br />
Sammelstelle fahren muss, ist die Versuchung gross, für die Entsorgung den<br />
"nächsten" Weg zu wählen. Siedlungsabfälle werden deshalb in<br />
regelmässigen Abständen durch die Kehrichtabfuhr abgeholt. Für Wertstoffe<br />
und umweltbelastende Stoffe stehen in den meisten Gemeinden kommunale<br />
Sammelstellen zur Verfügung.<br />
Kommunale Sammelstelle für Glas<br />
Mit einer Recyclingquote von 53 Prozent gehört die Schweiz in Europa zu den<br />
Spitzenreitern. Dennoch sollten sich die Bürgerinnen und Bürger nicht<br />
zurücklehnen, denn eine korrekte und konsequente Abfalltrennung ist auch in<br />
Zukunft wichtig. Die Wie<strong>der</strong>verwertung von Wertstoffen hat viele wichtige<br />
Funktionen: Es werden Ressourcen geschont, Energie gespart, die CO2-<br />
Belastung reduziert und Sekundär-Rohstoffe geschafft.<br />
Im Jahr 2020 hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) folgende Recycling-<br />
Quoten publiziert:<br />
Menge pro<br />
Einwohner<br />
Menge<br />
Gesamt<br />
Quote<br />
Altpapier (Papier und Karton) 139.9 Kg 1'209'000 t 82 %<br />
in zentralen Anlagen kompostierte<br />
o<strong>der</strong> vergärte biogene Abfälle (ohne<br />
Hauskompost)<br />
162.5 Kg 1'405'000 t -<br />
Altglas 41.2 Kg 356'000 t 94 %<br />
103
davon Glasflaschen 34.1 Kg 295'000 t<br />
Elektrische und elektronische Geräte 15.2 Kg 131'000 t -<br />
Textilien 6.4 Kg 55'400 t -<br />
PET-Getränkeflaschen 4.2 Kg 36'300 t 81 %<br />
Weissblech (Konservendosen +<br />
Deckel)<br />
1.4 Kg 12'400 t -<br />
Aluminiumverpackungen<br />
1.5 Kg<br />
13'300 t<br />
94 %<br />
davon Getränkedosen<br />
1.3 Kg<br />
11'500 t<br />
Batterien 0.4 Kg 3'111 t 64 %<br />
Gesamtmenge rezykliert<br />
(Haushalt und Gewerbe)<br />
372.7 Kg 3'221'511 t 53 %<br />
Berührungspunkte Distribution und Redistribution<br />
Die Distribution und die Redistribution kann man nicht einzeln betrachten.<br />
Wenn ein Verteilbetrieb Ware in die Filialen ausliefert (Distribution), werden auf<br />
<strong>der</strong> Rückfahrt (Redistribution) das Leergebinde und <strong>der</strong> Abfall von den Filialen<br />
in den Verteilbetrieb zurückgenommen. Das steigende Umweltbewusstsein<br />
und die Kosten <strong>der</strong> Entsorgung führen dazu, dass bei <strong>der</strong> Distribution von<br />
Gütern auch die Redistribution mit einbezogen wird.<br />
Ein Beispiel aus dem Detailhandel<br />
Die Verkaufsstellen werden durch einen Verteilbetrieb mit Waren und Gütern<br />
versorgt. Die Verkaufsstelle dient in erster Linie dem Verkauf. In je<strong>der</strong><br />
Verkaufsstelle fallen aber auch Abfälle an, hauptsächlich:<br />
• verdorbene, unbrauchbare o<strong>der</strong> beschädigte Waren<br />
• Verpackungsmaterialien<br />
• Rücknahmen von Kunden (PET-Flaschen, Glasflaschen, Elektrogeräte,<br />
Batterien)<br />
Im Detailhandel ist <strong>der</strong> Verteilbetrieb in <strong>der</strong> Regel die zentrale<br />
Rücknahmestelle für die Verkaufsstellen. Die Abfälle werden nicht nur<br />
zurückgenommen, son<strong>der</strong>n auch getrennt und dem richtigen<br />
Entsorgungsweg zugewiesen. Auch die Kunden entsorgen ihre Abfälle<br />
teilweise über die Verkaufsstellen. Dies betrifft vor allem unbrauchbar<br />
104
gewordene Produkte, die von den Verkaufsstellen zurückgenommen werden<br />
müssen. Der Rest wird entwe<strong>der</strong> über die kommunalen Einrichtungen<br />
entsorgt o<strong>der</strong> (weniger häufig) direkt einer Entsorgungsstelle o<strong>der</strong> dem<br />
Recycling übergeben.<br />
Transportsysteme<br />
Bevor man den Abfall verwerten kann, braucht es ein Transportsystem o<strong>der</strong><br />
Transportkonzept, das den Abfall (Rohstoff) zu den entsprechenden Stellen<br />
transportiert.<br />
a ) Bringsystem<br />
Wenn <strong>der</strong> Kunde selbst für den Transport <strong>der</strong> Rückstände zu den<br />
Sammelstellen sorgt o<strong>der</strong> damit direkt zur Entsorgungsanlage fährt, sprechen<br />
wir von einem Bringsystem. Ab <strong>der</strong> Sammelstelle kommt ein Holsystem zum<br />
Zug. Transportfahrzeuge fahren die Sammelstellen regelmässig an und holen<br />
die vollen Sammelbehälter ab. Sammelstellen funktionieren in <strong>der</strong> Regel nur,<br />
wenn sie überwacht und betreut sind.<br />
b ) Holsystem<br />
105
Das bekannteste Holsystem ist die Müllabfuhr in den Siedlungen. Die jüngste<br />
Erhebung des BAFU zeigt, dass durch die Müllabfuhr jährlich insgesamt 3,12<br />
Millionen Tonnen Abfall entsorgt werden. 3,01 von den 3,12 Millionen Tonnen<br />
werden in Kehrichtverbrennungsanlagen transportiert und verbrannt. Rund<br />
100'000 Tonnen werden in Deponien abgelagert.<br />
Finanzierung von Recycling<br />
Der vorgezogene Entsorgungsbeitrag VEB (Vorgezogener<br />
Recyclingbeitrag,VRB): Einige Produzenten o<strong>der</strong> Importeure verlangen von<br />
den Konsumentinnen und Konsumenten einen Beitrag für die Entsorgung, <strong>der</strong><br />
im Preis des Produkts inbegriffen ist. Das System funktioniert innerhalb des<br />
Marktes, und das Mitmachen ist freiwillig. Das Geld kommt in einen Fonds, <strong>der</strong><br />
von einem Verein verwaltet wird. Dieser ist für Sammlung, Transport und<br />
Recycling <strong>der</strong> gebrauchten Verpackungen o<strong>der</strong> Produkte verantwortlich. Der<br />
Weg vom Konsumenten bis zum Entsorger ist aber je nach Branche<br />
verschieden. Für die Sammlung und den Transport einiger Stoffe müssen<br />
immer noch die Gemeinden aufkommen (Bring- o<strong>der</strong> Holsysteme). Die<br />
Finanzierung erfolgt über die Grundgebühr. Im besten Fall bekommt die<br />
Gemeinde vom Entsorger einen Kostenanteil zurück. Dieser Betrag deckt aber<br />
meistens nur einen Teil <strong>der</strong> entstandenen Kosten. Beispiele dafür sind<br />
Weissblech und PET.<br />
Die vorgezogene Entsorgungebühr VEG (Vorgezogene Recyclinggebühr,<br />
VRG): Artikel 32a Absatz 1 des Umweltschutzgesetzes (USG) besagt, dass die<br />
Hersteller und Importeure von Produkten, die nach Gebrauch als Abfall<br />
anfallen und son<strong>der</strong>behandelt o<strong>der</strong> verwertet werden sollen, dazu gebracht<br />
werden können, einer vom Bund beauftragten und beaufsichtigten privaten<br />
Organisation eine vorgezogene Entsorgungsgebühr zu entrichten. Die Höhe<br />
<strong>der</strong> Gebühr wird vom Eidgenössischen Departement des Innern (EDI)<br />
bestimmt und ist abhängig vom Produkt. Eine private o<strong>der</strong> öffentlichrechtliche<br />
Organisation wird beauftragt, die Entsorgung und Verteilung <strong>der</strong><br />
Mittel zu organisieren. Beim Kauf einer Batterie wird eine Entsorgungsgebühr<br />
bezahlt (durchschnittlich 20 Rappen), die danach in einen Fonds fliesst. Alle<br />
Händler sind verpflichtet, Batterien o<strong>der</strong> Akkumulatoren bis zu einem Gewicht<br />
von 5 kg von den Verbraucherinnen zurückzunehmen. Die im Fonds<br />
gesammelten Gebühren stehen einer privaten Organisation, <strong>der</strong><br />
Batterieentsorgungs-Selbsthilfe-Organisation (Beso), zur Verfügung. Sie<br />
organisiert die Sammlung von Batterien und liefert sie an zwei<br />
106
Entsorgungsfirmen (Batrec AG und Recymet SA). Die Beso ist auch für die<br />
Werbung für die Rückgabepflicht verantwortlich.<br />
Recycling-Organisationen in <strong>der</strong> Schweiz<br />
Kompostierung von Grüngut<br />
Das Kompost Forum Schweiz ist eine Plattform für<br />
interessierte Kompostfreunde, professionelle<br />
Grüngutverwerter und Verantwortliche in<br />
Städten, Gemeinden und Kantonen.<br />
http://www.kompost.ch<br />
Recycling von Aludosen<br />
Die Genossenschaft Igora engagiert sich für das<br />
Sammeln und Recycling von leeren<br />
Aluverpackungen und hat ein Sammel- und<br />
Recyclingkonzept entwickelt.<br />
http://www.igora.ch<br />
PET-Recycling<br />
Der Verein PET-Recycling Schweiz wurde 1990<br />
gegründet und befasst sich seit Inkrafttreten <strong>der</strong><br />
Verordnung über Getränkeverpackungen mit <strong>der</strong><br />
Sammlung von PET-Getränkeflaschen.<br />
http://www.petrecycling.ch<br />
Batterie-Recycling<br />
INOBAT steht für "Interessenorganisation<br />
Batterieentsorgung". Sie ist als Genossenschaft<br />
des privaten Rechts organisiert und zählt rund 140<br />
Mitglie<strong>der</strong> aus Produktion, Import und Handel.<br />
http://www.inobat.ch<br />
Recycling von Papier und Karton<br />
Der "Verein Recycling Papier + Karton" ist ein<br />
Zusammenschluss aus Firmen und Organisationen<br />
<strong>der</strong> Papierkette, die mit Fragen <strong>der</strong> Entsorgung<br />
von gebrauchtem Papier und <strong>der</strong><br />
Entsorgungslogistik konfrontiert sind.<br />
http://www.altpapier.ch<br />
107
Recycling von Weissblech<br />
FERRO Recycling, <strong>der</strong> Verein zur För<strong>der</strong>ung des<br />
Recyclings von Konservendosen aus Stahlblech,<br />
wurde 1987 gegründet.<br />
http://www.ferro.ch<br />
Recycling von Altglas<br />
Vetrorecycling ist eine Abteilung <strong>der</strong> Vetropack,<br />
eines führenden Unternehmens <strong>der</strong><br />
Verpackungsindustrie mit Glas-<br />
Produktionsbetrieben in <strong>der</strong> Schweiz, Österreich,<br />
Tschechien, <strong>der</strong> Slowakei, Kroatien und <strong>der</strong><br />
Ukraine.<br />
http://www.vetrorecycling.ch<br />
Entsorgung und Recycling von Elektrogeräten<br />
Stiftung Entsorgung Schweiz (SENS) ist eine<br />
unabhängige, neutrale, gemeinnützige Stiftung.<br />
Zweck ist die För<strong>der</strong>ung von privatwirtschaftlich<br />
organisierten Entsorgungslösungen.<br />
http://www.sens.ch<br />
Entsorgung und Recycling von Elektronikgeräten<br />
SWICO Recycling ist eine neutrale Kommission. Sie<br />
entsorgt ausrangierte Elektro- und<br />
Elektronikgeräte aus den Bereichen Informatik,<br />
Unterhaltungselektronik, Büro, Telekommunikation,<br />
grafische Industrie sowie Mess- und<br />
Medizinaltechnik.<br />
http://www.swicorecycling.ch<br />
Entsorgung von Leuchtmitteln<br />
Die Schweizer Licht Gesellschaft (SLG) hat für die<br />
fachgerechte Entsorgung von Leuchtmitteln die<br />
Stiftung Licht Recycling Schweiz (SLRS) gegründet.<br />
http://www.slrs.ch<br />
108
Organische Stoffe<br />
Kompostierung<br />
Rund ein Drittel <strong>der</strong> Siedlungsabfälle kann kompostiert werden. Dies<br />
geschieht einerseits dezentral, durch Gartenbesitzer mit eigener<br />
Kompostierung und an<strong>der</strong>erseits durch die öffentliche Grünabfuhr, die das<br />
gesammelte Grüngut an Grosskompostieranlagen liefert. Kompostieranlagen<br />
erzeugen aus Grüngut wertvollen Kompost, <strong>der</strong> als Dünger o<strong>der</strong><br />
Bodenverbesserer genutzt werden kann.<br />
Wie entsteht Kompost? Nach dem Anhäufen verrotten<strong>der</strong> organischer Stoffe<br />
beginnen relaschnell die Abbauvorgänge durch Mikroben. Es ist im Prinzip<br />
eine "Verwesung" ohne Luftzufuhr. In dieser Phase werden übelriechende<br />
Stoffwechselprodukte wie Methan, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und<br />
Buttersäure freigesetzt. Im Innern eines Komposthaufens können<br />
Temperaturen von 50 <strong>–</strong> 70 °C entstehen. Dadurch werden Unkrautsamen,<br />
Keimlinge und Schadorganismen abgetötet. Danach kühlt sich <strong>der</strong> Kompost<br />
ab und wird durch Kleintiere wie Bodenmilben, Tausendfüssler, Asseln und<br />
Kompostwürmer zerkleinert. Er färbt sich zunehmend schwarz. Nach <strong>der</strong><br />
vollständigen Reifung ist <strong>der</strong> Kompost krümelig, erdig und duftet nach<br />
Waldboden.<br />
Erzeugung von Biogas: Eine Biogasanlage dient <strong>der</strong> Erzeugung von Biogas<br />
durch Vergärung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen<br />
werden meist Gülle und Pflanzensilage vergoren. Verschiedene<br />
109
Mikroorganismen wandeln die Biomasse in Methan und Kohlendioxid um. In<br />
den meisten Biogasanlagen wird das entstandene Gas vor Ort in einem<br />
Blockheizkraftwerk zu Wärme, Strom o<strong>der</strong> Bio-Treibstoff umgewandelt.<br />
Biogasanlage in Henniez VD<br />
Papier<br />
Papier war wohl einer <strong>der</strong> ersten Stoffe, <strong>der</strong> systematisch gesammelt wurde.<br />
Ganze Generationen von Menschen haben in ihrer Schulzeit Altpapier<br />
gesammelt. Das Rohmaterial für die Herstellung von Papier ist Holz, also ein<br />
nachwachsen<strong>der</strong> Rohstoff. Die Nutzung von Holz für die Herstellung<br />
hochwertiger Papiere ist durchaus sinnvoll. Für viele Anwendungen ist<br />
Recyclingpapier jedoch zweckmässiger. Papier kann nicht beliebig oft<br />
wie<strong>der</strong>verwertet werden. Die Papierfasern werden immer kürzer. Deshalb<br />
muss im Altpapier immer ein gewisser Anteil hochwertiger Materialien sein. Aus<br />
Recyclingmaterial werden vor allem Zeitungspapier und Karton hergestellt.<br />
Unter dem Namen "Recycling Papier + Karton" dient ein Verein den Firmen<br />
und Organisationen <strong>der</strong> Papierbranche als Forum für den Erfahrungs- und<br />
Gedankenaustausch.<br />
Anorganische Stoffe<br />
Metall<br />
Metalle gehören zu den wertvollsten Rohstoffen. Die Wie<strong>der</strong>verwertung spart<br />
nicht nur Kosten, son<strong>der</strong>n vor allem auch Energie.<br />
a.) Eisenhaltiges Metall<br />
Eisenhaltig sind im Haushalt vor allem die Konservendosen, was mit einem<br />
Magnet einfach nachzuprüfen ist. Wird die Dose angezogen, ist sie aus Stahl<br />
(Eisen). Als Schutz gegen Korrosion ist die Oberfläche von Konservendosen<br />
meistens mit Zinn beschichtet. Der Fachausdruck dafür ist Weissblech. Billige<br />
Blechdosen sind verzinkt. Je nach Inhalt sind die Dosen innen auch mit<br />
110
Kunststoff beschichtet. Das Sammeln von Blechdosen ist in <strong>der</strong> Schweiz weit<br />
verbreitet. In den meisten Gemeinden stehen Sammelbehälter zur Verfügung.<br />
b.) Aluminium<br />
Im Alltag ist Aluminium kaum mehr wegzudenken. Das Pausenbrot wird in<br />
Alufolie eingewickelt, den Senf drückt man aus <strong>der</strong> Alu-Tube und wenn man<br />
Durst hat, öffnet man eine Alu-Getränkedose. In <strong>der</strong> Bevölkerung ist das<br />
Sammeln von Aluminium gut verankert. Aluminium kann eingeschmolzen und<br />
fast ohne Qualitätsverlust zu neuen Produkten verarbeitet werden. Die<br />
Aluminiumherstellung aus Bauxit, dem eigentlichen Rohmaterial, ist<br />
ausserordentlich energieaufwendig. Sie benötigt rund 20 Mal mehr Energie als<br />
das Einschmelzen von Alt-Aluminium. Seit 20 Jahren beschäftigt sich die<br />
IGORA mit dem Sammeln und Recycling von leeren Aluverpackungen.<br />
Gemeinsam mit <strong>der</strong> Getränke- und Aluminiumindustrie erarbeitete die<br />
Genossenschaft ein Sammel- und Recyclingkonzept, das nicht auf Zwang,<br />
son<strong>der</strong>n auf Freiwilligkeit basiert. Die Aluverpackung hat durch Produkte wie<br />
Energiegetränke einen grossen Aufschwung erfahren.<br />
Glas<br />
a.) Sammlung<br />
Altglas wird zum grössten Teil über permanente kommunale Sammelstellen<br />
entsorgt. Insgesamt stehen in <strong>der</strong> Schweiz heute rund 22'000 öffentliche<br />
Glascontainer zur Verfügung. Von dort wird Altglas zuerst in regionale<br />
Zwischenlager und anschliessend in 25-Tonnen-Einheiten per Bahn zu den<br />
Aufbereitungsanlagen transportiert. Um das Sammeln und den Transport zur<br />
Aufbereitung kümmert sich heute ein Netz von 45 Firmen mit <strong>der</strong><br />
erfor<strong>der</strong>lichen Infrastruktur und dem nötigen Know-how. Dabei legt das<br />
Altglas nur rund 25 km auf <strong>der</strong> Strasse zurück <strong>–</strong> von den permanenten<br />
Sammelstellen zum nächsten regionalen Zwischenlager. Der ganze Glas-<br />
Recycling Prozess basiert auf einigen Jahren Erfahrung.<br />
b.) Aufbereitung zu Glasflaschen<br />
Auf dem Sortierför<strong>der</strong>band werden Fehlfarben, Porzellan, Keramik und an<strong>der</strong>e<br />
Fremdkörper manuell aussortiert. Im Glasbrecher erhalten die Scherben eine<br />
für den Schmelzprozess optimale Körnung. In <strong>der</strong> Siebrinne werden weitere<br />
Fremdmaterialien und Überkorngrössen ausgeschieden. Metall- und<br />
111
Keramikteile werden mittels Magnettrommel, Metall- und Keramikabschei<strong>der</strong><br />
aussortiert sowie Papier und an<strong>der</strong>e leichte Materialien durch die<br />
Absauganlage entfernt. Nach einer letzten Kontrolle wird das aufbereitete<br />
Altglas <strong>der</strong> Glasproduktion zugeführt. Neben Altglas, das bis zu 90 Prozent<br />
ausmacht, sind die wichtigsten Rohstoffe für die Glasherstellung Quarzsand,<br />
Kalk und Soda. Bei rund 1600 °C wird die Rohstoffmischung geschmolzen. Von<br />
<strong>der</strong> ständig nachfliessenden Glasschmelze werden über eine Rinne glühende<br />
Glastropfen abgeschnitten und <strong>der</strong> Vorform zugeführt. Die endgültige<br />
Flaschenform erhält <strong>der</strong> Vorformling in <strong>der</strong> Fertigform. Die fertige Flaschenform<br />
wird durch Druckluft und <strong>der</strong> Fertigform erstellt. Die noch rot glühende Flasche<br />
wird im Kühlofen langsam abgekühlt, um die Materialspannungen<br />
auszugleichen. Eine anschliessende Oberflächenbehandlung schützt die<br />
Glasbehälter zusätzlich vor Kratzern und verbessert die Bruchfestigkeit.<br />
Kunststoff<br />
a.) Tiefe Sammelquote bei Kunststoffen<br />
In <strong>der</strong> Schweiz werden lediglich rund 50'000 Tonnen Kunststoffabfälle separat<br />
gesammelt und stofflich verwertet. Dieser im Vergleich zu an<strong>der</strong>en<br />
Werkstoffen <strong>–</strong> z. B. Glas <strong>–</strong> tiefe Anteil <strong>der</strong> stofflichen Verwertung hat mehrere<br />
Ursachen. So fehlt für Kunststoff eine gut eingespielte Verwertungsindustrie mit<br />
entsprechenden Märkten. Ein wichtiger Grund ist auch die Vielzahl<br />
unterschiedlicher Kunststoffsorten. Je nach Verwendungszweck enthalten<br />
112
Kunststoffe verschiedene Additive wie Weichmacher, Stabilisatoren, Pigmente<br />
o<strong>der</strong> Flammschutzmittel. Das erschwert die sortenreine Sammlung.<br />
b.) PET-Flaschen<br />
PET ist die Abkürzung für den Kunststoff namens Polyethylenterephthalat, was<br />
so schwierig auszusprechen ist, dass meist die Abkürzung PET verwendet wird.<br />
Weltweit werden aus diesem Material jährlich 15 Milliarden Getränkeflaschen<br />
hergestellt. Im Jahr 2008 wurden in <strong>der</strong> Schweiz 35'825 Tonnen PET-Flaschen<br />
gesammelt. Der Absatz von Getränkeflaschen auf dem Schweizer Markt<br />
belief sich im gleichen Jahr auf 45'712 Tonnen. Damit erreichte die<br />
Recyclingquote 78 Prozent. 8 von 10 Flaschen werden also zurückgebracht.<br />
Die Rückführung wird mit einem vorgezogenen Recyclingbeitrag auf PET-<br />
Einweg-Getränkeflaschen ohne Pfand finanziert. PET wurde ursprünglich nicht<br />
für die Produktion von Getränkeflaschen entwickelt. Die Entwicklung begann<br />
während des Zweiten Weltkriegs, als ein Ersatzmaterial für japanische Seide zur<br />
Produktion von Fallschirmen gefunden werden musste. Das neu entdeckte<br />
Material erlangte daraufhin für viele Jahre eine grosse Bedeutung in <strong>der</strong><br />
Textilindustrie. In <strong>der</strong> Schweiz kam PET 1984 erstmals in Flaschenform auf den<br />
Markt: Henniez lieferte damals zum ersten Mal 1,6-Deziliter-PET-<br />
Mineralwasserflaschen an die Swissair.<br />
Batterien<br />
Von den etwa 3'500 Tonnen Haushaltbatterien, die jährlich in <strong>der</strong> Schweiz<br />
verkauft werden, landen lei<strong>der</strong> immer noch 30 Prozent im Kehricht. Diese Art<br />
<strong>der</strong> Entsorgung ist nicht nur unerwünscht, sie führt auch zum Verlust wertvoller<br />
Rohstoffe. Aber die Batteriehersteller und Importeure waren mittlerweile mit<br />
ihrem Engagement zur Schadstoff- und Abfallreduktion erfolgreich: Heute sind<br />
95 Prozent <strong>der</strong> hierzulande verkauften Batterien schadstoffarm. Die bis zu<br />
1'000 Mal wie<strong>der</strong>aufladbaren Akkus sowie die meisten Knopfzellen gehören<br />
hingegen zu den schadstoffreichen Batteriesorten.<br />
113
Die Rücknahme von Altbatterien erfolgt durch Batterienverkaufsstellen sowie<br />
kommunale, regionale und an<strong>der</strong>e Sammelstellen. Somit besteht ein Netz von<br />
rund 10'000 Annahmestellen, wobei die Gemeinden einen wichtigen Beitrag<br />
zur Schonung <strong>der</strong> Umwelt leisten. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt<br />
(BAFU) verwaltet eine private Genossenschaft namens INOBAT die<br />
vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG), welche die Konsumentinnen und<br />
Konsumenten mit dem Kaufpreis von Batterien und Akkus entrichten. Das Ziel<br />
<strong>der</strong> INOBAT ist die Erhöhung <strong>der</strong> Sammelquote von gegenwärtig 70,6 Prozent<br />
auf den vom BAFU vorgegebenen Zielwert von 80 Prozent.<br />
Elektronische Geräte<br />
Seit 15 Jahren kümmert sich <strong>der</strong> Wirtschaftsverband Swico um die Entsorgung<br />
und das Recycling von Elektronik-Altgeräten. Im Jahr 2008 wurden 50'754<br />
Tonnen Elektronik-Altgeräte gesammelt. Aus den Geräten werden die<br />
folgenden Stoffe gewonnen:<br />
• 50 Prozent Metalle (Eisen, Aluminium, Kupfer o<strong>der</strong> Chromstahl)<br />
• 25 Prozent Kunststoffe<br />
• 15 Prozent Bildröhrenglas<br />
Leiterplatten sind mengenmässig zwar unbedeutend, enthalten aber<br />
verschiedene Edelmetalle (Gold, Silber, Palladium) und sind deshalb für die<br />
stoffliche Verwertung beson<strong>der</strong>s interessant. Knapp 1 Prozent <strong>der</strong><br />
114
verarbeiteten Menge sind Schadstoffe. Dazu gehören beispielsweise<br />
Batterien, Kondensatoren o<strong>der</strong> quecksilberhaltige Bauteile.<br />
Elektrogeräte und Leuchtmittel<br />
Die Stiftung SENS eRecycling betreibt ein gesamtschweizerisches<br />
Rücknahmesystem für elektrische und elektronische Geräte sowie für<br />
Leuchtmittel. Die Stiftung organisiert die Entsorgung für:<br />
• Haushaltkleingeräte<br />
• Haushaltgrossgeräte<br />
• Bau-, Garten- und Hobbygeräte<br />
• Spielwaren<br />
• Leuchten und Leuchtmittel<br />
6.5 Zielsetzung 2030 <strong>–</strong> die Abfallpyramide<br />
Auf nationaler Ebene gibt es zwei grundlegende Zielsetzungen zur<br />
Abfallverwertung und Abfallreduktion:<br />
• die Entkopplung <strong>der</strong> Abfallproduktion vom Wirtschaftswachstum<br />
• die Vermeidung schädlicher Auswirkungen von Abfall auf Mensch und<br />
Umwelt<br />
Das Bundesamt für Umwelt strebt bis 2030 einen gesamtwirtschaftlichen<br />
Materialkreislauf an, welcher zu 75 Prozent auf Sekundär- und nur noch zu 25<br />
Prozent auf Primärrohstoffen basiert. Die Abfallpyramide zeigt auf, wie diese<br />
Ziele erreicht werden sollen:<br />
115
Vermeiden steht über Vermin<strong>der</strong>n und Vermin<strong>der</strong>n über Verwerten (aus dem<br />
Englischen „Reduce, Reuse, Recycle“). Vermeidung hat für ein effektives<br />
Abfallmanagement somit oberste Priorität. Nur wo Abfall nicht vermieden<br />
werden kann, soll auf die Vermin<strong>der</strong>ung und schliesslich auf die Verwertung<br />
zurückgegriffen werden.<br />
6.6 Entsorgung im Logistikunternehmen<br />
In Logistikabteilungen und Logistikunternehmen fallen fast alle Arten von<br />
Abfällen an, in erster Linie aber Verpackungsmaterialien. In<br />
Produktionsunternehmen wird <strong>der</strong> Abfall aus <strong>der</strong> Produktion in <strong>der</strong> Regel über<br />
die Logistikabteilung entsorgt. Verteilbetriebe sind oft mit <strong>der</strong> Entsorgung von<br />
Rücknahmen ihrer Verkaufsstellen konfrontiert. Der Materialfluss <strong>der</strong> Abfälle<br />
und <strong>der</strong>en Bewirtschaftung richtet sich also nach den Aufgaben des<br />
Betriebes. Für die Entsorgung von Verpackungen werden meistens<br />
Ballenpressen o<strong>der</strong> Schred<strong>der</strong> eingesetzt.<br />
Ein Beispiel zu einem betrieblichen Entsorgungskonzept könnte wie folgt<br />
aussehen:<br />
116
Betriebliche Entsorgungskonzepte sind so vielfältig wie die Betriebe selbst. Das<br />
oben beschriebene Beispiel könnte auf einen mittelgrossen Verteilbetrieb<br />
zutreffen, <strong>der</strong> den Detailhandel beliefert. Nicht im Konzept enthalten ist die<br />
Entsorgung des Kehrichts aus dem eigenen Betrieb (Wischgut, Büroabfälle<br />
usw.). Logistikbetriebe können auch mit professionellen Entsorgungsfirmen<br />
zusammenarbeiten, die Ihre Dienste wie folgt anbieten:<br />
6.6.1 Checkliste als Vollzugshilfe im Entsorgungskonzept<br />
Für die Mitarbeitenden werden Checklisten als Vollzugshilfen erstellt. Die<br />
abgebildete Checkliste zeigt den einzelnen Mitarbeitenden, wie sie mit dem<br />
entsprechenden Abfall verfahren müssen.<br />
117
Aufbau <strong>der</strong> Checkliste:<br />
1 Abfallgruppe nach Bundesamt für Umwelt (BAFU); alphabetische<br />
Einordnung <strong>der</strong> Wertstoffe<br />
1. Abfallgruppe A: Unproblematische Abfälle, z. B. Hausmüll<br />
2. Abfallgruppe B: Abfälle mit Ansteckungsgefahr, z. B. mit Blut o<strong>der</strong><br />
Exkrementen behaftet<br />
3. Abfallgruppe C: Abfälle mit Erregern meldepflichtiger übertragbaren<br />
Krankheiten<br />
4. Abfallgruppe D: Son<strong>der</strong>abfälle; z. B. Altchemikalien, Lacke,<br />
Pflanzenschutzmittel<br />
5. Abfallgruppe E: Medizinische Abfälle mit aus ethischer Sicht<br />
zusätzliche Anfor<strong>der</strong>ungen; z. B. Organabfälle, Blutkonserven<br />
2 Wertstoff<br />
3 Symbol Kehricht<br />
4 Abfallgruppe nach BAFU<br />
5 Entsorgungsbehälter für den Wertstoff<br />
6 Hinweise zum Behälter<br />
7 Hinweise zum Umgang mit dem Wertstoff<br />
8 Sammelstelle <strong>der</strong> Organisationseinheit (z. B. Abteilung)<br />
9 Verantwortliche für den Transport zur Sammelstelle auf dem Areal<br />
10 Sammelstelle auf dem Areal<br />
11 Entsorger<br />
12 Symbol für Recycling<br />
13 Hinweise auf Gefahren<br />
14 Abfallklassierung nach VeVA (Verordnung über den Verkehr mit<br />
Abfällen)<br />
15 Im vorliegenden Beispiel ist es die Klasse 15 :<br />
15 Gefahrgutklasse nach ADR/SDR (ADR: Europäisches<br />
Übereinkommen über die internationale Beför<strong>der</strong>ung, SDR:<br />
Verordnung über die Beför<strong>der</strong>ung gefährlicher Güter auf <strong>der</strong> Strasse)<br />
118
6.7 Littering<br />
Littering bezeichnet das Wegwerfen o<strong>der</strong> Liegenlassen kleiner Mengen<br />
Siedlungsabfall, ohne dass die bereitstehenden Entsorgungsstellen benutzt<br />
119
werden. Knapp drei Viertel <strong>der</strong> Gemeinden erachten Littering als Problem.<br />
Littering ist ein Ärgernis für alle und generiert hohe Kosten. Zu beobachten ist<br />
diese Unsitte vor allem auf Strassen, öffentliche Plätzen, in Parkanlagen und<br />
nach Grossanlässen. Die grössten Verschmutzungsanteile stammen von<br />
Einwegverpackungen und Getränkegebinden aus <strong>der</strong> "fliegenden<br />
Verpflegung" (Getränkeverpackungen und Take-away-Behälter),<br />
Printprodukten (Zeitungen, gedruckte Werbung) und Zigarettenstummel.<br />
Littering wird nicht nur von Jugendlichen verursacht, son<strong>der</strong>n von allen<br />
Altersgruppen. Es ein gesellschaftliches Problem und lässt sich nur mit <strong>der</strong> Hilfe<br />
von allen lösen. Littering-Abfälle sind Siedlungsabfälle. Die Zuständigkeit für<br />
<strong>der</strong>en Entsorgung liegt bei den Kantonen.<br />
6.7.1 Ursachen von Littering<br />
Die Ursachen für Littering sind vielfältig. Der öffentliche Raum und die freie<br />
Natur werden zum mobilen Raum. Viele Aktivitäten werden beson<strong>der</strong>s in den<br />
Sommermonaten aus dem privaten in den öffentlichen Bereich verlagert. Dies<br />
war z. B. während <strong>der</strong> Covid-19-Pandemie verstärkt <strong>der</strong> Fall, woraufhin das<br />
Littering sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt hat. Einen weiteren Grund<br />
findet man in <strong>der</strong> geringen sozialen Kontrolle im öffentlichen Raum.<br />
Anonymität erhöht die Wahrscheinlichkeit, Reste unkontrolliert liegen zu<br />
lassen. Dieses Verhalten kann durch Gruppeneffekte zusätzlich verstärkt<br />
werden, wobei die persönliche Werthaltung einen wesentlichen Einfluss auf<br />
Littering hat.<br />
Merke: Die Ursache von Littering liegt bei <strong>der</strong> persönlichen Wertehaltung<br />
des Menschen.<br />
6.7.2 Auswirkungen<br />
Die Auswirkungen von Littering sind vielfältig, und wir alle sind davon<br />
betroffen. Das BAFU unterteilt die Auswirkungen in drei Gruppen: ästhetische,<br />
ökologische und ökonomische Auswirkungen.<br />
Ästhetische Auswirkungen<br />
Sauberkeit ist ein wesentlicher Bestandteil und wichtiger Aspekt für die<br />
Lebensqualität <strong>der</strong> Bevölkerung und das Image einer Stadt o<strong>der</strong> eines<br />
an<strong>der</strong>en öffentlichen Raumes. Littering ist eine optische Belästigung und<br />
beeinträchtigt somit die Qualität eines Lebensraumes. Touristenstädte sind<br />
120
eson<strong>der</strong>s darauf angewiesen, einen sauberen und freundlichen Eindruck zu<br />
machen.<br />
Touristen Stadt?<br />
Ökologische Auswirkungen<br />
Gelitterte Materialien lassen sich nicht in Stoffkreisläufe zurückführen und<br />
werden somit <strong>der</strong> Wie<strong>der</strong>verwertung entzogen. Es müssen neue Ressourcen<br />
mit all den damit einhergehenden Umweltauswirkungen gewonnen und<br />
verarbeitet werden. Littering ist ebenfalls eine Gefährdung für Tiere und<br />
Pflanzen und damit verbunden auch für den Menschen. Ein Schaden entsteht<br />
somit nicht nur in Hinsicht auf den zusätzlichen Produktionsprozess, <strong>der</strong><br />
notwendig wird, son<strong>der</strong>n auch aufgrund <strong>der</strong> Umweltauswirkungen <strong>der</strong><br />
herumliegenden Produkte.<br />
Ökonomische Auswirkungen<br />
Nicht nur ökologische, son<strong>der</strong>n auch ökonomische Gedanken sprechen<br />
gegen Littering. Littering ist teuer. Die Reinigungskosten belaufen sich jährlich<br />
auf rund 200 Millionen Franken. Zusätzlich fallen hohe Kosten für<br />
Präventionsmassnahmen und Aufklärungskampagnen an. Im erweiterten<br />
Sinne entstehen auch Kosten, wenn aufgrund <strong>der</strong> Verschmutzung Touristen<br />
einem Ort fernbleiben.<br />
121
Littering-Reinigungskosten im öffentlichen Verkehr, total: 48 Mio. CHF/Jahr<br />
Zigaretten 5 % 2,4 Mio CHF<br />
Take-away-Verpackungen 26 % 12,5 Mio CHF<br />
Zeitungen und Flyer 24 % 11,4 Mio CHF<br />
Getränkeverpackungen 36 % 17,1 Mio CHF<br />
Diverses 9 % 4,3 Mio CHF<br />
Littering-Reinigungskosten in den Gemeinden, total: 144 Mio. CHF/Jahr<br />
Zigaretten 36 % 52,5 Mio CHF<br />
Take-away-Verpackungen 19 % 26,7 Mio CHF<br />
Zeitungen und Flyer 5 % 7,1 Mio CHF<br />
Getränkeverpackungen 35 % 50,6 Mio CHF<br />
Diverses 5 % 7,3 Mio CHF<br />
Quelle: BAFU<br />
6.7.3 Littering-Typen<br />
Es gibt nicht nur einen Littering-Typen, son<strong>der</strong>n es sind unterschiedliche<br />
Beweggründe, die zu Littering führen. Die Motivation dafür ist abhängig von<br />
verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel, Umfeld, Kultur, Bildung und<br />
Wohlstand. Bisher wurden in einigen wenigen Studien solche Littering-<br />
Typologien erstellt. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Typologie anhand<br />
einer ENCAMS-Studie (Environmental Campaigns), die auf Aussagen von<br />
Jugendlichen zum Thema Littering basiert:<br />
122
Die Vertreter <strong>der</strong> einzelnen Littering-Typen verhalten sich in Gruppen prinzipiell<br />
an<strong>der</strong>s, als wenn sie alleine sind - in Gruppen wird tendenziell mehr gelittert.<br />
6.7.4 Massnahmen<br />
Littering kann nur wirkungsvoll bekämpft werden, wenn verschiedene<br />
Massnahmen kombiniert und gezielt ergriffen werden. Die grösste Wirkung<br />
zeigen Massnahmen, die beim Verhalten des Menschen ansetzen. Die<br />
Erziehung durch vorbildliches Verhalten zeigt die grösste Wirkung. Ausserdem<br />
können folgende drei Massnahmen helfen:<br />
Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung: Dies kann über Werbeplakate,<br />
Inserate, Events, Facebook usw. in den Gemeinden und Quartieren<br />
123
geschehen. Unterstützung in Form von Plakaten o<strong>der</strong> Fachpersonen können<br />
dabei gratis bei <strong>der</strong> Interessengemeinschaft für Umwelt (IGSU) bestellt o<strong>der</strong><br />
gebucht werden.<br />
Information und Bildung: Der Aufbau von umweltbezogenem Wissen und<br />
konkreten Handlungskompetenzen ist vor allem bei jungen Menschen sehr<br />
wichtig. Verschiedene Organisationen bieten umfangreiches<br />
Unterrichtsmaterial o<strong>der</strong> Schulbesuche an, um den Kin<strong>der</strong>n und Jugendlichen<br />
einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu<br />
zeigen. Wie<strong>der</strong>holende Aktivitäten zum Thema zeigen dabei die grössten<br />
Erfolge.<br />
Sanktionen: Sensibilisierungs- und Informationsarbeit ist sinnvoll, zeigt aber<br />
nicht immer und nicht bei allen Bevölkerungsgruppen die gewünschte<br />
Wirkung. Deshalb wurde in einigen Kantonen und Städten die gesetzliche<br />
Grundlage für eine Littering-Busse geschaffen. An<strong>der</strong>e Städte verzichten auf<br />
Bussen, da diese Sanktion in <strong>der</strong> Realität nicht umsetzbar sei.<br />
124
Modul 107_Abfallkategorien CH<br />
Ausgangslage<br />
In Modul 106 wurde aufgezeigt, dass in <strong>der</strong> Schweiz mit drei Entsorgungswegen<br />
gearbeitet wird. Angesichts <strong>der</strong> Vielfalt an Abfallkategorien kann die Zuteilung zum<br />
richtigen Entsorgungsweg eine Herausfor<strong>der</strong>ung darstellen. In diesem Modul geht es<br />
darum, die verschiedenen Abfallkategorien zu erkennen. Zudem wird aufgezeigt,<br />
wie <strong>der</strong> Entsorgungsprozess aussieht, wenn Abfall nicht über den klassischen Weg<br />
entsorgt werden kann. Beson<strong>der</strong>s <strong>der</strong> "Son<strong>der</strong>abfall" weist Schwierigkeiten bei <strong>der</strong><br />
Entsorgung auf. Aus diesen Schwierigkeiten können auch schnell grössere Gefahren<br />
entstehen.<br />
125
Fachartikel Modul 107<br />
7. Abfallkategorien<br />
In Modul 106 wurde aufgezeigt, dass in <strong>der</strong> Schweiz pro Jahr 80 bis 90<br />
Tonnen Abfall generiert werden. Rund zwei Drittel davon sind Aushub- und<br />
Ausbruchsmaterial. Da dieses zu einem grossen Teil direkt wie<strong>der</strong> eingesetzt<br />
werden kann, wird es in einigen Statistiken nicht als Abfall aufgeführt.<br />
Werden das Aushub- und Ausbruchmaterial nicht gerechnet, werden pro<br />
Jahr in <strong>der</strong> Schweiz 24 Millionen Tonnen Abfall produziert. Das sind knapp 2,5<br />
Tonnen pro Einwohner. Die Abfälle werden vom Bundesamt für Umwelt in vier<br />
Kategorien eingeteilt, die jeweils Unterkategorien haben.<br />
Von den 24 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr entfallen rund 65 Prozent auf<br />
Bauabfälle. Die Siedlungsabfälle machen einen wesentlich kleineren Anteil<br />
von rund 5,7 Millionen Tonnen aus. Sie werden in den KVA verbrannt. Die<br />
Menge <strong>der</strong> Siedlungsabfälle hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Die<br />
Son<strong>der</strong>abfälle betragen 2,4 Millionen Tonnen pro Jahr und <strong>der</strong> Klärschlamm<br />
0,2 Millionen Tonnen.<br />
Bauabfälle<br />
126
Bauabfälle<br />
In <strong>der</strong> Schweiz werden grosse Mengen von Bauabfällen in einer Vielzahl von<br />
kleinen, oft wenig zweckmässig gebauten und betriebenen Deponien<br />
abgelagert. Die Bauabfälle werden unterteilt in: Bausperrgut (Sortierung),<br />
Bauschutt, Betriebsabfälle, Industrie- und Gewerbeabfälle. Zu den Industrieund<br />
Gewerbeabfällen zählen alle Abfälle, die bei Produktionsprozessen<br />
anfallen. Dazu gehören Abfälle aus Industrie und Gewerbe, die we<strong>der</strong> als<br />
Son<strong>der</strong>abfälle noch als Siedlungsabfälle gelten, etwa gewisse Schlacken aus<br />
<strong>der</strong> Metallverarbeitung, Giessereisand o<strong>der</strong> Schlämme aus <strong>der</strong> Herstellung<br />
von Papier. Die Industrieabfälle werden auf an<strong>der</strong>en Wegen entsorgt als die<br />
Siedlungsabfälle, vor allem wegen <strong>der</strong> anfallenden Mengen und <strong>der</strong><br />
unterschiedlichen Schädlichkeit.<br />
Siedlungsabfälle<br />
Siedlungsabfälle sind einerseits die aus Haushalten stammenden Abfälle und<br />
an<strong>der</strong>erseits Abfälle mit vergleichbarer Zusammensetzung. Dazu gehören <strong>der</strong><br />
gemischte Kehricht (Hausmüll), Sperrgut und alles, was separat gesammelt<br />
wird. Der Siedlungsabfall wird von Gemeinden und Zweckverbänden<br />
mengenmässig erfasst: kompostierbare Abfälle, Hauskehricht (Sack- und<br />
Containerkehricht/Sperrgut), Glas, Metalle, Kunststoffe usw.<br />
Son<strong>der</strong>abfälle<br />
Die Entsorgung <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle wird nach den Bestimmungen <strong>der</strong><br />
Verordnung über den Verkehr mit Son<strong>der</strong>abfällen (VVS) von den Kantonen<br />
und vom Bund kontrolliert. Das sind alle Abfälle, die im konventionellen<br />
Verfahren nicht umweltverträglich verwertet o<strong>der</strong> behandelt werden können.<br />
Charakteristisch ist die Vielfalt <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle, entsprechend differenziert<br />
müssen die Behandlungs- und Verwertungsmassnahmen ausgestaltet<br />
werden. Der grösste Teil <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>abfälle stammt aus Industrie und<br />
Gewerbe. Son<strong>der</strong>abfälle sind z. B. Schlämme mit organischer Belastung,<br />
anorganische Feststoffe, Säuren und Laugen mit Schwermetallen, Batterien<br />
und Akkumulatoren, verunreinigtes Erdreich, Filterhilfsmittel sowie<br />
Chemikalienreste.<br />
127
Klärschlamm<br />
Klärschlamm entsteht bei <strong>der</strong> Abwasserreinigung. Er besteht aus<br />
mineralischen und organischen Feststoffen mit einem Wassergehalt von 90-99<br />
Prozent.<br />
7.1 Abfälle von A-Z<br />
Neben den vier Hauptkategorien gibt es zahlreiche Unterkategorien, denen<br />
Abfälle zugeordnet werden können. Folgend eine umfassende Auswahl:<br />
Altholz<br />
Holzabfälle werden bei <strong>der</strong> Entsorgung durch ihren<br />
Schadstoffgehalt unterschieden. Sie können in die<br />
folgenden Kategorien unterteilt werden:<br />
• naturbelassenes Holz aus dem Wald<br />
• Schleifstaub aus Schreinereien<br />
• lackierte o<strong>der</strong> beschichtete Möbelstücke<br />
• mit Holzschutzmitteln imprägniertes Holz<br />
Für die Verbrennung in offenen Feuern o<strong>der</strong><br />
Feuerungsanlagen ohne Rauchgasfilter eignet sich nur<br />
unbehandeltes, also naturbelassenes Holz. Alle<br />
behandelten Hölzer sollten nur in einer<br />
Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt werden. Dies gilt<br />
auch für alle Arten von Spanplatten. Gewerbliche o<strong>der</strong><br />
industrielle Holzabfälle können direkt den Betreibern von<br />
Lager- o<strong>der</strong> Schred<strong>der</strong>plätzen für Altholz geliefert werden.<br />
Kleinmengen aus Haushaltungen und Kleinbetrieben<br />
werden über die kommunale Sperrgutsammlung entsorgt.<br />
Altreifen<br />
Die separate Sammlung und Verwertung o<strong>der</strong> Entsorgung<br />
von ausgedienten Fahrzeugreifen ist ökologisch sinnvoll.<br />
Qualitativ einwandfreie Altreifen können mit einer neuen<br />
Lauffläche versehen werden (Run<strong>der</strong>neuerung). Dadurch<br />
werden Ressourcen geschont und die Umweltbelastung<br />
bei <strong>der</strong> Herstellung reduziert. Dadurch lassen sich grössere<br />
128
Mengen fossiler Energieträger einsparen. Das Deponieren<br />
ausgedienter Altreifen ist seit dem Jahr 2000 verboten.<br />
Altreifen werden durch Garagisten und regionale<br />
Altautoverwerter über Altreifenhändler den<br />
verschiedenen Verwertungs- o<strong>der</strong> Behandlungskanälen<br />
zugeführt. Das <strong>der</strong>zeit beste Entsorgungsverfahren von<br />
nicht mehr erneuerbaren Altreifen ist das Verbrennen in<br />
Zementwerken. Aber nicht alle Zementwerke verfügen<br />
über ebenso wirksame Rauchgasreinigungsanlagen wie<br />
die KVA.<br />
Aluminiumverpackungen und Getränkedosen<br />
Das Sammeln und Verwerten von<br />
Aluminiumgetränkedosen ist ökologisch sinnvoll. Durch<br />
das Einschmelzen von Alt-Aluminium können gegenüber<br />
<strong>der</strong> Herstellung aus dem Rohstoff Bauxit bis zu 95 % Energie<br />
eingespart werden. Für Aluminiumgetränkedosen stehen<br />
an gut frequentierten Verkaufs- und Konsumstellen und<br />
bei den Gemeindesammelstellen Dosenpressen zur<br />
Verfügung. Die separat gesammelten Aluminiumdosen<br />
haben einen recht hohen Marktwert. Sie werden in<br />
spezialisierten Umschmelzwerken im grenznahen Ausland<br />
ohne Qualitätsverlust für die Herstellung neuer<br />
Getränkedosen aufbereitet.<br />
Aushubmaterial<br />
Aushubmaterial besteht hauptsächlich aus Fels und<br />
Erdreich und fällt beim Bau von Strassen und Gebäuden<br />
an. Auch durch Naturkatastrophen wie Felsstürze, Lawinen<br />
und Erdrutsche können enorme Mengen solcher<br />
Materialien anfallen. Aushubmaterial lässt sich in die zwei<br />
Kategorien unterteilen:<br />
• verschmutztes Aushubmaterial<br />
• unverschmutztes Aushubmaterial<br />
Unverschmutztes Aushubmaterial wird zur<br />
Wie<strong>der</strong>auffüllung von Gruben verwendet. Ein geringer Teil<br />
des unbelasteten Materials wird zu Schotter verarbeitet<br />
129
und auf Baustellen eingesetzt. Der Rest wird in Deponien<br />
abgelagert. Verschmutztes Aushubmaterial wird von<br />
Fachleuten als "kontaminiert" bezeichnet. Die<br />
Behandlung richtet sich nach dem Verschmutzungsgrad.<br />
Der Rückbau <strong>der</strong> Son<strong>der</strong>mülldeponie Kölliken erfolgt zum<br />
Beispiel im Vollschutzanzug.<br />
Batterien und Akkumulatoren<br />
Die Konsumenten sind verpflichtet, gebrauchte Batterien<br />
und Akkus zu den Verkaufsstellen zurückzubringen o<strong>der</strong> in<br />
speziellen Sammelstellen zu deponieren. Je<strong>der</strong> Händler ist<br />
zur unentgeltlichen Rücknahme <strong>der</strong> Batterien und Akkus<br />
verpflichtet (Ausnahme: Akkus über 5 kg). Der Transport<br />
von den Sammelstellen in die Verwertungsanlage ist<br />
grundsätzlich kostenlos. Mit verschiedenen<br />
Informationsmitteln wird die Bevölkerung auf die<br />
Rückgabepflicht aufmerksam gemacht. Batterien und<br />
Akkus enthalten wertvolle Rohstoffe wie Eisen, Nickel,<br />
Mangan und Zink. Teilweise enthalten sie aber auch die<br />
schädlichen Schwermetalle Cadmium und Blei, früher<br />
auch Quecksilber. Batterien und Akkumulatoren werden<br />
mit einer obligatorischen vorgezogenen<br />
Entsorgungsgebühr verkauft. Diese Gebühr ist im<br />
Verkaufspreis inbegriffen und deckt die Kosten für die<br />
Sammlung, den Transport und die Verwertung.<br />
Biogene Abfälle (Grüngut)<br />
Die Kompostierung o<strong>der</strong> Vergärung <strong>der</strong> biogenen Abfälle<br />
weist gegenüber <strong>der</strong> Verbrennung in einer<br />
Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) deutliche ökologische<br />
Vorteile auf. In <strong>der</strong> Schweiz fallen jährlich rund 1,3<br />
Millionen Tonnen organische Abfälle an. 740'000 Tonnen<br />
werden in den 333 Kompostier- und Vergärungsanlagen<br />
mit mehr als 100 Jahrestonnen Kapazität verarbeitet. Im<br />
eigenen Garten und auf Quartierkompostplätzen dürften<br />
weitere 300'000 Tonnen verwertet werden. Rund 250'000<br />
Tonnen gelangen aber immer noch mit dem normalen<br />
Kehricht in die KVA.<br />
130
Elektrische und elektronische Geräte<br />
Elektrische und elektronische Geräte können bei je<strong>der</strong><br />
Verkaufsstelle gratis zur Entsorgung abgegeben werden.<br />
Diese Geräte enthalten grosse Mengen an verwertbaren<br />
Metallen wie Kupfer und Eisen sowie an Schwermetallen<br />
wie Blei, Zink und Cadmium. Die im Siedlungsabfall<br />
enthaltenen Metalle stammen zu einem grossen Teil von<br />
solchen Geräten. Ein hoher Schwermetallgehalt erschwert<br />
den Betrieb <strong>der</strong> Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA)<br />
sowie die Behandlung und Verwertung <strong>der</strong><br />
Verbrennungsrückstände. Verwertbare Metalle aus den<br />
Geräten gehen beim Verbrennen weitgehend verloren<br />
o<strong>der</strong> können nur mit grossem Aufwand zurückgewonnen<br />
werden. Die separate Sammlung und umweltverträgliche<br />
Entsorgung ausgedienter elektrischer und elektronischer<br />
Geräte entlastet den Siedlungsabfall von Schwermetallen.<br />
Die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und<br />
die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte<br />
(VREG) schreibt vor, dass Händler, Hersteller und<br />
Importeure verpflichtet sind, die Geräte, die sie in ihrem<br />
Sortiment führen, gratis zurückzunehmen, auch wenn <strong>der</strong><br />
Kunde kein neues Gerät kauft.<br />
Glasverpackungen<br />
Das separate Sammeln von Verpackungsglas hat sich in<br />
<strong>der</strong> Bevölkerung etabliert. Üblicherweise wird<br />
Verpackungsglas in öffentlichen Sammelstellen in<br />
Containern gesammelt. Das Altglas wird mehrheitlich in<br />
Form von Bruchglas gesammelt, getrennt nach den<br />
Farben Weiss, Braun und Grün. In einigen Gemeinden<br />
werden intakte Flaschen für die Wie<strong>der</strong>verwendung in<br />
speziellen Behältern gesammelt. Das gesammelte Altglas<br />
wird für die Produktion von neuen Glasbehältern<br />
eingeschmolzen. Das restliche Altglas wird zur Herstellung<br />
von Bau- und Isoliermaterialien verwendet.<br />
131
Klärschlamm<br />
In den kommunalen Abwasserreinigungsanlagen <strong>der</strong><br />
Schweiz fallen jährlich etwa 4 Millionen Tonnen flüssiger<br />
Klärschlamm an. Die Trockensubstanz dieser Menge<br />
beträgt rund 200'000 Tonnen. Der Klärschlamm enthält<br />
zwar Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, aber<br />
auch Schwermetalle, potenzielle Krankheitserreger und<br />
organische Schadstoffe. Der ökologische Wert als Dünger<br />
war trotz des sinnvollen Kreislaufgedankens deshalb immer<br />
wie<strong>der</strong> umstritten. Seit 2003 ist in <strong>der</strong> Schweiz die Düngung<br />
mit Klärschlamm verboten.<br />
Kühlgeräte<br />
Bis 1994 verkaufte Kühlgeräte enthalten in <strong>der</strong> Isolation<br />
und als Kühlmittel Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW).<br />
FCKW beeinträchtigt die Ozonschicht, welche die Erde<br />
vor <strong>der</strong> UV-Strahlung <strong>der</strong> Sonne schützt. Kühlgeräte fallen<br />
unter die Regelungen <strong>der</strong> Verordnung über die<br />
Rückgabe, die Rücknahme und Entsorgung elektrischer<br />
und elektronischer Geräte (VREG). Die Geräte müssen von<br />
den Konsumentinnen und Konsumenten separat<br />
gesammelt werden. Ausgediente Kühlgeräte können<br />
landesweit bei über 500 offiziellen Sammelstellen o<strong>der</strong> bei<br />
allen Verkaufsstellen gratis abgegeben werden. In vielen<br />
Gemeinden nehmen auch die bedienten Sammelstellen<br />
ausgediente Kühlgeräte zurück.<br />
Kunststoffe<br />
Kein an<strong>der</strong>er Werkstoff für Massenprodukte hat sich in den<br />
letzten vier Jahrzehnten so rasant verbreitet wie <strong>der</strong><br />
Kunststoff. Neben <strong>der</strong> Sammlung von PET-<br />
Getränkeflaschen werden immer noch grosse Mengen<br />
von Kunststoff in den KVA verbrannt. Für das<br />
sachgerechte Recycling von Kunststoffen besteht daher<br />
noch grosses Potenzial.<br />
Leuchtstofflampen<br />
Leuchtstofflampen eignen sich nicht für die Entsorgung<br />
mit dem Hauskehricht, da sie Quecksilber und weitere<br />
132
Schwermetalle enthalten. Seit dem 1. August 2005 können<br />
Leuchtstofflampen gratis bei je<strong>der</strong> Verkaufsstelle o<strong>der</strong> bei<br />
den offiziellen Abgabestellen von SENS eRecycling<br />
abgegeben werden. Händler, Hersteller und Importeure<br />
sind verpflichtet, Produkte, die sie in ihrem Sortiment<br />
führen, gratis zurückzunehmen. Als Leuchtstofflampen<br />
gelten Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen und<br />
Leuchten, nicht aber die normalen Glühlampen und<br />
Halogenlampen. Diese enthalten keine Schadstoffe und<br />
können problemlos mit dem Siedlungsabfall entsorgt<br />
werden.<br />
Medizinische Abfälle<br />
Medizinische Abfälle werden in Krematorien o<strong>der</strong> KVA<br />
entsorgt. Die Anlieferung erfolgt in speziellen Behältern, da<br />
die Abfälle infektiös sein können. Eine Verordnung<br />
definiert die medizinischen Son<strong>der</strong>abfälle und <strong>der</strong>en<br />
Entsorgung. Der Stand <strong>der</strong> Technik für den Umgang mit<br />
medizinischen Abfällen wird von <strong>der</strong> Verantwortlichkeit<br />
über die Sammlung, Zwischenlagerung bis zur Behandlung<br />
und Beseitigung beschrieben. Der Anhang enthält<br />
detaillierte Informationen zu den einzelnen Gruppen<br />
medizinischer Son<strong>der</strong>abfälle.<br />
Metalle<br />
Die separate Sammlung und Verwertung von Altmetallen<br />
ist aus ökologischer Sicht sinnvoll. Altmetalle lassen sich<br />
unterscheiden in<br />
• Eisenmetalle (sind magnetisch)<br />
• Nichteisenmetalle (Kupfer, Messing)<br />
• Graumetalle (Blei, Zink, Zinn, Aluminium)<br />
• Edelmetalle (Gold, Silber)<br />
Von den Gemeindesammelstellen werden in <strong>der</strong> Schweiz<br />
jährlich rund 60'000 Tonnen Altmetalle gesammelt. Die<br />
meisten Gemeinden stellen mindestens eine<br />
Altmetallsammelstelle zur Verfügung. Gewerbe und<br />
133
Industrie liefern ihr Altmetall direkt an die regionalen<br />
Altstoffhändler.<br />
Möbel<br />
Die Entsorgung von ausgedienten Möbeln stellt heute kein<br />
vordringliches ökologisches Problem dar. Die meisten<br />
nicht mehr benötigten Möbel werden mit <strong>der</strong><br />
Sperrgutsammlung entsorgt. Oft nehmen die<br />
Möbelgeschäfte die alten Möbel beim Kauf neuer<br />
gleichartiger Möbel zurück. Second-Hand-Geschäfte wie<br />
Tauschzentren, Brockenstuben o<strong>der</strong> Börsen nehmen noch<br />
brauchbare Möbel meist gratis entgegen.<br />
Papier und Karton<br />
Die Sammlung von Altpapier und -karton wird in <strong>der</strong><br />
Schweiz seit Jahrzehnten betrieben und ist den meisten<br />
Einwohnern zur Gewohnheit geworden. Weit verbreitet ist<br />
die Sammlung am Strassenrand. Je nach Verwerter erfolgt<br />
die Sammlung von Altpapier separat o<strong>der</strong> gemeinsam mit<br />
dem Altkarton. Die Sammelware wird entwe<strong>der</strong> direkt an<br />
die Papier- o<strong>der</strong> Kartonfabriken geliefert o<strong>der</strong> in<br />
Sortierbetrieben nach verschiedenen Qualitäten<br />
aufbereitet. Oft entspricht die Qualität <strong>der</strong> Sammelware<br />
den Bedürfnissen <strong>der</strong> inländischen Verwerter aber nicht.<br />
Deshalb wird das Sammelgut oft exportiert und die<br />
benötigten Qualitäten an Altpapier importiert.<br />
PET-Getränkeflaschen<br />
Neuere Ökobilanzen zeigen, dass Einweg-<br />
Getränkeflaschen aus PET, die einen hohen Rücklauf in<br />
die Verwertung aufweisen, die Umwelt nicht wesentlich<br />
stärker belasten als Mehrweg-Glasflaschen. Das<br />
Hauptproblem bei <strong>der</strong> Entsorgung von PET-Flaschen liegt<br />
darin, dass sie noch viel zu häufig im Kehricht landen o<strong>der</strong><br />
einfach auf Strassen und öffentlichen Plätzen<br />
weggeworfen werden. PET-Flaschen müssen sortenrein<br />
gesammelt werden. Milchflaschen aus Polyethylen (PE)<br />
o<strong>der</strong> Essig- und Ölflaschen aus PET verursachen eine<br />
unerwünschte Verunreinigung des Sammelgutes. Diese<br />
134
Flaschen werden mit dem Hauskehricht entsorgt. Das<br />
Sammelstellennetz für PET-Getränkeflaschen umfasst<br />
mittlerweile über 26'000 Stellen mit über 40'000<br />
Sammelbehältern.<br />
Stahlblech, Weissblech<br />
Die separate Sammlung und Verwertung sauberer<br />
Stahlblech und Weissblechverpackungen ist ökologisch<br />
sinnvoll. Weissblech ist Stahlblech, das mit einer<br />
Zinnschicht korrosionsbeständig gemacht wurde. In den<br />
rund 5'000 von den Gemeinden zur Verfügung gestellten<br />
Sammelstellen wurden nach letzten Erhebungen 12'000<br />
Tonnen Stahl- und Weissblech dem Recycling zugeführt.<br />
Dies entspricht einem Rücklauf von 79 Prozent.<br />
Textilien und Schuhe<br />
Die Sammlung von alten Klei<strong>der</strong>n ist aus ökologischer Sicht<br />
sinnvoll. Je<strong>der</strong> Schweizer benötigt pro Jahr etwa 18<br />
Kilogramm Textilien. Davon sind rund 10 kg Klei<strong>der</strong>.<br />
Jährlich werden rund 40 000 Tonnen Altklei<strong>der</strong> und Schuhe<br />
gesammelt und den unterschiedlichen Verwertungsarten<br />
zugeführt. Weitere 40'000 Tonnen Textilien werden mit dem<br />
Hauskehricht entsorgt. Dabei handelt es sich weniger um<br />
tragbare Klei<strong>der</strong> als um Artikel mit komplexen<br />
Fasermischungen. Hilfswerke sammeln in <strong>der</strong> Schweiz<br />
Altklei<strong>der</strong> beinahe flächendeckend.<br />
Verpackungen<br />
Die Schweiz verfolgt seit über 20 Jahren eine Strategie zur<br />
Optimierung von Verpackungen. Sie sollen während des<br />
ganzen Lebenszyklus, von <strong>der</strong> Herstellung über den<br />
Gebrauch bis zur Entsorgung, die Umwelt möglichst wenig<br />
belasten. Dank dieser recht lange bestehenden<br />
Sensibilisierung setzen die Schweizer Grossverteiler für<br />
gebräuchliche Konsumgüter in <strong>der</strong> Regel optimierte<br />
Verpackungen ein. Sie sind leicht und für das Recycling<br />
o<strong>der</strong> die problemlose Entsorgung mit den<br />
Siedlungsabfällen konzipiert.<br />
135
7.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen<br />
Die geordnete Beseitigung des Abfalls ist für jedes Land von zentraler<br />
Bedeutung. Stelle man sich die Auswirkungen vor, wenn hierzulande<br />
je<strong>der</strong>mann seinen Abfall uneingeschränkt und überall hinterlassen könnte,<br />
o<strong>der</strong> wenn die Gemeinden nicht für eine geregelte Beseitigung sorgen<br />
würden: die Folge wäre eine "Riesensauerei". Die Umwelt würde Schaden<br />
nehmen, die Lebensqualität wäre stark beeinträchtigt, die Touristen würden<br />
ausbleiben. Aus diesem Grund hat die Abfallbewirtschaftung in den<br />
Gesetzeswerken einen hohen Stellenwert.<br />
7.2.1 Die Bundesverfassung (BV)<br />
Die Bundesverfassung (BV) steht auf <strong>der</strong> obersten Stufe <strong>der</strong> Schweizer<br />
Rechtsordnung. Sie regelt Grundrechte und erteilt Aufträge an den Bund.<br />
Artikel 74 Bundesverfassung (BV)<br />
"Umweltschutzgesetz":<br />
"Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner<br />
natürlichen Umwelt vor schädlichen o<strong>der</strong> lästigen Einwirkungen."<br />
Bundesgesetze beruhen auf Aufträgen <strong>der</strong> Bundesverfassung und setzen<br />
Rechte und Pflichten in Ziele, Prinzipien und Werte (z. B. Grenzwerte) um.<br />
Verordnungen basieren auf Gesetzen und legen die<br />
Ausführungsbestimmungen fest.<br />
136
7.2.2 Das Umweltschutzgesetz (USG)<br />
1971 nahm das Stimmvolk mit 93 Prozent den Artikel 74 BV als Grundlage einer<br />
Umweltschutzgesetzgebung auf nationaler Ebene an. Die gesetzgebenden<br />
Organe taten sich aufgrund von Interessenskonflikten aber schwer mit <strong>der</strong><br />
Ausgestaltung des Umweltschutzgesetzes. Deshalb wurde es erst 1983<br />
verabschiedet. Im Umweltschutzgesetz wird Folgendes geregelt:<br />
• die Vermeidung und Entsorgung<br />
• die Abfallplanung und Entsorgungspflicht<br />
• die Finanzierung <strong>der</strong> Entsorgung<br />
• die Sanierung belasteter Standorte<br />
Merke: Der Schwerpunkt <strong>der</strong> im USG erlassenen Vorschriften liegt bei <strong>der</strong><br />
Vermeidung <strong>der</strong> Umweltgefährdung durch Abfall.<br />
7.2.3 Verordnungen<br />
Im Wesentlichen regeln drei Verordnungen den Umgang mit Abfall. Sie<br />
basieren auf dem Umweltschutzgesetz (USG) und dem Gewässerschutzgesetz<br />
(GSchG):<br />
Die Technische Verordnung über Abfälle (TVA)<br />
Die TVA enthält Bestimmungen über:<br />
• das Vermin<strong>der</strong>n und Behandeln von Abfällen<br />
• das Deponieren von Abfällen<br />
• die Zwischenlagerung von Abfällen<br />
• Abfallverbrennungsanlagen<br />
• Kompostierungsanlagen<br />
Die Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA)<br />
Die VeVa enthält Bestimmungen über:<br />
• Verkehr mit Abfällen im Inland (Übergabe, Entgegennahme, Transport von<br />
Son<strong>der</strong>abfällen)<br />
137
• Grenzüberschreiten<strong>der</strong> Verkehr mit Abfällen<br />
• Vollzug <strong>der</strong> Verordnung<br />
Die VeVA bezieht sich auf Son<strong>der</strong>abfälle und an<strong>der</strong>e kontrollpflichtige<br />
Abfälle. Die Arbeit im Zusammenhang mit <strong>der</strong> Annahme von Abfall unterliegt<br />
sowohl einzelnen Bestimmungen <strong>der</strong> TVA als auch <strong>der</strong> VeVA.<br />
Die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung<br />
elektrischer und elektronischer Geräte (VREG)<br />
Die VREG regelt die Rückgabe, Rücknahme und Entsorgung elektrischer und<br />
elektronischer Geräte. Dazu gehören:<br />
• Geräte <strong>der</strong> Unterhaltungs-, Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik<br />
• Haushaltgeräte<br />
• Leuchten<br />
• Leuchtmittel<br />
• Elektrowerkzeuge<br />
• Sport- und Freizeitgeräte, Spielzeug<br />
7.3 Son<strong>der</strong>abfälle<br />
7.3.1 Was ist Son<strong>der</strong>abfall?<br />
Als Son<strong>der</strong>abfall wird diejenige Abfallkategorie bezeichnet, die aufgrund ihrer<br />
chemischen o<strong>der</strong> physikalischen Eigenschaften schädliche Auswirkungen auf<br />
die Umwelt o<strong>der</strong> den Menschen hat und daher eine beson<strong>der</strong>e Behandlung<br />
erfor<strong>der</strong>t. Son<strong>der</strong>abfall kann nicht zusammen mit Siedlungsabfällen<br />
gesammelt und entsorgt werden. Son<strong>der</strong>abfälle sind zum Beispiel:<br />
Farben, Klebstoffe, Lösungsmittel, Säuren, Basen, Chemikalien,<br />
Reinigungsmittel, Batterien und Akkumulatoren, Öle und Fette, mit<br />
Schadstoffen getränkte Böden, Rückstände aus <strong>der</strong> Straßenreinigung,<br />
Rückstände aus Kohlenwasserstoffabschei<strong>der</strong>n, gebrauchte Motoröle,<br />
Autobatterien, Dekantier- und Filterrückstände, ölige Emulsionen, Wasser und<br />
Schlamm mit gelösten Metallen.<br />
Son<strong>der</strong>abfall ist weniger bekannt als Siedlungsabfall, da er hauptsächlich<br />
industriell produziert wird. Er macht aber einen bedeutenden Anteil <strong>der</strong><br />
138
ehandelten Abfälle aus; rund 10 Prozent <strong>der</strong> Gesamtabfallmenge (BAFU<br />
2016).<br />
7.3.2 Abfall mit beson<strong>der</strong>er Behandlung<br />
Aufgrund ihrer beson<strong>der</strong>en Eigenschaften erfor<strong>der</strong>n gefährliche Abfälle eine<br />
spezielle und hochprofessionelle Handhabung und Behandlung. Bei<br />
unsachgemässem Umgang (Transport, Lagerung, Behandlung) stellen<br />
gefährliche Abfälle eine Gefahr für die Umwelt und die Bevölkerung dar. Aus<br />
diesem Grund gelten für Son<strong>der</strong>abfälle beson<strong>der</strong>e Vorschriften, in denen die<br />
Merkmale <strong>der</strong> Standorte, Anlagen und Behandlungsverfahren festgelegt sind.<br />
Auf <strong>der</strong> Grundlage dieser Vorschriften dürfen nur diejenigen, die über eine<br />
von den kantonalen Behörden erteilte Genehmigung verfügen,<br />
Son<strong>der</strong>abfälle annehmen. Im Gegensatz zu nicht gefährlichen Abfällen<br />
müssen gefährliche Abfälle vor ihrer Entsorgung vom Labor nach ihrer Toxizität<br />
o<strong>der</strong> Gefährlichkeit eingestuft werden. Anschliessend werden sie sortiert,<br />
verarbeitet, verpackt und zwischengelagert, um die Materialien je nach Art<br />
<strong>der</strong> Verbindungen angemessen für das Recycling o<strong>der</strong> die ordnungsgemässe<br />
Behandlung (energetische o<strong>der</strong> chemisch-physikalische) vorzubereiten.<br />
7.3.3 Gefahrenpotenzial von Son<strong>der</strong>abfall<br />
Schon die Einstufung eines Stoffes als "Son<strong>der</strong>abfall" weist auf seine<br />
Gefährlichkeit hin. Son<strong>der</strong>abfälle stellen bei unsachgemässem Umgang (bei<br />
Transport, Lagerung, Behandlung) eine Gefahr für die Umwelt und die<br />
Bevölkerung dar. Schädliche Stoffe können ins Wasser, in den Boden o<strong>der</strong> in<br />
die Luft gelangen, was unbedingt zu verhin<strong>der</strong>n ist.<br />
139
Die Gefahr, die von den verschiedenen Stoffen ausgeht, ist sehr<br />
unterschiedlich. Wie schon Paracelsus feststellte, ist es in erster Linie die<br />
Menge, die das Gefahrenpotenzial ausmacht:<br />
„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein<br />
Ding kein Gift sei. “<br />
Paracelsus (1493-1541)<br />
Einen Einfluss auf das Gefahrenpotenzial eines Stoffs hat auch die Art und<br />
Weise <strong>der</strong> Aufbewahrung. Wenn ein Stoff richtig aufbewahrt wird, kann die<br />
von ihm ausgehende Gefahr stark vermin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> eliminiert werden. Durch<br />
Abwehr <strong>der</strong> äusseren Einflüsse kann die Umweltgefährdung durch<br />
Son<strong>der</strong>abfälle weiter vermin<strong>der</strong>t werden.<br />
Unabhängig von <strong>der</strong> Kategorie ist beim Umgang mit Son<strong>der</strong>abfall immer<br />
Vorsicht und grösste Sorgfalt angezeigt. Fehlende Gefahrenkennzeichnung<br />
heisst nicht, dass ein Stoff ungefährlich ist. Im Zweifelsfall ist ein Stoff als<br />
gefährlich zu betrachten und mit <strong>der</strong> nötigen Vorsicht zu behandeln.<br />
7.3.4 Die sieben elementaren Vorsichtsmassnahmen beim Umgang mit<br />
gefährlichen Stoffen<br />
Handhabung<br />
1. Öffnen von Behältern verboten!<br />
2. Grösstmögliche Sorgfalt bei <strong>der</strong> Handhabung (nicht stürzen, Bruch und Staub<br />
vermeiden)<br />
140
3. Anfassen mit blossen Händen vermeiden. Wenn Anfassen unbedingt nötig, nur<br />
mit Schutzhandschuhen. Nach dem Kontakt mit Behältern Hände waschen.<br />
Wenn Spritzer nicht auszuschliessen sind, Schutzbrille tragen.<br />
Lagerung<br />
4. Schutz vor unbefugtem Zugriff (abschliessbarer Lagerort)<br />
5. Zusammenlagerung unbekannter Stoffe verboten<br />
6. wettergeschützte Lagerung erfor<strong>der</strong>lich<br />
7. Verwendung von Gebinden, die das Auslaufen von Flüssigkeiten verhin<strong>der</strong>n.<br />
7.4 Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall<br />
Die Entsorgung von Son<strong>der</strong>abfall gehört in die Verantwortung von<br />
Spezialisten. Für Private heisst dies: Rückgabe an die Verkaufsstelle. Firmen<br />
wenden sich bezüglich <strong>der</strong> Rückgabe an den Lieferanten. Logistikbetriebe,<br />
die grössere Mengen an Son<strong>der</strong>abfällen zu entsorgen haben, müssen in <strong>der</strong><br />
Datenbank des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) registriert sein. Der Abgeber<br />
darf die Son<strong>der</strong>abfälle nur einem Abnehmer übergeben, <strong>der</strong> zu <strong>der</strong><br />
141
Entgegennahme berechtigt ist. Zur Annahme von Son<strong>der</strong>abfällen berechtigt<br />
ist, wer über eine Bewilligung verfügt. Diese wird durch die Behörden des<br />
Standortkantons ausgestellt. Der Abgeber ist verantwortlich zu überprüfen, ob<br />
<strong>der</strong> Abnehmer über eine Bewilligung verfügt.<br />
Die Liste <strong>der</strong> bewilligten Abfallcodes von Entsorgungsbetrieben kann hier<br />
abgerufen werden.<br />
142
Modul 108_Entsorgung Global<br />
Ausgangslage<br />
Die Entsorgung und die damit verbundene Umweltbelastung sind globale<br />
Themen. Eine Stadt, ein Land o<strong>der</strong> auch ein Kontinent kann viel Gutes tun und<br />
als Vorbild funktionieren. Am Ende ist es aber wichtig, dass sich die ganze<br />
Bevölkerung mit dem Umweltschutz beschäftigt. Die Gründe für das<br />
Artensterben von Tieren o<strong>der</strong> <strong>der</strong> globalen Erwärmung müssen gemeinsam<br />
erkannt werden und korrigierende Massnahmen definiert und umgesetzt.<br />
Lei<strong>der</strong> ist das nicht ganz so einfach. Der Wohlstand und die Gier des<br />
Menschen verhin<strong>der</strong>n oft Massnahmen zum Schutz <strong>der</strong> Umwelt.<br />
143
Fachartikel Modul 108<br />
8. Globale Entsorgung<br />
8.1 Umweltmanagementsysteme (UMS)<br />
Ein Umweltmanagementsystem (UMS) ist Teil des gesamten<br />
Managementsystems einer Organisation. Es befasst sich mit <strong>der</strong><br />
umweltverträglichen Unternehmensführung. Das Bundesamt für Umwelt<br />
(BAFU) unterstützt die Entwicklung von Umwelttechnologien in Unternehmen.<br />
Es arbeitet mit Firmen, Organisationen und Institutionen zusammen, damit<br />
ökologische Anliegen in <strong>der</strong> Wirtschaft vermehrt berücksichtigt werden.<br />
Umweltmanagementsysteme bieten die Chance, die Umweltziele strukturiert<br />
und umfassend in die Unternehmensführung zu integrieren. Sie sind kein Label<br />
für "Umweltfreundlichkeit", son<strong>der</strong>n zeigen auf, dass Umweltfragen in<br />
Prozessen und Strukturen verankert sind und kontinuierlich verbessert werden<br />
sollen. Der Einsatz von UMS ist einer <strong>der</strong> Schlüssel für die nachhaltige<br />
Entwicklung <strong>der</strong> Wirtschaft. Die Umsetzung <strong>der</strong> Systeme erfor<strong>der</strong>t gut<br />
ausgebildete Mitarbeitende auf allen Stufen.<br />
8.1.1 Inhalt eines Umweltmanagementsystems<br />
Mit einem Umweltmanagementsystem (UMS) erfassen Unternehmen die<br />
Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt. Das Unternehmen muss folgende<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllen:<br />
• Es identifiziert sich mit den wichtigsten Umweltbelastungen.<br />
• Es verpflichtet sich zur ständigen Einhaltung <strong>der</strong> Umweltvorschriften.<br />
• Es legt eigene Umweltziele und -programme fest.<br />
• Es bestimmt Struktur und Mittel, um die festgelegten Umweltziele zu erreichen.<br />
• Es führt regelmässig Umweltaudits zur Beurteilung <strong>der</strong> Wirkung des UMS durch.<br />
• Es veröffentlicht einen Umweltbericht und berichtet über den Stand <strong>der</strong><br />
erreichten Umweltleistung.<br />
8.1.2 Vorteile eines Umweltmanagementsystems<br />
Interne Vorteile<br />
• Rationalisierung <strong>der</strong> Produktion, Kostensenkung<br />
• Wahrung <strong>der</strong> Umweltgesetze, Rechtssicherheit<br />
• technologische Innovationen, Verhin<strong>der</strong>ung von Umweltschäden<br />
144
• Motivation <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />
Externe Vorteile<br />
• verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, Konkurrenzvorteil<br />
• besseres Image bei Kunden und in <strong>der</strong> Öffentlichkeit<br />
• besseres Verhältnis zu den Behörden, aktive Zusammenarbeit<br />
• mehr Transparenz gegenüber Aktionären, Banken und Versicherungen<br />
8.1.3 Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen<br />
Für die Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen besteht seit 1996 die<br />
ISO-Norm 14001. Sie definiert weltweit gültige Kriterien an ein<br />
Umweltmanagementsystem (UMS). Wer diese Anfor<strong>der</strong>ungen nachweislich<br />
erfüllt, wird mit einem Zertifikat ausgewiesen. Das Zertifikat schafft bei Kunden,<br />
Lieferanten, Mitarbeitenden, Behörden, Investoren und <strong>der</strong> Gesellschaft<br />
Vertrauen. Die Firma kann damit darlegen, dass umweltschonendes<br />
Verhalten in die Unternehmensprozesse integriert ist und sie Eigeninitiative und<br />
Selbstverpflichtung hat. Umweltmanagement als Bestandteil des<br />
unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagements hat folgenden Nutzen:<br />
• <strong>der</strong> Umweltschutz im Unternehmen wird systematischer<br />
• Risiken und Umweltbelastung im Unternehmen werden minimiert<br />
• die Umweltrelevanz <strong>der</strong> Unternehmensprozesse rückt ins Bewusstsein <strong>der</strong><br />
Mitarbeitenden<br />
• die Konkurrenzfähigkeit wird gesteigert<br />
• das Image wird verbessert<br />
• das Umweltmanagement kann in einem Umwelt- und Nachhaltigkeitsbericht<br />
als Teil des<br />
Geschäftsberichtes für je<strong>der</strong>mann sichtbar dargelegt werden<br />
8.1.4 ISO-Norm für Grossanlässe<br />
Die Internationale Normenorganisation (ISO) hat mit ihrer Norm ISO 20121 an<br />
den Olympischen Sommerspielen 2012 in London ihre Feuertaufe bestanden.<br />
Mit einem ergebnisorientierten Ansatz will die ISO anhand von<br />
organisationsbezogenen Kriterien für Grossanlässe aller Art die nachhaltige<br />
145
Entwicklung unterstützen. Dabei geht die Normenorganisation auf die<br />
Bedürfnisse <strong>der</strong> Eventbranche als Ganzes ein, angefangen bei den<br />
Organisatoren über die Besucherinnen und Besucher bis hin zu den<br />
Lieferanten.<br />
Sammelstelle zur einfachen Trennung <strong>der</strong> verschiedenen Abfallkategorien bei einer Grossveranstaltung.<br />
Die neue ISO-Norm ermöglicht es, den Managementprozess zu optimieren<br />
und ist ein wertvolles Arbeitsinstrument für die Eventveranstalter.<br />
Ein Beispiel von den Olympischen Spielen: Klei<strong>der</strong> aus Abfall<br />
Die Klei<strong>der</strong> <strong>der</strong> Helfer an den Olympischen Sommerspielen in London 2012<br />
sehen auf den ersten Blick aus wie ganz normale Sportklei<strong>der</strong> von <strong>der</strong><br />
Stange. Die Farbkombination ist aber schon ein bisschen ungewöhnlich:<br />
violett sind die Jacken, die Kragen und Bündchen knallrot. 70'000 freiwillige<br />
Helfer, die während <strong>der</strong> Olympischen Spiele in London den Besuchern mit<br />
Rat und Tat zur Seite standen, trugen sie. Die ungewöhnliche<br />
Farbkombination sollte sicherstellen, dass man sie auf den ersten Blick<br />
erkennt. Was man den Jacken aber nicht ansieht ist, dass sie aus Abfall<br />
hergestellt wurden. Die Kleidung für die Olympia-Freiwilligen produzierte<br />
Adidas vollständig aus Recycling-Material wie beispielsweise alten PET-<br />
Flaschen.<br />
146
8.2 Globale Umweltprobleme<br />
Lei<strong>der</strong> sind Theorie und Praxis in <strong>der</strong> Entsorgung nicht immer identisch. Auch<br />
wenn wir in <strong>der</strong> Schweiz grosse Investitionen vornehmen, Privatpersonen und<br />
Unternehmen sich in die richtige Richtung bewegen, werden aufgrund <strong>der</strong><br />
Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Umwelt global gesehen einige Probleme auf uns<br />
zukommen. Es benötigt eine enge und einheitliche Zusammenarbeit, um die<br />
Umwelt in Zukunft besser schützen zu können. Folgende acht Umweltprobleme<br />
kennt unsere Zeit:<br />
8.2.1 Klimawandel<br />
Der Klimawandel wird sehr intensiv diskutiert. Der Begriff "Klimawandel" kann<br />
grundsätzlich eine Abkühlung und eine Erwärmung <strong>der</strong> Erde bezeichnen.<br />
Heutzutage wird <strong>der</strong> Begriff meist in Zusammenhang mit <strong>der</strong> globalen<br />
Erwärmung benutzt. Die Durchschnittstemperatur ist seit den 1980er Jahren<br />
von etwa 0.2° C auf fast 1° C angestiegen. Hitzewellen, Stürme und<br />
Überschwemmungen sind u. a. die Folgen davon. Die globale Erwärmung hat<br />
viele Ursachen:<br />
• Die Abholzung von Regenwäl<strong>der</strong>n hat zur Folge, dass <strong>der</strong> in Blättern, Wurzeln<br />
und Holz gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO2 freigesetzt wird. Das führt<br />
zur Verstärkung des Treibhauseffektes, und die Temperaturen auf <strong>der</strong> Erde<br />
steigen.<br />
• Die Verbrennung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung (wie z. B. Kohle<br />
o<strong>der</strong> Öl) verursacht CO2.<br />
• Landwirtschaftliche Nutztiere wie Kühe produzieren grosse Mengen an<br />
Methan. Dieses hält die Sonnenrückstrahlung zurück und trägt damit zum<br />
Treibhauseffekt bei.<br />
• Aufgrund des Wohlstands ist die menschliche Mobilität gestiegen. Autos,<br />
Schiffe und Flugzeuge haben einen hohen CO2-Ausstoss.<br />
8.2.2 Wasserknappheit<br />
In <strong>der</strong> Schweiz verbraucht je<strong>der</strong> Einwohner ungefähr 120 Liter Wasser am Tag<br />
für Essen, Körperpflege o<strong>der</strong> Reinigungsarbeiten. Dieser Luxus ist nicht für alle<br />
Menschen möglich. Es herrscht Wasserknappheit auf <strong>der</strong> Erde. Ohne Wasser<br />
existiert auf diesem Planeten kein Leben. 97 Prozent des Wassers auf <strong>der</strong> Erde<br />
ist salziges Meerwasser, das nicht trinkbar ist. Weitere 2 Prozent des Wassers<br />
147
sind zu Eis gefroren. Übrig bleibt noch 1 Prozent Wasser aus Flüssen, mit<br />
welchem menschlichen Bedürfnisse gedeckt werden müssen und z. B.<br />
landwirtschaftliche Fel<strong>der</strong> bewässert werden. Ursache für die<br />
Wasserknappheit ist einerseits unsere Art zu leben. An<strong>der</strong>erseits sorgt auch die<br />
zunehmende Vergiftung von Flüssen dafür, dass vielerorts bereits akute<br />
Wasserknappheit herrscht.<br />
8.2.3 Luftverschmutzung<br />
Abgase aus <strong>der</strong> Industrie, von Autos o<strong>der</strong> Flugzeugen sind für eine erhebliche<br />
Verschmutzung <strong>der</strong> Luft verantwortlich. Grossstädte wie Peking, Kuala Lumpur,<br />
Kapstadt sowie München, Berlin und London haben stärker mit<br />
Luftverschmutzung zu kämpfen als kleinere Städte o<strong>der</strong> Orte in ländlichen<br />
Regionen. Die Luftverschmutzung wird beeinflusst von <strong>der</strong> Anzahl Menschen,<br />
die auf einer kleinen Fläche zusammenleben und sich bewegen. Die<br />
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2012 berechnet, dass rund 8<br />
Millionen Menschen durch die Luftverschmutzung verstorben sind.<br />
8.2.4 Bodenerosion<br />
Auch die Bodenerosion ist auf das menschliche Verhalten zurückzuführen. Der<br />
ökologische Kreislauf <strong>der</strong> Natur ist perfekt durchdacht. Durch Organismen<br />
speichert <strong>der</strong> Boden Nährstoffe und Wasser. Die Böden speichern damit mehr<br />
Kohlenstoff als alle Wäl<strong>der</strong> zusammen. Durch das menschliche Verhalten<br />
werden diese Böden aber immer unfruchtbarer. Nicht abbaubare Produkte,<br />
die <strong>der</strong> Mensch in den Kreislauf einführt, sind von <strong>der</strong> Natur nicht vorgesehen.<br />
Eine aktuelle Berechnung zeigt, dass heutzutage jährlich 1 Prozent <strong>der</strong> Böden<br />
weltweit verlorengeht: Fel<strong>der</strong> werden überbaut o<strong>der</strong> für an<strong>der</strong>e Zwecke<br />
missbraucht. Der Boden muss mitunter als Müllhalde herhalten und wird<br />
entsprechend verschmutzt <strong>–</strong> solche Eingriffe können nicht in kurzer Zeit<br />
korrigiert werden.<br />
8.2.5 Überbevölkerung<br />
Die Überbevölkerung ist kein direktes Umweltproblem. Wenn die menschliche<br />
Bevölkerung zu gross ist, gibt es aber ein Ressourcenproblem. Der Vergleich<br />
1955 zu 2020 zeigt das exponentielle Wachstum <strong>der</strong> Bevölkerung auf:<br />
Jahr Bevölkerung Durchschn. Alter<br />
148
Bevölkerung zu gross ist, gibt es aber ein Ressourcenproblem. Der Vergleich<br />
1955 zu 2020 zeigt das exponentielle Wachstum <strong>der</strong> Bevölkerung auf:<br />
Jahr Bevölkerung Durchschn. Alter<br />
1955 2.773.019.936 23<br />
2020 7.794.798.739 31<br />
Je<strong>der</strong> zusätzliche Bewohner <strong>der</strong> Erde verbraucht Güter, Energie, Wasser und<br />
muss sich ernähren. Um den steigenden Bedarf durch die grösser werdende<br />
Bevölkerung und den steigenden Wohlstand zu decken, wird mehr<br />
Ackerfläche benötigt. Für diese Ackerfläche wird <strong>der</strong> Wald gerodet, wodurch<br />
<strong>der</strong> Klimawandel verstärkt wird.<br />
8.2.6 Abholzung<br />
Die Organisation Global Forest Watch (GFW) hat zum Ziel, das Abholzen <strong>der</strong><br />
Wäl<strong>der</strong> sichtbar zu machen. Interaktive Karten zeigen weltweit das<br />
Stadium <strong>der</strong> Abholzung. Gemäss <strong>der</strong> GFW vernichtet die Menschheit jedes<br />
Jahr auf <strong>der</strong> ganzen Welt etwa 30 Millionen Hektaren Wald. Umweltgesetze<br />
werden weltweit eingeführt, aber lei<strong>der</strong> nicht eingehalten o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong><br />
aufgelöst. Die Folgen <strong>der</strong> Abholzung sind schwerwiegend: Klimawandel,<br />
Artensterben und Bodenerosion. Der menschliche Wohlstand und das<br />
Bevölkerungswachstum führen zu <strong>der</strong> Abholzung von Wäl<strong>der</strong>n. Es ist wichtig,<br />
über die Abholzung zu sprechen und so das Bewusstsein zu för<strong>der</strong>n - in <strong>der</strong><br />
Industrie und bei den Konsumenten. Nur so erfährt <strong>der</strong> Konsument, welche<br />
Produkte wie hergestellt werden (z. B. mit Palmöl, für dessen Anbau oft Wäl<strong>der</strong><br />
abgeholzt werden).<br />
8.2.7 Artensterben<br />
Artensterben ist ein massives Umweltproblem, das durch den Menschen<br />
verursacht wird. Immer mehr Tierarten sind vom Aussterben bedroht.<br />
Entwe<strong>der</strong> werden ihre Lebensräume zu klein o<strong>der</strong> Menschen machen Jagd<br />
auf sie. Folgende bekannte Tiere sind vom Aussterben bedroht: Berggorillas,<br />
Tiger, Panda, Orang-Utan, Karettschildkröten. Die Weltnaturschutz-Union führt<br />
eine Liste mit allen Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Gemäss <strong>der</strong><br />
Weltnaturschutz-Union sind von 90'000 Arten etwa 25'800 vom Aussterben<br />
bedroht. Die Ursache für dieses Aussterben ist in vielen Fällen <strong>der</strong> Mensch,<br />
seine Gier und sein Lebensstil. Die Bodenerosion, die Abholzung wie auch die<br />
Vermüllung <strong>der</strong> Natur nehmen den Tieren ihren Lebensraum.<br />
149
8.2.8 Plastikmüll<br />
Der Mensch ist auch verantwortlich für das Umweltproblem Plastikmüll. Es gibt<br />
Statistiken, die Aufzeigen, dass im Durchschnitt jede Minute auf <strong>der</strong> Erde eine<br />
LKW-Ladung Plastikmüll ins Meer gekippt wird. Geschätzt wird, dass rund 8<br />
Millionen Tonnen Müll pro Jahr direkt im Meer landen. Weitere rund 32<br />
Millionen Tonnen landen als Plastikmüll in <strong>der</strong> Umwelt und über Umwege in<br />
den Ozeanen. Lebewesen in den Meeren und Seen können den Müll nicht als<br />
solchen erkennen und verenden qualvoll daran. Plastik, das durch den<br />
Menschen hergestellt und in die Meere beför<strong>der</strong>t wird, ist nicht abbaubar und<br />
bleibt für Jahrhun<strong>der</strong>te im Wasser. Eine Plastikflasche benötigt etwa 500 Jahre,<br />
bis sie sich zu Mikroplastik zersetzt hat. Je<strong>der</strong> Gegenstand wird somit ein<br />
Bestandteil <strong>der</strong> Meere. Das führt dazu, dass es fünf erkennbare Müllstrudel in<br />
den Ozeanen gibt. Diese bewegen sich in <strong>der</strong> Nähe des Äquators.<br />
Der nordpazifische Müllstrudel (Nr. 1) wird heute auf eine Grösse von 700'000<br />
bis auf mehr als 15'000'000 km 2 geschätzt.<br />
150
8.3 Aktuelle Projekte und Ziele <strong>der</strong> Agenda 2030<br />
Die UN-Generalversammlung hat an ihrer Sitzung vom 25. September 2015 die<br />
Agenda 2030 mit Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die<br />
Agenda 2030 hat 17 Ziele und 169 Unterziele. Sie ist umfassend und<br />
ambitioniert. Ihre Ziele bauen auf den Millenniums-Entwicklungszielen auf und<br />
sollen umsetzen, was diese nicht erreicht haben. Es sind einige Ziele zu finden,<br />
welche zugunsten <strong>der</strong> Umwelt formuliert wurden. Die Ziele sind:<br />
Armut in allen ihren Formen und überall beenden<br />
U.a. bis 2030 die extreme Armut für alle Menschen überall auf<br />
<strong>der</strong> Welt beseitigen. Von extremer Armut betroffen gelten<br />
Menschen, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag<br />
auskommen müssen.<br />
Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere<br />
Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft<br />
för<strong>der</strong>n<br />
U.a. bis 2030 den Hunger beenden und sicherstellen, dass<br />
alle Menschen ganzjährig Zugang zu sicheren,<br />
nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben<br />
- insbeson<strong>der</strong>e arme Menschen und Menschen in prekären<br />
Situationen, einschliesslich Kleinkin<strong>der</strong>n.<br />
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters<br />
gewährleisten und ihr Wohlergehen för<strong>der</strong>n<br />
U.a. bis 2030 die weltweite Müttersterblichkeit auf unter 70 je<br />
100'000 Lebendgeburten senken.<br />
Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung<br />
gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für<br />
alle för<strong>der</strong>n<br />
U.a bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen<br />
gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grundund<br />
Sekundarschulbildung abschliessen, die zu brauchbaren<br />
und effektiven Lernergebnissen führt.<br />
151
Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und<br />
Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen<br />
U.a. alle Formen <strong>der</strong> Diskriminierung von Frauen und<br />
Mädchen überall auf <strong>der</strong> Welt beenden.<br />
Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser<br />
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten<br />
U.a. bis 2030 den allgemeinen und gerechten Zugang zu<br />
einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser für alle<br />
erreichen.<br />
Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und<br />
mo<strong>der</strong>ner Energie für alle sichern<br />
U.a. bis 2030 den allgemeinen Zugang zu bezahlbaren,<br />
verlässlichen und mo<strong>der</strong>nen Energiedienstleistungen sichern.<br />
Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges<br />
Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und<br />
menschenwürdige Arbeit für alle för<strong>der</strong>n<br />
U.a. ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum entsprechend den<br />
nationalen Gegebenheiten und insbeson<strong>der</strong>e ein jährliches<br />
Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mindestens 7<br />
Prozent in den am wenigsten entwickelten Län<strong>der</strong>n<br />
aufrechterhalten.<br />
Eine wi<strong>der</strong>standsfähige Infrastruktur aufbauen,<br />
breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung för<strong>der</strong>n<br />
und Innovationen unterstützen<br />
U.a. eine hochwertige, verlässliche, nachhaltige und<br />
wi<strong>der</strong>standsfähige Infrastruktur aufbauen, einschließlich<br />
regionaler und grenzüberschreiten<strong>der</strong> Infrastruktur, um die<br />
wirtschaftliche Entwicklung und das menschliche<br />
Wohlergehen zu unterstützen, und dabei den Schwerpunkt<br />
auf einen erschwinglichen und gleichberechtigten Zugang<br />
für alle legen.<br />
152
Ungleichheit in und zwischen Län<strong>der</strong>n verringern<br />
U.a. bis 2030 nach und nach ein über dem nationalen<br />
Durchschnitt liegendes Einkommenswachstum <strong>der</strong> ärmsten<br />
40 Prozent <strong>der</strong> Bevölkerung erreichen und aufrechterhalten.<br />
Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, wi<strong>der</strong>standsfähig und<br />
nachhaltig gestalten<br />
U.a. bis 2030 den Zugang zu angemessenem, sicherem und<br />
bezahlbarem Wohnraum und zur Grundversorgung für alle<br />
sicherstellen und Slums sanieren.<br />
Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen<br />
U.a. den Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige<br />
Konsum- und Produktionsmuster umsetzen, wobei alle Län<strong>der</strong>,<br />
an <strong>der</strong> Spitze die entwickelten Län<strong>der</strong>, Maßnahmen<br />
ergreifen, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands und<br />
<strong>der</strong> Kapazitäten <strong>der</strong> Entwicklungslän<strong>der</strong>.<br />
Umgehend Massnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels<br />
und seiner Auswirkungen ergreifen<br />
U.a. die Wi<strong>der</strong>standskraft und die Anpassungsfähigkeit<br />
gegenüber klimabedingten Gefahren und<br />
Naturkatastrophen in allen Län<strong>der</strong>n stärken.<br />
Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger<br />
Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen<br />
U.a. bis 2025 alle Arten <strong>der</strong> Meeresverschmutzung,<br />
insbeson<strong>der</strong>e durch vom Lande ausgehende Tätigkeiten und<br />
namentlich Meeresmüll und Nährstoffbelastung, verhüten<br />
und erheblich verringern.<br />
Landökosysteme schützen, wie<strong>der</strong>herstellen und ihre<br />
nachhaltige Nutzung för<strong>der</strong>n, Wäl<strong>der</strong> nachhaltig<br />
bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen,<br />
Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust<br />
<strong>der</strong> biologischen Vielfalt ein Ende setzen<br />
U.a. bis 2030 die Wüstenbildung bekämpfen, die<br />
geschädigten Flächen und Böden einschliesslich <strong>der</strong> von<br />
Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen betroffenen<br />
153
Flächen sanieren und eine Welt anstreben, in <strong>der</strong> die<br />
Landverödung neutralisiert wird.<br />
Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige<br />
Entwicklung för<strong>der</strong>n, allen Menschen Zugang zur Justiz<br />
ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige<br />
und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen<br />
U.a. alle Formen <strong>der</strong> Gewalt und die gewaltbedingte<br />
Sterblichkeit überall deutlich verringern.<br />
Umsetzungsmittel stärken und die Globale Partnerschaft für<br />
nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen<br />
U.a. die Mobilisierung einheimischer Ressourcen verstärken,<br />
einschliesslich durch internationale Unterstützung für die<br />
Entwicklungslän<strong>der</strong>, um die nationalen Kapazitäten zur<br />
Erhebung von Steuern und an<strong>der</strong>en Abgaben zu verbessern.<br />
Quelle: UNO<br />
Ob und in welcher Form diese ambitionierten Ziele erreicht werden können, ist<br />
abzuwarten. Entscheidend ist sicher die Zusammenarbeit <strong>der</strong> Staaten: Nur<br />
gemeinsam können solche Ziele auch erreicht werden.<br />
154
Modul 109_Zutritt- und Datenschutz<br />
Ausgangslage<br />
Jedes Unternehmen hat Interesse daran, wichtige Daten verschlossen zu<br />
halten - unabhängig davon, ob es ein KMU o<strong>der</strong> ein Grossbetrieb ist und ob<br />
die Güter 10 Franken o<strong>der</strong> 2'000 Franken kosten. Es gibt verschiedene Gründe,<br />
Informationen zurückzuhalten o<strong>der</strong> Gegenstände wegzusperren. Z. B. will<br />
Apple erst beim Release bekannt geben, wie das neue IPhone aussieht o<strong>der</strong><br />
ein Unternehmen bewahrt einen Goldbarren sicher auf, da er sehr wertvoll ist.<br />
Es muss sich aber nicht immer um <strong>der</strong>art spektakuläre Informationen und<br />
Gegenstände handeln. Auch Mitarbeitende bei <strong>der</strong> schweizerischen Post<br />
werden im Berufsalltag mit verschiedenen Informationen konfrontiert, die<br />
nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Der Zutritts- und Datenschutz hat in<br />
den vergangenen Jahren stark zugenommen, und die Mitarbeitenden<br />
werden mehr und mehr damit konfrontiert. Der Betrieb hat die Aufgabe, zu<br />
kommunizieren, wie sie sich zu verhalten haben. Die Mitarbeitenden haben<br />
ihrerseits die Aufgabe, die Anweisungen zu befolgen.<br />
155
Fachartikel Modul 109<br />
9. Zutritts- und Datenschutz<br />
9.1 Zutrittsberechtigung<br />
Würdest du zulassen, dass ein Frem<strong>der</strong> ungehin<strong>der</strong>ten Zutritt zu deiner<br />
Wohnung hat? Wohl kaum. Deshalb verschliesst du, wie die meisten an<strong>der</strong>en<br />
auch, deine Wohnungstüre. Wer sich ohne Einwilligung des Bewohners in<br />
dessen Wohnung aufhält, begeht Hausfriedensbruch, und wer sich<br />
gewaltsam Zutritt zu einer Wohnung verschafft, verübt einen Einbruch. Auch<br />
ein Betriebsinhaber will keine ungebetenen Gäste in seinem Betrieb. Deshalb<br />
legt er, je nach Funktion seiner Angestellten, das Zutrittsrecht zu den Räumen<br />
fest und händigt ihnen die entsprechenden Schlüssel o<strong>der</strong> Badges (bei<br />
elektronischer Sicherung) aus. Mit jedem Schlüssel o<strong>der</strong> Badge ist eine<br />
beson<strong>der</strong>e Verantwortung verbunden. Zu dieser Verantwortung gehört die<br />
Einhaltung folgen<strong>der</strong> Regeln. Der Schlüssel o<strong>der</strong> Badge:<br />
• darf nie ohne Kontrolle einer an<strong>der</strong>en Person anvertraut werden. Dies gilt für<br />
alle unternehmensfremden Personen, auch für Bekannte und Verwandte.<br />
• muss bei Nichtgebrauch sicher aufbewahrt werden.<br />
• soll nie in Türen steckengelassen werden.<br />
• darf nie unter Türvorlegern o<strong>der</strong> in Briefkästen hinterlegt werden.<br />
• darf aus Sicherheitsgründen keinen Hinweis tragen auf das Unternehmen,<br />
dem sie gehören.<br />
Merke: Der Verlust eines Schlüssels o<strong>der</strong> Badges muss sofort dem Arbeitgeber<br />
gemeldet werden, damit er die nötigen Massnahmen ergreifen kann.<br />
Unter Umständen kann <strong>der</strong> Verlust eines Schlüssels ziemlich teuer werden.<br />
Wenn <strong>der</strong> Betriebsinhaber kein Risiko eingehen will, tauscht er alle Schlösser<br />
aus, die mit dem verlorenen Schlüssel geöffnet werden können.<br />
Bei neueren Schliessanlagen, die mit einem Mikrochip funktionieren, können<br />
die vermissten Schlüssel deaktiviert werden. Ein Austausch <strong>der</strong> Schlösser<br />
entfällt, das Deaktivieren hat allerdings auch Kostenfolgen.<br />
156
9.2 Schriftgeheimnis<br />
Unter dem Titel "Strafbare Handlungen gegen die Ehre und den Geheim- o<strong>der</strong><br />
Privatbereich" finden sich im Schweizerischen Strafgesetzbuch (StGB) eine<br />
Reihe von Bestimmungen zum Schutz <strong>der</strong> Privatsphäre einer Person (z. B.<br />
Ehrverletzung und Verleumdung). Die Verletzung des Schriftgeheimnisses wird<br />
mit Artikel 179 unter Strafe gestellt. Das Schriftgeheimnis gilt nicht nur für den<br />
beruflichen, son<strong>der</strong>n auch für den privaten Bereich. Seine Verletzung ist ein<br />
sogenanntes Antragsdelikt, das heisst, nur wenn <strong>der</strong> Geschädigte einen<br />
entsprechenden Antrag stellt, nehmen die Behörden Abklärungen vor (im<br />
Gegensatz zu einem Offizialdelikt, bei dem die Behörden von sich aus<br />
Abklärungen vornehmen müssen, sobald sie von <strong>der</strong> Tat Kenntnis erhalten).<br />
Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)<br />
2.1 Strafbare Handlungen gegen den Geheim- o<strong>der</strong> Privatbereich.<br />
Verletzung des Schriftgeheimnisses<br />
Artikel 179<br />
"Wer, ohne dazu berechtigt zu sein, eine verschlossene Schrift o<strong>der</strong> Sendung<br />
öffnet, um von<br />
ihrem Inhalte Kenntnis zu nehmen, wer Tatsachen, <strong>der</strong>en Kenntnis er durch<br />
Öffnen einer<br />
nicht für ihn bestimmten verschlossenen Schrift o<strong>der</strong> Sendung erlangt hat,<br />
verbreitet o<strong>der</strong><br />
ausnützt, wird, auf Antrag, mit Busse bestraft."<br />
Für Angestellte heisst dies:<br />
• Der Inhalt von Briefen o<strong>der</strong> Paketen, die sie beför<strong>der</strong>n müssen, geht sie nichts<br />
an. Dies gilt nicht nur für die Mitarbeitenden <strong>der</strong> Post, son<strong>der</strong>n auch für jene<br />
eines betriebsinternen Kurierdienstes. Auch Privatpersonen geht die Post <strong>der</strong><br />
157
an<strong>der</strong>en nichts an. Geschädigte können eine Tat anzeigen, müssen aber<br />
Beweise dafür vorlegen.<br />
• Nur wer im Betrieb den Auftrag hat, die eingegangene Post zu öffnen, darf<br />
dies tun. Doch auch mit einem Auftrag darf nur jene Post ohne weiteres<br />
geöffnet werden, die in den Adressfel<strong>der</strong>n keinen persönlichen Namen<br />
enthält. Wenn in <strong>der</strong> Adresse ein persönlicher Name dabei ist, kommt es auf<br />
die Reihenfolge <strong>der</strong> Adressfel<strong>der</strong> an. Nie darf Post geöffnet werden, die den<br />
Vermerk "Persönlich", "Vertraulich" o<strong>der</strong> "Persönlich/Vertraulich" trägt.<br />
Folgende Adressbeispiele zeigen, wann die Post geöffnet werden darf und<br />
wann nicht:<br />
Persönlich/Vertraulich<br />
EnterSite AG<br />
Rigistrasse 2<br />
5102 Rupperswil<br />
EnterSite AG<br />
Z.H. Reto<br />
Gugger<br />
Rigistrasse 2<br />
5102 Rupperswil<br />
Herr Reto Gugger<br />
EnterSite AG<br />
Rigistrasse 2<br />
5102 Rupperswil<br />
Herr Reto Gugger<br />
EnterSite AG<br />
Rigistrasse 2<br />
5102 Rupperswil<br />
✅ Öffnen<br />
✅ Ohne<br />
gegenteilige<br />
Weisung öffnen<br />
❌Nur öffnen,<br />
wenn<br />
von Herrn Gugger<br />
ausdrücklich<br />
gewünscht<br />
❌ Nie öffnen<br />
9.3 Postgeheimnis<br />
Das Postgeheimnis ist im Strafgesetzbuch noch etwas weiter gefasst als das<br />
Schriftgeheimnis. Es schützt nicht nur den Inhalt einer Sendung, son<strong>der</strong>n auch<br />
<strong>der</strong>en Absen<strong>der</strong> und Empfänger in diesen Funktionen. Das heisst zum Beispiel,<br />
dass ein Postbote einem Dritten nicht mitteilen darf, wer von wem Post erhält<br />
und wie oft. Vor allem Informationen, welche die höchstpersönliche Sphäre<br />
einer Person betreffen, dürfen niemals weitergegeben werden. Dazu gehören<br />
beispielsweise Informationen über die Zustellung von Gerichtsurkunden o<strong>der</strong><br />
Zahlungsbefehlen. Gefährlich kann es werden, wenn Logistiker, die im<br />
Zustelldienst arbeiten, abends im Kollegenkreis erzählen, dass am nächsten<br />
Morgen die AHV ausbezahlt wird. Sie gefährden damit sowohl die Zusteller als<br />
auch die Empfänger <strong>der</strong> Rente.<br />
158
Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB)<br />
Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses<br />
Artikel 321ter<br />
1"Wer als Beamter, Angestellter o<strong>der</strong> Hilfsperson einer Organisation, die Posto<strong>der</strong><br />
Fernmeldedienste erbringt, einem Dritten Angaben über den Post-,<br />
Zahlungs- o<strong>der</strong> den Fernmeldeverkehr <strong>der</strong> Kundschaft macht, eine<br />
verschlossene Sendung öffnet o<strong>der</strong> ihrem Inhalt nachforscht, o<strong>der</strong> einem<br />
Dritten Gelegenheit gibt, eine solche Handlung zu begehen, wird mit<br />
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren o<strong>der</strong> Geldstrafe bestraft.<br />
2 Ebenso wird bestraft, wer eine nach Absatz 1 zur Geheimhaltung<br />
verpflichtete Person durch Täuschung veranlasst, die Geheimhaltungspflicht<br />
zu verletzen.<br />
3 Die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses ist auch nach<br />
Beendigung des amtlichen o<strong>der</strong> dienstlichen Verhältnisses strafbar.<br />
4 Die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses ist nicht strafbar,<br />
soweit sie zur Ermittlung des Berechtigten o<strong>der</strong> zur Verhin<strong>der</strong>ung von<br />
Schäden erfor<strong>der</strong>lich ist.<br />
5 Vorbehalten bleiben Artikel 179octies sowie die eidgenössischen und<br />
kantonalen Bestimmungen über die Zeugnispflicht und über die<br />
Auskunftspflicht gegenüber einer Behörde."<br />
9.4 Geschäftsgeheimnis<br />
Je<strong>der</strong> Arbeitnehmer ist laut Bestimmungen des Obligationenrechts<br />
verpflichtet, Geschäftsgeheimnisse seines Arbeitgebers zu wahren (Artikel 324<br />
Absatz 4 OR). Wer sich nicht daran hält, kann vom Arbeitgeber verzeigt<br />
werden.<br />
Obligationenrecht (OR)<br />
II. Sorgfalts- und Treuepflicht<br />
Artikel 321 Absatz 4<br />
159
1 "Der Arbeitnehmer hat die ihm übertragene Arbeit sorgfältig auszuführen<br />
und die berechtigten Interessen des Arbeitgebers in guten Treuen zu wahren.<br />
2 Er hat Maschinen, Arbeitsgeräte, technische Einrichtungen und Anlagen<br />
sowie Fahrzeuge des Arbeitgebers fachgerecht zu bedienen und diese<br />
sowie Material, die ihm zur Ausführung <strong>der</strong> Arbeit zur Verfügung gestellt<br />
werden, sorgfältig zu behandeln.<br />
3 Während <strong>der</strong> Dauer des Arbeitsverhältnisses darf <strong>der</strong> Arbeitnehmer keine<br />
Arbeit gegen Entgelt für einen Dritten leisten, soweit er dadurch seine<br />
Treuepflicht verletzt, insbeson<strong>der</strong>e den Arbeitgeber konkurrenziert.<br />
4 Der Arbeitnehmer darf geheim zu haltende Tatsachen, wie namentlich<br />
Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse, von denen er im Dienst des<br />
Arbeitgebers Kenntnis erlangt, während des Arbeitsverhältnisses nicht<br />
verwerten o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en mitteilen; auch nach dessen Beendigung bleibt er<br />
zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit es zur Wahrung <strong>der</strong> berechtigten<br />
Interessen des Arbeitgebers erfor<strong>der</strong>lich ist."<br />
Merke: Ganz allgemein sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gut<br />
beraten, wenn sie mit dem "Plau<strong>der</strong>n" über den eigenen Betrieb sehr<br />
zurückhaltend sind. Insbeson<strong>der</strong>e lauthals und öffentlich geäusserte Kritik<br />
hinterlässt einen negativen Eindruck.<br />
9.5 Datensicherheit<br />
Der Schutz <strong>der</strong> Daten eines Betriebes war immer schon wichtig. Heute, im<br />
Zeitalter <strong>der</strong> elektronischen Datenverarbeitung, kommt ihm eine noch höhere<br />
Bedeutung zu. Das erste "Tor" zum Computersystem eines Betriebes sind in <strong>der</strong><br />
Regel ein Benutzername und ein Passwort. Nur wer das Passwort kennt, kann<br />
sich im System anmelden, in <strong>der</strong> Fachsprache heisst dies "einloggen". Das<br />
System registriert jeden Zugriff mit Datum und Uhrzeit. So kann <strong>der</strong><br />
Systemadministrator je<strong>der</strong>zeit feststellen, ob und wann sich unberechtigte<br />
Benutzer am System zu schaffen machen. Die Zugangsberechtigung zu den<br />
verschiedenen Bereichen des Betriebes entspricht in <strong>der</strong> Regel <strong>der</strong> Funktion<br />
und dem Auftrag <strong>der</strong> Mitarbeitenden. So können alle, auch Lernende, auf<br />
diejenigen Daten zugreifen, die sie zur Ausübung ihrer Arbeit benötigen.<br />
Heutzutage werden das Netzwerk und die Informatikmittel in den meisten<br />
Fällen durch Spezialisten, den Systemadministratoren, eingerichtet und<br />
gepflegt. Trotzdem müssen Mitarbeitende, auch Logistikerinnen und Logistiker,<br />
gewisse Regeln beachten.<br />
160
9.5.1 Passwortschutz<br />
Der Passwortschutz nützt nicht nur den Betrieb, son<strong>der</strong>n auch den<br />
Mitarbeitenden. Ein Passwort kann verhin<strong>der</strong>n, dass Unbefugte sich unter dem<br />
Benutzernamen von Mitarbeitenden ins System einloggen und dort Unfug<br />
treiben. Damit ein Passwort wirksam schützt, darf niemand an<strong>der</strong>s dieses<br />
kennen, es darf nirgends aufgeschrieben und nur schwer herauszufinden sein.<br />
Passwörter wie Geburtsdatum, Wohnort, Übernamen o<strong>der</strong> Namen <strong>der</strong><br />
Freundin lassen sich zwar gut einprägen, aber je<strong>der</strong>, <strong>der</strong> sie herausfinden will,<br />
wird es zuerst mit solchen Angaben versuchen. Niemals darf ein Passwort für<br />
mehrere Zwecke verwendet werden, schon gar nicht das Windowspasswort<br />
für irgendeine beliebige Internetseite.<br />
Merke: Gute Passwörter haben mindestens acht Zeichen und sind<br />
Kombinationen von Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Son<strong>der</strong>zeichen.<br />
Es ist empfehlenswert, das Passwort von Zeit zu Zeit zu wechseln. Die meisten<br />
Betriebssysteme verlangen in regelmässigen Abständen einen<br />
Passwortwechsel. Computerviren, auch Computerwürmer und Trojaner, sind<br />
Programme mit unterschiedlichen Wirkungsweisen. Sie können mehr o<strong>der</strong><br />
weniger gravierende Auswirkungen haben. Weniger schlimm ist es, wenn sie<br />
"nur" ungewollte Effekte beim Ausführen von Anwendungen hervorrufen.<br />
Wenn sie jedoch die Festplatte formatieren und damit alle Daten löschen<br />
o<strong>der</strong> Passwörter zu Bankkonten ausspionieren, kann <strong>der</strong> Schaden sehr gross<br />
sein. Es ist die Unvorsichtigkeit und Sorglosigkeit <strong>der</strong> Nutzer, die auf die Tricks<br />
<strong>der</strong> Hacker hereinfallen und damit Computerviren, Würmern und Trojanern<br />
ermöglichen, sich in Windeseile übers Internet auszubreiten.<br />
Weiterführende Ausführungen zum Thema findest du im Modul 805 .<br />
161
Logistiker/In EFZ<br />
200_CustomerService<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
162
Modul 201_Der Kunde<br />
Ausgangslage<br />
Der Kunde ist eine Person o<strong>der</strong> eine Unternehmung, die von einer an<strong>der</strong>en<br />
Person o<strong>der</strong> Unternehmung Ware kauft o<strong>der</strong> Dienstleistungen in Anspruch<br />
nimmt.<br />
Als Logistiker, als Logistikerin verstehe ich, wer "mein" Kunde (auch Debitor<br />
o<strong>der</strong> Abnehmer genannt) ist und welche Bedeutung <strong>der</strong> Kunde für mein<br />
Unternehmen und mich als Arbeitnehmer, als Arbeitnehmerin hat. Das<br />
Sprichwort "Der Kunde ist König" kann ich richtig interpretieren und<br />
entsprechend handeln.<br />
Was bindet einen Kunden an ein Unternehmen und seine Angebote? Der<br />
Druck aus dem nationalen und internationalen Umfeld wird immer grösser.<br />
Entsprechend erkennt die Wirtschaftswissenschaft immer mehr, dass man sich<br />
nicht nur darauf konzentrieren sollte, Umsatz zu generieren und Neukunden zu<br />
gewinnen. Sinnvoll ist, wenn <strong>der</strong> Erhalt und die Steuerung von bestehenden<br />
Kundenbeziehungen im Mittelpunkt stehen.<br />
163
Fachartikel Modul 201<br />
1. Der Kunde<br />
Der Kunde ist eine Person o<strong>der</strong> eine Unternehmung, die von einer an<strong>der</strong>en<br />
Person o<strong>der</strong> Unternehmung Ware kauft o<strong>der</strong> Dienstleistungen in Anspruch<br />
nimmt. Oft nennt man den Kunden auch "Abnehmer" o<strong>der</strong> "Debitor". Das Wort<br />
"Debitor" wird häufig bei <strong>der</strong> Rechnungsstellung und in <strong>der</strong> Buchhaltung<br />
benutzt.<br />
Die EnterSite AG hat verschiedene Kunden. Einerseits kaufen Privatpersonen<br />
bei ihr ein. Sie bestellen in <strong>der</strong> Regel in kleinen Mengen und lassen die Güter<br />
an ihre Heimadresse liefern o<strong>der</strong> kaufen einzelne Produkte vor Ort im Shop.<br />
An<strong>der</strong>erseits hat die EnterSite AG auch grosse Händler als Kunden. Sie tätigen<br />
regelmässig Bestellungen und beziehen dabei mehrere Artikel. Bei solchen<br />
grösseren Mengen erfolgt die Lieferung per Stückgut.<br />
1.1 Die Bedeutung des Kunden<br />
Die EnterSite AG und ihre Mitarbeitenden haben das Interesse, den Auftrag<br />
von jedem Kunden bestmöglich zu erledigen. Wenn ein Kunde zufrieden ist,<br />
wird er auch mit seinen künftigen Aufträgen zur EnterSite AG kommen.<br />
Deshalb hat je<strong>der</strong> Kundenauftrag eine grosse Bedeutung und sollte von<br />
Auftragsbeginn bis Auftragsende mit hoher Konzentration ausgeführt werden.<br />
Für jeden erledigten Auftrag stellt die EnterSite AG am Schluss eine Rechnung.<br />
Wenn <strong>der</strong> Kunde die Rechnung bezahlt, generiert das einen Umsatz für das<br />
Unternehmen. Aus diesem Umsatz wird <strong>der</strong> Lohn <strong>der</strong> Mitarbeitenden bezahlt.<br />
164
Der Lohn aller Mitarbeitenden stammt also von den Zahlungen <strong>der</strong> Kunden,<br />
die Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen bei <strong>der</strong> EnterSite AG bezogen haben.<br />
Merke: Als Logistiker, als Logistikerin verstehe ich, dass je<strong>der</strong> Kundenauftrag die<br />
Basis für meine Arbeitsstelle und damit für meine Lohnzahlung am Ende des Monats<br />
ist. Dementsprechend verhalte ich mich gegenüber allen Kunden respektvoll und<br />
wertschätzend.<br />
1.2 "Der Kunde ist König"<br />
Das Sprichwort "Der Kunde ist König" wird häufig benutzt, um das Verhältnis<br />
zwischen einem Kunden und einem Unternehmen zu beschreiben. Die<br />
EnterSite AG gibt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Sprichwort als<br />
Grundlage mit. Das Sprichwort muss aber nicht wörtlich genommen werden.<br />
Vielmehr sollten die Mitarbeitenden <strong>der</strong> EnterSite AG anstreben, eine<br />
Beziehung mit dem Kunden aufzubauen. Zwischen dem Kunden und <strong>der</strong><br />
<strong>Entersite</strong> AG soll eine gute Geschäftsbeziehung entstehen. Diese kann<br />
aufgebaut werden, wenn <strong>der</strong> Kunde Werte wie Respekt, Wertschätzung,<br />
Vertrauen und Nachhaltigkeit erfährt. Beide Parteien handeln auf Augenhöhe<br />
und haben das Ziel, ihre Bedürfnisse zu decken. Wird während <strong>der</strong><br />
Zusammenarbeit künstlich o<strong>der</strong> nicht ehrlich kommuniziert, ist die Beziehung<br />
früher o<strong>der</strong> später zum Scheitern verurteilt. Das kann zu Differenzen führen, die<br />
in <strong>der</strong> Folge dem Geschäft schaden können.<br />
Merke: Der Kunde wünscht sich, ernst genommen zu werden, und dass ehrlich mit<br />
ihm kommuniziert wird.<br />
165
1.3 Der Stammkunde<br />
Ein Stammkunde ist ein Kunde, <strong>der</strong> regelmässig bei <strong>der</strong> EnterSite AG Produkte<br />
o<strong>der</strong> Dienstleistungen bezieht. Das bedeutet, dass die Kunden- o<strong>der</strong><br />
Geschäftsbeziehung für beide Seiten stimmig ist. Bei den Stammkunden<br />
besteht die Möglichkeit, Gespräche über vergangene Leistungen o<strong>der</strong><br />
zukünftige Entwicklungen <strong>der</strong> EnterSite AG zu führen. Mittels dieser Gespräche<br />
kann eine Verbesserung und eine Neuorientierung zugunsten <strong>der</strong> Kunden<br />
erzielt werden. Der Austausch mit den Kunden sollte auf den Werten wie<br />
Respekt, Wertschätzung, Vertrauen und Nachhaltigkeit basieren.<br />
1.4 Unternehmen müssen ihre Kunden kennen<br />
Wer Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen erfolgreich verkaufen möchte, muss seine<br />
Kunden möglichst gut kennen. Um die Fragen "Wer sind meine Kunden?" und<br />
"Was erwarten o<strong>der</strong> wünschen meine Kunden?" zu beantworten, wird viel in<br />
die Analyse <strong>der</strong> Kundschaft investiert. Diese wichtige Aufgabe wird dem<br />
Marketing zugeteilt. Das Marketing trägt Informationen über bestehende und<br />
potenzielle Kunden zusammen und stellt sie <strong>der</strong> EnterSite AG zur Verfügung.<br />
Die Informationen sollen helfen, folgende Ziele zu erreichen:<br />
• Die eigenen Produkte und Dienstleistungen verbessern.<br />
• Neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und erfolgreich anbieten.<br />
• Den Kundenservice und interne Prozesse verbessern.<br />
• Neue Kunden und Zielgruppen sowie neue Märkte entdecken und<br />
erschliessen.<br />
Das Thema Marketing wird in Modul 205 vertieft bearbeitet.<br />
166
Modul 202_Mein Auftreten<br />
Ausgangslage<br />
Der Kunde und die damit verbundenen Einnahmen sind für das Unternehmen<br />
und die eigene Arbeitsstelle sehr wichtig. Damit man dem Kunden im Sinne<br />
des Arbeitgebers begegnen kann, muss man sich Gedanken um das eigene<br />
Auftreten machen. Mit dem eigenen Auftreten beeinflusst man, wie man von<br />
aussen wahrgenommen wird. Einige wichtige Faktoren sind:<br />
• die Haltung<br />
• die Kommunikation<br />
• die Hygiene<br />
• die Kleidung<br />
Der Logistiker, die Logistikerin soll ein bewusstes und <strong>der</strong> Situation<br />
angemessenes Auftreten haben.<br />
167
Fachartikel Modul 202<br />
2. Das eigene Auftreten<br />
Das eigene Auftreten hat einen grossen Einfluss darauf, wie man auf an<strong>der</strong>e<br />
Menschen wirkt. Deshalb sollte man sich bewusst Gedanken über sein<br />
Auftreten machen und es je nach Situation anpassen. Ist das möglich?<br />
Welche Faktoren sind zu beachten?<br />
2.1 Meine Haltung<br />
Die eigene Haltung o<strong>der</strong> Gesinnung vermittle ich, indem ich meine Moral und<br />
Werte vorlebe. Werte und Wertvorstellungen, die ich aufgrund meiner<br />
Herkunft o<strong>der</strong> Erziehung als erstrebenswert empfinde, versuche ich vorzuleben<br />
und zu erreichen. Einige mögliche Werte sind z. B.:<br />
• Liebe<br />
• Ehrlichkeit<br />
• Freundschaft<br />
• Treue<br />
• Ordnung<br />
• Pünktlichkeit<br />
Merke: Je<strong>der</strong> Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen, die seine Werte<br />
prägen und die Haltung bestimmen, die er nach aussen trägt. Habe ich z. B.<br />
Pünktlichkeit als Wertvorstellung verinnerlicht, ist es mir wichtig, pünktlich zu<br />
sein. Meine persönliche Wertvorstellung muss für an<strong>der</strong>e aber nicht gültig sein.<br />
2.2 Meine Kommunikation<br />
Kommunikation kann auf verschiedene Arten stattfinden. Gegenüber dem<br />
Kunden passe ich die eigene Sprache <strong>der</strong> Situation an und achte darauf,<br />
ehrlich zu kommunizieren. Dabei verwende ich zum Teil an<strong>der</strong>e Wörter als in<br />
meiner Alltagssprache. Dem Kunden begegne ich an<strong>der</strong>s als meiner Familie<br />
o<strong>der</strong> meinen Freundinnen und Freunden. Ich achte darauf, dass meine<br />
Wortwahl (verbale Kommunikation) und Körperhaltung (nonverbale<br />
Kommunikation) im Austausch mit dem Kunden bewusst gewählt sind.<br />
Die Kommunikation wird in Modul 206 vertieft bearbeitet.<br />
168
2.3 Meine Kleidung<br />
Neben den eigenen Wertvorstellungen und <strong>der</strong> Kommunikation spielen im<br />
Umgang mit dem Kunden weitere Faktoren eine Rolle: Auch die Kleidung<br />
beeinflusst mein Auftreten und das eigene Erscheinungsbild. Meine<br />
Kleidungsstücke sollte ich darum bewusst wählen. Am besten ziehe ich<br />
dezente Kleidung an und achte darauf, we<strong>der</strong> overdressed noch<br />
un<strong>der</strong>dressed zu sein.<br />
dezent = Der Situation angemessen<br />
un<strong>der</strong>dressed = Für die Situation zu wenig gut gekleidet<br />
overdressed = Für die Situation zu gut gekleidet<br />
Im Privatleben soll und darf ich die eigenen Gefühle und Leidenschaften zum<br />
Ausdruck bringen. Im beruflichen Alltag vertrete ich hingegen das<br />
Unternehmen, für das ich tätig bin. Die EnterSite AG erwartet von ihren<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie dezente Kleidung wählen -<br />
beson<strong>der</strong>s wenn sie Kundenkontakt haben. In einigen Abteilungen stellt das<br />
Unternehmen <strong>der</strong> Belegschaft darum einheitliche Berufskleidung zur<br />
Verfügung. Nach <strong>der</strong> Arbeit sollte ich die Arbeitskleidung ablegen und private<br />
Kleidung anziehen.<br />
2.4 Meine Hygiene<br />
Der Begriff <strong>der</strong> Hygiene wird vom Namen <strong>der</strong> Göttin <strong>der</strong> Gesundheitslehre,<br />
Hygieia, abgeleitet. Das Wort hat seinen Ursprung im Griechischen und wird<br />
im heutigen Sprachgebrauch oft mit Gesundheit gleichgesetzt. Die World<br />
Health Organization (WHO) definiert die Gesundheit wie folgt: "Die<br />
Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und<br />
sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheiten o<strong>der</strong><br />
Gebrechen". Die Hygiene befasst sich somit mit <strong>der</strong> Gesundheitslehre.<br />
Bereits im Römischen Reich war die Hygiene verhältnismässig weit entwickelt.<br />
Es war bereits bekannt, dass Krankheiten durch Mikroorganismen<br />
(Kleinstlebewesen wie Bakterien und Viren) hervorgerufen und verbreitet<br />
werden. Jahrhun<strong>der</strong>te später, im Jahr1840, gelang schliesslich <strong>der</strong> Nachweis,<br />
169
dass eine Desinfektion die Übertragung von Krankheiten eindämmen kann.<br />
Zuvor war den Ärzten nicht klar gewesen, dass sie selbst oft Infektionen<br />
übertragen haben. Heute wissen wir um die Wichtigkeit von<br />
Hygienemassnahmen wie reinigen, desinfizieren o<strong>der</strong> sterilisieren.<br />
2.4.1 Die Geschichte <strong>der</strong> Hygiene<br />
Die Hygiene, wie wir sie heute verstehen, hat eine lange Geschichte. Im Laufe<br />
<strong>der</strong> Jahrhun<strong>der</strong>te wurde die Menschheit immer wie<strong>der</strong> von schrecklichen<br />
Epidemien und Krankheiten getroffen. Eine Auswahl:<br />
1348 - Die erste grosse Pestwelle<br />
1348 sind Pestepidemien bereits bekannt. Doch die Pestwelle dieses Jahres<br />
trifft die Menschen so schlimm wie nie zuvor. Es erkranken rund 100 Millionen<br />
Menschen in Europa, Nordafrika und im Nahen Osten an <strong>der</strong> Pest. Ein Drittel<br />
<strong>der</strong> Bevölkerung überlebt die Krankheit nicht. Der Ausbruch <strong>der</strong> Epidemie wird<br />
in Zentralasien verortet.<br />
1892 <strong>–</strong> Cholera-Epidemie in Hamburg<br />
Im Jahr 1892 wird die Hafenstadt Hamburg von <strong>der</strong> Cholera heimgesucht. Der<br />
Grund für den Cholera-Ausbruch ist eine Hitzewelle und in <strong>der</strong> Folge <strong>der</strong> tiefe<br />
Wasserstand <strong>der</strong> Elbe. Mit ihrem auf 22 Grad Celsius erwärmten Wasser bietet<br />
die Elbe in diesem Jahr Bakterien und Viren perfekte Bedingungen zur<br />
Vermehrung. Der erste mit Cholera infizierte Bürger wird am 15. August<br />
registriert. Am 16. August haben sich zwei und am 17. August bereits vier<br />
Menschen mit <strong>der</strong> Cholera angesteckt. Zu diesem Zeitpunkt hätte <strong>der</strong><br />
Ausbruch vielleicht noch verhin<strong>der</strong>t werden können. Doch die Stadtväter<br />
schätzen die Situation falsch ein. Bis zum Ende <strong>der</strong> Epidemie in Hamburg<br />
werden rund 17'000 Infizierte registriert. Die Hälfte davon überlebt die<br />
Krankheit nicht. Weitere Orte werden von <strong>der</strong> Cholera heimgesucht.<br />
1918 - Spanische Grippe<br />
Im Jahr 1918, dem letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, grassiert die Spanische<br />
Grippe und trifft die Menschen hart. Innerhalb weniger Monate hat sich die<br />
Krankheit auf dem Globus ausgebreitet. Bereits im Jahr 1920 sind mehr<br />
Menschen an <strong>der</strong> Spanischen Grippe gestorben als im gesamten Ersten<br />
170
Weltkrieg (ca. 17 Millionen Menschen). Die Spanische Grippe verursacht mehr<br />
Tote als jede an<strong>der</strong>e Krankheit vorher und nachher. Obwohl von <strong>der</strong><br />
"Spanischen" Grippe gesprochen wird, liegt ihr Ursprung nicht in Spanien. Bis<br />
heute ist nicht endgültig geklärt, wo und was <strong>der</strong> Ursprung <strong>der</strong> Grippe war.<br />
Oft wird eine Person aus Kansas, USA, als erste nachgewiesene Infektion<br />
genannt. Roy Grist, ein Militärarzt in Camp Devens, Massachusetts, schreibt<br />
am 29. September 1918 in einem Brief an einen an<strong>der</strong>en Arzt: "Es dauert nur<br />
wenige Stunden, bis <strong>der</strong> Tod kommt. Und es ist ein einziger Kampf um Luft, bis<br />
sie ersticken. Es ist schrecklich."<br />
1920 - Tuberkulose<br />
Die Tuberkulose wird 1920 erstmals nachgewiesen. Die Krankheit grassiert zu<br />
diesem Zeitpunkt aber schon lange und hat vielen Menschen das Leben<br />
gekostet. Ihren traurigen Höhepunkt hat die Krankheit zwischen 1870 und 1885<br />
in Österreich. In <strong>der</strong> Stadt Wien sterben 909 Personen pro 100'000 Einwohner<br />
an Tuberkulose. Daraufhin verbreitet sich die Tuberkulose in ganz Österreich.<br />
1885 werden im ganzen Land 390 Todesfälle auf 100'000 Einwohner gezählt.<br />
Die Krankheit wan<strong>der</strong>t zu diesem Zeitpunkt von Westen nach Osten. Ein Grund<br />
für die Ausbreitung ist die Industrialisierung.<br />
1981 - AIDS<br />
Zu Beginn <strong>der</strong> 1980er-Jahre taucht in <strong>der</strong> westlichen Welt eine neue Krankheit<br />
auf: AIDS. Rasch wird erkannt, dass AIDS eine Krankheit ist, welche durch<br />
sexuelle Handlungen übertragen wird und nicht heilbar ist. In <strong>der</strong> Schweiz<br />
leben heute rund 16'700 Menschen mit dem HI-Virus. Im Jahr 2019 wurden 421<br />
neue Ansteckungen gemeldet. Seit 2008 gehen die Neuinfektionen von Jahr<br />
zu Jahr zurück. Das ist auch den zahlreichen Aufklärungskampagnen zur<br />
Krankheit zu verdanken. Die Aufklärung und Beratung zu AIDS wird so<br />
aufgegleist, dass möglichst grosse Teile <strong>der</strong> Bevölkerung erreicht werden. Die<br />
AIDS-Hilfe Schweiz wurde 1985 gegründet und hat einen grossen Beitrag zum<br />
Rückgang <strong>der</strong> Krankheit geleistet.<br />
2020 <strong>–</strong> Covid-19-Pandemie<br />
Die erste offiziell bestätigte Ansteckung durch das Covid-19-Virus wurde <strong>der</strong><br />
WHO am 31. Dezember 2019 aus Wuhan, China, gemeldet. Bei den ersten<br />
Meldungen wurde das Virus mit 2019-nCoV bezeichnet, später wurde es<br />
171
Covid-19 resp. SARS-CoV-2 genannt. Coronaviren (CoV) bilden grosse<br />
Mengen von Viren. Bei vielen Menschen äussert sich eine Infektion lediglich<br />
durch Erkältungssymptome. Das Virus kann aber auch zu schweren<br />
Krankheitsverläufen führen. Die WHO bezeichnete die Pandemie am 30.<br />
Januar 2020 als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite <strong>–</strong> das<br />
ist die höchste Warnstufe <strong>der</strong> WHO.<br />
2.4.2 Die persönliche Hygiene<br />
Die Hygiene hat in unserer Gesellschaft eine grosse Bedeutung. Mit guten<br />
Hygienestandards können Krankheiten und Pandemien, wie sie im vorherigen<br />
Kapitel genannt wurden, verhin<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> eingedämmt werden. Die<br />
persönliche Hygiene bestimmt aber auch, wie man auf an<strong>der</strong>e Menschen<br />
wirkt. Sie hat also Einfluss auf den Eindruck, den man z. B. bei einem Kunden<br />
hinterlässt.<br />
Gesundheit und Anerkennung<br />
Eine gute persönliche Hygiene habe ich z. B., wenn ich regelmässige dusche,<br />
die Haare wasche, Zähne und Ohren putze sowie Finger- und Fussnägel<br />
schneide. Ich trage selbst die Verantwortung dafür, mich zu pflegen und sollte<br />
mir Gedanken darüber machen, wann und wie oft ich das mache. Zudem<br />
sollte ich mir Gedanken darüber machen, welche Nahrungsmittel ich zu mir<br />
nehme. Es ist z. B. nicht ratsam, vor einem wichtigen Termin wie einem<br />
Bewerbungsgespräch Kaffee, Red Bull o<strong>der</strong> geruchintensive Speisen mit viel<br />
Zwiebeln und Knoblauch zu konsumieren.<br />
Ein ungepflegtes Auftreten hat eine starke Wirkung gegen aussen. Nicht<br />
gepflegte Menschen können auf an<strong>der</strong>e abstossend wirken. In <strong>der</strong> Folge<br />
kann es dazu kommen, dass mangelnde Hygiene einem Menschen den<br />
sozialen Zugang o<strong>der</strong> eine erfolgreiche berufliche Karriere verunmöglicht.<br />
Nicht nur das Reinigen und Waschen des eigenen Körpers haben einen<br />
Einfluss darauf, wie an<strong>der</strong>e Menschen meine persönliche Hygiene<br />
wahrnehmen. Ebenso spielt die Pflege <strong>der</strong> Kleidung eine wichtige Rolle. Auch<br />
die Lieblingsklei<strong>der</strong> müssen regelmässig gewaschen werden. Ich versuche<br />
damit zu vermeiden, dass meine Kleidung unangenehm riecht. Ich überlege<br />
mir also, ob meine Kleidung <strong>der</strong> Situation angepasst und in einem gereinigten<br />
Zustand ist.<br />
Merke: Es kann auch negativ auffallen, wenn ich zu viel Deodorant o<strong>der</strong> Parfum<br />
verwende. Beides sollte mit Mass eingesetzt werden.<br />
172
Bakterien und Viren<br />
Mikroorganismen wie Bakterien und Viren sind oft Auslöser von Krankheiten. Es<br />
gibt aber auch gute Bakterien, ohne die <strong>der</strong> Mensch kaum überleben kann.<br />
Sie schützen den Körper z. B. vor Angreifern und verdauen die Nahrung im<br />
Darm. Der Mensch hat natürliche Abwehrmechanismen gegen schädliche<br />
Bakterien und Viren, das sogenannte Immunsystem. Beson<strong>der</strong>s kritisch wird es,<br />
wenn das eigene Immunsystem geschwächt ist und die Mikroorganismen sich<br />
einfach vermehren können. Dass z. B. im Winter Erkältungen häufiger sind,<br />
wird nicht durch die Kälte an sich verursacht. Der Grund liegt vielmehr darin,<br />
dass <strong>der</strong> Körper sich wie<strong>der</strong> aufwärmen muss und dafür viel Körperenergie<br />
braucht. Dadurch bleibt weniger Energie für das Immunsystem übrig, und es<br />
kann sich weniger gut gegen Krankheitserreger wehren.<br />
Übertragungswege<br />
Im Alltag geht schnell vergessen, wie schnell Mikroorganismen wie Viren o<strong>der</strong><br />
Bakterien transportiert werden können: zum Beispiel durch das Anfassen einer<br />
Türklinke, beim Händeschütteln mit einem Bekannten o<strong>der</strong> durch das<br />
Übergeben von einem Gegenstand. Darum ist es wichtig, sich regelmässig die<br />
Hände zu waschen. Ein weiterer Übertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion.<br />
Wenn Menschen sprechen, singen, husten o<strong>der</strong> niesen kann ein Sprühregen<br />
entstehen, bei welchem Tröpfchen bis zu rund einem Meter verschleu<strong>der</strong>t<br />
werden können. Diese Tröpfchen sind Träger von Viren und Bakterien. Die<br />
alljährlich auftretenden Grippewellen verbreiten sich fast ausschliesslich auf<br />
diesem Weg.<br />
Massnahmen zur Vermeidung von Übertragungen<br />
Spätestens mit dem Ausbruch von Covid-19 im Jahr 2020 hat die Gesellschaft<br />
gelernt, mit welchen Massnahmen man die Übertragung von<br />
Krankheitserregern einschränken kann. In vielen Län<strong>der</strong>n wurde zum Beispiel<br />
<strong>der</strong> Lockdown ausgerufen. Das Ziel vom Lockdown war es, durch die<br />
Einschränkung <strong>der</strong> Bewegungsfreiheit <strong>der</strong> Menschen die Ausbreitung des Virus<br />
zu kontrollieren. Während <strong>der</strong> Pandemie gab es zudem viele einfachere<br />
Massnahmen zu befolgen. Diese gelten auch in normalen Zeiten und<br />
schützen vor Krankheiten wie z. B. <strong>der</strong> Grippe:<br />
• Genügend Abstand zu Gesprächspartnern halten<br />
173
• In Taschentuch o<strong>der</strong> Armbeuge husten o<strong>der</strong> niesen (nie in die Richtung von<br />
Mitmenschen)<br />
• Papiertaschentücher nur einmal verwenden<br />
• Hände regelmässig waschen<br />
Merke: Regelmässiges Händewaschen sollte für alle eine<br />
Selbstverständlichkeit sein.<br />
2.5 Das Unternehmensleitbild<br />
Das Leitbild ist eine schriftliche Erklärung des Unternehmens, welche<br />
Grundprinzipien und Werte es nach innen und nach aussen vertritt. Es<br />
formuliert einen Zielzustand. Nach innen soll das Leitbild handlungsleitend und<br />
orientierend sein, sodass es für die Mitarbeitenden einen motivierenden Faktor<br />
aufweist. Nach aussen stellt es klar, für was das Unternehmen einsteht. Es ist<br />
ein Grundpfeiler für die Corporate Identity <strong>der</strong> Firma. Das Leitbild beschreibt<br />
die Vision <strong>der</strong> Organisation und bildet den Rahmen für Strategien, Ziele und<br />
operatives Handeln.<br />
2.5.1 Funktion eines Unternehmensleitbildes<br />
Die erste wichtige Funktion eines Leitbildes ist die Legitimität von<br />
Gestaltungsentscheidungen, die seine Mitarbeiter orientieren.<br />
• "Wofür stehen wir als Unternehmen?" (Vision)<br />
• "Was wollen wir gemeinsam erreichen?" (Mission)<br />
• "Welche Werte und Prinzipien sollen unser Handeln leiten?" (Leitbild)<br />
Die zweite wichtige Funktion des Leitbildes ist seine Wirkung nach aussen: Es<br />
orientiert die Kunden und Stakehol<strong>der</strong> des Unternehmens.<br />
• "Wofür steht dieses Unternehmen?"<br />
"Welches Image will und verfolgt unser Unternehmen?"<br />
174
2.5.2 Das Leitbild <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Grundsätze<br />
• Wir wollen grundsätzlich nur in Märkten tätig sein, in denen wir Leistungen für<br />
unsere Kunden besser als an<strong>der</strong>e erbringen können.<br />
• Wir wollen unseren Mitarbeitenden die Chance zur Entfaltung ihrer Kenntnisse<br />
und Fähigkeiten in möglichst grosser Selbstverantwortung bieten.<br />
• Wir wollen ein erfolgreiches, unabhängiges, dynamisches Unternehmen von<br />
überschaubarer Grösse und Struktur sein.<br />
Unser Leistungsprogramm<br />
• Wir wollen Dienstleistungen anbieten, die einem Bedürfnis unserer Kunden<br />
entsprechen und für <strong>der</strong>en Produktion wir ein hohes Know-how besitzen o<strong>der</strong><br />
erwerben.<br />
• Wir wollen mit Produkten handeln, welche wir von Dritten zukaufen und die zur<br />
Lösung von Kundenproblemen geeignet sind.<br />
• Unsere begleitenden Serviceleistungen sollen einen hohen Standard haben.<br />
175
• Wir halten uns die Möglichkeit offen, unser jetziges Artikelangebot unter den<br />
Gesichtspunkten Rentabilität, Zukunftsaussichten, Know-how und<br />
Kundenbedürfnisse auszuweiten.<br />
Die von uns bearbeiteten Märkte<br />
Wir verkaufen an Industrie- und Privatkunden.<br />
Qualität und Technologie<br />
Unser Qualitätsziel "stets eine Idee besser" soll in allen Bereichen durchgesetzt<br />
werden: in <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> Mitarbeitenden auf allen Stufen, in <strong>der</strong> Qualität<br />
<strong>der</strong> Arbeit in sämtlichen Bereichen sowie in <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> Produkte.<br />
Finanzierung und Rentabilität<br />
Unser oberstes Ziel sind die Erreichung einer angemessenen Rendite und<br />
ausgewogene Bilanzstrukturen.<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />
• Wir wollen fähige, motivierte und zufriedene Mitarbeiter.<br />
• Wir bieten allen Mitarbeitenden die bestmögliche Chance zur Entfaltung ihrer<br />
Persönlichkeit durch Mitdenken, Mitentscheiden, weitgehende Information,<br />
grösstmögliche Kompetenzdelegation und Freiheit für die Entfaltung von<br />
Eigeninitiative.<br />
• Unsere Lohnpolitik orientiert sich an <strong>der</strong> Funktion, an <strong>der</strong> Leistung und an den<br />
Marktbedingungen.<br />
• Bei unseren Mitarbeitenden legen wir Wert auf Fachkönnen, Initiative,<br />
Verantwortungsbereitschaft, Wille zur Zusammenarbeit und Erreichung <strong>der</strong><br />
Ziele.<br />
• Von unserem Ka<strong>der</strong> erwarten wir insbeson<strong>der</strong>e persönliche Integrität, Vertrauenswürdigkeit,<br />
Führungseigenschaften, hohe Leistung und gesamtunternehmerisches<br />
Verhalten; wir gewähren grossen Entscheidungsfreiraum.<br />
176
Führung<br />
• Wir pflegen einen leistungsorientierten, partizipativen und situationsgerechten<br />
Führungsstil.<br />
• Der Grundsatz <strong>der</strong> Führung mit Zielen Management by Objectives (MbO)<br />
findet durchgehend Anwendung. Durch die Vereinbarung <strong>der</strong> Ziele zwischen<br />
Vorgesetztem und Mitarbeiter wird auch <strong>der</strong> partizipative Führungsstil<br />
verwirklicht. Die Identifikation des Mitarbeiters mit seiner Aufgabe ermöglicht<br />
ihm selbstverantwortliches Handeln, ausgerichtet auf die Unternehmensziele.<br />
• Führung durch Ziele heisst insgesamt, dass je<strong>der</strong> klar weiss, für was er verantwortlich<br />
und kompetent ist.<br />
• Die Grundsätze des Management by Exception sind zu verwirklichen. Somit<br />
sind alle von <strong>der</strong> Planung, <strong>der</strong> Budgetierung, <strong>der</strong> Zielsetzung o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
normalen Erwartung abweichenden geschäftlichen Ereignisse unverzüglich<br />
<strong>der</strong> betroffenen Stelle, im Normalfall dem Vorgesetzten, zu melden.<br />
• Für alle Weisungen wird <strong>der</strong> sogenannte Dienstweg eingehalten. Für die<br />
Beschaffung von Informationen kann er übersprungen werden. Auch in<br />
Projektgruppen kann die formelle Hierarchie ausser Kraft gesetzt werden.<br />
Kunden und Lieferanten<br />
• Der Dienst am Kunden steht im Mittelpunkt des Denkens und Handelns aller<br />
unserer Mitarbeitenden. Alle Aktivitäten haben schlussendlich das Ziel, die Bedürfnisse<br />
unserer Kunden zu befriedigen.<br />
• Wir wollen gegenüber unseren Lieferanten fair, aber hart und anspruchsvoll<br />
sein.<br />
Öffentlichkeit<br />
• Wir setzen uns für eine freie Marktwirtschaft ein und bejahen eine freiheitliche,<br />
die Eigeninitiative för<strong>der</strong>nde humane und soziale Gesellschaftsordnung.<br />
• Mit staatlichen Institutionen wollen wir loyal zusammenarbeiten.<br />
• In Verbänden wollen wir aktiv mitwirken.<br />
• Wir wollen die Öffentlichkeit laufend objektiv über unsere Firma orientieren.<br />
• Die aktive Beteiligung unserer Betriebsangehörigen in Politik und Militär wird<br />
grundsätzlich positiv beurteilt.<br />
177
Umwelt<br />
• Wir beziehen die ökologischen Gesichtspunkte in unsere Überlegungen ein<br />
und suchen nach bestmöglichen Lösungen. Dies betrifft insbeson<strong>der</strong>e die Bereiche<br />
Produktion, Energie, Abfallbeseitigung, Roh- und Verpackungsmaterialien.<br />
• Wir sind bereit, im Rahmen des Möglichen in diesen Bereichen Massnahmen<br />
zu treffen, die über die gesetzlichen Auflagen hinausgehen, auch wenn dies<br />
zusätzliche Kosten verursacht.<br />
178
Modul 203_Selbstmanagement<br />
Ausgangslage<br />
Herr Reto Gugger muss sich jeden Tag intrinsisch (von innen her) motivieren<br />
und seine Mitarbeitenden extrinsisch (von aussen her) motivieren durch<br />
Zielsetzungen, Planung, Organisation und Zeitmanagement, sodass die<br />
EnterSite AG als Firma auf dem offenen Markt gegen die starke Konkurrenz<br />
bestehen und gesund wachsen kann.<br />
Je<strong>der</strong> Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin <strong>der</strong> EnterSite AG leistet einen Betrag<br />
dazu, dass die Firma profitabel bleibt und für die Mitarbeitenden weiter<br />
bestehen bleibt. Als Anerkennung für die von den Mitarbeitenden geleistete<br />
Arbeit kaufen die Kunden weiter bei <strong>der</strong> EnterSite AG ein, und von Herrn Reto<br />
Gugger erhalten die Mitarbeitenden am Ende des Monats als Gegenleistung<br />
für ihre Arbeit den Lohn auf ihr Bankkonto ausbezahlt.<br />
179
Fachartikel Modul 203<br />
3. Selbstmanagement<br />
Selbstmanagement ist die Kompetenz, sich selber zu managen. Verschiedene<br />
Techniken aus dem Management, <strong>der</strong> Psychologie und <strong>der</strong> persönlichen<br />
Führung helfen dabei, die eigene Motivation (intrinsische) zu erhöhen, eigene<br />
Ziele zu klären und diese besser zu erreichen. Dazu gehören Teilkompetenzen<br />
wie zum Beispiel Motivation, Zielsetzung, Planung, Zeitmanagement,<br />
Organisation, Lernfähigkeit und Erfolgskontrolle durch Feedback.<br />
3.1 Sich selber kennen - das Johari-Fenster<br />
Wie ist meine Selbstwahrnehmung, wie ist meine Fremdwahrnehmung? Wir<br />
laufen in <strong>der</strong> Weltgeschichte umher und denken uns, alle würden uns<br />
verstehen ("Ich kommuniziere ja klar und deutlich!"), und die unsere<br />
Mitmenschen würden wir lesen wie ein offenes Buch. Dem ist nicht so. Je<strong>der</strong><br />
Mensch hat seine Geheimnisse, die er an<strong>der</strong>en Menschen nicht preisgeben<br />
will, sei es aus Scham o<strong>der</strong> Angst. Das Johari-Fenster erlaubt es uns, unser Ich,<br />
die Fremdwahrnehmung, unser unbekanntes Ich und unseren blinden Fleck zu<br />
finden. Mit dieser Erkenntnis können wir im Alltag besser mit Mitmenschen<br />
arbeiten und zusammenleben.<br />
180
1. Quadrat: Öffentliche Person<br />
Das erste Quadrat ist <strong>der</strong> Bereich <strong>der</strong> freien Aktivität, <strong>der</strong> öffentlichen<br />
Sachverhalte und Tatsachen. Verhalten und Motivation sind sowohl für mich,<br />
aber auch für an<strong>der</strong>e wahrnehmbar.<br />
2. Quadrat: Mein Geheimnis<br />
Im zweiten Quadrat geht es um mein bewusstes und bekanntes Verhalten,<br />
dass ich an<strong>der</strong>en aber nicht bekannt gemacht habe o<strong>der</strong> machen will.<br />
Dieser Teil des Verhaltens ist für an<strong>der</strong>e verborgen o<strong>der</strong> versteckt.<br />
3. Quadrat: Blin<strong>der</strong> Fleck<br />
Der blinde Fleck ist die richtige Bezeichnung für das dritte Quadrat. Der blinde<br />
Fleck ist die Selbstwahrnehmung, d. h. <strong>der</strong> Teil des Verhaltens, <strong>der</strong> für an<strong>der</strong>e<br />
sichtbar und erkennbar ist, mir selbst hingegen nicht bewusst. Darunter fallen<br />
Abgewehrtes, Vorbewusstes und nicht mehr bewusste Gewohnheiten.<br />
4. Quadrat: Unbekanntes<br />
Das vierte Quadrat erfasst Vorgänge, die we<strong>der</strong> mir noch an<strong>der</strong>en bekannt<br />
sind und sich in dem Bereich bewegen, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Tiefenpsychologie<br />
unbewusst genannt wird.<br />
181
3.1.1 Die fünf Säulen <strong>der</strong> Identität des Menschen<br />
1. Säule: Leiblichkeit<br />
Die erste Säule umfasst unseren Körper, unseren Geist und unsere Psyche,<br />
welche <strong>der</strong> Ausgangspunkt für unsere Identität ist. Ohne sie würden wir nicht<br />
existieren. Durch Nachfrage zur Gesundheit und Zufriedenheit in einzelnen<br />
Aspekten kann die Stabilität <strong>der</strong> Säule gut erfasst werden. Der Leiblichkeit<br />
kommt daher eine hohe Bedeutung zu.<br />
Merke: Ereignisse wie Krankheiten, Unfälle, seelische Verletzungen o<strong>der</strong><br />
traumatische Erlebnisse gefährden die Stabilität dieser Säule und damit die<br />
Identität des Menschen.<br />
182
2. Säule: Soziale Beziehungen<br />
In <strong>der</strong> zweiten Säule sind die sozialen Kontakte eingeordnet, welche für den<br />
Menschen überlebenswichtig sind. Sie bieten Halt und schenken<br />
Anerkennung. Starke psychische Belastungen und langfristiges Erkranken<br />
können mögliche Folgen von fehlenden sozialen Kontakten sein. Beziehungen<br />
zu an<strong>der</strong>en Menschen und das soziale Netzwerk stärken die Stabilität <strong>der</strong><br />
zweiten Säule.<br />
Merke: Die Trennung einer langjährigen Partnerschaft, unüberbrückbare<br />
Differenzen o<strong>der</strong> gar Tod können diese Säule beispielsweise beeinflussen.<br />
3. Säule: Arbeit und Leistung<br />
Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört, eine sinnvolle Aufgabe zu<br />
haben, seine Fähigkeiten einsetzen zu können und sich zu verwirklichen.<br />
Merke: Der Verlust, das Fehlen einer sinnvollen Aufgabe kann zu negativen<br />
gesundheitlichen Auswirkungen führen.<br />
4. Säule Materielle Sicherheit<br />
In dieser Säule spielen Faktoren wie <strong>der</strong> Lebensstandard, die finanzielle<br />
Situation und die existenzielle Absicherung eine zentrale Rolle. Die<br />
Einschätzung <strong>der</strong> Faktoren hängt zusammen mit Erfahrungen aus <strong>der</strong> Kindheit,<br />
welche die Einstellung zu materieller Sicherheit beeinflussen können.<br />
Merke: Existenzängste können erheblichen Einfluss auf das persönliche<br />
Gleichgewicht haben.<br />
5. Säule: Werte und Ideale<br />
Menschen, die nach ihren Wertvorstellungen leben können, sind mit sich<br />
selbst im Einklang. Reize o<strong>der</strong> gar Konflikte kann es geben, wenn<br />
unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinan<strong>der</strong> treffen. Konflikte mit sich<br />
selbst, aber auch mit dem Gegenüber, müssen ausgestanden werden.<br />
Merke: Das persönliche Wertsystem stärkt einen Menschen und vermag<br />
die Stabilität seiner Identität aufrechtzuerhalten, selbst wenn an<strong>der</strong>e Säulen<br />
Defizite aufweisen.<br />
Quelle:<br />
Hilarion Petzold (Hrsg.): Methoden des therapeutischen Umgangs mit Symbolen und Symbolisierungsprozessen. Überl<br />
egungen zu Kernqualitäten des Menschenwesens [Vortrag auf dem 7. Deutschen Symposium für Kunsttherapie, 27.-<br />
30. November 1988].<br />
183
3.2 Führungsstile nach Kurt Lewin<br />
Je<strong>der</strong> Vorgesetzte steht in verschiedenen Spannungsfel<strong>der</strong>n. Das ist normal. Es<br />
markiert seinen persönlichen Führungsstil, wie er damit zurechtkommt. Der<br />
Führungsstil kann in unterschiedlichen Situationen auch wechseln, und kehrt<br />
nach <strong>der</strong> Klärung o<strong>der</strong> Beruhigung wie<strong>der</strong> zu seiner ursprünglichen Form<br />
zurück.<br />
3.2.1 Autoritärer Führungsstil (Alleinige Entscheidungs- und<br />
Weisungskompetenz)<br />
Vorteile:<br />
• Schnelle Lösung von Problemen, kurzfristig sehr gute Ergebnisse.<br />
• Klare Aufgaben- und Verantwortungszuteilung.<br />
• Handlungsorientierter Stil, handeln statt diskutieren.<br />
Nachteile:<br />
• Kein Konsens in <strong>der</strong> Gruppe kann zu Spannungen führen.<br />
• Schwierigkeiten bei Unvorhergesehenem, wenig Flexibilität.<br />
• Überlastung des Vorgesetzten.<br />
3.2.2 Laissez-faire Führungsstil (Delegieren von Aufgaben)<br />
Vorteile:<br />
• Durch die gewährte Freiheit können die Mitarbeitenden ihr Potential besser<br />
nutzen, ihre Ideen verwirklichen.<br />
• Innovations- und kreativitätsför<strong>der</strong>n<strong>der</strong> Stil, sofern mit <strong>der</strong> anvertrauten Freiheit<br />
umgegangen werden kann.<br />
• Grosse Entlastung für den Vorgesetzten.<br />
Nachteile:<br />
• Oft Ratlosigkeit und Verunsicherung in <strong>der</strong> Gruppe, vor allem bei<br />
Unvorhergesehenem.<br />
• Es trägt niemand die Verantwortung, unangenehme Tätigkeiten werden nicht<br />
erledigt.<br />
• Keine Unitè de doctrine (Einheitlichkeit) im Unternehmen; je<strong>der</strong> „wurstelt“ vor<br />
sich hin, so wie es ihm passt.<br />
184
3.2.3 Kooperativer Führungsstil (Mitbestimmungsrecht <strong>der</strong> Mitarbeitenden)<br />
Vorteile:<br />
• Auf lange Sicht optimale Arbeitsergebnisse bei zufriedenen Mitarbeitenden.<br />
• Mehr Flexibilität bei Unvorgesehenem, weil <strong>der</strong> Sinn <strong>der</strong> Tätigkeit bekannt ist.<br />
• Starkes Wir-Gefühl, da je<strong>der</strong> ein wichtiger Teil <strong>der</strong> Gruppe ist.<br />
Nachteile:<br />
• Mühsame, zeitaufwändige Entscheidungsfindung.<br />
• Kurzfristig oft schlechtere Sachergebnisse, bis sich die Gruppe „gefangen“ und<br />
organisiert hat.<br />
• Hohe Anfor<strong>der</strong>ungen an die Führungspersönlichkeit, insbeson<strong>der</strong>e im<br />
psychologischen Bereich.<br />
3.2.4 Karitativer Führungsstil (Die Bedürfnisse <strong>der</strong> Mitarbeitenden haben<br />
Vorrang)<br />
Vorteile:<br />
• Meist menschlich warmes Klima, in dem sich die Mitarbeitenden wohl fühlen<br />
• Der tragende Rahmen gibt vor allem verunsicherten Mitarbeitenden Halt. Ihr<br />
Potenzial kann genutzt werden.<br />
• Auch kritische Fragen können ohne Angst vor Repressalien angesprochen<br />
werden.<br />
Nachteile:<br />
• Die Fürsorge kann bei Mitarbeitenden als Kontrolle verstanden werden. Sie<br />
fühlen sich eingeengt.<br />
• Schlechte Zielerreichung kann frustrieren. Oft fehlt die Herausfor<strong>der</strong>ung, die<br />
„Motivationsspritze“<br />
• Viele Fehler, Doppelspurigkeiten, Missverständnisse wegen mangeln<strong>der</strong><br />
Ausrichtung auf das Ziel.<br />
3.3 Konflikttypen nach Thomas Kilmann<br />
Wo Menschen jeden Tag zusammenarbeiten, entstehen irgendwann Konflikte<br />
- so auch in <strong>der</strong> EnterSite AG. Verschiedene Parteien haben verschiedene<br />
Ansichten zu einer Situation. Ziel je<strong>der</strong> Partei ist es, aus dieser verzwickten<br />
Situation nicht als Verlierer auszusteigen und dadurch das Gesicht zu verlieren.<br />
185
Das Verhalten <strong>der</strong> beiden Partner in <strong>der</strong> Konfliktsituation wird danach<br />
unterschieden, welche Bedürfnisse (und nicht welche Lösungsvorschläge) in<br />
welchem Masse bei <strong>der</strong> Lösung berücksichtigt werden.<br />
3.4 Die sechs Stufen <strong>der</strong> Konfliktbewältigung<br />
Je<strong>der</strong> Streit sollte einen Anfang und ein Ende haben. Am Anfang jedes<br />
produktiven Streits steht die Suche nach Ziel und Thema <strong>der</strong><br />
Auseinan<strong>der</strong>setzung.<br />
Stufe 1: Mich stört ....<br />
Stufe 2:<br />
Stufe 3:<br />
Stufe 4:<br />
Stufe 5:<br />
Stufe 6:<br />
Mein Ziel ist... (Ich möchte...)<br />
Dein Ziel ist... (Was möchtest Du...)<br />
Gemeinsamkeiten<br />
Lösungen suchen (Ideen suchen, akzeptieren, bewerten)<br />
Vereinbarung (konkret, detailliert und zeitlich befristet)<br />
3.5 Die geistige Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt<br />
"Das Leben ist voller Stress!". Diese o<strong>der</strong> ähnliche Aussagen hören wir nahezu<br />
täglich. Wir und unser Arbeitgeber sollten Massnahmen treffen können, die<br />
uns vor Stress und negativen geistigen wie auch körperlichen Auswirkungen<br />
186
schützen. Stress wird durch innere und äussere Reize erzeugt. Stress ist aber<br />
nicht gleich Stress - es gibt positiven und negativen Stress. Beide wirken sich<br />
an<strong>der</strong>s auf und aus:<br />
3.5.1 Eustress:<br />
Der Begriff Eustress wird verwendet, um Stressfaktoren zu bezeichnen, die<br />
einen positiven Einfluss haben. Der positive Stress erhöht die Aufmerksamkeit<br />
und för<strong>der</strong>t die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers. Der Körper wird<br />
durch diese Stressfaktoren nicht beschädigt. Im Gegenteil: Diese<br />
Stressfaktoren wirken sich positiv auf die psychische und physische<br />
Funktionsfähigkeit unseres Organismus aus.<br />
3.5.2 Disstress:<br />
Der Begriff Disstress wird verwendet, um die negativen Reize, die als<br />
bedrohlich o<strong>der</strong> gar überfor<strong>der</strong>nd empfunden werden, zu beschreiben. Stress<br />
wird negativ wahrgenommen, wenn <strong>der</strong> körperliche Ausgleich fehlt o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
Stress häufig auftritt. Es empfiehlt sich, geeignete Strategien zur<br />
Stressbewältigung zu entwickeln.<br />
3.5.3 Reaktionen des Menschen auf Stress<br />
Menschen zeigen in <strong>der</strong> Regel typische Kampf- o<strong>der</strong> Fluchtreaktionen bei<br />
Stress. Das ist ein natürliches, im Laufe <strong>der</strong> Evolution erworbenes<br />
Selbsterhaltungsprogramm. Weitere Reaktionen können sein:<br />
• Aggression<br />
• Flucht<br />
• Akzeptanz<br />
• Verleugnung<br />
• Angst<br />
• Depression<br />
Unser Körper ist nicht auf Dauerstress ausgelegt. Das Herz zeigt das mit<br />
erhöhter Schlagfrequenz. Unsere Muskeln verspannen sich, unsere Atmung<br />
wird schneller, wir spüren eine innere Unruhe und haben<br />
Konzentrationsprobleme o<strong>der</strong> Denkblockaden.<br />
187
Merke: Die Anfor<strong>der</strong>ungen im Berufsleben steigen rasant. Diese erfüllen zu<br />
müssen, führt zu Zeit- und Leistungsdruck.<br />
Wir müssen uns im Klaren sein, dass Entspannung und Stressbewältigung<br />
unabdingbar sind für unseren Körper:<br />
• Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen, Radfahren<br />
• private soziale Kontakte wie Familienfeste, Partys<br />
• betriebliche soziale Kontakte (beruht <strong>der</strong> Stress auf einem Konflikt, kann dieser<br />
allenfalls durch Kommunikation werden)<br />
• Yoga<br />
3.6 Die körperliche Herausfor<strong>der</strong>ung in <strong>der</strong> Arbeitswelt<br />
3.6.1 Gefahrenquellen<br />
Gefahren lauern überall - in <strong>der</strong> Wohnung, draussen in <strong>der</strong> Natur, im Verkehr<br />
und am Arbeitsplatz. Sie verursachen Unfälle jeglicher Art: Schnittwunden,<br />
Knochenbrüche, Quetschungen, innere Verletzungen usw. Unvermittelt<br />
auftretende Gefahren werden, wie die kurzfristig auftretenden Krankheiten, in<br />
<strong>der</strong> Fachsprache akut genannt. Zu diesen mehr o<strong>der</strong> weniger offensichtlichen<br />
Gefahren für die menschliche Gesundheit kommen jene, die den Körper<br />
langsam und schleichend schädigen. Es sind kaum spürbare Einwirkungen,<br />
die mit <strong>der</strong> Zeit sehr schmerzhafte, chronische Beschwerden o<strong>der</strong> Krankheiten<br />
verursachen. In vielen Fällen sind es Haltungsschäden.<br />
Wie in den meisten an<strong>der</strong>en Branchen und Berufen bestehen auch im Bereich<br />
<strong>der</strong> Logistik sogenannte berufstypische Gefahren und Risiken. Doch Gefahren,<br />
die man kennt, kann man vermeiden o<strong>der</strong> durch Vorbeugen zumindest<br />
eindämmen. Etwa 80 Prozent aller Unfälle gehen auf gefährliches Verhalten<br />
zurück, sind also selbstverschuldet; 20 Prozent werden durch gefährliche<br />
Zustände (fehlende Schutzvorrichtungen, bauliche Mängel usw.) verursacht.<br />
Folgende Verhaltensweisen werden als gefährlich eingestuft:<br />
• das Nichtbeachten von Regeln o<strong>der</strong> Vorschriften<br />
• Nachlässigkeit<br />
• das Nichtanwenden von Schutzmassnahmen<br />
• das bewusste Eingehen von Risiken<br />
188
3.6.2 Gefahren minimieren<br />
Schutz <strong>der</strong> Füsse<br />
Logistikerinnen und Logistiker<br />
sind bei ihrer Arbeit weniger<br />
gefährdet als beispielsweise<br />
Mitarbeitende auf dem Bau<br />
o<strong>der</strong> in Forstbetrieben. Dennoch<br />
zeigt die Unfallhäufigkeit, dass<br />
die Arbeit im Lager, in <strong>der</strong><br />
Distribution und im Verkehr nicht<br />
ganz ungefährlich ist. Je<strong>der</strong><br />
Bereich hat seine eigenen<br />
Risiken. Bei allen sind<br />
insbeson<strong>der</strong>e folgende<br />
Körperteile gefährdet:<br />
• Kopf<br />
• Rücken<br />
• Hände<br />
• Füsse<br />
Sehr häufig werden die Füsse durch Rä<strong>der</strong> aller Art verletzt. Gefahrenherde<br />
sind in <strong>der</strong> Logistik die verschiedenen Transportmittel mit Rollen und Rä<strong>der</strong>n.<br />
Auf den Rä<strong>der</strong>n von Flurför<strong>der</strong>zeugen lastet ein hoher Raddruck; auf dem<br />
Hinterrad eines Dreiradstaplers sind es zum Beispiel über 20 kN (Gewichtskraft<br />
von 2 Tonnen). Aber auch von Nägeln, die aus Brettern herausragen, geht<br />
eine grosse Gefahr aus.<br />
Merke: Das Tragen von Halbschuhen, Turnschuhen o<strong>der</strong> gar offenen<br />
Sandalen ist in <strong>der</strong> Logistikbranche fahrlässig!<br />
Schutzschuhe können zwar nicht alle, aber doch die meisten Verletzungen<br />
<strong>der</strong> Füsse verhin<strong>der</strong>n. Mo<strong>der</strong>ne Sicherheits- o<strong>der</strong> Schutzschuhe haben mit den<br />
negativen Vorstellungen von Stahlkappenschuhen nichts mehr gemeinsam.<br />
Sie unterscheiden sich äusserlich nicht mehr wesentlich von normalem<br />
Schuhwerk und <strong>der</strong> Tragkomfort ist hervorragend. Schutzschuhe verhin<strong>der</strong>n<br />
189
vor allem Verletzungen <strong>der</strong> Zehen und <strong>der</strong> Fusssohlen. Relativ wenig geschützt<br />
sind jedoch die Fersen.<br />
Auch mit Schutzschuhen gelten folgende<br />
Vorsichtsmassnahmen:<br />
• Füsse nie unter angehobene Lasten halten<br />
• Füsse fernhalten von Rollen und Rä<strong>der</strong>n<br />
• nichts auf dem Boden liegen lassen<br />
• auf Flurför<strong>der</strong>zeugen die Füsse innerhalb des<br />
Fahrzeugprofils halten, dort sind sie am besten<br />
geschützt<br />
Normales Schuhwerk: Vorstehende Nägel können durch die Sohle eindringen.<br />
Die Zehen sind nicht geschützt. Rollen von Flurför<strong>der</strong>zeugen können die Zehen<br />
quetschen.<br />
190
Schutz vor Rückenschäden<br />
Die Wirbelsäule<br />
Unsere Wirbelsäule setzt sich aus 24<br />
beweglichen und zwei<br />
unbeweglichen Wirbelkörpern<br />
zusammen (7 Hals- ,12 Brust- und 5<br />
Lendenwirbel, Kreuz- und Steissbein).<br />
Im Wirbelsäulenkanal liegt das<br />
Rückenmark. Daraus treten zwischen<br />
den Wirbeln die Spiralnerven aus, die<br />
das Gehirn mit den verschiedenen<br />
Köperteilen verbinden. Zwischen den<br />
Wirbeln liegen die Bandscheiben. Sie<br />
sind aus Knorpel und enthalten den<br />
Gallertkern, <strong>der</strong> sich je nach<br />
Bewegung verschiebt. Die<br />
Bandscheiben wirken wie<br />
Stossdämpfer zwischen den Wirbeln.<br />
Wirbel und Bandscheiben werden von<br />
Bän<strong>der</strong>n und Muskeln<br />
zusammengehalten. Das<br />
Zusammenspiel aller Bestandteile <strong>der</strong><br />
Wirbelsäule ermöglicht das Gehen<br />
und Laufen, das Heben und Tragen,<br />
das Stehen und Sitzen, das Drehen<br />
und Beugen und vieles mehr. Damit<br />
die Wirbelsäule belastbar bleibt,<br />
müssen die Muskeln und<br />
Bandscheiben trainiert werden.<br />
Die richtige Körperhaltung<br />
Rückenbelastende Tätigkeiten sind das Umpacken, das Kommissionieren und<br />
das Be- o<strong>der</strong> Entladen von Paletten. Vor allem beim Umladen werden für die<br />
Wirbelsäule gefährliche Beuge- und Drehbewegungen ausgeführt. Um<br />
Rückenbeschwerden, akuten o<strong>der</strong> chronischen, vorzubeugen, ist stets darauf<br />
zu achten, dass Lasten ohne tiefes Bücken aufgenommen werden.<br />
Idealerweise befinden sich die Entnahme- und Ablageebene auf ähnlicher<br />
191
Höhe. Zum Ausgleich unterschiedlicher Niveaus eignen sich<br />
Scherenhubwagen.<br />
Merke: Wo immer möglich ist das Tragen schwerer Lasten zu vermeiden.<br />
Hilfsmittel wie Hubwagen, Plattformwagen o<strong>der</strong> Stechkarren (auch<br />
Sackkarren genannt) benützen.<br />
Die richtige Haltung beim Transportieren von Lasten: Arme gestreckt o<strong>der</strong> die<br />
Last auf die Schultern nehmen.<br />
Merke: Der Rücken bleibt immer gerade. Für schwerere Lasten Hilfsmittel<br />
wie z. B. Traggurten verwenden.<br />
Schutz <strong>der</strong> Hände<br />
Die Verletzungsgefahr für die Hände ist in <strong>der</strong> Logistik kleiner als dies zum<br />
Beispiel in einer Schreinerei o<strong>der</strong> Schlosserei <strong>der</strong> Fall ist. Doch auch in <strong>der</strong><br />
Logistik gibt es Arbeiten, bei denen die Hände mit strapazierfähigen<br />
Arbeitshandschuhen geschützt werden sollten.<br />
192
Bei folgenden Arbeiten sollten die Hände geschützt<br />
werden:<br />
• beim Stapeln von schweren Materialien<br />
• beim Anfassen von Materialien mit rauer<br />
(schürfen<strong>der</strong>) Oberfläche<br />
• beim Sortieren von Paletten<br />
• beim Öffnen von Holzkisten<br />
• beim Aufschneiden von Metallumreifungen<br />
Beim Hantieren mit aggressiven Stoffen sind die Hände mit<br />
Gummihandschuhen zu schützen. Leichte Kunststoffhandschuhe können aus<br />
hygienischen Gründen vorgeschrieben sein. Sie sind auch für Personen mit<br />
beson<strong>der</strong>s empfindlicher Haut geeignet.<br />
Schutz des Kopfes<br />
In Lager- und Logistikbetrieben ist das Tragen von Schutzhelmen in <strong>der</strong> Regel<br />
nicht vorgeschrieben. Wo aber Lasten gekrant werden, kann dies durchaus<br />
<strong>der</strong> Fall sein. Auch bei Stapelarbeiten besteht die Gefahr, durch<br />
herabfallende Gegenstände verletzt zu werden. Die Staplerfahrer selbst sind<br />
durch das Fahrerschutzdach geschützt, nicht aber Herumstehende. Deshalb<br />
darf sich niemand im Stapelbereich aufhalten. Gesetzlich vorgeschrieben ist<br />
das Tragen eines Helms beim Zustelldienst mit Motorrä<strong>der</strong>n. Weil Stürze mit<br />
Motorrä<strong>der</strong>n oft zu schweren Kopfverletzungen führen, verordnet das<br />
Strassenverkehrsgesetz den Motorradfahrern eine Helmtragpflicht.<br />
Auch im Rangierdienst ist die Gefahr einer<br />
Kopfverletzung erheblich. Aus diesem Grund darf<br />
auch das Rangierfeld nur mit Helm betreten<br />
werden. Zudem ist beim Rangieren das Tragen einer<br />
Warnweste obligatorisch.<br />
193
Schutz <strong>der</strong> Augen<br />
In <strong>der</strong> Logistik sind die Augen in <strong>der</strong> Regel nicht gefährdet, weshalb ein<br />
dauern<strong>der</strong> Schutz unnötig ist. Doch bei den wenigen, für die Augen<br />
gefährlichen Arbeiten ist strikt auf Schutz zu achten.<br />
Eine Schutzbrille ist unbedingt zu tragen, wenn:<br />
• mit ätzenden Substanzen gearbeitet wird (z. B.<br />
beim Umfüllen von Säuren, Laugen o<strong>der</strong><br />
Treibstoffen)<br />
• die Gefahr besteht, dass Splitter o<strong>der</strong> Staub in die<br />
Augen geraten können (zum Beispiel Bremsstaub<br />
im Rangierdienst)<br />
• <strong>der</strong> Säurestand in <strong>der</strong> Staplerbatterie kontrolliert<br />
wird.<br />
Ohne Schutzbrille können die Augen bei<br />
unvorsichtigem Umgang mit Säure verätzt werden.<br />
Diese Gefahr ist bei <strong>der</strong> Wartung von<br />
Staplerbatterien gross. Deshalb sollte dort, wo diese<br />
geladen werden, eine Augendusche installiert sein.<br />
Die Augendusche besteht aus einer Flasche mit<br />
einer salzhaltigen Lösung und einer kleinen Maske,<br />
die über das Auge gehalten werden kann. Wenn<br />
Säure in ein Auge gelangt ist, muss dieses sofort<br />
gründlich mit <strong>der</strong> Augendusche ausgewaschen<br />
werden.<br />
Danach ist auf jeden Fall dringend <strong>der</strong> Augenarzt<br />
aufzusuchen<br />
Aufschneiden von Umreifungsbän<strong>der</strong>n<br />
Eine weitere Arbeit, bei <strong>der</strong> die Augen gefährdet sind, ist das Aufschneiden<br />
von Umreifungsbän<strong>der</strong>n. Weil diese gespannt sind, schnellen sie beim<br />
Durchtrennen auf. Damit sie nicht den Körper o<strong>der</strong> das Gesicht treffen<br />
können, muss die Stelle für das Aufschneiden so gewählt werden, dass ein<br />
kurzes und ein langes Ende entsteht. Das kurze Ende kann beim Wegschnellen<br />
194
keinen Schaden anrichten, das lange muss mit einem Holzstück o<strong>der</strong> mit<br />
Handschuhen (nicht mit blossen Händen) festgehalten werden, damit es nicht<br />
wegschnellen kann.<br />
Ergonomie<br />
Die Ergonomie (Wissenschaft über die Gesetzmässigkeit <strong>der</strong> menschlichen<br />
Arbeit) befasst sich mit allem, was einen Bezug zur Arbeit und zum Arbeiten<br />
hat. Ihr Ziel ist, Arbeitsplätze und Arbeitsgeräte benutzerfreundlich zu<br />
gestalten, damit die Arbeitenden nicht vorschnell ermüden und keinen<br />
Schaden an ihrer Gesundheit erleiden. Ergonomisch optimale Arbeitsplätze<br />
sind so eingerichtet, dass sie <strong>der</strong> Aufgabe und den körperlichen Eigenheiten<br />
<strong>der</strong> Arbeitenden angepasst werden können. Sie haben eine positive<br />
Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft <strong>der</strong><br />
Arbeitenden. Frühe Anzeichen nicht angepasster Arbeitsplätze sind unter<br />
an<strong>der</strong>em Verspannungen im Nackenbereich.<br />
195
Modul 204_Der Markt<br />
Ausgangslage<br />
Die EnterSite AG fusst auf dem Pioniergeist des Firmengrün<strong>der</strong>s Jonathan<br />
Gugger. Der gelernte Logistiker und studierte Technische Kaufmann gründete<br />
das Unternehmen im Jahr 1990 unter dem Namen EnterSite AG. Jonathan<br />
Gugger arbeitete nach seinem Studium zum Technischen Kaufmann als Key<br />
Account Manager bei einem Grosshandelsunternehmen, das Büroartikel im<br />
High-Price Segment verkaufte.<br />
Dank <strong>der</strong> Tätigkeit als Key Account Manager war Jonathan Gugger in<br />
ständigem Kontakt mit den Schlüsselkunden. Dadurch bekam er die<br />
Möglichkeit herauszufinden, welches Bedürfnis und welche Nachfrage die<br />
Kunden haben. Im Gespräch mit den Kunden erfuhr er von einem grossen<br />
Bedürfnis nach einem externen Datenverteiler, <strong>der</strong> als zentrales<br />
Speichermedium im Haushalt dient. Dadurch können zum Beispiel ein<br />
Computer, ein Notebook und mehrere Smartphones mit Daten versorgt<br />
werden. Das spart Speicherplatz und macht das Handling grosser<br />
Datenmengen einfacher. Diese Datenverteiler o<strong>der</strong> auch NAS (Network<br />
Attached Storage) genannt, gab es auf dem Schweizer Markt noch nicht.<br />
Einzig in den USA konnte man sie kaufen, jedoch nicht im Einzeleinkauf. Als<br />
Jonathan Gugger das Produkt <strong>der</strong> Geschäftsleitung als neues Geschäftsfeld<br />
vorschlug, stiess er auf taube Ohren. Man vermutete, dass <strong>der</strong> Aufwand und<br />
<strong>der</strong> damit verbundene Ertrag keinen Mehrwert für das Unternehmen bringen<br />
würden.<br />
Daraufhin beschloss Jonathan Gugger, sein eigenes Geschäft zu gründen, um<br />
mit dem Import und dem Verkauf von NAS Servern zu handeln. Er<br />
recherchierte und evaluierte die unterschiedlichen Lieferanten auf dem Markt<br />
und entschied sich für den Lieferanten Qnap, welcher <strong>der</strong> EnterSite AG einen<br />
Exklusivvertriebsvertrag für die ganze Schweiz gewährleistete. Die Nachfrage<br />
auf dem Schweizer Markt hat sich bestätigt, woraufhin das Unternehmen von<br />
Jahr zu Jahr wuchs und in zweiter Generation an Reto Gugger übergeben<br />
wurde.<br />
Heute zählt die EnterSite AG zu den renommiertesten Anbietern <strong>der</strong><br />
Bürokommunikation auf dem Schweizer Markt. Der Markt - das Büro - hat sich<br />
in den vergangenen Jahren stark verän<strong>der</strong>t und damit auch die EnterSite AG.<br />
Heute ist die EnterSite AG im Bereich <strong>der</strong> Total Office Solutions tätig: Die<br />
Kernkompetenzen des Unternehmens umfassen die Beratung (Evaluation)<br />
und den Verkauf in den Bereichen Soft- und Hardware, ein grosses Sortiment<br />
196
an Verbrauchsmaterial mit eigener Produktion in <strong>der</strong> Schweiz und den<br />
Support im Office.<br />
197
Fachartikel Modul 204<br />
4. Der Markt<br />
In <strong>der</strong> Jungsteinzeit begann <strong>der</strong> Mensch, Wildgetreide zu ernten und Vorräte<br />
anzulegen. Aus den Vorräten baute er anschliessend selbst Getreide an.<br />
Einige Menschen spezialisierten sich auf ihre beson<strong>der</strong>en Fähigkeiten wie z. B.<br />
die Töpferei, Werkzeugmacherei o<strong>der</strong> arbeiteten als Steinmetz. Die Produkte,<br />
die sie nicht für sich selbst brauchten, konnten sie mit an<strong>der</strong>en Menschen<br />
gegen Nahrungsmittel tauschen.<br />
In <strong>der</strong> späteren Bronzezeit wurde Ware gegen Ware getauscht. Dabei war ein<br />
gutes Verhandlungsgeschick gefragt, um die eigenen Produkte zum besten<br />
Angebot zu verkaufen. Daraus entwickelten sich Märkte, wo sich <strong>der</strong> Händler<br />
und <strong>der</strong> Käufer trafen und Ware gegen Ware o<strong>der</strong> Ware gegen Geld<br />
tauschten. Bis heute funktionieren unsere Märkte nach diesem Prinzip<br />
(Gemüsemarkt, Fischmarkt, Weihnachtsmarkt).<br />
Damit ein Markt entsteht, braucht es ein sogenanntes Bedürfnis. Ein Bedürfnis<br />
ist das Verlangen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Wunsch, einem empfundenen o<strong>der</strong> tatsächlichen<br />
Mangel Abhilfe zu schaffen. Die Beseitigung des Mangels nennt man<br />
Bedürfnisbefriedigung. Die Bedürfnisse <strong>der</strong> Menschen sind je nach Alter, Land,<br />
Beruf, Ort, Zeit usw. unterschiedlich. Der Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong> EnterSite AG hat zum<br />
Beispiel festgestellt, dass ein Bedürfnis nach externen Speicherfestplatten<br />
(NAS) vorhanden ist. Auf diesem Bedürfnis hat er sein Geschäftsmodell<br />
aufgebaut.<br />
198
4.1 Die Marktforschung<br />
Aus Sicht <strong>der</strong> Betriebswirtschaft hat sich <strong>der</strong> Markt über die Jahre stark<br />
verän<strong>der</strong>t. Früher hat sich ein Unternehmen auf seine gesammelten<br />
Erfahrungen verlassen, wenn es sich im Markt bewegt hat. Damals war das für<br />
ein Unternehmen kein grosses Problem, weil <strong>der</strong> Markt überschaubar war. Im<br />
Laufe <strong>der</strong> Zeit wurde <strong>der</strong> Markt aber immer grösser und dadurch schwierig zu<br />
überblicken. Deshalb mussten die Unternehmen beginnen, den Markt mittels<br />
Marketing-Methoden zu erforschen. Die daraus gewonnenen Informationen<br />
können Unsicherheiten reduzieren und dem Unternehmen helfen, die<br />
richtigen Entscheidungen zu treffen.<br />
4.1.1 Warum ist die Marktforschung nötig geworden?<br />
• Ständig mehr Unternehmen und damit mehr Konkurrenz auf dem Markt führen<br />
zu einem Verdrängungskampf<br />
• Gesättigte Märkte o<strong>der</strong> Substitutionsgüter erfor<strong>der</strong>n Innovation<br />
• Durch die Globalisierung eröffnen sich Unternehmen neue Märkte<br />
• Verteuerung <strong>der</strong> Rohstoffe<br />
• usw.<br />
Der offene Markt ist hart umkämpft. Deshalb ist eine frühzeitige Analyse des<br />
Marktes für ein Unternehmen sehr wichtig. Dabei werden Fragen geklärt wie:<br />
Bieten wir etwas Neues auf dem Markt an? Wollen wir den Umsatz<br />
verbessern? O<strong>der</strong> soll eine neue Kundengruppe angesprochen werden?<br />
Merke: Jede Verän<strong>der</strong>ung auf dem Markt benötigt vorgängig eine<br />
ausführliche Marktforschung.<br />
4.1.2 Was erreicht die Marktforschung?<br />
Der Sinn <strong>der</strong> Marktforschung ist also, Informationen einzuholen, um die<br />
richtigen Entscheidungen treffen zu können. Mit den gesammelten<br />
Informationen werden die Chancen und Gefahren auf dem Markt analysiert.<br />
Das Ziel ist es, mit den Resultaten rechtzeitig handeln zu können. Eine<br />
Marktforschung kann auf Folgendes abzielen:<br />
• Aktuelle Situation auf dem Markt erkennen, wie zum Beispiel bestehende und<br />
potenzielle neue Wettbewerber (Konkurrenz), Marktbeeinflusser usw.<br />
• Neue Trends und Bedürfnisse auf dem Markt erkennen.<br />
199
• Risikominimierung <strong>der</strong> Fehlentscheide<br />
• usw.<br />
4.1.3 Die Markterkundung<br />
Eine einfachere, kostengünstigere und weniger aufwändige Form <strong>der</strong><br />
Marktanalyse ist die sogenannte Markterkundung. Mit dieser Methode<br />
werden <strong>der</strong> Markt beobachtet (z. B. via Internet, Zeitungsartikel), o<strong>der</strong><br />
Gespräche mit den eigenen Kunden und Lieferanten geführt. Im Gegensatz<br />
zur Marktanalyse ist die Markterkundung also nicht eine systematische<br />
Informationsbeschaffung.<br />
Von <strong>der</strong> Marktuntersuchung zur Marketingkonzeption<br />
Bei <strong>der</strong> sogenannten Marktprognose handelt es sich um eine Vorhersage zur<br />
Marktentwicklung auf <strong>der</strong> Grundlage gesammelter Daten <strong>der</strong><br />
Markterkundung bzw. -forschung. Die Marktprognose unterstützt die<br />
Entscheidung über absatzpolitische Aktivitäten des Unternehmens.<br />
200
Merke: Marktforschung ist die systematische, situative Analyse des Marktes nach<br />
wissenschaftlichen Methoden mit dem Ziel <strong>der</strong> Gewinnung von Informationen zum<br />
Markt als Grundlage für die Marketingplanung. Die Markterkundung ist eine<br />
gelegentliche und unsystematische Erhebung von Informationen, die teilweise auch<br />
betriebsintern gewonnen werden.<br />
201
Ein Beispiel aus dem Alltag: Marktforschung bei <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Eine <strong>der</strong> Aufgaben und Ziele <strong>der</strong> Abteilung Customer Service ist das<br />
Marketing, also die Erkundung und die Erforschung des Marktes. Die<br />
Erkenntnisse aus <strong>der</strong> Marktforschung sollen helfen, die Erwartungen und<br />
Wünsche <strong>der</strong> Kunden in Erfahrung zu bringen und damit das Produkt richtig<br />
positionieren zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Prozesse<br />
(wie<strong>der</strong>kehrende Aufgaben) umgesetzt und damit das Image und <strong>der</strong><br />
Absatz gestärkt.<br />
Die EnterSite AG verkauft Produkte im Bereich Soft- und Hardware. Zudem<br />
hat das Unternehmen ein grosses Sortiment an Verbrauchsmaterial. Eine<br />
weitere Kernkompetenz <strong>der</strong> Firma ist die Beratung für Soft- und Hardware-<br />
Lösungen im Bereich aktive und passive Netzwerktechnik sowie<br />
Büroeinrichtungen. In den letzten Jahren haben sich die Verkaufszahlen <strong>der</strong><br />
Netzwerkschränke unvorteilhaft entwickelt. Die EnterSite AG will die<br />
geeigneten Gegenmassnahmen treffen, um die Entwicklung in die<br />
Gegenrichtung zu steuern.<br />
Das Unternehmen stellt sich zunächst die Frage, weshalb die Verkaufszahlen<br />
rückläufig sind. Um dies herauszufinden, führt es eine Marktforschung durch.<br />
Es wird eine Kundenumfrage durchgeführt, einerseits telefonisch und<br />
an<strong>der</strong>erseits durch Key Account Manager mit Schlüsselkunden im<br />
persönlichen Gespräch. Aufgrund <strong>der</strong> erhaltenen Antworten erkennt die<br />
EnterSite AG, dass die Rückläufigkeit vor allem auf die mangelhafte Qualität<br />
zurückzuführen ist. Um den Umsatz zu steigern, entscheidet sich die EnterSite<br />
AG die Produktmanager mit einzubeziehen, um die Netzwerkschränke<br />
qualitativ besser zu konzipieren, natürlich unter Beachtung <strong>der</strong><br />
Wirtschaftlichkeit.<br />
4.2 Die Marktarten und Marktformen<br />
4.2.1 Die Marktarten<br />
Märkte lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen und glie<strong>der</strong>n:<br />
Nach Gegenstand o<strong>der</strong> Dienstleistung:<br />
• Konsumgütermarkt (Warenmarkt): <strong>der</strong> Handel mit Gütern für den<br />
Endverbraucher, wie zum Beispiel Bücher, Nahrungsmittel, Kleidung, Elektronik,<br />
usw.<br />
202
• Arbeitsmarkt: Die menschliche Arbeitskraft wird angeboten und nachgefragt.<br />
• Dienstleistungsmarkt: zum Beispiel Rechtsberatung, Pflege, Unterhaltung, usw.<br />
• Geldmarkt: Das Bereitstellen von kurzfristigen Krediten durch Banken.<br />
• Immobilienmarkt: Der Handel mit Grundstücken und Gebäuden.<br />
• Sonstige Märkte wie Rohstoffmarkt, Kunstmarkt, usw.<br />
203
Nach Funktion:<br />
• <strong>der</strong> Beschaffungsmarkt<br />
• <strong>der</strong> Absatzmarkt<br />
Nach Art <strong>der</strong> Zutrittsmöglichkeit:<br />
• Offene Märkte: Ein offener Markt unterliegt keinen Beschränkungen. Er kann<br />
von Anbietern und Nachfragenden genutzt werden. Im offenen Markt<br />
dominiert <strong>der</strong> Wettbewerb zwischen den einzelnen Teilnehmern. Ein Beispiel<br />
dafür ist <strong>der</strong> Krankenkassenmarkt.<br />
• Geschlossene Märkte: Es besteht ein eingeschränkter Zugang für<br />
Marktteilnehmer. Der Zugang wird z. B. durch wirtschaftliche o<strong>der</strong> rechtliche<br />
Vorschriften eingeschränkt, wie eine Mindestkapitalpflicht o<strong>der</strong> bestimmte<br />
Qualifikationen und Zertifikate. Ein geschlossener Markt findet sich bei den<br />
öffentlichen Dienstleistungen und <strong>der</strong> öffentlichen Infrastruktur. In <strong>der</strong> Schweiz<br />
bezeichnet man diese Gesamtheit aller Dienstleistungen, welche <strong>der</strong> Bund,<br />
die Kantone und die Gemeinden <strong>der</strong> Allgemeinheit gegenüber zu erbringen<br />
haben, als Service Public. Die öffentliche Hand hat die Aufgabe,<br />
die Grundversorgung <strong>der</strong> Bevölkerung mit<br />
standardmässiger Infrastruktur sicherzustellen, z. B. mit <strong>der</strong> Post und den<br />
Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).<br />
• Beschränkte Märkte: Im beschränkten Markt sind bestimmte Sparten<br />
einschränkenden Auflagen unterworfen. Zum Beispiel wird, wenn ein<br />
öffentliches Interesse besteht, die maximale Anzahl <strong>der</strong> Anbieter per Gesetz<br />
festgelegt. Dies ist beim Taxigeschäft <strong>der</strong> Fall. Damit nicht zu viele Taxis in den<br />
Städten herumfahren, beschränkt man <strong>der</strong>en Anzahl mit <strong>der</strong> Vergabe von<br />
Konzessionen. Um einen Markt zu beschränken, bestehen folgende<br />
Möglichkeiten: die Vergabe von Lizenzen, die Vergabe von Konzessionen<br />
o<strong>der</strong> Patenten, die Auflage des Fähigkeitsnachweises, die Auflage des<br />
Kapitalnachweises.<br />
204
4.2.2 Die Marktformen<br />
Märkte können anhand ihrer sogenannten Marktformen unterteilt werden. Die<br />
Marktform beschreibt die Struktur von Angebot und Nachfrage. Beispiele<br />
dafür sind:<br />
• Monopol: Besteht nur ein Anbieter auf dem Markt, spricht man von einem<br />
Monopol. Ein Unternehmen hat in diesem Fall keine Konkurrenz. Die Produktion<br />
und die verlangten Verkaufspreise werden nicht durch einen Wettbewerb.<br />
Beispiele für Monopole sind Gasleitungen, Wasserleitungen, Verkehrsnetz usw.<br />
• Oligopol: Marktform, bei <strong>der</strong> es nur wenige Anbieter in <strong>der</strong> Branche hat. Diese<br />
kleine Anzahl Anbieter kann aber grössere Anfragen bewältigen. Beispiele<br />
dafür sind: Ölmarkt, Strommarkt, Mobilnetz usw.<br />
• Polypol: Marktform, bei <strong>der</strong> auf beiden Seiten (Anbieter und Nachfrager) eine<br />
grosse Auswahl besteht. Der Wettbewerb kann frei stattfinden und hat<br />
entsprechend Einfluss auf das Sortiment und den dazugehörenden Preis. Zum<br />
Beispiel: Wochenmarkt, Wohnungsmarkt usw.<br />
• Monopson: Marktform, bei <strong>der</strong> es viele Anbieter, aber nur einen Nachfrager<br />
gibt. Das Monopson ist das Gegenteil des Monopols. Es kommt aber nur selten<br />
vor. Ein Beispiel dafür ist <strong>der</strong> Arbeitsmarkt, wo es verschiedene Anbieter gibt<br />
(Bewerbende für eine Arbeitsstelle, Arbeitnehmer) jedoch nur einen<br />
Nachfrager (Anbieter <strong>der</strong> offenen Stelle, Arbeitgeber).<br />
205
Nachfrager<br />
Einer Wenige Viele<br />
Anbieter<br />
Einer Bilaterales Monopol Beschränktes<br />
Monopol<br />
Wenige<br />
Beschränktes<br />
Oligopol<br />
Bilaterales<br />
Oligopol<br />
Monopol<br />
Oligopol<br />
Viele Monopson Oligopol Bilaterales<br />
Polypol<br />
4.3 Die Grösse eines Marktes<br />
Die Grösse eines Marktes beeinflusst das Marketing eines Unternehmens<br />
wesentlich. Die Grösse lässt sich unter an<strong>der</strong>em nach <strong>der</strong> geografischen<br />
Ausdehnung des Marktes bestimmen o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> Anzahl <strong>der</strong> möglichen<br />
Kunden.<br />
4.3.1 Geografische Grösse<br />
Nach seiner geografischen Ausdehnung wird ein Markt in eine <strong>der</strong> folgenden<br />
fünf Gruppen eingeteilt:<br />
206
• lokal (z. B. Dorfladen)<br />
• regional (z. B. Wochenmarkt)<br />
• national (z. B. Schweizer Mobilfunkmarkt)<br />
• international (z. B. Markt <strong>der</strong> europäischen Union)<br />
• global (z. B. Finanzmarkt)<br />
207
Modul 205_Marketing<br />
Ausgangslage<br />
Für den Begriff Marketing gibt es unterschiedliche Definitionen. Die kürzeste<br />
heisst:<br />
"Marktgerechte Unternehmenspolitik"<br />
Eine längere:<br />
"Absatzgestaltung unter Berücksichtigung <strong>der</strong> Ergebnisse <strong>der</strong> Marktforschung<br />
mit dem Ziel, ein harmonisches Verhältnis zwischen Produktion und Absatz zu<br />
erreichen".<br />
Etwas verständlicher ausgedrückt: Marketing will herausfinden, welche<br />
Produkte und Dienstleistungen vom Markt, d. h. von den Kunden, gewünscht<br />
werden. Das Ziel ist, das zu produzieren, was die Kunden zu kaufen bereit sind<br />
und zwar in <strong>der</strong> Menge, die sie kaufen werden. Marketing will aber auch<br />
herausfinden, ob und wie sich die Kunden dazu bewegen lassen, ihnen<br />
unbekannte Produkte zu kaufen.<br />
208
Fachartikel Modul 205<br />
5. Marketing<br />
5.1 Ziele des Marketings<br />
Das Marketing <strong>der</strong> EnterSite AG hat zum Ziel, den Absatz ihrer Produkte o<strong>der</strong><br />
Dienstleistungen zu för<strong>der</strong>n. Denn mit dem Absatz steigt <strong>der</strong> Umsatz und damit<br />
(in <strong>der</strong> Regel) auch <strong>der</strong> Gewinn. Gewinn zu generieren ist das Hauptziel <strong>der</strong><br />
EnterSite AG. Deshalb wird im Preis <strong>der</strong> Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen ein<br />
Gewinn einkalkuliert. Der Gewinn <strong>der</strong> EnterSite AG steigt, wenn mehr Produkte<br />
o<strong>der</strong> Dienstleistungen verkauft werden. Um möglichst viel Gewinn zu<br />
erwirtschaften, strebt die EnterSite AG über das Marketing folgende Ziele an:<br />
• die Sicherung respektive Steigerung des Marktanteils.<br />
• die Steigerung des Bekanntheitsgrades.<br />
• das Verankern eines positiven Images im Markt.<br />
5.2 Beteiligte am Marketing<br />
Marketing ist eine Wissenschaft. Um diese systematisch zu betreiben, braucht<br />
es Profis. Innerhalb <strong>der</strong> EnterSite AG sind jedoch fast alle Mitarbeitenden am<br />
Marketing beteiligt - die einen mit und die an<strong>der</strong>en ohne Absicht. Marketing<br />
umfasst alle Ebenen und Bereiche <strong>der</strong> EnterSite AG. Je besser sich die<br />
verschiedenen Ebenen und Bereiche in <strong>der</strong> EnterSite AG ergänzen, desto<br />
erfolgreicher ist das Unternehmen im Markt. Ebenen und Bereiche sind:<br />
• die Geschäftsleitung<br />
• die Verkaufsabteilung<br />
• die Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Produktion<br />
• die Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Administration und Dienstleistung<br />
5.3 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />
5.3.1 Die Wirkung des Angebots<br />
Als "Jahrhun<strong>der</strong>ternte" lobten die Gemüsebauern den erwarteten Ertrag an<br />
Salat. Doch dann liess die ausserordentlich günstige Witterung alle Salate auf<br />
den Fel<strong>der</strong>n gleichzeitig reif werden. Obwohl die Grossverteiler sofort mit<br />
Son<strong>der</strong>angeboten reagierten und Salat so günstig war wie noch nie, mussten<br />
209
die Gemüsebauern einen Teil ihrer Salatproduktion vernichten. Ihre Freude an<br />
<strong>der</strong> "Jahrhun<strong>der</strong>ternte" verflog rasch. Weil das Angebot die Nachfrage<br />
deutlich überstieg, mussten sie Preisabschläge in Kauf nehmen und konnten<br />
den erhofften Gewinn nicht erzielen.<br />
Die umgekehrte Wirkung tritt ein, wenn Frost, Hagel o<strong>der</strong> lang andauern<strong>der</strong><br />
Regen dem Salat zusetzen und zu Ernteausfällen führen. Weil viele Kunden<br />
unbedingt Salat haben wollen, sind sie bereit, einen höheren Preis zu<br />
bezahlen. Deshalb kann bei knappem Angebot <strong>der</strong> Preis steigen. Dieser<br />
Mechanismus spielt allerdings nur noch bedingt, denn infolge <strong>der</strong><br />
Globalisierung besteht die Möglichkeit, Früchte und Gemüse aus an<strong>der</strong>en<br />
Län<strong>der</strong>n einzuführen. Die Konsumenten haben dann die Wahl: Entwe<strong>der</strong><br />
kaufen sie die einheimischen, aber teuren Produkte o<strong>der</strong> die billigere<br />
Importware.<br />
Viele Faktoren können das Angebot beeinflussen, auch die Anbieter selbst.<br />
Zum Beispiel regulieren Ölstaaten das Angebot von Öl: Sie för<strong>der</strong>n mehr Öl,<br />
wenn sie wollen, dass <strong>der</strong> Preis sinkt und drosseln die Produktion, wenn <strong>der</strong><br />
Preis steigen soll.<br />
5.3.2 Die Wirkung <strong>der</strong> Nachfrage<br />
Auch die Nachfrage kann Ursache von steigenden o<strong>der</strong> sinkenden Preisen<br />
sein. Wenn die Nachfrage steigt, ohne dass die Produktion Schritt hält, ist das<br />
Angebot zu klein und die Preise steigen. Manchmal treibt die Nachfrage von<br />
Konsumenten aus dem Ausland den Preis eines Produktes in die Höhe.<br />
So ist es zum Beispiel mit dem Preis von Mais in Mexiko geschehen. Die<br />
Verbrennung von Treibstoff aus Erdöl schadet dem Klima, zudem ist das Ende<br />
des Ölzeitalters absehbar. Forscher aus aller Welt bemühen sich um<br />
Alternativen. Seit sie Bio-Kraftstoffe aus Mais o<strong>der</strong> Zuckerrohr erfunden haben,<br />
ist Biodiesel im Trend und die Nachfrage nach Mais und Zuckerrohr steigt<br />
ständig. Die Folge ist eine weltweite Verknappung dieser Nahrungsmittel in<br />
"armen" Län<strong>der</strong>n - mit verheerenden Folgen. In Mexiko musste die Regierung<br />
zu Notstandsmassnahmen greifen, weil sich <strong>der</strong> Preis für das Nationalgericht<br />
Tortilla (dünner Maisfladen) verdoppelt hat und die Mexikaner es sich nicht<br />
mehr leisten konnten.<br />
Merke: Wenn die angebotene Menge steigt, die Nachfrage jedoch gleich<br />
bleibt, sinkt <strong>der</strong> Preis <strong>der</strong> Ware. Wenn die angebotene Menge sinkt, die<br />
Nachfrage aber gleich bleibt, steigt <strong>der</strong> Preis <strong>der</strong> Ware. Wenn die Nachfrage<br />
210
steigt, das Angebot jedoch gleich bleibt, steigt <strong>der</strong> Preis. Wenn die Nachfrage<br />
sinkt, das Angebot aber gleich bleibt, sinkt <strong>der</strong> Preis.<br />
5.4 Die Marketinginstrumente<br />
Damit die EnterSite AG ihre Marketingstrategie (Verkaufsstrategie) festlegen<br />
kann, muss sie sich Informationen beschaffen über den Markt, in dem sie ihr<br />
Produkt o<strong>der</strong> ihre Dienstleistung absetzen will. Darauf aufbauend kann sie die<br />
Massnahmen festlegen, mit welchen sie sich auf diesem Markt durchsetzen<br />
will. Meistens handelt es sich um eine Kombination von verschieden gearteten<br />
Massnahmen, dem sogenannten Marketing-Mix. Die Beschreibung des<br />
Marketing-Mix mit den vier P stammt aus den USA.<br />
Product (Produkt)<br />
Die Vermarktung eines Produktes hängt primär von seinem Nutzen ab<br />
(niemand kauft ein Produkt, das ihm keinen Nutzen bringt) und von seiner<br />
Qualität (je höher desto besser). Zudem sollte das Produkt in das Sortiment des<br />
Unternehmens passen (kein Kunde kommt zum Beispiel auf die Idee, in einem<br />
Geschäft für Sportartikel nach Kin<strong>der</strong>spielzeug zu suchen). Das Design sollte<br />
gefällig und zeitgemäss sein, um die Aufmerksamkeit <strong>der</strong> Kunden auf das<br />
Produkt zu lenken.<br />
Price (Preis)<br />
Ein wichtiges Kriterium beim Kaufentscheid <strong>der</strong> Kunden ist <strong>der</strong> Preis. Dieser<br />
hängt unter an<strong>der</strong>em von Folgendem ab: <strong>der</strong> Beschaffenheit des Produktes;<br />
den Kosten <strong>der</strong> verwendeten Rohstoffe; dem Personal- und Materialaufwand,<br />
<strong>der</strong> für Herstellung und Vertrieb nötig ist; dem Forschungsaufwand. Jedes<br />
Produkt hat seinen Preis. Es muss nicht billig, aber preiswert sein. Wenn<br />
Konkurrenzangebote existieren, gerät <strong>der</strong> Preis unter Druck. Er gerät auch<br />
unter Druck, wenn <strong>der</strong> Kunde Rabatte verlangt o<strong>der</strong> günstige<br />
Zahlungskonditionen.<br />
Place (Platzierung)<br />
Wenn neues Produkt auf den Markt gebracht werden soll, stellen sich<br />
folgende Fragen: Wer kommt als Käufer in Frage? Wie ist dieser Käufer am<br />
einfachsten zu erreichen, über den Direktvertrieb o<strong>der</strong> über den Handel?<br />
Auch um ein neues Produkt in ein bestehendes Sortiment aufzunehmen, stellt<br />
211
sich die Frage <strong>der</strong> Platzierung: Wo muss das neue Produkt hingestellt werden,<br />
damit die Zielgruppe es kauft?<br />
Promotion (Werbung)<br />
Eine optimale Platzierung und ein akzeptabler Preis garantieren noch keinen<br />
genügenden Absatz. Für ein Produkt muss auch Werbung gemacht werden,<br />
um potenzielle Käufer darauf aufmerksam zu machen. Heutzutage besteht<br />
eine grosse Vielfalt an Werbeträgern. Welcher gewählt wird, ist vor allem vom<br />
Werbebudget abhängig.<br />
5.5 Die Werbung<br />
5.5.1 Aus welchen Elementen bestehen Werbeanzeigen?<br />
• Bildelement (Foto, Grafik…)<br />
• Headline (Überschrift)<br />
• Fliesstext (Informationen zum Produkt)<br />
• Slogan (Motto, Leitsatz)<br />
• Produktname<br />
• Logo (Erkennungszeichen eines Produktes o<strong>der</strong> Unternehmens)<br />
5.5.2 Das AIDA - Konzept <strong>der</strong> Werbeanzeigen<br />
Damit die Werbung auch ihr Ziel erreicht und <strong>der</strong> Kunde das Produkt kauft,<br />
versuchen die Produzenten von Werbeanzeigen nach dem AIDA-Konzept<br />
vorzugehen:<br />
Attention: Aufmerksamkeit des Kunden erregen.<br />
Interest: Interesse wird geweckt.<br />
Desire: Der Wunsch entsteht, das Produkt zu besitzen.<br />
Action: Der Kunde kauft das Produkt.<br />
212
5.5.3 Informative und suggestive Werbung<br />
Werbung kann informativ o<strong>der</strong> suggestiv sein. Informative Werbung ist<br />
sachbezogen, d. h. sie stellt die Eigenschaften eines Produktes in den<br />
Vor<strong>der</strong>grund und will mit diesen den Betrachter zum Kaufen anregen. Bei <strong>der</strong><br />
suggestiven Werbung ist die Information nebensächlich. Sie will im Betrachter<br />
Emotionen wecken, die ihn zum Kaufen anregen, auch mit solchen, die<br />
keinen direkten Zusammenhang zum Produkt haben. Suggestive Werbung<br />
scheidet die Geister. Die einen halten sie für ausgesprochen originell, die<br />
an<strong>der</strong>en für geschmacklos.<br />
Merke: Bei je<strong>der</strong> Werbung, ob informativ o<strong>der</strong> suggestiv, sind die Kosten<br />
ein wichtiger Faktor. Diese müssen wirtschaftlich vertretbar sein, d. h. sie sollten<br />
in einem gesunden Verhältnis zum Umsatz stehen, <strong>der</strong> mit einem Produkt<br />
erzielt werden kann.<br />
5.5.4 Merkmale einer guten Werbung<br />
Werbung sollte eine lange Wirkung haben. Am besten kommt bei den<br />
Kunden Werbung mit Musik und Humor an, weniger gut solche mit<br />
Zeichentricks und Produktdemonstrationen. Gute Werbung weist folgende<br />
Merkmale auf:<br />
• Sie ist originell, aber nicht geschmacklos.<br />
• Sie entspricht <strong>der</strong> Wahrheit, d. h. sie preist nur Eigenschaften an, die das<br />
Produkt wirklich hat.<br />
213
Eine Hamburger Werbeagentur hat gute Werbung folgen<strong>der</strong>massen<br />
beschrieben:<br />
Gute Werbung ist: Auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen.<br />
5.5.5 Online-Werbung<br />
Das Internet hat nicht nur neue Werbeformen gebracht, son<strong>der</strong>n auch die<br />
Möglichkeit, mit <strong>der</strong> Klickrate die Wirkung einer Werbung zu kontrollieren. Mit<br />
<strong>der</strong> Klickrate lassen sich wirksame und unwirksame Werbungen leicht<br />
unterscheiden, weshalb sie beiträgt, Werbekosten gezielt einzusetzen.<br />
Internetwerbung wird oft "Pay per Click" abgerechnet, d. h. die Werbeleute<br />
erhalten ein Erfolgshonorar: Je mehr User die Werbung anklicken, desto höher<br />
ist ihr Einkommen.<br />
E-Mail-Werbung<br />
Bei <strong>der</strong> E-Mail-Werbung wird möglichen Kunden eine E-Mail geschickt, die<br />
einen Link auf die Internetseite des Absen<strong>der</strong>s enthält und sie auffor<strong>der</strong>t,<br />
diesen Link anzuklicken. In <strong>der</strong> Regel funktionieren solche Emails auch mit <strong>der</strong><br />
Klickrate und ermöglichen eine Auswertung <strong>der</strong> erfolgten Kundenkontakte.<br />
Bannerwerbung<br />
Als Bannerwerbung (Banner = Fahne) werden jene Werbebotschaften<br />
bezeichnet, die einer Internetseite angeheftet sind. Meist sind es grafische<br />
Elemente, welche die Aufmerksamkeit <strong>der</strong> Nutzer erregen sollen. Das<br />
beworbene Produkt muss keinen direkten Bezug zum Inhalt <strong>der</strong> Internetseite<br />
haben. Weil diese Art <strong>der</strong> Werbung massiv zugenommen hat, ist bei den<br />
Nutzern ein Gewöhnungseffekt eingetreten, die sogenannte Bannerblindheit.<br />
Um diesen Effekt auszuhebeln, werden die Werbebotschaften immer<br />
auffälliger gestaltet.<br />
214
Beispiel einer Bannerwerbung: Die Banner werden immer auffälliger gestaltet.<br />
Content Ad<br />
Content Ad (zusätzlicher Inhalt) ist Werbung, die im Gegensatz zur<br />
Bannerwerbung möglichst unauffällig mit einer Website verknüpft ist. Werbung<br />
und Webseite lassen sich kaum voneinan<strong>der</strong> unterscheiden. Als Folge davon<br />
merkt <strong>der</strong> eine o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e User erst im Nachhinein, dass er Werbung anstelle<br />
des Inhaltes <strong>der</strong> Website gelesen hat.<br />
Beispiel eines Content Ads: Werbung und Website lassen sich kaum voneinan<strong>der</strong> unterscheiden.<br />
215
Pop-up o<strong>der</strong> Pop-un<strong>der</strong><br />
Auch Pop-up- und Pop-un<strong>der</strong>-Werbung ist mit einer Website verknüpft, jedoch<br />
als separates Browserfenster. Pop-ups öffnen sich gleichzeitig mit <strong>der</strong> Website,<br />
Pop-un<strong>der</strong>s hingegen erst, wenn <strong>der</strong> User die Website schliesst. Die Anzeige<br />
von Pop-ups kann mit einem Pop-up-Blocker unterdrückt werden. Eine neuere<br />
Form <strong>der</strong> Pop-ups sind die sogenannten Hover Ads. Sie werden einer Website<br />
so aufgesetzt, dass sie <strong>der</strong>en Inhalt verdecken und die Aufmerksamkeit des<br />
Users erzwingen. Um zur gewünschten Website zu gelangen, muss das<br />
Werbefenster geschlossen werden.<br />
Das Beispiel eines Hover Ads: Der Inhalt <strong>der</strong> Webseite wird durch die Werbung<br />
verdeckt. Um die Webseite lesen zu können, muss das Hover Ad geschlossen<br />
werden.<br />
216
Modul 206_Kommunikation<br />
Ausgangslage<br />
Die EnterSite AG ist ein renommierter Anbieter von Bürokommunikation. Sie ist<br />
in Rupperswil zuhause und in <strong>der</strong> ganzen Schweiz tätig. Die Mitarbeitenden<br />
erreichen Kunden schweizweit und beraten und unterstützen diese mit Freude<br />
und ganz viel Engagement. Dabei haben sie nur ein Ziel: Resultate, die<br />
begeistern!<br />
Bei steigen<strong>der</strong> Wettbewerbsintensität wird es für die EnterSite AG zunehmend<br />
wichtiger, über eine effektive und effiziente Kommunikationsarbeit<br />
Wettbewerbsvorteile im Markt zu realisieren und dauerhaft zu halten.<br />
217
Fachartikel Modul 206<br />
6. Kommunikation<br />
6.1 Kommunikationsmittel<br />
Kommunikation umfasst alle Arten <strong>der</strong> Übermittlung von Nachrichten von<br />
einem Sen<strong>der</strong> zu einem Empfänger. Dabei spielt es keine Rolle, ob die<br />
Verbindung zielgerichtet o<strong>der</strong> unabsichtlich zustande gekommen ist.<br />
Die Eigenart je<strong>der</strong> Kommunikation ist, dass je<strong>der</strong> Kommunikationspartner<br />
zugleich als Sen<strong>der</strong> und Empfänger wirkt. Selbst wenn nur eine Person spricht<br />
(verbal), wird ihr die an<strong>der</strong>e Person zumindest über körpersprachliche<br />
Ausdrücke (nonverbal) "Antwort" geben.<br />
6.2 Funktionsweise <strong>der</strong> Kommunikation<br />
Damit menschliche Kommunikation gelingen kann, braucht es mindestens<br />
folgende drei Bestandteile:<br />
Der Sen<strong>der</strong> setzt eine Nachricht ab, welche vom Empfänger aufgenommen<br />
wird; eine Rückmeldung erfolgt nicht. So funktionieren Radio und Fernsehen.<br />
Der Nachrichtensprecher hat kein Gegenüber. Er weiss nicht, ob seine<br />
Nachricht beim Empfänger ankommt und was dieser davon hält, denn er<br />
erhält keine direkte Rückmeldung.<br />
Im direkten Kontakt folgt <strong>der</strong> Nachricht eine Rückmeldung, das sogenannte<br />
Feedback. Der Sen<strong>der</strong> übermittelt seine Nachricht und beobachtet<br />
gleichzeitig den Empfänger. Dieser gibt, gewollt o<strong>der</strong> ungewollt, eine<br />
Rückmeldung. Dieses Feedback kann verbal (mit Worten) o<strong>der</strong> nonverbal (mit<br />
218
Gesten) erfolgen. Es wird vom Sen<strong>der</strong> aufgenommen und beeinflusst so den<br />
weiteren Verlauf <strong>der</strong> Kommunikation. Der Sen<strong>der</strong> interpretiert vor allem die<br />
nonverbalen Signale des Empfängers.<br />
Merke: Kommunikation kann verbal wie auch nonverbal erfolgen.<br />
6.2.1 Ein Kommunikationsmodell<br />
Das Sen<strong>der</strong>-Empfänger-Modell<br />
Das Sen<strong>der</strong>-Empfänger-Modell definiert Kommunikation als Übertragung einer<br />
Information von einem Absen<strong>der</strong> zu einem Empfänger. Dabei muss <strong>der</strong><br />
Absen<strong>der</strong> die Nachricht in eine Darstellung umwandeln (Codierung), die<br />
beide Seiten verstehen können. Diese Nachricht wird dann zum Empfänger<br />
transportiert und von diesem interpretiert. Der Empfänger nimmt die Nachricht<br />
individuell wahr. Seine Wahrnehmung entspricht jedoch nicht immer <strong>der</strong><br />
Botschaft, die <strong>der</strong> Sen<strong>der</strong> mitteilen wollten, da es in allen Phasen zu Störungen<br />
kommen kann und beide die gleiche Codierung beziehungsweise<br />
Decodierung verwenden müssen.<br />
Nachdem die Nachricht beim Empfänger angekommen ist, leitet dieser mit<br />
seiner Antwort einen Kommunikationsvorgang in umgekehrter Richtung ein<br />
(Feedback). Erst diese Reaktion, die wie<strong>der</strong>um störungsbehaftet sein kann,<br />
zeigt dem Absen<strong>der</strong> <strong>der</strong> Nachricht, ob seine erste Botschaft verstanden<br />
worden ist.<br />
219
6.2.2 Verantwortung für das Verstehen<br />
Wer an<strong>der</strong>e Menschen überzeugen will, muss dafür sorgen, dass <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e<br />
seine Ideen so aufnehmen kann, wie sie von ihm als Sen<strong>der</strong> gemeint sind. So<br />
soll erreicht werden, dass die Idee des Sen<strong>der</strong>s und die Vorstellungen des<br />
Empfängers möglichst übereinstimmen.<br />
220
6.2.3 Feedback hilft allen<br />
Feedback (Rückmeldung) bringt zum Ausdruck, wie das Gesagte und <strong>der</strong><br />
Sprecher auf den Feedbackgeber wirken. Feedback kann verbal o<strong>der</strong><br />
nonverbal übermittelt werden.<br />
Da Menschen miteinan<strong>der</strong> sprechen, kommt dem Feedback eine zentrale<br />
Rolle zu. Denn Feedback ist das Äquivalent zum Sprechen des Sen<strong>der</strong>s, und<br />
erst Feedback lässt einen gelungenen Kommunikationsprozess entstehen.<br />
So, wie man selbst gerne Feedback empfängt, sollte man auch Feedback<br />
senden, und das am besten verbal und nonverbal kombiniert. Damit verhilft<br />
man sich und seinem Gegenüber zu einer besseren Kommunikation mit<br />
weniger Missverständnissen.<br />
So kannst du ein sinnvolles Feedback geben:<br />
• Bringe ehrlich zum Ausdruck, wie du die Nachricht verstehst und was du dabei<br />
empfindest.<br />
• Beziehe das Feedback inhaltlich auf die Sache und nicht auf die Person.<br />
• Gib möglichst viel und rasch Feedback (sowohl verbal als auch nonverbal).<br />
6.2.4 Aktives Zuhören<br />
Das Zuhören ist eine Tätigkeit, die vielen Menschen schwerfällt. Deshalb gilt es,<br />
achtsam damit umzugehen. Im Umgang mit an<strong>der</strong>en kann man Folgendes<br />
versuchen:<br />
• eine Zeitlang für die an<strong>der</strong>e Person da sein<br />
• sich für die an<strong>der</strong>e Person echt interessieren<br />
• schweigen können<br />
• sich auf die an<strong>der</strong>e Person einstellen; aufmerksam sein<br />
• die an<strong>der</strong>e Person so annehmen, wie er/sie ist<br />
• sich selbst bleiben, die Probleme <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Person nicht übernehmen<br />
• sich in die Welt <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Person einfühlen<br />
221
Drei Phasen des aktiven Zuhörens<br />
6.3 Kommunikationsarten<br />
6.3.1 Verbale Kommunikation<br />
Die verbale Kommunikation besteht aus dem gesprochenen Wort, genauer<br />
gesagt aus <strong>der</strong> Stimme und dem Inhalt des Gesprochenen. Wenn ich einen<br />
Lieferanten anrufe und ihn frage: "Wann kommt die versprochene Ware<br />
endlich?", erkundige ich mich nicht nur nach dem Liefertermin, ich teile ihm<br />
mit meiner Sprechweise und meiner Stimmlage auch mit, dass ich mich<br />
geärgert habe und dass er Abmachungen einhalten soll. Die so gestellte<br />
Frage ist also Träger einer umfangreichen Botschaft mit vier Aussage-Ebenen:<br />
222
Die Wortwahl hat einen grossen Einfluss darauf, wie die Botschaft vom<br />
Empfänger aufgenommen wird und wie dieser darauf reagiert. Die Aussage<br />
"Wann kommt die Ware endlich..." klingt vorwurfsvoll, und <strong>der</strong><br />
Angesprochene muss sich wohl o<strong>der</strong> übel verteidigen. Es ist eine hohe Kunst,<br />
Sachverhalte deutlich auszusprechen, ohne dabei den Gesprächspartner zu<br />
verletzen. Im Beispiel <strong>der</strong> ausstehenden Ware könnte eine mögliche<br />
Formulierung sein:<br />
"Wir haben die Ware lei<strong>der</strong> noch nicht erhalten, wären aber dringend darauf<br />
angewiesen."<br />
Auch die Art, wie gesprochen wird, beeinflusst den Empfänger, also:<br />
• die Lautstärke (laut, leise)<br />
• die Stimmlage (locker, sachlich, barsch, drohend)<br />
• die Sprechgeschwindigkeit (langsam, schnell, überstürzt)<br />
• die Betonung (gleichförmig, jedes Wort betonend, mit Nachdruck)<br />
?? Merke: Die sogenannte Ausdruckssprache ist oft sogar wichtiger als <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong><br />
Nachricht. Säuglinge zum Beispiel reagieren nur auf die Ausdruckssprache, die Worte<br />
können sie noch gar nicht deuten.<br />
6.3.2 Nonverbale Kommunikation<br />
Als nonverbale Kommunikation bezeichnet man alle Körpersignale, die das<br />
Sprechen begleiten. Die Körpersignale sind schwierig zu steuern, meist ist man<br />
sich ihrer gar nicht bewusst. Nicht immer stimmt die verbale Botschaft mit <strong>der</strong><br />
nonverbalen überein.<br />
223
Verschiedene Wissenschaftler betonen, dass etwa zwei Drittel unserer<br />
Kommunikation ohne Worte stattfindet. Nonverbales Verhalten ist einerseits<br />
"Ausdruck von Gedanken und Gefühlen" und an<strong>der</strong>seits ein "Merkmal von<br />
zwischenmenschlichen Beziehungen". Die folgenden Bil<strong>der</strong> zeigen<br />
verschiedene Ausdrücke mittels Körpersprache:<br />
Signal Signalbeschreibung Bedeutung<br />
Eine lockere<br />
Körperhaltung<br />
einnehmen<br />
Entspanntheit,<br />
Selbstsicherheit<br />
Arme vor <strong>der</strong> Brust<br />
verschränken<br />
Abwehr<br />
Sich abwenden<br />
Desinteresse<br />
Eine steife<br />
Körperhaltung<br />
einnehmen<br />
Angespanntheit<br />
Wippen von einem Fuss<br />
auf den an<strong>der</strong>en o<strong>der</strong><br />
mit den Händen<br />
gestikulieren<br />
Ungeduld<br />
224
Den Kopf stützen<br />
Nachdenklichkeit<br />
o<strong>der</strong> Langeweile<br />
Offener Blick<br />
freundlicher<br />
Gesichtsausdruck<br />
Interesse und<br />
Bereitschaft zum<br />
Dialog<br />
Mit dem Kopf nicken<br />
Verständnis o<strong>der</strong><br />
Einverstanden<br />
Stirn runzeln<br />
Unverständnis,<br />
Unzufriedenheit o<strong>der</strong><br />
Skepsis<br />
Mundwinkel nach<br />
unten ziehen<br />
Unzufriedenheit,<br />
Skepsis<br />
Geht meistens mit<br />
Stirnrunzeln einher<br />
Senken des Kopfes<br />
o<strong>der</strong> auf den Boden<br />
starren<br />
Unsicherheit o<strong>der</strong> Trotz<br />
225
Am Gesprächspartner<br />
vorbeischauen<br />
Desinteresse o<strong>der</strong><br />
Unsicherheit<br />
6.4 Fragen in <strong>der</strong> Kommunikation<br />
Im beruflichen Alltag muss man sich oft Informationen beschaffen. Um diese<br />
zu erhalten, muss man gezielt Fragen stellen. Fragen sind auch im<br />
zwischenmenschlichen Kontakt wichtig: Mit ihnen zeigt man sein Interesse am<br />
Gesprächspartner und dessen Anliegen. Gezielte Fragen zu stellen, ist eine<br />
Kunst. Die gewünschte Antwort erhält man mit gezielt eingesetzten Fragen.<br />
"Wie hoch ist das Porto für<br />
diesen Brief?"<br />
"Wohin führen diese Wege?"<br />
6.4.1 Geschlossene Frage<br />
Die geschlossene Frage zielt auf eine kurze Antwort ab, in <strong>der</strong> Regel auf ein<br />
"Ja" o<strong>der</strong> ein "Nein". Sie beginnt meistens mit einem Verb. Einige Beispiele:<br />
• "Hast du deine Hausaufgaben gemacht?"<br />
• "Gibst du mir auch etwas von deinem Pausenbrot?"<br />
• "Bist du noch lange hier?"<br />
226
6.4.2 Offene Frage<br />
Offene Fragen lassen sich nicht kurz mit "Ja" o<strong>der</strong> "Nein" beantworten, denn<br />
damit beschafft man sich Informationen. Offene Fragen werden so formuliert,<br />
dass <strong>der</strong> Befragte eine ausführliche Antwort geben muss. Sie beginnen oft mit<br />
einem Frage-Pronomen (sogenannte W-Fragen). Einige Beispiele:<br />
• "Was könnte uns in dieser Sache weiterbringen?"<br />
• "Wie geht es Ihnen denn heute?"<br />
• "Wo kann ich Herrn Müller finden?"<br />
Es gibt eine weitere Variante <strong>der</strong> offenen Frage: Man stellt eine geschlossene<br />
Frage, die eher eine Auffor<strong>der</strong>ung zu einer Aussage ist:<br />
• "Können Sie mir bitte den Grund für Ihre Absenz angeben?"<br />
• "Ist es Ihnen möglich, mir den Tathergang zu schil<strong>der</strong>n?"<br />
6.5 Gespräche führen<br />
Du hast vermutlich auch schon festgestellt, dass du mit bestimmten Leuten<br />
lieber redest, ihnen lieber etwas anvertraust als an<strong>der</strong>en, ohne dafür einen<br />
Grund nennen zu können. Man kann seine Sympathien und Antipathien nur<br />
bedingt steuern. Dass dir jemand sympathisch ist, könnte aber auch an <strong>der</strong><br />
Art und Weise liegen, wie diese Person auf deine Äusserungen reagiert.<br />
6.5.1 Gesprächsför<strong>der</strong>er<br />
Gesprächsför<strong>der</strong>er sind alle Stellungnahmen, welche den Gesprächspartner<br />
anregen, weiterzusprechen, mehr zu erzählen. Mit Gesprächsför<strong>der</strong>ern<br />
signalisiert man Verständnis, Mitgefühl, Interesse. In <strong>der</strong> Fachsprache nennt<br />
man das "aktives Zuhören". Folgende Stellungnahmen sind typische<br />
Gesprächsför<strong>der</strong>er:<br />
• "Das klingt interessant!"<br />
• "Das wusste ich nicht."<br />
• "Wie meinst du das?"<br />
• "Davon musst du mehr erzählen."<br />
• "Ich glaube dir, dass..."<br />
227
6.5.2 Gesprächskiller<br />
Im Gegensatz zu den Gesprächsför<strong>der</strong>ern signalisieren die sogenannten<br />
Gesprächskiller Desinteresse an <strong>der</strong> Unterhaltung. Man ignoriert den<br />
Gesprächspartner o<strong>der</strong> gibt ihm mit abwertenden Formulierungen zu<br />
verstehen, dass das Gespräch mit ihm wenig interessant ist. Gesprächskiller<br />
können das Gegenüber verletzen o<strong>der</strong> gar Aggressionen hervorrufen.<br />
Typische Gesprächskiller sind folgende Bemerkungen:<br />
• "Was du nicht sagst, das glaubst du ja selbst nicht!"<br />
• "Das kann je<strong>der</strong> behaupten!"<br />
• "Wer hat dir denn dieses Märchen erzählt?"<br />
• "Mir ist klar, warum das so ist, das kann ja nicht an<strong>der</strong>s sein!"<br />
• "Du musst halt..."<br />
Gesprächskiller <strong>der</strong> wirklich unangenehmen Art sind:<br />
• Gemeinplätze wie: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!"<br />
• einfache Rezepte wie: "Du musst halt mehr lernen!"<br />
• Unterstellungen wie: "Du musst halt noch später ins Bett gehen!"<br />
• Schubladisierungen wie: "In deinem Alter kann man das noch nicht<br />
verstehen!"<br />
• Nur von sich reden: "Also, ich habe das immer so gemacht..."<br />
Es ist nicht möglich, sich immer nur gesprächsför<strong>der</strong>nd zu verhalten. Wenn z. B.<br />
jemand pausenlos drauflos schwatzt, ist ein Gesprächskiller oft die einzige<br />
Möglichkeit, dem Redefluss ein Ende zu setzen. Im Kundendienst dürfen<br />
Gesprächskiller nicht eingesetzt werden. Es ist besser, dem Kunden offen und<br />
ehrlich mitzuteilen, dass man lei<strong>der</strong> keine Zeit mehr hat und die Unterhaltung<br />
mit ihm nicht fortsetzen kann.<br />
228
6.5.3 Gespräche beenden<br />
Die Art, wie das Gespräch mit einem Kunden beendet wird, ist ebenso wichtig<br />
wie das Gespräch selbst. Zu beachten sind dabei folgende Punkte:<br />
• Dem Kunden danken (z. B. für seine wertvollen Anregungen).<br />
• Die Pendenzen und das weitere Vorgehen kurz zusammenfassen.<br />
• Den Kunden möglichst mit seinem Namen verabschieden.<br />
Schwierig kann das Beenden eines Gesprächs mit einem redseligen Kunden<br />
sein. Oft ist man aber aufgrund <strong>der</strong> Arbeitsfülle dazu gezwungen. Mit<br />
folgenden Formulierungen kann das Gespräch beendet werden, ohne dass<br />
<strong>der</strong> Kunde dies persönlich nimmt:<br />
• "Ich würde Ihnen gerne länger zuhören, aber lei<strong>der</strong> zwingen mich meine<br />
Aufgaben, mit <strong>der</strong> Arbeit weiterzumachen."<br />
• "Wir müssen uns unbedingt ein an<strong>der</strong>es Mal weiter unterhalten. Lei<strong>der</strong> kann ich<br />
die an<strong>der</strong>en Kunden nicht länger warten lassen."<br />
• "Dazu gäbe es noch viel Interessantes zu sagen. Vielleicht haben wir morgen<br />
Zeit, wie<strong>der</strong> ein paar Worte zu diesem Thema zu wechseln?"<br />
229
Modul 207_PreSales service<br />
Ausgangslage<br />
Pre-Sales-Services sind Dienstleistungen, die dem Kunden vor dem Kauf angeboten<br />
werden, um den Verkäufer dabei zu unterstützen, Aufträge zu erhalten. Im<br />
Einzelhandel können dies z. B. kostenloses Parken o<strong>der</strong> verlängerte Öffnungszeiten<br />
sein. Im Servicebereich sind es beispielsweise telefonische o<strong>der</strong> internetbasierte<br />
Reservierungen. Bei langlebigen und hochwertigen Sach- und Industriegütern sind z.<br />
B. eine Probenutzung o<strong>der</strong> eine technische Beratung möglich.<br />
230
Fachartikel Modul 207<br />
7. Pre-Sales-Service<br />
7.1 Bedürfnisse<br />
Wer etwas verkaufen will, muss die Bedürfnisse <strong>der</strong> potenziellen Kunden<br />
kennen. Betriebswirtschaftlich kann <strong>der</strong> Begriff "Bedürfnis" folgen<strong>der</strong>massen<br />
umschrieben werden:<br />
Ein Bedürfnis ist die Empfindung eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch,<br />
ihn zu beheben.<br />
7.1.1 Die Bedürfnispyramide<br />
Die Wichtigkeit <strong>der</strong> Bedürfnisse lässt sich mit <strong>der</strong> Bedürfnis-Pyramide darstellen.<br />
Das Fundament bilden die Grundbedürfnisse wie essen, trinken, schlafen. Die<br />
Befriedigung dieser Bedürfnisse ist lebensnotwendig. Erst wenn die Bedürfnisse<br />
auf den unteren Ebenen gestillt sind, können diejenigen <strong>der</strong> höheren Ebenen<br />
befriedigt werden. Dies kann man an sich selbst feststellen: Starker Hunger<br />
und quälen<strong>der</strong> Durst verdrängen alle an<strong>der</strong>en Bedürfnisse.<br />
Es gibt aber auch Situationen, in denen die Grundbedürfnisse weniger wichtig<br />
sind, zum Beispiel wenn man krank ist o<strong>der</strong> wenn man vor einer Prüfung steht.<br />
Wenn man krank ist, verspürt man zwar immer noch Hunger und Durst, hat<br />
aber zudem ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit. Man möchte wie<strong>der</strong><br />
gesund werden, denn nur gesund fühlt man sich sicher, und deshalb möchte<br />
man gepflegt werden und Medikamente bekommen. Während einer<br />
Krankheit hat man in <strong>der</strong> Regel auch starke soziale Bedürfnisse: Man braucht<br />
Zuwendung und tröstende o<strong>der</strong> aufmunternde Worte. Auch vor Prüfungen<br />
verlieren die Grundbedürfnisse an Bedeutung, dafür nehmen jene <strong>der</strong><br />
an<strong>der</strong>en Ebenen zu.<br />
231
7.2 Verkauf<br />
Damit ein Verkauf zustande kommt, braucht es mindestens zwei Parteien: den<br />
Käufer und den Verkäufer. Die eine Partei will kaufen und die an<strong>der</strong>e will<br />
verkaufen - das sind zwei verschiedene Ausgangslagen. Im<br />
betriebswirtschaftlichen Gesamtzusammenhang besteht die Hauptaufgabe<br />
des Verkaufs darin, für das Unternehmen gewinnbringende Umsätze zu<br />
generieren, um damit dessen Existenz zu sichern.<br />
7.3 Kaufmotive<br />
Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, weshalb Menschen ein Produkt o<strong>der</strong><br />
eine Dienstleistung kaufen. Bei jenen mit einem geringen Einkommen geht es<br />
meistens um die Befriedigung <strong>der</strong> Grundbedürfnisse. Besserverdienende<br />
können auch aus an<strong>der</strong>en Motiven kaufen. Einige Beispiele sind:<br />
• Neugier (ein Produkt spricht ihn/sie an, er/sie will etwas Neues ausprobieren)<br />
• Steigerung des Selbstwertgefühls (Kauf von Statussymbolen)<br />
• Liebhaberei (z. B. Kauf von alten Autos o<strong>der</strong> von Kunstgegenständen)<br />
• Kauflust (Kauf von Gegenständen, die gar nicht benötigt werden)<br />
7.4 Lieferantenbewertungen<br />
Um beim Auswahlverfahren den bestmöglichen Lieferanten für das benötigte<br />
Produkt zu finden, wird in <strong>der</strong> Praxis eine Lieferantenbewertung durchgeführt.<br />
Es gibt verschiedene Varianten von Lieferantenbewertungen. Ein bewährtes<br />
Modell ist das Scoring-Modell (siehe Bild). Das Scoring-Modell ist ein Punkt-<br />
232
Bewertungsverfahren, welches Noten, Indizes o<strong>der</strong> Kennzahlen zur Bewertung<br />
<strong>der</strong> Leistungsfähigkeit des Lieferanten nutzt. Für die Bewertung werden<br />
geeignete Kriterien ausgewählt, die dann durch messen o<strong>der</strong> schätzen<br />
beurteilt werden. Die Resultate werden zu einem Gesamtwert<br />
zusammengeführt. Mit einer individuellen Gewichtung können einzelne<br />
Kriterien und Lieferantenleistungen unterschiedlich stark in die<br />
Gesamtbewertung eingehen.<br />
Mögliche Bewertungskriterien, die im Einzelfall vergleichbar und messbar sind:<br />
• Qualität von Funktion, Aussehen, Eigenschaften o<strong>der</strong> Merkmalen <strong>der</strong><br />
gelieferten Produkte, Dienstleistungen und ergänzenden Services<br />
• Lieferkompetenzen bezüglich Liefermenge, Liefertermin, Informationen und<br />
Flexibilität<br />
• Preis <strong>der</strong> eingekauften Produkte und Dienstleistungen<br />
• Risiko eines Lieferantenausfalls<br />
• Vertrauen und Verlässlichkeit bei <strong>der</strong> Zusammenarbeit<br />
• Abhängigkeit des Abnehmers vom Lieferanten<br />
233
Modul 208_AtSales service<br />
Ausgangslage<br />
70 Prozent <strong>der</strong> Kaufentscheidungen fallen erst am Ort des Einkaufs. Daher gilt<br />
es, durch At-Sales-Services die Kaufentscheidung zu bestärken und den<br />
Kaufimpuls auszulösen. Gerade im Konsumgüterbereich wird die Kaufwahl<br />
oftmals spontan vor Ort getroffen, als Reaktion auf kaum bewusst verarbeitete<br />
Reize. Um den Beschaffungsaufwand zu reduzieren, sollte <strong>der</strong> Service am<br />
Endkunden vor allem auf die Erleichterung <strong>der</strong> Kaufabwicklung fokussieren.<br />
234
Fachartikel Modul 208<br />
8. At-Sales-Service<br />
8.1 Das Kaufverhalten<br />
Unter dem Kaufverhalten versteht man das Verhalten des Käufers o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
Käuferin in Bezug auf den Einkauf von Waren o<strong>der</strong> Dienstleistungen. Das<br />
Verhalten beim Kauf von Waren o<strong>der</strong> Dienstleistungen hat unterschiedliche<br />
Motive und Aspekte. Zum Beispiel ist das Kaufverhalten von einem<br />
Endkonsumenten ganz an<strong>der</strong>s als das Verhalten eines Einkäufers, <strong>der</strong><br />
ressourcen- und gewinnorientiert für das Unternehmen einkauft. Doch auch<br />
die Endkonsumenten haben oft eigenartige Kaufmotive und höchst<br />
unterschiedliche Verhaltensmuster.<br />
8.1.1 Wie wird <strong>der</strong> Kunde zum Kauf animiert?<br />
Die Verkaufspsychologie erforscht das Kaufverhalten <strong>der</strong> Konsumenten. Die<br />
Ergebnisse ihrer Forschung werden in <strong>der</strong> Gestaltung von Verkaufsläden<br />
umgesetzt, zum Beispiel:<br />
Präsentation auf Augenhöhe<br />
Produkte, die auf Augenhöhe im Gestell liegen,<br />
werden eher gekauft als solche, für die sich die<br />
Kunden strecken o<strong>der</strong> bücken müssen.<br />
Präsentation vor <strong>der</strong> Kasse<br />
Vor den Kassen sind die Kunden oft zum Warten<br />
gezwungen. Das ist eine ideale Gelegenheit für<br />
den Absatz von Kleinartikeln, wie z. B.<br />
Süssigkeiten. Eine <strong>der</strong> Zielgruppen sind Mütter mit<br />
Kin<strong>der</strong>n, weil die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass<br />
die Kin<strong>der</strong> während des Wartens den Kauf <strong>der</strong><br />
Süssigkeiten erbetteln o<strong>der</strong> erzwängeln.<br />
235
Gerüche<br />
Die Hausbäckerei liegt bewusst inmitten <strong>der</strong><br />
Verkaufsfläche. Der Geruch von frisch<br />
Gebacktem animiert nicht nur zum Kaufen von<br />
Brot, son<strong>der</strong>n auch von an<strong>der</strong>en Lebensmitteln.<br />
Wer nicht unnötig Geld ausgeben will, sollte<br />
nicht hungrig auf Einkaufstour gehen: Hungrige<br />
Kunden füllen den Einkaufskorb wesentlich<br />
üppiger als satte.<br />
Kein Produkt im Supermarkt steht rein zufällig an seinem Platz. Marketingexperten berechnen genau,<br />
wann, wo und wie <strong>der</strong> Kunde am ehesten zugreift.<br />
8.1.2 Märkli, Punkte, Coupons: Das Sammeln<br />
Den Sammeltrieb <strong>der</strong> Menschen machen sich die Marketingfachleute mit<br />
Rabattmarken, Punkten und Coupons zunutze. Das Sammeln kann auf zwei<br />
verschiedene Arten erfolgen. Nach traditioneller Art braucht es dazu eine<br />
Sammelkarte, auf welcher <strong>der</strong> Kunde die Punkte o<strong>der</strong> Marken selbst<br />
einkleben kann. Die volle Karte berechtigt ihn dann zu einer Prämie o<strong>der</strong> einer<br />
Vergünstigung auf seinem nächsten Einkauf. Eine Variante dieser Art ist das<br />
Sammeln <strong>der</strong> Kassenzettel bis zu einem bestimmten Einkaufstotal.<br />
Nach neuer Methode werden die Punkte (o<strong>der</strong> Ähnliches) mit einer<br />
Kundenkarte in Form einer Kreditkarte gesammelt.<br />
236
Der Kunde ist nicht mehr selbst verantwortlich für das Sammeln, <strong>der</strong> Verkäufer<br />
kümmert sich an seiner Stelle darum. Dazu erfasst er alle Einkäufe des Kunden<br />
elektronisch und speichert die Daten auf dessen Konto ab. Der Kontostand<br />
wird dem Kunden in einem regelmässigen Intervall mitgeteilt und sein<br />
Guthaben wird ihm in Form von Bons o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Vorteilen zugesandt.<br />
Beim traditionellen Sammeln muss <strong>der</strong> Kunde höchstens seine Adresse auf <strong>der</strong><br />
Sammelkarte notieren. Beim Sammeln mit <strong>der</strong> Kundenkarte gibt er seine<br />
Anonymität auf und hat keinen Einfluss mehr auf die Daten, die über ihn<br />
gesammelt und unter Umständen auch genutzt werden. Deshalb ist oft vom<br />
"gläsernen Kunden" die Rede. Für den Schutz <strong>der</strong> Kunden wurde ein strenges<br />
Datenschutzgesetz erlassen. Die Grossverteiler sind verpflichtet, diese<br />
Bestimmungen einzuhalten.<br />
?? Merke: Beim digitalen Punktesammeln gibt <strong>der</strong> Kunde dem Verkäufer<br />
Daten über sein Kaufverhalten preis. Der Verkäufer nutzt diese Daten, um sein<br />
Sortiment anzupassen, gezielte Aktionen zu machen usw.<br />
8.1.3 Neue Technologien<br />
Das Kaufverhalten <strong>der</strong> Menschen kann auch mit neuesten Technologien wie<br />
<strong>der</strong> Magnetresonanztomografie (MRT) erforscht werden, weil sich damit die<br />
Vorgänge im menschlichen Gehirn bildlich darstellen lassen. Die Reaktionen<br />
<strong>der</strong> Versuchspersonen auf Produkte, Verpackungen usw. sind sofort sichtbar.<br />
Die Erkenntnisse aus den Versuchen fliessen in die Verkaufsstrategien ein. Dass<br />
sich das Kaufverhalten <strong>der</strong> Menschen geän<strong>der</strong>t hat, zeigt sich bei den<br />
Einkaufszentren. Sie wurden im Laufe <strong>der</strong> Jahre immer grösser und<br />
verwandelten sich nach und nach in Erlebnisparks. Heute verknüpfen viele<br />
Kunden das Einkaufen dort mit den diversen Freizeitvergnügen. An<strong>der</strong>e<br />
machen aus dem Einkaufen selbst ein Erlebnis: Vor dem Kaufen wollen sie<br />
ausgiebig aussuchen und Preise vergleichen, weil ihnen das Vergnügen<br />
bereitet.<br />
237
8.2 Verkaufssituationen<br />
Der Alltags-Verkauf, also <strong>der</strong> Verkauf von Produkten des täglichen Bedarfs,<br />
verläuft meistens ohne viel Aufwand für den Verkäufer. Die Beratung ist dort<br />
nebensächlich, und Gefühle spielen eine untergeordnete Rolle. Der Kunde<br />
kauft, weil er das Produkt o<strong>der</strong> die Dienstleistung braucht. Er wünscht sich:<br />
• eine rasche Bedienung<br />
• eine unkomplizierte Abwicklung des Geschäfts<br />
• einen kundenfreundlichen Service<br />
• gute Qualität zu einem angemessenen Preis<br />
• eine gute Leistung<br />
Wenn <strong>der</strong> Kunde hingegen eine umfangreiche Dienstleistung in Anspruch<br />
nehmen o<strong>der</strong> ein kompliziertes o<strong>der</strong> teures Produkt kaufen will, wie zum<br />
Beispiel ein Auto, ist ein beraten<strong>der</strong> Verkauf angezeigt. Der Kunde kann<br />
verunsichert werden durch eine grosse Auswahl an Produkten, durch die<br />
Komplexität <strong>der</strong> Materie o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Dienstleistung o<strong>der</strong> auch durch einen<br />
hohen Preis. Weil eine solche Anschaffung gut überlegt sein will, wünscht sich<br />
<strong>der</strong> Kunde in <strong>der</strong> Regel eine fachmännische Beratung.<br />
8.3 Ein Verkaufsgespräch führen<br />
Ein erfolgreiches Verkaufsgespräch zu führen, erfor<strong>der</strong>t nebst Fachwissen<br />
auch Fingerspitzengefühl und gute Menschenkenntnisse. Meist kennt <strong>der</strong><br />
Verkäufer den Kunden nicht und muss <strong>–</strong> und dies in möglichst kurzer Zeit <strong>–</strong><br />
herausfinden, welche Bedürfnisse und Kaufmotive den Kunden hergeführt<br />
haben. Wenn es dem Verkäufer nicht gelingt, die Erwartungen des Kunden zu<br />
erfüllen und ihm das Richtige zum Kauf anzubieten, ist dieser unzufrieden und<br />
verlässt möglicherweise das Geschäft, ohne etwas zu kaufen.<br />
Ein guter Verkäufer...<br />
• ...kann das Motiv, das den Kunden hergeführt hat, richtig einschätzen<br />
• ...spricht den Kunden persönlich an ("Sie" und nicht "man")<br />
• ...lenkt das Gespräch so, dass immer wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Verkaufsgegenstand<br />
ins Zentrum rückt<br />
• ...ist in <strong>der</strong> Lage, dem Kunden den Nutzen des Produktes o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
Dienstleitung aufzuzeigen<br />
238
• ...ist fähig, dem Kunden das richtige Produkt o<strong>der</strong> die passende<br />
Dienstleistung zu verkaufen<br />
Während eines Beratungsgesprächs lassen nicht alle Kunden die Aussagen<br />
eines Verkäufers unwi<strong>der</strong>sprochen stehen. Sachliche, jedoch nicht<br />
gerechtfertigte Einwände können mit Gegenargumenten wi<strong>der</strong>legt werden.<br />
Wenn man keines weiss, sollte man dies zugeben und dem Kunden mitteilen,<br />
man werde sich über den Einwand informieren. Auf keinen Fall darf dem<br />
Kunden irgendeine Unwahrheit aufgetischt werden. Schwieriger wird ein<br />
Verkaufsgespräch, wenn Kunden nicht sachlich, son<strong>der</strong>n provokativ<br />
argumentieren.<br />
Dann sind folgende Verhaltensweisen angesagt:<br />
• ruhig bleiben<br />
• aktiv zuhören<br />
• den Kunden ausreden lassen<br />
• einen betont sachlichen Ton beibehalten<br />
• den Kunden nicht um jeden Preis zu überzeugen versuchen<br />
?? Merke: Die Erfahrung zeigt, dass man einem aufgebrachten<br />
Gesprächspartner den Wind aus den Segeln nehmen kann, wenn man ihm<br />
unerwartet beipflichtet, statt ihm zu wi<strong>der</strong>sprechen.<br />
8.4 Verkaufsgespräche Face-to-Face<br />
Bei einem Face-to-Face-Gespräch erfolgt die Kommunikation persönlich. Man<br />
ist sich gegenüber und spricht von Angesicht zu Angesicht.<br />
Das Ziel des ?? Verkaufsgesprächs zwischen einem Verkäufer und einem<br />
potenziellen o<strong>der</strong> bestehenden Kunden (Käufer) ist <strong>der</strong> Vertragsabschluss<br />
über eine Dienstleistung o<strong>der</strong> ein Produkt. Zum Face-to-Face-<br />
Verkaufsgespräch gehören:<br />
• Akquisition: direktes Ansprechen eines potenziellen neuen Kunden<br />
• Kommunikation: Beratung, Information und Beeinflussung <strong>der</strong> Kunden im Sinne<br />
<strong>der</strong> Unternehmensziele<br />
• Service: Dienstleistungen des Verkäufers, wie zum Beispiel Fehlerbehebung<br />
o<strong>der</strong> Schulung<br />
239
?? Merke: Der persönliche Verkauf ist das wichtigste Instrument des<br />
Verkaufens. Zur effizienten Gestaltung dieses Prozesses wird fachlich<br />
qualifiziertes Personal mit einer offenen und kommunikativen Persönlichkeit<br />
benötigt.<br />
8.4.1 Der persönliche Verkauf<br />
Der persönliche Verkauf bewährt sich insbeson<strong>der</strong>e beim Vertrieb<br />
erklärungsbedürftiger Produkte und beim Verkauf von Dienstleistungen.<br />
Üblicherweise werden folgende arten des persönlichen Verkaufens<br />
unterschieden:<br />
8.4.2 Beispiel eines Face-to-Face Verkaufsgesprächs<br />
Vanesa Maliqi ist 16 Jahre alt. Sie ist im zweiten Lehrjahr und arbeitet in einer<br />
Parfumerie. Das Beraten von Kundinnen und Kunden gehört zu ihren<br />
täglichen Aufgaben. Ein Beispiel für ein Gespräch mit einer Kundin:<br />
Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />
Vanesa begrüsst die Kundin freundlich. Sie fragt nach,<br />
ob sie ihr beim Suchen des gewünschten Produktes<br />
behilflich sein kann.<br />
240
Kundin:<br />
"Guten Tag, ich suche für meine Mutter zum Muttertag<br />
einen langanhaltenden, günstigen Damenduft. Ich<br />
habe gesehen, dass auf den Testern verschiedene<br />
Abkürzungen wie EdT & EdP stehen. Können Sie mir bitte<br />
den Unterschied erklären?"<br />
Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />
"Ich erkläre Ihnen sehr gerne die unterschiedlichen<br />
Abkürzungen und Bedeutungen davon. Die Abkürzung<br />
EdT steht für "Eau de Toilette". Das Eau de Toilette ist die<br />
eher leichtere Form <strong>der</strong> Parfums, mit 6 bis 9 Prozent hat<br />
es einen geringeren Duftkonzentrat-Anteil. Der Duft ist<br />
wesentlich flüchtiger und nicht aufdringlich. Das ist<br />
perfekt für die Sommertage, wenn man nur etwas<br />
Leichtes möchte. EdP steht als Abkürzung für "Eau de<br />
Parfum". Hier ist <strong>der</strong> Anteil an Duftkonzentrat<br />
verhältnismässig hoch, und liegt etwa bei 10 bis 14<br />
Prozent. Beim Eau de Parfum gibt es auch die "Intense<br />
Variation", hier sind es bis zu 20 Prozent Duftkonzentrat-<br />
Anteil. Ein echtes Eau de Parfum kann auch nach Tagen<br />
noch riechbar sein. Da die Konzentration auch hier sehr<br />
hoch ist, sollte man nur wenig verwenden, da <strong>der</strong> Duft<br />
nicht schnell wie<strong>der</strong> verschwindet. Darf ich Sie fragen,<br />
wie alt Ihre Mutter ungefähr ist?"<br />
Kundin:<br />
"Meine Mutter ist 40 Jahre alt und trägt nur zu<br />
beson<strong>der</strong>en Anlässen einen Duft auf, z. B., wenn sie<br />
abends in die Oper o<strong>der</strong> zum Tanztreff geht. Wozu<br />
würden Sie mir raten?"<br />
Auszubildende Vanesa Maliqi:<br />
"Dann empfehle ich Ihnen ein fruchtiges und leichtes<br />
Eau de Toilette, am besten das Azzaro Mademoiselle. Es<br />
hat einen blumigen, fruchtigen Geruch und würde gut<br />
zu Ihrer Mutter passen."<br />
241
Kundin:<br />
"Vielen herzlichen Dank für die Beratung. Können Sie mir<br />
bitte diesen Duft als Geschenk verpacken?"<br />
8.5 Verkaufsgespräche über Telefon/Konferenz-Call<br />
Der Telefonverkauf, auch Telesales genannt, kann In- o<strong>der</strong> Outbound<br />
(eingehend o<strong>der</strong> ausgehend) betrieben werden. Inbound ist ein passiver<br />
Telefonverkauf, bei welchem <strong>der</strong> Kunde selbst anruft und Waren bestellt. Im<br />
Gegensatz dazu gilt <strong>der</strong> Outbound-Verkauf als aktiver Telefonverkauf, bei<br />
welchem <strong>der</strong> Verkäufer potenzielle Kunden anruft und auf diesem Wege die<br />
Ware zu verkaufen versucht. Der Telefonverkauf gewinnt zunehmend an<br />
Bedeutung, da damit <strong>der</strong> kostenintensive Aussendienst entlastet wird.<br />
Bei einem Verkaufsgespräch über Telefon o<strong>der</strong> über einen Konferenz-Call gilt<br />
es, Folgendes zu berücksichtigen:<br />
242
8.6 Verkaufsför<strong>der</strong>ung<br />
Unter dem Begriff "Verkaufsför<strong>der</strong>ung" werden sämtliche Massnahmen<br />
verstanden, die getroffen werden, um den Absatz von Produkten o<strong>der</strong><br />
Dienstleistungen zu steigern. Ziel sind ein höherer Umsatz und ein höherer<br />
Ertrag.<br />
?? Aktionen<br />
Die häufigste Massnahme zur<br />
Verkaufsför<strong>der</strong>ung ist die Aktion. Sie besteht<br />
in <strong>der</strong> Regel aus einem Preisnachlass. Dieser<br />
kann z. B auch in Form von "drei für zwei"<br />
ausgestaltet sein. Mit einer Aktion können<br />
neue Produkte eingeführt werden: Die<br />
Kunden kaufen das ihnen unbekannte<br />
Produkt, weil es günstig ist. Es können aber<br />
auch Überbestände abgebaut werden -<br />
Son<strong>der</strong>aktionen dienen meistens dazu,<br />
Auslaufmodelle abzusetzen, Lagerbestände<br />
abzubauen o<strong>der</strong> Waren, <strong>der</strong>en<br />
Haltbarkeitsdatum abläuft, an den Mann<br />
o<strong>der</strong> die Frau zu bringen.<br />
?? Demonstrationen und Degustationen<br />
Wenn Muster von Nahrungsmitteln<br />
möglichen Käufern angeboten werden,<br />
spricht man von einer Degustation. Diese Art<br />
<strong>der</strong> Verkaufsför<strong>der</strong>ung wird oft bei neuen<br />
Produkten angewandt. Eine Gratis-<br />
Kostprobe, oft mit Zubereitung vor Ort,<br />
weckt die Neugier. Wird die Kostprobe von<br />
einer sympathischen Person angeboten,<br />
wird auch die Kauflust geweckt. Ein<br />
Paradebeispiel für die Demonstration von<br />
Produkten ist <strong>der</strong> "Billige Jakob" auf dem<br />
Jahrmarkt. Die Produkte werden nicht<br />
einfach nur feilgeboten, son<strong>der</strong>n mit viel<br />
Drumherum und allerlei Sprüchen<br />
angepriesen. Je höher <strong>der</strong><br />
243
Unterhaltungswert des Verkäufers, desto<br />
höher <strong>der</strong> Absatz seiner Produkte.<br />
8.6.1 Zusatzverkauf (Cross-Selling)<br />
Ein Zusatzverkauf ist dann zustande gekommen, wenn ein Kunde nicht, wie<br />
von ihm vorgesehen, nur ein Produkt kauft, son<strong>der</strong>n auch ein zweites, das<br />
einen Zusammenhang mit dem ersten hat. Ein Beispiel: Ein Kunde löst am<br />
Billettschalter eine Bahnfahrkarte nach Zürich. Der Schalterbeamte fragt<br />
freundlich, ob er eventuell auch ein Trambillett benötige. Der Kunde realisiert,<br />
dass ein solches Billett von Vorteil wäre und löst zusätzlich eine Tageskarte für<br />
das Stadtnetz. Mit seiner Frage hat <strong>der</strong> Schalterbeamte den Kunden<br />
veranlasst, einen Zusatzkauf zu tätigen. Zusatzverkäufe empfindet <strong>der</strong> Kunde<br />
dann als kundenfreundlich, wenn sie einen Zusammenhang zum eigentlichen<br />
Kauf haben und nicht aufdringlich o<strong>der</strong> aufgesetzt wirken. Wenn zum Beispiel<br />
als Zusatzkauf zur Digitalkamera Ersatzbatterien angeboten werden o<strong>der</strong> zu<br />
den neuen Schuhen das richtige Pflegemittel, geht <strong>der</strong> Kunde gerne auf das<br />
Angebot ein.<br />
8.7 Der Kaufvertrag: Rechte und Pflichten<br />
Durch den Kaufvertrag verpflichtet sich <strong>der</strong> Verkäufer, dem Käufer den<br />
Kaufgegenstand zu übergeben und ihm das Eigentum daran zu verschaffen.<br />
Der Käufer verpflichtet sich seinerseits, dem Verkäufer den Kaufpreis zu<br />
bezahlen. Somit findet ein Tausch im Sinne von "Zug um Zug" statt:<br />
244
Recht<br />
Pflicht<br />
Käufer • den<br />
Kaufgegenstand<br />
und das Eigentum<br />
daran zu erhalten<br />
• den Kaufpreis zu<br />
bezahlen<br />
• bei einem<br />
Mangel:<br />
Ersatzlieferung,<br />
Min<strong>der</strong>ung o<strong>der</strong><br />
Wandlung<br />
Verkäufer • die Zahlung des<br />
Kaufpreises zu<br />
erhalten<br />
• den<br />
Kaufgegenstand<br />
dem Käufer zu<br />
übergeben und<br />
ihm das Eigentum<br />
daran zu<br />
überlassen<br />
8.7.1 Abschluss eines Kaufvertrags<br />
Ein Kaufvertrag kann mündlich o<strong>der</strong><br />
schriftlich, aber auch stillschweigend<br />
abgeschlossen werden. Im Geschäftsleben<br />
sind eher schriftliche Verträge üblich. Sehr<br />
oft geht dem Kaufvertrag ein Angebot (im<br />
Obligationenrecht "Antrag",<br />
umgangssprachlich "Offerte" genannt) des<br />
Verkäufers voraus. Mit <strong>der</strong> Bestellung<br />
kommt <strong>der</strong> Kaufvertrag zustande.<br />
245
8.7.2 Rücktritt vom Verkaufsvertrag<br />
Die gesetzlichen Grundlagen für den Abschluss und den Rücktritt aus einem<br />
Kaufvertrag sind im Obligationenrecht (OR) geregelt.<br />
Vertragserfüllung<br />
Die Erfüllung <strong>der</strong> vertraglich vereinbarten Leistung ist <strong>der</strong> wichtigste Grund für<br />
die Beendigung des Kaufvertrages.<br />
?? Hier findest du mehr Informationen.<br />
Rücktritt<br />
Der Käufer o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Verkäufer kann nur vom Verkaufsvertrag zurücktreten,<br />
wenn <strong>der</strong> Anwendungsfall im Gesetz vorgesehen ist. Anwendungsfälle sind:<br />
• Rücktrittbefugnis des Gläubigers bei Schuldnerverzug (OR 107 und 109)<br />
• Rücktrittsrecht des Verkäufers bei Zahlungsverzug des Gläubigers (OR<br />
214)/Gläubigerverzug (OR 95)<br />
• Wandlungsrecht des Käufers gemäss OR 205 stellt ein Rücktrittsrecht eigener<br />
Art dar<br />
Erfüllungsunmöglichkeiten<br />
Eine vertraglich vereinbarte Leistung kann unmöglich sein o<strong>der</strong> unmöglich<br />
werden. Die Unterteilung und Rechtsfolgen <strong>der</strong> Unmöglichkeit werden unter<br />
dem Titel ?? "Unmöglichkeit" dargestellt.<br />
8.8 Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)<br />
In <strong>der</strong> Schweiz können die gesetzlichen Grundlagen für den Verkauf von<br />
Gütern o<strong>der</strong> Dienstleistungen über den Vertrag und die Vertragsbedingungen<br />
verän<strong>der</strong>t werden. In <strong>der</strong> Regel fasst ein Händler alle seine<br />
Verkaufsbedingungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB)<br />
zusammen.<br />
?? Merke: Die AGB sollen <strong>der</strong> schnellen Abwicklung von Massenverträgen<br />
dienen.<br />
8.8.1 Was beinhalten die AGB?<br />
Die grosse Freiheit beim Abschliessen eines Kaufvertrages wird von vielen<br />
Unternehmen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausgenutzt.<br />
246
Dort sind oft Regeln festgehalten, welche die Kunden nicht akzeptieren<br />
würden, wenn sie im Kaufvertrag selbst stehen würden. Die AGB werden nur<br />
von einer Vertragspartei erstellt, während es <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Partei obliegt, sie<br />
auf ihre Rechtsgültigkeit zu prüfen und anschliessend den<br />
Bedingungen zuzustimmen o<strong>der</strong> zu wi<strong>der</strong>sprechen. Durch eine Klausel werden<br />
die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum Bestandteil des Kaufvertrages.<br />
Somit akzeptieren die Kunden die AGB mit ihrer Unterschrift unter den<br />
Kaufvertrag.<br />
8.8.2 Unlautere Geschäftsbedingungen<br />
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden umgangssprachlich auch<br />
"das Kleingedruckte" genannt, was bei den meisten wortwörtlich zutrifft.<br />
Dahinter steckt eine Absicht: Man weiss um den Umstand, dass<br />
Kleingedrucktes mühsam zu lesen ist, wenn es noch dazu umfangreich ist, wird<br />
das Lesen unterlassen. So akzeptieren die Kunden zum Teil aus<br />
Bequemlichkeit, zum Teil infolge Nichtwissens für sie nachteilige Bedingungen.<br />
Seit Jahren kämpfen Konsumentenschutzorganisationen dagegen, dass das<br />
mit einem Kauf verbundene Risiko in den AGB auf die Kunden abgewälzt<br />
wird. Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) regelt in<br />
Artikel 8 die Verwendung missbräuchlicher Geschäftsbedingungen.<br />
?? Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG)<br />
Artikel 8<br />
"Unlauter handelt insbeson<strong>der</strong>e, wer allgemeine Geschäftsbedingungen<br />
verwendet, die in Treu und Glauben verletzen<strong>der</strong> Weise zum Nachteil <strong>der</strong><br />
Konsumentinnen und Konsumenten ein erhebliches und ungerechtfertigtes<br />
Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen<br />
Pflichten vorsehen."<br />
247
8.8.3 Allgemeine Geschäftsbedingungen: aktuelle Beispiele<br />
Die Schweizerische Post<br />
AGB Postdienstleistungen für Geschäftskundinnen und Geschäftskunden<br />
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)<br />
AGB für den Erwerb und Nutzung des Halbtax<br />
Die Swisscom<br />
AGB für Geschäftskunden<br />
248
Modul 209_AfterSales service<br />
Ausgangslage<br />
After-Sales-Management entstand aus <strong>der</strong> Erkenntnis, dass die<br />
Kundenbeziehung nicht mit dem Geschäftsabschluss endet, son<strong>der</strong>n über die<br />
gesamte Nutzungsdauer eines Produktes bzw. Artikels o<strong>der</strong> einer<br />
Dienstleistung weiter bestehen bleibt (Grundsatz: „Nach dem Kauf ist vor dem<br />
Kauf“).<br />
Darüber hinaus erhoffen sich Hersteller und Händler durch After-Sales-<br />
Marketing mehr Informationen über Kundenwünsche, Kundenzufriedenheit<br />
und Markttrends. Somit fliessen Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem After-<br />
Sales-Marketing auch in die Planung, Produktion und Vermarktung zukünftiger<br />
Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsideen.<br />
249
Fachartikel Modul 209<br />
9. After-Sales-Services<br />
Der After-Sales-Service beschreibt die Marketingmassnahmen, die ein<br />
Unternehmen ergreift, um nach dem erfolgreichen Verkauf eines Produktes<br />
die Kunden langfristig an sich zu binden. Darüber hinaus hat <strong>der</strong> After-Sales-<br />
Service das Ziel, die Kunden nachträglich in ihrer Kaufentscheidung zu<br />
bestätigen, sie von weiteren Käufen zu überzeugen und die<br />
Kundenzufriedenheit im Allgemeinen zu steigern. Der After-Sales-Service sollte<br />
daher stets individuell auf den jeweiligen Kunden und die jeweilige Kundin<br />
ausgerichtet sein.<br />
Die After-Sales-Betreuung bietet im Vertrieb häufig Möglichkeiten für das<br />
Zusatzgeschäft. Ein weiteres Ziel eines guten After-Sales-Services ist die<br />
Stärkung <strong>der</strong> nachhaltigen Bindung an das Unternehmen: Je besser und<br />
komfortabler die Erfahrung für die Kunden ist, desto wahrscheinlicher ist es,<br />
dass sie auch in Zukunft zum Unternehmen zurückkehren.<br />
Kunden an das Unternehmen binden<br />
Kunden können auf verschiedene Arten an das Unternehmen gebunden<br />
werden. Ein Beispiel dafür sind technische und/o<strong>der</strong> kaufmännische<br />
Dienstleistungen nach dem Kauf des Produkts, wie Schulungen des<br />
Bedienungspersonals, Wartungs- und Reparaturdienste sowie<br />
Managementleistungen.<br />
250
9.1 Reklamationen<br />
Die Reklamation unterscheidet sich vom Wi<strong>der</strong>rufsrecht o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Garantie.<br />
Eine Reklamation kann getätigt werden, wenn das Produkt einen<br />
Sachmangel vorweist, <strong>der</strong> bereits vor <strong>der</strong> Übergabe des Produkts existiert hat.<br />
Ein Sachmangel liegt vor, wenn die gekaufte Ware nicht <strong>der</strong> Beschaffenheit<br />
entspricht, die im Kaufvertrag vereinbart worden ist. Der Verkäufer ist dazu<br />
verpflichtet, die Ware mangelfrei zu übergeben. Wenn er sich nicht an diese<br />
Verpflichtung hält, dann hat <strong>der</strong> Kunde das Recht auf Gewährleistung. Dieses<br />
ist im Gesetz festgeschrieben. Der Grundgedanke im Gesetz besagt, dass <strong>der</strong><br />
Kaufvertrag weiterhin bestehen bleiben soll. Der Kunde muss sich aber nicht<br />
mit einem defekten Produkt zufriedengeben. Er kann nach einer Reparatur<br />
o<strong>der</strong> einem Umtausch <strong>der</strong> beschädigten Ware verlangen.<br />
9.1.2 Das Reklamationsrecht<br />
Die Frist, während <strong>der</strong> Reklamationen getätigt werden können, ist gesetzlich<br />
vorgegeben. Sie beträgt zwei Jahre. Der Händler darf diese<br />
Gewährleistungsfrist nicht verkürzen. Allerdings ist die Gewährleistungsfrist<br />
keine Haltbarkeitsgarantie: Der Anbieter muss lediglich für Mängel einstehen,<br />
die bereits während dem Kaufzeitpunkt bestanden haben. Nicht nur bei <strong>der</strong><br />
Reklamation gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen. Auch<br />
Rechnungen und Belege unterliegen gewissen Fristen bezüglich <strong>der</strong><br />
Aufbewahrung.<br />
251
Was ist <strong>der</strong> Unterschied zwischen einer Beschwerde und einer Reklamation?<br />
• Eine Reklamation bezieht sich auf ein bestimmtes Produkt o<strong>der</strong> eine<br />
Dienstleistung. Sie beinhaltet den gesetzlichen Anspruch auf Gewährleistung,<br />
wenn das Produkt o<strong>der</strong> die Dienstleistung nicht den Vorgaben entsprechen,<br />
die im Kaufvertrag vereinbart wurden.<br />
• Mit einer Beschwerde äussert <strong>der</strong> Kunde hingegen lediglich seine<br />
Unzufriedenheit.<br />
9.2 Der Kundendienst<br />
Viele Nutzer schrecken auf, wenn sie das Wort "Gewinnspiel" lesen. Doch nicht<br />
immer kann man etwas gewinnen. Betrüger kennen verschiedene Maschen,<br />
mit denen sie nichtsahnende Nutzer um ihre Daten o<strong>der</strong> ihr Geld bringen.<br />
9.2.1 Das Gewinnspiel<br />
Ein Gewinnspiel ist ein Glücksspiel, bei dem einer o<strong>der</strong> mehrere Preise<br />
ausgeschrieben sind. In <strong>der</strong> Regel werden jedoch nur jene Glücksspiele<br />
als Gewinnspiel bezeichnet, die vom Veranstalter zum Zweck <strong>der</strong> Werbung<br />
o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Datensammlung ausgerichtet werden und für die <strong>der</strong> Spieler nicht<br />
bezahlen muss. Nicht um Gewinnspiele handelt es sich, wenn lediglich ein<br />
Gewinnspiel vorgegeben wird, um an<strong>der</strong>e Zwecke zu verfolgen, z. B. einen<br />
Vertrag abzuschliessen (z. B. eine Abofalle).<br />
Es gibt mehrere Arten von Gewinnspielen: Lotterien, Preisausschreibungen<br />
(schriftlich, elektronisch, telefonisch), Rätselspiele, Quiz, Tombola, Wetten usw.<br />
Kommerzieller Zweck<br />
Mit Gewinnspielen verfolgen Unternehmen das Ziel, Werbung zu betreiben<br />
und persönliche Daten von potenziellen Konsumentinnen und Konsumenten<br />
für den Adresshandel im Direktmarketing zu gewinnen. Gewinnspiele werden<br />
auch dazu verwendet, um in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit zu<br />
gewinnen.<br />
Es kommt auch vor, dass Personen eine Gewinnmitteilung<br />
(Gewinnversprechen) erhalten, obwohl sie an keinem Gewinnspiel<br />
teilgenommen haben. Vor einer Gewinnübergabe werden die Opfer dazu<br />
aufgefor<strong>der</strong>t, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel „Gebühren“ zu<br />
252
ezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen o<strong>der</strong> an<br />
Veranstaltungen teilzunehmen, auf denen min<strong>der</strong>wertige Ware zu<br />
überhöhten Preisen angeboten wird.<br />
9.2.2 Kundenumfragen<br />
Kundenzufriedenheit ist einer <strong>der</strong> wichtigsten Faktoren, die zum Erfolg eines<br />
Unternehmens beitragen. Wenn ein Unternehmen nicht weiss, was <strong>der</strong> Kunde<br />
will o<strong>der</strong> nicht will, kann es als Resultat weniger Umsatz machen. Eine gute<br />
Methode, um Kundenfeedback zu erhalten, ist<br />
die Kundenumfrage (Customer Satisfaction Survey). Mit Hilfe <strong>der</strong><br />
Kundenbefragung werden systematisch Informationen über Zufriedenheit,<br />
Erwartungen und Kaufgewohnheiten von aktuellen o<strong>der</strong> potenziellen Kunden<br />
gewonnen. Professionell durchgeführte Kundenbefragungen för<strong>der</strong>n das<br />
Kundenvertrauen und stärken das Image <strong>der</strong> eigenen Unternehmung. Die<br />
neuen Erkenntnisse helfen, das Potenzial auszuschöpfen und Strategien zur<br />
Verbesserung umzusetzen.<br />
Welche Ziele verfolgt die Durchführung einer Kundenumfrage?<br />
• Kundenbedürfnisse und Kundenwünsche feststellen sowie die Einstellungen<br />
und Erwartungen von Kundinnen und Kunden kennen<br />
• Rechtzeitiges Erkennen von Fehlentwicklungen (Frühwarnsystem)<br />
253
• Die Stärken und Schwächen <strong>der</strong> eigenen Unternehmung erkennen<br />
• Die Grundlage für die Marketing- und Verkaufsstrategien <strong>der</strong> nächsten Jahre<br />
schaffen<br />
• Abwan<strong>der</strong>ung von Kundinnen und Kunden verhin<strong>der</strong>n<br />
• Ein Signal setzen, dass das eigene Unternehmen um die Kunden bemüht ist<br />
• Die Kundenbindung erhöhen und Kundenentwicklung för<strong>der</strong>n („Satisfied -<br />
Loyal - Advocate“: Aus zufriedenen Kunden werden loyale Kunden und aus<br />
loyalen Kunden „begeisterte Botschafter“)<br />
• Steigerung <strong>der</strong> Mitarbeitermotivation durch positive Kundenfeedbacks<br />
Die verschiedenen Befragungsformen<br />
Es ist wichtig, die Art <strong>der</strong> Umfrage an die Zielgruppe und Kundschaft des<br />
Unternehmens anzupassen. Weiter spielen bei einer Umfrage <strong>der</strong> Ort, <strong>der</strong><br />
Umfang, <strong>der</strong> Zeitpunkt und die Methode eine Rolle. Folgende Formen <strong>der</strong><br />
Befragung gibt es:<br />
• Online-Befragung<br />
• Telefonische Befragung<br />
• Persönliche Befragung<br />
Im digitalen Zeitalter ist die Online-Umfrage das geläufigste Mittel zur<br />
Kundenbefragung. Es können vergleichsweise viele Kunden mit geringem<br />
Aufwand erreicht und befragt werden. Ein weiterer Vorteil <strong>der</strong> Online-<br />
Befragung ist die Tatsache, dass <strong>der</strong> Kunde stets selbst den Zeitpunkt <strong>der</strong><br />
Befragung wählen kann.<br />
9.3 Kulanz<br />
In vielen Branchen haben es die Unternehmen nicht einfach: Einerseits hat<br />
sich im Laufe <strong>der</strong> Jahre <strong>der</strong> Lebenszyklus von vielen Produkten deutlich<br />
verkürzt. An<strong>der</strong>erseits müssen die Unternehmen auf die rasch än<strong>der</strong>nden<br />
Konsumtrends reagieren können. In diesem Zusammenhang spielen Faktoren<br />
wie die Kundenzufriedenheit und die Kundenbindung für sie eine wichtige<br />
Rolle. Ein nützliches Instrument, das in diesem Zusammenhang oft vergessen<br />
wird, ist die Kulanz.<br />
254
9.3.1 Was versteht man unter Kulanz?<br />
Unter dem Begriff Kulanz versteht man das einseitige und freiwillige<br />
Entgegenkommen zwischen zwei vertraglichen Parteien. Ein Unternehmen ist<br />
rechtlich nicht verpflichtet, gegenüber einem Kunden kulant zu sein: Es kann<br />
sich kulant zeigen, wenn es das will. Die Kulanz kann nur nach einer<br />
vollständig erfüllten Auftragsabwicklung gewährt werden. Rein rechtlich<br />
gesehen ist die Kulanz ein freiwilliger Entschluss, auf vertraglich feststehende<br />
Rechte zu verzichten. Die Kulanz unterscheidet sich von <strong>der</strong> Garantie, die<br />
gesetzlich geregelt ist.<br />
Quelle: https://sevdesk.ch/lexikon/kulanz/<br />
9.4 Garantie<br />
Es wird unterschieden zwischen <strong>der</strong> Garantie und <strong>der</strong> Herstellergarantie:<br />
• Garantie (Gewährleistung): In <strong>der</strong> Schweiz haben Konsumentinnen und<br />
Konsumenten laut Gesetz zwei Jahre Garantie auf gekaufte Gegenstände.<br />
Das bedeutet, dass <strong>der</strong> Verkäufer seinen Kunden während zwei Jahren<br />
Gewähr dafür bieten muss, dass sein Produkt keine Mängel aufweist. Diese<br />
zweijährige Garantiefrist ist zwingend und darf nicht verkürzt werden. Es ist<br />
jedoch zulässig, in einem Vertrag eine Garantie ganz auszuschliessen. Ist das<br />
<strong>der</strong> Fall, sollten Kunden unbedingt einen Blick in die Herstellergarantie ihres<br />
Gerätes werfen.<br />
• Herstellergarantie: Bei <strong>der</strong> Herstellergarantie bietet <strong>der</strong> Hersteller (und nicht<br />
<strong>der</strong> Verkäufer) Gewähr für ein mangelfreies Produkt. Die Herstellergarantie ist<br />
nicht gesetzlich geregelt. Ein Hersteller kann deshalb den Umfang und auch<br />
die Dauer seiner Garantie selber bestimmen. Meist bieten Hersteller im<br />
Rahmen ihrer Herstellergarantie während ein bis fünf Jahren eine Reparatur<br />
o<strong>der</strong> Ersatzteile im Schadenfall an. Einzelne Hersteller garantieren darüber<br />
hinaus, dass ihr Gerät einwandfrei funktioniert (Garantie Funktionsfähigkeit).<br />
?? Merke: Die Verkäufergarantie und die Herstellergarantie schliessen<br />
einan<strong>der</strong> nicht aus. Oftmals wird in <strong>der</strong> Betriebsanleitung eines Gerätes auf<br />
die Herstellergarantie hingewiesen. Ein Blick in diese Bedingungen lohnt sich,<br />
denn bei manchen Herstellern muss man die Herstellergarantie registrieren<br />
lassen.<br />
255
Logistiker/In EFZ<br />
300_Procurement Management<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
256
Modul 301_Beschaffungslogistik<br />
Ausgangslage<br />
Die Beschaffungslogistik steht ganz am Anfang von jedem Logistikprozess. Der<br />
Begriff Beschaffungslogistik zeigt die Vernetzung <strong>der</strong> Bereiche Beschaffung<br />
und Logistik auf. Das Zusammenspiel <strong>der</strong> beiden Bereiche muss in jedem<br />
Unternehmen harmonieren, damit dessen Ziele erreicht werden können.<br />
257
Fachartikel Modul 301<br />
1. Die Beschaffungslogistik<br />
Die Beschaffungslogistik ist ein Thema, dem wir im Alltag in verschiedenen<br />
Rollen begegnen. Ob eine alleinlebende Person, eine Familie o<strong>der</strong> ein<br />
Unternehmen: Jede und je<strong>der</strong> muss sich mit verschiedenen Produkten<br />
versorgen. Natürlich ist die zu beschaffende Menge in den drei genannten<br />
Situationen nicht die gleiche - die Überlegungen und das Vorgehen sind aber<br />
sehr ähnlich.<br />
Im privaten Alltag kennt man die Anbieter und die Preise <strong>der</strong> Produkte, die in<br />
<strong>der</strong> unmittelbaren Umgebung verkauft werden bestens. Entsprechend ist die<br />
Beschaffung von Produkten als Privatpersonen einfach. Im Unternehmen kann<br />
diese Aufgabe jedoch zu einer grossen Herausfor<strong>der</strong>ung werden.<br />
Die Beschaffung ist eine zentrale Aufgabe von Unternehmen. Entsprechend<br />
werden dafür kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt,<br />
welche als "Einkäufer" bezeichnet werden. Die Einkäufer suchen die Ware mit<br />
dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und verhandeln Lieferbedingungen<br />
sowie Lieferverträge mit den Lieferanten. Ihr Ziel ist es, die richtige Ware und<br />
Qualität zum bestmöglichen Preis zu finden.<br />
Die Beschaffungslogistik ist aufgrund verschiedener Faktoren eine grosse<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung: die grosse Auswahl in einer digital vernetzten Welt,<br />
politische Einflüsse, Einflüsse <strong>der</strong> Natur, finanzielle Aspekte, das Schützen <strong>der</strong><br />
Umwelt und vieles mehr.<br />
258
1.1 Die Aufgaben im Einkauf<br />
Damit die Zielsetzung im Einkauf erreicht werden kann, benötigt es<br />
Fachwissen, Verhandlungsgeschick und eine klare Aufgabenverteilung. Die<br />
Aufgaben werden oft in strategische- und operative Aufgaben aufgeteilt:<br />
Strategische Aufgaben (Aufgaben <strong>der</strong> Verhandlung und Planung):<br />
• Verhandlungen über Preis- und Lieferkonditionen<br />
• Zusammenarbeit bei <strong>der</strong> Entwicklung von Produkten<br />
• Sicherung von Know-how (gewusst wie)<br />
• Optimieren (verbessern) <strong>der</strong> Beschaffungsprozesse<br />
• langfristige Sicherung <strong>der</strong> Lieferquelle<br />
Merke: Strategische Aufgaben werden oft durch die Führungskräfte in <strong>der</strong><br />
Beschaffung ausgeführt.<br />
Operative Aufgaben (ausführende Tätigkeit <strong>der</strong> vereinbarten Bedingungen):<br />
• Aufgeben <strong>der</strong> Bestellung<br />
• Überwachung <strong>der</strong> Termine<br />
• Kontrolle <strong>der</strong> Lieferung<br />
Merke: Operative Aufgaben können auch durch junge und unerfahrene<br />
Einkäufer ausgeführt werden. Der Inhalt <strong>der</strong> Bestellung wird unter<br />
Berücksichtigung <strong>der</strong> Abmachungen in <strong>der</strong> Strategie ausgeführt.<br />
1.1.1 Gegenstand <strong>der</strong> Beschaffung<br />
Nicht nur Einzelpersonen, auch Unternehmen müssen alles beschaffen, was<br />
sie für ihr Funktionieren benötigen. Zum Beispiel:<br />
• Waren<br />
• Informationen<br />
• Dienstleistungen<br />
• Kapital<br />
• Arbeitskräfte<br />
• Lizenzen, Patente<br />
259
Versorgung mit Rohstoffen: Bsp. Kakaobohne<br />
Versorgung mit Arbeitskräften: Bsp. Ernten von<br />
Gemüse<br />
Die zu beschaffenden Güter lassen sich in folgende Hauptgruppen<br />
unterteilen:<br />
Gebrauchsgüter<br />
Investitionsgüter<br />
Dienstleistungen<br />
Produktionsmaterial wie Rohstoffe, Hilfsstoffe o<strong>der</strong><br />
Betriebsstoffe<br />
Fertigungsmaschinen, Büromaschinen, Produktionsund<br />
Lagerhallen.<br />
Reinigung, Hauswartung, Schulung, EDV-Support<br />
1.2 Make or Buy<br />
"Make or Buy" steht für "machen o<strong>der</strong> kaufen". Im Alltag wird man oft mit <strong>der</strong><br />
Frage konfrontiert: Mache ich es o<strong>der</strong> kaufe ich es ein? Eine erste solche<br />
Entscheidung trifft man bereits vor dem Frühstück: Backe ich das Brot selber<br />
o<strong>der</strong> kaufe ich es ein? Die Entscheidung, ob man ein Produkt selber macht<br />
o<strong>der</strong> es kauft, wird von den Faktoren Preis, Qualität und Zeit beeinflusst.<br />
Die Unternehmen stehen vor dem gleichen Entscheid. Sie fragen sich: Wo<br />
generiere ich den höheren Profit; wenn ich das Produkt selbst herstelle o<strong>der</strong><br />
wenn ich es einkaufe? Die "Make or Buy"-Entscheidung des Unternehmens<br />
muss gut überlegt und in <strong>der</strong> Strategie verankert sein. Wie im privaten Bereich<br />
wird die Entscheidung abhängig von den Faktoren Preis, Qualität und Zeit<br />
getroffen. Bei <strong>der</strong> Entscheidung hilft <strong>der</strong> folgende Grundsatz:<br />
260
Wir machen nur das, was wir besser können als an<strong>der</strong>e.<br />
Wenn sich eine Firma für das Selbermachen entscheidet, ist sie überzeugt,<br />
dass sie ein Produkt selbst am besten produzieren kann. Im Unternehmen<br />
spricht man von den eigenen "Kernkompetenzen". Diese Kernkompetenzen<br />
sichern dem Unternehmen seinen Platz in <strong>der</strong> Wirtschaft; sie machen das<br />
Unternehmen aus.<br />
Entscheidet sich ein Unternehmen für das Kaufen, so kommen seine Einkäufer<br />
zum Zug. Sie stehen vor <strong>der</strong> Herausfor<strong>der</strong>ung, den Produzenten zu finden, <strong>der</strong><br />
die Produkte am besten herstellen und liefern kann.<br />
1.3 Outsourcing<br />
Der Begriff Outsourcing steht für das Auslagern von Tätigkeiten.<br />
"out" = aus<br />
"source" = Quelle<br />
261
Outsourcing ist das Übertragen einer Tätigkeit (ganz o<strong>der</strong> teilweise) aus <strong>der</strong><br />
eigenen Organisation (Unternehmen) zu einem externen Partner.<br />
Outsourcing, also das Auslagern von Tätigkeiten, basiert auf Verträgen. Diese<br />
legen die Dauer und den Zweck <strong>der</strong> Leistungen fest. Der Partner muss gut<br />
gewählt werden. Vertrauen und eine offene Kommunikation zwischen den<br />
Vertragspartnern helfen, gemeinsam den gewünschten Erfolg zu erzielen.<br />
Typische Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen, welche ausgelagert werden, sind:<br />
• Reinigungsarbeiten<br />
• EDV-Support<br />
• Distribution<br />
• Buchhaltung<br />
• usw.<br />
Typische Dienstleistung im Outsourcing: Reinigungsarbeiten<br />
1.4 Welche Mengen sollen eingekauft werden?<br />
Eine Kernfrage bei <strong>der</strong> Beschaffung von Gütern ist die Frage <strong>der</strong> Menge. Die<br />
Frage: "Wie viel soll ich einkaufen?" kennt man aus dem privaten Alltag. Z. B.<br />
wenn man für an<strong>der</strong>e kochen will, muss man zuerst wissen, wie viele Personen<br />
kommen werden.<br />
Im Unternehmen verhält es sich gleich. Hier hilft die Bedarfsprognose und -<br />
planung, die richtigen Antworten zu finden und die Einkaufsmenge zu<br />
262
estimmen. Dafür werden Erfahrungswerte und Prognosen beigezogen.<br />
Prognosen sind "Erwartungen" für die nähere Zukunft. Die berechnete Menge<br />
wird mit dem Lieferanten besprochen und die Lieferbedingungen werden<br />
geklärt.<br />
Die Bedarfsprognose und -planung hilft dabei:<br />
• Die zu kaufenden Mengen und die Anzahl Bestellungen pro Jahr<br />
festzulegen.<br />
• Die Lieferkonditionen und Lieferbedingungen mit dem Partner zu<br />
definieren.<br />
Selbstverständlich sind bei <strong>der</strong> Bedarfsprognose und -planung weitere<br />
Aspekte zu berücksichtigen, wie Personalressourcen, Lagerkapazität,<br />
Verbrauch (Absatz) <strong>der</strong> Ware usw. Das erklärt, weshalb jedes Unternehmen<br />
eine individuelle Prognose und -planung erstellen muss.<br />
1.5 Wann ist <strong>der</strong> richtige Zeitpunkt für den Einkauf?<br />
Im Grundsatz wird eingekauft, wenn <strong>der</strong> Bedarf eines Unternehmens<br />
vorhanden ist. Auch bei diesem Grundsatz gibt es in <strong>der</strong> heutigen Zeit aber<br />
einige Ausnahmen, die <strong>der</strong> Einkäufer bedenken muss. Es gibt Produkte, die<br />
nur in einem bestimmten Zeitraum des Jahres (saisonale Produkte) vorhanden<br />
sind. An<strong>der</strong>e Produkte sind abhängig von politischen und wirtschaftlichen<br />
Faktoren, und deshalb verän<strong>der</strong>t sich ihr Einkaufspreis ständig. Bei diesen<br />
Gütern kann es zu einem spekulativen Kauf kommen. Es handelt sich um<br />
einen Kauf mit dem Ziel, einen Preisanstieg und/o<strong>der</strong> eine Preisreduktion<br />
zugunsten des Unternehmens nutzen zu können. Beispiele für Produkte, die<br />
ständig einem Preiswandel ausgesetzt sind, sind Erdöl und Währungen (CHF<br />
vers. EURO).<br />
Spekulation mit Erdöl<br />
Spekulation mit Masken<br />
263
Modul 302_Warenbeschaffung<br />
Ausgangslage<br />
Hat sich das Unternehmen entschieden, ob es ein Produkt selbst herstellen<br />
o<strong>der</strong> kaufen will (wie in Modul 301 aufgezeigt) und kennt man die benötigte<br />
Menge, geht es los mit <strong>der</strong> Warenbeschaffung. In Modul 302 werden<br />
folgende Fragen geklärt:<br />
• Welchen Lieferanten berücksichtige ich?<br />
• Wie funktioniert <strong>der</strong> Bestellprozess?<br />
• Was ist mit dem Gesetz von "Angebot und Nachfrage" gemeint?<br />
Dieses Modul beleuchtet verschiedene Informationen, die dabei helfen, im<br />
Bereich <strong>der</strong> Warenbeschaffung das Richtige zu tun. Es gibt nichts<br />
Ärgerlicheres, als dem Kunden den Grund für Lieferrückstände o<strong>der</strong> schlechte<br />
Qualität des Produkts zu erklären; o<strong>der</strong> noch schlimmer, die Rechtsabteilung<br />
<strong>der</strong> EnterSite AG zu beschäftigen, weil die Rechte und Pflichten von Käufer<br />
o<strong>der</strong> Verkäufer nicht eingehalten wurden.<br />
Was denkst du über folgende Geschichte?<br />
Ein Kind von acht Jahren hat das Privileg, mehrmals pro Woche auf einer<br />
Spielkonsole spielen zu dürfen. Erfolge aus den jeweiligen Spielen werden<br />
auf dem Pausenplatz heftig diskutiert. Das achtjährige Kind bekommt mit,<br />
dass die meisten an<strong>der</strong>en Kin<strong>der</strong> bereits auf <strong>der</strong> neuen Version <strong>der</strong> Konsole<br />
spielen, <strong>der</strong>en Qualität und Spiele viel besser sind. Zurück von <strong>der</strong> Schule,<br />
kann das Kind am Abend wie<strong>der</strong> spielen. An diesem Abend spielt es aber<br />
auf dem Tablet. Und siehe da, die Werbung für die Spielkonsole <strong>der</strong> neusten<br />
Generation flimmert auf dem Bildschirm. Geübt und interessiert wie das Kind<br />
ist, wird die Werbung verfolgt und die neue Spielkonsole landet im<br />
Warenkorb. Dank <strong>der</strong> digitalen Zahlmittel <strong>der</strong> Eltern sind die Kreditkarten-<br />
Daten bereits gespeichert, und das Kind braucht nur noch die Allgemeinen<br />
Geschäftsbedingungen (AGB) zu akzeptieren und zu bestellen.<br />
Wenige Tage später ist das neu erworbene Gerät im Briefkasten. Zwei<br />
leuchtende Augen beim Kind und grosse überraschte Augen bei den Eltern<br />
sind das Resultat. Die Eltern denken sich: Wir schicken das Gerät sofort<br />
zurück und for<strong>der</strong>n das Geld wie<strong>der</strong> ein. Das sollte doch keine Sache sein.<br />
O<strong>der</strong>?<br />
264
Fachartikel Modul 302<br />
2. Warenbeschaffung<br />
Im Modul 301 war von <strong>der</strong> Menge und vom Zeitpunkt <strong>der</strong> Bestellung die<br />
Rede. In diesem Modul nun wird geklärt, wohin und wie man die Bestellung<br />
sendet.<br />
2.1 Wo kaufe ich ein?<br />
Auch das eine weitere Herausfor<strong>der</strong>ung für den Einkauf im privaten aber<br />
auch für den Einkauf im Unternehmen. Hatten wir vor Jahren eine klare<br />
Antwort, dem Handel in meiner Umgebung, habe ich heute nicht nur eine<br />
son<strong>der</strong>n eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten meine Güter zu<br />
beschaffen (Bsp. E-Commerce). Ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor wird im Budget zu<br />
finden sein, das Budget wird eine erste Auswahl von möglichen Anbieter<br />
eingrenzen. Die Verfügbarkeit sowie die Beziehung zum Lieferanten werden<br />
weitere wichtige Argumente für den Kauf sein.<br />
Ein Beispiel aus dem Alltag - Der Computerkauf<br />
Das folgende Beispiel zeigt auf, dass die "Leitfragen" beim Kauf eines Laptops<br />
nahezu identisch sind, egal, ob <strong>der</strong> Kauf von einem Unternehmen (in diesem<br />
Fall die EnterSite AG) getätigt wird o<strong>der</strong> von einer Privatperson.<br />
Ausgangslage:<br />
Ein Lehrling benötigt einen Laptop, damit er seine Ausbildung zum Logistiker<br />
starten kann.<br />
Lehrling = Einkaufsmenge 1 Stk<br />
Die EnterSite AG hat verschiedene Laptops im Sortiment und möchte die<br />
Mitarbeitenden mit einer neuen Version ausstatten.<br />
EnterSite AG = Einkaufsmenge 86 Stk<br />
Bedürfnis erkennen:<br />
Ich benötige einen Laptop. (Lehrling + EnterSite AG)<br />
Budget festlegen:<br />
Was kann ich für das Gerät bezahlen? (Lehrling + EnterSite AG)<br />
265
Anfor<strong>der</strong>ungen festlegen:<br />
Welche Leistung muss das Gerät erbringen können? (Lehrling + EnterSite AG)<br />
Lieferanten suchen:<br />
Internet, gemachte Erfahrungen, Umgebung absuchen o<strong>der</strong> Freunde um<br />
Rat fragen. (Lehrling + EnterSite AG)<br />
Beratung vor Ort:<br />
Sich vor Ort nochmals erkundigen, ob die Erwartungen mit dem Kauf<br />
gedeckt sind (Fachwissen einholen). (Lehrling)<br />
Offerte einholen:<br />
Ein Ausschreibung an mögliche Lieferanten mit Informationen über die<br />
Bedürfnissen. Ziel <strong>der</strong> Ausschreibung ist, den geeignetsten Anbieter in<br />
Bezug auf Qualität und Preis zu finden. (EnterSite AG)<br />
Bewertung vom Angebot:<br />
Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig, sind die Lieferbedingungen und <strong>der</strong><br />
Liefertermin wie gewünscht und das Vertrauen in den Verkäufer da, stimme<br />
ich dem Deal zu. (Lehrling + EnterSite AG)<br />
Kauf:<br />
Ich überweise den offenen Betrag gemäss Vereinbarung und übernehme<br />
das Produkt. (Lehrling + EnterSite AG)<br />
Auswertung:<br />
Ist das Produkt gekauft und im Einsatz, zieht man nach kurzer Zeit eine<br />
persönliche Bilanz zum gemachten Deal. Sind meine Erwartungen erfüllt?<br />
Übertroffen? Entsprechend werden wie<strong>der</strong> Erfahrungen generiert, die mit<br />
dem gewählten Lieferanten gemacht wurden. Diese Erfahrung hat eine<br />
grosse Wichtigkeit. Ist man zufrieden, wird dieser Lieferant auch beim<br />
nächsten Bedarf wie<strong>der</strong> präsent sein und nach aussen wird man das<br />
266
Unternehmen empfehlen. Sind die Erwartungen nicht erfüllt, wird man das<br />
auch merken und den Lieferanten in Zukunft nicht mehr berücksichtigen.<br />
(Lehrling + EnterSite AG)<br />
Auswahl von Lieferanten, die<br />
berücksichtigt werden könnten<br />
Grosshändler und Lieferanten<br />
von verschiedenen Marken<br />
E-Commerce<br />
267
268<br />
2.1.1 Beispiel für einen schematischen Ablauf einer Bestellung
2.2 Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />
2.2.1 Die Nachfrage<br />
Die Nachfrage ist die Menge eines Produkts zu einem bestimmten Preis, die<br />
durch den Kunden in Auftrag gegeben wird. Die Nachfrage kann entstehen<br />
durch die Bestellung von einem Kunden, Fabrikbedarf, Nachschub für das<br />
Depot usw. Die Nachfrage ist abhängig vom Preis. Das bedeutet: Je teurer<br />
etwas ist, desto weniger Nachfrage gibt es. Das ist das "Gesetz" <strong>der</strong><br />
Nachfrage.<br />
Ursprünglich führte Antoine Augustin Cournot, ein französischer Mathematiker<br />
und Philosoph, 1838 die Kurve <strong>der</strong> Nachfrage ein. Er führte auch das Konzept<br />
<strong>der</strong> Elastizität ein. In <strong>der</strong> Volkswirtschaft wird mit Elastizitäten untersucht, wie<br />
Angebot und Nachfrage auf einem Markt auf Preis- o<strong>der</strong><br />
Einkommensän<strong>der</strong>ungen reagieren.<br />
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung<br />
Ein Beispiel zur Nachfrage <strong>–</strong> Grafikkarten im Jahr 2020<br />
Im Jahr 2020 wurden Grafikkarten <strong>der</strong> Marken NVIDIA und AMD verwendet<br />
für Playstation 5-Spielkonsolen und Microsoft Xbox X-Konsolen. Die<br />
Grafikkarten wurden aber auch in Desktop-Geräten und Laptops montiert.<br />
Die Nachfrage nach <strong>der</strong> Grafikkarte stieg aufgrund <strong>der</strong> massiven Verkäufe<br />
<strong>der</strong> Geräte. In <strong>der</strong> Konsequenz kam es zu z. B. bei <strong>der</strong> Playstation 5 zu<br />
Lieferverzögerungen von mehreren Monaten. Die Grafikkarten waren<br />
komplett ausverkauft.<br />
Die Ursache? Die Covid-19-Pandemie führte zu Hin<strong>der</strong>ungen o<strong>der</strong> auch<br />
Schliessungen von verschiedenen Montagewerken <strong>der</strong> Grafikkarte in den<br />
USA. In <strong>der</strong> gleichen Zeit ist die Nachfrage von verschiedenen Geräten um<br />
175 Prozent gestiegen. Das Angebot <strong>der</strong> Grafikkarte konnte nicht gedeckt<br />
werden, die Preise <strong>der</strong> noch vorhandenen Grafikkarten haben sich<br />
verdreifacht.<br />
269
2.2.2 Das Angebot<br />
Das Angebot ist die Menge eines Produktes, das vom Verkäufer zu einem<br />
bestimmten Preis angeboten wird. Ein Angebot kann aus verschiedensten<br />
Warengruppen entstehen. Warengruppen sind:<br />
1. Produkte <strong>der</strong> Landwirtschaft: Obst und Gemüse<br />
2. Energiequellen: fossile Energie (Erdöl), regenerative Energie (Sonnenenergie),<br />
Kernenergie<br />
3. Textilindustrie: Bekleidung<br />
4. Papier und Pappe: Verpackungen<br />
5. Le<strong>der</strong>, Gummi und Kunststoffe: Sattel für Pferde, Reifen, Aufbewahrungsboxen<br />
6. Chemische Produkte: pharmazeutische Produkte<br />
7. Steine und Erden: Glas und Baustoffe<br />
8. Metalle: Eisen und Stahl, Metallerzeugnisse<br />
9. Maschinen, Elektronik: Industriemaschinen, Haushaltsgeräte<br />
10. Fahrzeuge: PKW, LKW, Luftfahrzeuge<br />
11. Instrumente, Uhrmacherei: Präzisionsinstrumente, Uhren, Schmuck<br />
12. An<strong>der</strong>e Waren: Möbel, Spielzeuge<br />
13. Edelmetalle: Kunstgegenstände, Gold, Platin<br />
Mehr als hun<strong>der</strong>t Jahre nach <strong>der</strong> Einführung <strong>der</strong> Nachfragekurve führte <strong>der</strong><br />
britische Ökonom Alfred Marshall die Angebotskurve ein.<br />
270
Wie funktioniert das Angebot?<br />
Vertreter <strong>der</strong> EnterSite AG besuchen eine 3D-Druck-Messe. Es gibt vier<br />
Anbieter von 3D-Druck, die das gesuchte Produkt im Sortiment haben. Das<br />
Marktangebot entspricht somit <strong>der</strong> Menge vier. Die Angebotsmenge ist<br />
abhängig vom Preis des Gutes. Je höher <strong>der</strong> Preis ist, desto grösser wird die<br />
angebotene Menge. Kommt es zu einer Preissteigerung, dann würden auch<br />
mehr Verkäufer auf den Markt kommen, weil das Geschäft besser ist.<br />
Dadurch steigt das Marktangebot. Es ist das "Gesetz" des Angebots.<br />
Dieses empirische Prinzip nennt sich: Das Gesetz von Angebot und Nachfrage<br />
271
2.2.3 Das Marktgleichgewicht<br />
Das Gesetz von Angebot und Nachfrage bezieht sich oft auf das<br />
Gleichgewicht auf einem Markt: das Marktgleichgewicht. In einem Markt, bei<br />
dem Marktgleichgewicht herrscht, gelten folgende Regeln:<br />
Wenn die Preise steigen...<br />
• ...nimmt die angebotene Menge nimmt zu. Die Erzeuger werden ermutigt,<br />
mehr Güter anzubieten (zu produzieren), die Inhaber dieser Produkte sind<br />
interessiert, sich von den Produkten zu trennen (zu verkaufen).<br />
• ...sinkt die verlangte Menge. Je höher die Preise, desto weniger Käufer sind<br />
bereit zu kaufen.<br />
Wenn die Preise sinken...<br />
• … sinkt die angebotene Menge. Die Erzeuger haben weniger Anreize, zu<br />
produzieren. Inhaber sind nicht interessiert zu verkaufen.<br />
• … steigt die verlangte Menge. Je tiefer die Preise sind, desto mehr sind die<br />
Käufer bereit zu kaufen.<br />
272
2.3 Der Bestellprozess<br />
Beim Bestellprozess halten die Beteiligten ihre Abmachungen rechtlich fest,<br />
stellen sie dar und kontrollieren sie.<br />
2.3.1 Die Offerte<br />
Damit ein Markt entsteht, benötigt es einen Kauf. Damit es zu einem Kauf<br />
kommen kann, wird oft eine Offerte gemacht.<br />
Der Bestellprozess wird von einem ungedeckten Bedürfnis eines Kunden<br />
angestossen. Der Kunde hat die Möglichkeit, verschiedene Anbieter<br />
auszuwählen und zu kontaktieren. Hat er das Bedürfnis, seine Bestellung bei<br />
mehreren möglichen Lieferanten prüfen zu lassen, so kann er sich für die<br />
Arbeit mit einer Offerte entscheiden. Seine Anfrage sendet er an die Auswahl<br />
von möglichen Lieferanten und bittet sie, eine Offerte zu erstellen. Es ist keine<br />
Pflicht, vor dem Kauf eine Offerte zu erstellen. Hat <strong>der</strong> Kunde seinen<br />
Lieferanten schon gewählt, kann er die Offertphase überspringen und gleich<br />
eine Bestellung auslösen.<br />
Wenn <strong>der</strong> Kunde eine Offerte einholt, muss er in seiner Anfrage die<br />
wichtigsten Erwartungen nennen. Damit <strong>der</strong> Lieferant eine Offerte erstellen<br />
kann, muss in <strong>der</strong> Anfrage mindestens Folgendes kommuniziert werden:<br />
• <strong>der</strong> gewünschte Artikel<br />
• die Menge<br />
• <strong>der</strong> Liefertermin<br />
• die Lieferadresse<br />
Achtung: Die durch den möglichen Lieferanten erstellte Offerte weist ein<br />
Gültigkeitsdatum auf. Bis zu diesem Termin verpflichtet sich <strong>der</strong> mögliche<br />
Lieferant, den Inhalt <strong>der</strong> Offerte zu leisten. Sollten sich die<br />
273
Rahmenbedingungen aufgrund von Anpassungen durch den Kunden<br />
än<strong>der</strong>n, ist die Offerte nicht mehr gültig. Wird die Offerte durch den Kunden<br />
bestätigt, wird <strong>der</strong> festgelegte Inhalt für beide Parteien eingehalten. Im<br />
Bestellprozess folgt durch die Bestätigung die Bestellung.<br />
2.3.2 Die Bestellung<br />
Wenn eine Offertphase stattgefunden hat, basiert die Bestellung auf den<br />
Angaben in <strong>der</strong> Offerte. Hat keine Offertphase stattgefunden, wird in dieser<br />
Phase <strong>der</strong> genaue Inhalt definiert und bestätigt.<br />
Die Bestellung hat einen verbindlichen Charakter. Ist es zu einer Bestellung<br />
gekommen, müssen sich beide Partien an <strong>der</strong>en Inhalt halten.<br />
Recht<br />
Pflicht<br />
Käufer<br />
Den Kaufgegenstand und das<br />
Eigentum daran erhalten<br />
Bei einem Mangel: Eine<br />
Ersatzlieferung, Min<strong>der</strong>ung<br />
o<strong>der</strong> einen Ersatz erhalten<br />
Den Kaufpreis bezahlen<br />
Verkäufer Erhalt des Kaufpreises Den Kaufgegenstand dem<br />
Käufer übergeben und ihm das<br />
Eigentum daran überlassen<br />
Wenn <strong>der</strong> Inhalt einer Bestellung nicht eingehalten wird, sind beide Parteien<br />
gefor<strong>der</strong>t, eine gemeinsame Lösung zu finden. Kann keine Lösung gefunden<br />
werden, werden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) o<strong>der</strong><br />
rechtliche Inhalte gemäss Obligationenrecht (OR) konsultiert.<br />
274
Eine Bestellung beinhaltet mindestens:<br />
• den gewünschten Artikel (Artikelnummer und Beschreibung)<br />
• die Menge<br />
• den Liefertermin<br />
• die Lieferadresse<br />
• den Preis<br />
2.3.3 Die Auftragsbestätigung<br />
Eine Auftragsbestätigung ist in <strong>der</strong> Regel ein schriftliches Dokument, zum<br />
Beispiel ein E-Mail, das die Annahme eines Auftrags bestätigt. Im<br />
Bestellprozess bedeutet das Dokument eine Bestätigung für den Erhalt und<br />
den Inhalt <strong>der</strong> Bestellung.<br />
275
276<br />
Das Beispiel einer Auftragsbestätigung aus <strong>der</strong> EnterSite AG
2.3.4 Die Rechnung<br />
Der Abschluss des Bestellprozesses erfolgt mit <strong>der</strong> Rechnung. Die Ware wurde<br />
gemäss <strong>der</strong> Auftragsbestätigung geliefert und das Eigentum daran<br />
übergeben. Der Kunde bezahlt nach Obligationenrecht zum vereinbarten<br />
Zeitpunkt die vereinbarte Summe.<br />
Gleich wie die Auftragsbestätigung ist die Rechnung an keine einheitliche<br />
Form gebunden. Das Layout und die Darstellung können frei gewählt werden.<br />
Eine Rechnung beinhaltet mindestens:<br />
• Name und Adresse des Lieferanten<br />
• MWST-Nummer des Lieferanten<br />
• Name und Adresse des Empfängers<br />
• Lieferdatum<br />
• genaue Bezeichnung <strong>der</strong> Lieferung o<strong>der</strong> Dienstleistung<br />
• Preis<br />
• angewandter Mehrwegsteuerbetrag<br />
• Signatur<br />
277
Modul 303_Prozess Warenannahme<br />
Ausgangslage<br />
Der Prozess <strong>der</strong> Warenannahme muss zwischen <strong>der</strong> Einkaufsabteilung und<br />
den zuständigen Personen in <strong>der</strong> Warenannahme definiert werden. Eine<br />
Lieferung, welche am Freitagnachmittag kurz vor Feierabend unerwartet<br />
eintrifft, sorgt oft für Unmut und unkonzentriertes Arbeiten. Mitarbeitende<br />
fragen sich vielleicht: Muss diese Lieferung tatsächlich am Freitagnachmittag<br />
eintreffen? Ist es notwendig, die Warenannahme mit dieser Lieferung zu<br />
überraschen?<br />
Der ganze Wareneingangsprozess hat für jedes Unternehmen eine grosse<br />
Wichtigkeit. Alle Tätigkeiten werden so umgesetzt, dass möglichst keine Fehler<br />
entstehen können. Ein schnelles und unkonzentriertes Arbeiten kurz vor dem<br />
Wochenende kann eine mögliche Fehlerquelle sein. Es gilt, Wege zu finden,<br />
um solche Fehlerquellen zu umgehen.<br />
Konzentration ist gefragt<br />
Es ist allgemein bekannt, dass man für eine gute Konzentrationsfähigkeit vor<br />
allem genug Schlaf benötigt, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und sich<br />
am besten in einer angenehmen Arbeitsumgebung aufhalten sollte. Auch<br />
frische Luft hilft dabei, wie<strong>der</strong> zu geistigen Kräften zu kommen. Allerdings läuft<br />
nicht immer alles wie geplant, und es gibt Tage, an denen nicht all diese<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen erfüllt sind: Der Arbeitstag war bisher stressig, du bist von einer<br />
Tätigkeit zur an<strong>der</strong>en gegangen, warst ständig unter Druck und hast<br />
nebenbei noch Arbeiten von Kollegen erledigt. Eine dringende<br />
Warenannahme ist noch offen, aber es fehlt an Konzentration.<br />
1. Rückwärts erinnern<br />
Weisst du noch, was du in <strong>der</strong> letzten halben Stunde alles gemacht hast?<br />
Gehe alle Schritte im Kopf durch, aber denke dabei rückwärts. Beginne mit<br />
dem letzten Ereignis und gehe die halbe Stunde Stück für Stück rückwärts<br />
durch. Alternativ kannst du dir auch überlegen, wo du vor drei Mausklicks<br />
warst. Diese Übung bietet sich zum Beispiel an, wenn du eine<br />
Internetrecherche betreibst. Mogeln und in den Verlauf schauen gilt natürlich<br />
nicht. Du wirst merken, es ist gar nicht so leicht. Dafür kommst du zur Ruhe und<br />
deine Konzentration wird angeregt.<br />
278
-<br />
-<br />
-<br />
2. Die Wörter im Wort finden<br />
Suche ein beliebiges Wort aus und überlege, wie viele zusätzliche Begriffe sich<br />
in diesem Wort befinden, indem du die vorhandenen Buchstaben neu<br />
kombinierst. Du wirst überrascht sein, wie viel man findet. Hier ein paar<br />
Beispiele:<br />
• Berufsunfähigkeitsversicherung: heiter, Bär, Heu, Tier, Tee, Fee, rufen<br />
• Altersvorsorge: See, Rose, Ass, Vater, Elster, Reste, Regel<br />
• Konzentrationsübung: gut, Ration, Trotz, nett, Trio, kurz, Büro, Tier<br />
Das gewählte Wort:<br />
Zusätzliche Begriffe:<br />
-<br />
-<br />
-<br />
3. Rückwärts schreiben<br />
Nimm ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand und suche dir ein beliebiges<br />
Wort aus, zum Beispiel Arbeitsplatz. Schreibe dieses Wort einmal in<br />
Druckbuchstaben auf. Versuche nun, dieses Wort rückwärts und mit<br />
gespiegelten Buchstaben aufzuschreiben. Das regt die Konzentration an.<br />
4. Quersumme berechnen<br />
Nimm deine eigene Handynummer und bilde die Quersumme,<br />
selbstverständlich im Kopf. Diese Übung kannst du auch mit einer beliebigen<br />
an<strong>der</strong>en Zahl, zum Beispiel mit <strong>der</strong> Nummer deines Kollegen, deiner Kollegin<br />
279
machen. Werde kreativ! Du kannst diese Übung auch mit Kollegen machen<br />
und so den Kampfgeist in dir wecken.<br />
Bsp. Handynummer 077 208 55 23 = Quersumme = 0 + 7 + 7 + 2 + 0 + 8 + 5 + 5<br />
+ 2 + 3 = 39<br />
5. Massage als Über-Kreuz-Übung<br />
Massiere dein rechtes Ohr mit deiner linken Hand und anschliessend dein<br />
linkes Ohr mit <strong>der</strong> rechten Hand. Knete dein gesamtes Ohr durch, auch deine<br />
Ohrläppchen, bis sich dein Ohr gut durchblutet und warm anfühlt. Die Form<br />
<strong>der</strong> Ohrmuschel ähnelt <strong>der</strong> Form eines Embryos in Kopflage, wobei das<br />
Ohrläppchen den Kopf darstellt. Dementsprechend ist die Ohrmuschel eine<br />
Repräsentation deines Körpers und daher hat die Massage deiner Ohren eine<br />
beson<strong>der</strong>e Wirkung auf den ganzen Körper. Dadurch, dass du diese Übung<br />
über Kreuz durchführst, werden zusätzlich deine Gehirnhälften aktiviert und<br />
deine Intuition und dein Verstand kommen in Einklang.<br />
Und nun, ab in den Prozess <strong>der</strong> Warenannahme!<br />
280
Fachartikel Modul 303<br />
3. Prozess Warenannahme<br />
3.1 Annahme von Gütern<br />
Eine <strong>der</strong> wichtigsten Tätigkeiten in <strong>der</strong> Logistik ist die Annahme <strong>der</strong> Güter. Ist<br />
<strong>der</strong> Prozess <strong>der</strong> Warenbeschaffung ausgelöst, folgt die Entgegennahme <strong>der</strong><br />
Ware.<br />
3.1.1 Die Rechtsgrundlage<br />
Der Eingang von Waren erfolgt aus verschiedenen Gründen. Die folgenden<br />
drei Situationen treten in <strong>der</strong> Logistik häufig auf. Der Gesetzgeber hat sie im<br />
Obligationenrecht (OR) geregelt:<br />
Annahme als Käufer einer beweglichen Sache<br />
Betrifft hauptsächlich die Versorgungslogistik<br />
Sechster Titel: Kauf und Tausch<br />
Artikel 184 - 186 OR: Erster Abschnitt Rechte und Pflichten im Allgemeinen<br />
Artikel 187 - 215 OR: Zweiter Abschnitt Der Fahrniskauf<br />
(Der internationale Güterverkehr unterliegt dem "Wiener Kaufrecht")<br />
Annahme als Frachtführer<br />
Betrifft hauptsächlich die Transportlogistik<br />
Sechzehnter Titel: Der Frachtvertrag<br />
Artikel 440 - 457 OR<br />
Annahme zur Aufbewahrung<br />
Betrifft hauptsächlich die Lagerlogistik<br />
281
Neunzehnter Titel: Der Hinterlegungsvertrag<br />
Artikel 472 - 491 OR<br />
Zum Obligationenrecht (OR)<br />
3.2 Annahme als Käufer einer beweglichen Sache (Fahrniskauf)<br />
Die Bestimmungen zur Annahme als Käufer finden sich in Artikel 184 Absatz 1<br />
und 2 OR. Das Gesetz gibt Folgendes vor:<br />
• Durch den Kaufvertrag verpflichtet sich <strong>der</strong> Verkäufer, dem Käufer den<br />
Kaufgegenstand zu übergeben und <strong>der</strong> Käufer verpflichtet sich, dem<br />
Verkäufer den Kaufpreis zu bezahlen.<br />
• Wenn nichts an<strong>der</strong>es abgemacht wurde, sind Verkäufer und Käufer<br />
verpflichtet, ihre Leistungen (übergeben und zahlen) gleichzeitig zu erfüllen<br />
("Zug um Zug")<br />
• Der Preis ist genügend bestimmt, wenn er nach den Umständen bestimmbar<br />
ist.<br />
Zur Erinnerung aus dem Modul 302:<br />
Recht<br />
Pflicht<br />
Käufer<br />
Den Kaufgegenstand und das<br />
Eigentum daran erhalten<br />
Bei einem Mangel: Eine<br />
Ersatzlieferung, Min<strong>der</strong>ung<br />
o<strong>der</strong> einen Ersatz erhalten<br />
Den Kaufpreis bezahlen<br />
Verkäufer<br />
Erhalt des Kaufpreises<br />
282
Den Kaufgegenstand dem<br />
Käufer übergeben und ihm das<br />
Eigentum daran überlassen<br />
3.2.1 Annahme beim Kauf "Zug um Zug"<br />
"Zug um Zug" bedeutet, dass jede Partei nacheinan<strong>der</strong> ihren Anteil am<br />
Geschäft erfüllt.<br />
1. Zug: Im Laden nehme ich das gewünschte Objekt aus dem Regal.<br />
2. Zug: An <strong>der</strong> Kasse zahle ich den Gegenwert in Geld, bevor ich den Laden<br />
verlasse.<br />
3.2.2 Kauf auf Rechnung<br />
"Zug um Zug" ist eine grundlegende Regel für den Kauf. Das heisst,<br />
grundsätzlich muss <strong>der</strong> Betrag sofort nach Eingang <strong>der</strong> Ware beglichen<br />
werden. Einige Anbieter gewähren jedoch eine Zahlungsfrist von zehn Tagen<br />
o<strong>der</strong> sogar von einem Monat (30 Tage).<br />
Abwicklung eines Kaufs auf Rechnung:<br />
1. Ein Kaufvertrag wird ausgehandelt und unterzeichnet.<br />
2. Der Verkäufer liefert die vom Käufer bestellte Ware ab.<br />
3. Der Käufer bestätigt den Eingang <strong>der</strong> Ware. Diese Ware gilt als<br />
entgegengenommen. Sie befindet sich nun in <strong>der</strong> Obhut des Käufers, aber<br />
noch nicht in seinem Besitz.<br />
4. Der Verkäufer stellt eine Rechnung für die gelieferte Ware.<br />
5. Der Käufer überweist den Betrag innerhalb einer vom Lieferanten<br />
vorgesehenen Zahlungsfrist.<br />
Von nun an gehört die Ware dem Käufer.<br />
283
Schematische Darstellung des Material- und Informationsfluss<br />
Merke: Du kannst eine "Checkliste" erstellen, welche dir hilft,<br />
Entscheidungen zu treffen, die bei <strong>der</strong> Annahme von Waren in bestimmten<br />
Situationen getroffen werden müssen. Alle Abweichungen müssen deinem<br />
Vorgesetzten gemeldet werden.<br />
3.3 Die geplante und die nicht geplante Warenannahme<br />
3.3.1 Geplante Warenannahme<br />
Ist ein Wareneingang in Hinsicht auf Termin, Art und Menge bekannt, spricht<br />
man von einer geplanten Warenannahme. Der Wareneingang kann im<br />
Voraus geplant werden. Folgendes kann vorbereitend getan werden:<br />
284
• Verla<strong>der</strong>ampe reservieren<br />
• Platz in <strong>der</strong> Wareneingangszone reservieren<br />
• notwendige Dokumente vorbereiten<br />
• Hilfsmittel (Leerpaletten, Gabelstapler, Prüfmittel usw.) bereitstellen<br />
• Hilfspersonal organisieren<br />
• Lagerplatz bestimmen<br />
Diese Vorbereitungen führen dazu, dass <strong>der</strong> Wareneingang schnell und<br />
unkompliziert stattfinden kann. Entsprechend können Aufwand und Kosten<br />
klein gehalten werden.<br />
❗ Vorsicht: Wenn <strong>der</strong> LKW-Fahrer vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> für das Entladen<br />
vorgesehenen Zeit eintrifft, kann ihm <strong>der</strong> Zugang verweigert werden. Er muss<br />
sich unbedingt an das ihm zugewiesene Zeitfenster halten. Abweichungen<br />
(Stau, Unfall, Zollverzögerungen, usw.) sollten so früh wie möglich vom<br />
Frachtführer bekannt gegeben werden, damit <strong>der</strong> Wareneigang neu geplant<br />
werden kann.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis - Geplanter Wareneingang in einem Enterprise<br />
Ressource Planning (ERP)<br />
Für eine geplante Warenannahme müssen die Bestellungen im ERP<br />
(Erklärung folgt in Modul 804) erfasst werden, um den Eingangstermin, die<br />
Artikel und die Mengen kontrollieren und bestätigen zu können. Die Daten,<br />
welche im ERP erfasst sind und von <strong>der</strong> Logistik bearbeitet werden, können<br />
jeweils sofort von weiteren Mitarbeitenden eingesehen werden.<br />
285
Eine erfasste Warenannahme in einem ERP könnte wie folgt aussehen:<br />
Für die Wareneingangskontrolle werden folgende Informationen aufgeführt:<br />
• Lieferant<br />
• Buchungsdatum / Art <strong>der</strong> Lieferdokumente<br />
• Artikelnummer<br />
• Artikelbezeichnung<br />
• Bestellte Menge<br />
• Tatsächlich gelieferte Menge (Eingabe durch die kontrollierende Person)<br />
• Lagerort<br />
• Verfügbarkeit (frei verfügbar, Sperrbestand, Qualitätsprüfung etc.)<br />
3.3.2 Nicht geplante Warenannahme<br />
Bei <strong>der</strong> ungeplanten Warenannahme handelt es sich um eine Lieferung, bei<br />
<strong>der</strong> vorgängig we<strong>der</strong> Liefertermin noch die eingetroffene Menge bekannt<br />
waren. Der Termin wurde im Voraus nicht vereinbart o<strong>der</strong> die Meldung über<br />
die Lieferung ist nicht bis zur Warenannahme gelangt.<br />
286
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis <strong>–</strong> Nicht geplante Warenannahme bei <strong>der</strong> Post<br />
Am Postschalter kommen die Kunden unangemeldet mit ihren Waren vorbei.<br />
Kein Kunde meldet seine Ankunft an und teilt <strong>der</strong> Post vorgängig mit, welche<br />
Pakete und Briefe er versenden möchte. Aus Sicht <strong>der</strong> Post handelt es sich<br />
um eine unangemeldete Warenannahme.<br />
Im Lager sind nicht geplante Lieferungen möglichst zu verhin<strong>der</strong>n. In <strong>der</strong><br />
Regel führt eine Bestellung zu einer Lieferung - die Information müsste im<br />
Unternehmen also vorhanden sein. Wurde die Lieferung nicht angekündigt,<br />
ist oft eine fehlende o<strong>der</strong> fehlerhafte Kommunikation zwischen Einkauf und<br />
Logistik <strong>der</strong> Grund für eine ungeplante Warenannahme.<br />
287
Modul 304_Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />
Ausgangslage<br />
Unabhängig davon, wer die Ware bestellt, wann und weshalb sie bestellt<br />
wurde: Die Lieferung liegt physisch in <strong>der</strong> EnterSite AG vor. In diesem Modul<br />
geht es um die Identifikation <strong>der</strong> Lieferung. Bei <strong>der</strong> Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />
ist konzentriertes und genaues Arbeiten die Voraussetzung für gutes Gelingen.<br />
Zudem muss mit dem Frachtführer richtig kommuniziert werden - wenn nötig<br />
muss man auch eine unangenehme Situation aushalten können.<br />
Das eigene Verhalten im Austausch mit dem Frachtführer sollte stets korrekt<br />
sein. Beide Parteien erleben Arbeitstage, an denen es sehr viel zu tun gibt.<br />
Genau in solchen Situationen ist <strong>der</strong> gegenseitige Respekt elementar.<br />
288
Fachartikel Modul 304<br />
4. Identifikation <strong>der</strong> Lieferung<br />
Wenn <strong>der</strong> Frachtführer auf dem Gelände <strong>der</strong> EnterSite AG einfährt, ist die<br />
Ware physisch eingetroffen. Unabhängig davon, ob die Lieferung geplant<br />
o<strong>der</strong> ungeplant ist, muss die Ware identifiziert werden:<br />
Identifikation = Etwas o<strong>der</strong> jemanden eindeutig erkennen, wie<strong>der</strong>erkennen<br />
o<strong>der</strong> jemanden mit<br />
etwas o<strong>der</strong> jemanden an<strong>der</strong>en gleichsetzen, in Übereinstimmung<br />
bringen.<br />
4.1 Global-Identifikation<br />
Beim Wareneingang stellt sich als erstes die Frage: Ist die Ware für uns<br />
bestimmt? Dieser erste Schritt wird als "Global-Identifikation" bezeichnet. Der<br />
Frachtführer wird um die Begleitpapiere für die Waren gebeten, damit die<br />
genaue Lieferadresse des Empfängers überprüft werden kann. Es wäre nicht<br />
wirtschaftlich und Zeitverschwendung, die gesamte Lieferung zu entladen<br />
und dann zu erkennen, dass sie überhaupt nicht für die EnterSite AG bestimmt<br />
ist.<br />
Dieser Vorgang findet auch im privaten Bereich statt: Man kontrolliert die<br />
Adresse, bevor man eine Postsendung öffnet.<br />
4.1.1 Öffnen <strong>der</strong> Transportfahrzeuge<br />
Um die genaue Identifizierung vornehmen zu können, müssen die<br />
Transportfahrzeuge geöffnet werden. Bei <strong>der</strong> Öffnung ist es wichtig, auf<br />
Folgendes zu achten:<br />
Öffnen von einem Lastwagen<br />
289
Werden die Güter auf <strong>der</strong> Strasse geliefert, kann <strong>der</strong> Frachtführer das<br />
Fahrzeug nach <strong>der</strong> Global-Identifikation öffnen. Vor <strong>der</strong> Entladung müssen<br />
allerdings immer die Sicherheitsvorschriften des Unternehmens beachtet<br />
werden. Sind alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, kann <strong>der</strong> Ablad<br />
ausgeführt werden.<br />
Öffnen von Bahntransporten, Aufliegern und Containern<br />
Bahntransport Container Auflieger<br />
Bei unbegleiteten Transporten (kein Frachtführer da), wird <strong>der</strong> Bahnwagen,<br />
Container o<strong>der</strong> Auflieger von aussen begutachtet (Zustand). Sind die<br />
notwendigen Lieferdokumente da und die Sicherheitsvorkehrungen getroffen,<br />
kann die Einheit geöffnet werden.<br />
4.1.2 Zollplombe<br />
Stammt die Lieferung aus dem Ausland, wird die Arbeit zusätzlich erschwert.<br />
Zollvorschriften müssen bekannt sein und umgesetzt werden. Ist die<br />
eingetroffene Lieferung mit einer Zollplombe gesichert, ist beson<strong>der</strong>e Vorsicht<br />
angebracht.<br />
Zollplomben an Lastwagen, Sattelanhängern o<strong>der</strong> Containern dürfen auf<br />
keinen Fall verschnitten o<strong>der</strong> gelöst werden. Die versiegelten Behälter müssen<br />
nach den Vorschriften des Unternehmens geöffnet werden. In einigen Fällen<br />
muss ein Spezialist <strong>der</strong> Zollverwaltung o<strong>der</strong> eine vom Unternehmen dafür<br />
ermächtigte Person zur Öffnung herangezogen werden. Das Verfahren muss<br />
auf jeden Fall vorher abgeklärt werden.<br />
290
Zollplomben dürfen nur durchgetrennt o<strong>der</strong> gelöst werden, wenn die notwendigen Papiere vorliegen<br />
o<strong>der</strong> wenn eine<br />
Fachperson <strong>der</strong> Zollbehörde das Einverständnis gegeben hat. In jedem Fall sind die betrieblichen<br />
Anweisungen<br />
einzuhalten.<br />
4.1.3 Erster Eindruck<br />
Nach dem Öffnen <strong>der</strong> Türen ermöglicht ein kurzer Blick in <strong>der</strong> Regel einen<br />
ersten Eindruck über den Zustand <strong>der</strong> eintreffenden Güter. Wurde die Ladung<br />
während des Transports verschoben o<strong>der</strong> sind Paletten-Ladungen umgekippt,<br />
kann man daraus schliessen, dass die Transportbelastung für die Ladung zu<br />
gross war und die Waren während des Transports Schäden erlitten haben.<br />
Das wäre zu wünschen :)<br />
Schon von aussen ist zu erkennen, dass mit<br />
beschädigten Gütern zu rechnen ist.<br />
Es ist bedeutend schwieriger, Schäden im Zusammenhang mit klimatischen<br />
Bedingungen zu erkennen (z. B. Feuchtigkeit o<strong>der</strong> Temperatur), da diese nicht<br />
ohne weiteres erkennbar sind. Waren aus dem internationalen Verkehr<br />
291
müssen beson<strong>der</strong>s sorgfältig geprüft werden. Wenn nötig müssen spezielle<br />
Qualitätskontrollstellen in Anspruch genommen werden.<br />
4.2 Detail-Identifikation<br />
Wenn erfolgreich festgestellt wurde, dass die Lieferung für die EnterSite AG<br />
bestimmt ist, das Fahrzeug, <strong>der</strong> Bahnwagen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Container geöffnet ist<br />
und die Ware einen guten Eindruck macht, wird kontrolliert, ob die richtige<br />
Ware geliefert wurde. Dieser zweite Schritt <strong>der</strong> Identifikation wird Detail-<br />
Identifikation genannt. Es stellen sich die folgenden Fragen:<br />
• Wer ist <strong>der</strong> Lieferant?<br />
• Sind Lieferpapiere vorhanden?<br />
• Ist eine Zollplombe vorhanden, die nicht geöffnet werden darf?<br />
• Bei Waren aus dem Ausland: Sind die Zollpapiere vollständig?<br />
• Stimmen die Artikelnummern o<strong>der</strong> Warenbezeichnungen mit den<br />
Angaben auf dem Lieferschein überein?<br />
• Stimmt die Anzahl <strong>der</strong> gelieferten Pakete o<strong>der</strong> Paletten mit <strong>der</strong><br />
Information auf dem Lieferschein überein?<br />
E_B04_001_Warenannahme - äussere & innere Kontrolle<br />
einfach erklärt - Warenabnahme bei Bestellungen<br />
4.3 Begleitpapiere für Waren<br />
Wie bei <strong>der</strong> Global-Identifikation beschrieben, hat <strong>der</strong> Frachtführer die<br />
Begleitpapiere vorzuweisen. Im Rahmen des grenzüberschreitenden<br />
Güterverkehrs, sei es auf dem Strassen-, Schienen-, Luft- o<strong>der</strong> Seeweg, haben<br />
die Gesetzgeber Verordnungen über die den Transport begleitenden<br />
292
Dokumente erlassen. Diese Begleitpapiere sind auch im Rahmen des<br />
Binnenverkehrs Vorschrift. Demnach gibt es bei <strong>der</strong> Global-Identifikation<br />
folgende Dokumente:<br />
4.3.1 Der Transportschein<br />
Beim Transportschein handelt es sich um den vom Frachtunternehmen<br />
ausgestellten Beför<strong>der</strong>ungsauftrag. Darauf angegeben sind <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong>,<br />
<strong>der</strong> Empfänger, Art und Menge <strong>der</strong> Waren, das Bruttogewicht, die<br />
Liefereinheit und gegebenenfalls <strong>der</strong> Zollwert sowie beson<strong>der</strong>e Anweisungen.<br />
Der Transportschein erlaubt es dem Frachtführer, seinen Lohn von<br />
Transportunternehmen zu verlangen. Dieses Dokument muss nach dem<br />
Transport nicht aufbewahrt werden, ausser es gibt an<strong>der</strong>slautende<br />
betriebliche Bestimmungen. Das Layout kann frei gewählt werden. Der<br />
Transportschein muss mindestens folgende Informationen enthalten:<br />
• Die Anschrift des Absen<strong>der</strong>s<br />
• Die Anschrift des Empfängers<br />
293
4.3.2 Übereinkommen über den Beför<strong>der</strong>ungsvertrag im internationalen<br />
Strassengüterverkehr<br />
(CMR)<br />
Der CMR-Frachtbrief im Strassengüterverkehr<br />
Der sogenannte CMR-Frachtbrief entspricht den Regelungen im<br />
"Übereinkommen über den Beför<strong>der</strong>ungsvertrag im internationalen<br />
Strassengüterverkehr". Der Frachtbrief ist gültig für sämtliche entgeltliche<br />
Beför<strong>der</strong>ungen von Waren und Gütern auf <strong>der</strong> Strasse. Ein CMR deckt vor<br />
allem Lieferungen über Landesgrenzen hinweg in weitere beteiligten Staaten<br />
inner- und ausserhalb <strong>der</strong> EU. Vor dem Transport muss <strong>der</strong> Frachtbrief<br />
ausgefüllt und dem Frachtführer ausgehändigt werden, damit dieser ihn den<br />
berechtigten Instanzen, wie z. B. dem Zoll, vorlegen kann.<br />
294
Ein CMR-Frachtbrief ist nötig, wenn mindestens einer <strong>der</strong> beiden beteiligten<br />
Staaten - entwe<strong>der</strong> jener <strong>der</strong> Beladung o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Entladung - Teil des<br />
Übereinkommens sind. Dazu gehören neben <strong>der</strong> Schweiz auch alle Län<strong>der</strong><br />
<strong>der</strong> EU sowie Nicht-EU-Staaten wie Russland, die Türkei o<strong>der</strong> Island.<br />
Beson<strong>der</strong>heiten des CMR-Frachtbriefes<br />
Für diese Art von Frachtbrief gemäss CMR gelten einige Beson<strong>der</strong>heiten:<br />
• Der Frachtbrief ist stets in drei Originalausfertigungen mitzuführen und<br />
sowohl vom Absen<strong>der</strong> als auch dem Frachtführer zu unterzeichnen.<br />
• Der CMR-Frachtbrief muss gemäss Artikel 6 CMR geson<strong>der</strong>te Angaben<br />
zur transportierten Ware sowie weitere spezifische Informationen<br />
enthalten.<br />
• Der Frachtbrief besitzt gemäss Artikel 9 CMR eine sogenannte<br />
"Beweiswirkung".<br />
• Der CRM regelt geson<strong>der</strong>te Prüfpflichten für den Frachtführer.<br />
In <strong>der</strong> Praxis äussern sich diese Bestimmungen im Regelfall wie folgt: Die<br />
Waren werden als Tätigkeit <strong>der</strong> Intralogistik als Frachtgut noch im Lager<br />
kommissioniert. Ihr Transport findet anschliessend auf EU-Paletten über den<br />
Warenausgang statt, wo sie in die Extralogistik übergehen. Ist die Ware<br />
verladen, wird <strong>der</strong> Frachtbrief erstellt und von den betreffenden Personen<br />
unterschrieben. In vielen Schweizer Betrieben findet dieser Prozess bereits<br />
vollautomatisch und zu grossen Teilen digitalisiert statt. Der CMR-Frachtbrief ist<br />
in erster Linie wichtig, um die Haftung bei Transportschäden sowie weiteren<br />
Belangen zu regeln.<br />
4.3.3 Die Wagenetikette<br />
Die Wagenetikette wird für den Schienenverkehr verwendet. Diese werden<br />
per E-Mail übermittelt und die Daten auf einem Transpon<strong>der</strong> gesichert. Die<br />
auf dem Transpon<strong>der</strong> gesicherten Daten werden mit dem Beför<strong>der</strong>ungsplan<br />
dem Lokführer als Auftrag übergeben. Die Wagenetikette, <strong>der</strong> Transpon<strong>der</strong>,<br />
gibt Aufschluss über:<br />
• den Absen<strong>der</strong><br />
• den Empfänger<br />
• Anzahl und Bezeichnung <strong>der</strong> Transporteinheiten<br />
295
• das Gewicht <strong>der</strong> Ladung<br />
• Tauschgeräte<br />
<br />
4.3.4 Der Lieferschein<br />
Der Lieferschein informiert über die gelieferten Waren und dient <strong>der</strong> Kontrolle<br />
<strong>der</strong> Lieferung. Die im Lieferschein aufgeführten Waren werden einerseits<br />
kontrolliert um sicherzustellen, dass sie Teil <strong>der</strong> Lieferung sind, und an<strong>der</strong>erseits<br />
um sicherzustellen, dass die Lieferung <strong>der</strong> Bestellung entspricht. Unternehmen,<br />
die im Handelsregister eingetragen sind, müssen die Lieferscheine zehn Jahre<br />
aufbewahren.<br />
296
297
Korrekturen auf dem Lieferschein<br />
Im Idealfall werden die eingetroffenen Waren in Anwesenheit des<br />
Frachtführers kontrolliert, damit dieser gegebenenfalls eine Abweichung o<strong>der</strong><br />
eine Beanstandung gegenzeichnen kann. Die Unterschiede zwischen dem<br />
Lieferschein und <strong>der</strong> gelieferten Ware werden direkt auf dem Lieferschein<br />
eingetragen. Für Korrekturen gibt es keine rechtlichen Vorschriften. Man sollte<br />
jedoch nie Informationen löschen o<strong>der</strong> überdecken (z. B. mit Tipp-Ex). Die<br />
Korrekturen müssen deutlich sichtbar sein. Sowohl <strong>der</strong> Frachtführer als auch<br />
<strong>der</strong> Empfänger müssen die im Lieferschein vorgenommenen Korrekturen<br />
durch ihre Unterschrift bestätigen. Die Beanstandungen und Korrekturen im<br />
Lieferschein werden je nach Unternehmensrichtlinien unterschiedlich<br />
vorgenommen.<br />
Wichtig ist, dass die Korrekturen in schriftlicher Form erstellt werden, damit sie<br />
überprüft werden können. Mündliche Vereinbarungen mit Spediteuren<br />
(Frachtführern) können nicht nachgewiesen werden und sind daher nicht zu<br />
empfehlen. Es ist wichtig, den Lieferanten bei schwerwiegenden<br />
Beanstandungen unverzüglich zu informieren.<br />
298
299
4.4 Die Annahme unter Vorbehalt<br />
Verschiedene Gründe können dazu führen, dass <strong>der</strong> Empfänger keine<br />
gründliche Warenannahme durchführen kann. Dann besteht Möglichkeit,<br />
eine "Warenannahme unter Vorbehalt" zu machen. Dieser Vorbehalt ist auf<br />
dem Lieferschein notiert und gültig. Man muss aber einen Grund haben,<br />
einen Vorbehalt anzubringen. Nur einen "Vorbehalts-Empfang" -Stempel<br />
anzubringen, reicht nicht aus. Es wird beispielsweise ein Vorbehalt gemacht,<br />
wenn die Verpackung <strong>der</strong> gelieferten Waren beschädigt ist. Ergeben sich bei<br />
<strong>der</strong> weiteren Prüfung Mängel, ist <strong>der</strong> Empfänger befugt, innerhalb <strong>der</strong><br />
gesetzlichen Frist eine Beschwerde einzulegen und in schweren Fällen einen<br />
Ersatz zu verlangen o<strong>der</strong> vom Kaufvertrag zurückzutreten.<br />
Waren, die nicht sofort gezählt werden können, dürfen nicht vorbehaltlos<br />
akzeptiert und mit <strong>der</strong> Unterschrift bei <strong>der</strong> Annahme bestätigt werden.<br />
Bedingungen für eine gültige Annahme unter Vorbehalt sind:<br />
• Überschrift: "Annahme unter Vorbehalt" (auch von Hand möglich)<br />
• Grund<br />
• Datum<br />
• Unterschrift<br />
300
Beispiel Stempel für eine Warenannahme unter Vorbehalt:<br />
301
4.5 Grenzüberschreitende Regelungen und Verträge im internationalen<br />
Güterverkehr<br />
Der internationale Transport ist spannend. Gleichzeitig sind die Regelwerke,<br />
welche grenzüberschreitend gültig sind, eine Herausfor<strong>der</strong>ung. Zwei dieser<br />
Regelwerke sind:<br />
4.5.1 Vertrag von Maastricht<br />
Der als Vertrag von Maastricht bezeichnete europäische Vertrag wurde am 7.<br />
Februar 1992 unterzeichnet und trat am 1. . November 1993 in Kraft. Er<br />
strukturiert die Europäische Union in drei Säulen:<br />
• Die Europäische Gemeinschaft<br />
• Die Aussen- und Sicherheitspolitik<br />
• Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen.<br />
302
Für den Transport hat dieser Vertrag neue Weichen gestellt. Bis zu seinem<br />
Abschluss wurden die Verkehrsnetze vornehmlich auf nationaler Ebene<br />
geplant, was zu Inkompatibilitäten zwischen den Verkehrssystemen führte.<br />
Sechsspurige Autobahnen wurden zu einfachen Strassen, sobald die Grenze<br />
überschritten war, Züge konnten auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite <strong>der</strong> Grenze nicht mehr<br />
benutzt werden usw. Die Verkehrsströme waren damals oft zu erheblichen<br />
Umwegen gezwungen. Heute können Lokomotiven, Waggons und rollendes<br />
Personal ihre Aufgaben grenzüberschreitend ausüben.<br />
Einen weiteren Artikel zu diesem Thema findest du hier.<br />
303
4.5.2 Wiener Übereinkommen über den internationalen Warenverkauf<br />
Das Wiener Übereinkommen ist auch bekannt als "Übereinkommen <strong>der</strong><br />
Vereinten Nationen über Verträge über den internationalen Warenhandel"<br />
(CVIM). Der Vertrag wurde am 11. April 1988 in Wien von ursprünglich zehn<br />
Län<strong>der</strong>n unterzeichnet. Heute haben 89 Län<strong>der</strong> das Übereinkommen<br />
unterzeichnet. Die Mitglie<strong>der</strong> des CVIM sind verantwortlich für mehr als drei<br />
Viertel des internationalen Handels.<br />
Ziel des Übereinkommens ist die Entwicklung des internationalen Handels auf<br />
<strong>der</strong> Grundlage <strong>der</strong> Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens. Die<br />
Unterzeichnerstaaten sind damit einverstanden, einheitliche Regeln für<br />
Verträge über den internationalen Warenverkauf zu erlassen, die mit den<br />
verschiedenen Sozial-, Wirtschafts- und Rechtssystemen vereinbar sind. Die<br />
einheitlichen Regeln tragen zur Beseitigung <strong>der</strong> rechtlichen Hin<strong>der</strong>nisse für<br />
den internationalen Handel bei und för<strong>der</strong>n die Entwicklung des<br />
internationalen Handels.<br />
Das Übereinkommen <strong>der</strong> Vereinten Nationen über Verträge über den<br />
internationalen Warenhandel findest du hier.<br />
304
Modul 305_Güter<br />
Ausgangslage<br />
Wird die Anlieferung durch die Global- und Detailidentifikation bestätigt und<br />
angenommen, kommt es zum physischen Entlad. Die Arbeit in <strong>der</strong> Logistik beinhaltet<br />
einige administrative und ganz viele physische Tätigkeiten. Beim Einsatz von<br />
verschiedenen Hilfsmitteln, beim Arbeiten mit grossen und schweren Gütern und bei<br />
Arbeiten auf Rampen, Türen o<strong>der</strong> Toren ist das Thema Arbeitssicherheit zu beachten.<br />
305
Fachartikel Modul 305<br />
5. Ablad an <strong>der</strong> Rampe<br />
Wie in Modul 304 beschrieben, werden die Güter nach <strong>der</strong> Kontrolle <strong>der</strong><br />
Warenbegleitpapiere entladen und kontrolliert. Das Entladen <strong>der</strong> Lieferung an<br />
einer Rampe bringt, wie an<strong>der</strong>e Situationen auch, verschiedene Gefahren mit<br />
sich. Entsprechend wird vorausgesetzt, dass konzentriert gearbeitet wird und<br />
man Kenntnisse im Bereich Arbeitssicherheit hat. Dieses Modul vermittelt das<br />
notwendige Fachwissen zum Thema Arbeitssicherheit beim Be- und Entladen<br />
an einer Rampe. Die Arbeitssicherheit wird in die Bereiche baubedingte<br />
Gefahren und arbeitsbedingte Gefahren aufgeteilt.<br />
5.1 Baubedingte Gefahren<br />
Baubedingte Gefahren betreffen Risiken in Zusammenhang mit<br />
verschiedenen baulichen Gegebenheiten in <strong>der</strong> Logistik, wie z. B. Rampen,<br />
Verkehrsflächen usw. Diese können als Gefahrenstelle bezeichnet werden.<br />
5.1.1 Lager- und Verkehrsflächen<br />
Um Unfälle zu vermeiden, sind Lagerflächen deutlich von Verkehrsflächen zu<br />
trennen. Dies gilt auch, wenn in nicht markierten Räumen Blocklager angelegt<br />
werden. Wenn sie nur zu Fuss benützt werden, müssen Nebenverkehrswege<br />
mindestens 80 cm breit sein, Hauptverkehrswege mindestens 120 cm.<br />
Waren sind immer so zu lagern,<br />
dass sie nicht in die Verkehrswege ragen und zu Stolperfallen werden.<br />
306
Auf den Verkehrsflächen dürfen keine Waren abgestellt werden.<br />
5.1.2 Weitere Gefahrenstellen im Betrieb<br />
Die baubedingten Gefahrenstellen in <strong>der</strong> Logistik beschränken sich nicht auf<br />
Lager- o<strong>der</strong> Verkehrsflächen. Je nach Gebäude sind es noch einige mehr:<br />
1 Podeste Podeste sind erhöhte Bodenflächen. In<br />
Betrieben schützt in <strong>der</strong> Regel ein Gelän<strong>der</strong> vor<br />
dem Absturz. Podeste sind beson<strong>der</strong>s vorsichtig<br />
zu befahren. Muss man mit einem Fahrzeug auf<br />
einem Podest anhalten, muss dies so<br />
307
geschehen, dass das Fahrzeug bei einer<br />
Fehlmanipulation (z. B. mit dem Wechselpedal)<br />
nicht in die Absturzrichtung davonrollen kann.<br />
2 Einbauwaagen Einbauwaagen dürfen mit Flurför<strong>der</strong>zeugen<br />
nicht befahren werden! Nur bei Einbauwaagen<br />
für Strassenfahrzeuge ist dies möglich. An<strong>der</strong>e<br />
Modelle könnten durch das zu hohe Gewicht<br />
Schaden nehmen.<br />
3 Verschmutzungen Schmutz auf Verkehrsflächen sollte so rasch als<br />
möglich beseitigt werden. Beim Fahren ist<br />
Flüssigkeitslachen und herumliegenden<br />
Gegenständen auszuweichen.<br />
4 Tore, Türen Bei Toren, Türen und Durchfahrten sind Höhe<br />
und Übersicht eingeschränkt. Um niemanden<br />
zu gefährden, sollten sie mit Vorsicht (Spiegel<br />
benutzen) und reduziertem Tempo befahren<br />
werden.<br />
5 Verla<strong>der</strong>ampen Absturzgefahr! Keine Waren darauf lagern. Nur<br />
wenn nötig befahren und beim Abdrehen mit<br />
dem Stapler das Ausschwenken des Hecks<br />
einberechnen.<br />
6 Gleise Eingedeckte Industriegleise gemäss Anweisung<br />
im <strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer, langsam und in<br />
einem Winkel von 45° befahren.<br />
7 Hebebühnen Fahrzeuge auf Hebebühnen immer sichern<br />
(Absturzgefahr). Mit genügend Abstand davon<br />
308
parkieren, um beim Heben nicht mitgerissen zu<br />
werden.<br />
8 Gitterroste,<br />
Schachtabdeckungen<br />
Nicht genau aufliegende Gitterroste sind wenig<br />
tragfähig, das Fahrzeug kann einbrechen.<br />
Auch Schachtabdeckungen sind nur<br />
beschränkt belastbar. Zudem können sie beim<br />
Befahren in Schieflage geraten, das Fahrzeug<br />
kann einbrechen. Solch gefährdete Stellen sind<br />
deshalb mit reduzierter Geschwindigkeit zu<br />
befahren.<br />
9 Gefälle Gefälle müssen mit Flurför<strong>der</strong>zeugen äusserst<br />
vorsichtig befahren werden. Das Fahrzeug darf<br />
nie in Schwung geraten und die Last muss<br />
immer bergwärts ausgerichtet sein. Mit dem<br />
leeren Stapler werden Steigungen und Gefälle<br />
gemäss Betriebsanleitung befahren.<br />
Gefahrenstelle: Verla<strong>der</strong>ampe<br />
Eine in <strong>der</strong> Logistik ganz beson<strong>der</strong>e Gefahrenstelle ist die Verla<strong>der</strong>ampe. An<br />
Verla<strong>der</strong>ampen ist eine dauerhafte Abschrankung in <strong>der</strong> Regel nicht möglich,<br />
weil sie von Last- o<strong>der</strong> Bahnwagen aus direkt zugänglich sein müssen. Beim<br />
Befahren von Verla<strong>der</strong>ampen lauert deshalb Absturzgefahr.<br />
Mit folgenden Massnahmen kann die Absturzgefahr vermin<strong>der</strong>t werden:<br />
• Die Rampen müssen genügend breit sein. Für das Befahren mit<br />
Flurför<strong>der</strong>zeugen gilt die Regel: Arbeitsgangbreite (Ast) + 10 %; siehe<br />
auch <strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer.<br />
• Zudem müssen die Absturzkanten gut sichtbar markiert o<strong>der</strong> mit<br />
demontierbaren Balken<br />
Gesichert sein.<br />
• Verla<strong>der</strong>ampen dürfen nicht als Abstellfläche o<strong>der</strong> Zwischenlager<br />
verwendet werden.<br />
• Mitarbeitende müssen die Vorsichtsmassnahmen für Verla<strong>der</strong>ampen<br />
einhalten.<br />
309
• Verla<strong>der</strong>ampen, die für das Befahren mit Staplern zu schmal o<strong>der</strong> aus<br />
an<strong>der</strong>en Gründen dafür ungeeignet sind, müssen mit einem Fahrverbot<br />
belegt werden.<br />
Absturzgefahr<br />
5.2 Arbeitsbedingte Gefahren<br />
Be- und Entladearbeiten sind anspruchsvolle Tätigkeiten, die mit <strong>der</strong><br />
notwendigen Vorsicht durchgeführt werden müssen. Daher sind folgende<br />
Punkte beson<strong>der</strong>s zu beachten:<br />
• Sicherung des zu beladenden o<strong>der</strong> zu entladenden Fahrzeugs<br />
• Wahl des passenden För<strong>der</strong>mittels<br />
310
• Korrekte und sichere Verwendung von Hilfsmitteln (z. B.<br />
Überfahrbrücken und Hebebühnen)<br />
• Innen- und Aussenarbeitsplätze müssen so angeordnet sein, dass<br />
Fussgänger- und Fahrzeugverkehr sicher durchgeführt werden können<br />
(Unfallgefahr).<br />
5.2.1 Sicherung des zu be- o<strong>der</strong> entladenden Fahrzeugs<br />
Beim Transport von Gütern ist die Auswahl an Fahrzeugen in <strong>der</strong> Logistik sehr<br />
gross: Sattelauflieger, LKW, Transporter, Auto, Fahrrad, Flugzeug, Schiff,<br />
Bahnwagen usw. Die Vielfalt <strong>der</strong> angewandten Transportmittel erfor<strong>der</strong>t auch<br />
ein breites Fachwissen beim Sichern von Fahrzeugen während des Entladens<br />
und Beladens.<br />
Das sind die wichtigsten Fahrzeuge und die dazugehörenden<br />
Sicherheitsvorschriften:<br />
Sichern von Fahrzeugen im Strassentransport<br />
Strassenfahrzeuge werden in <strong>der</strong> Regel von hinten o<strong>der</strong> seitlich be- und<br />
entladen. Beim Anfahren von Fahrzeugen an Rampen können Radführungen<br />
beim Andocken helfen.<br />
Radführungen beim be- und entladen<br />
Die Rampen ermöglichen es, die Radführung und damit die Ausrichtung <strong>der</strong><br />
Fahrzeuge zu verbessern und so versehentliche Stösse zu vermeiden. Die<br />
Dockausrüstung und auch das Gebäude selbst können so geschützt werden.<br />
Dank <strong>der</strong> Installation von Radführungen werden LKW leichter bei <strong>der</strong><br />
La<strong>der</strong>ampe positioniert. Sie werden am Boden fixiert und können für eine<br />
bessere Sichtbarkeit abwechselnd gelbe und schwarze Streifen haben.<br />
311
Dockstopps (o<strong>der</strong> Stossfänger) sollen den Aufprall von Lastwagen beim<br />
Andocken abfe<strong>der</strong>n, um sowohl das Gebäude als auch das Fahrzeug bei<br />
niedrigen Geschwindigkeiten zu schützen. Sie können fest o<strong>der</strong> mobil sein.<br />
Dockstopps<br />
Ist das Fahrzeug angedockt, werden die Sicherheitsvorkehrungen getroffen.<br />
Um ein Wegrollen des Fahrzeuges zu vermeiden, ist vor dem Arbeitsbeginn die<br />
Feststellbremse (1) anzuziehen und die Zündung auszuschalten.<br />
Für die Entladung mit Gabelstaplern reicht diese Massnahme jedoch nicht<br />
aus, da erhebliche Schubkräfte auftreten können. Zusätzliche Sicherheit ist<br />
unerlässlich. Die unter den Rä<strong>der</strong>n platzierten Keile (2) sowie die Befestigung<br />
des Fahrzeugs am Dock mittels einer Kette o<strong>der</strong> eines Gurtes (3) sind gängige<br />
Möglichkeiten, um ein Fahrzeug zu sichern.<br />
Dank verschiedenen Hilfsmitteln kann <strong>der</strong> Be- und Entlad heute auch<br />
automatisch ausgeführt werden:<br />
Sattelauflieger werden gleich gesichert wie die an<strong>der</strong>en Fahrzeuge (2 und 3).<br />
Da sie sich nicht nur bewegen, son<strong>der</strong>n auch kippen können, benötigen sie<br />
allerdings zusätzliche Sicherheitsmassnahmen. Um ein Umkippen zu<br />
vermeiden, sind sie mit einer aussetzbaren Stütze (1) ausgestattet. Dies allein<br />
reicht jedoch nicht aus. Eine zusätzliche Massnahme ist, einen einfachen<br />
312
Palettenstapel (4) als Unterlage o<strong>der</strong> eine Kippsicherung (4) zu verwenden,<br />
damit <strong>der</strong> Sattelauflieger nicht kippen kann.<br />
Beispiel zusätzliche Kippsicherung (4)<br />
Sichern im Bahntransport<br />
Nicht nur im Strassentransport gehört das Be- und Entladen zu einer<br />
wie<strong>der</strong>kehrenden Tätigkeit. Eine Vielzahl von Logistikunternehmen haben<br />
eigene Bahnanschlüsse. Entsprechend wird das Be- und Entladen in einem<br />
Bahnwagen vorgenommen. Die Sicherung von Eisenbahnwagen muss durch<br />
qualifiziertes Personal erfolgen. Zur Sicherung dienen ein Hemmschuh und die<br />
Handbremse.<br />
313
Die Handbremse befindet sich entwe<strong>der</strong><br />
an <strong>der</strong> Längsseite des Wagens o<strong>der</strong>...<br />
Handbremse an <strong>der</strong> Längsseite<br />
...auf <strong>der</strong><br />
Plattform<br />
.<br />
Handbremse auf <strong>der</strong> Plattform<br />
Der Hemmschuh ist zwischen Schiene und Rad unterlegt.<br />
Hemmschuh<br />
Hemmschuh<br />
Der Druck des Rades auf die Hemmschuhzunge verhin<strong>der</strong>t ein Wegrollen des<br />
Wagens.<br />
5.2.2 Wahl des passenden Flurför<strong>der</strong>zeug<br />
Die Flurför<strong>der</strong>zeuge (Flur = Boden) sind in <strong>der</strong> Logistik ein wichtiger Bestandteil.<br />
Die Geräte sind häufige Hilfsmittel beim Be- und Entladen, bei <strong>der</strong> Lagerung<br />
314
aber auch in <strong>der</strong> Kommissionierung. Die Flurför<strong>der</strong>zeuge sind in folgende<br />
Kategorien unterteilt:<br />
Gerätekategorien ohne erhebliche Unfallgefahr<br />
Die unten abgebildeten Gerätekategorien gehören nicht zu den mit einer<br />
erheblichen Unfallgefahr verbundenen Transportmittel und dürfen von<br />
jugendlichen Lernenden nach entsprechen<strong>der</strong> Ausbildung bedient werden.<br />
Art <strong>der</strong> Ausbildung: Die Ausbildung hat nach den Angaben des Herstellers zu<br />
erfolgen, muss den Umfang <strong>der</strong> Bedienungsanleitung abdecken und ist mit<br />
betrieblichen Sicherheitsanweisungen zu ergänzen. Sie umfasst einen<br />
theoretischen und einen praktischen Ausbildungsteil. Die Ausbildung ist<br />
schriftlich zu dokumentieren.<br />
Qualifikation <strong>der</strong> Ausbildner: Personen, die im Betrieb Kurse für die genannten<br />
Geräte durchführen, müssen zuvor bei einer Suva-anerkannten<br />
Ausbildungsstätte einen Deichselgerätekurs besucht o<strong>der</strong> zumindest eine<br />
gründliche Instruktion bei <strong>der</strong> Lieferung des Gerätes erhalten haben. Weiter<br />
müssen sie über die Gefahren und <strong>der</strong>en Verhütung genau Bescheid wissen<br />
und die Instruktion richtig durchführen können.<br />
Dauer: Nicht definiert, angepasst an die Komplexität des Gerätes.<br />
Gruppe/<br />
Gerätekategorie<br />
Bezeichnungen<br />
Charakteristik und Einsatz<br />
Schlepper<br />
Bezeichnung nach EKAS 6518 S1<br />
• Schlepper Unter einem Schlepper<br />
versteht man ein Flurför<strong>der</strong>zeug,<br />
das zum Ziehen<br />
antriebsloser Fahr- zeuge<br />
(Anhänger) bestimmt ist.<br />
Schlepper ver- fügen in <strong>der</strong><br />
Regel über einen elektrischen<br />
Antrieb. Schlepper<br />
transportieren nicht, o<strong>der</strong> nur<br />
in sehr geringem Masse,<br />
Lasten.<br />
315
Hubwagen Bezeichnung nach EKAS 6518 S2<br />
• Elektro-Hubwagen<br />
• Elektro-<br />
Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />
Elektro-Deichsel-Gabel-<br />
Hubwagen<br />
• "Ameise"<br />
• Elektro-<br />
Deichselstapler<br />
• Elektro-<br />
Hochhubwagen<br />
• Elektro-Hubwagen<br />
• Elektro-<br />
Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />
• Elektro-Deichsel-<br />
Gabel-Hubwagen<br />
(mit Mitfahrplattform)<br />
• Elektro-<br />
Deichselstapler<br />
• Elektro-<br />
Hochhubwagen<br />
(mit Mitfahrplattform)<br />
Der Nie<strong>der</strong>hubwagen<br />
verfügt nur über eine<br />
geringe Hubhöhe<br />
(Initialhub).<br />
Deichselgeführtes<br />
Mitgängergerät ohne Mit-<br />
fahrmöglichkeit mit Mast<br />
bis zu einer Hubhöhe von<br />
ca. 5,5 m. Transport auf<br />
kurzen Strecken und<br />
Stapeln von palettierten<br />
Lasten. Verlad von Gütern.<br />
Deichselgeführtes<br />
Mitgängergerät mit<br />
abklapp- barer<br />
Mitfahrplattform. Initial-<br />
und/o<strong>der</strong> Rad- armhub.<br />
Transport von palettierten<br />
Lasten auf kurzen und<br />
mittleren Strecken und<br />
Verlad von Gütern.<br />
Deichselgeführtes<br />
Mitgängergerät mit<br />
abklappbarer<br />
Mitfahrplattform. Mast bis<br />
zu einer Hubhöhe von ca.<br />
5,5 m. Transport auf kurzen<br />
und mittleren Strecken,<br />
sowie Stapeln von<br />
palettierten Lasten und<br />
Verlad von Gütern.<br />
316
Kommissioniergeräte<br />
Bezeichnung nach EKAS 6518 S3<br />
• Kommissionierer<br />
• Horizontalkommissionierer Horizontal-<br />
Kommissionierer<br />
werden für das<br />
Kommissionieren in<br />
Bodennähe (erste<br />
und zweite<br />
Regalebene)<br />
eingesetzt. Die<br />
Stand- plattform des<br />
Bedieners kann, je<br />
nach Bauart des<br />
Geräts, bis auf ca. 1<br />
Meter Höhe angehoben<br />
werden.<br />
Gerätekategorien mit erhebliche Unfallgefahr<br />
Die unten abgebildeten Gerätekategorien gehören zu den mit einer<br />
erheblichen Unfallgefahr verbundenen Transportmitteln. Jugendliche und<br />
Lernende dürfen solche Geräte in <strong>der</strong> Regel nicht bedienen. Nur aufgrund<br />
<strong>der</strong> Ausnahmeregelung in <strong>der</strong> Jugendschutzverordnung (Art. 4 Abs. 4) dürfen<br />
Jugendliche in einer von <strong>der</strong> Suva-anerkannten Ausbildung, dazu gehören<br />
Logistiker, diese Transportmittel führen.<br />
Art <strong>der</strong> Ausbildung / Qualifikation <strong>der</strong> Ausbildner: Innerbetriebliche<br />
Anerkennung: Grundausbildung durch einen anerkannten Staplerfahrer-<br />
Instruktor und innerbetriebliche, ergänzende Ausbildung auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong><br />
Betriebsanleitung.<br />
Überbetriebliche Anerkennung: Grundausbildung durch eine Suvaanerkannte<br />
Ausbildungsstätte und innerbetriebliche, ergänzende Ausbildung<br />
auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong> Betriebsanleitung.<br />
Dauer <strong>der</strong> Grundausbildung für Anfänger: vier Tage. Die Ausbildungsdauer für<br />
Personen mit Erfahrung im Umgang mit Maschinen (z. B. Traktorfahrer,<br />
Baumaschinenführer, LKW-Fahrer) beträgt mindestens zwei Tage. Ergänzende<br />
Ausbildung für jeden weiteren Gerätetyp: ein Tag<br />
317
Gruppe/<br />
Gerätekategorie<br />
Bezeichnungen<br />
Charakteristik und Einsatz<br />
Gegengewichtsstapler<br />
Bezeichnung nach EKAS 6518 R1<br />
• Gegengewichtsstapler<br />
• Elektro-Gabelstapler<br />
• (Dreirad o<strong>der</strong> Vierrad<br />
• mit Frontsitz)<br />
• Gegengewichtsstapler<br />
• Gabelstapler mit<br />
Benzin-,<br />
• Gas- o<strong>der</strong><br />
Dieselantrieb<br />
• (Vierrad mit Frontsitz)<br />
Gabelstapler für<br />
universellen Einsatz im<br />
Innern von Gebäuden.<br />
In <strong>der</strong> Regel als<br />
Dreiradstapler<br />
konzipiert. Hubhöhe<br />
mit Dreifach-Mast bis 7<br />
m. Tragkraft bis ca. 2 t.<br />
Vierrad-Gabelstapler<br />
für universellen Einsatz<br />
im Freigelände. Mit<br />
Diesel-, Benzin o<strong>der</strong><br />
Gasantrieb. Hubhöhe<br />
mit Dreifach-Mast bis 7<br />
m. Tragkraft bis ca. 10<br />
t. Schwerlaststapler bis<br />
40 Tonnen und mehr.<br />
Quersitz- und<br />
Schubmaststapler<br />
Bezeichnung nach EKAS 6518 R2<br />
• Quersitzstapler<br />
• Quersitz-Pratzenstapler<br />
• Quersitz-<br />
Schubmaststapler<br />
Elektrisch<br />
angetriebene<br />
Quersitz-Stapler mit<br />
Radarmen.<br />
Ausgerüstet mit<br />
fixem o<strong>der</strong><br />
vorschiebbarem<br />
Mast. Hubhöhe:<br />
Quersitzstapler bis<br />
318
ca. 5 m,<br />
Schubmaststapler<br />
bis ca. 12 m.<br />
Einsatz: Transport<br />
und Lagerung von<br />
Gütern.<br />
• Hochregalstapler<br />
• Vertikalkommissionierer<br />
• Hochhubkommissionierer<br />
• Mehrwegestapler<br />
• Vierwegestapler<br />
Elektrisch<br />
angetriebene<br />
Fahrzeuge für die<br />
Bedienung von<br />
mittelhohen<br />
Regalanlagen und<br />
die<br />
Kommissionierung.<br />
Hubhöhe bis 15 m.<br />
Diese Fahrzeuge<br />
verfügen in <strong>der</strong><br />
Regel über seitliche<br />
Führungsrollen zur<br />
exakten<br />
Positionierung in<br />
den Gängen.<br />
Elektrisch<br />
angetriebener<br />
Stapler mit<br />
Radarmen und<br />
verschiebbarem<br />
Hubmast. Hubhöhe<br />
bis 9 m. Durch<br />
Drehbarkeit <strong>der</strong><br />
Rä<strong>der</strong> in den<br />
Radarmen kann<br />
<strong>der</strong> Stapler auf<br />
Knopfdruck in<br />
beliebiger Richtung<br />
fahren.<br />
319
Seitenstapler<br />
Bezeichnung nach EKAS<br />
6518<br />
R3<br />
• Seitenstapler Thermisch angetriebenes<br />
Transportfahrzeug mit einem<br />
quer zur Fahrtrichtung<br />
verschiebbaren Mast und<br />
Ladebrücke. Hubhöhe bis<br />
ca. 4 m. Einsatz für<br />
Stapelung und Transport von<br />
Langgut. Haupteinsatzgebiet<br />
sind Sägereien.<br />
Teleskopstapler Bezeichnung nach EKAS 6518 R4<br />
• Teleskopstapler Thermisch angetriebenes<br />
Allzweckfahrzeug für den<br />
Ausseneinsatz. Verfügt<br />
über einen am Heck<br />
angebrachten<br />
Teleskoparm, an dem<br />
verschiedenste<br />
Werkzeuge, u. a. auch<br />
Gabeln für die<br />
Lastaufnahme montiert<br />
werden können.<br />
Vorschriften für den Einsatz von Flurför<strong>der</strong>zeugen<br />
In <strong>der</strong> vom Bundesrat erlassenen ?? "Verordnung über die Verhütung von<br />
Unfällen und Berufskrankheiten (VUV)" werden die Arbeitgeber in den Artikeln<br />
6 und 8 zu Folgendem verpflichtet:<br />
• Sie müssen die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen über die Gefahren<br />
informieren, die bei ihren Tätigkeiten auftreten können, sowie über die<br />
Massnahmen, die zu treffen sind, um diese Gefahren zu vermeiden. Zudem<br />
müssen sie für die Befolgung dieser Massnahmen sorgen.<br />
• Sie dürfen Arbeiten, die mit beson<strong>der</strong>en Gefahren verbunden sind, nur<br />
Angestellten übertragen, die eine entsprechende Ausbildung haben.<br />
320
Die Ausbildung betreffende Verordnungen<br />
Artikel 4 <strong>der</strong> ?? Jugendarbeitsschutzverordnung schreibt vor, dass<br />
Jugendliche keine gefährlichen Arbeiten ausführen dürfen. Als Jugendliche<br />
gelten Personen unter 18 Jahren. Weil das Führen von Flurför<strong>der</strong>zeugen als<br />
gefährlich eingestuft ist, dürfen sie nur von Personen geführt werden, die das<br />
18. Altersjahr vollendet haben.<br />
?? Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel<br />
(Arbeitsgesetz)<br />
Artikel 29<br />
1 Als Jugendliche gelten Arbeitnehmer bei<strong>der</strong> Geschlechter bis zum<br />
vollendeten 18. Altersjahr.<br />
2 Der Arbeitgeber hat auf die Gesundheit <strong>der</strong> Jugendlichen gebührend<br />
Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung <strong>der</strong> Sittlichkeit zu sorgen. Er hat<br />
namentlich darauf zu achten, dass die Jugendlichen nicht überanstrengt<br />
werden und vor schlechten Einflüssen im Betriebe bewahrt bleiben.<br />
[…]<br />
Für Logistikerinnen und Logistiker in <strong>der</strong> beruflichen Grundbildung gilt eine<br />
Ausnahmeregelung für das Staplerfahren. Wenn zur Ausübung eines Berufes<br />
auch gefährliche Tätigkeiten gehören, dann müssen diese während <strong>der</strong><br />
Ausbildung (mit begleitenden Massnahmen für die Arbeitssicherheit und den<br />
Gesundheitsschutz) eingeübt werden; deswegen sind sie ab 15 Jahren<br />
gestattet. So kommt es, dass Lernende in <strong>der</strong> Logistik Stapler bereits ab 15<br />
Jahren führen dürfen.<br />
Güter sicher transportieren<br />
Reger Staplerverkehr an <strong>der</strong> Be- und Entla<strong>der</strong>ampe, eine schlecht organisierte<br />
Rampe, überhöhte Geschwindigkeiten mit Flurför<strong>der</strong>zeugen, Paletten, die an<br />
<strong>der</strong> falschen Stelle gelagert werden, können die Sicht einschränken und zu<br />
Unfällen führen. Fehlende o<strong>der</strong> nicht beachtete Beschil<strong>der</strong>ung kann ebenfalls<br />
ein Unfallrisiko darstellen.<br />
321
Grundlage für die Ausbildung zur Staplerfahrerin o<strong>der</strong> zum Staplerfahrer ist das<br />
<strong>Handbuch</strong> für Staplerfahrer. Dort sind die Regeln für den sicheren,<br />
innerbetrieblichen Transport von Gütern ausführlich beschrieben. Deshalb<br />
werden nachfolgend nur die häufigsten Unfallursachen und wichtigsten<br />
Sicherheitsregeln aufgeführt.<br />
Unfallstatistik<br />
Die in Logistik- und Produktionsbetrieben übliche hohe Anzahl von<br />
För<strong>der</strong>mitteln und Fussgängern auf engem Raum ist eine beson<strong>der</strong>e<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung für die Arbeitssicherheit. Nicht immer lassen sich die<br />
Fahrwege vollständig von den Fusswegen trennen. Dann sind vor allem<br />
Personen, die sich nur temporär im Betrieb aufhalten und deshalb die<br />
Gegebenheiten nicht kennen, beson<strong>der</strong>s unfallgefährdet. Die Unfallstatistik<br />
<strong>der</strong> Schweiz weist über 10 000 Unfälle mit För<strong>der</strong>mitteln aus mit Folgekosten<br />
von rund 100 Millionen Franken. Eine deutsche Statistik zu den schweren<br />
Unfällen mit För<strong>der</strong>mitteln zeigt die Häufigkeit <strong>der</strong> verschiedenen<br />
Unfallursachen wie folgt:<br />
• Anfahrunfall 48,7 Prozent<br />
• Fahrerunfall 20,6 Prozent<br />
• Auf- und Absteigen 4,6 Prozent<br />
• Unfall mit Lastaufnahmemittel 6,5 Prozent<br />
• Ladegutunfall 9,8 Prozent<br />
• Sonstige 9,8 Prozent<br />
Blick immer in Fahrtrichtung<br />
322
Ein Unfallbericht aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Ein Mitarbeiter <strong>der</strong> Packerei transportiert Leerpaletten mit einem 6-t-<br />
Gabelstapler. Zur gleichen Zeit hält sich ein betriebsfrem<strong>der</strong> Kraftfahrer<br />
unberechtigt im Bereich <strong>der</strong> Packerei auf. Der betriebsfremde Kraftfahrer tritt<br />
plötzlich hinter einem Stützpfeiler hervor und läuft direkt zwischen Hubmast<br />
und Vor<strong>der</strong>rä<strong>der</strong> des Staplers. Ohne dass <strong>der</strong> Staplerfahrer reagieren<br />
könnte, wird <strong>der</strong> Fussgänger vom Stapler überrollt und erleidet tödliche<br />
Verletzungen.<br />
Massnahmen gegen Personenunfälle<br />
Fahrtrichtung = Blickrichtung<br />
Es gibt eine einzige, wirksame Massnahme gegen das Anfahren von Personen<br />
mit Flurför<strong>der</strong>zeugen: Dorthin schauen, wo man hinfährt. Das gilt schon für<br />
kurze Fahrten wie beim Ausstapeln und erst recht beim Lastentransport, bei<br />
dem die freie Sicht auf die Fahrbahn stets gewährleistet sein muss.<br />
5.2.3 Korrekte und sichere Verwendung von Hilfsmitteln<br />
Die Wahl <strong>der</strong> einzusetzenden Hilfsmittel hängt von <strong>der</strong> Art <strong>der</strong> zu entladenden<br />
Güter und <strong>der</strong> Art des verwendeten Transportfahrzeugs ab. Geeignete<br />
Hilfsmittel ermöglichen ein qualitatives und wirtschaftliches Entladen mit<br />
grösstmöglicher Sicherheit. Zum Entlad von palettierten Waren können<br />
eingesetzt werden:<br />
323
Überfahrbrücken<br />
Überfahrbrücke<br />
Die Vielfalt <strong>der</strong> LKW-Höhe und Docks macht die Verwendung von<br />
Überfahrbrücken unvermeidlich. Sie reduzieren das Unfallrisiko, indem sie die<br />
Verbindung zwischen Dock und LKW sicherstellen. Noch verfügen nicht alle<br />
Be- und Entladebereiche über feste, verstellbare Rampen, die den LKW mit<br />
dem Lager verbinden. Abnehmbare Verbindungsplatten werden immer noch<br />
häufig verwendet. Lei<strong>der</strong> werden in diesem Bereich noch zu oft ungeeignete<br />
Geräte eingesetzt, die nicht über die erfor<strong>der</strong>lichen Sicherheitsbedingungen<br />
verfügen. Verdrehte und rutschige Rampen sind eine Gefahr.<br />
Überfahrbrücken (Verla<strong>der</strong>ampen) müssen mindestens die folgenden<br />
Bedingungen erfüllen:<br />
• ausreichende Tragfähigkeit (muss angeschrieben sein);<br />
• eine rutschhemmende Oberfläche;<br />
• Sicherung gegen das Verrutschen.<br />
324
Überfahrbrücken müssen die Mindestanfor<strong>der</strong>ungen bezüglich Tragfähigkeit<br />
und Rutschsicherung erfüllen.<br />
Besser sind Modelle, die an <strong>der</strong> Verla<strong>der</strong>ampe eingehängt sind und<br />
heruntergeklappt werden können.<br />
Hebebühnen und verstellbare Rampen<br />
Hebebühnen und verstellbare Rampen bieten hohe Sicherheit, solange sie<br />
sachgerecht eingesetzt werden (Hinweise des Herstellers beachten). Dies ist<br />
<strong>der</strong> Fall, wenn:<br />
• die angegebene Tragfähigkeit nicht überschritten wird<br />
• die Gebrauchsanweisung deutlich sichtbar angebracht ist und<br />
beachtet wird<br />
• die Wartung (Instandhaltung) nur von Spezialisten gemacht wird.<br />
5.2.4 Liftanlagen<br />
Warenlifte sind für eine bestimmte, maximale Belastung ausgelegt. Diese<br />
sogenannte Nutzlast muss im Lift gut sichtbar angeschrieben sein. Bei <strong>der</strong><br />
Beför<strong>der</strong>ung von Waren mit einem Stapler muss vor <strong>der</strong> Einfahrt in einen Lift<br />
das Gesamtgewicht berechnet werden. Deshalb müssen Staplerfahrer das<br />
325
Gewicht ihres Fahrzeugs kennen. Dessen Gewicht, dasjenige <strong>der</strong> Ladung und<br />
das persönliche Gewicht zusammengezählt dürfen die angegebene Nutzlast<br />
nicht überschreiten. Ist das Gewicht höher, darf <strong>der</strong> Lift für diesen Transport<br />
nicht benutzt werden. Der Logistiker tut gut daran, schon vor <strong>der</strong> Einfahrt in<br />
den Lift zu rechnen. Schon verschiedentlich wurden schwerwiegende<br />
Störungen mit erheblichen Folgeschäden verursacht.<br />
Personen- und Warenaufzüge dürfen im Brandfall nie benutzt werden. In den<br />
Aufzugsschächten entsteht <strong>der</strong> gefürchtete Kamineffekt, das heisst, die<br />
heissen Verbrennungsgase steigen im Schacht hoch.<br />
Stapler + Ladung + Führer ≤ Tragkraft<br />
❗ACHTUNG❗<br />
Bei einem Brandausbruch in einem Gebäude nie den Lift benützen - er<br />
könnte zur Todesfalle werden.<br />
5.2.5 Betreten von automatischen Lageranlagen<br />
Eine weitere arbeitsbedingte Gefahrenstelle ist in automatischen<br />
Lageranlagen zu finden. Im Inneren von automatischen Lageranlagen o<strong>der</strong><br />
von an<strong>der</strong>en automatischen Einrichtungen (z. B. von Stapelautomaten)<br />
haben sich Logistiker grundsätzlich nicht aufzuhalten. Die Behebung von<br />
Störungen ist durch speziell ausgebildetes Servicepersonal vorzunehmen. Muss<br />
aus irgendeinem Grund ein automatisches Lager betreten werden, ist die<br />
gesamte Anlage stillzulegen. Das Ausschalten des Hauptschalters genügt<br />
dafür nicht, vielmehr ist dieser zuverlässig gegen das Wie<strong>der</strong>einschalten zu<br />
sichern, am besten mit einem Vorhängeschloss. Nur aufgrund einer Aussage,<br />
z. B. "Die Anlage ist stillgelegt", darf diese nie betreten werden! Die<br />
326
Ausserbetriebsetzung einer Anlage ist in jedem Fall dem zuständigen<br />
Vorgesetzten zu melden o<strong>der</strong> muss durch diesen eigenhändig vorgenommen<br />
werden.<br />
Hauptschalter mit<br />
Vorhängeschloss<br />
5.2.6 Elektrizität<br />
Arbeitsbedingte Gefahren sind auch im Umgang mit Elektrizität zu erkennen.<br />
Unter Hochspannung stehende, elektrische Leitungen sind höchst gefährlich.<br />
Bei einer Fahrleitung <strong>der</strong> Bahn (ein Beispiel aus <strong>der</strong> Fachrichtung Verkehr), in<br />
<strong>der</strong> Strom mit einer Spannung von 15 000 Volt fliesst, ist schon die Annäherung<br />
lebensgefährlich. Im Bereich von elektrischen Leitungen müssen vor allem<br />
beim Arbeiten mit Staplern beson<strong>der</strong>e Vorsichtsmassnahmen getroffen<br />
werden. Offene Bahnwagen dürfen nur bei ausgeschalteten und geerdeten<br />
Leitungen beladen werden.<br />
❗ACHTUNG❗<br />
Auch ausgeschaltete und geerdete Leitungen dürfen nicht berührt<br />
werden.<br />
5.2.7 Kennzeichnung und Zutrittsbeschränkung<br />
Damit die arbeitsbedingten Gefahren möglichst eingeschränkt werden<br />
können, ist das Arbeiten mit Sicherheitskennzeichnungen und<br />
Zutrittsbeschränkungen sehr wichtig. Folgende Zeichen haben sich in <strong>der</strong><br />
Logistik durchgesetzt:<br />
327
Symbol Beschriftung Erklärung<br />
Warnzeichen<br />
Warnzeichen sind immer dreieckig. In<br />
den Betrieben wird in <strong>der</strong> Regel mit<br />
gelb/schwarzen Signalen auf drohende<br />
Gefahren hingewiesen. Im Bereich <strong>der</strong><br />
Verkehrswege werden auch rot/weisse<br />
aus dem Strassenverkehr verwendet.<br />
Warnzeichen werden oft mit<br />
Verbotszeichen kombiniert.<br />
Verbote werden in <strong>der</strong> Regel - wie im<br />
Strassenverkehr - mit runden, rot/weissen<br />
Signalen angezeigt. Verbotszeichen sind<br />
verbindlich, das heisst, sie müssen<br />
unbedingt befolgt werden!<br />
Verbotszeichen<br />
Gebotszeichen<br />
Rettungszeichen<br />
Gebotszeichen sind rund und blau/weiss.<br />
Sie gebieten als Schutz vor drohenden<br />
Gefahren ein bestimmtes Verhalten, wie<br />
zum Beispiel das Überziehen einer<br />
Schutzbrille o<strong>der</strong> eines Helms. Auch<br />
Gebotszeichen sind zu befolgen.<br />
Hinweiszeichen sind nicht durchgehend<br />
einheitlich gestaltet, meistens aber<br />
grün/weiss. Sie zeigen Fluchtwege an<br />
o<strong>der</strong> Einrichtungen und Orte, wo im<br />
Notfall Hilfe möglich ist.<br />
Es besteht in <strong>der</strong> Praxis auch die Möglichkeit, mit Zeichenkombinationen zu<br />
arbeiten:<br />
328
Beispiel 1:<br />
Die Zone eines Betriebes ist explosionsgefährdet, was mit dem Symbol auf<br />
<strong>der</strong> gelb/schwarzen Hinweistafel angezeigt wird. Mit einem Verbotsschild<br />
werden Flurför<strong>der</strong>zeuge von <strong>der</strong> Zone ferngehalten und mit dem<br />
Ausnahmehinweis werden explosionsgeschützte Flurför<strong>der</strong>zeuge zugelassen.<br />
Beispiel 2:<br />
In <strong>der</strong> Montagehalle eines Betriebes werden mit Industriekranen schwere<br />
Lasten beför<strong>der</strong>t. Mit dem Symbol auf <strong>der</strong> gelb/schwarzen Tafel wird auf<br />
diese Gefahr hingewiesen und mit den blauen Signalen wird zum Tragen<br />
eines Kopfschutzes und von Schutzschuhen aufgefor<strong>der</strong>t.<br />
329
Modul 306_Gebindekontrolle<br />
Ausgangslage<br />
Das "Gebinde" ist ein Ausdruck, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Logistik sehr oft angewandt wird<br />
und unterschiedliche Gesichter haben kann. Zum Beispiel: "Ein Gebinde,<br />
welches oft mit hohen Kosten verbunden ist." O<strong>der</strong>: "Ein Gebinde, welches für<br />
die heutige Logistik ein sehr hohe Relevanz hat." Die Logistik ist ohne den<br />
Einsatz von verschiedenen Gebinden unvorstellbar.<br />
Doch was ist eigentlich ein Gebinde?<br />
330
Fachartikel Modul 306<br />
6. Gebindekontrolle<br />
Wie in Modul 304 aufgezeigt, werden mit <strong>der</strong> Detail-Identifikation unter<br />
an<strong>der</strong>em die auszuladenden Güter auf ihre Richtigkeit geprüft. Sehr oft wird in<br />
diesem Zusammenhang während o<strong>der</strong> nach dem Auslad auch die<br />
Gebindekontrolle zum Thema. Die Gebinde können je nach Gegebenheiten<br />
während o<strong>der</strong> nach dem Auslad kontrolliert werden. Wichtig dabei ist, dass<br />
diese Kontrolle konzentriert durchgeführt werden kann. Genug Zeit und Platz<br />
sind also die Voraussetzungen dafür.<br />
6.1 Was ist ein Gebinde?<br />
Der Begriff "Gebinde" ist in <strong>der</strong> Logistik weit verbreitet und kann<br />
unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Der Begriff beschreibt den<br />
Zusammenschluss unterschiedlichster Güter und Materialien in einer neuen<br />
Einheit. Durch das Gebinde können viele einzelne Waren, Materialien o<strong>der</strong><br />
Rohstoffe zu einer Einheit geformt werden, was in <strong>der</strong> Logistik das Handling<br />
vereinfacht. Mit Gebinden können <strong>der</strong> Transport und die Ein- und<br />
Auslagerung <strong>der</strong> Waren erleichtert werden. Auch die Lagerung selbst kann<br />
platzsparen<strong>der</strong> durchgeführt werden. Der Begriff Gebinde kann unter<br />
an<strong>der</strong>em verwendet werden bei:<br />
• palettisierten Einheiten<br />
• Fässern<br />
• Kunststoffbehältern<br />
• Holzkisten<br />
331
Je nach Gebinde können grössere Kosten<br />
entstehen. Im abgebildeten Beispiel betragen<br />
alleine die Kosten für die angelieferten Gebinde<br />
230.50 Franken.<br />
EURO Palette mit Rahmen<br />
Was Menge Kosten pro Stück (Stand<br />
2022)<br />
Kosten Total<br />
Euro Palette 1 CHF 18 CHF 18<br />
Euro Rahmen 3 CHF 65 CHF 195<br />
Euro Deckel 1 CHF 17.50 CHF 17.50<br />
Die aktuellen Kosten findest du hier.<br />
Selbstverständlich besteht eine Lieferung in <strong>der</strong> Logistik oft nicht nur aus einem<br />
Gebinde. Das bedeutet, dass die Kosten bei einer Anlieferung um einiges<br />
höher sind. Die Aufgabe <strong>der</strong> Logistikerinnen und Logistiker ist es, konzentriert zu<br />
arbeiten und keine Verluste im Tauschgeschäft <strong>der</strong> Gebinde zu erzielen.<br />
6.2 Der Ladungsträger<br />
Für die Lagerung o<strong>der</strong> den Transport werden Güter auf Ladungsträgern<br />
gestapelt. In dieser Hinsicht hat sich die Flachpalette weltweit durchgesetzt. Es<br />
gibt bei <strong>der</strong> Flachpalette aber keine global einheitlichen Masse. Die<br />
Palettenwelt ist im Wesentlichen dreigeteilt:<br />
Europa USA Asien<br />
332
Europalette Typ 1<br />
Dimension: Länge 1200 mm, Breite 800 mm,<br />
Höhe 144 mm<br />
Gewicht: 22 kg bis 25 kg<br />
Europalette Typ 2<br />
Dimension: Länge 1200 mm, Breite 1000<br />
mm, Höhe 162 mm<br />
Gewicht: ca. 35 kg<br />
Wird oft als "Textil"-Palette bezeichnet.<br />
Europalette Typ 3<br />
Dimension: Länge 1200 mm, Breite 1200<br />
mm, Höhe 162 mm<br />
Gewicht: ca. 30 kg<br />
Oft als "Chemical" o<strong>der</strong> "Basel" Palette<br />
bezeichnet, weil sie in <strong>der</strong> chemischen<br />
Industrie verwendet wird. Die "EPAL 3"-<br />
Palette ist perfekt für schwerste<br />
Industrielasten geeignet.<br />
Europalette Typ 6<br />
Dimension: Länge 800 mm, Breite 600 mm,<br />
Höhe 144 mm<br />
Gewicht: ca. 18 kg<br />
Wird als "Halbpalette" o<strong>der</strong> "Düsseldorfer<br />
Palette" bezeichnet.<br />
Nordamerika<br />
Palettentyp "USA"<br />
Dimension in Zoll: Länge 48" (1220mm),<br />
Breite 40" (1016mm)<br />
Gewicht: 30 kg<br />
Asien<br />
Palettentyp "Asia"<br />
333
Dimension: Länge 1100 mm, Breite 1100<br />
mm, Höhe 144 mm<br />
Gewicht: 25 kg<br />
Diese Palette eignet sich für den Versand in<br />
Containern (Übersee) mit einer Breite von<br />
2430 mm.<br />
Oft werden kundenspezifische Paletten ohne Beachtung <strong>der</strong> üblichen<br />
Standards<br />
angefertigt.<br />
6.2.1 Der Ladungsträger nach EURO<br />
Der in Europa wohl wichtigste Ladungsträger ist bekannt unter als<br />
"Europalette". Derzeit zirkulieren rund 450 Millionen Europaletten auf <strong>der</strong><br />
ganzen Welt.<br />
Der europäische Palettenpool (EPP)<br />
1952 gründeten die SBB einen schweizerischen Palettenpool. Dies veranlasste<br />
die Deutsche Bundesbahn, 1962 die Gründung des Europäischen<br />
Palettenpools (EPP) an die Hand zu nehmen. Der EPP ist ein Zusammenschluss<br />
europäischer Eisenbahnen zur Vereinfachung nationaler und<br />
län<strong>der</strong>übergreifen<strong>der</strong> Transporte. Die Vereinfachung basiert auf<br />
Tauschpaletten (Flachpaletten), und teilweise auf Tauschrahmen und<br />
Tauschbrettern, die von den Eisenbahnverwaltungen <strong>der</strong> teilnehmenden<br />
Län<strong>der</strong> verwaltet werden.<br />
Die SBB Cargo AG nennt in den Allgemeinen Bedingungen für Tauschgeräte<br />
folgende Gebiete, in denen ein Austausch möglich ist:<br />
• innerhalb <strong>der</strong> Schweiz<br />
• im Ausland mit den Tochterfirmen <strong>der</strong> SBB Cargo<br />
• unter den Län<strong>der</strong>n des europäischen Palettenpools (EPP): Deutschland,<br />
Kroatien, Österreich,<br />
Schweiz, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Ungarn.<br />
334
Europaletten<br />
Der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Ladungsträger ist die Europalette<br />
1 o<strong>der</strong> Flachpalette EUR. Die Paletten können innerhalb <strong>der</strong> Län<strong>der</strong>, die zum<br />
Europäischen Palettenpool gehören, ausgetauscht werden - so auch in und<br />
mit <strong>der</strong> Schweiz.<br />
Euro-Palette Typ I<br />
Die Europalette ist für folgende Lasten ausgelegt:<br />
• 1000 kg, wenn die Last beliebig auf <strong>der</strong> Palettenoberfläche verteilt ist.<br />
• 1500 kg, wenn die Last auf <strong>der</strong> Palettenoberfläche gleichmässig verteilt ist.<br />
• 2000 kg, wenn die Last in kompakter Form vollflächig und gleichförmig auf <strong>der</strong><br />
gesamten<br />
Palettenoberfläche aufliegt.<br />
Tauschkriterien für Europaletten<br />
Für den Tausch <strong>der</strong> Paletten wurden vom europäischen Palettenpool<br />
Tauschkriterien vereinbart. Tauschkriterien sind verbindliche Normen über den<br />
minimalen Zustand einer Palette, die für den Austausch einzuhalten sind.<br />
Paletten, die Schäden aufweisen und dadurch den minimalen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen nicht entsprechen, müssen für den Austausch nicht akzeptiert<br />
werden.<br />
335
Nicht tauschbar sind Paletten, die den Bau- und Kennzeichnungsvorschriften<br />
für Tauschpaletten nicht entsprechen o<strong>der</strong> die einen o<strong>der</strong> mehrere <strong>der</strong><br />
folgenden Mängel aufweisen:<br />
1 Ein Brett fehlt.<br />
2 Ein Brett ist quer o<strong>der</strong> schräg gebrochen.<br />
3 Ein Boden- o<strong>der</strong> Deckrandbrett ist so abgesplittert, dass mehrere<br />
Nagelköpfe sichtbar sind o<strong>der</strong> mehr als zwei Boden- o<strong>der</strong><br />
Deckrandbretter sind so abgesplittert, dass pro Brett ein Nagelkopf<br />
sichtbar ist.<br />
4 Ein Klotz fehlt o<strong>der</strong> ist so gespalten, dass mehr als ein Nagel sichtbar ist.<br />
5 Das Zeichen <strong>der</strong> EPAL fehlt.<br />
Ebenfalls nicht tauschbar sind Paletten:<br />
• <strong>der</strong>en allgemeiner Zustand schlecht ist.<br />
• <strong>der</strong>en Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist.<br />
• die so stark verschmutzt sind, dass das Ladegut verschmutzt wird.<br />
• an denen mehrere Klötze stark abgesplittert sind.<br />
• bei denen offensichtlich Bauteile verwendet wurden, die den Vorschriften<br />
nicht entsprechen.<br />
336
Tauschkriterien für Tauschrahmen und Tauschbretter<br />
Innerhalb <strong>der</strong> Schweiz können nicht nur Paletten, son<strong>der</strong>n auch Rahmen und<br />
Bretter getauscht werden. Rahmen sind auch mit Österreich tauschbar. Es<br />
gelten die folgenden Tauschkriterien:<br />
Nicht getauscht werden Tauschrahmen:<br />
• die den Kennzeichnungsvorschriften nicht entsprechen.<br />
• bei denen eine Stirn- o<strong>der</strong> Seitenwand eingedrückt ist.<br />
• bei denen eine Stirn- o<strong>der</strong> Seitenwand so abgesplittert ist, dass ein<br />
Schraubenkopf sichtbar wird.<br />
• die stark verschmutzte Innenwände aufweisen.<br />
• bei denen mehrere Wände stark abgesplittert sind.<br />
Ebenfalls nicht getauscht werden Tauschrahmen, <strong>der</strong>en allgemeiner Zustand<br />
schlecht ist.<br />
Nicht getauscht wird ein Tauschbrett, wenn:<br />
• ein Deck- o<strong>der</strong> Querbrett fehlt, zerbrochen o<strong>der</strong> so abgesplittert ist, dass die<br />
Vernagelung sichtbar ist.<br />
• die Aussenkante eines Randbrettes auf mehr als <strong>der</strong> Hälfte <strong>der</strong> Brettlänge<br />
abgebrochen und <strong>der</strong> fehlende Teil stellenweise breiter als 20 mm ist.<br />
• das Kennzeichen einer Bahn fehlt o<strong>der</strong> unleserlich ist.<br />
337
6.3 EPAL (European Pallet Association)<br />
Die European Pallet Association (EPAL) ist <strong>der</strong> Dachverband <strong>der</strong> Hersteller und<br />
Reparateure von EPAL-Ladungsträgern. Die EPAL ist zuständig für den grössten<br />
offenen Palettenpool und ist verantwortlich für die Qualitätssicherung <strong>der</strong><br />
Ladungsträger. Werden also neue Paletten hergestellt o<strong>der</strong> werden Paletten<br />
repariert, ist <strong>der</strong> Auftraggeber die EPAL.<br />
6.3.1 Qualitätsnormen für Tauschpaletten<br />
Damit die EPAL die Qualität ersichtlich machen kann, wurden folgende<br />
Qualitätsmerkmale festgelegt:<br />
1 Brandzeichen <strong>der</strong> European Pallet Association ( EPAL )<br />
2 Brandzeichen einer europäischen Bahngesellschaft<br />
3 Brandzeichen des Europäischen Palettenpools ( EPAL )<br />
4 Genormtes Nagelbild<br />
5 Angefaste Bodenbretter<br />
6 Keine Schimmelbildung<br />
7 Qualitätsprüfklammer mit EPAL-Qualitätszeichen<br />
8 Nach <strong>der</strong> Reparatur: Reparatur-Prüfnagel mit EPAL-Qualitätszeichen<br />
338
6.4 Tauschverfahren von EURO-Paletten<br />
Wie in Kapitel 6.1 ausgeführt, sind Gebinde (z. B. EURO-Palette) mit Kosten<br />
verbunden. Je nach Unternehmen werden täglich mehrere hun<strong>der</strong>t solcher<br />
Paletten angeliefert und müssen wie<strong>der</strong> zurückgegeben werden.<br />
6.4.1 Offener Pool<br />
Das Wort "Pool" ist <strong>der</strong> englische Ausdruck für Gefäss - allgemein bekannt ist<br />
<strong>der</strong> "Swimming-Pool". Auch ein Tauschgerätepool ist eine Art "Gefäss":<br />
Tauschgeräte werden hineingegeben, an<strong>der</strong>e werden entnommen.<br />
Verwendung und Tausch von Poolpaletten haben sich vielerorts durchgesetzt.<br />
Die Mitgliedschaft in einem Tauschgerätepool ist freiwillig. Die Pools<br />
funktionieren nach zwei verschiedenen Prinzipien, entwe<strong>der</strong> sind sie offen<br />
o<strong>der</strong> geschlossen.<br />
Im offenen Pool sind die Tauschgeräte im Besitz <strong>der</strong> Poolteilnehmer. Je<strong>der</strong>, <strong>der</strong><br />
ein Tauschgerät abgibt, bekommt dafür einen gleichwertigen Ersatz. Für den<br />
Austausch gelten Regeln, die in einem Regelwerk enthalten sind. Drei<br />
Tauschvarianten haben sich dort durchgesetzt. Dank diesen Varianten kann<br />
<strong>der</strong> Ladungsträger getauscht werden, und es muss nicht die ganze Ware<br />
abgeladen und auf einen eigenen Ladungsträger wie<strong>der</strong> aufgeladen<br />
werden.<br />
339
6.4.2 Tausch Zug-um-Zug<br />
Das einfachste Tauschverfahren im offenen Palettenpool ist die Variante Zugum-Zug.<br />
Der Frachtführer übergibt in seiner Lieferung 30 Europaletten im<br />
ersten Zug, im zweiten Zug werden ihm 30 leere Euro Paletten zurückgegeben.<br />
Mit dieser Variante sind die Kosten <strong>der</strong> Gebinde wie<strong>der</strong> ausgeglichen. Es muss<br />
darauf geachtet werden, dass gleichwertige Paletten ausgetauscht werden.<br />
Wurden 30 "benutzte" Europaletten erhalten, können auch 30 "benutzte"<br />
zurückgegeben werden.<br />
6.4.3 Tausch gegen Gutschein<br />
Ein Unternehmen, das nicht über die nötigen Reserven an Leerpaletten<br />
verfügt, kann sich mit einem Gutschein behelfen. Die Form des Gutscheins ist<br />
nicht vorgeschrieben. Im Prinzip reicht eine Notiz auf einem Blatt Papier, in <strong>der</strong><br />
die Schuld an Tauschgeräten (Art und Anzahl) gegenüber dem Lieferanten<br />
anerkannt wird. Der Zettel ist rechtsgültig, wenn er mit <strong>der</strong> Unterschrift eines<br />
Mitarbeitenden versehen ist.<br />
340
Palettenschein EnterSite AG<br />
6.4.4 Tausch mit Kontokorrent<br />
Lieferanten und Kunden, die regelmässig miteinan<strong>der</strong> Paletten tauschen,<br />
können ein Tauschgeräte-Kontokorrent führen. Dies ist eine Art<br />
Buchhaltungskonto auf Papier o<strong>der</strong> als elektronisches Dokument, in dem<br />
sämtliche Ein- und Ausgänge <strong>der</strong> Tauschgeräte registriert werden. Die Anzahl<br />
<strong>der</strong> erhaltenen Tauschgeräte wird mit <strong>der</strong> Anzahl <strong>der</strong> abgegebenen<br />
verrechnet. Die Differenz, in <strong>der</strong> Fachsprache Saldo genannt, ist für einen <strong>der</strong><br />
beiden Tauschgerätepartner positiv, für den an<strong>der</strong>en negativ. Der Partner mit<br />
dem positiven Saldo hat Tauschgeräte zugute, <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Partner schuldet<br />
sie ihm. Auf <strong>der</strong> Webseite Palettenportal kann das eigene Kontokorrent<br />
geführt werden. Dort ist <strong>der</strong> aktuelle Saldo je<strong>der</strong>zeit abrufbar. Als Alternative<br />
zum Palettenportal kann auch eine Excel-Mappe als Kontokorrent dienen.<br />
Sind die Formeln richtig eingesetzt, können die Daten eingetragen und gleich<br />
berechnet werden. Die Excel-Mappe kann mit dem Gegenüber zur Einsicht<br />
o<strong>der</strong> zum Mitbearbeiten geteilt werden.<br />
341
Kontokorrent EnterSite AG<br />
6.5 Der Ladungsträger nach CHEP<br />
Als Alternative zu den Euro-Produkten hat sich die Organisation<br />
Commonwealth Handling Equipment Pool (CHEP) durchgesetzt. Die<br />
australische Regierung gründete im Zweiten Weltkrieg das Allied Materials<br />
Handling Standing Committee (AMHSC), um die Versorgung <strong>der</strong><br />
Verteidigungsstellen zu sichern. Nach dem Krieg hat die US-Armee in<br />
Australien eine Fülle von Transport- und Verladegeräte hinterlassen. Aus<br />
diesen Beständen und <strong>der</strong> bereits vorhandenen Infrastruktur entstand <strong>der</strong><br />
CHEP.<br />
6.5.1 Geschlossener Pool<br />
In einem geschlossenen Pool müssen die teilnehmenden Betriebe keine<br />
Tauschgeräte kaufen, damit sie diese mit den an<strong>der</strong>en tauschen können. Ein<br />
342
einziger Betrieb schafft die Geräte an und stellt sie den an<strong>der</strong>en gegen<br />
Entgelt zur Verfügung. Ein solcher geschlossener Pool ist CHEP, <strong>der</strong> unter<br />
an<strong>der</strong>en die "blauen Paletten" verwaltet und dem sich verschiedene Betriebe<br />
in <strong>der</strong> Schweiz, vor allem grössere Handelsbetriebe, angeschlossen haben.<br />
Mittlerweile hat sich CHEP weltweit mit 220 Service-Centern in 35 Län<strong>der</strong>n<br />
etabliert. Neben den üblichen Paletten nach EURO-Norm 0, l und ll führt CHEP<br />
auch Viertelpaletten (400 x 600 mm) und USA Paletten (1020 x 1220 mm) im<br />
Sortiment. Die Unterschiede zum offenen Pool sind:<br />
• Die Ladungsträger werden nicht gekauft, son<strong>der</strong>n gemietet. In <strong>der</strong> Miete sind<br />
die Kosten für das Einsammeln und für Reparaturen enthalten.<br />
• Es findet kein Austausch von Ladungsträgern statt. Betriebe, die Ware auf<br />
Ladungsträgern versenden, informieren den Poolträger (CHEP). Sie melden<br />
diesem die Anzahl und die Art <strong>der</strong> versendeten Ladungsträger sowie die<br />
Adresse des Empfängers.<br />
• Leere Ladungsträger werden an einer Sammelstelle abgegeben, wo sie vom<br />
Poolträger abgeholt werden.<br />
6.6 Spezielle Ladungsträger<br />
Natürlich sind in <strong>der</strong> Logistik nicht nur Produkte aus <strong>der</strong> Euro- o<strong>der</strong> CHEP-Serie<br />
vorhanden. Es gibt eine Vielfalt an Produkten und daher eine grosse Auswahl<br />
an verschiedenen, speziellen Ladungsträgern:<br />
Stahlblechpalette<br />
Tragfähigkeit bis zu 2 t, in den<br />
Standardabmessungen 800x1200,<br />
800x1000 und 1000x1200 mm erhältlich.<br />
343
Kunststoffpaletten<br />
In verschiedensten Farben,<br />
Ausführungen und Massen erhältlich.<br />
Eignen sich für Nasszonen, für die<br />
chemische Industrie und die<br />
Lebensmittelindustrie usw.<br />
Stapelpaletten<br />
Stapelpaletten bieten eine<br />
platzsparende Lagerung. Sie sind als<br />
Einwegpaletten für leichte Güter<br />
geeignet. Sehr kostengünstig und<br />
ökologisch sind solche aus gepressten<br />
Holzspänen.<br />
Fasspalette<br />
Ermöglicht den sicheren Transport von<br />
liegenden Fässern.<br />
Pal-Box<br />
Verpackung und Palette in einem<br />
(Kartonkonstruktion). Können von<br />
Staplern o<strong>der</strong> Hubwagen wie eine<br />
normale Palette aufgenommen<br />
werden. Eignen sich für grossvolumige<br />
und leichte Güter.<br />
Tauschbare Gitterbox<br />
Die abgebildete Gitterbox ist<br />
neuerdings im europäischen<br />
Palettenpool tauschbar, wenn ihr<br />
Zustand den Tauschkriterien entspricht.<br />
344
Metallboxen und Metallboxpaletten<br />
Boxen und Boxpaletten aus Metall<br />
eignen sich für die Aufbewahrung von<br />
Schüttgütern wie Metallspäne o<strong>der</strong><br />
Glasscherben. Häufig werden sie zum<br />
Sammeln von Abfällen o<strong>der</strong> für das<br />
Recycling eingesetzt, wie zum Beispiel<br />
die hier abgebildete Metallboxpalette<br />
I.<br />
Holzboxen<br />
Für Lagerung und Transport von<br />
Früchten und Gemüse werden<br />
unterschiedliche Holzboxen, wie<br />
beispielsweise die Kartoffelbox,<br />
verwendet. Die Wände sind<br />
durchbrochen, damit <strong>der</strong> Inhalt<br />
genügend belüftet wird.<br />
Kartoffelboxen werden saisonal in<br />
grosser Anzahl benötigt. In <strong>der</strong> übrigen<br />
Zeit werden sie in grossen Blöcken<br />
gelagert.<br />
Tankpaletten<br />
Für Lagerung und Transport von<br />
Flüssigkeiten o<strong>der</strong> feinkörnigen<br />
Schüttgütern werden Tankcontainer<br />
o<strong>der</strong> auch Varitainer (Tankpalette)<br />
eingesetzt. Wenn sie richtig ausgerüstet<br />
sind, eignen sie sich auch für die<br />
Beför<strong>der</strong>ung von gefährlichen Gütern.<br />
Tankcontainer sind in den<br />
Grundmassen <strong>der</strong> Palette l o<strong>der</strong> 0, aber<br />
auch in verschiedensten Varianten für<br />
spezielle Zwecke erhältlich.<br />
345
Tankcontainer, Varitainer<br />
Haben ein Fassungsvermögen von 0,8 <strong>–</strong><br />
1,2 m 3 . Eignen sich zum Transport von<br />
Flüssigkeiten. Werden oft in <strong>der</strong><br />
Lebensmittelindustrie eingesetzt.<br />
6.6.1 Zusatzgeräte auf Ladungsträger<br />
Die folgenden Zusatzgeräte passen zur Masse <strong>der</strong> EURO-Palette Typ I, fallen<br />
jedoch nicht unter die Pool-Vereinbarung und können daher nicht getauscht<br />
werden.<br />
Stirnaufstecklinge und Ansteckbügel<br />
Erleichtern die Palettierung von Rollen o<strong>der</strong><br />
Stoffballen.<br />
Klemmbügel als Stapelhilfe<br />
Können an die Palette angeklemmt werden.<br />
6.7 Ladungsträger auf Rollen<br />
Als sehr praktisch haben sich die Ladungsträger auf Rollen erwiesen. Sie<br />
ermöglichen ein einfaches Handling im Lager. Auch beim Umlad o<strong>der</strong> in <strong>der</strong><br />
Zustellung gibt es grosse Vorteile.<br />
346
Rollpaletten<br />
Rollpaletten sind Ladungsträger aus Metall<br />
mit einklappbaren Seitenstützen und Rollen<br />
an einer Breitseite. Wird die Palette auf <strong>der</strong><br />
an<strong>der</strong>en Breitseite leicht angehoben, kann<br />
sie vorwärtsgerollt werden. Dies erleichtert<br />
das Platzieren <strong>der</strong> Ladungen in<br />
Bahnwagen.<br />
Rollbehälter<br />
Rollbehälter werden eingesetzt, um ein<br />
aufwändiges Verpacken zu vermeiden,<br />
wenn unterschiedliche Artikel in kleinen<br />
Mengen über eine kurze Strecke<br />
transportiert werden sollen. Ihr klassisches<br />
Einsatzgebiet ist in <strong>der</strong> Belieferung von<br />
Filialen. Für den Transport in Lastwagen<br />
werden die Rollbehälter mit Stangen<br />
gesichert.<br />
Sammelbehälter<br />
Sammelbehälter <strong>der</strong> Post: Die neu<br />
eingeführten, standardisierten Briefbehälter<br />
haben einen neuen Sammelbehälter<br />
erfor<strong>der</strong>t. Er eignet sich ideal für den<br />
effizienten Transport <strong>der</strong> Briefbehälter.<br />
6.8 Einweggebinde<br />
Wie in Kapitel 6 ausgeführt ist "Gebinde" ein Überbegriff. Ein Gebinde können<br />
Behälter, Kisten o<strong>der</strong> Karton sein. Bei <strong>der</strong> Herstellung von Gebinden wird<br />
unterschieden zwischen einem Einweg- und einem Mehrweggebinde. Wie <strong>der</strong><br />
Name bereits erahnen lässt, wird das Einweggebinde einmal eingesetzt und<br />
347
im Anschluss entsorgt. Solche Gebinde verursachen in <strong>der</strong> Logistik sehr hohe<br />
Abfallkosten und belasten unsere Umwelt. Trotzdem sind Einweggebinde<br />
aktuell nicht vollumfänglich wegzudenken.<br />
Weitere Informationen zu Einweggebinden und Verpackungen findest du<br />
im Modul 602 .<br />
6.9 Mehrweggebinde<br />
Die Alternative zum Einweggebinde ist das Mehrweggebinde. Es handelt sich<br />
dabei um ein Gebinde, welches hergestellt wurde, um mehrmals eingesetzt<br />
zu werden. Jedes Gebinde, das wie<strong>der</strong> eingesetzt werden kann, verursacht<br />
keinen direkten Abfall. Wichtig bei solchen Gebinden ist aber, dass sie den<br />
Kreislauf nicht verlassen und in <strong>der</strong> Natur landen. Oft werden<br />
Mehrweggebinde aus Plastik hergestellt.<br />
Zu Mehrweggebinden, speziell zur Dispo-Box, findest du mehr<br />
Informationen in Modul 602.<br />
348
Modul 307_Grobkontrolle und Schadenabwicklung<br />
Ausgangslage<br />
Sobald die Ware entladen worden ist, die Global- und Detail-Identifikation<br />
durchgeführt und die Gebindekontrolle gemacht ist, muss die Qualität <strong>der</strong><br />
Ware sichergestellt werden. In den folgenden Modulen erfährst du, wie das<br />
geht. Dieses Modul behandelt mögliche Fehler o<strong>der</strong> Schäden und wie man in<br />
<strong>der</strong> Logistik damit umgeht.<br />
Sicher hast auch du bereits Erfahrungen mit Fehlern o<strong>der</strong> Schäden gemacht -<br />
natürlich nicht selber verschuldet :)<br />
Schil<strong>der</strong>ung:<br />
1. Notiere aus deinen eigenen Erfahrungen in <strong>der</strong> Logistik, wo du<br />
bereits einen Fehler o<strong>der</strong> einen Schaden entdeckt o<strong>der</strong><br />
mindestens davon gehört hast.<br />
2. Diskutiere in <strong>der</strong> Klasse o<strong>der</strong> in Gruppen die notierten Fehler<br />
o<strong>der</strong> Schäden. Du kannst die Fehler o<strong>der</strong> Schäden gerne in<br />
Stichworten schriftlich festhalten.<br />
Stichworte Fehler/Schäden aus dem Plenum:<br />
349
Fachartikel Modul 307<br />
7. Grobkontrolle- und Schadenabwicklung<br />
Fehler o<strong>der</strong> Schäden sind in <strong>der</strong> Logistik lei<strong>der</strong> keine Seltenheit. Wichtig ist, sie<br />
zu erkennen, die Ursachen zu analysieren und die Fehlerquote zu verbessern.<br />
7.1 Fehler in <strong>der</strong> Lieferung<br />
Fehler in einer Lieferung sollten nicht sein, können aber vorkommen. Wichtig<br />
ist, dass die Logistikerinnen und Logistiker die Kontrollen konzentriert<br />
durchführen. Bereits die Global- und Detail-Identifikation ( Modul 304)<br />
sollten mögliche Mängel o<strong>der</strong> Fehler aufzeigen. Mögliche Fehler, die bei <strong>der</strong><br />
Global- und Detail-Identifikation festgestellt werden können sind:<br />
7.1.1 Falscher Empfänger<br />
Es ist möglich, dass die EnterSite AG eine Lieferung erhält, welche nicht für sie<br />
bestimmt ist. Mit <strong>der</strong> Global-Identifikation können genau solche Fehler<br />
verhin<strong>der</strong>t werden. Wird <strong>der</strong> Fehler nicht erkannt, werden unnötige Aufwände<br />
generiert, die zeitraubend sind und Kosten verursachen.<br />
Absen<strong>der</strong>, Frachtführer und Empfänger können mit einer klaren<br />
Kommunikation von Adressen und Kontaktpersonen übergreifend und intern<br />
helfen, solche Fehler zu verhin<strong>der</strong>n; dies liegt im Interesse von allen Beteiligten.<br />
Merke: Insbeson<strong>der</strong>e Unternehmen mit verschiedenen Nie<strong>der</strong>lassungen<br />
haben erhöhtes Fehlerpotenzial.<br />
7.1.2 Falsche Güter<br />
Selbst wenn <strong>der</strong> Empfänger stimmt, ist <strong>der</strong> richtige Inhalt noch nicht garantiert.<br />
Dass falsche Güter geliefert werden, gilt es zu vermeiden. Der Absen<strong>der</strong> kann<br />
Fehllieferungen vorbeugen mittels dem Vieraugenprinzip (Doppelkontrolle vor<br />
dem Versand) o<strong>der</strong> durch das Arbeiten mit Scannern, die eine klare<br />
Identifizierung ermöglichen. Der Empfänger kann Fehllieferungen durch<br />
konzentriertes Arbeiten in <strong>der</strong> Detail-Identifikation erkennen.<br />
7.1.3 Falsche Menge<br />
Eine Fehllieferung liegt nicht nur bei <strong>der</strong> Lieferung von falschen Gütern vor,<br />
son<strong>der</strong>n auch, wenn die gelieferte Menge nicht stimmt. In diesem Fall ist <strong>der</strong><br />
Scanner zur Entdeckung <strong>der</strong> Fehler aber nicht die richtige Lösung. Die<br />
350
Lieferung <strong>der</strong> falschen Menge geschieht beson<strong>der</strong>s oft bei kleinen Gütern in<br />
grossen Mengen. Mit welchen Hilfsmitteln <strong>der</strong> Empfänger einen Fehler bei <strong>der</strong><br />
Menge feststellen kann, wird im Modul 308 aufgezeigt.<br />
7.1.4 Qualitative Abweichung<br />
Selbst wenn bei <strong>der</strong> Global- und Detail-Identifikation alles richtig gemacht<br />
worden ist, kann noch eine Fehllieferung vorliegen. Eine Fehllieferung ist auch,<br />
wenn die Ware qualitative Abweichungen aufweist. Eine korrekte Lieferung ist<br />
wertlos, wenn <strong>der</strong> Gegenstand nicht <strong>der</strong> erwarteten Qualität entspricht. Wie<br />
<strong>der</strong> Empfänger die Qualität sicherstellen kann, wird im Modul 309<br />
aufgezeigt.<br />
Merke: Auch beschädigte Verpackungen können als qualitative Abweichung<br />
empfunden werden, da sie einen Verkauf verhin<strong>der</strong>n.<br />
7.1.5 Verspätete Lieferung<br />
In <strong>der</strong> Regel ist eine Bestellung mit einem vereinbarten Liefertermin versehen.<br />
An diesen Liefertermin sind weitere Tätigkeiten gebunden, wie das<br />
Fertigstellen in <strong>der</strong> Produktion o<strong>der</strong> das Weiterleiten an den Kunden. Kann <strong>der</strong><br />
Liefertermin durch den Absen<strong>der</strong> o<strong>der</strong> das Transportunternehmen nicht<br />
eingehalten werden, kann die Vereinbarung und somit auch die Bestellung<br />
storniert werden. Darunter lei<strong>der</strong> das Image des Unternehmens und seine<br />
Aufwände und Kosten steigen.<br />
7.1.6 Fehlerquote und Folgen<br />
In einer Qualitätsvereinbarung zwischen dem Lieferanten und dem Kunden<br />
wird gemeinsam definiert, welche Fehlergrösse toleriert werden kann.<br />
Beispiel definierte Fehlergrösse in einer Qualitätsvereinbarung<br />
Je nach Wert und Wichtigkeit <strong>der</strong> Artikel kann die Vereinbarung<br />
unterschiedlich sein. Sie legt die Folgen bei Nicht-Erreichen für den<br />
Lieferanten fest. Die Folgen können bis zu einer Strafzahlung gehen.<br />
Unabhängig von <strong>der</strong> Anzahl Fehler o<strong>der</strong> den Folgen ist für den Lieferanten<br />
351
je<strong>der</strong> Fehler einer zu viel. Solche Missstände werden in <strong>der</strong> Branche diskutiert<br />
und können weitreichende Folgen haben, wenn das Image des<br />
Unternehmens betroffen ist.<br />
Die Fehlerquote kann berechnet werden und ist in <strong>der</strong> Logistik als<br />
Fehllieferungsgrad bekannt. Diese Kennzahl wird in <strong>der</strong> Fachrichtung Lager<br />
weiter vertieft.<br />
7.2 Schäden<br />
Mit einem kurzen Blick (Global-Identifikation) erhält man meist einen ersten<br />
Eindruck über den Zustand <strong>der</strong> eintreffenden Güter.<br />
Ist die Ladung verschoben o<strong>der</strong> sind Palettenladungen umgestürzt, ist davon<br />
auszugehen, dass die Transportbeanspruchung erheblich war und die Güter<br />
den Transport nicht schadlos überstanden haben. Weniger einfach ist das<br />
Feststellen von Schäden infolge klimatischer Einflüsse (z. B. Feuchtigkeit,<br />
Temperatur), weil sie nicht offensichtlich sind. Insbeson<strong>der</strong>e im internationalen<br />
Verkehr müssen die ankommenden Güter immer kritisch begutachtet werden.<br />
Wenn nötig, sind spezielle Qualitätsprüfstellen beizuziehen.<br />
Eine Transportbeanspruchung ist kaum zu vermeiden. Güter, die direkt für den<br />
Verkauf vorgesehen sind werden für den Transport zusätzlich verpackt. Das<br />
Ziel dieser zusätzlichen Verpackung ist es, die Verkaufsverpackung zu<br />
schützen. Bereits beschädigte Verkaufsverpackungen sind nach heutigem<br />
Standard ein Grund, das Produkt nicht in den Verkaufsstellen zu präsentieren.<br />
352
7.2.1 Verpackungen mit Transportschäden<br />
Beim Feststellen von Schäden muss unterschieden werden zwischen<br />
Umverpackungen und Verkaufsverpackungen. Die Bewertung, ob ein<br />
Schaden vorhanden ist o<strong>der</strong> nicht, kann je nach Aufgabe <strong>der</strong> Verpackung<br />
unterschiedlich sein.<br />
Zerrissene Verpackung<br />
Zerrissene Verpackungen lassen auf einen beschädigten Inhalt schliessen.<br />
Handelt es sich um Verkaufsverpackungen, ist die Ware in <strong>der</strong> Regel nicht<br />
mehr verkäuflich.<br />
Verpackung mit Flecken<br />
Bei einer Verpackung mit Flecken stellt sich die Frage, ob <strong>der</strong> Fleck von<br />
aussen o<strong>der</strong> von innen auf die Verpackung gelangt ist. Eine Verunreinigung<br />
von innen ist auf zerbrochene Ware zurückzuführen. Ist die Ware zerbrochen,<br />
ist sie unbrauchbar. Stammt <strong>der</strong> Fleck von einer äusseren Einwirkung, kann<br />
dies bei einer Umverpackung geduldet werden, nicht aber bei einer<br />
Verkaufsverpackung.<br />
Zerdrückte und verbeulte Verpackung<br />
353
Bei zerdrückten und verbeulten Verpackungen ist zu prüfen, ob <strong>der</strong> Inhalt<br />
Schaden genommen hat. Sind Verkaufsverpackungen betroffen, ist die Ware<br />
zurückzuweisen.<br />
7.2.2 Hilfsmittel zum Anzeigen von Schäden<br />
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, um teure o<strong>der</strong> heikle Produkte auch auf<br />
langen Transportrouten zu begleiten und zu überwachen. Die Bedingungen<br />
während des Transports o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Lagerung können die Qualität des<br />
Gutes negativ beeinflussen. Mögliche Schäden sind Bruchschäden durch<br />
Stoss, Herunterfallen o<strong>der</strong> unsanftes Absetzen, Kippschäden, Produktschäden<br />
durch Nichteinhaltung <strong>der</strong> Temperaturkette, Diebstahl usw. Bei manchen<br />
Produkten ist von aussen kein Schaden ersichtlich, selbst wenn ihre<br />
Funktionalität während des Transports beeinträchtigt worden ist. Um eine<br />
Rückerstattung <strong>der</strong> Transportschäden bei <strong>der</strong> Transportversicherung zu<br />
beantragen, braucht es klare Beweise. Die Schäden müssen sichtbar sein<br />
(Fotos), ansonsten braucht es Daten (Indikatoren o<strong>der</strong> Transportdatenlogger),<br />
welche den Schadenfall klar dokumentieren.<br />
Das kann teuer werden: Für das Unternehmen geht es oft nicht nur um das<br />
verlorene Geld im Schadenfall, son<strong>der</strong>n auch um die Wahrnehmung des<br />
Kunden, was noch fast wichtiger ist. Womöglich geht Vertrauen verloren, und<br />
die Reputation des Unternehmen kann beschädigt werden.<br />
Transportüberwachungsindikatoren überwachen kostengünstig und lückenlos<br />
die Einhaltung <strong>der</strong> gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und stellen dadurch sicher,<br />
dass die Sendung so sorgfältig wie verlangt behandelt wird.<br />
Kippindikatoren<br />
Um empfindliche Güter während dem Transport "kontrollieren" zu können,<br />
kann mit einem Kippindikator gearbeitet werden. Wie <strong>der</strong> Name bereits<br />
aussagt, kann dieses Hilfsmittel Neigungen von einem Gegenstand messen.<br />
Verschiedene Kippindikatoren ermöglichen das Messen von<br />
unterschiedlichen Neigungen.<br />
354
Kippindikator mit blauem Quarzsand<br />
Der Quarzsand im Kippindikator wird im neutralen Zustand mit einer<br />
Abtrennung zum Pfeil zurückgehalten. Wird <strong>der</strong> Indikator um 60 o geneigt,<br />
fliesst <strong>der</strong> Sand durch die Abtrennung und haftet im oberen Bereich. In <strong>der</strong><br />
Wareneingangskontrolle ist auf einen Blick erkennbar, dass die Lieferung stark<br />
geneigt wurde.<br />
Kippindikator mit Glaskügelchen<br />
Eine Alternative zum Quarzsand ist <strong>der</strong> Kippindikator mit Glaskügelchen.<br />
Innerhalb <strong>der</strong> "Fingerform" ist ein Glaskügelchen angebracht. Durch Neigung<br />
entfernt sich dieses und bewegt sich je nach Neigungswinkel in die Form. Am<br />
Ende <strong>der</strong> Form bleibt das Glaskügelchen haften. Im Warenausgang kann so<br />
festgestellt werden, dass die Lieferung geneigt wurde.<br />
355
Schockindikatoren<br />
Schockindikatoren<br />
Schockindikatoren gibt es in verschiedenen Grössen und Ausführungen. Ein<br />
oft verwendetes Produkt funktioniert mittels Präzisionsglasröhrchen (siehe<br />
Abbildung). Das Präzisionsglasröhrchen ist mit einer roten Flüssigkeit gefüllt. Die<br />
Flüssigkeit wird durch ihre Oberflächenspannung in einem nicht sichtbaren Teil<br />
des Indikators zurückgehalten. Das Überschreiten einer<br />
definierten Beschleunigung zerreisst die Oberflächenspannung. Die<br />
austretende Flüssigkeit verfärbt den Indikator rot.<br />
Temperaturindikatoren<br />
Die Kühlkette ist für die Logistik ein Begriff mit grosser Bedeutung. Kann die<br />
Kühlkette während dem Transport nicht eingehalten werden, können ganze<br />
Lieferungen ver<strong>der</strong>ben. Optisch ist <strong>der</strong> Schaden im Wareneingang kaum<br />
erkennbar. Umso wichtiger ist <strong>der</strong> Einsatz von Temperaturindikatoren. In <strong>der</strong><br />
Praxis sind verschiedene Modelle bekannt. Auf dem Temperaturindikator in<br />
<strong>der</strong> Abbildung wird mit drei Farbpunkten aufgezeigt, wenn die tatsächliche<br />
Temperatur die erwartete überschreitet, und <strong>der</strong> Punkt färbt sich rot.<br />
356
Temperaturindikaotren<br />
Anwendung von Indikatoren<br />
Indikatoren können Logistikerinnen und Logistikern grossen Ärger und Kosten<br />
ersparen. Dafür müssen sie aber richtig angewendet werden. Bei <strong>der</strong><br />
Anwendung sind die folgenden fünf Schritte zu befolgen:<br />
Die Anwendung von Indikatoren in fünf Schritten:<br />
Schritt 1: Anbringen des Indikators auf <strong>der</strong> Verpackung<br />
Schritt 2: Frachtführer quittiert Unversehrtheit des Indikators bei<br />
Übernahme <strong>der</strong> Ware<br />
357
Schritt 3: Warenannahme überprüft Indikator bei <strong>der</strong> Auslieferung<br />
Schritt 4: Der Spediteur muss bei <strong>der</strong> Anlieferung einen ausgelösten o<strong>der</strong><br />
fehlenden Indikator bestätigen<br />
Schritt 5: Nach eingehen<strong>der</strong> Prüfung des Produktes erfolgt eine Freigabe<br />
o<strong>der</strong> eine Transportschadenbearbeitung<br />
Arbeiten mit Infrarotgeräten<br />
Eine Alternative zu den Indikatoren ist das Arbeiten mit Infrarot.<br />
Infrarotgerät<br />
Infrarotgeräte haben den Vorteil, dass man mit ihnen rasch Temperaturen<br />
von verschiedenen Gütern messen kann. An<strong>der</strong>s als die Indikatoren erkennen<br />
sie nicht Abweichungen, son<strong>der</strong>n können die effektive Temperatur eines<br />
Gegenstands ausweisen. Es gilt zu beachten, dass die Verwendung von<br />
Infrarot eine Momentaufnahme ist. Die Temperaturen während des Transports<br />
können nicht ausgewertet werden.<br />
Digitale Aufzeichnungsgeräte<br />
Am mo<strong>der</strong>nsten und effektivsten können Daten ständig gemessen werden,<br />
wenn man einen Datenlogger einsetzt. Der Datenlogger macht die Lieferkette<br />
von Gütern transparent und nachvollziehbar. Relevante Parameter wie<br />
358
Temperatur, Feuchtigkeit, Neigung und Erschütterung werden durch das<br />
Begleiten <strong>der</strong> Sendung gemessen. Über eine mobile Applikation werden die<br />
gemessenen Daten vom Datenlogger dokumentiert und visualisiert. Durch<br />
das individuelle Festlegen von Grenzwerten für alle Parameter werden<br />
Überschreitungen durch den Datenlogger nachvollziehbar angezeigt und<br />
können den Stationen <strong>der</strong> gesamten Logistikkette klar zugeordnet werden.<br />
Datenlogger werden an Standorten verwendet, die eine hohe<br />
Datengenauigkeit mit anspruchsvollen Zertifizierungsniveaus erfor<strong>der</strong>n<br />
(Museen, Pharma- und Medizinsektor usw.).<br />
Digitale Aufzeichnungsgeräte<br />
7.3 Der Schadenfall<br />
Trotz aller Hilfsmittel und korrektem Arbeiten kann es zu Schäden kommen.<br />
Wenn ein Schaden vorliegt, wird die Beschädigung <strong>der</strong> Ladung unverzüglich<br />
dem zuständigen Vorgesetzten gemeldet. Der Schaden muss nach<br />
betrieblichen Vorgaben dokumentiert werden. Zu diesem Zweck geben viele<br />
Unternehmen ein Formular zur Feststellung von Schäden vor. Das Dokument<br />
muss gemäss Anweisung ausgefüllt werden. Somit wird sichergestellt, dass<br />
keine wichtigen Informationen fehlen. In einem Schadenfall kann man<br />
heutzutage von <strong>der</strong> fortgeschrittenen Technik profitieren und den Schaden<br />
mit dem Smartphone o<strong>der</strong> einer digitalen Kamera fotografieren. Die Bil<strong>der</strong><br />
sollten möglichst aus allen Blickwinkeln aufgenommen werden. Sie sind<br />
wichtige Beweismaterialien und werden dem Schadenprotokoll angehängt.<br />
359
7.3.1 Verhalten im Schadenfall<br />
Schäden beim begleiteten Transport:<br />
Die Lieferung per LKW<br />
Der Schaden wird in Anwesenheit des Fahrers festgestellt. Dieser setzt seine<br />
Unterschrift auf das Formular zur Schadensfeststellung. Das Unternehmen<br />
übermittelt das Dokument an den Lieferanten. Der Fahrer entscheidet selbst,<br />
ob er seinem Unternehmen den Schaden mitteilt.<br />
Die Zustellung per Post<br />
Wenn ein Kurier eine beschädigte o<strong>der</strong> unvollständige Sendung liefert, muss<br />
eine Schadensmeldung erfolgen. Dazu muss das Formular<br />
"Schadensmeldung" verwendet werden. Für jeden Anbieter sind die Frist für<br />
die Einreichung <strong>der</strong> Schadensmeldung und das weitere Vorgehen<br />
unterschiedlich. Die beschädigte Sendung muss jedoch so lange aufbewahrt<br />
werden, bis die Schadensuntersuchung abgeschlossen ist, damit die Waren<br />
und die Verpackung bei Bedarf untersucht werden können.<br />
Schäden beim unbegleiteten Güterverkehr:<br />
Die Lieferung per Bahntransport<br />
Die Schäden an den Ladungen, die in Güterwaggons o<strong>der</strong> Containern<br />
transportiert wurden, werden wie folgt gemeldet: Bei Lieferung in einem<br />
Güterwaggon sind die Informationen an den für die Region zuständigen<br />
Ereignismanager <strong>der</strong> Bahn zu übermitteln, dessen Aufgabe es ist, die Art und<br />
den Umfang <strong>der</strong> Schäden vor Ort zu ermitteln.<br />
Die Lieferung per LKW<br />
Im Falle einer Lieferung per LKW in einem Container müssen die Schäden dem<br />
verantwortlichen Fahrer o<strong>der</strong> Lieferanten <strong>der</strong> Ware gemeldet werden, um<br />
Anweisungen über das weitere Vorgehen zu erhalten. In einigen Fällen muss<br />
die Entladung unterbrochen werden, bis eine Person (vom Lieferanten o<strong>der</strong><br />
Fahrer) beauftragt ist, den Schaden zu begutachten.<br />
360
Defekter ISO Container<br />
Schadenprotokoll<br />
Es ist wichtig, sich bei <strong>der</strong> Feststellung von Schäden richtig zu verhalten. Das<br />
Schadenprotokoll kann helfen, unangenehme Situationen o<strong>der</strong> Streitigkeiten<br />
zu verhin<strong>der</strong>n. Das Layout eines solchen Dokumentes kann frei gewählt<br />
werden. Wichtig ist, dass die richtigen Inhalte und das Visum des Frachtführers<br />
vorhanden sind.<br />
361
362<br />
Schadenprotokoll EnterSite AG
Dem Schadenprotokoll werden die erstellten Fotos und <strong>der</strong> bearbeitete<br />
Transport- o<strong>der</strong> Lieferschein beigefügt.<br />
363
Modul 308_Detailkontrolle<br />
Ausgangslage<br />
Masseinheiten und Zählsysteme sind nicht überall auf Welt gleich. Zum Beispiel<br />
wird die Temperatur in Europa mit Grad Celsius gemessen und über dem<br />
Atlantik mit Fahrenheit. Obwohl die beiden Systeme <strong>der</strong> Temperaturmessung<br />
dienen, haben sie eine an<strong>der</strong>e Berechnungsgrundlage. Auch in <strong>der</strong> Logistik<br />
werden verschiedene Messinstrumente verwendet, um die Mengen- und<br />
Qualitätskontrolle <strong>der</strong> Waren durchzuführen.<br />
364
Fachartikel Modul 308<br />
8. Detailkontrolle<br />
Zählen, Messen und Wägen sind Kontrollfunktionen, die im Güterverkehr<br />
schon immer eine grosse Bedeutung hatten. In Europa hat sich das<br />
Dezimalsystem (Zehnersystem) durchgesetzt. Trotzdem existieren in gewissen<br />
Bereichen noch Zähl- und Masseinheiten, die vom Dezimalsystem abweichen<br />
(zum Beispiel das Dutzend). Weltweit gibt es verschiedene Masse und<br />
Zählsysteme. Die gebräuchlichsten fremden Masseinheiten sind hierzulande<br />
bekannt (z. B. Barrel im Zusammenhang mit dem Erdölpreis), an<strong>der</strong>e lernt man<br />
erst auf Reisen kennen. Wer in England ein Bier trinken will, sollte we<strong>der</strong> eine<br />
Flasche noch einen "Halben" bestellen, son<strong>der</strong>n "a pint" - das entspricht 5,68<br />
dl.<br />
Einige Beispiele:<br />
• Barrel (USA): 158,8 l Erdöl<br />
• Gallon (USA): 3,79 l Flüssigkeiten, Treibstoffe<br />
• Gallon (GB): 4,55 l Flüssigkeiten<br />
• Dutzend: 12 Stück Bleistifte<br />
• Gros = 12 Dutzend: 144 Stück Bleistifte<br />
• Inch (Zoll): 2,54 cm Computer, Paletten, Container<br />
• Karat: 0,2 g Edelsteine<br />
• Paar: zwei Stück Textilien, Schuhe<br />
• Pint (GB): 0,568 l Flüssigkeiten (Bier)<br />
• Twenty-foot Equivalent Unit (TEU): 1 TEU entspricht einer 20-Fuss-<br />
Containereinheit<br />
8.1 Entstehung einheitlicher Masse<br />
Beim Wort "messen" denkt man in <strong>der</strong> Regel an das Abmessen <strong>der</strong> Länge,<br />
Breite (Dicke) o<strong>der</strong> Höhe eines Gegenstandes. Das Längenmass ist tatsächlich<br />
ein viel verwendetes und wichtiges Mass. Im Mittelalter nutzten die Menschen<br />
unter an<strong>der</strong>en die Masse von Körperteilen als Längenmasse. Zum Teil heute<br />
noch gebräuchlich sind Schritt, Fuss o<strong>der</strong> Elle.<br />
365
1 Fuss = 0.3048 m<br />
Auch zum Messen von Volumen und Gewichten gab es eine Vielzahl an<br />
Massen. Diese waren nicht nur von Land zu Land, son<strong>der</strong>n auch von Region<br />
zu Region verschieden. Deshalb war es ein grosser Fortschritt, als die<br />
französische Nationalversammlung 1791 beschloss, einheitliche Masse für das<br />
Land einzuführen. Die Länge des neuen Längenmasses legte sie wie folgt fest:<br />
Es soll dem zehnmillionsten Teil <strong>der</strong> Strecke vom Nordpol zum Äquator<br />
entsprechen.<br />
Den Namen "Meter" erhielt das neue Mass erst später. In Frankreich wurden<br />
die neuen Masse rasch eingeführt. In den an<strong>der</strong>en Län<strong>der</strong>n brauchte es<br />
Jahrzehnte, bis sie sich durchsetzte. 1875 unterzeichneten 17 Staaten,<br />
darunter auch die Schweiz, die Internationale Meterkonvention<br />
(Metervertrag). Heute hat die Konvention 51 Vollmitglie<strong>der</strong> und 26 assoziierte<br />
Mitgliedstaaten. Der in Frankreich hergestellte "Urmeter" von 1799, ein Stab<br />
aus einer Platin-Iridium-Legierung, kann in Paris besichtigt werden.<br />
366
1795: Der Urmeter wird in Paris festgelegt<br />
Kopien des Urmeters werden in den meisten europäischen Län<strong>der</strong>n<br />
aufbewahrt. Bis in die Mitte des letzten Jahrhun<strong>der</strong>ts wurden Metermasse am<br />
Urmeter geeicht, danach hatte er ausgedient. Mit <strong>der</strong> fortschreitenden<br />
Technik wurden genauere Messmethoden möglich.<br />
8.2 Zähltechnik<br />
Das Zählen verschiedener Grössen erfor<strong>der</strong>t Kompetenzen im Umgang mit<br />
Zahlen. Es gibt Zahlreihenfolgen, die sofort und ohne Rechnungsvorgang<br />
erkannt werden können (z. B. die 10er Reihe), aber auch Berechnungen, die<br />
deutlich komplizierter sind.<br />
Das Aufteilen in Teilmengen erleichtert die Arbeit und verhin<strong>der</strong>t zum Beispiel,<br />
dass eine Warensendung von 1536 Stück in 12er-Kartons so kontrolliert wird,<br />
dass jedes einzelne Stück gezählt wird. Die Teilmengen in diesem Beispiel sind<br />
128 Kartons und 12 Stück (pro Karton). Zu zählen ist also die Menge 128 und<br />
die Menge 12. Das heisst, die Kartons müssen vollständig durchgezählt<br />
werden, die Stückzahl pro Karton jedoch nur mit einer Stichprobe. Der Rest ist<br />
eine einfache Multiplikation, mit <strong>der</strong> nachgewiesen werden kann, dass die<br />
gelieferte Stückzahl korrekt ist. Noch einfacher wird die Zählkontrolle, wenn ihr<br />
drei Teilmengen zugrunde gelegt werden: die Stückzahl in den Kartons (12),<br />
die Anzahl an Kartons in einer Lage (32), die Anzahl an Lagen (4). Eine<br />
Multiplikation aus diesen drei Grössen ergibt die Anzahl Stück.<br />
Ein einfaches Beispiel:<br />
8 Stück pro Lage x 4 Lagen = 32 Stück<br />
367
Ein komplexeres Beispiel:<br />
2 Lagen à 12 Stück, 1 Lage à 27 Stück und 3 Lagen à 4 Verpackungen mit je<br />
21 Stück = 303 Stück<br />
8.2.1 Hilfsmittel für den Zählvorgang<br />
Beim oben aufgezeigten einfachen Beispiel kann das Resultat sofort und ohne<br />
Hilfsmittel berechnet werden. Bei komplexeren Aufgaben müssen Hilfsmittel<br />
eingesetzt werden.<br />
Handzähler<br />
Der Handzähler ist ein einfaches Hilfsmittel zum Erleichtern von<br />
Zählvorgängen. Der Zähler ist mit einer Taste ausgestattet, die bei jedem<br />
"Anklicken" auf <strong>der</strong> Anzeige fortlaufend addiert. Das Hilfsmittel eignet sich, um<br />
grössere Mengen zu erfassen, die über einen längeren Zeitraum gezählt<br />
werden. Er könnte z. B. von einer Person verwendet werden, die beim Eingang<br />
zu einem Event die Besucherzahl kontrolliert. Bei je<strong>der</strong> ankommenden Person<br />
wird "geklickt", und am Ende des Abends erkennt man die genaue Zahl <strong>der</strong><br />
Besucher.<br />
Handzähler<br />
368
8.2.2 Hilfsmittel zum Messen von Längen in Beruf und Alltag<br />
Für das Messen in Beruf und Alltag ist we<strong>der</strong> die Genauigkeit des Urmeters<br />
noch die exakte Definition eines Meters von Bedeutung. In den meisten Fällen<br />
tut ein gewöhnlicher "Meter" seinen Dienst.<br />
Meterzähler<br />
Der Meterzähler hilft beim Abmessen und Ablängen von Schüren, Seilen o<strong>der</strong><br />
Kabeln sowie beim Abmessen von Längen, Breiten und Höhen. Auch beim<br />
Meterzähler hat die Entwicklung nicht Halt gemacht: Vielerorts wurden sie<br />
durch Laser-Technologie ersetzt. Doch es gibt nach wie vor einfache<br />
Meterzähler-Modelle. Sie nehmen das Mass, indem sie manuell über eine<br />
bestimmte Strecke geführt werden.<br />
Meterzähler in analoger Form<br />
Messgerät mit Laser-Technologie<br />
Noch spezieller werden die Hilfsmittel beim Abmessen und Ablängen von<br />
Schnüren, Seilen o<strong>der</strong> Kabel. Das Messgut wird unter einem Messrad<br />
durchgezogen, das mit einem Zählwerk verbunden ist. Mit <strong>der</strong> Übersetzung<br />
kann das anzuwendende Mass bestimmt werden. Das Gerät zählt Zentimeter,<br />
Meter o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Längeneinheiten.<br />
369
Bei den Kabelproduzenten werden die Kabel bei <strong>der</strong> Konfektionierung<br />
vollautomatisch auf das entsprechende Mass abgelängt.<br />
8.2.3 Hilfsmittel zum exakten Messen von Längen<br />
Wenn das Messresultat exakt sein muss, spielt es eine Rolle, was für ein<br />
Metermass benutzt wird. Viele Glie<strong>der</strong>massstäbe o<strong>der</strong> Rollbandmasse sind<br />
nicht ganz genau. Der Vergleich mit einem Qualitäts-Metermass kann<br />
Differenzen von mehreren Millimetern auf einen Meter Länge ergeben. Für<br />
zuverlässige Messresultate müssen deshalb Qualitäts-Messwerkzeuge, bei<br />
denen die Genauigkeitsklasse nach DIN* 866 ( I <strong>–</strong> III ) angegeben ist,<br />
verwendet werden (DIN = Deutsches Institut für Normung).<br />
Angabe <strong>der</strong> Genauigkeitsklasse auf einem Glie<strong>der</strong>massstab.<br />
Die Schieblehre<br />
Mit <strong>der</strong> Schieblehre (auch Messschieber genannt) können die Dicke, <strong>der</strong><br />
Durchmesser und die Tiefe eines Gegenstandes gemessen werden. Es gibt<br />
Geräte, die sowohl für Aussen- als auch Innenmasse geeignet sind. Die<br />
Genauigkeit <strong>der</strong> Messung beträgt 1 /10 mm (<strong>der</strong> 1 /100 mm wird geschätzt).<br />
370
Schieblehre<br />
Der Mikrometer<br />
Mit dem Mikrometer (auch Bügelmessschraube genannt) lassen sich<br />
Messungen mit einer Genauigkeit von 0,01 o<strong>der</strong> 1/100 mm bis 1/1000<br />
durchführen. Dank seiner Struktur kann mit dem Mikrometer unter an<strong>der</strong>em<br />
die Dicke feiner Materialien (Papier, Blätter, Blech) bestimmt werden.<br />
Mikrometer mit digitaler Anzeige<br />
Mikrometer mit einer digitalen o<strong>der</strong> analogen Anzeige sind sehr empfindliche<br />
Messgeräte. Das vorsichtige Arbeiten wird vorausgesetzt.<br />
Mikrometer mit analoger Anzeige<br />
371
Schablonen und Vorlagen<br />
Nicht ganz so spektakulär, aber effizient und einfach im Handling ist das<br />
Arbeiten mit Schablonen o<strong>der</strong> Vorlagen. Sie werden zum Beispiel bei <strong>der</strong> Post<br />
verwendet, wenn die Preiskategorie eines Briefes nicht klar ist o<strong>der</strong> wenn<br />
geprüft werden muss, ob dessen Masse innerhalb <strong>der</strong> Toleranz liegen. Sie<br />
können aber auch als Messhilfe für Schrauben eingesetzt werden (siehe<br />
Abbildung).<br />
Messhilfe für Schrauben<br />
8.2.4 Hilfsmittel zum Messen von Volumen<br />
In <strong>der</strong> Logistik hat auch das Messen von flüssigen Mengen (Volumen)<br />
Bedeutung. Das einfachste Prinzip ist das Messen einer Flüssigkeit mit einem<br />
Schöpfgefäss. Heutzutage sieht man dies jedoch nur noch selten. Früher, als<br />
es das heute oft verwendete Tetra-Pak noch nicht gab, war das Abmessen<br />
von Milch beim Offenverkauf üblich. Tankstellen verfügen nach wie vor über<br />
372
eine mechanische o<strong>der</strong> elektronische Messanlage (Ovalradzähler), die nach<br />
diesem Prinzip funktioniert: Durch Füllen und Leeren eines geeichten<br />
Messgefässes wird die Flüssigkeitsmenge gemessen.<br />
Messen von Flüssigkeiten mit Vorlagen<br />
Diese Methode funktioniert, wenn kleine Mengen von Flüssigkeit gemessen<br />
werden sollen. Es gibt Systeme, die nach diesem Prinzip funktionieren: Die<br />
Menge <strong>der</strong> Flüssigkeit wird durch das Ausfüllen und Entleeren eines gestuften<br />
Behälters gemessen. Bei <strong>der</strong> Messung grosser Mengen greifen die Fachleute<br />
auf leistungsfähigere Messinstrumente zurück.<br />
Messbecher<br />
Die Kolbenpumpe<br />
Die Kolbenpumpe ist ein einfaches Messgerät. Es funktioniert nach dem<br />
folgenden Prinzip: Ein Kolben steigt und sinkt in einen gestuften Zylin<strong>der</strong>, <strong>der</strong><br />
eine bestimmte Flüssigkeitsmenge enthalten kann. Mit <strong>der</strong> aufsteigenden<br />
Bewegung saugt <strong>der</strong> Kolben Flüssigkeit an, während er sie mit <strong>der</strong><br />
absteigenden Bewegung vertreibt. Die aufsteigenden Bewegungen werden<br />
mit einem an <strong>der</strong> Pumpe befestigten Zähler gemessen.<br />
Grundsatz <strong>der</strong> Arbeitsweise:<br />
• Der Kolben steigt. Das Ventil (A) öffnet sich und durch Saugeffekt steigt die<br />
Flüssigkeit in den Zylin<strong>der</strong>. Das Druckventil (B) bleibt geschlossen.<br />
• Der Messzylin<strong>der</strong> ist voll, wenn <strong>der</strong> Kolben den höchsten Punkt seines Laufs<br />
erreicht.<br />
• Der Kolben kommt runter. Der daraus resultierende Druck öffnet das<br />
Druckventil (B) und die Flüssigkeit wird in die Verdrängungsleitung überführt.<br />
373
• Der Zähler zählt die Anzahl <strong>der</strong> vertikalen Bewegungen des Kolbens. Der Inhalt<br />
des Zylin<strong>der</strong>s multipliziert mit <strong>der</strong> Anzahl e vertikale Bewegungen gibt die<br />
gewünschte Menge an.<br />
Kolbenpumpe<br />
Der Durchflussmesser<br />
Ein Durchflussmesser ist ein Gerät zur Messung des Durchflusses von<br />
Flüssigkeiten o<strong>der</strong> Flüssigkeiten in gasförmigem Aggregatszustand. Es gibt<br />
verschiedene Systeme, um den Durchsatz zu messen. Ein System misst die<br />
Menge anhand <strong>der</strong> Dauer, in <strong>der</strong> eine Flüssigkeit in ein Rohr fliesst. Vor <strong>der</strong><br />
Messung ist berechnet worden, wie viel unter stabilen Bedingungen (z. B.<br />
Fliessgeschwindigkeit) für eine Zeiteinheit (z. B. eine Sekunde) durch den<br />
Schlauch fliesst. Die Menge je Zeiteinheit multipliziert mit <strong>der</strong> Gesamtdauer<br />
ergibt die Gesamtmenge. Mo<strong>der</strong>ne Varianten ermöglichen heute das<br />
Messen vom Durchlauf einer Menge via Ultraschall.<br />
Durchlaufmesser<br />
374
Der Volumenscanner<br />
Der Volumenscanner ist ein Hilfsmittel, mit welchem Dimensionen schnell<br />
vermessen werden können. Das Vermessen von Verpackungen, Paletten<br />
Einheiten o<strong>der</strong> Gegenständen kann die Arbeit um einiges erleichtern.<br />
Mögliche Einsatzgebiete sind:<br />
• beim Wareneingang erkennen können, ob es sich um den richtigen Artikel<br />
handelt<br />
• Einheiten messen, um Lagerplätze zu definieren<br />
• Erfassen <strong>der</strong> Daten für die Vorbereitung zum Transport (optimale Ladung im<br />
Flugzeug, Schiff o<strong>der</strong> Strassentransport ermöglichen)<br />
Volumenscanner<br />
8.2.5 Hilfsmittel zum Messen von Gewichten<br />
Die Gewichtskraft eines Gegenstandes entsteht durch die Anziehungskraft <strong>der</strong><br />
Erde. Je<strong>der</strong> Himmelskörper hat eine an<strong>der</strong>e Anziehungskraft. Jene des<br />
Mondes ist zum Beispiel etwa sechs Mal kleiner als jene <strong>der</strong> Erde. Gemessen<br />
wird die Gewichtskraft, wie auch an<strong>der</strong>e Kräfte, in <strong>der</strong> Masseinheit Newton<br />
(N), Umgangssprachlich wird die Masseinheit als "Gewicht" bezeichnet.<br />
Welches Gewicht ein Gegenstand hat, lässt sich zum Beispiel anhand <strong>der</strong><br />
Verformung einer Spiralfe<strong>der</strong> ermitteln, wenn <strong>der</strong> Gegenstand daran hängt<br />
o<strong>der</strong> darauf liegt. Eine Waage ist so gebaut, dass die Verformung <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong><br />
auf einer Skala von Gramm, Kilogramm o<strong>der</strong> Tonnen sichtbar wird. Es gibt<br />
eine Vielzahl an verschiedenen Waagen. Manche eignen sich für geringe<br />
Gewichte, an<strong>der</strong>e für grosse. Sie funktionieren nach den folgenden zwei<br />
Prinzipien:<br />
375
Massenvergleich<br />
Gewichtsbestimmung durch Vergleich mit einer<br />
bekannten Gewichtskraft<br />
Kraftmesser<br />
Gewichtsbestimmung durch direktes Messen <strong>der</strong><br />
Gewichtskraft<br />
Massenvergleichswaage<br />
Das Funktionieren dieser Waagen ist sehr einfach. Das Gewicht eines Objekts<br />
kann berechnet werden, indem es mit einem bekannten Gewicht verglichen<br />
wird.<br />
Balkenwaage<br />
Am einfachsten ist ein Massenvergleich mit <strong>der</strong> Balkenwaage, die nach dem<br />
Hebelprinzip funktioniert. Weil ihr Drehpunkt genau in <strong>der</strong> Mitte liegt und die<br />
beiden Hebelarme genau gleich lang und gleich schwer sind, bleibt sie im<br />
Gleichgewicht, wenn an beiden Hebelarmen dasselbe Gewicht hängt. Um<br />
das Gewicht einer Ware zu ermitteln, wird diese in eine <strong>der</strong> beiden<br />
Waagschalen gelegt. In die an<strong>der</strong>e Waagschale werden normierte Gewichte<br />
eingefüllt, bis die Waage wie<strong>der</strong> im Gleichgewicht ist. Dann entspricht die<br />
Summe <strong>der</strong> normierten Gewichte dem Gewicht <strong>der</strong> Ware. Ausdrücke wie<br />
"etwas aufwiegen" o<strong>der</strong> "in die Waagschale werfen" entstammen dieser<br />
Wiegemethode. Balkenwaagen findet man heute noch auf dem Markt, z. B.<br />
beim Offenverkauf von Früchten und Gemüse. Es ist faszinierend, einem<br />
Händler auf dem Wochenmarkt zuzusehen, <strong>der</strong> geschickt seine Waage ins<br />
Gleichgewicht bringt.<br />
376
Balkenwaage<br />
Laufgewichtswaage<br />
Die Laufgewichtswaage, auch Schnellwaage o<strong>der</strong> römische Waage<br />
genannt, ist eine beson<strong>der</strong>s raffinierte Form <strong>der</strong> Balkenwaage. Bei<br />
Laufgewichtswagen sind die beiden Hebelarme nicht gleich lang. Am<br />
kürzeren Hebelarm hängt eine Schale, in die <strong>der</strong> Gegenstand gelegt wird,<br />
dessen Gewicht zu ermitteln ist. Am längeren Arm hängt das Gegengewicht,<br />
das daran hin und her geschoben werden kann. Je weiter aussen es hängt, je<br />
"schwerer" wird es durch die Hebelwirkung; eine eingravierte Skala zeigt das<br />
jeweilige Gewicht an. Laufgewichtswaagen sieht man heute noch auf<br />
Märkten in südlichen und asiatischen Län<strong>der</strong>n.<br />
Laufgewichtswaage<br />
Kraftmesser<br />
Das Gewicht wird durch direktes Messen <strong>der</strong> Gewichtskraft bestimmt.<br />
377
Zugkraftmessgeräte<br />
Bei Fe<strong>der</strong>waagen wirkt die Gewichtskraft gegen die Kraft einer eingebauten<br />
Fe<strong>der</strong>. Es kann sich um eine Schraubenfe<strong>der</strong> handeln, welche<br />
zusammengedrückt o<strong>der</strong> in die Länge gezogen wird, o<strong>der</strong> um eine<br />
Biegefe<strong>der</strong>, die gegen oben o<strong>der</strong> unten verbogen wird. Fe<strong>der</strong>waagen zeigen<br />
je nach Position auf <strong>der</strong> Erde unterschiedliche Gewichte an, weil die<br />
Erdanziehungskraft nicht überall dieselbe ist. Die Erdanziehungskraft hängt<br />
unter an<strong>der</strong>em vom Abstand zum Erdmittelpunkt ab. Auf einem Berg ist sie<br />
geringer als auf Meereshöhe. Für genaue Messungen sind Fe<strong>der</strong>waagen<br />
deshalb nur geeignet, wenn sie an ihrem Einsatzort kalibriert werden. Ein<br />
Nachteil <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>waagen ist, dass die Fe<strong>der</strong>kraft mit <strong>der</strong> Zeit nachlässt und<br />
sie deshalb zu hohe Gewichte anzeigen.<br />
Fe<strong>der</strong>waagen, welche die Zugkraft messen, werden auch Kranwaagen<br />
genannt. Mit ihnen werden Güter hängend (nicht liegend) gewogen. Die<br />
abgebildeten Geräte eignen sich je nach Ausführung für einen<br />
Gewichtsbereich von 1 <strong>–</strong> 12,5 t. Zugkraftmessgeräte werden in Verbindung mit<br />
Kranen im Transportgewerbe, im Wareneingang, im Versand o<strong>der</strong> im<br />
Anlagenbau eingesetzt.<br />
Digitale Zugkraftmesser<br />
Das Kraftmessgerät berechnet das Gewicht durch direkte Messung <strong>der</strong><br />
Zugkraft. Bei Fe<strong>der</strong>waagen wirkt das Gewicht gegen die Kraft einer<br />
integrierten Fe<strong>der</strong>.<br />
378
Fe<strong>der</strong>waage mit Biegefe<strong>der</strong><br />
Fe<strong>der</strong>waage mit Schraubenfe<strong>der</strong><br />
8.2.6 Waagen für den Berufsalltag<br />
Die Tischwaage<br />
Die Tischwaage ist eine mobile Waage, die zum Wägen von kleinen Gütern<br />
verwendet wird. Auch im privaten Haushalt wird die Tischwaage oft<br />
verwendet, z. B. zum Abmessen von Lebensmitteln beim Kochen.<br />
Tischwaage<br />
Nutzungsorte: Büro, Kleinteillager, Warenausgang, etc.<br />
Die Zählwaage<br />
Die Zählwaage ist eine spezielle Tischwaage, die verwendet wird, um die<br />
Anzahl <strong>der</strong> Stücke mit Hilfe eines Referenzgewichts zu zählen. Die Menge wird<br />
dann abgewogen. Zunächst wird eine Referenzmenge gewogen, zum<br />
Beispiel 10 Stück. Danach wird die Gesamtmenge gewogen. Ein integriertes<br />
Berechnungsprogramm berechnet die Gesamtteilzahl anhand <strong>der</strong><br />
Referenzmenge und des Bezugsgewichts.<br />
Logik: 200 Gramm = 10 Stück<br />
400 Gramm = ?? Stück<br />
379
Zählwaage<br />
Einsatzorte <strong>der</strong> Zählwaage sind: Lagerhallen, in denen sich kleine Teile<br />
befinden, Warenabnahme usw. Die Zählwaagen werden beispielsweise für<br />
die Entnahme kleiner Teile (Schrauben, Nägel, Uhrzeiger) während <strong>der</strong><br />
Inventare verwendet.<br />
Die Wiegeplattform<br />
Die grossen Lasten werden auf Wiegeplattformen gewogen. Einige werden in<br />
den Boden gesteckt, während an<strong>der</strong>e mit einer Rampe ausgestattet sind,<br />
damit die Umschlagwagen einsteigen können. Bei den Wiegeplattformen gilt<br />
es, genau darauf zu achten, dass die Plattform nur die Last zu tragen hat, die<br />
zu wiegen ist.<br />
Wiegeplattform<br />
Wiegeplattform<br />
Einsatzorte <strong>der</strong> Wiegeplattform: Wareneingang, Lager zur Vorbereitung von<br />
Bestellungen, Warenausgang usw.<br />
Merke: Beim Wägen von <strong>der</strong> Waage zurücktreten. Ohne vorheriges<br />
Tarieren <strong>der</strong> Waage das För<strong>der</strong>mittel nach dem Abstellen <strong>der</strong> Last vollständig<br />
von <strong>der</strong> Plattform zurückziehen.<br />
380
Der Wiegebalken<br />
Ähnlich wie Wiegeplattformen werden Wiegebalken zur Wägung grösserer<br />
Lasten eingesetzt. Die Länge und Breite <strong>der</strong> Wiegebalken passt zu Paletten,<br />
sodass diese darauf abgestellt werden können. Weil das För<strong>der</strong>mittel beim<br />
Wägen zwischen den Balken steht, wird es nicht mitgewogen. Wiegebalken<br />
werden auch als feste Wiegeeinrichtungen genutzt, z. B. mit dem Einbau in<br />
Rollenbahnen.<br />
Wiegebalken<br />
Einsatzorte <strong>der</strong> Wiegebalken: Wareneingang, Lager zur Vorbereitung von<br />
Bestellungen, Warenausgang usw.<br />
För<strong>der</strong>mittel mit eingebauten Wiegeeinrichtungen<br />
Sehr praktisch sind die in Flurför<strong>der</strong>zeugen eingebauten Wiegeeinrichtungen.<br />
Bei Handhubwagen, Elektrohubwagen o<strong>der</strong> Staplern, die damit ausgerüstet<br />
sind, kann das Gewicht bequem auf einem Display abgelesen werden. Diese<br />
Technik findet auch in Lastwagen als Bord-Wiegesystem Anwendung.<br />
381
Einsatzorte <strong>der</strong> För<strong>der</strong>mittel mit Wiegeeinrichtungen: Warenannahme,<br />
Einlagerung, Spedition etc.<br />
Brückenwaage (Wägebrücke)<br />
Sehr grosse Lasten (Last- o<strong>der</strong> Bahnwagen) werden auf Brückenwaagen<br />
gewogen. Weil diese in die Fahrbahn eingelassen sind, können Fahrzeuge<br />
darauf abgestellt werden. Um das Gewicht <strong>der</strong> Ladung zu berechnen, muss<br />
das Leergewicht des För<strong>der</strong>zeugs bekannt sein. Das Gesamtgewicht<br />
abzüglich Leergewicht ergibt das Gewicht <strong>der</strong> Ladung. Falls das Leergewicht<br />
des Fahrzeugs nicht bekannt ist, kann dieses nach dem Entladen ermittelt<br />
werden.<br />
Einsatzorte <strong>der</strong> Brückenwaage: KFZ-Service, Zoll, Güterbahnhof,<br />
Umschlaglager, Verbrennungsanlagen usw.<br />
382
8.3 Handhabung von Waagen<br />
Die Handhabung von mo<strong>der</strong>nen Waagen ist einfach. Dennoch lässt sich kein<br />
genaues Messresultat erzielen, wenn nicht folgende Regeln eingehalten<br />
werden:<br />
• Alle Waagen sind Präzisionsinstrumente. Sie müssen sauber gehalten und<br />
regelmässig von einem Fachmann gewartet werden. Laien sollten sich auf<br />
keinen Fall am Wiegemechanismus zu schaffen machen.<br />
• Alle Waagen sind für eine bestimmte Höchstbelastung ausgelegt. Wird diese<br />
Höchstbelastung mit höheren Gewichten überschritten, werden sie<br />
beschädigt. Vorsicht ist vor allem beim Befahren von eingebauten<br />
Brückenwaagen geboten, denn nicht alle können das Gewicht eines<br />
Hubstaplers unbeschadet tragen.<br />
• Bei Waagen kann nicht nur eine Höchst-, son<strong>der</strong>n auch eine Mindestlast<br />
Bedingung sein, damit sie exakte Resultate ergeben. Deshalb ist darauf zu<br />
achten, dass die für den Zweck passende Waage eingesetzt wird. Die<br />
Bedienungsanleitung <strong>der</strong> Waage ist zu lesen und zu befolgen.<br />
• Elektronische Waagen liefern erst nach einer gewissen Anwärmzeit (siehe<br />
Bedienungsanleitung) zuverlässige Messresultate. Damit sie auf<br />
Betriebstemperatur bleiben, sollten sie während eines Arbeitstages nicht<br />
ausgeschaltet werden.<br />
8.3.1 Tarieren und Kalibrieren<br />
Das Tarieren und Kalibrieren sind wichtige Tätigkeiten welche im Umgang mit<br />
Waagen stattfinden.<br />
• Tarieren: Unter dem Begriff Tarieren wird verstanden, das Gewicht <strong>der</strong><br />
Verpackung abzurechnen. "Tara" steht für das Gewicht <strong>der</strong> Verpackung. Beim<br />
Wägen einer grösseren Menge Schrauben, braucht es eine Verpackung, die<br />
die Schrauben auf <strong>der</strong> Waage sammelt und "zusammenhält". Um das<br />
Gewicht <strong>der</strong> Verpackung nicht mitzuwägen, wird sie zuerst leer auf die<br />
Waage gelegt und diese durch die "Tara"-Funktion auf null gesetzt. Nun<br />
können die Schrauben in die Verpackung gelegt und gewogen werden,<br />
ohne dass die Verpackung mitgezählt wird.<br />
Merke: Tarieren: Gewicht <strong>der</strong> Verpackung (Tara) vom Gesamtgewicht<br />
subtrahieren.<br />
383
• Kalibrieren: Es gibt verschiedene Gründe, weshalb eine Waage ohne eine<br />
Auflage bereits eine minimale Abweichung anzeigt. Es ist möglich, dass die<br />
Waage bereits 0,1 o<strong>der</strong> 0,2 kg auf <strong>der</strong> Anzeige hat, ohne dass ein<br />
Gegenstand aufgesetzt wurde. Gründe dafür können sein, dass die Fläche,<br />
auf <strong>der</strong> die Waage steht, nicht ideal ist, dass die Waage selber ein<br />
Ungleichgewicht hat o<strong>der</strong> dass die Wage an einem neuen Ort in Einsatz<br />
kommt (Einfluss <strong>der</strong> Erdanziehungskraft). Um solche Differenzen zu beheben,<br />
müssen Waagen vor dem Einsatz kalibriert, d. h. auf null gesetzt werden. Das<br />
Kalibrieren kann ohne eine amtliche Person ausgeführt werden, da das<br />
gewogene Resultat keine Kostenfolge hat.<br />
Merke: Kalibrieren: Vor dem Wiegen die Waage auf null stellen.<br />
8.3.2 Die Eichpflicht<br />
Die Zuständigkeit für das Messwesen liegt beim Bund:<br />
Artikel 125 <strong>der</strong> Bundesverfassung<br />
"Die Gesetzgebung über das Messwesen ist Sache des Bundes".<br />
Weil <strong>der</strong> Mengenkontrolle im Handel eine grosse Bedeutung zukommt, hat<br />
<strong>der</strong> Bund auf <strong>der</strong> Basis <strong>der</strong> Bundesverfassung ein spezielles Gesetz erlassen:<br />
das Bundesgesetz über das Messwesen. Dieses Gesetz gibt vor, dass die<br />
Funktionstüchtigkeit und korrekte Mengenangabe von Messgeräten in<br />
regelmässigen Abständen kontrolliert werden muss. Die Kontrollen werden<br />
vom Eichmeister, von <strong>der</strong> Eichmeisterin vorgenommen. Er/sie ist eine<br />
Amtsperson, die verschiedene Messmittel kontrolliert und Fertigpackungen<br />
überprüft ( Verzeichnis <strong>der</strong> Eichämter und Eichstellen). Die geeichten<br />
Messgeräte erhalten ein Kennzeichen. Im Handel und in <strong>der</strong> Industrie müssen<br />
nicht geeichte Geräte mit <strong>der</strong> Aufschrift "nicht amtlich geprüft" versehen sein.<br />
Merke: Eichpflichtige Messanlagen sind mit Plomben gegen Eingriffe<br />
gesichert. Es ist darauf zu achten, dass diese bei Reinigungs- und<br />
Unterhaltsarbeiten nicht beschädigt werden. Fehlende o<strong>der</strong> beschädigte<br />
384
Plomben sind sofort dem Eichmeister zu melden, und das Gerät muss<br />
umgehend ausser Betrieb gesetzt werden.<br />
Eichpflichtige Messanlagen und Waagen sind z. B.:<br />
• Messanlagen zur Ermittlung von Zollgebühren<br />
• Tanksäulen für den Verkauf von Treibstoffen<br />
Für eichpflichtige Messanlagen (Durchlaufzähler) sind Fehlergrenzen<br />
festgelegt. Zum Beispiel beträgt die zulässige Abweichung für Mengen über 2<br />
Liter 0,5 Prozent.<br />
Nicht eichpflichtig sind:<br />
• Messanlagen für die Betankung betriebseigener Fahrzeuge und Maschinen<br />
• Messgeräte für die Herstellung von Mischungen in Fabrikationsprozessen<br />
• Dosierapparate für das Befüllen von Fertigpackungen<br />
385
Modul 309_Qualitätskontrolle<br />
Ausgangslage<br />
Qualität ist ein Begriff, <strong>der</strong> für jede Person eine Bedeutung hat. Alle sprechen<br />
von Qualität und alle erwarten Qualität. Ist Qualität aber für alle das Gleiche?<br />
Kann nicht z. B. die Qualität von einer Pizza von verschiedenen Menschen<br />
an<strong>der</strong>s verstanden werden? Wenn z. B. jemand eine Pizza mit einem dicken<br />
Boden bevorzugt und ein an<strong>der</strong>er eine Pizza mit dünnem Boden, gibt es<br />
bereits zwei verschiedene Urteile über die Qualität <strong>der</strong> Pizza.<br />
Damit Qualität erreicht werden kann, muss man sich gut überlegen: Was<br />
bedeutet Qualität für mich und was bedeutet Qualität für unseren Kunden?<br />
Nur, wenn Erwartungen und Wünsche ausgesprochen werden, können diese<br />
erfüllt werden.<br />
Bearbeite zum Einstieg in das Modul 309 folgende Aufgabe:<br />
1. Heute wirst du dein Mittagessen im nahegelegenen McDonald's<br />
geniessen. Notiere, was erfüllt sein muss, damit du zufrieden bist.<br />
Antwort:<br />
2. Schaue zum Pultnachbar, zur Pultnachbarin nach links und<br />
besprich mit ihm, mir ihr die Antworten. Habt ihr die gleichen<br />
Erwartungen? Notiere in einem Satz eure Erkenntnis.<br />
Antwort:<br />
386
Fachartikel Modul 309<br />
9. Qualitätskontrolle<br />
9.1 Bedeutung <strong>der</strong> Qualität<br />
Zur Qualitätssicherung zählen alle Massnahmen, die getroffen werden, um<br />
eine gleichbleibende Qualität von Produkten o<strong>der</strong> Dienstleistungen<br />
sicherzustellen. Die Qualitätssicherung hat nicht für alle Betriebe den gleichen<br />
Stellenwert. Sehr wichtig ist sie zum Beispiel für Nahrungsmittel- und<br />
Pharmabetriebe, weil die Gesundheit und das Wohlbefinden <strong>der</strong> Menschen<br />
hohe Güter sind, die nicht gefährdet werden dürfen.<br />
In <strong>der</strong> Flugzeugindustrie geht die Qualitätssicherung z. B. so weit, dass je<strong>der</strong><br />
Bestandteil des Flugzeugs ein Zertifikat trägt, das über seine Herkunft und die<br />
verwendeten Materialien Auskunft gibt. In <strong>der</strong> Qualitätssicherung kann aber<br />
auch geschummelt werden, und es ist schon vorgekommen, dass gefälschte<br />
Zertifikate im Umlauf waren. Dies ist eine zusätzliche Herausfor<strong>der</strong>ung für die<br />
Kontrollpersonen. Die Kontrolle <strong>der</strong> Qualität hat in den meisten Betrieben eine<br />
grosse Bedeutung, vor allem in jenen, <strong>der</strong>en Produktion von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong><br />
(zugekauften) Einzelteile abhängt. Für die Qualitätskontrolle sind in <strong>der</strong> Regel<br />
speziell geschulte Mitarbeitende zuständig. Ihr Arbeitsplatz ist die<br />
Qualitätsprüfstelle o<strong>der</strong> ein eigens dafür eingerichtetes Prüflabor, in dem die<br />
Materialien auf "Herz und Nieren" geprüft werden können.<br />
Ersatzteil mit Zertifikat<br />
9.2 Definition <strong>der</strong> Qualität<br />
Es gibt viele mögliche Definitionen für den Begriff Qualität. Eine kurze aber<br />
auch verständliche Definition könnte sein:<br />
387
"Qualität ist, wenn die Leistung mit <strong>der</strong> Erwartung übereinstimmt."<br />
9.3 Qualitätskriterien<br />
Um die Qualität eines Objekts (Produkt o<strong>der</strong> einer Dienstleistung) festzustellen,<br />
wird es anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Dabei wird unterschieden<br />
zwischen subjektiven und objektiven Kriterien:<br />
Subjektive Kriterien basieren auf <strong>der</strong> persönlichen Auffassung von Qualität<br />
(Meinungen, Gefühle, Emotionen, persönliches Urteilsvermögen). Zum Beispiel:<br />
• Das erste Auto, das du dir kaufst, ist ein Fahrzeug <strong>der</strong> Marke Volkswagen, weil<br />
es für dich ein Garant für die Qualität des Kundendienstes ist.<br />
Objektive Kriterien basieren auf <strong>der</strong> tatsächlichen Messbarkeit <strong>der</strong><br />
Objektqualität (geometrische Messungen, Laboranalysen, interne/externe<br />
Prüfungen, Farbgebung, Kundenbewertungen usw.). Zum Beispiel:<br />
• Der Service an <strong>der</strong> Rezeption eines Hotels ist qualitativ gut, da die Ergebnisse<br />
<strong>der</strong> Kundenbewertung zu 96 Prozent positiv ausfallen.<br />
• Ein Produkt ist von schlechter Qualität, weil die Kontrolle <strong>der</strong> geometrischen<br />
Messungen einen grossen Unterschied bei den Basisproben ergeben hat.<br />
Bei manchen Produkten kann man sehr schnell erkennen, ob die gewünschte<br />
Qualität gegeben ist. Diese Erkenntnis kann aber oftmals nur mit Hilfsmitteln<br />
o<strong>der</strong> grosser Produktekenntnis gewonnen werden. Mögliche Hilfsmittel sind:<br />
Geometrische Kontrolle mit einem<br />
digitalen Hilfsmittel<br />
Kontrolle <strong>der</strong> Beschichtung mit einem<br />
farblichen Messgerät<br />
388
Kontrolle <strong>der</strong> chemischen<br />
Zusammensetzung im Labor<br />
9.3.1 Kontrolle anhand von Mustern<br />
Musterzug<br />
Um Materialeigenschaften wie z. B. die chemische Zusammensetzung eines<br />
Rohstoffes, die Härte, die Farbe o<strong>der</strong> die Dicke (Bsp. Papierstärke ) zu<br />
kontrollieren, werden einer Sendung bei ihrem Eintreffen Muster entnommen.<br />
In <strong>der</strong> Fachsprache heisst diese Tätigkeit "Musterzug". Bei <strong>der</strong> Musterentnahme<br />
müssen die Mitarbeitenden <strong>der</strong> Warenannahme die betriebsinternen<br />
Weisungen genau befolgen. Es ist äusserst wichtig, dass die Beschriftung <strong>der</strong><br />
Muster zuverlässig ist. Mitarbeitende <strong>der</strong> Logistik entnehmen Referenzmuster,<br />
um die Beschaffenheit des Materials (zum Beispiel Farbe, Oberflächenstruktur<br />
o<strong>der</strong> Dicke) mit jener des Originalmusters zu vergleichen (Tätigkeit im Labor).<br />
Bemusterungen, d. h. Musterentnahmen, sind vor allem in <strong>der</strong> chemischen<br />
Industrie und in <strong>der</strong> Nahrungsmittelherstellung üblich. Ein Beispiel sind die<br />
Bemusterungen von Getreide aus Schiffsladungen, mit denen das Getreide<br />
vor dem Entladen auf gentechnisch verän<strong>der</strong>ten Bestandteile untersucht<br />
wird. Es ist zentral, genau zu arbeiten und die einzelnen Schritte zu<br />
dokumentieren.<br />
Entnahme einer Saatgutprobe_SEMAE<br />
389
Der Sperrbestand (AQ- o<strong>der</strong> AQL Bestand)<br />
Waren, <strong>der</strong>en Probe zur Kontrolle entnommen wurde, dürfen nicht<br />
gemeinsam mit verfügbaren Waren gelagert und nicht in die Produktion<br />
übermittelt werden, bevor sie das Ergebnis <strong>der</strong> Kontrolle erhalten. In <strong>der</strong> Regel<br />
werden diese Waren an einem speziell als Quarantänegebiet vorgesehenen<br />
Ort gelagert, um Verwechslungen zu vermeiden. Diese Orte werden oft mit<br />
Qualitätssicherung (QS) o<strong>der</strong> Sperrbestand beschriftet. Zur Sicherheit können<br />
selbstklebende Etiketten an den Gütern angebracht werden.<br />
Aufgaben <strong>der</strong> Logistik<br />
Die Logistik hat oft nicht mit <strong>der</strong> effektiven Kontrolle <strong>der</strong> Güter zu tun. Ihre<br />
Aufgabe ist vielmehr, Güter zu entnehmen, zu beschriften und sie<br />
weiterzuleiten. Gleichzeitig werden die Güter, welche nicht dem Labor<br />
übergeben wurden, zurückgehalten. Nach Erhalt des Resultats können so die<br />
Güter in die richtigen Lieferungen zurückgeführt werden. Je nach Resultat<br />
wird die Lieferung zurück zum Absen<strong>der</strong> gesendet o<strong>der</strong> ins Lager<br />
weitergeleitet.<br />
9.4 Qualitätsniveau<br />
Das Qualitätsniveau eines Objekts kann in drei Kategorien unterteilt werden:<br />
• Unterqualität: Ein Produkt, das nicht den Anfor<strong>der</strong>ungen des Kunden<br />
entspricht, erweist sich aufgrund <strong>der</strong> tiefen Anschaffungskosten kurzfristig oft<br />
als günstiger. Langfristig kommt es aber zu höheren Kosten, z. B. weil das<br />
fehlerhafte Produkt vom Kunden zurückgegeben wird.<br />
• Gute Qualität: Das Produkt entspricht den Anfor<strong>der</strong>ungen des Kunden und<br />
dem Preis, den er bezahlt.<br />
• Überqualität: Das Produkt erfüllt höhere Anfor<strong>der</strong>ungen als <strong>der</strong> Kunde stellt. Ein<br />
solches Produkt ist in <strong>der</strong> Produktion teurer als eines mit einer geringeren<br />
390
Qualität. Es erweist sich oft als zu teuer für den Kunden, <strong>der</strong> nur ein<br />
Grundprodukt erwerben möchte.<br />
9.5 Qualitätskontrollen in Unternehmen<br />
Der Begriff "Qualitätskontrolle" kommt aus dem Englischen, wo man von<br />
"Quality Assurance" spricht. Die Qualitätssicherung umfasst alle Kontrollen, die<br />
angewendet werden, um eine konstante Qualität des Objekts sicherzustellen<br />
(Produkt, Dienstleistung usw.). Es ist heute unerlässlich, die Anfor<strong>der</strong>ungen des<br />
Kunden zu erfüllen und ein qualitativ gutes Produkt herzustellen.<br />
In Modul 506 erfährst du, wie <strong>der</strong> Begriff Qualitätsmanagement zu<br />
verstehen ist und welche möglichen Zertifikate (z. B. ISO) damit erlangt<br />
werden können.<br />
9.6 Kontrolltechniken<br />
Bei den Qualitätskontrollen können je nach Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware,<br />
Zuverlässigkeit <strong>der</strong> Lieferanten und Risikofaktoren für die Produktion<br />
verschiedene Verfahren angewandt werden. Die Logistiker, die<br />
Logistikerinnen müssen über die Methoden informiert und in den für ihren<br />
Bereich geltenden Verfahren geschult werden, damit die Kontrollen nach<br />
den Richtlinien des Unternehmens durchgeführt werden können.<br />
391
Im Qualitätsmanagement wird die Kontrollmethode festgelegt. Zur Auswahl<br />
stehen die Methode <strong>der</strong> Vollkontrolle und die Methode <strong>der</strong><br />
Stichprobenkontrolle gewählt.<br />
9.6.1Vollkontrolle<br />
Eine vollständige Qualitätskontrolle bedeutet, dass die ganze Lieferung<br />
kontrolliert wird. Diese Kontrolltechnik ist sehr aufwändig. Handelt es sich um<br />
Bausätze, kann eine Vollkontrolle bedeuten, dass die gesamte Lieferung<br />
ausgepackt und alle Teile zusammengebaut werden müssen. Solche<br />
Kontrollen sind arbeits- und kostenintensiv. Damit <strong>der</strong> hohe Aufwand und die<br />
hohen Kosten auch gerechtfertigt sind, wird diese Kontrolltechnik<br />
insbeson<strong>der</strong>e in folgenden Fällen angewendet:<br />
• Beim erstmaligen Warenbezug bei einem Lieferanten, <strong>der</strong> seine Seriosität<br />
noch unter Beweis<br />
stellen muss.<br />
• Wenn an früheren Sendungen eines Lieferanten gravierende Mängel<br />
festgestellt wurden. Die<br />
Vollkontrolle soll eine Wie<strong>der</strong>holung verhin<strong>der</strong>n, damit die Kunden ihr<br />
Vertrauen in die Produkte nicht verlieren.<br />
• Wenn die ankommende Lieferung einen schlechten Eindruck macht.<br />
• Wenn die Güter sehr teuer sind und nur verkauft werden können, wenn sie<br />
eine Top-Qualität<br />
haben.<br />
• Wenn von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong> eintreffenden Güter für das Unternehmen sehr viel<br />
abhängt.<br />
9.6.2 Stichprobenkontrollen<br />
Sobald die Zuverlässigkeit des Lieferanten festgestellt ist, ist die vollständige<br />
Kontrolle in Hinsicht auf zeitliche und finanzielle Ressourcen nicht mehr sinnvoll<br />
und die Stichprobenkontrollmethode genügt.<br />
392
In bestimmten Fällen und nach Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien<br />
können Qualitätskontrollen vollständig abgeschafft werden. Dies kann z. B.<br />
<strong>der</strong> Fall sein, wenn <strong>der</strong> Lieferant selbst ein Qualitätsmanagementsystem<br />
verwendet, das häufig geprüft und vom Kunden genehmigt wird (z. B. ISO<br />
9001).<br />
Improvisierte Stichprobenkontrollen<br />
In <strong>der</strong> Regel wird die improvisierte (spontane) Stichprobenkontrolle<br />
durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Kontrolle ohne Planung.<br />
Improvisiert bedeutet, die Stichprobenkontrolle wird genau da gemacht, wo<br />
es am einfachsten ist und die Situation es erlaubt. Das Ziel ist, möglichst wenig<br />
und keinen unnötigen Aufwand zu generieren.<br />
Folgende Tätigkeiten gelten als improvisierte Stichprobenkontrolle:<br />
• Das Nachzählen eines Teils <strong>der</strong> Lieferung.<br />
• Das Wegheben <strong>der</strong> obersten Gebinde, um jene darunter zu begutachten.<br />
• Das Wiegen eines Teils <strong>der</strong> Lieferung.<br />
• Das Öffnen einer Liefereinheit, um zu überprüfen, ob <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong><br />
Beschreibung entspricht.<br />
Stichprobenkontrolle nach Plan<br />
Bei einer Stichprobenkontrolle nach Plan sind eine bestimmte Menge von<br />
Kontrollen und eine Technik vorgegeben. Das Qualitätsmanagement<br />
entscheidet, welche Menge an Kontrollen durchzuführen sind und auf welche<br />
Art diese durchgeführt werden sollen. Das Resultat wird in <strong>der</strong> Regel mit dem<br />
Lieferanten besprochen. Aufgrund <strong>der</strong> Ergebnisse werden Verbesserungso<strong>der</strong><br />
Optimierungsmassnahmen getroffen. Die geplante Stichprobenkontrolle<br />
kann als "Einfach-Stichprobenkontrolle" o<strong>der</strong> "Mehrfach-Stichprobenkontrolle"<br />
ausgeführt werden.<br />
393
Einfach-Stichprobenkontrolle<br />
Die "Einfach-Stichprobenkontrolle" wird geplant durchgeführt. Auch hier gibt<br />
es verschiedene Methoden, die sich dazu eignen - o<strong>der</strong> eben nicht. Am<br />
einfachsten ist die Durchführung, wenn klare Aufgaben vorgegeben sind, z.<br />
B.: In je<strong>der</strong> Lieferung werden zwei Einheiten kontrolliert o<strong>der</strong> jede zweite<br />
Lieferung wird kontrolliert. So ist die Aufgabe klar definiert und kann im<br />
vorgegebenen Rhythmus durchgeführt werden.<br />
Etwas mehr Aufwand verursacht das Arbeiten mit Stichprobenplänen.<br />
Stichprobenpläne können sehr individuell dargestellt und umgesetzt werden.<br />
Die Abbildung zeigt ein Beispiel eines Stichprobenplans, <strong>der</strong> in dieser Art in <strong>der</strong><br />
Industrie eingesetzt wird:<br />
394
Losgrösse: Anzahl gelieferte Teile<br />
n: zu prüfende Menge<br />
ac: Fehlertoleranz (Anzahl erlaubter, fehlerhafter Teile)<br />
Qualitätsniveau: 3 Niveaus stehen zur Auswahl. Vom Anspruch an die Qualität<br />
hängt die Wahl des Niveaus ab: Je tiefer die Zahl, desto strenger sind die<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen.<br />
Prüfungsniveau: Normale, verschärfte o<strong>der</strong> abgekürzte Prüfung. Mit <strong>der</strong><br />
verschärften Prüfung wird die grösste, mit <strong>der</strong> abgekürzten die kleinste Menge<br />
geprüft.<br />
Mehrfach-Stichprobenkontrolle<br />
Stichproben, die nach einem Mehrfach-Stichprobenplan erfolgen, sind eine<br />
weiteres mögliches Kontrollverfahren. Bei diesem Prozess wird das<br />
395
Kontrollergebnis in einer dreispaltigen Tabelle mit den folgenden<br />
Möglichkeiten ausgewertet:<br />
"Ablehnen"<br />
"Weiter mit <strong>der</strong> Kontrolle"<br />
"Akzeptieren"<br />
Das Ergebnis wird nach und nach erfasst, bis es in einen Entscheidungsbereich<br />
gelangt. Solange das Ergebnis im Bereich "Weiter mit <strong>der</strong> Kontrolle" bleibt,<br />
muss die Kontrolle fortgesetzt werden.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Nach Erhalt einer Lieferung einer Palette mit 980 Schraubenpaketen ist die<br />
Kontrolle nach folgenden Richtlinien durchzuführen:<br />
1. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 1, Fazit: Weiterprüfen<br />
2. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 0, Total Fehler: 1, Fazit: Weiterprüfen<br />
3. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 2, Fazit: Weiterprüfen<br />
4. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 1, Total Fehler: 3, Fazit: Weiterprüfen<br />
5. Kontrolle: Prüflos 30 Stk., fehlerhaft 0, Total Fehler: 3, Fazit: Annehmen<br />
Total geprüft: 150 Stk. Fehlerhaft: 3<br />
396
9.7 Funktionskontrolle<br />
Die Funktionskontrolle (auch Betriebskontrolle genannt) genannt von Waren<br />
erfolgt nach <strong>der</strong> Methode <strong>der</strong> vollständigen Kontrolle o<strong>der</strong> stichprobenartig.<br />
Die Funktionskontrolle ist nötig, da die Waren sensibel sind und ihr<br />
Funktionieren gewährleistet sein muss. Die Kontrollen sollen verhin<strong>der</strong>n, dass<br />
<strong>der</strong> Kunde fehlerhafte Güter erwirbt. Sie können rudimentär o<strong>der</strong> umfassend<br />
durchgeführt werden. Die Kriterien werden vom Unternehmen und/o<strong>der</strong> vom<br />
gesetzlichen Rahmen vorgegeben.<br />
Eine Nachttischlampe hat nur wenige Kontrollpunkte, anhand welcher ein<br />
reibungsloses Funktionieren geprüft wird. Die Nachttischlampe kann<br />
ausgepackt und eingeschaltet werden, und sofort sieht man das Resultat <strong>der</strong><br />
Funktionskontrolle.<br />
Etwas anspruchsvoller und aufwändiger ist die Funktionskontrolle bei<br />
elektronischen Bauteilen. Es ist möglich, dass das Bauteil zuerst verbaut<br />
werden muss, damit das Funktionieren des Geräts geprüft werden kann.<br />
397
Im Warenverkehr zwischen zertifizierten Unternehmen entfällt die<br />
Funktionsprüfung für den Empfänger oft. Durch schriftliche Abmachungen<br />
werden die Lieferanten verpflichtet, die Funktionsprüfung vor <strong>der</strong> Auslieferung<br />
selbst durchzuführen.<br />
398
Modul 310_Vorbereitung für die Einlagerung<br />
Ausgangslage<br />
Der Beschaffungsprozess endet mit <strong>der</strong> Vorbereitung zur Einlagerung.<br />
So unterschiedlich Güter, Lagerformen und Verpackungen sein können, so<br />
wichtig ist die Aufgabe <strong>der</strong> Vorbereitung zur Einlagerung. Die Einheiten<br />
müssen an die Einrichtung angepasst werden, sodass während des ganzen<br />
Warenflusses keine zusätzlichen Aufwände entstehen.<br />
1. Welche Vorbereitungen werden in deinem Lehrbetrieb<br />
getroffen, damit die Einheit in <strong>der</strong> richtigen Grösse und<br />
Verpackung vorhanden ist, aber auch bereit zum Verkauf ist?<br />
Notiere Tätigkeiten aus deinem Lehrbetrieb, welche zu diesem<br />
Modul passen könnten.<br />
399
Überlegungen:<br />
2. Erkläre dem Pultnachbar rechts von dir deine Notizen. Im<br />
Anschluss schil<strong>der</strong>t dein Pultnachbar dir seine Notizen. Notiere<br />
die Schil<strong>der</strong>ungen des Pultnachbars in einem Satz.<br />
Bsp. Pultnachbar:<br />
400
Fachartikel Modul 310<br />
10. Vorbereitung für die Einlagerung<br />
Die Vorbereitung zur Einlagerung ist <strong>der</strong> letzte Schritt im Prozess <strong>der</strong><br />
Beschaffungslogistik. Er erfolgt, nachdem die Qualität und die Menge <strong>der</strong><br />
Ware kontrolliert worden sind. Es hängt von den Anfor<strong>der</strong>ungen an die<br />
Lagerung, vom Transport und vom Verkauf ab, wie die Vorbereitung <strong>der</strong><br />
Lagerung gestaltet wird. Wenn es keine speziellen Anfor<strong>der</strong>ungen gibt,<br />
können die Güter direkt nach <strong>der</strong> Kontrolle eingelagert werden. Wenn es<br />
beson<strong>der</strong>e Anfor<strong>der</strong>ungen gibt, muss die Ware neu verpackt, umverpackt<br />
(repacking) o<strong>der</strong> speziell ausgezeichnet werden.<br />
10.1 Gründe für neue Verpackung<br />
Wenn die Verpackung <strong>der</strong> eingetroffenen Ware nicht <strong>der</strong> gewünschten<br />
Verkaufsverpackung entspricht, muss <strong>der</strong> Artikel neu verpackt werden.<br />
Folgende Gründe können dazu führen, dass Ware umverpackt o<strong>der</strong> neu<br />
ausgezeichnet werden muss:<br />
Layout<br />
Die Beschriftung, das Logo o<strong>der</strong> die Farbe entsprechen nicht <strong>der</strong><br />
gewünschten Verpackung für den anvisierten Kundenkreis. Die Ware wird<br />
ausgepackt und in die neue Verkaufsverpackung wie<strong>der</strong> verpackt.<br />
Defekte Verpackung<br />
Beim Erhalt <strong>der</strong> Ware kann es unangenehme Überraschungen geben. So<br />
kann z. B. die Paketgrösse unangemessen sein o<strong>der</strong> die Verpackung<br />
beschädigt. Solche Probleme müssen schnell gelöst werden. Die Logistiker<br />
führen eine Umpackung durch. Die neue Verpackung ist perfekt auf den<br />
Artikel und sein Volumen abgestimmt. Die Umpackung wird vorgenommen,<br />
wenn <strong>der</strong> Zustand <strong>der</strong> Verkaufsverpackung keinen Verkauf an den Kunden<br />
ermöglicht (Image) o<strong>der</strong> wenn die Verkaufsverpackung die Schutzfunktion<br />
nicht mehr gewährleisten kann.<br />
401
Auszeichnung von Aktionen auf dem Produkt<br />
Wenn sich ein Unternehmen entscheidet, eine Verkaufsaktion zu machen,<br />
werden <strong>der</strong> Rabatt und <strong>der</strong> neue Preis auf dem Produkt ausgezeichnet.<br />
Neue Verpackungsgrössen<br />
Wenn einzelne Stücke eingekauft werden, es im Verkauf aber verschiedene<br />
Packungsgrössen gibt, müssen allenfalls einzelne Stücke zu einer grösseren<br />
Packung zusammengesetzt werden.<br />
Erstellen von Bundles<br />
Ein Bundle besteht aus verschiedenen Einzelteilen. Die EnterSite AG Verkauft<br />
u. a. verschiedene Tonerkartuschen für Kopiergeräte und Rohstoffe für den<br />
3D-Druck. Im Verkauf hat das Unternehmen die Möglichkeit, die Farben Cyan,<br />
Magenta, Yellow und Black als einzelne Produkte zu verkaufen. Als Alternative<br />
können diese Einzelteile auch als "RainbowKit" verkauft werden. Dazu bündelt<br />
die EnterSite AG die verschiedenen Farben und verkauft sie als neue Einheit.<br />
Handling <strong>der</strong> Ware<br />
Güter werden nicht nur aus optischen Gründen o<strong>der</strong> aus Gründen des<br />
Verkaufs umverpackt o<strong>der</strong> neu verpackt. Eine Umverpackung wird auch<br />
402
gemacht, damit die Aufgaben <strong>der</strong> Logistik möglichst einfach ausgeführt<br />
werden können. Mit einem kleinen Behälter besteht z. B. die Möglichkeit,<br />
hun<strong>der</strong>te Schrauben auf einmal zu transportieren. Müssten sie einzeln von A<br />
nach B gebracht werden, wäre dies sehr umständlich.<br />
Art <strong>der</strong> Lagerung und Kommissionierung<br />
Güter werden mit verschiedenen Hilfsmitteln eingelagert. Wenn das Lager mit<br />
Palettenregalen ausgestattet ist, müssen alle Güter auf Paletten für die<br />
Einlagerung vorbereitet werden. Wenn die Güter für einen Kommissionierplatz<br />
vorgesehen sind, besteht die Möglichkeit, die Güter in Behältern für die<br />
Einlagerung bereitzustellen.<br />
403
Automatisierung<br />
Die Automatisierung hat entscheidenden Einfluss darauf, ob die Güter direkt<br />
eingelagert werden können o<strong>der</strong> noch eine Än<strong>der</strong>ung erfahren. Wenn die<br />
Lagerung in einem automatischen Palettenregal stattfindet, werden die<br />
Paletten möglicherweise mit eigenen Auszeichnungen versehen. Mit den<br />
Informationen auf dieser Auszeichnung kann die Ein- und Auslagerung<br />
stattfinden.<br />
10.2 Einbuchen <strong>der</strong> Ware<br />
Unabhängig davon, ob das Produkt bei <strong>der</strong> Vorbereitung für die Einlagerung<br />
eine Verän<strong>der</strong>ung erfahren hat, wird es am Ende des Einlagerungsprozesses<br />
eingebucht.<br />
404
Ein Beispiel einer Ansicht im ERP:<br />
1. Lieferant 5. Bestellte Menge<br />
2. Buchungsdatum/Art<br />
<strong>der</strong> Lieferdokumente<br />
3. Artikelnummer 7. Lagerort<br />
6. Tatsächliche gelieferte Menge<br />
(Eingabe durch die<br />
kontrollierende Person)<br />
4. Artikelbezeichnung 8. Verfügbarkeit (frei verfügbar,<br />
Sperrbestand, Qualitätsprüfung<br />
usw.)<br />
Wie in Modul 303 ausgeführt, gibt es geplante o<strong>der</strong> ungeplante<br />
Warenannahmen. Ist die Annahme geplant, ist die Bestellung bereits im ERP<br />
des Unternehmens erfasst. Sobald die Güter für die Einlagerung vorbereitet<br />
sind, wird die Buchung ausgeführt, und die Güter werden in die Lagerung<br />
übergeben.<br />
10.3 Bestandesführung<br />
Mit dem Einbuchen <strong>der</strong> eingetroffenen Bestellung ist <strong>der</strong> Artikel in <strong>der</strong><br />
Bestandesführung erfasst.<br />
405
10.3.1 Grundbegriffe <strong>der</strong> Bestandesführung<br />
Die Grundbegriffe <strong>der</strong> Bestandesführung sind Fachausdrücke, die lei<strong>der</strong> nicht<br />
einheitlich geregelt sind. Die verwendeten Begriffe können in <strong>der</strong> Fachliteratur<br />
an<strong>der</strong>s lauten. Auch die folgenden Darstellungen sind in ihrem Aufbau nicht<br />
verbindlich, son<strong>der</strong>n als Beispiele zu verstehen.<br />
Artikel<br />
Ein Artikel ist ein Lagergut, das in allen Teilen identisch ist. Eine Tonerkartusche<br />
kann sich zum Beispiel in <strong>der</strong> Beschaffenheit, <strong>der</strong> Grösse und Farbe<br />
unterscheiden. Also wird jedes Lagergut mit einer abweichenden Eigenschaft<br />
zu einem Artikel.<br />
Einige Beispiele:<br />
• CE410X 305 X Toner BLACK<br />
• CE411A 305 Toner CYAN<br />
• CE412A 305 Toner YELLOW<br />
• CE413A 305 Toner MAGENTA<br />
10.3.2 Kopf <strong>der</strong> Lagerkarte<br />
Der folgende Aufbau einer Lagerkarte könnte auch Teil eines<br />
Lagerverwaltungssystems (LVS) o<strong>der</strong> eines ERP-Systems sein (Enterprise<br />
Resource Planning). Im Kopf <strong>der</strong> Lagerkarte sind alle Angaben zu diesem<br />
Artikel zu finden. Im vorliegenden Beispiel wird zwischen Artikel- und<br />
Bestandesdaten unterschieden.<br />
406
1 Die Artikelnummer gewährleistet eine eindeutige Identifikation des<br />
Artikels.<br />
2 Die Artikelbezeichnung ergänzt die Artikelnummer und ermöglicht die<br />
visuelle Kontrolle des Artikels. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche<br />
Sicherheit gegen Verwechslungen.<br />
3 Die Liefereinheit definiert die minimale Anzahl Stück, die geliefert wird.<br />
Im vorliegenden Fall sind es 5 Stück. In <strong>der</strong> Fachsprache wird die<br />
Liefereinheit abgekürzt mit LE bezeichnet.<br />
4 Die Verkaufseinheit (VE) definiert die minimale Anzahl für den Verkauf.<br />
Eine VE umfasst meistens 1 Stück, kann aber auch 5, 10 o<strong>der</strong> 100 Stück<br />
umfassen.<br />
5 Der Einstandspreis, auch Beschaffungspreis o<strong>der</strong> Bezugspreis genannt,<br />
ist ein kaufmännischer Fachbegriff. Diesen Preis hat <strong>der</strong> Händler für<br />
einen Artikel zu bezahlen. Dem Logistiker dient er zur Bewertung des<br />
Lagerbestandes. Der Einstandspreis wird intern verwendet und ist nicht<br />
für die Öffentlichkeit bestimmt. Verkauft wird <strong>der</strong> Artikel teurer, nämlich<br />
zum Verkaufspreis (VP).<br />
6 Der Lieferant eines Artikels wird auf <strong>der</strong> Lagerkarte vermerkt, um bei<br />
Unregelmässigkeiten schneller reagieren zu können.<br />
7 Der Höchstbestand eines Artikels wird aufgrund des Lagerumschlags<br />
und des verfügbaren Lagerplatzes festgelegt. Die Festlegung eines<br />
407
Höchstbestandes pro Artikel verhin<strong>der</strong>t die Anhäufung unnötig hoher<br />
Lagerbestände.<br />
8 Die Zahl "Meldebestand" zeigt an, bei welchem Lagerbestand die<br />
neue Bestellung ausgelöst werden muss. Lagerverwaltungssysteme<br />
erinnern den Anwen<strong>der</strong> bei Erreichen o<strong>der</strong> Unterschreiten des<br />
Meldebestandes automatisch an die Nachbestellung.<br />
9 Der Sicherheitsbestand, auch Mindestbestand genannt, ist die eiserne<br />
Reserve. Dieser Bestand wird für jeden einzelnen Artikel festgelegt und<br />
sollte nicht unterschritten werden.<br />
10.3.3 Buchungseinträge<br />
10 Verbuchungsdatum: Datum des Eintrags in die Lagerkarte. Bei<br />
computergestützten Systemen wird in <strong>der</strong> Regel das Systemdatum<br />
eingetragen. Meistens wird zusätzlich <strong>–</strong> für den Benutzer unsichtbar <strong>–</strong><br />
die User-ID eingetragen. Dadurch können alle Än<strong>der</strong>ungen einem<br />
Benutzer zugeordnet werden und sind nachvollziehbar.<br />
11 In dieser Spalte werden die Wareneingänge verbucht.<br />
Wareneingänge werden auch als Zugänge o<strong>der</strong> Lagerzugänge<br />
bezeichnet. Wareneingänge erhöhen den Lagerbestand.<br />
408
12 In <strong>der</strong> Spalte "Ausgang" werden Güter verbucht, die dem Lager<br />
entnommen werden. Ausgänge werden auch Warenausgänge o<strong>der</strong><br />
Lagerabgänge genannt. Sie vermin<strong>der</strong>n den Lagerbestand.<br />
13 In <strong>der</strong> Spalte "Reservierter Bestand" werden Reservationen<br />
eingetragen. Als Reservationen gelten Lagerbestände, die für einen<br />
bestimmten Kunden o<strong>der</strong> einen bestimmten Zweck vorgesehen und<br />
reserviert sind. Reservierte Bestände sind physisch vorhanden, aber<br />
nicht mehr frei verfügbar. Deshalb vermin<strong>der</strong>n reservierte Bestände<br />
den verfügbaren Bestand, nicht aber den Gesamtbestand.<br />
14 Als QS-Bestand (Qualitätssicherung) werden Güter verbucht, die vor<br />
<strong>der</strong> definitiven Einlagerung noch geprüft werden müssen. Auch <strong>der</strong><br />
QS-Bestand ist physisch vorhanden, aber nicht verfügbar.<br />
15 Als Sperrbestand werden alle Lagerbestände geführt, die aus<br />
irgendeinem Grund nicht verwendet o<strong>der</strong> ausgeliefert werden dürfen.<br />
Auch Sperrbestände sind physisch vorhanden. Sie werden im<br />
Gesamtbestand berücksichtigt, nicht aber im verfügbaren<br />
Lagerbestand.<br />
16 Der verfügbare Lagerbestand wird auch als frei verfügbarer<br />
Lagerbestand bezeichnet. In dieser Spalte ist abzulesen, wie viele<br />
Einheiten (Stück, Kilogramm, Tonnen) ab Lager sofort ausgeliefert<br />
werden könnten.<br />
17 Der Gesamtbestand zeigt die gesamte Belegung des Lagers mit<br />
einem Artikel. Er umfasst den verfügbaren Lagerbestand, den QS-<br />
Bestand und den Sperrbestand.<br />
10.3.4 Buchungsbeispiele<br />
Verbuchung von Lagerein- und -ausgängen<br />
Am 01.09.20xx beträgt <strong>der</strong> Lagerbestand 10'000 Stück. Am 02.09.20xx werden<br />
2'870, am 03.09.20xx 1'640 Stück und am 04.09.20xx 3'980 Stück ausgeliefert.<br />
Am 05.09.20xx beträgt <strong>der</strong> Zugang 5'000 Stück. Am gleichen Tag werden 2'300<br />
Stück ausgeliefert. Wie verän<strong>der</strong>n sich <strong>der</strong> verfügbare Bestand und <strong>der</strong><br />
Gesamtbestand?<br />
409
Datum<br />
Eingang Ausgang Reservierter<br />
Bestand<br />
QS-<br />
Bestand<br />
Sperrbestand Verfügbarer<br />
Bestand<br />
Gesamtbestand<br />
01.09.20xx 10'000 10'000<br />
02.09.20xx 2'870 7'130 7'130<br />
03.09.20xx 1'640 5'490 5'490<br />
04.09.20xx 3'980 1'510 1'510<br />
05.09.20xx 5'000 6'510 6'510<br />
06.09.20xx 2'300 4'210 4'210<br />
Die Ein- und Ausgänge finden physisch statt. Also verän<strong>der</strong>n sich <strong>der</strong><br />
verfügbare Lagerbestand und <strong>der</strong> Gesamtbestand in gleichem Mass.<br />
410
Logistiker/In EFZ<br />
400_Logistics<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
411
Modul 401_Lageraufgaben<br />
Ausgangslage<br />
Ein Lager ist nicht nur als eine Art Waren- o<strong>der</strong> Güterablage zu verstehen. Es<br />
erfüllt viel mehr Aufgaben, als man meint. Je nach Waren und Aufgaben<br />
muss ein Lager speziell konzipiert und betrieben werden. Dieses Modul<br />
beleuchtet die Arbeiten und Zuständigkeiten des Lagers.<br />
412
Fachartikel Modul 401<br />
1. Lageraufgaben<br />
1.1 Das Lager<br />
Die Lagerhaltung von Waren ist nichts Neues. Bereits unsere Vorfahren haben<br />
"Lager" an Nahrungsmitteln unterhalten. In <strong>der</strong> Schweiz werden vom Bund<br />
noch heute Pflichtlager geführt, welche zur Versorgungssicherheit <strong>der</strong><br />
Bevölkerung in Krisenzeiten dienen. Auch die Welt <strong>der</strong> Tiere kennt die<br />
Vorratshaltung. Das Eichhörnchen vergräbt z. B. vor dem Winter seine Nüsse,<br />
um sich das Überleben zu sichern. Bei Tieren ist es insofern speziell, dass die<br />
Waren irgendwo aufbewahrt werden und dann oftmals nicht mehr o<strong>der</strong> nur<br />
durch Zufall wie<strong>der</strong> gefunden werden. Diese Lagerung könnte man mit <strong>der</strong><br />
chaotischen Lagerung vergleichen.<br />
Die chaotische Lagerung wird in Modul 406 vertieft behandelt.<br />
Wie definiert man das Lager?<br />
Der Begriff Lager beschreibt in <strong>der</strong> EnterSite AG zum einen den Raum, in dem<br />
gelagert wird und zum an<strong>der</strong>n die Güter, die dort aufbewahrt werden.<br />
Merke: Aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, nur so viel Ware<br />
einzukaufen wie benötigt wird. Somit wird das Lager <strong>der</strong> EnterSite AG mit<br />
seinen Aufgaben Bestand haben.<br />
1.2 Übersicht <strong>der</strong> Lageraufgaben<br />
413
1.2.1 Die Sicherungsaufgabe<br />
Die ursprünglichste Form für<br />
die Lagerung ist, Vorräte für<br />
den Notfall zu sichern. Diese<br />
sogenannte<br />
Sicherungsfunktion wird<br />
ebenfalls Puffer- o<strong>der</strong><br />
Ausgleichsfunktion genannt<br />
und hilft <strong>der</strong> Unternehmung,<br />
kritische Situationen zu<br />
überstehen. Die<br />
Sicherungsfunktion kommt in<br />
folgenden Fällen zum Zug:<br />
Pufferlager<br />
• Wenn Lieferengpässe<br />
o<strong>der</strong><br />
Transportschwierigkeiten<br />
auftreten.<br />
• Wenn Schwankungen<br />
beim Verbrauch durch<br />
vermehrte Nachfrage<br />
auftreten.<br />
• Wenn zu wenig o<strong>der</strong><br />
fehlerhafte Ware geliefert<br />
wird.<br />
Merke: In <strong>der</strong> Fachsprache spricht man bei <strong>der</strong> Sicherungsfunktion auch<br />
vom Mindestbestand, dem Sicherheitsbestand o<strong>der</strong> <strong>der</strong> eisernen Reserve.<br />
414
1.2.2 Die Umformungsaufgabe<br />
In Lagern von Handelsbetrieben<br />
werden Waren oft umgefüllt,<br />
gemischt o<strong>der</strong> sortiert. Die<br />
Umformungsaufgabe dient dazu, den<br />
Kunden die Ware in den<br />
gewünschten Mengen (10 Stück, 100<br />
Stück usw.) o<strong>der</strong> als Sets<br />
(Dichtungsset, Reparaturset usw.)<br />
bereitzustellen. Typische<br />
Umformfunktionen sind auch:<br />
• das Umpacken von Gütern<br />
• das Schneiden o<strong>der</strong> Ablängen<br />
von Waren<br />
Umpacken von Schokolade<br />
• das Mischen (Chemikalien,<br />
Farben)<br />
• die Vormontage von Gütern<br />
• das Kommissionieren<br />
(Zusammenstellen von<br />
bestimmten Teilmengen)<br />
1.2.3 Die Kontrollaufgabe<br />
Innerhalb des Warenflusses werden im Lager verschiedene Kontrollaufgaben<br />
erfüllt. Die wichtigsten sind:<br />
• die Identifikation <strong>der</strong> Güter<br />
• die Kontrolle <strong>der</strong> Menge und des Zustands <strong>der</strong> Ware<br />
• die Überwachung <strong>der</strong> Termine<br />
Zur Kontrollfunktion gehört ebenfalls das Aussortieren von Waren: Veraltete,<br />
nicht mehr benötigte o<strong>der</strong> verdorbene Ware wird im Lager aussortiert.<br />
415
1.2.4 Die Spekulationsaufgabe<br />
Sind Preissteigerungen zu erwarten, werden durch einen rechtzeitigen Einkauf<br />
Preisvorteile erzielt. Zur Spekulationsaufgabe gehört, Waren dann einzukaufen,<br />
wenn sie günstig sind (z. B. Heizölkauf im Sommer), um sie danach zu einem<br />
teureren Preis zu verkaufen.<br />
1.2.5 Die Veredelungsaufgabe<br />
Es gibt viele Güter (Käse, Wein, Fleischwaren usw.), die erst durch eine<br />
entsprechende Lagerung ihre optimale Qualität und Reife erhalten. Lager,<br />
die solche Güter enthalten, werden häufig auch Produktivlager genannt.<br />
416
Modul 402_Lagerarten<br />
Ausgangslage<br />
Lager unterscheiden sich nicht nur in Hinsicht auf die verschiedenen Funktionen und<br />
Aufgaben, son<strong>der</strong>n auch in den Lagerarten und Lagerformen. Dabei erfüllt jede<br />
Lagerart einen bestimmten Zweck. Je nachdem ist es sinnvoll, ein zentrales<br />
Vorratslager für den Gesamtbetrieb o<strong>der</strong> ein dezentrales Lager am jeweiligen Ort <strong>der</strong><br />
Verwendung zu führen. Bei <strong>der</strong> Konzipierung von Lagern ist es wichtig, dass diese für<br />
die jeweiligen Betriebe einen Mehrwert ergeben.<br />
417
Fachartikel Modul 402<br />
2. Lagerarten<br />
Lager sind nicht gleich Lager. Verschiedene Faktoren müssen bei <strong>der</strong> Planung<br />
eines neuen Lagers beachtet werden und beeinflussen dessen Konzeption.<br />
Kriterien, die es für das Lager <strong>der</strong> EnterSite AG zu beachten gilt, sind:<br />
• Welche Güter sollen gelagert werden?<br />
• In welcher Branche ist die EnterSite AG tätig?<br />
• Wo befindet sich <strong>der</strong> Standort des jeweiligen Lagers?<br />
• Welche Funktion muss das Lager erfüllen?<br />
2.1 Unterscheidung nach Gütern<br />
Ein wichtiger Faktor für die Planung eines Lagers sind die Güter, die darin<br />
gelagert werden sollen. Wie in Modul 105 beschrieben, gibt es<br />
unterschiedliche Merkmale, aufgrund <strong>der</strong>er die Güter unterschiedlich<br />
gehandhabt und somit auch gelagert werden müssen. Für eine<br />
werterhaltende Lagerung gilt es z. B. folgende Gütereigenschaften zu<br />
berücksichtigen:<br />
• Abmessung und Volumen<br />
• Dichte (Gewicht)<br />
• Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig)<br />
• Lagerbarkeit (ver<strong>der</strong>blich, zerbrechlich, stapelbar)<br />
• Wert (diebstahlsichere Lagerung)<br />
• usw.<br />
2.1.1 Rohstofflager<br />
Als Hauptbestandteil eines herzustellenden Gutes dienen Rohstoffe (Stahl,<br />
Holz, Baumwolle usw.). Je nach Unternehmung kann es sinnvoll sein, ein<br />
Rohstofflager zentral für die gesamte Unternehmung zu führen o<strong>der</strong><br />
dezentrale Lager an <strong>der</strong> Quelle <strong>der</strong> Verwendung zu haben. Das Rohstofflager<br />
<strong>der</strong> EnterSite AG erfüllt in erster Linie die Aufgabe <strong>der</strong> Sicherung, indem es<br />
eine reibungslose Produktionslinie gewährleistet.<br />
418
2.1.2 Handlager<br />
Handlager sind kleine Lager, in denen geringe Mengen häufig benötigter<br />
Güter lagern. Diese Güter sind sehr oft Einkaufsteile (Schrauben,<br />
Unterlegscheiben, Dichtungen, usw.). In Handlagern bedienen sich die<br />
Mitarbeitenden in <strong>der</strong> Regel selbst und ohne Verbuchung <strong>der</strong> Entnahmen.<br />
Damit die Bestandesführung <strong>der</strong> EnterSite AG trotzdem funktioniert, werden<br />
die Artikel im Handlager von einem Mitarbeiter, von einer Mitarbeiterin<br />
regelmässig kontrolliert, um festzustellen, welche Güter in welchen Mengen<br />
bezogen wurden, und die Bestände anzupassen.<br />
2.1.3 Fertigwarenlager<br />
Wenn hergestellte Güter<br />
(Produkte) nicht sofort<br />
verkauft werden, lagert<br />
man diese zwischenzeitlich<br />
ein. Die Aufgabe eines<br />
Fertigwarenlagers ist somit<br />
hauptsächlich die<br />
Überbrückung zwischen<br />
Produktion und Verkauf. Im<br />
Einzel- o<strong>der</strong> Grosshandel<br />
spricht man vom<br />
Verkaufslager. Der Händler<br />
bezieht die Waren direkt<br />
vom Hersteller und verkauft<br />
diese in kleinen Mengen an<br />
die Endverbraucher. Der<br />
Verkaufsraum, in dem die<br />
Waren den Kunden<br />
angeboten werden, wird<br />
auch als Verkaufslager<br />
bezeichnet.<br />
Fertigwarenlager<br />
2.2 Unterscheidung nach Branchen<br />
Die Anfor<strong>der</strong>ungen an eine sorgfältige Lagerung sind sehr vielfältig. Dabei hat<br />
jede Branche individuelle Bestimmungen für den Umgang mit ihren Gütern.<br />
419
2.2.1 Betriebe <strong>der</strong> Fertigung (Produktion)<br />
Fertigungsbetriebe stellen Güter her. Die EnterSite AG produziert z. B.<br />
Kugelschreiber, Tintenpatronen o<strong>der</strong> Bostitch. Dabei läuft <strong>der</strong> Leistungsprozess<br />
immer gleich ab. Wie auf dem unten abgebildeten Fertigungsprozess<br />
ersichtlich, wird in <strong>der</strong> Fertigung zwischen drei Arten von Lagern<br />
unterschieden.<br />
Vorgelagerte Produktionslager<br />
Das Vorgelagerte Produktionslager hat die Hauptaufgabe, den<br />
Herstellbereich mit Rohstoffen, Halbfabrikaten usw. zu bedienen, um eine<br />
ausgeglichene Produktion und somit die wirtschaftliche Auslastung <strong>der</strong><br />
vorhandenen Betriebsmittel zu gewährleisten.<br />
420
Zwischenlager in <strong>der</strong> Produktion<br />
Durchlaufen Produkte<br />
mehrere Fertigungsstufen (z.<br />
B. Vormontage <strong>–</strong> Fertigung <strong>–</strong><br />
Lackieren <strong>–</strong> Endmontage),<br />
entstehen zwischen den<br />
einzelnen Stufen häufig<br />
Wartezeiten. Deshalb<br />
werden in <strong>der</strong> Fertigung<br />
Zwischenlager benötigt,<br />
welche eine<br />
Überbrückungsaufgabe<br />
übernehmen.<br />
In <strong>der</strong> Pharmabranche wird<br />
dabei von "Bulk" gesprochen.<br />
In diesem Fall werden<br />
pharmazeutische Produkte<br />
nicht in <strong>der</strong><br />
Verkaufsverpackung,<br />
son<strong>der</strong>n in grossen Behältern<br />
gelagert, um sie bei Bedarf<br />
fertig abzupacken und<br />
anschliessend auszuliefern.<br />
Typisches Produktionslager - Lagern von Blechrollen im<br />
Stahlwerk<br />
Nachgelagertes Produktionslager<br />
Das nachgelagerte Produktionslager hat den Zweck:<br />
• <strong>der</strong> gleichmässigen Versorgung von Handel und Verkauf<br />
• <strong>der</strong> Aufnahme von Produktionsüberschüssen<br />
• dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage<br />
2.2.2 Der Distributionsbetrieb<br />
Die Post, Speditionsfirmen und Transportunternehmen sind typische<br />
Distributionsbetriebe, welche Umschlagslager führen.<br />
Das Thema Distributionslogistik wird in<br />
behandelt.<br />
Modul 600 noch genauer<br />
421
Umschlagslager<br />
Das Umschlaglager ist ein Lager ohne Lagerbestände. Die vorhandenen<br />
Güter werden dort aus folgenden Gründen nur zwischengelagert:<br />
• Umlad von einem Transportmittel auf ein an<strong>der</strong>es<br />
• Sortierung von Sendungen<br />
• Bereitstellung von Lieferungen für den Verlad.<br />
Die grossen Umschlagslager<br />
befinden sich oft an<br />
Verkehrsknotenpunkten wie:<br />
• Schiffshäfen<br />
• Güterbahnhöfen<br />
• Flughäfen<br />
• Containerterminals<br />
• Brief- und Paketzentren<br />
Containerlager am Hafen<br />
Die Betreiber von Umschlagslagern sind nicht nur für den reibungslosen<br />
Warenumschlag verantwortlich. Sie sind ebenfalls auf die korrekte Abwicklung<br />
<strong>der</strong> notwendigen administrativen Arbeiten spezialisiert.<br />
Administrative Arbeiten in Umschlagslagern sind:<br />
• Erledigung von Zollformalitäten<br />
• Sicherheitskontrollen<br />
• Ausstellen von Frachtbriefen<br />
• Abrechnen von Frachtspesen<br />
2.2.3 Handelsbetriebe<br />
Handelsbetriebe bewirtschaften oft Lager mit grossen Mengen an Gütern,<br />
welche an den Einzelhandel und Fertigungsbetriebe verkauft werden.<br />
422
Auslieferungslager<br />
Bewirtschaftet ein Handelsbetrieb ein Auslieferungslager, kann er den<br />
Transportweg und somit die Zeit für die Kundenanlieferung verkürzen.<br />
Fertigungsbetriebe können die Vorteile eines Auslieferungslagers ebenfalls<br />
nutzen, indem sie ihre Waren bei einem Speditionsunternehmen lagern. So<br />
kann die Spedition die Ware bei Abruf des Kunden ohne Verzögerung<br />
ausliefern.<br />
Kommissionslager<br />
Das Kommissions- o<strong>der</strong> Konsignationslager ist ein Warenlager eines Lieferanten<br />
o<strong>der</strong> Dienstleisters. Der Lieferant (z. B. Hersteller eines Produktes) stellt seinem<br />
Kunden (Handelsbetrieb) die Waren auf eigene Kosten zur Verfügung. Die<br />
Ware bleibt dabei im Eigentum des Lieferanten, lagert aber beim Kunden. Die<br />
Entnahmen aus dem Lager werden periodisch mit dem Lieferanten<br />
abgerechnet. Für den Kunden bedeutet dies einen gesicherten Warenfluss<br />
trotz verringerter Kapitalbindung.<br />
2.3 Unterscheidung nach Standorten<br />
Die Standortwahl wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst.<br />
Unterschieden wird nach internen und externen Faktoren.<br />
Interne Faktoren:<br />
• Art <strong>der</strong> Güter<br />
• Gewicht<br />
• Volumen<br />
• Haltbarkeit<br />
• Umschlagshäufigkeit<br />
423
Externe Faktoren:<br />
• Bauvorschriften<br />
• Umweltvorschriften<br />
• Massnahmen zum Lärmschutz<br />
• Massnahmen zur Lagerung gefährlicher Güter<br />
• Verkehrstechnische Massnahmen<br />
2.3.1 Zentrale o<strong>der</strong> dezentrale Lager für die Produktion<br />
Um einen kostengünstigen Materialfluss zwischen Lager und Produktion zu<br />
gewährleisten, werden Lager für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in <strong>der</strong> Regel<br />
möglichst in <strong>der</strong> Nähe <strong>der</strong> Produktionsstätten erstellt. Der Betrieb muss sich<br />
dabei zwischen zentraler o<strong>der</strong> dezentraler Lagerung entscheiden.<br />
Wird <strong>der</strong> gesamte Produktionsbereich aus einem zentralen Lager versorgt,<br />
ergeben sich folgende Vorteile:<br />
• Die Vorräte können niedriger gehalten werden.<br />
• Die Beschaffung von Gütern ist einfacher (weniger Bestellungen,<br />
jedoch höhere Mengen = Rabatt).<br />
• effiziente Raumausnutzung<br />
• Die vorhandene Infrastruktur kann optimal genutzt werden.<br />
• Das Personal kann besser geplant werden.<br />
Wird die Distanz zwischen Produktion und Lager zu gross, kann es durchaus<br />
sinnvoll sein, in Produktionsnähe dezentrale Lager zu bewirtschaften. Dies gilt<br />
insbeson<strong>der</strong>e bei schweren und voluminösen Gütern o<strong>der</strong> bei Fertigungen,<br />
welche das Just-in-time-Verfahren anwenden.<br />
Dezentrale Lager bieten folgende Vorteile:<br />
• Informationsfluss läuft schneller<br />
• kürzere Wege<br />
• Spezielle Güter können optimal abgestimmt gelagert werden.<br />
424
2.4 Zwischenlager<br />
Als Zwischenlager werden alle Lager<br />
bezeichnet, <strong>der</strong>en Zweck es ist, Güter<br />
vorübergehend aufzunehmen.<br />
Zwischenlagerung heisst: Aufbewahrung<br />
von Gütern bis zur Abholung o<strong>der</strong> bis zum<br />
Verbrauch.<br />
Typische Zwischenlager sind unter<br />
an<strong>der</strong>em:<br />
• Gepäckaufbewahrungen<br />
Postfachanlage<br />
• Schliessfächer<br />
• Postfächer<br />
Gepäckaufbewahrung<br />
Merke: Zwischenlager nehmen die Güter in <strong>der</strong> Regel für kurze Zeit auf, ein<br />
Schliessfach beispielsweise nur für Stunden.<br />
Keine Regel ohne Ausnahme, dies gilt auch in <strong>der</strong> Logistik. Für radioaktive<br />
Abfälle gibt es in <strong>der</strong> Schweiz ebenfalls Zwischenlager. Weil diese Abfälle in<br />
<strong>der</strong> Schweiz vorläufig noch nicht endgelagert werden können, müssen sie<br />
teilweise über mehrere Jahre zwischengelagert werden.<br />
425
2.5 Reifelager<br />
So, wie die Qualität verschiedener<br />
Nahrungsmittel in <strong>der</strong> Frische liegt,<br />
gibt es Produkte, die eine gewisse<br />
Reife erreichen sollen. Dies sind<br />
zum Beispiel:<br />
• Käse (wird während vier bis<br />
zwölf Monaten gelagert)<br />
• Fleischwaren<br />
• Wein, Bier, Spirituosen<br />
Reifelager von Speck<br />
• Früchte<br />
Während <strong>der</strong> Reifung verän<strong>der</strong>t sich <strong>der</strong> Geschmack. Junger Käse ist in <strong>der</strong><br />
Regel mild. Mit zunehmen<strong>der</strong> Lagerdauer wird er rezenter, das heisst kräftiger<br />
im Geschmack. Bei Reifelagern spielt das Lagerklima unter Umständen eine<br />
entscheidende Rolle für die Qualität des Endprodukts.<br />
Höhlengereifter Käse wird zum Beispiel in Naturhöhlen gelagert und erreicht<br />
dadurch eine beson<strong>der</strong>s gute Qualität. Käse wird im Reifelager nicht nur<br />
gelagert, son<strong>der</strong>n auch intensiv gepflegt. So wird die Oberfläche immer<br />
wie<strong>der</strong> mit einer Salzlösung abgerieben.<br />
Exotische Früchte überstehen den langen Transport aus den Ursprungslän<strong>der</strong>n<br />
oft nur unbeschadet, wenn sie in unreifem Zustand gepflückt und transportiert<br />
werden. Darum werden sie vor dem Verkauf in speziellen Anlagen gereift. Ein<br />
bekanntestes Beispiel sind die Bananenreifereien von Grossverteilern.<br />
426
Modul 403_Lagereinrichtungen<br />
Ausgangslage<br />
Die Auswahl einzusetzen<strong>der</strong> Lagereinrichtungen erfolgt nach unterschiedlichen<br />
Auswahlkriterien. Das wichtigste Kriterium ist hierbei das Lagergut selber. Nicht jede<br />
Einrichtung ist für jedes Lagergut geeignet. Stangenmaterial kann schlecht in einem<br />
Palettenregal gelagert werden o<strong>der</strong> ver<strong>der</strong>bliche Ware eignet sich schlecht um in<br />
einem riesigen Blocklager abgestellt zu werden. Weitere wichtige Kriterien sind unter<br />
an<strong>der</strong>em die Bedienbarkeit, <strong>der</strong> Automatisierungsgrad o<strong>der</strong> die<br />
Umschlagshäufigkeit. Ein wichtiger Punkt, den es ebenfalls zu beachten gilt, sind die<br />
örtlichen Gegebenheiten. Jede Lagereinrichtung hat ihre Vor- und Nachteile, die es<br />
abzuwägen gilt.<br />
427
Fachartikel Modul 403<br />
3. Lagereinrichtungen<br />
3.1 Bodenlagerungen<br />
Bei <strong>der</strong> Bodenlagerung werden alle zu lagernden Güter auf dem Boden<br />
platziert. Diese Lagereinrichtung gilt für Stückgüter als Basisvariante. Die<br />
wesentlichen Vorteile dieser Einrichtung sind <strong>der</strong> geringe organisatorische<br />
Aufwand und <strong>der</strong> geringe Kostenaufwand.<br />
3.1.1 Blockflachlager<br />
Das Blockflachlager besteht aus Lagereinheiten, die nicht gestapelt direkt auf<br />
dem Boden stehen. Arbeitsgänge zwischen je zwei Reihen gewährleisten den<br />
Zugriff auf jede Lagereinheit. Blockflachlager benötigen in Hinsicht auf die<br />
Lagerkapazität eine grosse Lagerfläche. Blockflachlager werden bevorzugt<br />
bei sperrigen o<strong>der</strong> speziellen Gütern sowie bei Autos o<strong>der</strong> Schüttgütern wie z.<br />
B. Kies.<br />
3.1.2 Blockstapellager<br />
Beim Blockstapellager liegen die untersten Lagereinheiten wie beim<br />
Blockflachlager auf dem Boden. Die übrigen Lagergüter werden darauf<br />
gestapelt. Voraussetzung für das aufeinan<strong>der</strong>stapeln ist geeignetes,<br />
druckunempfindliches Lagergut und entsprechende Stapelhilfsmittel. Diese<br />
Lagerform wird für grosse Mengen des gleichen Artikels angewendet, z. B. für<br />
Aktionsware, leere Harassen o<strong>der</strong> leere Paletten. Bei dieser Lagerform ist die<br />
Bodenbelastung pro Quadratmeter zu beachten.<br />
3.1.3 Stapelung von Gütern<br />
Die Stapelung von verschiedenartigen Gütern ist zulässig, wenn das Ladegut<br />
tragfähig ist sowie äussere Einflüsse (Temperatur, Nässe usw.) ein sicheres<br />
Stapeln zulassen. Zudem ist die Stapelhöhe zu beachten und <strong>der</strong> Stapel<br />
regelmässig zu überprüfen. Bei Sackwaren gilt es zudem darauf zu achten,<br />
dass die Säcke nicht beschädigt werden und <strong>der</strong> Stapel in sich stabil ist.<br />
428
3.1.4 Lagerung in Zeilen o<strong>der</strong> Reihen<br />
Bei <strong>der</strong> Lagerung in Zeilen (hintereinan<strong>der</strong>) ist <strong>der</strong> Zugriff auf die jeweils<br />
oberste Lagereinheit einer Zeile möglich. Bei <strong>der</strong> Reihenlagerung<br />
(nebeneinan<strong>der</strong>) ist <strong>der</strong> Zugriff auf jede Lagereinheit möglich. Zwischen je<strong>der</strong><br />
Reihe muss ein Arbeitsgang vorgesehen werden. Die Lagereinheiten können<br />
längs o<strong>der</strong> quer angeordnet sein. Periodisch ist zu überprüfen, ob die Stapel<br />
schief werden. Schiefe Stapel sind sofort abzubauen.<br />
Blocklager in Zeilen<br />
Spielerisch gelöst | Dispo<br />
Merke: Die Bodenlagerung eignet sich zur kostengünstigen Lagerung von Gütern.<br />
Sie eignet sich für Güter, welche in Blöcken o<strong>der</strong> Reihen gelagert werden können und<br />
<strong>der</strong> Zugriff nicht auf jede einzelne Einheit gewährleistet sein muss.<br />
3.1.5 Bodenlagerung von Druckflaschen<br />
Für die Lagerung von Gasen werden Druckflaschen aus Stahl verwendet. Die<br />
Flaschen sind so zu lagern, dass sie nicht umstürzen können. In <strong>der</strong> Regel<br />
werden sie mit einer Kette gesichert. Die fachgerechte Sicherung ist nicht nur<br />
beim Lagern wichtig, son<strong>der</strong>n auch während des innerbetrieblichen<br />
Transports.<br />
Checkliste Gasflaschen<br />
429
3.1.6 Lagerung von Langgut und Platten<br />
Die Lagerung von Langgut ist oft schwierig und verlangt häufig<br />
Einfallsreichtum. Bündel von Rohren o<strong>der</strong> Stangen werden in <strong>der</strong> Regel<br />
horizontal, einzelne Teile stehend, in Rechen gelagert. Durch die Lagerung in<br />
Rechen können die einzelnen Artikel sauber voneinan<strong>der</strong> getrennt werden.<br />
Ein Durchsuchen des Lagerbestandes ist problemlos möglich. Dabei sind<br />
jedoch die seitlichen Stützkräfte beim "Umblättern" stehend gelagerter Platten<br />
nicht zu unterschätzen.<br />
Die Art <strong>der</strong> Bodenlagerung von Langgut hängt sehr stark von <strong>der</strong><br />
Beschaffenheit ab, daher können keine allgemeingültigen Empfehlungen<br />
abgegeben werden. Durch gute Überwachung <strong>der</strong> Güter stellen Logistiker<br />
sicher, dass sich das Lagergut nicht verformt.<br />
Transport von Holz und Kunststoffplatten<br />
3.2 Fachbodenregal<br />
Für alle Stückgüter, die nicht auf Paletten gelagert werden, eignet sich das<br />
Fachbodenregal (auch Fachregal o<strong>der</strong> Tablar-Regal). Die Lagerfächer des<br />
Fachbodenregals sind mit einem Regalbrett ausgestattet, auf dem die<br />
Lagergüter abgelegt werden. Im Gegensatz zum Palettenregal ist für die<br />
Einlagerung also kein Ladungsträger nötig. Fachbodenregale dienen <strong>der</strong><br />
Lagerung von Einzelstücken o<strong>der</strong> von kleinen Mengen sowie kleinvolumigen<br />
Gütern.<br />
Für die Lagerung von Kleinteilen können Fachbodenregale mit Schubladen<br />
und unterschiedlichen Behältern ausgestattet werden. Mit diesen<br />
Zusatzeinrichtungen kann in einem Fachbodenregal eine grosse Anzahl<br />
unterschiedlicher Güter gelagert werden. Diese Regale eignen sich auch<br />
ausgezeichnet für die manuelle Kommissionierung kleinvolumiger Lagergüter.<br />
3.1.6 Lagerung von Langgut und Platten<br />
Die Lagerung von Langgut ist oft schwierig und verlangt häufig<br />
Einfallsreichtum. Bündel von Rohren o<strong>der</strong> Stangen werden in <strong>der</strong> Regel<br />
horizontal, einzelne Teile stehend, in Rechen gelagert. Durch die Lagerung in<br />
Rechen können die einzelnen Artikel sauber voneinan<strong>der</strong> getrennt werden.<br />
Ein Durchsuchen des Lagerbestandes ist problemlos möglich. Dabei sind<br />
jedoch die seitlichen Stützkräfte beim "Umblättern" stehend gelagerter Platten<br />
nicht zu unterschätzen.<br />
430
Zusatzeinrichtungen kann in einem Fachbodenregal eine grosse Anzahl<br />
unterschiedlicher Güter gelagert werden. Diese Regale eignen sich auch<br />
ausgezeichnet für die manuelle Kommissionierung kleinvolumiger Lagergüter.<br />
3.3 Palettenregal<br />
Palettenregale finden sich in fast allen Lagern. Sie bestehen aus Stützrahmen<br />
und Auflageträgern, auf denen Güter auf Ladungsträgern (Paletten) gelagert<br />
werden. Weil die Güter auf Ladungsträgern eingelagert werden, haben die<br />
Fächer im Normalfall keinen Boden. Die Paletten stehen auf den<br />
Auflageträgern, auch Traversen o<strong>der</strong> Holme genannt. Palettenregale können<br />
als Einfachregale o<strong>der</strong> Doppelregale aufgebaut werden. Einfachregale<br />
stehen in <strong>der</strong> Regel an einer Wand und werden an dieser befestigt.<br />
Doppelregale sind von zwei Seiten zugänglich und stehen frei im Raum.<br />
Ausführungen:<br />
Palettenregale sind in verschiedensten Ausführungen erhältlich. Normale<br />
Ausführungen sind für eine Fachlast von 1600 bis 1800 kg ausgelegt.<br />
Sogenannte Schwerlastregale sind massiver gebaut und verfügen über eine<br />
Fachlast von bis zu 4500 kg. Palettenregale gibt es für den Innen- und<br />
Aussengebrauch. Regale, die im Freien aufgestellt werden, müssen rostfrei<br />
ausgeführt sein, daher sind sie in <strong>der</strong> Regel verzinkt.<br />
Auflageträger o<strong>der</strong> Traversen<br />
Die Auflageträger sind aus Blechprofilen gefertigt. Sie werden in den<br />
Stän<strong>der</strong>rahmen mit Sicherungsstiften gegen unbeabsichtigtes Herausheben<br />
durch Gabelstapler gesichert. Die Fachlast (Last auf zwei Traversen zwischen<br />
zwei Stän<strong>der</strong>rahmen) muss immer gekennzeichnet sein. Auflageträger<br />
werden oft durch unvorsichtiges Manövrieren mit dem Stapler beschädigt.<br />
Beschädigte Auflageträger haben eine stark vermin<strong>der</strong>te Tragfähigkeit und<br />
müssen deshalb ausgewechselt werden.<br />
Zubehör zu Palettenregalen<br />
Das wohl wichtigste Zubehör zu Palettenregalen ist <strong>der</strong><br />
Anfahrschutz. Die Aufgabe des Anfahrschutzes ist es,<br />
die Stützrahmen o<strong>der</strong> Stän<strong>der</strong>profile vor Schäden<br />
durch Anfahren mit einem Flurför<strong>der</strong>zeug zu<br />
bewahren. Kommt es zu einer Beschädigung am<br />
Stützrahmen, wird die Tragfähigkeit von<br />
Palettenregalen unter Umständen so stark beschädigt,<br />
dass sie zusammenbrechen.<br />
431<br />
Rammschutz
Aussengebrauch. Regale, die im Freien aufgestellt werden, müssen rostfrei<br />
ausgeführt sein, daher sind sie in <strong>der</strong> Regel verzinkt.<br />
Auflageträger o<strong>der</strong> Traversen<br />
Die Auflageträger sind aus Blechprofilen gefertigt. Sie werden in den<br />
Stän<strong>der</strong>rahmen mit Sicherungsstiften gegen unbeabsichtigtes Herausheben<br />
durch Gabelstapler gesichert. Die Fachlast (Last auf zwei Traversen zwischen<br />
zwei Stän<strong>der</strong>rahmen) muss immer gekennzeichnet sein. Auflageträger<br />
werden oft durch unvorsichtiges Manövrieren mit dem Stapler beschädigt.<br />
Beschädigte Auflageträger haben eine stark vermin<strong>der</strong>te Tragfähigkeit und<br />
müssen deshalb ausgewechselt werden.<br />
Zubehör zu Palettenregalen<br />
Das wohl wichtigste Zubehör zu Palettenregalen ist <strong>der</strong><br />
Anfahrschutz. Die Aufgabe des Anfahrschutzes ist es,<br />
die Stützrahmen o<strong>der</strong> Stän<strong>der</strong>profile vor Schäden<br />
durch Anfahren mit einem Flurför<strong>der</strong>zeug zu<br />
bewahren. Kommt es zu einer Beschädigung am<br />
Stützrahmen, wird die Tragfähigkeit von<br />
Palettenregalen unter Umständen so stark beschädigt,<br />
dass sie zusammenbrechen.<br />
Rammschutz<br />
Rammschutz<br />
Durchschubsicherungen verhin<strong>der</strong>n, dass<br />
Paletten über die Auflage des Fachs<br />
hinausgeschoben werden und abstürzen.<br />
Durchschubsicherung (© SSI<br />
Schäfer)<br />
432<br />
Überall, wo sich hinter Palettenregalen Personen aufhalten können, ist nicht<br />
nur eine Durchschubsicherung anzubringen, son<strong>der</strong>n auch ein Gitter,<br />
welches das Herunterfallen von Ladungsteilen verhin<strong>der</strong>t. Gleiches gilt für
Durchschubsicherung (© SSI<br />
Schäfer)<br />
Überall, wo sich hinter Palettenregalen Personen aufhalten können, ist nicht<br />
nur eine Durchschubsicherung anzubringen, son<strong>der</strong>n auch ein Gitter,<br />
welches das Herunterfallen von Ladungsteilen verhin<strong>der</strong>t. Gleiches gilt für<br />
Fusswege, welche unter einem Regal durchführen. Hier sind die Gitter auf<br />
dem untersten Fach anzubringen.<br />
Palettenlager mit Fallschutzgitter<br />
Die Hersteller<br />
bieten eine<br />
Vielzahl von<br />
Auflagen an, die<br />
auch das<br />
Einlagern nicht<br />
palettierter Güter<br />
in Palettenregalen<br />
ermöglichen.<br />
Palettenregal für nicht paletierte Güter (© SSI Schäfer)<br />
433
3.4 Einfahrregal<br />
Das Einfahrregal, auch Drive-in-Regal<br />
genannt, ist eine Alternative zum<br />
Blocklager. Es besteht aus mehreren<br />
Kanälen nebeneinan<strong>der</strong>, die mittels<br />
durchlaufen<strong>der</strong> Auflageprofile gebildet<br />
werden, welche die Paletten<br />
aufnehmen. Die Kanäle werden mit<br />
palettierten Lagergütern von einer<br />
Seite her "gefüllt". Das Vorgehen<br />
entspricht dem Aufbau eines<br />
Blocklagers. Der Unterschied zum<br />
Blocklager besteht darin, dass die<br />
Lagergüter nicht aufeinan<strong>der</strong>gestapelt<br />
werden, son<strong>der</strong>n auf den seitlichen<br />
Profilen aufliegen. Es können also auch<br />
druckempfindliche Güter gelagert<br />
werden.<br />
Einfahrregal<br />
Wenn ein Einfahrregal gefüllt ist, kann nur noch auf die vor<strong>der</strong>sten Güter<br />
zugegriffen werden. Dieses Lager ist also nur für Güter geeignet, bei denen<br />
<strong>der</strong> Zugriff auf eine konkrete Einzelpalette, gleich wie beim Blocklager, nicht<br />
erfor<strong>der</strong>lich ist. Einfahrregale eignen sich für die Lagerung grosser Mengen<br />
nicht stapelbarer Güter. First-In, First-Out (FIFO) ist selbstverständlich nicht<br />
möglich.<br />
3.5 Durchfahrregal<br />
Das Durchfahrregal hat eine ähnliche<br />
Bauweise wie ein Einfahrregal. Der<br />
Unterschied besteht darin, dass ein<br />
Durchfahrregal beidseitig zugänglich ist.<br />
Von <strong>der</strong> einen Seite her wird<br />
eingelagert, auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite<br />
werden die Güter entnommen.<br />
Dadurch kann First-In, First-Out (FIFO)<br />
gewährleistet werden.<br />
Durchfahrregal (© SSI Schäfer)<br />
434
3.6 Durchlaufregal<br />
Bei einem<br />
Durchlaufregallager<br />
sind die Lagergüter<br />
dynamisch gelagert.<br />
Sie bleiben also nicht<br />
an ihrem Platz, son<strong>der</strong>n<br />
bewegen sich von <strong>der</strong><br />
einen Seite des Regals<br />
auf die an<strong>der</strong>e. Dazu<br />
stehen die Güter auf<br />
einer schiefen, mit<br />
Rollen ausgestatteten<br />
Lagerebene. Auf <strong>der</strong><br />
einen Seite wird das<br />
Lager aufgefüllt, die<br />
Entnahme <strong>der</strong> Güter<br />
erfolgt auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en<br />
Seite des Regals.<br />
Normalerweise<br />
bewegen sich die<br />
Waren durch die<br />
Schwerkraft selbsttätig<br />
vom Aufgabe- zum<br />
Abnahmepunkt.<br />
Durchlaufregal, rechts Beschickung, links Entnahme<br />
435
3.6.1 Einschubregal<br />
Das Einschubregal ist ähnlich aufgebaut<br />
wie das Durchlaufregal. Jedoch ist die<br />
Lagerebene in Richtung <strong>der</strong> Abgabe<br />
geneigt. Dieses Lager funktioniert nach<br />
dem Last-in-First-out-Prinzip: Vorhandene<br />
Lagergüter werden durch das Einlagern<br />
von neuen Lagergütern nach hinten<br />
gestossen. Die Einschubregale eignen sich<br />
vor allem für stossunempfindliche Güter<br />
ohne Haltbarkeitsdatum.<br />
Einschubregal (© SSI Schäfer)<br />
3.7 Kragarmregal<br />
Das Kragarmregal ist die gebräuchlichste<br />
Lagerform für Langgut wie Bretter,<br />
Stangen o<strong>der</strong> Rohre. Das Kragarmregal<br />
verfügt über eine zentrale Stütze, von <strong>der</strong><br />
die Träger wie Äste seitlich herausragen.<br />
Ein Vorteil <strong>der</strong> Kragarmregale ist die gute<br />
Zugänglichkeit zum Lagergut, da keine<br />
Stützen den Zugang versperren.<br />
Kragarmregal<br />
3.7.1 Lagerlift für Langgut (Stapelautomat)<br />
Eine wesentlich teurere Alternative zum Kragarmregal ist die dynamische<br />
Lagerung von Langgut in einem Lagerlift. Das Langgut liegt in Kassetten, die<br />
im hinteren Bereich des Stapelautomaten beweglich übereinan<strong>der</strong> gelagert<br />
sind. Die gewünschte Kassette kann automatisch ausgelagert werden. Die<br />
benötigten Güter werden <strong>der</strong> Kassette entnommen, die anschliessend wie<strong>der</strong><br />
automatisch eingelagert wird.<br />
436
Lagerlift für Langgut<br />
3.8 Wabenregal<br />
Kragarmregale eignen sich für die<br />
Lagerung kleiner bis mittelgrosser<br />
Mengen von Langgut. Für grosse<br />
Mengen (z. B. Stahlprofile) werden<br />
Wabenregale benötigt. Die Lagerfächer<br />
des Wabenregals sind kleinen Tunnels<br />
ähnlich, in die das Langgut geschoben<br />
wird. Die Tiefe ist so bemessen, dass das<br />
Langgut in seiner ganzen Länge<br />
eingelagert werden kann (im<br />
Stahlhandel in <strong>der</strong> Regel auf einer Länge<br />
von 6 Metern). An <strong>der</strong> Frontseite des<br />
Wabenregals (o<strong>der</strong> zwischen zwei<br />
Regalen) befindet sich eine mobile<br />
Arbeitsbühne, mit <strong>der</strong> die einzelnen<br />
Lagerplätze angesteuert werden<br />
können.<br />
Wabenregal von Weinflaschen<br />
Das gewünschte Langgut wird von Hand <strong>–</strong> o<strong>der</strong> bei schweren Gütern mit<br />
einem Greifer aus dem Regal auf die Arbeitsbühne gezogen. Wenn nötig,<br />
kann das Langgut bereits auf <strong>der</strong> Arbeitsbühne abgelängt, also auf die<br />
richtige Länge zugeschnitten werden. Reststücke können gleich nach dem<br />
Beschnitt wie<strong>der</strong> an ihren Lagerplatz zurückgeschoben werden. Im Gegensatz<br />
437
zum Kragarmregal sind im Wabenregal jedoch bereits beschnittene Profile<br />
nicht so einfach zu erkennen.<br />
3.9 Verschieberegal<br />
Verschieberegalanlagen werden dort eingesetzt, wo platzsparend gelagert<br />
werden muss. Mehrere Regalzeilen können lückenlos (ohne Zwischengang)<br />
ineinan<strong>der</strong>geschoben werden (perfekte Platzausnützung ist garantiert).<br />
Geöffnet wird <strong>der</strong> Bedienungsgang nur dort, wo auf die Lagergüter<br />
zugegriffen werden muss. Fachbodenregale, Palettenregale wie auch<br />
Kragarmregale können als Verschieberegale konzipiert werden. Die<br />
Verschiebbarkeit <strong>der</strong> Regale wird durch einen fahrbaren Unterbau auf<br />
Führungsschienen gewährleistet. Verschieberegale können also in einer<br />
Richtung bewegt werden. Für das Verschieben kleinerer Regale reicht<br />
Muskelkraft aus. Grössere Verschieberegale werden durch einen Motor<br />
angetrieben.<br />
Merke: Mit Verschieberegalen kann viel Platz gespart werden, aber, die<br />
Zugriffszeit ist hoch. Verschieberegale eignen sich für mittlere Gütermengen<br />
bei kleinem Lagerumschlag.<br />
3.9.1 Fachbodenverschieberegale<br />
Fachbodenverschieberegal<br />
Fachboden-Verschieberegale sind fast<br />
ausnahmslos in Archiven im Einsatz. Archive<br />
müssen eine grosse Anzahl Artikel bei extrem<br />
geringen Lagerumschlag aufnehmen.<br />
Deshalb hat die optimale Platzausnutzung<br />
erste Priorität.<br />
438
3.9.2 Paletten <strong>–</strong> Verschieberegale<br />
Auch Paletten-Verschieberegale<br />
eignen sich nur für die Lagerung<br />
von Gütern mit geringem<br />
Lagerumschlag. Der Einsatz macht<br />
Sinn, wenn <strong>der</strong> Lagerraum<br />
eingegrenzt ist o<strong>der</strong> das Volumen<br />
beschränkt werden muss. Der<br />
Einsatz von Verschieberegalen<br />
kann zum Beispiel in Kühlräumen<br />
sinnvoll sein, weil je<strong>der</strong> eingesparte<br />
Kubikmeter Lagerraum die<br />
Energiekosten für die Kühlung<br />
reduziert.<br />
Paletten-Verschieberegal (© SSI Schäfer)<br />
3.10 Umlaufregal<br />
3.10.1 Vertikal umlaufende Regale<br />
Vertikal umlaufende Regale sind nicht<br />
nur in Lagern anzutreffen, son<strong>der</strong>n<br />
überall dort, wo viele verschiedene<br />
Artikel bei knappem Platz gelagert<br />
werden müssen. Sie werden in <strong>der</strong><br />
Umgangssprache "Paternoster"<br />
genannt. Dieser Begriff bezeichnete<br />
die früher bekannten<br />
Personenaufzüge mit ständig<br />
umlaufenden offenen<br />
Personenkabinen.<br />
Sogenannte Schaukelwannen, in<br />
denen sich die Lagergüter befinden,<br />
sind beweglich zwischen zwei vertikal<br />
(senkrecht) umlaufenden<br />
Kettensträngen montiert, die durch<br />
einen Elektromotor angetrieben<br />
werden.<br />
Vertikalumlaufregal<br />
439
Das Regalsystem ist meistens<br />
vollständig verkleidet und kann<br />
abgeschlossen werden. So sind die<br />
gelagerten Teile sicher versorgt.<br />
Vertikal-Umlaufregale werden<br />
deshalb oft auch für die Lagerung<br />
wertvoller Güter verwendet.<br />
Da in Tischhöhe, die individuell eingestellt werden kann, ein- und ausgelagert<br />
wird, ist eine ergonomische Arbeitsweise möglich. Das gewünschte Lagerfach<br />
wird über eine Tastatur herangeholt. Das Umlaufregal dreht sich so lange, bis<br />
sich das gewählte Fach vor <strong>der</strong> Öffnung befindet. Meistens werden<br />
Umlaufregale für kleine Mengen aber wertvolle Güter genutzt. Selten werden<br />
solche Konstruktionen für Langgut o<strong>der</strong> schwerere Güter verwendet. Der<br />
Nachteil ist, dass es nicht durch mehrere Personen gleichzeitig bedient<br />
werden kann.<br />
3.10.2 Horizontal umlaufende Regale<br />
Horizontal umlaufende Regale<br />
Das Horizontal-Umlaufregal besteht<br />
aus Fachbodenregalen, die an<br />
Laufwerken aufgehängt sind. Die<br />
Regale sind oben und unten von<br />
Laufschienen geführt. Die Laufwerke<br />
sind mit einer endlosen Kette<br />
verbunden, die von einem Motor<br />
angetrieben wird. Die straffe Führung<br />
verhin<strong>der</strong>t ein Schaukeln <strong>der</strong><br />
Gehänge. Das System arbeitet, wie<br />
das Vertikal-Umlaufregal, nach <strong>der</strong><br />
Methode "Ware zu Mensch". Der<br />
Bediener muss sich also nicht selbst<br />
zur Ware hinbewegen, son<strong>der</strong>n kann<br />
das gewünschte Lagerfach per<br />
Knopfdruck heranholen.<br />
440
3.11 Hängende Lagerung<br />
3.11.1 Statische Hängewarenlager<br />
Statische Hängewarenlager sind Regale mit Klei<strong>der</strong>stangen. Die Textilien<br />
hängen wie im Klei<strong>der</strong>schrank an Bügeln. Sie sind in <strong>der</strong> Regel unter einer<br />
Kunststoffhaube geschützt.<br />
Eine platzsparende Massnahme ist die mehrlagige Lagerung. Ähnlich wie im<br />
mehrgeschossigen Fachbodenregal ist das Lager über Zwischenböden<br />
begehbar. Von einem Zwischenboden kann auf zwei Lagen zugegriffen<br />
werden.<br />
3.11.2 Dynamische Hängewarenlager<br />
Das dynamische Hängewarenlager ist ein horizontal umlaufen<strong>der</strong><br />
Stetigför<strong>der</strong>er. Die Textilien werden, an Bügeln hängend und unter<br />
Plastiksäcken geschützt, in die För<strong>der</strong>strecke eingeklinkt. Die För<strong>der</strong>strecke<br />
besteht aus Schienen, in denen eine Endloskette mit Mitnehmern läuft, in die<br />
sich Trolleys wie bei einer Seilbahn ein- und ausklinken lassen. Statt Klei<strong>der</strong><br />
können auch Behälter (z. B. mit Zubehör) beför<strong>der</strong>t werden.<br />
Mo<strong>der</strong>ne Hängewarenlager werden<br />
computergesteuert bewegt; <strong>der</strong><br />
gewünschte Lagerplatz wird in das System<br />
eingegeben. Das Lager setzt sich in<br />
Bewegung und kommt zum Stillstand,<br />
wenn sich <strong>der</strong> gewünschte Artikel am<br />
Kommissionierplatz befindet. Diese Art<br />
Lager findet sich in <strong>der</strong> Textilindustrie, in<br />
Grossmetzgereien bei Grossverteilern o<strong>der</strong><br />
als Gar<strong>der</strong>oben in grösseren Eventlokals.<br />
Dynamisches Hängewarenlager kann<br />
auch mit Behältern kombiniert werden<br />
3.12 Mo<strong>der</strong>ne Einrichtungen<br />
3.12.1 Shuttle im Lager<br />
Ein Shuttle (auch Kanalfahrzeug o<strong>der</strong> Satellitenfahrzeug) ist ein Fahrzeug,<br />
welches zur automatischen Bedienung von Lagern eingesetzt wird. Mit dem<br />
Shuttle werden Ladeeinheiten ein-, um- und ausgelagert. Es funktioniert<br />
vollständig autonom, entwe<strong>der</strong> mit einer integrierten Batterie o<strong>der</strong> über eine<br />
elektrische Verbindung, welche die Einsatzfähigkeit garantiert. Shuttles sind<br />
vor allem für Kleinteile und Behälter geeignet, die effizient ein- und<br />
441
ausgelagert werden müssen. Der Volumennutzungsgrad kann durch den<br />
Einsatz von Shuttles optimiert werden. Shuttles können auch im Tiefkühllager<br />
bei bis zu minus 30 Grad Celsius eingesetzt werden.<br />
3.12.2 Picking Robots<br />
Die auf Deutsch "Kommissionier-Roboter" genannten vollautomatischen<br />
Roboter übernehmen je nach Funktion selbstständig eine Teilaufgabe o<strong>der</strong><br />
den kompletten Ablauf in <strong>der</strong> Kommissionierung; sei dies z. B. bei <strong>der</strong><br />
Bereitstellung von ganzen Regalen o<strong>der</strong> beim Verteilen von Paketen. Diese<br />
Roboter gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Mobile Roboter-<br />
Picking-Systeme lassen sich in <strong>der</strong> Regel in zwei Kategorien einteilen:<br />
kollaborative Roboter (o<strong>der</strong> "Cobots") und autonome mobile Roboter (AMR).<br />
Cobots begleiten Mitarbeiter beim Gang durch das Lager, indem sie Artikel<br />
für Kundenaufträge kommissionieren. AMR arbeiten als autonome<br />
Lagerroboter, welche die Gänge unabhängig befahren, Gegenstände<br />
abholen und zu einer Kommissionierstation zurückbringen.<br />
3.12.3 Hochregallager<br />
Bei Lagern mit einer Höhe von 15 Metern bis rund 50 Metern spricht man von<br />
Hochregallagern. Die Kapazität eines Hochregallagers reicht von wenigen<br />
tausend Palettenplätzen bis zu mehreren hun<strong>der</strong>ttausend. Diese Art von Lager<br />
bietet eine hohe Raumnutzung, bedingt aber auch hohe Investitionskosten.<br />
Hochregallager werden meist vollelektronisch durch ein<br />
Lagerverwaltungssystem bewirtschaftet. Ein- und ausgelagert werden die<br />
Güter durch Regalbediengeräte (RGB). Diese Geräte sind in kleineren Lagern<br />
oftmals manuell bedienbar, um direkt im Regal zu kommissionieren (statisch,<br />
Mensch zur Ware), o<strong>der</strong> sie werden automatisch gesteuert, wenn sich die<br />
Kommissionierzone in den Regalen befindet (dynamisch, Ware zum Mensch).<br />
3.12.4 Autostore<br />
Autostore ist eine Lagertechnologie aus Norwegen, welche speziell für den<br />
Einsatz in Kleinteilelagern entwickelt wurde. Wird <strong>der</strong> Platz bei steigen<strong>der</strong><br />
Lagerkapazität knapp, bietet das System die Möglichkeit, das Lager auch auf<br />
kleinsten Flächen den betrieblichen Gegebenheiten optimal anzupassen und<br />
somit die Kapazität um ein Vielfaches zu erhöhen.<br />
442
Funktionsweise<br />
Autostore ist ein automatisches Kleinteilelager, bei dem die jeweiligen<br />
Behälter in einer Aluminium-Konstruktion direkt übereinan<strong>der</strong>gestapelt werden<br />
und somit auf die klassischen Regalsysteme verzichtet wird. Die Behälter<br />
werden durch einen Roboter bewegt und lassen sich somit anhand des<br />
Verbrauchs optimal positionieren. Die Schnelldreher lagern dabei im oberen,<br />
die Langsamdreher im unteren Bereich. Obwohl Autostore einem statischen<br />
Lagersystem entspricht, wird durch den gesteuerten Roboter eine je<strong>der</strong>zeitige<br />
Sortierung o<strong>der</strong> Umlagerung von Artikeln gewährleistet.<br />
Hier findest du mehr zu Autostore.<br />
Die Vorteile:<br />
• optimale Ausnutzung <strong>der</strong> vorhandenen Raumdimensionen<br />
• Durch das geschlossene System besteht ein Schutz vor äusseren<br />
Einflüssen (Diebstahl, Verschmutzung)<br />
• hohe Umschlagsleistung<br />
• Durch die Anbindung am Lagerverwaltungssystem lassen sich Behälter<br />
vorterminieren und somit optimal platzieren<br />
• Einsatz rund um die Uhr möglich<br />
• unbegrenzt erweiterbar<br />
Die Nachteile:<br />
• Autostore ist nur für Kleinteile ausgelegt und somit in Volumen und<br />
Gewicht beschränkt<br />
Der Trend hin zur Automatisierung mit dem steigenden Bedarf an Flexibilität<br />
stellt die Logistikanbieter vor die Herausfor<strong>der</strong>ung, die Kapazitäten optimal<br />
anzupassen. Hier bietet das System eine optimale Lösung, indem es ohne<br />
Erweiterung <strong>der</strong> räumlichen Gegebenheiten o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Aufstockung von<br />
Personal auskommt und trotzdem eine wirtschaftliche Lagerung <strong>der</strong> Güter<br />
anbietet.<br />
443
Modul 404_Technische Voraussetzungen<br />
Ausgangslage<br />
Nachdem in Modul 403 die Lagereinrichtungen beleuchtet worden sind, geht es in<br />
diesem Modul nun um die technischen Voraussetzungen <strong>der</strong> verschiedenen Lager.<br />
Die technischen Voraussetzungen des Lagers werden hauptsächlich durch die zu<br />
lagernde Ware bestimmt. Unterschieden werden Lager in Hinsicht auf die eigentliche<br />
Bauweise, z. B. die offene, halboffene und geschlossene Lagerung, sowie in Hinsicht<br />
auf die Bauhöhen. Neben den technischen Voraussetzungen gibt es für die<br />
fachgerechte Lagerung aber auch auf weitere wichtige Punkte zu achten, welche<br />
im Modul 404 vorgestellt werden.<br />
444
Fachartikel Modul 404<br />
4. Technische Voraussetzungen<br />
4.1 Offene, halboffene, geschlossene Lager<br />
4.1.1 Offene Lagerung<br />
In offenen Lagern werden<br />
witterungsunempfindliche Güter<br />
aufbewahrt, die nicht beson<strong>der</strong>s<br />
diebstahlgefährdet sind. Offene<br />
Lager können auf jedem<br />
zugänglichen Grundstück o<strong>der</strong> je<strong>der</strong><br />
zugänglichen Fläche errichtet<br />
werden. Oftmals werden Sie durch<br />
einen Zaun abgegrenzt. Auf diese Art<br />
werden unter an<strong>der</strong>em gelagert:<br />
Offene Lagerung von Betonröhren<br />
• Flüssigkeiten in Tanks<br />
• Schüttgüter wie Kohle, Sand<br />
o<strong>der</strong> Kies<br />
• unverarbeitetes Holz<br />
(Baumstämme)<br />
• Zementwaren<br />
• Container<br />
4.1.2 Halboffene Lagerung<br />
Unter halboffenen Lagern werden<br />
überdachte Lagerflächen verstanden,<br />
die seitlich offen sind. In halboffenen<br />
Lagern können Materialien gelagert<br />
werden, die vor direkter<br />
Sonneneinstrahlung und Regen<br />
geschützt werden müssen, gegenüber<br />
Temperaturschwankungen und<br />
Luftfeuchtigkeit aber unempfindlich und<br />
nicht beson<strong>der</strong>s diebstahlgefährdet<br />
sind. In halboffenen Lagern finden sich<br />
vor allem:<br />
Lager überdacht aber seitlich offen<br />
445
• Fahrzeuge und Baumaschinen<br />
• Stahlwaren (z. B. Rohre)<br />
• Holzbretter (roh gesägt)<br />
• Leerpaletten<br />
• Baumaterialien (Ziegel o<strong>der</strong><br />
Backsteine)<br />
4.1.3 Geschlossene Lager<br />
Geschlossene Lager werden für<br />
witterungsempfindliche o<strong>der</strong><br />
diebstahlgefährdete Waren benötigt. Die<br />
Gebäude sind ein- o<strong>der</strong> mehrgeschossig<br />
gebaut, verfügen über vier o<strong>der</strong> mehr<br />
Seitenwände und ein Dach. Bei<br />
Hochregallagern wird zuerst die<br />
Lagereinrichtung gebaut und dann mit <strong>der</strong><br />
Gebäudehülle verkleidet.<br />
Geschlossenes Lager<br />
4.2 Flachlager, mittelhohe Lager, Hochregal<br />
4.2.1 Flachlager<br />
Flachlager werden in <strong>der</strong> Regel mit konventionellen Flurför<strong>der</strong>zeugen bedient,<br />
die mit Triplex Hubgerüsten ausgestattet sind und die Höhe von 7 Metern<br />
problemlos erreichen. Das Flachlager ist in kleineren und mittelgrossen<br />
Unternehmen (KMU) die häufigste Lagerform. Es ist vergleichsweise<br />
kostengünstig zu realisieren, und die Lagerregale können ohne grossen<br />
Aufwand in bestehenden Räumen aufgebaut werden.<br />
4.2.2 Mittelhohe Lager<br />
Der Aufbau mittelhoher Regalanlagen ist bereits mit erheblichen Investitionen<br />
verbunden. Bestehende Räume sind üblicherweise nicht über 7 Meter hoch,<br />
deshalb sind Lagerneubauten unumgänglich. Für die Bedienung mittelhoher<br />
Regalanlagen reichen normale Stapler nicht mehr aus. Deshalb müssen<br />
Hochregalstapler, Schmalgangstapler, Schubmaststapler mit Höhenvorwahl<br />
o<strong>der</strong> Regalbediengeräte eingesetzt werden.<br />
446
4.2.3 Hochregallager<br />
Hochregallager mit Höhen bis zu 50 Meter (Kirchturmhöhe) sind in <strong>der</strong> Schweiz<br />
selten anzutreffen. Solche Lagergiganten sind mit herkömmlichen, frei<br />
fahrbaren Staplern nicht zu bedienen. Darum sind Hochregallager in <strong>der</strong><br />
Regel in komplexe Lagersysteme integriert.<br />
4.3. Lageraufbau<br />
4.3.1 Mechanisierte Lager<br />
Mechanisierte Lager bestehen aus mittelhohen Regalanlagen o<strong>der</strong><br />
Hochregallagern, die mit führergesteuerten Regalför<strong>der</strong>zeugen ausgerüstet<br />
sind. Ein Führer lenkt das Regalbediengerät (RBG) zum gewünschten<br />
Lagerplatz, entnimmt dort die Ware und steuert den nächsten Platz an. Diese<br />
Technik ist effizient für die Entnahme vieler verschiedener Artikel in kleinen<br />
Mengen. Meistens ist pro Lagergang ein separates RBG im Einsatz. In seltenen<br />
Fällen kann das Regalbediengerät den Gang auf <strong>der</strong> Schiene verlassen und<br />
eine an<strong>der</strong>e ansteuern. Diese Technik wird aber nur dort eingesetzt, wo keine<br />
grosse Effizienz nötig ist.<br />
447
4.3.2 Automatische Lager<br />
Automatisches Lager<br />
Grosse Logistikzentren arbeiten mit<br />
Lagersystemen. Ein komplettes<br />
Lagersystem umfasst die Hardware<br />
(technische Einrichtungen), wie auch<br />
die Software, mit <strong>der</strong> die Abläufe<br />
gesteuert werden können. Auch in<br />
einem Lagersystem braucht es immer<br />
Menschen, die Abläufe koordinieren,<br />
überwachen und bei Störungen<br />
eingreifen. Automatische<br />
Lagersysteme sind gesichert und<br />
dürfen nur bei Störungen o<strong>der</strong> für<br />
Revisionsarbeiten von Menschen<br />
betreten werden. Alles an<strong>der</strong>e ist<br />
lebensgefährlich. Die<br />
computergesteuerten<br />
Regalbediengeräte übernehmen die<br />
Ladungen ab Rollenbahnen und<br />
lagern sie ein. Auch die Auslagerung<br />
funktioniert über den Lagercomputer.<br />
Der Blick in eine solche Anlage ist<br />
imposant. Wie von Geisterhand<br />
bewegt, sausen die Geräte mit den<br />
Lasten durch die dunklen Gänge und<br />
lagern punktgenau ein o<strong>der</strong> aus.<br />
4.3.3 Komplexe Lagersysteme<br />
Ein komplexes Lagersystem besteht aus vielen Komponenten, die<br />
untereinan<strong>der</strong> vernetzt sind:<br />
• Entlade- und Beladeeinrichtungen<br />
• statische Lager<br />
• dynamische Lager<br />
• Stetigför<strong>der</strong>er (För<strong>der</strong>bän<strong>der</strong>, Rollenbahnen)<br />
• Pendelför<strong>der</strong>er (Flurför<strong>der</strong>zeuge, fahrerlose Transportsysteme,<br />
Regalför<strong>der</strong>zeuge, Lifte)<br />
448
• Kommissionierplätze<br />
• Verpackungsanlagen<br />
Die Herausfor<strong>der</strong>ung für die<br />
Ingenieure besteht einerseits<br />
darin, die Leistungsfähigkeit<br />
<strong>der</strong> einzelnen Teile<br />
aufeinan<strong>der</strong> abzustimmen,<br />
an<strong>der</strong>erseits müssen sie<br />
sicherstellen, dass eine<br />
einzelne Störung nicht das<br />
ganze System zum Erliegen<br />
bringt.<br />
Komplexe Logistik<br />
4.4 Voraussetzung für eine fachgerechte Lagerung<br />
Im Grundsatz geht es bei <strong>der</strong> fachgerechten Lagerung um eine geordnete<br />
Aufbewahrung von Waren und Gütern in einem Raum, einem Gebäude o<strong>der</strong><br />
auf einer Fläche. Die meisten Unternehmen folgen gewissen Grundsätzen bei<br />
<strong>der</strong> fachgerechten Lagerung. Diese Grundsätze helfen, die Waren nicht zu<br />
beschädigen, die Mitarbeiter zu schützen und die Betriebsabläufe so effizient<br />
und kostengünstig wie möglich zu halten. Folgende drei Grundsätze sind<br />
dabei immer zu beachten:<br />
4.4.1 Sauberkeit<br />
Um eine ordnungsgemässe Arbeit im Lager zu gewährleisten, gehört die<br />
Sauberkeit zur Grundvoraussetzung. Die Sauberkeit bezieht sich dabei auf<br />
Arbeitsräume, Einrichtungen und Werkzeuge, gelagerte Waren,<br />
Transportwege.<br />
Ein sauberes Lager bringt verschiedene Vorteile mit sich:<br />
• geringe Gefahr von Unfällen o<strong>der</strong> Verletzungen<br />
• längere Haltbarkeit und Lebensdauer von Werkzeug, Einrichtungen und<br />
Maschinen<br />
• Mitarbeiter fühlen sich besser in einem sauberen Lager<br />
• gutes Image bei Kunden, Lieferanten<br />
449
• weniger Ausschuss von Waren, die ver<strong>der</strong>ben<br />
4.4.2 Geräumigkeit<br />
Ein geräumiges und sauberes Lager ist die Voraussetzung für effizientes<br />
Arbeiten. Bei genügend Platz im Lager ist <strong>der</strong> optimale Einsatz von Hilfsmitteln<br />
(z. B. För<strong>der</strong>mittel) gewährleistet, was schnellere Ein- und Auslagerungen<br />
ermöglicht. Unnötiges Suchen o<strong>der</strong> Umlagern entfällt, und durch gute<br />
Platzverhältnisse wird die Unfallgefahr vermin<strong>der</strong>t.<br />
4.4.3 Übersichtlichkeit<br />
Die Übersichtlichkeit eines Lagers kann für die Logistikerin, den Logistiker in<br />
verschiedener Hinsicht hilfreich sein:<br />
Lagerbereiche<br />
Aufgrund <strong>der</strong> verschiedenen logistischen Tätigkeiten kann das Lager in<br />
unterschiedliche Bereiche aufgeteilt werden. Die Waren durchlaufen dabei<br />
die einzelnen Bereiche vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Je nach<br />
Sparte und Unternehmung kommen weitere Bereiche dazu wie in einem<br />
Fertigungsbetrieb (z. B. <strong>der</strong> EnterSite AG) o<strong>der</strong> fallen weg wie in einem<br />
Speditionsunternehmen (z. B. Planzer).<br />
Lagerzonen<br />
Eine Möglichkeit die Übersichtlichkeit zu gewährleisten, ist die Einteilung des<br />
Lagers in Lagerzonen. Die Einteilung kann dabei z. B. unter folgenden<br />
Gesichtspunkten erfolgen: Volumen, Umschlagshäufigkeit, Wert,<br />
Ver<strong>der</strong>blichkeit, Gefährlichkeit.<br />
450
Kennzeichnung<br />
Die Kennzeichnung ist das vielleicht wichtigste Kriterium, um die Übersicht im<br />
Lager nicht zu verlieren.<br />
Artikelnummerierung<br />
Mit einer sauberen Artikelnummerierung werden verschiedene Ziele verfolgt:<br />
Identifikation, Information, Kontrolle, Klassifikation.<br />
Location<br />
Unter Location versteht man, die Güter einem Lagerplatz zuzuordnen. Dabei<br />
wird festgelegt, wo sich <strong>der</strong> Artikel genau befindet. Je nach System erfolgt die<br />
Nummerierung <strong>der</strong> einzelnen Plätze nach unterschiedlichen Gesichtspunkten.<br />
Ein entsprechend korrektes Lagerplatzsystem ist eine Voraussetzung für eine<br />
EDV-unterstütze Lagerverwaltung. Zudem verhin<strong>der</strong>t es langes Suchen o<strong>der</strong><br />
unnötige Leerfahrten im Lager.<br />
451
Modul 405_Güter<br />
Ausgangslage<br />
Beim innerbetrieblichen Lagern und Transportieren von Gütern besteht<br />
je<strong>der</strong>zeit ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Im Lager kommt es nicht selten<br />
zu Unfällen durch fehlende o<strong>der</strong> falsch angewendete Schutzmassnahmen.<br />
Die Einrichtungen und Geräte sollen erstens in einem einwandfreien Zustand<br />
sein und zweitens nur für den Zweck eingesetzt werden, für den sie bestimmt<br />
wurden.<br />
Neben <strong>der</strong> eigentlichen Unfallgefahr ist auch <strong>der</strong> Brandschutz im Lager ein<br />
wichtiger Faktor. Ein korrekter Brandschutz und korrekte Verhaltensweisen im<br />
Ernstfall helfen oft mit, Schlimmeres zu verhin<strong>der</strong>n.<br />
In diesem Modul wird zudem aufgezeigt, wie die Diebstahlgefahr im Lager<br />
minimiert werden kann, wie <strong>der</strong> sichere Umgang mit gefährlichen Stoffen<br />
gewährleistet und Schädlinge im Lager eingedämmt werden können.<br />
452
Fachartikel Modul 405<br />
5. Gefahren im Lager<br />
Ein Lager hat immer auch ein Potenzial für Gefahren. Zu den häufigsten<br />
Gefahren im Lager für Mensch, Güter, Maschinen und Umwelt zählen:<br />
• Unfallgefahr<br />
• Brandgefahr<br />
• Diebstahlgefahr<br />
• gefährliche Stoffe<br />
• Schädlinge<br />
Die Sicherheitskulturen in den verschiedenen Lagern sind so vielfältig wie die<br />
Produkte, die dort gelagert werden. Es gibt tadellose Lager mit neuen<br />
Gebäuden, klar gekennzeichneten Bodenmarkierungen, ausgebildeten<br />
Staplerfahrern und sorgfältig gelagerten Produkten.<br />
Es gibt aber auch Lager, welche zwischen tadellos und gefährlich liegen.<br />
Lager, welche die Gefahren kennen und darüber sprechen, die nötigen<br />
Sicherheitsvorkehrungen jedoch nicht umsetzen.<br />
5.1 Unfallgefahr<br />
Die in Logistik- und Produktionsbetrieben übliche hohe Anzahl an<br />
För<strong>der</strong>mitteln und Fussgängern auf engem Raum ist eine beson<strong>der</strong>e<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung für die Arbeitssicherheit. Nicht immer lassen sich Fahrwege<br />
von Fusswegen trennen. In diesen Fällen sind vor allem Personen, die sich nur<br />
temporär im Betrieb aufhalten und deshalb die Gegebenheiten nicht kennen,<br />
beson<strong>der</strong>s unfallgefährdet. Gerade durch den Einsatz von Flurför<strong>der</strong>zeugen,<br />
LKWs o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Transportmitteln ergeben sich viele Risiken.<br />
Selbstverständlich müssen auch die Regale den aktuellen<br />
sicherheitsrelevanten Anfor<strong>der</strong>ungen entsprechen.<br />
Merke: Das innerbetriebliche Lagern und Transportieren gehört nach wie vor zu<br />
den unfallträchtigsten Tätigkeiten in <strong>der</strong> Logistik.<br />
Güter korrekt Stapeln<br />
Das Errichten von Stapeln erfor<strong>der</strong>t vom Logistiker Umsicht und Sorgfalt.<br />
Folgende Grundsätze gilt es dabei zu beachten:<br />
453
• Stapelaufbau auf ebenen Böden, welche die benötigte Tragfähigkeit<br />
aufweisen<br />
• Stapelplatz fachgerecht vorbereiten (z. B. Unebenheiten ausgleichen)<br />
• Stapel so aufbauen, dass sie in sich stabil sind<br />
• angrenzende Wände dürfen niemals als Stützen dienen<br />
• Abstand zwischen den Stapeln so wählen, dass er gegenüber an<strong>der</strong>en<br />
Arbeitsmitteln genügend gross ist<br />
• Verpackungen vor äusseren Einwirkungen (Nässe, Hitze, aggressive Stoffe)<br />
schützen<br />
• nur geeignete Teile stapeln, um die Gefährdung durch herabfallende o<strong>der</strong><br />
umfallende Gegenstände zu minimieren<br />
• kleine auf grosse und leichte auf schwere Teile stapeln<br />
• Im Verbund stapeln o<strong>der</strong> Zwischenlagen verwenden<br />
Merke: Je höher <strong>der</strong> Stapel wird, je mehr wirken sich die<br />
Bodenunebenheiten aus, denn mit <strong>der</strong> Höhe verschiebt sich <strong>der</strong> Schwerpunkt<br />
eines schiefen Stapels immer weiter von <strong>der</strong> Mitte weg. Das allein kann den<br />
Stapel zum Einsturz bringen; hinzu kommt, dass <strong>der</strong> Druck auf die untersten<br />
Schichten auf <strong>der</strong> Neigeseite zunimmt.<br />
Bodenbelastung<br />
Stapel so errichten, dass sie in sich Stabil sind<br />
Insbeson<strong>der</strong>e bei <strong>der</strong> Blocklagerung von Gütern muss <strong>der</strong> Bodenbelastung<br />
die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im Extremfall kann ein zu stark<br />
belasteter Boden einbrechen o<strong>der</strong> ein ganzes Gebäude einstürzen. Die<br />
maximal zulässige Bodenbelastung muss deshalb bei unterkellerten Böden gut<br />
sichtbar in kg/m2 o<strong>der</strong> N/m2 angeschrieben sein.<br />
454
Die beiden Schreibweisen <strong>der</strong> Bodenbelastung bezeichnen dabei die Masse<br />
(Gewicht), welche auf dem Boden verteilt werden kann. Das Gewicht (kg)<br />
multipliziert mit <strong>der</strong> Erdanziehungskraft ergibt physikalisch die Gewichtskraft<br />
"Newton" (N). Die Erdanziehung wird mit dem Faktor 9,81 angegeben. In <strong>der</strong><br />
Logistik rechnen wir <strong>der</strong> Einfachheit halber jedoch mit dem Faktor 10.<br />
Ein Mensch mit einem Körpergewicht von 75 kg wirkt durch die Multiplikation<br />
mit Faktor 10 also mit einer Gewichtskraft von 750 N auf den Boden (75kg x<br />
Faktor 10).<br />
Detailliertere Angaben zur Bodenbelastung findest du in Modul 408.<br />
Güter in Regalen lagern<br />
Regale für die Lagerung von Gütern gibt es in verschiedenen Ausführungen<br />
und für verschiedene Zwecke. Wichtig ist, dass die Regale das Gewicht <strong>der</strong><br />
einzulagernden Güter tragen können. Daneben gilt es Folgendes zu<br />
beachten:<br />
• die Standsicherheit von Regalen muss gewährleistet sein<br />
• die vom Hersteller angegebene maximale Belastung (Fachlast - Feldlast -<br />
Regallast) darf nicht überschritten werden<br />
Die Feldlast eines Palettenregals ist die Summe aller Fachlasten. Die Summe aller Fachlasten darf die<br />
zulässige Feldlast nicht überschreiten. Fachlasten sind gleichmässig verteilte Lasten.<br />
455
Die Feldlast eines Palettenregals ist die Summe aller Fachlasten. Die Summe<br />
aller Fachlasten darf die zulässige Feldlast nicht überschreiten, Fachlasten sind<br />
gleichmässig verteilte Lasten.<br />
Sicherung <strong>der</strong> Lastträger (Traversen)<br />
Wenn Lastträger nicht verschraubt sind,<br />
müssen sie mit einem Sicherungsstift<br />
gegen das Heraus- o<strong>der</strong> Herabfallen<br />
gesichert sein.<br />
Gesicherter Lastträger<br />
Sicherung gegen das Herabfallen<br />
Regale müssen mit<br />
Durchschubsicherungen o<strong>der</strong> Gittern<br />
gegen das Herabfallen von<br />
Ladeeinheiten und Lagergut<br />
gesichert sein <strong>–</strong> insbeson<strong>der</strong>e dann,<br />
wenn die Regale freistehend sind und<br />
<strong>der</strong> Raum hinter dem Regal<br />
begehbar ist.<br />
Lastschutzgitter<br />
456
Sicherung gegen das Anfahren<br />
Werden Stützen ortsfester Regale<br />
durch För<strong>der</strong>mittel gerammt, kommt<br />
es nicht selten zu Verformungen <strong>der</strong><br />
Stützen. Dies hat zur Folge, dass sich<br />
die Tragfähigkeit vermin<strong>der</strong>t und das<br />
Regal im schlimmsten Fall einstürzt.<br />
Aus diesem Grund müssen<br />
Regalstützen mindestens in den<br />
Eckbereichen durch einen<br />
Anfahrschutz gesichert sein.<br />
Rammschutz<br />
Merke: Palettenregale müssen regelmässig auf Verformungen und<br />
fehlende Sicherungsstifte überprüft werden.<br />
Vertikale Lagerung von Platten<br />
Um auf Platten (Sperrholz-, Span- o<strong>der</strong> Gipsplatten usw.) direkt zugreifen zu<br />
können, bietet sich die vertikale Lagerung an. Regeln zur sicheren Lagerung<br />
sind:<br />
• Das Abstützen ("umblättern")<br />
einzelner Platten durch<br />
Personen ist unbedingt zu<br />
vermeiden, da die<br />
erfor<strong>der</strong>lichen Stützkräfte<br />
durch Personen nicht<br />
aufgebracht werden können,<br />
was schwerste Unfälle zur<br />
Folge haben kann.<br />
• grössere Platten nie<br />
ungesichert anlehnen<br />
• Für die vertikale Lagerung von<br />
Platten müssen geeignete<br />
Einrichtungen zur Verfügung<br />
stehen.<br />
457
• Die erheblichen seitlichen<br />
Stützkräfte und zusätzlichen<br />
Stosskräfte beim Blättern sind<br />
bei <strong>der</strong> Dimensionierung zu<br />
berücksichtigen. Die Fächer<br />
dürfen höchstens 0,5 Meter<br />
breit sein.<br />
Eine ähnliche Gefahr besteht beim<br />
Transport von schmalen hohen<br />
Gütern, wenn diese von einer Person<br />
gesichert werden. Eine kleine<br />
Bodenunebenheit reicht aus, um das<br />
Transportgut aus dem Gleichgewicht<br />
zu bringen, was die Kräfte <strong>der</strong> Person<br />
überfor<strong>der</strong>t. Auch dieses Verhalten<br />
führt schnell zu Sachschaden bis hin zu<br />
schweren Unfällen.<br />
Werden solche Gegenstände<br />
horizontal transportiert, kann die<br />
Gefahr minimiert werden. Da Güter<br />
mit glatter Oberfläche rasch<br />
verrutschen können, bedarf es beim<br />
Transport erhöhter Vorsicht, vor allem<br />
in Kurven. Als Alternative bieten sich<br />
rutschhemmende Zwischenlagen an.<br />
Lagerung in Schubladenschränken<br />
Für die Lagerung von Kleinteilen bieten sich Schubladenschränke an. Auch<br />
von Schubladenschränken geht bei unsachgemässer Handhabung eine<br />
Gefahr aus. Folgende Sicherheitsmassnahmen haben sich bewährt:<br />
• Standsicherheit <strong>der</strong> Schränke gewährleisten, indem sie an Wand o<strong>der</strong> Boden<br />
befestigt werden.<br />
• Einzelschubladensperren verhin<strong>der</strong>n das gleichzeitige Herausziehen mehrerer<br />
Schubladen.<br />
• Schränke immer von unten nach oben befüllen.<br />
458
• Nach Möglichkeit die Schränke mit den schweren Teilen unten und mit den<br />
leichten Teilen oben befüllen.<br />
Bei fehlen<strong>der</strong> Wand- o<strong>der</strong> Bodensicherung besteht bei Schubladenschränken Kippgefahr<br />
Güter sicher Lagern<br />
Egal, ob Waren vertikal gestapelt werden, in Regalen o<strong>der</strong> in Schubladen<br />
gelagert sind: Fluchtwege, Brandlöscheinrichtungen aber auch Verkehrswege<br />
sind immer freizuhalten. Brandschutztüren müssen sich im Brandfall<br />
automatisch schliessen können und dürfen deshalb nicht blockiert werden.<br />
Fluchtwege freihalten<br />
Branschutzeinrichtunge<br />
n freihalten<br />
5.1.1 Massnahmen zur Beseitigung vieler Arbeitsunfälle im Lager<br />
Unfälle sind grundsätzlich immer unnötig, verursachen hohe Kosten und<br />
menschliches Leid. Der einzige Nutzen ist <strong>der</strong> Lerneffekt. Die Massnahmen zur<br />
Beseitigung vieler Arbeitsunfälle können im Lager unterteilt werden in:<br />
• menschliche Massnahmen<br />
459
• technische Massnahmen<br />
• materielle Massnahmen<br />
• betriebliche Massnahmen<br />
• gesetzliche Massnahmen<br />
Am häufigsten - in rund 80 Prozent <strong>der</strong> Fälle - entstehen Unfälle aufgrund von<br />
menschlichem Versagen. Dazu zählen bewusstes Fehlverhalten, mangelnde<br />
Erfahrung, Unachtsamkeit o<strong>der</strong> überschätzte Routine. Die restlichen rund 20<br />
Prozent <strong>der</strong> Unfälle werden durch fehlende Sicherheitseinrichtungen<br />
verursacht.<br />
Hier geht es zur Unfallstatistik <strong>der</strong> Suva<br />
5.1.2 Arbeitszeiten<br />
Nicht selten führt fehlende Konzentration zu gefährlichen Situationen im<br />
Betrieb. Damit dies nicht aufgrund von zu langen Arbeitszeiten geschieht,<br />
herrschen in <strong>der</strong> Schweiz punkto Arbeitszeit klare Regeln.<br />
Merke: In <strong>der</strong> Schweiz wird die Zeit als Arbeitszeit bezeichnet, in <strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
Lernende/die Lernende sich zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat.<br />
Die Dauer <strong>der</strong> Arbeitszeit kann grundsätzlich unter den Lehrvertragsparteien<br />
vereinbart werden. Es gelten dabei jedoch die gesetzlichen Vorschriften<br />
(Arbeitsgesetz) und/o<strong>der</strong> die in manchen Berufen üblichen<br />
Gesamtarbeitsverträge (GAV). Die Arbeitszeit von Lernenden darf die<br />
Arbeitszeiten, welche im GAV festgesetzt wurden, nicht überschreiten.<br />
Für Lernende in <strong>der</strong> Logistik beträgt gemäss Artikel 9 des Arbeitsgesetzes eine<br />
Höchstarbeitszeit von 45 Stunden pro Arbeitswoche und somit eine tägliche<br />
Höchstarbeitszeit (Überzeit und Vorholzeit inkl.) von 9 Stunden. Diese<br />
Arbeitszeit muss einschliesslich aller Pausen zwischen 12 Stunden liegen. Diese<br />
12 Stunden liegen innerhalb <strong>der</strong> Grenzen <strong>der</strong> Tagesarbeit - in <strong>der</strong> Regel<br />
zwischen 06.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Arbeitszeiten bis 22.00 Uhr sind nur für<br />
Lernende gestattet, die älter als 16 Jahre sind.<br />
Für Lernende bis zum 18. Lebensjahr beträgt die tägliche Ruhezeit mindestens<br />
12 aufeinan<strong>der</strong> folgende Stunden. Im Grundsatz dürfen Lernende ohne<br />
entsprechende Bewilligung in <strong>der</strong> Nacht und an Sonntagen nicht arbeiten. Es<br />
gibt jedoch auch Berufe, bei denen eine Ausnahme <strong>der</strong> Bewilligungspflicht<br />
besteht. Diese Berufe findest du hier.<br />
460
Für alle an<strong>der</strong>en Berufe gilt als Grundsatz, dass Nacht- o<strong>der</strong> Sonntagsarbeit<br />
nur dann erlaubt ist, wenn diese für die Ausbildung <strong>der</strong> Lernenden<br />
unentbehrlich ist. Die Gesuche muss <strong>der</strong> Ausbildungsbetrieb für bis zu 10<br />
Nächte pro Jahr bei <strong>der</strong> kantonalen Behörde o<strong>der</strong> für dauernde o<strong>der</strong><br />
regelmässige Nachtarbeit beim SECO einreichen.<br />
Der Arbeitgeber muss eine schriftliche Arbeitszeitkontrolle führen. Diese kann<br />
über Kontroll- o<strong>der</strong> Rapportblätter o<strong>der</strong> digitale Zeiterfassungsgeräte erfolgen.<br />
Eine Verpflichtung zur Führung <strong>der</strong> Arbeitszeitkontrolle kann ebenfalls im<br />
Arbeitsvertrag festgelegt werden.<br />
5.1.3 Notfallorganisation - rasche Hilfe kann Leben retten<br />
Obwohl Notfälle in <strong>der</strong> Logistik glücklicherweise eher selten sind, ist eine<br />
betriebliche Notfallorganisation ein wichtiges Instrument. Wichtige Faktoren,<br />
um Leben zu retten und Schaden zu min<strong>der</strong>n sind funktionierende Erste-Hilfe-<br />
Massnahmen und gut instruiertes Personal.<br />
Durch die Notfallorganisation werden wichtige Abläufe im Vorfeld definiert<br />
und regelmässig geübt. Somit kann in einem Notfall rasch und korrekt<br />
gehandelt werden, was das Schadenausmass minimiert.<br />
Notfallorganisation an betriebliche Verhältnisse anpassen<br />
Die Notfallorganisation wird von Faktoren bestimmt, welche von Betrieb zu<br />
Betrieb verschieden sind. Deshalb muss diese für jeden Betrieb individuell<br />
konzipiert werden. Mögliche Faktoren sind:<br />
Gefährdungssituationen<br />
• Mit welchen Gefahren muss gerechnet werden?<br />
• Sind dabei einzelne o<strong>der</strong> viele Mitarbeitende exponiert?<br />
Ausbildung<br />
• Wie viele Betriebssanitäter benötigt <strong>der</strong> Betrieb?<br />
• Welche Ausbildung müssen die Betriebssanitäter erhalten?<br />
Arbeitsplätze<br />
• Bestehen beson<strong>der</strong>s gefährdete Arbeitsplätze im Betrieb?<br />
461
Kommunikation<br />
• Welche Möglichkeiten bestehen zur Kommunikation (Funk, Festnetz,<br />
Mobilfunkt)?<br />
Kennzeichnung<br />
• Welche Kennzeichnung werden benötigt (Notfallnummern, Löschmittel,<br />
Fluchtwege, Sammelplatz usw.)?<br />
Richtiges Verhalten regelmässig üben<br />
Damit das Schadenausmass minimiert und betroffene Personen möglichst<br />
schnell und gut versorgt werden können, bedarf es dem korrekten Verhalten<br />
<strong>der</strong> Mitarbeitenden. Deshalb sollte man Verhaltensregeln für Notfälle<br />
regelmässig üben, um sie dann im Ernstfall richtig anzuwenden. Im Ernstfall<br />
haben sich folgende Verhaltensregeln grundsätzlich bewährt:<br />
1. Schauen • Ruhe bewahren und Überblick verschaffen<br />
2. Denken • Selbstschutz geht vor<br />
• Gefahr erkennen<br />
• Einsatz entsprechend planen und koordinieren<br />
3. Handeln • Beschützen bzw. Retten von Menschen hat oberste<br />
Priorität<br />
• Sicherheitsmassnahmen vornehmen<br />
• Lebensrettende Sofortmassnahmen: ABCD-Regel<br />
• Feuerwehr, Sanität, Polizei alarmieren<br />
• Verletzte überwachen und betreuen<br />
462
Meldeschema<br />
Da <strong>der</strong> zeitliche Faktor unabhängig vom Notfallkonzept immer wichtig ist, gilt<br />
es überlegt und korrekt zu handeln. Für die Alarmierung <strong>der</strong> Rettungskräfte<br />
sind dabei folgende Informationen zentral:<br />
Wer?<br />
Was?<br />
Wann?<br />
Wo?<br />
Wie viele?<br />
Weiteres?<br />
Name, jetziger Standort, Telefon, Alter von Verletzten<br />
Art des Schadens, Bedrohungen usw.<br />
Zeitpunkt des Schadenereignisses<br />
Genaue Bezeichnung des Unfallortes<br />
Anzahl und Art <strong>der</strong> Betroffenen<br />
Weitere drohende Gefahren<br />
Aus Notfällen lernen<br />
Am Ende sollten unerwünschte Schadensereignisse immer wie<strong>der</strong><br />
systematisch abgeklärt werden. Das Ziel solcher Abklärungen ist es, die<br />
betriebliche Organisation zu verbessern und somit ähnliche Fälle zu<br />
vermeiden, damit die Notfallorganisation möglichst selten aktiviert werden<br />
muss.<br />
Das STOP-Prinzip<br />
Das STOP-Prinzip ist keine Auffor<strong>der</strong>ung, nicht mehr zu arbeiten, son<strong>der</strong>n ein<br />
wichtiges Instrument zur Arbeitssicherheit. STOP ist eine Abkürzung, <strong>der</strong>en<br />
Anfangsbuchstaben hierarchisch abgestuft sind:<br />
S<br />
T<br />
O<br />
P<br />
Substitution (ersetzen)<br />
Technische Schutzmassnahmen<br />
Organisatorische Schutzmassnahmen<br />
Persönliche Schutzmassnahmen<br />
Um Schutzmassnahmen bei einer existierenden Gefährdung umzusetzen, gilt<br />
es immer zuerst zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, die Gefahrenquelle zu<br />
ersetzen (Substitution).<br />
463
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Prozess bei einer potenziellen Gefährdung<br />
In <strong>der</strong> EnterSite AG steht seit fünfzehn Jahren ein Palettenverschieberegal.<br />
Eine Ebene des Regals wird für die Kommissionierung (Bodenplätze und 1.<br />
Regalebene) genutzt. In den restlichen drei Regalebenen werden mit dem<br />
Stapler Reservepaletten gelagert. Weil das Regal bereits etwas in die Jahre<br />
gekommen ist, kam es in <strong>der</strong> letzten Zeit mehrmals vor, dass die<br />
Lichtschranken ausfielen. Durch einen solchen Ausfall ist es möglich, den<br />
Regalgang zu schliessen, obwohl sich dort Mitarbeiter aufhalten. So kam es<br />
letzten Monat zu einem Zwischenfall: Ein Staplerfahrer wollte einen<br />
Regalgang schliessen, in dem sich noch Kommissionierer aufhielten. Zum<br />
Glück konnten sich die Mitarbeiter im letzten Moment bemerkbar machen,<br />
sonst hätte dies schlimme Folgen haben können. Während ein Mitarbeiter<br />
unversehrt blieb, brach sich <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e den Mittelfussknochen. Er trug<br />
anstatt <strong>der</strong> Schutzschuhe nur Turnschuhe.<br />
Das STOP-Prinzip würde bei diesem Beispiel wie folgt angewendet:<br />
S<br />
Substitution<br />
Massnahmen<br />
Gibt es an<strong>der</strong>e<br />
Möglichkeiten, die Güter<br />
zu lagern, welche<br />
kommissioniert werden<br />
müssen?<br />
Ansatz / Evaluation<br />
Momentan keine an<strong>der</strong>e<br />
Lagermöglichkeit vorhanden<br />
T<br />
Technische<br />
Massnahmen<br />
Können Lichtschranken<br />
nicht ersetzt werden?<br />
Lieferant war vor Ort. Eine<br />
Reparatur ist nicht möglich.<br />
Die Schranken müssen<br />
ausgewechselt werden.<br />
Aufgrund <strong>der</strong> Lieferengpässe<br />
dauert die Beschaffungszeit<br />
des Ersatzmaterials momentan<br />
mindestens sechs Monate.<br />
464
O<br />
Organisatorische<br />
Massnahmen<br />
Definition <strong>der</strong> sicheren<br />
Arbeitsweise im<br />
Verschieberegal<br />
Arbeitsplan erstellen.<br />
Wenn Kommissioniert<br />
wird, wird nicht mit<br />
Stapler ein- o<strong>der</strong><br />
ausgelagert<br />
Schulung durch Teamleiter<br />
Arbeitsplan wird erstellt durch<br />
Teamleiter<br />
P<br />
Persönliche<br />
Schutzmassnahmen<br />
Instruktion <strong>der</strong><br />
Mitarbeitenden zum<br />
Prozess zur korrekten<br />
Verwendung <strong>der</strong> PSA<br />
Regelmässige Kontrolle<br />
zur Einhaltung <strong>der</strong><br />
Betrieblichen Vorgaben,<br />
Audits<br />
Arbeitsplan wird erstellt,<br />
Sicherheitswesten werden<br />
beschafft, das Tragen <strong>der</strong><br />
Schutzschuhe wird zur Pflicht<br />
Instruktion durch<br />
Sicherheitsbeauftragten mit<br />
Schulungsnachweis<br />
Obwohl es sicherlich Berufe gibt, in welchen die Mitarbeitenden grösseren<br />
Gefahren ausgesetzt sind, können Gefahren minimiert werden, indem man<br />
die am meisten gefährdeten Körperstellen schützt o<strong>der</strong> sich<br />
gesundheitsbewusst verhält. Folgende Körperstellen sind in <strong>der</strong> Logistik<br />
beson<strong>der</strong>s gefährdet, können aber durch einfache Sicherheitsmassnahmen<br />
geschützt werden:<br />
• Kopf (Schutzbrille, Sicherheitshelm)<br />
• Hände (Handschuhe)<br />
• Rücken (korrekte Haltung)<br />
• Füsse (Schutzschuhe)<br />
?? Sicherheit bei Lagerung und Verkehr<br />
?? Danger Zone I_Sichere Lehrzeit<br />
465
5.2 Brandgefahr<br />
Warenlager bergen ein erhebliches Gefahrenpotenzial, unter an<strong>der</strong>em die<br />
Brandgefahr. Auch wenn Betriebe keine eigentlichen Gefahrenstoffe lagern,<br />
gibt es eine Vielzahl an<strong>der</strong>er Materialien, welche in Brand geraten können.<br />
Da solche Materialien in Lagern in <strong>der</strong> Regel in grossen Mengen vorhanden<br />
sind, entwickelt sich dort ein Feuer nicht selten zu einem Grossbrand. Für<br />
Mitarbeitende gelten folgende Regeln zur Brandverhütung:<br />
• absolutes Rauchverbot<br />
• erhöhte Vorsicht und beson<strong>der</strong>e Vorkehrungen bei Reparaturarbeiten<br />
5.2.1 Brandmelde- und Löschanlagen<br />
Warenlager müssen ab einer bestimmten Grösse mit automatischen<br />
Brandmelde- und Löschanlagen ausgerüstet sein. Für die beiden Funktionen<br />
gibt es technisch unterschiedliche Einrichtungen.<br />
Brandmeldeanlagen<br />
Brandmeldeanlagen sind Einrichtungen, welche mögliche Brandherde<br />
möglichst frühzeitig anzeigen. Rauchmel<strong>der</strong> lösen Alarm aus, sobald es in<br />
einem Raum zu einer erhöhten Rauchentwicklung kommt. Wärmemel<strong>der</strong><br />
lösen Alarm aus, sobald im Raum ein vorbestimmter Temperaturbereich (in<br />
<strong>der</strong> Regel 60 Grad Celsius) überschritten wird.<br />
Der Alarm wird während einer gewissen Zeit (z. B. 3 Minuten) nur intern<br />
angezeigt. Dies ermöglicht den Verantwortlichen, den Grund abzuklären und<br />
einen allfälligen Fehlalarm zurückzustellen, bevor die Feuerwehr aufgeboten<br />
wird.<br />
466
Brandmeldeanlage<br />
Automatische Löscheinrichtungen<br />
Sprinkleranlagen können von Gesetzes wegen verlangt werden, wenn die<br />
Grösse zulässiger Brandabschnitte überschritten wird o<strong>der</strong> leicht brennbares<br />
Material o<strong>der</strong> gefährliche Stoffe gelagert werden. Sprinklerköpfe sind in<br />
Räumen regelmässig verteilt. Sie sind an Wasserleitungen angeschlossen, in<br />
denen ein konstanter Wasserdruck herrscht. Sie werden so konstruiert, dass ihr<br />
Verschluss bei einer Temperatur von rund 70 Grad Celsius platzt und das<br />
Wasser hinausspritzt. Durch die spezielle Unterkonstruktion erreicht <strong>der</strong><br />
Sprühregen einen Durchmesser von bis zu 8 Metern. Um ungewollte<br />
Wasserschäden zu vermeiden, ist in Logistikhallen mit Sprinkleranlagen bei <strong>der</strong><br />
Arbeit erhöhte Vorsicht geboten.<br />
«Sprinkler» Löschanlage<br />
«Sprinklerkopf»<br />
467
Als Alternative zu Sprinklern bieten sich<br />
Trockenlöschanlagen an. Diese<br />
Anlagen ersticken das Feuer mit Hilfe<br />
von CO2 (Kohlenstoffdioxid). Der<br />
grösste Vorteil hierbei ist, dass die<br />
Räume nicht verunreinigt werden und<br />
es zu keinen Wasserschäden kommt.<br />
Menschen müssen den Raum aber<br />
innerhalb <strong>der</strong> Vorwarnzeit, in <strong>der</strong> ein<br />
Alarm hörbar ist, verlassen. Das<br />
Einatmen von CO2 würde sonst innert<br />
kurzer Zeit zum Tod durch Ersticken<br />
führen.<br />
Co2 Trockenlöschanlage<br />
5.2.2 Brandklassen<br />
In Räumen ohne entsprechende<br />
Anlagen bietet sich <strong>der</strong> Einsatz von<br />
einfachen Löschgeräten wie<br />
Feuerlöscher, Löschdecken o<strong>der</strong><br />
Wasserlöschposten an. Durch rasches<br />
Handeln lassen sich damit oft<br />
grössere Brände und somit auch<br />
teure Schäden verhin<strong>der</strong>n.<br />
Merke: Nicht jedes Löschmittel ist<br />
für die verschiedenen Brände<br />
geeignet. Falsch eingesetzte<br />
Löschmittel sind wirkungslos o<strong>der</strong><br />
sogar gefährlich.<br />
Unterschiedliche Löschmittel für die jeweilige<br />
Brandklasse<br />
Die unterschiedlichen Brände lassen<br />
sich in Brandklassen einteilen.<br />
Brandklassen sind die wichtigste<br />
Voraussetzung, um Brände effizient<br />
und sicher zu löschen.<br />
468
5.2.3 Verhalten im Brandfall<br />
Das rasche und korrekte Verhalten ist bei einem Brandausbruch entscheidend<br />
und trägt viel zum Schutz von Menschen und Sachwerten bei. Nicht selten<br />
wird die Feuerwehr erst nach einem ersten Löschversuch alarmiert. Dadurch<br />
geht kostbare Zeit für Rettungsmassnahmen und Brandbekämpfung verloren.<br />
Bei Brandausbruch gilt deshalb immer <strong>der</strong> Grundsatz:<br />
Alarmieren <strong>–</strong> Retten <strong>–</strong> Löschen<br />
5.3 Diebstahlgefahr<br />
Überall, wo sich Gelegenheiten ergeben, sich ohne allzu grosse Gefahr<br />
unberechtigt zu bedienen, wird dies lei<strong>der</strong> auch getan. Manche<br />
Mitarbeitende können <strong>der</strong> Versuchung nicht wi<strong>der</strong>stehen und greifen nach<br />
dem Motto, "Gelegenheit macht Diebe" zu. Somit gilt es zunächst, diese<br />
Versuchung zu vermeiden. Bei genauer Betrachtung liegen die<br />
Hauptursachen für einen internen Diebstahl bei:<br />
• unzureichenden internen Kontrollsystemen<br />
• Schnittstellen zwischen interner und externer Logistik<br />
• Nachlässigkeiten in <strong>der</strong> Retourenabwicklung<br />
• organisatorischen Schwächen im Logistikprozess<br />
• mangelnden Unternehmensleitlinien<br />
Daraus ergeben sich recht schnell einfache Massnahmen, welche den<br />
Diebstahl verhin<strong>der</strong>n o<strong>der</strong> zumindest erschweren können:<br />
469
• zuverlässige und zeitnahe Wareneingangs- und Ausgangsprüfungen<br />
• sorgfältiges Retourenmanagement<br />
• Trennung von Mann und Waren<br />
• Einsatz technischer Kontrollmittel<br />
• Verpackungsdesign<br />
• regelmässige Taschen- und Torkontrollen<br />
Es gibt jedoch noch weitere Aspekte, die es zu beachten gilt, insbeson<strong>der</strong>e<br />
bei den unterschiedlichen Schnittstellen zur Logistik.<br />
5.4 Gefährliche Stoffe<br />
5.4.1 Was sind gefährliche Güter?<br />
Gefährliche Güter sind Stoffe, welche bei unsachgemässem Umgang eine<br />
Gefahr für Menschen, Tiere und die Umwelt darstellen können. In zahlreichen<br />
Gesetzen werden die Handhabung, <strong>der</strong> Transport sowie eine sichere<br />
Lagerung von Gefahrenstoffen definiert. Deshalb müssen Lager, bei welchen<br />
mit solchen Materialien gearbeitet wird, sehr viele Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
erfüllen, welche von den Behörden laufend überprüft werden.<br />
5.4.2 Lagerung von gefährlichen Stoffen<br />
Die Lagerung von Giftstoffen ist immer auch mit einem gewissen Risiko<br />
verbunden. Deshalb gilt bei <strong>der</strong> Beschaffung von "gefährlichen Gütern" <strong>der</strong><br />
Grundsatz: "So viel wie nötig aber so wenig wie möglich". Bei <strong>der</strong> Lagerung<br />
von gefährlichen Stoffen sind folgende Regeln einzuhalten:<br />
• Gifte immer so lagern, dass Unbefugte keinen Zutritt haben (abschliessbar)<br />
• Gebinde immer gut verschlossen lagern (Verdunstung)<br />
• giftige Stoffe niemals in <strong>der</strong> Nähe von Nahrungs-, Futtermitteln und<br />
Medikamente lagern<br />
• giftige Stoffe dürfen in beschränkten Mengen beim Arbeitsplatz belassen<br />
werden, sofern diese laufend benötigt werden und Unbefugten nicht<br />
zugänglich sind<br />
470
5.4.3 Sicherheitsdatenblatt<br />
Im gewerblichen Umfeld benötigt jedes gefährliche chemische Produkt ein<br />
sogenanntes Sicherheitsdatenblatt (SDB). Im SDB stehen Informationen über<br />
mögliche Gefahren des Produktes und Anweisungen zum korrekten Umgang,<br />
zu geeigneten Schutzmassnahmen, zur Lagerung, zum Transport bis hin zur<br />
Entsorgung. Im Weiteren beinhaltet das SDB ebenfalls Angaben über das<br />
Vorgehen im Unglücksfall. Für den korrekten Umgang mit gefährlichen<br />
Produkten ist <strong>der</strong> Arbeitgeber verantwortlich. Der Arbeitgeber setzt dabei<br />
oftmals einen sogenannten Sicherheitsbeauftragten (SIBE) ein, welcher dafür<br />
sorgt, dass die Arbeitnehmenden über den korrekten Umgang mit<br />
chemischen Stoffen angeleitet und informiert sind.<br />
Die Übermittlung eines Sicherheitsdatenblattes für gefährliche Produkte ist<br />
obligatorisch. Verantwortlich für die Erstellung des SDB ist <strong>der</strong> Hersteller. Wird<br />
die Ware aus dem Ausland eingeführt, gilt <strong>der</strong> Importeur als <strong>der</strong><br />
verantwortliche Hersteller. Die SDB werden in ganz Europa angewendet und<br />
sind bis auf die landesspezifischen Angaben (spezielle Grenzwerte,<br />
Einschränkungen wie Jugendschutz usw.) prinzipiell identisch.<br />
Meine Pflichten als Arbeitnehmer im Umgang mit gefährlichen Stoffen:<br />
• Anweisungen <strong>der</strong> Vorgesetzten zum Umgang mit chemischen Produkten<br />
befolgen<br />
• Anweisungen <strong>der</strong> Vorgesetzten zu den Schutzmassnahmen befolgen<br />
• Falls keine Anweisungen existieren, diese bei den Vorgesetzten einfor<strong>der</strong>n<br />
• Im Zweifel Einsicht ins SDB verlangen und dieses mit dem<br />
Sicherheitsbeauftragten besprechen<br />
5.4.4 Kennzeichnung von Gütern<br />
Die Schweiz hat die GHS-Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen aus <strong>der</strong><br />
Europäischen Union übernommen. Sie besteht aus neun Symbolen, die in<br />
Modul 105 ausführlich beschrieben sind:<br />
471
Symbole nach GHS Standard<br />
5.4.5 Kennzeichnung eines Stoffes nach GHS<br />
GHS Kennzeichnung von Benzin<br />
472
Mit dem GHS-Standard werden folgende Ziele verfolgt:<br />
• weltweit einheitliche Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und<br />
Gemischen<br />
• Handelserleichterung im globalen Warenverkehr<br />
• weitere Verbesserung von Arbeitssicherheit, Gesundheits-, Umwelt- und<br />
Verbraucherschutz sowie Transportsicherheit<br />
• Anpassung an das Transportrecht für gefährliche Güter<br />
Quelle: sicherheit.uni-freiburg.de<br />
5.4.6 Kennzeichnung von Gefahrenbereichen<br />
Es ist nicht nur wichtig, die Güter zu<br />
kennzeichnen, son<strong>der</strong>n ebenfalls die Bereiche,<br />
in denen gefährliche Stoffe bearbeitet o<strong>der</strong><br />
gelagert werden. Für die Gestaltung dieser<br />
Warnzeichen o<strong>der</strong> Piktogramme hat die SUVA<br />
Richtlinien erstellt, welche am Zugang zu<br />
Räumen o<strong>der</strong> Schränken, in denen gefährliche<br />
Stoffe gelagert werden, angebracht werden<br />
müssen. Zum Warnzeichen muss <strong>der</strong> Zugang<br />
zusätzlich mit einem Zutrittsverbot<br />
gekennzeichnet werden.<br />
Kennzeichnung gefährlicher Bereich<br />
Kennzeichnung Sicherheitsbereich<br />
473
5.4.7 Risiken bei <strong>der</strong> Lagerung gefährlicher Stoffe<br />
Wie bereits beschrieben, geht von gefährlichen Stoffen immer ein gewisses<br />
Risiko aus:<br />
Im Brandfall:<br />
• Bildung von giftigen Gasen und Dämpfen<br />
• Explosionen<br />
• Verschmutzung von Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer durch<br />
verunreinigtes Löschwasser<br />
Bei Überschwemmungen:<br />
• Umweltverschmutzung durch verunreinigtes Wasser<br />
Leckagen o<strong>der</strong> unsachgemässe Entsorgung:<br />
• Ausbreitung von giftigen und umweltgefährdenden Stoffen<br />
5.4.8 Sicher lagern<br />
Die Betreiber von Lager- und Umschlagslagern für gefährliche Stoffe sind<br />
dafür verantwortlich, dass die notwendigen technischen und<br />
organisatorischen Massnahmen getroffen und je<strong>der</strong>zeit eingehalten werden.<br />
Dabei hat sich die korrekte Lagerung von gefährlichen Stoffen immer an<br />
folgenden Punkten zu orientieren:<br />
Risikominimierung<br />
Lager für gefährliche Stoffe sind so zu planen, zu bauen und zu betreiben,<br />
dass die Risiken für Personen, Umwelt und Sachwerte möglichst klein gehalten<br />
werden können.<br />
Rechtliche Vorschriften<br />
Die gesetzlichen Vorgaben und For<strong>der</strong>ungen müssen in jedem Fall erfüllt sein.<br />
474
Stand <strong>der</strong> Technik<br />
Der Stand <strong>der</strong> Technik bezüglich Arbeitssicherheit, Brandschutz,<br />
Gewässerschutz, Lufthygiene, Störfallvorsorge sowie Sicherung und<br />
Werkschutz ist zu berücksichtigen. Die Mitarbeitenden müssen beim Einlagern<br />
<strong>der</strong> gefährlichen Stoffe beson<strong>der</strong>e Vorsicht walten lassen. Gefährliche Stoffe<br />
dürfen nur so hochgestapelt werden, dass herabfallende Behälter nicht<br />
beschädigt werden können.<br />
?? Weitere Infos findest du unter www.cheminfo.ch<br />
5.5 Schädlinge<br />
Die Einwirkung von Schädlingen ist in jedem Lager ein Thema. Drei Gruppen<br />
von Schädlingen können Lagergüter negativ beeinflussen:<br />
• Pilze und Bakterien (Schimmel, Fäulnis, Gärung)<br />
• Insekten (Käfer, Motten usw.)<br />
• Kleinsäuger (Mäuse, Ratten)<br />
Durch bauliche Massnahmen, gute Hygiene, optimale Lagerbedingungen<br />
und stetige Kontrolle des Lagergutes lässt sich Schädlingsbefall einschränken,<br />
aber nie ganz ausschliessen.<br />
475
Lagerung: Voraussetzung für die Vermeidung von Schädlingsbefall ist ein<br />
trockenes, sauberes, möglichst staubfreies Lager. Temperatur, Feuchtigkeit<br />
und Licht müssen so gesteuert werden, dass potenzielle Schädlinge einen für<br />
sie ungünstigen Lebensraum vorfinden.<br />
Bekämpfung von Schädlingen: Die Bekämpfung erfolgt durch chemische<br />
bzw. giftige Mittel, physikalische Gerätschaft, natürliche Schädlingsfeinde<br />
o<strong>der</strong> schlicht durch menschliche Gewalt.<br />
476
Modul 406_Gebindekontrolle<br />
Ausgangslage<br />
Die Lagerung mit Festplatz o<strong>der</strong> chaotisch wie auch FIFO o<strong>der</strong> LIFO sind<br />
wichtige Lagerprinzipien. Die Wahl, welche Prinzipien im Lager angewendet<br />
werden, wirkt sich auf die jeweiligen Abläufe im Lager aus. Die Prinzipien<br />
bestimmen die jeweilige Regalart sowie die Abläufe, welche für die Ein- und<br />
Auslagerung angewendet werden können.<br />
Welche Vor- bzw. Nachteile bringen die Lagerprinzipien mit sich? Wann wird<br />
welches Prinzip angewendet? Welche Regalarten eignen sich für das<br />
jeweilige Prinzip? Dies sind alles Fragen, welche im folgenden Modul<br />
bearbeitet werden.<br />
477
Fachartikel Modul 406<br />
6. Lagerprinzipien<br />
6.1 Festplatzlagerung<br />
Bei <strong>der</strong> Lagerung nach dem Festplatzprinzip hat je<strong>der</strong> Artikel seinen fest<br />
zugeteilten Lagerplatz. Deshalb wird auch von Festplatzlagerung gesprochen.<br />
Dieses System wird überall dort angewendet, wo ein Artikel stets an <strong>der</strong><br />
gleichen Stelle gesucht wird. Häufig wird diese Form beispielsweise in<br />
Verkaufsregalen <strong>der</strong> Selbstbedienungsläden, in Handlagern o<strong>der</strong> im<br />
Kommissionier-Bereich angewendet. Die Lagerung nach dem<br />
Reservationsprinzip folgt dem ursprünglichen Ordnungsprinzip: "Jedes Ding an<br />
seinem Ort".<br />
Das Prinzip <strong>der</strong> Festplatzlagerung wird in einfachen Lagern angewendet, wo<br />
ohne Unterstützung eines Lagerverwaltungssystems (LVS) gelagert wird. Bei<br />
stark schwankenden Lagerbeständen wird mit <strong>der</strong> Festplatzlagerung aber nur<br />
eine schlechte Ausnutzung des Lagerraums erreicht.<br />
Der Maximale Lagerbestand ist erreicht. Das ist <strong>der</strong> optimale Fall, <strong>der</strong> jedoch<br />
meist nur nach dem Eintreffen einer neuen Lieferung eintrifft.<br />
478
Minimaler Lagerbestand: Auf den leeren Plätzen dürfen keine an<strong>der</strong>en Güter<br />
eingelagert werden. Der Platz bleibt für den grösstmöglichen Lagerbestand<br />
jedes Artikels reserviert.<br />
6.2 Chaotische (dynamische) Lagerung<br />
Das Wort "Chaos" stammt aus dem Griechischen und bedeutet<br />
"Durcheinan<strong>der</strong>", "totale Verwirrung", "Auflösung aller Ordnung". In Bezug auf<br />
die Lagerung heisst chaotisch jedoch nicht unordentlich. Im Gegensatz zur<br />
Festplatzlagerung ermöglicht die chaotische Lagerung die Zuteilung<br />
irgendeines freien Lagerplatzes. Es muss also nicht mehr für die maximale<br />
Menge eines jeden Artikels Platz reserviert werden. Durch chaotische<br />
Lagerung kann <strong>der</strong> vorhandene Lagerplatz wesentlich besser ausgelastet<br />
werden.<br />
Merke: Die chaotische Lagerung kann nur mithilfe einer computerunterstützten<br />
Lagerverwaltung realisiert werden.<br />
479
Bei <strong>der</strong> chaotischen Lagerung werden Güter irgendwo eingelagert.<br />
6.2.1 Bedingungen für die chaotische Lagerung<br />
Bei <strong>der</strong> chaotischen Lagerung müssen die Eigenschaften <strong>der</strong> Lagergüter und<br />
Zusammenlagerungsverbote beachtet werden. Optimierte Systeme können<br />
solche Bedingungen einbeziehen. Weiter wird die Bestell- o<strong>der</strong><br />
Umschlagshäufigkeit berücksichtigt. Die Verteilung <strong>der</strong> Güter auf mehrere<br />
Bereiche verhin<strong>der</strong>t, dass ein Systemausfall die Auslagerung einer ganzen<br />
Produktegruppe verunmöglicht.<br />
6.3 First-In, First-Out (FIFO)<br />
First-In, First-Out, unter Fachleuten "FIFO" genannt, ist in <strong>der</strong> Lagerung ein<br />
anerkanntes Prinzip, mit dem sichergestellt wird, dass die Ware nicht zu lange<br />
im Lager bleibt. "First" heisst auf Englisch "zuerst". Sind mehrere Ladeeinheiten<br />
eines Artikels vorhanden, soll immer die älteste Ladeeinheit dem Lager<br />
entnommen werden. Zuerst eingelagerte Güter werden also auch zuerst<br />
wie<strong>der</strong> ausgelagert. FIFO wird vor allem bei ver<strong>der</strong>blichen Produkten<br />
angewendet. First-In, First-Out wenden wir auch im privaten Bereich an, zum<br />
Beispiel beim Auffüllen des Kühlschranks. Dieses Prinzip wird bei allen Gütern<br />
mit Haltbarkeitsdatum angewendet.<br />
6.3.1 Lagerformen, die FIFO unterstützen<br />
Bei all diesen Lagerformen ist bei sachgemässer Verwendung gewährleistet,<br />
dass die zuerst eingelagerten Güter auch zuerst entnommen werden:<br />
• Durchlaufregal<br />
• Durchfahrregal<br />
• Stapellager mit Entnahme an <strong>der</strong> Basis<br />
6.4 Last-In, First-Out (LIFO)<br />
Das LIFO-Prinzip ist bei <strong>der</strong> Lagerung von Gütern meistens nicht erwünscht. Da<br />
hier die zuletzt eingelagerten Güter zuerst wie<strong>der</strong> entnommen werden,<br />
entstehen bei diesem Prinzip "Ladenhüter". Die folgenden Lagerformen führen<br />
jedoch zwangsläufig zu diesem Prinzip:<br />
• Blocklagerung<br />
480
• Zeilen- o<strong>der</strong> Reihenlagerung, wenn <strong>der</strong> Zugriff nur von einer Seite möglich ist<br />
• Einfahrregale<br />
Die Lagerung in Paletten- o<strong>der</strong> Fachbodenregalen unterstützt<br />
beziehungsweise behin<strong>der</strong>t FIFO nicht. Logistiker müssen bei <strong>der</strong> Ein- und<br />
Auslagerung selbst darauf achten, dass die Güter richtig umgeschlagen<br />
werden und keine "Ladenhüter" entstehen. Hier gilt daher, dass neue Güter<br />
immer hinter den bereits vorhandenen Gütern eingelagert werden.<br />
6.5 Highest In - First Out (HIFO)<br />
HIFO (Highest In - First Out) bezeichnet ein Verfahren zur Lagerbewertung, bei<br />
dem die Ware auf eine bestimmte Art und Weise gelagert wird. Hierbei<br />
werden die Waren preisabhängig gelagert, sodass die teuren Waren zuerst<br />
ausgelagert werden. Der Lagerbestand wird also mit den niedrigen<br />
Einkaufspreisen bewertet. HIFO wird verwendet, um in <strong>der</strong> Bilanz einen hohen<br />
Umsatz darzustellen, wobei <strong>der</strong> Endbestand bei <strong>der</strong> Inventur als niedrig<br />
bewertet wird. Konkret gesagt: Das Verfahren wird verwendet, um das<br />
steuerpflichtige Einkommen für eine bestimmte Zeit zu verringern. Obwohl<br />
HIFO im Ausland weit verbreitet ist, ist das Verfahren zum Beispiel nach<br />
deutschem Handels- und Steuerrecht nicht zulässig. Ein Vorteil ist die<br />
vorsichtige Bewertung, da hier die Vorräte mit niedrigen Preisen angesetzt<br />
werden.<br />
481
Modul 407_För<strong>der</strong>mittel<br />
Ausgangslage<br />
Diese Abteilung hat sich bisher hauptsächlich mit den Voraussetzungen für<br />
eine fachgerechte Lagerung von Gütern beschäftigt. Güter werden jedoch<br />
nicht nur gelagert, son<strong>der</strong>n müssen in einem Lager ebenfalls beför<strong>der</strong>t<br />
werden. Dieses Modul beschäftigt sich daher mit den grundlegenden<br />
Eigenschaften <strong>der</strong> För<strong>der</strong>mittel.<br />
Der Transport von Gütern basiert auf einer <strong>der</strong> revolutionärsten Erfindungen:<br />
dem Rad. Während Jahrtausenden waren die Muskelkraft von Mensch und<br />
Tier die einzige Möglichkeit, Lasten fortzubewegen. Erst gegen Ende des 18.<br />
Jahrhun<strong>der</strong>ts gelang mit <strong>der</strong> Erfindung des Motors ein von <strong>der</strong> Muskelkraft<br />
unabhängiger Antrieb. Eines <strong>der</strong> ersten Antriebsmittel war <strong>der</strong> Wasserdampf,<br />
<strong>der</strong> in einem mitgeführten Heizkessel erzeugt wurde. Wesentlich<br />
platzsparen<strong>der</strong> waren die ersten Benzinmotoren, <strong>der</strong>en Einsatz einen weiteren<br />
grossen Schritt markiert. Mit <strong>der</strong> Eroberung <strong>der</strong> Welt durch das Automobil war<br />
<strong>der</strong> technische Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Die <strong>der</strong> Fortbewegung<br />
dienenden technischen Geräte wurden laufend verbessert und für die<br />
Beför<strong>der</strong>ung von Personen und Gütern eingesetzt.<br />
482
Fachartikel Modul 407<br />
7. För<strong>der</strong>mittel<br />
7.1 Grundbegriffe des För<strong>der</strong>ns<br />
Die Begriffe För<strong>der</strong>n und Transportieren hängen eng zusammen. Im<br />
Zusammenhang mit <strong>der</strong> Logistik wird <strong>der</strong> Begriff "För<strong>der</strong>n" für das Fortbewegen<br />
von Gütern innerhalb des Betriebes verwendet. In <strong>der</strong> Logistik sowie <strong>der</strong><br />
EnterSite AG sind die verschiedensten För<strong>der</strong>mittel zu finden. Es gibt fest<br />
installierte Anlagen wie Rollenbahnen, För<strong>der</strong>bän<strong>der</strong> usw. o<strong>der</strong> För<strong>der</strong>geräte,<br />
welche nicht fest installiert sind und sich darum frei auf dem Flur (Boden)<br />
bewegen können - sogenannte Flurför<strong>der</strong>zeuge wie z. B. <strong>der</strong> Stapler.<br />
Als För<strong>der</strong>n wird in <strong>der</strong> EnterSite AG <strong>der</strong> Transport innerhalb einer örtlich<br />
begrenzten und zusammenhängenden Betriebseinheit (z. B. innerhalb <strong>der</strong><br />
Logistik o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Fertigung) bezeichnet.<br />
7.2 För<strong>der</strong>mittel in <strong>der</strong> Logistik<br />
Mit <strong>der</strong> Herstellung von För<strong>der</strong>mitteln für die Logistik befassen sich heute viele<br />
Unternehmen. Die För<strong>der</strong>einrichtungen reichen von einfachen Geräten bis hin<br />
zu hoch entwickelten und komplexen Systemen. För<strong>der</strong>mittel können dabei<br />
nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden:<br />
483
Strukturbaum För<strong>der</strong>mittel<br />
7.2.1 Unterscheidungsmerkmale<br />
För<strong>der</strong>mittel können nach den folgenden Kriterien unterteilt werden:<br />
Nach <strong>der</strong> Führung:<br />
• schienengeführt, z. B. Regalbediengerät<br />
• gleislos, z. B. fahrerloses Transportsystem<br />
Nach <strong>der</strong> Beweglichkeit:<br />
• För<strong>der</strong>mittel mit flächigem Materialfluss, z. B. Stapler, Kran<br />
• För<strong>der</strong>mittel mit linienförmigem Materialfluss, z. B. Rollenbahnen<br />
Nach dem Antrieb:<br />
• För<strong>der</strong>mittel, die manuell betrieben werden, z. B. Handgabelhubwagen<br />
• För<strong>der</strong>mittel, die maschinell betrieben werden, z. B. Deichselgerät<br />
Nach dem Automatisierungsgrad:<br />
• bediengesteuerte För<strong>der</strong>mittel, z. B. Kommissioniergeräte<br />
484
• computergesteuerte För<strong>der</strong>mittel, z. B. automatisches Regalbediengerät<br />
Nach dem För<strong>der</strong>gut:<br />
• Stückgut, z. B. Paletten<br />
• Schüttgut, z. B. Kies<br />
• Flüssigkeiten, z. B. Öl<br />
7.2.2 Wahl des richtigen För<strong>der</strong>mittels<br />
Werden in <strong>der</strong> EnterSite AG mechanische För<strong>der</strong>mittel gewählt, plant man<br />
anhand folgen<strong>der</strong> Gesichtspunkte:<br />
1. nach <strong>der</strong> Art <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />
2. nach dem Gewicht und den Abmessungen <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />
3. nach <strong>der</strong> Menge <strong>der</strong> zu för<strong>der</strong>nden Güter<br />
4. nach <strong>der</strong> Richtung und <strong>der</strong> Länge des För<strong>der</strong>weges<br />
5. nach dem gewünschten Rationalisierungseffekt<br />
7.2.3 Manuelle Hebe- o<strong>der</strong> Transportmittel<br />
Die EnterSite AG setzt in <strong>der</strong> Zeit <strong>der</strong> Automatisierung immer noch manuelle<br />
Hebe- und Transportmittel ein, bei welchen "Manpower" gefragt ist. Die<br />
manuelle För<strong>der</strong>ung ist auf kurzen Strecken eine flexible Variante und vor<br />
allem auch eine kostengünstige Lösung.<br />
485
Handgabelhubwagen Handwagen Handkettenzug<br />
7.2.4 Stetigför<strong>der</strong>er<br />
Stetigför<strong>der</strong>er för<strong>der</strong>n die Güter ständig über einen linienförmigen,<br />
gleichbleibenden För<strong>der</strong>weg. Das För<strong>der</strong>gut kann dabei automatisch o<strong>der</strong><br />
manuell aufgegeben bzw. entnommen werden. Stetigför<strong>der</strong>er werden<br />
eingesetzt, wenn grosse Mengen zu för<strong>der</strong>n sind, z. B. in Industriebetrieben,<br />
welche eine Massenfertigung betreiben o<strong>der</strong> auch zur Brief- o<strong>der</strong><br />
Paketverteilung wie bei <strong>der</strong> Post.<br />
Vorteile:<br />
• hohe Automation<br />
• tiefer Personalbedarf<br />
Nachteile:<br />
• hohe Investitionskosten<br />
• Wirtschaftlichkeit nur bei grosser Auslastung<br />
• nicht für jedes För<strong>der</strong>gut geeignet<br />
• bei Ausfall Stillstand des Warenflusses<br />
486
Gurtför<strong>der</strong>er Rollenför<strong>der</strong>er Kettenför<strong>der</strong>er<br />
7.2.5 Krane<br />
Krane gehören zu den flurfreien fahrbaren Hebezeugen. Je nach Ausstattung<br />
ist es möglich, mit Kranen den gesamten Raum, in dem das Gut geför<strong>der</strong>t<br />
wird, zu bedienen (dreidimensional). Dabei eignen sie sich beson<strong>der</strong>s zur<br />
Beför<strong>der</strong>ung schwerer, sperriger Güter. In <strong>der</strong> Logistik werden folgende Kräne<br />
am häufigsten eingesetzt:<br />
Mobiler Portalkran für den innerbetrieblichen Einsatz<br />
487
7.2.6 Flurför<strong>der</strong>zeuge für den innerbetrieblichen Einsatz<br />
Zur Unterstützung <strong>der</strong> Arbeiten stehen in <strong>der</strong> EnterSite AG diverse<br />
Flurför<strong>der</strong>zeuge im Einsatz. Flurför<strong>der</strong>zeuge beför<strong>der</strong>n Güter auf dem Boden.<br />
Sie können manuell o<strong>der</strong> maschinell betrieben werden. Voraussetzung für den<br />
Einsatz ist eine dem Gerät entsprechende Arbeitsgangbreite (AST). Gleislose<br />
Flurför<strong>der</strong>zeuge bieten dabei eine hohe Flexibilität.<br />
Elektronie<strong>der</strong>hubwagen Elektrohochhubwagen Schlepper<br />
488
Vertikalkommissionierer Horizontalkommissionierer<br />
7.2.7 Stapler<br />
In <strong>der</strong> EnterSite AG, wie auch sonst in <strong>der</strong> Logistik, ist <strong>der</strong> Stapler das am<br />
häufigsten eingesetzte Flurför<strong>der</strong>zeug. Stapler gibt es in den<br />
unterschiedlichsten Ausführungen. Die Güter werden mit Gabeln o<strong>der</strong><br />
an<strong>der</strong>en Anbaugeräten aufgenommen, transportiert und gestapelt. Das<br />
hydraulische Hubgerüst bietet dabei eine hohe Flexibilität beim Einsatz. Durch<br />
die Neigbarkeit <strong>der</strong> Gabeln wird das Aufnehmen o<strong>der</strong> das Absetzen<br />
erleichtert. Zudem verhin<strong>der</strong>t die Neigung das Abrutschen <strong>der</strong> Güter beim<br />
Transport. Für die individuellen Lagersysteme wurden die unterschiedlichsten<br />
Arten von Staplern inkl. Zusatzeinrichtungen entwickelt.<br />
Gegengewichtsstapler Schubmastsapler Seitsitzstapler<br />
489
Der Stapler als Datenträger<br />
Immer mehr wird die RFID-Technologie bei Staplern und Flurför<strong>der</strong>zeugen mit<br />
dem Ziel eingesetzt, den Material- und Informationsfluss besser zu vernetzen.<br />
Die RFID-Technologie im Einsatz mit För<strong>der</strong>zeugen bringt viele Vorteile:<br />
• automatische Erfassung <strong>der</strong> Paletten im Wareneingang<br />
• automatische Zuordnung von Lagerplätzen<br />
• Geschwindigkeitsregulierung an Gefahrenstellen o<strong>der</strong> beim Transport von<br />
Gefahrgut<br />
• Optimierung gefahrener Routen durch die Auswertung <strong>der</strong> Fahrstrecke<br />
7.2.8 Regalför<strong>der</strong>zeuge<br />
Regalabhängige Regalför<strong>der</strong>zeuge werden zur<br />
rationellen Ein- und Auslagerung <strong>der</strong> Güter in<br />
den Regalen eingesetzt. Sie sind in<br />
Längsrichtung schienengeführt und deshalb<br />
nicht frei verfahrbar. Verfügt <strong>der</strong> Betrieb über<br />
mehrere Regalgänge, muss er pro Gang ein<br />
Gerät einsetzen. Dies bringt hohe<br />
Investitionskosten, erhöht jedoch die<br />
Umschlagsleistung.<br />
Um Investitionskosten einzusparen, besteht die<br />
Möglichkeit, Regalbediengeräte über Weichen<br />
zwischen den einzelnen Regalen zu verschieben.<br />
Dies verringert jedoch die Umschlagsleistung.<br />
Regalbediengerät<br />
Automatische Regalbediengeräte sind mit einer Teleskopgabel ausgerüstet,<br />
welche das entsprechende Ladehilfsmittel (Palette, Behälter, Tablare) in das<br />
Regal rein- und rausfahren. Als Alternative zu Regalbediengeräten dienen<br />
Hochregalstapler. Dieser Staplertyp wird in den Regalgängen eingesetzt,<br />
seltener zum Transport <strong>der</strong> Güter auf langen Fahrstrecken. Hochregalstapler<br />
benötigen im Gegensatz zum Regalbediengerät eine etwas grössere<br />
Gangbreite. Der Hochregalstapler wird manuell bedient. Der Mitarbeiter kann<br />
das Gerät entwe<strong>der</strong> vom Fahrersitz aus bedienen o<strong>der</strong> er fährt zur Ein- o<strong>der</strong><br />
Auslagerung im Fahrerstand am Hubmast zum jeweiligen Lagerplatz.<br />
490
Regalför<strong>der</strong>zeug Hochregalstapler<br />
7.3 Das Hebelgesetz<br />
Die Fähigkeit des Gegengewichtsstaplers, Lasten zu heben, beruht auf dem<br />
Hebelgesetz. Die Last befindet sich ausserhalb <strong>der</strong> Radbasis (o<strong>der</strong><br />
Standfläche) des Staplers. Der Stapler bildet das Gegengewicht. Das<br />
Vor<strong>der</strong>rad bildet den Drehpunkt bzw. die Drehachse. Das Drehmoment des<br />
Staplers muss also immer grösser sein als dasjenige <strong>der</strong> Last, sonst kippt <strong>der</strong><br />
Stapler. Um die Tragfähigkeit des Staplers zu erhöhen, gibt es drei<br />
Möglichkeiten:<br />
• Erhöhung des Eigengewichts des Staplers<br />
• Verlängerung des Hebelarms des Gegengewichts (Verlängerung des<br />
Heckteils)<br />
• Verkürzung des Hebelarms <strong>der</strong> Last<br />
7.3.1 Der zweiseitige Hebel<br />
Dem Hebelgesetz begegnet man (oft auch unbewusst) sehr häufig im<br />
täglichen Leben. Es bildet die Grundlage zum Verständnis <strong>der</strong> Bauweise von<br />
Gegengewichtsstaplern. Der Gegengewichtsstapler bildet dabei einen<br />
zweiseitigen Hebel.<br />
491
Merke: Ein zweiseitiger Hebel bedeutet, dass sich die beiden Kraftarme r1<br />
und r2 auf verschiedenen Seiten des Drehpunktes befinden.<br />
Begriffe rund um den Hebel<br />
Drehpunkt<br />
Kraft (F1, F2)<br />
Kraftarm (r1, r2)<br />
Drehmoment<br />
Der Punkt, an dem <strong>der</strong> Hebel aufliegt. Beim<br />
Gegengewichtsstapler ist dies die Vor<strong>der</strong>achse.<br />
Die an einem bestimmten Punkt auf den Hebelarm<br />
wirkende Kraft. Beim Gegengewichtsstapler ist dies die Last<br />
und gegenüber dem Gegengewicht.<br />
Distanz zwischen Drehpunkt und Ansatzpunkt <strong>der</strong> Kraft.<br />
Beim Gegengewichtsstapler ist dies die Distanz von <strong>der</strong><br />
Vor<strong>der</strong>achse zur Last bzw. zum Gegengewicht.<br />
Die einwirkende Kraft multipliziert mit <strong>der</strong> Länge des<br />
Kraftarms ergibt das Drehmoment. Dieses wird in Nm<br />
(Newtonmeter) angegeben (Berechnung: Newton x<br />
Meter).<br />
Berechnungsbeispiel I<br />
492
Hebel links: Drehmoment links = 200 N x 0,4 m = 80 Nm<br />
Hebel rechts: Drehmoment rechts = 100 N x 0,8 m = 80 Nm<br />
Der Hebel befindet sich somit im Gleichgewicht.<br />
Berechnungsbeispiel II<br />
Physikalisch betrachtet ist <strong>der</strong> Gegengewichtsstapler ein zweiseitiger Hebel.<br />
In unserem Beispiel wird das linksdrehende Moment durch das<br />
Gegengewicht (F1) und den Hebelarm a1 gebildet. Das rechtsdrehende<br />
Moment setzt sich zusammen aus F2 x a2 (Vorbau) und F3 x a3 (Ladung). Ein<br />
sicherer Einsatz des Staplers ist gewährleistet, solange das linksdrehende<br />
Drehmoment grösser ist als die Summe <strong>der</strong> rechtsdrehenden Drehmomente.<br />
Formel: Ml = F1 x a1 > Mr = (F2 x a2) + (F3 x a3)<br />
493
7.4 Tragkraftdiagramme<br />
Mit <strong>der</strong> Berechnung des Drehmoments bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit wäre die<br />
Logistikerin, <strong>der</strong> Logistiker überfor<strong>der</strong>t. Auf dem Typenschild des Staplers<br />
befindet sich die höchstzulässige Tragkraft. Diese darf auf keinen Fall<br />
überschritten werden. Im Weiteren befindet sich auf jedem Stapler das<br />
dazugehörende Tragkraftdiagramm. Das Diagramm zeigt dem Logistiker, <strong>der</strong><br />
Logistikerin welches Gewicht er/sie in Abhängigkeit vom Lastschwerpunktabstand<br />
und <strong>der</strong> Hubhöhe transportieren und heben kann.<br />
7.4.1 Tragkraftdiagramme lesen<br />
Die Tragkraftdiagramme muss <strong>der</strong> Logistiker, die Logistikerin lesen können, um<br />
somit einen sicheren Einsatz bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit zu gewährleisten. Lei<strong>der</strong><br />
haben die Tragkraftdiagramme kein einheitliches Aussehen.<br />
Beispiel 1: Tragkraftdiagramm ohne Angabe <strong>der</strong> Hubhöhe<br />
Oberhalb des<br />
Lastschwerpunktabstand<br />
s kann das maximal<br />
zulässige Gewicht<br />
abgelesen werden. Diese<br />
Art von Diagrammen ist<br />
bei einfacheren Staplern,<br />
(z. B. Deichselstaplern) zu<br />
finden.<br />
494
Beispiel 2: Tragkraftdiagramm mit Angabe <strong>der</strong> Hubhöhe<br />
Bei diesen Diagrammen<br />
muss beim Ablesen<br />
zusätzlich die Hubhöhe<br />
berücksichtigt werden,<br />
da die Tragkraft mit<br />
zunehmen<strong>der</strong> Hubhöhe<br />
abnimmt. Dies ist <strong>der</strong><br />
einzige Unterschied. Das<br />
Ablesen funktioniert<br />
gleich wie bei Beispiel 1.<br />
Das höchstzulässige<br />
Gewicht wird beim<br />
jeweiligen<br />
Lastschwerpunktabstan<br />
d abgelesen. Detaillierte<br />
Informationen zum<br />
Thema<br />
Tragkraftdiagramme<br />
finden sich im<br />
<strong>Handbuch</strong> für<br />
Staplerfahrer.<br />
495
Logistiker/In EFZ<br />
500_Production<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
496
Modul 501_Produktion<br />
Ausgangslage<br />
Unter dem Begriff "Produzieren" versteht man eine möglichst effiziente<br />
Herstellung von Gütern (Input) o<strong>der</strong> Leistungen. Dabei werden Werkstoffe<br />
durch Arbeitsleistungen, Maschinen und Anlagen verarbeitet (Output). Der<br />
Begriff Produktion steht ebenfalls für das Ergebnis des Produktionsprozesses,<br />
den sogenannten Produktionsertrag. Dieser Prozess wird oft als<br />
Wertschöpfungsprozess bezeichnet. Bevor aber etwas produziert werden<br />
kann, bedarf es einer Idee und <strong>der</strong>en Entwicklung. Die Zusammenarbeit<br />
zwischen Produktentwickler und Produzierenden entscheidet oft über Erfolg<br />
o<strong>der</strong> Misserfolg von neuen Produkteinführungen.<br />
497
Fachartikel Modul 501<br />
1. Produktion<br />
1.1 Definition Produktion<br />
Der Begriff "Produktion" hat seinen Ursprung im Lateinischen: Das Wort<br />
"Producere" bedeutet "hervorführen". Produktion bezeichnet die Herstellung<br />
von Sachgütern, Energien und Dienstleistungen.<br />
• Sachgüter: z. B. Auto, Mobile phone, Brot, Uhren<br />
• Energien: z. B. Strom, Wärme, Benzin<br />
• Dienstleistungen: z. B. Fernsehsendungen, Versicherungen<br />
Produktion ist eine Umwandlung von Inputs (Produktionsfaktoren) mithilfe von<br />
bestimmten Techniken in Outputs.<br />
• Arbeitsleistung: z. B. Mensch, Fachkräfte<br />
• Betriebsmittel: z. B. Fertigungsmaschinen<br />
• Werkstoffe: z. B. Rohstoffe, Rohmaterial<br />
Grundsätzlich ist <strong>der</strong> Produktionsprozess ein Wertschöpfungsprozess, bei dem<br />
durch den Einsatz von Input-Gütern und die Kombination von<br />
Produktionsfaktoren möglichst höherwertige Output-Güter entstehen.<br />
498
Ein Beispiel aus dem Alltag: das Brot<br />
Mehl, Salz, Hefe,<br />
Wasser<br />
Bäcker<br />
Knetmaschine<br />
Ofen<br />
Frisches Brot<br />
1.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktion<br />
"Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht die Männer zusammen,<br />
um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,<br />
son<strong>der</strong>n lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer."<br />
Zitat von Antoine de Saint-Exupéry.<br />
Ein grundsätzliches Ziel <strong>der</strong> Produktion ist es, ein gutes Produkt herzustellen; ein<br />
Produkt, welches die Erwartungen und Wünsche <strong>der</strong> Kunden erfüllt, o<strong>der</strong><br />
noch besser, sogar übertrifft. Dafür versucht die Produktion nachfolgende<br />
Ziele zu erreichen:<br />
• Geringe Kosten: Den Output möglichst günstig produzieren<br />
• Hoher Output: Möglichst viel produzieren können<br />
499
• Hohe Produktqualität: Ein Produkt herstellen, welches den<br />
Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen entspricht. Möglichst keinen Ausschuss (defekte Teile)<br />
produzieren.<br />
• Hohe Termineinhaltung: Termingerecht liefern können (nicht zu spät, aber<br />
auch nicht zu früh)<br />
• Hohe Auslastung <strong>der</strong> Fertigung: Die vorhandenen Mitarbeiter und Maschinen<br />
haben genug zu tun.<br />
• Geringe Durchlaufzeit: Die Produkte in möglichst kurzer Zeit produzieren.<br />
• Hohe Kundenzufriedenheit: Die Erwartungen <strong>der</strong> Kunden erfüllen.<br />
Rohmaterial o<strong>der</strong> unfertige Erzeugnisse werden in einem<br />
Verän<strong>der</strong>ungsprozess (Transformation) vom aktuellen IST-Zustand in einen<br />
angestrebten SOLL-Zustand überführt. Arbeitskräfte (Menschen) benötigen<br />
dafür die Unterstützung von Maschinen, Werkzeugen und Energie.<br />
Merke: Die Produktion leistet eine Transformation.<br />
Metallbearbeitung in <strong>der</strong> Fertigung<br />
1.3 Produktentwicklung<br />
1.3.1 Von <strong>der</strong> Idee zum Produkt<br />
Die Produktentwicklung beinhaltet alle Tätigkeiten, die zu einem verkaufbaren<br />
Produkt führen. Von <strong>der</strong> Vision/Idee bis zur Markteinführung des Produktes.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis: Die Vision von Zeridwen<br />
Am Beispiel von Zeridwen kann <strong>der</strong> Prozess von einer Produktentwicklung bis<br />
zum Funktionsmodell aufgezeigt werden.<br />
500
Zeridwen ist eine Puppe, welche Kin<strong>der</strong>n im Alter von 4 bis 9 Jahren das<br />
Zähneputzen mit einer Handzahnbürste näherbringen soll.<br />
Die Puppe Zeridwen soll das Zähneputzen mit Hilfe von Leuchtioden im<br />
Gebiss vormachen und die Kin<strong>der</strong> mit <strong>der</strong> Zahnbürste die Bewegungen<br />
nachmachen.<br />
Es gibt sehr viele Kin<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Welt, die täglich die Zähne putzen. Das<br />
Marktpotenzial von Zeridwen liegt gemäss einer Untersuchung <strong>der</strong><br />
Hochschule für Wirtschaft Bern bei 11,8 Millionen Stück im EU-Raum.<br />
501
Zunächst werden technische Zeichnungen von Zeridwen (Funktionsmodell)<br />
erstellt. Nach dem Vorbild dieser Zeichnungen wird ein Funktionsmodell<br />
gemacht.<br />
502
Beim Funktionsmodell handelt es sich um eine Puppe, die zwar funktioniert<br />
aber noch nicht verkaufsfähig ist. Das Funktionsmodell wird fertig designt<br />
(gezeichnet) und zu einem Serienmodell weiterbearbeitet.<br />
Dieses Serienmodell wird schliesslich im Markt angeboten und verkauft.<br />
Damit es produziert werden kann, muss die Einkaufsabteilung die richtigen<br />
Lieferanten für das Rohmaterial finden und die Produktionsplanung und<br />
Steuerung (PPS) muss die Teile, welche produziert werden, genau planen<br />
und einen reibungslosen Produktionsprozess vorbereiten.<br />
Am Ende kann dann ein Produkt, welches die Eltern und die Kin<strong>der</strong> im<br />
täglichen Zahnreinigungsprozess unterstützt, auf dem Markt angeboten<br />
werden.<br />
Zeig mir Deine Zähne, Kleines...<br />
In Anlehnung an ein Stück Filmgeschichte: "Schau mir in die Augen, Kleines"<br />
503
Film: Casablanca<br />
Humphrey Bogart<br />
und<br />
Ingrid Bergmann<br />
Juli 1942<br />
1.4 Produktstruktur<br />
Die Produktstruktur glie<strong>der</strong>t ein Produkt nach bestimmten Kriterien. Diese<br />
Struktur wird zur Planung und Steuerung des Fertigungsprozesses (Konstruktion<br />
<strong>–</strong> Einkauf <strong>–</strong> Produktion - Montage) benötigt. Die einzelnen Stellen haben meist<br />
unterschiedliche Sichtweisen zur Produktstruktur:<br />
• Konstruktion: Welche Funktionen muss das Produkt erfüllen?<br />
• Einkauf: Welche Halb-, Fertigfabrikate und Rohmaterialien müssen eingekauft<br />
werden?<br />
• Produktion: Welche Maschinen werden zur Produktion <strong>der</strong> Bauteile benötigt?<br />
• Montage: In welcher Reihenfolge müssen die Bauteile und Baugruppen<br />
montiert werden?<br />
1.4.1 Ziel <strong>der</strong> Produktstruktur<br />
Eine Produktstruktur sollte möglichst einfach und bis in die oberen Ebenen<br />
möglichst kundenneutral (standardisiert) sein. Individuelle Abweichungen<br />
(Kundenwünsche) vom Standardmodell sollten so spät wie möglich im<br />
Fertigungsprozess gemacht werden.<br />
504
Merke: Die Produktstruktur dient <strong>der</strong> vollständigen Dokumentation aus<br />
unterschiedlichen Sichtweisen (z. B. Konstruktion/Fertigung) eines Produktes<br />
o<strong>der</strong> einer Gruppe ähnlicher Produkte.<br />
505
Modul 502_Produktionslogistik<br />
Ausgangslage<br />
Die Produktionslogistik ist in einem Industriebetrieb für die innerbetriebliche Planung,<br />
Steuerung und Kontrolle <strong>der</strong> logistischen Abläufe zuständig. Die Produktion muss mit<br />
Rohmaterialien, Betriebs- und Hilfsstoffen sowie Ersatzteilen beliefert werden. Die<br />
Produktionslogistik koordiniert neben den zusammenhängenden Aktivitäten des<br />
Produktionsablaufs ebenfalls die Entsorgung <strong>der</strong> anfallenden Abfälle in <strong>der</strong><br />
Produktion.<br />
506
Fachartikel Modul 502<br />
2. Produktionslogistik<br />
2.1 Definition Produktionslogistik<br />
Die Produktionslogistik ist ein Prozess in einem Fertigungsunternehmen, <strong>der</strong><br />
zwischen <strong>der</strong> Beschaffungslogistik (Input) und <strong>der</strong> Distributionslogistik (Output)<br />
angesiedelt ist. Die Produktionslogistik plant und steuert den Warenfluss,<br />
indem sie die Produktion mit den für die Fertigung benötigten Gütern<br />
(Rohmaterial, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe usw.) aus den Lagern beliefert. Nach<br />
<strong>der</strong> Fertigung werden die Güter wie<strong>der</strong> abgeführt und im entsprechenden<br />
Lager fachgerecht aufbewahrt. Daneben unterstützt die Produktionslogistik<br />
verschiedene Tätigkeiten <strong>der</strong> Fertigung.<br />
2.2 Ziele und Aufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />
Die Hauptaufgaben <strong>der</strong> Produktionslogistik können folgen<strong>der</strong>massen<br />
umschrieben werden:<br />
Unter Produktionslogistik werden sämtliche Massnahmen verstanden, die den<br />
Leistungserstellungsprozess (Wertschöpfung) betreffen, also sämtliche<br />
Massnahmen von <strong>der</strong> Übernahme <strong>der</strong> bereitgestellten<br />
Produktionsfaktoren<br />
bis zur Übergabe <strong>der</strong> Fertigprodukte an die Distribution. Es geht darum, alle<br />
Materialien und Informationen für die Produktion in <strong>der</strong> benötigten Art,<br />
Menge und Qualität sowie zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen.<br />
Vergleiche die "Sechs-R-Regel" von Reinhardt Jünemann<br />
Die Ziele <strong>der</strong> Produktionslogistik sind:<br />
• kurze Durchlaufzeiten<br />
• hohe Termintreue<br />
507
• möglichst niedrige Bestände in den Lagern<br />
• hohes Qualitätsniveau<br />
• optimale Kapazitätsauslastung (Mensch und Maschine)<br />
• optimale Gestaltung <strong>der</strong> Transportwege in <strong>der</strong> Fertigung<br />
Merke: Zusammengefasst strebt man mit den Zielen <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />
möglichst geringe Herstellkosten an.<br />
2.3 Lagerarten in <strong>der</strong> Produktion<br />
Für die Unterstützung des Leistungserstellungsprozesses in <strong>der</strong> Produktion gibt<br />
es unterschiedliche Lagerarten.<br />
2.3.1 Beschaffungs- o<strong>der</strong> Produktionslager<br />
Die Aufgabe dieser Lager ist die Einlagerung von Rohmaterialien,<br />
Halbfabrikaten und Fertigfabrikaten, die für die Produktion benötigt werden.<br />
Das Beschaffungslager dient <strong>der</strong> Aufnahme eingehen<strong>der</strong> (eingekaufter)<br />
Güter, die in <strong>der</strong> Produktion benötigt werden. Meistens sind Produktionslager<br />
im Bereich <strong>der</strong> Produktion angesiedelt, das ermöglicht kurze Transportwege.<br />
In kleineren Unternehmen sind beide Lagerarten oft zusammengelegt. Es wird<br />
unterschieden zwischen vorgelagerten Produktionslagern, Zwischenlagern in<br />
<strong>der</strong> Produktion, nachgelagerten Produktionslagern und Handlagern.<br />
508
Vorgelagerte Produktionslager<br />
Lagerung von Rohstoffen, Halb- und Fertigwaren für den Produktionsprozess.<br />
Rohstofflager in <strong>der</strong> Produktion<br />
Zwischenlager in <strong>der</strong> Produktion<br />
In Zwischenlagern werden halbfertige Waren gelagert, bis sie in einem<br />
nachfolgenden Produktionsschritt weiterverarbeitet werden.<br />
Zwischengelagerte Stahlrollen<br />
509
Nachgelagerte Produktionslager<br />
Halbfertige und fertige Produktionserzeugnisse werden dort gelagert und für<br />
den Transport zur Weiterverarbeitung (z. B. Lackiererei) o<strong>der</strong> für den Markt<br />
(Einzelhandel, Grosshandel) vorbereitet.<br />
Luftbild: Produzierte Autos warten auf den Weitertransport<br />
Handlager<br />
Handlager sind kleine, meist bewegliche Lager, in denen Kleinmaterial<br />
gelagert wird, welches in <strong>der</strong> Produktion verbraucht wird. In <strong>der</strong> Regel<br />
bedienen sich die Mitarbeitenden dort in Selbstbedienung, ohne Verbuchung<br />
im ERP-System. Das für ein Produkt (z. B. Fahrrad) verwendete Kleinmaterial<br />
wird in <strong>der</strong> Regel nicht einzeln, son<strong>der</strong>n als Klein- und<br />
Verbrauchsmaterialposten dem Fertigprodukt angerechnet.<br />
Festes Handlager<br />
Handlager auf Rä<strong>der</strong>n zum verschieben<br />
510
Grafik: Lagerarten in einem Produktionsbetrieb<br />
2.4 Operative Entsorgungslogistik<br />
Die Entsorgungslogistik ist dafür zuständig, Abfälle aller Art zu sammeln, zu<br />
sortieren, zu verpacken, zu lagern und schliesslich abzutransportieren - also für<br />
sämtliche Massnahmen zur Vorbereitung und Durchführung <strong>der</strong><br />
umweltschonenden und kostengünstigen Entsorgung. Grundsätzlich ist zu<br />
beachten, dass die Vermeidung von Abfall vor dem Verwerten steht und das<br />
Verwerten vor dem Entsorgen.<br />
511
2.4.1 Aufgaben <strong>der</strong> Entsorgungslogistik<br />
Die Aufgaben <strong>der</strong> Entsorgungslogistik entsprechen grundsätzlich den<br />
klassischen Aufgaben <strong>der</strong> Logistik.<br />
• Kernleistung: Transport, Umschlag, Lagerung (TUL <strong>–</strong> Prozess)<br />
• Zusatzleistung: Sammlung, Sortierung, Verpackung / Bündelung<br />
• Informationsleistung: Auftragsabwicklung, Nach- und Rückverfolgung<br />
Weitere wichtige Informationen zur Entsorgung findest du in Modul 106.<br />
512
Modul 503_Organisation <strong>der</strong> Produktion<br />
Ausgangslage<br />
Die Planung eines Produktions- o<strong>der</strong> Fertigungsbereichs erfolgt nach<br />
unterschiedlichen Prinzipien. Ein massgeben<strong>der</strong> Faktor ist die Produktestruktur.<br />
Werden Güter in Massen o<strong>der</strong> Serien gefertigt, wird nicht dieselbe Infrastruktur wie<br />
bei einer Einzelfertigung benötigt. Anhand <strong>der</strong> Fertigungstypen wird die räumliche<br />
Anordnung <strong>der</strong> Maschinen, Werkzeuge und Arbeitsplätze festgelegt. Dabei wird<br />
auch bestimmt, wie und in welcher Reihenfolge die Rohstoffe, Einzelteile o<strong>der</strong><br />
einzelne Baugruppen die Fertigung durchlaufen. Diese Reihenfolge bestimmt im<br />
Anschluss den Material- sowie Informationsfluss <strong>der</strong> Aufträge durch die Produktion.<br />
513
Fachartikel Modul 503<br />
3. Organisation <strong>der</strong> Produktion<br />
Wie in den beiden ersten Modulen in <strong>der</strong> Abteilung "Production" dargelegt<br />
wurde, ist die Eigenschaft vom Produkt nicht nur bei <strong>der</strong> Lagerung<br />
massgebend für die Infrastruktur, son<strong>der</strong>n auch bei <strong>der</strong> Produktion. Die<br />
Produktestruktur kann extrem vielfältig sein. Darum gibt es verschiedenste<br />
Möglichkeiten, die Produktion zu organisieren.<br />
3.1 Definition Fertigungsarten<br />
Wenn ein Produkt hergestellt wird, spricht man in <strong>der</strong> Fachsprache oft von<br />
einer Fertigung. Die Fertigung wird von folgenden Kriterien beeinflusst:<br />
• Anzahl <strong>der</strong> Produkte, welche gefertigt werden (Fertigungsmenge)<br />
• Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />
• Ortsabhängigkeit <strong>der</strong> Fertigung<br />
3.2 Fertigungstypen<br />
In jedem Produktions- o<strong>der</strong> Fertigungsprozess wird ein Fertigungstyp gewählt.<br />
Die Art <strong>der</strong> Fertigung kann später wie<strong>der</strong> verän<strong>der</strong>t werden, jedoch ist das mit<br />
viel Aufwand und Kosten verbunden. Die Wahl des Fertigungstyps sollte gut<br />
geplant und initialisiert werden.<br />
514
Folgende Fertigungstypen sind bekannt:<br />
3.2.1 Einzelfertigung<br />
Die Einzelfertigung o<strong>der</strong> Einzelproduktion hat den Auftrag, einmalige<br />
Einzelstücke zu produzieren. Die Infrastruktur aber auch das Personal müssen<br />
vielseitig einsetzbar sein, da <strong>der</strong> Fertigungsauftrag jeweils nur ein Stück<br />
beinhaltet. Umrüsten und neu planen gehören in dieser Fertigungsart zur<br />
Tagesordnung. Keines <strong>der</strong> gefertigten Produkte ist gleich wie das an<strong>der</strong>e, alle<br />
haben ihre speziellen Eigenschaften.<br />
Einzelfertigungen sind z. B. Bil<strong>der</strong> eines Kunstmalers, Wohnungen, Massanzüge<br />
usw.<br />
Vorteile: Kundenwünsche können individuell umgesetzt werden.<br />
Nachteile: Die Fertigungszeit ist in <strong>der</strong> Regel hoch.<br />
515
Typische Einzelfertigung "Malen eines Bildes"<br />
3.2.2 Mehrfachfertigung<br />
Wie <strong>der</strong> Ausdruck es bereits erahnen lässt, geht es bei <strong>der</strong> Mehrfachfertigung<br />
darum, das gleiche Produkt mehrmals herzustellen. Wenn ein Produkt<br />
mehrmals gefertigt werden kann, können die Infrastruktur und das Personal<br />
auf diese bestimmte Fertigung ausgerichtet werden. Der Prozess kann<br />
optimiert werden, da sich die Tätigkeiten bei <strong>der</strong> Erstellung <strong>der</strong> Produkte<br />
wie<strong>der</strong>holen.<br />
3.2.3 Massenfertigung<br />
Die Massenfertigung ist ein Fertigungstyp, <strong>der</strong> das Ziel hat, möglichst viel in<br />
möglichst kurzer Zeit - und doch in guter Qualität - zu fertigen. Beim<br />
Produktionsstart ist keine beschränkte Menge bekannt. Wird eine Masse<br />
gefertigt, so besteht die Möglichkeit, die Prozesse auf das herzustellende<br />
Produkt auszurichten. Ist <strong>der</strong> Prozess einmal optimiert, gibt es kein Halten mehr,<br />
und es wird möglichst viel von einem gleichartigen, homogenen Produkt<br />
gefertigt. Weitere Vorteile, welche durch die Fertigung <strong>der</strong> Masse entstehen,<br />
sind <strong>der</strong> Rationalisierungseffekt (optimierte Prozesse) und tiefstmögliche<br />
Stückkosten. Wie<strong>der</strong>holendes Umrüsten von Maschinen ist nicht notwendig, im<br />
Gegenteil, viele dieser Prozesse können automatisiert werden. Beispiele für die<br />
Massenanfertigung sind die Herstellung von Zement, Gummibärchen,<br />
Münzen, usw.<br />
Vorteile: grosse Mengen = tiefe Herstellungskosten<br />
516
Nachteile: keine Flexibilität im Fertigungsprozess.<br />
Münzherstellung in Massenfertigung<br />
3.2.4 Serienfertigung<br />
Die Serienfertigung ist ein Fertigungstyp, bei dem gleichartige Produkte<br />
hergestellt werden. Die Serienfertigung ist eine weitere Variante zwischen <strong>der</strong><br />
Einzelfertigung und <strong>der</strong> Massenfertigung. Im Unterschied zur Massenfertigung<br />
wird die Produktion auf eine bestimme Anzahl begrenzt. Gleichartige<br />
Produkte werden in einer Fertigungsauflage o<strong>der</strong> Fertigungsserie hergestellt,<br />
wobei sich jede dieser Serien minimal unterscheidet. In Serienanfertigung<br />
werden Autos, Kleidungsstücke, Möbel usw. hergestellt.<br />
Vorteile: Die Produktivität kann gesteigert werden.<br />
Nachteile: Keine Flexibilität und hohe Umrüstkosten.<br />
Automobile werden in Serien Produziert<br />
517
3.2.5 Sortenfertigung<br />
Die Sortenfertigung ist stark verwandt mit <strong>der</strong> Serienfertigung. Es werden<br />
bestimmte Mengen produziert, die jedoch minimale Unterschiede aufweisen.<br />
Klassischerweise wird in <strong>der</strong> Modebranche eine Unterscheidung von Grössen<br />
als Sortenfertigung bezeichnet, da die Produkte eigentlich identisch sind, sich<br />
aber in <strong>der</strong> Grösse unterscheiden. Die Sortenfertigung wird bei Zigaretten, Bier,<br />
Mode, usw. angewandt.<br />
Vorteile: Es werden gleiche o<strong>der</strong> ähnliche Rohstoffe verwendet.<br />
Nachteile: Die Bestimmung <strong>der</strong> optimalen Losgrösse (Fertigungsmenge) ist<br />
herausfor<strong>der</strong>nd.<br />
Unterschiedliche Sorten in <strong>der</strong> Bierproduktion<br />
3.2.6 Chargenfertigung<br />
Bei <strong>der</strong> Chargenfertigung entstehen im Herstellungsprozess Unterschiede.<br />
Produkte, die eigentlich identisch sein sollten, können Unterschiede<br />
aufweisen. Bei <strong>der</strong> Chargenfertigung handelt es sich somit um eine<br />
unfreiwillge Serienfertigung. Eine Charge ist in den meisten Fällen durch eine<br />
Produktionsbegrenzung definiert. Zum Beispiel wird beim Backen zuhause das<br />
Fertigen von einem Butterzopf durch den vorhandenen Behälter und den<br />
Backofen beeinflusst.<br />
Die Chargenfertigung wird in <strong>der</strong> Chemiebranche (Behälter) angewandt,<br />
aber auch die Brotproduktion (Knetschüssel und Backofen) o<strong>der</strong> die<br />
Kartoffelproduktion (Grösse <strong>der</strong> Ackerfläche) sind Beispiele dafür.<br />
Vorteile: Sollte eine Fertigungsserie nicht gelingen, kann diese entsorgt<br />
werden. Im Weiteren kann die Serie nummeriert werden, was die Möglichkeit<br />
<strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit ( Modul 506) garantiert.<br />
518
Nachteile: Der Prozess ist sehr umständlich und wird durch die vorhandene<br />
Infrastruktur immer wie<strong>der</strong> gestoppt.<br />
Typische Chargenproduktion "Backwaren"<br />
3.3 Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />
Wenn <strong>der</strong> ideale Fertigungstyp für die Produktion gewählt ist, beginnt die<br />
Planung. Als erster muss definiert werden, welche Infrastruktur verwendet wird<br />
und in welcher Reihenfolge die Fertigung aufgestellt werden soll. Die<br />
Organisation <strong>der</strong> Fertigung kann zwar in einem späteren Schritt nach Bedarf<br />
optimiert und verän<strong>der</strong>t werden, dies macht aber viel Aufwand und<br />
verursacht hohe Kosten. Folgende Organisationen <strong>der</strong> Fertigung sind<br />
bekannt:<br />
3.3.1 Werkbankfertigung<br />
Bei <strong>der</strong> Werkbankfertigung werden handwerkliche Arbeitsprozesse von<br />
Anfang bis Ende von einer Arbeitsperson o<strong>der</strong> einer Arbeitsgruppe an einer<br />
Bearbeitungsstation ausgeführt. Es gibt daher meist keinen zwangsläufigen<br />
Übergang zu an<strong>der</strong>en Arbeitsplätzen. In einer Werkbankfertigung werden<br />
Einzelstücke o<strong>der</strong> kleine Serien hergestellt. Auch die EnterSite AG produziert<br />
ihre eigenen Produkte in einer solchen Organisation. Die Organisation <strong>der</strong><br />
Werkbankfertigung wird oft beim Fertigungstyp <strong>der</strong> Einzelfertigung<br />
519
angewandt. Produktbeispiele für die Werkbankfertigung sind Schmuck, Bil<strong>der</strong><br />
von Kunstmalenden usw.<br />
Vorteile: In <strong>der</strong> Werkbankfertigung wird ein Produkt oft von einer<br />
Arbeitsperson o<strong>der</strong> einer Arbeitsgruppe erstellt. Entsprechend kann eine hohe<br />
Qualität erwartet werden.<br />
Nachteile: Der Arbeitsprozess ist oftmals einmalig und muss jedes Mal neu<br />
definiert werden. Die Folge ist eine längere und deshalb kostspielige<br />
Fertigung.<br />
Werkbankarbeitsplatz<br />
3.3.2 Werkstattfertigung<br />
Die Betriebsmittel und die Arbeitsplätze mit gleichen o<strong>der</strong> ähnlichen<br />
Verrichtungen werden in einer Werkstatt zusammengefasst. Das Produkt<br />
"wan<strong>der</strong>t" gemäss <strong>der</strong> Ablaufplanung durch die einzelnen Arbeitsplätze, in<br />
denen jede Maschine eine spezielle Verrichtung ausführt. Eine Maschine fräst<br />
die Stücke, die nächste hobelt diese auf die richtige Dicke, eine weitere bohrt<br />
Löcher. Diese Organisation bietet hohe Flexibilität. Die Reihenfolge <strong>der</strong><br />
Tätigkeiten kann je nach Produkt verän<strong>der</strong>t werden. Eine Serie kann auf die<br />
verschiedenen Arbeitsplätze aufgeteilt werden, und je<strong>der</strong> Arbeitsplatz kann<br />
unabhängig <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Arbeitsplätze seine Tätigkeiten am Produkt<br />
durchführen.<br />
Beispiele für die Werkstattfertigung finden sich unter an<strong>der</strong>em in <strong>der</strong> Holz- und<br />
Metallbranche.<br />
Vorteile: Hohe Flexibilität.<br />
520
Nachteile: Längere Durchlaufzeiten.<br />
Werkstattfertigung mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen im selben Raum<br />
3.3.3 Fliessfertigung<br />
Die Fliessfertigung ist so organisiert, dass die verschiedenen Arbeitsplätze -<br />
an<strong>der</strong>s als in <strong>der</strong> Werkstattfertigung - in einer fixen Reihenfolge zum Einsatz<br />
kommen. Die Organisation beinhaltet nicht nur eine fixe Reihenfolge; die<br />
Betriebsmittel und Arbeitsplätze sind auch zeitlich aufeinan<strong>der</strong> abgestimmt.<br />
Die Produkte werden ohne Unterbrechung von einem Arbeitsplatz zum<br />
nächsten transportiert und bearbeitet. Der Transport von einem Arbeitsplatz<br />
zum an<strong>der</strong>en kann manuell o<strong>der</strong> über ein Fliessband erfolgen. Beim Einsatz<br />
eines Fliessbandes ist es wichtig, die richtige Geschwindigkeit zu wählen,<br />
sodass alle Arbeitsplätze in <strong>der</strong> vorgegeben Zeit ihre Arbeit beenden können.<br />
Ein klassisches Beispiel für die Fliessfertigung ist die Herstellung von Autos.<br />
Vorteile: Kurze Durchlaufzeiten.<br />
Nachteile: Hohe Anlagekosten, monotone Aufgaben für die<br />
Mitarbeitenden.<br />
521
Automobile werden in Fliessfertigung gefertigt<br />
3.3.4 Baustellenfertigung<br />
Bei <strong>der</strong> Baustellenfertigung (auch Fertigung nach dem Platzprinzip genannt)<br />
müssen Arbeitskräfte und Produktionsmittel zur Baustelle gebracht werden.<br />
Das Produkt (z. B. ein Haus) erfor<strong>der</strong>t eine ortsgebundene Fertigung. Die<br />
Betriebsmittel werden den Arbeitsvorgängen entsprechend an den Ort<br />
gebracht, wo sie eingesetzt werden. Je nach Grösse werden Teile auch<br />
ausserhalb <strong>der</strong> Baustelle gefertigt und angeliefert. Produktbeispiele für die<br />
Baustellenfertigung sind <strong>der</strong> Hausbau, <strong>der</strong> Tunnelbau usw.<br />
Vorteile: Produktionsfläche wird durch den Auftraggeber zur Verfügung<br />
gestellt<br />
Nachteile: Transportkosten für Arbeitskräfte und Betriebsmittel<br />
522
Bau eines Einfamilienhauses<br />
3.4 Überblick Fertigungstypen und Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />
Fertigungstyp Kurzbeschreibung Vorteile Nachteile<br />
Einzelfertigung<br />
Fertigung von einmaligen<br />
Produkten<br />
Qualität<br />
Kosten<br />
Massenfertigung Fertigung für Endlos-Serien Kosten Qualität<br />
Serienfertigung<br />
Fertigung für grosse Mengen<br />
mit begrenzter Stückzahl<br />
Weiterentwicklung<br />
<strong>der</strong> Produkte<br />
Umrüsten<br />
Sortenfertigung<br />
Fertigung für Produkte mit<br />
minimalen Unterschieden<br />
Einheitliche<br />
Rohstoffe<br />
Umrüsten<br />
Chargenfertigung Fertigung, die durch eine<br />
Produktionsbegrenzung<br />
definiert ist<br />
Rückverfolgbarkeit<br />
Zeit<br />
Organisation <strong>der</strong><br />
Fertigung<br />
Kurzbeschreibung Vorteile Nachteile<br />
Werkbankfertigung Fertigung durch einen<br />
Arbeitsplatz<br />
Qualität<br />
Zeit<br />
523
Werkstattfertigung<br />
Fertigung durch mehrere<br />
Arbeitsplätze<br />
Zeit<br />
Planung<br />
Fliessfertigung<br />
Fertigung durch mehrere<br />
Arbeitsplätze in einer<br />
bestimmten Reihenfolge<br />
Zeit<br />
Kosten für<br />
Maschinen<br />
Baustellenfertigung Fertigung vor Ort<br />
Keine eigene<br />
Produktionsfläche<br />
notwendig<br />
Transportkosten<br />
3.5 Lean Production<br />
"Lean Production" bedeutet zu Deutsch eine "schlanke Produktion". Unter dem<br />
Begriff versteht man den sowohl sparsamen als auch zeiteffizienten Einsatz<br />
von Betriebsmitteln und Personal.<br />
Das Unternehmen hat den Auftrag, aus den Fertigungstypen und den Arten<br />
<strong>der</strong> Organisation die bestmögliche Variante zu wählen. Alle überflüssigen<br />
Tätigkeiten werden gestrichen. Nur das Notwendige wird für die Fertigung<br />
genutzt. Der Fertigungsprozess wird somit optimiert.<br />
So können die Ziele <strong>der</strong> Lean Production umgesetzt werden: geringe<br />
Lagerhaltung, kleine Losgrössen, grosse Flexibilität hinsichtlich <strong>der</strong><br />
Kundenwünsche, kurze Durchlaufzeiten, gute Teamarbeit.<br />
524
Modul 504_Der Materialfluss<br />
Ausgangslage<br />
Wird in <strong>der</strong> Logistik von Materialflusssteuerung gesprochen, geht es um die physische<br />
Abwicklung <strong>der</strong> Warenbewegungen jeglicher Art. Neben <strong>der</strong> Steuerung des<br />
eigentlichen Materialflusses müssen die dazugehörenden Informationen<br />
(Informationsfluss) ebenfalls synchronisiert werden, um die Waren zur richtigen Zeit,<br />
am richtigen Ort, in <strong>der</strong> entsprechenden Menge und Qualität bereitzustellen. Dabei<br />
stehen <strong>der</strong> Logistik unterschiedliche Konzepte zur Verfügung. Die entsprechenden<br />
Konzepte sorgen somit vom Wareneingang über die Kommissionierung zum<br />
Warenausgang für eine bedarfsgerechte Versorgung <strong>der</strong> Logistik.<br />
525
Fachartikel Modul 504<br />
4. Der Materialfluss<br />
In Modul 503 wurden die verschiedenen Fertigungstypen behandelt und<br />
aufgezeigt, wie die Produktion organisiert werden kann. In diesem Modul<br />
geht es nun um die Frage, wie die Rohstoffe o<strong>der</strong> Halbfabrikate<br />
bewirtschaftet werden, damit die Ziele <strong>der</strong> Produktion ( Modul 501) <strong>der</strong><br />
EnterSite AG erreicht werden können.<br />
Selbstverständlich ist auch die Planung des Materialflusses nicht einfach<br />
umzusetzen. Die Eigenschaften und Menge <strong>der</strong> zu produzierenden Güter<br />
haben einen entscheidenden Einfluss auf den Materialfluss.<br />
Eine mögliche Layoutplanung könnte wie folgt aussehen:<br />
Layout mit Materialfluss eines Fertigungsbetriebs<br />
526
4.1 Arten des Materialflusses<br />
Wenn von einem Materialfluss gesprochen wird, wird oft unterschieden<br />
zwischen einem innerbetrieblichen und einem ausserbetrieblichen<br />
Materialfluss.<br />
4.1.1 Ausserbetrieblicher Materialfluss<br />
Der ausserbetriebliche Materialfluss ist in <strong>der</strong> Regel von Logistikdienstleistern<br />
abgedeckt. Der Zulieferer von Rohstoffen und Halbfabrikaten muss gut<br />
gewählt sein. Die Ziele gegenüber <strong>der</strong> Kundschaft werden nur erreicht, wenn<br />
auch <strong>der</strong> ausserbetriebliche Materialfluss in gewünschter Qualität ausgeführt<br />
wird. Die schlanke Produktion ( Modul 503) zielt auf eine ökologische und<br />
kostengünstige Aufstellung <strong>der</strong> Produktion ab. Entsprechend gibt es im<br />
Materialfluss kaum Reserven, um Lieferungen, welche nicht o<strong>der</strong> zu spät<br />
eintreffen, aufzufangen.<br />
4.1.2 Innerbetrieblicher Materialfluss<br />
Der innerbetriebliche Materialfluss liegt im Unterschied zum<br />
ausserbetrieblichen in <strong>der</strong> Verantwortung <strong>der</strong> EnterSite AG selbst. In <strong>der</strong> Regel<br />
beginnt <strong>der</strong> innerbetriebliche Materialfluss mit <strong>der</strong> Anlieferung von Rohstoffen<br />
o<strong>der</strong> Halbfabrikaten. Beendet wird <strong>der</strong> Materialfluss mit <strong>der</strong> Auslieferung von<br />
Halbfabrikaten o<strong>der</strong> Fertigprodukten. Das Ziel ist es, den Materialfluss mit so<br />
wenig Aufwand wie möglich zu realisieren, Prozesse klar zu definieren, die<br />
Aufgaben zuzuordnen und im Sinne von Lean Production den direkten Weg<br />
zu suchen. Für den innerbetrieblichen Materialfluss gibt es verschiedene<br />
Materialflusssteuerungs-Konzepte.<br />
4.2 Kanban<br />
Eines <strong>der</strong> bekanntesten Materialflusssteuerungs-Konzepte ist das Kanban-<br />
Prinzip. Der Grundsatz des Kanban-Systems ist einfach: Es ist eine Methode <strong>der</strong><br />
Produktionsablaufsteuerung nach dem Pull-Prinzip (auch Holprinzip o<strong>der</strong><br />
Zurufprinzip). Es orientiert sich ausschliesslich am Bedarf einer verbrauchenden<br />
Stelle im Fertigungsablauf. Der Begriff Kanban kommt aus dem Japanischen<br />
und heisst "Karte" o<strong>der</strong> "Tafel". Diese Art <strong>der</strong> Produktionssteuerung ist einfach<br />
und flexibel. Das ursprüngliche Kanban-System wurde 1947 von <strong>der</strong><br />
japanischen Firma Toyota entwickelt. Der Grund war die ungenügende<br />
Produktivität des Unternehmens im Vergleich zu den amerikanischen<br />
Konkurrenten. Die gestiegenen Erwartungen <strong>der</strong> Kunden an die<br />
527
Produktionsgeschwindigkeit und Lieferbereitschaft erzeugten zusätzlichen<br />
Druck. Auch die räumlich engen Verhältnisse auf den japanischen Inseln<br />
sowie die kostenintensiven Lagerbestände an Rohmaterial und<br />
Halbfabrikaten erfor<strong>der</strong>ten neue Lösungen.<br />
Bsp. Kanban Karte<br />
4.2.1 So funktioniert Kanban<br />
Wenn <strong>der</strong> Mindeststand an Material unterschritten wird <strong>–</strong> und nur dann -, wird<br />
<strong>der</strong> Zulieferer aufgefor<strong>der</strong>t, neues Material anzuliefern. Der nachgelagerte<br />
528
Arbeitsgang entnimmt bei einem vorgelagerten immer nur das gerade<br />
benötigte Teil in <strong>der</strong> benötigten Menge und zum benötigten Zeitpunkt. Der<br />
Zettel, auf dem diese Auffor<strong>der</strong>ung notiert ist, wird grundsätzlich mit jedem Los<br />
<strong>der</strong> Ware mittransportiert. Er wird erst bei Anbruch des Loses zur neuen<br />
Anlieferung zurückgegeben. Es gelten strenge Regeln für die Fertigung,<br />
beson<strong>der</strong>s <strong>der</strong> Grundsatz, dass nur gefertigt werden darf, wenn ein Auftrag<br />
(Kanban) zur Fertigung vorliegt, und dass nur einwandfreie Teile angeliefert<br />
werden dürfen.<br />
Das Auslösen des Nachschubs wurde ursprünglich durch die Karte/Tafel<br />
verursacht. Die Karte o<strong>der</strong> Tafel hatte entsprechend alle notwendigen<br />
Informationen, damit <strong>der</strong> Nachschub erfolgreich angefor<strong>der</strong>t werden konnte.<br />
Das Auslösen muss heute aber nicht mehr zwingend mittels Karte erfolgen.<br />
Alternativ kann auch ein Behälter als Ersatz <strong>der</strong> Karte o<strong>der</strong> Tafel eingesetzt<br />
werden. Entsprechend sind die notwendigen Informationen am Behälter<br />
angebracht. Auch <strong>der</strong> digitale Kanban-Prozess hat natürlich längstens die<br />
Produktion erreicht. So kann vor Ort als weitere Alternative <strong>der</strong> Barcode o<strong>der</strong><br />
QR-Code des Artikels eingelesen werden. Das ERP o<strong>der</strong> die PPS ( Modul<br />
505) <strong>der</strong> EnterSite AG werden die Daten direkt an den richtigen Zulieferer<br />
übermitteln. Fehler und Zeitverluste können so im digitalen Kanban-Prozess<br />
verhin<strong>der</strong>t werden.<br />
4.3 Two Bin<br />
Ähnlich dem Kanban wird das Two-Bin-Prinzip in <strong>der</strong> Produktionslogistik<br />
angewandt. Die Nachbestellung wird ausgelöst, wenn <strong>der</strong> erste Behälter leer<br />
ist und <strong>der</strong> zweite "angebrochen" wird. Entsprechend ist <strong>der</strong> Behälter mit allen<br />
notwendigen Informationen ausgerüstet, um den Nachschub zu garantieren.<br />
Die Menge des zweiten Behälters, welcher nach dem Auslösen vom<br />
Nachschub angebrochen wird, muss genau berechnet sein. Um eine<br />
Fertigungsverzögerung zu verhin<strong>der</strong>n, muss die Menge für die<br />
Überbrückungszeit - bis Behälter I wie<strong>der</strong> zurück ist - genügen. Auch hier ist die<br />
grosse Herausfor<strong>der</strong>ung, genügend, aber nicht zu viel Material am Lager<br />
haben. Im Sinne von Lean Production sollte <strong>der</strong> Materialfluss ohne grössere<br />
Reserven funktionieren können.<br />
529
Materialnachschub in zwei Behälter<br />
4.4 Bestellzeitpunkt durch Markierung<br />
Der Materialfluss kann auch durch sehr einfache Hilfsmittel organisiert werden.<br />
Eine Möglichkeit ist Bestellzeitpunkt durch Markierung:<br />
Behälter mit Markierung<br />
Ganz unspektakulär kann dem Mitarbeiter o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Mitarbeiterin durch eine<br />
Markierung aufgezeigt werden, dass <strong>der</strong> Nachschub ausgelöst werden muss.<br />
Das Bestimmen, wann die Markierung erreicht werden soll, ist die weitaus<br />
heiklere Aufgabe, als den Nachschub auszulösen. Es gibt verschiedene<br />
Varianten, wie <strong>der</strong> Nachschub ausgelöst wird, z. B.: ein Bestellschein, <strong>der</strong><br />
bearbeitet werden muss; eine Meldung per E-Mail; das Einlesen von einem<br />
Bar- o<strong>der</strong> QR-Code.<br />
4.5 Just in Time (JIT)<br />
Die Abkürzung JIT steht für "Just in Time", zu Deutsch: "gerade rechtzeitig". JIT ist<br />
ein Bestellverfahren in <strong>der</strong> Produktion, mit welchem die vorgegebenen Ziele<br />
<strong>der</strong> Produktion erreicht werden sollen. JIT hat den Auftrag, die Lagerkosten zu<br />
senken, indem auf Lagerbestände verzichtet wird, und doch soll es<br />
sicherstellen, dass die Fertigung ohne Verzögerung abläuft. Die Rohstoffe<br />
530
o<strong>der</strong> Halbfabrikate werden genau rechtzeitig an den Fertigungsplatz<br />
angeliefert. Damit ein solches Bestellverfahren in <strong>der</strong> Produktion gelingen<br />
kann, braucht es perfekt organisierte ausserbetriebliche und innerbetriebliche<br />
Materialflüsse. Das Zusammenspiel von jedem Zulieferer/Partner in <strong>der</strong> ganzen<br />
Supply Chain (Lieferkette) muss funktionieren.<br />
In <strong>der</strong> Automobilproduktion werden die meisten Teile "Just in Time" angeliefert<br />
Auch das Bestellverfahren JIT hat seinen Ursprung in Japan. Wie<strong>der</strong>um war es<br />
die Automobilindustrie, welche durch mo<strong>der</strong>ne Methoden Kosten in <strong>der</strong><br />
Produktion reduzieren konnte.<br />
JIT <strong>–</strong> ein Beispiel<br />
Die EnterSite AG mit ihrer Produktionsstätte in Rupperswil setzt auf das Prinzip<br />
JIT. Produziert werden eigene Produkte (z. B. SwissEnterSite<br />
Cartridge_Artikelnr. GT10-TN221). Der genannte Artikel besteht aus 18<br />
verschiedenen Einzelteilen, die von verschiedenen Lieferanten aus <strong>der</strong><br />
ganzen Welt bezogen werden. In diesem Beispiel wird die Supply Chain für<br />
diesen Artikel abgebildet.<br />
Die Aufgabe <strong>der</strong> EnterSite AG ist es, den Kundenauftrag im System zu<br />
erfassen. Aus diesem Kundenauftrag ergibt sich <strong>der</strong> Bedarf, also die zu<br />
produzierende Menge. Die 18 verschiedenen Einzelteile (für 1 Endprodukt)<br />
werden bei den Zulieferern bestellt. Jedes dieser Einzelteile wird auf einen<br />
bestimmten Tag terminiert. An diesem Tag müssen neben dem Material<br />
531
auch die Monteure und <strong>der</strong> notwendige Arbeitsplatz bereitstehen. Wird alles<br />
richtig nach JIT geplant, und werden die ausser- und innerbetrieblichen<br />
Materialflüsse korrekt umgesetzt, hat die EnterSite AG die Möglichkeit, Kosten<br />
in <strong>der</strong> Produktion zu senken, da keine Lagerbestände mehr notwendig sind.<br />
4.5.1 Vor- und Nachteile von JIT<br />
Wie jedes an<strong>der</strong>e Modell, hat JIT verschiedene Vor- und Nachteile. Wichtig ist<br />
es, diese richtig zu interpretieren und dadurch zu entscheiden, ob das Modell<br />
passend ist o<strong>der</strong> nicht.<br />
Die Vorteile<br />
• Einsparung in <strong>der</strong> Lagerhaltung (Platz, Versicherung, Strom etc.)<br />
• bedarfsorientierte Beschaffung = keine Kapitalbindung durch Lagerbestände<br />
• Beschleunigung vom Fertigungsprozess<br />
• Vermeidung von "Ladenhütern"<br />
• Vermin<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Personalkosten durch geringen Zeitaufwand in <strong>der</strong><br />
Beschaffung<br />
• kurze Durchlaufzeit in <strong>der</strong> Produktion<br />
Bei <strong>der</strong> Entscheidung, ob JIT das richtige Bestellverfahren ist, müssen folgende<br />
Punkte beachtet werden:<br />
532
Die Nachteile<br />
• Abhängigkeit vom ausserbetrieblichen Materialfluss<br />
• risikoreiche Abhängigkeit von äusseren Einflüssen (Stau, Streik, Wetter etc.)<br />
• Kosten und Image bei "WorstCase" = Produktionsstillstand<br />
Die Vorteile von JIT können nur wirken, wenn jedes Rad dauerhaft und ständig<br />
in das an<strong>der</strong>e greift. Um möglichst viel Sicherheit zu erlangen, werden<br />
Verträge zwischen Kunden und Zulieferern ausgehandelt. Die Verträge sollen<br />
die Qualität definieren und damit verbunden auch mögliche Geldstrafen bei<br />
Nichterreichen <strong>der</strong> Zielsetzung festhalten.<br />
4.6 Just in Sequence (JIS)<br />
JIS - "Just in Sequence" - bedeutet "gerade rechtzeitig und in <strong>der</strong> richtigen<br />
Reihenfolge". Auch JIS ist ein Bestellverfahren, welches in <strong>der</strong> Produktion zum<br />
Einsatz kommt. Das Verfahren ist als Weiterentwicklung des Modells JIT zu<br />
verstehen. Auch hier ist die Automobilindustrie <strong>der</strong> Taktgeber. Weil JIS auch<br />
nach dem Prinzip "gerade rechtzeitig" funktioniert, gelten die gleichen Vorund<br />
Nachteile wie bei JIT. Der Unterschied zwischen JIS und JIT ist in <strong>der</strong><br />
Aufbereitung <strong>der</strong> zugelieferten Ware zu finden.<br />
JIS hat das Ziel, die zugelieferte Ware in <strong>der</strong> richtigen Reihenfolge und bereits<br />
im richtigen Zustand dem Monteur bereitzustellen. Die Ware ist "griffbereit".<br />
Kann die Ware im JIT in einer Transportpackung am Fertigungsplatz sein, so ist<br />
533
in <strong>der</strong> Methode nach JIS die Ware bereits ausgepackt und auf dem<br />
Fertigungsplatz bereitgestellt.<br />
4.7 Low Cost Automation (LCA)<br />
Die Technologie ist nicht nur in <strong>der</strong> Lagerlogistik präsent. Auch die Produktion<br />
wird von verschiedenen Entwicklungen in <strong>der</strong> Technologie ständig verän<strong>der</strong>t.<br />
Jede erfolgreich eingeführte Technologie setzt den Markt weiter unter Druck.<br />
Jedes Unternehmen verfolgt die Entwicklung <strong>der</strong> Technologien interessiert, um<br />
bereit zu sein, wenn sich eine neue durchsetzt.<br />
Mit dem Begriff Low Cost Automation (LCA), auch bekannt unter "Lean<br />
Automation", wird eine Technologie bezeichnet, die bei <strong>der</strong> Automatisierung<br />
von bestehenden Ressourcen wie Arbeitsgeräten, Werkzeugen und<br />
Maschinen sowie dem verfügbaren Personal eingesetzt wird. Alles<br />
Bestehende wird punktuell (so wenig wie nötig) mit Standartkomponenten<br />
aus dem Markt ergänzt.<br />
Die Zielsetzung dieser Technologie ist es, mit dem Vorhandenen einen<br />
möglichst automatisierten Prozess zu generieren; automatisiert in dem Sinne,<br />
dass wie<strong>der</strong>kehrende Prozesse mit weniger Personaleinsatz (= weniger<br />
Personalkosten) erstellt werden können und die Durchlaufzeit von einem<br />
Produkt reduziert werden kann.<br />
534
4.8 Jidoka<br />
Das Automatisieren von wie<strong>der</strong>kehrenden Arbeiten hat sich heute etabliert.<br />
Damit die Kosten von einem gefertigten Produkt auf dem Markt auch<br />
akzeptiert werden, sind Unternehmen gezwungen, möglichst viele (einfache)<br />
Arbeiten mit einer Maschine zu bewältigen. Auch da ist die<br />
Automobilindustrie bereits wie<strong>der</strong> einen Schritt weiter: Sie arbeitet an Jidoka.<br />
Jidoka (autonome Automation) bezeichnet den Betrieb einer Maschine ohne<br />
menschliche Überwachung. Dazu werden in <strong>der</strong> Maschine elektronische<br />
Komponenten (z. B. Prüfsensoren) eingebaut, die Abweichungen vom<br />
Normalbetrieb selbstständig erkennen. Somit kann die Maschine Warnungen<br />
auslösen und den Verarbeitungsprozess stoppen. Die Herstellung von<br />
fehlerhaften Produkten wird damit vermieden, was zur Qualitätssteigerung<br />
beiträgt. Jidoka ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur vollständigen<br />
Automation, bei <strong>der</strong> Maschinen, erkannte Fehler selbstständig beseitigen<br />
können.<br />
535
Modul 505_Produktionsplanung und -steuerung<br />
Ausgangslage<br />
Produktionsunternehmen wie die EnterSite AG können ihre Wettbewerbsfähigkeit nur<br />
sicherstellen, indem sie sich flexibel den externen Rahmenbedingungen anpassen.<br />
Die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) ist ein Instrument, um den Informationsund<br />
Materialfluss zeitlich, mengenmässig o<strong>der</strong> räumlich zu planen, steuern und zu<br />
kontrollieren. Ein funktionierendes PPS unterstützt die Mitarbeitenden in ihrer täglichen<br />
Arbeit, indem es Transparenz schafft und mithilft, die Prozessabläufe optimal den<br />
jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Das Ziel ist, die Produktedurchlaufzeiten<br />
möglichst kurz zu halten.<br />
536
Fachartikel Modul 505<br />
5. Produktionsplanung und -steuerung (PPS)<br />
Eine Aufgabe <strong>der</strong> Verkaufsabteilung ist es, genügend Produkte zu verkaufen,<br />
damit das Unternehmen wachsen kann. Dazu wird ein Verkaufsprogramm<br />
erstellt, das von verschiedenen Stellen für die Planung benötigt wird. Der<br />
Einkauf hat zum Beispiel die Aufgabe, das benötigte Rohmaterial, die Halbund<br />
Fertigfabrikate einzukaufen und zu organisieren. Für die Produkte, die das<br />
Unternehmen selbst fertigt, wird ein sogenanntes Produktionsprogramm<br />
erstellt. Dieses dient <strong>der</strong> Produktionsplanung und -steuerung dazu, eine<br />
Materialbedarfsrechnung zu machen. Damit wird festgestellt, bei welchen<br />
Artikeln <strong>der</strong> Bestand nicht ausreicht, um den aktuellen Bedarf (aus dem<br />
Produktionsprogramm) zu decken. Diese sogenannte Unterdeckung wird mit<br />
einer Termin- und Kapazitätsplanung in die Produktion eingeplant. Sobald die<br />
Aufträge bereit sind, um in die Produktion einzufliessen, übernimmt die<br />
Produktionssteuerung. Die Steuerung überwacht den gesamten<br />
Produktionsprozess von sämtlichen Aufträgen.<br />
537
Erklärungen zu den PPS-Funktionen<br />
• Produktionsprogrammplanung: Hier werden die zu produzierenden Erzeugnisse<br />
nach Art, Menge und Termin festgelegt.<br />
• Materialbewirtschaftung, Mengenplanung: Hier werden die für die Produktion<br />
benötigten Teile und Baugruppen resp. die zu beschaffenden (Einkauf)<br />
Materialien nach Art, Menge und Termin festgelegt.<br />
• Termin- und Kapazitätsplanung: Hier werden die für die Produktion benötigten<br />
Durchlaufzeiten (DLZ) und Kapazitäten (Mensch und Maschine) ermittelt und<br />
die Reihenfolge <strong>der</strong> Produktion festgelegt.<br />
• Auftragsveranlassung: Hier wird die Produktion freigegeben und alle damit<br />
zusammenhängenden Arbeiten und Aufträge verteilt.<br />
• Auftragsüberwachung: Hier werden die Arbeitsfortschritte, die<br />
Kapazitätsentwicklung <strong>der</strong> Mitarbeitenden und Maschinen, die<br />
Lieferantenbestellungen und Wareneingänge kontrolliert.<br />
5.1 Push/Pull-Produktion<br />
In <strong>der</strong> Produktionssteuerung gibt es unterschiedliche Formen; Push und Pull<br />
sind zwei davon.<br />
• Push-Produktion: Die Push-Produktion besitzt eine zentrale Planungs- und<br />
Steuereinheit. Der Informations- und Güterfluss laufen in dieselbe Richtung. Die<br />
Folgen davon sind hohe Lagerbestände, lange Lieferzeiten und hoher<br />
Planungsaufwand.<br />
• Pull-Produktion: Die Pull-Produktion wird vom aktuellen Kundenbedarf<br />
getrieben und meistens dezentral gesteuert. Entsprechend benötigt sie keine<br />
zentrale Planungs- und Steuereinheit. Es wird nach Bedarf produziert. Der<br />
Informationsfluss läuft dem Materialfluss entgegen, da die Informationen vom<br />
Kunden in Richtung Produktionsbeginn fliessen. Niedrige Lagerbestände, kurze<br />
Lieferzeiten, geringer Planungsaufwand und höhere Kundenausrichtung sind<br />
die positiven Folgen des Pull-Prinzips.<br />
538
5.2 Bulk-Produktion<br />
"Bulk" ist Englisch und bedeutet zu Deutsch "Masse" o<strong>der</strong> "Menge". Bulkware ist<br />
also Massengut. Es handelt sich um Güter, die in sehr grossen Liefermengen (z.<br />
B. ganze Schiffsladungen o<strong>der</strong> grössere Teile davon) transportiert werden.<br />
Bulkware geht meistens nicht an den Endverbraucher, son<strong>der</strong>n an Händler<br />
und weiterverarbeitende Unternehmen. Meistens sind Bulkwaren<br />
Halbfabrikate o<strong>der</strong> Produktionsgüter, die in ein Endprodukt einfliessen.<br />
Merke: Bei <strong>der</strong> Bulkproduktion resp. Massenproduktion werden Güter mit<br />
gleichen Eigenschaften in nicht beschränkten Mengen und in ständiger<br />
Wie<strong>der</strong>kehr erzeugt.<br />
Beispiele für Bulkproduktion<br />
539
5.3 Stücklisten<br />
In Modul 501 ist <strong>der</strong> Begriff des Verkaufsprogramms eingeführt worden.<br />
Auch in diesem Kapitel ist er relevant. Die nachfolgende Grafik zeigt den<br />
Einfluss des Verkaufsprogramms auf die Mengenplanung bis hin zur<br />
Mengenoptimierung auf.<br />
540
Das Verkaufsprogramm kann auch als Primärbedarf bezeichnet werden. Der<br />
Primärbedarf ist <strong>der</strong> Bedarf an verkaufsfähigen Produkten (z. B. Autos). Er<br />
besteht in <strong>der</strong> Regel aus mehreren Einzelteilen und/o<strong>der</strong> Baugruppen. Diese<br />
Komponenten werden z. B. in einer Montage zusammengebaut. Die<br />
Komponenten eines Primärbedarfs werden in einer Stückliste<br />
zusammengefasst.<br />
In einer Stückliste (engl: Bill of Materials (BOM)) sind also sämtliche Artikel und<br />
Baugruppen eines Endproduktes aufgeführt. In <strong>der</strong> Betriebswirtschaft spricht<br />
man hier vom sogenannten Sekundärbedarf. Der Sekundärbedarf dient dazu,<br />
den Primärbedarf herzustellen. Damit <strong>der</strong> Einkauf und die Produktionsplanung<br />
wissen, welche Artikel und/o<strong>der</strong> Baugruppen eingekauft resp. gefertigt<br />
werden müssen, wird <strong>der</strong> Sekundärbedarf mit dem aktuellen Lagerbestand<br />
abgeglichen. Daraus resultiert <strong>der</strong> sogenannte Nettosekundärbedarf.<br />
Ein Beispiel<br />
Primärbedarf:<br />
Sekundärbedarf:<br />
Lagerbestand:<br />
Nettosekundärbedarf:<br />
100 Autos<br />
400 Pneus (ohne Reserverad)<br />
100 Pneus<br />
400 <strong>–</strong> 100 = 300 Pneus<br />
5.3.1 Stücklistenarten<br />
Mengenstückliste<br />
Auf <strong>der</strong> Mengenstückliste werden sämtliche Bestandteile eines<br />
Produkts/Erzeugnisses in unstrukturierter Form zusammengestellt. Es wird<br />
zwischen Eigen- und Fremdteilen (Einkaufsteilen) unterschieden.<br />
Artikel Nummer Bezeichnung Art Anzahl<br />
12398 Fe<strong>der</strong> B 2<br />
12374 Welle E 1<br />
12355 Rohr E 3<br />
12363 Bügel F 2<br />
12380 Kugel E 10<br />
B = Baugruppe E = Eigenfertigung F = Fremdteil<br />
Eine Mengenstückliste ist eine einfache, übersichtliche Darstellungsform, aus<br />
<strong>der</strong> die zusammengefassten Mengen eines Produkts/Erzeugnisses direkt<br />
541
abgelesen werden können. Allerdings fehlt eine Strukturierung. Die<br />
Zugehörigkeit von Einzelteilen und Baugruppen ist nicht erkennbar.<br />
Mengenstücklisten sind daher z. B. nicht geeignet für eine Montageabteilung.<br />
Geeignet ist sie aber für den Einkauf o<strong>der</strong> für die Kalkulation, da es dort<br />
normalerweise keiner Zugehörigkeit o<strong>der</strong> Hierarchie bedarf.<br />
Strukturstückliste<br />
Bei <strong>der</strong> Strukturstückliste handelt es sich um eine Zusammenstellung sämtlicher<br />
Bauteile eines Produkts in strukturierter und hierarchischer Form. Es ist<br />
ersichtlich, in welcher Fertigungsstufe welche Einzelteile in welchen Mengen<br />
benötigt werden.<br />
Die Zahl,<br />
welche in <strong>der</strong><br />
Mitte<br />
<strong>der</strong> Pfeile zu<br />
sehen ist,<br />
ist <strong>der</strong> Bedarf<br />
für eine<br />
übergeordnet<br />
e Baugruppe.<br />
Für ein<br />
Erzeugnis A<br />
braucht<br />
es drei<br />
Baugruppen II.<br />
Für zwei<br />
Erzeugnisse A<br />
braucht es<br />
also sechs<br />
Baugruppen II<br />
usw.<br />
Alternativ kann eine Strukturstückliste auch tabellarisch geführt werden.<br />
Allerdings ist die Übersichtlichkeit eingeschränkt.<br />
1 2 3 Stückzahl Artikelnummer Bezeichnung<br />
X 1 A Erzeugnis<br />
X 3 II Baugruppe<br />
X 1 a Teil<br />
X 2 c Teil<br />
X 2 I Baugruppe<br />
542
X 3 a Teil<br />
X 1 b Teil<br />
Baukastenstückliste<br />
Die Baukastenstückliste wird durch die Zerlegung einer Strukturstückliste<br />
gewonnen und zeigt den Zusammenbau einer bestimmten gewünschten<br />
Baugruppe. Im untenstehenden Beispiel sieht man die Baugruppe I und II auf<br />
<strong>der</strong> Fertigungsstufe (FS) 1.<br />
Auch die Baukastenstückliste kann tabellarisch geführt werden.<br />
Pos. Stk. Nr. Bezeichnung Eigene<br />
SL<br />
Pos. Stk. Nr. Bezeichnung<br />
1 1 I Baugruppe X 1 3 a Teil<br />
Pos. Stk. Nr. Bezeichnung Eigene<br />
SL<br />
2 1 b Teil<br />
Pos. Stk. Nr. Bezeichnung<br />
1 1 II Baugruppe X 1 1 a Teil<br />
2 2 c Teil<br />
X 1 b<br />
543
Variantenstückliste<br />
Die Variantenstückliste wird überall dort angewendet, wo das<br />
Endprodukt/Erzeugnis Bestandteile hat, welche geringfügige Abweichungen<br />
haben können.<br />
Ein Beispiel<br />
Fahrrad:<br />
Auto:<br />
Spannung:<br />
Farbe<br />
Automat, handgeschaltet<br />
Nordamerika 120V/Schweiz 230V<br />
All diese Unterschiede machen Varianten aus.<br />
Beispiel einer Variantenstückliste<br />
Stücklisten werden in <strong>der</strong> Produktionsplanung, <strong>der</strong> Materialwirtschaft, <strong>der</strong><br />
Kapazitätsplanung, <strong>der</strong> Zeitwirtschaft, <strong>der</strong> Montage, im Einkauf, für<br />
Kalkulationsaufgaben und für vieles mehr verwendet. Darum spielt die Pflege<br />
zur Erhaltung <strong>der</strong> Stücklistenqualität eine grosse Rolle in einem<br />
Industrieunternehmen. Fehlerhafte Stücklisten stören den gesamten Prozess<br />
und verursachen nicht gewollte Kosten.<br />
Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />
Ausgangslage<br />
Qualitativ gute Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen sind für die EnterSite AG<br />
wichtige Faktoren, um im Wettbewerb mit an<strong>der</strong>en Anbietern zu bestehen.<br />
Somit ist eine systematische Qualitätssicherung ein wichtiger Faktor für den<br />
Erfolg des Unternehmens. Für die EnterSite AG ist es wichtig, ihre<br />
544
Kalkulationsaufgaben und für vieles mehr verwendet. Darum spielt die Pflege<br />
zur Erhaltung <strong>der</strong> Stücklistenqualität eine grosse Rolle in einem<br />
Industrieunternehmen. Fehlerhafte Stücklisten stören den gesamten Prozess<br />
und verursachen nicht gewollte Kosten.<br />
Modul 506_Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />
Ausgangslage<br />
Qualitativ gute Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen sind für die EnterSite AG<br />
wichtige Faktoren, um im Wettbewerb mit an<strong>der</strong>en Anbietern zu bestehen.<br />
Somit ist eine systematische Qualitätssicherung ein wichtiger Faktor für den<br />
Erfolg des Unternehmens. Für die EnterSite AG ist es wichtig, ihre<br />
Fertigungsketten zu reproduzieren und die Rückverfolgbarkeit zu<br />
gewährleisten. Um die Qualität ihrer Produkte zu sichern, setzt die EnterSite AG<br />
auch auf ihre Mitarbeiter, indem Sie diese aktiv in die Prozesse einbezieht und<br />
versucht, <strong>der</strong>en Fachwissen schriftlich für alle verfügbar zu machen.<br />
545
Fachartikel Modul 506<br />
6. Qualitätssicherung in <strong>der</strong> Produktion<br />
Wie bereits in Modul 501 ausgeführt, ist die Qualität in <strong>der</strong> Produktion eines<br />
<strong>der</strong> wichtigsten Ziele. Um die richtige Qualität zu erreichen, müssen einige<br />
Herausfor<strong>der</strong>ungen gemeistert werden. Zudem ist wichtig, die erreichte<br />
Qualität <strong>der</strong> Produktion zu halten und sie wenn möglich weiter zu verbessern.<br />
6.1 Qualitätsmanagement (QM) vs. Qualitätssicherung (QS)<br />
Wird in <strong>der</strong> Produktion von Qualität gesprochen, sind die Begriffe<br />
Qualitätsmanagement (QM) und Qualitätssicherung (QS) sehr präsent. Um<br />
diese Begriffe richtig anzuwenden, ist es wichtig, die Aufgabenbereiche<br />
abgrenzen zu können.<br />
6.1.1 Qualitätsmanagement (QM)<br />
Wenn ein Unternehmen Qualität als Zielsetzung definiert, bedeutet das, dass<br />
es eine gut strukturierte Produktion benötigt. Beim Qualitätsmanagement wird<br />
genau diese Struktur definiert. Es werden Fragen geklärt wie: Welche<br />
Fertigungsarten sind sinnvoll? Welche Organisationen sollen eingesetzt<br />
werden? Welcher Materialfluss ist geeignet? Die Arbeitsaufgaben werden<br />
erfasst und sind oft in einem Qualitätsmanagement-<strong>Handbuch</strong> festgehalten.<br />
Merke: Mit Qualitätsmanagement wird versucht, in allen Bereichen des<br />
Unternehmens die gewünschte Qualität zu erreichen. Es sind also nicht nur<br />
Produkte o<strong>der</strong> Dienstleistungen betroffen, son<strong>der</strong>n alle Prozesse im<br />
Unternehmen, welche die Kundenzufriedenheit beeinflussen.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Bei <strong>der</strong> Produktion des Artikels (Swiss EnterSite Cartridge_Artikelnr. GT10-<br />
TN221) wird im Qualitätsmanagement festgehalten, mit welchen Lieferanten,<br />
mit welchen Rohstoffen, in welcher Fertigungsart und Organisation und mit<br />
welcher Methode im Materialfluss gearbeitet wird. Jede Tätigkeit <strong>der</strong><br />
Mitarbeitenden wird schriftlich festgehalten. Diese Dokumentation leistet<br />
Unterstützung beim Erreichen <strong>der</strong> gewünschten Qualität: Sie dient dazu, den<br />
ganzen Herstellungsprozess abzubilden für alle Mitarbeitenden die Aufgaben<br />
zu definiert.<br />
546
6.1.2 Qualitätssicherung (QS)<br />
Wenn durch das Qualitätsmanagement die gewünschte Qualität erreicht<br />
worden ist, soll sie gesichert o<strong>der</strong> wenn möglich verbessert werden. Die<br />
Qualitätssicherung kommt im Anschluss zum Qualitätsmanagement (QM) zum<br />
Zuge und hat die Aufgabe, mögliche negative Einflüsse auf die Qualität des<br />
Endproduktes frühzeitig zu erkennen und beseitigen. Die Qualitätssicherung<br />
soll sicherstellen, dass die Vorgaben des QM eingehalten und korrekt<br />
umgesetzt werden. Im Gegensatz zur Qualitätskontrolle, welche sich auf die<br />
Qualität von einem Produkt konzentriert, werden bei <strong>der</strong> Qualitätssicherung<br />
alle Tätigkeiten und Abläufe (Prozesse) innerhalb des Unternehmens geprüft.<br />
Wird <strong>der</strong> gewünschte Qualitätsstandard nicht erreicht, werden die<br />
entsprechenden Dienstleistungen o<strong>der</strong> Produkte aus dem Sortiment gezogen<br />
o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Kreislauf wird so lange verbessert, bis das gewünschte Resultat<br />
(Qualität) erreicht ist.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Der Herstellungsprozess vom Produkt (SwissEnterSite Cartridge_Artikelnr. GT10-<br />
TN221) wurde im Qualitätsmanagement definiert und das Produkt danach<br />
produziert. Nach Abschluss <strong>der</strong> Produktion und dem Versand an den Kunden<br />
kann <strong>der</strong> Prozess evaluiert werden: Wurde die gewünschte Qualität und<br />
damit die Kundenzufriedenheit erreicht? Wurden die Produktionskosten<br />
gemäss QM eingehalten? Wenn die Fragen mit Ja beantwortet werden<br />
können, hat die EnterSite AG die Sicherheit, dass ihr QM inklusive <strong>der</strong><br />
Umsetzung das gewünschte Resultat erzielen kann. Wenn dem nicht so ist,<br />
geht <strong>der</strong> Prozess durch den Verbesserungskreislauf, um die entsprechenden<br />
Mängel zu beheben.<br />
6.2 QM- und QS-Methoden<br />
Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind im Produktionsprozess<br />
voneinan<strong>der</strong> abhängig, und <strong>der</strong> Übergang kann auch fliessend sein. Zur<br />
Erreichung, Sicherung o<strong>der</strong> Verbesserung <strong>der</strong> Qualität steht in <strong>der</strong> Produktion<br />
eine grosse Auswahl von verschiedenen Methoden zur Verfügung. Die<br />
Schwierigkeit besteht darin, die richtige Methode für die Produktion zu finden.<br />
Nachfolgend eine nicht abschliessende Auswahl von Methoden, welche in<br />
<strong>der</strong> Produktion zur Anwendung kommen:<br />
547
6.2.1 Kaizen<br />
In <strong>der</strong> heutigen Produktion hat die Methode Kaizen einen hohen Stellenwert<br />
erlangt. Der Begriff "Kaizen" steht für "Kai = Verän<strong>der</strong>ung und "zen" = zum<br />
Besseren". Er hat seinen Ursprung in <strong>der</strong> Automobilindustrie in Japan, wo die<br />
Methode bereits 1980 entwickelt wurde. Sie wurde aber erst viele Jahre später<br />
so richtig in <strong>der</strong> Produktion übernommen und bekannt. Die Methode zielt<br />
darauf hin, Unternehmen täglich durch viele kleine Schritte besser zu machen.<br />
Ein wichtiges Werkzeug, welches bei <strong>der</strong> Methode angewandt wird, ist unter<br />
dem Begriff PDCA-Zyklus bekannt.<br />
6.2.2 Der PDCA-Zyklus<br />
Der PDCA-Zyklus ist ein Modell zur Umsetzung von Verän<strong>der</strong>ung. Das Modell<br />
wurde vom amerikanischen Statistiker und Physiker Walter Shewart kreiert. Wie<br />
bereits erwähnt, wird das Modell heute aber in verschiedenen Methoden (z.<br />
B. Kaizen) integriert und weiterentwickelt. PDCA ist eine einfache, vierstufige<br />
Methode, mit <strong>der</strong> Teams wie<strong>der</strong>kehrende Fehler vermeiden und Prozesse<br />
verbessern können.<br />
PLAN = Planen<br />
Der PDCA-Zyklus beginnt mit PLAN (Planen). Jede Arbeit benötigt eine<br />
Planung. Die Umsetzung kann nur so gut sein, wie die Planung ist. Abhängig<br />
von <strong>der</strong> Grösse des Projektes kann das Planen sehr viel Zeit in Anspruch<br />
548
nehmen. Eine gute Planung erspart dem Unternehmen in den folgenden<br />
Schritten jedoch einige Probleme. Bevor die nächsten Schritte gemacht<br />
werden können, braucht es Antworten auf folgende Fragen:<br />
• Welches Kernproblem muss gelöst werden?<br />
• Welche Ressourcen werden benötigt?<br />
• Welche Ressourcen sind vorhanden?<br />
• Welche Lösung eignet sich am besten, um das Problem mit den verfügbaren<br />
Ressourcen zu beheben?<br />
• Unter welchen Bedingungen hat <strong>der</strong> Plan Erfolg?<br />
• Was sind die Ziele?<br />
Quelle: kanbanize.com<br />
Sind diese Fragen geklärt, kann die nächste Phase in Angriff genommen<br />
werden.<br />
DO = Umsetzen<br />
In dieser Phase des PDCA-Zyklus zeigt sich, ob die Planung aus <strong>der</strong> ersten<br />
Phase auch wirklich genügend ist. In <strong>der</strong> Praxis ist bekannt, dass jede Planung<br />
und Theorie in <strong>der</strong> Umsetzung noch holprig sein kann. Entsprechend muss<br />
einberechnet werden, dass noch unvorhergesehene Probleme auftreten<br />
können. Wichtig dabei ist, dass alle ihre Rollen und Verantwortungsbereiche<br />
kennen und wahrnehmen. Die Kommunikation hat auch in dieser Phase einen<br />
hohen Stellenwert.<br />
CHECK = Prüfen<br />
Man sagt, die Phase CHECK (Prüfen) sei die wichtigste des PDCA-Zyklus. Wenn<br />
man wie<strong>der</strong>kehrende Fehler vermeiden will und eine kontinuierliche<br />
Verbesserung anstrebt, muss man dieser Phase genügend Aufmerksamkeit<br />
widmen. Die Planung muss mit <strong>der</strong> Umsetzung kritisch überprüft werden: Was<br />
hat sich bewährt? Wo gibt es Potenzial und wo gibt es Probleme im Prozess?<br />
Diese Schwachpunkte müssen erkannt und diskutiert werden. Die Ursachen<br />
werden ausfindig gemacht, analysiert und verarbeitet.<br />
ACT = Handeln<br />
Nach viel Arbeit und Zeit kann die letzte Phase umgesetzt werden: ACT<br />
(Handeln). Der in den vorherigen Phasen entwickelte Plan, <strong>der</strong> umgesetzt und<br />
549
überprüft worden ist, muss nun ausgewertet werden. Wenn die gesetzten Ziele<br />
erreicht worden sind, kann <strong>der</strong> Prozess fortgesetzt werden. Die<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben aber auch in Zukunft den Auftrag,<br />
den Zyklus zu hinterfragen, denn die schnelllebende Fertigung kann rasch<br />
Än<strong>der</strong>ungen erfahren.<br />
Merke: Der PCDA-Zyklus wird angewendet, um eine stetige Verbesserung<br />
zu erreichen und kann sich positiv auf Produktivität und Effizienz auswirken.<br />
6.2.3 Kontinuierlicher Verbesserungsprozess<br />
Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) beschreibt die stetige<br />
Verbesserung <strong>der</strong> Produkt-, Prozess- und Servicequalität. Jede Abteilung o<strong>der</strong><br />
Team arbeitet dabei eigenständig laufend an Verbesserungen in den<br />
eigenen Verantwortungsbereichen. Dabei stehen viele kleine<br />
Verbesserungen im Fokus. Aus Unternehmerischer Sicht ist es wichtig, den<br />
kontinuierlichen Verbesserungsprozess in <strong>der</strong> Unternehmenskultur zu<br />
verankern.<br />
Was beinhaltet <strong>der</strong> Prozess?<br />
Der KVP umfasst sämtliche Massnahmen zu einer Verbesserung in den<br />
unterschiedlichen Bereichen. Die Mitarbeitenden sollen motiviert werden,<br />
Verbesserungsmassnahmen in ihren Bereichen ausfindig zu machen. Dabei ist<br />
es wichtig, viele kleine und schnell umzusetzende Massnahmen anzugehen,<br />
anstatt daraus grosse und langandauernde Projekte zu machen. Zur<br />
Vorgehensweise des KVP gehören:<br />
• Aussortieren<br />
• Vermeiden<br />
• Sauberkeit<br />
• Aufräumen<br />
• Ordnung<br />
• Einfachheit<br />
• Standardisierung<br />
550
Um möglichst schnell Abläufe zu verbessern und somit erste Erfolge zu<br />
erreichen, bedarf es bestimmter festgelegter Regeln, die dann auch<br />
eingehalten werden.<br />
Warum KVP?<br />
Ein Unternehmen möchte seine Kunden zufriedenstellen und seine<br />
Berechtigung am Markt festigen. Durch den KVP kann sich die Unternehmung<br />
den sich än<strong>der</strong>nden Verhältnissen im Markt kontinuierlich anpassen. Das<br />
Unternehmen entwickelt sich stetig weiter und kann sich optimal an die<br />
unterschiedlichen Kundenanfor<strong>der</strong>ungen anpassen.<br />
6.2.4 Einsatzgebiete<br />
In einem Unternehmen gibt es viele Prozesse o<strong>der</strong> Tätigkeiten, bei welchen<br />
<strong>der</strong> KVP zum Einsatz kommen kann. Die wichtigsten sind sicherlich in <strong>der</strong><br />
Administration und Produktion.<br />
Büro<br />
KVP beschäftigt sich mit Sauberkeit, Ordnung und Aufräumen. Ein sauberes,<br />
aufgeräumtes Büro soll bewirken, dass Mitarbeitende sich weniger mit Suchen<br />
beschäftigen müssen. Dies minimiert die Fehleranfälligkeit und beschleunigt<br />
die Abläufe.<br />
Fertigung und Logistik<br />
In <strong>der</strong> Fertigung und <strong>der</strong> Logistik geht es darum, die zurückzulegenden Wege<br />
<strong>der</strong> Mitarbeitenden zu verkürzen. Werkstücke und Werkzeuge sollen so<br />
bereitgestellt werden, dass direkter Zugriff besteht und somit den<br />
Mitarbeitenden die Bewegungsabläufe leicht fallen. Um Fehler zu vermeiden<br />
ist auch darauf zu achten, dass die notwendigen Informationen für die Arbeit<br />
perfekt aufeinan<strong>der</strong> abgestimmt werden.<br />
6.2.5 Auswirkungen von KVP<br />
• Durch den Einbezug und das Mitspracherecht <strong>der</strong> Mitarbeitenden kann ihr<br />
Leistungspotenzial aktiviert werden.<br />
• Die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wird gesteigert.<br />
• Arbeitsplätzen werden gesichert.<br />
551
Merke: Eine Weiterentwicklung <strong>der</strong> Unternehmenskultur und eine gute<br />
Unternehmensführung sind wesentliche Erfolgsfaktoren des KVP. Dies<br />
wie<strong>der</strong>um stärkt die Erfolgschancen <strong>der</strong> Unternehmung im sich ständig<br />
wandelnden Markt.<br />
6.2.6 Muda<br />
"Muda" ist das japanische Wort für "Verschwendung". Verschwendung wird<br />
von dem althochdeutschen Wort "firswenden" bzw. "firswenten" abgeleitet,<br />
was "verschwinden lassen" bedeutet. Unternehmen, die unnötige und nicht<br />
wertschöpfende Aktivitäten im Wertschöpfungsprozess akzeptieren, lassen<br />
also permanent Geld verschwinden. Oft werden Verschwendungen lei<strong>der</strong><br />
gar nicht mehr wahrgenommen.<br />
Verschwendungen identifizieren<br />
In einem Prozess gibt es dann Verschwendungen, wenn Tätigkeiten keinen<br />
eigentlichen wertschöpfenden Effekt haben. An<strong>der</strong>s ausgedrückt<br />
verschwendet man also wertvolle Arbeitszeit mit unnötigen Tätigkeiten. Durch<br />
solche Tätigkeiten in Produktionsprozessen steigen automatisch die<br />
Herstellkosten des Produkts. Dies hat zur Folge, dass die Kundinnen und<br />
Kunden am Ende <strong>der</strong> Herstellungskette mehr bezahlen müssen. Da Kundinnen<br />
und Kunden aber nicht immer bereit, sind mehr für ein Produkt zu bezahlen,<br />
fällt Verschwendung auf die Unternehmung zurück, indem die Marge<br />
reduziert wird.<br />
Ist-Analyse<br />
Um Verschwendungen ausfindig zu machen, bedarf es einer gründlichen<br />
Analyse. Sehr oft ist es hilfreich, dafür externe Personen beizuziehen; nicht, weil<br />
betriebsinterne Personen dies nicht könnten. Je länger man aber in einem<br />
Betrieb arbeitet, desto mehr besteht die Gefahr einer "Betriebsblindheit". Diese<br />
führt z. B. dazu, dass man gewisse Abläufe einfach hinnimmt, weil es schon<br />
immer so gemacht worden ist und keiner auf den Gedanken kommt, etwas<br />
daran zu än<strong>der</strong>n.<br />
552
Die 7 Verschwendungsarten:<br />
Bestände:<br />
Überproduktion:<br />
Transport:<br />
Wartezeiten:<br />
Ausschuss:<br />
Bewegung:<br />
Herstellungsprozess:<br />
Halbfabrikate stauen sich vor Fertigungsstellen vor <strong>der</strong><br />
Weiterverarbeitung, Lagerbestände, welche viel Platz<br />
benötigen und dadurch Kapital binden.<br />
Es wird zu viel produziert, z. B. weil die Planung nicht<br />
stimmt o<strong>der</strong> als übermässiger Puffer, um Fehler in den<br />
Prozessen aufzufangen.<br />
Lange, unüberlegte Transportwege, die keine<br />
Produktewertschöpfung bringen.<br />
Schlechte Kapazitätsplanung, "Zeitvertrödelung" durch<br />
Warten auf Material.<br />
Aufgrund mangeln<strong>der</strong> Qualität wird zu viel Ausschuss<br />
produziert, <strong>der</strong> ersetzt werden muss o<strong>der</strong><br />
Nacharbeitskosten nach sich zieht.<br />
Arbeitsplätze sind so ausgestattet, dass Werkzeuge<br />
umständlich aufgenommen werden müssen o<strong>der</strong><br />
Anlagen schwer zu bedienen sind. Es gibt grosse<br />
Entfernungen zwischen Montageplätzen.<br />
Komplexe Herstellungsprozesse und aufwändige<br />
Verfahren wie z. B. häufiges Rüsten, Mehrfachkontrollen<br />
usw.<br />
Bewerten<br />
Die Verschwendungsarten sind nun zu bewerten. Dabei ist es wichtig, dass die<br />
Bewertung auf einheitliche Berechnungsgrundlagen gestellt wird (z.B. Stück<br />
pro Tag). Mit <strong>der</strong> Pareto Analyse können nun die 20 Prozent <strong>der</strong><br />
Verschwendungsquellen identifiziert werden, welche für 80 Prozent <strong>der</strong><br />
vorhandenen Verschwendung verantwortlich sind. Diese 20 Prozent sind in<br />
einem nächsten Schritt als erste zu eliminieren.<br />
Gegenmassnahmen<br />
In dieser Phase geht es darum, geeignete Gegenmassnahmen zu den 7<br />
Verschwendungsarten aus <strong>der</strong> Ist-Analyse zur finden.<br />
553
Bewertung<br />
Die Lösungsansätze bzw. Massnahmen müssen nun in einem letzten Schritt<br />
noch priorisiert und bewertet werden, um eine entsprechende<br />
Umsetzungsplanung vorzunehmen. Folgende Aktivitäten helfen,<br />
Verbesserungen strukturiert umzusetzen:<br />
• Massnahmen nach Aufwand, Dauer und Effekt in kurzfristige, mittelfristige und<br />
langfristige Lösungen einteilen.<br />
• Für jede Massnahme müssen Verantwortliche und Zieltermine festgelegt<br />
werden.<br />
• Umgesetzte Massnahmen in regelmässigen Abständen kontrollieren.<br />
Merke: Wie bei jedem Change-Prozess (Verän<strong>der</strong>ungsprozess, ist es auch<br />
bei Muda sehr wichtig, die Mitarbeitenden in ihren jeweiligen zuständigen<br />
Arbeitsprozessen einzubeziehen.<br />
6.2.7 ISO 9001<br />
Eine weitere Methode in den Bereichen QM und QS, welche einen grossen<br />
Stellenwert in <strong>der</strong> Praxis hat, ist das Zertifizieren von einem Qualitätsstandard.<br />
Die Methode hat einen Vorteil gegenüber Kaizen o<strong>der</strong> dem PDCA-Zyklus: Am<br />
Ende erhält <strong>der</strong> Betrieb eine Zertifizierung und damit eine Bestätigung, dass<br />
QM und QS sichergestellt sind. Zuständig für die Zertifizierung ist die<br />
International Organization for Standardization (ISO). Die ISO hat verschiedene<br />
Zahlenreihenfolgen, welche einen bestimmten Bereich auszeichnen. In <strong>der</strong><br />
Logistik bekannt sind die Zertifizierungen:<br />
ISO 9001 = Qualitätsmanagementsysteme Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
ISO 14001 = Umweltmanagementsystem<br />
Beispiel einer Zertifizierung:<br />
Internationale Normen erleichtern <strong>der</strong> Wirtschaft den Austausch von Waren<br />
und Dienstleistungen, weil sie einheitliche Anfor<strong>der</strong>ungen für die Produkte<br />
<strong>der</strong> Marktteilnehmenden festlegen. Die wichtigste Anfor<strong>der</strong>ung zum<br />
Qualitätsmanagement und zur Qualitätssicherung trägt in <strong>der</strong> Schweiz die<br />
Bezeichnung SN EN ISO 9001:2015. Das bedeutet:<br />
554
SN = Schweizer Norm<br />
EN = Europäische Norm<br />
ISO = International Organization for Standardization<br />
9001 = Zahlenreihenfolge für die Anfor<strong>der</strong>ungen an<br />
Qualitätasmanagementsysteme<br />
2015 = Publikationsjahr dieser Version<br />
Ganz konkret wird in dieser Zertifizierung Folgendes festgelegt:<br />
• die Organisation des Qualitätsmanagementsystems<br />
• das Management des Personals und <strong>der</strong> Infrastruktur<br />
• die Produkterealisierung<br />
• die Messung, die Analyse und die Verbesserung<br />
Die Zertifizierung resp. die Vorgaben müssen für jedes Unternehmen individuell<br />
festgelegt und umgesetzt werden. Der Aufwand für eine solche Zertifizierung<br />
ist sehr hoch. Darum müssen die Vorteile, die ein Unternehmen daraus zieht,<br />
genug wichtig sein. Die Vorteile <strong>der</strong> Zertifizierung nach ISO9001 sind:<br />
• verbesserte Übereinstimmung von erbrachten Leistungen gegenüber <strong>der</strong><br />
Qualität vom Produkt<br />
• höhere Kundenzufriedenheit<br />
• verbesserte Kundenauffassung<br />
• verbesserte Leistungsfähigkeit und Arbeitsleistung<br />
• Kostenreduktion im Produktionsprozess<br />
• verbesserte Kommunikation (intern und extern)<br />
• höhere Arbeitsmoral und Zufriedenheit <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />
• Image<br />
Internes und externes Audit<br />
Bevor ein Unternehmen eine Zertifizierung erhält, überprüft ein Audit, ob<br />
dessen Prozesse die gefor<strong>der</strong>ten Standards erfüllen. In <strong>der</strong> Regel wird mit<br />
einem internen und einem externen Audit gearbeitet. Beim internen Audit<br />
analysieren ausgebildete Personen im Unternehmen die internen Prozesse<br />
555
und entwickeln diese gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiter. Zum Zweck<br />
<strong>der</strong> Zertifizierung wird zudem während einer bestimmten Zeitspanne ein<br />
externes Audit vorgenommen. Das externe Audit führt eine professionelle<br />
Person von ausserhalb <strong>der</strong> Unternehmung durch. Dabei werden die<br />
Mitarbeitenden zu verschiedenen Arbeitsprozessen befragt, die dann<br />
analysiert und gemeinsam weiterentwickelt werden.<br />
6.3 Ressourcen und Energieeffizienz<br />
In <strong>der</strong> Produktion sind wir auf die begrenzten Ressourcen des Planeten Erde<br />
angewiesen. Durch die Steigerung von Energie- und Recyclingprozessen<br />
können auch wir einen kleinen Beitrag leisten, um die globalen<br />
Herausfor<strong>der</strong>ungen zu bewältigen.<br />
6.3.1 Die Kreislaufwirtschaft<br />
Mit unserer vernetzten und komplexen Lebensweise stehen wir vor einem<br />
grundlegenden Problem. Da <strong>der</strong> Vorrat an Ressourcen auf <strong>der</strong> Erde für unsere<br />
Lebensgewohnheiten in Zukunft immer knapper werden wird, sind wir auf<br />
Alternativen angewiesen. Ein Beispiel ist die Nutzung elektronischer Geräte.<br />
Diese verursachen einen enormen Verbrauch an seltenen Metallen, welche<br />
auf dem Planeten Erde für unsere zukünftigen Generationen nicht unendlich<br />
vorhanden sein werden. Dazu kommt, dass unsere Umwelt unter den<br />
Emissionen leidet, die für die Herstellung und Verwendung solcher Produkte<br />
ausgestossen werden. Solche Beispiele zeigen auf, dass wir in Zukunft unsere<br />
Recyclingkonzepte und auch Materialströme überdenken müssen.<br />
Eine sogenannte Kreislaufwirtschaft sorgt für eine wesentliche Maximierung<br />
<strong>der</strong> Ressourceneffizienz. Unternehmen, die Technologien für<br />
ressourceneffiziente Prozesse und die nachhaltige Produktion unterstützen,<br />
werden in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil haben.<br />
"Urban Mining"<br />
Die Unternehmung Bosch arbeitet z. B. seit geraumer Zeit "an Technologien für<br />
ressourceneffiziente Prozesse, um die nachhaltige Produktion zu unterstützen<br />
und Innovationen schnell auf den Markt zu bringen". "Urban Mining" ist ein<br />
Begriff, <strong>der</strong> in Zusammenhang mit Ressourceneffizienz immer mehr an<br />
Bedeutung gewinnt. Damit gemeint ist die Gewinnung von Rohstoffen in<br />
städtischen Umgebungen. Hierzu werden Geräte, die entsorgt und nicht mehr<br />
556
enötigt werden, in Einzelteile zerlegt, um seltene Metalle o<strong>der</strong> auch<br />
Kunststoffe rückzugewinnen.<br />
Steigerung <strong>der</strong> Ressourcen- und Energieeffizienz<br />
Auf <strong>der</strong> Suche nach Möglichkeiten, um <strong>der</strong> Ressourcen- und<br />
Energieknappheit entgegenzuwirken, stellt die Kreislaufwirtschaft eine<br />
potenzielle Lösung dar. Bei <strong>der</strong> Kreislaufwirtschaft wird versucht, Ressourcen<br />
wie<strong>der</strong> in das System einzuschleusen. Zudem sollen möglichst viel Abfall,<br />
Emissionen und Energieverlust durch Verengung und Verlangsamung <strong>der</strong><br />
Energie- und Materialkreisläufe vermieden werden.<br />
Im Idealfall gibt es keinen Abfall mehr, da die Stoffe wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Wirtschaft<br />
zugeführt werden können, wo sie in an<strong>der</strong>e Produkte, Materialien o<strong>der</strong><br />
Komponenten umgewandelt werden. Hierzu bedarf es jedoch auch <strong>der</strong><br />
Anstrengungen <strong>der</strong> Politik, indem für alle einheitliche und verbindliche<br />
Bestimmungen vorgegeben werden.<br />
Merke: Abfallvermeidung, Recycling und längere Lebenszyklen <strong>der</strong><br />
Produkte durch Wie<strong>der</strong>verwendung o<strong>der</strong> Umbau in an<strong>der</strong>e Produkte sind<br />
Möglichkeiten für einen schonenden Umgang <strong>der</strong> Ressourcen und die<br />
Verbesserung <strong>der</strong> Energieeffizienz.<br />
6.4 Rückverfolgbarkeit<br />
Rückverfolgbarkeit ist die Fähigkeit, alle Prozesse in Zusammenhang mit einem<br />
Produkt verfolgen zu können: von <strong>der</strong> Rohstoffbeschaffung über die<br />
Produktion bis zum Endverbraucher und <strong>der</strong> Entsorgung. Alle bereits<br />
behandelten Qualitätsmanagement- und Qualitätssicherungs-Methoden<br />
beinhalten die Thematik <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit. Die Rückverfolgbarkeit hat in<br />
den letzten Jahren aufgrund <strong>der</strong> Qualitäts- und Sicherheitsansprüche enorm<br />
an Bedeutung gewonnen. In verschiedensten Bereichen wie <strong>der</strong><br />
Automobilindustrie, Elektronik, Lebensmittel und Pharmazeutik ist die<br />
Rückverfolgbarkeit nicht mehr wegzudenken. Entsprechend wird sie in einigen<br />
Methoden gefor<strong>der</strong>t (z. B. ISO9001).<br />
Zur Sicherstellung <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit müssen Informationen wie die<br />
Namen <strong>der</strong> Hersteller, Lieferanten und Zwischenhändlern dokumentiert<br />
werden. So können Informationen über alle einzelnen Prozessschritte<br />
nachverfolgt werden: von <strong>der</strong> Beschaffung von Rohstoffen o<strong>der</strong><br />
Halbfabrikate bis hin zu <strong>der</strong>en maschinellen Bearbeitung, Montage, Vertrieb<br />
und Verkauf. Die gesamte Produkthistorie bleibt so nachverfolgbar.<br />
557
6.4.1 Warum ist die Rückverfolgbarkeit so wichtig?<br />
Sollte ein Problem in <strong>der</strong> Produktqualität erkannt werden, muss <strong>der</strong> Hersteller<br />
sofort reagieren können und wirksame Massnahmen zur Behebung des<br />
Problems ergreifen. Ein Produkt wird oft aus mehreren hun<strong>der</strong>t o<strong>der</strong> sogar<br />
tausend Bestandteilen gefertigt. Die Dokumentation von jedem einzelnen<br />
dieser Bestandteile ist eine grosse Herausfor<strong>der</strong>ung und mit viel Aufwand<br />
verbunden. Sollte aber bei einem Produkt ein Problem auftreten, muss erkannt<br />
werden können, welcher Bestandteil die Ursache ist, welcher Lieferant diesen<br />
Bestandteil geliefert hat und in welchen weiteren Produkten <strong>der</strong> Bestandteil<br />
verbaut worden ist.<br />
Merke: Mit <strong>der</strong> Rückverfolgbarkeit wird die Qualität des Produkts gesichert und<br />
die Sicherheit des Produkts gewährleistet.<br />
Beispiel 1: Rückverfolgbarkeit zum Erreichen o<strong>der</strong> Sichern von Qualität<br />
In <strong>der</strong> Automobilindustrie wird heutzutage ein Reifendruckmesser<br />
standardmässig in die neuen Autos eingebaut. Der Reifendruckmesser soll<br />
erkennen, wenn <strong>der</strong> Reifendruck zu niedrig ist und diese Information auf dem<br />
558
Display des Autos anzeigen. Aufgrund <strong>der</strong> Globalisierung steigt <strong>der</strong><br />
Preisdruck auf die technischen Bestandteile des Reifendruckmessers.<br />
Deshalb ergreifen Produzenten Massnahmen, um diese noch günstiger zu<br />
produzieren. Wenn ein Unternehmen eine solche günstige Serie mit<br />
schlechter Qualität einkauft und verbaut, erhalten die Autobesitzerinnen und<br />
Autobesitzer ständig den Hinweis, dass <strong>der</strong> Reifendruck zu niedrig ist. Nach<br />
mehrmaligem Aufsuchen <strong>der</strong> Garage müssen sie den Sensor wechseln<br />
lassen. Der Preis des damit verbundenen Aufwands und des Imageverlusts für<br />
das Unternehmen ist höher als die Ersparnis durch den günstigen<br />
Einkaufspreis.<br />
Fazit: Das Unternehmen hat für einen günstigen Einkaufspreis einen<br />
Qualitätsverlust in Kauf genommen, die Kundinnen und Kunden verärgert<br />
und einen Mehraufwand für sich selbst und die Kundschaft verursacht.<br />
Wichtig ist nun, zu erkennen, welcher Zulieferer und welche Serie betroffen<br />
sind. Zukünftig wird dieser Zulieferer womöglich nicht mehr berücksichtigt.<br />
Beispiel 2: Rückverfolgbarkeit in Bezug auf Sicherheit<br />
Die Rückverfolgbarkeit dient auch dazu, die Sicherheit eines Produkts<br />
gewährleisten zu können. Denn nicht nur die Reifendruckmesser, son<strong>der</strong>n<br />
auch die Bremsbeläge sind dem Preisdruck infolge <strong>der</strong> Globalisierung<br />
ausgesetzt. Bremsbeläge (auch Bremssteine genannt) werden an eine<br />
559
Trommel o<strong>der</strong> Bremsscheibe gedrückt, und <strong>der</strong> entstehende Druck<br />
verursacht das Abbremsen des Fahrzeuges. Wird eine qualitativ mangelhafte<br />
Serie von Bremsbelägen eingekauft, die bei zu hoher Belastung wegbrechen<br />
können, ist die Sicherheit <strong>der</strong> Fahrerin o<strong>der</strong> des Fahrers gefährdet. Wenn sich<br />
ein solcher Mangel zeigt, muss rasch gehandelt werden können. Dank <strong>der</strong><br />
Rückverfolgbarkeit kann <strong>der</strong> Produzent erkennen, bei welchem Zulieferer die<br />
Serie eingekauft worden ist und in welchen Fahrzeugen die Bremsbeläge<br />
verbaut worden sind. Somit können die Fahrzeughalterinnen und<br />
Fahrzeughalter ausfindig gemacht und aufgefor<strong>der</strong>t werden, die<br />
Bremsbeläge sofort in <strong>der</strong> nächsten Garage austauschen zu lassen.<br />
6.5 Verfahrensanweisungen (VA)<br />
Die Verfahrensanweisungen (VA) geben vor, wann, in welcher Situation,<br />
durch wen und in welcher Art und Weise vorzugehen ist. Die<br />
Verfahrensanweisung ist ein Instrument zur Qualitätssicherung und<br />
Qualitätsverbesserung, welches in verschiedensten Methoden in <strong>der</strong><br />
Produktion eingesetzt wird. Entscheidend ist dabei, dass die Anleitungen im<br />
Unternehmen ernst genommen und im Arbeitsalltag auch wirklich<br />
angewendet werden. Die Verfahrensanweisung wird schematisch dargestellt<br />
und mit den zuständigen Personen o<strong>der</strong> Abteilungen sowie den Hilfsmitteln,<br />
die zur Verfügung stehen ergänzt.<br />
560
Die in <strong>der</strong> Grafik aufgezeigte Verfahrensanweisung wird bei einer Zertifizierung<br />
nach ISO9001 bei allen Tätigkeiten im Unternehmen vorausgesetzt und in<br />
einem Audit geprüft.<br />
6.6 Weitere bekannte Methoden in <strong>der</strong> Qualitätssicherung<br />
Es gibt weitere bekannte Methoden o<strong>der</strong> Instrumente, die zur Erreichung und<br />
Sicherung von Qualität eingesetzt werden. Da weltweit produziert wird, wird<br />
viel Zeit darauf verwendet, nach neuen Methoden zu suchen o<strong>der</strong><br />
bestehende Methoden weiterzuentwickeln.<br />
561
562
Logistiker/In EFZ<br />
600_Support and Distribution<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
563
Modul 601_Kommissionieren<br />
Ausgangslage<br />
Für Logistiker ist das Kommissionieren eine <strong>der</strong> Haupttätigkeiten.<br />
Kommissionieren ist oft noch mit viel Handarbeit verbunden. Da die Güter oft<br />
sehr unterschiedliche Kriterien <strong>der</strong> Handhabung (Volumen, Abmessung,<br />
Dichte, Wert, Stapelbarkeit, Aggregatzustand) besitzen, ist eine<br />
Vollautomatisierung oft nicht möglich. Zum Teil wird mit Kommissionierrobotern<br />
o<strong>der</strong> mit Sortern gearbeitet. Jedoch wird <strong>der</strong> Mensch immer mehr mit<br />
mo<strong>der</strong>nen Kommissioniertechniken (Pick by Voice, Pick by Light, Pick by Scan<br />
etc.) unterstützt, um so das Kommissionieren effizienter zu gestalten.<br />
564
Fachartikel Modul 601<br />
1. Kommissionieren<br />
Kommissionieren ist das Zusammenstellen von Artikeln aus einem Sortiment<br />
(Lager) aufgrund von Kundenaufträgen. Kommissionieren wird<br />
umgangssprachlich auch "rüsten" genannt. Die englische Bezeichnung ist "to<br />
pick".<br />
1.1 Kommissionierstrategien und Kommissionierbegriffe<br />
1.1.1 Art <strong>der</strong> Bereitstellung<br />
Statische Bereitstellung (Mensch zur Ware)<br />
Die Ware lagert unbeweglich, also statisch im Regal. Der Kommissionierer<br />
bewegt sich zu Fuss o<strong>der</strong> mit einem Kommissionierfahrzeug zur Ware hin und<br />
entnimmt die benötigten Artikel. Deshalb wird diese Art auch als "Mensch-zur-<br />
Ware-Kommissionierung" (MzW) bezeichnet.<br />
Dynamische Bereitstellung (Ware zum Menschen)<br />
Die Ware lagert in einem Lagersystem, das die Ware auf Anfor<strong>der</strong>ung selbst<br />
aus dem Regal holt und an einen Kommissionierplatz beför<strong>der</strong>t (dynamisch).<br />
Die Person, welche die Ware bestellt hat, entnimmt dort die benötigten<br />
Artikel. Das System lagert die restliche Ware wie<strong>der</strong> am richtigen Ort ein. Diese<br />
Art wird auch als "Ware-zum-Menschen-Kommissionierung" (WzM) bezeichnet.<br />
?? Merke: Automatisierte Lager haben oft eine dynamische Bereitstellung.<br />
Solche Lager haben zwar hohe Investitionskosten, aber durch die<br />
Automatisierung lassen sich die Personalkosten reduzieren.<br />
1.1.2 Art <strong>der</strong> Fortbewegung<br />
Eindimensional<br />
Die Bewegung für das Kommissionieren <strong>der</strong> Ware erfolgt nur in horizontaler<br />
(o<strong>der</strong> nur in vertikaler) Richtung. Die Ladungsträger mit den zu<br />
kommissionierenden Gütern lagern auf Bodenplätzen o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> ersten<br />
Regalebene. In <strong>der</strong> Regel werden Horizontal-Kommissionierer o<strong>der</strong><br />
Handwagen eingesetzt.<br />
Die Fortbewegung ist schneller als bei <strong>der</strong> mehrdimensionalen<br />
Kommissionierung, doch es braucht pro Artikel einen Bodenplatz. Ausserdem<br />
565
aucht es eine zusätzliche Umlagerung (Nachschub), sobald <strong>der</strong><br />
Kommissionierplatz aufgebraucht ist.<br />
Mehrdimensional (zweidimensional)<br />
Bei <strong>der</strong> zweidimensionalen Kommissionierung bewegt sich <strong>der</strong> Kommissionierer<br />
nicht nur horizontal, son<strong>der</strong>n auch vertikal, um in den verschiedenen<br />
Bereitstellungsebenen Zugriff auf die Ware zu erhalten. Es können Vertikal-<br />
Kommissionierer eingesetzt werden. Diese Fortbewegungsart gibt es auch in<br />
halbautomatischen Lagern mit Regalbediengeräten.<br />
?? Merke: Wenn in <strong>der</strong> Höhe kommissioniert wird, spricht man von einer<br />
zweidimensionalen Kommissionierung. Durch die zweidimensionale<br />
Kommissionierung erhöhen sich zwar die Zugriffzeiten, dafür braucht es aber<br />
keine Umlagerung aus den Reserveplätzen.<br />
1.1.3 Entnahme <strong>der</strong> Ware<br />
Manuell<br />
Die Artikel werden von den Kommissionierern entnommen und in den Kommissionierbehälter<br />
gelegt. Selbst bei vielen automatischen Lagern müssen die<br />
Güter auch weiterhin "manuell" entnommen werden.<br />
Automatisch<br />
Die Artikel gelangen automatisch in den Kommissionierbehälter,<br />
beispielsweise beim Einsatz von Sortern o<strong>der</strong> Kommissionierrobotern.<br />
?? Merke: Eine automatische Entnahme <strong>der</strong> Ware kommt höchst selten vor.<br />
1.1.4 Abgabe <strong>der</strong> Ware<br />
Zentral<br />
Die kommissionierten Güter werden an einem zentralen Ort (Warenausgang)<br />
zur Verpackung und Bereitstellung übergeben.<br />
566
Dezentral<br />
Wenn das Kommissioniergut nach <strong>der</strong> Kommissionierung am Ende des<br />
Ganges an eine För<strong>der</strong>einrichtung abgegeben wird, ist die Abgabe<br />
dezentral. Die dezentral abgegebenen Einheiten werden an einen zentralen<br />
Ort transportiert, wo sie zu Versandeinheiten zusammengestellt werden. Ein<br />
wesentlicher Vorteil <strong>der</strong> dezentralen Abgabe ist die Wegeinsparung. Die<br />
vollen Kommissionierbehälter werden von verschiedenen Orten <strong>der</strong><br />
Sammelstelle zugeführt. Die dezentrale Abgabe ist üblich bei<br />
Parallelkommissionierung mit Regalför<strong>der</strong>zeugen in Hochregallagern.<br />
1.1.5 Einzonige o<strong>der</strong> mehrzonige Güterbereitstellung<br />
Einzonig<br />
Wenn die Kommissionierung in einer einzigen Zone resp. in einem einzigen<br />
Kommissionierbereich abgewickelt wird, spricht man von einzoniger<br />
Kommissionierung.<br />
Mehrzonig<br />
Die Abwicklung <strong>der</strong> Kommissionierung erfolgt in mehreren Zonen. Das<br />
Kommissioniergut wird in verschiedenen Bereichen gesammelt.<br />
1.1.6 Entnahme für einen o<strong>der</strong> mehrere Aufträge<br />
Einstufige Entnahme für einen Auftrag (auftragsorientiert)<br />
Bei <strong>der</strong> einstufigen Kommissionierung werden Waren für denselben Auftrag<br />
kommissioniert (auftragsorientiert). Allenfalls müssen aber teilkommissionierte<br />
Waren aus verschiedenen Zonen zu einer Versandeinheit zusammengestellt<br />
werden.<br />
Zweistufige Entnahme für mehrere Aufträge (artikelorientiert)<br />
Bei <strong>der</strong> zweistufigen Kommissionierung werden Waren gleichzeitig für<br />
verschiedene Aufträge kommissioniert (artikelorientiert). Die kommissionierten<br />
Güter müssen anschliessend in einem zweiten Schritt wie<strong>der</strong> auf die<br />
verschiedenen Kundenaufträge aufgeteilt werden. Die zweistufige Entnahme<br />
macht Sinn, wenn es lange Kommissionierwege gibt.<br />
567
1.1.7 Serieller o<strong>der</strong> paralleler Auftragsdurchlauf<br />
Seriell<br />
Bei <strong>der</strong> seriellen (hintereinan<strong>der</strong>geschalteten) Kommissionierung werden die<br />
Aufträge o<strong>der</strong> Teilaufträge in den verschiedenen Kommissionierzonen<br />
nacheinan<strong>der</strong> abgearbeitet. Sie kann einzonig o<strong>der</strong> mehrzonig ausgeführt<br />
werden. Bei grösseren Aufträgen mit vielen Positionen werden die<br />
Auftragsdurchlaufzeiten bei <strong>der</strong> seriellen Kommissionierung sehr lang.<br />
Parallel<br />
Bei <strong>der</strong> parallelen Kommissionierung werden die Aufträge in mehrere<br />
Teilaufträge aufgeteilt und in den verschiedenen Kommissionierzonen<br />
nebeneinan<strong>der</strong> (gleichzeitig) bearbeitet. Für grössere Aufträge mit vielen<br />
Positionen können die Auftragsdurchlaufzeiten durch paralleles<br />
Kommissionieren minimiert werden.<br />
Stichgangkommissionierung<br />
Um die Wegzeit in <strong>der</strong> seriellen Kommissionierung zu verbessern und den<br />
Auftrag trotzdem nicht in verschiedene Kommissionierzonen aufteilen zu<br />
müssen (parallelle Kommissionierung), besteht die Möglichkeit einer<br />
568
Stichgangkommissionierung. Müssen alle Lagerplätze "angefahren" werden,<br />
hat die serielle Kommissionierung lange Kommissionierwege zur Folge. Als<br />
Alternative bietet sich die Stichgangkommissionierung an. Der Zugang zu den<br />
Gängen erfolgt nur von einer Seite. Voraussetzung für eine erfolgreiche<br />
Optimierung mittels Stichgangstrategie ist eine ABC-Analyse ( Modul 408)<br />
nach Bestellhäufigkeit. Die Artikel werden so gelagert, dass alle A-Artikel<br />
(Schnelldreher) auf möglichst kurzem Weg erreichbar sind.<br />
1.1.8 Aufbereiten<br />
Batch (Stapelverarbeitung)<br />
Die Auftragsinformationen werden für eine Kommissionierungsperiode<br />
gesammelt und stapelweise abgearbeitet. Die Batch-Aufbereitung ist üblich<br />
bei Kommissionieranlagen ohne hohe Anfor<strong>der</strong>ungen an den Datenfluss (z. B.:<br />
Kommissionieren mit Papier). Bei <strong>der</strong> Batch-Aufbereitung sind die Daten nie<br />
ganz aktuell. Für genaue Bestandesaufnahmen braucht es einen Unterbruch<br />
in <strong>der</strong> Verarbeitung <strong>der</strong> Aufträge, ansonsten kann es zu falschen<br />
Lagerdifferenzen führen.<br />
Real-Time (Echtzeit)<br />
Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniersysteme arbeiten in <strong>der</strong> Regel in Echtzeit, also in "Real<br />
Time". Die eingehenden Daten werden direkt an den Computer <strong>der</strong><br />
Kommissionierer übermittelt. So können Bestellungen bis unmittelbar vor dem<br />
Zugriff übermittelt und verän<strong>der</strong>t werden. Ebenfalls laufend aktualisiert<br />
569
werden die Bestände im Kommissionierlager. Der Nachschub für die<br />
Kommissionierplätze wird dadurch automatisch ausgelöst.<br />
?? Merke: Real-Time verkürzt die Auftragsdurchlaufzeiten und erhöht die<br />
Warenverfügbarkeit. Bestandesaufnahmen können je<strong>der</strong>zeit vollzogen werden.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />
Art <strong>der</strong> Bereitstellung<br />
In <strong>der</strong> EnterSite wird statisch kommissioniert. Der Kommissionierer bewegt sich<br />
auf die Ware zu und holt die Ware ab. Die Ware liegt statisch im Regal.<br />
Fortbewegung<br />
Die Fortbewegung findet zweidimensional mit einem Vertikalkommissionierer<br />
statt. Dadurch entfallen Nachschubaufträge. Hingegen braucht die<br />
Fortbewegung beim Kommissionieren mehr Zeit.<br />
Entnahme <strong>der</strong> Ware<br />
Die Entnahme <strong>der</strong> Ware ist manuell. Der Mensch entnimmt die richtige<br />
Anzahl aus dem Behälter.<br />
Abgabe <strong>der</strong> Ware<br />
Die Abgabe <strong>der</strong> Ware ist zentral im Warenausgang. Dies bedeutet, <strong>der</strong><br />
Kommissionierer muss mit seiner Ware selbst dorthin fahren und diese<br />
verpacken. Dadurch hat er längere Kommissionierwege.<br />
Einzonige o<strong>der</strong> mehrzonige Güterbereitstellung<br />
In <strong>der</strong> EnterSite AG gibt es drei Lagerzonen: eine für Toner, eine weitere für<br />
die Hardware und eine dritte im Keller für sogenannte C<strong>–</strong>Produkte.<br />
Einstufige o<strong>der</strong> mehrstufige Kommissionierung<br />
Grundsätzlich wird in <strong>der</strong> EnterSite AG einstufig (auftragsorientiert)<br />
kommissioniert, sprich ein Auftrag wird von Anfang bis Ende abgearbeitet.<br />
Die Produkte im Keller werden jedoch zweistufig (artikelorientiert)<br />
kommissioniert. Somit muss nur eine Person alle Artikel für den jeweiligen Tag<br />
im Keller holen und verteilt diese anschliessend auf die verschiedenen<br />
Aufträge. Dies erspart viel Zeit, weil nicht je<strong>der</strong> selbst in den Keller gehen<br />
muss.<br />
Serielle o<strong>der</strong> parallele Auftragsweise<br />
570
Die Aufträge werden von einer Person alleine seriell (nacheinan<strong>der</strong>)<br />
abgearbeitet.<br />
Aufbereiten<br />
In <strong>der</strong> EnterSite AG wird mit Scannern gearbeitet. Da diese MDE-Geräte<br />
(mobile Datenerfassungsgeräte) via WLAN mit dem Computer/Server<br />
verbunden sind, werden die Bestände in Real Time, also in Echtzeit,<br />
abgebucht. Eine Bestandesaufnahme kann je<strong>der</strong>zeit durchgeführt werden.<br />
1.2 Kommissioniertechniken<br />
Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniertechniken sind EDV-unterstützt und beleglos. Das Ziel<br />
ist eine schnellere Datenübermittlung, eine kürzere Reaktionszeit und die<br />
Minimierung <strong>der</strong> Fehlerquote. Neue Techniken basieren auf mobiler<br />
Datenerfassung (MDE).<br />
Pick-<br />
by-<br />
Scan<br />
Pick-by-Scan ist die weitverbreitetste papierlose<br />
Kommissionierung. Dabei hat <strong>der</strong> Kommissionierer<br />
einen Scanner dabei, welcher die entsprechenden<br />
Auftragsinformationen anzeigt. In den meisten<br />
Fällen hat <strong>der</strong> Kommissionierer dadurch die Hände<br />
nicht frei.<br />
Pick-<br />
by-<br />
Voice<br />
Pick-by-Voice steht für sprachgesteuerte<br />
Kommissionierung. Die Steuerung des<br />
Kommissioniervorgangs und <strong>der</strong> Dialog mit dem<br />
Lagerverwaltungssystem erfolgt mittels Mikrofon und<br />
Kopfhörer (Headset). Weil Tasteneingaben nicht<br />
mehr nötig sind, verfügt <strong>der</strong> Kommissionierer über<br />
höhere Bewegungsfreiheit. Der<br />
Kommissioniervorgang wird dadurch beschleunigt<br />
und qualitativ verbessert.<br />
Pickby-Light<br />
Auch die Pick-by-Light-Kommissionierung ist<br />
beleglos. Leuchtdioden (LED) zeigen, an welchen<br />
Kommissionierplätzen wie viele Artikel entnommen<br />
werden müssen. Nach <strong>der</strong> Entnahme wird <strong>der</strong><br />
Kommissioniervorgang durch Drücken einer Taste<br />
571
estätigt. In einem Bereich kann jedoch nur ein<br />
Auftrag gleichzeitig angezeigt werden, dadurch<br />
müssen die Kommissionierbereiche eingezont<br />
werden.<br />
Pick-<br />
by-<br />
Vision<br />
Pick-by-Vision ist ein neuartiges Verfahren mit einer<br />
Datenbrille als Anzeigegerät. Der Anwen<strong>der</strong>, die<br />
Anwen<strong>der</strong>in hat im Display alle wichtigen<br />
Informationen, wie beispielsweise Lagerplatz,<br />
Menge o<strong>der</strong> Materialnummer, stets im Blick. Der<br />
Lagerarbeiter, die Lagerarbeiterin wird visuell durch<br />
das Lager geführt und hat beide Hände frei. Das<br />
minimiert Fehler und erleichtert den Mitarbeitenden<br />
die Arbeit wesentlich. Alle Informationen kommen<br />
direkt aus dem Lagerverwaltungssystem. Nach <strong>der</strong><br />
Warenentnahme verbucht das System in Echtzeit.<br />
So bleiben alle Lagerbestände aktualisiert.<br />
?? Merke: Mo<strong>der</strong>ne Kommissioniertechniken helfen bei <strong>der</strong> täglichen Arbeit. Sie<br />
haben jedoch hohe Investitionskosten zur Folge.<br />
1.3 Pick-Pack-Verfahren<br />
Die Kommissionierung und die Vorverpackung erfolgen in einem Arbeitsgang.<br />
Der entnommene Artikel wird unmittelbar nach <strong>der</strong> Entnahme durch den<br />
Kommissionierer in eine versandfertige Verpackung gelegt, die nur noch<br />
verschlossen werden muss. Eine eigentliche Verpackungsstelle entfällt. Die<br />
abschliessende Identifikations- und Mengenkontrolle wird entwe<strong>der</strong> durch<br />
den Kommissionierer selbst o<strong>der</strong> eine Kontrollperson durchgeführt. Dieses<br />
Verfahren ist nur möglich, wenn:<br />
• die Produkte bereits versandfertig vorverpackt sind.<br />
• die Packmittel weitgehend genormt sind.<br />
• keine aufwändigen Packarbeiten notwendig sind (z. B. durch vorgeschäumte<br />
Innenverpackungen).<br />
572
Modul 602_Versandbereite Pakete erstellen<br />
Ausgangslage<br />
Wir verpacken Güter, aber warum eigentlich?<br />
Die Verpackung dient einerseits dem Schutz <strong>der</strong> Güter, an<strong>der</strong>erseits<br />
übernimmt sie aber auch logistische und Informationsaufgaben. Diese<br />
Informationen tragen dazu bei, dass die Güter zur richtigen Zeit am richtigen<br />
Ort sind. Verpackungen unterliegen einem stetigen Wandel. Dabei gewinnt<br />
die Nachhaltigkeit mehr und mehr an Bedeutung.<br />
573
Fachartikel Modul 602<br />
2. Versandbereite Pakete erstellen<br />
2.1 Verpacken, aber warum?<br />
Schutzaufgabe<br />
Die Verpackung schützt die Ware vor äusseren Einflüssen wie Nässe, Licht,<br />
Kälte, Wärme, Fall, Stoss, Verkratzen, Verschmutzung, Korrosion, Diebstahl o<strong>der</strong><br />
Mikroorganismen (Bakterien, Schimmel, Pilze). Umgekehrt wird durch die<br />
Verpackung die Umwelt vor dem Inhalt geschützt (z. B. im Fall von<br />
Gefahrengut, welches in die Natur auslaufen könnte).<br />
Logistische Aufgabe<br />
Neben <strong>der</strong> Schutzaufgabe hat die Verpackung auch eine logistische<br />
Aufgabe. Mit <strong>der</strong> Verpackung kann eine bestimmte Anzahl loser<br />
Gegenstände für die Lagerung und den Transport zusammengefasst werden.<br />
Unter Umständen ist eine Stapelung bestimmter Gegenstände nur mit Hilfe <strong>der</strong><br />
Verpackung möglich (z. B. Getränkeharassen). Durch die verbesserte<br />
Stapelbarkeit wird eine bessere Ausnützung des Lager- und La<strong>der</strong>aums<br />
ermöglicht. Ausserdem wird dadurch das Be- und Entladen von Transportfahrzeugen<br />
beschleunigt. Auch <strong>der</strong> Transport mit Stetigför<strong>der</strong>ern erfor<strong>der</strong>t<br />
normierte Verpackungen.<br />
Informationsaufgabe<br />
Die Verpackung kann ebenfalls die Aufgabe haben, Informationen zu<br />
übermitteln. Die Verpackung kann zum Beispiel als Preis-, Versandetikette<br />
o<strong>der</strong> auch als Werbung genutzt werden. Vor allem die<br />
Verkaufsverpackungen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Die<br />
Verkaufsför<strong>der</strong>ung über die Verpackung ist zu einem wichtigen<br />
Marketinginstrument geworden.<br />
?? Merke: Güter werden heute nicht mehr nur verpackt, um sie zu schützen.<br />
Logistikerinnen und Logistiker könnten nicht mehr ohne gute Verpackungen<br />
auskommen!<br />
574
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Nr. Beschreibung Basiseinheitencode Einkaufspreis<br />
CHF<br />
2580913 ACER Predator X35 35 Zoll 2K UltraWide QHD Gaming Monitor (2 ms<br />
Reaktionszeit, 200 Hz )<br />
STK CHF 2’399.00<br />
Der ACER-Bildschirm wird in <strong>der</strong> EnterSite AG in eine Kartonschachtel<br />
eingepackt, die mit Styroporverkleidung ausgekleidet ist.<br />
Schutzaufgabe: Durch die Verpackung ist <strong>der</strong> Bildschirm gegen äussere<br />
Einflüsse geschützt, z. B., wenn er herunterfällt.<br />
Logistische Aufgabe: Durch die Verpackung wird <strong>der</strong> Bildschirm stapelbar.<br />
Informationsaufgabe: Der Bildschirm soll vor allem "Gamer" ansprechen. Mit<br />
Bil<strong>der</strong>n von Spielen auf <strong>der</strong> Verpackung sollen die Gamer zum Kauf motiviert<br />
werden. Ebenfalls sind technische Informationen und Preisetiketten auf <strong>der</strong><br />
Verpackung zu finden.<br />
575
2.2 Fachbegriffe nach dem Deutsches Institut für Normung (DIN)<br />
In <strong>der</strong> deutschen Sprache wurden die Fachbegriffe des Verpackungswesens<br />
nach DIN 55405 folgen<strong>der</strong>massen definiert:<br />
Packstoff<br />
Packgut<br />
Werkstoff, aus dem eine Verpackung hergestellt ist.<br />
Das kann z. B. Papier, Karton, Holz, Metall, Glas o<strong>der</strong><br />
Kunststoff sein.<br />
Der Gegenstand, <strong>der</strong> verpackt wird, d. h. <strong>der</strong> Inhalt<br />
einer Verpackung.<br />
Packmittel<br />
Das Erzeugnis aus Packstoff, das dazu bestimmt ist,<br />
das Packgut zu umschliessen, damit dieses lagero<strong>der</strong><br />
transportfähig wird. Packmittel können sein:<br />
Schachteln, Kisten, Flaschen, Tuben, Paletten usw.<br />
Packhilfsmittel<br />
Hilfsmittel, die zusammen mit dem Packmittel die<br />
Verpackung ausmachen. Packhilfsmittel können<br />
sein: Klebstoff, Klebeband, Schnur, Kunststoffband<br />
o<strong>der</strong> Polstermaterial.<br />
Verpackung<br />
Packmittel und Packhilfsmittel zusammen.<br />
576
Packung<br />
Packgut (Inhalt <strong>der</strong> Verpackung) und Verpackung<br />
zusammen.<br />
Packstück<br />
Packung, die versandbereit o<strong>der</strong> lagerfähig ist.<br />
Einwegverpackung<br />
Mehrwegverpackung<br />
Packmittel, das zum einmaligen Gebrauch<br />
bestimmt ist. Die Einwegverpackung wird nach<br />
Gebrauch rezykliert o<strong>der</strong> in den Abfall geworfen.<br />
Packmittel, das wie<strong>der</strong>verwendbar ist.<br />
Mehrwegverpackungen werden auch Umlauf- o<strong>der</strong><br />
Leihverpackung genannt.<br />
577
2.2.1 Weitere inoffizielle Fachbegriffe (nicht nach DIN)<br />
Verkaufsverpackung<br />
Mogelpackung<br />
Umverpackung<br />
Endverpackung<br />
Verpackung, in <strong>der</strong> eine Ware im Verkaufslokal dem<br />
Kunden präsentiert wird. Die Verkaufsverpackung ist in<br />
<strong>der</strong> Regel mit einem Werbeaufdruck versehen. Sie muss<br />
bestimmte Informationen über das enthaltene Produkt<br />
aufweisen.<br />
Verkaufsverpackung, die dem Kunden mehr Inhalt<br />
vortäuscht als tatsächlich enthalten ist.<br />
Lager- o<strong>der</strong> Versandverpackung, welche die<br />
Verkaufsverpackung während <strong>der</strong> Lagerung und des<br />
Transports schützt.<br />
Verpackung einer Ware für den Transport. Als<br />
Endverpackung gilt auch das Stretchen o<strong>der</strong> Schrumpfen<br />
einer Palettenladung ( Fachartikel Modul 603)<br />
2.3 Was ist die richtige Verpackung?<br />
Eine Vielzahl von Faktoren wirkt sich auf die Wahl einer geeigneten<br />
Verpackung aus:<br />
• Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware<br />
• Transportart (Lastwagen, Bahn, Post usw.)<br />
• Transportstrecke, Transportdauer und Distanz (Inland, Ausland, Übersee)<br />
• Beson<strong>der</strong>e Transportvorschriften<br />
• Lagerart<br />
• Kundenwünsche<br />
• Nachhaltigkeit<br />
• Portionierung<br />
• Werbeeffekt<br />
• Gewicht und Preis <strong>der</strong> Verpackung<br />
578
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Nr. Beschreibung Basiseinheitencode Einkaufspreis<br />
CHF<br />
CC364X<br />
HP CC364X 64X P4015<br />
Toner BLACK<br />
STK CHF 65.00<br />
Die Verpackungsanfor<strong>der</strong>ungen dieses Toners können sehr unterschiedlich<br />
sein, je nachdem, wohin er geschickt wird. Es macht einen Unterschied, ob<br />
<strong>der</strong> Artikel zu einem Kunden in Südafrika geschickt werden muss o<strong>der</strong> an die<br />
Nie<strong>der</strong>lassung in Köniz.<br />
2.3.1 Die Wahl geeigneter Packmittel<br />
Viele unserer Verpackungen bestehen heutzutage aus nicht<br />
wie<strong>der</strong>verwendbaren Materialien. Diese sogenannten Einwegverpackungen<br />
werden nach dem Gebrauch entwe<strong>der</strong> verbrannt o<strong>der</strong> recycelt. Aus<br />
ökonomischer und ökologischer Sicht machen Mehrwegverpackungen Sinn.<br />
Mehrwegverpackungen können in einem offenen o<strong>der</strong> geschlossenen<br />
Tauschpool getauscht werden. Dispoboxen und IFCO-Kisten werden in einem<br />
geschlossenen Tauschpool gehandelt.<br />
Dispobox<br />
Die Dispobox ist ein Kunststoffbehälter, <strong>der</strong> bei geringem Eigengewicht eine<br />
hohe Stabilität garantiert. Dispoboxen gibt es in sieben verschiedenen<br />
579
Grössen. Darin können verschiedenste Güter versandt werden. Dispoboxen<br />
können mit Plomben gesichert werden, was den Transport sicher macht.<br />
Hier gibt es weitere Informationen zu den Dispoboxen.<br />
IFCO<br />
IFCO steht für "Internal Fish Container" und wurde 1985 in Frankreich<br />
entwickelt. Heutzutage wird in IFCO-Mehrweggebinden viel mehr transportiert<br />
als Fische. Vor allem für Gemüse und Früchte werden die Gebinde<br />
verwendet. Die Kisten sind zusammenlegbar und werden nach dem Einsatz<br />
gereinigt.<br />
Hier gibt es weitere Informationen zu den IFCO-Kisten.<br />
Stapelbehälter<br />
Es gibt eine Vielzahl von Kunststoffkisten in einer riesigen Vielfalt von<br />
Ausführungen. Im Verhältnis zu ihrem Gewicht verfügen Stapelbehälter aus<br />
Kunststoff dank <strong>der</strong> Rippenbauweise über eine hohe Stabilität. Sie bewähren<br />
sich überall dort, wo grosse Belastungen und Feuchtigkeit Kartons als<br />
580
Transportbehälter nicht zulassen. Die bekanntesten Stapelbehälter sind<br />
Getränkeharassen.<br />
Stapelbehälter gibt es mit durchgehenden Wänden, mit und ohne Griffloch,<br />
mit und ohne Deckel o<strong>der</strong> als Harassen (Wände und Boden durchbrochen).<br />
Je nach Verwendung haben die Behälter auch verschiedene Böden: flach<br />
(horizontale För<strong>der</strong>ung auf Rollen möglich); verstärkt (für schwere Güter);<br />
gerippt (für bessere Stabilität beim Stapeln); Gitterboden geschlossen und<br />
durchbrochen (für den Lebensmittelbereich).<br />
Unterschiedliche Bodenbeschaffenheit bei Stapelbehältern:<br />
Stierenkopfboden Flachboden Gitterboden<br />
Einschränkungen bei <strong>der</strong> Verwendung von Kunststoffbehältern:<br />
• Behälter mit Stierenkopfboden können nicht auf Rollenbahnen<br />
eingesetzt werden, sie verkanten sich oft und bleiben somit hängen.<br />
• Behälter, die für die Lagerung von Lebensmitteln eingesetzt werden,<br />
müssen gemäss EU-Richtlinien auf Lebensmittelechtheit geprüft sein und<br />
das entsprechende Zeichen tragen.<br />
• Die meisten Lebensmittel dürfen nicht in geschlossenen Kunststoffbehältern<br />
gelagert werden. Bei Frischprodukten führen fehlende Luft o<strong>der</strong><br />
Staunässe zu Schimmel und Fäulnis.<br />
• Rückfluss <strong>der</strong> Behälter bei Versand an an<strong>der</strong>e Betriebe o<strong>der</strong> Private:<br />
Stapelbehälter eignen sich ausgezeichnet für private Zwecke. Mit<br />
strengen Kontrollen können übermässige Verluste <strong>der</strong> kostbaren<br />
Gebinde vermieden werden. Klare Regeln für den Austausch und eine<br />
rigorose Kontrolle sind zu empfehlen.<br />
581
2.3.2 Die Wahl <strong>der</strong> Packhilfsmittel (Stopfmaterial)<br />
Auch das Stopfmaterial sollte nach dem Prinzip "so wenig wie möglich, so viel<br />
wie nötig" eingesetzt werden, um einen bestmöglichen Schutz zu gewähren<br />
und gleichzeitig möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden. Eine<br />
Durchmischung von verschiedenen Stopfmaterialien (z. B. Papier und<br />
Luftpolsterfolie) kann beim Kunden einen unprofessionellen Eindruck<br />
hinterlassen.<br />
Wenn mit Rüttelbewegungen gerechnet werden muss, wählt man ein<br />
stossabsorbierendes und zugleich festes Füllmaterial. Eine lose Aufschüttung<br />
<strong>der</strong> Hohlräume mit Kunststoff-Chips eignet sich nicht; das Packgut kann sich<br />
durch die Rüttelbewegung nach unten in <strong>der</strong> Verpackung bewegen und<br />
bietet so keinen genügenden Schutz mehr.<br />
Für sehr lange Transportwege (z. B. nach Übersee) wird kostbare Fracht in <strong>der</strong><br />
Verpackung eingeschäumt. Dazu wird das Packgut mit Folie geschützt und<br />
<strong>der</strong> Schaum in flüssiger Form eingespritzt. Dieser vergrössert sein Volumen<br />
während <strong>der</strong> Aushärtung und füllt so alle Hohlräume aus. Eine <strong>der</strong>massen<br />
"massgeschnei<strong>der</strong>te" Verpackung schützt das Transportgut optimal, ist aber<br />
nicht sehr umweltfreundlich.<br />
1 Beim Verpacken reicht die Polsterung nach allen Seiten noch aus.<br />
2 Durch die Rüttelbewegung bewegt sich das Packgut durch die Chips.<br />
Nach einer gewissenn Zeit ist die Polsterung unten und rechts gleich<br />
null.<br />
3 Gegenmassnahme: Das Durchrütteln wird durch Kartoneinlagen und<br />
gutes Verdichten <strong>der</strong> Chips verhin<strong>der</strong>t.<br />
582
2.3.3 Nachhaltigkeit<br />
Die Zeiten, in denen Güter ohne nachzudenken eingepackt wurden, sind<br />
endgültig vorbei. Plastikverpackungen stellen einen immer grösseren Treiber<br />
von Siedlungsabfällen dar. Deshalb gilt es, diese zu reduzieren. Ausgeklügelte<br />
Verpackungen reduzieren den Anteil an Plastik. Natural Branding ist ein neues<br />
Verfahren, bei dem die Labels direkt auf die Schale <strong>der</strong> Früchte und Gemüse<br />
mit einem Laser eingebrannt werden.<br />
?? Merke: Nachhaltigkeit ist in <strong>der</strong> heutigen Zeit sehr wichtig. Wo möglich<br />
sollten Verpackungen eingespart werden und wann immer möglich auf<br />
Mehrweggebinde umgestellt werden.<br />
2.4 Beanspruchung einer (Schutz-)Verpackung<br />
Schutzverpackungen müssen verschiedenen Beanspruchungen standhalten<br />
können:<br />
Beanspruchung durch Kräfte: • Fall<br />
• Schub o<strong>der</strong> Stoss<br />
• Druck o<strong>der</strong> Schlag<br />
• Erschütterung (Rütteln)<br />
Beanspruchung durch Klima: • witterungsbedingt<br />
Beanspruchung durch Lebewesen: • Schimmelpilzbefall<br />
• Frass durch Schädlinge<br />
Beanspruchung durch<br />
Diebstahlgefahr:<br />
• Entwendung von<br />
Transportgütern<br />
2.4.1 Beanspruchung durch Kräfte<br />
Auf das Packgut wirken oft verschiedene Kräfte ein, die zu Beschädigungen<br />
führen können. Dabei spricht man auch von mechanischen<br />
Beanspruchungen. Die Verpackung (Umhüllung und Polsterung) bildet die<br />
Knautschzone. Sie wird bei einem Aufprall verformt, wodurch die einwirkende<br />
Energie aufgenommen und das Packgut geschützt wird. Die Verpackung hat<br />
ihre Aufgabe erfüllt, wenn sie die Aufprallenergie soweit aufnehmen kann,<br />
dass das Packgut nicht beschädigt wird. Verpackungen unterliegen den<br />
folgenden mechanischen Beanspruchungen:<br />
583
Fall<br />
Die Krafteinwirkung tritt auf, sobald ein Gegenstand nach einer gewissen Zeit<br />
des freien Falls auf einen festen Untergrund trifft.<br />
Schub o<strong>der</strong> Stoss<br />
Durch Schub o<strong>der</strong> Stösse können Packstücke o<strong>der</strong> ganze Ladungen<br />
verrutschen, umkippen o<strong>der</strong> herabfallen. Das Packgut kann die Verpackung<br />
beschädigen (ausbeulen) o<strong>der</strong> gar durchstossen.<br />
Druck o<strong>der</strong> Schlag<br />
Einer Druckbeanspruchung sind Packstücke im Lager und beim Transport<br />
ausgesetzt, wenn sie gestapelt werden. Zu grosser Druck kann dazu führen,<br />
dass das Packgut gequetscht o<strong>der</strong> gestaucht wird. Je nach Beschaffenheit<br />
kann dies zur Verformung o<strong>der</strong> zum Bruch des Packgutes führen. Um den<br />
Schutz vor <strong>der</strong>artigen Schäden zu gewährleisten, muss die Verpackung die<br />
nötige Festigkeit aufweisen. Schäden können vermieden werden durch das<br />
Verwenden von Zwischenlagen (Deckel), das Verwenden von Regalen und<br />
das Platzieren <strong>der</strong> schweren Ware unten im Stapel.<br />
Erschütterung (Rütteln)<br />
Bei fast jedem Transport ist das Transportgut Rüttelbewegungen o<strong>der</strong><br />
Erschütterungen ausgesetzt. Die Rüttelbewegung kann dazu führen, dass das<br />
Transportgut den Kontakt zur Standfläche verliert und sich verschiebt o<strong>der</strong><br />
dass sich das Packgut durch das Füllmaterial hindurch rüttelt.<br />
Ursachen für Rüttelbewegungen können sein:<br />
• Fahrten auf unebenen Strassen (Kopfsteinpflaster, Rillen, Erhebungen)<br />
• Bahnfahrt über Weichen<br />
• Seegang bei Fahrten auf dem Wasser<br />
• Luftturbulenzen bei Lufttransporten.<br />
2.4.2 Klimatische Beanspruchung<br />
Die klimatische Beanspruchung einer Verpackung hängt von den<br />
Klimazonen, <strong>der</strong> Jahreszeit und den Wetterbedingungen während des<br />
584
Transports ab. Zu den klimatischen Beanspruchungen zählen unter an<strong>der</strong>em<br />
Lufttemperatur, Luftdruck, Wind, Luftfeuchtigkeit und Nie<strong>der</strong>schlag. Je<br />
nachdem, wohin die Produkte versendet werden, herrschen unterschiedliche<br />
Klimazonen. Dies sollte beim Verpacken von Gütern unbedingt berücksichtigt<br />
werden.<br />
Auch während des Transports können sich die klimatischen Beanspruchungen<br />
laufend verän<strong>der</strong>n. Zum Beispiel verän<strong>der</strong>n sich die Temperaturen und <strong>der</strong><br />
Luftdruck in einem Frachtflugzeug abhängig davon, wie hoch dieses fliegt.<br />
Temperaturunterschiede und Luftdruck wie<strong>der</strong>um beeinflussen die<br />
Kondensationsbildung. Wenn warme und kalte Luft aufeinan<strong>der</strong>treffen, kann<br />
es zu Kondensationstropfen führen: Öffnet man im Winter die Fenster,<br />
beschlagen diese; nimmt man an einem heissen Sommertag ein erfrischendes<br />
Getränk aus dem Kühlschrank, wird dieses plötzlich auf <strong>der</strong> Aussenseite nass.<br />
Überall, wo Luft existiert (auch innerhalb einer Verpackung) gibt es<br />
Luftfeuchtigkeit. Diese Wasserbildung kann Produkte zerstören (z. B.<br />
elektronische Produkte) o<strong>der</strong> zu unschönen Flecken führen (z. B. auf<br />
Le<strong>der</strong>schuhen).<br />
Massnahmen bei <strong>der</strong> Verpackung<br />
Um klimatischer Beanspruchung vorzubeugen, ist je nach Art <strong>der</strong> Ware eine<br />
spezielle Verpackung notwendig. Im Folgenden einige Beispiele:<br />
585
Styropor isoliert sehr gut und ist daher die<br />
ideale Verpackung für<br />
temperaturempfindliche Güter. Lei<strong>der</strong><br />
können Styropor-Verpackungen oft nur<br />
einmal verwendet werden.<br />
Trockenbeutel, auch Silica-Beutel genannt,<br />
entziehen <strong>der</strong> umgebenden Luft die<br />
Feuchtigkeit. Dies verhin<strong>der</strong>t die<br />
Kondensationsbildung innerhalb einer<br />
Verpackung.<br />
Beim Vakuumieren entzieht man <strong>der</strong><br />
Verpackung die Luft und somit auch die<br />
Luftfeuchtigkeit. Es kommt nicht mehr zur<br />
Kondensationsbildung.<br />
Gegen Rost wird das VCI-Verfahren<br />
(Volatile Corrosion Inhibitor, zu Deutsch:<br />
flüchtiger Korrosionsschutz) eingesetzt. Ein<br />
chemischer Stoff setzt ein Gas frei, das die<br />
geschützten Güter einhüllt und so gegen<br />
Korrosion schützt. Häufig wird auch ein<br />
beschichtetes Papier verwendet. In <strong>der</strong><br />
Lager-Umgangssprache wird dieses Papier<br />
"Gaspapier" genannt. VCI wird aber auch in<br />
Form von Pulver, Chips, Filz o<strong>der</strong><br />
Lösungsmitteln eingesetzt. Neben dem VCI-<br />
Verfahren werden immer noch Öl-,<br />
Pergamin-o<strong>der</strong> Bitumenpapier verwendet.<br />
586
2.4.3 Beanspruchung durch Lebewesen<br />
Auf langen Transporten kann das Transportgut durch Schädlinge o<strong>der</strong><br />
Pilzbefall beschädigt werden. Mit <strong>der</strong> zunehmenden Globalisierung haben<br />
Schädlinge zudem die Möglichkeit, sich weltweit zu verbreiten.<br />
Schädlinge versuchen nur in eine Verpackung einzudringen, wenn sie durch<br />
den Geruch des Packguts angelockt werden. Normaler Wellkarton bietet<br />
Schädlingen wenig Wi<strong>der</strong>stand und ist deshalb für längere Transporte von<br />
anfälliger Ware ungeeignet. Die wichtigste Schutzmassnahme ist eine<br />
aromadichte (geruchsdichte) Innenverpackung. Das kann zum Beispiel eine<br />
verschweisste Kunststofffolie sein. Nicht alle Kunststofffolien sind gegen<br />
Beissangriffe von Insekten resistent. Gute Resultate erzielt man mit Hart-PVC<br />
o<strong>der</strong> dickeren Polyethylen-Folien. Die Entwicklung insektenresistenter<br />
Verpackungen ist die Aufgabe von Spezialisten.<br />
Zum Schutz <strong>der</strong> einheimischen Waldbestände gegen die Einschleppung von<br />
Holzschädlingen haben viele Län<strong>der</strong> Quarantänebestimmungen erlassen. Zur<br />
Vereinheitlichung <strong>der</strong> Einfuhrvorschriften hat die International Plant Protection<br />
Convention (IPPC) für den internationalen Versand von Verpackungen aus<br />
Vollholz die ISPM-15-Richtlinien (International Standards for Phytosanitary<br />
Measures) erlassen.<br />
Nicht unter die ISPM-15-Auflagen fallen Verpackungen o<strong>der</strong><br />
Verpackungsmaterialien aus Holzwerkstoffen, die während <strong>der</strong> Verarbeitung<br />
geleimt, erhitzt o<strong>der</strong> gepresst werden. Dazu gehören Spanplatten, Sperrholz,<br />
Furniere und Materialien, die aus Holzwolle o<strong>der</strong> Sägemehl gefertigt sind.<br />
Auch sehr dünn geschnittenes Rohholz (< 6 mm) fällt nicht unter die<br />
Bestimmungen.<br />
Zum Schutz vor Schädlingen werden Gebinde und ganze Container begast.<br />
Dies darf nur von Fachleuten durchgeführt werden. In jedem Fall ist auf einen<br />
rückstandsfreien Abbau <strong>der</strong> Pestizide zu achten.<br />
587
2.4.4 Diebstahl<br />
Ein erhebliches Problem in <strong>der</strong> Logistik ist <strong>der</strong> Diebstahl von Gütern durch<br />
externe Personen o<strong>der</strong> Mitarbeitende. Dagegen werden die verschiedensten<br />
Massnahmen ergriffen. Palettenladungen werden beispielsweise mit undurchsichtiger<br />
Sicherheitsfolie umwickelt. Beson<strong>der</strong>s wertvolle o<strong>der</strong> begehrte Güter<br />
(z. B. Unterhaltungselektronik) werden nicht beschriftet. Im internationalen<br />
Verkehr werden die Güter für den Versand in einzelne, als Einzelteile<br />
unbrauchbare Komponenten zerlegt. Kartons werden gegen Angriffe mit<br />
scharfen Gegenständen auf <strong>der</strong> Innenseite mit Spanplatten ausgelegt.<br />
?? Merke: Es wirkt nicht nur das Wetter auf ein Packstück/Packgut ein.<br />
2.5 Verpackungsnormen<br />
Länge, Breite und Höhe von Transportverpackungen sind nach einer ISO-<br />
Norm standardisiert und passen perfekt zu <strong>der</strong> Europalette. Die Normierung<br />
<strong>der</strong> Länge und Breite ermöglicht die optimale Flächennutzung auf den Ladungsträgern.<br />
Die Normierung <strong>der</strong> Höhe ermöglicht die optimale<br />
Raumnutzung auf den Ladungsträgern.<br />
588
2.5.1 Verbundstapelung<br />
Um eine verbesserte Stabilität zu erreichen, ist eine Verbundstapelung<br />
unbedingt <strong>der</strong> Turmstapelung (siehe Grafik) vorzuziehen. Je nach Grösse <strong>der</strong><br />
Verpackung ist dies jedoch nicht immer umsetzbar. Die einzelnen Lagen sind<br />
so angeordnet, dass die Stösse zwischen den Verpackungen nicht<br />
übereinan<strong>der</strong> zu liegen kommen.<br />
Verbundstapelung<br />
Turmstapelung<br />
589
?? Merke: Eine Verbundstapelung sollte gegenüber <strong>der</strong> Turmstapelung<br />
unbedingt bevorzugt werden, um eine bessere Stabilität zu erreichen.<br />
2.5.2 Verpackungskennzeichen<br />
Auf Verpackungen wird mit Symbolen auf die Empfindlichkeit des Inhalts<br />
hingewiesen. Die Symbole sind nach DIN 55402 (Deutsches Institut für<br />
Normung) und ISO R 780 (International Standardizing Organisation) genormt.<br />
590
Modul 603_Versandbereite Palette erstellen<br />
Ausgangslage<br />
Palettisierte Ladungen ermöglichen ein effizientes Auf- und Abladen sowie<br />
eine bessere Auslastung des Lade- und Lagerraums. Eine Palette<br />
transportgerecht zu sichern, zählt darum zu den täglichen arbeiten vieler<br />
Logistiker. Dabei gilt es eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen:<br />
• Empfindlichkeit <strong>der</strong> Ware<br />
• Transportart (Lastwagen, Bahn, Schiff usw.)<br />
• Transportstrecke, Transportdauer und Distanz (Inland, Ausland, Übersee)<br />
• Beson<strong>der</strong>e Transportvorschriften<br />
• Lagerart<br />
• Kundenwünsche<br />
• Nachhaltigkeit<br />
• Gewünschte Portionierung<br />
• Gewicht und Preis <strong>der</strong> Verpackung<br />
?? Merke: In Hinsicht auf die den Materialverbrauch für die Sicherung von<br />
Paletten gilt das Prinzip "so wenig wie möglich, so viel wie nötig".<br />
591
Fachartikel Modul 603<br />
3. Versandbereite Paletten erstellen<br />
Um eine Palettenladung richtig zu sichern, gibt es folgende Möglichkeiten:<br />
Umwickeln Einschrumpfen Umreifung<br />
Umwickeln<br />
Das Umwickeln von Ladungseinheiten mit einer Dehnfolie nennt man in <strong>der</strong><br />
Lager-Umgangssprache "stretchen". Es ist eine <strong>der</strong> einfachsten Methoden zur<br />
Ladungssicherung. Die Ladung wird mit einem Handabroller o<strong>der</strong> einem<br />
Wickelautomaten umwickelt. Beim Umwickeln gilt es Folgendes zu beachten:<br />
• Die Folie muss während <strong>der</strong> Wicklung gedehnt werden. Die Stabilität erhält <strong>der</strong><br />
Stapel durch die Rückdehnung <strong>der</strong> Folie. Die richtige Dehnung stellt man ein,<br />
indem man die Schraube oben anzieht und diese je nach Situation wie<strong>der</strong><br />
löst.<br />
• Transporteinheiten sind für optimale Stabilität so zu umwickeln, dass die<br />
Palette in die Wicklung mit einbezogen wird. Dies gilt aber nicht für<br />
Lagereinheiten, die vor <strong>der</strong> Einlagerung automatische Profilkontrollen<br />
durchlaufen. Wicklungen, welche die Palette mit einbeziehen, erkennt das<br />
System als defekte Paletten.<br />
• Die Ladungssicherung durch Umwickeln eignet sich in erster Linie für<br />
homogene (gleichförmige) Ladungen. Weit vorstehende Kanten o<strong>der</strong> Ecken<br />
können die Folie durchstossen. Ladungen mit schweren Ladungsteilen müssen<br />
zusätzlich zur Umwicklung mit einem Band umreift werden. Dadurch erhält die<br />
Ladung die notwendige Stabilität.<br />
592
Einschrumpfen<br />
Beim Schrumpfen wird die Ladung mit einer Kunststoffhaube überzogen, die<br />
anschliessend erwärmt wird. Die Folie zieht sich durch die Erwärmung<br />
zusammen und umschliesst die Ladung satt. Erwärmt wird die Folie mit einem<br />
Heissluftgebläse o<strong>der</strong> in gewissen Fällen mit einer offenen Flamme. Es gilt zu<br />
beachten, dass die gleiche Stelle nicht zu lang erhitzt wird, ansonsten gibt es<br />
Löcher in die Folie. Wo grössere Gütermengen eingeschrumpft werden,<br />
stehen spezielle Schrumpföfen im Einsatz. Eingeschrumpfte Güter sind gut<br />
gegen Witterungseinflüsse (Regen, Schnee usw.), Staub und Diebstahl geschützt.<br />
Schrumpfhauben sind aus verhältnismässig dickem Kunststoff (PVC)<br />
hergestellt und gelten deshalb als wenig umweltfreundlich.<br />
Im Gegensatz zur Stretchfolie ist eine Rückdehnung <strong>der</strong> geschrumpften<br />
Haube nicht möglich. Ist sie durch mechanische Beanspruchung einmal<br />
"ausgebeult", wird die Ladung nur noch ungenügend geschützt.<br />
593
?? Merke: Umgangssprachlich spricht man vom "schrumpfen", damit gemeint<br />
ist jedoch das Umwickeln von Paletten. Schrumpfen bedeutet, mit einer<br />
Hitzequelle die PVC-Folie an <strong>der</strong> Palette anzupassen.<br />
Umreifung<br />
Ladungen aus grösseren Packstücken werden oft durch Umreifung mit einem<br />
Band gesichert. In den meisten Fällen ist die vertikale (senkrechte) Umreifung<br />
einer Ladung die beste Lösung, weil damit die Palette mit <strong>der</strong> Ladung<br />
verbunden wird. Die horizontale (waagrechte) Umreifung wird nicht oft<br />
angewendet, kann aber bei speziellen Gütern, z. B. bei Fässern, sinnvoll sein.<br />
Sehr unstabile Stapel können vertikal und horizontal, also kombiniert umreift<br />
werden. Allerdings ist zu prüfen, ob die Ladung nicht besser zusätzlich mit<br />
Dehnfolie umwickelt wird, statt sie horizontal zu umreifen.<br />
3.1 Die Wahl des richtigen Bandes<br />
Die Wahl des richtigen Bandes für die Umreifung hängt von verschiedenen<br />
Faktoren ab. Zu berücksichtigen sind die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit und<br />
die Rückspannfähigkeit - doch auch <strong>der</strong> Preis und die Umweltfreundlichkeit<br />
spielen eine Rolle.<br />
Material<br />
PP o<strong>der</strong> PET<br />
Kunstoffband<br />
Textil o<strong>der</strong><br />
Polyesterband<br />
Stahlband<br />
Zugfestigkeit in N/mm 2 330 <strong>–</strong> 400 470 - 570 700 - 1100<br />
Dehnbarkeit 16 <strong>–</strong> 22 % 11 <strong>–</strong> 16 % 6 <strong>–</strong> 12 %<br />
Rückspannfähigkeit Sehr gross gross Klein<br />
Preis Günstig Teuer Sehr teuer<br />
Umweltfreundlichkeit PET ist rezyklierbar. Nicht rezyklierbar Rezyklierbar<br />
3.1.1 Zugfestigkeit<br />
Die Hersteller von Umreifungsbän<strong>der</strong>n machen oft mit <strong>der</strong> Zugfestigkeit<br />
Werbung. Die Zugfestigkeit wird in Newton pro mm2 angegeben. Das ist die<br />
Kraft, die nötig ist, um ein Band mit einem Querschnitt von 1 mm 2 zu zerreissen.<br />
Die Bän<strong>der</strong> sind jedoch alle unterschiedlich breit und dick, und daher sollte<br />
man nicht die Zugfestigkeit <strong>der</strong> Bän<strong>der</strong> vergleichen, son<strong>der</strong>n vielmehr die<br />
Reisskraft. Die Reisskraft gibt darüber Auskunft, wie viel Gewicht das Band<br />
tragen kann, bevor es reisst. Die Reisskraft wird berechnet, indem die<br />
594
Zugfestigkeit mit dem Querschnitt multipliziert wird. Der Querschnitt wird<br />
berechnet, indem die Breite mit <strong>der</strong> Dicke multipliziert wird.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Im Lager hat es eine Palette mit Toner, die umreift werden muss. Das<br />
Gewicht <strong>der</strong> Ladung beträgt 600 kg. Die Ladung soll zweimal umreift<br />
werden. Folglich muss die Reisskraft jedes Bandes mindestens 300 kg<br />
betragen. Zur Verfügung stehen ein Stahlband und ein Kunststoffband:<br />
Angaben Kunststoffband:<br />
Breite: 20 mm<br />
Dicke: 0,4 mm<br />
Querschnitt: 20 mm x 0,4 mm = 8 mm 2<br />
Zugfestigkeit wird mit 400 N/mm 2 angegeben.<br />
Reisskraft = Querschnitt x Zugfestigkeit = 8 mm 2 x 400 N/mm 2 = 3200 N = 320<br />
kg.<br />
Angaben Stahlband:<br />
Breite: 15 mm<br />
Dicke: 0,6 mm<br />
Querschnitt: 15 mm x 0.6 mm = 9 mm 2<br />
Zugfestigkeit wird mit 1200 N/mm 2 angegeben.<br />
Reisskraft = Querschnitt x Zugfestigkeit = 9 mm 2 x 1200 N/mm 2 = 10’800 N =<br />
1’080 kg.<br />
Die Berechnungen zeigen, dass die Reisskraft bei<strong>der</strong> Bän<strong>der</strong> ausreicht. Somit<br />
werden weitere Faktoren in die Wahl des richtigen Bandes mit einbezogen.<br />
3.1.2 Dehnung<br />
Mit <strong>der</strong> Dehnung ist die Dehnbarkeit von Bän<strong>der</strong>n gemeint. Der Begriff<br />
Bruchdehnung gibt an, um wie viele Prozent ein Band auseinan<strong>der</strong>gezogen<br />
werden kann, bis es reisst. Am dehnbarsten sind Bän<strong>der</strong> aus Polypropylen.<br />
595
3.1.3 Rückspannfähigkeit<br />
Mit <strong>der</strong> Rückspannfähigkeit ist die Fähigkeit eines Bandes gemeint, sich nach<br />
<strong>der</strong> Dehnung wie<strong>der</strong> zusammenzuziehen. Diese Fähigkeit ist dann wichtig,<br />
wenn ein Ladegut schrumpft. Kunststoffbän<strong>der</strong> haben eine wesentlich höhere<br />
Rückspannfähigkeit als Stahlbän<strong>der</strong>. Ein bereits gedehntes Stahlband zieht<br />
sich im Gegensatz zu einem Kunststoffband kaum mehr zusammen. Falls mit<br />
einer Schrumpfung des Ladeguts gerechnet werden muss, verwendet man<br />
besser Kunststoffbän<strong>der</strong>.<br />
?? Merke: Kunststoffbän<strong>der</strong> haben eine wesentlich höhere<br />
Rückspannfähigkeit als Stahlbän<strong>der</strong>.<br />
3.2 Verschlussarten<br />
Die Umreifung des Ladeguts erfor<strong>der</strong>t einen Verschluss, <strong>der</strong> die Spannung des<br />
Bandes aushält. Je nach Wahl des Umreifungsbandes eignen sich<br />
unterschiedliche Verschlussarten. Es wird unterschieden zwischen drei<br />
Verschlussarten: mit Schnalle, mit Plombe und plombenlos (Verschweissung,<br />
Stanzung o<strong>der</strong> Verklinkung).<br />
3.2.1 Verschluss mit Schnalle<br />
Schnallen sind sehr kostengünstig, eignen sich aber in <strong>der</strong> Regel nur für den<br />
Verschluss von Bän<strong>der</strong>n aus Polyesterfäden, Textil- o<strong>der</strong> PP-Kunststoffbän<strong>der</strong>n.<br />
Die Schnalle hat den Vorteil, dass <strong>der</strong> Verschluss wie<strong>der</strong> geöffnet o<strong>der</strong><br />
nachgespannt werden kann. Diese Art <strong>der</strong> Umreifung findet man vorwiegend<br />
in <strong>der</strong> Holz- und Möbelindustrie o<strong>der</strong> im innerbetrieblichen Warentransport zur<br />
temporären Sicherung von Ladungen.<br />
596
3.2.2 Plombe<br />
Vor dem Verschliessen muss das Band mit Hilfe eines Spanngerätes<br />
vorgespannt werden. Die Plombe wird über die Enden des gespannten<br />
Bandes gestülpt und mit einer speziellen Zange gequetscht, resp. gestanzt.<br />
Dadurch werden die Enden des Bandes festgehalten. Plomben können zum<br />
Verschliessen von Kunststoff- und Metallbän<strong>der</strong>n verwendet werden. Erhältlich<br />
sind auch Geräte, die in einem Arbeitsgang das Band spannen, die Plomben<br />
anbringen und quetschen.<br />
3.2.3 Plombenlos verschliessen<br />
Der plombenlose Verschluss von Umreifungsbän<strong>der</strong>n ist das rationellste<br />
Verfahren. Bän<strong>der</strong> werden verschweisst o<strong>der</strong> mit einer Stanzzange ineinan<strong>der</strong><br />
verklinkt. Die Enden des Bandes werden also durch gemeinsame Verformung<br />
ineinan<strong>der</strong> verzahnt.<br />
Kunststoffbän<strong>der</strong> werden häufig mit sogenannten Vibro-Schweissgeräten<br />
verbunden. Dabei wird die erfor<strong>der</strong>liche Wärme für die Verschweissung <strong>der</strong><br />
Bandflächen durch Reibung mit einer Frequenz von 200<strong>–</strong>300 Hertz<br />
(Bewegungen pro Sekunde) erreicht. Wesentlich seltener ist die Ultraschall-<br />
Schweissung. Diese Technik wird in <strong>der</strong> Regel nur in Hochleistungs-<br />
Umreifungsautomaten eingesetzt.<br />
597
Vibro-Schweissgerät<br />
Verklinkung (ohne Plombe)<br />
3.2.4 Umreifung mit Schnur<br />
In <strong>der</strong> Getränkeindustrie werden die Getränkeharassen oft nur mit einer<br />
Schnur gesichert. Die Schnüre sind dabei auf die richtige Länge<br />
vorkonfektioniert. Diese Technik erspart Zeit und Kosten und wird nun auch<br />
von an<strong>der</strong>en Branchen (siehe Video) entdeckt.<br />
598
Modul 604_Distributionsmarkt<br />
Ausgangslage<br />
Dieses Kapitel handelt vom Bereich Warenausgang. Das Ziel des<br />
Warenausgangs ist es, die Waren gemäss <strong>der</strong> Kundenbestellungen<br />
bereitzustellen. Weitere Aufgaben sind, die Artikel versandbereit zu machen<br />
und anschliessend dem geeignetsten Transporteur zu übergeben. Dieser stellt<br />
dann die Waren ordnungsgemäss dem Kunden zu.<br />
Wenn es um die Verteilung <strong>der</strong> eigenen Produkte geht, müssen sich<br />
Unternehmen folgende Fragen stellen: Wie erreichen meine Produkte optimal<br />
den Kunden? Wie können die Produkte im Markt ausgeliefert (abgesetzt)<br />
werden?<br />
599
Fachartikel Modul 604<br />
4. Distributionsmarkt<br />
4.1 Absatzkanäle<br />
4.1.1 Direkter Absatz<br />
Die einfachste Form, seine Ware zu verkaufen, ist <strong>der</strong> direkte Absatz. Hier<br />
werden die Produkte entwe<strong>der</strong> direkt an den Kunden/Endverbraucher<br />
(Business to Consumer) geliefert o<strong>der</strong> dieser kommt zum Produzenten und holt<br />
sie ab. Da <strong>der</strong> Zwischenhandel entfällt, können die Produkte so meistens<br />
günstiger abgegeben werden. Dafür muss <strong>der</strong> Selbstabholer unter<br />
Umständen längere Wege in Kauf nehmen.<br />
4.1.2 Indirekter Absatz<br />
Beim indirekten Absatz werden die Güter vom Produzenten an einen<br />
Zwischenhändler (z. B. Coop o<strong>der</strong> Migros usw.) verkauft. Dieser verkauft dann<br />
die Waren entwe<strong>der</strong> an einen an<strong>der</strong>en Händler o<strong>der</strong> direkt an den Kunden<br />
weiter. Zwischen dem Hersteller und dem Endkunden stehen also Händler,<br />
deshalb wird es "indirekter Absatz" genannt (Business to Business).<br />
4.2 Distribution (Verteilung <strong>der</strong> Produkte)<br />
Genauso, wie <strong>der</strong> Absatz von Waren direkt o<strong>der</strong> indirekt erfolgen kann,<br />
unterscheidet man bei <strong>der</strong> Distribution zwischen <strong>der</strong> einstufigen und <strong>der</strong><br />
mehrstufigen Distribution.<br />
600
4.2.1 Einstufige Distribution<br />
Bei <strong>der</strong> einstufigen Distribution sind mehrere Formen möglich. Entwe<strong>der</strong> holt<br />
<strong>der</strong> Kunde die Waren direkt beim Produzenten ab o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Produzent bietet<br />
sie dem Kunden an einem Verkaufsstand an. Zum Beispiel kann ein Bauer sein<br />
Gemüse direkt ab Hof verkaufen o<strong>der</strong> es auf dem Wochenmarkt anbieten.<br />
Unternehmen bieten in <strong>der</strong> Regel den Verkauf in einem Fabrikladen o<strong>der</strong><br />
einem Outlet-Store an.<br />
4.2.2 Mehrstufige Distribution<br />
Bei <strong>der</strong> mehrstufigen Distribution gelangen Waren nicht direkt, son<strong>der</strong>n über<br />
einen Zwischenhändler o<strong>der</strong> zusätzlich über ein Auslieferungslager eines<br />
Grossverteilers zum Kunden.<br />
601
Zentrale vs. Dezentrale Distributionskonzepte<br />
Der Kunde erwartet die Lieferung "seiner" Güter innerhalb nützlicher Frist. Dies<br />
führt zu mehrstufigen Distributionskonzepten. Grundsätzlich ist eine zusätzliche<br />
Stufe in einem Verteilkonzept gerechtfertigt, wenn die Lagerkosten nicht<br />
höher sind als die Einsparungen, die beim Transport erzielt werden können.<br />
Eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur verstärkt den Trend zu zentralen<br />
Lösungen. Für den Entscheid spielen die folgenden Überlegungen eine Rolle:<br />
• Bedeutung des Gebietes als Markt für das Unternehmen<br />
• Art <strong>der</strong> Güter (Sind sie haltbar o<strong>der</strong> ver<strong>der</strong>blich?)<br />
• Kundenstruktur (Wer? Wohnort? Kaufkraft?)<br />
• Ist die Kundennähe gewährleistet?<br />
• Ökologie (Wie umweltverträglich ist die Lösung?)<br />
• Standorte (Produktion, Zentrallager, Regionallager, Auslieferungslager).<br />
Grossverteiler: Klassisches Verteilkonzept<br />
Grossverteiler sind Handelsunternehmen, die den Kunden über ihre Läden<br />
o<strong>der</strong> Ladenketten grosse Mengen von Konsumgütern des täglichen Bedarfs<br />
602
anbieten. Sie betreiben eine mehrstufige Distribution. Diese Unternehmen<br />
verfügen über ein landesweites o<strong>der</strong> internationales Netz von Einkaufszentren<br />
und Verkaufsläden. Die Artikelvielfalt ermöglicht dem Konsumenten, fast alles<br />
unter einem Dach einzukaufen. Die Versorgung <strong>der</strong> Läden ist eine enorme<br />
logistische Aufgabe. In <strong>der</strong> Folge werden zwei Distributionsmodelle von<br />
Schweizer Grossverteilern vereinfacht dargestellt.<br />
Klassisches Verteilkonzept<br />
603
604
Grossverteiler: Dezentrales Verteilkonzept<br />
Neue Verteilkonzepte verzichten weitgehend auf die hierarchische Struktur<br />
klassischer Lösungen. Zentrale Verteilbetriebe (Zentrallager) sind auf ein<br />
Artikelsortiment (z. B. Non-Food, Do-it-Yourself o<strong>der</strong> Lebens- und Genussmittel<br />
(sogenannte Kolonialwaren) spezialisiert. Die Bestellungen werden direkt von<br />
den Verkaufsstellen entgegengenommen. Die Güter werden bereits fertig für<br />
die Auslieferung an die Verkaufsstellen kommissioniert. Fachleute sprechen<br />
von Filialkommissionierung. Diese Güter werden in den regionalen Betrieben<br />
(Regionallager) nicht eingelagert, son<strong>der</strong>n als Transitware behandelt. Sie<br />
werden ausgeladen und mit an<strong>der</strong>en, ebenfalls bereits fertig<br />
kommissionierten Gütern zu neuen Liefereinheiten zusammengestellt und<br />
umgeladen. Der Fachbegriff für diese Tätigkeit ist Crossdocking.<br />
Auch in an<strong>der</strong>en Bereichen hält Crossdocking immer mehr Einzug. Beim<br />
Crossdocking wird die Ware vom Lieferanten für die Kunden bereits<br />
vorkommissioniert. Wenn die Ware beim Unternehmen angeliefert wird, wird<br />
diese nicht an Lager gelegt, son<strong>der</strong>n kommt in den "Crossdocking"-Bereich.<br />
Von dort aus wird sie innerhalb weniger Tage an die Kunden ausgeliefert.<br />
Dadurch verlagert sich die Arbeit <strong>der</strong> Kommissionierung auf den Lieferanten.<br />
Voraussetzung für Crossdocking ist, dass bereits Bestellungen von Kunden<br />
vorhanden sind und dass die Lieferanten kurze Lieferfristen haben <strong>–</strong> sonst kann<br />
das Unternehmen <strong>der</strong> Erwartung des Kunden nicht entsprechen, das Produkt<br />
innerhalb kurzer Frist geliefert zu bekommen.<br />
Merke: Crossdocking hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.<br />
Das Ziel ist, nicht (o<strong>der</strong> möglichst wenig) zu lagern, und die Ware möglichst<br />
schnell an den Kunden weiterzusenden. Dadurch können die<br />
Lagerhaltungskosten gesenkt werden.<br />
Regionallager werden zu Frischeplattformen. Diese sind auf ver<strong>der</strong>bliche<br />
Güter spezialisiert. Die Frischwaren werden entwe<strong>der</strong> von regionalen<br />
Produzenten o<strong>der</strong> Produktionsbetrieben, die oft den Grossverteilern gehören<br />
(z. B. Grossbäckereien o<strong>der</strong> Grossmetzgereien), angeliefert. Grössere<br />
Verkaufsstellen werden von den Produktionsbetrieben o<strong>der</strong> den zentralen<br />
Verteilbetrieben direkt beliefert. Dies führt zu einem komplexen Verteilnetz.<br />
605
606<br />
Dezentrales Verteilkonzept
Ein mo<strong>der</strong>nes Verteilkonzept mit filialkommissionierten Gütern und<br />
Frischeplattformen<br />
Versandhandel<br />
Viele Kunden bestellen sich heute Produkte des täglichen Bedarfs im Internet.<br />
Über Online-Plattformen können heutzutage beinahe alle Produkte bestellt<br />
und nach Hause geliefert werden. Dazu steht eine Vielzahl von Anbietern zur<br />
Verfügung. In den letzten Jahren konnte Digitec/Galaxus in diesem Bereich<br />
stark an Marktanteile gewinnen. Aber auch Detailhändler wie Coop und<br />
Migros schlafen nicht und bieten ihre Artikel über Webshops an.<br />
Hier sind einige Beispiele: Galaxus, Coop Migros Lindt<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />
Auch die EnterSite AG betreibt einen eigenen Webshop.<br />
Besuche uns online!<br />
EnterSite AG<br />
607
4.3 Der Postmarkt<br />
Längst ist die Post nicht mehr das einzige Unternehmen, bei dem Privatkunden<br />
Sendungen aufgeben können. Durch die Öffnung des Postmarktes gibt es<br />
viele verschiedene Unternehmen, welche diese Dienstleistung anbieten.<br />
Allerdings ist die Schweizerische Post AG das einzige Unternehmen, das die<br />
gesetzliche Verpflichtung hat, überall in <strong>der</strong> Schweiz Briefe und Pakete bis zu<br />
einem Gewicht von 20 Kilogramm zu gleichen und günstigen Preisen zu<br />
beför<strong>der</strong>n. Man spricht hier vom Service Public (Dienst an <strong>der</strong> Öffentlichkeit).<br />
Alle an<strong>der</strong>en Unternehmen in diesem Bereich kennen diese Pflicht nicht.<br />
4.3.1 Reservierter Dienst, nicht reservierter Dienst, Wettbewerbsdienst<br />
Die Post bietet in Hinsicht auf die Brief- und Paketzustellung eine gewisse<br />
Grundversorgung an. Dies verursacht auch Kosten. Um die Grundversorgung<br />
zu finanzieren, hat die Post vom Bund das Monopol (Alleinrecht) erhalten,<br />
Sendungen bis zu einem Gewicht von 50 Gramm zu beför<strong>der</strong>n. Bei diesem<br />
sogenannten "reservierten Dienst" steht die Post nicht in Konkurrenz mit<br />
an<strong>der</strong>en Unternehmen: An<strong>der</strong>e Unternehmen dürfen solche Sendungen nicht<br />
zur Beför<strong>der</strong>ung entgegennehmen, es sei denn, es handle sich um<br />
Sendungen mit Bestimmungsort im Ausland.<br />
Briefe über 50 Gramm und Pakete gehören zum "nicht reservierten Dienst", d.<br />
h. die Post muss diese Dienste in Konkurrenz mit privaten Anbietern erbringen.<br />
Die Wettbewerbsdienste umfassen Dienstleistungen, welche die Post<br />
erbringen kann, aber nicht muss. Ein Beispiel dafür sind Express-Sendungen.<br />
Welche Leistungen muss die Post erbringen, welche nicht?<br />
Die folgende Darstellung zeigt auf, bei welchen Dienstleistungen die Post das<br />
Recht auf Alleinhandel hat und welche Dienste auch von Mitbewerbern<br />
angeboten werden können.<br />
608
?? Merke: Die Post muss noch immer einen "Service Public" erfüllen. Dafür<br />
erhält sie den reservierten Dienst, Briefe unter 50 Gramm zu versenden.<br />
4.3.2 Sendungsbeför<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> schweizerischen Post<br />
Grundsätzlich werden Sendungen (Briefe und Pakete), die durch den Kunden<br />
bei <strong>der</strong> Post aufgegeben werden, am Aufgabeort abgeholt und mit dem<br />
Lastkraftwagen (LKW) zum nächstgelegenen Brief- o<strong>der</strong> Paketzentrum<br />
transportiert.<br />
609
Im Brief- o<strong>der</strong> Paketzentrum werden die Sendungen erfasst und sortiert. Liegt<br />
<strong>der</strong> Bestimmungsort <strong>der</strong> Sendung im Einzugsgebiet des Zentrums, wird sie<br />
direkt auf den Zustellbezirk sortiert. Liegt <strong>der</strong> Bestimmungsort ausserhalb des<br />
Einzugsgebiets, wird die Sendung per Bahn an das entsprechende Zentrum<br />
weitergeleitet und dort feinverteilt.<br />
Die Verteilung <strong>der</strong> Sendungen aus den Zentren erfolgt dann bis zu den<br />
Briefzustellregionen (Brief) o<strong>der</strong> Paketbasen wie<strong>der</strong> mit dem LKW. Dort<br />
übernimmt <strong>der</strong> Zusteller die Sendungen und stellt sie entwe<strong>der</strong> mit dem<br />
Dreiradroller (DXP), dem Auto o<strong>der</strong> dem Lieferwagen dem Empfänger zu.<br />
610
Möchtest du den Weg einer Postsendung virtuell miterleben? Dann klicke<br />
hier.<br />
4.4 Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP)<br />
4.4.1 KEP-Anbieter<br />
Neben <strong>der</strong> Schweizerischen Post gibt es eine grosse Anzahl von Firmen, die<br />
Briefe und Pakete von Privat- o<strong>der</strong> Geschäftskunden im In- und Ausland<br />
beför<strong>der</strong>n. Die drei grössten sind die Schweizerische Post, DPD und DHL. Sie<br />
teilen sich den Schweizer Markt.<br />
Neben den drei grössten Anbietern können Unternehmen aber auch unter<br />
einer Vielzahl von Kurierunternehmen auswählen, welche Sendungen in<br />
unterschiedlichen Geschwindigkeiten zum Kunden transportieren. In den<br />
Städten sind vor allem die Velokuriere beliebt, da diese im ständig<br />
wachsenden Verkehr schneller vorwärtskommen.<br />
Eine Vielzahl <strong>der</strong> Anbieter findest du hier.<br />
611
4.5 Distributionsbeispiele<br />
4.5.1 Stückgutverkehr<br />
In <strong>der</strong> Regel werden Pakete, die über 30 Kilogramm schwer sind, auf einer<br />
Palette versendet. Man nennt dies dann Stückgutverkehr.<br />
Für diese Art von Transport bieten sich verschiedene Transportunternehmen<br />
an. Sie holen die Paletten beim Lieferanten ab und bringen sie zu einer<br />
firmeneigenen Umschlagsplattform. Dort werden die Sendungen nach<br />
Regionen zu neuen Wagenladungen sortiert und anschliessend mit dem LKW<br />
direkt zum Empfänger geliefert.<br />
?? Merke: Eine geeignete Distributionsstrategie zu finden, ist für den<br />
Unternehmenserfolg wichtig.<br />
4.5.2 Warenversand ins Ausland<br />
Beim Versand von Waren an Kunden im Ausland muss neben den speziellen<br />
Verpackungsvorschriften auch auf die Verzollung und teilweise auf die Art <strong>der</strong><br />
Versicherung geachtet werden. Da beinahe jedes Land über spezielle<br />
Bestimmungen verfügt, wird für den internationalen Versand meistens ein<br />
Spezialist beigezogen. In <strong>der</strong> Regel sind das sogenannte Speditionen; das sind<br />
Dienstleistungsunternehmen, die den Transport von Waren organisieren.<br />
612
Die Incoterms<br />
Um den Handel über die Landesgrenzen hinaus zu vereinfachen, wurden<br />
international gültige Lieferkonditionen geschaffen, die sogenannten<br />
International Commercial Terms (Incoterms). Die Incoterms regeln folgende<br />
Vertragsbestandteile zwischen Verkäufern und Käufern bzw. zwischen<br />
Importeuren und Exporteuren:<br />
• Aufteilung <strong>der</strong> Kosten <strong>der</strong> Verpackung, Fracht- und<br />
Transportversicherungen<br />
• Beschaffung <strong>der</strong> notwendigen Ein- und Ausfuhrdokumente<br />
• Bezahlung von Zöllen und Steuern<br />
• Übergang <strong>der</strong> Gefahr vom Verkäufer auf den Käufer (Risiko/Haftung)<br />
Folgende Übersicht zeigt, wie weit <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong> das Risiko und die Kosten<br />
trägt:<br />
613
Pflichten des Käufers und Verkäufers nach INCOTERMS 2023<br />
Jedes<br />
Transportmittel<br />
Seefracht und<br />
Binnenschiffsfahrt<br />
Jedes Transportmittel<br />
EXW FCA FAS FOB CFR CIF CPT CIP DAP DPU DPP<br />
Verpackung<br />
Ladegebühren<br />
Transport zum<br />
Export-Standort<br />
Ausfuhrzölle,<br />
Steuern und<br />
Zollabfertigung<br />
Terminalkosten<br />
Herkunftsort<br />
Verladung auf<br />
den Transport<br />
Transportkosten<br />
Versicherung<br />
Terminalkosten<br />
Bestimmungsort<br />
Transport und<br />
Zielort<br />
Entladung am<br />
Bestimmungsort<br />
Einfuhrzölle,<br />
Steuern und<br />
Zollabfertigung<br />
614
Modul 605_Versandart Post<br />
Ausgangslage<br />
Kleine Güter werden mit Kurier-, Express- und Paketdienst (KEP)-Anbietern<br />
versendet. In <strong>der</strong> Schweiz ist <strong>der</strong> grösste KEP-Anbieter die Schweizerische Post AG.<br />
Dieses Kapitel handelt von den Angeboten des "gelben Riesen".<br />
615
Fachartikel Modul 605<br />
5. Versandart Post<br />
5.1 Adressierung<br />
Die korrekte Adressierung ist die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf<br />
von <strong>der</strong> Aufgabe bis zur Zustellung einer Postsendung. Die Adressierung hat im<br />
Verlauf <strong>der</strong> Zeit einige Anpassungen erlebt. Als es noch keine Städte gab und<br />
eine Mehrheit <strong>der</strong> Bewohner auf dem Land in Höfen wohnte, genügten<br />
solche Adressierungen:<br />
Das Wissen, wo und auf welchen Höfen wer wohnt, war in den Köpfen <strong>der</strong><br />
Briefboten. Eine Weitergabe dieses Wissens beschränkte sich auf eine kleine<br />
Anzahl von Personen, die während Jahren die Post täglich auf <strong>der</strong> gleichen<br />
Tour auslieferten.<br />
Im heutigen digitalen Zeitalter muss die Adressierung <strong>der</strong> Briefe und Pakete<br />
genauen Vorgaben entsprechen, damit die Sortiermaschinen fehlerfrei und<br />
lückenlos täglich bis zu 18 Millionen Briefe verarbeiten können.<br />
Die wichtigsten Eckpunkte einer korrekten Adressierung sind:<br />
• linksbündiger Aufbau<br />
• drei bis maximal sechs Zeilen, keine Leerzeilen<br />
• ausgeschriebener Firmenname, Name und Vorname<br />
• vollständiger Strassenname und korrekte Hausnummer<br />
• korrekte Postfachnummer bei Postfachadressen<br />
• korrekte Postleitzahl und vollständiger Ortsname<br />
• keine Unterstreichungen o<strong>der</strong> Sperrungen<br />
616
Die Adresse kann links o<strong>der</strong> rechts platziert werden. Ist sie rechts platziert,<br />
steht mehr Platz für Absen<strong>der</strong>angaben o<strong>der</strong> Werbeaufdrucke zur Verfügung.<br />
Auch bei Paketen sind vordefinierte Fel<strong>der</strong> und Abstände zu berücksichtigen,<br />
damit alles genormt erfasst werden kann.<br />
617
Wie adressiere ich mein Paket korrekt?<br />
Schrift: Schreibe maschinelle Adressen ohne Zierschriften. Wähle eine<br />
Schriftgrösse von mindestens 3 mm, maximal 4 mm (12- bis 16-Punkt-Schrift).<br />
Verwende einen Laser- o<strong>der</strong> Tintenstrahldrucker.<br />
Empfängeradresse: Eine korrekte Empfängeradresse besteht aus einer<br />
Empfängerbezeichnung (Person und/o<strong>der</strong> Firma), Strasse und Hausnummer<br />
o<strong>der</strong> Postfach und Postfachnummer, Postleitzahl und Ort.<br />
Absen<strong>der</strong>adresse: Die Absen<strong>der</strong>adresse sollte vorzugsweise vertikal<br />
geschrieben werden. Die Absen<strong>der</strong>adresse muss links von <strong>der</strong><br />
Empfängeradresse angebracht werden (Abstand zwischen Absen<strong>der</strong>- und<br />
Empfängerblock mindestens 10 mm).<br />
Sendungsbarcode: Jedes Paket ist mit einem Sendungsbarcode versehen.<br />
Dieser enthält Angaben zum Absen<strong>der</strong> sowie die Sendungsnummer und dient<br />
<strong>der</strong> Identifikation <strong>der</strong> Sendung.<br />
Basis- und Zusatzleistungsbarcodes: Für einzelne Basis- und für alle<br />
Zusatzleistungen, wie zum Beispiel PostPac Priority o<strong>der</strong> Signature Post, sind<br />
Kennzeichnungen erfor<strong>der</strong>lich. Sie werden jeweils rechts o<strong>der</strong> oberhalb des<br />
Sendungsbarcodes angebracht.<br />
618
Merke: Einen Brief o<strong>der</strong> ein Paket richtig zu beschriften, sollte für alle eine<br />
Selbstverständlichkeit sein, um die Arbeit <strong>der</strong> Post zu vereinfachen und<br />
dadurch zukünftige Preiserhöhungen zu vermeiden.<br />
5.2 Versandart Briefe und Pakete<br />
Heutzutage kann <strong>der</strong> Kunde aus einer Vielzahl von Basis- und Zusatzleistungen<br />
auswählen.<br />
5.2.1 Basis- Zusatzleistungen bei Briefen<br />
A-Post<br />
B-Post<br />
Einschreiben<br />
Recommandé<br />
(R)<br />
Belegloser<br />
Nachnahme<br />
(BLN)<br />
Wird am nächsten Werktag (inkl. Samstag) zugestellt.<br />
Ist kostengünstiger als A-Post. Eine B-Post-Sendung erreicht<br />
den Empfänger spätestens am dritten Werktag nach<br />
Aufgabe (ohne Samstag)<br />
Der Empfänger erhält die eingeschriebene Sendung nur<br />
gegen Unterschrift. Dadurch kann die Zustellung<br />
rechtskräftig nachgewiesen werden. Die Sendung ist bei<br />
Verlust o<strong>der</strong> Beschädigung bis max. 500 Franken versichert.<br />
Der Postbote händigt die Sendung nur gegen Barzahlung<br />
des Nachnahmebetrags aus. Dieser Betrag wird dem<br />
Absen<strong>der</strong> auf sein Postkonto gutgeschrieben.<br />
Swiss- Express<br />
Mond<br />
Bis vor Schalterschluss aufgegebene Briefe werden am<br />
Folgetag bis 9.00 Uhr zugestellt.<br />
Kurier SameDay Die Kurierangebote kosten mehr, jedoch werden die<br />
Sendungen noch am gleichen Tag zugestellt.<br />
5.2.2 Basis- Zusatzleistungen bei Paketen<br />
PostPac Priority<br />
(PRI)<br />
Wird am nächsten Werktag (ohne Samstag) zugestellt.<br />
619
PostPac<br />
Economy<br />
Sperrgut (SP)<br />
Ist kostengünstiger als PostPac Priority. Die Sendung erreicht<br />
den Empfänger spätestens am zweiten Werktag nach<br />
Aufgabe (ohne Samstag).<br />
Grosse o<strong>der</strong> unverpackte Sendungen gelten als Sperrgut.<br />
Siehe auch: Sperrgut Post<br />
Signature (SI)<br />
Belegloser<br />
Nachnahme<br />
(BLN)<br />
Eigenhändig<br />
(RMP)<br />
Die Sendungen werden dem Empfänger nur gegen<br />
Unterschrift ausgehändigt. Die Post haftet für Schäden aus<br />
Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 1'500 Franken.<br />
Der Postbote händigt die Sendung nur gegen Barzahlung<br />
des Nachnahmebetrags aus. Dieser Betrag wird dem<br />
Absen<strong>der</strong> auf sein Postkonto gutgeschrieben.<br />
Der Paketbote liefert das Paket persönlich und gegen<br />
Unterschrift nur an diejenige Person, die in <strong>der</strong> Adresse<br />
genannt wird (nur für Geschäftskunden <strong>der</strong> Post).<br />
Assurance (AS) Gleich wie bei Signature wird das Paket nur gegen<br />
Unterschrift ausgehändigt. Das Paket ist aber für Schäden<br />
aus Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 5'000 Franken<br />
versichert.<br />
Fragile (FRA)<br />
Swiss- Express<br />
Mond<br />
Das Paket mit empfindlichem Inhalt wird beson<strong>der</strong>s<br />
schonend behandelt und ist für Schäden aus<br />
Beschädigung o<strong>der</strong> Verlust bis zu 5'000 Franken versichert.<br />
Bis vor Schalterschluss aufgegebene Pakete werden am<br />
Folgetag bis 9.00 Uhr zugestellt.<br />
Kurier SameDay Die Kurierangebote kosten mehr, jedoch werden die<br />
Sendungen noch am gleichen Tag zugestellt.<br />
Diese Listen sind nicht abschliessend. Die verschiedenen Basis- und<br />
Zusatzleistungen lassen sich zum Teil auch kombinieren.<br />
?? Merke: Beim Versand eines Briefes o<strong>der</strong> eines Pakets kann aus einer<br />
Vielzahl von Basis- und Zusatzleistungen ausgewählt werden.<br />
Weitere Zusatzleistungen sowie die entsprechenden Gebühren finden sich<br />
hier (Briefe) und hier (Pakete).<br />
Weitere Angebote von an<strong>der</strong>en Kurier-Express-Paket-Anbietern (KEP-<br />
Anbietern) finden sich hier.<br />
620
5.3 Versand ins Ausland<br />
Täglich beför<strong>der</strong>t die Post Tausende von Sendungen über die Schweizer<br />
Grenze ins Ausland. Ob es sich um ein kleines Geschenkpaket o<strong>der</strong> um eine<br />
grosse Warenlieferung handelt - alle Pakete werden von den Zollbehörden im<br />
Herkunfts- und im Bestimmungsland überprüft. Damit die Sendungen von den<br />
Zollbehörden rasch verarbeitet und weitergeleitet werden können, müssen<br />
die verlangten Unterlagen und Formulare vollständig vorliegen und richtig<br />
ausgefüllt sein.<br />
Dieses Video beantwortet die häufigsten Fragen zu den Begleitpapieren für<br />
den internationalen Warenversand:<br />
Briefe und Pakete werden an unterschiedlichen Orten für den Versand ins<br />
Ausland aufbereitet. Pakete ab 2 kg gelangen für den Export nach Urdorf<br />
o<strong>der</strong> nach Zürich Flughafen. Sie werden von dort aus mit dem LKW (Urdorf)<br />
o<strong>der</strong> dem Flugzeug (Zürich Flughafen) ins Ausland transportiert. Briefe bis 2 kg<br />
gelangen für den Export ins Briefzentrum ZH-Mülligen (Hub), von dort aus geht<br />
es weiter ins Ausland (Pakete bis 2 kg gelten im internationalen Postversand<br />
als Dokument).<br />
Nicht nur die Post, auch an<strong>der</strong>e bekannte internationale KEP-Anbieter sind<br />
auf dem Markt tätig und versenden täglich Millionen Sendungen rund um die<br />
Welt.<br />
Hier findest du mehr Informationen <strong>der</strong> Post zu ausländischen Sendungen<br />
für Briefe o<strong>der</strong> Pakete.<br />
5.4 Verarbeitung in Brief- und Paketzentren<br />
Aufgegebene Briefe und Pakete werden in den Brief- o<strong>der</strong> Paketzentren<br />
zunächst nach Versandart (A- und B-Post) und nach ihren Formaten sortiert.<br />
5.4.1 Verarbeitung von Briefen<br />
Jedes <strong>der</strong> drei grossen Briefzentren <strong>der</strong> Schweiz hat sein Einzugsgebiet für die<br />
Erstaufgabe und Stempelung. Die Briefbehälter werden vom Postpersonal<br />
entleert und für die Stempelung vorbereitet.<br />
621
Die Anlage stempelt die Briefsendungen und erkennt innerhalb eines<br />
Bruchteiles einer Sekunde die Strasse und die Postleitzahl.<br />
Erkennt die Anlage Strasse und Postleizahl nicht, so wird <strong>der</strong> Brief aussortiert<br />
und auf eine Umlaufschlaufe abgeleitet. Dabei wird ein Bild gemacht. Dieses<br />
Sendungsbild wird nach Chur gesendet, wo ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin<br />
<strong>der</strong> Post die Adresse manuell im System eintippt.<br />
Es wird dem Brief in <strong>der</strong> Codierzone einen postinterne Zuordnung aufgedruckt.<br />
Dieser Aufdruck ist <strong>der</strong> Auftrag für die Sortiermaschine.<br />
Die Sortiermaschine sortiert nach: Zustellstelle, Zustellbezirk, Strasse,<br />
Hausnummer.<br />
Ebenfalls wird die richtige Reihenfolge <strong>der</strong> Briefkastenanlage berücksichtigt.<br />
Diese Sortierung nennt sich Gangfolgesortierung. Der Zusteller erhält am<br />
Folgetag einen Briefbehälter (BB), <strong>der</strong> bereits für die Zustellung vorsortiert<br />
wurde.<br />
5.4.2 Verarbeitung von Paketen<br />
Bei den Paketen wird eine Triage vorgenommen. Die Pakete werden in<br />
grossen Rollbehältern (RX) transportiert. Die Sortierung erfolgt nach Priority und<br />
Economy sowie Sperrgut und Paketen.<br />
Die Pakete werden analog <strong>der</strong> Briefe nach Einzugsgebiet (abhängig von <strong>der</strong><br />
Postleizahl) in den verschiedenen Paketzentren entladen und<br />
weiterverarbeitet. Die Pakete werden den Zustellbasen per Bahn o<strong>der</strong> LKW<br />
zugeführt, wo sie dann auf die verschiedenen Zustellbezirke verteilt werden.<br />
5.4.3 Gesundheit bei <strong>der</strong> Verarbeitung<br />
Das Exoskelett<br />
Wie in Modul 405 beschrieben, gehören Rückenverletzungen zu den<br />
häufigsten Verletzungen bei Logistikersinnen und Logistikern. Das Exoskelett<br />
622
kann helfen, diese zu vermeiden. Es ist eine äussere Struktur, um den<br />
menschlichen Körper zu unterstützen. Das Ziel ist, mit Hilfe eines tragbaren<br />
Roboters den menschlichen Körper zu schonen und ergonomisches Arbeiten<br />
zu ermöglichen. Bei richtiger Anwendungen werden Krankheits- Unfalltage<br />
<strong>der</strong> Mitarbeitenden deutlich reduziert.<br />
Das Exoskelett hält in vielen Schweizer Unternehmen Einzug. Auch die<br />
Schweizerische Post testet in Paketzentren verschiedene Modelle von<br />
Exoskeletten.<br />
Hier findest du mehr Informationen, wie die Schweizerische Post das<br />
Exoskelett anwendet.<br />
Wo immer möglich ist das Tragen schwerer Lasten zu vermeiden. Benütze<br />
Hilfsmittel wie Hubwagen, Plattformwagen, Scherenhubtische, Vakuumheber,<br />
Traggurte o<strong>der</strong> Stechkarren (auch Sackkarren genannt).<br />
Die SUVA beschäftigt sich seit längerem mit <strong>der</strong> Schulung des richtigen<br />
"Hebens", um Arbeitsausfälle möglichst zu verhin<strong>der</strong>n.<br />
Hier geht es zu den wichtigsten Sicherheitsregeln und Tipps <strong>der</strong> SUVA.<br />
5.5 Zustellung<br />
In städtischen Gebieten erfolgt die Zustellung von Briefen, Paketen und<br />
Expresspost getrennt, während auf dem Land diese Aufgaben vom selben<br />
Boten übernommen werden. Mit <strong>der</strong> Reorganisation <strong>der</strong> Post wurden PostMail<br />
(Briefe) und PostLogistics (Pakete) zusammengeführt. Der neue Bereich<br />
"Logistik Services" sieht eine Durchmischung vor.<br />
Je nach Wirtschaftlichkeit, Leistungsangebot und örtlichen Verhältnissen wird<br />
zu Fuss, mit dem Velo, Elektro-Roller, Elektro-Dreiradfahrzeug (DXP), Auto o<strong>der</strong><br />
mit dem Lieferwagen zugestellt. Der Service Public verlangt eine<br />
flächendeckende Grundversorgung mit Postdienstleistungen. Die<br />
Zustelltouren können deshalb sehr unterschiedlich aussehen. In städtischen<br />
Verhältnissen stellt ein Bote täglich über 2'000 Briefe zu. Auf dem Land sind es<br />
bedeutend weniger Sendungen, dafür sind dort Wegstrecken von über 50 km<br />
keine Seltenheit.<br />
Für die Zustellung benötigt <strong>der</strong> Bote einen Handscanner. Dieser erkennt<br />
Barcodes und lädt alle Daten <strong>der</strong> Kunden (z. B. alle Bewohner eines<br />
Haushalts). Zieht ein neuer Kunde in eine freistehende Wohnung ein, erfasst<br />
<strong>der</strong> Zusteller diese Daten im Adressmanagement <strong>der</strong> Post (AMP). Die AMP-<br />
623
Daten werden täglich von allen Postboten in <strong>der</strong> Schweiz gepflegt. Mit<br />
korrekten Adressen reduzieren sich Fehllieferungen.<br />
Identitätsnachweis<br />
Die Übergabe von Sendungen an Personen, die wir nicht persönlich kennen,<br />
zum Beispiel bei einer Zustellung einer "RMP <strong>–</strong> Eigenhändig" Sendung (?? siehe<br />
Kapitel 5.2.2), erfor<strong>der</strong>t eine Überprüfung <strong>der</strong> Identität. Die eindeutige<br />
Identifikation einer Person ist nur mit Hilfe eines amtlich ausgestellten<br />
Dokumentes möglich, das ein Foto und die Unterschrift des Inhabers enthält.<br />
Die gängigsten amtlichen Identifikationspapiere sind:<br />
• Identitätskarte<br />
• Reisepass<br />
• Schweizerischer Führerausweis für Motorfahrzeuge<br />
• Auslän<strong>der</strong>ausweis<br />
• Personalausweis Post<br />
5.5.1 PickPost<br />
Die Post bietet an über 2'400 PickPost-Stellen den flexiblen Versand und<br />
Empfang von Paketen und eingeschriebenen Briefen an. Eine PickPost-Stelle<br />
kann z. B. ein SBB-Schalter o<strong>der</strong> eine Tankstelle sein. Mit <strong>der</strong> alternativen<br />
Zustellmöglichkeit PickPost können Privatkunden selber entscheiden, wo sie<br />
624
ihre Sendungen abholen möchten. Für Absen<strong>der</strong> und Empfänger entstehen<br />
keine zusätzlichen Kosten. Sie lassen ihre Sendung an die Adresse <strong>der</strong> Pick<br />
Post-Stelle adressieren. Die Avisierung des Kunden wird durch den Boten via<br />
Scanner ausgelöst. Der Sendungsempfänger erhält ein SMS o<strong>der</strong> eine E-Mail,<br />
dass er die Sendung dort abholen kann.<br />
5.5.2 My Post 24-Automaten<br />
My Post 24 ist eine Dienstleistung, die den Kunden rund um die Uhr (24/7) zur<br />
Verfügung steht. Der Automat als Servicepunkt erfüllt das Bedürfnis nach<br />
örtlicher und zeitlicher Flexibilität und ist dabei einfach bedienbar und sicher.<br />
Sendungen können abgeholt o<strong>der</strong> aufgegeben werden. Ausserdem kann<br />
<strong>der</strong> Kunde auch eine alternative Zustelladresse angeben o<strong>der</strong> kostenlos eine<br />
zweite Zustellung verlangen. Private KEP-Anbieter haben ähnliche Produkte<br />
und Dienstleistungen, die auf ihrer Homepage ersichtlich sind.<br />
625
Modul 606_Strassenverkehr<br />
Ausgangslage<br />
Die Strasse ist als Verkehrsträger flexibel und günstig und deshalb beson<strong>der</strong>s geeignet<br />
für die Feinverteilung von Gütern. Egal ob mit Lastwagen o<strong>der</strong> Elektroroller, die<br />
Verteilung über die Strasse erfolgt zu individuell gewählten Zeiten.<br />
626
Fachartikel Modul 606<br />
6. Strassenverkehr<br />
6.1 Der Strassenverkehr<br />
Obwohl in <strong>der</strong> Schweiz seit dem Jahr 2001 eine leistungsabhängige<br />
Schwerverkehrsabgabe (LSVA) (??siehe Kapitel 6.2.5) erhoben wird, bleibt<br />
<strong>der</strong> Strassenverkehrstransport sehr günstig. Er überzeugt mit einer enormen<br />
Flexibilität und Gestaltungsfreiheit, egal welche Produkte wann und wohin<br />
geliefert werden müssen.<br />
Der Strassentransport ist <strong>der</strong> perfekte Partner in <strong>der</strong> Feinverteilung von Gütern.<br />
Lei<strong>der</strong> führt die enorme Popularität des Strassentransports zu immer mehr<br />
Staus. Ausserdem wird in <strong>der</strong> Schweiz <strong>der</strong> Strassentransport stark reglementiert<br />
und gesetzlich geregelt, z. B. durch Nachtfahrverbote, Sonn- und<br />
Feiertagsverbote, Lenkzeitregulierungen usw.<br />
Der Personen- und Güterverkehr in <strong>der</strong> Schweiz ist im Mittelland sehr dicht. Die<br />
Verkehrsdichte nimmt ständig zu und führt an Engpässen regelmässig zu<br />
Staus. Ein kontinuierlicher Ausbau soll Abhilfe bringen. Die wichtigste<br />
Verbindung von Norden nach Süden ist via Gotthardstrassentunnel und wird<br />
täglich von vielen Fahrzeugen befahren.<br />
627
?? Weitere Informationen zum Güterverkehr findest du hier.<br />
Die inländischen schweren Güterfahrzeuge transportieren grösstenteils Waren,<br />
welche für die Versorgung <strong>der</strong> Bevölkerung wichtig sind. Im Jahr 2019 stand<br />
<strong>der</strong> Transport von Nahrungsmitteln an erster Stelle.<br />
628
6.1.1 Dynamische Kräfte im Strassenverkehr<br />
Im Zusammenhang mit Bewegung treten dynamische Kräfte auf. Gemessen<br />
werden Beschleunigungen und Verzögerungen in m/s 2 (Meter pro Sekunde im<br />
Quadrat, auch Newton genannt). Die Erdbeschleunigung beträgt ungefähr<br />
10 m/s 2 . Eine Masse von einem Kilogramm wird also mit einer Kraft von 10<br />
Newton auf <strong>der</strong> Erde festgehalten. Die Beschleunigung von 10 m/s 2 (genau<br />
9,81) heisst deshalb 1 g (Gravitation).<br />
Beschleunigungskraft<br />
Verzögerungskraft<br />
Fliehkraft<br />
Vertikal wirkende Kräfte (Vibration)<br />
Beschleunigungskraft<br />
Jede Bewegung einer Masse braucht Kraft, also auch die Beschleunigung. Je<br />
stärker die Beschleunigung und je schwerer die Masse, desto mehr Kraft ist im<br />
Spiel. Fachleute sprechen von Beschleunigungskraft. Wer sein Auto in zehn<br />
Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt, wird mit einer Kraft von etwa 28<br />
Prozent seines Körpergewichts gegen die Rückenlehne des Sitzes gedrückt.<br />
629
Beschleunigungskräfte wirken entgegen <strong>der</strong> Fahrtrichtung, also gegen hinten.<br />
Deren Stärke hängt von <strong>der</strong> Antriebskraft des Fahrzeugs ab.<br />
Verzögerungskraft<br />
Nicht nur die Beschleunigung einer Masse braucht Kraft. Um eine in<br />
Bewegung geratene Masse abzubremsen, braucht es dieselbe Kraft, die zur<br />
Beschleunigung nötig war. In <strong>der</strong> Fachsprache ist dies die Verzögerungskraft.<br />
Sie basiert auf <strong>der</strong> Trägheit einer Masse. Einfach ausgedrückt: Jede Masse<br />
"wehrt" sich gegen Än<strong>der</strong>ungen ihres Bewegungszustands. Diese Trägheit<br />
verspürt man auch beim Abbremsen. Verzögerungskräfte von bis zu 1 g sind<br />
nicht selten. Eine 80 kg schwere Person wird bei dieser Verzögerung mit 800 N<br />
nach vorne gedrückt. Sie empfindet dies so, als ob 80 Kilo auf ihr lasten<br />
würden. Da die Bremskraft von Fahrzeugen in <strong>der</strong> Regel grösser ist als <strong>der</strong>en<br />
Antriebskraft, ist die auftretende Verzögerungskraft wesentlich grösser als die<br />
Beschleunigungskraft.<br />
Fliehkraft<br />
Beim Kurvenfahren wird eine Kraft spürbar, die nach aussen zieht: die<br />
Fliehkraft. Diese Bezeichnung beschreibt treffend, dass eine Masse bei<br />
Kurvenfahrt aus <strong>der</strong> Kurve "fliehen" will. Die Stärke dieser Fliehkraft ist vom<br />
Radius <strong>der</strong> Kurve und von <strong>der</strong> Geschwindigkeit des Fahrzeugs abhängig. Der<br />
Einfluss <strong>der</strong> Geschwindigkeit wird oft unterschätzt. Dies passiert beson<strong>der</strong>s<br />
häufig, wenn sich Fahrer an die Geschwindigkeit gewöhnt haben, zum<br />
Beispiel nach einer Fahrt auf <strong>der</strong> Autobahn. Im Verhältnis zur Geschwindigkeit<br />
nehmen Kräfte im Quadrat zu. Dies gilt auch für die Fliehkraft. Eine<br />
Verdoppelung <strong>der</strong> gefahrenen Geschwindigkeit in einer Kurve hat also eine<br />
Vervierfachung <strong>der</strong> Fliehkraft zur Folge. Neigt sich die Ladefläche infolge <strong>der</strong><br />
Fe<strong>der</strong>ung, wird die Wirkung verstärkt. Wenn sich die Ladung seitlich<br />
verschieben kann, kann das Fahrzeug sogar kippen.<br />
Vertikal wirkende Kräfte (Vibration)<br />
Bei <strong>der</strong> Fahrt auf <strong>der</strong> Strasse wirken auch vertikale Kräfte, vor allem in Form<br />
von Stössen, Schwingungen und Vibrationen. Diese zusätzlichen vertikalen<br />
Kräfte reichen zwar nicht aus, um die Ladung von <strong>der</strong> Ladefläche<br />
abzuheben, aber sie verringern die Reibung bzw. die Haftung. Durch<br />
Vibration kann eine Ladung förmlich die Bodenhaftung verlieren und<br />
verrutschen. Eine Ladung ohne ausreichende Bodenhaftung stellt deshalb<br />
630
eine Gefahr dar. Vertikalen Kräften wirkt man durch Nie<strong>der</strong>zurren <strong>der</strong> Ladung<br />
entgegen.<br />
?? Merke: Die dynamischen Kräfte helfen zu verstehen, wie man eine Ladung<br />
sichern muss.<br />
6.1.2 Fahrzeug sichern<br />
Bevor mit dem Verladen von Gütern begonnen wird, müssen die Fahrzeuge<br />
richtig gesichert werden.<br />
Mehr zur Fahrzeugsicherung findest du hier .<br />
6.2 Die Lastverteilung<br />
6.2.1 Gesetzliche Grundlagen<br />
Die Lastverteilung und die Lastsicherung <strong>der</strong> Güter sind im Gesetz geregelt.<br />
Dieses besagt, dass die Ladungen auf einem Fahrzeug so platziert werden<br />
müssen, dass auf den jeweiligen Achsen nicht zu viel o<strong>der</strong> zu wenig Gewicht<br />
liegt.<br />
Das Gesetz schreibt vor, dass die Ladung auf einem Fahrzeug so positioniert<br />
werden muss, dass:<br />
• auf <strong>der</strong> Lenkachse mindestens 20 Prozent des Betriebsgewichtes liegen<br />
• auf <strong>der</strong> Antriebsachse mindestens 25 Prozent des Betriebsgewichtes liegen<br />
• die maximalen Achslasten nicht überschritten werden<br />
631
• das Gesamtgewicht des Fahrzeuges eingehalten wird.<br />
In einem Fahrzeugausweis sind unter an<strong>der</strong>em folgende Daten ersichtlich, die<br />
für die Ladungsaufnahme und die Lastverteilung wichtig sind:<br />
• maximale Achsbelastungen<br />
• das Nettogewicht<br />
• die Nutzlast<br />
• das Gesamtgewicht<br />
Das heisst, die Lastverteilung wird so durchgeführt, dass das jeweilige<br />
Fahrzeug in je<strong>der</strong> Verkehrssituation ohne Einschränkungen lenkbar ist.<br />
Dadurch werden Unfälle vermieden.<br />
6.2.2 Verladung und Sicherung<br />
Die Ladung kann folgen<strong>der</strong>massen auf ein Fahrzeug verladen und gesichert<br />
werden:<br />
Formschlüssig<br />
Formschlüssig ist dann passend, wenn die<br />
Güter auf allen Seiten an die<br />
La<strong>der</strong>aumbegrenzungen anliegen (Stirnwand,<br />
632
Seitenwand rechts und links und Rückwand).<br />
Dadurch kann die Ladung nicht verrutschen.<br />
Kraftschlüssig<br />
Kraftschlüssig ist dann gegeben, wenn die<br />
Güter frei auf <strong>der</strong> Ladebrücke positioniert<br />
werden. Die Ladung liegt nicht an <strong>der</strong><br />
La<strong>der</strong>aumbegrenzung an und könnte ohne<br />
Sicherung verrutschen. Bei dieser Variante ist<br />
<strong>der</strong> Anspruch an die Ladungssicherung sehr<br />
hoch.<br />
Mit Nutzlastverteilplan<br />
Mit einem Nutzlastverteilplan kann bestimmt<br />
werden, ob die komplette Ladung an die<br />
Stirnwand positioniert werden kann.<br />
6.2.3 Die Beladung<br />
Die Ladungen (Paletten) können quer, längs o<strong>der</strong> gemischt (quer und längs)<br />
auf das Fahrzeug geladen werden. Ist eine bestimmte Abla<strong>der</strong>oute<br />
vorgesehen, muss bei <strong>der</strong> Lastverteilung die Routenplanung mit einbezogen<br />
werden. Bei <strong>der</strong> Routenplanung wird die Ladung nach dem Prinzip LIFO (Last<br />
in, First out) verladen.<br />
633
Vorgehensweise <strong>der</strong> Lastverteilung<br />
1. Ladung als Ladeblock festlegen<br />
(längs, quer o<strong>der</strong> gemischt) und<br />
den Schwerpunkt <strong>der</strong> Ladung<br />
ermitteln (sollte in <strong>der</strong> Mitte des<br />
Ladeblockes sein).<br />
2. Länge des definierten<br />
Ladeblockes berechnen (Länge,<br />
Breite <strong>der</strong> Paletten).<br />
3. Ladung in die Mitte <strong>der</strong><br />
Ladefläche platzieren (nach LIFO-<br />
Prinzip gemäss dem Routenplan<br />
verladen). Die Paletten nach den<br />
Gewichten gleichmässig um den<br />
Schwerpunkt des Ladeblockes<br />
verteilen.<br />
4. Das Vorgehen bei <strong>der</strong> Beladung<br />
mit einem Nutzlastverteilplan ist<br />
dasselbe. Jedoch muss geschaut<br />
werden, ob <strong>der</strong><br />
Lastschwerpunktabstand innerhalb<br />
des "grünen Bereichs" liegt.<br />
Ansonsten darf die Ladung nicht<br />
direkt an die Stirnwand verladen<br />
werden.<br />
634
6.2.4 Die Lastsicherung<br />
Neben <strong>der</strong> Lastverteilung ist auch das Sichern <strong>der</strong> Ladung gegen das<br />
Verrutschen während <strong>der</strong> Fahrt sehr wichtig. Gemäss Gesetz muss die Ladung<br />
auf einem Fahrzeug gegen alle dynamischen Kräfte gesichert werden. Die<br />
Güter können mit verschiedenen Lastsicherungshilfsmittel auf dem Fahrzeug<br />
gesichert werden.<br />
Zurrgurte Zurrketten Sicherungsnetz<br />
Antirutschmatten<br />
Horizontale und vertikale<br />
Sperrbalken<br />
Luftkissen (aufblasbar)<br />
6.3 Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)<br />
Seit Anfang 2005 sind in <strong>der</strong> Schweiz Anhängerzüge und<br />
Sattelmotorfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht bis zu 40 Tonnen zugelassen.<br />
Dieses Gesamtgewicht gilt in <strong>der</strong> EU bereits länger. In bilateralen Abkommen<br />
(Verträge zwischen <strong>der</strong> EU und <strong>der</strong> Schweiz) wurde diese neue Gewichtslimite<br />
635
vereinbart. Die Schweiz möchte aber einen möglichst grossen Teil des alpenquerenden<br />
Transitverkehrs auf die Schienen verlagern. Das Schweizer<br />
Stimmvolk hat im September 1998 bei einer Volksabstimmung mit deutlicher<br />
Mehrheit <strong>der</strong> leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA)<br />
zugestimmt. Diese wurde Anfang 2001 eingeführt. Die Abgabe gilt mit einigen<br />
Ausnahmen für alle Motorfahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht.<br />
Um die Transportunternehmer zur Anschaffung abgasarmer Fahrzeuge zu<br />
ermuntern, wird die LSVA aufgrund <strong>der</strong> Emissionen (Abgaswerte) <strong>der</strong><br />
Fahrzeuge erhoben. Fahrzeuge mit guten Abgaswerten werden weniger<br />
besteuert als solche, die höhere Messwerte aufweisen. Die Fahrleistung wird<br />
bei Schweizer Fahrzeugen mit einem fest eingebauten elektronischen<br />
Erfassungsgerät ermittelt. Dieses ist mit dem Fahrtenschreiber (Tachograf)<br />
gekoppelt und zeichnet die Fahrleistung automatisch auf. Eine GPS-Antenne<br />
(GPS = Global Positioning System) dient dazu, die Fahrleistung zu kontrollieren.<br />
Ausländische Fahrzeuge lassen entwe<strong>der</strong> das Erfassungsgerät einbauen o<strong>der</strong><br />
bezahlen am Zoll die Gebühren mit einer CHIP-Karte.<br />
Ziele <strong>der</strong> LSVA sind:<br />
• Das Wachstum des Strassenschwerverkehrs begrenzen.<br />
• Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene för<strong>der</strong>n.<br />
• Die Umwelt entlasten.<br />
Verwendung <strong>der</strong> LSVA<br />
Ein Drittel <strong>der</strong> Nettoeinnahmen aus <strong>der</strong> LSVA gehen an die Kantone, zwei<br />
Drittel gehen an den Bund. Die Kantone verwenden ihren Anteil zum<br />
Ausgleich <strong>der</strong> ungedeckten Kosten im Strassenverkehr. Der Bund verwendet<br />
seine Einnahmen hauptsächlich zur För<strong>der</strong>ung von Bahnprojekten und<br />
Lärmsanierungen (NEAT, Bahn 2000, Anschluss ans europäische<br />
Hochgeschwindigkeitsnetz).<br />
Die Daten <strong>der</strong> Fahrzeuge werden monatlich an die Zollverwaltung übermittelt.<br />
Diese erstellt eine Rechnung pro Fahrzeug.<br />
?? Merke: Die Kosten für die LSVA sind für ein Transportunternehmen hoch.<br />
Dadurch lohnt es sich, mo<strong>der</strong>ne Fahrzeuge zu beschaffen und so die Natur zu<br />
schützen.<br />
636
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG:<br />
Ein Lastwagen fährt vom Hauptsitz Rupperswil in die Nie<strong>der</strong>lassung in Marly.<br />
Dabei legt er 122 km zurück.<br />
Da wir einen älteren Lastwagen fahren (EURO 5) und dieser für 26 Tonnen<br />
zugelassen ist, müssen wir alleine für die LSVA Steuern insgesamt 98.35<br />
Franken bezahlen. Bei einem neueren Lastwagen (EURO 6) wäre dieser<br />
Betrag jedoch nur noch 72.30 Franken.<br />
Hier geht es zum LSVA Rechner<br />
637
Modul 607_Schienenverkehr<br />
Ausgangslage<br />
Der Verkehrsträger Schiene ist günstig, umweltschonend und beson<strong>der</strong>s<br />
geeignet für den Transport von grossen Mengen schwerer Güter.<br />
638
Fachartikel Modul 607<br />
7. Schienenverkehr<br />
Der Schienengüterverkehr ist eine kostengünstige und umweltschonende<br />
Variante, grosse Warenmengen zu transportieren. In <strong>der</strong> Schweiz hat <strong>der</strong><br />
Schienenverkehr einen hohen Stellenwert. Für die Logistikbetriebe ist enorm<br />
wichtig, dass so das Nachtfahrverbot für Lastwagen umgangen werden kann.<br />
Typischerweise werden die überregionalen und schweizweiten Transporte mit<br />
<strong>der</strong> Bahn bewältigt. Die Abholungen bei den Kunden und die Zustellungen<br />
erfolgen dagegen auf <strong>der</strong> Strasse.<br />
In Europa sind Bahnverbindungen ebenfalls wichtig. Vor allem für den Nord-<br />
Süd-Verkehr hat die Schweiz eine zentrale Bedeutung. Auch beim Verkehr<br />
von Asien nach Europa gewinnt <strong>der</strong> Schienenweg an Bedeutung und wird<br />
vermehrt dem Schiffsverkehr vorgezogen. Dies ist möglich dank massiven<br />
Investitionen in das Schienennetz. Die "Neue Seidenstrasse" (?? siehe Kapitel<br />
7.1.3) trägt stark zu dieser Entwicklung bei.<br />
Jährlich transportiert die SBB Cargo AG rund 29,8 Millionen Tonnen Güter<br />
netto im Wagenladungs-, Ganzzugs- und im kombinierten Verkehr innerhalb<br />
<strong>der</strong> Schweiz. Dies entspricht knapp 10’000 Lastwagenfahrten pro Tag.<br />
Der Güterverkehr per Bahn hat einige Vorteile gegenüber den an<strong>der</strong>en<br />
Verkehrsträgern:<br />
• schneller als <strong>der</strong> Schiffsverkehr<br />
• günstiger als <strong>der</strong> Flugverkehr<br />
• wesentlich umweltschonen<strong>der</strong> als die Verkehrsträger Luft, Wasser und Strasse<br />
Beispiel Rheinhäfen<br />
Die Schweizerischen Rheinhäfen in <strong>der</strong> Region Basel haben das Ziel, 50<br />
Prozent <strong>der</strong> Container auf die Schiene zu verlagern. Somit würden pro Jahr<br />
über 100’000 LKW-Fahrten auf die Schiene verlagert und damit die Strassen in<br />
<strong>der</strong> Nordwestschweiz stark entlastet. Zum Vergleich: Aufgrund mangeln<strong>der</strong><br />
Effizienz in den Rheinhäfen verlassen heute 90 Prozent <strong>der</strong> Container die<br />
Hafenterminals per LKW und nur 10 Prozent per Bahn.<br />
Für diese Zielerreichung ist <strong>der</strong> Bau eines neuen Hafenbeckens in Basel<br />
zentral. Der "Gateway Basel Nord" wird die drei Verkehrsträger Schiene,<br />
Strasse, Wasser noch besser verknüpfen und zur Steigerung des Bahnverkehrs<br />
beitragen.<br />
639
7.1 Die wichtigsten Routen<br />
7.1.1 Schweiz<br />
Seit jeher ist die Nord-Süd-Route durch die Schweiz wichtig für ganz Europa.<br />
Bereits 1882 wurde <strong>der</strong> Gotthard-Tunnel eröffnet, ein erster enormer<br />
Meilenstein in <strong>der</strong> Geschichte des Schienenverkehrs durch die Schweiz. Dem<br />
NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) ist in diesem Kapitel ein eigener<br />
Abschnitt gewidmet. Für die Schweiz wirtschaftlich sehr wichtig ist ebenso die<br />
West-Ost-Route von Genf via Bern und Zürich in die Ostschweiz.<br />
7.1.2 Europa<br />
Auf dieser Karte von SBB Cargo sieht man deutlich die Wichtigkeit <strong>der</strong> Nord-<br />
Süd-Verbindungen für Europa. Seit dem Vertrag von Maastricht (7. Februar<br />
1992) dürfen europäische Bahnunternehmen das gesamte Streckennetz in<br />
Europa län<strong>der</strong>übergreifend nutzen.<br />
640
7.1.3 Global<br />
Nicht überall hat <strong>der</strong> Schienenverkehr die gleiche Bedeutung. Vor allem im<br />
Verkehr von Asien nach Europa wird das Schienennetz massiv erneuert. Hier<br />
hat bisher China eine Vormachtstellung und investiert stark, sowohl in den<br />
Seeweg als auch immer stärker in den Schienenweg. Die "Neue Seidenstrasse"<br />
- "Belt and Road Initiative" (BRI) - entsteht.<br />
641
7.1.4 Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT)<br />
Die Lötschberg- und die Gotthard-Route sind die wichtigsten Nord-Süd-<br />
Verbindungen durch die Schweiz. Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale<br />
(NEAT) ist ein Jahrhun<strong>der</strong>twerk, von dem die ganze Schweiz profitiert. Mit drei<br />
neuen Basistunneln durch die Alpen und dem Ausbau <strong>der</strong> Zufahrtsstrecken<br />
bringt sie den Norden und Süden <strong>der</strong> Schweiz und Europa enger zusammen.<br />
Der Lötschberg- Basistunntel ist 34,7 Kilomter lang und seit 2007 in Betrieb. Der<br />
Gotthard-Basistunnel wurde 2016 in Betrieb genommen und ist mit 57<br />
Kilometern <strong>der</strong> längste Eisenbahntunnel <strong>der</strong> Welt. 2020 wurde die NEAT mit <strong>der</strong><br />
Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels vollendet. Im Güterverkehr stärkt die<br />
Flachbahn den umweltschonenden Schienentransport.<br />
Die Vorteile <strong>der</strong> NEAT<br />
Mehr Kapazität Dem Güterverkehr stehen auf <strong>der</strong> Transitachse täglich 210<br />
Trassen zur Verfügung. Aufgrund noch laufen<strong>der</strong><br />
Abschlussarbeiten im Gotthard-Basistunnel kann die volle<br />
Kapazität von 260 Trassen erst per Ende 2022 angeboten<br />
werden.<br />
Zeitgewinn<br />
Längere,<br />
schwerere und<br />
schnellere Züge<br />
Die Fahrzeit von Rotterdam nach Mailand verkürzt sich um<br />
rund zwei Stunden.<br />
Seit Dezember 2020 können Güterzüge mit einer Länge<br />
von bis zu 750 Metern und einem Gewicht von bis zu 2’100<br />
Tonnen in Fahrrichtung Nord<strong>–</strong>Süd bzw. bis zu 2’000 Tonnen<br />
in Fahrrichtung Süd<strong>–</strong>Nord auf <strong>der</strong> Achse verkehren. Die<br />
642
Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge beträgt in <strong>der</strong> Regel<br />
100 km/h.<br />
Nachhaltigere<br />
Transporte<br />
Nach einer Aufbauphase wird ab Ende 2022 die tägliche<br />
Kapazität auf mehr als 3'000 Stellplätze für Sattelauflieger<br />
erhöht. Mit jedem per Bahn transportierten Sattelauflieger<br />
spart SBB Cargo 0,3 Tonnen CO2 ein. Das entspricht rund<br />
60'000 mit CO2 gefüllten Luftballons. Bei voller Auslastung<br />
<strong>der</strong> Kapazitäten können täglich 890 Tonnen CO2<br />
eingespart werden.<br />
?? Merke: Die Gesamtkosten <strong>der</strong> NEAT belaufen sich auf 17,76 Milliarden<br />
Franken.<br />
7.2 Dynamische Kräfte im Schienenverkehr<br />
Im Bahnverkehr wirken beim Überfahren von Weichen o<strong>der</strong> beim Rangieren<br />
zum Teil grosse Belastungen auf das beför<strong>der</strong>te Gut.<br />
Verzögerungskraft<br />
An einem Rangierbahnhof muss das Ladegut, z. B. in einem von einem<br />
Ablaufberg rollenden Güterwagen, beim Aufprall auf einen bereitstehenden<br />
Güterzug bis zu 4 g aushalten.<br />
Vibration (vertikal wirkende Kräfte) und Fliehkraft<br />
Weniger heftig sind die Vibrationen von ca. 0,3 g beim Überfahren von<br />
Weichen und bei Kurvenfahrten.<br />
643
7.2.1 Bahnwagen sichern<br />
Bevor mit dem Verladen von Gütern begonnen wird, müssen die Fahrzeuge<br />
richtig gesichert werden.<br />
Mehr zur Fahrzeugsicherung findest du hier .<br />
7.2.2 Güter richtig verladen<br />
Pflichten des Verla<strong>der</strong>s/des Kunden<br />
Der Verla<strong>der</strong>/Kunde haftet gemäss Artikel 13 Absatz 2 CIM (?? Einheitliche<br />
Rechtsvorschriften für den Vertrag über die internationale<br />
Eisenbahnbeför<strong>der</strong>ung von Gütern) für alle Folgen <strong>der</strong> mangelhaften<br />
Verladung. Der Kunde ist gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen<br />
(AGB) von SBB Cargo für die Einhaltung <strong>der</strong> Verla<strong>der</strong>ichtlinien und<br />
Lastgrenzen sowie für die korrekte Gewichtsangabe im Frachtbrief<br />
verantwortlich.<br />
Je<strong>der</strong> Über- und Falschverlad kostet Zeit und Geld. Folgende<br />
Vorsichtsmassnahmen helfen sicherzustellen, dass die Ware pünktlich und<br />
sicher am Ziel ankommt:<br />
• Ladegut gemäss Verla<strong>der</strong>ichtlinie verladen und sichern<br />
• Ladegut gleichmässig im Wagen verteilen<br />
644
• Vermeidung <strong>der</strong> Beladung bis zur höchstzulässigen Lastgrenze bei Gütern, die<br />
witterungsabhängig Feuchtigkeit aufnehmen können (Stammholz,<br />
Holzhackschnitzel, Sand, Kies, usw.)<br />
• Vorhandene Wiegeeinrichtungen nutzen (Gleis-, Bagger-, Band-,<br />
Kranwaagen, usw.)<br />
Sehr wichtig ist die korrekte Gewichtsverteilung. Das Hauptgewicht sollte auf<br />
den Achsen lasten. Generell muss das Gewicht gleichmässig verteilt sein.<br />
Trennwände o<strong>der</strong> Luftkissen (Druckgarnituren) können zur kompakteren<br />
Ladung verwendet werden.<br />
Beispiele zur Lastverteilung<br />
Ladungssicherung mit Luftkissen in <strong>der</strong> Mitte des Bahnwagens:<br />
Ladungssicherung mit Trennwänden:<br />
Zerbrechliche Waren nie direkt an die Stirnwände laden!<br />
Achsbelastung max. im Verhältnis 1:2<br />
645
(Beispiel: linke Achse 5 t = rechte Achse max. 10 t)<br />
Drehgestellbelastung max. im Verhältnis 1:3<br />
(Beispiel: linkes Drehgestell 7 t = rechtes Drehgestell max. 21 t)<br />
Ein Beispiel für die ideale Lastverteilung in Querrichtung: Das Ladegewicht<br />
auf einer Seite darf die gegenüberliegende Seite um maximal 25 Prozent,<br />
o<strong>der</strong> den Faktor 1.25 übertreffen, siehe Rechnungsbeispiel:<br />
?? Merke: Eine gute Verladung <strong>der</strong> Bahnwagen verhin<strong>der</strong>t Schäden o<strong>der</strong><br />
sogar Unfälle.<br />
7.3 Transport gefährlicher Güter<br />
646
Güterwagen, welche gefährliche Stoffe und Güter transportieren, müssen mit<br />
<strong>der</strong> Gefahrenklasse und <strong>der</strong> UN-Nummer gekennzeichnet werden.<br />
Beispiel:<br />
Gefahrennummer<br />
33*<br />
UN-Nummer 1203**<br />
*Gefahrnummer 33 bedeutet 3 =<br />
entzündliche o<strong>der</strong><br />
selbsterhitzungsgefährdete<br />
Flüssigkeiten o<strong>der</strong> Dämpfe.<br />
Die Doppelnennung 33 zeigt die<br />
beson<strong>der</strong>e Gefährdung auf.<br />
**UN-Nummer 1203 = Benzin<br />
7.4 Ein Blick in die Zukunft<br />
Im Schienenverkehr in <strong>der</strong> Schweiz und Europa sind weitere Grossprojekte<br />
geplant, um eine Verlagerung des Güterverkehrs von <strong>der</strong> Strasse auf die<br />
Schiene zu beschleunigen. Mit Cargo Sous Terrain (CST) werden sich in Zukunft<br />
Möglichkeiten ergeben, einen Teil des Güterverkehrs von <strong>der</strong> Strasse und von<br />
<strong>der</strong> Schiene weg in den Untergrund zu verlagern. CST wird in ?? Modul 610<br />
näher beschrieben. Auch im Personenverkehr werden sich neue<br />
Möglichkeiten eröffnen. Während auf <strong>der</strong> Strasse elektrische und<br />
selbstfahrende Autos vermehrt zum Thema werden, testen innovative<br />
Unternehmen schnelle Röhrensysteme (z. B. mit <strong>der</strong> Hyperloop), welche im<br />
Schienenverkehr in ferner Zukunft die Hochgeschwindigkeitszüge<br />
konkurrenzieren könnten.<br />
647
Modul 608_Luftverkehr<br />
Ausgangslage<br />
Der Verkehrsträger Luft ist teuer aber schnell. Er ist beson<strong>der</strong>s geeignet für den<br />
internationalen Transport von leichten, teuren und schnell ver<strong>der</strong>blichen<br />
Gütern.<br />
648
Fachartikel Modul 608<br />
8. Luftverkehr<br />
8.1. Bedeutung <strong>der</strong> Luftfracht<br />
Der Flugverkehr ist ein wichtiges Instrument im internationalen Handel. Der<br />
Hauptvorteil ist die hohe Geschwindigkeit, die bei bodengebundenen<br />
Transportarten unerreicht bleiben. Die Luftfracht ist für die Schweiz <strong>der</strong> Eintritt<br />
in globale Absatzmärkte. Der Wirtschaftsstandort Schweiz profitiert von einer<br />
guten Luftverkehrsanbindung. Mit <strong>der</strong> zunehmenden Bedeutung <strong>der</strong><br />
Überseemärkte Asien und Nordamerika ist die Luftfracht systemrelevant für die<br />
wirtschaftliche Entwicklung und trägt entscheidend zur Sicherung von<br />
Wohlstand und Arbeitsplätzen bei.<br />
312 Milliarden Franken: Produkte zu diesem Warenwert hat die Schweizer<br />
Industrie 2019 exportiert. Davon wurden Güter im Wert von 157 Milliarden<br />
Franken über Schweizer Flughäfen abgefertigt und per Luftfracht transportiert.<br />
Mit einem Exportanteil von rund 50 Prozent stellt die Luftfracht (gemessen am<br />
Wert <strong>der</strong> Sendungen) den wichtigsten Transportträger für die Schweiz dar. In<br />
<strong>der</strong> Corona-Krise im Jahr 2020 zeigte sich deutlich, warum die Schweiz eine<br />
leistungsfähige Luftfahrtinfrastruktur braucht. Als es zu Grenzschliessungen<br />
kam, wurden mit sogenannten Repatriierungsflügen Schweizer Bürgerinnen<br />
und Bürger aus dem Ausland in die Schweiz zurückgeführt. Zudem wird mittels<br />
Luftverkehr auch die Versorgung mit dringend benötigten Waren<br />
sichergestellt.<br />
?? Merke: Luftverkehr ist <strong>der</strong> global schnellste Verkehrsträger.<br />
Vergleich Luftfracht und Seefracht im Interkontinentaltransport nach Verkehrsträger im Jahr<br />
2019, ohne Gold und Edelmetalle (Quelle: Luftfrachtlogistik-Studie Schweiz 2020)<br />
649
8.2 Anwendungsbereiche <strong>der</strong> Luftfracht<br />
Für die folgenden Güter bietet sich <strong>der</strong> Transport per Luftfracht beson<strong>der</strong>s an:<br />
• lebende Tiere, Blumen, exotische Früchte, Zeitungen, Filme<br />
• Mode und saisonabhängige Waren<br />
• dringende Ersatzteile<br />
• Arzneimittel und medizinische Produkte<br />
• Terminsendungen<br />
• Luftpost<br />
• beson<strong>der</strong>s hochwertige, transportempfindliche o<strong>der</strong> diebstahlgefährdete<br />
Güter<br />
• Hilfsgüter in Katastrophenfällen<br />
• Dokumente<br />
• menschliche Organe und sterbliche Überreste<br />
650
8.3 Luftersatzverkehr<br />
Zur Erreichung einer optimalen Auslastung <strong>der</strong> Luftfracht-Kapazitäten werden<br />
län<strong>der</strong>übergreifend Waren per LKW verschoben. So kommt es, dass Güter aus<br />
Luxemburg zuerst nach Zürich gefahren werden und an<strong>der</strong>e Güter die<br />
Schweiz per LKW verlassen, um anschliessend z. B. von Frankfurt per Luftfracht<br />
nach Asien geflogen zu werden. Unterstützt wird dieser Trend durch die<br />
Konkurrenz, die unter den verschiedenen Luftfrachtanbietern besteht.<br />
Bild: Anlieferung einer Luftfrachtsendung per LKW aus dem Ausland. Der Auflieger ist mit einem<br />
Rollboden ausgestattet.<br />
8.4 Flughäfen in <strong>der</strong> Schweiz<br />
Für den Versand von Luftfrachtsendungen dienen in <strong>der</strong> Schweiz die drei<br />
Landesflughäfen in Zürich, Basel und Genf.<br />
651
Quelle: Luftfrachtlogistik-Studie Schweiz 2020<br />
8.4.1 Zürich Airport<br />
Der Flughafen Zürich ist <strong>der</strong> grösste Schweizer Landesflughafen und<br />
bearbeitet 70 Prozent des Schweizer Luftfrachtmarktes. Er hat die Funktion<br />
eines Hubs (Hub = Drehkreuz/Umsteigeflughafen). Passagiere und Fracht von<br />
kleineren Flughäfen werden nach Zürich transportiert, wo sie auf<br />
interkontinentale Flüge umsteigen.<br />
Mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent ist das Unternehmen Swiss World<br />
Cargo <strong>der</strong> wichtigste Anbieter im Schweizer Luftfrachtmarkt. Der allergrösste<br />
Teil <strong>der</strong> Luftfracht wird in Passierflugzeugen beigeladen. Mit 70 Prozent Anteil<br />
ist die Transferfracht am Flughafen Zürich sehr hoch. Pro Tag werden über<br />
1'200 Tonnen Luftfracht durch rund 1'400 Mitarbeitende umgeschlagen. Das<br />
Frachthandling wird durch die beiden Abfertigungsfirmen Cargologic und<br />
Dnata durchgeführt. Rund 120 Speditionen sind im Umfeld des Flughafens<br />
vertreten. Der Flughafen Zürich bietet Abfertigungsmöglichkeiten für alle<br />
Güter, die per Luftfracht beför<strong>der</strong>t werden können. Sämtliche Anlagen und<br />
Spezialinfrastrukturen sind vorhanden. Alle für die Abfertigung notwendigen<br />
relevanten Ämter sind vor Ort.<br />
8.4.2 Genève Aéroport<br />
Der Flughafen Genf ist für die Wirtschaft eine Drehscheibe von regionaler und<br />
nationaler Bedeutung. In den letzten zehn Jahren hat <strong>der</strong> Warenverkehr<br />
652
zwischen dem Flughafen Genf und dem Rest <strong>der</strong> Welt stetig zugenommen.<br />
Beson<strong>der</strong>e Merkmale des Flughafens Genf sind seine geografische Lage<br />
zwischen <strong>der</strong> Schweiz und Frankreich sowie die Beför<strong>der</strong>ung von Produkten<br />
mit hohem Mehrwert, beispielsweise von chemischen Erzeugnissen o<strong>der</strong><br />
Uhren.<br />
8.4.3 EuroAirport Basel-Mulhouse<br />
Der Flughafen Basel-Mulhouse ist <strong>der</strong> einzige binationale Flughafen <strong>der</strong> Welt,<br />
<strong>der</strong> auch den Bedürfnissen einer trinationalen Region dient. Seine Lage ist<br />
einzigartig: Er ist nur 5 km von Deutschland entfernt und liegt direkt an <strong>der</strong><br />
Grenze zwischen <strong>der</strong> Schweiz und Frankreich. Somit können Güter für die<br />
Schweiz sowie den EU-Raum importiert und exportiert werden. Dank guten<br />
Strassenanbindungen an die Autobahnen in <strong>der</strong> Schweiz, Frankreich und<br />
Deutschland können die Güter schnell und zuverlässig von und zu den<br />
Kunden gelangen.<br />
Ein mo<strong>der</strong>ner Neubau garantiert effiziente Anlieferungs- und<br />
Umschlagprozesse, speziell für die pharmazeutische Industrie.<br />
?? Merke: Die Schweiz hat drei Landesflughäfen: Zürich, Genf und Basel.<br />
8.5 Luftfrachteinheiten, För<strong>der</strong>mittel und Flugzeuge<br />
8.5.1 Luftfrachteinheiten<br />
BUP (Bulk Unitization Programm) sind vorgebaute Transporteinheiten. Als<br />
Untergrund dient eine Aluminiumplatte, die mit Zurrschiene und Netz<br />
ausgestattet ist.<br />
Ladungsträger Aluminiumplatte mit Netz auf Transportwagen<br />
653
Transporteinheit BUP auf Transportwagen<br />
ULD (Unit Load Devices) sind Luftfrachtcontainer, welche für die Beladung von<br />
Gepäck, Frachtgut und Post auf Flugzeugen verwendet werden. Ihre<br />
Benutzung führt dazu, dass weniger Einheiten geladen werden müssen. ULD<br />
sparen den Abfertigungsunternehmen somit Bodenpersonal, Zeit und<br />
Aufwand.<br />
Luftfrachtcontainer ULD<br />
654
8.5.2 För<strong>der</strong>mittel<br />
Die ULD werden auf Transportwagen mit einem Schlepper o<strong>der</strong> direkt mit<br />
einem Containertransporter von und zum Flugzeug transportiert. Für den Beund<br />
Entlad <strong>der</strong> Flugzeuge werden mobile Hebebühnen mit Rollenför<strong>der</strong>er<br />
eingesetzt.<br />
Transportwagen mit Schlepper<br />
Containertransporter<br />
655
Hebebühne für Be- und Entlad <strong>der</strong> Flugzeuge<br />
8.5.3 Flugzeuge<br />
Reine Frachtflugzeuge gibt es wesentlich weniger als Passagierflugzeuge. Sie<br />
fallen auch weniger auf, da sie auf den Flughäfen meistens abseits stehen.<br />
Frachtflugzeug Airbus A330-200F <strong>der</strong> TURKISH CARGO vor dem Abflug in<br />
Zürich<br />
Belly Fracht (Fracht in Passagierflugzeugen)<br />
Passagierflugzeuge können neben Passagieren und <strong>der</strong>en Gepäck auch<br />
Fracht transportieren. Die La<strong>der</strong>äume sind so eingerichtet, dass ganze<br />
Container und Paletten geladen werden können. Die Fracht ist unter <strong>der</strong><br />
Passagierkabine verstaut, im sogenannten Unterflurbereich. Experten sind sich<br />
656
einig: Der Unterhalt eines Langstrecken-Flugnetzes ist nur rentabel, wenn<br />
zusätzlich zu den Passagieren auch Fracht beför<strong>der</strong>t werden kann.<br />
Frachtraum eines Airbus Flugzeugs leer<br />
Frachtraum beladen und am Boden gesichert<br />
657
8.6 Zollabwicklung und Kontrollen<br />
Alle Güter, die von <strong>der</strong> Schweiz importiert o<strong>der</strong> exportiert werden,<br />
durchlaufen den Zoll. An den Flughäfen sind die Zollbehörden vor Ort und<br />
entscheiden, welche Lieferungen einer genaueren Kontrolle unterzogen<br />
werden und stellen sicher, dass die gesetzlich vorgegebenen Abgaben und<br />
Gebühren erhoben werden.<br />
In Zukunft können Waren beim Schweizer Zoll vollständig digital angemeldet<br />
werden. Dabei werden die Informationen zu Waren und Transportmitteln<br />
digital übermittelt. Im Flugverkehr kann die AirWayBill-Nummer dafür<br />
verwendet werden.<br />
Eine spezielle Aufgabe hat <strong>der</strong> Grenztierärztliche Dienst, welcher Kontrollen<br />
zur Vermeidung <strong>der</strong> Einschleppung von Tierseuchen in die Schweiz o<strong>der</strong> die<br />
EU vornimmt. Er leistet einen Beitrag zum Schutz <strong>der</strong> Konsumentinnen und<br />
Konsumenten vor <strong>der</strong> Einfuhr unhygienisch produzierter Lebensmittel und zum<br />
Erhalt von bedrohten Tierarten.<br />
Auch <strong>der</strong> Eidgenössische Pflanzenschutzdienst achtet auf die Verhin<strong>der</strong>ung<br />
<strong>der</strong> Einschleppung von gefährlichen Pflanzenkrankheiten und Schädlingen<br />
und macht dazu die notwendigen Kontrollen an pflanzlichen Produkten.<br />
8.7 Dynamische Kräfte im Luftverkehr<br />
Beim Starten und Landen wirken enorme Kräfte auf die Güter. Für den<br />
Verkehrsträger Flugzeug gelten folgende Beanspruchungen:<br />
Beim Umschlag entstehen Beanspruchungen bis 1,0 g. Ruckartiges Anheben<br />
und Absetzen können diesen Wert noch erhöhen.<br />
658
8.8 Versand<br />
8.8.1 Verpacken<br />
Die Güter müssen bereits durch den Versen<strong>der</strong> vorschriftsgemäss verpackt<br />
werden. In <strong>der</strong> Regel sind dies die allgemeinen Anfor<strong>der</strong>ungen an eine<br />
Verpackung. Dennoch gibt es einige Spezialfälle, z. B. gefährliche Güter,<br />
die hier umschrieben sind.<br />
8.8.2 Verladen auf Luftfrachttransporteinheit o<strong>der</strong> in Luftfrachtcontainer<br />
Der Verlad <strong>der</strong> verpackten Güter als Bulk Unitization Programm (BIP) o<strong>der</strong> in<br />
Luftfrachtcontainer, genannt Unit Load Devices (ULD), wird nach den<br />
Richtlinien <strong>der</strong> International Air Transport Association (IATA) erbracht. Die IATA<br />
ist ein Zusammenschluss von internationalen Fluggesellschaften mit dem Ziel<br />
<strong>der</strong> Vereinheitlichung aller Abfertigungsschritte im Luftfahrtbereich. Der Verlad<br />
erfolgt nach ähnlichen Prinzipien wie beim Strassentransport, dennoch ist die<br />
verantwortliche Fachperson verpflichtet, eine IATA Cargo-Schulung zu<br />
absolvieren, bevor sie diese Arbeit ausführen darf.<br />
Erstellung Luftfrachttransporteinheit vor dem Verschluss mit Folie und <strong>der</strong><br />
Fixierung mit dem Netz.<br />
8.8.3 Gefährliche Stoffe<br />
Die "Dangerous Goods Regulations" (DGR) geben vor, welche Gefahrengüter<br />
im Luftverkehr versendet werden dürfen und welche Nettomenge pro<br />
Versandstück nicht überschritten werden darf. Die Verpackung <strong>der</strong> Güter<br />
muss ausserdem nach beson<strong>der</strong>en Richtlinien vorgenommen werden.<br />
Bestimmte Stoffe dürfen nicht zusammen in einem Versandstück versendet<br />
werden. Des Weiteren ist zu beachten, dass einige Güter nur per<br />
Frachtflugzeug (Cargo Aircraft Only) und nicht per Passagierflugzeug<br />
659
versendet werden dürfen <strong>–</strong> für beide Flugzeugarten gibt es meistens<br />
unterschiedliche Maximalmengen <strong>der</strong> Gefahrgüter.<br />
Versandstücke müssen zudem mit Gefahrsymbolen und sonstigen<br />
Markierungen gekennzeichnet werden. Der Versen<strong>der</strong> muss eine<br />
Versen<strong>der</strong>erklärung (Shipper’s Declaration) ausfüllen. Informationen darauf<br />
sind eine <strong>der</strong> UN-Nummer ähnliche Nummer, Nettomenge, Gefahrenklasse,<br />
Verpackungsgruppe und die Verpackungsanweisung. In einigen Fällen muss<br />
eine 24h-Notfallnummer des Versen<strong>der</strong>s auf <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong>erklärung<br />
angegeben werden.<br />
Um all diesen Anfor<strong>der</strong>ungen gerecht zu werden, gibt es spezialisierte<br />
Luftfracht-Firmen, welche die ganze Abwicklung solcher Sendungen<br />
übernehmen.<br />
8.8.4 Der Luftfrachtbrief: Air Waybill<br />
Wie bei jedem Transport wird auch bei <strong>der</strong> Luftfracht zwischen dem<br />
Versen<strong>der</strong> (Shipper) und <strong>der</strong> Luftverkehrsgesellschaft (Carrier) ein Vertrag<br />
abgeschlossen, <strong>der</strong> durch den Luftfrachtbrief dokumentiert wird. Wie viele<br />
Fachausdrücke in <strong>der</strong> Fliegersprache bezeichnet man das Dokument in<br />
Englisch als AWB. Für das ausgeschriebene Wort findet man verschiedene<br />
Schreibweisen. Nach Duden ist es <strong>der</strong> Air Waybill. Es gibt keinen einheitlichen<br />
Luftfrachtbrief. Je nach Luftverkehrsgesellschaft (Carrier) und Destination wird<br />
<strong>der</strong> AWB unterschiedlich dargestellt. Im Gegensatz zum Bill of Lading im<br />
Schiffsverkehr ist <strong>der</strong> Luftfrachtbrief nicht handelsfähig. Er kann also nicht<br />
verkauft o<strong>der</strong> verpfändet werden, während sich die Ware auf dem Transport<br />
befindet.<br />
660
Der Luftfrachtbrief...<br />
• ist die Empfangsbestätigung <strong>der</strong> Fluggesellschaft für die Übernahme <strong>der</strong><br />
Güter;<br />
• enthält Instruktionen des Absen<strong>der</strong>s für die Behandlung, den Leitweg und die<br />
Auslieferung <strong>der</strong> transportierten Güter;<br />
• dient als Versicherungsnachweis;<br />
• bestimmt die Haftungshöhe <strong>der</strong> Fluggesellschaft für Verlust o<strong>der</strong><br />
Beschädigung des Transportgutes;<br />
• kann als Zolldeklaration dienen;<br />
• ist die Grundlage für die Verrechnung <strong>der</strong> Frachtkosten.<br />
Weiterführende Links zur Luftfracht findest du hier: Luftfrachtlogistik-Studie<br />
Schweiz 2020 und Anbieter (Cargo Logic).<br />
661
Modul 609_Schiffsverkehr<br />
Ausgangslage<br />
Der Verkehrsträger Wasser ist langsam aber günstig. Er ist geeignet für den<br />
internationalen Seetransport von praktisch allen Gütern.<br />
662
Fachartikel Modul 609<br />
9. Schiffsverkehr<br />
Die Menschen benutzen die Schifffahrt seit über 8'000 Jahren um Fische zu<br />
fangen, neue Gebiete zu erkunden, Kriege zu führen und Handel zu<br />
betreiben. Die Schifffahrt war <strong>der</strong> eigentliche Grundstein für die<br />
Globalisierung, die Vernetzung <strong>der</strong> Welt. Viele grosse Weltstädte sind ans<br />
Wasser gebaut. Dies hat den Menschen ermöglicht, einen guten Handel zu<br />
betreiben und so die lokale und regionale Wirtschaft zu beflügeln.<br />
Auch heute noch ist die Schifffahrt ein entscheiden<strong>der</strong> Faktor für eine<br />
gesunde Wirtschaft. Im Vergleich zu den an<strong>der</strong>en Verkehrsträgern werden die<br />
Güter jedoch relativ langsam transportiert (Hongkong<strong>–</strong>Hamburg ca. 25-30<br />
Tage). Dafür kann man mit wenig Energie viel Gewicht günstig transportieren.<br />
?? Merke: Mit Schiffen werden grosse Mengen an Gütern günstig in die<br />
ganze Welt transportiert.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Wasserstrassen eignen sich für den kostengünstigen Transport grosser<br />
Gütermengen. Ein Tankschiff auf dem Rhein kann zum Beispiel 2'800 Tonnen<br />
Ladung transportieren. Für die Strecke Rotterdam<strong>–</strong>Basel<strong>–</strong>Rotterdam braucht<br />
es jedoch (mit dem Löschen/Ablad <strong>der</strong> Ladung) 6 Tage à 24 Stunden.<br />
Dies entspricht 35 Kesselwagen (Bahnwagen) o<strong>der</strong> 147 Tanklastwagen. Die<br />
Transportkosten von Rotterdam nach Basel betragen somit pro Liter Öl 1,1<br />
Rappen.<br />
663
9.1 Wichtigste Transportrouten<br />
9.1.1 Schweiz<br />
In <strong>der</strong> Schweiz haben die Binnen-Wasserstrassen eine geringe Bedeutung für<br />
den Gütertransport. Auf vielen Seen verkehren Nauen (Frachtschiffe für<br />
Schüttgüter). Sie transportieren vor allem Sand und Kies. Von den Schweizer<br />
Flüssen kann einzig <strong>der</strong> Rhein mit Frachtschiffen befahren werden.<br />
664
Der Rhein als Tor zur Welt<br />
Der Rhein ist mit einer Länge von 1238,8 Kilometern die wichtigste<br />
Binnenwasserstrasse Europas: 10-12 Prozent aller Schweizer Importe und ein<br />
Viertel bis ein Drittel aller Mineralölimporte kommen über den Rhein in die<br />
Schweiz.<br />
Die Grundlage für den freien Zugang <strong>der</strong> Schweiz zum Meer bildet die<br />
sogenannte Mannheimer Akte von 1868. Sie gewährt <strong>der</strong> Schweiz im ganzen<br />
Rheinstromgebiet und teilweise darüber hinaus volle Verkehrsrechte. So gilt<br />
<strong>der</strong> Rhein bis zur Mittleren Brücke in Basel als internationales Gewässer.<br />
Der Rhein ist eine <strong>der</strong> wichtigsten Lebensa<strong>der</strong>n für die Schweiz. Der grösste Teil<br />
<strong>der</strong> Rohstoffe wird über diese Wasserstrasse importiert. Im Vergleich zu<br />
Hochsee-Frachtschiffen sind Rheinschiffe Winzlinge. Mit einem<br />
Fassungsvermögen von 300 bis 3000 Tonnen übertreffen die Rheinschiffe die<br />
Kapazität an<strong>der</strong>er Transportmittel jedoch bei Weitem. Die grössten Rheinschiffe<br />
transportieren bis zu 3000 Tonnen Güter. Der Schiffsverkehr auf dem<br />
Rhein ist jedoch vom Wasserstand abhängig. Bei extremem Hoch- o<strong>der</strong><br />
Niedrigwasser muss <strong>der</strong> Verkehr eingeschränkt o<strong>der</strong> gar ganz eingestellt<br />
werden.<br />
9.1.2 Weltmeere<br />
Auf ihrem Weg von Kontinent zu Kontinent legen Hochseeschiffe Tausende<br />
von Seemeilen zurück. Die Strecke von <strong>der</strong> Südspitze Südamerikas (Kap<br />
Hoorn) bis nach Rotterdam misst über 12'000 km o<strong>der</strong> 6'500 Seemeilen.<br />
Hochseeschiffe sind wochenlang, manchmal sogar monatelang unterwegs.<br />
665
9.1.3 Künstliche Seestrassen<br />
Künstliche Seewege bilden den Lebensnerv für die heutige Schifffahrt.<br />
Unterbrechungen und Unfälle führen zu Staus und zu riesigen wirtschaftlichen<br />
Schäden.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Das Containerschiff "Ever Given" ist am 23. März 2021 im Suezkanal während<br />
eines Sandsturms auf Grund gelaufen und hat so den Kanal für sechs Tage<br />
blockiert. Die wirtschaftlichen Schäden waren immens.<br />
E_E9_001_Unfall im Suezkanal<br />
Drei <strong>der</strong> bekanntesten Künstlichen Seewege<br />
Der Suezkanal<br />
19'000 Schiffe pro Jahr<br />
1200 Mio. Tonnen<br />
Fracht<br />
pro Jahr<br />
Der Panamakanal<br />
13'000 Schiffe pro Jahr<br />
255 Mio. Tonnen Fracht<br />
pro Jahr<br />
Der Nord-Ostsee-<br />
Kanal<br />
28'000 Schiffe<br />
84 Mio. Tonnen Fracht<br />
pro Jahr<br />
666
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Durch die Klimaverän<strong>der</strong>ungen werden in <strong>der</strong> Arktis neue Seewege frei. Die<br />
sogenannte Nordostpassage verkürzt die Strecke Shanghai nach Rotterdam<br />
um ungefähr 3'800 km (o<strong>der</strong> 2'400 Seemeilen). Erste Frachtschiffe können<br />
nun während <strong>der</strong> Sommermonate ohne Begleitung eines Eisbrechers durch<br />
die Arktis fahren.<br />
E_E9_002_Neue Schiffsrouten durch die Arktis<br />
?? Merke: Die Weltwirtschaft ist auf gut funktionierende Routen angewiesen.<br />
9.2 Die wichtigste Häfen<br />
9.2.1 Der Rheinhafen in Basel<br />
Zahlreiche Firmen haben sich rund um die Rheinhäfen angesiedelt und bieten<br />
eine Vielzahl von Logistikdienstleistungen an. In solchen Umschlagslagern<br />
werden Güter nicht nur umgeladen, son<strong>der</strong>n auch zwischengelagert, verzollt,<br />
ausgeliefert und weiterverarbeitet. Rund um die Hafenanlagen stehen grosse<br />
Lagerhäuser und riesige Tank- und Siloanlagen.<br />
9.2.2 Die grössten Häfen <strong>der</strong> Welt<br />
Wenn man die Liste <strong>der</strong> grössten Containerhäfen anschaut, fällt sofort auf,<br />
dass die grössten Häfen in China liegen. Dies zeigt auf, dass China die<br />
Produktionsstätte <strong>der</strong> Welt geworden ist. Der Import von Rohstoffen und Export<br />
von Halb- und Fertigwaren ist trotz weltweiter Pandemie ungebremst.<br />
Die grössten Containerhäfen <strong>der</strong> Welt<br />
667
Shanghai ist mit über 40 Millionen umgeschlagenen Containern <strong>der</strong> grösste<br />
Hafen <strong>der</strong> Welt. Da ist Rotterdam (grösster europäischer Hafen) mit 14<br />
Millionen Containern doch bedeutend kleiner.<br />
TEU = Twenty-foot Equivalent Unit (international standardisierte Einheit zur<br />
Zählung von ISO-Containern). Die Einheit dient zur Beschreibung <strong>der</strong><br />
Ladekapazität von Containerschiffen und des Umschlags in<br />
Containerterminals. Ein 20-Fuss-ISO-Container entspricht 1 TEU, ein 40-Fuss-ISO-<br />
Container entspricht 2 TEU.<br />
9.3 Umschlag<br />
9.3.1 För<strong>der</strong>mittel<br />
Für den Umschlag von Containern kommen hauptsächlich drei verschiedene<br />
För<strong>der</strong>mittel zum Einsatz:<br />
Kräne<br />
Schwerlaststapler mit<br />
einer Tragfähigkeit von<br />
bis zu 50 t<br />
668
Container-Carrier<br />
9.3.2 Sprea<strong>der</strong><br />
Für die Aufnahme <strong>der</strong> Container sind die Hebezeuge mit Sprea<strong>der</strong>n<br />
ausgerüstet. Sprea<strong>der</strong> werden mittels Teleskopvorrichtung <strong>der</strong><br />
Containergrösse angepasst und an den vier oberen Eckpunkten des<br />
Containers eingeklinkt.<br />
669
9.3.3 Ladungssicherung auf dem Containerschiff<br />
Schiffe werden mit Containern nach dem System "Last-in - First-out" beladen.<br />
Container, die im La<strong>der</strong>aum des Schiffs gestaut werden, sind in Führungen<br />
sicher festgemacht. Die auf dem Schiffsdeck gestapelten Behälter müssen für<br />
den Transport sehr gut gesichert werden. Als Stapelsicherung werden viele<br />
verschiedene Sicherungsmittel wie Brückenglie<strong>der</strong> (Bridge Fittings, Twistlocks<br />
und Laschstangen) verwendet.<br />
9.4 Dynamische Kräfte im Schiffsverkehr<br />
Die auf Schiffen auftretenden dynamischen Kräfte werden durch Wellen<br />
verursacht. Bei einer Windstärke von 10 o<strong>der</strong> 11 Beaufort (Windstärke) und 15<br />
Meter hohen Wellen beginnen selbst grosse Frachtschiffe, zu stampfen, zu<br />
rollen und zu schlingern.<br />
670
Seereisen werden unter ganz unterschiedlichen Wetterbedingungen<br />
durchgeführt, daher wirken oft gleichzeitig starke und in verschiedene<br />
Richtungen ziehende Kräfte längere Zeit auf das Schiff und seine Ladung ein.<br />
Diese Kräfte können ihren Ursprung im Stampfen, Rollen, Ein- und Auftauchen,<br />
Gleiten in Längsrichtung, Schlingern o<strong>der</strong> Gleiten in Querrichtung des Schiffes<br />
haben o<strong>der</strong> im Zusammenwirken zweier o<strong>der</strong> mehrerer dieser Arten von<br />
Schiffsbewegungen. Nie darf davon ausgegangen werden, auf <strong>der</strong> Reise<br />
werde ruhiges Wetter herrschen und die See werde glatt sein, o<strong>der</strong> dass<br />
Sicherungsmethoden, die bei einer Beför<strong>der</strong>ung über Land angewandt<br />
werden, auf See immer ausreichen.<br />
9.5 Güter richtig verladen<br />
Beim Verlad von Containern werden oft keine Paletten verwendet. Die<br />
daraus erfolgte Einsparung in <strong>der</strong> Raumausnützung überwiegt oft den<br />
zusätzlichen Arbeitsaufwand beim Auf- und Ablad. Ausserdem müssen an die<br />
Grösse des Containers angepasste Paletten verwendet werden. EUR Paletten<br />
Typ 1 sind für den Transport im Container nicht geeignet.<br />
Es gibt für den Container verschiedene Rückhaltesysteme, um die Ware an<br />
den Wänden zu befestigen. Formschlüssige (lückenlose) Beladung von<br />
Containern ist allerdings <strong>der</strong> Schlüssel für einen schadensfreien Transport. Um<br />
Leerräume aufzufüllen, können sogenannte Luftkissen verwendet werden.<br />
671
672<br />
?? Merke: Gute Ladungssicherung im Container verhin<strong>der</strong>t Schäden an <strong>der</strong><br />
Ware.
Modul 610_Kombinierte Verkehrsträger<br />
Ausgangslage<br />
Kombinierter Verkehr ist schnell, flexibel und umweltschonend. Er verbindet<br />
die positiven Eigenschaften aller Verkehrsträger. Am kombinierten Verkehr<br />
sind mehrere Verkehrsträger beteiligt. Die Fahrzeuge, Sattelauflieger,<br />
Wechselbehälter o<strong>der</strong> Container werden von einem Verkehrsträger (z. B.<br />
Strasse) auf den an<strong>der</strong>en (z. B. Schiene) umgeladen.<br />
673
Fachartikel Modul 610<br />
10. Kombinierte Verkehrsträger<br />
Am kombinierten Verkehr sind mehrere Verkehrsträger beteiligt. Die<br />
Fahrzeuge, Sattelauflieger, Wechselbehälter o<strong>der</strong> Container können ohne<br />
grossen Aufwand von einem Verkehrsträger auf den an<strong>der</strong>en umgeladen<br />
werden. Überall, wo Güter von einem Verkehrsträger zu einem an<strong>der</strong>en<br />
wechseln, gibt es sogenannte Schnittstellen. An diesen Schnittstellen werden<br />
die Güter von einem Transportmittel auf ein an<strong>der</strong>es umgeladen. Typische<br />
Schnittstellen in <strong>der</strong> Logistik sind:<br />
• Güterbahnhöfe (Schiene/Strasse)<br />
• Containerterminals (Schiene/Strasse)<br />
• Brief- und Paketzentren (Schiene/Strasse)<br />
• Hafenanlagen (Wasser/Schiene/Strasse)<br />
• Flughäfen (Luft/Strasse/Bahn)<br />
An den Schnittstellen werden Umschlagslager ( Modul 402) errichtet. Diese<br />
dienen nicht nur dem Umlad; die Güter werden auch umgepackt, sortiert,<br />
zwischengelagert, vielfach auch kontrolliert und verzollt.<br />
?? Merke: Durch das Kombinieren von verschiedenen Verkehrsträgern<br />
können <strong>der</strong>en jeweiligen Vorteile genutzt werden und die Nachteile<br />
umgangen werden. Das Ziel ist also, die optimale Kombination zu finden.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> Praxis<br />
Am Flughafen Zürich treffen drei Verkehrsträger aufeinan<strong>der</strong>.<br />
674
10.1 Die Rollende Autobahn (RA) / Rollende Landstrasse (RoLa)<br />
Der Begriff "rollende Autobahn" bezeichnet den begleiteten Huckepack-<br />
Verkehr. Der Lastwagen rollt an einem Huckepack-Terminal auf einen<br />
Nie<strong>der</strong>flurwagen <strong>der</strong> Bahn. Der Lastwagenführer setzt sich in den<br />
Begleitwagen mit Schlafmöglichkeit, <strong>der</strong> in <strong>der</strong> Zugskomposition mitgeführt<br />
wird. Dort kann er sich während <strong>der</strong> ganzen Transitfahrt ausruhen. Am<br />
Zielbahnhof übernimmt er sein Fahrzeug und rollt wie<strong>der</strong> auf die Strasse. Die<br />
erste Rollende Landstrasse (RoLa) durchquerte die Schweiz schon 1968. Die<br />
Firma Hupac, die heutige Betreiberin, baut das Verkehrsnetz kontinuierlich<br />
aus. Auf dem Hupac-Netz verkehren täglich 100 Züge zwischen den grossen<br />
europäischen Wirtschaftsräumen. Im Jahr 2011 betrug das Verkehrsvolumen<br />
724'000 Strassensendungen.<br />
10.1.1 Unbegleiteter Huckepack Verkehr<br />
Sattelschlepper lassen den Sattelanhänger (o<strong>der</strong> Sattelauflieger) im<br />
Huckepack- Terminal stehen und erledigen mit dem Zugfahrzeug an<strong>der</strong>e<br />
Aufgaben. Der Auflieger wird verladen und reist mit dem Zug an den Zielort.<br />
Dort kann er von einem Zugfahrzeug aufgenommen und an den Entladeort<br />
gefahren werden. Diese Variante bedingt, dass am Zielort ein Chauffeur mit<br />
einem Zugfahrzeug bereitsteht, um die Ladung zu übernehmen.<br />
675
10.2 ISO-Container<br />
ISO-Container passen dank ihrer genormten Masse auf die verschiedenen<br />
Transportmittel. Das erspart innerhalb <strong>der</strong> Logistikkette zeitraubende und teure<br />
Umladearbeiten. Die vom Versen<strong>der</strong> in den Container geladene Ware wird<br />
erst am Bestimmungsort wie<strong>der</strong> entladen. Der Warenverkehr in Containern<br />
bietet neben dem rationellen Umschlag auch grössere Sicherheit: Container<br />
können verschlossen und versiegelt werden.<br />
Bereits 1956 wurde <strong>der</strong> erste Grosscontainer mit Hilfe von Lastwagen und<br />
Schiffen in Amerika transportiert. Daher ist <strong>der</strong> heutige ISO-Container auch auf<br />
die Fuss-Masse ausgelegt: 1 Fuss ist 30.48 cm lang.<br />
Der grösste Teil des weltweiten Warenverkehrs wird in Containern<br />
abgewickelt. Die gebräuchlichsten Grosscontainer nach ISO-Bauart sind 40<br />
o<strong>der</strong> 20 Fuss lang. Die 40-Fuss-Container werden auch als Gross- o<strong>der</strong><br />
Seecontainer bezeichnet. Durch die Normung sind sie weltweit auf<br />
Strassenfahrzeugen, Bahnwagen und Schiffen einsetzbar. ISO-Container sind<br />
in den verschiedensten Ausführungen erhältlich.<br />
676
Technische Daten <strong>der</strong> ISO-Container<br />
Länge<br />
Fuss<br />
Aussenlänge<br />
Aussenbreite<br />
Aussenhöhe<br />
Volumen Innenlänge<br />
Innenbreite<br />
Leergewicht Zuladung Gesamt<br />
20 6.058 m 2.438 m 2.591 m 33.2 m3 5.898 m 2.352 m 2250 kg 21 750 kg 24 000 kg<br />
40 12.192 m 2.438 m 2.591 m 67.7 m3 12.032 m 2.352 m 3780 kg 26 700 kg 30 480 kg<br />
Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen ISO-Containern, um bestens auf die<br />
Kundenwünsche eingehen zu können. Der am häufigsten verwendete<br />
Container-Typ ist <strong>der</strong> geschlossene Container. Da Container auf dem<br />
Oberdeck von Überseeschiffen gestapelt werden, müssen sie wasserdicht sein<br />
resp. müssen die enthaltenen Güter ausreichend gegen Feuchtigkeit<br />
geschützt sein.<br />
?? Merke: ISO-Container sind in <strong>der</strong> globalisierten Welt nicht mehr<br />
wegzudenken!<br />
Weitere Typen von Containern<br />
• mit Stirnwandtür<br />
• mit Seitentür<br />
• als Kühlcontainer<br />
• mit demontierbaren Wänden<br />
• als High-Cube-Container<br />
• als Open-Top Container<br />
• als Tankcontainer<br />
677
10.3 An<strong>der</strong>e Wechselsysteme<br />
10.3.1 Abroll- Container- Transportsystem (ACTS)<br />
Der Container hat sich im kombinierten Verkehr hervorragend bewährt. Ein<br />
Problem stellt <strong>der</strong> Umschlag von grossen und schweren Transporteinheiten<br />
dar. Die Umschlageinrichtungen (Krane, Stapler) sind relativ teuer. Deren<br />
Anschaffung lohnt sich nur bei hohen Umschlagsleistungen. Deshalb wurde<br />
1988 die Abroll-Container-Transport-Service AG (ACTS) gegründet. Im<br />
Gegensatz zum normalen ISO-Container ist ein ACTS-Container auf einer Seite<br />
mit Rollen und auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en mit einem Haken ausgerüstet. Von<br />
entsprechend ausgerüsteten Lastwagen können ACTS-Container überall<br />
ebenerdig abgesetzt werden. ACTS-Container können nicht nur abgesetzt,<br />
son<strong>der</strong>n auch gekippt werden. Abrollcontainer werden vorwiegend für den<br />
Transport von Papierbündeln, Bauschutt o<strong>der</strong> Abfällen eingesetzt.<br />
678
ACTS in <strong>der</strong> Praxis: Ein auf dem Bahnwagen montiertes Drehgestell nimmt die<br />
an <strong>der</strong> Unterseite montierten Rollen des Containers auf. Sobald <strong>der</strong> Container<br />
in <strong>der</strong> ganzen Länge auf dem Rahmen ruht, wird das Drehgestell in die<br />
Längsrichtung des Wagens gedreht und verriegelt. Der Bahnwagen ist fahrbereit.<br />
Am Zielort wird <strong>der</strong> Container mit dem Drehgestell ausgeschwenkt und<br />
auf den bereitstehenden Lastwagen gezogen. Vom Lastwagen kann <strong>der</strong><br />
Behälter ebenerdig deponiert und wie<strong>der</strong> aufgenommen werden.<br />
10.3.2 Wechselbrücken und Wechselbehälter<br />
Ähnlich wie ISO-Container sind Wechselbrücken und Wechselbehälter<br />
konstruiert und normiert. Im Gegensatz zu den Containern stehen Wechselbrücken<br />
während des Verladevorgangs auf abklappbaren Stützen.<br />
Wechselbrücken und -behälter in <strong>der</strong> Praxis: Der Lastwagen unterfährt die<br />
Wechselbrücke. Wenn sie eingerastet ist, wird sie so weit angehoben, dass die<br />
Stützen eingeklappt werden können. Beim Verladen auf die Bahn werden die<br />
Wechselbrücken mit einem Kran vom Lastwagen abgehoben und auf den<br />
Bahnwagen abgesenkt.<br />
10.3.3 Cargo Domino<br />
Auch das System Cargo Domino funktioniert mit Wechselbrücken und<br />
Wechselbehältern. Es ist eine Ergänzung zu den bekannten Systemen im<br />
kombinierten Verkehr und basiert ebenfalls auf einer Kombination<br />
Strasse/Schiene. Es werden Wechselbehälter eingesetzt, die sowohl auf<br />
Lastwagen als auch auf Tragwagen <strong>der</strong> Bahn passen. Die Behälter sind mit<br />
einem Querkanal ausgerüstet. Im Gegensatz zu den ACTS-Containern muss<br />
<strong>der</strong> Wechselbehälter beim Verladen auf den Bahnwagen nicht gedreht<br />
679
werden. Der Lastwagen fährt seitlich neben den Bahnwagen, dann wird <strong>der</strong><br />
Wechselbehälter quer zur Fahrtrichtung auf den Bahnwagen geschoben.<br />
10.3.4 Kombination Strasse - Schiene<br />
Schweizer Transportunternehmen bieten heutzutage den Transport von<br />
Stückgut in alle Landesteile an. Dabei kombinieren die grossen Unternehmen<br />
geschickt die beiden Verkehrsträger Strasse und Schiene. Über die Bahn<br />
werden die Regionen über Nacht beliefert. In den Regionen findet ein<br />
Umschlag auf die Lastwagen statt, <strong>der</strong> dann die Feinverteilung vornimmt.<br />
Gleichzeitig werden wie<strong>der</strong> Paletten eingesammelt, die am Abend für den<br />
Überregionalen Versand auf die Bahn verladen werden.<br />
10.3.5 Cargo Sous Terrain<br />
Cargo Sous Terrain ist ein innovatives System, welches mit Hilfe von<br />
verschiedenen Verkehrsträgern eine gesamtheitliche Lösung bieten soll. Mit<br />
einem unterirdischen Tunnelsystem werden die Strassen entlastet, indem<br />
Fahrzeuge mit gleichbleiben<strong>der</strong> Geschwindigkeit (von 30 km/h) die Städte<br />
miteinan<strong>der</strong> verbinden. Die erste Teilstrecke (Härkingen-Nie<strong>der</strong>bipp bis Zürich)<br />
soll im Jahr 2031 eröffnet werden.<br />
Mehr Informationen zu Cargo Sous Terrain findest du hier.<br />
680
Logistiker/In EFZ<br />
700_FICO<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
681
Modul 701_Inventur<br />
Ausgangslage<br />
Fehlbestände aufgrund von Buchungs- o<strong>der</strong> Zählfehlern kommen in den<br />
besten Lagern vor. Bestände müssen regelmässig überprüft und die<br />
Lagerbestände (IST) mit den Buchbeständen (SOLL) abgeglichen werden.<br />
Solche Inventuren sind vom Gesetz vorgeschrieben und geben<br />
Planungssicherheit.<br />
682
Fachartikel Modul 701<br />
1. Die Inventur<br />
1.1 Die Inventurpflicht<br />
Jedes Unternehmen, welches im Handelsregister eingetragen ist, wird<br />
verpflichtet, einmal pro Jahr eine Bilanz zu erstellen. Ein Bestandteil <strong>der</strong> Bilanz<br />
sind die Vermögenswerte, z. B. die Lagerbestände. Um das Inventar in <strong>der</strong><br />
Bilanz zu kontrollieren, ist das Unternehmen verpflichtet, diese Buchwerte<br />
(Soll-Werte) mittels einer Inventur mit den physischen Werten (Ist-Werte) zu<br />
überprüfen. Es findet ein sogenannter Soll-Ist-Abgleich statt. Die Unterlagen<br />
<strong>der</strong> Inventur müssen zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Inventurpflicht ist<br />
gesetzlich vorgeschrieben:<br />
?? Obligationenrecht (OR)<br />
Artikel 958c Absatz 2 OR:<br />
"Der Bestand <strong>der</strong> einzelnen Positionen in <strong>der</strong> Bilanz und im Anhang ist durch<br />
ein Inventar o<strong>der</strong> auf an<strong>der</strong>e Art nachzuweisen."<br />
Inventar = Bestand<br />
Inventur = Bestandesaufnahme<br />
?? Merke: Man muss eine Inventur einmal pro Jahr durchführen. Die<br />
Unterlagen müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.<br />
1.2 Arten <strong>der</strong> Inventur<br />
Für die Inventur <strong>der</strong> Lagerbestände werden drei Verfahren angewendet: die<br />
Stichtagsinventur, die permanente Inventur und die Stichprobeninventur.<br />
1.2.1 Stichtagsinventur<br />
Für die Stichtagsinventur wird ein bestimmter Tag festgelegt. Dieser wird<br />
Stichtag o<strong>der</strong> Bilanzstichtag genannt. Die Zählung findet an diesem Tag statt.<br />
Mit einer Stichtagsinventur können die Bestände sehr genau ermittelt<br />
683
werden. Die Stichtagsinventur wird räumlich getrennt durchgeführt. Dafür<br />
sollten die Inventurlisten nach Sektor o<strong>der</strong> Bereich geglie<strong>der</strong>t werden.<br />
Ausgewählte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen o<strong>der</strong> sogar die ganze<br />
Belegschaft schwirren mit Kugelschreiber und Inventurlisten in Teams durch<br />
die Gänge. Die Teams zählen die Waren in ihrem Bereich und halten diese<br />
auf den Inventurlisten fest. Handscanner (MDE-Geräte) sorgen für eine<br />
präzise Zählung von etikettierten Waren. An einer Stichtagsinventur finden<br />
nach Möglichkeit keine Zu- o<strong>der</strong> Abgänge <strong>der</strong> Lagerbestände statt.<br />
1.2.2 Permanente (rollende) Inventur<br />
Im Gegensatz zur Stichtagsinventur wird die rollende Inventur nicht zu einem<br />
bestimmten Zeitpunkt vorgenommen, son<strong>der</strong>n kann je<strong>der</strong>zeit, über das<br />
ganze Jahr verteilt, pro Artikel durchgeführt werden.<br />
Lagerverwaltungssysteme geben nach dem Zufallsprinzip vor, welche Artikel<br />
zu welcher Zeit gezählt werden müssen. Es muss jedoch sichergestellt und<br />
protokolliert werden, dass je<strong>der</strong> Artikel einmal pro Jahr gezählt wird.<br />
Idealerweise findet diese Inventurart mit einer "Realtime <strong>–</strong><br />
Bestandesaufnahme" (MDE-Geräte) statt, damit während dem Vorgang<br />
auch weiterhin Zu- o<strong>der</strong> Abgänge verbucht werden können.<br />
1.2.3 Stichprobeninventur<br />
Wenn eine Vollinventur nicht durchführbar o<strong>der</strong> zu aufwendig ist, kann in<br />
Absprache mit den Steuerbehörden eine Stichprobeninventur durchgeführt<br />
werden. Stichprobe bedeutet, es werden nicht alle Artikel gezählt. Eine<br />
repräsentative Anzahl Artikel wird gezählt und das Ergebnis <strong>der</strong> Zählung wird<br />
auf die nicht gezählten Artikel übertragen. Die Stichprobeninventur wird<br />
häufig bei preiswerten Artikeln angewendet, während bei wertvollen Artikeln<br />
eine Vollinventur durchgeführt wird.<br />
1.3 Durchführung<br />
Für eine Stichtagsinventur wird oft das gesamte Personal aufgeboten.<br />
Darunter befinden sich gelegentlich auch Personen, die mit <strong>der</strong><br />
Lagerhaltung nicht vertraut sind. Deshalb wird ein Vorgehen festgelegt und<br />
in einer Inventuranweisung festgehalten, die alle Informationen für die an <strong>der</strong><br />
Inventur beteiligten Mitarbeitenden enthält.<br />
684
Die Inventuranweisung unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Sie ist<br />
genau nach den betrieblichen Verhältnissen zu verfassen und ist für alle an<br />
<strong>der</strong> Inventur beteiligten Personen verbindlich.<br />
Mögliche Hin<strong>der</strong>nisse/Fehlerquellen bei <strong>der</strong> Durchführung:<br />
• Mitarbeitende verzählen sich<br />
• unklare Mengeneinheiten<br />
• technische Probleme mit den mobilen Datenerfassungs-Geräten (MDE-<br />
Geräte)<br />
• Anwendungsfehler bei den MDE-Geräten<br />
• Um diese Fehlerquellen zu minimieren, ist eine gute Vorbereitung sehr<br />
wichtig.<br />
Eine gute Vorbereitung <strong>der</strong> Inventur ist sinnvoll:<br />
• Inventuranweisung/Inventurplan erstellen.<br />
• gute Absprache mit den Mitarbeitenden.<br />
• Sicherstellung einer guten Abgrenzung (ungeplante Warenein- Ausgänge)<br />
• Unnötige Verpackungsmaterialien und leere Paletten entfernen.<br />
• Sicherstellen, dass alle Lagergestelle richtig und sauber beschriftet sind.<br />
• Vorsortierung von gängigen Zähleinheiten.<br />
Die Bestandesaufnahme erfolgt durch:<br />
• Messen: Werden die Güter in Meterware verkauft, müssen sie abgemessen<br />
werden.<br />
• Wiegen: Güter, die nach Gewicht gekauft o<strong>der</strong> verkauft werden, werden<br />
gewogen.<br />
• Zählen: Güter, die pro Stück gekauft o<strong>der</strong> verkauft werden, werden einzeln<br />
gezählt.<br />
1.4 Auswertung <strong>der</strong> Inventur<br />
Bei <strong>der</strong> Auswertung <strong>der</strong> Inventur wird <strong>der</strong> Soll-Wert (Buchbestand) mit dem<br />
Ist-Wert (physischer Bestand) verglichen. Abweichende Positionen, die einen<br />
685
definierten Wert (Frankenbetrag o<strong>der</strong> Stückzahl) überschreiten, werden<br />
nochmals nachgezählt. Bestätigt sich <strong>der</strong> gezählte Wert, werden die<br />
Abweichungen als Inventurdifferenz festgehalten.<br />
Die Inventurdifferenzen werden in Differenzlisten erfasst und bewertet. In <strong>der</strong><br />
Regel handelt es sich bei Inventurdifferenzen um Verluste. Sie werden<br />
deshalb in <strong>der</strong> Erfolgsrechnung des Unternehmens als Aufwand verbucht.<br />
?? Merke: Die Abklärung von Inventurdifferenzen liefern einem Unternehmen<br />
wichtige Grundlagen und Hinweise für die nötigen Korrekturen o<strong>der</strong><br />
Verbesserungen in den Arbeitsprozessen.<br />
1.5 Gründe für Inventurdifferenzen<br />
Fehlmengen beim physischen Bestand (Ist-Wert) können verschiedene<br />
Ursachen haben:<br />
• Wareneingangs- o<strong>der</strong> Einlagerungsfehler<br />
• nicht erkannte Lieferdifferenzen<br />
• substanzbedingte Verluste (Schwund, Zerfall, Verdunstung)<br />
• Ablauf von Verfalldaten<br />
• Bruch<br />
• Diebstahl.<br />
Auch Buchbestände (Soll-Wert) können fehlerhaft sein. Mögliche Ursachen<br />
dafür sind:<br />
• Eingänge/Ausgänge werden nicht korrekt erfasst<br />
• Lagerbewegungen wurden nicht erfasst<br />
• Lagerbewegungen wurden doppelt erfasst<br />
• Artikel wurde falsch erfasst.<br />
686
Modul 702_Lagerkosten<br />
Ausgangslage<br />
"Lagerkosten können gewaltig sein!" - Ja, diese Aussage stimmt. Deshalb ist es<br />
eine <strong>der</strong> Aufgaben von Logistikerinnen und Logistikern, die Lagerkosten zu<br />
überblicken und zu optimieren. Dazu werden alle Kosten, die eine<br />
Lagerhaltung generiert, gesammelt und in fünf Kategorien eingeteilt.<br />
Die Höhe <strong>der</strong> Lagerkosten ist von vielen Faktoren abhängig. Deshalb ist es<br />
schwer, zwischen verschiedenen Unternehmen - d. h.<br />
unternehmensübergreifend - zu vergleichen. Es ist aber nicht selten, dass die<br />
Lagerkosten etwa 20 Prozent <strong>der</strong> Gesamtkosten ausmachen.<br />
Damit die Lagerkosten überblickt und optimiert werden können, braucht es in<br />
allen Abteilungen, die zur Logistik beitragen, ein grosses Know-how. Wenn<br />
Lagerkosten reduziert werden, muss gut darauf geachtet werden, dass die<br />
Reduktion nicht auf Kosten <strong>der</strong> Qualität gemacht wird.<br />
687
Fachartikel Modul 702<br />
2. Lagerkosten<br />
In Modul 102 wurden die Begriffe Logistik und Supply Chain Management<br />
erläutert. Dass unter den beiden Begriffen etwas an<strong>der</strong>es verstanden wird,<br />
wi<strong>der</strong>spiegelt sich auch in den Lagerkosten. Was und welche Art von Kosten<br />
<strong>der</strong> Lagerung zugeordnet werden, ist je nach Unternehmen unterschiedlich.<br />
Die EnterSite AG unterteilt die Lagerkosten in folgende Kategorien:<br />
• Kosten für Lagerräume<br />
• Personalkosten<br />
• Lagerbestand<br />
• Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel<br />
• Kosten für Verbrauchsmaterialien<br />
Um eine Übersicht über die Lagerkosten zu erhalten, braucht es ein<br />
Zusammenspiel von verschiedenen Abteilungen. Die Verantwortung kann<br />
nicht nur <strong>der</strong> Abteilung Finance and Controlling (FICO) zugeordnet werden.<br />
Es braucht eine abteilungsübergreifende Kommunikation; nur so können die<br />
Lagerkosten möglichst tief gehalten werden. Die Zielsetzung ist, wirtschaftlich<br />
zu arbeiten. Das bedeutet:<br />
Benötigte Güter sollen mit möglichst geringen Kosten bereitgestellt werden.<br />
2.1 Fixe und variable Kosten<br />
Die oben genannten Kategorien, welche Kosten in <strong>der</strong> Lagerung<br />
verursachen, werden weiter unterteilt in fixe und variable Kosten.<br />
688
2.1.1 Fixe Kosten<br />
Fixe Kosten sind unverän<strong>der</strong>liche Kosten, <strong>der</strong>en Höhe unabhängig von <strong>der</strong><br />
Produktionsmenge ist. Im Unterschied zu den variablen Kosten steigen und<br />
sinken die Fixkosten nicht in Abhängigkeit <strong>der</strong> Produktionsmenge.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Die EnterSite AG produzierte im Jahr 2019 den Artikel ST10-TB135BK,<br />
SwissEnterSite Cartrdige Brother Toner BLACK in <strong>der</strong> Menge von 80 Stück.<br />
Dabei betrugen die fixen Kosten für Miete, Gehälter und Abschreibungen für<br />
Maschinen insgesamt 480 Franken.<br />
Im Jahr 2020 konnte die Produktionszahl aufgrund <strong>der</strong> hohen Nachfrage auf<br />
120 Stück erhöht werden. Die Fixkosten bleiben aber beständig und werden<br />
auch in diesem Jahr in <strong>der</strong> Höhe von 480 Franken kalkuliert.<br />
Merke: Natürlich können auch fixe Kosten, beispielsweise Mietpreise, steigen und<br />
fallen. Da diese Schwankungen aber nicht mit <strong>der</strong> Produktionsmenge in<br />
Zusammenhang stehen, zählen sie trotzdem zu den Fixkosten.<br />
2.1.2 Variable Kosten<br />
Variable Kosten sind das Gegenteil <strong>der</strong> fixen Kosten. Die fixen Kosten werden<br />
unabhängig von <strong>der</strong> Produktionsmenge berechnet. Die variablen Kosten<br />
werden abhängig von <strong>der</strong> Produktionsmenge berechnet. Variable Kosten<br />
können auch als verän<strong>der</strong>liche Kosten bezeichnet werden. Beispiele für<br />
variable Kosten in <strong>der</strong> EnterSite AG sind Rohstoffe, Strom, Wasser usw.<br />
Die Menge <strong>der</strong> Rohstoffe ist abhängig von <strong>der</strong> benötigen Menge in <strong>der</strong><br />
Produktion. Wird <strong>der</strong> Artikel ST10-TN135BK im Jahr 2019 zu 80 und im Jahr 2020<br />
zu 120 Stück verkauft, so ist auch <strong>der</strong> Bedarf <strong>der</strong> Rohstoffe höher. Der höhere<br />
Bedarf wie<strong>der</strong>um führt zu höheren Kosten.<br />
2.2 Kosten für Lagerräume<br />
Für Bereiche wie Wareneingang, Warenausgang, Kommissionierung und<br />
Lagerräume werden grosse Flächen benötigt. Diese Flächen müssen je nach<br />
Verwendung und je nach gelagerten Gütern geschlossen, halboffen o<strong>der</strong><br />
offen sein. Entsprechend beeinflussen die Fläche und die Art <strong>der</strong> Güter die<br />
Kosten für Lagerräume. Konkret sind es folgende Faktoren:<br />
689
• Strom<br />
• Miete<br />
• Zinsen<br />
• Abschreibungen<br />
• Instandhaltungskosten<br />
• Heizung, Licht und Wasser<br />
• Reinigungskosten<br />
• Versicherungskosten<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Die EnterSite AG hat eine Nie<strong>der</strong>lassung direkt am Hauptbahnhof in Basel.<br />
Dieser Standort generiert im Vergleich zum Hauptsitz in Rupperswil deutlich<br />
mehr Kosten. Die Nähe zum öffentlichen Verkehr, <strong>der</strong> Anschluss an eine<br />
Autobahn, usw. sind Kriterien, welche die Kosten für die Fläche massgebend<br />
beeinflussen.<br />
2.3 Personalkosten<br />
Die Personalkosten sind in <strong>der</strong> Logistik einer <strong>der</strong> grössten Kostentreiber. Sie<br />
setzen sich wie folgt zusammen:<br />
• Löhne und Gehälter für das Lagerpersonal<br />
• Sozialleistungen für das Lagerpersonal (Sozialversicherungen)<br />
• Son<strong>der</strong>leistungen (Weiterbildungen, Spesen, Gratifikation etc.)<br />
• Administrationskosten (Personaladministration)<br />
Diese Faktoren beeinflussen die Kosten massgebend. Die Personalkosten<br />
werden in<br />
Modul 703 vertieft behandelt.<br />
690
691
2.4 Lagerbestand<br />
Nicht nur in <strong>der</strong> EnterSite AG ist es eine Hauptaufgabe <strong>der</strong> Logistikerinnen und<br />
<strong>der</strong> Logistiker, die Kontrolle <strong>der</strong> Lagerbestände und somit die Kosten zu<br />
kontrollieren. Es gilt das Prinzip:<br />
"So wenig wie möglich, so viel wie nötig."<br />
Eigentlich ist dieses Prinzip ganz simpel, und doch sehr wichtig und schwierig<br />
umzusetzen. Es ist ein extrem "schmaler Grat", die Lagerbestände so tief wie<br />
möglich zu halten, die Kosten zu reduzieren und dennoch die Verfügbarkeit<br />
von Produkten für den Kunden zu gewährleisten. Folgende Kosten werden<br />
durch den Lagerbestand generiert:<br />
• Verzinsung des in den Lagerbeständen investierten Kapitals<br />
• Ver<strong>der</strong>b, technische Alterung o<strong>der</strong> Schwund<br />
• Ausschuss aufgrund von mechanischen Einflüssen<br />
• Diebstahl<br />
• Versicherungsprämien<br />
2.4.1 Kapitalbindung<br />
In gelagerten Gütern ist Kapital gebunden (= Kapitalbindung). Das<br />
gebundene Kapital kann so nicht an<strong>der</strong>weitig verwendet werden. Die Höhe<br />
<strong>der</strong> Kapitalbindung wird durch den Lagerbestand und den Einkaufspreis des<br />
Artikels bestimmt.<br />
Ein Beispiel aus <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
Der Artikel ST10-TN135BK hat einen minimalen Lagerbestand von 4 Stück, <strong>der</strong><br />
Einkaufspreis ist mit 65 Franken hinterlegt. Ist <strong>der</strong> minimale Lagerbestand bei<br />
diesem Artikel an Lager, wird ein Lagerwert von: 4 Stück x 65 Franken = 260<br />
Franken generiert. Die Summe von 260 Franken entspricht dem gebundenen<br />
Kapital im Lagerbestand.<br />
Scheint <strong>der</strong> Wert im obenstehenden Beispiel noch nicht so hoch zu sein, kann<br />
diese Rechnung auf dem ganzen Sortiment angewendet werden. So erkennt<br />
man, dass <strong>der</strong> Warenwert in <strong>der</strong> Logistik oft sehr hohe Summen generiert.<br />
692
Damit die Summe bezahlt werden kann, benötigen Unternehmen oftmals<br />
einen Kredit von einer Bank. Das ausgeliehene Kapital wurde vor einigen<br />
Jahren noch mit einem erheblichen Zins in Rechnung gestellt. Die Rechnung<br />
konnte demnach so aussehen:<br />
Gebundenes Kapitel = 100'000 Franken<br />
Zinssatz = 2 %<br />
Jahreszins = 2'000 Franken<br />
Zins pro Tag = 5.80 Franken (CHF 2'000/365)<br />
Im Jahr 2022 ist <strong>der</strong> Leitzins <strong>der</strong> schweizerischen Nationalbank jedoch auf<br />
einem Rekordtief. Man rechnet sogar mit einem Negativzins. Das bedeutet<br />
dass es sich lohnt, Schulden zu haben. Mit steigen<strong>der</strong> Inflation ist jedoch<br />
davon auszugehen, dass die Zinsen wie<strong>der</strong> steigen werden und sich das<br />
gebundene Kapital wie<strong>der</strong> zu einem Kostenfaktor für die Unternehmen<br />
entwickeln wird.<br />
2.5 Kosten für För<strong>der</strong>- und Hilfsmittel<br />
Weitere grosse Kostenfaktoren sind die Anschaffung und <strong>der</strong> Unterhalt von<br />
För<strong>der</strong>mitteln sowie <strong>der</strong> Unterhalt <strong>der</strong> Informatik. Diese Kosten werden<br />
beeinflusst von den Eigenschaften des Produkts sowie vom<br />
Automatisierungsgrad <strong>der</strong> Logistik. Konkret sind es folgende Kosten:<br />
• Anschaffung von För<strong>der</strong>mitteln<br />
• Anschaffung und Inbetriebnahme <strong>der</strong> notwendigen Informatik<br />
• Abschreibung für den Wertverlust von För<strong>der</strong>mitteln<br />
• Wartungskosten, Service-, Miet- o<strong>der</strong> Leasingkosten<br />
• Reparaturkosten<br />
• Betriebskosten (Öl, Gas, Diesel und Strom)<br />
• Versicherungsprämien für die För<strong>der</strong>mittel<br />
Diese fixen Kosten sind in <strong>der</strong> heutigen Logistik kaum tief zu halten. Informatik<br />
und För<strong>der</strong>mittel sind nicht nur in den grossen Logistikunternehmen, son<strong>der</strong>n<br />
auch in KMU vorhanden.<br />
693
2.6 Kosten für Verbrauchsmaterialien<br />
Im Vergleich zu den oben genannten Kostenfaktoren in <strong>der</strong> Logistik sind die<br />
Kosten für Verbrauchsmaterialien deutlich kleiner. Konkret sind es folgende<br />
Kosten:<br />
• Verpackungsmaterialien<br />
• Büromaterialien (z. B. Kopierpapier, Schreibmaterial, Druckerpatronen usw.)<br />
Merke: Den Kosten und <strong>der</strong> Umwelt zuliebe sollte Verbrauchsmaterial<br />
sparsam eingesetzt werden.<br />
694
Modul 703_Personalkosten<br />
Ausgangslage<br />
Die Mitarbeitenden sind die Grundpfeiler eines jeden Unternehmens. Sie kosten aber<br />
auch Geld. Ihr Lohn ist ein grosser Faktor in den Personalkosten, aber nicht <strong>der</strong><br />
einzige. Dieses Modul beleuchtet alle Ausgaben bei den Personalkosten.<br />
695
Fachartikel Modul 703<br />
3. Personalkosten<br />
In Unternehmen werden gute Mitarbeitende benötigt, um auf dem Markt<br />
erfolgreich bestehen zu können. Diese Aussage trifft auch auf die EnterSite AG<br />
zu. Deshalb hängt in <strong>der</strong> EnterSite AG folgendes Plakat:<br />
Doch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kosten auch Geld - sie generieren<br />
Personalkosten. Diese zählen zur wichtigsten Kostenart im Unternehmen. Wie<br />
in Modul 702 bereits ausgeführt, werden die Personalkosten unter<br />
an<strong>der</strong>em in folgende Kategorien unterteilt:<br />
• Löhne und Gehälter für das Lagerpersonal<br />
• Sozialleistungen für das Lagerpersonal (Sozialversicherungen)<br />
• Son<strong>der</strong>leistungen (Weiterbildungen, Spesen, Gratifikationen, usw.)<br />
• Administrationskosten (Personaladministration)<br />
696
Dieses Modul beleuchtet die Personalkosten einerseits aus <strong>der</strong> Perspektive <strong>der</strong><br />
EnterSite AG und an<strong>der</strong>erseits aus <strong>der</strong> Perspektive des Mitarbeiters o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
Mitarbeiterin.<br />
3.1 Die EnterSite AG: direkte und indirekte Personalkosten<br />
Die EnterSite AG unterteilt die Personalkosten in direkte und indirekte Kosten.<br />
Unter direkten Personalkosten werden die Gehälter bzw. Lohnkosten<br />
(Bruttolohn) <strong>der</strong> Angestellten verstanden. Indirekte Personalkosten sind<br />
Gel<strong>der</strong>, die zusätzlich zum Bruttolohn ausbezahlt werden.<br />
Direkte Personalkosten<br />
Bruttogehalt o<strong>der</strong> Bruttolohn für den<br />
Arbeitnehmer<br />
Beiträge für Rentenversicherung,<br />
Krankenversicherung,<br />
Arbeitslosenversicherung und<br />
Pflegeversicherung<br />
Indirekte Personalkosten<br />
Kosten für Ausstattung des<br />
Arbeitsplatzes<br />
Kosten zur Rekrutierung von neuen<br />
Mitarbeitenden<br />
Urlaubs- und Weihnachtsgeld<br />
Gratifikationen<br />
Reisekosten<br />
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall<br />
3.1.1 Lohn versus Gehalt<br />
Die grössten Kosten werden durch den Lohn o<strong>der</strong> das Gehalt verursacht. Was<br />
ist eigentlich <strong>der</strong> Unterschied zwischen Lohn und Gehalt?<br />
• Der Lohn wird für eine tatsächlich geleistete Arbeit ausbezahlt. Der Lohn kann<br />
von Monat zu Monat unterschiedlich sein. Die geleistete Arbeit kann nach den<br />
Faktoren Arbeitsstunden, Akkordarbeit aber auch nach Stückzahlen<br />
berechnet werden.<br />
• Das Gehalt ist auf eine feste Summe vereinbart. Geleistete Überstunden<br />
werden in <strong>der</strong> Regel nicht direkt ausbezahlt, son<strong>der</strong>n erfasst und zu einem<br />
697
späteren Zeitpunkt wie<strong>der</strong> bezogen (kompensiert). Im Unterschied zum Lohn<br />
wird das Gehalt unabhängig <strong>der</strong> geleisteten Menge ausbezahlt. Auch wenn<br />
sich Mitarbeitende in den Ferien befinden und nicht arbeiten, erhalten sie ihr<br />
Gehalt.<br />
3.1.2 Personalkosten sparen<br />
Die Personalkosten können je nach Branche bis zu 80 Prozent <strong>der</strong><br />
Gesamtkosten eines Unternehmens betragen. Entsprechend wird das<br />
Einsparen dieser Kosten immer wie<strong>der</strong> diskutiert und geprüft. Personalkosten<br />
können wie folgt gespart werden:<br />
• Rücklagen bilden für schlechtere Zeiten: Vor allem Unternehmen mit grossen<br />
saisonalen Schwankungen generieren unterschiedliche Einnahmen.<br />
Entsprechend ist es wichtig, in wirtschaftlich guten Phasen Rücklagen zu<br />
bilden. Somit kann in etwas schwächeren Phasen von diesen Rücklagen<br />
profitiert und die Kasse wie<strong>der</strong> ausgeglichen werden.<br />
• Überstunden abbauen: Die EnterSite AG bezahlt die Überstunden nicht aus.<br />
Sie werden durch die Mitarbeitenden bezogen (kompensiert). Damit werden<br />
keine zusätzlichen Kosten generiert.<br />
• Minimierung von Fehlzeiten: Sind die Mitarbeitenden oft krank und nicht<br />
anwesend, werden die Personalkosten erhöht. Die Führung <strong>der</strong> EnterSite AG<br />
hat den Auftrag, Gründe für die Ausfälle zu suchen und sie zu korrigieren.<br />
• Outsourcing: Es kann auch über ein Outsourcing ( Modul 301)<br />
nachgedacht werden. Das Auslagern von Tätigkeiten kann zum Einsparen von<br />
Personalkosten führen. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die<br />
Qualität nicht darunter leidet.<br />
3.1.3 Mitarbeitende im Monatslohn o<strong>der</strong> Mitarbeitende im Stundenlohn?<br />
Die EnterSite AG muss entscheiden, ob sie ihre Mitarbeitenden im Monatso<strong>der</strong><br />
im Stundenlohn unter Vertrag nimmt.<br />
Bei einer Anstellung zum Monatslohn erhält ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin<br />
ein monatlich fixes Gehalt. Im Gegensatz dazu hängt <strong>der</strong> Lohn bei einer<br />
Anstellung zum Stundenlohn von den effektiv gearbeiteten Stunden ab. In<br />
beiden Gehältern sind die Ferien und verschiedene Abzüge einberechnet.<br />
Eine Probezeit mit anschliessen<strong>der</strong> Kündigungsfrist von drei Monaten ist die<br />
Regel.<br />
698
Wenn nur vorübergehend Unterstützung benötigt wird, es aber eine<br />
Fachperson braucht, besteht die Möglichkeit, über ein Temporärbüro eine<br />
Person für eine bestimmte Zeit zu "mieten" o<strong>der</strong> einen Freelancer zu<br />
engagieren. Der Freelancer kümmert sich selbstständig um seine Steuer- und<br />
Sozialabgaben. Wird ein Temporärbüro beigezogen, so kümmert sich die<br />
Organisation um die Administration <strong>der</strong> Mitarbeitenden.<br />
Fazit<br />
Als verantwortungsvoller Arbeitgeber hat die EnterSite AG das Ziel, ihren<br />
Mitarbeitenden auf längere Sicht einen Arbeitsplatz zu bieten - selbst dann,<br />
wenn das Geschäft nicht so gut läuft. Deshalb ist es wichtig, die<br />
Personalkosten ständig im Blick zu haben und zu überprüfen. Diese<br />
Betrachtung wird nicht nur kurzfristig, son<strong>der</strong>n auch mittel- bis langfristig<br />
gemacht.<br />
3.2 Die Mitarbeitenden: das Gehalt<br />
Beim Gehalt <strong>der</strong> Mitarbeitenden wird von einem Monats- o<strong>der</strong> Jahreslohn<br />
sowie von einem Brutto- o<strong>der</strong> Nettolohn gesprochen. Der Bruttolohn ist <strong>der</strong><br />
Lohn vor den gesetzlich vorgeschriebenen Abzügen. Der Nettolohn entspricht<br />
dem Betrag, <strong>der</strong> den Mitarbeitenden tatsächlich ausbezahlt wird.<br />
699
3.2.1 Das 3-Säulen-Prinzip<br />
Einige Abzüge auf dem Bruttogehalt sind auf das schweizerische 3-Säulen-<br />
Prinzip zurückzuführen. Die abgebildeten drei Säulen entsprechen <strong>der</strong><br />
staatlichen, beruflichen und privaten Vorsorge.<br />
Säule 1 - Staatliche Vorsorge<br />
Diese Säule soll die finanzielle Sicherung <strong>der</strong> Existenz im Alter sicherstellen,<br />
schützt im Invaliditätsfall und sichert Hinterbliebene im Todesfall mit dem<br />
Existenzminimum ab. Die obligatorischen Abzüge für diese Säule sind:<br />
• Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV)<br />
• Invalidenversicherung (IV)<br />
• Ergänzungsleistungen (EL)<br />
• Arbeitslosenversicherung (ALV)<br />
• Erwerbsersatzordnung (EO): Entschädigung während des Militärdienstes,<br />
Mutterschaftsurlaub, Vaterschaftsurlaub<br />
Die AHV ist ein Umlageverfahren. Dies bedeutet, dass die Beiträge <strong>der</strong> aktuell<br />
arbeitenden Personen die Renten <strong>der</strong> bereits pensionierten Personen - <strong>der</strong><br />
AHV-Bezügerinnen und -Bezüger - finanzieren. Die AHV-Beitragspflicht beginnt<br />
für Erwerbstätige ab dem 18. Lebensjahr.<br />
700
Säule 2 - Berufliche Vorsorge<br />
Die gesetzlichen Pensionskassen decken zusammen mit <strong>der</strong> 1. Säule rund 60<br />
bis 70 Prozent des zuletzt bezogenen Lohnes ab. Die Fortsetzung des<br />
gewohnten Lebensstandards soll so in angemessener Weise ermöglicht<br />
werden. Die 2. Säule umfasst:<br />
• Obligatorische berufliche Vorsorge/Pensionskasse (BVG)<br />
• Obligatorische Unfallversicherung (UVG)<br />
• Freizügigkeitsleistungen bei Austritt aus <strong>der</strong> Vorsorgeeinrichtung (FZG)<br />
• Überobligatorische Versicherung zum BVG und zum UVG<br />
Säule 3 - Private Vorsorge<br />
Die 3. Säule ist eine freiwillige Selbstvorsorge. Mit ihr kann die persönliche<br />
Vorsorgesituation aktiv verbessert werden. In <strong>der</strong> Bundesverfassung ist die<br />
private Vorsorge verankert und wird mit steuerlichen Massnahmen vom Bund<br />
und den Kantonen geför<strong>der</strong>t. In <strong>der</strong> 3. Säule wird die Vorsorge in zwei<br />
Angebote unterteilt:<br />
• Die Säule 3a dient grundsätzlich <strong>der</strong> Altersvorsorge. In gewissen Fällen kann<br />
<strong>der</strong> einbezahlte Betrag auch für einen Kauf von Wohneigentum vorbezogen<br />
werden. Zudem lassen sich die einbezahlten Prämien o<strong>der</strong> Beiträge vom<br />
steuerbaren Einkommen abziehen.<br />
• Die Säule 3b hilft beim Ausbauen von einem finanziellen Polster für Ziele und<br />
Wünsche nach <strong>der</strong> Pensionierung. Auch die finanziellen Risiken bei Invalidität<br />
o<strong>der</strong> im Todesfall können bedürfnisgerecht abgesichert werden. Dabei stehen<br />
verschiedene Spar- und Anlagelösungen sowie Versicherungslösungen zur<br />
Verfügung.<br />
701
3.2.2 Abzüge<br />
Folgende Abzüge sind auf <strong>der</strong> Lohnabrechnung zu erkennen (alle Angaben<br />
entsprechen den obligatorischen Abzügen aus dem Jahr 2021):<br />
Vermerk Bedeutung Abgabe<br />
EnterSite AG<br />
AHV<br />
Alters- und<br />
Hinterlassenversicherung<br />
Abgabe<br />
Mitarbeiter/in<br />
4.35 % 4.35 %<br />
IV Invalidenversicherung 0.7 % 0.7 %<br />
EO Erwerbsersatzordnung 0.25 % 0.25 %<br />
NBUV Nicht Berufsunfallversicherung 0.75 % 0.75 %<br />
ALV Arbeitslosenversicherung 1.1 % 1.1 %<br />
?? Hinweis: Die Abzüge än<strong>der</strong>n sich von Jahr zu Jahr und werden unter dem<br />
folgenden Link laufend aktualisiert.<br />
Des Weiteren wird eine Abgabe BVG (Pensionskasse) obligatorisch, sofern<br />
Arbeitnehmende in <strong>der</strong> ersten Säule versichert sind und das Einkommen<br />
21'510 Franken pro Jahr übersteigt.<br />
Ein Beispiel:<br />
Brutto-Jahreslohn 100 % CHF 52'000<br />
Abzug AHV 4.35 % CHF 2'262<br />
Abzug IV 0.7 % CHF 364<br />
Abzug EO 0.25 % CHF 130<br />
Abzug NBUV 0.75 % CHF 390<br />
Abzug ALV 1.1 % CHF 572<br />
Netto-Jahreslohn 92.85 % CHF 48'282<br />
Total Abzug 7.15 % CHF 3'718<br />
?? Merke: Personalkosten sind nicht nur Gehaltskosten, son<strong>der</strong>n es kommen<br />
auch die Sozialleistungen dazu.<br />
702
3.3 Rechte und Pflichte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber<br />
Neben den Kosten ist es für beide Parteien wichtig, Ihre Rechte und Pflichte<br />
für die Zusammenarbeit verstehen zu können. Folgende Rechte und Pflichte<br />
sind gemäss Obligationenrecht einzuhalten:<br />
Rechte<br />
Pflichte<br />
Arbeitgeber<br />
… auf vollständige<br />
Leistungserfüllung<br />
… Treue und Solidarität<br />
… Wahrheitsgemässe<br />
Antworten<br />
… Direktions- und<br />
Weisungsrecht<br />
… Fürsorgepflicht<br />
… Persönlichkeits- und<br />
Datenschutz<br />
… Gleichstellung Mann und<br />
Frau<br />
… Vermögensschutz<br />
… Arbeitszeugnis<br />
Arbeitnehmer<br />
… Erhalt von Einkommen bei<br />
erbrachter Leistung<br />
… Recht auf Beschäftigung<br />
… Recht auf freie<br />
Meinungsäusserung<br />
… Recht auf<br />
Gleichbehandlung<br />
… persönliche Arbeitspflicht<br />
… Sorgfalts- und Treuepflicht<br />
… Rechenschafts- und<br />
Herausgabepflicht<br />
… Überstundenarbeit<br />
… Befolgung von<br />
Anordnungen und<br />
Weisungen<br />
3.3.1 Rechte und Pflichte zum Schutz <strong>der</strong> Gesundheit<br />
Nicht nur die Rechte und Pflichten zur Zusammenarbeit müssen von beiden<br />
Parteien eingehalten werden, auch die Rechte und Pflichten zum Schutz <strong>der</strong><br />
Gesundheit hat seine Gültigkeit. So wird im Unfallversicherungsgesetz (UVG)<br />
im Artikel 2. Abschnitt: Pflichten <strong>der</strong> Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter dem<br />
Artikel 82: Allgemeines folgendes festgehalten:<br />
1 Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zur Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten<br />
alle Massnahmen zu treffen, die nach <strong>der</strong> Erfahrung notwendig,<br />
nach dem Stand <strong>der</strong> Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen<br />
angemessen sind.<br />
2 Der Arbeitgeber hat die Arbeitnehmer bei <strong>der</strong> Verhütung von Berufsunfällen<br />
und Berufskrankheiten zur Mitwirkung heranzuziehen.<br />
3 Die Arbeitnehmer sind verpflichtet, den Arbeitgeber in <strong>der</strong> Durchführung <strong>der</strong><br />
Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten zu<br />
unterstützen. Sie müssen insbeson<strong>der</strong>e persönliche Schutzausrüstungen<br />
703
enützen, die Sicherheitseinrichtungen richtig gebrauchen und dürfen diese<br />
ohne Erlaubnis des Arbeitgebers we<strong>der</strong> entfernen noch än<strong>der</strong>n.<br />
Werden arbeiten mit beson<strong>der</strong>en Gefahren ausgeführt, kann <strong>der</strong> Bundesrat<br />
auch einen Ausbildungsnachweis einfor<strong>der</strong>n.<br />
704
Logistiker/In EFZ<br />
800_ICT<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
705
Modul 801_Identifikation Güter<br />
Ausgangslage<br />
Die EnterSite AG erwartet von ihrer Lieferkette, dass <strong>der</strong> EAN-13 Barcode als<br />
Produktebezeichnung genutzt wird. Wo dies aus Platzgründen nicht möglich<br />
ist, soll <strong>der</strong> EAN-8 Barcode verwendet werden. Waren bzw. Rohstoffe,<br />
Zwischenprodukte, Halbfabrikate und Endprodukte sind über die<br />
Produktbezeichnung sowie über weitere Zusatzinformationen möglichst<br />
eindeutig zu identifizieren.<br />
Für die gelieferten Transporteinheiten ist mit den Lieferanten <strong>der</strong> Serial<br />
Shipping Container Co<strong>der</strong> (SSCC) als Standard definiert worden. Weitere<br />
Neuerungen in Richtung Nutzung von RFID gelten als mittelfristiges<br />
strategisches Ziel.<br />
706
Fachartikel Modul 801<br />
1. Identifikation von Gütern<br />
Bei den Grossverteilern sind sämtliche Artikel mit <strong>der</strong> GTIN (Global Trade Item<br />
Number) ausgestattet. Die Erfassung mittels GTIN erleichtert die Arbeit beim<br />
Einkassieren. Der Artikel wird an <strong>der</strong> Kasse über ein Laser-Lesegerät (Scanner)<br />
geführt. Dieses decodiert aus den schwarzen Balken und hellen<br />
Zwischenräumen die Nummer des Artikels. Sie enthält alle nötigen<br />
Informationen des Produkts (Artikelbezeichnung, Preis). Die Informationen<br />
werden aus dem Zentralrechner abgerufen. Eine Nummer ist ohne Zugriff auf<br />
die Liste im zentralen System wertlos.<br />
Durch diese Methode entfällt das manuelle Eintippen an <strong>der</strong> Kasse, und <strong>der</strong><br />
Kunde erhält einen detaillierten Kassenzettel. Preisän<strong>der</strong>ungen (z. B.<br />
Aktionspreise) müssen nicht mehr auf allen Artikeln ausgezeichnet werden <strong>–</strong><br />
eine Regalpreisanschrift genügt.<br />
1.1 Serial Shipping Container Code (SSCC)<br />
Der Serial Shipping Container Code (SSCC) ist eine Nummernfolge für die<br />
Beschriftung von Paletten. Mit dem SSCC können insgesamt 128 Zeichen<br />
dargestellt werden. Er ist alphanumerisch aufgebaut, kann also Zahlen und<br />
707
Buchstaben enthalten. Die Transporteinheiten dürfen nicht nur mit dem<br />
maschinenlesbaren Strichcode allein bezeichnet sein. Die im Code<br />
enthaltenen Daten müssen auch in lesbarer Form auf <strong>der</strong> Etikette<br />
ausgedruckt sein. Mit dem SSCC bezeichnete Gütereinheiten können auf<br />
ihrem Transportweg verfolgt werden (Track and Trace). Die Voraussetzung für<br />
die lückenlose Verfolgung ist das regelmässige Einlesen an allen Schnittstellen<br />
auf dem Transportweg. In Deutschland wird <strong>der</strong> SSCC auch NVE (Nummer <strong>der</strong><br />
Versandeinheit) genannt.<br />
1.2 GTIN-8, GTIN-13, ISBN<br />
1.2.1 Global Trade Item Number (GTIN)<br />
Der Barcode (auch Balkencode, Strichcode o<strong>der</strong> einfach "Striche" genannt)<br />
findet sich auf jedem Produkt, das in Läden erhältlich ist. Es handelt sich um<br />
einen Strichcode vom Typ GTIN (Global Trade Item Number). Der Code ist<br />
eindimensional (1-D). Er dient grundsätzlich dazu, Artikel an <strong>der</strong> Kasse (durch<br />
Ablesen mit Laserstrahl) zu unterscheiden und den entsprechenden Preis aus<br />
dem Kassensystem (Datenbank des jeweiligen Ladens) auszulesen und<br />
708
anzuzeigen. Das Code-System ist so eingerichtet, dass jede Nummer weltweit<br />
nur einmal vergeben wird. Wenn zwei unterschiedliche Produkte dieselbe<br />
Nummer hätten, wäre das Kassensystem nicht in <strong>der</strong> Lage, diese zu<br />
unterscheiden. Die Nummern-Registrierstellen sorgen dafür, dass eine<br />
Nummer nicht doppelt vergeben wird. Die Registrierstelle für Produkte mit<br />
GTIN-Codes in <strong>der</strong> Schweiz ist die "GS1 Schweiz". Für die Bücher mit ISBN-<br />
Nummern ist es die "ISBN Agentur Schweiz".<br />
?? Merke: GTIN bedeutet (Global Trade Item Number)". Die Zahl 13 gibt die<br />
Ziffernstellen an. GTIN-13 ist <strong>der</strong> in Europa verbreitete Standard. Es gibt jedoch<br />
noch weitere Zahlen- und Barcode-Systeme. Der in den USA übliche UPC<br />
(Universal Product Code) ist mit dem GTIN-System kompatibel.<br />
1.3 Aufbau Produkte-Barcode GTIN-13, GTIN-8, ISBN<br />
Die GTIN-Nummern sind im Normalfall 13-stellig. Da <strong>der</strong> Produktebarcode nur<br />
12 Stellen hat, ergänzt man vorne mit einer 0 (Null), und daraus ergibt sich ein<br />
GTIN-13. Es gibt jedoch auch Kurznummern, z. B. den GTIN-8. Die ersten Ziffern<br />
geben das Land o<strong>der</strong> die Produktegruppe an:<br />
400 - 440 = Deutschland<br />
76 = Schweiz und Liechtenstein<br />
90 - 91 = Österreich 00-13 = -13 USA<br />
977 = Zeitschriften (weltweit)<br />
978 - 979 = Bücher (weltweit)<br />
Die allerletzte Ziffer ist die Prüfziffer:<br />
709
1.3.1 Wie unterscheiden sich ISBN und GTIN-13?<br />
ISBN steht für "Internationale Standardisierte Buch-Nummer". Dieser Code war<br />
früher 10-stellig (sogenannte ISBN-10), wurde aber 2007 ins GTIN-13-System<br />
integriert, d. h. mit <strong>der</strong> "Vorwahl" 978 (bzw. 979) ergänzt.<br />
978 = Buch<br />
3 = Län<strong>der</strong>-/Sprachcode<br />
7657 = Verlag<br />
1111 = Nummer innerhalb des Verlags<br />
4 = Prüfziffer<br />
Der davon abgeleitete GTIN-13 sieht genau gleich aus, jedoch ohne<br />
Bindestriche: 9783765711114.<br />
1.4 GTIN-128<br />
1.4.1 Aufbau Transport-Barcode GTIN-128 (GS1-128)<br />
Für zeitgemässe Warenverfolgungs- und Warensteuerungssysteme mit<br />
Wareneingangs- und Warenausgangs-Scanning sowie für<br />
schnittstellenübergreifende Qualitätssicherungssysteme ist die Kennzeichnung<br />
von Bestell-, Liefer- und Transporteinheiten mit Strichcode (Barcode)<br />
erfor<strong>der</strong>lich. Neben <strong>der</strong> Anwendung auf einem Transportetikett<br />
(Palettenlabel) findet <strong>der</strong> GTIN-128 (GS1-128) zunehmend Verbreitung in<br />
710
Produktbereichen, wo die Sicherheit eine grosse Rolle spielt (z. B.<br />
Gesundheitswesen, Chemie, Lebensmittel).<br />
Der GTIN-128 (GS1-128)-Barcode wird also auf Paletten, Kartons, Standard-<br />
Lieferpackungen, Displays usw. eingesetzt. Durch die Ergänzung mit dem<br />
SSCC ist es möglich, den ganzen Transportweg nachzuvollziehen (Track and<br />
Trace). Der Serial Shipping Container Code wird als weltweit eindeutige<br />
Referenznummer für die Identifikation einer Transporteinheit verwendet. In <strong>der</strong><br />
Logistik geben Tracking (Verfolgung) und Tracing (Rückverfolgung) Auskunft<br />
darüber, wo sich die Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt befinden.<br />
1.5 QR-Code<br />
"QR" steht für "Quick Response", das bedeutet zu Deutsch "schnelle Antwort".<br />
Die japanische Firma Denso Wave hat im Jahr 1994 den zweidimensionalen<br />
QR-Code entwickelt. Er wurde zur Markierung von Baugruppen und<br />
Komponenten für die Logistik in <strong>der</strong> Automobilproduktion des Toyota-Konzerns<br />
entwickelt. Weiter entwickelte die Firma Denso Wave auch<br />
Identifikationssysteme und Geräte zur mobilen Datenerfassung.<br />
Der QR-Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus weissen und<br />
schwarzen Punkten, die die codierten Daten binär darstellen. In drei <strong>der</strong> vier<br />
Ecken des Quadrats ist eine Markierung, die die Orientierung vor gibt. Die<br />
Daten im QR-Code sind durch einen fehlerkorrigierenden Code geschützt,<br />
wodurch <strong>der</strong> Verlust von bis zu 30 Prozent des Codes toleriert wird.<br />
Mobiltelefone verfügen über eine eingebaute Kamera und eine Software, die<br />
das Interpretieren von QR-Codes ermöglichen. Der als Mobile-Tagging<br />
bezeichnete Prozess ist in Japan äusserst populär. Er verbreitet sich seit 2007<br />
auch in Europa.<br />
711
Der QR-Code wird heute in vielen Bereichen verwendet, beispielsweise in<br />
Ausstellungen, in Museen, auf Erlebnispfaden o<strong>der</strong> bei Denkmälern (siehe<br />
Bild).<br />
1.5.1 Ein Anwendungsbeispiel in <strong>der</strong> Logistik (Lagerung, Distribution)<br />
Der QR-Code wird verwendet als Artikel-Etikette für Produkte mit Verfalldatum<br />
und Batch-, Los- o<strong>der</strong> Chargennummern (auf Englisch: "Lot Number"). Die<br />
Etikette trägt dazu noch den Barcode GTIN-128. In zertifizierten Betrieben muss<br />
ein Produkt mit Hilfe seiner Losnummer auch nach Auslieferung und Verkauf<br />
an den Kunden eindeutig zugeordnet werden können. Dank dieser<br />
Zuordnung zu einem Los ist es möglich, bei <strong>der</strong> Feststellung eines<br />
Produktionsfehlers ein Lebensmittel zielgerichtet vom Markt zurückzurufen. Es<br />
müssen lediglich jene Einheiten des Lebensmittels zurückgerufen werden,<br />
<strong>der</strong>en Nummern den beanstandeten Losen entsprechen.<br />
712
1.5.2 Ein Anwendungsbeispiel in <strong>der</strong> Logistik (Distribution)<br />
Die Adresse auf einer Zeitschrift wird mit dem Data Matrix-Code erfasst. Zum<br />
Lesen wird beim 2-D-Code eine digitale Kamera verwendet. Das Code-Bild<br />
muss im Kamerafenster erkannt werden. Dadurch kann <strong>der</strong> Data Matrix-Code<br />
ohne Bewegung von Gerät o<strong>der</strong> Optik automatisch abgebildet werden. Die<br />
Kamera erfasst die Information zweidimensional, und die Software wertet das<br />
Bild aus.<br />
Der QR-Code kann bis zu 4'000 Zeichen aufnehmen und wird vorwiegend für<br />
Zeitschriften verwendet. Da <strong>der</strong> QR-Code gegenüber dem Data Matrix-Code<br />
kleiner und platzsparen<strong>der</strong> ist, hat er sich in <strong>der</strong> Industrie etabliert.<br />
Der DataMatrix-Code wird u.a. in <strong>der</strong><br />
Dienstleistung Massenversand eingesetzt<br />
und hilft, Sendungen zu identifizieren,<br />
steuern und verfolgen.<br />
Retoursendung (Post Mail)<br />
713
1.6 Data Matrix-Code<br />
Der Data Matrix-Code ist heute einer <strong>der</strong> bekanntesten Typen von 2-D-Codes.<br />
Er wird für dauerhafte Direktbeschriftungen verwendet, z. B. in <strong>der</strong> Produktion<br />
mittels Laser (z. B. Leiterplatten), im Automobilbau mittels Nadelprägung, bei<br />
Analysegeräten und Instrumenten (Chemie, Medizin) sowie zunehmend auch<br />
als gedrucktes Code-Bild im Dokumentenhandling (Tickets, Adressierung beim<br />
Postversand).<br />
Der Data Matrix-Code ist durch die ISO (Internationale Organisation für<br />
Normung) genormt (ISO/IEC 16022:2000). Mit dem Data Matrix-Code lassen<br />
sich bis zu 3'116 Ziffern o<strong>der</strong> 2'335 ASCII-Zeichen codieren. Der ?? ASCII<br />
(American Standard Code for Information Interchange) beinhaltet 128<br />
Zeichen. In einer quadratischen o<strong>der</strong> rechteckigen Fläche sind im Data<br />
Matrix-Code die Informationen sehr kompakt als Muster von Punkten kodiert.<br />
Die Punkte sind schwarze o<strong>der</strong> weisse Kästchen, die aneinan<strong>der</strong> anschliessen,<br />
o<strong>der</strong> runde Punkte mit Lücken dazwischen. Allein diese einheitliche<br />
Symbolgrösse und <strong>der</strong> feste Symbolabstand machen das Lesen des Bildes und<br />
das Decodieren <strong>der</strong> Information deutlich sicherer und den Code in <strong>der</strong><br />
Ausdehnung erheblich kompakter. Da <strong>der</strong> Data Matrix-Code zudem ein<br />
Verfahren <strong>der</strong> Fehlerkorrektur bietet, verdrängt er in vielen Anwendungen<br />
den Barcode, <strong>der</strong> meist nur die Erkennung eines einzelnen Fehlers unterstützt.<br />
1.7 Platzierung von Codes<br />
1.7.1 Palettenladungen<br />
Paletten werden mindestens auf zwei Seiten über die Ecke gekennzeichnet.<br />
Etiketten werden so angebracht, dass sich das unterste Symbol 45 cm<br />
(Toleranz ± 5 cm) ab Boden (Standfläche <strong>der</strong> Palette) befindet. Der Abstand<br />
von <strong>der</strong> Aussenkante darf 5 cm nicht unterschreiten.<br />
714
Kartons auf mindestens zwei Seiten<br />
kennzeichnen. Die Kennzeichnung unten<br />
rechts anbringen. Die Abstände zu den<br />
Kanten 34 mm nach rechts (Toleranz: +0 /<strong>–</strong><br />
23 mm) und 32 mm nach unten sind<br />
einzuhalten.<br />
Markierung eines Kartons mit<br />
einer Übereck-Etikette.<br />
715
Langgut ab 20 mm Durchmesser o<strong>der</strong><br />
einer minimalen Querschnittskante von 30<br />
mm kann mit einer Selbstklebeetikette<br />
ausgezeichnet werden. Werden diese<br />
Querschnitte unterschritten, ist die<br />
Auszeichnung mit einer Anhängeetikette<br />
vorzunehmen.<br />
Wird die Kennzeichnung bei<br />
zylin<strong>der</strong>- förmigen<br />
Gegenständen radial angebracht,<br />
darf die Länge des<br />
Strichcodesymbols ein Sechstel<br />
des Umfangs nicht<br />
überschreiten.<br />
1.8 Radio Frequency Identification (RFID)<br />
RFID steht für Radio Frequency Identification, zu Deutsch "Identifikation per<br />
Funk". Die Logistik-Branche soll durch den Einsatz von RFID massiv profitieren <strong>–</strong><br />
man spricht sogar von einer möglichen Revolution in <strong>der</strong> Logistik.<br />
Insbeson<strong>der</strong>e <strong>der</strong> Handel hat diesen Vorteil für die Logistik bereits erkannt und<br />
nutzt die RFID-Technologie, um Paletten und Kartons über die Lieferkette zu<br />
verfolgen. Dabei stehen die Vermeidung von Fehlbeständen im Lager, die<br />
verbesserte Fehlerkontrolle und die Senkung <strong>der</strong> Personalkosten im<br />
Vor<strong>der</strong>grund. RFID ermöglicht eine automatische Identifikation und<br />
Lokalisierung von Objekten.<br />
Ein RFID-System besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten:<br />
1.8.1 RFID-Rea<strong>der</strong> (Schreib- und Lesegerät)<br />
Der RFID-Tag besteht aus einem Chip und einer Antenne. Er wird an dem zu<br />
identifizierenden Objekt entwe<strong>der</strong> aussen o<strong>der</strong> innen angebracht, oft<br />
funktioniert <strong>der</strong> Tag als Klebetikette. Das Auslesen bzw. Modifizieren <strong>der</strong> Daten<br />
übernimmt das Schreib- und Lesegerät. Das Auslesen kann ohne Sichtkontakt<br />
und berührungslos durchgeführt werden. Je nach Frequenzbereich,<br />
Sendeleistung und Umwelteinflüssen kann <strong>der</strong> Vorgang passiv o<strong>der</strong> aktiv<br />
ausgeführt werden. Die Entfernung zum Rea<strong>der</strong> kann zwischen wenigen<br />
Zentimetern und mehr als einem Kilometer liegen.<br />
716
RFID-Tag/Transpon<strong>der</strong> (o<strong>der</strong> auch: Smart Label, RFID-Chip, RFID-Etikett,<br />
Funketikett)<br />
1.8.2 Anwendungsbeispiele <strong>der</strong> RFID-Technologie<br />
717
Das einfachste Anwendungsbeispiel <strong>der</strong> RFID-Technologie ist breit bekannt:<br />
die Diebstahlsicherung in Warenhäusern. An<strong>der</strong>e Anwendungen sind zum<br />
Beispiel Zutrittskontrollen in Gebäuden o<strong>der</strong> an Skiliften, Registrierung von<br />
Waren (Fertigung, Transport, Lagerung), Identifizierung von Kleidungsstücken<br />
in Wäschereien, Registrierung von Büchern in Bibliotheken o<strong>der</strong> die<br />
Identifikation von Haustieren. Eine Zukunftsvision ist <strong>der</strong> Einsatz von RFID für die<br />
ganze Warenbewirtschaftung in Supermärkten und Warenhäusern, inklusive<br />
Abrechnung an <strong>der</strong> Kasse. Es bestehen auch Pläne, mit Hilfe von RFID<br />
Menschen zu identifizieren. Dazu sollen Transpon<strong>der</strong> etwa in Reisepässe<br />
integriert o<strong>der</strong> als Notfallausweis für medizinische Zwecke unter die Haut<br />
implantiert werden. Bürger, Juristinnen und Behörden befürchten jedoch<br />
Missbräuche, da die Daten unbemerkt gelesen werden können.<br />
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wie eine Kindesentführung durch RFID verhin<strong>der</strong>t<br />
wurde<br />
Im US-Bundesstaat North Carolina konnte durch RFID-Technik eine<br />
Kindesentführung verhin<strong>der</strong>t werden. Das System löste Alarm aus, als auf <strong>der</strong><br />
siebten Etage eines Krankenhauses ein Baby aus <strong>der</strong> Säuglingsabteilung<br />
entfernt wurde. Das Personal informierte daraufhin den Sicherheitsdienst, <strong>der</strong><br />
die Entführung verhin<strong>der</strong>te. Der Alarm, <strong>der</strong> sogenannte Code Pink, wird<br />
jeweils ausgelöst, wenn ein RFID-Chip, <strong>der</strong> den Babys mit einer Arm- o<strong>der</strong><br />
Fussschlaufe in einem Band umgebunden wird, an einer an den Ausgängen<br />
befindlichen Auslesestation vorbeigeführt wird, die den Signalcode des<br />
Chips empfängt und mit einer Datenbank vergleicht.<br />
Ein Beispiel aus dem Alltag: Zeitmessung bei Sportveranstaltungen<br />
RFID-Transpon<strong>der</strong> werden zur Zeitmessung bei vielen Sportveranstaltungen<br />
eingesetzt, u. a. auch beim Boston Marathon und bei Ironman-<br />
Wettkämpfen. Am Fahrrad o<strong>der</strong> Schuh befestigt, ermöglicht <strong>der</strong> Chip eine<br />
präzise vollautomatische Zeitmessung. Immer mehr Veranstalter bieten jetzt<br />
auch Live-Zwischenzeiten als Information für Teilnehmer o<strong>der</strong> Fans an. Die<br />
Informationen werden in Echtzeit ins Internet, auf Handys o<strong>der</strong> an<br />
Anzeigetafeln übertragen.<br />
718
Modul 802_Transport<br />
Ausgangslage<br />
"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" Immer zu wissen, wo und in welchem Zustand<br />
sich die eigene Ware befindet - wer will das nicht? Die Qualitätskontrolle muss nicht<br />
enden, wenn die Ware das Betriebsgelände verlässt. Überwachungsindikatoren o<strong>der</strong><br />
elektronische Datenlogger können die Einhaltung <strong>der</strong> vom Unternehmen<br />
gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und dem Handling von A bis Z lückenlos sicherstellen.<br />
719
Fachartikel Modul 802<br />
2. Transport<br />
2.1 Transportüberwachung<br />
2.1.1 Was ist Transportüberwachung und wieso ist sie nötig?<br />
Eine lückenlose Überwachung <strong>der</strong> Transportbedingungen durch spezielle<br />
Indikatoren und Datenlogger gewährleistet einen schadlosen Transport <strong>der</strong><br />
Versandware bis zum Eintreffen beim Kunden. Transportsünden können damit<br />
aufgedeckt werden.<br />
Jede Qualitätskontrolle endet, sobald die Güter den Weg zu den Kunden<br />
antreten. Während des Transports o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Lagerung können verschiedenste<br />
Einflüsse die Qualität des Gutes negativ beeinflussen. Dazu gehören<br />
Bruchschäden durch Stoss, Herunterfallen o<strong>der</strong> unsanftes Absetzen,<br />
Kippschäden, Produktschäden durch Nichteinhaltung <strong>der</strong> Temperaturkette,<br />
Diebstahl usw.<br />
Das kann teuer werden: Ein Unternehmen verliert dann nicht nur Geld und<br />
das Vertrauen des Kunden, son<strong>der</strong>n auch den guten Ruf. Damit <strong>der</strong><br />
entstandene finanzielle Schaden gedeckt werden kann, ist es gut, wenn eine<br />
Transportversicherung abgeschlossen wurde. Die Versicherung korrigiert aber<br />
nicht das den Imageschaden und greift auch nur dann, wenn <strong>der</strong><br />
entstandene Schaden nachgewiesen werden kann.<br />
Transportüberwachungsindikatoren überwachen kostengünstig und lückenlos<br />
die Einhaltung <strong>der</strong> gefor<strong>der</strong>ten Transportqualität und stellen dadurch sicher,<br />
dass die Sendung so sorgfältig wie verlangt behandelt wird.<br />
720
Vorteile von Transportüberwachungsindikatoren<br />
• Kontrollierbare Einhaltung <strong>der</strong> Handling-Vorschriften von <strong>der</strong> Herstellung bis<br />
zum Endkunden<br />
• Feststellen von Zeit, Ort und Verantwortlichen bei Transportschäden<br />
• Reduzierung von Transportschäden<br />
• Rechtzeitiges Erkennen verdeckter Transportschäden<br />
• Weniger Beanstandungen, Kostenersparnis<br />
Einsatzbereiche von Transportüberwachungsindikatoren<br />
• Paketdienste<br />
• Post-, Luft-, Seetransporte<br />
• Spediteure<br />
• Transporteure<br />
• interner Güterumschlag<br />
2.1.2 Indikatoren<br />
Die Art und <strong>der</strong> Einsatzbereich von Indikatoren sind in<br />
beschrieben.<br />
Modul 307 detailliert<br />
Transportdatenlogger<br />
Transportdatenlogger messen Transport- und Lagerbedingungen von <strong>der</strong><br />
Produktion <strong>der</strong> Ware bis zur endgültigen Verwendung bei den Kunden (und<br />
darüber hinaus). Sie messen lückenlos und sind unbestechlich.<br />
Transportbelastungen aller Art werden gemäss ihrer Programmierung<br />
zeitgenau nach Datum und Uhrzeit abgespeichert und sind über eine<br />
Datenverbindung mit einem PC auslesbar.<br />
Der Transportdatenlogger misst<br />
elektronisch Stösse, Vibrationen,<br />
Temperatur- und Luftfeuchtigkeit,<br />
Luftdruck sowie Neigungswinkel<br />
während des Transports und <strong>der</strong><br />
Lagerung. Mit <strong>der</strong> Software können<br />
721
die gewonnenen Daten statistisch<br />
und grafisch ausgewertet werden.<br />
Weitere Informationen dazu findest du im Bericht "Daten sammeln für<br />
sichere Transporte".<br />
2.2 Track and Trace<br />
Track and Trace ist die Kurzbezeichnung für die Technik zur Verfolgung von<br />
Sendungen auf ihrem Weg vom Versen<strong>der</strong> zum Empfänger. Die<br />
Sendungsverfolgung (engl: Track and Trace o<strong>der</strong> Tracking and Tracing =<br />
Verfolgung und Rückverfolgung) ist ein mo<strong>der</strong>nes System, mit dem <strong>der</strong> Status<br />
einer Lieferung sowohl vor als auch nach <strong>der</strong> Zustellung überwacht und<br />
überprüft werden kann.<br />
Die Track and Trace-Technik<br />
kommt oft bei <strong>der</strong><br />
Verfolgung von Frachtgut<br />
zum Einsatz. Die<br />
Sendungsverfolgung mit<br />
dem Track and Trace-System<br />
erleichtert auch die<br />
Überwachung und<br />
Verbesserung des<br />
Versandbetriebs und die<br />
Bearbeitung von<br />
Nachforschungsaufträgen<br />
bei nicht angekommenen<br />
Sendungen. Mo<strong>der</strong>ne<br />
Transportplanungssystem<br />
bieten solche Lösungen<br />
standardmässig an.<br />
Das normale Track and Trace beruht auf einem Barcode, <strong>der</strong> die Sendung<br />
eindeutig identifiziert. Dieser wird auf dem Weg zum Empfänger an allen<br />
wichtigen Stationen gescannt. Über ein zentrales System kann dann <strong>der</strong><br />
Status abgerufen werden. Ein möglicher Status ist zum Beispiel: "Sortiert für die<br />
Zustellung". Konkret heisst dies, dass die Sendung die Sortieranlage in einem<br />
722
Paketzentrum durchlaufen hat und vor dem Weg an den Zustellort gescannt<br />
wurde. Das Advanced Track and Trace verzichtet auf die manuelle Erfassung<br />
<strong>der</strong> Codes. Die Artikel werden mit Hilfe <strong>der</strong> RFID-Technologie an bestimmten<br />
Stationen automatisch erfasst.<br />
2.2.1 Verfolgung eines Postpakets<br />
Avisierung<br />
Die Betreiber von professionellen<br />
Online-Stores (z. B. Zalando)<br />
informieren den Kunden/die<br />
Kundin im Anschluss an die<br />
Bestellung via E-Mail über den<br />
voraussichtlichen Liefertermin.<br />
Sendungsverfolgung<br />
Wie die meisten Paketdienste<br />
bietet die Schweizer Post AG auf<br />
ihrer Website die Möglichkeit, den<br />
Status des Pakets zu überprüfen.<br />
Mit Eingabe <strong>der</strong> Sendungsnummer<br />
erhält <strong>der</strong> Kunde/die Kundin<br />
Auskunft über den Sendungsverlauf<br />
sowie den aktuellen<br />
Sendungsstatus. Die Daten, die<br />
während <strong>der</strong> Aufgabe, <strong>der</strong><br />
Verarbeitung und <strong>der</strong> Zustellung<br />
erfassten werden, sind während<br />
180 Tagen abrufbar.<br />
Mit <strong>der</strong> Sendungsnummer kann nun<br />
das Paket im Internet verfolgt<br />
werden. Solange das Paket noch<br />
nicht ausgeliefert ist, kann die<br />
Zustellung mit zusätzlichen<br />
723
Dienstleistungen etwas gesteuert<br />
resp. terminiert werden.<br />
Track and Trace finden Postkunden<br />
unter:<br />
https://www.post.ch/de/paketeversenden/.<br />
Empfang<br />
Das Paket wird am 26. Juni 2021<br />
beim Kunden ausgeliefert. Die<br />
Sendungshistorie kann mit <strong>der</strong><br />
Sendungsnummer<br />
nachvollzogen werden.<br />
724
Rücksendung<br />
Das Paket wird online zur<br />
Rücksendung angemeldet.<br />
Der Versandhändler ist nun<br />
informiert, welche Artikel in<br />
seinem Wareneingang<br />
erwartet werden.<br />
Aufgabe<br />
Das Paket wird am 30. Juni 2021<br />
am Postschalter o<strong>der</strong> einer<br />
Postagentur aufgegeben.<br />
Falls <strong>der</strong> Versen<strong>der</strong> keine<br />
Rücksendeetikette erstellt hat,<br />
erhält das Paket bei <strong>der</strong> Aufgabe<br />
einen Barcode mit integrierter<br />
Nummer, <strong>der</strong> aufgeklebt wird.<br />
Damit ist das Paket eindeutig<br />
gekennzeichnet.<br />
725
Quittung<br />
Der Kunde erhält mit <strong>der</strong> Quittung<br />
eine Bestätigung, auf <strong>der</strong> die<br />
Barcode-Nummer aufgedruckt ist.<br />
Die Quittung dient als Nachweis für<br />
die Aufgabe eines Pakets und ist die<br />
Grundlage für die Haftung bei<br />
Verlust und Beschädigung.<br />
Sendungsverfolgung<br />
Die Auslieferung kann<br />
wie<strong>der</strong>um mit<br />
Sendungsnummer im<br />
Internet verfolgt resp.<br />
gesteuert werden.<br />
Der Versen<strong>der</strong> kann sich via<br />
E-Mail über den aktuellen<br />
Stand <strong>der</strong> Sendung<br />
informieren lassen.<br />
726
2.2.2 Der Status einer Sendung<br />
Die Verfolgung einer Sendung beschränkt sich nicht auf die Identifikation<br />
allein. Durch Zusatzinformationen, ebenfalls in Form eines Barcodes, kann <strong>der</strong><br />
momentane Status erfasst werden. Diese Erfassung erfolgt mit Hilfe eines<br />
Scanners. Der Ablesevorgang erfolgt in zwei Stufen: Zuerst wird <strong>der</strong> Status<br />
erfasst und danach <strong>der</strong> Identifikationscode.<br />
Welche Sendungen kann man mit Track & Trace verfolgen?<br />
Sendungstyp<br />
Express-<br />
Sendungen<br />
Pakete<br />
Briefe<br />
Sendungen<br />
SameDay Nachmittag und SameDay Abend, Swiss Express<br />
Mond<br />
PostPac Priority, PostPac Economy, Sperrgut Economy und<br />
Sperrgut Priority, PostPac Promo, Vinolog, beleglose<br />
Nachnahmen (BLN)<br />
Einschreiben (R), Gerichtsurkunden, A-Post Plus, Dispomail<br />
mit Track & Trace, eingeschriebene Betreibungsurkunden,<br />
beleglose Nachnahmen (BLN)<br />
727
Internationale<br />
Sendungen<br />
URGENT-Sendungen (weltweit), PRIORITY Plus, PostPac<br />
International PRIORITY und ECONOMY sowie Briefe<br />
"Einschreiben". Details siehe Track & Trace für internationale<br />
Sendungen<br />
2.3 Transportplanung<br />
Die Transportplanung ist eine Planungsaufgabe, die darauf abzielt,<br />
Liefertouren dahingehend vorzubereiten, dass die Fahrzeuge gut ausgelastet<br />
auf einer optimalen Route zwischen den einzelnen Abladeorten verkehren<br />
können.<br />
Angesichts steigen<strong>der</strong> Energiepreise und <strong>der</strong> Verknappung von Frachträumen<br />
verfolgt das Transportplanung primär das Ziel, anfallende Transportkosten zu<br />
optimieren. Selbstverständlich wird durch das Erreichen dieser Ziele auch <strong>der</strong><br />
ökologische Gedanken umgesetzt. Die durch eine systematische Gestaltung<br />
von Transportnetzen und <strong>der</strong>en Steuerung generierten Kosteneinsparungen<br />
dürfen jedoch nicht zu Lasten unternehmensstrategischer Faktoren gehen <strong>–</strong><br />
wie etwa Termintreue und Lieferqualität.<br />
Merke: Sämtliche dieser Aspekte zu koordinieren und in zielsichere Bahnen<br />
zu lenken, ist die zentrale Aufgabe <strong>der</strong> Transport- und Tourenplanung.<br />
2.3.1 Das Prinzip <strong>der</strong> Tourenplanung<br />
Für die Feinverteilung müssen Güter nach einem Tourenplan verladen<br />
werden. Das Prinzip <strong>der</strong> Tourenplanung ist relativ einfach. Aufgrund <strong>der</strong><br />
Abladeorte wird die Fahrtroute festgelegt. Die Disposition einer Tour fällt in das<br />
Spezialgebiet von Transportdisponenten.<br />
Last-In, First-Out (LIFO)<br />
Die einzelnen Ladeeinheiten werden nach dem Prinzip LIFO (Last-In, First-Out)<br />
auf das Fahrzeug verladen. Güter, die zuerst abgeladen werden müssen,<br />
werden also zuletzt aufgeladen und umgekehrt. Wenn dieser Grundsatz<br />
eingehalten wird, kann <strong>der</strong> Lastwagenführer seine Ladung rationell verteilen.<br />
Die Tourenplanung ist in <strong>der</strong> Regel nicht so einfach wie im dargestellten<br />
Beispiel.<br />
728
Eine effiziente Planung wird durch verschiedene Einflussfaktoren mitbestimmt.<br />
Diese sind unter an<strong>der</strong>em:<br />
• aktuelle Verkehrslage, Strassenzustand, Baustellen, Umleitungen)<br />
• Anzahl Sendungen (Volumen, Gewicht, Gefahrengut)<br />
• Anzahl Abladestellen<br />
• Fahrzeugkapazität (Eingesetzte Fahrzeuge)<br />
• Prioritäten und Wünsche <strong>der</strong> Kunden (Dringlichkeit <strong>der</strong> Lieferung, Zeitfenster für<br />
die Anlieferung)<br />
• zur Verfügung stehende Hilfsmittel (z. B. Stapler) für den Entlad <strong>der</strong> Güter<br />
• Einsatz <strong>der</strong> Lastwagenführer (z. B. Arbeits- und Ruhezeiten)<br />
Bereitstellung<br />
In Betrieben, in denen <strong>der</strong> Lastwagenführer seine Tour eigenhändig verlädt,<br />
umfasst die Vorbereitung des Transports in <strong>der</strong> Regel die fachgerechte<br />
Vorbereitung <strong>der</strong> Versandeinheiten und die Bereitstellung nach Abladeort in<br />
einer dafür vorgesehenen Zone. So kann <strong>der</strong> Lastwagenführer die<br />
Ladeeinheiten nach <strong>der</strong> Fahrtroute selbst zusammenstellen.<br />
2.3.2 Die Tourenplanung<br />
Die Tourenplanung ist ein Planungsvorgang, bei dem (Transport-)Aufträge zu<br />
Touren gruppiert und in eine Reihenfolge gebracht werden. Dabei wird in <strong>der</strong><br />
Regel eine Tour von einer Person o<strong>der</strong> einem Fahrzeug durchgeführt. Dieser<br />
Planungsprozess ist in allen Bereichen bedeutend, in denen eine Vielzahl von<br />
729
Aufträgen und Touren geplant werden müssen. Beispiele sind die Belieferung<br />
von Filialen eines Händlers, die Abholung von Post, die Mülleinsammlung, die<br />
Personenbeför<strong>der</strong>ung und <strong>der</strong> Einsatz von Servicepersonal. Bei regelmässigen<br />
Strecken wie im Kurier-Express-Paket-Dienst bilden sich so<br />
Transportnetzstrukturen. Bei den (Transport-) Aufträge wird zwischen Stückgut<br />
(z. B. Palettentransport), Schüttgut (z. B. Sand) und Personentransport<br />
unterschieden.<br />
Manuelle Transportplanung<br />
Die Transportdisponenten in kleineren Betrieben führen die Tourenplanung<br />
manuell durch. Die einzelnen Touren werden auf <strong>der</strong> Landkarte zu einem<br />
sinnvollen Tourenplan zusammengesetzt, ohne dass die Kosten optimiert<br />
werden können.<br />
Computergestützte Transportoptimierung<br />
Es ist schwierig, komplexe Transport- und Tourenplanung manuell zu<br />
optimieren. Deshalb werden mit mathematischen Modellen Programme<br />
realisiert, die die Disponenten unterstützen. Computergestützte Transport- und<br />
Tourenplanung bezeichnet man als "Transportoptimierung". Sie umfasst vier<br />
Schwerpunkte:<br />
• Planung einer optimalen Fahrstrecke zur rationellen Güterverteilung<br />
• möglichst rationeller (kostengünstiger) Einsatz <strong>der</strong> Fahrzeuge<br />
• vorschriftsgemässe und optimale Beladung <strong>der</strong> Fahrzeuge<br />
• automatische Weitergabe <strong>der</strong> notwendigen Daten (papierloser Transport)<br />
Die Optimierungssoftware kann in <strong>der</strong> Regel nicht einfach "von <strong>der</strong> Stange"<br />
beschafft werden. Diese Programme arbeiten dann optimal, wenn sie für den<br />
Einsatz auf einen ganz bestimmten Betrieb abgestimmt sind. Die Software<br />
muss parametriert sein. Das heisst, dass sämtliche Einsatzbedingungen<br />
(sogenannte Parameter) zuerst erfasst und eingegeben werden müssen.<br />
730
Das Bild zeigt in <strong>der</strong> Mitte drei verplante Fahrzeuge. Im rechten Teil und im<br />
unteren Bild sind Details zu einer Tour ersichtlich. Der Kartenausschnitt zeigt<br />
<strong>der</strong>en Verlauf. Von den einzelnen Touren können auch weitere<br />
Planungsdetails aufgezeigt werden; das obere rechte Fenster zeigt<br />
beispielsweise das Belastungsdiagramm des Fahrzeugs.<br />
731
Modul 803_Betriebssoftware<br />
Ausgangslage<br />
Vom Einzelunternehmen bis hin zum Grossbetrieb: Im schnelllebigen, digitalen<br />
Zeitalter ist es in jedem Unternehmen wichtig, die Arbeitszeit bestmöglich zu nutzen.<br />
Nur jene Unternehmen, die ihre Daten im Griff haben, können das Optimum erzielen -<br />
und zwar zu je<strong>der</strong> Zeit, an jedem Ort, angepasst an die individuellen Bedingungen<br />
<strong>der</strong> <strong>Entersite</strong> AG, ihrer Lieferanten und Kunden.<br />
732
Fachartikel Modul 803<br />
3. Betriebssoftware<br />
3.1 ERP (Enterprise Ressource Planning)<br />
Ein ERP-System ist eine komplexe Anwendung. Es handelt sich um eine Vielzahl<br />
miteinan<strong>der</strong> kommunizieren<strong>der</strong> Anwendungssoftwares bzw. IT-Systeme,<br />
die als Ganzes zur Unterstützung <strong>der</strong> Ressourcenplanung des Unternehmens<br />
eingesetzt werden. Komplexe ERP-Systeme werden häufig in Teilsysteme<br />
(Anwendungsmodule) aufgeteilt, die je nach Unternehmensbedarf<br />
miteinan<strong>der</strong> kombiniert und auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten<br />
eingesetzt werden können.<br />
3.2 Costumer-Relationship-Management (CRM)<br />
Ein grosses und bekanntes Element ist das Customer-Relationship-<br />
Management (CRM). CRM heisst auf Deutsch<br />
Kundenbeziehungsmanagement und umschreibt die Ausrichtung eines<br />
Unternehmens auf seine Kunden. Die grundlegenden Ziele sind die<br />
Kundengewinnung und Kundenbindung. CRM befasst sich damit,<br />
Geschäftsprozesse rund um bestehende und potenzielle Kunden zu gestalten<br />
und zu optimieren.<br />
733
Das Marketing kann sich durch die Erfassung aller relevanten Daten mit einer<br />
?? CRM-Software genau auf die Bedürfnisse von Kunden ausrichten und wird<br />
demzufolge Beziehungsmarketing genannt. Dieses Managementkonzept<br />
ermöglicht die Steigerung des Unternehmenserfolges.<br />
Wenn von CRM gesprochen wird, ist für gewöhnlich einer <strong>der</strong> folgenden drei<br />
Punkte gemeint:<br />
• CRM als Software: Sie bietet die technologische Grundlage für die Erfassung,<br />
Analyse und Darstellung unternehmerischer Interaktionen mit Kunden o<strong>der</strong><br />
an<strong>der</strong>en Beziehungen.<br />
• CRM als Strategie: Hier ist die bewusste Ausrichtung unternehmerischer<br />
Prozesse auf den Kunden bzw. eine optimale Kundenerfahrung gemeint.<br />
• CRM als Prozess: Damit sind die umfangreichen Prozesse zur<br />
Kundenausrichtung gemeint. Diese umfassen nicht nur die technologischen,<br />
son<strong>der</strong>n auch strategischen und systematischen Vorgehensweisen eines<br />
Unternehmens.<br />
3.3 Vertrieb/Marketing<br />
Vertrieb (auch Absatz o<strong>der</strong> Sales) bezeichnet den gesamten Verkaufsprozess<br />
eines Produktes o<strong>der</strong> einer Dienstleistung. Der Vertrieb beinhaltet die<br />
Identifikation von ?? Zielgruppe(n) sowie das Ansprechen und<br />
die Akquise von Interessenten. Er umfasst den eigentlichen Verkauf bis hin<br />
zur Lieferung des Produktes an den Kunden. In den letzten Jahren zählt man<br />
verstärkt auch die anschliessende Betreuung zum Vertrieb, da hieraus<br />
ebenfalls neue Verkäufe generiert werden können.<br />
Marketing hat die Aufgabe, herauszufinden, welche Produkte und Dienstleistungen<br />
vom Markt, das heisst von den Kunden, gewünscht werden. Das Ziel<br />
ist, das zu produzieren, was die Kunden zu kaufen bereit sind und zwar in <strong>der</strong><br />
Menge, die sie auch kaufen werden. Marketing will aber auch herausfinden,<br />
ob und wie sich die Kunden beeinflussen lassen, ihnen unbekannte Produkte<br />
zu kaufen.<br />
734
3.4 Personalwesen<br />
Ziele des Personalwesens sind:<br />
• die Sicherung von Effizienz und Produktivität<br />
• die Sicherung <strong>der</strong> Arbeitsplätze<br />
• die Sicherung <strong>der</strong> Arbeitsfähigkeit und -motivation<br />
• das Gewinnen und Halten geeigneter Mitarbeiten<strong>der</strong> zu vertretbaren Kosten<br />
• die Gestaltung und Verbesserung des Arbeitsklimas und <strong>der</strong> Führungskultur<br />
• die Bündelung aller Kräfte auf das Unternehmensziel.<br />
3.5 Produktionsplanung und-Steuerung (PPS)<br />
Die Produktionsplanung und -steuerung, kurz PPS, ist ein Grenzgebiet zwischen<br />
Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik. Unter <strong>der</strong><br />
Produktionsplanung und -steuerung versteht man die Planung, Veranlassung<br />
und Überwachung <strong>der</strong> Fertigung bezüglich <strong>der</strong> Menge und <strong>der</strong> Termine. Die<br />
PPS erstreckt sich nicht allein auf die Fertigung, son<strong>der</strong>n umfasst auch die<br />
vorgelagerten Bereiche (Beschaffungslogistik) und nachgelagerten<br />
Tätigkeiten (Distributionslogistik). Eine grosse Rolle spielt dabei die<br />
Materialwirtschaft.<br />
735
3.5.1 Aufgaben <strong>der</strong> PPS<br />
Die Aufgaben <strong>der</strong> Produktionsplanung und -steuerung umfassen im<br />
Wesentlichen Folgendes:<br />
• Arbeitsplanung, Planung <strong>der</strong> Durchlaufzeiten<br />
• Materialwirtschaft (Koordination <strong>der</strong> Beschaffung und Lagerung)<br />
• Festlegen <strong>der</strong> Fertigungsart und Organisation <strong>der</strong> Fertigung<br />
• Versand (Distributionslogistik)<br />
Durchlaufzeit optimieren<br />
Einer <strong>der</strong> wichtigsten Faktoren für die Produktionsplanung ist die Durchlaufzeit.<br />
Die Durchlaufzeit ist die Zeit, die ein Produkt benötigt, um alle<br />
Produktionsschritte zu durchlaufen. Erst wenn die Durchlaufzeit bekannt ist,<br />
kann die Auslastung <strong>der</strong> Maschinen berechnet werden. Die PPS muss die<br />
Planung täglich (o<strong>der</strong> öfter) überprüfen und neu berechnen. Störungen an<br />
Maschinen o<strong>der</strong> fehlendes Material wirken sich sofort auf alle Arbeitsprozesse<br />
aus.<br />
Die folgenden Massnahmen unterstützen die Optimierung <strong>der</strong><br />
Produktionsprozesse:<br />
• Verwendung eines PPS-Systems, das die Reduktion <strong>der</strong> Durchlaufzeiten<br />
unterstützt<br />
• Reduktion <strong>der</strong> Losgrösse, damit das System nicht "verstopft"<br />
• Reduktion <strong>der</strong> Umrüstzeiten<br />
• Vermeidung von langen Transportwegen, Warte- und Liegezeiten<br />
• Reduktion <strong>der</strong> Lagerbestände<br />
Lagerbestände sind aus verschiedenen Gründen nötig:<br />
• Erhaltung <strong>der</strong> Lieferbereitschaft<br />
• Ausgleich von Wie<strong>der</strong>beschaffungsfristen<br />
• Ausgleich von Bedarfsschwankungen<br />
• Produktion wirtschaftlicher Seriengrössen<br />
736
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen <strong>der</strong> Reduktion <strong>der</strong><br />
Durchlaufzeiten und <strong>der</strong> Senkung <strong>der</strong> Lagerbestände. Die PPS strebt zusätzlich<br />
zur Reduktion <strong>der</strong> Durchlaufzeiten auch die Senkung <strong>der</strong> Lagerbestände an.<br />
3.6 Projektmanagement<br />
Projekte begegnen uns überall; sei es ein Hausputz, ein Umzug o<strong>der</strong> eine<br />
Hochzeit. Abhängig von <strong>der</strong> Komplexität des Projekts müssen wir mal mehr,<br />
mal weniger organisieren und koordinieren (=managen). Der Umfang eines<br />
Projektes kann somit variieren. Der Begriff Projektmanagement steht dafür,<br />
das Projekt unabhängig <strong>der</strong> Grösse zu managen.<br />
• Festlegung <strong>der</strong> Ziele <strong>der</strong> Organisation<br />
• Entwicklung einer Strategie zur Zielerreichung<br />
• Organisation und Koordination <strong>der</strong> Produktionsfaktoren<br />
• Führung <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />
3.7 Qualitätsmanagement<br />
Zur Qualitätssicherung zählen alle Massnahmen, die getroffen werden, um<br />
eine gleichbleibende Qualität von Produkten o<strong>der</strong> Dienstleistungen<br />
sicherzustellen. Die Qualitätssicherung hat nicht für alle Betriebe den gleichen<br />
Stellenwert. Sehr wichtig ist sie zum Beispiel für Nahrungsmittel- und<br />
Pharmabetriebe, weil die Gesundheit und das Wohlbefinden <strong>der</strong> Menschen<br />
ein hohes Gut sind, das nicht gefährdet werden darf. In <strong>der</strong> Flugzeugindustrie<br />
geht die Qualitätssicherung z. B. so weit, dass jedes Teil ein Zertifikat trägt, das<br />
über Herkunft und verwendete Materialien Auskunft gibt. Wie an<strong>der</strong>swo wird<br />
lei<strong>der</strong> auch in <strong>der</strong> Qualitätssicherung geschummelt und es kam schon vor,<br />
dass gefälschte Zertifikate im Umlauf waren. Dies ist eine zusätzliche<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung für die Kontrollpersonen.<br />
Die Kontrolle <strong>der</strong> Qualität hat in den meisten Betrieben eine grosse<br />
Bedeutung, vor allem in jenen, <strong>der</strong>en Produktion von <strong>der</strong> Qualität <strong>der</strong><br />
(zugekauften) Einzelteile abhängt. Für die Qualitätskontrolle sind in <strong>der</strong> Regel<br />
speziell geschulte Mitarbeitende zuständig. Ihr Arbeitsplatz ist die Qualitätsprüf-<br />
stelle o<strong>der</strong> ein eigens dafür eingerichtetes Prüflabor, in dem die<br />
Materialien auf "Herz und Nieren" geprüft werden können.<br />
737
3.8 Finanzbuchhaltung (FIBU)<br />
Ein weiterer Begriff in <strong>der</strong> Unternehmenssoftware ist die Finanzbuchhaltung<br />
(FIBU). Das Ziel <strong>der</strong> Finanzbuchhaltung besteht darin, das Gesamtergebnis<br />
eines Unternehmens zu ermitteln, um die Vermögensverhältnisse und<br />
Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Bestände zu dokumentieren. Die Dokumentation zeigt<br />
dem Unternehmen auf, wie viel Gewinn o<strong>der</strong> Verlust in <strong>der</strong> Rechnungsperiode<br />
gemacht wurde. Informationen darüber sind nicht nur für das eigene<br />
Unternehmen wichtig, son<strong>der</strong>n auch für Anteilseigner o<strong>der</strong> Gläubiger. Durch<br />
die Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung sowie einer Bilanz lässt sich<br />
eine Aussage darüber machen, wie gut es einem Unternehmen geht.<br />
3.8.1 Rechnungswesen<br />
In grossen Unternehmen wird die Finanzbuchhaltung in Kreditoren- und die<br />
Debitorenbuchhaltung aufgeteilt.<br />
• Die ?? Kreditorenbuchhaltung umfasst die Zahlungsverpflichtungen des<br />
Unternehmens. Sie ist also für die Eingangsrechnungen verantwortlich (Kreditor<br />
= Lieferant).<br />
• Die ?? Debitorenbuchhaltung beinhaltet die Aussenstände, also die<br />
For<strong>der</strong>ungen des Unternehmens. Hier werden die Ausgangsrechnungen<br />
verwaltet (Debitor = Kunde).<br />
3.8.2 Controlling<br />
Controlling gehört zum betrieblichen Rechnungswesen. Das Controlling hat<br />
die Aufgabe, alle Geschäftsvorgänge in einem Unternehmen zu kontrollieren.<br />
Aus diesen Daten werden Analysen erstellt, die einen genauen Überblick<br />
geben, wie das Unternehmen in Sachen Rentabilität, Gewinn und Wert<br />
aufgestellt ist.<br />
3.9 Materialwirtschaft (MaWi)<br />
Die beiden Wörter, aus denen sich <strong>der</strong> Begriff "Materialwirtschaft"<br />
zusammensetzt, umschreiben das Tätigkeitsgebiet dieser Disziplin treffend. Das<br />
Wort "Material" kann auch durch "Waren" o<strong>der</strong> "Güter" ersetzt werden. Mit<br />
"Materialwirtschaft" ist also die Bewirtschaftung von Waren o<strong>der</strong> Gütern<br />
gemeint.<br />
738
International tätige Unternehmen verwenden oft den Begriff<br />
"Materialmanagement", eine direkte Übersetzung des englischen Begriffs<br />
"materials management". Mit welchem Begriff die Materialwirtschaft auch<br />
immer bezeichnet wird: Sie beschäftigt sich mit <strong>der</strong> Verwaltung, Planung und<br />
Steuerung von Materialbewegungen. In Produktionsbetrieben steht die<br />
Versorgung <strong>der</strong> Produktion mit den notwendigen Gütern im Zentrum.<br />
Materialwirtschaft ist also eng mit <strong>der</strong> PPS verbunden.<br />
3.9.1 Einkauf<br />
Der Einkauf ist die Summe aller operativen und strategischen Tätigkeiten (<br />
Modul 301) eines privaten o<strong>der</strong> öffentlichen Unternehmens, die im Rahmen<br />
<strong>der</strong> Beschaffung von Werkstoffen, Waren, Betriebsmitteln und Dienstleistungen<br />
durchzuführen sind. Der Begriff Einkauf wird häufig enger verstanden als <strong>der</strong><br />
Begriff Beschaffung, da sich die Beschaffung zusätzlich mit Tätigkeiten <strong>der</strong><br />
Beschaffungslogistik beschäftigt. Zielsetzung des Einkaufs ist die<br />
Sicherstellung <strong>der</strong> Versorgung (Ort, Termin, Menge, Qualität) und die<br />
Optimierung des Preis-Leistungsverhältnisses <strong>der</strong> Beschaffungsobjekte.<br />
Festlegung <strong>der</strong> Einkaufspolitik, die Beschaffungsmarktforschung, die<br />
Abwicklung des Beschaffungsprozesses und das Einkaufscontrolling sind<br />
Tätigkeiten im Einkauf. Der Einkauf übernimmt inzwischen oftmals auch die<br />
Aufgaben des Lieferantenbeziehungsmanagements.<br />
3.9.2 E-Commerce<br />
Digitale Technologien bilden die Basis des Electronic Commerce. Anbieter<br />
und Abnehmer tauschen im Rahmen des E-Commerce Daten auf digitalem<br />
Weg aus. Dabei können sehr unterschiedliche Technologien beteiligt sein: Die<br />
Bandbreite reicht von einfacher Funktechnologie (z. B. Bluetooth) bis hin zu<br />
hochkomplexen, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Systemen. Neben<br />
Kommunikationstechnologien wie Internet und Telefonie kommen auch<br />
elektronische Datenbanken und Textverarbeitungssoftware zum Einsatz,<br />
dienen Social Media o<strong>der</strong> Fernsehen als Werbekanal, wird <strong>der</strong><br />
Zahlungsverkehr via Onlinebanking abgewickelt und übernehmen Chatbots<br />
den Kundenservice. Auf diese Weise entsteht eine weitverzweigte digitale<br />
Infrastruktur aus drahtlosen o<strong>der</strong> drahtgebundenen Netzwerken. Den<br />
gemeinsamen Nenner bildet die Tatsache, dass räumliche Distanzen überwunden<br />
werden. Mitunter ersetzt dies den physischen Kontakt komplett. E-<br />
739
Commerce erübrigt Konsumenten den Gang in ein stationäres Geschäft o<strong>der</strong><br />
die Beratung von Angesicht zu Angesicht.<br />
740
Fachartikel Modul 804<br />
4. Computergrundlagen<br />
Nach dem Einschalten wird die Firmware automatisch ausgeführt (bootet).<br />
Die angeschlossenen Geräte werden überprüft, und anschliessend wird das<br />
Betriebssystem geladen. Das Anmeldefenster und die Benutzeroberfläche<br />
werden angezeigt.<br />
Warte immer bis zum Ende des Startvorgangs, bevor du externe<br />
Speichermedien wie USB-Sticks o<strong>der</strong> SSDs anschliesst, welche persönliche<br />
Daten enthalten.<br />
4.1 Anmeldung<br />
In Unternehmen, Schulen und an<strong>der</strong>en Einrichtungen arbeitet man in einer<br />
vernetzten Umgebung. Bei einem Computer mit mehreren<br />
Benutzern/Accounts gibt es "gemeinsame" sowie "eigene Bereiche", auf die<br />
zugegriffen werden kann.<br />
Um deinen Computer bei einer Domain anzumelden, benötigst du einen<br />
Benutzernamen und ein Kennwort. Je nach Hardware kannst du dich mit<br />
einer PIN, einem Bildcode (Face ID), per Fingerabdruck- o<strong>der</strong> Iriserkennung<br />
anmelden.<br />
Dies sichert deine Zugriffsrechte und verhin<strong>der</strong>t, dass an<strong>der</strong>e Nutzer deine<br />
Dateien einsehen können.<br />
In <strong>der</strong> Regel haben die Nutzer eingeschränkte Zugriffsrechte.<br />
Uneingeschränkte Rechte hat in <strong>der</strong> Regel nur <strong>der</strong> Administrator.<br />
Wenn du deinen Computer gestartet hast, erscheint ein Anmeldefenster, bei<br />
dem du deinen Benutzernamen und das Passwort eingeben musst (dies<br />
erhältst du von deinem Administrator).<br />
741
4.2 Die Desktop-Oberfläche<br />
Nachdem du deinen Benutzernamen und dein Passwort eingegeben und auf<br />
die Schaltfläche Enter geklickt hast, erscheint die Desktop-Oberfläche =<br />
Schreibtisch.<br />
5<br />
Papierkorb<br />
Zugriff auf Ordner und Dateien<br />
Desktop<br />
Suche<br />
Internet<br />
Lautsprecher<br />
Akku<br />
Datei-Explorer<br />
Taskleiste<br />
Startmenu<br />
Startmenu<br />
Das Startmenü ist das wichtigste Element, auf das du<br />
zugreifen musst, um eine Anwendung zu starten.<br />
Klicke auf die Start-Schaltfläche und aktiviere Alle Apps, um<br />
die vollständige Liste <strong>der</strong> unterschiedlichen Anwendungen<br />
anzuzeigen.<br />
Datei-<br />
Explorer<br />
Du kannst den Datei-Explorer aufrufen, indem du die<br />
entsprechende Schaltfläche auswählst. Für jeden Benutzer<br />
erstellt Windows 11 einen persönlichen Ordner, in dem alle<br />
Dateien (Post, Tabellenkalkulationen, Fotos, Musik usw.)<br />
gespeichert werden können.<br />
Windows 11 hat in diesem persönlichen Ordner die<br />
Unterordner vorgesehen: Kontakte, Büro, Dokumente,<br />
Downloads, Favoriten, Links, Musik, Bil<strong>der</strong>, Gespeicherte<br />
Partien, Suchen, OneDrive, Videos. Persönliche Ordner, die<br />
auf dem Computer gespeichert sind, werden unter dem<br />
"Benutzer" gespeichert, <strong>der</strong> sich im Stammverzeichnis des<br />
Laufwerks C: befindet. Standardmässig verfügst du nicht<br />
über die erfor<strong>der</strong>lichen Berechtigungen, um auf die<br />
persönlichen Ordner an<strong>der</strong>er Nutzer zuzugreifen. Windows 11<br />
742
esitzt einen öffentlichen Ordner für Dateien, welche mit<br />
weiteren Computerbenutzern geteilt werden können.<br />
Suchen<br />
Mit <strong>der</strong> Schaltfläche Suchen, die in <strong>der</strong> Taskleiste ersichtlich<br />
ist, kannst du nach Dateien, Anwendungen und Webseiten<br />
suchen.<br />
Papierkorb<br />
Taskleiste<br />
Das Symbol des Papierkorbs verän<strong>der</strong>t sich, wenn er leer ist<br />
o<strong>der</strong> Dateien enthält.<br />
• Dateien anzeigen: Öffne den Papierkorb mit einem<br />
Doppelklick.<br />
• Datei wie<strong>der</strong>herstellen: Wähle die Datei aus, die du<br />
wie<strong>der</strong>herstellen möchtest, und aktiviere dann die<br />
Option Wie<strong>der</strong>herstellen.<br />
• Dateien löschen: Wähle die Datei im Papierkorb aus<br />
und klicke dann auf die Schaltfläche Löschen.<br />
Um auf die Einstellungen <strong>der</strong> Taskleiste zuzugreifen, rufe das<br />
Kontextmenü (rechte Maustaste) <strong>der</strong> Taskleiste auf und<br />
aktiviere die Option Einstellungen <strong>der</strong> Taskleiste. Das Fenster<br />
mit den Personalisierungseinstellungen wird geöffnet, und du<br />
kannst die gewünschten Än<strong>der</strong>ungen vornehmen.<br />
Aktivieren einer Anwendung in <strong>der</strong> Taskleiste:<br />
Um eine Anwendung in <strong>der</strong> Taskleiste zu platzieren, rufst du<br />
ebenfalls das Kontextmenü (rechte Maustaste) <strong>der</strong><br />
Anwendung auf. Klicke auf An Taskleiste anheften.<br />
Internet<br />
Einstellungen für Internet und Wifi kannst du mit dem Symbol<br />
aufrufen.<br />
Lautsprecher<br />
Dieses Symbol zeigt an, ob <strong>der</strong> Lautsprecher ein- o<strong>der</strong><br />
ausgeschaltet ist.<br />
Akkus<br />
Dieses Symbol visualisiert den Akkustand.<br />
Desktop /<br />
Hintergrund<br />
anpassen<br />
• Rufe das Kontextmenü des Desktops auf (Rechtsklick<br />
mit <strong>der</strong> Maus).<br />
• Wähle die Option Anpassen.<br />
• Aktiviere die Kategorie Hintergründe unter<br />
Personalisierung.<br />
743
Wähle das gewünschte Bild als Hintergrund sowie eine <strong>der</strong><br />
folgenden Optionen aus dem Dropdown-Menü<br />
Anpassungen:<br />
• Ausfüllen: Der komplette Hintergrund wird mit dem Bild<br />
befüllt (Bild kann verpixeln).<br />
• Anpassen: Bild wird vergrössert, bis zwei Seiten an den<br />
Desktoprand kommen.<br />
• Dehnen: Bild wird verzerrt, bis <strong>der</strong> komplette Desktop<br />
ausgefüllt ist.<br />
• Kachel: Wie<strong>der</strong>holt das Bild so, dass es den<br />
Hintergrund des Desktops ausfüllt.<br />
• Zentrieren: Rahmt das Bild in <strong>der</strong> Mitte des Desktops in<br />
<strong>der</strong> Originalgrösse ein.<br />
• Strecken: Bild wird auf die Grösse des Desktops<br />
gestreckt, bis <strong>der</strong> Bildrand oben/unten an den<br />
Bildschirmrand kommt.<br />
Du kannst selbst ein Hintergrundbild auswählen, indem du<br />
beim Bereich Hintergrund auf den Button Durchsuchen<br />
klickst.<br />
?? Merke: Der Desktop = Schreibtisch ist <strong>der</strong> Ort, von dem aus du deine<br />
Handlungen steuern wirst.<br />
4.3 Einen Ordner erstellen/benennen<br />
• Öffne den Datei-Explorer in <strong>der</strong> Taskleiste.<br />
• Aktiviere den Ordner, in dem du deine Ordner und Unterordner erstellen<br />
möchtest (in <strong>der</strong> Regel verwendest du den Ordner Dokumente).<br />
Um einen Ordner zu erstellen, aktiviere das Werkzeug Neu in <strong>der</strong> Symbolleiste<br />
und dann Ordner (Rechtsklick mit <strong>der</strong> Maus o<strong>der</strong> Tastaturkürzel: Ctrl+Shift+N).<br />
• Du kannst deinen Ordner benennen und dann mittels <strong>der</strong> Eingabetaste<br />
(Enter) bestätigen.<br />
• Du kannst deinen Ordner umbenennen, indem du diesen auswählst,<br />
rechte Maustaste betätigst und den Abschnitt Umbenennen wählst.<br />
• Nach dem Öffnen des neu erstellten Ordners kannst du auf die gleiche<br />
Weise Unterordner erstellen. Mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl+C und<br />
Ctrl+V kannst du deinen Ordner kopieren und an einer von dir<br />
ausgewählten Stelle einfügen.<br />
744
4.4 Account öffnen/schliessen o<strong>der</strong> aktivieren.<br />
Ein Laptop kann über mehrere Benutzer-Oberflächen (Accounts) verfügen.<br />
Bei einem Benutzerwechsel gibt es zwei An-/Abmeldemöglichkeiten.<br />
Aktiviere die Schaltfläche und dann das Benutzersymbol<br />
am unteren Rand des Fensters.<br />
• Um einen Benutzer anzumelden und die aktuelle Sitzung<br />
zu schliessen, aktiviere die Option Abmelden und melde<br />
anschliessend das gewünschte Benutzerkonto an.<br />
• Um einen Benutzer anzumelden, ohne den aktuellen<br />
Benutzer zu schliessen, melde den Namen des Benutzers<br />
an, den du öffnen möchtest (wenn <strong>der</strong> Account bereits<br />
geöffnet ist, bleibt dies im Hintergrund "ausstehend").<br />
• Um den Account zu schliessen, klicke auf Abmelden. Das<br />
Abmelden bewirkt, dass alle von diesem Benutzer<br />
geöffneten Dateien und Anwendungen geschlossen werden.<br />
Speichere gegebenenfalls alle Än<strong>der</strong>ungen, die du an den geöffneten<br />
Dateien vorgenommen hast.<br />
4.5 Herunterfahren, Ruhezustand (Energie sparen) o<strong>der</strong> Neustart<br />
Du kannst auswählen, ob <strong>der</strong> Computer heruntergefahren, in den<br />
Ruhezustand (Energie<br />
sparen) versetzt o<strong>der</strong> neu gestartet werden<br />
soll, indem du die<br />
Schaltfläche und dann das Symbol Ein/Aus<br />
aktivierst.<br />
Im Modus Energie sparen bleibt <strong>der</strong> Computer eingeschaltet, verbraucht<br />
aber weniger Energie. Die Anwendungen bleiben geöffnet, sodass du nach<br />
dem Beenden des Standby-Modus dort weitermachen kannst, wo du<br />
aufgehört hast.<br />
4.6 Anwendung beenden bei einem Systemabsturz<br />
Wenn ein Programm nicht mehr reagiert und <strong>der</strong> Computer blockiert ist, musst<br />
du das Programm über den Task-Manager beenden.<br />
• Starte den Task-Manager mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl+Alt+Entf.<br />
• Klicke auf Task-Manager.<br />
• Wähle die Anwendung, die du zum Beenden zwingen möchtest, und<br />
klicke auf die<br />
Schaltfläche.<br />
• Es kann vorkommen, dass du mehrmals auf die Schaltfläche Task<br />
beenden klicken musst.<br />
745
Fachartikel Modul 805<br />
5. Office 365 Word<br />
Um ein neues Dokument zu öffnen, wähle Datei <strong>–</strong> NEU. Um ein neues<br />
Dokument mit einer Vorlage zu erstellen, wähle den Link Weitere Vorlagen,<br />
um anschliessend auf die Miniaturansicht <strong>der</strong> Vorlagen zu gelangen.<br />
Auf <strong>der</strong> Startseite von Word haben wir die Möglichkeit, kürzlich geschlossene<br />
Dateien zuletzt verwendet direkt zu öffnen.<br />
WICHTIG: Wenn die Datei gelöscht o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Speicherort verän<strong>der</strong>t wurde,<br />
lässt sich diese nicht mehr über diesen Weg öffnen.<br />
5.1 Arbeitsfläche <strong>–</strong> Übersicht<br />
Das Menüband <strong>–</strong><br />
Multifunktionsleiste<br />
Anzeigeeinstellungen<br />
und Zoom<br />
Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle<br />
<strong>der</strong> Anwendung. Die unterschiedlichen Befehle sind<br />
in Gruppen zusammengefasst, wobei jede dieser<br />
Gruppen durch eine Registerkarte dargestellt wird<br />
(Datei, Start, Einfügen usw.). Jede Registerkarte<br />
enthält mehrere Gruppen von Befehlen, in denen<br />
die Schaltflächen angeordnet sind.<br />
Verwende den Befehl Seitenmodus auf <strong>der</strong> rechten<br />
Seite <strong>der</strong> Statusleiste, um den Anzeigemodus zu<br />
än<strong>der</strong>n. Mit <strong>der</strong> Zoom-Funktion kann das angezeigte<br />
Bild vergrössert / verkleinert werden.<br />
746
5.2 Text verfassen<br />
Alles anzeigen<br />
Dokument<br />
Zeichen, Wörter<br />
o<strong>der</strong> Absätze<br />
löschen<br />
Grossbuchstaben in<br />
Kleinbuchstaben<br />
umwandeln und<br />
umgekehrt<br />
Rückgängig<br />
machen o<strong>der</strong><br />
wie<strong>der</strong>herstellen<br />
Seitenumbruch<br />
einfügen<br />
Aktiviere die Schaltfläche Alle<br />
anzeigen (Ctrl+Shift +*), um nicht<br />
druckbare Zeichen anzuzeigen.<br />
Schreibe den Text im Dokument. Wenn die<br />
Einfügemarke das Ende einer Zeile erreicht, setzt Word<br />
sie automatisch an den Anfang <strong>der</strong> nächsten Zeile<br />
zurück. Verwende die Taste Zeilenschaltung (Enter)<br />
nur, wenn du zwischen Absätzen wechseln musst. Mit<br />
<strong>der</strong> Taste Shift (Umschalt)+Enter kannst du den Text in<br />
die Zeile zwingen, während du im Absatz bleibst. Mit<br />
<strong>der</strong> Umschalttaste (Shift) kannst du das Zeichen in<br />
Grossbuchstaben eingeben.<br />
Drücke die Taste Delete, um das nächste Zeichen zu<br />
löschen, und die Backspace-Taste, um das vorherige<br />
Zeichen zu löschen. Um ein ganzes Wort zu löschen,<br />
wähle dieses mit einem Doppelklick aus und drücke<br />
eine <strong>der</strong> Löschtasten.<br />
Zum Umwandeln von Grossbuchstaben in<br />
Kleinbuchstaben und umgekehrt, verwendest<br />
du das Werkzeug Gross-/Kleinschreibung<br />
än<strong>der</strong>n auf <strong>der</strong> Registerkarte Start.<br />
Um einen Vorgang rückgängig zu machen o<strong>der</strong><br />
wie<strong>der</strong>herzustellen, klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Start auf den Rückgängig-Pfeil o<strong>der</strong> den<br />
Wie<strong>der</strong>herstellen-Pfeil.<br />
Um einen Seitenumbruch innerhalb einer Seite<br />
einzufügen, drücke die Tastenkombination Ctrl + Enter<br />
o<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen -> Seitenumbruch<br />
einfügen.<br />
747
5.2.1 Sich im Text bewegen<br />
Mit den folgenden Tastenkombinationen solltest du schneller sein als mit <strong>der</strong><br />
Maus.<br />
Um dich im Text Buchstabe für Buchstabe zu<br />
bewegen, entwe<strong>der</strong> mit dem Pfeil nach links /<br />
o<strong>der</strong> nach rechts.<br />
Um dich im Text Wort für Wort zu bewegen,<br />
entwe<strong>der</strong> mit dem Pfeil nach links / o<strong>der</strong> nach<br />
rechts.<br />
Um dich im Text von Zeile zu Zeile zu bewegen,<br />
entwe<strong>der</strong> mit dem Aufwärtspfeil o<strong>der</strong> mit dem<br />
Abwärtspfeil.<br />
Um dich im Text von Absatz zu Absatz zu<br />
bewegen, entwe<strong>der</strong> mit dem Aufwärtspfeil o<strong>der</strong><br />
mit dem Abwärtspfeil.<br />
Setze den Cursor an den Anfang <strong>der</strong> Zeile.<br />
Setze den Cursor an das Ende <strong>der</strong> Zeile.<br />
Setze den Cursor an den Anfang des Dokuments.<br />
Setze den Cursor an das Ende des Dokuments.<br />
5.2.2 Textfeld erstellen<br />
Mit einem Textfeld kannst du Text an einer beliebigen Stelle auf <strong>der</strong> Seite<br />
positionieren. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die<br />
Schaltfläche Textfeld und dann auf das Icon Textfeld.<br />
Der Mauszeiger verwandelt sich in eine +.<br />
Ziehe das Textfeld durch Klicken und Ziehen nach und füge dann deinen Text<br />
ein.<br />
748
5.2.3 WordArt-Objekt<br />
Um Spezialeffekte anzuwenden, gehe wie folgt vor:<br />
• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> du das WordArt-<br />
Objekt einfügen möchtest.<br />
• Auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen klickst du auf die<br />
Schaltfläche<br />
• Klicke auf die gewünschte Textformatierung (Texteffekte). Das Word Art-<br />
Objekt erscheint im Dokument und die kontextsensitive Registerkarte<br />
Formformat ist in <strong>der</strong> Multifunktionsleiste ausgewählt.<br />
• Füge deinen Text ein und än<strong>der</strong>e dann die Form mit <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Formatieren.<br />
5.2.4 Datum und Uhrzeit<br />
Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Datum eingefügt<br />
werden soll. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche<br />
Datum und Uhrzeit. Wähle das verfügbare Format, die Sprache und eventuell<br />
automatisch aktualisieren.<br />
5.2.5 Symbole<br />
Mit dieser Technik kannst du Zeichen einfügen, die auf deiner Tastatur nicht<br />
vorkommen. Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Symbol<br />
erscheinen soll. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die<br />
Schaltfläche Symbol.<br />
Wenn dir eines <strong>der</strong> vorgeschlagenen Symbole gefällt, klicke darauf, um es<br />
einzufügen. An<strong>der</strong>nfalls klicke auf Weitere Symbole. Wähle in <strong>der</strong> Liste von<br />
Schriftart die gewünschte Einstellung aus, die das einzufügende Symbol<br />
enthält, z.B.:<br />
Normaler Text<br />
749
• um ein klassisches Zeichen wie ein Währungssymbol o<strong>der</strong> ein Zeichen<br />
aus einer Fremdsprache einzufügen<br />
Symbol<br />
• um griechische o<strong>der</strong> mathematische Zeichen einzufügen<br />
Wingdings, Wingdings 2, Wingdings 3;<br />
• um ein grafisches Symbol einzufügen.<br />
5.3 Zeichen hervorheben<br />
Markiere den Text, wenn er bereits eingegeben wurde. Je nachdem, welche<br />
Hervorhebung du anwenden möchtest, klickst du auf ein o<strong>der</strong> mehrere<br />
Werkzeuge aus <strong>der</strong> Gruppe Schriftart, welche im Register Start zu finden sind.<br />
Schriftart / Grösse anpassen<br />
Text in fett, kursiv o<strong>der</strong> doppelt unterstrichen darstellen<br />
Farbe des Texts anpassen<br />
Text / Zahl Hoch- o<strong>der</strong> Tiefstellen<br />
750
Um die Schriftgrösse zu erhöhen o<strong>der</strong> zu verringern<br />
Kompletten Text (o<strong>der</strong> Wörter) in Gross- o<strong>der</strong> Kleinbuchstaben<br />
än<strong>der</strong>n<br />
Löscht alle Formatierungen<br />
5.4 Formatieren von Absätzen<br />
5.4.1 Ausrichtung<br />
Mit den Werkzeugen, die du auf <strong>der</strong> Registerkarte Start findest, kannst du den<br />
Text des Absatzes wie folgt än<strong>der</strong>n: linksbündig, zentriert, rechtsbündig o<strong>der</strong><br />
Blocksatz ausrichten.<br />
5.4.2 Einzug<br />
Mit diesem Werkzeug kannst du die Absatzeinrückung verringern o<strong>der</strong><br />
erhöhen.<br />
Um einen linksbündigen Einzug zu erhalten, muss die rechte<br />
Einzugsmarke (in <strong>der</strong> Linealanzeige) nach links gezogen werden.<br />
Entsprechend muss für einen rechtsbündigen Einzug die linke<br />
Einzugsmarke nach rechts gezogen werden.<br />
5.4.3 Abstand<br />
Um den Abstand zwischen Absätzen zu verän<strong>der</strong>n, wählst du die<br />
Registerkarte Layout. Unter Absatz kann <strong>der</strong> „Abstand“ verän<strong>der</strong>t<br />
werden.<br />
5.4.4 Zeilenabstand än<strong>der</strong>n<br />
Der Zeilenabstand bestimmt den Abstand zwischen den Zeilen eines<br />
Absatzes. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start auf das Werkzeug <strong>der</strong><br />
Absatzgruppe und wähle den Zeilenabstand.<br />
751
5.4.5 Tabstopps<br />
Durch das Setzen von Tabstopps wird <strong>der</strong> Text bei <strong>der</strong> Verwendung <strong>der</strong> Taste<br />
genau ausgerichtet.<br />
linksbündig<br />
zentriert<br />
rechtsbündig<br />
an Dezimaltrennung ausrichten<br />
Um einen <strong>der</strong> Tabstopps auszuwählen, klickst du auf die<br />
Schaltfläche, welche sich in <strong>der</strong> Ecke (links oben) <strong>der</strong> Lineale befindet. Um<br />
den Tabstopp zu än<strong>der</strong>n, klickst du erneut auf das Icon, bis <strong>der</strong> Gewünschte<br />
(links, rechts, zentriert) ausgewählt ist.<br />
Alternativ kann <strong>der</strong> Tabstopp in <strong>der</strong> Gruppe Absatz unter Absatzeinstellungen<br />
aufgerufen und eingestellt werden.<br />
5.4.6 Absätze<br />
Wenn du auf die Schaltfläche Enter drückst, wird <strong>der</strong> Text in eine<br />
neue Zeile umgebrochen und ein neuer Absatz erstellt. Um einen<br />
Zeilenumbruch vorzunehmen und dabei im Absatz zu bleiben, musst du<br />
Shift + verwenden.<br />
752
5.4.7 Rahmen und Schattierung<br />
Du kannst einen Absatz mit einem Rahmen umschliessen, um diesen<br />
hervorzuheben. Zusätzlich kann dieser mit einer Schattierung<br />
(Hintergrundfarbe) abgebildet werden.<br />
• Wähle den o<strong>der</strong> die Absätze einschliesslich <strong>der</strong><br />
Absatzmarke aus<br />
• Öffne auf <strong>der</strong> Registerkarte Start die Schaltfläche Rahmen,<br />
welche sich unter Registerkarte Start - Absatz befindet. Wähle die<br />
Option Rahmen und Schattierung.<br />
Um Absätze einzurahmen, klickst du im<br />
Feld Einstellungen auf die gewünschte<br />
Ausführung.<br />
Unter dem Register Schattierung kannst<br />
du die Hintergrundfarbe einstellen.<br />
Mit den Optionen Formatvorlage, Farbe<br />
und Breite kannst du die Linien individuell<br />
anpassen.<br />
5.4.8 Aufzählungszeichen und Nummerierung<br />
Wähle die betreffenden Absätze aus, welche ein Aufzählungszeichen o<strong>der</strong><br />
eine Nummerierung erhalten sollen. Unter <strong>der</strong> Registerkarte Start <strong>–</strong> Absatz<br />
findest du die notwendigen Einstellungen:<br />
Um Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummerierungen zu entfernen, markiere die<br />
betreffenden Absätze, klicke auf das Werkzeug<br />
Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummerierung und wähle „keine“.<br />
5.4.9 Mehrstufige Liste<br />
Wähle die Absätze aus, aus denen die Liste bestehen soll, öffne dann auf <strong>der</strong><br />
Registerkarte Start die Liste mit dem Werkzeug<br />
Mehrstufige Liste und<br />
wähle in <strong>der</strong> Bibliothek die gewünschte Liste aus.<br />
Um die Stufe zu än<strong>der</strong>n, setze die Einfügemarke zwischen Nummerierung und<br />
Absatzbeginn und klicke auf das Werkzeug Einzug erhöhen o<strong>der</strong><br />
verkleinern.<br />
Solltest du später ein Inhaltsverzeichnis erstellen, wähle dann die Ebenen Titel<br />
1, Titel 2 usw. aus.<br />
753
5.4.10 Text in mehreren Spalten präsentieren<br />
Markiere die betreffenden Absätze bis zur Absatzmarkierung des letzten<br />
Absatzes, <strong>der</strong> in eine Spalte gesetzt werden soll.<br />
Stelle sicher, dass eine Absatzmarke auf die zuletzt Markierte folgt.<br />
Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start - Layout auf das Werkzeug Spalten und dann<br />
auf mehr Spalten. Das untenstehende Dialogfenster erscheint, klicke dann auf<br />
die gewünschten Optionen.<br />
Hinweis: Bevorzuge beim Erstellen von Spalten die Ausrichtung<br />
Zentrieren sowie zusätzlich die<br />
automatische<br />
Silbentrennung auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout.<br />
5.4.11 Format übertragen<br />
Wenn dir das Aussehen einer bestimmten Auswahl gefällt, kannst du es auf<br />
eine an<strong>der</strong>e Auswahl im Dokument übertragen.<br />
1. Wähle den Inhalt mit <strong>der</strong> gewünschten Formatierung aus<br />
2. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Start auf Format<br />
übertragen<br />
3. Wähle einen an<strong>der</strong>en Inhalt aus, um die Formatierung automatisch<br />
anzuwenden<br />
Um die Formatierung an mehreren Stellen anzuwenden, doppelklicke auf das<br />
Symbol Format übertragen und wie<strong>der</strong>hole dann Schritt 3.<br />
754
5.5 Formatvorlagen<br />
Eine Formatvorlage enthält Merkmale zur Hervorhebung von Zeichen o<strong>der</strong><br />
Absätzen. Durch das Erstellen eines Stils kannst du diese Formatierungen<br />
speichern, um sie auf beliebigen Text anzuwenden.<br />
5.5.1 Formatvorlagen anwenden<br />
Verwende die Stile Überschrift, Überschrift 1, Überschrift 2 usw., wenn du ein<br />
Inhaltsverzeichnis erstellen möchtest.<br />
Klicke in den betreffenden Absatz und dann auf <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong><br />
Gruppe Formatvorlage auf die<br />
Schaltfläche weitere.<br />
Klicke auf den Stil, den du anwenden möchtest.<br />
5.5.2 Formatvorlage än<strong>der</strong>n<br />
Klicke in den entsprechenden Absatz, anschliessend auf die Schaltfläche<br />
weitere in <strong>der</strong> Gruppe Formatvorlagen. Wähle die zu bearbeitende<br />
Überschrift aus, um sie anzupassen.<br />
755
Das untenstehende Fenster erscheint, und du kannst das Format än<strong>der</strong>n.<br />
5.6 Inhaltsverzeichnis<br />
Das Inhaltsverzeichnis eines Dokuments enthält Texte, auf die du eine<br />
vordefinierte Formatvorlage angewendet hast.<br />
Falls noch nicht erledigt, wende die Formatvorlage vom Typ Überschrift 1,<br />
Überschrift 2 usw. auf die Absätze an, die du dem Inhaltsverzeichnis<br />
hinzufügen möchtest, indem du die Galerie <strong>der</strong> Gruppe Formatvorlage auf<br />
<strong>der</strong> Registerkarte Start verwendest.<br />
Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Inhaltsverzeichnis<br />
eingefügt werden soll.<br />
Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Referenzen auf die Schaltfläche<br />
Inhaltsverzeichnisse, die in <strong>der</strong> Gruppe Inhaltsverzeichnis sichtbar ist.<br />
Klicke dann auf das gewünschte, vordefinierte Inhaltsverzeichnis.<br />
Je nachdem, welches Inhaltsverzeichnis du gewählt hast, wird dieses auf<br />
einer neuen Seite eingefügt.<br />
756
5.6.1 Inhaltsverzeichnis aktualisieren<br />
Diese Funktion ist nützlich, um das Inhaltsverzeichnis zu aktualisieren, nachdem<br />
du Än<strong>der</strong>ungen am Text vorgenommen hast. Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Referenzen auf die Option Tabelle aktualisieren.<br />
5.6.2 Links im Inhaltsverzeichnis<br />
Das Inhaltsverzeichnis enthält Links zu den Seiten des Dokuments. Um zu einem<br />
bestimmten Kapitel zu navigieren, klicke im Inhaltsverzeichnis mit gedrückter<br />
Ctrl-Taste auf das entsprechende Kapitel. Die Einfügemarke wird im<br />
Dokument am Anfang des ausgewählten Absatzes positioniert.<br />
5.7 Fussnoten<br />
Fussnoten und Endnoten dienen dazu, ein Wort o<strong>der</strong> eine Wortgruppe zu<br />
erklären, zu kommentieren o<strong>der</strong> Hinweise zu geben.<br />
• Positioniere die Einfügemarke direkt nach dem Ausdruck o<strong>der</strong> dem<br />
Wort, mit dem die Note verknüpft werden soll.<br />
• Klicke auf die Registerkarte Referenzen.<br />
• Um eine Fussnote hinzuzufügen, klicke auf die Schaltfläche Fussnote<br />
einfügen o<strong>der</strong> Endnote einfügen, die in <strong>der</strong> Gruppe Fussnoten<br />
ersichtlich ist.<br />
Unterschied:<br />
Die Fussnote wird in <strong>der</strong> Regel im unteren Seitenbereich angezeigt <strong>–</strong> die<br />
Endnote am Ende eines Dokuments o<strong>der</strong> Abschnitts, welcher aktuell<br />
angezeigt wird.<br />
757
5.8 Tabellen<br />
Du kannst Tabellen erstellen, indem du auf das Werkzeug Tabelle klickst, das<br />
sich in <strong>der</strong> Gruppe Tabelle auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen befindet.<br />
5.8.1 Eine Tabelle einfügen<br />
• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> die<br />
Tabelle eingefügt werden soll.<br />
• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche<br />
Tabelle, die in <strong>der</strong> Gruppe Tabellen sichtbar ist, und klicke<br />
dann auf die Option Tabelle einfügen.<br />
• Gib die Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Zeilen in den<br />
Eingabefel<strong>der</strong>n Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Anzahl <strong>der</strong> Zeilen<br />
an.<br />
Klicke im Bereich Einstellungen für optimale Breite auf eine <strong>der</strong> drei Optionen.<br />
• Feste Spaltenbreite:<br />
• Optimale Breite <strong>–</strong><br />
Inhalt:<br />
• Optimale Breite <strong>–</strong><br />
Fenster:<br />
Die Spaltenbreite än<strong>der</strong>t sich beim Tippen<br />
nicht automatisch.<br />
Die Tabelle wird mit minimalen Spaltenbreiten<br />
in dein Dokument eingefügt. Beim Tippen wird<br />
die Spaltenbreite automatisch an den Inhalt<br />
angepasst.<br />
In deinem Dokument wird die Tabelle<br />
entsprechend <strong>der</strong> Fensterbreite angepasst.<br />
Klicke auf die Schaltfläche OK. Eine Tabelle wird eingefügt. Zusätzlich<br />
erscheint im Multifunktionsband eine weitere Registerkarte: Tabellenentwurf.<br />
Dieser Tab zeigt Optionen für die Formatierungsmöglichkeiten <strong>der</strong><br />
eingefügten Tabelle.<br />
5.8.2 Auswählen in einer Tabelle<br />
Zelle auswählen:<br />
Positioniere die Maus über die Zelle, die du<br />
auswählen willst, und klicke in diesen Bereich.<br />
Spalte auswählen:<br />
Zeile auswählen:<br />
Positioniere die Maus über <strong>der</strong> ersten,<br />
horizontalen Linie <strong>der</strong> Spalte (sie nimmt die<br />
Form eines schwarzen, nach unten<br />
gerichtetem Pfeil an) und wähle diese an.<br />
Positioniere die Maus links ausserhalb <strong>der</strong><br />
ersten Zelle <strong>der</strong> Zeile (sie nimmt die Form eines<br />
758
weissen, nach oben und rechts gerichteten<br />
Pfeils an) und wähle diese an.<br />
Komplette Tabelle<br />
auswählen:<br />
Führe den Mauszeiger in die linke obere<br />
Ecke <strong>der</strong> Tabelle und klicke auf das<br />
angezeigte Symbol.<br />
5.8.3 Spalte / Zeile einfügen<br />
Setze die Einfügemarke in die Zelle, vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> du eine<br />
Spalte / Zeile hinzufügen möchtest, und anschliessend auf die<br />
zusätzliche Registerkarte Layout.<br />
5.8.4 Spalte / Zeile löschen<br />
Wähle die Spalte / Zeile aus, die du löschen möchtest, und wähle das Icon<br />
„Tabelle löschen“.<br />
5.8.5 Tabelle teilen<br />
Positioniere die Einfügemarke in <strong>der</strong> Zeile, die du aufteilen möchtest, und<br />
wähle das Icon „Tabelle teilen“.<br />
5.8.6 Zellen verbinden<br />
Wähle die Spalte / Zeile aus, die du verbinden möchtest, und wähle das Icon<br />
„Zellen verbinden“.<br />
5.8.7 Tabelle sortieren<br />
Markiere die erste Zelle <strong>der</strong> Spalte, die du sortieren möchtest, und wähle<br />
das Icon „Sortieren“.<br />
759
5.8.8 Text in eine Tabelle umwandeln<br />
Mit Hilfe von Semikolons / Kommas o<strong>der</strong> auch Tabstopps<br />
kannst du bei einem Text „Trennung“ vornehmen, damit<br />
beim Umwandeln in eine Tabelle die Spalten erkannt<br />
werden. Markiere dazu die entsprechende Passage und<br />
wähle das Icon „Text in Tabelle umwandeln“.<br />
5.9 Kopf- / Fusszeile<br />
Kopf- und Fusszeilen sind Elemente, die am oberen bzw.<br />
unteren Seitenrand des Dokuments erscheinen. Die<br />
vordefinierten Kopf- und Fusszeilen gelten für alle Seiten<br />
des Dokuments.<br />
5.9.1 Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile einfügen<br />
Klicke auf die Registerkarte Einfügen.<br />
Wähle die Schaltfläche Kopfzeile o<strong>der</strong> Fusszeile, die in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Kopf- und Fusszeile ersichtlich ist.<br />
Scrolle bei Bedarf in <strong>der</strong> Liste nach unten und wähle die<br />
gewünschte vordefinierte Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile.<br />
Bei Bedarf kannst du die Inhalte <strong>der</strong> Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile<br />
mittels Fusszeile bearbeiten individuell anpassen.<br />
5.9.2 Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile für die erste Seite<br />
Mit dieser Funktion kannst du die Informationen aus <strong>der</strong><br />
Kopf- und Fusszeile auf <strong>der</strong> ersten Seite des Dokuments<br />
ausblenden.<br />
Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Kopfzeile bzw.<br />
Fusszeile, die in <strong>der</strong> Gruppe Kopf- und Fusszeile sichtbar ist, und wähle die<br />
Option Kopfzeile bearbeiten o<strong>der</strong> Fusszeile bearbeiten.<br />
Aktiviere auf <strong>der</strong> Registerkarte Kopf- und Fusszeile die<br />
Option „Erste Seite“ an<strong>der</strong>s in <strong>der</strong> Gruppe Optionen.<br />
5.9.3 Gerade und ungerade Seiten unterschiedlich<br />
Diese Funktion ermöglicht es dir, beim beidseitigen Drucken die Seitenzahlen<br />
auf <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>seite rechts und auf <strong>der</strong> Rückseite links zu drucken.<br />
Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile<br />
und wähle die Option Kopfzeile bearbeiten o<strong>der</strong> Fusszeile bearbeiten.<br />
760
Aktiviere auf <strong>der</strong> Registerkarte Kopf- und Fusszeile die<br />
Option Verschiedene gerade und ungerade Seiten in <strong>der</strong><br />
Gruppe Optionen.<br />
5.9.4 Seitenzahl einfügen<br />
Word stellt eine Liste mit vordefinierten<br />
Seitenzahl-Stilen zur Verfügung. Du hast die<br />
Möglichkeit, die Seitenzahlen in den Kopfo<strong>der</strong><br />
Fusszeilenbereich einzufügen.<br />
Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen sowie<br />
anschliessend auf die Schaltfläche Seitenzahl. Wähle die entsprechende<br />
Option, die du einfügen möchtest.<br />
5.9.5 Schliesse die Kopf- und Fusszeile<br />
Klicke auf die Schaltfläche Kopf- und Fusszeilen schliessen o<strong>der</strong><br />
doppelklicke im Dokument ausserhalb des Kopf- o<strong>der</strong><br />
Fusszeilenbereichs.<br />
5.10 Bil<strong>der</strong> einfügen<br />
Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> das Bild in das<br />
Dokument eingefügt werden soll.<br />
Aktiviere die Registerkarte Einfügen und öffne die Liste <strong>der</strong><br />
Schaltfläche Bil<strong>der</strong>. Für das Beispiel unten klicke auf Onlinebil<strong>der</strong><br />
und wähle ein Flugzeug aus.<br />
5.10.1 Bildgrösse, Zuschneiden<br />
Wenn du in das Bild klickst, erscheint in <strong>der</strong><br />
Multifunktionsleiste die Registerkarte Bildformat.<br />
In <strong>der</strong> Gruppe Grösse dieses Tabs kannst du Höhe<br />
und Breite des Bildes anpassen.<br />
Mit dem Tab Zuschneiden kann das Bild mithilfe <strong>der</strong><br />
Beschneidungsgriffe, welche um das Bild<br />
erscheinen, auf den gewünschten Ausschnitt angepasst werden.<br />
761
5.10.2 Bild drehen<br />
Diese Aktion ist von <strong>der</strong> Gruppe Anordnen aus möglich.<br />
5.10.3 Bildanpassungen<br />
Die unterschiedlichen Aktionen können über die Gruppe Anpassen auf <strong>der</strong><br />
Registerkarte Bildformat ausgeführt werden. Hier besteht die Möglichkeit, das<br />
Bild freizustellen, die Farbe anzupassen, dem Bild Transparenz hinzuzufügen<br />
o<strong>der</strong> einen künstlerischen Effekt anzuwenden.<br />
5.10.4 Textumbruch<br />
Der Textumbruch beinhaltet die Funktion, wie <strong>der</strong> Text um das Bild<br />
herum verteilt werden soll.<br />
• Wähle das Bild aus.<br />
• Klicke in <strong>der</strong> Gruppe Anordnen <strong>der</strong> Registerkarte Bildformat<br />
auf das Symbol Textumbruch.<br />
• Gib an, wie <strong>der</strong> Text um das Bild herum verteilt werden soll,<br />
indem du eine <strong>der</strong> Optionen aktivierst.<br />
5.10.5 Bild-Position<br />
Ein Bild kann in einem Absatz positioniert bzw. verankert werden. Willst du den<br />
Absatz später verschieben o<strong>der</strong> löschen, wird das Bild ebenfalls verschoben<br />
o<strong>der</strong> gelöscht.<br />
Klicke in das Bild, nachdem du es eingefügt hast.<br />
Ein<br />
Anker erscheint am Anfang eines Absatzes. Du kannst ihn per<br />
Drag & Drop an den Anfang des betreffenden Absatzes verschieben. Klicke<br />
anschliessend auf die Schaltfläche Position in <strong>der</strong> Gruppe Anordnen auf <strong>der</strong><br />
Registerkarte Bildformat. Wenn du auf Weitere Layoutoptionen klickst, öffnet<br />
sich ein Fenster, in dem du Verankern auswählen kannst.<br />
5.11 Excel-Kalkulationstabelle in Word einfügen<br />
Word bietet die Möglichkeit, eine Excel-Arbeitsmappe in das bestehende<br />
Dokument einzufügen.<br />
• Positioniere die Einfügemarke an <strong>der</strong> Stelle, an <strong>der</strong> die Excel-<br />
Kalkulationstabelle eingefügt werden soll.<br />
• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen auf die Schaltfläche Tabelle sowie<br />
anschliessend auf die Option Excel-Kalkulationstabelle. Das Arbeitsblatt<br />
erscheint in einem Rahmen, dessen Rand schraffiert ist. Die<br />
762
Multifunktionsleiste von Word wird durch die Multifunktionsleiste von<br />
Excel ersetzt.<br />
• Än<strong>der</strong>e bei Bedarf die Grösse des Arbeitsblattes, indem du einen <strong>der</strong><br />
sichtbaren schwarzen Griffe am schraffierten Rand ziehst.<br />
• Um die Tabelle zu bearbeiten, öffne sie mittels<br />
Doppelklicks innerhalb des Word-Dokuments.<br />
• Um das Excel innerhalb Word zu verlassen, klicke<br />
ausserhalb <strong>der</strong> Excel-Tabelle in das Dokument<br />
5.12 Layout<br />
5.12.1 Seiten-Umbrüche<br />
Mit den Seitenformatierungsoptionen kannst du Seiten- o<strong>der</strong><br />
Spaltenumbrüche innerhalb eines einzelnen Absatzes o<strong>der</strong> zwischen Absätzen<br />
einstellen.<br />
• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout auf die Schaltfläche<br />
Umbrüche<br />
• Wähle anschliessend den gewünschten Umbruch<br />
5.12.2 Seiten-Ausrichtung<br />
Standardmässig werden die Seiten im Hochformat (21 x 29,7 cm bei A4)<br />
angezeigt.<br />
• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Layout<br />
• Wähle den Tab Ausrichtung<br />
• Wähle die gewünschte Ausrichtung aus.<br />
763
5.12.3 Seitenrän<strong>der</strong><br />
• Klicke auf <strong>der</strong> Registerkarte Seitenlayout<br />
• Wähle die Schaltfläche<br />
in <strong>der</strong> Gruppe Seitenlayout<br />
• Wähle unter Rän<strong>der</strong> die gewünschten<br />
Abmessungen aus.<br />
5.13 Drucken<br />
5.13.1 Druckvorschau<br />
Klicke auf die Registerkarte Datei und dann auf die Option Drucken.<br />
Das verkleinerte Bild des Dokuments, wie Word es ausdrucken wird, erscheint<br />
auf <strong>der</strong> rechten Seite als Druckvorschau.<br />
Wähle die Einstellungen und den Drucker, bevor du das Dokument<br />
ausdruckst.<br />
Um den Druckmodus zu verlassen, klicke<br />
oberen Ecke <strong>der</strong> Seite.<br />
auf das Symbol in <strong>der</strong> linken<br />
764
Fachartikel Modul 806<br />
6. Office 365 Excel<br />
6.1 Excel Microsoft 365 starten und entdecken<br />
Die Dateien, die du in Microsoft 365 Excel erstellst, werden als Arbeitsmappen<br />
bezeichnet.<br />
Um eine neue, leere Arbeitsmappe zu erstellen, wählst du Neue<br />
Arbeitsmappe. Um eine neue Arbeitsmappe auf Basis einer Vorlage zu<br />
erstellen, kannst du den Link Weitere Vorlagen verwenden und dann eine<br />
Vorlage aus <strong>der</strong> Miniaturansicht auswählen. Eine zuletzt verwendete<br />
Arbeitsmappe öffnest du, indem du das Register Datei wählst. Danach kannst<br />
du entwe<strong>der</strong> durch die Liste Zuletzt verwendet scrollen o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> linken<br />
Spalte auf Öffnen klicken.<br />
6.1.1 Der Arbeitsbildschirm<br />
Das Band:<br />
Ansichten von<br />
Dokumenten und<br />
Zoom:<br />
Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle <strong>der</strong><br />
Anwendung. Diese Befehle sind in Gruppen<br />
zusammengefasst, wobei jede dieser Gruppen durch<br />
eine Registerkarte dargestellt wird (Datei, Start,<br />
Einfügen, Seitenlayout, Formeln, Daten, Revision, usw.).<br />
Jede Registerkarte enthält mehrere Gruppen von<br />
Befehlen, in denen Schaltflächen visualisiert werden,<br />
mit denen die meisten Manipulationen durchgeführt<br />
werden können.<br />
Mit den Befehlen Normal, Seite o<strong>der</strong><br />
Seitenumbruchvorschau rechts neben <strong>der</strong> Statusleiste<br />
wird <strong>der</strong> Anzeigemodus geän<strong>der</strong>t. Mit Zoom kann die<br />
Anzeige entwe<strong>der</strong> vergrössert o<strong>der</strong> verkleinert<br />
werden.<br />
765
6.2 Sich in einem Arbeitsblatt bewegen<br />
Mit den unten aufgeführten Tastenkombinationen bist du schneller als mit <strong>der</strong><br />
Maus.<br />
Um dich in die rechte o<strong>der</strong> linke Zelle zu<br />
bewegen, verwende entwe<strong>der</strong> den Links- o<strong>der</strong><br />
Rechtspfeil.<br />
Um den Cursor ganz rechts o<strong>der</strong> links in <strong>der</strong><br />
Tabelle zu positionieren, betätige mit gedrückter<br />
Ctrl-Taste den Links- o<strong>der</strong> Rechtspfeil.<br />
Um dich in <strong>der</strong> oberen o<strong>der</strong> unteren Zelle zu<br />
bewegen, drücke entwe<strong>der</strong> den Aufwärts- o<strong>der</strong><br />
Abwärtspfeil.<br />
Um den Cursor ganz oben o<strong>der</strong> ganz unten in <strong>der</strong><br />
Tabelle zu positionieren, betätige mit gedrückter<br />
Ctrl-Taste entwe<strong>der</strong> den Aufwärts- o<strong>der</strong><br />
Abwärtspfeil.<br />
Mit Ctrl und Home wird <strong>der</strong> Cursor in die erste<br />
eingegebene Zelle des Arbeitsblatts bewegt.<br />
Mit Ctrl und End wird <strong>der</strong> Cursor in die zuletzt<br />
eingefüllte Zelle des Arbeitsblatts bewegt.<br />
6.2.1 Eine bestimmte Zelle erreichen<br />
Klicke in das Feld Name (links neben <strong>der</strong> Formelleiste, das<br />
den Verweis auf die aktive Zelle anzeigt), gib den Bezug<br />
<strong>der</strong> anzusprechenden Zelle ein (z.B., B2) und wähle die<br />
Enter-Taste, um eine gewünschte Zelle zu erreichen.<br />
6.2.2 Das Arbeitsblatt<br />
Ein Blatt aktivieren<br />
Jede Arbeitsmappe besteht aus sogenannten Arbeitsblättern, die als<br />
Registerkarten am unteren Bildschirmrand angezeigt werden.<br />
Mithilfe <strong>der</strong> Schaltflächen zum Blättern kannst du auf die weiteren Register<br />
zugreifen. Damit das jeweilige Blatt angezeigt wird, musst du auf das Register<br />
klicken.<br />
766
Ein Blatt umbenennen<br />
Via Doppelklick auf die Registerkarte kann diese umbenannt werden. Die<br />
Registerkarte kann ebenfalls mit dem rechten Mausklick umbenannt werden.<br />
Blätter auswählen<br />
• Um ein Blatt zu aktivieren, musst du auf dessen Registerkarte klicken.<br />
• Wenn mehrere benachbarte Blätter ausgewählt werden sollen, wähle<br />
das erste Register aus und klicke mit gedrückter Umschalttaste (Shift)<br />
auf das letzte Register.<br />
• Mit gedrückter Ctrl-Taste können mehrere nicht benachbarte Register<br />
ausgewählt werden. Wähle dazu das erste Register aus und halte dann<br />
die Taste gedrückt, während du die weiteren anklickst.<br />
• Per rechtem Mausklick auf eines <strong>der</strong> Register kannst du unter Alle Blätter<br />
jedes Blatt markieren.<br />
Ein Blatt anzeigen o<strong>der</strong> ausblenden<br />
• Um ein Blatt o<strong>der</strong> mehrere Blätter auszublenden, wähle dieses o<strong>der</strong> die<br />
entsprechenden Blätter aus und wähle per rechtem Mausklick die<br />
Option Ausblenden.<br />
• Um dieses Blatt wie<strong>der</strong> anzuzeigen, wähle ein beliebiges Blatt aus, öffne<br />
per rechtem Mausklick das Kontextmenü und wähle die Option<br />
Anzeigen.<br />
Verschieben o<strong>der</strong> Kopieren eines o<strong>der</strong> mehrerer Blätter<br />
• Markiere das Blatt o<strong>der</strong> die Blätter, die verschoben werden sollen.<br />
Durch Klicken kannst du sie an die neue Position ziehen. Die neue<br />
Position wird durch ein kleines schwarzes Dreieck symbolisiert.<br />
• Mit gedrückter Ctrl-Taste und gleicher Aktion wird das Blatt kopiert.<br />
Eine Tabelle einfügen o<strong>der</strong> hinzufügen<br />
Um eine neue Tabelle hinzuzufügen, klicke auf das entsprechende Werkzeug<br />
in <strong>der</strong> Tabulatorleiste.<br />
767
Ein Blatt löschen<br />
Um ein Blatt zu löschen, wähle es mit <strong>der</strong> rechten Maustaste aus und wähle<br />
die Option Löschen.<br />
5.2.3 Zeilen, Spalten, Zellen<br />
Zeilen o<strong>der</strong> Spalten einfügen<br />
• Um vor einer bestimmten Zeile o<strong>der</strong> Spalte eine neue Reihe einzufügen,<br />
wähle diese aus und wähle entwe<strong>der</strong> im Menüregister Start > Einfügen<br />
> Blattzeilen/Blattspalten einfügen o<strong>der</strong> füge via Rechtsklick eine neue<br />
Zelle ein.<br />
• Wenn mehrere Zeilen o<strong>der</strong> Spalten eingefügt werden sollen, markiere<br />
entsprechend viele und füge sie analog oben ein.<br />
• Es ist nicht möglich, gleichzeitig Zeilen und Spalten einzufügen.<br />
Zeilen o<strong>der</strong> Spalten löschen<br />
• Wähle die betroffenen Zeilen o<strong>der</strong> Spalten aus und lösche sie im<br />
Kontextmenü (via Rechtsklick) durch Auswahl <strong>der</strong> Option Löschen.<br />
Die Breite einer Spalte o<strong>der</strong> die Höhe einer Zeile än<strong>der</strong>n<br />
• Wähle jede Spalte o<strong>der</strong> jede betroffene Zeile mit <strong>der</strong> gleichen Breite<br />
o<strong>der</strong> Höhe aus. Fahre mit <strong>der</strong> Maus über die vertikale (bei Spalten) o<strong>der</strong><br />
horizontale (bei Zeilen) Linie. Sobald sich das Mauszeiger-Aussehen<br />
än<strong>der</strong>t, klicke und ziehe. Sobald die gewünschte Breite o<strong>der</strong> Höhe<br />
erreicht ist, lasse die Maustaste los.<br />
Anpassen einer Spaltenbreite o<strong>der</strong> einer Zeilenhöhe<br />
• Wähle die betroffene Zeile o<strong>der</strong> Spalte aus und fahre mit <strong>der</strong> Maus über<br />
die horizontale bzw. vertikale Linie. Aktiviere sie mit einem Doppelklick.<br />
Die Zeilenhöhen passen sich automatisch an den Eintrag <strong>der</strong> höchsten<br />
Zelle in <strong>der</strong> Zeile an, die Spaltenbreite an den Eintrag des längsten<br />
Eintrags in <strong>der</strong> Spalte.<br />
Leere Zellen einfügen<br />
• Wähle die Anzahl <strong>der</strong> Zellen aus, die eingefügt werden sollen.<br />
• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste und wähle die Option Zellen einfügen.<br />
• Wähle eine <strong>der</strong> oberen beiden Optionen, um zu definieren, wo die<br />
Zellen eingefügt werden sollen.<br />
• Bestätige mit <strong>der</strong> Schaltfläche OK.<br />
768
Zellen löschen<br />
• Wähle die Anzahl <strong>der</strong> Zellen aus, die<br />
gelöscht werden sollen.<br />
• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste und wähle<br />
die Option Zellen löschen.<br />
• Wähle eine <strong>der</strong> oberen beiden Optionen,<br />
um zu definieren, wie die Zellen verschoben<br />
werden sollen.<br />
• Bestätige mit <strong>der</strong> Schaltfläche OK.<br />
Verschieben von Zellen<br />
Die Zellen (Zeilen und/o<strong>der</strong> Spalten) werden verschoben und an <strong>der</strong><br />
ausgewählten Stelle eingefügt.<br />
• Wähle die Zellen aus, die verschoben werden sollen.<br />
• Fahre mit dem Mauszeiger über die Auswahl, bis er die Form eines<br />
vierköpfigen Pfeils annimmt.<br />
• Ziehe die Auswahl mit gedrückter Umschalttaste (Shift) an die<br />
gewünschte Stelle und lasse sie los.<br />
6.2.4 Daten eingeben<br />
Sobald das erste Zeichen eingegeben wird, erscheinen in <strong>der</strong><br />
Formelleiste zwei Symbole:<br />
• Das Kreuz steht für das Abbrechen <strong>der</strong> Eingabe (entspricht <strong>der</strong> ESC-<br />
Taste).<br />
• Das Häkchen steht für die Annahme <strong>der</strong> Eingabe (entspricht <strong>der</strong> Enter-<br />
Taste).<br />
• Wähle die Zelle aus, in <strong>der</strong> die Daten erscheinen sollen, und gib die<br />
Daten ein.<br />
• Nach <strong>der</strong> Bestätigung werden Daten vom Typ Text linksbündig in den<br />
Zellen ausgerichtet.<br />
• Nach <strong>der</strong> Bestätigung werden Daten vom Typ Datum o<strong>der</strong> Numerisch<br />
linksbündig in <strong>der</strong> Zelle ausgerichtet.<br />
Bemerkungen:<br />
• Bei numerischen Werten darauf achten, dass 0 (Nullen) und nicht O<br />
(den Buchstaben o) eingegeben werden.<br />
• Um einen negativen Wert einzugeben, füge vor <strong>der</strong> Eingabe ein<br />
Minuszeichen (-) hinzu.<br />
769
• Um einen Prozentsatz einzugeben, tippe das %-Zeichen direkt nach <strong>der</strong><br />
Zahl ein.<br />
• Um Dezimalstellen einzugeben, verwende das Komma o<strong>der</strong> den Punkt<br />
(je nach Windows-Konfiguration).<br />
Eingabe abbrechen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>herstellen<br />
Um einen Vorgang rückgängig zu machen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>herzustellen,<br />
klicke in <strong>der</strong> Registerkarte Start auf den Rückgängig-Pfeil o<strong>der</strong> den<br />
Wie<strong>der</strong>herstellen-Pfeil.<br />
Son<strong>der</strong>zeichen einfügen<br />
Mit dieser Technik können Symbole eingefügt werden, die auf <strong>der</strong> Tastatur<br />
nicht vorkommen.<br />
Ein Son<strong>der</strong>zeichen kann bei <strong>der</strong> Eingabe in eine leere Zelle o<strong>der</strong> innerhalb<br />
eines Textes eingefügt werden.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Einfügen und klicke auf die Schaltfläche<br />
Symbole in <strong>der</strong> Gruppe Symbole.<br />
Das Dialogfenster Son<strong>der</strong>zeichen wird angezeigt; die Registerkarte Symbole ist<br />
aktiv.<br />
In <strong>der</strong> Liste Schriftart wähle die Schriftart aus, die das einzufügende Zeichen<br />
enthält. Folgende Auswahlmöglichkeiten stehen zur Verfügung:<br />
• Normaler Text: Um herkömmliche Zeichen einzufügen (z.B., akzentuierte<br />
Grossbuchstaben, Brüche).<br />
• Symbol: Zum Einfügen von griechischen o<strong>der</strong> mathematischen Zeichen.<br />
• Webdings, Wingdings, Wingdings 2 und Wingdings 3: Zum Einfügen von<br />
illustrierten Symbolen.<br />
Wähle das Zeichen durch Anklicken aus. Wähle die Schaltfläche Einfügen.<br />
Schliesse das Dialogfenster durch Klicken auf schliessen.<br />
770
Datum und/o<strong>der</strong> Uhrzeit des Systems einfügen<br />
Das Datum und die Uhrzeit des Systems werden von Windows verwaltet.<br />
Aktiviere die Zelle, in <strong>der</strong> das Datum und/o<strong>der</strong> die Uhrzeit des Systems<br />
erscheinen sollen, und gib folgende Formel ein:<br />
• =HEUTE(): um das aktuelle Datum einzufügen.<br />
• =JETZT(): um das aktuelle Datum und die Uhrzeit einzufügen.<br />
Mehrzeiligen Text in die Zelle eingeben<br />
Einen mehrzeiligen Text in einer Zelle kannst du mittels folgen<strong>der</strong><br />
Tastenkombination tätigen: Alt + Tabulator und am Schluss durch Drücken <strong>der</strong><br />
Enter-Taste bestätigen.<br />
• Wenn du gerade eine Eingabe machst o<strong>der</strong> bearbeitest, kannst du mit<br />
<strong>der</strong><br />
Tastenkombination deinen Zeilenumbruch an<br />
<strong>der</strong> gewünschten Stelle erzwingen.<br />
• Bestätige mit <strong>der</strong> Enter-Taste.<br />
Erstellen einer Datenreihe<br />
Den ersten Wert <strong>der</strong> Datenreihe ins gewünschte Feld eingeben: Es kann sich<br />
um ein Datum, einen Monat, einen Wochentag o<strong>der</strong> ein Quartal handeln.<br />
Den Kopiergriff (1) <strong>der</strong> entsprechenden Zelle bis zum gewünschten Zielwert (2)<br />
ziehen.<br />
6.3 Einfache Berechnungen<br />
6.3.1 Das Prinzip von Berechnungsformeln kennenlernen<br />
Du kannst Berechnungsformeln verwenden, um Berechnungen mit den<br />
Werten in einem Arbeitsblatt durchzuführen.<br />
• Eine Formel beginnt mit dem Zeichen (=) und kann verschiedene<br />
Elemente enthalten:<br />
Mathematische Operatoren<br />
+ Für die Rechnung / Für die Division o<strong>der</strong><br />
Unterteilung<br />
- Für die Subtraktion * Für die Multiplikation<br />
771
% Zur Berechnung des<br />
Prozentsatzes<br />
Bsp.: =5% ergibt das Ergebnis<br />
von 0.05<br />
^<br />
Für die Potenzsteigerung<br />
Ex: =2^3 ergibt das Ergebnis<br />
von 8<br />
Vergleichsoperatoren, das Ergebnis ist ein logischer Wert: WAHR o<strong>der</strong><br />
FALSCH<br />
= Gleichheit<br />
Bsp.: =30=40 ergibt das<br />
Ergebnis FALSCH<br />
Für Ungleichheit<br />
< Kleiner als<br />
Bsp.: =28 Für Grösser als<br />
= Für Grösser o<strong>der</strong> gleich als<br />
Die Referenzoperatoren<br />
: B1:C4 steht für die Zellen von<br />
B1 bis C4<br />
; B1;C4 steht für die Zelle B1 und<br />
die Zelle C4<br />
Rechenfunktionen<br />
Die Funktion MITTELWERT berechnet den Durchschnitt einer Reihe von Zellen.<br />
6.3.2 Einfache Statistikfunktionen verwenden<br />
• Um Statistikfunktionen zu verwenden, aktiviere die Zelle, in <strong>der</strong> das<br />
statistische Ergebnis angezeigt werden soll.<br />
• Wähle in <strong>der</strong> Registerkarte Start, im Untermenu die gewünschte<br />
Funktion aus:<br />
• Gewünschte Funktion auswählen.<br />
Bemerkung: Excel zeigt die Funktion an, welche <strong>der</strong> Auswahl entspricht<br />
und wählt eine Gruppe benachbarter Zellen aus.<br />
• Wenn die Auswahl <strong>der</strong> Zellen nicht zufriedenstellend ist, kannst du diese<br />
än<strong>der</strong>n, indem du einen an<strong>der</strong>en Zellenbereich auswählst.<br />
• Bestätige die Berechnungsformel mittels Eingabetaste Enter.<br />
Summe<br />
Durchschnitt<br />
Nb<br />
Max<br />
Min<br />
Berechnet die Summe <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />
Berechnet den Durchschnitt <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />
Berechnet die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die numerische Werte<br />
enthalten<br />
Extrahiert den Maximalwert <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />
Extrahiert den Minimalwert <strong>der</strong> ausgewählten Zellen<br />
772
6.3.3 Eine einfache Berechnungsformel erstellen<br />
Es geht darum, eine Berechnung zu erstellen, die Zellbezüge,<br />
Rechenoperatoren und/o<strong>der</strong> Konstanten einbindet.<br />
• Wähle die Zelle aus, in <strong>der</strong> das Ergebnis angezeigt werden soll<br />
• Gib "=" ein<br />
• Konstruiere nun die gewünschte Formel<br />
• Bestätige die Formel mit <strong>der</strong> Eingabetaste Enter<br />
Bemerkung:<br />
Bei mehreren Operatoren können die Prioritäten mithilfe von Klammern<br />
gruppiert werden,<br />
Bsp. 1: 2*3+4=6+4=10<br />
Bsp. 2: 2*(3+4)=2*7=14<br />
6.3.4 Einen Zellbezug in einer Formel absolut setzen<br />
Mit dieser Technik wird <strong>der</strong> Bezug einer Zelle in einer Formel so festgelegt, dass<br />
sich dieser Bezug beim erneuten Kopieren <strong>der</strong> Formel nicht än<strong>der</strong>t.<br />
Um einen Zellbezug in einer Formel absolut zu setzen, wähle die Zelle aus, in<br />
<strong>der</strong>, <strong>der</strong> absolute Bezug benötigt wird, und drücke die Taste F4.<br />
Der Zellbezug wird nun mit $-Zeichen vor dem Spaltenbuchstaben und <strong>der</strong><br />
Zeilennummer dargestellt ($B$1).<br />
773
6.4 Rechnen mit Funktionen<br />
• Zelle wählen, welche eine Funktion erhalten soll.<br />
• "=" wählen und den o<strong>der</strong> die ersten Buchstaben <strong>der</strong> Funktion eingeben<br />
(1).<br />
• Es erscheint eine Liste, in <strong>der</strong> die entsprechende Funktion ausgewählt<br />
werden kann (2). Via Doppelklick auf die Schaltfläche (korrekte Formel)<br />
kann das Dialogfenster geöffnet werden (3).<br />
• Hier (4) werden die Argumente <strong>der</strong> Funktion ergänzt.<br />
Funktionen<br />
=RUNDEN<br />
=ABRUNDEN<br />
=AUFRUNDEN<br />
=ZÄHLENWENN;<br />
ZÄHLENWENNS<br />
=WENN<br />
=ANZAHL2<br />
=ANZAHL<br />
Erklärung<br />
Die Funktion RUNDEN, rundet eine Zahl auf eine<br />
angegebene Anzahl von Stellen ab<br />
Auf die nächsten Dezimalstellen abrunden<br />
Auf die nächsten Dezimalstellen aufrunden<br />
Zählt die Anzahl Zellen eines Bereiches, welche mit<br />
einem o<strong>der</strong> mehreren Kriterien übereinstimmt<br />
Überprüft eine Bedingung und gibt bei WAHR o<strong>der</strong><br />
FALSCH einen Wert zurück<br />
Bestimmt die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die nicht leer sind<br />
Bestimmt die Anzahl <strong>der</strong> Zellen, die Zahlen<br />
enthalten<br />
6.4.1 Formeln anstelle von Ergebnissen anzeigen<br />
Mit folgen<strong>der</strong> Tastenkombination können die Formeln im Arbeitsblatt ein- und<br />
ausgeblendet werden: Ctrl + Umschalttaste + `.<br />
6.4.2 Vorgeschichte anzeigen<br />
Hier geht es darum, mithilfe von Audit-Pfeilen die Zellen zu markieren, die an<br />
einer Formel beteiligt sind.<br />
• Zelle mit Formel wählen.<br />
• Registerkarte Formeln aktivieren und in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Formelüberprüfungen auf das Werkzeug Vorgänger aufspüren klicken.<br />
774
• Um die blauen Pfeile auszublenden, in <strong>der</strong>selben Liste des Werkzeugs<br />
Pfeile entfernen und die Option Pfeile entfernen wählen.<br />
6.4.3 Abhängigkeiten anzeigen<br />
Hier geht es darum, mithilfe von Audit-Pfeilen die Zellen zu finden, die eine<br />
Formel enthalten, die auf die ausgewählte Zelle verweist.<br />
• Betroffene Zeile aktivieren.<br />
• Registerkarte Formeln aktivieren und in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Formelüberprüfungen auf das Werkzeug Vorgänger aufspüren klicken.<br />
• Um die Pfeile von Abhängigen auszublenden, in <strong>der</strong>selben<br />
Registerkarte unter Formelüberwachung das Werkzeug Pfeile entfernen<br />
wählen.<br />
6.5 Standardformatierungen<br />
6.5.1 Zeichen hervorheben<br />
Betroffene Zellen o<strong>der</strong> Zeichen wählen.<br />
Je nachdem, welche Hervorhebung angewendet werden soll, wird ein o<strong>der</strong><br />
mehrere Werkzeuge aus <strong>der</strong> Gruppe Schrift auf <strong>der</strong> Registerkarte Start<br />
benötigt.<br />
Einstellen von Schriftart und Grösse des Textes.<br />
Formatieren <strong>der</strong> Zeichen in fett, kursiv und/o<strong>der</strong><br />
unterstrichen.<br />
Schriftfarbe än<strong>der</strong>n.<br />
Vergrössern o<strong>der</strong> verkleinern <strong>der</strong> Zeichen.<br />
775
6.5.2 An<strong>der</strong>e Attribute anwenden<br />
Hier geht es darum, die Hervorhebungen durchgestrichen, hochgestellt,<br />
tiefgestellt o<strong>der</strong> auch an<strong>der</strong>e Unterstreichungsstile zu wählen.<br />
• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Schriftart, die Erweiterung<br />
öffnen (1).<br />
• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />
• Gewünschte Hervorhebung anwenden.<br />
• Mit OK bestätigen (3).<br />
6.5.3 Zahlenformat anwenden<br />
• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl, die Erweiterung öffnen<br />
(1).<br />
• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />
• Im Menüpunkt Zahl kann die Anzahl Dezimalstellen angepasst werden.<br />
Ebenfalls kann bei Bedarf <strong>der</strong> Tausen<strong>der</strong>trennstrich aktiviert werden.<br />
• Mit OK bestätigen (3).<br />
776
6.5.4 Prozentformat anwenden<br />
• Betroffene Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl auf "%"<br />
klicken.<br />
→ Die betreffenden Zahlen werden mit 100 multipliziert, um in Prozent<br />
umgerechnet zu werden, also multipliziere die Division nicht mit 100 in<br />
<strong>der</strong> Zelle.<br />
6.5.5 Erhöhen und Verringern <strong>der</strong> Anzahl Dezimalstellen<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• Anzahl Dezimalstellen können mit folgendem Zeichen erhöht<br />
werden.<br />
• Anzahl Dezimalstellen können mit folgendem Zeichen verkleinert<br />
werden.<br />
6.5.6 Buchhaltungsformat anwenden<br />
• Betreffende Zellen o<strong>der</strong> Zeichen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Zahl, die Erweiterung öffnen<br />
(1).<br />
• Das Fenster Zellen formatieren (siehe unten) erscheint (2).<br />
• Klicke in <strong>der</strong> Kategorie Buchhaltung.<br />
• Wähle unter Symbol das gewünschte Währungssymbol aus (3).<br />
777
6.5.7 Ausrichtung des Zellinhalts än<strong>der</strong>n<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe<br />
Ausrichtung das Werkzeug Ausrichtung öffnen.<br />
• Gewünschte Ausrichtung auswählen.<br />
• Unter <strong>der</strong> Option Zellenformat, kann ein<br />
benutzerdefinierter Rotationswinkel gewählt<br />
werden.<br />
6.5.8 Zellinhalt ausrichten<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start unter <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung einer<br />
gewünschte Ausrichtungsoptionen wählen.<br />
• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong><br />
Registerkarte Ausrichtung zu finden.<br />
6.5.9 Inhalt einer Zelle automatisch an die Zeile zurückgeben<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />
Schaltfläche Textumbruch (siehe Grafik rechts) klicken.<br />
• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Ausrichtung im Menüpunkt Textsteuerung zu finden.<br />
778
6.5.10 Einzug auf Zellinhalte anwenden<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />
Schaltfläche Einzug verringern o<strong>der</strong> Einzug erhöhen (siehe<br />
Grafik rechts) klicken.<br />
• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Ausrichtung im Menüpunkt Textausrichtung zu finden.<br />
6.5.11 Zellen zusammenführen<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Ausrichtung auf die<br />
Schaltfläche Zusammenführen und zentrieren (siehe Grafik rechts)<br />
klicken.<br />
• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong> Registerkarte<br />
Ausrichtung im Menüpunkt Textsteuerung zu finden.<br />
6.5.12 Rahmen auf Zellen anwenden<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart das Werkzeug Alle<br />
Rahmenlinien wählen.<br />
• Den gewünschten Rahmen (Auswahl mehrerer<br />
Arten möglich) auswählen.<br />
• Weitere Möglichkeiten sind im untersten Menüpunkt<br />
weitere Rahmenlinien auffindbar.<br />
5.5.13 Zellen mit Füllfarbe einfärben<br />
• Betroffene Zellen auswählen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart das<br />
Werkzeug Füllfarbe wählen.<br />
• Diese Option ist ebenfalls im Dialogfenster unter <strong>der</strong><br />
Registerkarte Ausfüllen zu finden.<br />
6.6 Bedingte Formatierung<br />
Mit bedingter Formatierung kannst du Zellen, die numerische<br />
Werte, Daten, Uhrzeiten o<strong>der</strong> Text enthalten, hervorheben. Dabei werden in<br />
den Zellen Datenbalken, Farben und Symbole angezeigt, die je nach<br />
enthaltenem Wert unterschiedliche Formen annehmen. Das Erscheinungsbild<br />
<strong>der</strong> Zellen än<strong>der</strong>t sich abhängig von einer von Excel verwalteten Bedingung.<br />
779
Dazu markierst du die Zellen und wendest dann die bedingte Formatierung<br />
an.<br />
6.6.1Datenbalken<br />
Mit Datenbalken kannst du Werte in ausgewählten Zellen vergleichen, um<br />
schnell die höchsten und niedrigsten Werte zu erkennen. Die Länge des<br />
Datenbalkens repräsentiert den Wert in<br />
<strong>der</strong> Zelle: Je länger <strong>der</strong> Balken, desto<br />
höher <strong>der</strong> Wert.<br />
6.6.2 Farbskalen<br />
Farbskalen helfen dabei, die Verteilung<br />
und Verän<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Werte zu<br />
verstehen. Eine Skala kann zwei o<strong>der</strong><br />
drei Farben umfassen, wobei <strong>der</strong><br />
Farbton für hohe, mittlere und niedrige<br />
Werte steht.<br />
6.6.3 Symbolsätze<br />
Symbolsätze ermöglichen die<br />
Kommentierung und Klassifizierung von<br />
Daten in drei bis fünf Kategorien, die<br />
durch einen Schwellenwert getrennt<br />
sind. Jedes Symbol repräsentiert einen<br />
Bereich von Werten.<br />
6.6.4 Eine neue Regel erstellen<br />
Hier kannst du eigene Bedingungen erstellen, um eine vordefinierte bedingte<br />
Formatierung anzuwenden o<strong>der</strong> eine angepasste Formatierung zu erstellen.<br />
6.7 Daten sortieren<br />
Mit Excel Microsoft 365 kannst du eine Tabelle schnell nach den Werten in<br />
einer Spalte sortieren.<br />
780
6.7.1 Sortieren von A bis Z o<strong>der</strong> 0 bis 9<br />
• Wähle den gewünschten Bereich o<strong>der</strong> die<br />
gesamte Tabelle aus, die sortiert werden soll. Du<br />
kannst auch nur eine Spalte sortieren.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten,<br />
wähle die Schaltfläche Sortieren und Filtern.<br />
• Wähle entwe<strong>der</strong> Von A bis Z sortieren für<br />
aufsteigende Reihenfolge o<strong>der</strong> Von Z bis A<br />
sortieren für absteigende Reihenfolge.<br />
6.7.2 Nach Farbe o<strong>der</strong> auf mehreren Ebenen sortieren<br />
• Wähle bei Bedarf die Zellen aus, die sortiert werden sollen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten, wähle die Schaltfläche<br />
Sortieren und Filtern und verwende die Option Benutzerdefiniertes<br />
Sortieren.<br />
• Treffe die entsprechende Auswahl.<br />
6.8 Daten filtern<br />
6.8.1 Aktivieren und/o<strong>der</strong> deaktivieren <strong>der</strong> automatischen Filterung<br />
Mit <strong>der</strong> automatischen Filterung kannst du Daten in einer Tabelle so filtern,<br />
dass nur die Zeilen angezeigt werden, die den<br />
angegebenen Kriterien entsprechen. Die automatische<br />
Filterung ermöglicht das Filtern nach Zellinhalt, Füllfarbe,<br />
Schriftfarbe o<strong>der</strong> bedingter Formatierung durch<br />
Symbolsätze.<br />
• Wähle eine Zelle in <strong>der</strong> Tabelle aus.<br />
• Wähle die Schaltfläche Sortieren und Filtern in <strong>der</strong><br />
Registerkarte Start, Gruppe Bearbeiten.<br />
• Wähle die Option Filtern. Es erscheint ein<br />
Dropdown-Feld in den Spalten.<br />
Um die Filtrierung zu deaktivieren, wähle erneut die Schaltfläche Filtern.<br />
6.8.2 Nach bestimmten Werten in <strong>der</strong> Spalte filtern<br />
• Aktiviere die automatische Filtrierung.<br />
• Öffne die Dropdown-Liste, die mit <strong>der</strong> Spalte verknüpft ist, und die die<br />
Werte enthält, nach denen gefiltert werden soll.<br />
• Um bestimmte Werte auszublenden, hebe die Markierung <strong>der</strong><br />
entsprechenden Kontrollkästchen auf.<br />
781
• Um einzelne Werte anzuzeigen,<br />
deaktiviere die Option Alle auswählen<br />
und markiere dann die gewünschten<br />
Werte.<br />
6.8.3 Nach einer Zellfarbe, Schriftart o<strong>der</strong> einem<br />
Satz von Symbolen filtern<br />
• Aktiviere die automatische Filterung.<br />
• Öffne die Dropdown-Liste, die mit <strong>der</strong> Spalte<br />
verknüpft ist, und die die Werte enthält,<br />
nach denen gefiltert werden soll.<br />
• Aktiviere die Option Nach Farbe filtern.<br />
• Triff die gewünschte Auswahl.<br />
6.8.4 Nach einem benutzerdefinierten Kriterium filtern<br />
Je nach Datentyp <strong>der</strong> Spalte bietet Excel drei Arten<br />
von Filtern an: Numerische Filter für numerische<br />
Daten, Chronologische Filter für Datumsdaten und<br />
Textfilter für alphanumerische Daten.<br />
• Aktiviere die automatische Filterung.<br />
• Öffne die Dropdown-Liste <strong>der</strong> Spalte, die die<br />
Werte enthält, nach denen gefiltert werden<br />
soll.<br />
• Aktiviere die Option Textfilter und wähle dann Benutzerdefinierter Filter.<br />
• Triff die gewünschte Auswahl.<br />
• Bestätige mit OK.<br />
782
6.9 Layout<br />
• Aktiviere das aktuelle Arbeitsblatt, indem du auf<br />
eine Zelle in <strong>der</strong> Tabelle klickst.<br />
• Mit <strong>der</strong> Tastenkombination Ctrl + P öffnet sich das<br />
Druckfenster.<br />
6.9.1 Ausrichtung des Blattes<br />
Mit <strong>der</strong> Schaltfläche Hochformat-Ausrichtung kannst du<br />
zwischen Hoch- und Querformat-Ausrichtung wählen.<br />
6.9.2 Skalierung<br />
• Wähle die Schaltfläche Keine Skalierung.<br />
• Wähle bevorzugte Skalierung, z.B. Blatt an<br />
eine Seite anpassen. Die Schriftgrösse<br />
passt sich automatisch an.<br />
Unter <strong>der</strong> Schaltfläche Seite Einrichten öffnen sich weitere Optionen. Im<br />
Register Papierformat kann ebenfalls die Ausrichtung gewählt werden, und im<br />
Punkt Skalierung kann die Grösse individuell angepasst werden.<br />
6.9.3 Auf dem Blatt zentrieren<br />
• Wähle das Register Seitenrän<strong>der</strong>.<br />
• Hier können die Rän<strong>der</strong> individuell<br />
angepasst werden.<br />
• Bei Bedarf kann beim Punkt Auf <strong>der</strong> Seite<br />
zentrieren die Option horizontal o<strong>der</strong> vertikal<br />
aktiviert werden.<br />
783
6.9.4 Wie<strong>der</strong>holung von Zeilen/Spalten auf je<strong>der</strong> gedruckten Seite<br />
• Wähle das Register Blatt.<br />
• Hier können Zeilen definiert werden, die auf je<strong>der</strong> Seite mitgedruckt<br />
werden sollen (z.B. Überschriftszeilen).<br />
• Dafür das Icon hinter <strong>der</strong> Zeile Wie<strong>der</strong>holungszeilen oben/unten<br />
wählen.<br />
• Entsprechende Zeile/n o<strong>der</strong> Spalte/n auswählen, die wie<strong>der</strong>holt<br />
werden sollen.<br />
6.9.5 Erstellen und Verwalten von Kopf- und Fusszeilen<br />
Der Inhalt <strong>der</strong> Kopfzeile wird oben auf je<strong>der</strong> Seite gedruckt, während <strong>der</strong><br />
Inhalt <strong>der</strong> Fusszeile unten auf je<strong>der</strong> Seite gedruckt wird.<br />
Für jede Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile stehen dir drei Textfel<strong>der</strong> zur Verfügung: links,<br />
mittig und rechts.<br />
• Klicke auf die Schaltfläche Seitenlayout.<br />
• Wähle die Registerkarte Kopf-/Fusszeile.<br />
Um die Kopf- und/o<strong>der</strong> Fusszeile anzupassen, wähle die Schaltfläche<br />
Benutzerdefinierte Kopfzeile o<strong>der</strong> Benutzerdefinierte Fusszeile. Folgende<br />
Optionen stehen zur Verfügung:<br />
• Text formatieren<br />
• Eine Seitenzahl einfügen<br />
• Anzahl <strong>der</strong> Seiten einfügen<br />
• Datum einfügen<br />
• Uhrzeit einfügen<br />
• Dateipfad einfügen<br />
• Dateiname einfügen<br />
• Füge den Namen des Blattes ein<br />
• Ein Bild einfügen.<br />
784
6.9.6 Kopf-/Fusszeilenoptionen festlegen<br />
• Unter dem Eingabefeld <strong>der</strong> Fusszeile kann zwischen zwei Optionen<br />
gewählt werden.<br />
• Markiere die gewünschte/n Option/en.<br />
o Unterschiedliche erste Seite:<br />
Um die Kopf- und Fusszeile <strong>der</strong> ersten zu<br />
druckenden Seite zu unterscheiden.<br />
o Unterschiedliche gerade und ungerade<br />
Seiten:<br />
Um auf geraden und ungeraden Seiten eine<br />
unterschiedliche Kopf- o<strong>der</strong> Fusszeile einzufügen.<br />
6.9.7 Eine Arbeitsmappe, ein Blatt, eine Auswahl drucken<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Datei die Option Drucken<br />
wählen.<br />
• Alternativ kann die Tastenkombination Ctrl + P<br />
verwendet werden<br />
• Gewünschte Druckoption wählen.<br />
6.10 Eine Grafik erstellen<br />
6.10.1 Arten von Grafiken<br />
Die wichtigsten Diagrammtypen sind:<br />
• Histogramm o<strong>der</strong> Liniendiagramm: Zur Veranschaulichung<br />
von Daten mit einer zeitlichen Entwicklung.<br />
• Kreisdiagramm: Zur Darstellung von %-Werten einer einzelnen<br />
Reihe.<br />
• Säulendiagramm: zur Veranschaulichung von Vergleichsdaten.<br />
785
6.10.2 Erstellen einer empfohlenen Grafik<br />
• Wähle die Daten aus, die grafisch dargestellt werden sollen.<br />
• Wenn die betreffenden Zellen nebeneinan<strong>der</strong> liegen, können diese<br />
durch Klicken und Ziehen ausgewählt werden.<br />
• Wenn die betreffenden Zellen nicht nebeneinan<strong>der</strong> liegen, können<br />
diese durch Klicken (und ziehen) mit gedrückter „Ctrl“-Taste<br />
ausgewählt werden.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Einfügen.<br />
• In <strong>der</strong> Gruppe Diagramm, aktiviere die Schaltfläche Empfohlene<br />
Diagramme, damit Excel einige Diagramme vorschlagen kann, die sich<br />
beson<strong>der</strong>s gut für die ausgewählten Daten eignen.<br />
• Im Fensterbereich klicke auf eines <strong>der</strong> empfohlenen Diagramme.<br />
6.10.3 Die Position eines Diagramms än<strong>der</strong>n<br />
Sobald die Grafik erstellt ist, sollte diese am besten auf ein neues Blatt<br />
verschoben werden. Wenn das Diagramm erstellt wurde, erscheint die<br />
Registerkarte Diagrammentwurf.<br />
• Öffne die Registerkarte Diagrammentwurf<br />
und wähle die Option Diagramm<br />
verschieben (1).<br />
• Aktiviere die Option Neues Blatt (2).<br />
• Benenne das neue Blatt entsprechend.<br />
• Bestätige mittels Klick auf OK.<br />
6.10.4 Die zu erstellende Grafik wählen<br />
• Treffe eine Auswahl <strong>der</strong> Daten, die grafisch<br />
dargestellt werden sollen, und aktiviere die<br />
Registerkarte Einfügen.<br />
• In <strong>der</strong> Gruppe Diagramme öffne die Liste <strong>der</strong><br />
Erweiterungen in <strong>der</strong> unteren Rechten Ecke.<br />
• Unter alle Diagramme wird nun eine Liste mit<br />
entsprechen<strong>der</strong> Vorlage angezeigt.<br />
• Wähle das passende Diagramm aus.<br />
• Verschiebe das Diagramm auf ein an<strong>der</strong>es<br />
Blatt.<br />
786
6.10.5 Sekundäre vertikale Achse hinzufügen<br />
Diese Technik ermöglicht es, Daten, die sich in ihrem Massstab und/o<strong>der</strong> ihrer<br />
Einheit völlig unterscheiden, in einem einzigen Diagramm darzustellen. Das<br />
Prinzip besteht darin, einen Graphen in einen kombinierten Graphen<br />
umzuwandeln.<br />
• Klicke in das Diagramm, das in ein kombiniertes Diagramm<br />
umgewandelt werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Diagrammentwurf.<br />
• Unter <strong>der</strong> Gruppe Typ klicke auf Diagrammtyp än<strong>der</strong>n.<br />
• Im neuen Fenster öffne nun die Registerkarte alle Grafiken (1).<br />
• In <strong>der</strong> linken Spalte wähle den Diagrammtyp Kombi (2).<br />
• Klicke auf die Unterkategorie Gruppierte Säulen/Linien auf <strong>der</strong><br />
Sekundärachse (3).<br />
• Im unteren Bereich des Fensters bestimme die entsprechenden<br />
Diagrammtypen und Achsen für die Datenreihen. Aktiviere auch die<br />
Option Sekundäre Achse für alle Achsen, die auf <strong>der</strong> sekundären Achse<br />
gezeichnet werden sollen (4).<br />
• Bei <strong>der</strong> entsprechenden Datenreihe definiere den Diagrammtyp als<br />
Linie.<br />
• Bei den restlichen Datenreihen sollte <strong>der</strong> Diagrammtyp auf Gruppierte<br />
Säulen stehen.<br />
787
6.10.6 Än<strong>der</strong>e die Optionen für die x-Achse.<br />
Die Abszissenachse wird auch als X-Achse o<strong>der</strong> Kategorienachse bezeichnet.<br />
Wenn die Achse angepasst werden soll, kann durch Doppelklick auf die X-<br />
Achse das Bearbeitungsfenster geöffnet werden. Der Office-Bereich Achse<br />
formatieren wird auf <strong>der</strong> rechten Seite des Fensters angezeigt.<br />
Der Bereich ist in zwei Themenbereiche aufgeteilt <strong>–</strong> Achsenoptionen und<br />
Textoptionen.<br />
• Achsenoptionen:<br />
o Füllung und Linie<br />
o Effekte<br />
o Grösse und Eigenschaften<br />
o Achsenoptionen<br />
• Die Achsenoptionen sind wie<strong>der</strong>um in Listen<br />
aufgeteilt:<br />
o Achsenoptionen <strong>–</strong> automatische<br />
Zuordnung <strong>der</strong> Achse o<strong>der</strong> Umwandlung<br />
in Text- o<strong>der</strong> Datumsachse<br />
o Teilstriche <strong>–</strong> um die Markierungen auf <strong>der</strong><br />
Achse zu än<strong>der</strong>n<br />
o Beschriftungen <strong>–</strong> um die Position des<br />
Textes in Bezug auf die Achse<br />
anzuzeigen/anzupassen<br />
o Zahl <strong>–</strong> Anpassung des Zahlenformats möglich (z. B. Prozentual,<br />
Währung, etc.)<br />
• Text-Optionen:<br />
o Textfüllung und -kontur<br />
o Texteffekte<br />
o Textfeld.<br />
6.10.7 Än<strong>der</strong>e die Optionen für die Y-Achse.<br />
Die Ordinatenachse wird auch als vertikale Achse, Y-Achse o<strong>der</strong> Wertachse<br />
bezeichnet.<br />
Wenn die Achse angepasst werden soll, kann durch Doppelklick auf die<br />
entsprechende Achse das Bearbeitungsfenster geöffnet werden. Der Office-<br />
Bereich Achse formatieren wird auf <strong>der</strong> rechten Seite des Fensters angezeigt.<br />
788
Der Bereich ist in zwei Themenbereiche aufgeteilt <strong>–</strong> Achsenoptionen und<br />
Textoptionen. Die Textoptionen sind dieselben wie bei <strong>der</strong> X-Achse.<br />
• Achsenoptionen:<br />
o Die Achsenoptionen unter dem<br />
gleichnamigen Themenbereich<br />
ermöglichen es, die Minimal- und<br />
Maximalgrenzen sowie die<br />
Haupteinheiten <strong>der</strong> Achse <strong>der</strong><br />
Skalierung festzulegen.<br />
6.10.8 Datenbeschriftung bearbeiten<br />
Hier geht es darum, die Anzeige <strong>der</strong> Werte zu än<strong>der</strong>n, die den Daten in je<strong>der</strong><br />
Reihe entsprechen.<br />
• Aktiviere das Diagramm (1).<br />
• Unter Diagrammelement die Datenbeschriftung aktivieren (2).<br />
• Wähle weitere Optionen unter Datenbeschriftungen (3).<br />
Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich wie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Office-<br />
Bereich.<br />
• Die Beschriftungsoptionen können nun folgenden<br />
drei Kategorien angepasst werden:<br />
o Beschriftungsoptionen<br />
o Beschriftungsposition<br />
o Zahl (Anpassung des Zahlenformats möglich<br />
(z. B. Prozentual, Währung, etc.)<br />
789
6.10.9 Schnelllayout<br />
Die Gruppe Schnelllayout dient einer raschen Än<strong>der</strong>ung des<br />
Diagramms.<br />
• Aktiviere das Diagramm.<br />
• Wähle das Werkzeug Schnelllayout im Register<br />
Diagrammentwurf.<br />
• Verschiedene Varianten werden angezeigt.<br />
• Wähle das gewünschte Layout aus.<br />
6.10.10 Elemente des Diagramms anzeigen/ausblenden<br />
• Es geht um das Ein- und<br />
Ausblenden von…<br />
o Diagrammtitel<br />
o Achsen<br />
o Achsentitel<br />
o Legenden<br />
o Datenbeschriftungen<br />
o Datentabelle<br />
o Gitternetzlinie<br />
• Aktiviere das Diagramm.<br />
• Wähle das Diagrammelement-<br />
Werkzeug (rechts neben dem Diagramm).<br />
• Markiere die gewünschten Elemente.<br />
6.10.11 Ein Kreisdiagramm bearbeiten (Kreis in Kreis o<strong>der</strong> Balken aus Kreis<br />
Diagramm)<br />
Diese Unterart des Kreisdiagramms trennt die kleinsten Sektoren vom<br />
Hauptdiagramm ab und zeigt sie in einem zusätzlichen Kreisdiagramm o<strong>der</strong><br />
gestapelten Balkendiagramm an.<br />
Um die Grafik zu erstellen:<br />
• Aktiviere das Diagramm.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Diagrammentwurf in <strong>der</strong> Gruppe Typ wähle<br />
Diagrammtyp än<strong>der</strong>n.<br />
• Wähle entwe<strong>der</strong> die Option Kreis<br />
in Kreis-Diagramm (1) o<strong>der</strong> Balken<br />
aus Kreis-Diagramm (2).<br />
790
6.10.12 Trendlinie zu Diagramm hinzufügen<br />
Die mit einer Datenreihe verbundene Trendkurve ermöglicht es, Trends in<br />
bestehenden Daten o<strong>der</strong> Prognosen für zukünftige Daten zu<br />
veranschaulichen. Mit diesem Tool kann eine Regressionsanalyse<br />
durchgeführt werden, welche zur Erstellung von Prognosen verwendet wird.<br />
Je nach gewünschter Analyseart kann z. B. eine Trendkurve in einem<br />
Diagramm über die vorhandenen Daten hinausschauen.<br />
• Aktiviere das Diagramm.<br />
• Wähle die Datenreihe aus, <strong>der</strong> eine<br />
Trendkurve hinzugefügt werden soll.<br />
• Über das Werkzeug<br />
Diagrammelemente aktiviere das<br />
Feld Trendlinie.<br />
791
Fachartikel Modul 807<br />
7. Office 356 PowerPoint<br />
7.1 Die Grundlagen <strong>der</strong> Präsentation<br />
Mit PowerPoint kannst du elektronische Präsentationen erstellen, die auf<br />
einem Bildschirm projiziert, auf einer Website hinterlegt, bei einem<br />
Vorstellungsgespräch o<strong>der</strong> in einem Kurs verwendet o<strong>der</strong> bei je<strong>der</strong> Art von<br />
Sitzung präsentiert werden können.<br />
Eine PowerPoint-Präsentation kann ausgedruckt werden, damit du und deine<br />
Zuhörer/Teilnehmer sich Notizen machen können.<br />
Du kannst den Ablauf <strong>der</strong> Präsentation automatisch gestalten, den Text- und<br />
Bildobjekten Bewegungen hinzufügen, Töne, Videos und Hyperlinks einfügen.<br />
PowerPoint ist nur ein Präsentationsmedium. Die Präsentationstechniken musst<br />
du separat lernen.<br />
7.1.1 Der Arbeitsbildschirm<br />
• PowerPoint starten.<br />
• Die Startseite wird angezeigt, auf Leere Präsentation klicken. Folgendes<br />
Bild wird sich zeigen.<br />
Das Menüband <strong>–</strong><br />
Multifunktionsleiste<br />
(1)<br />
Die Multifunktionsleiste enthält die meisten Befehle <strong>der</strong><br />
Anwendung. Diese Befehle sind in Gruppen<br />
zusammengefasst, wobei jede Gruppe durch eine<br />
Registerkarte repräsentiert wird (Datei, Start, Einfügen,<br />
Kreationen, Übergänge usw.). Jede Registerkarte<br />
enthält mehrere Gruppen von Befehlen, in denen du<br />
792
Anzeigemodus (2)<br />
Zoom (3)<br />
Schaltflächen sehen wirst, mit denen du die meisten<br />
Anpassungen durchführen kannst.<br />
Hier kannst du zwischen verschiedenen Anzeigemodi<br />
wechseln:<br />
• Normal<br />
• Foliensortierung<br />
• Leseansicht<br />
• Präsentationsmodus<br />
Hier wird die Grösse <strong>der</strong> Folien angepasst.<br />
Werkzeuge in <strong>der</strong> Symbolleiste anzeigen/ausblenden<br />
Wenn die Symbolleiste für den Schnellzugriff ((4) oben im Arbeitsbildschirm)<br />
nicht über o<strong>der</strong> unter <strong>der</strong> Multifunktionsleiste sichtbar ist, musst du diese in den<br />
Optionen auswählen.<br />
• Registerkarte Datei aufrufen und darin Optionen wählen.<br />
• Kategorie Symbolleiste für den Schnellzugriff aufrufen. Das<br />
untenstehende Fenster erscheint.<br />
• In <strong>der</strong> linken Tabelle kannst du alle Befehle/Werkzeuge finden, die nicht<br />
in <strong>der</strong> Symbolleiste sind, und mit dem Feld Hinzufügen neu einfügen.<br />
• Folgende Tools werden empfohlen:<br />
o Von Beginn an<br />
o Speichern<br />
o Rückgängig<br />
o Wie<strong>der</strong>holen<br />
• Bestätige mit einem Klick auf OK.<br />
• Die Leiste müsste nun angepasst sein.<br />
793
Die Symbolleiste ist unter <strong>der</strong> Multifunktionsleiste sichtbar<br />
• In Symbolleiste markiertes Feld wählen und die Ansicht auf Über dem<br />
Menüband anzeigen anpassen.<br />
In diesem Menü können auch die Werkzeuge aktiviert und deaktiviert<br />
werden, die in <strong>der</strong> Symbolleiste angezeigt werden sollen.<br />
7.1.2 Letzte Än<strong>der</strong>ung rückgängig machen/wie<strong>der</strong>holen<br />
• Nachstehende Symbole können eine Aktion rückgängig<br />
machen o<strong>der</strong> wie<strong>der</strong>holen.<br />
7.1.3 Lineal/Linien anzeigen<br />
Lineale und Linien können die Ausrichtung von<br />
Objekten auf <strong>der</strong> Folie erleichtern.<br />
• Register Ansicht aktivieren. In <strong>der</strong> Gruppe<br />
Anzeigen die gewünschte Option wählen.<br />
• Um die Lineale und Linien auszublenden, die<br />
Option/das Kontrollkästchen deaktivieren.<br />
7.2 Eine Präsentation erstellen<br />
Eine Präsentation ist die Hauptdatei, die mit PowerPoint 365 erstellt wird.<br />
7.2.1 Präsentation basierend auf einer Vorlage erstellen<br />
Hier geht es darum, eine Präsentation aus einer bereits existierenden Vorlage<br />
zu erstellen. Eine Vorlage kann aus mehreren Folien bestehen und bereits<br />
Texte o<strong>der</strong> Objekte enthalten.<br />
• Registerkarte Datei aktivieren und Neu wählen.<br />
• Im unteren Bereich des Fensters erscheinen nun Themen und Vorlagen.<br />
• Auf Miniaturansicht einer passenden Vorlage klicken.<br />
794
7.2.2 Erstellen einer Präsentation aus einer bestehenden Präsentation<br />
• Registerkarte Datei aktivieren und Öffnen wählen.<br />
• Wenn die zu verwendende Präsentation vor kurzem geöffnet wurde, ist<br />
diese unter Präsentation im Bereich Zuletzt geöffnet sichtbar und kann<br />
mittels Kopie öffnen geöffnet werden.<br />
• Wenn die Präsentation nicht in <strong>der</strong> Liste sichtbar ist, kann diese über die<br />
Schaltfläche Durchsuchen im mittleren Fensterbereich gefunden<br />
werden. Dazu zum Ordner navigieren, in dem die Präsentation<br />
abgespeichert ist, und wie<strong>der</strong>um mit Kopie öffnen, öffnen.<br />
• Alle notwendigen Än<strong>der</strong>ungen ausführen und die Präsentation als neue<br />
Präsentation abspeichern.<br />
7.3 Arbeiten mit dem Folienmastermodus<br />
Im Folienmastermodus kannst du das Raster <strong>der</strong> Folien än<strong>der</strong>n. Hier werden<br />
zwei Arten von Elementen angezeigt: die Folienmaske und die damit<br />
verbundenen Layouts.<br />
• Du kannst den Folienmaster im Register Ansicht in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Masteransichten aktivieren.<br />
795
Folienmaster (1)<br />
Der Folienmaster ist eine bestimmte Folie, die<br />
Informationen über die angewandte Designvorlage<br />
(Thema, Schriftstil, Grösse und Position von<br />
Platzhaltern, etc.) speichert. Er umfasst eine Reihe von<br />
Layouts, die Informationen über die Position <strong>der</strong><br />
Platzhalter auf den Folien enthalten. Alles, was in<br />
dieser Folie angepasst wird, überträgt sich<br />
automatisch auf die untergeordneten Folien.<br />
7.3.1 Titelstil im Folienmaster än<strong>der</strong>n<br />
Schriftart und Schriftgrösse än<strong>der</strong>n<br />
• Markiere den Titel auf <strong>der</strong> Folie, <strong>der</strong><br />
angepasst werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Start und nimm<br />
die gewünschten Anpassungen in <strong>der</strong> Gruppe Schriftart vor.<br />
Zeichen hervorheben<br />
• Markiere den Titel auf <strong>der</strong> Folie, <strong>der</strong> angepasst werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Schriftart.<br />
• Verwende folgende Werkzeuge, um den Text/Titel hervorzuheben:<br />
o F für Fettdruck<br />
o K für kursive Schrift<br />
o U für Unterstreichungen<br />
o Leuchtstiftsymbol für Hervorhebungen<br />
o «A» mit roter Unterstreichung für die Zeichenfarbe<br />
Der Effekt des Werkzeugs wird direkt auf den ausgewählten Text angewendet.<br />
796
Aufzählungszeichen zu Absätzen än<strong>der</strong>n<br />
• Markiere auf <strong>der</strong> entsprechenden<br />
Folie in <strong>der</strong> Masteransicht die<br />
Aufzählung, die angepasst werden<br />
soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Absatz.<br />
• Es sind folgende Än<strong>der</strong>ungen im Absatz möglich:<br />
o Erstellen einer Liste mit Aufzählungszeichen<br />
o Erstellen einer nummerierten Liste<br />
o Verringern o<strong>der</strong> Erhöhen <strong>der</strong> Listenebene<br />
Absatzaufzählungen anpassen<br />
• Markiere auf <strong>der</strong> entsprechenden Folie in <strong>der</strong> Masteransicht die<br />
Aufzählung, die angepasst werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Start und wechsle zur Gruppe Absatz.<br />
• Wähle das Werkzeug Aufzählungszeichen, die Option Nummerierung<br />
und Aufzählungszeichen (1) und danach Anpassen (2).<br />
• Unter Anpassen öffnet sich ein weiteres Fenster mit dem Titel Symbol (3).<br />
• Betätige das Dropdown-Feld Schriftart (4) und wähle eine Schriftart, die<br />
das gesuchte Symbol enthält.<br />
→ Die Schriftarten Webdings, Wingdings, Wingdings 2 und 3 bieten<br />
Symbole an.<br />
• Dieser Vorgang kann für die zweite, dritte und weitere Ebenen<br />
wie<strong>der</strong>holt werden.<br />
•<br />
797
Ein Bild/Logo in die Folienmaske einfügen<br />
• Öffne die Masterfolie und aktiviere sie durch<br />
einen Klick.<br />
• Wechsle zur Registerkarte Einfügen und öffne die<br />
Gruppe sowie das Werkzeug Bil<strong>der</strong>.<br />
• Wähle den Speicherort, an dem das Bild o<strong>der</strong><br />
Logo gespeichert ist.<br />
• Füge die gewünschte Datei ein.<br />
• Nach erfolgreichem Einfügen kann das Bild via<br />
Rechtsklick und <strong>der</strong> Option Grafik formatieren weiterbearbeitet werden,<br />
z. B. Grösse und Position.<br />
→ Vorgenommene Än<strong>der</strong>ungen des Bildes werden auf alle Folien<br />
übernommen.<br />
Sobald alle Än<strong>der</strong>ungen abgeschlossen sind, kannst du den Folienmaster im<br />
Register Folienmaster Schliessen.<br />
7.4 Präsentation erstellen, nachdem Folienmaske geän<strong>der</strong>t wurde<br />
Nach dem Schliessen des Folienmasters erscheint <strong>der</strong> Arbeitsbildschirm<br />
analog<br />
Kapitel 1.<br />
Anmerkung zu nachfolgenden Punkten: Das Textformat (Schriftart, Grösse<br />
usw.) hält sich an das Format, welches im Folienmaster definiert wurde.<br />
7.4.1 Folien hinzufügen<br />
• Aktiviere das Werkzeug Neue Folie in <strong>der</strong> Gruppe Folien in <strong>der</strong><br />
Registerkarte Start.<br />
• Wähle die gewünschte Folie aus.<br />
7.4.2 Folienlayout än<strong>der</strong>n<br />
• Öffne die Registerkarte Start und aktiviere das Werkzeug Layout in <strong>der</strong><br />
Gruppe Folien.<br />
798
• Wähle die gewünschte Office Vorlage aus:<br />
o Titelfolie:<br />
Ermöglicht das Schreiben eines Titels und<br />
eines Untertitels.<br />
o Titel und Inhalt:<br />
Wahrscheinlich die nützlichste Anordnung.<br />
Sie dient hauptsächlich dazu, Text mit<br />
Aufzählungszeichen o<strong>der</strong> Nummern, eine<br />
Tabelle, eine Grafik o<strong>der</strong> ein Video<br />
einzufügen.<br />
o Zwei Inhalte:<br />
Diese Anordnung ist sehr nützlich, wenn du ein<br />
Bild auf <strong>der</strong> linken Seite <strong>der</strong> Folie und einen<br />
erläuternden Text auf <strong>der</strong> rechten Seite <strong>der</strong> Folie<br />
präsentieren möchtest.<br />
7.4.3 Titel und Untertitel in Titelfolie eingeben<br />
• Nachdem die passende Office-Vorlage <strong>der</strong> Titelfolie gewählt wurde,<br />
klicke in den Platzhalter.<br />
• Gebe den gewünschten Text ein. Mit Enter kann ein weiterer Absatz<br />
erstellt werden. Um lediglich einen Zeilenumbruch vorzunehmen,<br />
verwende die Tastenkombination Shift + Enter.<br />
• Verwende das gleiche Verfahren für den Platzhalter <strong>der</strong><br />
Unterüberschrift.<br />
7.4.4 Text mit Aufzählungszeichen eingeben<br />
• Über die Registerkarte Start und die Gruppe Neue Folie füge die Folie<br />
Text und Inhalt ein.<br />
• Klicke in den Platzhalter, um einen Text hinzuzufügen.<br />
• Folgende Ansatzpunkte können bei <strong>der</strong> Eingabe unterstützen:<br />
o Text eingeben, ohne die Zeilenenden zu beachten<br />
o Mit Enter einen neuen Absatz erstellen<br />
7.4.5 Einzug von Absätzen o<strong>der</strong> Aufzählungen vergrössern bzw. verkleinern<br />
• Wähle die entsprechende Aufzählung/Absatz und aktiviere<br />
das entsprechende Werkzeug in <strong>der</strong> Gruppe Absatz <strong>der</strong><br />
Registerkarte Start.<br />
799
7.5 Eine Tabelle einfügen/zeichnen<br />
• Mit dem Werkzeug Neue Folie fügst du eine<br />
Folie mit Titel und Inhalt hinzu.<br />
• Klicke auf das Symbol für Tabelle im<br />
Platzhalter für den Inhalt.<br />
• Ergänze die Anzahl <strong>der</strong> Spalten und Zeilen.<br />
• Bestätige mit einem Klick auf die Schaltfläche OK.<br />
• Die Tabelle wird als grafisches Objekt auf <strong>der</strong> Folie eingefügt.<br />
• Die Registerkarten Tabellenentwurf sowie Layout werden in <strong>der</strong> Liste<br />
angezeigt.<br />
• Der aktive Tab Tabellenentwurf zeigt Optionen für die Formatierung <strong>der</strong><br />
Tabelle an.<br />
• Ergänze den Tabelleninhalt. Mit <strong>der</strong> Tabulator-Taste kann in die nächste<br />
Zelle gesprungen werden.<br />
7.5.1 Auswahl in Tabelle tätigen<br />
• Um eine Zelle zu aktivieren, positioniere die Maus links innerhalb einer<br />
Zelle (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem schwarzen, nach oben gerichteten<br />
Pfeil) und klicke.<br />
• Um eine Spalte zu aktivieren, positioniere die Maus über <strong>der</strong> ersten<br />
horizontalen Linie <strong>der</strong> Spalte (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem schwarzen,<br />
nach unten gerichteten Pfeil) und klicke.<br />
• Um eine Zeile zu aktivieren, positioniere die Maus ausserhalb <strong>der</strong> ersten<br />
Zelle einer Zeile (Form än<strong>der</strong>t sich zu einem weissen nach oben rechts<br />
gerichteten Pfeil) und klicke.<br />
• Um eine Tabelle zu aktivieren, navigiere die Maus zur linken oberen<br />
Ecke <strong>der</strong> Tabelle und klicke auf das Symbol <strong>der</strong> überkreuzten Pfeile.<br />
7.5.2 Spalte/Zeile einfügen<br />
• Setze die Maus vor o<strong>der</strong> nach <strong>der</strong> Zelle ein, in<br />
welcher eine Spalte o<strong>der</strong> Zeile eingefügt werden<br />
soll.<br />
• Wähle die Registerkarte Layout und die Gruppe<br />
Zeilen und Spalten.<br />
• Wähle die gewünschte Einfüge-Position aus.<br />
7.5.3 Spalte/Zeile löschen<br />
• Wähle die Spalte o<strong>der</strong> Zeile aus, die gelöscht werden soll.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zeilen und Spalten wähle<br />
die Option Löschen.<br />
800
7.5.4 Tabelle aufteilen<br />
• Positioniere die Einfügemarke vor <strong>der</strong> Zeile, die "abgeteilt"<br />
werden soll.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zusammenführen<br />
wähle die Option Zellen teilen.<br />
7.5.5 Zellen zusammenführen<br />
• Markiere die Zellen, die zusammengeführt werden sollen.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Layout und <strong>der</strong> Gruppe Zusammenführen<br />
wähle die Option Zellen verbinden.<br />
7.6 Grafik einfügen<br />
Mit einem Diagramm können Daten dargestellt werden, die in eine Tabelle<br />
auf einem Arbeitsblatt eingegeben wurden.<br />
7.6.1 Von einer Datei aus<br />
• Das Diagramm besteht bereits in einer Excel-Datei.<br />
• Über die Registerkarte Start, Gruppe Folien fügst du eine neue Folie nur<br />
Titel ein.<br />
• Wechsle zur Registerkarte Einfügen. Wähle das Werkzeug Objekt in <strong>der</strong><br />
Gruppe Text.<br />
• Im neuen Fenster Objekt einfügen aktiviere die Option Aus Datei<br />
erstellen.<br />
• Wähle die Exceldatei mit dem Diagramm via Durchsuchen aus und<br />
bestätige mit OK.<br />
→ Wenn vor <strong>der</strong> Bestätigung die Option Verknüpfung aktiviert wird,<br />
werden Än<strong>der</strong>ungen im Excel und damit verbundene im Diagramm<br />
automatisch in die PowerPoint übernommen.<br />
• Das Diagramm erscheint auf <strong>der</strong> Folie.<br />
801
7.6.2 Aus <strong>der</strong> Anordnung "Titel und Inhalt"<br />
• Über die Registerkarte Start und<br />
die Gruppe Neue Folie füge die<br />
Folie Titel und Inhalt ein.<br />
• Wähle das Symbol für das<br />
Diagramm (1).<br />
• Das Fenster Diagramm einfügen<br />
öffnet sich.<br />
• Auf <strong>der</strong> linken Seite sind alle<br />
verfügbaren Diagrammtypen<br />
zusammengefasst, im oberen<br />
rechten Teil werden die<br />
Untertypen für die ausgewählte Kategorie angezeigt.<br />
• Wähle auf <strong>der</strong> linken Seite die gewünschte Kategorie aus.<br />
• Suche den Subtyp des Diagramms aus.<br />
• Bestätige mit OK.<br />
• Das Diagramm erscheint auf <strong>der</strong> Folie zusammen mit einem<br />
Arbeitsblatt, das fiktive Daten enthält.<br />
• Es erscheinen zwei neue Tabs, Diagrammentwurf und Format (2).<br />
• Mit einem Klick auf das markierte Symbol (3) können die Daten direkt in<br />
einem Excel-Arbeitsblatt bearbeitet werden.<br />
→ Das weitere Vorgehen wird im Modul 806 unter 6.10 beschrieben.<br />
7.7 Videodatei einfügen<br />
Du kannst in PowerPoint Videodateien aus verschiedenen Formaten wie mp3,<br />
mp4, mov usw. einfügen.<br />
802
7.7.1 Eine Videodatei einfügen<br />
• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> die Videodatei erscheinen soll.<br />
• Wähle das Symbol für eine SmartArt-Grafik auf <strong>der</strong> Folie.<br />
• Öffne den Ordner, in dem das Video gespeichert ist.<br />
• Doppelklicke auf den Dateinamen.<br />
• Die Videodatei erscheint nun als Objekt auf <strong>der</strong> Folie.<br />
• Die Registerkarten Videoformat und Wie<strong>der</strong>gabe werden angezeigt.<br />
7.7.2 Video aus dem Internet, z. B. YouTube, einfügen<br />
Ein Vorteil dieser Methode ist, dass das Video über eine externe Website<br />
zugänglich ist und die Präsentation nicht überladen wird.<br />
• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> das Video eingefügt werden<br />
soll. Die Folie sollte das Layout Titel und Inhalt o<strong>der</strong> leer<br />
haben.<br />
• Öffne die Registerkarte Einfügen und wähle über die<br />
Schaltfläche Medien die Option Video, Onlinevideos.<br />
• Füge die Webadresse/Link des Videos ein und wähle<br />
Einfügen, um es auf <strong>der</strong> Folie zu integrieren.<br />
7.7.3 Video schneiden<br />
Mit dieser Technik kannst du Teile (am Anfang und/o<strong>der</strong> am Ende) entfernen,<br />
sodass nur ein Ausschnitt bleibt.<br />
• Wähle das Video aus.<br />
• Wechsle zur Registerkarte<br />
Wie<strong>der</strong>gabe.<br />
• Öffne das Werkzeug Video kürzen<br />
über die Schaltfläche Bearbeiten.<br />
• Definiere im neuen Fenster Video kürzen eine neue Start- und/o<strong>der</strong><br />
Endzeit.<br />
7.7.4 Ein Video abspielen<br />
Mit dieser Technik kann das Video direkt auf <strong>der</strong> Folie abgespielt werden,<br />
ohne die Diashow zu starten.<br />
• Wähle das Video aus.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Wie<strong>der</strong>gabe wähle das Werkzeug Vorschau.<br />
• Um die Wie<strong>der</strong>gabe zu beenden, klicke nun an <strong>der</strong>selben Stelle auf<br />
Anhalten.<br />
803
7.7.5 Vollbildmodus, Helligkeitsregelung<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Wie<strong>der</strong>gabe und <strong>der</strong> Schaltfläche Videooptionen<br />
aktiviere die Option Im Vollbildmodus wie<strong>der</strong>geben.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Videoformat kannst du unter <strong>der</strong> Schaltfläche<br />
Korrekturen die Helligkeit und den Kontrast anpassen.<br />
7.8 Organigramm einfügen<br />
• Füge mit dem Werkzeug Neue Folie eine Folie mit Titel und Inhalt hinzu.<br />
• Klicke auf das Symbol für SmartArt-Grafik im Platzhalter für den Inhalt.<br />
• Wähle im Fenster SmartArt-Grafik<br />
auswählen auf <strong>der</strong> linken Seite die Option<br />
Hierarchie.<br />
• Wähle die gewünschte Grafik aus und<br />
führe<br />
beliebige Än<strong>der</strong>ungen durch.<br />
7.9 Bild einfügen<br />
Bil<strong>der</strong> und Grafiken können in <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen eingefügt werden.<br />
7.9.1 Auf <strong>der</strong> Folienmaske<br />
Siehe Kapitel 7.4<br />
7.9.2 Auf einer Folie<br />
• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> das Bild eingefügt werden soll.<br />
• Öffne die Registerkarte Einfügen und aktiviere die<br />
Schaltfläche Bil<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Gruppe Bil<strong>der</strong>.<br />
• Wähle die gewünschte Bildquelle aus und füge das Bild ein.<br />
• Das Bild erscheint nun auf <strong>der</strong> Folie.<br />
• Wenn das Bild aktiviert wird, erscheint die Registerkarte<br />
Bildformat. Hier kannst du verschiedene Än<strong>der</strong>ungen am Bild<br />
vornehmen (Grösse, Helligkeit, Position, etc.).<br />
7.9.3 Mehrere Bil<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Folie positionieren<br />
• Du kannst mehrere Bil<strong>der</strong> auf einer Folie positionieren.<br />
• Wähle die entsprechenden Bil<strong>der</strong> aus.<br />
804
• Aktiviere die Registerkarte Bildformat und nehme in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Anordnen die Ausrichtung o<strong>der</strong> Gruppierung vor.<br />
7.10 Folien anpassen<br />
7.10.1 Foliengrösse<br />
Seit <strong>der</strong> Version 2013 von PowerPoint wurde die standardmässig angewandte<br />
Foliengrösse an grosse Bildschirme angepasst; die Grösse 16:9 hat also die<br />
Grösse 4:3 abgelöst.<br />
Die Breitbild 16:9 wird empfohlen, wenn die Diashow auf einem grossen<br />
Bildschirm gezeigt wird.<br />
Foliengrösse än<strong>der</strong>n<br />
• Aktiviere die Registerkarte Entwurf.<br />
• Wähle in <strong>der</strong> Gruppe Anpassen die<br />
Schaltfläche Foliengrösse.<br />
• Hier kannst du die Grösse Standard,<br />
Breitbild o<strong>der</strong> eine benutzerdefinierte<br />
Grösse wählen.<br />
7.10.2 Grafiken im Hintergrund ausblenden<br />
Bil<strong>der</strong>/Objekte, die in <strong>der</strong> Folienmaske eingefügt werden, können<br />
ausgeblendet werden.<br />
• Wähle die Folie aus, auf <strong>der</strong> das Bild<br />
ausgeblendet werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Entwurf.<br />
• Wähle das Werkzeug Hintergrund<br />
formatieren in <strong>der</strong> Gruppe Anpassen.<br />
• Klicke auf Hintergrundgrafiken ausblenden.<br />
Das Bild erscheint nicht mehr auf <strong>der</strong> Folie.<br />
805
7.10.3 Fusszeile, Nummerierung, Text, Datum<br />
Mit dieser Technik können Fusszeilen für den Druck erstellt werden.<br />
• Wähle eine Folie aus.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Einfügen in <strong>der</strong><br />
Gruppe Text wähle das Werkzeug<br />
Kopf- und Fusszeile.<br />
• Das untenstehende Fenster erscheint.<br />
• Aktiviere das Kontrollfeld Datum und<br />
Uhrzeit, um ein Datumsfeld auf den<br />
Folien einzufügen.<br />
• Um eine Foliennummer einzufügen,<br />
aktiviere das Kontrollfeld Foliennummer.<br />
• Mit dem Kontrollfeld Fusszeile kann ein<br />
beliebiger Text eingefügt werden.<br />
• Schliesse alle Anpassungen mit einem Klick<br />
auf Für alle übernehmen ab.<br />
7.10.4 Ein Audioelement einfügen<br />
Eine Audiodatei einfügen<br />
• Aktiviere die Folie, auf <strong>der</strong> die Audiodatei eingefügt werden soll.<br />
• Öffne die Registerkarte Einfügen und aktiviere in <strong>der</strong> Gruppe Medien<br />
die Schaltfläche Audio.<br />
• Wähle die Option Audio von meinem Computer.<br />
• Navigiere zum Ordner mit <strong>der</strong> Audiodatei.<br />
• Doppelklicke auf die Datei, um sie in PowerPoint einzufügen.<br />
• Die Audiodatei wird durch das Symbol eines Lautsprechers dargestellt.<br />
Einen Ton aufnehmen<br />
Mit einem Mikrofon können selbstständig Kommentare zu den Folien<br />
aufgenommen werden.<br />
• Aktiviere die Folie, zu welcher das<br />
Audio aufgezeichnet werden soll.<br />
• Öffne die Registerkarte Einfügen<br />
und aktiviere in <strong>der</strong> Gruppe<br />
Medien die Schaltfläche Audio.<br />
• Wähle die Option Audio<br />
aufzeichnen.<br />
• Das Dialogfenster Sound<br />
aufzeichnen öffnet sich.<br />
• Unter Name kann <strong>der</strong> Datei bereits ein Titel zugeordnet werden.<br />
• Erklärung <strong>der</strong> Tasten:<br />
806
o Aufnahme starten (1)<br />
o Aufnahme beenden (2)<br />
o Aufnahme abspielen (3)<br />
• Mit einem Klick auf die Schaltfläche OK<br />
wird die Aufnahme auf <strong>der</strong> Folie eingefügt.<br />
7.11 Übergang<br />
Ein visueller Übergangseffekt ist die Art und Weise, wie ein Dia während deiner<br />
Diashow auf dem Bildschirm erscheint.<br />
• Wähle die Folie aus, auf <strong>der</strong> ein visueller Übergangseffekt angewendet<br />
werden soll.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Übergänge.<br />
• Öffne die Erweiterungsoption für das Fenster Übergang zu dieser Folie<br />
(1).<br />
• Wähle den gewünschten Effekt aus.<br />
→ Du kannst auch eine Vorschau von jedem Effekt anzeigen (2), indem<br />
du in <strong>der</strong> Gruppe Vorschau das gleichnamige Werkzeug auswählst.<br />
• Klicke auf die Schaltfläche Effektoptionen (3), um den Effekt<br />
anzupassen o<strong>der</strong> die Optionen anzuzeigen. Diese können je nach<br />
Effekt variieren.<br />
• Die Übergangsdauer kann in <strong>der</strong> Gruppe Anzeigedauer im Feld Dauer<br />
o<strong>der</strong> mittels Einblendezeit <strong>der</strong> nächsten Folie definiert werden. Aktiviere<br />
dazu das Feld Nach unter nächste Folie und gib den entsprechenden<br />
Zeitcode an (4).<br />
• Mit einem Klick auf Auf alle anwenden wird <strong>der</strong> Übergangseffekt auf<br />
alle Folien übernommen.<br />
• Bei Folien mit einem Übergangseffekt erscheint ein Stern in <strong>der</strong> linken<br />
Spalte <strong>der</strong> Folienübersicht.<br />
7.12 Animation<br />
PowerPoint bietet dir die Möglichkeit, vordefinierte visuelle Effekte auf Objekte<br />
auf einer Folie anzuwenden. Diese Animationseffekte werden während <strong>der</strong><br />
Diashow angezeigt. Es gibt vier Arten von Animationseffekten.<br />
Je nach gewähltem Typ kann die Animation ausgelöst werden:<br />
• Eingang: Einblendung <strong>der</strong> Objekte auf <strong>der</strong> neu aufgeschalteten Folie<br />
• Ausgang: Verschwinden <strong>der</strong> Objekte<br />
• Animationspfade: Flugbahn des Objektes<br />
• Hervorhebung: kurze Hervorhebung eines Objektes auf <strong>der</strong> Folie<br />
807
7.12.1 Animationseffekte anwenden<br />
• Wähle ein o<strong>der</strong> mehrere betroffene Objekte aus.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Animationen.<br />
• Wähle den gewünschten Effekt aus <strong>der</strong> Liste Animationseffekte <strong>der</strong><br />
Gruppe Animation aus.<br />
7.12.2 Effektoption wählen<br />
Bei vielen Effekten kann die Animation im Nachgang noch angepasst<br />
werden.<br />
• Öffne in <strong>der</strong> Registerkarte Animationen in <strong>der</strong> Gruppe Animation die<br />
Schaltfläche Effektoptionen.<br />
• Je nach Effekt ist <strong>der</strong> Inhalt <strong>der</strong> Liste unterschiedlich.<br />
7.12.3 Reihenfolge <strong>der</strong> Animationseffekte än<strong>der</strong>n<br />
Wenn mehrere Animationseffekte auf <strong>der</strong> Folie vorhanden sind, erscheinen<br />
diese im Bereich Animation von oben nach unten sortiert.<br />
• Aktiviere die Folie, um diesen Bereich zu öffnen.<br />
• Klicke in <strong>der</strong> Registerkarte Animationen und <strong>der</strong> Gruppe Erweiterte<br />
Animation auf die Schaltfläche Animationsbereich.<br />
• Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich das Office-Fenster Animationsbereich.<br />
• Wenn ein Effekt ausgewählt ist, kann dieser mit den Pfeiltasten oben<br />
rechts im Fenster nach oben o<strong>der</strong> unten verschoben werden.<br />
7.12.4 Den Start <strong>der</strong> Animation än<strong>der</strong>n<br />
Standardmässig wird ein Animationseffekt durch einen Mausklick ausgelöst.<br />
Dieser Auslöser kann automatisiert werden.<br />
• Aktiviere die Registerkarte Animationen.<br />
• Öffne aus <strong>der</strong> Gruppe Anzeigedauer das<br />
Dropdown-Menu unter Start und wähle<br />
die gewünschte Option.<br />
• Wähle dann im Dropdown-Menü rechts von Start<br />
in <strong>der</strong> Gruppe Timer die gewünschte Option aus.<br />
7.12.5 Animationseffekte zeitlich festlegen<br />
Mit einer zeitlichen Angabe kann <strong>der</strong> Beginn sowie die Dauer einer Animation<br />
festgelegt werden.<br />
• Wähle den Animationseffekt, <strong>der</strong> zeitlich festgelegt werden soll.<br />
808
• Gib Dauer und Verzögerung in den entsprechenden Fel<strong>der</strong>n in <strong>der</strong><br />
Gruppe Anzeigedauer (siehe Ausschnitt oben) an.<br />
7.12.6 Ton mit Animationseffekt verknüpfen<br />
Einer Animation kann ebenfalls ein Ton hinzugefügt werden.<br />
• Wähle im Register Animationen einen Effekt im Animationsbereich aus.<br />
• Öffne im Dropdown-Menu neben dem Effekt die Option Effektoptionen.<br />
• Das Fenster Wachsen und Bewegen öffnet sich.<br />
• Füge unter Sound den gewünschten Ton hinzu.<br />
7.13 Diashow<br />
Die Diashow ist die Projektion deiner Präsentation auf den Bildschirm.<br />
7.13.1 Bildschirmpräsentation einrichten<br />
• Aktiviere das Register Bildschirmpräsentation und öffne die Schaltfläche<br />
Bildschirmpräsentation einrichten.<br />
• Das Fenster Bildschirmpräsentation einrichten öffnet sich.<br />
• Unter Art <strong>der</strong> Präsentation kann die Grösse eingerichtet werden:<br />
o Präsentation durch einen Redner<br />
(Vollbild): Präsentation wird vor<br />
einem Live-Publikum auf voller<br />
Bildschirmgrösse präsentiert. Diese<br />
Option ist standardmässig aktiviert.<br />
o Ansicht an einem Kiosk (Vollbild):<br />
Die Präsentation wird in einer<br />
Endlosschleife abgespielt. Diese Art wird in <strong>der</strong> Regel auf<br />
Messeständen verwendet. Bei dieser Option wird die Auswahl<br />
kontinuierlich abgespielt, bis die ESC-Taste<br />
getätigt wird.<br />
7.13.2 Benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation<br />
• Öffne das Register<br />
Bildschirmpräsentation und wähle die<br />
Schaltfläche Benutzerdefinierte<br />
Bildschirmpräsentation aus.<br />
• Wie<strong>der</strong>hole folgenden Vorgang bei je<strong>der</strong> individuellen Präsentation:<br />
o Wähle die Schaltfläche Neu.<br />
o Gib im ersten Feld Name <strong>der</strong> Bildschirmpräsentation einen Titel<br />
ein.<br />
809
o De-/aktiviere die Folien, die in <strong>der</strong> Präsentation eingefügt werden<br />
sollen.<br />
o Wähle die Schaltfläche Hinzufügen, um die Folien in die<br />
zielgruppenorientierte Präsentation einzufügen.<br />
o Die Folien können mit den Schaltflächen Nach oben, Nach unten<br />
und Entfernen verschoben o<strong>der</strong> gelöscht werden.<br />
o Um die zielgruppenorientierte Präsentation zu präsentieren, öffne<br />
das Register Bildschirmpräsentation und aktiviere die Schaltfläche<br />
Benutzerdefinierte Bildschirmpräsentation.<br />
o Im Dropdown werden nun auch die vorgefertigten<br />
Präsentationen angezeigt, aus denen die gewünschte<br />
ausgewählt werden kann.<br />
7.13.3 Präsentator-Modus entdecken<br />
Dieser Modus ermöglicht es, die Präsentation auf zwei Bildschirmen<br />
gleichzeitig zu starten.<br />
• Öffne die zu projizierende Präsentation.<br />
• In <strong>der</strong> Registerkarte Bildschirmpräsentation und <strong>der</strong> Gruppe Bildschirme<br />
ggf. die Option Referentenansicht verwenden.<br />
• In <strong>der</strong> Liste Bildschirm wähle die Option Hauptmonitor o<strong>der</strong><br />
Automatisch.<br />
• Starte die Präsentation.<br />
7.14 Speichern/Drucken<br />
7.14.1 Präsentation im pptx<strong>–</strong>Format speichern<br />
Beim Speichern deiner Diashow wird die Datei im .pptx-Format mit ihren<br />
Übergangs- und Animationseffekten gespeichert. Diese Datei kann z.B. per E-<br />
Mail übermittelt werden und ermöglicht den direkten Start <strong>der</strong> Präsentation,<br />
wobei <strong>der</strong> Rechner über einen kompatiblen Viewer verfügen muss.<br />
7.14.2 Die Diashow als Video speichern<br />
Mit dieser Funktion können die Folien einer PowerPoint-Präsentation im<br />
Videoformat (wmv) gespeichert werden, wobei die Animations- und<br />
Übergangseffekte sowie das Timing erhalten bleiben. Die Videodatei wird<br />
nach <strong>der</strong> Aufnahme als Video ausgeführt, sodass sie per E-Mail versendet<br />
o<strong>der</strong> auf einer Website veröffentlicht werden kann.<br />
• Öffne die Präsentation.<br />
• Speichere die Präsentation, indem du auf die Schaltfläche Speichern in<br />
<strong>der</strong> Symbolleiste klickst.<br />
• Öffne das Register Datei und wähle die Option Exportieren.<br />
810
• Wähle auf <strong>der</strong> linken Seite Video erstellen.<br />
• Bestimme die entsprechende Auflösung und Zeitabläufe.<br />
• Wähle die Schaltfläche Video erstellen.<br />
• Definiere einen Dateinamen und den Aufnahmeordner für die Ablage<br />
und bestätige mit Speichern.<br />
7.15 Drucken<br />
• Wähle das Register Datei und die Option Drucken. Alternativ kannst du<br />
auch die Tastenkombination Ctrl + P verwenden.<br />
• Gib im Feld Kopien die Anzahl <strong>der</strong> zu druckende Exemplare an.<br />
• Wähle in <strong>der</strong> Liste Drucker den gewünschten Drucker aus.<br />
• Bestimme die Einstellungen über den zu druckenden Teil:<br />
o Alle Folien<br />
o Auswahl<br />
o Aktive Folien<br />
• Definiere das Drucklayout und die Anzahl <strong>der</strong> Folien pro Seite.<br />
o Drucklayout<br />
o Handzettel<br />
• Wähle ein- o<strong>der</strong> zweiseitigen Druck (zweiseitiger Druck <strong>–</strong> Seiten an <strong>der</strong><br />
kurzen Seite umdrehen o<strong>der</strong> zweiseitiger Druck <strong>–</strong> Seiten an <strong>der</strong> langen<br />
Seite umdrehen).<br />
811
Fachartikel Modul 808<br />
8. Office 365 OneNote<br />
Die OneNote-Software von Microsoft Office ist ein sehr leistungsstarkes Tool,<br />
das es dir ermöglicht, alle Dokumente, Ressourcen und handschriftlichen<br />
Notizen eines Kurses o<strong>der</strong> Projekts an einem Ort zu zentralisieren. So kannst du<br />
von deinem Papiernotizblock wegkommen und ein virtuelles Notizbuch<br />
entwerfen, in dem du die Informationen, die du auf verschiedenen Medien<br />
und Plattformen (PowerPoint, Word, Websites, Screenshots usw.) gesammelt<br />
hast, hinzufügen, zu organisieren und Notizen machst.<br />
8.1 Allgemeine Informationen zu OneNote<br />
OneNote hat sich im Laufe <strong>der</strong> Zeit weiterentwickelt. Es wird immer noch in 3<br />
verschiedenen Versionen verwendet, nämlich:<br />
• OneNote 2016<br />
• OneNote für Windows<br />
• OneNote 365<br />
Das Prinzip bleibt immer gleich; es ist ein Notizbuch, in das du verschiedene<br />
Computerdateien, aber auch deine persönlichen Notizen integrieren kannst.<br />
Was die drei Versionen unterscheidet, ist, dass die erste lokal auf deinem<br />
Computer ist und die beiden an<strong>der</strong>en online sind, wobei die Informationen<br />
auf OneDrive gespeichert werden.<br />
8.1.1 OneNote 2016<br />
Die OneNote-Desktopanwendung für Windows ist Teil von Office 2019 und<br />
Microsoft 365, kann aber auch als eigenständige Anwendung<br />
heruntergeladen und unabhängig auf jedem PC verwendet werden. Sie läuft<br />
auf je<strong>der</strong> <strong>der</strong>zeit unterstützten Version von Windows, einschliesslich aller<br />
Editionen von Windows 10 und Windows 11.<br />
In den letzten Jahren wurde diese Anwendung als "OneNote 2016"<br />
bezeichnet (in früheren Jahren als "OneNote 2013"). Nun wird sie einfach<br />
"OneNote" genannt.<br />
Die OneNote-Desktopanwendung verfügt über eine vollständige Office-<br />
Bandoberfläche, die dauerhaft ein- o<strong>der</strong> ausgeblendet werden kann, bis sie<br />
benötigt wird. Die farbigen Abschnittsregisterkarten des aktuellen Notizbuchs<br />
werden horizontal auf dem Bildschirm angezeigt, und die Navigation<br />
zwischen den verschiedenen Notizbüchern wird auf <strong>der</strong> linken Seite des<br />
Bildschirms angezeigt.<br />
Dies ist die einzige Version von OneNote, die neben dem Cloud-Speicher<br />
auch die lokale Speicherung von Notizbüchern auf <strong>der</strong> Festplatte deines PCs<br />
812
unterstützt. Es ist ausserdem die Version von OneNote, die die meisten<br />
Anpassungsoptionen enthält (klicke in <strong>der</strong> Anwendung auf Datei > Optionen).<br />
8.1.2 OneNote für Windows<br />
Die OneNote-App für Windows ist bereits vorinstalliert und kann auf allen<br />
Windows-Editionen verwendet werden.<br />
OneNote für Windows verfügt über eine kleinere, einzeilige Ribbon-<br />
Oberfläche am oberen Bildschirmrand, die dauerhaft ein- o<strong>der</strong> ausgeblendet<br />
werden kann, bis sie benötigt wird. Wenn <strong>der</strong> Navigationsbereich<br />
eingeblendet ist, zeigt dieser die Abschnittsregisterkarten <strong>der</strong> farbigen<br />
Notizbücher vertikal auf <strong>der</strong> linken Seite des Bildschirms an. Die Liste <strong>der</strong><br />
Seitenregisterkarten wird unmittelbar rechts neben den<br />
Abschnittsregisterkarten angezeigt.<br />
Wenn du dich mit einem kompatiblen Office 2019- o<strong>der</strong> Microsoft 365-<br />
Abonnement bei OneNote für Windows anmeldest, erhältst du zusätzliche<br />
Premium-Funktionen, darunter das Korrekturlesen handschriftlicher Eingaben,<br />
den Sucher und den Mathematik-Assistenten.<br />
8.1.3 OneNote 365<br />
Diese Version von OneNote entspricht OneNote für Windows, wird aber mit<br />
dem Microsoft 365-Paket ausgeliefert. Alle Daten werden direkt auf OneDrive<br />
gespeichert.<br />
Grundsätzlich kann man sagen, dass man sich, wenn man eine Version von<br />
OneNote gut kennt, auch in einer an<strong>der</strong>en sehr schnell zurechtfindet. Die<br />
Funktionen sind grösstenteils identisch, und auch die Symbolik ist gleich.<br />
Manche Schaltflächen befinden sich an einer ungewohnten Stelle, aber<br />
ansonsten gewöhnt man sich in <strong>der</strong> Regel schnell daran.<br />
8.2 Aufbau von OneNote<br />
Ähnlich wie bei Notizblöcken o<strong>der</strong> Ordnern kannst du in OneNote deine<br />
Informationen in Notizbüchern organisieren, die Seiten und Abschnitte<br />
enthalten. Du kannst Seiten, Abschnitte und an<strong>der</strong>e Notizbücher hinzufügen,<br />
wann und wo immer du sie benötigst, und du kannst sie sogar umbenennen,<br />
verschieben o<strong>der</strong> löschen.<br />
Ein klassisches OneNote-Notizbuch besteht aus einem o<strong>der</strong> mehreren<br />
Notizbuchabschnitten. Innerhalb jedes Abschnitts befinden sich einzelne<br />
Seiten und Unterseiten, auf denen du Notizen machen kannst. OneNote ist<br />
nicht auf eine bestimmte Organisationsform beschränkt. Du kannst deine<br />
Notizen so organisieren, wie du es für richtig hältst, und wenn du deine<br />
Meinung än<strong>der</strong>st, ist es einfach, sie neu zu organisieren.<br />
813
8.3 OneNote-Schulung<br />
Um dich zu schulen und die richtigen Funktionen zu finden, findest du Hilfe<br />
unter folgen<strong>der</strong> Adresse:<br />
https://support.microsoft.com/fr-fr/office/vid%C3%A9o-de-formationonenote-1c983b65-42f6-42c1-ab61-235aae5d0115<br />
Auf dieser Internetseite findest du alle Funktionen von OneNote, sie wird<br />
regelmässig aktualisiert.<br />
8.4 Erste Schritte mit OneNote<br />
8.4.1 Erstelle dein erstes Notizbuch<br />
Wenn du OneNote startest, wirst du<br />
von einem sauberen und<br />
organisierten Arbeitsbereich<br />
begrüsst.<br />
• Erstelle zunächst dein erstes<br />
Notizbuch, indem du in <strong>der</strong><br />
oberen linken Ecke Datei<br />
auswählst, und anschliessend auf Neu klickst.<br />
814
• Wähle einen Speicherort (z. B. OneDrive), gib ihm<br />
einen Namen und klicke auf Erstellen.<br />
• Du hast die Möglichkeit, dein Notizbuch bei <strong>der</strong><br />
Erstellung o<strong>der</strong> zu einem späteren Zeitpunkt zu<br />
teilen o<strong>der</strong> nicht. (Siehe Abschnitt 8.6)<br />
8.4.2 Abschnitte und Seiten erkunden<br />
Ein Notizbuch besteht aus Abschnitten, und je<strong>der</strong> Abschnitt kann mehrere<br />
Seiten enthalten. Stelle dir dein Notizbuch wie einen physischen Aktenordner<br />
vor.<br />
• Du kannst einen neuen Abschnitt hinzufügen, indem<br />
du auf die Schaltfläche + Neuer Abschnitt auf <strong>der</strong><br />
linken Seite klickst.<br />
• Nachdem du den neuen Abschnitt<br />
erstellt hast, kannst du ihn<br />
umbenennen, indem du mit <strong>der</strong><br />
rechten Maustaste auf den Abschnitt<br />
klickst und auf Umbenennen klickst.<br />
• Innerhalb jedes Abschnitts kannst du Seiten erstellen, indem du auf<br />
Seite hinzufügen (1) klickst.<br />
• Nachdem du die neue Seite erstellt hast, kannst du ihr einen Namen<br />
geben, indem du oben auf <strong>der</strong> erstellten Seite (2) klickst.<br />
• Gib deinen Abschnitten und Seiten aussagekräftige Namen, um sie<br />
optimal zu organisieren.<br />
815
8.5 Notizen in OneNote machen<br />
8.5.1 Text eingeben<br />
Die Grundfunktionalität von OneNote ist die Texteingabe. Klicke einfach<br />
irgendwo auf eine Seite und beginne zu tippen. Du kannst die Schriftart, die<br />
Grösse und die Farbe des Textes än<strong>der</strong>n, um deinen Notizen eine persönliche<br />
Note zu verleihen.<br />
8.5.2 Freihandzeichnen<br />
Für kreative Köpfe bietet OneNote Zeichenwerkzeuge. Wähle den Reiter<br />
Zeichnen und verwende den digitalen Stift, die Maus o<strong>der</strong> deinen Finger, um<br />
Ideen zu skizzieren, Diagramme zu erstellen o<strong>der</strong> einfach nur zu zeichnen.<br />
Der Zeichenbereich bietet dir eine Vielzahl von Zeichenwerkzeugen, darunter:<br />
• Formen: Mithilfe von Formen kannst du einfache o<strong>der</strong> komplexe<br />
geometrische Formen erstellen.<br />
• Stifte: Mit Stiften kannst du freie Linien und Formen erstellen.<br />
• Textmarker: Mit Textmarkern kannst du Text- o<strong>der</strong> Zeichenbereiche<br />
hervorheben.<br />
• Pinsel: Mit Pinseln kannst du kunstvollere Zeichnungen erstellen.<br />
8.6 Zusammenarbeit und Teilen<br />
OneNote glänzt wirklich, wenn du mit an<strong>der</strong>en Benutzern zusammenarbeitest.<br />
Ein Notizbuch zu teilen, kann in mehreren Fällen nützlich sein.<br />
• Um mit an<strong>der</strong>en Personen zusammenzuarbeiten. Wenn du möchtest,<br />
dass an<strong>der</strong>e Personen deine Notizen sehen und bearbeiten können,<br />
kannst du sie schon beim Erstellen des Notizbuchs mit ihnen teilen. So<br />
könnt ihr gemeinsam an einem Projekt arbeiten o<strong>der</strong> wichtige<br />
Informationen weitergeben.<br />
• Um das Überarbeiten zu erleichtern. Wenn du möchtest, dass jemand<br />
an<strong>der</strong>es deine Notizen überarbeitet, kannst du sie schon beim Erstellen<br />
816
des Notizblocks für diese Person freigeben. So kannst du schnell und<br />
einfach Feedback erhalten.<br />
• So behältst du einen Än<strong>der</strong>ungsverlauf. Wenn du eine Historie <strong>der</strong><br />
Än<strong>der</strong>ungen an deinen Notizen behalten möchtest, kannst du diese für<br />
dich selbst freigeben. So kannst du bei Bedarf zu einer früheren Version<br />
deiner Notizen zurückkehren.<br />
8.6.1 Dein Notizbuch teilen<br />
• Klicke oben rechts auf Datei.<br />
• Danach wählst du Teilen.<br />
• Gib die E-Mail-Adresse (1) deines Mitarbeiters<br />
ein und lege die Berechtigungen (2) fest. Du<br />
kannst auch eine Nachricht (3) für den/die<br />
Empfänger einfügen und dann auf Senden<br />
klicken. Fertig, ihr arbeitet in Echtzeit<br />
zusammen.<br />
• Du kannst beliebig oft zu dieser Freigabe<br />
zurückkehren, um Personen hinzuzufügen o<strong>der</strong><br />
zu entfernen.<br />
8.7 Tipps und erweiterte Funktionen<br />
8.7.1 Intelligente Suche<br />
• Gehe auf die Registerkarte Überprüfen (1).<br />
• Markiere ein o<strong>der</strong> mehrere Wörter (2) in deinen Notizen und klicke auf<br />
Intelligente Suche (3).<br />
817
• Die Suchleiste (4), welche sich auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnete,<br />
durchsuchte nun das Internet direkt mit den in deinen Notizen<br />
ausgewähltem Begriff.<br />
• Du kannst die Suche auch verwenden, um nach an<strong>der</strong>en Wörtern als<br />
denen in deinen Notizen zu suchen.<br />
8.7.2 Audio-Aufnahme<br />
• Öffne die OneNote-Seite, auf <strong>der</strong> du das Audio aufnehmen möchtest.<br />
• Klicke auf Einfügen und dann auf Audio aufnehmen.<br />
• Die Aufnahme wird nun gestartet. Mach deine Audioaufnahme und<br />
klicke auf Stopp, um die Aufnahme zu beenden.<br />
• Auf <strong>der</strong> Seite mit den Notizen ist eine Audioaufnahmedatei<br />
aufgetaucht.<br />
• Du kannst so viele hinzufügen, wie du möchtest.<br />
• Um die Audiodatei<br />
umzubenennen, klicke mit <strong>der</strong><br />
rechten Maustaste auf die<br />
Audiodatei und dann auf<br />
Umbenennen.<br />
• Du kannst eine Aufnahme<br />
abspielen, indem du auf die<br />
Aufnahme klickst, die du<br />
abspielen möchtest, und dann auf Abspielen.<br />
8.8 Fortgeschrittene Organisation<br />
8.8.1 Verwendung von Kategorien<br />
Es ist möglich, deine Notizen unterschiedlich zu Kategorisieren.<br />
Hier ein Beispiel für zwei unterschiedliche Kategorien.<br />
818
• Eine Kategorie Aufgabe, die man<br />
"Abhäkeln" kann und die auch den<br />
Text rot einfärbt.<br />
• Eine Markierung in Form eines<br />
Hauses, die zur Angabe einer<br />
Adresse verwendet wird.<br />
• Es gibt eine Vielzahl von Kategorien<br />
und es ist auch möglich, eigene<br />
Kategorien zu erstellen.<br />
• Um deine eigenen Kategorien zu erstellen,<br />
öffne unter Kategorien alle Kategorien<br />
und klicke auf Kategorie anpassen.<br />
• Du kannst entwe<strong>der</strong> eine vorhandene<br />
Kategorie bearbeiten o<strong>der</strong> eine neue<br />
Kategorie erstellen.<br />
• Klicke auf Neue Kategorie (1).<br />
• Gib im neuen Fenster den gewünschten<br />
Namen (2) für die neue Kategorie an,<br />
wähle das Symbol (3) für deine Kategorie,<br />
die Farbe (4) des Textes, wenn diese<br />
Kategorie verwendet wird, sowie eine<br />
Farbe für die Hervorhebung (5) des Textes.<br />
• Du erhältst eine Vorschau (6) deiner neuen<br />
Kategorie bei je<strong>der</strong> Än<strong>der</strong>ung, die du an <strong>der</strong><br />
Kategorie vornimmst.<br />
• Klicke schliesslich auf OK.<br />
8.8.2 Farbe än<strong>der</strong>n<br />
Passe das Aussehen deiner Notizbücher, Abschnitte o<strong>der</strong> Seiten an, indem du<br />
ihnen eigene Farben zuweist. Das erleichtert die Navigation und verleiht<br />
deiner Organisation eine visuelle Dimension.<br />
819
Das Notizbuch<br />
• Klicke mit <strong>der</strong> rechten Maustaste auf das Notizbuch, dessen Farbe du<br />
än<strong>der</strong>n möchtest, und klicke dann auf Eigenschaften (1).<br />
• Lass die verschiedenen Farben erscheinen, indem du auf den<br />
Farbwähler (2) klickst, wähle dann die Farbe aus (3), die du zuweisen<br />
möchtest, und klicke schliesslich auf OK.<br />
Der Abschnitt<br />
• Ähnlich wie beim Notizbuch klickst du mit <strong>der</strong><br />
rechten Maustaste auf den Abschnitt, dessen<br />
Farbe du än<strong>der</strong>n möchtest, und ziehst die Maus<br />
auf Abschnittsfarbe.<br />
• Wähle dann die gewünschte Farbe aus.<br />
Die Seite<br />
• Um die Farbe deiner Seiten zu än<strong>der</strong>n, wähle die Seite aus, <strong>der</strong>en Farbe<br />
du än<strong>der</strong>n möchtest, und klicke dann auf den Reiter Ansicht.<br />
• Wähle Seitenfarbe (1) um die Seitenfarbe zu än<strong>der</strong>n.<br />
• Unter Hilfslinien (2) kannst du Hilfs- o<strong>der</strong> Gitternetzlinien einblenden<br />
lassen.<br />
820
• Willst du deine Notizbuchseiten begrenzen, wählst du Papierformat (3).<br />
• Unter Hintergrund wechseln (4), kannst du die Seite im Black-Modus<br />
anzeigen lassen.<br />
8.9 Personalisierung und Stil<br />
8.9.1 Seitenvorlagen<br />
OneNote bietet vordefinierte Seitenvorlagen für verschiedene Anlässe. Wähle<br />
eine Vorlage, die zu deinem Inhalt passt, um Zeit zu sparen und eine<br />
einheitliche Darstellung zu gewährleisten.<br />
• Klicke dazu auf die Registerkarte Einfügen und dann auf<br />
Seitenvorlagen.<br />
• Wähle Seitenvorlagen.<br />
• Auf <strong>der</strong> rechten Seite öffnet sich ein Feld<br />
mit "Vorlagen", in dem sich die<br />
verschiedenen, gespeicherten Vorlagen<br />
befinden. Du findest diese<br />
verschiedenen Kategorien:<br />
o Studium<br />
o Diverse<br />
o Business<br />
o Dekorativ<br />
o Aufgabenlisten<br />
• In diesen Kategorien findest du verschiedene Vorlagen, die du<br />
verwenden kannst. Vergrössere dazu die gewünschte Kategorie, indem<br />
du auf den Pfeil klickst.<br />
• Klicke auf die gewünschte Vorlage und automatisch wird eine neue<br />
Seite erstellt, in <strong>der</strong> bereits verschiedene Elemente enthalten sind.<br />
821
• Beispiel: Auswahl <strong>der</strong> Vorlage<br />
Detaillierte Notizen zum Kurs.<br />
• Wie du sehen kannst, wird eine neue<br />
Seite (Titel) mit <strong>der</strong> Überschrift Titel<br />
erstellt und diese Seite ist bereits mit<br />
verschiedenen Elementen gefüllt.<br />
8.10 Deine eigenen Vorlagen speichern<br />
• Du hast auch die Möglichkeit,<br />
eigene Vorlagen zu erstellen<br />
und diese dann zu speichern,<br />
damit du sie in verschiedenen<br />
Notizblöcken und Abschnitten<br />
wie<strong>der</strong>verwenden kannst.<br />
• Klicke dazu auf die Seite, die du<br />
als Vorlage verwenden<br />
möchtest, klicke wie zuvor auf<br />
die Registerkarte Einfügen,<br />
Seitenvorlagen und dann ganz<br />
unten auf <strong>der</strong> rechten Klappe<br />
auf Aktive Seite als Vorlage speichern (1).<br />
• Im sich öffnenden Fenster gibst du deiner Vorlage einen Namen (2) und<br />
du hast die Möglichkeit, diese Vorlage als<br />
Standardvorlage (3) bei <strong>der</strong> Erstellung einer<br />
neuen Seite des aktiven Abschnitts festzulegen und dann auf Speichern<br />
zu Klicken.<br />
• Nun ist die neue Vorlage über das rechte Menüband in <strong>der</strong> Kategorie<br />
Meine Vorlagen erreichbar.<br />
822
8.10.1 Aufnahme von handschriftlichen Notizen<br />
Wenn du ein stiftfähiges Gerät verwendest, kannst du mit OneNote deine<br />
handschriftlichen Notizen aufzeichnen. Dies kann bei Besprechungen<br />
praktisch sein, bei denen die Eingabe mit <strong>der</strong> Hand natürlicher ist.<br />
• Über das Register Zeichnen (1),<br />
Markierst du eine handschriftliche<br />
Notiz mit Lasso-Auswahl (2).<br />
• Anschliessend wählst du<br />
Handschriftliche Eingabe in Text (3),<br />
um diese Notiz in getippten Text<br />
umzuwandeln.<br />
8.11 Schlussfolgerung<br />
Microsoft 365 OneNote ist ein vielseitiges Werkzeug, das sich an viele<br />
verschiedene Arbeitsstile anpassen lässt. Wenn du diese erweiterten<br />
Funktionen erkundest, kannst du deine OneNote-Erfahrung individuell<br />
gestalten und an deine speziellen Bedürfnisse anpassen. Probiere ruhig<br />
verschiedene Funktionen aus, um herauszufinden, welche am besten zu<br />
deinem Arbeitsstil passen.<br />
823
Logistiker/In EFZ<br />
900_Integrate<br />
<strong>Handbuch</strong> Logistik<br />
824
Modul 901_Logistikaufträge planen und auswerten<br />
Ausgangslage<br />
Das Ziel jedes Unternehmens ist es, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.<br />
Der Gewinn ist aber nicht zu verwechseln mit dem Umsatz:<br />
Umsatz: Der Umsatz ist die Summe <strong>der</strong> verkauften Dienstleistungen o<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
verkauften Produkte während einer bestimmten Zeit (z. B. Umsatz pro Tag,<br />
Monat o<strong>der</strong> Jahr)<br />
Der Gewinn kann unabhängig vom Umsatz erzielt werden. Es ist möglich,<br />
einen hohen Umsatz aber keinen Gewinn zu machen. Ein Gewinn kann erzielt<br />
werden, wenn ein Ertrag generiert wird:<br />
Ertrag: Der Ertrag sind die Einnahmen, welche ein Unternehmen durch den<br />
Verkauf eines Produkts o<strong>der</strong> einer Dienstleistung macht.<br />
Damit eine Firma einen Ertrag generieren kann und somit die Chance auf<br />
einen Gewinn hat, muss sie etwas leisten. Sie kann z. B. eine Dienstleistung<br />
erbringen o<strong>der</strong> ein Produkt verkaufen. Dazu muss sie einen Aufwand<br />
betreiben:<br />
Aufwand: Zum Aufwand gehören die Kosten für den Einkauf eines Produkts,<br />
für das Gebäude o<strong>der</strong> die Infrastruktur sowie für das Personal (Lohnkosten).<br />
Am besten ist es, wenn Aufwand und Ertrag unkompliziert berechnet werden,<br />
also wenn Abweichungen, Än<strong>der</strong>ungen und Überraschungen ausgeschlossen<br />
werden können o<strong>der</strong> wenn die Kosten im Anschluss an die<br />
Leistungserbringung mit einer Marge dem Kunden verrechnet werden<br />
können.<br />
Marge: Die Marge ist die Differenz, die zwischen Aufwand und Ertrag<br />
eingerechnet wird. Die Marge bleibt nach Ausführung des Auftrags als<br />
Gewinn übrig.<br />
825
Beispiel I<br />
Aufwand CHF<br />
Ertrag CHF<br />
Warenaufwand 1'075'000 Warenertrag 1'211'000<br />
Personalaufwand 405'000 Zinsertrag 8'000<br />
Mietaufwand 12'000 Sonstiges 3'000<br />
Abschreibungen 2'500<br />
Sonstiges 1'800<br />
SALDO<br />
SALDO<br />
Beispiel II<br />
Aufwand CHF<br />
Ertrag CHF<br />
Warenaufwand 2'500 Warenertrag 5'200<br />
Personalaufwand 1'500 Zinsertrag 1'200<br />
Mietaufwand 500 Sonstiges 200<br />
Abschreibungen 200<br />
Sonstiges 150<br />
SALDO<br />
SALDO<br />
Welchen Auftrag möchtest du ausführen?<br />
826
Fachartikel Modul 901<br />
1. Logistikaufträge planen und auswerten<br />
Selbstverständlich sind alle Firmen auf <strong>der</strong> Suche nach neuen Kunden und<br />
neuen Aufträgen. Mit einem funktionierenden Marketing wollen sie genau das<br />
erreichen. Denn nur mit genügend Kunden und Aufträgen kann ein<br />
finanzstarkes Unternehmen geführt werden. Die Aufgabe von Logistikerinnen<br />
und Logistikern ist es, die Aufträge richtig zu interpretieren. Nicht je<strong>der</strong> Auftrag<br />
erzielt das gewünschte Resultat. Es wäre wünschenswert, eine Checkliste als<br />
Vorlage zu haben, mit welcher mögliche Aufträge sofort eingeordnet werden<br />
können. Lei<strong>der</strong> sind die Zusammenhänge und Faktoren aber zu komplex, um<br />
sie auf einer Checkliste darzustellen. Oft werden Aufträge in einer<br />
Machbarkeitsstudie geprüft. Diese erlaubt es, eine breite Auslegeordnung von<br />
allen Faktoren zu machen, die den Auftrag beeinflussen.<br />
Folgendes Vorgehen hat sich bei Logistikaufträgen in <strong>der</strong> Praxis bewährt:<br />
1. Machbarkeitsstudie<br />
2. Planung des Auftrags<br />
3. Durchführung des Auftrags<br />
4. Auswertung des Auftrags<br />
Die Reihenfolge erinnert an den PDCA Zyklus, welcher in ?? Modul 506<br />
vorgestellt wurde.<br />
1.1 Machbarkeitsstudie<br />
Eine Machbarkeitsstudie (in Englisch: Feasibility Study) überprüft mögliche<br />
Lösungsansätze für ein Projekt hinsichtlich seiner Durchführbarkeit. Im Rahmen<br />
einer Machbarkeitsstudie werden die Lösungsansätze analysiert, Risiken<br />
identifiziert und Erfolgsaussichten abgeschätzt. Je komplexer <strong>der</strong> Auftrag,<br />
desto komplexer die Studie.<br />
827
Mittels <strong>der</strong> Machbarkeitsstudie wird überprüft, ob mit den jeweiligen<br />
Lösungsansätzen die vereinbarten Projektergebnisse (z. B Logistik,<br />
Dienstleistungen, Produktion) unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen<br />
erzielt werden können. Die wirtschaftliche Beurteilung, ob die<br />
Projektergebnisse den erhofften Nutzen für den Auftraggeber bringen, muss<br />
nicht zwingend Teil <strong>der</strong> Machbarkeitsstudie sein. Oft wird dazu eine Kosten-<br />
Nutzen-Analyse durchgeführt.<br />
Zweck einer Machbarkeitsstudie:<br />
• Verhin<strong>der</strong>n von Fehlinvestitionen<br />
• Sicherstellung <strong>der</strong> Qualität<br />
• Identifizierung des optimalen Lösungswegs<br />
• Identifizierung von Risiken<br />
Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie:<br />
• Analysen und Bewertungen verschiedener Lösungswege<br />
• Entscheidungsmöglichkeiten mit dokumentierten Chancen und Risiken<br />
• Empfehlung für eine Entscheidung<br />
Wenn die Anfor<strong>der</strong>ung lautet, mit wenig Ressourcen in kurzer Zeit eine Lösung<br />
zu finden, können Aufträge auch ohne Studien auf ihre Machbarkeit beurteilt<br />
werden. Wenn <strong>der</strong> Auftrag grosse Herausfor<strong>der</strong>ungen mit sich bringt und über<br />
eine längere Zeit Ressourcen beansprucht, werden mit <strong>der</strong><br />
Machbarkeitsstudie folgende Faktoren geprüft:<br />
• Technische Machbarkeit: Die Realisierbarkeit eines Lösungsansatzes aus<br />
technischer Sicht. Hierbei spielen Kriterien wie z. B. Materialeigenschaften eine<br />
ausschlaggebende Rolle.<br />
828
• Wirtschaftliche Machbarkeit: Die Bereitschaft des Investors, die benötigten<br />
Finanzmittel zur Durchführung zur Verfügung zu stellen. In <strong>der</strong> Regel muss zuerst<br />
investiert werden, bevor <strong>der</strong> Zahlungseingang durch den Kunden erfolgt. Der<br />
Zahlungseingang vom Kunden soll am Ende die entstandenen Kosten und die<br />
berechnete Marge decken.<br />
• Politische Machbarkeit: Die Akzeptanz des Vorhabens o<strong>der</strong> des Lösungswegs<br />
durch die Stakehol<strong>der</strong> (z. B. Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden).<br />
Ausschlaggebend sind hier kulturelle, ethische und gesellschaftspolitische<br />
Überlegungen.<br />
• Juristische Machbarkeit: Die Zulässigkeit eines Vorhabens o<strong>der</strong> Lösungswegs<br />
innerhalb des jeweils gültigen Rechtssystems.<br />
• Organisatorische Machbarkeit: Die Durchführung eines Projektes erfor<strong>der</strong>t<br />
eine Organisation, die in <strong>der</strong> Lage ist, das Projekt im erfor<strong>der</strong>lichen Masse zu<br />
planen, zu überwachen und steuern.<br />
• Ressourcenbezogene Machbarkeit: Die Verfügbarkeit <strong>der</strong> für das Vorhaben<br />
erfor<strong>der</strong>lichen Ressourcen. Zu prüfen ist, ob Personal, Material, Maschinen,<br />
Know-how usw. in dem für das Vorhaben erfor<strong>der</strong>lichen Umfang zur<br />
Verfügung stehen. Die ressourcenbezogene Machbarkeit steht in engem<br />
Zusammenhang mit <strong>der</strong> finanziellen und organisatorischen Machbarkeit.<br />
1.2 Planung des Auftrags<br />
Hat die Machbarkeitsstudie ergeben, dass <strong>der</strong> eingegangene Auftrag<br />
"machbar" ist, so kann mit <strong>der</strong> Planung des Logistikauftrags gestartet werden.<br />
Die Planung erfor<strong>der</strong>t bereits einiges an Aufwand, entsprechend sie erst dann<br />
eröffnet, wenn <strong>der</strong> Auftrag zwischen dem Auftraggeber und dem<br />
Auftragnehmer schriftlich vereinbart wurde.<br />
In <strong>der</strong> Planung werden die vorhandenen Ressourcen auf einer Zeitachse<br />
eingeplant. Die Planung muss aufzeigen, wer, wann und in welcher Zeit mit<br />
welchen Materialien zu arbeiten hat. Eine Aufgabe, welche eine hohe<br />
Konzentration und Übersicht verlangt.<br />
829
Der vorliegende Zeitplan sollte einfach und für alle lesbar und damit<br />
übersichtlich gestaltet sein. Wenn möglich, wird mindestens ein<br />
Sicherheitselement eingeplant. Die "Sicherheit" kann in Form von einem Lager<br />
mit einer Sicherheitsfunktion o<strong>der</strong> einem Zeitfenster, welches als "Puffer"<br />
eingeplant wird, ergänzt werden. Die Praxis zeigt, dass eine gute Planung oft<br />
<strong>der</strong> Schlüssel zum Erfolg ist.<br />
"Erwarte das Unerwartete, und nichts kann dich je überraschen"<br />
1.3 Durchführung des Auftrags<br />
Ist <strong>der</strong> Start zur Umsetzung erfolgt, gewinnt die Kommunikation an Bedeutung.<br />
Involvierte Mitarbeitende sind nun die wichtigsten Ressourcen. Regelmässiger<br />
Austausch und Nachfragen zum Stand <strong>der</strong> Umsetzung soll nicht negativ<br />
("Kontrollfreak"), son<strong>der</strong>n als Unterstützung ("arbeiten im Team") empfunden<br />
werden. Probleme o<strong>der</strong> Abweichungen von <strong>der</strong> Planung sollen möglichst früh<br />
erkannt und gemeinsam korrigiert werden. Der Weg dazu soll dem Team<br />
bekannt sein und das Ziel gemeinsam angestrebt werden.<br />
Die verantwortliche Person des Auftrages soll die Aktivitäten möglichst<br />
dokumentieren. Dadurch entsteht bei <strong>der</strong> Auswertung auch die Möglichkeit,<br />
allfällige Verbesserungsmöglichkeiten zu entdecken o<strong>der</strong> bei einem<br />
nächsten, ähnlichen Auftrag von den Erfahrungen zu profitieren.<br />
830
1.4 Auswertung des Auftrags<br />
Wenn <strong>der</strong> Auftrag abgeschlossen ist, muss zwingend eine Soll-Ist-Auswertung<br />
erstellt werden. Die Machbarkeitsstudie zeigt die "Soll"-Daten bereits auf. Diese<br />
werden nun analysiert und dem "Ist" gegenübergestellt. Die Auswertung ist<br />
sehr wichtig für das Unternehmen. Es geht nicht unbedingt darum, gemachte<br />
Fehler im Auftrag rückwirkend zu korrigieren, son<strong>der</strong>n allfällige Differenzen zu<br />
erkennen und bei einem nächsten Auftrag die richtigen Erkenntnisse<br />
übernehmen zu können.<br />
Eine solche Auswertung wird in Zusammenarbeit mit <strong>der</strong> Finanzabteilung FICO<br />
ausgeführt und dem Vorgesetzen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Geschäftsleitung als Abschluss<br />
präsentiert. Selbstverständlich ist es einfacher, <strong>der</strong> Geschäftsleitung<br />
bestätigen zu können, dass die Planung mit dem Ergebnis übereinstimmt o<strong>der</strong><br />
womöglich sogar ein besseres Resultat als geplant präsentieren zu können.<br />
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832
833
swiss-logistics.ch<br />
<strong>Handbuch</strong> <strong>der</strong> Informatik<br />
Medienkompetenz für Logistiker/-innen